{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_sha256": "adad882e55dcc61e489d4279de5163698163f74ad580de2f0e2c0d12c630262b", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/06_02/bmtnabg_1913-06_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/06_02/bmtnabg_1913-06_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.1", "titre_corps": "Inhalft:", "titre_sommaire": "Inhalft:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.1", "debut_caractere": 301, "fin_caractere_exclue": 734, "texte": "Inhalft:\nH. W.: Puppchen / Ernst Wilhelm Lötz: Allein / Ernst Wilhelm Lötz: Katechismus / Alfred Richard Meyer: Kloster Neustift bei Brixen / Peter\nScher: Das Holzbein / Rudolf Leonhard: O Welt / H. W.: Kritiker: Die Reinigung / Nachfolger / Der deutschvölkische Brennpunkt / Artur Babillotte:\nDie Schwermut des Genießers / Franz Marc: Notiz / Empfohlene Bücher / Wilhelm Morgner: Linoleumschnitt / Curt Stoermer: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c002", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.2", "titre_corps": "Wilhelm Morgner: Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Wilhelm Morgner: Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.1", "debut_caractere": 736, "fin_caractere_exclue": 768, "texte": "Wilhelm Morgner: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c003", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "50", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.3", "titre_corps": "Puppchen", "titre_sommaire": "Puppchen", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9497, "texte": "Puppchen\nH. W.\nDas Volk der Gebildeten wälzt sich. In\ndas Theater. Vor Lebensfreude. Puppchen, mein\nsüßes Puppchen. Ganz Europa singt es. Der Müll-\nkutscher und die Dame der allerhöchsten Gesell-\nschaft versichert, daß Puppchen ihr Augenstern\nist. Das junge Mädchen aus guter Familie, das\nkein Staubfleckchen duldet, nimmt diese dreckigen\nWorte in ihren reinen Mund. Niemandem wird übel.\nMan bejubelt die Modernität, das soziale Gleich-\ngewicht ist geschaffen. Standes-, Klassen-, und\nRassenunterschiede sind verschwunden. Dieser\nSchlager hat sie nicht geschlagen, aber er hat sie\nalle, alle offenbart. Sie fanden alle ihr geheimes\nVerhältnis zur Kunst. Ihr illegitimes natürlich, da\ndie Kunst sich nicht prostituieren läßt. Denn die\nGebildeten Europas und die Ungebildeten ver-\nstehen unter Kunst das, was sie zu leben glauben.\nSie leben nicht, sie sind nicht verlebt, sie werden\nverlebt, weil ihnen die Erde mit Vorstellungen\nverstellt ist, über die sie nicht springen können. Ihr\nGehirn ist gefüllt mit klebrigen Begriffen, die sich\nnie haben greifen lassen. Denn jeder Begriff be-\nsteht aus etwas Unbegriffenem. Sie klammern\nsich an Zeugen, die versagen. Man kann sich\nnicht erinnern, denn jede Erinnerung ist unleben-\ndig, also unkünstlerisch. Leben heißt schaffen\nund Schaffen heißt Künstler sein. Der Nichtkünst-\nler leidet, er wird geboren, der Künstler handelt,\ner schafft sich selbst. Der Künstler gebiert nicht\nsein Werk, sein Werk schafft sich in ihm. Nie ist\nKunst, was gemacht wird. Leser, sagt Alfred\nMombert, der du dies liesest bei der Nachtlampe,\ndas wirst du nie begreifen. Und das ist gut so.\nAber den wenigen Künstlern dieser Erde soll\nPuppchen zeigen, von welchen Leichen sie um-\ngeben sind. Sie sollen auch den geheimsten Ge-\ndanken aufgeben, sich verständlich zu machen.\nKeine Brücke führt vom Leben zum Toten, da das\nLeben nie tot wird.\nVier Deutsche tun sich zusammen, tragen sich\nin das Vereinsarchiv ein, vergeben ihr Eigentum\nfür alle Länder und Rußland und Amerika, behalten\nsich sämtliche Verlags-, Uebersetzungs-, Arran-\ngements- und Aufführungsrechte vor, und die\nPosse mit Gesang und Tanz in drei Akten ist\nfertig. Um so mehr, als die Herren Hugo Baruch\nund Co. (Hoflieferanten) natürlich gegen ent-\nsprechende Vergütung Ausstattung und Dekora-\ntionen liefern, eine andere Firma sich mit Herren-\nulstern, eine dritte mit Uniformen, eine vierte mit\neinem Kostüm, eine fünfte mit einem Fahrrad und\neine sechste mit Ferngläsern sich gleichfalls gegen\nentsprechende Vergütung beteiligt. Nach diesen\nerheblichen Unkosten sparen die vier Urheber\nnicht etwa mit Mühe. Der Schweiß der ganzen\nNation dringt aus ihrem Werk. Der Geruch bleibt\ntrotz dem Nichtvorhandensein von Poren uner-\nträglich. Er wird deshalb in Musik vergast, da\nMusik am besten den letzten Rest jeder körper-\nlichen Funktion betäubt. Wo man singt, soll man\nsich niemals ruhig niederlassen, alle bösen\nMenschen haben Lieder.\nDer Vorhang geht auf. In solchen Fällen stehen\nimmer Zigeuner auf der Bühne. Begriff des Zi-\ngeuners: Freie Liebe. Urheberrechtlich übersetzt:\nDie Bande kann sich das leisten und hat nicht ein-\nmal einen Alimentenprozeß zu fürchten. Die vier\nUrheber lassen die Zigeuner singen: „. . . die\ntanzen zu der Fiedel und selbst im größten Herze-\nleid, da singen sie ihr Liedel.\" Zigeuner haben\nnämlich immer Herzeleid, wenn sich Urheber mit\nLiedein auf ihre Fiedeln stürzen. Zigeunerinnen\nsind schon philosophischer. Auch dem Verstand\nmuß sein Recht werden: „Die Welt ist rund, die\nWelt ist schön.\" Die Folge: „Zigeunerkind das\nmuß sich drehen und tanzen, tanzen immerzu.\"\nDie Folge: „Zigeunerkind hat keine Ruh'!\" Nach\ndieser Gefühlserleichterung muß immer der Mon-\ndänität ihr Recht werden. Urheberrechtlich über-\nsetzt: ein Auto müßte man mindestens schieben,\ndie Luftschiffabriken sind noch zu sehr auf der\nHöhe. Es treten, ohne Protest, die Mitglieder des\nKaiserlichen Automobilklubs auf. Die vier Urheber\nlassen sie das singen, was sie bei dem Wort\nKaiserlicher Automobilklub empfinden: „Ja, wir\nsind stets feudal, ideal, kollossal! Der K. A. C.,\nder hat Renomme.\" Mit dem könnte die Kon-\nkurrenz noch manche gute Geschäfte machen.\nDenn, singen die vier Urheber: „Der Kaiserliche\nAutomobillub, der geht noch über Krupp.\" Und\nüberhaupt: „Bei der Damenwelt immer kühner\nHeld das sind wir.\" Gedanke der Männerw e 11,\nurheberrechtlich übersetzt: wenn ich meiner Klei-\nnen, . . ~ die haben es leicht. Denn: „Ist ja Kin-\nderspiel, kommen stets ans Ziel, lachen nur über\njedes Liebesweh.\" Gedanke der Männerwelt:\nwenn man doch auch seine Liebeswehen während\nder Fahrt abmachen könnte, Alimentenprozesse\nfast ausgeschlossen. Nach der Mondänität muß\nimmer der Volkstümlichkeit ihr Recht werden.\nLichtgestalt nach Julius Wolff und Sudermann.\nDer reiche Amerikaner, der für tausend; Pfund sich\n„jede kleine süße Fee\" holt. Die deutsche Licht-\ngestalt denkt nicht daran, sagt sie, aber sie macht\nes schon billiger oder sie will noch mehr dabei\nherausschlagen. Der Gentleman kennt sich aber\naus und singt deshalb mit Hilfe der vier Urheber:\n„Wartet ab, seid nur still, der Gentleman kauft\nsicher was er will.\" Nach der Volkstümlichkeit\ndas Gemüt. Walzerlied: „Welches Glück, durch\neinen Blick so ganz einander zu verstehen, Hand\nin Hand durchs Liebesland in seligem Vergessen\ngehn.\" Ja, die Liebe. Man glaubt gar nicht, was\ndie Liebe theoretisch fähig ist. Den vier Ur-\nhebern wird es bei dem Wort Liebe warm um\ndas Gehirn. Sie erinnern sich an alles, was sie\nje über Liebe in der Schule gelernt haben. Auch\ndas ganze deutsche Volk erinnert sich mit Ver-\ngnügen. Man möchte so gern lieben, aber die\nschlechten Zeiten. ... Das Walzerlied ist po-\npulär. Die gemütlichen vier Urheber haben dem\nGemüt verständliche Worte und Töne (Freunde,\nnicht mehr diese Töne) gegeben. Und Deutschland\nüber alles singt:\nDas kann ein Herz nur, welches liebt,\nDas kann nur Liebe sein,\nDas man sein Allerletztes gibt,\nKann Liebe nur allein!\n. Wenn man sein Allerletztes gibt,\nDas kann ein Herz nur, welches liebt,\nDas kann nur wahre Lieb' allein,\nKann Liebe nur allein.\nDie vier Urheber und der Rest des deutschen\nVolkes quetschen ihr Allerletztes heraus, um die\nnur wahre Lieb' zu verquatschen. Und mit dem\nWeltgefühl, Menschen san mer alle, beteuern sie:\n„Die Liebe ist ein Talismann, ohne Groll, vertrau-\nensvoll, schließt Euch einander enger an!\" Luft,\nLuft. Nach dem Gemüt muß immer dem Humor\nsein Recht werden. Couplet. „Geh'n wir mal zu\nHagenbeck, so'n Teddy ist ein lieber Schneck.\"\nNutzanwendung auf den bewährten deutschen Fa-\nmiliensinn: „Lehmann hatte eine Olle — die war\näußerst rabiat, war sie wütend — diese Bolle —\nwußte sie nicht, was sie tat! Geh' doch mal zu\nHagenbeck, der kooft sie ab dir gleich vom Fleck.\"\nNach diesem Humor wird selbst dem Vorhang übel.\nEr fällt. Das Publikum steigt in das Foyer, nicht\nohne zu summen: das kann nur wahre Lieb, allein,\nkann Liebe nur allein. Der Scheinwerfer weist\nbegeistert auf Stiller hin.\nNachdem sich der Vornang erholt hat unci uas\nOrchester die nur wahre Lieb' allein intoniert, zeigt\nsich die Mondänität in der Baruchphantasie einer\nBar. Fest des reichen Amerikaners. Lebens-\nfreude. Die Damen der Gesellschaft enthüllen sich\nbei Wort und Ton der vier Urheber: „Wir\nMädchen von der Wolkenbar verstehen das Mi-\nxen wunderbar, ein bischen Wein, Weib und Ge-\nsang, das mixt man gern sein Lebenlang.\" Wein,\nWeib und Gesang kleben in deutschen Köpfen\nstets zusammen. Alles zu koofen. Die nur wahre\nLieb' allein für Mark 1.80. Folge dieser Mansche-\nrei: Erotik mit Weltanschauung. Das, was die\nvier Urheber Mann nennen, also es ist: „Du bist\nkokett — nun ja, s' ist so der Brauch, doch Ko-\nkett'rie hat ihre Grenzen auch.\" Das, was die\nvier Urheber Frau nennen, also es ist: „Sagen die\nLeute, du seist kein Mann, Schätzchen — mach'\ndir nichts draus, s' gibt eine, die's besser wissen\nkann.\" Und nun, nach solchen Vorbereitungen,\ntreffen die vier Urheber das deutsche Volk an\nseinen Sinn ohne Verstand. Die Männerwelt und\ndie Damenwelt, die große Welt und die kleine\nWelt, die Halbwelt und die ganze Welt jubelt:\nPuppchen, du bist mein Augenstern. Die vier Ur-\nheber versetzen sich in das Idealgemüt ihres mon-\ndänen Frauentyps. Puppchen ist der Mall n , der\nHerr, der Gentlemen, mit einem Wort der Schieber.\nNicht, ohne daß sie kraft der angeborenen deutsch-\ndichterischen Phantasie Puppchen mit allgemein\nrührenden menschlichen Zügen nach ihrem Eben-\nbild und mit Hilfe von Baruch ausstatten: „Pupp-\nchen, hab' dich zum Fressen gern, Puppchen, mein\nsüßes Puppchen, nee — ohne Spaß, du hast so\nwas!\" Das wäre der Typ. Der rührende Zug\nhingegen: „Wenn ich ein Schätzchen hätte, das\nrichtig gehend wär, nicht bloß solch 'ne Kokette,\nwo's Herz ist alles leer.\" Mit der Moral: „Sich\nnicht blos Hausfrau nennen, wie es heute leider\nBrauch.\" Mit dem Familiensinn: „Es muß ein\nkleiner Racker, so voll und rundlich sein.\"\nDieses blöde Gestammel ist das Herz der Erde\nim zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahr-\nhunderts. So drückt Europa seine Lustgefühle\naus. Die vier Urheber gaben dem bekannten Volk\nder Dichter und Denker hierfür Worte und Töne\nzurück, die in gesättigtem Busen schliefen. Selbst\ndie Wachsfigur der wildenbrüchigen Helden kam\nauf den Kehricht. Und herausgeholt wurde das\nbaruchige Puppchen. Reich aber schlecht ange-\nzogen glotzt es aus blöden Augen auf Puppen und\nLarven, die das Kleizeug zum Fressen gern haben.\nDu hast so was. Blinde begröhlen den Augenstern.\nIhnen leuchtet kein Auge und kein Stern. Und\nnie wird ihnen die Kunst scheinen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "51", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.4", "titre_corps": "Allein", "titre_sommaire": "Allein", "signature_source": "Ernst Wilhelm Lotz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.2", "debut_caractere": 9499, "fin_caractere_exclue": 10188, "texte": "Allein\n\nAllein. — Ich bin allein. — Ich bin erstaunt dar-\nüber, allein zu sein.\nWie ich auf einmal da bin, vorhanden bin!\nSchräg vor mir brennt meine Petroleumlampe.\n— Das ist nicht wahr: Auf meinen Tisch steht je-\nmand, der eine brennende Lampe ist. — Ich bin\nja allein.\nKleine, schwarze Käfer drücken mit wellenar-\ntigem Summen an meine Schädeldecke. — Es ist\nMai. Wir schreiben heute den zweiten Mai. —\nJemand hat Maikäfer gepflückt und in meinen Kopf\ngesteckt. Sie wimmeln schließlich heraus und\nkrabbeln über das weiße Blatt unter mir. Ich be-\ntrachte sie. Sie sehen trocken und knusprig aus.\nVon rechts ruft mich wer. Er hat eine rote,\nparfümierte Stimme. Ich verstehe ihn. Er bietet"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2198, "texte": "mir eine seiner Zigaretten an. Ich greife hin, hole\nmir eine Zigarette, erhebe mich halb von meinem\nStuhle und biege meinen Kopf über die Lampe.\nDas Ende der Zigarette glimmt an. Mein Blick\nfällt aufs Fenster. Hinter der Scheibe hält die\nNacht eine schwarze Tafel.\nBlitzartig' begreife ich die Chancen, die sich mir\nbieten.\nIch nehme Schreibtisch, Lampe und Stuhl und\nspringe nach draußen. Ich komme vor die\nschwarze Tafel zu sitzen.\nDas war ein glücklicher Einfall von mir. Denn\nich habe einen Komparativ für allen gefunden.\nIch sitze mir nämlich jetzt gegenüber.\nWir sehen uns zu. Das heißt, ich sehe mir zu.\nWir ziehen unsere Lungen voll Zigarettenqualm\nund blasen uns gegenseitig an. In unserer Mitte\nprallt die Rauchwolke wo auf und quillt ausein-\nander. Wir blinzeln uns beide sehr neugierig an\nund freuen uns im Geheimen, daß etwas zwischen\nuns ist. Wir kokettieren mit einander. Wir möch-\nten uns gern gegenseitig herüberholen, obwohl\nwir dem katzenhaften Funkeln unserer Augen an-\nsehen, daß wir uns Böses tun werden. Wir zeigen\nmit dem Zeigefinger nach uns, strecken die Zungen\nheraus, schneiden Gesichter. Wir schielen, flet-\nschen die Zähne. Unsere Bewegungen werden\nhastiger, unsere Einfälle kühner. Es gerät etwas\nFliegendes in uns, etwas Wildes. Wir brauchen\nuns nicht voreinander zu schämen; denn wir ken-\nnen und sehen uns bis auf den schlammigen Bo-\nden. In dem wühlen wir herum und freuen uns\nmit zitterndem Nasenflügeln an dem Gestank, der\ndaraus aufsteigt.\nAuf einmal lieben wir uns. Wir blicken uns\nheiß in die Augen. Die Adern auf unsern Stirnen\nsind geschwöllen.\nSchließlich werden wjr sehnsüchtig nach ein-\nander.\nIch merke sofort, worauf es abgezielt ist. Und\nwährend ic h wuchtig das Fenster aufstoße,\nspringe ic h katzenkühn und Menschen-heiß hin-\ndurch und an meine Brust.\nDie Mainachtluft schwingt einen Kranz von\nSternen um meinen Kopf. Der Garten links unten\nbrennt in weißen, glasigen Farben.\nIch ziehe die Füße hoch und lasse mich fallen.\nTief-hoch falle ich und falle in das rauschsum-\nmende Sternenmeer. Und immer tiefer und höher\nwerde ich sinken. Denn ich muß mich selbst\ntragen und mein großes, tönendes, Weltraum-\nschaffendes Allein-Sein.\n\nErnst Wilhelm Lotz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "51", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.5", "titre_corps": "Katechismus", "titre_sommaire": "Katechismus", "signature_source": "Ernst Wilhelm Lotz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.3", "debut_caractere": 2200, "fin_caractere_exclue": 3336, "texte": "Katechismus\nErnst Wilhelm Lotz\nDurch den Rauch seiner Zigarette sprach er\ndiese Sätze vor sich hin:\n„Ein Mädchen. Was ist es? — Ein Schatten;\nsolch ein Schatten, den ein brünstiger Traum nach\ndraußen wirft.\"\nSeine Brust sank ein, und er glitt auf dem Sofa\nein wenig nach unten. Lächelnd bemerkte er\nweiter:\n„Was ist ein Vater? — Eine Vorzeit. Was ist\neinet Mutter? — Beinahe Nähe. Ein Bruder ist ein\nWort; wie seltsamen Klang es hat, aus kalter\nFerne rufend, aber schüchtern und heimlich —\nwie eine Kinderlandschaft — manchmal. Und eine\nSchwester — ist ein lieb, lieb singender Paradies-\nvogel auf den Ebenholzinseln.\"\nJetzt blickt er dicht an mir vorbei, indem er\ndie Brauen niederkniff.\n„Aber ein Freund ist eine richtige Lüge. Ein\nFreund ist das Maskenspiel einer einsamen Seele.\"\nDa schwieg er — mit müden Augen.\n„Und du,\" fragte ich nach einer Pause, „was\nbist du denn?\"\nEr zündete sich eine neue Zigarette an und\nreichte mir seine Hand, langsam und lächelnd. Und\nnoch mit diesem Lächeln auf den Lippen, das\ndann in einem leuchtenden Ernst unterging, sagte\ner zögernd:\n„Ich — bin eine Sehnsucht — nach mir — und\nnach allen andern.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "51", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.6", "titre_corps": "Kloster Neustift bei Brixen", "titre_sommaire": "Kloster Neustift bei Brixen", "signature_source": "Alfred Richard Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.3", "debut_caractere": 3338, "fin_caractere_exclue": 5358, "texte": "Kloster Neustift bei\nBrixen\nAlfred Richard Meyer\nAuf himmlisch blauer Tür gemalt ein roter Löwe,\ndes Erzengel Michael Schwert in der Pranke,\nist meines Schlafes Unruh und lieblichen Wanzen\nHüter.\nDank dir!\nBis unter meinem Fenster frischgewaschen der\nTag aufspützend aus dem brüllenden Brausebad\ndes Eisack springt.\nWeißes Brot und roter Wein mein Frühstück.\nEin Laienbruder hat mich dann durch die Bibli-\nothek geführt.\nBunte Inkunabeln blühen wie ewige Blumen in\nmeinen Händen,\nPergament wird ganz warm wie wollüstig erregte\nFrauenschultern,\ndie wer weiß wie lange nicht mehr befingert sind.\nEs hat noch lange nicht sechs Uhr geschlagen.\nDie Augustiner haben schon Besuch, Besuch aus\nBrixen,\ngeistlichen Besuch — jawoll! — aus Brixen.\nDie zweite Dreiliterkanne St, Magdalenerist schon\nin Arbeit.\n(Otto Erich, batzenhäuselts dich nicht droben?)\nDie schwarzen Ordensröcke mit den weißen Ska-\npulieren haben direkt was urgemütlich Kränz-\nchenhaftes.\nWieder andere, schon ältere, ganz alte liegen in\nden kobaltdämmerigen Zellen\n(o! — und doch schwitzt Sonne sich in diese\nKühle),\nliegen in so wundervoll großväterlichen Wachs-\nruchsesseln,\nblicken langsam aus dem Regensburger „Deut-\nschen Hausschatz\",\ndem Romane von Courths-Mahler,\nauf zum Schmerzleib des Gekreuzigten.\nOb der Graf die arme Gouvernante wirklich hei-\nratet?\nDas zu wissen — ist so wichtig.\nDeshalb muß man sich beeilen.\nAußerdem — man könnte sterben und's nicht\nmehr zu wissen kriegen.\nAußerdem — brennt Frater Franz Seraphikus auf\ndie Geschichte.\nUnd auch er erwartet täglich den Besuch des\nTodes.\nUeberhaupt ist das hier ein so langsam schönes,\nstilles\nAbschiednehmen von dem Leben,\nBeten,\nLesen,\nEssen,\nTrinken.\nAch, die lieben alten Glocken!\nSchnittlauch schneiden im Klostergarten.\nUnd als Sonntagsbraten kommt ein Kalb aus Ster-\nzing.\nUnd der Wein wird heuer wie nur dreiundsechzig.\nDaß man ihn noch, ihn noch miterleben durfte!\nMuß der liebe Gott uns nicht sehr lieben?\nGratias! Es stirbt sich leichter also,\nlebt sich leichter,\nstirbt sich licht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "52", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.7", "titre_corps": "Das Holzbein", "titre_sommaire": "Das Holzbein", "signature_source": "Peter Scher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.3", "debut_caractere": 5360, "fin_caractere_exclue": 8212, "texte": "Das Holzbein\nVon Peter Scher\nArnold Strich lebte mit seiner Frau Luise —\ndie bessere Tage gesehen hatte — in dürftigen\nVerhältnissen. Jedermann wunderte sich über\ndiese Ehe. Frau Strich war schlank, blond, katho-\nlisch und aus guter Familie. Ihr Mann stammte\naus der Hefe des Volkes — da, wo sie am heftig-\nsten gärt. Er war Atheist und hatte ein Holzbein.\nMan fragte: Was kann zwei so verschieden ge-\nartete Naturen aneinander fesseln?\nEine Dame antwortete: „Wenn das Holzbein\nnicht wäre, würde ich sagen: nur die Liebe!\"\nEin alter Schulrat sagte kopfschüttelnd: „Die\nkonfessionellen Gegensätze erscheinen mir als\nstärkerer Hinderungsgrund.\"\nEine ganz junge Dame wagte den schüchternen\nEinwurf: „Wenn das Holzbein aber erst beim\nKnie anfängt?\", worauf ihre Mama „schäm dich,\nAlice!\" sagte.\nWie man sieht, wurde die Frage von Fern-\nstehenden keineswegs erschöpfend beantwortet.\nErst als es sich herumsprach, daß Strich — mit\nRespekt zu sagen — saufe, und als man in Luisens\nhübschem Gesicht die Spuren eines verheerenden\nKummers entdeckte, fiel scheinbar etwas Licht in\ndas Dunkel.\nMit Strichs Trunksucht war es aber in Wahr-\nheit so bestellt: Er trank aus Mitleid mit Luise.\nEs war ihm unerträglich, sehen zu müssen, wie sie\nunter den dürftigen Verhältnissen litt. Der An-\nblick ihrer stummen Qual hatte in seinem gütigen\nHerzen den; Entschluß reifen lassen, sich zu opfern.\nStrich sagte sich: Wenn ich bloß trinke, frißt sich\nder stille Gram über unser Elend immer tiefer in\nihre Seele — die ja doch bessere Tage gesehen\nhat. Wenn ich hingegen saufe, wird sie bald Ge-\nlegenheit nehmen, sich zu empören und ihr be-\ndrücktes Gemüt durch laute Anklagen zu ent-\nlasten.\nMit diesen Gedanken überantwortet sich Strich\nder Trunksucht. Es muß aber gesagt werden, daß\ndie Entschließung eines heroischen Herzens selten\nmit so viel Selbstlosigkeit durchgeführt wurde,\nwie sie in der Folge Strich als Säufer an den Tag\nlegte.\nJeden Morgen, wenn die Sonne aufging, be-\nleuchtete sie das, gedunsene Gesicht eines Man-\nnes, der sich mühselig an den Häusern entlang\nnach Hause tastete. Dieser Mann war Strich.\nAber jeden Abend, wenn die Sonne unterging,\nbeleuchtete sie gleichermaßen mit aufreizender\nGlut das Gesicht einer Frau, die dem eben von ihr\ngegangenen Gatten mit mählich steigender Ent-\nrüstung nachblickte. Diese Frau war Luise.\nEines Abends, als Strich sich wieder anschickte,\nauszugehen, konnte sie nicht mehr an sich halten.\n„Gute Nacht, Luise\", sagte er weich und gab ihr\ndie Hand.\nDa stieß sie ihn zurück.\n„Jetzt ist es genug!\" schrie sie mit gellender\nStimme.\n„Luise\", sagte er ganz verdutzt. Und er sagte\nes in einem Ton, der eher Bestürzung als Genug-\ntuung ausdrückte.\n„Schweig!\" sagte Luise hart, „du bist ein Säu-\nfer! An mich denkst du nicht! Ich habe bessere\nTage gesehen! Warum habe ich dich geheiratet!\nAtheist! Ein Holzbein hast du auch!\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2236, "texte": "„Oh Gott\", stieß Strich hervor, „o Gott,\nLuise —\" mehr stieß er nicht hervor. Er mußte\nsich setzen.\nStrich hatte den Umschwung aufrichtig herbei-\ngesehnt. Als nun aber Luisens harte Anklagen ihn\nso unvermittelt trafen, fühlte er sich gleichwohl\nam Innersten getroffen. Indessen bemeisterte er\nseine Erregung.\n„Luise\", sagte er, „du weißt nicht was du tust,\nLuise!\"\nSie lachte höhnisch. „Arbeite\" schrie sie, „was\nhast du in der letzten Woche gemacht? Einen hal-\nben Aphorismus! Es ist zum lachen!\n„Aber er wird blendend!\" stotterte Strich klein-\nlaut, und er wagte es schon nicht mehr, in ihr Ge-\nsicht zu blicken, aus dem der stille Kummer ge-\nwichen war. Er dachte: Ich habe mich von meinem\nMitleid hinreißen lassen! Wie habe ich — gelinde\ngesagt — getrunken, um den stillen Gram dieses\nWeibes nach außen zu lenken! Und wie hat sie auf\nmein psychologisches Feingefühl reagiert? Sie hat\nmich nicht verstanden — sie hat kein Herz! Ich\nbin verloren!\nLuise merkte nichts von seiner Bewegung.\nBrüsk ging sie einen Schritt näher zu ihm hin.\nEine suggestive Ueberlegenheit ging von ihr aus.\nEr wich unwillkürlich vor ihr zurück.\n„Gib das Holzbein her!\" sagte sie befehlend.\nStrich glotzte sie verständnislos an.\n„Gib das Holzbein her!\" sagte sie noch einmal.\nNun schnallte er kopfschüttelnd, aber ohne\nWiderspruch das Bein ab und reichte es ihr wort-\nlos hin. Sie nahm es, warf es in den oberen Kom-\nmodenkasten, schloß sorgfältig ab und steckte den\nSchlüssel zu sich.\nIn Strichs Gehirn dämmerte eine furchtbare\n.Ahnung, „Lui —\" stöhnte er leise.\n„Dichte!\" sagte sie eisig.\n„Luise!\" wimmerte er und die Spuren ihres\nverheerenden Kummers zeigten sich nun auf sei-\nnem Gesicht. Luise bemerkte es ungerührt. Ihre\nZüge glühten vom Bewußtsein ihrer Macht.\n„Dichte!\" schmetterte sie ihm entgegen. „Heut\ngehe ic h aus. Wenn ich wiederkomme, will ich\ndeine Arbeit sehen. Ist sie gut, kriegst du fünfzig\nPfennig und das Bein. Im andern Falle bleibst\ndu zu Hause. So wird es in Zukunft gehalten!\"\nSie ging. Strich barg sein Gesicht in beiden\nHänden; er weinte.\nIn der Kommode klopfte das hölzerne Bein —\nerst leise mahnend, dann stärker und endlich in\neinem rasenden Wirbel. Aber Strich schüttelte\nnur wehmütig den Kopf.\n„Vorbei!\" flüsterte er bewegt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c008", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "52", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.8", "titre_corps": "O Welt!", "titre_sommaire": "O Welt!", "signature_source": "Rudolf Leonhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.4", "debut_caractere": 2238, "fin_caractere_exclue": 3678, "texte": "O Welt!\nRudolf Leonhard\nMan weiß, daß ein Gefesselter, über den der\nHenker schon die Arme hob, sich vom Richtblock\naufwarf und es herausschrie: „0 Welt —daß\ndas fallende Beil den Nacken verfehlte und schräg\nin den Schädel fuhr —\nAber viele haben es noch gesagt; in jeder\nStunde aller Tage wird es tausendfach gestöhnt\nund gerufen.\nEiner, der auf dem Wege stand und auf einen\nWald starrte, der wie ein gefleckter Pelz auf dem\nBerge hing, sagte es: „O Welt!\"\nUnd Meilen davon einem, der betrunken in den\nRinnstein rollte, rang es sich als letztes aus dem\nschweren Kopfe: „0 Welt!\"\nEin Mädchen, das eben zwölf Jahre alt war,\nging in rotem Kleide über die Straße; nichts war\nso schlank wie ihre Beine, ihr Haar hing tief um\nden schmalen Rücken. Und in den Augen, die ent-\nlang die lange Straße in den blauen Rauch der\nWeite sahn, stand mit Worten, die keinen Klang\nhatten: „O Welt!\"\nUnd ein Briefträger, der in durchnäßten Klei-\ndern zitternd nach Hause kam, dachte lächelnd:\n„O Welt!\"\nEin Heiliger sagte: „Es geschieht meine Ver-\nmählung mit allen Dingen. Herr bin ich nun aller\nDinge und allen Dingen ergebner Knecht. In\nimmer neuen Sünden werde ich sie schmerzlich\nberühren. Alle werden in meine Wollust einziehn.\nIch liebe alle Dinge sehr. Ich kann Bäume um-\nfassen und mit der Hand über Steine streichen.\nNur mir selbst werde ich nie blickend begegnen —\nDa sah der Heilige alle Dinge ausgebreitet vor\nseinem Herzen und sagte: „— O Welt! —\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c009", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "54", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.9", "titre_corps": "Kritiker", "titre_sommaire": "Kritiker", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.4", "debut_caractere": 3680, "fin_caractere_exclue": 9658, "texte": "Kritiker\n\nReinigung\nHerr Max Nordau, geboren 1849 zu Budapest,\nArzt und Doktor der Medizin, beschimpft seit eini-\ngen Jahrzehnten in Büchern und in der Vossi-\nschen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen\nalle bedeutenden Künstler der Gegenwart. Er be-\nabsichtigt offenbar nicht weniger, als den letzten\nschäbigen Rest von Kunstgefühl den Zeitgenossen\nherauszuoperieren. Er vergriff sich mit stumpfem\nMesser an Nietzsche und Ibsen, stellte ihnen die\nDiagnose auf Geisteskrankheit, weil ihn selbst der\nGeist sogar ohne eine Spur von Krankheit ver-\nließ und wurde daraufhin Kunstkritiker der Vos-\nsischen Zeitung. Dieses Amt versieht er seit Jahr-\nzehnten von Paris aus, da dieser Posten ebenso-\nlang in Berlin durch den Journalisten Herrn Pro-\nfessor Pietsch besetzt war und nach dessen kör-\nperlichem Tode würdig und pietschvergnügt durch\nHerrn Karl Scheffler ersetzt wird. Dieser Herr\nNordau schreibt in der Vossischen Zeitung vom\n5. Juni: „Es ist mir unbegreiflich, wie einsichtige,\naufrichtige Kunstfreunde auf den Herbstsalon und\nden Salon der Unabhängigen schimpfen können.\nIch halte sie für einen Segen. Wenn sie nicht\nwären, müßte man sie erfinden. Sie sind die Ab-\nzugskanäle für den Kunstunrat. Sie sind die uner-\nläßliche Vorbedingung für die Reinlichkeit der\nStraßen und Plätze. Wenn alles Müll und alle\nÜbeln Stoffe nicht in sie abfließen, könnten die an-\nständigen Salons, die der Nationalgesellschaft und\nder Gesellschaft französischer Künstler, nicht den\ntadellosen Anblick darbieten, der an ihnen erfreut.\"\nWas er darunter versteht, sagt folgender Satz:\n„Daß man in den beiden Salons des Großen Pa-\nlastes nicht der Beleidigung ausgesetzt ist, auf\nFuturismus, Kubismus, Geometrismus, Orphismus\nund ähnlichen frechen Ulk oder Irrsinn zu stoßen,\nist gut.\" Diese Produkte des Herrn Nordau lagert\ndie Vossische Zeitung auf ihre Leser ab. Eine\nordentliche Fuhre Müll, denkt sie, um so üppiger\nkann die Kunstlosigkeit wuchern. Die unleser-\nlichen Rezepte des Herrn Doktor Nordau über\nKunst werden den Lesern in sechs vollen Spalten\nverordnet. Diese unsinnigen Giftmischereien ge-\nnossen. Der Unsinn stinkt zum Himmel. Man\nist wortlos. Man kann nicht widerlegen, nur wie-\nderdrucken, um dieses Dokument der Zeitschande\nden Zeiten zu überliefern. Der gröbste Keil kann\ndiesen groben Klotz nicht treffen. Herr Nordau\nstolpert schon über Rodin: „Zu beschreiben ist der\nvöllig unförmige Klotz nicht. Den annähern d s t e n\nBegriff von ihm gibt etwa ein vom Zufall geform-\nter Kalkstalaktit in einer Tropfsteingrotte, in dem\nder Fremdenführer eine bestimmte Gestalt sehen\nwill, oder eine Felsenzinke der bekannten „ver-\nwunschenen Hochzeit\" von Hans Heiling bei\nKarlsbad, in der eine gefällig nachhelfende Einbil-\ndungskraft einen Mönch, eine Schwiegermutter\noder eine Braut entdeckt.\" Die bestimmte Gestalt\ndes Herrn Nordau ist unverkennbar, wenn auch\nunbeschreiblich. Hingegen über einen Herrn\nMaxence: „Edgar Maxence geht nicht bis\nnach Athen oder Rom, sondern nur bis nach dem\nFlorenz der Renaissance zurück, um Schön-\nheit zu finden. Seine reich gekleidete junge\nFrau in Profil, die stehend aus einem auf hohem\nPult aufgeschlagenen Psalterium singt, ist zeich-\nnerisch unübertrefflich und dabei von einer Innig-\nkeit und Lebensfülle, die selbst die technische Voll-\nendung vergessen lassen.\" Das wäre der Mann,\nder Herr Nordau malen müßte, wenn er stehend\naus einem auf hohem Pult aufgeschlagene Exem-\nplar der Vossischen Zeitung seine Artikel liest.\nOder wenn Herr Nordau sich das von ihm eigens\nbeschriebene Bild „Apotheose\" betrachtet, das\n„einen prometheischen Funken enthält, der es\ndurchglüht und aus ihm strahlt.\" So sieht das\nfunkenstiebende Bild aus: „Dieses für den kleinen\nPalast bestimmte ungeheure Deckengemälde zeigt\neine sinnbildliche Verkörperung Frankreichs, wie\nsie mit weit klafternden Schwingen über Paris in\nden blauen Himmel emporfliegt. Die Stadt ist\ndurch einige ihrer kennzeichnendsten\nBaudenkmäler angedeutet, die aus der Vogel-\nperspektive sichtbar werden: den Tri-\numphbogen, die Türme von Notre Dame, den\nEiffelturm. Der weibliche Genius nimmt auf sei-\nnem Fluge eine junge Person von aus-\ngesprochendstem Montmartretypus mit,\ndie an ihn geschmiegt ist. Ein großer, schöner\nUhu begleitet majestätisch schwebend die\nG r u p p e.\"\nOffenbar ein Reklamebild für Luftfahrzeuge.\nWer so etwas für Kunst hält, den kann man nur in\ndie anständigen Salons abrieseln lassen.\nNachfolger\nDer Literaturkritiker Herr Doktor Paul Schlen-\nther hat wieder einmal schwere Sorgen. Zunächst\nüber die Nachfolge Erich Schmidts, dann über die\nPhilippis. Viele Menschen halten offenbar vom\nAmt eines Literaturprofessors sehr viel. Trotzdem\nseine Tätigkeit nur darin besteht, entlassenen\nSchülern den Rest von Kunstgefühl aus dem Leib\nzu treiben. Jeder Professor nimmt sich einen toten\nDichter vor und versucht das an ihm zu galvani-\nsieren, was tot ist oder gar nie lebendig war. Nach\nund nach verdrängt der Professor den Dichter\nganz, sodaß die Leute statt eines Gedichtes von\nzehn Zeilen tausend Zeilen Auslegungen über die-\nses Gedicht lesen. Herr Doktor Schienther schaut\nso zu Herrn Professor Schmidt herauf, wie Herr\nProfessor Schmidt auf Goethe hinab. Herr Pro-\nfessor Schmidt war nämlich, sagt Schienther, ein\ngroßer Charakteristiker. Er hat sich nicht nur über\nGoethe geäußert, sondern auch über Roethe. Beide\nHerren sind sich bis auf einen Buchstaben ähn-\nlich, aber trotzdem nicht zu verwechseln. Höch-\nstens durch die Charakteristik Erich Schmidts:\n„Erich Schmidt schrieb mir einmal halb neckend,\nhalb charakterisierend von Roethes Feuer-\ns e e 1 e. Der große Charakteristiker traf auch hier\nden einen Mann mit dem einen Wort.\" Mit\nder Feuerseele kann man hundert Mann auf\nSchmidt und Tritt verbrennen, ohne, sich in die Un-\nkosten eines einzigen Streichholzes zu stürzen.\nAber auch Herr Doktor Schienther hat dem\nSchmidt sein feuriges Handwerk abgeguckt. Er\nschmiedet die Feuerseele weiter zu einem „Heiß-\nsporn\". Mit diesem zweiten Wort ist eigentlich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4643, "texte": "die Würdigkeit Roethes und Schienthers als Nach-\nfolger Schmidts bewiesen. Aber Roethe muß es\nwerden. Denn Herr Schienther ist bereits ver-\ngeben. Er wurde Nachfolger Felix Philippis als\nBeschreiber des Frühlings in Bad Kissingen. Was\nweiß man von Philippi? Der Nachfolger: „Wie\nman weiß, ist er mittlerweile auf den Rigi gereist.\"\nDas weiß man und man erfährt noch von dem\nNachfolger, daß weder Bismarck noch Menzel\n„sich bei Einheimischen und Fremden einer solchen\nVolkstümlichkeit freuen konnten wie jetzt Philippi,\nunser glücklicher Felix.\" (Für Neuphilologen: der\nGeistes funke „glücklicher Felix\" ist originaliter\nnicht Herrn Schienther nachzuschreiben. Das\nletzte Mal verspritzte ihn vierzehn Tage vorher\ngleichfalls im Berliner Tageblatt die konfektions-\nbegeisterte Feuerseele des Herrn Doktor H. H.\nEwers: „ . . . glück s frohen Händen schmiegt,\nFelix, leicht die schönste Frucht sich ein.\") Den\nungebildeten Lesern dieser Zeitschrift, die Philip-\npis Nam und Art nicht kennen, muß gesagt werden,\ndaß dieser Vorfahre Schienthers seine Volkstüm-\nlichkeit einem Feuilleton über Kissingen im Ber-\nliner Tageblatt verdankt. Herr Schienther teilt\ndas mit. Ferner, daß Philippi wie Goethe dichtet.\nWirklich: „Dat Swin, der Goethe, hat uns alles\nweggedichtet, klagte mir einmal beim Nachtschop-\npen auf gut Mecklenburgisch Heinrich Seidel; aber\nindem er lästerte, lag in seinem Dichterauge ein\nGlanz des Glücks, Goethe zu besitzen. So geht\nes auch mir! Nein ich werde Felix Philippi nie be-\nbeneiden. Dankbar und bescheiden trolle ich seine\nWege nach.\" Und weiter: „Trotzdem fällt mir\nmancher Roman auf, der sich unter ihnen abspielt,\nund dann bedaure ich, daß kein Philippi mehr da\nist, der daraus ein Drama schmieden könnte.\"\nAlso dichten will Herr Schienther durchaus nicht.\nSo gebe ich ihm den Rat: da er nicht Nachfolger\nvon Philippi und Schmidt werden kann, so werde\ner Philippis Schmidt.\nDer deutschvölkische Brennpunkt\nSteglitzist der Brennpunkt einer neuen deutsch-\nvölkischen Sonne. Das Blättchen will „durch Her-\nausgabe der Sonne dem deutschvölkischen Leben\neinen neuen Brennpunkt und damit unsern\nKampfgefährten eine neue Waffe geben.\" Man ist\naußerdem „in der Lage, der eigentümlichen Auf-\ngabe eines weltstädtischen Blattes die wichtigsten\nTagesereignisse in eine interessante Beleuchtung\nzu rücken, voll und ganz gerecht zu werden.\"\nDie deutschvölkische Sonne pflegt immer die Be-\nleuchtung voll und ganz zu verrücken, selbst wenn\nihr Brennpunkt in der Weltstadt Steglitz liegt. Ein\nStrahl deutschvölkischer Gesinnung in der ange-\nzeigten „vornehmen und packenden Art\": „Hier\neine Anmerkung für den schriftstellernden Kolle-\ngen. Die vorstehend geübte Kunst, durch mehr-\nmalige Wiederholung des Prädikats aus einem\nSatz drei zu machen, erweist sich, wie man sieht,\nals ein ganz probates Mittel zur Erhöhung der Zei-\nlenzahl. Dabei wird auch noch der Stil geglieder-\nter und die Spannung gesteigert. Also probatum\nest!\" Dieses deutschvölkische Blatt also wird den\nKampf gegen den „Jüdischen Geschäftsgeist\" er-\nöffnen. Die Zeile zehn Pfennig. Zugleich damit\nden Kampf gegen die moderne Literatur und\nKunst. Den hat der total verkalkte Herr Blüthgen\nübernommen. Die Moderne vernichtete die Keusch-\nheit und die Treue, sie brachte den Kultus der\nNacktheit und des Geschlechtsgenusses, sie ist ein-\nfach Pornographie, jammert Herr Blüthgen. Die\nModerne hat keinen Humor, sagt er, sie hat Witz,\nSatire, Bosheit, aber keinen Humor. Wie gedichtet\nwerden muß, um der besseren klassischen Zeit ge-\nrecht zu werden veröffentlicht die Steglitzer\nSonne (die Nummer 10 Pfennig, auch in Berlin bei\njedem deutschvölkischen Zeitungshändler zu be-\nziehen) einige Gedichte. Das eine verfaßte der\nKaiserbedichter der Woche Herr Eugen Stangen.\nEr hat endlich den Humor wiedergefunden, den\nHerr Blüthgen in der „Moderne\" vermißt:\nBusen bubbern wie die Quallen,\nund der Paul stupst die Marie:\n~Wa'?—det scheenste doch von allen\nis 'ne richtje Waldpartie?!\"\nWas im weiten Weltgetriebe\nbeinah' gänzlich sich verlor,\nlebt noch in Berliner Liebe,\nnämlich: — „Goldener Humor!\"\nNun noch eine Probe deutschvölkischer Lyrik\nvon einem Herrn, der sogar Volker heißt:\nIch möcht deine Lippen fühlen\nAuf meinem heißen Mund\nUnd die Rosenknospen, die kühlen,\nKüssen von Herzensgrund.\nMöcht träumen in deinen Armen\nVergessen, was mich verdrießt,\nMöcht dein Herz an dem meinen erwärmen,\nBis du) über und über erglühst.\nDieser Volker fühlt Heines Lippen auf seinem\ndeutschvölkischen Mund.\nUnd diese Leute beschützen die Sittlichkeit, und\ndie Kunst. Zwar wird diese Sonne nie scheinen.\nAber kein Funke ist zu gefahrlos, als daß man ihn\nnicht zertreten müßte.\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c010", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.10", "titre_corps": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 34, "texte": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "55", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.11", "titre_corps": "Die Schwermut des GenieBers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des GenieBers : Roman", "signature_source": "Artur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.6", "debut_caractere": 4645, "fin_caractere_exclue": 9768, "texte": "Die Schwermut des\nGenieBers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nDas Thal hüllte sich in graublaue Schleier.\nDer Rauch, der aus den Kaminen stieg, schien\ndichter und zäher zu sein als an sonstigen Tagen,\nals sammle sich an dem letzten Tag alle Sorge,\nalle Arbeit, alle Mühe und Not der vergangenen\nWoche und lege sich über die Häuser und Straßen,\nüber die Felder und Wiesen. Auch auf ihnen war\ndie Arbeit die Herrscherin gewesen. Nur die\nSchornsteine der großen Fabrik lagen still und\ntot, kein Atem drang mehr aus ihren weitoffenen\nMündern, die zum Himmel starrten; zur Feier des\nletzten Wochentages waren sie zwei Stunden\nfrüher als sonst still und leblos geworden. Die\naber, die ihnen Leben gaben, hatten sich in alle\nRichtungen zerstreut, waren zu ihren Familien\noder in die Kneipen oder in den geruhsamen Abend\ngegangen.\nDie Stadt lag geduckt unter den Rauch-\nschichten. Man sah nur den Frieden des Schlafes,\ndie erschreckende Ruhe und fühlte sich in die\nschlaffe Zeit der Urgroßväter zurückversetzt, in\ndiese ungesunde gute alte Zeit voll Gleichgültigkeit\nund beharrender Unkraft. Es erschienen die\nspitzen Qiebel alter Häuser, die breiten Glocken-\ntöne des Angelus, durchdrangen siegreich die\nRauchschicht und legten sich darüber. Die Berge\nverloren ihre schroffen Linien und Formen, wurden\nweicher und gemütlicher, sahen aus wie Menschen-\nköpfe mit großen Zipfelmützen. Der Hauch, den\nprunklose einfache Zimmer ausströmten, erfüllte\ndie Luft; überall roch es nach Lavendel und Mo-\nschus. Und in kleinen Zimmern gingen wohl alte\nzierliche Dämchen, mit Häubchen auf den\nschlichten weißen Haaren und unzähligen Furchen\nin den kleinen Gesichtern, hin und her, streichelten\nmit kleinen feinfingerigen Händen Nippsachen aus\nMeißner Porzellan und lächelten in heimlichem\nGlück. Alte Stutzuhren standen wie zugeknöpfte\nDiplomaten an den Wänden und räusperten sich\njedesmal mit pathetischer Umständlichkeit, bevor\nsie zum Schlag ausholten.\nSo konnte die Phantasie irreführen! Da unten\nbrausten die Leidenschaften starker Klassengegen-\nsätze, quirlte der Unrat nüchterner Fehden. Diese\nkleine Stadt, die friedlich im Thal lag, barg gä-\nrende Ideen in ihren Mauern. Der Drang der\nMenschen, emporzukommen, stark zu werden,\nmächtig zu werden, die andern zu beherrschen,\nlebte auch in dieser Stadt. Das Leben eines jeden\nfolgte dem Nützlichkeitsprinzip; das Faustrecht\nwar abgeschafft, aber heimlich übten es noch alle.\nNur wenige gehörten dem Mittelstand an; einige\nKrämer, die kleinen Beamten der staatlichen Ein-\nrichtungen. Wie überall herrschte auch hier Haß\ngegen die Mächtigen und Begüterten. Denn diese\nMächtigen und Begüterten legten ihren Gelüsten\nkeine Zügel an. Die Vornehmen betrachteten den\nReichtum als Mittel zur Verfeinerung der starken\nPersönlichkeit. Die andern schlemmten und ver-\nachteten die Parias, ohne besser zu sein als sie.\nDie Parias aber hatten das Blut eines trotzigen\nZeitalters in den Adern; durch ihre Gehirne war\nder erste Strahl der Erkenntnis gezuckt. Und es\nfehlte nicht an Männern, die diesen Strahl in dem\nPrisma ihrer schlauen Berechnung auffingen und.\nzu ihren Gunsten verwendeten. Redakteur Todt\nwar der gefährlichste unter ihnen. Sie nannten\nsich Sozialdemokraten, obwohl ihnen das Wohl\ndes Volkes erst in zweiter Linie am Herzen lag.\nSie hetzten gegen die Reichen und benutzten be-\nsonders das Konservatorium, um die Arbeiter auf-\nzuhetzen. „Seht, wie diese Reichen sind!\" sagten\nsie. „Euch schinden sie, daß euch das Blut unter\nden Nägeln hervorquillt —: Seht, wie verdorben\nsie sind! Selbst die Musik verfeinern sie, daß\nsie ihre zerrütteten Nerven kitzeln soll.\" So ver-\nfolgten diese Führer des Volkes die Kunst, der in\ndieser Stadt von echten Künstlern geopfert wurde..\nJohannes stand an der Brüstung der Veranda\nund sah hinab auf die rauchverhüllte Stadt. Die\nFieberflamme des Genusses war erloschen. Mit.\ntiefer Wehmut dachte er über die letzten lauten\nStunden nach und bereute sie. Sie erschienen\nihm wie ein leerer Raum, den er durch seine Ge-\nstaltungskraft mit schöner Buntheit hätte füllen\nkönnen. Alle die Worte in diesen leeren Stunden\nerschienen ihm als ein sinnloses irres GestammeL\nEr fühlte die Nähe der Geliebten und verabscheute,\nsie in diesem Augenblick .. Als ob er ein Unrecht an\nihr gutzumachen hätte, ging er zu ihr hin und\nküßte ihre weiche Hand. Wie sie abwesend\nlächelte. Da ließ er sie und kehrte zurück zum\nAnblick der abendlichen Stadt. Er hörte die\nStimmen der streitenden Männer hinter sich und\nempfand ihre Unschönheit in der geruhsamen\nStille des Thaies doppelt stark. Er litt unter dem\nAndrang dieser lauten erhitzten Stimmen, die ihm\nin die Seele zu schreien schienen, daß er selbst\nunschön und gewöhnlich gewesen sei. Die Stunde\nkam, da sich ihm ein neues Werk eröffnete. Er\nmeinte, unter diesen .erbarmungslosen Anklagen\nzusammenbrechen zu müssen, ein Besiegter..\nTränen stiegen ihm, in die Augen; er litt tief. Sein\nOrganismus begann, zu zittern. Die Finger lösten\nsich aus der Starrheit, in der er sie halten wollte,\nund tänzelten in der Luft. Die Musik einer\nschmerzlichen Reue strahlte durch sie aus, ver-\nsprühte in den freien Raum und vermählte sich;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8061, "texte": "mit ihm. Nie hatte er sich nach tollen Stunden so\ndurchrüttelt gefühlt wie jetzt. Selbst die ver-\nänderte Landschaft schien ihn anzuklagen. Sie\nbedeutete für ihn ein Symbol, sobald ihm ihre\nVeränderung bewußt wurde. Er hatte die Glut\nder siegreichen Sonne gesehen, sie hatte ihn in\neinen Halbschlaf versenkt, in dem ihm das Bild\nder Wüste und mt ihm die Ahnung eines neuen\nWerkes erschienen war. Er hatte diese Sonne\ngeliebt und war ihr dann untreu geworden. Jetzt\ntrauerte die Landschaft. Verhüllte ihr Angesicht.\nEr war nicht mehr würdig, ihren Charakter, der\nsich ihm in einen tragischen verwandelt hatte, klar\nund offen vor sich liegen zu sehen.\nMit dem Fanatismus begeisterter Asketen\nwühlte er in der Wunde seiner Seele, verschloß\njeder leisen Regung, die ihm sein Vergehen leichter\nerscheinen lassen wollte, mit selbstquälerischer\nHartnäckigkeit sein Ohr, freute sich in grausamer\nLust, wenn er etwas neues fand, vom dem aus sein\nAbfall in einem düsterem Licht erschien. Er be-\nrauschte sich an diesen Schmerzen und vergaß dar-\nüber die nüchternen Peinigungen, die seinem Gehirn\ndie Folgen des leichten Weinrausches bereiteten.\nUnd so kam er, unbewußt, indem er das Leid\nseiner empfindlichen Seele zu vergrößern und zu\nvertiefen suchte, zu der Schönheit zurück. Die\nKräfte seiner Seele wuchsen unter den Peitschen-\nhieben seiner unerbittlichen Gerechtigkeit, dehnten\nsich aus und nahmen liebevoll alle Martern in sich\nauf. Neue Bilder kamen zu ihm; er blickte sie\naus erstaunten Augen an, fast gelähmt von der\nUeberfülle. Und in all seinem Erstaunen schwang\nals leiser Unterton die stumme Frage mit: Warum\nist mir ein solcher Reichtum nicht schon früher\nnach leichtsinnigen Stunden geworden? Sein\nGeist trennte sich gleichsam von seinem Körper,\num ganz unbehindert die Antwort auf diese Frage\nzu suchen. Und er fand die Lösung, ohne daß\nsich der Künstler des Weges bewußt wurde.\nNachdem die überraschenden Bilder an ihm\nvorbeigezogen waren, während er in das abend-\nliche Tal hinabblickte, war ihm plötzlich, als würde\nein Vorhang aufgezogen, hinter dem das Aller-\nheiligste lag. Die Wüste erschien ihm abermals.\nAber nicht die Wüste, deren Leitmotiv die graue\nEintönigkeit, die endlose Trostlisigkeit war, son-\ndern eine Wüste, beseelt von der Glorie einer far-\nbigen Erkenntnis, eines süßen Eindringens in die\nletzten Gründe. Die Wvüste war nicht mehr tote\nLandschaft, sie war ein Wesen geworden, das\nlebte, handelt, schluchzte und lachte, das schmei-\nchelnd und zornig sein jkonnte. Aber dieses Leben\nkam nicht von draußen in die Wüste, trat nicht\naus einer seltsamen Wolke oder einem brennenden\nDornbusch in die graue Endlosigkeit: Die Wüste\nselbst gebar es, war zugleich Vater und Mutter\ndieses Lebens, war dieses Leben selbst. Sie war\nreif geworden, ihre Starrheit zu verlieren. Jedes\nSandkorn in ihr war lebendig; hatte seinen eigenen\nTon. Ja, lebst das Licht, die orangefarbige Be-\nleuchtung eines sinkenden Tages, war ein feines\nTönen. Johannes erkannte die Gnade. In scharfen\nUmrissen vermochte er ein neues Werk zu er-\nkennen. ... Er war wieder der selbstsichere\nMut, der den Beruf in sich fühlte, eine neue Kunst\nzu schaffen. Mit seinem unsiegbaren Glauben an\nsich selbst war er der unfruchtbaren Schwermut\nentronnen und hatte die erlebende Schwermut des\naesthetischen Genießers wiedergewonnen. Mit er-\nhobenem Haupte, ein Glühen in den seltsamen\nAugen, ging er zu der Geliebten und küßte ihr\nabermals die Hand. Der Abscheu hatte der Liebe\nseines Schaffensdranges weichen müssen. Er war\nnur Liebe, er hätte in dieser hohen Freude einen\nMenschen töten können und wäre doch nur Liebe\ngewesen. * * *\nDas Mädchen erwachte aus der Erschlaffung,\ndie der ungewohnte Genuß des Weines in ihr be-\nwirkte. Sie sah aus wirren Augen und wußte\nnicht, wo sie sich befand. Als sie aber die An-\nwesenheit des Geliebten wieder bewußt wurde,\nwar sie sofort elastisch; der träge hindämmerde\nHalbschlaf hatte neue Kräfte in ihr gesammelt.\n— Gott sei Dank, daß ich wieder munter bin!\nscherzte sie. Denkst du nicht auch, daß ich ein\nganz -— klein — wenig — beschwipst war?\nIhre nüchternen Worte schmerzten ihn; aber\ner war so voller Liebe, daß er nicht hart zu ant-\nworten vermochte. Er lachte mit ihr und scherzte\nwie ein Kind, ohne daß die Pracht seines neuen\nWerkes, in dem er trächtig ging, darunter leiden\nmußte.\n— Wir werden heute Abend in das Konzert\nder Konservatisten gehen, sagte er. Willst du?\nSie genoß schon im voraus alle die neidischen\nBlicke, mit denen die andern Mädchen nach ihr\nhinsehen würden.\n—i Die Rose soll in meinem Haar bleiben, lachte\nsie. Weißt du, die ärgern sich alle darüber. Man\nist so was hier nicht gewöhnt!\nWird sie mich jemals verstehen können? dachte\nder Künstler, meine Wünsche, meine seltsamen\nGedanken und meine Hoffnungen? Es gab Augen-\nblicke, in denen er nicht an die Geliebte zu glau-\nben vermochte, ebenso, wie es Augenblicke gab,\nin denen er sie vergötterte und ein Gefäß voll\nunbewußter Musik nannte. In diesem Augenblicke\ndes Zweifels drängte es ihn, die seltsame Frage an\nsie zu richten:\n— Sag, Kind, warum nur liebst du mich so\nsehr?\nSie sah ihn an und lachte ihr leichtes Lachen.\n— Wie komisch du bist! Wie kann ich wissen,\nwarum ich dich liebe.\n— Du hast recht, sagte er, eure Liebe ist un-\nbewußt.\nDa nahm sie seine Hand und streichelte sie\nund sagte leise:\n— Du bist so schön, Liebling .... ich glaube,\nich liebe dich, weil du so schön bist . . .\nEtwas zerriß in ihm. Er wußte nicht, was es\nwar, auch nicht, warum es geschah, er empfand\nnur einen nachzitternden Schmerz. „Ich liebe Dich,\nweil Du so schön bist.\" Wie ein tragischer Rhyth-\nmus fluteten diese Worte in ihm vorüber. Und\nwährend er unter ihnen litt, mußte er doch zu-\ngleich auch ihre fließende Schönheit bewundern,\nden Schmelz ihrer Aufeinanderfolge, den Klang\nihrer Vokale.\nEr drängte:\nSiehst du, nun kennen wir uns seit acht Wochen,\nkommen täglich zusammen, erzählen uns und\nhaben uns lieb. Noch nie hab ich dir, die Frage\ngestellt: Warum nur liebst du mich? Heute konnte\nich nicht anders .... eine Ueberfülle drängt sich\nin mir. Ich möchte das Gefühl haben, in das All\naufzugehen. Und darum fragte ich, warum du\nmich liebst, damit ich diesen Ton in das Lied die-\nses schwülen Tages einfügen kann.\nEr hielt inne und dachte nach:\n— Es ist etwas frei geworden in mir, als seien\nalle Worte in mir verdorrt und nur ein Klingen\nist zurückgeblieben. Ich habe ein Werk vollendet,\nda meinte ich, eine Zeit der Erschlaffung müsse\nfolgen. Gestern schloß ich es ab, und heute schon\nwurde mir ein neues offenbart. Begreifst du die\nSüße dieses Reichtums?\nDas Mädchen sah gläubig zu ihm auf, mit dem\nAusdruck des Glaubens derer in den Augen, die\nnicht verstehen, aber voller Freude bereit sind,\nauch das Unverständliche hinzunehmen. Der grau\nwerdende Abend rieselte an ihrer Gestalt hernie-\nder, umwob sie mit einem Heiligenschein, der den\nganzen Leib in kostbaren matten Glanz einfaßte.\nMit vorgeneigtem Oberkörper saß sie, wie jemand,\nder in finstere Nacht hineinhorcht.\nAls ich in der Mittagshitze saß, bevor du kamst,\nerkannte ich die Möglichkeit eines neuen Werkes.\nWar ganz Hingabe an diese Möglichkeit, hörte\nein allumfassendes lönen. Alles Leben sank in\ndieses lönen und vereinigten sich mit ihm. Ich\nkannte keine Schwere mehr und keine Leiden-\nschaften! In meinem vollendeten Werk strömt\ndas Fieber großer Passionen, die gestorben sind.\nIn meinem neuen Werk aber, das ich in mir fühle,\nwird die erhabene Stille herrschen. Es wird eisig\nwerden in dem Brand eines süßes Gefühls des\nNichtseins. Das Versunkensein in wunschloser\nUnbewußtheit, so vollkommen, daß sie alle Be-\nwußtheit in sich tragen und sie lieben und verach-\nten wird. Es schwirrt noch ungeklärt in mir, aber\nich weiß, daß es sich ordnen und herrlich werden\nwird .... Dann kamst du, ich erwachte aus mei-\nnem Heldentraum. Mit schmerzendem Ungestüm\nforderte Sattheit in mir ein Ausruhen, ein Ver-\nsinken in tatlose Zufriedenheit. Ich wollte ein Fest\nmit dir feiern, das Fest der Freude über mein\nvollendetes Werk. Aber es wurde ein Fest des\nGenusses. Es gibt kein Auruhen für den Künstler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c012", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.12", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "Franz Marc", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.7", "debut_caractere": 8082, "fin_caractere_exclue": 8588, "texte": "Notiz\nFranz Marc\nHerr Bruno Cassirer bringt in Nummer VIII\nvon „Kunst und Künstler\" ohne vorherige Anfrage\nund Erlaubnis ein Aquarell von mir, mit dem er\nden traurigen Artikel von Herrn Scheffler\nschmückt. Ich habe sofort den Verlag Der Sturm\ngebeten, mit einer gerichtlichen Klage gegen Herrn\nCassirer vorzugehen, da eine derartige unerlaubte\nReproduktion ebenso widerrechtlich als schä-\ndigend ist.\nGleichzeitig ergeht gegen den Verlag der\n„Aktion\" wegen des gleichen Vergehens eine ge-\nrichtliche Klage."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c013", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.13", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.7", "debut_caractere": 8590, "fin_caractere_exclue": 9542, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nSinaida Hippius\nDes Teufels Puppe\nEine Lebensbeschreibung in dreiunddreißig\nKapiteln\nVerlag Georg Müller / München\nFrancesco Balila Pratella\nMusica Futurista per Orchestra / Klavierauszug\nVerlag F. Bongiovanni ,/ Bologna\nGuillaume Apollinaire\nAlcools / Poemes\nMit einem Porträt des Autors von Pablo\nPicasso\nParis / Mercure de France\nVolne Smery\nMonatsschrift / Prag / Das soeben erschienene\nHeft 9 ist der jüngsten spanischen Malerei\ngewidmet. Es enthält 23 Reproduktionen,\ndarunter 7 von Picasso.\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 4: Oskar Wulff: Alt-\nchristliche und byzantinische Kunst\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H. M. Koch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c014", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 502, "fin_caractere_exclue": 873, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nJetzt:\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSechzehnte Ausstellung\nGemalde und Zeichnungen des\nFuturisten , ' , .\nGino Severini\nVom ersten bis dreiBigsten Juni\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c015", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 875, "fin_caractere_exclue": 2620, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerfoezug\nGewohnliche Ausgabe: Fflr Deutschland\nund Oesterreicfa-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnHmmer 40 Pfennig X Fur dasAusland bei\ndirek ter Zustellu ng durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse n d u n g in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fflr das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Strafienstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi e r t elj ah r e s bis\nzumfunftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene FiguiSre /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c016", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 2622, "fin_caractere_exclue": 4859, "texte": "Sonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabzuge: Versohnung/\n/Tierlegende/Pferde/Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des F e s t -\nbratens /' Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Ilolzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Zwolf handgedruckte, numerierte und signierte\nHolzschnitte / Das Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte f\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMosik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r t o Boccioni: Abschied/\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c017", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 4861, "fin_caractere_exclue": 5252, "texte": "Zeitschriften\nL'Effort Libre / frliher L'Effort / Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance / Halbmonatsschrift / Kunste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c018", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 5254, "fin_caractere_exclue": 5446, "texte": "Moiitjoie I Halbmonatsschrift / Paris / Chauss^e\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Briissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\n1-es Soirees de Paris / Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c019", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 5448, "fin_caractere_exclue": 5456, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-06-02-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-06_02#c020", "volume": "bmtnabg_1913-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "debut_caractere": 5458, "fin_caractere_exclue": 7696, "texte": "Akademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nch ip e nk o I Arbeiten in Stein / Studiea\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Liindern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezujs\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop / London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nSkupina / Prag / Dritte Ausstellung:\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst / Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / rnehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestetlt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nThe Lantern: Eine Monatschrift beiseite geschobe-\nner Wahrheit und zuriickgewiesener Dichtung /\nGeputzt und entziindet, so oft der Mond dunkel\nist I Die amerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA.\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen iiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.1", "texte": "Umfang: acht Seiteti\nEinzelbezug 40 Pfennig\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAus stell ungs räume\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS JUNI 1913\nNUMMER 166/167\n\nInhalft:\nH. W.: Puppchen / Ernst Wilhelm Lötz: Allein / Ernst Wilhelm Lötz: Katechismus / Alfred Richard Meyer: Kloster Neustift bei Brixen / Peter\nScher: Das Holzbein / Rudolf Leonhard: O Welt / H. W.: Kritiker: Die Reinigung / Nachfolger / Der deutschvölkische Brennpunkt / Artur Babillotte:\nDie Schwermut des Genießers / Franz Marc: Notiz / Empfohlene Bücher / Wilhelm Morgner: Linoleumschnitt / Curt Stoermer: Originalholzschnitt\n\nWilhelm Morgner: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.2", "texte": "Puppchen\nH. W.\nDas Volk der Gebildeten wälzt sich. In\ndas Theater. Vor Lebensfreude. Puppchen, mein\nsüßes Puppchen. Ganz Europa singt es. Der Müll-\nkutscher und die Dame der allerhöchsten Gesell-\nschaft versichert, daß Puppchen ihr Augenstern\nist. Das junge Mädchen aus guter Familie, das\nkein Staubfleckchen duldet, nimmt diese dreckigen\nWorte in ihren reinen Mund. Niemandem wird übel.\nMan bejubelt die Modernität, das soziale Gleich-\ngewicht ist geschaffen. Standes-, Klassen-, und\nRassenunterschiede sind verschwunden. Dieser\nSchlager hat sie nicht geschlagen, aber er hat sie\nalle, alle offenbart. Sie fanden alle ihr geheimes\nVerhältnis zur Kunst. Ihr illegitimes natürlich, da\ndie Kunst sich nicht prostituieren läßt. Denn die\nGebildeten Europas und die Ungebildeten ver-\nstehen unter Kunst das, was sie zu leben glauben.\nSie leben nicht, sie sind nicht verlebt, sie werden\nverlebt, weil ihnen die Erde mit Vorstellungen\nverstellt ist, über die sie nicht springen können. Ihr\nGehirn ist gefüllt mit klebrigen Begriffen, die sich\nnie haben greifen lassen. Denn jeder Begriff be-\nsteht aus etwas Unbegriffenem. Sie klammern\nsich an Zeugen, die versagen. Man kann sich\nnicht erinnern, denn jede Erinnerung ist unleben-\ndig, also unkünstlerisch. Leben heißt schaffen\nund Schaffen heißt Künstler sein. Der Nichtkünst-\nler leidet, er wird geboren, der Künstler handelt,\ner schafft sich selbst. Der Künstler gebiert nicht\nsein Werk, sein Werk schafft sich in ihm. Nie ist\nKunst, was gemacht wird. Leser, sagt Alfred\nMombert, der du dies liesest bei der Nachtlampe,\ndas wirst du nie begreifen. Und das ist gut so.\nAber den wenigen Künstlern dieser Erde soll\nPuppchen zeigen, von welchen Leichen sie um-\ngeben sind. Sie sollen auch den geheimsten Ge-\ndanken aufgeben, sich verständlich zu machen.\nKeine Brücke führt vom Leben zum Toten, da das\nLeben nie tot wird.\nVier Deutsche tun sich zusammen, tragen sich\nin das Vereinsarchiv ein, vergeben ihr Eigentum\nfür alle Länder und Rußland und Amerika, behalten\nsich sämtliche Verlags-, Uebersetzungs-, Arran-\ngements- und Aufführungsrechte vor, und die\nPosse mit Gesang und Tanz in drei Akten ist\nfertig. Um so mehr, als die Herren Hugo Baruch\nund Co. (Hoflieferanten) natürlich gegen ent-\nsprechende Vergütung Ausstattung und Dekora-\ntionen liefern, eine andere Firma sich mit Herren-\nulstern, eine dritte mit Uniformen, eine vierte mit\neinem Kostüm, eine fünfte mit einem Fahrrad und\neine sechste mit Ferngläsern sich gleichfalls gegen\nentsprechende Vergütung beteiligt. Nach diesen\nerheblichen Unkosten sparen die vier Urheber\nnicht etwa mit Mühe. Der Schweiß der ganzen\nNation dringt aus ihrem Werk. Der Geruch bleibt\ntrotz dem Nichtvorhandensein von Poren uner-\nträglich. Er wird deshalb in Musik vergast, da\nMusik am besten den letzten Rest jeder körper-\nlichen Funktion betäubt. Wo man singt, soll man\nsich niemals ruhig niederlassen, alle bösen\nMenschen haben Lieder.\nDer Vorhang geht auf. In solchen Fällen stehen\nimmer Zigeuner auf der Bühne. Begriff des Zi-\ngeuners: Freie Liebe. Urheberrechtlich übersetzt:\nDie Bande kann sich das leisten und hat nicht ein-\nmal einen Alimentenprozeß zu fürchten. Die vier\nUrheber lassen die Zigeuner singen: „. . . die\ntanzen zu der Fiedel und selbst im größten Herze-\nleid, da singen sie ihr Liedel.\" Zigeuner haben\nnämlich immer Herzeleid, wenn sich Urheber mit\nLiedein auf ihre Fiedeln stürzen. Zigeunerinnen\nsind schon philosophischer. Auch dem Verstand\nmuß sein Recht werden: „Die Welt ist rund, die\nWelt ist schön.\" Die Folge: „Zigeunerkind das\nmuß sich drehen und tanzen, tanzen immerzu.\"\nDie Folge: „Zigeunerkind hat keine Ruh'!\" Nach\ndieser Gefühlserleichterung muß immer der Mon-\ndänität ihr Recht werden. Urheberrechtlich über-\nsetzt: ein Auto müßte man mindestens schieben,\ndie Luftschiffabriken sind noch zu sehr auf der\nHöhe. Es treten, ohne Protest, die Mitglieder des\nKaiserlichen Automobilklubs auf. Die vier Urheber\nlassen sie das singen, was sie bei dem Wort\nKaiserlicher Automobilklub empfinden: „Ja, wir\nsind stets feudal, ideal, kollossal! Der K. A. C.,\nder hat Renomme.\" Mit dem könnte die Kon-\nkurrenz noch manche gute Geschäfte machen.\nDenn, singen die vier Urheber: „Der Kaiserliche\nAutomobillub, der geht noch über Krupp.\" Und\nüberhaupt: „Bei der Damenwelt immer kühner\nHeld das sind wir.\" Gedanke der Männerw e 11,\nurheberrechtlich übersetzt: wenn ich meiner Klei-\nnen, . . ~ die haben es leicht. Denn: „Ist ja Kin-\nderspiel, kommen stets ans Ziel, lachen nur über\njedes Liebesweh.\" Gedanke der Männerwelt:\nwenn man doch auch seine Liebeswehen während\nder Fahrt abmachen könnte, Alimentenprozesse\nfast ausgeschlossen. Nach der Mondänität muß\nimmer der Volkstümlichkeit ihr Recht werden.\nLichtgestalt nach Julius Wolff und Sudermann.\nDer reiche Amerikaner, der für tausend; Pfund sich\n„jede kleine süße Fee\" holt. Die deutsche Licht-\ngestalt denkt nicht daran, sagt sie, aber sie macht\nes schon billiger oder sie will noch mehr dabei\nherausschlagen. Der Gentleman kennt sich aber\naus und singt deshalb mit Hilfe der vier Urheber:\n„Wartet ab, seid nur still, der Gentleman kauft\nsicher was er will.\" Nach der Volkstümlichkeit\ndas Gemüt. Walzerlied: „Welches Glück, durch\neinen Blick so ganz einander zu verstehen, Hand\nin Hand durchs Liebesland in seligem Vergessen\ngehn.\" Ja, die Liebe. Man glaubt gar nicht, was\ndie Liebe theoretisch fähig ist. Den vier Ur-\nhebern wird es bei dem Wort Liebe warm um\ndas Gehirn. Sie erinnern sich an alles, was sie\nje über Liebe in der Schule gelernt haben. Auch\ndas ganze deutsche Volk erinnert sich mit Ver-\ngnügen. Man möchte so gern lieben, aber die\nschlechten Zeiten. ... Das Walzerlied ist po-\npulär. Die gemütlichen vier Urheber haben dem\nGemüt verständliche Worte und Töne (Freunde,\nnicht mehr diese Töne) gegeben. Und Deutschland\nüber alles singt:\nDas kann ein Herz nur, welches liebt,\nDas kann nur Liebe sein,\nDas man sein Allerletztes gibt,\nKann Liebe nur allein!\n. Wenn man sein Allerletztes gibt,\nDas kann ein Herz nur, welches liebt,\nDas kann nur wahre Lieb' allein,\nKann Liebe nur allein.\nDie vier Urheber und der Rest des deutschen\nVolkes quetschen ihr Allerletztes heraus, um die\nnur wahre Lieb' zu verquatschen. Und mit dem\nWeltgefühl, Menschen san mer alle, beteuern sie:\n„Die Liebe ist ein Talismann, ohne Groll, vertrau-\nensvoll, schließt Euch einander enger an!\" Luft,\nLuft. Nach dem Gemüt muß immer dem Humor\nsein Recht werden. Couplet. „Geh'n wir mal zu\nHagenbeck, so'n Teddy ist ein lieber Schneck.\"\nNutzanwendung auf den bewährten deutschen Fa-\nmiliensinn: „Lehmann hatte eine Olle — die war\näußerst rabiat, war sie wütend — diese Bolle —\nwußte sie nicht, was sie tat! Geh' doch mal zu\nHagenbeck, der kooft sie ab dir gleich vom Fleck.\"\nNach diesem Humor wird selbst dem Vorhang übel.\nEr fällt. Das Publikum steigt in das Foyer, nicht\nohne zu summen: das kann nur wahre Lieb, allein,\nkann Liebe nur allein. Der Scheinwerfer weist\nbegeistert auf Stiller hin.\nNachdem sich der Vornang erholt hat unci uas\nOrchester die nur wahre Lieb' allein intoniert, zeigt\nsich die Mondänität in der Baruchphantasie einer\nBar. Fest des reichen Amerikaners. Lebens-\nfreude. Die Damen der Gesellschaft enthüllen sich\nbei Wort und Ton der vier Urheber: „Wir\nMädchen von der Wolkenbar verstehen das Mi-\nxen wunderbar, ein bischen Wein, Weib und Ge-\nsang, das mixt man gern sein Lebenlang.\" Wein,\nWeib und Gesang kleben in deutschen Köpfen\nstets zusammen. Alles zu koofen. Die nur wahre\nLieb' allein für Mark 1.80. Folge dieser Mansche-\nrei: Erotik mit Weltanschauung. Das, was die\nvier Urheber Mann nennen, also es ist: „Du bist\nkokett — nun ja, s' ist so der Brauch, doch Ko-\nkett'rie hat ihre Grenzen auch.\" Das, was die\nvier Urheber Frau nennen, also es ist: „Sagen die\nLeute, du seist kein Mann, Schätzchen — mach'\ndir nichts draus, s' gibt eine, die's besser wissen\nkann.\" Und nun, nach solchen Vorbereitungen,\ntreffen die vier Urheber das deutsche Volk an\nseinen Sinn ohne Verstand. Die Männerwelt und\ndie Damenwelt, die große Welt und die kleine\nWelt, die Halbwelt und die ganze Welt jubelt:\nPuppchen, du bist mein Augenstern. Die vier Ur-\nheber versetzen sich in das Idealgemüt ihres mon-\ndänen Frauentyps. Puppchen ist der Mall n , der\nHerr, der Gentlemen, mit einem Wort der Schieber.\nNicht, ohne daß sie kraft der angeborenen deutsch-\ndichterischen Phantasie Puppchen mit allgemein\nrührenden menschlichen Zügen nach ihrem Eben-\nbild und mit Hilfe von Baruch ausstatten: „Pupp-\nchen, hab' dich zum Fressen gern, Puppchen, mein\nsüßes Puppchen, nee — ohne Spaß, du hast so\nwas!\" Das wäre der Typ. Der rührende Zug\nhingegen: „Wenn ich ein Schätzchen hätte, das\nrichtig gehend wär, nicht bloß solch 'ne Kokette,\nwo's Herz ist alles leer.\" Mit der Moral: „Sich\nnicht blos Hausfrau nennen, wie es heute leider\nBrauch.\" Mit dem Familiensinn: „Es muß ein\nkleiner Racker, so voll und rundlich sein.\"\nDieses blöde Gestammel ist das Herz der Erde\nim zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahr-\nhunderts. So drückt Europa seine Lustgefühle\naus. Die vier Urheber gaben dem bekannten Volk\nder Dichter und Denker hierfür Worte und Töne\nzurück, die in gesättigtem Busen schliefen. Selbst\ndie Wachsfigur der wildenbrüchigen Helden kam\nauf den Kehricht. Und herausgeholt wurde das\nbaruchige Puppchen. Reich aber schlecht ange-\nzogen glotzt es aus blöden Augen auf Puppen und\nLarven, die das Kleizeug zum Fressen gern haben.\nDu hast so was. Blinde begröhlen den Augenstern.\nIhnen leuchtet kein Auge und kein Stern. Und\nnie wird ihnen die Kunst scheinen.\n\nAllein\n\nAllein. — Ich bin allein. — Ich bin erstaunt dar-\nüber, allein zu sein.\nWie ich auf einmal da bin, vorhanden bin!\nSchräg vor mir brennt meine Petroleumlampe.\n— Das ist nicht wahr: Auf meinen Tisch steht je-\nmand, der eine brennende Lampe ist. — Ich bin\nja allein.\nKleine, schwarze Käfer drücken mit wellenar-\ntigem Summen an meine Schädeldecke. — Es ist\nMai. Wir schreiben heute den zweiten Mai. —\nJemand hat Maikäfer gepflückt und in meinen Kopf\ngesteckt. Sie wimmeln schließlich heraus und\nkrabbeln über das weiße Blatt unter mir. Ich be-\ntrachte sie. Sie sehen trocken und knusprig aus.\nVon rechts ruft mich wer. Er hat eine rote,\nparfümierte Stimme. Ich verstehe ihn. Er bietet"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.3", "texte": "mir eine seiner Zigaretten an. Ich greife hin, hole\nmir eine Zigarette, erhebe mich halb von meinem\nStuhle und biege meinen Kopf über die Lampe.\nDas Ende der Zigarette glimmt an. Mein Blick\nfällt aufs Fenster. Hinter der Scheibe hält die\nNacht eine schwarze Tafel.\nBlitzartig' begreife ich die Chancen, die sich mir\nbieten.\nIch nehme Schreibtisch, Lampe und Stuhl und\nspringe nach draußen. Ich komme vor die\nschwarze Tafel zu sitzen.\nDas war ein glücklicher Einfall von mir. Denn\nich habe einen Komparativ für allen gefunden.\nIch sitze mir nämlich jetzt gegenüber.\nWir sehen uns zu. Das heißt, ich sehe mir zu.\nWir ziehen unsere Lungen voll Zigarettenqualm\nund blasen uns gegenseitig an. In unserer Mitte\nprallt die Rauchwolke wo auf und quillt ausein-\nander. Wir blinzeln uns beide sehr neugierig an\nund freuen uns im Geheimen, daß etwas zwischen\nuns ist. Wir kokettieren mit einander. Wir möch-\nten uns gern gegenseitig herüberholen, obwohl\nwir dem katzenhaften Funkeln unserer Augen an-\nsehen, daß wir uns Böses tun werden. Wir zeigen\nmit dem Zeigefinger nach uns, strecken die Zungen\nheraus, schneiden Gesichter. Wir schielen, flet-\nschen die Zähne. Unsere Bewegungen werden\nhastiger, unsere Einfälle kühner. Es gerät etwas\nFliegendes in uns, etwas Wildes. Wir brauchen\nuns nicht voreinander zu schämen; denn wir ken-\nnen und sehen uns bis auf den schlammigen Bo-\nden. In dem wühlen wir herum und freuen uns\nmit zitterndem Nasenflügeln an dem Gestank, der\ndaraus aufsteigt.\nAuf einmal lieben wir uns. Wir blicken uns\nheiß in die Augen. Die Adern auf unsern Stirnen\nsind geschwöllen.\nSchließlich werden wjr sehnsüchtig nach ein-\nander.\nIch merke sofort, worauf es abgezielt ist. Und\nwährend ic h wuchtig das Fenster aufstoße,\nspringe ic h katzenkühn und Menschen-heiß hin-\ndurch und an meine Brust.\nDie Mainachtluft schwingt einen Kranz von\nSternen um meinen Kopf. Der Garten links unten\nbrennt in weißen, glasigen Farben.\nIch ziehe die Füße hoch und lasse mich fallen.\nTief-hoch falle ich und falle in das rauschsum-\nmende Sternenmeer. Und immer tiefer und höher\nwerde ich sinken. Denn ich muß mich selbst\ntragen und mein großes, tönendes, Weltraum-\nschaffendes Allein-Sein.\n\nErnst Wilhelm Lotz\n\nKatechismus\nErnst Wilhelm Lotz\nDurch den Rauch seiner Zigarette sprach er\ndiese Sätze vor sich hin:\n„Ein Mädchen. Was ist es? — Ein Schatten;\nsolch ein Schatten, den ein brünstiger Traum nach\ndraußen wirft.\"\nSeine Brust sank ein, und er glitt auf dem Sofa\nein wenig nach unten. Lächelnd bemerkte er\nweiter:\n„Was ist ein Vater? — Eine Vorzeit. Was ist\neinet Mutter? — Beinahe Nähe. Ein Bruder ist ein\nWort; wie seltsamen Klang es hat, aus kalter\nFerne rufend, aber schüchtern und heimlich —\nwie eine Kinderlandschaft — manchmal. Und eine\nSchwester — ist ein lieb, lieb singender Paradies-\nvogel auf den Ebenholzinseln.\"\nJetzt blickt er dicht an mir vorbei, indem er\ndie Brauen niederkniff.\n„Aber ein Freund ist eine richtige Lüge. Ein\nFreund ist das Maskenspiel einer einsamen Seele.\"\nDa schwieg er — mit müden Augen.\n„Und du,\" fragte ich nach einer Pause, „was\nbist du denn?\"\nEr zündete sich eine neue Zigarette an und\nreichte mir seine Hand, langsam und lächelnd. Und\nnoch mit diesem Lächeln auf den Lippen, das\ndann in einem leuchtenden Ernst unterging, sagte\ner zögernd:\n„Ich — bin eine Sehnsucht — nach mir — und\nnach allen andern.\"\n\nKloster Neustift bei\nBrixen\nAlfred Richard Meyer\nAuf himmlisch blauer Tür gemalt ein roter Löwe,\ndes Erzengel Michael Schwert in der Pranke,\nist meines Schlafes Unruh und lieblichen Wanzen\nHüter.\nDank dir!\nBis unter meinem Fenster frischgewaschen der\nTag aufspützend aus dem brüllenden Brausebad\ndes Eisack springt.\nWeißes Brot und roter Wein mein Frühstück.\nEin Laienbruder hat mich dann durch die Bibli-\nothek geführt.\nBunte Inkunabeln blühen wie ewige Blumen in\nmeinen Händen,\nPergament wird ganz warm wie wollüstig erregte\nFrauenschultern,\ndie wer weiß wie lange nicht mehr befingert sind.\nEs hat noch lange nicht sechs Uhr geschlagen.\nDie Augustiner haben schon Besuch, Besuch aus\nBrixen,\ngeistlichen Besuch — jawoll! — aus Brixen.\nDie zweite Dreiliterkanne St, Magdalenerist schon\nin Arbeit.\n(Otto Erich, batzenhäuselts dich nicht droben?)\nDie schwarzen Ordensröcke mit den weißen Ska-\npulieren haben direkt was urgemütlich Kränz-\nchenhaftes.\nWieder andere, schon ältere, ganz alte liegen in\nden kobaltdämmerigen Zellen\n(o! — und doch schwitzt Sonne sich in diese\nKühle),\nliegen in so wundervoll großväterlichen Wachs-\nruchsesseln,\nblicken langsam aus dem Regensburger „Deut-\nschen Hausschatz\",\ndem Romane von Courths-Mahler,\nauf zum Schmerzleib des Gekreuzigten.\nOb der Graf die arme Gouvernante wirklich hei-\nratet?\nDas zu wissen — ist so wichtig.\nDeshalb muß man sich beeilen.\nAußerdem — man könnte sterben und's nicht\nmehr zu wissen kriegen.\nAußerdem — brennt Frater Franz Seraphikus auf\ndie Geschichte.\nUnd auch er erwartet täglich den Besuch des\nTodes.\nUeberhaupt ist das hier ein so langsam schönes,\nstilles\nAbschiednehmen von dem Leben,\nBeten,\nLesen,\nEssen,\nTrinken.\nAch, die lieben alten Glocken!\nSchnittlauch schneiden im Klostergarten.\nUnd als Sonntagsbraten kommt ein Kalb aus Ster-\nzing.\nUnd der Wein wird heuer wie nur dreiundsechzig.\nDaß man ihn noch, ihn noch miterleben durfte!\nMuß der liebe Gott uns nicht sehr lieben?\nGratias! Es stirbt sich leichter also,\nlebt sich leichter,\nstirbt sich licht.\n\nDas Holzbein\nVon Peter Scher\nArnold Strich lebte mit seiner Frau Luise —\ndie bessere Tage gesehen hatte — in dürftigen\nVerhältnissen. Jedermann wunderte sich über\ndiese Ehe. Frau Strich war schlank, blond, katho-\nlisch und aus guter Familie. Ihr Mann stammte\naus der Hefe des Volkes — da, wo sie am heftig-\nsten gärt. Er war Atheist und hatte ein Holzbein.\nMan fragte: Was kann zwei so verschieden ge-\nartete Naturen aneinander fesseln?\nEine Dame antwortete: „Wenn das Holzbein\nnicht wäre, würde ich sagen: nur die Liebe!\"\nEin alter Schulrat sagte kopfschüttelnd: „Die\nkonfessionellen Gegensätze erscheinen mir als\nstärkerer Hinderungsgrund.\"\nEine ganz junge Dame wagte den schüchternen\nEinwurf: „Wenn das Holzbein aber erst beim\nKnie anfängt?\", worauf ihre Mama „schäm dich,\nAlice!\" sagte.\nWie man sieht, wurde die Frage von Fern-\nstehenden keineswegs erschöpfend beantwortet.\nErst als es sich herumsprach, daß Strich — mit\nRespekt zu sagen — saufe, und als man in Luisens\nhübschem Gesicht die Spuren eines verheerenden\nKummers entdeckte, fiel scheinbar etwas Licht in\ndas Dunkel.\nMit Strichs Trunksucht war es aber in Wahr-\nheit so bestellt: Er trank aus Mitleid mit Luise.\nEs war ihm unerträglich, sehen zu müssen, wie sie\nunter den dürftigen Verhältnissen litt. Der An-\nblick ihrer stummen Qual hatte in seinem gütigen\nHerzen den; Entschluß reifen lassen, sich zu opfern.\nStrich sagte sich: Wenn ich bloß trinke, frißt sich\nder stille Gram über unser Elend immer tiefer in\nihre Seele — die ja doch bessere Tage gesehen\nhat. Wenn ich hingegen saufe, wird sie bald Ge-\nlegenheit nehmen, sich zu empören und ihr be-\ndrücktes Gemüt durch laute Anklagen zu ent-\nlasten.\nMit diesen Gedanken überantwortet sich Strich\nder Trunksucht. Es muß aber gesagt werden, daß\ndie Entschließung eines heroischen Herzens selten\nmit so viel Selbstlosigkeit durchgeführt wurde,\nwie sie in der Folge Strich als Säufer an den Tag\nlegte.\nJeden Morgen, wenn die Sonne aufging, be-\nleuchtete sie das, gedunsene Gesicht eines Man-\nnes, der sich mühselig an den Häusern entlang\nnach Hause tastete. Dieser Mann war Strich.\nAber jeden Abend, wenn die Sonne unterging,\nbeleuchtete sie gleichermaßen mit aufreizender\nGlut das Gesicht einer Frau, die dem eben von ihr\ngegangenen Gatten mit mählich steigender Ent-\nrüstung nachblickte. Diese Frau war Luise.\nEines Abends, als Strich sich wieder anschickte,\nauszugehen, konnte sie nicht mehr an sich halten.\n„Gute Nacht, Luise\", sagte er weich und gab ihr\ndie Hand.\nDa stieß sie ihn zurück.\n„Jetzt ist es genug!\" schrie sie mit gellender\nStimme.\n„Luise\", sagte er ganz verdutzt. Und er sagte\nes in einem Ton, der eher Bestürzung als Genug-\ntuung ausdrückte.\n„Schweig!\" sagte Luise hart, „du bist ein Säu-\nfer! An mich denkst du nicht! Ich habe bessere\nTage gesehen! Warum habe ich dich geheiratet!\nAtheist! Ein Holzbein hast du auch!\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.4", "texte": "„Oh Gott\", stieß Strich hervor, „o Gott,\nLuise —\" mehr stieß er nicht hervor. Er mußte\nsich setzen.\nStrich hatte den Umschwung aufrichtig herbei-\ngesehnt. Als nun aber Luisens harte Anklagen ihn\nso unvermittelt trafen, fühlte er sich gleichwohl\nam Innersten getroffen. Indessen bemeisterte er\nseine Erregung.\n„Luise\", sagte er, „du weißt nicht was du tust,\nLuise!\"\nSie lachte höhnisch. „Arbeite\" schrie sie, „was\nhast du in der letzten Woche gemacht? Einen hal-\nben Aphorismus! Es ist zum lachen!\n„Aber er wird blendend!\" stotterte Strich klein-\nlaut, und er wagte es schon nicht mehr, in ihr Ge-\nsicht zu blicken, aus dem der stille Kummer ge-\nwichen war. Er dachte: Ich habe mich von meinem\nMitleid hinreißen lassen! Wie habe ich — gelinde\ngesagt — getrunken, um den stillen Gram dieses\nWeibes nach außen zu lenken! Und wie hat sie auf\nmein psychologisches Feingefühl reagiert? Sie hat\nmich nicht verstanden — sie hat kein Herz! Ich\nbin verloren!\nLuise merkte nichts von seiner Bewegung.\nBrüsk ging sie einen Schritt näher zu ihm hin.\nEine suggestive Ueberlegenheit ging von ihr aus.\nEr wich unwillkürlich vor ihr zurück.\n„Gib das Holzbein her!\" sagte sie befehlend.\nStrich glotzte sie verständnislos an.\n„Gib das Holzbein her!\" sagte sie noch einmal.\nNun schnallte er kopfschüttelnd, aber ohne\nWiderspruch das Bein ab und reichte es ihr wort-\nlos hin. Sie nahm es, warf es in den oberen Kom-\nmodenkasten, schloß sorgfältig ab und steckte den\nSchlüssel zu sich.\nIn Strichs Gehirn dämmerte eine furchtbare\n.Ahnung, „Lui —\" stöhnte er leise.\n„Dichte!\" sagte sie eisig.\n„Luise!\" wimmerte er und die Spuren ihres\nverheerenden Kummers zeigten sich nun auf sei-\nnem Gesicht. Luise bemerkte es ungerührt. Ihre\nZüge glühten vom Bewußtsein ihrer Macht.\n„Dichte!\" schmetterte sie ihm entgegen. „Heut\ngehe ic h aus. Wenn ich wiederkomme, will ich\ndeine Arbeit sehen. Ist sie gut, kriegst du fünfzig\nPfennig und das Bein. Im andern Falle bleibst\ndu zu Hause. So wird es in Zukunft gehalten!\"\nSie ging. Strich barg sein Gesicht in beiden\nHänden; er weinte.\nIn der Kommode klopfte das hölzerne Bein —\nerst leise mahnend, dann stärker und endlich in\neinem rasenden Wirbel. Aber Strich schüttelte\nnur wehmütig den Kopf.\n„Vorbei!\" flüsterte er bewegt.\n\nO Welt!\nRudolf Leonhard\nMan weiß, daß ein Gefesselter, über den der\nHenker schon die Arme hob, sich vom Richtblock\naufwarf und es herausschrie: „0 Welt —daß\ndas fallende Beil den Nacken verfehlte und schräg\nin den Schädel fuhr —\nAber viele haben es noch gesagt; in jeder\nStunde aller Tage wird es tausendfach gestöhnt\nund gerufen.\nEiner, der auf dem Wege stand und auf einen\nWald starrte, der wie ein gefleckter Pelz auf dem\nBerge hing, sagte es: „O Welt!\"\nUnd Meilen davon einem, der betrunken in den\nRinnstein rollte, rang es sich als letztes aus dem\nschweren Kopfe: „0 Welt!\"\nEin Mädchen, das eben zwölf Jahre alt war,\nging in rotem Kleide über die Straße; nichts war\nso schlank wie ihre Beine, ihr Haar hing tief um\nden schmalen Rücken. Und in den Augen, die ent-\nlang die lange Straße in den blauen Rauch der\nWeite sahn, stand mit Worten, die keinen Klang\nhatten: „O Welt!\"\nUnd ein Briefträger, der in durchnäßten Klei-\ndern zitternd nach Hause kam, dachte lächelnd:\n„O Welt!\"\nEin Heiliger sagte: „Es geschieht meine Ver-\nmählung mit allen Dingen. Herr bin ich nun aller\nDinge und allen Dingen ergebner Knecht. In\nimmer neuen Sünden werde ich sie schmerzlich\nberühren. Alle werden in meine Wollust einziehn.\nIch liebe alle Dinge sehr. Ich kann Bäume um-\nfassen und mit der Hand über Steine streichen.\nNur mir selbst werde ich nie blickend begegnen —\nDa sah der Heilige alle Dinge ausgebreitet vor\nseinem Herzen und sagte: „— O Welt! —\"\n\nKritiker\n\nReinigung\nHerr Max Nordau, geboren 1849 zu Budapest,\nArzt und Doktor der Medizin, beschimpft seit eini-\ngen Jahrzehnten in Büchern und in der Vossi-\nschen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen\nalle bedeutenden Künstler der Gegenwart. Er be-\nabsichtigt offenbar nicht weniger, als den letzten\nschäbigen Rest von Kunstgefühl den Zeitgenossen\nherauszuoperieren. Er vergriff sich mit stumpfem\nMesser an Nietzsche und Ibsen, stellte ihnen die\nDiagnose auf Geisteskrankheit, weil ihn selbst der\nGeist sogar ohne eine Spur von Krankheit ver-\nließ und wurde daraufhin Kunstkritiker der Vos-\nsischen Zeitung. Dieses Amt versieht er seit Jahr-\nzehnten von Paris aus, da dieser Posten ebenso-\nlang in Berlin durch den Journalisten Herrn Pro-\nfessor Pietsch besetzt war und nach dessen kör-\nperlichem Tode würdig und pietschvergnügt durch\nHerrn Karl Scheffler ersetzt wird. Dieser Herr\nNordau schreibt in der Vossischen Zeitung vom\n5. Juni: „Es ist mir unbegreiflich, wie einsichtige,\naufrichtige Kunstfreunde auf den Herbstsalon und\nden Salon der Unabhängigen schimpfen können.\nIch halte sie für einen Segen. Wenn sie nicht\nwären, müßte man sie erfinden. Sie sind die Ab-\nzugskanäle für den Kunstunrat. Sie sind die uner-\nläßliche Vorbedingung für die Reinlichkeit der\nStraßen und Plätze. Wenn alles Müll und alle\nÜbeln Stoffe nicht in sie abfließen, könnten die an-\nständigen Salons, die der Nationalgesellschaft und\nder Gesellschaft französischer Künstler, nicht den\ntadellosen Anblick darbieten, der an ihnen erfreut.\"\nWas er darunter versteht, sagt folgender Satz:\n„Daß man in den beiden Salons des Großen Pa-\nlastes nicht der Beleidigung ausgesetzt ist, auf\nFuturismus, Kubismus, Geometrismus, Orphismus\nund ähnlichen frechen Ulk oder Irrsinn zu stoßen,\nist gut.\" Diese Produkte des Herrn Nordau lagert\ndie Vossische Zeitung auf ihre Leser ab. Eine\nordentliche Fuhre Müll, denkt sie, um so üppiger\nkann die Kunstlosigkeit wuchern. Die unleser-\nlichen Rezepte des Herrn Doktor Nordau über\nKunst werden den Lesern in sechs vollen Spalten\nverordnet. Diese unsinnigen Giftmischereien ge-\nnossen. Der Unsinn stinkt zum Himmel. Man\nist wortlos. Man kann nicht widerlegen, nur wie-\nderdrucken, um dieses Dokument der Zeitschande\nden Zeiten zu überliefern. Der gröbste Keil kann\ndiesen groben Klotz nicht treffen. Herr Nordau\nstolpert schon über Rodin: „Zu beschreiben ist der\nvöllig unförmige Klotz nicht. Den annähern d s t e n\nBegriff von ihm gibt etwa ein vom Zufall geform-\nter Kalkstalaktit in einer Tropfsteingrotte, in dem\nder Fremdenführer eine bestimmte Gestalt sehen\nwill, oder eine Felsenzinke der bekannten „ver-\nwunschenen Hochzeit\" von Hans Heiling bei\nKarlsbad, in der eine gefällig nachhelfende Einbil-\ndungskraft einen Mönch, eine Schwiegermutter\noder eine Braut entdeckt.\" Die bestimmte Gestalt\ndes Herrn Nordau ist unverkennbar, wenn auch\nunbeschreiblich. Hingegen über einen Herrn\nMaxence: „Edgar Maxence geht nicht bis\nnach Athen oder Rom, sondern nur bis nach dem\nFlorenz der Renaissance zurück, um Schön-\nheit zu finden. Seine reich gekleidete junge\nFrau in Profil, die stehend aus einem auf hohem\nPult aufgeschlagenen Psalterium singt, ist zeich-\nnerisch unübertrefflich und dabei von einer Innig-\nkeit und Lebensfülle, die selbst die technische Voll-\nendung vergessen lassen.\" Das wäre der Mann,\nder Herr Nordau malen müßte, wenn er stehend\naus einem auf hohem Pult aufgeschlagene Exem-\nplar der Vossischen Zeitung seine Artikel liest.\nOder wenn Herr Nordau sich das von ihm eigens\nbeschriebene Bild „Apotheose\" betrachtet, das\n„einen prometheischen Funken enthält, der es\ndurchglüht und aus ihm strahlt.\" So sieht das\nfunkenstiebende Bild aus: „Dieses für den kleinen\nPalast bestimmte ungeheure Deckengemälde zeigt\neine sinnbildliche Verkörperung Frankreichs, wie\nsie mit weit klafternden Schwingen über Paris in\nden blauen Himmel emporfliegt. Die Stadt ist\ndurch einige ihrer kennzeichnendsten\nBaudenkmäler angedeutet, die aus der Vogel-\nperspektive sichtbar werden: den Tri-\numphbogen, die Türme von Notre Dame, den\nEiffelturm. Der weibliche Genius nimmt auf sei-\nnem Fluge eine junge Person von aus-\ngesprochendstem Montmartretypus mit,\ndie an ihn geschmiegt ist. Ein großer, schöner\nUhu begleitet majestätisch schwebend die\nG r u p p e.\"\nOffenbar ein Reklamebild für Luftfahrzeuge.\nWer so etwas für Kunst hält, den kann man nur in\ndie anständigen Salons abrieseln lassen.\nNachfolger\nDer Literaturkritiker Herr Doktor Paul Schlen-\nther hat wieder einmal schwere Sorgen. Zunächst\nüber die Nachfolge Erich Schmidts, dann über die\nPhilippis. Viele Menschen halten offenbar vom\nAmt eines Literaturprofessors sehr viel. Trotzdem\nseine Tätigkeit nur darin besteht, entlassenen\nSchülern den Rest von Kunstgefühl aus dem Leib\nzu treiben. Jeder Professor nimmt sich einen toten\nDichter vor und versucht das an ihm zu galvani-\nsieren, was tot ist oder gar nie lebendig war. Nach\nund nach verdrängt der Professor den Dichter\nganz, sodaß die Leute statt eines Gedichtes von\nzehn Zeilen tausend Zeilen Auslegungen über die-\nses Gedicht lesen. Herr Doktor Schienther schaut\nso zu Herrn Professor Schmidt herauf, wie Herr\nProfessor Schmidt auf Goethe hinab. Herr Pro-\nfessor Schmidt war nämlich, sagt Schienther, ein\ngroßer Charakteristiker. Er hat sich nicht nur über\nGoethe geäußert, sondern auch über Roethe. Beide\nHerren sind sich bis auf einen Buchstaben ähn-\nlich, aber trotzdem nicht zu verwechseln. Höch-\nstens durch die Charakteristik Erich Schmidts:\n„Erich Schmidt schrieb mir einmal halb neckend,\nhalb charakterisierend von Roethes Feuer-\ns e e 1 e. Der große Charakteristiker traf auch hier\nden einen Mann mit dem einen Wort.\" Mit\nder Feuerseele kann man hundert Mann auf\nSchmidt und Tritt verbrennen, ohne, sich in die Un-\nkosten eines einzigen Streichholzes zu stürzen.\nAber auch Herr Doktor Schienther hat dem\nSchmidt sein feuriges Handwerk abgeguckt. Er\nschmiedet die Feuerseele weiter zu einem „Heiß-\nsporn\". Mit diesem zweiten Wort ist eigentlich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.5", "texte": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.6", "texte": "die Würdigkeit Roethes und Schienthers als Nach-\nfolger Schmidts bewiesen. Aber Roethe muß es\nwerden. Denn Herr Schienther ist bereits ver-\ngeben. Er wurde Nachfolger Felix Philippis als\nBeschreiber des Frühlings in Bad Kissingen. Was\nweiß man von Philippi? Der Nachfolger: „Wie\nman weiß, ist er mittlerweile auf den Rigi gereist.\"\nDas weiß man und man erfährt noch von dem\nNachfolger, daß weder Bismarck noch Menzel\n„sich bei Einheimischen und Fremden einer solchen\nVolkstümlichkeit freuen konnten wie jetzt Philippi,\nunser glücklicher Felix.\" (Für Neuphilologen: der\nGeistes funke „glücklicher Felix\" ist originaliter\nnicht Herrn Schienther nachzuschreiben. Das\nletzte Mal verspritzte ihn vierzehn Tage vorher\ngleichfalls im Berliner Tageblatt die konfektions-\nbegeisterte Feuerseele des Herrn Doktor H. H.\nEwers: „ . . . glück s frohen Händen schmiegt,\nFelix, leicht die schönste Frucht sich ein.\") Den\nungebildeten Lesern dieser Zeitschrift, die Philip-\npis Nam und Art nicht kennen, muß gesagt werden,\ndaß dieser Vorfahre Schienthers seine Volkstüm-\nlichkeit einem Feuilleton über Kissingen im Ber-\nliner Tageblatt verdankt. Herr Schienther teilt\ndas mit. Ferner, daß Philippi wie Goethe dichtet.\nWirklich: „Dat Swin, der Goethe, hat uns alles\nweggedichtet, klagte mir einmal beim Nachtschop-\npen auf gut Mecklenburgisch Heinrich Seidel; aber\nindem er lästerte, lag in seinem Dichterauge ein\nGlanz des Glücks, Goethe zu besitzen. So geht\nes auch mir! Nein ich werde Felix Philippi nie be-\nbeneiden. Dankbar und bescheiden trolle ich seine\nWege nach.\" Und weiter: „Trotzdem fällt mir\nmancher Roman auf, der sich unter ihnen abspielt,\nund dann bedaure ich, daß kein Philippi mehr da\nist, der daraus ein Drama schmieden könnte.\"\nAlso dichten will Herr Schienther durchaus nicht.\nSo gebe ich ihm den Rat: da er nicht Nachfolger\nvon Philippi und Schmidt werden kann, so werde\ner Philippis Schmidt.\nDer deutschvölkische Brennpunkt\nSteglitzist der Brennpunkt einer neuen deutsch-\nvölkischen Sonne. Das Blättchen will „durch Her-\nausgabe der Sonne dem deutschvölkischen Leben\neinen neuen Brennpunkt und damit unsern\nKampfgefährten eine neue Waffe geben.\" Man ist\naußerdem „in der Lage, der eigentümlichen Auf-\ngabe eines weltstädtischen Blattes die wichtigsten\nTagesereignisse in eine interessante Beleuchtung\nzu rücken, voll und ganz gerecht zu werden.\"\nDie deutschvölkische Sonne pflegt immer die Be-\nleuchtung voll und ganz zu verrücken, selbst wenn\nihr Brennpunkt in der Weltstadt Steglitz liegt. Ein\nStrahl deutschvölkischer Gesinnung in der ange-\nzeigten „vornehmen und packenden Art\": „Hier\neine Anmerkung für den schriftstellernden Kolle-\ngen. Die vorstehend geübte Kunst, durch mehr-\nmalige Wiederholung des Prädikats aus einem\nSatz drei zu machen, erweist sich, wie man sieht,\nals ein ganz probates Mittel zur Erhöhung der Zei-\nlenzahl. Dabei wird auch noch der Stil geglieder-\nter und die Spannung gesteigert. Also probatum\nest!\" Dieses deutschvölkische Blatt also wird den\nKampf gegen den „Jüdischen Geschäftsgeist\" er-\nöffnen. Die Zeile zehn Pfennig. Zugleich damit\nden Kampf gegen die moderne Literatur und\nKunst. Den hat der total verkalkte Herr Blüthgen\nübernommen. Die Moderne vernichtete die Keusch-\nheit und die Treue, sie brachte den Kultus der\nNacktheit und des Geschlechtsgenusses, sie ist ein-\nfach Pornographie, jammert Herr Blüthgen. Die\nModerne hat keinen Humor, sagt er, sie hat Witz,\nSatire, Bosheit, aber keinen Humor. Wie gedichtet\nwerden muß, um der besseren klassischen Zeit ge-\nrecht zu werden veröffentlicht die Steglitzer\nSonne (die Nummer 10 Pfennig, auch in Berlin bei\njedem deutschvölkischen Zeitungshändler zu be-\nziehen) einige Gedichte. Das eine verfaßte der\nKaiserbedichter der Woche Herr Eugen Stangen.\nEr hat endlich den Humor wiedergefunden, den\nHerr Blüthgen in der „Moderne\" vermißt:\nBusen bubbern wie die Quallen,\nund der Paul stupst die Marie:\n~Wa'?—det scheenste doch von allen\nis 'ne richtje Waldpartie?!\"\nWas im weiten Weltgetriebe\nbeinah' gänzlich sich verlor,\nlebt noch in Berliner Liebe,\nnämlich: — „Goldener Humor!\"\nNun noch eine Probe deutschvölkischer Lyrik\nvon einem Herrn, der sogar Volker heißt:\nIch möcht deine Lippen fühlen\nAuf meinem heißen Mund\nUnd die Rosenknospen, die kühlen,\nKüssen von Herzensgrund.\nMöcht träumen in deinen Armen\nVergessen, was mich verdrießt,\nMöcht dein Herz an dem meinen erwärmen,\nBis du) über und über erglühst.\nDieser Volker fühlt Heines Lippen auf seinem\ndeutschvölkischen Mund.\nUnd diese Leute beschützen die Sittlichkeit, und\ndie Kunst. Zwar wird diese Sonne nie scheinen.\nAber kein Funke ist zu gefahrlos, als daß man ihn\nnicht zertreten müßte.\n\nH. W.\n\nDie Schwermut des\nGenieBers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nDas Thal hüllte sich in graublaue Schleier.\nDer Rauch, der aus den Kaminen stieg, schien\ndichter und zäher zu sein als an sonstigen Tagen,\nals sammle sich an dem letzten Tag alle Sorge,\nalle Arbeit, alle Mühe und Not der vergangenen\nWoche und lege sich über die Häuser und Straßen,\nüber die Felder und Wiesen. Auch auf ihnen war\ndie Arbeit die Herrscherin gewesen. Nur die\nSchornsteine der großen Fabrik lagen still und\ntot, kein Atem drang mehr aus ihren weitoffenen\nMündern, die zum Himmel starrten; zur Feier des\nletzten Wochentages waren sie zwei Stunden\nfrüher als sonst still und leblos geworden. Die\naber, die ihnen Leben gaben, hatten sich in alle\nRichtungen zerstreut, waren zu ihren Familien\noder in die Kneipen oder in den geruhsamen Abend\ngegangen.\nDie Stadt lag geduckt unter den Rauch-\nschichten. Man sah nur den Frieden des Schlafes,\ndie erschreckende Ruhe und fühlte sich in die\nschlaffe Zeit der Urgroßväter zurückversetzt, in\ndiese ungesunde gute alte Zeit voll Gleichgültigkeit\nund beharrender Unkraft. Es erschienen die\nspitzen Qiebel alter Häuser, die breiten Glocken-\ntöne des Angelus, durchdrangen siegreich die\nRauchschicht und legten sich darüber. Die Berge\nverloren ihre schroffen Linien und Formen, wurden\nweicher und gemütlicher, sahen aus wie Menschen-\nköpfe mit großen Zipfelmützen. Der Hauch, den\nprunklose einfache Zimmer ausströmten, erfüllte\ndie Luft; überall roch es nach Lavendel und Mo-\nschus. Und in kleinen Zimmern gingen wohl alte\nzierliche Dämchen, mit Häubchen auf den\nschlichten weißen Haaren und unzähligen Furchen\nin den kleinen Gesichtern, hin und her, streichelten\nmit kleinen feinfingerigen Händen Nippsachen aus\nMeißner Porzellan und lächelten in heimlichem\nGlück. Alte Stutzuhren standen wie zugeknöpfte\nDiplomaten an den Wänden und räusperten sich\njedesmal mit pathetischer Umständlichkeit, bevor\nsie zum Schlag ausholten.\nSo konnte die Phantasie irreführen! Da unten\nbrausten die Leidenschaften starker Klassengegen-\nsätze, quirlte der Unrat nüchterner Fehden. Diese\nkleine Stadt, die friedlich im Thal lag, barg gä-\nrende Ideen in ihren Mauern. Der Drang der\nMenschen, emporzukommen, stark zu werden,\nmächtig zu werden, die andern zu beherrschen,\nlebte auch in dieser Stadt. Das Leben eines jeden\nfolgte dem Nützlichkeitsprinzip; das Faustrecht\nwar abgeschafft, aber heimlich übten es noch alle.\nNur wenige gehörten dem Mittelstand an; einige\nKrämer, die kleinen Beamten der staatlichen Ein-\nrichtungen. Wie überall herrschte auch hier Haß\ngegen die Mächtigen und Begüterten. Denn diese\nMächtigen und Begüterten legten ihren Gelüsten\nkeine Zügel an. Die Vornehmen betrachteten den\nReichtum als Mittel zur Verfeinerung der starken\nPersönlichkeit. Die andern schlemmten und ver-\nachteten die Parias, ohne besser zu sein als sie.\nDie Parias aber hatten das Blut eines trotzigen\nZeitalters in den Adern; durch ihre Gehirne war\nder erste Strahl der Erkenntnis gezuckt. Und es\nfehlte nicht an Männern, die diesen Strahl in dem\nPrisma ihrer schlauen Berechnung auffingen und.\nzu ihren Gunsten verwendeten. Redakteur Todt\nwar der gefährlichste unter ihnen. Sie nannten\nsich Sozialdemokraten, obwohl ihnen das Wohl\ndes Volkes erst in zweiter Linie am Herzen lag.\nSie hetzten gegen die Reichen und benutzten be-\nsonders das Konservatorium, um die Arbeiter auf-\nzuhetzen. „Seht, wie diese Reichen sind!\" sagten\nsie. „Euch schinden sie, daß euch das Blut unter\nden Nägeln hervorquillt —: Seht, wie verdorben\nsie sind! Selbst die Musik verfeinern sie, daß\nsie ihre zerrütteten Nerven kitzeln soll.\" So ver-\nfolgten diese Führer des Volkes die Kunst, der in\ndieser Stadt von echten Künstlern geopfert wurde..\nJohannes stand an der Brüstung der Veranda\nund sah hinab auf die rauchverhüllte Stadt. Die\nFieberflamme des Genusses war erloschen. Mit.\ntiefer Wehmut dachte er über die letzten lauten\nStunden nach und bereute sie. Sie erschienen\nihm wie ein leerer Raum, den er durch seine Ge-\nstaltungskraft mit schöner Buntheit hätte füllen\nkönnen. Alle die Worte in diesen leeren Stunden\nerschienen ihm als ein sinnloses irres GestammeL\nEr fühlte die Nähe der Geliebten und verabscheute,\nsie in diesem Augenblick .. Als ob er ein Unrecht an\nihr gutzumachen hätte, ging er zu ihr hin und\nküßte ihre weiche Hand. Wie sie abwesend\nlächelte. Da ließ er sie und kehrte zurück zum\nAnblick der abendlichen Stadt. Er hörte die\nStimmen der streitenden Männer hinter sich und\nempfand ihre Unschönheit in der geruhsamen\nStille des Thaies doppelt stark. Er litt unter dem\nAndrang dieser lauten erhitzten Stimmen, die ihm\nin die Seele zu schreien schienen, daß er selbst\nunschön und gewöhnlich gewesen sei. Die Stunde\nkam, da sich ihm ein neues Werk eröffnete. Er\nmeinte, unter diesen .erbarmungslosen Anklagen\nzusammenbrechen zu müssen, ein Besiegter..\nTränen stiegen ihm, in die Augen; er litt tief. Sein\nOrganismus begann, zu zittern. Die Finger lösten\nsich aus der Starrheit, in der er sie halten wollte,\nund tänzelten in der Luft. Die Musik einer\nschmerzlichen Reue strahlte durch sie aus, ver-\nsprühte in den freien Raum und vermählte sich;\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.7", "texte": "mit ihm. Nie hatte er sich nach tollen Stunden so\ndurchrüttelt gefühlt wie jetzt. Selbst die ver-\nänderte Landschaft schien ihn anzuklagen. Sie\nbedeutete für ihn ein Symbol, sobald ihm ihre\nVeränderung bewußt wurde. Er hatte die Glut\nder siegreichen Sonne gesehen, sie hatte ihn in\neinen Halbschlaf versenkt, in dem ihm das Bild\nder Wüste und mt ihm die Ahnung eines neuen\nWerkes erschienen war. Er hatte diese Sonne\ngeliebt und war ihr dann untreu geworden. Jetzt\ntrauerte die Landschaft. Verhüllte ihr Angesicht.\nEr war nicht mehr würdig, ihren Charakter, der\nsich ihm in einen tragischen verwandelt hatte, klar\nund offen vor sich liegen zu sehen.\nMit dem Fanatismus begeisterter Asketen\nwühlte er in der Wunde seiner Seele, verschloß\njeder leisen Regung, die ihm sein Vergehen leichter\nerscheinen lassen wollte, mit selbstquälerischer\nHartnäckigkeit sein Ohr, freute sich in grausamer\nLust, wenn er etwas neues fand, vom dem aus sein\nAbfall in einem düsterem Licht erschien. Er be-\nrauschte sich an diesen Schmerzen und vergaß dar-\nüber die nüchternen Peinigungen, die seinem Gehirn\ndie Folgen des leichten Weinrausches bereiteten.\nUnd so kam er, unbewußt, indem er das Leid\nseiner empfindlichen Seele zu vergrößern und zu\nvertiefen suchte, zu der Schönheit zurück. Die\nKräfte seiner Seele wuchsen unter den Peitschen-\nhieben seiner unerbittlichen Gerechtigkeit, dehnten\nsich aus und nahmen liebevoll alle Martern in sich\nauf. Neue Bilder kamen zu ihm; er blickte sie\naus erstaunten Augen an, fast gelähmt von der\nUeberfülle. Und in all seinem Erstaunen schwang\nals leiser Unterton die stumme Frage mit: Warum\nist mir ein solcher Reichtum nicht schon früher\nnach leichtsinnigen Stunden geworden? Sein\nGeist trennte sich gleichsam von seinem Körper,\num ganz unbehindert die Antwort auf diese Frage\nzu suchen. Und er fand die Lösung, ohne daß\nsich der Künstler des Weges bewußt wurde.\nNachdem die überraschenden Bilder an ihm\nvorbeigezogen waren, während er in das abend-\nliche Tal hinabblickte, war ihm plötzlich, als würde\nein Vorhang aufgezogen, hinter dem das Aller-\nheiligste lag. Die Wüste erschien ihm abermals.\nAber nicht die Wüste, deren Leitmotiv die graue\nEintönigkeit, die endlose Trostlisigkeit war, son-\ndern eine Wüste, beseelt von der Glorie einer far-\nbigen Erkenntnis, eines süßen Eindringens in die\nletzten Gründe. Die Wvüste war nicht mehr tote\nLandschaft, sie war ein Wesen geworden, das\nlebte, handelt, schluchzte und lachte, das schmei-\nchelnd und zornig sein jkonnte. Aber dieses Leben\nkam nicht von draußen in die Wüste, trat nicht\naus einer seltsamen Wolke oder einem brennenden\nDornbusch in die graue Endlosigkeit: Die Wüste\nselbst gebar es, war zugleich Vater und Mutter\ndieses Lebens, war dieses Leben selbst. Sie war\nreif geworden, ihre Starrheit zu verlieren. Jedes\nSandkorn in ihr war lebendig; hatte seinen eigenen\nTon. Ja, lebst das Licht, die orangefarbige Be-\nleuchtung eines sinkenden Tages, war ein feines\nTönen. Johannes erkannte die Gnade. In scharfen\nUmrissen vermochte er ein neues Werk zu er-\nkennen. ... Er war wieder der selbstsichere\nMut, der den Beruf in sich fühlte, eine neue Kunst\nzu schaffen. Mit seinem unsiegbaren Glauben an\nsich selbst war er der unfruchtbaren Schwermut\nentronnen und hatte die erlebende Schwermut des\naesthetischen Genießers wiedergewonnen. Mit er-\nhobenem Haupte, ein Glühen in den seltsamen\nAugen, ging er zu der Geliebten und küßte ihr\nabermals die Hand. Der Abscheu hatte der Liebe\nseines Schaffensdranges weichen müssen. Er war\nnur Liebe, er hätte in dieser hohen Freude einen\nMenschen töten können und wäre doch nur Liebe\ngewesen. * * *\nDas Mädchen erwachte aus der Erschlaffung,\ndie der ungewohnte Genuß des Weines in ihr be-\nwirkte. Sie sah aus wirren Augen und wußte\nnicht, wo sie sich befand. Als sie aber die An-\nwesenheit des Geliebten wieder bewußt wurde,\nwar sie sofort elastisch; der träge hindämmerde\nHalbschlaf hatte neue Kräfte in ihr gesammelt.\n— Gott sei Dank, daß ich wieder munter bin!\nscherzte sie. Denkst du nicht auch, daß ich ein\nganz -— klein — wenig — beschwipst war?\nIhre nüchternen Worte schmerzten ihn; aber\ner war so voller Liebe, daß er nicht hart zu ant-\nworten vermochte. Er lachte mit ihr und scherzte\nwie ein Kind, ohne daß die Pracht seines neuen\nWerkes, in dem er trächtig ging, darunter leiden\nmußte.\n— Wir werden heute Abend in das Konzert\nder Konservatisten gehen, sagte er. Willst du?\nSie genoß schon im voraus alle die neidischen\nBlicke, mit denen die andern Mädchen nach ihr\nhinsehen würden.\n—i Die Rose soll in meinem Haar bleiben, lachte\nsie. Weißt du, die ärgern sich alle darüber. Man\nist so was hier nicht gewöhnt!\nWird sie mich jemals verstehen können? dachte\nder Künstler, meine Wünsche, meine seltsamen\nGedanken und meine Hoffnungen? Es gab Augen-\nblicke, in denen er nicht an die Geliebte zu glau-\nben vermochte, ebenso, wie es Augenblicke gab,\nin denen er sie vergötterte und ein Gefäß voll\nunbewußter Musik nannte. In diesem Augenblicke\ndes Zweifels drängte es ihn, die seltsame Frage an\nsie zu richten:\n— Sag, Kind, warum nur liebst du mich so\nsehr?\nSie sah ihn an und lachte ihr leichtes Lachen.\n— Wie komisch du bist! Wie kann ich wissen,\nwarum ich dich liebe.\n— Du hast recht, sagte er, eure Liebe ist un-\nbewußt.\nDa nahm sie seine Hand und streichelte sie\nund sagte leise:\n— Du bist so schön, Liebling .... ich glaube,\nich liebe dich, weil du so schön bist . . .\nEtwas zerriß in ihm. Er wußte nicht, was es\nwar, auch nicht, warum es geschah, er empfand\nnur einen nachzitternden Schmerz. „Ich liebe Dich,\nweil Du so schön bist.\" Wie ein tragischer Rhyth-\nmus fluteten diese Worte in ihm vorüber. Und\nwährend er unter ihnen litt, mußte er doch zu-\ngleich auch ihre fließende Schönheit bewundern,\nden Schmelz ihrer Aufeinanderfolge, den Klang\nihrer Vokale.\nEr drängte:\nSiehst du, nun kennen wir uns seit acht Wochen,\nkommen täglich zusammen, erzählen uns und\nhaben uns lieb. Noch nie hab ich dir, die Frage\ngestellt: Warum nur liebst du mich? Heute konnte\nich nicht anders .... eine Ueberfülle drängt sich\nin mir. Ich möchte das Gefühl haben, in das All\naufzugehen. Und darum fragte ich, warum du\nmich liebst, damit ich diesen Ton in das Lied die-\nses schwülen Tages einfügen kann.\nEr hielt inne und dachte nach:\n— Es ist etwas frei geworden in mir, als seien\nalle Worte in mir verdorrt und nur ein Klingen\nist zurückgeblieben. Ich habe ein Werk vollendet,\nda meinte ich, eine Zeit der Erschlaffung müsse\nfolgen. Gestern schloß ich es ab, und heute schon\nwurde mir ein neues offenbart. Begreifst du die\nSüße dieses Reichtums?\nDas Mädchen sah gläubig zu ihm auf, mit dem\nAusdruck des Glaubens derer in den Augen, die\nnicht verstehen, aber voller Freude bereit sind,\nauch das Unverständliche hinzunehmen. Der grau\nwerdende Abend rieselte an ihrer Gestalt hernie-\nder, umwob sie mit einem Heiligenschein, der den\nganzen Leib in kostbaren matten Glanz einfaßte.\nMit vorgeneigtem Oberkörper saß sie, wie jemand,\nder in finstere Nacht hineinhorcht.\nAls ich in der Mittagshitze saß, bevor du kamst,\nerkannte ich die Möglichkeit eines neuen Werkes.\nWar ganz Hingabe an diese Möglichkeit, hörte\nein allumfassendes lönen. Alles Leben sank in\ndieses lönen und vereinigten sich mit ihm. Ich\nkannte keine Schwere mehr und keine Leiden-\nschaften! In meinem vollendeten Werk strömt\ndas Fieber großer Passionen, die gestorben sind.\nIn meinem neuen Werk aber, das ich in mir fühle,\nwird die erhabene Stille herrschen. Es wird eisig\nwerden in dem Brand eines süßes Gefühls des\nNichtseins. Das Versunkensein in wunschloser\nUnbewußtheit, so vollkommen, daß sie alle Be-\nwußtheit in sich tragen und sie lieben und verach-\nten wird. Es schwirrt noch ungeklärt in mir, aber\nich weiß, daß es sich ordnen und herrlich werden\nwird .... Dann kamst du, ich erwachte aus mei-\nnem Heldentraum. Mit schmerzendem Ungestüm\nforderte Sattheit in mir ein Ausruhen, ein Ver-\nsinken in tatlose Zufriedenheit. Ich wollte ein Fest\nmit dir feiern, das Fest der Freude über mein\nvollendetes Werk. Aber es wurde ein Fest des\nGenusses. Es gibt kein Auruhen für den Künstler.\n\nFortsetzung folgt\n\nNotiz\nFranz Marc\nHerr Bruno Cassirer bringt in Nummer VIII\nvon „Kunst und Künstler\" ohne vorherige Anfrage\nund Erlaubnis ein Aquarell von mir, mit dem er\nden traurigen Artikel von Herrn Scheffler\nschmückt. Ich habe sofort den Verlag Der Sturm\ngebeten, mit einer gerichtlichen Klage gegen Herrn\nCassirer vorzugehen, da eine derartige unerlaubte\nReproduktion ebenso widerrechtlich als schä-\ndigend ist.\nGleichzeitig ergeht gegen den Verlag der\n„Aktion\" wegen des gleichen Vergehens eine ge-\nrichtliche Klage.\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nSinaida Hippius\nDes Teufels Puppe\nEine Lebensbeschreibung in dreiunddreißig\nKapiteln\nVerlag Georg Müller / München\nFrancesco Balila Pratella\nMusica Futurista per Orchestra / Klavierauszug\nVerlag F. Bongiovanni ,/ Bologna\nGuillaume Apollinaire\nAlcools / Poemes\nMit einem Porträt des Autors von Pablo\nPicasso\nParis / Mercure de France\nVolne Smery\nMonatsschrift / Prag / Das soeben erschienene\nHeft 9 ist der jüngsten spanischen Malerei\ngewidmet. Es enthält 23 Reproduktionen,\ndarunter 7 von Picasso.\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 4: Oskar Wulff: Alt-\nchristliche und byzantinische Kunst\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H. M. Koch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191306-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebtinten tob\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namea nur darcfc\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeit\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Auzeigen behält sich der Vor-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Grfiade vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nJetzt:\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSechzehnte Ausstellung\nGemalde und Zeichnungen des\nFuturisten , ' , .\nGino Severini\nVom ersten bis dreiBigsten Juni\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerfoezug\nGewohnliche Ausgabe: Fflr Deutschland\nund Oesterreicfa-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnHmmer 40 Pfennig X Fur dasAusland bei\ndirek ter Zustellu ng durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse n d u n g in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fflr das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Strafienstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi e r t elj ah r e s bis\nzumfunftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene FiguiSre /\nParis\n\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabzuge: Versohnung/\n/Tierlegende/Pferde/Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des F e s t -\nbratens /' Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Ilolzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Zwolf handgedruckte, numerierte und signierte\nHolzschnitte / Das Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte f\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMosik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r t o Boccioni: Abschied/\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nZeitschriften\nL'Effort Libre / frliher L'Effort / Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance / Halbmonatsschrift / Kunste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\n\nMoiitjoie I Halbmonatsschrift / Paris / Chauss^e\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Briissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\n1-es Soirees de Paris / Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\n\nAnzeigen\n\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nch ip e nk o I Arbeiten in Stein / Studiea\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Liindern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezujs\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop / London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nSkupina / Prag / Dritte Ausstellung:\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Graphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Graphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst / Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / rnehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestetlt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nThe Lantern: Eine Monatschrift beiseite geschobe-\nner Wahrheit und zuriickgewiesener Dichtung /\nGeputzt und entziindet, so oft der Mond dunkel\nist I Die amerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA.\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen iiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}