{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_sha256": "cfec50b232acf07102d86fe12cbce1e0033539ffe2bbf1fcdd3ae75effceb360", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/11_02/bmtnabg_1913-11_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/11_02/bmtnabg_1913-11_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.1", "debut_caractere": 311, "fin_caractere_exclue": 513, "texte": "Inhalt:\nFranz Marc: Kandinsky / Josef Tress: Gedichte / Hello: Das goldene Kalb / Artur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / H. 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Wenn ich ihn mir im Geiste vorstelle,\nsehe ich ihn immer in einer breiten Straße, in der\nsich fratzenhafte schreiende Gestalten drängen;\nmitten durch sie geht ruhig ein kluger Mensch: das\nist er. Kubin müßte ihn so zeichnen.\nKandinskys Bilder dagegen sehe ich in meiner\nVorstellung ganz abseits der Straße in die blaue\nHimmelswand getaucht; dort leben sie in Stille ihr\nFeierleben. Sie sind heute noch da und werden\nbald ins Dunkel der Zeitenstille entweichen und\nstrahlend wiederkommen wie Kometen.\nWenn ich an diese Bilder denke und zugleich\nan das, was der Europäer „Malerei\" zu nennen\nsich gewöhnt hat, so habe ich ein Bild in meiner\nVorstellung, wie „der Geist\" die Malerei heimsucht;\nia und schwer heimsucht! Sie hatte sich so wohl\nohne ihn gefühlt und ist nun höchst erschrocken\nund schlägt verzweifelt um sich, um den „Geist\"\nnicht eindringen zu lassen. Das müßte Paul Klee\nzeichnen. Nur er könnte das.\nUnd noch etwas empfinde ich, wenn ich an\nKandinskys Bilder denke: eine unsagbare Dank-\nbarkeit, daß es wieder einmal einen Mann gibt,\nder Berge versetzen kann. Und mit welch vor-\nnehmer Geste hat er dies getan. Es ist eine un-\naussprechliche Beruhigung, dies zu wissen.\nWie töricht sind alle Versuche, gegen Kan-\ndinskys Kunst anzugehen. Da gibt es eine beson-\ndere Art von Denkern, die heute noch ernsthart\nerörtern, wieweit Kandinskys Kunst überhaupt\nmöglich und vorstellbar ist; sie vergessen vollstän-\ndig, daß diese Bilder ja längst gemalt sind, schon\nda sind. Jedermann kann sie sehen. Aber so ist\nes: alle die ihr trockenes Herz nicht klopfen fühlen\nvor den großen Werken, schmähen nach gemeiner\nLeute Art eben diese Werke, statt an sich selbst\neinige einfache Fragen zu stellen. Sie holen eine\nverstaubte Logik aus dem Winkel ihrer Schuler-\ninnerungen und prüfen mit ihr die Bilder. Sie\nmessen die Flugkraft des Vogels mit dem Zollstab.\nLassen wir sie. Es ist schade um Zeit und\nWort. Es gibt ganz Anderes, über das man nach-\ndenken muß. Können Dinge, die einmal geschaf-\nfen sind, wieder vergehen? Können sie geleugnet\noder auch nur von der Stelle gerückt werden?\nWir Maler kennen jenen geheimnisvollen Moment\nin unsrer Arbeit, in dem das Werk zu atmen\nbeginnt. Es fällt von uns ab und beginnt sein eige-\nnes Leben. Waren wir auch zu Beginn Herr des\nBildes, so werden wir in diesem Moment sein\nSklave. Es sieht uns fremd, groß, mahnend, zwin-\ngend an. Das Früh oder Spät dieses wunderbaren\nAugenblickes gibt ein feines Kriterium der Kunst\nab. Wir Maler wissen dies. Manche, Allzu-\nviele, bleiben bis zum Ende die Herren ihrer Bil-\nder. Je gebieterischer der Maler in der Welt\nauftritt, desto armseliger, sklavischer sehen ge-\nwöhnlich seine Bilder aus. Darum werden diese\nMaler im Leben immer mehr gefeiert als ihre Bil-\nder, an denen nichts zu feiern ist, da sie ja nur\nnach Vorschrift ihrer Herren entstanden sind, —\nein trauriges Symptom aus dem Lebenslauf vieler,\nvieler unsrer berühmten Maler; sie schufen als\nJünglinge mit ehrlicher Hingabe ihre ersten schö-\nnen Sachen und enden als große Herren mit ganz\ndummen Erzeugnissen.\nDie echten Werke lösen sich nach dem ersten\nAnfang schon von dem Willen des Schöpfers ab.\nEs scheint mir, daß heute gar nicht viel solche\nWerke entstehen. Zu den seltenen Ausnahmen\ngehören die Werke Kandinskys; sie sind nicht aus\nsterblichem Willen geformt; ihr Eigenleben läu-\nterte sein Wollen und hielt ihn bei der Arbeit in\nBann; ihr Sein ist unsterblich. Ich sehe sie wieder,\nan die Himmelswand gestellt — warum sollen wir\nnicht glauben, daß ein Erzengel sie dort gemalt hat,\nDinge aus seinem Reich, djurch die Hand unseres\nFreundes Kandinsky?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Josef Tress", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.2", "debut_caractere": 3680, "fin_caractere_exclue": 5576, "texte": "Gedichte\nJosef Tress\n\nAn die Jodlerin\nIch bin in uralte Berge hinabgestiegen,\nWarmverborgener Bäche Rieseln zu hören.\nDiese harten Häuser sind mir fremd.\nIrgendwo hat mich herzliche Heimat umschlungen.\nZärtliches Saitenspielgoldhaars Berührung\ndurchzuckte mich.\nAber diese Mauern sind Stein.\nUm meine Brust flatterten blaue Himmelskelche.\nKeuscher Blütenschnee küßte mich.\nAber meine Hände greifen schwarz.\n\nIm späten Lampenlicht\nAuf den Burgen der Teufelin Wut\nThronen des Augenpaars Pechfackeln.\nUnd wollen den weichen Sternrasen verwüsten\nMit den geballten Stahlarmdrohungen.\nDa kommen die Löwenkäfigschritte\nWider die grellweiße Leere zum Kampf\nangeduckt.\nUnd die grellweißen Wände bevölkern\nBegräbnisse.\nDoch ein rauchender Turm von Groll steht auf.\n\nDer Flieger\nWindmühlen reißen aus den Wurzeln ab.\nWolkendurchbohrende Dome flattern auf.\nAufrecht sind alle Augen wie Rauchsäulen.\nIch zerbreche des stummen Gewölbs Blumen-\nstengel.\nTreppen aufschmettr ich zum jüngsten Gericht,\nDessen Gerüst die Posaunen errichten.\nAm kühnsten läut ich in blauer Himmelsstunde,\nBreche, wolkenbruchatmend, Rosen auf\nMärchenwiesen.\nAuf Märchenauen pflück ich Edelweiß.\nIch zerschelle am eignen azurnen Wagnis\nUnd blute einen Siegesschrei.\n\nHeimgang\nI\nDes Bräutigams Augen überfließen ins Haus\ndes großen Geists,\nDie Hellsehenden in der Haft.\nWann der zarte Sohn der Welten über den\nabendlichen Wassern scheint,\nWie der Schaft der Silberbirke.\nSanft weint der Bräutigam des Lichts,\nErfleht verzückten Munds Heimgang,\nAuflösung in der flügelrauschenden Heimat.\nII\nMeine Seele schluchzt in den grasgrünen Rasen,\nZermalmt von Glocken und Orgelgebraus,\nUnd sinkt in den zeitlosen Märchenschlaf,\nUnd will Lilien tragen unter den Weißgekleideten.\nIch schaue dich mit geistigen Augen\nBlumenschau haltend über den Rosenwolken.\nHymnen will ich dir singen am Tag des Heiligen,\nIn Weihrauch wallend unter den Chorknaben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Unter verwelkten Rassen\nwar ein Volk, eines, Hüter der Einheit Gottes.\nAlso stand es vereinsamt auf Erden; seine Ge-\nschichte, außergewöhnliches Schicksal, schlug es\nhin nach Ägypten; dort, in dem Heimland gar der\nAbgötterei hat es sich dennoch den Sinn seines\nDaseins bewahrt, die Nachbarumschlingung ver-\nmieden und seine Sendung deutlich bezeugt. Die\nschlichte Riesengestalt des Moses, um die Erlö-\nsung zu verkünden und auch zu verwirklichen,\nhob sich hoch aus dem Kern dieses Volkes. Auf\nder Weide schaute Moses den brennenden Dorn-\nbusch; dort war es, wo er den Namen des Herrn\nerbat; dort auch, wo ihm der Herr seinen Namen\nnannte, und Moses ergriff ihn, den Namen, und\nnahm ihn mit sich, wie ein Krieger, wenn er sei-\nnen Harnisch hat. Vor dem Worte, das Moses\ntrug, wich entsetzt das Rote Meer zurück; und\ner zog mit dem Tetragramm durch die Wüste, und\ndie Geschöpfte neigten sich seinem Schreiten, als\nerkennten sie: dieser ist der Schutzengel des\nfurchtbaren Namens.\nNoch mehr geschah; der Sinai atmete Flam-\nmen. Moses hielt stand vor der Herrlichkeit und\nhat ausgeharrt dort auf der Höhe des Berges.\nZur selben Zeit grub sich die Götzensucht ins\nHerz der Juden, fraß sich hinein in das Herz des\nVolkes, am Fuße des Siani gelagerten Volkes, da-\nmals, als es die Rückkunft des Moses erwartete,\nindes Moses bei Gott war.\nUnd das goldene Kalb gerann zum Urbild der\nAbgötterei, verblieb ihr Wort und ihr Zeichen.\nDas Heidentum selbst war in diese Gestalt er-\nstarrt, Irrwahn und Blendwerk, Götzendienst, so\nfrech gewagt, wie bis dahin vielleicht nie vorher.\nII\nDer Abgott hat die Erde weithin besetzt; man\nhat sich abgestumpft und nimmt es keineswegs\nwichtig. Der Dämonenglaube, nicht mit Sehrek-\nken erfüllt er die Menschen, sondern nahzu mit\neiner lebhaften Andacht. Daß die Völker Heiden\nwaren, lernt das Kind. Es empfängt diese Nach-\nricht in einem Alter, wo es noch nicht imstande ist,\nsie nach Gebühr erstaunt aufzunehmen; und man\ngedenkt ihrer in einem Alter, wo man nicht mehr\nfähig ist, ihr, was angemessen wäre, mit einem\nSchaudern zu begegnen. Diese beiden Alter sind\nbei den meisten Menschen durch kein Band, kein\nmähliches Uebergleiten verbunden; und die kurze\nirdische Laufbahn lang haben die Wenigsten Zeit,\ndem Heidentum nachzusinnen, es verblüfft, ja an-\ngewidert mitanzusehn. Man hat doch so Vieles\nzu tun, und die Tage sind kurz.\nDer Ueberraschten Einer hebt wohl die Augen\nzur Sommernacht und sucht bei den Sternen eine\nRuhstatt: die fernhohen Lichter, von unsern Ge-\nräten, Berechnungen, Gläsern und Ziffern bis in\nden Absturz der Himmel verfolgt, verheißen, o\nSchein, dem gehetzten Blick eine Zuflucht. Aber\nwas nicht vorauszuahnen war, ist eingetroffen:\ndie Erde hat den Sternen Namen verliehn, und\ndiese Namen sind die Namen von Dämonen.\nUebereilen wir die Jahrhunderte; wir sind in"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9798, "texte": "Judäa und Petrus der Fischer wirft seine Netze:\ndas Heidentum wimmelt allüberall. Doch acht-\nzehnhundert Jahre nach Petrus, dem Fischer,\nkann ich nicht sagen: Blicket nach China, auf\nseine Götter aus Stein oder Metall, sondern ich\nmuß sagen: Blicken wir, wohin wir wollen, über\ndie Erde, und wir werden sehn, was wir am Fuße\ndes Sinai gesehn haben: das goldne Kalb.\nIII\nDer heilige Petrus, in der gedrängten liefe\nseines so reichen Wortes, hat das goldne Unge-\ntüm dort aufgetrieben, wo es ist. Der heilige Pau-\nlus, der Augenwelt und Abgrundwunder äußerst\nunvermutet ineinandertauscht; er, der ein Wesen\nmit einem Worte behandelt und, schon unterwegs\nzu Neuem, nie länger weilt, nicht länger als etwa\nein Schreiber braucht, um zwischen zwei Satz-\nglieder einen Beistrich zu senken; der heilige\nPaulus trifft ihn wörtlich, den Götzen der Neuzeit:\ner nennt ihn den Geiz.\nDie Liebe zum Geld ist eine Abgötterei, auf die\nhinzuweisen um so verdienstlicher wäre als sie\nsich verkleidet darstellt.\nSie hat zwei Seiten: die Begierde und den\nGeiz. Man spricht oft von Geldgier. Man spricht\nselten vom eigentlichen Geiz; und doch ist der\nUnterschied groß.\nDie Leute stutzen, wenn sie der Gier begeg-\nnen, denn die Gier ist aufrührerisch und gellend.\nSie zeigt unverhüllte Leidenschaften, betreibt Ge-\nschäfte, hat ein Ziel; sie will mehr haben als sie\nhat, und dann noch mehr und immer wieder mehr!\nDas erregt Aufsehn, oft Angst: man ist bedroht.\nDenn wer die Welt in Bewegung setzt, um genug\nzu haben, genug Ehre oder genug Geld, gefährdet\nsich und die andern, an ihrer beiden Erzruh oder\nauch nur an ihrem Lügenschlaf. So fällt er auf;\naber nicht, daß die Leute, fest überzeugt, die\nWeisheit bestünde im Nichtstun, ihm nun den\nMißbrauch seiner Tätigkeit verübelten, nein, seine\nTätigkeit selbst überhäufen sie mit Vorwürfen.\nUnd gerade dadurch bieten sie dem Laster unter\ndem Schirmdach der Tat einen Schutz.\nGier wie Ehrsucht schaffen offenbar; aber der\nGeiz hütet sein Geheimnis. Ihms zu entreißen,\nwäre nicht schade.\nFast alle Leidenschaften haben ihr eignes Ge-\nsicht; es hindert sie zumeist, verbietet ihnen, un-\nbemerkt vorbeizugleiten. Sie eröffnen sich den\nAugen dessen, der sie erleidet, wie dem, der sie\nbeobachtet; ihr Tonfall, ihr Mienenspiel rufen\nihren Namen. Irrtum, gewiß, geschieht leicht und\nhäufig. Jedoch wenn der Zorn einen Menschen\nim Sturme nimmt, werden er und seine Umgebung\nmühlos sagen, welche Besessenheit ihn ergriffen\nhat. Die Leidenschaften bilden am liebsten Rui-\nnen, und auf dem Ruinenwerk bleibt die Inschrift\nihres Namens. Die Ehrsucht, einmal befriedigt,\nkann sich unmöglich verbergen halten.\nDer Geiz beträgt sich anders.\nin seinem Grundsatz heimlich ist er es auch\nin seinen W/irkungen. Er verlangt keine heftige\nAufwallung, keinen äußern Ausbruch: gleich man-\nchen Tugenden sucht er die Dunkelheit. Er ver-\nmeidet den Auflauf, er strebt zur Sammlung sei-\nner selbst, er verbirgt, er vergräbt, er gibt acht\nund verschleudert nicht, er behauptet, daß er ver-\nmehre, nicht vernichte. Er leiht sich die Züge und\ndie Namen der Vorsicht, der Sparsamkeit, der\nWeisheit; er spricht etwa von der Sippschaft,\nden Kindern, und daß man im Hinblick auf die\nZukunft sich einschränken müsse. Er kann sogar\nvon Barmherzigkeit reden. Denn wenn er spart,\nnicht wahr, spart er doch für irgendwen.\nDie andern Leidenschaften weisen, scheint es,\ndurch ihr ganzes Gehaben geradezu peinlich ge-\nnau auf ein elendes Ende. Nur die Habsucht tut,\nals führ sie zu einem gescheiten, einem dauerhaf-\nten, aus Geduld und Ueberlegung aufgebauten\nGlück. Jedoch am Tage des Zusammenbruchs\nwird ein sorgsamer Lauscher das Lachen des\nUngetüms hören, unter den Trümmern das ver-\nsteckte Kichern: der Geiz war da, ihn hatte nie-\nmand beachtet.\nWenn der Mensch sich selbst prüft, erkennt\ner die Hauptlaster, deren Namen er weiß, un-\nschwer in seiner Seele. Im Kreis der Todsünden\nsind einige aufdringlich, andre nicht so sehr. Der\nGeiz wird selten bemerkt. Einer kann sein Leb-\ntag Geizhals gewesen sein und stirbt, und seines\nGeizes ward er nicht inne.\nUeber manche Verbrechen scherzt man;\nmanche rühmt man mit Stolz. Man scherzt nicht\nüber den Geiz und rühmt sich nicht seiner, aber\nman nährt ihn lange mit dem Herzblut, solange,\nbis man tot ist.\nDer heimliche Götze ist ein traurig Ding, gräm-\nlich, greulich, unheilvoll; dennoch, in die ganz\nunterirdischen und innerlichsten Einzelheiten des\nDaseins gilt es vorzudringen, will man sein dunk-\nles Antlitz erfassen: o dieser Götze heischt von\nseinen Gläubigen eine Dauerspende: ununter-\nbrochen ihr Leben. Er begnügt sich nicht mit\ndem Wort; er will ein wirkliches, tatsächliches\nOpfer. Er ist ein harter Herr, treibt seine Macht\nins Ungemeßne, und Mitleid ist ihm fremd.\nIV\nWie jeder Liebhaber hat auch der Geizige ein\nzuinnerst verschwiegenes Vorurteil und verbindet\nes mit allem.\nAngenommen, einer wäre sanft und anmutig\nhöflich, wagte weder zu widersprechen noch die\nStimme zu heben. Um nun den Augenblick, v/o\nsein Abgott sichtbar wird, gerade recht zu ergrei-\nfen, muß man ihn in seiner Häuslichkeit über-\nraschen. Er selbst sieht diesen Augenblick von\nsehr weither kommen, und seine Züge, bis dahin\naus einer Art allgemeiner Gutmütigkeit zusam-\nmengezogen, kräuseln sich leichthin und so als ob\nman einem den Rand einer frühern Wunde be-\nrührte. In ihm das Ungeheuer hat sich bewegt\nund hat ihn erschüttert. Dringt man weiter, ant-\nwortet das Ungetüm mit einer neuen Bewegung,\neiner wenn auch plumpen, doch ganz gewissen,\nund obwohl ihn scheinbar nichts Düsteres be-\nschäftigt, verdüstern sich des Geizigen Augen.\nDie Unterhaltung hält keineswegs bei Wichtigem,\nsondern rollt spielerisch tändelnd hin; aber irgend-\nwo hat der Geizige in einem Wort, in einem Hauch\ndie nachbarnahe Bedrohung vernommen: dort, wo\nkein andrer das geringste hätte gesehn, hat er sie\nerkannt und in seinem Herzen die Regung des\nUngetüms, der Innenlast, deutlich verspürt. Bald\nschläft es, bald zehrt es: wenn es schläft, ist der\nGeizhals vergrämt; wenn es zehrt, ist er munter.\nV\nDie andern Leidenschaften sprechen am lieb-\nsten von den Menschen oder den Dingen ihres\nGegenstands. Der Geizige liebt das Schweigen.\nKaum wagt er, das Geld mit Namen zu nennen,\n«und wenn er es nennt, tut er es nicht, um von\nseiner Liebe zu sprechen.\nDie Oberflächen lieben die Rede, die Tiefen\ndas Schweigen.\nDie meisten Leidenschaften sind die nach-\nahmenden Zeichen der Oberfläche und schwatzen\nmit Vergnügen.\nDer Geiz ist das nachahmende Zeichen der\nTiefe; er schweigt mit Leidenschaft.\nDer Geizige verbirgt sein Geheimnis nicht nur\nden andern, er verbirgt es auch vor sich selbst.\nGern möcht er sich über den Ort täuschen, wo\nverscharrt ruht, was er anbetet.\nIch wäre nicht erstaunt, wenn der Geizige da-\nzu gelangte, sich vor sich selbst wie vor einem\nNebenbuhler, ja wie vor einem Diebe zu fürchten:\nso sehr eifersüchtig ist seine Andacht!\nVielleicht sind in ihm zwei Menschen, und einer\nwüßte wenig von dem andern. Oft rechnet er\nmit Dingen, deren Zahlenwert er seit langem\nkennt; zwar hat er die Dinge seiner Berechnun-\ngen vor sich, doch mag ihn dieses schrecken: die\neinen könnten verschwinden, während er zu den\nandern übergeht.\nDer Geizige hat gleichzeitig die Angst des\nBürgers und des Abenteurers. Das Geld, das\nseine Tage ausfüllt, füllt auch seine Nächte. Das\nGeld verheert den Bereich seiner Träume, und er\nträumt auch noch im Wachen. Es ist eine furcht-\nbare Sache, mitanzusehn, wie sich die Kupfer-\nstücke einmal der gemeinsten Notdurft und dem\nelendsten Stückwerk des Außenlebens vermischen,\neine furchtbare Sache, sie dann ins Innenleben\neinlaufen zu sehn, hineinrollen ins Blut der Seele,\nund daß sie die Augen in einem verschwärzten\nFeuer aufbrennen lassen, die Wangen färben und\ndie Lippen erbeben machen. Sie haben das Heilig-\ntum der Seele verwüstet.\nNun ist alles möglich, selbst seine schauerliche\nAndacht.\nIm Schweigen der Nacht betet der Geizige an,\nwas kein Auge faßt.\nVI\nJeder Glaube, ob wahr, ob falsch, verlangt\ndas Opfer. Der Geizige opfert seinem Abgott, er\nopfert viel, er opfert alles: er opfert seine Fa-\nmilie, seine Neigungen, seine Gesundheit, sein\nLeben., Wenn andre Begierden sich in ihm begeg-\nnen und mit dem Geiz in Streit geraten, ihm un-\nbequem sind, ihm widersprechen, dann wird der\nGeiz wohl Sieger bleiben.\nDas Opfer des Geizigen ist darin schmählich,\ndaß er stets das Ziel opfert, gleichgültig welches,\nzugunsten dessen, was niemals Ziel, immer nur\nMittel sein dürfte. Es ist klar, daß das Geld bloß\neinen darstellenden Wert hat; es ist genau so\nkostbar, wie die Dinge, die man dafür erwerben\nkann. An und für sich taugt es nicht das ge-\nringste. Wer alles Silber und Gold der Welt be-\nsäße, ohne zugleich die Möglichkeit, es anzuwen-\nden, wäre arm wie keiner.\nDer Geizige bringt sich in dieses Elend. Er\nbietet dem Geld das Opfer des Reichtums. Denn\nReichtum und Geld, weit entfernt, ihm ein und\ndasselbe zu sein, sind ihm bloß zwei Ausdrücke\nunbedingten Widerspruchs. Je mehr er das Geld\nliebt, zu desto größerm Elend verurteilt er sich.\nAuf dem Altare seines Abgotts schlachtet er den\nReichtum. Was ein Mittel war, ist ihm zum\nZweck geworden, alles, was Zweck ist, wird ihm\nzum Mittel.\nEr betrachtet die Wesen, so lebende wie tote,\nals Wege zu einem bestimmten Schwerpunkt:\nund dieser Schwerpunkt ist das starre, kalte, nutz-\nlose Geld. Dieses Geld ist ihm das Herz des Welt-\nalls, und es schlägt nicht, dieses Herz.\nAber nicht nur seinen Reichtum opfert der Gei-\nzige dem Geld, das Geld selbst opfert er dem\nGelde. Wenn er, um viel zu verdienen, ein wenig\nausgeben müßte, wird er, mitten im Anfall seiner\nLeidenschaft, diese Trennung nicht über sich brin-\ngen. Er verzichtet auf das abwesende Geld, so-\nviel es auch wäre, zugunsten des gegenwärtigen,\nnoch so spärlichen. Zugunsten des sichtbaren\nGeldes entsagt er dem unsichtbaren."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9744, "texte": "Da sind wir in der Tiefe des Geizes, im Kern\nseiner Abscheulichkeit. Der Geizige liebt das Me-\ntall körperlich.\nEr liebt das Gold und das Silber um ihrer\nselbst willen und an und für sich. Er liebt sie\nsinnlich, fühlt sich zu ihnen hingezogen. Die Be-\nrührung des Metalls macht ihm körperlich Freude,\nkörperlich Lust.\nJe tiefer er seines Reichtums vergißt, desto\nenger kreist seine Gier um das Gold selbst und\num so stärker zerrt ihn die stoffliche Anziehungs-\nkraft.\nWenn er zwischen einer gewissen Menge Gold-\nstücke, die er schon besitzt und die er sieht, und\neiner größern Menge die er noch nicht\nbesitzt und die er nicht sieht, wählen muß, ist der\nGeizige; außer sich. Denn das begehrte Gold lockt\nihn von weither; aber er wird wohl die gerin-\ngere, ihm bekannte und von ihm geschaute Menge\nder größern, ihm noch unsichtbaren, vorziehn.\nSeine Goldbesitztümer hat er schon betastet; sie\nerregen ihn, ihn persönlich: das gedachte Gold\nhat er noch nicht unter seinen Fingern gehabt;\nnoch nicht hat es seiner Lust Genüge getan. Er,\nschauerlich dankbar, bevorzugt die greifbaren\nGoldstücke: ihnen schuldet er bereits empfangene\nVerzückungen. Möglich, daß ihm am wohlsten\nist, wenn er sich vorstellt, die Goldstücke wären\nlebendig: dann begabt er sie mit Namen, dann\nliebkost er sie. Und wenn eins ans andre klingt,\ndurchrüttelt ihn dieser Klang.\nVII\nJeder Liebhaber will seine Gesamtneigungen\nverdichten, zu einer einzigen Liebe sie verkitten.\nDas Geld erweist dem Geizigen den erbärmlichen\nDienst, daß es ihm eine abgekürzte Welt dar-\nbietet.\nUnendlich vieles glaubt er zu besitzen und hat\ndoch nur das Ding seiner Anbetung. Das Geld\nverleitet leicht zu dieser Täuschung, denn durch-\naus nicht ist es Stellvertreter sämtlicher Dinge,\nwohl aber sehr vieler. Diese Dinge besitzt der\nGeizige, so oft er mit den Goldstücken spielt; in\nseinem Geiste besitzt er sie; da vermeint er das\nWesen der Genüsse in dem einen Genuß zu er-\nfahren, und seine Abgötterei nährt sich aus seinem\nSchlafwandel.\nWenn er diese Dinge, wie sie sind, besäße,\nkönnten sie sich ihm nie anders gewähren als\neins und dann ein anderes, begrenzt also, und so,\ndaß das eine sich nicht zugleich mit dem andern\nschenkte. Vielleicht bildet er sich ein, er hätte sie\nalle und er hätte sie gleichzeitig, so oft er seine\nHände auf das Gold legt. Und wenn er damit zu\nEnde ist, kann er damit von vorne beginnen. Die\nGoldstücke nützen sich nicht so schnell ab wie\ndie Freuden, die er um ihretwillen verleugnet.\nMöglicherweise ergötzen sie ihn mit einem Blend-\nwerk von Lustspiel, einer Parodie auf das Dau-\nernde.\nAber wenn sich das Gold langsam abnützt,\nverbraucht sich der Geizige rasch. Der Tod läßt\nnicht auf sich warten und im Tode nennt der Geiz-\nhals seinen wahren Namen. Die Geldgier ver-\ndoppelt sich gerade wann die Nutzlosigkeit des\nGeldes maßlos wird. Da, im Augenblicke des To-\ndes, wo er immer noch das Geld anbetet, und\nohne jede Hoffnung, es jemals zu gebrauchen, da\nerscheint die Abgötterei des Geizigen in ihrer\nlächerlichen Treue, in ihrer widerlichen Uneigen-\nnützigst.\nWenn die Goldstücke die durch sie entfachte\nLiebe erwidern könnten, wären sie gewiß gerührt:\nnachdem er ihnen sein Leben geopfert hat, opfert\ner ihnen seinen Tod; nun, wo er keine Aussicht\nmehr hat, ihre Dienste zu beanspruchen, schim-\nmert ihnen noch die Bewunderung seiner Augen,\ndieser Augen, die halb schon erblindet sind, und\nseiner Hände die bald nicht mehr werden zu\ntasten verstehn.\nDer Geizige könnte das Sinnbild der Treue\nsein; er stirbt neben seinem Gold, wie der Kund\nneben seinem Herrn.\nVIII\nUnter den Täuschungen des Geizigen gilt eine\ndem Dieb. Ihm ist der Dieb ein abenteuerliches\nWesen, denn von ihm aus will der Dieb nicht\nirgend ein Ding, nicht dieses oder jenes, sondern\nden Abgott.\nDer Geizige und der Dieb hausen innig bei-\nsammen. Der Geizige denkt an den Dieb wie an\neinen Glaubensgenossen; er denkt an den Dieb\nmit Schrecken und Ehrfurcht: denn schließlich ist\nder Dieb ein Mann, der den Abgott zu schätzen,\nund den Ort, wo er sich aufhält, zu erraten weiß.\nDer Geizige und der Dieb gehören zur selben\nBrüderschaft. Beide haben der Weltlichkeit ent-\nsagt, um sich der Betrachtung des Abgotts hinzu-\ngeben und sich ihm zu weihn. Der Geizige ist\nvon der übrigen Menschheit getrennt; er küm-\nmert sich nicht um ihre Angelegenheiten. Er be-\nkennt niemals. Der Dieb (ich spreche vom ge-\ndachten, nicht vom erwischten Dieb, vom fern\nerblickten, vom Dieb im Gesichtskreis des Gei-\nstes) ist dem Geizigen fast dasselbe wie ein Ver-\ntrauter.\nAber zwischen ihm und dem Dieb gibt es\nnoch tiefere, tief rätselhafte Beziehungen. Ihm ist\nder Dieb eine Art Wirklichkeitsgespenst: es rich-\ntet seinen Angriff auf alles, was heilig ist. Der\nDieb ist kein Alltagsverbrecher; nicht vor irdi-\nschen Dingen wird er schuldig. Ein Unhold ist er,\nseine Verwegenheit kommt einer Heiligenschän-\ndung gleich, er sinnt auf den Einbruch in unver-\nletzliches Gut.\nDer Geizige verknüpft, weil er anbetet, den\nAbgott und sich zu einer geheimen Gemeinschaft.\nEr hat Schlupfwinkel Dort ist sein Herz, und mit\nLust vergewaltigt er dort die Gesetze des Lebens;\ndenn er hält gefangen, was laufen soll: Metall.\nEr sammelt, was verteilt sein muß. Er widersetzt\nsich, so gut er kann, dem Kreislauf des Blutes.\nDas Geheimfach des Geizigen ist schauerlich höh-\nnische Nachäffung des Allerheiligsten. Diese An-\nbetung will alles nur für sich, und der Geiz fürch-\ntet immer, sein Verborgenstes sei in Gefahr.\nEr hat Furcht. Doch diese Furcht, eine Furcht\naus Liebe, gleicht nicht den Aengsten um die\nsichtbaren Dinge. Sie hat ein fantastisches Aus-\nsehn. Sie gleicht den Schrecknissen eines Trau-\nmes; sie fürchtet, und es ist keine Gefahr da.\nSie fürchtet aus Furcht. Sie fürchtet den, der da\nist. Sie fürchtet den, der nicht da ist. Als ob\nsein Götzendienst den Abgott in die Welt der\nsichtbaren Dinge höbe, fürchtet der Geizige, daß\neine Hand ohne Arm oder ein Arm ohne Leib im\nDunkeln den Abgott unmerklich anfassen könnte.\nDer Dieb ersetzt dem Geizigen jenes namenlose,\nformlose Wesen, das die Kinder schreckt, am\nAbend, wenn sie allein sind.\nIX\nDem Geiz am ähnlichsten ist die Verschwen-\ndung.\nEin geiziger Vater stirbt und hat seinen Schatz\nvor seinen Kindern verborgen. Ein verschwen-\nderischer Vater stirbt und hat das Vermögen sei-\nner Kinder verbracht.\nDie Wirkungen gleichen einander, die Ursachen\nnicht minder.\nDer Geizige verschließt dem Leben die Quelle\nnach außen, er verhindert, daß es sich ausdehne;\ner will nichts als Sammlung, alles bezieht sich auf\nsie, und sie ist sein Steckenpferd.\nDer Verschwender verschließt dem Leben die\nStrömung nach innen, er verhindert, daß es sich\nsammle; er will nichts als Ausdehnung, alles be-\nzieht sich auf sie, und sie ist sein Steckenpferd.\nDer Geiz und die Verschwendung sind zwei\nFormen der Selbstzucht.\nEin Sprichwort sagt: Der Vater ein Geizhals,\nder Sohn ein Verschwender.\nWenn das wahr ist, dann ist der Sohn, auf der\nFlucht vor seinem Vater, an den Ausganspunkt\nzurückgelangt.\nDer Vater ist geizig: der Sohn leidet unter die-\nsem Laster. Sein Vater versperrt ihm das Leben.\nDer Sohn verabscheut den Vater und wendet sich\nzum äußersten Gegensatz. Er wird verschwende-\nrisch. Da geschieht nun dies: seine Verachtung\nreißt ihn hin, nicht ruht er auf dem Wege. Er um-\neilt den ganzen Kreis, und nachdem er die Reise\num die Dinge vollendet hat, steht er am Ausgangs-\npunkt, Aug in Aug vor seinem Vater. Der Vater\nwollte alles an sich heranziehn; er war geizig; das\nwar seine Art, sich Genuß zu verschaffen. Der\nSohn, durch den Geiz um die Freuden gebracht,\nrächt sich mit Hilfe der Verschwendung und stößt\nauf dasselbe, nur anders gewandete Mißgeschick,\nauf den selben, nur anders gewendeten Tod.\nX\nIch begann mit dem goldnen Kalb. Ich sprach\nvon dem berühmtesten Verbrechen, wie es die\nMenschheit im berühmtesten Augenblick ihrer Ge-\nschichte auf sich geladen hat. Es scheint, die stück-\nweise Untersuchung des Geizes habe den Geist\nvon einem Berg in ein Tal nieder steigen lassen.\nDoch ist es nicht so: dieser Abstieg ist mehr\nSchein als Wirklichkeit.\nWenn man ein Ding in seiner Grundgestalt be-\ntrachtet, zeigt es sich in dem feierlichen Sinnbild\nseiner Schöne oder Häßlichkeit. Wenn man das\nselbe Ding in seine gebrauchsfähigen Teile zerlegt,\nin seine zeitlichen Anwendungsmöglichkeiten;\nwenn man es in der Geschichte ergreift, um es in\nein Haus zu übertragen, verliert es, sozusagen, ir-\ngend etwas seines Ichs: man wird es nicht völlig\nwiedererkennen. Aus seiner Nähe beschaut, gibt es\nsich weniger schön oder weniger häßlich. Nach-\ndem man es rundum besichtigt hat, möchte man\nbehaupten, es habe nicht mehr solche Maßverhält-\nnisse wie damals, als man es von weitein sah.\nDoch dieser Eindruck ist trügerisch. Die Sache ist\ndie selbe in ihrer allgemeinen Darbietung, die selbe\nin ihrer besondern Anwendung.\nWie viele müßten über die Verbrechen ihres\nGeheges entsetzt sein, wenn man sie ihnen von\nweither, im erhabnen Licht der Geschichte vor-\nhielte. Sie erheben nicht, weil diese Verbrechen\nin der Enge geschehn, auf einer Zwergbühne.\nIhnen, klein als Menschen, klein in ihrem Leben,\nschrumpfen die Größenverhältnisse der Verfeh-\nlungen ein. Und dennoch: ein Zwerg kann ein\nRiesenverbrechen vollführen. Denn ein Riesenver-\nbrechen ist nicht ein großes Verbrechen, sondern\nein Verbrechen an einer großen Sache. Das Ver-\nbrechen besitzt keine andre Größe als die des\nNichts und des Nein. Das Uebel ist immer ein\nMangel.\nDer Geizige nun, wie er sich zu Haus und bei\nsich äußert, versündigt sich am ganz Großen. Er\nversündigt sich an der Anbetung. Der Sinai ist nie\nfern von uns. Die mitten unter Blitzen gewaltig\nerhobne Stimme trägt weit. 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Diese Urauffüh-\nrung war daran schuld .. .! Er hätte nie einwilli-\ngen sollen . . . Dieser neue verrückte Komponist,\nweiß der Kuckuck! der ruinierte ihn.\nNicht mehr zu ändern; lassen wir also die\nKarre laufen, wie sie laufen mag.\nEr machte einen derben Witz und zwang den\nschmächtigen Redakteur Hardanger an seiner\nrechten Seite zu einem keuchenden Lachen.\nGespräche wirbelten aufgeregt in den dicken\nTabaksqualm. Alle glühten. Am meisten einer, der\nsonst kalt und berechnend in seiner Redaktion saß\nund mit einer ungemein zähen Ausdauer auf Beute\nlauerte. Eine wilde Entrüstung kochte in ihm. Er\nvergaß seine Ueberlegenheit, die er über Menschen\nbesaß. Er ahnte wohl, daß hier seiner Weltan-\nschauung ein gefährlicher Feind gegenübergetre-\nten sei . . .\nLudwig Raimund warf einen höhnischen Blick\naus seinen großen Mimenaugen zu dem Direktor\nhinüber. Er wollte ihn ärgern, den alten Ekel. —\nEs war sein Prinzip, ihn zu ärgern. Es war seine\nzweite Natur geworden, immer das Gegenteil von\ndem zu behaupten, was seinem Direktor mehr oder\nweniger unerschütterliche Ueberzeugung war.\n— Wahrhaftig . . .! schrie er pathetisch. Wie\nschwer einem genialen Menschen der Weg ge-\nmacht wird . . .\nDer Direktor hüstelte. Seine Augen wurden\ngrimmig. Aber der Mime ließ sich nicht aus seinem\nFahrwasser bringen. Er plätscherte darin mit ver-\ngnügten Händen. Ei, ei, ei, Herr Direktor, bester\nHerr Direktor . . . geht man bereits hoch? Es\nsoll noch besser kommen, es soll schon noch besser\nkommen! Jaja, wir armen Sterblichen, wenn wir\nauch keine Schwerter gegen göttliche Direktoren-\nlaunen besitzen, so verfügen wir doch über eine\nganze Menge Nadeln mit sehr scharfen, außeror-\ndentlich scharfen Spitzen . . . bester Herr Direktor.\nRedakteur Hardanger wurde ängstlich. Er\nfürchtete allen Spott, auch wenn er nicht gegen\nihn selbst gerichtet war. Er litt alle Unbilden, die\nseine Mitmenschen trafen, mit; er war ein zartfüh-\nlendes weiches Gemüt.\n— Ach, Raimund, wimmerte er mit seiner\nhohen immer kläglichen Stimme, das sollten Sie\nnicht sagen. Ein Genie dringt immer durch, früher\noder später . . . Ich meine aber, es muß eben ein\nGenie sein, wissen Sie . . .\nDer Mime krähte.\n— Respekt vor Ihrem Scharfsinn, Herr Redak-\nteur Hardanger . . . Allen Respekt . . . ja. Ihnen\nüberlasse ich gern die Entscheidung darüber ob\neiner ein Genie ist oder nicht . . . Bei Ihnen kann\nes nicht fehlen . . .\nDer ängstliche Journalist wurde traurig. Dies\nwar der Dank, daß man den Schauspieler bei jeder\nGelegenheit gepriesen und gehätschelt, daß man\nganze Spalten mit Lobhymnen über sein geniales\nSpiel gefüllt hatte . . .\n— Ober, noch eine Halbe —! dröhnte am Tisch-\nende die Stimme des Kritikers Hans Mohr. Er fuch-\ntelte mit beiden Armen durch die Luft und sah aus\nseinen blutunterlaufenen Augen •zu dem Mimen\nhinüber . . . Den konnte er nicht ausstehen.\n— Warum reden Sie immer dem Genie das\nWort, Herr Raimund? donnerte er, daß der dicke\nRauch in ängstliches Schwanken kam. Gerade\nSie, Herr Raimund?!\n— Jawohl, Herr Redakteur Hardanger, höhnte\ner weiter, ein Genie zu entdecken ist auch eine\nKunst .... Und da Genies meistens in jeder Be-\nziehung Lämmer sind, weiche Seelen, Kriegsfeinde\net cetera et cetera, so sind Sie vom gütigen\nSchicksal ganz offensichtlich zum Entdecker und\nSchützer genialer Menschen prädestiniert ....\nAch Gott, ach Gott, über die Undankbarkeit\nder Künstler! seufzte der arme Schmächtige in\nsich hinein und fürchtete sich vor dem, was der\nMime wohl noch über ihn ausgießen würde. Aber\nLudwig Raimund wandte sich an den Direktor.\n— Ja, schwer wird den genialen Menschen der\nWeg gemacht, Herr Direktor, sagte er über den\nTisch hinweg. Seine Augen tanzten in boshaftem\nEifer.\n— Die Geschichte der meisten Genies beweist\ndas . . . Die Menschen, in deren Zeit das Genie\nlebt, die sind eben nicht reif genug, um neue Ge-\ndanken aufzunehmen . . . Das ist eine große Ehre\nfür das Genie, aber sintemalen man von der Ehre\nallein nicht leben kann, kommen die meisten Genies\nihr Leben lang knapp am Verhungern vorbei ....\n— Sagen Sie mal, Herr, schrie bissig der Kri-\ntiker Mohr, während er sein Glas hart auf die\nTischplatte stieß, warum leben dann S i e eigent-\nlich so luxuriös?\nDer Mime überhörte diese Bosheit. Was scherte\nihn dieser Bauer! Beharrlich rückte er gegen sei-\nnen Direktor vor. Der mußte blamiert werden\nJa, das hatte er schlau gemacht, der Ludwig Rai-\nmund, Heldentenor und Menschenfeind. Hatte\nseinem Direktor mit dieser verrückten Oper, die\neine neue Kunst einleiten sollte — sagte der Kom-\nponist —: mit der hatte er dem Direktorchen so\nlange in den Ohren gelegen, bis er sich entschloß,\nsie aufzuführen . . . Das liebe harmlose ungemüt-\nliche Direktorchen! Jetzt, wo die Aufführung ganz\nnahe war, jetzt wollte er ihn gehörig packen und\nzwacken. Eine angenehme' Rache für alle die Nör-\ngeleien und Ungerechtigkeiten des Theaterty-\nrannen.\n— Jawohl, sagte er, knapp am Verhungern vor-\nbei. Den Genies geht es sogar noch elender wie\nden Journalisten, setzte er mit einem höhnischen\nSeitenblick auf den Redakteur Hardanger hinzu.\nDer zuckte wieder zusammen und machte sich\nganz klein, indem er eifrig in einer illustrierten\nZeitschrift blätterte und tat, als höre er nichts.\nAber Redakteur Todt gärte auf:\nHerr! Was wissen Sie von Journalisten. Viel-\nleicht, daß manche nicht zu beneiden sind. Die\nfinden Sie aber bloß bei den bürgerlichen Blättern.\nWir Sozialdemokraten, wir sorgen für unsere\nLeute, verstehen Sie. Im übrigen, was Sie da\nüber das Genie vorbringen, ist Schnickschnack...\nWer nicht einmal soviel Kraft hat, sich wenigstens\nerhalten zu können, ohne hungern zu müssen —\nPfui Deibel! wissen Sie. Ueberhaupt: Genie! Wir\nbrauchen keine Einzelgenies, die Masse muß Genie\nsein. Das ist wertvoll und praktisch ... Er warf\nsich in seinen Stuhl zurück.\nIch glaube, es wäre am besten, wenn man alle\nWerke solcher Genies unbarmherzig überginge —\ndas heißt, solange sie nicht Massenkunst bringen.\nDas Einzige, was an Kunst erlaubt sein darf, ist\nMassenkunst. Aber wenn man das den Herren\nsagt, steinigen sie einen. . . Wir werden trotz-\ndem Remedur schaffen. Soviel ich merken\nkonnte, Herr Raimund, hatten Sie vorhin diesen\nkomischen Komponisten im Auge, dessen Opus\nuns heute abend erquicken soll. Na, ich kann\nIhnen sagen, der denkt erstens nicht im gering-\nsten ans Verhungern. Und zweitens versteh ich\nnicht, wie man ihn unter die Genies einreihen\nkann.\nDer Mime unterbrach ihn. Er dächte gar nicht\ndaran und der hochverehrte Herr Chefredakteur\nhätte mit seiner Abwehr nur noch ein paar Minu-\nten warten sollen — dann wäre ihm klar gewor-\nden, daß er den Komponisten und sein Opus durch-\naus nicht für unbedingt genial halte. Der Direktor\nwar wieder in sein unmutiges Sinnieren gefallen,\naber jetzt merkte er wieder auf. Wo wollte der\nhinaus, dieser großschnauzige Mime? Hatte der\nnicht am ärgsten gedrängt?\nUnd Ludwig Raimund, der Heldentenor und\nMenschenfeind, mystifizierte ihn.\nJawohl, Herr Chefredakteur, lächelte er den\nSozialistengewaltigen an, ich bin gar nicht der An-\nsicht, daß es eine neue Kunst sei, was dieser Jo-\nhannes Ehler bringt. Gott ja, eine verrückte Idee,\nbrillant durchgeführt, mit großem Fleiß und star-\nker Kompositionstechnik. Etwas Neues .. .\nAber erlauben Sie, polterte jetzt der Direktor\nlos. Wer sagte mir denn seinerzeit: Das ist eine\nArbeit, die Wagner und Richard Strauß tot-\nschlägt?\nDer Mime machte eine flache Handbeavegung\ndurch die Luft: Ich hab mich eben damals geirrt,\nich war vielleicht etwas zu überschwänglich. Jetzt\nbin ich klarer.\nVorzüglich ist die Arbeit, redete er auf den\nSozialisten ein, insofern sie eine neue Art, — wie\nsoll ich sagen — eine neue Art Handung einführt,\nnicht pedantisch an dem Usus festklebt, es müsse\neine Entwicklung, eine Steigerung und ein Sinken\ndasein.\nDarin ist dieses Werk wirklich groß. Aber ich\nglaube, da macht das Publikum nicht mit.\nAlle waren aufmerksam geworden. Das Thema\nwurde zum Brennspiegel, der alle Gedanken und\nMeinungen anzog und zurückwarf. Der Rauch in\ndem menschenüberladenen Cafe lag wie ein trä-\nges, plumpes Untier über Tischen und Gästen.\nEinige Redakteure, die bis jetzt geschwiegen hat-\nten, mischten sich in die Debatte. Sie verstanden\nnicht viel von Musik, ließen es sich aber nicht\nnehmen, große Urteile abzugeben.\nIch meine, piepte der kleine Schlorter, der\nVerantwortliche, eines farblosen Wochenblattes,\nich meine, man muß — ob man will oder nicht —\nman muß warten. Was das Publikum dazu sagt,\nmeine ich . . .\nAn ihn klammerte sich der Direktor:\nDas ist natürlich bei jeder Uraufführung so.\nDas Stück mag so genial sein, wie es will — am\nEnde hängt der Erfolg doch vom Publikum ab.\nJawohl, das Publikum! seufzte der Mime.\nEigentlich konnte e r sich über das Publikum nicht\nbeklagen. Alle wollen hingerissen werden. Alles\nNervensache. Wenn einer aber so wenig auf die\nNerven seiner Zeitgenossen einwirken will, wie\nunser neuer Komponist. Jetzt, Herr Direktor,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6523, "texte": "nachdem ich die Technik der famosen Elektra ganz\nintus habe. Strauß . . .\nDer wird Strauß rein totschlagen, sagten Sie,\nrein totschlagen! zeterte der Direktor. Die Ge-\nschichte war ihm schon bei den ersten Proben be-\ndenklich erschienen; bei der Generalprobe hatten\ndiese Bedenken einen riesigen Umfang angenom-\nmen. Da war aber die Begeisterung des Helden-\ntenors gewesen; eine tüchtige Kraft hatte sich\nseinerzeit ins Zeug gelegt für diese vermaledeite\nOper . . . Und jetzt ging der Kerl lächelnd über\nseine Ueberzeugung weg und warf eine neue her.\nEin Mißerfolg, ein Zischen und Lachen im Zu-\nschauerraum — Hans Erich Jahn brauste auf. —\nAch was! Richard Strauß, wütete er. Eine Sen-\nsation. Aber dieser Neue, der wird sich durch-\nringen und bleiben. Ich sage: bleiben. Denn\ndas ist! echte Kunst. Echte Kunst siegt immer,\nsage ich Ihnen, Raimund .. . Und wenn Sie\nmutlos geworden sind, ic h bin es nicht. Ich\nglaube immer noch an den Erfolg. An einen\nRiesenerfolg.\nDer Mime ärgerte sich. Daß der Direktor\nzerbrochen war, das wußte er; aber, daß er es\nnicht zeigte, ärgerte ihn.\nSchelten Sie Richard Strauß nicht! zischte er.\nDer ist ein Riese gegen diesen Ehler. Das kann\nich Ihnen versichern. Der schlägt lachend ins\nVolle, daß es nur so aufspritzt . . . Aber nehmen\nSie diesen Ehler! Zimperlich, fein, ästhetisch\nmeinetwegen, wie eine alte Jungfer, die über eine\nPfütze schreiten soll und sich geniert, den Rock\nhochzuheben, und lieber um die Pfütze herum-\ngeht ... Es ist keine Kraft in Strauß, wird be-\nhauptet ... na, Johannes Ehler ist auch nicht mit\nUeberschwang gesegnet. Strauß hat doch mo-\nderne Kraft; die äußert sich durch die Nerven.\nAber — Ehler? Ich glaube, der hat überhaupt\nkeine. Ich bitte Sie, meine Herren, olympische\nRuhe ließ man sich im 18. Jahrhundert gefallen.\nEr sah sich stolz im Kreise um; er hatte seine\nUeberlegenheit wiedergefunden. Aber, als sein\nBlick die Augen Mia Miranas traf, die am Tisch-\nende saß, erschrak er. So verächtlich lächelten\ndiese Augen. Schreckliches Frauenzimmer, die\nihre Kunst auch im Privatleben ernstnahm. Ein\nmoderner Mensch, der ganz in einer Sache auf-\ngeht, das gibt's doch eigentlich nicht.\nSie hatte geschwiegen.\nSie sprach lässig; wie ein Mensch, der nicht\naus der Ruhe zu bringen ist:\nSie loben Strauß, Raimund. Ich auch. Und\nwarum S i e ihn nicht für voll nehmen, Direktor?\n. . Er hat seine Berechtigung, sage ich Ihnen.\nRichard Strauß ist das Zentrum aller filtrierten\nNervenschwäche unserer Zeit ein tragischer\nMensch. Die Krankheit der Zeit ist in ihm zum\nDurchbruch gekommen. Er ist das Opfer und zu-\ngleich der Opferpriester.\nEs ging ein Strom der Stärke von ihr aus, der\nalle beherrschte. Nur dem Mimen saß der Spott\nin den Augenwinkeln.\nSie haben das Tumultuöse, das Stürmende\ngelobt, Raimund. Deshalb preisen Sie Strauß.\nIch preise ihn auch. Aber aus einem anderen\nGrunde. Sie sehen in ihm einen Aufgang, ich aber\neinen Untergang. Unsere Elektra hat Nerven, die\ndes Altertums hatte keine. Das ist die Lösung . . .\nUnd wenn ich Strauß verteidigt habe, muß ich\nauch Johannes Ehler verteidigen. Und das will ich\nzehnmal freudiger tun.\nJetzt schwirrten alle Stimmen auf einmal. Der\nschmächtige Redakteur sah aus großen Augen zu\nder Künstlerin hinüber: diese Stärke, dieses\nSelbstbewußtsein berauschten ihn.\nDer Direktor aber spielte den Ueberlegenen:\nSie geben wenigstens zu, daß Strauß ein Un-\ntergang ist. Der Ausdruck ist wohl aus Nietzsche,\nwenn ich nicht irre. Nicht wahr? Ja .. . aber\nwir brauchen gesunde Genies.\nMassenkunst! Massenkunst! schrie Redakteur\nTodt dazwischen.\nJawohl, sagte Raimund wütend, Sie haben wohl\nStrauß verteidigt, Mia. Aber so gönnerhaft. Das\ngefällt mir nicht.\nLassen Sie genug sein des grausamen Strau-\nßes, witzelte ein kleiner Reporter. Ich möchte\nhören, was Fräulein Mirana von der Oper Ehlers\nzu sagen hat . . .\nSchießen Sie mal los, ermunterte sie der Di-\nrektor. Hier war ein Mensch, der Hoffnung\nhatte. Immer noch stand er vor ihr wie vor einem\nRätsel. Die zweite Saison war sie an seinem\nTheater. Das Publikum betete sie an. Sie hatte\nErfolg auf Erfolg. Aber leichtfertig und nachlässig\nwar sie nicht geworden. Immer ernst und ver-\nschlossen. Im Grunde ein unheimliches Weib.\nDer Mime war blaß geworden und funkelte\nalle aus zornigen Augen an. Sie langweilten ihn,\nsie waren begeistert von dem Frauenzimmer.\nRasseweib, ohne Zweifel, aber kalt wie eine\nHundenase. Unnahbar, zimperlich. Die paßte\nrecht in die Oper dieses Johannes Ehler, als ob,\ndie zv/ei sich einmal gekannt hätten.\nMia Mirana erzählte von dem Werk ihres Ge-\nliebten. Ihre Augen strahlten. Ganz regungslos\nsaß sie, in ihren Stuhl zurückgelehnt, die weißen\nHände im Schoß gefaltet. Ihr Mund stand, eine\nrote Blüte, in dem bleichen Gesicht. Weich und\nleise ging ihre Stimme; sie verkündete alle Süßig-\nkeiten des geliebten Werkes. Ihre Stimme sang\nvon einer Leidenschaft, die still geworden ist, wie\ndas blaue Halbdunkel eines Kirchenschiffs.\nSchwere samtne Vorhänge hingen in diese Stille\nherein. Und diese Vorhänge umschlossen die\ngroße selige Welt. Es wuchs eine Insel aus dem\nMeer. Zypressen zitterten, eine unermeßliche\nRuhe war . . . Aber in diese Ruhe kam der\nMensch. Er litt und lachte, er tanzte und grü-\nbelte, er war voll Ueberschwang und Reichtum.\nEr klatschte in die Hände und scheuchte die Stille\ndavon. Mit ängstlichem Flügelschlag entwich sie.\nDa wohnte aber ein finsterer Mann in dieser Stille,\neinsam und unendlich verschlossen. Der kämpfte\nmit dem Menschen und besiegte ihn. Still und\nversonnen fuhr der Mensch davon, um seinen\nBrüdern und Schwestern auf Erden diesen tiefen\nFrieden zu bringen . . . aber er dachte nicht dar-\nan, daß er über diesem schweren Werk wohl zu-\ngrunde gehen würde . . .\nIhre Worte fielen, einzelne Tropfen, langsam\nhintereinander in eine silberne Schale. Jetzt\nbrachen sie plötzlich ab.\nDer Kritiker Hans Mohr blies schnaufend eine\nschwere Tabakswolke über den Tisch. Sie fuhr\nder Künstlerin mitten in das Gesicht. Ein scheues\nLachen gurgelte aus. Alle griffen nach den Glä-\nsern und Tassen.\nDann erhoben sich einige und zogen die Män-\ntel an. Alle fühlten, daß jetzt nicht mehr gestrit-\nten werden durfte. Dieses Weib hatte gesiegt.\nJetzt kam es auf die Aufführung an. Der Direk-\ntor lächelte vor sich hin, sein Aerger war verweht.\nDieses Prachtmädel hatte alle Kritiker gewonnen.\nUnd das war ein ganz riesiger Schritt zu einem\nguten Ende. Er drückte ihr mehrmals beide\nHände.\nDer einzige, der sich von der Gefühlsduselei,\nwie er es nannte, nicht lange beherrschen ließ,\nwar der Sozialistengewaltige."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "134", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.7", "titre_corps": "rbr — brr — r", "titre_sommaire": "rbr — brr — r", "signature_source": "H. 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Die e r s t e r eist wenig-\nstens im Ganzen einheitlich (wenn auch völlig ver-\nfehlt).'4 Ein Blasebalg, der erstere Ausstellungen\nnach Rezepten arrangiert, ist eine Doktorfrage und\nein Bild, das höchstens Herrn Robert Breuer, den\nGroßvater des Herrn —r, befriedigt hätte. Klas-\nsisch allerdings ist das Bild trotz Berufung auf\nMarinelli, den Prinzen der Emilia Galotti nicht. Da\nhatte doch der Vater des Herrn —r, Herr rbr, mehr\nPhantasie. Als der am sechsten Mai 1913 die Aus-\nstellung Der Sturm besuchte, rühmte er den Maler\nGimmi: „Der Gimmi hat ernste Augen; er sieht\ndas Pathos herbstreifer Sonnenblumen und die\nschweigsame Größe eines Eisenbahnviadukts.\"\nHerr rbr sah die schweigsame Größe, obwohl das\nBild Eisenbahnviadukt von Gimmi niemals in der\nAusstellung hing. Nur der Titel des Bildes stand\nim Katalog. Das Bild selbst war vor Eröffnung\nder Ausstellung bereits in eine Sammlung überge»\ngangen. Die schweigsame Größe hingegen nicht\nauf Herrn rbr. 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So gegen sechs Uhr morgens.\nIch stehe über der Moldau, und man nennt mich\nNepomuk,\nDer dreißigjährige Krieg ist noch nicht all zu\nlange aus,\ntrommeln die Eisschollen unter mir.\nMich fröstelt.\nDas Haus da im Ghetto muß ich wieder finden.\nUeber alte Leuchter, Schlüssel, Ringe, Bücher\nzieht sich zähes Licht»\nDieser weiße Mann, die Lupe vor den Augen,\nSignatur auf staubigen Gemälden suchend,\nnickt mir zu, Zichorienbrühe dampft.\nRotes Hemd und grünes Unterröckchen\nhängen lose um ein zederbraunes Kind,\ndem ein Kater um die nackten Beine knistert.\nJa, das sind die Schultern, die sich auf dem\n' Scheiterhaufen bogen\nwie im Feuer deine doch zu dummen Briefe.\nWar es wirklich meine Hand, die einst dein\nUrteil unterschrieb?\nSteinern steh ich in der stickigen Stube,\nfühle mich ganz Graf von Monte-Christo,\nblech dem alten Itzig zwanzig Hundertkronen-\nscheine\num die Gunst, sein Töchterchen sogleich zu\nhymen\nrect zu ehelichen, schnurks nach Villach abzu-\nfahren\nin mein Schloß."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 232, "texte": "Um so ein anderes Jahrhundert einigermaßen\nwieder gut zu machen,\ngut zu machen, gut zu machen.\nSo. 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Aber was die Wechselbeziehun-\ngen zum Publikum anlangt, so ist mir dergleichen\nnoch nicht fühlbar geworden. Ich kenne viele\neinzelne Heuochsen, doch das sogenannte „Publi-\nkum\" ist mir, Gott sei Dank! unbekannt. Die lob-\nhudelnden oder tadeltriefenden Briefe aus der\nMenge gebären immer wieder nur den mehr min-\nder uninteressanten Alphabeten. Wer ist nun mei-\nstens dieser Alphabete? Ich fand — und ein\nBlick, geschickt in etwelche Leihbibliotheksräume,\nwird es jedem finden helfen — die Masse der Ge-\nwohnheitsleser besteht aus Unbefriedigten, aus\nLeuten, die im Leben zu kurz kamen, aus weib-\nlichen oder weiblich veranlagten Naturen, ich ge-\nbrauche nicht ganz tautologisch gewählte Worte,\nwenn ich behaupte: sie besteht aus halbintelli-\ngenten Mädchen, Damen, jungen Juden und Lite-\nraten. I)er Bürger, der robuste Normalmensch\nund Lebensmann liest nicht, läßt sich nicht von\nden Opiaten, Phantasien und Fiktionen der Schrift-\nlichen behelligen, erwirbt dergleichen Quark höch-\nstens wahllos, zu Geschenkzwecken oder zur Fül-\nlung eines präexistenten Bibliothekschrankes.\nWas erwirbt er wahllos? Utensilien, welche ihm\nvon den Vermittlern: von den Verlegern, apotro-\npisch wirkenden Zensoren und von den Be-\nsprecherichen als preiswert hingestellt werden.\nDas Werk des Autors ist fast immer einem nicht\nsehr korrekten Selektionsprozeß ausgesetzt. Oft\ngenug überlebt es nicht die erste Instanz, bleibt\nvom Lektor unbenagt, wenn der Verfasser nicht\nGeld genug hatte, sein Manuskript maschinschrei-\nben zu lassen. Der Durchschnittsverleger wieder\nwendet sich ab von Operaten, denen die behörd-\nlich vorgeschriebene Anzahl von Küssen fehlt,\nschaudert zurück vor jenen makelhaften Mach-\nwerken, deren „Schluß\" keineswegs die ebenso\ngeschickt als „keusch\" hinausgezögerten Koitus-\naussichten Verlobter andeutet. Die Vervollkomm-\nnung des Durchschnittsverlegers: der Zensor und\nSterilisator scheidet irreligiöse, unbyzantinische\nund vor allem jene Bücher aus, die Ausdrücke der\nVulgärerotik enthalten, welche nur in phantastisch\nirrealen Räumen — Cafes, Weinstuben, Bordel-\nlen, Familienwohnungen — täglich xmal benützt\nwerden.\nIst das Opus doch erschienen, hinkt die Presse,\nWenn es sich um wahrhaft etwas bedeutende\nWerke handelt, meist kläglich nach. Verleger,\ndenen Zeitschriften als Verlagsprospekte zur Ver-\nfügung stehen, sind also relativ im Vorteil. Sie\nkönnen ihre kostspieligsten Autoren durch häufige\nNennung des zu schaffenden Namens und grellere\nReklamemittel dem Gehirn des Lesers, des Lite-\nraten, ues Redakteurs einleiden. In solchen Re-\nvuen beginnt die Beeinflussung kritischer Snobs..\nund der produktive Mensch, der Künstler, blickt,\nnicht gerade sehr gerecht, aber auch nicht ganz\nungerecht auf den dergleichen reproduzierenden\nHalbmann, den Kritikastraten mit jener Verach-\ntung, wie sie etwa das Gehirn „Mann\" für den\nGeschlechtsteil „Frau\" übrig hat, und umgekehrt.\nAbhilfe brächte da nur — Waschzettelfabrikation\ndurch einen vibrographischen Apparat, durch\neinen Literaturautomaten. Denn die heute noch\nvegetierenden Surrogate sind Inkarnationen des\nMangels. Gewiß, das Zeitungswesen nähme von\nmancher großen Erscheinung keine „Notiz\", wenn\ndie vielverleumdete Freundschaftskritik nicht da-\nzu zwänge. Ich verstehe allerdings unter Freund-\nschaftskritik nicht jene in gewissen Berliner Cli-\nquen herrschende süßliche gegenseitige Gleißnerei,\nnicht jene mit etwas Druckerschwärze ausgeübte\nmutuelle — Kritik, eher das mannhafte Nichtver-\nschweigen der Vorzüge und Fehler des Berede-\nten. Aber das gesamte Rezensionswesen hebt an,\nin Hochstapelei auszuarten. Es gibt schon Auto-\nren, die Meister sind; nämlich im Herauslocken\nvon Kritiken. Bauernfänger, die unter dem Vor-\ngeben, sich dereinst im Neutitscheiner Tageblatt\nzu „revanchieren\", übermäßige Gefälligkeiten\neines Grünspechts in Anspruch nehmen, und wenn\ndas jugendliche Opfer einmal keine Lust hat zu\nfunktionieren, sofort tödlich beleidigt sind — bis\nzum Erscheinen ihres nächsten Buches. Sie selbst\nsind meist geübte Totschweiger und Mörder von\nRezensionsexemplaren, harte, kluge Egoisten, die\naus guten Gründen vorschützen, sie hätten kein\nOrgan, wo sie ihren kritischen Schleim absondern\nkönnten; hüten sich weislich, derartige Organe\nzu akquirieren. Man mag dergleichen je nach\ndem Temperament einen traurigen oder lustigen\nZustand nennen. Er ist der in den Berliner Lite-\nraturcafes stationäre. Aber Waschzettel, Freund-\nschaftsrezensionen, mutuelle Kritiken oder wie\nman sonst diesen Propagatorenunfug nennen will:\nall dies versagt sofort einer gewaltigen Schöpfung\ngegenüber. Ihr tritt die Totenstille entgegen, sel-\nten vom Herzen kommendes Lob. Es ist ein\nfabelhafter Beweis für den Unwert der kritischen\nKinkerlitzchen, daß Aage von Kohl, der\nstärkste Epiker, der seit dem Tode Dostojewskis\nerstand, mit seinem „Palast der Mikro-\nben\", mit seinem „Weg durch die Nacht\",\nden besten objektivsten Büchern, die je gegen To-\ndes- und Kriegesstrafe geschrieben wurden, in\nDeutschland fast unbekannt blieb. Es ist ein un-\nbarmherziger Beweis gegen den heute üblichen\nLiteraturmarktbetrieb, daß aber schon sehr aka-\ndemische Verleger, die sich im wesentlichen auf\ndie Ausgabe modern frisierter, iibertünchter En-\ngelhornromane beschränken, daß die Staackmann.\nUllstein, Fleischel, Cotta und auch der anno „Freie\nBühne\" verdienstliche, weil damals radikalere\nS. Fischer prosperieren, während der deutsche\nVerlag, der sich gegenwärtig in seinen episch-\nbelletristischen Neuerscheinungen wohl das\nhöchste Durchschnittsniveau leistet: Ruetten und\nLoning selten ein Buch über die zweite Auflage zu\nspedieren vermag!\nFachsimpelei? Ich konstatiere bloß allerhand.\nBeispielsweise noch ein paar Tatsachen. Einem\nDruckwerk, gleichgültig welcher Art, vermögen\nnach fachmännischer Ansicht — ich bin Laie —\nFeuilletons in den großen Tageszeitung mehr zu\n„nützen\" als seine Qualitäten. Gutenbergs Erfin-\ndung hat momentan die Wechselbeziehungen zwi-\nschen Dichter und Publikum auf diese sehr ein-\nfache Formel reduziert. Man kann antworten:\nwer das verschleierte Bild von Sais enthüllt, darf\nsich über den Achselschweiß dieser Person nicht\nbeklagen. Aber es bleibt das Faktum bestehen,\ndaß die meisten Schriftsteller im jungfräulichen,\nungedruckten Zustande Besseres produzierten als\nes später der Ekel vor dem Betrieb und seinen\nschmierigen Folgen zuläßt. Ebenso unumstößlich\nfest steht: die kleinen Literaturblätter, die sich\ninfolge der Indolenz des Publikums eine zahlungs-\nfähige Moral und Ausstattung leider nicht gestat-\nten können, stehen himmelhoch über den großen,\ndicken Schmalzrevuen, diesen Organen unserer\nNeunzigjährigen. Aber jede dieser fettig materi-\nalisierten Rundschauen, von denen keine einen an-\nderen Namen als „Das Antiquariat\" verdient, ist\nmoralisch sympathischer als ihre beliebtesten Auto-\nren, die gestern noch problemquasselnd, extrem-\npsychologisierend den jeweiligen Hamsun verzapf-\nten, heute bereits perfekt goethein oder als Wells-\nkopisten die prüdesten Monatshefte verschweinen.\nEbenso erging es unseren vormals interessanten\nWitzblättern; sie sind längst bourgeoisreif gewor-\nden und das Entzücken der! Bierbürger, im übrigen\naber höchst überflüssige illustrierte Wochenaus-\ngaben der politischen Tageblätter. Viele Verleger\nund Schriftsteller rechnen nun, „um nicht letal ab-\ngehen zu müssen\", mit dieser Saturiertheit des\nPublikums, mit der Scheu des Massenhirns vor\ndirekten, krassen Büchern, setzen ihm Allerwelts-\nsuppen vor, nicht gerade kondensierte Brühen.\nAber ob die Verleger nun — geschäftstüchtig —\nRomanbibliotheken führen oder jeder ihrer Auto-\nren sich selber eine schreiben muß, ob sie das\nUniversum mit Rezensionsexemplaren über-\nschwemmen oder sich einem ebenso berechtigten\nGeiz hingeben, ob sie einander zukunftbesitzende\nAutoren abspenstig machen oder einer weitgehen-\nden Anständigkeit fröhnen, ob die Verleger unter\nder Rentenhysterie ihrer in Watte gewickelten\nAutoren jammern, die — zeitgemäß — am lieb-\nsten geschützte Verlagsbeamte sein möchten, oder\nob sie nervöser, sadistischer ihre Autoren die\nDruckkosten bezahlen lassen: der Verleger kann\nsein Ziel erreichen, er kann prosperieren. Das\nPublikum auch, es kann aus dem Buch-Haschisch\ndie wohligsten Betäubungen und Verdummungen\nziehen. Nur der Dichter bleibt immer zielfern,\nerliegt immer irgendwann dem Kontrast zwischen\nseiner Zeitlichkeit, Zeitgebundenheit, Zeitgefangen-\nheit und der endlich alles niederschmetternden\nEwigkeit. Aus diesem Grunde, weil Publikum\nund Verleger konstant, ewig, sozusagen unaus-\nrottbar sind, immer da sind, bestenfalls als fein-\norganisierte Materie, Hyle . . . immer da sind,\nohne Varianten, in identischen Wiedergeburten ...\nder Dichter aber ärgerlicherweise konstant ist,\ndas vergänglichste und seiner Vergänglichkeit\nheute frech, morgen bescheiden bewußteste We-\nsen ist: möchte ich vom Dichter, Verleger und\nden Publikiimmernissen am liebsten absehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c014", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "135", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.10", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.7", "debut_caractere": 9201, "fin_caractere_exclue": 9657, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt®\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nArthur Babillotte\nIm Schatten des Korsen / Roman\nVerlag Karl Reißner / Dresden\nAa&e von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütten und Loening / Frankfurt a. M.\nIm Palast der Mikroben\nVerlag Haupt und Hammon / Leipzig 112"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c015", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 500, "fin_caractere_exclue": 1041, "texte": "St&ndige Ausstellungen\nder Zeitsebrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Straße 134 a\nNeunzehnte Ausstellung\nKubisten\nGeoffnet t§glich von 10—Uhr j Sonntags \\on\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nDezember: Alber Bloch\nVom 20. 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Januar ab 20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndarch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraßenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwlinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bd\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nzumfflnftendes ersten Monats einzu-\ns en den / Andernfalls nehmen wir an, daS E i n -\n2ieh un g des Betrages durch Nachnahme\nmiter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwflnscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Flgul&re /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c017", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 2756, "fin_caractere_exclue": 4792, "texte": "Originalholzschniite / Handdrticke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde ./ Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige Straße\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande 111 /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz / Umber t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c018", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 4794, "fin_caractere_exclue": 5333, "texte": "Zeitschriften\nLa Route / Revue del' Effort Social J Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lnd6pendance I Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Fransaise / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontjoie / Halbmonatsschrift / Paris / Chauss6§\nd'Antin 38"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c019", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 5335, "fin_caractere_exclue": 5565, "texte": "Haro / Monatsschrift / Brttssel\nLes Cahiers du Centre ! Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris I Recucil Mensuel / Paris/\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Velesiaviaova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c020", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 5567, "fin_caractere_exclue": 5575, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-11-02-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-11_02#c021", "volume": "bmtnabg_1913-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "debut_caractere": 5577, "fin_caractere_exclue": 7837, "texte": "Soeben erschienen: Kandinsky 1901—1913 /\nMonographie mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen ,/ Mark 10 / Verlag Der Sturm /\nBerlin W 9\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten\nPremier Hvre simultane / Blaise Cendrars /\nLa Prose du Transsiberien et de la Petite Jehanne\nde France / couleurs simultanees de Mme Sonia\nDelaunay-Terk / Edition unique, atteignant\nla hauteur de la Tour Eiffel (vol. 10X36 cm\n2 metres) 150 exemplaires, dont 8 sur Parche-\nmi n ,couverture a la main, chevreau noir Prix\nnet Frs. 500— /36 sur Japan-Imperial, cou-\nverture ala main, parchemin Prix net Frs. 100— /\n106 sur Simili-Japan, couverture a la main\nchevreau noir Prix net Frs. 50— / Tousles exem-\nplaires sont signes pas les Auteurs et numerates a\nla presse / Edition des Hommes Nou-\nveaux, 4 ruedeSavoie, 4 Paris / De-\nPot: Der Sturm Berlin W Potsdamer-\nstraße 134 a / Prospectus gratuit\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaßige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLfitzow 5850 I Spezialgeschfift fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes iiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des fleftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nPrazske Umelecke DHny I Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.1", "texte": "Umfang: acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS NOVEMER 1913\nNUMMER 186/187\n\nInhalt:\nFranz Marc: Kandinsky / Josef Tress: Gedichte / Hello: Das goldene Kalb / Artur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / H. W.: rbr\nbrr — r / Albert Ehrenstein: Literatur / Kandinsky: Zeichnung\n\nKandinsky: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.2", "texte": "Kandinsky\nFranz Marc\nWie freue ich mich, über Kandinsky schreiben\nzu dürfen. Wenn ich ihn mir im Geiste vorstelle,\nsehe ich ihn immer in einer breiten Straße, in der\nsich fratzenhafte schreiende Gestalten drängen;\nmitten durch sie geht ruhig ein kluger Mensch: das\nist er. Kubin müßte ihn so zeichnen.\nKandinskys Bilder dagegen sehe ich in meiner\nVorstellung ganz abseits der Straße in die blaue\nHimmelswand getaucht; dort leben sie in Stille ihr\nFeierleben. Sie sind heute noch da und werden\nbald ins Dunkel der Zeitenstille entweichen und\nstrahlend wiederkommen wie Kometen.\nWenn ich an diese Bilder denke und zugleich\nan das, was der Europäer „Malerei\" zu nennen\nsich gewöhnt hat, so habe ich ein Bild in meiner\nVorstellung, wie „der Geist\" die Malerei heimsucht;\nia und schwer heimsucht! Sie hatte sich so wohl\nohne ihn gefühlt und ist nun höchst erschrocken\nund schlägt verzweifelt um sich, um den „Geist\"\nnicht eindringen zu lassen. Das müßte Paul Klee\nzeichnen. Nur er könnte das.\nUnd noch etwas empfinde ich, wenn ich an\nKandinskys Bilder denke: eine unsagbare Dank-\nbarkeit, daß es wieder einmal einen Mann gibt,\nder Berge versetzen kann. Und mit welch vor-\nnehmer Geste hat er dies getan. Es ist eine un-\naussprechliche Beruhigung, dies zu wissen.\nWie töricht sind alle Versuche, gegen Kan-\ndinskys Kunst anzugehen. Da gibt es eine beson-\ndere Art von Denkern, die heute noch ernsthart\nerörtern, wieweit Kandinskys Kunst überhaupt\nmöglich und vorstellbar ist; sie vergessen vollstän-\ndig, daß diese Bilder ja längst gemalt sind, schon\nda sind. Jedermann kann sie sehen. Aber so ist\nes: alle die ihr trockenes Herz nicht klopfen fühlen\nvor den großen Werken, schmähen nach gemeiner\nLeute Art eben diese Werke, statt an sich selbst\neinige einfache Fragen zu stellen. Sie holen eine\nverstaubte Logik aus dem Winkel ihrer Schuler-\ninnerungen und prüfen mit ihr die Bilder. Sie\nmessen die Flugkraft des Vogels mit dem Zollstab.\nLassen wir sie. Es ist schade um Zeit und\nWort. Es gibt ganz Anderes, über das man nach-\ndenken muß. Können Dinge, die einmal geschaf-\nfen sind, wieder vergehen? Können sie geleugnet\noder auch nur von der Stelle gerückt werden?\nWir Maler kennen jenen geheimnisvollen Moment\nin unsrer Arbeit, in dem das Werk zu atmen\nbeginnt. Es fällt von uns ab und beginnt sein eige-\nnes Leben. Waren wir auch zu Beginn Herr des\nBildes, so werden wir in diesem Moment sein\nSklave. Es sieht uns fremd, groß, mahnend, zwin-\ngend an. Das Früh oder Spät dieses wunderbaren\nAugenblickes gibt ein feines Kriterium der Kunst\nab. Wir Maler wissen dies. Manche, Allzu-\nviele, bleiben bis zum Ende die Herren ihrer Bil-\nder. Je gebieterischer der Maler in der Welt\nauftritt, desto armseliger, sklavischer sehen ge-\nwöhnlich seine Bilder aus. Darum werden diese\nMaler im Leben immer mehr gefeiert als ihre Bil-\nder, an denen nichts zu feiern ist, da sie ja nur\nnach Vorschrift ihrer Herren entstanden sind, —\nein trauriges Symptom aus dem Lebenslauf vieler,\nvieler unsrer berühmten Maler; sie schufen als\nJünglinge mit ehrlicher Hingabe ihre ersten schö-\nnen Sachen und enden als große Herren mit ganz\ndummen Erzeugnissen.\nDie echten Werke lösen sich nach dem ersten\nAnfang schon von dem Willen des Schöpfers ab.\nEs scheint mir, daß heute gar nicht viel solche\nWerke entstehen. Zu den seltenen Ausnahmen\ngehören die Werke Kandinskys; sie sind nicht aus\nsterblichem Willen geformt; ihr Eigenleben läu-\nterte sein Wollen und hielt ihn bei der Arbeit in\nBann; ihr Sein ist unsterblich. Ich sehe sie wieder,\nan die Himmelswand gestellt — warum sollen wir\nnicht glauben, daß ein Erzengel sie dort gemalt hat,\nDinge aus seinem Reich, djurch die Hand unseres\nFreundes Kandinsky?\n\nGedichte\nJosef Tress\n\nAn die Jodlerin\nIch bin in uralte Berge hinabgestiegen,\nWarmverborgener Bäche Rieseln zu hören.\nDiese harten Häuser sind mir fremd.\nIrgendwo hat mich herzliche Heimat umschlungen.\nZärtliches Saitenspielgoldhaars Berührung\ndurchzuckte mich.\nAber diese Mauern sind Stein.\nUm meine Brust flatterten blaue Himmelskelche.\nKeuscher Blütenschnee küßte mich.\nAber meine Hände greifen schwarz.\n\nIm späten Lampenlicht\nAuf den Burgen der Teufelin Wut\nThronen des Augenpaars Pechfackeln.\nUnd wollen den weichen Sternrasen verwüsten\nMit den geballten Stahlarmdrohungen.\nDa kommen die Löwenkäfigschritte\nWider die grellweiße Leere zum Kampf\nangeduckt.\nUnd die grellweißen Wände bevölkern\nBegräbnisse.\nDoch ein rauchender Turm von Groll steht auf.\n\nDer Flieger\nWindmühlen reißen aus den Wurzeln ab.\nWolkendurchbohrende Dome flattern auf.\nAufrecht sind alle Augen wie Rauchsäulen.\nIch zerbreche des stummen Gewölbs Blumen-\nstengel.\nTreppen aufschmettr ich zum jüngsten Gericht,\nDessen Gerüst die Posaunen errichten.\nAm kühnsten läut ich in blauer Himmelsstunde,\nBreche, wolkenbruchatmend, Rosen auf\nMärchenwiesen.\nAuf Märchenauen pflück ich Edelweiß.\nIch zerschelle am eignen azurnen Wagnis\nUnd blute einen Siegesschrei.\n\nHeimgang\nI\nDes Bräutigams Augen überfließen ins Haus\ndes großen Geists,\nDie Hellsehenden in der Haft.\nWann der zarte Sohn der Welten über den\nabendlichen Wassern scheint,\nWie der Schaft der Silberbirke.\nSanft weint der Bräutigam des Lichts,\nErfleht verzückten Munds Heimgang,\nAuflösung in der flügelrauschenden Heimat.\nII\nMeine Seele schluchzt in den grasgrünen Rasen,\nZermalmt von Glocken und Orgelgebraus,\nUnd sinkt in den zeitlosen Märchenschlaf,\nUnd will Lilien tragen unter den Weißgekleideten.\nIch schaue dich mit geistigen Augen\nBlumenschau haltend über den Rosenwolken.\nHymnen will ich dir singen am Tag des Heiligen,\nIn Weihrauch wallend unter den Chorknaben.\n\nHello: Das goldene Kalb\n\nI\nDas Rote Meer hatte sich geöffnet, der Sinai\nzu rauchen aufgehört. Unter verwelkten Rassen\nwar ein Volk, eines, Hüter der Einheit Gottes.\nAlso stand es vereinsamt auf Erden; seine Ge-\nschichte, außergewöhnliches Schicksal, schlug es\nhin nach Ägypten; dort, in dem Heimland gar der\nAbgötterei hat es sich dennoch den Sinn seines\nDaseins bewahrt, die Nachbarumschlingung ver-\nmieden und seine Sendung deutlich bezeugt. Die\nschlichte Riesengestalt des Moses, um die Erlö-\nsung zu verkünden und auch zu verwirklichen,\nhob sich hoch aus dem Kern dieses Volkes. Auf\nder Weide schaute Moses den brennenden Dorn-\nbusch; dort war es, wo er den Namen des Herrn\nerbat; dort auch, wo ihm der Herr seinen Namen\nnannte, und Moses ergriff ihn, den Namen, und\nnahm ihn mit sich, wie ein Krieger, wenn er sei-\nnen Harnisch hat. Vor dem Worte, das Moses\ntrug, wich entsetzt das Rote Meer zurück; und\ner zog mit dem Tetragramm durch die Wüste, und\ndie Geschöpfte neigten sich seinem Schreiten, als\nerkennten sie: dieser ist der Schutzengel des\nfurchtbaren Namens.\nNoch mehr geschah; der Sinai atmete Flam-\nmen. Moses hielt stand vor der Herrlichkeit und\nhat ausgeharrt dort auf der Höhe des Berges.\nZur selben Zeit grub sich die Götzensucht ins\nHerz der Juden, fraß sich hinein in das Herz des\nVolkes, am Fuße des Siani gelagerten Volkes, da-\nmals, als es die Rückkunft des Moses erwartete,\nindes Moses bei Gott war.\nUnd das goldene Kalb gerann zum Urbild der\nAbgötterei, verblieb ihr Wort und ihr Zeichen.\nDas Heidentum selbst war in diese Gestalt er-\nstarrt, Irrwahn und Blendwerk, Götzendienst, so\nfrech gewagt, wie bis dahin vielleicht nie vorher.\nII\nDer Abgott hat die Erde weithin besetzt; man\nhat sich abgestumpft und nimmt es keineswegs\nwichtig. Der Dämonenglaube, nicht mit Sehrek-\nken erfüllt er die Menschen, sondern nahzu mit\neiner lebhaften Andacht. Daß die Völker Heiden\nwaren, lernt das Kind. Es empfängt diese Nach-\nricht in einem Alter, wo es noch nicht imstande ist,\nsie nach Gebühr erstaunt aufzunehmen; und man\ngedenkt ihrer in einem Alter, wo man nicht mehr\nfähig ist, ihr, was angemessen wäre, mit einem\nSchaudern zu begegnen. Diese beiden Alter sind\nbei den meisten Menschen durch kein Band, kein\nmähliches Uebergleiten verbunden; und die kurze\nirdische Laufbahn lang haben die Wenigsten Zeit,\ndem Heidentum nachzusinnen, es verblüfft, ja an-\ngewidert mitanzusehn. Man hat doch so Vieles\nzu tun, und die Tage sind kurz.\nDer Ueberraschten Einer hebt wohl die Augen\nzur Sommernacht und sucht bei den Sternen eine\nRuhstatt: die fernhohen Lichter, von unsern Ge-\nräten, Berechnungen, Gläsern und Ziffern bis in\nden Absturz der Himmel verfolgt, verheißen, o\nSchein, dem gehetzten Blick eine Zuflucht. Aber\nwas nicht vorauszuahnen war, ist eingetroffen:\ndie Erde hat den Sternen Namen verliehn, und\ndiese Namen sind die Namen von Dämonen.\nUebereilen wir die Jahrhunderte; wir sind in"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.3", "texte": "Judäa und Petrus der Fischer wirft seine Netze:\ndas Heidentum wimmelt allüberall. Doch acht-\nzehnhundert Jahre nach Petrus, dem Fischer,\nkann ich nicht sagen: Blicket nach China, auf\nseine Götter aus Stein oder Metall, sondern ich\nmuß sagen: Blicken wir, wohin wir wollen, über\ndie Erde, und wir werden sehn, was wir am Fuße\ndes Sinai gesehn haben: das goldne Kalb.\nIII\nDer heilige Petrus, in der gedrängten liefe\nseines so reichen Wortes, hat das goldne Unge-\ntüm dort aufgetrieben, wo es ist. Der heilige Pau-\nlus, der Augenwelt und Abgrundwunder äußerst\nunvermutet ineinandertauscht; er, der ein Wesen\nmit einem Worte behandelt und, schon unterwegs\nzu Neuem, nie länger weilt, nicht länger als etwa\nein Schreiber braucht, um zwischen zwei Satz-\nglieder einen Beistrich zu senken; der heilige\nPaulus trifft ihn wörtlich, den Götzen der Neuzeit:\ner nennt ihn den Geiz.\nDie Liebe zum Geld ist eine Abgötterei, auf die\nhinzuweisen um so verdienstlicher wäre als sie\nsich verkleidet darstellt.\nSie hat zwei Seiten: die Begierde und den\nGeiz. Man spricht oft von Geldgier. Man spricht\nselten vom eigentlichen Geiz; und doch ist der\nUnterschied groß.\nDie Leute stutzen, wenn sie der Gier begeg-\nnen, denn die Gier ist aufrührerisch und gellend.\nSie zeigt unverhüllte Leidenschaften, betreibt Ge-\nschäfte, hat ein Ziel; sie will mehr haben als sie\nhat, und dann noch mehr und immer wieder mehr!\nDas erregt Aufsehn, oft Angst: man ist bedroht.\nDenn wer die Welt in Bewegung setzt, um genug\nzu haben, genug Ehre oder genug Geld, gefährdet\nsich und die andern, an ihrer beiden Erzruh oder\nauch nur an ihrem Lügenschlaf. So fällt er auf;\naber nicht, daß die Leute, fest überzeugt, die\nWeisheit bestünde im Nichtstun, ihm nun den\nMißbrauch seiner Tätigkeit verübelten, nein, seine\nTätigkeit selbst überhäufen sie mit Vorwürfen.\nUnd gerade dadurch bieten sie dem Laster unter\ndem Schirmdach der Tat einen Schutz.\nGier wie Ehrsucht schaffen offenbar; aber der\nGeiz hütet sein Geheimnis. Ihms zu entreißen,\nwäre nicht schade.\nFast alle Leidenschaften haben ihr eignes Ge-\nsicht; es hindert sie zumeist, verbietet ihnen, un-\nbemerkt vorbeizugleiten. Sie eröffnen sich den\nAugen dessen, der sie erleidet, wie dem, der sie\nbeobachtet; ihr Tonfall, ihr Mienenspiel rufen\nihren Namen. Irrtum, gewiß, geschieht leicht und\nhäufig. Jedoch wenn der Zorn einen Menschen\nim Sturme nimmt, werden er und seine Umgebung\nmühlos sagen, welche Besessenheit ihn ergriffen\nhat. Die Leidenschaften bilden am liebsten Rui-\nnen, und auf dem Ruinenwerk bleibt die Inschrift\nihres Namens. Die Ehrsucht, einmal befriedigt,\nkann sich unmöglich verbergen halten.\nDer Geiz beträgt sich anders.\nin seinem Grundsatz heimlich ist er es auch\nin seinen W/irkungen. Er verlangt keine heftige\nAufwallung, keinen äußern Ausbruch: gleich man-\nchen Tugenden sucht er die Dunkelheit. Er ver-\nmeidet den Auflauf, er strebt zur Sammlung sei-\nner selbst, er verbirgt, er vergräbt, er gibt acht\nund verschleudert nicht, er behauptet, daß er ver-\nmehre, nicht vernichte. Er leiht sich die Züge und\ndie Namen der Vorsicht, der Sparsamkeit, der\nWeisheit; er spricht etwa von der Sippschaft,\nden Kindern, und daß man im Hinblick auf die\nZukunft sich einschränken müsse. Er kann sogar\nvon Barmherzigkeit reden. Denn wenn er spart,\nnicht wahr, spart er doch für irgendwen.\nDie andern Leidenschaften weisen, scheint es,\ndurch ihr ganzes Gehaben geradezu peinlich ge-\nnau auf ein elendes Ende. Nur die Habsucht tut,\nals führ sie zu einem gescheiten, einem dauerhaf-\nten, aus Geduld und Ueberlegung aufgebauten\nGlück. Jedoch am Tage des Zusammenbruchs\nwird ein sorgsamer Lauscher das Lachen des\nUngetüms hören, unter den Trümmern das ver-\nsteckte Kichern: der Geiz war da, ihn hatte nie-\nmand beachtet.\nWenn der Mensch sich selbst prüft, erkennt\ner die Hauptlaster, deren Namen er weiß, un-\nschwer in seiner Seele. Im Kreis der Todsünden\nsind einige aufdringlich, andre nicht so sehr. Der\nGeiz wird selten bemerkt. Einer kann sein Leb-\ntag Geizhals gewesen sein und stirbt, und seines\nGeizes ward er nicht inne.\nUeber manche Verbrechen scherzt man;\nmanche rühmt man mit Stolz. Man scherzt nicht\nüber den Geiz und rühmt sich nicht seiner, aber\nman nährt ihn lange mit dem Herzblut, solange,\nbis man tot ist.\nDer heimliche Götze ist ein traurig Ding, gräm-\nlich, greulich, unheilvoll; dennoch, in die ganz\nunterirdischen und innerlichsten Einzelheiten des\nDaseins gilt es vorzudringen, will man sein dunk-\nles Antlitz erfassen: o dieser Götze heischt von\nseinen Gläubigen eine Dauerspende: ununter-\nbrochen ihr Leben. Er begnügt sich nicht mit\ndem Wort; er will ein wirkliches, tatsächliches\nOpfer. Er ist ein harter Herr, treibt seine Macht\nins Ungemeßne, und Mitleid ist ihm fremd.\nIV\nWie jeder Liebhaber hat auch der Geizige ein\nzuinnerst verschwiegenes Vorurteil und verbindet\nes mit allem.\nAngenommen, einer wäre sanft und anmutig\nhöflich, wagte weder zu widersprechen noch die\nStimme zu heben. Um nun den Augenblick, v/o\nsein Abgott sichtbar wird, gerade recht zu ergrei-\nfen, muß man ihn in seiner Häuslichkeit über-\nraschen. Er selbst sieht diesen Augenblick von\nsehr weither kommen, und seine Züge, bis dahin\naus einer Art allgemeiner Gutmütigkeit zusam-\nmengezogen, kräuseln sich leichthin und so als ob\nman einem den Rand einer frühern Wunde be-\nrührte. In ihm das Ungeheuer hat sich bewegt\nund hat ihn erschüttert. Dringt man weiter, ant-\nwortet das Ungetüm mit einer neuen Bewegung,\neiner wenn auch plumpen, doch ganz gewissen,\nund obwohl ihn scheinbar nichts Düsteres be-\nschäftigt, verdüstern sich des Geizigen Augen.\nDie Unterhaltung hält keineswegs bei Wichtigem,\nsondern rollt spielerisch tändelnd hin; aber irgend-\nwo hat der Geizige in einem Wort, in einem Hauch\ndie nachbarnahe Bedrohung vernommen: dort, wo\nkein andrer das geringste hätte gesehn, hat er sie\nerkannt und in seinem Herzen die Regung des\nUngetüms, der Innenlast, deutlich verspürt. Bald\nschläft es, bald zehrt es: wenn es schläft, ist der\nGeizhals vergrämt; wenn es zehrt, ist er munter.\nV\nDie andern Leidenschaften sprechen am lieb-\nsten von den Menschen oder den Dingen ihres\nGegenstands. Der Geizige liebt das Schweigen.\nKaum wagt er, das Geld mit Namen zu nennen,\n«und wenn er es nennt, tut er es nicht, um von\nseiner Liebe zu sprechen.\nDie Oberflächen lieben die Rede, die Tiefen\ndas Schweigen.\nDie meisten Leidenschaften sind die nach-\nahmenden Zeichen der Oberfläche und schwatzen\nmit Vergnügen.\nDer Geiz ist das nachahmende Zeichen der\nTiefe; er schweigt mit Leidenschaft.\nDer Geizige verbirgt sein Geheimnis nicht nur\nden andern, er verbirgt es auch vor sich selbst.\nGern möcht er sich über den Ort täuschen, wo\nverscharrt ruht, was er anbetet.\nIch wäre nicht erstaunt, wenn der Geizige da-\nzu gelangte, sich vor sich selbst wie vor einem\nNebenbuhler, ja wie vor einem Diebe zu fürchten:\nso sehr eifersüchtig ist seine Andacht!\nVielleicht sind in ihm zwei Menschen, und einer\nwüßte wenig von dem andern. Oft rechnet er\nmit Dingen, deren Zahlenwert er seit langem\nkennt; zwar hat er die Dinge seiner Berechnun-\ngen vor sich, doch mag ihn dieses schrecken: die\neinen könnten verschwinden, während er zu den\nandern übergeht.\nDer Geizige hat gleichzeitig die Angst des\nBürgers und des Abenteurers. Das Geld, das\nseine Tage ausfüllt, füllt auch seine Nächte. Das\nGeld verheert den Bereich seiner Träume, und er\nträumt auch noch im Wachen. Es ist eine furcht-\nbare Sache, mitanzusehn, wie sich die Kupfer-\nstücke einmal der gemeinsten Notdurft und dem\nelendsten Stückwerk des Außenlebens vermischen,\neine furchtbare Sache, sie dann ins Innenleben\neinlaufen zu sehn, hineinrollen ins Blut der Seele,\nund daß sie die Augen in einem verschwärzten\nFeuer aufbrennen lassen, die Wangen färben und\ndie Lippen erbeben machen. Sie haben das Heilig-\ntum der Seele verwüstet.\nNun ist alles möglich, selbst seine schauerliche\nAndacht.\nIm Schweigen der Nacht betet der Geizige an,\nwas kein Auge faßt.\nVI\nJeder Glaube, ob wahr, ob falsch, verlangt\ndas Opfer. Der Geizige opfert seinem Abgott, er\nopfert viel, er opfert alles: er opfert seine Fa-\nmilie, seine Neigungen, seine Gesundheit, sein\nLeben., Wenn andre Begierden sich in ihm begeg-\nnen und mit dem Geiz in Streit geraten, ihm un-\nbequem sind, ihm widersprechen, dann wird der\nGeiz wohl Sieger bleiben.\nDas Opfer des Geizigen ist darin schmählich,\ndaß er stets das Ziel opfert, gleichgültig welches,\nzugunsten dessen, was niemals Ziel, immer nur\nMittel sein dürfte. Es ist klar, daß das Geld bloß\neinen darstellenden Wert hat; es ist genau so\nkostbar, wie die Dinge, die man dafür erwerben\nkann. An und für sich taugt es nicht das ge-\nringste. Wer alles Silber und Gold der Welt be-\nsäße, ohne zugleich die Möglichkeit, es anzuwen-\nden, wäre arm wie keiner.\nDer Geizige bringt sich in dieses Elend. Er\nbietet dem Geld das Opfer des Reichtums. Denn\nReichtum und Geld, weit entfernt, ihm ein und\ndasselbe zu sein, sind ihm bloß zwei Ausdrücke\nunbedingten Widerspruchs. Je mehr er das Geld\nliebt, zu desto größerm Elend verurteilt er sich.\nAuf dem Altare seines Abgotts schlachtet er den\nReichtum. Was ein Mittel war, ist ihm zum\nZweck geworden, alles, was Zweck ist, wird ihm\nzum Mittel.\nEr betrachtet die Wesen, so lebende wie tote,\nals Wege zu einem bestimmten Schwerpunkt:\nund dieser Schwerpunkt ist das starre, kalte, nutz-\nlose Geld. Dieses Geld ist ihm das Herz des Welt-\nalls, und es schlägt nicht, dieses Herz.\nAber nicht nur seinen Reichtum opfert der Gei-\nzige dem Geld, das Geld selbst opfert er dem\nGelde. Wenn er, um viel zu verdienen, ein wenig\nausgeben müßte, wird er, mitten im Anfall seiner\nLeidenschaft, diese Trennung nicht über sich brin-\ngen. Er verzichtet auf das abwesende Geld, so-\nviel es auch wäre, zugunsten des gegenwärtigen,\nnoch so spärlichen. Zugunsten des sichtbaren\nGeldes entsagt er dem unsichtbaren."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.4", "texte": "Da sind wir in der Tiefe des Geizes, im Kern\nseiner Abscheulichkeit. Der Geizige liebt das Me-\ntall körperlich.\nEr liebt das Gold und das Silber um ihrer\nselbst willen und an und für sich. Er liebt sie\nsinnlich, fühlt sich zu ihnen hingezogen. Die Be-\nrührung des Metalls macht ihm körperlich Freude,\nkörperlich Lust.\nJe tiefer er seines Reichtums vergißt, desto\nenger kreist seine Gier um das Gold selbst und\num so stärker zerrt ihn die stoffliche Anziehungs-\nkraft.\nWenn er zwischen einer gewissen Menge Gold-\nstücke, die er schon besitzt und die er sieht, und\neiner größern Menge die er noch nicht\nbesitzt und die er nicht sieht, wählen muß, ist der\nGeizige; außer sich. Denn das begehrte Gold lockt\nihn von weither; aber er wird wohl die gerin-\ngere, ihm bekannte und von ihm geschaute Menge\nder größern, ihm noch unsichtbaren, vorziehn.\nSeine Goldbesitztümer hat er schon betastet; sie\nerregen ihn, ihn persönlich: das gedachte Gold\nhat er noch nicht unter seinen Fingern gehabt;\nnoch nicht hat es seiner Lust Genüge getan. Er,\nschauerlich dankbar, bevorzugt die greifbaren\nGoldstücke: ihnen schuldet er bereits empfangene\nVerzückungen. Möglich, daß ihm am wohlsten\nist, wenn er sich vorstellt, die Goldstücke wären\nlebendig: dann begabt er sie mit Namen, dann\nliebkost er sie. Und wenn eins ans andre klingt,\ndurchrüttelt ihn dieser Klang.\nVII\nJeder Liebhaber will seine Gesamtneigungen\nverdichten, zu einer einzigen Liebe sie verkitten.\nDas Geld erweist dem Geizigen den erbärmlichen\nDienst, daß es ihm eine abgekürzte Welt dar-\nbietet.\nUnendlich vieles glaubt er zu besitzen und hat\ndoch nur das Ding seiner Anbetung. Das Geld\nverleitet leicht zu dieser Täuschung, denn durch-\naus nicht ist es Stellvertreter sämtlicher Dinge,\nwohl aber sehr vieler. Diese Dinge besitzt der\nGeizige, so oft er mit den Goldstücken spielt; in\nseinem Geiste besitzt er sie; da vermeint er das\nWesen der Genüsse in dem einen Genuß zu er-\nfahren, und seine Abgötterei nährt sich aus seinem\nSchlafwandel.\nWenn er diese Dinge, wie sie sind, besäße,\nkönnten sie sich ihm nie anders gewähren als\neins und dann ein anderes, begrenzt also, und so,\ndaß das eine sich nicht zugleich mit dem andern\nschenkte. Vielleicht bildet er sich ein, er hätte sie\nalle und er hätte sie gleichzeitig, so oft er seine\nHände auf das Gold legt. Und wenn er damit zu\nEnde ist, kann er damit von vorne beginnen. Die\nGoldstücke nützen sich nicht so schnell ab wie\ndie Freuden, die er um ihretwillen verleugnet.\nMöglicherweise ergötzen sie ihn mit einem Blend-\nwerk von Lustspiel, einer Parodie auf das Dau-\nernde.\nAber wenn sich das Gold langsam abnützt,\nverbraucht sich der Geizige rasch. Der Tod läßt\nnicht auf sich warten und im Tode nennt der Geiz-\nhals seinen wahren Namen. Die Geldgier ver-\ndoppelt sich gerade wann die Nutzlosigkeit des\nGeldes maßlos wird. Da, im Augenblicke des To-\ndes, wo er immer noch das Geld anbetet, und\nohne jede Hoffnung, es jemals zu gebrauchen, da\nerscheint die Abgötterei des Geizigen in ihrer\nlächerlichen Treue, in ihrer widerlichen Uneigen-\nnützigst.\nWenn die Goldstücke die durch sie entfachte\nLiebe erwidern könnten, wären sie gewiß gerührt:\nnachdem er ihnen sein Leben geopfert hat, opfert\ner ihnen seinen Tod; nun, wo er keine Aussicht\nmehr hat, ihre Dienste zu beanspruchen, schim-\nmert ihnen noch die Bewunderung seiner Augen,\ndieser Augen, die halb schon erblindet sind, und\nseiner Hände die bald nicht mehr werden zu\ntasten verstehn.\nDer Geizige könnte das Sinnbild der Treue\nsein; er stirbt neben seinem Gold, wie der Kund\nneben seinem Herrn.\nVIII\nUnter den Täuschungen des Geizigen gilt eine\ndem Dieb. Ihm ist der Dieb ein abenteuerliches\nWesen, denn von ihm aus will der Dieb nicht\nirgend ein Ding, nicht dieses oder jenes, sondern\nden Abgott.\nDer Geizige und der Dieb hausen innig bei-\nsammen. Der Geizige denkt an den Dieb wie an\neinen Glaubensgenossen; er denkt an den Dieb\nmit Schrecken und Ehrfurcht: denn schließlich ist\nder Dieb ein Mann, der den Abgott zu schätzen,\nund den Ort, wo er sich aufhält, zu erraten weiß.\nDer Geizige und der Dieb gehören zur selben\nBrüderschaft. Beide haben der Weltlichkeit ent-\nsagt, um sich der Betrachtung des Abgotts hinzu-\ngeben und sich ihm zu weihn. Der Geizige ist\nvon der übrigen Menschheit getrennt; er küm-\nmert sich nicht um ihre Angelegenheiten. Er be-\nkennt niemals. Der Dieb (ich spreche vom ge-\ndachten, nicht vom erwischten Dieb, vom fern\nerblickten, vom Dieb im Gesichtskreis des Gei-\nstes) ist dem Geizigen fast dasselbe wie ein Ver-\ntrauter.\nAber zwischen ihm und dem Dieb gibt es\nnoch tiefere, tief rätselhafte Beziehungen. Ihm ist\nder Dieb eine Art Wirklichkeitsgespenst: es rich-\ntet seinen Angriff auf alles, was heilig ist. Der\nDieb ist kein Alltagsverbrecher; nicht vor irdi-\nschen Dingen wird er schuldig. Ein Unhold ist er,\nseine Verwegenheit kommt einer Heiligenschän-\ndung gleich, er sinnt auf den Einbruch in unver-\nletzliches Gut.\nDer Geizige verknüpft, weil er anbetet, den\nAbgott und sich zu einer geheimen Gemeinschaft.\nEr hat Schlupfwinkel Dort ist sein Herz, und mit\nLust vergewaltigt er dort die Gesetze des Lebens;\ndenn er hält gefangen, was laufen soll: Metall.\nEr sammelt, was verteilt sein muß. Er widersetzt\nsich, so gut er kann, dem Kreislauf des Blutes.\nDas Geheimfach des Geizigen ist schauerlich höh-\nnische Nachäffung des Allerheiligsten. Diese An-\nbetung will alles nur für sich, und der Geiz fürch-\ntet immer, sein Verborgenstes sei in Gefahr.\nEr hat Furcht. Doch diese Furcht, eine Furcht\naus Liebe, gleicht nicht den Aengsten um die\nsichtbaren Dinge. Sie hat ein fantastisches Aus-\nsehn. Sie gleicht den Schrecknissen eines Trau-\nmes; sie fürchtet, und es ist keine Gefahr da.\nSie fürchtet aus Furcht. Sie fürchtet den, der da\nist. Sie fürchtet den, der nicht da ist. Als ob\nsein Götzendienst den Abgott in die Welt der\nsichtbaren Dinge höbe, fürchtet der Geizige, daß\neine Hand ohne Arm oder ein Arm ohne Leib im\nDunkeln den Abgott unmerklich anfassen könnte.\nDer Dieb ersetzt dem Geizigen jenes namenlose,\nformlose Wesen, das die Kinder schreckt, am\nAbend, wenn sie allein sind.\nIX\nDem Geiz am ähnlichsten ist die Verschwen-\ndung.\nEin geiziger Vater stirbt und hat seinen Schatz\nvor seinen Kindern verborgen. Ein verschwen-\nderischer Vater stirbt und hat das Vermögen sei-\nner Kinder verbracht.\nDie Wirkungen gleichen einander, die Ursachen\nnicht minder.\nDer Geizige verschließt dem Leben die Quelle\nnach außen, er verhindert, daß es sich ausdehne;\ner will nichts als Sammlung, alles bezieht sich auf\nsie, und sie ist sein Steckenpferd.\nDer Verschwender verschließt dem Leben die\nStrömung nach innen, er verhindert, daß es sich\nsammle; er will nichts als Ausdehnung, alles be-\nzieht sich auf sie, und sie ist sein Steckenpferd.\nDer Geiz und die Verschwendung sind zwei\nFormen der Selbstzucht.\nEin Sprichwort sagt: Der Vater ein Geizhals,\nder Sohn ein Verschwender.\nWenn das wahr ist, dann ist der Sohn, auf der\nFlucht vor seinem Vater, an den Ausganspunkt\nzurückgelangt.\nDer Vater ist geizig: der Sohn leidet unter die-\nsem Laster. Sein Vater versperrt ihm das Leben.\nDer Sohn verabscheut den Vater und wendet sich\nzum äußersten Gegensatz. Er wird verschwende-\nrisch. Da geschieht nun dies: seine Verachtung\nreißt ihn hin, nicht ruht er auf dem Wege. Er um-\neilt den ganzen Kreis, und nachdem er die Reise\num die Dinge vollendet hat, steht er am Ausgangs-\npunkt, Aug in Aug vor seinem Vater. Der Vater\nwollte alles an sich heranziehn; er war geizig; das\nwar seine Art, sich Genuß zu verschaffen. Der\nSohn, durch den Geiz um die Freuden gebracht,\nrächt sich mit Hilfe der Verschwendung und stößt\nauf dasselbe, nur anders gewandete Mißgeschick,\nauf den selben, nur anders gewendeten Tod.\nX\nIch begann mit dem goldnen Kalb. Ich sprach\nvon dem berühmtesten Verbrechen, wie es die\nMenschheit im berühmtesten Augenblick ihrer Ge-\nschichte auf sich geladen hat. Es scheint, die stück-\nweise Untersuchung des Geizes habe den Geist\nvon einem Berg in ein Tal nieder steigen lassen.\nDoch ist es nicht so: dieser Abstieg ist mehr\nSchein als Wirklichkeit.\nWenn man ein Ding in seiner Grundgestalt be-\ntrachtet, zeigt es sich in dem feierlichen Sinnbild\nseiner Schöne oder Häßlichkeit. Wenn man das\nselbe Ding in seine gebrauchsfähigen Teile zerlegt,\nin seine zeitlichen Anwendungsmöglichkeiten;\nwenn man es in der Geschichte ergreift, um es in\nein Haus zu übertragen, verliert es, sozusagen, ir-\ngend etwas seines Ichs: man wird es nicht völlig\nwiedererkennen. Aus seiner Nähe beschaut, gibt es\nsich weniger schön oder weniger häßlich. Nach-\ndem man es rundum besichtigt hat, möchte man\nbehaupten, es habe nicht mehr solche Maßverhält-\nnisse wie damals, als man es von weitein sah.\nDoch dieser Eindruck ist trügerisch. Die Sache ist\ndie selbe in ihrer allgemeinen Darbietung, die selbe\nin ihrer besondern Anwendung.\nWie viele müßten über die Verbrechen ihres\nGeheges entsetzt sein, wenn man sie ihnen von\nweither, im erhabnen Licht der Geschichte vor-\nhielte. Sie erheben nicht, weil diese Verbrechen\nin der Enge geschehn, auf einer Zwergbühne.\nIhnen, klein als Menschen, klein in ihrem Leben,\nschrumpfen die Größenverhältnisse der Verfeh-\nlungen ein. Und dennoch: ein Zwerg kann ein\nRiesenverbrechen vollführen. Denn ein Riesenver-\nbrechen ist nicht ein großes Verbrechen, sondern\nein Verbrechen an einer großen Sache. Das Ver-\nbrechen besitzt keine andre Größe als die des\nNichts und des Nein. Das Uebel ist immer ein\nMangel.\nDer Geizige nun, wie er sich zu Haus und bei\nsich äußert, versündigt sich am ganz Großen. Er\nversündigt sich an der Anbetung. Der Sinai ist nie\nfern von uns. Die mitten unter Blitzen gewaltig\nerhobne Stimme trägt weit. Sie galt nicht nur\njenem Häuflein, nicht nur der unten am Fuße des\nBerges gegenwärtigen Schar. Die zehn Gebote"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.5", "texte": "widerhallten von Jahrhundert zu Jahrhundert; das\nAlter hat mit seinen Fingern das faltenlose Antlitz\nnicht gestreift, das Antlitz dessen, der mit Moses\nsprach, oben auf dem Sinai. Die Synagoge ist alt\ngeworden, aber die Kirche hat die zehn Gebote\naufgenommen und hat sie durch die Welt geleitet.\nZeit und Raum bringen sie heim zu dem, der sie\nihnen anvertraut hat, und im Tale Josaphat wird\nihre Urkraft wiederkehren.\nDer Götterdienst bleibt, was er gewesen ist,\ngreulicher Seelenfraß, sogar immer noch greu-\nlicher seit achtzehn Jahrhunderten, und in nichts\nhat sich die schreckliche Anbetung gemildert, in\nnichts die Andacht zum goldnen Kalb.\n\nDeutsch von Hegner\n\nDie Schwermut des\nGenießers\nRoman\nArtur Babillotte\nAergerlich warf Direktor Jahn die halbge-\nraucMe Zigarre in den weißen Porzellanteller.\nSein Gleichgewicht war gestört. Diese Urauffüh-\nrung war daran schuld .. .! Er hätte nie einwilli-\ngen sollen . . . Dieser neue verrückte Komponist,\nweiß der Kuckuck! der ruinierte ihn.\nNicht mehr zu ändern; lassen wir also die\nKarre laufen, wie sie laufen mag.\nEr machte einen derben Witz und zwang den\nschmächtigen Redakteur Hardanger an seiner\nrechten Seite zu einem keuchenden Lachen.\nGespräche wirbelten aufgeregt in den dicken\nTabaksqualm. Alle glühten. Am meisten einer, der\nsonst kalt und berechnend in seiner Redaktion saß\nund mit einer ungemein zähen Ausdauer auf Beute\nlauerte. Eine wilde Entrüstung kochte in ihm. Er\nvergaß seine Ueberlegenheit, die er über Menschen\nbesaß. Er ahnte wohl, daß hier seiner Weltan-\nschauung ein gefährlicher Feind gegenübergetre-\nten sei . . .\nLudwig Raimund warf einen höhnischen Blick\naus seinen großen Mimenaugen zu dem Direktor\nhinüber. Er wollte ihn ärgern, den alten Ekel. —\nEs war sein Prinzip, ihn zu ärgern. Es war seine\nzweite Natur geworden, immer das Gegenteil von\ndem zu behaupten, was seinem Direktor mehr oder\nweniger unerschütterliche Ueberzeugung war.\n— Wahrhaftig . . .! schrie er pathetisch. Wie\nschwer einem genialen Menschen der Weg ge-\nmacht wird . . .\nDer Direktor hüstelte. Seine Augen wurden\ngrimmig. Aber der Mime ließ sich nicht aus seinem\nFahrwasser bringen. Er plätscherte darin mit ver-\ngnügten Händen. Ei, ei, ei, Herr Direktor, bester\nHerr Direktor . . . geht man bereits hoch? Es\nsoll noch besser kommen, es soll schon noch besser\nkommen! Jaja, wir armen Sterblichen, wenn wir\nauch keine Schwerter gegen göttliche Direktoren-\nlaunen besitzen, so verfügen wir doch über eine\nganze Menge Nadeln mit sehr scharfen, außeror-\ndentlich scharfen Spitzen . . . bester Herr Direktor.\nRedakteur Hardanger wurde ängstlich. Er\nfürchtete allen Spott, auch wenn er nicht gegen\nihn selbst gerichtet war. Er litt alle Unbilden, die\nseine Mitmenschen trafen, mit; er war ein zartfüh-\nlendes weiches Gemüt.\n— Ach, Raimund, wimmerte er mit seiner\nhohen immer kläglichen Stimme, das sollten Sie\nnicht sagen. Ein Genie dringt immer durch, früher\noder später . . . Ich meine aber, es muß eben ein\nGenie sein, wissen Sie . . .\nDer Mime krähte.\n— Respekt vor Ihrem Scharfsinn, Herr Redak-\nteur Hardanger . . . Allen Respekt . . . ja. Ihnen\nüberlasse ich gern die Entscheidung darüber ob\neiner ein Genie ist oder nicht . . . Bei Ihnen kann\nes nicht fehlen . . .\nDer ängstliche Journalist wurde traurig. Dies\nwar der Dank, daß man den Schauspieler bei jeder\nGelegenheit gepriesen und gehätschelt, daß man\nganze Spalten mit Lobhymnen über sein geniales\nSpiel gefüllt hatte . . .\n— Ober, noch eine Halbe —! dröhnte am Tisch-\nende die Stimme des Kritikers Hans Mohr. Er fuch-\ntelte mit beiden Armen durch die Luft und sah aus\nseinen blutunterlaufenen Augen •zu dem Mimen\nhinüber . . . Den konnte er nicht ausstehen.\n— Warum reden Sie immer dem Genie das\nWort, Herr Raimund? donnerte er, daß der dicke\nRauch in ängstliches Schwanken kam. Gerade\nSie, Herr Raimund?!\n— Jawohl, Herr Redakteur Hardanger, höhnte\ner weiter, ein Genie zu entdecken ist auch eine\nKunst .... Und da Genies meistens in jeder Be-\nziehung Lämmer sind, weiche Seelen, Kriegsfeinde\net cetera et cetera, so sind Sie vom gütigen\nSchicksal ganz offensichtlich zum Entdecker und\nSchützer genialer Menschen prädestiniert ....\nAch Gott, ach Gott, über die Undankbarkeit\nder Künstler! seufzte der arme Schmächtige in\nsich hinein und fürchtete sich vor dem, was der\nMime wohl noch über ihn ausgießen würde. Aber\nLudwig Raimund wandte sich an den Direktor.\n— Ja, schwer wird den genialen Menschen der\nWeg gemacht, Herr Direktor, sagte er über den\nTisch hinweg. Seine Augen tanzten in boshaftem\nEifer.\n— Die Geschichte der meisten Genies beweist\ndas . . . Die Menschen, in deren Zeit das Genie\nlebt, die sind eben nicht reif genug, um neue Ge-\ndanken aufzunehmen . . . Das ist eine große Ehre\nfür das Genie, aber sintemalen man von der Ehre\nallein nicht leben kann, kommen die meisten Genies\nihr Leben lang knapp am Verhungern vorbei ....\n— Sagen Sie mal, Herr, schrie bissig der Kri-\ntiker Mohr, während er sein Glas hart auf die\nTischplatte stieß, warum leben dann S i e eigent-\nlich so luxuriös?\nDer Mime überhörte diese Bosheit. Was scherte\nihn dieser Bauer! Beharrlich rückte er gegen sei-\nnen Direktor vor. Der mußte blamiert werden\nJa, das hatte er schlau gemacht, der Ludwig Rai-\nmund, Heldentenor und Menschenfeind. Hatte\nseinem Direktor mit dieser verrückten Oper, die\neine neue Kunst einleiten sollte — sagte der Kom-\nponist —: mit der hatte er dem Direktorchen so\nlange in den Ohren gelegen, bis er sich entschloß,\nsie aufzuführen . . . Das liebe harmlose ungemüt-\nliche Direktorchen! Jetzt, wo die Aufführung ganz\nnahe war, jetzt wollte er ihn gehörig packen und\nzwacken. Eine angenehme' Rache für alle die Nör-\ngeleien und Ungerechtigkeiten des Theaterty-\nrannen.\n— Jawohl, sagte er, knapp am Verhungern vor-\nbei. Den Genies geht es sogar noch elender wie\nden Journalisten, setzte er mit einem höhnischen\nSeitenblick auf den Redakteur Hardanger hinzu.\nDer zuckte wieder zusammen und machte sich\nganz klein, indem er eifrig in einer illustrierten\nZeitschrift blätterte und tat, als höre er nichts.\nAber Redakteur Todt gärte auf:\nHerr! Was wissen Sie von Journalisten. Viel-\nleicht, daß manche nicht zu beneiden sind. Die\nfinden Sie aber bloß bei den bürgerlichen Blättern.\nWir Sozialdemokraten, wir sorgen für unsere\nLeute, verstehen Sie. Im übrigen, was Sie da\nüber das Genie vorbringen, ist Schnickschnack...\nWer nicht einmal soviel Kraft hat, sich wenigstens\nerhalten zu können, ohne hungern zu müssen —\nPfui Deibel! wissen Sie. Ueberhaupt: Genie! Wir\nbrauchen keine Einzelgenies, die Masse muß Genie\nsein. Das ist wertvoll und praktisch ... Er warf\nsich in seinen Stuhl zurück.\nIch glaube, es wäre am besten, wenn man alle\nWerke solcher Genies unbarmherzig überginge —\ndas heißt, solange sie nicht Massenkunst bringen.\nDas Einzige, was an Kunst erlaubt sein darf, ist\nMassenkunst. Aber wenn man das den Herren\nsagt, steinigen sie einen. . . Wir werden trotz-\ndem Remedur schaffen. Soviel ich merken\nkonnte, Herr Raimund, hatten Sie vorhin diesen\nkomischen Komponisten im Auge, dessen Opus\nuns heute abend erquicken soll. Na, ich kann\nIhnen sagen, der denkt erstens nicht im gering-\nsten ans Verhungern. Und zweitens versteh ich\nnicht, wie man ihn unter die Genies einreihen\nkann.\nDer Mime unterbrach ihn. Er dächte gar nicht\ndaran und der hochverehrte Herr Chefredakteur\nhätte mit seiner Abwehr nur noch ein paar Minu-\nten warten sollen — dann wäre ihm klar gewor-\nden, daß er den Komponisten und sein Opus durch-\naus nicht für unbedingt genial halte. Der Direktor\nwar wieder in sein unmutiges Sinnieren gefallen,\naber jetzt merkte er wieder auf. Wo wollte der\nhinaus, dieser großschnauzige Mime? Hatte der\nnicht am ärgsten gedrängt?\nUnd Ludwig Raimund, der Heldentenor und\nMenschenfeind, mystifizierte ihn.\nJawohl, Herr Chefredakteur, lächelte er den\nSozialistengewaltigen an, ich bin gar nicht der An-\nsicht, daß es eine neue Kunst sei, was dieser Jo-\nhannes Ehler bringt. Gott ja, eine verrückte Idee,\nbrillant durchgeführt, mit großem Fleiß und star-\nker Kompositionstechnik. Etwas Neues .. .\nAber erlauben Sie, polterte jetzt der Direktor\nlos. Wer sagte mir denn seinerzeit: Das ist eine\nArbeit, die Wagner und Richard Strauß tot-\nschlägt?\nDer Mime machte eine flache Handbeavegung\ndurch die Luft: Ich hab mich eben damals geirrt,\nich war vielleicht etwas zu überschwänglich. Jetzt\nbin ich klarer.\nVorzüglich ist die Arbeit, redete er auf den\nSozialisten ein, insofern sie eine neue Art, — wie\nsoll ich sagen — eine neue Art Handung einführt,\nnicht pedantisch an dem Usus festklebt, es müsse\neine Entwicklung, eine Steigerung und ein Sinken\ndasein.\nDarin ist dieses Werk wirklich groß. Aber ich\nglaube, da macht das Publikum nicht mit.\nAlle waren aufmerksam geworden. Das Thema\nwurde zum Brennspiegel, der alle Gedanken und\nMeinungen anzog und zurückwarf. Der Rauch in\ndem menschenüberladenen Cafe lag wie ein trä-\nges, plumpes Untier über Tischen und Gästen.\nEinige Redakteure, die bis jetzt geschwiegen hat-\nten, mischten sich in die Debatte. Sie verstanden\nnicht viel von Musik, ließen es sich aber nicht\nnehmen, große Urteile abzugeben.\nIch meine, piepte der kleine Schlorter, der\nVerantwortliche, eines farblosen Wochenblattes,\nich meine, man muß — ob man will oder nicht —\nman muß warten. Was das Publikum dazu sagt,\nmeine ich . . .\nAn ihn klammerte sich der Direktor:\nDas ist natürlich bei jeder Uraufführung so.\nDas Stück mag so genial sein, wie es will — am\nEnde hängt der Erfolg doch vom Publikum ab.\nJawohl, das Publikum! seufzte der Mime.\nEigentlich konnte e r sich über das Publikum nicht\nbeklagen. Alle wollen hingerissen werden. Alles\nNervensache. Wenn einer aber so wenig auf die\nNerven seiner Zeitgenossen einwirken will, wie\nunser neuer Komponist. Jetzt, Herr Direktor,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.6", "texte": "nachdem ich die Technik der famosen Elektra ganz\nintus habe. Strauß . . .\nDer wird Strauß rein totschlagen, sagten Sie,\nrein totschlagen! zeterte der Direktor. Die Ge-\nschichte war ihm schon bei den ersten Proben be-\ndenklich erschienen; bei der Generalprobe hatten\ndiese Bedenken einen riesigen Umfang angenom-\nmen. Da war aber die Begeisterung des Helden-\ntenors gewesen; eine tüchtige Kraft hatte sich\nseinerzeit ins Zeug gelegt für diese vermaledeite\nOper . . . Und jetzt ging der Kerl lächelnd über\nseine Ueberzeugung weg und warf eine neue her.\nEin Mißerfolg, ein Zischen und Lachen im Zu-\nschauerraum — Hans Erich Jahn brauste auf. —\nAch was! Richard Strauß, wütete er. Eine Sen-\nsation. Aber dieser Neue, der wird sich durch-\nringen und bleiben. Ich sage: bleiben. Denn\ndas ist! echte Kunst. Echte Kunst siegt immer,\nsage ich Ihnen, Raimund .. . Und wenn Sie\nmutlos geworden sind, ic h bin es nicht. Ich\nglaube immer noch an den Erfolg. An einen\nRiesenerfolg.\nDer Mime ärgerte sich. Daß der Direktor\nzerbrochen war, das wußte er; aber, daß er es\nnicht zeigte, ärgerte ihn.\nSchelten Sie Richard Strauß nicht! zischte er.\nDer ist ein Riese gegen diesen Ehler. Das kann\nich Ihnen versichern. Der schlägt lachend ins\nVolle, daß es nur so aufspritzt . . . Aber nehmen\nSie diesen Ehler! Zimperlich, fein, ästhetisch\nmeinetwegen, wie eine alte Jungfer, die über eine\nPfütze schreiten soll und sich geniert, den Rock\nhochzuheben, und lieber um die Pfütze herum-\ngeht ... Es ist keine Kraft in Strauß, wird be-\nhauptet ... na, Johannes Ehler ist auch nicht mit\nUeberschwang gesegnet. Strauß hat doch mo-\nderne Kraft; die äußert sich durch die Nerven.\nAber — Ehler? Ich glaube, der hat überhaupt\nkeine. Ich bitte Sie, meine Herren, olympische\nRuhe ließ man sich im 18. Jahrhundert gefallen.\nEr sah sich stolz im Kreise um; er hatte seine\nUeberlegenheit wiedergefunden. Aber, als sein\nBlick die Augen Mia Miranas traf, die am Tisch-\nende saß, erschrak er. So verächtlich lächelten\ndiese Augen. Schreckliches Frauenzimmer, die\nihre Kunst auch im Privatleben ernstnahm. Ein\nmoderner Mensch, der ganz in einer Sache auf-\ngeht, das gibt's doch eigentlich nicht.\nSie hatte geschwiegen.\nSie sprach lässig; wie ein Mensch, der nicht\naus der Ruhe zu bringen ist:\nSie loben Strauß, Raimund. Ich auch. Und\nwarum S i e ihn nicht für voll nehmen, Direktor?\n. . Er hat seine Berechtigung, sage ich Ihnen.\nRichard Strauß ist das Zentrum aller filtrierten\nNervenschwäche unserer Zeit ein tragischer\nMensch. Die Krankheit der Zeit ist in ihm zum\nDurchbruch gekommen. Er ist das Opfer und zu-\ngleich der Opferpriester.\nEs ging ein Strom der Stärke von ihr aus, der\nalle beherrschte. Nur dem Mimen saß der Spott\nin den Augenwinkeln.\nSie haben das Tumultuöse, das Stürmende\ngelobt, Raimund. Deshalb preisen Sie Strauß.\nIch preise ihn auch. Aber aus einem anderen\nGrunde. Sie sehen in ihm einen Aufgang, ich aber\neinen Untergang. Unsere Elektra hat Nerven, die\ndes Altertums hatte keine. Das ist die Lösung . . .\nUnd wenn ich Strauß verteidigt habe, muß ich\nauch Johannes Ehler verteidigen. Und das will ich\nzehnmal freudiger tun.\nJetzt schwirrten alle Stimmen auf einmal. Der\nschmächtige Redakteur sah aus großen Augen zu\nder Künstlerin hinüber: diese Stärke, dieses\nSelbstbewußtsein berauschten ihn.\nDer Direktor aber spielte den Ueberlegenen:\nSie geben wenigstens zu, daß Strauß ein Un-\ntergang ist. Der Ausdruck ist wohl aus Nietzsche,\nwenn ich nicht irre. Nicht wahr? Ja .. . aber\nwir brauchen gesunde Genies.\nMassenkunst! Massenkunst! schrie Redakteur\nTodt dazwischen.\nJawohl, sagte Raimund wütend, Sie haben wohl\nStrauß verteidigt, Mia. Aber so gönnerhaft. Das\ngefällt mir nicht.\nLassen Sie genug sein des grausamen Strau-\nßes, witzelte ein kleiner Reporter. Ich möchte\nhören, was Fräulein Mirana von der Oper Ehlers\nzu sagen hat . . .\nSchießen Sie mal los, ermunterte sie der Di-\nrektor. Hier war ein Mensch, der Hoffnung\nhatte. Immer noch stand er vor ihr wie vor einem\nRätsel. Die zweite Saison war sie an seinem\nTheater. Das Publikum betete sie an. Sie hatte\nErfolg auf Erfolg. Aber leichtfertig und nachlässig\nwar sie nicht geworden. Immer ernst und ver-\nschlossen. Im Grunde ein unheimliches Weib.\nDer Mime war blaß geworden und funkelte\nalle aus zornigen Augen an. Sie langweilten ihn,\nsie waren begeistert von dem Frauenzimmer.\nRasseweib, ohne Zweifel, aber kalt wie eine\nHundenase. Unnahbar, zimperlich. Die paßte\nrecht in die Oper dieses Johannes Ehler, als ob,\ndie zv/ei sich einmal gekannt hätten.\nMia Mirana erzählte von dem Werk ihres Ge-\nliebten. Ihre Augen strahlten. Ganz regungslos\nsaß sie, in ihren Stuhl zurückgelehnt, die weißen\nHände im Schoß gefaltet. Ihr Mund stand, eine\nrote Blüte, in dem bleichen Gesicht. Weich und\nleise ging ihre Stimme; sie verkündete alle Süßig-\nkeiten des geliebten Werkes. Ihre Stimme sang\nvon einer Leidenschaft, die still geworden ist, wie\ndas blaue Halbdunkel eines Kirchenschiffs.\nSchwere samtne Vorhänge hingen in diese Stille\nherein. Und diese Vorhänge umschlossen die\ngroße selige Welt. Es wuchs eine Insel aus dem\nMeer. Zypressen zitterten, eine unermeßliche\nRuhe war . . . Aber in diese Ruhe kam der\nMensch. Er litt und lachte, er tanzte und grü-\nbelte, er war voll Ueberschwang und Reichtum.\nEr klatschte in die Hände und scheuchte die Stille\ndavon. Mit ängstlichem Flügelschlag entwich sie.\nDa wohnte aber ein finsterer Mann in dieser Stille,\neinsam und unendlich verschlossen. Der kämpfte\nmit dem Menschen und besiegte ihn. Still und\nversonnen fuhr der Mensch davon, um seinen\nBrüdern und Schwestern auf Erden diesen tiefen\nFrieden zu bringen . . . aber er dachte nicht dar-\nan, daß er über diesem schweren Werk wohl zu-\ngrunde gehen würde . . .\nIhre Worte fielen, einzelne Tropfen, langsam\nhintereinander in eine silberne Schale. Jetzt\nbrachen sie plötzlich ab.\nDer Kritiker Hans Mohr blies schnaufend eine\nschwere Tabakswolke über den Tisch. Sie fuhr\nder Künstlerin mitten in das Gesicht. Ein scheues\nLachen gurgelte aus. Alle griffen nach den Glä-\nsern und Tassen.\nDann erhoben sich einige und zogen die Män-\ntel an. Alle fühlten, daß jetzt nicht mehr gestrit-\nten werden durfte. Dieses Weib hatte gesiegt.\nJetzt kam es auf die Aufführung an. Der Direk-\ntor lächelte vor sich hin, sein Aerger war verweht.\nDieses Prachtmädel hatte alle Kritiker gewonnen.\nUnd das war ein ganz riesiger Schritt zu einem\nguten Ende. Er drückte ihr mehrmals beide\nHände.\nDer einzige, der sich von der Gefühlsduselei,\nwie er es nannte, nicht lange beherrschen ließ,\nwar der Sozialistengewaltige.\n\nFortsetzung folgt\n\nrbr — brr — r\nH. W.\nStatt des verschiedenen Herrn rbr schreibt\njetzt im Vorwärts Herr —r. Dieser Herr\n—r hat mit den früheren Herren rbr und\nRobert Breuer eines gemeinsam: die Ahnungs-\nlosigkeit der Kunst gegenüber. Dieser Herr\n—r schreibt über die Spätherbstaussteilung\nfolgendes: „Wir haben nun zwxi Herbstausstellun-\ngen: eine, die von Blasebalg (-Sturm) nach Mari-\nnellischen Rezepten arrangiert wurde und eine\nzweite in der Sezession. Die e r s t e r eist wenig-\nstens im Ganzen einheitlich (wenn auch völlig ver-\nfehlt).'4 Ein Blasebalg, der erstere Ausstellungen\nnach Rezepten arrangiert, ist eine Doktorfrage und\nein Bild, das höchstens Herrn Robert Breuer, den\nGroßvater des Herrn —r, befriedigt hätte. Klas-\nsisch allerdings ist das Bild trotz Berufung auf\nMarinelli, den Prinzen der Emilia Galotti nicht. Da\nhatte doch der Vater des Herrn —r, Herr rbr, mehr\nPhantasie. Als der am sechsten Mai 1913 die Aus-\nstellung Der Sturm besuchte, rühmte er den Maler\nGimmi: „Der Gimmi hat ernste Augen; er sieht\ndas Pathos herbstreifer Sonnenblumen und die\nschweigsame Größe eines Eisenbahnviadukts.\"\nHerr rbr sah die schweigsame Größe, obwohl das\nBild Eisenbahnviadukt von Gimmi niemals in der\nAusstellung hing. Nur der Titel des Bildes stand\nim Katalog. Das Bild selbst war vor Eröffnung\nder Ausstellung bereits in eine Sammlung überge»\ngangen. Die schweigsame Größe hingegen nicht\nauf Herrn rbr. Diese Familie hat immer Pech,\ntrotzdem ich ihr reichlich mit Schwefel diene.\n\nPrag\n\nSchnellzug von Wien\nwie ein verschlucktes Uhrwerk noch im\nDer Bahnhof hat vielen Cognac es einzurosten.\nDas Wunder hier: ich kenne diese Stadt und\nwar doch niemals hier,\nBlauer Schnee. So gegen sechs Uhr morgens.\nIch stehe über der Moldau, und man nennt mich\nNepomuk,\nDer dreißigjährige Krieg ist noch nicht all zu\nlange aus,\ntrommeln die Eisschollen unter mir.\nMich fröstelt.\nDas Haus da im Ghetto muß ich wieder finden.\nUeber alte Leuchter, Schlüssel, Ringe, Bücher\nzieht sich zähes Licht»\nDieser weiße Mann, die Lupe vor den Augen,\nSignatur auf staubigen Gemälden suchend,\nnickt mir zu, Zichorienbrühe dampft.\nRotes Hemd und grünes Unterröckchen\nhängen lose um ein zederbraunes Kind,\ndem ein Kater um die nackten Beine knistert.\nJa, das sind die Schultern, die sich auf dem\n' Scheiterhaufen bogen\nwie im Feuer deine doch zu dummen Briefe.\nWar es wirklich meine Hand, die einst dein\nUrteil unterschrieb?\nSteinern steh ich in der stickigen Stube,\nfühle mich ganz Graf von Monte-Christo,\nblech dem alten Itzig zwanzig Hundertkronen-\nscheine\num die Gunst, sein Töchterchen sogleich zu\nhymen\nrect zu ehelichen, schnurks nach Villach abzu-\nfahren\nin mein Schloß."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.7", "texte": "Um so ein anderes Jahrhundert einigermaßen\nwieder gut zu machen,\ngut zu machen, gut zu machen.\nSo. Nun wißt ihr, was mich heiß mit meiner\nfünften Frau verbindet,\nwarum Praha, nur der Name, Tränen aus mir preßt.\n\nAlfred Richard Meyer\n\nLiteratur\nAlbert Ehrenstein\nIch muß gestehen: ich beziehe gern Wechsel\nvon Verlegern. Aber was die Wechselbeziehun-\ngen zum Publikum anlangt, so ist mir dergleichen\nnoch nicht fühlbar geworden. Ich kenne viele\neinzelne Heuochsen, doch das sogenannte „Publi-\nkum\" ist mir, Gott sei Dank! unbekannt. Die lob-\nhudelnden oder tadeltriefenden Briefe aus der\nMenge gebären immer wieder nur den mehr min-\nder uninteressanten Alphabeten. Wer ist nun mei-\nstens dieser Alphabete? Ich fand — und ein\nBlick, geschickt in etwelche Leihbibliotheksräume,\nwird es jedem finden helfen — die Masse der Ge-\nwohnheitsleser besteht aus Unbefriedigten, aus\nLeuten, die im Leben zu kurz kamen, aus weib-\nlichen oder weiblich veranlagten Naturen, ich ge-\nbrauche nicht ganz tautologisch gewählte Worte,\nwenn ich behaupte: sie besteht aus halbintelli-\ngenten Mädchen, Damen, jungen Juden und Lite-\nraten. I)er Bürger, der robuste Normalmensch\nund Lebensmann liest nicht, läßt sich nicht von\nden Opiaten, Phantasien und Fiktionen der Schrift-\nlichen behelligen, erwirbt dergleichen Quark höch-\nstens wahllos, zu Geschenkzwecken oder zur Fül-\nlung eines präexistenten Bibliothekschrankes.\nWas erwirbt er wahllos? Utensilien, welche ihm\nvon den Vermittlern: von den Verlegern, apotro-\npisch wirkenden Zensoren und von den Be-\nsprecherichen als preiswert hingestellt werden.\nDas Werk des Autors ist fast immer einem nicht\nsehr korrekten Selektionsprozeß ausgesetzt. Oft\ngenug überlebt es nicht die erste Instanz, bleibt\nvom Lektor unbenagt, wenn der Verfasser nicht\nGeld genug hatte, sein Manuskript maschinschrei-\nben zu lassen. Der Durchschnittsverleger wieder\nwendet sich ab von Operaten, denen die behörd-\nlich vorgeschriebene Anzahl von Küssen fehlt,\nschaudert zurück vor jenen makelhaften Mach-\nwerken, deren „Schluß\" keineswegs die ebenso\ngeschickt als „keusch\" hinausgezögerten Koitus-\naussichten Verlobter andeutet. Die Vervollkomm-\nnung des Durchschnittsverlegers: der Zensor und\nSterilisator scheidet irreligiöse, unbyzantinische\nund vor allem jene Bücher aus, die Ausdrücke der\nVulgärerotik enthalten, welche nur in phantastisch\nirrealen Räumen — Cafes, Weinstuben, Bordel-\nlen, Familienwohnungen — täglich xmal benützt\nwerden.\nIst das Opus doch erschienen, hinkt die Presse,\nWenn es sich um wahrhaft etwas bedeutende\nWerke handelt, meist kläglich nach. Verleger,\ndenen Zeitschriften als Verlagsprospekte zur Ver-\nfügung stehen, sind also relativ im Vorteil. Sie\nkönnen ihre kostspieligsten Autoren durch häufige\nNennung des zu schaffenden Namens und grellere\nReklamemittel dem Gehirn des Lesers, des Lite-\nraten, ues Redakteurs einleiden. In solchen Re-\nvuen beginnt die Beeinflussung kritischer Snobs..\nund der produktive Mensch, der Künstler, blickt,\nnicht gerade sehr gerecht, aber auch nicht ganz\nungerecht auf den dergleichen reproduzierenden\nHalbmann, den Kritikastraten mit jener Verach-\ntung, wie sie etwa das Gehirn „Mann\" für den\nGeschlechtsteil „Frau\" übrig hat, und umgekehrt.\nAbhilfe brächte da nur — Waschzettelfabrikation\ndurch einen vibrographischen Apparat, durch\neinen Literaturautomaten. Denn die heute noch\nvegetierenden Surrogate sind Inkarnationen des\nMangels. Gewiß, das Zeitungswesen nähme von\nmancher großen Erscheinung keine „Notiz\", wenn\ndie vielverleumdete Freundschaftskritik nicht da-\nzu zwänge. Ich verstehe allerdings unter Freund-\nschaftskritik nicht jene in gewissen Berliner Cli-\nquen herrschende süßliche gegenseitige Gleißnerei,\nnicht jene mit etwas Druckerschwärze ausgeübte\nmutuelle — Kritik, eher das mannhafte Nichtver-\nschweigen der Vorzüge und Fehler des Berede-\nten. Aber das gesamte Rezensionswesen hebt an,\nin Hochstapelei auszuarten. Es gibt schon Auto-\nren, die Meister sind; nämlich im Herauslocken\nvon Kritiken. Bauernfänger, die unter dem Vor-\ngeben, sich dereinst im Neutitscheiner Tageblatt\nzu „revanchieren\", übermäßige Gefälligkeiten\neines Grünspechts in Anspruch nehmen, und wenn\ndas jugendliche Opfer einmal keine Lust hat zu\nfunktionieren, sofort tödlich beleidigt sind — bis\nzum Erscheinen ihres nächsten Buches. Sie selbst\nsind meist geübte Totschweiger und Mörder von\nRezensionsexemplaren, harte, kluge Egoisten, die\naus guten Gründen vorschützen, sie hätten kein\nOrgan, wo sie ihren kritischen Schleim absondern\nkönnten; hüten sich weislich, derartige Organe\nzu akquirieren. Man mag dergleichen je nach\ndem Temperament einen traurigen oder lustigen\nZustand nennen. Er ist der in den Berliner Lite-\nraturcafes stationäre. Aber Waschzettel, Freund-\nschaftsrezensionen, mutuelle Kritiken oder wie\nman sonst diesen Propagatorenunfug nennen will:\nall dies versagt sofort einer gewaltigen Schöpfung\ngegenüber. Ihr tritt die Totenstille entgegen, sel-\nten vom Herzen kommendes Lob. Es ist ein\nfabelhafter Beweis für den Unwert der kritischen\nKinkerlitzchen, daß Aage von Kohl, der\nstärkste Epiker, der seit dem Tode Dostojewskis\nerstand, mit seinem „Palast der Mikro-\nben\", mit seinem „Weg durch die Nacht\",\nden besten objektivsten Büchern, die je gegen To-\ndes- und Kriegesstrafe geschrieben wurden, in\nDeutschland fast unbekannt blieb. Es ist ein un-\nbarmherziger Beweis gegen den heute üblichen\nLiteraturmarktbetrieb, daß aber schon sehr aka-\ndemische Verleger, die sich im wesentlichen auf\ndie Ausgabe modern frisierter, iibertünchter En-\ngelhornromane beschränken, daß die Staackmann.\nUllstein, Fleischel, Cotta und auch der anno „Freie\nBühne\" verdienstliche, weil damals radikalere\nS. Fischer prosperieren, während der deutsche\nVerlag, der sich gegenwärtig in seinen episch-\nbelletristischen Neuerscheinungen wohl das\nhöchste Durchschnittsniveau leistet: Ruetten und\nLoning selten ein Buch über die zweite Auflage zu\nspedieren vermag!\nFachsimpelei? Ich konstatiere bloß allerhand.\nBeispielsweise noch ein paar Tatsachen. Einem\nDruckwerk, gleichgültig welcher Art, vermögen\nnach fachmännischer Ansicht — ich bin Laie —\nFeuilletons in den großen Tageszeitung mehr zu\n„nützen\" als seine Qualitäten. Gutenbergs Erfin-\ndung hat momentan die Wechselbeziehungen zwi-\nschen Dichter und Publikum auf diese sehr ein-\nfache Formel reduziert. Man kann antworten:\nwer das verschleierte Bild von Sais enthüllt, darf\nsich über den Achselschweiß dieser Person nicht\nbeklagen. Aber es bleibt das Faktum bestehen,\ndaß die meisten Schriftsteller im jungfräulichen,\nungedruckten Zustande Besseres produzierten als\nes später der Ekel vor dem Betrieb und seinen\nschmierigen Folgen zuläßt. Ebenso unumstößlich\nfest steht: die kleinen Literaturblätter, die sich\ninfolge der Indolenz des Publikums eine zahlungs-\nfähige Moral und Ausstattung leider nicht gestat-\nten können, stehen himmelhoch über den großen,\ndicken Schmalzrevuen, diesen Organen unserer\nNeunzigjährigen. Aber jede dieser fettig materi-\nalisierten Rundschauen, von denen keine einen an-\nderen Namen als „Das Antiquariat\" verdient, ist\nmoralisch sympathischer als ihre beliebtesten Auto-\nren, die gestern noch problemquasselnd, extrem-\npsychologisierend den jeweiligen Hamsun verzapf-\nten, heute bereits perfekt goethein oder als Wells-\nkopisten die prüdesten Monatshefte verschweinen.\nEbenso erging es unseren vormals interessanten\nWitzblättern; sie sind längst bourgeoisreif gewor-\nden und das Entzücken der! Bierbürger, im übrigen\naber höchst überflüssige illustrierte Wochenaus-\ngaben der politischen Tageblätter. Viele Verleger\nund Schriftsteller rechnen nun, „um nicht letal ab-\ngehen zu müssen\", mit dieser Saturiertheit des\nPublikums, mit der Scheu des Massenhirns vor\ndirekten, krassen Büchern, setzen ihm Allerwelts-\nsuppen vor, nicht gerade kondensierte Brühen.\nAber ob die Verleger nun — geschäftstüchtig —\nRomanbibliotheken führen oder jeder ihrer Auto-\nren sich selber eine schreiben muß, ob sie das\nUniversum mit Rezensionsexemplaren über-\nschwemmen oder sich einem ebenso berechtigten\nGeiz hingeben, ob sie einander zukunftbesitzende\nAutoren abspenstig machen oder einer weitgehen-\nden Anständigkeit fröhnen, ob die Verleger unter\nder Rentenhysterie ihrer in Watte gewickelten\nAutoren jammern, die — zeitgemäß — am lieb-\nsten geschützte Verlagsbeamte sein möchten, oder\nob sie nervöser, sadistischer ihre Autoren die\nDruckkosten bezahlen lassen: der Verleger kann\nsein Ziel erreichen, er kann prosperieren. Das\nPublikum auch, es kann aus dem Buch-Haschisch\ndie wohligsten Betäubungen und Verdummungen\nziehen. Nur der Dichter bleibt immer zielfern,\nerliegt immer irgendwann dem Kontrast zwischen\nseiner Zeitlichkeit, Zeitgebundenheit, Zeitgefangen-\nheit und der endlich alles niederschmetternden\nEwigkeit. Aus diesem Grunde, weil Publikum\nund Verleger konstant, ewig, sozusagen unaus-\nrottbar sind, immer da sind, bestenfalls als fein-\norganisierte Materie, Hyle . . . immer da sind,\nohne Varianten, in identischen Wiedergeburten ...\nder Dichter aber ärgerlicherweise konstant ist,\ndas vergänglichste und seiner Vergänglichkeit\nheute frech, morgen bescheiden bewußteste We-\nsen ist: möchte ich vom Dichter, Verleger und\nden Publikiimmernissen am liebsten absehen.\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt®\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nArthur Babillotte\nIm Schatten des Korsen / Roman\nVerlag Karl Reißner / Dresden\nAa&e von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütten und Loening / Frankfurt a. M.\nIm Palast der Mikroben\nVerlag Haupt und Hammon / Leipzig 112"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191311-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vor\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur chtrct\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeöc\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Vertat\nden Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nSt&ndige Ausstellungen\nder Zeitsebrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Straße 134 a\nNeunzehnte Ausstellung\nKubisten\nGeoffnet t§glich von 10—Uhr j Sonntags \\on\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nDezember: Alber Bloch\nVom 20. September bis 1. Dezember\nErster Deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer Straße 75 zu Berlin\nInternationale Kunstschau\nVierhundert Kunstwerke\nTaglich ./ auch Sonntags / geoffnet von 10 bis 7 Uhr\nKatalog in Kupfertiefdruck mit fiinfzig Abbildungen\n2 Mark\nAm 27. und 30. November 6 Uhr\nVortrage von F. T. Marinetti\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer Straße 134*\nFernruf Amt Lutzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewofanHche Ausgabe: Fflr Deutschl&nd\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\naummer 40 Pfennig X Fiir dasAusland hei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderaosgahe: Ungebrochene Exeffl*\nglare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse ndu n gin R© 11 en direkt durch die\nPost fflr Deutschiand und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark j\nEin Halbjahr 6 Mark X Fflr das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndfeser Ausgabe werden Vierteljahrsbezflge, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t\nIter Sturm j Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n10 Mark / Vom 1. Januar ab 20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndarch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraßenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwlinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bd\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nzumfflnftendes ersten Monats einzu-\ns en den / Andernfalls nehmen wir an, daS E i n -\n2ieh un g des Betrages durch Nachnahme\nmiter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwflnscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Flgul&re /\nParis\n\nOriginalholzschniite / Handdrticke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefugt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde ./ Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 15 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n20 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft ./ Das Exemplar\n25 Mark (5)\nSchmidt-Rotluff: Mann und Weib / Sonnige Straße\nI Das Exemplar 30 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande 111 /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 25 Mark (12)\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz / Umber t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin usw\nMappen\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\n\nZeitschriften\nLa Route / Revue del' Effort Social J Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lnd6pendance I Halbmonatsschrift / Kfinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Fransaise / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nMontjoie / Halbmonatsschrift / Paris / Chauss6§\nd'Antin 38\n\nHaro / Monatsschrift / Brttssel\nLes Cahiers du Centre ! Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris I Recucil Mensuel / Paris/\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Velesiaviaova\n\nAnzeigen\n\nSoeben erschienen: Kandinsky 1901—1913 /\nMonographie mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen ,/ Mark 10 / Verlag Der Sturm /\nBerlin W 9\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten\nPremier Hvre simultane / Blaise Cendrars /\nLa Prose du Transsiberien et de la Petite Jehanne\nde France / couleurs simultanees de Mme Sonia\nDelaunay-Terk / Edition unique, atteignant\nla hauteur de la Tour Eiffel (vol. 10X36 cm\n2 metres) 150 exemplaires, dont 8 sur Parche-\nmi n ,couverture a la main, chevreau noir Prix\nnet Frs. 500— /36 sur Japan-Imperial, cou-\nverture ala main, parchemin Prix net Frs. 100— /\n106 sur Simili-Japan, couverture a la main\nchevreau noir Prix net Frs. 50— / Tousles exem-\nplaires sont signes pas les Auteurs et numerates a\nla presse / Edition des Hommes Nou-\nveaux, 4 ruedeSavoie, 4 Paris / De-\nPot: Der Sturm Berlin W Potsdamer-\nstraße 134 a / Prospectus gratuit\nWiener Buchhandlung fur moderne Literatur und\nKunst Hugo Heller & Co. Wien I Bauern-\nmarkt 3 / Reichstes Lager bibliophiler Literatur /\nStandige Buchkunstausstellung / Im Oberlichtsaal\nstandige Ausstellung moderner Graphik / Regel-\nmaßige Dichterabende vor geladenen Gasten\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLfitzow 5850 I Spezialgeschfift fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nBraunschweiger G-N-C-Monatsschrift: Neues und\nWissenswertes iiber Literatur / Kultur / Kunst /\nWissenschaft und Technik / Einzelbezug 80 Pfen-\nnig I Vierteljahrlich Mark 2 ,/ Probenummern um-\nsonst I Verlag Grimme Natalis & Co. C-G a A\nBraunschweig\nWiecker Bote / Schriftleitung: Dr. Oskar Kanehl /\nWieck-Eldena in Pommern / Preis des fleftes\n25 Pfennig / 4 Hefte M. 1,20 / Heft 3 soeben er-\nschienen\nPrazske Umelecke DHny I Prager Kunstwerk-\nstatte fiir neue Kunst / Mobel / Beleuchtungskor-\nper I Textilien / Prag, I / Veleslavinova 3\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWalden\nI Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9"}]}