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Ein Ueber-\nblick, der zugleich das Blickfeld der Zeitgenossen\nerweitern wird. Der größere Teil der Zeitgenossen\nist zu stolz auf seine Augen, mit denen er nicht\neinmal sehen gelernt hat. Er verlangt vom Bild-\nwerk die Wiedergabe des eigenen optischen Ein-\ndrucks, der nicht einmal sein eigener ist. Hätte\ner ihn, so wäre er schon künstlerisch. Künstler sein,\nheißt eigene Anschauung haben und diese\neigene Anschauung gestalten können. Die Einheit\nvon Anschauung und Gestaltung ist das Wesen der\nKunst, ist die Kunst. Die großen Neuerer des\nneunzehnten Jahrhunderts haben ein doppeltes\nErbe hinterlassen, ein materielles, das ihren Epigo-\nnen von Heute zufiel und das diese angstvoll fest-\ngehalten und ein geistiges, das mit dieser Aus-\nstellung vorgeführt wird. Jene klammern sich\nan die Form, die Größere geschaffen haben. Statt\neigenes zu gestalten, ahmen sie Gestalten vergan-\ngener Bijder nach. Und zwar nur die Bilder,\nnicht einmal die so kläglich oft herbeigerufene\nNatur. Und Nachahmung kann nie Kunst sein, ob\nsie nun von den Bildern oder von der Natur ge-\nnommen ist. Diese affenhafte Fähigkeit vermißt\nman nun bei den Künstlern der Gegenwart, die das\ngeistige Erbe der großen Neuerer angetreten ha-\nben. Man redet von dem Fehlen der Form. Man\nsollte reden vom Fehlen der Uniform. Menschen\nsind wir zwar alle, aber trotzdem gleicht kein\nKörper dem anderen. Das Gleichen wird nur durch\ndie Uniform erreicht. Man bleibt sich gleich, auch\nwenn die Mode die Uniformen wechseln läßt.\nSelbst ein sich Zurückanziehen in Biedermeier-\nröcke, römische Togen oder griechische Faltenklei-\nder ändert am Körper nichts. Den Körper ändert\nausschließlich der Geist, dem der Körper dient.\nNatürlich kann man nicht Geist malen, aber ohne\nGeist zu malen ist erst recht keine Kunst. Kunst\nist die persönliche Gestaltung eines persönlichen\nErlebnisses. Das einzige, was den Künstler bin-\ndet und ihm Halt gibt, ist das Material seiner Kunst.\nJede konventionelle Form aber ist ein Gerüst für\neinen einstürzenden Bau oder ein Korsett für einen\nverfallenden Körper. Kunst ist Gabe und nicht\nWiedergabe. Wenn man eine edle Frucht genie-\nßen will, muß man die Schale opfern. Auch die\nschönste Schale täuscht nicht über die Schalheit\ndes Inneren fort. Der Maler malt, was er schaut\nin seinen innersten Sinnen, die Expression seines\nWesens, alles Vergängliche ist ihm nur Gleichnis,\ner spielt Leben, jeder Eindruck von Außen wird\nihm Ausdruck von Innen. Er ist der Träger und der\nGetragene seiner Visionen, seiner inneren Ge-\nsichte. Kann er dafür, daß Gesichter anders\naussehen? Klang denn die neunte Symphonie\nBeethoven aus der schönsten Landschaft entge-\ngen? wurde ihm sein Rhythmus vormarschiert?\nWohl aber ließ er Menschenheere nach seinem Wil-\nlen stürmen, siegen oder fallen. Grünewald und\nGreco bildeten die Menschheit nach ihren Bildern\num. Die jüngst vergangene Malerei stellte die\nMenschheit zu Kostümfesten auf. Die Künstler\nhaben nicht mehr gebildet, dafür waren sie es.\nDer wirkliche Künstler muß der Bildner seiner\nBildungen sein. Und die Gebildeten insgesamt\nsollten sich endlich entschließen, aus der Passivi-\ntät der Bildung zur Aktivität des Bildes aufzu-\nschauen.\nIch fühle mich zur Veranstaltung dieser Aus-\nstellung berechtigt, weil ich von dem Wert der hier\nvertretenen Künstler überzeugt bin. Weil ich mit\nden bedeutendsten Künstlern dieser neuen Bewe-\ngung persönlich befreundet bin. Befreundet durch\neine Freundschaft, die durch gleiche künstlerische\nAnschauungen und Empfindungen entstanden ist.\nIch bin sicher, daß der unkünstlerische Teil\ndes Publikums über diese Ausstellung und über\nmich lachen wird. Und ein guter Teil des Publi-\nkums auch, daß sich ohne Berechtigung für künst-\nlerisch hält. Diese Herrschaften warne ich be-\nsonders. Im Rahmen des Vereins für Kunst liegen\ndie Erfahrungen für die Literatur bereits vor. Diese\nHerrschaften und ebensosehr die Durchschnittskri«\ntiker amüsierten sich über Heinrich Mann, über\nAlfred Mombert, über Karl Kraus und Else Lasker-\nSchüler. Ihre künstlerische Bedeutung findet man\nheute schon nach kaum zehn Jahren und weniger\nsogar von den harmlosesten Tageszeitungen be-\nstätigt, was natürlich weder für die Künstler noch\nfür die Tageszeitungen etwas bedeutet. Ich nenne\nhier nur die wichtigsten Namen, die durch den\nVerein für Kunst zum ersten Mal in die größere\nOeffentlichkeit gebracht wurden. Es liegen aber\nauch bereits Erfahrungen für die bildende Kunst\nvor. Als Oskar Kokoschka in jeder Nummer des\nersten Jahrgangs der Zeitschrift Der Sturm mit\ngraphischen Arbeiten gezeigt wurde, lachten die\nKunstkenner und selbst der verdiente Kunstkritiker,\nder heute nicht mehr weiß, wohin wir treiben, ver-\nspottete die Kritzeleien. Heute nach drei Jahren\nreißt man sich um die verhöhnte Graphik. Es gibt\nsogar naive Leute, die behaupten, daß die Maler\nheute „so\" aus geschäftlichen Gründen malen und\ndaß der Sturm diese Maler aus geschäftlichen\nGründen vertritt und nicht aus künstlerischer\nUeberzeugung. Einem dieser Herren, einem Kunst-\nkritiker, habe ich zur Zeit Gelegenheit gegeben,\nvor Gericht den angebotenen Beweis zu erbringen.\nEr will nichts weniger beweisen, als daß „Kandinsky\nlediglich aus Geschäftsrücksichten sich dieser futu-\nristischen Kunstrichtung angeschlossen habe.\" Zu\ndiesem Wahn versteigt sich der Haß gegen Kunst.\nUns ist nicht das Leben die Kunst. Aber die\nKunst das Leben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.4", "titre_corps": "Vorwort der Aussteller", "titre_sommaire": "Vorwort der Aussteller", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.2", "debut_caractere": 5541, "fin_caractere_exclue": 6487, "texte": "Vorwort der Aussteller\nWir leben heute nicht in einer Zeit, in der die\nKunst die Helferin des Lebens ist. Was heute an\nechter Kunst entsteht, scheint eher der Niederschlag\nalter Kräfte zu sein, die das Leben nicht aufzubrau-\nchen, aufzusaugen vermag; sie ist die Gleichung,\ndie abstrakt gesinnte Geister aus dem Leben zie=\nhen, wunschlos, zwecklos und ohne Hader.\nIn anderen Zeiten ist die Kunst die Hefe, die\nden Teig der Welt durchsäuert; solche Zeiten sind\nheute fern. Bis sie erfüllt sind, muß sich der Künst-\nler in gleicher Ferne vom offiziellen Leben halten.\nDas ist der Grund unserer selbstgewählten Ab-\nschließung gegen die Anträge, die die Welt uns\nmacht; wir wollen uns nicht mit ihr vermischen.\nUnter diese „Welt\" rechnen wir auch die uns\nwesensfremden Künstler, mit denen gemeinsam\nzu arbeiten uns unmöglich scheint, nicht aus\n„kunstpolitischen\" Gründen, von denen heute so\nviel geredet wird, sondern aus rein künstlerischen\nGründen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c005", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "107", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.5", "titre_corps": "Offener Brief an Herrn Karl Scheffler : Sehr geehrter Herr", "titre_sommaire": "Offener Brief an Herrn Karl Scheffler : Sehr geehrter Herr", "signature_source": "Rudolf Kurtz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.2", "debut_caractere": 6489, "fin_caractere_exclue": 9832, "texte": "Offener Brief an Herrn\nKarl Scheffler\nSehr geehrter Herr\n\nIch habe mir von Herrn Herwarth Waiden\ndie Erlaubnis erbeten, Ihrem Bericht über den\n„Herbstsalon\" in der „Vossischen Zeitung\" ein\npaar Bemerkungen hinzufügen zu dürfen.\nIch schicke voraus, daß es über künstlerische\nAngelegenheiten zwischen uns keine Diskussion\ngeben kann. Auf sachliche Argumente antworten\nSie „Cafe Größenwahn\", auf wohlfundierte\nAttacken „Ich bin der Aeltere\". Sie erinnern sich,\ndaß Sie vor einigen Jahren in der „Zukunft\" mit\ndieser Art Lexikon gegen mich polemisiert haben.\nDagegen halte ich eine Verständigung über mo-\nralische Dinge wohl für möglich. Handwerklich\ngebundene Naturen, wie Sie, Herr Karl Scheffler,\nsind in ihrer ethischen Praxis meist durchsichtig,\neinfach und klar. Wenn sich dennoch, im Künst-\nmoralischen, Trübes findet, so geht dies, wie ich\nglaube, auf den mystischen Kern Ihrer Persönlich-\nkeit zurück. Man wird mich nie von Ihrer bösen\nAbsicht überzeugen: wohl aber, daß Ihre Bewußt-\nseinshelle zeitweise mit billigem Leuchtgas her-\ngestellt ist. Gestatten Sie mir noch, Sie auf einen\ngewissen Mangel an journalistischer Erfahrung\nhinzuweisen, der Ihre Zeitungsberichte dispropor-\ntioniert und ihnen selbst für den überzeugungs-\nbereiten Leser Werte entzieht. Ich hoffe, Sie zu\ndieser Einsicht bewegen zu können.\nIch habe nichts gegen Reaktionäre: sie fügen\ndem künstlerischen Genuß am Gewagten erfreu-\nliche Nebenschwingungen zu. Fragwürdiger aber\nwird der Typus, wenn er sich hinter moralischen\nErwägungen versteckt, wenn er seine Nervenlosig-\nkeit dem Andersdenkenden unterschiebt und ihn\nals gesinnungslosen Mitläufer denunziert. Ich fasse\ndiesen Satz aus Ihrer Notiz doch richtig auf? „Es\ngeht, wie ein Fluch, durch unsere Kunst die Sol-\nneßangst vor der Jugend. Die Folge ist, daß der\nunmündigen Jugend in einer abscheulich servilen\nWeise geschmeichelt wird.\" Und dann, abgesehen\nvon dem materiellen Inhalt Ihrer Sentenz: haben\nSie die berliner Presse gelesen? Wo ist die ab-\nscheuliche Servilität in diesem höhnisch-entsetztem\nDavonspringen? Haben Sie je in die Ateliers der\n„unmündigen Jugend\" gesehen, wo der Ertrag der\n„Umschmeichelungen\" in Form von Tee und Qua-\nker Oats konsumiert wird? Sie scheinen mir Ihre\nObjektivität — die einem Manne Ihrer Art allein\ndas Gesicht gibt — bedenklich auf die Schaukel\ngesetzt zu haben: oder meinen Sie, daß ein Satz,\nwie das folgende Zitat, nicht sehr verräterische\nUntertöne habe? „Das Niveau der Ausstellung\nist sehr niedrig, ganz abgesehen vom Prinzipiellen.\"\nSie formulieren also zwei Betrachtungsmöglich-\nkeiten: das „Prinzipielle\"und einen ungenannten\nWert. Sie machen mich neugierig, was für Sie das\nkünstlerische Niveau bestimmt: die Leistung oder\nihre Prinzipien? Gewiß: wenn Sie unter „Prinzi-\npien\" das System Ihrer aesthetischen Ansichten\nmeinen — eine Formulierung, die ich einem Ama-\nteur in der Metaphysik wie Sie, gern zugestehe\n— dann aber sind diese Prinzipien das einzig mög-\nliche Wertmaß; und ein anderes, was nach Fort-\nlassung ihrer noch bleiben könnte, ist in sich un-\nmöglich. In der Perspektive Ihrer Notiz bietet\nsich das „Prinzipielle\" vielmehr als die krystalli-\nsierte Form Ihrer Abneigungen an — als ein außer-\nhalb der Kunst liegender Wert, in dem sich Ihre\nSympathielosigkeit für „die janze Richtung\" ein\nVentil schafft. Daß Sie als Schlußstück unter Ihrem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2945, "texte": "Bericht noch folgende Zeilen setzen zu müssen glau-\nben (nachdem Sie immerhin einiges Bemerkens-\nwerte gefunden haben) läßt Ihre Abneigung in sehr\nprivate Mitteilungen entgleisen. „Man sieht, es\nlohnt nicht der Besuch. Es ist aber sehr schade,\ndaß wieder einmal dieser Ausstellungsaufwand,\nden ein gutmütiger Mäzen bezahlt, umsonst vertan\nworden ist.\" Warnen Sie nur vor dem Besuch des\n„Herbst-Salon\". Ich darf Ihrer historischen Bil-\ndung zumuten, daß Ihnen diese Warnung als\nRequisit aller reaktionären Tendenzen in der\nmodernen Kunst bekannt ist. Wie aber motivieren\nSie die direkte Wendung an den so mitleidig-über-\nlegen charakterisierten „gutmütigen Mäzen\"? Ich\nempfinde das selbst innerhalb Ihres Wiirkens als\neine ungewöhnliche Entgleisung — als ein uner-\nklärliches Sichverirren Ihrer gern betonten ethi-\nschen Haltung in das Portomonnaie Ihres Nächsten.\nAber ich möchte diese Abwegigkeiten als Aus-\ndruck einer gewissen Hilflosigkeit verstehen, einer\nVerwirrung, die sich in dem Format einer Tages-\nkritik noch nicht zurecht gefunden hat. Sympto-\nmatisch für diesen Zustand schienen mir immer Be-\nmerkungen über Künstler, die sich in einem Satz\nwie diesen zusammenfassen: „Dann bleibt man\nvor drei Zeichnungen von Kokoschka stehen. Doch\nist er in dieser Umgebung fast ein „Alter\". Drei\nwertvolle Zeilen gefüllt, ohne daß der Leser das Ge-\nringste über die persönliche Nuance des Künstlers\nerfährt. Bei beschränkten Raum ist es kritische\nPflicht, persönliche allgemeine Ansichten hinter\nden Anspruch der Künstler (soweit sie überhaupt\nder Erwähnung wert gefunden werden) zurücktre-\nten zu lassen. Denn was geben Aufzeichnungen wie\ndie folgende überhaupt als persönlichen Inhalt her:\n„Von den ausgestellten Malereien aus Rußland,\nIndien, Japan, China und der Türkei interessiert\nam meisten das kleine Triptychon „Die Handwer-\nker\" ein Werk moderner türkischer Malerei.\" Hier-\nnach scheinen Sie um möglichst restlose Aufzäh-\nlung des Gebotenen bemüht: dann aber ist es mir\nunbegreiflich, wie man an den Namen Delaunays\nund Kandinskys vorübergehen kann, die der Zahl\nder Bilder nach am reichsten in diesem Herbstsalon\nvertreten sind. Gewiß: diese Herren stehen im\nBrennpunkt Ihrer Antipathie — aber ein Mann wie\nSie, der, wenn ich so sagen darf, auf Eigeneffekte\nverzichtet, der sein Leben daran setzt, auf den er-\nsten Blick als ernster Mensch festgestellt werden zu\nkönnen, Sie sollten sich dieser ein wenig verpönten\nHilfsmittel enthalten, und dieser Wunsch wird Ihnen\nzur Pflicht, wenn es sich um Attacken gegen den\nFeind handelt.\nIch denke, daß Sie, Herr Scheffler, den be-\nherrschten Ton dieser Zeilen zu schätzen wissen.\nEr entspringt dem Wunsche, einem hart ringenden\nMenschen bei der Feststellung seines Weges be-\nhilflich zu sein. Und dieses Motiv wird auch hin-\nreichen, Herrn Herwarth Waiden eine Breite der\nArgumentation begreiflich zu machen, für die ich\nsonst schwerlich eine Begründung finden würde.\nErgebenst\n\nRudolf Kurtz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c006", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Vor Ernst Wilhelm Lotz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "debut_caractere": 2947, "fin_caractere_exclue": 4573, "texte": "Gedichte\nVor Ernst Wilhelm Lotz\n\nAbendspiel\nDie kleinen Kinder sitzen auf den Stufen vor\ndem Haus,\nSind eng gerückt und spielen Große, die sich\nstreng besuchen.\nManchmal fällt einem Mädchen ein Lachen aus\ndem Halse heraus.\nIch spiele auch. Ich spiele ein herzkindliches Spiel.\nIch spiele eine Kette von Kindern, einen rosin-\nfarbenen Kranz,\nHinauf in die trunkene Luft, in der Sonne\nUntergangsspiel.\nIch spiele mich eifrig und heiß und rot und werde\nleuchtend in unnatürlichem Glanz.\nMein Werkstaunen schwillt übergroß und wird\nmir zuviel!\nStark in der Wolken hinausschwingendes Lichten\nWerf ich, jäh frei gekrallt aus meinem Leib, mein\nHerz, das Flammen facht:\nZerdonnernd dumpf verschwimmt das Höhenspiel\nzu bleichen Schichten.\nUnd wo ich hintraf, steht ein großer Stern und\nleuchtet und ist ein tiefes Auge in die Nacht.\n\nMärchen\nSpät über den Häusern,\nWiann die Dächer von Farben tropfen,\nKniest du bei mir am Fenster auf dem Schemel.\nEin Wundern bebt in dir.\nIch fühle deine Pulse klopfen,\nAls lebte dein Blut in mir!\nKannst du das fest begreifend sehen:\nWie ich am Fenster lehne\nUnd, weich beglüht,\nDie Arme in das Licht hinüberdehne?\nMit meinen Fingern pflück ich aus) den grünen\nGrüften.\nDie kleine, abendfarbene Tanzmusik vom\nKaffeehaus.\nIn meinen Händen wird sie groß und lodert in\nden Sommerlüften.\nAuf einmal wächst vom goldnen Horizont,\nWeiß, riesengroß und spätbesonnt,\nDein hingeträumter Leib heraus.\nDa spanne ich meine Arme weit\nDurch buntverhängte Abenddämmerungen\nUm deines Leibes Traumverlorenheit —\nMädchen! und halte dich dort über Dächern und\nder Zeit\nWie hier am wachen Fenster märchenfest\numschlungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c007", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.6.1", "titre_corps": "Abendspiel", "titre_sommaire": "Abendspiel", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "debut_caractere": 2980, "fin_caractere_exclue": 3770, "texte": "Abendspiel\nDie kleinen Kinder sitzen auf den Stufen vor\ndem Haus,\nSind eng gerückt und spielen Große, die sich\nstreng besuchen.\nManchmal fällt einem Mädchen ein Lachen aus\ndem Halse heraus.\nIch spiele auch. Ich spiele ein herzkindliches Spiel.\nIch spiele eine Kette von Kindern, einen rosin-\nfarbenen Kranz,\nHinauf in die trunkene Luft, in der Sonne\nUntergangsspiel.\nIch spiele mich eifrig und heiß und rot und werde\nleuchtend in unnatürlichem Glanz.\nMein Werkstaunen schwillt übergroß und wird\nmir zuviel!\nStark in der Wolken hinausschwingendes Lichten\nWerf ich, jäh frei gekrallt aus meinem Leib, mein\nHerz, das Flammen facht:\nZerdonnernd dumpf verschwimmt das Höhenspiel\nzu bleichen Schichten.\nUnd wo ich hintraf, steht ein großer Stern und\nleuchtet und ist ein tiefes Auge in die Nacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c008", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.6.2", "titre_corps": "Märchen", "titre_sommaire": "Märchen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "debut_caractere": 3772, "fin_caractere_exclue": 4573, "texte": "Märchen\nSpät über den Häusern,\nWiann die Dächer von Farben tropfen,\nKniest du bei mir am Fenster auf dem Schemel.\nEin Wundern bebt in dir.\nIch fühle deine Pulse klopfen,\nAls lebte dein Blut in mir!\nKannst du das fest begreifend sehen:\nWie ich am Fenster lehne\nUnd, weich beglüht,\nDie Arme in das Licht hinüberdehne?\nMit meinen Fingern pflück ich aus) den grünen\nGrüften.\nDie kleine, abendfarbene Tanzmusik vom\nKaffeehaus.\nIn meinen Händen wird sie groß und lodert in\nden Sommerlüften.\nAuf einmal wächst vom goldnen Horizont,\nWeiß, riesengroß und spätbesonnt,\nDein hingeträumter Leib heraus.\nDa spanne ich meine Arme weit\nDurch buntverhängte Abenddämmerungen\nUm deines Leibes Traumverlorenheit —\nMädchen! und halte dich dort über Dächern und\nder Zeit\nWie hier am wachen Fenster märchenfest\numschlungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c009", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "108", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.7", "titre_corps": "Heldensage", "titre_sommaire": "Heldensage", "signature_source": "Franz Herczeg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "debut_caractere": 4575, "fin_caractere_exclue": 8238, "texte": "Heldensage\nFranz Herczeg\nDie Hügel waren voll von roten Knospen und\nein grüner Schleier floß über die Wiesen hin. Von\nSüden her schwang sich der Wind und säte weiße\nSchaumstreifen in den Spiegel des Meeres, über\nder Insel kreisten schwangere Wolken von blen-\ndendem Glanz. Es war Frühling!\nZur Nachtzeit ließ sich aus dem Schlosse der\nheiligen Höhle ein gräuliches, markerschütterndes\nGebrüll vernehmen, von dem die Felsen erbebten.\nAuch am Morgen verstummte das Getöse nicht\nund ein Haufen angstbebender Menschen eilte zur\nHütte des Priesters.\nDer Stiergott wütet! Hilf uns, heiliger Mann!\nDer Priester strich seinen langen Bart.\nWenn der Gott brüllt, ist es ein Zeichen, daß\nihn nach Weiberfleisch hungert. Drei Tage wartet\ner — bringen wir ihm dann kein Weib, so kommt\ner aus seiner Höhle heraus und verschlingt uns alle.\nMan gebe dem Qott ein Weib! schrien die\nLeute.\nOpfern wir ihm das fremde Weib! schlug der\nPriester vor.\ni Da waren sie alle zufrieden und gingen sofort\nauf die Suche nach dem Opfer.\nSie fanden die Frau in einer sandigen Bucht,\nwo sie eben badete und ihr weißes Gewand wusch;\nals sie in der Ferne die Männer erblickte, stieg sie\neilends aus dem Wasser und hüllte sich in das\nnasse Kleid.\nDas geheimnisvolle Weib, mit dem kein Ein-\nwohner der Insel sprechen konnte, war an einem\nAbend im Herbst auf die Insel gekommen. Das\nMeer schlug empörte Wellen — und mitten im\nSturm sah man auf hoher See ein purpurnes Segel\nschweben. Am Morgen war keine Spur von dem\nSchiff zu bemerken — und in einer Bucht am\nStrande fanden Fischer die fremde Frau ohnmäch-\ntig liegen.\nSeitdem lebte sie auf der Insel. Die Fischer ver-\nsahen sie mit Nahrung, denn sie hielten das Weib\nfür einen Liebling der Götter. Übrigens war sie\nein stilles, ernstes Wesen; meist saß sie am Strand\nund wusch und putzte sich, dann wieder flocht\nsie stundenlang ihr reiches blondes Haar.\nSchon ihr Äußeres ließ erkennen, daß sie aus\nweiter Ferne gekommen war. Die Inselbewoh-\nner waren alle kurzstämmig, haarig, breitnasig\nund weitmäulig, die fremde Frau aber war schlank\nund weiß an Gliedern, hatte die Stirne hochge-\nwölbt und die Nase lang und gerade. Ihr Auge\nwar blau wie das Firmament. Alte Fischer mein-\nten, daß sie von östlichem Gestade hergekommen\nsei, wo die Menschen in goldenen Gewändern ein-\nhergehen und in hohen Häusern aus Stein wohnen.\nWiderstandslos ließ sich das Weib Fessel an-\nlegen und zu der heiligen Höhle schleppen. Vor\ndem Eingang der Höhle warfen sich alle Fischer\naufs Angesicht, nur der Priester mit dem Opfer\ntrat in das kühle Dunkel. Dort riß er das weiße\nGewand vom Körper des Weibes, befestigte sie an\neinem Felsen und begann mit meckernder Stimme\neine wilde Hymne zum Preise des Stiergottes zu\nsingen.\nDas fremde Weib wußte, was es zu erwarten\nhabe. Drei Tage mußte sie hier bleiben. Wenn\nder Gott bis dahin seine Stimme nicht erhob, war\nes ein Zeichen, daß er das Opfer nicht annimmt.\nWenn er aber zu brüllen begann, würde sie in den\ntiefen Schlund geworfen werden, in dem das Un-\ngetüm hauste.\nDas Weib starrte mit glasigem Blick in den\nschwarzen Abgrund zu ihren Füßen, der schon\nviele junge Frauen verschlungen hatte.\nJetzt war der Gott verstummt, aber in weiter\nFerne hörte man das rythmische Stöhnen seines\nAtems.\nAm Morgen des folgenden Tages ereignete sich\netwas Ungewohntes. Ein fremdes Schiff warf in\nder sandigen Bucht Anker. Eine große Barke mit\ngeschnabeltem Kiel, deren lange Ruder etwa vier-\nzig Männer von riesenhaftem Wüchse führten.\nAm Steuer stand ein Jüngling, stiernackig und\nbraungliedrig, auf dessen Antlitz Stolz und Hoch-\nmut wohnten. Der Jüngling war nackt, ein feder-\nbebuschter Kupferhelm saß auf seinem Locken-\nhaupt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "Ein alter Fischer, der eben am Strande lun-\ngerte, warf sich vor den landenden Fremden auf die\nKnie. Er wußte, daß diese Männer aus den steiner-\nnen Städten am Ostufer kamen. Unruhig war ihr\nBlut, gewaltsam und listig ihre Sinnesart; furcht-\nlos befuhren sie die Meere, hungernd nach Kriegs-\nbeute und achtlos des Menschenmordes. Einige\nvon ihnen, die Stärksten und Kühnsten, behaupten,\ndaß sie Göttersöhne sind.\nDer kupferbehelmte Mann, der die Sprache der\nInselbewohner kannte, fragte den alten Fischer, ob\ner schon von dem Stiergott gehört habe, der sich\nvon Menschenfleisch nährt?\nWie sollte ich nicht von ihm gehört haben,\nmein Gebieter — erwiderte der Alte. Ist er nicht\nunser Gott und haust auf unserer Insel? Alljähr-\nlich gebührt ihm ein Weib und eben heute soll er\nsein Opfer erhalten.\nSo sind wir am rechten Ort! — rief freudig der\nJüngling und faßte nach einem mächtigen Streit-\nkolben und einem kurzen Schwert. Dann befahl\ner dem Alten, ihn und seine Gefährten zur heiligen\nHöhle zu geleiten.\nVor der Höhe fanden sie einige hundert Leute\nam Bauche liegen, während der langbärtige Prie-\nster heilige Gesänge sang und mit seltsamen Tanz-\nsprüngen das Opfer vorbereitete. Drunten, in der\nTiefe, brüllte das Ungeheuer ungeduldig.\nMit geschwungenem Streithammer trat der Be-\nhelmte vor dem Priester. Du, rief er ihn an, rufe\nDeinen Gott und sage ihm, daß ich mit ihm käm-\npfen will!\nEntsetzt erhob der Priester seine Hände.\nZurück, Gotteslästerer! Willst Du, daß der Stier-\ngott in seinem Zorn unsere Insel vernichtet?\nDa faßte der Jüngling den Priester bei seinem\nBart und schleifte ihn aus der Höhle. Die Menge\naber floh schreckensvoll nach allen Richtungen.\nDie Fremd.en besetzten das Felsentor und der\nJüngling trat allein in die heilige Höhle. Ohne sich\num das gebundene Weib zu kümmern horchte er\naufmerksam auf das Gebrüll des Ungeheuers. Auf\nseinem Fuchsgesicht zeigte sich abwechselnd Be-\ntroffenheit, Verwunderung, Verdacht und Ver-\nachtung.\nDann rief er seinen Gefährten zu: Bringt eine\nFackel!\nEiner seiner Mannen, ein Greis mit lockigem\nBart, hielt ihn am Schwerte fest.\nWillst Du wirklich in die Höhle, Herr?\nDer Kupferbehelmte nickte stolz.\nWenn es wahr ist, daß ich des Zeus Enkel bin,\nwerde ich das Ungeheuer besiegen.\nVorsichtig leuchtete er mit der Fackel in die\ndunkle Tiefe. An der Wand des Absturzes hatte\ndas Wasser Furchen gegraben, so daß man leicht\nherabklettern konnte. Langsam stieg der Jüng-\nling hinunter. Der Boden des Abgrundes war mit\nSkeletten bedeckt, den Überresten der Opfer des\nStiergottes. Unten mündete ein dunkler Gang, in\ndem sich das Toben des Ungeheuers vernehmen\nließ. Mit fahlem Gesicht und zusammengebissenen\nZähnen, aber mit zäher Entschlossenheit, kroch der\nAbenteurer weiter in der Richtung des schauer-\nlichen Getöses.\nPlötzlich umwehte eisige Kälte sein Gesicht. Die\nFackel flackerte in seiner Hand auf und erlosch.\nEin blindes Dunkel umklammerte ihn und er fühlte\nerbebend, daß der Berg sich um ihn schwindelnd\ndrehte und ihn mit dem Riesengewicht seiner Fel-\nsen zu erdrücken drohte. Aber es geschah nichts.\nAls sein Auge sich an das Dunkel gewöhnt hatte,\nsah er ein bläuliches Licht schimmern. Mechanisch\nging er weiter und stand bald am Rande eines klei-\nnen unterirdischen Sees, dessen Wasser azurblau\nstrahlte. In der Wand der Höhle befand sich ein\nkleiner Kanal, der ins offene Meer führte. Dort\nkochte und toste das vom Südwind aufgepeitschte\nWasser und die Felsengänge verstärkten den Laut\nzu donnergleichem Getöse.\nSo erkannte der Fremde mit einem Schlag das\nGeheimnis des Stiergottes. Der schmerzhafte\nDruck, den er auf seinem Herzen gefühlt hatte,\nwich mit einem Male und erleichterte sich in\neinem gewaltigen, die Felsengründe erschütternden\nGelächter. Dann untersuchte er die Öffnung des\nKanals und fand bald, daß er sie ausfüllen könnte.\nEs gab genug große Steine und roten Ton da unten.\n*\nDie da oben, die fremden Schiffer und die Ein-\nwohner der Insel, horchten mit eingehaltenem\nAtem. Der Stiergott mußte heute in gewaltigem\nZorne toben, seine Stimme war eitel Blutdurst.\nJetzt, — wie er auffuhr — er witterte schon den\nkühnen Eindringling!\nZitternd sanken alle in die Kniee. Das Brüllen\ndes Ungetüms war ihnen das Sinnbild einer unbe-\nsiegbaren Kraft, eines alleszerschmetternden\nZornes.\nNein, kein Sterblicher konnte sich mit diesem\nGott messen.\nAber jetzt — das Kriegsgetümmel erstarb zu\nfurchtsamem Röcheln, zu schmerzlichem Stöhnen.\nDas war das langsame Hinsterben eines geschlach-\nteten Gottes! Noch ein Seufzer. Dann nichts\nmehr.\nUngeheure Aufregung bemächtigte sich der\nSchiffsleute.\nEs sollte möglich sein?\nStunden gingen hin. Mit einem Mal tauchte\nein funkelnder Helm aus der Tiefe. Der Held er-\nschien — unverwundet, mit stolzer Ruhe, ein böses\n■ ■\nLächeln um die spöttischen Lippen trat.er aus der\nHöhle.\nEs ist vollbracht!, sprach er mit machtvoller\nStimme. .*\nIch habe den Gott getötet ....\nJubelnde Freude durchtost die Menge.\nEin Gott ist unter uns — ein Gott-Befreier.\nEr hat den Stiergott erlegt, den Wfeiberverschlin-\ngenden.\nDie Schiffer sinken nieder und umarmen die\nKnie ihres Gebieters. Die Fischer küssen die Spur\nseiner Füße. Der Held aber wirft jetzt den ersten\nBlick auf das gebundene Weib, ihr bleiches Ant-\nlitz ist von schamhafter Röte übergössen.\nLöst ihre Bande, sagt der Behelmte, sie ist\nmein . . .\nAutorisierte Übersetzung aus dem Ungarischen\nvon Valentin Teirich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c010", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.8", "titre_corps": "Das Musikalische in der Architektur", "titre_sommaire": "Das Musikalische in der Architektur", "signature_source": "Fritz Hoeber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.4", "debut_caractere": 5378, "fin_caractere_exclue": 9341, "texte": "Das Musikalische in\nder Architektur\nDr. Fritz Hoeber\n\nArchitektur ist gefrorene Musik\nAugust Wilhelm Schlegel\nStil kann die Zusammenstimmung der ver-\nschiedensten Elemente im Kunstwerk bedeuten.\nDenn wenn man von Materialstil oder von Zweck-\nstil oder Formenstil usw. spricht, meint man jedes-\nmal hiermit das betreffende Element in seiner\nkünstlerisch dominierenden Stellung: Bei dem Ma-\nterialstil ist das Material als Grundlage der Gestal-\ntung gegeben, nach der sich alle übrigen Faktoren\nim Kunstwerk zu richten haben. Ist jedoch der\nZweck vorausgesetzt, so müssen auch die übrigen\nElemente, wie die Formen und das Material und\nalle Gefühlsinhalte, sich ihm als gleich „zweckvoll\"\nanschmiegen. Der Formstil endlich ordnet alles\nübrige unter den Eigenwillen einer bestimmten\nFormensprache und schafft so rein idealistische\nSchönheiten.\nUnter Stil versteht man aber auch noch ein\nanderes inhaltliches Verhalten, das des Zeitstils zur\nZeit. Wie gesagt, ist das die Postulierung eines\nInhaltes: der Stil soll Ausdruck seiner Zeit sein.\nHierbei taucht nur die Frage auf, ob dieser Aus-\ndruck sich im Gleichklang oder als ein Komplement\nzu seiner Zeit befindet, konkret ob die moderne\nGeschäftigkeit oder ihr Gegenteil, die in sich be-\nfriedete Beruhigung, der Kunst ihr charakteristi-\nsches Zeichen aufdrückt. Tatsächlich bestehen\ndenn auch in unserer Gegenwart zwei solche Strö-\nmungen nebeneinander, einerseits der Impressio-\nnismus des modernen Lebens und andererseits eine\nFormkunst, die in gewisser Abgerücktheit von je*\nnem die Dauer im Wechselvollen betont. Große\nKünstler vereinen sogar nicht selten beide Stil-\nrichtungen, ohne daß in Wirklichkeit ein Wider-\nspruch darin für sie bestände.\nDeshalb scheint dieses zeitinhaltliche Prinzip\nauch nicht allgemein und eindeutig genug zu sein,\num den höchsten Sinn des Stiles zu definieren.\nUnd ebensowenig der Persönlichkeitsstil, die indi-\nviduelle Note, die das Werk eines Künstlers als\nEinheit zusammenbezieht, schon darum, weil sie\nnach außen hin als trennend und für sich absondernd\nwirkt. Auch muß in den Werken der Nutzkunst,\nin der Architektur und im Kunstgewerbe, das\neigenmächtig andersgeartete Kunstwollen des\nSchöpfers zurücktreten, schon aus der spezifischen\nStilrücksicht auf das jeweilige Komplement der\nSchöpfung, den Menschen zu dessen Dienst jene\nWerke der Nutzkunst gestaltet werden. Und die\nVerschiedenartigkeit dieser Abstimmungssubjekte,\nder Menschen mit den mannigfachsten Daseins-\nbedingungen, ist in ihrer widerspruchsvollen Di-\nvergenz wohl nicht erst zu beweisen.\nJedes einzelne dieser nur partiellen Einheits-\nmomente hat man oft schon als das allein gültige\nKriterium des „Stils\" ausgerufen. Wie es damit\nbestellt ist, wurde dargetan, und die Unmöglichkeit,\nein formales Einheitsprinzip für Architektur und\nKunstgewerbe zu finden, läge offenbar, wenn nicht,\ngerade in jüngster Zeit, für diese Künste ein um-\nfassenderes Stilgesetz in der Forderung der „räum-\nlichen Gestaltung\" aufgestellt worden wäre. Es\nist bekannt, welche ungemeine Verbreitung diese\nForderung, die sich ursprünglich auf den kleinen\nKreis von Marees, Fiedler und Hildebrand be-\nschränkte, in der heutigen Kunstbetrachtung erlangt\nhat: Wie hat sie nicht nur die Anschauungen in\nder Architektur, sondern sogar in den eigentlichen\nBildkünsten in Bann genommen! Einer solchen als\nAllerweltsmittel verwandten Theorie gegenüber\nerscheint stets eine gewisse Vorsicht und nachdenk-\nliche Zurückhaltung geboten, und so sei denn hier\nkurz untersucht, in wie weit sie diese universelle\nGeltung als höchstes Stilprinzip wirklich bean-\nspruchen darf. —\nDer Raum ist zweifellos das Material der\nArchitektur. Ob er freilich 'ausschließlich 'den\nkünstlerischen Eindruck bestimmt und wie weit der\nRaum als solcher überhaupt in der Gefühls-\ndominante im bildenden und im tektonischen Kunst-\nwerk steht, wird diskutabel bleiben. Denn der\nSatz Adolf Hildebrands „Alle Erscheinungen be-\ndeuten nur Ausdrucksbilder unserer räumlichen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4484, "texte": "Vorstellung\" ist naturgemäß auch umzudrehen:\n„Alle räumliche Vorstellung kann uns erst als Aus-\ndrucksbild zur Erscheinung werden\", womit denn\nder Vorzug der räumlichen Vorstellung vor ande-\nren psychischen Komponenten im Kunstwerk hin*\nfällig wird. Auch die im Kreise Hildebrands be-\nliebte Unterscheidung von Raum- und Funktions-\nwerten wird sich dadurch bald verwischen, indem\nder Raum für die einfühlende Empfindung „funk-\ntionell\" zu sprechen anfängt und auf diese Weise\nerst sein künstlerisches Leben erhält, das ihm die\nstereometrische Abstraktheit nie gewähren kann.\nDer Raum ist also nichts anderes als der bloß\nmaterielle Träger der Architektur, über den sie\nsich psychisch ausbreitet, genau so, wie die Zeit\nden physischen Träger für die Musik abgibt, in\ndem sie ihren künstlerischen Verlauf nimmt. Aber\nwie es einer Bachschen Fuge die Kunstwerte einer\nsolchen Musik herzuleiten, ebensowenig vermögen\ndie „raumästhetischen Analysen\" der experimen-\ntellen Psychologie den Sinn des bildenden Kunst-\nwerkes am wenigsten zu treffen. Das Geistige in\nder Kunst wird durch einseitig formalistische Na-\nturwissenschaft unterschlagen.- Auch fliegt gar\nkeine innere Nötigung vor, den materiellen Träger\ndes Kunstwerks, den Raum zum Beispiel in die-\nsem Maße empirisch zu begreifen, um sein seeli-\nsches Erlebnis persönlich mitzumachen. Das, was\nvon den Raumätshetikern, verhängnisvoll genug,\nverwechselt wird, ist die künstlerische Erkenntnis\nund das empirische Rekognoszieren, Zwecke der\nintuitiven Anschauung und Zwecke des praktischen\nSichzurechtfindens. Es ist für den architektonischen\nGenuß letzterdings einerlei, ob man sich in einem\nInnenraum des romanischen gebundenen Systems\ndes Hauptverhältnisses von 1:2 wirklich bewußt\nwird, wenn einem nur die eigentümlich strenge\nEinfachheit dieser wie nebeneinander gesetzten\nOrgeltöne wirkenden Gesamtstimmung anschaulich\naufgegangen ist. Und ebenso ist der Kunstinhalt\ndes griechischen Tempels nicht in der empirischen\nZusammenbeziehung aller geometrischen Gesamt-\nund Einzelmaße, dem Steckenpferd der Bauarchä-\nologie, zu suchen, als vielmehr in der eigenartigen\nKühle und erhabenen Größe, die diese weißdurch*\nleuchtende Antike ausatmet.\nEndlich wird sich eine verinnerlichte Kunst-\nbetrachtung auch bald davon überzeugen, welche\ninteressanten Reize und künstlerisch feinen Sen-\nsationen gerade das räumlichnicht durch-\ngeklärte und in seinen Grenzen Unbestimmte\nund Verschwommene zu schaffen imstande ist:\nhierfür lassen sich aus dem achtzehnten Jahrhun-\ndert die Beispiele finden, Werke, die auch ohne\ndie mechanische Erleichterung für „die räumliche\nAuffassung durch das Auge\" doch ihren echten\nKunstgehalt und ihre innere Tiefe besitzen. Das\nBrutale der Raumästhetik besteht ja darin, daß sie\nalle maßgebenden Komponenten des Kunstwerks\nmittels eines sehr oberflächlichen Sensualismus\nin ein bequemes Schema zu zwingen sucht, das ex-\npreß dazu erfunden zu sein scheint, den über das\nsinnlich Faßbare der Kunst hinausfliegenden Genius\nzu eliminieren. Allein niemals begründet sich Wert\noder Unwert eines Kunstwerks in seiner einfachen\nsinnlichen Verständlichkeit.\nAuch in der Baukunst muß sich immer das\nmateriell Gegebene des quantitativ ausgedehnten\nRaumes als künstlerische Wirkung in ein Allge-\nmeineres, Ueberräumliches, quantitativ Unräum-\nliches vergeistigen. Der Raum, wie ihn Hilde-\nbrand meint, stellt nur das rohmaterielle Stadium\nder Vorbereitung, aber keine Vollendung dar. Das\nabsichtliche, technische Mittel der Raumgestal-\ntung schlägt schließlich in ein unabsichtliches Seeli-\nsche um, das der rationellen Analyse entrückt,\nbleibt. Diese ästhetisch durchlebende Vergeisti-\ngung beraubt die Baukunst freilich ihres realen\nErfahrungscharakters und erhebt sich in das Be-\nreich der allgemeinen künstlerischen Harmonie.\nAber im letzten Sinne einigt sich ja die Wirkung\nsämtlicher Künste in dieser unfaßbaren psychi-\nschen Erhebung, einerlei welcher materiellen Mit-\ntel, ob zeitlich-akustisch, oder gedanklich-poetisch,\noptisch oder räumlich definierbar, sie zu ihrer Ver-\nwirklichung bedürfen. Erst in den niederen Regi-\nonen der sinnlichen Ausführung spezifizieren sie\nsich dann in der üblichen Sonderung, und zwar\ngleich so stark, daß, wie gesehen, sogar für die\nEinzelgattung eine geistige Stileinheit festzustel-\nlen, bereits schwer fällt.\nIn der Kunst erscheint alles Sinnliche nur als\nein Gleichnis. So muß denn auch für die Archi-\ntektur das absolut Musikalisch-Harmonische die\nhöchste Stileinheit bilden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.8.1", "titre_corps": "Artur Segal: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Artur Segal: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "Artur Segal: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c012", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.9", "titre_corps": "Die Schwermut des Geniebers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Geniebers : Roman", "signature_source": "Artur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.6", "debut_caractere": 4486, "fin_caractere_exclue": 10291, "texte": "Die Schwermut des\nGeniebers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nMit ungeduldigen Schritten hastete er durch\ndie Straßen; diese Stadt begann ihn zu bedrücken\nwie ein böser Traum, obwohl er sie erst seit eini-\ngen Stunden kannte. Neue Pläne formten sich in\nseinem Gehirn, der Trotz und die unbändige\nFreude dessen, der seine Stärke kennt, kamen über\nihn. Denen, die das wenigste Verlangen nach die-\nser Stärke hatten, gerade denen wollte er sie auf-\nzwingen. Die Pläne und Aussichten verdrängten\neinander im Gehirn des Künstlers, so zahlreich\nkamen sie und so unruhig gebärdeten sie sich, als\nhätte dieser Abend aus dem versonnenen Künstler\neinen kühnen, klaräugigen Tatmenschen gemacht.\nUnd plötzlich empfand er die Enge der Straßen\nnicht mehr als etwas, dem er entfliehen mußte, sah\nnicht mehr die gestorbenen Stimmen der lachenden\nund schwatzenden Frauen, — alle Beklommenheit\nwar von ihm genommen.\nEr stand oben auf der einsamen Straße\nund blickte in das Tal, dorthin, wo die Lichter der\nStadt unruhig flimmerten, wie die Sehnsucht eines\nUnwürdigen, die nie ihre Erfüllung finden kann.\nWeit vorn, am Ausgang des Tales, sauste ein Zug\ndurch die Nacht; seine Lichter zuckten wie ein\nschneller Gedanke vorüber. Jetzt stand Johannes\noben auf der einsamen Straße und hielt zugleich\nAusblick nach dem Vergangenen und nach dem\nZukünftigen, das ihn nicht mehr nur als Gebilde\nseiner farbentiefen Phantasie, das ihm jetzt er-\nschien als mehr, wie er meinte: Als Mittel, den\nSchmerzen aller engen und armen und unterdrück-\nten Menschen Gestalt zu geben. Ja, er glaubte fest\nan die Mission, zu deren Erfüllung ihm seine Kunst\ngegeben war: die Menschen nicht nur zu zwingen,\ndie Knie zu beugen vor der Gewalt seines Genius,\nnein, sie stolz und hoffnungsfroh zu machen, wäh-\nrend sie die Knie beugten, sie zu lehren, daß in die-\nsem Zeichen ihrer Demütigung ihr kraftvollster\nStolz und die Rettung vor ihrer Not und Verzweif-\nlung liege. Dies war seine Mission, und sie hatte\ner erst an diesem Sommerabend erkannt: seltsam,\nnachdem er ein Werk geschaffen hatte, das eine\nneue Kunst einleiten sollte, in Stolz und Freude,\nganz durchtränkt von der Schwermut des Ge-\nnießers, erschloß sich ihm erst das Feld, auf dem\ner wirken sollte nach der Bestimmung seines\nSchicksals. Er mußte sich innerlich lossagen von\ndem Werk, das eri vordem für die Glocke gehalten,\ndie die neue Kunst einläuten sollte. Dies verlangte\nseine Ehrlichkeit von ihm.\nMit einem Gefühl tiefer Wehmut gedachte er\ndes Briefes, den er am Morgen an den Freund ge-\nschrieben hatte, dieses freudeträchtigen, von sei-\nnem stolzen, genießerischen Ich durchstrahlten\nBriefes, in dem die hohen Töne seines Selbstbe-\nwußtseins, seiner Sonderung so klar und trotzig\nklangen. Mit tiefer Wehmut gedachte er auch der\nVerzückung der verwandelten Landschaft. Er ge-\ndachte der Wüste Oede .... und dann war das\nLeben über sie gekommen, ein ungestümes, reiches,\nin allen Tönen klingendes und klagendes Leben.\nJetzt meinte er den Sinn dieser innern Erlebnisse\nerkannt zu haben: eine Mahnung waren sie ge-\nwesen: gehe nicht an den Menschen vorüber! Gehe\nzu ihnen hin, suche sie, reiche ihnen die Hand und\nfrage sie nach ihren Taten und Schicksalen! Denn\ndu bist ihresgleichen und berufen, ihnen zu helfen.\nUnd in dieser versonnenen Sommernacht hatte\nJohannes zum erstenmal ein beengendes Gefühl.\nHohe Gedanken tönten wohl in ihm, aber waren\nsie stark genug, alle Wünsche, die von draußen\nkamen, zu übertönen? Er wollte ein Held sein —\nund hatte noch keine Schlacht geschlagen. Er\nwollte ein Verächter sein aus großer Liebe — und\nhatte nichts, das er verachten konnte. Er wollte\ngroß sein — und vergaß, daß alle Größe in der\nErde wurzeln muß. Mit einer Art verzückter\nWollust peinigte er sich selbst, indem er sich sei-\nner ersten Großstadttage erinnerte: damals hatte\ner das steinerne Ungeheuer zu einem Herrlichen\nemporgedichtet, ausgehend von der Erde, — aber\nimmer war seine Phantasie das Stärkere gewesen,\nnie hatte er die Dinge gesehen wie sie waren, son-\ndern stets ihnen seine Töne verliehen. Darum hatte\ner die Menschen nicht kennen gelernt. Jetzt aber\nwollte er Mensch unter Menschen sein; erst\nMensch, und dann erst Künstler — so sollte es sein.\nUnd so griff Johannes mit begehrlichen Händen\nnach dem Unmöglichen. Er bedachte nicht, daß\ner auf der Höhe stand und daß es dem Künstler\nnie gelingen würde, in das Tal hinabzusteigen, um\nmit den Menschen zu gehen. Er ahnte nicht, daß er\nin dem Augenblick, da er die Nüchternheit be-\ngehrte, von der Größe seines Künstlertums be-\nrauschter war, als je zuvor. Zum erstenmal hatte\ner die Kraft verloren, den Wert einer Verzückung\nzu erkennen und sich seiner zu freuen, weil jede\nVerzückung eine Gnade war. Zum erstenmal hatte\ner die Gewalt über die Bilder verloren; nun rissen\nsie ihn mit sich. Er mußte ihnen folgen, weil er\nniemals gegen seine impulsive Natur zu handeln\nvermochte. Alles strömte auf ihn ein und strömte\nwieder von ihm aus, beschwert und gesegnet mit\ndem Reichtum seiner Seele. Und selbst in dieser\nseltsamen Stunde da er bereit war, aus der Höhe\nherabzusteigen, die vornehmen Gebärden seiner\nerlesenen Künstlergedanken den Gebärden der\nMenschen anzupassen, selbst jetzt verloren seine\nGedanken ihre Hoheit nicht. Aus Hoheit waren\nsie geboren, aus der Hoheit jenes edlen Verlan-\ngens, den Menschen Rettung zu bringen. Er ging\neinen Irrweg, aber er ging ihn in edler Sehnsucht;\ner war nie mehr und zu gleicher Zeit nie weniger\nEgoist gewesen. Er zerriß seine hohen Träume\num der egoistischen Freude an den Nöten und\nKleinigkeiten der Menschen. Alles, was er tat,\nentsprang einem edlen Egoismus, dem er nicht ent-\nrinnen konnte, weil er der beste Teil seiner Künst-\nlerschaft war; und auch, wo er falsche Wege ging,\ngehorchte er nur dem Egoismus seiner aristokra*\ntischen Seele, ohne aber den erkenntnisreichen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2403, "texte": "Willen oder die Kraft zu besitzen, den Ueber-\nschwang dieses Egoismus zu dämpfen und einzu-\nbetten.\nEr erinnerte sich der Worte, die er am Morgen\nin dem Brief an seinen Freund geschrieben hatte:\n„Es ist nicht die Frage, ob eine Seele groß und\nedel sei, es ist die Frage: Ist sie so zart organi-\nsiert, daß selbst der schwächste Hauch eines Mun-\ndes eine Spur auf ihr zurückläßt?\" Unbewußt war\ner dieser Erkenntnis gefolgt, als er sein erstes Werk\nschuf; und als er jene Worte schrieb, war es ihm\nbewußt geworden. Jetzt durfte er sich nicht mehr\nmimosenhaft allen Eindrücken und Einflüssen, die\nvon außen kamen, verschließen, jetzt war es seine\nPflicht, sich als Künstler mit ihnen auseinanderzu-\nsetzen. Und eines war, das er ablegen mußte: Das\nverzerrte Lächeln dessen, der ganz vornehmer\nKlang geworden ist und jeden Mißklang verab-\nscheut. In ihm erkannte er jetzt den Feind und\ndiesem Feinde wollte er mit aller Kraft entgegen-\ntreten. Mensch unter Menschen. — Nicht nur\nKünstler unter Menschen. Dies war die schwere\nStunde, da Johannes sein erstes Werk verleug-\nnete. Jetzt meinte er, daß er sein zweites Werk\nschaffen könne, das Mitleid war nun mächtig ge-\nworden.\nDie Sommernacht stand hoch und rein über\ndem Tal. Drunten schlief die Stadt; nur wenige\nLichter blinkten noch, schläfrige Augen. Es war\nstill wie in einem Dom; nur wenn ein Zug am Aus-\ngang des Tales vorüberbrauste, glomm ein\nschwaches Rollen über die Dächer der Stadt und\nwuchs in leiser Unruhe die Berghänge hinan. Ein-\nsam sonderte es sich ab, wie er es getan hatte,\nals er sein erstes Werk schuf.\nDie Sommernacht hing, ein großer duftender\nBlumenkelch, über die Erde, in wehmütiger Freude,\nda nun das Verblühen begann: Der neue Tag stand\ndraußen und bereitete sich zu seinem Einzug in die\nErde. Ein neuer glühender Sommertag. Eine neue\nSonne kam.\n. . . . Und so schritt Johannes weiter, beschwert\nmit dem Reichtum des Tages, an dem er das Er-\nreichte geprüft und über sich selbst Gericht gehal-\nten hatte. Mit unerschütterlicher Ehrlichkeit war\nalles getan worden; mit unerschütterlicher Ehrlich*\nkeit mußte weitergeschritten werden. Und das\newig Bleibende in der Entwicklung dieser Künst-\nlerseele war der starke strahlende Glaube an sich\nselbst. Der führt in Tiefen und auf Höhen mit der-\nselben fröhlichen Unverzagtheit. Der schuf tönende\nFarben und genoß sie mit ehrfürchtigen Schauern.\nDer war groß und schön und ewig jung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c013", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.10", "titre_corps": "Inhalt : Erstes Halbjahr 1913", "titre_sommaire": "Inhalt : Erstes Halbjahr 1913", "signature_source": "Vierier Jahrgang", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.7", "debut_caractere": 2405, "fin_caractere_exclue": 6570, "texte": "Inhalt\nErstes Halbjahr 1913\nVierier Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nJoseph Adler\nVom andern Ufer 158/159 23\nPeter Scher 162/163 39\nEin Buch von Döblin 170/171 71\nG u i 11 a u m e Apollinaire\nZone 154/155 4\nArthur Babillotte\nDie Schwermut des Genießers 156/157 14\n158/159 20\n160/161 30\n162/163 36\n164/165 44\n166/167 54\n168/169 59\n170/171 70\n174/175 86\n176/177 94\n178/179 102\nAdolf Behne\nHenri Matisse 162/163 36\nGini Severini 172/173 73\nGottfried Benn\nGedichte 160/161 26\nWilliam Blake\nSprüche aus den Werken 154/155 2\nPaul Bommersheim\nGedicht 168/169 59\nB 1 a i s e Cendrars\nLe douanier Henri Rousseau 178/179 99\nAlfred Döblin\nAn Romanautoren und ihre Kritiker 158/159 17\nA 1 b er t Ehrenstein\nDer Tod in Venedig 164/165 44\nDer Traum des achhundertundacht-\nzigsten Nachtredakteurs 164/165 42\nElisabeth Epstein\nDas Lächerlichsein 156/157 15\nHermann Essig\nHippodrom 164/165 43\nOtto Feyen\nGlosse zu Franz Jung: Das Trottel-\nbuch 154/155 6\nS. Friedlaender\nDie Mitte zwischen Extremen 158/159 22\nRichard Fuchs\nOrient oder Occident 176/177 91\nGötz\nCharles Louis Philippe übersetzt 176/177 95\nPaul Hatvani\nDie Stimme der Zeit 170/171 70\nWilhelm Hausenstein\nLiteratur zu den neuen Kunstbe-\nwegungen 156/157 10\nVom Kubismus 170/171 67\nHegener\nDas Bildnis des Marcel Schwöb und\nseine Grabschrift 178/179 100\nArno Holz\n160/161 26\nKandinsky\nMalerei als reine Kunst 178/179 98\nFür Kandinsky\nProtest 154/155 3\nA a g e von Kohl\nDer schöne Korporal 174/175 82\nFernand Leger\nLes Origines de la peinture contem-\nporaine et sa valeur repräsentative 172/177 76\nRudolf Leonhard\nAngelische Strophen 154/155 3\nO Welt 166/167 52\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte 156/157 14\nGedichte 162/163 35\nAllein 166/167 50\nKatechismus 166/167 51\nGedichte 176/177 90\nFranz Marc\nNotiz 166/167 55\nFriedrich Markus Huebner\nDer Fall Bernd Isemann 174/175 87\nEmil Ernst Mehnert\nGedicht 174/175 87\nAlfred Richard Meyer\nDortmund 158/159 22\nSteglitz 160/161 29\nGedicht 164/165 44\nKloster Neustift bei Brixen 166/167 51\nParis 174/175 85\nGünther Mürr\nVergottung in Marie 172/173 75\nMynona\nDie Torturen des Gottes Mumba 164/165 42\nIdee vom Ferntaster 170/171 66\nRosa, die schöne Schutzmannsfrau 174/175 85\nL. H. Neitzel\nModerner Bund 154/155 6\nG a s t o n Picard\nCreations 162/163 35\nIsidor Quartner\nGedichte 156/157 10\nLiebeslied 158/159 20\nSinnlichkeit 168/169 59\nArthur Rimbaud\nGedichte 172/173 r4\nC u r t Seidel\nRosso-Rodin 154/155 2\nKurt Striepe\nDie Brücke 176/177 90\nHugo Engelbert Schwarz\nPhantasien des totgeborenen Knaben\nMokuro 154/155 2\nArdibots letztes Auftreten 168/169 57\nElezagal, die gelbe Maus 178/179 99\nPaul Scheerbart\nHerr Kammerdiener Kneetschke 156/157 10\nPeter Scher\nDas Holzbein 166/167 51\nDas Bad der Pauline Borghese 176/177 93\nMarcel Schwöb\nDie Leichenfrauen 172/173 74\nJosef Tress\nVater 172/173 76\nGedichte 178/179 99\nH. W.\nVon den schönen Künsten 158/159 18\nDas Fest des heiligen Geistes 160/161 31\nZeitgeschichte 162/163 34\nSammelwut 164/165 42\nPuppchen 166/167 50\nKritiker 166/167 52\nFestspielerei 170/171 66\nDer Tafel 172/173 79\nKunsthelfer 176/177 90\nE. Wichman\nOratio pro Domo 174/175 87\nErich Vogeler\nDas energetische Evangelium 164/165 47\nVom Kubismus 172/173 79\nPaul Zech\nDas Baalsopfer 160/161 26\nDie hallucinierte Nacht 168/169 59\nZeichnungen Nummer\nHans Arp\nZeichnung 154/155\nZeichnungen 158/159\nBolz\nOriginalholzschnitt 164/165\nDelaunay\nZeichnung 174/175\nJacob Eingartner\nOriginalholzschnitt 176/177\nWalter Heibig\nLandschaft / Originalholzschnitt 154/155\nHermann Huber\nZeichnung 154/155\nA. J. Korteweg\nLinoleumschnitte 170/171\nMarie Laurenciti\nOriginalholzschnitte 156/157\nOriginalholzschnitt 160/161\nF e r n a n t Leger\nZeichnung 172/173\nOskar Lüthy\nOriginalzeichnung 154/155\nFranz Marc\nOriginalholzschnitt 156/157\nOriginalholzschnitt 160/161\nWilhelm Morgner\nOriginalholzschnitt 164/165\nLinoleumschnitte 166/167\nLinoleumschnitt 168/169\nGabriele Munter\nZeichnungen 156/157\nOriginalholzschnitt 162/163\nRichter -Berlin\nOriginalholzschnitt 168/169\nF r. Rosenkranz\nOriginalholzschnitt 160/161\nA r t u r Segal\nOriginalholzschnitt 162/163\nOriginalholzschnitt 172/173\nC u r t Stoermer\nOriginalholzschnitt 166/167\nOriginalholzschnitt 178/179\nStorm-Petersen\nOriginalholzschnitt ; 178/179"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c014", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.8", "debut_caractere": 501, "fin_caractere_exclue": 1117, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Straße 134 a\nAchtzehnte Ausstellung\nSkupina / Prag\nGemalde / Skulpturen / Architektur\nEmil Filla / Vincenc Benes / Prochazka / Gutfreund\n1 Gocar / Janak\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr j Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 20. September bis 1. November\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer Straße 75 zu Berlin\nExpressionisten\nKubisten\nFuturisten\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich ./ auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nKatalog in Kupfertiefdruck mit fiinfzig Abbildungen\n2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.8", "debut_caractere": 1119, "fin_caractere_exclue": 2806, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer Straße 134*\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nQewShnllcbe Ausgabe: Ffir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertelfchr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fflr das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteliahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenumtner umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplar e au 112 holzfreiem Papier, Ve r -\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost ftlr Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Ffir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezflge, Einzel-\nnummem und Probenummern nic h t\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenst&nden auf\nPalls direkte ZustellHng durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht vird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinftendes ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, dafi E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nvfinscht wird\nQeneralvertretung des Verlags Eugene Flgul&re /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c016", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.8", "debut_caractere": 2808, "fin_caractere_exclue": 4746, "texte": "Originalholzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechsteln: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert ./\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Mttnter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige Straße\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande HI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / PortrSt Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu G«-\ndichten von Arno Holz / Fflr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz I Umberto Boccioni: Abschied/\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKandinsky: Komposition 6\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin usw.\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_01#c017", "volume": "bmtnabg_1913-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\nI>o Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes iiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 / Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nReuß und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I Potsdamerstraße 118 c. Fernsprecher Ami\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt Irei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaßige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchh&ndler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny / Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nThe Lantern: Eine Monatsschrift / Die\namerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWaldeifc\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen liber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nI Redaktion und Verlsg Herausgeber und Schriftleiter All S S t ö 11 U n fif S l\" 3. U m e\nBerlin W9/Potsdamer Straße 134 a HERWARTH WALDEN Berlin W 9/Potsdamer Straße 134a I\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS OKTOBER 1913\nNUMMER 180/181\n\nInhalt:\nC wiu 112 112? ri Ers*er Deutscher Herbstsalon / Vorrede / Vorwort der Aussteller / Rudolf Kurtz: Offener Brief an Herrn Karl Scheffler /\nfernst Wilhelm Lötz: Gedichte / Franz Herczeg: Heldensage / Dr. Fritz Hoeber: Das Musikalische in der Architektur / Arthur Babillotte: Die Schwermut\ndes Genießers / Inhalt des Vierten Jahrgangs / Hans Arp: Zeichnung / Artur Segal: Originalholzschnitt\n\nHans Arp: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.2", "texte": "Erster Deutscher\nHerbstsalon\nVorrede\nHerwarth Walden\nMit diesem Ersten Deutschen Herbstsalon wird\nein Ueberblick über die neue Bewegung in den bil-\ndenden Künsten aller Länder gegeben. Ein Ueber-\nblick, der zugleich das Blickfeld der Zeitgenossen\nerweitern wird. Der größere Teil der Zeitgenossen\nist zu stolz auf seine Augen, mit denen er nicht\neinmal sehen gelernt hat. Er verlangt vom Bild-\nwerk die Wiedergabe des eigenen optischen Ein-\ndrucks, der nicht einmal sein eigener ist. Hätte\ner ihn, so wäre er schon künstlerisch. Künstler sein,\nheißt eigene Anschauung haben und diese\neigene Anschauung gestalten können. Die Einheit\nvon Anschauung und Gestaltung ist das Wesen der\nKunst, ist die Kunst. Die großen Neuerer des\nneunzehnten Jahrhunderts haben ein doppeltes\nErbe hinterlassen, ein materielles, das ihren Epigo-\nnen von Heute zufiel und das diese angstvoll fest-\ngehalten und ein geistiges, das mit dieser Aus-\nstellung vorgeführt wird. Jene klammern sich\nan die Form, die Größere geschaffen haben. Statt\neigenes zu gestalten, ahmen sie Gestalten vergan-\ngener Bijder nach. Und zwar nur die Bilder,\nnicht einmal die so kläglich oft herbeigerufene\nNatur. Und Nachahmung kann nie Kunst sein, ob\nsie nun von den Bildern oder von der Natur ge-\nnommen ist. Diese affenhafte Fähigkeit vermißt\nman nun bei den Künstlern der Gegenwart, die das\ngeistige Erbe der großen Neuerer angetreten ha-\nben. Man redet von dem Fehlen der Form. Man\nsollte reden vom Fehlen der Uniform. Menschen\nsind wir zwar alle, aber trotzdem gleicht kein\nKörper dem anderen. Das Gleichen wird nur durch\ndie Uniform erreicht. Man bleibt sich gleich, auch\nwenn die Mode die Uniformen wechseln läßt.\nSelbst ein sich Zurückanziehen in Biedermeier-\nröcke, römische Togen oder griechische Faltenklei-\nder ändert am Körper nichts. Den Körper ändert\nausschließlich der Geist, dem der Körper dient.\nNatürlich kann man nicht Geist malen, aber ohne\nGeist zu malen ist erst recht keine Kunst. Kunst\nist die persönliche Gestaltung eines persönlichen\nErlebnisses. Das einzige, was den Künstler bin-\ndet und ihm Halt gibt, ist das Material seiner Kunst.\nJede konventionelle Form aber ist ein Gerüst für\neinen einstürzenden Bau oder ein Korsett für einen\nverfallenden Körper. Kunst ist Gabe und nicht\nWiedergabe. Wenn man eine edle Frucht genie-\nßen will, muß man die Schale opfern. Auch die\nschönste Schale täuscht nicht über die Schalheit\ndes Inneren fort. Der Maler malt, was er schaut\nin seinen innersten Sinnen, die Expression seines\nWesens, alles Vergängliche ist ihm nur Gleichnis,\ner spielt Leben, jeder Eindruck von Außen wird\nihm Ausdruck von Innen. Er ist der Träger und der\nGetragene seiner Visionen, seiner inneren Ge-\nsichte. Kann er dafür, daß Gesichter anders\naussehen? Klang denn die neunte Symphonie\nBeethoven aus der schönsten Landschaft entge-\ngen? wurde ihm sein Rhythmus vormarschiert?\nWohl aber ließ er Menschenheere nach seinem Wil-\nlen stürmen, siegen oder fallen. Grünewald und\nGreco bildeten die Menschheit nach ihren Bildern\num. Die jüngst vergangene Malerei stellte die\nMenschheit zu Kostümfesten auf. Die Künstler\nhaben nicht mehr gebildet, dafür waren sie es.\nDer wirkliche Künstler muß der Bildner seiner\nBildungen sein. Und die Gebildeten insgesamt\nsollten sich endlich entschließen, aus der Passivi-\ntät der Bildung zur Aktivität des Bildes aufzu-\nschauen.\nIch fühle mich zur Veranstaltung dieser Aus-\nstellung berechtigt, weil ich von dem Wert der hier\nvertretenen Künstler überzeugt bin. Weil ich mit\nden bedeutendsten Künstlern dieser neuen Bewe-\ngung persönlich befreundet bin. Befreundet durch\neine Freundschaft, die durch gleiche künstlerische\nAnschauungen und Empfindungen entstanden ist.\nIch bin sicher, daß der unkünstlerische Teil\ndes Publikums über diese Ausstellung und über\nmich lachen wird. Und ein guter Teil des Publi-\nkums auch, daß sich ohne Berechtigung für künst-\nlerisch hält. Diese Herrschaften warne ich be-\nsonders. Im Rahmen des Vereins für Kunst liegen\ndie Erfahrungen für die Literatur bereits vor. Diese\nHerrschaften und ebensosehr die Durchschnittskri«\ntiker amüsierten sich über Heinrich Mann, über\nAlfred Mombert, über Karl Kraus und Else Lasker-\nSchüler. Ihre künstlerische Bedeutung findet man\nheute schon nach kaum zehn Jahren und weniger\nsogar von den harmlosesten Tageszeitungen be-\nstätigt, was natürlich weder für die Künstler noch\nfür die Tageszeitungen etwas bedeutet. Ich nenne\nhier nur die wichtigsten Namen, die durch den\nVerein für Kunst zum ersten Mal in die größere\nOeffentlichkeit gebracht wurden. Es liegen aber\nauch bereits Erfahrungen für die bildende Kunst\nvor. Als Oskar Kokoschka in jeder Nummer des\nersten Jahrgangs der Zeitschrift Der Sturm mit\ngraphischen Arbeiten gezeigt wurde, lachten die\nKunstkenner und selbst der verdiente Kunstkritiker,\nder heute nicht mehr weiß, wohin wir treiben, ver-\nspottete die Kritzeleien. Heute nach drei Jahren\nreißt man sich um die verhöhnte Graphik. Es gibt\nsogar naive Leute, die behaupten, daß die Maler\nheute „so\" aus geschäftlichen Gründen malen und\ndaß der Sturm diese Maler aus geschäftlichen\nGründen vertritt und nicht aus künstlerischer\nUeberzeugung. Einem dieser Herren, einem Kunst-\nkritiker, habe ich zur Zeit Gelegenheit gegeben,\nvor Gericht den angebotenen Beweis zu erbringen.\nEr will nichts weniger beweisen, als daß „Kandinsky\nlediglich aus Geschäftsrücksichten sich dieser futu-\nristischen Kunstrichtung angeschlossen habe.\" Zu\ndiesem Wahn versteigt sich der Haß gegen Kunst.\nUns ist nicht das Leben die Kunst. Aber die\nKunst das Leben.\n\nVorwort der Aussteller\nWir leben heute nicht in einer Zeit, in der die\nKunst die Helferin des Lebens ist. Was heute an\nechter Kunst entsteht, scheint eher der Niederschlag\nalter Kräfte zu sein, die das Leben nicht aufzubrau-\nchen, aufzusaugen vermag; sie ist die Gleichung,\ndie abstrakt gesinnte Geister aus dem Leben zie=\nhen, wunschlos, zwecklos und ohne Hader.\nIn anderen Zeiten ist die Kunst die Hefe, die\nden Teig der Welt durchsäuert; solche Zeiten sind\nheute fern. Bis sie erfüllt sind, muß sich der Künst-\nler in gleicher Ferne vom offiziellen Leben halten.\nDas ist der Grund unserer selbstgewählten Ab-\nschließung gegen die Anträge, die die Welt uns\nmacht; wir wollen uns nicht mit ihr vermischen.\nUnter diese „Welt\" rechnen wir auch die uns\nwesensfremden Künstler, mit denen gemeinsam\nzu arbeiten uns unmöglich scheint, nicht aus\n„kunstpolitischen\" Gründen, von denen heute so\nviel geredet wird, sondern aus rein künstlerischen\nGründen.\n\nOffener Brief an Herrn\nKarl Scheffler\nSehr geehrter Herr\n\nIch habe mir von Herrn Herwarth Waiden\ndie Erlaubnis erbeten, Ihrem Bericht über den\n„Herbstsalon\" in der „Vossischen Zeitung\" ein\npaar Bemerkungen hinzufügen zu dürfen.\nIch schicke voraus, daß es über künstlerische\nAngelegenheiten zwischen uns keine Diskussion\ngeben kann. Auf sachliche Argumente antworten\nSie „Cafe Größenwahn\", auf wohlfundierte\nAttacken „Ich bin der Aeltere\". Sie erinnern sich,\ndaß Sie vor einigen Jahren in der „Zukunft\" mit\ndieser Art Lexikon gegen mich polemisiert haben.\nDagegen halte ich eine Verständigung über mo-\nralische Dinge wohl für möglich. Handwerklich\ngebundene Naturen, wie Sie, Herr Karl Scheffler,\nsind in ihrer ethischen Praxis meist durchsichtig,\neinfach und klar. Wenn sich dennoch, im Künst-\nmoralischen, Trübes findet, so geht dies, wie ich\nglaube, auf den mystischen Kern Ihrer Persönlich-\nkeit zurück. Man wird mich nie von Ihrer bösen\nAbsicht überzeugen: wohl aber, daß Ihre Bewußt-\nseinshelle zeitweise mit billigem Leuchtgas her-\ngestellt ist. Gestatten Sie mir noch, Sie auf einen\ngewissen Mangel an journalistischer Erfahrung\nhinzuweisen, der Ihre Zeitungsberichte dispropor-\ntioniert und ihnen selbst für den überzeugungs-\nbereiten Leser Werte entzieht. Ich hoffe, Sie zu\ndieser Einsicht bewegen zu können.\nIch habe nichts gegen Reaktionäre: sie fügen\ndem künstlerischen Genuß am Gewagten erfreu-\nliche Nebenschwingungen zu. Fragwürdiger aber\nwird der Typus, wenn er sich hinter moralischen\nErwägungen versteckt, wenn er seine Nervenlosig-\nkeit dem Andersdenkenden unterschiebt und ihn\nals gesinnungslosen Mitläufer denunziert. Ich fasse\ndiesen Satz aus Ihrer Notiz doch richtig auf? „Es\ngeht, wie ein Fluch, durch unsere Kunst die Sol-\nneßangst vor der Jugend. Die Folge ist, daß der\nunmündigen Jugend in einer abscheulich servilen\nWeise geschmeichelt wird.\" Und dann, abgesehen\nvon dem materiellen Inhalt Ihrer Sentenz: haben\nSie die berliner Presse gelesen? Wo ist die ab-\nscheuliche Servilität in diesem höhnisch-entsetztem\nDavonspringen? Haben Sie je in die Ateliers der\n„unmündigen Jugend\" gesehen, wo der Ertrag der\n„Umschmeichelungen\" in Form von Tee und Qua-\nker Oats konsumiert wird? Sie scheinen mir Ihre\nObjektivität — die einem Manne Ihrer Art allein\ndas Gesicht gibt — bedenklich auf die Schaukel\ngesetzt zu haben: oder meinen Sie, daß ein Satz,\nwie das folgende Zitat, nicht sehr verräterische\nUntertöne habe? „Das Niveau der Ausstellung\nist sehr niedrig, ganz abgesehen vom Prinzipiellen.\"\nSie formulieren also zwei Betrachtungsmöglich-\nkeiten: das „Prinzipielle\"und einen ungenannten\nWert. Sie machen mich neugierig, was für Sie das\nkünstlerische Niveau bestimmt: die Leistung oder\nihre Prinzipien? Gewiß: wenn Sie unter „Prinzi-\npien\" das System Ihrer aesthetischen Ansichten\nmeinen — eine Formulierung, die ich einem Ama-\nteur in der Metaphysik wie Sie, gern zugestehe\n— dann aber sind diese Prinzipien das einzig mög-\nliche Wertmaß; und ein anderes, was nach Fort-\nlassung ihrer noch bleiben könnte, ist in sich un-\nmöglich. In der Perspektive Ihrer Notiz bietet\nsich das „Prinzipielle\" vielmehr als die krystalli-\nsierte Form Ihrer Abneigungen an — als ein außer-\nhalb der Kunst liegender Wert, in dem sich Ihre\nSympathielosigkeit für „die janze Richtung\" ein\nVentil schafft. Daß Sie als Schlußstück unter Ihrem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.3", "texte": "Bericht noch folgende Zeilen setzen zu müssen glau-\nben (nachdem Sie immerhin einiges Bemerkens-\nwerte gefunden haben) läßt Ihre Abneigung in sehr\nprivate Mitteilungen entgleisen. „Man sieht, es\nlohnt nicht der Besuch. Es ist aber sehr schade,\ndaß wieder einmal dieser Ausstellungsaufwand,\nden ein gutmütiger Mäzen bezahlt, umsonst vertan\nworden ist.\" Warnen Sie nur vor dem Besuch des\n„Herbst-Salon\". Ich darf Ihrer historischen Bil-\ndung zumuten, daß Ihnen diese Warnung als\nRequisit aller reaktionären Tendenzen in der\nmodernen Kunst bekannt ist. Wie aber motivieren\nSie die direkte Wendung an den so mitleidig-über-\nlegen charakterisierten „gutmütigen Mäzen\"? Ich\nempfinde das selbst innerhalb Ihres Wiirkens als\neine ungewöhnliche Entgleisung — als ein uner-\nklärliches Sichverirren Ihrer gern betonten ethi-\nschen Haltung in das Portomonnaie Ihres Nächsten.\nAber ich möchte diese Abwegigkeiten als Aus-\ndruck einer gewissen Hilflosigkeit verstehen, einer\nVerwirrung, die sich in dem Format einer Tages-\nkritik noch nicht zurecht gefunden hat. Sympto-\nmatisch für diesen Zustand schienen mir immer Be-\nmerkungen über Künstler, die sich in einem Satz\nwie diesen zusammenfassen: „Dann bleibt man\nvor drei Zeichnungen von Kokoschka stehen. Doch\nist er in dieser Umgebung fast ein „Alter\". Drei\nwertvolle Zeilen gefüllt, ohne daß der Leser das Ge-\nringste über die persönliche Nuance des Künstlers\nerfährt. Bei beschränkten Raum ist es kritische\nPflicht, persönliche allgemeine Ansichten hinter\nden Anspruch der Künstler (soweit sie überhaupt\nder Erwähnung wert gefunden werden) zurücktre-\nten zu lassen. Denn was geben Aufzeichnungen wie\ndie folgende überhaupt als persönlichen Inhalt her:\n„Von den ausgestellten Malereien aus Rußland,\nIndien, Japan, China und der Türkei interessiert\nam meisten das kleine Triptychon „Die Handwer-\nker\" ein Werk moderner türkischer Malerei.\" Hier-\nnach scheinen Sie um möglichst restlose Aufzäh-\nlung des Gebotenen bemüht: dann aber ist es mir\nunbegreiflich, wie man an den Namen Delaunays\nund Kandinskys vorübergehen kann, die der Zahl\nder Bilder nach am reichsten in diesem Herbstsalon\nvertreten sind. Gewiß: diese Herren stehen im\nBrennpunkt Ihrer Antipathie — aber ein Mann wie\nSie, der, wenn ich so sagen darf, auf Eigeneffekte\nverzichtet, der sein Leben daran setzt, auf den er-\nsten Blick als ernster Mensch festgestellt werden zu\nkönnen, Sie sollten sich dieser ein wenig verpönten\nHilfsmittel enthalten, und dieser Wunsch wird Ihnen\nzur Pflicht, wenn es sich um Attacken gegen den\nFeind handelt.\nIch denke, daß Sie, Herr Scheffler, den be-\nherrschten Ton dieser Zeilen zu schätzen wissen.\nEr entspringt dem Wunsche, einem hart ringenden\nMenschen bei der Feststellung seines Weges be-\nhilflich zu sein. Und dieses Motiv wird auch hin-\nreichen, Herrn Herwarth Waiden eine Breite der\nArgumentation begreiflich zu machen, für die ich\nsonst schwerlich eine Begründung finden würde.\nErgebenst\n\nRudolf Kurtz\n\nGedichte\nVor Ernst Wilhelm Lotz\n\nAbendspiel\nDie kleinen Kinder sitzen auf den Stufen vor\ndem Haus,\nSind eng gerückt und spielen Große, die sich\nstreng besuchen.\nManchmal fällt einem Mädchen ein Lachen aus\ndem Halse heraus.\nIch spiele auch. Ich spiele ein herzkindliches Spiel.\nIch spiele eine Kette von Kindern, einen rosin-\nfarbenen Kranz,\nHinauf in die trunkene Luft, in der Sonne\nUntergangsspiel.\nIch spiele mich eifrig und heiß und rot und werde\nleuchtend in unnatürlichem Glanz.\nMein Werkstaunen schwillt übergroß und wird\nmir zuviel!\nStark in der Wolken hinausschwingendes Lichten\nWerf ich, jäh frei gekrallt aus meinem Leib, mein\nHerz, das Flammen facht:\nZerdonnernd dumpf verschwimmt das Höhenspiel\nzu bleichen Schichten.\nUnd wo ich hintraf, steht ein großer Stern und\nleuchtet und ist ein tiefes Auge in die Nacht.\n\nMärchen\nSpät über den Häusern,\nWiann die Dächer von Farben tropfen,\nKniest du bei mir am Fenster auf dem Schemel.\nEin Wundern bebt in dir.\nIch fühle deine Pulse klopfen,\nAls lebte dein Blut in mir!\nKannst du das fest begreifend sehen:\nWie ich am Fenster lehne\nUnd, weich beglüht,\nDie Arme in das Licht hinüberdehne?\nMit meinen Fingern pflück ich aus) den grünen\nGrüften.\nDie kleine, abendfarbene Tanzmusik vom\nKaffeehaus.\nIn meinen Händen wird sie groß und lodert in\nden Sommerlüften.\nAuf einmal wächst vom goldnen Horizont,\nWeiß, riesengroß und spätbesonnt,\nDein hingeträumter Leib heraus.\nDa spanne ich meine Arme weit\nDurch buntverhängte Abenddämmerungen\nUm deines Leibes Traumverlorenheit —\nMädchen! und halte dich dort über Dächern und\nder Zeit\nWie hier am wachen Fenster märchenfest\numschlungen.\n\nHeldensage\nFranz Herczeg\nDie Hügel waren voll von roten Knospen und\nein grüner Schleier floß über die Wiesen hin. Von\nSüden her schwang sich der Wind und säte weiße\nSchaumstreifen in den Spiegel des Meeres, über\nder Insel kreisten schwangere Wolken von blen-\ndendem Glanz. Es war Frühling!\nZur Nachtzeit ließ sich aus dem Schlosse der\nheiligen Höhle ein gräuliches, markerschütterndes\nGebrüll vernehmen, von dem die Felsen erbebten.\nAuch am Morgen verstummte das Getöse nicht\nund ein Haufen angstbebender Menschen eilte zur\nHütte des Priesters.\nDer Stiergott wütet! Hilf uns, heiliger Mann!\nDer Priester strich seinen langen Bart.\nWenn der Gott brüllt, ist es ein Zeichen, daß\nihn nach Weiberfleisch hungert. Drei Tage wartet\ner — bringen wir ihm dann kein Weib, so kommt\ner aus seiner Höhle heraus und verschlingt uns alle.\nMan gebe dem Qott ein Weib! schrien die\nLeute.\nOpfern wir ihm das fremde Weib! schlug der\nPriester vor.\ni Da waren sie alle zufrieden und gingen sofort\nauf die Suche nach dem Opfer.\nSie fanden die Frau in einer sandigen Bucht,\nwo sie eben badete und ihr weißes Gewand wusch;\nals sie in der Ferne die Männer erblickte, stieg sie\neilends aus dem Wasser und hüllte sich in das\nnasse Kleid.\nDas geheimnisvolle Weib, mit dem kein Ein-\nwohner der Insel sprechen konnte, war an einem\nAbend im Herbst auf die Insel gekommen. Das\nMeer schlug empörte Wellen — und mitten im\nSturm sah man auf hoher See ein purpurnes Segel\nschweben. Am Morgen war keine Spur von dem\nSchiff zu bemerken — und in einer Bucht am\nStrande fanden Fischer die fremde Frau ohnmäch-\ntig liegen.\nSeitdem lebte sie auf der Insel. Die Fischer ver-\nsahen sie mit Nahrung, denn sie hielten das Weib\nfür einen Liebling der Götter. Übrigens war sie\nein stilles, ernstes Wesen; meist saß sie am Strand\nund wusch und putzte sich, dann wieder flocht\nsie stundenlang ihr reiches blondes Haar.\nSchon ihr Äußeres ließ erkennen, daß sie aus\nweiter Ferne gekommen war. Die Inselbewoh-\nner waren alle kurzstämmig, haarig, breitnasig\nund weitmäulig, die fremde Frau aber war schlank\nund weiß an Gliedern, hatte die Stirne hochge-\nwölbt und die Nase lang und gerade. Ihr Auge\nwar blau wie das Firmament. Alte Fischer mein-\nten, daß sie von östlichem Gestade hergekommen\nsei, wo die Menschen in goldenen Gewändern ein-\nhergehen und in hohen Häusern aus Stein wohnen.\nWiderstandslos ließ sich das Weib Fessel an-\nlegen und zu der heiligen Höhle schleppen. Vor\ndem Eingang der Höhle warfen sich alle Fischer\naufs Angesicht, nur der Priester mit dem Opfer\ntrat in das kühle Dunkel. Dort riß er das weiße\nGewand vom Körper des Weibes, befestigte sie an\neinem Felsen und begann mit meckernder Stimme\neine wilde Hymne zum Preise des Stiergottes zu\nsingen.\nDas fremde Weib wußte, was es zu erwarten\nhabe. Drei Tage mußte sie hier bleiben. Wenn\nder Gott bis dahin seine Stimme nicht erhob, war\nes ein Zeichen, daß er das Opfer nicht annimmt.\nWenn er aber zu brüllen begann, würde sie in den\ntiefen Schlund geworfen werden, in dem das Un-\ngetüm hauste.\nDas Weib starrte mit glasigem Blick in den\nschwarzen Abgrund zu ihren Füßen, der schon\nviele junge Frauen verschlungen hatte.\nJetzt war der Gott verstummt, aber in weiter\nFerne hörte man das rythmische Stöhnen seines\nAtems.\nAm Morgen des folgenden Tages ereignete sich\netwas Ungewohntes. Ein fremdes Schiff warf in\nder sandigen Bucht Anker. Eine große Barke mit\ngeschnabeltem Kiel, deren lange Ruder etwa vier-\nzig Männer von riesenhaftem Wüchse führten.\nAm Steuer stand ein Jüngling, stiernackig und\nbraungliedrig, auf dessen Antlitz Stolz und Hoch-\nmut wohnten. Der Jüngling war nackt, ein feder-\nbebuschter Kupferhelm saß auf seinem Locken-\nhaupt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.4", "texte": "Ein alter Fischer, der eben am Strande lun-\ngerte, warf sich vor den landenden Fremden auf die\nKnie. Er wußte, daß diese Männer aus den steiner-\nnen Städten am Ostufer kamen. Unruhig war ihr\nBlut, gewaltsam und listig ihre Sinnesart; furcht-\nlos befuhren sie die Meere, hungernd nach Kriegs-\nbeute und achtlos des Menschenmordes. Einige\nvon ihnen, die Stärksten und Kühnsten, behaupten,\ndaß sie Göttersöhne sind.\nDer kupferbehelmte Mann, der die Sprache der\nInselbewohner kannte, fragte den alten Fischer, ob\ner schon von dem Stiergott gehört habe, der sich\nvon Menschenfleisch nährt?\nWie sollte ich nicht von ihm gehört haben,\nmein Gebieter — erwiderte der Alte. Ist er nicht\nunser Gott und haust auf unserer Insel? Alljähr-\nlich gebührt ihm ein Weib und eben heute soll er\nsein Opfer erhalten.\nSo sind wir am rechten Ort! — rief freudig der\nJüngling und faßte nach einem mächtigen Streit-\nkolben und einem kurzen Schwert. Dann befahl\ner dem Alten, ihn und seine Gefährten zur heiligen\nHöhle zu geleiten.\nVor der Höhe fanden sie einige hundert Leute\nam Bauche liegen, während der langbärtige Prie-\nster heilige Gesänge sang und mit seltsamen Tanz-\nsprüngen das Opfer vorbereitete. Drunten, in der\nTiefe, brüllte das Ungeheuer ungeduldig.\nMit geschwungenem Streithammer trat der Be-\nhelmte vor dem Priester. Du, rief er ihn an, rufe\nDeinen Gott und sage ihm, daß ich mit ihm käm-\npfen will!\nEntsetzt erhob der Priester seine Hände.\nZurück, Gotteslästerer! Willst Du, daß der Stier-\ngott in seinem Zorn unsere Insel vernichtet?\nDa faßte der Jüngling den Priester bei seinem\nBart und schleifte ihn aus der Höhle. Die Menge\naber floh schreckensvoll nach allen Richtungen.\nDie Fremd.en besetzten das Felsentor und der\nJüngling trat allein in die heilige Höhle. Ohne sich\num das gebundene Weib zu kümmern horchte er\naufmerksam auf das Gebrüll des Ungeheuers. Auf\nseinem Fuchsgesicht zeigte sich abwechselnd Be-\ntroffenheit, Verwunderung, Verdacht und Ver-\nachtung.\nDann rief er seinen Gefährten zu: Bringt eine\nFackel!\nEiner seiner Mannen, ein Greis mit lockigem\nBart, hielt ihn am Schwerte fest.\nWillst Du wirklich in die Höhle, Herr?\nDer Kupferbehelmte nickte stolz.\nWenn es wahr ist, daß ich des Zeus Enkel bin,\nwerde ich das Ungeheuer besiegen.\nVorsichtig leuchtete er mit der Fackel in die\ndunkle Tiefe. An der Wand des Absturzes hatte\ndas Wasser Furchen gegraben, so daß man leicht\nherabklettern konnte. Langsam stieg der Jüng-\nling hinunter. Der Boden des Abgrundes war mit\nSkeletten bedeckt, den Überresten der Opfer des\nStiergottes. Unten mündete ein dunkler Gang, in\ndem sich das Toben des Ungeheuers vernehmen\nließ. Mit fahlem Gesicht und zusammengebissenen\nZähnen, aber mit zäher Entschlossenheit, kroch der\nAbenteurer weiter in der Richtung des schauer-\nlichen Getöses.\nPlötzlich umwehte eisige Kälte sein Gesicht. Die\nFackel flackerte in seiner Hand auf und erlosch.\nEin blindes Dunkel umklammerte ihn und er fühlte\nerbebend, daß der Berg sich um ihn schwindelnd\ndrehte und ihn mit dem Riesengewicht seiner Fel-\nsen zu erdrücken drohte. Aber es geschah nichts.\nAls sein Auge sich an das Dunkel gewöhnt hatte,\nsah er ein bläuliches Licht schimmern. Mechanisch\nging er weiter und stand bald am Rande eines klei-\nnen unterirdischen Sees, dessen Wasser azurblau\nstrahlte. In der Wand der Höhle befand sich ein\nkleiner Kanal, der ins offene Meer führte. Dort\nkochte und toste das vom Südwind aufgepeitschte\nWasser und die Felsengänge verstärkten den Laut\nzu donnergleichem Getöse.\nSo erkannte der Fremde mit einem Schlag das\nGeheimnis des Stiergottes. Der schmerzhafte\nDruck, den er auf seinem Herzen gefühlt hatte,\nwich mit einem Male und erleichterte sich in\neinem gewaltigen, die Felsengründe erschütternden\nGelächter. Dann untersuchte er die Öffnung des\nKanals und fand bald, daß er sie ausfüllen könnte.\nEs gab genug große Steine und roten Ton da unten.\n*\nDie da oben, die fremden Schiffer und die Ein-\nwohner der Insel, horchten mit eingehaltenem\nAtem. Der Stiergott mußte heute in gewaltigem\nZorne toben, seine Stimme war eitel Blutdurst.\nJetzt, — wie er auffuhr — er witterte schon den\nkühnen Eindringling!\nZitternd sanken alle in die Kniee. Das Brüllen\ndes Ungetüms war ihnen das Sinnbild einer unbe-\nsiegbaren Kraft, eines alleszerschmetternden\nZornes.\nNein, kein Sterblicher konnte sich mit diesem\nGott messen.\nAber jetzt — das Kriegsgetümmel erstarb zu\nfurchtsamem Röcheln, zu schmerzlichem Stöhnen.\nDas war das langsame Hinsterben eines geschlach-\nteten Gottes! Noch ein Seufzer. Dann nichts\nmehr.\nUngeheure Aufregung bemächtigte sich der\nSchiffsleute.\nEs sollte möglich sein?\nStunden gingen hin. Mit einem Mal tauchte\nein funkelnder Helm aus der Tiefe. Der Held er-\nschien — unverwundet, mit stolzer Ruhe, ein böses\n■ ■\nLächeln um die spöttischen Lippen trat.er aus der\nHöhle.\nEs ist vollbracht!, sprach er mit machtvoller\nStimme. .*\nIch habe den Gott getötet ....\nJubelnde Freude durchtost die Menge.\nEin Gott ist unter uns — ein Gott-Befreier.\nEr hat den Stiergott erlegt, den Wfeiberverschlin-\ngenden.\nDie Schiffer sinken nieder und umarmen die\nKnie ihres Gebieters. Die Fischer küssen die Spur\nseiner Füße. Der Held aber wirft jetzt den ersten\nBlick auf das gebundene Weib, ihr bleiches Ant-\nlitz ist von schamhafter Röte übergössen.\nLöst ihre Bande, sagt der Behelmte, sie ist\nmein . . .\nAutorisierte Übersetzung aus dem Ungarischen\nvon Valentin Teirich\n\nDas Musikalische in\nder Architektur\nDr. Fritz Hoeber\n\nArchitektur ist gefrorene Musik\nAugust Wilhelm Schlegel\nStil kann die Zusammenstimmung der ver-\nschiedensten Elemente im Kunstwerk bedeuten.\nDenn wenn man von Materialstil oder von Zweck-\nstil oder Formenstil usw. spricht, meint man jedes-\nmal hiermit das betreffende Element in seiner\nkünstlerisch dominierenden Stellung: Bei dem Ma-\nterialstil ist das Material als Grundlage der Gestal-\ntung gegeben, nach der sich alle übrigen Faktoren\nim Kunstwerk zu richten haben. Ist jedoch der\nZweck vorausgesetzt, so müssen auch die übrigen\nElemente, wie die Formen und das Material und\nalle Gefühlsinhalte, sich ihm als gleich „zweckvoll\"\nanschmiegen. Der Formstil endlich ordnet alles\nübrige unter den Eigenwillen einer bestimmten\nFormensprache und schafft so rein idealistische\nSchönheiten.\nUnter Stil versteht man aber auch noch ein\nanderes inhaltliches Verhalten, das des Zeitstils zur\nZeit. Wie gesagt, ist das die Postulierung eines\nInhaltes: der Stil soll Ausdruck seiner Zeit sein.\nHierbei taucht nur die Frage auf, ob dieser Aus-\ndruck sich im Gleichklang oder als ein Komplement\nzu seiner Zeit befindet, konkret ob die moderne\nGeschäftigkeit oder ihr Gegenteil, die in sich be-\nfriedete Beruhigung, der Kunst ihr charakteristi-\nsches Zeichen aufdrückt. Tatsächlich bestehen\ndenn auch in unserer Gegenwart zwei solche Strö-\nmungen nebeneinander, einerseits der Impressio-\nnismus des modernen Lebens und andererseits eine\nFormkunst, die in gewisser Abgerücktheit von je*\nnem die Dauer im Wechselvollen betont. Große\nKünstler vereinen sogar nicht selten beide Stil-\nrichtungen, ohne daß in Wirklichkeit ein Wider-\nspruch darin für sie bestände.\nDeshalb scheint dieses zeitinhaltliche Prinzip\nauch nicht allgemein und eindeutig genug zu sein,\num den höchsten Sinn des Stiles zu definieren.\nUnd ebensowenig der Persönlichkeitsstil, die indi-\nviduelle Note, die das Werk eines Künstlers als\nEinheit zusammenbezieht, schon darum, weil sie\nnach außen hin als trennend und für sich absondernd\nwirkt. Auch muß in den Werken der Nutzkunst,\nin der Architektur und im Kunstgewerbe, das\neigenmächtig andersgeartete Kunstwollen des\nSchöpfers zurücktreten, schon aus der spezifischen\nStilrücksicht auf das jeweilige Komplement der\nSchöpfung, den Menschen zu dessen Dienst jene\nWerke der Nutzkunst gestaltet werden. Und die\nVerschiedenartigkeit dieser Abstimmungssubjekte,\nder Menschen mit den mannigfachsten Daseins-\nbedingungen, ist in ihrer widerspruchsvollen Di-\nvergenz wohl nicht erst zu beweisen.\nJedes einzelne dieser nur partiellen Einheits-\nmomente hat man oft schon als das allein gültige\nKriterium des „Stils\" ausgerufen. Wie es damit\nbestellt ist, wurde dargetan, und die Unmöglichkeit,\nein formales Einheitsprinzip für Architektur und\nKunstgewerbe zu finden, läge offenbar, wenn nicht,\ngerade in jüngster Zeit, für diese Künste ein um-\nfassenderes Stilgesetz in der Forderung der „räum-\nlichen Gestaltung\" aufgestellt worden wäre. Es\nist bekannt, welche ungemeine Verbreitung diese\nForderung, die sich ursprünglich auf den kleinen\nKreis von Marees, Fiedler und Hildebrand be-\nschränkte, in der heutigen Kunstbetrachtung erlangt\nhat: Wie hat sie nicht nur die Anschauungen in\nder Architektur, sondern sogar in den eigentlichen\nBildkünsten in Bann genommen! Einer solchen als\nAllerweltsmittel verwandten Theorie gegenüber\nerscheint stets eine gewisse Vorsicht und nachdenk-\nliche Zurückhaltung geboten, und so sei denn hier\nkurz untersucht, in wie weit sie diese universelle\nGeltung als höchstes Stilprinzip wirklich bean-\nspruchen darf. —\nDer Raum ist zweifellos das Material der\nArchitektur. Ob er freilich 'ausschließlich 'den\nkünstlerischen Eindruck bestimmt und wie weit der\nRaum als solcher überhaupt in der Gefühls-\ndominante im bildenden und im tektonischen Kunst-\nwerk steht, wird diskutabel bleiben. Denn der\nSatz Adolf Hildebrands „Alle Erscheinungen be-\ndeuten nur Ausdrucksbilder unserer räumlichen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.5", "texte": "Artur Segal: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.6", "texte": "Vorstellung\" ist naturgemäß auch umzudrehen:\n„Alle räumliche Vorstellung kann uns erst als Aus-\ndrucksbild zur Erscheinung werden\", womit denn\nder Vorzug der räumlichen Vorstellung vor ande-\nren psychischen Komponenten im Kunstwerk hin*\nfällig wird. Auch die im Kreise Hildebrands be-\nliebte Unterscheidung von Raum- und Funktions-\nwerten wird sich dadurch bald verwischen, indem\nder Raum für die einfühlende Empfindung „funk-\ntionell\" zu sprechen anfängt und auf diese Weise\nerst sein künstlerisches Leben erhält, das ihm die\nstereometrische Abstraktheit nie gewähren kann.\nDer Raum ist also nichts anderes als der bloß\nmaterielle Träger der Architektur, über den sie\nsich psychisch ausbreitet, genau so, wie die Zeit\nden physischen Träger für die Musik abgibt, in\ndem sie ihren künstlerischen Verlauf nimmt. Aber\nwie es einer Bachschen Fuge die Kunstwerte einer\nsolchen Musik herzuleiten, ebensowenig vermögen\ndie „raumästhetischen Analysen\" der experimen-\ntellen Psychologie den Sinn des bildenden Kunst-\nwerkes am wenigsten zu treffen. Das Geistige in\nder Kunst wird durch einseitig formalistische Na-\nturwissenschaft unterschlagen.- Auch fliegt gar\nkeine innere Nötigung vor, den materiellen Träger\ndes Kunstwerks, den Raum zum Beispiel in die-\nsem Maße empirisch zu begreifen, um sein seeli-\nsches Erlebnis persönlich mitzumachen. Das, was\nvon den Raumätshetikern, verhängnisvoll genug,\nverwechselt wird, ist die künstlerische Erkenntnis\nund das empirische Rekognoszieren, Zwecke der\nintuitiven Anschauung und Zwecke des praktischen\nSichzurechtfindens. Es ist für den architektonischen\nGenuß letzterdings einerlei, ob man sich in einem\nInnenraum des romanischen gebundenen Systems\ndes Hauptverhältnisses von 1:2 wirklich bewußt\nwird, wenn einem nur die eigentümlich strenge\nEinfachheit dieser wie nebeneinander gesetzten\nOrgeltöne wirkenden Gesamtstimmung anschaulich\naufgegangen ist. Und ebenso ist der Kunstinhalt\ndes griechischen Tempels nicht in der empirischen\nZusammenbeziehung aller geometrischen Gesamt-\nund Einzelmaße, dem Steckenpferd der Bauarchä-\nologie, zu suchen, als vielmehr in der eigenartigen\nKühle und erhabenen Größe, die diese weißdurch*\nleuchtende Antike ausatmet.\nEndlich wird sich eine verinnerlichte Kunst-\nbetrachtung auch bald davon überzeugen, welche\ninteressanten Reize und künstlerisch feinen Sen-\nsationen gerade das räumlichnicht durch-\ngeklärte und in seinen Grenzen Unbestimmte\nund Verschwommene zu schaffen imstande ist:\nhierfür lassen sich aus dem achtzehnten Jahrhun-\ndert die Beispiele finden, Werke, die auch ohne\ndie mechanische Erleichterung für „die räumliche\nAuffassung durch das Auge\" doch ihren echten\nKunstgehalt und ihre innere Tiefe besitzen. Das\nBrutale der Raumästhetik besteht ja darin, daß sie\nalle maßgebenden Komponenten des Kunstwerks\nmittels eines sehr oberflächlichen Sensualismus\nin ein bequemes Schema zu zwingen sucht, das ex-\npreß dazu erfunden zu sein scheint, den über das\nsinnlich Faßbare der Kunst hinausfliegenden Genius\nzu eliminieren. Allein niemals begründet sich Wert\noder Unwert eines Kunstwerks in seiner einfachen\nsinnlichen Verständlichkeit.\nAuch in der Baukunst muß sich immer das\nmateriell Gegebene des quantitativ ausgedehnten\nRaumes als künstlerische Wirkung in ein Allge-\nmeineres, Ueberräumliches, quantitativ Unräum-\nliches vergeistigen. Der Raum, wie ihn Hilde-\nbrand meint, stellt nur das rohmaterielle Stadium\nder Vorbereitung, aber keine Vollendung dar. Das\nabsichtliche, technische Mittel der Raumgestal-\ntung schlägt schließlich in ein unabsichtliches Seeli-\nsche um, das der rationellen Analyse entrückt,\nbleibt. Diese ästhetisch durchlebende Vergeisti-\ngung beraubt die Baukunst freilich ihres realen\nErfahrungscharakters und erhebt sich in das Be-\nreich der allgemeinen künstlerischen Harmonie.\nAber im letzten Sinne einigt sich ja die Wirkung\nsämtlicher Künste in dieser unfaßbaren psychi-\nschen Erhebung, einerlei welcher materiellen Mit-\ntel, ob zeitlich-akustisch, oder gedanklich-poetisch,\noptisch oder räumlich definierbar, sie zu ihrer Ver-\nwirklichung bedürfen. Erst in den niederen Regi-\nonen der sinnlichen Ausführung spezifizieren sie\nsich dann in der üblichen Sonderung, und zwar\ngleich so stark, daß, wie gesehen, sogar für die\nEinzelgattung eine geistige Stileinheit festzustel-\nlen, bereits schwer fällt.\nIn der Kunst erscheint alles Sinnliche nur als\nein Gleichnis. So muß denn auch für die Archi-\ntektur das absolut Musikalisch-Harmonische die\nhöchste Stileinheit bilden.\n\nDie Schwermut des\nGeniebers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nMit ungeduldigen Schritten hastete er durch\ndie Straßen; diese Stadt begann ihn zu bedrücken\nwie ein böser Traum, obwohl er sie erst seit eini-\ngen Stunden kannte. Neue Pläne formten sich in\nseinem Gehirn, der Trotz und die unbändige\nFreude dessen, der seine Stärke kennt, kamen über\nihn. Denen, die das wenigste Verlangen nach die-\nser Stärke hatten, gerade denen wollte er sie auf-\nzwingen. Die Pläne und Aussichten verdrängten\neinander im Gehirn des Künstlers, so zahlreich\nkamen sie und so unruhig gebärdeten sie sich, als\nhätte dieser Abend aus dem versonnenen Künstler\neinen kühnen, klaräugigen Tatmenschen gemacht.\nUnd plötzlich empfand er die Enge der Straßen\nnicht mehr als etwas, dem er entfliehen mußte, sah\nnicht mehr die gestorbenen Stimmen der lachenden\nund schwatzenden Frauen, — alle Beklommenheit\nwar von ihm genommen.\nEr stand oben auf der einsamen Straße\nund blickte in das Tal, dorthin, wo die Lichter der\nStadt unruhig flimmerten, wie die Sehnsucht eines\nUnwürdigen, die nie ihre Erfüllung finden kann.\nWeit vorn, am Ausgang des Tales, sauste ein Zug\ndurch die Nacht; seine Lichter zuckten wie ein\nschneller Gedanke vorüber. Jetzt stand Johannes\noben auf der einsamen Straße und hielt zugleich\nAusblick nach dem Vergangenen und nach dem\nZukünftigen, das ihn nicht mehr nur als Gebilde\nseiner farbentiefen Phantasie, das ihm jetzt er-\nschien als mehr, wie er meinte: Als Mittel, den\nSchmerzen aller engen und armen und unterdrück-\nten Menschen Gestalt zu geben. Ja, er glaubte fest\nan die Mission, zu deren Erfüllung ihm seine Kunst\ngegeben war: die Menschen nicht nur zu zwingen,\ndie Knie zu beugen vor der Gewalt seines Genius,\nnein, sie stolz und hoffnungsfroh zu machen, wäh-\nrend sie die Knie beugten, sie zu lehren, daß in die-\nsem Zeichen ihrer Demütigung ihr kraftvollster\nStolz und die Rettung vor ihrer Not und Verzweif-\nlung liege. Dies war seine Mission, und sie hatte\ner erst an diesem Sommerabend erkannt: seltsam,\nnachdem er ein Werk geschaffen hatte, das eine\nneue Kunst einleiten sollte, in Stolz und Freude,\nganz durchtränkt von der Schwermut des Ge-\nnießers, erschloß sich ihm erst das Feld, auf dem\ner wirken sollte nach der Bestimmung seines\nSchicksals. Er mußte sich innerlich lossagen von\ndem Werk, das eri vordem für die Glocke gehalten,\ndie die neue Kunst einläuten sollte. Dies verlangte\nseine Ehrlichkeit von ihm.\nMit einem Gefühl tiefer Wehmut gedachte er\ndes Briefes, den er am Morgen an den Freund ge-\nschrieben hatte, dieses freudeträchtigen, von sei-\nnem stolzen, genießerischen Ich durchstrahlten\nBriefes, in dem die hohen Töne seines Selbstbe-\nwußtseins, seiner Sonderung so klar und trotzig\nklangen. Mit tiefer Wehmut gedachte er auch der\nVerzückung der verwandelten Landschaft. Er ge-\ndachte der Wüste Oede .... und dann war das\nLeben über sie gekommen, ein ungestümes, reiches,\nin allen Tönen klingendes und klagendes Leben.\nJetzt meinte er den Sinn dieser innern Erlebnisse\nerkannt zu haben: eine Mahnung waren sie ge-\nwesen: gehe nicht an den Menschen vorüber! Gehe\nzu ihnen hin, suche sie, reiche ihnen die Hand und\nfrage sie nach ihren Taten und Schicksalen! Denn\ndu bist ihresgleichen und berufen, ihnen zu helfen.\nUnd in dieser versonnenen Sommernacht hatte\nJohannes zum erstenmal ein beengendes Gefühl.\nHohe Gedanken tönten wohl in ihm, aber waren\nsie stark genug, alle Wünsche, die von draußen\nkamen, zu übertönen? Er wollte ein Held sein —\nund hatte noch keine Schlacht geschlagen. Er\nwollte ein Verächter sein aus großer Liebe — und\nhatte nichts, das er verachten konnte. Er wollte\ngroß sein — und vergaß, daß alle Größe in der\nErde wurzeln muß. Mit einer Art verzückter\nWollust peinigte er sich selbst, indem er sich sei-\nner ersten Großstadttage erinnerte: damals hatte\ner das steinerne Ungeheuer zu einem Herrlichen\nemporgedichtet, ausgehend von der Erde, — aber\nimmer war seine Phantasie das Stärkere gewesen,\nnie hatte er die Dinge gesehen wie sie waren, son-\ndern stets ihnen seine Töne verliehen. Darum hatte\ner die Menschen nicht kennen gelernt. Jetzt aber\nwollte er Mensch unter Menschen sein; erst\nMensch, und dann erst Künstler — so sollte es sein.\nUnd so griff Johannes mit begehrlichen Händen\nnach dem Unmöglichen. Er bedachte nicht, daß\ner auf der Höhe stand und daß es dem Künstler\nnie gelingen würde, in das Tal hinabzusteigen, um\nmit den Menschen zu gehen. Er ahnte nicht, daß er\nin dem Augenblick, da er die Nüchternheit be-\ngehrte, von der Größe seines Künstlertums be-\nrauschter war, als je zuvor. Zum erstenmal hatte\ner die Kraft verloren, den Wert einer Verzückung\nzu erkennen und sich seiner zu freuen, weil jede\nVerzückung eine Gnade war. Zum erstenmal hatte\ner die Gewalt über die Bilder verloren; nun rissen\nsie ihn mit sich. Er mußte ihnen folgen, weil er\nniemals gegen seine impulsive Natur zu handeln\nvermochte. Alles strömte auf ihn ein und strömte\nwieder von ihm aus, beschwert und gesegnet mit\ndem Reichtum seiner Seele. Und selbst in dieser\nseltsamen Stunde da er bereit war, aus der Höhe\nherabzusteigen, die vornehmen Gebärden seiner\nerlesenen Künstlergedanken den Gebärden der\nMenschen anzupassen, selbst jetzt verloren seine\nGedanken ihre Hoheit nicht. Aus Hoheit waren\nsie geboren, aus der Hoheit jenes edlen Verlan-\ngens, den Menschen Rettung zu bringen. Er ging\neinen Irrweg, aber er ging ihn in edler Sehnsucht;\ner war nie mehr und zu gleicher Zeit nie weniger\nEgoist gewesen. Er zerriß seine hohen Träume\num der egoistischen Freude an den Nöten und\nKleinigkeiten der Menschen. Alles, was er tat,\nentsprang einem edlen Egoismus, dem er nicht ent-\nrinnen konnte, weil er der beste Teil seiner Künst-\nlerschaft war; und auch, wo er falsche Wege ging,\ngehorchte er nur dem Egoismus seiner aristokra*\ntischen Seele, ohne aber den erkenntnisreichen\n\nSchluß"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.7", "texte": "Willen oder die Kraft zu besitzen, den Ueber-\nschwang dieses Egoismus zu dämpfen und einzu-\nbetten.\nEr erinnerte sich der Worte, die er am Morgen\nin dem Brief an seinen Freund geschrieben hatte:\n„Es ist nicht die Frage, ob eine Seele groß und\nedel sei, es ist die Frage: Ist sie so zart organi-\nsiert, daß selbst der schwächste Hauch eines Mun-\ndes eine Spur auf ihr zurückläßt?\" Unbewußt war\ner dieser Erkenntnis gefolgt, als er sein erstes Werk\nschuf; und als er jene Worte schrieb, war es ihm\nbewußt geworden. Jetzt durfte er sich nicht mehr\nmimosenhaft allen Eindrücken und Einflüssen, die\nvon außen kamen, verschließen, jetzt war es seine\nPflicht, sich als Künstler mit ihnen auseinanderzu-\nsetzen. Und eines war, das er ablegen mußte: Das\nverzerrte Lächeln dessen, der ganz vornehmer\nKlang geworden ist und jeden Mißklang verab-\nscheut. In ihm erkannte er jetzt den Feind und\ndiesem Feinde wollte er mit aller Kraft entgegen-\ntreten. Mensch unter Menschen. — Nicht nur\nKünstler unter Menschen. Dies war die schwere\nStunde, da Johannes sein erstes Werk verleug-\nnete. Jetzt meinte er, daß er sein zweites Werk\nschaffen könne, das Mitleid war nun mächtig ge-\nworden.\nDie Sommernacht stand hoch und rein über\ndem Tal. Drunten schlief die Stadt; nur wenige\nLichter blinkten noch, schläfrige Augen. Es war\nstill wie in einem Dom; nur wenn ein Zug am Aus-\ngang des Tales vorüberbrauste, glomm ein\nschwaches Rollen über die Dächer der Stadt und\nwuchs in leiser Unruhe die Berghänge hinan. Ein-\nsam sonderte es sich ab, wie er es getan hatte,\nals er sein erstes Werk schuf.\nDie Sommernacht hing, ein großer duftender\nBlumenkelch, über die Erde, in wehmütiger Freude,\nda nun das Verblühen begann: Der neue Tag stand\ndraußen und bereitete sich zu seinem Einzug in die\nErde. Ein neuer glühender Sommertag. Eine neue\nSonne kam.\n. . . . Und so schritt Johannes weiter, beschwert\nmit dem Reichtum des Tages, an dem er das Er-\nreichte geprüft und über sich selbst Gericht gehal-\nten hatte. Mit unerschütterlicher Ehrlichkeit war\nalles getan worden; mit unerschütterlicher Ehrlich*\nkeit mußte weitergeschritten werden. Und das\newig Bleibende in der Entwicklung dieser Künst-\nlerseele war der starke strahlende Glaube an sich\nselbst. Der führt in Tiefen und auf Höhen mit der-\nselben fröhlichen Unverzagtheit. Der schuf tönende\nFarben und genoß sie mit ehrfürchtigen Schauern.\nDer war groß und schön und ewig jung.\n\nInhalt\nErstes Halbjahr 1913\nVierier Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nJoseph Adler\nVom andern Ufer 158/159 23\nPeter Scher 162/163 39\nEin Buch von Döblin 170/171 71\nG u i 11 a u m e Apollinaire\nZone 154/155 4\nArthur Babillotte\nDie Schwermut des Genießers 156/157 14\n158/159 20\n160/161 30\n162/163 36\n164/165 44\n166/167 54\n168/169 59\n170/171 70\n174/175 86\n176/177 94\n178/179 102\nAdolf Behne\nHenri Matisse 162/163 36\nGini Severini 172/173 73\nGottfried Benn\nGedichte 160/161 26\nWilliam Blake\nSprüche aus den Werken 154/155 2\nPaul Bommersheim\nGedicht 168/169 59\nB 1 a i s e Cendrars\nLe douanier Henri Rousseau 178/179 99\nAlfred Döblin\nAn Romanautoren und ihre Kritiker 158/159 17\nA 1 b er t Ehrenstein\nDer Tod in Venedig 164/165 44\nDer Traum des achhundertundacht-\nzigsten Nachtredakteurs 164/165 42\nElisabeth Epstein\nDas Lächerlichsein 156/157 15\nHermann Essig\nHippodrom 164/165 43\nOtto Feyen\nGlosse zu Franz Jung: Das Trottel-\nbuch 154/155 6\nS. Friedlaender\nDie Mitte zwischen Extremen 158/159 22\nRichard Fuchs\nOrient oder Occident 176/177 91\nGötz\nCharles Louis Philippe übersetzt 176/177 95\nPaul Hatvani\nDie Stimme der Zeit 170/171 70\nWilhelm Hausenstein\nLiteratur zu den neuen Kunstbe-\nwegungen 156/157 10\nVom Kubismus 170/171 67\nHegener\nDas Bildnis des Marcel Schwöb und\nseine Grabschrift 178/179 100\nArno Holz\n160/161 26\nKandinsky\nMalerei als reine Kunst 178/179 98\nFür Kandinsky\nProtest 154/155 3\nA a g e von Kohl\nDer schöne Korporal 174/175 82\nFernand Leger\nLes Origines de la peinture contem-\nporaine et sa valeur repräsentative 172/177 76\nRudolf Leonhard\nAngelische Strophen 154/155 3\nO Welt 166/167 52\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte 156/157 14\nGedichte 162/163 35\nAllein 166/167 50\nKatechismus 166/167 51\nGedichte 176/177 90\nFranz Marc\nNotiz 166/167 55\nFriedrich Markus Huebner\nDer Fall Bernd Isemann 174/175 87\nEmil Ernst Mehnert\nGedicht 174/175 87\nAlfred Richard Meyer\nDortmund 158/159 22\nSteglitz 160/161 29\nGedicht 164/165 44\nKloster Neustift bei Brixen 166/167 51\nParis 174/175 85\nGünther Mürr\nVergottung in Marie 172/173 75\nMynona\nDie Torturen des Gottes Mumba 164/165 42\nIdee vom Ferntaster 170/171 66\nRosa, die schöne Schutzmannsfrau 174/175 85\nL. H. Neitzel\nModerner Bund 154/155 6\nG a s t o n Picard\nCreations 162/163 35\nIsidor Quartner\nGedichte 156/157 10\nLiebeslied 158/159 20\nSinnlichkeit 168/169 59\nArthur Rimbaud\nGedichte 172/173 r4\nC u r t Seidel\nRosso-Rodin 154/155 2\nKurt Striepe\nDie Brücke 176/177 90\nHugo Engelbert Schwarz\nPhantasien des totgeborenen Knaben\nMokuro 154/155 2\nArdibots letztes Auftreten 168/169 57\nElezagal, die gelbe Maus 178/179 99\nPaul Scheerbart\nHerr Kammerdiener Kneetschke 156/157 10\nPeter Scher\nDas Holzbein 166/167 51\nDas Bad der Pauline Borghese 176/177 93\nMarcel Schwöb\nDie Leichenfrauen 172/173 74\nJosef Tress\nVater 172/173 76\nGedichte 178/179 99\nH. W.\nVon den schönen Künsten 158/159 18\nDas Fest des heiligen Geistes 160/161 31\nZeitgeschichte 162/163 34\nSammelwut 164/165 42\nPuppchen 166/167 50\nKritiker 166/167 52\nFestspielerei 170/171 66\nDer Tafel 172/173 79\nKunsthelfer 176/177 90\nE. Wichman\nOratio pro Domo 174/175 87\nErich Vogeler\nDas energetische Evangelium 164/165 47\nVom Kubismus 172/173 79\nPaul Zech\nDas Baalsopfer 160/161 26\nDie hallucinierte Nacht 168/169 59\nZeichnungen Nummer\nHans Arp\nZeichnung 154/155\nZeichnungen 158/159\nBolz\nOriginalholzschnitt 164/165\nDelaunay\nZeichnung 174/175\nJacob Eingartner\nOriginalholzschnitt 176/177\nWalter Heibig\nLandschaft / Originalholzschnitt 154/155\nHermann Huber\nZeichnung 154/155\nA. J. Korteweg\nLinoleumschnitte 170/171\nMarie Laurenciti\nOriginalholzschnitte 156/157\nOriginalholzschnitt 160/161\nF e r n a n t Leger\nZeichnung 172/173\nOskar Lüthy\nOriginalzeichnung 154/155\nFranz Marc\nOriginalholzschnitt 156/157\nOriginalholzschnitt 160/161\nWilhelm Morgner\nOriginalholzschnitt 164/165\nLinoleumschnitte 166/167\nLinoleumschnitt 168/169\nGabriele Munter\nZeichnungen 156/157\nOriginalholzschnitt 162/163\nRichter -Berlin\nOriginalholzschnitt 168/169\nF r. Rosenkranz\nOriginalholzschnitt 160/161\nA r t u r Segal\nOriginalholzschnitt 162/163\nOriginalholzschnitt 172/173\nC u r t Stoermer\nOriginalholzschnitt 166/167\nOriginalholzschnitt 178/179\nStorm-Petersen\nOriginalholzschnitt ; 178/179"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen voe\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur darcfe\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zetta\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlas\nder Sturm Berlin W 9\nDia Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver*\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Straße 134 a\nAchtzehnte Ausstellung\nSkupina / Prag\nGemalde / Skulpturen / Architektur\nEmil Filla / Vincenc Benes / Prochazka / Gutfreund\n1 Gocar / Janak\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr j Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 20. September bis 1. November\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer Straße 75 zu Berlin\nExpressionisten\nKubisten\nFuturisten\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich ./ auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nKatalog in Kupfertiefdruck mit fiinfzig Abbildungen\n2 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer Straße 134*\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nQewShnllcbe Ausgabe: Ffir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertelfchr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fflr das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Pott:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteliahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenumtner umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplar e au 112 holzfreiem Papier, Ve r -\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost ftlr Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Ffir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezflge, Einzel-\nnummem und Probenummern nic h t\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenst&nden auf\nPalls direkte ZustellHng durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht vird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinftendes ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, dafi E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nvfinscht wird\nQeneralvertretung des Verlags Eugene Flgul&re /\nParis\n\nOriginalholzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechsteln: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert ./\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Mttnter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige Straße\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande HI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / PortrSt Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu G«-\ndichten von Arno Holz / Fflr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz I Umberto Boccioni: Abschied/\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKandinsky: Komposition 6\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin usw.\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nZeitsehriften\nLa Route / Revue del' Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / fruher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance I Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontjoie / Halbmonatsschrift / Paris / Chauss6e\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Brfissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Solr6es de Paris / Recueil Mensuel / Pirii\n9 rue Jacob\n\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir neue und\nalte Kunst / Heft 6—B bringt: Bilder: Picasso (9) /\nBraque (3) / Cezanne (3) / Soffici (l) / Sculpturen:\nPicasso (2) I Negersche (10) / Architektur: Goc&r\n(6) I Jahrlich M 12.50 / Administration Prag I /\nVeleslavinova 5\n\nAnzeigen\n\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\nI>o Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes iiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 / Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nReuß und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I Potsdamerstraße 118 c. Fernsprecher Ami\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt Irei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaßige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchh&ndler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny / Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nThe Lantern: Eine Monatsschrift / Die\namerikanische Zeitschrift des Protestes /\nOrgan der Gesellschaft Jiinger des Diogenes /\nDrama, Dichtung, Kritik, Malerei / Probenummern\n50 Pfennig / Mortimer Building, Chicago, USA\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWaldeifc\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen liber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W9"}]}