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Er\nkann also mit Genugtuung feststellen, daß die\nHerrschaften nicht porträtähnlich genug sind.\n„Das Bild ist aus keineswegs reizvollen Modellen\naufgebaut und hat trübe Farben; alle Töne\ndes Modems kommen in dem Fleische vor.\" Offen-\nbar ein lebendes Bild. Nur daß Herr Velasquez\neben nicht den Sinn für Frauenschönheit besaß,\nwie Herr Fritz Kunstkritiker Stahl. Man braucht\naber nicht Angst zu haben, daß diese Dame der\nbesseren Gesellschaft trotz allen Tönen des Mo-\ndems krank war. „Vielleicht hat auch die Prü-\nderie der Engländerin noch eine besondere Befrie-\ndigung dabei empfunden, auf den üppigen nackten\nFrauenleib loszuschlagen.\" Daß modernde Ueppig-\nkeit Prüderie erweckt, ist schon eine recht schwer\nsadistische Vorstellung. Es scheint sich hier um\nein Bild der gewissen neuen Richtung zu handeln,\ndie der Abgeordnete Dr. Delbrück vor einigen\nWochen im preußischen Abgeordnetenhaus streng\ntadelte. Wenn jetzt sämtliche Gegenstände auf\nBildern sadistisch vernichtet werden, für Spiegel\nist diese Behandlung besonders gefährlich,\nwird Herr Fritz Kunstkritiker Stahl sich schließlich\ndoch noch mit dem Kubismus befassen müssen,\ndessen Ecken ihn fortgesetzt abstoßen.\nDie rote Frau\nAlso in Brüssel ist etwas ganz Außerordent-\nliches passiert. Das schreibt unser Brüsseler\nKorrespondent des Berliner Tageblatts. „Die\nBrüsseler Kunstfreunde konnten eine freudige\nUeberraschung erleben und einen Maler und Bild-\nhauer entdecken, dessen Talent bisher nur weni-\ngen bekannt war.\" Sicher hat sich wohl die Re-\ndaktion des sehr geehrten Tageblatts wieder an\nHerrn Fachmann Fritz Stahl gewandt. Das neue\nTalent aber kannte er natürlich nicht. Er kennt\nnur die alten Tanten und Gott Amor. Die Ber-\nliner Kunstfreunde hätten allerdings diese freu-\ndige Ueberraschung bereits vor achtzehn Mo-\nnaten erleben können, einen Maler und Bildhauer\nzu entdecken, dessen i alent bisher nur wenigen\nbekannt war. Ich hatte mir nämlich gestattet,\ndieses Talent Rik Wouters im September 1912\nvolle vier Wochen im Sturm auszustellen. Herr\nStahl kümmert sich erst um die Talente, wenn sie\nvon unserem Korrespondenten telegraphisch aus\nBrüssel gemeldet werden. Seine angestrengten\nanatomischen und ethnographischen Studien ge-\nstatten ihm nicht, sich Kunst anzusehen. Er hätte\nallerdings ebensowenig davon wie die Kunst.\nAber die sehr geehrte Redaktion des Berliner\nTageblatts kam auf diese Weise um eine Infor-\nmation. Ich dachte immer, daß Journalisten wie\nHerr Fritz Stahl dazu angestellt sind, Informa-\ntionen zu geben. Aber Herr Fritz Stahl hätte\nselbst nicht einmal bei einem Talent in dem Rang\nvon Wouters Alarm geschlagen. Er hätte sicher\neine falsche Information gegeben. Denn: „So malt\nWouters zum Beispiel ein rotes Frauenbild.\" Wir\nwissen alle, oder wenigstens fast alle, daß eine\nFrau nicht rot ist. Moderndes Fleisch soll es ja noch\ngeoen. Aber um rotes Fleisch zu sehen, muß man\nzu weit gehen. Und so weit geht man nicht mit.\nIn Brüssel, wo es keine roten Frauen gibt, be-\nzeichnet man es als freudige Ueberraschung, wenn\nein Talent eine rote Frau malt. Ich bitte die Leser\ndes Berliner Tageblatts, soweit sie es lesen, nun\nentschieden um Protest. Die öffentliche Meinung\nhat ein Recht auf die rote Frau. Sie war unser!\nAber ich kann Herrn Fritz Stahl, der Redaktion\nund der öffentlichen Meinung die Reise nach\nBrüssel ersparen. Ich habe wieder eine rote Frau\nin der Sturmausstellung. Die ist sogar von Franz\nMarc, der unendlich viel besser ist als Rik\nWouters. Die sogenannten Berliner Kunstfreunde\nlieben freudige Ueberraschungen nicht. Wenn die\nVenus nicht erkennbar ist, nützt die ganze Röte\nnichts. Die Fachmänner des Berliner Tageblatts\nmüssen sich aber sehr beeilen, wenn sie die rote\nFrau noch sehen wollen. Sie ist vielleicht schon\nim nächsten Monat in Brüssel und wird dort dem\nBerliner Tageblatt die freudige Ueberraschung\nbereiten, die Herr Fritz Kunstkritiker Stahl ihr zu\ngeben nicht das Auge hat.\nNicht so schnell\nVon Bach, der ein Futurist, ja sogar ein Kubist\nist, wurde die Hohe Messe in H-moll gespielt.\nDieses Werk, das zu den großen Kunsterlebnissen\ngehört, fand eine Aufführung, die ein Kunstwerk\nwar. Die Musikfreunde und die Musikkritiker fin-\nden Bach erst dann schön, wenn er den Künstler\ndurch die professorale Manier der Darstellung\nlangweilt. Die Leute spielen gewöhnlich Bach,\nals ob er in der Berliner Meisterschule für Kom-\nposition gelernt und es schließlich zum Senator der\nKöniglichen Akademie der Künste gebracht hätte.\nSo talentvoll war er nicht. Die Leute, die sich\nberufsmäßig mit dem espressivo befassen, haben\nerstaunlich wenig Ahnung von der Expression.\nSie zählen angstvoll die Takte, trotzdem der Takt\nfür die Musik nicht mehr bedeutet, als der Keil-\nrahmen für das Bild. Man kann nicht Gestagenes\nwiedergestalten, wenn man die Gestaltung nicht\nerkennt. Wenn man das Erlebnis Bach nicht er-\nlebt. Karf Straube, der Leiter des Leipziger\nBachvereins, brachte die hohen Wunder der\nHohen Messe zum Tönen. Die Musik verschlang\nOrchester und Chor. Nur Bach lebte riesengroß.\nUnd keine menschliche Stimme wurde durch Bach\nso vom Singen fort zur Kunst getragen, wie die\nStimme von Emmi Leisner.\nDann traten die Merker auf. Ein Klavierlehrer\nschrieb, daß man Bach nicht so schnell spielen\nkönne, ihm ging offenbar der Atem aus (Bach ist\nnicht für Schwindsüchtige bestimmt). Ein Kom-\nponist konnte die Kontrapunktik nicht erkennen,\nweil es ihm gleichfalls zu schnell ging. Sie macht\nihm offenbar auf dem Papier mehr Spaß. Einem\nBerufskritiker (ein trauriger Beruf) war sie zu\nkatholisch, dafür einem anderen Herrn zu evan-\ngelisch vorgeführt. Das hat man davon, wenn\nman in Berlin Kunst macht. Ordnung muß sein.\nIch warne Neugierige.\nSchon wieder ein Futurist\nWer sich ordentlich ausschlafen will, gehe in\nein Berliner Konzert. Trotzdem diese blöde Mu-\nsiziererei von tüchtigen Handwerkern fast den\nSchlaf vertreiben kann. Es gibt tatsächlich noch\nOhren, die sich stundenlang Saint-Saens, Viotti,\nBeriot und Genossen anhören können. Ohren, die\nbei dem Violin-Konzert von Mendelssohn fast\naus dem Kopf springen. Wird wirklich einmal ein\nKomponist aufgeführt, der wenigstens aus dem\nSchlaf erweckt, machen die Leute die Ohren zu\nund kriechen vor Schreck unter die Bänke. Man\nzischte in der Philharmonie, als das Konzert Opus\n45 von Paul Juon gespielt wurde. Das Zischen\nbedeutet bekanntlich in nicht gesellschaftlicher\nForm Bitte um Ruhe für Schlafende. Ein Vater\nstellte sich angstvoll vor seine Familie und erklärte\nlaut: das ist uns zu futuristisch! Der gute Mann\nwar zweifellos ein Leser des Berliner Tageblatts,\nder sich von Herrn Fachmann Fritz Stahl über Fu-\nturismus hat aufklären lassen. So schreitet die\nBildung fort und so leicht kann man heute für\neinen Futuristen gehalten werden. Man ist heute\nschon Futurist, wenn man Totes für tot und Leben-\ndes für lebend hält. 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'112\nAn Nehmerinnen des Goldes,\nden Gütig-Käuflichen nehme ich Schaden,\nSeele will nur bei Seele zu Gaste sich laden.\nMich ekelt der gröbliche Zeitvertreib\nmit einem Krummholz-Bauernweib.\nLieber will ich an dir, der sehnsuchtschlanken\nPrinzessin von Byzanz,\nhilflos erkranken.\nII\nAm Ufer zagst du wellenlüstern\nin der Furchen Furcht.\nWenn dein Lichtgesicht\nder Stromwind anfährt,\nbist du die Flucht vor der Frucht,\nvor dem Wasserberg,\nder deiner Knöchel Heiliges Land\nnagend beragt.\n111\nLügen sitzen auf mir.\nIn deinem Körper möchte ich baden.\nO du blaues Glockenblümchen,\nSchwälbchen, Hühnchen, Goldfasänchen,\nsei du meine Ueberzeit!\nWohnen will ich in deinem jungen\nForste.\nInbrunst, deine frischen Beine\nzu überschatten!\nUnd ihr Laub ist liebes Lager.\nIV\nSchön ist's, ein Mädchen zu schwellen.\nHeilung spendet ihr wachsender Leib,\nund eine gute Unsterblichkeit.\nTod-krank ist der Mensch,\nrasch überspült die Sturzflut,\ndie Zeit\nseine Gestade.\nGeht aber ein Mann ein\nin den süßen Waldwinkel,\nüberstirbt sein Schatten in Kindern\nden Abendgang. - ' •;\n\nAusfahrt\n\nSmaledumen, der Held, durchschritt den im\nHerbstfeuer\nrotbraun brennenden Wald,\nunten wand sich besiegt der durchmessene Flußs\ndie silberne Blindschleich.\nAber gallig schwarz anlief seine weiße\nWendeding-Lanze und krächzte:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 805, "texte": "'T „Siehe da, du verliegst.\nHast zur Strecke gebracht die große Anzahl\nder Schenkelbusen, blondverzückten Stimmen.\nEines dieser klaffenden Schenkelpaare\nwird dich durch einen Sohn zum Schweigen\nbringen.\nAber wozu bei den sanfthaarigen Mädchen,\nruhig wartend die Nächte abliegen,\nbis dich einspinnt ein greiser Großvaterbart?\"\nAnzürnt Smaledumen, der Held, seine Wende-\nding-Lanze :\n„Mißgönnst mir die Freuden der Strecke?\niMögest zerbersten in Flammen,\nwissendes Holz, siehe auch ich weiß!\nMädchen sind da, beschlafen zu werden,\nRinder sind da, getrieben zu werden,\nMänner sind da, getötet zu werden!\"\nSprach's und sandte die Wendeding-Lanze\nnach einem ihn kalt überschattenden Baume.\nUnd er tötete ihn und beraubte ihn der\nRüstung, der Rinde,\nbüllte sich strafend in sie und aß aus den\n\nBorken die Käfer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "202", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.4.1", "titre_corps": "Anbetung", "titre_sommaire": "Anbetung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.2", "debut_caractere": 7406, "fin_caractere_exclue": 8528, "texte": "Anbetung\nI\nDer Weiber Fjord, den süßen,\nhab ich lang entbehren müssen. 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O ces yeux! je voudrais les avoir\ndans ma main fievreuse, pour entendre crepiter\nleurs lobes.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nEt sur sa Tete, deux Oiseaux noirs, chamarres\nd'hieroglyphes, lui font des signes, des gestes fous,\ndes gestes fous avec leurs cous, des gestes fous\nqui incantent.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nEt toujours, toujours les Hiboux oscelles (o que\nmonotone est leur chant!) de leurs grasses langues\nsonnent le Glas, le Glas eternel du Silence.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "206", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.6", "titre_corps": "Der Weg durch die Nacht", "titre_sommaire": "Der Weg durch die Nacht", "signature_source": "Aage von Kohl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.3", "debut_caractere": 2447, "fin_caractere_exclue": 9133, "texte": "Der Weg\ndurch die Nacht\nAage von Kohl\nRoman\nEr begann jetzt, langsam seine Zigarette rau-\nchend, mit zwinkernden Augen die Gestalt des\nProfessors dort an dem Regal zu verfolgen — und\nsuchte sich währenddessen klar zu machen, worin\ndies merkwürdige, über die ganze zivilisierte Welt\nvöllig gleiche eigenartig Aerztliche bestand — das\nsich auch bei von Geer in allem äußerte, was er\nsagte und tat, in der Bewegung und in der\nHaltung. War es eine sehr intime und fein-\nteilige Mischung, entstanden durch dies Komposi-\ntum, aus dem ihr Geschäft bestand; diese Doppel-\nheit, auf der einen Seite der Mann der Wissen-\nschaft, der Forscher, der Gelehrte — und auf der\nandern der Mann der Hand, der Tat?! Oder war\ndas, was ihr Wesen kennzeichnete, nicht weit eher\neine noch mehr zusammengesetzte Sache, die drei-\nfache Zusammenschweißung der Ruhe und der\nGeistesarbeit, der keineswegs stillosen Fingerge-\nschwindigkeit des brauchbaren Handwerkers —\nund endlich eines Körnchens von dem ausgepräg-\nten und immer nach außen hin gerichteten Selbst-\nvertrauens des Hypnotiseurs, des Seelenheilers, die\nnotwendige Basis für alles Gelingen auf den sugge-\nstiven Gebieten! — Nun ja, grübelte er darauf wei-\nter, ohne selbst zu fassen, warum seine Gedan-\nken gerade in diesem Augenblick einen solchen\nSprung machten —: und nun diese Nachricht, die\nihm von Geer überbrachte?! Dieser Karl\nMumme, sehr wohl, so hieß das Individuum, das\ngewagt hatte . . . dieses ekelhafte und gemeine\nTier, das sich erkühnt hatte . . . und dem er mor-\ngen schließlich von Angesicht zu Angesicht gegen-\nüber stehen sollte, um zur endlichen Stillung\nseines . . .\nEr fuhr mit einem Ruck zusammen; blinzelte\nmit beiden Augen, als habe er geschlafen und sei\nunsanft geweckt worden: erkannte mit einer Uebel-\nkeit erweckenden Erschütterung all seiner Nerven,\ndaß er hier saß und seine Zähne zusammen ge-\nbissen, die Zigarette zwischen den Fingern zer-\ndrückt, alle Muskeln seines Körpers wie zu einem\nSprung, zu einem Ueberfall, einem rasenden Kampf\nangespannt hatte . . . und dann hörte er unmittel-\nbar darauf, von Geers Stimme dort von dem Bü-\ncherbort her, wandte sich deswegen mit einem\nSatz nach ihm um — von neuem mit dieser myste-\nriösen Dreiteilung seines Wesens, nach außen zu\nbeherrscht, lächelnd und lauschend, darunter\ngleichsam halbwegs schwerhörig und geblendet —\nund im tiefsten Innern mehr und mehr versengend\nheiß!\n„Ich sehe,\" — sagte der Professor, er hatte ein\ndickes, gelb eingebundenes Buch aus einer ganzen\nReihe herausgenommen, die alle in derselben\nFarbe eingebunden waren — „ich sehe hier, daß\nSie schon im voraus eine nicht geringe Kenntnis\nvon . . . von den Existenzen besitzen müssen, zu\ndenen Karl Mumme gehört! Ihre Bibliothek ist ja\nganz einfach vortrefflich — auch mit Werken ver-\nsehen, die von . . . allen diesen Monstruositäten\nhandeln, von denen ich aufrichtig gesprochen\nglaubte, daß nur wir Aerzte die traurige Pflicht hät-\nten, sie zu studieren!\nMein Gott!\" — fuhr er fort, indem er das Buch\nwieder an seinen Platz stellte; er drehte sich lang-\nsam um, beide Hände tief drinnen in den Hosen-\ntaschen, starrte grübelnd vor sich hin —: „Es war\neinmal mein Traum, zu versuchen, auch meinen\nTeil zu dieser Arbeit beizutragen, die wir Aerzte\nselber als das höchste von allem betrachten; nicht\nzu heilen — ich hätte fast gesagt, darauf pfeife\nich, denn wann gelingt uns eine Heilung in den\nPunkten, wo nicht die Natur selbst das gleiche auf\neigene Hand erreicht haben würde, vielleicht nur\nein ganz klein wenig langsamer — nein, nicht zw\nheilen, sondern vorzubeugen, aktiv und regu-\nlierend in den Organismus des Gesellschaftskörpers\neinzugreifen, einen neuen und positiven Wert in\nden Strom der Entwicklung selber hineinzulegen!\nJa, du großer Gott —: und da, gerade auf dem Ge-\nbiet, das mich heute Abend unter so traurigen\nUmständen hierher geführt hat, gerade da und\ndergleichen entsetzenerregenden Abnormitäten\ngegenüber, bleibt uns noch so unendlich viel zu\nerreichen übrig.\nIch bin allerdings keineswegs ein Anhänger von\nLombrosos Theorien!\nNamentlich nicht, was die Möglichkeit betrifft,\nauf rein antropometrischem Wege im voraus die\nIndividuen ausfindig machen — und sie uns folg-\nlich auch sichern zu können — die späterhin unsere\nIrrenanstalten und Gefängnisse füllen!\nAber ich fühle mich doch hin und wieder ver-\nsucht, wenn ich ganz ehrlich sein soll, zu meinen,\ndaß ein so ungeheurer, ein so schwindelnder, ein\nso völlig unüberschreitbarer Unterschied zwischen\nMenschen wie Sie und ich und die vielen Millionen\nauf der einen Seite — und auf der andern Seite\nallen diesen gräßlichen Ungeheuern! von Karl\nMumme, dem Lustmörder, bis zu dem Leichen-\nschänder, Kadaverliebhaber Sergeant Bertrand,\ndessen Lebensschilderung ich hier eben bei Ihnen\ngesehen habe; von Gesche Gottfried, der zehn-\nfachen Giftmörderin, die Ohnmachtsanfälle vor Ent-\nzücken bekam, wenn sie Arsenik sah, und die ihre\nletzte Kruke Rattengift mit sich in das Gefängnis\nschleppte — bis zu Helene Jegado! von Jack the\nRipper, den man niemals fand — bis zu jener acht-\nzehnjährigen Grete Beier, die unter dem Vorwand,\nihren Bräutigam mit einem Leckerbissen über-\nraschen zu wollen, ihm ihr Taschentuch vor die\nAugen band, ihn den Mund weit öffnen ließ und\nihm darauf zwei Revolverschüsse in den Schlund\nhineinfeuerte! von Nero via Marschall de Retz bis\nzu de Sade hin ... Ja, da fühle ich mit meinem\nganzen Ich, mit jeder Faser meines Fleisches und\nmeines Blutes, daß Lombroso in gewissen Fällen\nim tiefsten Grunde doch recht gehabt haben muß\n—: Untiere, wie die, die ich genannt habe sind\nnicht unseres gleichen! Sie sind durch und durch\netwas anderes — es besteht ein erstickender Haß\nzwischen ihnen und uns, es brennt uns in den Fin-\ngern, sie auszurotten! Wenn wir, vor Schauder\nund Ekel bebend, uns notgedrungen in das Studium\nvon ihnen vertiefen — dann geschieht das aus-\nschließlich aus der Sehnsucht heraus, ein für alle-\nmal das unfehlbare und universale Mittel zu finden,\num unsere Kinder, unsere Frauen, uns selbst, gegen\nihre grauenvollen und blutigen Uebergriffe zu\nschützen!\" — Er schwieg, schweißtropfend und mit\nfunkelnden Augen; dann lächelte er Morton gut-\nmütig zu, halb entschuldigend:\n„Nicht wahr?\" — schloß er warm —:\n„Und ich finde fast, daß ein Trost in diesem\nallen liegt, weil es uns so unbestreitbar zeigt, daß\nw i r nicht die Schuld tragen —:\nDieses Bewußtsein, daß diese sämtlichen Ab-\nnormen, nennen Sie sie Geisteskranke oder ho-\nmines delinquentes oder wie Sie wollen —: auf\nkeinen Fall Menschen sind!\"\nAber Glaß, der während dieser langen Rede ihn\nunverwandt mit beiden Augen und Ohren betrach-\ntet hatte, ohne selbst begreifen zu können, weshalb\n— schüttelte jetzt langsam den Kopf —:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9981, "texte": "„Nein!\" — sagte er, beständig seine eigene\nStimme gleichsam aus meilenweiter Ferne hörend,\nplötzlich kälteschaudernd —:\n„Ich kann Ihnen ganz und gar nicht recht geben\nii dem was Sie da sagen!\nNicht im allergeringsten —:\nDenn es ist mir noch niemals geglückt, irgend-\neine menschliche Fähigkeit, Neigung, Lust, Bedürf-\nnis, Sehnsucht oder Begierde zu finden — die ich\nnicht bei einem jeden von uns allen in höherem\noder geringerem Grade wieder gefunden hätte!\nKeine Größe, sie mag in unseren Augen noch so\nerhaben oder ehrfurchteinflößend sein — die nicht\nschließlich doch nur aus einer ganz einfachen,\nwenn auch zuweilen schwindelnd starken Stei-\ngerung vollkommen allgemeiner Kräfte bestand!\n\"Keine Niedrigkeit, Schlechtigkeit, Roheit, nichts von\ndem sogenannten Tierischen — das etwas anderes\ngewesen wäre, als nur eine einseitige, (für uns\nandere allerdings höchst unangenehme und des-\nwegen nur mit äußerster Mühe wiedererkennbare!),\ngesteigerte Entwicklung von Möglichkeiten und\nTendenzen, die auch wir anderen alle besaßen!\nKurz und klar —: Es gibt meiner Anschauung nach\nnichts Menschliches — das nicht gemeinmenschlich\nißt! Und ich begreife, offen gestanden, ganz und\ngar nicht, was man sonst mit dem Begriff Mensch\nanfangen sollte! —\nUnd ebensowenig, das was Sie vor-\nhin berührten,\" — fuhr er fort; auf einmal\nuiifaßlich für ihn selbst, seine Stimme ein wenig\nerhebend, laut und knapp redend, mit leicht ge-\nrunzelten Brauen, ohne bisher noch verstehen zu\nkönnen, warum er plötzlich anfing, sich über alle\ndiese Dinge auszusprechen — „auch nicht\nmit . . . Karl Mumme, kann ich Ihnen recht geben!\nSie können natürlich sagen, daß Sie sich nichts\ndaraus machen, meine Ansicht zu hören; daß das\ndie Ueberzeugung eines Laien, eines Dichters —\n©der wie Sie selbst vor einem Nu sagten, die erd-\nferne Anschauung eines Idealisten ist!\nAber genug!\nDie Hauptsache ist in diesem Augenblick, ganz\ngleichgültig, welchen Wert Sie meinen Worten\nsonst beimessen wollen —: daß ich Ihnen auf das\nBestimmteste in Ihrer Annahme widersprechen\nMuß, daß Karl Mumme meine Frau getötet haben\nsollte.\nHaben Sie es jetzt klar und deutlich gehört?\nIch wiederhole es der Sicherheit halber noch\neinmal mit unzweideutigen Worten:\nNein, tausendmal nein, es ist nicht, es war nicht,\nes ist nie Karl Mumme gewesen, der Annie ermor-\ndete!\" — er schwieg, atemlos, mit Gewaltsamkeit\ndie Augen des andern anstarrend, mit aller Macht\ndie Knöchel der linken Hand auf die Tischplatte\n»iederpressend.\n„Karl Mumme . . . nicht gemordet?!\nDu allmächtiger Gott, Mensch, was sagen\nSie ...\" — rief von Geer, indem er einen Schritt\nzurücktrat, verwirrt — mit ausgestreckter Hand.\nMorton lachte kurz und bissig; zu heftig und\nunerwartet umfangen von unerklärlichen, angst-\ngebärenden Gefühlen, die immer gewaltiger ihre\nStimme tief drinnen in ihm erhoben — um in diesem\nAugenblick auf die Form zu achten —:\n„Unsinn,\" — unterbrach er den anderen — „ge-\nwiß nicht. Sie mißverstehen mich schon wieder.\nVöllig!\nWenn ich sage, daß nicht Karl Mumme meine\nFrau getötet hat,\" — fuhr er fort, auf einmal in\neinem einzigen, blitzschnellen Nu gleichsam\nahnend, was er im innersten Innern mit seinen\nWorten zu sagen beabsichtigte —: „dann meine ich\ndamit keineswegs, daß es nicht seine Hand war,\n'die das Messer in jener Nacht führte! Und ich\ndenke ebensowenig daran, inwiefern Sie oder die\nPolizei möglicherweise eine juristische Ungerech-\ntigkeit begangen haben können, indem Sie Ihren\nVerdacht auf diesen Mann gelenkt haben!\nNein!\nKeineswegs!\nAber ich meine —: Wie in aller Welt können\nSie verlangen, daß ich irgendeinen Groll gegen\ndieses arme Wrack empfinden soll! Daß ich auch\nnur den allergeringsten Trost darin finden soll, zu\nwissen, daß sich die Ursächlichkeitskette auch\nrings um ihn geschlossen hat — daß auch er weder\nmehr noch weniger ist als ein ganz gewöhnlicher\nMensch, der genau so wie Sie und ich, wie ein\njeder von uns allen, unerbittlich und Schritt für\nSchritt gehorsam die Wege wandeln muß, die die\nArt unseres Wesens uns vorschreibt — gleich-\ngültig, ob sie uns zum Schaffott oder zum Thron\nführen!\nWas ich meine,\" — wiederholte er, erhob plötz-\nlich die rechte Faust hartgeballt in die Luft, nun\nvollkommen klar darüber, daß das, was er errei-\nchen wollte, indem er alle diese, ihm selbst unend-\nlich wohlbekannten Argumente noch dazu im Bei-\nsein dieses fremden Mannes wiederholte —■: das\nwar ja eben eine heisere und wahnsinnige Stimme\nvon da aus dem allertiefsten Innern zum Schwei-\ngen zu bringen! diese wilden und blutigen Schreie\nzu übertäuben, die mit größerer und größerer\nLeidenschaft zu seinem Bewußtsein emporstiegen,\nihr haßerfülltes Rachebrüllen verstummen zu\nmachen —:\n„Was ich meine, das ist Folgendes —\nJawohl, nennen wir diesen Mann einen Lust-\nmörder! Jagen und fangen wir ihn mit Hilfe der\nPolizei, reißen wir ihm mit einem Stock sein Auge\naus, sperren wir ihn Tag und Nacht in einen ein-\nsamen Raum, üben wir das gegen ihn aus, was\nSie vorhin eine moralische Folter nannten, lassen\nSie uns das Todesurteil über ihn aussprechen —\nund vollziehen wir es schließlich auch, nach einer\npassend langen Marterpause, für das Gräßliche,\nwas er getan hat —: jawohl, aber wer unter uns\nwagt es dann zu leugnen, daß jenes Gefühl der\nEmpörung, das uns veranlaßte, dies alles zu tun . .\nim tiefsten Innern genau dieselbe brennende und\ngrausame Lust ist, die e r empfand — in dem\nAugenblick, als er mordete!\nAch Gott,\" — fuhr er fort, von neuem mit ver-\nänderter Stimme, fieberheiß, so schnell, daß er\nüber seine Worte strauchelte —:\n„Ach Gott, putzen wir uns selber nur nicfa so\nkindisch heraus — daß wir schließlich rein ver-\ngessen, was es ist, daß sich unverändert unter all\ndem Staat verbirgt! Lassen wir uns nicht ganz\nund gar von den Leuten hinters Licht führen, die\nsich damit brüsten, wir hätten uns heutzutage\nschon längst mit Abscheu von dem jus talionis, von\ndem Gedanken an das Recht der Wiedervergel-\ntung abgewendet!\nBehalten wir unverwandt vor Augen —: so\nlange es ein Todesurteil gibt, so lange noch das\nWort Strafe über unsere Lippen kommen, in un-\nserem Herzen wohnen darf — so lange brennt in\nuns allen unauslöschlich, rotglühend, genau die-\nselbe wilde und gierige Zerstörungslust —in\nvollem Maße der Tiere würdig, gegen die sie ge-\nrichtet ist! Erinnern wir uns beständig mit Dank-\nbarkeit jenes edlen Senators da unten in Paris, der\nvor ein paar Jahren in einer Diskussion in der\nKammer über die Abschaffung der Todesstrafe\nals entscheidendes Argument ausrief: Lassen Sie\ndie Herren Mörder den Anfang machen . . . und\ndamit, ohne daß er selbst es ahnte, und ohne daß\ndie jubelnden und Beifall klatschenden Zuhörer es\nbegriffen, so deutlich wie es nur möglich war, das\nGesetz und die Verbrecher auf dasselbe Niveau\nstellte: zwei ebenbürtige, kriegführende Mächte!\"\n— Er machte eine langsame Bewegung mit der\nHand, lachte kurz auf, sank erschöpft in seinen\nStuhl zurück, konnte sich plötzlich nicht mehr er-\ninnern, warum er dies alles mit einem so brennen-\nden Eifer gesagt hatte — war jetzt nur von dem\nGedanken erfüllt, bei dem andern diesen ganzen\nAusbruch auswischen, wegglätten, wegerklären\nzu müssen.\nvon Geer sah indessen voll Ernst vor sich hin,\nzur Erleichterung für Morton offenbar das alles\nnur ausschließlich prinzipiell betrachtend —:\n„Mit anderen Worten,\" — sagte der Professor\nendlich, indem er aufsah und den Kopf schüttelte\n— „Sie leugnen vollkommen das Vorhandensein\nunseres freien Willens, Sie sind schlecht und recht\nDeterminist!\nNun ja, ich sehe selbstredend ein, daß die Sätze,\ndie ich vorhin aussprach — über mein in-\nstinktives, möglicherweise geradezu atavistisches\nEmpfinden davon, daß die Verbrecher, über deren\nWesen wir uns ergingen, eine ganz spezielle Art\ndes Menschengeschlechtes sein müssen — daß sie,\nbis zu einem gewissen Grade, als Beweis für eine\nsolche Betrachtung dienen können! Und insofern\nhebe ich noch einmal hervor, daß es nur ein\nGefühls- und keineswegs ein Verstandesmoment\nwar, das mich veranlaßte, so zu reden!\nDenn, du lieber Himmel, Mensch, können Sie\ndenn nicht sehen, wohin es führen würde, wenn\neine Lebensanschauung, wie Sie sie eben hier aus-\ngesprochen haben, der großen Menge gepredigt\nwürde!\nWelche endlosen Strecken würde das nicht er-\nzeugen! In Blut, lieber Freund, in Schandtaten\nund Blut bis zu unseren Knöcheln hinauf, würden\nwir Tag für Tag waten müssen!\nDenn das ist ja die einzige Fessel, die wir ihnen\nallen gegenüber besitzen — und auch uns selbst\ngegenüber —: unser unaufhörliches, unser immer\nmehr durchgeführtes Festhalten daran, daß wir,\nohne Ausnahme, unter Verantwortung leben! Daß-\nin demselben Augenblick, wo wir uns entschlie-\nßen, dies oder jenes zu tun —- es unser eigener\nfreier Wille ist, der die Wahl getroffen hat (wer\nsonst???)! Unser freier Wille, der — natürlich\nunter gehöriger Rücksichtnahme auf das Milieu, in\ndem wir wirken — uns zur Belohnung berechtigt\noder uns der Strafe anheimfallen läßt, je nachdem,,\nob das; was wir taten, den andern Nutzen brachte\noder ihnen nur Leid zufügte!\"\nMorton zuckte erschöpft mit den Achseln, ohne\nzu antworten; er war jetzt viel zu müde gewor-\nden, hatte außerdem längst all diesen Unsinn ver-\ngessen, über Dingen, die größere Bedeutung hatten^\n„Und die Kunst,\" — fügte von Geer hinzu, indem\ner seine beiden Arme ausbreitete — „die Kunst!\nDie, die Sie — das weiß ja ich wie so viele andere,\naus Ihren Büchern — die Kunst, die Sie über alles\nlieben, höher als alles andere — tiefer als alles5\nandere!\nSagen Sie mir —:\nWas in aller Welt wollen Sie dann mit der\nKunst, wenn alles schon im voraus bestimmt da-\nliegt! Wenn nicht ein einziger von uns irgend\netwas anderes tun kann, als wozu unser Fleisch\nund Blut und unsere Nerven uns prädestinieren —\nwenn wir nicht einmal ein einziges kleines Körn-\nchen von selbständigem Wollen besitzen?!\"\nMorton lachte ganz wenig.\nEr fühlte sich zum Umsinken matt in allen\nGliedern.\nBereute bitter, daß er — noch dazu in direktem\nWiderspruch zu seiner Gewohnheit (ja, was ging;\nüberhaupt mit ihm vor, heute??) — diese Worte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10096, "texte": "gerade jetzt ausgesproche» hatte, über unsere\n'selbstverständliche und vollkommene Gebunden-\nheit an Ursache und Wirkung, in allem, was diese\nWelt betraf, die selber ja ausschließlich aus Ur-\nsache und Wirkung bestand.\nEr entsannn sich auf einmal, daß er während\neiner fast zwanzigjährigen, angestrengten Tätig-\nkeit als Schriftsteller wieder und wieder mit Hef-\ntigkeit behauptet und einmal über das andere in\nGestalten die Wahrheit dieser Grundsätze veran-\nschaulicht hatte, die für ihn ein unantastbarer, un-\numstößlicher, ein ganz elementarer Teil der Kennt-\nnis von uns selbst und von unserem Leben waren.\nHahaha, und so weit war er gelangt! Hier stand\nein vortrefflicher Mann, ein aufgeklärter und hoch-\nbegabter Mann, ein trainierter Leser — und war\nwie vom Mond gefallen, als er hörte, daß derglei-\nchen Dinge in den Büchern standen, die auch er\ngelesen hatte! Hahaha —: und dann fragte dieser\nMensch noch, voll Bekümmernis, was wohl aus\ndieser Welt werden sollte, wenn dergleichen ge-\nfährliche Lehren veröffentlicht würden!\nAber da hatte er wenigstens das Ergebnis da-\nvon, daß er sich so benommen hatte, wie er es\nheute tat — du großer Gott, wie war es richtig\nund klug, das einzige Kluge, daß er niemals wäh-\nrend dieser beiden Jahre direkt irgend jemand\nverraten hatte, was in ihm vorgegangen war!\nAber, nicht wahr, in Zukunft sollte es wieder sein\nwie bisher, von diesem Augenblick an sollte nie-\nmand mehr erfahren, was sich da drinnen in\nseinem tiefsten Innern lodernd und blutig und un-\naufhörlich regte!\nEr wandte, rätselhaft barsch und ergötzt —\nund zugleich, aus dem Allerinnersten heraus, auf\neinmal unerklärlich verwundbar und heiß, langsam\nsein Gesicht dem andern zu —;\n„Die Kunst?! — fragte er, indem er die Ober-\nlippe ein wenig in die Höhe zog, mit gedämpfter\nund sehr klarer Stimme:\n„Sie fürchten, daß die Kunst bankrott spielen\nkönnte — weil sie eine gefährliche, eine unge-\nschminkte Wahrheit ausspräche?\nWeil sie so, über ihre rein unmittelbaren und\nallgemeinen Zwecke hinaus — auch ihren Teil da-\nzu beizutragen suchte, daß jenen überaus Weni-\ngen, die imstande sind, das richtige und volle Den-\nken zu begreifen, das wahre Denken erleben zu\nkönnen — auch wirklich dazu verholfen wird, zu\ndem zu gelangen, was das Ziel aller Gedanken ist!\nZu der makellosen, absoluten Einsicht — und zu\njener unüberwindlichen Bejahung des Lebens,\nsämtlicher Anderen und des eigenen, die die\nKonsequenz hiervon ist?! . . .\nSehr wohl!\nAber das ist eben nicht meine Ansicht —\nnein, im Gegenteil!\nMir wird es überhaupt erst möglich, mit Be-\nrechtigung den Superlativnamen Kunst anzuwen-\nden — für die Werke, die sich völlig von allen an-\ndern ähnlicher Art dadurch unterscheiden, daß ihr\nInhalt Wahrheit ist! Jene flammenden und schö-\nnen Werke des Geistes — in denen die Weisheit\nheftig, unverschleiert, hoch und licht in Form\nmenschlicher und unvergeßlicher Schicksale nie-\ndergezeichnet ist!\"\nEr beugte einen Augenblick seinen Kopf vorn-\nüber, wiederum hatte er die Empfindung, als\nspräche er halbwegs im Schlaf, als werde seine\nBrust ganz im Geheimen mehr und mehr von\neinem lauernden Albdruck beschwert — und als\nversuchte er mit jedem einzigen Wort, diesen\nmystischen Feind da drinnen zu treffen und zu\nschwächen! Als sei jedef Satz eine Waffe — gegen\nIhn, gegen diesen Fremden dessen Absicht Mord\nwar, gegen Karl Mumme —:\n„Sehea Sie! — fuhr er fort, noch schneller als\nbisher, mit einer halblauten, einer zu gleicher Zeit\nsteinharten und zitternden Stimme —:\n„Als Schriftsteller, in meinen Büchern — fühle\nich mich selbstverständlich ausschließlich als einer\nunter allen, unsagbar nahe verwandt mit jedem\nBeliebigen — in Fleisch und Blut nur ein einzel-\nnes, typisches Glied in der ganzen, unabsehbaren\nReihe von Milliarden meinesgleichen!\nSchlecht und recht verstandesmäßig dahin-\ngegen ist in meinen Augen die Menschheit — und\nsind ergo auch die sämtlichen vielen, die sich auf\ndie eine oder die andere Weise mit dem beschäf-\ntigen, was in weitester Bedeutung unter dem Be-\ngriff Kunst zusammengefaßt wird — sind wir alle-\nsamt mit der größten Deutlichkeit in drei Gruppen\ngeteilt! in drei außerordentlich verschiedene\nKlassen, wenn es auch glatte Uebergänge dazwi-\nschen gibt —: Nämlich die Genies, die ganz ver-\neinzelten Großen; die Talente, die hunderttausend\nFähigen; und endlich die zehntausend Millionen,\ndie die Menge ausmachen und zu allen Zeiten aus-\ngemacht haben!\nErstens also die ungeheure, die maßlose Schar\nvon Durchschnittsindividuen! Von braven, kleinen\nFrauen und Männern, die mit größerer oder ge-\nringerer Bereitwilligkeit, mit größerem oder ge-\nringerem Glück, die größeren oder geringeren\nAemter ausfüllen, mit denen sie, jeder für sich,\nbestrebt sind, sich selbst und ihren Lieben das zu\nverschaffen, was sie für den Lebensunterhalt als\nnotwendig erachten . . . und wodurch sie im übri-\ngen, aber freilich ohne selbst es zu verstehen, Fuß\nfür Fuß, zugleich sich auch jenes Unsichtbare er-\nobern, dieses Nicht-Wägbare und Nicht-Meßbare\n— das die gemeinsame, die gewisse und schöne\nErnte eines jeden Daeins ist!\nZweitens — wie vorhin gesagt, wahrscheinlich\nso ungefähr einer auf jedes Hunderttausend der\nNamenlosen —: die mittlere Klasse! Die, die mit\nirgendeinem praktischen Talent begabt, imstande\ngewesen sind, unsere bürgerliche Gesellschaft auf-\nzubauen, zu erhalten und beständig von neuem zu\nverbessern und zu entwickeln! Den Staat, diesen\nwunderbaren Mechanismus — im Prinzip,\nwie auch in allen Einzelheiten bekanntlich eine\nKopie unseres eigenen Körperbaues — durch\ndessen Arbeitseinteilung es möglich geworden ist,\njeden beliebigen Menschen (ganz gleichgültig, ob\ner es selbst weiß oder nicht, ja, sogar selbst wenn\ner wie auch die anderen, steif und fest das Ent-\ngegengesetzte glauben oder wünschen!) dazu zu\nbringen, sämtlichen andern zu helfen, indem er\nsich selber hilft!\nUnd drittens endlich — auch hier wohl nur ein\nEinzelner auf jedes Hunderttausend der mittlem\nGruppe —: diese Allergrößten! Die Vollkommenen\ndes Geistes, bei denen Sinne, Gehirn und Herz\nin gleich hohem und unauslöschlichem Grad bren-\nnen! unendlich gefühlvolle und unendlich tätige\nNaturen — die darum Tag wie Nacht auf jenem\nfernen Pol selber leben, wo alle einzelnen Züge\nder Menschlichkeit, oder wenn Sie wollen, des Le-\nbens, zusammenlaufen und zu einem werden! die\ngewaltigen Hünen unserer Rasse, deren urtiefes\nIch stets von Kopf zu Fuß durchbebt wird von De-\nmut und von Stolz über die Macht des Lebens, von\nder seligen und heißen, der ekstatischen Kenntnis,\ndie sie mühelos seit der Stunde ihrer Geburt be-\nsitzen, der Weisheit —: dem vollständigen, dem\nallumfassenden, dem wahren und verheißungs-\nreichen Wissen davon, was der Mensch ist — das\nheißt, was das Leben ist! Der Weisheit, die mit\nihrem ganzen Umfang nur in dem Fleisch und Blut\ndieser Allergrößten enthalten sein kann — die aber\nin zahllose Einzelsummen zerspalten, gerade die\nnutzbringende Idee selber in allen jenen prakti-\nschen Veranstaltungen ist, die die handfertigen\nFrauen und Männer der Mittelgruppe geschaffen\nhaben — und wodurch alle drei Menschenklassen\nsich Tag für Tag erwerben, was für ihre Existenz\nnotwendig ist! Die Weisheit, die trotz dem hart-\nnäckigen Widerstand, der ihrem ganzen Umfang\nimmer von den beiden andern Gruppen entgegen-\ngestellt wird, doch auf jedem einzelnen Gebiet un-\nabwendbar damit endet, zu siegen — eben weil sie\ndie einzigen Mittel enthält, die zum Siege führertf\nDie einzigen, nicht nur für einen einzelnen Kreis\nvon Menschen, nicht allein für einen einzelnen\nPunkt des Daseins, und nicht nur für eine einzelne\nPeriode des Ganges unserer Entwicklung — son-\ndern für alles und alle, für Groß und Klein, aus-\nnahmslos, jetzt wie auch in alle ewige kom-\nmende Zukunft! weil die Weisheit gerade der\nSieg selber ist — für uns alle! . . .\nJa!\nSo bildet die Menschheit sich dreigeteilt wie-\nder — wie ein Triptychon, im Spiegel des Ver-\nstandes!\nUnd nur von dieser letzten Klasse, ausschließ-\nlich von diesen Letzten und Größten — stammt die\nKunst: der Lobgesang ihres Schmerzes und ihrer\nLust — ihres Lebens!\nKunst —: das heißt die Weisheit, in der strah-\nlenden Form eines Menschenantlitzes kristallisiert!\nDie Weisheit, entsprungen als voll ausgetragene\nPallas Athene, leibhaftig und wunderschön — aus\nder Stirn des Höchsten!\"\nEr wandte, beständig mit gerunzelten Brauen,\nunregelmäßigen Atemzügen, sein Gesicht dem an-\ndern wieder zu, ohne zu sehen —:\n„Nein! |\nGanz gewiß!\nNicht ein einziger unter uns vermag irgend\netwas anderes zu tun, als wovon im voraus die\nMöglichkeiten vorhanden waren, in seinem Wesen!\nUnleugbar!\nAber —:\nGerade weil alles Menschliche bis auf die\nletzten Fasern gemeinmenschlich ist — gerade dar-\num besitzen wir alle zusammen die schlummern-\nden Dispositionen restlos zu allem! Darum ver-\nmögen wir, mehr oder weniger, alle die andern an-\nzustecken — mit dem, was nun einmal das Her-\nvortretende in unserem eigenen Ich ist . . . und\nalso auch die hohen, die lichten Motive zu ver-\nmehrtem Wachstum bei denen zu bringen, die uns\nnahe kommen — in um so stärkerem Grade, ie\nstärker dieselben Kräfte bei uns selber flammen!\nVerstehen Sie mich nun — fassen Sie jetzt, in\nwelcher Art jene vollkommene Kunst auf uns alle\neinzuwirken vermag? Wie es in Wahrheit wirk-\nlich möglich ist, das zu erreichen, was die Kunst\nimmer und allein will —: die Zärtlichkeit und den\nMut zu erwecken, die Hoffnung zu bringen, die\nAbhärtung und den Siegerwillen aufflammen\nzu machen, wie nie zuvor! Die rätselhafte und\nstrahlende Stärke anzufeuern, die sich verborgen\nbei einem jeden vorfindet! Gleich der Sonne ist die\nKunst —: Mit ihrem Licht und ihrer Hitze treibt\nsie alle Keime zum Wachstum, zur Reife in uns\nallen! Gleich dem Leben ist die Kunst —: Sie ruft\nmit tausenden seliger und gewaltsamer Stimmen\nnach dem Menschlich-Uebermenschlichen. nach\ndem schwindelnden Schönen, das tief drinnen in\neinem jeden lauscht!\"\nEr schwieg eine Weile, schien plötzlich von\nneuem irgendeine heisere und flüsternde Stimme\nzu hören, die fortfuhr, ungedämpft da drinnen in\nseiner Brust aufzusteigen, wieder und wieder ihr\nwildes Kampfgeschrei bis an seine Ohren schleu-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3081, "texte": "dernd und er beugte mit einem Ruck den Kopf\nvornüber, qualumfaßt —:\n„Und nun die Künstler selbst,\" — murmelte\ner, fast unhörbar, als rede er, mit einer letzten,\nalles aufbietenden Anspannung, ausschließlich zu\ndiesem Verborgenen und Gehässigen tief drinnen\nin ihm selber — „haben denn nicht diese Reich-\nbedachten dafür auch ungeheure Verpflichtungen?!\nHaben nicht diese von allem Begünstigten —\ngerade so übermäßige und unerhörte Pflichten,\ndenen sie sich nie entziehen können?\nIst das nicht gerade die tiefe und gute Gerech-\ntigkeit in den Forderungen, die alle die andern, zu\nallen Zeiten, an das lichte Ich des Künstlers stellen,\ndaß er, allein von allen, in allem, was ihm auch\ngeschehen mag, unverändert fortfahren soll, einer\nvon diesen Brennenden und Reinen zu bleiben!\nvon diesen mit der stets unbefleckten Hand! von\ndiesen, aus deren bejahendem Wesen das Motiv\nder All-Brüderlichkeit ungeschwächt ausströmt,\nTag für Tag, immer purpurfarbig schöner — der\nganzen Welt entgegen??!\" — Er schwieg, plötz-\nlich schaudernd, in allen Fibern durchbebt von\neinem Grauen und einer Sehnsucht, von jeinem\nverzehrenden Schwindel — wandte sich darauf im\nnächsten Augenblick mit einem Ruck der Tür\nzu —:\n„Sehen Sie da!\" — sagte er mit Anstrengung,\nwiederum einem unerklärlichen Willen gehor-\nchend, dort aus dem allertiefsten Innern, ein Lä-\ncheln um seinen Mund zwingend, mit seinem ge-\nschärften Sinnen Frau Brügges leisen Schritt schon\nvon weitem hörend —:\n„Da kommt meine Haushälterin und sagt, daß\nder Tee angerichtet ist!\nSagen Sie mir, Herr Professor —: wollen Sie\nmir nicht die Freude machen, eine Tasse mit mir\nzu trinken?\"\nIV\nMorton hatte den Professor zum Tore hinaus-\nbegleitet, hatte ihm den Weg nach der nächsten\nHaltestelle der Straßenbahn gezeigt und Abschied\nvon ihm genommen; er zog jetzt seine Uhr aus\nder Westentasche, sah einen Augenblick grübelnd\ndarauf nieder und schritt dann schnell den breiten,\nkiesbedeckten Gang entlang — der mit einem\nBogen an dem weißen Giebel der Villa vorüber-\nging und nach dem großen Garten dahinter führte.\nEs war still, sternenklar und lau.\nIn der Durchsichtigkeit der Sommernacht\nstanden die Bäume wunderbar weich in ihren Um-\nrissen da, unbeweglich mit ihrem Laub in die Luft\naufragend, lautlos, schwarz. Hier und da wie in\nfeinen, unsichtbaren Streifen spürte man den\ndünnen, kühlen Duft von frühen Rosen; zwischen\nden Gebüschen schimmerten ihre blassen Kronen.\nVom Strande herauf hörte man, gleitend, rieselnd,\nhin und wieder mit einem leisen Plätschern, die\nkleinen, langsamen Wellen, die gegen das Ufer\nschlugen.\nNun ja, dachte Glaß; er war mitten auf dem\ntiefen Rasenplatz stehen geblieben, der sich, all-\nmählich abfallend, von dem Hause nach dem\nWasser hinunter erstreckte — und starrte mit son-\nderbar gelabten Blicken hinaus auf die mächtige,\nunendlich schwach phosphoreszierende Fläche da\ndraußen, die fern, in weiter Ferne dem Saum des\ndunklen Himmels begegnete. Nun ja, dachte er,\nwie schön ist es doch hier draußen; Nacht, es ist\nSommer, kein Wind rührt sich, in allen meinen\nPoren kann ich spüren, wie gut es hier ist!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "206", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.7", "titre_corps": "Reflexionen eines Armen im Geiste", "titre_sommaire": "Reflexionen eines Armen im Geiste", "signature_source": "Kurt Striepe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.6", "debut_caractere": 3102, "fin_caractere_exclue": 5859, "texte": "Reflexionen eines\nArmen im Geiste\nKurt Striepe\nDas Schönste ist mein Fenster. Ein weißes\nKreuz, das blendend gegen einen roten Himmel\nsteht. Ich erträume mir eine Stunde — eine selige\nGewißheit. — Meinen gelben Körper an diesem\nweißen Kreuz, hoch getaucht in glühende Sonne.\nUnd Frieden um mich.\nUnd aus den roten Häusermassen unter mir\nund über den gelben in der Ferne erhebt sich stolz\ndie Burg eines Glaubens — meines Glaubens. Den\nDunst betete ich an, wie ein Licht von DIR und\nwar doch längst erblindet vor dem Licht. Den\nFrieden wünschte ich mir als eine Ruhe vor DIR,\ndie die Ruhe ist, Alles, was ich tat war irr —\nnun ist ein irres Vergessen in mir.\nIrgendwo wirft man Musik aus Fenstern, die\nNoten wimmern durch meines Mondes Lied. Sie\nspringen in mich, — Hunde im Frühling, die auf\nden Straßen Liebesspiele jagen. Ich fühle das an\nder Glut, die in meinen Füßen ohnmächtig betteln\ngeht.\nKlaviere stöhnen und Menschen prostituieren\nsich.\nIch habe Hunger. Ich habe schon lange nichts\nmehr gegessen. Aber ich entbehre nicht. Geld\nkönnte ich bald bekommen — mich prostituieren\nund ich würde reich. Ich muß das lernen.\nIn einer halben Stunde ist „die Andere\" da.\nDU brauchst nicht zu denken, daß sie DICH in mir\ngetötet hat. DU lebst in mir auch nach meinem\nTode und bist am größten in ihm. Wie Nacht-\nviolen stürzt dann DEINE Süße in mich. Der\nSamowar summt. Er singt sein Liebeslied — das\njeden Abend gleich ist. — Wenn „Die Andere\"\nkommt — wir knien am Fenster, sie legt ihren\nschwarzen Kurzkopf an meine gelbe Fieberbrust.\nWir singen dasselbe Lied von gestern, wir den-\nken dasselbe ■— husten zusammen und spucken\nden gleichen Schleim. Wir sind uns ähnlich und\ndoch — fremd. Aber wenn DU jemals wieder-\nkämest — der Sarrowar würde in Fisteltönen sin-\ngen und sein gepreßtes Summlied totlegen. Die\nWELT würde wieder und Blut gebären.\nLi ist kein Name nur — durch meine Wünsche\nbist DU Wesen. —\nWie Blei fällt das Ticken einer Zeit in mich, wie\nspitze Silbernadeln in mein Hirn. Ihr lacht über\nmich — ihr alle, ihr verachtet mich — weil ich\nmein Alleinsein trage. Ich trage mein Alleinsein,\nwie eine Mutter ihr Kind trägt, das sie gebären\nwird, wenn die Zeit es für gut hält, so — so werde\nauch ICH einst aus der Einsamkeit in mir geboren\nwerden.\n— Es schellt.\nNun kommen Menschen. Die meinen mein\nAlleinsein mitzutragen. Es ist „Die Andere\", DU.\nIch sehe ihre russische Stimme hart gegen die\nGlasscheiben meiner Tür fallen.\nAber sie ist nicht allein. Was sollen die —\ndie Tür geht auf — „Menschen denn\", sage ich\nlaut.\n„Menschen?\" fragt sie und wirft einen Strom\nschmieriger Lachen aus ihrem Mund. „Men-\nschen? — Wir sind keine Menschen! — Das sind\nin der Entwicklung rückwärts schreitende Wesen,\nwir aber sind . . . .\"\nUnd nun sterbe ich in Stimmen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "207", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.8", "titre_corps": "Die Neue Kunst im Norden", "titre_sommaire": "Die Neue Kunst im Norden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.6", "debut_caractere": 5861, "fin_caractere_exclue": 9212, "texte": "Die Neue Kunst im\nNorden\nDas Problem die Neue Kunst beschäftigt auck\nden Norden. Es wird viel darüber gesprochen und\ngeschrieben. In Kopenhagen sind bereits drei\nAusstellungen gezeigt. In Norwegen, in Kri-\nstiania und Trondhjem, sind moderne deutsche\nKünstler gezeigt. Auch in Helsingfors (Finn-\nland). In Schweden hingegen wurde bis\njetzt nur eine Graphikausstellung vom Schwedi-\nschen Holzschnittverein in Stockholm angeordnet,\nwo auch deutsche moderne Künstler beteiligt sind,\naber das ist alles. Umso merkwürdiger scheint\nes, daß in Schweden über die moderne Kunst am\nmeisten geschrieben wird. Wer Schweden kennt,\nwird nichts Eigentümliches darin finden: mam\nspricht und schreibt ganz gern über Sachen, die\nman wenig kennt, man beurteilt gründlich ohne\ngründliche Kenntnisse.\nDer Kritiker August Brunius tritt stark für die\nneue Kunst in verschiedenen Zeitungsaufsätzen ein.\nEr hat jetzt ein Buch herausgegeben, in dem er;\nStellung zu den modernen Richtungen nimmt\nIm großen ganzen ist das Buch gut«,\nNur schade, daß August Brunius nicht ge-\nnügend orientiert ist. In diesem Buch wird\nschaftlich bewiesen, daß die neue Kunst eine un-\nbedingte Notwendigkeit war. Dies ist durchaus\nrichtig. August Brunius bringt in seinem Buche\nmanche gute Ideen über das Prinzipielle, aber\nwenn er zu den Beispielen kommt, stockt er wie\nviele und man wundert sich über die Wider-\nsprüche zwischen Gedanken und Beispielen. Aber\nder größte Fehler dieses Buches über die neue\nKunst ist, daß August Brunius Deutschland voll-\nständig ausschaltet. Dafür wird Frankreich reich-\nlich behandelt. Gewiß hat Frankreich außer-\nordentliche Maler, aber es ist ein gewaltiger Irr-\ntum, wenn Brunius glaubt, daß Deutschland über-\ngangen werden kann. Es war in Schweden immer\nUsus, die Maler in Frankreich zu finden, alle\nschwedischen Maler sollen in Frankreich „ausge-\nbildet\" sein. In Schweden findet ein Maler, der\nnicht in Paris studiert hat, schwer Anerkennung.\nIch glaubte diese Kindlichkeiten schon längst über-\nwunden, jedenfalls von August Brunius. Ueber\nFrankreich ist er sehr gut orientiert, über die\nganze Entwicklung von Cezanne bis Picasso.\nVon Deutschland wird nur behauptet, daß die\nMalerei nicht nach Deutschland gehört. Zum Bei-\nspiel: „Auch in unsrer Zeit sind die besten Ar-\ntisten Deutschlands die Bildhauer und die Zeich-\nner.\" Oder: „Die Formengeschwülste des Ba-\nrocks scheinen der natürliche Ausdruck für deut-\nsches Wesen.\" Oder: „Man denke an die unper-\nsönliche schmierige Technik (Beispiel Corinth), die\ndie neuen deutschen Maler sich angeeignet haben.\"\nJa, wenn man Corinth als einen der Neuen be-\ntrachtet, ist es verzeihlich, daß man nichts Ueber-\nwältigendes in der neuen Kunst Deutschlands fin-\ndet. Aber unverzeihlich ist es, nicht besser zu\nwissen, was sich hier regt, wenn man ein Buch\nüber die neue Kunst schreibt. Es ist wirklich nicht\nso weit von Stockholm nach Deutschland. Und\nLiteratur über die wirklich große deutsche mo-\nderne Bewegung gibt es genug, wenn man es nicht\nfür nötig hält, sich persönlich im Lande zu orien-\ntieren. Wer über die neue Malerei schreibt, kamt\nnicht über Kandinsky, Marc, Macke, Mense, Ko-\nkoschka und viele andere hinwegsehen!\nAußerdem finde ich es eine höchst eigentüm-\nliche Behauptung, daß es in Deutschland nur\ngute Bildhauer gibt. Ich kenne sie nicht. Gerade\ndas fehlt. So wird in Schweden gearbeitet. Ma»"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2699, "texte": "will dort alles über ei n Ausland haben, über\nFrankreick.\nIn Schweden gibt es auch einen Schriftsteller,\nJohn Landquist, der sich jetzt lebhaft für das\nProblem Moderne Literatur und Kunst zu inter-\nessieren scheint. Er bemüht sich, mit billigen\nWitzen und einem kolossalen Aufwand die neuen\nRichtungen niederzumetzeln. Seine Ansichten sieht\nman aus folgenden Ergüssen: „Erhitzt von ver-\nwirrter Philosophie und literarischem Quatsch\nschaffen „die Jungen\" eine schlechte und ver-\nwirrte Kunst. Kubismus und Futurismus treten auf\nals parodistische Mißverständnisse gegenwärtiger\nphilosophischer Bewegungen. In Kandinskys und\nBurgers Quatsch erkennt man Bergson wieder,\nwie er in den Gehirnen gewisser Artisten und\nKunstkritiker sich wiederspiegelt.\" Und dabei hat\nHerr Landquist nie ein Bild von Kandinsky ge-\ns e heu! Ich glaube es nicht. Und auf das Sehen\nkommt es zunächst einmal an. Die Reisen, die\nsich heute die Kunstkritiker versagen, brauchen die\njungen schwedischen Maler nicht zu unternehmen.\nKünstler ist man. Wer die neue Kunst nicht in\nsich selbst findet, wird sie von Paris auch nicht\ntu die Heimat tragen können.\nLandquists Ausfälle gegen die neue Kunst und\nLiteratur sind durch ein Buch über Bild- und Wort-\nkunst von Pär Lagerkvist verursacht. Dieses Buch\nist sehr wertvoll, interessant eingeleitet von August\nBrunius. Ein Fehler ist nur, wie bei Brunius: die\neinseitige Information. Auch hier ist der Ver-\nfasser nicht orientiert genug, auch hier weiß er\nnur über Frankreich Bescheid, aber man merkt\ndiesen Mangel weniger, weil die Probleme prin-\nzipieller behandelt sind. Für mich ist noch etwas\nanderes störend. Es kann aber nur Schweden\ninteressieren, deshalb wird es nur kurz berührt:\ndie Sprache. Pär Lagerkvist schreibt sein Buch\nortographisch in der Umgangssprache. Das stimmt\ntraurig. Die Wörter sehen verstümmelt aus. Doch\ndas wäre nur eine Frage der Aesthetik. Aber ich\nweiß nicht, ob man der Kunst damit einen Dienst\ntut. Sollte man nicht im Gegenteil versuchen, die\nSprache so lange wie möglich von dem Verfall zu\nretten, den die Zeit doch leider besorgt. Die Wör-\nter sind etwas Lebendes, etwas Teures. Jedes\nWort hat einen inneren Sinn, einen Ursinn. Mit\nder Zeit wird er vergessen, die Menschen ändern\naus Bequemlichkeit die Wörter, bis der Wort-\nstamm nicht mehr zu erkennen ist. Dieses Zer-\nstör ungs werk zu unterstützen ist nicht richtig.\nInsbesondere nicht von einem Schriftsteller, der\ndoch sein Material tiefernst bewahren muß. Was\ndie Farbe für den Maler ist, ist das Wort für den\nSchriftsteller. §c^\nPär Lagerkvist / Ordkonst och Bildkonst /\nBröderna Lagerströms förlag I Stockholm\nAugust Bnrnius: Färg och Form I P. A. Nord-\nstedt & Söners Förlag / Stockholm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Büeher", "titre_sommaire": "Empfohlene Büeher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.7", "debut_caractere": 2701, "fin_caractere_exclue": 3030, "texte": "Empfohlene Büeher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereit®\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt«\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nA. Yves Le Moyne\nLes Antidotes Fanfreluches\nResverie en plusieurs tableaux\nParis / Georges Cres et Cie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.10", "titre_corps": "Inhalt : Zweites Halbjahr 1913", "titre_sommaire": "Inhalt : Zweites Halbjahr 1913", "signature_source": "Vierter Jahrgang", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.7", "debut_caractere": 3032, "fin_caractere_exclue": 6501, "texte": "Inhalt\nZweites Halbjahr 1913\nVierter Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nQuiüauir.e Apollinaire\nAlexander Archipenko 200/201 194\nArp\nVon der letzten Malerei 188/189 140\nVon Zeichnungen aus der Ko-\nkoschka-Mappe 190/191 151\nArttir Babiüotte\nDie Schwermut des Genießers /\nRoman 180/181 110\n182/183 lIS\n184/185 126\n186/187 133\n188/189 141\n192/193 157\n194/195 164\nAdolf Sehne\nBruno Taut 198/199 182\nBoccionJ\nSimultaneite futuriste 190/191 151\nPaul Bommersheim\nHochzeit / Gedicht 196/197 174\nIBUaise Cendrars\nLa Tour / Gedicht 184/185 125\nLa Prose 184/185 127\nContrastes / Gedicht 194/195 164\nMarc Chagall 198/199 183\nPaul Claudel\nVerkündigung 184/185 122\nDelaunay\nLettre Ouverte au Sturm 194/195 167\nAlbert Ehrensteiis\nLiteratur 186/187 135\nEisenbach 192/193 157\nGedichte 202/203 202\nPaul Fort\nDorfballaden 196/197 170\nFriedlaender\nAbsolutismus 194/195 162\nPaul Hatvani\nVolkskunst 196/197 174\nHello\nDas goldene Kalb 186/187 130\nFranz Herczog\nHeldensage 180/181 107\nJacob van Hoddis Nummer Seite\nNacht / Gedicht 182/183 116\nAndante / Gedicht 196/197 175\nHymne / Gedicht 198/199 183\nFritz Hoeber\nDas Musikalische in der Architektur 180/181 10S\nVlatislav Hofman\nDer Geist der Umwandlung in der\nbildenden Kunst 190/191 146\nAage von Kohl\nDie rote Sonne 188/189 138\nDer tierische Augenblick 190/191 147\nDer Weg durch die Nacht / Roman 192/193 154\n194/195 162\n196/197 171\n198/199 179\n200/201 196\n202/203 203\nRudolf Kurtz\nOffener Brief an Herrn Karl\n180/181 106\nCafe, morgens 182/183 ' 116\nErnst Wilhelm Lötz\nAbendspiel / Märchen / Gedichte 180/181 107\nErscheinung / Gedicht 198/199 179\nFranz Marc\nKandinsky 186/187 130\nAlfred Richard Meyer\nBiesenthal in der Mark I Gedicht 182/183 119\nPrag I Gedicht 186/187 134\nDrei Mädchenporträts aus dem\nTürkischen Zelt zu Charlotten-\nburg 200/201 199\nYves le Moyne\nLe Solitaire 202/203 203\nGünther Mürr\nGedicht 188/189 140\nH. Reicfoenberger\nDer Kinematograf 192/193 156\nRene Schickele\nNeue Gedichte 182/183 115\nKurt Striepe\nReflexionen eines Armen im Geiste 202/203 206\nDie Neue Kunst im Norden 202'203 206\nRabindra Nath Tagore\nGedichte 188/189 140\nFour New Poems 196/197 173\nBruno Taut\nEine Notwendigkeit 196/197 174\nJosef TreS\nGedichte 186/187 130\nMein Ursprung ist . . . 192/193 156\nHerwarth Waiden Nummer Seite\nErster Deutscher Herbstsalon /\nVorrede 180/181 106\nNachrichtung 182/183 114\nDie Presse und der Herbstsalon 182/183 114\nDas Wissen und die Kunst 182/183 115\nKenner 182/183 119\nAage von Kohl 184/185 122\nrbr—brr—r 186/187 134\nKritiker 188/189 140\nAus der Zeit 190/191 150\nMitteilung 190/191 151\nKünstlerbekenntnisse 194/195 167\nDürer und Goethe Nachfolger 196/197 175\nDie heitere Kunst 198/199 178\nBezüge und Bezügliches 200/201 199\nKunstkenner 202/203 202\nPaul Zech\nZwei Wupperstädte / Gedichte 184/185 127\nDie Gruft von Valero 200/201 194\nInhalt des Vierten Jahrgangs\nI. Halbjahr 180/181 111\n11. Halbjahr 202/203 207\nVorwort der Aussteller 180/181 106\nZeichnungen\nHans Arp\nZeichnung 180/181 105\nZeichnung 182/183 113\nEmil Filla\nStilleben / Originalholzschnitt 182/183 117\nKopf / Originalholzschnitt 198/199 177\nHermann Huber\nZeichnung 184/185 121\nKandirrsky\nZeichnung 186/187 129\nZeichnung 202/203 201\nPaul Klee\nKriegerischer Stamm / Zeichnung 188/189 137\nDer Selbstmörder auf der Brücke\nZeichnung 190/191 145\nOskar Kokoschka\nKopf / Lithographie 194/195 161\nZeichnung 200/201 193\nArtur Segal\nOriginalholzschnitt 180/181 109\nSchmidt-Rottluff\nAkte I Originalholzschnitt 196/197 169\nGino Severini\nTango Argentino / Zeichnung 192/193 153"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.8", "debut_caractere": 477, "fin_caractere_exclue": 1062, "texte": "Stfindige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Strata 134 a\nDreiundzwanzigste Ausstellung\nJaeoba van Heemskerek\nMarianne von Werefkin\nArtur Segal\nOedftnet tMgllch voa 1®—6 Uhr / Sonntags yon\n11—2 Uhr\nFintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSturmausste!Simgen in Deutschland und im Aus-\nland I Marz 1914\nMagdeburg: Kandinsky\nTrondhjem I Norwegen: Der Biaue Reiter\nHalle: Archipenko\nMarburg: Franz Marc\nErlangen: Gabriele Miinter\nHamburg: August Macke\nStockholm: Graphik\nTokyo: Graphik\nLondon: Graphik\nHannover: Severini\nEisenach: Expressionisten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.8", "debut_caractere": 1064, "fin_caractere_exclue": 2807, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin Wf Potsdamer Strale 134«\nFernruf Amt Liltzow 4443\nHalbmonatsschrift der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nO'ewdfmllche Ausgabe: Pur Deutschland\nind Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\nI Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig: j Doppel-\nmmmer 40 Pfennig X EQr dasAusland bei\ndurch die Post;\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes / Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n<85 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer unison st\nSenderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplars aul holzireiem Papier, Ver-\n$enanng in Rslien direkt durch die\nPost ffir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nSki Halbjahr 6 Mark X Fur das A us! and:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n*Jteser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nlummern und Profeenummern n i c h t abg*geben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer I—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\n£iehen / Zurn Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kjosken u. StraBenst&nden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den B e t r a g fflr den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b®i\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nnumftinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Aridernfalls nehmen wir an, daS E i n -\n% i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nanter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwflnscht wird\nOeneralvertretung des Verlags Eug&ne Flguldre /\n?aris"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.8", "debut_caractere": 2809, "fin_caractere_exclue": 5474, "texte": "OriginalhoSzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefOgt / Alle\nExemplare sind vom Kunstler riummeriert und signiert\nFranz Marc: Verso hnung / Tier-\niegende / Pfercle I Tiger / Pferde\nfiochformat / Die fiirttii / Dcr Stier /\nSchlafende flirtia / WUdpferd# /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechsteiii: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kunstler mit der Hand aquarelliert I\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Sonntag / Zwei Vogel / Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nWHheirn Morgaer: Acker mii Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraBe / Nordischer Hafen / Madchen auf Sofa ./\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / Portrat I\nI StraBenkurve ,/ Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / MuBige Hetaren /\nSchlafende Hetare / Je 40 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande HI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] / Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: P1 a k a t ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMusik\nHc-rwarth WaSden: Dainislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ftir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seitess\nKCInstierpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteH: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung drier\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKar ten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Biatt Zeichnungen /\nStrichatzung j Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoi ia eia-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupiaa\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-03-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-03-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar~\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies*\nder Stilarten\nLothar Homeyer / Im Selbstverlag erscheint eine\nMappe mit 6 Radierungen auf Japan-Biitten. Der\nSubskriptionspreis fur die Mappe betragt 25 Mark\n/ Bestellungen sind zu richten an Lothar Homeyer\nCharlottenburg, SybelstraBe 42.\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nsclirift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman j\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi I Ghose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung vob\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger ./ Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nAlbert Efireastein: Die weiBe Zeit / Dieser Gediclit-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden,\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Georg Miiller, Miinchen, Elisabeth-\nstraBe 26.\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia /' Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nVerein fiir Kimst/Leitung HerwarthWalden\n/Zehntes Jahr / Jahresbeitrag 20 M. / Rechte\nder Mitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.1", "texte": "Um fang: acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nFÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nVIERTER JAHRGANG 1914\nBERLIN-PARIS ZWEITES MÄRZHEFT\nNUMMER 202/203\n\nInhalt:\nH. W.: Kunstkenner: Keineswegs reizvoll / Die rote Frau / Nicht so schnell / Schon wieder ein Futurist / Albert Ehrenstein: Gedichte / Yves\nte Moyne: Le Solitaire / Aäge von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Kurt Striepe: Reflexionen eines Armen im Geiste / Die Neue Kunst im Norden /\nEmpfohlene Bücher / Inhalt des vierten Jahrgangs zweites Halbjahr / Kandinsky: Zeichnung\n\nKandinsky: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.2", "texte": "Kunstkenner\nH. W.\nKeineswegs reizvoll\nEine Suffragette hat ein Attentat auf ein Bild\nverübt. Herr Fritz Stahl, der Fachmann des Ber-\nliner Tageblatts beschreibt das Bild fachmännisch:\n„Das ziemlich große Bild (etwa 1,25 X 1,75 Meter)\nzeigt Venus auf einem Lager hingestreckt. Den\nRücken dem Beschauer zugewandt, sieht sie in\neinen Spiegel, den Amor vor ihr aufrichtet.\" Das\nsieht der Kunstkritiker Fritz Stahl auf einem\nBilde. Es zeigt ihm Venus, einen Spiegel und\nAmor. Alies gute Bekannte des Herrn Stahl. Er\nkann also mit Genugtuung feststellen, daß die\nHerrschaften nicht porträtähnlich genug sind.\n„Das Bild ist aus keineswegs reizvollen Modellen\naufgebaut und hat trübe Farben; alle Töne\ndes Modems kommen in dem Fleische vor.\" Offen-\nbar ein lebendes Bild. Nur daß Herr Velasquez\neben nicht den Sinn für Frauenschönheit besaß,\nwie Herr Fritz Kunstkritiker Stahl. Man braucht\naber nicht Angst zu haben, daß diese Dame der\nbesseren Gesellschaft trotz allen Tönen des Mo-\ndems krank war. „Vielleicht hat auch die Prü-\nderie der Engländerin noch eine besondere Befrie-\ndigung dabei empfunden, auf den üppigen nackten\nFrauenleib loszuschlagen.\" Daß modernde Ueppig-\nkeit Prüderie erweckt, ist schon eine recht schwer\nsadistische Vorstellung. Es scheint sich hier um\nein Bild der gewissen neuen Richtung zu handeln,\ndie der Abgeordnete Dr. Delbrück vor einigen\nWochen im preußischen Abgeordnetenhaus streng\ntadelte. Wenn jetzt sämtliche Gegenstände auf\nBildern sadistisch vernichtet werden, für Spiegel\nist diese Behandlung besonders gefährlich,\nwird Herr Fritz Kunstkritiker Stahl sich schließlich\ndoch noch mit dem Kubismus befassen müssen,\ndessen Ecken ihn fortgesetzt abstoßen.\nDie rote Frau\nAlso in Brüssel ist etwas ganz Außerordent-\nliches passiert. Das schreibt unser Brüsseler\nKorrespondent des Berliner Tageblatts. „Die\nBrüsseler Kunstfreunde konnten eine freudige\nUeberraschung erleben und einen Maler und Bild-\nhauer entdecken, dessen Talent bisher nur weni-\ngen bekannt war.\" Sicher hat sich wohl die Re-\ndaktion des sehr geehrten Tageblatts wieder an\nHerrn Fachmann Fritz Stahl gewandt. Das neue\nTalent aber kannte er natürlich nicht. Er kennt\nnur die alten Tanten und Gott Amor. Die Ber-\nliner Kunstfreunde hätten allerdings diese freu-\ndige Ueberraschung bereits vor achtzehn Mo-\nnaten erleben können, einen Maler und Bildhauer\nzu entdecken, dessen i alent bisher nur wenigen\nbekannt war. Ich hatte mir nämlich gestattet,\ndieses Talent Rik Wouters im September 1912\nvolle vier Wochen im Sturm auszustellen. Herr\nStahl kümmert sich erst um die Talente, wenn sie\nvon unserem Korrespondenten telegraphisch aus\nBrüssel gemeldet werden. Seine angestrengten\nanatomischen und ethnographischen Studien ge-\nstatten ihm nicht, sich Kunst anzusehen. Er hätte\nallerdings ebensowenig davon wie die Kunst.\nAber die sehr geehrte Redaktion des Berliner\nTageblatts kam auf diese Weise um eine Infor-\nmation. Ich dachte immer, daß Journalisten wie\nHerr Fritz Stahl dazu angestellt sind, Informa-\ntionen zu geben. Aber Herr Fritz Stahl hätte\nselbst nicht einmal bei einem Talent in dem Rang\nvon Wouters Alarm geschlagen. Er hätte sicher\neine falsche Information gegeben. Denn: „So malt\nWouters zum Beispiel ein rotes Frauenbild.\" Wir\nwissen alle, oder wenigstens fast alle, daß eine\nFrau nicht rot ist. Moderndes Fleisch soll es ja noch\ngeoen. Aber um rotes Fleisch zu sehen, muß man\nzu weit gehen. Und so weit geht man nicht mit.\nIn Brüssel, wo es keine roten Frauen gibt, be-\nzeichnet man es als freudige Ueberraschung, wenn\nein Talent eine rote Frau malt. Ich bitte die Leser\ndes Berliner Tageblatts, soweit sie es lesen, nun\nentschieden um Protest. Die öffentliche Meinung\nhat ein Recht auf die rote Frau. Sie war unser!\nAber ich kann Herrn Fritz Stahl, der Redaktion\nund der öffentlichen Meinung die Reise nach\nBrüssel ersparen. Ich habe wieder eine rote Frau\nin der Sturmausstellung. Die ist sogar von Franz\nMarc, der unendlich viel besser ist als Rik\nWouters. Die sogenannten Berliner Kunstfreunde\nlieben freudige Ueberraschungen nicht. Wenn die\nVenus nicht erkennbar ist, nützt die ganze Röte\nnichts. Die Fachmänner des Berliner Tageblatts\nmüssen sich aber sehr beeilen, wenn sie die rote\nFrau noch sehen wollen. Sie ist vielleicht schon\nim nächsten Monat in Brüssel und wird dort dem\nBerliner Tageblatt die freudige Ueberraschung\nbereiten, die Herr Fritz Kunstkritiker Stahl ihr zu\ngeben nicht das Auge hat.\nNicht so schnell\nVon Bach, der ein Futurist, ja sogar ein Kubist\nist, wurde die Hohe Messe in H-moll gespielt.\nDieses Werk, das zu den großen Kunsterlebnissen\ngehört, fand eine Aufführung, die ein Kunstwerk\nwar. Die Musikfreunde und die Musikkritiker fin-\nden Bach erst dann schön, wenn er den Künstler\ndurch die professorale Manier der Darstellung\nlangweilt. Die Leute spielen gewöhnlich Bach,\nals ob er in der Berliner Meisterschule für Kom-\nposition gelernt und es schließlich zum Senator der\nKöniglichen Akademie der Künste gebracht hätte.\nSo talentvoll war er nicht. Die Leute, die sich\nberufsmäßig mit dem espressivo befassen, haben\nerstaunlich wenig Ahnung von der Expression.\nSie zählen angstvoll die Takte, trotzdem der Takt\nfür die Musik nicht mehr bedeutet, als der Keil-\nrahmen für das Bild. Man kann nicht Gestagenes\nwiedergestalten, wenn man die Gestaltung nicht\nerkennt. Wenn man das Erlebnis Bach nicht er-\nlebt. Karf Straube, der Leiter des Leipziger\nBachvereins, brachte die hohen Wunder der\nHohen Messe zum Tönen. Die Musik verschlang\nOrchester und Chor. Nur Bach lebte riesengroß.\nUnd keine menschliche Stimme wurde durch Bach\nso vom Singen fort zur Kunst getragen, wie die\nStimme von Emmi Leisner.\nDann traten die Merker auf. Ein Klavierlehrer\nschrieb, daß man Bach nicht so schnell spielen\nkönne, ihm ging offenbar der Atem aus (Bach ist\nnicht für Schwindsüchtige bestimmt). Ein Kom-\nponist konnte die Kontrapunktik nicht erkennen,\nweil es ihm gleichfalls zu schnell ging. Sie macht\nihm offenbar auf dem Papier mehr Spaß. Einem\nBerufskritiker (ein trauriger Beruf) war sie zu\nkatholisch, dafür einem anderen Herrn zu evan-\ngelisch vorgeführt. Das hat man davon, wenn\nman in Berlin Kunst macht. Ordnung muß sein.\nIch warne Neugierige.\nSchon wieder ein Futurist\nWer sich ordentlich ausschlafen will, gehe in\nein Berliner Konzert. Trotzdem diese blöde Mu-\nsiziererei von tüchtigen Handwerkern fast den\nSchlaf vertreiben kann. Es gibt tatsächlich noch\nOhren, die sich stundenlang Saint-Saens, Viotti,\nBeriot und Genossen anhören können. Ohren, die\nbei dem Violin-Konzert von Mendelssohn fast\naus dem Kopf springen. Wird wirklich einmal ein\nKomponist aufgeführt, der wenigstens aus dem\nSchlaf erweckt, machen die Leute die Ohren zu\nund kriechen vor Schreck unter die Bänke. Man\nzischte in der Philharmonie, als das Konzert Opus\n45 von Paul Juon gespielt wurde. Das Zischen\nbedeutet bekanntlich in nicht gesellschaftlicher\nForm Bitte um Ruhe für Schlafende. Ein Vater\nstellte sich angstvoll vor seine Familie und erklärte\nlaut: das ist uns zu futuristisch! Der gute Mann\nwar zweifellos ein Leser des Berliner Tageblatts,\nder sich von Herrn Fachmann Fritz Stahl über Fu-\nturismus hat aufklären lassen. So schreitet die\nBildung fort und so leicht kann man heute für\neinen Futuristen gehalten werden. Man ist heute\nschon Futurist, wenn man Totes für tot und Leben-\ndes für lebend hält. Wie soll die Zukunft erst wer-\nden, wenn wir Lebende erwachen.\n\nGedichte\nAlbert Ehrenstein\n\nAnbetung\nI\nDer Weiber Fjord, den süßen,\nhab ich lang entbehren müssen. '112\nAn Nehmerinnen des Goldes,\nden Gütig-Käuflichen nehme ich Schaden,\nSeele will nur bei Seele zu Gaste sich laden.\nMich ekelt der gröbliche Zeitvertreib\nmit einem Krummholz-Bauernweib.\nLieber will ich an dir, der sehnsuchtschlanken\nPrinzessin von Byzanz,\nhilflos erkranken.\nII\nAm Ufer zagst du wellenlüstern\nin der Furchen Furcht.\nWenn dein Lichtgesicht\nder Stromwind anfährt,\nbist du die Flucht vor der Frucht,\nvor dem Wasserberg,\nder deiner Knöchel Heiliges Land\nnagend beragt.\n111\nLügen sitzen auf mir.\nIn deinem Körper möchte ich baden.\nO du blaues Glockenblümchen,\nSchwälbchen, Hühnchen, Goldfasänchen,\nsei du meine Ueberzeit!\nWohnen will ich in deinem jungen\nForste.\nInbrunst, deine frischen Beine\nzu überschatten!\nUnd ihr Laub ist liebes Lager.\nIV\nSchön ist's, ein Mädchen zu schwellen.\nHeilung spendet ihr wachsender Leib,\nund eine gute Unsterblichkeit.\nTod-krank ist der Mensch,\nrasch überspült die Sturzflut,\ndie Zeit\nseine Gestade.\nGeht aber ein Mann ein\nin den süßen Waldwinkel,\nüberstirbt sein Schatten in Kindern\nden Abendgang. - ' •;\n\nAusfahrt\n\nSmaledumen, der Held, durchschritt den im\nHerbstfeuer\nrotbraun brennenden Wald,\nunten wand sich besiegt der durchmessene Flußs\ndie silberne Blindschleich.\nAber gallig schwarz anlief seine weiße\nWendeding-Lanze und krächzte:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.3", "texte": "'T „Siehe da, du verliegst.\nHast zur Strecke gebracht die große Anzahl\nder Schenkelbusen, blondverzückten Stimmen.\nEines dieser klaffenden Schenkelpaare\nwird dich durch einen Sohn zum Schweigen\nbringen.\nAber wozu bei den sanfthaarigen Mädchen,\nruhig wartend die Nächte abliegen,\nbis dich einspinnt ein greiser Großvaterbart?\"\nAnzürnt Smaledumen, der Held, seine Wende-\nding-Lanze :\n„Mißgönnst mir die Freuden der Strecke?\niMögest zerbersten in Flammen,\nwissendes Holz, siehe auch ich weiß!\nMädchen sind da, beschlafen zu werden,\nRinder sind da, getrieben zu werden,\nMänner sind da, getötet zu werden!\"\nSprach's und sandte die Wendeding-Lanze\nnach einem ihn kalt überschattenden Baume.\nUnd er tötete ihn und beraubte ihn der\nRüstung, der Rinde,\nbüllte sich strafend in sie und aß aus den\n\nBorken die Käfer.\n\nLe Solitaire\nA Yves le Moyne\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nSa barbe — foliation involviere oü grouillent des\nmicrocosmes innombrables et funeraires s'agite-\nondulatoire-au Quadrille girant des Mandragores.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nSaillant ainsi gue des cordes de chanvre, les\nceps desseches de ses bras tentaculaires- devenus\nrigides-s'accusent en jaune relief comme le par-\nchemin ride d'un grimoire.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä 011 le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nSur sa figure hexagonale, oü s'inscrivent les\ncercles de ses yeux de neant, passe un Effroi\ncrepusculaire. O ces yeux! je voudrais les avoir\ndans ma main fievreuse, pour entendre crepiter\nleurs lobes.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nEt sur sa Tete, deux Oiseaux noirs, chamarres\nd'hieroglyphes, lui font des signes, des gestes fous,\ndes gestes fous avec leurs cous, des gestes fous\nqui incantent.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\nEt toujours, toujours les Hiboux oscelles (o que\nmonotone est leur chant!) de leurs grasses langues\nsonnent le Glas, le Glas eternel du Silence.\nII est assis-Solitaire-sous les arbres de la Foret,\nlä oü le Vent souffle lugubrement dans son basson\ndes melopees au rythme fou.\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nAage von Kohl\nRoman\nEr begann jetzt, langsam seine Zigarette rau-\nchend, mit zwinkernden Augen die Gestalt des\nProfessors dort an dem Regal zu verfolgen — und\nsuchte sich währenddessen klar zu machen, worin\ndies merkwürdige, über die ganze zivilisierte Welt\nvöllig gleiche eigenartig Aerztliche bestand — das\nsich auch bei von Geer in allem äußerte, was er\nsagte und tat, in der Bewegung und in der\nHaltung. War es eine sehr intime und fein-\nteilige Mischung, entstanden durch dies Komposi-\ntum, aus dem ihr Geschäft bestand; diese Doppel-\nheit, auf der einen Seite der Mann der Wissen-\nschaft, der Forscher, der Gelehrte — und auf der\nandern der Mann der Hand, der Tat?! Oder war\ndas, was ihr Wesen kennzeichnete, nicht weit eher\neine noch mehr zusammengesetzte Sache, die drei-\nfache Zusammenschweißung der Ruhe und der\nGeistesarbeit, der keineswegs stillosen Fingerge-\nschwindigkeit des brauchbaren Handwerkers —\nund endlich eines Körnchens von dem ausgepräg-\nten und immer nach außen hin gerichteten Selbst-\nvertrauens des Hypnotiseurs, des Seelenheilers, die\nnotwendige Basis für alles Gelingen auf den sugge-\nstiven Gebieten! — Nun ja, grübelte er darauf wei-\nter, ohne selbst zu fassen, warum seine Gedan-\nken gerade in diesem Augenblick einen solchen\nSprung machten —: und nun diese Nachricht, die\nihm von Geer überbrachte?! Dieser Karl\nMumme, sehr wohl, so hieß das Individuum, das\ngewagt hatte . . . dieses ekelhafte und gemeine\nTier, das sich erkühnt hatte . . . und dem er mor-\ngen schließlich von Angesicht zu Angesicht gegen-\nüber stehen sollte, um zur endlichen Stillung\nseines . . .\nEr fuhr mit einem Ruck zusammen; blinzelte\nmit beiden Augen, als habe er geschlafen und sei\nunsanft geweckt worden: erkannte mit einer Uebel-\nkeit erweckenden Erschütterung all seiner Nerven,\ndaß er hier saß und seine Zähne zusammen ge-\nbissen, die Zigarette zwischen den Fingern zer-\ndrückt, alle Muskeln seines Körpers wie zu einem\nSprung, zu einem Ueberfall, einem rasenden Kampf\nangespannt hatte . . . und dann hörte er unmittel-\nbar darauf, von Geers Stimme dort von dem Bü-\ncherbort her, wandte sich deswegen mit einem\nSatz nach ihm um — von neuem mit dieser myste-\nriösen Dreiteilung seines Wesens, nach außen zu\nbeherrscht, lächelnd und lauschend, darunter\ngleichsam halbwegs schwerhörig und geblendet —\nund im tiefsten Innern mehr und mehr versengend\nheiß!\n„Ich sehe,\" — sagte der Professor, er hatte ein\ndickes, gelb eingebundenes Buch aus einer ganzen\nReihe herausgenommen, die alle in derselben\nFarbe eingebunden waren — „ich sehe hier, daß\nSie schon im voraus eine nicht geringe Kenntnis\nvon . . . von den Existenzen besitzen müssen, zu\ndenen Karl Mumme gehört! Ihre Bibliothek ist ja\nganz einfach vortrefflich — auch mit Werken ver-\nsehen, die von . . . allen diesen Monstruositäten\nhandeln, von denen ich aufrichtig gesprochen\nglaubte, daß nur wir Aerzte die traurige Pflicht hät-\nten, sie zu studieren!\nMein Gott!\" — fuhr er fort, indem er das Buch\nwieder an seinen Platz stellte; er drehte sich lang-\nsam um, beide Hände tief drinnen in den Hosen-\ntaschen, starrte grübelnd vor sich hin —: „Es war\neinmal mein Traum, zu versuchen, auch meinen\nTeil zu dieser Arbeit beizutragen, die wir Aerzte\nselber als das höchste von allem betrachten; nicht\nzu heilen — ich hätte fast gesagt, darauf pfeife\nich, denn wann gelingt uns eine Heilung in den\nPunkten, wo nicht die Natur selbst das gleiche auf\neigene Hand erreicht haben würde, vielleicht nur\nein ganz klein wenig langsamer — nein, nicht zw\nheilen, sondern vorzubeugen, aktiv und regu-\nlierend in den Organismus des Gesellschaftskörpers\neinzugreifen, einen neuen und positiven Wert in\nden Strom der Entwicklung selber hineinzulegen!\nJa, du großer Gott —: und da, gerade auf dem Ge-\nbiet, das mich heute Abend unter so traurigen\nUmständen hierher geführt hat, gerade da und\ndergleichen entsetzenerregenden Abnormitäten\ngegenüber, bleibt uns noch so unendlich viel zu\nerreichen übrig.\nIch bin allerdings keineswegs ein Anhänger von\nLombrosos Theorien!\nNamentlich nicht, was die Möglichkeit betrifft,\nauf rein antropometrischem Wege im voraus die\nIndividuen ausfindig machen — und sie uns folg-\nlich auch sichern zu können — die späterhin unsere\nIrrenanstalten und Gefängnisse füllen!\nAber ich fühle mich doch hin und wieder ver-\nsucht, wenn ich ganz ehrlich sein soll, zu meinen,\ndaß ein so ungeheurer, ein so schwindelnder, ein\nso völlig unüberschreitbarer Unterschied zwischen\nMenschen wie Sie und ich und die vielen Millionen\nauf der einen Seite — und auf der andern Seite\nallen diesen gräßlichen Ungeheuern! von Karl\nMumme, dem Lustmörder, bis zu dem Leichen-\nschänder, Kadaverliebhaber Sergeant Bertrand,\ndessen Lebensschilderung ich hier eben bei Ihnen\ngesehen habe; von Gesche Gottfried, der zehn-\nfachen Giftmörderin, die Ohnmachtsanfälle vor Ent-\nzücken bekam, wenn sie Arsenik sah, und die ihre\nletzte Kruke Rattengift mit sich in das Gefängnis\nschleppte — bis zu Helene Jegado! von Jack the\nRipper, den man niemals fand — bis zu jener acht-\nzehnjährigen Grete Beier, die unter dem Vorwand,\nihren Bräutigam mit einem Leckerbissen über-\nraschen zu wollen, ihm ihr Taschentuch vor die\nAugen band, ihn den Mund weit öffnen ließ und\nihm darauf zwei Revolverschüsse in den Schlund\nhineinfeuerte! von Nero via Marschall de Retz bis\nzu de Sade hin ... Ja, da fühle ich mit meinem\nganzen Ich, mit jeder Faser meines Fleisches und\nmeines Blutes, daß Lombroso in gewissen Fällen\nim tiefsten Grunde doch recht gehabt haben muß\n—: Untiere, wie die, die ich genannt habe sind\nnicht unseres gleichen! Sie sind durch und durch\netwas anderes — es besteht ein erstickender Haß\nzwischen ihnen und uns, es brennt uns in den Fin-\ngern, sie auszurotten! Wenn wir, vor Schauder\nund Ekel bebend, uns notgedrungen in das Studium\nvon ihnen vertiefen — dann geschieht das aus-\nschließlich aus der Sehnsucht heraus, ein für alle-\nmal das unfehlbare und universale Mittel zu finden,\num unsere Kinder, unsere Frauen, uns selbst, gegen\nihre grauenvollen und blutigen Uebergriffe zu\nschützen!\" — Er schwieg, schweißtropfend und mit\nfunkelnden Augen; dann lächelte er Morton gut-\nmütig zu, halb entschuldigend:\n„Nicht wahr?\" — schloß er warm —:\n„Und ich finde fast, daß ein Trost in diesem\nallen liegt, weil es uns so unbestreitbar zeigt, daß\nw i r nicht die Schuld tragen —:\nDieses Bewußtsein, daß diese sämtlichen Ab-\nnormen, nennen Sie sie Geisteskranke oder ho-\nmines delinquentes oder wie Sie wollen —: auf\nkeinen Fall Menschen sind!\"\nAber Glaß, der während dieser langen Rede ihn\nunverwandt mit beiden Augen und Ohren betrach-\ntet hatte, ohne selbst begreifen zu können, weshalb\n— schüttelte jetzt langsam den Kopf —:\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.4", "texte": "„Nein!\" — sagte er, beständig seine eigene\nStimme gleichsam aus meilenweiter Ferne hörend,\nplötzlich kälteschaudernd —:\n„Ich kann Ihnen ganz und gar nicht recht geben\nii dem was Sie da sagen!\nNicht im allergeringsten —:\nDenn es ist mir noch niemals geglückt, irgend-\neine menschliche Fähigkeit, Neigung, Lust, Bedürf-\nnis, Sehnsucht oder Begierde zu finden — die ich\nnicht bei einem jeden von uns allen in höherem\noder geringerem Grade wieder gefunden hätte!\nKeine Größe, sie mag in unseren Augen noch so\nerhaben oder ehrfurchteinflößend sein — die nicht\nschließlich doch nur aus einer ganz einfachen,\nwenn auch zuweilen schwindelnd starken Stei-\ngerung vollkommen allgemeiner Kräfte bestand!\n\"Keine Niedrigkeit, Schlechtigkeit, Roheit, nichts von\ndem sogenannten Tierischen — das etwas anderes\ngewesen wäre, als nur eine einseitige, (für uns\nandere allerdings höchst unangenehme und des-\nwegen nur mit äußerster Mühe wiedererkennbare!),\ngesteigerte Entwicklung von Möglichkeiten und\nTendenzen, die auch wir anderen alle besaßen!\nKurz und klar —: Es gibt meiner Anschauung nach\nnichts Menschliches — das nicht gemeinmenschlich\nißt! Und ich begreife, offen gestanden, ganz und\ngar nicht, was man sonst mit dem Begriff Mensch\nanfangen sollte! —\nUnd ebensowenig, das was Sie vor-\nhin berührten,\" — fuhr er fort; auf einmal\nuiifaßlich für ihn selbst, seine Stimme ein wenig\nerhebend, laut und knapp redend, mit leicht ge-\nrunzelten Brauen, ohne bisher noch verstehen zu\nkönnen, warum er plötzlich anfing, sich über alle\ndiese Dinge auszusprechen — „auch nicht\nmit . . . Karl Mumme, kann ich Ihnen recht geben!\nSie können natürlich sagen, daß Sie sich nichts\ndaraus machen, meine Ansicht zu hören; daß das\ndie Ueberzeugung eines Laien, eines Dichters —\n©der wie Sie selbst vor einem Nu sagten, die erd-\nferne Anschauung eines Idealisten ist!\nAber genug!\nDie Hauptsache ist in diesem Augenblick, ganz\ngleichgültig, welchen Wert Sie meinen Worten\nsonst beimessen wollen —: daß ich Ihnen auf das\nBestimmteste in Ihrer Annahme widersprechen\nMuß, daß Karl Mumme meine Frau getötet haben\nsollte.\nHaben Sie es jetzt klar und deutlich gehört?\nIch wiederhole es der Sicherheit halber noch\neinmal mit unzweideutigen Worten:\nNein, tausendmal nein, es ist nicht, es war nicht,\nes ist nie Karl Mumme gewesen, der Annie ermor-\ndete!\" — er schwieg, atemlos, mit Gewaltsamkeit\ndie Augen des andern anstarrend, mit aller Macht\ndie Knöchel der linken Hand auf die Tischplatte\n»iederpressend.\n„Karl Mumme . . . nicht gemordet?!\nDu allmächtiger Gott, Mensch, was sagen\nSie ...\" — rief von Geer, indem er einen Schritt\nzurücktrat, verwirrt — mit ausgestreckter Hand.\nMorton lachte kurz und bissig; zu heftig und\nunerwartet umfangen von unerklärlichen, angst-\ngebärenden Gefühlen, die immer gewaltiger ihre\nStimme tief drinnen in ihm erhoben — um in diesem\nAugenblick auf die Form zu achten —:\n„Unsinn,\" — unterbrach er den anderen — „ge-\nwiß nicht. Sie mißverstehen mich schon wieder.\nVöllig!\nWenn ich sage, daß nicht Karl Mumme meine\nFrau getötet hat,\" — fuhr er fort, auf einmal in\neinem einzigen, blitzschnellen Nu gleichsam\nahnend, was er im innersten Innern mit seinen\nWorten zu sagen beabsichtigte —: „dann meine ich\ndamit keineswegs, daß es nicht seine Hand war,\n'die das Messer in jener Nacht führte! Und ich\ndenke ebensowenig daran, inwiefern Sie oder die\nPolizei möglicherweise eine juristische Ungerech-\ntigkeit begangen haben können, indem Sie Ihren\nVerdacht auf diesen Mann gelenkt haben!\nNein!\nKeineswegs!\nAber ich meine —: Wie in aller Welt können\nSie verlangen, daß ich irgendeinen Groll gegen\ndieses arme Wrack empfinden soll! Daß ich auch\nnur den allergeringsten Trost darin finden soll, zu\nwissen, daß sich die Ursächlichkeitskette auch\nrings um ihn geschlossen hat — daß auch er weder\nmehr noch weniger ist als ein ganz gewöhnlicher\nMensch, der genau so wie Sie und ich, wie ein\njeder von uns allen, unerbittlich und Schritt für\nSchritt gehorsam die Wege wandeln muß, die die\nArt unseres Wesens uns vorschreibt — gleich-\ngültig, ob sie uns zum Schaffott oder zum Thron\nführen!\nWas ich meine,\" — wiederholte er, erhob plötz-\nlich die rechte Faust hartgeballt in die Luft, nun\nvollkommen klar darüber, daß das, was er errei-\nchen wollte, indem er alle diese, ihm selbst unend-\nlich wohlbekannten Argumente noch dazu im Bei-\nsein dieses fremden Mannes wiederholte —■: das\nwar ja eben eine heisere und wahnsinnige Stimme\nvon da aus dem allertiefsten Innern zum Schwei-\ngen zu bringen! diese wilden und blutigen Schreie\nzu übertäuben, die mit größerer und größerer\nLeidenschaft zu seinem Bewußtsein emporstiegen,\nihr haßerfülltes Rachebrüllen verstummen zu\nmachen —:\n„Was ich meine, das ist Folgendes —\nJawohl, nennen wir diesen Mann einen Lust-\nmörder! Jagen und fangen wir ihn mit Hilfe der\nPolizei, reißen wir ihm mit einem Stock sein Auge\naus, sperren wir ihn Tag und Nacht in einen ein-\nsamen Raum, üben wir das gegen ihn aus, was\nSie vorhin eine moralische Folter nannten, lassen\nSie uns das Todesurteil über ihn aussprechen —\nund vollziehen wir es schließlich auch, nach einer\npassend langen Marterpause, für das Gräßliche,\nwas er getan hat —: jawohl, aber wer unter uns\nwagt es dann zu leugnen, daß jenes Gefühl der\nEmpörung, das uns veranlaßte, dies alles zu tun . .\nim tiefsten Innern genau dieselbe brennende und\ngrausame Lust ist, die e r empfand — in dem\nAugenblick, als er mordete!\nAch Gott,\" — fuhr er fort, von neuem mit ver-\nänderter Stimme, fieberheiß, so schnell, daß er\nüber seine Worte strauchelte —:\n„Ach Gott, putzen wir uns selber nur nicfa so\nkindisch heraus — daß wir schließlich rein ver-\ngessen, was es ist, daß sich unverändert unter all\ndem Staat verbirgt! Lassen wir uns nicht ganz\nund gar von den Leuten hinters Licht führen, die\nsich damit brüsten, wir hätten uns heutzutage\nschon längst mit Abscheu von dem jus talionis, von\ndem Gedanken an das Recht der Wiedervergel-\ntung abgewendet!\nBehalten wir unverwandt vor Augen —: so\nlange es ein Todesurteil gibt, so lange noch das\nWort Strafe über unsere Lippen kommen, in un-\nserem Herzen wohnen darf — so lange brennt in\nuns allen unauslöschlich, rotglühend, genau die-\nselbe wilde und gierige Zerstörungslust —in\nvollem Maße der Tiere würdig, gegen die sie ge-\nrichtet ist! Erinnern wir uns beständig mit Dank-\nbarkeit jenes edlen Senators da unten in Paris, der\nvor ein paar Jahren in einer Diskussion in der\nKammer über die Abschaffung der Todesstrafe\nals entscheidendes Argument ausrief: Lassen Sie\ndie Herren Mörder den Anfang machen . . . und\ndamit, ohne daß er selbst es ahnte, und ohne daß\ndie jubelnden und Beifall klatschenden Zuhörer es\nbegriffen, so deutlich wie es nur möglich war, das\nGesetz und die Verbrecher auf dasselbe Niveau\nstellte: zwei ebenbürtige, kriegführende Mächte!\"\n— Er machte eine langsame Bewegung mit der\nHand, lachte kurz auf, sank erschöpft in seinen\nStuhl zurück, konnte sich plötzlich nicht mehr er-\ninnern, warum er dies alles mit einem so brennen-\nden Eifer gesagt hatte — war jetzt nur von dem\nGedanken erfüllt, bei dem andern diesen ganzen\nAusbruch auswischen, wegglätten, wegerklären\nzu müssen.\nvon Geer sah indessen voll Ernst vor sich hin,\nzur Erleichterung für Morton offenbar das alles\nnur ausschließlich prinzipiell betrachtend —:\n„Mit anderen Worten,\" — sagte der Professor\nendlich, indem er aufsah und den Kopf schüttelte\n— „Sie leugnen vollkommen das Vorhandensein\nunseres freien Willens, Sie sind schlecht und recht\nDeterminist!\nNun ja, ich sehe selbstredend ein, daß die Sätze,\ndie ich vorhin aussprach — über mein in-\nstinktives, möglicherweise geradezu atavistisches\nEmpfinden davon, daß die Verbrecher, über deren\nWesen wir uns ergingen, eine ganz spezielle Art\ndes Menschengeschlechtes sein müssen — daß sie,\nbis zu einem gewissen Grade, als Beweis für eine\nsolche Betrachtung dienen können! Und insofern\nhebe ich noch einmal hervor, daß es nur ein\nGefühls- und keineswegs ein Verstandesmoment\nwar, das mich veranlaßte, so zu reden!\nDenn, du lieber Himmel, Mensch, können Sie\ndenn nicht sehen, wohin es führen würde, wenn\neine Lebensanschauung, wie Sie sie eben hier aus-\ngesprochen haben, der großen Menge gepredigt\nwürde!\nWelche endlosen Strecken würde das nicht er-\nzeugen! In Blut, lieber Freund, in Schandtaten\nund Blut bis zu unseren Knöcheln hinauf, würden\nwir Tag für Tag waten müssen!\nDenn das ist ja die einzige Fessel, die wir ihnen\nallen gegenüber besitzen — und auch uns selbst\ngegenüber —: unser unaufhörliches, unser immer\nmehr durchgeführtes Festhalten daran, daß wir,\nohne Ausnahme, unter Verantwortung leben! Daß-\nin demselben Augenblick, wo wir uns entschlie-\nßen, dies oder jenes zu tun —- es unser eigener\nfreier Wille ist, der die Wahl getroffen hat (wer\nsonst???)! Unser freier Wille, der — natürlich\nunter gehöriger Rücksichtnahme auf das Milieu, in\ndem wir wirken — uns zur Belohnung berechtigt\noder uns der Strafe anheimfallen läßt, je nachdem,,\nob das; was wir taten, den andern Nutzen brachte\noder ihnen nur Leid zufügte!\"\nMorton zuckte erschöpft mit den Achseln, ohne\nzu antworten; er war jetzt viel zu müde gewor-\nden, hatte außerdem längst all diesen Unsinn ver-\ngessen, über Dingen, die größere Bedeutung hatten^\n„Und die Kunst,\" — fügte von Geer hinzu, indem\ner seine beiden Arme ausbreitete — „die Kunst!\nDie, die Sie — das weiß ja ich wie so viele andere,\naus Ihren Büchern — die Kunst, die Sie über alles\nlieben, höher als alles andere — tiefer als alles5\nandere!\nSagen Sie mir —:\nWas in aller Welt wollen Sie dann mit der\nKunst, wenn alles schon im voraus bestimmt da-\nliegt! Wenn nicht ein einziger von uns irgend\netwas anderes tun kann, als wozu unser Fleisch\nund Blut und unsere Nerven uns prädestinieren —\nwenn wir nicht einmal ein einziges kleines Körn-\nchen von selbständigem Wollen besitzen?!\"\nMorton lachte ganz wenig.\nEr fühlte sich zum Umsinken matt in allen\nGliedern.\nBereute bitter, daß er — noch dazu in direktem\nWiderspruch zu seiner Gewohnheit (ja, was ging;\nüberhaupt mit ihm vor, heute??) — diese Worte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.5", "texte": "gerade jetzt ausgesproche» hatte, über unsere\n'selbstverständliche und vollkommene Gebunden-\nheit an Ursache und Wirkung, in allem, was diese\nWelt betraf, die selber ja ausschließlich aus Ur-\nsache und Wirkung bestand.\nEr entsannn sich auf einmal, daß er während\neiner fast zwanzigjährigen, angestrengten Tätig-\nkeit als Schriftsteller wieder und wieder mit Hef-\ntigkeit behauptet und einmal über das andere in\nGestalten die Wahrheit dieser Grundsätze veran-\nschaulicht hatte, die für ihn ein unantastbarer, un-\numstößlicher, ein ganz elementarer Teil der Kennt-\nnis von uns selbst und von unserem Leben waren.\nHahaha, und so weit war er gelangt! Hier stand\nein vortrefflicher Mann, ein aufgeklärter und hoch-\nbegabter Mann, ein trainierter Leser — und war\nwie vom Mond gefallen, als er hörte, daß derglei-\nchen Dinge in den Büchern standen, die auch er\ngelesen hatte! Hahaha —: und dann fragte dieser\nMensch noch, voll Bekümmernis, was wohl aus\ndieser Welt werden sollte, wenn dergleichen ge-\nfährliche Lehren veröffentlicht würden!\nAber da hatte er wenigstens das Ergebnis da-\nvon, daß er sich so benommen hatte, wie er es\nheute tat — du großer Gott, wie war es richtig\nund klug, das einzige Kluge, daß er niemals wäh-\nrend dieser beiden Jahre direkt irgend jemand\nverraten hatte, was in ihm vorgegangen war!\nAber, nicht wahr, in Zukunft sollte es wieder sein\nwie bisher, von diesem Augenblick an sollte nie-\nmand mehr erfahren, was sich da drinnen in\nseinem tiefsten Innern lodernd und blutig und un-\naufhörlich regte!\nEr wandte, rätselhaft barsch und ergötzt —\nund zugleich, aus dem Allerinnersten heraus, auf\neinmal unerklärlich verwundbar und heiß, langsam\nsein Gesicht dem andern zu —;\n„Die Kunst?! — fragte er, indem er die Ober-\nlippe ein wenig in die Höhe zog, mit gedämpfter\nund sehr klarer Stimme:\n„Sie fürchten, daß die Kunst bankrott spielen\nkönnte — weil sie eine gefährliche, eine unge-\nschminkte Wahrheit ausspräche?\nWeil sie so, über ihre rein unmittelbaren und\nallgemeinen Zwecke hinaus — auch ihren Teil da-\nzu beizutragen suchte, daß jenen überaus Weni-\ngen, die imstande sind, das richtige und volle Den-\nken zu begreifen, das wahre Denken erleben zu\nkönnen — auch wirklich dazu verholfen wird, zu\ndem zu gelangen, was das Ziel aller Gedanken ist!\nZu der makellosen, absoluten Einsicht — und zu\njener unüberwindlichen Bejahung des Lebens,\nsämtlicher Anderen und des eigenen, die die\nKonsequenz hiervon ist?! . . .\nSehr wohl!\nAber das ist eben nicht meine Ansicht —\nnein, im Gegenteil!\nMir wird es überhaupt erst möglich, mit Be-\nrechtigung den Superlativnamen Kunst anzuwen-\nden — für die Werke, die sich völlig von allen an-\ndern ähnlicher Art dadurch unterscheiden, daß ihr\nInhalt Wahrheit ist! Jene flammenden und schö-\nnen Werke des Geistes — in denen die Weisheit\nheftig, unverschleiert, hoch und licht in Form\nmenschlicher und unvergeßlicher Schicksale nie-\ndergezeichnet ist!\"\nEr beugte einen Augenblick seinen Kopf vorn-\nüber, wiederum hatte er die Empfindung, als\nspräche er halbwegs im Schlaf, als werde seine\nBrust ganz im Geheimen mehr und mehr von\neinem lauernden Albdruck beschwert — und als\nversuchte er mit jedem einzigen Wort, diesen\nmystischen Feind da drinnen zu treffen und zu\nschwächen! Als sei jedef Satz eine Waffe — gegen\nIhn, gegen diesen Fremden dessen Absicht Mord\nwar, gegen Karl Mumme —:\n„Sehea Sie! — fuhr er fort, noch schneller als\nbisher, mit einer halblauten, einer zu gleicher Zeit\nsteinharten und zitternden Stimme —:\n„Als Schriftsteller, in meinen Büchern — fühle\nich mich selbstverständlich ausschließlich als einer\nunter allen, unsagbar nahe verwandt mit jedem\nBeliebigen — in Fleisch und Blut nur ein einzel-\nnes, typisches Glied in der ganzen, unabsehbaren\nReihe von Milliarden meinesgleichen!\nSchlecht und recht verstandesmäßig dahin-\ngegen ist in meinen Augen die Menschheit — und\nsind ergo auch die sämtlichen vielen, die sich auf\ndie eine oder die andere Weise mit dem beschäf-\ntigen, was in weitester Bedeutung unter dem Be-\ngriff Kunst zusammengefaßt wird — sind wir alle-\nsamt mit der größten Deutlichkeit in drei Gruppen\ngeteilt! in drei außerordentlich verschiedene\nKlassen, wenn es auch glatte Uebergänge dazwi-\nschen gibt —: Nämlich die Genies, die ganz ver-\neinzelten Großen; die Talente, die hunderttausend\nFähigen; und endlich die zehntausend Millionen,\ndie die Menge ausmachen und zu allen Zeiten aus-\ngemacht haben!\nErstens also die ungeheure, die maßlose Schar\nvon Durchschnittsindividuen! Von braven, kleinen\nFrauen und Männern, die mit größerer oder ge-\nringerer Bereitwilligkeit, mit größerem oder ge-\nringerem Glück, die größeren oder geringeren\nAemter ausfüllen, mit denen sie, jeder für sich,\nbestrebt sind, sich selbst und ihren Lieben das zu\nverschaffen, was sie für den Lebensunterhalt als\nnotwendig erachten . . . und wodurch sie im übri-\ngen, aber freilich ohne selbst es zu verstehen, Fuß\nfür Fuß, zugleich sich auch jenes Unsichtbare er-\nobern, dieses Nicht-Wägbare und Nicht-Meßbare\n— das die gemeinsame, die gewisse und schöne\nErnte eines jeden Daeins ist!\nZweitens — wie vorhin gesagt, wahrscheinlich\nso ungefähr einer auf jedes Hunderttausend der\nNamenlosen —: die mittlere Klasse! Die, die mit\nirgendeinem praktischen Talent begabt, imstande\ngewesen sind, unsere bürgerliche Gesellschaft auf-\nzubauen, zu erhalten und beständig von neuem zu\nverbessern und zu entwickeln! Den Staat, diesen\nwunderbaren Mechanismus — im Prinzip,\nwie auch in allen Einzelheiten bekanntlich eine\nKopie unseres eigenen Körperbaues — durch\ndessen Arbeitseinteilung es möglich geworden ist,\njeden beliebigen Menschen (ganz gleichgültig, ob\ner es selbst weiß oder nicht, ja, sogar selbst wenn\ner wie auch die anderen, steif und fest das Ent-\ngegengesetzte glauben oder wünschen!) dazu zu\nbringen, sämtlichen andern zu helfen, indem er\nsich selber hilft!\nUnd drittens endlich — auch hier wohl nur ein\nEinzelner auf jedes Hunderttausend der mittlem\nGruppe —: diese Allergrößten! Die Vollkommenen\ndes Geistes, bei denen Sinne, Gehirn und Herz\nin gleich hohem und unauslöschlichem Grad bren-\nnen! unendlich gefühlvolle und unendlich tätige\nNaturen — die darum Tag wie Nacht auf jenem\nfernen Pol selber leben, wo alle einzelnen Züge\nder Menschlichkeit, oder wenn Sie wollen, des Le-\nbens, zusammenlaufen und zu einem werden! die\ngewaltigen Hünen unserer Rasse, deren urtiefes\nIch stets von Kopf zu Fuß durchbebt wird von De-\nmut und von Stolz über die Macht des Lebens, von\nder seligen und heißen, der ekstatischen Kenntnis,\ndie sie mühelos seit der Stunde ihrer Geburt be-\nsitzen, der Weisheit —: dem vollständigen, dem\nallumfassenden, dem wahren und verheißungs-\nreichen Wissen davon, was der Mensch ist — das\nheißt, was das Leben ist! Der Weisheit, die mit\nihrem ganzen Umfang nur in dem Fleisch und Blut\ndieser Allergrößten enthalten sein kann — die aber\nin zahllose Einzelsummen zerspalten, gerade die\nnutzbringende Idee selber in allen jenen prakti-\nschen Veranstaltungen ist, die die handfertigen\nFrauen und Männer der Mittelgruppe geschaffen\nhaben — und wodurch alle drei Menschenklassen\nsich Tag für Tag erwerben, was für ihre Existenz\nnotwendig ist! Die Weisheit, die trotz dem hart-\nnäckigen Widerstand, der ihrem ganzen Umfang\nimmer von den beiden andern Gruppen entgegen-\ngestellt wird, doch auf jedem einzelnen Gebiet un-\nabwendbar damit endet, zu siegen — eben weil sie\ndie einzigen Mittel enthält, die zum Siege führertf\nDie einzigen, nicht nur für einen einzelnen Kreis\nvon Menschen, nicht allein für einen einzelnen\nPunkt des Daseins, und nicht nur für eine einzelne\nPeriode des Ganges unserer Entwicklung — son-\ndern für alles und alle, für Groß und Klein, aus-\nnahmslos, jetzt wie auch in alle ewige kom-\nmende Zukunft! weil die Weisheit gerade der\nSieg selber ist — für uns alle! . . .\nJa!\nSo bildet die Menschheit sich dreigeteilt wie-\nder — wie ein Triptychon, im Spiegel des Ver-\nstandes!\nUnd nur von dieser letzten Klasse, ausschließ-\nlich von diesen Letzten und Größten — stammt die\nKunst: der Lobgesang ihres Schmerzes und ihrer\nLust — ihres Lebens!\nKunst —: das heißt die Weisheit, in der strah-\nlenden Form eines Menschenantlitzes kristallisiert!\nDie Weisheit, entsprungen als voll ausgetragene\nPallas Athene, leibhaftig und wunderschön — aus\nder Stirn des Höchsten!\"\nEr wandte, beständig mit gerunzelten Brauen,\nunregelmäßigen Atemzügen, sein Gesicht dem an-\ndern wieder zu, ohne zu sehen —:\n„Nein! |\nGanz gewiß!\nNicht ein einziger unter uns vermag irgend\netwas anderes zu tun, als wovon im voraus die\nMöglichkeiten vorhanden waren, in seinem Wesen!\nUnleugbar!\nAber —:\nGerade weil alles Menschliche bis auf die\nletzten Fasern gemeinmenschlich ist — gerade dar-\num besitzen wir alle zusammen die schlummern-\nden Dispositionen restlos zu allem! Darum ver-\nmögen wir, mehr oder weniger, alle die andern an-\nzustecken — mit dem, was nun einmal das Her-\nvortretende in unserem eigenen Ich ist . . . und\nalso auch die hohen, die lichten Motive zu ver-\nmehrtem Wachstum bei denen zu bringen, die uns\nnahe kommen — in um so stärkerem Grade, ie\nstärker dieselben Kräfte bei uns selber flammen!\nVerstehen Sie mich nun — fassen Sie jetzt, in\nwelcher Art jene vollkommene Kunst auf uns alle\neinzuwirken vermag? Wie es in Wahrheit wirk-\nlich möglich ist, das zu erreichen, was die Kunst\nimmer und allein will —: die Zärtlichkeit und den\nMut zu erwecken, die Hoffnung zu bringen, die\nAbhärtung und den Siegerwillen aufflammen\nzu machen, wie nie zuvor! Die rätselhafte und\nstrahlende Stärke anzufeuern, die sich verborgen\nbei einem jeden vorfindet! Gleich der Sonne ist die\nKunst —: Mit ihrem Licht und ihrer Hitze treibt\nsie alle Keime zum Wachstum, zur Reife in uns\nallen! Gleich dem Leben ist die Kunst —: Sie ruft\nmit tausenden seliger und gewaltsamer Stimmen\nnach dem Menschlich-Uebermenschlichen. nach\ndem schwindelnden Schönen, das tief drinnen in\neinem jeden lauscht!\"\nEr schwieg eine Weile, schien plötzlich von\nneuem irgendeine heisere und flüsternde Stimme\nzu hören, die fortfuhr, ungedämpft da drinnen in\nseiner Brust aufzusteigen, wieder und wieder ihr\nwildes Kampfgeschrei bis an seine Ohren schleu-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.6", "texte": "dernd und er beugte mit einem Ruck den Kopf\nvornüber, qualumfaßt —:\n„Und nun die Künstler selbst,\" — murmelte\ner, fast unhörbar, als rede er, mit einer letzten,\nalles aufbietenden Anspannung, ausschließlich zu\ndiesem Verborgenen und Gehässigen tief drinnen\nin ihm selber — „haben denn nicht diese Reich-\nbedachten dafür auch ungeheure Verpflichtungen?!\nHaben nicht diese von allem Begünstigten —\ngerade so übermäßige und unerhörte Pflichten,\ndenen sie sich nie entziehen können?\nIst das nicht gerade die tiefe und gute Gerech-\ntigkeit in den Forderungen, die alle die andern, zu\nallen Zeiten, an das lichte Ich des Künstlers stellen,\ndaß er, allein von allen, in allem, was ihm auch\ngeschehen mag, unverändert fortfahren soll, einer\nvon diesen Brennenden und Reinen zu bleiben!\nvon diesen mit der stets unbefleckten Hand! von\ndiesen, aus deren bejahendem Wesen das Motiv\nder All-Brüderlichkeit ungeschwächt ausströmt,\nTag für Tag, immer purpurfarbig schöner — der\nganzen Welt entgegen??!\" — Er schwieg, plötz-\nlich schaudernd, in allen Fibern durchbebt von\neinem Grauen und einer Sehnsucht, von jeinem\nverzehrenden Schwindel — wandte sich darauf im\nnächsten Augenblick mit einem Ruck der Tür\nzu —:\n„Sehen Sie da!\" — sagte er mit Anstrengung,\nwiederum einem unerklärlichen Willen gehor-\nchend, dort aus dem allertiefsten Innern, ein Lä-\ncheln um seinen Mund zwingend, mit seinem ge-\nschärften Sinnen Frau Brügges leisen Schritt schon\nvon weitem hörend —:\n„Da kommt meine Haushälterin und sagt, daß\nder Tee angerichtet ist!\nSagen Sie mir, Herr Professor —: wollen Sie\nmir nicht die Freude machen, eine Tasse mit mir\nzu trinken?\"\nIV\nMorton hatte den Professor zum Tore hinaus-\nbegleitet, hatte ihm den Weg nach der nächsten\nHaltestelle der Straßenbahn gezeigt und Abschied\nvon ihm genommen; er zog jetzt seine Uhr aus\nder Westentasche, sah einen Augenblick grübelnd\ndarauf nieder und schritt dann schnell den breiten,\nkiesbedeckten Gang entlang — der mit einem\nBogen an dem weißen Giebel der Villa vorüber-\nging und nach dem großen Garten dahinter führte.\nEs war still, sternenklar und lau.\nIn der Durchsichtigkeit der Sommernacht\nstanden die Bäume wunderbar weich in ihren Um-\nrissen da, unbeweglich mit ihrem Laub in die Luft\naufragend, lautlos, schwarz. Hier und da wie in\nfeinen, unsichtbaren Streifen spürte man den\ndünnen, kühlen Duft von frühen Rosen; zwischen\nden Gebüschen schimmerten ihre blassen Kronen.\nVom Strande herauf hörte man, gleitend, rieselnd,\nhin und wieder mit einem leisen Plätschern, die\nkleinen, langsamen Wellen, die gegen das Ufer\nschlugen.\nNun ja, dachte Glaß; er war mitten auf dem\ntiefen Rasenplatz stehen geblieben, der sich, all-\nmählich abfallend, von dem Hause nach dem\nWasser hinunter erstreckte — und starrte mit son-\nderbar gelabten Blicken hinaus auf die mächtige,\nunendlich schwach phosphoreszierende Fläche da\ndraußen, die fern, in weiter Ferne dem Saum des\ndunklen Himmels begegnete. Nun ja, dachte er,\nwie schön ist es doch hier draußen; Nacht, es ist\nSommer, kein Wind rührt sich, in allen meinen\nPoren kann ich spüren, wie gut es hier ist!\n\nFortsetzung folgt\n\nReflexionen eines\nArmen im Geiste\nKurt Striepe\nDas Schönste ist mein Fenster. Ein weißes\nKreuz, das blendend gegen einen roten Himmel\nsteht. Ich erträume mir eine Stunde — eine selige\nGewißheit. — Meinen gelben Körper an diesem\nweißen Kreuz, hoch getaucht in glühende Sonne.\nUnd Frieden um mich.\nUnd aus den roten Häusermassen unter mir\nund über den gelben in der Ferne erhebt sich stolz\ndie Burg eines Glaubens — meines Glaubens. Den\nDunst betete ich an, wie ein Licht von DIR und\nwar doch längst erblindet vor dem Licht. Den\nFrieden wünschte ich mir als eine Ruhe vor DIR,\ndie die Ruhe ist, Alles, was ich tat war irr —\nnun ist ein irres Vergessen in mir.\nIrgendwo wirft man Musik aus Fenstern, die\nNoten wimmern durch meines Mondes Lied. Sie\nspringen in mich, — Hunde im Frühling, die auf\nden Straßen Liebesspiele jagen. Ich fühle das an\nder Glut, die in meinen Füßen ohnmächtig betteln\ngeht.\nKlaviere stöhnen und Menschen prostituieren\nsich.\nIch habe Hunger. Ich habe schon lange nichts\nmehr gegessen. Aber ich entbehre nicht. Geld\nkönnte ich bald bekommen — mich prostituieren\nund ich würde reich. Ich muß das lernen.\nIn einer halben Stunde ist „die Andere\" da.\nDU brauchst nicht zu denken, daß sie DICH in mir\ngetötet hat. DU lebst in mir auch nach meinem\nTode und bist am größten in ihm. Wie Nacht-\nviolen stürzt dann DEINE Süße in mich. Der\nSamowar summt. Er singt sein Liebeslied — das\njeden Abend gleich ist. — Wenn „Die Andere\"\nkommt — wir knien am Fenster, sie legt ihren\nschwarzen Kurzkopf an meine gelbe Fieberbrust.\nWir singen dasselbe Lied von gestern, wir den-\nken dasselbe ■— husten zusammen und spucken\nden gleichen Schleim. Wir sind uns ähnlich und\ndoch — fremd. Aber wenn DU jemals wieder-\nkämest — der Sarrowar würde in Fisteltönen sin-\ngen und sein gepreßtes Summlied totlegen. Die\nWELT würde wieder und Blut gebären.\nLi ist kein Name nur — durch meine Wünsche\nbist DU Wesen. —\nWie Blei fällt das Ticken einer Zeit in mich, wie\nspitze Silbernadeln in mein Hirn. Ihr lacht über\nmich — ihr alle, ihr verachtet mich — weil ich\nmein Alleinsein trage. Ich trage mein Alleinsein,\nwie eine Mutter ihr Kind trägt, das sie gebären\nwird, wenn die Zeit es für gut hält, so — so werde\nauch ICH einst aus der Einsamkeit in mir geboren\nwerden.\n— Es schellt.\nNun kommen Menschen. Die meinen mein\nAlleinsein mitzutragen. Es ist „Die Andere\", DU.\nIch sehe ihre russische Stimme hart gegen die\nGlasscheiben meiner Tür fallen.\nAber sie ist nicht allein. Was sollen die —\ndie Tür geht auf — „Menschen denn\", sage ich\nlaut.\n„Menschen?\" fragt sie und wirft einen Strom\nschmieriger Lachen aus ihrem Mund. „Men-\nschen? — Wir sind keine Menschen! — Das sind\nin der Entwicklung rückwärts schreitende Wesen,\nwir aber sind . . . .\"\nUnd nun sterbe ich in Stimmen!\n\nDie Neue Kunst im\nNorden\nDas Problem die Neue Kunst beschäftigt auck\nden Norden. Es wird viel darüber gesprochen und\ngeschrieben. In Kopenhagen sind bereits drei\nAusstellungen gezeigt. In Norwegen, in Kri-\nstiania und Trondhjem, sind moderne deutsche\nKünstler gezeigt. Auch in Helsingfors (Finn-\nland). In Schweden hingegen wurde bis\njetzt nur eine Graphikausstellung vom Schwedi-\nschen Holzschnittverein in Stockholm angeordnet,\nwo auch deutsche moderne Künstler beteiligt sind,\naber das ist alles. Umso merkwürdiger scheint\nes, daß in Schweden über die moderne Kunst am\nmeisten geschrieben wird. Wer Schweden kennt,\nwird nichts Eigentümliches darin finden: mam\nspricht und schreibt ganz gern über Sachen, die\nman wenig kennt, man beurteilt gründlich ohne\ngründliche Kenntnisse.\nDer Kritiker August Brunius tritt stark für die\nneue Kunst in verschiedenen Zeitungsaufsätzen ein.\nEr hat jetzt ein Buch herausgegeben, in dem er;\nStellung zu den modernen Richtungen nimmt\nIm großen ganzen ist das Buch gut«,\nNur schade, daß August Brunius nicht ge-\nnügend orientiert ist. In diesem Buch wird\nschaftlich bewiesen, daß die neue Kunst eine un-\nbedingte Notwendigkeit war. Dies ist durchaus\nrichtig. August Brunius bringt in seinem Buche\nmanche gute Ideen über das Prinzipielle, aber\nwenn er zu den Beispielen kommt, stockt er wie\nviele und man wundert sich über die Wider-\nsprüche zwischen Gedanken und Beispielen. Aber\nder größte Fehler dieses Buches über die neue\nKunst ist, daß August Brunius Deutschland voll-\nständig ausschaltet. Dafür wird Frankreich reich-\nlich behandelt. Gewiß hat Frankreich außer-\nordentliche Maler, aber es ist ein gewaltiger Irr-\ntum, wenn Brunius glaubt, daß Deutschland über-\ngangen werden kann. Es war in Schweden immer\nUsus, die Maler in Frankreich zu finden, alle\nschwedischen Maler sollen in Frankreich „ausge-\nbildet\" sein. In Schweden findet ein Maler, der\nnicht in Paris studiert hat, schwer Anerkennung.\nIch glaubte diese Kindlichkeiten schon längst über-\nwunden, jedenfalls von August Brunius. Ueber\nFrankreich ist er sehr gut orientiert, über die\nganze Entwicklung von Cezanne bis Picasso.\nVon Deutschland wird nur behauptet, daß die\nMalerei nicht nach Deutschland gehört. Zum Bei-\nspiel: „Auch in unsrer Zeit sind die besten Ar-\ntisten Deutschlands die Bildhauer und die Zeich-\nner.\" Oder: „Die Formengeschwülste des Ba-\nrocks scheinen der natürliche Ausdruck für deut-\nsches Wesen.\" Oder: „Man denke an die unper-\nsönliche schmierige Technik (Beispiel Corinth), die\ndie neuen deutschen Maler sich angeeignet haben.\"\nJa, wenn man Corinth als einen der Neuen be-\ntrachtet, ist es verzeihlich, daß man nichts Ueber-\nwältigendes in der neuen Kunst Deutschlands fin-\ndet. Aber unverzeihlich ist es, nicht besser zu\nwissen, was sich hier regt, wenn man ein Buch\nüber die neue Kunst schreibt. Es ist wirklich nicht\nso weit von Stockholm nach Deutschland. Und\nLiteratur über die wirklich große deutsche mo-\nderne Bewegung gibt es genug, wenn man es nicht\nfür nötig hält, sich persönlich im Lande zu orien-\ntieren. Wer über die neue Malerei schreibt, kamt\nnicht über Kandinsky, Marc, Macke, Mense, Ko-\nkoschka und viele andere hinwegsehen!\nAußerdem finde ich es eine höchst eigentüm-\nliche Behauptung, daß es in Deutschland nur\ngute Bildhauer gibt. Ich kenne sie nicht. Gerade\ndas fehlt. So wird in Schweden gearbeitet. Ma»"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.7", "texte": "will dort alles über ei n Ausland haben, über\nFrankreick.\nIn Schweden gibt es auch einen Schriftsteller,\nJohn Landquist, der sich jetzt lebhaft für das\nProblem Moderne Literatur und Kunst zu inter-\nessieren scheint. Er bemüht sich, mit billigen\nWitzen und einem kolossalen Aufwand die neuen\nRichtungen niederzumetzeln. Seine Ansichten sieht\nman aus folgenden Ergüssen: „Erhitzt von ver-\nwirrter Philosophie und literarischem Quatsch\nschaffen „die Jungen\" eine schlechte und ver-\nwirrte Kunst. Kubismus und Futurismus treten auf\nals parodistische Mißverständnisse gegenwärtiger\nphilosophischer Bewegungen. In Kandinskys und\nBurgers Quatsch erkennt man Bergson wieder,\nwie er in den Gehirnen gewisser Artisten und\nKunstkritiker sich wiederspiegelt.\" Und dabei hat\nHerr Landquist nie ein Bild von Kandinsky ge-\ns e heu! Ich glaube es nicht. Und auf das Sehen\nkommt es zunächst einmal an. Die Reisen, die\nsich heute die Kunstkritiker versagen, brauchen die\njungen schwedischen Maler nicht zu unternehmen.\nKünstler ist man. Wer die neue Kunst nicht in\nsich selbst findet, wird sie von Paris auch nicht\ntu die Heimat tragen können.\nLandquists Ausfälle gegen die neue Kunst und\nLiteratur sind durch ein Buch über Bild- und Wort-\nkunst von Pär Lagerkvist verursacht. Dieses Buch\nist sehr wertvoll, interessant eingeleitet von August\nBrunius. Ein Fehler ist nur, wie bei Brunius: die\neinseitige Information. Auch hier ist der Ver-\nfasser nicht orientiert genug, auch hier weiß er\nnur über Frankreich Bescheid, aber man merkt\ndiesen Mangel weniger, weil die Probleme prin-\nzipieller behandelt sind. Für mich ist noch etwas\nanderes störend. Es kann aber nur Schweden\ninteressieren, deshalb wird es nur kurz berührt:\ndie Sprache. Pär Lagerkvist schreibt sein Buch\nortographisch in der Umgangssprache. Das stimmt\ntraurig. Die Wörter sehen verstümmelt aus. Doch\ndas wäre nur eine Frage der Aesthetik. Aber ich\nweiß nicht, ob man der Kunst damit einen Dienst\ntut. Sollte man nicht im Gegenteil versuchen, die\nSprache so lange wie möglich von dem Verfall zu\nretten, den die Zeit doch leider besorgt. Die Wör-\nter sind etwas Lebendes, etwas Teures. Jedes\nWort hat einen inneren Sinn, einen Ursinn. Mit\nder Zeit wird er vergessen, die Menschen ändern\naus Bequemlichkeit die Wörter, bis der Wort-\nstamm nicht mehr zu erkennen ist. Dieses Zer-\nstör ungs werk zu unterstützen ist nicht richtig.\nInsbesondere nicht von einem Schriftsteller, der\ndoch sein Material tiefernst bewahren muß. Was\ndie Farbe für den Maler ist, ist das Wort für den\nSchriftsteller. §c^\nPär Lagerkvist / Ordkonst och Bildkonst /\nBröderna Lagerströms förlag I Stockholm\nAugust Bnrnius: Färg och Form I P. A. Nord-\nstedt & Söners Förlag / Stockholm\n\nEmpfohlene Büeher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereit®\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnt«\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nA. Yves Le Moyne\nLes Antidotes Fanfreluches\nResverie en plusieurs tableaux\nParis / Georges Cres et Cie\n\nInhalt\nZweites Halbjahr 1913\nVierter Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nQuiüauir.e Apollinaire\nAlexander Archipenko 200/201 194\nArp\nVon der letzten Malerei 188/189 140\nVon Zeichnungen aus der Ko-\nkoschka-Mappe 190/191 151\nArttir Babiüotte\nDie Schwermut des Genießers /\nRoman 180/181 110\n182/183 lIS\n184/185 126\n186/187 133\n188/189 141\n192/193 157\n194/195 164\nAdolf Sehne\nBruno Taut 198/199 182\nBoccionJ\nSimultaneite futuriste 190/191 151\nPaul Bommersheim\nHochzeit / Gedicht 196/197 174\nIBUaise Cendrars\nLa Tour / Gedicht 184/185 125\nLa Prose 184/185 127\nContrastes / Gedicht 194/195 164\nMarc Chagall 198/199 183\nPaul Claudel\nVerkündigung 184/185 122\nDelaunay\nLettre Ouverte au Sturm 194/195 167\nAlbert Ehrensteiis\nLiteratur 186/187 135\nEisenbach 192/193 157\nGedichte 202/203 202\nPaul Fort\nDorfballaden 196/197 170\nFriedlaender\nAbsolutismus 194/195 162\nPaul Hatvani\nVolkskunst 196/197 174\nHello\nDas goldene Kalb 186/187 130\nFranz Herczog\nHeldensage 180/181 107\nJacob van Hoddis Nummer Seite\nNacht / Gedicht 182/183 116\nAndante / Gedicht 196/197 175\nHymne / Gedicht 198/199 183\nFritz Hoeber\nDas Musikalische in der Architektur 180/181 10S\nVlatislav Hofman\nDer Geist der Umwandlung in der\nbildenden Kunst 190/191 146\nAage von Kohl\nDie rote Sonne 188/189 138\nDer tierische Augenblick 190/191 147\nDer Weg durch die Nacht / Roman 192/193 154\n194/195 162\n196/197 171\n198/199 179\n200/201 196\n202/203 203\nRudolf Kurtz\nOffener Brief an Herrn Karl\n180/181 106\nCafe, morgens 182/183 ' 116\nErnst Wilhelm Lötz\nAbendspiel / Märchen / Gedichte 180/181 107\nErscheinung / Gedicht 198/199 179\nFranz Marc\nKandinsky 186/187 130\nAlfred Richard Meyer\nBiesenthal in der Mark I Gedicht 182/183 119\nPrag I Gedicht 186/187 134\nDrei Mädchenporträts aus dem\nTürkischen Zelt zu Charlotten-\nburg 200/201 199\nYves le Moyne\nLe Solitaire 202/203 203\nGünther Mürr\nGedicht 188/189 140\nH. Reicfoenberger\nDer Kinematograf 192/193 156\nRene Schickele\nNeue Gedichte 182/183 115\nKurt Striepe\nReflexionen eines Armen im Geiste 202/203 206\nDie Neue Kunst im Norden 202'203 206\nRabindra Nath Tagore\nGedichte 188/189 140\nFour New Poems 196/197 173\nBruno Taut\nEine Notwendigkeit 196/197 174\nJosef TreS\nGedichte 186/187 130\nMein Ursprung ist . . . 192/193 156\nHerwarth Waiden Nummer Seite\nErster Deutscher Herbstsalon /\nVorrede 180/181 106\nNachrichtung 182/183 114\nDie Presse und der Herbstsalon 182/183 114\nDas Wissen und die Kunst 182/183 115\nKenner 182/183 119\nAage von Kohl 184/185 122\nrbr—brr—r 186/187 134\nKritiker 188/189 140\nAus der Zeit 190/191 150\nMitteilung 190/191 151\nKünstlerbekenntnisse 194/195 167\nDürer und Goethe Nachfolger 196/197 175\nDie heitere Kunst 198/199 178\nBezüge und Bezügliches 200/201 199\nKunstkenner 202/203 202\nPaul Zech\nZwei Wupperstädte / Gedichte 184/185 127\nDie Gruft von Valero 200/201 194\nInhalt des Vierten Jahrgangs\nI. Halbjahr 180/181 111\n11. Halbjahr 202/203 207\nVorwort der Aussteller 180/181 106\nZeichnungen\nHans Arp\nZeichnung 180/181 105\nZeichnung 182/183 113\nEmil Filla\nStilleben / Originalholzschnitt 182/183 117\nKopf / Originalholzschnitt 198/199 177\nHermann Huber\nZeichnung 184/185 121\nKandirrsky\nZeichnung 186/187 129\nZeichnung 202/203 201\nPaul Klee\nKriegerischer Stamm / Zeichnung 188/189 137\nDer Selbstmörder auf der Brücke\nZeichnung 190/191 145\nOskar Kokoschka\nKopf / Lithographie 194/195 161\nZeichnung 200/201 193\nArtur Segal\nOriginalholzschnitt 180/181 109\nSchmidt-Rottluff\nAkte I Originalholzschnitt 196/197 169\nGino Severini\nTango Argentino / Zeichnung 192/193 153"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140315-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fori-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vos\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur dnrcfi\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene ZtHft\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Veritt\nder Stnrm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sieb der\nlag Der Stnrm ohne Angab« der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt «od Verlas:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStfindige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Potsdamer Strata 134 a\nDreiundzwanzigste Ausstellung\nJaeoba van Heemskerek\nMarianne von Werefkin\nArtur Segal\nOedftnet tMgllch voa 1®—6 Uhr / Sonntags yon\n11—2 Uhr\nFintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSturmausste!Simgen in Deutschland und im Aus-\nland I Marz 1914\nMagdeburg: Kandinsky\nTrondhjem I Norwegen: Der Biaue Reiter\nHalle: Archipenko\nMarburg: Franz Marc\nErlangen: Gabriele Miinter\nHamburg: August Macke\nStockholm: Graphik\nTokyo: Graphik\nLondon: Graphik\nHannover: Severini\nEisenach: Expressionisten\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin Wf Potsdamer Strale 134«\nFernruf Amt Liltzow 4443\nHalbmonatsschrift der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nO'ewdfmllche Ausgabe: Pur Deutschland\nind Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\nI Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig: j Doppel-\nmmmer 40 Pfennig X EQr dasAusland bei\ndurch die Post;\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes / Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n<85 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer unison st\nSenderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplars aul holzireiem Papier, Ver-\n$enanng in Rslien direkt durch die\nPost ffir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nSki Halbjahr 6 Mark X Fur das A us! and:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n*Jteser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nlummern und Profeenummern n i c h t abg*geben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer I—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\n£iehen / Zurn Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kjosken u. StraBenst&nden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den B e t r a g fflr den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b®i\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nnumftinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Aridernfalls nehmen wir an, daS E i n -\n% i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nanter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwflnscht wird\nOeneralvertretung des Verlags Eug&ne Flguldre /\n?aris\n\nOriginalhoSzschnitte / Handdrucke\nDie Gesamtauflage ist in Klammern beigefOgt / Alle\nExemplare sind vom Kunstler riummeriert und signiert\nFranz Marc: Verso hnung / Tier-\niegende / Pfercle I Tiger / Pferde\nfiochformat / Die fiirttii / Dcr Stier /\nSchlafende flirtia / WUdpferd# /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechsteiii: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Auf Nummer 94 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kunstler mit der Hand aquarelliert I\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Sonntag / Zwei Vogel / Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nWHheirn Morgaer: Acker mii Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Helbig: Landschaft / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraBe / Nordischer Hafen / Madchen auf Sofa ./\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / Portrat I\nI StraBenkurve ,/ Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / MuBige Hetaren /\nSchlafende Hetare / Je 40 Mark (12)\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande HI /\nDas Exemplar 20 Mark (15)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] / Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: P1 a k a t ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMusik\nHc-rwarth WaSden: Dainislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ftir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seitess\nKCInstierpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteH: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung drier\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKar ten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Biatt Zeichnungen /\nStrichatzung j Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoi ia eia-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupiaa\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\n\nZeitsehriften\nLa Route / Revue de I'Effort Social / Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre I frfiher L'Effort / Monatsschrift ]\nHerausgeber: Jean Richard Bioch / Poitiers\n[Vienne]\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrife\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouveile Revae Fransalse / Monatsschrift |\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 francs.\n50 centimes\nMontjole / Halbmonatsschrift / Paris / Chauss£&\nd'Antin 38\nflaro I Monatsschrift / Briissel\nLes Catiiers du Centre f Mouiins [Allier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustre t\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean Ce-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail / Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar~\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studies*\nder Stilarten\nLothar Homeyer / Im Selbstverlag erscheint eine\nMappe mit 6 Radierungen auf Japan-Biitten. Der\nSubskriptionspreis fur die Mappe betragt 25 Mark\n/ Bestellungen sind zu richten an Lothar Homeyer\nCharlottenburg, SybelstraBe 42.\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nsclirift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman j\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi I Ghose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung vob\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger ./ Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nAlbert Efireastein: Die weiBe Zeit / Dieser Gediclit-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden,\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Georg Miiller, Miinchen, Elisabeth-\nstraBe 26.\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia /' Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nVerein fiir Kimst/Leitung HerwarthWalden\n/Zehntes Jahr / Jahresbeitrag 20 M. / Rechte\nder Mitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst"}]}