{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_sha256": "73fcf5c32960d2c99c385abc5bf6883d56ac9ff47f5ef3783c04ba38b75a23a2", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/09_02/bmtnabg_1913-09_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/09_02/bmtnabg_1913-09_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.1", "debut_caractere": 315, "fin_caractere_exclue": 662, "texte": "Inhalt:\nKandinsky: Malerei als reine Kunst / Blaise Cendrars: Le douanier Henri Rousseau / Joseph Tress: Gedichte / Hugo Engelbert Schwarz: Ele-\ndie gelbe Maus / Hegner: Das Bildnis des Marcel Schwöb und seine Grabschrift / Arthur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / Curt Stoer-\nmer: Originalholzschnitt / Storm-Petersen: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c002", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.2", "titre_corps": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.1", "debut_caractere": 664, "fin_caractere_exclue": 698, "texte": "Curt Stoermer: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c003", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "99", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.3", "titre_corps": "Malerei als reine Kunst", "titre_sommaire": "Malerei als reine Kunst", "signature_source": "Kandinsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8936, "texte": "Malerei als reine Kunst\nKandinsky\nInhalt und Form\nDas Kunstwerk besteht aus zwei Elementen:\naus dem in n e r n und aus dem äußern.\nDas innere Element, einzeln genommen, ist die\nEmotion der Seele des Künstlers. Diese Emotion\nhat die Fähigkeit, eine im Grunde entsprechende\nEmotion in der Seele des Beschauers hervorzu-\nrufen.\nSolange die Seele mit dem Körper verbunden\nist, kann sie in der Regel Vibrationen nur durch\ndie Vermittlung des Gefühls empfangen. Das Ge-\nfühl ist also eine Brücke vom Unmateriellen zum\nMateriellen (Künstler) und vom Materiellen zum\nUnmateriellen (Beschauer).\nEmotion — Gefühl — Werk — Gefühl —\nEmotion.\nDas innre Element des Werkes ist\ns e i n I n h a 11. So muß die Seelenvibration vor-\nhanden sein. Wjenn es nicht der Fall ist, so kann\nkein Werk entstehen. Das heißt, es kann nur ein\nSchein entstehen.\nDas innere Element, von der Seelenvibration\ngeschaffen, ist der Inhalt des Werkes. Ohne In-\nhalt kann kein Werk existieren.\nDamit der Inhalt, der erst „abstrakt\" lebt, zu\neinem Werk wird, muß das zweite Element — das\näußere — der Verkörperung dienen. Deshalb\nsucht der Inhalt nach einem Ausdrucksmittel, nach\neiner „materiellen\" Form.\nSo ist das Werk eine unvermeidliche, unzer-\ntrennbare Zusammenschmelzung des inneren und\ndes äußeren Elements, d. h. des Inhaltes und der\nForm.\nDas bestimmende Element ist das des Inhalts.\nEbenso wie nicht das Wort den Begriff bestimmt,\nsondern der Begriff das Wort, bestimmt auch der\nInhalt die Form: die Form ist der mate-\nrielle Ausdruck des abstrakten In-\nhaltes.\nDie Wahl der Form wird also durch die\ninnere Notwendigkeit bestimmt, die\nwesentlich das einzige unveränderliche Gesetz\nder Kunst ist.\nEin in der bezeichneten Weise entstandenes\nWerk ist „schön\". So ist ein schönes Werk\neine gesetzmäßige Verbindung der\nzwei Elemente der inneren und der\näußeren. Diese Verbindung verleiht dem Werk\ndie Einheitlichkeit. Das Werk wird zum Subjekt.\nAls Malerei ist es ein geistiger Organismus, der,\nwie jeder materielle Organismus, aus vielen ein-\nzelnen Teilen besteht.\nDiese einzelnen Teile sind isoliert genommen\nleblos, wie ein abgehauener Finger. Das Leben\ndes Fingers und seine zweckmäßige Wirkung ist\ndurch gesetzmäßige Zusammenstellung mit den\nübrigen Körperteilen bedingt. Diese gesetz-\nmäßige Zusammenstellung ist die\nKonstruktion.\nDem Naturwerk gleich unterliegt auch das\nKunstwerk demselben Gesetze: der Konstruktion.\nDie einzelnen Teile werden nur durch das Ganze\nlebendig.\nDie unendliche Zahl der einzelnen Teile in der\nMalerei zerfallen in zwei Gruppen:\ndie zeichnerische Form und\ndie malerische Form.\nDas plan- und zweckmäßige Kom-\nbinieren der einzelnen Teile aus\nbeiden Gruppen hat zur Folge das\nBild.\nNatur\nWenn wir diese beiden Definierungen (Be-\nstandteile des Werkes und speziell des Bildes)\nan einzelnen Werken anwenden, so stoßen wir\nauf eine scheinbar zufällige Anwesenheit fremder\nBestandteile des Bildes. Das ist die sogenannte\nNatur. Die Natur hat in unseren beiden Defi-\nnierungen keinen Platz bekommen. Woher\nkommt sie in das Bild?\nDer Ursprung der Malerei ist der jeder an-\nderen Kunst gewesen und der jeder menschlichen\nHandlung. Er war rein praktisch.\nWenn ein wilder Jäger tagelang ein Wild ver-\nfolgt, so bewegt ihn dazu der Hunger.\nWenn heute ein fürstlicher Jäger ein Wild\nverfolgt, so bewegt ihn dazu das Vergnügen. Wie\nder Hunger ein körperlicher Wert ist, so ist hier\ndas Vergnügen ein ästhetischer Wert.\nWenn ein Wilder zu seinem Tanz künstliche\nGeräusche braucht, so bewegt ihn dazu der sexu-\nelle Trieb. Die künstlichen Geräusche, aus denen\ndurch Jahrtausende die heutige Musik entstand,\nwaren für den Wilden eine Anregung zur weibs-\nleutebedürftigen Bewegung, die wir heute Tanz\nnennen.\nWenn der heutige Mensch ins Konzert geht, so\nsucht er in der Musik kein praktisches Hilfsmittel,\nsondern das Vergnügen.\nAuch hier ist der ursprüngliche körperlich-\npraktische Trieb zum ästhetischen geworden. Das\nheißt, auch hier ist aus dem ursprünglichen Be-\ndürfnis des Körpers das der Seele geworden.\nBei dieser Verfeinerung (oder Vergeisti-\ngung) der einfachsten praktischen (oder körper-\nlichen) Bedürfnisse lassen sich durchweg zwei\nFolgen bemerken: das Absondern des geisti-\ngen Elementes vom körperlichen und; seine weitere\nselbständige Entwicklung durch die verschie-\ndenen Künste entstehen.\nHier greifen allmählich und immer präziser die\noben erwähnten Gesetze (des Inhaltes und der\nForm) ein, die schließlich aus jeder Über-\ngangskunst eine reine Kunst schaf-\nfen.\nDies ist ein ruhiges, logisches, naturgemäßes\nWachsen, wie das Wachsen eines Baumes.\nMalerei\nDerselbe Vorgang ist in der Malerei zu be-\nmerken.\nErste Periode Ursprung: praktischer Wunsch,\ndas vergängliche Körperliche fest-\nzuhalten.\nZweite Periode Entwicklung: das allmähliche\nAbsondern von diesem praktischen Zweck\nund das allmähliche Überwiegen des\ngeist i g e n Elementes.\nDritte Periode Ziel: das Erreichen der höheren\nStufe der reinen Kunst; in ihr sind\ndie Überreste des praktischen Wunsches\nvollkommen abgesondert. Sie redet in\nkünstlerischer Sprache von Geist zu Geist\nund ist ein Reich malerisch-geistiger\nWesen (Subjekte).\nIn der heutigen Lage der Malerei können\nwir in verschiedener Zusammenstellung und in ver-\nschiedenen Maßen alle diese drei Kennzeichen\nfeststellen. Dabei ist das Kennzeichen der Ent-\nwicklung (der zweiten Periode) das maßgebende,\nund zwar:\nErste Periode. Realistische Malerei\n(der Realismus versteht sich hier so, wie er bis in\ndas neunzehnte Jahrhundert traditionell sich ent-\nwickelte): Überwiegen des Kennzeichens des Ur-\nsprunges — der praktische Wunsch, das vergäng-\nliche Körperliche festzustellen (Porträt-, Land-\nschafts-, Historienmalerei in direktem Sinne).\nZweite Periode. Naturalistische Male-\nrei (in der Form des Impressionismus, des Neu-\nimpressionismus und Expressionismus — wozu\nteilweise Kubismus und Futurismus gehören —):\ndas Absondern vom praktischen Zweck und das\nallmähliche Überwiegen des geistigen Elementes\n(vom Impressionismus durch Neu-Impressionlsmus\nzum Expressionismus immer stärkere Absonderung\nund immer größeres Überwiegen).\nIn dieser Periode ist der innere Wunsch, dem\nGeistigen ausschließliche Bedeutung einzuräumen,\nso intensiv, daß schon das impressionistische\n„Credo\" lautet: „Das Wesentliche in der Kunst ist\nnicht das „was\" (worunter nicht der künstlerische\nInhalt, sondern die Natur verstanden wird), son-\ndern das „wie\".\nScheinbar wird dem Überrest der ersten Pe-\nriode (Ursprung) so wenig Bedeutung beigemes-\nsen, daß die Natur als solche vollkommmen nicht\nmehr in Betracht kommt. Scheinbar wird die Na-\ntur ausschließlich als Ausgang angesehen, als ein\nVorwand, dem geistigen Inhalt Ausdruck zu\ngeben. Jedenfalls werden diese Standpunkte als\nBestandteile des „Credo\" schon von den Impres-\nsionisten anerkannt und proklamiert.\nNun ist aber in Wirklichkeit dieses „Credo\"\nnur ein „pium desiderium\" der Malerei der zwei-\nten Periode:\nWenn die Wahl des Gegenstandes (Natur) die-\nser Malerei gleichgültig wäre, so würde sie nach\nkeinen „Motiven\" suchen müssen. Hier bedingt\nder Gegenstand die Behandlung, die Formwahl\nbleibt nicht frei, sondern ist vom Gegen-\nstand abhängig.\nWenn wir aus einem Bilde dieser Periode\ndas Gegenständliche (Natur) ausschalten und das\nrein-künstlerische dadurch allein im Bilde las-\nsen, so bemerken wir sofort, daß dieses Gegen-\nständliche (Natur)) eine Art Stütze bildet ohne die\ndas rein künstlerische Gebäude (Konstruktion) an\nFormarmut zusammenbricht. Oder stellt es sich\nheraus, daß nach dieser Ausschaltung nur vollkom-\nmen unbestimmte, zufällige und existenzunfähige\nkünstlerische Formen (im embryonalen Zustand)\nauf der Leinwand bleiben. So ist in dieser Malerei\ndie Natur (das „was\" im Sinne dieser Malerei)\nnicht nebensächlich, sondern wesentlich.\nDieses Ausschalten des praktischen Elementes,\ndes Gegenständlichen (der Natur), ist nur in dem\nFalle möglich, wenn dieser wesentliche Bestand-\nteil durch einen anderen ebenso wesentlichen Be-\nstandteil ersetzt wird. Und das ist die rein-künst-\nlerische Form, die dem Bilde die Kraft des selb-\nständigen Lebens verleihen kann und das Bild\nzum geistigen Subjekt zu erheben imstande ist.\nEs ist klar, daß dieser wesentliche Bestandteil\ndie oben beschriebene und definierte Konstruk-\ntion ist.\nDieses Ersetzen finden wir in der heute be-\nginnenden dritten Periode der Malerei —\nKomposi t i o n e 11 e Malerei\nNach dem oben angegebenen Schema der drei\nPerioden sind wir also an die dritte angelangt, die\nals Ziel bezeichnet wurde.\nIn der komposi t i o n e 11 e n Malerei,\ndie sich heute vor unseren Augen entwickelt, sehen\nwir sofort: die Kennzeichen des Erreichens der\nhöheren Stufe der reinen Kunst, in der die\nÜberreste des praktischen Wunsches vollkommen\nabgesondert werden können, die in rein-künstle-\nrischer Sprache von Geist zu Geist reden kann und\ndie ein Reich malerisch-geistiger Wesen (Sub-\njekte) ist.\nDaß ein Bild dieser dritten Periode, das keine\nStütze im praktischen Zweck (der ersten Periode)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1342, "texte": "oder in dem gegenständlich unterstützten geistigen\nInhalt (der zweiten Periode) hat, nur als konstruk-\ntives Wesen existieren kann, soll jedem ohne wei-\nteres klar und unverrückbar erscheinen.\nDas heute stark (und immer stärker) sich zei-\ngende bewußte oder auch noch oft unbewußte\nStreben, das Gegenständliche durch das Konstruk-\ntive zu ersetzen, ist jdie erste Stufe der beginnen-\nden reinen Kunst zu der die vergangenen Kunst-\nperioden unvermeidlich und gesetzmäßig waren.\nIn dieser Kürze versuchte ich, die gesamte Ent-\nwicklung und die heutige Lage ganz besonders in\ngroßen Zügen schematisch zu behandeln.\nDaher die vielen Lücken, die offen bleiben müs-\nsen. Daher das Verschweigen der Seitengänge\nund Sprünge, die in jeder Entwicklung so unver-\nmeidlich sind, wie die Seitenäste am Baum, trotz\nseinem Streben nach oben.\nAuch die weitere Entwicklung, die der Malerei\nbevorsteht, wird noch viele scheinbare Wider-\nsprüche, Ablenkungen erdulden so wie es in der\nMusik war, die wir heute schon als reine Kunst\nkennen.\nDie Vergangenheit lehrt uns, daß die Entwick-\nlung der Menschheit in der Vergeistigung vieler\nWerte besteht. Unter diesen Werten nimmt die\nKunst den ersten Platz ein.\nUnter den Künsten geht die Malerei den Weg,\nder sie vom Praktisch-Zweckmäßigen zum Geistig-\nZweckmäßigen führt. Vom Gegenständlichen zum\nKompositionellen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.4", "titre_corps": "Le douanier Henri Rousseau", "titre_sommaire": "Le douanier Henri Rousseau", "signature_source": "Blaise Cendrars", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.3", "debut_caractere": 1344, "fin_caractere_exclue": 5544, "texte": "Le douanier Henri\nRousseau\nBlaise Cendrars\nRadieuse et gauche, empruntee et raffinee,\nl'oeuvre de Henri Rousseau defie toute critique\nautoritaire ou systematique. Ce peintre est d'une\ncomplexion ambiguee; chaque tableau est un etat\nd'äme unique. II faut avoir des sens pour le com-\nprendre. II s'agit d'etre sensuel, de ressentir,\nde parvi vre chaque tableau, — afin que\nJ'aventure compte dans l'interrompue chaine de\nsensations qu'est la vie. II faut sentir. L'onde\ndes sublimes frissons se propage de centre en\ncentre, et, gräce ä un jeu multiple d'analogies et\nd'associations, Ton finit par comprendre! II faut\naimer. Le cerveau, ce soleil, resplendit tout le\njour sur la mer pourpre du coeur. C'est äla con-\ntemplation de cette vie interieure qu'il doit sa\nclarte, sa grandeur et son calme. II s'y delaie\näfin d'allumer la grande passion nocturne, l'effro-\nyable gauillement des etres, des sentiments et\ndes idees. La vie est du soleil qui pourrit. Le\nsentiment, du cerveau en putrifescence. La mer\nest le sein de la nature. Le coeur, le soleil noir\ndu monde. Sursum corda!\n%\nII faut aimer. Depuis trop longtemps dejä, le\ncritique est beaucoup trop raisonnable. II ne sait\npas aimer. II n'est pas erotique; donc is n'est pas\nprofond et n'est jamais en passion. Or, 1 a plus\nhaute passion estlapassion de soi-\nmeme en pleine sincerite. — Le cri-\ntique n'a pas eu de personnalite jusqu'ici. II ne se\nmontre jamais. A l'etroit entre la double carapace\nde la methode et du dogme, il avance un front\nmyope, qu'il heurte, obstinement, au meme para-\ngraphe du code. II salive, aigrelet; lache du fiel\ncomme ä travers un entonnoir. Prudent et fourbe,\nil a les levres aigues comme un bec de tortue.\nJamais il n'a encore ouvert les ecluses du trop-\nplein, afin que le flot bondisse, magnifiquement,\ndans un remue-menage d'images et de sourdes\nmenaces qui eveilleraient les plus profonds echos\ndu fleuve. La vie, pour lui, n'est qu'un pipi; — il\na honte d'y tremper, — et il a peur de l'avoir fait.\nStendhal et Pascal, Suarez et Baudelaire ont\nabondamment demontre la peinurie de la sensibilite\nfrancaise. Et jusqu'ä present, le Frangais a ete le\ncritique d'art par excellence! Diderot Taine et\nPaul de St. Victor, Sainte-Beuve, Monsieur Faguet,\nDoumic; Cousin, Thiers — eux tous papillonnent\net folichonnent autour de l'art; se meuvent, tels\nque des eventails. La. gräce frangaise! C'est ä eile\nque nous devons cet enervant affichage de sensi —\ntives evaporees et doucätres dans l'art decoratif,\nl'introduction du feminisme dans l'art moderne. II\nest temps d'ecarter ces bergeronnades pämorsons\nerubannees de cris de flüte et de montrer l'homme\nnu interieur.\nQu' importe le sujet d'une oeuvre d'art, Geor-\nges Polti a fixe 36 situations dramatiques, qui,\nelles-memes, se resument ä trois fondamentales.\nEt pourtant, le critique se complait toujours ä\nl'anecdote. II ne se lasse pas de raconter la tou-\njours meme histoire. II cancanne. II cancanne.\nAu fond, il n'y a que la technique qui importe.\nMais eile aussi n'est pas du ressort de la critique.\nLes analyses erudites, indigestes et balourdes des\nprivatdocent allemands le prouvent. En poesie, la\ntechnique est enfin personnelle, eile a conqui tous\nses droits. Aujourd'hui, chaque poete fabrique lui-\nmeme son instrument. Avec beaucoup d'amour, les\nartisans d'autrefois foconnaient leurs outils de\nleurs propres mains. Toute dissertation sur la\ntechnique est vaine. II n'y a pas une science de\nl'homme; donc il n'y a pas une science de l'Art. En\nouvrant la premiere academie ä Milan. Leonard\nda Vinci a commi une funeste erreur. II a intro-\nduit le dans l'art. Et c'est peut etre ä cause\nde lui que nous souffrons comme dans un höpital.\n„La philosophie de la composition\nde Poe, cette mere ironie, en est un memorable\nexemple.\nOn aime ou on n'aime pas. On sent ou on ne\nsent pas. On vit ou on ne vit pas. Le röle du\ncritique est excessivement simple. II doit etre\nemu et nous traduire son emotion. La critique est\noeuvre de createur. C'est dans ce sens que la\ncomprennait Walter Pater. La critique, c'est la\nnature dans l'art vue par un temperament humain.\nII n'y a qu'une seule critique: la musique, dit\nl'oeuvre pathetique du douanier Henri Rousseau."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.5", "titre_corps": "Gedichte : Ich zerstampfe", "titre_sommaire": "Gedichte : Ich zerstampfe", "signature_source": "Josef Tress ; klammern mag", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.3", "debut_caractere": 5546, "fin_caractere_exclue": 6389, "texte": "Gedichte\nIch zerstampfe\nVon Josef Tress\nklammern mag.\nMeine Seele wächst leis wie die Blumen,\nDoch ihr Odem wird von den Wölfen besudelt\nUnd vom nordischen Wind über Nacht.\nMeine Seele wächst unter der Schneedecke.\nUnd wird in ein schreiendes Land verkauft,\nZermalmt von Flüchen und Felsblöcken.\nIch zerstampfe meiner Ahnungen Saat.\nMeine Seele blüht in den blausten Blumen,\nWann die Sterne den letzten Traum träumen.\nIch zertrete meine Gartenbeete.\nBauern\nWann die Bauern die Fäuste zur Arbeit falten,\nDie Helden der Herzlosigkeit,\nUnd mit traumenterbten Pestaugen\nDas kornschwangere Ackerreich spalten,\nDann zertreten sie meinen spielenden Traum. |\nDoch manche fleischwarme Bauernbrust\nBesetzen abends weichfingrige Nachtfalter,\nUnd in den Tiefen pflügt ein Pilgersmann , .\nDaß der Sohn vom harten Tag\nDas Knie der schwarzen Stunde scheu um-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "100", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.6", "titre_corps": "Elezagal, die gelbe Maus", "titre_sommaire": "Elezagal, die gelbe Maus", "signature_source": "Hugo Engelbert Schwarz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.3", "debut_caractere": 6391, "fin_caractere_exclue": 9039, "texte": "Elezagal, die gelbe Maus\nVon Hugo Engelbert Schwarz\nEs war eine Maus in Florenz. Die hatte ein\ngelbes Kleid, das sie nie ablegte. Sie hieß Eleza-\ngal und wohnte im Palazzo Pitti. Sie war eine\nauffallende Person, auch war sie jung und trug\nihr gelbes Kleid so schick, wie irgend eine Pa-\nriser Mondaine. Es war kein Wunder, daß ihr alle\nMänner nachliefen, und da sie alles Glück vom\nirdischen Leben erhoffte, führte sie ein Leben,\nüber das alle Philister nicht mehr sagten, als hem,\nhem . . Aber der Augenaufschlag dabei! — So\nein Leben führte also die Maus Elezagal. Und es\nist nicht zuviel gesagt, daß sie an einem Tage ein\nDutzend Herren an ihren Busen drückte. Da-\nmals war Diskretion nicht modern. Im Gegenteil,\nElezagal legte Wert darauf, berühmt zu werden.\nGanz Florenz war verrückt geworden und in der\nWelt gab es keine größere Schande, als bei Ele-\nzagal kein Glück gehabt zu haben. Der Papst war\nselbst aus Rom gekommen und die Christenheit\nkonnte beruhigt aufatmen, als er ex cathedra ver-\nkündigte, daß Elezagal liebenswürdig war und\ndaß das gelbe Kleid einen herrlichen Anblick bot,\nwenn .... Aber die letzten Silben dieser Er-\nklärung mußte sich jeder denken. So erfreute\nsich Elezagal eines großen Zuspruchs. Die Welt\nversammelte sich in ihrem Schloß. Sie aber ward\nreich und mächtig, ganz so, wie es noch heute\nzu geschehen pflegt. Aber es war nicht das dicke\nScheckbuch, es war auch nicht das 70-HP-Auto-\nmobil, noch war es die Anzahl der Liebhaber,\ndie Aergernis erregten. Es war das gelbe Kleid,\neinzig und allein die gelben Dessous und die gel-\nben Dinge im allgemeinen, die Elezagal verhaßt\nmachten bei ihren Mitbürgerinnen. Da es sich\neinmal gehörte, machten sie Besuch bei ihr.\nDenn ihr Salon war voll von interessanten Män-\nnern. Aber sie mochten ihre grauen Toiletten\ntragen, wie sie wollten, es gab nichts, was her-\nanreichte an Elezagal und an ihr gelbes Kleid.\nDa konnte nur Organisation helfen. Und die\nFreundinnen waren die ersten, die sich zusammenr\ntaten. Man war sich darüber klar, daß etwas ge-\nschehen müsse. Ganz im Geheimen war ein Ko-\nmitee tätig und binnen kurzem war alles, was\nFlorenz an mannbaren Mäusen zählte, unter einem\nHut.\nDie Generalversammlung tagte und eine Prä-\nsidentin wurde gewählt. Sie hieß Bibi und stand\nim gefährlichen Alter. Auch hatte sie Bücher ge-\nschrieben, die Männer nicht lesen konnten, ohne\nrot zu werden. Es meldeten sich zum Wort ära-\nrische Weiber, denen die Subalternoffiziere weg-\ngeschnappt waren, öffentliche Dirnen und Steuer-\nzahlerinnen, deren Erwerb bedroht war, Pfarrers-\nköchinnen, die keiner Predigt mehr teilhaftig wer-\nden konnten. Schöne und Häßliche, Lüsterne und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2385, "texte": "Gesättigte machten Vorschläge. Aber sie waren\nalle mitsammen nichts wert, denn Elezagal war\nreich und mächtig, so daß man an sie nicht heran-\nkonnte, zumal ihretwegen ein eigener Minister\nfür Fremdenverkehr eingesetzt worden war. Und\nwenn sie hätte töten können, die Hauptsache blieb.\nElezagal war gelb und die andern waren nicht\ngelb, sie konnten sich nicht Elezagal gleich setzen,\nsie blieben minderwertig. Und über Scheiterhaufen\nund Verstümmeln, Kerker und Auspeitschen kam\nman überein, daß alle Mäuse samt und sonders\nneidisch waren auf Elezagals gelbes Kleid. Und\n• _ |i - «\nindem sich alle selbst diesen Neid im Innern zu-\ngestanden, geschah das Wunder, daß alle aus\nNeid gelb wurden. Von der Präsidentin Bibi an\nbis zu der Toilettefrau, die durch eine offene Tür-\nspalte hindurch der Versammlung beigewohnt\nhatte.\nFlorenz erlebte eine Sensation. Die europä-\nische Presse veranstaltete Extraausgaben.\nElezagal selbst bewahrte die Fassung. Ihr\nManager hatte Mühe, Ordnung in den Reihen der\nBesucher zu halten, die alle kamen, um der Buhle-\nrin die Neuigkeit zu berichten. An dem Tage reg-\nnete es Gold im Hause Elezagals. Aber auch die\nandern hatten etwas davon. Denn man doch\nzumindest Vergleiche anstellen.\nDer Freundinnen Elezagals bemächtigte sich\neine erlösende Befriedigung. Zufriedenheit kehrte\nein in ihre Herzen und der Neid entfloh. Da wer-\nden sie wieder grau.\nGottseidank kam man erst darauf, als die\nMorgensonne durch die Gardinen blinkte und der\nHexensabath vorüber war.\nElezagal saß in einem Bade von lauem Sekt,\nwährend aus einer unsichtbaren Douchevorrich-\ntung ein feiner Schleier vom Korylopsis und Oppo-\nponax auf ihre Schultern fiel. Da brachte man\nihr die Nachricht von der neuesten Wendung der\nDinge.\nSie lächelte malitiös, schenkte dem Ueberbrin-\nger der Botschaft einen Beutel voll Zechinen und\nließ dann durch einen Zeremonienmeister zu sich\nladen, was Florenz aufzuweisen hatte an Leuten\nvon Rang und Namen. Hierauf ließ sie ihre Frisur\nordnen und neuen Sekt in die Wanne gießen. Sie\nselbst aber nahm ein kostbares Feigenblatt zur\nHand. So empfing sie ganz Florenz. Und während\ndie Menge begeistert von ihrer Schönheit an der\nWanne vorbeidefilierte, tauchten äthyopische Die-\nner die gelben Kleider in den dampfenden Sekt,\nUnversehrt hob man sie wieder heraus.\nDa rief man Elezagal aus zur Siegerin!\nSie blieb die einzige gelbe Maus, denn sie war\necht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "102", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.7", "titre_corps": "Das Bildnis des Marcel Schwöb und seine Grabschrift", "titre_sommaire": "Das Bildnis des Marcel Schwöb und seine Grabschrift", "signature_source": "Hegner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.4", "debut_caractere": 2387, "fin_caractere_exclue": 10067, "texte": "Das Bildnis des Marcel\nSchwöb und seine\nGrabschrift\nVon Hegner\n\nIm Staatsarchiv grüßten ihn die Diener mit\neinem vertraulichen Nicken. Er setzte sich vor\ndas Eckfenster und hatte die Aussicht auf einen\nBaum. Die Fenster waren hochi und in viele vier-\neckige Scheiben geteilt; von der Straße drang\nkein Laut herauf; an den Nebentischen hockten\nkrumme Rücken; die Pergamente knisterten; die\nFedern eilten summend von Zeile zu Zeile; das\nLicht brach sich an den alten Mauern und wlirde\ngrau. Er tauchte unter, schwarze Haarsträhne\nblieben zurück von ihm: er war in wurmstichigen\nBerichten, stundenlang, und fast verschwunden in\nden zierlich ausgetuschten Grüften irgend einer\nKlosterhandschrift. Wenn er aufblickte, sah er\nden Baum wie künstlich, einen eingerahmten\nZweig, ein paar grüne Büschel auf silbernem\nGrund, eine Art japanischen Holzschnitt.\nSeine Augen glänzten dunkel wie altertümliche\nMetallspiegel und lagen in seinem Gesicht wie in\neiner Maske, groß, umrandet und fremd. Er sah\ndie andern als andrer: nicht von sich aus, son-\ndern von ihnen aus. Seine Blicke waren im Fer-\nnen, bei ganz bestimmten Zauberern, Gauklern\nund Verzückten, in den Weinschenken Korinths\nbei Fischhändlern, Sklaven, Flötenbläserinnen,\nauch im vorigen Jahrhundert bei Piraten, Dirnen\nund Verbrechern, in vielen Vergangenheiten bei\nHelden und Heiligen, Königen und Päpsten, und er\nerzählte ihre Begegnungen, als ob er selbst der\nFischhändler, der Sklave, der König und der\nPapst gewesen wäre. Mit ihnen erlitt er jeden\nGlauben und Aberglauben, ihre Furcht und ihren\nMut, ihren Schmerz, ihre Siege und Zweifel und\nmeldete ganz kurz, was er erlitten hatte: immer\nvon neuem ein einmaliges, unvertauschbares,\nunwiederholbares Schicksal. Er erlebte viele\nder Unzähligen, aber sich selbst als Gespenst-\nunter ihnen, nein, noch weniger, ein augenblick-\nlicher Schatten, ein Gewandfetzen, den sie be-\nrührt, die flüchtigsten Worte, die sie gesprochen,\nirgend etwas Uneiniges, das sie getan hatten. Er\nwußte genau, wie Innozenz der Dritte betete,\nals der Kreuzzug gescheitert war; dessen Hände\nwaren ihm wirklicher als seine eignen und vor\nallem lieber. In den Vorreden sprach er von\nSternen, vom Sterben, auch von Gott, den Küchen\nAgrigents und den Asphodeloswiesen der Unter-\nwelt, wo man sein Ich und seine Lyrik vergißt\nund dafür die Ruhe der Pflanzen und die Lust der\nstillen Stengel eintauscht Erkenne dich nicht,\nwar sein Gesetz, und vergiß dich. Er war ein\ngroßer Dramatiker, doch schrieb er winzige Ge-\nschichten.\nSeine Kindheit verlief auf dem Sand, in einem\ngeräumigen Haus. Vor dem Eingang war ein\nGarten und weiter eine hügelige Wiese, ein Tum-\nmelplatz für die Dorfjugend; er mischte sich nicht\nin ihre Spiele. Er war kränklich, mager und\nneigte zu häufigen Fieberanfällen. Ganz klein\nschon hielt er sich am besten in den Zimmern und\nbaute seinen Zinnsoldaten Schlösser und Burgen\naus Büchern. Aber manchmal, wenn der Lärm\nunten sehr laut wurde, verkroch er sich in eine\nDachkammer und betrachtete durch eine Luke die\nrennenden Beine, schwingenden Arme, zornigen\nLeiber. Er sammelte seine Teilnahme äuf einen\nblonden, mädchenhaftängstlichen Jungen und\nwünschte sich Riesenkräfte, um ihm beizustehen:\ner lernte ihn nie kennen. Mit fünf Jahren las er\ndas erste Märchen. Ich denke mir ihn auf einem\nTeppich liegen, mit aufgestützten Ellenbogen, einen\ngleitenden Zeigefinger auf den mächtigen Seiten\nder Doreeschen Ausgabe des Perrault. Pas war\ndie Stelle, wo die Prinzessin allein und bei Nacht\naus dem Palaste floh. Die Zeichnung zeigte sie\nauf der Marmortreppe vorwärtsschreitend und zö-\ngernd zurückgewandt: sie verließ ihr Kleid, ge-\n'webt aus der Farbe des Himmels und ihren Rock,\nbestickt mit Morgenröte, und ihren Mantel ganz\naus Sonnenuntergang. Er wartete begierig, daß\nes Abend staunte dann zum erstenmal über\ndie Wolkenschleier aus Rot und Gold und Gelb\nund hatte nun erfahren, wie der Sonnenunter-\ngang wirkt. Die Gestalten folgten ihm in den\nSchlaf. Als er krank lag und die Mutter an sei-\nnem Bette wachte, merkte sie, daß er nicht von\nihr erfüllt war, nicht von den Verwandten oder\nden täglichen Begebnissen, sondern er nannte un-\nvernommne Namen und die Taten des Mannes im\nMond. Mit zwölf Jahren verstand er Lateinisch,\nunterhielt sich mit Livius und zitterte für Hanni-\nbal. Den Unterricht empfing er von seinem\nVater. Der war ein gelehrter Mann, hatte einen\nlangen grauen Bart, aber kein Haar auf dem Kopf;\ner lachte nie, und auf Fragen gab er eine Frage\nzur Antwort; sie klang traurig, bitter oder un-\nmutig. Er erzählte ihm ausführlich vom Umsturz\nder Staaten, vom Wandel der Überzeugungen und\ndaß die Pflanzen eine Seele hätten. Wenn sie\nvor dem Kaminfeuer saßen, der Alte mit der\nHakennase und das Kind, tief in einem Lehnstuhl,\nachtete es nicht auf den redenden Mund. Es\nschaute in die Flammen, und drinnen erwiesen\nsich ihm die Worte lebendig und warmH — Warum\nsollen sie keine Seele haben? Nimm Wesen an,\ndie hätten tausend Sinne. Nimm an, sie wohnten\nauf einem Stern, und jeden Menschen hier unten\nentspräche dort oben ein Ebenbild, eine Blume.\nWenn nun die uns so überlegnen Wiesen Kränze\nwinden, werden sie nicht ihre Gewächse brechen\nund sagen: die hätten keine Empfindung? In-\ndessen stirbt hier unten einer einen gräßlichen\nTod, stürzt einer vom Dach oder ertrinkt oder\nwird ein Narr oder verliert sein Gehör, wird blind\noder verdurstet in einer Wüste. —\nAus den brennenden Scheitern ringelt® dem\nKnaben ein Kelch entgegen, wuchsen halbgeborne\nBeete, ungewiß entstehende und nie verweilende,\nzuckten die Rosen des nächsten Sommers und\nendlich Karawanenzüge kämpfender, verschmach-\ntender Krieger. Bald darauf, als er allein in die\nFlammen sann, wo waren da die Gebilde? In\nder Aschenglut erschien ihm der greise Mund des\nVaters und rührte ihn zu Tränen. Er lief hin und\nwollte ihm helfen. Aber als er vor dem aufgestört\nFragenden stand, erbat er sich eine Auskunft über\nJahreszahlen. Und im Frühling verlieh er dem\nGarten den Wert der Erde, spaltete ihn in die\nWeltteile, begabte die Bäume mit der Macht ver-\nschollner Herrscher und unternahm durch das\nUnkraut wilder Völker und durch das Gebüsch\nwiderstrebender Häuptlinge, wenn es das Wetter\nerlaubte, gefährliche Reisen. Den äußern Plan\nübertrug er auf das Innre des Hauses, und es war\nkeine Stelle mehr, kein Waschbecken, kein Kas-\nten, die nicht zum Ersatz gedient hätten für einen\nBerg, einen See, einen Gegner. Dann verlor er\nden Vater, er verlor ihn früh, mitten in grie-\nchischen Unterweisungen, und kam in die Groß-\nstadt.\nEr las unermüdlich, so wie ein andrer uner-\nmüdlich Kranke pflegt oder Schürzen verkauft\noder Villen baut. Es kann sein, daß ihn die Er-\nwähnung eines Geschmeides, einer Wendeltreppe\nzugleich an Räuber, die Schätze des Morgenlan-\ndes und verfallne Türme gemahnte; das kann\nsein; er kletterte auf Masten und grub Gold und\nschlug kräftig auf den Tisch in Matrosenkneipen:\nMasten, die längst verfault, Goldklumpen, die\nlängst vertan, Matrosenkneipen, die längst abge-\nbrochen waren; und wenn er von einer Schwalbe\nlas, daß er weißgetupfte Porzellanglocken klingen\nhörte. Aber er stieß auf Bücher, die nicht gele-\nsen werden können und die wie Kochbücher sind,\nsinnlos, wenn man sie nicht anwendet Da war\ndie Stadt eine Maske, jedes Haus eine Verkleidung\nund die Menschen verschanzt hinter Worten und\nGebärden. Wäre man doch ein Soldat, auf die\nDauer eines Wimpernschlags wirklich und inner-\nlich ein Soldat, arm, von der Sonne gebräunt, ein\nGewürzherr, ein Kaufmann, eine einfache Frau,\nirgendeine im Kreis ihrer Kinder, oder ein Mäd-\nchen, schlank und verschleiert, wie es in den La-\nden eines Zuckerbäckers tritt, den Schleier hoch-\nhebt, in einen Kuchen beißt, einen Schluck Was-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7544, "texte": "ser trinkt und vornübergebeugt ausharrt. Zeigt\neine Maske, fragte er, bezeugt sie nicht, daß es\nGesichter gibt? Er las die Masken und erkannte\nden Soldaten, wie sich der Soldat im Spiegel er-\nkennt, nicht mehr und nicht weniger, und da 9\nMädchen, wie sich das Mädchen im Spiegel er-\nkennt. Er zur Wohltätigkeit ganz Unfähige, Un-\nwillige, Ungeeignete drang in die ihm entlegensten\nBerufe, Zustände, Gefahren. Er wurde immer\nweniger Einsiedler, immer mehr ein Vielsiedler,\nohne Zelle, ohne Eitelkeit. Der Mörder war ihm\nso schön wie das Opfer. Er bewies es, indem er\nsie beichtete; indem er sie wiederholte; indem\ner seine Sätze, bevor er sie hinschrieb, lange wog\nund wie ein Goldschmied seine Steine: sehr ge-\nnau. Es waren, in den geatmeten Ausdruck ge-\nzwungen, ein paar stürmische Lebensläufe, rasende\nwie Wasserfälle, sprühendes, rollendes, wirbeln-\ndes, kosendes Wasser; Wasser, das in der Rinne\ndurch eine scharfe Kante gehindert, wütend,\nzischend, aufgebäumt, wie Panterrücken ge-\nkrümmt, in hohen Bogen hinschießt, hineinsiedet in\nRöhren, hinausspringt in eine umfangreiche\nSchale, und vom Riesenrund, tosend gebändigt,\nüber die Ränder in glatte Teiche quillt. Sie waren\nnicht sein Spiegel und er nicht der ihre. Diese\nquellenden Leben, wie aus ihrem eignen Traum\nherausgeholt, waren unmittelbar gewalttätig, un-\nmittelbar besessen, unmittelbar bewegt, keine 9\ndem andern ähnlich, nur hinter ihren Zügen vor-\nerst eine Dunkelheit; diese war ihnen gemeinsam,\ndiese war ihr Hintergrund, ihr Abgrund, Tiefe,\ngoldgrün rot, und ausgebreitete Nacht. Gleich die\nersten Arbeiten öffneten ihm die Türe zu dem\nMeister, der erklärt hat, die Welt sei geschaffen,\num zu einem guten Buch zu gelangen. Gut hieß\neines, daß sich neben einem Baum, einem Felsen,\neiner Landschaft, ja gegen sie hielte und behaup-\ntete. Dieser weltweise Schöpfer lud wöchentlich\nseine Wahlbrüder zu sich, und wen er wählte, der\nwar ein gutes Buch. Als der neue Gast zum\nerstenmal unter sie trat, befand er sich sogleich\nvor der Schilderung eines Tisches. Ein Tintenfaß\naus rotem Lack und eine griechische Vase bezau-\nberten ihn. Er hörte Ausrufe und eine verzückte\nwohlgepflegte Rede: sie tönten ihm aus dem Tin-\ntenfaß und stiegen aus der metallisch glitzernden\nVase. Leise, lautlos leise, warf er ihnen vor, daß\nwir erst eine Meinung hätten und dann unsere\nGründe. Wer seine Meinung am besten vertei-\ndigt, hat recht. Aber nur von Verteidigern, o ihr\nvorlauten Geräte. — Als er das nächstemal wie-\nderkehrte, unterschied er zwischen Wissenschaft\nund Kunst und sagte, daß die Wissenschaft ordne\nund die Kunst jede solche Ordnung auflöse. Man\nmüsse als Künstler das völlig Eigentümliche be-\ntonen, dieses Einmal und Nicht-Wieder, die ge-\näderte Zeichnung auf einem Pflanzenblatt, und\nnicht hervorheben, daß es gekerbt, lang oder\nspitz sei . . . Der Tür gegenüber, vor dem mäch-\ntigen gedrechselten Schrank mit den Zinntellern\nund Töpfen, wiegten im Halbschatten persönliche\nHände und persönliche Stirnen. Auf dem Heim-\nweg erfand er ihnen jeden einen Roman, dem Mei-\nster den des Empedokles. Der war ihm nicht der\nWeise, kaum ein Schwärmer. Seine priesterliche\nErscheinung, sein Purpurmantel mit den metallisch\nschillernden Mäandern, sein unerhörter Tod, gar\ndie Sandale, die von ihm übrigblieb, waren ihm\nwichtiger als die Lehre vom Haß und der Liebe,\ndie ausgesprochen nicht mehr dem Empedokles\nallein, sondern allen Griechen gehörte.\nWirklich, an zweihundert Einzelne griff er aus\ndem Tag und der Nacht, sah ihre zweihundert\nMienen und vernahm, was sie vernahmen. Sie\nwurden deutlich, verstummte Stimmen, in Ein-\nbanddecken verscharrte, und sie wurden durch-\nsichtig, in das Gehäus ihrer Leiber vermummte\nStimmen. Er schrieb nicht lange, nur ein Knaben-\nalter lang, fünfzehn Jahre; je mehr er schrieb,\ndesto sichtbarer waren die andern und desto un-\nsichtbarer er selbst. War er bei seiner kleinen\nWilden aus der Pflanzenwelt, einem grünen Kind,\ndas in die Menschenwelt gezogen wieder zurück-\ngewichen ist, mit einer kleinen Freundin, in das\nunbekannte grüne Land, oder im Mittelalter, in\ndem der Antike, dem Hellenismus, ein Mordbren-\nner, ein Salbenreiber? Als er hinter der Maske\ndas Gesicht und hinter den Stimmen die Stimme\nfassen wollte griff er in seine zweihundert Ge-\nschichten, in zweihundert Träume, in zweihundert\nGleichnisse. Die Augen schlössen sich, seine Mas-\nkenaugen, und zwischen den Augensternen und\nden Augenlidern belehrte ihn sein Gespenst: Wie\ndu dir fliehst, entfliehn sich die Unzähligen, zu\ndenen du flüchtest; sie fliehn in eine Tat, die nicht\ndu tust, in ein Abenteuer, das nicht du bestehst,\nzu einem Gotte, den nicht du anbetest. — Er griff\nhinter der Maske die Verzweiflung und hinter den\nStimmen die Lüge. Diese neuen Masken, ein\nwenig geschminkt, schenkten ihm ein neues Werk;\nes war so schwermütig schön, daß ihm die jun-\ngen Mädchen Briefe sandten und Blumen; es\nstand drin, daß das Leben traurig sei und die Lüge\nlustig. Er verkehrte heimlich in Winkelherbergen,\nfuhr zu Rennen, besuchte Versammlungen, hei-\nratete eine Schauspielerin, die ihm eine vorzüg-\nliche Desdemona, Ophelia, Phädra war, und\nwurde sehr krank. Sein letztes Buch, das erste,\nworin er Gericht hielt, betraf die Tagesschreiber\nund die Tageszeitungen; er traf sie schwer; aber\ner erschien unter einem Decknamen, und die we-\nnigsten errieten den Verfasser.\nNoch bevor er starb, kamen zwei Tagesschrei-\nber mit einer Rundfrage zu ihm. Sie wollten über\ndie Zukunft des Romanes Bescheid haben. Es\nwar Winter, er lehnte vor dem Kamin, fröstelnd,\nabgezehrt, nah am Feuer. Sie erschraken vor\nseinen fahlen, ausgehöhlten Wangen. Seine Hände\nwaren verknittert, sein Schädel blank, sein Bart\nzerzaust. Er blickte sie an, während er sprach,\nund sie folgten ihm aufmerksam mit der Feder.\nSie haben nie geahnt, daß er damals gepriesen hat,\nwas ihm verhaßt war, und geschmäht hat, was\ner am innigsten verehrte. Als sie draußen waren,\nfiel er in einen Ledersessel, das rote Licht im Ka-\nmin malte ihm eine höllische Fratze, und er dachte\ndiesen rfurchtbaren Satz: Jeder Lebende ist ein\nSterbender; es gibt keine gemeinere Erfindung\nals den Schwan, der im Sterben ringt: er ent-\nweiht sein Singen, und er entweiht sein Sterben.\n— Einen Monat drauf war er tot.\nEr liegt auf dem Friedhof unter lauter Unbe-\nkannten. Ein gelber Stein ist mit roten, zuweilen\netwas verwischten Zeilen bemalt, mit einer Grab-\nschrift griechisch, etwa in der Weise des He-\nrondas. Die Ueberschrift, erhaben und in Erz,\nov% änXajg nÄrjyij äegog eoziv fj cpatvr],\nist dem Piaton entnommen.\nDie Stimme ist nicht nur ein Schlag in die Luft.\nSteh, Wandrer, und erfahre, daß ich ein Dich-\nter war. Nichts Menschliches war mir fremd.\nWar ich kein Mensch? Ich bin mir fremd geblie-\nben. Ich hörte die Stimme des Waldes, die\nStimme der Herzen und die Stimme der Toten.\nIch zeichnete auf, was ich schauend hörte und\nstarb mit siebenunddreißig Jahren. Hätte ich noch\ndrei Jahre gelebt, dann wäre mein Franziskus\nvollendet gewesen. Er fehlt mir sehr. Denn\nwisse (und hüte dich vor schlechten Gedichten):\nim Reiche des Schatten ist den Dichtern ihre Welt\nmitgegeben. Sie bewegen sich unter den Gestal-\nten ihrer Schöpfungen und haben keine andern\nFreunde als sie. Ich werde mit Empedokles an\nden goldnen Ufern des Akragas wandeln, zur\nschönen Stadt Agrigent hin. Wenn ich aber wäh-\nlen dürfte und wieder atmen oben auf der geseg-\nneten Erde, möchte ich ein Bauernjunge sein,\nblond, und nicht lesen können und nicht schreiben*\nund selbst die Stimme sein des Waldes, des Her-\nzens und der sommerlichen Getreidefelder."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c008", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "101", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.7.1", "titre_corps": "Storm-Petersen: Originalholzchnitt", "titre_sommaire": "Storm-Petersen: Originalholzchnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 34, "texte": "Storm-Petersen: Originalholzchnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c009", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.8", "titre_corps": "Die Schwermut des Geniebers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Geniebers : Roman", "signature_source": "Artur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.6", "debut_caractere": 7546, "fin_caractere_exclue": 10250, "texte": "Die Schwermut des\nGeniebers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nJetzt schien Johannes sein Werk nicht\nmehr wertlos; so hatte es werden müssen;\ndies sollte das Vorspiel sein zu einer Reihe von\nWerken, in denen alle Sehnsucht, nicht seines ein-\nzelnen kleinen Ichs allein, nein, die Sehnsucht der\nGegenwart, der Menschheit seiner Zeit wieder-\ntönen und ihre Erhörung finden sollte. Nun war\ndas Leben der Wüste nicht mehr ein Traum, nun\nhatte es die Wünsche und Gebärden und Worte\nder Menschen seiner Zeit angenommen, war in das\nwirkliche Leben getreten, war greifbare Gestalt\ngeworden.\nEin Seitenschrillen stob auf; wie kleine flinke\nRaubtiere liefen die Töne aus den Instrumenten\nhervor, kletterten an den gemalten Säulen rechts\nund links empor,; bäumten sich in einem grandiosen\nSchwung über die Köpfe der Menschen, die da\nunten saßen, hinweg, verloren sich in den hin-\ntersten Winkeln des Saales. Dann zitterten die\nersten Töne, als fürchteten sie sich vom Podium\nherabzusteigen. Mild und gedämpft wie ein Grei-\nsenlächeln kamen und verschwanden sie. Wenn\neiner einmal das Verlangen hatte, stark und fröh-\nlich aufzujubeln und hinauszugehen in die präch-\ntige Weite, dann sah er bald ein, daß er dazu nicht\ngeboren war und legte sich nieder und starb. Es\nwar sehr, sehr rührend, wie ergeben in ihr Schick-\nsal diese Töne starben; sie waren so unendlich\nzart, daß auch der unempfindlichste Mensch Mit-\nleid mit ihnen haben mußte. Sie flehten, als sie\nschon tot waren, noch um ein Lächeln, das ihren\nUntergang verklären sollte. Sie waren ganz Seele\nund konnten wohl in dem hingegebenen Zuhörer\ndie Täuschung erwecken, das Reich des Körper-\nlichen sei zu Ende und das Reich der Seele habe\nseinen Anfang genommen.\nAlle Menschen saßen unter dem Bann dieser\nhingehauchten Töne. In den Gesichtern zeigte\nsich eine Hilflosigkeit, die verriet, daß die Men-\nschen mit der Schönheit dieser Musik eigentlich\nnichts anzufangen wußten. Die laute Art dieser\nKleinstadtbewohner erstaunte vor solcher vor-\nnehmen Dämpfung und setzte einige Minuten aus.\nSo war die Stille keine Folge einer tiefen Andacht,\nsondern einer großen Verwunderung. Eva, die\nvon Musik nichts verstand, saß mit gesenktem\nHaupt, die Hände im Schoß gefaltet. Sie war zu-\nfrieden. Sie hatte mit dem Geliebten eine Stunde\ntoller Freude verbracht, er hatte ihr einen sehn-\nlichen Wunsch erfüllt. Jetzt fühlte sie sich erst\nauf dieselbe Stufe gehoben, auf der die Bevorzug-\nten standen. Die Stunde war der feierliche Akt,\ndurch, den sie aus einer Bürgerin in eine Frau ver-\nwandelt wurde. Sie hatte bis zu dieser Stunde\nimmer die Empfindung gehabt, der Geliebte stehe\nüber ihr, sei vornehmer und edler als sie. Wie\ndankbar war sie jener Stunde. Wie stolz war sie"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10370, "texte": "gewesen, als ihr der Geliebte ihr eigenes Wesen\nerschloß und ihr zeigte, daß sie viel reicher und\nschöner und gütiger als die andern sei. Ein Jubel\nwar in ihr. Die Zukunft erschien ihr in goldenem\nLicht; bewundert, beneidet würde sie durch das\nLeben gehen als die Gattin eines berühmten Man-\nnes. Freudig würde sie dieser Stadt den Rücken\nkehren, die ihre Heimat war. Sie wollte hinaus\nin die großen Städte, wo die Menschen anders\nwaren.\nDer Beifallsjubel, der hinter ihr aufrauschte,\nriß sie aus ihren aufrührerischen Gedanken.\nLächelnd blickte sie den Geliebten an —: Du, wir\nverstehen uns, sagte dieses Lächlen, wir sind viel\nzu gut für diese Menschen, du! So schnell war Eva\nHermann stolz und selbstbewußt geworden.\n— Ich habe während des ganzen Stückes eine\nder Gasflammen an der Rampe betrachtet, erzählte\nder Künstler, als sie Arm in Arm der hinausströ-\nmenden Menge folgten. Zum ersten Male ist mir\ndie Schönheit der Gasflamme aufgegangen. Es ist\nzitternde Musik. Man leidet, wenn man sieht, wie\ndieses Licht etwas unendlich Herrliches sagen\nmöchte und doch nur zittern kann.\nSie schritten wieder durch die schwatzenden\nund lachenden Menschen im Garten. Ganz hinten,\nunter zwei besonders mächtigen und ehrwürdigen\nBäumen, stand ein größerer Tisch, der für den\nDirektor und seine Freunde frei gehalten war. Der\nkleine Mann mit dem verwitterten Faungesicht\nsaß schon dort, lebhaft auf zwei seiner Lehrer ein-\nredend, eine verschmitzte Freude um Mund und\nAugen. Er sprang auf, als er den Künstler heran-\nkommen sah und führte ihn zum Ehrenplatz an\neinem Ende des langen Tisches. Nach und nach\nkamen noch einige Freunde des Direktors mit\nihren Frauen; es waren zwei oder drei der reichen\nKaufleute der Stadt, ein Buchdruckereibesitzer,\nbei dem die Programme gedruckt wurden, ein\nalter Major a. D., der in seiner Vaterstadt von sei-\nner Pension lebte und der zärtlichste Uatte war,\nden man sich denken kann. Auch der junge Pastor\nkam mit seiner unscheinbaren Gattin. Alle ver-\nstanden ein wenig von Musik und fühlten sich\nfroh und bedeutend, wenn sie mit den Künstlern\nzusammensitzen konnten. Zuletzt erschienen einige\nLehrer und Lehrerinnen des Konservatoriums.\nFortwährend mußte sie zwischen diesen Kleinstadt-\nbewohnern einhergehen, fortwährend hatten sie\nnur die wenigen Kollegen und Kolleginnen, mit\ndenen sie über Kunstfragen sprechen konnten. Er\nbedeutete für sie in der Enge, in der sie leben muß-\nten, die Welt, die zu ihnen kam.\nJohannes sprach von der Zukunft der Musik,\nvon ihrer Mission, den Menschen eine Erlösung zu\nwerden. Zuerst sprach er nur zu Eva und dem\nDirektor; allmählich wurden alle aufmerksam, und\nendlich mußte er ganz laut reden, als hielte er einen\nVortrag. Er saß mit leichtaufgestützten Ellbogen;\nseine Hände ruhten auf der Tischplatte. Die fei-\nnen aristokratischen Finger tänzelten manchmal\nüber das Glas; dann klang ein leiser singender\nTon. Das schmale Gesicht mit den großen dun-\nkeln Augen stand ruhig in der halbhellen Luft. Er\nsprach ohne erregte Bewegungen, schlicht und\nfreundlich, als erzählte er einer Schar von Kindern\ndie Wunder einer Märchenwelt.\n— Wir stehen |Vor einer Wendung, sagte Johan-\nnes. Nun muß es sich entscheiden ob wir eine\nKunst haben werden oder nicht. Die Musik ist den\nMenschen heute nur eine Unterhaltung. Sie er-\nleben sie nicht mehr, sie genießen sie nur. Sehen\nSie, was heute an Musik geschaffen wird! Die Mu-\nsik ist diesen modernen Komponisten keine Ver-\nkünderin mehr, sondern eine lustig hüpfende Soub-\nrette. Ein Flackern ist sie ihnen, keine reine, ruhig\nund klar emporbrennende Flamme. Ein schrilles\nGelächter, nicht das frohe, tiefe, gütige Lachen\neiner heiter-ernsten Seele.\nHärte und klares Ausschreiten; die Sehnsucht\nnach Einfachheit muß erfüllt werden. Alles ist\nMusik; aber dies wissen die Menschen nicht mehr.\nGott ist die Quelle, aus der alle Musik hervor-\nströmt. Man muß in Richard Wagner zwar den\ngenialen Schaffenden verehren, sein Werk aber\nunbarmherzig verurteilen. Richard Wagner war\nein Irrweg. Die schwächer waren als er, gingen\nnoch weiter in die Irre.\nWeltentrücktheit braucht die Kunst. Alle Kunst\nist ein Ahnen übersinnlicher Welten. Die Glut\ngroßer Erlebnisse, das ist der Inhalt der neuen\nKunst.\nSeine Stimme war immer machtvoller und hin-\nreisender geworden. Jetzt, da er schwieg, spannte\nsich ein langes Schweigen aus. Sogar an den\nnächsten Tischen waren sie still geworden und\nwußten nicht, was sie beginnen sollten. Eva griff\nin großer Freude nach der Hand des Geliebten und\ndrückte sie. Er wandte den Kopf nach ihr und\nlächelte sie an. Dies wirkte wie eine Erlösung.\nJetzt schwirrten auf einmal mehrere Stimmen zu-\ngleich auf, in die Gestalten kam Bewegung, die\nsich nach der feierlichen Ruhe übertrieben aus-\nnahm. Man beglückwünschte den Künstler, viele\nHände streckten sich ihm entgegen. Auch die Zu-\nhörern, die ihn nicht verstanden hatten, beglück-\nwünschten ihn. Der Direktor dankte dem Künst-\nler in einer kleinen Ansprache für den Genuß und\ngelobte, ein treuer Verfechter der neuen Kunst zu\nsein. Er vergaß, daß er die neue Kunst eigentlich\nnoch gar nicht kannte. In seiner Begeisterung ver-\nschrieb er sich und das Konservatorium dem\nKünstler, ohne Zögern ergriff er das Neue, das\nwerden sollte; er war eine ungestüme Natur, die\nnicht am Alten hängen bleiben mochte, sondern in\nden Reihen derer stand, die ihrer Zeit vorauseilten,\nalte Begriffe umstürzten und neue schufen. Nicht\ndie geringste Pietät lebte in ihm.\nDer Buchdruckereibesitzer sagte mit einer\nöligen Stimme zu dem alten Major:\n— Das ist ein schurriger Kerl, Major. Wie?\nDer alte Major riß an seinem schlohweißen\nSchnurrbart und antwortete stramm:\n— Auch meine Ansicht, Herr Konrad! Is jeden-\nfalls nich beim Militär gewesen.\nUnd wo die drei reichen Kaufleute saßen, erhob\nsich ein eifriges Getuschel.\n— Was ist er denn? tuschelte der eine.\n— Gar nichts weiter ist er! tuschelte der andere.\nUnd der dritte setzte begütigend hinzu:\n— Na, denn wird er wohl genug zum leben\nhaben.\nDie Lehrer und Lehrerinnen des Konservato-\nriums schwelgten in der Pracht seiner Worte und\nGedanken. Sie fühlten sich für die nächsten Tage\ngestärkt und gerüstet gegen alle spießbürgerliche\nKleinlichkeit.\nJohannes verabschiedete sich. Er freute\nsich des Ganges durch die Klarheit der hohen\nSommernacht und ahnte reiche innere Er-\nlebnisse. Er zog sich in sich selbst zu-\nrück und schloß sich gegen alle äußeren Eindrücke\nab, wie er es jedesmal tat, wenn er fühlte, daß sich\nErlebnisse in ihm zu regen begannen. In solchen\nAugenblicken erschien er jedem Oberflächlichen\nunhöflich; alle, die seine Ehrfurcht vor den innern\nErlebnissen nicht begriffen, konnten nicht seine\nFreunde sein. Jetzt hatte er das Gefühl, als schüt-\ntele er die Stadt, die Enge von sich ab; die Worte\ndes Arbeiters und die Ausblicke wirkten in ihm\nnach und setzten ihn als Ganzes der Stadt als Gan-\nzem gegenüber. Das machte ihn unendlich kraft-\nbewußt und weckte den heiligen Trotz. Er hatte\ndas Bedürfnis, ganz allein zu sein, wenn die Vision\ndieses ganzen Tages, hinaufgehoben in die Unbe-\ngrenztheit großer Schicksale und Taten, än ihm\nvorüberzog.\nEr schritt mit dem Mädchen durch die schlafen-\nden Straßen. Die Sommernacht duftete um sie her;\nüber den Häusern dämmerten die Spitzen der\nBerge in zerfließender Sanftheit. Sie hatten jetzt\nalles Heldenhafte, das sie am Vormittag veredelt\nund erhöht, verloren und lagen wieder klein und\ngeduckt unter dem hohen Himmel. Es schmerzte\nden Künstler, Sie waren in seiner Vorstellung\ngroß und erhaben geworden im tragische Bewußt-\nsein eines nahen Untergangs, nun sanken sie vor\nihm zusammen, unfähig, die Größe, die er ihnen\nzugeteilt hatte, zu tragen.\nDas Mädchen plauderte ihre Freude aus. Ihre\nStimme strahlte vor Entzücken. Die Erinnerungen\nberauschten sie: der fröhliche Nachmittag, der\nleuchtende Abend inmitten der starrenden Men-\nschenmenge und später bei Männern und Frauen,\ndie zu dem Geliebten hinsahen als zu einem, der\nüber ihnen stand.\nIch möchte in diesen heißen Tagen mit dir auf\ndem Gut deines Vaters sein ... Du hast mir soviel\ndavon erzählt, von den roten Sonnenaufgängen\nund den blauen Abenden . . .\nSie schmiegte sich an ihn und sah von unten\nzu ihm auf wie ein bittendes Kind.\nJohannes lächelte aus seinen stürmenden Ge-\ndanken, aus seiner Gier nach einem Alleinsein mit\nder klaren Sommernacht ein wehmütiges Lächeln.\n— Vor einigen Tagen sagte ich dir, wir würden\nnoch vor der Reise nach Leipzig zwei oder drei\nWochen bei meinem Vater verleben. Wie freute\nich mich darauf! Mein Vater sollte sich endlich\nmit dem Gedanken, daß ich Musiker geworden bin,\naussöhnen. Ich zweifelte nicht daran, daß ich nach\nVollendung meines Werkes erschöpft sein würde.\nNun weiß ich aber, daß ich frischer und schaffens-\nfroher; bin als vorher. Es sind mir an diesem Tage\nsoviele Offenbarungen zuteil geworden, daß ich\nnicht müßig sein kann. Vor allem darf ich mich\njetzt nicht in die Stille des väterlichen Gutes ver-\ngraben, siehst du. Diese Stadt hat sich mir aufge-\ndrängt, das Leben in ihr fordert unabweislich von\nmir, daß ich mein neues Werk aus ihm herleite; es\nwill der Grundton sein, auf dem sich alle Motive\naufbauen sollen.\nEine schwüle Beklommenheit stand zwischen\nihnen, als sie einander vor dem Tor Gute Nacht\nsagten. Johannes ahnte, daß etwas die Geliebte\nverstimmt habe, ohne daß es ihm zum quälenden\nBewußtsein wurde. Das Mädchen war unbefrie-\ndigt von diesem Ausgang des prächtigen Tages.\nSie preßte die Zähne in die Unterlippe und sprach\nnicht mehr. Schweigend standen sie eine Weile vor\ndem hohen Tor und blickten hin und wieder zu den\nFenstern im ersten Stock, von denen zwei noch\nerleuchtet waren: da saß der Vater über der Zei-\ntung eingewickelt in grauen Pfeifenqualm und er-\nwartete die Tochter. Und während sie so in\nSchweigen stand, dachte Eva an ihre Eltern: ihr\nLeben war ein Uhrwerk, das jeden Morgen auf-\ngezogen wurde und jeden Abend ausschnurrte.\nEr küßte sie im Schatten des Torwegs und\nfühlte wieder, wie jeden Abend die Wärme ihres\nschönen Leibes und begehrte sie. Und wieder\nschmerzte ihn ihre Scheu, sich ihm hinzugeben,\nbevor sie sein Weib war. Er konnte die dumpfe\nAhnung nicht von sich abwehren, in die Leiden-\nschaft der Geliebten sei auch viel Berechnung ge-\nmischt. Er riß sich los und ging hinein in die\nSommernacht. Das fröhliche Lachen des Mädchens\nlief hinter ihm her und verfolgte ihn zwischen den\nHäuserreihen mit einer zähen Beharrlichkeit."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-09-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-09_02#c010", "volume": "bmtnabg_1913-09_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.8", "debut_caractere": 500, "fin_caractere_exclue": 1107, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSiebzehnte Ausstellung\nSkulpturen und Zeichnungen von\nAlexander Arehipenko\nGeoffnet taglich yon 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. 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Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Munter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nf\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / PortrSt Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngrfindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Qegen»\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen~\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n1>0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire;\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes fiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 / Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Vereis\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugest&llt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark,\nGeschSftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny I Prager Kunstwerk-\nstatte fur neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nThe Lantern: Eine Monatsschrift / Die\namerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jfinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA\nVerein iiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS SEPTEMBER 1913\nNUMMER 178/179\n\nInhalt:\nKandinsky: Malerei als reine Kunst / Blaise Cendrars: Le douanier Henri Rousseau / Joseph Tress: Gedichte / Hugo Engelbert Schwarz: Ele-\ndie gelbe Maus / Hegner: Das Bildnis des Marcel Schwöb und seine Grabschrift / Arthur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / Curt Stoer-\nmer: Originalholzschnitt / Storm-Petersen: Originalholzschnitt\n\nCurt Stoermer: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.2", "texte": "Malerei als reine Kunst\nKandinsky\nInhalt und Form\nDas Kunstwerk besteht aus zwei Elementen:\naus dem in n e r n und aus dem äußern.\nDas innere Element, einzeln genommen, ist die\nEmotion der Seele des Künstlers. Diese Emotion\nhat die Fähigkeit, eine im Grunde entsprechende\nEmotion in der Seele des Beschauers hervorzu-\nrufen.\nSolange die Seele mit dem Körper verbunden\nist, kann sie in der Regel Vibrationen nur durch\ndie Vermittlung des Gefühls empfangen. Das Ge-\nfühl ist also eine Brücke vom Unmateriellen zum\nMateriellen (Künstler) und vom Materiellen zum\nUnmateriellen (Beschauer).\nEmotion — Gefühl — Werk — Gefühl —\nEmotion.\nDas innre Element des Werkes ist\ns e i n I n h a 11. So muß die Seelenvibration vor-\nhanden sein. Wjenn es nicht der Fall ist, so kann\nkein Werk entstehen. Das heißt, es kann nur ein\nSchein entstehen.\nDas innere Element, von der Seelenvibration\ngeschaffen, ist der Inhalt des Werkes. Ohne In-\nhalt kann kein Werk existieren.\nDamit der Inhalt, der erst „abstrakt\" lebt, zu\neinem Werk wird, muß das zweite Element — das\näußere — der Verkörperung dienen. Deshalb\nsucht der Inhalt nach einem Ausdrucksmittel, nach\neiner „materiellen\" Form.\nSo ist das Werk eine unvermeidliche, unzer-\ntrennbare Zusammenschmelzung des inneren und\ndes äußeren Elements, d. h. des Inhaltes und der\nForm.\nDas bestimmende Element ist das des Inhalts.\nEbenso wie nicht das Wort den Begriff bestimmt,\nsondern der Begriff das Wort, bestimmt auch der\nInhalt die Form: die Form ist der mate-\nrielle Ausdruck des abstrakten In-\nhaltes.\nDie Wahl der Form wird also durch die\ninnere Notwendigkeit bestimmt, die\nwesentlich das einzige unveränderliche Gesetz\nder Kunst ist.\nEin in der bezeichneten Weise entstandenes\nWerk ist „schön\". So ist ein schönes Werk\neine gesetzmäßige Verbindung der\nzwei Elemente der inneren und der\näußeren. Diese Verbindung verleiht dem Werk\ndie Einheitlichkeit. Das Werk wird zum Subjekt.\nAls Malerei ist es ein geistiger Organismus, der,\nwie jeder materielle Organismus, aus vielen ein-\nzelnen Teilen besteht.\nDiese einzelnen Teile sind isoliert genommen\nleblos, wie ein abgehauener Finger. Das Leben\ndes Fingers und seine zweckmäßige Wirkung ist\ndurch gesetzmäßige Zusammenstellung mit den\nübrigen Körperteilen bedingt. Diese gesetz-\nmäßige Zusammenstellung ist die\nKonstruktion.\nDem Naturwerk gleich unterliegt auch das\nKunstwerk demselben Gesetze: der Konstruktion.\nDie einzelnen Teile werden nur durch das Ganze\nlebendig.\nDie unendliche Zahl der einzelnen Teile in der\nMalerei zerfallen in zwei Gruppen:\ndie zeichnerische Form und\ndie malerische Form.\nDas plan- und zweckmäßige Kom-\nbinieren der einzelnen Teile aus\nbeiden Gruppen hat zur Folge das\nBild.\nNatur\nWenn wir diese beiden Definierungen (Be-\nstandteile des Werkes und speziell des Bildes)\nan einzelnen Werken anwenden, so stoßen wir\nauf eine scheinbar zufällige Anwesenheit fremder\nBestandteile des Bildes. Das ist die sogenannte\nNatur. Die Natur hat in unseren beiden Defi-\nnierungen keinen Platz bekommen. Woher\nkommt sie in das Bild?\nDer Ursprung der Malerei ist der jeder an-\nderen Kunst gewesen und der jeder menschlichen\nHandlung. Er war rein praktisch.\nWenn ein wilder Jäger tagelang ein Wild ver-\nfolgt, so bewegt ihn dazu der Hunger.\nWenn heute ein fürstlicher Jäger ein Wild\nverfolgt, so bewegt ihn dazu das Vergnügen. Wie\nder Hunger ein körperlicher Wert ist, so ist hier\ndas Vergnügen ein ästhetischer Wert.\nWenn ein Wilder zu seinem Tanz künstliche\nGeräusche braucht, so bewegt ihn dazu der sexu-\nelle Trieb. Die künstlichen Geräusche, aus denen\ndurch Jahrtausende die heutige Musik entstand,\nwaren für den Wilden eine Anregung zur weibs-\nleutebedürftigen Bewegung, die wir heute Tanz\nnennen.\nWenn der heutige Mensch ins Konzert geht, so\nsucht er in der Musik kein praktisches Hilfsmittel,\nsondern das Vergnügen.\nAuch hier ist der ursprüngliche körperlich-\npraktische Trieb zum ästhetischen geworden. Das\nheißt, auch hier ist aus dem ursprünglichen Be-\ndürfnis des Körpers das der Seele geworden.\nBei dieser Verfeinerung (oder Vergeisti-\ngung) der einfachsten praktischen (oder körper-\nlichen) Bedürfnisse lassen sich durchweg zwei\nFolgen bemerken: das Absondern des geisti-\ngen Elementes vom körperlichen und; seine weitere\nselbständige Entwicklung durch die verschie-\ndenen Künste entstehen.\nHier greifen allmählich und immer präziser die\noben erwähnten Gesetze (des Inhaltes und der\nForm) ein, die schließlich aus jeder Über-\ngangskunst eine reine Kunst schaf-\nfen.\nDies ist ein ruhiges, logisches, naturgemäßes\nWachsen, wie das Wachsen eines Baumes.\nMalerei\nDerselbe Vorgang ist in der Malerei zu be-\nmerken.\nErste Periode Ursprung: praktischer Wunsch,\ndas vergängliche Körperliche fest-\nzuhalten.\nZweite Periode Entwicklung: das allmähliche\nAbsondern von diesem praktischen Zweck\nund das allmähliche Überwiegen des\ngeist i g e n Elementes.\nDritte Periode Ziel: das Erreichen der höheren\nStufe der reinen Kunst; in ihr sind\ndie Überreste des praktischen Wunsches\nvollkommen abgesondert. Sie redet in\nkünstlerischer Sprache von Geist zu Geist\nund ist ein Reich malerisch-geistiger\nWesen (Subjekte).\nIn der heutigen Lage der Malerei können\nwir in verschiedener Zusammenstellung und in ver-\nschiedenen Maßen alle diese drei Kennzeichen\nfeststellen. Dabei ist das Kennzeichen der Ent-\nwicklung (der zweiten Periode) das maßgebende,\nund zwar:\nErste Periode. Realistische Malerei\n(der Realismus versteht sich hier so, wie er bis in\ndas neunzehnte Jahrhundert traditionell sich ent-\nwickelte): Überwiegen des Kennzeichens des Ur-\nsprunges — der praktische Wunsch, das vergäng-\nliche Körperliche festzustellen (Porträt-, Land-\nschafts-, Historienmalerei in direktem Sinne).\nZweite Periode. Naturalistische Male-\nrei (in der Form des Impressionismus, des Neu-\nimpressionismus und Expressionismus — wozu\nteilweise Kubismus und Futurismus gehören —):\ndas Absondern vom praktischen Zweck und das\nallmähliche Überwiegen des geistigen Elementes\n(vom Impressionismus durch Neu-Impressionlsmus\nzum Expressionismus immer stärkere Absonderung\nund immer größeres Überwiegen).\nIn dieser Periode ist der innere Wunsch, dem\nGeistigen ausschließliche Bedeutung einzuräumen,\nso intensiv, daß schon das impressionistische\n„Credo\" lautet: „Das Wesentliche in der Kunst ist\nnicht das „was\" (worunter nicht der künstlerische\nInhalt, sondern die Natur verstanden wird), son-\ndern das „wie\".\nScheinbar wird dem Überrest der ersten Pe-\nriode (Ursprung) so wenig Bedeutung beigemes-\nsen, daß die Natur als solche vollkommmen nicht\nmehr in Betracht kommt. Scheinbar wird die Na-\ntur ausschließlich als Ausgang angesehen, als ein\nVorwand, dem geistigen Inhalt Ausdruck zu\ngeben. Jedenfalls werden diese Standpunkte als\nBestandteile des „Credo\" schon von den Impres-\nsionisten anerkannt und proklamiert.\nNun ist aber in Wirklichkeit dieses „Credo\"\nnur ein „pium desiderium\" der Malerei der zwei-\nten Periode:\nWenn die Wahl des Gegenstandes (Natur) die-\nser Malerei gleichgültig wäre, so würde sie nach\nkeinen „Motiven\" suchen müssen. Hier bedingt\nder Gegenstand die Behandlung, die Formwahl\nbleibt nicht frei, sondern ist vom Gegen-\nstand abhängig.\nWenn wir aus einem Bilde dieser Periode\ndas Gegenständliche (Natur) ausschalten und das\nrein-künstlerische dadurch allein im Bilde las-\nsen, so bemerken wir sofort, daß dieses Gegen-\nständliche (Natur)) eine Art Stütze bildet ohne die\ndas rein künstlerische Gebäude (Konstruktion) an\nFormarmut zusammenbricht. Oder stellt es sich\nheraus, daß nach dieser Ausschaltung nur vollkom-\nmen unbestimmte, zufällige und existenzunfähige\nkünstlerische Formen (im embryonalen Zustand)\nauf der Leinwand bleiben. So ist in dieser Malerei\ndie Natur (das „was\" im Sinne dieser Malerei)\nnicht nebensächlich, sondern wesentlich.\nDieses Ausschalten des praktischen Elementes,\ndes Gegenständlichen (der Natur), ist nur in dem\nFalle möglich, wenn dieser wesentliche Bestand-\nteil durch einen anderen ebenso wesentlichen Be-\nstandteil ersetzt wird. Und das ist die rein-künst-\nlerische Form, die dem Bilde die Kraft des selb-\nständigen Lebens verleihen kann und das Bild\nzum geistigen Subjekt zu erheben imstande ist.\nEs ist klar, daß dieser wesentliche Bestandteil\ndie oben beschriebene und definierte Konstruk-\ntion ist.\nDieses Ersetzen finden wir in der heute be-\nginnenden dritten Periode der Malerei —\nKomposi t i o n e 11 e Malerei\nNach dem oben angegebenen Schema der drei\nPerioden sind wir also an die dritte angelangt, die\nals Ziel bezeichnet wurde.\nIn der komposi t i o n e 11 e n Malerei,\ndie sich heute vor unseren Augen entwickelt, sehen\nwir sofort: die Kennzeichen des Erreichens der\nhöheren Stufe der reinen Kunst, in der die\nÜberreste des praktischen Wunsches vollkommen\nabgesondert werden können, die in rein-künstle-\nrischer Sprache von Geist zu Geist reden kann und\ndie ein Reich malerisch-geistiger Wesen (Sub-\njekte) ist.\nDaß ein Bild dieser dritten Periode, das keine\nStütze im praktischen Zweck (der ersten Periode)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.3", "texte": "oder in dem gegenständlich unterstützten geistigen\nInhalt (der zweiten Periode) hat, nur als konstruk-\ntives Wesen existieren kann, soll jedem ohne wei-\nteres klar und unverrückbar erscheinen.\nDas heute stark (und immer stärker) sich zei-\ngende bewußte oder auch noch oft unbewußte\nStreben, das Gegenständliche durch das Konstruk-\ntive zu ersetzen, ist jdie erste Stufe der beginnen-\nden reinen Kunst zu der die vergangenen Kunst-\nperioden unvermeidlich und gesetzmäßig waren.\nIn dieser Kürze versuchte ich, die gesamte Ent-\nwicklung und die heutige Lage ganz besonders in\ngroßen Zügen schematisch zu behandeln.\nDaher die vielen Lücken, die offen bleiben müs-\nsen. Daher das Verschweigen der Seitengänge\nund Sprünge, die in jeder Entwicklung so unver-\nmeidlich sind, wie die Seitenäste am Baum, trotz\nseinem Streben nach oben.\nAuch die weitere Entwicklung, die der Malerei\nbevorsteht, wird noch viele scheinbare Wider-\nsprüche, Ablenkungen erdulden so wie es in der\nMusik war, die wir heute schon als reine Kunst\nkennen.\nDie Vergangenheit lehrt uns, daß die Entwick-\nlung der Menschheit in der Vergeistigung vieler\nWerte besteht. Unter diesen Werten nimmt die\nKunst den ersten Platz ein.\nUnter den Künsten geht die Malerei den Weg,\nder sie vom Praktisch-Zweckmäßigen zum Geistig-\nZweckmäßigen führt. Vom Gegenständlichen zum\nKompositionellen.\n\nLe douanier Henri\nRousseau\nBlaise Cendrars\nRadieuse et gauche, empruntee et raffinee,\nl'oeuvre de Henri Rousseau defie toute critique\nautoritaire ou systematique. Ce peintre est d'une\ncomplexion ambiguee; chaque tableau est un etat\nd'äme unique. II faut avoir des sens pour le com-\nprendre. II s'agit d'etre sensuel, de ressentir,\nde parvi vre chaque tableau, — afin que\nJ'aventure compte dans l'interrompue chaine de\nsensations qu'est la vie. II faut sentir. L'onde\ndes sublimes frissons se propage de centre en\ncentre, et, gräce ä un jeu multiple d'analogies et\nd'associations, Ton finit par comprendre! II faut\naimer. Le cerveau, ce soleil, resplendit tout le\njour sur la mer pourpre du coeur. C'est äla con-\ntemplation de cette vie interieure qu'il doit sa\nclarte, sa grandeur et son calme. II s'y delaie\näfin d'allumer la grande passion nocturne, l'effro-\nyable gauillement des etres, des sentiments et\ndes idees. La vie est du soleil qui pourrit. Le\nsentiment, du cerveau en putrifescence. La mer\nest le sein de la nature. Le coeur, le soleil noir\ndu monde. Sursum corda!\n%\nII faut aimer. Depuis trop longtemps dejä, le\ncritique est beaucoup trop raisonnable. II ne sait\npas aimer. II n'est pas erotique; donc is n'est pas\nprofond et n'est jamais en passion. Or, 1 a plus\nhaute passion estlapassion de soi-\nmeme en pleine sincerite. — Le cri-\ntique n'a pas eu de personnalite jusqu'ici. II ne se\nmontre jamais. A l'etroit entre la double carapace\nde la methode et du dogme, il avance un front\nmyope, qu'il heurte, obstinement, au meme para-\ngraphe du code. II salive, aigrelet; lache du fiel\ncomme ä travers un entonnoir. Prudent et fourbe,\nil a les levres aigues comme un bec de tortue.\nJamais il n'a encore ouvert les ecluses du trop-\nplein, afin que le flot bondisse, magnifiquement,\ndans un remue-menage d'images et de sourdes\nmenaces qui eveilleraient les plus profonds echos\ndu fleuve. La vie, pour lui, n'est qu'un pipi; — il\na honte d'y tremper, — et il a peur de l'avoir fait.\nStendhal et Pascal, Suarez et Baudelaire ont\nabondamment demontre la peinurie de la sensibilite\nfrancaise. Et jusqu'ä present, le Frangais a ete le\ncritique d'art par excellence! Diderot Taine et\nPaul de St. Victor, Sainte-Beuve, Monsieur Faguet,\nDoumic; Cousin, Thiers — eux tous papillonnent\net folichonnent autour de l'art; se meuvent, tels\nque des eventails. La. gräce frangaise! C'est ä eile\nque nous devons cet enervant affichage de sensi —\ntives evaporees et doucätres dans l'art decoratif,\nl'introduction du feminisme dans l'art moderne. II\nest temps d'ecarter ces bergeronnades pämorsons\nerubannees de cris de flüte et de montrer l'homme\nnu interieur.\nQu' importe le sujet d'une oeuvre d'art, Geor-\nges Polti a fixe 36 situations dramatiques, qui,\nelles-memes, se resument ä trois fondamentales.\nEt pourtant, le critique se complait toujours ä\nl'anecdote. II ne se lasse pas de raconter la tou-\njours meme histoire. II cancanne. II cancanne.\nAu fond, il n'y a que la technique qui importe.\nMais eile aussi n'est pas du ressort de la critique.\nLes analyses erudites, indigestes et balourdes des\nprivatdocent allemands le prouvent. En poesie, la\ntechnique est enfin personnelle, eile a conqui tous\nses droits. Aujourd'hui, chaque poete fabrique lui-\nmeme son instrument. Avec beaucoup d'amour, les\nartisans d'autrefois foconnaient leurs outils de\nleurs propres mains. Toute dissertation sur la\ntechnique est vaine. II n'y a pas une science de\nl'homme; donc il n'y a pas une science de l'Art. En\nouvrant la premiere academie ä Milan. Leonard\nda Vinci a commi une funeste erreur. II a intro-\nduit le dans l'art. Et c'est peut etre ä cause\nde lui que nous souffrons comme dans un höpital.\n„La philosophie de la composition\nde Poe, cette mere ironie, en est un memorable\nexemple.\nOn aime ou on n'aime pas. On sent ou on ne\nsent pas. On vit ou on ne vit pas. Le röle du\ncritique est excessivement simple. II doit etre\nemu et nous traduire son emotion. La critique est\noeuvre de createur. C'est dans ce sens que la\ncomprennait Walter Pater. La critique, c'est la\nnature dans l'art vue par un temperament humain.\nII n'y a qu'une seule critique: la musique, dit\nl'oeuvre pathetique du douanier Henri Rousseau.\n\nGedichte\nIch zerstampfe\nVon Josef Tress\nklammern mag.\nMeine Seele wächst leis wie die Blumen,\nDoch ihr Odem wird von den Wölfen besudelt\nUnd vom nordischen Wind über Nacht.\nMeine Seele wächst unter der Schneedecke.\nUnd wird in ein schreiendes Land verkauft,\nZermalmt von Flüchen und Felsblöcken.\nIch zerstampfe meiner Ahnungen Saat.\nMeine Seele blüht in den blausten Blumen,\nWann die Sterne den letzten Traum träumen.\nIch zertrete meine Gartenbeete.\nBauern\nWann die Bauern die Fäuste zur Arbeit falten,\nDie Helden der Herzlosigkeit,\nUnd mit traumenterbten Pestaugen\nDas kornschwangere Ackerreich spalten,\nDann zertreten sie meinen spielenden Traum. |\nDoch manche fleischwarme Bauernbrust\nBesetzen abends weichfingrige Nachtfalter,\nUnd in den Tiefen pflügt ein Pilgersmann , .\nDaß der Sohn vom harten Tag\nDas Knie der schwarzen Stunde scheu um-\n\nElezagal, die gelbe Maus\nVon Hugo Engelbert Schwarz\nEs war eine Maus in Florenz. Die hatte ein\ngelbes Kleid, das sie nie ablegte. Sie hieß Eleza-\ngal und wohnte im Palazzo Pitti. Sie war eine\nauffallende Person, auch war sie jung und trug\nihr gelbes Kleid so schick, wie irgend eine Pa-\nriser Mondaine. Es war kein Wunder, daß ihr alle\nMänner nachliefen, und da sie alles Glück vom\nirdischen Leben erhoffte, führte sie ein Leben,\nüber das alle Philister nicht mehr sagten, als hem,\nhem . . Aber der Augenaufschlag dabei! — So\nein Leben führte also die Maus Elezagal. Und es\nist nicht zuviel gesagt, daß sie an einem Tage ein\nDutzend Herren an ihren Busen drückte. Da-\nmals war Diskretion nicht modern. Im Gegenteil,\nElezagal legte Wert darauf, berühmt zu werden.\nGanz Florenz war verrückt geworden und in der\nWelt gab es keine größere Schande, als bei Ele-\nzagal kein Glück gehabt zu haben. Der Papst war\nselbst aus Rom gekommen und die Christenheit\nkonnte beruhigt aufatmen, als er ex cathedra ver-\nkündigte, daß Elezagal liebenswürdig war und\ndaß das gelbe Kleid einen herrlichen Anblick bot,\nwenn .... Aber die letzten Silben dieser Er-\nklärung mußte sich jeder denken. So erfreute\nsich Elezagal eines großen Zuspruchs. Die Welt\nversammelte sich in ihrem Schloß. Sie aber ward\nreich und mächtig, ganz so, wie es noch heute\nzu geschehen pflegt. Aber es war nicht das dicke\nScheckbuch, es war auch nicht das 70-HP-Auto-\nmobil, noch war es die Anzahl der Liebhaber,\ndie Aergernis erregten. Es war das gelbe Kleid,\neinzig und allein die gelben Dessous und die gel-\nben Dinge im allgemeinen, die Elezagal verhaßt\nmachten bei ihren Mitbürgerinnen. Da es sich\neinmal gehörte, machten sie Besuch bei ihr.\nDenn ihr Salon war voll von interessanten Män-\nnern. Aber sie mochten ihre grauen Toiletten\ntragen, wie sie wollten, es gab nichts, was her-\nanreichte an Elezagal und an ihr gelbes Kleid.\nDa konnte nur Organisation helfen. Und die\nFreundinnen waren die ersten, die sich zusammenr\ntaten. Man war sich darüber klar, daß etwas ge-\nschehen müsse. Ganz im Geheimen war ein Ko-\nmitee tätig und binnen kurzem war alles, was\nFlorenz an mannbaren Mäusen zählte, unter einem\nHut.\nDie Generalversammlung tagte und eine Prä-\nsidentin wurde gewählt. Sie hieß Bibi und stand\nim gefährlichen Alter. Auch hatte sie Bücher ge-\nschrieben, die Männer nicht lesen konnten, ohne\nrot zu werden. Es meldeten sich zum Wort ära-\nrische Weiber, denen die Subalternoffiziere weg-\ngeschnappt waren, öffentliche Dirnen und Steuer-\nzahlerinnen, deren Erwerb bedroht war, Pfarrers-\nköchinnen, die keiner Predigt mehr teilhaftig wer-\nden konnten. Schöne und Häßliche, Lüsterne und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.4", "texte": "Gesättigte machten Vorschläge. Aber sie waren\nalle mitsammen nichts wert, denn Elezagal war\nreich und mächtig, so daß man an sie nicht heran-\nkonnte, zumal ihretwegen ein eigener Minister\nfür Fremdenverkehr eingesetzt worden war. Und\nwenn sie hätte töten können, die Hauptsache blieb.\nElezagal war gelb und die andern waren nicht\ngelb, sie konnten sich nicht Elezagal gleich setzen,\nsie blieben minderwertig. Und über Scheiterhaufen\nund Verstümmeln, Kerker und Auspeitschen kam\nman überein, daß alle Mäuse samt und sonders\nneidisch waren auf Elezagals gelbes Kleid. Und\n• _ |i - «\nindem sich alle selbst diesen Neid im Innern zu-\ngestanden, geschah das Wunder, daß alle aus\nNeid gelb wurden. Von der Präsidentin Bibi an\nbis zu der Toilettefrau, die durch eine offene Tür-\nspalte hindurch der Versammlung beigewohnt\nhatte.\nFlorenz erlebte eine Sensation. Die europä-\nische Presse veranstaltete Extraausgaben.\nElezagal selbst bewahrte die Fassung. Ihr\nManager hatte Mühe, Ordnung in den Reihen der\nBesucher zu halten, die alle kamen, um der Buhle-\nrin die Neuigkeit zu berichten. An dem Tage reg-\nnete es Gold im Hause Elezagals. Aber auch die\nandern hatten etwas davon. Denn man doch\nzumindest Vergleiche anstellen.\nDer Freundinnen Elezagals bemächtigte sich\neine erlösende Befriedigung. Zufriedenheit kehrte\nein in ihre Herzen und der Neid entfloh. Da wer-\nden sie wieder grau.\nGottseidank kam man erst darauf, als die\nMorgensonne durch die Gardinen blinkte und der\nHexensabath vorüber war.\nElezagal saß in einem Bade von lauem Sekt,\nwährend aus einer unsichtbaren Douchevorrich-\ntung ein feiner Schleier vom Korylopsis und Oppo-\nponax auf ihre Schultern fiel. Da brachte man\nihr die Nachricht von der neuesten Wendung der\nDinge.\nSie lächelte malitiös, schenkte dem Ueberbrin-\nger der Botschaft einen Beutel voll Zechinen und\nließ dann durch einen Zeremonienmeister zu sich\nladen, was Florenz aufzuweisen hatte an Leuten\nvon Rang und Namen. Hierauf ließ sie ihre Frisur\nordnen und neuen Sekt in die Wanne gießen. Sie\nselbst aber nahm ein kostbares Feigenblatt zur\nHand. So empfing sie ganz Florenz. Und während\ndie Menge begeistert von ihrer Schönheit an der\nWanne vorbeidefilierte, tauchten äthyopische Die-\nner die gelben Kleider in den dampfenden Sekt,\nUnversehrt hob man sie wieder heraus.\nDa rief man Elezagal aus zur Siegerin!\nSie blieb die einzige gelbe Maus, denn sie war\necht.\n\nDas Bildnis des Marcel\nSchwöb und seine\nGrabschrift\nVon Hegner\n\nIm Staatsarchiv grüßten ihn die Diener mit\neinem vertraulichen Nicken. Er setzte sich vor\ndas Eckfenster und hatte die Aussicht auf einen\nBaum. Die Fenster waren hochi und in viele vier-\neckige Scheiben geteilt; von der Straße drang\nkein Laut herauf; an den Nebentischen hockten\nkrumme Rücken; die Pergamente knisterten; die\nFedern eilten summend von Zeile zu Zeile; das\nLicht brach sich an den alten Mauern und wlirde\ngrau. Er tauchte unter, schwarze Haarsträhne\nblieben zurück von ihm: er war in wurmstichigen\nBerichten, stundenlang, und fast verschwunden in\nden zierlich ausgetuschten Grüften irgend einer\nKlosterhandschrift. Wenn er aufblickte, sah er\nden Baum wie künstlich, einen eingerahmten\nZweig, ein paar grüne Büschel auf silbernem\nGrund, eine Art japanischen Holzschnitt.\nSeine Augen glänzten dunkel wie altertümliche\nMetallspiegel und lagen in seinem Gesicht wie in\neiner Maske, groß, umrandet und fremd. Er sah\ndie andern als andrer: nicht von sich aus, son-\ndern von ihnen aus. Seine Blicke waren im Fer-\nnen, bei ganz bestimmten Zauberern, Gauklern\nund Verzückten, in den Weinschenken Korinths\nbei Fischhändlern, Sklaven, Flötenbläserinnen,\nauch im vorigen Jahrhundert bei Piraten, Dirnen\nund Verbrechern, in vielen Vergangenheiten bei\nHelden und Heiligen, Königen und Päpsten, und er\nerzählte ihre Begegnungen, als ob er selbst der\nFischhändler, der Sklave, der König und der\nPapst gewesen wäre. Mit ihnen erlitt er jeden\nGlauben und Aberglauben, ihre Furcht und ihren\nMut, ihren Schmerz, ihre Siege und Zweifel und\nmeldete ganz kurz, was er erlitten hatte: immer\nvon neuem ein einmaliges, unvertauschbares,\nunwiederholbares Schicksal. Er erlebte viele\nder Unzähligen, aber sich selbst als Gespenst-\nunter ihnen, nein, noch weniger, ein augenblick-\nlicher Schatten, ein Gewandfetzen, den sie be-\nrührt, die flüchtigsten Worte, die sie gesprochen,\nirgend etwas Uneiniges, das sie getan hatten. Er\nwußte genau, wie Innozenz der Dritte betete,\nals der Kreuzzug gescheitert war; dessen Hände\nwaren ihm wirklicher als seine eignen und vor\nallem lieber. In den Vorreden sprach er von\nSternen, vom Sterben, auch von Gott, den Küchen\nAgrigents und den Asphodeloswiesen der Unter-\nwelt, wo man sein Ich und seine Lyrik vergißt\nund dafür die Ruhe der Pflanzen und die Lust der\nstillen Stengel eintauscht Erkenne dich nicht,\nwar sein Gesetz, und vergiß dich. Er war ein\ngroßer Dramatiker, doch schrieb er winzige Ge-\nschichten.\nSeine Kindheit verlief auf dem Sand, in einem\ngeräumigen Haus. Vor dem Eingang war ein\nGarten und weiter eine hügelige Wiese, ein Tum-\nmelplatz für die Dorfjugend; er mischte sich nicht\nin ihre Spiele. Er war kränklich, mager und\nneigte zu häufigen Fieberanfällen. Ganz klein\nschon hielt er sich am besten in den Zimmern und\nbaute seinen Zinnsoldaten Schlösser und Burgen\naus Büchern. Aber manchmal, wenn der Lärm\nunten sehr laut wurde, verkroch er sich in eine\nDachkammer und betrachtete durch eine Luke die\nrennenden Beine, schwingenden Arme, zornigen\nLeiber. Er sammelte seine Teilnahme äuf einen\nblonden, mädchenhaftängstlichen Jungen und\nwünschte sich Riesenkräfte, um ihm beizustehen:\ner lernte ihn nie kennen. Mit fünf Jahren las er\ndas erste Märchen. Ich denke mir ihn auf einem\nTeppich liegen, mit aufgestützten Ellenbogen, einen\ngleitenden Zeigefinger auf den mächtigen Seiten\nder Doreeschen Ausgabe des Perrault. Pas war\ndie Stelle, wo die Prinzessin allein und bei Nacht\naus dem Palaste floh. Die Zeichnung zeigte sie\nauf der Marmortreppe vorwärtsschreitend und zö-\ngernd zurückgewandt: sie verließ ihr Kleid, ge-\n'webt aus der Farbe des Himmels und ihren Rock,\nbestickt mit Morgenröte, und ihren Mantel ganz\naus Sonnenuntergang. Er wartete begierig, daß\nes Abend staunte dann zum erstenmal über\ndie Wolkenschleier aus Rot und Gold und Gelb\nund hatte nun erfahren, wie der Sonnenunter-\ngang wirkt. Die Gestalten folgten ihm in den\nSchlaf. Als er krank lag und die Mutter an sei-\nnem Bette wachte, merkte sie, daß er nicht von\nihr erfüllt war, nicht von den Verwandten oder\nden täglichen Begebnissen, sondern er nannte un-\nvernommne Namen und die Taten des Mannes im\nMond. Mit zwölf Jahren verstand er Lateinisch,\nunterhielt sich mit Livius und zitterte für Hanni-\nbal. Den Unterricht empfing er von seinem\nVater. Der war ein gelehrter Mann, hatte einen\nlangen grauen Bart, aber kein Haar auf dem Kopf;\ner lachte nie, und auf Fragen gab er eine Frage\nzur Antwort; sie klang traurig, bitter oder un-\nmutig. Er erzählte ihm ausführlich vom Umsturz\nder Staaten, vom Wandel der Überzeugungen und\ndaß die Pflanzen eine Seele hätten. Wenn sie\nvor dem Kaminfeuer saßen, der Alte mit der\nHakennase und das Kind, tief in einem Lehnstuhl,\nachtete es nicht auf den redenden Mund. Es\nschaute in die Flammen, und drinnen erwiesen\nsich ihm die Worte lebendig und warmH — Warum\nsollen sie keine Seele haben? Nimm Wesen an,\ndie hätten tausend Sinne. Nimm an, sie wohnten\nauf einem Stern, und jeden Menschen hier unten\nentspräche dort oben ein Ebenbild, eine Blume.\nWenn nun die uns so überlegnen Wiesen Kränze\nwinden, werden sie nicht ihre Gewächse brechen\nund sagen: die hätten keine Empfindung? In-\ndessen stirbt hier unten einer einen gräßlichen\nTod, stürzt einer vom Dach oder ertrinkt oder\nwird ein Narr oder verliert sein Gehör, wird blind\noder verdurstet in einer Wüste. —\nAus den brennenden Scheitern ringelt® dem\nKnaben ein Kelch entgegen, wuchsen halbgeborne\nBeete, ungewiß entstehende und nie verweilende,\nzuckten die Rosen des nächsten Sommers und\nendlich Karawanenzüge kämpfender, verschmach-\ntender Krieger. Bald darauf, als er allein in die\nFlammen sann, wo waren da die Gebilde? In\nder Aschenglut erschien ihm der greise Mund des\nVaters und rührte ihn zu Tränen. Er lief hin und\nwollte ihm helfen. Aber als er vor dem aufgestört\nFragenden stand, erbat er sich eine Auskunft über\nJahreszahlen. Und im Frühling verlieh er dem\nGarten den Wert der Erde, spaltete ihn in die\nWeltteile, begabte die Bäume mit der Macht ver-\nschollner Herrscher und unternahm durch das\nUnkraut wilder Völker und durch das Gebüsch\nwiderstrebender Häuptlinge, wenn es das Wetter\nerlaubte, gefährliche Reisen. Den äußern Plan\nübertrug er auf das Innre des Hauses, und es war\nkeine Stelle mehr, kein Waschbecken, kein Kas-\nten, die nicht zum Ersatz gedient hätten für einen\nBerg, einen See, einen Gegner. Dann verlor er\nden Vater, er verlor ihn früh, mitten in grie-\nchischen Unterweisungen, und kam in die Groß-\nstadt.\nEr las unermüdlich, so wie ein andrer uner-\nmüdlich Kranke pflegt oder Schürzen verkauft\noder Villen baut. Es kann sein, daß ihn die Er-\nwähnung eines Geschmeides, einer Wendeltreppe\nzugleich an Räuber, die Schätze des Morgenlan-\ndes und verfallne Türme gemahnte; das kann\nsein; er kletterte auf Masten und grub Gold und\nschlug kräftig auf den Tisch in Matrosenkneipen:\nMasten, die längst verfault, Goldklumpen, die\nlängst vertan, Matrosenkneipen, die längst abge-\nbrochen waren; und wenn er von einer Schwalbe\nlas, daß er weißgetupfte Porzellanglocken klingen\nhörte. Aber er stieß auf Bücher, die nicht gele-\nsen werden können und die wie Kochbücher sind,\nsinnlos, wenn man sie nicht anwendet Da war\ndie Stadt eine Maske, jedes Haus eine Verkleidung\nund die Menschen verschanzt hinter Worten und\nGebärden. Wäre man doch ein Soldat, auf die\nDauer eines Wimpernschlags wirklich und inner-\nlich ein Soldat, arm, von der Sonne gebräunt, ein\nGewürzherr, ein Kaufmann, eine einfache Frau,\nirgendeine im Kreis ihrer Kinder, oder ein Mäd-\nchen, schlank und verschleiert, wie es in den La-\nden eines Zuckerbäckers tritt, den Schleier hoch-\nhebt, in einen Kuchen beißt, einen Schluck Was-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.5", "texte": "Storm-Petersen: Originalholzchnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.6", "texte": "ser trinkt und vornübergebeugt ausharrt. Zeigt\neine Maske, fragte er, bezeugt sie nicht, daß es\nGesichter gibt? Er las die Masken und erkannte\nden Soldaten, wie sich der Soldat im Spiegel er-\nkennt, nicht mehr und nicht weniger, und da 9\nMädchen, wie sich das Mädchen im Spiegel er-\nkennt. Er zur Wohltätigkeit ganz Unfähige, Un-\nwillige, Ungeeignete drang in die ihm entlegensten\nBerufe, Zustände, Gefahren. Er wurde immer\nweniger Einsiedler, immer mehr ein Vielsiedler,\nohne Zelle, ohne Eitelkeit. Der Mörder war ihm\nso schön wie das Opfer. Er bewies es, indem er\nsie beichtete; indem er sie wiederholte; indem\ner seine Sätze, bevor er sie hinschrieb, lange wog\nund wie ein Goldschmied seine Steine: sehr ge-\nnau. Es waren, in den geatmeten Ausdruck ge-\nzwungen, ein paar stürmische Lebensläufe, rasende\nwie Wasserfälle, sprühendes, rollendes, wirbeln-\ndes, kosendes Wasser; Wasser, das in der Rinne\ndurch eine scharfe Kante gehindert, wütend,\nzischend, aufgebäumt, wie Panterrücken ge-\nkrümmt, in hohen Bogen hinschießt, hineinsiedet in\nRöhren, hinausspringt in eine umfangreiche\nSchale, und vom Riesenrund, tosend gebändigt,\nüber die Ränder in glatte Teiche quillt. Sie waren\nnicht sein Spiegel und er nicht der ihre. Diese\nquellenden Leben, wie aus ihrem eignen Traum\nherausgeholt, waren unmittelbar gewalttätig, un-\nmittelbar besessen, unmittelbar bewegt, keine 9\ndem andern ähnlich, nur hinter ihren Zügen vor-\nerst eine Dunkelheit; diese war ihnen gemeinsam,\ndiese war ihr Hintergrund, ihr Abgrund, Tiefe,\ngoldgrün rot, und ausgebreitete Nacht. Gleich die\nersten Arbeiten öffneten ihm die Türe zu dem\nMeister, der erklärt hat, die Welt sei geschaffen,\num zu einem guten Buch zu gelangen. Gut hieß\neines, daß sich neben einem Baum, einem Felsen,\neiner Landschaft, ja gegen sie hielte und behaup-\ntete. Dieser weltweise Schöpfer lud wöchentlich\nseine Wahlbrüder zu sich, und wen er wählte, der\nwar ein gutes Buch. Als der neue Gast zum\nerstenmal unter sie trat, befand er sich sogleich\nvor der Schilderung eines Tisches. Ein Tintenfaß\naus rotem Lack und eine griechische Vase bezau-\nberten ihn. Er hörte Ausrufe und eine verzückte\nwohlgepflegte Rede: sie tönten ihm aus dem Tin-\ntenfaß und stiegen aus der metallisch glitzernden\nVase. Leise, lautlos leise, warf er ihnen vor, daß\nwir erst eine Meinung hätten und dann unsere\nGründe. Wer seine Meinung am besten vertei-\ndigt, hat recht. Aber nur von Verteidigern, o ihr\nvorlauten Geräte. — Als er das nächstemal wie-\nderkehrte, unterschied er zwischen Wissenschaft\nund Kunst und sagte, daß die Wissenschaft ordne\nund die Kunst jede solche Ordnung auflöse. Man\nmüsse als Künstler das völlig Eigentümliche be-\ntonen, dieses Einmal und Nicht-Wieder, die ge-\näderte Zeichnung auf einem Pflanzenblatt, und\nnicht hervorheben, daß es gekerbt, lang oder\nspitz sei . . . Der Tür gegenüber, vor dem mäch-\ntigen gedrechselten Schrank mit den Zinntellern\nund Töpfen, wiegten im Halbschatten persönliche\nHände und persönliche Stirnen. Auf dem Heim-\nweg erfand er ihnen jeden einen Roman, dem Mei-\nster den des Empedokles. Der war ihm nicht der\nWeise, kaum ein Schwärmer. Seine priesterliche\nErscheinung, sein Purpurmantel mit den metallisch\nschillernden Mäandern, sein unerhörter Tod, gar\ndie Sandale, die von ihm übrigblieb, waren ihm\nwichtiger als die Lehre vom Haß und der Liebe,\ndie ausgesprochen nicht mehr dem Empedokles\nallein, sondern allen Griechen gehörte.\nWirklich, an zweihundert Einzelne griff er aus\ndem Tag und der Nacht, sah ihre zweihundert\nMienen und vernahm, was sie vernahmen. Sie\nwurden deutlich, verstummte Stimmen, in Ein-\nbanddecken verscharrte, und sie wurden durch-\nsichtig, in das Gehäus ihrer Leiber vermummte\nStimmen. Er schrieb nicht lange, nur ein Knaben-\nalter lang, fünfzehn Jahre; je mehr er schrieb,\ndesto sichtbarer waren die andern und desto un-\nsichtbarer er selbst. War er bei seiner kleinen\nWilden aus der Pflanzenwelt, einem grünen Kind,\ndas in die Menschenwelt gezogen wieder zurück-\ngewichen ist, mit einer kleinen Freundin, in das\nunbekannte grüne Land, oder im Mittelalter, in\ndem der Antike, dem Hellenismus, ein Mordbren-\nner, ein Salbenreiber? Als er hinter der Maske\ndas Gesicht und hinter den Stimmen die Stimme\nfassen wollte griff er in seine zweihundert Ge-\nschichten, in zweihundert Träume, in zweihundert\nGleichnisse. Die Augen schlössen sich, seine Mas-\nkenaugen, und zwischen den Augensternen und\nden Augenlidern belehrte ihn sein Gespenst: Wie\ndu dir fliehst, entfliehn sich die Unzähligen, zu\ndenen du flüchtest; sie fliehn in eine Tat, die nicht\ndu tust, in ein Abenteuer, das nicht du bestehst,\nzu einem Gotte, den nicht du anbetest. — Er griff\nhinter der Maske die Verzweiflung und hinter den\nStimmen die Lüge. Diese neuen Masken, ein\nwenig geschminkt, schenkten ihm ein neues Werk;\nes war so schwermütig schön, daß ihm die jun-\ngen Mädchen Briefe sandten und Blumen; es\nstand drin, daß das Leben traurig sei und die Lüge\nlustig. Er verkehrte heimlich in Winkelherbergen,\nfuhr zu Rennen, besuchte Versammlungen, hei-\nratete eine Schauspielerin, die ihm eine vorzüg-\nliche Desdemona, Ophelia, Phädra war, und\nwurde sehr krank. Sein letztes Buch, das erste,\nworin er Gericht hielt, betraf die Tagesschreiber\nund die Tageszeitungen; er traf sie schwer; aber\ner erschien unter einem Decknamen, und die we-\nnigsten errieten den Verfasser.\nNoch bevor er starb, kamen zwei Tagesschrei-\nber mit einer Rundfrage zu ihm. Sie wollten über\ndie Zukunft des Romanes Bescheid haben. Es\nwar Winter, er lehnte vor dem Kamin, fröstelnd,\nabgezehrt, nah am Feuer. Sie erschraken vor\nseinen fahlen, ausgehöhlten Wangen. Seine Hände\nwaren verknittert, sein Schädel blank, sein Bart\nzerzaust. Er blickte sie an, während er sprach,\nund sie folgten ihm aufmerksam mit der Feder.\nSie haben nie geahnt, daß er damals gepriesen hat,\nwas ihm verhaßt war, und geschmäht hat, was\ner am innigsten verehrte. Als sie draußen waren,\nfiel er in einen Ledersessel, das rote Licht im Ka-\nmin malte ihm eine höllische Fratze, und er dachte\ndiesen rfurchtbaren Satz: Jeder Lebende ist ein\nSterbender; es gibt keine gemeinere Erfindung\nals den Schwan, der im Sterben ringt: er ent-\nweiht sein Singen, und er entweiht sein Sterben.\n— Einen Monat drauf war er tot.\nEr liegt auf dem Friedhof unter lauter Unbe-\nkannten. Ein gelber Stein ist mit roten, zuweilen\netwas verwischten Zeilen bemalt, mit einer Grab-\nschrift griechisch, etwa in der Weise des He-\nrondas. Die Ueberschrift, erhaben und in Erz,\nov% änXajg nÄrjyij äegog eoziv fj cpatvr],\nist dem Piaton entnommen.\nDie Stimme ist nicht nur ein Schlag in die Luft.\nSteh, Wandrer, und erfahre, daß ich ein Dich-\nter war. Nichts Menschliches war mir fremd.\nWar ich kein Mensch? Ich bin mir fremd geblie-\nben. Ich hörte die Stimme des Waldes, die\nStimme der Herzen und die Stimme der Toten.\nIch zeichnete auf, was ich schauend hörte und\nstarb mit siebenunddreißig Jahren. Hätte ich noch\ndrei Jahre gelebt, dann wäre mein Franziskus\nvollendet gewesen. Er fehlt mir sehr. Denn\nwisse (und hüte dich vor schlechten Gedichten):\nim Reiche des Schatten ist den Dichtern ihre Welt\nmitgegeben. Sie bewegen sich unter den Gestal-\nten ihrer Schöpfungen und haben keine andern\nFreunde als sie. Ich werde mit Empedokles an\nden goldnen Ufern des Akragas wandeln, zur\nschönen Stadt Agrigent hin. Wenn ich aber wäh-\nlen dürfte und wieder atmen oben auf der geseg-\nneten Erde, möchte ich ein Bauernjunge sein,\nblond, und nicht lesen können und nicht schreiben*\nund selbst die Stimme sein des Waldes, des Her-\nzens und der sommerlichen Getreidefelder.\n\nDie Schwermut des\nGeniebers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nJetzt schien Johannes sein Werk nicht\nmehr wertlos; so hatte es werden müssen;\ndies sollte das Vorspiel sein zu einer Reihe von\nWerken, in denen alle Sehnsucht, nicht seines ein-\nzelnen kleinen Ichs allein, nein, die Sehnsucht der\nGegenwart, der Menschheit seiner Zeit wieder-\ntönen und ihre Erhörung finden sollte. Nun war\ndas Leben der Wüste nicht mehr ein Traum, nun\nhatte es die Wünsche und Gebärden und Worte\nder Menschen seiner Zeit angenommen, war in das\nwirkliche Leben getreten, war greifbare Gestalt\ngeworden.\nEin Seitenschrillen stob auf; wie kleine flinke\nRaubtiere liefen die Töne aus den Instrumenten\nhervor, kletterten an den gemalten Säulen rechts\nund links empor,; bäumten sich in einem grandiosen\nSchwung über die Köpfe der Menschen, die da\nunten saßen, hinweg, verloren sich in den hin-\ntersten Winkeln des Saales. Dann zitterten die\nersten Töne, als fürchteten sie sich vom Podium\nherabzusteigen. Mild und gedämpft wie ein Grei-\nsenlächeln kamen und verschwanden sie. Wenn\neiner einmal das Verlangen hatte, stark und fröh-\nlich aufzujubeln und hinauszugehen in die präch-\ntige Weite, dann sah er bald ein, daß er dazu nicht\ngeboren war und legte sich nieder und starb. Es\nwar sehr, sehr rührend, wie ergeben in ihr Schick-\nsal diese Töne starben; sie waren so unendlich\nzart, daß auch der unempfindlichste Mensch Mit-\nleid mit ihnen haben mußte. Sie flehten, als sie\nschon tot waren, noch um ein Lächeln, das ihren\nUntergang verklären sollte. Sie waren ganz Seele\nund konnten wohl in dem hingegebenen Zuhörer\ndie Täuschung erwecken, das Reich des Körper-\nlichen sei zu Ende und das Reich der Seele habe\nseinen Anfang genommen.\nAlle Menschen saßen unter dem Bann dieser\nhingehauchten Töne. In den Gesichtern zeigte\nsich eine Hilflosigkeit, die verriet, daß die Men-\nschen mit der Schönheit dieser Musik eigentlich\nnichts anzufangen wußten. Die laute Art dieser\nKleinstadtbewohner erstaunte vor solcher vor-\nnehmen Dämpfung und setzte einige Minuten aus.\nSo war die Stille keine Folge einer tiefen Andacht,\nsondern einer großen Verwunderung. Eva, die\nvon Musik nichts verstand, saß mit gesenktem\nHaupt, die Hände im Schoß gefaltet. Sie war zu-\nfrieden. Sie hatte mit dem Geliebten eine Stunde\ntoller Freude verbracht, er hatte ihr einen sehn-\nlichen Wunsch erfüllt. Jetzt fühlte sie sich erst\nauf dieselbe Stufe gehoben, auf der die Bevorzug-\nten standen. Die Stunde war der feierliche Akt,\ndurch, den sie aus einer Bürgerin in eine Frau ver-\nwandelt wurde. Sie hatte bis zu dieser Stunde\nimmer die Empfindung gehabt, der Geliebte stehe\nüber ihr, sei vornehmer und edler als sie. Wie\ndankbar war sie jener Stunde. Wie stolz war sie\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.7", "texte": "gewesen, als ihr der Geliebte ihr eigenes Wesen\nerschloß und ihr zeigte, daß sie viel reicher und\nschöner und gütiger als die andern sei. Ein Jubel\nwar in ihr. Die Zukunft erschien ihr in goldenem\nLicht; bewundert, beneidet würde sie durch das\nLeben gehen als die Gattin eines berühmten Man-\nnes. Freudig würde sie dieser Stadt den Rücken\nkehren, die ihre Heimat war. Sie wollte hinaus\nin die großen Städte, wo die Menschen anders\nwaren.\nDer Beifallsjubel, der hinter ihr aufrauschte,\nriß sie aus ihren aufrührerischen Gedanken.\nLächelnd blickte sie den Geliebten an —: Du, wir\nverstehen uns, sagte dieses Lächlen, wir sind viel\nzu gut für diese Menschen, du! So schnell war Eva\nHermann stolz und selbstbewußt geworden.\n— Ich habe während des ganzen Stückes eine\nder Gasflammen an der Rampe betrachtet, erzählte\nder Künstler, als sie Arm in Arm der hinausströ-\nmenden Menge folgten. Zum ersten Male ist mir\ndie Schönheit der Gasflamme aufgegangen. Es ist\nzitternde Musik. Man leidet, wenn man sieht, wie\ndieses Licht etwas unendlich Herrliches sagen\nmöchte und doch nur zittern kann.\nSie schritten wieder durch die schwatzenden\nund lachenden Menschen im Garten. Ganz hinten,\nunter zwei besonders mächtigen und ehrwürdigen\nBäumen, stand ein größerer Tisch, der für den\nDirektor und seine Freunde frei gehalten war. Der\nkleine Mann mit dem verwitterten Faungesicht\nsaß schon dort, lebhaft auf zwei seiner Lehrer ein-\nredend, eine verschmitzte Freude um Mund und\nAugen. Er sprang auf, als er den Künstler heran-\nkommen sah und führte ihn zum Ehrenplatz an\neinem Ende des langen Tisches. Nach und nach\nkamen noch einige Freunde des Direktors mit\nihren Frauen; es waren zwei oder drei der reichen\nKaufleute der Stadt, ein Buchdruckereibesitzer,\nbei dem die Programme gedruckt wurden, ein\nalter Major a. D., der in seiner Vaterstadt von sei-\nner Pension lebte und der zärtlichste Uatte war,\nden man sich denken kann. Auch der junge Pastor\nkam mit seiner unscheinbaren Gattin. Alle ver-\nstanden ein wenig von Musik und fühlten sich\nfroh und bedeutend, wenn sie mit den Künstlern\nzusammensitzen konnten. Zuletzt erschienen einige\nLehrer und Lehrerinnen des Konservatoriums.\nFortwährend mußte sie zwischen diesen Kleinstadt-\nbewohnern einhergehen, fortwährend hatten sie\nnur die wenigen Kollegen und Kolleginnen, mit\ndenen sie über Kunstfragen sprechen konnten. Er\nbedeutete für sie in der Enge, in der sie leben muß-\nten, die Welt, die zu ihnen kam.\nJohannes sprach von der Zukunft der Musik,\nvon ihrer Mission, den Menschen eine Erlösung zu\nwerden. Zuerst sprach er nur zu Eva und dem\nDirektor; allmählich wurden alle aufmerksam, und\nendlich mußte er ganz laut reden, als hielte er einen\nVortrag. Er saß mit leichtaufgestützten Ellbogen;\nseine Hände ruhten auf der Tischplatte. Die fei-\nnen aristokratischen Finger tänzelten manchmal\nüber das Glas; dann klang ein leiser singender\nTon. Das schmale Gesicht mit den großen dun-\nkeln Augen stand ruhig in der halbhellen Luft. Er\nsprach ohne erregte Bewegungen, schlicht und\nfreundlich, als erzählte er einer Schar von Kindern\ndie Wunder einer Märchenwelt.\n— Wir stehen |Vor einer Wendung, sagte Johan-\nnes. Nun muß es sich entscheiden ob wir eine\nKunst haben werden oder nicht. Die Musik ist den\nMenschen heute nur eine Unterhaltung. Sie er-\nleben sie nicht mehr, sie genießen sie nur. Sehen\nSie, was heute an Musik geschaffen wird! Die Mu-\nsik ist diesen modernen Komponisten keine Ver-\nkünderin mehr, sondern eine lustig hüpfende Soub-\nrette. Ein Flackern ist sie ihnen, keine reine, ruhig\nund klar emporbrennende Flamme. Ein schrilles\nGelächter, nicht das frohe, tiefe, gütige Lachen\neiner heiter-ernsten Seele.\nHärte und klares Ausschreiten; die Sehnsucht\nnach Einfachheit muß erfüllt werden. Alles ist\nMusik; aber dies wissen die Menschen nicht mehr.\nGott ist die Quelle, aus der alle Musik hervor-\nströmt. Man muß in Richard Wagner zwar den\ngenialen Schaffenden verehren, sein Werk aber\nunbarmherzig verurteilen. Richard Wagner war\nein Irrweg. Die schwächer waren als er, gingen\nnoch weiter in die Irre.\nWeltentrücktheit braucht die Kunst. Alle Kunst\nist ein Ahnen übersinnlicher Welten. Die Glut\ngroßer Erlebnisse, das ist der Inhalt der neuen\nKunst.\nSeine Stimme war immer machtvoller und hin-\nreisender geworden. Jetzt, da er schwieg, spannte\nsich ein langes Schweigen aus. Sogar an den\nnächsten Tischen waren sie still geworden und\nwußten nicht, was sie beginnen sollten. Eva griff\nin großer Freude nach der Hand des Geliebten und\ndrückte sie. Er wandte den Kopf nach ihr und\nlächelte sie an. Dies wirkte wie eine Erlösung.\nJetzt schwirrten auf einmal mehrere Stimmen zu-\ngleich auf, in die Gestalten kam Bewegung, die\nsich nach der feierlichen Ruhe übertrieben aus-\nnahm. Man beglückwünschte den Künstler, viele\nHände streckten sich ihm entgegen. Auch die Zu-\nhörern, die ihn nicht verstanden hatten, beglück-\nwünschten ihn. Der Direktor dankte dem Künst-\nler in einer kleinen Ansprache für den Genuß und\ngelobte, ein treuer Verfechter der neuen Kunst zu\nsein. Er vergaß, daß er die neue Kunst eigentlich\nnoch gar nicht kannte. In seiner Begeisterung ver-\nschrieb er sich und das Konservatorium dem\nKünstler, ohne Zögern ergriff er das Neue, das\nwerden sollte; er war eine ungestüme Natur, die\nnicht am Alten hängen bleiben mochte, sondern in\nden Reihen derer stand, die ihrer Zeit vorauseilten,\nalte Begriffe umstürzten und neue schufen. Nicht\ndie geringste Pietät lebte in ihm.\nDer Buchdruckereibesitzer sagte mit einer\nöligen Stimme zu dem alten Major:\n— Das ist ein schurriger Kerl, Major. Wie?\nDer alte Major riß an seinem schlohweißen\nSchnurrbart und antwortete stramm:\n— Auch meine Ansicht, Herr Konrad! Is jeden-\nfalls nich beim Militär gewesen.\nUnd wo die drei reichen Kaufleute saßen, erhob\nsich ein eifriges Getuschel.\n— Was ist er denn? tuschelte der eine.\n— Gar nichts weiter ist er! tuschelte der andere.\nUnd der dritte setzte begütigend hinzu:\n— Na, denn wird er wohl genug zum leben\nhaben.\nDie Lehrer und Lehrerinnen des Konservato-\nriums schwelgten in der Pracht seiner Worte und\nGedanken. Sie fühlten sich für die nächsten Tage\ngestärkt und gerüstet gegen alle spießbürgerliche\nKleinlichkeit.\nJohannes verabschiedete sich. Er freute\nsich des Ganges durch die Klarheit der hohen\nSommernacht und ahnte reiche innere Er-\nlebnisse. Er zog sich in sich selbst zu-\nrück und schloß sich gegen alle äußeren Eindrücke\nab, wie er es jedesmal tat, wenn er fühlte, daß sich\nErlebnisse in ihm zu regen begannen. In solchen\nAugenblicken erschien er jedem Oberflächlichen\nunhöflich; alle, die seine Ehrfurcht vor den innern\nErlebnissen nicht begriffen, konnten nicht seine\nFreunde sein. Jetzt hatte er das Gefühl, als schüt-\ntele er die Stadt, die Enge von sich ab; die Worte\ndes Arbeiters und die Ausblicke wirkten in ihm\nnach und setzten ihn als Ganzes der Stadt als Gan-\nzem gegenüber. Das machte ihn unendlich kraft-\nbewußt und weckte den heiligen Trotz. Er hatte\ndas Bedürfnis, ganz allein zu sein, wenn die Vision\ndieses ganzen Tages, hinaufgehoben in die Unbe-\ngrenztheit großer Schicksale und Taten, än ihm\nvorüberzog.\nEr schritt mit dem Mädchen durch die schlafen-\nden Straßen. Die Sommernacht duftete um sie her;\nüber den Häusern dämmerten die Spitzen der\nBerge in zerfließender Sanftheit. Sie hatten jetzt\nalles Heldenhafte, das sie am Vormittag veredelt\nund erhöht, verloren und lagen wieder klein und\ngeduckt unter dem hohen Himmel. Es schmerzte\nden Künstler, Sie waren in seiner Vorstellung\ngroß und erhaben geworden im tragische Bewußt-\nsein eines nahen Untergangs, nun sanken sie vor\nihm zusammen, unfähig, die Größe, die er ihnen\nzugeteilt hatte, zu tragen.\nDas Mädchen plauderte ihre Freude aus. Ihre\nStimme strahlte vor Entzücken. Die Erinnerungen\nberauschten sie: der fröhliche Nachmittag, der\nleuchtende Abend inmitten der starrenden Men-\nschenmenge und später bei Männern und Frauen,\ndie zu dem Geliebten hinsahen als zu einem, der\nüber ihnen stand.\nIch möchte in diesen heißen Tagen mit dir auf\ndem Gut deines Vaters sein ... Du hast mir soviel\ndavon erzählt, von den roten Sonnenaufgängen\nund den blauen Abenden . . .\nSie schmiegte sich an ihn und sah von unten\nzu ihm auf wie ein bittendes Kind.\nJohannes lächelte aus seinen stürmenden Ge-\ndanken, aus seiner Gier nach einem Alleinsein mit\nder klaren Sommernacht ein wehmütiges Lächeln.\n— Vor einigen Tagen sagte ich dir, wir würden\nnoch vor der Reise nach Leipzig zwei oder drei\nWochen bei meinem Vater verleben. Wie freute\nich mich darauf! Mein Vater sollte sich endlich\nmit dem Gedanken, daß ich Musiker geworden bin,\naussöhnen. Ich zweifelte nicht daran, daß ich nach\nVollendung meines Werkes erschöpft sein würde.\nNun weiß ich aber, daß ich frischer und schaffens-\nfroher; bin als vorher. Es sind mir an diesem Tage\nsoviele Offenbarungen zuteil geworden, daß ich\nnicht müßig sein kann. Vor allem darf ich mich\njetzt nicht in die Stille des väterlichen Gutes ver-\ngraben, siehst du. Diese Stadt hat sich mir aufge-\ndrängt, das Leben in ihr fordert unabweislich von\nmir, daß ich mein neues Werk aus ihm herleite; es\nwill der Grundton sein, auf dem sich alle Motive\naufbauen sollen.\nEine schwüle Beklommenheit stand zwischen\nihnen, als sie einander vor dem Tor Gute Nacht\nsagten. Johannes ahnte, daß etwas die Geliebte\nverstimmt habe, ohne daß es ihm zum quälenden\nBewußtsein wurde. Das Mädchen war unbefrie-\ndigt von diesem Ausgang des prächtigen Tages.\nSie preßte die Zähne in die Unterlippe und sprach\nnicht mehr. Schweigend standen sie eine Weile vor\ndem hohen Tor und blickten hin und wieder zu den\nFenstern im ersten Stock, von denen zwei noch\nerleuchtet waren: da saß der Vater über der Zei-\ntung eingewickelt in grauen Pfeifenqualm und er-\nwartete die Tochter. Und während sie so in\nSchweigen stand, dachte Eva an ihre Eltern: ihr\nLeben war ein Uhrwerk, das jeden Morgen auf-\ngezogen wurde und jeden Abend ausschnurrte.\nEr küßte sie im Schatten des Torwegs und\nfühlte wieder, wie jeden Abend die Wärme ihres\nschönen Leibes und begehrte sie. Und wieder\nschmerzte ihn ihre Scheu, sich ihm hinzugeben,\nbevor sie sein Weib war. Er konnte die dumpfe\nAhnung nicht von sich abwehren, in die Leiden-\nschaft der Geliebten sei auch viel Berechnung ge-\nmischt. Er riß sich los und ging hinein in die\nSommernacht. Das fröhliche Lachen des Mädchens\nlief hinter ihm her und verfolgte ihn zwischen den\nHäuserreihen mit einer zähen Beharrlichkeit.\n\nFortsetzung folgt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191309-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen voe\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durc&\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeite\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver>\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nSiebzehnte Ausstellung\nSkulpturen und Zeichnungen von\nAlexander Arehipenko\nGeoffnet taglich yon 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913 / Eroffnung\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nEs beteiligen sich Kiinstler folgender Lander:\nDeutschland / Amerika / Bohmen / Frankreich |\nHolland / Indien / Italien / Oesterreich / Rumanien\nI RuBland / Schweiz / Spanien\nTaglich / auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 at\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Ffir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnumrner 40 Pfennig X Ffir dasAusland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost ffir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbiahr 6 Mark X Pfir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbiahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenst&nden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzumftinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahine\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene /\nParis\n\nOriglnalholzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefugt / AUe\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert /\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Munter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nf\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / PortrSt Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemSlden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Quillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Cte-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nFranz Marc: Affenfries\nRobert Delaunay: La Tour\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen ]\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nZeitsehriften\nLa Route / Revue de l'Effort Social ,/ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'IndSpendance I Halbmonatsschrift / Ktinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Fran?aise / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontjoie / Halbmonatsschrift / Paris [ Chauss6t\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Brfissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris I Recueil Mensuel / Ptrii\n9 rue Jacob\n\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur neue und\nalte Kunst / Heft 6—8 bringt: Bilder: Picasso (9) /\nBraque (3) / Cezanne (3) / Soffici (1) / Sculpturen:\nPicasso (2) I Negersche (10) / Architektur: Goc£r\n(6) I Jahrlich M 12.50 / Administration Prag I /\nVeleslavinova 5\n\nAnzeigen\n\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngrfindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Qegen»\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen~\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n1>0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire;\nStreet / Theobalds Road\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes fiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 / Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Vereis\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugest&llt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark,\nGeschSftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269f\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny I Prager Kunstwerk-\nstatte fur neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nThe Lantern: Eine Monatsschrift / Die\namerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jfinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA\nVerein iiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}