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Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\nnähmen unsre Hemdchen, um sie als Segel den\ngroßen Bäumen aufzusetzen, die hetzen dort den\nganzen Weg hinab.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\ngreifen unsre Bettchen als feine Hüllen, daß sie\ndie Bäume wie Füllen jagen und schlagen den\nganzen Weg hinab.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\nmöchten unsre Liebe aus den Betten reißen, daß\nsie hohl heult mit den Windschiffen um die Riffe\ndes Schornsteins.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Wir\nwürden frieren, mein Lieb, so nackt wie ein\nWurm, wenn uns der Sturm nicht aufs gleiche\nSchifflein trüge.\n3\nWein nicht mehr, mein Bub, du wirst genesen\nvon diesem Leid. - Ich werde sterben, ja genesen,\nich gehe ein ins Paradies.\n- Wir machen eine schöne Reise, wohin du\nwillst. - 0, in den Himmel zieh ich still. Wenn\ndu klug bist, kommst du mit.\n- Was tu ich dir zu folgen, mein armer Bub?\n- Mein Lieb, meine Seele, man braucht nicht zu\nleben. Wenn du klug bist, kommst du mit.\n- Ich liebe mein Junge, ich liebe mein Leben,\nzu lachen und singen. - Wenn du klug bist, komm,\nmein Lieb, zu lachen und singen im Paradies.\n- Wir werden zwei sein, wir werden tausend\nin tausend Jahren, in hunderttausend, und in all\nder Zeit der Zeiten fahren wir still und zufrieden.\nWein nicht mehr, mein Bub, du wirst genesen\nvon diesem Leid. - Ich werde sterben, genesen,\nich gehe ein ins Paradies.\n- Wir machen eine schöne Reise, wohin du\nwillst, in den Himmel, zum Teufel, wohin du\nwillst, wohin du willst, wohin du willst ....\n4\nImmer sehen meine Augen in dies Laad, wo\nUngetreue, deine Augen mich entzückten. Ich\nfeab in meinen Augen deine Augen, und Land und\nHimmel lächeln unserm Sein.\nTraurig, weinend sag ich ganz leise zu mir\nund senk das Gesicht: Was tu ich im Leben mit\nder innern, tiefen Mühe? Mein Leben hassen, es\nbeschließen und zum Gericht den Tieren über-\nlassen?\n. Die Augen schließen und im Land unter den\nHufen der Stiere mit meinem Leben aufhören las-\nsen meine Augen, die das Land umfassen, die\nStiere, den Himmel und die Augen meines Seins?\nNein, ich habe geweint. Das Herz ganz über-\nladen, hab ich so viel geweint, daß die Augen\nmeines Lebens mit meinen Tränen einen Tag lang\ngewandert sind - und der Himmel lächelt unserm\nSein.\nIn meinen Augen ist das gleiche Land, wo\nUngetreue, deine Augen mich entzückten. Die\nSchwalben fesselt kein Band, sie wandern. Meine\nGeliebte ist tot, es lebe die Geliebte.\n5\nSie ist gestern gestorben, ich erinnere wohl,\ndaß sie gestern starb, und sie stirbt auch mor-\ngen. Heute noch Schmerz und Erinnern, doch\nmorgen: Vergessen und in neuer Zukunft geborgen.\nAlljährlich kommt mein Leid zurück, alljähr-\nlich das Erinnern. So kommen und gehn, die tot\nund geliebt sind und im Leiden gibt man das Glück\nder frühen Zeit einer späten zurück.\nDoch einmal vergißt du den Jahrestag, um an\njenem Tag nur an dich selbst zu denken, läßt dann\nschlafen die Toten im hellen Kleid und ihr Ge-\ndenken am Grunde der Zeit.\n6\nMan hat Angst vor den Toten, man ist müde\nund krumm, man will noch leben und weiß nicht\nwarum. Man möchte von Liebe leben, o Gott,\ndie du lieben möchtest, sind lange tot. Man hat\nAngst vor den Toten.\nDarum weinen die Leute . . .\nIst es das Erinnern an Tote, die ich vergaß?\nOder klagen die um mich, weil sie das Maß mei-\nner Tage weissagen können im Kalender?\nIch geh morgen von hinnen, vielleicht schon\nheute. Ob sich die Leute dort unten entsinnen\nnoch eines Tages, vielleicht mit einer Nacht, viel-\nleicht zweier Tage .. . Nein, morgen tiefstes\nVergessen, vielleicht schon heute.\nDumpfe Schläge am Klopfer\nDas Mädchen: Wer ist da?\nEine Stimme (von draußen): Ich.\nDas Mädchen: Wer, du?\nDie Stimme: Ich.\n(Les Flaireurs / Charles van Lerberghe)\nNacht. Von Himmel zu Himmel und über die\nEbene - Schnee. Eine Hütte und ein Qoldstreif\nin der Tür\nPochende Schläge am Klopfer\n- Ich bin da.\n- Ich bin da, Väterchen!\n- Heh?\n- Ick bia ela.\n- Wer ruft mich: Väter che«?\n- Ich! Dein Auge sieht durchs Schlüsselloch,\nVäterchen.\n- Zum Teufel . . . Heh! Ich kenne dich nicht.\n- Aber ja, es ist Weihnächte». Ihr wißt ganz\ngut, man hat mich hergeschickt.\n- O, o, was du sagst. Ich kenne dich gar nicht.\n- Aber doch, man hat mich hergesandt . . .\naus der Burg, Ihr wißt es ganz gut. Ihr wollt\nmich narren, Väterchen, nur zu, macht auf! Ich\nfriere.\nPochende Schläge am Klopfe-r\n- Ich hab nichts zu öffnen, ich erwarte nie-\nmanden.\n- Ihr kennt auch meinen Namen, und ich weiß\nzu gut, daß Ihr mich erwartet.\n- Du heißt?\n- Ich . . . Ich friere.\n- Du mußt aufmachen, Markus.\n- Leg dich schlafen, Weib.\n- Heh, du heißt?\n'\n- Ich friere.\n- Oeffnet, Väterchen.\n- Ins Bett, ihr Kinder. - Johannes, wie weiter?\n- Ich sagte nicht Johannes. Ich friere.\n- Ah so.\n- Oeffnet, Ihr werdet sehn.\n- Ich - nein, mein Lieber. Ich fürchte, die\nWölfe kommen.\n- Oeffnet, noch sind sie nicht da und ich weiß\nbesser wie Ihr, was man gegen sie tut.\n- Nein, ich fürchte die Kälte.\n- Ah, Ihr wollt scherzen. Diese Kälte! Ihr\nwerdet Euch über mich lustig machen wegen mei-\nner roten Haare, die ganz mit Schnee vermengt\nsind. Und dann ist doch Weihnachten, öffnet, ich\nhabe schöne Bücher.\n- Ein Händler, schiebt doch eins unter der\nTüre durch.\n- Es ist zu groß, um unter der Türe durchzu-\nkommen.\n- Was?\n- Mein Kopf, Väterchen.\n- Welcher Narr, oh, welch ein Verrückter. Ich\nwill dich nicht auslachen weil du frierst. Mach\ndich fort!\n- Oeffnet.\n- Geh fort, oder ich werfe dir glühende Asche\nin die Augen!\n- Nun, öffnet!\n- Nein, nein!\n- Nun gut, Väterchen, ich will Euch etwas\nsagen, ganz spaßhaft, nur so.\n- Heh?\n- Jawohl, etwas, das man nicht alle Tage sagt.\n- Wie?\n- Ich wollte nur morgen sterben.\n- Welch ein Narr. Warum denn?\n- Nichts, gar nichts, es ist so meine Idee. Aber\nich hatte ein schönes Buch zu lesen für Euch.\n- Nein.\n-... Bevor\n- Nein, geh fort, geh fort!\nSchritte scheinen hinabzugleiten. - Sie sterben\n. . . Man wird den Schnee auf Schnee fallen\nhören. - Das Gold in der Türe erlischt.\nPochende Schläge am Klopfer\n- Ich bin da.\n- Ich bin da, Väterchen . . .\n- Ich bin da!\n- Ich bin . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6096, "texte": "Pochende Schläge am Klopfer\n- Dort von der Wetterseite, ja dort vor der\nTür. Geh, Vater Markus. Sieh durchs Schlüssel-\nloch. Du siehst vielleicht einen kleinen Schnee-\nmann.\n- Heh?\n- Das sind die einfältigen Kinder, die mich so\nzugerichtet haben mit Schnee.\n- Kleiner Schneemann . . .?\n- Ja, ich sehe aus wie ein kleiner hübscher\nToter, nicht wahr? Aber ich werde wachsen.\n- Wachsen?\n- Ich bin schon viel größer . . . ha, ha, als\ndeine Kinder . . .\n- Was, meine Kinder?\n- Hi, hi, du hast nichts geselm. Jawohl, deine\nKinder . . . sieh, ich war groß wie eine Laus.\nAber der Schnee, der Schnee . . . ich bin jetzt\nso groß wie dein kleinstes Kind.\n- Na, du siehst nicht aus, als ob du lebtest.\nWarum stößt du an die Tür? Wie sprichts du?\n-Ich lebe mehr wie du, ich bin sehr jung.\n- Pah, warum stehst du da, häßlicher, kleiner\nWicht?\n- Sieh, ich will nicht mehr wachsen, icli will,\n4aß du mich schön findest und mich aufnimmst.\n- Schön, nein.\n- Du willst darum nicht begreifen, daß es ein-\nfältige Kinder waren, die mich gemacht haben?\n- Meine Kinder?\n- Und dann andre und wieder andre, richtige •\nkleine Engel. - Setz mich in deinen Keller, damit\nich nicht sterbe .. . Sieh, immer Schnee und\nSchnee über meinen Schneeleib. Ich werde zu\ngroß, siehst du, ich leide, setz mich in deinen Kel-\nler, Väterchen.\n- Nein, gerade habe ich schon einen Armen\nfortgeschickt.\n- Nun ja, ein Armer . . .\n- O, ein Armer, er hatte Bücher, Weihnachts-\nbücher.\n- Ich bin schön.\n- Er wußte, wie man Wölfe verjagt. Du, was\nweißt du?\n- Nichts. Aber ich bin so schön! 0, wie ich\nleide, so groß zu werden. Oeffne! 0, immer\nSchnee und Schnee über meinen Schnee, und das\nkält an. Du wirst mich liebhaben . . . sieh schnell!\nIch bin fast schon so groß wie du. Ich leide sehr,\nkomm, Väterchen. Oeffne, wenn ich noch größer\nwerde, kannst du mich nicht mehr lieben, du\nwirst nichts mehr sehn wie meine Beine. Väter-\nchen Markus, öffne mir, noch bin ich schön. Setz\nmich in deinen Keller.\n- Nein, nein, du wirst alles bei uns be-\nschmutzen.\n- In den Keller.\n- Nein, für Wasser ist der Keller nicht da.\n- Ich bin nicht von Wasser, ich leide, Vater\nMarkus.\n- Nicht für Schnee.\n- Ich bin fast gar nicht mehr von Schnee, ich\nleide, Vater Markus.\n- Nicht für Eis.\n- Ich bin etwas, das wächst. Oeffne mir, sonst\nkönnte ich nicht mehr durch die Tür hinein.\n- Nein!\n- O, ich fühle mich so schwach, Väterchen.\nJe mehr ich wachse, desto schwächer werde\nich . . . Oeffne mir.\n- Und könntest du so schwach werden, daß du\nzerbrichst unter dem Schnee wie ein Zweig . . .\n- Ja, Väterchen, aber ich wäre gezwungen,\nmich an etwas anzulehnen, an irgend etwas, an\ndein Haus . . .\n- Gut, es ist stark genug, um einen kleinen\nSchneemann wie dich zu halten. Gute Nacht.\n- Bleib, Väterchen! Sieh noch durchs Schlüs-\nselloch.\n- Gute Nacht.\n- Sieh, ich bin sehr groß.\n- Heh, ich seh dich nicht ginmal über dieser\nMauer von Eis, so dünn bist du.\n- Das ist keine Mauer von Eis, was du siehst,\ndas ist mein Panzer. Und nicht wahr, immer fällt\nSchnee. 0, ich bin zu schwach, ich bin zu groß,\nendlich muß ich mich an dein Haus lehnen.\n- Nur zu, gute Nacht. Hola, wovon erzittert\nmein Dach?\n- Aber das ist mein kleiner Finger, Väterchen,\nden ich auf deinen Schornstein stütze.\n- Hola, wovon erzittern meine Mauern?\n- Das ist mein Knie, ich bin so schwach, ich\nstütze mich.\n- Hola, wer läßt das Strohdach krachen?\n- Das ist mein Knie, ich lehne mich an. Wie\nschwach bin ich!\n- Dein Knie? Jetzt gerade?\n- O, ich bin gewachsen, ich wachse immerzu.\n- Mein Schornstein. Hola, heh, aber du zer-\nstörst ja alles.\n- Ich stütze mich. Hör! o, es ist zu Ende. Ich\nbin zu schwach.\n- Halt an, halt an, ich öffne dir.\n- 0, Väterchen, ein Riese in den Schlund eines\nRebhuhns? Zu spät, zu spät.\n- Mein Weib, meine Söhne, laßt uns hinaus-\ngehn, laßt mich . . .\n- Mein Fuß ist zu schwer, Väterchen. Es ist\nzu spät, viel zu spät. Mein Fuß ist da vor der\nTür, wie eine Mauer. Mein Fuß ist höher wie die\nTür und breiter wie deine Hütte. Warum stößt\ndu das Schloß gegen meinen Fuß? Mein Fuß ist\njetzt größer wie das Gebirge. 0, Väterchen, ich\nwachse, ich wachse immerzu ... Ich bin so\nschön .. . und werde sterben. O, ich bin so\nschön, daß du mich nie verstehen könntest.\n- Ha, ha, alles stürzt zusammen über euch,\nüber mir . . .\n- Ja, das ist mein Herz, Väterchen, mein Rie-\nsenherz, das über einem Dache schmilzt. Ich bin\ngroß und schwach wie die Welt. • Ich bin höher\nwie die Nacht, und jetzt berührt mich die Sonne\nganz und gar. Aus meinem Herzen rollen Bäche,\nmein Herz schmilzt. O, dein armes dahingetra-\ngenes Haus ... ich sterbe ... leb wohl, Väter-\nchen . . .\n- Davongetragen! Der Gießbach! Mein Hab\nund Gut! Frau, Kinder, schnell, aufs Dach. Wo-\nhin fahren wir?\n- Dahin, dahin . . .\n- Mein Geld. - Und Yolin, mein Kind, mein\nkleines Kind! Ha, dort unten, im rauschenden\nGießbach auf dem beschneiten Balken. Yolin,\nmein Kind, sieh mich doch! Der Strom nimmt\nalles mit, all . . . mein Geld. Der Abgrund dort.\nKlein Yolin! Es sieht nicht. Frau, schrei doch!!\nDer Abgrund, wir fallen hinab. Nein, es geht vor-\nbei. Aber Yolin, auf dem Balken zum Abgrund\nhin. Yolin, siehst du mich? Ich bin es, ich, dein\nVäterchen Markus . . . Yolin, was tust du? Sieh\ndoch her! Mein Gott, er spielt noch? er spielt mit\nSchnee ... er macht einen kleinen Schneemann.\n- Papa, einen schönen kleinen Schneemann.\n- In den Abgrund! - Das kleine Kind . . .\nDer Morgen. Weiße Sonne über der Ebene\nund in der Hütte\n- Nun, Markus?\n- Frau, dieser Traum . . . Der Herr verzeihe\nmir, ich glaube, daß einer der sehr gut ist, uns\ngestern Liebe bringen wollte . . . Frau!\n- Markus!\n- 0, ich habe es nicht gewollt.\nSchläge am Klopfer\n- Wer klopft denn noch?\n- Das sind die Kinder draußen im Schnee.\n- Schon die Kinder?\n- Es ist ja Weihnachten. Hör sie doch!\n- Papa, sieh doch unsern hübschen Schnee-\nmann, wie er groß geworden ist. Er ist groß\nwie du.\n- Frau, endlich war uns jemand gesandt wor-\nden, und ich glaube ... ich habe gelacht.\n-... Und der kleine Jesus hat ihm schöne\nAugen gemacht, ganz blau.\nDeutsch von Curt Stoermer / Berechtigte Ueber-\ntragung aus: Ballades francaises / Paris ' Mercure\nde France"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "173", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.4", "titre_corps": "Four New Poems : Translated from the original Bengali by the Autor", "titre_sommaire": "Four New Poems : Translated from the original Bengali by the Autor", "signature_source": "Rabindranath Tagore", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.5", "debut_caractere": 3862, "fin_caractere_exclue": 8338, "texte": "Four New Poems\nTranslated from the original Bengali by the Autor\nRabindranath Tagore\nI\nThe odour cries in the bud, „Ah me! the day\ndeparts, the happy day of spring, and I am shut\nup in my petalled prison!\"\nLose not heart, timid thing! Your bonds will\nburst, the bud will open into flower, and when\nyou die away in a fullness of time, even then\nthe spring will last.\nThe odour pants and beats itself within the\nbud, crying, „Ah me! the hours pass by, yet I\nknow not where I am going, what it is seek!\"\nLose not heart, timid thing! The spring breeze\nhas overheard your desire, the day will not end\nbefore you have fulfilled your being.\nDark seems the future and the odour cries in\ndespair, „Ah me! trough whose fault is my life\nso unmeaning? Wo can teil me, why I am at all?\"\nLose not heart, timid thing! The perfect dawn\nis near when you will mingle your life with all\nlife, and at last know all your purpose.\nII\nW h e n the lamp went out by my bed I woke\nup with the early birds.\nI sat at my open window with a fresh wreath\non my loose hair.\nThe young traveller came by the road in the\nrosy mist of the morning.\nA pearl chain was on his neck and the sun's\nrays feil on his crown.\nHe stopped before my door and asked me, with\nan eager cry, „Where is she?\"\nI could not utter for shame, „She is I, young\ntraveller, she is I.\"\nIt was dusk and the lamp was not lit.\nI was listlessly braiding my hair.\nThe young traveller came on his chariot in the\nglow of the setting sun.\nHis horses were foaming at the mouth and\nthere was dust on his garment.\nHe came down at my door and asked, in a\ntired voice, „Where is she?\"\nI could not utter for shame, „She is I, weary\ntraveller, she is I.\"\nIt is an April night. The lamp is burning in\nmy room.\nThe breeze of the south comes gently. The\nnoisy parrot sleeps in its cage.\nMy bodice is of the colour of the peacock's\nthroat and my mantle is green as young grass.\nI sit upon the floor at the window, watching\nthe deserted street.\nThrough the dark night I hum, „She is I,\ndespairing traveller, she is I.\"\n111\nThe tarne bird was in the cage, the free bird\nwas in the forest\nThey met when the time came; such was\ndecreed by fate.\nThe free bird cries, „O my love, let us fly to\nyonder wood.\"\nThe cage-bird whispers, „Come hither, let us\nboth live in the cage.\"\nSaid the free bird, „Midst bars, where ist there\nroom to- spread wings?\"\n„Alas,\" cried the cage-bird, „I know not where\n*\nto sit perched in the sky.\"\nThe free bird cries, „My darling, sing you t&e\nsongs of the woodlands.\"\nThe cage-bird says, „Sit by my side, I'll teach\nyou the speech of the learned.\"\nThe forest-bird cries, „No, ah no! Songs can\nnever be taught.\"\nThe cage-bird says, „Alas for me! I know not\nthe songs of the woodlands.\"\nTheir love is intense with longing, but they\nnever can join their wings.\nTrough the bars of the cage they gaze on, and\nvain is their wish the know each other.\nThey flutter their wings in yearning, and sing,\n„Come closer, my love!\"\nThe free bird cries, „It cannot be. I fear the\nclosed doors of the cage.\"\nThe cage-bird whispers, „Alas! my wings are\nall powerlessand dead.\"\nIV\n„Ah, poet, the evening draws near; your hairs\nare turning grey.\n„Do you in your lonely musings, hear the mes-\nsage of the hereafter?\"\n„It is evening,\" the poet said, „and I am\nlistening lest some one call from yonder village,\nlate though it be.\n„I watch if young straying hearts chance to\nmeet together, and two pairs of eager eyes beg\nfor music to break their silence.\n„Who is there to weave their passionate songs,\nif I sit on the shore of life and contemplate death\nand the beyond?\n„The early evening star disappears.\n„The glow of the funeral pyre slowly dies by\nthe silent river.\n„Jackais cry in chorus from the courtyard of\nthe deserted house in the light of the worn-out\nmoon.\n„If some wanderer, leaving home, come here\nto watch the night and with bowed head listen\nto the soundless murmur of the darkness, who is\nthere to whisper the secrets of life into his ears\nif I, shutting my doors should try to free myself\nfrom mortal bonds?\n„It is a trifle that my hairs are turning grey.\n„I am ever as young or as old as the youngest\nand the oldest of this village.\n„Some have smiles, sweet and simple, and\nsome a sly twinkle in their eyes.\n„Some have tears that well up in the daylight,\nand others tears that are hidden in the gloom.\n„They all have need for me, and I have no\ntime to brood over the afterlife.\n„I am of the age of each; what matter if my\nhair turns grey?\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "173", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.5", "titre_corps": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "titre_sommaire": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "signature_source": "Aage von Kohl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.3", "debut_caractere": 6098, "fin_caractere_exclue": 7942, "texte": "Der Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nII\nNoch eine Minute oder auch zwei wanderte\nGlaß Morton schnell durch die schmalen Gänge\ndahin, die zwischen niedrigen, schwarzen Gittern\noder winzig kleinen, grünen Buchsbaumhecken —\neinander in rechten Winkeln kreuzend, über de»\nmächtigen Kirchhof dahinführten.\nHier und da ragten zu allen Seiten Marmor-\nmonumente auf, schneeweiß über dunklen Tujas\noder schwarzgrünen Efeu. Zwischen Trauerwei-\nden und Gebüschen gewahrte man ein beständiges\nGewirr nahe und fern von gebrochenen Säulen,\nvon Kreuzen, von Tauben, von ruhenden Hunden\nin Relief oder von grauen, plumpen Händen, die\nineinander griffen; die goldenen Inschriften leuch-\nteten gedämpft auf den blanken, spiegelnden Flä-\nchen aus poliertem Granit —: hier ruhet! —\nUnd überall Blumen, in Dolden, in Büscheln,\nweiße, rote, gelbe, die ihre durstigen Kelche dem\nfallenden Tau erschlossen, noch stärker als vorher\nihren erstickenden und gewaltsamen Wohlgeruch\nausatmeten — als ginge man unter einem unauf-\nhörlichen und ohrenbetäubenden Konzert von\nschwindelnden Violinen dahin! als gaukelten alle\nSinne unter hektischen Eindrücken, viel zu über-\nwältigend, um darin Platz zu finden — Du großer\nGott, Annie, nirgends treffe ich dich wieder!\nEr war auf einmal stehen geblieben.\nEr legte den Kopf auf die Seite, angespannt\nlauschend — in die Dunkelheit hinausspähend.\nAus allen Richtungen vernahm er tausendzün-\ngige Laute: Insekten und Vögel, die sich der an-\nbrechenden Nacht entgegenbewegten, das Sausen\nvon zahllosen, winzig kleinen Flügeln, die die Luft\nzerspalteten, das kleine, wimmelnde Geräusch von\nfederleichten Schritten, von Grashalmen, die sich\nneigten, die herabgedrückt wurden und wieder in\ndie Höhe schnellten, von Staubkörnern, die hin\nund her rollten. Und weit hinter alle diesem,\nmeilenfern da draußen zur Rechten — nicht wahr,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10083, "texte": "wenn er seinen Atem anhielt, unterschied er von\nneuem dieses leise und bebende Weinen! höre,\nwie unsagbar fein es klang, zerspringender Kri-\nstall —; wie hatte er doch nur gesagt, der Auf-\nseher: daß sie auf den Kirchhöfen der ganzen\nWfelt zu allen Zeiten mindestens eine hätten, eine\nvon diesen Jammernden und Schwarzgekleideten,\ndie die schwere, duftübersättigte Atmosphäre er-\nzittern machten! Ach, war das nicht die Einheits-\nmelodie des Lebens und des Todes selber, war\nes nicht der Gesang von der beständigen Wonne\nund Qual dieser Erde selbst, war es nicht das\nsüße und ewige Weinen der Menschenseele —\nihre Sehnsucht, ihr Hoffen und ihr Schmerz zu-\nsammengefaßt! Ja, war die da hinten nicht die\nunvergängliche, die junge und uralte Kunst in\neigner Person -— diese schmächtige Frau, die mit\neinem heftigeren Bewußtsein litt, die mit einem\nunendlich größeren Begehren vermißte und darum\nwohl auch ehemals mit tausendfach heißerer Lust\ngenossen hatte — als alles und alle, die sie um-\ngaben!? Sie, die in der Grenzenlosigkeit ihrer\nKlage all dem Stummen die Stimme und dem\nSchweigenden die Sprache zurückgab! . . .\nNoch eine Sekunde stand er da, den Nacken\nweit hintenüber gebeugt, das Ohr hellhörig zit-\nternd, das Herz in einem tiefen und wortlosen\nFrieden schwellend.\nUnd da kam es ihm allmählich so vor, als hätte\ndieser spröde, singende Schrei aus jener Men-\nschenkehle wirklich vermocht, all die andern un-\nzähligen Stimmen überall ringsumher zu wecken!\nDicht an seiner Wange vorüber strich eilig ein\nunsichtbar kleines Insekt, in seiner Hast genau\ndenselben Ton hervorsummend, der von da drü-\nben her kam! und da, aus dem spitzen, wippenden\nLaub der Hängebirken, von Myriaden diminutiver\nWesen bevölkert, fuhr schwirrend dieselbe Me-\nlodie hervor; aus dem Mückenschwarm, der sur-\nrend vor ihm sank und aufstieg; und dort hinten\nund hoch oben — zu allen Seiten, ein von Mil-\nliarden intonierter Chor, die Natur selbst, die zit-\nternd ihr Grauen und ihr Glück hinausflüsterte,\nmein Gott, kleine Annie, ach mein Lieb, nie werde\nich dich wiedersehn! . . .\nMit einem Ruck hob er beide Hände vor sein\nGesicht, ließ sie gleich wieder schlaff fallen, plötz-\nlich totmüde än allen Gliedern. Tat darauf un-\nwillkürlich einen oder zwei Schritte vor, blieb\nwieder stehen — schnappte nach Luft. Und fühlte\nauf einmal die ganze, träge Atmosphäre hier drin-\nnen — die unbewegte und zu heiße Luft, die Ein-\nsamkeit nach allen Seiten, den stinkenden Blumen-\nhauch, die Nähe aller der Toten — wie eine er-\nstickende Last in seiner Brust, wie eine unerträg-\nliche Bürde auf seinen Schultern. Er starrte\nstumpf vor sich zur Erde, auf einmal in sämt-\nlichen Fibern erfüllt von einem einzigen dumpfen\nund keuchenden Verlangen, von einer blei-\nschweren, erdrückenden Sehnsucht, allen Wider-\nstand aufzugeben und sicli auf der Stelle in die\nKnie niederdrücken zu lassen! mit einem Stöhnen\nflach umzusinken, beide Arme nach der Seite aus-\nzubreiten, so weit sie reichten — mit dem ganzen\nKörper von oben bis unten, von außen bis ins\nInnerste hinein zu ruhen! die Kühle des Kieses und\nseine Feuchtigkeit an den Handflächen und der\nWange zu fühlen, die herbe Kälte des Erdgeruches\nin beiden Nasenlöchern und das Prickeln der klei-\nnen spitzen Steine nahe an seinen Mundwinkeln\nzu spüren! Ja, ja, unbeweglich und befreit dort\nliegen zu bleiben, plötzlich den Erdboden sich\nunter der Brust wogen und wölben zu fühlen, sich\neinen Augenblick darüber zu verwundern und\ndann auf einmal zu wissen, daß man weinte! daß\nman lautlos schluchzte, ohne Zorn, ohne Trotz —\nund ein für allemal! Daß man klagte Und jammerte,\nendlose Tränen vergoß, mit allen Poren und mit\nallen Nerven weinte und weinte wie ein Kind —\nbis das alles restlos verschwunden war, bis es\nganz Nacht ringsumher überall geworden, bis alles\nstumm und kohlschwärz und vorbei war — und\nnie wieder erwachen würde! . . .\nEr erhob sein Antlitz mit einem Ruck, mit einem\nplötzlichen und eiskalten Gefühl, belauert zu sein.\nMit gerunzelter Stirn starrte er um sich —:\nWo?\nWer da?!\nIst hier jemand, so antworte er! ...\nEr trat einen Schritt vor, einen Sprung — auf\neinmal mit siedendem Blut, die Faust bis zum\nBersten um seinen Stock geballt — in die Finster-\nnis nach rechts und links hinausstarrend.\nNein.\nWar da niemand?\nWar da gar niemand?? . . .\nAlle seine Muskeln erschlafften jäh. Er lachte\nkurz und beschämt. Sah abermals mit blitzenden\nAugen um sich. Fühlte auf einmal einen unsag-\nbaren Ekel über alles —: Ja, ja, Ekel, da war\ndas Wort! ach, es stieg schal und stickig durch\nseine Brust auf, es klemmte ihm rauh in der Kehle,\nes machte alle seiner Nerven kalt und gekehrt und\nflach! Ekel — vor allem über diesen gar zu\nschwindelerregenden, süßen Geruch überall, ein\nGestank wie von Hetären, der vergiftende Atem-\nhauch der unaufhörlichen Auflösung, der schlei-\nmigen Fäulnis selber!\nEr lachte wieder mit rätselhaftem Schmerz\nüber den Gedanken selbst, den er hier gedacht\nhatte — und zu gleicher Zeit, ohne es zu wollen,\ndies Gefühl des Absehens weiter und weiter ver-\nfolgend —:\nJa!\nHahaha!\nPfui über das Ganze, von Anfang bis zu Ende!\nPfui, hauptsächlich über sich selbst — über\nihn, der da hinten gestanden und einen Wildfrem-\nden gierig danach ausgefragt hatte . . . was wohl\nüber seine Frau gesagt wurde — und sich er-\nleichtert, dankbar gefühlt hatte, weil das Richtige\nnicht genannt wurde! Haha, war es mit andern\nWorten, um so weit zu gelangen — daß er in die-\nsen zwei grenzenlosen Jahren, die vergangen\nwaren seit . . . seit jener Nacht des fcntsetzens,\nTag für Tag und Minute für Minute, vor einem\njeden verborgen, in dem allerinnersten Grund sei-\nnes Wesens, alles, was er fühlte, begraben hatte!\nwar das der Grund, weswegen er sich gezwungen\nhatte, zu decken und zu verstecken — in dem Maße,\ndaß nicht einmal seine nächsten Angehörigen ahn-\nten, wie wurzeltief, wie allseitig, wie urgründig er\ndurch diesen Verlust getroffen war . . . und durch\ndie Art und Weise, diese gräßliche, diese un-\nmenschliche Art und Weise, in der ihm dieser Ver-\nlust zugefügt worden war!?!\nEr lachte von neuem, bebte an allen Nerven,\ndie Zähne klapperten aufeinander, er fingerte son-\nderbar mit der linken Hand zitternd über seinen\nNacken hin, das Ohr betäubt von leisen, pochen-\nden Geräuschen . . und gleich darauf erinnerte er\nsich plötzlich der Frau, die da hinten weinte.\nEinen Augenblick erhob er das Gesicht, es ver-\nzerrend, streckte beide Arme mit ausgespreizten\nFingern aus wie in namenlosem Ekel —:\nJa, natürlich!\nSelbstverständlich auch Sie!\nIlahaha, sie, des Kirchhofs festbestallte Leier-\nkastenmusik, die vollbusige Schreierin des Aber-\nglaubens und der Unwissenheit, die dort mit der\nStirn gegen ein Mamorrelief stand, Gott und jeder-\nmann laut ihre unkeusche Begierde entgegenjam-\nmernd, die an einen blumeniiberhäuften und stin-\nkenden Kieshügel gerichtet war — ein Gegenstand\nder Märchendichtung und des naßkalten Mitleids\nder Aufseher und Totengräber und Geistlichen,\nihrer aller von oben bis unten!\nGanz recht — und nicht nur hier allein, nein,\nüberall — hatte er vorhin ja gesagt —: überall au!\nder ganzen Welt standen da Frauen und Männer\nauf dieselbe Weise! Welch einen Chor mußte ER\nnicht Tag und Nacht, das ganze Jahr hindurch, in\nsämtlichen Zungen der Geographie hören — Er\ndort oben hinter den ewigen Sternen, pfui, hun-\nderttausendanal pfui! Was war das abscheulich,\nwas war das gemein, was war es roh und dumm\nund Lüge und Geplapper alles zusammen — von\neinem Ende bis zum äußersten Punkte des andern!\nWeg, nimm es von mir, mit Stumpf und Stiel, die\nLebenden und die Toten, die, die wieinen und die,\ndie lachen! Laß mich gründlich frei sein, jetzt\nkann ich nicht mehr, ich selbst bin die gesamte\nSumme von allem, was an Ekel existiert! . . .\nEr zuckte auf einmal zusammen, umfangen von\ndem Gefühl, laut geredet zu haben —:\nJa!\nOder auch . . .\nNein, diesmal war es kein Irrtum, es kam wirk-\nlich irgend jemand da hinten hinter ihm drein! . . .\nEr steckte nervös die linke Hand in die Tasche\nseiner Jacke, umfaßte lose den Griff des Stockes\nmit der anderen und ging so mit gerunzelter Stirn\nlangsam vorwärts — um den Fremden, wer es\nnun auch sein mochte, der sich schnell näherte,\nvorübergehen zu lassen.\nGegen seinen Willen lauschte er währenddes\nangespannt auf diese kurzen, schnellen Schritte —\nerriet, daß es eine Dame sein müsse, eine ganz\njunge Dame wahrscheinlich! Fühlte sich jäh dar-\nüber gereizt, daß er sich damit beschäftigen\nmochte, an dergleichen nichtssagende Dinge zu\ndenken. Entschloß sich schneller zuzuschreiten,\närgerte sich darauf auch über diesen Entschluß —\nund fuhr deswegen in demselben ruhigen Gang\nvon vorhin fort.\nEr fühlte gleich darauf mit überempfindsamen\nerregten Sinnen, daß sie jetzt schon ganz dicht\nhinter ihm war.\nIm selben Augenblick umwogte ihn ein eigen-\nartiger, erfrischender, ein kühler, unzusammenge-\nsetzter und ein ganz klein wenig bitterer Geruch ..\nder ihn an Sommerabende da draußen auf dem\nLande erinnerte, wenn er stundenlang durch das\ntrockene und feurige Aroma der Tannenwälder\noder durch den süßgewürzten prickelnden Duft der\nKleewiesen gewandert war — und ein Windhauch\ndann plötzlich vom Strande her, dessen dunkel-\nblaue Linie in weiter Ferne schimmerte, herein-\nbrach und ihm den salzigen und feuchten Ge-\nschmack des Meeres brachte in einer köstlichen\nEssenz!\nNoch eine Sekunde sog er in einem langen\nAtemzug begehrlich diesen kühlen Wohlgeruch\nein, unsagbar wohltuend hier unter der stinkenden\nBlumenfäulnis; fühlte dann, daß die Fremde in die-\nsem Augenblick im Begriff sein mußte, von hinten\nlinks an ihm vorüber zu gehen, drehte unwillkür-\nlich den Kopf über seine Schulter, wich gleichzeitig\nein wenig zur Seite — hatte sie im nächsten Mo-\nment vor sich, sah halb unbewußt die schmächtige\nund geschmeidige Rankheit ihres Rückens . . . und\nwußte dann auf einmal unerklärlich, mit erschüt-\nternder Gewißheit: daß Sie es sein mußte! Da war\nkein Zweifel, es konnte niemand anders sein, als die\nvon da drüben!\nOhne es selbst zu wissen, ging er auf einmal\nlangsamer hinter ihr drein, tat noch einige Schritte\nvorwärts, blieb dann schließlich stehen — starrte in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3841, "texte": "das Halbdunkel hinein, das schon im Begriff war,\ndie Konturen ihrer schwarzen Kleidung auszu-\nwischen, während sie, ohne nach rechts oder nacn\nlinks zu sehen, in hastigem Tempo dort vor ihm\nher weiter eilte —:\nGanz sicher, murmelte er —: selbstverständlich,\ndas muß sie sein, gerade so muß sie aussehen! . . .\nEr stand mit zusammengekniffenen Augen da,\n\"bemühte sich zu sehen —: Eher groß als klein war\nsie, schlank und aufrecht, schmalhüftig! Im Schnitt\ndes Kleides, in der Form des Hutes, in der Haltung\nwie auch in der Art und Weise, wie sie mit ge-\nstreckten Knien eilig und stolz dahinschritt, unzu-\ngänglich, unnahbar für alles und für alle!\nAch ja, auch ihr Gesicht, dessen Profil er einen\nblitzschnellen Augenblick gesehen hatte, war in\nallen Zügen das rechte —: ein reiches, ein ver-\nschlossenes Antlitz, blaß und doch mit einer ganz\nzarten Röte um die Wengen, mit einem üppigen\nund hochgeschwungenen Mund, tief atmenden\nNasenflügeln, die feste Rundung des Kinnes so\nschön, der grade und volle Hals! Ja, ohne irgend*\nwelchen Zweifel, wahrlich, sie war es: die Uner-\nsättliche, deren Klage nimmer schwieg! die Uner-\ngründliche, von der er dort hinten geredet und sich\nvergebens bemüht hatte, nur ihr Aussehen zu er-\nraten! die Grenzenlose, die Tag und Nacht von der\nUnterwelt rücksichtslos den Geliebten zurückfor-\nderte!\nEs war also dennoch richtig, was er von jeher\ngeschrieben hatte: daß das Leben sehr wohl weiß\n— wen es zu Nutz und Frommen treffen soll! O,\ndas Leben ist klüger als man denkt, es läßt wahr-\nlich nicht Feuer und Blut auf die herabregnen —\ndenen eine gewöhnliche Gewitterwolke den Mut\nnehmen kann! Nein, nein, das Leben war schlau,\ndu großer Gott —: Es kannte von Grund aus die\nstolzen, die sich auflehnenden und tiefen Gemüter,\ndie es wählen mußte, um das Gesetz der Ausnahme\nzu statuieren: die, die immer hungerten, die trotz\nallem unbeugsam blieben, für deren Gedanken kein\n*.Schrecken zu groß war! sie, die niemals stumm\nund leicht geknickt werden konnten, wie ein Rohr\n— sie, die imstande waren, ohne zu zögern oder\nzu blinzeln, ihre Arme zu öffnen, ihr brennendes\nSein weit selbst dem Größten zu öffnen; die Kraft\ngenug in ihrem Herzen hatten, um ohne zu schau-\ndern, selbst das Entsetzlichste von allem darin auf-\nzunehmen — und es wie ein Geschenk zu bewah-\nren! die gegen sich selbst Harten und gegen die\nandern Nachsichtigen, die ihre Brust von oben bis\nunten zerrissen, wenn es nötig tat, um sie noch\nbreiter zu machen, noch offener, noch heißer! Ja,\nselig sind die, die das Grausame erwählt, zehnfach\nselig, denn sie sind stärker als alle die andern zu-\nsammen, sie allein haben Kraft genug zu wissen,\nwas Seligkeit ist — und uns andern eine Ahnung\ndavon zu schenken! . . .\nEr stand noch auf demselben Fleck mit vorge-\nstrecktem Kopf und starrte vergessend die kleine,\ndunkle Pappelallee hinab, in der sie längst ver-\nschwunden war.\nWohlan, dachte er wie erwachend und drehte\nsein Gesicht mit kurzen, kleinen Rucken von der\neinen Seite nach der anderen, verwundert —: was\nwar es eigentlich, worüber er hier nachgegrübelt\nhatte?\nEr strengte sich an, sich der Gedanken zu er-\ninnern, die eben durch sein Gehirn geflogen waren;\nrunzelte die Stirn, stocherte ungeduldig mit der\nSpitze des Stockes in dem hellen Kies, fand plötz-\nlich ein Behagen an diesem ganz leisen, schnarren-\nden Laut, mit dem das Metall der Zwinge gegen\ndie winzig kleinen, weißen, gelben oder roten, glas-\nklaren Körner ritzte — entsann sich dann auf ein-\nmal: daß er ja hier gestanden und die gepriesen\nhatte, die das Unglück sich zur Zielscheibe er-\nwähltel\nEr warf den Nacken zurück, lachte kurzr^—:\nJawohl!\nEr war sicherlich der Rechte dazu!\nNicht wahr, wenn er bloß dahin gelangte, daß\ner sich begünstigt, ausgezeichnet und stark fühlte\n— dann einerlei, was sie betraf, die getötet wer-\nden mußte, damit er es erreichen konnte!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.6", "titre_corps": "Volkskunst", "titre_sommaire": "Volkskunst", "signature_source": "Paul Hatvani", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4490, "texte": "Volkskunst\nPaul Hatvani\nVolkskunst entsteht, wo die sozialen Probleme\nnoch in ihrer ersten Reinheit bestehen: doch ist\nKunst das einzige soziale Problem; der Dichter\nspricht zum Volke. Das ist anders geworden, und\nseitdem Differenzierung und Verflachung des na-\ntionalen Denkens das Volk selbst zum Problem ge-\nmacht haben, ist der Künstler dem freierwählten\nExile der Einsamkeit verfallen. Und diese Ein-\nsamkeit ist jeder Gemeinschaft abhold; der Künst-\nler entflieht dem Volke, das einst die höhere Ein-\nheit war und seinem Künstler Spiegel und Wider-\nhall bieten konnte. Die Einheit, die ihn schuf, und\ndie er bildete; die ihn bildete und die er schuf.\nNun hat der Künstler das Volk verlassen. Die\nKunst — zu Gott gesteigerte Menschlichkeit —\nkonnte dabei nichts erleiden; aber es ist ein tie-\nfer Zusammenhang entstanden, der in jeder Ge-\nmeinschaft eine Gelegenheit des Geschlechtes\nsieht. Im Denken gegenwärtiger Geister ist die\nIdee der Nation dem Begriff „Menge\" gewichen,\nund diese Menge weiß sich selbst als Schauplatz\nsexueller Ereignisse. Das Geschlecht ist das Ein-\nzig-Unsterbliche in ihr und nach allem Vergäng-\nlichem — nur ein Gleichnis! — bleibt die Idee.\nDer Denker schafft im Widerspruch zum Ge-\nschlecht: die Wandlung der Nation zur Menge\nstellt diesen Widerspruch in das Licht der sozi-\nalen Problems. Hier ist der Ursprung der indivi-\ndualistischen Forderungen in der Kunst zu suchen;\nund daran starb die Volkskunst.\nVolksdichtung ist Vergangenheit, zu der es\nkeine Gegenwart gibt. Die Selbstverständlich-\nkeit, mit der man heute jede Erscheinung von\nDichtung und Kunst empfängt, raubt der echten\nVolkskunst jede Voraussetzung: Ergriffenheit und\nBegeisterung, Mitgefühl und Verständnis. Das,\nwas man heute — um Verwechslungen zu ver-\nmeiden, sei es hier gesagt — „Heimatskunst\"\nnennt, hat mit Volkskunst nichts zu tun; Heimats-\nkunst ist nur ein Ausfluß von beschränkter Wir-\nkungskraft, die, anstatt zur Menge zu sprechen,\nes freiwillig vorzieht, in politisch — aber nicht\nanders! — begrenzten Gebieten zu bleiben.\nVolkskunst aber ist das Gegenteil davon. Sie\ndringt über den Einzelnen hinaus; sie wendet sich\nhöher zur Idee, ohne an ein Publikum zu denken.\nEben diese Idee ist die erste Voraussetzung zur\nVolkskunst.\nMan hört viel von „nationaler Sendung\" reden;\nsicherlich bedarf dieser Begriff — wenn man zu-\ngibt, daß die Bedeutungen, die hinter diesem\nWorte liegen, einen Begriff zusammensetzen —\neiner klärenden Interpretation.\n„Nationale Sendung\" ist ein Element einer\nhöheren metaphysischen Einheit; es ist ein\nWunsch; ein Symbol; die umschließende Summe\nailer jener Ziele, die ein Volk erreichen müßte, um\nden andern Völkern gleichwertig zu sein oder zu\nscheinen. Die es erreichen kann, wenn es nur\nist in dem, worin es sich von andern Völkern\nunterscheidet! Es gilt ja keine eigentliche „Mis-\nsion\": erst das historische Geschehen ist eine\nInterpretation für ein verhülltes Etwas, das nur\ndem Einzelnen offenbar werden kann. Und dieser\nerleuchtete Einzelne hat das Resultat seiner\nInterpretation — es ist intuitiv, seine Vision --\nzli verkünden: in höchster Vollendung ist er\nReligionsstifter, in der einfachsten Form\nvielleicht der ideale Politiker, der Volkstri-\nbun, (wo „Politiker\" allerdings ein in jeder Be-\nziehung reiner Begriff sein soll). Und irgendwo\nzwischen diesen beiden, hat auch der Volkskünst-\nler seinen Platz, wobei zu bemerken ist, dal dies\nfreilich nur formal und nicht einmal äußerlich ge-\ndacht ist.\nHistorische Entwicklung, jeden Künstler zum\nHaß der Menge zwingend, ist Schuld am Verfall\nder Volkskunst. Nur Völker, die noch sehr am\nAnfange jener systematischen Zersetzung stehen,\ndie uns als sozialer Fortschritt angepriesen wird,\nhaben noch die Kraft dazu. Und den Mut, —-\ndenn der Volkskünstler muß dem stärksten In-\nhaltswerte des Künstlers entsagen: der Per-\nsönlichkeit. Dort, wo in unserer Zeit Kunst\nist, ist Persönlichkeit; dort, wo Volkskunst sein\nsollte, fehlt der Weg, der über Persönlichkeit hin-\nausführt: der Glaube an die Idee des Ganzen,\nder Glaube und die Hoffnung, daß auch dem Teile\nErlösung werden kann im Ganzen. Längst sind\ndie Zeiten vergangen, die so verheißen durften!\nSeitdem es aber eine soziale Entwicklung gibt,\nflieht die Kunst das Volk und zieht sich in die\nPersönlichkeit zurück.\nVolkskunst aber ist für den wahrhaften Künst-\nler der Gegenwart Mythos und Religion. Er baut\nsich neue Hoffnungen daraus und schafft — trotz\nder Welt, die ihn schuf — eine Welt, die ein\nGleichnis des Erschaffenen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.7", "titre_corps": "Hochzeit : Schasana zum Geschenk", "titre_sommaire": "Hochzeit : Schasana zum Geschenk", "signature_source": "Paul Bommersheim", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.6", "debut_caractere": 4492, "fin_caractere_exclue": 6593, "texte": "Hochzeit\nSchasana zum Geschenk\nPaul Bommersheim\nUm unsre Füße braust das Meer,\ndas große, wundervolle Meer, Nachtrneer.\nIn unsere Wiege saust ein Sterneschein.\nUm unsre Schöße plätschert der Wellenschlag.\nLeben plätschert funkelnd von Schoß zu Schoß,\nLeben von Brust zu Brust .. . Schasana!\nSchasana!\nSchasana, blaue Blüte!\nVon aller Welten Feuern bunt umloht!\nAus jedem Blute, das in Menschen unruht,\nmachen sich Flammen auf, herauf, herauf.\nUnd alles Sehnen brennt an unsre Brust,\ndas sich aus Einsamkeit verwälzter Betten reckt.\nUnd von jeder Vermählung schwillt Schauer\nüber uns hin.\nUnd aller Erden Nachgraun schaut uns an\nmit tiefen, großen, vorgequollenen Augen.\nUnd alles Schlafeslächeln ruht auf uns\nwie .... goldner Mondschein.\n*\nUnd zurück zur Stadt. Und hineingetaucht\nin die lebenzitternde Friedrichsträße.\nUnd es rührt mich an das Vorbeiwehn der\nMenschen.\nMeine Seele rührt das an.\nMeine Seele harrt auf Besuch der Menschen.\nMeine Seele zündet viel Lichter an\nund glühende Becher für allalle Menschen.\nBereit sind die Gaben, rotbunte der Liebe,\nauf Tüchern aus warmem Gelb des Vergessens\ndie Tischdecke streift sie noch eilig glatt.\nMeine Seele schließt ihre Tür hell auf,\ndaß das Leuchten weit in die Nachtstadt fällt.\nUnd sie ruft es laut in die Straßen aus:\n„Herein!\nHier wird Glück verschenkt, wies noch nie\nwer besaß.\nDenn es wirft wer fort, der ist ganz erfüllt,\nDaß ers nicht mehr aushalten kann.\nSo kommt doch! Kommt!\"\nUnd keiner kam.\nAus zwölfhundert Krügen gießt die Nacht Rausck.\nZwölfhundert Purpurerigel, sie kredenzen.\nAm Felsentisch, der steigt und steigt und steigt.\nAm sternehohen Felsentisch, der steigt, steigt,\nsteigt.\nUnd die Hand um den überschäumenden Krug\nund ich stoß ihn an den Steintisck.\nUnd ich trinke und singe und fülle die Nacht\nmit Gesang.\nAus bodenlosem Nachtschoß drunten hebt sich,\naus schwarzem Teppich und Sternensaaten\nhebt sich Dampf.\nUnd Dämpfe umtanzen den Felsentisch:\nGestalten . . . Gestalten . . .\nLider geschlossen ..... Arme gestreckt . . .\nweit . . . tastend . . .\nund . . . aus meinen ' Händen bricht es brau-\nsend aus:\nSöhne des Geistes"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.8", "titre_corps": "Eine Notwendigkeit", "titre_sommaire": "Eine Notwendigkeit", "signature_source": "Bruno Taut", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.6", "debut_caractere": 6595, "fin_caractere_exclue": 8806, "texte": "Eine Notwendigkeit\nBruno Taut\nEs ist eine Freude in unserer Zeit leben, und\nwer das nicht fühlt, dem ist nicht zu helfen. Eine\nIntensität hat Künstler aller Künste ergriffen, eine\nReligiosität, die sich nicht mit weichen Anwand-\nlungen begnügen will, sondern nach gesetz-\nmäßigen Formen strebt. Die Plastik und die Ma-\nlerei finden sich auf rein synthetischen und ab-\nstrakten Wegen und man spricht überall von dem\nAufbauen der Bilder. Es liegt dieser Bezeichnung\neine Architekturidee des Bildes zugrunde, eine\nIdee, die aber nicht bloß vergleichsweise zu neh-\nmen ist, sondern einem Architekturgedanken im\neinfachen Sinne des Wortes entspricht. Es geht\neine geheime Architektur durch alle diese Werke\nund hält sie alle zusammen. In ähnlichem Sinne,\nwie es zu den Zeiten der Gotik sich vollzogen hat.\nDie gotische Kathedrale umfaßt ebenso alle Künst-\nler, die von einer wundervollen Einheit erfüllt\nwaren und in dem Architekturgebilde des Domes\nden klingenden Gesamtrhythmus fanden.\nUnd die Architektur will diesem Bestreben\nentgegengehen. Auch sie ist bei den guten Ver-\ntretern mit einer neuen tiefen Intensität erfüllt.\nAuch sie möchte bei den großen Arbeiten, die sich\nüber den wirtschaftlichen Rahmen hinaus er-\nheben, zum Ausdruck, zu einer klingenden Rhyth-\nmik und Dynamik kommen. Und es ist die gleiche\nTendenz derselben Intensität, die sich bei ein-\nfachen wirtschaftlich begrenzten Bauten in dem\nStreben nach der denkbar größten Schlichtheit\nund dem Erheben der primitivsten Form zum\nSymbol äußert. Auch hierin besteht eine Sinnes-\nVerwandtschaft mit der Gotik, die in den großen\nWerken eine zur Leidenschaft gesteigerte Kon-\nstruktion und auf der andern Seite das Suchen\nnach dem praktisch und wirtschaftlich Allerein-\nfachsten und Allerausdrucksvollsten enthält. Es\nliegt in dieser Tendenz ein Grad von konstruk-\ntiver Intensität, der weit hinausgeht über das\nselbstgenügsame klassische Ideal der Harmonie.\nGlas, Eisen und Beton sind die Materialien, die\ndem neuen Architekten das Mittel für diese Stei-\ngerung bedeuten und ihn über das Gebiet der\nbloßen Material- und Zweckarchitektur hinaus-\nführen.\nEs liegt eine Notwendigkeit in der neuen Künste\ndaß sich dieser Zusammenschluß von Architektur,,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3887, "texte": "Malerei und Plastik vollziehen soll. Moderne Ar-\nchitekten werden nur so schöpferisch und in\neinem höheren Sinne traditionell gestalten, wie sie\ndie Notwendigkeit dieses Zusammenschlusses er-\nkennen. Das Zusammenwirken ist nicht so zu\ndenken, daß die äußeren Formen der Malerei für\nArchitekturformen übernommen werden. Ku-\nbistisch ist die Architektur schon ihrem Wesen\nwach und es wäre verkehrt, etwa kantige För-\nrien ausschließlich zu verwenden. Denn die\nBilder eines Leger vereinigen in sich das Kantige\nund Weiche. Der Architekt muß sich hüten, das\nZusammengehen äußerlich zu nehmen und mißzu-\nverstehen. Er muß ähnlich alle möglichen Bau-\nformen in sein Schaffensgebiet hineinziehen, wie\nsie sich im malerischen Sinne in den geistvollen\nKompositionen Kandinskys äußern. Und zwar\ndeshalb, weil die Architektur sich auf eine breite\nBasis aller möglichen Voraussetzungen (künstle-\nrische, konstruktive, soziale und pekuniäre) stel-\nlen muß, um ihren Erscheinungen etwas Dauern-\ndes geben zu können. Die Funktionen des Rah-\nmens sind eben anders geartet als die der Bild-\nfläche. Auch muß der Architekt erkennen, daß\ndie Architektur von vornherein die Voraussetzung\nin sich trägt, die die neue Malerei sich geschaf-\nfen hat: Die Freiheit von der Perspektive und\nder Enge einzelner Augenpunkte. Die Bauten\ngroßer Architekturepochen wurden perspektiven-\nlos erfunden, die Perspektive aber erzeugte die\nbekannten Kulissenschöpfungen.\nEs ist schön, diese Zusammengehörigkeit zu\nwissen und für uns Architekten besonders be-\nfruchtend. Doch es muß auch etwas Greifbares\ngeschehen: Das ideelle Architekturgebäude, das\nkeute schon die neue Kunst darstellt, muß sich\neinmal in einem sichtbaren Bauwerk kund tun.\n.Und es ist eine Notwendigkeit, daß das geschieht.\nBauen wir zusammen an einem großartigen\nBauwerk! An einem Bauwerk, das nicht allein\nArchitektur ist, in dem alles, Malerei, Plastik, alles\nzusammen eine große Architektur bildet, und in\ndem die Architektur wieder in den andern Kün-\nsten aufgeht. Die Architektur soll hier Rahnlen\nund Inhalt, alles zugleich sein. Dieses Bau-\nwerk braucht keinen rein praktischen Zweck\nz h haben. Auch die Architektur kann sich\nvo» utilitaristischen Forderungen loslösen. Es\nwürde genügen, wenn eine moderne Samm-\nlung den Anlaß gäbe, Raum zur Aufbe-\nwahrung der Kunstwerke zu schaffen und im\nAnschluß daran einen Saal, der allen möglichen\nkünstlerischen Zwecken dienen kann. Es wird\nein einfacher baulicher Organismus hingestellt, auf\neinem freien Gelände in der Nähe der Großstadt,\ndamit er sich auch in seiner äußeren Erscheinung\nals künstlerischer Organismus geben kann. Der\nBau soll Räume enthalten, welche die charakte-\nristischen Erscheinungen der neuen Kunst in sich\naufnehmen: in großen Glasfenstern die Lichtkom-\npositionen Delaunays, an den Wänden die kubi-\nstischen Rhythmen, die Malerei eines Franz Marc\nund die Kunst Kandinskys. Die Pfeiler im Aeußern\nund Innern sollen auf die aufbauenden Plastiken\nArchipenkos warten, das Ornament wird Campen-\ndonk schaffen. Die Mitarbeiter sind damit nicht\nerschöpft. Es sollen sich alle Selbständigen be-\ntätigen, wie das in einem baulichen Organismus\ndurchaus möglich ist — damit das Ganze einen\ngroßartigen Gesamtklang bildet. Damit wäre der\nSchritt getan, der notwendig ist, um die Künste\naus ihrer salonmäßigen Situation heraus zu heben,\ndie sie bis jetzt nach der bisherigen Aesthetik\nmid Praxis einnehmen mußten.. Das Gerede über\ndas „Kunstgewerbliche\" in der neuen Kunst müßte\ndann von selbst verstummen.\nDas Haus braucht nicht gleich fertig zu skin.\nEs schadet nichts, wenn selbst im Verlauf einer\nGeneration Einzelnes nicht ganz fertig wird.\nJeder Gedanke sozialer Absichten soll ver-\nmieden werden. Das Ganze muß sich exklusiv\ngeben, wie eben große Kunst immer erst im Künst-\nler allein da ist. Das Volk möge sich dann von\nselbst an ihr erziehen oder warten, bis seine Er-\nzieher kommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.9", "titre_corps": "Dürer und Goethe Naehf©", "titre_sommaire": "Dürer und Goethe Naehf©", "signature_source": "H. 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Dennoch wird ihre Kunst dem Volke erst\nmundgerecht sein, wenn sie als Dürerschnitte und\nGoetheheringe verdaut werden kann.\nAuch ich bin in Ostpreußien . . .\n„Einen herzlichen Respekt vor Hermann\nSudermann, der obendrein mein verehrter Lands-\nmann und überhaupt — nehmt alles nur in allem\n— ein Mann ist, werden mir weder seine höhnen-\nden Gegner abgewöhnen, noch wird er es selbst\nkönnen\". Ein Mann, ein Landsmann, ein Suder-\nmann, da muß man, nehmt alle nur in allem, mit\nPaul Schienther sagen, herzlichen Respekt und\nMut ab. Die Herzlichkeit erklärt sich aus der\nLandsmannschaft, Verein ehemaliger Ostpreußen,\nSchriftführer Herr Hofrat Paul Schienther. Der\nRespekt wird erklärt: „Seine tapfere Persönlich-\nkeit macht es mir leicht. Das, was er, immer\nunter vollem Einsatz dieser Persönlichkeit,\nmanchmal schafft, macht es mir schwer.\" Der\nGoethebund (Vorsitzender: Hermann Sudermann,\nDichter) als Kriegerverein. Wir halten fest und\ntreu zusammen. Und dieser Dreimann schafft, so\nschwer es Herrn Schienther wird, immer unter\nvollem Einsatz dieser Persönlichkeit. Und mit allem\nherzlichen Respekt wird trotz vollem Einsatz eine\nNiete ausgerufen: „Auch diesmal! Mit bewußter\nfast verstimmender Absicht will er das brachlie-\ngende historische Drama wieder erwecken.\" Das\nDrama bekam aber vor dem Landsmann mit dem\ngroßen Bart einen Schreck, es blieb brachliegen,\nwie überhaupt das Erwecken von Feldern nicht\neinmal einem Hofrat gelingen dürfte. Man macht\nes ihm schwer, aber der Hofrat ist so unhöfisch,\nes das historische Drama nicht entgelten zu las-\nsen: „Gegen das historische Drama ist nicht das\ngeringste einzuwenden, denn grade die durch-\nforschte Geschichte lehrt, daß auf Gottes Welt\nkaum ein Ding unmöglich ist.\" Ein Ding nicht,\naber ein Schriftführer, der für den verehrten Vor-\nsitzenden drucken läßt: „Aber dies wräre kein\nglaubhafter Grund dafür, daß er der Tauentzien-\nstraße überdrüssig geworden ist — der Tauent-\nzienstraße, in der er selbst während seiner Ruh-\nmesjahre gewohnt hat, schon fast an historischer\nStelle: unten Miericke, oben Sudermann.\" Das\nlehrt die durchforschte Geschichte. Herr Miericke\nschafft, immer unter vollem Einsatz der Persön-\nlichkeit, Kuchen. Dieser Konditor schaffte, nehmt\nalles nur in allem, dadurch eine historische Stelle,\ner hat sicher nicht einmal an das historisch©\nDrama gedacht. Unter vollem Einsatz seiner Per-\nsönlichkeit setzte sich Herr Sudermann über ihn.\nHerr Schienther seinerseits schaffte unter vollem\nEinsatz seiner Persönlichkeit die dazu gehörige*\nRuhmesjahre, fuhr die großen Kanonen auf, das\nVolk sammelte sich an der Kaiser Wilhelm Ge-\ndächtniskirche, blickte auf Miericke und\nmann und brüllte Hurrah, bis es ihm die höhnen-\nden Gegner abgewöhnten. Es ging nur noch zu\nMiericke. Einsam blieben zurück der Schienther\nund der Suderlandsmann.\nHerr Sorge\nDer Herr Schienther kann es nicht fassen, trotz\nallem herzlichen Respekt. Er rät und berät. Er\nmöchte dem Dichter Sudermann (eine Treppe\nüber Miericke) so gerne helfen. Der Dichter Su-\ndermann macht es ihm sehr schwer. Der gute\nRuf des Berliner Tageblatts fordert durchaus Herrn\nSudermanns Ehre. Hier ist seine Heimat. Hier\nwurden ihm Johannisfeuer abgebrannt. Lieber Go-\nmorrha, als ihm Sodoms Ende bereiten. Sein Leben\nmuß leben. Hätte er! Hätte er! Hätte er! „Hätte\nSudermann mit sicherer Hand diese Entwicklung\nvon Akt zu Akt klarer werden lassen, so wäre sein\nbestes Drama entstanden.\" Aber dieser Herr Su-\ndermann glaubt, daß auf Gottes Welt kaum ein\nDing unmöglich ist. Sein dünner Faden reißt. „Aber\"\ner konnte der Lockung nicht widerstehen, diesen\nleitenden Faden mit allerhand buntem, kunterbun-\ntem Zeug immer wieder bis zur Unkenntlichkeit zu\nüberhäufen.\" Das Zeug würde nicht einmal eine\nWaschleine aushalten. Doch dem Mann muß gehol-\nfen werden. Herr Schienther macht sich schnell\nein paar extra große Knoten ins Gehirn, der Faden\ndarf nicht reißen, und er bekennt: „Vielleicht tue\nich dem Drama unrecht und ich habe es nicht ka-\npiert. Aber ich glaube: der Dichter sollte es erst\nvon allem unnützen Wüste befreien, bevor er es\nseinen Großberlinern bietet.\" Die Großberliner, die\nes sich bieten lassen, sie sollen alle, aber alle,\nSchienthers kritische Nachfolger am Berliner Tage-\nblatt werden. Ich hoffe, daß diese Kritik selbst\nim Berliner Tageblatt Landsmännern kritisch\nwerden kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.10", "titre_corps": "Andante", "titre_sommaire": "Andante", "signature_source": "Jakob van Hoddis", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.7", "debut_caractere": 8625, "fin_caractere_exclue": 9068, "texte": "Andante\nJakob van Hoddis\nAuf blühen Papierwiesen\nLeuchtend und grün\nDa stehen drei Kühe\nUnd singen kühn:\n„O Wälder, o Wolken\n„O farbige Winde\n„Wir werden gemolken\n„Geschwinde, geschwinde . . .\n„In goldene Eimer\n„Fließt unser Saft\n„In farbige Reimer\n„Ergießt unsere Kraft\n„Wir stehen hier, im Chor beisammen,\nAuf knotigem Beine\n„Und die Kräfte der Erde sind\n„Angesammelt zu frohem Vereine.\"\nSie bocken bei Tag und sie trillern bei Nacht.\n*i ' %"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.8", "debut_caractere": 494, "fin_caractere_exclue": 738, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zerlsehrift Der Sturm\nBerlin W j Potsdamer Strate 134 a\nZweiundzwanzigste Ausstellung\nAlexei von Jawlensky\nGedffnet taglich von 16—6 Uhr / Sonntaxs von\nII—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechscl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.8", "debut_caractere": 740, "fin_caractere_exclue": 3056, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsscbrift der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten ]edes Moitais\nDauerbezug\nQewdtmHche Ansgabe: Ffir Deutschitnd\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vlerteljahr\nI Mark 50 / Einzclnummer 20 Pfennig / Doppel-\naammer 40 Pfennig X Ffir dasAnsland bei\niirekterZnstellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n85 centimes / Doppelnnmmer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\niendung in Rollen direkt durch die\n$*ost ffir Dentsch!and and Qester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark I\nBin Halbjahr 6 Mark X F U r das A u s 1 a n d:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n&eser Ausgabe werden Vierteljahrsbezflge, Einzel-\nnummern und Probenumiiiern n i c h t abg^geben\n®er Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153?\n20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alls Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndarch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolls ge-\nwSnscht wird, bitten wir den B e t r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des n e u e n Vierteljahres bis\nium fiinften des ersten Mosats elazu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, da# E i n -\nzi eh ung des Betrages durch Nachnahsn e\nmiter Berechnung des Nachnahmeportes ge~\nwlinscht wird\nOeneralvertreiung des Verlags Eugene Flgutere /\nIParis\nOrigioalholzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigeffigt / Alle\nExemplare sind vom Kiinstler nummeriert nnd signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / Tiger / Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stie® /\nSchlafende Hirtin / Wildpierde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Dai\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechsteln: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kunstler mit der Hand aquareliiert I\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Sonntag / Zwei Vogel / Das Exemplar\n30 M"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-02-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-02-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 5 soeben er-\nschienen\nVerein filr Kunst/Leitung HerwarthWaldea\n1 Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nPremier livre simultane / Blaise Cendrars /\nLa Prose du Transsiberien et de la Petite Jehanne\nde France / couleurs simultanees de Mme Sonia\nDelaunay-Terk / Edition unique, atteignant\nla hauteur de la Tour Eiffel (vol. 10X36 cm\n2 metres) 150 exemplaires, dont 8 sur Parche-\nm i n ,couverture a la main, chevreau noir Prix\nnet Frs. 500— / 36 sur Japan-Imperial, cou-\nverture a la main, parchemin Prix net Frs. 100— /\n106 sur Simili-Japan, couverture k la main\nchevreau noir Prix net Frs. 50— / Tous les exem-\nplaires sont signes pas les Auteurs et numerotes &\nla presse / Edition des Hommes Nou-\nveaux, 4 rue de Savoie, 4 Paris / Pro-\nspectus gratuit"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nKinzeäbezus: 40 Pfennlr\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHROANO 1914\nBERUN-PARIS ERSTES FEBRUARHEFT\nNUMMER 196/197\n\nfahaft:\nPaul Fort: Dichtungen / Aäge von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Rabindranath Tagore: Four New Poems / Paul Hatvani: Volkskunst /\nPaul Bommersheim: Hochzeit / Bruno Taut: Eine Notwendigkeit / H. W.: Dürer und Goethe Nachf. / Jacob van Hockiis: Andante / Schmidt-Rottluff:\nAkte / Ori^mlhrOschnitt\n\nSchmidt-Rottluff: Akte / Origmalfaolzsehnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.2", "texte": "Dichtungen\nPaul Fort\nDorfbailaden\n1\nDies Mädchen ist gestorben, es fand in der\nLiebe den Tod.\nSie trugen es zur Erde nach des Tages Not.\nSie legten es einsam schlafen im Flitter seiner\nHabe.\nSie legten es einsam schlafen, allein in seinem\nGrabe.\nSie kamen fröhlich wieder, fröhlich mit dem Tag.\nSie sangen fröhlich, fröhlich: „Einem jeden\nseine Plag\".\n„Dies Mädchen ist gestorben, es fand in der\nLiebe den Tod\".\nSie gingen in die Felder, wies jeder Tag gebot.\n'• • 2\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\nnähmen unsre Hemdchen, um sie als Segel den\ngroßen Bäumen aufzusetzen, die hetzen dort den\nganzen Weg hinab.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\ngreifen unsre Bettchen als feine Hüllen, daß sie\ndie Bäume wie Füllen jagen und schlagen den\nganzen Weg hinab.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Die\nmöchten unsre Liebe aus den Betten reißen, daß\nsie hohl heult mit den Windschiffen um die Riffe\ndes Schornsteins.\nSchließ die Türe gut in den Wänden. Der\nWind streicht vorbei mit tausend Händen. Wir\nwürden frieren, mein Lieb, so nackt wie ein\nWurm, wenn uns der Sturm nicht aufs gleiche\nSchifflein trüge.\n3\nWein nicht mehr, mein Bub, du wirst genesen\nvon diesem Leid. - Ich werde sterben, ja genesen,\nich gehe ein ins Paradies.\n- Wir machen eine schöne Reise, wohin du\nwillst. - 0, in den Himmel zieh ich still. Wenn\ndu klug bist, kommst du mit.\n- Was tu ich dir zu folgen, mein armer Bub?\n- Mein Lieb, meine Seele, man braucht nicht zu\nleben. Wenn du klug bist, kommst du mit.\n- Ich liebe mein Junge, ich liebe mein Leben,\nzu lachen und singen. - Wenn du klug bist, komm,\nmein Lieb, zu lachen und singen im Paradies.\n- Wir werden zwei sein, wir werden tausend\nin tausend Jahren, in hunderttausend, und in all\nder Zeit der Zeiten fahren wir still und zufrieden.\nWein nicht mehr, mein Bub, du wirst genesen\nvon diesem Leid. - Ich werde sterben, genesen,\nich gehe ein ins Paradies.\n- Wir machen eine schöne Reise, wohin du\nwillst, in den Himmel, zum Teufel, wohin du\nwillst, wohin du willst, wohin du willst ....\n4\nImmer sehen meine Augen in dies Laad, wo\nUngetreue, deine Augen mich entzückten. Ich\nfeab in meinen Augen deine Augen, und Land und\nHimmel lächeln unserm Sein.\nTraurig, weinend sag ich ganz leise zu mir\nund senk das Gesicht: Was tu ich im Leben mit\nder innern, tiefen Mühe? Mein Leben hassen, es\nbeschließen und zum Gericht den Tieren über-\nlassen?\n. Die Augen schließen und im Land unter den\nHufen der Stiere mit meinem Leben aufhören las-\nsen meine Augen, die das Land umfassen, die\nStiere, den Himmel und die Augen meines Seins?\nNein, ich habe geweint. Das Herz ganz über-\nladen, hab ich so viel geweint, daß die Augen\nmeines Lebens mit meinen Tränen einen Tag lang\ngewandert sind - und der Himmel lächelt unserm\nSein.\nIn meinen Augen ist das gleiche Land, wo\nUngetreue, deine Augen mich entzückten. Die\nSchwalben fesselt kein Band, sie wandern. Meine\nGeliebte ist tot, es lebe die Geliebte.\n5\nSie ist gestern gestorben, ich erinnere wohl,\ndaß sie gestern starb, und sie stirbt auch mor-\ngen. Heute noch Schmerz und Erinnern, doch\nmorgen: Vergessen und in neuer Zukunft geborgen.\nAlljährlich kommt mein Leid zurück, alljähr-\nlich das Erinnern. So kommen und gehn, die tot\nund geliebt sind und im Leiden gibt man das Glück\nder frühen Zeit einer späten zurück.\nDoch einmal vergißt du den Jahrestag, um an\njenem Tag nur an dich selbst zu denken, läßt dann\nschlafen die Toten im hellen Kleid und ihr Ge-\ndenken am Grunde der Zeit.\n6\nMan hat Angst vor den Toten, man ist müde\nund krumm, man will noch leben und weiß nicht\nwarum. Man möchte von Liebe leben, o Gott,\ndie du lieben möchtest, sind lange tot. Man hat\nAngst vor den Toten.\nDarum weinen die Leute . . .\nIst es das Erinnern an Tote, die ich vergaß?\nOder klagen die um mich, weil sie das Maß mei-\nner Tage weissagen können im Kalender?\nIch geh morgen von hinnen, vielleicht schon\nheute. Ob sich die Leute dort unten entsinnen\nnoch eines Tages, vielleicht mit einer Nacht, viel-\nleicht zweier Tage .. . Nein, morgen tiefstes\nVergessen, vielleicht schon heute.\nDumpfe Schläge am Klopfer\nDas Mädchen: Wer ist da?\nEine Stimme (von draußen): Ich.\nDas Mädchen: Wer, du?\nDie Stimme: Ich.\n(Les Flaireurs / Charles van Lerberghe)\nNacht. Von Himmel zu Himmel und über die\nEbene - Schnee. Eine Hütte und ein Qoldstreif\nin der Tür\nPochende Schläge am Klopfer\n- Ich bin da.\n- Ich bin da, Väterchen!\n- Heh?\n- Ick bia ela.\n- Wer ruft mich: Väter che«?\n- Ich! Dein Auge sieht durchs Schlüsselloch,\nVäterchen.\n- Zum Teufel . . . Heh! Ich kenne dich nicht.\n- Aber ja, es ist Weihnächte». Ihr wißt ganz\ngut, man hat mich hergeschickt.\n- O, o, was du sagst. Ich kenne dich gar nicht.\n- Aber doch, man hat mich hergesandt . . .\naus der Burg, Ihr wißt es ganz gut. Ihr wollt\nmich narren, Väterchen, nur zu, macht auf! Ich\nfriere.\nPochende Schläge am Klopfe-r\n- Ich hab nichts zu öffnen, ich erwarte nie-\nmanden.\n- Ihr kennt auch meinen Namen, und ich weiß\nzu gut, daß Ihr mich erwartet.\n- Du heißt?\n- Ich . . . Ich friere.\n- Du mußt aufmachen, Markus.\n- Leg dich schlafen, Weib.\n- Heh, du heißt?\n'\n- Ich friere.\n- Oeffnet, Väterchen.\n- Ins Bett, ihr Kinder. - Johannes, wie weiter?\n- Ich sagte nicht Johannes. Ich friere.\n- Ah so.\n- Oeffnet, Ihr werdet sehn.\n- Ich - nein, mein Lieber. Ich fürchte, die\nWölfe kommen.\n- Oeffnet, noch sind sie nicht da und ich weiß\nbesser wie Ihr, was man gegen sie tut.\n- Nein, ich fürchte die Kälte.\n- Ah, Ihr wollt scherzen. Diese Kälte! Ihr\nwerdet Euch über mich lustig machen wegen mei-\nner roten Haare, die ganz mit Schnee vermengt\nsind. Und dann ist doch Weihnachten, öffnet, ich\nhabe schöne Bücher.\n- Ein Händler, schiebt doch eins unter der\nTüre durch.\n- Es ist zu groß, um unter der Türe durchzu-\nkommen.\n- Was?\n- Mein Kopf, Väterchen.\n- Welcher Narr, oh, welch ein Verrückter. Ich\nwill dich nicht auslachen weil du frierst. Mach\ndich fort!\n- Oeffnet.\n- Geh fort, oder ich werfe dir glühende Asche\nin die Augen!\n- Nun, öffnet!\n- Nein, nein!\n- Nun gut, Väterchen, ich will Euch etwas\nsagen, ganz spaßhaft, nur so.\n- Heh?\n- Jawohl, etwas, das man nicht alle Tage sagt.\n- Wie?\n- Ich wollte nur morgen sterben.\n- Welch ein Narr. Warum denn?\n- Nichts, gar nichts, es ist so meine Idee. Aber\nich hatte ein schönes Buch zu lesen für Euch.\n- Nein.\n-... Bevor\n- Nein, geh fort, geh fort!\nSchritte scheinen hinabzugleiten. - Sie sterben\n. . . Man wird den Schnee auf Schnee fallen\nhören. - Das Gold in der Türe erlischt.\nPochende Schläge am Klopfer\n- Ich bin da.\n- Ich bin da, Väterchen . . .\n- Ich bin da!\n- Ich bin . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.3", "texte": "Pochende Schläge am Klopfer\n- Dort von der Wetterseite, ja dort vor der\nTür. Geh, Vater Markus. Sieh durchs Schlüssel-\nloch. Du siehst vielleicht einen kleinen Schnee-\nmann.\n- Heh?\n- Das sind die einfältigen Kinder, die mich so\nzugerichtet haben mit Schnee.\n- Kleiner Schneemann . . .?\n- Ja, ich sehe aus wie ein kleiner hübscher\nToter, nicht wahr? Aber ich werde wachsen.\n- Wachsen?\n- Ich bin schon viel größer . . . ha, ha, als\ndeine Kinder . . .\n- Was, meine Kinder?\n- Hi, hi, du hast nichts geselm. Jawohl, deine\nKinder . . . sieh, ich war groß wie eine Laus.\nAber der Schnee, der Schnee . . . ich bin jetzt\nso groß wie dein kleinstes Kind.\n- Na, du siehst nicht aus, als ob du lebtest.\nWarum stößt du an die Tür? Wie sprichts du?\n-Ich lebe mehr wie du, ich bin sehr jung.\n- Pah, warum stehst du da, häßlicher, kleiner\nWicht?\n- Sieh, ich will nicht mehr wachsen, icli will,\n4aß du mich schön findest und mich aufnimmst.\n- Schön, nein.\n- Du willst darum nicht begreifen, daß es ein-\nfältige Kinder waren, die mich gemacht haben?\n- Meine Kinder?\n- Und dann andre und wieder andre, richtige •\nkleine Engel. - Setz mich in deinen Keller, damit\nich nicht sterbe .. . Sieh, immer Schnee und\nSchnee über meinen Schneeleib. Ich werde zu\ngroß, siehst du, ich leide, setz mich in deinen Kel-\nler, Väterchen.\n- Nein, gerade habe ich schon einen Armen\nfortgeschickt.\n- Nun ja, ein Armer . . .\n- O, ein Armer, er hatte Bücher, Weihnachts-\nbücher.\n- Ich bin schön.\n- Er wußte, wie man Wölfe verjagt. Du, was\nweißt du?\n- Nichts. Aber ich bin so schön! 0, wie ich\nleide, so groß zu werden. Oeffne! 0, immer\nSchnee und Schnee über meinen Schnee, und das\nkält an. Du wirst mich liebhaben . . . sieh schnell!\nIch bin fast schon so groß wie du. Ich leide sehr,\nkomm, Väterchen. Oeffne, wenn ich noch größer\nwerde, kannst du mich nicht mehr lieben, du\nwirst nichts mehr sehn wie meine Beine. Väter-\nchen Markus, öffne mir, noch bin ich schön. Setz\nmich in deinen Keller.\n- Nein, nein, du wirst alles bei uns be-\nschmutzen.\n- In den Keller.\n- Nein, für Wasser ist der Keller nicht da.\n- Ich bin nicht von Wasser, ich leide, Vater\nMarkus.\n- Nicht für Schnee.\n- Ich bin fast gar nicht mehr von Schnee, ich\nleide, Vater Markus.\n- Nicht für Eis.\n- Ich bin etwas, das wächst. Oeffne mir, sonst\nkönnte ich nicht mehr durch die Tür hinein.\n- Nein!\n- O, ich fühle mich so schwach, Väterchen.\nJe mehr ich wachse, desto schwächer werde\nich . . . Oeffne mir.\n- Und könntest du so schwach werden, daß du\nzerbrichst unter dem Schnee wie ein Zweig . . .\n- Ja, Väterchen, aber ich wäre gezwungen,\nmich an etwas anzulehnen, an irgend etwas, an\ndein Haus . . .\n- Gut, es ist stark genug, um einen kleinen\nSchneemann wie dich zu halten. Gute Nacht.\n- Bleib, Väterchen! Sieh noch durchs Schlüs-\nselloch.\n- Gute Nacht.\n- Sieh, ich bin sehr groß.\n- Heh, ich seh dich nicht ginmal über dieser\nMauer von Eis, so dünn bist du.\n- Das ist keine Mauer von Eis, was du siehst,\ndas ist mein Panzer. Und nicht wahr, immer fällt\nSchnee. 0, ich bin zu schwach, ich bin zu groß,\nendlich muß ich mich an dein Haus lehnen.\n- Nur zu, gute Nacht. Hola, wovon erzittert\nmein Dach?\n- Aber das ist mein kleiner Finger, Väterchen,\nden ich auf deinen Schornstein stütze.\n- Hola, wovon erzittern meine Mauern?\n- Das ist mein Knie, ich bin so schwach, ich\nstütze mich.\n- Hola, wer läßt das Strohdach krachen?\n- Das ist mein Knie, ich lehne mich an. Wie\nschwach bin ich!\n- Dein Knie? Jetzt gerade?\n- O, ich bin gewachsen, ich wachse immerzu.\n- Mein Schornstein. Hola, heh, aber du zer-\nstörst ja alles.\n- Ich stütze mich. Hör! o, es ist zu Ende. Ich\nbin zu schwach.\n- Halt an, halt an, ich öffne dir.\n- 0, Väterchen, ein Riese in den Schlund eines\nRebhuhns? Zu spät, zu spät.\n- Mein Weib, meine Söhne, laßt uns hinaus-\ngehn, laßt mich . . .\n- Mein Fuß ist zu schwer, Väterchen. Es ist\nzu spät, viel zu spät. Mein Fuß ist da vor der\nTür, wie eine Mauer. Mein Fuß ist höher wie die\nTür und breiter wie deine Hütte. Warum stößt\ndu das Schloß gegen meinen Fuß? Mein Fuß ist\njetzt größer wie das Gebirge. 0, Väterchen, ich\nwachse, ich wachse immerzu ... Ich bin so\nschön .. . und werde sterben. O, ich bin so\nschön, daß du mich nie verstehen könntest.\n- Ha, ha, alles stürzt zusammen über euch,\nüber mir . . .\n- Ja, das ist mein Herz, Väterchen, mein Rie-\nsenherz, das über einem Dache schmilzt. Ich bin\ngroß und schwach wie die Welt. • Ich bin höher\nwie die Nacht, und jetzt berührt mich die Sonne\nganz und gar. Aus meinem Herzen rollen Bäche,\nmein Herz schmilzt. O, dein armes dahingetra-\ngenes Haus ... ich sterbe ... leb wohl, Väter-\nchen . . .\n- Davongetragen! Der Gießbach! Mein Hab\nund Gut! Frau, Kinder, schnell, aufs Dach. Wo-\nhin fahren wir?\n- Dahin, dahin . . .\n- Mein Geld. - Und Yolin, mein Kind, mein\nkleines Kind! Ha, dort unten, im rauschenden\nGießbach auf dem beschneiten Balken. Yolin,\nmein Kind, sieh mich doch! Der Strom nimmt\nalles mit, all . . . mein Geld. Der Abgrund dort.\nKlein Yolin! Es sieht nicht. Frau, schrei doch!!\nDer Abgrund, wir fallen hinab. Nein, es geht vor-\nbei. Aber Yolin, auf dem Balken zum Abgrund\nhin. Yolin, siehst du mich? Ich bin es, ich, dein\nVäterchen Markus . . . Yolin, was tust du? Sieh\ndoch her! Mein Gott, er spielt noch? er spielt mit\nSchnee ... er macht einen kleinen Schneemann.\n- Papa, einen schönen kleinen Schneemann.\n- In den Abgrund! - Das kleine Kind . . .\nDer Morgen. Weiße Sonne über der Ebene\nund in der Hütte\n- Nun, Markus?\n- Frau, dieser Traum . . . Der Herr verzeihe\nmir, ich glaube, daß einer der sehr gut ist, uns\ngestern Liebe bringen wollte . . . Frau!\n- Markus!\n- 0, ich habe es nicht gewollt.\nSchläge am Klopfer\n- Wer klopft denn noch?\n- Das sind die Kinder draußen im Schnee.\n- Schon die Kinder?\n- Es ist ja Weihnachten. Hör sie doch!\n- Papa, sieh doch unsern hübschen Schnee-\nmann, wie er groß geworden ist. Er ist groß\nwie du.\n- Frau, endlich war uns jemand gesandt wor-\nden, und ich glaube ... ich habe gelacht.\n-... Und der kleine Jesus hat ihm schöne\nAugen gemacht, ganz blau.\nDeutsch von Curt Stoermer / Berechtigte Ueber-\ntragung aus: Ballades francaises / Paris ' Mercure\nde France\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nII\nNoch eine Minute oder auch zwei wanderte\nGlaß Morton schnell durch die schmalen Gänge\ndahin, die zwischen niedrigen, schwarzen Gittern\noder winzig kleinen, grünen Buchsbaumhecken —\neinander in rechten Winkeln kreuzend, über de»\nmächtigen Kirchhof dahinführten.\nHier und da ragten zu allen Seiten Marmor-\nmonumente auf, schneeweiß über dunklen Tujas\noder schwarzgrünen Efeu. Zwischen Trauerwei-\nden und Gebüschen gewahrte man ein beständiges\nGewirr nahe und fern von gebrochenen Säulen,\nvon Kreuzen, von Tauben, von ruhenden Hunden\nin Relief oder von grauen, plumpen Händen, die\nineinander griffen; die goldenen Inschriften leuch-\nteten gedämpft auf den blanken, spiegelnden Flä-\nchen aus poliertem Granit —: hier ruhet! —\nUnd überall Blumen, in Dolden, in Büscheln,\nweiße, rote, gelbe, die ihre durstigen Kelche dem\nfallenden Tau erschlossen, noch stärker als vorher\nihren erstickenden und gewaltsamen Wohlgeruch\nausatmeten — als ginge man unter einem unauf-\nhörlichen und ohrenbetäubenden Konzert von\nschwindelnden Violinen dahin! als gaukelten alle\nSinne unter hektischen Eindrücken, viel zu über-\nwältigend, um darin Platz zu finden — Du großer\nGott, Annie, nirgends treffe ich dich wieder!\nEr war auf einmal stehen geblieben.\nEr legte den Kopf auf die Seite, angespannt\nlauschend — in die Dunkelheit hinausspähend.\nAus allen Richtungen vernahm er tausendzün-\ngige Laute: Insekten und Vögel, die sich der an-\nbrechenden Nacht entgegenbewegten, das Sausen\nvon zahllosen, winzig kleinen Flügeln, die die Luft\nzerspalteten, das kleine, wimmelnde Geräusch von\nfederleichten Schritten, von Grashalmen, die sich\nneigten, die herabgedrückt wurden und wieder in\ndie Höhe schnellten, von Staubkörnern, die hin\nund her rollten. Und weit hinter alle diesem,\nmeilenfern da draußen zur Rechten — nicht wahr,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.4", "texte": "wenn er seinen Atem anhielt, unterschied er von\nneuem dieses leise und bebende Weinen! höre,\nwie unsagbar fein es klang, zerspringender Kri-\nstall —; wie hatte er doch nur gesagt, der Auf-\nseher: daß sie auf den Kirchhöfen der ganzen\nWfelt zu allen Zeiten mindestens eine hätten, eine\nvon diesen Jammernden und Schwarzgekleideten,\ndie die schwere, duftübersättigte Atmosphäre er-\nzittern machten! Ach, war das nicht die Einheits-\nmelodie des Lebens und des Todes selber, war\nes nicht der Gesang von der beständigen Wonne\nund Qual dieser Erde selbst, war es nicht das\nsüße und ewige Weinen der Menschenseele —\nihre Sehnsucht, ihr Hoffen und ihr Schmerz zu-\nsammengefaßt! Ja, war die da hinten nicht die\nunvergängliche, die junge und uralte Kunst in\neigner Person -— diese schmächtige Frau, die mit\neinem heftigeren Bewußtsein litt, die mit einem\nunendlich größeren Begehren vermißte und darum\nwohl auch ehemals mit tausendfach heißerer Lust\ngenossen hatte — als alles und alle, die sie um-\ngaben!? Sie, die in der Grenzenlosigkeit ihrer\nKlage all dem Stummen die Stimme und dem\nSchweigenden die Sprache zurückgab! . . .\nNoch eine Sekunde stand er da, den Nacken\nweit hintenüber gebeugt, das Ohr hellhörig zit-\nternd, das Herz in einem tiefen und wortlosen\nFrieden schwellend.\nUnd da kam es ihm allmählich so vor, als hätte\ndieser spröde, singende Schrei aus jener Men-\nschenkehle wirklich vermocht, all die andern un-\nzähligen Stimmen überall ringsumher zu wecken!\nDicht an seiner Wange vorüber strich eilig ein\nunsichtbar kleines Insekt, in seiner Hast genau\ndenselben Ton hervorsummend, der von da drü-\nben her kam! und da, aus dem spitzen, wippenden\nLaub der Hängebirken, von Myriaden diminutiver\nWesen bevölkert, fuhr schwirrend dieselbe Me-\nlodie hervor; aus dem Mückenschwarm, der sur-\nrend vor ihm sank und aufstieg; und dort hinten\nund hoch oben — zu allen Seiten, ein von Mil-\nliarden intonierter Chor, die Natur selbst, die zit-\nternd ihr Grauen und ihr Glück hinausflüsterte,\nmein Gott, kleine Annie, ach mein Lieb, nie werde\nich dich wiedersehn! . . .\nMit einem Ruck hob er beide Hände vor sein\nGesicht, ließ sie gleich wieder schlaff fallen, plötz-\nlich totmüde än allen Gliedern. Tat darauf un-\nwillkürlich einen oder zwei Schritte vor, blieb\nwieder stehen — schnappte nach Luft. Und fühlte\nauf einmal die ganze, träge Atmosphäre hier drin-\nnen — die unbewegte und zu heiße Luft, die Ein-\nsamkeit nach allen Seiten, den stinkenden Blumen-\nhauch, die Nähe aller der Toten — wie eine er-\nstickende Last in seiner Brust, wie eine unerträg-\nliche Bürde auf seinen Schultern. Er starrte\nstumpf vor sich zur Erde, auf einmal in sämt-\nlichen Fibern erfüllt von einem einzigen dumpfen\nund keuchenden Verlangen, von einer blei-\nschweren, erdrückenden Sehnsucht, allen Wider-\nstand aufzugeben und sicli auf der Stelle in die\nKnie niederdrücken zu lassen! mit einem Stöhnen\nflach umzusinken, beide Arme nach der Seite aus-\nzubreiten, so weit sie reichten — mit dem ganzen\nKörper von oben bis unten, von außen bis ins\nInnerste hinein zu ruhen! die Kühle des Kieses und\nseine Feuchtigkeit an den Handflächen und der\nWange zu fühlen, die herbe Kälte des Erdgeruches\nin beiden Nasenlöchern und das Prickeln der klei-\nnen spitzen Steine nahe an seinen Mundwinkeln\nzu spüren! Ja, ja, unbeweglich und befreit dort\nliegen zu bleiben, plötzlich den Erdboden sich\nunter der Brust wogen und wölben zu fühlen, sich\neinen Augenblick darüber zu verwundern und\ndann auf einmal zu wissen, daß man weinte! daß\nman lautlos schluchzte, ohne Zorn, ohne Trotz —\nund ein für allemal! Daß man klagte Und jammerte,\nendlose Tränen vergoß, mit allen Poren und mit\nallen Nerven weinte und weinte wie ein Kind —\nbis das alles restlos verschwunden war, bis es\nganz Nacht ringsumher überall geworden, bis alles\nstumm und kohlschwärz und vorbei war — und\nnie wieder erwachen würde! . . .\nEr erhob sein Antlitz mit einem Ruck, mit einem\nplötzlichen und eiskalten Gefühl, belauert zu sein.\nMit gerunzelter Stirn starrte er um sich —:\nWo?\nWer da?!\nIst hier jemand, so antworte er! ...\nEr trat einen Schritt vor, einen Sprung — auf\neinmal mit siedendem Blut, die Faust bis zum\nBersten um seinen Stock geballt — in die Finster-\nnis nach rechts und links hinausstarrend.\nNein.\nWar da niemand?\nWar da gar niemand?? . . .\nAlle seine Muskeln erschlafften jäh. Er lachte\nkurz und beschämt. Sah abermals mit blitzenden\nAugen um sich. Fühlte auf einmal einen unsag-\nbaren Ekel über alles —: Ja, ja, Ekel, da war\ndas Wort! ach, es stieg schal und stickig durch\nseine Brust auf, es klemmte ihm rauh in der Kehle,\nes machte alle seiner Nerven kalt und gekehrt und\nflach! Ekel — vor allem über diesen gar zu\nschwindelerregenden, süßen Geruch überall, ein\nGestank wie von Hetären, der vergiftende Atem-\nhauch der unaufhörlichen Auflösung, der schlei-\nmigen Fäulnis selber!\nEr lachte wieder mit rätselhaftem Schmerz\nüber den Gedanken selbst, den er hier gedacht\nhatte — und zu gleicher Zeit, ohne es zu wollen,\ndies Gefühl des Absehens weiter und weiter ver-\nfolgend —:\nJa!\nHahaha!\nPfui über das Ganze, von Anfang bis zu Ende!\nPfui, hauptsächlich über sich selbst — über\nihn, der da hinten gestanden und einen Wildfrem-\nden gierig danach ausgefragt hatte . . . was wohl\nüber seine Frau gesagt wurde — und sich er-\nleichtert, dankbar gefühlt hatte, weil das Richtige\nnicht genannt wurde! Haha, war es mit andern\nWorten, um so weit zu gelangen — daß er in die-\nsen zwei grenzenlosen Jahren, die vergangen\nwaren seit . . . seit jener Nacht des fcntsetzens,\nTag für Tag und Minute für Minute, vor einem\njeden verborgen, in dem allerinnersten Grund sei-\nnes Wesens, alles, was er fühlte, begraben hatte!\nwar das der Grund, weswegen er sich gezwungen\nhatte, zu decken und zu verstecken — in dem Maße,\ndaß nicht einmal seine nächsten Angehörigen ahn-\nten, wie wurzeltief, wie allseitig, wie urgründig er\ndurch diesen Verlust getroffen war . . . und durch\ndie Art und Weise, diese gräßliche, diese un-\nmenschliche Art und Weise, in der ihm dieser Ver-\nlust zugefügt worden war!?!\nEr lachte von neuem, bebte an allen Nerven,\ndie Zähne klapperten aufeinander, er fingerte son-\nderbar mit der linken Hand zitternd über seinen\nNacken hin, das Ohr betäubt von leisen, pochen-\nden Geräuschen . . und gleich darauf erinnerte er\nsich plötzlich der Frau, die da hinten weinte.\nEinen Augenblick erhob er das Gesicht, es ver-\nzerrend, streckte beide Arme mit ausgespreizten\nFingern aus wie in namenlosem Ekel —:\nJa, natürlich!\nSelbstverständlich auch Sie!\nIlahaha, sie, des Kirchhofs festbestallte Leier-\nkastenmusik, die vollbusige Schreierin des Aber-\nglaubens und der Unwissenheit, die dort mit der\nStirn gegen ein Mamorrelief stand, Gott und jeder-\nmann laut ihre unkeusche Begierde entgegenjam-\nmernd, die an einen blumeniiberhäuften und stin-\nkenden Kieshügel gerichtet war — ein Gegenstand\nder Märchendichtung und des naßkalten Mitleids\nder Aufseher und Totengräber und Geistlichen,\nihrer aller von oben bis unten!\nGanz recht — und nicht nur hier allein, nein,\nüberall — hatte er vorhin ja gesagt —: überall au!\nder ganzen Welt standen da Frauen und Männer\nauf dieselbe Weise! Welch einen Chor mußte ER\nnicht Tag und Nacht, das ganze Jahr hindurch, in\nsämtlichen Zungen der Geographie hören — Er\ndort oben hinter den ewigen Sternen, pfui, hun-\nderttausendanal pfui! Was war das abscheulich,\nwas war das gemein, was war es roh und dumm\nund Lüge und Geplapper alles zusammen — von\neinem Ende bis zum äußersten Punkte des andern!\nWeg, nimm es von mir, mit Stumpf und Stiel, die\nLebenden und die Toten, die, die wieinen und die,\ndie lachen! Laß mich gründlich frei sein, jetzt\nkann ich nicht mehr, ich selbst bin die gesamte\nSumme von allem, was an Ekel existiert! . . .\nEr zuckte auf einmal zusammen, umfangen von\ndem Gefühl, laut geredet zu haben —:\nJa!\nOder auch . . .\nNein, diesmal war es kein Irrtum, es kam wirk-\nlich irgend jemand da hinten hinter ihm drein! . . .\nEr steckte nervös die linke Hand in die Tasche\nseiner Jacke, umfaßte lose den Griff des Stockes\nmit der anderen und ging so mit gerunzelter Stirn\nlangsam vorwärts — um den Fremden, wer es\nnun auch sein mochte, der sich schnell näherte,\nvorübergehen zu lassen.\nGegen seinen Willen lauschte er währenddes\nangespannt auf diese kurzen, schnellen Schritte —\nerriet, daß es eine Dame sein müsse, eine ganz\njunge Dame wahrscheinlich! Fühlte sich jäh dar-\nüber gereizt, daß er sich damit beschäftigen\nmochte, an dergleichen nichtssagende Dinge zu\ndenken. Entschloß sich schneller zuzuschreiten,\närgerte sich darauf auch über diesen Entschluß —\nund fuhr deswegen in demselben ruhigen Gang\nvon vorhin fort.\nEr fühlte gleich darauf mit überempfindsamen\nerregten Sinnen, daß sie jetzt schon ganz dicht\nhinter ihm war.\nIm selben Augenblick umwogte ihn ein eigen-\nartiger, erfrischender, ein kühler, unzusammenge-\nsetzter und ein ganz klein wenig bitterer Geruch ..\nder ihn an Sommerabende da draußen auf dem\nLande erinnerte, wenn er stundenlang durch das\ntrockene und feurige Aroma der Tannenwälder\noder durch den süßgewürzten prickelnden Duft der\nKleewiesen gewandert war — und ein Windhauch\ndann plötzlich vom Strande her, dessen dunkel-\nblaue Linie in weiter Ferne schimmerte, herein-\nbrach und ihm den salzigen und feuchten Ge-\nschmack des Meeres brachte in einer köstlichen\nEssenz!\nNoch eine Sekunde sog er in einem langen\nAtemzug begehrlich diesen kühlen Wohlgeruch\nein, unsagbar wohltuend hier unter der stinkenden\nBlumenfäulnis; fühlte dann, daß die Fremde in die-\nsem Augenblick im Begriff sein mußte, von hinten\nlinks an ihm vorüber zu gehen, drehte unwillkür-\nlich den Kopf über seine Schulter, wich gleichzeitig\nein wenig zur Seite — hatte sie im nächsten Mo-\nment vor sich, sah halb unbewußt die schmächtige\nund geschmeidige Rankheit ihres Rückens . . . und\nwußte dann auf einmal unerklärlich, mit erschüt-\nternder Gewißheit: daß Sie es sein mußte! Da war\nkein Zweifel, es konnte niemand anders sein, als die\nvon da drüben!\nOhne es selbst zu wissen, ging er auf einmal\nlangsamer hinter ihr drein, tat noch einige Schritte\nvorwärts, blieb dann schließlich stehen — starrte in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.5", "texte": "das Halbdunkel hinein, das schon im Begriff war,\ndie Konturen ihrer schwarzen Kleidung auszu-\nwischen, während sie, ohne nach rechts oder nacn\nlinks zu sehen, in hastigem Tempo dort vor ihm\nher weiter eilte —:\nGanz sicher, murmelte er —: selbstverständlich,\ndas muß sie sein, gerade so muß sie aussehen! . . .\nEr stand mit zusammengekniffenen Augen da,\n\"bemühte sich zu sehen —: Eher groß als klein war\nsie, schlank und aufrecht, schmalhüftig! Im Schnitt\ndes Kleides, in der Form des Hutes, in der Haltung\nwie auch in der Art und Weise, wie sie mit ge-\nstreckten Knien eilig und stolz dahinschritt, unzu-\ngänglich, unnahbar für alles und für alle!\nAch ja, auch ihr Gesicht, dessen Profil er einen\nblitzschnellen Augenblick gesehen hatte, war in\nallen Zügen das rechte —: ein reiches, ein ver-\nschlossenes Antlitz, blaß und doch mit einer ganz\nzarten Röte um die Wengen, mit einem üppigen\nund hochgeschwungenen Mund, tief atmenden\nNasenflügeln, die feste Rundung des Kinnes so\nschön, der grade und volle Hals! Ja, ohne irgend*\nwelchen Zweifel, wahrlich, sie war es: die Uner-\nsättliche, deren Klage nimmer schwieg! die Uner-\ngründliche, von der er dort hinten geredet und sich\nvergebens bemüht hatte, nur ihr Aussehen zu er-\nraten! die Grenzenlose, die Tag und Nacht von der\nUnterwelt rücksichtslos den Geliebten zurückfor-\nderte!\nEs war also dennoch richtig, was er von jeher\ngeschrieben hatte: daß das Leben sehr wohl weiß\n— wen es zu Nutz und Frommen treffen soll! O,\ndas Leben ist klüger als man denkt, es läßt wahr-\nlich nicht Feuer und Blut auf die herabregnen —\ndenen eine gewöhnliche Gewitterwolke den Mut\nnehmen kann! Nein, nein, das Leben war schlau,\ndu großer Gott —: Es kannte von Grund aus die\nstolzen, die sich auflehnenden und tiefen Gemüter,\ndie es wählen mußte, um das Gesetz der Ausnahme\nzu statuieren: die, die immer hungerten, die trotz\nallem unbeugsam blieben, für deren Gedanken kein\n*.Schrecken zu groß war! sie, die niemals stumm\nund leicht geknickt werden konnten, wie ein Rohr\n— sie, die imstande waren, ohne zu zögern oder\nzu blinzeln, ihre Arme zu öffnen, ihr brennendes\nSein weit selbst dem Größten zu öffnen; die Kraft\ngenug in ihrem Herzen hatten, um ohne zu schau-\ndern, selbst das Entsetzlichste von allem darin auf-\nzunehmen — und es wie ein Geschenk zu bewah-\nren! die gegen sich selbst Harten und gegen die\nandern Nachsichtigen, die ihre Brust von oben bis\nunten zerrissen, wenn es nötig tat, um sie noch\nbreiter zu machen, noch offener, noch heißer! Ja,\nselig sind die, die das Grausame erwählt, zehnfach\nselig, denn sie sind stärker als alle die andern zu-\nsammen, sie allein haben Kraft genug zu wissen,\nwas Seligkeit ist — und uns andern eine Ahnung\ndavon zu schenken! . . .\nEr stand noch auf demselben Fleck mit vorge-\nstrecktem Kopf und starrte vergessend die kleine,\ndunkle Pappelallee hinab, in der sie längst ver-\nschwunden war.\nWohlan, dachte er wie erwachend und drehte\nsein Gesicht mit kurzen, kleinen Rucken von der\neinen Seite nach der anderen, verwundert —: was\nwar es eigentlich, worüber er hier nachgegrübelt\nhatte?\nEr strengte sich an, sich der Gedanken zu er-\ninnern, die eben durch sein Gehirn geflogen waren;\nrunzelte die Stirn, stocherte ungeduldig mit der\nSpitze des Stockes in dem hellen Kies, fand plötz-\nlich ein Behagen an diesem ganz leisen, schnarren-\nden Laut, mit dem das Metall der Zwinge gegen\ndie winzig kleinen, weißen, gelben oder roten, glas-\nklaren Körner ritzte — entsann sich dann auf ein-\nmal: daß er ja hier gestanden und die gepriesen\nhatte, die das Unglück sich zur Zielscheibe er-\nwähltel\nEr warf den Nacken zurück, lachte kurzr^—:\nJawohl!\nEr war sicherlich der Rechte dazu!\nNicht wahr, wenn er bloß dahin gelangte, daß\ner sich begünstigt, ausgezeichnet und stark fühlte\n— dann einerlei, was sie betraf, die getötet wer-\nden mußte, damit er es erreichen konnte!\n\nFortsetzung folgt\n\nFour New Poems\nTranslated from the original Bengali by the Autor\nRabindranath Tagore\nI\nThe odour cries in the bud, „Ah me! the day\ndeparts, the happy day of spring, and I am shut\nup in my petalled prison!\"\nLose not heart, timid thing! Your bonds will\nburst, the bud will open into flower, and when\nyou die away in a fullness of time, even then\nthe spring will last.\nThe odour pants and beats itself within the\nbud, crying, „Ah me! the hours pass by, yet I\nknow not where I am going, what it is seek!\"\nLose not heart, timid thing! The spring breeze\nhas overheard your desire, the day will not end\nbefore you have fulfilled your being.\nDark seems the future and the odour cries in\ndespair, „Ah me! trough whose fault is my life\nso unmeaning? Wo can teil me, why I am at all?\"\nLose not heart, timid thing! The perfect dawn\nis near when you will mingle your life with all\nlife, and at last know all your purpose.\nII\nW h e n the lamp went out by my bed I woke\nup with the early birds.\nI sat at my open window with a fresh wreath\non my loose hair.\nThe young traveller came by the road in the\nrosy mist of the morning.\nA pearl chain was on his neck and the sun's\nrays feil on his crown.\nHe stopped before my door and asked me, with\nan eager cry, „Where is she?\"\nI could not utter for shame, „She is I, young\ntraveller, she is I.\"\nIt was dusk and the lamp was not lit.\nI was listlessly braiding my hair.\nThe young traveller came on his chariot in the\nglow of the setting sun.\nHis horses were foaming at the mouth and\nthere was dust on his garment.\nHe came down at my door and asked, in a\ntired voice, „Where is she?\"\nI could not utter for shame, „She is I, weary\ntraveller, she is I.\"\nIt is an April night. The lamp is burning in\nmy room.\nThe breeze of the south comes gently. The\nnoisy parrot sleeps in its cage.\nMy bodice is of the colour of the peacock's\nthroat and my mantle is green as young grass.\nI sit upon the floor at the window, watching\nthe deserted street.\nThrough the dark night I hum, „She is I,\ndespairing traveller, she is I.\"\n111\nThe tarne bird was in the cage, the free bird\nwas in the forest\nThey met when the time came; such was\ndecreed by fate.\nThe free bird cries, „O my love, let us fly to\nyonder wood.\"\nThe cage-bird whispers, „Come hither, let us\nboth live in the cage.\"\nSaid the free bird, „Midst bars, where ist there\nroom to- spread wings?\"\n„Alas,\" cried the cage-bird, „I know not where\n*\nto sit perched in the sky.\"\nThe free bird cries, „My darling, sing you t&e\nsongs of the woodlands.\"\nThe cage-bird says, „Sit by my side, I'll teach\nyou the speech of the learned.\"\nThe forest-bird cries, „No, ah no! Songs can\nnever be taught.\"\nThe cage-bird says, „Alas for me! I know not\nthe songs of the woodlands.\"\nTheir love is intense with longing, but they\nnever can join their wings.\nTrough the bars of the cage they gaze on, and\nvain is their wish the know each other.\nThey flutter their wings in yearning, and sing,\n„Come closer, my love!\"\nThe free bird cries, „It cannot be. I fear the\nclosed doors of the cage.\"\nThe cage-bird whispers, „Alas! my wings are\nall powerlessand dead.\"\nIV\n„Ah, poet, the evening draws near; your hairs\nare turning grey.\n„Do you in your lonely musings, hear the mes-\nsage of the hereafter?\"\n„It is evening,\" the poet said, „and I am\nlistening lest some one call from yonder village,\nlate though it be.\n„I watch if young straying hearts chance to\nmeet together, and two pairs of eager eyes beg\nfor music to break their silence.\n„Who is there to weave their passionate songs,\nif I sit on the shore of life and contemplate death\nand the beyond?\n„The early evening star disappears.\n„The glow of the funeral pyre slowly dies by\nthe silent river.\n„Jackais cry in chorus from the courtyard of\nthe deserted house in the light of the worn-out\nmoon.\n„If some wanderer, leaving home, come here\nto watch the night and with bowed head listen\nto the soundless murmur of the darkness, who is\nthere to whisper the secrets of life into his ears\nif I, shutting my doors should try to free myself\nfrom mortal bonds?\n„It is a trifle that my hairs are turning grey.\n„I am ever as young or as old as the youngest\nand the oldest of this village.\n„Some have smiles, sweet and simple, and\nsome a sly twinkle in their eyes.\n„Some have tears that well up in the daylight,\nand others tears that are hidden in the gloom.\n„They all have need for me, and I have no\ntime to brood over the afterlife.\n„I am of the age of each; what matter if my\nhair turns grey?\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.6", "texte": "Volkskunst\nPaul Hatvani\nVolkskunst entsteht, wo die sozialen Probleme\nnoch in ihrer ersten Reinheit bestehen: doch ist\nKunst das einzige soziale Problem; der Dichter\nspricht zum Volke. Das ist anders geworden, und\nseitdem Differenzierung und Verflachung des na-\ntionalen Denkens das Volk selbst zum Problem ge-\nmacht haben, ist der Künstler dem freierwählten\nExile der Einsamkeit verfallen. Und diese Ein-\nsamkeit ist jeder Gemeinschaft abhold; der Künst-\nler entflieht dem Volke, das einst die höhere Ein-\nheit war und seinem Künstler Spiegel und Wider-\nhall bieten konnte. Die Einheit, die ihn schuf, und\ndie er bildete; die ihn bildete und die er schuf.\nNun hat der Künstler das Volk verlassen. Die\nKunst — zu Gott gesteigerte Menschlichkeit —\nkonnte dabei nichts erleiden; aber es ist ein tie-\nfer Zusammenhang entstanden, der in jeder Ge-\nmeinschaft eine Gelegenheit des Geschlechtes\nsieht. Im Denken gegenwärtiger Geister ist die\nIdee der Nation dem Begriff „Menge\" gewichen,\nund diese Menge weiß sich selbst als Schauplatz\nsexueller Ereignisse. Das Geschlecht ist das Ein-\nzig-Unsterbliche in ihr und nach allem Vergäng-\nlichem — nur ein Gleichnis! — bleibt die Idee.\nDer Denker schafft im Widerspruch zum Ge-\nschlecht: die Wandlung der Nation zur Menge\nstellt diesen Widerspruch in das Licht der sozi-\nalen Problems. Hier ist der Ursprung der indivi-\ndualistischen Forderungen in der Kunst zu suchen;\nund daran starb die Volkskunst.\nVolksdichtung ist Vergangenheit, zu der es\nkeine Gegenwart gibt. Die Selbstverständlich-\nkeit, mit der man heute jede Erscheinung von\nDichtung und Kunst empfängt, raubt der echten\nVolkskunst jede Voraussetzung: Ergriffenheit und\nBegeisterung, Mitgefühl und Verständnis. Das,\nwas man heute — um Verwechslungen zu ver-\nmeiden, sei es hier gesagt — „Heimatskunst\"\nnennt, hat mit Volkskunst nichts zu tun; Heimats-\nkunst ist nur ein Ausfluß von beschränkter Wir-\nkungskraft, die, anstatt zur Menge zu sprechen,\nes freiwillig vorzieht, in politisch — aber nicht\nanders! — begrenzten Gebieten zu bleiben.\nVolkskunst aber ist das Gegenteil davon. Sie\ndringt über den Einzelnen hinaus; sie wendet sich\nhöher zur Idee, ohne an ein Publikum zu denken.\nEben diese Idee ist die erste Voraussetzung zur\nVolkskunst.\nMan hört viel von „nationaler Sendung\" reden;\nsicherlich bedarf dieser Begriff — wenn man zu-\ngibt, daß die Bedeutungen, die hinter diesem\nWorte liegen, einen Begriff zusammensetzen —\neiner klärenden Interpretation.\n„Nationale Sendung\" ist ein Element einer\nhöheren metaphysischen Einheit; es ist ein\nWunsch; ein Symbol; die umschließende Summe\nailer jener Ziele, die ein Volk erreichen müßte, um\nden andern Völkern gleichwertig zu sein oder zu\nscheinen. Die es erreichen kann, wenn es nur\nist in dem, worin es sich von andern Völkern\nunterscheidet! Es gilt ja keine eigentliche „Mis-\nsion\": erst das historische Geschehen ist eine\nInterpretation für ein verhülltes Etwas, das nur\ndem Einzelnen offenbar werden kann. Und dieser\nerleuchtete Einzelne hat das Resultat seiner\nInterpretation — es ist intuitiv, seine Vision --\nzli verkünden: in höchster Vollendung ist er\nReligionsstifter, in der einfachsten Form\nvielleicht der ideale Politiker, der Volkstri-\nbun, (wo „Politiker\" allerdings ein in jeder Be-\nziehung reiner Begriff sein soll). Und irgendwo\nzwischen diesen beiden, hat auch der Volkskünst-\nler seinen Platz, wobei zu bemerken ist, dal dies\nfreilich nur formal und nicht einmal äußerlich ge-\ndacht ist.\nHistorische Entwicklung, jeden Künstler zum\nHaß der Menge zwingend, ist Schuld am Verfall\nder Volkskunst. Nur Völker, die noch sehr am\nAnfange jener systematischen Zersetzung stehen,\ndie uns als sozialer Fortschritt angepriesen wird,\nhaben noch die Kraft dazu. Und den Mut, —-\ndenn der Volkskünstler muß dem stärksten In-\nhaltswerte des Künstlers entsagen: der Per-\nsönlichkeit. Dort, wo in unserer Zeit Kunst\nist, ist Persönlichkeit; dort, wo Volkskunst sein\nsollte, fehlt der Weg, der über Persönlichkeit hin-\nausführt: der Glaube an die Idee des Ganzen,\nder Glaube und die Hoffnung, daß auch dem Teile\nErlösung werden kann im Ganzen. Längst sind\ndie Zeiten vergangen, die so verheißen durften!\nSeitdem es aber eine soziale Entwicklung gibt,\nflieht die Kunst das Volk und zieht sich in die\nPersönlichkeit zurück.\nVolkskunst aber ist für den wahrhaften Künst-\nler der Gegenwart Mythos und Religion. Er baut\nsich neue Hoffnungen daraus und schafft — trotz\nder Welt, die ihn schuf — eine Welt, die ein\nGleichnis des Erschaffenen ist.\n\nHochzeit\nSchasana zum Geschenk\nPaul Bommersheim\nUm unsre Füße braust das Meer,\ndas große, wundervolle Meer, Nachtrneer.\nIn unsere Wiege saust ein Sterneschein.\nUm unsre Schöße plätschert der Wellenschlag.\nLeben plätschert funkelnd von Schoß zu Schoß,\nLeben von Brust zu Brust .. . Schasana!\nSchasana!\nSchasana, blaue Blüte!\nVon aller Welten Feuern bunt umloht!\nAus jedem Blute, das in Menschen unruht,\nmachen sich Flammen auf, herauf, herauf.\nUnd alles Sehnen brennt an unsre Brust,\ndas sich aus Einsamkeit verwälzter Betten reckt.\nUnd von jeder Vermählung schwillt Schauer\nüber uns hin.\nUnd aller Erden Nachgraun schaut uns an\nmit tiefen, großen, vorgequollenen Augen.\nUnd alles Schlafeslächeln ruht auf uns\nwie .... goldner Mondschein.\n*\nUnd zurück zur Stadt. Und hineingetaucht\nin die lebenzitternde Friedrichsträße.\nUnd es rührt mich an das Vorbeiwehn der\nMenschen.\nMeine Seele rührt das an.\nMeine Seele harrt auf Besuch der Menschen.\nMeine Seele zündet viel Lichter an\nund glühende Becher für allalle Menschen.\nBereit sind die Gaben, rotbunte der Liebe,\nauf Tüchern aus warmem Gelb des Vergessens\ndie Tischdecke streift sie noch eilig glatt.\nMeine Seele schließt ihre Tür hell auf,\ndaß das Leuchten weit in die Nachtstadt fällt.\nUnd sie ruft es laut in die Straßen aus:\n„Herein!\nHier wird Glück verschenkt, wies noch nie\nwer besaß.\nDenn es wirft wer fort, der ist ganz erfüllt,\nDaß ers nicht mehr aushalten kann.\nSo kommt doch! Kommt!\"\nUnd keiner kam.\nAus zwölfhundert Krügen gießt die Nacht Rausck.\nZwölfhundert Purpurerigel, sie kredenzen.\nAm Felsentisch, der steigt und steigt und steigt.\nAm sternehohen Felsentisch, der steigt, steigt,\nsteigt.\nUnd die Hand um den überschäumenden Krug\nund ich stoß ihn an den Steintisck.\nUnd ich trinke und singe und fülle die Nacht\nmit Gesang.\nAus bodenlosem Nachtschoß drunten hebt sich,\naus schwarzem Teppich und Sternensaaten\nhebt sich Dampf.\nUnd Dämpfe umtanzen den Felsentisch:\nGestalten . . . Gestalten . . .\nLider geschlossen ..... Arme gestreckt . . .\nweit . . . tastend . . .\nund . . . aus meinen ' Händen bricht es brau-\nsend aus:\nSöhne des Geistes\n\nEine Notwendigkeit\nBruno Taut\nEs ist eine Freude in unserer Zeit leben, und\nwer das nicht fühlt, dem ist nicht zu helfen. Eine\nIntensität hat Künstler aller Künste ergriffen, eine\nReligiosität, die sich nicht mit weichen Anwand-\nlungen begnügen will, sondern nach gesetz-\nmäßigen Formen strebt. Die Plastik und die Ma-\nlerei finden sich auf rein synthetischen und ab-\nstrakten Wegen und man spricht überall von dem\nAufbauen der Bilder. Es liegt dieser Bezeichnung\neine Architekturidee des Bildes zugrunde, eine\nIdee, die aber nicht bloß vergleichsweise zu neh-\nmen ist, sondern einem Architekturgedanken im\neinfachen Sinne des Wortes entspricht. Es geht\neine geheime Architektur durch alle diese Werke\nund hält sie alle zusammen. In ähnlichem Sinne,\nwie es zu den Zeiten der Gotik sich vollzogen hat.\nDie gotische Kathedrale umfaßt ebenso alle Künst-\nler, die von einer wundervollen Einheit erfüllt\nwaren und in dem Architekturgebilde des Domes\nden klingenden Gesamtrhythmus fanden.\nUnd die Architektur will diesem Bestreben\nentgegengehen. Auch sie ist bei den guten Ver-\ntretern mit einer neuen tiefen Intensität erfüllt.\nAuch sie möchte bei den großen Arbeiten, die sich\nüber den wirtschaftlichen Rahmen hinaus er-\nheben, zum Ausdruck, zu einer klingenden Rhyth-\nmik und Dynamik kommen. Und es ist die gleiche\nTendenz derselben Intensität, die sich bei ein-\nfachen wirtschaftlich begrenzten Bauten in dem\nStreben nach der denkbar größten Schlichtheit\nund dem Erheben der primitivsten Form zum\nSymbol äußert. Auch hierin besteht eine Sinnes-\nVerwandtschaft mit der Gotik, die in den großen\nWerken eine zur Leidenschaft gesteigerte Kon-\nstruktion und auf der andern Seite das Suchen\nnach dem praktisch und wirtschaftlich Allerein-\nfachsten und Allerausdrucksvollsten enthält. Es\nliegt in dieser Tendenz ein Grad von konstruk-\ntiver Intensität, der weit hinausgeht über das\nselbstgenügsame klassische Ideal der Harmonie.\nGlas, Eisen und Beton sind die Materialien, die\ndem neuen Architekten das Mittel für diese Stei-\ngerung bedeuten und ihn über das Gebiet der\nbloßen Material- und Zweckarchitektur hinaus-\nführen.\nEs liegt eine Notwendigkeit in der neuen Künste\ndaß sich dieser Zusammenschluß von Architektur,,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.7", "texte": "Malerei und Plastik vollziehen soll. Moderne Ar-\nchitekten werden nur so schöpferisch und in\neinem höheren Sinne traditionell gestalten, wie sie\ndie Notwendigkeit dieses Zusammenschlusses er-\nkennen. Das Zusammenwirken ist nicht so zu\ndenken, daß die äußeren Formen der Malerei für\nArchitekturformen übernommen werden. Ku-\nbistisch ist die Architektur schon ihrem Wesen\nwach und es wäre verkehrt, etwa kantige För-\nrien ausschließlich zu verwenden. Denn die\nBilder eines Leger vereinigen in sich das Kantige\nund Weiche. Der Architekt muß sich hüten, das\nZusammengehen äußerlich zu nehmen und mißzu-\nverstehen. Er muß ähnlich alle möglichen Bau-\nformen in sein Schaffensgebiet hineinziehen, wie\nsie sich im malerischen Sinne in den geistvollen\nKompositionen Kandinskys äußern. Und zwar\ndeshalb, weil die Architektur sich auf eine breite\nBasis aller möglichen Voraussetzungen (künstle-\nrische, konstruktive, soziale und pekuniäre) stel-\nlen muß, um ihren Erscheinungen etwas Dauern-\ndes geben zu können. Die Funktionen des Rah-\nmens sind eben anders geartet als die der Bild-\nfläche. Auch muß der Architekt erkennen, daß\ndie Architektur von vornherein die Voraussetzung\nin sich trägt, die die neue Malerei sich geschaf-\nfen hat: Die Freiheit von der Perspektive und\nder Enge einzelner Augenpunkte. Die Bauten\ngroßer Architekturepochen wurden perspektiven-\nlos erfunden, die Perspektive aber erzeugte die\nbekannten Kulissenschöpfungen.\nEs ist schön, diese Zusammengehörigkeit zu\nwissen und für uns Architekten besonders be-\nfruchtend. Doch es muß auch etwas Greifbares\ngeschehen: Das ideelle Architekturgebäude, das\nkeute schon die neue Kunst darstellt, muß sich\neinmal in einem sichtbaren Bauwerk kund tun.\n.Und es ist eine Notwendigkeit, daß das geschieht.\nBauen wir zusammen an einem großartigen\nBauwerk! An einem Bauwerk, das nicht allein\nArchitektur ist, in dem alles, Malerei, Plastik, alles\nzusammen eine große Architektur bildet, und in\ndem die Architektur wieder in den andern Kün-\nsten aufgeht. Die Architektur soll hier Rahnlen\nund Inhalt, alles zugleich sein. Dieses Bau-\nwerk braucht keinen rein praktischen Zweck\nz h haben. Auch die Architektur kann sich\nvo» utilitaristischen Forderungen loslösen. Es\nwürde genügen, wenn eine moderne Samm-\nlung den Anlaß gäbe, Raum zur Aufbe-\nwahrung der Kunstwerke zu schaffen und im\nAnschluß daran einen Saal, der allen möglichen\nkünstlerischen Zwecken dienen kann. Es wird\nein einfacher baulicher Organismus hingestellt, auf\neinem freien Gelände in der Nähe der Großstadt,\ndamit er sich auch in seiner äußeren Erscheinung\nals künstlerischer Organismus geben kann. Der\nBau soll Räume enthalten, welche die charakte-\nristischen Erscheinungen der neuen Kunst in sich\naufnehmen: in großen Glasfenstern die Lichtkom-\npositionen Delaunays, an den Wänden die kubi-\nstischen Rhythmen, die Malerei eines Franz Marc\nund die Kunst Kandinskys. Die Pfeiler im Aeußern\nund Innern sollen auf die aufbauenden Plastiken\nArchipenkos warten, das Ornament wird Campen-\ndonk schaffen. Die Mitarbeiter sind damit nicht\nerschöpft. Es sollen sich alle Selbständigen be-\ntätigen, wie das in einem baulichen Organismus\ndurchaus möglich ist — damit das Ganze einen\ngroßartigen Gesamtklang bildet. Damit wäre der\nSchritt getan, der notwendig ist, um die Künste\naus ihrer salonmäßigen Situation heraus zu heben,\ndie sie bis jetzt nach der bisherigen Aesthetik\nmid Praxis einnehmen mußten.. Das Gerede über\ndas „Kunstgewerbliche\" in der neuen Kunst müßte\ndann von selbst verstummen.\nDas Haus braucht nicht gleich fertig zu skin.\nEs schadet nichts, wenn selbst im Verlauf einer\nGeneration Einzelnes nicht ganz fertig wird.\nJeder Gedanke sozialer Absichten soll ver-\nmieden werden. Das Ganze muß sich exklusiv\ngeben, wie eben große Kunst immer erst im Künst-\nler allein da ist. Das Volk möge sich dann von\nselbst an ihr erziehen oder warten, bis seine Er-\nzieher kommen.\n\nDürer und Goethe\nNaehf©\nH. W.\nOhne Diirerkalender\nDer Dürerbund teilt mir mit, daß er mit dem\nDürerkalender nichts zu tun hat. „Wir haben\nwirklich nichts mit diesem Abreißkalender\nzu tun.\" Mir bleibt nur noch übrig, fest-\nzustellen, daß der Dürerbund auch nichts mit\nDürer zu tun hat. Daß der Goethebund nichts mit\nGoethe zu tun hat. Die Klassiker müßten end-\nlich als Warenzeichen gesetzlich geschützt wer-\nden. Dennoch wird ihre Kunst dem Volke erst\nmundgerecht sein, wenn sie als Dürerschnitte und\nGoetheheringe verdaut werden kann.\nAuch ich bin in Ostpreußien . . .\n„Einen herzlichen Respekt vor Hermann\nSudermann, der obendrein mein verehrter Lands-\nmann und überhaupt — nehmt alles nur in allem\n— ein Mann ist, werden mir weder seine höhnen-\nden Gegner abgewöhnen, noch wird er es selbst\nkönnen\". Ein Mann, ein Landsmann, ein Suder-\nmann, da muß man, nehmt alle nur in allem, mit\nPaul Schienther sagen, herzlichen Respekt und\nMut ab. Die Herzlichkeit erklärt sich aus der\nLandsmannschaft, Verein ehemaliger Ostpreußen,\nSchriftführer Herr Hofrat Paul Schienther. Der\nRespekt wird erklärt: „Seine tapfere Persönlich-\nkeit macht es mir leicht. Das, was er, immer\nunter vollem Einsatz dieser Persönlichkeit,\nmanchmal schafft, macht es mir schwer.\" Der\nGoethebund (Vorsitzender: Hermann Sudermann,\nDichter) als Kriegerverein. Wir halten fest und\ntreu zusammen. Und dieser Dreimann schafft, so\nschwer es Herrn Schienther wird, immer unter\nvollem Einsatz dieser Persönlichkeit. Und mit allem\nherzlichen Respekt wird trotz vollem Einsatz eine\nNiete ausgerufen: „Auch diesmal! Mit bewußter\nfast verstimmender Absicht will er das brachlie-\ngende historische Drama wieder erwecken.\" Das\nDrama bekam aber vor dem Landsmann mit dem\ngroßen Bart einen Schreck, es blieb brachliegen,\nwie überhaupt das Erwecken von Feldern nicht\neinmal einem Hofrat gelingen dürfte. Man macht\nes ihm schwer, aber der Hofrat ist so unhöfisch,\nes das historische Drama nicht entgelten zu las-\nsen: „Gegen das historische Drama ist nicht das\ngeringste einzuwenden, denn grade die durch-\nforschte Geschichte lehrt, daß auf Gottes Welt\nkaum ein Ding unmöglich ist.\" Ein Ding nicht,\naber ein Schriftführer, der für den verehrten Vor-\nsitzenden drucken läßt: „Aber dies wräre kein\nglaubhafter Grund dafür, daß er der Tauentzien-\nstraße überdrüssig geworden ist — der Tauent-\nzienstraße, in der er selbst während seiner Ruh-\nmesjahre gewohnt hat, schon fast an historischer\nStelle: unten Miericke, oben Sudermann.\" Das\nlehrt die durchforschte Geschichte. Herr Miericke\nschafft, immer unter vollem Einsatz der Persön-\nlichkeit, Kuchen. Dieser Konditor schaffte, nehmt\nalles nur in allem, dadurch eine historische Stelle,\ner hat sicher nicht einmal an das historisch©\nDrama gedacht. Unter vollem Einsatz seiner Per-\nsönlichkeit setzte sich Herr Sudermann über ihn.\nHerr Schienther seinerseits schaffte unter vollem\nEinsatz seiner Persönlichkeit die dazu gehörige*\nRuhmesjahre, fuhr die großen Kanonen auf, das\nVolk sammelte sich an der Kaiser Wilhelm Ge-\ndächtniskirche, blickte auf Miericke und\nmann und brüllte Hurrah, bis es ihm die höhnen-\nden Gegner abgewöhnten. Es ging nur noch zu\nMiericke. Einsam blieben zurück der Schienther\nund der Suderlandsmann.\nHerr Sorge\nDer Herr Schienther kann es nicht fassen, trotz\nallem herzlichen Respekt. Er rät und berät. Er\nmöchte dem Dichter Sudermann (eine Treppe\nüber Miericke) so gerne helfen. Der Dichter Su-\ndermann macht es ihm sehr schwer. Der gute\nRuf des Berliner Tageblatts fordert durchaus Herrn\nSudermanns Ehre. Hier ist seine Heimat. Hier\nwurden ihm Johannisfeuer abgebrannt. Lieber Go-\nmorrha, als ihm Sodoms Ende bereiten. Sein Leben\nmuß leben. Hätte er! Hätte er! Hätte er! „Hätte\nSudermann mit sicherer Hand diese Entwicklung\nvon Akt zu Akt klarer werden lassen, so wäre sein\nbestes Drama entstanden.\" Aber dieser Herr Su-\ndermann glaubt, daß auf Gottes Welt kaum ein\nDing unmöglich ist. Sein dünner Faden reißt. „Aber\"\ner konnte der Lockung nicht widerstehen, diesen\nleitenden Faden mit allerhand buntem, kunterbun-\ntem Zeug immer wieder bis zur Unkenntlichkeit zu\nüberhäufen.\" Das Zeug würde nicht einmal eine\nWaschleine aushalten. Doch dem Mann muß gehol-\nfen werden. Herr Schienther macht sich schnell\nein paar extra große Knoten ins Gehirn, der Faden\ndarf nicht reißen, und er bekennt: „Vielleicht tue\nich dem Drama unrecht und ich habe es nicht ka-\npiert. Aber ich glaube: der Dichter sollte es erst\nvon allem unnützen Wüste befreien, bevor er es\nseinen Großberlinern bietet.\" Die Großberliner, die\nes sich bieten lassen, sie sollen alle, aber alle,\nSchienthers kritische Nachfolger am Berliner Tage-\nblatt werden. Ich hoffe, daß diese Kritik selbst\nim Berliner Tageblatt Landsmännern kritisch\nwerden kann.\n\nAndante\nJakob van Hoddis\nAuf blühen Papierwiesen\nLeuchtend und grün\nDa stehen drei Kühe\nUnd singen kühn:\n„O Wälder, o Wolken\n„O farbige Winde\n„Wir werden gemolken\n„Geschwinde, geschwinde . . .\n„In goldene Eimer\n„Fließt unser Saft\n„In farbige Reimer\n„Ergießt unsere Kraft\n„Wir stehen hier, im Chor beisammen,\nAuf knotigem Beine\n„Und die Kräfte der Erde sind\n„Angesammelt zu frohem Vereine.\"\nSie bocken bei Tag und sie trillern bei Nacht.\n*i ' %"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140201-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts terfc»\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur dnret*\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zefln\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verla#»\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Stars ohne Amalie der Gründe vor\nVerantwortlich für de« gesamten Inhalt und Verlas:/\nF. Harnisch / Berlin W SS\nDruck Carl Hatae / Berlin SO 2$ „ i <*-<\n\nStandige Ausstellungen\nder Zerlsehrift Der Sturm\nBerlin W j Potsdamer Strate 134 a\nZweiundzwanzigste Ausstellung\nAlexei von Jawlensky\nGedffnet taglich von 16—6 Uhr / Sonntaxs von\nII—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechscl\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsscbrift der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten ]edes Moitais\nDauerbezug\nQewdtmHche Ansgabe: Ffir Deutschitnd\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vlerteljahr\nI Mark 50 / Einzclnummer 20 Pfennig / Doppel-\naammer 40 Pfennig X Ffir dasAnsland bei\niirekterZnstellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n85 centimes / Doppelnnmmer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\niendung in Rollen direkt durch die\n$*ost ffir Dentsch!and and Qester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark I\nBin Halbjahr 6 Mark X F U r das A u s 1 a n d:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n&eser Ausgabe werden Vierteljahrsbezflge, Einzel-\nnummern und Probenumiiiern n i c h t abg^geben\n®er Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153?\n20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alls Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndarch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. 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Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung biblio-\nphiler Publikationen\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 5 soeben er-\nschienen\nVerein filr Kunst/Leitung HerwarthWaldea\n1 Zehntes Jahr / Man verlange kostenlose\nMitteilungen fiber die Neuorganisation durch den\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nPremier livre simultane / Blaise Cendrars /\nLa Prose du Transsiberien et de la Petite Jehanne\nde France / couleurs simultanees de Mme Sonia\nDelaunay-Terk / Edition unique, atteignant\nla hauteur de la Tour Eiffel (vol. 10X36 cm\n2 metres) 150 exemplaires, dont 8 sur Parche-\nm i n ,couverture a la main, chevreau noir Prix\nnet Frs. 500— / 36 sur Japan-Imperial, cou-\nverture a la main, parchemin Prix net Frs. 100— /\n106 sur Simili-Japan, couverture k la main\nchevreau noir Prix net Frs. 50— / Tous les exem-\nplaires sont signes pas les Auteurs et numerotes &\nla presse / Edition des Hommes Nou-\nveaux, 4 rue de Savoie, 4 Paris / Pro-\nspectus gratuit"}]}