{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_sha256": "c1150bcaa66bdde579f456668d5ec6cc8a4523f80519ca2caa41924b6d4c9c4a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/11_01/bmtnabg_1913-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/11_01/bmtnabg_1913-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.1", "debut_caractere": 311, "fin_caractere_exclue": 539, "texte": "Inhalt:\nHerwarth Waiden: Aage von Kohl / Paul Claudel: Verkündigung / Blaise Cendrars: La Tour / Arlur Babillotte: Die Schwermut des Genießers /\nPaul Zech: Zwei Wupperstädte / Blaise Cendrars: La Prose / Hermann Huber: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.2", "titre_corps": "Hermann Huber: Zeichnung", "titre_sommaire": "Hermann Huber: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.1", "debut_caractere": 541, "fin_caractere_exclue": 565, "texte": "Hermann Huber: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.3", "titre_corps": "Aage von Kohl", "titre_sommaire": "Aage von Kohl", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4330, "texte": "Aage von Kohl\nHerwarth Walden\nMan kann nach einer Photographie kein Ge-\nmälde sehen und fühlen. Man kann das Kunst-\nwerk im günstigsten Fall ahnen. Man sieht die\nPhotographie, wenn das Gemälde unersehbar ist.\nMan liest die Uebersetzung, wenn die Dichtung\nunerlesbar ist. Welch ein Genie muß vor uns auf-\nerstehen, wenn es in nächster Nähe unnahbar\nscheint, eine Sonne, die uns über und über er-\nleuchtet, trotzdem die Erde vor ihr flüchtet. Die\nErde dreht sich und diese Sonne hält uns. Ein\nKunstwerk, das zwingt, trotzdem ihm sämtliche\nOrgane, die Wörter, genommen oder mindestens\ngetauscht sind. Der große Schoß nimmt uns auf.\nDer Uebersetzer sucht sich angstvoll den Weg\ndurch die Nacht.\nIn Dänemark lebt ein großer Künstler. Er heißt\nAage von Kohl. Ihm ist das Schicksal vieler dä-\nnischer, schwedischer, norwegischer Autoren,\nwenn auch schwächerer Talente, erspart geblieben,\nals deutscher Unterhaltungsschriftsteller gerund-\nschaut zu werden. Er ist zu hart, zu eckig, zu ku-\nbistisch dazu. Menschen und vor allem „Kritiker\"\nverstehen künstlerische Gefühle nur, wenn sie ihre\nGefühlchen in dem zusammensuchen können, was\nihnen als Kunst erscheint. Dort, wo der Organis-\nmus nicht geschlossen ist. Wo Platz zum Sam-\nmeln ist, weil die Sammlung fehlte.\nDieser Aage von Kohl ist ein Genie. Er schrieb\neinen Roman, der Kunst ist. Er erzählt nicht,\ner dichtet ein Erlebnis, das Erlebnis wird Kunst,\nweil er es gestalten kann: er schafft ein Buch nach\nseinem Ebenbilde, das gleich ihm, durch ihn und\nohne ihn ein ganzes Leben lebt.\nJedes Kunstwerk ist ein Organismus. Aber in\nden Künsten sind nur die Krüppel beliebt. Ein\ngegliedertes gradgewachsenes Kunstwerk wirkt\nauf den Beschauer, den Behörer, den Beleser ver-\nrückt. Alle Welt sieht stets nur die Glieder, die\naller Welt selbst angewachsen sind.\nEs gibt Kunstwerke, einzelne, über Jahrhun-\nderte verstreute, die leuchten so, daß Blinde die\nAugen aufschlagen und Taube die Ohren öffnen.\nSie hören Licht und sehen Klang. Zu diesen Wer-\nken gehört das Buch des Aage von Kohl: Der\nWeg durch die Nacht. Das Buch heißt in der\nSprache des Dichters: Det störe Sköd (Der große\nSchoß).\nEs ist kritiklos, eine Kritik zu schreiben über\netwas, das kritiklos ist. Man kann nicht sondie-\nren, während man sondiert wird. Man kann nicht\ndie Sonne loben.\nNie ist in einem Kunstwerk das Unstoffliche des\nStoffs stärker enthüllt worden. Die Handlung er-\nzählt von Lustmord und der Lustmord klingt wie\nglückesvolle Geburt. Die Handlung erzählt von\ndem Jammer des Mannes und der Jammer des\nMannes klingt wie der Jubel des Liebenden. Die\nHandlung erzählt von dem Geständnis des Mör-\nders und das Geständnis des Mörders klingt wie\ndie Offenbarung des Schöpfers.\nHier ist, wie in jedem ewigen Kunstwerk, das\nVergängliche nur ein Gleichnis.\nDas empfindet der Dichter Glaß nach dem Ge-\nständnis Mummes, des Mörders der geliebten Frau:\n„Im ersten Augenblick windet sich Glaß wild.\nRunzelt gleich darauf seine Brauen und starrt\nsteif und heiß zurück. Aber im nächsten Nu glät-\ntet sich seine Stirn von Neuem, aus dieser\nschmerzvollen Wunde im tiefsten Innern quillt pur-\npurrot das Blut letzend in alle seine Fibern hin-\naus. Sein Auge dehnt sich im selben Moment\nheiß und klar. Sein Sinn wird hoch, meilenhoch —\nund er vermag auf einmal das Ganze zu über-\nschauen, vermag den lückenlosen Zusammenhang\nzwischen allem zu erkennen! Er sieht auf einmal\nsich selbst und Mumme — als winzig kleine Teile\n(eines ungeheuren Ganzen. Siehe, Mumme und er\nsind Punkte auf der Spanne Tag und auf der\nSpanne Nacht — unauflöslich verbunden durch\nMorgendämmerung und durch Abend! Die bei-\nden sind ein Bild von der Erde zwiefachem Ant-\nlitz von Schmerz und von Lust! Das Zwillings-\npaar Unglück-Glück — das kämpfende Doppel-Ich\nder ganzen Welt, das ewig mit sich selbst ringen\nmuß —, damit wir alle erreichen können, was wir\nbegehren! Mein Gott, ja, jetzt sehe ich es deut-\nlich von dem Kleinsten bis zu dem Größten, jetzt\ngewann mein Herz eine Wonne und eine Macht\nwie nie zuvor —: Lebe wohl, Karl Mumme, mein\nBruder, jetzt scheiden wir frei, du und ich — die\nwir gebunden zusammengeführt wurden, um zu\nlerneil!\"\nHier ist ein Künstler, ein Großer, der sich klein\nempfindet, ein Andächtiger, ein Glaubender, ein\nLiebender. Ein Geschaffener und ein Schaffender.\nEin Getragener und ein Träger seiner Visionen.\nEin Ewiger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "125", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.4", "titre_corps": "Verkündigung : Ein geistliches Stück in vier Ereignissen und einem Vorspiel", "titre_sommaire": "Verkündigung : Ein geistliches Stück in vier Ereignissen und einem Vorspiel", "signature_source": "Paul Claudel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.2", "debut_caractere": 4332, "fin_caractere_exclue": 8693, "texte": "Verkündigung\nEin geistliches Stück in vier Ereignissen und\neinem Vorspiel\nPaul Claudel\nVorspiel\nDie Scheune in Salhof. Ein großes Gebäude\nmit viereckigen Stützen und darauf hölzerne\nSpitzbogen. Der Raum ganz leer, bis auf den\nHintergrund des rechten Flügels, der noch mit Stroh\nangefüllt ist, Strohhalme auf der Erde, der Boden\nzerstampft. Im Hintergrund ein großes zweiflüge-\nliges, in die dicke Mauer eingefügtes Tor mit um-\nständlichen Riegeln und Schlössern. Auf den bei-\nden Flügeln zwei roh gemalte Bildnisse des heili-\ngen Peters und des heiligen Paul, der eine mit\ndem Schlüssel, der andere mit dem Schwert.\nEine dicke gelbe Wachskerze, in einer eisernen\nKralle am Pfeiler angebracht, beleuchtet sie.\nDie Handlung spielt in einem Mittelalter freier\nErfindung, so etwa, wie sich die mittelalterlichen\nDichter das Altertum vorgestellt haben.\nZu Ende der Nacht, in den ersten Morgen-\nstunden.\nAuf einem mächtigen Pferde ein Mann in einem\nschwarzen Mantel, das Gepäck im Sattel, Peter\nvon Ulm. Sein riesiger und lebhaft bewegter\nSchatten zeichnet sich hinter ihm auf die Mauer,\nauf den Boden und die Pfeiler. Violäne tritt\nplötzlich zwischen den Pfeilern hervor und ihm\nentgegen. Sie ist groß und schlank, barfuß, in\ngrobes Linnen gekleidet, und hat um den Kopf ein\nhalb bäuerisches, halb klösterliches Tuch.\nVioläne (hebt lachend und mit verschränk-\nten Fingern ihre beiden Hände gegen den Reiter):\nHalt, Herr Ritter! Abgestiegen!\nPeter von Ulm: Violäne!\n(Er steigt vom Pferd)\nVioläne: Gemach, Meister Peter! Schleicht\nman sich so hinaus wie ein Dieb, ohne den Damen\ngeziemend Ade zu sagen?\nPeter von Ulm: Violäne, zieht euch zu-\nrück. Es ist noch tiefe Nacht, und wir sind hier\nallein beisammen. Ihr wißt, ich bin kein so ganz\nzuverlässiger Mensch.\nVioläne: Baumeister, mir ist nicht bange\nvor Euch! Das Wollen allein macht es nicht!\nBei mir kommt man keineswegs nach Gefal-\nlen zum Ziele! Armer Peter! Ihr habt mich ja\nnicht einmal umzubringen vermocht.\nMit Euerm erbärmlichen Messer! Nur eine\nkleine Schürfung am Arme, kaum zu bemerken.\nPeter von Ulm: Violäne, Ihr müßt mir\nverzeihn.\nVioläne: Darum bin ich hier.\nPeter von Ulm: Ihr seid meine erste\nLiebe; vor Euch hab ich keine berührt. Der Teu-\nfel hielt mich am Kragen; er weiß die Gelegen-\nheit auszunutzen.\nVioläne: Aber Ihr fandet mich stärker als\nihn!\nPeter von Ulm; Violäne, ich bin jetzt noch\ngefährlicher als damals.\nVioläne Wollen wir uns von neuem messen?\nPeter von Ulm: Schon meine Näh ist un-\nheilvoll.\n(Schweigen)\nVioläne: Ich versteh Euch nicht.\nPeter von Ulm: Genügte mir nicht, Steine\nzu schichten, Holz zu keilen und Metalle zu\nschmelzen?\nWar mir mein Werk nicht genug? Auf einmal!\nLeg ich die Hand an das Werk eines andern\nund lasse mich einer lebendigen Seele gelüsten?\nVioläne: In dem Haus meines Vaters, Euers\nWirtes! Herr, was wäre entstanden, wenn mans\nerfahren hätte. Aber ich hab es wohl bewahrt.\nUnd jeder hält Euch wie vorher für einen bie-\ndern, untadligen Mann.\nPeter von Ulm: Gott richtet das Herz un-\nterm Scheine.\nVioläne: Es bleibt also unter uns dreien.\nPeter von Ulm: Violäne!\nVioläne: Meister Steinmetz?\nPeter von Ulm: Stellt Euch hier neben\nidie Kerze; ich will Euch in die Augen schaun.\n(Sie stellt sich lächelnd unter die Kerze. Er blickt\nsie lange an.)\nVioläne: Habt Ihr mich nun lang genug be-\nstaunt?\nPeter von Ulm: Wer seid Ihr, junges\nWeib, und worin ward Gott in Euch so besonders\noffenbar, daß die Hand, die sich auf Euch mit\nWünschen legt, und der ganze Leib verwelken,\nals wären sie dem Geheimnis seiner Wohnung nah\ngekommen?\nVioläne: Was ist seit einem Jahr mit Euch\ngeschehn?\nPeter von Ulm: Schon am Tag nach dem\nEreignis . . .\nVioläne: Nun?\nPeter von Ulm: ... Bemerkt ich in mei-\nner Seite die gräuliche Krankheit.\nVioläne: Eine Krankheit, sagt Ihr? Was für\nKrankheit?\nPeter von Ulm: Den echten Aussatz, wo-\nvon das Buch Mose kündet.\nVioläne: Aussatz? Was ist das?\nPetervonUlm: Habt Ihr niemals von jener\nFrau gehört, die ganz allein in den Schluchten der\nAch lebte. Verschleiert vom Kopf zu Fuß, und in\nihren Händen eine Klapper?\nVioläne: Diese Krankheit meint Ihr, Mei-\nster Peter?\nPeter von Ulm: Sie ist also beschaffen,\ndaß der in ihrer ganzen Bosheit von ihr Ergriffne\nsogleich muß entfernt werden, denn es ist kein\nlebendiger Mensch so gesund, daß ihn nicht könnte\nder Aussatz ergreifen.\nVioläne: Wieso wandelt Ihr dann in Frei-\nheit unter uns?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7637, "texte": "Peter von Ulm: Der Bischof hat sie mir\nerteilt, und Ihr seht, ich bin ein seltner und spär-\nlicher Gast, nur meinen Arbeitern nicht so selten,\nweil sie meiner Befehle bedürfen; auch ist mein\nLeiden noch verschlossen und verdeckt.\nUnd wer sonst außer mir führte ihnen zur An-\ndacht jene werdenden Kirchen aus, deren Bürde\nmir Qott auferlegt hat?\nVioläne: Darum also sah man Euch diesmal\nnicht mehr in Salhof?\nPeter von Ulm: Ich mußte herkommen,\ndenn meine Aufgabe ist, Marienbergs Klause zu\nöffnen.\nUnd jedesmal die Wand zu zerteilen, wenn ein\nneuer Flug Tauben dort einziehen will in die hohe\nLade, deren Luken nur nach dem Himmel offen\nsind.\nUnd diesesmal führen wir ein erlauchtes Opfer\nzum Altar, ein erhabnes Gefäß.\nDie Königin selbst, die Mutter des Königs, und\nstieg hinauf die Stufen.\nUm ihres entthronten Sohnes willen.\nUnd danach kehr ich zurück jetzt nach Speier.\nVioläne: Baumeister der Tore, laßt mich\nEuch dieses hier öffnen.\nPeter von Ulm: Ist denn kein andrer auf\ndem Hof zu diesem Dienste bereit?\nVioläne: Die Magd liebt den Schlaf und hat\nmir gern die Schlüssel ausgeliefert.\nPeter von Ulm: Fühlt Ihr nicht Furcht,\nnicht Abscheu vor dem Aussätzigen?\nVioläne: Gott wacht und wird mich be-\nschützen.\nPetervonUlm: So gebt mir den Schlüssel.\nVioläne: Ueberlaßt es mir! Ihr versteht\nEuch nicht auf diese alten Tore.\nNicht wahr, Ihr haltet mich für ein schönes\nFräulein. Dem sind die Finger so fein, daß sie\nnichts Rauheres kennen als den Sporn des neuge-\nbacknen Ritters? Diesen Sporn, so leicht doch,\nals wär er wie ein Vogelbein ihm an die Ferse\nzu heften!\nPaßt auf!\n(Sie öffnet die beiden knarrenden Schlösser und\nschiebt die Riegel zurück.)\nPeter von Ulm: Das Eisenwerk ist stark\nverrostet.\nVioläne: Das Tor wird nicht mehr benutzt,\naber der Weg hier hindurch ist der kürzeste.\n(Sie zieht mühsam an der Stange.)\nDas Tor ist offen!\nPeter von Ulm: Wer kann einem solchen\nAngreifer widerstehn?\nWelcher Staub! Der alte Flügel kracht und\nzittert bis hoch hinauf.\nDie Käuzchen, wie sie flüchten! Ihre alten\nNester brechen ein.\nUnd endlich geht alles auf in der Mitte.\n(Das Tor steht offen. Man sieht durch die Wöl-\nbung die mit Wiesen und Ernten besetzten nächt-\nlichen Felder. Im Osten schwache Dämmerung.)\nVioläne: Das bischen Regen hat allem gut\ngetan.\nPeter von Ulm: Der Staub auf der Straße\nhat sich gelegt.\nVioläne (leise und herzlich): Friede mit\nEuch Meister Peter!\n(Schweigen. Dann, ganz plötzlich, hell und wohl-\nklingend, hoch im Himmel der erste Glockenschlag\ndes Morgenläutens. Peter von Ulm nimmt seinen\nHut ab, und beide bekreuzigen sich.)\nVioläne (die Hände gefaltet, das Gesicht\nnach oben gekehrt, mit einer wunderbar reinen\nund hellen Stimme): Regina Coeli, laetare, alle-\nluia!\n(Zweiter Glockenschlag)\nPeter von Ulm (mit tiefer Stimme): Quia\nquem meruisti portare, alleluia!\n(Dritter Glockenschlag)\nVioläne: Resurrexit sicut dixit, alleluia!\nPeter von Ulm: Ora pro nobis Deum.\n(Stille)\nVioläne: Gaude et laetare, Virgo Maria,\nalleluia!\nPeter von Ulm: Qui a resurrexit Dominus\nvere, alleluia!\n(Nachklingendes Morgengeläute)\nPeter von Ulm .(ganz leise): Oremus\nDeus qui per resurrectionem Filii tui Domini\nNostri Jesu Christi mundum laetificare dignatus\nes, praesta, quaesumus, ut per ejus Genitricem\nVirginem Mariam perpetuae capiamus gaudia\nvitae. Per eundem Dominum Nostrum Jesum\nChristum qui tecum vivit et regnat in unitate Spi-\nritus Sancti Deus per omnia saecula saeculorum.\nVioläne: Amen.\n(Beide bekreuzigen sich.)\nPeter von Ulm: So frühes Morgenläuten!\nVioläne: Sie sprechen dort oben noch im\nDunkeln den Morgengruß, wie die Karthäuser.\nPeter von Ulm: Heut abend will ich in\nSpeier sein.\nVioläne: Kennt Ihr den Weg? Zuerst diese\nHecke.\nUnd dann ein niederes Haus im Fliederhain,\nda stoßt Ihr auf drei, vier Bienenstöcke.\nUnd hundert Schritt weiter seid Ihr auf der\nKönigstraße.\n(Schweigen)\nPeter von Ulm: Pax tibi.\nWie die ganze Schöpfung mit Gott in einem\ntiefen Geheimnis vereint ist!\nDas Verborgne wird mit ihm wieder sichtbar,\nund ich fühle auf meinem Gesicht einen frischen\nHauch wie von Rosen.\nLobpreise deinen Gott, gesegnete Erde, in Trä-\nnen und in der Dunkelheit!\nDie Frucht ist des Menschen, allein die Blüte\nist Gottes und der Wohlgeruch all dieses Ent-\nsprießenden.\nAlso hat der heimlichen heiligen Seele Odem\nsich wie der Duft eines Minzblattes kräftig ent-\nfaltet.\nVioläne, Pförtnerin mir, Violäne, leb wohl!\nIch kehre nicht wieder zu Euch.\nO junger Baum der Erkenntnis von Gut und\nBöse, da beginn ich auseinanderzufallen, weil ich\nmich an Euch vergriff.\nUnd schon scheidet sich mir Seele und Leib,\nwie der Wein im Bottich aus der zerquetschten\nRebe!\nWas tuts. Ich bedurfte nicht des Weibes. Ich\nbesaß kein Weib, um daran zugrunde zu gehn.\nDer Mann, der in seinem Herzen Gott den Vor-\nzug gab, schaut in seiner Todesstunde seinen all-\neinigen Schutzengel.\nBald kommt die Zeit, wo sich mir eine andre\nPforte aufschließt.\nDer in diesem Leben wenigen gefiel, schlum-\nmert dann tief nach getaner Arbeit unter dem Fit-\ntich des ewigen Geistes:\nDa schimmert schon hinter den durchsichtigen\nWänden überall her die dämmernde Seligkeit.\nUnd der Weihrauch des Dunkels vermischt\nsich dem Qualm des verlöschenden Zunders.\nVioläne: Peter von Ulm, ich weif!, Ihr er-\nwartet nicht von mir zu hören, daß Ihr ein armer\nMann seid, und keinen heuchlerischen Seufzer, und\nnicht, daß ich Euch Armer Peter sage!\nDenn dem Leidenden sind die Tröstungen des\nheitern Trösters wenig wert, und sein Weh ist uns\nnicht, was es ihm ist.\nLeidet mit unserm Heiland.\nDoch wisset: ausgelöscht ist Euer schlechtes\nBeginnen, soweit es mich angeht, und wieder bin\nEuch gut.\nUnd es ist mir kein Greuel, daß Ihr ergriffen\nund krank seid. Sondern wie einem Gesunden\nund wie unserm alten Freund Peter will ich Euch\nnah sein.\nUnd Euch verehren, lieben und in Achtung\nhalten.\nDies sei Euch gesagt. Und ist Wahrheit.\nPeter von Ulm: Ich dank Euch, Violäne.\nVioläne: Und jetzt berichtet mir Neues.\nPeter von Ulm: Sprecht.\nVioläne: Was war das für eine schöne Ge-\nschichte, die uns der Vater erzählt hat? Was ist\nmit der Justitia, die Ihr in Speier aufbaut, und die\nschöner werden soll, als die Türme von Worms\nund von Köln?\nPeter von Ulm: Die Gewerken von Speier\nhießen mich, diesen Dom auf dem Grunde des\nalten Weinlagers errichten.\nDort, wo im Vorjahr der alte Speicher des Bi-\nschofs abgebrannt ist.\nDer Bau dient erstens Gott zum Dank für die\nsieben fetten Jahre inmitten des Notstands im\nganzen Reiche.\nFür das Korn und die üppige Frucht, die wohl-\nfeile herrliche Wolle.\nFür die Tücher und das Leder, die guten Ab-\nschlüsse mit den Kaufherrn von Augsburg und\nPolen.\nDanach für die erreichten Freiheiten, für die\nvon unserm Herrn, dem König, an sie übertrage-\nnen Rechte.\nFür den alten, zum Nachteil gültigen Brief der\nBischöfe Friedrich des Zweiten und Adomars.\nWeil er vom Papst widerrufen wurde.\nAll dies kraft hellen Schwerterstreichs und der\nStraßburger Gulden.\nDenn so ist der christliche Staat: Keineswegs\nknechtischer Furcht voll.\nSondern jeder hat sein Recht, sowie es sich\nauswirkt in einer wunderbaren Vielfalt.\nAuf daß das Liebeswerk sich verwirkliche.\nVioläne: Von welchem Könige sprecht Ihr,\nund von welchem Papst?\nIhrer sind doch zwei, und man weiß nicht,\nwelcher der richtige ist.\nPetervonUlm: Wer recht handelt an uns,\nder ist der Rechte.\nVioläne: Ihr redet nicht, wie sichs gebührt.\nPeter von Ulm: Vergebt, ich bin nur ein\nLaie.\nVioläne: Und woher stammt der Name für\nden neuen Dom?\nPeter von Ulm: Hörtet Ihr niemals von\nder heiligen Justitia reden?\nZu den Zeiten Kaiser Julians erlitt sie als Blut-\nzeugin den Tod auf einem Anisfeld.\n(Das sind die Körner, die man zur Kirmes vor\nOstern in das Weizenbrot tut.)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7816, "texte": "Als wir für unsere Grundbauten die Wasser\neiner unterirdischen Quelle abzuleiten versuchten,\nFanden wir ihr Grab und eine mittendurch\ngeborstne Platte mit der Inschrift: Justitia\nAncillä Domini in Pace.\nDer zerbrechliche kleine Schädel war wie eine\nNuß zerspellt, sie war ein achtjähriges Kind,\nUnd ein paar Milchzähne steckten noch in der\nKinnlade.\nDarüber ganz Speier in Aufruhr, und mannig-\nfache Zeichen und Wunder folgen den Resten,\nDie wir bis zur Vollendung des Werks in einer\nKapelle aufbewahren.\nNur die kleinen Zähne ließen wir wie eine Saat\nunter dem großen Blocke des Grundsteins.\nVioläne: Wie schön! Und der Vater er-\nzählte uns noch, die Frauen spendeten ihr Ge-\nschmeide zum Aufbau der Justitia.\nPeter von Ulm: Wir haben schon einen\nHaufen Schmuck, und Händler darum wie die\nFliegen.\n(Violäne senkt die Augen und dreht unschlüssig\neinen dicken, goldnen Ring an ihrem vierten\nFinger.)\nPeter von Ulm: Was ist das für ein Ring,\nVioläne?\nVioläne: Ich erhielt ihn von Jakobäus.\n(Stille)\nPeter von U 1 m: Viel Glück, Violäne.\n(Sie reicht ihm den Ring.)\nVioläne: Es ist noch nichts entschieden.\nDer Vater schwieg bis jetzt.\nNun, dies wollt ich Euch sagen:\nNehmt meinen schönen Ring, es ist alles, was\nich habe, und Jakobäus gab ihn mir im Geheimen.\nPeter von Ulm: Ich will ihn nicht.\nVioläne: Nehmt ihn schnell, denn ich\nwerde nicht lang mehr die Kraft haben, ihn von\nmir zu tun.\n(Er nimmt den Ring.)\nPeter von Ulm: Was wird Euer Bräuti-\ngam sagen?\nViol ä n e: Noch ist er nicht ganz mein Bräu-\ntigam. Mit dem Ringe wechselt nicht auch das\nHerz.\nEr kennt mich. Er wird mir einen andern,\neinen silbernen schenken.\nDer hier war zu schön für mich.\nPeter von Ulm (untersucht ihn): Er ist\naus gesproßnem Golde, wie man es einst mit einem\nEinschlag von Honig herzustellen verstand.\nEr ist geschmeidig wie Wachs und unzerbrech-\nlich dabei.\nVioläne: Jacobäus fand ihn beim Pflügen\nin der Erde, an einem Ort, wo man bisweilen\nganz unversehrte alte Schwerter aufgräbt und\n(schöne Stücken aus Glas.\nIch fürchtete mich, dieses heidnische Ding da\nzu tragen, ein Besitztum doch der Toten.\nPeter von Ulm: Gut, dies reine Gold nehm\nich an.\nVioläne: Und küsset mir meine Schwester\nJustitia.\nPeter von Ulm (blickt sie plötzlich an und\nscheint auf einen Gedanken zu verfallen): Ist das\nalles, was Ihr für sie zu geben habt? ein wenig\nGold von Euerm Finger?\nVioläne: Reicht es nicht hin, um einen klei-\nnen Stein dafür einzutauschen?\nPeter von Ulm: Justitia selbst ist aber\nein gewaltiger Stein.\nVioläne (lachend): Ihre Laufbahn ist nicht\ndie meine.\nPeter von Ulm: Der Grundboden braucht\nein ander Gestein als der Giebel.\nVioläne: Bin ich Stein, dann sei ich der\ntätige Stein, der das Korn mahlt, einer der beiden\nMühlsteine, und nichts weiter.\nPeter von Ulm: Auch Justitia war nur ein\nbescheidnes kleines Mädchen im Kreis ihrer\nNächsten,\nBis Gott sie zum Bekenntnis aufrief.\nVioläne: Aber mir will niemand ein Leides.\nSoll ich nun gehn und den Sarazenen die Bot-\nschaft verkünden?\nPeter von Ulm: Nicht der Stein hat sich\nden Platz zu wählen, sondern der Baumeister be-\nstimmt ihm einen.\nVioläne: Dann preise ich Gott, daß er mir\nvon Anbeginn meinen Platz hat zugewiesen und\nich keinen suchen muß. Und ich verlange auch\nkeinen andern.\nIch bin Violäne, achtzehn Jahre, mein Vater\nheißt Andreas Gradherz, meine Mutter heißt Elisa-\nbeth, meine Schwester heißt Mara, mein Bräutigam\nJacobäus. Das ist alles, weiter ist nichts zu be-\nrichten.\nAlles ganz klar, alles im voraus geordnet, und\nich bin es zufrieden.\nIch bin frei und hab mich um gar nichts zu sor-\ngen, ein andrer ist da, der mich leitet, der Gute,\nund er weiß, was zu tun ist.\nIhr, der Ihr die Saat der Glockentürme aus-\nstreut, kommt doch nach Salhof! Wir wollen\nEuch Steine geben und Holz, nur nicht die Tochter\ndes Hauses!\nUnd dann, ist dies hier nicht schon Gottes\nHaus, Gottes Erde und Gottes Lehn?\nHaben wir nicht als Abgabe einzig Marienberg\nzu ernähren und zu beschirmen, Brot hinzuliefern\nund Wein und Wachs,\nAbhängig bloß von diesem Nest halbentfalteter\nEngel?\nWfie die hohen Herren einen Taubenschlag hal-\nten, so haben wir den unsern, und er ist von wei-\ntem erkennbar.\nPeter von Ulm: Einst, als ich im waldigen\nSpessart wanderte, hört ich zwei schöne Eichen\nsich unterreden.\nSie lobten Gott, die beiden Bäume, daß er sie\nunerschütterlich 'geschaffen habe und hingesetzt\nan ihren Geburtsort.\nJetzt bekämpft der eine im Weltmeer am Sporn\neines Seglers die Türken.\nDer andere, auf meinen Befehl entwurzelt, hält\nquer im Turme von Köln\nJohanna, die gute Glocke, deren Stimme zehn\nMeilen erklingt.\nMädchen, in meinem Gewerbe trägt man die\nAugen nicht in der Tasche. Ich erkenne das gute\nGestein unter Wachholdergebüsch und das gute\nHolz wie ein Grünspecht;\nNicht anders als die Männer und Frauen.\nVioläne: Aber nicht die Mädchen, Meister\nPeter! Die sind Euch zu fein.\nUnd vor allem gibt es da nichts zu erkennen.\nPeter von Ulm (halblaut): Ihr liebt ihn\nwohl sehr, Violäne?\nVioläne (mit niedergeschlagenen Augen):\nDas ist ein tiefes Geheimnis zwischen ihm und mir.\nPeter von Ulm: Gesegnet seist du in dei-\nnem keuschen Herzen!\nDie Heiligkeit ist nicht darin beschlossen, daß\nman sich bei den Türken muß steinigen lassen oder\neinen Aussätzigen auf den Mund küssen,\nSondern daß wir Gottes Gebot unverweilt er-\nfüllen,\nOb wir nun\nUnsern Platz behalten oder aufsteigen.\nVioläne: Ah, wie schön ist diese Welt und\nwie bin ich glücklich!\nPeter von Ulm (halblaut): Ah, wie schön\nist diese Welt und wie bin ich unglücklich!\nVioläne (hebt den Finger gegen den Him-\nmel): Mann aus der Stadt, horcht auf!\n(Pause)\nHört Ihr dort hoch oben dieses Seelchen singen?\nPeter von Ulm: Die Lerche!\nVioläne: Es ist die Lerche, Halleluja!\nDie Lerche des christlichen Landes, Halleluja,\nHalleluja!\nHört, wie sie zu vierenmal ruft i!i!i!i! immer\nhöher, immer mehr in der Höh!\nSeht Ihr sie, sehr Ihr die ausgebreiteten Flügel,\ndas kleine, heftige Kreuz, wie bei den Engeln, die\nnur Flügel sind ohne Füße und eine durchdrin-\ngende Stimme vor Gottes Thron?\nPeter von Ulm: Ich höre sie.\nUnd also hört ich sie einmal im Morgengrauen\nan dem Tage, da meine Tochter, unsre liebe Frau\nvon Mainz, eingeweiht wurde,\nUnd sie war ein wenig von Gold überglänzt,\nvon Gold an der höchsten Spitze dieses großen,\nvon mir geschaffenen Dinges, und sie glänzte wie\nein neuer Stern!\nVioläne: Peter von Ulm, hättet Ihr mit mir\nnach Euerm Willen getan,\nWäret Ihr darum nun fröhlicher heute oder wär\nich jetzt schöner?\nPeter von Ulm: Nein Violäne.\nVioläne: Wär ich auch dann immer noch\ndie selbe liebe Violäne?\nPeter von Ulm: Nicht die selbe, doch eine\nandre.\nVioläne: Und, Peter, was gilt mehr?\nDaß Ihr meine Freude mit mir teilt, oder daß\nich Euer Leid mit Euch teile.\nPeter von Ulm: Sing in der höchsten Him-\nmelshöh, Lerche vom Rhein!\nVioläne: Vergebt mir, daß ich so glücklich\nbin, daß mein Geliebter\nMich liebt, daß ich seiner gewiß bin, denn ich\nweiß, daß er mich liebt, und daß er und ich ganz\ngleich fühlen.\nUnd daß Gott mich geschaffen hat, damit ich\nglücklich sei und nicht für Schmerz und Mühsal.\nPeter von Ulm: Steig du in den Himmel\nmit einem Flügelschlag!\nIch jedoch, um ein weniges höher zu kommen,\nbedarf der Arbeit eines Domes und seiner tiefen\nGrundmauern.\nVioläne: Und nicht wahr, Ihr verzeiht dem\nJakobäus, daß er mich heiratet?\nPeter von Ulm: Nein, ich verzeih es ihm\nnicht!\nVioläne: Der Haß, Peter, steht Euch nicht\ngut, und mir schafft er Kummer.\nPeter von Ulm: Ihr allein heißt mich reden.\nWarum zwingt Ihr mich, die entsetzliche\nWunde, die sonst nicht sichtbare Wunde zu\nweisen?\nLasset mich scheiden und fragt mich nicht\nweiter.\nWir sehn uns nicht wieder.\nUnd trotzdem entführ ich mit mir seinen Ring!\nVioläne: Laßt ab von Euerm Haß, und ich\nwill es Euch vergelten, wenn es not tut.\nPeter von Ulm: Bedenkt, Violäne, wie sehr\nich unglücklich bin!\nHart ist die Mieselsucht, und schwer, diese"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5970, "texte": "schändliche Wunde mit sich zu schleppen, und zu\nwissen, daß man nicht genesen kann und daß\nnichts wieder sie taugt,\nDoch daß sie jeden Tag weiterfrißt und tiefer\ndringt, und daß man allein ist und seine eigne Ver-\nseuchtheit dulden muß, und zu fühlen, wie man so\nlebendigen Leibes verwest,\nUnd wie man den Tod nicht einmal, nein zehn-\nmal erfährt und einem gar nichts erspart bleibt;\nbis zum Schlüsse nichts von der schrecklichen\nSchwarzkunst des Grabes!\nUnd Ihr habt mich mit dieser Not geschlagen,\nIhr und Eure Schönheit, denn bevor ich Euch sah,\nwar ich heil und heitern Gemütes,\nDas Herz bei meinem Werk und den Sinn unter\nfremder Verantwortung.\nUnd jetzt, wo ich der Herr bin und man nach\nmeinen Entwürfen gestaltet,\nKehrt Ihr Euch gegen mich mit diesem Lächeln\nvoll Gift.\nVioläne: Das Gift, Peter, war nicht meines!\nPeter von Ulm: Ich weiß, das Gift lag in\nmir und weicht nimmer, und mein siecher Leib\nrettet mir nicht die erkrankte Seele!\nO meines Herzens Herz, ist es möglich, Euch\nanzuschauen und Euch nicht zu lieben?\nVioläne: Ihr habt mir Eure Liebe deutlich\nbewiesen.\nPeter von Ulm: Ist es meine Schuld, wenn\ndie Frucht am Aste haftet?\nWer liebte je und begehrte nicht nach dem\nBesitze seiner Liebe?\nVioläne: Und darum habt Ihr mich verder-\nben wollen?\nPeter von Ulm: Erlittne Kränkung verfin-\nstert so Mann wie Frau.\nVioläne: Worin verfehlt ich gegen Euch?\nPeter von Ulm: O Ebenbild der ewigen\nSchönheit, du bist nicht mein!\nVioläne: Ich bin kein Bild! So spricht man\nnicht mit mir!\nPeter von Ulm: Ein andrer nimmt, was\nmein war.\nVioläne: Es bleibt das Bild.\nPeter von Ulm: Ein andrer nimmt mir\nVioläne und läßt mir dieses wunde Fleisch und\nmeinen verstörten Geist!\nVioläne: Seid ein Mann, Peter! Zeigt Euch\nwürdig der Flamme, die Euch verzehrt!\nMuß man schon vergehn, o dann seis über gol-\ndenem Leuchter wie die Osterkerze mitten im\nChor, der ganzen Kirche zu Ehren.\nPeter von Ulm: Soviel erhabne Giebel!\nWerd ich niemals den meines kleinen Hauses\ndurchs Blattwerk ragen sehn?\nSoviel Glockentürme, deren kreisender Schat-\nten ganzen Plätzen die Stunde vorschreibt! Werd\nich niemals den Entwurf eines Herdes und des\nKinderzimmers ausführen?\nVioläne: Ich sollte nicht für mich allein be-\nhalten, was allen gemeinsam gehört.\nPeter von Ulm: Wann ist die Hochzeit,\nVioläne?\nVioläne: Wohl am Michaelistag, nach der\nErnte.\nPeter von Ulm: An jenem Tag, wenn die\nGlocken Marienbergs schweigen, dann horchet auf,\nIhr werdet fern aus Speier meine Antwort hören.\nVioläne: Wer trägt dort Sorge um Euch?\nPeter von Ulm: Immer hab ich wie ein\nTagelöhner gelebt; eine Handvoll Stroh auf den\nSteinen ist mir genug, so schlaf ich; und ein Anzug\naus Leder, ein wenig Speck aufs Brot.\nVioläne: Armer Peter!\nPeter von Ulm: Nicht deshalb bin ich zu\nbeklagen; wir stehn abseits.\nIch lebe nicht in einer Ebne mit den andern;\nimmer unter der Erde mit den Grundbauten oder\nim Himmel mit dem Glockenturm.\nVioläne: Nun also! Das wäre eine schöne\nEhe geworden! Will ich auf den Dachspeicher\nhinauf, wird mir schon übel vor Augen.\nPetervonUlm: Diese Kirche nur wird mein\nWeib sein, diese, die mir in meinem Schmerzens-\nschlaf aus der Rippe wachsen wird wie eine stei-\nnerne Eva.\nO fühlt ich doch bald mein weites Werk unter\nmir auferstehn, o berührt ich doch schon mit Fin-\ngern dies unzerstörbar von mir Gefügte, ein Gan-\nzes, zusammengeschlossen aus all seinen Teilen,\ndies wohlgefestigte Werk, das ich schuf aus har-\ntem Gestein, damit dem Urquell seine Fassung\nwerde, mein Werk, die Wohnung Gottes!\nIch werde nicht mehr niedersteigen! Ich bins,\nhundert Fuß über dem viereckigen Pflaster, ich,\nauf den dann ein dichtgedrängter Mädchenschwarm\nmit ragendem Finger hinaufweist!\nVioläne: Man muß doch wieder hinunter.\nVielleicht bedarf ich eines Tags Eurer Hilfe.\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne, liebes\nHerz, ich seh Euch nicht wieder!\nVioläne: Wer kann sagen, ob Ihr mich nicht\nmehr wiederseht?\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne!\nWie viel hab ich getan! Wie viel bleibt mir\nzu tun noch übrig!\nUnd Wohnstätten, wie viele noch zu voll-\nbringen,\nUnd Schatten Gottes!\nNicht die Stunden eines Stundenbuches, son-\ndern die wahrhaftigen eines Domes, dessen un-\nunterbrochener Sonnenschein alle Dinge belichtet,\nbeschattet!\nIch trage mit mir Euern Ring,\nUnd aus diesem kleinen Rund will ich eine\nGoldsaat entflammen!\n./ Gott gebot der Sintflut, zu verweilen / so heißt\nes im Taufpsalm,\nUnd ich nun werde an den Wänden der Justitia\ndas Morgengold festhalten!\nEs wechselt das westliche Licht, nicht aber\nwechselt jenes, das ich unterm Gewölbe verkläre,\nSo wenig wie das der menschlichen, geistlich\nerleuchteten Seele.\nDie Seele meines Kindes Violäne, an der ich\nmein Wohlgefallen habe.\nEs gibt Kirchen, die wie Abgründe sind, und\nandre sind wie glühende Oefen,\nUnd andre sind so genau berechnet und so\nkunstvoll gespannt, daß sie tönen müßten unter\ndem Finger.\nDie aber ich aufrichten will, wird in ihrem eig-\nnen Schatten wie verdichtetes Gold stehn und wie\neine Büchse Manna!\nVioläne: O Meister Peter, das schöne Glas-\nfenster, Eure Gabe an die Mönche von Corwey!\nPeter von Ulm: Die Glasmalerei ist nicht\nmeine Sache, obzwar ich sie einigermaßen kenne.\nDoch vor das Glas stellt der Baumeister plan-\nmäßig weise\nDas Steingerüst hin wie ein Filter mitten hin-\nein in die Wellen des göttlichen Lichtes\nUnd gibt dem ganzen Bauwerk das Wasser\neiner Perle.\n(Mara ist eingetreten und sieht sie, ohne ge-\nsehn zu werden)\nUnd jetzt lebt wohl, die Sonne ist aufgegangen,\nich sollte schon weg sein.\nVioläne: Lebt wohl, Peter!\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne!\nVioläne: Armer Peter!\n(Sie blickt ihn mit Augen voll Tränen an und\nreicht ihm zögernd die Hand; während er sie in\nder seinen hält, beugt sie sich nieder und küßt ihn.\n— Mara macht eine Gebärde des Erstaunens\nund verschwindet. — PetervonUlm und\nVioläne entfernen sich, jeder nach einer andern\nRichtung.)\nNach der französischen Dichtung deutsch von Hegner\n/ Die ganze Dichtung erschien als Buch im Hellerauer\nVerlag j Hellerau bei Dresden 1913"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.5", "titre_corps": "La Tour", "titre_sommaire": "La Tour", "signature_source": "Blaise Cendrars", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.5", "debut_caractere": 5972, "fin_caractere_exclue": 7681, "texte": "La Tour\n\n1910\nCastellamare\nJe dinais d'une orange ä l'ombre d'un oranger\nQuand, tout ä coup,\nCe n'etait pas l'eruption du Vesuve\nCe n'etait pas le nuage de sauterelles, une des\ndix plaies d'Egypte\nNi Pompei\nCe n'etait pas les cris ressuscites des masto-\ndontes geants\nCe n'etait pas la Trompette annoncee\nNi la grenouille de Pierre Brisset\nQuand, tout ä coup,\nFeux\nChocs\nRebondissements\nEtincelle des horizons simultanes\nMon Sexe\nO Tour Eiffel!\nJe ne t'ai pas Chaussee d'or\nJe ne t'ai pas fait danser sur les dalles de cristal\nJe ne t'ai pas voue au Python comme une\nvierge de Carthage\nJe ne t'ai pas revetu du peplum de la Grece\nJe ne t'ai jam'ais fait divaguer dans l'enceinte\ndes menhirs\nJe ne t'ai pas nomme Tige de David ni Bois\nde la Croix\nLignum Crucis\nO Tour Eiffel!\nFeu d'artifice geant de l'Exposition Universelle!\n*\nSur le Gange\nA Benares\nParmi les toupies onanistes des temples hindous\nEt les cris colores des multitudes de l'Orient\nTu te penches, gracieux Palmier!\nC'est toi qui ä l'epoque legendaire du peuple\nhebreux\nConfondis la langue des homraes\nO Babel!\nEt quelques mille ans plus tard, c'est toi qui retom-\nbais en langues de feu sur les Apötres ras-\nsembles dans ton eglise.\nEn pleine mer tu es un mät\nEt au Pole-Nord\nTu resplendis avec toute la magnifiscence de\nl'aurore boreale de ta telegraphie sans fil!\nLes lianes s'enchevetrent aux eucalyptus\nEt tu flottes, vieux tronc, sur le Mississipi\nQuand\nTa gueule s'ouvre\nEt un caiman saisit la cuisse d'un negre!\nEn Europe tu es comme un gibet\n(Je voudrais etre la tour, pendre ä la Tour Eiffel!)\nEt quand le soleilse couche derriere toi\nLa tete de Bonnot roule sous la guillotine!\nAu coeur de l'Afrique c'est toi qui cours\nGiraffe\nAutruche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Boa\nEquateur\nMoussons\nEn Australie tu as toujours ete tabou\nTu es la gaffe que le capitaine Cook employait\npour diriger son bateau d'aventuriers\nO sonde Celeste!\nPour le simultane Delaunay, ä qui je dedie ce\npoeme,\nTu es le pinceau qu'il trempe dans la lumiere.\n*\nGong tamtam Zanzibar bete de la jungle rayons-X\nexpress bistouri Symphonie\nTu es tout\nTour\nDieu antique\nBete moderne\nSpectre solaire\nSujet de mon poeme\nTour\nTour du monde\nTour en mouvement\n\nBlaise Cendrars"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.6", "titre_corps": "Die Schwermut des Genießers : Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Genießers : Roman", "signature_source": "Artur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.6", "debut_caractere": 471, "fin_caractere_exclue": 9360, "texte": "Die Schwermut des\nGenießers\nRoman\nArtur Babillotte\nHier zuckte ein roter Mord auf. Gierige Fin-\nger krallten sich um schwere Beute; in weiten\nRaubtieraugen funkelte erbarmungswürdiger Tri-\numph auf. Ein dunkle Macht zerrte den armen\nSünder, gellte ihm höhnische Schreie in die Ohren,\nwirbelte ihn in Wahnsinn und Not. Da taumelte\ner, unfähig, sich zu wehren, da brachte er sein\nOpfer —: sich selbst.\nDort gärte der Aufruhr. Stimmen stiegen in\nden trüben Morgen, Stimmen, die nach Brot und\nArbeit wimmerten. Stolz und steinern stand das\nRathaus; als verachte es die Hungernden, die\nsich zu seinen Füßen zusammenrotteten. Die\nMacht kam heran, behelmt und säbelgerüstet, trieb\nalle Aufrührer zu Paaren. „Warten! Warten!\"\nschrie eine Stimme aus einem Rathausfenster.\n„Wir können Sie doch nicht so vom Flecke weg\nbeschäftigen ... In zwei Tagen sollen Sie Be-\nscheid haben!\" Zuschmetterte das Fenster; hän-\ngender Köpfe zerstoben die Männer, ihre frieren-\nden Stimmen verzitterten in dem Tosen der\nStraßen.\nUnd irgendwo klammerten sich zwei an den\nTod, flehten mit gehobenen Händen: Nimm uns\nhin! . . . Eine Seligkeit war in ihren Augen und\nkeine Reue über das Leben, das sie verleugnen\nwollten. Nur im Auge des Weibes glimmerte eine\nleise Angst . . . aber der Mann sprach mutige\nWorte. Umschlungen zerrissen sie das Leben.\nDer träge Fluß nahm sie auf; oder ein herbes Gift\nrieselte durch ihr Blut; oder auch hörten die\nNachbarn im Hause einen dünnen zischenden\nSchuß . . .\nIn prunkenden und in schlichten Zimmern brü-\nteten Männer über sonderbaren Gedanken. Einer\nwollte am Abend eine große Menge hinreißen in\ndas Land seiner politischen Pläne; der andere\nglühte in hoher Freude, weil er den Menschen die\nSchönheiten eines neuentdeckten Erdfleckchens\nzeigen durfte; ein dritter fieberte an allen Glie-\ndern, fieberte an der Seele: ein neues Heil sollte\ner den Menschen bringen von unheimlicher\nKrankheit. In schlichten und in prunkenden Ge-\nmächern saßen sie, tausend Gedanken in den Ge-\nhirnen, alle voll Gewißheit und Mut. Und die\nZeit ging geruhig ihre Straße, straff im Takt.\nIn dumpfen Lokalen saßen Menschen, feierten\nden Morgen in Sorglosigkeit und Gesang; Weiber\nvergähnten den letzten Schlaf, der noch in ihren\nLidern hing. Schrille Klänge stachen wie Dolch-\nspitzen aus armseligen Musikautomaten.\nArme, ertappte Sünder standen vor strengen\nRichtern. In die Bahnhöfe rasten Züge aus allen\nGegenden des Reiches ein, brachten Menschen\nund Waren. Teilnahmslose Männer räkelten sich\nauf eleganten Restaurantstühlen. In überladenen\nKaufhäusern surrte ein Reden und Feilschen; viele\nHände griffen prüfend nach aufgestapelten Wa-\nren, tasteten, zogen sich zurück. Hohe Lesesäle\nlagen schweigend; Greise blätterten langsam und\nbedächtig in alten Folianten. Vor reichgerahm-\nten Bildern in stolzen Museumsräumen standen be-\nwundernde Künstler und Laien; Frauen saßen auf\nFeldstühlen, ließen ihre Blicke im Takt hin und\nher eilen vom Gemälde zu ihrer Arbeit, von der\nArbeit zum Gemälde. Ueberall rastloses Leben.\nEs klopfte in den Tönen, die in der Orchesterprobe\naufschwirrten, in den Stimmen der Darsteller, die\nin den Theatern ihre Rollen übten; es wirbelte\ndurch die Straßen, hetzte Wagen und Menschen\nund Tiere vorwärts, warf unvorsichtige Radfahrer\ngegeneinander, stieß schwere Wagen in wertvolle\nSchaufenster, trieb ungelenke alte Frauen in große\nGefahr, riß eiligen Menschen ungeduldige Worte\naus dem Munde, wehte wie ein Schauer über alle\nPlätze und pfiff um die Ecken in grenzenlosem\nUebermut. Die Zeit aber ging geruhig ihren\nGang, straff im Takt.\n*\nSie war die Begleiterin eines Mannes, der da-\nherschlenderte, als habe er in alle Ewigkeit nichts\nwichtigeres vorzunehmen. Er horchte in den\nMorgen. Die Großstadt wirkte lähmend auf ihn,\nschlug Töne in seiner Seele an, die einmal in un-\ngezügelter Wildheit geklungen, die ihn betäubt und\nmit sich fortgerissen hatten. Die Wehmut und\neine tastende Freude stiegen in ihm auf, gaben\nallen seinen Erinnerungen den dunklen Glanz\nalter wertvoller Kunstwerke. Die wehmütige\nFreude dessen, der weiß, daß sein Leben reich ge-\nwesen ist und daß es auch in Zukunft reich und\neigentümlich würde. Ganz langsam lebte er sich\nwieder ein in die Großstadt. Er mußte unwill-\nkürlich an die alten Menuette denken, die seine\nMutter nur in feierlichen Augenblicken gespielt\nhatte, an seine Andacht bei dieser naiven Musik.\nUnd die alltägliche Musik der Großstadt erregte\ndieselbe Freude in ihm. Er ging den Schaufen-\nstern entlang und horchte. Die Großstadt lockte\nmit tausend Rufen; aber er war stark geworden.\nEr wollte nicht mehr sich in ihre Strudel stürzen,\num ein Tropfen in ihrem Meere zu sein —: er\nwollte sie betrachten in ihrer Ruhelosigkeit, ihrem\newigen Unfrieden und ihrer Lebensfülle. Er wollte\nsie beobachten mit kühlem Blick, ihre Schäden und\nWunden erspähen, um sie heilen zu können.\n. . . Das war nun sieben Jahre her. Damals\nhatte ein Fieberrausch an seiner Kraft und seinen\nHoffnungen gezehrt, hatte ihn in die Gesellschaft\nder Ausgestoßenen geworfen; unter Heimatlosen\nhatte er seine Nächte verbracht, die Schönheit des\nweiblichen Leibes angebetet, friedlos. Und dann\nwar das Weib gekommen, mitten unter den Ent-\nweihten hatte dieses Weib gelebt, keck in stolzer\nAbwehr, demütig in Sehnsucht nach der großen\nLeidenschaft. Sie waren zusammen gekommen.\nDies war die Zeit eines erfüllten Traumes ge-\nwesen; jetzt war die Zeit wacher Arbeit. Wenn\nsie jenen Traum bis zu Ende geträumt und ver-\nsucht hätten, ihn mit sich in das wirkliche Leben\nzu nehmen .. .! Sie wären hart und verbittert\ngeworden. Jetzt aber hatten sie die süße weh-\nmütige Erinnerung.\nRuhig würden sie sich am Abend gegenüber-\ntreten. Ihre Künstlerschaft würde sich verbinden,\nsie würden lächelnd nebeneinander hergehen und\ngleichgültige Worte sprechen und jedes hegte die\nErinnerung im sorgfältigen Bemühen, sie nicht\ndurch Worte zu entweihen. Er versank in Ge-\ndanken an Mia Mirana. Aller Mut, mit dem sie\nsich in kurzer Zeit emporgekämpft hatte, alle\nFreude, die ihr der schwere, Beruf verlieh —:\njall dies erfüllte ihn. Er ahnte, daß diese Kraft im\nBoden der Entsagung wurzle und erkannte, daß\ndie Trennung nicht ihm allein zum Segen gewor-\nden war, indem sie aus dem großen Schmerz die\nhohe Freude, die Wehmut der Genießer gestaltet\nhatte. Dankbar verehrte er den inneren Zwang,\nder sie auseinander geführt hatte. Aber in alle\ndiese Gedanken mischte sich plötzlich ein feiner\nSchmerz.\nEva kam ihn in den Sinn. Wie ungelenk sie\nwar, welch ein tiefes Staunen sie erfaßte, als sie\nam Morgen zum erstenmal die große Stadt er-\nblickte! Jetzt traf ihn ihre plötzliche Freude wie\nein lähmender Schlag. Jetzt schien sie gefährlich,\nunglückverheißend, nicht mehr kindlich und harm-\nlos. . .\nEr ging in ein Cafe, um sich in Zeitungen zu\nversenken. Wenige Gäste saßen, vergraben in\ngroße Blätter, sahen flüchtig auf, als er eintrat.\nEr trank langsam und mit einer gewissen Wollust.\nAber die Unruhe verließ ihn nicht. Einen Augen-\nblick lang dachte er, es wäre wohl das Beste ge-\nwesen, wenn er Mia Mirana aufgesucht hätte.\nGleich aber warf er diesen Gedanken von sich...\nwas hätte wohl Eva dazu gesagt, die im Hotel von\nder Reise ausruhte? Und zum erstenmal empfand\ner ein leises Schuldbewußtsein; er war nicht mehr\nfrei, alle seine Wünsche waren an die eintönige\nFrage gebunden: Was wird Eva dazu sagen?\nWelch ein gütiges, anschmiegendes, ergebenes\nWeib war sie ihm! Und doch . . . war ein Unaus-\ngesprochenes; ein Bitteres, das er immer und\nimmer wieder zurückdrängte, damit es ihn nicht\nüberwältigen solle . . . Und nun war es lebendig\ngeworden, hatte ihn angeklagt: Du bist nicht mehr\nfrei . . .\n. . . Unruhig stürzte er sich wieder in das\nStraßengewühl. Der Morgen stand grau über dem\ngroßen Platz. Die Menschen gingen hastend.\nBeim Anblick des Museums wurde Johannes mit\neinem Male ruhig . . . Das Verlangen nach einem\ntiefen Genuß trieb ihn die Stufen der Freitreppe\nhinan. Es gelüstete ihn, wieder einmal zu emp-\nfinden, wie große Meister ihre innere Musik in\nFarben festgehalten hatten.\nDer Saal der blauen Stunde war leer. Das\nSchweigen einer Kirche nistete darin. Der Künst-\nler hatte die Empfindung, als setze sich ihm dieses\ngroße Schweigen auf die Schulter und spreche\nmit menschlicher Stimme zu ihm.\nDer Künstler schrak unwillkürlich zurück. Ihm\nwar, als habe das kauernde Weib des Gemäldes\nleise den Kopf gehoben und ihn einen kurzen\nAugenblick angestrahlt aus tiefen, heißen, wehen\nAugen . . . Mit federnden Schritten eilte er durch\ndie Säle, verschloß sich mit berechnendem Be-\nwußtsein allen äußeren Einflüssen, indem er seine\nBlicke beharrlich den Fußspitzen allen äußeren\nEinflüssen, indem er seine Blicke beharrlich den\nFußspitzen über den Boden vorauslaufen ließ.\nDie blaue Stunde beherrschte ihn. Er fühlte, daß\nsich alle Tage in diese Stunde drängten, erinnernd,\nmahnend, anklagend. Mit einer schmerzenden\nKlarheit empfand er ein Wunder: Er hatte die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4191, "texte": "blaue Stunde erlebt, bevor sie von dem Meister\ngeschaffen wurde . . .\nI ief atmend stand er wieder vor dem Bild.\nDieses stille Erlebnis wühlte die Tiefen seiner\nSeele auf, ließ ihn erkennen, daß sein Glaube, er\nhabe sich von allem Vergangenen befreit, ein from-\nmer Wahn gewesen sei. In dieser Stunde erfuhr\ner, daß keiner die Vergangenheit so heldflsch\nüberwinden kann, daß sie ihm dienstbar ist, daß\nihr Gesicht di e Züge annimmt, die er ihm be-\nfiehlt. Er erfuhr, daß die Vergangenheit streng\nund unbestechlich ist wie die Gerechtigkeit.. Und\nplötzlich wußte er: friedloser wie je war er in\ndiesen 1 agen gewesen. Friedloser und ärmer war\ner geworden, seit er sich von seinem ersten\nWerke losgesagt hatte. Er kam sich vor wie ein\nVerräter, und alle Einwände, die sein überlegener\nVerstand dazwischen schob, vermochten den\nSelbstanklagen nicht stand zu halten. Wie kahl\nund arm und nüchtern waren diese Monate ge-\nwesen! Wie ein braver Bürger hatte er sich\ntrauen lassen, war vier Wochen lang als neuer\nBürger durch die Straßen der schrecklichen Stadt\ngewandelt.\nWie müde und vergrämt war er gewesen, als\ner endlich die Stadt verlassen hatte. Dann war\ner durch das ganze Land gereist, hatte Eva die\nSchönheiten gezeigt und für sich die Schönheit\nder Menschen. Er hatte immer nur die Nüchtern-\nheit gefunden. In schmerzlosem Trotz war der\nGedanke über ihn gekommen, ein Werk zu schaf-\nfen, das die Menschen mitreißen sollte durch die\nGewalt seiner Nüchternheit. Begierig hatte er\nsich an diesen Gedanken festgeklammert.. Aber\nnach zwei Tagen erschien er ihm nur als das\nschamvolle Gelächter eines Verirrten.\nHier stand er vor diesem tönenden Farben-\ngedicht und sah nur Not und Armseligkeit. Die\nLeiber der nackten Frauen waren in blauen Duft\nder Dämmerung zerronnen . . . unheimlich brei-\ntete sich die grenzenlose Oede. Dies war die\nWüste. Wohin er blickte, war Wüste. In dem\nGerassel der Straßen, in Cafes und Restaurants,\nin den Sälen des Museums: überall Wüste. Der\nalte Traum stürzte mit der wütenden Kraft des\nVerschmähten über ihn her. Als kämen alle Ge-\ndanken, die feindlich auf diese Stunde gelauert hat-\nten, aus allen Ecken und Enden hervor. Alles,\nwas er in diesen traurigen Monaten erlitten hatte,\numringte ihn und blickte ihn an aus elenden gram-\nvollen Augen; abgemagerte Hände streckten sich\nihm entgegen, aus häßlichen Mündern flössen\nklägliche Worte. Alle Not des Volkes kam zu ihm,\naller Haß der Beladenen. Und auch der Hochmut\nund die kalte Sorglosigkeit der Reichen, ihre hohle\nSelbstherrlichkeit, ihre Verachtung der Gezeich-\nneten. Hilflos war er geworden, klein und ver-\nzagt. So elend war er nicht gewesen, als er sich\nvon jenem Weib losriß und gegen die Qual dieses\nMutes kämpfen mußte.\nEr war allein im Saal; von fern flössen ge-\ndämpfte Stimmen heran, tiefe und hohe. Ein\nLachen mischte sich hinein. In dieser Stunde er-\nlebte Johannes alles Weh und alle Lust der gro-\nßen Stadt. Sie war lieblich im Uebermaß schöner\nGebärden und Klänge, sie war fürchterlich im\nBrausen geller Schreie und gewaltsamer Grau-\nsamkeiten. Vor ihr wurde das Schicksal jener\nkleinen Stadt jämmerlich, lächerlich und versank.\nWer dieses Ungeheuer nicht zu beherrschen ver-\nstand, war verloren. Stark mußte einer sein,\nlachend unbekümmert mußte er einherschreiten,\nein Sieger selbst noch dann, wenn er Besiegter\nwar. Er war schwach, er war Besiegter selbst\nda, wo er Sieger sein konnte, er zergrübelte seine\nTräume, bis sie zerfetzt vor ihm lagen. Eine neue\nAngst bedrängte ihn: abermals ein Opfer der\nGroßstadt zu werden. Jetzt zog er ein Weib\nmit sich.\n.. . Draußen brauste das Leben. Ganz\nschwach prallte es durch die Mauern in die hei-\nlige Stille. Hier war das schöne Ungeheuer sanft.\nHier konnte ein Müder neue Kräfte in sich auf-\nnehmen.\nWelch ein Wirrsal! Welch eine Ruhelosigkeit,\ndie den Menschen verzagen ließ und ihm doch\nzugleich die dunkle Freude äußersten Trotzes ge-\nwährte. Darin lag ihre anpeitschende Kraft, dies\nwar ihre Schönheit: daß sie voll großer Sehnsucht\nwar. Wenn einer mit wissenden Augen durch die\nStraßen ging oder auf einen hohen Turm stieg und\nall das Gewimmel überblickte, mußte seine Seele\nknien vor der wilden, weichen Herrlichkeit der\ngroßen Stadt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.7", "titre_corps": "Zwei Wupperstädte", "titre_sommaire": "Zwei Wupperstädte", "signature_source": "Paul Zech ; Else Lasker-Schüler zum Geschenk ; Blaise Cendrars", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.7", "debut_caractere": 4212, "fin_caractere_exclue": 8296, "texte": "Zwei Wupperstädte\nPaul Zech\nElse Lasker-Schüler zum Geschenk\nBlaise Cendrars\nDie erste\nHier lungern Paläste aus Glas und Granit\nzwergzierlich wie Weihnachtskrippen.\nDer Himmel fällt grau herab von Schieferklippen.\nImmer gähnt schläfriger Tag und ein Regenlied.\nWas in den Straßen wie Pulsschlag zuckt,\nist kreisender Schwung von Flechtmaschinen;\nbeutegierig lauert der Baal hinter ihnen.\nAlle Wälder hat der gefräßige Rachen verschluckt.\nAus dem schlängelnden Tintenfluß\ngiftet das Ausgespiene wie Typhusdünste,\nund überflockt die Fabriken wie Ruß.\nDie hier gezwungen den Tag vertun,\nröhren den Blutschrei entflammter Brünste\nund träumen von Lesbos und Averlun.\nDie zweite\nSchwarze Stadt an schwarzem Gewässer steil-\naufgebaut —\nGrünbeliderte Fenster funkeln;\naus dem gespenstischem Schieferdachdunkeln\nschnelln Schornsteine von Dampf und Dunst um-\nbraut.\nHellwild rattert und knattert die Pendelbahn\nüber Brücken und hagre Alleen.\nFabrik dort unten, wo Spindeln sich kreischend\ndrehen,\nist grau wie ein müder vermorschter Kahn.\nSchweiß kittet die Fugen fest,\nSchweiß aus vielerlei Blutsaft gegoren.\nFrommsein enteitert dem greisen Gebrest.\nMancher hat hier sein Herz verludert, verloren;\nKinder gezeugt mit schwachen Fraun . . .\nDoch die Kirchen und Krämer stehn hat wie aus\nErz gehaun.\nobjectivement de moi-meme. Tout etre vivant\nest une Physiologie. Et si j'ecris, c'est peut-etre\npar besoin, par hygiene, comme on mange, comme\n011 respire, comme on chante. C'est peut-etre par\ninstinct; peut-etre par spiritualite. Pangue\nling u a. Les animaux ont tant de manies! C'est\npeut-etre aussi pour m'entrainer, pour m'exciter\npour m'exciter ä vivre, mieux, tant et plus!\nLa litterature fait partie de la vie. Ce n'est\npas quelque chose „ä part\". Je n'ecris pas par\nmetier. Vivre n'est pas un metier. II n'y a donc\npas d'artistes. Les organismes vivants ne tra-\nvaillent pas. Je n'aime pas la sueur de mon front\nmalgre les avis salutaires d'un livre par trop fa-\nmeux. II n'y a pas de specialisations. Je ne suis\npas homme de lettres. Je denonce les bücheurs\net les arrivistes. II n'y a pas d'ecoles. En Grece\nou dans les geöles de Tsintsin, j'ecrirais tout\nautrement. J'ai fait mes plus beaux poemes, dans\nles grandes villes, parmi cinq millions d'hommes\n— ou ä cinq mille lieues sous les mers en com-\npagnie de Jules Verne, pour ne pas oublier les plus\nbeaux jeux de mon enfance. Toute vie n'est qu'un\npoeme, un mouvement. Je ne suis qu'un mot, un\nverbe, une profondeur, dans lesens le plus sau-\nvage, le plus mystique, le plus vivant.\nLa Prose du Transsiberien est donc\nbien un poeme, puisque c'est l'oeuvre d'un liber-\ntin. Mettons que c'est son amour, sa passion, son\nvice, sa grandeur, son vomissement. C'est une\nPartie de lui-meme. Son Eve. La cöte qu'il s'est\narrachee. Une oeuvre mortelle, blessee d'amour,\nenceinte. Un rire effroyable. De la vie, de la\nvie. Du rouge et du bleu, du reve et du sang,\ncomme dans les contes.\nJ'aime les legendes, les dialectes, les fautes\nde langage, les romans policiers, la chair des\nfilles, le soleil, la tour Eiffel, les apaches, les bons\nnegres et ce ruse d'Europeen qui jouit coquenard,\nde la modernite. Oü je vais? Je n'en sais rien,\npuisque j'entre meme dans les musees. Quant ä\nmes moyens, ils sont inepuisables; je suis ne\nprodigue.\nLe chat domestique a le pelage soyeux; son\nechine est souple, electrique; ses pattes sont bien\narmees, ses griffes fortes; il saute sur la proie\nqu'il convoite. Mais le chat sauvage saute\nbien mieux: il ne manque jamais son coup. J'ai\ndes chats sauvages plein la bouche.\nVoilä ce que je tenais ä dire: j'ai la fievre. Et\nc'est pourquoi j'aime la peinture des Delaunay,\npleine de soleils, de ruts, de violences. Mme De-\nlaunay a fait un si beau livre de couleurs, que\nmon poeme est plus trempe de lumiere que ma\nvie. Voilä ce qui me rend heureux. Puis encore,\nque ce livre ait deux metres de long! — Et encore,\nque l'edition atteigne la hauteur de la tour Eiffel!\n. . . Maintenant il se trouvera bien des grin-\ncheux pour dire que le soleil a peut-etre des\nfenetres et que je n'ai jamais fait mon voyage..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c008", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.8", "titre_corps": "La Prose", "titre_sommaire": "La Prose", "signature_source": "Jehanne de France", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.7", "debut_caractere": 8298, "fin_caractere_exclue": 8746, "texte": "La Prose\nJehanne de France\ndu Transsibérien et de la Petite\nJe ne suis pas poete. Je suis libertin. Je\nn'ai aucune methode de travail. J'ai un sexe.\nJe suis par trop sensible. Je ne sais par parier\nDruckfehler\nIn dem Gedicht „Biesenthal in der Mark\" von\nAlfred Richard Meyer sind folgende Zeilen zu\nberichtigen:\nwie eine böse Mutter rote Menschen barsch in\ndie Betten gewiesen.\nsind plapperich ärgerlich.\nkeifen, doch plustern sich wieder im Traum."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 505, "fin_caractere_exclue": 1002, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nNeunzehnte Ausstellung\nKubisten\nGeoffnet taglich von 10—6 Ubr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 20. September bis 1. Dezember\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nInternationale Kunstschau\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich ./ auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nKatalog in Kupfertiefdruck mit funfzig Abbildungen\n2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 1004, "fin_caractere_exclue": 2704, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerfeezug\nGewohnlicbe Ausgabe: Fur Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein VierteHahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes I Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost f ft r Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X FQr das Ausland;\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndteser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abg*geben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwtinscht wird, bitten wir den B e t r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b«*i\nBeginn des neuen Vlerteljahres bis\nEumfflnftendes ersten Monats einzu-\nsenden / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\n{Hiter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwlinscht wird\nQeneralvertretung des Verlags Eugene Flgnlfere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 2706, "fin_caractere_exclue": 4684, "texte": "Originalholzschnitte / Handdrucke\nDie Qesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde ./ Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin I Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die Eriegung des Fest-\nb r a t e n s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft I Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotlufi: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von A r n o H o 1 z / Pur Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKilnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacheri / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour / L'Equippe du Cardiff\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c012", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 4686, "fin_caractere_exclue": 5457, "texte": "Zeitschriften\nLa Route / Revue de l'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance I Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontioie / Halbmonatsschrift / Paris / Chaussie\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Brfissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris I Recueil Mensuel / Pari?\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur neue und\nalte Kunst / Heft 6—8 bringt: Bilder: Picasso (9) /"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c013", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 5459, "fin_caractere_exclue": 5622, "texte": "Braque (3) / Cezanne (3) / Soffici (1) / Sculpturen:\nPicasso (2) I Neger (10) / Architektur: Gocar\n(6) I Jahrlich M 12.50 / Administration Prag I /\nVeleslavinova 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c014", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 5624, "fin_caractere_exclue": 5632, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "debut_caractere": 5634, "fin_caractere_exclue": 7839, "texte": "Soeben erschienen: Kandinsky 1901—1913 /\nMonographie mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen ,/ Mark 10 / Verlag Der Sturm /\nBerlin W 9\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten\nPoetry and Drama /' Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge«\nwidinet der Dichtung und dem Drama der Qegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbeziif\ni0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes uber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Qrimme Natalis & Co. C-Q a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des .Heftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neueu\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaBige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35; Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft flir bibliophile Lite-\nratur alier Zeit / Wertvolle und seltene Budier\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny / Prager Kunstwerk-\nstatte fur neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fur Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzeibezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W 9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS NOVEMER 1913\nNUMMER 184/185\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Aage von Kohl / Paul Claudel: Verkündigung / Blaise Cendrars: La Tour / Arlur Babillotte: Die Schwermut des Genießers /\nPaul Zech: Zwei Wupperstädte / Blaise Cendrars: La Prose / Hermann Huber: Zeichnung\n\nHermann Huber: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.2", "texte": "Aage von Kohl\nHerwarth Walden\nMan kann nach einer Photographie kein Ge-\nmälde sehen und fühlen. Man kann das Kunst-\nwerk im günstigsten Fall ahnen. Man sieht die\nPhotographie, wenn das Gemälde unersehbar ist.\nMan liest die Uebersetzung, wenn die Dichtung\nunerlesbar ist. Welch ein Genie muß vor uns auf-\nerstehen, wenn es in nächster Nähe unnahbar\nscheint, eine Sonne, die uns über und über er-\nleuchtet, trotzdem die Erde vor ihr flüchtet. Die\nErde dreht sich und diese Sonne hält uns. Ein\nKunstwerk, das zwingt, trotzdem ihm sämtliche\nOrgane, die Wörter, genommen oder mindestens\ngetauscht sind. Der große Schoß nimmt uns auf.\nDer Uebersetzer sucht sich angstvoll den Weg\ndurch die Nacht.\nIn Dänemark lebt ein großer Künstler. Er heißt\nAage von Kohl. Ihm ist das Schicksal vieler dä-\nnischer, schwedischer, norwegischer Autoren,\nwenn auch schwächerer Talente, erspart geblieben,\nals deutscher Unterhaltungsschriftsteller gerund-\nschaut zu werden. Er ist zu hart, zu eckig, zu ku-\nbistisch dazu. Menschen und vor allem „Kritiker\"\nverstehen künstlerische Gefühle nur, wenn sie ihre\nGefühlchen in dem zusammensuchen können, was\nihnen als Kunst erscheint. Dort, wo der Organis-\nmus nicht geschlossen ist. Wo Platz zum Sam-\nmeln ist, weil die Sammlung fehlte.\nDieser Aage von Kohl ist ein Genie. Er schrieb\neinen Roman, der Kunst ist. Er erzählt nicht,\ner dichtet ein Erlebnis, das Erlebnis wird Kunst,\nweil er es gestalten kann: er schafft ein Buch nach\nseinem Ebenbilde, das gleich ihm, durch ihn und\nohne ihn ein ganzes Leben lebt.\nJedes Kunstwerk ist ein Organismus. Aber in\nden Künsten sind nur die Krüppel beliebt. Ein\ngegliedertes gradgewachsenes Kunstwerk wirkt\nauf den Beschauer, den Behörer, den Beleser ver-\nrückt. Alle Welt sieht stets nur die Glieder, die\naller Welt selbst angewachsen sind.\nEs gibt Kunstwerke, einzelne, über Jahrhun-\nderte verstreute, die leuchten so, daß Blinde die\nAugen aufschlagen und Taube die Ohren öffnen.\nSie hören Licht und sehen Klang. Zu diesen Wer-\nken gehört das Buch des Aage von Kohl: Der\nWeg durch die Nacht. Das Buch heißt in der\nSprache des Dichters: Det störe Sköd (Der große\nSchoß).\nEs ist kritiklos, eine Kritik zu schreiben über\netwas, das kritiklos ist. Man kann nicht sondie-\nren, während man sondiert wird. Man kann nicht\ndie Sonne loben.\nNie ist in einem Kunstwerk das Unstoffliche des\nStoffs stärker enthüllt worden. Die Handlung er-\nzählt von Lustmord und der Lustmord klingt wie\nglückesvolle Geburt. Die Handlung erzählt von\ndem Jammer des Mannes und der Jammer des\nMannes klingt wie der Jubel des Liebenden. Die\nHandlung erzählt von dem Geständnis des Mör-\nders und das Geständnis des Mörders klingt wie\ndie Offenbarung des Schöpfers.\nHier ist, wie in jedem ewigen Kunstwerk, das\nVergängliche nur ein Gleichnis.\nDas empfindet der Dichter Glaß nach dem Ge-\nständnis Mummes, des Mörders der geliebten Frau:\n„Im ersten Augenblick windet sich Glaß wild.\nRunzelt gleich darauf seine Brauen und starrt\nsteif und heiß zurück. Aber im nächsten Nu glät-\ntet sich seine Stirn von Neuem, aus dieser\nschmerzvollen Wunde im tiefsten Innern quillt pur-\npurrot das Blut letzend in alle seine Fibern hin-\naus. Sein Auge dehnt sich im selben Moment\nheiß und klar. Sein Sinn wird hoch, meilenhoch —\nund er vermag auf einmal das Ganze zu über-\nschauen, vermag den lückenlosen Zusammenhang\nzwischen allem zu erkennen! Er sieht auf einmal\nsich selbst und Mumme — als winzig kleine Teile\n(eines ungeheuren Ganzen. Siehe, Mumme und er\nsind Punkte auf der Spanne Tag und auf der\nSpanne Nacht — unauflöslich verbunden durch\nMorgendämmerung und durch Abend! Die bei-\nden sind ein Bild von der Erde zwiefachem Ant-\nlitz von Schmerz und von Lust! Das Zwillings-\npaar Unglück-Glück — das kämpfende Doppel-Ich\nder ganzen Welt, das ewig mit sich selbst ringen\nmuß —, damit wir alle erreichen können, was wir\nbegehren! Mein Gott, ja, jetzt sehe ich es deut-\nlich von dem Kleinsten bis zu dem Größten, jetzt\ngewann mein Herz eine Wonne und eine Macht\nwie nie zuvor —: Lebe wohl, Karl Mumme, mein\nBruder, jetzt scheiden wir frei, du und ich — die\nwir gebunden zusammengeführt wurden, um zu\nlerneil!\"\nHier ist ein Künstler, ein Großer, der sich klein\nempfindet, ein Andächtiger, ein Glaubender, ein\nLiebender. Ein Geschaffener und ein Schaffender.\nEin Getragener und ein Träger seiner Visionen.\nEin Ewiger.\n\nVerkündigung\nEin geistliches Stück in vier Ereignissen und\neinem Vorspiel\nPaul Claudel\nVorspiel\nDie Scheune in Salhof. Ein großes Gebäude\nmit viereckigen Stützen und darauf hölzerne\nSpitzbogen. Der Raum ganz leer, bis auf den\nHintergrund des rechten Flügels, der noch mit Stroh\nangefüllt ist, Strohhalme auf der Erde, der Boden\nzerstampft. Im Hintergrund ein großes zweiflüge-\nliges, in die dicke Mauer eingefügtes Tor mit um-\nständlichen Riegeln und Schlössern. Auf den bei-\nden Flügeln zwei roh gemalte Bildnisse des heili-\ngen Peters und des heiligen Paul, der eine mit\ndem Schlüssel, der andere mit dem Schwert.\nEine dicke gelbe Wachskerze, in einer eisernen\nKralle am Pfeiler angebracht, beleuchtet sie.\nDie Handlung spielt in einem Mittelalter freier\nErfindung, so etwa, wie sich die mittelalterlichen\nDichter das Altertum vorgestellt haben.\nZu Ende der Nacht, in den ersten Morgen-\nstunden.\nAuf einem mächtigen Pferde ein Mann in einem\nschwarzen Mantel, das Gepäck im Sattel, Peter\nvon Ulm. Sein riesiger und lebhaft bewegter\nSchatten zeichnet sich hinter ihm auf die Mauer,\nauf den Boden und die Pfeiler. Violäne tritt\nplötzlich zwischen den Pfeilern hervor und ihm\nentgegen. Sie ist groß und schlank, barfuß, in\ngrobes Linnen gekleidet, und hat um den Kopf ein\nhalb bäuerisches, halb klösterliches Tuch.\nVioläne (hebt lachend und mit verschränk-\nten Fingern ihre beiden Hände gegen den Reiter):\nHalt, Herr Ritter! Abgestiegen!\nPeter von Ulm: Violäne!\n(Er steigt vom Pferd)\nVioläne: Gemach, Meister Peter! Schleicht\nman sich so hinaus wie ein Dieb, ohne den Damen\ngeziemend Ade zu sagen?\nPeter von Ulm: Violäne, zieht euch zu-\nrück. Es ist noch tiefe Nacht, und wir sind hier\nallein beisammen. Ihr wißt, ich bin kein so ganz\nzuverlässiger Mensch.\nVioläne: Baumeister, mir ist nicht bange\nvor Euch! Das Wollen allein macht es nicht!\nBei mir kommt man keineswegs nach Gefal-\nlen zum Ziele! Armer Peter! Ihr habt mich ja\nnicht einmal umzubringen vermocht.\nMit Euerm erbärmlichen Messer! Nur eine\nkleine Schürfung am Arme, kaum zu bemerken.\nPeter von Ulm: Violäne, Ihr müßt mir\nverzeihn.\nVioläne: Darum bin ich hier.\nPeter von Ulm: Ihr seid meine erste\nLiebe; vor Euch hab ich keine berührt. Der Teu-\nfel hielt mich am Kragen; er weiß die Gelegen-\nheit auszunutzen.\nVioläne: Aber Ihr fandet mich stärker als\nihn!\nPeter von Ulm; Violäne, ich bin jetzt noch\ngefährlicher als damals.\nVioläne Wollen wir uns von neuem messen?\nPeter von Ulm: Schon meine Näh ist un-\nheilvoll.\n(Schweigen)\nVioläne: Ich versteh Euch nicht.\nPeter von Ulm: Genügte mir nicht, Steine\nzu schichten, Holz zu keilen und Metalle zu\nschmelzen?\nWar mir mein Werk nicht genug? Auf einmal!\nLeg ich die Hand an das Werk eines andern\nund lasse mich einer lebendigen Seele gelüsten?\nVioläne: In dem Haus meines Vaters, Euers\nWirtes! Herr, was wäre entstanden, wenn mans\nerfahren hätte. Aber ich hab es wohl bewahrt.\nUnd jeder hält Euch wie vorher für einen bie-\ndern, untadligen Mann.\nPeter von Ulm: Gott richtet das Herz un-\nterm Scheine.\nVioläne: Es bleibt also unter uns dreien.\nPeter von Ulm: Violäne!\nVioläne: Meister Steinmetz?\nPeter von Ulm: Stellt Euch hier neben\nidie Kerze; ich will Euch in die Augen schaun.\n(Sie stellt sich lächelnd unter die Kerze. Er blickt\nsie lange an.)\nVioläne: Habt Ihr mich nun lang genug be-\nstaunt?\nPeter von Ulm: Wer seid Ihr, junges\nWeib, und worin ward Gott in Euch so besonders\noffenbar, daß die Hand, die sich auf Euch mit\nWünschen legt, und der ganze Leib verwelken,\nals wären sie dem Geheimnis seiner Wohnung nah\ngekommen?\nVioläne: Was ist seit einem Jahr mit Euch\ngeschehn?\nPeter von Ulm: Schon am Tag nach dem\nEreignis . . .\nVioläne: Nun?\nPeter von Ulm: ... Bemerkt ich in mei-\nner Seite die gräuliche Krankheit.\nVioläne: Eine Krankheit, sagt Ihr? Was für\nKrankheit?\nPeter von Ulm: Den echten Aussatz, wo-\nvon das Buch Mose kündet.\nVioläne: Aussatz? Was ist das?\nPetervonUlm: Habt Ihr niemals von jener\nFrau gehört, die ganz allein in den Schluchten der\nAch lebte. Verschleiert vom Kopf zu Fuß, und in\nihren Händen eine Klapper?\nVioläne: Diese Krankheit meint Ihr, Mei-\nster Peter?\nPeter von Ulm: Sie ist also beschaffen,\ndaß der in ihrer ganzen Bosheit von ihr Ergriffne\nsogleich muß entfernt werden, denn es ist kein\nlebendiger Mensch so gesund, daß ihn nicht könnte\nder Aussatz ergreifen.\nVioläne: Wieso wandelt Ihr dann in Frei-\nheit unter uns?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.3", "texte": "Peter von Ulm: Der Bischof hat sie mir\nerteilt, und Ihr seht, ich bin ein seltner und spär-\nlicher Gast, nur meinen Arbeitern nicht so selten,\nweil sie meiner Befehle bedürfen; auch ist mein\nLeiden noch verschlossen und verdeckt.\nUnd wer sonst außer mir führte ihnen zur An-\ndacht jene werdenden Kirchen aus, deren Bürde\nmir Qott auferlegt hat?\nVioläne: Darum also sah man Euch diesmal\nnicht mehr in Salhof?\nPeter von Ulm: Ich mußte herkommen,\ndenn meine Aufgabe ist, Marienbergs Klause zu\nöffnen.\nUnd jedesmal die Wand zu zerteilen, wenn ein\nneuer Flug Tauben dort einziehen will in die hohe\nLade, deren Luken nur nach dem Himmel offen\nsind.\nUnd diesesmal führen wir ein erlauchtes Opfer\nzum Altar, ein erhabnes Gefäß.\nDie Königin selbst, die Mutter des Königs, und\nstieg hinauf die Stufen.\nUm ihres entthronten Sohnes willen.\nUnd danach kehr ich zurück jetzt nach Speier.\nVioläne: Baumeister der Tore, laßt mich\nEuch dieses hier öffnen.\nPeter von Ulm: Ist denn kein andrer auf\ndem Hof zu diesem Dienste bereit?\nVioläne: Die Magd liebt den Schlaf und hat\nmir gern die Schlüssel ausgeliefert.\nPeter von Ulm: Fühlt Ihr nicht Furcht,\nnicht Abscheu vor dem Aussätzigen?\nVioläne: Gott wacht und wird mich be-\nschützen.\nPetervonUlm: So gebt mir den Schlüssel.\nVioläne: Ueberlaßt es mir! Ihr versteht\nEuch nicht auf diese alten Tore.\nNicht wahr, Ihr haltet mich für ein schönes\nFräulein. Dem sind die Finger so fein, daß sie\nnichts Rauheres kennen als den Sporn des neuge-\nbacknen Ritters? Diesen Sporn, so leicht doch,\nals wär er wie ein Vogelbein ihm an die Ferse\nzu heften!\nPaßt auf!\n(Sie öffnet die beiden knarrenden Schlösser und\nschiebt die Riegel zurück.)\nPeter von Ulm: Das Eisenwerk ist stark\nverrostet.\nVioläne: Das Tor wird nicht mehr benutzt,\naber der Weg hier hindurch ist der kürzeste.\n(Sie zieht mühsam an der Stange.)\nDas Tor ist offen!\nPeter von Ulm: Wer kann einem solchen\nAngreifer widerstehn?\nWelcher Staub! Der alte Flügel kracht und\nzittert bis hoch hinauf.\nDie Käuzchen, wie sie flüchten! Ihre alten\nNester brechen ein.\nUnd endlich geht alles auf in der Mitte.\n(Das Tor steht offen. Man sieht durch die Wöl-\nbung die mit Wiesen und Ernten besetzten nächt-\nlichen Felder. Im Osten schwache Dämmerung.)\nVioläne: Das bischen Regen hat allem gut\ngetan.\nPeter von Ulm: Der Staub auf der Straße\nhat sich gelegt.\nVioläne (leise und herzlich): Friede mit\nEuch Meister Peter!\n(Schweigen. Dann, ganz plötzlich, hell und wohl-\nklingend, hoch im Himmel der erste Glockenschlag\ndes Morgenläutens. Peter von Ulm nimmt seinen\nHut ab, und beide bekreuzigen sich.)\nVioläne (die Hände gefaltet, das Gesicht\nnach oben gekehrt, mit einer wunderbar reinen\nund hellen Stimme): Regina Coeli, laetare, alle-\nluia!\n(Zweiter Glockenschlag)\nPeter von Ulm (mit tiefer Stimme): Quia\nquem meruisti portare, alleluia!\n(Dritter Glockenschlag)\nVioläne: Resurrexit sicut dixit, alleluia!\nPeter von Ulm: Ora pro nobis Deum.\n(Stille)\nVioläne: Gaude et laetare, Virgo Maria,\nalleluia!\nPeter von Ulm: Qui a resurrexit Dominus\nvere, alleluia!\n(Nachklingendes Morgengeläute)\nPeter von Ulm .(ganz leise): Oremus\nDeus qui per resurrectionem Filii tui Domini\nNostri Jesu Christi mundum laetificare dignatus\nes, praesta, quaesumus, ut per ejus Genitricem\nVirginem Mariam perpetuae capiamus gaudia\nvitae. Per eundem Dominum Nostrum Jesum\nChristum qui tecum vivit et regnat in unitate Spi-\nritus Sancti Deus per omnia saecula saeculorum.\nVioläne: Amen.\n(Beide bekreuzigen sich.)\nPeter von Ulm: So frühes Morgenläuten!\nVioläne: Sie sprechen dort oben noch im\nDunkeln den Morgengruß, wie die Karthäuser.\nPeter von Ulm: Heut abend will ich in\nSpeier sein.\nVioläne: Kennt Ihr den Weg? Zuerst diese\nHecke.\nUnd dann ein niederes Haus im Fliederhain,\nda stoßt Ihr auf drei, vier Bienenstöcke.\nUnd hundert Schritt weiter seid Ihr auf der\nKönigstraße.\n(Schweigen)\nPeter von Ulm: Pax tibi.\nWie die ganze Schöpfung mit Gott in einem\ntiefen Geheimnis vereint ist!\nDas Verborgne wird mit ihm wieder sichtbar,\nund ich fühle auf meinem Gesicht einen frischen\nHauch wie von Rosen.\nLobpreise deinen Gott, gesegnete Erde, in Trä-\nnen und in der Dunkelheit!\nDie Frucht ist des Menschen, allein die Blüte\nist Gottes und der Wohlgeruch all dieses Ent-\nsprießenden.\nAlso hat der heimlichen heiligen Seele Odem\nsich wie der Duft eines Minzblattes kräftig ent-\nfaltet.\nVioläne, Pförtnerin mir, Violäne, leb wohl!\nIch kehre nicht wieder zu Euch.\nO junger Baum der Erkenntnis von Gut und\nBöse, da beginn ich auseinanderzufallen, weil ich\nmich an Euch vergriff.\nUnd schon scheidet sich mir Seele und Leib,\nwie der Wein im Bottich aus der zerquetschten\nRebe!\nWas tuts. Ich bedurfte nicht des Weibes. Ich\nbesaß kein Weib, um daran zugrunde zu gehn.\nDer Mann, der in seinem Herzen Gott den Vor-\nzug gab, schaut in seiner Todesstunde seinen all-\neinigen Schutzengel.\nBald kommt die Zeit, wo sich mir eine andre\nPforte aufschließt.\nDer in diesem Leben wenigen gefiel, schlum-\nmert dann tief nach getaner Arbeit unter dem Fit-\ntich des ewigen Geistes:\nDa schimmert schon hinter den durchsichtigen\nWänden überall her die dämmernde Seligkeit.\nUnd der Weihrauch des Dunkels vermischt\nsich dem Qualm des verlöschenden Zunders.\nVioläne: Peter von Ulm, ich weif!, Ihr er-\nwartet nicht von mir zu hören, daß Ihr ein armer\nMann seid, und keinen heuchlerischen Seufzer, und\nnicht, daß ich Euch Armer Peter sage!\nDenn dem Leidenden sind die Tröstungen des\nheitern Trösters wenig wert, und sein Weh ist uns\nnicht, was es ihm ist.\nLeidet mit unserm Heiland.\nDoch wisset: ausgelöscht ist Euer schlechtes\nBeginnen, soweit es mich angeht, und wieder bin\nEuch gut.\nUnd es ist mir kein Greuel, daß Ihr ergriffen\nund krank seid. Sondern wie einem Gesunden\nund wie unserm alten Freund Peter will ich Euch\nnah sein.\nUnd Euch verehren, lieben und in Achtung\nhalten.\nDies sei Euch gesagt. Und ist Wahrheit.\nPeter von Ulm: Ich dank Euch, Violäne.\nVioläne: Und jetzt berichtet mir Neues.\nPeter von Ulm: Sprecht.\nVioläne: Was war das für eine schöne Ge-\nschichte, die uns der Vater erzählt hat? Was ist\nmit der Justitia, die Ihr in Speier aufbaut, und die\nschöner werden soll, als die Türme von Worms\nund von Köln?\nPeter von Ulm: Die Gewerken von Speier\nhießen mich, diesen Dom auf dem Grunde des\nalten Weinlagers errichten.\nDort, wo im Vorjahr der alte Speicher des Bi-\nschofs abgebrannt ist.\nDer Bau dient erstens Gott zum Dank für die\nsieben fetten Jahre inmitten des Notstands im\nganzen Reiche.\nFür das Korn und die üppige Frucht, die wohl-\nfeile herrliche Wolle.\nFür die Tücher und das Leder, die guten Ab-\nschlüsse mit den Kaufherrn von Augsburg und\nPolen.\nDanach für die erreichten Freiheiten, für die\nvon unserm Herrn, dem König, an sie übertrage-\nnen Rechte.\nFür den alten, zum Nachteil gültigen Brief der\nBischöfe Friedrich des Zweiten und Adomars.\nWeil er vom Papst widerrufen wurde.\nAll dies kraft hellen Schwerterstreichs und der\nStraßburger Gulden.\nDenn so ist der christliche Staat: Keineswegs\nknechtischer Furcht voll.\nSondern jeder hat sein Recht, sowie es sich\nauswirkt in einer wunderbaren Vielfalt.\nAuf daß das Liebeswerk sich verwirkliche.\nVioläne: Von welchem Könige sprecht Ihr,\nund von welchem Papst?\nIhrer sind doch zwei, und man weiß nicht,\nwelcher der richtige ist.\nPetervonUlm: Wer recht handelt an uns,\nder ist der Rechte.\nVioläne: Ihr redet nicht, wie sichs gebührt.\nPeter von Ulm: Vergebt, ich bin nur ein\nLaie.\nVioläne: Und woher stammt der Name für\nden neuen Dom?\nPeter von Ulm: Hörtet Ihr niemals von\nder heiligen Justitia reden?\nZu den Zeiten Kaiser Julians erlitt sie als Blut-\nzeugin den Tod auf einem Anisfeld.\n(Das sind die Körner, die man zur Kirmes vor\nOstern in das Weizenbrot tut.)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.4", "texte": "Als wir für unsere Grundbauten die Wasser\neiner unterirdischen Quelle abzuleiten versuchten,\nFanden wir ihr Grab und eine mittendurch\ngeborstne Platte mit der Inschrift: Justitia\nAncillä Domini in Pace.\nDer zerbrechliche kleine Schädel war wie eine\nNuß zerspellt, sie war ein achtjähriges Kind,\nUnd ein paar Milchzähne steckten noch in der\nKinnlade.\nDarüber ganz Speier in Aufruhr, und mannig-\nfache Zeichen und Wunder folgen den Resten,\nDie wir bis zur Vollendung des Werks in einer\nKapelle aufbewahren.\nNur die kleinen Zähne ließen wir wie eine Saat\nunter dem großen Blocke des Grundsteins.\nVioläne: Wie schön! Und der Vater er-\nzählte uns noch, die Frauen spendeten ihr Ge-\nschmeide zum Aufbau der Justitia.\nPeter von Ulm: Wir haben schon einen\nHaufen Schmuck, und Händler darum wie die\nFliegen.\n(Violäne senkt die Augen und dreht unschlüssig\neinen dicken, goldnen Ring an ihrem vierten\nFinger.)\nPeter von Ulm: Was ist das für ein Ring,\nVioläne?\nVioläne: Ich erhielt ihn von Jakobäus.\n(Stille)\nPeter von U 1 m: Viel Glück, Violäne.\n(Sie reicht ihm den Ring.)\nVioläne: Es ist noch nichts entschieden.\nDer Vater schwieg bis jetzt.\nNun, dies wollt ich Euch sagen:\nNehmt meinen schönen Ring, es ist alles, was\nich habe, und Jakobäus gab ihn mir im Geheimen.\nPeter von Ulm: Ich will ihn nicht.\nVioläne: Nehmt ihn schnell, denn ich\nwerde nicht lang mehr die Kraft haben, ihn von\nmir zu tun.\n(Er nimmt den Ring.)\nPeter von Ulm: Was wird Euer Bräuti-\ngam sagen?\nViol ä n e: Noch ist er nicht ganz mein Bräu-\ntigam. Mit dem Ringe wechselt nicht auch das\nHerz.\nEr kennt mich. Er wird mir einen andern,\neinen silbernen schenken.\nDer hier war zu schön für mich.\nPeter von Ulm (untersucht ihn): Er ist\naus gesproßnem Golde, wie man es einst mit einem\nEinschlag von Honig herzustellen verstand.\nEr ist geschmeidig wie Wachs und unzerbrech-\nlich dabei.\nVioläne: Jacobäus fand ihn beim Pflügen\nin der Erde, an einem Ort, wo man bisweilen\nganz unversehrte alte Schwerter aufgräbt und\n(schöne Stücken aus Glas.\nIch fürchtete mich, dieses heidnische Ding da\nzu tragen, ein Besitztum doch der Toten.\nPeter von Ulm: Gut, dies reine Gold nehm\nich an.\nVioläne: Und küsset mir meine Schwester\nJustitia.\nPeter von Ulm (blickt sie plötzlich an und\nscheint auf einen Gedanken zu verfallen): Ist das\nalles, was Ihr für sie zu geben habt? ein wenig\nGold von Euerm Finger?\nVioläne: Reicht es nicht hin, um einen klei-\nnen Stein dafür einzutauschen?\nPeter von Ulm: Justitia selbst ist aber\nein gewaltiger Stein.\nVioläne (lachend): Ihre Laufbahn ist nicht\ndie meine.\nPeter von Ulm: Der Grundboden braucht\nein ander Gestein als der Giebel.\nVioläne: Bin ich Stein, dann sei ich der\ntätige Stein, der das Korn mahlt, einer der beiden\nMühlsteine, und nichts weiter.\nPeter von Ulm: Auch Justitia war nur ein\nbescheidnes kleines Mädchen im Kreis ihrer\nNächsten,\nBis Gott sie zum Bekenntnis aufrief.\nVioläne: Aber mir will niemand ein Leides.\nSoll ich nun gehn und den Sarazenen die Bot-\nschaft verkünden?\nPeter von Ulm: Nicht der Stein hat sich\nden Platz zu wählen, sondern der Baumeister be-\nstimmt ihm einen.\nVioläne: Dann preise ich Gott, daß er mir\nvon Anbeginn meinen Platz hat zugewiesen und\nich keinen suchen muß. Und ich verlange auch\nkeinen andern.\nIch bin Violäne, achtzehn Jahre, mein Vater\nheißt Andreas Gradherz, meine Mutter heißt Elisa-\nbeth, meine Schwester heißt Mara, mein Bräutigam\nJacobäus. Das ist alles, weiter ist nichts zu be-\nrichten.\nAlles ganz klar, alles im voraus geordnet, und\nich bin es zufrieden.\nIch bin frei und hab mich um gar nichts zu sor-\ngen, ein andrer ist da, der mich leitet, der Gute,\nund er weiß, was zu tun ist.\nIhr, der Ihr die Saat der Glockentürme aus-\nstreut, kommt doch nach Salhof! Wir wollen\nEuch Steine geben und Holz, nur nicht die Tochter\ndes Hauses!\nUnd dann, ist dies hier nicht schon Gottes\nHaus, Gottes Erde und Gottes Lehn?\nHaben wir nicht als Abgabe einzig Marienberg\nzu ernähren und zu beschirmen, Brot hinzuliefern\nund Wein und Wachs,\nAbhängig bloß von diesem Nest halbentfalteter\nEngel?\nWfie die hohen Herren einen Taubenschlag hal-\nten, so haben wir den unsern, und er ist von wei-\ntem erkennbar.\nPeter von Ulm: Einst, als ich im waldigen\nSpessart wanderte, hört ich zwei schöne Eichen\nsich unterreden.\nSie lobten Gott, die beiden Bäume, daß er sie\nunerschütterlich 'geschaffen habe und hingesetzt\nan ihren Geburtsort.\nJetzt bekämpft der eine im Weltmeer am Sporn\neines Seglers die Türken.\nDer andere, auf meinen Befehl entwurzelt, hält\nquer im Turme von Köln\nJohanna, die gute Glocke, deren Stimme zehn\nMeilen erklingt.\nMädchen, in meinem Gewerbe trägt man die\nAugen nicht in der Tasche. Ich erkenne das gute\nGestein unter Wachholdergebüsch und das gute\nHolz wie ein Grünspecht;\nNicht anders als die Männer und Frauen.\nVioläne: Aber nicht die Mädchen, Meister\nPeter! Die sind Euch zu fein.\nUnd vor allem gibt es da nichts zu erkennen.\nPeter von Ulm (halblaut): Ihr liebt ihn\nwohl sehr, Violäne?\nVioläne (mit niedergeschlagenen Augen):\nDas ist ein tiefes Geheimnis zwischen ihm und mir.\nPeter von Ulm: Gesegnet seist du in dei-\nnem keuschen Herzen!\nDie Heiligkeit ist nicht darin beschlossen, daß\nman sich bei den Türken muß steinigen lassen oder\neinen Aussätzigen auf den Mund küssen,\nSondern daß wir Gottes Gebot unverweilt er-\nfüllen,\nOb wir nun\nUnsern Platz behalten oder aufsteigen.\nVioläne: Ah, wie schön ist diese Welt und\nwie bin ich glücklich!\nPeter von Ulm (halblaut): Ah, wie schön\nist diese Welt und wie bin ich unglücklich!\nVioläne (hebt den Finger gegen den Him-\nmel): Mann aus der Stadt, horcht auf!\n(Pause)\nHört Ihr dort hoch oben dieses Seelchen singen?\nPeter von Ulm: Die Lerche!\nVioläne: Es ist die Lerche, Halleluja!\nDie Lerche des christlichen Landes, Halleluja,\nHalleluja!\nHört, wie sie zu vierenmal ruft i!i!i!i! immer\nhöher, immer mehr in der Höh!\nSeht Ihr sie, sehr Ihr die ausgebreiteten Flügel,\ndas kleine, heftige Kreuz, wie bei den Engeln, die\nnur Flügel sind ohne Füße und eine durchdrin-\ngende Stimme vor Gottes Thron?\nPeter von Ulm: Ich höre sie.\nUnd also hört ich sie einmal im Morgengrauen\nan dem Tage, da meine Tochter, unsre liebe Frau\nvon Mainz, eingeweiht wurde,\nUnd sie war ein wenig von Gold überglänzt,\nvon Gold an der höchsten Spitze dieses großen,\nvon mir geschaffenen Dinges, und sie glänzte wie\nein neuer Stern!\nVioläne: Peter von Ulm, hättet Ihr mit mir\nnach Euerm Willen getan,\nWäret Ihr darum nun fröhlicher heute oder wär\nich jetzt schöner?\nPeter von Ulm: Nein Violäne.\nVioläne: Wär ich auch dann immer noch\ndie selbe liebe Violäne?\nPeter von Ulm: Nicht die selbe, doch eine\nandre.\nVioläne: Und, Peter, was gilt mehr?\nDaß Ihr meine Freude mit mir teilt, oder daß\nich Euer Leid mit Euch teile.\nPeter von Ulm: Sing in der höchsten Him-\nmelshöh, Lerche vom Rhein!\nVioläne: Vergebt mir, daß ich so glücklich\nbin, daß mein Geliebter\nMich liebt, daß ich seiner gewiß bin, denn ich\nweiß, daß er mich liebt, und daß er und ich ganz\ngleich fühlen.\nUnd daß Gott mich geschaffen hat, damit ich\nglücklich sei und nicht für Schmerz und Mühsal.\nPeter von Ulm: Steig du in den Himmel\nmit einem Flügelschlag!\nIch jedoch, um ein weniges höher zu kommen,\nbedarf der Arbeit eines Domes und seiner tiefen\nGrundmauern.\nVioläne: Und nicht wahr, Ihr verzeiht dem\nJakobäus, daß er mich heiratet?\nPeter von Ulm: Nein, ich verzeih es ihm\nnicht!\nVioläne: Der Haß, Peter, steht Euch nicht\ngut, und mir schafft er Kummer.\nPeter von Ulm: Ihr allein heißt mich reden.\nWarum zwingt Ihr mich, die entsetzliche\nWunde, die sonst nicht sichtbare Wunde zu\nweisen?\nLasset mich scheiden und fragt mich nicht\nweiter.\nWir sehn uns nicht wieder.\nUnd trotzdem entführ ich mit mir seinen Ring!\nVioläne: Laßt ab von Euerm Haß, und ich\nwill es Euch vergelten, wenn es not tut.\nPeter von Ulm: Bedenkt, Violäne, wie sehr\nich unglücklich bin!\nHart ist die Mieselsucht, und schwer, diese"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.5", "texte": "schändliche Wunde mit sich zu schleppen, und zu\nwissen, daß man nicht genesen kann und daß\nnichts wieder sie taugt,\nDoch daß sie jeden Tag weiterfrißt und tiefer\ndringt, und daß man allein ist und seine eigne Ver-\nseuchtheit dulden muß, und zu fühlen, wie man so\nlebendigen Leibes verwest,\nUnd wie man den Tod nicht einmal, nein zehn-\nmal erfährt und einem gar nichts erspart bleibt;\nbis zum Schlüsse nichts von der schrecklichen\nSchwarzkunst des Grabes!\nUnd Ihr habt mich mit dieser Not geschlagen,\nIhr und Eure Schönheit, denn bevor ich Euch sah,\nwar ich heil und heitern Gemütes,\nDas Herz bei meinem Werk und den Sinn unter\nfremder Verantwortung.\nUnd jetzt, wo ich der Herr bin und man nach\nmeinen Entwürfen gestaltet,\nKehrt Ihr Euch gegen mich mit diesem Lächeln\nvoll Gift.\nVioläne: Das Gift, Peter, war nicht meines!\nPeter von Ulm: Ich weiß, das Gift lag in\nmir und weicht nimmer, und mein siecher Leib\nrettet mir nicht die erkrankte Seele!\nO meines Herzens Herz, ist es möglich, Euch\nanzuschauen und Euch nicht zu lieben?\nVioläne: Ihr habt mir Eure Liebe deutlich\nbewiesen.\nPeter von Ulm: Ist es meine Schuld, wenn\ndie Frucht am Aste haftet?\nWer liebte je und begehrte nicht nach dem\nBesitze seiner Liebe?\nVioläne: Und darum habt Ihr mich verder-\nben wollen?\nPeter von Ulm: Erlittne Kränkung verfin-\nstert so Mann wie Frau.\nVioläne: Worin verfehlt ich gegen Euch?\nPeter von Ulm: O Ebenbild der ewigen\nSchönheit, du bist nicht mein!\nVioläne: Ich bin kein Bild! So spricht man\nnicht mit mir!\nPeter von Ulm: Ein andrer nimmt, was\nmein war.\nVioläne: Es bleibt das Bild.\nPeter von Ulm: Ein andrer nimmt mir\nVioläne und läßt mir dieses wunde Fleisch und\nmeinen verstörten Geist!\nVioläne: Seid ein Mann, Peter! Zeigt Euch\nwürdig der Flamme, die Euch verzehrt!\nMuß man schon vergehn, o dann seis über gol-\ndenem Leuchter wie die Osterkerze mitten im\nChor, der ganzen Kirche zu Ehren.\nPeter von Ulm: Soviel erhabne Giebel!\nWerd ich niemals den meines kleinen Hauses\ndurchs Blattwerk ragen sehn?\nSoviel Glockentürme, deren kreisender Schat-\nten ganzen Plätzen die Stunde vorschreibt! Werd\nich niemals den Entwurf eines Herdes und des\nKinderzimmers ausführen?\nVioläne: Ich sollte nicht für mich allein be-\nhalten, was allen gemeinsam gehört.\nPeter von Ulm: Wann ist die Hochzeit,\nVioläne?\nVioläne: Wohl am Michaelistag, nach der\nErnte.\nPeter von Ulm: An jenem Tag, wenn die\nGlocken Marienbergs schweigen, dann horchet auf,\nIhr werdet fern aus Speier meine Antwort hören.\nVioläne: Wer trägt dort Sorge um Euch?\nPeter von Ulm: Immer hab ich wie ein\nTagelöhner gelebt; eine Handvoll Stroh auf den\nSteinen ist mir genug, so schlaf ich; und ein Anzug\naus Leder, ein wenig Speck aufs Brot.\nVioläne: Armer Peter!\nPeter von Ulm: Nicht deshalb bin ich zu\nbeklagen; wir stehn abseits.\nIch lebe nicht in einer Ebne mit den andern;\nimmer unter der Erde mit den Grundbauten oder\nim Himmel mit dem Glockenturm.\nVioläne: Nun also! Das wäre eine schöne\nEhe geworden! Will ich auf den Dachspeicher\nhinauf, wird mir schon übel vor Augen.\nPetervonUlm: Diese Kirche nur wird mein\nWeib sein, diese, die mir in meinem Schmerzens-\nschlaf aus der Rippe wachsen wird wie eine stei-\nnerne Eva.\nO fühlt ich doch bald mein weites Werk unter\nmir auferstehn, o berührt ich doch schon mit Fin-\ngern dies unzerstörbar von mir Gefügte, ein Gan-\nzes, zusammengeschlossen aus all seinen Teilen,\ndies wohlgefestigte Werk, das ich schuf aus har-\ntem Gestein, damit dem Urquell seine Fassung\nwerde, mein Werk, die Wohnung Gottes!\nIch werde nicht mehr niedersteigen! Ich bins,\nhundert Fuß über dem viereckigen Pflaster, ich,\nauf den dann ein dichtgedrängter Mädchenschwarm\nmit ragendem Finger hinaufweist!\nVioläne: Man muß doch wieder hinunter.\nVielleicht bedarf ich eines Tags Eurer Hilfe.\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne, liebes\nHerz, ich seh Euch nicht wieder!\nVioläne: Wer kann sagen, ob Ihr mich nicht\nmehr wiederseht?\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne!\nWie viel hab ich getan! Wie viel bleibt mir\nzu tun noch übrig!\nUnd Wohnstätten, wie viele noch zu voll-\nbringen,\nUnd Schatten Gottes!\nNicht die Stunden eines Stundenbuches, son-\ndern die wahrhaftigen eines Domes, dessen un-\nunterbrochener Sonnenschein alle Dinge belichtet,\nbeschattet!\nIch trage mit mir Euern Ring,\nUnd aus diesem kleinen Rund will ich eine\nGoldsaat entflammen!\n./ Gott gebot der Sintflut, zu verweilen / so heißt\nes im Taufpsalm,\nUnd ich nun werde an den Wänden der Justitia\ndas Morgengold festhalten!\nEs wechselt das westliche Licht, nicht aber\nwechselt jenes, das ich unterm Gewölbe verkläre,\nSo wenig wie das der menschlichen, geistlich\nerleuchteten Seele.\nDie Seele meines Kindes Violäne, an der ich\nmein Wohlgefallen habe.\nEs gibt Kirchen, die wie Abgründe sind, und\nandre sind wie glühende Oefen,\nUnd andre sind so genau berechnet und so\nkunstvoll gespannt, daß sie tönen müßten unter\ndem Finger.\nDie aber ich aufrichten will, wird in ihrem eig-\nnen Schatten wie verdichtetes Gold stehn und wie\neine Büchse Manna!\nVioläne: O Meister Peter, das schöne Glas-\nfenster, Eure Gabe an die Mönche von Corwey!\nPeter von Ulm: Die Glasmalerei ist nicht\nmeine Sache, obzwar ich sie einigermaßen kenne.\nDoch vor das Glas stellt der Baumeister plan-\nmäßig weise\nDas Steingerüst hin wie ein Filter mitten hin-\nein in die Wellen des göttlichen Lichtes\nUnd gibt dem ganzen Bauwerk das Wasser\neiner Perle.\n(Mara ist eingetreten und sieht sie, ohne ge-\nsehn zu werden)\nUnd jetzt lebt wohl, die Sonne ist aufgegangen,\nich sollte schon weg sein.\nVioläne: Lebt wohl, Peter!\nPeter von Ulm: Lebt wohl, Violäne!\nVioläne: Armer Peter!\n(Sie blickt ihn mit Augen voll Tränen an und\nreicht ihm zögernd die Hand; während er sie in\nder seinen hält, beugt sie sich nieder und küßt ihn.\n— Mara macht eine Gebärde des Erstaunens\nund verschwindet. — PetervonUlm und\nVioläne entfernen sich, jeder nach einer andern\nRichtung.)\nNach der französischen Dichtung deutsch von Hegner\n/ Die ganze Dichtung erschien als Buch im Hellerauer\nVerlag j Hellerau bei Dresden 1913\n\nLa Tour\n\n1910\nCastellamare\nJe dinais d'une orange ä l'ombre d'un oranger\nQuand, tout ä coup,\nCe n'etait pas l'eruption du Vesuve\nCe n'etait pas le nuage de sauterelles, une des\ndix plaies d'Egypte\nNi Pompei\nCe n'etait pas les cris ressuscites des masto-\ndontes geants\nCe n'etait pas la Trompette annoncee\nNi la grenouille de Pierre Brisset\nQuand, tout ä coup,\nFeux\nChocs\nRebondissements\nEtincelle des horizons simultanes\nMon Sexe\nO Tour Eiffel!\nJe ne t'ai pas Chaussee d'or\nJe ne t'ai pas fait danser sur les dalles de cristal\nJe ne t'ai pas voue au Python comme une\nvierge de Carthage\nJe ne t'ai pas revetu du peplum de la Grece\nJe ne t'ai jam'ais fait divaguer dans l'enceinte\ndes menhirs\nJe ne t'ai pas nomme Tige de David ni Bois\nde la Croix\nLignum Crucis\nO Tour Eiffel!\nFeu d'artifice geant de l'Exposition Universelle!\n*\nSur le Gange\nA Benares\nParmi les toupies onanistes des temples hindous\nEt les cris colores des multitudes de l'Orient\nTu te penches, gracieux Palmier!\nC'est toi qui ä l'epoque legendaire du peuple\nhebreux\nConfondis la langue des homraes\nO Babel!\nEt quelques mille ans plus tard, c'est toi qui retom-\nbais en langues de feu sur les Apötres ras-\nsembles dans ton eglise.\nEn pleine mer tu es un mät\nEt au Pole-Nord\nTu resplendis avec toute la magnifiscence de\nl'aurore boreale de ta telegraphie sans fil!\nLes lianes s'enchevetrent aux eucalyptus\nEt tu flottes, vieux tronc, sur le Mississipi\nQuand\nTa gueule s'ouvre\nEt un caiman saisit la cuisse d'un negre!\nEn Europe tu es comme un gibet\n(Je voudrais etre la tour, pendre ä la Tour Eiffel!)\nEt quand le soleilse couche derriere toi\nLa tete de Bonnot roule sous la guillotine!\nAu coeur de l'Afrique c'est toi qui cours\nGiraffe\nAutruche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.6", "texte": "Boa\nEquateur\nMoussons\nEn Australie tu as toujours ete tabou\nTu es la gaffe que le capitaine Cook employait\npour diriger son bateau d'aventuriers\nO sonde Celeste!\nPour le simultane Delaunay, ä qui je dedie ce\npoeme,\nTu es le pinceau qu'il trempe dans la lumiere.\n*\nGong tamtam Zanzibar bete de la jungle rayons-X\nexpress bistouri Symphonie\nTu es tout\nTour\nDieu antique\nBete moderne\nSpectre solaire\nSujet de mon poeme\nTour\nTour du monde\nTour en mouvement\n\nBlaise Cendrars\n\nDie Schwermut des\nGenießers\nRoman\nArtur Babillotte\nHier zuckte ein roter Mord auf. Gierige Fin-\nger krallten sich um schwere Beute; in weiten\nRaubtieraugen funkelte erbarmungswürdiger Tri-\numph auf. Ein dunkle Macht zerrte den armen\nSünder, gellte ihm höhnische Schreie in die Ohren,\nwirbelte ihn in Wahnsinn und Not. Da taumelte\ner, unfähig, sich zu wehren, da brachte er sein\nOpfer —: sich selbst.\nDort gärte der Aufruhr. Stimmen stiegen in\nden trüben Morgen, Stimmen, die nach Brot und\nArbeit wimmerten. Stolz und steinern stand das\nRathaus; als verachte es die Hungernden, die\nsich zu seinen Füßen zusammenrotteten. Die\nMacht kam heran, behelmt und säbelgerüstet, trieb\nalle Aufrührer zu Paaren. „Warten! Warten!\"\nschrie eine Stimme aus einem Rathausfenster.\n„Wir können Sie doch nicht so vom Flecke weg\nbeschäftigen ... In zwei Tagen sollen Sie Be-\nscheid haben!\" Zuschmetterte das Fenster; hän-\ngender Köpfe zerstoben die Männer, ihre frieren-\nden Stimmen verzitterten in dem Tosen der\nStraßen.\nUnd irgendwo klammerten sich zwei an den\nTod, flehten mit gehobenen Händen: Nimm uns\nhin! . . . Eine Seligkeit war in ihren Augen und\nkeine Reue über das Leben, das sie verleugnen\nwollten. Nur im Auge des Weibes glimmerte eine\nleise Angst . . . aber der Mann sprach mutige\nWorte. Umschlungen zerrissen sie das Leben.\nDer träge Fluß nahm sie auf; oder ein herbes Gift\nrieselte durch ihr Blut; oder auch hörten die\nNachbarn im Hause einen dünnen zischenden\nSchuß . . .\nIn prunkenden und in schlichten Zimmern brü-\nteten Männer über sonderbaren Gedanken. Einer\nwollte am Abend eine große Menge hinreißen in\ndas Land seiner politischen Pläne; der andere\nglühte in hoher Freude, weil er den Menschen die\nSchönheiten eines neuentdeckten Erdfleckchens\nzeigen durfte; ein dritter fieberte an allen Glie-\ndern, fieberte an der Seele: ein neues Heil sollte\ner den Menschen bringen von unheimlicher\nKrankheit. In schlichten und in prunkenden Ge-\nmächern saßen sie, tausend Gedanken in den Ge-\nhirnen, alle voll Gewißheit und Mut. Und die\nZeit ging geruhig ihre Straße, straff im Takt.\nIn dumpfen Lokalen saßen Menschen, feierten\nden Morgen in Sorglosigkeit und Gesang; Weiber\nvergähnten den letzten Schlaf, der noch in ihren\nLidern hing. Schrille Klänge stachen wie Dolch-\nspitzen aus armseligen Musikautomaten.\nArme, ertappte Sünder standen vor strengen\nRichtern. In die Bahnhöfe rasten Züge aus allen\nGegenden des Reiches ein, brachten Menschen\nund Waren. Teilnahmslose Männer räkelten sich\nauf eleganten Restaurantstühlen. In überladenen\nKaufhäusern surrte ein Reden und Feilschen; viele\nHände griffen prüfend nach aufgestapelten Wa-\nren, tasteten, zogen sich zurück. Hohe Lesesäle\nlagen schweigend; Greise blätterten langsam und\nbedächtig in alten Folianten. Vor reichgerahm-\nten Bildern in stolzen Museumsräumen standen be-\nwundernde Künstler und Laien; Frauen saßen auf\nFeldstühlen, ließen ihre Blicke im Takt hin und\nher eilen vom Gemälde zu ihrer Arbeit, von der\nArbeit zum Gemälde. Ueberall rastloses Leben.\nEs klopfte in den Tönen, die in der Orchesterprobe\naufschwirrten, in den Stimmen der Darsteller, die\nin den Theatern ihre Rollen übten; es wirbelte\ndurch die Straßen, hetzte Wagen und Menschen\nund Tiere vorwärts, warf unvorsichtige Radfahrer\ngegeneinander, stieß schwere Wagen in wertvolle\nSchaufenster, trieb ungelenke alte Frauen in große\nGefahr, riß eiligen Menschen ungeduldige Worte\naus dem Munde, wehte wie ein Schauer über alle\nPlätze und pfiff um die Ecken in grenzenlosem\nUebermut. Die Zeit aber ging geruhig ihren\nGang, straff im Takt.\n*\nSie war die Begleiterin eines Mannes, der da-\nherschlenderte, als habe er in alle Ewigkeit nichts\nwichtigeres vorzunehmen. Er horchte in den\nMorgen. Die Großstadt wirkte lähmend auf ihn,\nschlug Töne in seiner Seele an, die einmal in un-\ngezügelter Wildheit geklungen, die ihn betäubt und\nmit sich fortgerissen hatten. Die Wehmut und\neine tastende Freude stiegen in ihm auf, gaben\nallen seinen Erinnerungen den dunklen Glanz\nalter wertvoller Kunstwerke. Die wehmütige\nFreude dessen, der weiß, daß sein Leben reich ge-\nwesen ist und daß es auch in Zukunft reich und\neigentümlich würde. Ganz langsam lebte er sich\nwieder ein in die Großstadt. Er mußte unwill-\nkürlich an die alten Menuette denken, die seine\nMutter nur in feierlichen Augenblicken gespielt\nhatte, an seine Andacht bei dieser naiven Musik.\nUnd die alltägliche Musik der Großstadt erregte\ndieselbe Freude in ihm. Er ging den Schaufen-\nstern entlang und horchte. Die Großstadt lockte\nmit tausend Rufen; aber er war stark geworden.\nEr wollte nicht mehr sich in ihre Strudel stürzen,\num ein Tropfen in ihrem Meere zu sein —: er\nwollte sie betrachten in ihrer Ruhelosigkeit, ihrem\newigen Unfrieden und ihrer Lebensfülle. Er wollte\nsie beobachten mit kühlem Blick, ihre Schäden und\nWunden erspähen, um sie heilen zu können.\n. . . Das war nun sieben Jahre her. Damals\nhatte ein Fieberrausch an seiner Kraft und seinen\nHoffnungen gezehrt, hatte ihn in die Gesellschaft\nder Ausgestoßenen geworfen; unter Heimatlosen\nhatte er seine Nächte verbracht, die Schönheit des\nweiblichen Leibes angebetet, friedlos. Und dann\nwar das Weib gekommen, mitten unter den Ent-\nweihten hatte dieses Weib gelebt, keck in stolzer\nAbwehr, demütig in Sehnsucht nach der großen\nLeidenschaft. Sie waren zusammen gekommen.\nDies war die Zeit eines erfüllten Traumes ge-\nwesen; jetzt war die Zeit wacher Arbeit. Wenn\nsie jenen Traum bis zu Ende geträumt und ver-\nsucht hätten, ihn mit sich in das wirkliche Leben\nzu nehmen .. .! Sie wären hart und verbittert\ngeworden. Jetzt aber hatten sie die süße weh-\nmütige Erinnerung.\nRuhig würden sie sich am Abend gegenüber-\ntreten. Ihre Künstlerschaft würde sich verbinden,\nsie würden lächelnd nebeneinander hergehen und\ngleichgültige Worte sprechen und jedes hegte die\nErinnerung im sorgfältigen Bemühen, sie nicht\ndurch Worte zu entweihen. Er versank in Ge-\ndanken an Mia Mirana. Aller Mut, mit dem sie\nsich in kurzer Zeit emporgekämpft hatte, alle\nFreude, die ihr der schwere, Beruf verlieh —:\njall dies erfüllte ihn. Er ahnte, daß diese Kraft im\nBoden der Entsagung wurzle und erkannte, daß\ndie Trennung nicht ihm allein zum Segen gewor-\nden war, indem sie aus dem großen Schmerz die\nhohe Freude, die Wehmut der Genießer gestaltet\nhatte. Dankbar verehrte er den inneren Zwang,\nder sie auseinander geführt hatte. Aber in alle\ndiese Gedanken mischte sich plötzlich ein feiner\nSchmerz.\nEva kam ihn in den Sinn. Wie ungelenk sie\nwar, welch ein tiefes Staunen sie erfaßte, als sie\nam Morgen zum erstenmal die große Stadt er-\nblickte! Jetzt traf ihn ihre plötzliche Freude wie\nein lähmender Schlag. Jetzt schien sie gefährlich,\nunglückverheißend, nicht mehr kindlich und harm-\nlos. . .\nEr ging in ein Cafe, um sich in Zeitungen zu\nversenken. Wenige Gäste saßen, vergraben in\ngroße Blätter, sahen flüchtig auf, als er eintrat.\nEr trank langsam und mit einer gewissen Wollust.\nAber die Unruhe verließ ihn nicht. Einen Augen-\nblick lang dachte er, es wäre wohl das Beste ge-\nwesen, wenn er Mia Mirana aufgesucht hätte.\nGleich aber warf er diesen Gedanken von sich...\nwas hätte wohl Eva dazu gesagt, die im Hotel von\nder Reise ausruhte? Und zum erstenmal empfand\ner ein leises Schuldbewußtsein; er war nicht mehr\nfrei, alle seine Wünsche waren an die eintönige\nFrage gebunden: Was wird Eva dazu sagen?\nWelch ein gütiges, anschmiegendes, ergebenes\nWeib war sie ihm! Und doch . . . war ein Unaus-\ngesprochenes; ein Bitteres, das er immer und\nimmer wieder zurückdrängte, damit es ihn nicht\nüberwältigen solle . . . Und nun war es lebendig\ngeworden, hatte ihn angeklagt: Du bist nicht mehr\nfrei . . .\n. . . Unruhig stürzte er sich wieder in das\nStraßengewühl. Der Morgen stand grau über dem\ngroßen Platz. Die Menschen gingen hastend.\nBeim Anblick des Museums wurde Johannes mit\neinem Male ruhig . . . Das Verlangen nach einem\ntiefen Genuß trieb ihn die Stufen der Freitreppe\nhinan. Es gelüstete ihn, wieder einmal zu emp-\nfinden, wie große Meister ihre innere Musik in\nFarben festgehalten hatten.\nDer Saal der blauen Stunde war leer. Das\nSchweigen einer Kirche nistete darin. Der Künst-\nler hatte die Empfindung, als setze sich ihm dieses\ngroße Schweigen auf die Schulter und spreche\nmit menschlicher Stimme zu ihm.\nDer Künstler schrak unwillkürlich zurück. Ihm\nwar, als habe das kauernde Weib des Gemäldes\nleise den Kopf gehoben und ihn einen kurzen\nAugenblick angestrahlt aus tiefen, heißen, wehen\nAugen . . . Mit federnden Schritten eilte er durch\ndie Säle, verschloß sich mit berechnendem Be-\nwußtsein allen äußeren Einflüssen, indem er seine\nBlicke beharrlich den Fußspitzen allen äußeren\nEinflüssen, indem er seine Blicke beharrlich den\nFußspitzen über den Boden vorauslaufen ließ.\nDie blaue Stunde beherrschte ihn. Er fühlte, daß\nsich alle Tage in diese Stunde drängten, erinnernd,\nmahnend, anklagend. Mit einer schmerzenden\nKlarheit empfand er ein Wunder: Er hatte die\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.7", "texte": "blaue Stunde erlebt, bevor sie von dem Meister\ngeschaffen wurde . . .\nI ief atmend stand er wieder vor dem Bild.\nDieses stille Erlebnis wühlte die Tiefen seiner\nSeele auf, ließ ihn erkennen, daß sein Glaube, er\nhabe sich von allem Vergangenen befreit, ein from-\nmer Wahn gewesen sei. In dieser Stunde erfuhr\ner, daß keiner die Vergangenheit so heldflsch\nüberwinden kann, daß sie ihm dienstbar ist, daß\nihr Gesicht di e Züge annimmt, die er ihm be-\nfiehlt. Er erfuhr, daß die Vergangenheit streng\nund unbestechlich ist wie die Gerechtigkeit.. Und\nplötzlich wußte er: friedloser wie je war er in\ndiesen 1 agen gewesen. Friedloser und ärmer war\ner geworden, seit er sich von seinem ersten\nWerke losgesagt hatte. Er kam sich vor wie ein\nVerräter, und alle Einwände, die sein überlegener\nVerstand dazwischen schob, vermochten den\nSelbstanklagen nicht stand zu halten. Wie kahl\nund arm und nüchtern waren diese Monate ge-\nwesen! Wie ein braver Bürger hatte er sich\ntrauen lassen, war vier Wochen lang als neuer\nBürger durch die Straßen der schrecklichen Stadt\ngewandelt.\nWie müde und vergrämt war er gewesen, als\ner endlich die Stadt verlassen hatte. Dann war\ner durch das ganze Land gereist, hatte Eva die\nSchönheiten gezeigt und für sich die Schönheit\nder Menschen. Er hatte immer nur die Nüchtern-\nheit gefunden. In schmerzlosem Trotz war der\nGedanke über ihn gekommen, ein Werk zu schaf-\nfen, das die Menschen mitreißen sollte durch die\nGewalt seiner Nüchternheit. Begierig hatte er\nsich an diesen Gedanken festgeklammert.. Aber\nnach zwei Tagen erschien er ihm nur als das\nschamvolle Gelächter eines Verirrten.\nHier stand er vor diesem tönenden Farben-\ngedicht und sah nur Not und Armseligkeit. Die\nLeiber der nackten Frauen waren in blauen Duft\nder Dämmerung zerronnen . . . unheimlich brei-\ntete sich die grenzenlose Oede. Dies war die\nWüste. Wohin er blickte, war Wüste. In dem\nGerassel der Straßen, in Cafes und Restaurants,\nin den Sälen des Museums: überall Wüste. Der\nalte Traum stürzte mit der wütenden Kraft des\nVerschmähten über ihn her. Als kämen alle Ge-\ndanken, die feindlich auf diese Stunde gelauert hat-\nten, aus allen Ecken und Enden hervor. Alles,\nwas er in diesen traurigen Monaten erlitten hatte,\numringte ihn und blickte ihn an aus elenden gram-\nvollen Augen; abgemagerte Hände streckten sich\nihm entgegen, aus häßlichen Mündern flössen\nklägliche Worte. Alle Not des Volkes kam zu ihm,\naller Haß der Beladenen. Und auch der Hochmut\nund die kalte Sorglosigkeit der Reichen, ihre hohle\nSelbstherrlichkeit, ihre Verachtung der Gezeich-\nneten. Hilflos war er geworden, klein und ver-\nzagt. So elend war er nicht gewesen, als er sich\nvon jenem Weib losriß und gegen die Qual dieses\nMutes kämpfen mußte.\nEr war allein im Saal; von fern flössen ge-\ndämpfte Stimmen heran, tiefe und hohe. Ein\nLachen mischte sich hinein. In dieser Stunde er-\nlebte Johannes alles Weh und alle Lust der gro-\nßen Stadt. Sie war lieblich im Uebermaß schöner\nGebärden und Klänge, sie war fürchterlich im\nBrausen geller Schreie und gewaltsamer Grau-\nsamkeiten. Vor ihr wurde das Schicksal jener\nkleinen Stadt jämmerlich, lächerlich und versank.\nWer dieses Ungeheuer nicht zu beherrschen ver-\nstand, war verloren. Stark mußte einer sein,\nlachend unbekümmert mußte er einherschreiten,\nein Sieger selbst noch dann, wenn er Besiegter\nwar. Er war schwach, er war Besiegter selbst\nda, wo er Sieger sein konnte, er zergrübelte seine\nTräume, bis sie zerfetzt vor ihm lagen. Eine neue\nAngst bedrängte ihn: abermals ein Opfer der\nGroßstadt zu werden. Jetzt zog er ein Weib\nmit sich.\n.. . Draußen brauste das Leben. Ganz\nschwach prallte es durch die Mauern in die hei-\nlige Stille. Hier war das schöne Ungeheuer sanft.\nHier konnte ein Müder neue Kräfte in sich auf-\nnehmen.\nWelch ein Wirrsal! Welch eine Ruhelosigkeit,\ndie den Menschen verzagen ließ und ihm doch\nzugleich die dunkle Freude äußersten Trotzes ge-\nwährte. Darin lag ihre anpeitschende Kraft, dies\nwar ihre Schönheit: daß sie voll großer Sehnsucht\nwar. Wenn einer mit wissenden Augen durch die\nStraßen ging oder auf einen hohen Turm stieg und\nall das Gewimmel überblickte, mußte seine Seele\nknien vor der wilden, weichen Herrlichkeit der\ngroßen Stadt.\n\nFortsetzung folgt\n\nZwei Wupperstädte\nPaul Zech\nElse Lasker-Schüler zum Geschenk\nBlaise Cendrars\nDie erste\nHier lungern Paläste aus Glas und Granit\nzwergzierlich wie Weihnachtskrippen.\nDer Himmel fällt grau herab von Schieferklippen.\nImmer gähnt schläfriger Tag und ein Regenlied.\nWas in den Straßen wie Pulsschlag zuckt,\nist kreisender Schwung von Flechtmaschinen;\nbeutegierig lauert der Baal hinter ihnen.\nAlle Wälder hat der gefräßige Rachen verschluckt.\nAus dem schlängelnden Tintenfluß\ngiftet das Ausgespiene wie Typhusdünste,\nund überflockt die Fabriken wie Ruß.\nDie hier gezwungen den Tag vertun,\nröhren den Blutschrei entflammter Brünste\nund träumen von Lesbos und Averlun.\nDie zweite\nSchwarze Stadt an schwarzem Gewässer steil-\naufgebaut —\nGrünbeliderte Fenster funkeln;\naus dem gespenstischem Schieferdachdunkeln\nschnelln Schornsteine von Dampf und Dunst um-\nbraut.\nHellwild rattert und knattert die Pendelbahn\nüber Brücken und hagre Alleen.\nFabrik dort unten, wo Spindeln sich kreischend\ndrehen,\nist grau wie ein müder vermorschter Kahn.\nSchweiß kittet die Fugen fest,\nSchweiß aus vielerlei Blutsaft gegoren.\nFrommsein enteitert dem greisen Gebrest.\nMancher hat hier sein Herz verludert, verloren;\nKinder gezeugt mit schwachen Fraun . . .\nDoch die Kirchen und Krämer stehn hat wie aus\nErz gehaun.\nobjectivement de moi-meme. Tout etre vivant\nest une Physiologie. Et si j'ecris, c'est peut-etre\npar besoin, par hygiene, comme on mange, comme\n011 respire, comme on chante. C'est peut-etre par\ninstinct; peut-etre par spiritualite. Pangue\nling u a. Les animaux ont tant de manies! C'est\npeut-etre aussi pour m'entrainer, pour m'exciter\npour m'exciter ä vivre, mieux, tant et plus!\nLa litterature fait partie de la vie. Ce n'est\npas quelque chose „ä part\". Je n'ecris pas par\nmetier. Vivre n'est pas un metier. II n'y a donc\npas d'artistes. Les organismes vivants ne tra-\nvaillent pas. Je n'aime pas la sueur de mon front\nmalgre les avis salutaires d'un livre par trop fa-\nmeux. II n'y a pas de specialisations. Je ne suis\npas homme de lettres. Je denonce les bücheurs\net les arrivistes. II n'y a pas d'ecoles. En Grece\nou dans les geöles de Tsintsin, j'ecrirais tout\nautrement. J'ai fait mes plus beaux poemes, dans\nles grandes villes, parmi cinq millions d'hommes\n— ou ä cinq mille lieues sous les mers en com-\npagnie de Jules Verne, pour ne pas oublier les plus\nbeaux jeux de mon enfance. Toute vie n'est qu'un\npoeme, un mouvement. Je ne suis qu'un mot, un\nverbe, une profondeur, dans lesens le plus sau-\nvage, le plus mystique, le plus vivant.\nLa Prose du Transsiberien est donc\nbien un poeme, puisque c'est l'oeuvre d'un liber-\ntin. Mettons que c'est son amour, sa passion, son\nvice, sa grandeur, son vomissement. C'est une\nPartie de lui-meme. Son Eve. La cöte qu'il s'est\narrachee. Une oeuvre mortelle, blessee d'amour,\nenceinte. Un rire effroyable. De la vie, de la\nvie. Du rouge et du bleu, du reve et du sang,\ncomme dans les contes.\nJ'aime les legendes, les dialectes, les fautes\nde langage, les romans policiers, la chair des\nfilles, le soleil, la tour Eiffel, les apaches, les bons\nnegres et ce ruse d'Europeen qui jouit coquenard,\nde la modernite. Oü je vais? Je n'en sais rien,\npuisque j'entre meme dans les musees. Quant ä\nmes moyens, ils sont inepuisables; je suis ne\nprodigue.\nLe chat domestique a le pelage soyeux; son\nechine est souple, electrique; ses pattes sont bien\narmees, ses griffes fortes; il saute sur la proie\nqu'il convoite. Mais le chat sauvage saute\nbien mieux: il ne manque jamais son coup. J'ai\ndes chats sauvages plein la bouche.\nVoilä ce que je tenais ä dire: j'ai la fievre. Et\nc'est pourquoi j'aime la peinture des Delaunay,\npleine de soleils, de ruts, de violences. Mme De-\nlaunay a fait un si beau livre de couleurs, que\nmon poeme est plus trempe de lumiere que ma\nvie. Voilä ce qui me rend heureux. Puis encore,\nque ce livre ait deux metres de long! — Et encore,\nque l'edition atteigne la hauteur de la tour Eiffel!\n. . . Maintenant il se trouvera bien des grin-\ncheux pour dire que le soleil a peut-etre des\nfenetres et que je n'ai jamais fait mon voyage...\n\nLa Prose\nJehanne de France\ndu Transsibérien et de la Petite\nJe ne suis pas poete. Je suis libertin. Je\nn'ai aucune methode de travail. J'ai un sexe.\nJe suis par trop sensible. Je ne sais par parier\nDruckfehler\nIn dem Gedicht „Biesenthal in der Mark\" von\nAlfred Richard Meyer sind folgende Zeilen zu\nberichtigen:\nwie eine böse Mutter rote Menschen barsch in\ndie Betten gewiesen.\nsind plapperich ärgerlich.\nkeifen, doch plustern sich wieder im Traum."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vo&\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Marnen nur durc£\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeite\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Ver 1 & §\nder Sturm Berlin W 9\nDse Zurückweisung vor? Anzeigen behält sieh der Ve?»\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlas Der Stnrm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer StraBe 134 a\nNeunzehnte Ausstellung\nKubisten\nGeoffnet taglich von 10—6 Ubr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 20. September bis 1. Dezember\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75 zu Berlin\nInternationale Kunstschau\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich ./ auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nEintritt 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nKatalog in Kupfertiefdruck mit funfzig Abbildungen\n2 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerfeezug\nGewohnlicbe Ausgabe: Fur Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein VierteHahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes I Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost f ft r Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X FQr das Ausland;\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndteser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abg*geben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwtinscht wird, bitten wir den B e t r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b«*i\nBeginn des neuen Vlerteljahres bis\nEumfflnftendes ersten Monats einzu-\nsenden / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\n{Hiter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwlinscht wird\nQeneralvertretung des Verlags Eugene Flgnlfere /\nParis\n\nOriginalholzschnitte / Handdrucke\nDie Qesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde ./ Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin I Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die Eriegung des Fest-\nb r a t e n s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft I Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotlufi: Mann und Weib / Sonnige StraBe\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von A r n o H o 1 z / Pur Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKilnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacheri / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour / L'Equippe du Cardiff\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nZeitschriften\nLa Route / Revue de l'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance I Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontioie / Halbmonatsschrift / Paris / Chaussie\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Brfissel\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris I Recueil Mensuel / Pari?\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur neue und\nalte Kunst / Heft 6—8 bringt: Bilder: Picasso (9) /\n\nBraque (3) / Cezanne (3) / Soffici (1) / Sculpturen:\nPicasso (2) I Neger (10) / Architektur: Gocar\n(6) I Jahrlich M 12.50 / Administration Prag I /\nVeleslavinova 5\n\nAnzeigen\n\nSoeben erschienen: Kandinsky 1901—1913 /\nMonographie mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen ,/ Mark 10 / Verlag Der Sturm /\nBerlin W 9\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies\nder Stilarten\nPoetry and Drama /' Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge«\nwidinet der Dichtung und dem Drama der Qegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbeziif\ni0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes uber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Qrimme Natalis & Co. C-Q a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des .Heftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neueu\nSezession / Vorlesungen fiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaBige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35; Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft flir bibliophile Lite-\nratur alier Zeit / Wertvolle und seltene Budier\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nPrazske Umelecke Dilny / Prager Kunstwerk-\nstatte fur neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fur Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}