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Dabei hatte sie sich\netwas beschmutzt und verlangt deshalb von dem\nKaufmann Wasser, um sich die Hände zu\nwaschen.\" Ein billiges Verlangen, das nur Herr\nAuburtin unbillig finden wird. Wenn sich ein\nJournalist jedesmal die Hände waschen sollte, so-\nbald er andere beschmutzt, käme er mit keiner\nTinte mehr aus. Mit diesem schmutzigen Wasser\nwird die unsaubere Seele der Mörderin begossen.\nSeht, den Mord im Herzen, wäscht sie sich vor-\nher noch die Hände, die etwas beschmutzten\nHände, aber, ha, die Blutflecken gehen doch nicht\n' ab. Siehe Macbeth, fünfter Aufzug. So etwas\nweiß der Herr Auburtin, der zu der schönen Zeit\nlebte, als die Kunst noch nicht gestorben war.\nAber die Mörderin tat mehr. „Dann bestieg sie\nihr Automobil und fuhr — dieser eigentümliche\nZug ist zuerst heute bekannt geworden — zu\nihrem Zahnarzt, bei dem sie sich das Gebiß revi-\ndieren und instandsetzen ließ.\" Zahn um Zahn\ndenkt der Kenner der alten Kunst. Und welche\nVerworfenheit. Solange läuft die Gattin eines Mi-\nnisters mit verdorbenen Zähnen herum und gerade\nvor der Mordbereitschaft läßt sie sich die Zähne\ninstandsetzen. Wie andere Leute sich nur an den\nhohen Fest- und Feiertagen die Zähne putzen und\ndie Hände waschen. Frau Caillaux legt sich,\neigens zu diesem Zweck, einen Mordtag ein. Bei\nso großen Vorbereitungen mußte etwas Außer-\nordentliches geschehen. Herr Auburtin bemerkt\nes ausdrücklich: „So vorbereitet und gerüstet\nfuhr sie zu Herrn Calmette.\" Bis auf die Hände\nvorbereitet und an die Zähne gerüstet. Hätte\nHerr Calmette diese Vorbereitungen durch Herrn\nAuburtin erfahren — so etwas fällt einem Welt-\nblattvertreter doch auf — der andere Weltblatt-\nvertreter hätte weiter bezahlte Artikel aufneh-\nmen können. Noch teuflischer zeigte sich die\nVerruchtheit der Mörderin nach der Tat im Ge-\nfängnis. „Sie ging, begleitet von zwei Nonnen,\nin die Kapelle und zeigte während der heiligen\nHandlung, eine Frömmigkeit, die viel bemerkt\nwurde.\" Nämlich von Herrn Auburtin. Er, der\naufgeklärte Mann, der Freisinnige, der Gott und\ndie Frömmigkeit längst überwunden hat, wird sie\ndoch nicht einer Frau glauben, die einen Kollegen\nerschossen hat. Einer Frau, die so modern ist,\ndaß sie sich die Hände wäscht, die Zähne revi-\ndieren läßt und dann ein eigenes Auto besteigt.\nWie unwahr ihre Frömmigkeit ist, zeigt sich für\nHerrn Auburtin auch dadurch, was sie dann tat.\n„Dann wurde sie in ihre Zelle zurückgeführt, wo\nsie einen Roman zu Ende las und ihr Mittags-\nessen einnahm.\" So etwas tut eine fromme Frau\nnicht. Herr Auburtin ist den ganzen Tag aufge-\nklärt. Auch was Frau Caillaux aß, ist für ihre\nGefühlsroheit bezeichnend. „Das Mittagessen be-\nstand aus Froschschenkeln, einem Hammelsteak\nund einer Fruchtspreise.\" Froschschenkel ist ganz\nverworfen, der reine Mann begnügt sich mit Ham-\nmelsteak und Fruchtspeise. Herr Auburtin ist\ndurch seine Beobachtungen ganz verwirrt. Der\nDenker faßt sich an den Kopf und stützt ihn mit\nder linken Hand und mit der rechten taucht er\nverzweifelt in das Tintenfaß: „Und nun, ihr Psy-\nchologen, macht euch daran, uns den Fall mit sei-\nnen Gegensätzen zu erklären. Diese kluge Be-\nrechnung und diesen Wahnsinn; diese Frömmig-\nkeit und dieses Romanlesen.\" Ja, wir stehen vor\neinem Rätsel. Wozu diese Reinlichkeit, wenn\nman vielleicht doch geköpft wird. Auf die paar\nWochen kommt es doch nicht mehr an. Wozu\nbeten, wenn man hinterher womöglich die Novel-\nlen des Herrn Auburtin liest, gegen die selbst Gott\nuns nicht hilft. Da habt ihr Psychologen etwas\nzu kauen, wogegen Froschschenkel Kindernahrung\nsind. Herr Auburtin hilft den Psychologen für\ndiesen Fall en tout cas mit zwei Erklärungen:\nVielleicht ist Frau Caillaux „eine jener metho-\ndischen Wahnsinnigen, die ein Verbrechen mit\nder genauesten und ruhigsten Vorsicht berechnen,\ndie alles erwägen, nur das eine nicht, welche\nFolge ihre Tat haben wird.\" Diese lichtvolle\nWahnsinnshypothese scheint selbst Herrn Aubur-\ntin durch die geschilderten Vorbereitungen nicht\ngenügend begründet: „Wir wissen über das ge-\nsellschaftliche und medizinische Vorleben der\nFrau Caillaux noch nicht genug, um sagen zu\nkönnen, wie weit man sich mit dieser Hypothese\nwagen kann.\" Herr Auburtin wird sich alle Mühe\ngeben, um das gesellschaftliche und medizinische\nVorleben der Frau Caillaux bei ihren Domestiken\nzu ergründen. Diese Hypothese ist den Schweiß\ndes Treppensteigens wert. Die andere Erklärung,\nzur gefälligen Bedienung für die Herren Psycho-\nlogen, ist „daß der Tat allerlei galante Motive zu-\ngrunde liegen.\" Bedenkt, ihr Psychologen, eine\nFrau, die einen Roman zu Ende liest, das gibt zu\ndenken. Vielleicht sogar einen galanten Roman.\nIm Lande der Galanterie. Man kennt doch Frank-\nreich . . . Ja, beim Souper, da kann man was er-\nleben. Dann gehn wir zu Maxim . . . Aber die\nPflicht gestattet nicht, so tiefe Probleme zu\nergründen. Fort vom Schreibtisch wird Herr\nAuburtin in den Salon des Independants getrieben,\nden der Präsident der französischen Republik so-\neben besichtigt. Ein Mann, wie Herr Auburtin,\nder sich mit den Problemen vom Leben und vom\nTode befaßt, kann natürlich nicht wissen, daß es\nin diesem Salon keine Bilder der Futuristen gibt\nund niemals gegeben hat. Er hält alles für futu-\nristisch, was er nicht versteht. „In seiner stren-\ngen Unparteilichkeit legte der Präsident Wert\ndarauf, auch den merkwürdigsten Kunstproben\nder Gegenwart seine Aufmerksamkeit nicht zu\nversagen.\" Herr Auburtin versagt seine Aufmerk-\nsamkeit gleichfalls nicht, aber er versagt. Dem\nPräsidenten der französischen Republik ist nach-\nzurühmen, daß er nicht über „Kunstproben\"\nschimpft, ehe er sie gesehen hat und daß er keine\nMeinung über Dinge abgäbt, für die eine Meinung\nzu haben er von Frankreich nicht berufen wurde.\nWährend die Herren vom Berliner Tageblatt in\nBerlin und Paris berufen sind, eine Meinung über\nDinge zu haben, die nicht ihr Beruf sind, sie aber\nin Berlin diese unbezahlbare überzahlte Meinung\nnicht einmal abgeben, trotzdem sie dafür bezahlt\nwerden. Also Herr Auburtin rennt hinter dem\nPräsidenten her: „Ohne eine Miene zu verziehen,\nging er an den gelben Eierkisten vorüber und an\nder Plastik aus zusammengesetzten Ofenrohren,\ndie einen venetianischen Gondoliere darstellen soll.\"\nDer Präsident verzieht keine Miene, während Herr\nAuburtin bereits bis an die Ohren grinst. Er hat\nzwar dem Berliner Tageblatt telegraphisch ge-\nmeldet, daß der Künstler Archipenko den größten\nkünstlerischen Erfolg des Salons hat. Jetzt ver-\nschweigt er seinen albernen Witzen zuliebe, daß\ndiese Plastiken von Archipenko sind. Die Eier-\nkisten und die Ofenrohre sind natürlich Kostpro-\nben der Phantasie des Herrn Auhurtin. „Die Be-\ngleitung des Präsidenten fing an unruhig zu wer-\nden.\" Herr Auburtin war sicher nicht aufgefordert\nworden, den Präsidenten zu begleiten. Manche\nLeute haben eben das Bedürfnis, immer hinterher\nzu laufen. Sie sollten für dies bezahlte Bedürfnis\nwenigstens ihre Pflicht anständig erfüllen, Tat-\nsachen zu berichten, statt den Psychologen Hypo-\nthesen zur Verfügung zu stellen. Und sie sollten\nnicht eine Miene verziehen, weil andere so erzöge»\nsind, nicht zu lachen, zum Zahnarzt zu gehen, und,\nsich die Hände zu waschen. Sie sollten kein Urteil\nfällen über Kunst und Leben und Tod, was alles\ndasselbe aber nicht zu verwechseln ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "3", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.4", "titre_corps": "Zur neuen Kunst", "titre_sommaire": "Zur neuen Kunst", "signature_source": "Adolf Behne", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.2", "debut_caractere": 7893, "fin_caractere_exclue": 10521, "texte": "Zur neuen Kunst\nDr. Adolf Behne\nEin Vorurteil des Publikums ist es, sich\nder Kunst vornehmlich auf dem Wege oder bes-\nser Umwege des Begriffes zu nähern. Jeder\nBegriff ist eine Abstraktion, und die Abstraktion\nist etwas Zeitloses. Jeder wirkliche reale Gegen-\nstand aber steht in der Zeit und ist durch sie be-\ndingt. Hier liegt der Stoff zu einem Konflikt.\nDenn beziehe ich den realen Gegenstand x in eine\nbegriffliche Operation ein, so gehen seine zeit-\nlichen Elemente mehr oder weniger unter. Die\nzeitlichen Elemente machen aber oft Entscheiden-\ndes aus, denn in ihnen liegt das Individuelle und\nBesondere. Gerade für die Kunst ist es eine Ge-\nfahr, wenn zeitlose Begriffe das Einmalige, Le-\nbendige ersticken. Der Begriff „Naturalismus\"\nmacht das Wirken von hundert Künstlern prinzi-\npiell gleich, während es sich in Wirklichkeit fast\njedesmal um etwas anderes handelt, um ein ganz\nanderes Erlebnis für Giotto, ein ganz anderes für\nDürer, ein ganz anderes für Manet.\nDas Arbeiten mit Begriffen macht in der\nKunstbetrachtung leicht blind für das, was ist,\nbesser gesagt, es macht weitsichtig! Der Be-\ntrachter sieht über das Werk des Künstlers hin-\naus, er stellt sich ein auf etwas, das eine ganze\nStrecke weiter liegt. — Man zeigt ein Bild von\nKandinsky. Der Bürger sieht es kaum an, höch-\nstens eine Sekunde; aber er hat sofort unzählige\nBegriffe, mit denen er glaubt, Kandinsky erschla-\ngen zu können und zu sollen. Er redet sogleich\nmit Heftigkeit, errichtet Mauern, baut Schranken,\nstabiliert Axiome, er spricht —- nicht etwa von\ndem vorgelegten Bilde des Kandinsky, kaum von\nKandinsky überhaupt, er spricht von „diesen\nNeuen\", den „Jungen\", den „Leuten vom Sturm\";\ner schafft eher ein vollständiges System der\nAesthetik, als daß er das vorgelegte Bild von\nKandinsky nur etwas genauer betrachtete.\nWahrscheinlich hat er es inzwischen überhaupt\nschon vergessen. Er hätte dieselbe Rede gehal-\nten, wenn man ihm einen Holzschnitt von Boc-\ncioni oder eine Zeichnung von Kokoschka gezeigt\nhätte. Es muß also doch wohl leichter sein, mit\nBegriffen mehr oder minder logisch zu arbeiten,\nals seine Sinne zu konzentrieren; man geht um\nein neues Erlebnis mit Begriffen herum.\nSchon Nietzsche hat den „ausgehöhlten Bildungs-\nmenschen\" gescholten, der, „es mag was Gutes\nund Rechtes geschehen, als Tat, als Dichtung, als\nMusik,\" sofort über das lebendige Werk hinweg-\nsieht und den Autor mit Hilfe von Begriffen\nseziert, auseinanderreißt, weislich neu zusammen-\nfügt und im Ganzen vermahnt und zurechtweist.\n(Unzeitgemäße Betrachtungen II 5)\nNoch wollen es ja die meisten nicht wahr-\nhaben, daß in der neuen Kunst Schönheiten vor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6485, "texte": "banden sind, und wenn diese Meisten, statt zu\nlernen und zu suchen, vorziehen zu spotten und\nzu lachen, so werden sie sich noch etliche Zeit\nin der „kompakten Majorität\" befinden. Aber\neines schönen Tages bestimmt nicht mehr! Was\nvor den neuen Kunstwerken den ungeübten Be-\ntrachter zum Widerspruch und zum Spott reizt,\ndas ist die starke Abwendung von der Natur, die\ner, nur allzu unbedacht, als Nichtkönnen inter-\npretiert. In Wahrheit liegt hier wiederum ein\n\"Vorurteil des Publikums vor, das, anstatt die\nKunst eben als Kunst zu nehmen, sie in ein\nAbhängigkeitsverhältnis zur Natur bringt, und, an-\nstatt geradeaus auf die Kunst zuzugehen, einen\nUmweg über die Natur macht.\nUnd ist es nicht seltsam, daß das gleiche Pu-\nblikum die Jungen von einst, die Liebermann und\nUhde und Israels, gerade wegen ihres Naturalis-\nmus anfeindete? Wird der engere Anschluß an\ndie Natur gescholten, wird Abkehr von der Natur\nbespottet, was soll der Künstler? Soll er den\nbequemen Mittelweg zwischen Natürlichkeit und\nIdealität wandeln, der so reizlos ist und den das\nPublikum so liebt? Uebrigens ist es nicht zweifel-\nhaft, daß dem Publikum ein gesteigerter Realis-\nmus, auch wo es von ihm abgestoßen wird, noch\nimmer verständlicher ist, als die bewußte Abkehr\nvon der Natur. Und eben deshalb wird es noch\neine gute Weile haben, bis die neue Kunst und\ndas Publikum sich gefunden haben werden. Das\nPublikum soll plötzlich den Gedanken aufgeben,\ndaß eine Zeichnung, eine Skulptur, ein Bild als\nWiedergabe eines Naturobjektes zu betrachten sei,\nund daß deshalb aus größerer oder geringerer\nNaturähnlichkeit der kritische Maßstab für die\nKunst genommen werden müsse, notabene:\nAehnlichkeit nicht mit der wirklichen, wahren\nNatur, sondern mit der mehr oder weniger senti-\nmentalen Natur des Publikums. Das wird eine\nnm so tiefere, gewaltigere Revolution für das Pu-\nblikum bedeuten, als ja die letzte Phase der\nKunstgeschichte, der Impressionismus, die Manie\ndes Vergleichens mit der Natur zu befestigen nur\nzu sehr geeignet war. Denn eine Manie ist es und\nbleibt es, im besten Falle ein Surrogat!\nWo steht denn geschrieben, daß die Kunst hin-\nter der Natur herzulaufen habe? Man mache sich\nklar, was doch „Knnst\" ist, so wie man jede Sache\nim praktischen Leben aus ihr selbst heraus zu\nverstehen und zu erklären versucht! Die Male-\nrei, um uns einmal auf diese zu beschränken, weil\nsie am meisten zum Vergleichen mit der Natur\nverlockt, die Malerei ist ein Arbeiten mit Farben,\nmit Linien, mit Hell und Dunkel, sie ist das Füllen\neiner gegebenen Fläche aus Papier oder Leine-\nwand! Das ist gegeben. Wo wird hier eine Be-\nziehung zur Natur notwendig gefordert? Sie ist\nhineingezwungen, das mache man sich klar. Und\nwie will man es rechtfertigen, wenn man vor\neinem Bilde stets etwas ganz anderes, eine völlig\nandere Welt, nämlich die Natur, heranzieht?\nAuf jedem anderen Gebiete würde man das\nunsystematisch, unsachlich nennen. Was ich als\nWerk des Malers vor mir sehe, ist eine Fläche.\nDarauf sind Farbenkomplexe, rote, grüne, gelbe,\nblaue. Da sind Linien — geschwungene, gerade,\nfortlaufende, unterbrochene. Die Farben stehen\nuntereinander in gewissen Verhältnissen. Eine\neinzige anders gedacht, und die Wirkung ist ver-\nloren. Die Linien stehen untereinander in unver-\nänderlichen Beziehungen: eine Senkrechte weni-\nger, eine Horizontale mehr, und das Bild ist nicht\nmehr wiederzuerkennen. Und schließlich stehen\ndie Linien in Beziehungen zu den Farben, Aen-\ndern sich diese, so können jene nicht bleiben!\nDas ist gegeben, das ist dem Publikum vom\nMaler zur Beurteilung vorgestellt. Und man redet\n— von der Natur! Kunstgesetze sind etwas völlig\nanderes als Naturgesetze — und man hört vor\neinem Kunstwerke nie von Kunstgesetzen, aber\numso mehr von Naturgesetzen reden.\nDem, der ein wahres und inneres Verhältnis\nzur Kunst hat, sind solche Ausführungen, wie die\nobigen, selbstverständlich, dem anderen erscheinen\nsie vielleicht wie eine Lästerung. Aber der Schritt,\nden die jungen Künstler jetzt tun, ist einer auf dem\nWege zur reinlichen Scheidung, zur Klarstellung,\nzur Befreiung zweier durch Unverstand und Ge-\nwohnheit lange zusammengekoppelter Begriffe.\nSein Ziel ist Aufhellung, bessere Luft, freieres\nAtmen, und wie alles, was auf dem Wege zur in-\nneren Befreiung, zu späterer Reinheit getan wird,\nletzten Endes auch von ethischer Bedeutung.\nDenn die Vorstellung, daß es sich in der neuen ex-\npressionistischen Kunst um Unreife, exzentrische\nGenialitätssucht und ähnliches handle, diese lege\nman beizeiten ab. Sie ist falsch. Man müßte doch\nwohl bei einigem guten Willen die Reinheit der\nWirkungen in diesen Werken spüren können. Diese\nunverdorbenen reinen Farben, diese klaren, kräft-\ntigen Linien, diese deutlichen, großen Gegensätze\nvon schwarzen und weißen Flecken, diese Hellig-\nkeit und Luftigkeit ganz ohne Wirkung bleiben.\nJedem, der einmal den alten, irreleitenden Um-\nweg über die Natur verlassen hat, wird unmittel-\nbar vor den neuen Bildern das Gefühl der Sicher-\nheit, der Befreiung aufgehen. Die Natur ist eine\nWelt, die Kunst eine andere. Sie können\nnichts miteinander gemein haben. Und seit wir\ndas wissen, erscheinen uns beide — weit gefehlt,\ndaß sie verloren hätten — doppelt mächtig und\ndoppelt schön. Wir schaukeln nicht mehr zwischen\ndem lufterfüllten Räume und der bemalten Fläche\nunsicher hin und her, wir stehen auf gutem und\nfestem Boden! Möchte sich also das Publikum\nder neuen Kunst des Expressionismus mit Ver-\ntrauen und mit Interesse nähern. Möchte es ver-\nsuchen, diese Kunst tief und vorurteilslos zu er-\nleben! Das ist das Wichtigste, viel wichtiger,\nals eine Auseinandersetzung über die einzelnen\nSchulen des Kubismus, Futurismus, Neoimpressio-\nnismus usw. Das verführte den, dem die neue\nKunst nicht schon innerlich etwas bedeutet,\nnur wieder auf den alten Umweg des begrifflichen\nVerstehenwollens historischer oder psychologi-\nsche Konstruktionen. Zudem haben diese Kon-\nstruktionen wenig Wert. Das einzige, was man\nheute mit Bestimmtheit sagen darf, ist, daß im Gan-\nzen der Expressionismus einen Gegenschlag gegen\nden Impressionismus bedeutet. Nun kommt es dar-\nauf an, das Publikum in einen inneren Kontakt mit\ndieser Kunst zu bringen. Dazu bedarf es einer pä-\ndagogischen Kraft. Psychologische und historische\nEntwicklungsschemen haben diese Kraft aber\nnicht. Mag das Publikum hundertmal zu hören be-\nkommen und es vielleicht auch glauben, wie „es\nkam\" — es wird dadurch nicht um einen Grad\nfür die neue Kunst erwärmt — und darauf allein\nkäme es doch an!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.3", "debut_caractere": 6487, "fin_caractere_exclue": 9009, "texte": "Gedichte\nAlbert Ehrenstein\nEin Auswanderer\nBlutrot zuckte die Sonne zwar am Abendhimmel\nheimatlicher Gefühle, doch sie ertrank im Meere\nanderer Gedanken purpurn, als er sich zum\nMorgenwalde wandte. Dort quillt ein Bach,\nbewacht von\nschroffen, starren, harten, kalten Wächtertannen.\nDa er blindfüßig den Bach überschritt,\nverstieß mit dem letzten\nTritt er die Bretterbrücke, daß sie der\nWächtertanne»\nSpiegelbild zerstörend, lärmend fiel zu Bache,\nhin zu der Fische Kieselsteinen. Er trat auf einen\nNadelberg der Waldameisen, seufzte: „Auch\nich, ici\nwollte mir das Haus erbauen, sei's aus spitzen\nTannennadeln! Doch immer noch brach\nmeinem Stil die\nAxt ab, Hand erlahmte, günstiger Wind, vergaß\nzu wehen!\"\nWie Donner kam im Walde ein Rufen,\nund im Rufen hauste eine Stimme\nund die Stimme schwoll wider ihn im Grimme.\n„Stets schlecht gezäunt waren die Pferde\ndeiner Leidenschaft,\nentrafften dich und kehrten ohne Reiter heim,\ndes Körpers Masse gern ins Dunkle schleudernd.\nDu hättest gern fühllos gelebt,\nselig wie sich Baumeswipfel\nin den schwarzen Waldesschleier spinnen.\nDu hättest gern faulend gelebt,\nwo an der Inseln Palmengestaden\nder Sonnenschatten sanft hinfällt, und man\ndas Luftschloß der Robinsonaden bauen kann,\nvon keiner Pflicht dem Pfuhl entstört.\nJedoch nur Schweine sterben an Altären,\nder Mensch dringt in den Himmel selber\nden fausterkämpften. Nur du schlichst\nWanderer, den der Weg bezwungen,\nvorschnell ermüdet in des Waldes Schattenkreis,\ndoch der volle Strom der Sonne gießt sich\nunerbittlich nach.\nFür halbe ist kein Hier, kein Dort,\nihr lebet stets den selben Höllenort!\"\nDie Stimme schwand, mit ihr dem Wanderer\nder Weg,\nund nicht vergebens winkte ihm,\newigen Trost versprechend, des Wassers\nGewimmel.\nEr glitt zum Sonnenaufgang in den Tod,\ndie schroffen Wächtertannen sprangen ihm\nnicht nack\nAuffing\nWas, ach, sollen mir noch Spaziergang,\nSommer und Winter,\nEssen zu jeglicher Zeit, und Trinken der\neinerlei Weine,\nLiegen bei Mädchen zur Nacht, und Wissen\num Worte, und Freunde?\nWas auch sind mir kopfahnende Rümpfe der\nLeser, oder\nhöhnisches Schlingern arschköpfigen, walzen-\nfüßigen Schleimes,\noder Ermunterung mir und Lob der Meister-\ngenossen?!\nMögen euch andern die Weisen der Lust durch\ndie Ewigkeit tönen,\nnichts tränkt meine Seele!\nSo, wenn einst mich von grellen Fiebern wild\nUmschrillten\nder eisige Zahn des Todes\nwegreißt vom Ufer des rastlos vorüberfließen-\nden Flusses,\nseligen Auges will ich enteilen,\nendlich zu treffen dich,\nunerhörte,\nnicht gesehene,\nungeborene,\nnie erschaffene!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "7", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.6", "titre_corps": "Der Weg durch die Naeht : Roman", "titre_sommaire": "Der Weg durch die Naeht : Roman", "signature_source": "Aage von Kohl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 43, "texte": "Der Weg\ndurch die Naeht\nRoman\nAage von Kohl"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.4", "debut_caractere": 58, "fin_caractere_exclue": 9625, "texte": "Er drehte in winzig kleinen Rucken den Kopf\nnach rechts und nach links; genoß mit Wohlbe-\nhagen das kühle Gefühl in seinen Füßen, in dem\ntaufeuchten Gras zu stehen; glaubte in seinen\nNasenlöchern und Ohren den frischen, nuß-\nartigen Geruch und den zarten, sickernden Laut\nder ruhenden und trinkenden Erde empfinden zu\nkönnen.\nJa, murmelte er von neuem —: Wie ist es hier\nvoller Frieden! . . .\nEr atmete tief auf. Einen Augenblick kam es\nihm vor. als friere ihn. Er bog langsam den\nNacken hintenüber.\nDie Sterne, dachte er gleich darauf, indem er\nmit Staunen beobachtete, daß ihm dort ganz oben\nder schimmernde Polarglobus mit einem weit\nstärkeren Schein zu leuchten schien als gewöhn-\nlich —: die Sterne, diese zahllosen, unermeßlichen\nLichtkugeln die gesetzbestimmt und unaufhörlich\ndahinwandern, da oben — und da unten! Und auf\njedem einzelnen dieser Myriaden von ungeheuren\nWeltenkörpern, auf jedem einzelnen Fleck von\nihnen allen, ist es genau so wie auf dem unseren,\nwimmelnd voll von Leben! , Von Leben, oben wie\nunten, groß wie klein; Leben in der Luft, im\nWasser, in den Felsklippen, im Schoß der Erde\nSelbst, bis an ihrem Mittelpunkt; Leben ist überall,\nvon oben bis nach unten, sichtbar wie unsichtbar\n— da ist gar nichts in der Welt, was Tod heißt!\nNein, wenn der Tod auch so winzig klein wäre,\nwie die Spitze einer außerordentlich spitzen Nadel,\noder wenn er nur der tausendste Teil des aller-\nkleinsten mikroskopischen Wesens wäre, das wir\nkennen, so wäre doch nirgends Platz dafür, so un-\nsagbar erfüllt von Leben ist alles! Platz, Raum,\nZeit, Veränderung, Tod — das ist alles zusammen\nnichts weiter als verschiedene Wörter für ein und\ndasselbe: für Leben! . . .\nEr empfand einen Schwindel von dem langen\nHinaufstarren. Tief drinnen in seinem Halse war\nein Zittern. Durch seine Knie kroch, Zoll für Zoll,\neine Kälte hinauf.\nEr tat hastig ein paar Schritte vorwärts, fühlte\nim selben Augenblick, daß gewiß etwas in ihm jetzt\nzu Ende war! Irgend etwas, er wußte nicht was,\ndas von heute an für immer vobei war! Etwas\nUnbestimmbares, was ihn nicht mehr fernzuhalten\nvermochte . . . ja, fern wovon? . . .\nDa draußen über dem Meere glitt, aus Süden\nkommend, weit, weit draußen, ein rötliches, klei-\nnes Licht gen Norden dahin — er richtete mit\nplötzlicher und atemloser Aufmerksamkeit seinen\nBlick darauf. Eine ganz kurze Strecke dahinter,\nund ein wenig höher oben in der Luft unterschied\ner unmittelbar darauf auch einen glasklaren, leuch-\ntenden Punkt. Und eine Weile später konnten\nseine Augen, an die Dunkelheit gewöhnt, noch eine\nganz kleine, dicht zusammengedrängte Gruppe\nvon schwachen Schimmern erblicken, unten unter\ndem Klaren.\nNun ja —:\nEin Schiff, mit änderen Worten!\nEin Passagierdampfer offenbar — und er wußte\nauch welcher!\nDenn dies war ja gerade der Dampfer, um\ndessentwillen er jetzt hier gestanden und gewartet\nhatte — so wie in den vielen, vielen Wochen vor\n'heute, sowohl vorher ... als auch nachher!\nAnnies und sein Schiff! Du großer Gott, ihr\nHochzeitsschiff, der große, strahlende Ozeanvogel,\nruit dem sie und er vor langer Zeit nach Norden\ngesegelt waren, hoch hinauf zu den Nächten ohne\nDunkel! Ach, hinauf zu einer schwindelnden Reihe\nvon nordlichtflammenden Nächten, den schlaf-\nfreien Nächten ihrer Brautfahrt, den hellen Näch-\nten ihrer kurzen, ihrer unvergeßlichen, ihrer ewi-\ngen Jugend miteinander! ....\nEin kalter Schauer durchrieselte ihn von Kopf\nbis zu Fuß.\nEr erhob beide Hände, qualerfüllt —:\nUnd nun?\nAlles vorbei!\nAlles und für immer zu Ende?! . . .\nEr wandte sich heftig ab, wollte nicht mehr da\nhinaus sehen, nein, er war müde, er war fünf-\n'hundertmal mehr als müde!\nEr bemerkte selbst plötzlich den Ausdruck, den\ner hier gebraucht hatte, lachte auf einmal bitter:\n'fünfhundertmal mehr als müde! Jawohl, daran\nerkannte er sich selbst wieder gründlich!\nAch, da hatte er wieder eine Klaue in das hin-\neingeschlagen, was er über alles in der Welt ver-\nabscheute! da hatte er sich selbst wieder auf fri-\nscher Tat ertappt, nicht zu können, im Stich zu\nlassen, aufzugeben und zu entschlüpfen, zu wei-\nchen und zu meiden — sich als der lose Sand zu\noffenbaren, der er war! immer und ewig nur das\nbenutzend, was ihm widerfuhr — um ein Wort,\neinen Satz, einen treffenden Ausdruck zu finden!\nEr warf den Nacken hintenüber, kalt in allen\nSinnen aus Ekel über sich selbst —:\nAch, mein Gott, sie haben mir meine Annie\ngenommen!\nSie wagen nun obendrein noch als Deputation\nhierher zu kommen und mir als Ersatz ein ge-\nmeines, ein widerliches Tier anzubieten! Ein\nbluttropfendes Vieh mit entzündeten Zellen, das\nich nie vor meinen Augen gesehen habe. Ein Mon-\nstrum, das ich hasse und dem ich zu Leibe will!\nUnd damit glaubt ihr also, daß unsere Abrech-\nnung abgeschlossen ist — eure und meine meilen-\nlange Abrechnung?\nHaha, aber meinetwegen mag es so sein — ver-\nschwindet aber dann jedenfalls von hier! Befreit\nmich davon, euch noch zu hören oder zu sehen!\nOder habt ihr noch nicht begriffen — daß gerade\nihr es ja seid, daß gerade zuguterletzt ihr es\nseid, jeder Einzelne von euch, du und du und du\nund eure Frauen und Kinder und ihr alle mitein-\nander, die ich hasse!\nGerade ihr!\nOder, antwortet mir —:\nHabe ich euch nicht jahrelang mehr geschenkt\nals irgendein anderer, der existiert? Habe ich nicht\ngerast, weil i h r littet, geweint, weil i h r weinen\nmußtet, euch jedesmal getröstet, wenn es zu arg\nwar, sang ich euch nicht vor, Tag und Nacht, alle\nJahre, die ich lebte?!\nHabe ich nicht Hunderte von Malen meine\nBrust zerfetzt und aus meinem Herzen das Blut\ngleich einem Schauer von Rubinen und Rosen über\neuch alle hinausgeschleudert —: Mein Gott, und\ndennoch habt ihr mir meine Annie genommen, ihr\nkamt eines Nachts auf unhörbaren Füßen in mein\nHaus geschlichen und stahlt sie mir aus den Ar-\nmen, während wir schliefen! Ihr schändetet sie in\ndem Augenblick, der meinem Erwachen voran-\nging, ihr ersticktet sie mit euren gierigen Fäusten,\nehe ich ihr zu Hilfe gekommen war, ihr schlepptet\nihre Leiche monatelang durch Zeitungen und durch\nalle Gassen!\nIhr stahlt, ihr raubtet, ihr mordetet — und nun\nkommt ihr zu mir und wollt mir als Ersatz das\nschenken, was ich am meisten im Leben hasse, das\neinzige zwischen Sonne und Erde, was mein Herz\nverabscheut und wovor es sich bis zum Tode\nekelt! Mein Gott, ihr habt mir die Geliebte ge-\nnommen — und noch habe ich sie nicht an euch\nallen gerächt, noch wandert ihr sicher da draußen\nherum, ihr zahllosen Menschen — alle ihr, die ihr\nim tiefsten Innern ganz dem gleich seid, den ihr\nmir und dem Henker ausliefern wollt! Ihr alle\nmiteinander auch nicht ein Tausendstel wert von\ndem, was sie wert war —: und ihr lebt dennoch,\nihr albert und flennt, ihr eßt und trinkt und\nschlaft und erwacht von neuem, ihr umfangt ein-\nander und vermehrt euch unzählig — euer Mörder-\ngeschlecht unendlich über die Erde ausbreitend ...\nund ic h stehe beständig hier und habe noch an\nnichts weiter gedacht, seitdem ihr sie von mir\nnahmt, als euch nur meine Qual zu verbergen —\num euch nicht bange zu machen! Eure Untat zu\nverschweigen — nur um euch noch mehr Gutes\nzu schenken! Zu vergessen, was ich verlor — um\neuch froh machen zu können!\nVon heute an ist meine Hand gegen euch alle\nJa, ja!\nAber jetzt ist die Zeit vorüber!\ngewendet!\nVon dieser Nacht an ist mein Sinn ausgebro-\nchen, Ketten und eiserne Stangen nützen euch\nnicht mehr, ich irre mit dem Messer an euren\nTüren heulend umher, ich zersprenge wie ein\nSturmwind eure Fensterscheiben, ich rase wie ein\nUnwetter über euren Schlaf und eure bleichen\nTräume hin, ich beiße euch laut lachend in die\nKehle und sauge euer Blut aus bis ihr sterbt! . . .\nEr hatte die beiden geballten Hände erhoben,\nstarrte wild und schäumend vor sich hin, alle\nMuskeln gespannt, in unbändiger Begierde zu\nschlagen.\nAber da war es auf einmal, als kehrten seine\nGedanken sich plötzlich um, als kehrten sie sich\njäh zu einem Angriff gegen ihn selbst — so unver-\nmutet, so heftig, daß seine Kehle sich zusammen-\nschnürte, sein Herz stand still, er hieb qualvoll\nseine beiden Fäuste gegen seine Brust, ein\nStöhnen sprang von seiner Lippe —:\nJa!\nDenn es war ja wahr!\nEr selber trug wirklich die ganze Schuld!\nEs war alles er — und er allein! Er war der,\nder feige war, der schwach war, der bange warr\nder weder hörte noch sah! Er vermochte nichts\nweiter in der Welt, als nur an sich selbst zu\ndenken!\nAch ja, es gab gewiß keinen Zweifel da: es war\nseine eigene Schuld, daß dies alles gekommen war,\nwie es kam: oder wußte er denn nicht aufs Haar,\ndaß der, der das Köstlichste von allem besaß —\nselbstverständlich auch die Pflicht hatte, darüber\nzu wachen! War er denn ein unwissendes Kind,\nwar er ein Junge, der die Gesetze des Daseins\nnicht kannte, war er fünfundzwanzig statt vier-\nzig, hatte er nicht in diesem Alter ganz klar wissen\nmüssen: daß ihre Schönheit aller Blicke auf sich\nzog, daß Tausende begehrten, sie zu rauben! Hatte\ner es nicht schon früher selbst in Vermessenheit\nzu ihr gesagt, nicht einmal, sondern wieder und\nwieder: wenn ein anderer sie besessen hätte,\nwenn das Leben es so gewollt hätte, daß sie schon\neinem andern gehörte, ehe er sie erblickte — da\nhätte auch er mit allen den Fähigkeiten, die ihm\nzu Gebote standen, sich bestrebt, sie für sich selbst\nzu erobern! da wäre kein Mittel ihm zu bitter er-\nschienen, kein Hindernis zu groß, kein Widerstand\nzu stark, kein Recht zu tief, daß er nicht gewagt\nhätte, es zu kränken — um bis zu ihr zu gelangen!\nUnd doch — und trotz alledem — dennoch hatte\ner das alles vergessen und hatte geschlafen!\nDessen ungeachtet hatte er sich sorglos nur mit\nsich selber beschäftigt, mit Schreiben, mit dem,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3165, "texte": "was er seine Kunst nannte — mit seinem Ruhm,\nseinen Plänen, seinen weit schweifenden Gedan-\nken, Selbstanbetung von Anfang bis zu Ende!\nS i e hätte er bewachen sollen — und das hatte\ner nicht getan!\nEs war ihm also ganz recht ergangen — wie er\nes verdiente!\nKurz und klar, das Ganze!\nFertig! . . .\nEr hatte sich auf eine Bank niedergeworfen,\ndie hart am Rande des Bollwerkes stand.\nTodmüde, mit keuchenden Atemzügen, mit glü-\nhenden Augen starrte er um sich, um zu sehen.\nDicht unter ihm plätscherten die langsamen\nWellen; mit kleinen, nassen, klatschenden Schlä-\ngen schlugen sie zuweilen gegen Planken und\nBalken.\nIn der Ferne da draußen, ganz weit weg, gerade\nüber der doppelten Linie von Dunkel und noch\ntieferem Dunkel des Horizonts, stand ein Stern;\nsein Spiegelbild glitzerte da draußen feucht.\nNach Süden zu war der Himmel schwarz, aber\nim Norden und Nordwesten schimmerte beständig,\nlautlos, schillernd, in sonderbaren, zugleich ge-\ndämpften und grellen Tönen von Gelblich und\nGrün und Rot, ein wechselnder Widerschein der\ngesunkenen Sonne.\nIn seinen Nasenlöchern spürte ei auf einmal\nden bitteren, ruflartigen Geruch des Rauches aus\ndem Schornstein irgendeines unsichtbaren\nDampfers — er hob plötzlich den Kopf ein klein\nwenig, sog wieder und wieder begehrlich in rätsel-\nhaftem Behagen diesen Gestank ein . . . und da\nerinnerte er sich jäh, ohne selbst zu wissen wes-\nhalb, seiner, des Alten, des Aufsehers, von da\ndrüben, und seiner Worte, daß wir das Glück ver-\ngäßen, sobald es vorbei sei — aber an das Un-\nglück klammerten wir uns mit Händen und mit\nFüßen an, als gäbe es nichts auf der Welt als das!\nWahr, dachte er jetzt —:\nWie war es wahr, Punkt für Punkt!\nWie war es einfach, wie war es richtig — wie\nwar es vollkommen wahr! ....\nEr setzte sich mit einem Ruck aufrecht auf die\nBank, starrte sinnend einen Augenblick vor sich\nhin, lehnte sich darauf langsam vornüber, indem\ner die Ellenbogen auf seine Knie stützte.\nAber, grübelte er weiter, noch ohne so recht\nernstlich zu empfinden, womit sich sein Gehirn be-\nschäftigte —: aber wie kann es nur sein, daß es\nwirklich so ist?! Woher kommt es, daß das Un-\nglück, das grauenvoll Ungewöhnliche, das Ent-\nsetzenerregende, eine so grenzenlos große Macht\nüber uns hat?\nUnd über uns alle miteinander?\nUeber alle die andern — sowohl wie über\nmich?\nWürde ich denn also anders gefühlt haben,\nwenn Annie nur ganz einfach gestorben\nwäre? ....\nSeine Finger krallten sich plötzlich hart und\nfest ineinander, er bog den Nacken ein wenig zu-\nrück, die Gedanken jagten in schwindelnder Hast\ndurch seinen Kopf —:\nWüräe auch ich das Ganze anders empfunden\nhaben — wenn sie eines schönen Tages unver-\nmutet krank geworden wäre, wenn sie zu mir\nhereingekommen wäre, während ich dasaß und\nschrieb, eine kleine Weile hinter meinem Stuhl ge-\nstanden hätte, es so lange wie möglich hinaus-\nschiebend, mich in meiner Arbeit zu stören, mich\nbange zu machen; aber schließlich konnte sie\nnicht mehr, sie hätte ihre Wange gegen meine\nSchulter gelehnt, ein klein wenig schwer — und\nnach einer Weile hätte ich gemerkt, daß ihre Haut\nso heiß war, sie brannte mir durch den Anzug —\nnicht so, wie so oft sonst, wenn wir froh waren,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9877, "texte": "aber auf eine andere, eine fremde, eine angster-\nweckende Weise! und und ich hätte mich mit einem\nRuck aufgerichtet: liebster Schatz, Annie, aber\nKind, was hast du doch nur, wie deine Wangen\nglühen, du siehst aus, als hättest du Fieber, friert\ndich —: ja, du zitterst ja am ganzen Leib, mein\nLieb, beeile dich, du mußt gleich ins Bett, komm,\naber du schwankst ja auf den Füßen, laß mich dich\nhintragen, ach, Geliebte, habe ich dich jetzt auf\nmeinen Armen, wie bist du leicht zu tragen, so\nschön und so leicht, wie paßt du herrlich in meine\nArme — aber, nein, beeilen wir uns, nicht wahr,\nkomm, ich helfe dir das Kleid ab, deine Stiefel,\nach Gott, wie du überall brennst, wie Feuer —\nso, so, nur ruhig, ich bin ja bei dir, ich komme ja\ngleich wieder zurück, ich laufe nur hinein und tele-\nphoniere nach dem Arzt! . . .\nWäre das wirklich eine geringere Oual ge-\nwesen — alles dieses?\nWenn sie monatelang da drinnen krank gelegen\nhätte, sich auf dem Kissen hin und her werfend,\nohne Ruhe finden zu können — oder beängstigend\nstill daliegend mit unhörbarem Atemzug, mit\nschweißperlender Stirn und fahler Haut, die großen\nAugen so heiß, mit einem Blick, den ich nicht\nkannte, einem wilden und beständig suchenden\nBlick — stöhnend, vom Fieber verheert, das Gold-\nhaar an ihrer Wange, an ihrer Schulter klebend!\nunter wahnsinnigen Träumen zitternd, die sich mit\neinem Sprung auf ihre Brust gestürzt hatten und\nihren Hals mit langen Fingern umklammerten!\n'Wjenn ich jeden Tag in Schrecken auf den Arzt\nhätte warten müssen, mit zusammengepreßter\nKehle seinen Worten hätte lauschen, atemlos den\nAusdruck seiner Lippen, seiner Augen, seiner\nfaände, seines Ganges hätte erspähen müssen —\nund die Bedeutung des Unlesbaren, das er auf das\nRezept schrieb, und das die tränenverschleierten\nBlicke noch weniger als je zu deuten vermochten!\nWenn ein Tag nach dem anderen ohne Besse-\nrung vergangen wäre, Nacht für Nacht, wo das\nFieber stieg und die Kräfte schwanden — und sie\nausgemergelt da drinnen lag, weiß, so durch-\nsichtig weiß, mit mtirmelnden Lippen, hin lind wie-\nder mit einem Schrei auffahrend, mir beschwer-\nlich mit jedem Blick folgend, wenn sie bei Be-\nsinnung war, heftig bestrebt in ihrer Ohnmacht,\nmich nicht noch ängstlicher zu machen — tod-\nmüde, ja, zum Tode ermüdet auf das Lager zurück-\nsinkend, wenn sie nur einen einzigen Satz ge-\nflüstert hatte! Tag für Tag und Woche für Woche,\nohne schließlich weder essen noch trinken zu\nkönnen, in Betäubung daliegend, in einem entsetz-\nlichen Zustand, der weder Leben noch Tod\nwar!? . . .\nMein Gott!\nWäre es wirklich beser gewesen, wenn sie\nmir so genommen worden wäre — statt dessen,\nwas kam?\nOder würde nicht mein Herz auf ebendieselbe\nWeise gezittert und geschrien haben, wie es das\njetzt tat — wenn sie auch dort in ihrem Bett ge-\nstorben wäre, mit ihrem Kopf auf meinem Arm\nruhend, das mächtige, goldene Haar verwelkt und\nverblaßt, die Glut der Augen erloschen, mit über-\nmäßig magern Fingern beständig nach meiner\nHand tastend — ohne fühlen zu können, daß ich ja\ndie ihre schon zwischen den meinen hielt! angst-\nvoll, leidvoll, und unaussprechlich matt, bestrebt,\nmit dem blinden Blick mein Antlitz zu finden, mir\nnoch ein letztes Mal zu sagen —: daß ich sie nie\nloslassen dürfe! daß sie noch nicht von hier fort\nwolle, daß ich tun müsse, was in der Macht eines\nMenschen stünde, um sie fest zu halten, ach Gott,\nhörst du, Glaß, ich werde auf einmal so grauenvoll\nbange, ich kann nicht mehr hören noch sehen, wo\nbist du, was für eine Dunkelheit legt sich da über\nmein Gesicht, es erstickt mir den Atem, Hilfe,\nGlaß, ich sterbe!\nWürde das weniger schlimm gewesen sein —\nals das andere?\nWürde es wirklich?\nWürde es?\nEr beugte langsam, mit klappernden Zähnen,\nden Kopf noch tiefer vornüber; strich mit den Hän-\nden zitternd über sein Antlitz; hörte in seinem Ohr\nsein Stöhnen —:\nNein, durchzuckte es ihn; er erhob sich plötz-\nlich mit einem Ruck, schwindelnd, das Herz wahn-\nsinnig zerrissen, zu einer einzigen* blutenden\nWunde —: Nichts wäre schlimmer noch besser\ngewesen — nichts von alledem! Vollständig\ngleichgültig, ob es auf die eine oder die andere\nWeise geschehen wäre —: alles in gleichem Maße\nmaßlos grauenvoll!\nEi, ei —:\nNun, so also war es zu leben!\nZu leben bestand mit anderen Worten aus\nnichts weiter: als mühselig, unter zahllosen Qua-\nlen, lieben zu lernen, wenn man überhaupt jemals\nso weit gelangte — und dann im selben Augen-\nblick, wo das erreicht war, erfaßt zu werden von\ndem Entsetzen bei dem Gedanken, verlieren zu\nmüssen! Ach Gott, was bedeutete es, ob die Grau-\nsamkeit eine Sekunde oder eine Woche währte,\nob es heute kam oder erst in einem Jahr, ob ein\nKörnchen mehr oder weniger von dem Grauen-\nvollsten darin war. Jetzt verstand er erst, jetzt\nbegriff er erst allen Ernstes, warum jener Satz,\nden der Aufseher ausgesprochen hatte, sich so un-\nvergeßbar in seinen Gedanken eingehakt hatte: ach\nja, ganz einfach, nicht wahr: da lag ja die strau-\nchelnd schlichte Antwort —:\nWarum klammerte sich wohl der Mensch an\ndas Unglück — hatte er gefragt, dieser Tor, der\nnicht sehen konnte!\nJa, aus dem unendlich zuverlässigen und guten\nGrund: daß es überhaupt nichts anderes gab! Wo\nman auch in der Welt suchte — nirgends fand man\nirgend etwas anderes, als Qual, als Jammer, als\nEntsetzen, als das einzige, Millionen Jahre alte,\nalles überwältigende, unbarmherzige und unge-\nheure Ding: das Unglück!\nEr hatte einen heftigen Schritt vorwärts auf\ndem knirschenden Kies getan, stand da, den einen\nFuß oben auf dem Rand des Bollwerkes, beide\nArme plötzlich nach der Seite hingeschleudert, in\nseinem ganzen Wesen nur dies eine denkend, nur\ndies eine empfindend, das er jetzt auf einmal mit\nweit zurückgeworfenem Nacken laut ausrief —:\n„Nein!\nDas Unglück!\nWeiter gibt es nichts!\"\nAber da, noch ehe der Widerhall des Rufes sein\nOhr getroffen hatte — geschah es zum zweitenmal,\nebenso wie vorhin, daß seine Gedanken wie in der\nBahn eines Kreises sich blitzschnell gegen ihn\nselbst kehrten —:\nJa!\nAnni!\nSie hatte er vergessen!\nWährend er hier stand, sich selbst mit leeren\nWorten bejammernd — hatte er Annie vollkom-\nkommen vergessen!\nHatte nicht eine Sekunde seine Erinnerungen\nan all das Glück bewahrt, das sie ihm elf Jahre\nhindurch überschwänglich gespendet hatte!\nHatte undankbar brutal aus seinem Gedächtnis\nall das schwindend Große gestrichen, was er ihr\nschuldete! Hatte gemein an sie gedacht — als habe\nsie ihm gar nichts weiter gebracht als den Schmerz,\nda sie ging!\nAber nicht genug damit —:\nHier stand er außerdem, bis zum Ekel siCk m\nsich selbst einhüllend, ohnmächtig und nichtswürdig\n'darüber nachgrübelnd, was wohl das beste für ife»\ngewesen wäre — wenn sie auf dem Fleck gestor-\nben, wo sie zu sein liebte, oder wenn sie ermordet\nworden wäre!\nWenn sie in seinen Armen, nahe an seine»!\nHerzen, seinen Mund über dem ihren gestorbe»\nwäre — oder wenn sie, jäh, kaum zu der Zeit\ngelangt, wo das Dasein ihr nicht nur Freuds«,\nsondern auch Freuden bot, ohne das geringste da-\nvon zu ahnen, plötzlich eines Nachts von einem\nunbekannten Tier erdrosselt werden sollte! DtfS\nsie, allein in der Dunkelheit, weit entfernt von Hilfe,\nmit Nerven, die ihr Fleisch mit Flammen peitschte!,\nwahnwitzig wild, ach, unsagbar mit Abscheu er-\nfüllt, mit namenlosem Grauen und Haß in alle*\nFibern — von Mörderhand getötet worden war,\nbesudelt, mißhandelt, zerfleischt und geschändet,\nmein Gott, mein Gott, wie war es möglich, daß das\ngeschehen konnte! Höre mich, Hilfe, ich kann nicht\nmehr.. dunkel... ich fa11e.... mein Herz . , . »\nAnnie, ich\nLangsam öffnete er seine Augen.\nHatte nach und nach ein unbestimmtes Gefükl,\ndaß es gewiß ganz dunkel, kohlschwarz hier vO*\nihm geworden war.\nMochte jedoch nicht darüber nachdenken, fühlte\nsich rätselhaft beschwichtigt, so wunderbar voller\nFrieden, so samtmild wohlig in allen Gliedern — als\nliege er in seinem Bett und schlafe!\nWie war es wunderbar weich überall, alles u»\nihn her, oben wie unten, so herrlich, ach wenn es\ndoch immer so sein könnte wie jetzt, o, segelte er,\nlag er, so lang wie er war in einem sehr feine*\nBoot und glitt mühelos einen kohlschwarzen Strom\nhinab, der ihn leise auf und nieder schaukelte, ewig\nauf und nieder!?\nWie war es gut auszuruhen so wie jetzt. 5©\nsanft und leidlos mit dem Fluß dahin zu schwim-\nmen. Unmerklich und blind, Fuß um Fuß auf seine«\nWellen dahin getragen, seinem unendlichen ZieJ,\ndem seligen Ziel entgegen — einer königliche»\nKüste entgegen, dem fernen, dem fremden, dem\nmärchenhaft schönen Land entgegen, wo alles\nschwarz ist und von Seide, wo man nichts sehe»\nund nichts hören kann, frei von Geruch und Ge-\nschmack, und befreit davon, die Nähe der ander«\nzu spüren! Willkommen, mein Gott, willkomme»,\ndu gastfreie Stätte, die ich so lange gesucht habe\n— und von der die dunklen Vögel mir so oft be-\nrichtet haben!\nAch, jetzt war er denn also in den Schutz de«\nDaseins gelangt, in den großen und ruhigen Schat-\nten des Lebens, außerhalb des Schmerzes und\naußerhalb der Lust! Jetzt saß er befreit und wußte\nsich daheim — siehe, über den Zinnen der Berge,\nda draußen, stand eine silberweiße, ruhige Wolke\nunbeweglich still und schimmerte, die Luft war so\nkühl und hoch jetzt überall, so durchsichtig klar —\nwer aber war die strahlende Gestalt, die er hier\ngewahrte, und die ihm so gut gefiel —: Komm,\nkomm, du leuchtender Dämon da hinten, komm und\nsetze dich an meine Seite! auf der Rasenbank hier\nwollen wir sitzen, du und ich, wie bist du über-\nirdisch schön, wie ist dein Gewand blendend weiß\nwie eine Sonne, oder ist es im innersten Inner»\npurpurfarben wie ein Blut, oder ist es ganz aus-\nwendig schwarz wie eine Nacht! Oh, wie durck\neinen Diamant kann ich jetzt dein Herz goldig\nlodernd da drinnen sehen, du weißt nicht, wie ger*\nich dein Herz küssen möchte, aber höre jetzt, er-\nzähle mir, wie du heißt... nein, sage es wieder;\nund noch einmal bitte ich dich. Und von neuem —\ndenn es ist ein so merkwürdiger Name, so voll un-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4915, "texte": "vergeblicher Schönheit und Güte, ich fühle seinen\nwieder ia alles meinen Poren und hörte sei-\nnesgleichen doch noch nie zuvor! Und wer bist du\neigentlich, sage es mir — denn im tiefsten Innern\nerscheint es mir, unsagbar süß, als habe ich dich\nmein ganzes Leben gekannt, als habe ich immer an\ndetifer Seite gewandert — bist du eine Schwester\nvoa mir oder wer bist du? komm, ich bin noch ein\nverwirrt und müde, laß meinen Kopf, der\nschwindlig ist, sich an deine Brust lehnen und den\nfeierliche« Tos des Glückes hören, der rein und un-\n»Ät&rbroc-he» da drinnen singt, laß mich in Schlaf\nf*§e?u während ich ihm lausche! ....\nNoch eine Weile gab er sich völlig diesem\nmystischen Genießen hin; konnte geheimnisvoll\nzur selben Zeit glückselig dort liegen, den Nacken\nia. dem Schoß der Geliebten und Fremden — und\ntrotzdem leibhaftig daneben stehen und dankbar\n.si© «nd sich selbst betrachten.\nBis er allmählich ganz nach und nach anfing,\nsich über ein schwaches, aber auffallendes, ein\ngleichsam körniges Gefühl in seinen Lippen zu\nmindern — nun auch über ein außerordentlich\nfeines Knirschen da drinnen an seinen Zähnen!\nBeunruhigt, gleich darauf gereizt, schließlich\nzornig über diese Störung seines Friedens, erhob\ner mit einem Ruck de» Kopf, sah sich um —:\nWas war denn das?\nWas war dies hier nur einmal??\nWo war er denn — wie ging dies alles zu???\nKr erkannte plötzlich, daß er wirklich ganz ein-\nfach. an der Erde lag, auf der Nase, war er gefallen\n— gestrauchelt, wann, wie?\nMit einem Ruck erhob er sich auf die Knie, mit\nbleischwerem Nacken, schmerzenden Schultern, mit\neinem sonderbar spitzen und stechenden Gefühl in\nseinem Herzen, wie von einem Splitter, der quer\nSterin saß; er starrte um sich — und begriff dann\nendlich, daß er also kurz und gut in seinem Garten\nder Länge nach an dem Bollwerk ausgestreckt,\nes war Nacht, war er umgefallen, indem er ganz\nunerwartet eingeschlafen war, oder nachtwandelte\ner? Höchst merkwürdig dies alles, es tat abscheu-\nidh weh in seiner Brust — und in dem Daumen\nder Sinken Hand!\nAber dann kehrte jäh und völlig sein Bewußt-\nsein zurück,.\nEr lachte.\nKam mit ein klein wenig Mühe wieder auf die\nFffie, fühlte sich ein bißchen schwindlig drinnen\ntoter der Stirn, weich in allen Knochen.\nWurde plötzlich von Dankbarkeit ergriffen bei\nde*?i Gedanken daran, daß doch offenbar und Gott\nsei gelobt niemand dieses lächerliche und, milde\ngesprochen, dieses unappetitliche Geschehnis ge-\nsehen hatte!\nEr lachte von neuem — heller als vorhin. Bog\nsich darauf mit etwas Schwierigkeit vornüber, und\nbegann angestrengt, sich die Kleider von oben bis\nanten abzubürsten; zog schließlich auch noch seine\nlacke aus, um zu untersuchen, ob nicht auf dem\nRücken auch noch Spuren seien. Endlich in dieser\nBeziehung beruhigt, begann er immer mehr\nlächelnd, leichten Mutes, schwer trampelnd über\ndie Stelle hin und her zu wandern, wo er gelegen\nhatte, um auch dort kein Zeichen davon zu hinter-\nlassen, daß er da gelegen hatte\nEr sah sich mit den Augen zwinkernd um,\nstrengte sich an, durch die Dunkelheit hindurch das\nganze noch ein letztes Mal zu überschauen, rieb\nsich unwillkürlich über die Brust hin, wo es immer\nnoch schmerzte und stach — und entsann sich\ndarauf seiner Zigaretten.\n„Ja!\" — sagte er halblaut, bewegte die Lip-\npen gegeneinander — „ich glaube wohl, daß ein\nMundvoll Rauch sich vorzüglich in dem Ensemble\nausnehmen wird, ganz einfach!\nIch habe beständig, so scheint es mir, diesen\nhäßlichen Erdgeschmack noch in meinem Gaumen!\nAlso Feuer!\"\nEr zog das Etui heraus, öffnete das kleine\nSchloß mit einiger Mühe, ergriff mit unsicheren\nFingern eine Zigarette, steckte sie in den Mund,\nwühlte eine Streichholzschachtel heraus, bekam\nendlich Feuer.\n„Ah!\" — murmelte er nach dem ersten Zug —:\n„Herr du meines Lebens, wie delikat das\nschmeckt, ganz prima!\" — währenddessen durch-\nrieselte ihn ein sachter Kälteschauer, er wunderte\nsich über die Worte, die er eben ausgesprochen\nhatte — denn in Wirklichkeit erfüllte ihn der Ta-\nbaksrauch in diesem Augenblick nur mit Ekel; er\nwarf nun also den Stummel weg, fühlte sich da-\ndurch beruhigt, sah über seine Schulter zurück.\nEntdeckte dann die Bank, auf der er vor kurzem\ngesessen hatte.\nEr ging langsam dahin, den Kopf wackelnd,\nmit noch schmerzendem Daumen, sah einen Mo-\nment gedankenlos auf die weißen Gitterstäbe nie-\nder, kam darauf zur Besinnung, setzte sich —\nlehnte sich plötzlich schwer zurück.\nNun, dachte er eine Weile darauf —: hier ist\nes ja schön!\nAber worüber grübelte ich doch eben noch\nnach, als ich vorhin hier saß? ...\nEine Sekunde suchte er vergebens nach die-\nsem Gegenstand.\nEr strich sich unentschlossen über die Stirn,\nwo hier und da noch einige Sandkörner saßen.\nEntsann sich dann auf einmal des Namens\nAnni... und da war es ihm plötzlich, als ergieße\nsich ein Strom von ganz feiner, errötender Wärme\nin all seine Glieder —: Annie, von seiner Gelieb-\nten, seiner Frau, hatte er geträumt, während er\nvorhin hier saß!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.6.1", "titre_corps": "Friedrieh Rosenkranz: Originalholzsehnift", "titre_sommaire": "Friedrieh Rosenkranz: Originalholzsehnift", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.5", "debut_caractere": 3167, "fin_caractere_exclue": 3208, "texte": "Friedrieh Rosenkranz: Originalholzsehnift"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.7", "titre_corps": "Die Barfußtänzerin Käte Fischer", "titre_sommaire": "Die Barfußtänzerin Käte Fischer", "signature_source": "Alfred Richard Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.7", "debut_caractere": 4936, "fin_caractere_exclue": 5778, "texte": "Die Barfußtänzerin\nKäte Fischer\nAlfred Richard Meyer\nLaß mich im tiefen Tal\ndeiner firnenweißen Zehen,\nüber die das Rampenlicht Alpenglühen schminkt,\nzwerghaft ein Kletterer sein.\nIch verspreche dir auch, ohne Eispickel und\nBergstock zu kommen.\nLaß mich im Miroir\ndeiner goldgefaßten Nägel\neinzigster Voyeur sein. 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Selbst die\nHerren Stabsärzte.\nLeutnant Gutzeit war sehr in diese zeitschin-\nder igen Betrachtungen verwickelt. Seijn Vettee\nHäring war schlechterdings zu keiner Partie mehf\nherzukriegen.\nVerdammter Schlauch! der allüberall Platz\ngreift. — Ein Stabsarzt war früher immer zu haben\ngewesen, wenn die Herren von der Linie ange-\nspannt waren.\nVetter Häring mußte einmal Auskunft geben,\nwarum ihn der Dienst so hoch nahm.\nEr war in die Charite kommandiert. Ahat\nDas war diese sonderbare halbzivile Geschichte»\n'wo man nur zum Mittagessen Uniform trug.\nNatürlich, das war die verdammte Notlage.\nEr war ein sogenannter Streber.\nNa, darum doch einmal zu ihm hingestiegen\nund ihn zur Rede gestellt! Vielleicht war bei ihm\ndoch eine Partie zu verquicken.\nBei Stabsarzt Vetter Häring ließ sich Leut-\nnant Gutzeit acht Uhr abends melden.\n„Sehr nett von dir! Lebst du überhaupt noch?4*\n„Ich lebe schon. Lebst du noch?\"\nGutzeit erwischte gerade noch die Bücher,\nüber welche Häring studiert hatte, und die jetzt\nhoch oben auf ein Regal flogen.\n„Donnerwetter! Gynäkologisches.\"\n„Ja. Gynäkologie.\"\n„Sag einmal, die Armee rekrutiert sich aus\nlauter deutschen jungen Männern, was hast du\ndenn mit Weibern zu schaffen?\"\n„Scherze mir nicht! Ich entbinde zurzeit täg-\nlich Stück dreißig Weiber in königlicher Universi-\ntätsklinik.\" 112\n„Nicht möglich.\"\n„Stilgerecht. Zangen. Beckensägungen. Die\nleichten Fälle holt die Hebamme.\"\n„Mensch! Wird denn damit gerechnet, daß\nanormal mal Miles Kinder kriegt?\" —\nLeutnant Gutzeit fragte verblüffend ernst.\n„Beruhige dich, Vetter! 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StraBenstSnden auf\nflails direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fflr den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b*l\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\n«un fflnften des ersten Monats elize-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daf E1 n -\n£iehung des Betrages durch Nachnahme\nanter Berechnung des Nachnahmeportes ge-\nwUnscht wird\nGeaeralvertretuag Ytrfags EoFlgaltrt /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.8", "debut_caractere": 2817, "fin_caractere_exclue": 5433, "texte": "Originalholzschmite / Handdrucke\nDie Gesamtauflage 1st in Kiamrnern beigeffigt / Alle\nExemplare sind vorn Kiinstler mtrrimenert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / T i ge r / Pferde\nHochformat / Die Mir tin / Der 3 tier /\nScfalafende H < r t i n / W H d p f e r d e /\nRuhende Pferde (handaiiuareiliert) j Daa\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die E r I e g u n g des F e s t -\nb r a t e n s / An? Nuimner 9-1 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Sonntag / Zwei Vogel I Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nWflhelm Morgncr: Acker rnu weiD / Tlerdres-\nseur I Molzarbeiterfamilie / Fressende flolzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabrie!e Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Heibig: Landschaft I Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidi-Roftluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraBe / Nordischer Hafen / jMadchen auf Sofa J\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / Portrat /\n/ StraBenkurve / Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / MiiBige Hetaren /\nSchlafende Iletare I Je 40 Mark (12)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] / Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fOr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart J 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMiisik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fiir Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKtinstierposlkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / QinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruheiose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Urn b e r t o Boccioni: Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungea /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier la\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa in eia-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1914-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Der\nSubskriptionspreis fiir die Mappe betragt 25 Mark\nBestellungen sind zu richten an Lothar Homeyer\nCharlottenburg, SybelstraBe 42.\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Qegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge ./ Whitman /\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi I Qhose / Mac\nQathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard Q. Badger / Boston / Mass\n/ USA 194 Boylston Street\nAlbert Ehrenstein: Die weiBe Zeit/Dieser Qedicht-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden,\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Qeorg Muller, Miinchen, Elisabeth-\nstraBe 26\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,2'5 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nKarl Vogt vom koniglichen Schauspielhaus wird\nseinen Balladen-Abend im Meistersaal mit einigen\nVeranderungen des Programms am Sonntag, den\n26. 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W.: Der Psychologe / Adolf Behne: Zur neuen Kunst / Albert Ehrenstein: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Alfred\nRichard Meyer: Die Barfußtänzerin Käte Fischer / Hermann Essig: Gynäkologisches / Empfohlene Bücher / Franz Marc: Katzen / Zeichnung / Friedrich\nRosenkranz: Originalholzschnitt\n\nFranz Marc: Kalzen / Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.2", "texte": "Der Psychologe\nH. W.\nDieser Herr Victor Auburtin wurde offenbar\nvom Berliner Tageblatt wegen seines französisch\nanmutigen Namens nach Paris geschickt, um dort\ndas Schaf im Theodor Wolffspelz zu spielen. Vor-\nher hatte er, wie man weiß, den lod der Kunst\nbewiesen. Seitdem plaudert er abwechselnd über\nTod und Kunst. Von seinen Plaudereien lebt er\nund das Berliner Tageblatt jetzt seit dem Tode\ndes Herrn Calmette. Was so einem Auburtin alles\nauffällt. „Mit dieser Waffe begab sich Frau Cail-\nlaux zuerst in den Keller des Ladens, wo sich\neine Art von Schießstand befand und schoß den\nBrowning ein, in dem sie sämtliche Kugeln auf\neine Zielscheibe abfeuerte. Dabei hatte sie sich\netwas beschmutzt und verlangt deshalb von dem\nKaufmann Wasser, um sich die Hände zu\nwaschen.\" Ein billiges Verlangen, das nur Herr\nAuburtin unbillig finden wird. Wenn sich ein\nJournalist jedesmal die Hände waschen sollte, so-\nbald er andere beschmutzt, käme er mit keiner\nTinte mehr aus. Mit diesem schmutzigen Wasser\nwird die unsaubere Seele der Mörderin begossen.\nSeht, den Mord im Herzen, wäscht sie sich vor-\nher noch die Hände, die etwas beschmutzten\nHände, aber, ha, die Blutflecken gehen doch nicht\n' ab. Siehe Macbeth, fünfter Aufzug. So etwas\nweiß der Herr Auburtin, der zu der schönen Zeit\nlebte, als die Kunst noch nicht gestorben war.\nAber die Mörderin tat mehr. „Dann bestieg sie\nihr Automobil und fuhr — dieser eigentümliche\nZug ist zuerst heute bekannt geworden — zu\nihrem Zahnarzt, bei dem sie sich das Gebiß revi-\ndieren und instandsetzen ließ.\" Zahn um Zahn\ndenkt der Kenner der alten Kunst. Und welche\nVerworfenheit. Solange läuft die Gattin eines Mi-\nnisters mit verdorbenen Zähnen herum und gerade\nvor der Mordbereitschaft läßt sie sich die Zähne\ninstandsetzen. Wie andere Leute sich nur an den\nhohen Fest- und Feiertagen die Zähne putzen und\ndie Hände waschen. Frau Caillaux legt sich,\neigens zu diesem Zweck, einen Mordtag ein. Bei\nso großen Vorbereitungen mußte etwas Außer-\nordentliches geschehen. Herr Auburtin bemerkt\nes ausdrücklich: „So vorbereitet und gerüstet\nfuhr sie zu Herrn Calmette.\" Bis auf die Hände\nvorbereitet und an die Zähne gerüstet. Hätte\nHerr Calmette diese Vorbereitungen durch Herrn\nAuburtin erfahren — so etwas fällt einem Welt-\nblattvertreter doch auf — der andere Weltblatt-\nvertreter hätte weiter bezahlte Artikel aufneh-\nmen können. Noch teuflischer zeigte sich die\nVerruchtheit der Mörderin nach der Tat im Ge-\nfängnis. „Sie ging, begleitet von zwei Nonnen,\nin die Kapelle und zeigte während der heiligen\nHandlung, eine Frömmigkeit, die viel bemerkt\nwurde.\" Nämlich von Herrn Auburtin. Er, der\naufgeklärte Mann, der Freisinnige, der Gott und\ndie Frömmigkeit längst überwunden hat, wird sie\ndoch nicht einer Frau glauben, die einen Kollegen\nerschossen hat. Einer Frau, die so modern ist,\ndaß sie sich die Hände wäscht, die Zähne revi-\ndieren läßt und dann ein eigenes Auto besteigt.\nWie unwahr ihre Frömmigkeit ist, zeigt sich für\nHerrn Auburtin auch dadurch, was sie dann tat.\n„Dann wurde sie in ihre Zelle zurückgeführt, wo\nsie einen Roman zu Ende las und ihr Mittags-\nessen einnahm.\" So etwas tut eine fromme Frau\nnicht. Herr Auburtin ist den ganzen Tag aufge-\nklärt. Auch was Frau Caillaux aß, ist für ihre\nGefühlsroheit bezeichnend. „Das Mittagessen be-\nstand aus Froschschenkeln, einem Hammelsteak\nund einer Fruchtspreise.\" Froschschenkel ist ganz\nverworfen, der reine Mann begnügt sich mit Ham-\nmelsteak und Fruchtspeise. Herr Auburtin ist\ndurch seine Beobachtungen ganz verwirrt. Der\nDenker faßt sich an den Kopf und stützt ihn mit\nder linken Hand und mit der rechten taucht er\nverzweifelt in das Tintenfaß: „Und nun, ihr Psy-\nchologen, macht euch daran, uns den Fall mit sei-\nnen Gegensätzen zu erklären. Diese kluge Be-\nrechnung und diesen Wahnsinn; diese Frömmig-\nkeit und dieses Romanlesen.\" Ja, wir stehen vor\neinem Rätsel. Wozu diese Reinlichkeit, wenn\nman vielleicht doch geköpft wird. Auf die paar\nWochen kommt es doch nicht mehr an. Wozu\nbeten, wenn man hinterher womöglich die Novel-\nlen des Herrn Auburtin liest, gegen die selbst Gott\nuns nicht hilft. Da habt ihr Psychologen etwas\nzu kauen, wogegen Froschschenkel Kindernahrung\nsind. Herr Auburtin hilft den Psychologen für\ndiesen Fall en tout cas mit zwei Erklärungen:\nVielleicht ist Frau Caillaux „eine jener metho-\ndischen Wahnsinnigen, die ein Verbrechen mit\nder genauesten und ruhigsten Vorsicht berechnen,\ndie alles erwägen, nur das eine nicht, welche\nFolge ihre Tat haben wird.\" Diese lichtvolle\nWahnsinnshypothese scheint selbst Herrn Aubur-\ntin durch die geschilderten Vorbereitungen nicht\ngenügend begründet: „Wir wissen über das ge-\nsellschaftliche und medizinische Vorleben der\nFrau Caillaux noch nicht genug, um sagen zu\nkönnen, wie weit man sich mit dieser Hypothese\nwagen kann.\" Herr Auburtin wird sich alle Mühe\ngeben, um das gesellschaftliche und medizinische\nVorleben der Frau Caillaux bei ihren Domestiken\nzu ergründen. Diese Hypothese ist den Schweiß\ndes Treppensteigens wert. Die andere Erklärung,\nzur gefälligen Bedienung für die Herren Psycho-\nlogen, ist „daß der Tat allerlei galante Motive zu-\ngrunde liegen.\" Bedenkt, ihr Psychologen, eine\nFrau, die einen Roman zu Ende liest, das gibt zu\ndenken. Vielleicht sogar einen galanten Roman.\nIm Lande der Galanterie. Man kennt doch Frank-\nreich . . . Ja, beim Souper, da kann man was er-\nleben. Dann gehn wir zu Maxim . . . Aber die\nPflicht gestattet nicht, so tiefe Probleme zu\nergründen. Fort vom Schreibtisch wird Herr\nAuburtin in den Salon des Independants getrieben,\nden der Präsident der französischen Republik so-\neben besichtigt. Ein Mann, wie Herr Auburtin,\nder sich mit den Problemen vom Leben und vom\nTode befaßt, kann natürlich nicht wissen, daß es\nin diesem Salon keine Bilder der Futuristen gibt\nund niemals gegeben hat. Er hält alles für futu-\nristisch, was er nicht versteht. „In seiner stren-\ngen Unparteilichkeit legte der Präsident Wert\ndarauf, auch den merkwürdigsten Kunstproben\nder Gegenwart seine Aufmerksamkeit nicht zu\nversagen.\" Herr Auburtin versagt seine Aufmerk-\nsamkeit gleichfalls nicht, aber er versagt. Dem\nPräsidenten der französischen Republik ist nach-\nzurühmen, daß er nicht über „Kunstproben\"\nschimpft, ehe er sie gesehen hat und daß er keine\nMeinung über Dinge abgäbt, für die eine Meinung\nzu haben er von Frankreich nicht berufen wurde.\nWährend die Herren vom Berliner Tageblatt in\nBerlin und Paris berufen sind, eine Meinung über\nDinge zu haben, die nicht ihr Beruf sind, sie aber\nin Berlin diese unbezahlbare überzahlte Meinung\nnicht einmal abgeben, trotzdem sie dafür bezahlt\nwerden. Also Herr Auburtin rennt hinter dem\nPräsidenten her: „Ohne eine Miene zu verziehen,\nging er an den gelben Eierkisten vorüber und an\nder Plastik aus zusammengesetzten Ofenrohren,\ndie einen venetianischen Gondoliere darstellen soll.\"\nDer Präsident verzieht keine Miene, während Herr\nAuburtin bereits bis an die Ohren grinst. Er hat\nzwar dem Berliner Tageblatt telegraphisch ge-\nmeldet, daß der Künstler Archipenko den größten\nkünstlerischen Erfolg des Salons hat. Jetzt ver-\nschweigt er seinen albernen Witzen zuliebe, daß\ndiese Plastiken von Archipenko sind. Die Eier-\nkisten und die Ofenrohre sind natürlich Kostpro-\nben der Phantasie des Herrn Auhurtin. „Die Be-\ngleitung des Präsidenten fing an unruhig zu wer-\nden.\" Herr Auburtin war sicher nicht aufgefordert\nworden, den Präsidenten zu begleiten. Manche\nLeute haben eben das Bedürfnis, immer hinterher\nzu laufen. Sie sollten für dies bezahlte Bedürfnis\nwenigstens ihre Pflicht anständig erfüllen, Tat-\nsachen zu berichten, statt den Psychologen Hypo-\nthesen zur Verfügung zu stellen. Und sie sollten\nnicht eine Miene verziehen, weil andere so erzöge»\nsind, nicht zu lachen, zum Zahnarzt zu gehen, und,\nsich die Hände zu waschen. Sie sollten kein Urteil\nfällen über Kunst und Leben und Tod, was alles\ndasselbe aber nicht zu verwechseln ist.\n\nZur neuen Kunst\nDr. Adolf Behne\nEin Vorurteil des Publikums ist es, sich\nder Kunst vornehmlich auf dem Wege oder bes-\nser Umwege des Begriffes zu nähern. Jeder\nBegriff ist eine Abstraktion, und die Abstraktion\nist etwas Zeitloses. Jeder wirkliche reale Gegen-\nstand aber steht in der Zeit und ist durch sie be-\ndingt. Hier liegt der Stoff zu einem Konflikt.\nDenn beziehe ich den realen Gegenstand x in eine\nbegriffliche Operation ein, so gehen seine zeit-\nlichen Elemente mehr oder weniger unter. Die\nzeitlichen Elemente machen aber oft Entscheiden-\ndes aus, denn in ihnen liegt das Individuelle und\nBesondere. Gerade für die Kunst ist es eine Ge-\nfahr, wenn zeitlose Begriffe das Einmalige, Le-\nbendige ersticken. Der Begriff „Naturalismus\"\nmacht das Wirken von hundert Künstlern prinzi-\npiell gleich, während es sich in Wirklichkeit fast\njedesmal um etwas anderes handelt, um ein ganz\nanderes Erlebnis für Giotto, ein ganz anderes für\nDürer, ein ganz anderes für Manet.\nDas Arbeiten mit Begriffen macht in der\nKunstbetrachtung leicht blind für das, was ist,\nbesser gesagt, es macht weitsichtig! Der Be-\ntrachter sieht über das Werk des Künstlers hin-\naus, er stellt sich ein auf etwas, das eine ganze\nStrecke weiter liegt. — Man zeigt ein Bild von\nKandinsky. Der Bürger sieht es kaum an, höch-\nstens eine Sekunde; aber er hat sofort unzählige\nBegriffe, mit denen er glaubt, Kandinsky erschla-\ngen zu können und zu sollen. Er redet sogleich\nmit Heftigkeit, errichtet Mauern, baut Schranken,\nstabiliert Axiome, er spricht —- nicht etwa von\ndem vorgelegten Bilde des Kandinsky, kaum von\nKandinsky überhaupt, er spricht von „diesen\nNeuen\", den „Jungen\", den „Leuten vom Sturm\";\ner schafft eher ein vollständiges System der\nAesthetik, als daß er das vorgelegte Bild von\nKandinsky nur etwas genauer betrachtete.\nWahrscheinlich hat er es inzwischen überhaupt\nschon vergessen. Er hätte dieselbe Rede gehal-\nten, wenn man ihm einen Holzschnitt von Boc-\ncioni oder eine Zeichnung von Kokoschka gezeigt\nhätte. Es muß also doch wohl leichter sein, mit\nBegriffen mehr oder minder logisch zu arbeiten,\nals seine Sinne zu konzentrieren; man geht um\nein neues Erlebnis mit Begriffen herum.\nSchon Nietzsche hat den „ausgehöhlten Bildungs-\nmenschen\" gescholten, der, „es mag was Gutes\nund Rechtes geschehen, als Tat, als Dichtung, als\nMusik,\" sofort über das lebendige Werk hinweg-\nsieht und den Autor mit Hilfe von Begriffen\nseziert, auseinanderreißt, weislich neu zusammen-\nfügt und im Ganzen vermahnt und zurechtweist.\n(Unzeitgemäße Betrachtungen II 5)\nNoch wollen es ja die meisten nicht wahr-\nhaben, daß in der neuen Kunst Schönheiten vor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.3", "texte": "banden sind, und wenn diese Meisten, statt zu\nlernen und zu suchen, vorziehen zu spotten und\nzu lachen, so werden sie sich noch etliche Zeit\nin der „kompakten Majorität\" befinden. Aber\neines schönen Tages bestimmt nicht mehr! Was\nvor den neuen Kunstwerken den ungeübten Be-\ntrachter zum Widerspruch und zum Spott reizt,\ndas ist die starke Abwendung von der Natur, die\ner, nur allzu unbedacht, als Nichtkönnen inter-\npretiert. In Wahrheit liegt hier wiederum ein\n\"Vorurteil des Publikums vor, das, anstatt die\nKunst eben als Kunst zu nehmen, sie in ein\nAbhängigkeitsverhältnis zur Natur bringt, und, an-\nstatt geradeaus auf die Kunst zuzugehen, einen\nUmweg über die Natur macht.\nUnd ist es nicht seltsam, daß das gleiche Pu-\nblikum die Jungen von einst, die Liebermann und\nUhde und Israels, gerade wegen ihres Naturalis-\nmus anfeindete? Wird der engere Anschluß an\ndie Natur gescholten, wird Abkehr von der Natur\nbespottet, was soll der Künstler? Soll er den\nbequemen Mittelweg zwischen Natürlichkeit und\nIdealität wandeln, der so reizlos ist und den das\nPublikum so liebt? Uebrigens ist es nicht zweifel-\nhaft, daß dem Publikum ein gesteigerter Realis-\nmus, auch wo es von ihm abgestoßen wird, noch\nimmer verständlicher ist, als die bewußte Abkehr\nvon der Natur. Und eben deshalb wird es noch\neine gute Weile haben, bis die neue Kunst und\ndas Publikum sich gefunden haben werden. Das\nPublikum soll plötzlich den Gedanken aufgeben,\ndaß eine Zeichnung, eine Skulptur, ein Bild als\nWiedergabe eines Naturobjektes zu betrachten sei,\nund daß deshalb aus größerer oder geringerer\nNaturähnlichkeit der kritische Maßstab für die\nKunst genommen werden müsse, notabene:\nAehnlichkeit nicht mit der wirklichen, wahren\nNatur, sondern mit der mehr oder weniger senti-\nmentalen Natur des Publikums. Das wird eine\nnm so tiefere, gewaltigere Revolution für das Pu-\nblikum bedeuten, als ja die letzte Phase der\nKunstgeschichte, der Impressionismus, die Manie\ndes Vergleichens mit der Natur zu befestigen nur\nzu sehr geeignet war. Denn eine Manie ist es und\nbleibt es, im besten Falle ein Surrogat!\nWo steht denn geschrieben, daß die Kunst hin-\nter der Natur herzulaufen habe? Man mache sich\nklar, was doch „Knnst\" ist, so wie man jede Sache\nim praktischen Leben aus ihr selbst heraus zu\nverstehen und zu erklären versucht! Die Male-\nrei, um uns einmal auf diese zu beschränken, weil\nsie am meisten zum Vergleichen mit der Natur\nverlockt, die Malerei ist ein Arbeiten mit Farben,\nmit Linien, mit Hell und Dunkel, sie ist das Füllen\neiner gegebenen Fläche aus Papier oder Leine-\nwand! Das ist gegeben. Wo wird hier eine Be-\nziehung zur Natur notwendig gefordert? Sie ist\nhineingezwungen, das mache man sich klar. Und\nwie will man es rechtfertigen, wenn man vor\neinem Bilde stets etwas ganz anderes, eine völlig\nandere Welt, nämlich die Natur, heranzieht?\nAuf jedem anderen Gebiete würde man das\nunsystematisch, unsachlich nennen. Was ich als\nWerk des Malers vor mir sehe, ist eine Fläche.\nDarauf sind Farbenkomplexe, rote, grüne, gelbe,\nblaue. Da sind Linien — geschwungene, gerade,\nfortlaufende, unterbrochene. Die Farben stehen\nuntereinander in gewissen Verhältnissen. Eine\neinzige anders gedacht, und die Wirkung ist ver-\nloren. Die Linien stehen untereinander in unver-\nänderlichen Beziehungen: eine Senkrechte weni-\nger, eine Horizontale mehr, und das Bild ist nicht\nmehr wiederzuerkennen. Und schließlich stehen\ndie Linien in Beziehungen zu den Farben, Aen-\ndern sich diese, so können jene nicht bleiben!\nDas ist gegeben, das ist dem Publikum vom\nMaler zur Beurteilung vorgestellt. Und man redet\n— von der Natur! Kunstgesetze sind etwas völlig\nanderes als Naturgesetze — und man hört vor\neinem Kunstwerke nie von Kunstgesetzen, aber\numso mehr von Naturgesetzen reden.\nDem, der ein wahres und inneres Verhältnis\nzur Kunst hat, sind solche Ausführungen, wie die\nobigen, selbstverständlich, dem anderen erscheinen\nsie vielleicht wie eine Lästerung. Aber der Schritt,\nden die jungen Künstler jetzt tun, ist einer auf dem\nWege zur reinlichen Scheidung, zur Klarstellung,\nzur Befreiung zweier durch Unverstand und Ge-\nwohnheit lange zusammengekoppelter Begriffe.\nSein Ziel ist Aufhellung, bessere Luft, freieres\nAtmen, und wie alles, was auf dem Wege zur in-\nneren Befreiung, zu späterer Reinheit getan wird,\nletzten Endes auch von ethischer Bedeutung.\nDenn die Vorstellung, daß es sich in der neuen ex-\npressionistischen Kunst um Unreife, exzentrische\nGenialitätssucht und ähnliches handle, diese lege\nman beizeiten ab. Sie ist falsch. Man müßte doch\nwohl bei einigem guten Willen die Reinheit der\nWirkungen in diesen Werken spüren können. Diese\nunverdorbenen reinen Farben, diese klaren, kräft-\ntigen Linien, diese deutlichen, großen Gegensätze\nvon schwarzen und weißen Flecken, diese Hellig-\nkeit und Luftigkeit ganz ohne Wirkung bleiben.\nJedem, der einmal den alten, irreleitenden Um-\nweg über die Natur verlassen hat, wird unmittel-\nbar vor den neuen Bildern das Gefühl der Sicher-\nheit, der Befreiung aufgehen. Die Natur ist eine\nWelt, die Kunst eine andere. Sie können\nnichts miteinander gemein haben. Und seit wir\ndas wissen, erscheinen uns beide — weit gefehlt,\ndaß sie verloren hätten — doppelt mächtig und\ndoppelt schön. Wir schaukeln nicht mehr zwischen\ndem lufterfüllten Räume und der bemalten Fläche\nunsicher hin und her, wir stehen auf gutem und\nfestem Boden! Möchte sich also das Publikum\nder neuen Kunst des Expressionismus mit Ver-\ntrauen und mit Interesse nähern. Möchte es ver-\nsuchen, diese Kunst tief und vorurteilslos zu er-\nleben! Das ist das Wichtigste, viel wichtiger,\nals eine Auseinandersetzung über die einzelnen\nSchulen des Kubismus, Futurismus, Neoimpressio-\nnismus usw. Das verführte den, dem die neue\nKunst nicht schon innerlich etwas bedeutet,\nnur wieder auf den alten Umweg des begrifflichen\nVerstehenwollens historischer oder psychologi-\nsche Konstruktionen. Zudem haben diese Kon-\nstruktionen wenig Wert. Das einzige, was man\nheute mit Bestimmtheit sagen darf, ist, daß im Gan-\nzen der Expressionismus einen Gegenschlag gegen\nden Impressionismus bedeutet. Nun kommt es dar-\nauf an, das Publikum in einen inneren Kontakt mit\ndieser Kunst zu bringen. Dazu bedarf es einer pä-\ndagogischen Kraft. Psychologische und historische\nEntwicklungsschemen haben diese Kraft aber\nnicht. Mag das Publikum hundertmal zu hören be-\nkommen und es vielleicht auch glauben, wie „es\nkam\" — es wird dadurch nicht um einen Grad\nfür die neue Kunst erwärmt — und darauf allein\nkäme es doch an!\n\nGedichte\nAlbert Ehrenstein\nEin Auswanderer\nBlutrot zuckte die Sonne zwar am Abendhimmel\nheimatlicher Gefühle, doch sie ertrank im Meere\nanderer Gedanken purpurn, als er sich zum\nMorgenwalde wandte. Dort quillt ein Bach,\nbewacht von\nschroffen, starren, harten, kalten Wächtertannen.\nDa er blindfüßig den Bach überschritt,\nverstieß mit dem letzten\nTritt er die Bretterbrücke, daß sie der\nWächtertanne»\nSpiegelbild zerstörend, lärmend fiel zu Bache,\nhin zu der Fische Kieselsteinen. Er trat auf einen\nNadelberg der Waldameisen, seufzte: „Auch\nich, ici\nwollte mir das Haus erbauen, sei's aus spitzen\nTannennadeln! Doch immer noch brach\nmeinem Stil die\nAxt ab, Hand erlahmte, günstiger Wind, vergaß\nzu wehen!\"\nWie Donner kam im Walde ein Rufen,\nund im Rufen hauste eine Stimme\nund die Stimme schwoll wider ihn im Grimme.\n„Stets schlecht gezäunt waren die Pferde\ndeiner Leidenschaft,\nentrafften dich und kehrten ohne Reiter heim,\ndes Körpers Masse gern ins Dunkle schleudernd.\nDu hättest gern fühllos gelebt,\nselig wie sich Baumeswipfel\nin den schwarzen Waldesschleier spinnen.\nDu hättest gern faulend gelebt,\nwo an der Inseln Palmengestaden\nder Sonnenschatten sanft hinfällt, und man\ndas Luftschloß der Robinsonaden bauen kann,\nvon keiner Pflicht dem Pfuhl entstört.\nJedoch nur Schweine sterben an Altären,\nder Mensch dringt in den Himmel selber\nden fausterkämpften. Nur du schlichst\nWanderer, den der Weg bezwungen,\nvorschnell ermüdet in des Waldes Schattenkreis,\ndoch der volle Strom der Sonne gießt sich\nunerbittlich nach.\nFür halbe ist kein Hier, kein Dort,\nihr lebet stets den selben Höllenort!\"\nDie Stimme schwand, mit ihr dem Wanderer\nder Weg,\nund nicht vergebens winkte ihm,\newigen Trost versprechend, des Wassers\nGewimmel.\nEr glitt zum Sonnenaufgang in den Tod,\ndie schroffen Wächtertannen sprangen ihm\nnicht nack\nAuffing\nWas, ach, sollen mir noch Spaziergang,\nSommer und Winter,\nEssen zu jeglicher Zeit, und Trinken der\neinerlei Weine,\nLiegen bei Mädchen zur Nacht, und Wissen\num Worte, und Freunde?\nWas auch sind mir kopfahnende Rümpfe der\nLeser, oder\nhöhnisches Schlingern arschköpfigen, walzen-\nfüßigen Schleimes,\noder Ermunterung mir und Lob der Meister-\ngenossen?!\nMögen euch andern die Weisen der Lust durch\ndie Ewigkeit tönen,\nnichts tränkt meine Seele!\nSo, wenn einst mich von grellen Fiebern wild\nUmschrillten\nder eisige Zahn des Todes\nwegreißt vom Ufer des rastlos vorüberfließen-\nden Flusses,\nseligen Auges will ich enteilen,\nendlich zu treffen dich,\nunerhörte,\nnicht gesehene,\nungeborene,\nnie erschaffene!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.4", "texte": "Der Weg\ndurch die Naeht\nRoman\nAage von Kohl\n\nFortsetzung\n\nEr drehte in winzig kleinen Rucken den Kopf\nnach rechts und nach links; genoß mit Wohlbe-\nhagen das kühle Gefühl in seinen Füßen, in dem\ntaufeuchten Gras zu stehen; glaubte in seinen\nNasenlöchern und Ohren den frischen, nuß-\nartigen Geruch und den zarten, sickernden Laut\nder ruhenden und trinkenden Erde empfinden zu\nkönnen.\nJa, murmelte er von neuem —: Wie ist es hier\nvoller Frieden! . . .\nEr atmete tief auf. Einen Augenblick kam es\nihm vor. als friere ihn. Er bog langsam den\nNacken hintenüber.\nDie Sterne, dachte er gleich darauf, indem er\nmit Staunen beobachtete, daß ihm dort ganz oben\nder schimmernde Polarglobus mit einem weit\nstärkeren Schein zu leuchten schien als gewöhn-\nlich —: die Sterne, diese zahllosen, unermeßlichen\nLichtkugeln die gesetzbestimmt und unaufhörlich\ndahinwandern, da oben — und da unten! Und auf\njedem einzelnen dieser Myriaden von ungeheuren\nWeltenkörpern, auf jedem einzelnen Fleck von\nihnen allen, ist es genau so wie auf dem unseren,\nwimmelnd voll von Leben! , Von Leben, oben wie\nunten, groß wie klein; Leben in der Luft, im\nWasser, in den Felsklippen, im Schoß der Erde\nSelbst, bis an ihrem Mittelpunkt; Leben ist überall,\nvon oben bis nach unten, sichtbar wie unsichtbar\n— da ist gar nichts in der Welt, was Tod heißt!\nNein, wenn der Tod auch so winzig klein wäre,\nwie die Spitze einer außerordentlich spitzen Nadel,\noder wenn er nur der tausendste Teil des aller-\nkleinsten mikroskopischen Wesens wäre, das wir\nkennen, so wäre doch nirgends Platz dafür, so un-\nsagbar erfüllt von Leben ist alles! Platz, Raum,\nZeit, Veränderung, Tod — das ist alles zusammen\nnichts weiter als verschiedene Wörter für ein und\ndasselbe: für Leben! . . .\nEr empfand einen Schwindel von dem langen\nHinaufstarren. Tief drinnen in seinem Halse war\nein Zittern. Durch seine Knie kroch, Zoll für Zoll,\neine Kälte hinauf.\nEr tat hastig ein paar Schritte vorwärts, fühlte\nim selben Augenblick, daß gewiß etwas in ihm jetzt\nzu Ende war! Irgend etwas, er wußte nicht was,\ndas von heute an für immer vobei war! Etwas\nUnbestimmbares, was ihn nicht mehr fernzuhalten\nvermochte . . . ja, fern wovon? . . .\nDa draußen über dem Meere glitt, aus Süden\nkommend, weit, weit draußen, ein rötliches, klei-\nnes Licht gen Norden dahin — er richtete mit\nplötzlicher und atemloser Aufmerksamkeit seinen\nBlick darauf. Eine ganz kurze Strecke dahinter,\nund ein wenig höher oben in der Luft unterschied\ner unmittelbar darauf auch einen glasklaren, leuch-\ntenden Punkt. Und eine Weile später konnten\nseine Augen, an die Dunkelheit gewöhnt, noch eine\nganz kleine, dicht zusammengedrängte Gruppe\nvon schwachen Schimmern erblicken, unten unter\ndem Klaren.\nNun ja —:\nEin Schiff, mit änderen Worten!\nEin Passagierdampfer offenbar — und er wußte\nauch welcher!\nDenn dies war ja gerade der Dampfer, um\ndessentwillen er jetzt hier gestanden und gewartet\nhatte — so wie in den vielen, vielen Wochen vor\n'heute, sowohl vorher ... als auch nachher!\nAnnies und sein Schiff! Du großer Gott, ihr\nHochzeitsschiff, der große, strahlende Ozeanvogel,\nruit dem sie und er vor langer Zeit nach Norden\ngesegelt waren, hoch hinauf zu den Nächten ohne\nDunkel! Ach, hinauf zu einer schwindelnden Reihe\nvon nordlichtflammenden Nächten, den schlaf-\nfreien Nächten ihrer Brautfahrt, den hellen Näch-\nten ihrer kurzen, ihrer unvergeßlichen, ihrer ewi-\ngen Jugend miteinander! ....\nEin kalter Schauer durchrieselte ihn von Kopf\nbis zu Fuß.\nEr erhob beide Hände, qualerfüllt —:\nUnd nun?\nAlles vorbei!\nAlles und für immer zu Ende?! . . .\nEr wandte sich heftig ab, wollte nicht mehr da\nhinaus sehen, nein, er war müde, er war fünf-\n'hundertmal mehr als müde!\nEr bemerkte selbst plötzlich den Ausdruck, den\ner hier gebraucht hatte, lachte auf einmal bitter:\n'fünfhundertmal mehr als müde! Jawohl, daran\nerkannte er sich selbst wieder gründlich!\nAch, da hatte er wieder eine Klaue in das hin-\neingeschlagen, was er über alles in der Welt ver-\nabscheute! da hatte er sich selbst wieder auf fri-\nscher Tat ertappt, nicht zu können, im Stich zu\nlassen, aufzugeben und zu entschlüpfen, zu wei-\nchen und zu meiden — sich als der lose Sand zu\noffenbaren, der er war! immer und ewig nur das\nbenutzend, was ihm widerfuhr — um ein Wort,\neinen Satz, einen treffenden Ausdruck zu finden!\nEr warf den Nacken hintenüber, kalt in allen\nSinnen aus Ekel über sich selbst —:\nAch, mein Gott, sie haben mir meine Annie\ngenommen!\nSie wagen nun obendrein noch als Deputation\nhierher zu kommen und mir als Ersatz ein ge-\nmeines, ein widerliches Tier anzubieten! Ein\nbluttropfendes Vieh mit entzündeten Zellen, das\nich nie vor meinen Augen gesehen habe. Ein Mon-\nstrum, das ich hasse und dem ich zu Leibe will!\nUnd damit glaubt ihr also, daß unsere Abrech-\nnung abgeschlossen ist — eure und meine meilen-\nlange Abrechnung?\nHaha, aber meinetwegen mag es so sein — ver-\nschwindet aber dann jedenfalls von hier! Befreit\nmich davon, euch noch zu hören oder zu sehen!\nOder habt ihr noch nicht begriffen — daß gerade\nihr es ja seid, daß gerade zuguterletzt ihr es\nseid, jeder Einzelne von euch, du und du und du\nund eure Frauen und Kinder und ihr alle mitein-\nander, die ich hasse!\nGerade ihr!\nOder, antwortet mir —:\nHabe ich euch nicht jahrelang mehr geschenkt\nals irgendein anderer, der existiert? Habe ich nicht\ngerast, weil i h r littet, geweint, weil i h r weinen\nmußtet, euch jedesmal getröstet, wenn es zu arg\nwar, sang ich euch nicht vor, Tag und Nacht, alle\nJahre, die ich lebte?!\nHabe ich nicht Hunderte von Malen meine\nBrust zerfetzt und aus meinem Herzen das Blut\ngleich einem Schauer von Rubinen und Rosen über\neuch alle hinausgeschleudert —: Mein Gott, und\ndennoch habt ihr mir meine Annie genommen, ihr\nkamt eines Nachts auf unhörbaren Füßen in mein\nHaus geschlichen und stahlt sie mir aus den Ar-\nmen, während wir schliefen! Ihr schändetet sie in\ndem Augenblick, der meinem Erwachen voran-\nging, ihr ersticktet sie mit euren gierigen Fäusten,\nehe ich ihr zu Hilfe gekommen war, ihr schlepptet\nihre Leiche monatelang durch Zeitungen und durch\nalle Gassen!\nIhr stahlt, ihr raubtet, ihr mordetet — und nun\nkommt ihr zu mir und wollt mir als Ersatz das\nschenken, was ich am meisten im Leben hasse, das\neinzige zwischen Sonne und Erde, was mein Herz\nverabscheut und wovor es sich bis zum Tode\nekelt! Mein Gott, ihr habt mir die Geliebte ge-\nnommen — und noch habe ich sie nicht an euch\nallen gerächt, noch wandert ihr sicher da draußen\nherum, ihr zahllosen Menschen — alle ihr, die ihr\nim tiefsten Innern ganz dem gleich seid, den ihr\nmir und dem Henker ausliefern wollt! Ihr alle\nmiteinander auch nicht ein Tausendstel wert von\ndem, was sie wert war —: und ihr lebt dennoch,\nihr albert und flennt, ihr eßt und trinkt und\nschlaft und erwacht von neuem, ihr umfangt ein-\nander und vermehrt euch unzählig — euer Mörder-\ngeschlecht unendlich über die Erde ausbreitend ...\nund ic h stehe beständig hier und habe noch an\nnichts weiter gedacht, seitdem ihr sie von mir\nnahmt, als euch nur meine Qual zu verbergen —\num euch nicht bange zu machen! Eure Untat zu\nverschweigen — nur um euch noch mehr Gutes\nzu schenken! Zu vergessen, was ich verlor — um\neuch froh machen zu können!\nVon heute an ist meine Hand gegen euch alle\nJa, ja!\nAber jetzt ist die Zeit vorüber!\ngewendet!\nVon dieser Nacht an ist mein Sinn ausgebro-\nchen, Ketten und eiserne Stangen nützen euch\nnicht mehr, ich irre mit dem Messer an euren\nTüren heulend umher, ich zersprenge wie ein\nSturmwind eure Fensterscheiben, ich rase wie ein\nUnwetter über euren Schlaf und eure bleichen\nTräume hin, ich beiße euch laut lachend in die\nKehle und sauge euer Blut aus bis ihr sterbt! . . .\nEr hatte die beiden geballten Hände erhoben,\nstarrte wild und schäumend vor sich hin, alle\nMuskeln gespannt, in unbändiger Begierde zu\nschlagen.\nAber da war es auf einmal, als kehrten seine\nGedanken sich plötzlich um, als kehrten sie sich\njäh zu einem Angriff gegen ihn selbst — so unver-\nmutet, so heftig, daß seine Kehle sich zusammen-\nschnürte, sein Herz stand still, er hieb qualvoll\nseine beiden Fäuste gegen seine Brust, ein\nStöhnen sprang von seiner Lippe —:\nJa!\nDenn es war ja wahr!\nEr selber trug wirklich die ganze Schuld!\nEs war alles er — und er allein! Er war der,\nder feige war, der schwach war, der bange warr\nder weder hörte noch sah! Er vermochte nichts\nweiter in der Welt, als nur an sich selbst zu\ndenken!\nAch ja, es gab gewiß keinen Zweifel da: es war\nseine eigene Schuld, daß dies alles gekommen war,\nwie es kam: oder wußte er denn nicht aufs Haar,\ndaß der, der das Köstlichste von allem besaß —\nselbstverständlich auch die Pflicht hatte, darüber\nzu wachen! War er denn ein unwissendes Kind,\nwar er ein Junge, der die Gesetze des Daseins\nnicht kannte, war er fünfundzwanzig statt vier-\nzig, hatte er nicht in diesem Alter ganz klar wissen\nmüssen: daß ihre Schönheit aller Blicke auf sich\nzog, daß Tausende begehrten, sie zu rauben! Hatte\ner es nicht schon früher selbst in Vermessenheit\nzu ihr gesagt, nicht einmal, sondern wieder und\nwieder: wenn ein anderer sie besessen hätte,\nwenn das Leben es so gewollt hätte, daß sie schon\neinem andern gehörte, ehe er sie erblickte — da\nhätte auch er mit allen den Fähigkeiten, die ihm\nzu Gebote standen, sich bestrebt, sie für sich selbst\nzu erobern! da wäre kein Mittel ihm zu bitter er-\nschienen, kein Hindernis zu groß, kein Widerstand\nzu stark, kein Recht zu tief, daß er nicht gewagt\nhätte, es zu kränken — um bis zu ihr zu gelangen!\nUnd doch — und trotz alledem — dennoch hatte\ner das alles vergessen und hatte geschlafen!\nDessen ungeachtet hatte er sich sorglos nur mit\nsich selber beschäftigt, mit Schreiben, mit dem,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.5", "texte": "was er seine Kunst nannte — mit seinem Ruhm,\nseinen Plänen, seinen weit schweifenden Gedan-\nken, Selbstanbetung von Anfang bis zu Ende!\nS i e hätte er bewachen sollen — und das hatte\ner nicht getan!\nEs war ihm also ganz recht ergangen — wie er\nes verdiente!\nKurz und klar, das Ganze!\nFertig! . . .\nEr hatte sich auf eine Bank niedergeworfen,\ndie hart am Rande des Bollwerkes stand.\nTodmüde, mit keuchenden Atemzügen, mit glü-\nhenden Augen starrte er um sich, um zu sehen.\nDicht unter ihm plätscherten die langsamen\nWellen; mit kleinen, nassen, klatschenden Schlä-\ngen schlugen sie zuweilen gegen Planken und\nBalken.\nIn der Ferne da draußen, ganz weit weg, gerade\nüber der doppelten Linie von Dunkel und noch\ntieferem Dunkel des Horizonts, stand ein Stern;\nsein Spiegelbild glitzerte da draußen feucht.\nNach Süden zu war der Himmel schwarz, aber\nim Norden und Nordwesten schimmerte beständig,\nlautlos, schillernd, in sonderbaren, zugleich ge-\ndämpften und grellen Tönen von Gelblich und\nGrün und Rot, ein wechselnder Widerschein der\ngesunkenen Sonne.\nIn seinen Nasenlöchern spürte ei auf einmal\nden bitteren, ruflartigen Geruch des Rauches aus\ndem Schornstein irgendeines unsichtbaren\nDampfers — er hob plötzlich den Kopf ein klein\nwenig, sog wieder und wieder begehrlich in rätsel-\nhaftem Behagen diesen Gestank ein . . . und da\nerinnerte er sich jäh, ohne selbst zu wissen wes-\nhalb, seiner, des Alten, des Aufsehers, von da\ndrüben, und seiner Worte, daß wir das Glück ver-\ngäßen, sobald es vorbei sei — aber an das Un-\nglück klammerten wir uns mit Händen und mit\nFüßen an, als gäbe es nichts auf der Welt als das!\nWahr, dachte er jetzt —:\nWie war es wahr, Punkt für Punkt!\nWie war es einfach, wie war es richtig — wie\nwar es vollkommen wahr! ....\nEr setzte sich mit einem Ruck aufrecht auf die\nBank, starrte sinnend einen Augenblick vor sich\nhin, lehnte sich darauf langsam vornüber, indem\ner die Ellenbogen auf seine Knie stützte.\nAber, grübelte er weiter, noch ohne so recht\nernstlich zu empfinden, womit sich sein Gehirn be-\nschäftigte —: aber wie kann es nur sein, daß es\nwirklich so ist?! Woher kommt es, daß das Un-\nglück, das grauenvoll Ungewöhnliche, das Ent-\nsetzenerregende, eine so grenzenlos große Macht\nüber uns hat?\nUnd über uns alle miteinander?\nUeber alle die andern — sowohl wie über\nmich?\nWürde ich denn also anders gefühlt haben,\nwenn Annie nur ganz einfach gestorben\nwäre? ....\nSeine Finger krallten sich plötzlich hart und\nfest ineinander, er bog den Nacken ein wenig zu-\nrück, die Gedanken jagten in schwindelnder Hast\ndurch seinen Kopf —:\nWüräe auch ich das Ganze anders empfunden\nhaben — wenn sie eines schönen Tages unver-\nmutet krank geworden wäre, wenn sie zu mir\nhereingekommen wäre, während ich dasaß und\nschrieb, eine kleine Weile hinter meinem Stuhl ge-\nstanden hätte, es so lange wie möglich hinaus-\nschiebend, mich in meiner Arbeit zu stören, mich\nbange zu machen; aber schließlich konnte sie\nnicht mehr, sie hätte ihre Wange gegen meine\nSchulter gelehnt, ein klein wenig schwer — und\nnach einer Weile hätte ich gemerkt, daß ihre Haut\nso heiß war, sie brannte mir durch den Anzug —\nnicht so, wie so oft sonst, wenn wir froh waren,\n\nFriedrieh Rosenkranz: Originalholzsehnift"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.6", "texte": "aber auf eine andere, eine fremde, eine angster-\nweckende Weise! und und ich hätte mich mit einem\nRuck aufgerichtet: liebster Schatz, Annie, aber\nKind, was hast du doch nur, wie deine Wangen\nglühen, du siehst aus, als hättest du Fieber, friert\ndich —: ja, du zitterst ja am ganzen Leib, mein\nLieb, beeile dich, du mußt gleich ins Bett, komm,\naber du schwankst ja auf den Füßen, laß mich dich\nhintragen, ach, Geliebte, habe ich dich jetzt auf\nmeinen Armen, wie bist du leicht zu tragen, so\nschön und so leicht, wie paßt du herrlich in meine\nArme — aber, nein, beeilen wir uns, nicht wahr,\nkomm, ich helfe dir das Kleid ab, deine Stiefel,\nach Gott, wie du überall brennst, wie Feuer —\nso, so, nur ruhig, ich bin ja bei dir, ich komme ja\ngleich wieder zurück, ich laufe nur hinein und tele-\nphoniere nach dem Arzt! . . .\nWäre das wirklich eine geringere Oual ge-\nwesen — alles dieses?\nWenn sie monatelang da drinnen krank gelegen\nhätte, sich auf dem Kissen hin und her werfend,\nohne Ruhe finden zu können — oder beängstigend\nstill daliegend mit unhörbarem Atemzug, mit\nschweißperlender Stirn und fahler Haut, die großen\nAugen so heiß, mit einem Blick, den ich nicht\nkannte, einem wilden und beständig suchenden\nBlick — stöhnend, vom Fieber verheert, das Gold-\nhaar an ihrer Wange, an ihrer Schulter klebend!\nunter wahnsinnigen Träumen zitternd, die sich mit\neinem Sprung auf ihre Brust gestürzt hatten und\nihren Hals mit langen Fingern umklammerten!\n'Wjenn ich jeden Tag in Schrecken auf den Arzt\nhätte warten müssen, mit zusammengepreßter\nKehle seinen Worten hätte lauschen, atemlos den\nAusdruck seiner Lippen, seiner Augen, seiner\nfaände, seines Ganges hätte erspähen müssen —\nund die Bedeutung des Unlesbaren, das er auf das\nRezept schrieb, und das die tränenverschleierten\nBlicke noch weniger als je zu deuten vermochten!\nWenn ein Tag nach dem anderen ohne Besse-\nrung vergangen wäre, Nacht für Nacht, wo das\nFieber stieg und die Kräfte schwanden — und sie\nausgemergelt da drinnen lag, weiß, so durch-\nsichtig weiß, mit mtirmelnden Lippen, hin lind wie-\nder mit einem Schrei auffahrend, mir beschwer-\nlich mit jedem Blick folgend, wenn sie bei Be-\nsinnung war, heftig bestrebt in ihrer Ohnmacht,\nmich nicht noch ängstlicher zu machen — tod-\nmüde, ja, zum Tode ermüdet auf das Lager zurück-\nsinkend, wenn sie nur einen einzigen Satz ge-\nflüstert hatte! Tag für Tag und Woche für Woche,\nohne schließlich weder essen noch trinken zu\nkönnen, in Betäubung daliegend, in einem entsetz-\nlichen Zustand, der weder Leben noch Tod\nwar!? . . .\nMein Gott!\nWäre es wirklich beser gewesen, wenn sie\nmir so genommen worden wäre — statt dessen,\nwas kam?\nOder würde nicht mein Herz auf ebendieselbe\nWeise gezittert und geschrien haben, wie es das\njetzt tat — wenn sie auch dort in ihrem Bett ge-\nstorben wäre, mit ihrem Kopf auf meinem Arm\nruhend, das mächtige, goldene Haar verwelkt und\nverblaßt, die Glut der Augen erloschen, mit über-\nmäßig magern Fingern beständig nach meiner\nHand tastend — ohne fühlen zu können, daß ich ja\ndie ihre schon zwischen den meinen hielt! angst-\nvoll, leidvoll, und unaussprechlich matt, bestrebt,\nmit dem blinden Blick mein Antlitz zu finden, mir\nnoch ein letztes Mal zu sagen —: daß ich sie nie\nloslassen dürfe! daß sie noch nicht von hier fort\nwolle, daß ich tun müsse, was in der Macht eines\nMenschen stünde, um sie fest zu halten, ach Gott,\nhörst du, Glaß, ich werde auf einmal so grauenvoll\nbange, ich kann nicht mehr hören noch sehen, wo\nbist du, was für eine Dunkelheit legt sich da über\nmein Gesicht, es erstickt mir den Atem, Hilfe,\nGlaß, ich sterbe!\nWürde das weniger schlimm gewesen sein —\nals das andere?\nWürde es wirklich?\nWürde es?\nEr beugte langsam, mit klappernden Zähnen,\nden Kopf noch tiefer vornüber; strich mit den Hän-\nden zitternd über sein Antlitz; hörte in seinem Ohr\nsein Stöhnen —:\nNein, durchzuckte es ihn; er erhob sich plötz-\nlich mit einem Ruck, schwindelnd, das Herz wahn-\nsinnig zerrissen, zu einer einzigen* blutenden\nWunde —: Nichts wäre schlimmer noch besser\ngewesen — nichts von alledem! Vollständig\ngleichgültig, ob es auf die eine oder die andere\nWeise geschehen wäre —: alles in gleichem Maße\nmaßlos grauenvoll!\nEi, ei —:\nNun, so also war es zu leben!\nZu leben bestand mit anderen Worten aus\nnichts weiter: als mühselig, unter zahllosen Qua-\nlen, lieben zu lernen, wenn man überhaupt jemals\nso weit gelangte — und dann im selben Augen-\nblick, wo das erreicht war, erfaßt zu werden von\ndem Entsetzen bei dem Gedanken, verlieren zu\nmüssen! Ach Gott, was bedeutete es, ob die Grau-\nsamkeit eine Sekunde oder eine Woche währte,\nob es heute kam oder erst in einem Jahr, ob ein\nKörnchen mehr oder weniger von dem Grauen-\nvollsten darin war. Jetzt verstand er erst, jetzt\nbegriff er erst allen Ernstes, warum jener Satz,\nden der Aufseher ausgesprochen hatte, sich so un-\nvergeßbar in seinen Gedanken eingehakt hatte: ach\nja, ganz einfach, nicht wahr: da lag ja die strau-\nchelnd schlichte Antwort —:\nWarum klammerte sich wohl der Mensch an\ndas Unglück — hatte er gefragt, dieser Tor, der\nnicht sehen konnte!\nJa, aus dem unendlich zuverlässigen und guten\nGrund: daß es überhaupt nichts anderes gab! Wo\nman auch in der Welt suchte — nirgends fand man\nirgend etwas anderes, als Qual, als Jammer, als\nEntsetzen, als das einzige, Millionen Jahre alte,\nalles überwältigende, unbarmherzige und unge-\nheure Ding: das Unglück!\nEr hatte einen heftigen Schritt vorwärts auf\ndem knirschenden Kies getan, stand da, den einen\nFuß oben auf dem Rand des Bollwerkes, beide\nArme plötzlich nach der Seite hingeschleudert, in\nseinem ganzen Wesen nur dies eine denkend, nur\ndies eine empfindend, das er jetzt auf einmal mit\nweit zurückgeworfenem Nacken laut ausrief —:\n„Nein!\nDas Unglück!\nWeiter gibt es nichts!\"\nAber da, noch ehe der Widerhall des Rufes sein\nOhr getroffen hatte — geschah es zum zweitenmal,\nebenso wie vorhin, daß seine Gedanken wie in der\nBahn eines Kreises sich blitzschnell gegen ihn\nselbst kehrten —:\nJa!\nAnni!\nSie hatte er vergessen!\nWährend er hier stand, sich selbst mit leeren\nWorten bejammernd — hatte er Annie vollkom-\nkommen vergessen!\nHatte nicht eine Sekunde seine Erinnerungen\nan all das Glück bewahrt, das sie ihm elf Jahre\nhindurch überschwänglich gespendet hatte!\nHatte undankbar brutal aus seinem Gedächtnis\nall das schwindend Große gestrichen, was er ihr\nschuldete! Hatte gemein an sie gedacht — als habe\nsie ihm gar nichts weiter gebracht als den Schmerz,\nda sie ging!\nAber nicht genug damit —:\nHier stand er außerdem, bis zum Ekel siCk m\nsich selbst einhüllend, ohnmächtig und nichtswürdig\n'darüber nachgrübelnd, was wohl das beste für ife»\ngewesen wäre — wenn sie auf dem Fleck gestor-\nben, wo sie zu sein liebte, oder wenn sie ermordet\nworden wäre!\nWenn sie in seinen Armen, nahe an seine»!\nHerzen, seinen Mund über dem ihren gestorbe»\nwäre — oder wenn sie, jäh, kaum zu der Zeit\ngelangt, wo das Dasein ihr nicht nur Freuds«,\nsondern auch Freuden bot, ohne das geringste da-\nvon zu ahnen, plötzlich eines Nachts von einem\nunbekannten Tier erdrosselt werden sollte! DtfS\nsie, allein in der Dunkelheit, weit entfernt von Hilfe,\nmit Nerven, die ihr Fleisch mit Flammen peitschte!,\nwahnwitzig wild, ach, unsagbar mit Abscheu er-\nfüllt, mit namenlosem Grauen und Haß in alle*\nFibern — von Mörderhand getötet worden war,\nbesudelt, mißhandelt, zerfleischt und geschändet,\nmein Gott, mein Gott, wie war es möglich, daß das\ngeschehen konnte! Höre mich, Hilfe, ich kann nicht\nmehr.. dunkel... ich fa11e.... mein Herz . , . »\nAnnie, ich\nLangsam öffnete er seine Augen.\nHatte nach und nach ein unbestimmtes Gefükl,\ndaß es gewiß ganz dunkel, kohlschwarz hier vO*\nihm geworden war.\nMochte jedoch nicht darüber nachdenken, fühlte\nsich rätselhaft beschwichtigt, so wunderbar voller\nFrieden, so samtmild wohlig in allen Gliedern — als\nliege er in seinem Bett und schlafe!\nWie war es wunderbar weich überall, alles u»\nihn her, oben wie unten, so herrlich, ach wenn es\ndoch immer so sein könnte wie jetzt, o, segelte er,\nlag er, so lang wie er war in einem sehr feine*\nBoot und glitt mühelos einen kohlschwarzen Strom\nhinab, der ihn leise auf und nieder schaukelte, ewig\nauf und nieder!?\nWie war es gut auszuruhen so wie jetzt. 5©\nsanft und leidlos mit dem Fluß dahin zu schwim-\nmen. Unmerklich und blind, Fuß um Fuß auf seine«\nWellen dahin getragen, seinem unendlichen ZieJ,\ndem seligen Ziel entgegen — einer königliche»\nKüste entgegen, dem fernen, dem fremden, dem\nmärchenhaft schönen Land entgegen, wo alles\nschwarz ist und von Seide, wo man nichts sehe»\nund nichts hören kann, frei von Geruch und Ge-\nschmack, und befreit davon, die Nähe der ander«\nzu spüren! Willkommen, mein Gott, willkomme»,\ndu gastfreie Stätte, die ich so lange gesucht habe\n— und von der die dunklen Vögel mir so oft be-\nrichtet haben!\nAch, jetzt war er denn also in den Schutz de«\nDaseins gelangt, in den großen und ruhigen Schat-\nten des Lebens, außerhalb des Schmerzes und\naußerhalb der Lust! Jetzt saß er befreit und wußte\nsich daheim — siehe, über den Zinnen der Berge,\nda draußen, stand eine silberweiße, ruhige Wolke\nunbeweglich still und schimmerte, die Luft war so\nkühl und hoch jetzt überall, so durchsichtig klar —\nwer aber war die strahlende Gestalt, die er hier\ngewahrte, und die ihm so gut gefiel —: Komm,\nkomm, du leuchtender Dämon da hinten, komm und\nsetze dich an meine Seite! auf der Rasenbank hier\nwollen wir sitzen, du und ich, wie bist du über-\nirdisch schön, wie ist dein Gewand blendend weiß\nwie eine Sonne, oder ist es im innersten Inner»\npurpurfarben wie ein Blut, oder ist es ganz aus-\nwendig schwarz wie eine Nacht! Oh, wie durck\neinen Diamant kann ich jetzt dein Herz goldig\nlodernd da drinnen sehen, du weißt nicht, wie ger*\nich dein Herz küssen möchte, aber höre jetzt, er-\nzähle mir, wie du heißt... nein, sage es wieder;\nund noch einmal bitte ich dich. Und von neuem —\ndenn es ist ein so merkwürdiger Name, so voll un-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.7", "texte": "vergeblicher Schönheit und Güte, ich fühle seinen\nwieder ia alles meinen Poren und hörte sei-\nnesgleichen doch noch nie zuvor! Und wer bist du\neigentlich, sage es mir — denn im tiefsten Innern\nerscheint es mir, unsagbar süß, als habe ich dich\nmein ganzes Leben gekannt, als habe ich immer an\ndetifer Seite gewandert — bist du eine Schwester\nvoa mir oder wer bist du? komm, ich bin noch ein\nverwirrt und müde, laß meinen Kopf, der\nschwindlig ist, sich an deine Brust lehnen und den\nfeierliche« Tos des Glückes hören, der rein und un-\n»Ät&rbroc-he» da drinnen singt, laß mich in Schlaf\nf*§e?u während ich ihm lausche! ....\nNoch eine Weile gab er sich völlig diesem\nmystischen Genießen hin; konnte geheimnisvoll\nzur selben Zeit glückselig dort liegen, den Nacken\nia. dem Schoß der Geliebten und Fremden — und\ntrotzdem leibhaftig daneben stehen und dankbar\n.si© «nd sich selbst betrachten.\nBis er allmählich ganz nach und nach anfing,\nsich über ein schwaches, aber auffallendes, ein\ngleichsam körniges Gefühl in seinen Lippen zu\nmindern — nun auch über ein außerordentlich\nfeines Knirschen da drinnen an seinen Zähnen!\nBeunruhigt, gleich darauf gereizt, schließlich\nzornig über diese Störung seines Friedens, erhob\ner mit einem Ruck de» Kopf, sah sich um —:\nWas war denn das?\nWas war dies hier nur einmal??\nWo war er denn — wie ging dies alles zu???\nKr erkannte plötzlich, daß er wirklich ganz ein-\nfach. an der Erde lag, auf der Nase, war er gefallen\n— gestrauchelt, wann, wie?\nMit einem Ruck erhob er sich auf die Knie, mit\nbleischwerem Nacken, schmerzenden Schultern, mit\neinem sonderbar spitzen und stechenden Gefühl in\nseinem Herzen, wie von einem Splitter, der quer\nSterin saß; er starrte um sich — und begriff dann\nendlich, daß er also kurz und gut in seinem Garten\nder Länge nach an dem Bollwerk ausgestreckt,\nes war Nacht, war er umgefallen, indem er ganz\nunerwartet eingeschlafen war, oder nachtwandelte\ner? Höchst merkwürdig dies alles, es tat abscheu-\nidh weh in seiner Brust — und in dem Daumen\nder Sinken Hand!\nAber dann kehrte jäh und völlig sein Bewußt-\nsein zurück,.\nEr lachte.\nKam mit ein klein wenig Mühe wieder auf die\nFffie, fühlte sich ein bißchen schwindlig drinnen\ntoter der Stirn, weich in allen Knochen.\nWurde plötzlich von Dankbarkeit ergriffen bei\nde*?i Gedanken daran, daß doch offenbar und Gott\nsei gelobt niemand dieses lächerliche und, milde\ngesprochen, dieses unappetitliche Geschehnis ge-\nsehen hatte!\nEr lachte von neuem — heller als vorhin. Bog\nsich darauf mit etwas Schwierigkeit vornüber, und\nbegann angestrengt, sich die Kleider von oben bis\nanten abzubürsten; zog schließlich auch noch seine\nlacke aus, um zu untersuchen, ob nicht auf dem\nRücken auch noch Spuren seien. Endlich in dieser\nBeziehung beruhigt, begann er immer mehr\nlächelnd, leichten Mutes, schwer trampelnd über\ndie Stelle hin und her zu wandern, wo er gelegen\nhatte, um auch dort kein Zeichen davon zu hinter-\nlassen, daß er da gelegen hatte\nEr sah sich mit den Augen zwinkernd um,\nstrengte sich an, durch die Dunkelheit hindurch das\nganze noch ein letztes Mal zu überschauen, rieb\nsich unwillkürlich über die Brust hin, wo es immer\nnoch schmerzte und stach — und entsann sich\ndarauf seiner Zigaretten.\n„Ja!\" — sagte er halblaut, bewegte die Lip-\npen gegeneinander — „ich glaube wohl, daß ein\nMundvoll Rauch sich vorzüglich in dem Ensemble\nausnehmen wird, ganz einfach!\nIch habe beständig, so scheint es mir, diesen\nhäßlichen Erdgeschmack noch in meinem Gaumen!\nAlso Feuer!\"\nEr zog das Etui heraus, öffnete das kleine\nSchloß mit einiger Mühe, ergriff mit unsicheren\nFingern eine Zigarette, steckte sie in den Mund,\nwühlte eine Streichholzschachtel heraus, bekam\nendlich Feuer.\n„Ah!\" — murmelte er nach dem ersten Zug —:\n„Herr du meines Lebens, wie delikat das\nschmeckt, ganz prima!\" — währenddessen durch-\nrieselte ihn ein sachter Kälteschauer, er wunderte\nsich über die Worte, die er eben ausgesprochen\nhatte — denn in Wirklichkeit erfüllte ihn der Ta-\nbaksrauch in diesem Augenblick nur mit Ekel; er\nwarf nun also den Stummel weg, fühlte sich da-\ndurch beruhigt, sah über seine Schulter zurück.\nEntdeckte dann die Bank, auf der er vor kurzem\ngesessen hatte.\nEr ging langsam dahin, den Kopf wackelnd,\nmit noch schmerzendem Daumen, sah einen Mo-\nment gedankenlos auf die weißen Gitterstäbe nie-\nder, kam darauf zur Besinnung, setzte sich —\nlehnte sich plötzlich schwer zurück.\nNun, dachte er eine Weile darauf —: hier ist\nes ja schön!\nAber worüber grübelte ich doch eben noch\nnach, als ich vorhin hier saß? ...\nEine Sekunde suchte er vergebens nach die-\nsem Gegenstand.\nEr strich sich unentschlossen über die Stirn,\nwo hier und da noch einige Sandkörner saßen.\nEntsann sich dann auf einmal des Namens\nAnni... und da war es ihm plötzlich, als ergieße\nsich ein Strom von ganz feiner, errötender Wärme\nin all seine Glieder —: Annie, von seiner Gelieb-\nten, seiner Frau, hatte er geträumt, während er\nvorhin hier saß!\n\nFortsetzung folgt\n\nDie Barfußtänzerin\nKäte Fischer\nAlfred Richard Meyer\nLaß mich im tiefen Tal\ndeiner firnenweißen Zehen,\nüber die das Rampenlicht Alpenglühen schminkt,\nzwerghaft ein Kletterer sein.\nIch verspreche dir auch, ohne Eispickel und\nBergstock zu kommen.\nLaß mich im Miroir\ndeiner goldgefaßten Nägel\neinzigster Voyeur sein. Hier bin ich! Dort bin ich!\nSpiegel um Spiegel zeigt mich.\nJetzt konvex, jetzt konkav bin ich bald dorisch,\nbald jonisch ein Tempel.\nLaß der Lawinen Staub,\nden Samum auf mich losstürmen!\nIch halte mich schon an dem einzigen Härchen fest,\ndas kein Depilatorium\naus der dunklen Schlucht deiner linken großen\nZehe konnte entfernen.\nLaß mir als Trunk den Quell,\nder von oben duftig rieselt,\nwenn du dann im Beifall des Publikums dich neigst.\nLaf mich — verstatte mir nur\ndieses einzige Mal Edelweiß, Enzian pflückend\n— Tourist sein!\n\nGynäkologisches\nHermann Essig.\nDie Zeit aller Bummelei ist endgültig vorüber«\nWir wissen das!\nDie Offiziere müssen sich schinden. Selbst die\nHerren Stabsärzte.\nLeutnant Gutzeit war sehr in diese zeitschin-\nder igen Betrachtungen verwickelt. Seijn Vettee\nHäring war schlechterdings zu keiner Partie mehf\nherzukriegen.\nVerdammter Schlauch! der allüberall Platz\ngreift. — Ein Stabsarzt war früher immer zu haben\ngewesen, wenn die Herren von der Linie ange-\nspannt waren.\nVetter Häring mußte einmal Auskunft geben,\nwarum ihn der Dienst so hoch nahm.\nEr war in die Charite kommandiert. Ahat\nDas war diese sonderbare halbzivile Geschichte»\n'wo man nur zum Mittagessen Uniform trug.\nNatürlich, das war die verdammte Notlage.\nEr war ein sogenannter Streber.\nNa, darum doch einmal zu ihm hingestiegen\nund ihn zur Rede gestellt! Vielleicht war bei ihm\ndoch eine Partie zu verquicken.\nBei Stabsarzt Vetter Häring ließ sich Leut-\nnant Gutzeit acht Uhr abends melden.\n„Sehr nett von dir! Lebst du überhaupt noch?4*\n„Ich lebe schon. Lebst du noch?\"\nGutzeit erwischte gerade noch die Bücher,\nüber welche Häring studiert hatte, und die jetzt\nhoch oben auf ein Regal flogen.\n„Donnerwetter! Gynäkologisches.\"\n„Ja. Gynäkologie.\"\n„Sag einmal, die Armee rekrutiert sich aus\nlauter deutschen jungen Männern, was hast du\ndenn mit Weibern zu schaffen?\"\n„Scherze mir nicht! Ich entbinde zurzeit täg-\nlich Stück dreißig Weiber in königlicher Universi-\ntätsklinik.\" 112\n„Nicht möglich.\"\n„Stilgerecht. Zangen. Beckensägungen. Die\nleichten Fälle holt die Hebamme.\"\n„Mensch! Wird denn damit gerechnet, daß\nanormal mal Miles Kinder kriegt?\" —\nLeutnant Gutzeit fragte verblüffend ernst.\n„Beruhige dich, Vetter! Wenn ich im aktiven\nDienste einmal was entbinden würde, wäre es\nwahrscheinlich die Frau Feldwebel.\"\n\nEmpfohlene Bücher\nPaul Leppin\nSeverins Gang in die Finsternis ./ Ein Prager\nGespensterroman\nDelphin-Verlag / München\nPaul Zech\nDie eiserne Brücke / Neue Gedichte\nLeipzig ./ Verlag der Weißen Bücher\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen Lieferung 13: L. Curtius: Die an-\ntike Kunst / Heft 1\nBerlin-Neubabelsberg / Akademische Verlags-\ngesellschaft Athenaion m. b. H."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140401-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vos\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durd\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zell«\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlas\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\ntag Der Sturm ohne Angab« der Gründe vor\nVerantwortlich fflr den gesamten Inhalt und Vertag:\nF. Harnisch / Berlin W 36\nDruck Carl Hause l Berlin SO 2€\n\nStandige Aussteilungen\nder Zeitschrifi Der Sturm\nBerlin W / Pofsdamer Slraiie 834 s\nVierundzwanzigste Ausstellung\nPaul Klee\nExpressionisten\nOedffnet tSgiich v<m 10—6 L'hr ; Sonnies vou\n11—2 Uhr\nHintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 MarH\nMonatlicher Wechsel\nSturmaussteliungen in Deutschland und mi A is-\nland I April 1914\nMagdeburg: Kandinsky\nTrondhjem / Norwegen: Ber Blai-.c Reiter\nHalle: Arci'ipenko\nMarburg: Franz Marc\nErlangen: Gabriele Muster\nSuiitgart: August Macke\nStockholm: Graphik\nTokyo: Graphik\nLondon: Graphik\nHannover: Severini\nEisenach: Expressionisten\nFrankfurt a. M.: Jawlensky\n\nVerlag Der Sturm\n9trUn Wt Potsdamer StraBe 134*\nfernruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsschrift der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewdfiwllcke Ausgabe: Far Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Em Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark I Ein Vierteliahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig X F ii r das\nAusland bei direkter Zust.ellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSenderausgabe: Ungebrochene Ex era-\nis I a r e au! hoizfreiem Papier, V e r -\ns e n d u n g in Roiien direkt durch die\nHost fflr Deutschland und O e s t e r -\nreieh-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nOa Halbiahr 6 Mark X Far das Ausland:\nf-in Jahr 18 francs / Ein fialbjaiir 9 francs / Von\niieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nBummern und Probenummern n i c h t abg^geben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n*:5 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nJit Zeitschritt Der Sturm ist durch alle Buch- und\nAnnsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n&arch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu he-\nf-sehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nflails direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fflr den\nDauerbezug bei der Bestellung oder b*l\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\n«un fflnften des ersten Monats elize-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daf E1 n -\n£iehung des Betrages durch Nachnahme\nanter Berechnung des Nachnahmeportes ge-\nwUnscht wird\nGeaeralvertretuag Ytrfags EoFlgaltrt /\nParis\n\nOriginalholzschmite / Handdrucke\nDie Gesamtauflage 1st in Kiamrnern beigeffigt / Alle\nExemplare sind vorn Kiinstler mtrrimenert und signiert\nFranz Marc: Versohnung / Tier-\nlegende / Pferde / T i ge r / Pferde\nHochformat / Die Mir tin / Der 3 tier /\nScfalafende H < r t i n / W H d p f e r d e /\nRuhende Pferde (handaiiuareiliert) j Daa\nExemplar 40 Mark (je 10)\nMax Pechstein: Die E r I e g u n g des F e s t -\nb r a t e n s / An? Nuimner 9-1 der Zeitschrift Der\nSturm vom Kiinstler mit der Hand aquarelliert J\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nKandinsky: Sonntag / Zwei Vogel I Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nWflhelm Morgncr: Acker rnu weiD / Tlerdres-\nseur I Molzarbeiterfamilie / Fressende flolzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabrie!e Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Heibig: Landschaft I Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidi-Roftluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraBe / Nordischer Hafen / jMadchen auf Sofa J\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / Portrat /\n/ StraBenkurve / Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / MiiBige Hetaren /\nSchlafende Iletare I Je 40 Mark (12)\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] / Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Plakat fOr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart J 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMiisik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fiir Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten\nKtinstierposlkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / QinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruheiose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Urn b e r t o Boccioni: Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungea /\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier la\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa in eia-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de 1'Effort Social / Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Eflort Libre / truher L'Effort / Monatsschrift I\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Fransatee / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Numrner 1 Franc#\n50 centimes\nMontjole / Halbmonatsschrift / Paris / Chauss^t\nd'Antin 38\nHaro I Monatsschrift / Briissel\nLes Cahlers da Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustre /\nDirecteurs: Quillaume Apollinaire et Jean C6-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail ./ Jahres-\nbezug 12 francs\nUraelecky Mesicnik / Monatsschrift ftir neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nVerein fiir Kunst/Leitung HerwarthWaldei\nI Zehntes Jahr / Jahresbeitrag 20 M. / Rechte\nder Mitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nLothar Komeyer I Im Selbstverlag erscheint eine\nMappe mit 6 Radierungen auf Japan-Biitten. Der\nSubskriptionspreis fiir die Mappe betragt 25 Mark\nBestellungen sind zu richten an Lothar Homeyer\nCharlottenburg, SybelstraBe 42.\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Qegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge ./ Whitman /\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi I Qhose / Mac\nQathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard Q. Badger / Boston / Mass\n/ USA 194 Boylston Street\nAlbert Ehrenstein: Die weiBe Zeit/Dieser Qedicht-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden,\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Qeorg Muller, Miinchen, Elisabeth-\nstraBe 26\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,2'5 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nKarl Vogt vom koniglichen Schauspielhaus wird\nseinen Balladen-Abend im Meistersaal mit einigen\nVeranderungen des Programms am Sonntag, den\n26. April wiederholen"}]}