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Die Weltmeisterschaftsmaler erhielten am\nZiel den Lorbeerkranz von seiner Hochwohl-\ngeboren Fritz Stahl auf das greise Haupt gedrückt,\ndie Sieger leerten mehrere Humpen auf das Wohl\nihres Fachmanns, die Erde wird schöner mit jedem\nTag und das Blühen will immer noch nicht enden.\n„Die neuen Ausstellungen unserer Salons sind Ju-\nnioren gewidmet, fast durchweg Vertreter einer\nKunst, die sich selbst als die Kunst der Zukunft\nbezeichnet, für die aber wüste Schreier zugleich\ndie ganze Gegenwart in Anspruch nehmen.\" Herr\nFritz Stahl will also Urteile über Junioren nach-\nprüfen. Seine eigenen Urteile. Herr Fritz Stahl\nfeat zwar bisher nur hingerichtet und nicht ge-\nurteilt, oder geurteilt, ohne gesehen zu haben.\nAber selbst, wenn er gesehen hätte, würde er kein\nUrteil haben. Es handelt sich hier nicht um einen\n'Sportsbetrieb. Man kennt in der Kunst nicht das\nZiel, an dem Herr Fritz Stahl, der Kenner, mit dem\nLorbeer steht. Der Künstler schießt immer über\ndas Ziel hinaus und der Schiedsmann hat das Nach-\nsehen. Aber ehe der nachsieht, sind die Künstler\nschon wieder am Start, und wenn er auf den Start\nblickt, sind sie schon wieder über sein Ziel hinaus.\nEr kann einem leid tun, so ein armer, alter Mann.\nEr bemüht sich, von der Stirne heiß, er guckt sich\ndie Augen aus dem Kopf, und sieht infolgedessen\nnichts. Dafür hört er die wüsten Schreier, mich.\nWas man nicht versteht, hält man für Geschrei.\nDie Ohren klingen ihm also endlich, aber das Klin-\ngen hört er noch nicht. Er beschwert sich, daß\nman die ganze Gegenwart in Anspruch nimmt. Ich\ngönne ihm sein bescheidenes Plätzchen, im trauten\nDämmerlicht. Aber was will er mit der Gegen-\nwart anfangen, wo er doch in der Vergangenheit,\nim Schatten großer Senioren, sein Dasein fristet.\nIch will ihm sogar gern den Himmel meiner Zu-\nkunft öffnen, ich stelle ihm sogar Eselsbrücken zur\nVerfügung. Aber einem Wasserscheuen ist nicht\neinmal damit gedient. Trotzdem, er nimmt sich\nernst, Herr Fritz Stahl. Er läßt sich durch wüste\nSchreier nicht beirren. Er ist ein Mann. Ein\nMann mit Grundsätzen. „Man darf sich dadurch,\nwenn man sich selbst ernst nimmt, nicht beirren\nlassen und weder dazu bewegen lassen, Verdienste\nanzuerkennen, die man nicht sieht, noch dazu drän-\ngen lassen, in Bausch und Bogen abzulehnen.\"\nNiemand will ihn bewegen, Verdienste anzuer-\nkennen. Denn was er sieht, verdient nicht, an-\nerkannt zu werden. Und was er nicht sieht, wird\ner nie sehen lernen. Herr Fritz Stahl wird hin-\ngegen in so viel Bausch und Bogen abgelehnt, als\ner davon vollgeschrieben hat. Ohne daß man sich\ndazu drängen läßt. „Jeder Künstler gilt soviel, als\ner leisten kann.\" Aber seine Leistung hängt nicht\nvon der Geltung des Herrn Stahl ab. „Das muß\nimmer wiederholt werden, weil immer wieder be-\nhauptet wird, gegen die jungen Leute herrsche in\nder Kritik Parteihaß.\" Das hat niemand behauptet,\nUnfähigkeit an künstlerischer Anschauung heißt nicht\nauf deutsch Parteihaß, Herr Fritz Stahl ist nicht\n„die Kritik\" und die sogenannten jungen Leute\nsind heute alle zwischen dreißig und vierzig.\n„Diese ganze Verstellung stammt aus einer Zeit,\nwo man an eine Kunst glaubte, jeder seine als\ndie einzige behauptete. Das tun heute nur noch\ndie jüngsten, mehr die Wortführer als die Künstler\nselbst. Sie haben denn auch den frechen und dum-\nmen Haß und bellen ihn fröhlich heraus.\" Herr\nFritz Stahl ist der einzige, der an eine Kunst\nglaubt, nämlich an die, die er würdigt, aber nicht\nversteht. Ich glaube an keine Kunst, ich glaube\nnur an Künstler. Ich glaube nicht an Senioren und\nJunioren. Weder das nicht übertrieben hohe Alter\ndes Herrn Fritz Stahl noch meine nicht allzu junge\nJugend geben die Gewähr der Künstlerschaft oder\nKunstkennerschaft. Aber Herr Stahl stutzt vor den\nBegriffen, die er sich zur echtgeklaubt hat, ich\nstutze vor dem Künstler, der die Begriffe beiseite\nschiebt. Herr Stahl schiebt die Kunst weiter, ich\nwerde vom Künstler geschoben. Herr Stahl be-\nlehrt die Kunst, ich lerne vom Künstler. Herr Stahl\nist so bescheiden, der Kunst die Wege vorzu-\nschreiben, ich bin so frech, den Künstlern nach-\nzulaufen. Herr Stahl ist so klug, Menzel zu loben,\nich bin so dumm, wie Herr Stahl nie klug sein\nkann. Herr Stahl hört mich bellen, wo ich mit\nEngelstönen rede. Ich sehe die Lämmer weiden,\naber Blöken kann ich nicht vertragen. Ich bin\nnicht musikalisch. Ich kann auch keine Lämmer\nhüten, aber ich kann mir meine Wiese nicht ver-\ntrampeln lassen. Ich bin kein Leithammel, des-\nwegen wünsche ich auch nicht, daß mir die Her-\nden folgen. Die Junioren des Herrn Stahl kann er\nsämtlich zu seinen Senioren versammeln. Wir, die\nwir Kunst lieben und kennen, haben sie nie für\n„kommende Genies\" gehalten. Genies kommen\nüberhaupt nicht. 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Hinweg!\nRauschen und Wehn!\nHunger!\nRinde und Blatt\nWeiter!\nEntwurzelter Stamm\nIn nerviger Faust!\nSchwung und Schlag!\nBlutiger Fraß!\nFort!\nBlendende Strahlen\nAus blutrotem Rund!\nMachtvoller! •-\nHin!\nBlindes Dunkel\nGrausen um um\nSchlaf und Tod\nSchrecklicher!\nHilf!\nRuhe und Rast\nWeiter und weiter!\nFluß und Tal\nWeiter und weiter!\nWasser und Sand\nWeiter und weiter!\nWeiter! Weiter!\n\nTanz\nMilchweiche Schultern!\nAugen flirren, flackern!\nBlond und schwarz und sonnengolde*\nTaumeln Haare, wirren, krampfen,\nSchlingen Brücken,\nBrücken!\nHin\nUnd rüber\nTaumeln, Kitzel,\nBäumen, saugen,\nSaugen, züngeln,\nSchürfen\nBlut\nSchweres, lustgesträubtes\nBlut!\nIn die Wunden\nHüpfen Töne,\nSielen, bohren,\nWühlen, quirlen,\nFallen kichernd,\nSchwellen auf und fressen sich,\nGatten, gatten, schwängern sich,\nBären Schauer\nWahnengroß!\nHilflos surren um die Lichter\nMütterängste\nNach den Kindern,\nDie sich winden,\nWinden, huschen\nVor den Tritten,\nDie sie packen,\nIhre glasen, sichten Leiber\nSchinden, scharren,\nPressen, schleudern,\nTückisch abgemessne Lüste"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1194, "texte": "Jagen unter Brunstgestöne,\nBrunstgeächze\nUnd\nGekrächze!\nDurch die Wirrnis\nDurch die Flirrnis\nBlitzt Verstummen!\nJäh zerflattern\nDrängen gellend\nAn die Decke\nSich die Töne,\nKlammern, krallen\nScheu verwimmernd\nAm Gebälk!\nGlotzen nieder,\nWo mit Wuchten\nSchlorrt das Keuchen,\nSchlappet\nRingsum an den Wänden\nSeinen ungefügen Leib,\nUnzahlmäulig\nZuckt und schnauft!\nAn die angstzerglühten Herzen\nReißen flammend hoch die Lichter\nIhre hetzverstörten Kinder,\nDie in Irren, Wirren\nZitternd\nOb der ungewohnten Ruhe\nAb sich tasten\nUnd sich streicheln\nGegenseitig\nHell von Staunen,\nDaß sie leben noch,\nSie leben!\nZagig finden sie das Lächeln,\nFluten leise, fluten, fluten,\nReichen summend sich die Hände,\nWerden warm\nUnd\nSchwingen Reigen!\nDa\nIn Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht\nVollgesogen\nVom Gebälke\nStiebt das Gellen!\nSchrillt unbändig,\nUeberschlägt sich,\nPurzelt, flattert,\nSpringt und stöbert,\nFedert, pumpelt auf\nDas Untier,\nDas\nMit tausend Füßen aufschrickt,\nTrippelt, trappelt,\nTrappelt, grappelt,\nGell gedrängelt\nVon den Tönen,\nDie zerrasseln,\nNiederprasseln,\nPeitschen, schlagen, fiebern, kosei\nUnd im Wirbel\nWringen, wiegen\nSchwelles,\nBlaßhellrotes Fleisch!\nMilchweiche Schultern!\nAugen . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "10", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Hinweg!\nRauschen und Wehn!\nHunger!\nRinde und Blatt\nWeiter!\nEntwurzelter Stamm\nIn nerviger Faust!\nSchwung und Schlag!\nBlutiger Fraß!\nFort!\nBlendende Strahlen\nAus blutrotem Rund!\nMachtvoller! •-\nHin!\nBlindes Dunkel\nGrausen um um\nSchlaf und Tod\nSchrecklicher!\nHilf!\nRuhe und Rast\nWeiter und weiter!\nFluß und Tal\nWeiter und weiter!\nWasser und Sand\nWeiter und weiter!\nWeiter! 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wie hast du unvergänglich\nalle meine Nerven mit Glück geladen, daß nur die\nErinnerung an dich genug ist, um mein Herz\nlachen und zittern zu machen, durch meine Mus-\nkeln rinnt das Blut und flüstert von dir, siehe,\nwenn ich meine Hand erhebe, so zittert sie bei\ndem bloßen Gedanken an dich, du weißt nicht,\nwie ich stark und hell bin, unbesiegbar, wenn ich\ndeinen Namen denke, meine Einzige, meine Ewige,\nmeine Geliebte!\nEr lachte, heiß und froh.\nStreckte lächelnd seine Arme aus.\nAtmete mit Wollust das Aroma der ganzen\nNacht ein —- die großen, kühlen Düfte von Gras,\nvon Blumen, von Meer.\nUnd erinnerte sich dann plötzlich, von neuem\nvor Wonne lachend, mit blinzelnden Augen — des\nallerersten Males vor vielen Jahren, als er und sie\neinander begegnet waren!\nJenes Abends im Künstlerklub, es war das\nerste und letzte Mal, daß er da war, ja, welche\nunfaßliche Güte von Seiten des Lebens gegen ihn:\ndies einzige Mal — gerade das Mal sein zu las-\nsen, wo auch sie zugegen war!\nNein, er hatte sicherlich nichts vergessen —\nauch nicht die allergeringste, scheinbare Kleinig-\nkeit von jenem strahlenden Abend, dem Götter-\nabend, da er geboren wurde, da er zum erstenmal\ndas Licht des Tages in seiner ganzen Pracht er-\nblickte, da plötzlich dieses dröhnende, goldene\nFor selber geöffnet wurde, um ihn einzulassen,\nihn, in die schimmernde Burg des Glücks, in den\nrosenumfriedeten, holdseligen Fürsten-Palast des\nGlücks einzulassen!\nAber nein, das war keine von den Begeben-\nheiten, die zu vergessen überhaupt möglich ist!\nIlahaha, nein, sicherlich nicht!\nHöre nun einmal —:\nEs war also an diesem Abend vor dreizehn\nJahren. Er war damals noch geradezu unerlaubt\narm; niemand kaufte seine Bücher, nur die Kol-\nlegen lasen sie — und die erhielten sie gratis von\ndem gemeinsamen Verlag oder von ihm selber,\noder sie liehen sie sich untereinander . . . wohl\nbemerkt, diejenigen, die sich überhaupt mit dem\nbeschäftigen mochten, was er schrieb! Nun ja,\ndas mag einerlei sein — die Tatsache war nur, daß\ner an Mammon ärmer war als alle, aber irgend\njemand hatte ihn eingeladen, zu diesem alljähr-\nlichen Ball zu kommen, der im Künstlerklub ge-\ngeben wurde. Ach, hatte der Betreffende gesagt,\nwenn auch nicht ganz ohne Malice —: ich will\ndir nur sagen, dort wirst du dich eklatant amü-\nsieren, da ist Witz, da ist Geist, da ist Schönheit\n— und da sind gar keine Fremden, wir sind ganz\nunter uns! Haha, und Morton bekam also viel\nzu tun, löste sich seinen Frack aus dem Leihhause\nein, was ihm übrigens irgendeine Klassikerausgabe\nkostete! Er war allerdings gut zehn Jahre alt,\nbesagter Bekleidungsgegenstand stammte noch\nvon seinem Abiturientenexamen her, paßte ihm\naber trotzdem, wie er auch erwartet hatte, ganz\ngut, was die Größe betrifft —: denn damals, als\ner angefertigt (und von seinem Vater bezahlt!)\nwurde, war er absichtlich reichlich groß gemacht\nworden, er entsann sich noch, wie er ihm um die'\nSchultern geschlottert hatte, als er ihn bekam!\nMorton lachte.\nEr sah blinzelnd vor sich hin und lachte.\nErinnerte sich plötzlich seiner selbst, wie er\nausgesehen hatte an jenem Abend mitten im Wia-\nter, in einem gräßlichen Schneeregen, als er gegen\nneun Uhr schließlich mit seiner Toilette fertig ge-\nworden, fortgekommen war, und jetzt atemlos\ndort in der mächtigen, prachtvoll erleuchteten und\neisweißen Halle des Hotels stand, mit großer\nFlottheit (und innerem Schrecken!) nonchalant\nseinen Ueberrock, in dem das Futter nämlich zer-\nrissen war, einem dienernden und überfrisierte*\nGarderobier zuwarf — und sich darauf vor de»\nkolossalen Spiegel stellte, der acht, zehn Elle*\nbreit und wenigstens ebenso hoch eine Nische im\nder einen der prangenden Wände des Raumes\nverdeckte. Ach ja, dachte er weiter, entsann sick\ndes Bildes, das sich damals vor diesen dreizehm\nJahren seinem sehr kritischen und keineswegs be-\nfriedigten Blick zeigte, da drinnen in dieser ge-\nwaltigen, spiegelnden Fläche: ein großer, junger\nMann mit kräftigen Schultern, Arme und Beine auf\ndem rechten Fleck, nicht ohne Eleganz, ein hef-\ntiges, glattrasiertes Gesicht, aus dem die großem\ndunklen Augen hervorleuchteten — ein kleim\nwenig überarbeitet, mit etwas unsicherem Blick\nmomentan, infolge des beklemmenden Ernstes der\nSituation — aber sonst flammend genug! das\ndunkle, dichte Haar auf der linken Seite geschei-\ntelt — oder nein, in Wirklichkeit also auf der\nrechten! und die Kleidung: der Frack, der, wen*\nman seine Nase ihm ein wenig näher brachte, nocb\nunverkennbare Erinnerungen an den Ort der\nBarmherzigkeit trug, woher er kam — die Bein-\nkleider, die vielleicht ein wenig zu stramm saßen;\ndas ganze gewiß etwas unmodern, aber trotzdem\n— ach ja, es konnte wohl angehen, war auf alle\nFälle bedeutend besser, als er erwartet hatte!\nUnd endlich verließ er den Spiegel, näherte sick\nmit testen Schritten der breiten Treppe, den gro-\nßen, weißen Flügeltüren, wo zwei sich verneigende\nDiener Wache hielten —:\n„Ja, danke!\"\nSie rissen die Türen auf. Er trat ein. Ein ell-\nbogendichtes Gewimmel von Damen und Herre*\n— unter dem blendenden Schein von unzähligen,\nelektrischen Lampen. Seidene Gewänder in Brand-\ngelb, in Hellblau und Weiß, wunderbar klare, strah-\nlende Stoffe. Tüll, Mull, Atlas, Taft; nackte, weiße\nSchultern, Lächeln, ein Wirrwarr von Düften —\nJa die schwarzen Fracks der Herren, die große\nschneeblanke Hemdbrust, Orden hier und da; ei®\nunaufhörliches Summen von allen Seiten — eine\nkochende Hitze! —\nGlaß amüsierte sich nicht in den ersten paar\nStunden —: er verschlang mit allen Sinnen!\nEr sah hin und wieder diesen oder jenen Kame-\nraden, wechselte ein oder zwei Worte mit ihm„\nfertigte ihn schnell ab, brauchte im übrigen unun-\nterbrochen seine Augen und Ohren, erkannte\nimmer neue Gesichter, die er bisher nur in Zeitun-\ngen auf Postkarten, auf Photogravüren vorn in\nihren gesammelten Werken gesehen hatte — oder\nauf seinen eigenen Phantasieporträts, die er nach\ndem Inhalt und Stil ihrer Bücher geschaffen hatte.\nDu großer Gott, welch ein Gewimmel von bekann-\nten Namen, alles, was das Land an Geist besaß,\nein Parnaß —: da stand der und da stand jener!\nhier bahnte sich Karise selbst, der vergötterte Vio-\nlinist, einen Weg, gefolgt von einem Schwärm von\nDamen — dort stand die Schriftstellerin Lise\nBrown, umringt von einer Schar von Anbetern!\ndort, nicht zehn Schritt von Morton entfernt, von"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10629, "texte": "ihm getrennt durch einen Strom von Schultern und\nKopien, in einer einzigen, kleinen Gruppe, die\nCreme von dem allen: in erster Linie der Präsi-\ndent des Kiubs, der Kritiker mit dem Weltnamen,\nG. W. Neergaard, mit dem langen, weißen Haar,\ndas sein braunes, scharfes und kurzes Gesicht um-\nflatterte, noch heute das eines ganz jun-\ngen Adlers; dann Ie Ponge, der Sänger mit\nder goldenen Stimme, ein kleiner, untersetzter\nMann, bei dein sich die Schönheit der Stimme\nschon in den Flammen der mächtigen, blauen\nAugen verriet; Frau Martini, unsere größte Schau-\nspielerin, jung, mit einem wunderbaren Lachen,\ndie beiden Schultern entblößt, derengleichen es\nnicht gab; Lehmann, der Professor, der Porträt-\nmaler, mit seiner schallenden Munterkeit hin und\nwieder alle übertäubend, aller Blicke auf sich\nziehend durch seine Herkulesgestalt — und endlich\nRabiri, der Ehrengast des Klubs, der für alle Zei-\nten unvergeßliche japanische Dichter, der für die-\nsen einen Abend, nur um einige Stunden des Bei-\nsammenseins mit seinem Freund, dem Präsidenten,\nzu erlangen, von Paris hierher gereist war... ach,\ndu gütiger Himmel, alle diese Größen — und er\nselbst, mit dem Abiturientenfrack, der nach Naph-\nthalin stank! ...\nNun ja, erinnerte sich Morton weiter —\n. Aber was hatte das alles übrigens mit der Sache\nzu tun —: es handelte sich um Annie!\nUm Annie Ulfeldt — die in jenem Nu, wo er\nselbst in den Empfangssaal getreten und dort\nstehen geblieben war, gegen einen weißen Kachel-\nkamin gepreßt — schon da drinnen war, ihm un-\nsichtbar, zusammen mit ihrem Onkel, Nicolas Ul-\nfeldt, dem Balladenkomponisten! Annie, die eben-\nso wie Glaß zum erstenmal hier war, geblendet,\nbeunruhigt und überwältigt, die großen, blauen\nAugen weit geöffnet, zugleich neugierig und bang!\nHaha, ach Ja, aber noch sollten mehrere Stunden\nvergehen, ehe er und sie sich sahen —. ehe sie\nüberhaupt ihr gegenseitiges Dasein ahnten! Erst\nsollte ja nämlich gegessen werden —■: da drinnen\nin einem majestätischen Saal, in einem Bagdad von\nMarmor und Gold und Licht, an Tischen, die von\nKristall und Silber flammten, von Blumen leuchte-\nten, mit Tafeltüchern blendeten; in einer babyloni-\nschen Verwirrung von Stimmen; dieses plötzliche\nlautlose Schweigen, wenn eine von diesen Be-\nrühmtheiten sich erhob und klingend an ihr Glas\ngeschlagen hatte; diese Stimmen, tief oder hell im\nKlang, durch Hunderte von Festabenden daran ge-\nwöhnt zu reden, geschmeidig die Sprache biegend,\nsie mit ihrem Witz oder Pathos formend, sie gleich\neiner Brücke von Brillanten von Punkt zu Punkt\nin ihren Gedanken spannend, oder sie wie eine\nKaskade von Freude und Glanz aufschnellend,\noder sie wie einen Wolkenbruch von Blumen, von\nRosen und Lilien und Veilchen über die Frauen\nzu allen Seiten ausstreuend!\nLFnd darauf der Ball — schließlich! Dieser un-\nvergeßliche Ball von Tausenden, der nun monate-\nlang das Unterhaltungsthema all der jungen Da-\nmen in der Stadt bilden sollte — der große Ball,\ni# diesem leckern und luxuriösen Märchensaal, aus\ndem die Tische fortgeräumt waren, und wo der\nFußboden mit seinem Glanz blendete! —\nMorton — der nach und nach ein wenig zu sich\ngekommen war; der die Ueberarbeitung, die\nTinte an Geist und Lippe, mit dem blonden, per-\nlenden Wein weggespült hatte; Morton, der sich\nallmählich satt und munter gesehen und sich\nstark gelauscht hatte; der endlich das Bewußt-\nsein von allen diesen Berühmtheiten überwunden\nhatte, die sich um ihn her bewegten — Morton\nwar gerade drinnen im Rauchsalon gewesen und\nhatte eine Zigarette zu seinem Mokka genossen,\nder ihm in einem papierdünnen und goldenen Fin-\ngerhut gereicht worden war; jetzt hörte er plötz-\nlich das Brausen, den süßen und brutalen Sturm\nvon dem Zigeunerorchester da drinnen im Tanz-\nsaal, Leo Brandes selbst, dieser göttliche, dieser\nschmeichelnde und wahnsinnig leidenschaftliche\nViolinist und Dirigent! — Glaß stand einen Augen-\nblick wie gelähmt still bei den schwellenden Lau-\nten der ersten rasenden und heißen Takte — ja-\nwohl, es war einfach das erstemal in seinem Le-\nben, daß er Leo Brandes spielen hörte! Ach, aber\nnun wurde auch diese ganze rote Fülle von Blut\nin Mortons großem Körper gründlich entzündet,\nnun brannten diese Sinne, die an sich schon\nFeuer waren, nun spannten sich alle seine Mus-\nkeln, er erhob sein Antlitz noch höher wie zuvor,\ner fühlte seine Augen flammen, sein Gang war so\nleicht, durch seine Nerven flogen funkensprühend\ndiese Gewitter- und Sonnenscheintöne — er ließ\nden Blick umherfahren, um sie zu finden, mit der\ner tanzen konnte •—:\nJa!\nUnd da!\nDa drüben in der Ecke!\nDort, kaum sichtbar, hinter einem Schwärm\nvon Kavalieren, dort gewahrte er, neben Nicolas\nUlfeidts riesengroßem Häuptlingskopf, mit dem\neisengrauen Haar, da, gewahrte er das Gold!\nAnnies Reichtum an gesponnenem und goldenem\nMetall, Annies strahlendes Haar, dessengleichen\nniemand gesehen hatte! —\nGlaß runzelte indessen gleich darauf seine\nStirn —: ach, sieh da! wer mag sie wohl sein,\nsteht sie nicht neben Ulfeldt -— aber der ist ja\nnicht verheiratet, sie kann also seine Tochter\nnicht sein, wahrscheinlich eine von diesen Damen,\ndie er protegieren soll: eine von diesen eisabge-\nkühlten und hyperintellektuellen Jungfrauen, die\ndie Männer nach der Zahl der Zeitungen messen,\nin denen ihre Namen genannt werden!\nEr war dessenungeachtet ein paar Schritte\nnäher getreten, rätselhaft aufgebracht, unzufrieden\nsogar mit diesem wiegenden Fluß eines Walzers,\nden die Geigen da drinnen ausströmen ließen —\nhöchlich unzufrieden mit sich selbst gleichfalls,\nmit allem!\nDa hörte er sie lachen — und von neuem fuhr\neine Erschütterung durch alle seine Glieder: das\nwas das Gold, das klang! Ach ja, wie sie lachen\nkonnte, allmächtiger Gott, was war Leo Brandes'\nMusik doch jämmerlich neben dem unbeschreiblich\nklingenden Laut ihres Lachens — in dem alles\nenthalten war, was ein Herz froh und heiß macht!\nHahaha, wie selig, nur allein hier zu stehen, weit\nentfernt, ohne daß sie ahnt, daß man existiert, alle\nNerven überspült, glückselig von diesem Morgen-\nwind, von diesem Sonnensommermorgens Wind\nund Meer . . . und von dem Anblick ihres reichen,\nschimmernden Haares, das ihren Nacken auf dem\nzarten Halse hintenüberbeugt!\nEr war, ohne es zu wissen, allmählich noch\neinige Ellen näher gekommen; war gleichzeitig\nnoch mehr unerklärlich bitter und zornig gewor-\nden, sein Herz hämmerte unruhig, als wolle es\nzerspringen, er starrte neidisch alle diese Herren\nan, die dort dicht um sie herumstanden. Ach,\nkönnte man sie nur mit einer Bewegung seiner\nlangen Arme wegjagen, er hatte in diesem Augen-\nblick mehr als genug Kräfte dazu! Da standen sie\n— er fand buchstäblich, daß er es ihren Rücken\nansehen konnte — und überstarrten sie neugierig\nund roh mit begehrlichen Blicken, pfui Teufel,\nschämten sie sich denn nicht?!\nEine brennende Hoffnungslosigkeit durch-\nzuckte seine Brust, er wollte sich umwenden,\nwollte fortgehen! er wollte entschlossen sich einer\nlachenden und lustigen, endlosen Schar, Damen\nund Herren in Menge, anschließen, die gerade jetzt\nan ihm vorüberströmten, vom Kaffeetisch und den\nZigaretten kommend — die ihn für einige Sekun-\nden von der Gruppe da drüben in der Ecke\ntrennten! er wollte mit hinein und tauzen..»\noder nein, das mochte er auch nicht, er hatte keifte\nLust mehr zu irgend etwas, er wollte nach Hause,\ner wollte sich nicht zwischen all diesen Men-\nschen bewegen, er wollte spornstreichs nach\nHause — nach Hause und schreiben! Ach ja,\nschreiben, er wollte ihnen allen miteinander zei-\ngen, was in ihm wohnte! er wollte sie alle mitein-\nander lehren, daß es darauf ankam —: wie heftig\nes da drinnen lohte, wie groß und wie hoch die\nFlammen waren — und wie genau sie von die-\nsem rätselhaft Wollenden und Lichten dort im\nallertiefsten Innern gezügelt werden konnten!...\nAber er ging doch nicht!\nDas heißt —:\nAls diese lange Flut von glühenden Waagen,\nvon zusammengeketteten Händen, von Atfas-\nschleppen und von schwarzen Fracks an ihm vor\nübergebraust war — da war er plötzlich noch ein\npaar Schritte näher an die Gruppe in der Ecke\nherangetreten.\nUnd da sah er das Wunderbarste, was er ie\nin den Tagen seines Lebens gesehen hatte — ach,\ndas, wovon er tausende von Malen geträumt, was\ner aber nie zuvor erlebt hatte!\nOder nein, es war ja ganz einfach unmöglich!\nDergleichen existierte nicht!\nUnd doch, jawohl, sieh nun da einmal» be-\ntrachte nur die Art und Weise, wie sie alle zu-\nsammen, Jung und Alt, mit ganz anderen Gesich-\ntern, als er es sich vorgestellt hatte, gleichsam\nvon unten herauf, zu ihrem Antlitz emporsehen!\nIst das wirklich richtig, lügen seine Äugen\nnicht —: ach nein, es ist kein Zweifel möglich,\nnicht einer von diesen Männern hat die Blicke,\ndie er haßt! Keineswegs, nein, im Gegenteil: ihre\nAugen lachen, sie strahlen, sie öffnen sich so klar\nund lachen! Ach, mein Gott —: das ist aiso in\nWahrheit das Gold, nicht bloß an Haar und Lachen,\nsondern auch im tiefsten Innern!\nIst es möglich —: vergilt mir das Leben jetzt\nauf einmal an diesem Abend, daß ich es solange\nglühender geliebt habe als irgendein anderer?\nErschließt es mir wirklich dankbar und besiegt\nseinen allmächtigen, seinen großen Schoß — und\nzeigt mir schwindelnd den Schatz, das rote, das\nköstliche Metall, das darin verborgen liegt?!...\nAber noch einmal zögerte Morton; tief unter\nihm zitterten seine Knie, sein Herz raste da drin-\nnen, in seinen Händen sprang plötzlich ein Beben\nauf — aber noch einmal versuchte er, sich da-\ngegen anzustemmen, er runzelte heftig die Stirn,\nwollte nicht nachgeben: sehr wohl, es blieb also\nnur eine einzige Erklärung für dies unglaubliche\nPhänomen öbrig —: daß die Dame von oben bis\nunten von Alabaster war, eine Marmorbraut —\nein fein gemeißeltes Eisblockkunstwerk! Es war\nvermutlich die Statuenkunst Griechenlands, die\nfür einen Abend hier hinaufgerückt war, es war\nein abgeklärtes, schneeweißes Bild, das ans un-\nbestreitbar mit der Offenbarung seiner Schönheit\ntraf — das aber nicht zündete, weil es selber nicht\nbrennen konnte!\nSelbstverständlich!\nWie sollte es auch wohl anders möglich sein\n— grübelte er weiter, ohne selbst auch nur eine\nSekunde daran zu glauben.\nEr war jetzt stehen geblieben, nur drei oder\nvier Schritten außerhalb des Kreises von schwar-\nzen Fracks, der sie ellenbogendicht von allen\nSeiten umgab. Er ließ auf einmal seinen Kopf\nvornüber sinken, für einen Augenblick erfüllte ihn\neine erstickende Begierde, daß es doch richtig\nsein möge — das was er eben gedacht hatte! daß\nseine Augen trotz allem ihn betrogen hätten, daß\nsein Ohr sich doch geirrt hätte —: daß da wirk-\nlich irgendein entscheidender Mangel, ein Mißlaut\nhier oder da bei ihr vorhanden wäre — denn, du\newiges Leben, wie sollte es ihm sonst möglich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 276, "texte": "werden, bis an die Stätte zu gelangen, wo sie\nlebte! bis an diese schwindelnde Sphäre, in der\ndie Vollkommenen wandelten, bis an jenen Son-\nnensftz, zu dem nur die gelangen können — in\nderen Herzen das Allergrößte mit einem unaus-\nföscMchen» mit einem ungeheuren Feuer brennt!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.2.6", "titre_corps": "Das Gespenst der judenstadt", "titre_sommaire": "Das Gespenst der judenstadt", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.5", "debut_caractere": 297, "fin_caractere_exclue": 10623, "texte": "Das Gespenst der\njudenstadt\nPaul Leppin\nfe der Mitte von Prag, wo sich jetzt hohe und\nluftige Zinshäuser zu breiten Straßen aneinander-\nschficften, stand noch vor zehn Jahren das Juden-\nviertel Kin schiefes und düsteres Gewinkel, aus\ndero kein Wetter den Geruch nach Moder und\nfeuchtem Qemäuer wegzublasen vermochte und\nwo im Sommer den geöffneten Türen ein giftiger\nAitern entströmte. Der Schmutz und die Armut\nStaaken hier um die Wette und aus den Augen der\nKinder, die hier aufwuchsen, blinzelte eine stumpfe\nund Verderbtheit. Der Weg ging da\nmanchmal in niedrigen und gewölbten Viadukten\ndureli den Bauch eines Hauses hindurch oder er\nkrfiwmte sich plötzlich zur Seite und fand vor einer\nblinden Mauer jählings ein Ende. Die Händler, die\nihre Trödlerware vor den Geschäften auf dem un-\nebenen Steinpflaster aufstapelten, riefen mit listi-\ngen Gesichtern die Vorübergehenden an. In den\nHaustoren lehnten die Frauenzimmer mit ge-\nschminkten Lippen, lachten gemein, zischelten den\nMännern in die Ohren und hoben die Röcke, um\nihre gelben und zeisiggrünen Stümpfe zu zeigen.\nGreise Kupplerinnen mit weißen Haarsträhnen und\nlockeren Kiefern grüßten aus den Fenstern, klopf-\nten, winkten, gurgelten vor Eifer und Befriedigung,\nwenn einer ins Netz ging und näher kam.\nHier war die Unzucht zuhause und lockte am\nAbend mit roten Laternen zum Besuch. Es gab\nda Gassen, wo ein jedes Haus eine Schandherberge\nwar, Spelunken, wo das Laster mit dem Hunger in\neinem Bette schlief, wo schwindsüchtige Weiber\nmit verwelkten Reizen eine kümmerliche Industrie\nbetrieben, geheime Verließe, wo das Verbrechen\nflüsternd und augenzwinkernd schulpflichtige Mäd-\nchen schändete und ihre hilflos verwunderte Un-\nschuld für schauerlichen Lohn verschacherte. Es\ngab vornehme und luxuriös möblierte Kneipen, wo\nder Fuß auf Teppiche trat und wo die satten und\nüppigen Dirnen in seidenen Schleppkleidern stol-\nzierten.\nUnweit der Synagoge neben den verwahrlosten\nHütten des Zigeunergäßchens befand sich in einem\nzweistöckigen Gebäude der Salon Aaron. In der\ndürftigen Umgebung machte das Haus beinahe\neinen wohlgepflegten Eindruck, trotzdem der Mör-\ntelbewurf der Mauer zum Teile losgebröckelt war\nund der Staub und der Regen auf die Scheiben\nder vermummten Fenster bunte Streifen malte. Bei\nTag war es hier still; nur selten schlich ein Gast\nüber die ausgetretenen Stufen in den dunklen Haus-\nflur und kam mit aufgeschlagenem Rockkragen\nhastig und verlegen nach einer Stunde wieder ans\nLicht. Aber in der Nacht stieg hier aus verborge-\nnen Brunnen ein lautes, helles und zitterndes Leben\nauf. Die Fenster glühten und das Gelächter flat-\nterte drinnen wie ein gefangener Vogel im Käfig.\nAuch das Lachen Johannas war mit dabei. Das\nwar ein heißes, schmiegsames und brünstiges Gur-\nren, das man deutlich neben den Stimmen der an-\ndern unterscheiden konnte und das manchmal\nschon in der Schweigsamkeit des Vormittags zu\nklingen begann wie eine frohe und verliebte\nLerche. Johanna war fröhlich, weil die Männer zu\nihr gingen. Sie war begehrter als ihre Gefährtin-\nnen, weil sie einem jeden von der bangen, quäle-\nrischen und unruhevollen Süßigkeit gab, die sie\nerfüllte und die in den trägen Leibern der andern\nnicht wohnte. Sie war oft selbst verwundert da-\nrüber. Das Gewerbe, das den Frauen, mit denen\nsie beisammen war, als eine langweilige und ver-\ndrießliche Pflicht erschien, brachte eine verzückte\nund unentrinnbare Liebessehnsucht über sie, einen\nStachel, den sie in ihrem Fleische spürte und der\nin ihren Augen einen mädchenhaften Schimmer\nentzündete. Mit Lippen, die vom Küssen wund\nund zersprungen waren, trank sie sich an dem\nMunde der Männer fest, immer wieder von der\nbräutlichen Wollust durchflutet, die ihre erste Um-\narmung begleitet hatte. In den Pausen, die ihr\ndas Sündenhandwerk ließ und die ihr unerträglich\nlang und einsam dünkten, lauschte sie auf die\nSchritte der Passanten draußen vor dem Haus und\nwenn die Türglocke ging, flog eine Flamme über\nihr Gesicht und sie seufzte. Es gab oft Tage, an\ndenen sie die Liebe bis zur Uebersättigung genoß;\naber wenn sie dann mit dumpfem Kopfe und\nschmerzenden Gliedern im Bette lag, ging ihre Er-\ninnerung von einem zum andern, kostete und\nschwelgte und sie lächelte in die Dunkelheit.\nManchmal, besonders im Sommer, wenn sie in den\nletzten Stunden vor dem Morgen endlich ihr Lager\naufsuchte, steigerte sich ihre Unruhe bis zur Pein.\nDann kam sie im Hemd zum offenen Fenster und\nsah in das Ghetto hinunter. Sie streckte die nack-\nten Arme hinaus und fühlte den warmen Regen wie\nBlutstropfen auf ihrer Haut. Das war ihre Heimat\nda unten. Die Stadt, in der die verschlafenen\nLichter der Freudenhäuser blinkerten, wo in den\nverrufenen Gassen klobige Schatten kauerten und\nin der Ferne noch eine winselnde Geige oder das\nharte Geklimper der Spielkästen zur Lustbarkeit\nlud. Eine schwärmerische Melancholie badete ihr\nAntlitz in Tränen. Der Nachtwind griff zärtlich\nnach ihren Brüsten, sie legte den Kopf in den\nNacken und ihre Lippen verzogen sich zum Kuß.\nAm Abend, wenn der Salon festlich erleuchtet\nwar, wenn die Weingläser auf den Marmortischen\nklirrten, tanzte sie zur Musik. Die Sinnlichkeit,\nunter der sie litt, machte ihre Glieder weich und\nlässig und trieb sie mit fliegenden Röcken in eine\nverlangende Wildheit hinein, die ihr starres Ge-\nsicht wundersam verschönte, die aufreizender und\nwerbender wirkte, als die Künste der andern. Sie\ntanzte allein oder mit den Gästen. Ihr schlanker\nKörper bog sich unter den Händen der Tänzer,\nschmiegte und drängte sich, zitterte und fror; und\nwenn einer mit der blonden Johanna getanzt hatte,\ndann ging er auch gewiß mit ihr in ihre Kammer.\nIhr Mund war gierig und fieberisch. Je mehr Män-\nner den Weg zu ihr fanden, desto ungebärdiger\nfiel ihre Liebe sie an; ihre Lust erschütterte und\nbetäubte; ihre Inbrunst war willfährig und ent-\nfachte sich zur Glückseligkeit\nDann kam der Tag, wo ihren Körper zur Buße\ndie Krankheit nötigte. Aus den morschen Mau-\nern der Judenstadt, aus den unzüchtigen Gassen\nkam sie herauf und vergiftete ihre Küsse. Sie ver-\nbrannte ihr Blut und machte ihre Adern trocken\nund rissig; sie erwürgte das Gelächter und das\nverliebte Stammeln in ihrem Halse; sie be-\nschmutzte ihren Leib mit roten Flecken und\nschleifte sie durch den Schimpf der unflätigen\nHuren hindurch in die schlotternde Angst des La-\nzarets. Hier lag sie in dem heißen Bette und von\nder Zimmerdecke fielen die Gedanken wie schwere\nTropfen auf ihre Stirn. Sie dachte an die Frauen,\ndie jetzt im Salon Aaron saßen und den gelben\nWein aus dünnen Gläsern tranken. Sie dachte an\ndie Musik und an das scharlachfarbene Hemd, das\nsie beim Tanze getragen hatte. Sie beugte die\nArme und warf den Kopf in die Kissen zurück;\naber es war niemand da, der sie küßte. Eine\nschmachtende Traurigkeit weckte das Schluchzen\nin ihrer Kehle auf und ließ sie verzweifeln.\nHeuchlerisch und zögernd, in einem feigen und\nboshaften Tempo vergingen die Wochen. Uner-\nwartet heftig war die Krankheit Johannas zum\nAusbruche gekommen. Das Gegengift, mit dem\nsie die Aerzte quälten, war machtlos gegen sie. Sie\nnistete in den Geweben, sie flackerte unter ihrer\nHaut, sie kratzte in den Winkeln und Gruben ihres\nFleisches eitrige Wunden auf und wollte nicht\nweichen. Sie machte ihre Gedanken lahm und\nverunreinigte ihren Schlaf mit geilen Träumen,\naus denen sie stöhnend in die Höhe fuhr und mit\nHaß und Grauen die Wirklichkeit erkannte. Jo-\nhanna entbehrte die Männer. Ihr nervöser Leib\nbäumte sich unter der Folter der Entsagung. Jeder\nTag, den sie glühend verbrachte, jede Stunde ver-\nmehrte ihre Not. Bis sie es nicht mehr ertragen\nkonnte. In der Nacht entwich sie aus dem Kran-\nkenhause. Durch das Fenster sprang sie in den\nGarten und stieg bloßfüßig, nur mit dem Mantel\nüber dem Hemd, über die Mauer auf die Gasse.\nBrennend, in einer überirdischen und schwülen\nErwartung lief sie durch die Stadt. Die aiifge-\nlösten Haare flatterten um ihr Gesicht und ihre\nAugen glänzten. Ein heller und wunderbarer Ge-\ndanke trieb sie weiter und erfüllte sie mit Glück.\nSie wollte zu den Männern! Ihre Füße flogen über\ndie Steine und ihre Muskeln spannten sich. Die\nSchatten verspäteter Nachtschwärmer schwankten\nüber den Weg und das grelle Licht plötzlicher La-\nternen erschreckte sie; eine köstliche und schwere,\nverführerische Süßigkeit machte sie betrunken. Die\nTürme der Theinkirche tauchten vor ihr auf und\nstanden bleich zwischen den Sternen. Da war sie\nja schon am Ziel! Da war schon die Gasse, wo die\nMusik hinter verhängte Türen lärmte und wo das\nLachen der Frauen mit den Flügeln an die roten\nFensterscheiben schlug\nSie blieb stehn und sah geblendet in den Mond,\nder schielend am Himmel klebte und geborstene'\nBalken und Geröll beschien. Der Salon Aaron war\nverschwunden. Die Hacke und der Spaten hatten\nStück um Stück von dem alten Hause abgegraben\nund neben der Synagoge lagerten die Steine. Eine\neinzige Mauer stand noch mit zackigem Kamme\naufrecht zwischen den Trümmern und Johanna\nerkannte die Wand ihres Zimmers. Ihre Augen\ngingen entsetzt und gelähmt weiter in die Gasse.\nDie bunten Lichter der Freudenhäuser waren ver-\nlöscht und der Staub stieg wie ein Rauch aus den\nzerbrochenen Dächern. Ueberall krochen Ruinen\naus der Nacht. Während sie im Krankenhause in\ndem feuchten Bette mit der Seuche kämpfte, hatte\nman ihre Heimat zerstört —\nEin Schrei löste sich aus ihrer Kehle und zit-\nterte gräßlich durch das vereinsamte Viertel. Ihre\nHaare flössen über ihren Mantel und die Nacht-\nluft öffnete ihn und tastete lüstern unter das Hemd.\nEin Trupp bezechter Soldaten kam vorüber. Halt-\nlos verwirrte Liebesworte ächzend, fiel sie tot\nihnen in die Knie. Und zwischen den Trümmern\ndes eingerissenen Bordells gab sie sich den Män-\nnern hin, die der Zufall auf ihre Fährte geführt\nhatte. Sie gab sich einem nach dem andern, und\nihr armer, von der Krankheit verwüsteter Leib\nwurde nicht müde und grub sich zuckend im Lie-\nbestaumel immer tiefer in den Schutt . . .\nVon einem Sommer zum andern wurde das\nGhetto niedergerissen. Neue Häuser erdrück-\nten die finstern und ungesunden Schlupfwinkel,\nwo das Elend und das Laster jahrhunderte-\nlang gespenstert hatten. Die Unzucht flüch-\ntete mit hohen Stöckelschuhen klappernd bis\nan den äußersten Rand der Vorstädte. Auf\nden alten Plätzen wuchs eine Stadt für die\nReichen und Vornehmen empor. 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Ces lecteurs savent\nqu' Hauptmann, apres un s6jour en Grece, vient de\nfaire repretenter, ä la Societe du theätre des ar-\ntistes dont il est le directeur, un poeme dramatique:\nDer Bogen des Odysseus, qui n'est autre\nqu' une libre et souple adaptation d'Homere: Et\nils savent aussi que Verhaeren a fait jouer recem-\nment ä Paris une Helene de Sparte et que,\npresque en meme temps, il repudiait le vers libre.\nJe ne veux pas medire du vers libre auquel\nnous devous quelques pieces d'un charme reel;\nmais je-suit bien oblige de constater que le vers\nlibre esten France en complete decadence, qu'il\nä ete renie successivement par tous les grands\npö£tes qui l'ont preconise et illustre: Jean Moreas,\nCharles Van Lerberghe, Henri de Regnier et Ver-\nhaeren. S'ils ont agi ainsi, c'est qu'ils ont compris\nque cet „instrument\" ne convenait pas ä la langue\nfrangaise qui n'a pas d'accent tonique comme l'alle-\nmand, l'italien ou le grec. Tandis que la prosodie\netrangere s'appuie sur des syllabes longues ou\nbreves, la prosodie frangaise est determinee par la\nmesure, la cadence, le nombre de pieds et la rime.\nCe sont des systemes entierement opposes. Les\netrangers ont l'oreille plus sensible que la notre\nau son fort ou faible des syllabes. Aussi leur est-\nil plus facile de concevoir le vers libre; ils savent\nle cadencer, le rythmer par l'alternance des temps\nforts et des temps faibles qu'ils entendent, eux,\nmais que nous n'entendons guere, nous autres\nFrancais. La question du vers libre se ramene ä\nune question de musique. Et c'est pourquoi il ne\nfaut pas s'etonner que Verhaeren ait renonce ä\nfaire des • vers libres comme y avaient renonce\nMoreas, Van Lerberghe et Henri de Regnier. Et\niL ne faut pas s'etonner non plus que, comme\nHauptmann, il soit revenu ä l'antique.\nEst ce un recul? Non pas! C'est, tout au\ncontraire, un progres. II en est des progres de\nla litterature comme des progres des sciences ex-\nperimentales qui accusent une marche „tournante\".\nMais (et fort heureusement), chaque fois que nous\naccomplissons un tour nouveau, nous sommes plus\navertis, plus habiles; si, en sciences d'observation\net d'experimentation et en poesie, nous faisons\npeu de decouvertes, si meme nous devous en partie\nrenoncer ä quelques-unes de Celles que nous avons\nrealisees, il n'en est pas moins vrai que nous\nsavons les utiliser avec plus de discernement, de\nprecition, d'ä-propos. Ainsi l'emploi du vers libre\nen France n'aura pas ete vain: il a oblige la poesie\nreguliere äse rajeunir, ä s'assouplir, äse per-\nfectionner par une serie de reformes destinees ä\ncompleter l'oeuvre de progres qu'avaient dejä\naccomplie les romantiques ä l'egard de l'ancienne\npoesie classique.\nDe meme, en revenant ä l'antique, et speciale-\nment aux sujets inspires de la mythologie grecque,\nles poetes ont besoin d'apporter une exactitude\nde vision et une fraicheur d'emotion toutes nou-\nvelles. C'est ce que font en particulier les trois\nplus grands de nos poetes frangais vivants: Henri\nde Regnier, Anna de Noailles et Fernand Mazade;\net c'est ce qui permet de constater sans regret ce\nretour de la poesie aux sources millenaires.\nJe sais tout le mal que Ton pent dire des mytho-\nlogies et qu'il est facile de les tourner en ridicule;\nmais il est moins facile de se passer d'elles;\nc'etait l'opinion de Stephanie Mallarme dont ä\nbon droit se reclament nos poetes d'avant-garde.\n„Les symboles mythiques\", ecrivait il „ont ete, par\nla science, delivres de la personnalite fabuleuse\noü les enferma l'antiquite. Rien ne reste plus que\nl'apparence des dieux ä jamais incarnee dans le\nmarbre, puis leur signification rendue ä la lumiere,\naux nuees, a l'air. Voilä oü en est le savoir de\nnotre temps; mais, ä cote de l'etude, il y a l'ima-\ngination. De tres grands poetes ont su (c'est leur\ndevoir tant que l'humanite n'a pas cree de mythes\nnouveaux) vivifier ä force d'inspiration, et comme\nrajeunir par une vision moderne, les types de la\nfable. Si quelque esprit, imbti de prejuges,\nnensait que les divinites n'ont plus chez nous le\ndroit ä l'existerice il pourra, ä la lecture de belies\npages empruntees aux gloires des lettres d'au-\njourd'hui, reconnaitre, comme un fait, que rien\nn'est mort de ce qui Tut le culte spi-\nrituel de la race. Magnifique et vivant pro-\nlongement qui doit se perpetuer aussi\nlongtemps que notre genie litte-\nraire\". Voilä ce que disait Stephane Mallarme;\net personne ne saurait mieux dire.\nJe lisais tout recemment dans une revue ber-\nlinoise un article de Rene Calvin, consacre ä\nla renaissance du paganisme grec dans la litte-,\nrature actuelle. Rene Calvin constatait que cette\nrenaissance s'etait produite presque ä la meme\nheure et presque dans toute l'Europe. Voilä le cas\nde repeter que certaines idees flottent dans l'air\nuniversel et que, ä quelques instants pres, on les\nrespire en meme temps ä Saint-Petersbourg et\nä Berlin, ä Paris et ä Londres.\nII y a peu d'annees, le litterateur le plus re-\nmarquable de la jeune Bulgarie, Pentscho-Slawey-\nkoff publiait sa P h ryll e qui, malgre certaines\nimperfections de forme, reste une oeuvre de Pre-\nmier ordre. En preconisant la religion de la beaute\nfthysique, teile qu'elle existait dans l'antiquite\ngrecque, Pentscho-Slaweykof a rendu un reel\nservice ä la poesie de son pays: il l'a arrachee aux\netroits liens du folk-lore national, il l'a delivree\nde ses frontieres strictement bulgares; et, depuis\nla signature de la paix, toute une pleiade de po-\netes balkaniques accordent leur lyre ä la facon de\nl'auteur de Phr y n e.\nEn Russie, le mouvement greco-paganisant est\nmene avec ardeur par une trentaine de poetes qui\nappartiennent ä un groupement appele le Mu -\nsage t e. lis ont reuni leurs meilleurs vers dans\nune anthologie, ils se remuent, ils donnent de belle\nesperences; et si je ne les nomme pas, c'est parce\nqu'ils ne realisent pas encore dans leurs oeuvres\nimparfaites les promesses de leurs theories.\nEn Italie, le mouvement en faveur du paga-\nnisme a commence sous l'impulsion d'un certain\nnombre de jeunes ecrivains dont le talent s'af-\nfirme plus harmonieux, plus pur et plus sincere\nque celui de Gabriele d'Annunzio qui, en somme,\nn'a rien compris ä l'antiquite classique.\nEn Angleterre, la renovation pai'enne est pre-\nchee par quelques sociologues et moralistes de-\ntermines et, en particulier, par M. Deshumbert,\nfondateur de la societe de la Morale de la nature.\nCette cause a aussi plusieurs ardents Cham-\npions en Hollande et, surtout, en Belgique oü\nbrillent les muses d'Emile Verhaeren (le Verhae-\nren nouvelle maniere), d'Albert Qiraud et de\nFranz Ansei.\nEh France, depuis que la Renaissance a ec-\npeuble et le Parnasse, nous n'avons pa«\ncesse d'avoir des poetes paganisants. Les mythes\ngrecs remplissent I'oeuvre de Pierre de Ronsard\net celle d'Andre chenier; ils ont inspire des vers\nadmirables ä Victor Hugo et ä Leconte de Lisle,\nä Theodore de Banville et ä J.-M. de Heredia, ä Ste-\nphane Mallarme et ä Henri de Regnier, ä Anna dt\nNoailles et ä Fernand Mazade. Chaque jour non*\navons la preuve qu'Ulysse d'lthaque et Helene de\nSparte n'ont pas vieilli, non plus que les paysages\nd'Hellade et d'lonie. Les sentiments des hommes\net les beautes de la nature demeurent eternels,\net eternels aussi les mythes qui les expriment. La\nnouveaute ne consiste pas ä choisir un suiet lienf:\neile est dans la fagon de sentir et d'exprimer.\nOuand Delille celebrait le jeu de trictrac, il trai-\ntait un sujet neuf; ses alexandrins ne s'averaient\npas moins vieux. Et c'est aussi avec des vers\necules que plus d'un rimeur d'aujourd'hni chante\nle tango, la greffe animale et l'aeroplane.\nA des milliers d'annees de distance, les mythes,\nles symboles grecs conservent toute leur gräce,\ntoute leur fraicheur, toute leur puissance: ils per-\nsonnifient toujours nos mstincts, nos sentiments,\nnos sensations. Les religions nouvelles ne les\nont pas etouffes, parce qu'ils sont assez peu pre-\ncis pour ne pas contredire notre raison et qu'ite\ncontentent pleinement toute notre sensibilite. Ik\nsont mysterieux; pourtant nous les voyons. Nous\nsupposons que nous ne croyons pas ä eux (qu*\nde bous chretiens sont pai'ens sans s'en douter!);\nmais ils nous ensorcellent. Quand Henri de Reg-\nnier fait devant nous\nRuer la centauresse et hennir le centaure,\nnous sommes emerveilles. Nous sommes emer-\nveilles quand ce meme poete nous montre le s*-\ntyre ivre et triste.\nOue me fait le printemps puisque son clair retotw\nNe rend plus sa verdeu ä mon corps las et lourd,\nQu'il ne se mele plus ä ma force vieillie,\nPuisqu'il me raille, qu'il m'ignore, qu'il m'oublte\nEt s'ecarte de moi qui l'ecoute souvent\nRire dans la feuillee et rire dans le vent\nEt chuchoter tout bas le long de mon chemi»,\nTellement que je vais, miserable et chagrin,\nM'asseoir sur cette pierre au seuil de ton cellier,\nEt, Satyre podagre, au vin hospitalier\nQui sommeille dans l'ombre au flanc creux de\nl'amphore,\nJe redemande le mensouge d'etre encore\nCelui-lä qui sentait, avec avril eclos,\nLe retour de la seve en ses membres nouveaux.\nApres Henri de Regnier, la comtesse Anna d«\nNoailles a chante des hymnes pai'ens avec un art\ninegal, mais avec de frequentes eclairs de genie.\nL'amour remplit toute l'oeuvre de cette poetesse\ndont les deux livres caracteristiques sont: Les\neblouissements et Le coeur innom-\nbrab 1 e. Appeler Eros quand il est absent, clor®\nsur lui sa porte quand il est venu, le pleurer quand\nil est parti, et le desirer de nouveau, tels sont les\nsoins uniques de Mme de Noailles.\nMon coeur, qu'attendez-vous de la chaude journee?\nAh! mon coeur, vous n'aurez plus jamais\nd'autre bien\nOue d'esperer l'amour et les jeux qui l'escortent,\nEt vous savez pourtante le mal qu'il vous apporte,\nCe dieu tout irrite des combats dont il vient!\nCet Amour n'est pas le dieu galant, spirituel\net badin qui mene au son des flütes et des violes\nles rondes des bergeres qu'habillait Watteau, ni le\nconfident aile qui vpltige autour des deesses de"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5862, "texte": "Boucher. Ce n'est pas non plus l'adolescent fatal,\niu'X theätrales attitudes, qui enflamme les coeürs\nromantiques, non plus que le dieu rose et joufflu,\nbebe trop bien nourri preside aux idylles familia-\nles. L'Amour qui inspire la comtesse de Noailles\n©st un beau jeune homme paien ä la vigourense\nMtidite, au sourire cruel et doux; les fleches qu'il\nporte font des blessures qui ne cicatrisent point,\nwais donton adore la brüiure.\nBMe a senti glisser jusqu'au fond de son coeur\nL'aigiiÜloii et le miel de la rude caresse;\nEt, les pas chancelants de plaisir et de peur,\nElle ä mar che longtemps dans la bruyere epaisse.\nCe qui frappe tout de suite et profondement\ncliez Mine de Noäilles, c'est l'intensite et la sin-\ncerite du cri. La poetesse du Coeur innom-\nb r ab 1 e a efface le maquillage dont maints Po-\nntes parnassiens et Albert Samain avaient pare\nAphrodite\" trop ingenieusement et de la tete aux\npieds.\nNon saus talent et non sans courage, Frederic\nPlessis, Charles Le Goffic, Charles de Pomairols,\nAndre Laton, Mauriac, Joachim Gasquet\nont tente l'accord de la foi chretienne avec le sen-\ntiment de la be'aute grecque.\n'-Pierre Louys, Francis Viele-Griffin, Ernest\nRaynaud, Andre Maie, Jean Royere, Emile Cot-\ntinet, . Xavier Mirgot, Henry Muchart, Charles-\nAndre Grouas ont su chanter, quand ils l'ont voulu,\nJa chaude et harmonieuse chanson pai'enne.\nQuant ä Fernand Mazade, il est, en tant que poete,\nnniquement et purement Hellene.\nUn jeune critique fort attache aux ecoles nou-\nvelles (ä l'ecole paroxyste notamment), M. Jean\nDesthieux consitatait que ~le grand charme de\nFernand Mazade est de' savoir, mieux qu'aucun\nautre poete. chanter avec naturel et avec gräce\nles choses de l'Hellade mythologique\". La con-\nsiatation a d'autant plus de valeür que M. Desthi-\neux trouve cela surpremant, car, selön lui, les\n~choses\" en question sont „peu naturelles et tr£s\ntnysterieUses\". Un autre critique sympathiqüe\nmussi aux tentatives les plus hardies, Emile Cotti-\nnet ecrivait tout dernierement dans la revue de\nPaul Fort, Vers et Prose, que ..Fernand Ma-\nzade, eleve en Provence, dans une atmosphere\nencore impregnee de genie antique, ressuscite et\nrevit sans peine les visions ensoleillees de ses an-\ncetres greco-latins. Ses impressions n'ont rien d'un\ningenieux pastiche; elles sont directes, inspirees,\npersonnelles. II a vu reellement le dieu puissant\ndes vendanges et des rythmes\", les dryades, les\nnai'ades, les faunes. „Certains de ses tableaux\nfont penser ä Boecklin qui peignit un centaure in-\ngenu venant presenter ä un marechal de village\nson sabot deferre.\" Et, toujours dans Vers et\nProse, Cottinet demandait: „Ne pensez-vous\npas avec moi que Fernand Mazade est un des\nplus hauts, des plus plurs et des plus delicieux\npoetes de notre France?\" Pour ma part, je le\npente, et depuis longtemps.\nMazade a publie quatre ouvrages: Arbres\nd'H ellade, Athena, Dionysos et les\nNymphes et Apo 11 on , oü les tableaux vi-\ngoureux et exquis, na'ffs et magnifiques abondent.\nEn choisissant et en animant le decor antique, ce\npoete preconise un retour ä la morale esthetique\net ä la nature, laquelle est beaucoup plus morale\n\"que ne le croient la plupart des gens. Et mieux\nque toute autre civilisation, la civilisätion grecque\nenseigne le bonheur de vivre. Elle enseigne ega-\nlement l'art de vivre, qui est un art mesure et sage.\nJouir de tout ses sens, de toute son intelligence,\nde tout son reve, jouir dans sa chair, dans son\ncoeur et dans sa pensee, p ourvn que c e soit\navec ejegance et en gardant l'equi-\nI i b r e , voilä l'art de vivre que conteille la morale\ngrecque. Et voilä ce que celebre Fernand Mazade,\npoete ä l'ame et ä la tete bien faites, et c'est ce\nqui donne ä ses poemes tant de justesse, tant de\ncharme, tant de puissance.\nLe poete de Dionysos et les Nymphes\nnous öftre un rajeunissement total de ce qui fut\nl'Hellade. Cependant, p.armi toutes les divinites\ngrecques, ce poete a une preferee, et c'est Athena.\nII nous la montre femme et belle, harmonieuse et\nradieuse. 11 nous dit:\nA la frise du temple eile a mis le flambeau,\nEt la clarte sur la fontaine.\nElle seule a le droit de cultiver le beau\nDans le jardin du reve hellene.\nGuerriere juste et qui loin des haines se plait,\nMaitresse de l'heure tranquille,\nDivinite fidele et diligente, eile est\nLa conscience de la ville.\nII nous dit encore:\nSois modeste,. mon noble ami. Soyons modestes.\nNous n'avons meme pas compte\nCombien d'etoiles vont sur les routes Celestes\nAu senil de cette nuit d'ete.\nDu moiiis, les yeux leves vers les spheres splendides!\nEssayons-nous de voir le dieu,\nLa puissance, l'attrait qui, saus caprice, guident\nLa course des astres en feu.\nChasse ta vanite. L'intelligence humaine\nJusqu'ä ce soir n'a decouvert\nNi les secrets subtils de la gräce d'Helene,\nNi les tenebres de la mer.\nDes mortels cependant qui sur terre s'agitent,\nL'homme seul a de la raison:\nII est le seul qui cherche ä dire les limites\nDe son reve et de l'horizon.\nSoyons humbles, mon doux voisin. Le plus sagace\nDe nous ne soit rien de l'amour\nEt n'expliquerait pas pourquor l'Oürse s'efface\nEt pourquoi reviendra le jour.\nMais nous reconnaissons le faux d'avec le juste,\nEt l'injuste d'avec le beau;\nEt notre ä-me contient la certitude auguste\nDe vivre au'delä du tombeau.\nAinsi chante Fernand Mazade; et partout,\nmeme dans la raison, il voit et conseille la volupte,\n— la volupte, essence meme du paganisme.\nVolupte des gestes, volupte de la voix, volupte\ndu silence nocturne, volupte de la brise qui passe,\nvolupte du rire, volupte des larmes, volupte de\npenser, volupte d'äimer et volupte aussi de sentir\nqu'on est son propre maitre: la volupte est par-\ntout pour qui sait l'eprouver; eile est toute la\npoesie; eile est surtout tout le lyrisme. Elle\nn'est pas toute dans l'amour: voilä la\ngrande verite qu'illustre l'oeuvre de Fernand\nMazade.\n\nHenry Gauthier-Villars\n(Willy)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.2.8", "titre_corps": "Opernhaus", "titre_sommaire": "Opernhaus", "signature_source": "Erwin Weber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.7", "debut_caractere": 5864, "fin_caractere_exclue": 9188, "texte": "Opernhaus\nErwin Weber\nWenn die Bauherren trotz B. d. A. usw. taub\nbleiben, wird der Bauherr wohl seinen Hoffmann\nbekommen. Spaßig, zum Aufbauen einen Toten-\ngräber zu bestellen. Aber der versteht auch sein\nHandwerk und hat trotzdem Geschmack. Seine\nZunft, die Ihne, Ebhardt, Schwechten und Genos-\nsen, verlangt es eigentlich nicht. Und doch hätts\neiner noch besser gekonnt, der Bruno Paul; der\nhätts nämlich, wie man so sagt, lebendig gemacht.\nEr wirds sich schon abgewöhnen, der jüngste der\nBrüder. Ob sie wohl wissen um ihre Verwand-\nschaft?\nHoffmann.\nOh, seht ihrs denn nicht, daß dieser Klotz klein\nund häßlich sein muß vor seinem Gegenüber, einer\nkleinen, üppigen, buckligen, lüsternen Dirne, be-\nhängt mit wüstestem Talmi, aber Weib; dieser\ngroße, stämmig-starre, gewählt und reich geklei-\ndete, taubäugige, plumpe, nöselige Bursche — ja,\nwärs ein Weib, man fände nicht hinein. Hinweg\nvon ihm zur kleinen Krüppel, da brauchts nicht zu\nsuchen, sie schluckt euch alle auf.\n— Du Schlappschwanz, guck Dir die Sieges-\nsäule an, erst klettre mal so hoch. Also geh man,\nKleiner, und wenn Du nett bist, nimm bitte die\nlange Latte, den Bismarck usw mit.\n— Aber ich will ja auch gar nichts; ich will nur\nvornehm und reich sein.\nSchriftlich hat ers sogar gegeben.\nPoelzig\n— Gelt, Du kommst doch mit, ja? »\n— Dirne.\n— Ein strammer Kerl bist Du, apart siehst aus,\nwenig Geklunker, sogar meinem Chef könnste ge-\nfallen — Du — Du bist so stark und weit, Deine\nAugen blicken so anders als andere, Du hast\nAugen — ich will Dich, hörst Du — zwinge mich —\n— Du Weib — nein, .nein — Ich bin ruhig ge-\nworden — nimmer können wir eins sein — doch\nDeine Nähe will ich wohl dulden, bleib.\n— Du, Dein Blick ist ein kühles, dehnendes\nLager von glattem, riichigem Leder.\nTessenow\n— Gnade, lieber Herr. Dein Kleid sind die\nLebensfurchen Deiner Nacktheit, Dein Gehen ist\nKindersang — Du unendlich Reiner.\n— Verhülle Dein Gesicht. An meinem Auge\nstirbt das Unreine, und kann doch nimmer gram\nsein. Ich leide an diesem Sterben, ich leide an\ndieser Welt unsägliches Weh, meine Liebe zu\naller Seelen ist Höllenpein, aller Leben bohrt sich\nin meine Seele, und — bin doch allein; über mir\nund vor mir und hinter mir immer nur Ich; ist\ndenn niemand mir Herr?\n— Mein lieber Herr — mein lieber Herr Tod...\nWarum denn keine Kulisse — solls nicht außen\nsein, wie innen? Also wenn nicht, dann gibts\ndie Möglichkeit und die Möglichkeiten: einen an-\nderen vorhandenen Entwurf ausführen oder wie-\nder und anders anfangen. Die Möglichkeit ist nur\nPoelzig und könnte mir docli Besseres wünschen,\nauch von ihm. Die Möglichkeiten — als un-\nmöglichste Tessenow oder van der Velde, Allliebe\ngegen Vielgötterei, Strom oder Strudel, Stil und\nauch Volkskunst (jeweiliges Strombett und auch\nQuelle) gegen Interregnum und gleich Lagune,\nNacktheit oder Dekoration (tätowiert, nicht be-\nhängt), Gesang oder Instrument, wenn die Seele\nschweigt: kritisch oder gefühlskoddrig, immer\nWeltschöpfung (Biegen) oder auch Verarbeitung\n(Brechen), na, Utopie. Weiter, ein neuer freier-\nfreier Wettbewerb; weiter, kaiserliche Huld —\netwa Schultze-Naumburg; weiter Submission mit\nBlüten; weiter usw. Wenns nur besser würde als\ndas Berliner Rathaus oder mindestens Hallesches\nTor. Es lebe die talentspuckende Kopie.\nDie Dirne ihrem künftigen Gegenüber:\nDer mich zeugte, mußte mich brechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.8", "debut_caractere": 481, "fin_caractere_exclue": 1039, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / P*4sdin««r Strafie 1341\nVierundzwasragste Aosstellung\nPaul Klee\nMare Chagall\nOti&ttaet tiMcto vub 1 ft—6 Uhr j Sonniatjs Mtm\nII—2 Uhr\n£intritt i Mark I Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher WechseJ\nSturniaussteilunsen in DeutscMand und im Aus-\niaad I April 1914\nMagdeburg: Kandinsky\nTrondlijem / Norwegen: Der Blaue Reiter\nHalle: Archipenko\nMarburg: Franz Marc\n6tuttgart: August Macke\nStockholm: Graphik\nTokyo: Graphik\nLondon: Graphik\nHannover: Severini\nCoburg: Expressionisten\nFrankfurt a. flt: Jawlensky"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.8", "debut_caractere": 1041, "fin_caractere_exclue": 2778, "texte": "Verlag Der Sturm\nferita Wf Potsdamer Straße 134*\nFarnruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsschrsft der Sturm\nEr»chrint sua ersten mid fQnfzehnten ledes Monats\nDauerbezug\nfStwGfenilche A jusgafee: FBr Deutschland\nand Gesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nHark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertellahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig X Fflr das\nrA usl a n d bei direkter Zustellung\ndarch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\nfahr 4 francs sft centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEtnzeiheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderaasgabe; Ungebrochene Eiem-\nplare anf bolzfreiem Papier, Ver-\nleodusc in Ra 11 en direkt dnrch 4ie\nPost f(lr Deutschland and 0 ester-\nrelch-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark I\nEte Halbjahr 6 Mark X Fflr das Aasland:\nEin Jahr 18 francs I Ein Halbjahr 9 francs / Von\ntiieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nstunmern and Probenummern nic h t abg*geben\nHer Stuns: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\nMark I Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n30 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch aile Buch- und\nKcnsthandlungec, durch die Post, sowie direkt\nfaireh den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\ndeben / Zum Einzelverkauf Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraßenstSnden auf\nPalls direkte Zastellung durch den Verlag\nDer Sturm miter Streifband oder in Rolle ge-\nwlinscht wird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nB&aerbezug bei tier BesteHung oder ba«\nBeginn des neuen Vierteliafares bis\n« a m ftinften des ersten Monats e I a z u«\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, dal E i n -\naieh ung des Betrages durch Nachnahme\nsrnter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwHnscht wird\nOaneralvertrettiiig des Verlags Eugene Flgutera /\nParts"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.8", "debut_caractere": 2780, "fin_caractere_exclue": 5355, "texte": "Originalholzschnilte / Handdrucke\nDie Oesamtauflase ist in Klammern beigeffigt / ABe\nExemplare sind vom Kunstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versfihnung / Tier-\nlegende / Pferde I Tiger / Pfe r d e\nHochformat / Die Hir t i a / Der Stier, t\nSchlafeiide Hirtin / Wildplerd* /\nRuhende Pferde (handaQuarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nKanditisky: Sonntag / Zwei Vogel / Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nMax Pechsteln: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Auf Nummer 94 der Zeltschrift Der\nSturm vom Kunstler mit der Hand aquarelliert /\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nWllhelin Morgner: Acker mn Weio j Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Heibig: Landschaft / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraße / Nordischer Hafen / MSdchen auf Sofa !\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / PortrSt I\nI Straßenkurve / Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / Mußige Het&ren /\nSchlafende Hetare ./ Je 40 Mark (12)\nIL Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131 112\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Piakat fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnis 1 ie d e r / Zn Oe-\ndichten von Amo Holz / Fflr Qesang und Kla-\nvler I 3 Mark / ,50 Seitea\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zekhnungen /\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark j Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-04-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-04-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1914-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Badger I Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nAlbert Ehrenstein: Die weiße Zeit / Dieser Gedic&t-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden>\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Georg Muller, Miinchen, Elisabeth-\nstrafie 26\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futurists /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni tma-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / MiJano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nJosef Treß: Bettelkonig / Gedichte mit Zeichnun-\ngen von Lovis Wachlmeier / Baldur-Verlag /\nMiinster in Westfalen"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.1", "texte": "acht Selten\nBinzetbezu-g 40 Pfennig\nDER STURM\nFÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nund Verlag\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN-PARIS ZWEITES APRILHEFT\nNUMMER 2\n\nInhalt: H. W.:\nAntwort / August Stramm: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Paul Leppin: Das Gespenst der Judenstadt 112\nHenry Gaothier-Villars: Le Greco-Paganisme / Erwin Weber: Opernhaus / Otakar Kubin: Originalholzschnitt\n\nOtakar Kubin: Originalholzschniit"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.2", "texte": "Antwort\nH. W.\nHerr Fritz Stahl schreibt noch immer. Aber\nkosmischer. Aber mit der Beschränkung, die dem\nMeister ziemt. Raum für alles hat das Berliner\nTageblatt. Jeizt, zur fröhlichen Osterzeit, werden\ndie faulsten Eier aufgebrütet, die faulsten Bilanzen\nwerden nachgeprüft. „Neulich wurden hier Ur-\nteile über Senioren nachgeprüft.\" Einige Nestoren\nsind zwar gestorben, die Senioren hielten sich aber\nauf der Höhe ihrer Senilität, Herr Fritz Stahl prüfte\ndie weißen Haare und befand sie wirklich ohne\nFarbe. Die Weltmeisterschaftsmaler erhielten am\nZiel den Lorbeerkranz von seiner Hochwohl-\ngeboren Fritz Stahl auf das greise Haupt gedrückt,\ndie Sieger leerten mehrere Humpen auf das Wohl\nihres Fachmanns, die Erde wird schöner mit jedem\nTag und das Blühen will immer noch nicht enden.\n„Die neuen Ausstellungen unserer Salons sind Ju-\nnioren gewidmet, fast durchweg Vertreter einer\nKunst, die sich selbst als die Kunst der Zukunft\nbezeichnet, für die aber wüste Schreier zugleich\ndie ganze Gegenwart in Anspruch nehmen.\" Herr\nFritz Stahl will also Urteile über Junioren nach-\nprüfen. Seine eigenen Urteile. Herr Fritz Stahl\nfeat zwar bisher nur hingerichtet und nicht ge-\nurteilt, oder geurteilt, ohne gesehen zu haben.\nAber selbst, wenn er gesehen hätte, würde er kein\nUrteil haben. Es handelt sich hier nicht um einen\n'Sportsbetrieb. Man kennt in der Kunst nicht das\nZiel, an dem Herr Fritz Stahl, der Kenner, mit dem\nLorbeer steht. Der Künstler schießt immer über\ndas Ziel hinaus und der Schiedsmann hat das Nach-\nsehen. Aber ehe der nachsieht, sind die Künstler\nschon wieder am Start, und wenn er auf den Start\nblickt, sind sie schon wieder über sein Ziel hinaus.\nEr kann einem leid tun, so ein armer, alter Mann.\nEr bemüht sich, von der Stirne heiß, er guckt sich\ndie Augen aus dem Kopf, und sieht infolgedessen\nnichts. Dafür hört er die wüsten Schreier, mich.\nWas man nicht versteht, hält man für Geschrei.\nDie Ohren klingen ihm also endlich, aber das Klin-\ngen hört er noch nicht. Er beschwert sich, daß\nman die ganze Gegenwart in Anspruch nimmt. Ich\ngönne ihm sein bescheidenes Plätzchen, im trauten\nDämmerlicht. Aber was will er mit der Gegen-\nwart anfangen, wo er doch in der Vergangenheit,\nim Schatten großer Senioren, sein Dasein fristet.\nIch will ihm sogar gern den Himmel meiner Zu-\nkunft öffnen, ich stelle ihm sogar Eselsbrücken zur\nVerfügung. Aber einem Wasserscheuen ist nicht\neinmal damit gedient. Trotzdem, er nimmt sich\nernst, Herr Fritz Stahl. Er läßt sich durch wüste\nSchreier nicht beirren. Er ist ein Mann. Ein\nMann mit Grundsätzen. „Man darf sich dadurch,\nwenn man sich selbst ernst nimmt, nicht beirren\nlassen und weder dazu bewegen lassen, Verdienste\nanzuerkennen, die man nicht sieht, noch dazu drän-\ngen lassen, in Bausch und Bogen abzulehnen.\"\nNiemand will ihn bewegen, Verdienste anzuer-\nkennen. Denn was er sieht, verdient nicht, an-\nerkannt zu werden. Und was er nicht sieht, wird\ner nie sehen lernen. Herr Fritz Stahl wird hin-\ngegen in so viel Bausch und Bogen abgelehnt, als\ner davon vollgeschrieben hat. Ohne daß man sich\ndazu drängen läßt. „Jeder Künstler gilt soviel, als\ner leisten kann.\" Aber seine Leistung hängt nicht\nvon der Geltung des Herrn Stahl ab. „Das muß\nimmer wiederholt werden, weil immer wieder be-\nhauptet wird, gegen die jungen Leute herrsche in\nder Kritik Parteihaß.\" Das hat niemand behauptet,\nUnfähigkeit an künstlerischer Anschauung heißt nicht\nauf deutsch Parteihaß, Herr Fritz Stahl ist nicht\n„die Kritik\" und die sogenannten jungen Leute\nsind heute alle zwischen dreißig und vierzig.\n„Diese ganze Verstellung stammt aus einer Zeit,\nwo man an eine Kunst glaubte, jeder seine als\ndie einzige behauptete. Das tun heute nur noch\ndie jüngsten, mehr die Wortführer als die Künstler\nselbst. Sie haben denn auch den frechen und dum-\nmen Haß und bellen ihn fröhlich heraus.\" Herr\nFritz Stahl ist der einzige, der an eine Kunst\nglaubt, nämlich an die, die er würdigt, aber nicht\nversteht. Ich glaube an keine Kunst, ich glaube\nnur an Künstler. Ich glaube nicht an Senioren und\nJunioren. Weder das nicht übertrieben hohe Alter\ndes Herrn Fritz Stahl noch meine nicht allzu junge\nJugend geben die Gewähr der Künstlerschaft oder\nKunstkennerschaft. Aber Herr Stahl stutzt vor den\nBegriffen, die er sich zur echtgeklaubt hat, ich\nstutze vor dem Künstler, der die Begriffe beiseite\nschiebt. Herr Stahl schiebt die Kunst weiter, ich\nwerde vom Künstler geschoben. Herr Stahl be-\nlehrt die Kunst, ich lerne vom Künstler. Herr Stahl\nist so bescheiden, der Kunst die Wege vorzu-\nschreiben, ich bin so frech, den Künstlern nach-\nzulaufen. Herr Stahl ist so klug, Menzel zu loben,\nich bin so dumm, wie Herr Stahl nie klug sein\nkann. Herr Stahl hört mich bellen, wo ich mit\nEngelstönen rede. Ich sehe die Lämmer weiden,\naber Blöken kann ich nicht vertragen. Ich bin\nnicht musikalisch. Ich kann auch keine Lämmer\nhüten, aber ich kann mir meine Wiese nicht ver-\ntrampeln lassen. Ich bin kein Leithammel, des-\nwegen wünsche ich auch nicht, daß mir die Her-\nden folgen. Die Junioren des Herrn Stahl kann er\nsämtlich zu seinen Senioren versammeln. Wir, die\nwir Kunst lieben und kennen, haben sie nie für\n„kommende Genies\" gehalten. Genies kommen\nüberhaupt nicht. Sie sind, auch ohne die Ver-\ngangenheit des Herrn Stahl.\n\nGedichte\nAugust Stramm\n\nDer Ritt\nDie Aeste greifen nach meinen Augen\nIm Einglas wirbelt weiß und lila schwarz und gelb\nBlutroter Dunst betastet zach die Sehnen\nKriecht schleimend hoch und krampft\nin die Gelenke!\nVom Wege vor mir reißt der Himmel Stücke!\nEin Kindschrei gellt!\nDie Erde tobt, zerstampft in Flüche sich\nMich und mein Tier\nMein Tier und mich\nTier mich!\n\nVorfrühling\nPralle Wolken jagen sich in Pfützen\nAus frischen Leibesbrüchen schreien Halme Ströme\nDie Schatten stehn erschöpft.\nAuf kreischt die Luft\nIm Kreisen, weht und heult und wälzt sich\nUnd Risse schlitzen jählings sich\nUnd narben\nAm grauen Leib.\nDas Schweigen tappet schwer herab\nUnd lastet!\nDa rollt das Licht sich auf\nJäh gelb und springt\nUnd Flecken spritzen —\nVerbleicht\nUnd\nPralle Wolken tummeln sich in Pfütze*.\n\nUrwanderung\nRaunen und Schrei\nFuß vor Fuß!\n\nWinken Hasten Zage\nHinab zum Fluß!\nSchlürfen und Schnaufen\nWeiter . . . weiter!\nUngeheuer!\nSchrecken und Wut!\nMann und Weib\nSteine in krampfenden Fäusten\nHinweg! . . Hinweg!\nRauschen und Wehn!\nHunger!\nRinde und Blatt\nWeiter!\nEntwurzelter Stamm\nIn nerviger Faust!\nSchwung und Schlag!\nBlutiger Fraß!\nFort!\nBlendende Strahlen\nAus blutrotem Rund!\nMachtvoller! •-\nHin!\nBlindes Dunkel\nGrausen um um\nSchlaf und Tod\nSchrecklicher!\nHilf!\nRuhe und Rast\nWeiter und weiter!\nFluß und Tal\nWeiter und weiter!\nWasser und Sand\nWeiter und weiter!\nWeiter! Weiter!\n\nTanz\nMilchweiche Schultern!\nAugen flirren, flackern!\nBlond und schwarz und sonnengolde*\nTaumeln Haare, wirren, krampfen,\nSchlingen Brücken,\nBrücken!\nHin\nUnd rüber\nTaumeln, Kitzel,\nBäumen, saugen,\nSaugen, züngeln,\nSchürfen\nBlut\nSchweres, lustgesträubtes\nBlut!\nIn die Wunden\nHüpfen Töne,\nSielen, bohren,\nWühlen, quirlen,\nFallen kichernd,\nSchwellen auf und fressen sich,\nGatten, gatten, schwängern sich,\nBären Schauer\nWahnengroß!\nHilflos surren um die Lichter\nMütterängste\nNach den Kindern,\nDie sich winden,\nWinden, huschen\nVor den Tritten,\nDie sie packen,\nIhre glasen, sichten Leiber\nSchinden, scharren,\nPressen, schleudern,\nTückisch abgemessne Lüste"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.3", "texte": "Jagen unter Brunstgestöne,\nBrunstgeächze\nUnd\nGekrächze!\nDurch die Wirrnis\nDurch die Flirrnis\nBlitzt Verstummen!\nJäh zerflattern\nDrängen gellend\nAn die Decke\nSich die Töne,\nKlammern, krallen\nScheu verwimmernd\nAm Gebälk!\nGlotzen nieder,\nWo mit Wuchten\nSchlorrt das Keuchen,\nSchlappet\nRingsum an den Wänden\nSeinen ungefügen Leib,\nUnzahlmäulig\nZuckt und schnauft!\nAn die angstzerglühten Herzen\nReißen flammend hoch die Lichter\nIhre hetzverstörten Kinder,\nDie in Irren, Wirren\nZitternd\nOb der ungewohnten Ruhe\nAb sich tasten\nUnd sich streicheln\nGegenseitig\nHell von Staunen,\nDaß sie leben noch,\nSie leben!\nZagig finden sie das Lächeln,\nFluten leise, fluten, fluten,\nReichen summend sich die Hände,\nWerden warm\nUnd\nSchwingen Reigen!\nDa\nIn Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht\nVollgesogen\nVom Gebälke\nStiebt das Gellen!\nSchrillt unbändig,\nUeberschlägt sich,\nPurzelt, flattert,\nSpringt und stöbert,\nFedert, pumpelt auf\nDas Untier,\nDas\nMit tausend Füßen aufschrickt,\nTrippelt, trappelt,\nTrappelt, grappelt,\nGell gedrängelt\nVon den Tönen,\nDie zerrasseln,\nNiederprasseln,\nPeitschen, schlagen, fiebern, kosei\nUnd im Wirbel\nWringen, wiegen\nSchwelles,\nBlaßhellrotes Fleisch!\nMilchweiche Schultern!\nAugen . . .\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage vom Kokl\nEr streckte bequem den rechten Arm aus,\nstützte ihn längs der Rücklehne der Bank, sah\nlächelnd in der Dunkelheit vor sich hin, beständig\nalle Adern so gespannt, so wonnig warm —:\nMeine Annie, großer Gott, wie hast du alle Tage\nmein Leben ausgefüllt! wie hast du unvergänglich\nalle meine Nerven mit Glück geladen, daß nur die\nErinnerung an dich genug ist, um mein Herz\nlachen und zittern zu machen, durch meine Mus-\nkeln rinnt das Blut und flüstert von dir, siehe,\nwenn ich meine Hand erhebe, so zittert sie bei\ndem bloßen Gedanken an dich, du weißt nicht,\nwie ich stark und hell bin, unbesiegbar, wenn ich\ndeinen Namen denke, meine Einzige, meine Ewige,\nmeine Geliebte!\nEr lachte, heiß und froh.\nStreckte lächelnd seine Arme aus.\nAtmete mit Wollust das Aroma der ganzen\nNacht ein —- die großen, kühlen Düfte von Gras,\nvon Blumen, von Meer.\nUnd erinnerte sich dann plötzlich, von neuem\nvor Wonne lachend, mit blinzelnden Augen — des\nallerersten Males vor vielen Jahren, als er und sie\neinander begegnet waren!\nJenes Abends im Künstlerklub, es war das\nerste und letzte Mal, daß er da war, ja, welche\nunfaßliche Güte von Seiten des Lebens gegen ihn:\ndies einzige Mal — gerade das Mal sein zu las-\nsen, wo auch sie zugegen war!\nNein, er hatte sicherlich nichts vergessen —\nauch nicht die allergeringste, scheinbare Kleinig-\nkeit von jenem strahlenden Abend, dem Götter-\nabend, da er geboren wurde, da er zum erstenmal\ndas Licht des Tages in seiner ganzen Pracht er-\nblickte, da plötzlich dieses dröhnende, goldene\nFor selber geöffnet wurde, um ihn einzulassen,\nihn, in die schimmernde Burg des Glücks, in den\nrosenumfriedeten, holdseligen Fürsten-Palast des\nGlücks einzulassen!\nAber nein, das war keine von den Begeben-\nheiten, die zu vergessen überhaupt möglich ist!\nIlahaha, nein, sicherlich nicht!\nHöre nun einmal —:\nEs war also an diesem Abend vor dreizehn\nJahren. Er war damals noch geradezu unerlaubt\narm; niemand kaufte seine Bücher, nur die Kol-\nlegen lasen sie — und die erhielten sie gratis von\ndem gemeinsamen Verlag oder von ihm selber,\noder sie liehen sie sich untereinander . . . wohl\nbemerkt, diejenigen, die sich überhaupt mit dem\nbeschäftigen mochten, was er schrieb! Nun ja,\ndas mag einerlei sein — die Tatsache war nur, daß\ner an Mammon ärmer war als alle, aber irgend\njemand hatte ihn eingeladen, zu diesem alljähr-\nlichen Ball zu kommen, der im Künstlerklub ge-\ngeben wurde. Ach, hatte der Betreffende gesagt,\nwenn auch nicht ganz ohne Malice —: ich will\ndir nur sagen, dort wirst du dich eklatant amü-\nsieren, da ist Witz, da ist Geist, da ist Schönheit\n— und da sind gar keine Fremden, wir sind ganz\nunter uns! Haha, und Morton bekam also viel\nzu tun, löste sich seinen Frack aus dem Leihhause\nein, was ihm übrigens irgendeine Klassikerausgabe\nkostete! Er war allerdings gut zehn Jahre alt,\nbesagter Bekleidungsgegenstand stammte noch\nvon seinem Abiturientenexamen her, paßte ihm\naber trotzdem, wie er auch erwartet hatte, ganz\ngut, was die Größe betrifft —: denn damals, als\ner angefertigt (und von seinem Vater bezahlt!)\nwurde, war er absichtlich reichlich groß gemacht\nworden, er entsann sich noch, wie er ihm um die'\nSchultern geschlottert hatte, als er ihn bekam!\nMorton lachte.\nEr sah blinzelnd vor sich hin und lachte.\nErinnerte sich plötzlich seiner selbst, wie er\nausgesehen hatte an jenem Abend mitten im Wia-\nter, in einem gräßlichen Schneeregen, als er gegen\nneun Uhr schließlich mit seiner Toilette fertig ge-\nworden, fortgekommen war, und jetzt atemlos\ndort in der mächtigen, prachtvoll erleuchteten und\neisweißen Halle des Hotels stand, mit großer\nFlottheit (und innerem Schrecken!) nonchalant\nseinen Ueberrock, in dem das Futter nämlich zer-\nrissen war, einem dienernden und überfrisierte*\nGarderobier zuwarf — und sich darauf vor de»\nkolossalen Spiegel stellte, der acht, zehn Elle*\nbreit und wenigstens ebenso hoch eine Nische im\nder einen der prangenden Wände des Raumes\nverdeckte. Ach ja, dachte er weiter, entsann sick\ndes Bildes, das sich damals vor diesen dreizehm\nJahren seinem sehr kritischen und keineswegs be-\nfriedigten Blick zeigte, da drinnen in dieser ge-\nwaltigen, spiegelnden Fläche: ein großer, junger\nMann mit kräftigen Schultern, Arme und Beine auf\ndem rechten Fleck, nicht ohne Eleganz, ein hef-\ntiges, glattrasiertes Gesicht, aus dem die großem\ndunklen Augen hervorleuchteten — ein kleim\nwenig überarbeitet, mit etwas unsicherem Blick\nmomentan, infolge des beklemmenden Ernstes der\nSituation — aber sonst flammend genug! das\ndunkle, dichte Haar auf der linken Seite geschei-\ntelt — oder nein, in Wirklichkeit also auf der\nrechten! und die Kleidung: der Frack, der, wen*\nman seine Nase ihm ein wenig näher brachte, nocb\nunverkennbare Erinnerungen an den Ort der\nBarmherzigkeit trug, woher er kam — die Bein-\nkleider, die vielleicht ein wenig zu stramm saßen;\ndas ganze gewiß etwas unmodern, aber trotzdem\n— ach ja, es konnte wohl angehen, war auf alle\nFälle bedeutend besser, als er erwartet hatte!\nUnd endlich verließ er den Spiegel, näherte sick\nmit testen Schritten der breiten Treppe, den gro-\nßen, weißen Flügeltüren, wo zwei sich verneigende\nDiener Wache hielten —:\n„Ja, danke!\"\nSie rissen die Türen auf. Er trat ein. Ein ell-\nbogendichtes Gewimmel von Damen und Herre*\n— unter dem blendenden Schein von unzähligen,\nelektrischen Lampen. Seidene Gewänder in Brand-\ngelb, in Hellblau und Weiß, wunderbar klare, strah-\nlende Stoffe. Tüll, Mull, Atlas, Taft; nackte, weiße\nSchultern, Lächeln, ein Wirrwarr von Düften —\nJa die schwarzen Fracks der Herren, die große\nschneeblanke Hemdbrust, Orden hier und da; ei®\nunaufhörliches Summen von allen Seiten — eine\nkochende Hitze! —\nGlaß amüsierte sich nicht in den ersten paar\nStunden —: er verschlang mit allen Sinnen!\nEr sah hin und wieder diesen oder jenen Kame-\nraden, wechselte ein oder zwei Worte mit ihm„\nfertigte ihn schnell ab, brauchte im übrigen unun-\nterbrochen seine Augen und Ohren, erkannte\nimmer neue Gesichter, die er bisher nur in Zeitun-\ngen auf Postkarten, auf Photogravüren vorn in\nihren gesammelten Werken gesehen hatte — oder\nauf seinen eigenen Phantasieporträts, die er nach\ndem Inhalt und Stil ihrer Bücher geschaffen hatte.\nDu großer Gott, welch ein Gewimmel von bekann-\nten Namen, alles, was das Land an Geist besaß,\nein Parnaß —: da stand der und da stand jener!\nhier bahnte sich Karise selbst, der vergötterte Vio-\nlinist, einen Weg, gefolgt von einem Schwärm von\nDamen — dort stand die Schriftstellerin Lise\nBrown, umringt von einer Schar von Anbetern!\ndort, nicht zehn Schritt von Morton entfernt, von\n\nFortsetzuat"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.4", "texte": "ihm getrennt durch einen Strom von Schultern und\nKopien, in einer einzigen, kleinen Gruppe, die\nCreme von dem allen: in erster Linie der Präsi-\ndent des Kiubs, der Kritiker mit dem Weltnamen,\nG. W. Neergaard, mit dem langen, weißen Haar,\ndas sein braunes, scharfes und kurzes Gesicht um-\nflatterte, noch heute das eines ganz jun-\ngen Adlers; dann Ie Ponge, der Sänger mit\nder goldenen Stimme, ein kleiner, untersetzter\nMann, bei dein sich die Schönheit der Stimme\nschon in den Flammen der mächtigen, blauen\nAugen verriet; Frau Martini, unsere größte Schau-\nspielerin, jung, mit einem wunderbaren Lachen,\ndie beiden Schultern entblößt, derengleichen es\nnicht gab; Lehmann, der Professor, der Porträt-\nmaler, mit seiner schallenden Munterkeit hin und\nwieder alle übertäubend, aller Blicke auf sich\nziehend durch seine Herkulesgestalt — und endlich\nRabiri, der Ehrengast des Klubs, der für alle Zei-\nten unvergeßliche japanische Dichter, der für die-\nsen einen Abend, nur um einige Stunden des Bei-\nsammenseins mit seinem Freund, dem Präsidenten,\nzu erlangen, von Paris hierher gereist war... ach,\ndu gütiger Himmel, alle diese Größen — und er\nselbst, mit dem Abiturientenfrack, der nach Naph-\nthalin stank! ...\nNun ja, erinnerte sich Morton weiter —\n. Aber was hatte das alles übrigens mit der Sache\nzu tun —: es handelte sich um Annie!\nUm Annie Ulfeldt — die in jenem Nu, wo er\nselbst in den Empfangssaal getreten und dort\nstehen geblieben war, gegen einen weißen Kachel-\nkamin gepreßt — schon da drinnen war, ihm un-\nsichtbar, zusammen mit ihrem Onkel, Nicolas Ul-\nfeldt, dem Balladenkomponisten! Annie, die eben-\nso wie Glaß zum erstenmal hier war, geblendet,\nbeunruhigt und überwältigt, die großen, blauen\nAugen weit geöffnet, zugleich neugierig und bang!\nHaha, ach Ja, aber noch sollten mehrere Stunden\nvergehen, ehe er und sie sich sahen —. ehe sie\nüberhaupt ihr gegenseitiges Dasein ahnten! Erst\nsollte ja nämlich gegessen werden —■: da drinnen\nin einem majestätischen Saal, in einem Bagdad von\nMarmor und Gold und Licht, an Tischen, die von\nKristall und Silber flammten, von Blumen leuchte-\nten, mit Tafeltüchern blendeten; in einer babyloni-\nschen Verwirrung von Stimmen; dieses plötzliche\nlautlose Schweigen, wenn eine von diesen Be-\nrühmtheiten sich erhob und klingend an ihr Glas\ngeschlagen hatte; diese Stimmen, tief oder hell im\nKlang, durch Hunderte von Festabenden daran ge-\nwöhnt zu reden, geschmeidig die Sprache biegend,\nsie mit ihrem Witz oder Pathos formend, sie gleich\neiner Brücke von Brillanten von Punkt zu Punkt\nin ihren Gedanken spannend, oder sie wie eine\nKaskade von Freude und Glanz aufschnellend,\noder sie wie einen Wolkenbruch von Blumen, von\nRosen und Lilien und Veilchen über die Frauen\nzu allen Seiten ausstreuend!\nLFnd darauf der Ball — schließlich! Dieser un-\nvergeßliche Ball von Tausenden, der nun monate-\nlang das Unterhaltungsthema all der jungen Da-\nmen in der Stadt bilden sollte — der große Ball,\ni# diesem leckern und luxuriösen Märchensaal, aus\ndem die Tische fortgeräumt waren, und wo der\nFußboden mit seinem Glanz blendete! —\nMorton — der nach und nach ein wenig zu sich\ngekommen war; der die Ueberarbeitung, die\nTinte an Geist und Lippe, mit dem blonden, per-\nlenden Wein weggespült hatte; Morton, der sich\nallmählich satt und munter gesehen und sich\nstark gelauscht hatte; der endlich das Bewußt-\nsein von allen diesen Berühmtheiten überwunden\nhatte, die sich um ihn her bewegten — Morton\nwar gerade drinnen im Rauchsalon gewesen und\nhatte eine Zigarette zu seinem Mokka genossen,\nder ihm in einem papierdünnen und goldenen Fin-\ngerhut gereicht worden war; jetzt hörte er plötz-\nlich das Brausen, den süßen und brutalen Sturm\nvon dem Zigeunerorchester da drinnen im Tanz-\nsaal, Leo Brandes selbst, dieser göttliche, dieser\nschmeichelnde und wahnsinnig leidenschaftliche\nViolinist und Dirigent! — Glaß stand einen Augen-\nblick wie gelähmt still bei den schwellenden Lau-\nten der ersten rasenden und heißen Takte — ja-\nwohl, es war einfach das erstemal in seinem Le-\nben, daß er Leo Brandes spielen hörte! Ach, aber\nnun wurde auch diese ganze rote Fülle von Blut\nin Mortons großem Körper gründlich entzündet,\nnun brannten diese Sinne, die an sich schon\nFeuer waren, nun spannten sich alle seine Mus-\nkeln, er erhob sein Antlitz noch höher wie zuvor,\ner fühlte seine Augen flammen, sein Gang war so\nleicht, durch seine Nerven flogen funkensprühend\ndiese Gewitter- und Sonnenscheintöne — er ließ\nden Blick umherfahren, um sie zu finden, mit der\ner tanzen konnte •—:\nJa!\nUnd da!\nDa drüben in der Ecke!\nDort, kaum sichtbar, hinter einem Schwärm\nvon Kavalieren, dort gewahrte er, neben Nicolas\nUlfeidts riesengroßem Häuptlingskopf, mit dem\neisengrauen Haar, da, gewahrte er das Gold!\nAnnies Reichtum an gesponnenem und goldenem\nMetall, Annies strahlendes Haar, dessengleichen\nniemand gesehen hatte! —\nGlaß runzelte indessen gleich darauf seine\nStirn —: ach, sieh da! wer mag sie wohl sein,\nsteht sie nicht neben Ulfeldt -— aber der ist ja\nnicht verheiratet, sie kann also seine Tochter\nnicht sein, wahrscheinlich eine von diesen Damen,\ndie er protegieren soll: eine von diesen eisabge-\nkühlten und hyperintellektuellen Jungfrauen, die\ndie Männer nach der Zahl der Zeitungen messen,\nin denen ihre Namen genannt werden!\nEr war dessenungeachtet ein paar Schritte\nnäher getreten, rätselhaft aufgebracht, unzufrieden\nsogar mit diesem wiegenden Fluß eines Walzers,\nden die Geigen da drinnen ausströmen ließen —\nhöchlich unzufrieden mit sich selbst gleichfalls,\nmit allem!\nDa hörte er sie lachen — und von neuem fuhr\neine Erschütterung durch alle seine Glieder: das\nwas das Gold, das klang! Ach ja, wie sie lachen\nkonnte, allmächtiger Gott, was war Leo Brandes'\nMusik doch jämmerlich neben dem unbeschreiblich\nklingenden Laut ihres Lachens — in dem alles\nenthalten war, was ein Herz froh und heiß macht!\nHahaha, wie selig, nur allein hier zu stehen, weit\nentfernt, ohne daß sie ahnt, daß man existiert, alle\nNerven überspült, glückselig von diesem Morgen-\nwind, von diesem Sonnensommermorgens Wind\nund Meer . . . und von dem Anblick ihres reichen,\nschimmernden Haares, das ihren Nacken auf dem\nzarten Halse hintenüberbeugt!\nEr war, ohne es zu wissen, allmählich noch\neinige Ellen näher gekommen; war gleichzeitig\nnoch mehr unerklärlich bitter und zornig gewor-\nden, sein Herz hämmerte unruhig, als wolle es\nzerspringen, er starrte neidisch alle diese Herren\nan, die dort dicht um sie herumstanden. Ach,\nkönnte man sie nur mit einer Bewegung seiner\nlangen Arme wegjagen, er hatte in diesem Augen-\nblick mehr als genug Kräfte dazu! Da standen sie\n— er fand buchstäblich, daß er es ihren Rücken\nansehen konnte — und überstarrten sie neugierig\nund roh mit begehrlichen Blicken, pfui Teufel,\nschämten sie sich denn nicht?!\nEine brennende Hoffnungslosigkeit durch-\nzuckte seine Brust, er wollte sich umwenden,\nwollte fortgehen! er wollte entschlossen sich einer\nlachenden und lustigen, endlosen Schar, Damen\nund Herren in Menge, anschließen, die gerade jetzt\nan ihm vorüberströmten, vom Kaffeetisch und den\nZigaretten kommend — die ihn für einige Sekun-\nden von der Gruppe da drüben in der Ecke\ntrennten! er wollte mit hinein und tauzen..»\noder nein, das mochte er auch nicht, er hatte keifte\nLust mehr zu irgend etwas, er wollte nach Hause,\ner wollte sich nicht zwischen all diesen Men-\nschen bewegen, er wollte spornstreichs nach\nHause — nach Hause und schreiben! Ach ja,\nschreiben, er wollte ihnen allen miteinander zei-\ngen, was in ihm wohnte! er wollte sie alle mitein-\nander lehren, daß es darauf ankam —: wie heftig\nes da drinnen lohte, wie groß und wie hoch die\nFlammen waren — und wie genau sie von die-\nsem rätselhaft Wollenden und Lichten dort im\nallertiefsten Innern gezügelt werden konnten!...\nAber er ging doch nicht!\nDas heißt —:\nAls diese lange Flut von glühenden Waagen,\nvon zusammengeketteten Händen, von Atfas-\nschleppen und von schwarzen Fracks an ihm vor\nübergebraust war — da war er plötzlich noch ein\npaar Schritte näher an die Gruppe in der Ecke\nherangetreten.\nUnd da sah er das Wunderbarste, was er ie\nin den Tagen seines Lebens gesehen hatte — ach,\ndas, wovon er tausende von Malen geträumt, was\ner aber nie zuvor erlebt hatte!\nOder nein, es war ja ganz einfach unmöglich!\nDergleichen existierte nicht!\nUnd doch, jawohl, sieh nun da einmal» be-\ntrachte nur die Art und Weise, wie sie alle zu-\nsammen, Jung und Alt, mit ganz anderen Gesich-\ntern, als er es sich vorgestellt hatte, gleichsam\nvon unten herauf, zu ihrem Antlitz emporsehen!\nIst das wirklich richtig, lügen seine Äugen\nnicht —: ach nein, es ist kein Zweifel möglich,\nnicht einer von diesen Männern hat die Blicke,\ndie er haßt! Keineswegs, nein, im Gegenteil: ihre\nAugen lachen, sie strahlen, sie öffnen sich so klar\nund lachen! Ach, mein Gott —: das ist aiso in\nWahrheit das Gold, nicht bloß an Haar und Lachen,\nsondern auch im tiefsten Innern!\nIst es möglich —: vergilt mir das Leben jetzt\nauf einmal an diesem Abend, daß ich es solange\nglühender geliebt habe als irgendein anderer?\nErschließt es mir wirklich dankbar und besiegt\nseinen allmächtigen, seinen großen Schoß — und\nzeigt mir schwindelnd den Schatz, das rote, das\nköstliche Metall, das darin verborgen liegt?!...\nAber noch einmal zögerte Morton; tief unter\nihm zitterten seine Knie, sein Herz raste da drin-\nnen, in seinen Händen sprang plötzlich ein Beben\nauf — aber noch einmal versuchte er, sich da-\ngegen anzustemmen, er runzelte heftig die Stirn,\nwollte nicht nachgeben: sehr wohl, es blieb also\nnur eine einzige Erklärung für dies unglaubliche\nPhänomen öbrig —: daß die Dame von oben bis\nunten von Alabaster war, eine Marmorbraut —\nein fein gemeißeltes Eisblockkunstwerk! Es war\nvermutlich die Statuenkunst Griechenlands, die\nfür einen Abend hier hinaufgerückt war, es war\nein abgeklärtes, schneeweißes Bild, das ans un-\nbestreitbar mit der Offenbarung seiner Schönheit\ntraf — das aber nicht zündete, weil es selber nicht\nbrennen konnte!\nSelbstverständlich!\nWie sollte es auch wohl anders möglich sein\n— grübelte er weiter, ohne selbst auch nur eine\nSekunde daran zu glauben.\nEr war jetzt stehen geblieben, nur drei oder\nvier Schritten außerhalb des Kreises von schwar-\nzen Fracks, der sie ellenbogendicht von allen\nSeiten umgab. Er ließ auf einmal seinen Kopf\nvornüber sinken, für einen Augenblick erfüllte ihn\neine erstickende Begierde, daß es doch richtig\nsein möge — das was er eben gedacht hatte! daß\nseine Augen trotz allem ihn betrogen hätten, daß\nsein Ohr sich doch geirrt hätte —: daß da wirk-\nlich irgendein entscheidender Mangel, ein Mißlaut\nhier oder da bei ihr vorhanden wäre — denn, du\newiges Leben, wie sollte es ihm sonst möglich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.5", "texte": "werden, bis an die Stätte zu gelangen, wo sie\nlebte! bis an diese schwindelnde Sphäre, in der\ndie Vollkommenen wandelten, bis an jenen Son-\nnensftz, zu dem nur die gelangen können — in\nderen Herzen das Allergrößte mit einem unaus-\nföscMchen» mit einem ungeheuren Feuer brennt!\n\nFortsetzung folgt\n\nDas Gespenst der\njudenstadt\nPaul Leppin\nfe der Mitte von Prag, wo sich jetzt hohe und\nluftige Zinshäuser zu breiten Straßen aneinander-\nschficften, stand noch vor zehn Jahren das Juden-\nviertel Kin schiefes und düsteres Gewinkel, aus\ndero kein Wetter den Geruch nach Moder und\nfeuchtem Qemäuer wegzublasen vermochte und\nwo im Sommer den geöffneten Türen ein giftiger\nAitern entströmte. Der Schmutz und die Armut\nStaaken hier um die Wette und aus den Augen der\nKinder, die hier aufwuchsen, blinzelte eine stumpfe\nund Verderbtheit. Der Weg ging da\nmanchmal in niedrigen und gewölbten Viadukten\ndureli den Bauch eines Hauses hindurch oder er\nkrfiwmte sich plötzlich zur Seite und fand vor einer\nblinden Mauer jählings ein Ende. Die Händler, die\nihre Trödlerware vor den Geschäften auf dem un-\nebenen Steinpflaster aufstapelten, riefen mit listi-\ngen Gesichtern die Vorübergehenden an. In den\nHaustoren lehnten die Frauenzimmer mit ge-\nschminkten Lippen, lachten gemein, zischelten den\nMännern in die Ohren und hoben die Röcke, um\nihre gelben und zeisiggrünen Stümpfe zu zeigen.\nGreise Kupplerinnen mit weißen Haarsträhnen und\nlockeren Kiefern grüßten aus den Fenstern, klopf-\nten, winkten, gurgelten vor Eifer und Befriedigung,\nwenn einer ins Netz ging und näher kam.\nHier war die Unzucht zuhause und lockte am\nAbend mit roten Laternen zum Besuch. Es gab\nda Gassen, wo ein jedes Haus eine Schandherberge\nwar, Spelunken, wo das Laster mit dem Hunger in\neinem Bette schlief, wo schwindsüchtige Weiber\nmit verwelkten Reizen eine kümmerliche Industrie\nbetrieben, geheime Verließe, wo das Verbrechen\nflüsternd und augenzwinkernd schulpflichtige Mäd-\nchen schändete und ihre hilflos verwunderte Un-\nschuld für schauerlichen Lohn verschacherte. Es\ngab vornehme und luxuriös möblierte Kneipen, wo\nder Fuß auf Teppiche trat und wo die satten und\nüppigen Dirnen in seidenen Schleppkleidern stol-\nzierten.\nUnweit der Synagoge neben den verwahrlosten\nHütten des Zigeunergäßchens befand sich in einem\nzweistöckigen Gebäude der Salon Aaron. In der\ndürftigen Umgebung machte das Haus beinahe\neinen wohlgepflegten Eindruck, trotzdem der Mör-\ntelbewurf der Mauer zum Teile losgebröckelt war\nund der Staub und der Regen auf die Scheiben\nder vermummten Fenster bunte Streifen malte. Bei\nTag war es hier still; nur selten schlich ein Gast\nüber die ausgetretenen Stufen in den dunklen Haus-\nflur und kam mit aufgeschlagenem Rockkragen\nhastig und verlegen nach einer Stunde wieder ans\nLicht. Aber in der Nacht stieg hier aus verborge-\nnen Brunnen ein lautes, helles und zitterndes Leben\nauf. Die Fenster glühten und das Gelächter flat-\nterte drinnen wie ein gefangener Vogel im Käfig.\nAuch das Lachen Johannas war mit dabei. Das\nwar ein heißes, schmiegsames und brünstiges Gur-\nren, das man deutlich neben den Stimmen der an-\ndern unterscheiden konnte und das manchmal\nschon in der Schweigsamkeit des Vormittags zu\nklingen begann wie eine frohe und verliebte\nLerche. Johanna war fröhlich, weil die Männer zu\nihr gingen. Sie war begehrter als ihre Gefährtin-\nnen, weil sie einem jeden von der bangen, quäle-\nrischen und unruhevollen Süßigkeit gab, die sie\nerfüllte und die in den trägen Leibern der andern\nnicht wohnte. Sie war oft selbst verwundert da-\nrüber. Das Gewerbe, das den Frauen, mit denen\nsie beisammen war, als eine langweilige und ver-\ndrießliche Pflicht erschien, brachte eine verzückte\nund unentrinnbare Liebessehnsucht über sie, einen\nStachel, den sie in ihrem Fleische spürte und der\nin ihren Augen einen mädchenhaften Schimmer\nentzündete. Mit Lippen, die vom Küssen wund\nund zersprungen waren, trank sie sich an dem\nMunde der Männer fest, immer wieder von der\nbräutlichen Wollust durchflutet, die ihre erste Um-\narmung begleitet hatte. In den Pausen, die ihr\ndas Sündenhandwerk ließ und die ihr unerträglich\nlang und einsam dünkten, lauschte sie auf die\nSchritte der Passanten draußen vor dem Haus und\nwenn die Türglocke ging, flog eine Flamme über\nihr Gesicht und sie seufzte. Es gab oft Tage, an\ndenen sie die Liebe bis zur Uebersättigung genoß;\naber wenn sie dann mit dumpfem Kopfe und\nschmerzenden Gliedern im Bette lag, ging ihre Er-\ninnerung von einem zum andern, kostete und\nschwelgte und sie lächelte in die Dunkelheit.\nManchmal, besonders im Sommer, wenn sie in den\nletzten Stunden vor dem Morgen endlich ihr Lager\naufsuchte, steigerte sich ihre Unruhe bis zur Pein.\nDann kam sie im Hemd zum offenen Fenster und\nsah in das Ghetto hinunter. Sie streckte die nack-\nten Arme hinaus und fühlte den warmen Regen wie\nBlutstropfen auf ihrer Haut. Das war ihre Heimat\nda unten. Die Stadt, in der die verschlafenen\nLichter der Freudenhäuser blinkerten, wo in den\nverrufenen Gassen klobige Schatten kauerten und\nin der Ferne noch eine winselnde Geige oder das\nharte Geklimper der Spielkästen zur Lustbarkeit\nlud. Eine schwärmerische Melancholie badete ihr\nAntlitz in Tränen. Der Nachtwind griff zärtlich\nnach ihren Brüsten, sie legte den Kopf in den\nNacken und ihre Lippen verzogen sich zum Kuß.\nAm Abend, wenn der Salon festlich erleuchtet\nwar, wenn die Weingläser auf den Marmortischen\nklirrten, tanzte sie zur Musik. Die Sinnlichkeit,\nunter der sie litt, machte ihre Glieder weich und\nlässig und trieb sie mit fliegenden Röcken in eine\nverlangende Wildheit hinein, die ihr starres Ge-\nsicht wundersam verschönte, die aufreizender und\nwerbender wirkte, als die Künste der andern. Sie\ntanzte allein oder mit den Gästen. Ihr schlanker\nKörper bog sich unter den Händen der Tänzer,\nschmiegte und drängte sich, zitterte und fror; und\nwenn einer mit der blonden Johanna getanzt hatte,\ndann ging er auch gewiß mit ihr in ihre Kammer.\nIhr Mund war gierig und fieberisch. Je mehr Män-\nner den Weg zu ihr fanden, desto ungebärdiger\nfiel ihre Liebe sie an; ihre Lust erschütterte und\nbetäubte; ihre Inbrunst war willfährig und ent-\nfachte sich zur Glückseligkeit\nDann kam der Tag, wo ihren Körper zur Buße\ndie Krankheit nötigte. Aus den morschen Mau-\nern der Judenstadt, aus den unzüchtigen Gassen\nkam sie herauf und vergiftete ihre Küsse. Sie ver-\nbrannte ihr Blut und machte ihre Adern trocken\nund rissig; sie erwürgte das Gelächter und das\nverliebte Stammeln in ihrem Halse; sie be-\nschmutzte ihren Leib mit roten Flecken und\nschleifte sie durch den Schimpf der unflätigen\nHuren hindurch in die schlotternde Angst des La-\nzarets. Hier lag sie in dem heißen Bette und von\nder Zimmerdecke fielen die Gedanken wie schwere\nTropfen auf ihre Stirn. Sie dachte an die Frauen,\ndie jetzt im Salon Aaron saßen und den gelben\nWein aus dünnen Gläsern tranken. Sie dachte an\ndie Musik und an das scharlachfarbene Hemd, das\nsie beim Tanze getragen hatte. Sie beugte die\nArme und warf den Kopf in die Kissen zurück;\naber es war niemand da, der sie küßte. Eine\nschmachtende Traurigkeit weckte das Schluchzen\nin ihrer Kehle auf und ließ sie verzweifeln.\nHeuchlerisch und zögernd, in einem feigen und\nboshaften Tempo vergingen die Wochen. Uner-\nwartet heftig war die Krankheit Johannas zum\nAusbruche gekommen. Das Gegengift, mit dem\nsie die Aerzte quälten, war machtlos gegen sie. Sie\nnistete in den Geweben, sie flackerte unter ihrer\nHaut, sie kratzte in den Winkeln und Gruben ihres\nFleisches eitrige Wunden auf und wollte nicht\nweichen. Sie machte ihre Gedanken lahm und\nverunreinigte ihren Schlaf mit geilen Träumen,\naus denen sie stöhnend in die Höhe fuhr und mit\nHaß und Grauen die Wirklichkeit erkannte. Jo-\nhanna entbehrte die Männer. Ihr nervöser Leib\nbäumte sich unter der Folter der Entsagung. Jeder\nTag, den sie glühend verbrachte, jede Stunde ver-\nmehrte ihre Not. Bis sie es nicht mehr ertragen\nkonnte. In der Nacht entwich sie aus dem Kran-\nkenhause. Durch das Fenster sprang sie in den\nGarten und stieg bloßfüßig, nur mit dem Mantel\nüber dem Hemd, über die Mauer auf die Gasse.\nBrennend, in einer überirdischen und schwülen\nErwartung lief sie durch die Stadt. Die aiifge-\nlösten Haare flatterten um ihr Gesicht und ihre\nAugen glänzten. Ein heller und wunderbarer Ge-\ndanke trieb sie weiter und erfüllte sie mit Glück.\nSie wollte zu den Männern! Ihre Füße flogen über\ndie Steine und ihre Muskeln spannten sich. Die\nSchatten verspäteter Nachtschwärmer schwankten\nüber den Weg und das grelle Licht plötzlicher La-\nternen erschreckte sie; eine köstliche und schwere,\nverführerische Süßigkeit machte sie betrunken. Die\nTürme der Theinkirche tauchten vor ihr auf und\nstanden bleich zwischen den Sternen. Da war sie\nja schon am Ziel! Da war schon die Gasse, wo die\nMusik hinter verhängte Türen lärmte und wo das\nLachen der Frauen mit den Flügeln an die roten\nFensterscheiben schlug\nSie blieb stehn und sah geblendet in den Mond,\nder schielend am Himmel klebte und geborstene'\nBalken und Geröll beschien. Der Salon Aaron war\nverschwunden. Die Hacke und der Spaten hatten\nStück um Stück von dem alten Hause abgegraben\nund neben der Synagoge lagerten die Steine. Eine\neinzige Mauer stand noch mit zackigem Kamme\naufrecht zwischen den Trümmern und Johanna\nerkannte die Wand ihres Zimmers. Ihre Augen\ngingen entsetzt und gelähmt weiter in die Gasse.\nDie bunten Lichter der Freudenhäuser waren ver-\nlöscht und der Staub stieg wie ein Rauch aus den\nzerbrochenen Dächern. Ueberall krochen Ruinen\naus der Nacht. Während sie im Krankenhause in\ndem feuchten Bette mit der Seuche kämpfte, hatte\nman ihre Heimat zerstört —\nEin Schrei löste sich aus ihrer Kehle und zit-\nterte gräßlich durch das vereinsamte Viertel. Ihre\nHaare flössen über ihren Mantel und die Nacht-\nluft öffnete ihn und tastete lüstern unter das Hemd.\nEin Trupp bezechter Soldaten kam vorüber. Halt-\nlos verwirrte Liebesworte ächzend, fiel sie tot\nihnen in die Knie. Und zwischen den Trümmern\ndes eingerissenen Bordells gab sie sich den Män-\nnern hin, die der Zufall auf ihre Fährte geführt\nhatte. Sie gab sich einem nach dem andern, und\nihr armer, von der Krankheit verwüsteter Leib\nwurde nicht müde und grub sich zuckend im Lie-\nbestaumel immer tiefer in den Schutt . . .\nVon einem Sommer zum andern wurde das\nGhetto niedergerissen. Neue Häuser erdrück-\nten die finstern und ungesunden Schlupfwinkel,\nwo das Elend und das Laster jahrhunderte-\nlang gespenstert hatten. Die Unzucht flüch-\ntete mit hohen Stöckelschuhen klappernd bis\nan den äußersten Rand der Vorstädte. Auf\nden alten Plätzen wuchs eine Stadt für die\nReichen und Vornehmen empor. Aber noch\nniemals war inj Prag die Lnstseuche so"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.6", "texte": "furchtbar und verheerend gewesen wie in die-\nsem Jahre. Sie brach, in die Familie ein und lehrte\ndie jungen Mütter das Grausen. Sie hing sich an\ndas Lächeln der Liebe und machte ein bleiernes\nGrinsen daraus. Knaben gaben sich den Tod und\nGreise verfluchten das Leben.\n\nLe Gréco-Paganisme\ndans la Poesie francaise actuelle\n\nCe n'est pas aux lecteurs de Der Sturm\nque j'apprendrai que Gerhart Hauptmann et Emile\nVerhaeren abandonnent en quelque sorte la ma-\nniere rude et les themes modernes gräce auxquels\nils s'imposerent au public. Ces lecteurs savent\nqu' Hauptmann, apres un s6jour en Grece, vient de\nfaire repretenter, ä la Societe du theätre des ar-\ntistes dont il est le directeur, un poeme dramatique:\nDer Bogen des Odysseus, qui n'est autre\nqu' une libre et souple adaptation d'Homere: Et\nils savent aussi que Verhaeren a fait jouer recem-\nment ä Paris une Helene de Sparte et que,\npresque en meme temps, il repudiait le vers libre.\nJe ne veux pas medire du vers libre auquel\nnous devous quelques pieces d'un charme reel;\nmais je-suit bien oblige de constater que le vers\nlibre esten France en complete decadence, qu'il\nä ete renie successivement par tous les grands\npö£tes qui l'ont preconise et illustre: Jean Moreas,\nCharles Van Lerberghe, Henri de Regnier et Ver-\nhaeren. S'ils ont agi ainsi, c'est qu'ils ont compris\nque cet „instrument\" ne convenait pas ä la langue\nfrangaise qui n'a pas d'accent tonique comme l'alle-\nmand, l'italien ou le grec. Tandis que la prosodie\netrangere s'appuie sur des syllabes longues ou\nbreves, la prosodie frangaise est determinee par la\nmesure, la cadence, le nombre de pieds et la rime.\nCe sont des systemes entierement opposes. Les\netrangers ont l'oreille plus sensible que la notre\nau son fort ou faible des syllabes. Aussi leur est-\nil plus facile de concevoir le vers libre; ils savent\nle cadencer, le rythmer par l'alternance des temps\nforts et des temps faibles qu'ils entendent, eux,\nmais que nous n'entendons guere, nous autres\nFrancais. La question du vers libre se ramene ä\nune question de musique. Et c'est pourquoi il ne\nfaut pas s'etonner que Verhaeren ait renonce ä\nfaire des • vers libres comme y avaient renonce\nMoreas, Van Lerberghe et Henri de Regnier. Et\niL ne faut pas s'etonner non plus que, comme\nHauptmann, il soit revenu ä l'antique.\nEst ce un recul? Non pas! C'est, tout au\ncontraire, un progres. II en est des progres de\nla litterature comme des progres des sciences ex-\nperimentales qui accusent une marche „tournante\".\nMais (et fort heureusement), chaque fois que nous\naccomplissons un tour nouveau, nous sommes plus\navertis, plus habiles; si, en sciences d'observation\net d'experimentation et en poesie, nous faisons\npeu de decouvertes, si meme nous devous en partie\nrenoncer ä quelques-unes de Celles que nous avons\nrealisees, il n'en est pas moins vrai que nous\nsavons les utiliser avec plus de discernement, de\nprecition, d'ä-propos. Ainsi l'emploi du vers libre\nen France n'aura pas ete vain: il a oblige la poesie\nreguliere äse rajeunir, ä s'assouplir, äse per-\nfectionner par une serie de reformes destinees ä\ncompleter l'oeuvre de progres qu'avaient dejä\naccomplie les romantiques ä l'egard de l'ancienne\npoesie classique.\nDe meme, en revenant ä l'antique, et speciale-\nment aux sujets inspires de la mythologie grecque,\nles poetes ont besoin d'apporter une exactitude\nde vision et une fraicheur d'emotion toutes nou-\nvelles. C'est ce que font en particulier les trois\nplus grands de nos poetes frangais vivants: Henri\nde Regnier, Anna de Noailles et Fernand Mazade;\net c'est ce qui permet de constater sans regret ce\nretour de la poesie aux sources millenaires.\nJe sais tout le mal que Ton pent dire des mytho-\nlogies et qu'il est facile de les tourner en ridicule;\nmais il est moins facile de se passer d'elles;\nc'etait l'opinion de Stephanie Mallarme dont ä\nbon droit se reclament nos poetes d'avant-garde.\n„Les symboles mythiques\", ecrivait il „ont ete, par\nla science, delivres de la personnalite fabuleuse\noü les enferma l'antiquite. Rien ne reste plus que\nl'apparence des dieux ä jamais incarnee dans le\nmarbre, puis leur signification rendue ä la lumiere,\naux nuees, a l'air. Voilä oü en est le savoir de\nnotre temps; mais, ä cote de l'etude, il y a l'ima-\ngination. De tres grands poetes ont su (c'est leur\ndevoir tant que l'humanite n'a pas cree de mythes\nnouveaux) vivifier ä force d'inspiration, et comme\nrajeunir par une vision moderne, les types de la\nfable. Si quelque esprit, imbti de prejuges,\nnensait que les divinites n'ont plus chez nous le\ndroit ä l'existerice il pourra, ä la lecture de belies\npages empruntees aux gloires des lettres d'au-\njourd'hui, reconnaitre, comme un fait, que rien\nn'est mort de ce qui Tut le culte spi-\nrituel de la race. Magnifique et vivant pro-\nlongement qui doit se perpetuer aussi\nlongtemps que notre genie litte-\nraire\". Voilä ce que disait Stephane Mallarme;\net personne ne saurait mieux dire.\nJe lisais tout recemment dans une revue ber-\nlinoise un article de Rene Calvin, consacre ä\nla renaissance du paganisme grec dans la litte-,\nrature actuelle. Rene Calvin constatait que cette\nrenaissance s'etait produite presque ä la meme\nheure et presque dans toute l'Europe. Voilä le cas\nde repeter que certaines idees flottent dans l'air\nuniversel et que, ä quelques instants pres, on les\nrespire en meme temps ä Saint-Petersbourg et\nä Berlin, ä Paris et ä Londres.\nII y a peu d'annees, le litterateur le plus re-\nmarquable de la jeune Bulgarie, Pentscho-Slawey-\nkoff publiait sa P h ryll e qui, malgre certaines\nimperfections de forme, reste une oeuvre de Pre-\nmier ordre. En preconisant la religion de la beaute\nfthysique, teile qu'elle existait dans l'antiquite\ngrecque, Pentscho-Slaweykof a rendu un reel\nservice ä la poesie de son pays: il l'a arrachee aux\netroits liens du folk-lore national, il l'a delivree\nde ses frontieres strictement bulgares; et, depuis\nla signature de la paix, toute une pleiade de po-\netes balkaniques accordent leur lyre ä la facon de\nl'auteur de Phr y n e.\nEn Russie, le mouvement greco-paganisant est\nmene avec ardeur par une trentaine de poetes qui\nappartiennent ä un groupement appele le Mu -\nsage t e. lis ont reuni leurs meilleurs vers dans\nune anthologie, ils se remuent, ils donnent de belle\nesperences; et si je ne les nomme pas, c'est parce\nqu'ils ne realisent pas encore dans leurs oeuvres\nimparfaites les promesses de leurs theories.\nEn Italie, le mouvement en faveur du paga-\nnisme a commence sous l'impulsion d'un certain\nnombre de jeunes ecrivains dont le talent s'af-\nfirme plus harmonieux, plus pur et plus sincere\nque celui de Gabriele d'Annunzio qui, en somme,\nn'a rien compris ä l'antiquite classique.\nEn Angleterre, la renovation pai'enne est pre-\nchee par quelques sociologues et moralistes de-\ntermines et, en particulier, par M. Deshumbert,\nfondateur de la societe de la Morale de la nature.\nCette cause a aussi plusieurs ardents Cham-\npions en Hollande et, surtout, en Belgique oü\nbrillent les muses d'Emile Verhaeren (le Verhae-\nren nouvelle maniere), d'Albert Qiraud et de\nFranz Ansei.\nEh France, depuis que la Renaissance a ec-\npeuble et le Parnasse, nous n'avons pa«\ncesse d'avoir des poetes paganisants. Les mythes\ngrecs remplissent I'oeuvre de Pierre de Ronsard\net celle d'Andre chenier; ils ont inspire des vers\nadmirables ä Victor Hugo et ä Leconte de Lisle,\nä Theodore de Banville et ä J.-M. de Heredia, ä Ste-\nphane Mallarme et ä Henri de Regnier, ä Anna dt\nNoailles et ä Fernand Mazade. Chaque jour non*\navons la preuve qu'Ulysse d'lthaque et Helene de\nSparte n'ont pas vieilli, non plus que les paysages\nd'Hellade et d'lonie. Les sentiments des hommes\net les beautes de la nature demeurent eternels,\net eternels aussi les mythes qui les expriment. La\nnouveaute ne consiste pas ä choisir un suiet lienf:\neile est dans la fagon de sentir et d'exprimer.\nOuand Delille celebrait le jeu de trictrac, il trai-\ntait un sujet neuf; ses alexandrins ne s'averaient\npas moins vieux. Et c'est aussi avec des vers\necules que plus d'un rimeur d'aujourd'hni chante\nle tango, la greffe animale et l'aeroplane.\nA des milliers d'annees de distance, les mythes,\nles symboles grecs conservent toute leur gräce,\ntoute leur fraicheur, toute leur puissance: ils per-\nsonnifient toujours nos mstincts, nos sentiments,\nnos sensations. Les religions nouvelles ne les\nont pas etouffes, parce qu'ils sont assez peu pre-\ncis pour ne pas contredire notre raison et qu'ite\ncontentent pleinement toute notre sensibilite. Ik\nsont mysterieux; pourtant nous les voyons. Nous\nsupposons que nous ne croyons pas ä eux (qu*\nde bous chretiens sont pai'ens sans s'en douter!);\nmais ils nous ensorcellent. Quand Henri de Reg-\nnier fait devant nous\nRuer la centauresse et hennir le centaure,\nnous sommes emerveilles. Nous sommes emer-\nveilles quand ce meme poete nous montre le s*-\ntyre ivre et triste.\nOue me fait le printemps puisque son clair retotw\nNe rend plus sa verdeu ä mon corps las et lourd,\nQu'il ne se mele plus ä ma force vieillie,\nPuisqu'il me raille, qu'il m'ignore, qu'il m'oublte\nEt s'ecarte de moi qui l'ecoute souvent\nRire dans la feuillee et rire dans le vent\nEt chuchoter tout bas le long de mon chemi»,\nTellement que je vais, miserable et chagrin,\nM'asseoir sur cette pierre au seuil de ton cellier,\nEt, Satyre podagre, au vin hospitalier\nQui sommeille dans l'ombre au flanc creux de\nl'amphore,\nJe redemande le mensouge d'etre encore\nCelui-lä qui sentait, avec avril eclos,\nLe retour de la seve en ses membres nouveaux.\nApres Henri de Regnier, la comtesse Anna d«\nNoailles a chante des hymnes pai'ens avec un art\ninegal, mais avec de frequentes eclairs de genie.\nL'amour remplit toute l'oeuvre de cette poetesse\ndont les deux livres caracteristiques sont: Les\neblouissements et Le coeur innom-\nbrab 1 e. Appeler Eros quand il est absent, clor®\nsur lui sa porte quand il est venu, le pleurer quand\nil est parti, et le desirer de nouveau, tels sont les\nsoins uniques de Mme de Noailles.\nMon coeur, qu'attendez-vous de la chaude journee?\nAh! mon coeur, vous n'aurez plus jamais\nd'autre bien\nOue d'esperer l'amour et les jeux qui l'escortent,\nEt vous savez pourtante le mal qu'il vous apporte,\nCe dieu tout irrite des combats dont il vient!\nCet Amour n'est pas le dieu galant, spirituel\net badin qui mene au son des flütes et des violes\nles rondes des bergeres qu'habillait Watteau, ni le\nconfident aile qui vpltige autour des deesses de"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.7", "texte": "Boucher. Ce n'est pas non plus l'adolescent fatal,\niu'X theätrales attitudes, qui enflamme les coeürs\nromantiques, non plus que le dieu rose et joufflu,\nbebe trop bien nourri preside aux idylles familia-\nles. L'Amour qui inspire la comtesse de Noailles\n©st un beau jeune homme paien ä la vigourense\nMtidite, au sourire cruel et doux; les fleches qu'il\nporte font des blessures qui ne cicatrisent point,\nwais donton adore la brüiure.\nBMe a senti glisser jusqu'au fond de son coeur\nL'aigiiÜloii et le miel de la rude caresse;\nEt, les pas chancelants de plaisir et de peur,\nElle ä mar che longtemps dans la bruyere epaisse.\nCe qui frappe tout de suite et profondement\ncliez Mine de Noäilles, c'est l'intensite et la sin-\ncerite du cri. La poetesse du Coeur innom-\nb r ab 1 e a efface le maquillage dont maints Po-\nntes parnassiens et Albert Samain avaient pare\nAphrodite\" trop ingenieusement et de la tete aux\npieds.\nNon saus talent et non sans courage, Frederic\nPlessis, Charles Le Goffic, Charles de Pomairols,\nAndre Laton, Mauriac, Joachim Gasquet\nont tente l'accord de la foi chretienne avec le sen-\ntiment de la be'aute grecque.\n'-Pierre Louys, Francis Viele-Griffin, Ernest\nRaynaud, Andre Maie, Jean Royere, Emile Cot-\ntinet, . Xavier Mirgot, Henry Muchart, Charles-\nAndre Grouas ont su chanter, quand ils l'ont voulu,\nJa chaude et harmonieuse chanson pai'enne.\nQuant ä Fernand Mazade, il est, en tant que poete,\nnniquement et purement Hellene.\nUn jeune critique fort attache aux ecoles nou-\nvelles (ä l'ecole paroxyste notamment), M. Jean\nDesthieux consitatait que ~le grand charme de\nFernand Mazade est de' savoir, mieux qu'aucun\nautre poete. chanter avec naturel et avec gräce\nles choses de l'Hellade mythologique\". La con-\nsiatation a d'autant plus de valeür que M. Desthi-\neux trouve cela surpremant, car, selön lui, les\n~choses\" en question sont „peu naturelles et tr£s\ntnysterieUses\". Un autre critique sympathiqüe\nmussi aux tentatives les plus hardies, Emile Cotti-\nnet ecrivait tout dernierement dans la revue de\nPaul Fort, Vers et Prose, que ..Fernand Ma-\nzade, eleve en Provence, dans une atmosphere\nencore impregnee de genie antique, ressuscite et\nrevit sans peine les visions ensoleillees de ses an-\ncetres greco-latins. Ses impressions n'ont rien d'un\ningenieux pastiche; elles sont directes, inspirees,\npersonnelles. II a vu reellement le dieu puissant\ndes vendanges et des rythmes\", les dryades, les\nnai'ades, les faunes. „Certains de ses tableaux\nfont penser ä Boecklin qui peignit un centaure in-\ngenu venant presenter ä un marechal de village\nson sabot deferre.\" Et, toujours dans Vers et\nProse, Cottinet demandait: „Ne pensez-vous\npas avec moi que Fernand Mazade est un des\nplus hauts, des plus plurs et des plus delicieux\npoetes de notre France?\" Pour ma part, je le\npente, et depuis longtemps.\nMazade a publie quatre ouvrages: Arbres\nd'H ellade, Athena, Dionysos et les\nNymphes et Apo 11 on , oü les tableaux vi-\ngoureux et exquis, na'ffs et magnifiques abondent.\nEn choisissant et en animant le decor antique, ce\npoete preconise un retour ä la morale esthetique\net ä la nature, laquelle est beaucoup plus morale\n\"que ne le croient la plupart des gens. Et mieux\nque toute autre civilisation, la civilisätion grecque\nenseigne le bonheur de vivre. Elle enseigne ega-\nlement l'art de vivre, qui est un art mesure et sage.\nJouir de tout ses sens, de toute son intelligence,\nde tout son reve, jouir dans sa chair, dans son\ncoeur et dans sa pensee, p ourvn que c e soit\navec ejegance et en gardant l'equi-\nI i b r e , voilä l'art de vivre que conteille la morale\ngrecque. Et voilä ce que celebre Fernand Mazade,\npoete ä l'ame et ä la tete bien faites, et c'est ce\nqui donne ä ses poemes tant de justesse, tant de\ncharme, tant de puissance.\nLe poete de Dionysos et les Nymphes\nnous öftre un rajeunissement total de ce qui fut\nl'Hellade. Cependant, p.armi toutes les divinites\ngrecques, ce poete a une preferee, et c'est Athena.\nII nous la montre femme et belle, harmonieuse et\nradieuse. 11 nous dit:\nA la frise du temple eile a mis le flambeau,\nEt la clarte sur la fontaine.\nElle seule a le droit de cultiver le beau\nDans le jardin du reve hellene.\nGuerriere juste et qui loin des haines se plait,\nMaitresse de l'heure tranquille,\nDivinite fidele et diligente, eile est\nLa conscience de la ville.\nII nous dit encore:\nSois modeste,. mon noble ami. Soyons modestes.\nNous n'avons meme pas compte\nCombien d'etoiles vont sur les routes Celestes\nAu senil de cette nuit d'ete.\nDu moiiis, les yeux leves vers les spheres splendides!\nEssayons-nous de voir le dieu,\nLa puissance, l'attrait qui, saus caprice, guident\nLa course des astres en feu.\nChasse ta vanite. L'intelligence humaine\nJusqu'ä ce soir n'a decouvert\nNi les secrets subtils de la gräce d'Helene,\nNi les tenebres de la mer.\nDes mortels cependant qui sur terre s'agitent,\nL'homme seul a de la raison:\nII est le seul qui cherche ä dire les limites\nDe son reve et de l'horizon.\nSoyons humbles, mon doux voisin. Le plus sagace\nDe nous ne soit rien de l'amour\nEt n'expliquerait pas pourquor l'Oürse s'efface\nEt pourquoi reviendra le jour.\nMais nous reconnaissons le faux d'avec le juste,\nEt l'injuste d'avec le beau;\nEt notre ä-me contient la certitude auguste\nDe vivre au'delä du tombeau.\nAinsi chante Fernand Mazade; et partout,\nmeme dans la raison, il voit et conseille la volupte,\n— la volupte, essence meme du paganisme.\nVolupte des gestes, volupte de la voix, volupte\ndu silence nocturne, volupte de la brise qui passe,\nvolupte du rire, volupte des larmes, volupte de\npenser, volupte d'äimer et volupte aussi de sentir\nqu'on est son propre maitre: la volupte est par-\ntout pour qui sait l'eprouver; eile est toute la\npoesie; eile est surtout tout le lyrisme. Elle\nn'est pas toute dans l'amour: voilä la\ngrande verite qu'illustre l'oeuvre de Fernand\nMazade.\n\nHenry Gauthier-Villars\n(Willy)\n\nOpernhaus\nErwin Weber\nWenn die Bauherren trotz B. d. A. usw. taub\nbleiben, wird der Bauherr wohl seinen Hoffmann\nbekommen. Spaßig, zum Aufbauen einen Toten-\ngräber zu bestellen. Aber der versteht auch sein\nHandwerk und hat trotzdem Geschmack. Seine\nZunft, die Ihne, Ebhardt, Schwechten und Genos-\nsen, verlangt es eigentlich nicht. Und doch hätts\neiner noch besser gekonnt, der Bruno Paul; der\nhätts nämlich, wie man so sagt, lebendig gemacht.\nEr wirds sich schon abgewöhnen, der jüngste der\nBrüder. Ob sie wohl wissen um ihre Verwand-\nschaft?\nHoffmann.\nOh, seht ihrs denn nicht, daß dieser Klotz klein\nund häßlich sein muß vor seinem Gegenüber, einer\nkleinen, üppigen, buckligen, lüsternen Dirne, be-\nhängt mit wüstestem Talmi, aber Weib; dieser\ngroße, stämmig-starre, gewählt und reich geklei-\ndete, taubäugige, plumpe, nöselige Bursche — ja,\nwärs ein Weib, man fände nicht hinein. Hinweg\nvon ihm zur kleinen Krüppel, da brauchts nicht zu\nsuchen, sie schluckt euch alle auf.\n— Du Schlappschwanz, guck Dir die Sieges-\nsäule an, erst klettre mal so hoch. Also geh man,\nKleiner, und wenn Du nett bist, nimm bitte die\nlange Latte, den Bismarck usw mit.\n— Aber ich will ja auch gar nichts; ich will nur\nvornehm und reich sein.\nSchriftlich hat ers sogar gegeben.\nPoelzig\n— Gelt, Du kommst doch mit, ja? »\n— Dirne.\n— Ein strammer Kerl bist Du, apart siehst aus,\nwenig Geklunker, sogar meinem Chef könnste ge-\nfallen — Du — Du bist so stark und weit, Deine\nAugen blicken so anders als andere, Du hast\nAugen — ich will Dich, hörst Du — zwinge mich —\n— Du Weib — nein, .nein — Ich bin ruhig ge-\nworden — nimmer können wir eins sein — doch\nDeine Nähe will ich wohl dulden, bleib.\n— Du, Dein Blick ist ein kühles, dehnendes\nLager von glattem, riichigem Leder.\nTessenow\n— Gnade, lieber Herr. Dein Kleid sind die\nLebensfurchen Deiner Nacktheit, Dein Gehen ist\nKindersang — Du unendlich Reiner.\n— Verhülle Dein Gesicht. An meinem Auge\nstirbt das Unreine, und kann doch nimmer gram\nsein. Ich leide an diesem Sterben, ich leide an\ndieser Welt unsägliches Weh, meine Liebe zu\naller Seelen ist Höllenpein, aller Leben bohrt sich\nin meine Seele, und — bin doch allein; über mir\nund vor mir und hinter mir immer nur Ich; ist\ndenn niemand mir Herr?\n— Mein lieber Herr — mein lieber Herr Tod...\nWarum denn keine Kulisse — solls nicht außen\nsein, wie innen? Also wenn nicht, dann gibts\ndie Möglichkeit und die Möglichkeiten: einen an-\nderen vorhandenen Entwurf ausführen oder wie-\nder und anders anfangen. Die Möglichkeit ist nur\nPoelzig und könnte mir docli Besseres wünschen,\nauch von ihm. Die Möglichkeiten — als un-\nmöglichste Tessenow oder van der Velde, Allliebe\ngegen Vielgötterei, Strom oder Strudel, Stil und\nauch Volkskunst (jeweiliges Strombett und auch\nQuelle) gegen Interregnum und gleich Lagune,\nNacktheit oder Dekoration (tätowiert, nicht be-\nhängt), Gesang oder Instrument, wenn die Seele\nschweigt: kritisch oder gefühlskoddrig, immer\nWeltschöpfung (Biegen) oder auch Verarbeitung\n(Brechen), na, Utopie. Weiter, ein neuer freier-\nfreier Wettbewerb; weiter, kaiserliche Huld —\netwa Schultze-Naumburg; weiter Submission mit\nBlüten; weiter usw. Wenns nur besser würde als\ndas Berliner Rathaus oder mindestens Hallesches\nTor. Es lebe die talentspuckende Kopie.\nDie Dirne ihrem künftigen Gegenüber:\nDer mich zeugte, mußte mich brechen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140415-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen inhafts toir*\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur dnrcfc-\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaftene Seilt\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag*\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Var»\nlag Der Sturm oho« Angab« der Grfiode vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hanse / Bertis SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / P*4sdin««r Strafie 1341\nVierundzwasragste Aosstellung\nPaul Klee\nMare Chagall\nOti&ttaet tiMcto vub 1 ft—6 Uhr j Sonniatjs Mtm\nII—2 Uhr\n£intritt i Mark I Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher WechseJ\nSturniaussteilunsen in DeutscMand und im Aus-\niaad I April 1914\nMagdeburg: Kandinsky\nTrondlijem / Norwegen: Der Blaue Reiter\nHalle: Archipenko\nMarburg: Franz Marc\n6tuttgart: August Macke\nStockholm: Graphik\nTokyo: Graphik\nLondon: Graphik\nHannover: Severini\nCoburg: Expressionisten\nFrankfurt a. flt: Jawlensky\n\nVerlag Der Sturm\nferita Wf Potsdamer Straße 134*\nFarnruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsschrsft der Sturm\nEr»chrint sua ersten mid fQnfzehnten ledes Monats\nDauerbezug\nfStwGfenilche A jusgafee: FBr Deutschland\nand Gesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nHark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertellahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig X Fflr das\nrA usl a n d bei direkter Zustellung\ndarch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\nfahr 4 francs sft centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEtnzeiheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderaasgabe; Ungebrochene Eiem-\nplare anf bolzfreiem Papier, Ver-\nleodusc in Ra 11 en direkt dnrch 4ie\nPost f(lr Deutschland and 0 ester-\nrelch-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark I\nEte Halbjahr 6 Mark X Fflr das Aasland:\nEin Jahr 18 francs I Ein Halbjahr 9 francs / Von\ntiieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nstunmern and Probenummern nic h t abg*geben\nHer Stuns: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\nMark I Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n30 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch aile Buch- und\nKcnsthandlungec, durch die Post, sowie direkt\nfaireh den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\ndeben / Zum Einzelverkauf Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraßenstSnden auf\nPalls direkte Zastellung durch den Verlag\nDer Sturm miter Streifband oder in Rolle ge-\nwlinscht wird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nB&aerbezug bei tier BesteHung oder ba«\nBeginn des neuen Vierteliafares bis\n« a m ftinften des ersten Monats e I a z u«\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, dal E i n -\naieh ung des Betrages durch Nachnahme\nsrnter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwHnscht wird\nOaneralvertrettiiig des Verlags Eugene Flgutera /\nParts\n\nOriginalholzschnilte / Handdrucke\nDie Oesamtauflase ist in Klammern beigeffigt / ABe\nExemplare sind vom Kunstler nummeriert und signiert\nFranz Marc: Versfihnung / Tier-\nlegende / Pferde I Tiger / Pfe r d e\nHochformat / Die Hir t i a / Der Stier, t\nSchlafeiide Hirtin / Wildplerd* /\nRuhende Pferde (handaQuarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark (je 10)\nKanditisky: Sonntag / Zwei Vogel / Das Exemplar\n30 M I Radierungen M 60 und M 40\nMax Pechsteln: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Auf Nummer 94 der Zeltschrift Der\nSturm vom Kunstler mit der Hand aquarelliert /\nDas Exemplar 5 Mark (100)\nWllhelin Morgner: Acker mn Weio j Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / fressende Holzar-\nbeiter / Das Exemplar 25 Mark (10)\nGabriele Miinter: Neujahrswunsch / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nWalter Heibig: Landschaft / Das Exemplar\n30 Mark (5)\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Sonnige\nStraße / Nordischer Hafen / MSdchen auf Sofa !\nSitzende Frau / Zwei Frauen im Raum / PortrSt I\nI Straßenkurve / Zwei Akte / Das Exemplar\n30 Mark (12) / Liebespaar / Mußige Het&ren /\nSchlafende Hetare ./ Je 40 Mark (12)\nIL Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131 112\n134/135, 140/141] I Das Exemplar 30 Mark (12)\nOskar Kokoschka: Piakat fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnis 1 ie d e r / Zn Oe-\ndichten von Amo Holz / Fflr Qesang und Kla-\nvler I 3 Mark / ,50 Seitea\nKunstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zekhnungen /\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark j Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / Mark 10\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\n\nZeitsehriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz }' VUt\nNazionale 25\nLa Route / Revue de I'Erfort Social / Paris | Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre j fnlher L'Effort j Mortalssebritt /\nLa Renaissance Coiiteiuporaiite j fialbirwiiatssdburift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Fransaise / Mooatssch-rifl' '/\nParis Vie 35/37 Rue Matfarae / Hammer i Francs*-\n50 centimes\nMontjote / 11 alb monatsschrift / Parts / Ckrnl#\nd'Antin 38\nflaro / Monatsschrift / Brtissei\nLeg Cahiers du Centre / Mouitos [AHier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustr& 112\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean C6~\nrusse / Paris 278 Boulevard Raspail / Jahresr\nbezttg 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir neue and\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslaviuova\n\nAnzeigen\n\nVerein fiir Kunst/Leitung ilerwarthWaldei\nI Zehntes J ahr / Jahresbeitrag 20 M. / Recftte\nder Mitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift Ber\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nLothar Homeyer ./ Ira Selbstverlag erscheint eine\nMappe mit 6 Radierungen auf Japan-Bfitten* Der\nSubskriptionspreis fiir die Mappe 25 Mfirk\nI Bestellungen sind zu richten an Lothar Horaeyer\nCharlottenburg, Sybelstraße 42\nPoet-Lore Begrfindet 1890 / Eine Zweimoaafcs-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Qegenwart in alien L&ndern / Literari6Cke\nBeitrage von Maeterlinck / Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge i Whitman j\nEchegaray / BjSrnson / Hervieu I Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Qhose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendong von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ter-\nlag Richard G. Badger I Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nAlbert Ehrenstein: Die weiße Zeit / Dieser Gedic&t-\nband erscheint Ende Marz in einer signierten\nAuflage von 300 Exemplaren, in Leder gebunden>\ndas Exemplar 10 Mark / Man subskribiert bei\ndem Verlag Georg Muller, Miinchen, Elisabeth-\nstrafie 26\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futurists /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni tma-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / MiJano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nWiecker Bote / Akademische Monatsschrift /\nHerausgeber und Schriftleiter: Dr. Oskar Kanehl /\n25 Pfennig / 6 Hefte M. 1,25 / Heft 7 soeben er-\nschienen\nJosef Treß: Bettelkonig / Gedichte mit Zeichnun-\ngen von Lovis Wachlmeier / Baldur-Verlag /\nMiinster in Westfalen"}]}