{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_sha256": "710a1fbf47cccc1ae804ffe2ada2b6bfc85d4b03cd451ae8660def7a570f2b50", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/05_02/bmtnabg_1913-05_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/05_02/bmtnabg_1913-05_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.1", "debut_caractere": 308, "fin_caractere_exclue": 614, "texte": "Inhalt:\nArno Holz / Gottfried Benn: Gedichte / Paul Zech: Das Baalsopfer / Alfred Richard Meyer: Steglitz / Arthur Babillotte Die Schwermut des Ge-\nnießers / H. W.: Das Fest das heiligen Geistes / Franz Marc: Originalholzschnitt / Marie Laurenijin: Originalholzschnitt / Fr. 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W.\nIn diesen Sätzen (aus der Vorrede zu „Igno-\nrabimus\") sagt Arno Holz seine unsterblichen\nVerdienste um die Kunst und um die Künstler so\nknapp, daß Zu-Sätze es nicht erweitern können:\nJede Wortkunst, Lyrik wie Drama — vom\nschlapp gewordenen „Epos\", vom Roman, der stets\neine Zwitterform war, wie er stets, die betreffenden\nGründe gab ich anderswo, eine solche bleiben\nwird, ebenso vom sogenannten Prosadrama, das\nsich mir heute, trotz seinem letzten Großen, Ibsen,\nnur als eine bloße Auflösung spiegelt, sehe ich hier\nausdrücklich ab — jede Wortkunst, von frühester\nUrzeit bis auf unsere Tage, war, als auf ihrem\nletzten, tiefuntenstehenden Formprinzip, auf Me-\ntrik gegründet. Die Metrik zerbrach ich und setzte\ndafür ihr genau diametrales Gegenteil. Nämlich\nRhytmik. Das heißt: permanente, sich immer\nwieder aus den jDingen neu gebärende, kompli-\nzierteste Notwendigkeit, statt, wie bisher, primi-\ntiver, mit den Dingen nie, oder nur höchstens ab\nund zu, nachträglich und wie durch Zufall, koin-\nzidierender Willkür!\nDas klingt sehr simpel und hört sich „wie nichts\nan\", etwa ähnlich, wie die Umkehrung des Satzes,\ndie Sonne' dreht sich nicht um die Erde, sondern\ndie Erde um die Sonne, von dem heute, rund drei-\neinhalbhundert Jahre nachdem Kopernikus tot ist,\njeder sozusagen bessre Esel sich einbildet, er, hätte\nsich diesen kleinen Scherz, von dem so viel Auf-\nhebens gemacht wird, ebenso leisten können, wird\naber in seinen Folgen, und zwar nicht bloß für uns\nund unsre Literatur, sondern auch für alle übrigen,\ndie' es ebenso befreien wird, genau so unvergäng-\nlich bleiben, wie es, auf ihrem Gebiet, die Tat des\nFrauenburger Domherrn bleiben wird.\nLyrik und Drama — bereits bei der „Sonnen-\nfinsternis\" war mir das aufgegangen, aber erst\ndurch das „Ignorabimus\" ist mir heute Gewißheit\n— haben sich formal wieder zu einer Einheit ge-\nschlossen! Demselben rhytmischen Notwendig-\nkeitsorganismus, den jedes mir geglückte „Phan-\ntasus-Gedicht darstellt, nur noch entsprechend dif-\nferenzierter, bilden jetzt auch diese Tragödien!\nMeine Arbeit, die mit diesem, ihrem ersten Haupt-\nund konstruktiven Teil hinter mir liegt, war eine\nmühevoll lange, die Hemmnisse und Schwierig-\nkeiten, die sich mir entgegengestellt, innre, wie\näußre, schienen mir oft die denkbar niederdrückend-\nsten, unüberwindbarsten, aber ich habe sie bewäl-\ntigt und brauche daher mein Leben, das ich an\ndiese Aufgabe gesetzt, nicht zu bereuen!\nStatt Metrik Rhytmik. Mögen es die Künstler\naller Künste endlich merken, sich merken!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kur-Konzert ; Gottfried Benn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.2", "debut_caractere": 2522, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "Gedichte\nKur-Konzert\nGottfried Benn\nUeber Krüppel und Badeproleten,\nSonnenschirme, Schoßhunde, Boas,\nUeber das Herbstmeer und das Grieg — lied:\nOb Iris kommt?\nSie friert. Der kleine graue Stock in ihrer Hand\nFriert mit. Wird klein. Will tiefer in die Hand.\nDie Glockenblumen in den Shawl gebunden,\nDas weiße Kreuz aus Scheitel und aus Zähnen\nLiegt, wenn du lachst, so süß in deinem Braun!\nDu steiles, weißes Land! O Marmorlicht!\nDu rauschst so an mein Blut. Du helle Bucht!\nDie große Müdigkeit der Schulterblätter!\nDie Zärtlichkeit des Rockes um ihr Knie!\nDu rosa Staub! Du Ufer mit Libellen!\nDu, von den Flächen einer Schale steigend.\nIm Veilche'nschurz. Von Brüsten laut umblüht!\nO Herbst und Heimkehr über diesem Meer!\nDie Gärten sinken um. Machtloser grauer Strand.\nKein Boot, kein Segel geht.\nWer nimmt mich winters auf?!\nAus soviel Fernen zusammengeweht,\nAuf soviel Sternen neugeboren\nBis vor dies Ufer: — Iris geht.\nUntergrundbahn.\nDie weichen Schauer. Blütenfrühe. Wie\nAus warmen Fellen kommt es aus den Wäldern.\nEin Rot schwärmt auf. Das große Blut steigt an.\nDurch all den Frühling kommt die fremde Frau.\nDer Strumpf am Spann ist da. Doch wo er endet,\nIst weit von mir. Ich schluchze auf der Schwelle:\nLaues geblühe. Fremde Feuchtigkeiten.\n0 wie ihr Mund die laue Luft verpraßt!\nDu Rosen — hirn, Meer — blut, du Höherzwielicht,\nDu Erdenbeet, wie strömen deine Hüften\nSo kühl den Hauch hervor, in dem du gehst!\nDunkel: nun lebt es unter ihren Kleidern:\nNur weißes Tier. Gelöst und stummer Duft.\nEin armer Hirnhund. Schwer mit Gott behangen.\nIch bin der Stirn so satt. O ein Gerüste\nVon Blütenkolben löste sanft sie ab\nUnd schwellte mit und schauerte und triefte.\nSo losgelöst. So müde. Ich will wandern.\nBlutlos die Wege. Lieder aus den Gärten.\nSchatten und Sintflut. Fernes Glück: ein Sterben\nHin in des Meers erlösend tiefes Blau."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "29", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.5", "titre_corps": "Das Baalsopfer", "titre_sommaire": "Das Baalsopfer", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.2", "debut_caractere": 4365, "fin_caractere_exclue": 8813, "texte": "Das Baalsopfer\nVon Paul Zech\nOh, das Unglück! Oh, das Unglück!\nWie ein dichtes Schneegestöber fuhr dieses\nflockige Rufen über das Dorf, immer wenn der\nschwarze Baal die roten Fangarme durch den\nSchacht gestoßen hatte und von jenen Männern,\ndie ihr Bündel heiler Knochen Tag für Tag auf\ndie blutrostigen Böden der Förderschale legten,\nsich irgend einen, oder ein Dutzend oder Hundert\nauswählte zum Fraß und den erst wieder von sich\ngab wie einen ausgedörrten Kothaufen.\nOh, das Unglück! Oh, das Unglück.\nUnd die Witwen in schwarzverlogenen Gewand\nden Trauer, die diesen Ruf gleichgültig hinausmur-\nmelten wie den Perlenfall des Rosenkranzes, zer-\ndrückten in der Linken das Taschentuch und wogen\nin der Rechten den Goldklumpen der Unfall-\nprämie. Sie wogen und prahlten bis das Gleißende\nzum Glück wurde für den neuen Gemahl aus der\nReihe der Schlafburschen.\nUnd da-nn schickten die neuen Müttergewor-\ndenen ihre Söhne in den Schacht hinunter. Und\nes dünkte ihnen eine große unverdiente Gnade,\nwenn der Grubendirektor Brot gab für die hung-\nrigen Mäuler. Denn der Schatten des Hungers\nlag wuchtender auf den paar aussätzigen Hütten\nam Fluß, als der hagelwolkige Vorübergang einer\nKatastrophe, die doch nur die Fenster zum Klirren\nbrachte und ein paar Gänge zum Kirchhof mehr.\nNiemand im Dorf glaubte an die Brandopfer-\ngier des Baals. Kein Gatte, Sohn, Bräutigam,\nKostgänger war ihnen ein dem Baal Geweihter.\nVorbestimmt war diesen nur jenes sanfte Hin-\nüberschlummern zwischen den Kissen des Ehe-\nbettes. Aller Tod, der anders kam, war ein Un-\nglück. Oder ein Zufall, wie die Aufgeklärten\nmeinten.\nUnd die, die auf das Kreuz des Alltags genagelt,\nhinunterfuhren in die verfluchten Bezirke des\nFrohnes, und Station an Station durchwanderten,\nda einen Arm, dort ein Bein ließen, fürchteten den\nHunger maßloser als die fünf Bretter des Sarges.\nNicht einen Augenblick dachten sie bei dem zer-\nfetzten Leib eines Kameraden an die Möglichkeit,\nan gleicher Stelle zu liegen. Heute oder morgen.\nOh, ein Unglück. Ein Unglück. Nichts weiter.\nUnd das Opfer in den hakigen Klauen des\nBaals, reißt es nicht das Maul auf zum Schrei:\n„Oh ihr Brüder: das Unglück. Das Unglück!\"\nUnd die diesen Schrei hören, sind sie nicht ein\nfurchtbares Echo, das das Bersten und Krachen\nder Planken übertönt wie ein Orkan?\nAber alle, die es auffangen dort oben irn weißen\nDunst des Tages, blasen es weiter in die stumpfe\nMelodie des Trauermarsches: oh das Unglück!\nDas Unglück!\nDas schnurrt der Pfaffe am Massengrab nach,\nDie Mütter und Witwen und Töchter verdrehen\ndie Augen, die nicht weinen wollen und krümmen\ndie Rücken ein paar Tage lang. Dann entklafft\nihrem Schoß ein Neues und wird Unglück, das sie\nnicht wissen wollen.\nUnd doch war einer in dieses Dorf gekommen,\nden man allsogleich zum Opfer bestimmte. Ob-\nwohl er das Schandmal des Unglücks an der Stirn\ntrug wie eine aufgebrochene Schwäre, bekam er\nseinen Tod zugewiesen. Und die, die ihn hielt,\nwar nicht untertänig wie Abraham, da er Isaak\nopfern ging. Das brachte ihn nun in eine allzu\nschiefe Stellung zu den wichtigsten Dingen dieses\nLebens, wiewohl seine Mutter dagegen ankämpfte\nmit den Instinkten eines Raubtiers.\nSchon daß Frederik als eine Frühgeburt just in\ndem Augenblick zur Wielt kam, da man seinen Er-\nzeuger ins Haus brachte: schwarz, entstellt und\nrotgeschunden, gab ihm eine Sonderstellung in-\nmitten des großen Haufens.\nUnd dieser unabgestempelte Vater hinterließ\nihm nicht einmal seinen Namen. Denn die Hoch-\nzeit, die jene zwei, die sich erkannt hatten, zu-\nsammenkoppeln sollte nach dem Gesetz, stand vier\nWochen nach dem Unglücksfalle' an. Einen Toten\nmit einer Lebenden zu verbinden, war derzeit noch\nnicht gestattet.\nDas zerstach der jungen Mutter das Herz und\nsie haßte hinfort den Mann, der solches herauf-\nbeschworen hatte. Sie haßte diesen Mann über\ndas Grab hinaus und sie haßte seine Hantierung.\nSie gab dem Jungen die Brust und harte Pell-\nkartoffeln, die sie dem Amtmann stahl, bei dem sie\nbedienstet war.\nUnd sie übertrug auf den Bastard alle Zärtlich-\nkeiten, die sie Israel, dem Geliebten, schuldig ge-\nblieben war.\nFredrik wuchs auf wie die anderen Würmchen,\ntrotzdem die hohe Obrigkeit Schwierigkeiten\nmachte, ihm die Türchen ins Dasein zu versperren.\nTags war er im Spital bei der Muhme. Und\ndie alten Klatschmühlen, die mit auf der Stube\nwaren, rissen ihn dutzendmal aus der Wiege und\nbetasteten den Körper, um irgend etwas Beson-\nderes zu entdecken. Denn daß Fredrik dem Vater"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5285, "texte": "nachmußte, stand sicherlich irgendwo auf der Haut\ngeschrieben. Und sie fanden auch nach langem\nSuchen einen dunklen Fleck auf dem rechten Ober-\narm, der sah aus wie zwei gekreuzte Schlägel.\nDie junge Mutter war verzweifelt, wenn sie\nsolches gewahrte und riß den Jungen aus den\nTiefaugen der Hexen, um sich mit ihm in eine\ndunkle Ecke zu verkriechen.\nUnd wenn dann Fredrik aufkrähte unter dem\nwarmen Strom der Sättigung, hob sie ihn empor\nund ging in der Stube herum wie eine Siegerin:\n„Seht, was für ein gesundes Jungchen! Mein\nJungchen hat grade Arme und grade Beinchen.\nO, was für ein gesundes Jungche'n. Aber in die\nGrube soll mein Jungchen doch nicht!\"\nDie Spitalweiber ließen sich aber nicht bereden.\n„Der Vater wird ihn schon holen kommen,\nAntje. Du mußt ihn doch einen Bergmann werden\nlassen. Ja, ja, der Vater wird ihn schon holen,\nAntje.\"\nSie sagten das mit einem furchtbaren Ernst und\nverdrehten mystisch die Nasen.\nIn diesen Worten lag ihr Schicksal. Das fühlte\nAntje. Die Worte schnitten wie zwei scharfe Mes-\nser gleichzeitig in ihr Herz. Aber sie kämpfte <Ja-\ngegen an und verklebte die Wunde immer wieder\nmit einem klebrigen Trotz.\nAls Fredrik vier Jahre alt wurde, kaufte Antje\nsich von dem Ersparten ein Häuschen und tat einen\nHandel auf. Das Jungchen lag in der Tür und be-\nschnupperte jeden Eintretenden. Manchmal ging\ner auch mit den Jungens von der Gasse zum Spiel.\nAuf der Schlackenhalde oder nach dem großen\nKohlenlager. Da spielten sie Verstecken und balg-\nten sich wie junge Katzentiere.\nEinmal waren sie ihrer vier die Halde empor-\ngeklettert. Es war so schön warm dort oben und\ndie dünnen Rauchschlangen, die aus den Ritzen\nzüngelten, fingen sie mit den Händen auf oder hiel-\nten den offenen Mund darüber, bis die Wangen\nganz blaß wurden und eine Uebelkeit die Köpfe in\nheftige Umdrehungen brachte. Dann rollten sie\nden Abhang hinunter wie Murmeltiere und lagen\nlange in dem dürftigen Grase der Böschung. Starr\nund mit dünnen Atemzügen.\nDie schwarzen Männer, die oben die Wagen\nentleerten, warfen ihnen böse Flüche nach und\ndrohten furchtbar mit den Armen.\nLächelnd erzählte Fredrik der Mutter von dem\ngroßen Berg, der immer so s.chön rauchte und ganz\nwarm war.\nDa wurde Antje sehr zornig und verbot Fredrik\ndort hinzugehen. Sie schärfte ihren Willen an dem\nWahrsagenwollen der Spitalweiber. Und diesen\nWillen bläute sie dem Jungen ein.\nEin paar Tage lang ließ sie Fredrik nicht aus\nden Augen. Als dann aber der Oeljude kam und\nihre ganze Aufmerksamkeit wegfeilschte, schlich\nFredrik sich flugs auf die Gasse und fand ein paar\nGefährten, die mit ihm zum Schlackenberg gingen.\nbie hatten aber kaum die Hälfte der Anhöhe\nerstiegen, da gab es ein ohrenbetäubendes Don-\nnern. Der Berg öffnete sich, eine Rauchwolke\nwirbelte hervor, und die drei Spielgefährten Fred-\nriks polterten in den Spalt.\nFredrik schoß den Abhang hinunter und lag mit\nversengten Haaren und ein paar Brandwunden im\nGesicht, zappelnd in eine Pfütze.\nDie Männer, die ihn der Mutter ins Haus\nbrachten, grinsten, als diese sich wie eine Irr-\nsinnige über den Jungen stürzte. Einer von den\nverrußten Männern sagte: „Antje, daß du's weißt,\nder Israel hat das Söhnchen holen wollen, aber der\nBengel war zu langsam. Na, ein andermal wird\ner ihn schon sicherer fassen bei der Gurgel.\"\nDa fuhr Antje auf und trieb die Lästerer mit\ndem Besen aus dem Hause.\nUnd die Kinder wichen dem kleinen Fredrik\naus, wenn er zur Schule ging. Und die Spital-\nweiber murmelten: „Die Antje hat ihn verhext.\nSie hat Stutenmilch getrunken, als sie den Bengel\nsäugte. Das feit gegen das Unglück. Aber wenn\nihm die Milchzähne ausgegangen sind, wird es\ndoch mit ihm kommenl\"\nAntje nahm den Buben nun jeden Morgen bei\nder Hand und brachte ihn zur Schule. Um zwölf\nUhr stand sie wieder vor dem gebrechlichen roten\nHause mit den vielen Fenstern und holte ihn ab.\nDann mußte er das Pensum erledigen und sich auf\ndie' Salzkiste setzen bis zum Abend. Sie gab ihm\nMaiskolben und getrocknete Pflaumen zum Spie-\nlen. Und nach dem Essen brachte sie ihn zu Bett\nund atmete auf.\n„Er wird nie mehr auf die Straße kommen zu\nden anderen Jungen, und wenn er zwölf Jahre alt\nist, bringe ich ihn zum Oheim nach Karna. Dort\nkann er auf der Mühle helfen und ein Müller wer-\nden. Nein, nein, mein Junge soll kein Bergmann\nwerden!\"\nSonntags ging Antje mit dem Söhnchen durch\ndie magren Kartoffelfelder und zeigte ihm die bun-\nten Schmetterlinge und den Grashüpfer mit dem\ngelben Schopf.\nEinmal sagte Fredrik: „Mutter, wo ist mein\nVater? Alle Jungens haben einen Vater. Nur ich\nnicht und der Schorsch. Aber Schorschens Vater\nist doch auf dem Kirchhof. Mutter, sag, ist me'in\nVater auch auf dem Kirchhof?\"\nAntje preßte den Zipfel des Kopftuches heftig\ngegen die Lippen, damit der Junge nicht das leise\nStöhnen hörte.\nSo gingen sie eine Weile schweigend. Jedes\nein Schicksal und ihre Schicksale stöhnten in der\nherben Luft.\nSchwarz fielen die Schatten von den Pappel-\nbäumen.\nUnd Fredrik schaute noch immer fragend zur\nMutter hinauf. Er betrachtete ihre Hände, die\nwelk und rissig waren und liebkoste sie.\nGanz schüchtern öffnete er dann wiederum den\nMund: „Mutter sag . .\nUnd da bemerkte sie sein schmales, entstell-\ntes Gesichtchen. Die spitze Falte zwischen den\nAugenbrauen und den verquollenen Mund, den die\nobere Zahnreihe gewaltsam aufstieß."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9300, "texte": "„Ja, ja, Jimgehen. Ich werde dir den Vater\nzeigen, wenn wir wieder zu Hause sind. Wenn\ndie Sterne scheinen. Dein Vater ist ein Stern,\n.Jungchen. Ein ganz heller Stern.\"\nFredrik reckte den Hals und der Atem pfiff hin-\ndurch wie' das Gekreisch einer Ratte, die im Eisen\nsitzt. Er mahlte mit den Zähnen irgend ein W,ort,\naber eine fröstelnde Scheu fraß es ungeboren wie-\nder weg.\n„Ja, ja, Jungchen, dein Vater ist ein Stern.\"\n„Das ist dein Vater, Jungchen, sieh nur!\"\nFredrik gab sich einen Ruck lind sagte weiner-\nlich: „Wenn du mir den Stern zeigst, werde ich\nauch nie mehr fortlaufen.\"\nAm Abend, als sie daheim am offenen Kammer-\nfenster standen, zeigte Antje dem Buben einen\nrunden Stern, der flimmernd über dem Kirchturm\n.stand.\nFredrik hob die Hand und versuchte den Stern\nzu pflücken wie eine Blume. Und er träumte die\nganze Nacht von dem schönen, blanken Stern.\nUnd jeden Abend, wenn ihn die Mutter ent-\nkleidet hatte, sprang er ans Fenster und griff mit\nden mageren Aermchen den Stern. Er verschloß\nihn mit der kleinen Faust und trug ihn in den\nTraum hinüber. Dort schien er die ganze Nacht so\nhell, so hell.\nDa machten die Kinder mit dem Lehrer einen\nSpaziergang. Fredrik ging anfangs ganz still zur\nSeite des Magisters und suchte den Boden ab.\nBis ihn zwei größere Buben beim Arm nahmen\n.und mit fortrissen.\nEr kam bald in Feuer und war der schnellste\nJunge. Er sprang wie ein losgelassenes Füllen\nquerfeldein: greift mich, greift mich!\nAls die Buben einen Graben übersprangen, gab\ndie Erde plötzlich nach und klaffte breit auf.\nUnten war die Hauptsohle des Schachtes.\nDer Lehrer drehte sich ein paar Mal im Kreise.\nDann war er mit einem Satz zur Stelle und sah\n:ganz unten den Jungen auf einem Gesteinsblock\nliegen.\nDie Rettungsmannschaft von der Grube kam\nund holte den zerschundenen Körper herauf. Das\nHaar war mit Blut verklebt und die Beine hingen\n•schlaff herunter wie an Zwirnsfäden.\n„Diesmal wird es sein Tod sein,\" sagte der\nalte Doktor.\nUnd die Spitalweiber grinsten und hoben die\ndürren Finger.\n„Siehste, Antje, der Israel hat ihn doch geholt.\nHaha, haha, haha.\"\nVier Monate lang lag das Jungchen in Gips\nund die Mutter legte derweilen ihr Haar in den\nRaufrost hinaus.\nSie hatte auch ihrem Verstorbenen dann end-\nlich ein Denkmal gesetzt und ging immer in der\nFrüh, wenn das Jungchen schlief, auf den Kirchhof\nhinaus. Die Weiber versuchten ein Gespräch mit\nihr anzubändeln, aber ihre Augen waren weit und\nweiß wie zwei gleißende Schlünde. Nur ihre Hände\nkonnte sie noch ballen, immer, wenn sie an der\nUnfallstelle vorüberging, die jetzt in einem großen\nUmkreise abgezäunt war. Und die Männer von\nder Direktion waren da und fremde Herren, die\nmaßen und klopften und bohrten.\nUnd dann hörte sie, daß das Dorf niedergeris-\nsen werden sollte, der Unsicherheit des Gesteins\nwegen.\nSie sah das alles kommen wie eine Märzah-\nnung. Denn die Wege hier dünkten ihr jetzt öde\nund verworfen. Und Fredrik lag im Bett und\nfieberte.\nDie verfluchten Spitalweiber mit dem Blut-\ngeruch. 0, daß die Erde sich noch einmal auftäte,\ndiese Henker zu verschlingen]\nAls Frederik wieder den Oberkörper heben\nkonnte aus den rotgewürfelten Kissen, holte die\nMutter allerlei Spielwerk zusammen, damit der\nJunge wieder lachen konnte. Und aus einem alten\nLegendenbuch las sie ihm vor von den frommen\nEinsiedlern und dem großen Prophe'ten in der\nLöwengrube.\nUnd da Fredrik einmal mit beiden Händen nach\ndem Büchlein griff, um die Bilder anzuschaun, fiel\neine verblichene Photographie aus dem Buch.\nFredrik faßte danach und betrachtete lange das\nfremde', harte Gesicht.\n„Mutter, was ist das für ein böser Mann. Sieh,\ner hat genau solch einen schwarzen Kittel an wie\ndie Männer, die immer hinter den Särgen gehn!\"\nAntje rieb sich ein paar Mal die Augen und ihre\nLippen sprangen scharf von den Zähnen. Die leeren\nAugen des Jungen irrten um sie wie feuchtrau-\nchige Phosphorkugeln. Dann sagte sie ganz ernst:\n„Das ist dein Vater, Jungchen, dein Vater, ehe er\nein Stern ward.\"\nUnd sie stand vor dem zerwalkten Bett und\nwartete auf ihn mitten in dem gelben Zwielicht,\ndas so peinvoll war.\nFredrik hob den Kopf etwas. Die Augen quol-\nlen auf und entgeisterte Blicke schössen heraus\nwie ein böser Schreck. Und die Lippen raschel-\nten Worte, die sie nicht verstand,\nDann zerschlug den armen Körper ein tonloses\nWimmern. Stoßweises Meckern und Sägen und\nKratzen.\nUnd er wehrte sich nicht, da sie sich über ihn\nbeugte in sanfter Sinnlichkeit, wie einst über den\neinen, der ihr den Jungfernkranz stahl.\nSie küßte den Buben, trocknete ihm das Ge-\nsicht, strich ihm das Haar glatt und die tiefen\nKummerfalten. Sorgsam, mädchenhaft und ganz\nsinnlich. Immerzu und stetiger, heftiger.\nAntje wagte auch nicht, dem Jungen das Bild\nwieder abzufordern. Etwas Feindliches lag schat-\ntenhaft über seinem Gesicht. Er fragte nie mehr\nnach dem schönen blanken Stern. Aber sie wollte\nnicht wissen. Nichts wissen, nichts sehen.\nDa Fredrik wieder aufstand, vergrub er das\nBildchen schnell in der Lehmgrube unter dem\nOfen. Denn er hatte Angst, daß ihm die Mutter\ndas schöne Ding wieder abnehmen könnte.\nFredrik hatte nun eine verkrüppelte Schulter\nund mußte sich auf einen Stock stützen.\nAber der Steiger Verwen, der ein Bruder der\nAntje war, meinte: och, och, ich werde' den Ben-\ngel schon mitnehmen. Er kann in meinem Revier\nPferdejunge werden. Da verdient er seine vier\nGulden die Woche.\nAntje fuhr wild auf und verbat sich solche\nReden. „Jungchen soll nie und nimmer zur Grube.\nEr wird überhaupt nicht arbeiten gehn!\"\nDas sagte sie auch dem Pfarrer, als Fredrik zur\nKommunion ging. Die Spitalweiber, die auch in\nder Kirche waren, sahen den Jungen fremd wie\neinen Toten an und bekreuzigten sich.\nIm Spätsommer kam der große Auszug. Der\nStaat hatte das Dorf geschlossen. Am jenseitigen\nUfer war unterdessen eine neue Kolonie errichtet.\nDa war die Erde noch nicht angebohrt. Und die\nBäume standen grün und saftig in den Blättern.\nDas alte Dorf soll niedergesprengt werden.\nVon der Genietruppe hatte man zwanzig Mann ge-\nsandt, die legten überall Sprengschüsse, die elen-\nden Hütten dem Boden gleich zu machen. Und\nauf den abgesperrten Gassen standen Posten mit\ngeladenem Gewehr, damit niemand mehr in das\nDorf zurückkehre.\nAntje hatte ein schönes weißgekalktes Häuschen\nbekommen. Fredrik half ihr wacker beim Einräu-\nmen der Sachen. Plötzlich vermißte Antje zwei\nSpeckseiten. Dä fiel ihr ein, daß sie die im\nSchornstein hatte hängen lassen.\nUnd Fredrik Hatte sein Bildchen unter dem\nOfen gelassen. Er gab sich aber nicht bloß. Antje\njammerte um den schönen Speck.\n„Mutter,\" sagte Frederik ganz heftig, „heut\nAbend, wenn die Soldaten in der Schenke sind,\nholen wir den Speck!\"\nAntje wollte nichts davon wissen, wie sehr auch\nder Verlust des schönen Specks schmerzte.\n„Die Erde kann sich auftun und dann haben wir\nwieder das Unglück. Nein, nein- Laß man den\nSpeck.\" Das sagte sie Fredrik.\nAber Fredrik, der das Bild nicht missen wollte,\nquälte die Mutter immerzu.\nSie fröstelte und fluchte, die Hände schlaff im\nSchoß. Sie dachte das wieder aus, das Furcht-\nbare, das dem jähen Unglück voranging. Josef,\nMaria! Das Unglück!\nDoch Fredrik ließ nicht nach, bis die harten\nLinien des Zornes in ihrem Gesicht wegschmolzen\nund tief wurden wie Madonnenzüge.\nUnd als es Abend war, nahm Antje den Jungen\nund sie gingen miteinander hinaus.\nSie holperten schweigend den Weg hinunter,\nweiter und nach dem Fluß hin.\nDie Brücke schwankte und stöhnte laut wie\neine Vergewaltigte,\nUnd der Stern, den Antje suchte, kam nicht.\nSchauer rieselten dahin,\nDurch den dickeil, trägen Dunst schaukelte das\nDorf heran. Ein armseliges Äusgestoßenes hinter\nden Schachttürmen und Erzmühlen. Der Schein\nder Hochöfen lag darüber wie eine feurige Wolke.\nDa flammte das hohe weiße Kreuz, das sie dem\nIsrael hatte setzen lassen wild auf und über-\nschwemmte alle Gräber.\nSie riß den Jungen zurück, wollte ihn hinbetten\nan die offene Brust, daraus sieben Schwerter\nstarrten.\nSie riß den Jungen zurück. Etwas schnürte ihr\ndie Kehle zu. Ein Blutschrei, der hinauf wollte.\nUnd sie fühlte seine Abwehr wie eine Schän-\ndung und konnte doch nicht die mageren, wehren-\nden Hände halten.\nAls Fredrik seine Arme locker fühlte, wandte\ner sich jäh um und hopste wie ein Heupferdchen\ndavon.\nwar Antje wach gerufen und sah nur den\nstachligen Zaun vor sicL.\nFredrik zwängte sich hindurch, schlenkerte das\nlahme Bein hinunter und stand steif in dem Abge-\nzäunten.\nAntje sah noch sein starres, verstörtes Gesicht\naus dem roten Nebel wie einen Totenschädel.\nSie konnte nicht weiter und beschloß zu warten.\nRief da nicht jemand: Fredrik? Fredrik. .\nEine Eule huschte laut vorüber.\nFredrik ging nicht zuerst in die Räucherkammer\num nach dem Speck zu fingern. Er tastete sich\ndurch den Flur in das Hinterstübchen und stol-\nperte über einen schweren Balken, der von den\nfremden Soldaten wohl dort hingeworfen ward.\nFredrik erhob sich ächzend.\nBlut rann über sein Gesicht und der Totenvogel\nschrie stärker.\nFredrik grub mit beiden Händen wie ein Maul-\nwurf den Lehm vor dem Ofen auf. Das Bildchen\nkam noch immer nicht.\nPlötzlich fühlte er einen harten runden Gegen-\nstand, der an einer Schnur hing. Dieses fremde\nDing machte ihn neugierig zittern.\nEr mußte das Feuerzeug schlagen. Das Feuer-\nzeug an der Sprengpatrone.\nSchwer rollte der Donner über das tote Porf\nund die Erde spaltete sich klafterweit."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.5", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1571, "texte": "Knirschen und Krachen von Gebälk übertönte\ndas Brausen der Hochöfen. Und Wände und\nEstrich und Dach knarrten, polterten, wälzten sich\nin den Abgrund hinein. Rauch und Staub jagten\nwie ein Wetter davon und die' Nacht flatterte auf\nmit blutigen Tüchern.\nDie aber, die auf dem Stein an der Umzäunung\nsaß, sah alles mit aufgerissenen Augen und schlug\nhintenüber, als die Explosion über die Erde fuhr\nund das Dunkel zerfetzte.\nUnd unten aus dem grausen Spalt lachte und\nwieherte gell-wahnsinnig der Tanz zweier Stimmen,\ndie sich verschwisterten. Lachten, posaunten,\nrollten weiter und immer ferner scholl das Gelach:\nHuhu — huhu — huhu — hu — hu.\nHuhu — huhu sprang Antje aus der Betäubung\nauf und rannte querfeldein. Blutrote Fratzen vor-\nauf. Sie breitet die Arme aus. Die Schatten über-\nschlagen sich, verwirren sich in der gräßlichen\nLache: oh das Unglück! oh das Unglück!\nDas war wie eine Beschwörung. Wie eine Er-\nlösung.\nUnd es war kein hohles Echo, daß tausend-\nstimmig zurückdonnerte aus der zerklüfteten Nacht.\nIn dichten Scharen kam es von der Grube und\nvon der neuen Siedlung.\nUnd sie wußten alle, daß einer fort mußte von\nder Welt. Einer, dessen Tag nun gekommen war,\nwie sie es vorausgesagt hatten mit lästerlichen,\ntrostlosen Worten.\nSie suchten triumphierend Antje. Ihre Blicke\nglühten wie in der Extase des Rausches. Es war\nein Blutrausch. Der Rausch nach dem Opfer.\nAntje aber fand sich wieder in einem anderen\nfernen Grubendorf. Dort verdingte sie sich auf der\nErzmühle. Und suchte dort den Tod und suchte\nihn vergebens."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.6", "titre_corps": "Marie Laurencin: Originalhoizschnitt", "titre_sommaire": "Marie Laurencin: Originalhoizschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.3", "debut_caractere": 5287, "fin_caractere_exclue": 5323, "texte": "Marie Laurencin: Originalhoizschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "29", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.7", "titre_corps": "Fr. 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Und\nin der Stunde dieses höchsten Grauens wurde zum\nerstenmal ein Wunsch in ihm rege, der ihn in wol-\nlüstigem Schrecken erzittern ließ. Mit weit geöff-\nneten Augen blickte er in die Landschaft; soweit\nals möglich öffnete er die Augen, um die reichen\nFarben auf einmal in sich aufnehmen zu können.\nDiese Farben kamen in solcher Ueberfülle, daß\ner darunter litt und nicht imstande war, sie\nin sich zu ordnen und ihr Harmonie zu geben. Die\nAngst, dies nie zu vermögen, solange er mit weit-\noffenen Augen in den Tag sah, diese Angst vor\ndem Chaos in sich, dem Unharmonischen, dem Ge-\nwöhnlichen preßte sich in dem aufzuckenden\nWunsch zusammen: O, daß ich blind wäre! Im Zu-\nstand der Blindheit, des nach innen Blickens, ohne\nstörende äußere Einflüsse, wäre es möglich, die\nUeberfülle zu ordnen, in Harmonie zu bringen.\nWar er blind, so lebte er fortan nur in seiner eige-\nnen Welt, ohne davor zittern zu müssen, daß die\nwirkliche Welt mit tausend störenden Armen Her-\nübergriff und seine Träume durcheinanderwarf.\nDann quollen alle Töne rein aus seinem Innersten,\nwaren nicht in Gefahr, sich mit andern Tönen, mit\nfremden oder gleichgiltigen zu vermischen, bevor\nsie eine eigene, unabänderliche Lebensäußerung\ngewannen. Dieser Gedanke zuckte in ihm auf, be-\ndrängte ihn nicht, suchte ihn nicht auf der Stelle\nzu gewinnen, bestürmte ihn nicht mit Verführer-\nkünsten ... Er klang auf und verstummte. Aber\ner klang so scharf und in einem so günstigen Au-\ngenblick auf, daß er unmöglich ohne Wirkung\nbleiben konnte. Er war zu ihm gekommen, wie\nein Verführer zum Weibe kommt, wenn es unbe-\nwußte Wünsche hat.\nEr schloß die. „ugen und blickte in sich hinein\nund vergaß die1 tragische Landschaft. Die Erschüt-\nterung des aufspringenden und niedersinkenden\nWunsches peinigte ihn und-ließ ihn sein Werk ver-\ngessen und offenbarte ihm so die Wollust der Hin-\ngabe an ein Unbekanntes, dessen Wesen er nicht\nfaßte, dessen Größe und Tiefe er noch nicht\nkannte. Er hatte sich bis jetzt an das Bekannte\nhingegeben, das ihm die Geschichte vermittelte,\nund dieses Bekannte in seine Art übersetzt und\nauf diese Weise neugestaltet. So bedeutete der\nAugenblick, da er Angesicht zu Angesicht dem Un-\nbekannten gegenüberstehen mußte, ein Erlebnis,\ndessen Folgenschwere er ahnte.\nAls der Wirt heraustrat, um ihn zum Essen zu\nrufen, saß er in einem Rohrsessel, mit geschlosse-\nnen Augen, wie ein Schlafender.\nRedakteur Todt verhielt sich während des Es-\nsens schweigsam. Seine kräftigen Kauwerkzeuge\narbeiteten wie Maschinen. Zogen die Beute an\nsich, zermalmten sie, schnappten nach neuer.\nIhre Bewegungen waren knapp und entschieden,\nwie das ganze Wesen des Mannes. Wer ihn\nreden hörte und seine hastig- schroffen Bewegun-\ngen sah, konnte sich eines leisen Kältegefühls\nschwer erwehren. Er selbst wußte, daß in sei-\nnem Wesen etwas raubtierhaftes lag, und er war\nstolz darauf; er betonte jede Bewegung und je-\ndes Wort. Er war der kälteste Realist, erkannte\nnur die Macht der Fäuste an und räumte dem\nGeist eine untergeordnete Stellung ein. Trotz-\ndem war er Redakteur geworden.\n— Man kann heutzutage nicht mehr alles\ndurch Macht allein erreichen, sagte er. Man muß\npfiffig sein und sich der Zeitströmung anpassen\nund alles Feindliche mit seinen eigenen Waffen\nschlagen.\nRedakteur Todt war Sozialist, bereit, seine\nUeberzeugungen mit Fäusten zu verteidigen,\nwenn es nottat. Er war der Mächtige, vor dem\nsich die Genossen im ganzen Bezirk beugten.\nAnhänger und Gegner fürchteten ihn in gleichem\nMaß und gingen, soweit sich dies tun ließ, in wei-\ntem Bogen um ihn. Er hatte nur eine Stunde am\nTag, in der man an ihn herankommen konnte,\nohne befürchten zu müssen, von dem Gift seiner\ngefährlichen Zunge getötet zu werden. Das war\ndie Stunde, da er aus dem Zentrum seiner Ge-\nfährlichkeit, der Redaktion des „Arbeiters\", her-\nauskroch und ein Mensch wurde wie die andern.\nIn dieser Stunde legte er den Panzer seines\nrauhen Uebermuts ab und ging unbewaffnet. In\ndieser Stunde sammelte er neue Kräfte, „ölte die\nMaschine\", wie er einmal sagte.\nZwei Menschen, ungleichartiger, als der Re-\ndakteur und der Künstler, waren nicht leicht zu\ndenken. Sie wußten dies auch und fühlten sich,\nsobald sie einander erblickten, aus ihrem Dasein\nals Einzelwesen zu Vertretern einer Gattung er-\nhoben. Sie kämpften gegeneinander, nicht als\nMenschen, sondern als Weltanschauungen. Sie\nkämpften rücksichtslos. Redakteur Todt mit sei-\nnen harten Gewaltforderungen, Johannes mit dem\nGlanz seiner Töneüberfülle. Sie achteten sich\ngegenseitig, weil einer im andern eine Macht er-\nkannte, die ehrlich vorging und mit Ehrlichkeit\nbekämpft zu werden verdiente. Ihr erstes Ge-\nspräch war das Vorbild für alle spätem gewor-\nden. Jeder hatte darunter gelitten, jeder unter\nder Strenge der Forderungen, die der andere auf-\nstellte, gezittert. Aber jeder war als Sieger her-\nvorgegangen, ohne sich dem Gegner zu beugen,\nRedakteur Todt war ein Mensch, der zum\nVolke gehörte, der Ellbogenfreiheit und wirksame,\nzweckdienliche Arbeit verlangte. Die ganze Er-\nscheinung predigte den Charakter dieses Mannes.\nAuf dem eckigen Kopf mit der niederen zusam-\nmengepreßten Stirn starrte das borstige Haar,\nvon wenigen grauen Fäden durchzogen; die\nAugen glühten wie verhaltene Flammen, fanatisch\nund gefährlich. Und die breit- und starkgebaute\nNase schien nur dazusein, das Brennen der bei-\nden Augen auseinander zu halten, damit es nicht\nin eine einzige Glut, die sich selbst verzehrte,\nzusammensinke. Die Arme mündeten in große\nHände aus, die von der Wucht, mit der Redakteur\nTodt in Volksversammlungen auf die Tischplatte\nschlug, formlos geworden schienen. Seine Füße\nverrieten Rücksichtslosigkeit in ihrem harten Auf-\ntreten, seine Zähigkeit im schweren Feststehen\nauf der Erde, seine Formlosigkeit in ihren plum-\npen Linien.\nVom Sozialismus erwartete Redakteur Todt\nalles Heil der Zukunft; er haßte alle Feinheit,\nsein Sinn stand nach breiten Gebärden, nach der\nSprache und den Gesetzen derer, die mit auf-\ntrotzendem Kraftbewußtsein einherschreiten und\ndie Vornehmen der Geburt und des Geistes ver-\nschlingen wollen. Seine größte Hoffnung war die\nMacht der Massen.\n... An diesem Augusttag schien dem Redak-\nteur etwas unangenehmes widerfahren zu sein.\nEr bewegte die starken Kauwerkzeuge mit einer\nmechanischen Emsigkeit und war mit seinen Ge-\ndanken gar nicht dabei; er fauchte manchmal\ndurch die Nase und riß dann ungeduldig an dem\nschwarzen dünnen Schnurrbart. Als er sein Ge-\ngenüber ansah, schnellten seine Gedanken aus der\nGegenwart zu jener Stunde zurück, in der er das\nerste Gespräch mit dem Künstler geführt hatte.\nWie eine Notwendigkeit überfiel ihn das Verlan,\ngen, genau dasselbe Gespräch noch einmal zu füh-\nren, um sich so aus dem Zorn über das unange-\nnehme Morgenerlebnis zu befreien und neue Kräfte\nzum Zuschlagen zu sammeln. Deshalb begann er\nmit genau denselben Worten, wie damals, als\nhätten sie sich eben erst kennen gelernt und müß-\nten ihre Anschauungen als Grundlage ihres wei-\nteren Verkehrs einander vor Augen führen.\nDer Künstler staunte nicht über die Wieder-\nkunft einer vergangenen und halbvergessenen\nStunde. Er stellte sofort seine Phantasie hierauf\nzurück, indem er sie von allen seelischen Erleb-\nnissen befreite, die ihm die Tage inzwischen ge-\nschenkt hatten. Er empfand wieder denselben\nSchmerz, als er die schroffen Worte des Redak-\nteurs hören und seine knappen Gebärden sehen\nmußte, und lächelte wie damals das verzerrte Lä-\ncheln des Empfindlichen, das er als Panzer um\nsich herlegte. Jetzt glitten die Flammen der\nMachtbegierde, die das ganze Wesen des Redak-\nteurs ausstrahlte, von der Umpanzerung des Künst-\nlers ab. Er nahm den Kampf auf, fast mit den-\nselben Worten wie damals.\nSie erwarten vom Sozialismus das Glück der\nZukunft, lächelte er. Aber Sie bedenken nicht, daß\nder Sozialismus nur eine Uebergangserscheinung\nwar, die heute bereits stark im Schwinden begrif-\nfen ist. Einmal war Sozialismus Revolution; heute\nist Sozialismus nur noch Reform. Dem Sozialismus\nfehlt die persönliche Note, er ist Chaos; ist nicht\nzuletzt Chaos, weil er alle Menschen und alle Ver-\nhältnisse gleichhaben will.\nWie damals berauschte sich der Künstler an\nder Paradoxie seines letzten Satzes. Die Mög-\nlichkeiten eines neuen Werkes stiegen vor ihm auf;\nKolonnen gleicher Kräfte marschierten in seinem\nGeist vorüber, rückten zusammen, ordneten sich\nzu Figuren, suchten die höhere Harmonie: aber,\nes ward stets nur Chaos. Er erbebte vor diesem\nGedanken, starrte ihn hilflos an und wußte nicht,,\nob er groß und entwicklungsfähig oder lächerlich\nund ohne Bedeutung sei. Er ließ sich von der\nGegensätzlichkeit dieser Verbindung hinreißen und\nvergaß den Fanatischen, der vor ihm saß imd sich\nzur Gegenwehr bereit machte.\nAls ihn aber der Redakteur aus der Buntheit\nder Paradoxie' wieder in den Bereich seiner Nüch-\nternheit zog, nahm er den Kampf mit neuen Kräf-\nten auf. Das Feuer jenes wunderlichen Gedanken-\nblitzes hatte seinen Willen gehärtet und ihn für\ndie nächsten Augenblicke zu einem Streiter seiner\nKunst gemacht. Er vergaß, zu wem er sprach,\nfühlte sich als Weltanschauung und kämpfte gegen\neine Macht, die ihn nicht anerkennen wollte.\nVom Sozialismus ist keine Kultur zu erwarten,\nwohl aber von der Kunst. Nicht die Kunst ist ab-\nhängig von der Kultur, sondern umgekehrt. Und\nin der Kunst ist es vor allem die Musik, die Erlöse-\nrin sein wird. Die Musik, wie ich sie in mir fühle,\ndie ich den Menschen zeigen will.\nRedakteur Todt zog sich in sich zusammen; er\nwollte nicht, daß der Einfluß des Künstlers auch nur\ndas geringste in seinen Anschauungen verschiebe.\nEr machte sich taub, er wußte, wie überzeugend\ndie Stimme des Künstlers war. Als er aber merkte,\ndaß der Gegner schwieg, schnellte er plötzlich\nempor und warf sich mit polternden Worten\nüber ihn.\nMit Ihren Ansichten werden Sie am Leben zer-.\nschellen! Die sind viel zu fein, zu ästhetisch, diese\nAnsichten! Zum Teufel mit der Aesthetik! Brot"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3561, "texte": "wollen wir und Verhältnisse, in denen wir zu-\npacken können. Reale Werte. Keine wässerigen\nHoffnungen auf eine wässerige Kultur, die nur\nSchönheit und immer Schönheit geben soll. Und\nnun gar die Musik ... Ich mag Musik, sehen\nSie . . . Ich habe sogar Augenblicke, in denen ich\nsie liebe. Aber sie soll nicht nur eine Seele\nhaben. Was fang ich mit einer Seele an! Greif-\nbar muß sie sein, Körper, Masse1 Sehen sie,\nMassenmusik, das ists, was wir brauchen.\nMärsche, kompakte Lieder, keine Dudeleien und\nSentimentalitäten. Musik die den Rhythmus un-\nserer Zeit hat, den Rhythmus der Maschinen, der\narbeitenden Proletarierarmee, den trotzigen Glanz\nder Arbeiteraugen und das kräftige Stampfen ihrer\nBeine. Bringen Sie solche Musik, dann will ich\nSie loben und ihnen eine Zukunft verheißen.\nDer Künstler zog den Panzer seines Lächelns\nfester um sich und schlug den Angriff des Gegners\nzurück. Sie waren aus dem Gleise jenes vergan-\ngenen Gespräches herausgeglitten und fuhren nun\nauf einem neuen weiter. Mit ausbrechender Be-\ngeisterung erzählte er von den Wundern seiner\nKunst. Die Worte entströmten seinem Munde in\nlyrischem Schwung und die Hände begleiteten sie\nin ruhig-aufgeregten, rhythmischen Gebärden.\nWenn jeder einmal an die Musik glaubt, wird\nalles häßliche Streben nach Macht und Reichtum\nein Ende haben. Das goldene Zeitalter wird wieder\nauf die Erde herabsteigen, Löwe und Lamm wer-\nden friedlich im Schatten des Baumes beieinander\nliegen, Habicht und Taube sich begegnen. Unter\n•den Menschen wird nicht Gleichheit herrschen,\nweil dies unmöglich ist. Aber sie werden in der\nMusik d i e Gleichheit finden, die über ihr ganzes\nLeben einen Glanz wirft, und jedes Verlangen nach\nselbstischer Macht in ihnen erblassen läßt.\nMit einem kalten Blick tötete der Redakteur die\nBegeisterung des Künstlers, die in ihn überzuströ-\nmen drohte. Er begann, sich vor ihr zu fürchten\nund griff zu seiner letzten und schärfsten Waffe,\nzum Hohn:\nIch will Ihnen einen Rat geben, bester Freund.\nWenn Sie reich sind, schwimmen Sie in Teufels\nNamen weiter in Ihren phantastischen Träumen;\nwenn nicht, dann werden Sie munter, erwachen\nSie ins Leben oder schießen Sie sich vorn Kopf!\nBeide fühlten, daß der Kampf zu Ende sei, sie\nhatten die letzten Waffen verbraucht, unheimlich in\nihrem starren Glauben an ihre Bestimmung. Sie\nsprachen jetzt ganz ruhig zusammen, wie Men-\nschen, die aus langer Weile gleichgültige Wbrte\nwechseln, sie sprachen so alltäglich, daß sie sich\nheimlich wunderten. Ihre Worte schlichen\nwie müde Pilger durch eine Wüste, um-\ngeben von Einöde. Redakteur Todt erzählte sogar\nKlatsch und war so wenig der Gewaltige, Unnah-\nbare, daß ihn keiner wiedererkannt hätte. Nun\nstand er da als gewöhnlicher Mensch, klein, scha-\ndenfroh, flach. Er begann, sich beklemmt zu füh-\nlen; die armselige Rolle machte ihn unruhig. Er\nbegann den Künstler als Menschen zu hassen, weil\ner jetzt fühlte, wie ihn, den Starken, Steifnackigen\nder Kampf erschöpft hatte. Schon um zwei Uhr\nverabschiedete er sich. Er war nicht phlegmatisch\ngenug, noch eine lange Stunde inhaltlose Gespräche\nzu führen und sich dem Gegner als nackten Men-\nschen zu zeigen. Der Künstler bemerkte die\nSchlaffheit des Redakteurs und war überrascht\nvon seinem Sieg.\nSie kommen wohl heute Abend in das Konzert\nder Konservatoristen? fragte der Redakteur, als\ner dem andern die formlose Hand reichte. Die\nSpannung begann leise wieder in ihm aufzuleben.\nDann sas er wieder in seinem Netz wie eine\nSpinne, nach allen Richtungen lauernd, um im\nrechten Augenblick zuzugreifen und seine Bestim-\nmung zu erfüllen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c010", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.10", "titre_corps": "Das Fest des heiligen Geistes", "titre_sommaire": "Das Fest des heiligen Geistes", "signature_source": "H. 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Ehrlich währt am längsten:\n„Das beweisen auch die Antworten, die wir hier\nals Zeugnisse menschlicher Ehrlichkeit folgen las-\nsen.\" Sie stellen sich recht schlechte Zeugnisse\naus, die hohen Herrschaften. Vielleicht fällt so-\ngar manchen Lesern des „Berliner Tageblatts\" auf.\nwie lange reine Ehrlichkeit währen kann. Man\nkann es mit ihr sogar zur königlich preußischen\nProfessur bringen. Herr Doktor Dessoir bekennt:\n„Ich kann mich beispielsweise von der lächerlichen\nEigentümlichkeit nicht freimachen, solange zu\nschreiben, bis alle Tinte aus der Feder geflossen\nist; das heißt also, ich füge dem an sich schon fer-\ntigen Satz irgendwelche Worte noch hin-\nzu, damit die Feder leer wird.\" Daher also die\nTiefe dieses Philosophen und Aesthetikers. Er\nfügt dank der Eigentümlichkeit. seiner Feder ir-\ngendwelche Tinte hinzu, damit der an sich schon\nfertige Satz voll des Geistes wird, dessen die Na-\ntion bedarf. Es ist durchaus kein Aberglaube,\nman nehme irgendwelche Worte, tauche sie in\nTinte, spieße sie mit der Feder auf, und der banale\nSinn des an sich schon fertigen Satzes wird höch-\nstens beklext. Aber, o Wunder des heiligen Gei-\nstes, Sinn und Satz bleiben banal. Da sieht die\n„teuer und schmerzlich genug erkaufte Endweis-\nheit des Lebens\" des Herrn Professors Doktor Al-\nbert Eulenburg viel treuherziger aus. Er glaubt\nnicht „an das im menschlichen Sinne sogenannte\nVernünftige\". Schade nur, daß sein Unsinn so\nwenig Wohltat wird, wie seine Vernunft eine\nPlage ist. Er muß, der Herr Professor, die teuer\nund schmerzlich genug erkaufte Endweisheit von\nder Unvernunft des Vernünftigen sich mit Ant-\nworten an das „Berliner Tageblatt\" bezahlen las-\nsen. „Nolentem trahunt.\" So sagt der Professor.\nSo zieht das Leben. Hingegen der Professor Dok-\ntor C. Kaßner stellt seinen Naturwissenschaftler\nim Kampf gegen den unnatürlichen Aberglauben:\n„. . . kann ich die Frage durchaus verneinen. Ich\nhabe gemäß meiner Fachwissenschaft schon in\nzahlreichen Aufsätzen . . Gemäß. Zahlreichen\nAufsätzen. Hat er. Der Leser atmet erleichtert\nauf, aber schon drückt ihn Herr Professor Doktor\nJosef Kohle'r wieder nieder. Der ist abergläu-\nbisch. Ein Jurist. Wenn also sogar die Juristen.\nUnsinn ist bei Herrn Professor Kohler oft Ver-\nnunft gewesen. (Stolz): „Ich schäme mich des-\nsen nicht; meist sind es Halbgebildete, die sich\nüber derartige Dinge gründlich erhaben fühlen.\"\nDas trifft Herrn Professor Doktor C. Kaßner ge-\nmäß seiner Fachwissenschaft ins Herz, an das er\naber nicht glaubt, gemäß seiner zahlreichen Auf-\nsätze. Doch' schqn eilt ihm Herr Geheimer Regie-\nrungsrat Professor Doktor A. Miethe zu HilfeS\n„Wenn Sie die Frage stellen: Sind Sie abergläu-\nbisch?, so darf ich mir wohl die Gegenfrage er-\nlauben: Wie meinen Sie das?\" Als ob die Re-\ndaktion zu ihrem Amt noch eine Meinung hätte.\nDer Geheime Regierungsrat sollte eigentlich wis-\nsen, daß die Redaktion ihre Leser zum Pfingst-\nstollen etwas Geist futtern lassen muß. Und sei\nes auch der Geist des finsteren Aberglaubens.\nHerr Miethe lehnt ihn ab, aber er beantwortet ihn.\nEr gibt gleichfalls gemäß seiner Naturwissenschaft\nAutklärung. Zum Beispiel: „Das Uebersinnliche\nist ja etwas, was nicht sinnlich ist und daher auch\nsinnlich nicht wahrgenommen werden kann, sonst\nwäre es ja nicht übersinnlich.\" Eine klare Auf-\nklärung. Das Uebersinnliche ist platt erledigt. Ein\nGeist, der sich so manifestiert, braucht nicht zu\nglauben. Das Ungläubige ist ja etwas, was nicht\ngläubig ist, sonst wäre es ja nicht ungläubig: „An\nManifestationen zu glauben fühle ich daher kein\nBedürfnis.\" Hingegen Herrn Professor Nernst ist\nder Aberglaube ein Bedürfnis. Er hat sich sein\ntägliches Leben zu hell gemacht, er braucht den\nAberglauben als „ein gutes Stück Phantasie und\nPoesie im täglichen Leben\", während, sehr logisch,\nHerr Mie'the aus seiner photographischen Dunkel-\nkammer heraus sich nach den Lampen des Herrn\nNernst sehnt, soweit gemäß der Fachwissenschaft\ndes Herrn Professors C. Kaßner an die Existenz\nder Sehnsucht geglaubt werden darf, was Herr\nProfessor Kohler gegenüber diesen Halbgebildeten\nwieder gestattet, aber nur in soweit, als die feh-\nlende Willensfreiheit des Herrn Professors Eulen-\nburg es zuläßt, wodurch schließlich das Farbband\nmeiner Schreibmaschine so abgespult ist, daß ich\nnicht einmal irgendwelche Worte hinzufügen kann,\num mich von der lächerlichen Eigentümlichkeit des\nHerrn Professors Dessoir freizumachen. Ich ver-\nsichere nur noch hastig, daß sämtliche angefrag-\nten Schauspieler und Schauspielerinnen zu Pfing-\nsten ebenso gut dichten, wie die angefragten Dich-\nter seit Ostern komponieren. Daß hingegen Herr\nProfessor Doktor Stefan Zweig versichert, er ant-\nworte (abgesehen von der Redaktion des „Ber-\nliner Tageblatts\") auf jedes Sichersein seines Ge-\nfühls mit der Erfahrung der Enttäuschung, „die\nmich bisher nie betrogen hat, womit mir ein\nWesens zug meines Lebens klar zu werden\nscheint, daß ich mir mit Willen wenig erringen\nkann, sondern alles Wesentliche von außen\ngeschenkt empfangen muß.\" Womit das We-\nsenlose seiner Züge und das Unwesentliche sei-\nner Dichtungen so naturwissenschaftlich bewiesen\nist, daß ich freudig den klaren Extrakt unseres\nübersinnlichen Philosophen ohne irgendwelche\nWorte zur gefl. Benutzung stelle, die Worte un-\nseres Rudolf Presber:\nUnd gern noch — zeigt sich sonnig und blau\nIn meinem Leben ein Maitag —\nSoupier' ich mit einer hübschen Frau\nAuf Nummer Dreizehn am Freitag!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.8", "debut_caractere": 410, "fin_caractere_exclue": 914, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AygustastraBe 51\ngegeaiiber der von der HeydtstraBe A\nFahrgelegenheit: Lutzowplatz J\nFiinfzehnte Ausstellung\nDer Moderne Bund\nSchweiz\nHans Arp / Wilhelm Gimmi / Walter Helbig / Her-\nmann Huber /' Paul Klee / Oskar Liithy / Albert\nPfister\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10-2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nLetzte Ausstellung vor den Ferien\nAm 20. 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Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeg inn d,es neuen Vi e r t el j ah r e s bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c013", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.8", "debut_caractere": 2660, "fin_caractere_exclue": 4928, "texte": "Sdriderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: V ersohnung /\n/Tierlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat /DieHirtin/Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nR u h e n d e Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark,\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib ./ Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte ./\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte I\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: N i i i n s k y / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMasik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in v©ller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_02#c014", "volume": "bmtnabg_1913-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngrundet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidinet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kiinstierische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama ,/ begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text ./\neine literarische Beilage erscheint ieden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark /\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag*\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag j Dritte Ausstellung: Qemalde:.\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n/ Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragerier Verein*\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession-\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 t\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.,\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-,\nlitz, MiquelstraCe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699>\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-.\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessem\nNachteile hat, Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt-\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher-\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und>\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern f'\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest*\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis StangenE,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbarcda!)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.1", "texte": "Umfang: acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS MAI 1.913\nNUMMER 160/161\n\nInhalt:\nArno Holz / Gottfried Benn: Gedichte / Paul Zech: Das Baalsopfer / Alfred Richard Meyer: Steglitz / Arthur Babillotte Die Schwermut des Ge-\nnießers / H. W.: Das Fest das heiligen Geistes / Franz Marc: Originalholzschnitt / Marie Laurenijin: Originalholzschnitt / Fr. R3senkranz: Originalholzschnitt\n\nFranz Marc: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.2", "texte": "Arno Holz\nH. W.\nIn diesen Sätzen (aus der Vorrede zu „Igno-\nrabimus\") sagt Arno Holz seine unsterblichen\nVerdienste um die Kunst und um die Künstler so\nknapp, daß Zu-Sätze es nicht erweitern können:\nJede Wortkunst, Lyrik wie Drama — vom\nschlapp gewordenen „Epos\", vom Roman, der stets\neine Zwitterform war, wie er stets, die betreffenden\nGründe gab ich anderswo, eine solche bleiben\nwird, ebenso vom sogenannten Prosadrama, das\nsich mir heute, trotz seinem letzten Großen, Ibsen,\nnur als eine bloße Auflösung spiegelt, sehe ich hier\nausdrücklich ab — jede Wortkunst, von frühester\nUrzeit bis auf unsere Tage, war, als auf ihrem\nletzten, tiefuntenstehenden Formprinzip, auf Me-\ntrik gegründet. Die Metrik zerbrach ich und setzte\ndafür ihr genau diametrales Gegenteil. Nämlich\nRhytmik. Das heißt: permanente, sich immer\nwieder aus den jDingen neu gebärende, kompli-\nzierteste Notwendigkeit, statt, wie bisher, primi-\ntiver, mit den Dingen nie, oder nur höchstens ab\nund zu, nachträglich und wie durch Zufall, koin-\nzidierender Willkür!\nDas klingt sehr simpel und hört sich „wie nichts\nan\", etwa ähnlich, wie die Umkehrung des Satzes,\ndie Sonne' dreht sich nicht um die Erde, sondern\ndie Erde um die Sonne, von dem heute, rund drei-\neinhalbhundert Jahre nachdem Kopernikus tot ist,\njeder sozusagen bessre Esel sich einbildet, er, hätte\nsich diesen kleinen Scherz, von dem so viel Auf-\nhebens gemacht wird, ebenso leisten können, wird\naber in seinen Folgen, und zwar nicht bloß für uns\nund unsre Literatur, sondern auch für alle übrigen,\ndie' es ebenso befreien wird, genau so unvergäng-\nlich bleiben, wie es, auf ihrem Gebiet, die Tat des\nFrauenburger Domherrn bleiben wird.\nLyrik und Drama — bereits bei der „Sonnen-\nfinsternis\" war mir das aufgegangen, aber erst\ndurch das „Ignorabimus\" ist mir heute Gewißheit\n— haben sich formal wieder zu einer Einheit ge-\nschlossen! Demselben rhytmischen Notwendig-\nkeitsorganismus, den jedes mir geglückte „Phan-\ntasus-Gedicht darstellt, nur noch entsprechend dif-\nferenzierter, bilden jetzt auch diese Tragödien!\nMeine Arbeit, die mit diesem, ihrem ersten Haupt-\nund konstruktiven Teil hinter mir liegt, war eine\nmühevoll lange, die Hemmnisse und Schwierig-\nkeiten, die sich mir entgegengestellt, innre, wie\näußre, schienen mir oft die denkbar niederdrückend-\nsten, unüberwindbarsten, aber ich habe sie bewäl-\ntigt und brauche daher mein Leben, das ich an\ndiese Aufgabe gesetzt, nicht zu bereuen!\nStatt Metrik Rhytmik. Mögen es die Künstler\naller Künste endlich merken, sich merken!\n\nGedichte\nKur-Konzert\nGottfried Benn\nUeber Krüppel und Badeproleten,\nSonnenschirme, Schoßhunde, Boas,\nUeber das Herbstmeer und das Grieg — lied:\nOb Iris kommt?\nSie friert. Der kleine graue Stock in ihrer Hand\nFriert mit. Wird klein. Will tiefer in die Hand.\nDie Glockenblumen in den Shawl gebunden,\nDas weiße Kreuz aus Scheitel und aus Zähnen\nLiegt, wenn du lachst, so süß in deinem Braun!\nDu steiles, weißes Land! O Marmorlicht!\nDu rauschst so an mein Blut. Du helle Bucht!\nDie große Müdigkeit der Schulterblätter!\nDie Zärtlichkeit des Rockes um ihr Knie!\nDu rosa Staub! Du Ufer mit Libellen!\nDu, von den Flächen einer Schale steigend.\nIm Veilche'nschurz. Von Brüsten laut umblüht!\nO Herbst und Heimkehr über diesem Meer!\nDie Gärten sinken um. Machtloser grauer Strand.\nKein Boot, kein Segel geht.\nWer nimmt mich winters auf?!\nAus soviel Fernen zusammengeweht,\nAuf soviel Sternen neugeboren\nBis vor dies Ufer: — Iris geht.\nUntergrundbahn.\nDie weichen Schauer. Blütenfrühe. Wie\nAus warmen Fellen kommt es aus den Wäldern.\nEin Rot schwärmt auf. Das große Blut steigt an.\nDurch all den Frühling kommt die fremde Frau.\nDer Strumpf am Spann ist da. Doch wo er endet,\nIst weit von mir. Ich schluchze auf der Schwelle:\nLaues geblühe. Fremde Feuchtigkeiten.\n0 wie ihr Mund die laue Luft verpraßt!\nDu Rosen — hirn, Meer — blut, du Höherzwielicht,\nDu Erdenbeet, wie strömen deine Hüften\nSo kühl den Hauch hervor, in dem du gehst!\nDunkel: nun lebt es unter ihren Kleidern:\nNur weißes Tier. Gelöst und stummer Duft.\nEin armer Hirnhund. Schwer mit Gott behangen.\nIch bin der Stirn so satt. O ein Gerüste\nVon Blütenkolben löste sanft sie ab\nUnd schwellte mit und schauerte und triefte.\nSo losgelöst. So müde. Ich will wandern.\nBlutlos die Wege. Lieder aus den Gärten.\nSchatten und Sintflut. Fernes Glück: ein Sterben\nHin in des Meers erlösend tiefes Blau.\n\nDas Baalsopfer\nVon Paul Zech\nOh, das Unglück! Oh, das Unglück!\nWie ein dichtes Schneegestöber fuhr dieses\nflockige Rufen über das Dorf, immer wenn der\nschwarze Baal die roten Fangarme durch den\nSchacht gestoßen hatte und von jenen Männern,\ndie ihr Bündel heiler Knochen Tag für Tag auf\ndie blutrostigen Böden der Förderschale legten,\nsich irgend einen, oder ein Dutzend oder Hundert\nauswählte zum Fraß und den erst wieder von sich\ngab wie einen ausgedörrten Kothaufen.\nOh, das Unglück! Oh, das Unglück.\nUnd die Witwen in schwarzverlogenen Gewand\nden Trauer, die diesen Ruf gleichgültig hinausmur-\nmelten wie den Perlenfall des Rosenkranzes, zer-\ndrückten in der Linken das Taschentuch und wogen\nin der Rechten den Goldklumpen der Unfall-\nprämie. Sie wogen und prahlten bis das Gleißende\nzum Glück wurde für den neuen Gemahl aus der\nReihe der Schlafburschen.\nUnd da-nn schickten die neuen Müttergewor-\ndenen ihre Söhne in den Schacht hinunter. Und\nes dünkte ihnen eine große unverdiente Gnade,\nwenn der Grubendirektor Brot gab für die hung-\nrigen Mäuler. Denn der Schatten des Hungers\nlag wuchtender auf den paar aussätzigen Hütten\nam Fluß, als der hagelwolkige Vorübergang einer\nKatastrophe, die doch nur die Fenster zum Klirren\nbrachte und ein paar Gänge zum Kirchhof mehr.\nNiemand im Dorf glaubte an die Brandopfer-\ngier des Baals. Kein Gatte, Sohn, Bräutigam,\nKostgänger war ihnen ein dem Baal Geweihter.\nVorbestimmt war diesen nur jenes sanfte Hin-\nüberschlummern zwischen den Kissen des Ehe-\nbettes. Aller Tod, der anders kam, war ein Un-\nglück. Oder ein Zufall, wie die Aufgeklärten\nmeinten.\nUnd die, die auf das Kreuz des Alltags genagelt,\nhinunterfuhren in die verfluchten Bezirke des\nFrohnes, und Station an Station durchwanderten,\nda einen Arm, dort ein Bein ließen, fürchteten den\nHunger maßloser als die fünf Bretter des Sarges.\nNicht einen Augenblick dachten sie bei dem zer-\nfetzten Leib eines Kameraden an die Möglichkeit,\nan gleicher Stelle zu liegen. Heute oder morgen.\nOh, ein Unglück. Ein Unglück. Nichts weiter.\nUnd das Opfer in den hakigen Klauen des\nBaals, reißt es nicht das Maul auf zum Schrei:\n„Oh ihr Brüder: das Unglück. Das Unglück!\"\nUnd die diesen Schrei hören, sind sie nicht ein\nfurchtbares Echo, das das Bersten und Krachen\nder Planken übertönt wie ein Orkan?\nAber alle, die es auffangen dort oben irn weißen\nDunst des Tages, blasen es weiter in die stumpfe\nMelodie des Trauermarsches: oh das Unglück!\nDas Unglück!\nDas schnurrt der Pfaffe am Massengrab nach,\nDie Mütter und Witwen und Töchter verdrehen\ndie Augen, die nicht weinen wollen und krümmen\ndie Rücken ein paar Tage lang. Dann entklafft\nihrem Schoß ein Neues und wird Unglück, das sie\nnicht wissen wollen.\nUnd doch war einer in dieses Dorf gekommen,\nden man allsogleich zum Opfer bestimmte. Ob-\nwohl er das Schandmal des Unglücks an der Stirn\ntrug wie eine aufgebrochene Schwäre, bekam er\nseinen Tod zugewiesen. Und die, die ihn hielt,\nwar nicht untertänig wie Abraham, da er Isaak\nopfern ging. Das brachte ihn nun in eine allzu\nschiefe Stellung zu den wichtigsten Dingen dieses\nLebens, wiewohl seine Mutter dagegen ankämpfte\nmit den Instinkten eines Raubtiers.\nSchon daß Frederik als eine Frühgeburt just in\ndem Augenblick zur Wielt kam, da man seinen Er-\nzeuger ins Haus brachte: schwarz, entstellt und\nrotgeschunden, gab ihm eine Sonderstellung in-\nmitten des großen Haufens.\nUnd dieser unabgestempelte Vater hinterließ\nihm nicht einmal seinen Namen. Denn die Hoch-\nzeit, die jene zwei, die sich erkannt hatten, zu-\nsammenkoppeln sollte nach dem Gesetz, stand vier\nWochen nach dem Unglücksfalle' an. Einen Toten\nmit einer Lebenden zu verbinden, war derzeit noch\nnicht gestattet.\nDas zerstach der jungen Mutter das Herz und\nsie haßte hinfort den Mann, der solches herauf-\nbeschworen hatte. Sie haßte diesen Mann über\ndas Grab hinaus und sie haßte seine Hantierung.\nSie gab dem Jungen die Brust und harte Pell-\nkartoffeln, die sie dem Amtmann stahl, bei dem sie\nbedienstet war.\nUnd sie übertrug auf den Bastard alle Zärtlich-\nkeiten, die sie Israel, dem Geliebten, schuldig ge-\nblieben war.\nFredrik wuchs auf wie die anderen Würmchen,\ntrotzdem die hohe Obrigkeit Schwierigkeiten\nmachte, ihm die Türchen ins Dasein zu versperren.\nTags war er im Spital bei der Muhme. Und\ndie alten Klatschmühlen, die mit auf der Stube\nwaren, rissen ihn dutzendmal aus der Wiege und\nbetasteten den Körper, um irgend etwas Beson-\nderes zu entdecken. Denn daß Fredrik dem Vater"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.3", "texte": "nachmußte, stand sicherlich irgendwo auf der Haut\ngeschrieben. Und sie fanden auch nach langem\nSuchen einen dunklen Fleck auf dem rechten Ober-\narm, der sah aus wie zwei gekreuzte Schlägel.\nDie junge Mutter war verzweifelt, wenn sie\nsolches gewahrte und riß den Jungen aus den\nTiefaugen der Hexen, um sich mit ihm in eine\ndunkle Ecke zu verkriechen.\nUnd wenn dann Fredrik aufkrähte unter dem\nwarmen Strom der Sättigung, hob sie ihn empor\nund ging in der Stube herum wie eine Siegerin:\n„Seht, was für ein gesundes Jungchen! Mein\nJungchen hat grade Arme und grade Beinchen.\nO, was für ein gesundes Jungche'n. Aber in die\nGrube soll mein Jungchen doch nicht!\"\nDie Spitalweiber ließen sich aber nicht bereden.\n„Der Vater wird ihn schon holen kommen,\nAntje. Du mußt ihn doch einen Bergmann werden\nlassen. Ja, ja, der Vater wird ihn schon holen,\nAntje.\"\nSie sagten das mit einem furchtbaren Ernst und\nverdrehten mystisch die Nasen.\nIn diesen Worten lag ihr Schicksal. Das fühlte\nAntje. Die Worte schnitten wie zwei scharfe Mes-\nser gleichzeitig in ihr Herz. Aber sie kämpfte <Ja-\ngegen an und verklebte die Wunde immer wieder\nmit einem klebrigen Trotz.\nAls Fredrik vier Jahre alt wurde, kaufte Antje\nsich von dem Ersparten ein Häuschen und tat einen\nHandel auf. Das Jungchen lag in der Tür und be-\nschnupperte jeden Eintretenden. Manchmal ging\ner auch mit den Jungens von der Gasse zum Spiel.\nAuf der Schlackenhalde oder nach dem großen\nKohlenlager. Da spielten sie Verstecken und balg-\nten sich wie junge Katzentiere.\nEinmal waren sie ihrer vier die Halde empor-\ngeklettert. Es war so schön warm dort oben und\ndie dünnen Rauchschlangen, die aus den Ritzen\nzüngelten, fingen sie mit den Händen auf oder hiel-\nten den offenen Mund darüber, bis die Wangen\nganz blaß wurden und eine Uebelkeit die Köpfe in\nheftige Umdrehungen brachte. Dann rollten sie\nden Abhang hinunter wie Murmeltiere und lagen\nlange in dem dürftigen Grase der Böschung. Starr\nund mit dünnen Atemzügen.\nDie schwarzen Männer, die oben die Wagen\nentleerten, warfen ihnen böse Flüche nach und\ndrohten furchtbar mit den Armen.\nLächelnd erzählte Fredrik der Mutter von dem\ngroßen Berg, der immer so s.chön rauchte und ganz\nwarm war.\nDa wurde Antje sehr zornig und verbot Fredrik\ndort hinzugehen. Sie schärfte ihren Willen an dem\nWahrsagenwollen der Spitalweiber. Und diesen\nWillen bläute sie dem Jungen ein.\nEin paar Tage lang ließ sie Fredrik nicht aus\nden Augen. Als dann aber der Oeljude kam und\nihre ganze Aufmerksamkeit wegfeilschte, schlich\nFredrik sich flugs auf die Gasse und fand ein paar\nGefährten, die mit ihm zum Schlackenberg gingen.\nbie hatten aber kaum die Hälfte der Anhöhe\nerstiegen, da gab es ein ohrenbetäubendes Don-\nnern. Der Berg öffnete sich, eine Rauchwolke\nwirbelte hervor, und die drei Spielgefährten Fred-\nriks polterten in den Spalt.\nFredrik schoß den Abhang hinunter und lag mit\nversengten Haaren und ein paar Brandwunden im\nGesicht, zappelnd in eine Pfütze.\nDie Männer, die ihn der Mutter ins Haus\nbrachten, grinsten, als diese sich wie eine Irr-\nsinnige über den Jungen stürzte. Einer von den\nverrußten Männern sagte: „Antje, daß du's weißt,\nder Israel hat das Söhnchen holen wollen, aber der\nBengel war zu langsam. Na, ein andermal wird\ner ihn schon sicherer fassen bei der Gurgel.\"\nDa fuhr Antje auf und trieb die Lästerer mit\ndem Besen aus dem Hause.\nUnd die Kinder wichen dem kleinen Fredrik\naus, wenn er zur Schule ging. Und die Spital-\nweiber murmelten: „Die Antje hat ihn verhext.\nSie hat Stutenmilch getrunken, als sie den Bengel\nsäugte. Das feit gegen das Unglück. Aber wenn\nihm die Milchzähne ausgegangen sind, wird es\ndoch mit ihm kommenl\"\nAntje nahm den Buben nun jeden Morgen bei\nder Hand und brachte ihn zur Schule. Um zwölf\nUhr stand sie wieder vor dem gebrechlichen roten\nHause mit den vielen Fenstern und holte ihn ab.\nDann mußte er das Pensum erledigen und sich auf\ndie' Salzkiste setzen bis zum Abend. Sie gab ihm\nMaiskolben und getrocknete Pflaumen zum Spie-\nlen. Und nach dem Essen brachte sie ihn zu Bett\nund atmete auf.\n„Er wird nie mehr auf die Straße kommen zu\nden anderen Jungen, und wenn er zwölf Jahre alt\nist, bringe ich ihn zum Oheim nach Karna. Dort\nkann er auf der Mühle helfen und ein Müller wer-\nden. Nein, nein, mein Junge soll kein Bergmann\nwerden!\"\nSonntags ging Antje mit dem Söhnchen durch\ndie magren Kartoffelfelder und zeigte ihm die bun-\nten Schmetterlinge und den Grashüpfer mit dem\ngelben Schopf.\nEinmal sagte Fredrik: „Mutter, wo ist mein\nVater? Alle Jungens haben einen Vater. Nur ich\nnicht und der Schorsch. Aber Schorschens Vater\nist doch auf dem Kirchhof. Mutter, sag, ist me'in\nVater auch auf dem Kirchhof?\"\nAntje preßte den Zipfel des Kopftuches heftig\ngegen die Lippen, damit der Junge nicht das leise\nStöhnen hörte.\nSo gingen sie eine Weile schweigend. Jedes\nein Schicksal und ihre Schicksale stöhnten in der\nherben Luft.\nSchwarz fielen die Schatten von den Pappel-\nbäumen.\nUnd Fredrik schaute noch immer fragend zur\nMutter hinauf. Er betrachtete ihre Hände, die\nwelk und rissig waren und liebkoste sie.\nGanz schüchtern öffnete er dann wiederum den\nMund: „Mutter sag . .\nUnd da bemerkte sie sein schmales, entstell-\ntes Gesichtchen. Die spitze Falte zwischen den\nAugenbrauen und den verquollenen Mund, den die\nobere Zahnreihe gewaltsam aufstieß.\n\nMarie Laurencin: Originalhoizschnitt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.4", "texte": "„Ja, ja, Jimgehen. Ich werde dir den Vater\nzeigen, wenn wir wieder zu Hause sind. Wenn\ndie Sterne scheinen. Dein Vater ist ein Stern,\n.Jungchen. Ein ganz heller Stern.\"\nFredrik reckte den Hals und der Atem pfiff hin-\ndurch wie' das Gekreisch einer Ratte, die im Eisen\nsitzt. Er mahlte mit den Zähnen irgend ein W,ort,\naber eine fröstelnde Scheu fraß es ungeboren wie-\nder weg.\n„Ja, ja, Jungchen, dein Vater ist ein Stern.\"\n„Das ist dein Vater, Jungchen, sieh nur!\"\nFredrik gab sich einen Ruck lind sagte weiner-\nlich: „Wenn du mir den Stern zeigst, werde ich\nauch nie mehr fortlaufen.\"\nAm Abend, als sie daheim am offenen Kammer-\nfenster standen, zeigte Antje dem Buben einen\nrunden Stern, der flimmernd über dem Kirchturm\n.stand.\nFredrik hob die Hand und versuchte den Stern\nzu pflücken wie eine Blume. Und er träumte die\nganze Nacht von dem schönen, blanken Stern.\nUnd jeden Abend, wenn ihn die Mutter ent-\nkleidet hatte, sprang er ans Fenster und griff mit\nden mageren Aermchen den Stern. Er verschloß\nihn mit der kleinen Faust und trug ihn in den\nTraum hinüber. Dort schien er die ganze Nacht so\nhell, so hell.\nDa machten die Kinder mit dem Lehrer einen\nSpaziergang. Fredrik ging anfangs ganz still zur\nSeite des Magisters und suchte den Boden ab.\nBis ihn zwei größere Buben beim Arm nahmen\n.und mit fortrissen.\nEr kam bald in Feuer und war der schnellste\nJunge. Er sprang wie ein losgelassenes Füllen\nquerfeldein: greift mich, greift mich!\nAls die Buben einen Graben übersprangen, gab\ndie Erde plötzlich nach und klaffte breit auf.\nUnten war die Hauptsohle des Schachtes.\nDer Lehrer drehte sich ein paar Mal im Kreise.\nDann war er mit einem Satz zur Stelle und sah\n:ganz unten den Jungen auf einem Gesteinsblock\nliegen.\nDie Rettungsmannschaft von der Grube kam\nund holte den zerschundenen Körper herauf. Das\nHaar war mit Blut verklebt und die Beine hingen\n•schlaff herunter wie an Zwirnsfäden.\n„Diesmal wird es sein Tod sein,\" sagte der\nalte Doktor.\nUnd die Spitalweiber grinsten und hoben die\ndürren Finger.\n„Siehste, Antje, der Israel hat ihn doch geholt.\nHaha, haha, haha.\"\nVier Monate lang lag das Jungchen in Gips\nund die Mutter legte derweilen ihr Haar in den\nRaufrost hinaus.\nSie hatte auch ihrem Verstorbenen dann end-\nlich ein Denkmal gesetzt und ging immer in der\nFrüh, wenn das Jungchen schlief, auf den Kirchhof\nhinaus. Die Weiber versuchten ein Gespräch mit\nihr anzubändeln, aber ihre Augen waren weit und\nweiß wie zwei gleißende Schlünde. Nur ihre Hände\nkonnte sie noch ballen, immer, wenn sie an der\nUnfallstelle vorüberging, die jetzt in einem großen\nUmkreise abgezäunt war. Und die Männer von\nder Direktion waren da und fremde Herren, die\nmaßen und klopften und bohrten.\nUnd dann hörte sie, daß das Dorf niedergeris-\nsen werden sollte, der Unsicherheit des Gesteins\nwegen.\nSie sah das alles kommen wie eine Märzah-\nnung. Denn die Wege hier dünkten ihr jetzt öde\nund verworfen. Und Fredrik lag im Bett und\nfieberte.\nDie verfluchten Spitalweiber mit dem Blut-\ngeruch. 0, daß die Erde sich noch einmal auftäte,\ndiese Henker zu verschlingen]\nAls Frederik wieder den Oberkörper heben\nkonnte aus den rotgewürfelten Kissen, holte die\nMutter allerlei Spielwerk zusammen, damit der\nJunge wieder lachen konnte. Und aus einem alten\nLegendenbuch las sie ihm vor von den frommen\nEinsiedlern und dem großen Prophe'ten in der\nLöwengrube.\nUnd da Fredrik einmal mit beiden Händen nach\ndem Büchlein griff, um die Bilder anzuschaun, fiel\neine verblichene Photographie aus dem Buch.\nFredrik faßte danach und betrachtete lange das\nfremde', harte Gesicht.\n„Mutter, was ist das für ein böser Mann. Sieh,\ner hat genau solch einen schwarzen Kittel an wie\ndie Männer, die immer hinter den Särgen gehn!\"\nAntje rieb sich ein paar Mal die Augen und ihre\nLippen sprangen scharf von den Zähnen. Die leeren\nAugen des Jungen irrten um sie wie feuchtrau-\nchige Phosphorkugeln. Dann sagte sie ganz ernst:\n„Das ist dein Vater, Jungchen, dein Vater, ehe er\nein Stern ward.\"\nUnd sie stand vor dem zerwalkten Bett und\nwartete auf ihn mitten in dem gelben Zwielicht,\ndas so peinvoll war.\nFredrik hob den Kopf etwas. Die Augen quol-\nlen auf und entgeisterte Blicke schössen heraus\nwie ein böser Schreck. Und die Lippen raschel-\nten Worte, die sie nicht verstand,\nDann zerschlug den armen Körper ein tonloses\nWimmern. Stoßweises Meckern und Sägen und\nKratzen.\nUnd er wehrte sich nicht, da sie sich über ihn\nbeugte in sanfter Sinnlichkeit, wie einst über den\neinen, der ihr den Jungfernkranz stahl.\nSie küßte den Buben, trocknete ihm das Ge-\nsicht, strich ihm das Haar glatt und die tiefen\nKummerfalten. Sorgsam, mädchenhaft und ganz\nsinnlich. Immerzu und stetiger, heftiger.\nAntje wagte auch nicht, dem Jungen das Bild\nwieder abzufordern. Etwas Feindliches lag schat-\ntenhaft über seinem Gesicht. Er fragte nie mehr\nnach dem schönen blanken Stern. Aber sie wollte\nnicht wissen. Nichts wissen, nichts sehen.\nDa Fredrik wieder aufstand, vergrub er das\nBildchen schnell in der Lehmgrube unter dem\nOfen. Denn er hatte Angst, daß ihm die Mutter\ndas schöne Ding wieder abnehmen könnte.\nFredrik hatte nun eine verkrüppelte Schulter\nund mußte sich auf einen Stock stützen.\nAber der Steiger Verwen, der ein Bruder der\nAntje war, meinte: och, och, ich werde' den Ben-\ngel schon mitnehmen. Er kann in meinem Revier\nPferdejunge werden. Da verdient er seine vier\nGulden die Woche.\nAntje fuhr wild auf und verbat sich solche\nReden. „Jungchen soll nie und nimmer zur Grube.\nEr wird überhaupt nicht arbeiten gehn!\"\nDas sagte sie auch dem Pfarrer, als Fredrik zur\nKommunion ging. Die Spitalweiber, die auch in\nder Kirche waren, sahen den Jungen fremd wie\neinen Toten an und bekreuzigten sich.\nIm Spätsommer kam der große Auszug. Der\nStaat hatte das Dorf geschlossen. Am jenseitigen\nUfer war unterdessen eine neue Kolonie errichtet.\nDa war die Erde noch nicht angebohrt. Und die\nBäume standen grün und saftig in den Blättern.\nDas alte Dorf soll niedergesprengt werden.\nVon der Genietruppe hatte man zwanzig Mann ge-\nsandt, die legten überall Sprengschüsse, die elen-\nden Hütten dem Boden gleich zu machen. Und\nauf den abgesperrten Gassen standen Posten mit\ngeladenem Gewehr, damit niemand mehr in das\nDorf zurückkehre.\nAntje hatte ein schönes weißgekalktes Häuschen\nbekommen. Fredrik half ihr wacker beim Einräu-\nmen der Sachen. Plötzlich vermißte Antje zwei\nSpeckseiten. Dä fiel ihr ein, daß sie die im\nSchornstein hatte hängen lassen.\nUnd Fredrik Hatte sein Bildchen unter dem\nOfen gelassen. Er gab sich aber nicht bloß. Antje\njammerte um den schönen Speck.\n„Mutter,\" sagte Frederik ganz heftig, „heut\nAbend, wenn die Soldaten in der Schenke sind,\nholen wir den Speck!\"\nAntje wollte nichts davon wissen, wie sehr auch\nder Verlust des schönen Specks schmerzte.\n„Die Erde kann sich auftun und dann haben wir\nwieder das Unglück. Nein, nein- Laß man den\nSpeck.\" Das sagte sie Fredrik.\nAber Fredrik, der das Bild nicht missen wollte,\nquälte die Mutter immerzu.\nSie fröstelte und fluchte, die Hände schlaff im\nSchoß. Sie dachte das wieder aus, das Furcht-\nbare, das dem jähen Unglück voranging. Josef,\nMaria! Das Unglück!\nDoch Fredrik ließ nicht nach, bis die harten\nLinien des Zornes in ihrem Gesicht wegschmolzen\nund tief wurden wie Madonnenzüge.\nUnd als es Abend war, nahm Antje den Jungen\nund sie gingen miteinander hinaus.\nSie holperten schweigend den Weg hinunter,\nweiter und nach dem Fluß hin.\nDie Brücke schwankte und stöhnte laut wie\neine Vergewaltigte,\nUnd der Stern, den Antje suchte, kam nicht.\nSchauer rieselten dahin,\nDurch den dickeil, trägen Dunst schaukelte das\nDorf heran. Ein armseliges Äusgestoßenes hinter\nden Schachttürmen und Erzmühlen. Der Schein\nder Hochöfen lag darüber wie eine feurige Wolke.\nDa flammte das hohe weiße Kreuz, das sie dem\nIsrael hatte setzen lassen wild auf und über-\nschwemmte alle Gräber.\nSie riß den Jungen zurück, wollte ihn hinbetten\nan die offene Brust, daraus sieben Schwerter\nstarrten.\nSie riß den Jungen zurück. Etwas schnürte ihr\ndie Kehle zu. Ein Blutschrei, der hinauf wollte.\nUnd sie fühlte seine Abwehr wie eine Schän-\ndung und konnte doch nicht die mageren, wehren-\nden Hände halten.\nAls Fredrik seine Arme locker fühlte, wandte\ner sich jäh um und hopste wie ein Heupferdchen\ndavon.\nwar Antje wach gerufen und sah nur den\nstachligen Zaun vor sicL.\nFredrik zwängte sich hindurch, schlenkerte das\nlahme Bein hinunter und stand steif in dem Abge-\nzäunten.\nAntje sah noch sein starres, verstörtes Gesicht\naus dem roten Nebel wie einen Totenschädel.\nSie konnte nicht weiter und beschloß zu warten.\nRief da nicht jemand: Fredrik? Fredrik. .\nEine Eule huschte laut vorüber.\nFredrik ging nicht zuerst in die Räucherkammer\num nach dem Speck zu fingern. Er tastete sich\ndurch den Flur in das Hinterstübchen und stol-\nperte über einen schweren Balken, der von den\nfremden Soldaten wohl dort hingeworfen ward.\nFredrik erhob sich ächzend.\nBlut rann über sein Gesicht und der Totenvogel\nschrie stärker.\nFredrik grub mit beiden Händen wie ein Maul-\nwurf den Lehm vor dem Ofen auf. Das Bildchen\nkam noch immer nicht.\nPlötzlich fühlte er einen harten runden Gegen-\nstand, der an einer Schnur hing. Dieses fremde\nDing machte ihn neugierig zittern.\nEr mußte das Feuerzeug schlagen. Das Feuer-\nzeug an der Sprengpatrone.\nSchwer rollte der Donner über das tote Porf\nund die Erde spaltete sich klafterweit."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.5", "texte": "Fr. Rosenkranz: Originalholzschnitt\n\nKnirschen und Krachen von Gebälk übertönte\ndas Brausen der Hochöfen. Und Wände und\nEstrich und Dach knarrten, polterten, wälzten sich\nin den Abgrund hinein. Rauch und Staub jagten\nwie ein Wetter davon und die' Nacht flatterte auf\nmit blutigen Tüchern.\nDie aber, die auf dem Stein an der Umzäunung\nsaß, sah alles mit aufgerissenen Augen und schlug\nhintenüber, als die Explosion über die Erde fuhr\nund das Dunkel zerfetzte.\nUnd unten aus dem grausen Spalt lachte und\nwieherte gell-wahnsinnig der Tanz zweier Stimmen,\ndie sich verschwisterten. Lachten, posaunten,\nrollten weiter und immer ferner scholl das Gelach:\nHuhu — huhu — huhu — hu — hu.\nHuhu — huhu sprang Antje aus der Betäubung\nauf und rannte querfeldein. Blutrote Fratzen vor-\nauf. Sie breitet die Arme aus. Die Schatten über-\nschlagen sich, verwirren sich in der gräßlichen\nLache: oh das Unglück! oh das Unglück!\nDas war wie eine Beschwörung. Wie eine Er-\nlösung.\nUnd es war kein hohles Echo, daß tausend-\nstimmig zurückdonnerte aus der zerklüfteten Nacht.\nIn dichten Scharen kam es von der Grube und\nvon der neuen Siedlung.\nUnd sie wußten alle, daß einer fort mußte von\nder Welt. Einer, dessen Tag nun gekommen war,\nwie sie es vorausgesagt hatten mit lästerlichen,\ntrostlosen Worten.\nSie suchten triumphierend Antje. Ihre Blicke\nglühten wie in der Extase des Rausches. Es war\nein Blutrausch. Der Rausch nach dem Opfer.\nAntje aber fand sich wieder in einem anderen\nfernen Grubendorf. Dort verdingte sie sich auf der\nErzmühle. Und suchte dort den Tod und suchte\nihn vergebens.\n\nSteglitz\nAlfred Richard Meyer\nAm alten Steglitzer Wrangel-Schloß\n(Berliner Bollen riefen hier 1870 laut:\n„Den Krieg verdanken wir dir, Papa Wrangel!\")\nam Alten Schlosse, das heut Restorangist,\nbiegt dein rechter Winkel dich in die Birkbusch-\nstraße.\nAm Abend ein unbestimmtes Bild:\nbeinahe Provence, beinah Cezanne!\nGlühendes Eisen der Vorstadtzüge schneidet die\nNacht scharf,\nwird Kometenschweif,\nschrecklich nah,\npoltert Theaterdonner.\nMan ist wieder im Dunkel.\nDas Grün eines Einfahrtsignals\nwird roter verbotener Weg.\nAn einem Kellerfenster der Martinstraße\nbleibst du, wie eine zu neugierige Fliege,\nbuff kleben;\ndie Officina Perpentis.\nDen Meister, fuchsig bebärtet,\nkennst du als Sezessionsabonnent\nlängst von Max Beckmanns Gesellschaftsbild her,\nsieht ihn jetzt feurige Farbe verreiben,\nmächtig walzend den Stein fast zerquetschen,\nüber den Letternsatz dann wie Windsbraut gehn,\ndas Draufklappen des Old Stratford-Papiers kaum\nerwarten könnend,\ndrehorgelnd gleich in die Presse den Wagen\nschmeißen,\n(ein Hebelknacken), schon wieder nach draußen\nrudern,\nden feuchten Bogen mit ängstlichen Augen zum\nLichte halten,\nden Gegendruck peinlichst genau auf zehntel\nMillimeter nachprüfen,\nStirn runzeln, Stirn glätten,\nzufrieden: „Es sitzt!\" murmeln.\nDaß da in aller Stille von Goethe „Das Tagebuch\"\nin fünfzig Exemplaren auf Kalbspergament\nfür dich und für mich und — ach, du lieber Voyeur.\nhier am nächtlichen Guckkasten,\nich rate dir gut,\nschleunigst zu subskribieren.\nUebermorgen schon ist es zu spät."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.6", "texte": "Die Sehwermut des\nGeniebers\nRoman\nVon Arthur Babillotte\nDie Sonne stieg und gab ihm die Empfindung,\ndaß bald der Augenblick da sein müsse, da\nsie sich zu Asche verbrannt hätte, und\ndies verstärkte das Grauen, in das ihn das revo-\nlutionäre Erlebnis seiner Phantasie versetzte. Und\nin der Stunde dieses höchsten Grauens wurde zum\nerstenmal ein Wunsch in ihm rege, der ihn in wol-\nlüstigem Schrecken erzittern ließ. Mit weit geöff-\nneten Augen blickte er in die Landschaft; soweit\nals möglich öffnete er die Augen, um die reichen\nFarben auf einmal in sich aufnehmen zu können.\nDiese Farben kamen in solcher Ueberfülle, daß\ner darunter litt und nicht imstande war, sie\nin sich zu ordnen und ihr Harmonie zu geben. Die\nAngst, dies nie zu vermögen, solange er mit weit-\noffenen Augen in den Tag sah, diese Angst vor\ndem Chaos in sich, dem Unharmonischen, dem Ge-\nwöhnlichen preßte sich in dem aufzuckenden\nWunsch zusammen: O, daß ich blind wäre! Im Zu-\nstand der Blindheit, des nach innen Blickens, ohne\nstörende äußere Einflüsse, wäre es möglich, die\nUeberfülle zu ordnen, in Harmonie zu bringen.\nWar er blind, so lebte er fortan nur in seiner eige-\nnen Welt, ohne davor zittern zu müssen, daß die\nwirkliche Welt mit tausend störenden Armen Her-\nübergriff und seine Träume durcheinanderwarf.\nDann quollen alle Töne rein aus seinem Innersten,\nwaren nicht in Gefahr, sich mit andern Tönen, mit\nfremden oder gleichgiltigen zu vermischen, bevor\nsie eine eigene, unabänderliche Lebensäußerung\ngewannen. Dieser Gedanke zuckte in ihm auf, be-\ndrängte ihn nicht, suchte ihn nicht auf der Stelle\nzu gewinnen, bestürmte ihn nicht mit Verführer-\nkünsten ... Er klang auf und verstummte. Aber\ner klang so scharf und in einem so günstigen Au-\ngenblick auf, daß er unmöglich ohne Wirkung\nbleiben konnte. Er war zu ihm gekommen, wie\nein Verführer zum Weibe kommt, wenn es unbe-\nwußte Wünsche hat.\nEr schloß die. „ugen und blickte in sich hinein\nund vergaß die1 tragische Landschaft. Die Erschüt-\nterung des aufspringenden und niedersinkenden\nWunsches peinigte ihn und-ließ ihn sein Werk ver-\ngessen und offenbarte ihm so die Wollust der Hin-\ngabe an ein Unbekanntes, dessen Wesen er nicht\nfaßte, dessen Größe und Tiefe er noch nicht\nkannte. Er hatte sich bis jetzt an das Bekannte\nhingegeben, das ihm die Geschichte vermittelte,\nund dieses Bekannte in seine Art übersetzt und\nauf diese Weise neugestaltet. So bedeutete der\nAugenblick, da er Angesicht zu Angesicht dem Un-\nbekannten gegenüberstehen mußte, ein Erlebnis,\ndessen Folgenschwere er ahnte.\nAls der Wirt heraustrat, um ihn zum Essen zu\nrufen, saß er in einem Rohrsessel, mit geschlosse-\nnen Augen, wie ein Schlafender.\nRedakteur Todt verhielt sich während des Es-\nsens schweigsam. Seine kräftigen Kauwerkzeuge\narbeiteten wie Maschinen. Zogen die Beute an\nsich, zermalmten sie, schnappten nach neuer.\nIhre Bewegungen waren knapp und entschieden,\nwie das ganze Wesen des Mannes. Wer ihn\nreden hörte und seine hastig- schroffen Bewegun-\ngen sah, konnte sich eines leisen Kältegefühls\nschwer erwehren. Er selbst wußte, daß in sei-\nnem Wesen etwas raubtierhaftes lag, und er war\nstolz darauf; er betonte jede Bewegung und je-\ndes Wort. Er war der kälteste Realist, erkannte\nnur die Macht der Fäuste an und räumte dem\nGeist eine untergeordnete Stellung ein. Trotz-\ndem war er Redakteur geworden.\n— Man kann heutzutage nicht mehr alles\ndurch Macht allein erreichen, sagte er. Man muß\npfiffig sein und sich der Zeitströmung anpassen\nund alles Feindliche mit seinen eigenen Waffen\nschlagen.\nRedakteur Todt war Sozialist, bereit, seine\nUeberzeugungen mit Fäusten zu verteidigen,\nwenn es nottat. Er war der Mächtige, vor dem\nsich die Genossen im ganzen Bezirk beugten.\nAnhänger und Gegner fürchteten ihn in gleichem\nMaß und gingen, soweit sich dies tun ließ, in wei-\ntem Bogen um ihn. Er hatte nur eine Stunde am\nTag, in der man an ihn herankommen konnte,\nohne befürchten zu müssen, von dem Gift seiner\ngefährlichen Zunge getötet zu werden. Das war\ndie Stunde, da er aus dem Zentrum seiner Ge-\nfährlichkeit, der Redaktion des „Arbeiters\", her-\nauskroch und ein Mensch wurde wie die andern.\nIn dieser Stunde legte er den Panzer seines\nrauhen Uebermuts ab und ging unbewaffnet. In\ndieser Stunde sammelte er neue Kräfte, „ölte die\nMaschine\", wie er einmal sagte.\nZwei Menschen, ungleichartiger, als der Re-\ndakteur und der Künstler, waren nicht leicht zu\ndenken. Sie wußten dies auch und fühlten sich,\nsobald sie einander erblickten, aus ihrem Dasein\nals Einzelwesen zu Vertretern einer Gattung er-\nhoben. Sie kämpften gegeneinander, nicht als\nMenschen, sondern als Weltanschauungen. Sie\nkämpften rücksichtslos. Redakteur Todt mit sei-\nnen harten Gewaltforderungen, Johannes mit dem\nGlanz seiner Töneüberfülle. Sie achteten sich\ngegenseitig, weil einer im andern eine Macht er-\nkannte, die ehrlich vorging und mit Ehrlichkeit\nbekämpft zu werden verdiente. Ihr erstes Ge-\nspräch war das Vorbild für alle spätem gewor-\nden. Jeder hatte darunter gelitten, jeder unter\nder Strenge der Forderungen, die der andere auf-\nstellte, gezittert. Aber jeder war als Sieger her-\nvorgegangen, ohne sich dem Gegner zu beugen,\nRedakteur Todt war ein Mensch, der zum\nVolke gehörte, der Ellbogenfreiheit und wirksame,\nzweckdienliche Arbeit verlangte. Die ganze Er-\nscheinung predigte den Charakter dieses Mannes.\nAuf dem eckigen Kopf mit der niederen zusam-\nmengepreßten Stirn starrte das borstige Haar,\nvon wenigen grauen Fäden durchzogen; die\nAugen glühten wie verhaltene Flammen, fanatisch\nund gefährlich. Und die breit- und starkgebaute\nNase schien nur dazusein, das Brennen der bei-\nden Augen auseinander zu halten, damit es nicht\nin eine einzige Glut, die sich selbst verzehrte,\nzusammensinke. Die Arme mündeten in große\nHände aus, die von der Wucht, mit der Redakteur\nTodt in Volksversammlungen auf die Tischplatte\nschlug, formlos geworden schienen. Seine Füße\nverrieten Rücksichtslosigkeit in ihrem harten Auf-\ntreten, seine Zähigkeit im schweren Feststehen\nauf der Erde, seine Formlosigkeit in ihren plum-\npen Linien.\nVom Sozialismus erwartete Redakteur Todt\nalles Heil der Zukunft; er haßte alle Feinheit,\nsein Sinn stand nach breiten Gebärden, nach der\nSprache und den Gesetzen derer, die mit auf-\ntrotzendem Kraftbewußtsein einherschreiten und\ndie Vornehmen der Geburt und des Geistes ver-\nschlingen wollen. Seine größte Hoffnung war die\nMacht der Massen.\n... An diesem Augusttag schien dem Redak-\nteur etwas unangenehmes widerfahren zu sein.\nEr bewegte die starken Kauwerkzeuge mit einer\nmechanischen Emsigkeit und war mit seinen Ge-\ndanken gar nicht dabei; er fauchte manchmal\ndurch die Nase und riß dann ungeduldig an dem\nschwarzen dünnen Schnurrbart. Als er sein Ge-\ngenüber ansah, schnellten seine Gedanken aus der\nGegenwart zu jener Stunde zurück, in der er das\nerste Gespräch mit dem Künstler geführt hatte.\nWie eine Notwendigkeit überfiel ihn das Verlan,\ngen, genau dasselbe Gespräch noch einmal zu füh-\nren, um sich so aus dem Zorn über das unange-\nnehme Morgenerlebnis zu befreien und neue Kräfte\nzum Zuschlagen zu sammeln. Deshalb begann er\nmit genau denselben Worten, wie damals, als\nhätten sie sich eben erst kennen gelernt und müß-\nten ihre Anschauungen als Grundlage ihres wei-\nteren Verkehrs einander vor Augen führen.\nDer Künstler staunte nicht über die Wieder-\nkunft einer vergangenen und halbvergessenen\nStunde. Er stellte sofort seine Phantasie hierauf\nzurück, indem er sie von allen seelischen Erleb-\nnissen befreite, die ihm die Tage inzwischen ge-\nschenkt hatten. Er empfand wieder denselben\nSchmerz, als er die schroffen Worte des Redak-\nteurs hören und seine knappen Gebärden sehen\nmußte, und lächelte wie damals das verzerrte Lä-\ncheln des Empfindlichen, das er als Panzer um\nsich herlegte. Jetzt glitten die Flammen der\nMachtbegierde, die das ganze Wesen des Redak-\nteurs ausstrahlte, von der Umpanzerung des Künst-\nlers ab. Er nahm den Kampf auf, fast mit den-\nselben Worten wie damals.\nSie erwarten vom Sozialismus das Glück der\nZukunft, lächelte er. Aber Sie bedenken nicht, daß\nder Sozialismus nur eine Uebergangserscheinung\nwar, die heute bereits stark im Schwinden begrif-\nfen ist. Einmal war Sozialismus Revolution; heute\nist Sozialismus nur noch Reform. Dem Sozialismus\nfehlt die persönliche Note, er ist Chaos; ist nicht\nzuletzt Chaos, weil er alle Menschen und alle Ver-\nhältnisse gleichhaben will.\nWie damals berauschte sich der Künstler an\nder Paradoxie seines letzten Satzes. Die Mög-\nlichkeiten eines neuen Werkes stiegen vor ihm auf;\nKolonnen gleicher Kräfte marschierten in seinem\nGeist vorüber, rückten zusammen, ordneten sich\nzu Figuren, suchten die höhere Harmonie: aber,\nes ward stets nur Chaos. Er erbebte vor diesem\nGedanken, starrte ihn hilflos an und wußte nicht,,\nob er groß und entwicklungsfähig oder lächerlich\nund ohne Bedeutung sei. Er ließ sich von der\nGegensätzlichkeit dieser Verbindung hinreißen und\nvergaß den Fanatischen, der vor ihm saß imd sich\nzur Gegenwehr bereit machte.\nAls ihn aber der Redakteur aus der Buntheit\nder Paradoxie' wieder in den Bereich seiner Nüch-\nternheit zog, nahm er den Kampf mit neuen Kräf-\nten auf. Das Feuer jenes wunderlichen Gedanken-\nblitzes hatte seinen Willen gehärtet und ihn für\ndie nächsten Augenblicke zu einem Streiter seiner\nKunst gemacht. Er vergaß, zu wem er sprach,\nfühlte sich als Weltanschauung und kämpfte gegen\neine Macht, die ihn nicht anerkennen wollte.\nVom Sozialismus ist keine Kultur zu erwarten,\nwohl aber von der Kunst. Nicht die Kunst ist ab-\nhängig von der Kultur, sondern umgekehrt. Und\nin der Kunst ist es vor allem die Musik, die Erlöse-\nrin sein wird. Die Musik, wie ich sie in mir fühle,\ndie ich den Menschen zeigen will.\nRedakteur Todt zog sich in sich zusammen; er\nwollte nicht, daß der Einfluß des Künstlers auch nur\ndas geringste in seinen Anschauungen verschiebe.\nEr machte sich taub, er wußte, wie überzeugend\ndie Stimme des Künstlers war. Als er aber merkte,\ndaß der Gegner schwieg, schnellte er plötzlich\nempor und warf sich mit polternden Worten\nüber ihn.\nMit Ihren Ansichten werden Sie am Leben zer-.\nschellen! Die sind viel zu fein, zu ästhetisch, diese\nAnsichten! Zum Teufel mit der Aesthetik! Brot\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.7", "texte": "wollen wir und Verhältnisse, in denen wir zu-\npacken können. Reale Werte. Keine wässerigen\nHoffnungen auf eine wässerige Kultur, die nur\nSchönheit und immer Schönheit geben soll. Und\nnun gar die Musik ... Ich mag Musik, sehen\nSie . . . Ich habe sogar Augenblicke, in denen ich\nsie liebe. Aber sie soll nicht nur eine Seele\nhaben. Was fang ich mit einer Seele an! Greif-\nbar muß sie sein, Körper, Masse1 Sehen sie,\nMassenmusik, das ists, was wir brauchen.\nMärsche, kompakte Lieder, keine Dudeleien und\nSentimentalitäten. Musik die den Rhythmus un-\nserer Zeit hat, den Rhythmus der Maschinen, der\narbeitenden Proletarierarmee, den trotzigen Glanz\nder Arbeiteraugen und das kräftige Stampfen ihrer\nBeine. Bringen Sie solche Musik, dann will ich\nSie loben und ihnen eine Zukunft verheißen.\nDer Künstler zog den Panzer seines Lächelns\nfester um sich und schlug den Angriff des Gegners\nzurück. Sie waren aus dem Gleise jenes vergan-\ngenen Gespräches herausgeglitten und fuhren nun\nauf einem neuen weiter. Mit ausbrechender Be-\ngeisterung erzählte er von den Wundern seiner\nKunst. Die Worte entströmten seinem Munde in\nlyrischem Schwung und die Hände begleiteten sie\nin ruhig-aufgeregten, rhythmischen Gebärden.\nWenn jeder einmal an die Musik glaubt, wird\nalles häßliche Streben nach Macht und Reichtum\nein Ende haben. Das goldene Zeitalter wird wieder\nauf die Erde herabsteigen, Löwe und Lamm wer-\nden friedlich im Schatten des Baumes beieinander\nliegen, Habicht und Taube sich begegnen. Unter\n•den Menschen wird nicht Gleichheit herrschen,\nweil dies unmöglich ist. Aber sie werden in der\nMusik d i e Gleichheit finden, die über ihr ganzes\nLeben einen Glanz wirft, und jedes Verlangen nach\nselbstischer Macht in ihnen erblassen läßt.\nMit einem kalten Blick tötete der Redakteur die\nBegeisterung des Künstlers, die in ihn überzuströ-\nmen drohte. Er begann, sich vor ihr zu fürchten\nund griff zu seiner letzten und schärfsten Waffe,\nzum Hohn:\nIch will Ihnen einen Rat geben, bester Freund.\nWenn Sie reich sind, schwimmen Sie in Teufels\nNamen weiter in Ihren phantastischen Träumen;\nwenn nicht, dann werden Sie munter, erwachen\nSie ins Leben oder schießen Sie sich vorn Kopf!\nBeide fühlten, daß der Kampf zu Ende sei, sie\nhatten die letzten Waffen verbraucht, unheimlich in\nihrem starren Glauben an ihre Bestimmung. Sie\nsprachen jetzt ganz ruhig zusammen, wie Men-\nschen, die aus langer Weile gleichgültige Wbrte\nwechseln, sie sprachen so alltäglich, daß sie sich\nheimlich wunderten. Ihre Worte schlichen\nwie müde Pilger durch eine Wüste, um-\ngeben von Einöde. Redakteur Todt erzählte sogar\nKlatsch und war so wenig der Gewaltige, Unnah-\nbare, daß ihn keiner wiedererkannt hätte. Nun\nstand er da als gewöhnlicher Mensch, klein, scha-\ndenfroh, flach. Er begann, sich beklemmt zu füh-\nlen; die armselige Rolle machte ihn unruhig. Er\nbegann den Künstler als Menschen zu hassen, weil\ner jetzt fühlte, wie ihn, den Starken, Steifnackigen\nder Kampf erschöpft hatte. Schon um zwei Uhr\nverabschiedete er sich. Er war nicht phlegmatisch\ngenug, noch eine lange Stunde inhaltlose Gespräche\nzu führen und sich dem Gegner als nackten Men-\nschen zu zeigen. Der Künstler bemerkte die\nSchlaffheit des Redakteurs und war überrascht\nvon seinem Sieg.\nSie kommen wohl heute Abend in das Konzert\nder Konservatoristen? fragte der Redakteur, als\ner dem andern die formlose Hand reichte. Die\nSpannung begann leise wieder in ihm aufzuleben.\nDann sas er wieder in seinem Netz wie eine\nSpinne, nach allen Richtungen lauernd, um im\nrechten Augenblick zuzugreifen und seine Bestim-\nmung zu erfüllen.\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nDas Fest des heiligen\nGeistes\nH. W.\nDas „Berliner Tageblatt4 rief alle Gefster her-\nvor, die nicht kamen. Schon lange quälte die\nLeser die bange Frage, die endlich die Redaktion\nmutvoll ausstieß: Sind Sie abergläubisch? Und\nalle antworteten, die Geheimräte und die Künst-\nler jeder Branche, die gewohnt sind, dreimal im\nJahre die bange Frage zu beantworten. Diese\nFrage aber traf die Auserwählten der Berufenen\nin das Innerste. Sie enthüllten, was sie nicht zu\nverbergen hatten. Ehrlich währt am längsten:\n„Das beweisen auch die Antworten, die wir hier\nals Zeugnisse menschlicher Ehrlichkeit folgen las-\nsen.\" Sie stellen sich recht schlechte Zeugnisse\naus, die hohen Herrschaften. Vielleicht fällt so-\ngar manchen Lesern des „Berliner Tageblatts\" auf.\nwie lange reine Ehrlichkeit währen kann. Man\nkann es mit ihr sogar zur königlich preußischen\nProfessur bringen. Herr Doktor Dessoir bekennt:\n„Ich kann mich beispielsweise von der lächerlichen\nEigentümlichkeit nicht freimachen, solange zu\nschreiben, bis alle Tinte aus der Feder geflossen\nist; das heißt also, ich füge dem an sich schon fer-\ntigen Satz irgendwelche Worte noch hin-\nzu, damit die Feder leer wird.\" Daher also die\nTiefe dieses Philosophen und Aesthetikers. Er\nfügt dank der Eigentümlichkeit. seiner Feder ir-\ngendwelche Tinte hinzu, damit der an sich schon\nfertige Satz voll des Geistes wird, dessen die Na-\ntion bedarf. Es ist durchaus kein Aberglaube,\nman nehme irgendwelche Worte, tauche sie in\nTinte, spieße sie mit der Feder auf, und der banale\nSinn des an sich schon fertigen Satzes wird höch-\nstens beklext. Aber, o Wunder des heiligen Gei-\nstes, Sinn und Satz bleiben banal. Da sieht die\n„teuer und schmerzlich genug erkaufte Endweis-\nheit des Lebens\" des Herrn Professors Doktor Al-\nbert Eulenburg viel treuherziger aus. Er glaubt\nnicht „an das im menschlichen Sinne sogenannte\nVernünftige\". Schade nur, daß sein Unsinn so\nwenig Wohltat wird, wie seine Vernunft eine\nPlage ist. Er muß, der Herr Professor, die teuer\nund schmerzlich genug erkaufte Endweisheit von\nder Unvernunft des Vernünftigen sich mit Ant-\nworten an das „Berliner Tageblatt\" bezahlen las-\nsen. „Nolentem trahunt.\" So sagt der Professor.\nSo zieht das Leben. Hingegen der Professor Dok-\ntor C. Kaßner stellt seinen Naturwissenschaftler\nim Kampf gegen den unnatürlichen Aberglauben:\n„. . . kann ich die Frage durchaus verneinen. Ich\nhabe gemäß meiner Fachwissenschaft schon in\nzahlreichen Aufsätzen . . Gemäß. Zahlreichen\nAufsätzen. Hat er. Der Leser atmet erleichtert\nauf, aber schon drückt ihn Herr Professor Doktor\nJosef Kohle'r wieder nieder. Der ist abergläu-\nbisch. Ein Jurist. Wenn also sogar die Juristen.\nUnsinn ist bei Herrn Professor Kohler oft Ver-\nnunft gewesen. (Stolz): „Ich schäme mich des-\nsen nicht; meist sind es Halbgebildete, die sich\nüber derartige Dinge gründlich erhaben fühlen.\"\nDas trifft Herrn Professor Doktor C. Kaßner ge-\nmäß seiner Fachwissenschaft ins Herz, an das er\naber nicht glaubt, gemäß seiner zahlreichen Auf-\nsätze. Doch' schqn eilt ihm Herr Geheimer Regie-\nrungsrat Professor Doktor A. Miethe zu HilfeS\n„Wenn Sie die Frage stellen: Sind Sie abergläu-\nbisch?, so darf ich mir wohl die Gegenfrage er-\nlauben: Wie meinen Sie das?\" Als ob die Re-\ndaktion zu ihrem Amt noch eine Meinung hätte.\nDer Geheime Regierungsrat sollte eigentlich wis-\nsen, daß die Redaktion ihre Leser zum Pfingst-\nstollen etwas Geist futtern lassen muß. Und sei\nes auch der Geist des finsteren Aberglaubens.\nHerr Miethe lehnt ihn ab, aber er beantwortet ihn.\nEr gibt gleichfalls gemäß seiner Naturwissenschaft\nAutklärung. Zum Beispiel: „Das Uebersinnliche\nist ja etwas, was nicht sinnlich ist und daher auch\nsinnlich nicht wahrgenommen werden kann, sonst\nwäre es ja nicht übersinnlich.\" Eine klare Auf-\nklärung. Das Uebersinnliche ist platt erledigt. Ein\nGeist, der sich so manifestiert, braucht nicht zu\nglauben. Das Ungläubige ist ja etwas, was nicht\ngläubig ist, sonst wäre es ja nicht ungläubig: „An\nManifestationen zu glauben fühle ich daher kein\nBedürfnis.\" Hingegen Herrn Professor Nernst ist\nder Aberglaube ein Bedürfnis. Er hat sich sein\ntägliches Leben zu hell gemacht, er braucht den\nAberglauben als „ein gutes Stück Phantasie und\nPoesie im täglichen Leben\", während, sehr logisch,\nHerr Mie'the aus seiner photographischen Dunkel-\nkammer heraus sich nach den Lampen des Herrn\nNernst sehnt, soweit gemäß der Fachwissenschaft\ndes Herrn Professors C. Kaßner an die Existenz\nder Sehnsucht geglaubt werden darf, was Herr\nProfessor Kohler gegenüber diesen Halbgebildeten\nwieder gestattet, aber nur in soweit, als die feh-\nlende Willensfreiheit des Herrn Professors Eulen-\nburg es zuläßt, wodurch schließlich das Farbband\nmeiner Schreibmaschine so abgespult ist, daß ich\nnicht einmal irgendwelche Worte hinzufügen kann,\num mich von der lächerlichen Eigentümlichkeit des\nHerrn Professors Dessoir freizumachen. Ich ver-\nsichere nur noch hastig, daß sämtliche angefrag-\nten Schauspieler und Schauspielerinnen zu Pfing-\nsten ebenso gut dichten, wie die angefragten Dich-\nter seit Ostern komponieren. Daß hingegen Herr\nProfessor Doktor Stefan Zweig versichert, er ant-\nworte (abgesehen von der Redaktion des „Ber-\nliner Tageblatts\") auf jedes Sichersein seines Ge-\nfühls mit der Erfahrung der Enttäuschung, „die\nmich bisher nie betrogen hat, womit mir ein\nWesens zug meines Lebens klar zu werden\nscheint, daß ich mir mit Willen wenig erringen\nkann, sondern alles Wesentliche von außen\ngeschenkt empfangen muß.\" Womit das We-\nsenlose seiner Züge und das Unwesentliche sei-\nner Dichtungen so naturwissenschaftlich bewiesen\nist, daß ich freudig den klaren Extrakt unseres\nübersinnlichen Philosophen ohne irgendwelche\nWorte zur gefl. Benutzung stelle, die Worte un-\nseres Rudolf Presber:\nUnd gern noch — zeigt sich sonnig und blau\nIn meinem Leben ein Maitag —\nSoupier' ich mit einer hübschen Frau\nAuf Nummer Dreizehn am Freitag!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-02.1.8", "texte": "Es werden nur Attzeigen tatsächlichen Inh-alts fort*\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vom*\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur dnrck\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeü&\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlas\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung vou Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AygustastraBe 51\ngegeaiiber der von der HeydtstraBe A\nFahrgelegenheit: Lutzowplatz J\nFiinfzehnte Ausstellung\nDer Moderne Bund\nSchweiz\nHans Arp / Wilhelm Gimmi / Walter Helbig / Her-\nmann Huber /' Paul Klee / Oskar Liithy / Albert\nPfister\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10-2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nLetzte Ausstellung vor den Ferien\nAm 20. September 1913\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnlicbe Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nscndung in Roll en direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n,10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeg inn d,es neuen Vi e r t el j ah r e s bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis\n\nSdriderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: V ersohnung /\n/Tierlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat /DieHirtin/Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nR u h e n d e Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark,\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib ./ Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte ./\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte I\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: N i i i n s k y / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMasik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in v©ller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitschriften\nL'Effort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'IndSpendance / Halbmonatsschrift / Kunste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift I Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Francaise / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\n\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris J Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\n\nAnzeigen\n\nIn Vorbereitung: Oskar Kokoschka-Mappe / Zwan-\nzig Blatt Zeichnungen / Strichatzung / auf Kaiser-\nlich Japan-Papie'r in Luxusmappe J Bei Bestellung\nv o r Erscheinen (Ersten Juni) 20 Mark / Nach Er~\nscheinen 25 Mark ,/ Verlag Der Sturm\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngrundet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidinet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kiinstierische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama ,/ begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text ./\neine literarische Beilage erscheint ieden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark /\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag*\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag j Dritte Ausstellung: Qemalde:.\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n/ Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragerier Verein*\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession-\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 t\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.,\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-,\nlitz, MiquelstraCe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699>\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-.\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessem\nNachteile hat, Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt-\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher-\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und>\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern f'\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest*\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis StangenE,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbarcda!)"}]}