{"numero_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_sha256": "8a143dbfa9f102fa630dc57d70580b59c6be4d05f987cb2b57c233972fd74afd", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1914/06/15_01/bmtnabg_1914-06-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1914/06/15_01/bmtnabg_1914-06-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt: H. W.:", "titre_sommaire": "Inhalt: H. W.:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.1", "debut_caractere": 315, "fin_caractere_exclue": 566, "texte": "Inhalt: H. W.:\nRenaissance / August Stramm: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Albert Dreyfus: Gedichte / Hans Blüher: Zur\nKritik des Sexualitätsbegriffs / Empfohlene Bücher / Marc Chagall: Zeichnung / Vlatislav Hofman: Eckhaus (1914)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.2", "titre_corps": "Marc Chagall: Zeichnung", "titre_sommaire": "Marc Chagall: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.1", "debut_caractere": 568, "fin_caractere_exclue": 591, "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "42", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.3", "titre_corps": "Renaissance", "titre_sommaire": "Renaissance", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9394, "texte": "Renaissance\nH. W.\nEs ist eine Wollust zu leben. Dank Riccardo\nStrauß, dem neuen Meyerbeer. Herr Schmidt geht\nmit, der Leopold, bis nach Paris. Es ist eine Wol-\nlust zu leben. Die ältesten Weiber werden mobil\ngemacht. Die Salome, die Elektra und die Poti-\nphar. La donna e mobile. „Als Strauß am ersten\nMai im Automobil von Garmisch nach Paris\nabreiste, um dort die Proben seiner Josephs-\nlegende zu leiten, hatte er den ersten Akt der\nneuen Oper beinahe vollendet gehabt.\" So auto-\nmobil machen ihn die Weiber. Und dabei wollte\ner in Paris nicht einmal sein Vehikel leiten, sondern\nnur die Proben. Mein Auto erlitt unterwegs eine\nPanne und ich konnte den Schaden im Berliner\nTageblatt besehen. Aber beim Gotte Elektras und\nPotiphars, ich habe es geahnt, nein, gewußt. Im\nMittelpunkt steht der Tanz der Wollust, am Pult\n„die hohe, schlanke Gestalt des Komponisten\", „im\nOrchester schäumt es und glitzert es.\" Alle Blech-\ninstrumente sind frisch geputzt, die Geigenbögen\nfrisch geschmiert und die Josephslegende kann be-\nginnen.\n„Und die Pariser Gesellschaft hat das Strauß-\nsche Musikwerk mit dem Glanz empfangen, den\nsie in der jetzigen Saison zu verschwenden liebt.\"\nDa die Gesellschaft schon einmal beim Verschwen-\nden war, kam es ihr auf die paar Stunden auch\nnicht mehr an, sie zog ihr Sonntagsjakett und ihr\nAusgelikleid an und der Doktor Schmidt fühlte sich\nin dem Glänze geborgen. Aber es wurde noch\nglänzender: „Die biblische Lebende ist in dem\nWerke aus ihrem historischen Milieu in das prunk-\nvolle Venedig verlegt.\" Aber nicht etwa, daß die\nDekorationsschneider gegen die Juden waren, der\nGrund ist vielmehr, sagt der Doktor, im psycho-\nlogischen zu sehen. Keine Psyche ohne Logik.\n„Wir sollen nicht an die Ethik der Hebräer, nicht\nan die Pharaonen, den Nil und die Pyramiden den-\nken, um an den Konflikt zwischen dem keuschen\nJoseph und der begehrlichen Frau Potiphar er-\ninnert zu werden, um ihn so allgemeiner als den\nzweier sich fremder menschlicher Empfindungs-\nwelten aufzufassen.\" Potiphars waren eben in der\nSommerfrische, als Riccardo Strauß sie vertonen\nwollte. Die Erklärung ist doch einfacher als die\nPsychologie. Denn so sehr ich mich bemühe, Am-\nboß des Doktors Schmidt zu sein, eher schlage ich\nFeuer, als daß man mir. einhämmern kann, zwei\nsich fremde menschliche Empfindungswelten seien\nim prunkvollen Venedig allgemeiner aufzufassen als\nam schönen Strand des Nils. „Wenn der Vorhang\naufgeht, sehen wir eine Halle im Stile Palladios mit\nprotzigen goldenen Säulen, vor einer Loggia im\nHintergrund.\" Das hatte man erwartet. Ich bin-\nüberzeugt, daß rote schwellende Diwane auf der\nBühne standen. Ich bin überzeugt, daß die Loggia\neinen Ausblick auf das prunkvolle Venedig bot.\nAber das Erstaunlichste bleibt, daß die Ve-\nnezianer venezianische Trachtpracht trugen.\nPotiphar und höchstdessen Gattin hatten nach\nbewährter Sitte selbstverständlich die Unifor-\nmen ihrer venezianischen Regimenter angelegt.\n„An überladenen Tafeln schwelgt die Hofgesell-\nschaft des Potiphar in reicher venezianischer\nPracht.\" Sie aßen den Kaviar direkt mit Löffeln\nund brauchten die Austern nicht einmal zu bezah-\nlen und die Weine flössen in Nilströmen, so daß sich\nKatarakte auf den schon ohnehin überladenen Ta-\nfeln bildeten. Die Psychologie der Verschwendung\nkonnte gar nicht sinnfälliger dargestellt wetden.\nPotiphars hatten ihre Lieblingssklavin auch einmal\ndie gute frische Luft gegönnt, sie durfte gratis mit-\nreisen, wenn auch nur zu Füßen, aber dafür nicht\nzu Fuß: „Potiphar selbt thront mit seiner Gemahlin\nauf einem Hochsitz, zu ihren Füßen die junge Lieb-\nlingssklavin. Im Orchester, an dessen Pult die hohe\nschlanke Gestalt des Komponisten erschienen ist\nschäumt es und glitzert es.\" Die Katarakte stürzen\njetzt bereits in das Orchester und der Hofkompo-\nnist von Potiphars muß schon mindestens so be-\nrühmt wie Riccardo Strauß gewesen sein, wenn er\nes wagen durfte, erst am Pulte zu erscheinen und\nmit der Musike zu beginnen, als die Stimmung\nschon zum Brechen toll war. „Die übersättigte Le-\nbensfreude und üppige Pracht des Orients tut sich\nvor uns auf.\" Die Katarakte können sich nicht\nmehr halten, sie überfluten jetzt den Glanz der\nGesellschaft, Venedig kommt dem Doktor Schmidt\nganz orientalisch vor und er ärgert sich, daß die\nbeaux restes der übersättigten Lebensfreude nicht\nverteilt werden. „Ein orientalischer Scheich bie-\ntet die Geschenke feil, die der Herrscherin, zu\nderen Ehren das Fest stattfindet, dargebracht\nwerden.\" Etwas früher hätte Herr Potiphar\nschon seine Einkäufe machen können, der feilbie-\ntende Scheich wird wohl bei der allgemeinen Le-\nbensfreude besser auf seine Kosten gekommen\nsein. Das Orchester kann sich nun auch nicht\nmehr halten. Früher hat es nur! geschäumt und\ngeglitzert: „Das Orchester glitzert und schillert,\ndie Frauen tanzen den Hochzeitstanz, der dar-\nstellt, wie die Braut in der Hochzeitsnacht ent-\nschleiert wird, den Tanz der Wollust. Die Musik\nist von warmer Innigkeit, aber in der choreogra-\nphischen Ausführung nicht das, was man hier er-\nwartet und was wohl auch beabsichtigt war.\"\nDie Braut ward also nicht entschleiert, was auch\nbeabsichtigt war. Denn wenn man sie entschlei-\nert hätte, wäre höchstens eine Lust, aber keine\nWollust entstanden. Dafür ist ja die Musik von\nwarmer Innigkeit, teils schäumt und glitzert sie,\nteils glitzert und schillert sie, ganz zu schweigen\nvon der hohen schlanken Gestalt des Kompo-\nnisten. „Dem Fräuentanz folgt ein Auftreten der\nFaustkämpfer, es mahnt an die brutalen Freuden,\nmit denen eine genußsüchtige Zeit ihre abge-\nstumpften Nerven reizte. Potiphars Weib bleibt\nbei allem eisig starr.\" Mich wundert das gar\nnicht. Die Hochzeitsnacht hat sie bereits hinter\nsich, einen Boxkampf hat sie doch sicher wenig-\nstens im Kino gesehen und Kaviar ißt sie alle Tage.\nSoll dieses Eis nicht geschmolzen werden können?\n„Ihre Teilnahme erwacht erst, als Joseph in einem\nTeppich schlafend hereingebracht wird. Er ist\nals Hirtenknabe im Pubertätsalter gedacht. Mit\nihm dringt der Hauch einer unschuldigen Natur in\ndie schwüle Atmosphäre einer überreif geworde-\nnen Kultur hinein.\" Die Potiphar sieht die Puber-\ntät bis durch den Teppich. Dieser Hirtenknabe,\nder faule Fische im Canale Grande hütet, ist der\nEinzige seiner Pubertät. Die anderen ägyptischen\nVenezianer übersprangen diese perverse Periode,\nindem sie von der Unreife mit Umgehung der Pu-\nbertät und mit beiden Füßen direkt in die Reife\nsprangen. Joseph hatte in seinem Teppich diesen\nSprung verschlafen und dafür schritt das Unheil\nschnell. Ohne zu erwachen, „drückt Joseph in\ndrei gesonderten Tanzfiguren die natürliche Un-\nschuld des Hirtenknaben, die Sehnsucht des Gott-\nsuchs'enden und die Verherrlichung des Gottes aus,\nden er in sich gefunden.\" Nur das „hat\" vergaß\ner im Interesse der dichterischen Darstellung des\nDoktors Schmidt. Die natürliche Unschuld der\nPubertät hingegen hat er sich teils durch den Tep-\npich und teils durch den Schlaf bewahrt. „Im\nwesentlichen behilft sich Joseph mit den Mitteln\nder Sprungtechnik, um seine Symbolismen anzu-\ndeuten und der Eindruck mußte sich notwendiger-\nweise verflachen.\" Er holt also den vorhin er-\nwähnten vergessenen Sprung nach, aber man hat\nschon bessere Sprünge gesehen. Warum auch\nvon Flachsprüngen Eindrücke erwarten. „Dann\nfolgt die künstlerisch wichtigste und am besten\ngelungenste Szene. Das Fest ist verrauscht, <die\nStufen leer geworden.\" Jetzt kommen aber nicht\ndie Reinmachefrauen, um die Stufen endgültig zu\nleeren, sondern „Joseph, von der Dienerin in die\nKammer unter der Loggia gebracht, hüllt sich in\nseinen Mantel und schläft ein.\" Eine außerordent-\nlich gelungene Szene, die Dienerin, unter dem\neinen Arm Joseph nebst dem Teppich, unter dem\nanderen Arm den Mantel. Nach dem Sprungtech-\nniker die Leichtathletin. Joseph ist es in dem\nTeppich nicht warm genug, er hüllt sich noch\neigens in den Mantel und schläft ein. Eine außer-\nordentlich gelungene Szene. iDurch den Schlaf\nwird psychologisch auf die Pubertät hingewiesen.\nNoch mehr: „Er träumt von einem Engel, der sich\nschützend an sein Lager stellt. Da erscheint Frau\nPotiphar im Nachtgewand.\" An diesen Engel hat\ner in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht.\nKein Engel ist so rein: „Der Reiz des Knaben hat\nsie nicht schlafen lassen und sie sucht, sich dieses\nihr fremde, selbstbewußte Wesen ihr Untertan zu\nmachen. Es beginnt das Spiel und Widerspiel\nzwischen den Beiden, das mit dem Sieg der Rein-\nheit endet.\" Sie reizt ihn nicht, aber er sie:\n„Joseph läßt den Mantel fallen, das Weib ist von\nseiner Nacktheit 'geblendet, aber von ihm ver-\nschmäht, wandelt sie ihre Liebe in Haß und Ver-\nachtung.\" Aha, vaschtehste, die beiden Empfin-\ndungswelten, die Tugend und die Sünde, die Liebe\nund der Haß. Warum haben Sie das nicht gleich\ngesagt? „Im übrigen nimmt mehr und mehr der\nMusiker unser volles Interesse in Anspruch, bis\ner uns mit einem strahlenden D-dur entläßt.\" Von\nder Tugend bis zur Sünde oder von der Liebe bis\nzum Haß oder von der Wollust bis D-dur. Erst\nfing die Geschichte so grausig an und dabei han-\ndelt es sich doch nur um D-dur. Die Musik „ist\ndurch und durch ein echter Strauß\". Nur der\nStrauß ist nicht echt. Es bleibt die politische Tat.\nNirgends nähern sich die Nationen schneller als\nin der Begeisterung für Kitsch.\nWTB Paris, 14. Mai: Richard Strauß, dessen\nJosephslegende heute in der großen Oper ihre Ur-\naufführung erlebte, hat das Offizierskreuz der\nEhrenlegion erhalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "43", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.2", "debut_caractere": 9396, "fin_caractere_exclue": 9977, "texte": "Gedichte\nAugust Stramm\n\nErfüllung\nMeine Sporen frechzen deine Spitzen!\nBläulich kichern die Aederchen fort\nIn Sicherheit höhnisch\nIm\nSchimmrigen Weich\nBebige Hügel wiegen Verlangen\nKöpfchen rosen empor und steilen Gewähr.\nDie Lippe zerfrißt sich!\nQolden ringeln Würger hinunter\nUnd schnüren den Hals zu\nNach meinen Fingern tastet dein Blut\nUnd siedet den Kampf.\nDie Seelen ringen und kollern abseit!\nHoch schlagen die Röcke den Blick auf\nGoldhellrot\nRotweichrot\nFlamme zischt in das Hirn\nUnd sticht mir das Schaun aus!\nSinken Sinken\nSchweben und Sinken\nSchwingen im Sturme\nIm Sturm"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1802, "texte": "n Im schreikrollen Meer!\nZiegelrot\nUeber uns segnet der Tod\nSäender Tod!\n\nUntreu\nDein Lächeln weint in meiner Brust\nDie glutverbissnen Lippen eisen\nIm Atem wittert Laubwelk!\nDein Blick versargt\nUnd\nHastet polternd Worte drauf.\nVergessen\nBröckeln nach die Hände!\nFrei\nBuhlt dein Kleidsaum\nSchlenkrig\nDrüber rüber!\n\nSiede\nMeine Schwäche hält sich mühsam\nAn den eigenen Händen\nMit meinen Kräften\nSpielen deine Knöchel\nFangeball!\nIn deinem Schreiten knistert\nHin\nMein Denken\nUnd\nDir im Auggrund\nStirbt\nMein letztes Will!\nDein Hauch zerweht mich\nSchreivoll in Verlangen\nKühl\nKränzt dein Tändeln\nIn das Haar\nSich\nLächelnd\nMeine Qual!\n\nVerhalten\nMeine Augen schwingen in deinen Brüsten\nDein Haupt beugt glutrot weichen Schatten\nDrauf!\nDer Atem schämigt hemmend\nDas Gewoge.\nMich krallt die Gier\nUnd herbe Dünste bluten\nIn seinen Ketten\nRüttelt\nDer Verstand.\nFein\nKnifft die Scheu die Lippen lächelnd\nKälter!\nMein Arm nur\nFaßt\nIm Schwung\nDich\nHeißer heiß!\n\nVorbergϋehn\nDas Haus flackt in den Sternen\nMein Schritt verhält und friert.\nIn deinem Schöße schläft mein Hirn.\nMich fressen Zweifel!\nVoll\nSchattet deine Büste in dem Fenster\nDas Spähen hüllt mich lautlos\nDie Sterne streifein glühes Eisen\nMein Herz\nZerkohlt!\nAn deinem Fenster\nEist\nEin Windhauch Asche.\nDie Füße tragen weiter leere Last!\n\nWankelmut\nMein Suchen sucht!\nViel tausend wandeln Ich!\nIch taste Ich\nUnd fasse Du\nUnd halte Dich!\nVersehne Ich!\nUnd Du und Du und Du\nViel tausend Du\nUnd immer Du\nAllwege Du\nWirr\nWirren\nWirrer\nImmer wirrer\nDurch\nDie Wirrnis\nDu\nDich\nIch!\n\nFreudenhaus\nLichte dirnen aus den Fenstern\nDie Seuche\nSpreitet an der Tür\nUnd bietet Weiberstöhnen aus!\nFrauenseelen schämen grelle Lache!\nMutterschöße gähnen Kindestod!\nUngeborenes\nGeistet\nDünstelnd\nDurch die Räume!\nScheu\nIm Winkel\n'Schamzerpört\nVerkriecht sich\nDas Geschlecht!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "43", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.1", "titre_corps": "Erfüllung", "titre_sommaire": "Erfüllung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.2", "debut_caractere": 9420, "fin_caractere_exclue": 9977, "texte": "Erfüllung\nMeine Sporen frechzen deine Spitzen!\nBläulich kichern die Aederchen fort\nIn Sicherheit höhnisch\nIm\nSchimmrigen Weich\nBebige Hügel wiegen Verlangen\nKöpfchen rosen empor und steilen Gewähr.\nDie Lippe zerfrißt sich!\nQolden ringeln Würger hinunter\nUnd schnüren den Hals zu\nNach meinen Fingern tastet dein Blut\nUnd siedet den Kampf.\nDie Seelen ringen und kollern abseit!\nHoch schlagen die Röcke den Blick auf\nGoldhellrot\nRotweichrot\nFlamme zischt in das Hirn\nUnd sticht mir das Schaun aus!\nSinken Sinken\nSchweben und Sinken\nSchwingen im Sturme\nIm Sturm"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 72, "texte": "n Im schreikrollen Meer!\nZiegelrot\nUeber uns segnet der Tod\nSäender Tod!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.2", "titre_corps": "Untreu", "titre_sommaire": "Untreu", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 74, "fin_caractere_exclue": 312, "texte": "Untreu\nDein Lächeln weint in meiner Brust\nDie glutverbissnen Lippen eisen\nIm Atem wittert Laubwelk!\nDein Blick versargt\nUnd\nHastet polternd Worte drauf.\nVergessen\nBröckeln nach die Hände!\nFrei\nBuhlt dein Kleidsaum\nSchlenkrig\nDrüber rüber!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.3", "titre_corps": "Siede", "titre_sommaire": "Siede", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 314, "fin_caractere_exclue": 627, "texte": "Siede\nMeine Schwäche hält sich mühsam\nAn den eigenen Händen\nMit meinen Kräften\nSpielen deine Knöchel\nFangeball!\nIn deinem Schreiten knistert\nHin\nMein Denken\nUnd\nDir im Auggrund\nStirbt\nMein letztes Will!\nDein Hauch zerweht mich\nSchreivoll in Verlangen\nKühl\nKränzt dein Tändeln\nIn das Haar\nSich\nLächelnd\nMeine Qual!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.4", "titre_corps": "Verhalten", "titre_sommaire": "Verhalten", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 629, "fin_caractere_exclue": 946, "texte": "Verhalten\nMeine Augen schwingen in deinen Brüsten\nDein Haupt beugt glutrot weichen Schatten\nDrauf!\nDer Atem schämigt hemmend\nDas Gewoge.\nMich krallt die Gier\nUnd herbe Dünste bluten\nIn seinen Ketten\nRüttelt\nDer Verstand.\nFein\nKnifft die Scheu die Lippen lächelnd\nKälter!\nMein Arm nur\nFaßt\nIm Schwung\nDich\nHeißer heiß!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.5", "titre_corps": "Vorbergϋehn", "titre_sommaire": "Vorbergϋehn", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 948, "fin_caractere_exclue": 1285, "texte": "Vorbergϋehn\nDas Haus flackt in den Sternen\nMein Schritt verhält und friert.\nIn deinem Schöße schläft mein Hirn.\nMich fressen Zweifel!\nVoll\nSchattet deine Büste in dem Fenster\nDas Spähen hüllt mich lautlos\nDie Sterne streifein glühes Eisen\nMein Herz\nZerkohlt!\nAn deinem Fenster\nEist\nEin Windhauch Asche.\nDie Füße tragen weiter leere Last!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.6", "titre_corps": "Wankelmut", "titre_sommaire": "Wankelmut", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 1287, "fin_caractere_exclue": 1522, "texte": "Wankelmut\nMein Suchen sucht!\nViel tausend wandeln Ich!\nIch taste Ich\nUnd fasse Du\nUnd halte Dich!\nVersehne Ich!\nUnd Du und Du und Du\nViel tausend Du\nUnd immer Du\nAllwege Du\nWirr\nWirren\nWirrer\nImmer wirrer\nDurch\nDie Wirrnis\nDu\nDich\nIch!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.4.7", "titre_corps": "Freudenhaus", "titre_sommaire": "Freudenhaus", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 1524, "fin_caractere_exclue": 1802, "texte": "Freudenhaus\nLichte dirnen aus den Fenstern\nDie Seuche\nSpreitet an der Tür\nUnd bietet Weiberstöhnen aus!\nFrauenseelen schämen grelle Lache!\nMutterschöße gähnen Kindestod!\nUngeborenes\nGeistet\nDünstelnd\nDurch die Räume!\nScheu\nIm Winkel\n'Schamzerpört\nVerkriecht sich\nDas Geschlecht!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "46", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.5", "titre_corps": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "titre_sommaire": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "signature_source": "Aage von Koh", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 1804, "fin_caractere_exclue": 1846, "texte": "Der Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Koh"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "debut_caractere": 1861, "fin_caractere_exclue": 6390, "texte": "Er trat schnell einen Schritt in die Mitte der\nStube zurück, drehte den Kopf mit einem Ruck\nnach links, und ward dann von einer wunderbar\ntiefen und beruhigenden Ueberzeugung ergriffen,\ndaß es zweifelsohne Annie gewesen war! selbst-\nredend war es Annies Bild dort an der Wand ge-\nwesen, dies lebensgroße Gemälde — das der\nProfessor vorhin so lange und bewundernd ange-\nstarrt hatte, als sie hier nach dem Tee wieder\nhereingekommen waren —: sicher war es Annie\ndort, die eben diesen Namen: Karl Mumme, ge-\nflüstert hatte!\nGanz sicher!\nVöllig einleuchtend!\nSie war ja wirklich auch die einzige Dritte, die\nüberhaupt den Namen dieses Mannes kennen\nkonnte!\nUnd damit war es ja auch gegeben, daß nichts\nBöses damit gemeint war — damit, daß dies Wort\nihm ins Ohr gehaucht wurde!\nWeit davon entfernt! Annie, die nie einem\nlebenden Wesen etwas anderes als Gutes getan\nhatte! Die aus dem Reichtum ihres Herzens, rest-\nlos alles liebte, was da lebte — nein, sie hatte\nsicher nichts Schlimmes damit beabsichtigt, weder\ngegen Karl Mumme noch gegen ihn!\nGott sei gepriesen, liebe Annie, auch gegen\nmich warst du ein Leben lang so unsagbar gut,\nkein anderer auf der Welt weiß, was für Fähig-\nkeiten du besaßest, einem Menschen etwas zu\nschenken, niemand in der ganzen Welt, außer mir\nselbst, war glückselig genug, in vollem Maße zu\nerfahren, wie unerschöpflich reich, wie schwin-\ndelnd froh, wie brennend gut und klug, wie tapfer\nund wie sanft du warst!\nNein, Annie hatte nur Gutes im Sinn gehabt\n— indem sie ihm diesen Namen nannte! Sie wollte\nihn zweifelsohne nur in den ganz unfeindseligen\nGefühlen bestärken, die er schon im voraus diesem\n.. . . diesem Menschen gegenüber hegte! Ach,\naber das war ja an und für sich gar nicht nötig,\ntrotzdem! Oder wußte er denn nicht besser als\nirgend ein anderer, hatte er denn nicht geschrieben\nund in seinen sämtlichen Büchern wieder und\nwieder nachgewiesen: daß alles, was uns zustößt,\ndaß ausnahmslos alles, was wir alle zusammen\nsagen und tun und zu tun unterlassen, daß da-\nhinter ein tiefer, tiefer Zweck liegt — und der hat\nimmer und überall recht! . . .\nEr ging langsam im Zimmer hin und her —\nindem er ganz nahe an den mit Bücherborten be-\nkleideten Wänden, regelmäßig und in rechten\nWinkeln durch die Stube herumwanderte.\nBlieb jetzt dahinten vor jenem Stuhl stehen,\nauf dem von Geer vor einigen Stunden gesessen\nhatte — und hörte da plötzlich in seinen Ohren die\nGedanken, die er eben gedacht hatte —:\nRecht??\nHatten wir alle zusammen recht — in allem,\nwas wir taten?\nRecht! wie so denn, wie war es denn möglich,\nvielleicht also auch .... Karl Mumme . . « .\nrecht!? ....\nEr warf jäh den Nacken hintenüber, lachte kurz\nV\nund bitter, ließ sich auf einen Stuhl gleiten, wandte\nsich mit einem Ruck nach dem Gemälde um, das\ndort links zwischen den Bücherborten hing —:\nAnnie Morton! in einem wunderbaren Ge-\nwand, einem seegrünen, ausgeschnittenen Gewand,\nso leicht, so unsagbar fein — mit einem Hinter-\ngrund von tiefem, tiefem Blau! Siehe, aus dem\nGrün und Blau eines Mittelmeeres erhoben sich\nihre schaumweißen Schultern, die Schönheit und\nSüße des Halses, das strahlende und hohe Antlitz\nunter dem Gold des Haares! . . . Noch eine Weile\nstarrte er mit verhaltenem Atem stumm und hun-\ngernd zu der Pracht des Bildes hinüber — dann\ndrehte er langsam den Kopf wieder ab, fühlte sich\nqualvoll müde; seine Arme und Beine schmerzten\nin allen Muskeln, die Knochen waren wie ent-\nzündet, sie lagen und wogen so zentnerschwer, da\ndrinnen — brannte außerdem sein Mark, war da\nein glühender Draht, war da ein kochender Eiter\naus Blei und Säure in allen seinen Adern? Töd-\nlich ermattet war er, todesmüde, bange — allein!\nKarl Mumme?\nDennoch . . . recht!?\nAch ja. Auch Karl Mumme. Sicherlich auch\ner!\nAuch er besaß ja keine anderen Mittel, um das\ngeheimnisvolle Wachstum seines Ichs zu er-\nreichen — als die, die er angewandt hatte!\nEinen Augenblick schien es Morton, als könne\ner auf einmal diesen Menschen vor sich sehen, leib-\nhaftig, wenn auch in einiger Entfernung —:\nRiesengroß, das dunkle Haar und der Bart wie\nRuß über der kreideweißen Haut hernieder, über\neiner von Hunger, von Krankheit, von Wahnsinn\nund Eingesperrtheit ausgeblichenen Haut, einer all-\nzu weißen, einer rotgesprenkelten Haut, gar zu\nstramm über diesen gigantischen, mißg;eformten\nSchädel gespannt — der ohne Hals von den mäch-\ntigen Schultern getragen wurde!\nGlaß zwinkerte schaudernd und neugierig mit\nden Augen, mochte ihn wohl ein klein wenig näher\nbetrachten, dies Geschöpf, dessen Gräßlichkeit\nnicht seinesgleichen hatte —:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9865, "texte": "Ach ja, diese Augen waren gerade so, wie er\nsie sich vorgestellt hatte, so wie er sie im voraus\naus seinen Studien in früheren Zeiten kannte:\ndiese stechenden Augen, die immer so aussahen,\nals bluteten sie! War es etwa Zorn oder Furcht,\nwovon ihr unveränderlicher Ausdruck erzählte —\nnein, sicherlich nicht: diese kleinen, schwarzen\nPupillen, die zugleich stachen und auswichen; die\nzersprungenen, blutigen Adern des Augapfels; die\ndicken, immer hart gerunzelten Brauen . . . alles\ndies berichtete nur von einem — und dies eine\nwar Qual! Die Blicke dieses Mannes, der Mund,\nan dem die Unterlippe schief saß, die dumpfe, vier-\neckige Last seines Kiefers, die ganze häßliche,\nnach oben zugespitzte Form seines Kopfes, deu-\nteten nur ein einzig Ding an —: daß es überall\nda drinnen in ihm wehtat! immer, überall, unauf-\nhörlich tat es weh!\nJa —:\nFür diesen grauenvollen Menschen, für diesen\nentsetzlichen Mann, gab es nur ein einziges Ding\n— das sein Fleisch kannte und bis auf den Grund\nbegreifen konnte!\nWie die Nerven des Malers überall Farben\nspüren, wie die Sinne des Musikers nichts anderes\nals Töne vernehmen, wie die Mutter in der gan-\nzen Welt mit allen Fibern nur von einem weiß, von\nihrem Kinde . . . genau so kannte dies bittere und\nzornige, dies wahnsinnige Gemüt nur eins —: daß\nes weh tun konnte, daß es Schmerz gab! ach,\nSchmerz war sein Brot, sein Trunk — sein Wa-\nchen, sein Schlaf! Schmerz in seinen Armen, in\nseinen Beinen, in seinen Schultern und tief da\ndrinnen in seinem nagenden Herzen! Schmerz,\ndas einzige, was zu 'fühlen ihm das Leben Fähig-\nkeit verliehen hatte — und Gelegenheit, es wieder\nund wieder von neuem zu erleben!\nEine dumpfe und trotzerweckende Qual, wenn\ner als Kind daheim mißhandelt — und in der\nSchule von den andern gescheut wurde und sie\nscheute! Ein tiefer und haßgebärender Schmerz,\nwenn er als Jüngling allein stand — und neidisch\nund höhnisch den andern nachstarrte, die paar-\nweise dahinwanderten! Eine glühende und\nstechende Marter, wenn er alle andern zur Seite\nweichen sah — ängstlich vor seiner Häßlichkeit\nselbst, vor seinem zornigen Blick!\nJa, ja, Schmerz, wo er ging und stand: wenn\ner allein war und wutschnaubend sein Schicksal\nverfluchte — und wenn er, wenn auch nur aus\nder Entfernung, mit einem zähneknirschenden\nGrinsen den Laut davon vernahm, wie die andern\nlachen konnten! Ach, ein unablässiger, ein knur-\nrender und verzehrender, ein wahnsinnbringender\nSchmerz — von dem man sich nur befreien\nkonnte für einen kurzen und seligen Augenblick,\nindem man ihn auf einen andern ablud! indem man\nihn zu einem Haufen zusammenkrallte und ihn\ndann mit beiden Fäusten, aus aller Macht, mi{\nsämtlichen überangespannten Kräften, rücksichts-\nlos, je wilder, je besser von sich wegschob —\nnur weg von sich selbst, auf den andern hinüber!\nJa, zu sehen, wie das Antlitz dieses andern davon\nerzählte, daß nun dieser andere der Leidende\nwar! Zu sehen, wie dieser fremde Mund weit\naufgesperrt wurde, als solle er dabei zerreißen —\nund also zu berichten, daß es jetzt, ausnahmsweise\neinmal, nicht Karl Mumme war — nein, daß es\njetzt dieser Fremde war, der schmecken sollte,\nwas es hieß, gepeinigt zu werden! Sein Ohr, seinen\nganzen Kopf, seinen Leib zu überfüllen mit diesen\nlangen gellenden Angstschreien — die einen\nletzend vollauf verstehen ließen, daß jetzt man\nselber es nicht mehr war, daß es nun dieser andere\nwar, der, bitte schön, Erlaubnis haben sollte, die\nMarter kennen zu lernen!\nAch Gott, entsetzlich, ja, ja . . . und doch . . .\nwar nicht trotzdem auch dies, zu guterletzt . . .\ngenau dasselbe — wie der Frohe, der so herzlich\ngern auch andere lachen machen will! wie der\nKluge, der vom heftigen Durst entbrennt, daß auch\ndie anderen verstehen können sollen! der Christ,\nder diese Armen bekehren will, die noch nicht\ndas einzig Seligmachende kennen! Ach, war es\netwas anderes, als immer und ewig und überall\ndasselbe —: das Gesicht unseres eigenen Ichs, dem\nwir überall zu begegnen begehren, weil nur in\ndieser Form wir das Leben schlürfen können, weil\nnur so das Dasein Nahrung für unser eigenes,\nverborgenes Selbst werden kann! . . .\nEr war ein klein wenig auf dem Stuhl zusam-\nmengesunken, stumpf diese Gedanken formulie-\nrend, die er in vergangenen Zeiten, schon vor\nJahren, Tausende von Malen gedacht — und deren\nRichtigkeit er längst bis auf den Grund eingesehen\nhatte.\nEr sah mit halbgeschlossenen Augenlidern vor\nsich hin, entsann sich jetzt des Professors und sei-\nnes Widerstandes vorhin — gegen gerade diese\nselbe Ideen.\nJa, die Aerzte, grübelte Morton —: und in noch\nhöherem Maße die Richter, mit denen ist es ja\neine ganz andere Sache!\nMit den Richtern ist es wie mit jedem, der sei-\nnen Lohn vom Staate erhält, um eine ganz be-\nstimmte Arbeit innerhalb seines Rahmens auszu-\nführen — sie müssen dem Gesetz Untertan sein!\nDie Richter — sie sind die Vertrauensmänner\nund die Weisen der Menge! sie haben nur an eins\nzu denken —: daß der Haufe noch immer außer-\nstande ist, zu fassen, daß der Verbrecher ein Ge-\nschwächter ist, daß der Dieb wie auch der\nMörder in bürgerlicher Beziehung ein Minderwer-\ntiger ist, ein Wrack, das die Arbeit nicht zu ver-\nrichten vermag, die erforderlich ist, um leben zu\nkönnen — und daß er aus diesem Grund eines\nArztes, nicht aber eines Juristen bedarf! einer Er-\nleichterung in seinen Erwerbsverhältnissen, eines\nObdachs — und am wenigsten von allem der noch\nstärkeren Brutalisierung, mit der ihm das Gefäng-\nnis entgegentritt!\nDarum haben die pflichtgetreuen Richter nur\neins zu tun: wortkarg ihren Mann gefesselt auf\ndem Markt aufzustellen und zu fragen: soll ich ihn\ntotschlagen? ... und dann, sich gehorsam dem Ge-\nschrei der Menge beugend, ihn so schnell wie\nmöglich hinzurichten! — Und wenn ein einzelner\nRichter doch ein tieferes Verständnis als das be-\nsitzt; wenn er imstande ist, es unbeschädigt trotz\nder erschlaffenden und verheerenden Einwirkung\nseines Amtes zu bewahren; und wenn er dann in\nseiner Stellung verbleibt, dazu bewogen von der\ntiefen und guten Furcht, sonst sehen zu müssen,\nwie auch dieser Platz einem der plumperen Män-\nner des Buchstabens in die Hände fällt — da muß\ner selbst, in jedem gegebenen Fall, versuchen, einen\nKompromiß zu finden — zwischen dem Pöbelge-\nheul im Gesetz und seinem eigenen weiteren Sinn!\nJa —:\nAber nun ich selber?\nMüßte ich nicht, jeglichen Mittelstandpunkt ver-\nwerfend, in vollem Maße die Folgen meiner eige-\nnen Worte — die ich niemals verschwieg — hin-\nnehmen?\nBis zum letzten Tüttelchen meine Gedanken\nbefolgen — die mich zu diesen Ergebnissen führ-\nten, denen eine Form zu geben und sie darauf un-\nter die Menschen auszuschleudern ich mit aller\nMacht bestrebt war, damit auch sie so denken\nkönnten — oder wenigstens einander gegenüber\nso handeln sollten!\nDie Folgen von dem Charakter meines Gemü-\ntes wonach ich alle meine Tage gelebt und gedich-\ntet habe?! nach der innersten und unveränder-\nlichen Art meines Ichs, die gerade das war, das so\nsehr Annie liebte — und das auch sie wieder\nliebte?!\nJa! T\nAuch ich habe also recht!\nRecht, meinen Kopf zu schütteln und zu\nsagen —:\nKarl Mumme? Wer ist er, ich kenne ihn nicht,\nich habe ergo keine Rechnung mit ihm abzuschlie-\nßen — mag er gehen! . . .\nEr erhob sich langsam von seinem Stuhl —\ndankbar erstaunt über den Frieden, der auf einmal\nso holdselig über sein Herz gekommen war.\nEr legte lächelnd seinen Nacken ein klein wenig\nhintenüber, gegen den Rand des Kragens. Erhob\ndarauf die linke Hand, preßte ihre Fläche einen\nAugenblick gegen seine Brust — lauschte, bestän-\ndig mit diesem Lächeln, das ihm zitternd auf der\nLippe stand —:\nJa!\nEs war vollständig still drinnen.\nHerrlich, sein Herz schwieg, jetzt war er zum\nFrieden gelangt!\nAch, er gewahrte, nicht mehr zu weit entfernt,\ndies selige Land, dies beschwichtigende, kohl-\nschwarze Land, diese still lodernde Küste, wo die\nSchmerzen vorüber waren, wo die Tränen so\nwunderbar rein und frei strömten — und wo er\nseine Annie von neuem als weißgekleidete und un-\nsagbar schöne Gestalt unter dem Flor der Sterne\nwiedersehen sollte! . . .\nEr schüttelte ein- oder zweimal den Kopf,\nfühlte sich unbeschreiblich leicht und neu!\nOder nein: eher noch mehr als das!\nStark wie ehemals! . . .\nEr sah sich lächelnd um — gleichsam irgend ein\nMittel suchend, wodurch er sich selbst beweisen\nkonnte, daß er wirklich durch diesen Frieden seine\nvolle Kraft zurückerlangt hatte! die unerschöpf-\nliche und heiße Kraft selbst, die ihm diese zwei\nJahre erlaubt hatte, das Bewußtsein seines Ver-\nlustes wie eine Tür verschließen zu können! das\nSchloß vor dem Gedanken, daß er Sie verloren\nhatte, zudrehen zu können . . und sich nur der an-\ndern zu erinnern, seiner Arbeit, seiner Pläne —\nalles dessen, was er Ihr schuldete, was er der\nGüte des Lebens schuldete, und was zu Ende zu\nführen, seine Verpflichtung aller Welt gegenüber\nwar! diese schwindelnde Kraft selbst, die wenn er\nnur die allerersten zwölf Stunden nach ihrem Tode\nausnahm . . . ihn keinen Augenblick wirklich ver-\nlassen hatte — bis heute!\nEr strich sich umständlich mit der einen Hand\nüber den Nacken, schob darauf die Finger in die\nlinke obere Westentasche, nahm die Füllfeder her-\naus, die da saß und ihn ein klein wenig drückte —\nsah einen Moment staunend darauf nieder und\nlegte sie dann weg, begann auf und ab zu wan-\ndern —:\nAusgenomen, wiederholte er, auf einmal uner-\nklärlich vollkommen leer von Gedanken —: aus-\ngenommen die allerersten zwölf Stunden... bis\nihre Eltern schließlich . . .\nEr legte eine Sekunde die linke Hand gegen\nseine Brust —: die ersten zwölf . . .\nDann blieb er plötzlich stehen — lauschte.\nGlaubte mit einem Male ein leises, gleichsam\npulsierendes Geräusch draußen hinter den Fenster-\nscheiben, weit weg, zu hören: vielleicht ein fernes,\nfernes Motorrad auf der Landstraße?!\nEr spannte sein Ohr an, trat näher an das Fen-\nster heran, hob sogar einen Zipfel der Gardine,\nein klein wenig unruhig, ohne selbst fassen zu kön-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "nen, weshalb, in die Höhe —: nein, es war nicht\nvon außen her! Aber es war dahingegen stärker\ngeworden als vorhin!\nWoher kam das doch nur, dies merkwürdige\nGeräusch, das unerklärlich bange machte —\nam allermeisten, weil man gar nicht begreifen\nkonnte, warum man fortfuhr, sich so intensiv da-\nmit zu beschäftigen: klang es jetzt nicht wie ein\nSpazierstock, mit dem irgend ein Wanderer auf\neinem Geländer spielte, an dem er vorüber kam —\nein gutes Stück von hier entfernt?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.5.1", "titre_corps": "Vlatislav Hofman: Eckhaus (19l4)", "titre_sommaire": "Vlatislav Hofman: Eckhaus (19l4)", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "Vlatislav Hofman: Eckhaus (19l4)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "46", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Albert Dreyfus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.6", "debut_caractere": 493, "fin_caractere_exclue": 1744, "texte": "Gedichte\nAlbert Dreyfus\nIn der Stille bin ich nicht mehr hier.\nWie ein Ball durchflieg ich den Raum,\nich bin ein Wasserfall,\nund bin eines Vogels Schwinge,\ndurchsaus alle Dinge\nJahrtausende lang\nund komme zuletzt zur Ruh in mir.\n* ♦\n*\nVoll von Tiergesichtern ist der verschneite Wald.\nEchsen kauern auf den Zäunen,\nFüchse lauern im Gesträuch,\nKatzentiere beugen Tannenzweige\nfurchtbar sprungbereit, mit vorgestreckten Tatzen:\nRötet kein Mord auch den Schnee,\ndie Gebärde schon tötet.\nAber zärtlich hält ein Riesenwalroß\nseinen Holzstoß mit Flossenarmen umklammert.\nKeinen wahren Leib, doch eine wahre Seele\nhat dies Riesenwalroß,\nwie es sich breit vornüberwälzt,\nauf sich richtet und hinschmilzt\nan der Sonne.\n* *\n*\nFichten in langer Prozession\nwallen dunkel den Schneehang hinauf.\nManche rasten verträumt und manche hocken\nzusammen\ngramvoll im Bühl,\nmanche sind frohverzweigt und manche ver-\nkümmern\nweit zurück und von der Zeit überschneit.\nAndere einzeln vorausgeeilt\nschlank wie Flammen\nsind dem Kamm schon nahe gekommen,\nkeine noch hat ihn erklommen.\nSie sind es. Sie sind meine Tage,\nmeine lichten und trüben Stunden\nwallen in Reihen den Schneehang hinauf.\nDie ist die letzte, die einsam im Blauen\nzum Schauen sich wendet zurück —:\ndiese Stunde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "47", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.7", "titre_corps": "Zur Kritik des Sexualitätsbegriffs", "titre_sommaire": "Zur Kritik des Sexualitätsbegriffs", "signature_source": "Hans Blüher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.6", "debut_caractere": 1746, "fin_caractere_exclue": 9140, "texte": "Zur Kritik\ndes Sexualitätsbegriffs\nHans Blüher\nFür den Kundigen wird es schon ohne bestä-\ntigende Erfahrung selbstverständlich sein, daß eine\nJugend, die in der Würze ihrer Jahre in einen so\nphantastischen, sie immer mehr begeisternden\nTaumel der Romantik geriet, die aus der Rolle\nihrer Umgebungskultur fiel und ein so helles Auf-\nblitzen eigener Gefühle erlebte, daß die Jugend\ndes Wandervogels auch ein sexuelles Sonderpro-\nblem darstellt. Freilich, um diesem näher zu\nkommen, ist es nötig, den Begriff des Sexuellen\nso weit zu fassen, wie nur irgend möglich. Wir\nsind aus der Zeit heraus, wo man den Geschlechts-\ntrieb zu verstehen glaubte, wenn man ihn defi-\nnierte: er sei derjenige Trieb, der seinen Sitz im\nGenitalapparat habe und der zum Zwecke der\nFortpflanzung Mann und Weib in gegenseitige\naufeinander bezügliche Lusterregung bringt. —\nEine solche Belehrung würde man heute nur noch\nmit Lächeln hinnehmen können, sie definiert zur\nNot einen Spezialfall des sexuellen Lebens, der\nwegen seiner Häufigkeit und Folgenschwere be-\nrühmt geworden ist, der aber sonst nichts zur Er-\nkenntnis des Triebes beizutragen vermag. Um das\nvon Jahr zu Jahr stärker anwachsende Material\nunter ein theoretisches System zu bringen, das\ndem Ansturm neuer Tatsachen etwas standzuhal-\nten vermag, muß man weiter greifen. Daß die\näußerste Grenze der Erkenntnis des Sexualtriebes\ndie Grenze überhaupt nicht überschreiten kann,\nbraucht nur kurz erwähnt zu werden. Das Wesen\ndes Triebes an sich, jedes Triebes, ist unerforsch-\nlich, ebenso, wie das Wesen des Körperlichen.\nDas „Sein\" der Dinge geht nicht in die Erkenntnis\nüber, sondern nur ihr „Verhalten\", nur die allge-\nmeinen Gesetze, nach denen die Natur bestimmt\nist und abläuft, sind verstehbar, das Dingliche in\nihr nicht. Dieser Rest, die Materie der Welt, ist\nzwar so gewiß, wie nur etwas und als unsere\nsicherste Empfindungstatsache gar nicht abzuleug-\nnen, zu verstehen aber ist an ihr nichts mehr.\nDer Trieb, der vom Körperlichen so unter-\nschieden ist und sich nicht darin überführen läßt,\nso sehr er stets mit ihm in Verbindung steht, hat\nnun das Eigentümliche an sich, daß er uns gewiß\nist, auch wenn wir keine äußeren Dinge anschaun.\nWenn wir „uns\" fühlen, so fühlen wir unser Trieb-\nleben (im weitesten Sinne) und darum hat es auch\netwas Erschütterndes an sich, während das Wesen\ndes Körperlichen uns ruhiger läßt. So verstehen\nwir, daß Schopenhauer, tief vom Wesen des\nTriebes — genannt Wille — ergriffen, dieses zu-\ngleich zum Wesen der Welt machte, während das\nKörperliche zu einem bloßen Scheindasein herab-\nsank. Was er am meisten bei allem, was er\n„Wille\" nannte, heraushörte, hat er in einem Nach-\nlaß-Aphorismus verraten: „Wenn man mich fragt,\nwo denn die intimste Erkenntnis jenes\ninneren Wesens der Welt, jenes Dinges an sich,\ndas ich den Willen zum Leben genannt habe,\nzu erlangen sei?, oder wo jenes Wesen am deut-\nlichsten ins Bewußtsein tritt, oder wo es die reinste\nOffenbarung seiner selbst erlangt? — so muß ich\nhinweisen auf die Wollust im Akt der Ko-\npula t i o n\". (Nachlaß Band IV Seite 247 Griese-\nbach) — Doch diese metaphysische These Scho-\npenhauers hat nur dichterischen Wert, für die Wis-\nsenschaft wäre es eine unerlaubte und methodisch\nunnützliche Grenzüberschreitung, das Triebhafte\nin uns zum Wesen der Welt zu erheben. Für sie\nbleibt allein der Weg übrig, das Verhalten des\nTrieblebens zu studieren, die Zusammenhänge der\nverschiedenen Triebe untereinander zu begreifen,\num so zum Verständnis eines einzelnen, also hier\ndes Sexualtriebes zu gelangen.\nDiese dauernde Abwechslung von Analysis\nund Synthesis hat nur in der Tat die besten Er-\nfolge gebracht. Wir sehen heut den Geschlechts-\ntrieb in weit allgemeinerer Form vor uns und sind\nlängst darüber hinaus, ihn etwa nur beim Liebes-\nwerben zwischen Mann und Weib am Werke zu\nsehen. Wir haben uns daran gewöhnt, ihn auch\nin den entlegensten Gebieten des menschlichen\nHandelns zu suchen. Wir legen keinen entschei-\ndenden Wert mehr auf die beabsichtigte Entladung\nder Geschlechtsstoffe und sehen ihn auch da, wo\neine solche naturgemäß niemals stattfinden kann.\nDie neueste Zeit hat die Sexualität des Kindes er-\nkannt. Es gibt kein absolutes „Erwachen\" des Ge-\nschlechtstriebes mehr: die Pubertät leitet nur eine\nneue Betätigungsära ein. Er ist so alt, wie der\nHunger, er beginnt am Tage der Geburt; das\nWonnesaugen des Kindes, das sich bei der Nah-\nrungsaufnahme einstellt und sich später zum ge-\nsonderten Lustkomplex verselbständigt, ist sexu-\neller Natur; ebenso das Wonnegefühl der Mutter\ndem Kinde gegenüber. Der Autoerotismus,\nder doch nur selten zur Entladung der Geschlechts-\nstoffe führt, ist als spezielle Form des Sexual-\nlebens erkannt und dient uns heute zur Erklärung\nvieler bisher unverständlicher Ereignisse im Lie-\nbesleben. Er wurzelt in der Kindheit, reicht aber\nauch mit einem Teile seines Triebgebietes ins er-\nwachsende Leben hinein und berührt verschiedene\nnebengeordnete Lustempfindungen mit seiner\nsexuellen Reiznuance, so das Gebiet der Anal-\nerotik, die Wonneempfindung bei der Defäkation\nusw. In die höchste, freilich seltene Form steigt\nder Autoerotismus da, wo das Wohlgefallen am\neigenen Körper zum alleinigen Sexualzentrum\nwird. Die Figur des Narziß, die nur einmal den\nsinnenverstehenden Griechen geglückt ist, vertritt\ndiesen Typus. Es ist die objektlose Liebe zu sich\nselbst, die sich genug findet, eine Fortbildung der\nSäuglingserotik. Noch weitere Lebensgebiete sind\nsexuell belegt: das Traumleben, dieses scheinbar\nso sinnnlose Gefüge von Willkür und Zufall ist\nenträtselt und hat sich als ein fast durchweg\nsexuell bestimmtes Phänomen entpuppt. (Sig-\nmund Freund: Die Traumdeutung)\nBedeutungsvoll beginnt für diese Abhandlung-\ndas sexuelle Leben und sein Aufbau aber erst in\nseiner geselligen Form zu werden; der Wan-\ndervogel ist ein soziales Sonderereignis in der Ju-\ngend und daher kommen die typisch sozialen Aeu-\nßerungen des Geschlechtstriebes bei seiner Erklä-\nrung in erster Reihe in Betracht. — Beim Auto-\nerotismus des Kindes zeigt sich der Trieb „Hun-\nger\" mit der Sexualbetätigung des Wonnesaugens\nals unverkennbar zusammengehend. Beide treten\nzu gleicher Zeit auf, sind ineinander geboren; bei\nder objekthaften Liebe ist das weniger deutlich.\nDenn die einfache Tatsache „Anziehung\", die das\nsoziale Wesen des Menschen begründet, und der\nbesondere Drang nach Liebe scheint vor der Hand\nnoch keine Berührung zu haben. Dennoch kön-\nnen wir sie im System an die Spitze setzen und\nsagen: die allgemeinste Form der nicht autoero-\ntischen Sexualität ist die Anziehung überhaupt.\nDer Mensch sucht den Menschen, der Löwe den\nLöwen nicht. Daß hier eine besondere Struktur\nder Sexualität des sozial hochbegabten Menschen\nvorliegt, ist wohl annehmbar: das Raubtier ver-\nlangt nur nach dem Raubtierweib, für den Men-\nschen ist schon allein der Mensch ein Reizobjekt.\nFreilich kommt uns bei der dauernden Verkehrs-\ngewöhnung dieser Zusammmenhang nicht recht\nzum Bewußtsein, der sexuelle Trieb wird nicht\nmit Deutlichkeit aus unserm sonstigen Triebwesen\nherausgeholt, und nur wenn wir nach langer Ein-\nsamkeit den Wunsch bekommen „unter Menschen\nzu sein\", kann es uns wohl klar werden, daß die-\nser Vorgang eine Beziehung zum verstecktesten\nWesen unserer Sexualität hat. Robinson\nCrusoe, der nach langem, verzweifelten Allein-\nsein plötzlich den Abdruck eines menschlichen\nFußes im Sande fand, wird das verstanden haben;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9569, "texte": "die Erschütterung, die er dabei erlebte, war eine\nsexual-soziale Bedürftigkeit des Menschen, die er\nnicht hat befriedigen können. Auch in dem Ver-\nhältnis, das größere Geister zum Begriffe der\n„Menschheit\" wie zu dieser selbst haben, kann man\n'Analogien zu der Verliebtheit in einzelne finden:\nsie schmollen und zürnen mit ihr, hassen sie, und\nsind im nächsten Augenblicke entzückt und zärt-\nlich, dann wieder tief ergriffen. Auch die krank-\nsozial-sexuelles Ereignis verstehen, das natürlich\nliaft gewordene Menschenscheu kann man als ein\nimmer spezial-sexuell bedingt ist, nur negativ ge-\nwendet, etwa wie man die Zahlen 1, 2 usw. als\n„Größen\" definiert. Verstreut wohnende Farmer-\nfamilien sollen leicht mürrisch werden; und ähn-\nliche Belege lassen sich für die sozial-sexuelle Ver-\nanlagung des Menschen anführen.\nUnverkennbar und immer bedeutungsvoller\nwird die sexuelle Motivierung bei den Gefühlen:\nSympathie und Liebe, bis sie beim Be-\ngehren die Herrschaft über alle anderen gewonnen\nhat; es liegt hier eine Stufenordnung vor. Bei\ndem noch sehr allgemein gefaßten Sympathie-\ngefühle wird es uns nur selten klar, daß hier eine\nsexuelle Note mitspielt, aber der Duft, die Laune,\nder Geist gewisser Menschen bereitet uns Wohl-\nbehagen; es kann hier noch ein Kreis von Per-\nsonen sein, und die sexuellen Personen werden\ndurch ihn abgeleitet, nachdem sie heimlich erregt\nworden sind. Ein bestimmter Rhythmus des Ver-\nkehres mit sympathischen Menschen vermag\nsexuell zu entlasten und zu beruhigen. Bei dem\nPhänomen Liebe schreitet die Geschlechtskraft\ndann schnell vor, wirft sich auf eine bestimmte\nPerson, ringt eine Zeit lang mit der aufkeimenden\nBegierde, um im Falle der Bejahung schnell dem\nZiele zuzueilen, in dem das Sexuelle dann unver-\nhüllt hervortritt und deutliche organische Akte\nveranlaßt.\nIch möchte hier besonders für unser Thema\ndarauf hinweisen, daß der Weg von der Liebe zur\nBegierde durchaus nicht immer so kurz zu sein\nbraucht, wie man gewöhnlich annimmt, ja, daß\ner in gar nicht seltenen Fällen genau so fehlt, wie\nder von der Sympathie oder der gewöhnlichen An-\nziehung zur Begierde. Es ist nicht gerechtfertigt,\naus der überwiegenden Häufigkeit der Fälle, in\ndenen Liebe und Begierde Hand in Hand gehen\nund man zweifelhaft sein kann, worauf der Haupt-\nton liegt, eine Gesetzmäßigkeit für alle abzuleiten,\nund die Erfahrung zeigt, daß die Liebe sich auch\nzu einem ganz selbständigen Gefühl ausbilden\nkann, das keinerlei Nutzanwendung auf die Be-\ngierde bedarf. Dies ist auch theoretisch völlig\nklar, denn es ist nicht einzusehen, warum der\nsexuelle Trieb, der so viele in sich abgeschlos-\nsene Bildungen hervorbringt, gerade hier eine An-\nleihe zu machen gezwungen sein soll. Auch Men-\nschen, die sonst im sexuellen Verkehr mit einander\nstehen, erleben häufig Augenblicke, in denen sie\ndas Gefühl der Liebe zu einander haben und die\ndoch keineswegs in Begierde umzuschlagen\nbraucht, sondern mühelos wieder vergeht, bis sich\nbei einem anderen Anlaß wieder ein neues Ge-\nfühlsgebilde zwischen ihnen auftut, das anders kon-\nstruiert ist, das den Charakter eines Vorspieles\nträgt und nach kurzer Zeit seine Höhe im wollüsti-\ngen Ueberschwang zu suchen genötigt wird. Das\nsind aber zwei selbständig nebeneinander beste-\nhende Komplexe, die man nicht in eine notwendige\nAbhängigkeit von einander bringen darf, ohne das\nVerständnis von der Liebe zu trüben; dagegen sind\nsie selbstverständlich beide durch die Sexualität\nbedingt, sind Sexualität. Der hochgebildete Kultur-\nmensch wird dafür Sorge tragen, alle Aeußerun-\ngen des Sexualtriebes zu berücksichtigen und wo\ndie eine Selbständigkeit verlangt, sie nicht unter\ndie andere zwingen, sei es, daß er dies durch Ver-\ndrängung erreicht, sei es, daß diese durch die be-\nsonderen Umstände nicht nötig wird. Denn genau\nso, wie im Leben zweier Menschen, die sonst auch\nder Begierde aufeinander ergeben sind, selbstän-\ndige Liebesaugenblicke vorkommen können, für\ndie ein libidinöser Plan Stilverfall bedeuten würde,\ngenau so kann das Verhältnis zweier Menschen\nüberhaupt nur auf dem Boden der Liebe ruhen.\nSo glauben wir mit Recht an die Liebe der Ma-\ndame de Guyon zum Abbe Fenelon,\nebenso wie an die Christi zu Johannes und brau-\nchen die erzwungenen Erklärungen nicht, die\nsolche Vorgänge auf dem Umwege der Begierde\nverstehen wollen. Ebenso ist natürlich auch die\nAuffassung des Christentums falsch, das hier my-\nstische und metaphysische Begründungen sucht;\nes handelt sich vielmehr immer und lediglich um\nSpielarten ein und desselben sexuellen Triebes.\nEine so weit gehende Definitionl des Sexualitäts-\nbegriffes muß man anwenden, wenn man einer\nTeilerscheinung nahe kommen will. Nimmt man\ndie populär-scholatische Auffassung, wonach die\nSexualität nur ein Erregungszustand zwischen\nMann und Weib zum Zwecke der Kindererzeugung\nsein soll, so macht man allenthalben die Erfahrung,\ndaß etwas inkongruent wird, es deckt sich nichts,\ndas einzelne Problem fließt über den Rand fort\nund zerrinnt. Ganz und gar versagt eine solche\nMethode, wo es sich nicht nur um wissenschaft-\nliche Erkenntnis, sondern um praktische Kultur-\nfragen handelt. Wer hier die Definition des Stamm-\nbegriffes nicht weit genug faßt, der wird schon bei\nden ersten Schritten genötigt sein, mit Pathologie\nund Kriminalität zu arbeiten, kommt zu den ge-\nwagtesten Auslesungen geschichtlicher Vorgänge,\naber gewiß zu keiner besonnenen Konstruktion.\nFür unser Thema muß also wichtig hier be-\nmerkt werden, daß die Wahl des Geschlechts-Ob-\njektes in allen Stufen der Annäherung von ge-\nwöhnlicher Anziehung bis zur Begierde, durchaus\nnicht an das andere Geschlecht gebunden\nist, wie sehr es auch bei den intensiveren Gefühls-\nkomplexen (von Liebe bis Begierde) den Anschein\nhat. Ebensowenig darf man darauf hinausgehen\nwollen, die in den beiden letzten Fällen gelegent-\nlich — unter Tausenden kaum einmal — erfolgte\nFortpflanzung zum Zweck und Sinn, und damit\nschließlich gar zur Rechtfertigung der Sexualität\nzu erheben, wodurch dann alle anderen Resultate\neine auffällige Wertverkürzung erleiden. Der Zahl\nnach am häufigsten nimmt die Sexualität allerdings\nden Weg über die Liebe zur Begierde bei ver-\nschiedenem Geschlecht: der Mann wird von der\nArt eines Weibes gepackt, das er sich aus der übri-\ngen Menschengesellschaft herausholt und dieser\nAffekt entschließt sich dann rasch zum Begehren.\nDagegen wendet er sich auch in gar nicht seltenen\nFällen mit Liebe von Mann zu Mann, gewöhnlich\nvom älteren zum jüngeren, oder anders ausge-\ndrückt: die Freundschaft zwischen Ge-\nschlechtsgleichen bekommt einen\nerotischen Ton, der ins Bewußtsein\ntritt, und der sich auch mitunter bis zur Be-\ngierde steigert. Hier begann für die ältere Medi-\nzin die Pathologie, wie für die ältere Juristik die\nKriminalität, ohne daß in dem natürlichen Ver-\nhalten irgend ein Grund für eines von beiden ge-\ngeben wäre. Die gleichgeschlechtliche Zuneigung\nwiderspricht durchaus nicht der sonstigen sexu-\nellen Anlage des Menschen. Es liegt hier lediglich\nein Verstoß gegen die Gepflogenheiten der Majo-\nrität vor.\nDie Griechen, denen ein besonderes Verständnis\nfür die Triebtatsachen eigen war, haben auch diesen\nNaturvorgang richtig begriffen. Sie verstanden den\nerotischen Unterton der Freundschaft und wiesen\nihr einen Platz in ihrer Kultur an. Das Griechen-\nproblem ist mit dem der gleichgeschlechtlichen\nLiebe aufs engste verwachsen. Es war ein kluges\nHinnehmen der Naturvorgänge, der Freundschaft\nden erotischen Charakter da, wo er sich unverhüllt\nzeigte, nicht zu nehmen, und die einmal nicht fort-\nzuleugnende Triebrichtung kulturell zu verwen-\nden. Daß bei ihrer Uebertonung die Frauenliebe\nlitt und nicht recht zur Entfaltung kam, ist ein\nNachteil, der nur historisch bedingt ist. Das Weib\nwar damals noch nicht entdeckt, man hielt es nach\norientalischer Art gefangen und bestimmte es meist\nnur zur Befriedigung gröberer sexueller Begierden\nund zur Kindererzeugung. Für den antik-orienta-\nlischen Wertgeschmack wäre es zum Beispiel un-\nmöglich gewesen, sich vierhundert Jahre hindurch\nüber das geheimnisvolle Lächeln einer Mona Lisa\nzu streiten. Wenn man in diesem allerdings un-\nharmonischen und unvollkommenen Liebesleben\nder Griechen eine besondere Barbarei sehen will,\nso darf man dies jedoch keinesfalls vom Stand-\npunkte der bisher gültigen Sexualmoral der Oef-\nfentlichkeit tun, denn diese ist nicht minder bar-\nbarisch. Sie billigt dem Weibe einen Vorzug zu,\nder es durchaus nicht ehrt und dessen Ueber-\nbetonung bei weitem nicht die kulturellen Werte zu\nschaffen imstande ist, wie die entsprechende der\nGriechen, während andererseits die gleichge-\nschlechtliche Liebe einer völlig ungerechtfertigten\nVerpönung anheim gefallen ist, die sie nicht selten\nin die Form der Lasterhaftigkeit preßt; und diese\nkommt ihr an sich ebenso wenig zu als der nor-\nmalen.\nDem Kulturleben der Griechen lag die Ab-\nwickelung eines sexuellen Prozesses von ganz be-\nsonderer Färbung zu Grunde. Dieses Beispiel\nsteht einzig da und verdient die größte Beachtung.\nDarum ist nicht gesagt, daß es der Nachahmung\nwert ist. Diese Art Liebesleben war an diesen\nVolkscharakter gebunden und es ist selbstver-\nständlich, daß andere Typen der Menschenrasse\nauch andere Stimmungen der Liebe dem Manae\nwie dem Weibe gegenüber schaffen. Ich wies nur\nauf die Griechen hin, um die Parallel-Lage in der\nWandervogelbewegung deutlich zu machen. Auch\nsie beruht auf Grundlagen, die den Antiken wesens-\ngleich sind, wenn es auch in ihr naturgemäß zu\nganz anderen Zielen kam und fast durchweg nur\nhingenommen und erlebt wurde, was man bei des\nGriechen verstand und kultivierte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.8", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.7", "debut_caractere": 9571, "fin_caractere_exclue": 10173, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nDaniel lialevy\nQuelques Nouveaux Mattres: Romain Rolland /\nSuares / Paul Claudel / Charles Peguy\nLes Cahiers du Centre / Moulins (Allier)\nPaul Scheerbart\nLesabendio / Ein Asteroiden-Roman\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGlasarchitektur /' Programm der Glasarchitektur\nin einhundertundelf Kapiteln\nBerlin / Verlag Der Sturm\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nBerlin / Verlag Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 482, "fin_caractere_exclue": 988, "texte": "Der Sturm\nSt&ndige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Potsdwner StrO* iMi\nSechsundzwanzigste Ausstelluiig\nMarc Chagall\nNeue Gemalde und Graphik\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEroffnung in Geni: 15. August\nSturmausstellungen in Deutschland und im Aus-\nland I Juni 1914\nStuttgart: Kandinsky\nGoteborg / Schweden: Der Blaue Reiter\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\nJena: August Macke\nNaumburg: Expressionisten\nTokyo: Graphik"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 990, "fin_caractere_exclue": 2717, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten iedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fiir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig ./ Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark J Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs J Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark ./ Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nclurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh u h g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 2719, "fin_caractere_exclue": 5259, "texte": "Mappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzlf Blatt Zelchnuncea /\nStrichatzung / Auf Kalserlich Jap an-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Aul Costa-Karton la eln-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzi g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschienen: Paul Scheerbart: Glas-\narchitektur / In einhundertundelf Kapi-\nteln I Zwei Mark / Luxusausgabe in zwanzig nume-\nrierten und signierten Exemplaren auf Van Gelder\nBiitten, Decke und Vorsatzpapier von Anna Scheer-\nbart I Zwanzig Mark bei Vorbestellung / funfund-\nzwanzig Mark nach Erscheinen / Verlag Der Sturm\nI Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna./ 50 Pfennig / Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnlslieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig\nKftnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni? Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: PI ak at fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko J Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk ,/ Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch J\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck I Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severini I\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 5261, "fin_caractere_exclue": 5714, "texte": "Verein filr Kunst\nLeitung \\Valden / Elftes.\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/146.\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabeode\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 5716, "fin_caractere_exclue": 6380, "texte": "Zeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de I'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift I\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschfift 112\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc®\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustrS /\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean C€-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail / Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fflr neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 6382, "fin_caractere_exclue": 6390, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-06-15-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-06-15_01#c023", "volume": "bmtnabg_1914-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "debut_caractere": 6392, "fin_caractere_exclue": 7692, "texte": "Poet-Lore Begriindet 1890 / Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck / Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman /\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose / Mac-\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\n/ USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nL'Arene / Organe Litteraire & Artistique ./ Parais-\nsant tousles mois / Paris / rue Pestalozzi, 18 /\nAbonnement: 4 francs par An pour tous Pays /\nNumero specimen gratuit sur demande\nAnna Scheerbart /' Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden j Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 3\nAusstellung Impression / Expression: H. Deierling /\nE. Fritsch / B. Krauskopf / W. Kohlhoff ./ Charlot-\ntenburg / Schloßstr. 30/31 / Untergrundbahn Sophie-\nCharlotte-Platz"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nSinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN-PARIS ZWEITES JUNIHEFT\nNUMMER 6\n\nInhalt: H. W.:\nRenaissance / August Stramm: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Albert Dreyfus: Gedichte / Hans Blüher: Zur\nKritik des Sexualitätsbegriffs / Empfohlene Bücher / Marc Chagall: Zeichnung / Vlatislav Hofman: Eckhaus (1914)\n\nMarc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.2", "texte": "Renaissance\nH. W.\nEs ist eine Wollust zu leben. Dank Riccardo\nStrauß, dem neuen Meyerbeer. Herr Schmidt geht\nmit, der Leopold, bis nach Paris. Es ist eine Wol-\nlust zu leben. Die ältesten Weiber werden mobil\ngemacht. Die Salome, die Elektra und die Poti-\nphar. La donna e mobile. „Als Strauß am ersten\nMai im Automobil von Garmisch nach Paris\nabreiste, um dort die Proben seiner Josephs-\nlegende zu leiten, hatte er den ersten Akt der\nneuen Oper beinahe vollendet gehabt.\" So auto-\nmobil machen ihn die Weiber. Und dabei wollte\ner in Paris nicht einmal sein Vehikel leiten, sondern\nnur die Proben. Mein Auto erlitt unterwegs eine\nPanne und ich konnte den Schaden im Berliner\nTageblatt besehen. Aber beim Gotte Elektras und\nPotiphars, ich habe es geahnt, nein, gewußt. Im\nMittelpunkt steht der Tanz der Wollust, am Pult\n„die hohe, schlanke Gestalt des Komponisten\", „im\nOrchester schäumt es und glitzert es.\" Alle Blech-\ninstrumente sind frisch geputzt, die Geigenbögen\nfrisch geschmiert und die Josephslegende kann be-\nginnen.\n„Und die Pariser Gesellschaft hat das Strauß-\nsche Musikwerk mit dem Glanz empfangen, den\nsie in der jetzigen Saison zu verschwenden liebt.\"\nDa die Gesellschaft schon einmal beim Verschwen-\nden war, kam es ihr auf die paar Stunden auch\nnicht mehr an, sie zog ihr Sonntagsjakett und ihr\nAusgelikleid an und der Doktor Schmidt fühlte sich\nin dem Glänze geborgen. Aber es wurde noch\nglänzender: „Die biblische Lebende ist in dem\nWerke aus ihrem historischen Milieu in das prunk-\nvolle Venedig verlegt.\" Aber nicht etwa, daß die\nDekorationsschneider gegen die Juden waren, der\nGrund ist vielmehr, sagt der Doktor, im psycho-\nlogischen zu sehen. Keine Psyche ohne Logik.\n„Wir sollen nicht an die Ethik der Hebräer, nicht\nan die Pharaonen, den Nil und die Pyramiden den-\nken, um an den Konflikt zwischen dem keuschen\nJoseph und der begehrlichen Frau Potiphar er-\ninnert zu werden, um ihn so allgemeiner als den\nzweier sich fremder menschlicher Empfindungs-\nwelten aufzufassen.\" Potiphars waren eben in der\nSommerfrische, als Riccardo Strauß sie vertonen\nwollte. Die Erklärung ist doch einfacher als die\nPsychologie. Denn so sehr ich mich bemühe, Am-\nboß des Doktors Schmidt zu sein, eher schlage ich\nFeuer, als daß man mir. einhämmern kann, zwei\nsich fremde menschliche Empfindungswelten seien\nim prunkvollen Venedig allgemeiner aufzufassen als\nam schönen Strand des Nils. „Wenn der Vorhang\naufgeht, sehen wir eine Halle im Stile Palladios mit\nprotzigen goldenen Säulen, vor einer Loggia im\nHintergrund.\" Das hatte man erwartet. Ich bin-\nüberzeugt, daß rote schwellende Diwane auf der\nBühne standen. Ich bin überzeugt, daß die Loggia\neinen Ausblick auf das prunkvolle Venedig bot.\nAber das Erstaunlichste bleibt, daß die Ve-\nnezianer venezianische Trachtpracht trugen.\nPotiphar und höchstdessen Gattin hatten nach\nbewährter Sitte selbstverständlich die Unifor-\nmen ihrer venezianischen Regimenter angelegt.\n„An überladenen Tafeln schwelgt die Hofgesell-\nschaft des Potiphar in reicher venezianischer\nPracht.\" Sie aßen den Kaviar direkt mit Löffeln\nund brauchten die Austern nicht einmal zu bezah-\nlen und die Weine flössen in Nilströmen, so daß sich\nKatarakte auf den schon ohnehin überladenen Ta-\nfeln bildeten. Die Psychologie der Verschwendung\nkonnte gar nicht sinnfälliger dargestellt wetden.\nPotiphars hatten ihre Lieblingssklavin auch einmal\ndie gute frische Luft gegönnt, sie durfte gratis mit-\nreisen, wenn auch nur zu Füßen, aber dafür nicht\nzu Fuß: „Potiphar selbt thront mit seiner Gemahlin\nauf einem Hochsitz, zu ihren Füßen die junge Lieb-\nlingssklavin. Im Orchester, an dessen Pult die hohe\nschlanke Gestalt des Komponisten erschienen ist\nschäumt es und glitzert es.\" Die Katarakte stürzen\njetzt bereits in das Orchester und der Hofkompo-\nnist von Potiphars muß schon mindestens so be-\nrühmt wie Riccardo Strauß gewesen sein, wenn er\nes wagen durfte, erst am Pulte zu erscheinen und\nmit der Musike zu beginnen, als die Stimmung\nschon zum Brechen toll war. „Die übersättigte Le-\nbensfreude und üppige Pracht des Orients tut sich\nvor uns auf.\" Die Katarakte können sich nicht\nmehr halten, sie überfluten jetzt den Glanz der\nGesellschaft, Venedig kommt dem Doktor Schmidt\nganz orientalisch vor und er ärgert sich, daß die\nbeaux restes der übersättigten Lebensfreude nicht\nverteilt werden. „Ein orientalischer Scheich bie-\ntet die Geschenke feil, die der Herrscherin, zu\nderen Ehren das Fest stattfindet, dargebracht\nwerden.\" Etwas früher hätte Herr Potiphar\nschon seine Einkäufe machen können, der feilbie-\ntende Scheich wird wohl bei der allgemeinen Le-\nbensfreude besser auf seine Kosten gekommen\nsein. Das Orchester kann sich nun auch nicht\nmehr halten. Früher hat es nur! geschäumt und\ngeglitzert: „Das Orchester glitzert und schillert,\ndie Frauen tanzen den Hochzeitstanz, der dar-\nstellt, wie die Braut in der Hochzeitsnacht ent-\nschleiert wird, den Tanz der Wollust. Die Musik\nist von warmer Innigkeit, aber in der choreogra-\nphischen Ausführung nicht das, was man hier er-\nwartet und was wohl auch beabsichtigt war.\"\nDie Braut ward also nicht entschleiert, was auch\nbeabsichtigt war. Denn wenn man sie entschlei-\nert hätte, wäre höchstens eine Lust, aber keine\nWollust entstanden. Dafür ist ja die Musik von\nwarmer Innigkeit, teils schäumt und glitzert sie,\nteils glitzert und schillert sie, ganz zu schweigen\nvon der hohen schlanken Gestalt des Kompo-\nnisten. „Dem Fräuentanz folgt ein Auftreten der\nFaustkämpfer, es mahnt an die brutalen Freuden,\nmit denen eine genußsüchtige Zeit ihre abge-\nstumpften Nerven reizte. Potiphars Weib bleibt\nbei allem eisig starr.\" Mich wundert das gar\nnicht. Die Hochzeitsnacht hat sie bereits hinter\nsich, einen Boxkampf hat sie doch sicher wenig-\nstens im Kino gesehen und Kaviar ißt sie alle Tage.\nSoll dieses Eis nicht geschmolzen werden können?\n„Ihre Teilnahme erwacht erst, als Joseph in einem\nTeppich schlafend hereingebracht wird. Er ist\nals Hirtenknabe im Pubertätsalter gedacht. Mit\nihm dringt der Hauch einer unschuldigen Natur in\ndie schwüle Atmosphäre einer überreif geworde-\nnen Kultur hinein.\" Die Potiphar sieht die Puber-\ntät bis durch den Teppich. Dieser Hirtenknabe,\nder faule Fische im Canale Grande hütet, ist der\nEinzige seiner Pubertät. Die anderen ägyptischen\nVenezianer übersprangen diese perverse Periode,\nindem sie von der Unreife mit Umgehung der Pu-\nbertät und mit beiden Füßen direkt in die Reife\nsprangen. Joseph hatte in seinem Teppich diesen\nSprung verschlafen und dafür schritt das Unheil\nschnell. Ohne zu erwachen, „drückt Joseph in\ndrei gesonderten Tanzfiguren die natürliche Un-\nschuld des Hirtenknaben, die Sehnsucht des Gott-\nsuchs'enden und die Verherrlichung des Gottes aus,\nden er in sich gefunden.\" Nur das „hat\" vergaß\ner im Interesse der dichterischen Darstellung des\nDoktors Schmidt. Die natürliche Unschuld der\nPubertät hingegen hat er sich teils durch den Tep-\npich und teils durch den Schlaf bewahrt. „Im\nwesentlichen behilft sich Joseph mit den Mitteln\nder Sprungtechnik, um seine Symbolismen anzu-\ndeuten und der Eindruck mußte sich notwendiger-\nweise verflachen.\" Er holt also den vorhin er-\nwähnten vergessenen Sprung nach, aber man hat\nschon bessere Sprünge gesehen. Warum auch\nvon Flachsprüngen Eindrücke erwarten. „Dann\nfolgt die künstlerisch wichtigste und am besten\ngelungenste Szene. Das Fest ist verrauscht, <die\nStufen leer geworden.\" Jetzt kommen aber nicht\ndie Reinmachefrauen, um die Stufen endgültig zu\nleeren, sondern „Joseph, von der Dienerin in die\nKammer unter der Loggia gebracht, hüllt sich in\nseinen Mantel und schläft ein.\" Eine außerordent-\nlich gelungene Szene, die Dienerin, unter dem\neinen Arm Joseph nebst dem Teppich, unter dem\nanderen Arm den Mantel. Nach dem Sprungtech-\nniker die Leichtathletin. Joseph ist es in dem\nTeppich nicht warm genug, er hüllt sich noch\neigens in den Mantel und schläft ein. Eine außer-\nordentlich gelungene Szene. iDurch den Schlaf\nwird psychologisch auf die Pubertät hingewiesen.\nNoch mehr: „Er träumt von einem Engel, der sich\nschützend an sein Lager stellt. Da erscheint Frau\nPotiphar im Nachtgewand.\" An diesen Engel hat\ner in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht.\nKein Engel ist so rein: „Der Reiz des Knaben hat\nsie nicht schlafen lassen und sie sucht, sich dieses\nihr fremde, selbstbewußte Wesen ihr Untertan zu\nmachen. Es beginnt das Spiel und Widerspiel\nzwischen den Beiden, das mit dem Sieg der Rein-\nheit endet.\" Sie reizt ihn nicht, aber er sie:\n„Joseph läßt den Mantel fallen, das Weib ist von\nseiner Nacktheit 'geblendet, aber von ihm ver-\nschmäht, wandelt sie ihre Liebe in Haß und Ver-\nachtung.\" Aha, vaschtehste, die beiden Empfin-\ndungswelten, die Tugend und die Sünde, die Liebe\nund der Haß. Warum haben Sie das nicht gleich\ngesagt? „Im übrigen nimmt mehr und mehr der\nMusiker unser volles Interesse in Anspruch, bis\ner uns mit einem strahlenden D-dur entläßt.\" Von\nder Tugend bis zur Sünde oder von der Liebe bis\nzum Haß oder von der Wollust bis D-dur. Erst\nfing die Geschichte so grausig an und dabei han-\ndelt es sich doch nur um D-dur. Die Musik „ist\ndurch und durch ein echter Strauß\". Nur der\nStrauß ist nicht echt. Es bleibt die politische Tat.\nNirgends nähern sich die Nationen schneller als\nin der Begeisterung für Kitsch.\nWTB Paris, 14. Mai: Richard Strauß, dessen\nJosephslegende heute in der großen Oper ihre Ur-\naufführung erlebte, hat das Offizierskreuz der\nEhrenlegion erhalten.\n\nGedichte\nAugust Stramm\n\nErfüllung\nMeine Sporen frechzen deine Spitzen!\nBläulich kichern die Aederchen fort\nIn Sicherheit höhnisch\nIm\nSchimmrigen Weich\nBebige Hügel wiegen Verlangen\nKöpfchen rosen empor und steilen Gewähr.\nDie Lippe zerfrißt sich!\nQolden ringeln Würger hinunter\nUnd schnüren den Hals zu\nNach meinen Fingern tastet dein Blut\nUnd siedet den Kampf.\nDie Seelen ringen und kollern abseit!\nHoch schlagen die Röcke den Blick auf\nGoldhellrot\nRotweichrot\nFlamme zischt in das Hirn\nUnd sticht mir das Schaun aus!\nSinken Sinken\nSchweben und Sinken\nSchwingen im Sturme\nIm Sturm"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.3", "texte": "n Im schreikrollen Meer!\nZiegelrot\nUeber uns segnet der Tod\nSäender Tod!\n\nUntreu\nDein Lächeln weint in meiner Brust\nDie glutverbissnen Lippen eisen\nIm Atem wittert Laubwelk!\nDein Blick versargt\nUnd\nHastet polternd Worte drauf.\nVergessen\nBröckeln nach die Hände!\nFrei\nBuhlt dein Kleidsaum\nSchlenkrig\nDrüber rüber!\n\nSiede\nMeine Schwäche hält sich mühsam\nAn den eigenen Händen\nMit meinen Kräften\nSpielen deine Knöchel\nFangeball!\nIn deinem Schreiten knistert\nHin\nMein Denken\nUnd\nDir im Auggrund\nStirbt\nMein letztes Will!\nDein Hauch zerweht mich\nSchreivoll in Verlangen\nKühl\nKränzt dein Tändeln\nIn das Haar\nSich\nLächelnd\nMeine Qual!\n\nVerhalten\nMeine Augen schwingen in deinen Brüsten\nDein Haupt beugt glutrot weichen Schatten\nDrauf!\nDer Atem schämigt hemmend\nDas Gewoge.\nMich krallt die Gier\nUnd herbe Dünste bluten\nIn seinen Ketten\nRüttelt\nDer Verstand.\nFein\nKnifft die Scheu die Lippen lächelnd\nKälter!\nMein Arm nur\nFaßt\nIm Schwung\nDich\nHeißer heiß!\n\nVorbergϋehn\nDas Haus flackt in den Sternen\nMein Schritt verhält und friert.\nIn deinem Schöße schläft mein Hirn.\nMich fressen Zweifel!\nVoll\nSchattet deine Büste in dem Fenster\nDas Spähen hüllt mich lautlos\nDie Sterne streifein glühes Eisen\nMein Herz\nZerkohlt!\nAn deinem Fenster\nEist\nEin Windhauch Asche.\nDie Füße tragen weiter leere Last!\n\nWankelmut\nMein Suchen sucht!\nViel tausend wandeln Ich!\nIch taste Ich\nUnd fasse Du\nUnd halte Dich!\nVersehne Ich!\nUnd Du und Du und Du\nViel tausend Du\nUnd immer Du\nAllwege Du\nWirr\nWirren\nWirrer\nImmer wirrer\nDurch\nDie Wirrnis\nDu\nDich\nIch!\n\nFreudenhaus\nLichte dirnen aus den Fenstern\nDie Seuche\nSpreitet an der Tür\nUnd bietet Weiberstöhnen aus!\nFrauenseelen schämen grelle Lache!\nMutterschöße gähnen Kindestod!\nUngeborenes\nGeistet\nDünstelnd\nDurch die Räume!\nScheu\nIm Winkel\n'Schamzerpört\nVerkriecht sich\nDas Geschlecht!\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Koh\n\nFortsetzung\n\nEr trat schnell einen Schritt in die Mitte der\nStube zurück, drehte den Kopf mit einem Ruck\nnach links, und ward dann von einer wunderbar\ntiefen und beruhigenden Ueberzeugung ergriffen,\ndaß es zweifelsohne Annie gewesen war! selbst-\nredend war es Annies Bild dort an der Wand ge-\nwesen, dies lebensgroße Gemälde — das der\nProfessor vorhin so lange und bewundernd ange-\nstarrt hatte, als sie hier nach dem Tee wieder\nhereingekommen waren —: sicher war es Annie\ndort, die eben diesen Namen: Karl Mumme, ge-\nflüstert hatte!\nGanz sicher!\nVöllig einleuchtend!\nSie war ja wirklich auch die einzige Dritte, die\nüberhaupt den Namen dieses Mannes kennen\nkonnte!\nUnd damit war es ja auch gegeben, daß nichts\nBöses damit gemeint war — damit, daß dies Wort\nihm ins Ohr gehaucht wurde!\nWeit davon entfernt! Annie, die nie einem\nlebenden Wesen etwas anderes als Gutes getan\nhatte! Die aus dem Reichtum ihres Herzens, rest-\nlos alles liebte, was da lebte — nein, sie hatte\nsicher nichts Schlimmes damit beabsichtigt, weder\ngegen Karl Mumme noch gegen ihn!\nGott sei gepriesen, liebe Annie, auch gegen\nmich warst du ein Leben lang so unsagbar gut,\nkein anderer auf der Welt weiß, was für Fähig-\nkeiten du besaßest, einem Menschen etwas zu\nschenken, niemand in der ganzen Welt, außer mir\nselbst, war glückselig genug, in vollem Maße zu\nerfahren, wie unerschöpflich reich, wie schwin-\ndelnd froh, wie brennend gut und klug, wie tapfer\nund wie sanft du warst!\nNein, Annie hatte nur Gutes im Sinn gehabt\n— indem sie ihm diesen Namen nannte! Sie wollte\nihn zweifelsohne nur in den ganz unfeindseligen\nGefühlen bestärken, die er schon im voraus diesem\n.. . . diesem Menschen gegenüber hegte! Ach,\naber das war ja an und für sich gar nicht nötig,\ntrotzdem! Oder wußte er denn nicht besser als\nirgend ein anderer, hatte er denn nicht geschrieben\nund in seinen sämtlichen Büchern wieder und\nwieder nachgewiesen: daß alles, was uns zustößt,\ndaß ausnahmslos alles, was wir alle zusammen\nsagen und tun und zu tun unterlassen, daß da-\nhinter ein tiefer, tiefer Zweck liegt — und der hat\nimmer und überall recht! . . .\nEr ging langsam im Zimmer hin und her —\nindem er ganz nahe an den mit Bücherborten be-\nkleideten Wänden, regelmäßig und in rechten\nWinkeln durch die Stube herumwanderte.\nBlieb jetzt dahinten vor jenem Stuhl stehen,\nauf dem von Geer vor einigen Stunden gesessen\nhatte — und hörte da plötzlich in seinen Ohren die\nGedanken, die er eben gedacht hatte —:\nRecht??\nHatten wir alle zusammen recht — in allem,\nwas wir taten?\nRecht! wie so denn, wie war es denn möglich,\nvielleicht also auch .... Karl Mumme . . « .\nrecht!? ....\nEr warf jäh den Nacken hintenüber, lachte kurz\nV\nund bitter, ließ sich auf einen Stuhl gleiten, wandte\nsich mit einem Ruck nach dem Gemälde um, das\ndort links zwischen den Bücherborten hing —:\nAnnie Morton! in einem wunderbaren Ge-\nwand, einem seegrünen, ausgeschnittenen Gewand,\nso leicht, so unsagbar fein — mit einem Hinter-\ngrund von tiefem, tiefem Blau! Siehe, aus dem\nGrün und Blau eines Mittelmeeres erhoben sich\nihre schaumweißen Schultern, die Schönheit und\nSüße des Halses, das strahlende und hohe Antlitz\nunter dem Gold des Haares! . . . Noch eine Weile\nstarrte er mit verhaltenem Atem stumm und hun-\ngernd zu der Pracht des Bildes hinüber — dann\ndrehte er langsam den Kopf wieder ab, fühlte sich\nqualvoll müde; seine Arme und Beine schmerzten\nin allen Muskeln, die Knochen waren wie ent-\nzündet, sie lagen und wogen so zentnerschwer, da\ndrinnen — brannte außerdem sein Mark, war da\nein glühender Draht, war da ein kochender Eiter\naus Blei und Säure in allen seinen Adern? Töd-\nlich ermattet war er, todesmüde, bange — allein!\nKarl Mumme?\nDennoch . . . recht!?\nAch ja. Auch Karl Mumme. Sicherlich auch\ner!\nAuch er besaß ja keine anderen Mittel, um das\ngeheimnisvolle Wachstum seines Ichs zu er-\nreichen — als die, die er angewandt hatte!\nEinen Augenblick schien es Morton, als könne\ner auf einmal diesen Menschen vor sich sehen, leib-\nhaftig, wenn auch in einiger Entfernung —:\nRiesengroß, das dunkle Haar und der Bart wie\nRuß über der kreideweißen Haut hernieder, über\neiner von Hunger, von Krankheit, von Wahnsinn\nund Eingesperrtheit ausgeblichenen Haut, einer all-\nzu weißen, einer rotgesprenkelten Haut, gar zu\nstramm über diesen gigantischen, mißg;eformten\nSchädel gespannt — der ohne Hals von den mäch-\ntigen Schultern getragen wurde!\nGlaß zwinkerte schaudernd und neugierig mit\nden Augen, mochte ihn wohl ein klein wenig näher\nbetrachten, dies Geschöpf, dessen Gräßlichkeit\nnicht seinesgleichen hatte —:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.4", "texte": "Ach ja, diese Augen waren gerade so, wie er\nsie sich vorgestellt hatte, so wie er sie im voraus\naus seinen Studien in früheren Zeiten kannte:\ndiese stechenden Augen, die immer so aussahen,\nals bluteten sie! War es etwa Zorn oder Furcht,\nwovon ihr unveränderlicher Ausdruck erzählte —\nnein, sicherlich nicht: diese kleinen, schwarzen\nPupillen, die zugleich stachen und auswichen; die\nzersprungenen, blutigen Adern des Augapfels; die\ndicken, immer hart gerunzelten Brauen . . . alles\ndies berichtete nur von einem — und dies eine\nwar Qual! Die Blicke dieses Mannes, der Mund,\nan dem die Unterlippe schief saß, die dumpfe, vier-\neckige Last seines Kiefers, die ganze häßliche,\nnach oben zugespitzte Form seines Kopfes, deu-\nteten nur ein einzig Ding an —: daß es überall\nda drinnen in ihm wehtat! immer, überall, unauf-\nhörlich tat es weh!\nJa —:\nFür diesen grauenvollen Menschen, für diesen\nentsetzlichen Mann, gab es nur ein einziges Ding\n— das sein Fleisch kannte und bis auf den Grund\nbegreifen konnte!\nWie die Nerven des Malers überall Farben\nspüren, wie die Sinne des Musikers nichts anderes\nals Töne vernehmen, wie die Mutter in der gan-\nzen Welt mit allen Fibern nur von einem weiß, von\nihrem Kinde . . . genau so kannte dies bittere und\nzornige, dies wahnsinnige Gemüt nur eins —: daß\nes weh tun konnte, daß es Schmerz gab! ach,\nSchmerz war sein Brot, sein Trunk — sein Wa-\nchen, sein Schlaf! Schmerz in seinen Armen, in\nseinen Beinen, in seinen Schultern und tief da\ndrinnen in seinem nagenden Herzen! Schmerz,\ndas einzige, was zu 'fühlen ihm das Leben Fähig-\nkeit verliehen hatte — und Gelegenheit, es wieder\nund wieder von neuem zu erleben!\nEine dumpfe und trotzerweckende Qual, wenn\ner als Kind daheim mißhandelt — und in der\nSchule von den andern gescheut wurde und sie\nscheute! Ein tiefer und haßgebärender Schmerz,\nwenn er als Jüngling allein stand — und neidisch\nund höhnisch den andern nachstarrte, die paar-\nweise dahinwanderten! Eine glühende und\nstechende Marter, wenn er alle andern zur Seite\nweichen sah — ängstlich vor seiner Häßlichkeit\nselbst, vor seinem zornigen Blick!\nJa, ja, Schmerz, wo er ging und stand: wenn\ner allein war und wutschnaubend sein Schicksal\nverfluchte — und wenn er, wenn auch nur aus\nder Entfernung, mit einem zähneknirschenden\nGrinsen den Laut davon vernahm, wie die andern\nlachen konnten! Ach, ein unablässiger, ein knur-\nrender und verzehrender, ein wahnsinnbringender\nSchmerz — von dem man sich nur befreien\nkonnte für einen kurzen und seligen Augenblick,\nindem man ihn auf einen andern ablud! indem man\nihn zu einem Haufen zusammenkrallte und ihn\ndann mit beiden Fäusten, aus aller Macht, mi{\nsämtlichen überangespannten Kräften, rücksichts-\nlos, je wilder, je besser von sich wegschob —\nnur weg von sich selbst, auf den andern hinüber!\nJa, zu sehen, wie das Antlitz dieses andern davon\nerzählte, daß nun dieser andere der Leidende\nwar! Zu sehen, wie dieser fremde Mund weit\naufgesperrt wurde, als solle er dabei zerreißen —\nund also zu berichten, daß es jetzt, ausnahmsweise\neinmal, nicht Karl Mumme war — nein, daß es\njetzt dieser Fremde war, der schmecken sollte,\nwas es hieß, gepeinigt zu werden! Sein Ohr, seinen\nganzen Kopf, seinen Leib zu überfüllen mit diesen\nlangen gellenden Angstschreien — die einen\nletzend vollauf verstehen ließen, daß jetzt man\nselber es nicht mehr war, daß es nun dieser andere\nwar, der, bitte schön, Erlaubnis haben sollte, die\nMarter kennen zu lernen!\nAch Gott, entsetzlich, ja, ja . . . und doch . . .\nwar nicht trotzdem auch dies, zu guterletzt . . .\ngenau dasselbe — wie der Frohe, der so herzlich\ngern auch andere lachen machen will! wie der\nKluge, der vom heftigen Durst entbrennt, daß auch\ndie anderen verstehen können sollen! der Christ,\nder diese Armen bekehren will, die noch nicht\ndas einzig Seligmachende kennen! Ach, war es\netwas anderes, als immer und ewig und überall\ndasselbe —: das Gesicht unseres eigenen Ichs, dem\nwir überall zu begegnen begehren, weil nur in\ndieser Form wir das Leben schlürfen können, weil\nnur so das Dasein Nahrung für unser eigenes,\nverborgenes Selbst werden kann! . . .\nEr war ein klein wenig auf dem Stuhl zusam-\nmengesunken, stumpf diese Gedanken formulie-\nrend, die er in vergangenen Zeiten, schon vor\nJahren, Tausende von Malen gedacht — und deren\nRichtigkeit er längst bis auf den Grund eingesehen\nhatte.\nEr sah mit halbgeschlossenen Augenlidern vor\nsich hin, entsann sich jetzt des Professors und sei-\nnes Widerstandes vorhin — gegen gerade diese\nselbe Ideen.\nJa, die Aerzte, grübelte Morton —: und in noch\nhöherem Maße die Richter, mit denen ist es ja\neine ganz andere Sache!\nMit den Richtern ist es wie mit jedem, der sei-\nnen Lohn vom Staate erhält, um eine ganz be-\nstimmte Arbeit innerhalb seines Rahmens auszu-\nführen — sie müssen dem Gesetz Untertan sein!\nDie Richter — sie sind die Vertrauensmänner\nund die Weisen der Menge! sie haben nur an eins\nzu denken —: daß der Haufe noch immer außer-\nstande ist, zu fassen, daß der Verbrecher ein Ge-\nschwächter ist, daß der Dieb wie auch der\nMörder in bürgerlicher Beziehung ein Minderwer-\ntiger ist, ein Wrack, das die Arbeit nicht zu ver-\nrichten vermag, die erforderlich ist, um leben zu\nkönnen — und daß er aus diesem Grund eines\nArztes, nicht aber eines Juristen bedarf! einer Er-\nleichterung in seinen Erwerbsverhältnissen, eines\nObdachs — und am wenigsten von allem der noch\nstärkeren Brutalisierung, mit der ihm das Gefäng-\nnis entgegentritt!\nDarum haben die pflichtgetreuen Richter nur\neins zu tun: wortkarg ihren Mann gefesselt auf\ndem Markt aufzustellen und zu fragen: soll ich ihn\ntotschlagen? ... und dann, sich gehorsam dem Ge-\nschrei der Menge beugend, ihn so schnell wie\nmöglich hinzurichten! — Und wenn ein einzelner\nRichter doch ein tieferes Verständnis als das be-\nsitzt; wenn er imstande ist, es unbeschädigt trotz\nder erschlaffenden und verheerenden Einwirkung\nseines Amtes zu bewahren; und wenn er dann in\nseiner Stellung verbleibt, dazu bewogen von der\ntiefen und guten Furcht, sonst sehen zu müssen,\nwie auch dieser Platz einem der plumperen Män-\nner des Buchstabens in die Hände fällt — da muß\ner selbst, in jedem gegebenen Fall, versuchen, einen\nKompromiß zu finden — zwischen dem Pöbelge-\nheul im Gesetz und seinem eigenen weiteren Sinn!\nJa —:\nAber nun ich selber?\nMüßte ich nicht, jeglichen Mittelstandpunkt ver-\nwerfend, in vollem Maße die Folgen meiner eige-\nnen Worte — die ich niemals verschwieg — hin-\nnehmen?\nBis zum letzten Tüttelchen meine Gedanken\nbefolgen — die mich zu diesen Ergebnissen führ-\nten, denen eine Form zu geben und sie darauf un-\nter die Menschen auszuschleudern ich mit aller\nMacht bestrebt war, damit auch sie so denken\nkönnten — oder wenigstens einander gegenüber\nso handeln sollten!\nDie Folgen von dem Charakter meines Gemü-\ntes wonach ich alle meine Tage gelebt und gedich-\ntet habe?! nach der innersten und unveränder-\nlichen Art meines Ichs, die gerade das war, das so\nsehr Annie liebte — und das auch sie wieder\nliebte?!\nJa! T\nAuch ich habe also recht!\nRecht, meinen Kopf zu schütteln und zu\nsagen —:\nKarl Mumme? Wer ist er, ich kenne ihn nicht,\nich habe ergo keine Rechnung mit ihm abzuschlie-\nßen — mag er gehen! . . .\nEr erhob sich langsam von seinem Stuhl —\ndankbar erstaunt über den Frieden, der auf einmal\nso holdselig über sein Herz gekommen war.\nEr legte lächelnd seinen Nacken ein klein wenig\nhintenüber, gegen den Rand des Kragens. Erhob\ndarauf die linke Hand, preßte ihre Fläche einen\nAugenblick gegen seine Brust — lauschte, bestän-\ndig mit diesem Lächeln, das ihm zitternd auf der\nLippe stand —:\nJa!\nEs war vollständig still drinnen.\nHerrlich, sein Herz schwieg, jetzt war er zum\nFrieden gelangt!\nAch, er gewahrte, nicht mehr zu weit entfernt,\ndies selige Land, dies beschwichtigende, kohl-\nschwarze Land, diese still lodernde Küste, wo die\nSchmerzen vorüber waren, wo die Tränen so\nwunderbar rein und frei strömten — und wo er\nseine Annie von neuem als weißgekleidete und un-\nsagbar schöne Gestalt unter dem Flor der Sterne\nwiedersehen sollte! . . .\nEr schüttelte ein- oder zweimal den Kopf,\nfühlte sich unbeschreiblich leicht und neu!\nOder nein: eher noch mehr als das!\nStark wie ehemals! . . .\nEr sah sich lächelnd um — gleichsam irgend ein\nMittel suchend, wodurch er sich selbst beweisen\nkonnte, daß er wirklich durch diesen Frieden seine\nvolle Kraft zurückerlangt hatte! die unerschöpf-\nliche und heiße Kraft selbst, die ihm diese zwei\nJahre erlaubt hatte, das Bewußtsein seines Ver-\nlustes wie eine Tür verschließen zu können! das\nSchloß vor dem Gedanken, daß er Sie verloren\nhatte, zudrehen zu können . . und sich nur der an-\ndern zu erinnern, seiner Arbeit, seiner Pläne —\nalles dessen, was er Ihr schuldete, was er der\nGüte des Lebens schuldete, und was zu Ende zu\nführen, seine Verpflichtung aller Welt gegenüber\nwar! diese schwindelnde Kraft selbst, die wenn er\nnur die allerersten zwölf Stunden nach ihrem Tode\nausnahm . . . ihn keinen Augenblick wirklich ver-\nlassen hatte — bis heute!\nEr strich sich umständlich mit der einen Hand\nüber den Nacken, schob darauf die Finger in die\nlinke obere Westentasche, nahm die Füllfeder her-\naus, die da saß und ihn ein klein wenig drückte —\nsah einen Moment staunend darauf nieder und\nlegte sie dann weg, begann auf und ab zu wan-\ndern —:\nAusgenomen, wiederholte er, auf einmal uner-\nklärlich vollkommen leer von Gedanken —: aus-\ngenommen die allerersten zwölf Stunden... bis\nihre Eltern schließlich . . .\nEr legte eine Sekunde die linke Hand gegen\nseine Brust —: die ersten zwölf . . .\nDann blieb er plötzlich stehen — lauschte.\nGlaubte mit einem Male ein leises, gleichsam\npulsierendes Geräusch draußen hinter den Fenster-\nscheiben, weit weg, zu hören: vielleicht ein fernes,\nfernes Motorrad auf der Landstraße?!\nEr spannte sein Ohr an, trat näher an das Fen-\nster heran, hob sogar einen Zipfel der Gardine,\nein klein wenig unruhig, ohne selbst fassen zu kön-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.5", "texte": "Vlatislav Hofman: Eckhaus (19l4)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.6", "texte": "nen, weshalb, in die Höhe —: nein, es war nicht\nvon außen her! Aber es war dahingegen stärker\ngeworden als vorhin!\nWoher kam das doch nur, dies merkwürdige\nGeräusch, das unerklärlich bange machte —\nam allermeisten, weil man gar nicht begreifen\nkonnte, warum man fortfuhr, sich so intensiv da-\nmit zu beschäftigen: klang es jetzt nicht wie ein\nSpazierstock, mit dem irgend ein Wanderer auf\neinem Geländer spielte, an dem er vorüber kam —\nein gutes Stück von hier entfernt?\n\nFortsetzung falfrt\n\nGedichte\nAlbert Dreyfus\nIn der Stille bin ich nicht mehr hier.\nWie ein Ball durchflieg ich den Raum,\nich bin ein Wasserfall,\nund bin eines Vogels Schwinge,\ndurchsaus alle Dinge\nJahrtausende lang\nund komme zuletzt zur Ruh in mir.\n* ♦\n*\nVoll von Tiergesichtern ist der verschneite Wald.\nEchsen kauern auf den Zäunen,\nFüchse lauern im Gesträuch,\nKatzentiere beugen Tannenzweige\nfurchtbar sprungbereit, mit vorgestreckten Tatzen:\nRötet kein Mord auch den Schnee,\ndie Gebärde schon tötet.\nAber zärtlich hält ein Riesenwalroß\nseinen Holzstoß mit Flossenarmen umklammert.\nKeinen wahren Leib, doch eine wahre Seele\nhat dies Riesenwalroß,\nwie es sich breit vornüberwälzt,\nauf sich richtet und hinschmilzt\nan der Sonne.\n* *\n*\nFichten in langer Prozession\nwallen dunkel den Schneehang hinauf.\nManche rasten verträumt und manche hocken\nzusammen\ngramvoll im Bühl,\nmanche sind frohverzweigt und manche ver-\nkümmern\nweit zurück und von der Zeit überschneit.\nAndere einzeln vorausgeeilt\nschlank wie Flammen\nsind dem Kamm schon nahe gekommen,\nkeine noch hat ihn erklommen.\nSie sind es. Sie sind meine Tage,\nmeine lichten und trüben Stunden\nwallen in Reihen den Schneehang hinauf.\nDie ist die letzte, die einsam im Blauen\nzum Schauen sich wendet zurück —:\ndiese Stunde.\n\nZur Kritik\ndes Sexualitätsbegriffs\nHans Blüher\nFür den Kundigen wird es schon ohne bestä-\ntigende Erfahrung selbstverständlich sein, daß eine\nJugend, die in der Würze ihrer Jahre in einen so\nphantastischen, sie immer mehr begeisternden\nTaumel der Romantik geriet, die aus der Rolle\nihrer Umgebungskultur fiel und ein so helles Auf-\nblitzen eigener Gefühle erlebte, daß die Jugend\ndes Wandervogels auch ein sexuelles Sonderpro-\nblem darstellt. Freilich, um diesem näher zu\nkommen, ist es nötig, den Begriff des Sexuellen\nso weit zu fassen, wie nur irgend möglich. Wir\nsind aus der Zeit heraus, wo man den Geschlechts-\ntrieb zu verstehen glaubte, wenn man ihn defi-\nnierte: er sei derjenige Trieb, der seinen Sitz im\nGenitalapparat habe und der zum Zwecke der\nFortpflanzung Mann und Weib in gegenseitige\naufeinander bezügliche Lusterregung bringt. —\nEine solche Belehrung würde man heute nur noch\nmit Lächeln hinnehmen können, sie definiert zur\nNot einen Spezialfall des sexuellen Lebens, der\nwegen seiner Häufigkeit und Folgenschwere be-\nrühmt geworden ist, der aber sonst nichts zur Er-\nkenntnis des Triebes beizutragen vermag. Um das\nvon Jahr zu Jahr stärker anwachsende Material\nunter ein theoretisches System zu bringen, das\ndem Ansturm neuer Tatsachen etwas standzuhal-\nten vermag, muß man weiter greifen. Daß die\näußerste Grenze der Erkenntnis des Sexualtriebes\ndie Grenze überhaupt nicht überschreiten kann,\nbraucht nur kurz erwähnt zu werden. Das Wesen\ndes Triebes an sich, jedes Triebes, ist unerforsch-\nlich, ebenso, wie das Wesen des Körperlichen.\nDas „Sein\" der Dinge geht nicht in die Erkenntnis\nüber, sondern nur ihr „Verhalten\", nur die allge-\nmeinen Gesetze, nach denen die Natur bestimmt\nist und abläuft, sind verstehbar, das Dingliche in\nihr nicht. Dieser Rest, die Materie der Welt, ist\nzwar so gewiß, wie nur etwas und als unsere\nsicherste Empfindungstatsache gar nicht abzuleug-\nnen, zu verstehen aber ist an ihr nichts mehr.\nDer Trieb, der vom Körperlichen so unter-\nschieden ist und sich nicht darin überführen läßt,\nso sehr er stets mit ihm in Verbindung steht, hat\nnun das Eigentümliche an sich, daß er uns gewiß\nist, auch wenn wir keine äußeren Dinge anschaun.\nWenn wir „uns\" fühlen, so fühlen wir unser Trieb-\nleben (im weitesten Sinne) und darum hat es auch\netwas Erschütterndes an sich, während das Wesen\ndes Körperlichen uns ruhiger läßt. So verstehen\nwir, daß Schopenhauer, tief vom Wesen des\nTriebes — genannt Wille — ergriffen, dieses zu-\ngleich zum Wesen der Welt machte, während das\nKörperliche zu einem bloßen Scheindasein herab-\nsank. Was er am meisten bei allem, was er\n„Wille\" nannte, heraushörte, hat er in einem Nach-\nlaß-Aphorismus verraten: „Wenn man mich fragt,\nwo denn die intimste Erkenntnis jenes\ninneren Wesens der Welt, jenes Dinges an sich,\ndas ich den Willen zum Leben genannt habe,\nzu erlangen sei?, oder wo jenes Wesen am deut-\nlichsten ins Bewußtsein tritt, oder wo es die reinste\nOffenbarung seiner selbst erlangt? — so muß ich\nhinweisen auf die Wollust im Akt der Ko-\npula t i o n\". (Nachlaß Band IV Seite 247 Griese-\nbach) — Doch diese metaphysische These Scho-\npenhauers hat nur dichterischen Wert, für die Wis-\nsenschaft wäre es eine unerlaubte und methodisch\nunnützliche Grenzüberschreitung, das Triebhafte\nin uns zum Wesen der Welt zu erheben. Für sie\nbleibt allein der Weg übrig, das Verhalten des\nTrieblebens zu studieren, die Zusammenhänge der\nverschiedenen Triebe untereinander zu begreifen,\num so zum Verständnis eines einzelnen, also hier\ndes Sexualtriebes zu gelangen.\nDiese dauernde Abwechslung von Analysis\nund Synthesis hat nur in der Tat die besten Er-\nfolge gebracht. Wir sehen heut den Geschlechts-\ntrieb in weit allgemeinerer Form vor uns und sind\nlängst darüber hinaus, ihn etwa nur beim Liebes-\nwerben zwischen Mann und Weib am Werke zu\nsehen. Wir haben uns daran gewöhnt, ihn auch\nin den entlegensten Gebieten des menschlichen\nHandelns zu suchen. Wir legen keinen entschei-\ndenden Wert mehr auf die beabsichtigte Entladung\nder Geschlechtsstoffe und sehen ihn auch da, wo\neine solche naturgemäß niemals stattfinden kann.\nDie neueste Zeit hat die Sexualität des Kindes er-\nkannt. Es gibt kein absolutes „Erwachen\" des Ge-\nschlechtstriebes mehr: die Pubertät leitet nur eine\nneue Betätigungsära ein. Er ist so alt, wie der\nHunger, er beginnt am Tage der Geburt; das\nWonnesaugen des Kindes, das sich bei der Nah-\nrungsaufnahme einstellt und sich später zum ge-\nsonderten Lustkomplex verselbständigt, ist sexu-\neller Natur; ebenso das Wonnegefühl der Mutter\ndem Kinde gegenüber. Der Autoerotismus,\nder doch nur selten zur Entladung der Geschlechts-\nstoffe führt, ist als spezielle Form des Sexual-\nlebens erkannt und dient uns heute zur Erklärung\nvieler bisher unverständlicher Ereignisse im Lie-\nbesleben. Er wurzelt in der Kindheit, reicht aber\nauch mit einem Teile seines Triebgebietes ins er-\nwachsende Leben hinein und berührt verschiedene\nnebengeordnete Lustempfindungen mit seiner\nsexuellen Reiznuance, so das Gebiet der Anal-\nerotik, die Wonneempfindung bei der Defäkation\nusw. In die höchste, freilich seltene Form steigt\nder Autoerotismus da, wo das Wohlgefallen am\neigenen Körper zum alleinigen Sexualzentrum\nwird. Die Figur des Narziß, die nur einmal den\nsinnenverstehenden Griechen geglückt ist, vertritt\ndiesen Typus. Es ist die objektlose Liebe zu sich\nselbst, die sich genug findet, eine Fortbildung der\nSäuglingserotik. Noch weitere Lebensgebiete sind\nsexuell belegt: das Traumleben, dieses scheinbar\nso sinnnlose Gefüge von Willkür und Zufall ist\nenträtselt und hat sich als ein fast durchweg\nsexuell bestimmtes Phänomen entpuppt. (Sig-\nmund Freund: Die Traumdeutung)\nBedeutungsvoll beginnt für diese Abhandlung-\ndas sexuelle Leben und sein Aufbau aber erst in\nseiner geselligen Form zu werden; der Wan-\ndervogel ist ein soziales Sonderereignis in der Ju-\ngend und daher kommen die typisch sozialen Aeu-\nßerungen des Geschlechtstriebes bei seiner Erklä-\nrung in erster Reihe in Betracht. — Beim Auto-\nerotismus des Kindes zeigt sich der Trieb „Hun-\nger\" mit der Sexualbetätigung des Wonnesaugens\nals unverkennbar zusammengehend. Beide treten\nzu gleicher Zeit auf, sind ineinander geboren; bei\nder objekthaften Liebe ist das weniger deutlich.\nDenn die einfache Tatsache „Anziehung\", die das\nsoziale Wesen des Menschen begründet, und der\nbesondere Drang nach Liebe scheint vor der Hand\nnoch keine Berührung zu haben. Dennoch kön-\nnen wir sie im System an die Spitze setzen und\nsagen: die allgemeinste Form der nicht autoero-\ntischen Sexualität ist die Anziehung überhaupt.\nDer Mensch sucht den Menschen, der Löwe den\nLöwen nicht. Daß hier eine besondere Struktur\nder Sexualität des sozial hochbegabten Menschen\nvorliegt, ist wohl annehmbar: das Raubtier ver-\nlangt nur nach dem Raubtierweib, für den Men-\nschen ist schon allein der Mensch ein Reizobjekt.\nFreilich kommt uns bei der dauernden Verkehrs-\ngewöhnung dieser Zusammmenhang nicht recht\nzum Bewußtsein, der sexuelle Trieb wird nicht\nmit Deutlichkeit aus unserm sonstigen Triebwesen\nherausgeholt, und nur wenn wir nach langer Ein-\nsamkeit den Wunsch bekommen „unter Menschen\nzu sein\", kann es uns wohl klar werden, daß die-\nser Vorgang eine Beziehung zum verstecktesten\nWesen unserer Sexualität hat. Robinson\nCrusoe, der nach langem, verzweifelten Allein-\nsein plötzlich den Abdruck eines menschlichen\nFußes im Sande fand, wird das verstanden haben;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.7", "texte": "die Erschütterung, die er dabei erlebte, war eine\nsexual-soziale Bedürftigkeit des Menschen, die er\nnicht hat befriedigen können. Auch in dem Ver-\nhältnis, das größere Geister zum Begriffe der\n„Menschheit\" wie zu dieser selbst haben, kann man\n'Analogien zu der Verliebtheit in einzelne finden:\nsie schmollen und zürnen mit ihr, hassen sie, und\nsind im nächsten Augenblicke entzückt und zärt-\nlich, dann wieder tief ergriffen. Auch die krank-\nsozial-sexuelles Ereignis verstehen, das natürlich\nliaft gewordene Menschenscheu kann man als ein\nimmer spezial-sexuell bedingt ist, nur negativ ge-\nwendet, etwa wie man die Zahlen 1, 2 usw. als\n„Größen\" definiert. Verstreut wohnende Farmer-\nfamilien sollen leicht mürrisch werden; und ähn-\nliche Belege lassen sich für die sozial-sexuelle Ver-\nanlagung des Menschen anführen.\nUnverkennbar und immer bedeutungsvoller\nwird die sexuelle Motivierung bei den Gefühlen:\nSympathie und Liebe, bis sie beim Be-\ngehren die Herrschaft über alle anderen gewonnen\nhat; es liegt hier eine Stufenordnung vor. Bei\ndem noch sehr allgemein gefaßten Sympathie-\ngefühle wird es uns nur selten klar, daß hier eine\nsexuelle Note mitspielt, aber der Duft, die Laune,\nder Geist gewisser Menschen bereitet uns Wohl-\nbehagen; es kann hier noch ein Kreis von Per-\nsonen sein, und die sexuellen Personen werden\ndurch ihn abgeleitet, nachdem sie heimlich erregt\nworden sind. Ein bestimmter Rhythmus des Ver-\nkehres mit sympathischen Menschen vermag\nsexuell zu entlasten und zu beruhigen. Bei dem\nPhänomen Liebe schreitet die Geschlechtskraft\ndann schnell vor, wirft sich auf eine bestimmte\nPerson, ringt eine Zeit lang mit der aufkeimenden\nBegierde, um im Falle der Bejahung schnell dem\nZiele zuzueilen, in dem das Sexuelle dann unver-\nhüllt hervortritt und deutliche organische Akte\nveranlaßt.\nIch möchte hier besonders für unser Thema\ndarauf hinweisen, daß der Weg von der Liebe zur\nBegierde durchaus nicht immer so kurz zu sein\nbraucht, wie man gewöhnlich annimmt, ja, daß\ner in gar nicht seltenen Fällen genau so fehlt, wie\nder von der Sympathie oder der gewöhnlichen An-\nziehung zur Begierde. Es ist nicht gerechtfertigt,\naus der überwiegenden Häufigkeit der Fälle, in\ndenen Liebe und Begierde Hand in Hand gehen\nund man zweifelhaft sein kann, worauf der Haupt-\nton liegt, eine Gesetzmäßigkeit für alle abzuleiten,\nund die Erfahrung zeigt, daß die Liebe sich auch\nzu einem ganz selbständigen Gefühl ausbilden\nkann, das keinerlei Nutzanwendung auf die Be-\ngierde bedarf. Dies ist auch theoretisch völlig\nklar, denn es ist nicht einzusehen, warum der\nsexuelle Trieb, der so viele in sich abgeschlos-\nsene Bildungen hervorbringt, gerade hier eine An-\nleihe zu machen gezwungen sein soll. Auch Men-\nschen, die sonst im sexuellen Verkehr mit einander\nstehen, erleben häufig Augenblicke, in denen sie\ndas Gefühl der Liebe zu einander haben und die\ndoch keineswegs in Begierde umzuschlagen\nbraucht, sondern mühelos wieder vergeht, bis sich\nbei einem anderen Anlaß wieder ein neues Ge-\nfühlsgebilde zwischen ihnen auftut, das anders kon-\nstruiert ist, das den Charakter eines Vorspieles\nträgt und nach kurzer Zeit seine Höhe im wollüsti-\ngen Ueberschwang zu suchen genötigt wird. Das\nsind aber zwei selbständig nebeneinander beste-\nhende Komplexe, die man nicht in eine notwendige\nAbhängigkeit von einander bringen darf, ohne das\nVerständnis von der Liebe zu trüben; dagegen sind\nsie selbstverständlich beide durch die Sexualität\nbedingt, sind Sexualität. Der hochgebildete Kultur-\nmensch wird dafür Sorge tragen, alle Aeußerun-\ngen des Sexualtriebes zu berücksichtigen und wo\ndie eine Selbständigkeit verlangt, sie nicht unter\ndie andere zwingen, sei es, daß er dies durch Ver-\ndrängung erreicht, sei es, daß diese durch die be-\nsonderen Umstände nicht nötig wird. Denn genau\nso, wie im Leben zweier Menschen, die sonst auch\nder Begierde aufeinander ergeben sind, selbstän-\ndige Liebesaugenblicke vorkommen können, für\ndie ein libidinöser Plan Stilverfall bedeuten würde,\ngenau so kann das Verhältnis zweier Menschen\nüberhaupt nur auf dem Boden der Liebe ruhen.\nSo glauben wir mit Recht an die Liebe der Ma-\ndame de Guyon zum Abbe Fenelon,\nebenso wie an die Christi zu Johannes und brau-\nchen die erzwungenen Erklärungen nicht, die\nsolche Vorgänge auf dem Umwege der Begierde\nverstehen wollen. Ebenso ist natürlich auch die\nAuffassung des Christentums falsch, das hier my-\nstische und metaphysische Begründungen sucht;\nes handelt sich vielmehr immer und lediglich um\nSpielarten ein und desselben sexuellen Triebes.\nEine so weit gehende Definitionl des Sexualitäts-\nbegriffes muß man anwenden, wenn man einer\nTeilerscheinung nahe kommen will. Nimmt man\ndie populär-scholatische Auffassung, wonach die\nSexualität nur ein Erregungszustand zwischen\nMann und Weib zum Zwecke der Kindererzeugung\nsein soll, so macht man allenthalben die Erfahrung,\ndaß etwas inkongruent wird, es deckt sich nichts,\ndas einzelne Problem fließt über den Rand fort\nund zerrinnt. Ganz und gar versagt eine solche\nMethode, wo es sich nicht nur um wissenschaft-\nliche Erkenntnis, sondern um praktische Kultur-\nfragen handelt. Wer hier die Definition des Stamm-\nbegriffes nicht weit genug faßt, der wird schon bei\nden ersten Schritten genötigt sein, mit Pathologie\nund Kriminalität zu arbeiten, kommt zu den ge-\nwagtesten Auslesungen geschichtlicher Vorgänge,\naber gewiß zu keiner besonnenen Konstruktion.\nFür unser Thema muß also wichtig hier be-\nmerkt werden, daß die Wahl des Geschlechts-Ob-\njektes in allen Stufen der Annäherung von ge-\nwöhnlicher Anziehung bis zur Begierde, durchaus\nnicht an das andere Geschlecht gebunden\nist, wie sehr es auch bei den intensiveren Gefühls-\nkomplexen (von Liebe bis Begierde) den Anschein\nhat. Ebensowenig darf man darauf hinausgehen\nwollen, die in den beiden letzten Fällen gelegent-\nlich — unter Tausenden kaum einmal — erfolgte\nFortpflanzung zum Zweck und Sinn, und damit\nschließlich gar zur Rechtfertigung der Sexualität\nzu erheben, wodurch dann alle anderen Resultate\neine auffällige Wertverkürzung erleiden. Der Zahl\nnach am häufigsten nimmt die Sexualität allerdings\nden Weg über die Liebe zur Begierde bei ver-\nschiedenem Geschlecht: der Mann wird von der\nArt eines Weibes gepackt, das er sich aus der übri-\ngen Menschengesellschaft herausholt und dieser\nAffekt entschließt sich dann rasch zum Begehren.\nDagegen wendet er sich auch in gar nicht seltenen\nFällen mit Liebe von Mann zu Mann, gewöhnlich\nvom älteren zum jüngeren, oder anders ausge-\ndrückt: die Freundschaft zwischen Ge-\nschlechtsgleichen bekommt einen\nerotischen Ton, der ins Bewußtsein\ntritt, und der sich auch mitunter bis zur Be-\ngierde steigert. Hier begann für die ältere Medi-\nzin die Pathologie, wie für die ältere Juristik die\nKriminalität, ohne daß in dem natürlichen Ver-\nhalten irgend ein Grund für eines von beiden ge-\ngeben wäre. Die gleichgeschlechtliche Zuneigung\nwiderspricht durchaus nicht der sonstigen sexu-\nellen Anlage des Menschen. Es liegt hier lediglich\nein Verstoß gegen die Gepflogenheiten der Majo-\nrität vor.\nDie Griechen, denen ein besonderes Verständnis\nfür die Triebtatsachen eigen war, haben auch diesen\nNaturvorgang richtig begriffen. Sie verstanden den\nerotischen Unterton der Freundschaft und wiesen\nihr einen Platz in ihrer Kultur an. Das Griechen-\nproblem ist mit dem der gleichgeschlechtlichen\nLiebe aufs engste verwachsen. Es war ein kluges\nHinnehmen der Naturvorgänge, der Freundschaft\nden erotischen Charakter da, wo er sich unverhüllt\nzeigte, nicht zu nehmen, und die einmal nicht fort-\nzuleugnende Triebrichtung kulturell zu verwen-\nden. Daß bei ihrer Uebertonung die Frauenliebe\nlitt und nicht recht zur Entfaltung kam, ist ein\nNachteil, der nur historisch bedingt ist. Das Weib\nwar damals noch nicht entdeckt, man hielt es nach\norientalischer Art gefangen und bestimmte es meist\nnur zur Befriedigung gröberer sexueller Begierden\nund zur Kindererzeugung. Für den antik-orienta-\nlischen Wertgeschmack wäre es zum Beispiel un-\nmöglich gewesen, sich vierhundert Jahre hindurch\nüber das geheimnisvolle Lächeln einer Mona Lisa\nzu streiten. Wenn man in diesem allerdings un-\nharmonischen und unvollkommenen Liebesleben\nder Griechen eine besondere Barbarei sehen will,\nso darf man dies jedoch keinesfalls vom Stand-\npunkte der bisher gültigen Sexualmoral der Oef-\nfentlichkeit tun, denn diese ist nicht minder bar-\nbarisch. Sie billigt dem Weibe einen Vorzug zu,\nder es durchaus nicht ehrt und dessen Ueber-\nbetonung bei weitem nicht die kulturellen Werte zu\nschaffen imstande ist, wie die entsprechende der\nGriechen, während andererseits die gleichge-\nschlechtliche Liebe einer völlig ungerechtfertigten\nVerpönung anheim gefallen ist, die sie nicht selten\nin die Form der Lasterhaftigkeit preßt; und diese\nkommt ihr an sich ebenso wenig zu als der nor-\nmalen.\nDem Kulturleben der Griechen lag die Ab-\nwickelung eines sexuellen Prozesses von ganz be-\nsonderer Färbung zu Grunde. Dieses Beispiel\nsteht einzig da und verdient die größte Beachtung.\nDarum ist nicht gesagt, daß es der Nachahmung\nwert ist. Diese Art Liebesleben war an diesen\nVolkscharakter gebunden und es ist selbstver-\nständlich, daß andere Typen der Menschenrasse\nauch andere Stimmungen der Liebe dem Manae\nwie dem Weibe gegenüber schaffen. Ich wies nur\nauf die Griechen hin, um die Parallel-Lage in der\nWandervogelbewegung deutlich zu machen. Auch\nsie beruht auf Grundlagen, die den Antiken wesens-\ngleich sind, wenn es auch in ihr naturgemäß zu\nganz anderen Zielen kam und fast durchweg nur\nhingenommen und erlebt wurde, was man bei des\nGriechen verstand und kultivierte.\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nDaniel lialevy\nQuelques Nouveaux Mattres: Romain Rolland /\nSuares / Paul Claudel / Charles Peguy\nLes Cahiers du Centre / Moulins (Allier)\nPaul Scheerbart\nLesabendio / Ein Asteroiden-Roman\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGlasarchitektur /' Programm der Glasarchitektur\nin einhundertundelf Kapiteln\nBerlin / Verlag Der Sturm\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nBerlin / Verlag Der Sturm"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140615-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl liause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nSt&ndige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Potsdwner StrO* iMi\nSechsundzwanzigste Ausstelluiig\nMarc Chagall\nNeue Gemalde und Graphik\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEroffnung in Geni: 15. August\nSturmausstellungen in Deutschland und im Aus-\nland I Juni 1914\nStuttgart: Kandinsky\nGoteborg / Schweden: Der Blaue Reiter\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\nJena: August Macke\nNaumburg: Expressionisten\nTokyo: Graphik\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten iedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fiir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig ./ Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark J Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs J Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark ./ Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nclurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh u h g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis\n\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzlf Blatt Zelchnuncea /\nStrichatzung / Auf Kalserlich Jap an-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Aul Costa-Karton la eln-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzi g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschienen: Paul Scheerbart: Glas-\narchitektur / In einhundertundelf Kapi-\nteln I Zwei Mark / Luxusausgabe in zwanzig nume-\nrierten und signierten Exemplaren auf Van Gelder\nBiitten, Decke und Vorsatzpapier von Anna Scheer-\nbart I Zwanzig Mark bei Vorbestellung / funfund-\nzwanzig Mark nach Erscheinen / Verlag Der Sturm\nI Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna./ 50 Pfennig / Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnlslieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig\nKftnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni? Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: PI ak at fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko J Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk ,/ Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch J\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck I Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severini I\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein\n\nVerein filr Kunst\nLeitung \\Valden / Elftes.\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/146.\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabeode\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de I'Effort Social ./ Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift I\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue FranQalse / Monatsschfift 112\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc®\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustrS /\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean C€-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail / Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fflr neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPoet-Lore Begriindet 1890 / Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck / Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman /\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose / Mac-\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\n/ USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nL'Arene / Organe Litteraire & Artistique ./ Parais-\nsant tousles mois / Paris / rue Pestalozzi, 18 /\nAbonnement: 4 francs par An pour tous Pays /\nNumero specimen gratuit sur demande\nAnna Scheerbart /' Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden j Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 3\nAusstellung Impression / Expression: H. Deierling /\nE. Fritsch / B. Krauskopf / W. Kohlhoff ./ Charlot-\ntenburg / Schloßstr. 30/31 / Untergrundbahn Sophie-\nCharlotte-Platz"}]}