{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_sha256": "55d538ce0d7e400879ea72d6777b5f9c7080fd44ccc635bcc963c8b33b640042", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/10_02/bmtnabg_1913-10_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/10_02/bmtnabg_1913-10_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt: H. 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Aber gedacht soll ihrer werden.\nMan braucht sich nicht mehr nach Griechenland\nzu bemühen, der bekannte Herr Herostrat braucht\nnicht mehr zitiert zu werden, wir haben jetzt\nreichlich von der Sorte. Da war der gute Fritz\nStahl. Ein Ehrenmann. Nicht Schlechtes kann\nihm nachgesagt werden. Mein Gott, er verstand\nnichts von Kunst. Das verstehen viele andere\nLeute auch nicht und sind trotzdem nützliche Glie-\nder der menschlichen Gesellschaft. Er kannte,\nwie jeder andere, seinen Raffael und seinen Rem-\nbrandt, er wußte, wie Goethe aussah. Er wußte\nsogar, daß Henri Rousseau ein Dilettant war. Er\nhatte, wie viele andere, ein schlechtes Gedächtnis\nfür Hausnummern, das bei ihm allerdings fast\nkrankhaft anmutete. Aber schließlich sieht jeder\nMensch beim Sturm schlechter. Da der Sturm\nnicht gemalt wird, der Sturm ist dazu nicht natür-\nlich genug, wurde er von Fritz Stahl nie entdeckt.\nEr schlug ihm außerdem in die Augen. Manche\nMenschen können sich eben keine Hausnummern\nmerken. Vor allem nicht schwere Nummern. Es\nleuchtet mir ohne weiteres ein, daß Fritz Stahl\nunsere Ausstellung von der Königin-Augusta-\nStraße 51 nach Nummer 50 verlegte, versetzte\noder verdruckte. 50 merkt sich besser. 75 kann\nman sich nicht merken. Darum verlegte, ver-\nsetzte oder verdruckte Fritz Stahl den Ersten\nDeutschen Herbstsalon nach Potsdamerstraße 76.\nDiese Nummer ist einleuchtend, leicht zu merken,\nleichter als 75 und die Eins, die er früher genom-\nmen hat, zahlte er jetzt zurück. Außerdem ist\ndort ein Bauplatz, auf dem er im Frühling wieder\ndas Gras hätte wachsen hören können. Nun liegt\ner auf dem Rasen. Was wäre geschehen, wenn\ner die jetzige Nummer der ständigen Ausstellun-\ngen des Sturms, 134 a, sich hätte merken müssen.\nEr hätte sich sicher ein x für ein a vorgemacht\nund die Nummer hätte selbst Fritz Stahl in phan-\ntastische Erregungen gebracht. Nur einen\nSchmerz habe ich dem toten Mann angetan. Ihm\nist das Lachen von den „Wortführern der Zu-\nkunftkunst\" streng verboten worden. Er war eine\nsonnige Natur und wollte lachen. Nun ist es zu\nspät. Ihm hätte ich ausnahmsweise gestattet, zu\nlachen, sich schief zu lachen, sich totzulachen.\nEr hat sich totgeschimpft. Er war ein Ehrenmann,\nnehmt alles nur in allem. Und sein Nachlaß wird\nuns oft noch Gelegenheit geben das zu tun, was\nihm verboten war: zu lachen. Mit ihm verschied\nfür die Kunst Herr Professor Oskar Bie. Es bleibt\nerstaunlich, daß ihn die Langeweile seiner Neuen\nRundschau so lange mobil erhielt. Langeweile ist\nzwar die Tugend der Kunstkritik. Er besaß alle\nTugenden, dieser Professor. Er begeisterte sich\nfür die Musik und half Richard Strauß entdecken.\nEr begeisterte sich für den Tanz und legte die\nleichteste Bewegung in dicken Worten fest. Er\nbegeisterte sich für die Malerei und war farben-\nblind. Es soll damit dem Verunglückten kein Vor-\nwurf gemacht werden. Farbenblindheit ist eine\nKrankheit und über Krankheiten ist nicht zu spa-\nßen. Dabei liebte er die Farben, wie ein Tauber\ndie Musik. Noch kurz vor seinem Abschied be-\nsuchte er den Ersten Deutschen Herbstsalon. Er\nfreute sich nicht über die Bilder, aber über den\nanwesenden Maler Delaunay: „Da ist Herr De-\nlaunay. Er sieht so nett aus, im braunen Anzug,\nauch das Westenfutter ist braun.\" Nun trug Herr\nDelaunay zwar einen roten Anzug, auch das\nWestenfutter war rot. Aber braun ist auch eine\nhübsche Farbe. Und warum soll nicht jemand\nbraun statt rot sehen, wenn ihm grün und blau vor\nden Augen wird und er außerdem farbenblind ist.\nKein Vorwurf, nur eine Feststellung. Aber auch\nvon diesem braven Professor ist noch ein Nachlaß\nzu erwarten. Selbst der graueste Theoretiker\nwird sich darüber scheckig lachen können. Und\nwieder denke ich mit Wehmut an den braven\nFritz Stahl, der nicht mehr mitlachen kann. In\nder Blüte seiner strotzenden Schimpfereien wurde\nHerr Robert Breuer dahingerafft. Er war der gut-\nmütigste von allen. Ein jüngerer Mann mit star-\nker Neigung zum Schmerbauch, der sich sein Fett\nvom Leibe herunterschimpfte. Er wurde aus die-\nsem Grunde direkt erfinderisch und bekam Origi-\nnalität, die der ehrlichen Haut sonst versagt blieb.\nEr erfand den „Hottentotten im Oberhemd\", „die\nHorde farbenspritzender Brüllaffen\", „die bunt-\nhäutigen Tölpel\". Er wiederholte sich nie in\nSchimpfworten. Während er in Berlin die Maler\nals „Neger im Frack\" vorstellte, ließ er sie in\nKassel als „Säuglinge im Frack\" auftreten. Nur\nfür Stettin erfand er nie Neues. Ein loyaler\nMann. Er versprach, „die Pinsler noch einmal\ngründlich in der Retorte zu kochen\". Leider\nplatzte er selber vor diesem Vergnügen. Er hat\nsich totgeschimpft. Allzuviel ist ungesund. Und\ndabei war er ein guter Mensch. Harmlos und\nkindisch, ein Bürger seiner Zeit und treuer Freund\nseines Freundes Westheim. Orestes und Pylades\nsind entbehrlich geworden: Breuer und Westheim\nhaben sich mit hörbarem Ruck an ihre Stelle ge-\nsetzt. Nie konnte einer schreiben, ohne daß er\nden andern zitierte. Wie Robert Breuer sagt.\nWie Paul Westheim bemerkte. Wae Robert\nBreuer bemerkte. Wie Paul Westheim sagt. Es\nist nicht zu sagen, nur zu bemerken. Breuer\nkonnte kein Schimpfwort erfinden, was West-\nheim nicht anwandte. Und wenn Paul Westheim\nschrieb: „eine Reihe buntscheckiger Schießschei-\nben\", so schrieb Robert Breuer: „Schützenschei-\nbenbilder\". Westheim empfindet malerischer,\nBreuer naturalistischer. Aber die Seelenver-\nwandtschaft ist zweifelsohne. Da Westheim so-\nzusagen nur sekundär schimpfte, blieb er am\nLeben und wird demnächst im Panoptikum gezeigt\nals der Freund des Freundes. Wenn man von\nWestheim überlebt wird, kann man getrost gen\nWesten fahren. Der Herbtsalon hält reiche Ernte.\nDie besten Männer sanken um, Da war noch\nHerr Karl Scheffler. Die Geschichte kennt bereits\neinen ami de Beethoven. Karl Scheffler wird\nweiter fortleben als ami de „Kunstnapoleon aus\nder Viktoriastraße\". Der ami de Beethoven fand\nBeethoven wenigstens vor. Herr Karl Scheffler\nmußte sich seinen Götzen erst schaffen. Jeder hat\nden Napoleon, den er verdient. Es fällt mir dabei\nnicht einmal ein, verdienen groß zu schreiben.\nDenn der Kunstnapoleon ist nur der große Bruder.\nMein ami war Herr Karl Scheffler nicht. Er be-\nhauptet, daß ich „flink\" sei. Und er hat recht. Ich\nsprang ihm mit einer einstweiligen Verfügung auf\nden Kopf, wodurch ihm bei einer fiskalischen\nStrafe von 500 Mark für jeden Fall der Zuwider-\nhandlung das weitere Verbreiten einer Nummer\nseiner Zeitschrift: Kunstna—nein, Kunst und\nKünstler verboten wurde. Einer Nummer, in der\ner ohne Erlaubnis und ohne Berechtigung ein\nAquarell von Franz Marc reproduziert hatte.\nWorauf er in der Vossischen Zeitung bemerkte:\n„Sehr sehr schade ist es um den kräftig begabten\nFranz Marc\". 500 Mark für jede Nummer ist\nwirklich ganz kräftig. Und das habe ich mit mei-\nnen „Kinderfüßen\" getan. Natürlich habe ich mich\nauch der Aufgabe eines Herbstsalons „nicht ge-\nwachsen gezeigt\". Was ja eigentlich durch meine\nKinderfüße erklärlich war. Herr Karl Scheffler\nentdeckte bei mir eine „deutliche Vorliebe für das\nAbsonderliche und Alberne\". Es kann doch nicht\njeder so ernst sein wie Herr Karl Scheffler. Herr\nScheffler war außerdem ganz hervorragend gebil-\ndet. So äußerte er: „Jeder fremde Mensch, das\nbin ich; und ich, das ist jedermann\". Sehr wahr!\n„Die meisten Menschen sind schon verlegen dar-\nüber, daß sie nicht anders sind, als die Natur sie\ngemacht hat, trotzdem sie daran doch ganz un-\nschuldig sind.\" Dies Kind, kein Engel ist so rein,\nsagt Schiller. „Was die Verlegenheit so qualvoll\nmacht, ist, daß sie Unsicherheit ist.\" Wenn Herr\nKarl Scheffler seine Verlegenheiten verlegen läßt,\nfühlt er sich offenbar sicherer. „Ich fühle Befan-\ngenheit, wenn meine Gedanken, sobald ich sie in\nWbrte kleide, mir albern zu klingen scheinen.\"\nUnd er bemerkt bei mir die Vorliebe für das Al-\nberne, was e r schreibt und wird befangen ohne\nan die einstweilige Verfügung zu denken. Trotz-\ndem ich mich entschieden weigere, Karl Scheffler\nzu heißen. Man hätte mit dem Herbstsalon „eine\nEliteausstellung der ringenden Kräfte machen kön-\nnen\", sagt Herr Scheffler. Die Spätherbstausstei-\nlung von Napoleon dem Vierten verheißt offiziell,\ndaß dort „die ringenden Talente\" gezeigt werden.\nIn meiner Ausstellung, Herr Karl Scheffler, hat es\nsich schon ausgerungen. Das vierblättrige Klee-\nblatt Stahl. Bie, Breuer, Scheffler habe ich flink\nabgerissen, es an meinen braunen Rock gesteckt,\nmir viel Glück gewünscht und dann es lachend\nzertreten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "115", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.4", "titre_corps": "Die Presse und der Herbstsalon", "titre_sommaire": "Die Presse und der Herbstsalon", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.2", "debut_caractere": 8878, "fin_caractere_exclue": 10145, "texte": "Die Presse\nund der Herbstsalon\nEine Gegenüberstellung\nFrankfurter Zei-\ntung\nEs wird die Vorstellung\nerweckt, als ob es in dieser\nAusstellung etwas zu sehen\ngäbe von den Entwick-\nlungsfortschritten. Nie war\neine Prätention anmaßen-\nder, nie weniger begründet.\nNational-Zeitung\nEs ist heute keine Frage\nmehr, daß die Kräfte, die\nhier an der Arbeit sind,\nbestimmt sind, Anregungen\nund Ausgangspunkte für die\nWege zu geben, die die\nKunst der Zukunft einst\ngehen wird.\nCasseler Allge-\nmeine Zeitung (Herr\nRobert Breuer)\nErnsthafte Leute werden\nmit dieser Ausstellung\nsehr schnell fertig sein;\nes gibt da gar kein Prob-\nlem, es gibt nur Bedauern\nund Lachen.\nDresdener Neuste\nNachrichten\nDer Tag, an dem der\nerste deutsche Herbstsalon\neröffnet wurde, darf als\nhistorisches Datum gelten.\nEs hat etwas Überwälti-\ngendes, allüberall Kämpfer\nund Vertreter der neuen\nPrinzipien am Werke zu\nsehen.\nHamburger Nach-\nrichten\nEs ist in der Tat grober\nUnfug, diese Unsumme von\nLächerlichkeiten, von blö-\nden Schmierereien. — —\nMan glaubt aus der Gemäl-\ndegalerie eines Irrenhauses\nzu kommen.\nVorwärts (Derselbe\nHerr Robert Breuer)\nEs ist eine Kunst der\nExtreme Es wäre\ndennoch eine schwere Be-\nfangenheit, sie, wie das\nneulich Meier-Qräfe tat, für\ntoll und dilettantisch zu er-\nklären."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "HerrFritzStahl\nGegen die Zumutung,\ndiese Fatzkereien als Kunst\nauch nur negativ zu be-\nbandeln, gibt es keinen\nernsten Protest mehr. Wir\nlachen.\nVorwärts (Wieder Herr\nRobert Breuer)\nMan braucht nur die\nTitel all dieser tollwütigen\nPinseleien zu lesen, um zu\nwissen, daß es sich hier\nwirklich nicht um Malerei,\nsondern um Kaffeehauslite-\nratur handelt.\nDeutsche Tages-\nzeitung\nHier aber sind die Ta-\nlentlosen in Reihe und\nGlied aufgestellt.\nVossische Zeitung\nMan sieht, es lohnt nicht\nden Besuch.\nP a n\nNun, dachte ich, kann\nniemand mehr in 55 Minu-\nten ein bestauntes Bild\nschaffen, noch Werke von\nder Tiefe eines Delau-\nnay in einer Saison täu-\nschend nachmachen.\nHerrFritzStahl über\nKandinsky 1912\nDer Reiz bleibt rein op-\ntisch und wird im Ver-\ngleich mit dekorativen Ar-\nrangements durch die Ge-\nwaltsamkeit der willkür-\nlichen Linien überdies ge-\nstört. In dieser Wirkung\nsteht aber der Aufwand\neines großen Bildes\nin lächerlich emKon-\ntra s t. Die kann man\nauf einem Läppchen Papier\nerreichen.\nLeipziger Tage-\nblatt\nChagall verfügt über\neine Glut der Farbe und\neinen Schwung der Phanta-\nsie, die mitreißen, selbst\nwenn man sich ungern\nsolcher Schwärmereien\nhingibt.\nB. Z. am Mittag\nDie Tierbilder von\nFranz Marc gehen ei-\nnen Schein weiter zu lei-\ndenschaftlichen Kompositi-\nonen, die Phantastisches\nmit großem Griff erblicken.\nBerliner Börsen-\ncourier\nAlfred Kubin macht seine\ndämonisch - metaphysischen\nZeichnungen ohne jeden\nNachdruck.\nBerliner Börsen-\ncourier\nPlötzlich sieht man ein\npaar indische und ja-\npanische Bilder, die alle\nFuturisten beschämen.\nNational- Z t i t u n g\nDaher sei man vorsich-\ntig, ehe man neue Kunst-\niormen verurteilt oder gar\nbespöttelt, wie es vielfach\nleider Sitte ist\nHamburger Nach-\nrichten\nWeiter heißt es, „Kom-\nposition\". — Dann wieder\nKontraste oder „Mystisches\nBild\" oder „Improvisa-\ntion\". zuweilen. auch bloß\nBild 1, Bild 2, Bild 3. Man\nspürt, wie schwer es den\nMalern geworden ist,\nihren Bildern Bezeichnun-\ngen zu geben.\nVolkszeitung\nTäuschungen sind ausge-\nschlossen. Diese „Jüngsten44\nsind keine Revolutionäre;\ngereift und abgeklärt, aber\nreichlich exzentrisch sind\ndie Meisten\nVolkszeitung\n. . . Ausstellung ist das\nweitaus interessanteste,\nwas man in der letzten\nZeit an Kunstausstellungen\nsehen konnte.\nVorwärts (Immer wie-\nder Herr Robert Breuer)\nOder Herr D e 1 a u n a y.\nEr zeigt uns die Sonne in\nvier verschiedenen Fassun-\ngen. Aber was er gibt,\nsind Schützenscheibenbil-\nder, wie trunkene Dorf-\nburschen sie fabrizieren.\nHerrFritzStahl über\nKandinsky 1913\nIch empfinde bei dem\nAnblick solchen Bildstückes\n(von Kandinsky) einen so\nanregenden und befriedi-\ngenden Genuß, daß es mir\ngenug als Kunstwerk wäre.\n... Er (Kandinsky) ist ein\nGenie der Farbe.\nVossische Zeitung\n— wo solche Scherze zu\nsehen waren, wie Marc\nChagalls einer schönen\nalten Miniatur schlecht\nnachgekünsteltes Kreuzi-\ngungsbild.\nHamburger Nach-\nrichten\n. . . ebenso unverständlich\nwie die apokalyptischen\nWölfe von Franz Marc.\nBerliner Lokalan-\nzeiger\nAlfred Kubin, jenem be-\nkannten Diaboliker, der zu\neiner immer vertiefteren\nForm gelangt.\nLeipziger Tage-\nblatt\nBedauerlich sind dagegen\ndie Proben der indi-\nschen und chinesi-\nschen Malerei, die man\nhier sieht.\nLeipziger Tage-\nblatt\nPaul Klee zeigt\nZeichnungen, die sich in dem\nTiefsinn der Kindeszeich-\nnungen geschult haben.\nBerliner Allge-\nmeine Zeitung\nRousseau, aus des-\nsen bis ins Kindliche ver-\neinfachte Manier eine feine\nseelische Vertiefung spricht.\nBerliner Börsen-\ncourier\nPaul Klee ist derjenige,\nder das Gerücht von den\nMax- und Moritz-Zeichnun-\ngen verursacht hat.\nCasseler Allge-\nmeine Zeitung (Schon\nwieder Herr Robert\nBreuer)\nRousseau, ein harm-\nloser ehrlicher Dilettant.\nLexikon der deutschen Kunstkritik\nZusammengestellt aus Zeitungsberichten über den\nHerbstsalon\nAnödung des Publikums / Verhöhnung des Phi-\nlisters / Unfähige Akademiker / Nichtskönner J\nAnmaßliche Theoretiker / Neuigkeitsjäger ,/ Bunt-\nhäutige Tölpel / Neger im Frack / Hottentotten im\nOberhemd / Horde farbespritzender Brüllaffen /\nTollwütige Pinseleien / Kaffeehausliteratur / Farben-\nkrämpfe / Ideenkopfstände / Tollste Verrücktheiten\n/ Griffelversuche des kleinen Fritzchens I Kirmes-\nschützenscheiben I Krankhafte Erscheinung /\nScheußlicher und lächerlicher Klumpen / Scharen\nvon anspruchsvollen Toren / Fatzkereien / Dick\naufgetragene Flecken schlechter Farbe / Malboto-\nkuden / Hexensabbath / Ästethetische Gigerl /\nGellende Clownsprünge / Größendünkel ,/ Neger im\nZylinder / Säugling im Frack / Neuste Kunsterkran-\nkung / Praß von Talentlosigkeit / Managernaturen\n/ Bastardtalente / Banause / Verworrenheit der\nPsyche / Wahnwitzige Gebilde der Phantasie /\nModen ohne Entwicklungsmöglichkeiten / Hohl-\nheit der technischen Spielereien I Umgekehrte\nPhilisterseele /Gemalter Wahnsinn I Bluff / Un-\nsumme von Lächerlichkeiten / Blöde Schmierereien\n/ Gemäldegalerie eines Irrenhauses / Neue Wahn-\nsinnsuniformen / Züchtung des Allerhäßlichsten /\nTaumler aus Unfähigkeit / Kitschideen / Kasperle-\ntheater ./ Sensationsgier ästhetischer Roues / Pa-\nnoptikumsspektakel / und so weiter"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.5", "titre_corps": "Das Wissen um die Kunst", "titre_sommaire": "Das Wissen um die Kunst", "signature_source": "H. 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Sie sind bezwungen.\nDieses Lachen, dieses Höhnen ist die Verzweif-\nlung des Unterliegenden, das Aufleben des Leben-\ndigen gegen ihr Totes. Sie werden von dem Er-\nlebnis geschüttelt. Ihre Kindergehirne kreisen.\nDas Leben reißt ihnen, müßigen Zuschauern, die\nMäuler offen, sie klammern sich schreiend an Be-\ngriffe, die sich vor ihnen lösen, sie fassen in die\nBilder, die sie schon längst gefaßt haben. Sie zer-\nren an einem Zipfel der Kunst, weil sie ihnen zu\ngroß ist. Sie nörgeln, kleine Kinder, die nicht\nSchritt halten können. Die Sonne scheint und die\nKunst leuchtet, auch wenn Kinder noch nicht er-\nwacht sind. Waren sie Kinder, wenn sie erwach-\nten. Sie würden sehen, daß die Sonne eine schöne\nKugel ist, wie eine Schützenscheibe, mit der man\nspielen kann. Sie würden sich im Urwaldgestrüpp\nder Farben fürchten. Sie wüßten, daß die Bäume\nin cien Himmel wachsen und daß der Himmel in die\nEi de reicht. Das alles und vieles andere Schöne\nv, ürden sie wahrnehmen wenn sie Kinder oder\nKünstler wären. Aber solange sie Bürger sindL,\nnützliche Glieder einer unnützen Gesellschaft, so-\nlange wissen sie nur, daß die Sonne nach verschie-\ndenen Millionen Jahren ausgebrannt sein wird, daß\nman sich im Urwald nicht zu fürchten braucht, daß\ndie Bäume nicht in den Himmel wachsen und da&\nder Horizont eine Vorstellung ist, so eng, wie das\nwas sie denken nennen.\nDie Natur ist den braven Leuten der Wunder-\nbar. Natur, das weiß man, wie das gemacht wird..\nGewitter, elektrische Entladung. Was ist Elektri-\nzität ? Elektrizität entsteht dadurch, daß man..\nEntsteht? Geburt, eine höchst einfache Angelegen-\nheit Das eine Organ tut dazu dieses, das andere\njenes. Das Denken geschieht durch das Gehirn.\nMan weiß noch viel mehr von der Natur.\nBlutkreislauf. Bakterien. Kampf ums Dasein.\nAtome. Elemente. Alles höchst einfache Sachen.\nDie Natur kennt man. Alles ist höchst natür-\nlich. Findet man das nicht natürlich, so liegt\neben ein Dämmerzustand vor. Wieder eine höchst\nnatürliche Erklärung. Ein dauernder Dämmerzu-\nstand ist Geisteskrankheit. Alles eben so einfach\nwie natürlich. Und die Wissenschaft, die es so\nherrlich weit gebracht hat und ganz genau weiß\nwie es die Natur macht, soll mit dem bischen Kunst\nnicht fertig werden? Wo die Kunst doch nur die\nNatur natürlich nachahmt. Bei Menschen hat die\nWissenschaft wenigstens einen Blutkreislauf\nfestgestellt. Die Kunst hat nur eine Oberfläche.\nDie Kunstgelehrten haben die Bilder offenbar ex-\nperimentell zerschnitten und erfahrungsgemäß fest-\ngestellt, daß in ihnen nur Leinenfäden enthalten sind.\nAlso Blut hat die Kunst nicht. Farben sind Fabrik-\nware. Gefühltes kann man nicht malen und die\nExistenz der Seele und des Geistes ist nicht nach-\ngewiesen. Nur wie alles aussieht, das weiß man\ngenau. Und wenn etwas nicht so aussieht, wie man\nes weiß, so ist das eben keine Kunst. Die Kunst-\ngelehrten wissen, was Kunst ist. Nämlich das, was\nsie nicht wissen.\nWir wissen es, meine Freunde, aber wir sage«\nes nicht. Weil es so unsagbar schön ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "116", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.6", "titre_corps": "Neue Gedichte", "titre_sommaire": "Neue Gedichte", "signature_source": "René Schickete", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.3", "debut_caractere": 8599, "fin_caractere_exclue": 8892, "texte": "Neue Gedichte\nRené Schickete\n\nLobspruch\nWie soll ich wissen,\nob du es bist,\ndie ich am meisten liebe.\nDoch sicher bist es du,\ndie mich am meisten\nfroh macht.\nUnd reine Kraft\ngibt nur die Freude,\nim tiefsten Blut entfacht,\nund dann wie Reif\nauf Haut und Haaren\nund noch im Klang eines Schritts."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2374, "texte": "Glückhafte Nacht\nUnd langsam steig ich aus der Flammengruft\nund atme leicht und weiß, ich bin vom Schein\nglückhaften Brandes übergössen.\nO deine Küsse schmelzen mit der Nacht!\nSie waren rote Wolken, die zergingen,\nich sah sie in die grauen Häuser dringen,\nan denen jedes Fenster geblendet hat.\nSie hauchten Bäume an, durchdringend sacht,\nnun ruhen selig sie auf Stamm und Blatt,\nsie haben alles mit dem Glanz und Duft\nvollkommener Umarmungen getränkt —\njeder Gedanke, den die Schöpfung denkt,\nhält dich wie Kern in Schale eingeschlossen.\nO deine Küsse schmelzen mit der Nacht\nund breiten sich in diesem blauen Leuchten,\ndas alles tief und schwebend macht\nund überirdisch ohnegleichen,\nals ob der Glanz aus ihrer Seele dränge\nund sich gleich wieder ganz in sie verschlänge —\nda die Gedanken, die sich Kämpfer deuchten,\nnun ihrem eigenen Siege weichen &\nund nichts mehr wissen, nichts mehr sind,\nals dieses Schweben und der Wind,\nden das Genossene ausströmt so weit\nwie Atem, doch nur leicht, daß es gerade\nsich leben fühlt im Bade\nder eigenen Vollkommenheit.\n\nKomm\nSteige empor, du,\nkomm, %\ngeh auf!\nEs ist so dunkel\nund ein Gemunkel ***■\nin der Grabesruh,\nals klapperten die Uhrwerke der Ewigkeit\nund wimmerten im Traum die Toten,\nkomm,\nes ist Zeit,\nlasse mich auferstehn und alle Toten\nmit dir, geh auf —\nwüßtest du, wie wir warten!\nKomm,\nschließe die Kirchhöfe auf,\nrühre an die Grüfte,\nstoß in die Posaune vor den Wäldern,\ngeh auf!\nRecke dich auf den Schädelfeldern,\nbis Leben um dich schreit\nvom Gras bis in die Lüfte,\nkomm, wir sind bereit,\nlaß uns nicht länger warten!\nKomm,\nerinnere dich nur an alles Gute,\nund wie an frohen Tagen der Himmel war,\nund wie wir, beschwert, dennoch geflogen sind.\nSpiegeltest du dich nicht wie ein Kind\nvor mir in deinem Mute,\nriefst übermütig gar:\n„So ein Kohl!\nWas wollt ihr denn, was könnt ihr denn!\nmich kriegt ihr nicht, nicht mich!\nwir halten aus, und selbst wenn —\ndann bleibt uns noch immer Sansibar\noder so — jawohl,\nwir schöpfen aus dem Vollen . . .\"\nLaß mich jetzt nicht allein!\nKomm,\ndu brauchst nur kommen zu wollen, r\nda springen Tore vor dir auf\nund Fenster, und der Garten\ntritt, noch betaut, mit bloßen Füßen,\ndie Augen voll von Morgengrüßen\ndurch die Tür in unser Zimmer ein.\nDu hättest mich nie verlassen sollen!\nKomm,\nSo komm doch,\nkomm,\ngeh auf!\nvon Rene Schickele erscheinen demnächst neue Gedichte:\n„Die Leibwache\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Irgendwo schlürft ein Vacuum-cleaner\naus der Versenkung. Morgentoilette des Cafes.\nAufatmend begrüße ich den Herrn im Cut-\naway.\nEr erzielt einen effektvollen Kontrast, indem er\nseinen triefend-schwarzen Zylinder auf die Mar- ~\nmorplatte stellt.\n„Stern der violetten Sehnsucht . . .\" beginnt\ner.\nIch blicke ihn verblüfft an. Die Kellner ver-\nbergen ihre grinsenden Schädel hinter Stühlen.\nDie Uhr schlägt.\nEr ist verlegen.\n„Verzeihen Sie, ich habe mich vielleicht in\nIhrer Nuance geirrt. Gestatten Sie bitte.\"\nEr nimmt mein Manuskript — Unsinn. Er\nblickt es gleichgültig an. Es fliegt ihm zu. Wie im\nKientopp. Es fliegt ihm einfach stilgerecht in\nseine Hände.\nDer Ober eilt entsetzt herbei. Seine Favoris\nzittern.\nDer Cut-away blinkt mit einem Auge auf, be-\nstrahlt den Mann: er löst sich bereits in licht-\ngraue Flocken auf.\nAha, der Kropf. Das ist solider Knorpel, mein\nLieber. Aber schon schwebt das leicht zu dem\nblitzenden Kronleuchter empor.\nVerwirrt putze ich die Gläser meines Kneifers.\nMan überreicht mir mein Manuskript.\n„Verzeihen Sie, ich habe Ihre Nuance verfehlt.\nIhr Exterieur ließ auf Lyrismus mit Farbreizen\nschließen. Ich kenne Sie ietzt besser.\"\n■ ,Er blickt mich abwägend an. Schließt prüfend\nein Auge. Ein paar formende Gesten.\nMein Gott!\nAus meiner Schädeldecke ringeln üppig\nLocken. Mein Gesicht zuckt wie Zahnreißen.\nIch habe ja eine braune Samtjacke an. Meine\nShlipsenden flattern im Tee.\n„ ich habe mir erlaubt, Sie Ihrer Prosa\nanzunähern —\"\nDer Spiegel, der Spiegel!! Mein Freund: Du\nsiehst wie eine schlechte Barmischung von Ros-\nsetti und Wedekind aus.\nIch will dem Kerl an die Gurgel. Er weiß dem\nirgendwie geschickt zu entgehen. Ich sinke er-\nschöpft nieder.\n„Ja, warum sind Sie denn so unhöflich?\"\nTrockner Staub sickert durch meine Gurgel.\nIch blicke ihn sprachlos an.\n„Aber ich habe Sie doch nur Ihrer Prosa an-\ngenähert. Ich wollte Sie doch nur entlasten...\"\nIch stehe kerzengerade. Meine Faust fährt\ndem Kerl steil ins Gesicht, fährt hindurch und\nsegelt still durch das Lokal. Irgendwo sinken\nTassen klirrend zusammen.\nDer Patron schnellt auf. Eine blaue Flamme\nspringt mir aus seinem Mund entgegen.\n„Sie sind ein unklarer Kopf! Was wollen Sie\neigentlich? Ich verhelfe Ihnen zu einer unroman-\ntischen Existenz, ich ermögliche es Ihnen, statt\nzu schreiben, stundenlang in das Wasser eines\nTeiches zu schauen und sich zu betrachten: denn\nwas ist das Wunder im Cafe? Denken Sie nach,\nSie Dummkopf. Aber das verstehen Sie ia alles\nnicht. Ich gehe. Zahlen Sie meinen Cafe.\"\nEr zieht sich wie eine Sprungfeder in seinen\nZylinder zurück und schwimmt wie ein schwarzer\nKork aus dem Cafe.\nTiefsinnig zahle ich. Dann bin ich im Tiergar-\nten. Es ist kühl und der Tabak zischt blutigrot in\nder Pfeife.\nO muntere Perspektiven, die aus diesem Er-\nlebnis emporringeln. Gesunde Nahrung abgezehr-\nter Konstitutionen. Ich ahne Fett, Fett und einen\nkühlen Kopf.\nDenn das ist kein Zweifel: irgendwo muß doch\ndie Lösung in diesem fatalen Burschen stecken.\nIch wüßte sonst wirklich nichts mit ihm anzufan-\ngen. 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Auf und ab.\nWir standen und saßen\nUnd liefen im Trab.\nGanz über die Maßen\nErwartungsvoll\nJetzt ist das Lokal verjohlt und voll.\nII\nEs hebt sich ein rosa Gesicht\nVon der Wand\nEs strahlt ein verwegenes Licht\nVon der Wand\nEs kracht mir der Schädel\nBeim Anblick der Wand\nEs träumt mir ein Mädel\nBeim Anblick der Wand\nO Wand, die in meine leblosen Stunden starrt\nWand, Wand, die meine Seele mit Wunder genarrt\nMit Langweile und grünlichem Kalk\nMein Freund. Meiner Wünsche Dreckkatafalk."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1275, "texte": "Soeben erscheint mir der Mond\nAn der Wand.\nEs zeigt mir Herrn Cohn seine Hand\nAn der Wand. |\nEs schnattert wie Schatten\nPretiös an der Wand.\nVerflucht an der Wand!\nUnd heut an der Wand!\nWas stehen denn so viel Leut\nAn der Wand?\nIII\nJa ich träume. Eine 'Tasse\nSteht auf einem Tische rund,\nAch was ist denn diese crasse J\nSache, die ich sehend hasse? \\\nTut sie nicht ein Wunder kund 2! r\nJa ich werde mich begnügen 1 i::-■ ?\nDaß es solch ein Ding noch gibt\nDas sich nicht mit Engelsflügeh • ~\nAufwärts hebt und fortbegibt. ; '\nSchließlich könnten Teller schweben i\n.»\nStühle streckend alle vier\nBeine aufwärts wie Epheben\nGott, mein Gott, ich danke Din\nIV\nMan fühlt sich dreckig und verlaust '\nUnd träumt verwegen in den Morgenradau\nEin altes Weib hat auch gesungen\nWiegend die Brust. Ein Lockruf der Liebe.\n■i' */•\nWas war er früher so wohlvertraut\nDer kranke Schimmel — vom Fenster aus\nHeut trübt er mir die Abgedanken.\nEin grauer Wirbel. Man gähnt und träumt.\nVom gestrigen Abend, dem Tatenheld\nDer Auto tückisch ins Zimmer schrie\nSterne wie Frauen und lumpige Stunden\nHat mir der schlampige Herr versprochen.\nNun bin ich dreckig und fast verlaust\n«nd steige betrübt in den Morgenzug.\nEin Philosoph hat auch geredet\nWiegend die Brust. Ein liebreicher Herr.\n\nJacob van Hoddis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c012", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.8.1", "titre_corps": "Emil Filla: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Emil Filla: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 31, "texte": "Emil Filla: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c013", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "119", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.9", "titre_corps": "Die Schwermut des GenieBers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des GenieBers : Roman", "signature_source": "Artur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.6", "debut_caractere": 1277, "fin_caractere_exclue": 9006, "texte": "Die Schwermut des\nGenieBers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nZweiter Teil\nNun konnte sie es nicht mehr tragen. Das\nQuälte und brannte und preßte , wie eine\nschwere Sünde lastete das auf den Schultern. Hatte\nsie ihre Schultern nicht, um sie stolz und stark\ndem Leben entgegenzustemmen?\nDies war Mia Mirana.\nNun konnte sie es nicht mehr tragen. Ihr Blut\nschäumte auf. Dieser Zorn war wachgeworden.\nGemein war dies, armselig, niedrig ....\nSie lief wie eine Gehetzte. Sie lief, als wären\nalle Gemeinheiten der Großstadt hinter ihr her.\nWas kümmerten sie die verwunderten Blicke der\nMenschen. Mochten ihr alle nachstarren . . . das\nwar das Klügste, was sie tun konnten! Das war\neigentlich so klug, daß man sich wundern konnte,\nwie diese Menschen denn zu dieser Klugheit kamen.\nSie stürmte durch die Menge. Ganz selten ge-\nschah es, daß sie einen streifte; so gewandt\nwar sie.\nDas ganze schmale Band des Trottoirs füllte\nein Ton, der ununterbrochen anhielt; aus vielen\nTönen zusammengesetzt, klang er zerrissen und\nherb. Das Zischen der Straßenbahnen vermochte\nihn wohl zeitweilig zu übertönen, nie aber ganz zu\nverschlingen. Das war der Winter, der unter den\nharten eiligen Schritten der Menschen aufstöhnte,\nweil sie ihm sein reines weißes Kleid zertrampel-\nten und verschmutzten. O, diese Menschen. Ich,\nMia Mirana, ich verachte euch, ich lache über euch,\nihr seid mir völlig egal, völlig — egal —! Und\nwenn ich euch was vorsinge, dann tue icli das, um\neure langen oder eure verklärten oder eure er-\nstarrten Gesichter zu sehen. Ihr wißt nicht, wie\ninteressant das ist.\nSie hatte ein bestimmtes Ziel sie wußte\neine Einsamkeit, ringsum von Häusern umstarrte.\nDie andern wußten nicht, daß diese Einsamkeit,\ndie sie entdeckt hatte, eine weiche zärtliche Hand\nwar, die ihr den Mund verschloß. Diese Einsamkeit\nmußte sie besuchen, wenn sie tief unzufrieden war,\nden Riß zwischen der Kunst und dem Leben be-\nsonders schmerzhaft emfand. Nein, zwischen der\nKunst und ihrem Leben.\nDie Straßen wurden unbelebter, je weiter sie\nsich von dem Zentrum der Stadt entfernte. Die\nStraßenbahnen sausten spärlicher an den Drähten\nhin. Weit vorn schrillten Lokomotivenpfiffe auf.\n. . . Sie lächelte freudig; jetzt näherte sie sich ihrer\nEinsamkeit. Dort draußen lag sie. Lichter funkel-\nten zu ihr her, hohe Häuser umstarrten sie in ehr-\nerbietigem Umkreis, Menschenstimmen drangen\nschwach bis zu ihr, manchmal erklang ein kurzer\nSchrei aus ihrem Schweigen. Sie lag und dehnte\nsich in Stille. Sie war einförmig und doch voll\nBuntheit. Ich hasse diese Großstadt mit einer un-\nergründliche Liebe, dachte Mia Mirana. Man\ngibt sich hin, glaubt an dieses Gewaltige.\nGleißende, und ist unlösbar mit ihm verbunden. —\nDann lernt man seine Härte und übermenschliche\nStarrheit kennen und leidet. Aber sich lossagen\nkann man nie mehr.\nEs war etwas seltsames um diese Einsamkeit.\n— Wer nüchtern herbeikam, merkte nicht, daß er\nin einer Stille stand. Den umbrauste das Rollen\neiliger Eisenbahnzüge, das schrille Pfeifen eifriger\nLokomotiven, die Rufe der Bahnarbeiter, ihm\ndröhnte das Rasseln der Lastwagen, die über die\nBrücke krochen, in die Ohren. Er sah in dieser\nBrücke nur einen gleichgültigen Teil der Groß-\nstadt. Die, denen alles zum Ereignis wurde, erkann-\nten in dieser eisernen Brücke eine Stätte großarti-\nger, ungewöhnlicher Einsamkeit.\nIch gehöre nicht in dieses Gewirre der Groß-\nstadt, dachte Mia Mirana. Und doch lebe ich darin.\nEines Tages habe ich einen Menschen gefun-\nden, dachte sie, dessen Schaffen ich in mich aufneh-\nmen konnte. Einen Künstler, dem ich eine Rettung\nwurde; dies war unendlich schön. Ich bin ihm\neinige Monate alles gewesen. Er war so dank-\nbar . . wir waren beide so dankbar. In jenen Mo-\nnaten war mein Leben reich und voll Licht. Wie\narm bin ich geworden!\nSie fühlte einen Hauch von dem Geiste des Ge-\nliebten über sich hinwehen. Sie verwandelte sich\nin den Geliebten. Das Werk des Geliebten erstand\nvor ihr. Sie hatte die Empfindung, dieses Werk sei\nin der unbewußten Sehnsucht nach ihr geschaffen\nworden. Sie fühlte, daß ihre Liebe das Herz in\nder Schöpfung ihres Freundes war. Das gab ihr\nStärke und Stolz und eine unermeßliche Freude.\nDie seltsame Einsamkeit lag breit und behag-\nlich. Nichts kümmerte sie. Nicht das Sausen der\nEisenbahnzüge, nicht das Rufen der Männer, die in\ndem Schienengewirr beschäftigt waren, nicht das\nRattern der Straßenbahn, die über die Brücke don-\nnerte. Und diese Erhabenheit ging auf sie über-\nSie fühlte sich abgeschlossen gegen allen Lärm, der\nvon draußen kam, und lebte, während sie auf der\nBrücke stand und sich über das Geländer beugte,\nein Leben rückhaltloser Versunkenheit. Die Groß-\nstadt war weit zurückgeblieben, war versunken\nvor der Ergriffenheit dieser Stunde. Sie zitterte\nin dem Bewußtsein ihres Könnens, eine tiefe Freude\ntrug sie über alle Schrecken hinweg, die ihr die\ngroße Stadt bereitete.\nImmer, wenn Mia Mirana verbittert und un-\nmutig und verzagt war, ging sie in diese Einsam-\nkeit, die sie entdeckt hatte und die kein Mensch-\nkannte außer ihr. Und die Einsamkeit kräftigte sier\ngab ihr neuen Mut und neue Freude und machte\nsie stolzer. Sie fühlte ein Bedürfnis, zu danken für\nden inneren Reichtum. In solchen Stunden hätte\nsie hinknien mögen in großem Glück.\n. . . Die Nacht, die hoch über der Erde stand»,\nbegann sich in weiche weiße Flocken aufzulösen.\nWenn man nach oben sah, erblickte man ein unend-\nliches weißes Geriesel, das sich zwischen den Blick\nund den Himmel geschoben hatte und in all seiner\nWeichheit doch maßlos hart und unbarmherzig\nwar, weil es den Menschen den Ausblick in den\nweiten gewölbten Himmel verwehrte. Und auch\ndie Einsamkeit zerfloß langsam unter dem uner-\nmüdlichen Geriesel. Die Lichter zitterten ängst-\nlicher zwischen den Lücken des weißen Vorhanges\nhervor und schienen endlich zu erlöschen. Eine\nenge Mauer stand plötzlich um den Blick errichtet..\nWie gespenstische Untiere brachen die Wagen der\nStraßenbahn aus der weißen beweglichen Masse\nhervor, waren einen Augenblick zu sehen und\ntauchten wieder unter. Alle Menschen schienen in\ndem endlosen Schneefall ertrunken zu sein. Selbst\ndie Stimmen der Männer klangen gedämpft, wie\nängstlich aus der Tiefe der Schienenanlage herauf.\nDa schlug eine Glut durch das Herz der Frau.\nSie wollte den Kampf aufnehmen gegen eine Welt.\nSie wollte den Menschen die Kunst geben, die sie\nlange schon nicht mehr kannten. Welch ein Segen\nwaren für sie die Jahre der Trennung von dem\nFreund gewesen: Groß und kühn und stark war sie\ngeworden, hatte ihre Seele mit aller erlesene*\nSchönheit ausgeschlagen, hatte sie reich an hohe»\nFreuden und hohen Hoffnungen gemacht. Jene\nunermeßliche Liebe zu dem Freunde hatte wie eine\nOpferflamme in ihrer Brust gebrannt; ohne Reue\nkonnte sie an jene Tage eines süßen Beisammen-\nseins zurückdenken, ohne Reue und ohne Sehn-\nsucht . . . Auch ohne Sehnsucht?\nAus übergroßer Liebe waren sie auseinander-\ngegangen. Jedes ein Sieger und ein Besiegter.\nJedes durchdrungen von der Ewigkeit ihrer Liebe.\nSo waren sie auseinandergegangen.\nAh, Johannes, dann kam der Tag, da wir uns\ntrennen mußten. Es war ein Zwang über uns, dem\nwir nicht widerstehen konnten. — Wir wollten die\nSchönheit und fürchteten die Nüchternheit des\nLebens. Wie dankbar bin ich jenem Zwang, der\nüber uns war! Wie reich bin ich geworden, da-\ndurch, daß ich ihm gehorchen mußte! Und wie\nreich bist auch du geworden, Johannes!\nSo schritt sie durch die weiße Nacht, der Stadt\nentgegen. Alles Vertrauen, das in ihr ruhte, war\ngeweckt durch die seltsame Einsamkeit und die\nschmerzlich-freudigen Gedanken an die Trennung\nvon dem Geliebten. Sie hatte eine Höhe erklom-\nmen; sie war aus einer fahrenden Sängerin die\nerste Künstlerin eines großen Theaters geworden.\nDie Großstadt jubelte ihr zu, wenn sie auf der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 813, "texte": "'Bühne erschien. Sie schritt durch die weiße Nacht,\nvoller Freude, lächelnd im Glück einer vergange-\nnen und einer kommenden Zeit. Der Lärm der\nStraßen nahm sie wieder auf. Jetzt hastete sie nicht\nmehr vorwärts wie eine Gehetzte. Langsam,\ngleichsam herausfordernd streifte sie an den Men-\nschen vorüber. Der weite Weg vom Berliner Bahn-\nhof zum Mittelpunkt der Stadt durch die unschönen\nStraßen der Vorstädte, schien ihr kurz und an-\nziehend; soviele Freude und Erwartung hatte sie\nin dieser Stunde in sich gesammelt.\nAls sie durch die Lichtermasse der Grim-\nmaischen Straße schritt, richtete sie alle ihre Auf-\nmerksamkeit darauf, elegant und geschmeidig aus-\nzuweichen. Einmal hatte sie den Gedanken, eine\nDroschke zu nehmen. 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Was er gegen die neue Kunst vorzubrin-\ngen hat, ist ebenso dürftig wie unkünstlerisch.\nSein sogenannter Kampf ein schlechter Zeitungs-\nartikel. Er setzt die Wörter Neue Kunst in An-\nführungsstrichen, redet „von Kunstfreundinnen,\ndie etwas auf sich halten und ihre Geldbeutel für\nKunst und Künstler öffnen\", unterstellt, daß die\nKünstler der neuen Bewegung nicht „aus naivem\nSchöpfertrieb\" arbeiten, sondern aus dem „Stre-\nben, a tout prix aufzufallen\". Um keinen Preis\ndürfte der Generaldirektor der königlichen Mu-\nseen mit so naiven Argumenten auffallen. Ein alter\nMann muß die guten alten Zeiten loben. Die neue\nZeit trägt an der neuen Kunst Schuld: „Das Stre-\nben unserer demokratischen Zeit nach Abbruch\nder lästigen Schranken von Religion und Moral,\nnach immer stärkerer Nivellierung, nach Unter-\ndrückung der Eigenart und selbständiger Charak-\ntere, das Verschwinden des Qnalitätssinnes und\ndafür das Triumphieren der Mittelmäßigkeit und\nder Roheit in besonders starker abschreckender\nWeise.\" Das ist der Versuch eines Flugblatts ge-\ngen die Sozialdemokratie, aber kein Essay über\nKunst. Dem einen sind die „neuen Künstler\" zu\neigenartig, den andern zu nivellierend. Nach der\nJournalistik und der Politik wird vom General-\ndirektor die schwerwissenschaftliche Aesthetik\naufgefahren: „Die Aesthetik ist aufs Aeußerste\nverpönt, die Forderung der Schönheit für die\nKunst wird für eine Lächerlichkeit erklärt.\"\nGoethe, der doch auch zu der guten alten Zeit ge-\nhörte, bemerkte Herrn Bode hierauf: „Ich muß\nüber die Aesthetiker lachen, welche sich abquälen,\ndasjenige Unaussprechliche, wofür wir den Aus-\ndruck schön gebrauchen, durch einige abstrakte\nWorte in einen Begriff zu bringen. Das Schöne\nist ein Urphänomen, das zwar nie selber zur Er-\nscheinung kommt, dessen Abglanz aber in tausend\nverschiedenen Aeußerungen des schaffenden Gei-\nstes sichtbar wird und so mannigfaltig und so ver-\nschiedenartig ist als die Natur selber.\" Herr Bode\nsollte sich überhaupt etwas mehr mit Goethe be-\nschäftigen, da er doch den neuen „Kunstreferen-\nten\" nicht traut. So behauptet Herr Bode: „Zu\nallen Zeiten ist die Natur Vorbild und Vorwurf für\ndie Kunst gewesen, deren künstlerische Wieder-\ngabe in stets neuen Abwandlungen ihre Aufgabe\nist und bleiben wird.\" Hierzu bemerkt Goethe:\n„Ja, mein Guter, man muß etwas sein, um etwas\nzu machen. Diese Dinge liegen alle tiefer als man\ndenkt. Unsere guten altdeutschelnden Künstler\nwissen davon nichts, sie wenden sich mit per-\nsönlicher Schwäche und künstlerischem Unver-\nmögen zur Nachahmung der Natur und meinen, es\nwäre was. Sie stehen unter der Natur. Wer,\naber etwas Großes machen will, muß seine Bil-\ndung so gesteigert haben, daß er gleich den Grie-\nchen imstande sei, die geringere reale Natur zu\nder Höhe seines Geistes heranzuheben, und das-\njenige wirklich zu machen, was in natürlichen Er-\nscheinungen, aus innerer Schwäche oder aus äuße-\nrem Hindernis nur Intention geblieben ist.\" Wenn\nHerr Bode nun aber etwa antwortet, daß Goethe\nnur ein Künstler gewesen sei, so möge er beden-\nken, daß er nur ein Generaldirektor ist.\nAvis für Kunstfreunde\nBerliner Lokal-Anzeiger:\nDie Galerie Eduard Schulte\nwird auch in dieser Saison, ihrem alten Grundsatz\ntreu bleibend, gute, abgeklärte Kunst\naller Richtungen und aus allen Ge-\nbieten des In- und Auslandes bringen.\nSie hat bereits bedeutende Sammlungen engagiert\nund steht wegen anderer noch mit den Künstlern\nin Verhandlung, so daß sie zurzeit noch kein fest\nbegrenztes Programm angeben kann.\nDer treue Grundsatz macht das festbegrenzte\nProgramm überflüssig. Gute abgestandene Kunst\nkann man begrenzt und unbegrenzt betreuen.\nTafelleiden\nDer alte Mann im neuen Stuttgart jammert\nnach der Mahlzeit, die ich ihm bescherte. Er hat\nMagendrücken. Er verschweigt zwar den Lesern\ndes Stuttgarter Neuen Tagblatts seinen Reinfall\nmit Rimbaud, beschwert sich hingegen, daß ich\nihm den Titel Herr entzogen habe. Herr Tafel hat\nnicht einmal gemerkt, warum ich es tat. Nicht\neinmal das Bild seines eigenen Namens kann er\nsehen. 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Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt®\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nGünther Mürr\nDer Entrückte / Rhythmen\nKugelverlag Hamburg 37\nGottfried Benn\nSöhne / Neue Gedichte\nA. R. Meyer Verlag Berlin-Wilmersdorf\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschien Lieferung 9: O. Wulff: Altchristliche\nund byzantinische Kunst Heft 5\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H. M. 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Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenst&nden auf\nf' alls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Betrag fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bd\nBegin n des neuen V i e r t el j ah r e s bis\nfum funften des ersten Monats e i h z u -\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz iehung des Betrages durch Nachnahme\n'outer Berechnung des Nachnahmeportos ge~\nwunsoht wird\nGeneralvertretung Verlags Eugene Flgutere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c019", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.8", "debut_caractere": 2880, "fin_caractere_exclue": 5635, "texte": "Originalholzschnitte / Handdrucfce\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefiigt / Alle\nExempiare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wi 1 dpIerde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Da$\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pecfestein: Die E r 1 e g u n g des F e s t -\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert /\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft / Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchraldt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande MI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Flak at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nij'insky / Portrat Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nMissik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Pur Qesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpost kartell\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteii: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Krinnerung einer\nNacht / Zug In voller Fahrt / Q i n o S e v e -\nrini: Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan 1 anz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFraoz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour / L'Equippe du Cardiff\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nZeitschriften\nLa Route / Revue de l'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Eflort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch ./ Poitiers\n[Vienne]\n/ Halbmonatsschrift / Ktinste /\nKultur I Philosophic I Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Parte 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Fraacaise ./ Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontioie / Halbmonatsschrift / Paris / Chaussli\nd'Antin 38\nFlaro I Monatsschrift / Brussel\nLes Cafeiers do Centre / Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris I Recueii Mensuel / Parb\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir neue und\nalte Kunst / Heft 6—8 bringt: Bilder: Picasso (9) /"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-10-02-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-10_02#c020", "volume": "bmtnabg_1913-10_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes fiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des iHeftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat / PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neueri\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fiir moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaBige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraSe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nleder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny I Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fur Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose!\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\n■\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS OKTOBER 1913\nNUMMER 182/183\n\nInhalt: H. W.\nNachrichtung / Die Presse und der Herbstsalon: Eine Gegenüberstellung / Lexikon der deutschen Kunstkritik / Das Wesen um die Kunst /\nRene Schickele: Neue Gedichte / Rudolf Kurtz: Cafe, morgens / Jacob van Hoddis: Nacht / Artur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / Alfred\nRichard Meyer: Biesenthal in der Mark / H. W: Kenner: Der Herr Direktor / Avis für Kunstfreunde / Tafelleiden / Empfohlene Bücher / Hans Arp:\nZeichnung / Emil Filla; Stilleben / Originalholzschnitt\n\nHans Arp: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.2", "texte": "Nachrichtung\nH. W.\nDas ist das Ende. Mit der Besprechung des\nErsten Deutschen Herbstsalons haben sich diese\nnamhaften Kunstkritiker selbst gerichtet. Ueber\nTote soll man nur Gutes reden. Sie haben sich\nausgeschimpft und ausgeschrien. Ich hätte ihnen\nso gern ein Stückchen Natur noch gegönnt, ein\ntrautes Plätzchen an der Sonne, Herrn Robert\nBreuer insbesondere sogar ein Häuschen des\nWerkbundes. Zu spät. Sie liegen leicht plattge-\ndrückt auf dem schönen Rasen, der ihnen Kunst\nIst, atemlos, tot. Aber gedacht soll ihrer werden.\nMan braucht sich nicht mehr nach Griechenland\nzu bemühen, der bekannte Herr Herostrat braucht\nnicht mehr zitiert zu werden, wir haben jetzt\nreichlich von der Sorte. Da war der gute Fritz\nStahl. Ein Ehrenmann. Nicht Schlechtes kann\nihm nachgesagt werden. Mein Gott, er verstand\nnichts von Kunst. Das verstehen viele andere\nLeute auch nicht und sind trotzdem nützliche Glie-\nder der menschlichen Gesellschaft. Er kannte,\nwie jeder andere, seinen Raffael und seinen Rem-\nbrandt, er wußte, wie Goethe aussah. Er wußte\nsogar, daß Henri Rousseau ein Dilettant war. Er\nhatte, wie viele andere, ein schlechtes Gedächtnis\nfür Hausnummern, das bei ihm allerdings fast\nkrankhaft anmutete. Aber schließlich sieht jeder\nMensch beim Sturm schlechter. Da der Sturm\nnicht gemalt wird, der Sturm ist dazu nicht natür-\nlich genug, wurde er von Fritz Stahl nie entdeckt.\nEr schlug ihm außerdem in die Augen. Manche\nMenschen können sich eben keine Hausnummern\nmerken. Vor allem nicht schwere Nummern. Es\nleuchtet mir ohne weiteres ein, daß Fritz Stahl\nunsere Ausstellung von der Königin-Augusta-\nStraße 51 nach Nummer 50 verlegte, versetzte\noder verdruckte. 50 merkt sich besser. 75 kann\nman sich nicht merken. Darum verlegte, ver-\nsetzte oder verdruckte Fritz Stahl den Ersten\nDeutschen Herbstsalon nach Potsdamerstraße 76.\nDiese Nummer ist einleuchtend, leicht zu merken,\nleichter als 75 und die Eins, die er früher genom-\nmen hat, zahlte er jetzt zurück. Außerdem ist\ndort ein Bauplatz, auf dem er im Frühling wieder\ndas Gras hätte wachsen hören können. Nun liegt\ner auf dem Rasen. Was wäre geschehen, wenn\ner die jetzige Nummer der ständigen Ausstellun-\ngen des Sturms, 134 a, sich hätte merken müssen.\nEr hätte sich sicher ein x für ein a vorgemacht\nund die Nummer hätte selbst Fritz Stahl in phan-\ntastische Erregungen gebracht. Nur einen\nSchmerz habe ich dem toten Mann angetan. Ihm\nist das Lachen von den „Wortführern der Zu-\nkunftkunst\" streng verboten worden. Er war eine\nsonnige Natur und wollte lachen. Nun ist es zu\nspät. Ihm hätte ich ausnahmsweise gestattet, zu\nlachen, sich schief zu lachen, sich totzulachen.\nEr hat sich totgeschimpft. Er war ein Ehrenmann,\nnehmt alles nur in allem. Und sein Nachlaß wird\nuns oft noch Gelegenheit geben das zu tun, was\nihm verboten war: zu lachen. Mit ihm verschied\nfür die Kunst Herr Professor Oskar Bie. Es bleibt\nerstaunlich, daß ihn die Langeweile seiner Neuen\nRundschau so lange mobil erhielt. Langeweile ist\nzwar die Tugend der Kunstkritik. Er besaß alle\nTugenden, dieser Professor. Er begeisterte sich\nfür die Musik und half Richard Strauß entdecken.\nEr begeisterte sich für den Tanz und legte die\nleichteste Bewegung in dicken Worten fest. Er\nbegeisterte sich für die Malerei und war farben-\nblind. Es soll damit dem Verunglückten kein Vor-\nwurf gemacht werden. Farbenblindheit ist eine\nKrankheit und über Krankheiten ist nicht zu spa-\nßen. Dabei liebte er die Farben, wie ein Tauber\ndie Musik. Noch kurz vor seinem Abschied be-\nsuchte er den Ersten Deutschen Herbstsalon. Er\nfreute sich nicht über die Bilder, aber über den\nanwesenden Maler Delaunay: „Da ist Herr De-\nlaunay. Er sieht so nett aus, im braunen Anzug,\nauch das Westenfutter ist braun.\" Nun trug Herr\nDelaunay zwar einen roten Anzug, auch das\nWestenfutter war rot. Aber braun ist auch eine\nhübsche Farbe. Und warum soll nicht jemand\nbraun statt rot sehen, wenn ihm grün und blau vor\nden Augen wird und er außerdem farbenblind ist.\nKein Vorwurf, nur eine Feststellung. Aber auch\nvon diesem braven Professor ist noch ein Nachlaß\nzu erwarten. Selbst der graueste Theoretiker\nwird sich darüber scheckig lachen können. Und\nwieder denke ich mit Wehmut an den braven\nFritz Stahl, der nicht mehr mitlachen kann. In\nder Blüte seiner strotzenden Schimpfereien wurde\nHerr Robert Breuer dahingerafft. Er war der gut-\nmütigste von allen. Ein jüngerer Mann mit star-\nker Neigung zum Schmerbauch, der sich sein Fett\nvom Leibe herunterschimpfte. Er wurde aus die-\nsem Grunde direkt erfinderisch und bekam Origi-\nnalität, die der ehrlichen Haut sonst versagt blieb.\nEr erfand den „Hottentotten im Oberhemd\", „die\nHorde farbenspritzender Brüllaffen\", „die bunt-\nhäutigen Tölpel\". Er wiederholte sich nie in\nSchimpfworten. Während er in Berlin die Maler\nals „Neger im Frack\" vorstellte, ließ er sie in\nKassel als „Säuglinge im Frack\" auftreten. Nur\nfür Stettin erfand er nie Neues. Ein loyaler\nMann. Er versprach, „die Pinsler noch einmal\ngründlich in der Retorte zu kochen\". Leider\nplatzte er selber vor diesem Vergnügen. Er hat\nsich totgeschimpft. Allzuviel ist ungesund. Und\ndabei war er ein guter Mensch. Harmlos und\nkindisch, ein Bürger seiner Zeit und treuer Freund\nseines Freundes Westheim. Orestes und Pylades\nsind entbehrlich geworden: Breuer und Westheim\nhaben sich mit hörbarem Ruck an ihre Stelle ge-\nsetzt. Nie konnte einer schreiben, ohne daß er\nden andern zitierte. Wie Robert Breuer sagt.\nWie Paul Westheim bemerkte. Wae Robert\nBreuer bemerkte. Wie Paul Westheim sagt. Es\nist nicht zu sagen, nur zu bemerken. Breuer\nkonnte kein Schimpfwort erfinden, was West-\nheim nicht anwandte. Und wenn Paul Westheim\nschrieb: „eine Reihe buntscheckiger Schießschei-\nben\", so schrieb Robert Breuer: „Schützenschei-\nbenbilder\". Westheim empfindet malerischer,\nBreuer naturalistischer. Aber die Seelenver-\nwandtschaft ist zweifelsohne. Da Westheim so-\nzusagen nur sekundär schimpfte, blieb er am\nLeben und wird demnächst im Panoptikum gezeigt\nals der Freund des Freundes. Wenn man von\nWestheim überlebt wird, kann man getrost gen\nWesten fahren. Der Herbtsalon hält reiche Ernte.\nDie besten Männer sanken um, Da war noch\nHerr Karl Scheffler. Die Geschichte kennt bereits\neinen ami de Beethoven. Karl Scheffler wird\nweiter fortleben als ami de „Kunstnapoleon aus\nder Viktoriastraße\". Der ami de Beethoven fand\nBeethoven wenigstens vor. Herr Karl Scheffler\nmußte sich seinen Götzen erst schaffen. Jeder hat\nden Napoleon, den er verdient. Es fällt mir dabei\nnicht einmal ein, verdienen groß zu schreiben.\nDenn der Kunstnapoleon ist nur der große Bruder.\nMein ami war Herr Karl Scheffler nicht. Er be-\nhauptet, daß ich „flink\" sei. Und er hat recht. Ich\nsprang ihm mit einer einstweiligen Verfügung auf\nden Kopf, wodurch ihm bei einer fiskalischen\nStrafe von 500 Mark für jeden Fall der Zuwider-\nhandlung das weitere Verbreiten einer Nummer\nseiner Zeitschrift: Kunstna—nein, Kunst und\nKünstler verboten wurde. Einer Nummer, in der\ner ohne Erlaubnis und ohne Berechtigung ein\nAquarell von Franz Marc reproduziert hatte.\nWorauf er in der Vossischen Zeitung bemerkte:\n„Sehr sehr schade ist es um den kräftig begabten\nFranz Marc\". 500 Mark für jede Nummer ist\nwirklich ganz kräftig. Und das habe ich mit mei-\nnen „Kinderfüßen\" getan. Natürlich habe ich mich\nauch der Aufgabe eines Herbstsalons „nicht ge-\nwachsen gezeigt\". Was ja eigentlich durch meine\nKinderfüße erklärlich war. Herr Karl Scheffler\nentdeckte bei mir eine „deutliche Vorliebe für das\nAbsonderliche und Alberne\". Es kann doch nicht\njeder so ernst sein wie Herr Karl Scheffler. Herr\nScheffler war außerdem ganz hervorragend gebil-\ndet. So äußerte er: „Jeder fremde Mensch, das\nbin ich; und ich, das ist jedermann\". Sehr wahr!\n„Die meisten Menschen sind schon verlegen dar-\nüber, daß sie nicht anders sind, als die Natur sie\ngemacht hat, trotzdem sie daran doch ganz un-\nschuldig sind.\" Dies Kind, kein Engel ist so rein,\nsagt Schiller. „Was die Verlegenheit so qualvoll\nmacht, ist, daß sie Unsicherheit ist.\" Wenn Herr\nKarl Scheffler seine Verlegenheiten verlegen läßt,\nfühlt er sich offenbar sicherer. „Ich fühle Befan-\ngenheit, wenn meine Gedanken, sobald ich sie in\nWbrte kleide, mir albern zu klingen scheinen.\"\nUnd er bemerkt bei mir die Vorliebe für das Al-\nberne, was e r schreibt und wird befangen ohne\nan die einstweilige Verfügung zu denken. Trotz-\ndem ich mich entschieden weigere, Karl Scheffler\nzu heißen. Man hätte mit dem Herbstsalon „eine\nEliteausstellung der ringenden Kräfte machen kön-\nnen\", sagt Herr Scheffler. Die Spätherbstausstei-\nlung von Napoleon dem Vierten verheißt offiziell,\ndaß dort „die ringenden Talente\" gezeigt werden.\nIn meiner Ausstellung, Herr Karl Scheffler, hat es\nsich schon ausgerungen. Das vierblättrige Klee-\nblatt Stahl. Bie, Breuer, Scheffler habe ich flink\nabgerissen, es an meinen braunen Rock gesteckt,\nmir viel Glück gewünscht und dann es lachend\nzertreten.\n\nDie Presse\nund der Herbstsalon\nEine Gegenüberstellung\nFrankfurter Zei-\ntung\nEs wird die Vorstellung\nerweckt, als ob es in dieser\nAusstellung etwas zu sehen\ngäbe von den Entwick-\nlungsfortschritten. Nie war\neine Prätention anmaßen-\nder, nie weniger begründet.\nNational-Zeitung\nEs ist heute keine Frage\nmehr, daß die Kräfte, die\nhier an der Arbeit sind,\nbestimmt sind, Anregungen\nund Ausgangspunkte für die\nWege zu geben, die die\nKunst der Zukunft einst\ngehen wird.\nCasseler Allge-\nmeine Zeitung (Herr\nRobert Breuer)\nErnsthafte Leute werden\nmit dieser Ausstellung\nsehr schnell fertig sein;\nes gibt da gar kein Prob-\nlem, es gibt nur Bedauern\nund Lachen.\nDresdener Neuste\nNachrichten\nDer Tag, an dem der\nerste deutsche Herbstsalon\neröffnet wurde, darf als\nhistorisches Datum gelten.\nEs hat etwas Überwälti-\ngendes, allüberall Kämpfer\nund Vertreter der neuen\nPrinzipien am Werke zu\nsehen.\nHamburger Nach-\nrichten\nEs ist in der Tat grober\nUnfug, diese Unsumme von\nLächerlichkeiten, von blö-\nden Schmierereien. — —\nMan glaubt aus der Gemäl-\ndegalerie eines Irrenhauses\nzu kommen.\nVorwärts (Derselbe\nHerr Robert Breuer)\nEs ist eine Kunst der\nExtreme Es wäre\ndennoch eine schwere Be-\nfangenheit, sie, wie das\nneulich Meier-Qräfe tat, für\ntoll und dilettantisch zu er-\nklären."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.3", "texte": "HerrFritzStahl\nGegen die Zumutung,\ndiese Fatzkereien als Kunst\nauch nur negativ zu be-\nbandeln, gibt es keinen\nernsten Protest mehr. Wir\nlachen.\nVorwärts (Wieder Herr\nRobert Breuer)\nMan braucht nur die\nTitel all dieser tollwütigen\nPinseleien zu lesen, um zu\nwissen, daß es sich hier\nwirklich nicht um Malerei,\nsondern um Kaffeehauslite-\nratur handelt.\nDeutsche Tages-\nzeitung\nHier aber sind die Ta-\nlentlosen in Reihe und\nGlied aufgestellt.\nVossische Zeitung\nMan sieht, es lohnt nicht\nden Besuch.\nP a n\nNun, dachte ich, kann\nniemand mehr in 55 Minu-\nten ein bestauntes Bild\nschaffen, noch Werke von\nder Tiefe eines Delau-\nnay in einer Saison täu-\nschend nachmachen.\nHerrFritzStahl über\nKandinsky 1912\nDer Reiz bleibt rein op-\ntisch und wird im Ver-\ngleich mit dekorativen Ar-\nrangements durch die Ge-\nwaltsamkeit der willkür-\nlichen Linien überdies ge-\nstört. In dieser Wirkung\nsteht aber der Aufwand\neines großen Bildes\nin lächerlich emKon-\ntra s t. Die kann man\nauf einem Läppchen Papier\nerreichen.\nLeipziger Tage-\nblatt\nChagall verfügt über\neine Glut der Farbe und\neinen Schwung der Phanta-\nsie, die mitreißen, selbst\nwenn man sich ungern\nsolcher Schwärmereien\nhingibt.\nB. Z. am Mittag\nDie Tierbilder von\nFranz Marc gehen ei-\nnen Schein weiter zu lei-\ndenschaftlichen Kompositi-\nonen, die Phantastisches\nmit großem Griff erblicken.\nBerliner Börsen-\ncourier\nAlfred Kubin macht seine\ndämonisch - metaphysischen\nZeichnungen ohne jeden\nNachdruck.\nBerliner Börsen-\ncourier\nPlötzlich sieht man ein\npaar indische und ja-\npanische Bilder, die alle\nFuturisten beschämen.\nNational- Z t i t u n g\nDaher sei man vorsich-\ntig, ehe man neue Kunst-\niormen verurteilt oder gar\nbespöttelt, wie es vielfach\nleider Sitte ist\nHamburger Nach-\nrichten\nWeiter heißt es, „Kom-\nposition\". — Dann wieder\nKontraste oder „Mystisches\nBild\" oder „Improvisa-\ntion\". zuweilen. auch bloß\nBild 1, Bild 2, Bild 3. Man\nspürt, wie schwer es den\nMalern geworden ist,\nihren Bildern Bezeichnun-\ngen zu geben.\nVolkszeitung\nTäuschungen sind ausge-\nschlossen. Diese „Jüngsten44\nsind keine Revolutionäre;\ngereift und abgeklärt, aber\nreichlich exzentrisch sind\ndie Meisten\nVolkszeitung\n. . . Ausstellung ist das\nweitaus interessanteste,\nwas man in der letzten\nZeit an Kunstausstellungen\nsehen konnte.\nVorwärts (Immer wie-\nder Herr Robert Breuer)\nOder Herr D e 1 a u n a y.\nEr zeigt uns die Sonne in\nvier verschiedenen Fassun-\ngen. Aber was er gibt,\nsind Schützenscheibenbil-\nder, wie trunkene Dorf-\nburschen sie fabrizieren.\nHerrFritzStahl über\nKandinsky 1913\nIch empfinde bei dem\nAnblick solchen Bildstückes\n(von Kandinsky) einen so\nanregenden und befriedi-\ngenden Genuß, daß es mir\ngenug als Kunstwerk wäre.\n... Er (Kandinsky) ist ein\nGenie der Farbe.\nVossische Zeitung\n— wo solche Scherze zu\nsehen waren, wie Marc\nChagalls einer schönen\nalten Miniatur schlecht\nnachgekünsteltes Kreuzi-\ngungsbild.\nHamburger Nach-\nrichten\n. . . ebenso unverständlich\nwie die apokalyptischen\nWölfe von Franz Marc.\nBerliner Lokalan-\nzeiger\nAlfred Kubin, jenem be-\nkannten Diaboliker, der zu\neiner immer vertiefteren\nForm gelangt.\nLeipziger Tage-\nblatt\nBedauerlich sind dagegen\ndie Proben der indi-\nschen und chinesi-\nschen Malerei, die man\nhier sieht.\nLeipziger Tage-\nblatt\nPaul Klee zeigt\nZeichnungen, die sich in dem\nTiefsinn der Kindeszeich-\nnungen geschult haben.\nBerliner Allge-\nmeine Zeitung\nRousseau, aus des-\nsen bis ins Kindliche ver-\neinfachte Manier eine feine\nseelische Vertiefung spricht.\nBerliner Börsen-\ncourier\nPaul Klee ist derjenige,\nder das Gerücht von den\nMax- und Moritz-Zeichnun-\ngen verursacht hat.\nCasseler Allge-\nmeine Zeitung (Schon\nwieder Herr Robert\nBreuer)\nRousseau, ein harm-\nloser ehrlicher Dilettant.\nLexikon der deutschen Kunstkritik\nZusammengestellt aus Zeitungsberichten über den\nHerbstsalon\nAnödung des Publikums / Verhöhnung des Phi-\nlisters / Unfähige Akademiker / Nichtskönner J\nAnmaßliche Theoretiker / Neuigkeitsjäger ,/ Bunt-\nhäutige Tölpel / Neger im Frack / Hottentotten im\nOberhemd / Horde farbespritzender Brüllaffen /\nTollwütige Pinseleien / Kaffeehausliteratur / Farben-\nkrämpfe / Ideenkopfstände / Tollste Verrücktheiten\n/ Griffelversuche des kleinen Fritzchens I Kirmes-\nschützenscheiben I Krankhafte Erscheinung /\nScheußlicher und lächerlicher Klumpen / Scharen\nvon anspruchsvollen Toren / Fatzkereien / Dick\naufgetragene Flecken schlechter Farbe / Malboto-\nkuden / Hexensabbath / Ästethetische Gigerl /\nGellende Clownsprünge / Größendünkel ,/ Neger im\nZylinder / Säugling im Frack / Neuste Kunsterkran-\nkung / Praß von Talentlosigkeit / Managernaturen\n/ Bastardtalente / Banause / Verworrenheit der\nPsyche / Wahnwitzige Gebilde der Phantasie /\nModen ohne Entwicklungsmöglichkeiten / Hohl-\nheit der technischen Spielereien I Umgekehrte\nPhilisterseele /Gemalter Wahnsinn I Bluff / Un-\nsumme von Lächerlichkeiten / Blöde Schmierereien\n/ Gemäldegalerie eines Irrenhauses / Neue Wahn-\nsinnsuniformen / Züchtung des Allerhäßlichsten /\nTaumler aus Unfähigkeit / Kitschideen / Kasperle-\ntheater ./ Sensationsgier ästhetischer Roues / Pa-\nnoptikumsspektakel / und so weiter\n\nDas Wissen um die\nKunst\nH. W.\nIch bin nicht der Meinung, daß es um die Kunst\nheute schlechter steht. Es stehen nur zu viele um\ndie Kunst herum. Sie packen sie mit stumpfen\nSinnen an, sie befühlen sie, ohne zu fühlen, sie be-\ndenken sie ohne Bedenken. Sie stellen sich vor\ndie Kunst ohne sie sich vorstellen zu können. Sie\nfinden die Kunst gesucht, weil sie Gesuchtes nicht\nfinden. Sie suchen die Natur, die sie nicht kennen.\nSie kennen die Natur nicht, weil sie außer ihnen\nist. Sie sind von der Kunst außer sich, weil die\nKunst sich in sie zwängt. Sie sind bezwungen.\nDieses Lachen, dieses Höhnen ist die Verzweif-\nlung des Unterliegenden, das Aufleben des Leben-\ndigen gegen ihr Totes. Sie werden von dem Er-\nlebnis geschüttelt. Ihre Kindergehirne kreisen.\nDas Leben reißt ihnen, müßigen Zuschauern, die\nMäuler offen, sie klammern sich schreiend an Be-\ngriffe, die sich vor ihnen lösen, sie fassen in die\nBilder, die sie schon längst gefaßt haben. Sie zer-\nren an einem Zipfel der Kunst, weil sie ihnen zu\ngroß ist. Sie nörgeln, kleine Kinder, die nicht\nSchritt halten können. Die Sonne scheint und die\nKunst leuchtet, auch wenn Kinder noch nicht er-\nwacht sind. Waren sie Kinder, wenn sie erwach-\nten. Sie würden sehen, daß die Sonne eine schöne\nKugel ist, wie eine Schützenscheibe, mit der man\nspielen kann. Sie würden sich im Urwaldgestrüpp\nder Farben fürchten. Sie wüßten, daß die Bäume\nin cien Himmel wachsen und daß der Himmel in die\nEi de reicht. Das alles und vieles andere Schöne\nv, ürden sie wahrnehmen wenn sie Kinder oder\nKünstler wären. Aber solange sie Bürger sindL,\nnützliche Glieder einer unnützen Gesellschaft, so-\nlange wissen sie nur, daß die Sonne nach verschie-\ndenen Millionen Jahren ausgebrannt sein wird, daß\nman sich im Urwald nicht zu fürchten braucht, daß\ndie Bäume nicht in den Himmel wachsen und da&\nder Horizont eine Vorstellung ist, so eng, wie das\nwas sie denken nennen.\nDie Natur ist den braven Leuten der Wunder-\nbar. Natur, das weiß man, wie das gemacht wird..\nGewitter, elektrische Entladung. Was ist Elektri-\nzität ? Elektrizität entsteht dadurch, daß man..\nEntsteht? Geburt, eine höchst einfache Angelegen-\nheit Das eine Organ tut dazu dieses, das andere\njenes. Das Denken geschieht durch das Gehirn.\nMan weiß noch viel mehr von der Natur.\nBlutkreislauf. Bakterien. Kampf ums Dasein.\nAtome. Elemente. Alles höchst einfache Sachen.\nDie Natur kennt man. Alles ist höchst natür-\nlich. Findet man das nicht natürlich, so liegt\neben ein Dämmerzustand vor. Wieder eine höchst\nnatürliche Erklärung. Ein dauernder Dämmerzu-\nstand ist Geisteskrankheit. Alles eben so einfach\nwie natürlich. Und die Wissenschaft, die es so\nherrlich weit gebracht hat und ganz genau weiß\nwie es die Natur macht, soll mit dem bischen Kunst\nnicht fertig werden? Wo die Kunst doch nur die\nNatur natürlich nachahmt. Bei Menschen hat die\nWissenschaft wenigstens einen Blutkreislauf\nfestgestellt. Die Kunst hat nur eine Oberfläche.\nDie Kunstgelehrten haben die Bilder offenbar ex-\nperimentell zerschnitten und erfahrungsgemäß fest-\ngestellt, daß in ihnen nur Leinenfäden enthalten sind.\nAlso Blut hat die Kunst nicht. Farben sind Fabrik-\nware. Gefühltes kann man nicht malen und die\nExistenz der Seele und des Geistes ist nicht nach-\ngewiesen. Nur wie alles aussieht, das weiß man\ngenau. Und wenn etwas nicht so aussieht, wie man\nes weiß, so ist das eben keine Kunst. Die Kunst-\ngelehrten wissen, was Kunst ist. Nämlich das, was\nsie nicht wissen.\nWir wissen es, meine Freunde, aber wir sage«\nes nicht. Weil es so unsagbar schön ist.\n\nNeue Gedichte\nRené Schickete\n\nLobspruch\nWie soll ich wissen,\nob du es bist,\ndie ich am meisten liebe.\nDoch sicher bist es du,\ndie mich am meisten\nfroh macht.\nUnd reine Kraft\ngibt nur die Freude,\nim tiefsten Blut entfacht,\nund dann wie Reif\nauf Haut und Haaren\nund noch im Klang eines Schritts."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.4", "texte": "Glückhafte Nacht\nUnd langsam steig ich aus der Flammengruft\nund atme leicht und weiß, ich bin vom Schein\nglückhaften Brandes übergössen.\nO deine Küsse schmelzen mit der Nacht!\nSie waren rote Wolken, die zergingen,\nich sah sie in die grauen Häuser dringen,\nan denen jedes Fenster geblendet hat.\nSie hauchten Bäume an, durchdringend sacht,\nnun ruhen selig sie auf Stamm und Blatt,\nsie haben alles mit dem Glanz und Duft\nvollkommener Umarmungen getränkt —\njeder Gedanke, den die Schöpfung denkt,\nhält dich wie Kern in Schale eingeschlossen.\nO deine Küsse schmelzen mit der Nacht\nund breiten sich in diesem blauen Leuchten,\ndas alles tief und schwebend macht\nund überirdisch ohnegleichen,\nals ob der Glanz aus ihrer Seele dränge\nund sich gleich wieder ganz in sie verschlänge —\nda die Gedanken, die sich Kämpfer deuchten,\nnun ihrem eigenen Siege weichen &\nund nichts mehr wissen, nichts mehr sind,\nals dieses Schweben und der Wind,\nden das Genossene ausströmt so weit\nwie Atem, doch nur leicht, daß es gerade\nsich leben fühlt im Bade\nder eigenen Vollkommenheit.\n\nKomm\nSteige empor, du,\nkomm, %\ngeh auf!\nEs ist so dunkel\nund ein Gemunkel ***■\nin der Grabesruh,\nals klapperten die Uhrwerke der Ewigkeit\nund wimmerten im Traum die Toten,\nkomm,\nes ist Zeit,\nlasse mich auferstehn und alle Toten\nmit dir, geh auf —\nwüßtest du, wie wir warten!\nKomm,\nschließe die Kirchhöfe auf,\nrühre an die Grüfte,\nstoß in die Posaune vor den Wäldern,\ngeh auf!\nRecke dich auf den Schädelfeldern,\nbis Leben um dich schreit\nvom Gras bis in die Lüfte,\nkomm, wir sind bereit,\nlaß uns nicht länger warten!\nKomm,\nerinnere dich nur an alles Gute,\nund wie an frohen Tagen der Himmel war,\nund wie wir, beschwert, dennoch geflogen sind.\nSpiegeltest du dich nicht wie ein Kind\nvor mir in deinem Mute,\nriefst übermütig gar:\n„So ein Kohl!\nWas wollt ihr denn, was könnt ihr denn!\nmich kriegt ihr nicht, nicht mich!\nwir halten aus, und selbst wenn —\ndann bleibt uns noch immer Sansibar\noder so — jawohl,\nwir schöpfen aus dem Vollen . . .\"\nLaß mich jetzt nicht allein!\nKomm,\ndu brauchst nur kommen zu wollen, r\nda springen Tore vor dir auf\nund Fenster, und der Garten\ntritt, noch betaut, mit bloßen Füßen,\ndie Augen voll von Morgengrüßen\ndurch die Tür in unser Zimmer ein.\nDu hättest mich nie verlassen sollen!\nKomm,\nSo komm doch,\nkomm,\ngeh auf!\nvon Rene Schickele erscheinen demnächst neue Gedichte:\n„Die Leibwache\"\n\nCafé, morgens\nRudolf Kurtz\nDer Ober, die Oeffnung des Kragens durch\neinen Kropf plastisch erfüllend, legt seine stieren\nAugen auf mich.\nVier Uhr früh.\nO wüste Bananen-Inseln — wie familiär blinkt\nihr in mein Gehirn: gegenüber dieser grauenvol-\nlen Verlorenheit, der letzte Gast zu sein.\nPfuhl der Romantik, Dunggrube letzter Zuckun-\ngen religiösen Familiensinns, Gassenhure des\nWunders.\nDer Tee sieht wie abgefettete Bouillon aus.\nKellner räuspern sich, Uhren winden sich aus der\nWeste. Irgendwo schlürft ein Vacuum-cleaner\naus der Versenkung. Morgentoilette des Cafes.\nAufatmend begrüße ich den Herrn im Cut-\naway.\nEr erzielt einen effektvollen Kontrast, indem er\nseinen triefend-schwarzen Zylinder auf die Mar- ~\nmorplatte stellt.\n„Stern der violetten Sehnsucht . . .\" beginnt\ner.\nIch blicke ihn verblüfft an. Die Kellner ver-\nbergen ihre grinsenden Schädel hinter Stühlen.\nDie Uhr schlägt.\nEr ist verlegen.\n„Verzeihen Sie, ich habe mich vielleicht in\nIhrer Nuance geirrt. Gestatten Sie bitte.\"\nEr nimmt mein Manuskript — Unsinn. Er\nblickt es gleichgültig an. Es fliegt ihm zu. Wie im\nKientopp. Es fliegt ihm einfach stilgerecht in\nseine Hände.\nDer Ober eilt entsetzt herbei. Seine Favoris\nzittern.\nDer Cut-away blinkt mit einem Auge auf, be-\nstrahlt den Mann: er löst sich bereits in licht-\ngraue Flocken auf.\nAha, der Kropf. Das ist solider Knorpel, mein\nLieber. Aber schon schwebt das leicht zu dem\nblitzenden Kronleuchter empor.\nVerwirrt putze ich die Gläser meines Kneifers.\nMan überreicht mir mein Manuskript.\n„Verzeihen Sie, ich habe Ihre Nuance verfehlt.\nIhr Exterieur ließ auf Lyrismus mit Farbreizen\nschließen. Ich kenne Sie ietzt besser.\"\n■ ,Er blickt mich abwägend an. Schließt prüfend\nein Auge. Ein paar formende Gesten.\nMein Gott!\nAus meiner Schädeldecke ringeln üppig\nLocken. Mein Gesicht zuckt wie Zahnreißen.\nIch habe ja eine braune Samtjacke an. Meine\nShlipsenden flattern im Tee.\n„ ich habe mir erlaubt, Sie Ihrer Prosa\nanzunähern —\"\nDer Spiegel, der Spiegel!! Mein Freund: Du\nsiehst wie eine schlechte Barmischung von Ros-\nsetti und Wedekind aus.\nIch will dem Kerl an die Gurgel. Er weiß dem\nirgendwie geschickt zu entgehen. Ich sinke er-\nschöpft nieder.\n„Ja, warum sind Sie denn so unhöflich?\"\nTrockner Staub sickert durch meine Gurgel.\nIch blicke ihn sprachlos an.\n„Aber ich habe Sie doch nur Ihrer Prosa an-\ngenähert. Ich wollte Sie doch nur entlasten...\"\nIch stehe kerzengerade. Meine Faust fährt\ndem Kerl steil ins Gesicht, fährt hindurch und\nsegelt still durch das Lokal. Irgendwo sinken\nTassen klirrend zusammen.\nDer Patron schnellt auf. Eine blaue Flamme\nspringt mir aus seinem Mund entgegen.\n„Sie sind ein unklarer Kopf! Was wollen Sie\neigentlich? Ich verhelfe Ihnen zu einer unroman-\ntischen Existenz, ich ermögliche es Ihnen, statt\nzu schreiben, stundenlang in das Wasser eines\nTeiches zu schauen und sich zu betrachten: denn\nwas ist das Wunder im Cafe? Denken Sie nach,\nSie Dummkopf. Aber das verstehen Sie ia alles\nnicht. Ich gehe. Zahlen Sie meinen Cafe.\"\nEr zieht sich wie eine Sprungfeder in seinen\nZylinder zurück und schwimmt wie ein schwarzer\nKork aus dem Cafe.\nTiefsinnig zahle ich. Dann bin ich im Tiergar-\nten. Es ist kühl und der Tabak zischt blutigrot in\nder Pfeife.\nO muntere Perspektiven, die aus diesem Er-\nlebnis emporringeln. Gesunde Nahrung abgezehr-\nter Konstitutionen. Ich ahne Fett, Fett und einen\nkühlen Kopf.\nDenn das ist kein Zweifel: irgendwo muß doch\ndie Lösung in diesem fatalen Burschen stecken.\nIch wüßte sonst wirklich nichts mit ihm anzufan-\ngen. Und es gefällt mir keineswegs, daß sich\nEiner beziehungslos, ohne Beruf und Funktion, in\nmeinem streng kausal definierten Weltbild her«\numtreibt.\n\nNacht\n\nI\nUnd Schmock im Rock\nUnd Mann in Bart,\nJetzt in der Bar\nZu Paaren gepaart\nUnd bunter Plunder\nUnd Strümpfchen verflucht\nSeid ihr das Wunder,\nDas heut ich gesucht?\nWir suchten auf Straßen\nAuf und ab. Auf und ab.\nWir standen und saßen\nUnd liefen im Trab.\nGanz über die Maßen\nErwartungsvoll\nJetzt ist das Lokal verjohlt und voll.\nII\nEs hebt sich ein rosa Gesicht\nVon der Wand\nEs strahlt ein verwegenes Licht\nVon der Wand\nEs kracht mir der Schädel\nBeim Anblick der Wand\nEs träumt mir ein Mädel\nBeim Anblick der Wand\nO Wand, die in meine leblosen Stunden starrt\nWand, Wand, die meine Seele mit Wunder genarrt\nMit Langweile und grünlichem Kalk\nMein Freund. Meiner Wünsche Dreckkatafalk."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.5", "texte": "Emil Filla: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.6", "texte": "Soeben erscheint mir der Mond\nAn der Wand.\nEs zeigt mir Herrn Cohn seine Hand\nAn der Wand. |\nEs schnattert wie Schatten\nPretiös an der Wand.\nVerflucht an der Wand!\nUnd heut an der Wand!\nWas stehen denn so viel Leut\nAn der Wand?\nIII\nJa ich träume. Eine 'Tasse\nSteht auf einem Tische rund,\nAch was ist denn diese crasse J\nSache, die ich sehend hasse? \\\nTut sie nicht ein Wunder kund 2! r\nJa ich werde mich begnügen 1 i::-■ ?\nDaß es solch ein Ding noch gibt\nDas sich nicht mit Engelsflügeh • ~\nAufwärts hebt und fortbegibt. ; '\nSchließlich könnten Teller schweben i\n.»\nStühle streckend alle vier\nBeine aufwärts wie Epheben\nGott, mein Gott, ich danke Din\nIV\nMan fühlt sich dreckig und verlaust '\nUnd träumt verwegen in den Morgenradau\nEin altes Weib hat auch gesungen\nWiegend die Brust. Ein Lockruf der Liebe.\n■i' */•\nWas war er früher so wohlvertraut\nDer kranke Schimmel — vom Fenster aus\nHeut trübt er mir die Abgedanken.\nEin grauer Wirbel. Man gähnt und träumt.\nVom gestrigen Abend, dem Tatenheld\nDer Auto tückisch ins Zimmer schrie\nSterne wie Frauen und lumpige Stunden\nHat mir der schlampige Herr versprochen.\nNun bin ich dreckig und fast verlaust\n«nd steige betrübt in den Morgenzug.\nEin Philosoph hat auch geredet\nWiegend die Brust. Ein liebreicher Herr.\n\nJacob van Hoddis\n\nDie Schwermut des\nGenieBers\nRoman\nVon Artur Babillotte\nZweiter Teil\nNun konnte sie es nicht mehr tragen. Das\nQuälte und brannte und preßte , wie eine\nschwere Sünde lastete das auf den Schultern. Hatte\nsie ihre Schultern nicht, um sie stolz und stark\ndem Leben entgegenzustemmen?\nDies war Mia Mirana.\nNun konnte sie es nicht mehr tragen. Ihr Blut\nschäumte auf. Dieser Zorn war wachgeworden.\nGemein war dies, armselig, niedrig ....\nSie lief wie eine Gehetzte. Sie lief, als wären\nalle Gemeinheiten der Großstadt hinter ihr her.\nWas kümmerten sie die verwunderten Blicke der\nMenschen. Mochten ihr alle nachstarren . . . das\nwar das Klügste, was sie tun konnten! Das war\neigentlich so klug, daß man sich wundern konnte,\nwie diese Menschen denn zu dieser Klugheit kamen.\nSie stürmte durch die Menge. Ganz selten ge-\nschah es, daß sie einen streifte; so gewandt\nwar sie.\nDas ganze schmale Band des Trottoirs füllte\nein Ton, der ununterbrochen anhielt; aus vielen\nTönen zusammengesetzt, klang er zerrissen und\nherb. Das Zischen der Straßenbahnen vermochte\nihn wohl zeitweilig zu übertönen, nie aber ganz zu\nverschlingen. Das war der Winter, der unter den\nharten eiligen Schritten der Menschen aufstöhnte,\nweil sie ihm sein reines weißes Kleid zertrampel-\nten und verschmutzten. O, diese Menschen. Ich,\nMia Mirana, ich verachte euch, ich lache über euch,\nihr seid mir völlig egal, völlig — egal —! Und\nwenn ich euch was vorsinge, dann tue icli das, um\neure langen oder eure verklärten oder eure er-\nstarrten Gesichter zu sehen. Ihr wißt nicht, wie\ninteressant das ist.\nSie hatte ein bestimmtes Ziel sie wußte\neine Einsamkeit, ringsum von Häusern umstarrte.\nDie andern wußten nicht, daß diese Einsamkeit,\ndie sie entdeckt hatte, eine weiche zärtliche Hand\nwar, die ihr den Mund verschloß. Diese Einsamkeit\nmußte sie besuchen, wenn sie tief unzufrieden war,\nden Riß zwischen der Kunst und dem Leben be-\nsonders schmerzhaft emfand. Nein, zwischen der\nKunst und ihrem Leben.\nDie Straßen wurden unbelebter, je weiter sie\nsich von dem Zentrum der Stadt entfernte. Die\nStraßenbahnen sausten spärlicher an den Drähten\nhin. Weit vorn schrillten Lokomotivenpfiffe auf.\n. . . Sie lächelte freudig; jetzt näherte sie sich ihrer\nEinsamkeit. Dort draußen lag sie. Lichter funkel-\nten zu ihr her, hohe Häuser umstarrten sie in ehr-\nerbietigem Umkreis, Menschenstimmen drangen\nschwach bis zu ihr, manchmal erklang ein kurzer\nSchrei aus ihrem Schweigen. Sie lag und dehnte\nsich in Stille. Sie war einförmig und doch voll\nBuntheit. Ich hasse diese Großstadt mit einer un-\nergründliche Liebe, dachte Mia Mirana. Man\ngibt sich hin, glaubt an dieses Gewaltige.\nGleißende, und ist unlösbar mit ihm verbunden. —\nDann lernt man seine Härte und übermenschliche\nStarrheit kennen und leidet. Aber sich lossagen\nkann man nie mehr.\nEs war etwas seltsames um diese Einsamkeit.\n— Wer nüchtern herbeikam, merkte nicht, daß er\nin einer Stille stand. Den umbrauste das Rollen\neiliger Eisenbahnzüge, das schrille Pfeifen eifriger\nLokomotiven, die Rufe der Bahnarbeiter, ihm\ndröhnte das Rasseln der Lastwagen, die über die\nBrücke krochen, in die Ohren. Er sah in dieser\nBrücke nur einen gleichgültigen Teil der Groß-\nstadt. Die, denen alles zum Ereignis wurde, erkann-\nten in dieser eisernen Brücke eine Stätte großarti-\nger, ungewöhnlicher Einsamkeit.\nIch gehöre nicht in dieses Gewirre der Groß-\nstadt, dachte Mia Mirana. Und doch lebe ich darin.\nEines Tages habe ich einen Menschen gefun-\nden, dachte sie, dessen Schaffen ich in mich aufneh-\nmen konnte. Einen Künstler, dem ich eine Rettung\nwurde; dies war unendlich schön. Ich bin ihm\neinige Monate alles gewesen. Er war so dank-\nbar . . wir waren beide so dankbar. In jenen Mo-\nnaten war mein Leben reich und voll Licht. Wie\narm bin ich geworden!\nSie fühlte einen Hauch von dem Geiste des Ge-\nliebten über sich hinwehen. Sie verwandelte sich\nin den Geliebten. Das Werk des Geliebten erstand\nvor ihr. Sie hatte die Empfindung, dieses Werk sei\nin der unbewußten Sehnsucht nach ihr geschaffen\nworden. Sie fühlte, daß ihre Liebe das Herz in\nder Schöpfung ihres Freundes war. Das gab ihr\nStärke und Stolz und eine unermeßliche Freude.\nDie seltsame Einsamkeit lag breit und behag-\nlich. Nichts kümmerte sie. Nicht das Sausen der\nEisenbahnzüge, nicht das Rufen der Männer, die in\ndem Schienengewirr beschäftigt waren, nicht das\nRattern der Straßenbahn, die über die Brücke don-\nnerte. Und diese Erhabenheit ging auf sie über-\nSie fühlte sich abgeschlossen gegen allen Lärm, der\nvon draußen kam, und lebte, während sie auf der\nBrücke stand und sich über das Geländer beugte,\nein Leben rückhaltloser Versunkenheit. Die Groß-\nstadt war weit zurückgeblieben, war versunken\nvor der Ergriffenheit dieser Stunde. Sie zitterte\nin dem Bewußtsein ihres Könnens, eine tiefe Freude\ntrug sie über alle Schrecken hinweg, die ihr die\ngroße Stadt bereitete.\nImmer, wenn Mia Mirana verbittert und un-\nmutig und verzagt war, ging sie in diese Einsam-\nkeit, die sie entdeckt hatte und die kein Mensch-\nkannte außer ihr. Und die Einsamkeit kräftigte sier\ngab ihr neuen Mut und neue Freude und machte\nsie stolzer. Sie fühlte ein Bedürfnis, zu danken für\nden inneren Reichtum. In solchen Stunden hätte\nsie hinknien mögen in großem Glück.\n. . . Die Nacht, die hoch über der Erde stand»,\nbegann sich in weiche weiße Flocken aufzulösen.\nWenn man nach oben sah, erblickte man ein unend-\nliches weißes Geriesel, das sich zwischen den Blick\nund den Himmel geschoben hatte und in all seiner\nWeichheit doch maßlos hart und unbarmherzig\nwar, weil es den Menschen den Ausblick in den\nweiten gewölbten Himmel verwehrte. Und auch\ndie Einsamkeit zerfloß langsam unter dem uner-\nmüdlichen Geriesel. Die Lichter zitterten ängst-\nlicher zwischen den Lücken des weißen Vorhanges\nhervor und schienen endlich zu erlöschen. Eine\nenge Mauer stand plötzlich um den Blick errichtet..\nWie gespenstische Untiere brachen die Wagen der\nStraßenbahn aus der weißen beweglichen Masse\nhervor, waren einen Augenblick zu sehen und\ntauchten wieder unter. Alle Menschen schienen in\ndem endlosen Schneefall ertrunken zu sein. Selbst\ndie Stimmen der Männer klangen gedämpft, wie\nängstlich aus der Tiefe der Schienenanlage herauf.\nDa schlug eine Glut durch das Herz der Frau.\nSie wollte den Kampf aufnehmen gegen eine Welt.\nSie wollte den Menschen die Kunst geben, die sie\nlange schon nicht mehr kannten. Welch ein Segen\nwaren für sie die Jahre der Trennung von dem\nFreund gewesen: Groß und kühn und stark war sie\ngeworden, hatte ihre Seele mit aller erlesene*\nSchönheit ausgeschlagen, hatte sie reich an hohe»\nFreuden und hohen Hoffnungen gemacht. Jene\nunermeßliche Liebe zu dem Freunde hatte wie eine\nOpferflamme in ihrer Brust gebrannt; ohne Reue\nkonnte sie an jene Tage eines süßen Beisammen-\nseins zurückdenken, ohne Reue und ohne Sehn-\nsucht . . . Auch ohne Sehnsucht?\nAus übergroßer Liebe waren sie auseinander-\ngegangen. Jedes ein Sieger und ein Besiegter.\nJedes durchdrungen von der Ewigkeit ihrer Liebe.\nSo waren sie auseinandergegangen.\nAh, Johannes, dann kam der Tag, da wir uns\ntrennen mußten. Es war ein Zwang über uns, dem\nwir nicht widerstehen konnten. — Wir wollten die\nSchönheit und fürchteten die Nüchternheit des\nLebens. Wie dankbar bin ich jenem Zwang, der\nüber uns war! Wie reich bin ich geworden, da-\ndurch, daß ich ihm gehorchen mußte! Und wie\nreich bist auch du geworden, Johannes!\nSo schritt sie durch die weiße Nacht, der Stadt\nentgegen. Alles Vertrauen, das in ihr ruhte, war\ngeweckt durch die seltsame Einsamkeit und die\nschmerzlich-freudigen Gedanken an die Trennung\nvon dem Geliebten. Sie hatte eine Höhe erklom-\nmen; sie war aus einer fahrenden Sängerin die\nerste Künstlerin eines großen Theaters geworden.\nDie Großstadt jubelte ihr zu, wenn sie auf der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.7", "texte": "'Bühne erschien. Sie schritt durch die weiße Nacht,\nvoller Freude, lächelnd im Glück einer vergange-\nnen und einer kommenden Zeit. Der Lärm der\nStraßen nahm sie wieder auf. Jetzt hastete sie nicht\nmehr vorwärts wie eine Gehetzte. Langsam,\ngleichsam herausfordernd streifte sie an den Men-\nschen vorüber. Der weite Weg vom Berliner Bahn-\nhof zum Mittelpunkt der Stadt durch die unschönen\nStraßen der Vorstädte, schien ihr kurz und an-\nziehend; soviele Freude und Erwartung hatte sie\nin dieser Stunde in sich gesammelt.\nAls sie durch die Lichtermasse der Grim-\nmaischen Straße schritt, richtete sie alle ihre Auf-\nmerksamkeit darauf, elegant und geschmeidig aus-\nzuweichen. Einmal hatte sie den Gedanken, eine\nDroschke zu nehmen. Zuhause wollte sie eine\n-stille einsame Vorfeier des kommenden großen\nGlückes halten.\n\nFortsetzung folgt\n\nBiesenthal in der Mark\nAlfred Richard Meyer\nDas ganze Atelier ist ein einziger Rülps,\nder wie eine Schusterkugel Zigarettenrauch\neinschließt,\ndazwischen vier fünf gerötete Menschenköpfe\nwie leise angeschrumpelte Kinderballons\nschweben läßt,\nFinger verlängert,\nAugen wie Teleskope auseinander zieht,\nMädchenblusen aufknöpft,\nMädchenhemden zerreißt,\nmit Mädchenstrümpfen\num spitze Männerohren schlägt,\ndann und wann mal wieder\nseinen Ursprung aus Radieschen, Rettig,\nPatzenhofer\nin Erinnerung bringt,\nvon den schmutzigen Bildern der Wände die\nfahlen Farben abblättert,\ndie Balken der Decke (wie im Theater) nach\noben schraubt,\ndie Chaiselongue wie ein großes Karussellpferd\nhin und her wiegt\nund jetzt gar kreisen läßt,\nschließlich mich wie ein aufplatzendes Geschwür\nins Dunkel der Nacht spritzt.\nNun stehe ich zwischen den Gräberreihen der\nSpargelbeete,\nwerde selbst Spargel,\nfühle gewaltig mich wachsen,\nsauge Säfte und Kräfte der mailichen Erde in mich.\nbin Riese,\nrage schon hoch wie die märkischen Kiefern\nüber das Dach.\nMick spiegelt der See, Sterne schnein mir ins\nHaupthaar,\nknistern darin wie schäumiger Franzbranntwein.\nDie Hände des Windes kneten, reiben, wedeln,\ntrocknen sie auf.\nUnd du Mond, du lieber Friseur,\nhast literweis Oel da für meinen Scheitel,\ngelbes flüssiges Oel, wie extra aus der Provence.\nAls ich wieder kleiner geworden bin,\nirdisches Hundebellen klopfend kommt an mein\nOhr,\nsind alle Fenster des Ateliers weitweit aufgesperrt.\nDie Nacht hat den Rülps gefressen,\nwie eine böse Natur rote Menschen barsch in die\nBetten gewiesen,\nin denen es jetzt von jungem Blut dampft,\nbrodelt und Blasen wirft.\nDas Atelier sieht in dem braunen Licht einer\neinzigen Kerze\nganz warm, abgewaschen, geleckt, sauber aus.\nUnd Agathe, du junge Birke, die weiß und glatt\nihr langes Haar wollüstig hoch wirft,\nmit Bürstenstrich wie ein dunkles Gewand\nglättend verlängert\nals Schleiertuch wehen läßt,\nverscheucht die letzten üblen Dünste des Abends,\ngibt an den Wänden allen Bildern die Farben\nwieder.\nlüpft noch mal neugierig das verhängte Bauer\ndes Dompfaffs\nund schliddert auf einem schmalen, scharfen\nMondstrahl\nhui!\nin den See.\nWasserhühner begehren wie alte Tanten auf,\nsind plapperig, ärgerlich,\nkneifen, doch plustern sich wieder in Traum,\nder nun auch mir sein dunkles Siegel\nlangsam in alle Sinne drückt.\nWerd ich schlafen!\n\nKenner\nDer Herr Direktor\nDer Generaldirektor der Königlichen Museen,\nHerr Geheimrat Doktor Wilhelm Bode, hält es für\nnotwendig, den Kampf mit der neuen Kunst aufzu-\nnehmen. Was er gegen die neue Kunst vorzubrin-\ngen hat, ist ebenso dürftig wie unkünstlerisch.\nSein sogenannter Kampf ein schlechter Zeitungs-\nartikel. Er setzt die Wörter Neue Kunst in An-\nführungsstrichen, redet „von Kunstfreundinnen,\ndie etwas auf sich halten und ihre Geldbeutel für\nKunst und Künstler öffnen\", unterstellt, daß die\nKünstler der neuen Bewegung nicht „aus naivem\nSchöpfertrieb\" arbeiten, sondern aus dem „Stre-\nben, a tout prix aufzufallen\". Um keinen Preis\ndürfte der Generaldirektor der königlichen Mu-\nseen mit so naiven Argumenten auffallen. Ein alter\nMann muß die guten alten Zeiten loben. Die neue\nZeit trägt an der neuen Kunst Schuld: „Das Stre-\nben unserer demokratischen Zeit nach Abbruch\nder lästigen Schranken von Religion und Moral,\nnach immer stärkerer Nivellierung, nach Unter-\ndrückung der Eigenart und selbständiger Charak-\ntere, das Verschwinden des Qnalitätssinnes und\ndafür das Triumphieren der Mittelmäßigkeit und\nder Roheit in besonders starker abschreckender\nWeise.\" Das ist der Versuch eines Flugblatts ge-\ngen die Sozialdemokratie, aber kein Essay über\nKunst. Dem einen sind die „neuen Künstler\" zu\neigenartig, den andern zu nivellierend. Nach der\nJournalistik und der Politik wird vom General-\ndirektor die schwerwissenschaftliche Aesthetik\naufgefahren: „Die Aesthetik ist aufs Aeußerste\nverpönt, die Forderung der Schönheit für die\nKunst wird für eine Lächerlichkeit erklärt.\"\nGoethe, der doch auch zu der guten alten Zeit ge-\nhörte, bemerkte Herrn Bode hierauf: „Ich muß\nüber die Aesthetiker lachen, welche sich abquälen,\ndasjenige Unaussprechliche, wofür wir den Aus-\ndruck schön gebrauchen, durch einige abstrakte\nWorte in einen Begriff zu bringen. Das Schöne\nist ein Urphänomen, das zwar nie selber zur Er-\nscheinung kommt, dessen Abglanz aber in tausend\nverschiedenen Aeußerungen des schaffenden Gei-\nstes sichtbar wird und so mannigfaltig und so ver-\nschiedenartig ist als die Natur selber.\" Herr Bode\nsollte sich überhaupt etwas mehr mit Goethe be-\nschäftigen, da er doch den neuen „Kunstreferen-\nten\" nicht traut. So behauptet Herr Bode: „Zu\nallen Zeiten ist die Natur Vorbild und Vorwurf für\ndie Kunst gewesen, deren künstlerische Wieder-\ngabe in stets neuen Abwandlungen ihre Aufgabe\nist und bleiben wird.\" Hierzu bemerkt Goethe:\n„Ja, mein Guter, man muß etwas sein, um etwas\nzu machen. Diese Dinge liegen alle tiefer als man\ndenkt. Unsere guten altdeutschelnden Künstler\nwissen davon nichts, sie wenden sich mit per-\nsönlicher Schwäche und künstlerischem Unver-\nmögen zur Nachahmung der Natur und meinen, es\nwäre was. Sie stehen unter der Natur. Wer,\naber etwas Großes machen will, muß seine Bil-\ndung so gesteigert haben, daß er gleich den Grie-\nchen imstande sei, die geringere reale Natur zu\nder Höhe seines Geistes heranzuheben, und das-\njenige wirklich zu machen, was in natürlichen Er-\nscheinungen, aus innerer Schwäche oder aus äuße-\nrem Hindernis nur Intention geblieben ist.\" Wenn\nHerr Bode nun aber etwa antwortet, daß Goethe\nnur ein Künstler gewesen sei, so möge er beden-\nken, daß er nur ein Generaldirektor ist.\nAvis für Kunstfreunde\nBerliner Lokal-Anzeiger:\nDie Galerie Eduard Schulte\nwird auch in dieser Saison, ihrem alten Grundsatz\ntreu bleibend, gute, abgeklärte Kunst\naller Richtungen und aus allen Ge-\nbieten des In- und Auslandes bringen.\nSie hat bereits bedeutende Sammlungen engagiert\nund steht wegen anderer noch mit den Künstlern\nin Verhandlung, so daß sie zurzeit noch kein fest\nbegrenztes Programm angeben kann.\nDer treue Grundsatz macht das festbegrenzte\nProgramm überflüssig. Gute abgestandene Kunst\nkann man begrenzt und unbegrenzt betreuen.\nTafelleiden\nDer alte Mann im neuen Stuttgart jammert\nnach der Mahlzeit, die ich ihm bescherte. Er hat\nMagendrücken. Er verschweigt zwar den Lesern\ndes Stuttgarter Neuen Tagblatts seinen Reinfall\nmit Rimbaud, beschwert sich hingegen, daß ich\nihm den Titel Herr entzogen habe. Herr Tafel hat\nnicht einmal gemerkt, warum ich es tat. Nicht\neinmal das Bild seines eigenen Namens kann er\nsehen. Ich will dieser stolzen Herrennatur sei-\nnen Herren und ihn selbst der Natur wiedergeben,\nwenn er mir vormacht, wie man „von wildgewor-\ndenen Laugenbretzeln überritten werden kann\".\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt®\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nGünther Mürr\nDer Entrückte / Rhythmen\nKugelverlag Hamburg 37\nGottfried Benn\nSöhne / Neue Gedichte\nA. R. Meyer Verlag Berlin-Wilmersdorf\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschien Lieferung 9: O. Wulff: Altchristliche\nund byzantinische Kunst Heft 5\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft m. b. H. M. Koch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191310-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts ierv-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen voh\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur dmtcä\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeil®\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nAchtzehnte Ausstellung\nSkupina / Prag\nGemalde / Skulpturen / Architektur\nEmil Filla / Vincenc Benes / Prochazka / Giitfretind\n1 Gocar / Janak\nGeoffnet taglich yon 10—6 Uhr / Somitags von\n11—2 Uhr\nSintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 20. September bis 1. Dezember\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nExpressionisten\nKubisten\nFuturisten\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich / auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nKatalog in Kupfertiefdruck mit fiinfzig Abbildungen\n2 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 &\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerfoezug\nGewohnliche Ausgabe: F ii r D e ti t s c b I a n d\nund Oesterreich-Ungar n: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Em Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nimmmer 40 Pfennig X F ti r das A u s 1 a n d b e i\niirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes I Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exeffl-\nfi 1 a r e a u f holzfreiem Papier, Ver-\nse n d u n g in R © 11 e n direkt durch die\nPost filr D cuts ch land und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEfei Halbjahr 6 Mark X F ti r das A u s 1 a n d:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeztige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abg*geben\n©er Sturm: Erster Jahr gang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm. Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenst&nden auf\nf' alls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Betrag fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bd\nBegin n des neuen V i e r t el j ah r e s bis\nfum funften des ersten Monats e i h z u -\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz iehung des Betrages durch Nachnahme\n'outer Berechnung des Nachnahmeportos ge~\nwunsoht wird\nGeneralvertretung Verlags Eugene Flgutere /\nParis\n\nOriginalholzschnitte / Handdrucfce\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefiigt / Alle\nExempiare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wi 1 dpIerde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Da$\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pecfestein: Die E r 1 e g u n g des F e s t -\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert /\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft / Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchraldt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande MI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Flak at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nij'insky / Portrat Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nMissik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Pur Qesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKiinstlerpost kartell\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteii: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Krinnerung einer\nNacht / Zug In voller Fahrt / Q i n o S e v e -\nrini: Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan 1 anz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFraoz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour / L'Equippe du Cardiff\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nZeitschriften\nLa Route / Revue de l'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Eflort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch ./ Poitiers\n[Vienne]\n/ Halbmonatsschrift / Ktinste /\nKultur I Philosophic I Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Parte 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Fraacaise ./ Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontioie / Halbmonatsschrift / Paris / Chaussli\nd'Antin 38\nFlaro I Monatsschrift / Brussel\nLes Cafeiers do Centre / Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris I Recueii Mensuel / Parb\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir neue und\nalte Kunst / Heft 6—8 bringt: Bilder: Picasso (9) /\n\nBraque (3) / Cezanne (3) / Soffici (1) / Sculptured\nPicasso (2) I Negersche (10) / Architektur: Goc&it\n(6) I Jahrlich M 12.50 / Administration Prag I /\nVeleslavinova 5\n\nAnzeigen\n\nEnde Gktober erscheint: Kandinsky 1901—1913 I\nMonographie mit sechzig ganzseitigen\nA b b i 1 d u 11 g e 11 I Mark 10 / Verlag Der Sturm /\nBerlin W 9\nAkademie fiir moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes fiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des iHeftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat / PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neueri\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fiir moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaBige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraSe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nleder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny I Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fur Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose!\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}