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Er unterrichtet den-\nnoch. In seinem Programm heißt es: „Die Fu-\nturisten, die Malerei der Bewegung der Körper und\nseelischen Zustände (Kandins ki, Pechstein, Pi-\ncasso und andere. „Der blaue Vogel\").\" So wird der\nHerr Doktor Koppen seine Hörer „orientieren\". Er\nhat nun einmal den Vogel, über Malerei zu unter-\nrichten, wenn er auch nicht blau ist. Er will auch\nseinen Hörern vorpfeifen, daß der brave Erler, der\ntraurige Egger-Lienz und Hodler die neue Monu-\nmentalmalerei vertreten. In der „letzten Stunde\"\naber redet er aus der Vogelperspektive: „Was ist\ngesunde und kranke Kunst? Die Grenzen der Ma-\nlerei.\" Wo ist die gesunde Kunst zu finden?\nBei der Vortragsreihe 37 der Freien Hochschule.\nDort zwitschert der Meister Koeppen über die\nMeister des Humors und der Satire. Kinder, da\nmüssen wir hingehen: „Es sollen drei Abende voller\nFrohsinn und Heiterkeit werden. Worin der Witz\nder Zeichnung, Farbe und der Auffassung liegt,\nwird in humoristischer ästhetischer Art auseinander\ngesetzt werden.\" Kinder, das wird gemütlich!\nLaune: „Vom Jammerthal des Lebens. Die fröhliche\nKunst als Erlöserin. Humor und Satire als Cha-\nraktere\". So bringt man seine drei Abende unter.\nFort mit den Bewegungen der Körper und see-\nlischen Zustände. Hin, Kinder, zu den „Meistern\nfröhlicher Kunst: Recnicek, Hentschel, Arnold\nBöcklin\".\nMein neuer Freund\n„In den Erinnerungen, die Anton v. Werner\nneulich veröffentlicht hat, und die an dieser Stelle\nschon besprochen worden sind, ist von der beru-\nhigten Stimmung, die man dem hohen Alter nach-\nsagt, nichts zu spüren. Streitbar wie immer steht\nder Siebzigjährige vor uns, ein guter Freund und\nein guter Hasser, von seiner Sache\nfelsenfest überzeugt, nicht einmal\nvon einem leisen Zweifel angerührt,\nob nicht auch eine andere Anschau-\nung möglich ist, unnachgiebig nach\nallen Seiten, auch nach oben.\nIch gestehe, daß ich für solche\nMänner eine Schwäche habe. Sie\nwachsen ja leider nicht nach, die Zeit gehört\ndenen, die immer auch anders können, den Lau-\nen, die sich durch große und kleine Nützlich-\nkeiten bestimmen lassen. Und es tut meinem Re-\nspekt keinen Aboruch, daß wir sozusagen geborene\nGegner sind.\"\nAlso schreibt Fritz Stahl im Berliner Tageblatt.\nEr muß danach eine Schwäche für mich haben.\nEr zeigt sie allerdings auf etwas verborgene\nWeise. Vielleicht bekommt Der Sturm seiner\nSchwäche nicht gut. Er verschließt sich ihm. Aber\ndrinnen, in seiner gutbürgerlichen Stube, da liest\ner ihn, mein neuer Freund. Und er weiß, daß mich\nnicht einmal ein leiser Zweifel rührt, ob nicht auch\nseine Anschauung möglich ist. Denn er hat keine.\nEr sieht nur Bilder mit Dingen.\nMein neuer Freund über Anton von Werner und\nsich selbst:\n„Er hat in dem Kampfe, den er gegen un-\nsere Generation führte, nicht gesiegt. Er\nhat zusehen müssen, wie Kritik, Publikum und\nschließlich auch der Staat sich einer anderen Kunst\nzuwandten, einer Kunst, die für ihn keine ist. Das\nerklärt die Bitterkeit und Gereizt h e i t, die\nseine Taten und Meinungen in den letzten Jahren\nimmer mehr und mehr beherschte. Es ist ihm\nunfaßbar, daß gerade die Epoche, in der er\nund seine Freunde wirkten, jetzt allgemein für\neine schlechte gehalten wird. Es ist ja un-\nfaßbar, meint er, daß gerade nur dieses Mal in der\nganzen Kunstgeschichte Künstler und Kunstbetrach-\nter sich so geirrt haben sollen.\"\nMit so einem dicken Balken im eigenen Auge\nkann man natürlich nicht Bilder betrachten.\nMein neuer Freund über einen Kollegen und sich:\n„Neben ihm stellt Herr v. Khaynach aus, dessen\nganz hilflose Malerei nicht zu erwähnen wäre,\nwenn er nicht zugleich als Kritiker eines Berliner\nBlattes fortwährend den Niedergang des Könnens\nund den Mangel jeder guten Tradition bei\nanderen beklagte.\nFritz Stahl\"\nDas ist also der Herr mit dem Splitter.\nMein neuer Freund als Politiker\nDer geborene Gegner tritt für die fehlgebore-\nnen Bilder des Herrn Anton von Werner ein. Die\nGroße Berliner Kunstausstellung wollte aus poli-\ntischen Rücksichten, wie sie sich sehr politisch aus-\ndrückte, die Schlachtenbilder des Herrn von\nWerner nicht ausstellen. Da zog der Stahl vom\nEisen. Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts\nin der Welt, Verschiedene andere Deutsche aller-\ndings die Bilder des Herrn von Werner. Der\nStahl beschützt immer die Kunst. Keine Kunst\nfür Kunst zu halten ist allerdings mehr Kunst der\nPolitik, als Kunstpolitik. Der Stahl ist zwar noch\nnicht siebzig Jahr alt, wie der Werner, aber lang-\nsam beginnt er bereits mit seinen „Erinnerungen\":\n„Ich habe einmal im Berliner Künstlerhaus den\nDolmetscher zwischen dem Münchener Bildhauer\nRümann und dem Franzosen Mercie gemacht, der\ndie Gruppe „Gloria victis!\" und andere geschaffen\nhat, in denen der französische Trotz gegen die\ndeutschen Sieger gestaltet ist. Rümann bewun-\nderte den Kunstgenossen, der zuerst ziemlich\ngrimmig dreinsah. Am Ende aber reichten sich\ndie beiden Soldaten von 1870 herzlich die Hand.\"\nEndlich einmal ein Bild. Schade daß sie ge-\nborene Gegner sind. Ich sehe dieses ungeborene\nBild des Werners. Die alten Soldaten reichen sich\ndie Hände, im Hintergrunde die feindlichen Grup-\npen und im Vordergrund, sodaß er noch sichtbar\nist, zwischen den Händen, nein, das wäre futu-\nristisch, also vor den Händen, sprechend perspek-\ntivisch, der friedliche Dolmetscher, mein neuer\nFreund, der alte Fritz.\nDie um Goethe\nDer verstimmte Geiger\nHerr Geheimer Regierungsrat Ludwig Geiger,\naußerordentlicher Professor der Universität zu\nBerlin, Herausgeber der Goethe-Jahrbücher, redi-\ngiert ein Nebenblatt des Verlags Rudolf Mosse.\nIn der neuesten Nummer findet sich folgendes:\nHebräische Balladen von Else Las-\nker-Schüler. A. R. Meyer, Verlag 1913.\nBerlin-Wilmersdorf\nEin Heftchen, das mit einer schauderhaften, mir\nübrigens vollständig unerklärlichen Vignette ge-\nziert ist, enthält Gedichte, die fast noch schlimmer\nsind, als das Titelblatt. Will sich die Verfasserin\nüber die jüdische Geschichte lustig machen, wie es\naus dem Gedichte „Abraham und Isaak\" fast her-\nvorzugehen scheint, oder will sie etwa die moderne\nPoesie verspotten? Ein Gedicht, wie „Esther\"\ngleicht entweder dem Stammeln eines Kindes oder\n— man verzeihe das harte Wort — dem Lallen\neines Idioten. Damit meine Leser nicht glauben,\ndaß ich zu scharf urteile, lasse ich die neun Zeilen,\ndenn nur aus diesen besteht das Gedicht, hier\nfolgen. Sie lauten so:\nEsther ist schlank wie die Feldpalme\nNach ihren Lippen duften die Weizenhalme\nUnd die Feiertage, die in Juda fallen.\nNachts ruht ihr Herz auf einem Psalme\nDie Götzen lauschen in den Hallen.\n■i\nDer König lächelt ihrem Nahen entgegen —\nDenn überall blickt Gott auf Esther.\nDie jungen Juden dichten Lieder an die Schwester\nDie sie in Säulen ihres Vorraums prägen.\nAehnlich, manchmal noch schlimmer, sind die\nübrigen Balladen. Nur ein paar Gedichte, die eine\ngewisse Sehnsucht nach Gott verkünden, sind\netwas besser, aber für Poesie kann ich dieses öde\nWortegeklingel in keiner Weise ansprechen. (Ge-\nschrieben Januar 1913). L. G.\nMan hat die Wahl zwischen dem Stammeln\neines Kindes oder — man verzeihe das harte Wort\n—dem Lallen eines Idioten. Und ein Gedicht, das\nnur aus neun Zeilen besteht! Das geht Herrn\nProfessor Geiger über alle Gipfel. Dieser Mann\nhat „Goethes Leben und Schaffen dem Deutschen\nVolk erzählt.\" Er hat Goethe so oft herausge-\ngeben, daß nicht das kleinste Gedicht dieses Autors\nin seinem Kopfe blieb. Warum beschäftigen sich.\nGeheime Regierungsräte, vom Staat dafür bezahlt,\ndas ganze Leben mit Goethe, wenn sie nicht das\ngeringste Empfinden für Kunst haben. Der Staat\nbezahlt doch auch für andere Leistungen und sogar\nbesser. Was nützt der unverstandene Goethe in\nder Westentasche, wenn man Januar 1913 Gedichte\nder Lasker-Schüler für ödes Wortgeklingel ab-\nbespricht. Goethe kann man leider vom Einleiten\nnicht mehr freihalten. Von unsern großen zeitge-\nnössischen Autoren will ich diese Herren jedoch\nlebhaft ableiten.\nGoethe ohne Schmidt\nDer Schmidt-Gesellschaft, die sich merkwür-\ndigerweise Goethegesellschaft nennt, ist ihr Vor-\nsitzender, Herr Erich Schmidt, gestorben. Trotz-\ndem zog sie mit Mann und Frau und Kind und\nSchienther nach Weimar, um das übliche Goethe-\nbankett abzuhalten. Goethe hat nämlich Schmidt\nsehr viel zu verdanken, er besuchte zwar das\nBankett nie, hielt aber zur Erleichterung der\nFestesfreude seinen Geist der Gesellschaft fern.\nNun aber, da Herr Schmidt fehlte, fand diesmal\ndas Bankett „keinen Anklang\". Herr Hofrat Paul\nSchienther ahnte es nicht:\n„Noch von der Vormittagssitzung her war in\nseinem Lorbeer- und Zypressenhaine das gipserne\nBildnis Erich Schmidts stehen geblieben, und die-\nser verstummte bleiche Zeuge ließ keine Tafei-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2129, "texte": "Freuden aufkommen. Zum ersten Male hat Erich\nSchmidt in der Goethe-Gesellschaft gestört. Viele,\nbesonders unter den Gästen aus Berlin, hatten das\nvorausgeahnt und waren teils abgereist, teils in\nein anderes Lokal gegangen.\"\nHerr Hofrat Paul Schienther hat es nicht vor-\nausgeahnt. Alle fehlten: „Es fehlte auch der Schalk,\nder in seinem Damentoast die gute Laune zu ent-\nfesseln und die großen Tiere der Goethegesell-\nschaft behaglich durchzuhecheln pflegt.\" Der war\nnämlich auch in ein anderes Lokal gegangen. Man\nversteht, daß eine Goethegesellschaft nur durch\neinen Damentoast in gute Laune versetzt werden\nkann. Goethe macht zu schwer, aber die hinrei-\nchende Bierschwere erreicht man mit ihm doch\nnicht. In dem anderen Lokal „stimmte der Schalk\nvon Erich Schmidts Lieblingsliedern eines nach\ndem andern an.\" Hingegen präsidierte auf dem\nBankett Herr von Oettingen „mit vieler Anmut\"\nund leerte einen Becher Goethes „auf das Wohl\nder anwesenden Goethefreundinnen zur Hälfte.\"\nSchließlich wurde Freiherr von Rheinbaben zum\nVorsitzenden der Schmidt-Gesellschaft gewählt.\nIm nächsten Jahr will Herr Hofrat Paul Schienther\nprüfen, ob Herr von Rheinbaben den heiteren\nGeist in der Goethegesellschaft entfesseln kann.\nSteinfindlinge\nDie Vossische Zeitung, modernisiert wie sie\nist, veröffentlicht in ihrer Abendausgabe vom\n20. Mai unter „Lokales\" folgende Notiz:\n„Ein Corinth-Denkmal im Grunewald. Zur Er-\ninnerung an den bekannten Maler Lovis Corinth,\nder seinerzeit die schönsten Grune-\nwaldbilder in der Sezession für die\nOeffenll i c h k e i t freigegeben hat,\nwird die Gemeinde Grunewald am Riemeister-See\nauf einem Terrain, das der königliche Forst-\nfiskus zu diesem Zweck freigegeben hat, ein\nDenkmal errichten, und zwar aus Steinfindlingen\nder Mark, mit einem Gedenkstein: Dem unsterb-\nlichen Maler Lovis Corinth die Gemeinde Grune-\nwald.\"\nCorinth gibt seine Bilder für die Oeffentlichkeit\nfrei, der königliche Forstfiskus gibt ein Terrain\nfrei. Die Gemeinde Grunewald entdeckt die\nschönsten Grunewaldbilder von Corinth, während\nman vielmehr der Vossischen Zeitung große Ro-\nsinen in den fehlenden Kopf gesteckt hat.\n\nH. 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[Pendel.\nUnd warte atmend.\nStunden rauschen auf.\nUnd jede Stunde hält ein kreisendes Licht.\nEin tiefbedeckter Gang zeigt in die Ferne,\nVom Stundenlicht bedämmert.\n\nMein Auge starrt beglänzt.\nNachthelle Stunden!\nIhr könntet schaukelnde Schmetterlinge sein,\nMaibunt bemustert und Pfauenaug-gefiedert.\nIhr könntet summen, getragen auf Akkorden,\nDom-hallend, weit durch Türen, Läden und Stille,\nHerschwingende, versponnene Musik,\nDie Nacht ist bunt und glücklich.\nVor meinen Augen baut sie ein taumelndes Kugel-\nspiel aus Glaskugeln.\nMit weichen Glöckchen macht sie ein Ohrenge-\nklingel.\nDann pflückt sie hoch von wasserrauschenden\n— Das wogt und fächert — [Bäumen\nViel erdbeergroße rote Beeren herab.\nSie spielt damit umher und schnellt sie und fängt sie\nUnd singt verweht einen Kinderreim.\nUnd nimmt sie zusammen und reiht sie und\nIm Kreis bunt rund [schwingt sie\nUnd wirft sie um meinen Mund.\nRotglühend brennt ein lutschend-süßer Kuß!\nDie Nacht ist bunt und zeitlos glücklich.\n\nFrühlingsatem\nEine Liebesfroheit hat meine Wangen rot gepudert.\nMein Atem mischt sich weich dem Tagwind.\nWo ich die Straßen betrete, sind sie zum Festzug\nbereitet,\nEin blumiges Schauvolk festschreitet und gleitet.\nMenschen erwartungsgroß haben sich aufgestellt.\nAus allen Fenstern kommen Blicke zu mir, Sonn-\ntag-erhellt.\nMit bloßem Kopfe und mit vor Jungkraft federnden\nZehen\nMuß ich immer und immer durch Sonnenstraßen\ngehen.\nIch habe ein fernblaues Mädchen am Ende der\nStraße erschaut,\nDas lieb-ruhelos Säulen von Sonnenstaub vor mir\nbaut.\nUnd während ich gehe, geht in meiner Herzbrust\njemand mit viel schnelleren Füßen\nUnd ruft: Wir werden heut küssen!\nWeichluft-umschlungen verzittert mein Jubelschrei\nhinab in die Brust.\nUnd mein Atem strömt ab in den Wind. Von\nDächern weht ein Gelächter.\n\nIn Gedanken\nHerrn Dr. E. gewidmet\nAm Ufer hing von Oel und Teer ein Duft.\nEratmend blieb am Rande einer stehen.\nSeine Augen mußten verwunderungsgroß übers\nWasser gehen:\nDer Abend warf seine Farbentöpfe in die Luft.\nDas Meer, in Spiegelstille zerflossen,\nUnd das Ufer, das turmhaft abseit stand,\nWaren mit Farben Übergossen\nUnd starrten staunend im Farbenbrand.\nSieh mir in die Augen. Kannst du verstehen,\nDaß so wunderliche Leute über die Erde gehen,\nMit Augen, nach Fernen gewandt,\nUnd mit Stirnen, Sehnsucht-gebräunt?\nIn Gedanken fasse manchmal meine Hand.\nIn Gedanken — leuchtend — bin ich dein Freund.\n\nDie Nacht strich funkend . . .\nDie Nacht strich funkend und heiß über meinen\nScheitel.\nDer Gedanke an eine Jung-Geliebte\nAtmete bei mir im Bett. —\nAber als der Tag vor meinem Fenster ergrünte,\nSchrak ich in Wachheit empor\nUnd sonnte meine Augen an einem neuen Traum,\n— Spinnweb-Strahlentraum.\nDen zerlegte ich mit meinen Wunsch-Blicken\nUnd stellte in den Morgen hinein ein scheues Glück,\nIn ein rotes Tulpenbeet stellte ich es hinein\nAuf einen schneeigen Sockel.\nUnd schrieb darunter mit meinem Finger\nZittrig verwischt\nDas Wort, das ein Staunen ist:\nFreund."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c005", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "35", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.4.1", "titre_corps": "Schlaf — wach", "titre_sommaire": "Schlaf — wach", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.3", "debut_caractere": 2164, "fin_caractere_exclue": 2409, "texte": "Schlaf — wach\nZum Schlag der Nachtuhr schwingt mein Blut das\nIch liege ausgereckt. 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Kannst du verstehen,\nDaß so wunderliche Leute über die Erde gehen,\nMit Augen, nach Fernen gewandt,\nUnd mit Stirnen, Sehnsucht-gebräunt?\nIn Gedanken fasse manchmal meine Hand.\nIn Gedanken — leuchtend — bin ich dein Freund."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c009", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "35", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.4.5", "titre_corps": "Die Nacht strich funkend . . .", "titre_sommaire": "Die Nacht strich funkend . . .", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.3", "debut_caractere": 4630, "fin_caractere_exclue": 5188, "texte": "Die Nacht strich funkend . . .\nDie Nacht strich funkend und heiß über meinen\nScheitel.\nDer Gedanke an eine Jung-Geliebte\nAtmete bei mir im Bett. —\nAber als der Tag vor meinem Fenster ergrünte,\nSchrak ich in Wachheit empor\nUnd sonnte meine Augen an einem neuen Traum,\n— Spinnweb-Strahlentraum.\nDen zerlegte ich mit meinen Wunsch-Blicken\nUnd stellte in den Morgen hinein ein scheues Glück,\nIn ein rotes Tulpenbeet stellte ich es hinein\nAuf einen schneeigen Sockel.\nUnd schrieb darunter mit meinem Finger\nZittrig verwischt\nDas Wort, das ein Staunen ist:\nFreund."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c010", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "36", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.5", "titre_corps": "Créations", "titre_sommaire": "Créations", "signature_source": "Gaston Picard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.3", "debut_caractere": 5190, "fin_caractere_exclue": 7831, "texte": "Créations\n\nLes lettres traversent decidement une epoque\nde creation.\nCependant que de jeunes hommes sinceres mais\ningenus affichent bruyemment leur desir de\nrealiser une Renaissance pretendue revo-\nlutionnaireet continuent le plus vieux, d'autres\napportent vraiment, dans leurs oeuvres, quelque\nchose qui leur confere une originalite, une persona\nnalite, une nouveaute.\nOn a lu ici meme un poeme de Guillaume Apol-\nlinaire, „Zone\", plein des plus precieuses beautes.\nSi Guillaume Apollinaire est quelquefois le poete\ntrop nonchalant des spectacles quotidiens et divers,\ndans ce poeme il affirme des qualites de sensibilite,\nde pensee et d'expression qui en fortune presque\nadmirable. On a vu que Guillaume Apollinaire\nnegligeait toute ponetuation. II n'y a point lä\nabsolument une innovation: Stephane Mallarme,\ndans ses sonnets suprimait la ponetuation; mais\njamais cela n'avait atteint une centre entiere, et le\nprochain livre des poemes de Guillaume Apolli-\nnaire paräitra sans qu'un point, une virgule, gui-\ndent naturellement le lecteur dans la coinprehen-\nsion. Cette hardiesse peut sembler simple; eile\nn'en demeure pas moins une hardiesse. Ainsi les\npoemesse presentent-ils comme de merveilleux\nsecrets. D'abord on pätonne, on hesite; on saisit\nici une lueur, lä une autre. Puis, la lumiere se fait\nplus apparente. Enfin les beautes paraissent.\nC'est une volupte inedite que de promener une\ncuriosite constante dans ces poemes, constante\njusqu'ä l'instant oü la lumiere vous baigne, oü\nla verite vous etreint, oü le secret penetre s'erige\ndans le souvenir en triomphateur, avec son ma-\ngique cortege de reticences et demi-aveux.\nA la considerer dans son essence, cette har-\ndiesse est purement typographique. On lui alliera\ndes hardiesses, differentes' mais typographiques\negalement, dont de grands ecrivains apporterent\nla creation.\nOn s'etonne, ä lire pour la premiere fois les\noeuvres dramatiques de Paul Claudel, de voir si\nfrequemment rejetee ä la ligne, et disposee comme\nla traduetion de poemes etrangers, cette prose\ndejä deroutante par ce qu'elle reunit de mystique,\nde symbolique et de philosophique, vaste synthese\nd'un superieur ideal.\nII faut savoir que Paul Claudel, chauque fois\nqu'il a recours ä la ligne, indique au lecteur curieux\nde l'admirer ä voix haute, ä l'artiste qui l'inter-\nprete, l'endroit oü ils doivent reprendre leur res-\npiration, tant pour les necessites physiques du\nsouffle que pour Celles, litteraires et morales,\nde la construction de la piece. Ce que Paul Clau-\ndel accompagnait naguere de quelques exagera-\ntions. Par exemple, dans la premiere Version de\nLa Ville,1) page 29, oü on trouve ceci:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3165, "texte": "$? Mais ap —\n— pelle L —\n— eon. Pourquoi ne parlent-ils pas?\nPar cette typographie, debarassee d'exagera-\ntions comme celle que nous citions, Paul Claudel,\nquoiqu'il innove, se rapproche d'ailleurs de la tra-\ndition biblique.\nII existe ä cette typographie — mais seule-\nment pour les necessites litteraires et morales de\nJ'oeuvre, comme pour ce qui est de ses rapports\navec la tradition biblique — un precedent: dans\nLes Nourritures Terrestre s,1) de Andre\nGide.\nTres biblique est l'oeuvre derniere de Paul\nClaudel, Cette heure qui est entre 1 e\nprintemps et l'et e.2) Ici encore, un rap-\nprochement avec Les Nourritures Terre-\nstre s s'impose. Qu'on s'en reporte au livre de\nAndre Gide: „devant Menalque, Alcide et quel-\nques autres asseinbles\", une nuit, Hylas chanta la\nRonde de la Grenad e\".\nApres quoi, Hylas chante la prume, et Moelibee\n„la Ballade des plus celebr es amant s\".\nPuis, „Mopsus chanta la Ballade des lieus\nimraeuble s\". Enfin Guzman „la Ron d e des\nM a 1 a d i e s\".\nHylas, Moelibee, Guzman, entrecoupent leurs\nchants de paroles profondes.\nAinsi dans Cette heure qui est entre\nprintemps et 1' e't e, Paul Claudel met en\nscene Laeta, Fausta et Beata — trois femmes —\nqui chantent des cantates, en hommage au froment,\nä la vigne, au Rhone, au „peuple divise\" — la Po-\nlogne —etc.\nCela avec une puissance d'expression extra-\nordinaire. On puisse, dans la lecture de Cette\nheure qui est entre le printemps et\n1' et e — la derniere nuit qui precede la naissance\nde Tete, le printemps venant de mourir — une\nexaltation |qui transporte. Particulierement &ux\npartes que prononce Fausta l'exilee, ses larmes\ncoulant äse rappeler tel beau soir oü:\n. . . l'on ne voyait dans la nuit que le point rouge\nd'une cigarette aux levres de deux ou trois.\n(Tous sont morts).\nEt eclairant le beau col nu ä la petite oreille\nsondain l'eclair d'un diamant\nComme une grosse goutte sous d'epais cheveux\nnoirs empruntes ä des eaux immaterielles.\nEt l'on n'entendait rien que dans les avenues\nimmenses le roulement sourd d'un equipage,\nEt le dialogue bien loin, aux deux extremites\nde ce Jardin, d'orchestres opposes,\nDont le vent faible etrangement tour ä tour\nunissait et divisait les cuivres.\nSignaions une petite nouveaute encore: un blanc\nlä ou d'autres que Paul Claudel mettraient des\npoints de suspension. Nouveaute qu'on croirait\npuerile, mais qu'on comprendra logique si l'on\naccepte la typographie generale des oeuvres du\nprodigieux Iyrique.\nL'epoque sera une epoque de creation. Dejä eile\nl est. Sa creation s'affirme au jour le jour. Les\nlettres qui s'ennoblissent d'etre meres d'un Paul\nClaudel, d'un Andre Gide, comme aussi — pourt ne\npas omettre les disparus — d'un Paul Verlaine,\nd'un Stephane Mallarme, d'un Jules Laforgue, d'un\nJean Moreas — comme enfin — pour citer les plus\nvivants parmi les vivants — d'un Paul Fort, qui\ncrea la plus iudicieuse typographie, au benefice de\nses enchanteresses Ballades, d'un Nicolas Beauduin,\nd'un Guillaume Apollinaire, d'un Alexandre Mer-\ncereau, d'un Guy Charles Cros d'un Robert Veys-\nsie, d'un Henri-Martin Barzun, — pour citer\nseulement des poetes — les Lettres frangaises cou-\nrent ä leur plus grande gloire. . ."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.4", "debut_caractere": 3234, "fin_caractere_exclue": 3247, "texte": "Gaston Picard"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c011", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.6", "titre_corps": "Henri Matisse", "titre_sommaire": "Henri Matisse", "signature_source": "Adolf Behne", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.4", "debut_caractere": 3249, "fin_caractere_exclue": 7514, "texte": "Henri Matisse\nVon Dr. Adolf Behne\nDenkt man vor Matisses Bildern an Cezanne\nzurück, so scheinen nicht eine oder zwei, sondern\ndreimal so viele Generationen zwischen den\nKünstlern zu liegen, und man erstaunt wie sich\ndie Physiognomie des Tafelbildes in So kurzer\nZeit so ungeheuer verändern konnte! Aber man\nmuß bedenken, daß Matisse viel mehr als von Ce-\nzanne, von Gauguin ausgegangen ist. Von\ndiesem übernahm er das Prinzip der Flächenhaf-\ntigkeit und der dekorativen Teilung der Fläche.\nEr geht über Gauguin hinaus in der helleren, leuch-\ntenderen Farbigkeit. Zwar ist auch Gauguin ge-\nlegentlich leuchtend und hell. Doch sind gerade\ndiese Bilder seine schwächeren. In seinen besten\nBildern, zu denen ich eine Landschaft im Privat-\nbesitze Curt Hermanns zähle, ist er gedämpft in\nder Farbe. Demgegenüber nimmt Matisse in der\nKoloristik Anregungen van Goghs auf, von dessen\nunerhört großem Lebenswerke ja eine wahre Wie-\ndergeburt der Farbe datiert. Heute darf man,\nwenn man zum Beispiel die Berliner Sezession\ndurchwandert, getrost von einem Siege der Farbe\nsprechen, und insofern ist es schon richtig, daß\ndie junge Generation mehr noch als von Cezanne\nvon van Gogh abhängt. Daß sich Matisse in der\nHauptsache gerade an Gauguin anschloß, liegt\nsicherlich in seinem Temperamente begründet.\nSo schöne Dinge wir auch Gauguin, dessen Oeuvre\nübrigens sehr ungleichwertig ist, verdanken, so\ndarf man ihn als künstlerische Persönlichkeit mit\nCezanne und van Gogh doch nicht vergleichen.\nIn den Bildern jener wirkt sich ein Erlebnis aus —\nbei van Gogh bis zur Erschütterung gewaltsam,\nbei Cezanne bis zur Beseeligung geklärt. Vor Gau-\nguin bleiben wir bei aller Bewunderung kühl bis\nans Herz hinan. Es überwiegt in ihm der Artist.\nUnd nicht viel anders ist es bei Matisse! Auch\ner ist in erster Linie Artist, ein erstaunlich ge-\nschickter und verblüffend geschmackvoller, gewiß!\ndoch das Erlebnis bleibt vor seinen Bildern aus.\nZwischen ihm und Gauguin besteht eine Seelen-\nverwandtschaft!\nAber man kann von Matisse sehr viel lernen!\nEs herrscht bei ihm eine Klarheit in der Verwen-\ndung der Mittel, eine staunenswerte Oekonomie\nder Farben, eine Disziplin der Flächen. Weil hier\nein Maler sein Schaffen so offen ausbreitet, ist das\nInteresse an ihm so intensiv, und er breitet sein\nSchaffen so offen aus, weil er mit keinem see-\nlischen Erlebnis zu kämpfen hat.\nBesonders lehrreich ist es, die Zeichnungen Ma-\ntisses zu betrachten. Zum Teil sind sie Kompen-\ntionsstudien, zum Teil Notizen, die sich Matisse in\nder Natur, auf seinen nordafrikanischen Reisen ge-\nmacht hat. Allemal ist die Aufteilung der Fläche\nganz bewundernswert. Was Matisse in der Natur\nfesthält, ist ein Bildausschnitt, ein System von Li-\nnien, deren gegenständliche Bedeutung ihm recht\ngleichgültig ist, die aber mit ihren Kontrasten, ihren\nUeberschneidungen und Teilungen bereits von\nstarker dekorativer Wirkung sind. Er skizziert\nbeispielsweise eine weite Meeresbucht, vorn einen\naus der Vogelperspektive gesehenen, wie versin-\nkenden Kuppelbau und einige groß gesehene\nBoote, ein Gewimmel kleiner Boote in der Mitte\nalles nur festgehalten in dünnen trockenen Linien,\ndie keinerlei Ausdruckwerte besitzen, sondern nur\ndas Teilungssystem einer Fläche andeuten. In\nerstaunlicher Mannigfaltigkeit setzt Matisse kleine\nund große, schräge und lotrechte, schwebende,\nauffallende, straffe und lasche eckige und runde\nFlächen in Wirkung zueinander. Auf die Farbe\nverzichtet Matisse bei seinen Skizzen durchaus.\nDenn diese ist eine Rechnung für sich, bei der ihm\ndie Natur nichts helfen kann. Die Farbe wird auf\ndie einzelnen Felder verteilt — in einfachem, wie\ngetuscht wirkenden Auftrag. Das Prinzip, das ihn\nhierbei leitet, ist ein konsequentes und unendlich\ndurchdachtes Arbeiten mit Kontrasten. Hier ist\nMatisse ein Genie! Waren schon seine Flächen-\nteilungen vom Gesetze der Kontrastwirkungen be-\nseelt, so läßt sich in der Welt der Farbe wohl kein\nGegensatz denken, den er nicht ausgenutzt hätte:\ndie Komplementärfarben, hell und dunkel, schmut-\nzig und rein, kalt und warm, klingelnd und stumpf,\nruhig und bewegt — alle Wirkungen des Kon-\ntrastes werden vom Matisse bis zum letzten aus-\ngenützt.\nMan kann sagen, es stecke ein wenig zu viel\nTheaterdekoration in alledem — aber es ist wun-\nderschön!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c012", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "39", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.7", "titre_corps": "Die Schwermut des Genießers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Genießers : Roman", "signature_source": "Arthur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.4", "debut_caractere": 7516, "fin_caractere_exclue": 9191, "texte": "Die Schwermut des\nGenießers\nRoman\nVon Arthur Babillotte\n\nUeber der Landschaft brütete die Erschlaffung,\nalle Energien waren getötet, ausgebrannt von der\nSonne. Die Luft zitterte und gab einen leisen\nKlang. Jeder Wind war eingeschlafen, die Bäume\nhatten jede Bewegung verloren. Als seien sie nach\ndem Sturm, den das Gewitter der Nacht durch ihre\nWipfel gepeitscht hatte, erstarrt. Wie Menschen,\ndie nach einem ungeheuren Unglück versteinert\nstehen. Hätte einer in diesen glühenden Stunden\neinen lebendigen Luftzug über die Landschaft ge-\nsandt, sie wären ihm alle dankbar gewesen, Bäume\nund Wiesen und Menschen, und hätten ihm gedankt\nmit einem befreiten Atemzug.\nJohannes träumte sich in die Wüste. Seine\nLider zitterten, ein leiser Halbschlaf schlich mit\ndem heißen Blut durch den Körper und befreite\nihn; er meinte, körperlos zu sein und alle Schönheit\nder Erde zu jeder Stunde aufsuchen zu können.\nAls sei die Landschaft, die er am Morgen dieses\nschwülen Tages zu einer heroischen umgebildet\nhatte, aus seinem Geiste ausgewischt. Alle Ein-\ndrücke, seine Erinnerung jede seltsame Landschaft,\njedes edle Antlitz, jede Pracht weiter Säle, schie-\nnen vertilgt. Als trage er hinter der Stirn eine\nweiße ausgespannte Leinwand, auf die neue Bilder\nprojiziert werden sollten. Die seltsamsten\nWünsche goren in ihm auf, wie Blasen, schillerten\nin allen Farben, zersprangen. Es gelang ihm nicht,\neinen einzufangen. Der seltsamste aber, der sich\naufwölbte, war dieser: Ich möchte die Wüste\nsehen, dort, wo ihr Grauen am schrecklichsten\nund am schönsten, unergründlich in Eintönigkeit.\nDiesen Wunsch wollte er mit aller Kraft festhalten.\nUnd es gelang. Ein Bild erschien auf der weißen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10576, "texte": "Leinwand, schattenhaft zuerst, allmählich deut-\nlicher, bis es endlich dastand in schrecklicher End-\nlosigkeit, in dem schweren, geronnenen Rhythmus\nder hoffnungslosen Einöde. Obgleich der Künstler\ndie Wüste nie gesehen hatte, erlebte er sie doch in\ndiesen Augenblicken des wohlliistigen Halbschlafs.\nDie Frucht jener Minuten, da mit dem Redakteur\nnach dem Kampfe die Worte wie Pilger durch eine\nEinöde geschlichen waren: Dieses Bild hatte Ge-\nstalt bekommen. So wurde ihm jeder leise Ge-\ndanke, den er unbewußt dachte, zu einer Berei-\ncherung. Die unerbittliche, gramvolle Leere der\nWüste erstand vor ihm. Er sah die leisen Wellen\nihrer Hügel, sah darüber den farblosen Himmel und\nfühlte die Rauheit des feinen Sandes auf seinen\nWangen. Als schleppe er sich gebückt und ge-\nmartert durch diese Schrecken; er zitterte vor\nihrer Gleichförmigkeit, vor der Hartnäckigkeit, mit\nder sie einander folgten, lastend wie Verbrechen.\nEr hatte das Gefühl, als habe eine Musik in ihm zu\nschluchzen begonnen, so disharmonisch in ihrer\neinförmigen Harmonie, so gellend in ihrer ge-\ndämpften Heimtücke, so bunt in ihren grauen Far-\nben, daß ihn ein Taumel der Schwäche schüttelte.\nAlle Konturen liefen vor seinen geängstigten Augen\nineinander über, so daß ein Gewirr der verschie-\ndensten grauen Tönungen entstand, das bunt vor\nihm auf und niedertanzte. In diesen Augenblicken\nbegriff er, daß die Wüste den Menschen wahnsin-\nnig machen kann. In diesen Augenblicken fand er\naber auch die Rettung, indem er die Musik als\nhöchsten Ausdruck der Einöde zu begreifen suchte.\nDas tat er mit einer ungestümen Begierde, da ihm\nnoch nie eine solche häßliche und in all ihrer Häß-\nlichkeit grandiose Musik begegnet war. Eine Mu-\nsik, wie sie sich ihm nicht in seinen brennendsten\nTräumen der Weltgeschichte, nicht einmal in seiner\nVerzückung für Napoleon Bonaparte geoffenbart\nhatte. Eine Musik, ganz neu, die keine Gemein-\nschaft mit der Musik seiner schöpferischen Tage\nhatte. 1 •\n-Aber er vermochte diese graue Endlosigkeit\nnicht lange anzusehen, ohne daß sie sich ihm be-\nlebte. Menschen traten aus dem Horizont hervor,\nklein und hastend, wuchsen und verdichteten sich\nzu Massen, die schwarz wie eine Wolke in dem\ngrauen Feld standen. Ein gespensterhaft-leben-\ndiges Zucken formte die Wolke. Groteske Figuren\nentstanden, riesige Schalknasen, drohende Fratzen,\nernste Gefäße mit reinen, klargeschwungenen Li-\nnien. Schalen, Urnen, Pokale; in unheimlicher\nLebendigkeit wechselte die seltsame Wolke ihre\nGestalt, unerschöpflich. Der Künstler saß wie einer,\nder aus sich selbst herausgesprungen ist, um unab-\nhängig vom Körper — seltene Dinge zu genießen.\nAlle Schönheit der Weltgeschichte war in ihm aus-\ngelöscht. Die-Herrlichkeiten des Alten Testaments\ndrangen auf ihn ein und ließen ihn in Anschauungs-\nfreude erschauern.\n„Mose hütete die Schafe Jethros, seines Schwä-\nhers, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe\nweiter hinein in die Wüste, und kam an den Berg\nGottes Horeb.\n„Und der Engel des Herrn erschien ihm in\neiner feurigen Flamme aus dem Busch. Und er\nsähe, daß der Busch mit Feuer brannte, und ward\ndoch nicht verzehret.\"\n.... Ein Gelächter schlug aus der Wolke, die\nzum Dornbusch geworden war, das rote Gelächter\nder Schaffensfreude. Eine Flamme lohte, rot und\nstark, daß alle Wüste überleuchtet war. In alle\ngraue Endlosigkeit zitterte der Blutton dieses be-\nfruchtenden Feuers. Es werde! sprach eine\nStimme, wie am ersten Tag. Es werde Licht, es\nwerde eine Veste zwischen den Wassern und das\nWasser sammle sich unter dem Himmel an beson-\ndere Oerter, daß man das Trockene sehe. Und\nes geschah also. Der Schrei der Befruchtung stieß\ndurch die Oede, die Farbe der Unendlichkeit und\ndie Farbe der Liebe mischten sich und erzeugten den\nMenschen... Er schritt aus dem brennenden Dorn-\nbusch hervor, hoch in Selbstbewußtsein, lächelnd\nin Er schritt mit rüstigen Füßen von\ndannen, ging in die Wüste, um sie zu beleben; und\nviele seinesgleichen, die aus den Flammen 'des\nDornbuschs kamen, folgten ihm und taten wie er.\nAber endlich verschlang sie der Horizont, und alles\nwar wieder leer und grau, das Feuer erloschen und\nTrauer, endlose Trauer über, der grauen Wüste.\nEin Weinen wehte über den' schrecklichen Sand,\nschwoll an, ward zum brausenden Klagegesang.\nDer Künstler fühlte die Schauer der Befruchtung;\nsein Geist, der die Wohltat eines neuen Werkes\nempfing, zitterte in Wollust — als stehe ein Mäch-\ntiger bei ihm und rüttele ihn, daß er in süße Ver-\nzagtheit fiel. Er hörte das Brausen des Klage-\ngesangs, das alle andern Töne verschlang. Wenn\nihn aber einer in dem weißen Rohrstuhl an der\nVerandabrüstung sitzen sah, konnte er die Zuckun-\ngen, von denen seine Phantasie heimgesucht wurde,\nnicht wahrnehmen, konnte nur einen müden Men-\nschen wahrnehmen, dem in der Hitze des Mittags\ndie Lider über die Augen fielen. Und doch offen-\nbarte sich dem müden Menschen im Traumwachen\neine neue Schönheit. Die Schönheit der Demut\nund des Gehorsams, einförmig und schlicht und\ndoch in all ihrer einförmigen Schlichtheit grandios\nund hinreisend. Er lernte den einfältigen Willen\nzum Leben der Kinder Israel kennen. Erlebte ihre\nAngst und Sorge, ihre Gebete um Rettung vor dem\nHeere Pharaos; er sah das Rote Meer, da die\nWüste sich auftat und sich mit Wasser füllte, auf\ndaß das eine Land vom andern getrennt sei.\n.... Indem sein Geist von der Größe einer\nneuen Musik befruchtet wurde, begann er die\nMacht dieser grausamen Töne zu ahnen. Die\nBilder zitterten *an ihm vorüber, verloren ihre\nLinien und Formen, zerflossen endlich in Nichts,\nindem eines das andere verdrängte: Aber ihre\nSeele, das, was ihnen Bewegung und Bewußtsein\ngab, daß sie nicht leer und kalt blieben, diese\nSeele blieb zurück, wenn die Körper schwanden.\nSo sammelte sich eine große Anzahl von Seelen\nfremder Dinge und Geschehnisse im Gehirn des\nKünstlers und verdichtete sich zu einer Seele,\ndie, die abgerundete, in sich selbst geschlossene\nErinnerung an die gesehenen Halbtraumerlebnisse\nbildete. . . In solchen wonneschweren Empfangen\nsaß der Künstler, während die Sonne zu ermatten\nbegann. Es war [ein fieberhaftes Erleben, das.\ndieses empfindliche Gehirn peinigte und den selt-\nsamen Menschen in die Flut einer wunderbaren\nSehnsucht warf. Das Verlangen nach einem neuen\nWerk dämmerte in ihm, unbestimmt noch in den\nLinien, schwankend wie Nebel im Morgenwind.\nEr fühlte, wie die Liebe zu seinem ersten, eben\nvollendeten Werk von ihm abzufallen versuchte;\nder Stolz, mit dem er in Stunden der höchsten Be-\ngeisterung Napoleon Buonaparte gewesen war,\nmachte sich klein und wurde ängstlich und un-\nsicher. Die Stunde, in der er jenen freudigen\nBrief ah den Freund geschrieben, war das letzte\nehrliche Ueberblicken des zurückgelegten Weges\ngewesen; indem er das letzte Zeichen hinter die\nUnterschrift setzte, hatte er in sich das Verhältnis\ndes Dienenden überwunden, in dem er zu seinem\nWerk stand, war nicht mehr der Sklave, der ehr-\nerbietig dem Willen des Herrn gehorcht, er war\ndem Herrn ebenbürtig geworden. Diese Erkennt-\nnis begann sich in ihm zu regen. Und sein leb-\nhafter Geist verlangte nach einer neuen Pracht,\nder er dienen konnte.\n* * *\nWährend er in der unsichern Freude über ein\ngeahntes neues Werk im Schatten der Veranda\nsaß, kam Eva.\n— Schläfst du? fragte sie, als sie sah, daß er\ndie Augen geschlossen hielt.\nAber er saß tief in seiner Freude, jede Faser\nseines Geistes erschauerte in der Wollust des\nEmpfangens.\nDa ließ sie sich; leise in einen Sessel ihm gegen-\nüber nieder, um zu warten, bis er erwache.\nSchläfst du? fragte sie noch einmal.\nWeile saß sie regungslos, und zog nur ab und zu\nden Handschuh der linken Hand mit der rechten\nstraffer. Plötzlich überkam sie das unwidersteh-\nliche Verlangen, sich ebenso hinzusetzen wie der\nGeliebte, alle Glieder schlaff auszustrecken. Sie\nlegte mit einer vorsichtig-geschmeidigen Armbe-\nwegung den dunkelroten Sonnenschirm auf das\nweiße Tischtuch. Da lag er wie eine Wunde in\nmarmorweißem Fleisch. Das Mädchen ergötzte\nsich einen Augenblick daran und dachte an eine\nFreundin, die auf dem letzten Ball drei große\nblutrose Rosen auf weißem Kleid getragen hatte.\nDann ließ sie sich langsam, mit einer behaglichen\nLässigkeit, in den Sessel zurücksinken, streckte\ndie Füße aus und ließ die Hände über die Lehnen\nfallen. Sie schloß die Augen und fühlte sich un-\nsäglich wohl. Ihre Gedanken ermatteten und wur-\nden allmählich zu blassen verschwommenen Bil-\ndern. Sie wäre eingeschlafen, wenn nicht ein\nstarker Drang, jede Bewegung des Geliebten\nnachzuahmen, sie immer wieder ermuntert hätte.\nSie beobachtete blinzelnd, wie manchmal die Fin-\nger des Künstlers zuckten. Sofort ahmte sie es\nnach. Drehte er den Kopf ein wenig nach rechts\noder links, tat sie es auch. Während dieses harm-\nlosen Spiels bewunderte sie seine Schönheit.\nEndlich langweilte es sie.\n— Jetzt will ich ihn munter machen! dachte\nsie. Dann will ich ihn küssen und mir von ihm\nerzählen lassen. Wie süß ist seine Stimme!\nSie erhob sich langsam, richtete sich auf und\ndehnte sich. Mit engen, leisen Schritten begann\nsie, um den Tisch zu gehen. Der duftige weiße\nRock knisterte in der Stille des heißen Nachmit-\ntags. Ihr blonder Kopf stand gegen den blauen\nfleckenlosen Himmel; das Licht sickerte in rie-\nselnden Fäden durch die Locken an den Schlä-\nfen. Sie schien es zu fühlen, griff mit einer un-\nwillkürlichen Armbewegung nach dem Kopf und\ndrückte das Haar an die Schläfen. Diese Bewe-\ngung goß eine Nachwehe der Erschlaffung durch\ndie Adern ihres Körpers, sodaß sie auch die andere\nHand hob und an die Schläfe preßte. So stand\nsie einen Augenblick da, das Gesicht halb nach\noben, in das Licht gehoben, die Hände wie in Ver-\nzückung an den Schläfen. In dieser Stellung\nmachte sie die letzten Schritte zu dem Künstler\nhin; sie wußte, wie ihn solche Stellungen, die\neine starke Gemütsschwingung ausdrückten, be-\ngeisterten, obwohl sie dies nicht begreifen konnte.\nSie wollte ihm eine Freude bereiten.\nUm ihn zu wecken, brach sie in ein fröhliches\nGelächter aus. Das silberhelle Lachen sprudelte\nlebendig aus dem offenen Mund, der wie der\nganze übrige Körper erstarrt schien. Ihre Hal-\ntung wirkte krampfhaft, indem sie dem Geliebten\neine Schönheit bieten wollte, verzerrte sie das\nBild durch das harmlose Lachen —.\nJohannes schrak aus seiner Versunkenheit em-\npor. Mit einem Schlag verschwand das Bild der\nWüste; es war, als sei es von einer unbarmher-\nzigen Faust zertrümmert worden. Verwirrt, un-\nfähig, sofort die Phantasie auszuschalten und an\nihre Stelle das nüchterne Tagbewußtsein zu set-\nzen, sah er sich um. Das helle Kleid des Mäd-\nchens blendete ihn, daß er die Augen schließen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4005, "texte": "mußte. Seine Gedanken sammelten sich und er-\ngriffen die Aeußerungen der Wirklichkeit. Jetzt\nsah er überdeutlich die Geliebte vor sich und emp-\nfand einen fast physischen Schmerz. Das Lachen\ndes Mädchens zitterte ihm noch im Ohr und zu-\ngleich sah er ihre starre, fast zu klassischer Rein-\nheit erhobene Stellung. Er hatte das Gefühl eines\nLichtempfindlichen, vor dessen Augen in die\nweiche Dämmerung des Abends ein greller Blitz\nfährt. Zwei Töne standen nebeneinander, jeder\nrein und stark in seinem Klang und seiner Art,\naber jeder völlig anders in seinem innern Wesen.\nUnd instinktiv erkannte er das Unharmonische\nseiner Geliebten. Aber seine Leidenschaft für die\nSchönheit dieses Mädchens war so stark und rück-\nhaltlos, daß er noch an ihre innere Schönheit glau-\nben mußte, ebenso wie er an ihre äußere glaubte.\nEr stand auf und erfaßte die Hände des Mäd-\nchens und löste sie von den Schläfen.\n— Bist du schon lange hier.\n— Du hast so fest geschlafen, Liebling, ant-\nwortete sie und lachte ihn aus strahlenden Augen\nan. Da wurde ich ungeduldig und habe dich ge-\nweckt. Bist du mir böse.\n— Ich habe nicht geschlafen, lachte er, ich saß\nin wachen Träumen und hörte dich nicht eintreten.\nDa lächelte sie.\nv — Denkst du, das glaub ich dir? Wer nicht\nschläft, hört, was um ihn vorgeht. Du schämst\ndich nur, es einzugestehen . . .\nIhre eigensinnige Beharrlichkeit quälte ihn.\n— Komm, Kind, sagte er, heute müssen wir\nfeierlich sein.\nMir ist gerade heute gar nicht feierlich zumut,\nsiehst du. Ich möchte tanzen und lachen, bis ich\numfiele und kaum noch atmen könnte.\nEr bat sie, sich niederzusetzen.\n— Du sollst tanzen und lachen, sagte er. Wir\nwollen ein Fest feiern. Weißt du, welches Fest?\nSie hatte eine weiße Rose in ihr Haar gesteckt,\nund unter dem Duft der Blume das Fest verges-\nsen, das sie feiern wollten.\nSieh, Liebling, lächelte sie, ist diese Rose nicht\nhübsch? Duftet sie nicht entzückend?\nEr bewunderte sie.\n— Sie ist wie du, sagte er. Wenn ich sie be-\ntrachte, sehe ich dich, wie du vor dem Spiegel\nstehst und die Arme in schönem Bogen hebst, um\ndie Blume in dein Haar zu flechten, du wendest\nmit einer anmutigen Bewegung den Kopf zur\nSeite, um die Stelle deines Kopfes im Spiegel zu\nfinden, die du schmücken willst. Die weichen Li-\nnien deiner Arme scheinen in den Glanz des Spie-\ngels hinüberzufließen. Dein Haar rauscht leise\nwie ein ferner Wind, wenn du die Rose hinein-\nnestelst. Es ist, als empfange die Blume all ihren\nDuft von dir und strahle ihn aus, damit auch das\nZimmer, die Möbel und Bilder ihn genießen\nkönnen.\nMit einer koketten Wendung des Kopfes beugte\nsie sich dem Geliebten entgegen und lächelte.\n— Komm, steck mir die Rose wieder ins Haar!\nDu hast so weiche zärtliche Hände. Ich möchte,\ndaß du mir ohne Aufhören mit den Fingern über\ndas Haar strichst ... Ich könnte stundenlang\nruhig sitzen und stillhalten.\nLächelnd nahm er ihr die Blume aus der Hand\nund befestigte sie dann im Haar des Mädchens.\nEr empfand den Rhythmus, in dem die Hand ar-\nbeitete, das vornehme Tänzeln der Finger, sobald\nsie die leiste knisternden seidenen Haare berühr-\nten. Die Abstufungen zwischen dem schneeigen\nWeiß der Blume und dem rötlichen Blond des\n' Haares berührte ihn. Und in dieses wohltuende\nLächeln seiner Seele mischte sich die Freude über\netwas, das er nicht mit Worten hätte ausdrücken\nkönnen. Etwas unendlich Zartes und Süßes, das\nsich in einem Hauch auflöste, wenn er es in Worte\nfassen wollte. Als versänke er in eine Blumen-\nüberfülle, die ihn über und über mit Düften be-\ndeckte. Dasselbe Gefühl in tieferer Stärke und\nSchönheit hatte ihn an jenem Morgen erfüllt, da\nsich ihm, dem Kind, das Mysterium des Sonnen-\naufgangs enthüllte hatte. Und diese Aehnlichkeit\nder Gefühle brachte ihm jenen Morgen klar in die\nErinnerung, daß er ihn, kraft seiner sensitiven\nPhantasie, in diesen Augenblicken noch einmal in\nseiner ganzen Schönheit erlebte.\nSo lag für ihn in der schlichten Bewegung, die\ndas Anbringen einer Rose in das Haar des Mäd-\nchens verlangte, ein unendlicher Reichtum."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c013", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "37", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.7.1", "titre_corps": "Artur Segal: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Artur Segal: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "Artur Segal: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c014", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.8", "titre_corps": "Peter Scher", "titre_sommaire": "Peter Scher", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.7", "debut_caractere": 4095, "fin_caractere_exclue": 7383, "texte": "Peter Scher\nJoseph Adler\nEr steht an der Ecke des dunkeln Gäßchens der\nVergessenheit, -in das sich jeglichen Abend die\ngroßen und die kleinen Tagesereignisse zurück-\nziehn. Am Morgen brüllen sie wie die Löwen,\nreißen die lockeren Geister an sich, und wälzen\nsich auf allen sensationsgeilen Gemütern. Am\nAbend sind sie verbraucht. Skelette, deren Fleisch\nDruckerschwärze und deren Atem die Phrase war.\nDer Peter Scher steht an der Ecke des\ndunkeln Gäßchens der Vergessenheit. Er packt ein\nUntertauchendes am Schopf, zerzaust es und macht\neine köstliche Erinnerung daran lebendig. Aus dem\nChaos der Ereignisse einer Woche drückt er eins\nhinaus. Er umspannt es, scheinbar spielerisch, mit\nseinem Geist, und es gewinnt an Größe und Be-\ndeutung. Die Zeit schmachtet im Zeichen des\nFilms. Als erster hat Napoleon die Welt er-\nobert. Nach ihm schritt die L u st i g e Witwe\nsiegreich über sie hinweg, und heute liegt sie dem\nKino platt zu Füßen. Am Brandenburger Tor wird\ngefilmst. Die historische Stätte wird zur billigen\nDekoration, die Bilder aus dem Preußen, das Schlag\nauf Schlag erlitt, erstehn in einem Schlager wieder.\nIn dem großen Rennen um die Phrase ist die neu-\neste Industrie der Politik und der Presse um jene\nNasenlänge voraus, die unsere Spanne Lust an\neiner Welt, die der Geschäftsgeist brandschatzt,\nbis auf ein Nichts verkürzt. In Berlin rückt nur\neine Tageszeitung dem Kino an den tausendar-\nmigen Leib. Aber es wird in diesem kleinfeuille-\ntonistischen Angriffen kein Tropfen Geist ver-\ngossen und es fallen nur Worte. Mit unfreiwilliger\nKomik fingert der gutbesolde'te Pionier an der\nWurzel des Uefcels. Die Persönlichkeit aber, de\"\nSatiriker, macht keine Worte. O, er zerreißt\neins in zwei Hälften und das ganze Geheimnis\neines Humbugs ist entblößt.\nHerr, so fülln die schlausten Köppe\nAeltsten Kien in neuste' Töppe.\nHier ist schon im Anfang der Gegenwehr ein\nletztes Wort gesagt. Der Peter Scher hat so\nviel Mut als Talent. Er durchschaut die Dinge, die\nallgemein blenden, und er sticht zu, wo alles be-\nstechlich ist.\nEs ist nach der Erstaufführung von „G udru n\",\nhaarklein beweisen die Schwätzer den hohen Wert\ndes Dramas. Peter Scher hält es am teutschen\nVollbart fest, um den herum es auffrisiert ist. Er\ndeckt es ab bis auf die Stoppeln des Unzuläng-\nlichen. Dem schwülstig Pathetischen setzt er das\nbittere Pathos entgegen. Das Pathos, das aus\nder Galle kommt. In etlichen seiner Verssatiren\nist der Rausch der Aufwallung des besten Blutes\nund der herbe Rhytmus des Zornes. Sein Witz\nist unmittelbar. Nicht flüchtig. Er kommt mit den\nGedanken. Er schwingt mit in der Form der Sa-\ntire. Es geht nirgends um die Pointe allein.\nLustige Verse schreiben viele. Schütteln besten-\nfalls ein Körnchen Witz aus einem' Sack voll\nWorten. Eine Schersche Verssatire ist gedichteter\nWitz. Man lese den Nobelpreis. Wie breit das\nalles ist. Behäbig und friedlich. Aus den langen\nSätzen von Peter Scher gähnt die Pomadigkeit des\nMilieus. Zwischen den Sätzen ist noch Witz ein-\ngekeilt. Peter Scher webt seinen Spott aus dem\nGarn, in das die Aufgeklärten jeder Charlatanerie\nge'nn, er verstrickt die Hammelherde knalliger Ide-\nale in die Phrasenwolle, in die sie gestikuliert.\nKolzbock im Sommer und andere aktuelle Lyrik\nvon Peter Scher ,/ Verlag A. R. Meyer, Berlin-\nWilmersdorf"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c015", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.7", "debut_caractere": 7385, "fin_caractere_exclue": 8786, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nHandbuch dar Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 3 (Band 3 Heft 1) Profes-\nsor Dr. Oskar Wulff: Die altchristliche Kunst\nvon ihren Anfängen bis zur Mitte des ersten\nJahrhunderts\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H., M. Koch\nMaurice Barres\nDer Greco oder das Geheimnis von Toledo\nMit der Erlaubnis des Autors aus dem Fran-\nzösischen übertragen von Wilhelm Hau-\nse ns t e i n / Sechzehn Abbildungen\nGeorg Müller und Eugen Rentsch Verlag /\nMünchen\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht\nErzählung\nVerlag Rütten und Loening / Frankfurt a. 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' :\nGino Severini\nEroffnung: Anfang Juni\n- . 'V. ■ ■ ■«• ' ' \" •:\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10—2Ubr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. 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Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n(lurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahmhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn d,es neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c018", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.8", "debut_caractere": 2547, "fin_caractere_exclue": 4800, "texte": "Sonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzsclmitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Yer^ohnung/\n1 Tierlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Flinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Zwdlf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Clich6-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affentries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-03-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_03#c019", "volume": "bmtnabg_1913-05_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kiinstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text /\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark/\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag / Dritte Ausstellung: Gemalder\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft flir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern t\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berln\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen iiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nj —-\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS MAI 1913\nNUMMER 162/163\n\nInhalt: H. W.:\n1? j\"u • Ze£§^schlchte: >Freie' Hochschule / Mein neuer Freund / Mein neuer Freund über Anton von Werner und sich selbst / Mein neuer\nrrSSnn« en w • \"? 1\" iE6??« Po.litiker / Die um Goethe / Steinfindlinge / Ernst Wilhelm Lötz: Gedichte / Gaston Picard:\nMunter: OrigLthotschni\" / Artur 1 Schwermut des Genießers ' JosePh Adler: Peter Scher / Empfohlene Bücher / Qabriele\n\nGabriele Münter: originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.2", "texte": "Zeitgeschichte\n\n,Freie’ Hochschule\nEin Doktor phil. Alfred Koeppen (also offenbar\nein Oberlehrer) unterrichtet in sechs Stunden die\nHörer der Freien Hochschule, soweit sie ihn hören\nwollen, über „Die Revolution lin der modernen\nMalerei.\" Mit farbigen Lichtbildern. Er lockt die\nNochnichthörer mit folgenden Sätzen:\n„Die neueste Kunst wirkt derartig befrem-\ndend, daß es nötig ist, sich Klarheit über das\nneueste Wollen der Maler zu verschaffen. Man\nhört Schlagworte! Was bedeuten sie? Die\nVorlesung gibt in kurzer Skizze eine Orien-\ntierung zum Verständnis der neuesten Rich-\ntungen.\"\nDer brave Doktor hört Schlagworte, aber er\nweiß nicht, was sie bedeuten. Er unterrichtet den-\nnoch. In seinem Programm heißt es: „Die Fu-\nturisten, die Malerei der Bewegung der Körper und\nseelischen Zustände (Kandins ki, Pechstein, Pi-\ncasso und andere. „Der blaue Vogel\").\" So wird der\nHerr Doktor Koppen seine Hörer „orientieren\". Er\nhat nun einmal den Vogel, über Malerei zu unter-\nrichten, wenn er auch nicht blau ist. Er will auch\nseinen Hörern vorpfeifen, daß der brave Erler, der\ntraurige Egger-Lienz und Hodler die neue Monu-\nmentalmalerei vertreten. In der „letzten Stunde\"\naber redet er aus der Vogelperspektive: „Was ist\ngesunde und kranke Kunst? Die Grenzen der Ma-\nlerei.\" Wo ist die gesunde Kunst zu finden?\nBei der Vortragsreihe 37 der Freien Hochschule.\nDort zwitschert der Meister Koeppen über die\nMeister des Humors und der Satire. Kinder, da\nmüssen wir hingehen: „Es sollen drei Abende voller\nFrohsinn und Heiterkeit werden. Worin der Witz\nder Zeichnung, Farbe und der Auffassung liegt,\nwird in humoristischer ästhetischer Art auseinander\ngesetzt werden.\" Kinder, das wird gemütlich!\nLaune: „Vom Jammerthal des Lebens. Die fröhliche\nKunst als Erlöserin. Humor und Satire als Cha-\nraktere\". So bringt man seine drei Abende unter.\nFort mit den Bewegungen der Körper und see-\nlischen Zustände. Hin, Kinder, zu den „Meistern\nfröhlicher Kunst: Recnicek, Hentschel, Arnold\nBöcklin\".\nMein neuer Freund\n„In den Erinnerungen, die Anton v. Werner\nneulich veröffentlicht hat, und die an dieser Stelle\nschon besprochen worden sind, ist von der beru-\nhigten Stimmung, die man dem hohen Alter nach-\nsagt, nichts zu spüren. Streitbar wie immer steht\nder Siebzigjährige vor uns, ein guter Freund und\nein guter Hasser, von seiner Sache\nfelsenfest überzeugt, nicht einmal\nvon einem leisen Zweifel angerührt,\nob nicht auch eine andere Anschau-\nung möglich ist, unnachgiebig nach\nallen Seiten, auch nach oben.\nIch gestehe, daß ich für solche\nMänner eine Schwäche habe. Sie\nwachsen ja leider nicht nach, die Zeit gehört\ndenen, die immer auch anders können, den Lau-\nen, die sich durch große und kleine Nützlich-\nkeiten bestimmen lassen. Und es tut meinem Re-\nspekt keinen Aboruch, daß wir sozusagen geborene\nGegner sind.\"\nAlso schreibt Fritz Stahl im Berliner Tageblatt.\nEr muß danach eine Schwäche für mich haben.\nEr zeigt sie allerdings auf etwas verborgene\nWeise. Vielleicht bekommt Der Sturm seiner\nSchwäche nicht gut. Er verschließt sich ihm. Aber\ndrinnen, in seiner gutbürgerlichen Stube, da liest\ner ihn, mein neuer Freund. Und er weiß, daß mich\nnicht einmal ein leiser Zweifel rührt, ob nicht auch\nseine Anschauung möglich ist. Denn er hat keine.\nEr sieht nur Bilder mit Dingen.\nMein neuer Freund über Anton von Werner und\nsich selbst:\n„Er hat in dem Kampfe, den er gegen un-\nsere Generation führte, nicht gesiegt. Er\nhat zusehen müssen, wie Kritik, Publikum und\nschließlich auch der Staat sich einer anderen Kunst\nzuwandten, einer Kunst, die für ihn keine ist. Das\nerklärt die Bitterkeit und Gereizt h e i t, die\nseine Taten und Meinungen in den letzten Jahren\nimmer mehr und mehr beherschte. Es ist ihm\nunfaßbar, daß gerade die Epoche, in der er\nund seine Freunde wirkten, jetzt allgemein für\neine schlechte gehalten wird. Es ist ja un-\nfaßbar, meint er, daß gerade nur dieses Mal in der\nganzen Kunstgeschichte Künstler und Kunstbetrach-\nter sich so geirrt haben sollen.\"\nMit so einem dicken Balken im eigenen Auge\nkann man natürlich nicht Bilder betrachten.\nMein neuer Freund über einen Kollegen und sich:\n„Neben ihm stellt Herr v. Khaynach aus, dessen\nganz hilflose Malerei nicht zu erwähnen wäre,\nwenn er nicht zugleich als Kritiker eines Berliner\nBlattes fortwährend den Niedergang des Könnens\nund den Mangel jeder guten Tradition bei\nanderen beklagte.\nFritz Stahl\"\nDas ist also der Herr mit dem Splitter.\nMein neuer Freund als Politiker\nDer geborene Gegner tritt für die fehlgebore-\nnen Bilder des Herrn Anton von Werner ein. Die\nGroße Berliner Kunstausstellung wollte aus poli-\ntischen Rücksichten, wie sie sich sehr politisch aus-\ndrückte, die Schlachtenbilder des Herrn von\nWerner nicht ausstellen. Da zog der Stahl vom\nEisen. Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts\nin der Welt, Verschiedene andere Deutsche aller-\ndings die Bilder des Herrn von Werner. Der\nStahl beschützt immer die Kunst. Keine Kunst\nfür Kunst zu halten ist allerdings mehr Kunst der\nPolitik, als Kunstpolitik. Der Stahl ist zwar noch\nnicht siebzig Jahr alt, wie der Werner, aber lang-\nsam beginnt er bereits mit seinen „Erinnerungen\":\n„Ich habe einmal im Berliner Künstlerhaus den\nDolmetscher zwischen dem Münchener Bildhauer\nRümann und dem Franzosen Mercie gemacht, der\ndie Gruppe „Gloria victis!\" und andere geschaffen\nhat, in denen der französische Trotz gegen die\ndeutschen Sieger gestaltet ist. Rümann bewun-\nderte den Kunstgenossen, der zuerst ziemlich\ngrimmig dreinsah. Am Ende aber reichten sich\ndie beiden Soldaten von 1870 herzlich die Hand.\"\nEndlich einmal ein Bild. Schade daß sie ge-\nborene Gegner sind. Ich sehe dieses ungeborene\nBild des Werners. Die alten Soldaten reichen sich\ndie Hände, im Hintergrunde die feindlichen Grup-\npen und im Vordergrund, sodaß er noch sichtbar\nist, zwischen den Händen, nein, das wäre futu-\nristisch, also vor den Händen, sprechend perspek-\ntivisch, der friedliche Dolmetscher, mein neuer\nFreund, der alte Fritz.\nDie um Goethe\nDer verstimmte Geiger\nHerr Geheimer Regierungsrat Ludwig Geiger,\naußerordentlicher Professor der Universität zu\nBerlin, Herausgeber der Goethe-Jahrbücher, redi-\ngiert ein Nebenblatt des Verlags Rudolf Mosse.\nIn der neuesten Nummer findet sich folgendes:\nHebräische Balladen von Else Las-\nker-Schüler. A. R. Meyer, Verlag 1913.\nBerlin-Wilmersdorf\nEin Heftchen, das mit einer schauderhaften, mir\nübrigens vollständig unerklärlichen Vignette ge-\nziert ist, enthält Gedichte, die fast noch schlimmer\nsind, als das Titelblatt. Will sich die Verfasserin\nüber die jüdische Geschichte lustig machen, wie es\naus dem Gedichte „Abraham und Isaak\" fast her-\nvorzugehen scheint, oder will sie etwa die moderne\nPoesie verspotten? Ein Gedicht, wie „Esther\"\ngleicht entweder dem Stammeln eines Kindes oder\n— man verzeihe das harte Wort — dem Lallen\neines Idioten. Damit meine Leser nicht glauben,\ndaß ich zu scharf urteile, lasse ich die neun Zeilen,\ndenn nur aus diesen besteht das Gedicht, hier\nfolgen. Sie lauten so:\nEsther ist schlank wie die Feldpalme\nNach ihren Lippen duften die Weizenhalme\nUnd die Feiertage, die in Juda fallen.\nNachts ruht ihr Herz auf einem Psalme\nDie Götzen lauschen in den Hallen.\n■i\nDer König lächelt ihrem Nahen entgegen —\nDenn überall blickt Gott auf Esther.\nDie jungen Juden dichten Lieder an die Schwester\nDie sie in Säulen ihres Vorraums prägen.\nAehnlich, manchmal noch schlimmer, sind die\nübrigen Balladen. Nur ein paar Gedichte, die eine\ngewisse Sehnsucht nach Gott verkünden, sind\netwas besser, aber für Poesie kann ich dieses öde\nWortegeklingel in keiner Weise ansprechen. (Ge-\nschrieben Januar 1913). L. G.\nMan hat die Wahl zwischen dem Stammeln\neines Kindes oder — man verzeihe das harte Wort\n—dem Lallen eines Idioten. Und ein Gedicht, das\nnur aus neun Zeilen besteht! Das geht Herrn\nProfessor Geiger über alle Gipfel. Dieser Mann\nhat „Goethes Leben und Schaffen dem Deutschen\nVolk erzählt.\" Er hat Goethe so oft herausge-\ngeben, daß nicht das kleinste Gedicht dieses Autors\nin seinem Kopfe blieb. Warum beschäftigen sich.\nGeheime Regierungsräte, vom Staat dafür bezahlt,\ndas ganze Leben mit Goethe, wenn sie nicht das\ngeringste Empfinden für Kunst haben. Der Staat\nbezahlt doch auch für andere Leistungen und sogar\nbesser. Was nützt der unverstandene Goethe in\nder Westentasche, wenn man Januar 1913 Gedichte\nder Lasker-Schüler für ödes Wortgeklingel ab-\nbespricht. Goethe kann man leider vom Einleiten\nnicht mehr freihalten. Von unsern großen zeitge-\nnössischen Autoren will ich diese Herren jedoch\nlebhaft ableiten.\nGoethe ohne Schmidt\nDer Schmidt-Gesellschaft, die sich merkwür-\ndigerweise Goethegesellschaft nennt, ist ihr Vor-\nsitzender, Herr Erich Schmidt, gestorben. Trotz-\ndem zog sie mit Mann und Frau und Kind und\nSchienther nach Weimar, um das übliche Goethe-\nbankett abzuhalten. Goethe hat nämlich Schmidt\nsehr viel zu verdanken, er besuchte zwar das\nBankett nie, hielt aber zur Erleichterung der\nFestesfreude seinen Geist der Gesellschaft fern.\nNun aber, da Herr Schmidt fehlte, fand diesmal\ndas Bankett „keinen Anklang\". Herr Hofrat Paul\nSchienther ahnte es nicht:\n„Noch von der Vormittagssitzung her war in\nseinem Lorbeer- und Zypressenhaine das gipserne\nBildnis Erich Schmidts stehen geblieben, und die-\nser verstummte bleiche Zeuge ließ keine Tafei-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.3", "texte": "Freuden aufkommen. Zum ersten Male hat Erich\nSchmidt in der Goethe-Gesellschaft gestört. Viele,\nbesonders unter den Gästen aus Berlin, hatten das\nvorausgeahnt und waren teils abgereist, teils in\nein anderes Lokal gegangen.\"\nHerr Hofrat Paul Schienther hat es nicht vor-\nausgeahnt. Alle fehlten: „Es fehlte auch der Schalk,\nder in seinem Damentoast die gute Laune zu ent-\nfesseln und die großen Tiere der Goethegesell-\nschaft behaglich durchzuhecheln pflegt.\" Der war\nnämlich auch in ein anderes Lokal gegangen. Man\nversteht, daß eine Goethegesellschaft nur durch\neinen Damentoast in gute Laune versetzt werden\nkann. Goethe macht zu schwer, aber die hinrei-\nchende Bierschwere erreicht man mit ihm doch\nnicht. In dem anderen Lokal „stimmte der Schalk\nvon Erich Schmidts Lieblingsliedern eines nach\ndem andern an.\" Hingegen präsidierte auf dem\nBankett Herr von Oettingen „mit vieler Anmut\"\nund leerte einen Becher Goethes „auf das Wohl\nder anwesenden Goethefreundinnen zur Hälfte.\"\nSchließlich wurde Freiherr von Rheinbaben zum\nVorsitzenden der Schmidt-Gesellschaft gewählt.\nIm nächsten Jahr will Herr Hofrat Paul Schienther\nprüfen, ob Herr von Rheinbaben den heiteren\nGeist in der Goethegesellschaft entfesseln kann.\nSteinfindlinge\nDie Vossische Zeitung, modernisiert wie sie\nist, veröffentlicht in ihrer Abendausgabe vom\n20. Mai unter „Lokales\" folgende Notiz:\n„Ein Corinth-Denkmal im Grunewald. Zur Er-\ninnerung an den bekannten Maler Lovis Corinth,\nder seinerzeit die schönsten Grune-\nwaldbilder in der Sezession für die\nOeffenll i c h k e i t freigegeben hat,\nwird die Gemeinde Grunewald am Riemeister-See\nauf einem Terrain, das der königliche Forst-\nfiskus zu diesem Zweck freigegeben hat, ein\nDenkmal errichten, und zwar aus Steinfindlingen\nder Mark, mit einem Gedenkstein: Dem unsterb-\nlichen Maler Lovis Corinth die Gemeinde Grune-\nwald.\"\nCorinth gibt seine Bilder für die Oeffentlichkeit\nfrei, der königliche Forstfiskus gibt ein Terrain\nfrei. Die Gemeinde Grunewald entdeckt die\nschönsten Grunewaldbilder von Corinth, während\nman vielmehr der Vossischen Zeitung große Ro-\nsinen in den fehlenden Kopf gesteckt hat.\n\nH. W.\n\nGedichte\nVon Ernst Wilhelm Lotz\n\nSchlaf — wach\nZum Schlag der Nachtuhr schwingt mein Blut das\nIch liege ausgereckt. [Pendel.\nUnd warte atmend.\nStunden rauschen auf.\nUnd jede Stunde hält ein kreisendes Licht.\nEin tiefbedeckter Gang zeigt in die Ferne,\nVom Stundenlicht bedämmert.\n\nMein Auge starrt beglänzt.\nNachthelle Stunden!\nIhr könntet schaukelnde Schmetterlinge sein,\nMaibunt bemustert und Pfauenaug-gefiedert.\nIhr könntet summen, getragen auf Akkorden,\nDom-hallend, weit durch Türen, Läden und Stille,\nHerschwingende, versponnene Musik,\nDie Nacht ist bunt und glücklich.\nVor meinen Augen baut sie ein taumelndes Kugel-\nspiel aus Glaskugeln.\nMit weichen Glöckchen macht sie ein Ohrenge-\nklingel.\nDann pflückt sie hoch von wasserrauschenden\n— Das wogt und fächert — [Bäumen\nViel erdbeergroße rote Beeren herab.\nSie spielt damit umher und schnellt sie und fängt sie\nUnd singt verweht einen Kinderreim.\nUnd nimmt sie zusammen und reiht sie und\nIm Kreis bunt rund [schwingt sie\nUnd wirft sie um meinen Mund.\nRotglühend brennt ein lutschend-süßer Kuß!\nDie Nacht ist bunt und zeitlos glücklich.\n\nFrühlingsatem\nEine Liebesfroheit hat meine Wangen rot gepudert.\nMein Atem mischt sich weich dem Tagwind.\nWo ich die Straßen betrete, sind sie zum Festzug\nbereitet,\nEin blumiges Schauvolk festschreitet und gleitet.\nMenschen erwartungsgroß haben sich aufgestellt.\nAus allen Fenstern kommen Blicke zu mir, Sonn-\ntag-erhellt.\nMit bloßem Kopfe und mit vor Jungkraft federnden\nZehen\nMuß ich immer und immer durch Sonnenstraßen\ngehen.\nIch habe ein fernblaues Mädchen am Ende der\nStraße erschaut,\nDas lieb-ruhelos Säulen von Sonnenstaub vor mir\nbaut.\nUnd während ich gehe, geht in meiner Herzbrust\njemand mit viel schnelleren Füßen\nUnd ruft: Wir werden heut küssen!\nWeichluft-umschlungen verzittert mein Jubelschrei\nhinab in die Brust.\nUnd mein Atem strömt ab in den Wind. Von\nDächern weht ein Gelächter.\n\nIn Gedanken\nHerrn Dr. E. gewidmet\nAm Ufer hing von Oel und Teer ein Duft.\nEratmend blieb am Rande einer stehen.\nSeine Augen mußten verwunderungsgroß übers\nWasser gehen:\nDer Abend warf seine Farbentöpfe in die Luft.\nDas Meer, in Spiegelstille zerflossen,\nUnd das Ufer, das turmhaft abseit stand,\nWaren mit Farben Übergossen\nUnd starrten staunend im Farbenbrand.\nSieh mir in die Augen. Kannst du verstehen,\nDaß so wunderliche Leute über die Erde gehen,\nMit Augen, nach Fernen gewandt,\nUnd mit Stirnen, Sehnsucht-gebräunt?\nIn Gedanken fasse manchmal meine Hand.\nIn Gedanken — leuchtend — bin ich dein Freund.\n\nDie Nacht strich funkend . . .\nDie Nacht strich funkend und heiß über meinen\nScheitel.\nDer Gedanke an eine Jung-Geliebte\nAtmete bei mir im Bett. —\nAber als der Tag vor meinem Fenster ergrünte,\nSchrak ich in Wachheit empor\nUnd sonnte meine Augen an einem neuen Traum,\n— Spinnweb-Strahlentraum.\nDen zerlegte ich mit meinen Wunsch-Blicken\nUnd stellte in den Morgen hinein ein scheues Glück,\nIn ein rotes Tulpenbeet stellte ich es hinein\nAuf einen schneeigen Sockel.\nUnd schrieb darunter mit meinem Finger\nZittrig verwischt\nDas Wort, das ein Staunen ist:\nFreund.\n\nCréations\n\nLes lettres traversent decidement une epoque\nde creation.\nCependant que de jeunes hommes sinceres mais\ningenus affichent bruyemment leur desir de\nrealiser une Renaissance pretendue revo-\nlutionnaireet continuent le plus vieux, d'autres\napportent vraiment, dans leurs oeuvres, quelque\nchose qui leur confere une originalite, une persona\nnalite, une nouveaute.\nOn a lu ici meme un poeme de Guillaume Apol-\nlinaire, „Zone\", plein des plus precieuses beautes.\nSi Guillaume Apollinaire est quelquefois le poete\ntrop nonchalant des spectacles quotidiens et divers,\ndans ce poeme il affirme des qualites de sensibilite,\nde pensee et d'expression qui en fortune presque\nadmirable. On a vu que Guillaume Apollinaire\nnegligeait toute ponetuation. II n'y a point lä\nabsolument une innovation: Stephane Mallarme,\ndans ses sonnets suprimait la ponetuation; mais\njamais cela n'avait atteint une centre entiere, et le\nprochain livre des poemes de Guillaume Apolli-\nnaire paräitra sans qu'un point, une virgule, gui-\ndent naturellement le lecteur dans la coinprehen-\nsion. Cette hardiesse peut sembler simple; eile\nn'en demeure pas moins une hardiesse. Ainsi les\npoemesse presentent-ils comme de merveilleux\nsecrets. D'abord on pätonne, on hesite; on saisit\nici une lueur, lä une autre. Puis, la lumiere se fait\nplus apparente. Enfin les beautes paraissent.\nC'est une volupte inedite que de promener une\ncuriosite constante dans ces poemes, constante\njusqu'ä l'instant oü la lumiere vous baigne, oü\nla verite vous etreint, oü le secret penetre s'erige\ndans le souvenir en triomphateur, avec son ma-\ngique cortege de reticences et demi-aveux.\nA la considerer dans son essence, cette har-\ndiesse est purement typographique. On lui alliera\ndes hardiesses, differentes' mais typographiques\negalement, dont de grands ecrivains apporterent\nla creation.\nOn s'etonne, ä lire pour la premiere fois les\noeuvres dramatiques de Paul Claudel, de voir si\nfrequemment rejetee ä la ligne, et disposee comme\nla traduetion de poemes etrangers, cette prose\ndejä deroutante par ce qu'elle reunit de mystique,\nde symbolique et de philosophique, vaste synthese\nd'un superieur ideal.\nII faut savoir que Paul Claudel, chauque fois\nqu'il a recours ä la ligne, indique au lecteur curieux\nde l'admirer ä voix haute, ä l'artiste qui l'inter-\nprete, l'endroit oü ils doivent reprendre leur res-\npiration, tant pour les necessites physiques du\nsouffle que pour Celles, litteraires et morales,\nde la construction de la piece. Ce que Paul Clau-\ndel accompagnait naguere de quelques exagera-\ntions. Par exemple, dans la premiere Version de\nLa Ville,1) page 29, oü on trouve ceci:\n\n3) Mercare de France-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.4", "texte": "$? Mais ap —\n— pelle L —\n— eon. Pourquoi ne parlent-ils pas?\nPar cette typographie, debarassee d'exagera-\ntions comme celle que nous citions, Paul Claudel,\nquoiqu'il innove, se rapproche d'ailleurs de la tra-\ndition biblique.\nII existe ä cette typographie — mais seule-\nment pour les necessites litteraires et morales de\nJ'oeuvre, comme pour ce qui est de ses rapports\navec la tradition biblique — un precedent: dans\nLes Nourritures Terrestre s,1) de Andre\nGide.\nTres biblique est l'oeuvre derniere de Paul\nClaudel, Cette heure qui est entre 1 e\nprintemps et l'et e.2) Ici encore, un rap-\nprochement avec Les Nourritures Terre-\nstre s s'impose. Qu'on s'en reporte au livre de\nAndre Gide: „devant Menalque, Alcide et quel-\nques autres asseinbles\", une nuit, Hylas chanta la\nRonde de la Grenad e\".\nApres quoi, Hylas chante la prume, et Moelibee\n„la Ballade des plus celebr es amant s\".\nPuis, „Mopsus chanta la Ballade des lieus\nimraeuble s\". Enfin Guzman „la Ron d e des\nM a 1 a d i e s\".\nHylas, Moelibee, Guzman, entrecoupent leurs\nchants de paroles profondes.\nAinsi dans Cette heure qui est entre\nprintemps et 1' e't e, Paul Claudel met en\nscene Laeta, Fausta et Beata — trois femmes —\nqui chantent des cantates, en hommage au froment,\nä la vigne, au Rhone, au „peuple divise\" — la Po-\nlogne —etc.\nCela avec une puissance d'expression extra-\nordinaire. On puisse, dans la lecture de Cette\nheure qui est entre le printemps et\n1' et e — la derniere nuit qui precede la naissance\nde Tete, le printemps venant de mourir — une\nexaltation |qui transporte. Particulierement &ux\npartes que prononce Fausta l'exilee, ses larmes\ncoulant äse rappeler tel beau soir oü:\n. . . l'on ne voyait dans la nuit que le point rouge\nd'une cigarette aux levres de deux ou trois.\n(Tous sont morts).\nEt eclairant le beau col nu ä la petite oreille\nsondain l'eclair d'un diamant\nComme une grosse goutte sous d'epais cheveux\nnoirs empruntes ä des eaux immaterielles.\nEt l'on n'entendait rien que dans les avenues\nimmenses le roulement sourd d'un equipage,\nEt le dialogue bien loin, aux deux extremites\nde ce Jardin, d'orchestres opposes,\nDont le vent faible etrangement tour ä tour\nunissait et divisait les cuivres.\nSignaions une petite nouveaute encore: un blanc\nlä ou d'autres que Paul Claudel mettraient des\npoints de suspension. Nouveaute qu'on croirait\npuerile, mais qu'on comprendra logique si l'on\naccepte la typographie generale des oeuvres du\nprodigieux Iyrique.\nL'epoque sera une epoque de creation. Dejä eile\nl est. Sa creation s'affirme au jour le jour. Les\nlettres qui s'ennoblissent d'etre meres d'un Paul\nClaudel, d'un Andre Gide, comme aussi — pourt ne\npas omettre les disparus — d'un Paul Verlaine,\nd'un Stephane Mallarme, d'un Jules Laforgue, d'un\nJean Moreas — comme enfin — pour citer les plus\nvivants parmi les vivants — d'un Paul Fort, qui\ncrea la plus iudicieuse typographie, au benefice de\nses enchanteresses Ballades, d'un Nicolas Beauduin,\nd'un Guillaume Apollinaire, d'un Alexandre Mer-\ncereau, d'un Guy Charles Cros d'un Robert Veys-\nsie, d'un Henri-Martin Barzun, — pour citer\nseulement des poetes — les Lettres frangaises cou-\nrent ä leur plus grande gloire. . .\n\n1) Mercure de France.\n2) La Nouvelle Revue Francaise.\nFortsetzung\n\nGaston Picard\n\nHenri Matisse\nVon Dr. Adolf Behne\nDenkt man vor Matisses Bildern an Cezanne\nzurück, so scheinen nicht eine oder zwei, sondern\ndreimal so viele Generationen zwischen den\nKünstlern zu liegen, und man erstaunt wie sich\ndie Physiognomie des Tafelbildes in So kurzer\nZeit so ungeheuer verändern konnte! Aber man\nmuß bedenken, daß Matisse viel mehr als von Ce-\nzanne, von Gauguin ausgegangen ist. Von\ndiesem übernahm er das Prinzip der Flächenhaf-\ntigkeit und der dekorativen Teilung der Fläche.\nEr geht über Gauguin hinaus in der helleren, leuch-\ntenderen Farbigkeit. Zwar ist auch Gauguin ge-\nlegentlich leuchtend und hell. Doch sind gerade\ndiese Bilder seine schwächeren. In seinen besten\nBildern, zu denen ich eine Landschaft im Privat-\nbesitze Curt Hermanns zähle, ist er gedämpft in\nder Farbe. Demgegenüber nimmt Matisse in der\nKoloristik Anregungen van Goghs auf, von dessen\nunerhört großem Lebenswerke ja eine wahre Wie-\ndergeburt der Farbe datiert. Heute darf man,\nwenn man zum Beispiel die Berliner Sezession\ndurchwandert, getrost von einem Siege der Farbe\nsprechen, und insofern ist es schon richtig, daß\ndie junge Generation mehr noch als von Cezanne\nvon van Gogh abhängt. Daß sich Matisse in der\nHauptsache gerade an Gauguin anschloß, liegt\nsicherlich in seinem Temperamente begründet.\nSo schöne Dinge wir auch Gauguin, dessen Oeuvre\nübrigens sehr ungleichwertig ist, verdanken, so\ndarf man ihn als künstlerische Persönlichkeit mit\nCezanne und van Gogh doch nicht vergleichen.\nIn den Bildern jener wirkt sich ein Erlebnis aus —\nbei van Gogh bis zur Erschütterung gewaltsam,\nbei Cezanne bis zur Beseeligung geklärt. Vor Gau-\nguin bleiben wir bei aller Bewunderung kühl bis\nans Herz hinan. Es überwiegt in ihm der Artist.\nUnd nicht viel anders ist es bei Matisse! Auch\ner ist in erster Linie Artist, ein erstaunlich ge-\nschickter und verblüffend geschmackvoller, gewiß!\ndoch das Erlebnis bleibt vor seinen Bildern aus.\nZwischen ihm und Gauguin besteht eine Seelen-\nverwandtschaft!\nAber man kann von Matisse sehr viel lernen!\nEs herrscht bei ihm eine Klarheit in der Verwen-\ndung der Mittel, eine staunenswerte Oekonomie\nder Farben, eine Disziplin der Flächen. Weil hier\nein Maler sein Schaffen so offen ausbreitet, ist das\nInteresse an ihm so intensiv, und er breitet sein\nSchaffen so offen aus, weil er mit keinem see-\nlischen Erlebnis zu kämpfen hat.\nBesonders lehrreich ist es, die Zeichnungen Ma-\ntisses zu betrachten. Zum Teil sind sie Kompen-\ntionsstudien, zum Teil Notizen, die sich Matisse in\nder Natur, auf seinen nordafrikanischen Reisen ge-\nmacht hat. Allemal ist die Aufteilung der Fläche\nganz bewundernswert. Was Matisse in der Natur\nfesthält, ist ein Bildausschnitt, ein System von Li-\nnien, deren gegenständliche Bedeutung ihm recht\ngleichgültig ist, die aber mit ihren Kontrasten, ihren\nUeberschneidungen und Teilungen bereits von\nstarker dekorativer Wirkung sind. Er skizziert\nbeispielsweise eine weite Meeresbucht, vorn einen\naus der Vogelperspektive gesehenen, wie versin-\nkenden Kuppelbau und einige groß gesehene\nBoote, ein Gewimmel kleiner Boote in der Mitte\nalles nur festgehalten in dünnen trockenen Linien,\ndie keinerlei Ausdruckwerte besitzen, sondern nur\ndas Teilungssystem einer Fläche andeuten. In\nerstaunlicher Mannigfaltigkeit setzt Matisse kleine\nund große, schräge und lotrechte, schwebende,\nauffallende, straffe und lasche eckige und runde\nFlächen in Wirkung zueinander. Auf die Farbe\nverzichtet Matisse bei seinen Skizzen durchaus.\nDenn diese ist eine Rechnung für sich, bei der ihm\ndie Natur nichts helfen kann. Die Farbe wird auf\ndie einzelnen Felder verteilt — in einfachem, wie\ngetuscht wirkenden Auftrag. Das Prinzip, das ihn\nhierbei leitet, ist ein konsequentes und unendlich\ndurchdachtes Arbeiten mit Kontrasten. Hier ist\nMatisse ein Genie! Waren schon seine Flächen-\nteilungen vom Gesetze der Kontrastwirkungen be-\nseelt, so läßt sich in der Welt der Farbe wohl kein\nGegensatz denken, den er nicht ausgenutzt hätte:\ndie Komplementärfarben, hell und dunkel, schmut-\nzig und rein, kalt und warm, klingelnd und stumpf,\nruhig und bewegt — alle Wirkungen des Kon-\ntrastes werden vom Matisse bis zum letzten aus-\ngenützt.\nMan kann sagen, es stecke ein wenig zu viel\nTheaterdekoration in alledem — aber es ist wun-\nderschön!\n\nDie Schwermut des\nGenießers\nRoman\nVon Arthur Babillotte\n\nUeber der Landschaft brütete die Erschlaffung,\nalle Energien waren getötet, ausgebrannt von der\nSonne. Die Luft zitterte und gab einen leisen\nKlang. Jeder Wind war eingeschlafen, die Bäume\nhatten jede Bewegung verloren. Als seien sie nach\ndem Sturm, den das Gewitter der Nacht durch ihre\nWipfel gepeitscht hatte, erstarrt. Wie Menschen,\ndie nach einem ungeheuren Unglück versteinert\nstehen. Hätte einer in diesen glühenden Stunden\neinen lebendigen Luftzug über die Landschaft ge-\nsandt, sie wären ihm alle dankbar gewesen, Bäume\nund Wiesen und Menschen, und hätten ihm gedankt\nmit einem befreiten Atemzug.\nJohannes träumte sich in die Wüste. Seine\nLider zitterten, ein leiser Halbschlaf schlich mit\ndem heißen Blut durch den Körper und befreite\nihn; er meinte, körperlos zu sein und alle Schönheit\nder Erde zu jeder Stunde aufsuchen zu können.\nAls sei die Landschaft, die er am Morgen dieses\nschwülen Tages zu einer heroischen umgebildet\nhatte, aus seinem Geiste ausgewischt. Alle Ein-\ndrücke, seine Erinnerung jede seltsame Landschaft,\njedes edle Antlitz, jede Pracht weiter Säle, schie-\nnen vertilgt. Als trage er hinter der Stirn eine\nweiße ausgespannte Leinwand, auf die neue Bilder\nprojiziert werden sollten. Die seltsamsten\nWünsche goren in ihm auf, wie Blasen, schillerten\nin allen Farben, zersprangen. Es gelang ihm nicht,\neinen einzufangen. Der seltsamste aber, der sich\naufwölbte, war dieser: Ich möchte die Wüste\nsehen, dort, wo ihr Grauen am schrecklichsten\nund am schönsten, unergründlich in Eintönigkeit.\nDiesen Wunsch wollte er mit aller Kraft festhalten.\nUnd es gelang. Ein Bild erschien auf der weißen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.5", "texte": "Artur Segal: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.6", "texte": "Leinwand, schattenhaft zuerst, allmählich deut-\nlicher, bis es endlich dastand in schrecklicher End-\nlosigkeit, in dem schweren, geronnenen Rhythmus\nder hoffnungslosen Einöde. Obgleich der Künstler\ndie Wüste nie gesehen hatte, erlebte er sie doch in\ndiesen Augenblicken des wohlliistigen Halbschlafs.\nDie Frucht jener Minuten, da mit dem Redakteur\nnach dem Kampfe die Worte wie Pilger durch eine\nEinöde geschlichen waren: Dieses Bild hatte Ge-\nstalt bekommen. So wurde ihm jeder leise Ge-\ndanke, den er unbewußt dachte, zu einer Berei-\ncherung. Die unerbittliche, gramvolle Leere der\nWüste erstand vor ihm. Er sah die leisen Wellen\nihrer Hügel, sah darüber den farblosen Himmel und\nfühlte die Rauheit des feinen Sandes auf seinen\nWangen. Als schleppe er sich gebückt und ge-\nmartert durch diese Schrecken; er zitterte vor\nihrer Gleichförmigkeit, vor der Hartnäckigkeit, mit\nder sie einander folgten, lastend wie Verbrechen.\nEr hatte das Gefühl, als habe eine Musik in ihm zu\nschluchzen begonnen, so disharmonisch in ihrer\neinförmigen Harmonie, so gellend in ihrer ge-\ndämpften Heimtücke, so bunt in ihren grauen Far-\nben, daß ihn ein Taumel der Schwäche schüttelte.\nAlle Konturen liefen vor seinen geängstigten Augen\nineinander über, so daß ein Gewirr der verschie-\ndensten grauen Tönungen entstand, das bunt vor\nihm auf und niedertanzte. In diesen Augenblicken\nbegriff er, daß die Wüste den Menschen wahnsin-\nnig machen kann. In diesen Augenblicken fand er\naber auch die Rettung, indem er die Musik als\nhöchsten Ausdruck der Einöde zu begreifen suchte.\nDas tat er mit einer ungestümen Begierde, da ihm\nnoch nie eine solche häßliche und in all ihrer Häß-\nlichkeit grandiose Musik begegnet war. Eine Mu-\nsik, wie sie sich ihm nicht in seinen brennendsten\nTräumen der Weltgeschichte, nicht einmal in seiner\nVerzückung für Napoleon Bonaparte geoffenbart\nhatte. Eine Musik, ganz neu, die keine Gemein-\nschaft mit der Musik seiner schöpferischen Tage\nhatte. 1 •\n-Aber er vermochte diese graue Endlosigkeit\nnicht lange anzusehen, ohne daß sie sich ihm be-\nlebte. Menschen traten aus dem Horizont hervor,\nklein und hastend, wuchsen und verdichteten sich\nzu Massen, die schwarz wie eine Wolke in dem\ngrauen Feld standen. Ein gespensterhaft-leben-\ndiges Zucken formte die Wolke. Groteske Figuren\nentstanden, riesige Schalknasen, drohende Fratzen,\nernste Gefäße mit reinen, klargeschwungenen Li-\nnien. Schalen, Urnen, Pokale; in unheimlicher\nLebendigkeit wechselte die seltsame Wolke ihre\nGestalt, unerschöpflich. Der Künstler saß wie einer,\nder aus sich selbst herausgesprungen ist, um unab-\nhängig vom Körper — seltene Dinge zu genießen.\nAlle Schönheit der Weltgeschichte war in ihm aus-\ngelöscht. Die-Herrlichkeiten des Alten Testaments\ndrangen auf ihn ein und ließen ihn in Anschauungs-\nfreude erschauern.\n„Mose hütete die Schafe Jethros, seines Schwä-\nhers, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe\nweiter hinein in die Wüste, und kam an den Berg\nGottes Horeb.\n„Und der Engel des Herrn erschien ihm in\neiner feurigen Flamme aus dem Busch. Und er\nsähe, daß der Busch mit Feuer brannte, und ward\ndoch nicht verzehret.\"\n.... Ein Gelächter schlug aus der Wolke, die\nzum Dornbusch geworden war, das rote Gelächter\nder Schaffensfreude. Eine Flamme lohte, rot und\nstark, daß alle Wüste überleuchtet war. In alle\ngraue Endlosigkeit zitterte der Blutton dieses be-\nfruchtenden Feuers. Es werde! sprach eine\nStimme, wie am ersten Tag. Es werde Licht, es\nwerde eine Veste zwischen den Wassern und das\nWasser sammle sich unter dem Himmel an beson-\ndere Oerter, daß man das Trockene sehe. Und\nes geschah also. Der Schrei der Befruchtung stieß\ndurch die Oede, die Farbe der Unendlichkeit und\ndie Farbe der Liebe mischten sich und erzeugten den\nMenschen... Er schritt aus dem brennenden Dorn-\nbusch hervor, hoch in Selbstbewußtsein, lächelnd\nin Er schritt mit rüstigen Füßen von\ndannen, ging in die Wüste, um sie zu beleben; und\nviele seinesgleichen, die aus den Flammen 'des\nDornbuschs kamen, folgten ihm und taten wie er.\nAber endlich verschlang sie der Horizont, und alles\nwar wieder leer und grau, das Feuer erloschen und\nTrauer, endlose Trauer über, der grauen Wüste.\nEin Weinen wehte über den' schrecklichen Sand,\nschwoll an, ward zum brausenden Klagegesang.\nDer Künstler fühlte die Schauer der Befruchtung;\nsein Geist, der die Wohltat eines neuen Werkes\nempfing, zitterte in Wollust — als stehe ein Mäch-\ntiger bei ihm und rüttele ihn, daß er in süße Ver-\nzagtheit fiel. Er hörte das Brausen des Klage-\ngesangs, das alle andern Töne verschlang. Wenn\nihn aber einer in dem weißen Rohrstuhl an der\nVerandabrüstung sitzen sah, konnte er die Zuckun-\ngen, von denen seine Phantasie heimgesucht wurde,\nnicht wahrnehmen, konnte nur einen müden Men-\nschen wahrnehmen, dem in der Hitze des Mittags\ndie Lider über die Augen fielen. Und doch offen-\nbarte sich dem müden Menschen im Traumwachen\neine neue Schönheit. Die Schönheit der Demut\nund des Gehorsams, einförmig und schlicht und\ndoch in all ihrer einförmigen Schlichtheit grandios\nund hinreisend. Er lernte den einfältigen Willen\nzum Leben der Kinder Israel kennen. Erlebte ihre\nAngst und Sorge, ihre Gebete um Rettung vor dem\nHeere Pharaos; er sah das Rote Meer, da die\nWüste sich auftat und sich mit Wasser füllte, auf\ndaß das eine Land vom andern getrennt sei.\n.... Indem sein Geist von der Größe einer\nneuen Musik befruchtet wurde, begann er die\nMacht dieser grausamen Töne zu ahnen. Die\nBilder zitterten *an ihm vorüber, verloren ihre\nLinien und Formen, zerflossen endlich in Nichts,\nindem eines das andere verdrängte: Aber ihre\nSeele, das, was ihnen Bewegung und Bewußtsein\ngab, daß sie nicht leer und kalt blieben, diese\nSeele blieb zurück, wenn die Körper schwanden.\nSo sammelte sich eine große Anzahl von Seelen\nfremder Dinge und Geschehnisse im Gehirn des\nKünstlers und verdichtete sich zu einer Seele,\ndie, die abgerundete, in sich selbst geschlossene\nErinnerung an die gesehenen Halbtraumerlebnisse\nbildete. . . In solchen wonneschweren Empfangen\nsaß der Künstler, während die Sonne zu ermatten\nbegann. Es war [ein fieberhaftes Erleben, das.\ndieses empfindliche Gehirn peinigte und den selt-\nsamen Menschen in die Flut einer wunderbaren\nSehnsucht warf. Das Verlangen nach einem neuen\nWerk dämmerte in ihm, unbestimmt noch in den\nLinien, schwankend wie Nebel im Morgenwind.\nEr fühlte, wie die Liebe zu seinem ersten, eben\nvollendeten Werk von ihm abzufallen versuchte;\nder Stolz, mit dem er in Stunden der höchsten Be-\ngeisterung Napoleon Buonaparte gewesen war,\nmachte sich klein und wurde ängstlich und un-\nsicher. Die Stunde, in der er jenen freudigen\nBrief ah den Freund geschrieben, war das letzte\nehrliche Ueberblicken des zurückgelegten Weges\ngewesen; indem er das letzte Zeichen hinter die\nUnterschrift setzte, hatte er in sich das Verhältnis\ndes Dienenden überwunden, in dem er zu seinem\nWerk stand, war nicht mehr der Sklave, der ehr-\nerbietig dem Willen des Herrn gehorcht, er war\ndem Herrn ebenbürtig geworden. Diese Erkennt-\nnis begann sich in ihm zu regen. Und sein leb-\nhafter Geist verlangte nach einer neuen Pracht,\nder er dienen konnte.\n* * *\nWährend er in der unsichern Freude über ein\ngeahntes neues Werk im Schatten der Veranda\nsaß, kam Eva.\n— Schläfst du? fragte sie, als sie sah, daß er\ndie Augen geschlossen hielt.\nAber er saß tief in seiner Freude, jede Faser\nseines Geistes erschauerte in der Wollust des\nEmpfangens.\nDa ließ sie sich; leise in einen Sessel ihm gegen-\nüber nieder, um zu warten, bis er erwache.\nSchläfst du? fragte sie noch einmal.\nWeile saß sie regungslos, und zog nur ab und zu\nden Handschuh der linken Hand mit der rechten\nstraffer. Plötzlich überkam sie das unwidersteh-\nliche Verlangen, sich ebenso hinzusetzen wie der\nGeliebte, alle Glieder schlaff auszustrecken. Sie\nlegte mit einer vorsichtig-geschmeidigen Armbe-\nwegung den dunkelroten Sonnenschirm auf das\nweiße Tischtuch. Da lag er wie eine Wunde in\nmarmorweißem Fleisch. Das Mädchen ergötzte\nsich einen Augenblick daran und dachte an eine\nFreundin, die auf dem letzten Ball drei große\nblutrose Rosen auf weißem Kleid getragen hatte.\nDann ließ sie sich langsam, mit einer behaglichen\nLässigkeit, in den Sessel zurücksinken, streckte\ndie Füße aus und ließ die Hände über die Lehnen\nfallen. Sie schloß die Augen und fühlte sich un-\nsäglich wohl. Ihre Gedanken ermatteten und wur-\nden allmählich zu blassen verschwommenen Bil-\ndern. Sie wäre eingeschlafen, wenn nicht ein\nstarker Drang, jede Bewegung des Geliebten\nnachzuahmen, sie immer wieder ermuntert hätte.\nSie beobachtete blinzelnd, wie manchmal die Fin-\nger des Künstlers zuckten. Sofort ahmte sie es\nnach. Drehte er den Kopf ein wenig nach rechts\noder links, tat sie es auch. Während dieses harm-\nlosen Spiels bewunderte sie seine Schönheit.\nEndlich langweilte es sie.\n— Jetzt will ich ihn munter machen! dachte\nsie. Dann will ich ihn küssen und mir von ihm\nerzählen lassen. Wie süß ist seine Stimme!\nSie erhob sich langsam, richtete sich auf und\ndehnte sich. Mit engen, leisen Schritten begann\nsie, um den Tisch zu gehen. Der duftige weiße\nRock knisterte in der Stille des heißen Nachmit-\ntags. Ihr blonder Kopf stand gegen den blauen\nfleckenlosen Himmel; das Licht sickerte in rie-\nselnden Fäden durch die Locken an den Schlä-\nfen. Sie schien es zu fühlen, griff mit einer un-\nwillkürlichen Armbewegung nach dem Kopf und\ndrückte das Haar an die Schläfen. Diese Bewe-\ngung goß eine Nachwehe der Erschlaffung durch\ndie Adern ihres Körpers, sodaß sie auch die andere\nHand hob und an die Schläfe preßte. So stand\nsie einen Augenblick da, das Gesicht halb nach\noben, in das Licht gehoben, die Hände wie in Ver-\nzückung an den Schläfen. In dieser Stellung\nmachte sie die letzten Schritte zu dem Künstler\nhin; sie wußte, wie ihn solche Stellungen, die\neine starke Gemütsschwingung ausdrückten, be-\ngeisterten, obwohl sie dies nicht begreifen konnte.\nSie wollte ihm eine Freude bereiten.\nUm ihn zu wecken, brach sie in ein fröhliches\nGelächter aus. Das silberhelle Lachen sprudelte\nlebendig aus dem offenen Mund, der wie der\nganze übrige Körper erstarrt schien. Ihre Hal-\ntung wirkte krampfhaft, indem sie dem Geliebten\neine Schönheit bieten wollte, verzerrte sie das\nBild durch das harmlose Lachen —.\nJohannes schrak aus seiner Versunkenheit em-\npor. Mit einem Schlag verschwand das Bild der\nWüste; es war, als sei es von einer unbarmher-\nzigen Faust zertrümmert worden. Verwirrt, un-\nfähig, sofort die Phantasie auszuschalten und an\nihre Stelle das nüchterne Tagbewußtsein zu set-\nzen, sah er sich um. Das helle Kleid des Mäd-\nchens blendete ihn, daß er die Augen schließen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.7", "texte": "mußte. Seine Gedanken sammelten sich und er-\ngriffen die Aeußerungen der Wirklichkeit. Jetzt\nsah er überdeutlich die Geliebte vor sich und emp-\nfand einen fast physischen Schmerz. Das Lachen\ndes Mädchens zitterte ihm noch im Ohr und zu-\ngleich sah er ihre starre, fast zu klassischer Rein-\nheit erhobene Stellung. Er hatte das Gefühl eines\nLichtempfindlichen, vor dessen Augen in die\nweiche Dämmerung des Abends ein greller Blitz\nfährt. Zwei Töne standen nebeneinander, jeder\nrein und stark in seinem Klang und seiner Art,\naber jeder völlig anders in seinem innern Wesen.\nUnd instinktiv erkannte er das Unharmonische\nseiner Geliebten. Aber seine Leidenschaft für die\nSchönheit dieses Mädchens war so stark und rück-\nhaltlos, daß er noch an ihre innere Schönheit glau-\nben mußte, ebenso wie er an ihre äußere glaubte.\nEr stand auf und erfaßte die Hände des Mäd-\nchens und löste sie von den Schläfen.\n— Bist du schon lange hier.\n— Du hast so fest geschlafen, Liebling, ant-\nwortete sie und lachte ihn aus strahlenden Augen\nan. Da wurde ich ungeduldig und habe dich ge-\nweckt. Bist du mir böse.\n— Ich habe nicht geschlafen, lachte er, ich saß\nin wachen Träumen und hörte dich nicht eintreten.\nDa lächelte sie.\nv — Denkst du, das glaub ich dir? Wer nicht\nschläft, hört, was um ihn vorgeht. Du schämst\ndich nur, es einzugestehen . . .\nIhre eigensinnige Beharrlichkeit quälte ihn.\n— Komm, Kind, sagte er, heute müssen wir\nfeierlich sein.\nMir ist gerade heute gar nicht feierlich zumut,\nsiehst du. Ich möchte tanzen und lachen, bis ich\numfiele und kaum noch atmen könnte.\nEr bat sie, sich niederzusetzen.\n— Du sollst tanzen und lachen, sagte er. Wir\nwollen ein Fest feiern. Weißt du, welches Fest?\nSie hatte eine weiße Rose in ihr Haar gesteckt,\nund unter dem Duft der Blume das Fest verges-\nsen, das sie feiern wollten.\nSieh, Liebling, lächelte sie, ist diese Rose nicht\nhübsch? Duftet sie nicht entzückend?\nEr bewunderte sie.\n— Sie ist wie du, sagte er. Wenn ich sie be-\ntrachte, sehe ich dich, wie du vor dem Spiegel\nstehst und die Arme in schönem Bogen hebst, um\ndie Blume in dein Haar zu flechten, du wendest\nmit einer anmutigen Bewegung den Kopf zur\nSeite, um die Stelle deines Kopfes im Spiegel zu\nfinden, die du schmücken willst. Die weichen Li-\nnien deiner Arme scheinen in den Glanz des Spie-\ngels hinüberzufließen. Dein Haar rauscht leise\nwie ein ferner Wind, wenn du die Rose hinein-\nnestelst. Es ist, als empfange die Blume all ihren\nDuft von dir und strahle ihn aus, damit auch das\nZimmer, die Möbel und Bilder ihn genießen\nkönnen.\nMit einer koketten Wendung des Kopfes beugte\nsie sich dem Geliebten entgegen und lächelte.\n— Komm, steck mir die Rose wieder ins Haar!\nDu hast so weiche zärtliche Hände. Ich möchte,\ndaß du mir ohne Aufhören mit den Fingern über\ndas Haar strichst ... Ich könnte stundenlang\nruhig sitzen und stillhalten.\nLächelnd nahm er ihr die Blume aus der Hand\nund befestigte sie dann im Haar des Mädchens.\nEr empfand den Rhythmus, in dem die Hand ar-\nbeitete, das vornehme Tänzeln der Finger, sobald\nsie die leiste knisternden seidenen Haare berühr-\nten. Die Abstufungen zwischen dem schneeigen\nWeiß der Blume und dem rötlichen Blond des\n' Haares berührte ihn. Und in dieses wohltuende\nLächeln seiner Seele mischte sich die Freude über\netwas, das er nicht mit Worten hätte ausdrücken\nkönnen. Etwas unendlich Zartes und Süßes, das\nsich in einem Hauch auflöste, wenn er es in Worte\nfassen wollte. Als versänke er in eine Blumen-\nüberfülle, die ihn über und über mit Düften be-\ndeckte. Dasselbe Gefühl in tieferer Stärke und\nSchönheit hatte ihn an jenem Morgen erfüllt, da\nsich ihm, dem Kind, das Mysterium des Sonnen-\naufgangs enthüllte hatte. Und diese Aehnlichkeit\nder Gefühle brachte ihm jenen Morgen klar in die\nErinnerung, daß er ihn, kraft seiner sensitiven\nPhantasie, in diesen Augenblicken noch einmal in\nseiner ganzen Schönheit erlebte.\nSo lag für ihn in der schlichten Bewegung, die\ndas Anbringen einer Rose in das Haar des Mäd-\nchens verlangte, ein unendlicher Reichtum.\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung::\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nPeter Scher\nJoseph Adler\nEr steht an der Ecke des dunkeln Gäßchens der\nVergessenheit, -in das sich jeglichen Abend die\ngroßen und die kleinen Tagesereignisse zurück-\nziehn. Am Morgen brüllen sie wie die Löwen,\nreißen die lockeren Geister an sich, und wälzen\nsich auf allen sensationsgeilen Gemütern. Am\nAbend sind sie verbraucht. Skelette, deren Fleisch\nDruckerschwärze und deren Atem die Phrase war.\nDer Peter Scher steht an der Ecke des\ndunkeln Gäßchens der Vergessenheit. Er packt ein\nUntertauchendes am Schopf, zerzaust es und macht\neine köstliche Erinnerung daran lebendig. Aus dem\nChaos der Ereignisse einer Woche drückt er eins\nhinaus. Er umspannt es, scheinbar spielerisch, mit\nseinem Geist, und es gewinnt an Größe und Be-\ndeutung. Die Zeit schmachtet im Zeichen des\nFilms. Als erster hat Napoleon die Welt er-\nobert. Nach ihm schritt die L u st i g e Witwe\nsiegreich über sie hinweg, und heute liegt sie dem\nKino platt zu Füßen. Am Brandenburger Tor wird\ngefilmst. Die historische Stätte wird zur billigen\nDekoration, die Bilder aus dem Preußen, das Schlag\nauf Schlag erlitt, erstehn in einem Schlager wieder.\nIn dem großen Rennen um die Phrase ist die neu-\neste Industrie der Politik und der Presse um jene\nNasenlänge voraus, die unsere Spanne Lust an\neiner Welt, die der Geschäftsgeist brandschatzt,\nbis auf ein Nichts verkürzt. In Berlin rückt nur\neine Tageszeitung dem Kino an den tausendar-\nmigen Leib. Aber es wird in diesem kleinfeuille-\ntonistischen Angriffen kein Tropfen Geist ver-\ngossen und es fallen nur Worte. Mit unfreiwilliger\nKomik fingert der gutbesolde'te Pionier an der\nWurzel des Uefcels. Die Persönlichkeit aber, de\"\nSatiriker, macht keine Worte. O, er zerreißt\neins in zwei Hälften und das ganze Geheimnis\neines Humbugs ist entblößt.\nHerr, so fülln die schlausten Köppe\nAeltsten Kien in neuste' Töppe.\nHier ist schon im Anfang der Gegenwehr ein\nletztes Wort gesagt. Der Peter Scher hat so\nviel Mut als Talent. Er durchschaut die Dinge, die\nallgemein blenden, und er sticht zu, wo alles be-\nstechlich ist.\nEs ist nach der Erstaufführung von „G udru n\",\nhaarklein beweisen die Schwätzer den hohen Wert\ndes Dramas. Peter Scher hält es am teutschen\nVollbart fest, um den herum es auffrisiert ist. Er\ndeckt es ab bis auf die Stoppeln des Unzuläng-\nlichen. Dem schwülstig Pathetischen setzt er das\nbittere Pathos entgegen. Das Pathos, das aus\nder Galle kommt. In etlichen seiner Verssatiren\nist der Rausch der Aufwallung des besten Blutes\nund der herbe Rhytmus des Zornes. Sein Witz\nist unmittelbar. Nicht flüchtig. Er kommt mit den\nGedanken. Er schwingt mit in der Form der Sa-\ntire. Es geht nirgends um die Pointe allein.\nLustige Verse schreiben viele. Schütteln besten-\nfalls ein Körnchen Witz aus einem' Sack voll\nWorten. Eine Schersche Verssatire ist gedichteter\nWitz. Man lese den Nobelpreis. Wie breit das\nalles ist. Behäbig und friedlich. Aus den langen\nSätzen von Peter Scher gähnt die Pomadigkeit des\nMilieus. Zwischen den Sätzen ist noch Witz ein-\ngekeilt. Peter Scher webt seinen Spott aus dem\nGarn, in das die Aufgeklärten jeder Charlatanerie\nge'nn, er verstrickt die Hammelherde knalliger Ide-\nale in die Phrasenwolle, in die sie gestikuliert.\nKolzbock im Sommer und andere aktuelle Lyrik\nvon Peter Scher ,/ Verlag A. R. Meyer, Berlin-\nWilmersdorf\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nHandbuch dar Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 3 (Band 3 Heft 1) Profes-\nsor Dr. Oskar Wulff: Die altchristliche Kunst\nvon ihren Anfängen bis zur Mitte des ersten\nJahrhunderts\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H., M. Koch\nMaurice Barres\nDer Greco oder das Geheimnis von Toledo\nMit der Erlaubnis des Autors aus dem Fran-\nzösischen übertragen von Wilhelm Hau-\nse ns t e i n / Sechzehn Abbildungen\nGeorg Müller und Eugen Rentsch Verlag /\nMünchen\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht\nErzählung\nVerlag Rütten und Loening / Frankfurt a. M.\nEise Lasker-Schüler\nGesichte\nEssays und andere Geschichten\nVerlag Kurt Wolff / Leipzig\nAndre Rouveyre\nVisages des Contemporains\nPortraits dessines a'apris le vif\nVorrede von Remy de Gourmont\nParis / Mercure de France\nDr. Emil Utitz\nDie Grundlagen der jüngsten Kunstbewegung\nEin Vortrag\nVerlag Ferdinand Enke j Stuttgart\nRudolf Leonhard\nAngelische Strophen\nLyrisches Flugblatt\nVerlag A. R. Meyer / Berlin-Wilmersdorf\nMiinchener Liebhaber-Drucke\nBürger: Lenore\nBatrachomyomachia / Griechischer Ur-\ntext\nHölderlin: Diotima\nVerlag Heinrich F. S. Bachmair / München"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-03.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen tob\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur darcfe\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene ZeMo\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag;\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nJetzt:\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSechzehnte Ausstellung\n; >':n\\ :\nGemalde und Zeichnungen des\nFuturisten\n• ' ' ' ' * . . ' :\nGino Severini\nEroffnung: Anfang Juni\n- . 'V. ■ ■ ■«• ' ' \" •:\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10—2Ubr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewoimliche Ausgahe: Fur Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Viertelj'ahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse n d u n g in Roll en direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fur das Ausland:\nEm Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n(lurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahmhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn d,es neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene /\nParis\n\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzsclmitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Yer^ohnung/\n1 Tierlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Flinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Zwdlf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Clich6-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affentries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitsehriften\nL'Effort Libre / fruher L'Effort / Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance / Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa NouveHe Revue Francalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\n\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allicr]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\n\nAnzeigen\n\nIn Vorbereitung: Oskar Kokoschka-Mappe / Zwan-\nzig Blatt Zeichnungen / Strichatzung / auf Kaiser-\nlich Japan-Papie'r in Luxusmappe ,/ Bei Bestellung\nv o r Erscheinen (Ersten Juni) 20 Mark / Nach Er-\nscheinen 25 Mark J Verlag Der Sturm\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kiinstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text /\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark/\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag / Dritte Ausstellung: Gemalder\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft flir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern t\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berln\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen iiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}