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W.\nHauptmanns Freunde und Feinde\nHunderttausende haben sich über das Festspiel\nentrüstet, hunderttausende haben es verteidigt.\nGelesen hat es wohl kaum der zehnte Teil. Ab-\nlehnung und Anerkennung sind gleich wertlos. Die\nGegner interessieren sich überhaupt nicht für\nKunst, dürfen also über Hauptmann nicht einmal\neine Meinung haben. Sie reden über Gefühle, wo-\nrunter sie wieder einmal Begriffe verstehen. Die\nFreunde finden durch das Breslauer Verbot die\n„Kunst\" bedroht. Kunst wird von Künstlern ge-\nmacht, was sehr betrüblich aber nicht zu ändern\nist. Und täglich bedrohen die „Freunde Haupt-\nmanns\" die besten Künstler Deutschlands, die nicht\nalle Hauptmann heißen können. Nach zwanzig-\njährigen Kampf ist dieser Name Begriff geworden,\nalso heilig wie das Vaterland, die Religion, die\nLiebe und das Geld. Sogar Korpsstudenten holen\nden Träger dieses Namens ab. Sie wissen nichts\nvon ihm. Aber als Vorwand zu Kneipereien gel-\nten auch Dichter mit dem König. Es wird fortge-\nsoffen. Alle Bürger sind plötzlich kunstbesoffen.\nUnd Gerhart Hauptmann, ein Dichter wenn auch\nkein Künstler, muß sich von Leuten, die auch eine\nFeder besitzen, preisen lassen, weil ihm ein paar\ntheoretische Krieger sein Festspiel verboten haben.\nHauptmanns Engel\nDas „Berliner Tageblatt\" hatte „unseren Spe-\nzialkorrespondenten\", zu deutsch Herrn Fritz En-\ngel, nach Breslau gesandt. Pflichtgemäß meldete\ner uns Vermischtes. „Die ungeheure Zuschauer-\nschaft erwärmte sich an ihrem eigenen Anblick.\"\nKunst im eigenen Heim. Jeder sein Weltspiegel.\n„Auch das sprödere Material der hiesigen Stati-\nsterie hatte den Furor Reinhardticus. Dabei sah\nman das deutliche Bemühen, niemals die Würde\ndes Stoffes zu verletzen . . .\" Stoffe dürfen nie\nverletzt werden, denn die Konfektion ist heilig.\nAuch Sparsamkeit ist eine Tugend: „Licht wurde\nnicht vergeudet, die Gesänge blieben im Hinter-\ngrund. Der Darstellung hätte man gern lauter\nerste Schauspieler gewünscht, aber es gab auch\nandere.\" Dafür wurden eben die Stoffe geschont.\n„Bei einem Ueberblick über Inhalt und Sinn des\nWerkes ergeben sich zwei hervorstechende\nZüge.\" Die kluge Rücksicht und die freisinnige\nGesinnung. Die stechen Herrn Engel bei einer\nDichtung in die Augen. Die kluge Rücksicht\nbraucht man für die „Bedingungen eines Fest-\nspiels\". Man erfährt aus der Poetik des Herrn\nEngel, daß bei einem Festspiel die dramatische\nSteigerung durch die Fülle der Anschauung ersetzt\nwerden muß. Die Anschauung hinwiederum kann\nman durch den eigenen Anblick ersetzen, der eine\nWärmesteigerung hervorruft. Ferner gilt es, bei\neinem Festspiel Charaktere nicht zu entwickeln,\nsondern nur zu schildern. Das Nichtentwickeln\nverstößt nicht gegen die freisinnige Gesinnung,\nwenigstens macht Herr Engel keinen Vorbehalt.\nDie kluge Rücksicht des Autors bezieht sich nach\nHerrn Engel auch auf die Reinhardtische Regie-\nkunst bei der Anordnung der Szenen. Diese kluge\nRücksicht macht unbedingt Vorsicht nötig. Sie\nwürde eine bedenkliche Entwicklung des Charak-\nters darstellen, wenn Herr Engel richtig geschil-\ndert hat. Er war aber wohl an seinem eigenen\nAnblick zu sehr erwärmt. „Wichtiger noch ist\nder andere Punkt.\" Der zweite hervorstechende\nZug hat sich zu einem Punkt entwickelt. Es gibt\ndrei Arten von Punkte: Standpunkte, Gesichts-\npunkte und Höhepunkte. Der Standpunkt: „Würde\nHauptmann ein Festspieldichter nach der Scha-\nblone sein? Einer der Umfärber und Hurra-\nschreier, die übert die erweislich wahren Tatsachen\nder Geschichte die bengalische Pracht einer fal-\nschen Pietät ausbreiten? Würde er, um einen Or-\nden, einen Titel,; oder den Schillerpreis zu erhalten,\ndiese Tatsachen wie ein Hofpoet und Officialdich-\nter ansehen? Wer ihn kannte, sagte von vorn-\nherein: „Nein!\"; aber es ist angenehm, diese\nUeberzeugung bestätigt zu finden.\" Die Freisin-\nnigen sind immer vorsichtig. Herr Engel ist also\nangenehm überrascht, daß aus Gerhart Hauptmann\nnicht Herr von Lauff wurde. Man kann nie wis-\nsen. Der Standpunkt ist gewahrt, das Festspiel\nenthält nur „erweislich wahre Tatsachen\". Man\nkann also juristisch dafür eintreten. Der Gesichts-\npunkt: „Dieses Festspiel ist, alles im allen, ur-\ndeutsch . . .; urdeutsch schon in seiner Anlehnung\nan Germaniens deutschestes Gedicht, an\nFaust, insbesondere den zweiten Teil; urdeutsch,\nWeil es deutschen und hellenischen Geist zuletzt\nverschmilzt, und urdeutsch schließlich deshalb, weil\nes ausklingend vom Frieden eines freien Bürger-\nvolkes schwärmt.\" Man fühlt sich kaum imstande,\ndieses Deutscheste zu verdeutschen. Das Deutsche\nscheint hiernach wesentlich in der Anlehnung zu\nliegen: an Faust, an den hellenischen Geist und\nan das freie Bürgervolk. Faust ist der Deutscheste,\nweil er sich an Helena anlehnt, der deutsche\nGeist der deutscheste, weil er hellenischen\nGeist schlecht verstand und ihn sehr mäßig\nkopiert. Und das Festspiel ist das Deutscheste,\nweil es Hauptmann vom Sozialdemokraten\nzum Liberalen macht. „Aber es wäre wie-\nderum falsch, ihm die Etikette einer gegenwärtigen\nPartei aufzukleben.\" Und nun der Höhepunkt:\n„Und kühler, aber sichtlich groß ist die Metamor-\nphose, da eine dieser deutschen Mütter sich aus der\nmater dolorosa umwandelt in die Göttin, in die\ngriechische, in die dennoch deutsche Pallas Athene,\nund von ihrem friedvoll schönen Munde mehr Licht\nausgeht, als je von der besten Festspiellicht-\nmaschine ausgehen kann.\" Licht wird nicht ver-\ngeudet, infolgedessen sieht Herr Engel alles\ndeutsch, die mater dolorosa nebst Pallas Athene\nwerden naturalisiert und die Kunst ist bewiesen.\nSonst wird noch gemeldet, „daß das gewaltige\nGemälde der großen Revolution sich aufrollt.\nHegel und Jahn, Scharnhorst und Blücher konver-\nsieren. Fichte wirft seine Funken in die Stu-\ndentenschaft. Der Engländer ... ist komische\nFigur, aber es fällt das sehr ernste Wort,\ndaß England und Preußen, die. Vormächte des\nProtestantismus zusammenhalten müssen. Es folgt\ndie Mütterszene und die Metamorphose.\" Die\nNaturalisierung geht so vor sich: „Einer der Vor-\nhänge, mit denen das gestufte Podium und die Or-\nchestra in drei Schauplätze geteilt: Wird, lüftet sich\nnun zum ersten Ma 1. Der deutsche Dom\nletzten Hintergrund der Jahrhunderthalle wird\nsichtbar. Die Masse strömt hinein . . .k\" Unter\nder Regie von Professor Max Reinhardt Da kann\nman nicht widerstehen. Pallas Athene belegt beim\nProfessor deutsche Sprache, mater dolorosa\nin den deutschen Dom, und Fritz Engel lüftet den\nVorhang zur Kunst und findet nur die Jahrhundert-\nhalle. Hoffentlich deshalb, weil er zu sehr mit sich\nbeschäftigt war.\nDer Bruder Carl\n„Einer unserer Mitarbeiter hat den Gedan-\nken gehabt, bei dem Bruder Gerhart Hauptmanns,\ndem Doktor und Dichter Carl Hauptmann, an-\nzufragen, was er über die Breslauer Inhibierung des\nFestspiels denke.\" Der Gedanke, den Doktor Carl\nHauptmann für einen Dichter zu halten, kann nur\nunseren Mitarbeitern im „Berliner Tageblatt\" ein-\nfallen. Herr Doktor Carl, der Bruder, antwortete:\n„Ende September kommt als erste Novität am...\nmein Drama . . . , das im Oktober auch bei\n. . . herauskommt. Ende Oktober kommt gleich-\nzeitig in . . . und in . . . mit der ausgezeichneten\n.. . heraus. Endlich einmal .. . Sie begreifen,\nwie ich mich freue .\" Das denkt der Dok-\ntor Carl. Er ist nämlich „mit Arbeit völlig über-\nbürdet\". Aber er versichert unserm Mitarbeiter\n„nicht zum Schaden der Seele und der Stimmung\".\nDie Seele und die Stimmung wird verdichtet.\nSeptember und Oktober kommt alles heraus. Der\nDoktor Carl konnte sich um Breslau „nicht küm-\nmern\". Er konnte das Spiel „Gerharts\" nicht\nlesen. Der Bruder Carl hält sich nämlich „wäh-\nrend der Produktionszeiten von Lektüre ziemlich\nfrei\". Man muß sich vor der Geburt schonen. Er\nweiß nur „das Allergeringste vom Hörensagen\".\nTrotzdem kann er die Gelegenheit herauszukom-\nmen, im „Berliner Tageblatt\" herauszukommen,\nsich nicht versagen. (Sie begreifen, wie ich mich\nfreue -.) Trotzdem er mit Arbeit überbürdet ist.\nTrotzdem weiß er schon das Allergeringste vom\nHörensagen, trotzdem „will mir scheinen, daß\nGerhart unsere Zeit zu rein künstlerisch nahm\".\nDavor wird sich der Bruder Carl hüten. Gerhart\nkonnte „dem Bedürfnis von Riesenfestgesellschaften\nnicht völlig entsprechen\". Der Bruder Carl aber\nentspricht dem Wunsch unseres Mitarbeiters, zum\nNutzen der Seele und der Stimmung und schließt\nsein Epistel apokalyptisch: „Aber, wie gesagt, ich\nbefinde mich völlig außerhalb (das heißt in Mittel-\nschreiberhau), weil ich mit drei großen Sachen\noder auch Drachen kämpfe, die ich bis\nzum September 1913 besiegen m u ß.\" Offenbar\nein Rekord für das Bedürfnis heutiger Riesenfest-\ngesellschaften, denen Gerhart nicht völlig ent-\nsprechen kann. Der Kampf mit den drei Drachen\nwird Ende September 1913 im Weltspiegel zu be-\nsichtigen sein. Vor dem Tiefdruck sei der Bruder\nCarl hiermit tiefer gedrückt. Nicht zum Schaden\nder Seele und der Stimmung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-07-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-07_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-07_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "67", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.2.4", "titre_corps": "Idee vom Ferntaster", "titre_sommaire": "Idee vom Ferntaster", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.2", "debut_caractere": 8819, "fin_caractere_exclue": 10138, "texte": "Idee vom Ferntaster\nVon Mynona\nSo haben wir denn Telegraphie, Telephonie, der\nFernseher ist so gut wie fix und fertig. Und nur\ndie Telehaptie, der Telehaptor, der Ferntaster\nläßt noch auf sich warten. Was nutzt uns der ganze\nWells, wenn er vor dieser Idee zurückschrickt?\nAber diie Sache steht ja viel kläglicher, als man\nargwöhnt: wir sind verloren, wenn wir das\nTelehaptieren nicht lernen. Solange unser Qetast\nwie versteinert festsitzt, und nur seine Verfeine-\nrungen, das Gesicht, 'der Geruch, das Gehör ihren\nfreien Ausflug in die Welt machen, sind wir arm-\nselige Gefangene. Aber wir wollen; nicht gleich\nWeinen! Man muß ein paar Worte der Ermutigung\nsprechen. Manches wird nur deshalb nicht ge-\nfunden, weil man gar nicht auf den Gedanken\nkommt, es zu suchen. Der Gedanke, das Getast\nzu teleihiaptieren, einmal gefaßt, wird sich realisie-\nren müssen!\nIch bin jetzt nicht in Beßarabien, ich bin hier an\ndem Orte, von dem einige Leute mit gesunder Ver-\ndauung immer wiieder fragen: Was ist des Deut-\nschen Vaterland? Hole sie • . .\nJa, der Kuckuck, der singt manchmal z u schön,\nFrau Werner — Was ich doch gleich sagen wollte:\nich bin hier! Aber bin ich nicht überall...\nbis ... bis .. . bis auf mein bischen — Ge-\ntast???\nAlso thiere lies the rub! Mein Gesicht reicht\n.milchstraßenweit, mein Gehör unter Umständen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3369, "texte": "meilenweit, mein Geruch unglücklicherweise bis in\ndas W.C. des Lyrikers Expresber. Die kleine\nDirne Kleptomanopatra höre ich h i e r, wenn sie in\nKairo aus dem Beischlafe spricht. Den eleganten\nNovellisten Paul Juchheyse ahne ich (selbstver-\nständlich mit dem Ahnungsvermögen), wenn ich\nnoch iso fern 'von ihm an Inichts denke- Aber\nschmecken und tasten kann ich alle di e\nLieben nur, wenn ich sie ganz dicht bei mir\nhabe (wovor mich übrigens der liebe Gott noch\nlange bewahren möge!) Immerhin doch! Es geht\naus allem hervor, wlenn einer fragt: wo bin ich?\ndaß er dann eigentlich meint: wo bin ich zu\ntasten. Denn gesehen, gehört, gerochen könnte\ner auch anderswo werden. Ja, dieses klobige Ge-\ntast! Man muß es loseisen, auftauen, auf Drähte\nziehn und schließlich drahtlos in alle Ferne\nschicken. Wie einfach!\nSehen Sie, liebe Frau Scholz, ehe daß Sie nun\nIhre Strümpfe und Schuhe anziehen, sich pudern,\nden Bahnhof aufsuchen, ins Coupe steigen und vier-\nzehn Tage brauchen, bis Sie noch nicht einmal in\nJapan sind, wo der Prinz Ten-tsim-pö Sie in seine\ngebrechlichen Arme reißt — stellen Sie sich ein-\nfach nackt, wie Sie, wo wir nicht fehlgehen, Gott\nerschaffen hat, auf ne Art Wagschale, deren Zwil-\nling am Ziel ihrer Bestimmung schwankt: Im Hand-\numdrehen ist alles, was an Ihnen tastbar, wägbar\nist, hindurchtelehaptiert! Man wird nächstens auch\ndie Kleider mitschicken können; vorläufig sträubt\nsich der Ferntaster . . . schamhaft!!! . . . gegen\nalles nicht Splinterfasernackte. Wahrscheinlich ist\ndas der Grund, weswegen er noch nicht recht\nfunktioniert?\nWie dem auch sei, der Ferntaster, der ja selbst-\nverständlich, wie Professor Abnossah Pschorr mir\n•mitzuteilen die Güte hatte, den Fernriecher, Fern-\nschmecker, Fernwärmer resp. -Kälter usw., in sich\neinbegreift, ist das Ideal aller Beförderungsmittel\n* . . und so gesund, so amüsant, so modern, daß er\nin Sonderheit auf dem bisher etwas ... ? . . •\numständlichen Gebiet der Erotik direkt erfrischend\nzu wirken verspricht. Ja, Mutter Kobelke, haben\nSie denn gehört, daß ein Teletiktor, ein Ferngebär-\napparat in sichere Aussicht genommen worden ist?\nAlles was wahr ist! Ein bischen Selbstüber-\nwindung kostet es schon, ein bischen momentane\nSelbstpreisgebung, sich telehaptieren zu lassen.\nAch mein Heber Kolonialwarenhändler Schwach\naus Halle, reißen Sie sich von dem Wahne los,\ndaß Sie nicht in Birma wären: Sie sind überall,\naber ohne den Telehaptor erleben Sie das schwer-\nlich! Was soll Ihnen Halle? Wlie schön ist Birma!\nLassen Sie sich man blos telehaptieren, von wegen\nSegnung Ihres Andenkens in Halle! Um daß man\nIhnen nachtrauere!\nUnd ganz entzückend wäre auch die (noch nicht\neingeführte) zwangsweise Telehaptierung! Da\nkönnte man ganze Regimenter von Widerwärtig-\nkeiten mit Eins ins Pfefferland feuern und räch den\nAbsendeapparat ruinieren. Menschenskinder, wäre\ndas erlösend! . . .\nWie meinten Sie, Sie Schafsnase? Sie halten\nden Gedanken für phantastisch, Sie Urian? Wollen\nSie still sein, Sie Eber! Dichten Sie meinethalben\nFestspiele auf 1813, Sie Jubelgreis! Glauben Sie\nvielleicht, Sie wären hier unter sich? Sie Aas-\ngeier! Halten solche Ideen für Wind und Gaseier?\nWas? Lichtwellen und solches Gelumpe sollten\nsich rapide fortpflanzen — und baptische Vibratio-\nnen nicht? Sind Sie verrückt? Oder sind Sie viel-\nleicht zufällig die dumme Gans, die nur mit Offi-\nzieren geht? 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Ueber den Kubismus ist zwar\nviel geschrieben worden. Man kann schon\nvon einer kleinen Literatur sprechen. Zwei ku-\nbistische Maler, Jean Metzinger und Albert Gleizes,\nhaben ein Buch des Titels „Du Cubisme\" heraus-\ngebracht. Guillaume Apollinaire hat ein Buch des\nTitels „Les peintres cubistes\" veröffentlicht, das\nin einem allgemeinen Teil eine bemerkenswerte Er-\nörterung der grundsätzlichen Fragen des Kubis-\nmus und in einem speziellen Teil knappe, aber ge-\nfühlte Profilierungen der einzelnen kubistischen\nKünstler und Künstlerinnen gibt. (Beide Werke er-\nschienen bei Figuiere in Paris und sind in Deutsch-\nland vom Verlag „Der Sturm\" zu beziehen.) In\ndem Buch von Andre Salmon über die moderne\nfranzösische Malerei („La jeune peinture fran-\ncaise\", Paris, Societe des Trente, Albert Messein,\n19 Quai Saint Michel), das wohl die feinste Arbeit\nüber die jüngsten Kunstbewegungen ist, findet man\neine für die äußere Geschichte des Kubismus wie\nfür die stilpsychologische Erklärung gleich wert-\nvolle „histoire anecdotique du cubisme\". Im ersten\nHeft des „blauen Reiters\" findet sich ein gediegener\nAufsatz von Roger Allard über „die Kennzeichen\nder Erneuerung der .Malerei\", in dem das Problem\ndes Kubismus erörtert wird, und weiter ein beson-\nders wertvoller, durch konkrete Werkanalysen\nlehrreicher Aufsatz von E. von Busse über „die\nKompositionsmittel bei Delaumay\". Auch das im\nGanzen — sagen wir kunstmodernistisch fatale\nBuch von Fritz Burger über „Cezanne und Hodler\",\ndas im Münchener Delphinverlag erschien, gibt\nbeachtenswerte Aufschlüsse, dnsbesondere über\nPicasso. Die Werke von Metzinger und Gleizes\nund von Apollinaire bringen ein beträchtliches Bil-\ndermaterial. Wenn man diese Literatur durchge-\narbeitet hat, fühlt man sich zunächst um wertvol-\nles Material bereichert. Das Historische und\nPersönliche, das man erfährt, gibt der Situation\neine gewisse Körperlichkeit, das Gewicht und die\nStruktur historischer Tatsachen. Damit ist gegen-\nüber den kubistischen Tafeln, die zunächst anmuten\nmochten wie die spiritistische Hieroglyphik imma-\nterieller Wesen, eine psychische Hemmung besei-\ntigt oder wenigstens ein psychisches Vakuum aus-\ngefüllt. (Nebenbei: wir wollen die Schwierigkeiten\nunbedenklich eingestehen und so sehr als unvor-\nbereitete Laien erscheinen, wie wir es sind und in\ndieser Zeit noch sein müssen.) Weiter gewinnt\nman, weil hier prüfbare Gedanken über den Kubis-\nmus klar ausgeformt sind. Aber freilich: auf die\nDauer fühlt man, daß alle diese literarischen Er-\nörterungen nicht sehr wesentlich über das hinaus-\nführen, was man halbbewußt schon selber an Ein-\ndrücken besessen hat. Man wird zu neuen Fragen\nvorgetrieben: aber da geben weder die Bücher\nnoch die Bilder Antwort genug. Das beweist\nnichts gegen die Bücher und erst recht nichts gegen\ndie Bilder und auch nichts gegen uns. Es beweist\nvermutlich bloß, daß wir dem kubistischen Bild-\nmittel nicht genug assimiliert sind- Das Nämliche\nbeweist es von den Büchern. Und vielleicht be-\nweist es von der kubistischen Malerei, daß ihre In-\nstinkte in einem problematischen Stadium sind, in\ndem sich die Dinge weder für das Gefühl noch für\nden Begriff restlos formulieren lassen. Das sind nun\nbloß genetische Feststellungen, keine Werturteile.\nAber mehr können wir augenblicklich offenbar\nnicht leisten, wenn wir gewissenhaft sein wollen.\nDie unsäglich billigen Farcen, die den Kubismus\nbürgerlich oder kunstkonservativ oder sonstwie\nanöden, sind außerhalb jeder Debatte. Aber noch\nverhängnisvoller wäre ein wirres künstliche Apo-\nstolat. Es kann in den Problemen des Kubismus,\nund sollte er auch schon zur Neige gehen, jetzt\nnoch keine bedingungslose Empfindungssicherheit\ngeben. Ich selber habe gegenüber dem prinzipiellen\nMittel des Kubismus und gegenüber bestimmten\nWerken, die er hervorgebracht hat, das Gefühl un-\nendlich tiefdringender Anziehung. Ich denke an\nArbeiten von Le Fauconnier, an Arbeiten von Pi-\ncasso, an Arbeiten von Braque, von Derain, De-\nlaunay, Fernand Leger, Duchamp und Metzinger.\nDies Gefühl quält; aber es gibt auch die Ahnung\nunendlicher Lösung. Was wir tun können und tun\nmüssen, ist dies: unsere Widerstände herausarbei-\nten und unsere Zuneigungen vertiefen, indem wir\nbei jeder Gelegenheit Arbeiten von irgendwie fühl-\nbarer künstlerischer Gewalt wie die Picassos, Ar-\nbeiten, von denen wir instinktiv die Empfindung\nirgendwiegearteter Bedeutung haben, auf uns\nwirken lassen und indem wir einstweilen registrie-\nren, was sich von den Problemen des Kubismus\nbis jetzt fassen läßt.\nDas Aeußerlieh-Historische mag man im einzel-\nnen bei Apollinaire und Salmon nachlesen. Die\nPriorität der Namen ist gleichgültig: wir notieren,\ndaß der Name Kubismus zum ersten Male 1908 ge-\nbraucht wurde, und zwar von einem Gegner des\nKubismus, von Henri Matisse, der Delaunay und\nMetzinger lächerlich machen wollte. (So sind vor-\ndem die Schulbezeichnungen „Impressionismus\" und\n„Pointiiiismus\" aus der Ironie der Konservativen\nentstanden- Vermutlich sind alle diese Namen des-\nwegen so wenig geschmackvoll. Gleichwohl: das\nNeue .akzeptiert den polemisch gemeinten Titel, der\nsich einprägt, und die Gueusen triumphieren imtmer\ntrotz ihrem Namens.) Apollinaire hält Derain für\nden historisch ersten Kubisten. Im Ganzen sind\nDerain, Braque und Picasso die gleichzeitigen Ini-\ntiatoren des Kubismus. Allmählich haben sich die\nanderen angeschlossen. Ausstellungsgelegenheiten\nfanden die Kubisten bei den Independants und im\nHerbstsalon. 1911 machten sie bei den Indepen-\ndiants ihre erste Kollektivausstellung. Außerhalb\nFrankreichs fanden die Kubisten, unter denen einer\nder Wichtigsten, wtohl der am stärksten Begabte,\nPicasso selber Spanier ist, namentlich in Spanien\nfreien Boden.\nAn kubistischer Intensität hat zweifellos Picasso\nam meisten geleistet. Man kennt seine erste Pe-\nriode, von der Salmon mit Recht sagt, sie schwinge\nzwischen dem Greco und Toulouse-Lautrec. Diese\nKunst war nichts Geringes, wiewohl sie einzelnes\nSchwache hervorgebracht hat und im Ganzen viel-\nleicht überschätzt wird. Sie schien iimmerhin eine\nfeine künstlerische Zukunft zu verheißen. Picasso\n•gab diese Kunst preis, um ganz eigene Wege zu\nsuchen. Er wußte, daß 'die Mittel seiner ersten\nZeit nicht nur für ihn persönlich, sondern über-\nhaupt, objektiv, sachlich erschöpft waren- Keine\nGeste eines verschwenderischen Verzichts auf vor-\nhandene Möglichkeiten. Keine Willkür und keine\nSpekulation. Das Mittel der Tradition war er-\nschöpft. Picasso mußte, wenn er nicht 'unproduktiv\nwerden wollte, neue Anschauungen suchen. Es\nliegt alles daran, daß man diesen Fall, daß man die\nNotwendigkeit des Abbruchs versteht. Picasso zer-\nbrach die Mittel der Naturillusion, auch der rela-\ntiven, nun Stück um Stück. Er durfte das, denn er\nhatte die Natur studiert, wie es nicht allzu viele\ntun. Unter dem Einfluß polynesiseher Plastiken\nfing er an, .die Nasen seiner Akte zu stereometri-\nsieren, um die künstlerisch vorgestellte Form von\nder natürlichen möglichst zu trennen. Von hier\nging er weiter. Die Perspektive, den „truc mise-\nrable du trompe-l'oeir, wie die jungen Franzosen\nsagen, hatte er längst aufgegeben. Die Matisse-\nschule war ihm darin voraus gegangen. Nun erst"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10629, "texte": "begann für ihn die eigentliche Arbeit. Er sagt,\nseine erste Periode sei mühelos gewesen im Ver-\ngleich zur zweiten. Und das ist ohne weiteres\nglaublich- Es ist einfach sachlich überzeugend. Es\nist das Mindeste, das man vor einer anständigen\nund intelligenten kritischen Gesinnung verlangen\nkann, daß sie den inneren und äußeren Aufwand\nfühle, der zumal in den neuen Arbeiten Picassos\nwahrnehmbar ist.\nApollinaire versucht eine Aufstellung der Ele-\nmente des Kubismus, Er unterscheidet einen „ou-\nbisme physiqtie\" natürlichen, physischen Kubis-\nmus, einen orphischen 'und einen intuitiven Ku-\nbismus. :\nVertreter des natürlichen oder physischen Ku-\nbismus, dessen Elemente der Wirklichkeit der Ge-\nsichtseindrücke entnommen sind, ist für Apollinaire\nzum Beispiel Le Fauconnier. Sein Kubismus ist\nnoch am äußeren physischen Objekt beteiligt, ent-\nhält noch Elemente visueller Anschauung. Apolli-\nnaire sieht in diesem Kubismus die gegebene Form\ndes modernen Historienbildes. Man denke an den\nChasseur von Le Fauconnier.\nDer Hauptvertreter des wissenschaftlichen Ku-\nbismus ist für Apollinaire Picasso. Er weiß die\nFormen. Er hat sie erkannt. Er hat ihre Meta-\nphysik begrifflich inne. Sie haben sich ihm aus\noptischen in cerebrale Vorstellungen umgesetzt.\nAber damit ist Picasso nicht erschöpft. Er ist\nzugleich —■ denn seine Natur ist zusammengesetzt\n— der wesentlichste Vertreter des orphischen Ku-\nbismus- Lassen wir uns durch das Peinliche einer\npedantisch geistreichen Terminologie nicht stören\nund nehmen wir das Wort der Bequemlichkeit\nhalber an. Orphisch ist der Kubismus, der seine\nObjekte und Mittel weder mit dem äußeren Ge-\nsichtssinn, noch gedanklich erfährt, sondern der Ku-\nbismus, der gefühlsspekulativ, schöpferisch, durch\nseine supranaturale Einbildungskraft konstruiert\noder dichtet: aus einem Enthusiasmus, der über die\ngedanklichen, überhaupt über die menschlichen\nGrenzen greift. Der instinktive oder intuitive Ku-\nbismus endlich ist die undifferenzierte Vorstufe aller\ndieser Möglichkeiten.\nIm Ganzen handelt es sich nach Apollinaire beim\nKubismus um eine „unhumanistische religiöse\nKunst\". Die Ausdrücke sind wertvoll. Wertvoll\nist auch die allgemeine Definition, die Roger Allard\nim „blauen Reiter\" gegeben hat. Sie lautet:\n„Was ist der Kubismus?\nIn erster Linie der bewußte Wille, in der Ma-\nlerei die Kenntnis von Maß, Volumen und Gewicht\nwiederherzustellen.\nStatt der impressionistischen Raumillusion, die\nsich auf Luftperspektive und Farbennaturalismus\ngründet, gibt der Kubismus die schlichten, abstrak-\nten Formen in bestimmten Beziehungen und Maß-\nverhältnissen zueinander. Das erste Postulat des Ku-\nbismus ist also die Ordnung der Dinger und zwar\nnicht naturalistischer Dinge, sondern abstrakter\nFormen. Er fühlt den Raum als ein Zusammenge-\nsetztes von Linien, Raumeinheiten, quadratischen\nund kubischen Gleichungen und Wagverhältnissen.\nIn dieses mathematische Chaos eine künstle-\nrische Ordnung zu bringen, ist die Aufgabe des\nKünstlers. Er will den latenten Rhythmus dieses\nChaos erwecken.\nFür diese Anschauung ist jedes Weltbild ein\nZentrum, dem die verschiedenartigsten Kräfte\nstreitend zu streben- Der äußerliche Gegenstand\ndes Weltbildes ist nur der Vorwand oder besser\ngesagt: Das Argument der Gleichung.\nEr war gewiß von jeher nichts anderes in der\nKunst — nur lag dieser letze Sinn jahrhundertelang\nin einem tiefen Verstecke, aus dem ihn heute die\nmoderne Kunst zu holen sucht.\"\nGenau so bezeichnet Salmon das Wesen des Ku-\nbismus, wenn er bei Picasso von eine „peinture-\nequitation\", das heißt von einer Gleichungsmalerei\nspricht.\nWir wollen an dieser Stelle nicht auf die nuan-\ncierenden Unterscheidungen eingehen, die Apolli-\nnaire gegenüber den einzelnen Kubisten versucht.\nIch gestehe, daß es mir bislang nicht gegeben ist.\nbei Metzinger eine Linie von Seurat her zu sehen\noder Braque als einen „peintre angelique\" zu emp-\nfinden\". Es wird besser sein, wenn wir einstweilen\nbei dem Grundsätzlichen bleiben, wenn ich auch\nkeineswegs bezweifle, daß man gegenüber dem ku-\nbistischen Werk seine Organe in dem Sinn diffe-\nrenzieren kann, wie Apollinaire es getan hat.\nDas allgemeine Gesetz des Kubismus ist die\nVernichtung des Gegenstandes — des Gegenstan-\ndes insofern, als er eine visuelle Einheit, eine\noptisch-natürliche Impression ist. Der Kubist will\nden ganzen Gegenstand, nicht eine Teilimpression.\nEr will die räumliche und zeitliche Totalität des\nObjekts ins Bild bringen. Das kann nur gelingen,\nwenn sich die Teilimpressionen als Teile verbin-\nden. Hier waltet ein ähnliches Anschauungsgesetz\nwie beim futuristischen Seh- und Darstellungs-\nwillen, der ebenfalls die Vielseitigkeit des Objekts\nim Raum und in der Zeit zur Darstellung brin-\ngen will. Es leuchtet ein, daß damit eine Erwei-\nterung des überlieferten Sehwillens gegeben ist:\neine Erweiterung im Sinne einer gewissen Epik.\nWenn man will, kann man hier prinzipiell dasselbe\nsehen wie in den polyhistorischen Bildern der Pri-\nmitiven, auf denen zugleich Geburt, Anbetung und\nKreuzigung Christi zu sehen sind: das kubistische\nund das futuristische Bild wollen etwas Analoges,\ndoch vom Stand je einer modernen Nerven-\nkultur, einer lediglich inneren Anschauung, die sich\nin sichtbare Aequivalente ergießen will-\nAber das physische Objekt, richtiger die op-\ntische Impression spielt bei den Kubisten eine noch\nreduziertere Rolle als bei den Futuristen. Und\nselbst das psychische Objekt, in das sich bei den\nmodernen Schulen das physische Objekt ver-\nwandelt, erscheint bei den Kubisten reduzierter.\nDie „Kubistierung\" einer gegebenen natürlichen\nForm oder einer gegebenen, irgendwie aus Sinnes-\neindrücken oder Ideen abgeleiteten seelischen Dis-\nposition bewirkt, daß das Bild des Kubisten die\nGleichungsverhältnisse stärker betont. Auf dies Pro-\nblem kann nicht nachdrücklich genug hingewiesen\nwerden: es handelt sich beim Kubismus mehr als\nirgendwo in der modernen Malerei um die bildne-\nrische Herstellung eines Gleichungsverhältnisses\nzwischen den Bildelementen. Das kubistische\nMittel hat die Wirkung, daß es zwischen das natu-\nrale Erlebnis und die künstlerische Formulierung\nzunächst die notwendigen Hemmungen einschiebt,\ndaß es die Dekomposition der Wirklichkeit voll-\nzieht. Das kubistische Mittel bewirkt die Vernich-\ntung des Naturalen radikal. Und das ist gut. Denn\ndas Naturale ist der Feind des Künstlerischen. Das\nkubistische Netz bewirkt dasselbe wie die Grenzen\nder musivischen Steine oder der Bleilinien der\nGlasfenster. Aber hinaus über diese zunächst nega-\ntive Funktion bewirkt das kubistische Mittel die\nAusgleichung der Bildelemente gegeneinander. Das\nBild wird eine unendliche Gleichung: ob es nun\nRuhe oder kinematische Bewegung der Dinge und\nihrer psychischen Reflexe enthält. Weiter wird\ndas Mittel der Gleichung, die kubistische Lineatur,\nan sich selber bedeutsam. Die Gleichung ist das\neminenteste aller formalen Mittel. Es ist zum min-\ndesten kunstmethodisch wertvoll, wenn das Mittel\nso rein, so abstrakt, so fanatisch zum Vortrag ge-\nbracht wird: fast losgelöst von allen darstelleri-\nschen Funktionen, fast losgelöst von allem repro-\nduktiven Sinn.\nAber weshalb gerade der Kubus? Die Logik ist\nklar. Der Kubismus ist der Feind der kunstgewerb-\nlichen Flächenarabeske. Er will den Raum nicht\nverlieren. Ebenso wenig will er den naturellen\nRaum, die Raumillusion, „les bassesses de la per-\nspective\". Er will die einfachsten bildnerischen\nGleichungen des Raums: den Würfel, das Parallel-\nepipedon, die pyramidalen Formen, auch die Kugel.\nKubus ist hier einfach der abstrakte Ausdruck der\ndritten Potenz.\nSchließlich läßt sich auch eine rein äußere Linie\nsehen: die formgeschichtliche Tradition von Ce-\nzanne her, der die „Kubistierung\" der gegebenen\n(äußeren oder inneren) Naturform mit instinktiver\nGenialität vorbereitet hat. Man sehe seine Land-\nschaften.\nDoch genug. Es ist nun die Frage, ob die hier\nerörterten kubistischen Möglichkeiten weit tragen\nkönnen. Ob sie Werke von große Exekutive her-\nvorbringen können oder ob sie bloß eine wertvolle\nformmethodologische Krise bedeutet.\nDie Kubisten, zum Beispiel Metzinger und Glei-\nzes in ihrem lesenwerten Buch, wehren sich gegen\ndie Auffassung, sie wollten „Rebus\" geben. Daß\nsie das nicht wollen, ist ohne weiteres zugegeben.\nDie Frage ist nur, ob sie das, was sie vermeiden\nwollen, objektiv auch wirklich (vermeiden. Sie\nwehren sich gegen den Vorwurf des Okkultismus.\nOhne Zweifel —• sie wollen keine Kabbalisten sein.\nSalmon, ein feiner Kritiker, bestätigt das. Allein,\nwas wirken sie?\nVom Bilde fordern wir mit Recht die Ueber-\nsetzung unseres Lebens in Formen. Ich bekenne\nmit Freude, daß ich vor den Arbeiten Picassos\nimmer das Gefühl einer überschwenglich-innigen\nAusdeutung der Dinge habe. Ich fühle, wie hier\ndie Dinge des Lebens einer entschlossenen Dekom-\nposition unterworfen werden und wie dann wieder\nrein aus formaler Logik Systeme der Anschauung\nzusammenwachsen. Aber dafür, daß ich immer\ndie Empfindungsassoziationen hervorbringe, die\nPicasso will, bürge ich nicht. Und darum glaube\nich, daß Worte wie Rebus und Okkultismus doch\netwas treffen. Allein wer weiß? Vielleicht be-\nzeichnen diese Worte gar nichts Bedauernswertes.\nVielleicht liegt das Okkulte im Wesen der Zeit, die\neine neue Religiosität ahnt. Und am Ende assoziere\nich einem Leibibild von gegenständlicher Art\nebensowenig die spezifischen Formgefühle, die\nLeibi gehabt hat, wie einem Picasso. Vielleicht\nhandelt es sich hier wirklich um umibertragbare\nImponderabilien.\nIst hier kein bedingungsloser Einwand, so\nkommt er von anderer Seite. Kandinsky fragt in\neinem Aufsatz des „blauen Reiters\", weshalb der\nKubismus definitiv alle Mittelformen, alle die zahl-\nlosen egalisierenden Formvarianten ausschließe,\ndie Erfahrung oder Uranschauung geben kann?\nHier ist ein Ansatz. Es wird abzuwarten sein,\nwie sich der Kubismus mit diesen Fragen ausein-\nandersetzt. Und weiter: der Kubismus malt nicht.\nDie Palette Picassosist seltsam metaphysisch,\nseltsam okkult: Weiß, Schwarz, Grau, Sepia,\nOcker, Asphalt — dazwischen kommt wohl spärlich\nRosa, trübes Blau, trübes Grün. Von den spezifi-\nschen Reizen der Oelmalerei und des Pinsels gar\nnicht zu reden. Picassos Malerei und die seiner\nFreunde wird zu einer zerebralen oder emotio-\nnellen Graphik. Sie hat rein als Arabeske ihren\nunwiderstehlichen Reiz. Sie ist von einer wunder-\nvollen Rätselhaftigkeit. Aber sie ist positiv das\nEnde der Farbe. Nicht umsonst treten Reaktionen\nwie der Synchromismus auf: sie sind Zeichen der\nZeit. Picassos Kunst selber ist noch im Licht ge-\nboren. Aber was werden seine Nachfolger tun?\nEs wird gesagt, der Kubismus habe sich ver-\nrannt. Ich weiß es nicht. Es ist möglich- Dieser"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 942, "texte": "Tage sah ich sehr schöne Derains, die mich an eine\nRenaturalisation der Malerei glauben lassen. Sie\nhaben viel sinnliche Substanz; sie unterscheiden\nsich sehr von dem abstrakten Enthusiasmus der Pi-\ncasso, Juan Gris, Braque. Und doch fühlte ich, daß\nder Kubismus hier im Hintergrunde steht, daß der\nneue Derain ohne den Kubismus nicht möglich\nwäre.\nWir können kaum werten. Wir können nur\naufnehmen, registrieren. Es wird sich zeigen, ob\nder Kubismus rein an sich fortbesteht und eines\nTages einem klargewordenen Geschlecht die Fülle\nder Genüsse gibt, oder ob der kubistische Radika-\nlismus lediglich ein dialektisches Mittel der Ent-\nwicklung ist, um die letzen Fragen der Form zu\nklären. Das zweite ist der Kubismus zum minde-\nsten 'gewesen. 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Jenseits dieses Verstehens aber\nbeginnt das Reich des Geistes. Oh, welche Fülle\nvon Ausdruck auch in den kleinsten Dingen! Welch\nein Glück ist es, im Bereich der mannigfaltigen\nDinge und Ereignisse zu stehen! Wie bäumen sich\ndie Bäume! Wie blühen die Blüten! .. . Und\nmanchmal ist es ein Ebenbild Gottes und ich fühle,\nwie sich der Sinn der Welt fromm verneigt vor\nder Seele des Herrn.\n..Die Zeit aber lebt an den Dingen vorbei,\nAus Religion wurden Sekten und aus der Liebe\nentsprang die Heirat. Aus Kunst wurde Mode nd\naus der Oper die Operette. Die Zeit ist die Zeit\ndes Kleinlichen. Wo sich Mehrere zusammentun,\num ein Ganzes zu bilden, entsteht aus den Fäul-\nnissen der Gesellschaft der Bacillus der Verfla-\nchung. Die Sociologie ist keine Wissenschaft, son-\ndern die Ausrede, daß ein Uebel auch dadurch\nentstehen könne, wenn es mehr als zwei Menschen\ngibt. Ein Mensch: da ist das Problem der Kunst\nentstanden. Und Gott nahm die Rippe . . . zwei\nMenschen: das Problem des Geschlechtes. Drei\nMenschen, und vier und fünf . . •: also entstand\ndie Hölle auf Erden. Und Kain erschlug den Abel.\n. . Die Gesellschaft ist ein Parasit am eigenem\nLeibe. Die Säfte ihres Organismus gehön einen\nhalben Weg. Und ohne die Weihe der Lust er-\nlebt zu haben, schändet sie sich und ist ewig\nschwanger, ohne gebären zu dürfen. Ihre Veran-\nstaltungen sind Gelegenheiten, um den Heiligtümern\ndes Eros ein Schnippchen zu schlagen. Eine Ope-\nrette ist nicht nur eine Operette, sondern auch ein\nTeil jener Lustigkeit, die zur Lust führen soll. Ein\nBall ist nicht nur ein Saal voll hinkendem Rhyth-\nmus, sondern auch ein Teil von den Rhythmen\nzwischen Mann und Weib- Ein Roman von Hanns\nHeinz Ewers ist nicht nur spannend, sondern auch\nein Teil jener Potenz, die der Impotenz die Freude\nam Dasein erhöht.\nUnd nur der Künstler ist allein. Zwischen\nallen diesen Kreaturen ist er das Ebenbild Gottes.\nUnd er lebt von den Dingen um sich. Die andern\nhaben Tradition und leiten sich ab nach Gesetzen\nund Gebräuchen. Und dabei verursachen sie einen\nLärm, der die St imune des Künstlers verstummen\nmacht. Es gibt keine Propheten mehr im Lande\nund keine Wunder geschehen und kein Zeichen ist\nam Himmel. Aber manchmal, zwischen Worten\nvon Lust und Leid, zwischen den Farben auf einer\nLeinwand und zwischen den Rhythmen der Musik\nerscheint wieder das Wort Gottes. 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Dann\nsagte er mit einem freudigen Zittern um die\nMundwinkel:\nDas hab ich schon manchmal gefühlt. Der\nGlaube an sich selbst ist heuzutage den meisten\nverloren gegangen. Sie haben keinen eigenen\nWillen mehr, sie lassen sich lenken und vom\nStärksten drehen und wenden, wie es seinen\nLaunen gefällt. Das ist schrecklich, besonders in\nunserer Stadt. Sie kennen unsere Stadt nicht,\nHerr. Sie kennen nur ihre Straßen, die Gesichter\nder Ladenbesitzer, vielleicht auch die einiger Be-\namten. Sie kennen einige aus dem Konservatori-\num, Lehrer und Schüler. Aber unsere Stadt ken-\nnen Sie nicht. Das, was sie wirklich ist, das haben\nSie noch nicht gefunden. Das findet auch nur der,\nder mit ihr verwachsen, in sie hineingewachsen\nist . . .\nMit einem tiefen Atemzuge unterbrach er seine\nWorte und strich sich den Schweiß von der zer-\ngrübelten Stirn. Johannes staunte. Hier hatte er\neinen Menschen gefunden, der ohne Haß und Ver-\nbitterung aus einem großen Weh, das er für die\nändern empfand, nach Erlösung rief. Die eintönige\nMelodie .eines schwer dahin strömenden Massen-\nlebens begann in ihm zu tönen; alle überschwäng-\nliche Pracht der Farben und Linien schien er-\nloschen. Noch halb berauscht von der Erkenntnis\neines neuen Werkes, nahm er diesen Gang durch\ndie Nacht an. der Seite des Arbeiters als ein Gna-\ndengeschenk. Der Nachhall des Entsetzens vor\ndem Klang des langsamen, verhalten drängenden\nSchrittes verstummte.\nErzählen Sie mir von Ihrer Stadt, bat er. Er-\nzählen Sie mir alles, was Sie von ihr wissen.\nDer Arbeiter erzählte schlicht.\nIch bin in dieser Stadt geboren. Als kleines\nKind hab ich sie kennen gelernt. Sie war immer\nfreundlich und heiter. Aber ich konnte mich nie\nso recht über sie freuen. Der Vater trank, die\nMutter kränkelte immer und ging unter der Ar-\nbeit für fremde Leute langsam zugrunde. Tagaus,\ntagein wurde ich gescholten und geschlagen, oft\nmußte ich hungern und frieren. Aber ich kannte\nnichts besseres und wäre nicht bitter geworden,\nwenn die Stadt nicht so freundlich und heiter ge-\nwesen wäre. Das tat mir weh. Wenn ich durch\nihre Straßen ging, nicht schreiend und lärmend\nwie andere Kinder, sondern still und traurig und\ndie Sattheit dieser Häuser und Menschen sah,,\nempfand ich einen schweren Druck. Anfangs-\nstaunte ich über die lachenden, tollen Kinder. Und\nwenn ich versuchte, es ihnen gleich zu tun, konnte\nich es nicht. Dann kam immer das Elend hinter-\nher, die scheltende Stimme des Vaters und die-\ntraurigen Blicke der Mutter . . . Aber das ist 7a\nNebensache, wie es mir als Kind erging; ich wollte\nIhnen von der Stadt erzählen.\nBei diesen unaufdringlich gesprochenen Wor-\nten kam der Künstler in eine Stimmung, als würde\ner von einer großen Welle hinausgetragen in ein\nunbekanntes Meer voller Ueberraschungen. Die\nErinnerung an sein eigenes mehrmonatliches Klein-\nstadtleben begünstigte diese Teilnahme, eine Er-\ninnerung, die sich nur auf ein fast stumpfes In-den-\nTag-hinein-leben erstreckte. Damals war er ohne,\ngroße Wünsche gewesen, hatte alle Stunden in\nschmerzlichen Gedanken an Mia Mirana verbrachte\nohne Blicke für das Leben der Kleinstadt, das ihn\nwie ein stehendes Gewässer umgab. Es war eine\nReihe öder untätiger Monate gewesen, aus denen\ner endlich durch die Empfängnis seines Werkes\ngerettet wurde. Dann kamen die Tage eines ziel-\nlosen Umherschweifens, eines Eintauchens in jede\nLandschaft, die der jeweiligen Stimmung ent-\nsprach. Von der Art des Kleinstadtlebens aber\nwar keine Spur zurückgeblieben. Er trug sie\nvielleicht unbewußt mit sich, wie er unbewußt das\nMitleid mit den Proletariermassen seit jenem Abend\nvor der Fabrik in sich trug; und es bedurfte nur\neiner Stimmung, damit er die Physiognomie der\nkleinen Stadt als etwas Vertrautes zu erkennen\nvermochte. Eine Reihe von Sätzen, die Jörg Mar-\ntin unterdessen gesprochen hatte, waren ihm ver-\nloren gegangen. Nur allmählich kehrte ihm die\nEmpfindlichkeit seines Gehörs zurück und folgte\nder Erzählung.\nSie kennen alle nur ihren Vorteil, sagte der Ar-\nbeiter. Ihr erster Gedanke beim Erwachen und\nihr letzter vor dem Einschlafen ist der, wie sie\nwohlhabender werden. Man muß nur ihre Gesich-\nter ansehen; sie schmunzeln in selbstzufriedener\nSattheit und verraten durch diese Sattheit Gier.\nSie bilden Parteien, um ihre Machtgelüste besser\nbefriedigen zu können. Sie veranstalten Festlich-\nkeiten, um sich zügellos geben zu dürfen. Sie\ngehen zur Kirche, um ihr Ansehen bei den andern\nnicht einzubüßen. Sie sind berechnend, selbst in\nihrer Liebe. Wjenn einer von ihnen ein Mädchen\nliebt, fragt er vor allem: hast' du Geld? Wenn sie\nkeins hat, wird ihre Liebe verspottet.\nJohannes zwang etwas, dem Arbeiter das Wort\nabzuschneiden. Dieses Bild der gierenden Men-\nschen sprengte den Rahmen der Kleinstadt, seine\nFormen vermochten den Rahmen der Menschheit\nauszufüllen. Dies sagte er dem Arbeiter. Der\nlächelte zustimmend. Er erzählte von dem un-\nsichtbaren Gitter, das rings um die Stadt lief, und\ndas keiner übersteigen konnte, der nur seinem Vor-\nteil nachjagte. Von dem schrecklichen Einfluß, den\ndie Atmosphäre aus sonniger Güte voll versteck-\nter Rücksichtslosigkeit auf den Menschen\nder gezwungen sei, sie einzuatmen. Seine Worte\nwurden straffer, seine Gebärden entschiedener\nund seine Forderungen betonter. Hier stand er\nauf einem Boden, den er sich erarbeitet hatte.\nHier lag seine Kraft im klaren Betrachten und\nseine Unkraft im Erreichten künftigen Heiles.\nUeberall ist diese Gier nach Selbstbereiche-\nrung, sagte er, während seine Arme einen weiten\nBogen beschrieben. Rundum, wohin man blickt..\nAuf dem Lande, in der Großstadt, im Gebirge und\nin den kleinen Städten. Aber ich glaube, nirgend-\nwo sonst ist sie so häßlich wie bei uns. Und ichs\ndenke, so wird es in allen Kleinstädten sein. Ich\nhabe darüber nachgedacht, warum es gerade beß"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2705, "texte": "uns so häßlich ist. Die Menschen sehen immer\nnur sich und einige andere. Immer dieselben Ge-\nsichter, hören immer dieselben Stimmen, werden\nimmer dieselben Gedankengänge geführt. Sie ha-\nben nichts, in das sie sich flüchten können. Viel-\nleicht auch wollen. So schrumpfen sie allmählich\nein; ihre Augen werden kurzsichtig, ihre Ohren\nhören nur die Laute, die mit ihrem eigenen Leben\nim Zusammenhange stehen, ihr Herz wird klein\nund kennt nur das, was ihm am nächsten steht,\n;sich selbst, und, im besten Falle, die Familie.\nSehen Sie unsere Stadt, Herr! Da gibt es unzäh-\nlige Parteien und Vereine und Klubs. Die einen\n■suchen die andern zu überholen. Ueberall herrscht\nder enge Ehrgeiz, der nur mehr erreichen will,\num die andern niedertreten zu können. Der\nFurchtbarste unter diesen Menschen ist Redakteur\nTodt. Sie kennen ihn vielleicht. Er ist einer, der\nklüger ist als alle die andern und seine Klugheit\nvortrefflich auszunutzen versteht. Von ihm hän-\ngen alle ab. Auch seine Gegner. Sie fürchten ihn,\nund wenn sie es dennoch wagen, gegen ihn aufzu-\ntreten, geschieht es nur, weil sie die Schar der\nParteigenossen hinter sich wissen. Das politische\nLeben in dieser Stadt ist schrecklich. Das Partei-\nleben beherrscht alles.\nDer Künstler unterbrach ihn:\nJa, das Parteileben beherrscht alles. In einer\nFabrikstadt erlebte ich es. Keine Menschen, nur\nPolitiker. Der Knabe war die Hoffnung des Va-\nters: er wird einmal meine Rolle weiterspielen.\nDie Mütter wurden geachtet als die Gebärerinnen\nkünftiger Stadtgrößen, künftiger Förderer kommu-\nnaler Pläne. Und die Mädchen . . . Sie mußten\nzwei Familien, deren Oberhäupter mächtig waren,\nzu doppelter Macht verbinden. Liebe war Mittel.\nEine Stadt, erhaben in ihrer Nüchternheit, hinrei-\nßend in ihrer kalten Berechnung. Aber dem\nRausch folgte eine jammervolle Ernüchterung.\nDas Bild jener Mittelstadt, in der er einmal\neinige Tage gelebt hatte, schwankte an ihm vor-\nüber. Eine gelassene Müdigkeit hatte ihn durch\nihre Straßen und Häuser geführt. Während in sei-\nnem Innern die Unruhe gärte, die Sucht nach Ge-\nstaltung, erweckte sein Aeußeres den Eindruck\neines selbstgenügsamen Menschen, der betrach-\ntend durch eine fremde Stadt geht. Die Oede der\nKleinstadttage zitterte in ihm nach. Und er begriff\nin dieser Sommernacht die Kleinstadt. Er hörte\nihren unregelmäßigen Pulsschlag, vernahm die\nlautlosen Schreie ihres Herzens.\nUnd je weiter ihn Jörg Martin in die Schwüle\ndieser Parteistadt führte, umso höher wuchs seine\nBewunderung für die Erhabenheit seiner Kunst.\nUnter solchen Erregungen sog er das Bild der\nkleinen Stadt in sich ein und nahm es dankbar hin\nals Bereicherung seines Wissens von der Wüste,\nmit dem er am Nachmittag begnadet worden war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-07-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-07_02#c010", "volume": "bmtnabg_1913-07_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.2.8", "titre_corps": "Ein Buch von Döblin", "titre_sommaire": "Ein Buch von Döblin", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.7", "debut_caractere": 2726, "fin_caractere_exclue": 9106, "texte": "Ein Buch von Döblin\nJoseph Adler\nSehr viele Schriftsteller haben nur die Zeit zum\nRomaneschreiben, also nur ganz wenige auch Ta-\nlent dazu, und der mir nicht lesenswert scheinen-\nden Bücher werden mehr, je weniger ich lese. Und\nwann lese ich? Unterwegs. In der Straßenbahn-\nAuf dem Verdeck eines Autoomnibusses. In einem\nTorweg während einer Regenhusche. Eine halbe\nStunde vor dem Einschlafen. Schriftsteller, die\nzeitraubende Romane schreiben, sollte man unter\nKuratel stellen. Zeit ist doch Geld, und unsere vor\nallem. Man möchte den Verschwendern zurufen;^\nSeit kurz wie D ö b 1 i n. Lest seine Skizze\n„Astralia\". Hier ist die Gewalt eines Romans in\nden denkbar engsten Rahmen eingepreßt. Das\nBreite, Ausgesponnene und Weitläufige auf ein in\nseiner Vollendung unbegrenztes Minimum gekürzt.\nEin Stoff, darin der Offizielle vom Bau kaum mehr\nals ein flüchtiges Gerüst gesehen hätte, ist zu jener\narchitektonischen Wort- und Gedankenknappheit\naufgebaut, die die unendlichen Flächen alles Ge-\nschehens ahnen läßt. Kein Bild, kein Gemälde von\n„seltenem Kolorit\", nur ein paar Linien: das Aller-\nwenigste in vollendeter Form. Die Allzuvielen\nschleppen die Leser um den hohlen Berg der Er-\nreichbaren an Vertiefung in die Psyche ihrer Fi-\nguren. Döblin schafft eine Anhöhe, und ich über-\nblicke alles. Anfang und Ende eines Schicksals.\nMeiner eigenen Phantasie sind neue Gebiete er-\nschlossen.\nEs sind zwölf Erzählungen in dem Buch. Fast\nzwölf symphonische Dichtungen. Keine\nWortmusik, kein putziges Schwelgen in Tönen,\naber ein harmonischer Rhythmus in der Konstruk-\ntion. Die „Segelfahrt\" ist die gewaltige Musik des\nMeeres. Sie ist die melodische Unrast des Ele-\nmentes selber, sie gibt nicht eben nur seine Er-\nscheinung wieder. Sie ist tief und gespenstisch, die\nWorte rollen wie Wellen heran. Sie locken und\nschmeicheln, rufen und brausen, wälzen sich hoch\nempor und klatschen sieghaft nieder. „Eine Was-\nsermasse, stark wie Eisen, schickte das unermeß-\nliche graugrüne Meer heran. Die trug sie mit der\nHandbewegung eines Riesen an die jagenden Wol-\nken herauf. Die purpurne Finsternis schlug über\nsie. Sie wirbelten hinunter in das tobende Meer-\"\nDie Sätze sind wie der Donner des tobenden\nMeeres, sind Aufruhr und mitreißende Gewialt. Der\nDichter ist hart, grausam, unsenfimental. Und so\nist das Meer. So ist das Schicksal, so ist der Tod.\nNur in einer einzigen der zwölf Erzählungen klingt\nes von den Freuden der Hoffnung und der Süße\nunvergänglicher Liebe. In „Mariäs Empfängnis,\"\neinem Adagio in Blau. Das größte und wunder-\nvollste Mysterium, in einem Bilde nicht darstell-\nbar, und nur für einen Symphoniker „verarbei-\ntungsfähig\", ist hier in das kostbarste und zarteste\nGewand der Sprache zur rührendsten, menschlich-\nsten Nacktheit entkleidet.\n„Für mich steht es fest, daß Sie ein Dichter\nsind. Ich behaupte seit langem, daß der Dichter\nvon überlegener Intelligenz, ja, daß er die Geistig-\nkeit an sich ist, und daß die Phantasie die wissen-\nschaftlichste aller Eigenschaften ist.\" Das ist ein\nLob Döblins von Baudelaire, ursprünglich nur\neine Artigkeit gegen Alphonse Toussenel.\nD ö b 1 i n s Phantasie ist einzigartig. Sie um-\nspannt alles. Reales und Märchenhaftes, längst\nVergangenes und Gegenwärtiges drängt sie tita-\nnisch aneinander- Die gruslige Sage wird zur be-\nängstigenden Tragödie geklärt, das arme Ammen-\nmärchen verwandelt sich an den Brüsten des Na-\nturalismus zu einem zeitlichen Roman, die Phan-\ntasie gibt dem Phantastischen Plastik, und Puppen-\ntheatergestalten werden zu Menschen, in deren\nBrust noch Raum ist für das himmlische Spiel aller\nhöllischen Leidenschaften.\nDer Wortfilm rollt. Der Kinematograph wird\nnie und nimmer Literatur vermitteln können, aber\ndie Literatur muß von der Kinematographie lernen.\nUnd sie hat schon von ihr gelernt. Es ist nun\neinmal keine Zeit für schleppende Handlungen,\nPostkutschenstil und psychologische Kleinarbeit.\nDas Leben ist kurz und ein Roman ist lang. Ich\nkönnte den ganzen „grünen Heinrich\" nicht ein\nzweites Mal lesen, und Raabe ist Lektüre für Alt-\npensionäre. Die Einfahrt eines D-Zuges ist\nspannend, aber langweilig sind die Ulstein-Bticher.\ndie man zum Preise von einer Mark kaufen kann.\nDie Lungen des Lebens sind unendlich weit, aber\ndie Phantasie der „gangbarsten\" Autoren steht auf\neinem toten Punkt, ist kurz von Atem. Das Dö-\nblinsche Werk hat das Tempo unseres Lebens. Es\nsind keine manierierten Nachzeichnungen darin;\nkeine idyllischen Betrachtungen. Döblin steht\nnicht auf jener „hohen Warte\", von der herab der\nAuernheimer das Leben betrachtet, und er „schürft\"\nnicht so tief wie der Schnitzler oder der Bartsch,\nEr erzählt auch gar nicht; aber er ist aufgelöst in\nseinen Erzählungen. Hier ist zwischen Verfasser\nund Werk kein Raum posierter Breite, kein Ab-\ngrund aufgebauschter Leere, der mich schwindeln\nmacht, und über den nur die Reklame hinwegkommt\n— und der Bildungsmob. Stark und rein ist die\nSinnlichkeit Döblins. Eine Gewalt, die noch in der\nGestalt des Todes triumphiert. So schwingt er\nsich in das Bett der Stiftsdame. Vernichtet mit\nrohen Zärtlichkeiten ein Leben, das um das herr-\nlichste betrogen wurde, rächt es in der furcht-\nbaren Gestalt des zeugenden Mannes. „Mit einem\nSatz schwang sich der Tod neben sie ins Bett.\nDa war ein Platz frei. Er griff nach ihren Knieen.\nSie stieß um sich. Wie ein Bauernlümmel schlug\ner mit flacher Hand auf ihre Schultern. Da fiel die\nHand auf ihre Brust, den Leib, den Leib, und wieder\nauf den Leib. Ihre Lippen flehten- Ein Würgen\nkam. Die Zunge fiel in den Rachen zurück. Sie\nstreckte sich.\"\nDie Sprache kann nicht plastischer sein. Die\nSätze sind kurz und wuchtig wie Schläge. „Da fiel\ndie Hand auf ihre Brust, den Leib, den Leib und\nwieder auf den Leib.\" Das ist der wortgewordene\nSchlägehagel. Wie kargt doch Döblin mit den\nWorten. Er wiegt sie wie Gold, bevor er sie hin-\nsetzt, und der Schatz der Sprache ist doch so\ngroß. Es sind die innerlich Aermsten, die ihn un-\nbedenklich plündern.\nEin herrliches sind in dem Döblinschen Buche\ndie Frauengestalten. Miß Ilsebill, Mery Walter und\ndie Königin in der neulegendären, grellmelodiösen\n„Verwiandlung\"- Geschöpfe von sinnesverwirren-\nder Schönheit, von magischer Lebendigkeit. Nur\ndas Weib und der Künstler rechtfertigen die Exis-\ntenz dieser Welt. Das Döblinsche Werk er-\nhärtet diese Erkenntnis.\nDie Ermordung einer Butterblume und andere\nErzählungen / Bei Georg Müller in München-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-07-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-07_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-07_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.7", "debut_caractere": 9108, "fin_caractere_exclue": 9648, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nBlaise Cendrars\nSequences\nParis / Edition des Hommes Nouveaux\nRobert Veyssie\nLes Tressaillements / Poemes de ce Siccle\nParis / Verlag La Renaissance Contemporaine\nGerhart Hauptmann\nFestspiel / In deutschen Reimen\nBerlin / Verlag S. 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September 1913 / Eroffnung\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nEs beteiligen sich Kiinstler folgender Lander:\nDeutschland / Amerika / Bohmen / Frankreich |\nHolland / Indien / Italien / Oesterreich / Rumanien\n/ RuBland / Schweiz / Spanien\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-07-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-07_02#c013", "volume": "bmtnabg_1913-07_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.8", "debut_caractere": 1058, "fin_caractere_exclue": 2794, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnllcbe Ausgabe: Ffir Deutschiand\n11 n d Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnttmmer 40 Pfennig X Fur dasAusland bei\niirekterZustellung durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\n— -V -\nSonderausgabe: Ungebrochene E x e m -\nplare auf holzfreiem Papier, V e r -\n• endung in Rollen direkt durch die\nPost ittr Deutschland ond Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Ffir das A u si and:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\nidleser Ausgabe werden Vierteliahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummem nicht abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Jul! 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnihofshandlungen, Kiosken u. 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Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Zwolf handgedruckte, numerierte und signierte\nHolzschnitte / Das Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje funfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. 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Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemSlden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Gs-\ndichten von Arno Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / LuigiRussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Absehied/\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-07-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-07_02#c015", "volume": "bmtnabg_1913-07_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probehelt gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\nK) Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nSaturn-Verlag Hermann Meister in Heidelberg:\nDemnachst erscheint: Paul flatvani: Salto\nMortale / Aphorismen, Essais, Skizzen / Einfache\nAusgabe, gebunden M. 2.50\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten i&hrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestaflt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschSftsstelle der Neuen Sezession: Stef-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / SpezialgeschSft ftir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bucher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nThe Lantern: Eine Monatschrift beiseite geschobe-\nner Wahrheit und zuriickgewiesener Dichtung /\nGeputzt und entziindet, so oft der Mond dunkel\nist I Die amerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA.\nVerein ftir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\ntu, «pgy : ; cj3^\nVBl :f*; M |pf| |®| |£|| v.,'\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS JULI 1913\nNUMMER 170/171\n\nInhalt: H. W.:\nFestspielerei: Hauptmanns Freunde und Feinde / Hauptmanns Engel / Der Bruder Carl / Mynona: Idee vom Ferntaster / Wilhelm Hau-\nsenstein: Vom Kubismus / Paul Hatvani: Die Stimme der Zeit / Artur Babillote: Die Schwermut des Genießers / Joseph Adler: Ein Buch von Döblin /\nEmpfohlene Bücher / A. J. Korteweg: Drei Linoleumschnitte\n\nA. J. Korteweg: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.2", "texte": "Festspielerei\nH. W.\nHauptmanns Freunde und Feinde\nHunderttausende haben sich über das Festspiel\nentrüstet, hunderttausende haben es verteidigt.\nGelesen hat es wohl kaum der zehnte Teil. Ab-\nlehnung und Anerkennung sind gleich wertlos. Die\nGegner interessieren sich überhaupt nicht für\nKunst, dürfen also über Hauptmann nicht einmal\neine Meinung haben. Sie reden über Gefühle, wo-\nrunter sie wieder einmal Begriffe verstehen. Die\nFreunde finden durch das Breslauer Verbot die\n„Kunst\" bedroht. Kunst wird von Künstlern ge-\nmacht, was sehr betrüblich aber nicht zu ändern\nist. Und täglich bedrohen die „Freunde Haupt-\nmanns\" die besten Künstler Deutschlands, die nicht\nalle Hauptmann heißen können. Nach zwanzig-\njährigen Kampf ist dieser Name Begriff geworden,\nalso heilig wie das Vaterland, die Religion, die\nLiebe und das Geld. Sogar Korpsstudenten holen\nden Träger dieses Namens ab. Sie wissen nichts\nvon ihm. Aber als Vorwand zu Kneipereien gel-\nten auch Dichter mit dem König. Es wird fortge-\nsoffen. Alle Bürger sind plötzlich kunstbesoffen.\nUnd Gerhart Hauptmann, ein Dichter wenn auch\nkein Künstler, muß sich von Leuten, die auch eine\nFeder besitzen, preisen lassen, weil ihm ein paar\ntheoretische Krieger sein Festspiel verboten haben.\nHauptmanns Engel\nDas „Berliner Tageblatt\" hatte „unseren Spe-\nzialkorrespondenten\", zu deutsch Herrn Fritz En-\ngel, nach Breslau gesandt. Pflichtgemäß meldete\ner uns Vermischtes. „Die ungeheure Zuschauer-\nschaft erwärmte sich an ihrem eigenen Anblick.\"\nKunst im eigenen Heim. Jeder sein Weltspiegel.\n„Auch das sprödere Material der hiesigen Stati-\nsterie hatte den Furor Reinhardticus. Dabei sah\nman das deutliche Bemühen, niemals die Würde\ndes Stoffes zu verletzen . . .\" Stoffe dürfen nie\nverletzt werden, denn die Konfektion ist heilig.\nAuch Sparsamkeit ist eine Tugend: „Licht wurde\nnicht vergeudet, die Gesänge blieben im Hinter-\ngrund. Der Darstellung hätte man gern lauter\nerste Schauspieler gewünscht, aber es gab auch\nandere.\" Dafür wurden eben die Stoffe geschont.\n„Bei einem Ueberblick über Inhalt und Sinn des\nWerkes ergeben sich zwei hervorstechende\nZüge.\" Die kluge Rücksicht und die freisinnige\nGesinnung. Die stechen Herrn Engel bei einer\nDichtung in die Augen. Die kluge Rücksicht\nbraucht man für die „Bedingungen eines Fest-\nspiels\". Man erfährt aus der Poetik des Herrn\nEngel, daß bei einem Festspiel die dramatische\nSteigerung durch die Fülle der Anschauung ersetzt\nwerden muß. Die Anschauung hinwiederum kann\nman durch den eigenen Anblick ersetzen, der eine\nWärmesteigerung hervorruft. Ferner gilt es, bei\neinem Festspiel Charaktere nicht zu entwickeln,\nsondern nur zu schildern. Das Nichtentwickeln\nverstößt nicht gegen die freisinnige Gesinnung,\nwenigstens macht Herr Engel keinen Vorbehalt.\nDie kluge Rücksicht des Autors bezieht sich nach\nHerrn Engel auch auf die Reinhardtische Regie-\nkunst bei der Anordnung der Szenen. Diese kluge\nRücksicht macht unbedingt Vorsicht nötig. Sie\nwürde eine bedenkliche Entwicklung des Charak-\nters darstellen, wenn Herr Engel richtig geschil-\ndert hat. Er war aber wohl an seinem eigenen\nAnblick zu sehr erwärmt. „Wichtiger noch ist\nder andere Punkt.\" Der zweite hervorstechende\nZug hat sich zu einem Punkt entwickelt. Es gibt\ndrei Arten von Punkte: Standpunkte, Gesichts-\npunkte und Höhepunkte. Der Standpunkt: „Würde\nHauptmann ein Festspieldichter nach der Scha-\nblone sein? Einer der Umfärber und Hurra-\nschreier, die übert die erweislich wahren Tatsachen\nder Geschichte die bengalische Pracht einer fal-\nschen Pietät ausbreiten? Würde er, um einen Or-\nden, einen Titel,; oder den Schillerpreis zu erhalten,\ndiese Tatsachen wie ein Hofpoet und Officialdich-\nter ansehen? Wer ihn kannte, sagte von vorn-\nherein: „Nein!\"; aber es ist angenehm, diese\nUeberzeugung bestätigt zu finden.\" Die Freisin-\nnigen sind immer vorsichtig. Herr Engel ist also\nangenehm überrascht, daß aus Gerhart Hauptmann\nnicht Herr von Lauff wurde. Man kann nie wis-\nsen. Der Standpunkt ist gewahrt, das Festspiel\nenthält nur „erweislich wahre Tatsachen\". Man\nkann also juristisch dafür eintreten. Der Gesichts-\npunkt: „Dieses Festspiel ist, alles im allen, ur-\ndeutsch . . .; urdeutsch schon in seiner Anlehnung\nan Germaniens deutschestes Gedicht, an\nFaust, insbesondere den zweiten Teil; urdeutsch,\nWeil es deutschen und hellenischen Geist zuletzt\nverschmilzt, und urdeutsch schließlich deshalb, weil\nes ausklingend vom Frieden eines freien Bürger-\nvolkes schwärmt.\" Man fühlt sich kaum imstande,\ndieses Deutscheste zu verdeutschen. Das Deutsche\nscheint hiernach wesentlich in der Anlehnung zu\nliegen: an Faust, an den hellenischen Geist und\nan das freie Bürgervolk. Faust ist der Deutscheste,\nweil er sich an Helena anlehnt, der deutsche\nGeist der deutscheste, weil er hellenischen\nGeist schlecht verstand und ihn sehr mäßig\nkopiert. Und das Festspiel ist das Deutscheste,\nweil es Hauptmann vom Sozialdemokraten\nzum Liberalen macht. „Aber es wäre wie-\nderum falsch, ihm die Etikette einer gegenwärtigen\nPartei aufzukleben.\" Und nun der Höhepunkt:\n„Und kühler, aber sichtlich groß ist die Metamor-\nphose, da eine dieser deutschen Mütter sich aus der\nmater dolorosa umwandelt in die Göttin, in die\ngriechische, in die dennoch deutsche Pallas Athene,\nund von ihrem friedvoll schönen Munde mehr Licht\nausgeht, als je von der besten Festspiellicht-\nmaschine ausgehen kann.\" Licht wird nicht ver-\ngeudet, infolgedessen sieht Herr Engel alles\ndeutsch, die mater dolorosa nebst Pallas Athene\nwerden naturalisiert und die Kunst ist bewiesen.\nSonst wird noch gemeldet, „daß das gewaltige\nGemälde der großen Revolution sich aufrollt.\nHegel und Jahn, Scharnhorst und Blücher konver-\nsieren. Fichte wirft seine Funken in die Stu-\ndentenschaft. Der Engländer ... ist komische\nFigur, aber es fällt das sehr ernste Wort,\ndaß England und Preußen, die. Vormächte des\nProtestantismus zusammenhalten müssen. Es folgt\ndie Mütterszene und die Metamorphose.\" Die\nNaturalisierung geht so vor sich: „Einer der Vor-\nhänge, mit denen das gestufte Podium und die Or-\nchestra in drei Schauplätze geteilt: Wird, lüftet sich\nnun zum ersten Ma 1. Der deutsche Dom\nletzten Hintergrund der Jahrhunderthalle wird\nsichtbar. Die Masse strömt hinein . . .k\" Unter\nder Regie von Professor Max Reinhardt Da kann\nman nicht widerstehen. Pallas Athene belegt beim\nProfessor deutsche Sprache, mater dolorosa\nin den deutschen Dom, und Fritz Engel lüftet den\nVorhang zur Kunst und findet nur die Jahrhundert-\nhalle. Hoffentlich deshalb, weil er zu sehr mit sich\nbeschäftigt war.\nDer Bruder Carl\n„Einer unserer Mitarbeiter hat den Gedan-\nken gehabt, bei dem Bruder Gerhart Hauptmanns,\ndem Doktor und Dichter Carl Hauptmann, an-\nzufragen, was er über die Breslauer Inhibierung des\nFestspiels denke.\" Der Gedanke, den Doktor Carl\nHauptmann für einen Dichter zu halten, kann nur\nunseren Mitarbeitern im „Berliner Tageblatt\" ein-\nfallen. Herr Doktor Carl, der Bruder, antwortete:\n„Ende September kommt als erste Novität am...\nmein Drama . . . , das im Oktober auch bei\n. . . herauskommt. Ende Oktober kommt gleich-\nzeitig in . . . und in . . . mit der ausgezeichneten\n.. . heraus. Endlich einmal .. . Sie begreifen,\nwie ich mich freue .\" Das denkt der Dok-\ntor Carl. Er ist nämlich „mit Arbeit völlig über-\nbürdet\". Aber er versichert unserm Mitarbeiter\n„nicht zum Schaden der Seele und der Stimmung\".\nDie Seele und die Stimmung wird verdichtet.\nSeptember und Oktober kommt alles heraus. Der\nDoktor Carl konnte sich um Breslau „nicht küm-\nmern\". Er konnte das Spiel „Gerharts\" nicht\nlesen. Der Bruder Carl hält sich nämlich „wäh-\nrend der Produktionszeiten von Lektüre ziemlich\nfrei\". Man muß sich vor der Geburt schonen. Er\nweiß nur „das Allergeringste vom Hörensagen\".\nTrotzdem kann er die Gelegenheit herauszukom-\nmen, im „Berliner Tageblatt\" herauszukommen,\nsich nicht versagen. (Sie begreifen, wie ich mich\nfreue -.) Trotzdem er mit Arbeit überbürdet ist.\nTrotzdem weiß er schon das Allergeringste vom\nHörensagen, trotzdem „will mir scheinen, daß\nGerhart unsere Zeit zu rein künstlerisch nahm\".\nDavor wird sich der Bruder Carl hüten. Gerhart\nkonnte „dem Bedürfnis von Riesenfestgesellschaften\nnicht völlig entsprechen\". Der Bruder Carl aber\nentspricht dem Wunsch unseres Mitarbeiters, zum\nNutzen der Seele und der Stimmung und schließt\nsein Epistel apokalyptisch: „Aber, wie gesagt, ich\nbefinde mich völlig außerhalb (das heißt in Mittel-\nschreiberhau), weil ich mit drei großen Sachen\noder auch Drachen kämpfe, die ich bis\nzum September 1913 besiegen m u ß.\" Offenbar\nein Rekord für das Bedürfnis heutiger Riesenfest-\ngesellschaften, denen Gerhart nicht völlig ent-\nsprechen kann. Der Kampf mit den drei Drachen\nwird Ende September 1913 im Weltspiegel zu be-\nsichtigen sein. Vor dem Tiefdruck sei der Bruder\nCarl hiermit tiefer gedrückt. Nicht zum Schaden\nder Seele und der Stimmung.\n\nIdee vom Ferntaster\nVon Mynona\nSo haben wir denn Telegraphie, Telephonie, der\nFernseher ist so gut wie fix und fertig. Und nur\ndie Telehaptie, der Telehaptor, der Ferntaster\nläßt noch auf sich warten. Was nutzt uns der ganze\nWells, wenn er vor dieser Idee zurückschrickt?\nAber diie Sache steht ja viel kläglicher, als man\nargwöhnt: wir sind verloren, wenn wir das\nTelehaptieren nicht lernen. Solange unser Qetast\nwie versteinert festsitzt, und nur seine Verfeine-\nrungen, das Gesicht, 'der Geruch, das Gehör ihren\nfreien Ausflug in die Welt machen, sind wir arm-\nselige Gefangene. Aber wir wollen; nicht gleich\nWeinen! Man muß ein paar Worte der Ermutigung\nsprechen. Manches wird nur deshalb nicht ge-\nfunden, weil man gar nicht auf den Gedanken\nkommt, es zu suchen. Der Gedanke, das Getast\nzu teleihiaptieren, einmal gefaßt, wird sich realisie-\nren müssen!\nIch bin jetzt nicht in Beßarabien, ich bin hier an\ndem Orte, von dem einige Leute mit gesunder Ver-\ndauung immer wiieder fragen: Was ist des Deut-\nschen Vaterland? Hole sie • . .\nJa, der Kuckuck, der singt manchmal z u schön,\nFrau Werner — Was ich doch gleich sagen wollte:\nich bin hier! Aber bin ich nicht überall...\nbis ... bis .. . bis auf mein bischen — Ge-\ntast???\nAlso thiere lies the rub! Mein Gesicht reicht\n.milchstraßenweit, mein Gehör unter Umständen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.3", "texte": "meilenweit, mein Geruch unglücklicherweise bis in\ndas W.C. des Lyrikers Expresber. Die kleine\nDirne Kleptomanopatra höre ich h i e r, wenn sie in\nKairo aus dem Beischlafe spricht. Den eleganten\nNovellisten Paul Juchheyse ahne ich (selbstver-\nständlich mit dem Ahnungsvermögen), wenn ich\nnoch iso fern 'von ihm an Inichts denke- Aber\nschmecken und tasten kann ich alle di e\nLieben nur, wenn ich sie ganz dicht bei mir\nhabe (wovor mich übrigens der liebe Gott noch\nlange bewahren möge!) Immerhin doch! Es geht\naus allem hervor, wlenn einer fragt: wo bin ich?\ndaß er dann eigentlich meint: wo bin ich zu\ntasten. Denn gesehen, gehört, gerochen könnte\ner auch anderswo werden. Ja, dieses klobige Ge-\ntast! Man muß es loseisen, auftauen, auf Drähte\nziehn und schließlich drahtlos in alle Ferne\nschicken. Wie einfach!\nSehen Sie, liebe Frau Scholz, ehe daß Sie nun\nIhre Strümpfe und Schuhe anziehen, sich pudern,\nden Bahnhof aufsuchen, ins Coupe steigen und vier-\nzehn Tage brauchen, bis Sie noch nicht einmal in\nJapan sind, wo der Prinz Ten-tsim-pö Sie in seine\ngebrechlichen Arme reißt — stellen Sie sich ein-\nfach nackt, wie Sie, wo wir nicht fehlgehen, Gott\nerschaffen hat, auf ne Art Wagschale, deren Zwil-\nling am Ziel ihrer Bestimmung schwankt: Im Hand-\numdrehen ist alles, was an Ihnen tastbar, wägbar\nist, hindurchtelehaptiert! Man wird nächstens auch\ndie Kleider mitschicken können; vorläufig sträubt\nsich der Ferntaster . . . schamhaft!!! . . . gegen\nalles nicht Splinterfasernackte. Wahrscheinlich ist\ndas der Grund, weswegen er noch nicht recht\nfunktioniert?\nWie dem auch sei, der Ferntaster, der ja selbst-\nverständlich, wie Professor Abnossah Pschorr mir\n•mitzuteilen die Güte hatte, den Fernriecher, Fern-\nschmecker, Fernwärmer resp. -Kälter usw., in sich\neinbegreift, ist das Ideal aller Beförderungsmittel\n* . . und so gesund, so amüsant, so modern, daß er\nin Sonderheit auf dem bisher etwas ... ? . . •\numständlichen Gebiet der Erotik direkt erfrischend\nzu wirken verspricht. Ja, Mutter Kobelke, haben\nSie denn gehört, daß ein Teletiktor, ein Ferngebär-\napparat in sichere Aussicht genommen worden ist?\nAlles was wahr ist! Ein bischen Selbstüber-\nwindung kostet es schon, ein bischen momentane\nSelbstpreisgebung, sich telehaptieren zu lassen.\nAch mein Heber Kolonialwarenhändler Schwach\naus Halle, reißen Sie sich von dem Wahne los,\ndaß Sie nicht in Birma wären: Sie sind überall,\naber ohne den Telehaptor erleben Sie das schwer-\nlich! Was soll Ihnen Halle? Wlie schön ist Birma!\nLassen Sie sich man blos telehaptieren, von wegen\nSegnung Ihres Andenkens in Halle! Um daß man\nIhnen nachtrauere!\nUnd ganz entzückend wäre auch die (noch nicht\neingeführte) zwangsweise Telehaptierung! Da\nkönnte man ganze Regimenter von Widerwärtig-\nkeiten mit Eins ins Pfefferland feuern und räch den\nAbsendeapparat ruinieren. Menschenskinder, wäre\ndas erlösend! . . .\nWie meinten Sie, Sie Schafsnase? Sie halten\nden Gedanken für phantastisch, Sie Urian? Wollen\nSie still sein, Sie Eber! Dichten Sie meinethalben\nFestspiele auf 1813, Sie Jubelgreis! Glauben Sie\nvielleicht, Sie wären hier unter sich? Sie Aas-\ngeier! Halten solche Ideen für Wind und Gaseier?\nWas? Lichtwellen und solches Gelumpe sollten\nsich rapide fortpflanzen — und baptische Vibratio-\nnen nicht? Sind Sie verrückt? Oder sind Sie viel-\nleicht zufällig die dumme Gans, die nur mit Offi-\nzieren geht? Sie Unsal!\n\nVom Kubismus\n\nEs ist unmöglich, das Problem des Kubismus,\nso fertig es formuliert zu sein scheint, heute schon\nganz zu übersehen. Ueber den Kubismus ist zwar\nviel geschrieben worden. Man kann schon\nvon einer kleinen Literatur sprechen. Zwei ku-\nbistische Maler, Jean Metzinger und Albert Gleizes,\nhaben ein Buch des Titels „Du Cubisme\" heraus-\ngebracht. Guillaume Apollinaire hat ein Buch des\nTitels „Les peintres cubistes\" veröffentlicht, das\nin einem allgemeinen Teil eine bemerkenswerte Er-\nörterung der grundsätzlichen Fragen des Kubis-\nmus und in einem speziellen Teil knappe, aber ge-\nfühlte Profilierungen der einzelnen kubistischen\nKünstler und Künstlerinnen gibt. (Beide Werke er-\nschienen bei Figuiere in Paris und sind in Deutsch-\nland vom Verlag „Der Sturm\" zu beziehen.) In\ndem Buch von Andre Salmon über die moderne\nfranzösische Malerei („La jeune peinture fran-\ncaise\", Paris, Societe des Trente, Albert Messein,\n19 Quai Saint Michel), das wohl die feinste Arbeit\nüber die jüngsten Kunstbewegungen ist, findet man\neine für die äußere Geschichte des Kubismus wie\nfür die stilpsychologische Erklärung gleich wert-\nvolle „histoire anecdotique du cubisme\". Im ersten\nHeft des „blauen Reiters\" findet sich ein gediegener\nAufsatz von Roger Allard über „die Kennzeichen\nder Erneuerung der .Malerei\", in dem das Problem\ndes Kubismus erörtert wird, und weiter ein beson-\nders wertvoller, durch konkrete Werkanalysen\nlehrreicher Aufsatz von E. von Busse über „die\nKompositionsmittel bei Delaumay\". Auch das im\nGanzen — sagen wir kunstmodernistisch fatale\nBuch von Fritz Burger über „Cezanne und Hodler\",\ndas im Münchener Delphinverlag erschien, gibt\nbeachtenswerte Aufschlüsse, dnsbesondere über\nPicasso. Die Werke von Metzinger und Gleizes\nund von Apollinaire bringen ein beträchtliches Bil-\ndermaterial. Wenn man diese Literatur durchge-\narbeitet hat, fühlt man sich zunächst um wertvol-\nles Material bereichert. Das Historische und\nPersönliche, das man erfährt, gibt der Situation\neine gewisse Körperlichkeit, das Gewicht und die\nStruktur historischer Tatsachen. Damit ist gegen-\nüber den kubistischen Tafeln, die zunächst anmuten\nmochten wie die spiritistische Hieroglyphik imma-\nterieller Wesen, eine psychische Hemmung besei-\ntigt oder wenigstens ein psychisches Vakuum aus-\ngefüllt. (Nebenbei: wir wollen die Schwierigkeiten\nunbedenklich eingestehen und so sehr als unvor-\nbereitete Laien erscheinen, wie wir es sind und in\ndieser Zeit noch sein müssen.) Weiter gewinnt\nman, weil hier prüfbare Gedanken über den Kubis-\nmus klar ausgeformt sind. Aber freilich: auf die\nDauer fühlt man, daß alle diese literarischen Er-\nörterungen nicht sehr wesentlich über das hinaus-\nführen, was man halbbewußt schon selber an Ein-\ndrücken besessen hat. Man wird zu neuen Fragen\nvorgetrieben: aber da geben weder die Bücher\nnoch die Bilder Antwort genug. Das beweist\nnichts gegen die Bücher und erst recht nichts gegen\ndie Bilder und auch nichts gegen uns. Es beweist\nvermutlich bloß, daß wir dem kubistischen Bild-\nmittel nicht genug assimiliert sind- Das Nämliche\nbeweist es von den Büchern. Und vielleicht be-\nweist es von der kubistischen Malerei, daß ihre In-\nstinkte in einem problematischen Stadium sind, in\ndem sich die Dinge weder für das Gefühl noch für\nden Begriff restlos formulieren lassen. Das sind nun\nbloß genetische Feststellungen, keine Werturteile.\nAber mehr können wir augenblicklich offenbar\nnicht leisten, wenn wir gewissenhaft sein wollen.\nDie unsäglich billigen Farcen, die den Kubismus\nbürgerlich oder kunstkonservativ oder sonstwie\nanöden, sind außerhalb jeder Debatte. Aber noch\nverhängnisvoller wäre ein wirres künstliche Apo-\nstolat. Es kann in den Problemen des Kubismus,\nund sollte er auch schon zur Neige gehen, jetzt\nnoch keine bedingungslose Empfindungssicherheit\ngeben. Ich selber habe gegenüber dem prinzipiellen\nMittel des Kubismus und gegenüber bestimmten\nWerken, die er hervorgebracht hat, das Gefühl un-\nendlich tiefdringender Anziehung. Ich denke an\nArbeiten von Le Fauconnier, an Arbeiten von Pi-\ncasso, an Arbeiten von Braque, von Derain, De-\nlaunay, Fernand Leger, Duchamp und Metzinger.\nDies Gefühl quält; aber es gibt auch die Ahnung\nunendlicher Lösung. Was wir tun können und tun\nmüssen, ist dies: unsere Widerstände herausarbei-\nten und unsere Zuneigungen vertiefen, indem wir\nbei jeder Gelegenheit Arbeiten von irgendwie fühl-\nbarer künstlerischer Gewalt wie die Picassos, Ar-\nbeiten, von denen wir instinktiv die Empfindung\nirgendwiegearteter Bedeutung haben, auf uns\nwirken lassen und indem wir einstweilen registrie-\nren, was sich von den Problemen des Kubismus\nbis jetzt fassen läßt.\nDas Aeußerlieh-Historische mag man im einzel-\nnen bei Apollinaire und Salmon nachlesen. Die\nPriorität der Namen ist gleichgültig: wir notieren,\ndaß der Name Kubismus zum ersten Male 1908 ge-\nbraucht wurde, und zwar von einem Gegner des\nKubismus, von Henri Matisse, der Delaunay und\nMetzinger lächerlich machen wollte. (So sind vor-\ndem die Schulbezeichnungen „Impressionismus\" und\n„Pointiiiismus\" aus der Ironie der Konservativen\nentstanden- Vermutlich sind alle diese Namen des-\nwegen so wenig geschmackvoll. Gleichwohl: das\nNeue .akzeptiert den polemisch gemeinten Titel, der\nsich einprägt, und die Gueusen triumphieren imtmer\ntrotz ihrem Namens.) Apollinaire hält Derain für\nden historisch ersten Kubisten. Im Ganzen sind\nDerain, Braque und Picasso die gleichzeitigen Ini-\ntiatoren des Kubismus. Allmählich haben sich die\nanderen angeschlossen. Ausstellungsgelegenheiten\nfanden die Kubisten bei den Independants und im\nHerbstsalon. 1911 machten sie bei den Indepen-\ndiants ihre erste Kollektivausstellung. Außerhalb\nFrankreichs fanden die Kubisten, unter denen einer\nder Wichtigsten, wtohl der am stärksten Begabte,\nPicasso selber Spanier ist, namentlich in Spanien\nfreien Boden.\nAn kubistischer Intensität hat zweifellos Picasso\nam meisten geleistet. Man kennt seine erste Pe-\nriode, von der Salmon mit Recht sagt, sie schwinge\nzwischen dem Greco und Toulouse-Lautrec. Diese\nKunst war nichts Geringes, wiewohl sie einzelnes\nSchwache hervorgebracht hat und im Ganzen viel-\nleicht überschätzt wird. Sie schien iimmerhin eine\nfeine künstlerische Zukunft zu verheißen. Picasso\n•gab diese Kunst preis, um ganz eigene Wege zu\nsuchen. Er wußte, daß 'die Mittel seiner ersten\nZeit nicht nur für ihn persönlich, sondern über-\nhaupt, objektiv, sachlich erschöpft waren- Keine\nGeste eines verschwenderischen Verzichts auf vor-\nhandene Möglichkeiten. Keine Willkür und keine\nSpekulation. Das Mittel der Tradition war er-\nschöpft. Picasso mußte, wenn er nicht 'unproduktiv\nwerden wollte, neue Anschauungen suchen. Es\nliegt alles daran, daß man diesen Fall, daß man die\nNotwendigkeit des Abbruchs versteht. Picasso zer-\nbrach die Mittel der Naturillusion, auch der rela-\ntiven, nun Stück um Stück. Er durfte das, denn er\nhatte die Natur studiert, wie es nicht allzu viele\ntun. Unter dem Einfluß polynesiseher Plastiken\nfing er an, .die Nasen seiner Akte zu stereometri-\nsieren, um die künstlerisch vorgestellte Form von\nder natürlichen möglichst zu trennen. Von hier\nging er weiter. Die Perspektive, den „truc mise-\nrable du trompe-l'oeir, wie die jungen Franzosen\nsagen, hatte er längst aufgegeben. Die Matisse-\nschule war ihm darin voraus gegangen. Nun erst"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.4", "texte": "begann für ihn die eigentliche Arbeit. Er sagt,\nseine erste Periode sei mühelos gewesen im Ver-\ngleich zur zweiten. Und das ist ohne weiteres\nglaublich- Es ist einfach sachlich überzeugend. Es\nist das Mindeste, das man vor einer anständigen\nund intelligenten kritischen Gesinnung verlangen\nkann, daß sie den inneren und äußeren Aufwand\nfühle, der zumal in den neuen Arbeiten Picassos\nwahrnehmbar ist.\nApollinaire versucht eine Aufstellung der Ele-\nmente des Kubismus, Er unterscheidet einen „ou-\nbisme physiqtie\" natürlichen, physischen Kubis-\nmus, einen orphischen 'und einen intuitiven Ku-\nbismus. :\nVertreter des natürlichen oder physischen Ku-\nbismus, dessen Elemente der Wirklichkeit der Ge-\nsichtseindrücke entnommen sind, ist für Apollinaire\nzum Beispiel Le Fauconnier. Sein Kubismus ist\nnoch am äußeren physischen Objekt beteiligt, ent-\nhält noch Elemente visueller Anschauung. Apolli-\nnaire sieht in diesem Kubismus die gegebene Form\ndes modernen Historienbildes. Man denke an den\nChasseur von Le Fauconnier.\nDer Hauptvertreter des wissenschaftlichen Ku-\nbismus ist für Apollinaire Picasso. Er weiß die\nFormen. Er hat sie erkannt. Er hat ihre Meta-\nphysik begrifflich inne. Sie haben sich ihm aus\noptischen in cerebrale Vorstellungen umgesetzt.\nAber damit ist Picasso nicht erschöpft. Er ist\nzugleich —■ denn seine Natur ist zusammengesetzt\n— der wesentlichste Vertreter des orphischen Ku-\nbismus- Lassen wir uns durch das Peinliche einer\npedantisch geistreichen Terminologie nicht stören\nund nehmen wir das Wort der Bequemlichkeit\nhalber an. Orphisch ist der Kubismus, der seine\nObjekte und Mittel weder mit dem äußeren Ge-\nsichtssinn, noch gedanklich erfährt, sondern der Ku-\nbismus, der gefühlsspekulativ, schöpferisch, durch\nseine supranaturale Einbildungskraft konstruiert\noder dichtet: aus einem Enthusiasmus, der über die\ngedanklichen, überhaupt über die menschlichen\nGrenzen greift. Der instinktive oder intuitive Ku-\nbismus endlich ist die undifferenzierte Vorstufe aller\ndieser Möglichkeiten.\nIm Ganzen handelt es sich nach Apollinaire beim\nKubismus um eine „unhumanistische religiöse\nKunst\". Die Ausdrücke sind wertvoll. Wertvoll\nist auch die allgemeine Definition, die Roger Allard\nim „blauen Reiter\" gegeben hat. Sie lautet:\n„Was ist der Kubismus?\nIn erster Linie der bewußte Wille, in der Ma-\nlerei die Kenntnis von Maß, Volumen und Gewicht\nwiederherzustellen.\nStatt der impressionistischen Raumillusion, die\nsich auf Luftperspektive und Farbennaturalismus\ngründet, gibt der Kubismus die schlichten, abstrak-\nten Formen in bestimmten Beziehungen und Maß-\nverhältnissen zueinander. Das erste Postulat des Ku-\nbismus ist also die Ordnung der Dinger und zwar\nnicht naturalistischer Dinge, sondern abstrakter\nFormen. Er fühlt den Raum als ein Zusammenge-\nsetztes von Linien, Raumeinheiten, quadratischen\nund kubischen Gleichungen und Wagverhältnissen.\nIn dieses mathematische Chaos eine künstle-\nrische Ordnung zu bringen, ist die Aufgabe des\nKünstlers. Er will den latenten Rhythmus dieses\nChaos erwecken.\nFür diese Anschauung ist jedes Weltbild ein\nZentrum, dem die verschiedenartigsten Kräfte\nstreitend zu streben- Der äußerliche Gegenstand\ndes Weltbildes ist nur der Vorwand oder besser\ngesagt: Das Argument der Gleichung.\nEr war gewiß von jeher nichts anderes in der\nKunst — nur lag dieser letze Sinn jahrhundertelang\nin einem tiefen Verstecke, aus dem ihn heute die\nmoderne Kunst zu holen sucht.\"\nGenau so bezeichnet Salmon das Wesen des Ku-\nbismus, wenn er bei Picasso von eine „peinture-\nequitation\", das heißt von einer Gleichungsmalerei\nspricht.\nWir wollen an dieser Stelle nicht auf die nuan-\ncierenden Unterscheidungen eingehen, die Apolli-\nnaire gegenüber den einzelnen Kubisten versucht.\nIch gestehe, daß es mir bislang nicht gegeben ist.\nbei Metzinger eine Linie von Seurat her zu sehen\noder Braque als einen „peintre angelique\" zu emp-\nfinden\". Es wird besser sein, wenn wir einstweilen\nbei dem Grundsätzlichen bleiben, wenn ich auch\nkeineswegs bezweifle, daß man gegenüber dem ku-\nbistischen Werk seine Organe in dem Sinn diffe-\nrenzieren kann, wie Apollinaire es getan hat.\nDas allgemeine Gesetz des Kubismus ist die\nVernichtung des Gegenstandes — des Gegenstan-\ndes insofern, als er eine visuelle Einheit, eine\noptisch-natürliche Impression ist. Der Kubist will\nden ganzen Gegenstand, nicht eine Teilimpression.\nEr will die räumliche und zeitliche Totalität des\nObjekts ins Bild bringen. Das kann nur gelingen,\nwenn sich die Teilimpressionen als Teile verbin-\nden. Hier waltet ein ähnliches Anschauungsgesetz\nwie beim futuristischen Seh- und Darstellungs-\nwillen, der ebenfalls die Vielseitigkeit des Objekts\nim Raum und in der Zeit zur Darstellung brin-\ngen will. Es leuchtet ein, daß damit eine Erwei-\nterung des überlieferten Sehwillens gegeben ist:\neine Erweiterung im Sinne einer gewissen Epik.\nWenn man will, kann man hier prinzipiell dasselbe\nsehen wie in den polyhistorischen Bildern der Pri-\nmitiven, auf denen zugleich Geburt, Anbetung und\nKreuzigung Christi zu sehen sind: das kubistische\nund das futuristische Bild wollen etwas Analoges,\ndoch vom Stand je einer modernen Nerven-\nkultur, einer lediglich inneren Anschauung, die sich\nin sichtbare Aequivalente ergießen will-\nAber das physische Objekt, richtiger die op-\ntische Impression spielt bei den Kubisten eine noch\nreduziertere Rolle als bei den Futuristen. Und\nselbst das psychische Objekt, in das sich bei den\nmodernen Schulen das physische Objekt ver-\nwandelt, erscheint bei den Kubisten reduzierter.\nDie „Kubistierung\" einer gegebenen natürlichen\nForm oder einer gegebenen, irgendwie aus Sinnes-\neindrücken oder Ideen abgeleiteten seelischen Dis-\nposition bewirkt, daß das Bild des Kubisten die\nGleichungsverhältnisse stärker betont. Auf dies Pro-\nblem kann nicht nachdrücklich genug hingewiesen\nwerden: es handelt sich beim Kubismus mehr als\nirgendwo in der modernen Malerei um die bildne-\nrische Herstellung eines Gleichungsverhältnisses\nzwischen den Bildelementen. Das kubistische\nMittel hat die Wirkung, daß es zwischen das natu-\nrale Erlebnis und die künstlerische Formulierung\nzunächst die notwendigen Hemmungen einschiebt,\ndaß es die Dekomposition der Wirklichkeit voll-\nzieht. Das kubistische Mittel bewirkt die Vernich-\ntung des Naturalen radikal. Und das ist gut. Denn\ndas Naturale ist der Feind des Künstlerischen. Das\nkubistische Netz bewirkt dasselbe wie die Grenzen\nder musivischen Steine oder der Bleilinien der\nGlasfenster. Aber hinaus über diese zunächst nega-\ntive Funktion bewirkt das kubistische Mittel die\nAusgleichung der Bildelemente gegeneinander. Das\nBild wird eine unendliche Gleichung: ob es nun\nRuhe oder kinematische Bewegung der Dinge und\nihrer psychischen Reflexe enthält. Weiter wird\ndas Mittel der Gleichung, die kubistische Lineatur,\nan sich selber bedeutsam. Die Gleichung ist das\neminenteste aller formalen Mittel. Es ist zum min-\ndesten kunstmethodisch wertvoll, wenn das Mittel\nso rein, so abstrakt, so fanatisch zum Vortrag ge-\nbracht wird: fast losgelöst von allen darstelleri-\nschen Funktionen, fast losgelöst von allem repro-\nduktiven Sinn.\nAber weshalb gerade der Kubus? Die Logik ist\nklar. Der Kubismus ist der Feind der kunstgewerb-\nlichen Flächenarabeske. Er will den Raum nicht\nverlieren. Ebenso wenig will er den naturellen\nRaum, die Raumillusion, „les bassesses de la per-\nspective\". Er will die einfachsten bildnerischen\nGleichungen des Raums: den Würfel, das Parallel-\nepipedon, die pyramidalen Formen, auch die Kugel.\nKubus ist hier einfach der abstrakte Ausdruck der\ndritten Potenz.\nSchließlich läßt sich auch eine rein äußere Linie\nsehen: die formgeschichtliche Tradition von Ce-\nzanne her, der die „Kubistierung\" der gegebenen\n(äußeren oder inneren) Naturform mit instinktiver\nGenialität vorbereitet hat. Man sehe seine Land-\nschaften.\nDoch genug. Es ist nun die Frage, ob die hier\nerörterten kubistischen Möglichkeiten weit tragen\nkönnen. Ob sie Werke von große Exekutive her-\nvorbringen können oder ob sie bloß eine wertvolle\nformmethodologische Krise bedeutet.\nDie Kubisten, zum Beispiel Metzinger und Glei-\nzes in ihrem lesenwerten Buch, wehren sich gegen\ndie Auffassung, sie wollten „Rebus\" geben. Daß\nsie das nicht wollen, ist ohne weiteres zugegeben.\nDie Frage ist nur, ob sie das, was sie vermeiden\nwollen, objektiv auch wirklich (vermeiden. Sie\nwehren sich gegen den Vorwurf des Okkultismus.\nOhne Zweifel —• sie wollen keine Kabbalisten sein.\nSalmon, ein feiner Kritiker, bestätigt das. Allein,\nwas wirken sie?\nVom Bilde fordern wir mit Recht die Ueber-\nsetzung unseres Lebens in Formen. Ich bekenne\nmit Freude, daß ich vor den Arbeiten Picassos\nimmer das Gefühl einer überschwenglich-innigen\nAusdeutung der Dinge habe. Ich fühle, wie hier\ndie Dinge des Lebens einer entschlossenen Dekom-\nposition unterworfen werden und wie dann wieder\nrein aus formaler Logik Systeme der Anschauung\nzusammenwachsen. Aber dafür, daß ich immer\ndie Empfindungsassoziationen hervorbringe, die\nPicasso will, bürge ich nicht. Und darum glaube\nich, daß Worte wie Rebus und Okkultismus doch\netwas treffen. Allein wer weiß? Vielleicht be-\nzeichnen diese Worte gar nichts Bedauernswertes.\nVielleicht liegt das Okkulte im Wesen der Zeit, die\neine neue Religiosität ahnt. Und am Ende assoziere\nich einem Leibibild von gegenständlicher Art\nebensowenig die spezifischen Formgefühle, die\nLeibi gehabt hat, wie einem Picasso. Vielleicht\nhandelt es sich hier wirklich um umibertragbare\nImponderabilien.\nIst hier kein bedingungsloser Einwand, so\nkommt er von anderer Seite. Kandinsky fragt in\neinem Aufsatz des „blauen Reiters\", weshalb der\nKubismus definitiv alle Mittelformen, alle die zahl-\nlosen egalisierenden Formvarianten ausschließe,\ndie Erfahrung oder Uranschauung geben kann?\nHier ist ein Ansatz. Es wird abzuwarten sein,\nwie sich der Kubismus mit diesen Fragen ausein-\nandersetzt. Und weiter: der Kubismus malt nicht.\nDie Palette Picassosist seltsam metaphysisch,\nseltsam okkult: Weiß, Schwarz, Grau, Sepia,\nOcker, Asphalt — dazwischen kommt wohl spärlich\nRosa, trübes Blau, trübes Grün. Von den spezifi-\nschen Reizen der Oelmalerei und des Pinsels gar\nnicht zu reden. Picassos Malerei und die seiner\nFreunde wird zu einer zerebralen oder emotio-\nnellen Graphik. Sie hat rein als Arabeske ihren\nunwiderstehlichen Reiz. Sie ist von einer wunder-\nvollen Rätselhaftigkeit. Aber sie ist positiv das\nEnde der Farbe. Nicht umsonst treten Reaktionen\nwie der Synchromismus auf: sie sind Zeichen der\nZeit. Picassos Kunst selber ist noch im Licht ge-\nboren. Aber was werden seine Nachfolger tun?\nEs wird gesagt, der Kubismus habe sich ver-\nrannt. Ich weiß es nicht. Es ist möglich- Dieser"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.5", "texte": "A. J. Korteweg: Linoleumschnitt\n\nA. J. Korteweg: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.6", "texte": "Tage sah ich sehr schöne Derains, die mich an eine\nRenaturalisation der Malerei glauben lassen. Sie\nhaben viel sinnliche Substanz; sie unterscheiden\nsich sehr von dem abstrakten Enthusiasmus der Pi-\ncasso, Juan Gris, Braque. Und doch fühlte ich, daß\nder Kubismus hier im Hintergrunde steht, daß der\nneue Derain ohne den Kubismus nicht möglich\nwäre.\nWir können kaum werten. Wir können nur\naufnehmen, registrieren. Es wird sich zeigen, ob\nder Kubismus rein an sich fortbesteht und eines\nTages einem klargewordenen Geschlecht die Fülle\nder Genüsse gibt, oder ob der kubistische Radika-\nlismus lediglich ein dialektisches Mittel der Ent-\nwicklung ist, um die letzen Fragen der Form zu\nklären. Das zweite ist der Kubismus zum minde-\nsten 'gewesen. Ich glaube, er wird sich eines\nTages in bestimmten Grenzen auch des Ersten\nrühmen können — selbst wenn er auch nur der\nspezielle Versuch einer kleinen Gruppe gewesen\nsein sollte.\n\nWilhelm Hausenstein\n\nDie Stimme der Zeit\nVon Paul Katvani\nDas kosmische Achselzucken, das immer bereit\nist, die Erscheinungen des Geistes etwa so zu er-\nledigen, wie eine Pendeluhr das Erdbeben, — die-\nses Achselzucken ist die verständnisinnige Gebärde,\nmit der sich das, was sich Welt nennt, über die\nWelt hinwegsetzt. Jenseits dieses Verstehens aber\nbeginnt das Reich des Geistes. Oh, welche Fülle\nvon Ausdruck auch in den kleinsten Dingen! Welch\nein Glück ist es, im Bereich der mannigfaltigen\nDinge und Ereignisse zu stehen! Wie bäumen sich\ndie Bäume! Wie blühen die Blüten! .. . Und\nmanchmal ist es ein Ebenbild Gottes und ich fühle,\nwie sich der Sinn der Welt fromm verneigt vor\nder Seele des Herrn.\n..Die Zeit aber lebt an den Dingen vorbei,\nAus Religion wurden Sekten und aus der Liebe\nentsprang die Heirat. Aus Kunst wurde Mode nd\naus der Oper die Operette. Die Zeit ist die Zeit\ndes Kleinlichen. Wo sich Mehrere zusammentun,\num ein Ganzes zu bilden, entsteht aus den Fäul-\nnissen der Gesellschaft der Bacillus der Verfla-\nchung. Die Sociologie ist keine Wissenschaft, son-\ndern die Ausrede, daß ein Uebel auch dadurch\nentstehen könne, wenn es mehr als zwei Menschen\ngibt. Ein Mensch: da ist das Problem der Kunst\nentstanden. Und Gott nahm die Rippe . . . zwei\nMenschen: das Problem des Geschlechtes. Drei\nMenschen, und vier und fünf . . •: also entstand\ndie Hölle auf Erden. Und Kain erschlug den Abel.\n. . Die Gesellschaft ist ein Parasit am eigenem\nLeibe. Die Säfte ihres Organismus gehön einen\nhalben Weg. Und ohne die Weihe der Lust er-\nlebt zu haben, schändet sie sich und ist ewig\nschwanger, ohne gebären zu dürfen. Ihre Veran-\nstaltungen sind Gelegenheiten, um den Heiligtümern\ndes Eros ein Schnippchen zu schlagen. Eine Ope-\nrette ist nicht nur eine Operette, sondern auch ein\nTeil jener Lustigkeit, die zur Lust führen soll. Ein\nBall ist nicht nur ein Saal voll hinkendem Rhyth-\nmus, sondern auch ein Teil von den Rhythmen\nzwischen Mann und Weib- Ein Roman von Hanns\nHeinz Ewers ist nicht nur spannend, sondern auch\nein Teil jener Potenz, die der Impotenz die Freude\nam Dasein erhöht.\nUnd nur der Künstler ist allein. Zwischen\nallen diesen Kreaturen ist er das Ebenbild Gottes.\nUnd er lebt von den Dingen um sich. Die andern\nhaben Tradition und leiten sich ab nach Gesetzen\nund Gebräuchen. Und dabei verursachen sie einen\nLärm, der die St imune des Künstlers verstummen\nmacht. Es gibt keine Propheten mehr im Lande\nund keine Wunder geschehen und kein Zeichen ist\nam Himmel. Aber manchmal, zwischen Worten\nvon Lust und Leid, zwischen den Farben auf einer\nLeinwand und zwischen den Rhythmen der Musik\nerscheint wieder das Wort Gottes. Und es ist wie\nin den Tagen vor Golgata: höret, ich verkündige\neuch das Wort Gottes.\nDenn das Wort des Künstlers ist Gottes Wort\nund es übertönet die Stimme der Zeit.\n\nDie Sehwermut des\nGenieBers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nDer Arbeiter warf überrascht den Kopf zurück,\nals wolle er einer Stimme lauschen, die aus dem\nunergründlich tiefen Nachthimmel herabfiel. Dann\nsagte er mit einem freudigen Zittern um die\nMundwinkel:\nDas hab ich schon manchmal gefühlt. Der\nGlaube an sich selbst ist heuzutage den meisten\nverloren gegangen. Sie haben keinen eigenen\nWillen mehr, sie lassen sich lenken und vom\nStärksten drehen und wenden, wie es seinen\nLaunen gefällt. Das ist schrecklich, besonders in\nunserer Stadt. Sie kennen unsere Stadt nicht,\nHerr. Sie kennen nur ihre Straßen, die Gesichter\nder Ladenbesitzer, vielleicht auch die einiger Be-\namten. Sie kennen einige aus dem Konservatori-\num, Lehrer und Schüler. Aber unsere Stadt ken-\nnen Sie nicht. Das, was sie wirklich ist, das haben\nSie noch nicht gefunden. Das findet auch nur der,\nder mit ihr verwachsen, in sie hineingewachsen\nist . . .\nMit einem tiefen Atemzuge unterbrach er seine\nWorte und strich sich den Schweiß von der zer-\ngrübelten Stirn. Johannes staunte. Hier hatte er\neinen Menschen gefunden, der ohne Haß und Ver-\nbitterung aus einem großen Weh, das er für die\nändern empfand, nach Erlösung rief. Die eintönige\nMelodie .eines schwer dahin strömenden Massen-\nlebens begann in ihm zu tönen; alle überschwäng-\nliche Pracht der Farben und Linien schien er-\nloschen. Noch halb berauscht von der Erkenntnis\neines neuen Werkes, nahm er diesen Gang durch\ndie Nacht an. der Seite des Arbeiters als ein Gna-\ndengeschenk. Der Nachhall des Entsetzens vor\ndem Klang des langsamen, verhalten drängenden\nSchrittes verstummte.\nErzählen Sie mir von Ihrer Stadt, bat er. Er-\nzählen Sie mir alles, was Sie von ihr wissen.\nDer Arbeiter erzählte schlicht.\nIch bin in dieser Stadt geboren. Als kleines\nKind hab ich sie kennen gelernt. Sie war immer\nfreundlich und heiter. Aber ich konnte mich nie\nso recht über sie freuen. Der Vater trank, die\nMutter kränkelte immer und ging unter der Ar-\nbeit für fremde Leute langsam zugrunde. Tagaus,\ntagein wurde ich gescholten und geschlagen, oft\nmußte ich hungern und frieren. Aber ich kannte\nnichts besseres und wäre nicht bitter geworden,\nwenn die Stadt nicht so freundlich und heiter ge-\nwesen wäre. Das tat mir weh. Wenn ich durch\nihre Straßen ging, nicht schreiend und lärmend\nwie andere Kinder, sondern still und traurig und\ndie Sattheit dieser Häuser und Menschen sah,,\nempfand ich einen schweren Druck. Anfangs-\nstaunte ich über die lachenden, tollen Kinder. Und\nwenn ich versuchte, es ihnen gleich zu tun, konnte\nich es nicht. Dann kam immer das Elend hinter-\nher, die scheltende Stimme des Vaters und die-\ntraurigen Blicke der Mutter . . . Aber das ist 7a\nNebensache, wie es mir als Kind erging; ich wollte\nIhnen von der Stadt erzählen.\nBei diesen unaufdringlich gesprochenen Wor-\nten kam der Künstler in eine Stimmung, als würde\ner von einer großen Welle hinausgetragen in ein\nunbekanntes Meer voller Ueberraschungen. Die\nErinnerung an sein eigenes mehrmonatliches Klein-\nstadtleben begünstigte diese Teilnahme, eine Er-\ninnerung, die sich nur auf ein fast stumpfes In-den-\nTag-hinein-leben erstreckte. Damals war er ohne,\ngroße Wünsche gewesen, hatte alle Stunden in\nschmerzlichen Gedanken an Mia Mirana verbrachte\nohne Blicke für das Leben der Kleinstadt, das ihn\nwie ein stehendes Gewässer umgab. Es war eine\nReihe öder untätiger Monate gewesen, aus denen\ner endlich durch die Empfängnis seines Werkes\ngerettet wurde. Dann kamen die Tage eines ziel-\nlosen Umherschweifens, eines Eintauchens in jede\nLandschaft, die der jeweiligen Stimmung ent-\nsprach. Von der Art des Kleinstadtlebens aber\nwar keine Spur zurückgeblieben. Er trug sie\nvielleicht unbewußt mit sich, wie er unbewußt das\nMitleid mit den Proletariermassen seit jenem Abend\nvor der Fabrik in sich trug; und es bedurfte nur\neiner Stimmung, damit er die Physiognomie der\nkleinen Stadt als etwas Vertrautes zu erkennen\nvermochte. Eine Reihe von Sätzen, die Jörg Mar-\ntin unterdessen gesprochen hatte, waren ihm ver-\nloren gegangen. Nur allmählich kehrte ihm die\nEmpfindlichkeit seines Gehörs zurück und folgte\nder Erzählung.\nSie kennen alle nur ihren Vorteil, sagte der Ar-\nbeiter. Ihr erster Gedanke beim Erwachen und\nihr letzter vor dem Einschlafen ist der, wie sie\nwohlhabender werden. Man muß nur ihre Gesich-\nter ansehen; sie schmunzeln in selbstzufriedener\nSattheit und verraten durch diese Sattheit Gier.\nSie bilden Parteien, um ihre Machtgelüste besser\nbefriedigen zu können. Sie veranstalten Festlich-\nkeiten, um sich zügellos geben zu dürfen. Sie\ngehen zur Kirche, um ihr Ansehen bei den andern\nnicht einzubüßen. Sie sind berechnend, selbst in\nihrer Liebe. Wjenn einer von ihnen ein Mädchen\nliebt, fragt er vor allem: hast' du Geld? Wenn sie\nkeins hat, wird ihre Liebe verspottet.\nJohannes zwang etwas, dem Arbeiter das Wort\nabzuschneiden. Dieses Bild der gierenden Men-\nschen sprengte den Rahmen der Kleinstadt, seine\nFormen vermochten den Rahmen der Menschheit\nauszufüllen. Dies sagte er dem Arbeiter. Der\nlächelte zustimmend. Er erzählte von dem un-\nsichtbaren Gitter, das rings um die Stadt lief, und\ndas keiner übersteigen konnte, der nur seinem Vor-\nteil nachjagte. Von dem schrecklichen Einfluß, den\ndie Atmosphäre aus sonniger Güte voll versteck-\nter Rücksichtslosigkeit auf den Menschen\nder gezwungen sei, sie einzuatmen. Seine Worte\nwurden straffer, seine Gebärden entschiedener\nund seine Forderungen betonter. Hier stand er\nauf einem Boden, den er sich erarbeitet hatte.\nHier lag seine Kraft im klaren Betrachten und\nseine Unkraft im Erreichten künftigen Heiles.\nUeberall ist diese Gier nach Selbstbereiche-\nrung, sagte er, während seine Arme einen weiten\nBogen beschrieben. Rundum, wohin man blickt..\nAuf dem Lande, in der Großstadt, im Gebirge und\nin den kleinen Städten. Aber ich glaube, nirgend-\nwo sonst ist sie so häßlich wie bei uns. Und ichs\ndenke, so wird es in allen Kleinstädten sein. Ich\nhabe darüber nachgedacht, warum es gerade beß\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.7", "texte": "uns so häßlich ist. Die Menschen sehen immer\nnur sich und einige andere. Immer dieselben Ge-\nsichter, hören immer dieselben Stimmen, werden\nimmer dieselben Gedankengänge geführt. Sie ha-\nben nichts, in das sie sich flüchten können. Viel-\nleicht auch wollen. So schrumpfen sie allmählich\nein; ihre Augen werden kurzsichtig, ihre Ohren\nhören nur die Laute, die mit ihrem eigenen Leben\nim Zusammenhange stehen, ihr Herz wird klein\nund kennt nur das, was ihm am nächsten steht,\n;sich selbst, und, im besten Falle, die Familie.\nSehen Sie unsere Stadt, Herr! Da gibt es unzäh-\nlige Parteien und Vereine und Klubs. Die einen\n■suchen die andern zu überholen. Ueberall herrscht\nder enge Ehrgeiz, der nur mehr erreichen will,\num die andern niedertreten zu können. Der\nFurchtbarste unter diesen Menschen ist Redakteur\nTodt. Sie kennen ihn vielleicht. Er ist einer, der\nklüger ist als alle die andern und seine Klugheit\nvortrefflich auszunutzen versteht. Von ihm hän-\ngen alle ab. Auch seine Gegner. Sie fürchten ihn,\nund wenn sie es dennoch wagen, gegen ihn aufzu-\ntreten, geschieht es nur, weil sie die Schar der\nParteigenossen hinter sich wissen. Das politische\nLeben in dieser Stadt ist schrecklich. Das Partei-\nleben beherrscht alles.\nDer Künstler unterbrach ihn:\nJa, das Parteileben beherrscht alles. In einer\nFabrikstadt erlebte ich es. Keine Menschen, nur\nPolitiker. Der Knabe war die Hoffnung des Va-\nters: er wird einmal meine Rolle weiterspielen.\nDie Mütter wurden geachtet als die Gebärerinnen\nkünftiger Stadtgrößen, künftiger Förderer kommu-\nnaler Pläne. Und die Mädchen . . . Sie mußten\nzwei Familien, deren Oberhäupter mächtig waren,\nzu doppelter Macht verbinden. Liebe war Mittel.\nEine Stadt, erhaben in ihrer Nüchternheit, hinrei-\nßend in ihrer kalten Berechnung. Aber dem\nRausch folgte eine jammervolle Ernüchterung.\nDas Bild jener Mittelstadt, in der er einmal\neinige Tage gelebt hatte, schwankte an ihm vor-\nüber. Eine gelassene Müdigkeit hatte ihn durch\nihre Straßen und Häuser geführt. Während in sei-\nnem Innern die Unruhe gärte, die Sucht nach Ge-\nstaltung, erweckte sein Aeußeres den Eindruck\neines selbstgenügsamen Menschen, der betrach-\ntend durch eine fremde Stadt geht. Die Oede der\nKleinstadttage zitterte in ihm nach. Und er begriff\nin dieser Sommernacht die Kleinstadt. Er hörte\nihren unregelmäßigen Pulsschlag, vernahm die\nlautlosen Schreie ihres Herzens.\nUnd je weiter ihn Jörg Martin in die Schwüle\ndieser Parteistadt führte, umso höher wuchs seine\nBewunderung für die Erhabenheit seiner Kunst.\nUnter solchen Erregungen sog er das Bild der\nkleinen Stadt in sich ein und nahm es dankbar hin\nals Bereicherung seines Wissens von der Wüste,\nmit dem er am Nachmittag begnadet worden war.\n\nFortsetzung folgt\n\nEin Buch von Döblin\nJoseph Adler\nSehr viele Schriftsteller haben nur die Zeit zum\nRomaneschreiben, also nur ganz wenige auch Ta-\nlent dazu, und der mir nicht lesenswert scheinen-\nden Bücher werden mehr, je weniger ich lese. Und\nwann lese ich? Unterwegs. In der Straßenbahn-\nAuf dem Verdeck eines Autoomnibusses. In einem\nTorweg während einer Regenhusche. Eine halbe\nStunde vor dem Einschlafen. Schriftsteller, die\nzeitraubende Romane schreiben, sollte man unter\nKuratel stellen. Zeit ist doch Geld, und unsere vor\nallem. Man möchte den Verschwendern zurufen;^\nSeit kurz wie D ö b 1 i n. Lest seine Skizze\n„Astralia\". Hier ist die Gewalt eines Romans in\nden denkbar engsten Rahmen eingepreßt. Das\nBreite, Ausgesponnene und Weitläufige auf ein in\nseiner Vollendung unbegrenztes Minimum gekürzt.\nEin Stoff, darin der Offizielle vom Bau kaum mehr\nals ein flüchtiges Gerüst gesehen hätte, ist zu jener\narchitektonischen Wort- und Gedankenknappheit\naufgebaut, die die unendlichen Flächen alles Ge-\nschehens ahnen läßt. Kein Bild, kein Gemälde von\n„seltenem Kolorit\", nur ein paar Linien: das Aller-\nwenigste in vollendeter Form. Die Allzuvielen\nschleppen die Leser um den hohlen Berg der Er-\nreichbaren an Vertiefung in die Psyche ihrer Fi-\nguren. Döblin schafft eine Anhöhe, und ich über-\nblicke alles. Anfang und Ende eines Schicksals.\nMeiner eigenen Phantasie sind neue Gebiete er-\nschlossen.\nEs sind zwölf Erzählungen in dem Buch. Fast\nzwölf symphonische Dichtungen. Keine\nWortmusik, kein putziges Schwelgen in Tönen,\naber ein harmonischer Rhythmus in der Konstruk-\ntion. Die „Segelfahrt\" ist die gewaltige Musik des\nMeeres. Sie ist die melodische Unrast des Ele-\nmentes selber, sie gibt nicht eben nur seine Er-\nscheinung wieder. Sie ist tief und gespenstisch, die\nWorte rollen wie Wellen heran. Sie locken und\nschmeicheln, rufen und brausen, wälzen sich hoch\nempor und klatschen sieghaft nieder. „Eine Was-\nsermasse, stark wie Eisen, schickte das unermeß-\nliche graugrüne Meer heran. Die trug sie mit der\nHandbewegung eines Riesen an die jagenden Wol-\nken herauf. Die purpurne Finsternis schlug über\nsie. Sie wirbelten hinunter in das tobende Meer-\"\nDie Sätze sind wie der Donner des tobenden\nMeeres, sind Aufruhr und mitreißende Gewialt. Der\nDichter ist hart, grausam, unsenfimental. Und so\nist das Meer. So ist das Schicksal, so ist der Tod.\nNur in einer einzigen der zwölf Erzählungen klingt\nes von den Freuden der Hoffnung und der Süße\nunvergänglicher Liebe. In „Mariäs Empfängnis,\"\neinem Adagio in Blau. Das größte und wunder-\nvollste Mysterium, in einem Bilde nicht darstell-\nbar, und nur für einen Symphoniker „verarbei-\ntungsfähig\", ist hier in das kostbarste und zarteste\nGewand der Sprache zur rührendsten, menschlich-\nsten Nacktheit entkleidet.\n„Für mich steht es fest, daß Sie ein Dichter\nsind. Ich behaupte seit langem, daß der Dichter\nvon überlegener Intelligenz, ja, daß er die Geistig-\nkeit an sich ist, und daß die Phantasie die wissen-\nschaftlichste aller Eigenschaften ist.\" Das ist ein\nLob Döblins von Baudelaire, ursprünglich nur\neine Artigkeit gegen Alphonse Toussenel.\nD ö b 1 i n s Phantasie ist einzigartig. Sie um-\nspannt alles. Reales und Märchenhaftes, längst\nVergangenes und Gegenwärtiges drängt sie tita-\nnisch aneinander- Die gruslige Sage wird zur be-\nängstigenden Tragödie geklärt, das arme Ammen-\nmärchen verwandelt sich an den Brüsten des Na-\nturalismus zu einem zeitlichen Roman, die Phan-\ntasie gibt dem Phantastischen Plastik, und Puppen-\ntheatergestalten werden zu Menschen, in deren\nBrust noch Raum ist für das himmlische Spiel aller\nhöllischen Leidenschaften.\nDer Wortfilm rollt. Der Kinematograph wird\nnie und nimmer Literatur vermitteln können, aber\ndie Literatur muß von der Kinematographie lernen.\nUnd sie hat schon von ihr gelernt. Es ist nun\neinmal keine Zeit für schleppende Handlungen,\nPostkutschenstil und psychologische Kleinarbeit.\nDas Leben ist kurz und ein Roman ist lang. Ich\nkönnte den ganzen „grünen Heinrich\" nicht ein\nzweites Mal lesen, und Raabe ist Lektüre für Alt-\npensionäre. Die Einfahrt eines D-Zuges ist\nspannend, aber langweilig sind die Ulstein-Bticher.\ndie man zum Preise von einer Mark kaufen kann.\nDie Lungen des Lebens sind unendlich weit, aber\ndie Phantasie der „gangbarsten\" Autoren steht auf\neinem toten Punkt, ist kurz von Atem. Das Dö-\nblinsche Werk hat das Tempo unseres Lebens. Es\nsind keine manierierten Nachzeichnungen darin;\nkeine idyllischen Betrachtungen. Döblin steht\nnicht auf jener „hohen Warte\", von der herab der\nAuernheimer das Leben betrachtet, und er „schürft\"\nnicht so tief wie der Schnitzler oder der Bartsch,\nEr erzählt auch gar nicht; aber er ist aufgelöst in\nseinen Erzählungen. Hier ist zwischen Verfasser\nund Werk kein Raum posierter Breite, kein Ab-\ngrund aufgebauschter Leere, der mich schwindeln\nmacht, und über den nur die Reklame hinwegkommt\n— und der Bildungsmob. Stark und rein ist die\nSinnlichkeit Döblins. Eine Gewalt, die noch in der\nGestalt des Todes triumphiert. So schwingt er\nsich in das Bett der Stiftsdame. Vernichtet mit\nrohen Zärtlichkeiten ein Leben, das um das herr-\nlichste betrogen wurde, rächt es in der furcht-\nbaren Gestalt des zeugenden Mannes. „Mit einem\nSatz schwang sich der Tod neben sie ins Bett.\nDa war ein Platz frei. Er griff nach ihren Knieen.\nSie stieß um sich. Wie ein Bauernlümmel schlug\ner mit flacher Hand auf ihre Schultern. Da fiel die\nHand auf ihre Brust, den Leib, den Leib, und wieder\nauf den Leib. Ihre Lippen flehten- Ein Würgen\nkam. Die Zunge fiel in den Rachen zurück. Sie\nstreckte sich.\"\nDie Sprache kann nicht plastischer sein. Die\nSätze sind kurz und wuchtig wie Schläge. „Da fiel\ndie Hand auf ihre Brust, den Leib, den Leib und\nwieder auf den Leib.\" Das ist der wortgewordene\nSchlägehagel. Wie kargt doch Döblin mit den\nWorten. Er wiegt sie wie Gold, bevor er sie hin-\nsetzt, und der Schatz der Sprache ist doch so\ngroß. Es sind die innerlich Aermsten, die ihn un-\nbedenklich plündern.\nEin herrliches sind in dem Döblinschen Buche\ndie Frauengestalten. Miß Ilsebill, Mery Walter und\ndie Königin in der neulegendären, grellmelodiösen\n„Verwiandlung\"- Geschöpfe von sinnesverwirren-\nder Schönheit, von magischer Lebendigkeit. Nur\ndas Weib und der Künstler rechtfertigen die Exis-\ntenz dieser Welt. Das Döblinsche Werk er-\nhärtet diese Erkenntnis.\nDie Ermordung einer Butterblume und andere\nErzählungen / Bei Georg Müller in München-\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nBlaise Cendrars\nSequences\nParis / Edition des Hommes Nouveaux\nRobert Veyssie\nLes Tressaillements / Poemes de ce Siccle\nParis / Verlag La Renaissance Contemporaine\nGerhart Hauptmann\nFestspiel / In deutschen Reimen\nBerlin / Verlag S. Fischer\nHenri Bergson\nEinführung in die Metaphysik\nJena / Verlag Eugen Diedericbs"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191307-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen voa\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namea nur dardl\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zetta\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Var«\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gr&nde vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSechzehnte Ausstellung\nGemalde und Zeichnungen des\nFuturisten\nGino Severini\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr j Sonntags von\n10—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913 / Eroffnung\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nEs beteiligen sich Kiinstler folgender Lander:\nDeutschland / Amerika / Bohmen / Frankreich |\nHolland / Indien / Italien / Oesterreich / Rumanien\n/ RuBland / Schweiz / Spanien\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnllcbe Ausgabe: Ffir Deutschiand\n11 n d Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnttmmer 40 Pfennig X Fur dasAusland bei\niirekterZustellung durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\n— -V -\nSonderausgabe: Ungebrochene E x e m -\nplare auf holzfreiem Papier, V e r -\n• endung in Rollen direkt durch die\nPost ittr Deutschland ond Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Ffir das A u si and:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\nidleser Ausgabe werden Vierteliahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummem nicht abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Jul! 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnihofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Betrag fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder M\nBeginn d,es neuen Vierteljahres bis\nzumfunftendes erstenMonats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, dal E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figui&re /\nParis\n\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabzuge: Versohnung/\n/Tierlegende/Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark.\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Zwolf handgedruckte, numerierte und signierte\nHolzschnitte / Das Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje funfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zw61f signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portr&t Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemSlden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Gs-\ndichten von Arno Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / LuigiRussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Absehied/\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nZeitsehriften\nL'Effort Libre / fruher L'Effort / Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance / Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Franealse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Numiner 1 Francs\n50 centimes\n\nMontjoie / Halbmonatsschrift / Paris [ Chaussfe\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Brussel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris / RecueM Mensuel / Pari*\n9 rue Jacob\n\nAnzeiaen\n\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probehelt gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\nK) Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nSaturn-Verlag Hermann Meister in Heidelberg:\nDemnachst erscheint: Paul flatvani: Salto\nMortale / Aphorismen, Essais, Skizzen / Einfache\nAusgabe, gebunden M. 2.50\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten i&hrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestaflt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschSftsstelle der Neuen Sezession: Stef-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / SpezialgeschSft ftir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bucher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nThe Lantern: Eine Monatschrift beiseite geschobe-\nner Wahrheit und zuriickgewiesener Dichtung /\nGeputzt und entziindet, so oft der Mond dunkel\nist I Die amerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA.\nVerein ftir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}