{"numero_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_sha256": "05c107063fc27c491d712bffc68b06f5100c77eaaf7f0ddc77cac9f298fcd780", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1914/07/01_01/bmtnabg_1914-07-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1914/07/01_01/bmtnabg_1914-07-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.1", "debut_caractere": 319, "fin_caractere_exclue": 564, "texte": "Inhalt:\nAugust Stramm: Rudimentär / Guillaume Apollinaire: Le los du Douanier / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / H. W.: Ziele: Das\nZiel der Klasse / Das Ziel der Piingsten / Kurt Heynicke: Gedichte / Schmidt-Rottluff: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.2", "titre_corps": "Schmidt-Rottluff: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Schmidt-Rottluff: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.1", "debut_caractere": 566, "fin_caractere_exclue": 603, "texte": "Schmidt-Rottluff: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "53", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.3", "titre_corps": "Rudimentär : Augast Stramm", "titre_sommaire": "Rudimentär : Augast Stramm", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9082, "texte": "Rudimentär\nAugast Stramm\nEin Ehepaar und ein Kind\nEin Chauffeur und ein Hund\nDachzimmer; links das Fenster, rechts die\nTür. Die hintere Wand schrägt in halber Höhe\nzur Decke. Die Tapete hängt in Fetzen herab.\nAn der Hinterwand Schrankspind, Bett und\nHerd mit kleinem Gaskocher; zwischen Herd und\nTür der Ausguß. Tisch mit zerbrochenem Stuhl\nund Schemel in der Mitte; auf dem Tisch Speise-\nreste, Papier und schadhaftes Geschirr.\nIm Bett unter einer Decke der Mann an der\nWand, die Frau vorn und das eingebündelte Kind\nquer am Fußende\nDer Mann (stiert vom Bett auf einen Zei-\ntungsfleck, der unmittelbar über dem Bette unter\nder herabhängenden Tapete sichtbar ist; nach\neiner Weile stößt er die Frau an): ... merkst\nde wat? . . .\nDie Frau (liegt zusammengekrümmt, das\nGesicht in den Kissen vergraben): ... laß mir!\nEr (zieht den Tapetenfetzen niedriger, um die\nZeitung besser sehen zu können): . . .\nSie (unwillig): ... wat machst de imma?\nEr (auf die Zeitung stierend): . . . een va-\nfluchtet Wort . . .\nSie (aufmerkend): . . . wat n Wort?\nEr: Kuck hier .. . (fährt mit dem Finger\nüber die Zeitung und buchstabiert) . . . ru . . .\nde . . . m . . . en . . . tär . . . rudementer . . .\nwie dät klingt . . . ?\nSie (wühlt sich wieder in das Kissen): . . .\ndu bis varickt . . .\nEr (wirft sich rum): ... ick krieg keen Ruh\nnich . . .\nSie: Mach n Knoten!\nEr (schlägt mit der Faust auf die Zeitung):\n. . . Dreck! (und dreht sich zur Wand)\n(Nach einer Weile fährt sie plötzlich hoch)\nSie: Herrjotte nee! ... de Wohnung! . . .\nwie se aussiehtf ... ick hab ja nich ausjefeyt\n. . . nich! . . . eejentlich . . . wenn se uns nu\nfind'n . . . ma mißt doch . . . (sie stellt die Füße\nzur Erde, bleibt aber auf der Bettkante sitzen)\n'n reenet Hemd . . . und so . . . un . . . (ihr\nwird plötzlich weinerlich weh) ... et soll nich\nheeßen . . . nee ... et warn doch ordentliche\nLeite . . . solln se sagen ... dät laß ick nich\nuff mir sitzen. (Sie schluchzt laut auf)\nE r (ohne sich zu rühren): ...nu . . . kriegst\ndus varickt? . . . machn Hahn zu . . . wenigstens\n... et steijt eenn schonst in de Neese ... (er\nniest umständlich laut und dreht sich faul auf den\nRücken)\nSie (in Unterrock, Hemd und Strümpfen geht\nzum Herd und dreht den Hahn am Gasauslaß zu,\nwobei sie den Kopf abwendet): . . . mir . . . is\n. . . schon janz schlecht . . .\nE r (in Hemd und Hose, wälzt sich nach vorne\nzur Bettkante): . . . machs Fenster uff!\nS i e (streift ein paar Schuhe über)\nE r (starrt auf dem Bauche liegend vom Bett\nzur Erde, greift plötzlich zum Fußboden und hebt\neine Zigarette, die am Bettpfosten lag, auf): . . .\nnu . . . eener ... (er steckt die Zigarette in den\nMund und sucht in den Taschen, während er sich\nlangsam faul vom Bette auf die Füße wälzt, nach\nZündhölzern; nach längerem Herumsuchen zieht\ner ein zerbrochenes Streichholz aus der Tasche\ndes Rockes, mit dem das Kind zugedeckt war, tritt\nzum Tisch, wischt mit dem Aermel über die Tisch-\nkante und setzt das Streichholz an; er stockt aber\nerschrocken und schaut auf seine Frau) ... na\n. . . willst de nich? . . . vorwärts . . . sonst\njeht dir der janze Kasten in de Luft.\nS i e (hastet zum Fenster und öffnet es)\nE r (tritt ans Fenster und schöpft tief aufatmend\nLuft): . . . a . . . dät zieht durch! ... (Er reibt\ndas Zündholz auf dem Fensterbrett und zündet\ndie Zigarette an)\nS i e (stellt eifrig das Geschirr auf dem Tisch\nvöllig zweck- und sinnlos durcheinander und wirft\nWurstpapiere und Abfälle auf die Erde, keifend):\n. . . aber dät sag ick dir . . . wenn ick erst Ord-\nnung hab . . . Ordnung . . .\nE r (bläst behaglich den Rauch zum Fenster\nraus)\nSie (nimmt aus der aufgerissenen Schublade\neine kleine Flasche, hebt sie prüfend hoch und\nstößt einen freudigen Schrei aus): ... ho .. .\nhier . . . wahrhaftig . . . Korn ... da is ja\nnoch . . .\nE r (ist mit einem Satze bei ihr, entreißt ihr\ndie Flasche, entkorkt sie, riecht und nimmt einen\nkräftigen Schluck)\nSie (hält ihm die Flasche fest): .. . mir\nooch . . . mir\nE r (setzt schmatzend ab)\nS i e (trinkt den Rest)\nE r (hustet leicht): ... Schafsköppe .. . wir\n... so lang der Mensch noch Schnaps hat . . .\nSie: ... jewiß . . . wir kennten so scheen\nlebn ... so\nE r (wie nachdenklich): ... lebn .. . (fährt\nplötzlich auf und stößt sie vor die Brust, daß sie\ntaumelt) . . . lebn . . . mit son Schticke ...?...\nSie (aufkeifend): ... laß mir .. .\nEr (knufft auf die Zurückweichende ein): son\nSchticke . . . dat sich rumtreibt . . . mit andere\nKerls abgibt . . . son\nSie (trumpft immer dagegen): .. . son\nSchtrolch . . . son Lump . . . ! ... soll ick trei\n.. . sind ... ?! (Sie haut mehrfach höhnend\nihm vor der Nase in die flache Hand): . . . nich\nin de la mäng! . . . nich in . . .\nE r (packt sie würgend): ... ick schlag dir dod\n... ick mach dir . . . (er holt zum Schlage aus)\nSie (entwindet sich ihm und flüchtet zur Tür):\n... du Patron du . . . Patron ... ick schrei . .\n(sie entriegelt die Tür)\nE r (nimmt den Stuhl und schlägt ihn zwischen\ndas Geschirr auf dem Tisch, daß Stuhl und Ge-\nschirr in Trümmer gehen): Weib!\nS i e (eilt zurück und hält ihm den wieder aus-\nholenden Arm): . . . dät Jeschirr! ... de juten\nTassen!\nE r (packt sie)\nS i e (sucht sich ihm zu entwinden und strebt\nauf das Fenster zu): ... ick spring aust Fenster!\n. . . Hilfe! . . . Hilfe!\nE r (packt sie hinterrücks bei den Haaren und\nwirft sie vor dem Fenster zu Boden): . . . willst\ndu dei Maul halten .. . ! ... willst du .. .\n(schlägt mit der Faust auf die am Boden in sich\nzusammenkauernde und nur leise wimmernde ein)\n. . . du . . . (dann läßt er erschöpft von ihr ab\nund setzt sich auf den Schemel hinterm Tisch,\nden Kopf auf beide Hände gestützt, ins Leere star-\nrend und keuchend vor Erschöpfung) .... son\n... so muß man sich uffrejen . . . wejen ... da\nsoll eener bei Vaschtand bleibn\nS i e (richtet sich langsam und vorsichtig wie-\nder auf und reibt sich stöhnend die geschlagenen\nKörperstellen)\nE r (schlägt mit der Faust auf den Tisch und\nwendet den Kopf nach ihr)\nSie (drückt sich verstummend scheu unter\ndas Fenster)\nE r (nimmt seine vorige Haltung wieder ein)\nSie (sucht lautlos unbemerkt hinter ihm vor-\nbei zu schleichen; als sie hinter ihm ist, greift sie\nplötzlich aufschreckend seine rechte Hand): . . .\nWilli ... du blutst ja ...! Willi . . . nu kuck\n. . . o ... und so viel . . .\nE r (sieht überrascht auf seine Hand, an der\nBlut herunter läuft)\nSie: Du hast dir inn Scherben jehaun . . .\n(sie nimmt ein zerbrochenes Waschbecken unterm\nBett vor, läßt etwas Wasser an der Leitung hin-\neinlaufen und stellt es auf den Tisch, dann springt\nsie zum Wandschrank, nimmt einen Fetzen Lein-\nwand heraus, reißt ihn in mehrere Streifen und\nwäscht ihm die Hand) . . . nunich . . . Willi . .\nson Jeblute . . .\nE r (hat ihrem Beginnen gleichmütig zugesehen\nund blickt jetzt aufmerksam zum Spind rüber):\n... du hast ja noch Wäsch im Spind . . .\nSie (ohne aufzublicken, ihn verbindend): .. .\nnunich . . .\nEr (ruhig): . . . janz feine Wäsch . . .\nSie (hält inne und starrt ihn an)\nEr (weicht aus): . . . nu . . .\nE r (prüft dann ihre Figur mit den Blicken):\n. . . wie du noch ausschaust . . .\nSie (verständnislos): . . . ick . . . ick . . .\n(sie bricht plötzlich in Tränen aus) .. .\nWilli . . . (sie wirft sich ihm schluchzend um den\nHals) . . . nee .... Willi ... da kann mir eener\njeben . . . Willi . . . (küßt ihn) . . . mein lieben\nWilli ... ick kann ja doch keen andern jut sind..\nEr (tätschelt sie): . . . nu . . . laß man . . .\n(er klopft sie zärtlich ab) . . . da js doch noch wat\ndran . . . (er erhebt sich und drängt sie zärtlich\nzum Bett hin)\nSie (hingegeben): ... ach .. . Willi . . .\n(indem sie sich auf die Bettkante setzt, fällt ihr\nBlick auf das quer am Fußende liegende Kind):\n. . . nu ... kuck . . . doch . . . Fränzchen (sie\nbeugt sich über das Kind)\nE r (blickt hin und ist einen Augenblick über-\nrascht): . . . Jotte nee ... (er befühlt es) . . .\net is . . .\nS i e (wirft sich mit einem Aufschrei über das\nKind): .. . Fränzchen! .. . Jotte .. . Fränz-\nchen! . . .\nEr (sein Blick wird wieder durch das Wort\nan der Wand gefesselt, — abwesend): . . . rude\n. . . (wieder erwachend) . . . weiß der Deubel!\nSie (jammernd): . . . wir habn dir jemordet!\nEr (roh): . . . schrei nich . . .\nEin Hund (winselt schwach unter dem Bette)\nEr (stößt mit dem Fuß unter das Bett): . . .\nkusch dich\nSie (unter Schluchzen): Wat winselt Molli so?\n. . . denn so? . . .\nEr: Er riecht dn Dod!\nS i e (richtet sich hoch, nimmt das Kind auf den\nArm und küßt es; dann bückt sie sich impulsiv\nzum Bettrande und zeigt das Kind unters Bett):\n. . . ja . . . Molli . . . kuck . . . Fränzchen is dod\n. . . (schluchzt) . . . och . . . unse Fränzchen\nis dod\nE r (stiert wieder gebannt auf den Fleck an\nder Wand, hebt den Papierfetzen hoch und liest):\n. . . Kon . . .\nSie (wütend): ... nu ... laß mir aber .. .\nvadammt . . . mit dei Faxn!\nEr (wütend): .. . Teufel ... ob mir wat\nsagen tät. (Er dreht sich brüsk um)\nSie (preßt winselnd das Kind an sich): .. .\nick hab ooch keen Lust nich mehr . . . nich\nmehr . . .\nE r (ist zum Spind getreten, steht davor und\nfaßt hinein): . . . du . . . Päte jibt immer noch\ndrei Märker . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9189, "texte": "Sie (wütend): Laß mei Wäsch . . .\nEr (gleichmütig): . . . nunich . . . eejentlich\nwir kennten uns noch n juten Dag machen . . .\nSie (legt das Kind schnell hin und läuft zu\nihm): . . . drei Märker . . . meenst de wirklich?\nEr (nickt): ... bei Moses . . .\nSie (nimmt die Wäsche und eine Bluse aus\ndem Spind und legt alles auf einen Haufen): . . .\nso . . . denn . . .\nE r (nimmt den Rock vom Bett, zieht ihn an\nund setzt sich die Mütze auf)\nSie (will zum Fenster gehen): . . . dät is\nimmer noch ne Luft hier . . . (ihr Blick fällt zu-\nfällig auf Fränzchen) . . . achott! . . . Fränzchen!\n(sie setzt sich neben das Kind aufs Bett) . . . nee\n... et hat ooch keenen Zweck nich . . .\nE r (nimmt das Wäschebündel untern Arm und\nwill rausgehen)\nSie (schreckt auf): . . . du . . . Willi . . . ne\n. . . wart . . „ watzieh ick denn an? . . . (sie\ngeht ihm nach) . . . wir müssen uns doch . . .\nwenn se uns nu findn . . . und ick hab nischt an-\nders . . . (sie nimmt ihm das Bündel unterm Arm\nfort und beginnt die Bluse anzuziehen)\nEr (steht an der Tür, starrt sie an und steckt\ndie Hände in die Hosentaschen)\nSie: Weest de noch . . . Willi ... ? . . .\nde Sonntagsbluse . . .? de hast d u mr jeschenkt\n. . . (sie nimmt einen Kleiderrock, der über der\nBettk'ante hängt und zieht ihn an, stellt sich dann\nmit dem Rücken vor ihren Mann hin) . . . du . .\nE r (knöpft ihr die Bluse zu)\nSie (sich zurechtzupfend): . . . Anstand muß\nsin . . . un . . . (sie zieht die Tischschublade vor,\nkramt darin rum und hebt eine Kette heraus)\n. . . sieh ... de Kette ... tu ick ooch um . . .\ndät Jold is runter . . . aber et sieht doch jut aus\n. . . nich? (sie legt die Kette um und stellt sich\nkokett vor ihn hin)\nE r (nickt, fährt ihr übers Haar und wirft sich\ndann wieder aufs Bett, auf dem Bauche liegen\nbleibend)\nSie (zärtlich, deckt ihn zu): .. . jo .. .\nWilliken ... ick deck dir zu . . . (sie\nwickelt das Kind ein und legt es zum\nFußende) . . . jo . . . Fränzel . . . still . . . Vater\nun Mutter . . . kommen nu ooch schon . . . (Sie\nlegt das Kind hin und läßt sich dann selbst ganz\nerschöpft aufs Bett fallen) . . . ach . . . Jott . . .\nmir is schon janz schlecht . . . wirklich dät Jas\nis nu aber zu mächtig jeworden . . .\nEr (hebt den Kopf): ... du bis varickt! . . ,\nhastn Hahn uffjedreht unds Fenster zujemacht? ..\nSie (springt auf): . . . ach . . . Jotte . . .\nnee . . .\nChauffeur (stößt die Tür auf und poltert\nherein; er stutzt): ... na ... nu ... du liejst\nnoch im Bette? Son fauler Hund! (Er sieht die\nScherben auf dem Tisch, das blutige Tuch und das\nWaschbecken; er lacht auf): . . . oah . . . hier\nhats schon Arbeit jemacht? An frihen Sonntags-\nmorjen? Ei weih!\nSie (nimmt schnell die Schüssel und das Tuch,\ngießt das Wasser in den Ausguß): ...wir nee...\nwat . . . (herausstoßend) . . . wir wollen uns\nneuet Jeschirr koofen . . .\nCauffeur (lacht derb auf und tritt mit dem\nFuß die auf der Erde liegenden Scherben noch\nkleiner): ... na denn man zu . . . habtr noch\nmehr .. . nehmt nicht iebell! (Er zieht eine\nkurze Pfeife aus der Rocktasche, klopft sie in die\nhohle Hand aus, holt Tabak hervor, stopft die\nPfeife und setzt sich aufs Bett)\nSie (geschäftig umherrennend): ... ja je-\nwiß . . . Willi hat Schtellung . . .\nChauffeur (horcht auf): ... wat Schtellung?\n(Er dreht sich zu dem Mann um, der gleichmütig\ndas Gesicht zur Wand gekehrt liegen geblieben\nist, und knufft ihn derb in die Seite): Du .. . steh\nuff . . . eenen ausjeben ... uff (er zündet sich\ndie Pfeife an) . . . de Schtellung . . .\nEr (wälzt sich auf die andere Seite): . . . wat\njiebst de Vorschuß?\nChauffeur (lacht): Dir? . . . nich ne Laus\nuffm Kopp!\nEr (gähnt faul)\nChauffeur (schiebt die Hand in seine\nTasche und klimpert)\nSie (starrt gespannt auf seine Bewegungen)\nE r (richtet sich mit jähem Schwung im Bette\nauf)\nChauffeur (lacht protzig): Aber . . . wo\n. . . mir sollt . . . nich druff ankommen . . .!\nFuhren jehabt heit Nacht .. .! Wer nich lebt\n. . . magn Hund sin . . . (Er wirft einen Taler auf\nden Tisch)\nSie (stürzt drauf): . . . n Daler!\nEr (ist aus dem Bett): . . . her damit\nSie: Ick . . .\nEr (windet ihr den Taler aus der Hand, dro-\nhend): Mach keen Jequatsche . . .\nChauffeur (sieht lachend zu): Na .. .\ndenn holt man n ordntlichen Kümmel\nE r (hat schon die Mütze aufgesetzt und geht\nraus)\nSie (ruft hinter ihm nach: . . . du . . . But-\nter .. . un Brot . . . un Eier . . . un Speck . . .\n(sie setzt zum Chauffeur erklärend hinzu) . . . wir\nhabn nemlich noch nischt jejessen ... in all de\nUffrejung . . .\nE r (verschwindet)\nChauffeur (lacht): ... kannk mer schon\ndenken . . . und so fein hast dr jemacht?\nS i e (räumt die Scherben vom Tisch und wirft\nsie in die Ofenecke): Heit is doch Feiertag . . .\nChauffeur: Feierdag . . . ja. (Er faßt sie,\ndie gerade vor ihm den Tisch abräumt, am Rock\nund zieht sie zu sich) deine Bluse\nSie: Denn hak se man ia . . . (sich sträubend)\n... du ... du .. . knöppst mr ja uff!\nChauffeur: A!... hast dun blanket Fell!\nSie (entwindet sich ihm, er zieht sie aber\nneben sich aufs Bett)\nSie (wehrt sich): ... nee ... du .. . nich\n... er kann jeden Oogenblick . . . t is keen Ver-\nlaß uff ihm\nChauffeur: Ick hau m eenen uffn Kürbis\nSie: Nee . . . nee . . . (entwindet sich ihm)\n. . . heit Abend . . . sicher . . .\nChauffeur (droht): Du .. .\nSie (bringt ihre Kleider in Ordnung, beleidigt):\n. . . wat ick doch vaschpreche\nChauffeur: t soll dr nich leid tun!\nSie (empört): ... so meenst de dät? . . .\nJeld? . . . Ick? . . . Ick bin ne anständije Frau\nChauffeur (ruhig, behäbig): . . . i . . . wo\n.. . nich .. . Marjell! (Er zieht eine Handvoll\nMünzen aus der Tasche)\nSie (tritt mit gespanntem Blick näher)\nChauffeur: Kumm . . . zwei Märker . . .\n•schenk ick dir\nS i e (nimmt hastig das Geld und steckt es ein)\nChauffeur: Aber dat de dir fein machst\n. . . (rechnet) un de drei Märker vorhin .. .?\nS i e (nimmt liebkosend die Wäschestücke, die\n'noch über der Bettkante hängen, und legt sie in\ndas Spind): . . . sollst dir nich beklagen . . .\nChauffeur: Wat legst denn weg da? . . .\nSie: Oh . . . dät zieh ick an . . . (vorwurfs-\nvoll) un Willi wollt et vakloppen . . .\nChauffeur (grinst): . . . vakloppen? . . .\nSie (räumt): . . . oh . . . Willi ... er meint\n.. . un ick soll ooch wat vadienen\nChauffeur (nimmt die Pfeife aus dem\nMund): . . . wa? . . . woso?\nSie (scharwenzelt): .. . warum ... un .. .\nick . . . warum nich? . . .\nChauffeur (steht,auf): .. . ach so .. .\npfeift der Wind . . . (roh) . . . also dät sag ick dir\n... so lang wir beide wat habn . . .\nSie: Wat? . . . du? . . . ick . . .\nChauffeur (packt ihren Arm, aufgeregt):\nIck .. . vastehst de? Ick will mein Weib för\nmir habn, va . . .\nSie (keift dagegen): ... du kannst mir . . .\ndu kannst mir . . . un wenn ick will . . . un ick\njeh . . . wenn ick Jeld vadienen kann . . .\nChauffeur (haut ihr eine schallende Ohr-\nfeige runter)\nSie (heult kreischend auf und hält sich die\nBacke)\nE r (tritt in diesem Augenblick in die Tür,\ngine Flasche und einige Päkchen im Arm und in\nden Händen): . . . Wat is hier los?\nSie: Willi . . . Willi ... er hat mir beleidigt\n... er hat jesagt ... ick soll nich uff de Straße\njehn . . . dann haut er mir . . .\nChauffeur (hat sie losgelassen und sich\nwieder aufs Bett gesetzt)\nE r (wirft die Paketchen auf den Tisch, stellt\ndie Flasche hin und setzt die Mütze in den\nNacken): Mensch! ... du willst hier?! . . . meine\nSachen?! ... da is ja .. .! Mit mein Weib\nmach ick . . . wat ick will! .. . Vastehst de?\n(haut auf den Tisch) wat ick will! un warum\nsoll se nich jehn? . . . is se nich noch jut wie\nne andere? . . . bekiek se dir mal an . . . (er\nnimmt seine Frau am Arm und stößt sie dem\nChauffeur zu)\nChauffeur (stößt sie unwillig zurück)\nEr (aufgebracht): ... du willst mein Weib\nnich kieken? . . . mein . . .\nChauffeur (ruhig und verdrießlich): ... de\nzwei Märker soll se mir zurückjeben ... wo ick\nihr Vorschuß jejeben hab\nSie (kreischt auf): . . . dät is nich wahr!\n. . . dät is nich wahr! . . . zwei Märker hat er\nmir jejeben . . . dät ick mit ihm zsammen sein\nsollt . . . heit abend . . . dä Lump! . . . vafiehren\nwollt er mir!\nEr (wirft wild seinen Rock ab): ... wat?\n. . . Aus di e Luke kuckst de? . . . Mit mein\nWeib Schindluder treiben? . . . willst du dein...\n. . . Raus ... du Hund! (Er stürzt sich auf ihn)\nChauffeur (gibt ihm in aller Ruhe einen\nwuchtigen Stoß vor den Bauch, daß er in die Ecke\nfliegt)\nEr (schaut erstaunt leise wimmernd um sich\nund heult dann plötzlich laut auf): ... o . . .\ndät heeßt sich ... so wat . . . Freindschaft . . .\nmein Weib vafiehren . . . mein ... (er fährt plötz-\nlich wütend auf) ... du bis schuld . . . alleen\nschuld ... (er fährt auf seine Frau los, haut ihr\neine runter und würgt sie) . . . wozu hast de\ndeine faulen Knochens ...?... warum kannst\nde nich . . .?\nChauffeur (ist ruhig aufgestanden, tritt an\nden Tisch, steckt die Paketchen ein und will auch\ndie Flasche einstecken)\nE r (hält erschrocken ein, läßt seine Frau los\nund tritt an den Chauffeur ran): . . . nee . . .\ndu . . . dät tust de mir nich an! . . . du . . . ick\n... bin immer dein Freund jewesen . . . un . . .\n(als ob er sich besinnt und jetzt erst zum Be-\nwußtsein des Geschehenen kommt) . . wat is\ndenn eejentlich passiert? ... ick weeß nich . . .\nick bin so uffjerejt . . ."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9246, "texte": "S i e (tritt ebenfalls, sich noch den Hals reibend\nhinzu): ... nee ... du ... so lassen wir dir\nnich weg! ... dät war ja dat erschte Mal . . .\ndät wir n juten Freind nischt vorjesetzt hätten...\n(sie nimmt ihm die Pakete aus der Tasche) . . .\nick schlag dir schnell n paar Eier in de Pfanne!\nChauffeur (sträubt sich): ... ick hab je-\nnug von eich Sorte . . .\nEr (nimmt ihm die Flasche aus der Tasche,\nentkorkt sie und hält sie ihm hin): . . . hier . . .\nBruderherz .. . hier ... dät wär jelacht! Nee\n. . . nee . . . (Er hält dem Chauffeur die Flasche\nan den Mund, so daß dieser gegen seinen Willen\ntrinken muß)\nChauffeur (nimmt einen Schluck und\nwischt sich den Mund): . . . na ja . . . (dann gibt\ner die Flasche zurück, zieht seine Pfeife wieder\nvor und setzt sich auf den Bettrand)\nS i e (hat inzwischen einen noch nicht ganz zer-\nbrochenen Teller gefunden, wäscht ihn unter der\nLeitung ab und schickt sich an, die Eier hinein zu\nschlagen)\nEr (trinkt): . . . nee . . . weest de . . . mein\njuter Freind ... du kannst allens hier haben . . .\nvon mir . . . wat de willst ... so war dät nich\njemeent . . . und mei Weib . . .\nSie (nickt): . . . ja ja . . . (nimmt ihm die\nFlasche ab und trinkt ebenfalls)\nChauffeur (blickt neben sich und sieht das\neingebündelte Kind am Fußende des Bettes): . . .\nwat is denn dät? . . .\nSie (jammernd): . . . achott! . . . Fränzchen!\n. . . unser Fränzchen!\nChauffeur (lockert etwas die Umhüllung):\n. . . dät kriegt ja keene Luft nich! (Er faßt es an)\n. . . dät . . . is . . . ja . . .\nE r (hat sich eine Scheibe Brot abgeschnitten\nund kaut, tritt jetzt an das Bett heran): . . . dät\nhak ooch schon jesagt . . .\nSie (eilt zum Bett, reißt das Kind hoch und\npreßt es an sich, weinend): ... ja ... unser\nFränzchen . . . mein Schtickelcken\nE r (tritt wieder zum Tisch, schneidet ein Stück\nWurst ab, schmiert eine Brotschnitte dazu und ißt\ngleichmütig)\nChauffeur: Wenn is et denn jeschtorben?\nSie (wiegt jammernd das tote Kind auf den\nArmen, während ihr die Tränen herunterkollern):\n. . . wann . . . wer weeß ... et war ja immer\nso schwach . . . un ... (sie bricht in die Knie,\nlegt das Kind aufs Bett und ihren Kopf darauf)\nChauffeur (steht mit unbehaglichen Bewe-\ngungen auf)\nSie (jammernd): .. . wir .. . wir .. . woll-\nten .. . wir haddn ja keen Pfennig mehr int Haus\n. . . un ... (sie wird gleichmütig und steht auf)\n. . . un . . . wir han Jashahn uffjedreht . . .\nChauffeur (nimmt die Pfeife aus dem\nMund und schluckt etwas runter): Hm! (Er\nschnüffelt in der Luft)\nSie (legt das Kind wieder sorgsam ins Bett\nund deckt es zu): ... ja ... Fränzchen! . . .\nschlaf . . . ja . . . jo . . .\nChauffeur (steckt die Pfeife ein): ... na\n... da habtr eich wat scheens an Hals jeladen...\nE r (hält mit Kauen ein und schaut ihn an)\nSie: ... Wa . . . ?\nChauffeur (knöpft den Rock zu): . . . n\npaar Jährchen. Kindsmord!\nSie (schreit auf): . . . Mord!\nEr (ist erst starr, dann dringt er auf die Frau\nein): . . . halt dei Maul! . . . halt dei Maul! . . .\nvafluchtet Jeschreie! .. . (Er schlägt zu, trifft\naber nicht, da die Frau sich auf das Bett fallen\nläßt und hinter dem Chauffeur verbirgt)\nChauffeur (nimmt einen Schluck aus der\nFlasche): . . . wird eim vadammt koddrig bei!\n(Wendet sich zum Gehen) Will nischt mit ze dun\nham! (Er stutzt und blickt auf den Fußboden zur\nTür hin, die sich etwas bewegt hat) ... wat\nwar dät?\nSie (blickt zur Tür hin und dann schnell un-\nters Bett): Molli . . . (sie eilt zur Tür und ruft\nraus) . . . Molli . . . Molli . . . (sie dreht sich\nweinend um und schließt die Tür) . . . nu is\nMolli ooch weg . . .\nChauffeur: ... hat dä immer da unnert\nBett jelejen?\nE r (nickt kauend)\nChauffeur: ... ooch . . . mitn offenen\nJashahn?\nEr (nickt): Nu jewiß!\nSie (heult): ... oh ... et war son treuet\nVieh . . . nich von de Stelle z bringen . . , un\nnu . . . (sie geht zum Tisch, schmiert sich unter\nTränen eine Stulle und beißt herzhaft hinein) . . .\nmit uns sterben wollt er . . .\nChauffeur (nachdenklich): . . . wenn dä\nda drunner . . . nich . . . verreckt is . . .\nEr (kauend): . . . son Viech hatn zähet Le-\nben . . .\nChauffeur (schüttelt den Kopf, wendet sich\ndann, um auf andere Gedanken zu kommen, zu\ndem Mann): . . . Mensch ... ick denk du has\nSchtellung?\nE r (immerzu kauend, sieht ihn erstaunt an):\n... ick? ... (besinnt sich) ha ick ooch ... ha\nick! . . . ick werd Chauffeur!\nChauffeur( faßt nach der Tischkante): . . .\ndu .. . ?! .. . Mensch! Bei hellen Dage?\nEr (hantiert aufgeregt mit Wurst und Brot\nin der einen und dem Messer in der anderen\nHand): Wat? . . . ick nich ...?... ick .. .?\nSie (dringt kauend auf den Chauffeur ein):\n. . . mein Willi? . . . dä kann mehr . . . wie du\naussiehst! (auftrumpfend) ... ja . . . Chauffeur\n. . . Willi . . . Chauffeur ... bei Haase . . .\nEr (greift auf): ... ja ... bei Haase . . . je-\nwiß . . . Dag und Nacht Haase! . . .\nChauffeur (steht sprachlos)\nSie (sieht den Teller, in den sie vorhin die\nEier geschlagen hat): ach Jott ... de Rühreier...\n(sie quirlt mit einem Messerstiel die Eier)\nChauffeur (wütend): Schwindel! ... in-\nfamigter Schwindel! . . . und du drehst den Jas-\nhahn uff?!\nE r (ereifert sich, ohne aber darüber das Essen\nzu vergessen, er schiebt ein Stück Wurst und\nBrot nach dem andern in den Mund): . . . ick?!\nJashahn?! Wenn ick will? ... (er schlägt mit\nder Faust, in der er das Messer hält, auf den\nTisch) mein Jashahn? . . .ick kann mit mein\nJashahn machen, wat . . . un . . . un . . . (stößt\nimmerzu bekräftigend das Messer auf den Tisch)\n. . . Schwindel . . . allens Schwindel . . . jewiß\nSchwindel! . . . nich n Pfennig hak . . . nich ne\nAhnung von Stellung . . . un ick will ooch nich\n... ick willt nich ... ick bün keen son Ochse\n... ! .. . Leb ick nich? .. . (er weist auf\nWurst, Brot und Flasche) . . . jeht et uns nich\njut? . . . habn wir z sorgen? . . .\nSie (vom Herd her, wo sie mit der Pfanne\nhantiert und inzwischen vergeblich versucht hat,\ndas Gas anzuzünden): . . . hat keener nich n\nZindholz mehr? . . . dät brennt ja nich! . . .\n(Sie wirft eine leere Streichholzschachtel fort)\nChauffeur (zieht eine Streichholzschachtel\naus der Hosentasche und versucht anzustecken):\n. . . is ... der Hahn ooch uff?\nSie (prüft): ... nu jewiß doch .. .\nChauffeur (versucht mehrere Streichhölzer\nvergeblich): . . . aber ... da ... Is doch keen\nJas nich .. . Wo ist denn der Jas?\nS i e (schreit auf und schlägt die Hände überm\nKopf zusammen): . . . ach Jott . . . ach Jott! . .\ndät hak doch janz vajessen ... ! . . . se habn\nuns doch j espe r r t . . . jestern han se uns der\nJas jesperrt . . . weil wr de Rechnung nich zahln\nkunntn . . .\nChauffeur (starrt sie an, geht dann schwe-\nren Schrittes zum Bett und setzt sich nieder, daß\nes in allen Fugen kracht): . . . nu brat mir eener\nn Storch . . . un n recht fetten . . .\nSie (schnell, erleuchtet): .... dann is\nFränzchen ooch nich an den Jas jestorben! . . .\nEr (starrt auf das Wort an der Wand und\nschüttelt den Kopf)\nChauffeur: ... nee . . . dät is er nich!\n. . . (Er erhebt sich mit einem scheuen Blick auf\ndie Leiche)\nEr (vorwurfsvoll zu ihr): . . . dat is nu wie-\nder dein Schlamperei!\nS i e (tritt an das Bett und macht das Gesicht\ndes Kindes zärtlich frei; dann steht sie mit\ngefalteten Händen davor, gerührt): .... du\n. . . Willi . . . nu kiek emal . . . kiek emal . . .\nunser Kind . . . nu kiek doch bloß mal an . . .\nwie nett er daliegt! . . . eenes janz nadierlichen\nDodes . . . (Sie zieht ihren Mann am Rockärmel\nnäher vors Bett)\nE r (starrt wieder auf den Fleck an der Wand,\ndann plötzlich): . . . du . . . sag emal . . . weeßt\nde . . . (buchstabiert) . . . rudementer ... du bis\ndoch son halben Jelehrten\nChauffeur (hat zusammenschauernd einen\nSchluck aus der Flasche genommen, tritt jetzt zu\nden beiden und sucht übertrieben lebhaft und laut\nbramarbasierend etwas von sich abzuschütteln):\nMensch, dät weest de nich? (liest) siehst de doch\n. . . dät is wat ärztlichet . . . Aerztekongreß . . .\nin . . . in . . .\nEr (ungeduldig): Nu wat?!\nChauffeur (überstürzt sich): Oh . . . dät\nkannk dr sagen . . . dät kannk dr janz jenau sa-\ngen ... oh ... ick .. . drei Jahre Saaldiener\njewesen in de Charitee ... ick (stellt sich in Po-\nsitur) also (gewichtig) ru — di — men — tär\n. . . so heest dät . . . is . . . rudimentär . . . dät\nis n Blinddarm\nSie (horcht auf): n wat?\nChauffeur: Ja n Blinddarm! Son Ding,\nwat so rumbaumelt . . . wozu? woso? . . . wien\nPortmonä . . . vastehst de . . . Portmonä von\ndir ... vakommen . . . wat een bloß lästig is\n. . . mit sich rumschleppt um drieber z stolpern\n(er versetzt ihm jetzt immerzu Püffe) ritsch\nratsch! raus! mits jroße Messer! raus!\nE r (sucht sich gegen die Püffe zu schützen\nund zieht sich immer mehr zur Tür hin): Mensch!\nChauffeur (ohne sich stören zu lassen, mit\nsatanischer Lust): Mensch! Mensch! wat men-\nschen? ! weest de, wat is menschen?\nE r (krümmt sich vor Schmerzen): ...jo . . .\njo . . .\nChauffeur (gibt ihm noch einen letzten\nkräftigen Puff und setzt sich dann befriedigt):\nNu, wennt weest! imma bei de Sache bleiben!\nNich n Jashahn uffdrehn ohne Jas! nich Chauffeur\nmachen im Bette! immern Hund anbinden! (tippt\nsich mit dem Finger auf die Stirn) denken! mei\nJungeken! denken\nSie (stiert jetzt auch auf den Zeitungsfleck):\n. . . jo . . . jo . . . rudelmang!\nChauffeur (lacht roh): Raus dermit! Ja!\nDät is der Zimmt!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2638, "texte": "Sie (wird immer aufgeregter): Raus! raus!\nMensch, ick fühl mr ooch so manchmal . . .\n(bricht aus) ja! wozu sind mr uff dr Welt? wat\nhat dät allens fiern Zweck? (Sie sieht plötzlich\nauf den Teller mit Eiern, den sie immer noch in\nder Hand hat) O Jott! de scheenen Eier! (Sie\nstellt den Teller auf den Tisch und stockt er-\nschrocken mit einem Blick auf das Kind) Wir\nmissen doch Fränzchen anmelden bei de Polzei!\nEr (stiert auf den Zeitungsfleck, reißt dann\nplötzlich wütend den Fetzen und mit dem näch-\nsten Griff das Zeitungsblatt herunter, sodaß die\nnackte ausgebröckelte Wand sichtbar wird, knüllt\ndas Zeitungsblatt zusammen und stopft es in die\nTasche, grob wütend): Quatsch!\nSie (lebhaft, aufgeregt): Ja! Quatsch! Wir\nwolin jehn! (schlägt plötzlich um) nee! wir jehn\nnich! (weint und schluchzt) ick will nich! ick\nwill nie mehr! dät hat doch allens keenen Zweck\nnich'!\nChauffeur (roh): Wat Zweck? ! (Greift in\ndie Tasche und holt eine Handvoll Münzen heraus,\ndie er in der hohlen Hand klappert und lacht gur-\ngelnd stolz)\nSie (schmiegt sich an ihn): Du! du hast mir\ndoch (lebendig) Willi! er hat mir injeladen! heite\nabend! dät kannr doch ooch jleich . . . (sie sucht\nin ihren Taschen) oh! . . . (sie hebt triumphierend\ndas Zweimarkstück in die Höhe) ick hab ja noch\nzwei Märker! (jubelt) zwei Märker! Mensch!\nW(illi! nun könn mr leben!\nE r (setzt die Mütze grade, lacht und faßt sie\num den Leib): Oh! Mensch! Wir leben!\nChauffeur (unbehaglich): Kommt mir man\nblos aus de Bude hier raus! Ick halt eich frei!\nAlle frei! Hier is man ja keen Mensch mehr!\nErst inn Tiergarten mit meine Karre! un denn...\nSie (klatscht vor Vergnügen in die Hände):\nO je Tiergarten! un denn (fällt ihrem Mann um\nden Hals) Willi! wat is n scheenet Leben!\nEr (gutgelaunt): Nu siehst de, Schticke!\nSie (eilig): Komm! komm! (ihr Blick fällt aufs\nBett) achott! Fränzchen! (sie deckt ihn zu,\nkreischt aber im nächsten Moment laut auf und\nschüttelt sich vor Lachen)\nChauffeur (schon in der Tür): Na wat?!\nSie (lacht): Willi! son jemeiner Mensch! er\n'hat mir jekitzelt!\nChauffeur (drängt): Komm! ick ... ick\n. . . ! aber nich hier! (schaudert mit einem Blick\nauf das Kind) raus! raus! dät is der Zimmt! (er\nzieht sie beide mit) raus mit eich Schticker!\n(Alle drei gehen raus; sie lacht immer noch\nausgelassen; der Schlüssel wird in der Tür umge-\ndreht; dann gellt das Kreischen und Lachen der\nFrau wieder hell auf; die Männerstimmen hallen\ndazwischen; der Lärm verklingt langsam nach\nunten)\n(Die Bühne bleibt noch einen Augenblick, nach-\ndem Stille eingetreten ist, leer; dann fällt der Vor-\nhang rasch)\nEnde\n*\nAlle Rechte insbesondere der Aufführung vor-\nbehalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.4", "titre_corps": "Le los du Douanier", "titre_sommaire": "Le los du Douanier", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.5", "debut_caractere": 2640, "fin_caractere_exclue": 4594, "texte": "Le los du Douanier\nUn tout petit oiseau\nSur Tepaule d'un ange\nlis chantent la louange\nDu gentil Rousseau\nLes mouvements du monde\nLes souvenirs s'en voat\nComme un bateau sur l'onde\nEt les regrets au fond\nGentil Rousseau\nTu es cet ange\nEt cet oiseau\nDe ta louange\nlis se donnaient la main et s'attristaient ensemble\nSur leurs tombeaux ce sont les memes fleurs\nqui tremblent\nTu as raison eile est belle\nMais je n'ai pas le droit de l'aimer\nII faut que je reste ici\nOü l'on fait de si jolies couronnes mortuaires\nen perles\nII faudra que je te montra Qa\nLa belle Americaine\nQui rend les hommes fous\nDans deux ou trois semaines\nPartira pour Corfou\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nDes plaies sur les jambes\nTu m'as montre ces trous sanglants\nQuand nous prenions un quinquina\nAu bar des lies Marquises rue de la Gaite\nUn matin doux de verduresse\nLes matelots l'attendent\nEt fixent Thorizon\nOü mi-corps hors de l'onde\nBayent tous les poissons\nJe tourne vire\nPhare affole i\nMon beau navire\nS'est en alle\nLes tessons de ta voix que l'amour a brisee\nNegres melodieux Et je t'avais grisee\nLa belle Americaine\nQui rend les hommes fous\nDans deux ou trois semaines\nPartira pour Corfou\nTu traverses Paris ä pied tres lentement\nLa brise au voile mauve Etes-vous la maman\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nOn dit qu'elle etait belle\nPres du Mississipi\nMais que la rend plus belle\nLa mode de Paris\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nII grava sur un banc pres la porte Dauphine\nLes deux noms adores Clemence et Josephine\nEt deux rosiers grimpaient le long de son äme\nUn merveilleux trio\nII sourit sur le pave des gardes ä la jument\npisseuse\nII dirige un orchestre d'enfants\nMademoiselle Madeleine\nAh! 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Ward jetzt plötzlich von einem häßlichen,\neinem ausweitenden Gefühl unter seinen Rippen\nergriffen — als säße dort irgend etwas, da drinnen,\nin allen Adern seiner Brust, sie unleidlich erwei-\nternd! als wären einige große, eisenharte Tiere in\ndie Venen rings um sein Herz hineingelangt — und\nbrächten sie fast zum Zerspringen!\nEr öffnete gleich darauf seinen Mund zu einem\nSchrei — denn nun stürzten sie alle auf einmal\nvorwärts, ungeheuer, sie sprengten die Wände der\nAdern, sie bissen wie Feuerschnäbel in das Fleisch\nseines Herzens — er wand seinen Körper nach\nrechts mit einem Ruck herum, der Schweiß\nströmte ihm über das Gesicht herab, er hörte den\nFall der Tropfen auf dem Fußboden, es sauste ihm\nvor den Ohren, seine Schläfe Flammen, seine Kehle\ntrocken!\nIm selben Nu dunkelte es vor seinem Blick, er\nmachte schwankend einen Schritt vornüber, schlug\ndie Fäuste gegen seine Brust, sank klagend in die\nKnie, streckte seine Arme mit nach hinten gebeug-\nten Fingern aus — fiel vornüber auf die beiden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9732, "texte": "Handflächen nieder, hatte von neuem eine Empfin-\ndung, als werde sein Herz heulend aus dem Sack\nder Lungen herausgerissen, Nerven, Muskeln zer-\nfetzt —:\nHilfe!\nNimm es von mir!\nEs tut so entsetzlich weh! . . .\nWahnsinnig versuchte er einen Schrei zu er-\nsticken, zerrte an seinem Kragen, riß die Knopf-\nlöcher der Weste auf, schlug sich mit geballten\nFäusten vor die Stirn, Hilfe, jetzt wieder, eine\nglühende Säge, mein Herz, ich will nicht mehr!\nEr vernahm auf einmal das Geräusch eines lang-\ngezogenen Stöhnens, röchelte vor Angst und Qual,\nfühlte, daß es nun wieder kam, Hilfe, ich verbrenne\nbei lebendigem Leibe und dann war es alles\nweg und zu Ende, ja — Gott sei Dank! nein . . .\nrühr mich nicht an, dann kommt es gleich wie-\nder . . . Ach Gott, sei gepriesen, es ist vorbei, es\nist ganz vorbei, nun kommt es nicht wieder zu-\nrück! ....\nEr lachte mit dunkelndem Blick, zitternden\nLippen, ermattet bis ins Innerste — noch immer\nauf allen vieren dort liegend; auf zitternden,\nschweißfeuchten Händen und auf schmerzenden\nKnien, der Kopf bleischwer zwischen den beben-\nden Armen herabhängend.\nAber einen Augenblick später ward er unver-\nmutet von einem eiskalten Schamgefühl getroffen,\nfand es unbegreiflich, daß er sich auf diese Weise\nso hatte übermannen lassen, lächerlich, hysterisch!\nEr erhob sich mit Mühe, stand schließlich auf\nbeiden Füßen, noch mit einem ganz schwachen\nStechen tief da drinnen — mit kurzem, keuchen-\ndem Atem. Dachte im selben Nu an Annie — und\nan alles, was sie hatte leiden müssen!\nEr schob es mit beiden Händen von sich, är-\ngerte sich gleich darauf über diese Schwäche,\nstarrte wild um sich her, mit beständig halb zu-\nsammengepreßter Kehle — tat schwankend ein\npaar Schritte vorwärts, und glitt langsam in den\ngroßen, roten Stuhl nieder, auf dem der Professor\nvorhin gesessen hatte.\nEs tat ihm gut, zu sitzen.\nBehutsam streckte er beide Beine lang vor sich\naus, ließ den Nacken leise hintenüber sinken.\nMit einer rätselhaften Süßigkeit erinnerte er\nsich gleich darauf, wie weh es getan hatte. Eine\nSekunde war es ihm, als sei das alles zusammen\nmystisch um Annies willen geschehen — aber im\nselben Augenblick ekelte ihn heftig bei dem Ge-\ndanken, er fand ihn häßlich, sentimental und lügen-\nhaft — und vor allem gemein darauf berechnet, ihn\nselbst anzuführen, ihn dazu zu bringen, das Ent-\nsetzliche, das Namenlose, was sie hatte leiden müs-\nsen, zu vergessen!\nNein, dachte er heftig — und was war übrigens\ntrotzdem das, was er jetzt hier erlebt, im Vergleich\nbloß zu dem, was er in jenen ersten zwölf Stunden\nempfunden hatte — oder vielmehr, schon von dem\nMoment selber an, an jenem Abend, wo er an die\nEisenbahnstation telephoniert und dort erfahren\nhatte, daß . . .\nEr machte eine gewaltsame Bewegung mit bei-\nden Händen, wollte sich nicht hieran erinnern,\nwollte die Kraft haben, es zu verscheuchen — so\nwie in früheren Zeiten, so wie er es wieder und\nwieder im Laufe dieser zwei langen, langen Jahre\nvermocht hatte — in diesen zweimal dreihundert-\nundfünfundsechzig grenzenlosen Nächten!\nNicht wahr —: sehr möglich, daß seine\nKräfte allmählich im Begriff waren, zu versagen!\nsehr möglich, daß er heute aus unerklärlichen\nGründen und Grundesgründen verwerflich sein\nBenehmen geändert, sich restlos anders benommen\nhatte, nach jeder Richtung hin, als bisher! sehr\nmöglich! jawohl — und er hatte ja auch versucht,\neine Andeutung von Berechtigung dazu oder eine\nEntschuldigung dafür in der Tatsache zu finden,\ndaß das Manuskript, dies letzte und äußerste Manu-\nskript, dort lag und fertig war!\nEr war also tatsächlich mit seinem Werk zu\nEnde gelangt, hatte in dem Buch dort das Tiefste\nund Höchste niedergeschrieben, was er vermochte\n— hatte nicht das geringste mehr hinzuzufügen!\nUnd ergo hatte er jetzt wohl ein klein wenig\nRecht dazu . . .\nAber von neuem bestrebte er sich, diese Vor-\nstellungen mit Energie zu verscheuchen, sah deut-\nlich ein, wie folgeschwer, wie gefährlich es war,\nnachzugeben — suchte auch sich selbst in Zorn\nzuzureden wegen der Gedanken, die da eben durch\nsein Gehirn geflogen waren —:\nUnsinn!\nPrahlerei von Alpha bis Omega!\nKein Künstler konnte jemals in seinem vierzig-\nsten Jahre kommen und sagen, daß er nun sein\nletztes Wort geschrieben habe! Niemals!\nWenn ihm einmal das Leben diese Gaben ge-\nschenkt, ihm ohne zu zählen vierzig große Jahre\ndes Strebens, des Könnens, des Glückes verliehen\nhatte — ihm alles, was sich Gutes denken ließ, ge-\ngönnt hatte, alles, weswegen die Menge sich tag-\ntäglich von Morgens bis Abend ein ganzes, langes,\nlanges Leben hindurch abmüht und plagt, um nur\neinen winzig kleinen Bruchteil davon zu er-\nreichen . . . dann fehlte es auch noch gerade, daß\ner nachgab!\nNein, wahrlich, noch waren keineswegs seine\nSchulden bezahlt — seine ungeheuren Ehrenschul-\nden an sie alle, an Sie, an das Leben selbst! Sicher-\nlich nicht —: alles das, was von jenem Abend\nstammte, alles das, was offenbar und ver-\nborgen an jenem Abend vor zwei Jahren begonnen\nhatte, während er dort unten an der Straßenbahn\nging und vergebens auf sie wartete —: bei alledem\nzu verweilen hate er nicht das Recht! es war vor-\nbei, es war fertig und abgeschlossen, es war für\nimmer hinter Schloß und Riegel gesetzt ... so wie\n— ja, gerade so wie der Urheber zu dem ganzen,\nso wie Karl Mumme selbst —: es war seine ein-\nfache Pflicht, das alles zu vergessen! . . .\nDoch, trotzdem fuhren seine Gedanken fort,\nwieder und wieder zu diesem einen Punkt zurück-\nzukehren.\nEr ertappte sich plötzlich dabei, daß er den\nVersuch machte, sich selbst zu beweisen — daß\nes ihm in Wirklichkeit gut tun würde, es würde\nihn ja gerade außerordentlich stärken und trösten,\nwenn er von neuem diese Stunden von damals\nwieder erleben könnte!\nUnd nicht genug damit —: aber war es nicht\neine Untreue gegen Annie, eine Wortbrüchigkeit,\nein wiederholtes Sieverlassen, ein neues und noch\nfeigeres Sieimstichlassen — daß er so unmännlich\nvor diesen Vorstellungen zurückwich!? . . .\nAngstumfangen erhob er sich schließlich mit\neinem Ruck, wollte fort von hier, ins Bett hinauf,\nhinaus und spazieren gehen, wieder hinab in den\nGarten, fort, gleichgültig wohin, nur fort, so schnell\nwie möglich fort von hier, sogleich weg da\naber fiel sein Blick auf einmal auf den Brief, der\ndort mitten auf der Platte des großen Tisches lag,\nauf den länglichen, blauen Brief mit dem Siegel\ndes Gerichts —:\nNun ja!\nKarl Mumme!\nIn ganz wenigen Stunden sollten sie beide ein-\nander von Angesicht zu Angesicht gegenüber\nstehen! . . .\nNoch mehr entnervt suchte er auch diesem Be-\nwußtsein zu entfliehn, starrte einen Augenblick\nentsetzt umher, tat einen Schritt auf den Tisch zu,\nmachte eine Handbewegung, um dies Stück Papier\nzu zerreißen — streckte darauf seinen Arm aus,\nwie um ein Buch zu ergreifen und zu tun, als lese\ner, erhob darauf jäh beide Hände über seinem\nScheitel, stürzte vorwärts durch das Zimmer, auf\ndie Tür zu, wollte fort, hinaus, weg und\nda blieb er einen Moment stehen, die Finger um\nden Türgriff geklammert, warf seinen Kopf zurück,\nplötzlich in ein kurzes und röchelndes Lachen aus-\nbrechend —: Ja, ja, denn genau auf dieselbe Weise\nwar er ja an jenem Abend durch das Zimmer ge-\nstürmt, mit diesen langen, beiden Sprüngen, die\nihn von der einen Seite des Schreibtisches — und\nganz bis an die Schwelle führten, wo er in diesem\nAugenblick stand!\nGerade so, dachte er in schwindelnder Hast,\nlehnte seine Schultern schwer gegen den Rahmen\nder Tür und pr'eßte seine Hand 'gegen die\nAugen —:\nGerade derselbe Sprung — wie damals!\nAn jenem meilenfernen und gegenwartnahen\nAbend, den er nie vergessen konnte — und bei\ndem er im innersten Innern seines Sinnes in jeder\nSekunde verweilte!\nNein, nicht das geringste von alledem war ver-\ngessen, alles saß so tief in seinen sämtlichen Fi-\nbern, zu gleicher Zeit seine Stärke und seine\nSchwäche — bereit, jede Minute hervor zu kom-\nmen!\nAch ja, dieser gräßliche Abend vor zwei Jah-\nren —: Sommer wie jetzt, Nacht wie jetzt, die\nUhr ein wenig über eins. Er hatte dort gesessen\nund viele, viele Stunden geschrieben. Annie war in\nder Stadt — bei ihrer Mutter, die nicht wohl war,\ndie krank lag, ernstlich krank.\nJener Abend . . . während er schrieb, sah er\nhin und wieder nach seiner Uhr, die er vor sich\nauf den Tisch gelegt hatte, um auf die Zeit acht\nzu geben, wenn sie nach Hause kam. Erst mit\nder letzten Straßenbahn von da drinnen, hatte sie\nvor ein paar Stunden telephoniert; er hatte ge-\nfragt, ob er nicht lieber in die Stadt kommen und\nsie holen sollte — aber sie hatte nein geantwortet,\nsie wußte ja ebenso gut wie er, daß diese Arbeit,\nmit der er beschäftigt war, sehr eilte — und im\nübrigen fuhr die Straßenbahn sozusagen von\nTür zu Tür!\nNun ja, er warf noch einen letzten Blick auf\ndie kleinen, schwarzen Zeiger ■—: ja wohl, fünf\nMinuten über, es wird am besten sein, wenn ich\njetzt gehe, in zwei Minuten ist der Wagen hier!\nEr erhebt sich, nimmt Hut und Stock und geht\nhinaus. Es ist warm, es ist sternenklar, es ist ein\nwunderbares Wetter aus Sommer und aus einem\nfrischen kleinen Wind, der von da draußen vom\nWasser her streicht — und so fein in den Bäumen\ndes Weges saust. Er drückt den Hut fest auf den\nKopf, eilt, mit dem innersten Innern seiner Ge-\ndanken, noch bei dem Papier dort oben verwei-\nlend — eifrig nach der Haltestelle da drüben rechts\nhinüber!\nEr hat reichlich Zeit, er vergißt plötzlich sein\nBuch, entsinnt sich lächelnd, daß jetzt endlich Annie\nankommt, sie ist viele Stunden fort gewesen\nund siehe, unten bei der Biegung schimmert schon\ndas rote und das weiße Licht in der Ferne!\nEr geht auf die Fahrstraße hinaus, dicht bis an\nden hohen, hellgrauen, eisernen Mast, der die\nDrähte trägt.\nDer Wagen nähert sich, lärmend braust er vor-\nwärts, sein Lichtschimmer fliegt über den Staub-\ndes 'Weges dahin, vorüber an den Büschen, die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2874, "texte": "sich aus Gärten vorbeugen, glüht in den beiden\nendlosen Kupferleitungen da oben!\nNun ist er ganz nahe, seine Fahrt läßt nach —\nschnell schweift Mortons Blick über die breiten\nFensterscheiben dahin, wo ist sie nur? — Der\nWagen hält, eine ältere Dame in Schwarz steigt\naus — aber Annie ist nicht da!\nSie ist nicht da denkt er, mehr erstaunt als\nunruhig —: warum wohl nicht?\nIhm fällt ein, daß er sich vielleicht geirrt hat,\ndaß dies möglicherweise gar nicht der letzte Wa-\ngen ist — und als sich der Motor schon mit einem\nBrummen wieder in Gang gesetzt hat, und das\nlange, strahlend helle Gefährt kreischend auf sei-\nnen Schienen dahinschreitet, gelingt es ihm noch,\ndem Schaffner zuzurufen, indem er den Hut mit\nbeiden Händen festhält: „War dies der letzte Wa-\ngen? . . .\" und in seinem Ohr klingt die Antwort\nwie ein Echo —:\n„Der letzte Wagen!\nJawohl!\"\nNun ja, besinnt er sich — es kommt ihm aber\ndoch anfangs nicht ganz wahrscheinlich vor: sie\nist vielleicht schon bei der vorhergehenden Halte-\nstelle ausgestiegen, um in dem schönen Wetter\nnoch die paar Minuten zu gehen!\nEr tritt also auf den Bürgersteig zurück, sucht\ndurch das Dunkel hindurch zu spähen, geht ein\npaar hundert Schritt zögernd vorwärts, in der\nHoffnung, sie dort bei dem ersten Laternenpfahl\nanzutreffen . . . oder doch auf alle Fälle bei dem\nnächsten . . . oder bei dem übernächsten sicher!\nEr lächelt bei dem Gedanken, ihr Gesicht zu\nsehen, ach, das goldene Haar, das jetzt binnen\nkurzem ihm aus der Ferne entgegenschimmern\nwird, ihr Lächeln, den schwachen und lieben\nDruck ihres Armes zu spüren, während sie zu-\nsammen umkehren — vielleicht sollten sie eigent-\nlich noch einen kleinen Spaziergang machen, ehe\nsie hineingingen?\nJa, aber . . .\nNein!\nSie ist ja doch nicht hier — obwohl sie schon\nbis hierher gelangt sein müßte, wenn sie wirk-\nlich . . .\nAber vielleicht, ja, natürlich, sie ist ganz ein-\nfach schon zu Hause angelangt 5— während er\nnichts ahnend dort rechts stand und auf den Weg\nwartete und den Schaffner ausfragte!\nWieder von neuem belebt, beeilt er sich, kehrt\n■zu machen, nach Hause zu laufen.\nEr stößt das Tor auf, vergißt es wieder zu\nschließen, kommt herein, ein klein wenig atemlos,\nein wenig warm von der heißen Luft — hat gleich\ndarauf mit seinem Blick nach ihren Sachen im\nEntree gesucht: nun ja, da sind sie nicht, sie ist\nalso wahrscheinlich gleich damit hinauf gegangen\n— denn es ist ja geradezu unmenschlich warm,\npuh, du großer Gott, man schwitzt wie ich\nweiß nicht was, kann kaum atmen vor schwüler\nHitze; vielleicht ist sie auch ein wenig müde,\nnicht wahr, es liegt natürlich nicht der geringste\nGrund vor, unruhig zu sein!\nDas Mädchen kommt aus ihrem Zimmer, wäh-\nrend dies blitzschnell durch sein Gehirn flog.\n„Wo ist die gnädige Frau?\" — fragt er, schon\nein Stückchen die Treppe hinauf, die in das obere\nStockwerk führt — indem er sich über das weiße\nGeländer lehnt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.6", "titre_corps": "Ziele", "titre_sommaire": "Ziele", "signature_source": "H. 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Bei der vorgesetzten Behörde wächst\nschmerzvolle Enttäuschung und Entrüstung. Und\ndie Kunst wächst über die vorgesetze Behörde\nhinaus.\nDas Ziel der Pfingsten\n„Son pere possedait une des plus importantes\nmaisons de commerce de soie. II etait encore au\ngymnase que dejä les journaux et les revues pu-\nbliaient ses poemes.\"\nDer französische Biograph kann sich eben\nnicht deutsch ausdrücken. Nicht der Vater,\nder das sehr bedeutende Seidengeschäft be-\nsaß, der Sohn dichtete auf dem Gymna-\nsium. Seidene Gedichte. Der Sohn weiß,\nwas man einem sehr bedeutenden Seidenhaus\nschuldet. Soie oblige. Sie schillert. Der Sohn\nauch. Nachdem er als Sohn eines Großindustrie-\nellen in üblicher Weise sich mit dem „Acker\" be-\nfaßt hatte, veröffentlichte er Gedichte auf Ge-\ndichte. Nichts Heiligeres blieb von ihnen ver-\nschont. Er verherrlichte alles. Pfingsten ist für\njeden Dichter eine jedes Jahr wiederkehrende Ge-\nlegenheit, sich auf den heiligen Geist zu stürzen.\nDer Sohn des alten Lissauers benutzt die Kon-\njunktur: „Anruf\".\n„Stürze nieder auf mich, den ich singe, du\nschöpfender Geist\".\nEr schöpft wirklich, literweise, die Folge ist\nein neues Gedicht: „Die Ausgießungen\". Und nun\nregnet er los, der Sohn — tres important — des\nalten Lissauers. Alle besserem Leute haben um\nPfingsten rum geschöpft.\n„Die Pfingsten weilen am Himmel und schütten\nsich aus auf Homer.\"\nChristi Auferstehung hatte sich der alte Homer\nauch nicht träumen lassen. Aber er gehört zur\nFirma, und wenn man einmal einen Traum be-\nzogen hat und der Pfingsthimmel so bezogen ist,\ndaß es nur so schüttet und gießt, spinnt man seine\nFäden auch zum Zweck der Okkasion rückwärts.\nO'importe. Die Pfingsten verursachen weiter er-\nhebliche Verkehrsstörungen:\n„Zu Assisi saß Franz, des Bernardo Sohn,\nwas mag dieser Vater für ein sehr bedeutendes\nGeschäft besessen haben, kein französischer\nBiograph gibt davon Kunden\nmit den Freunden beim Mahl,\n„Feuer fiel durchs Dach auf die Diele, doch nie-\nmand sonst sah es im Saal,\n„und er schrie und zerriß das Gewand,\n„und schrie und lief nackt aus dem Saal ins Land.\"\nDie Pfingsten sollten nicht mit dem Feuer spie-\nlen, die besten seidenen Gewänder zerreißen. Des-\nhalb überlegten sich das auch die Pfingsten und\nbegnügten sich nunmehr mit Brausen ohne Was-\nser, was aber auch eine ganz hübsche Wirkung\nhatte:\n„Vor ihrem Brausen zu Wittenberg, barst die\nengst'arrende Zelle,\nLuther der Mensch trat heraus, umdonnert\nvon Helle.\"\nNun, sagten sich die Pfingsten, wenn doch\nalles kaputt geht, macht Feuer doch mehr Spaß.\nDann wollen wir mal das Feuer nicht fallen lassen,\nsondern gleich mit Feuer hageln, was auch eine\nganz hübsche Musik gibt:\n„Und sie standen bei Nacht über Wien, hoch ob\nder Mölkerbastei,\nEiner schlief in der Kammer, armselig gleich\nDomestiken,\nFeuer hagelte durchs Gebälk, Beethoven fuhr\nauf mit Schrei,\nund fiel an den Flügel, ausgießend große Musiken.\"\nDa lag Musike drin. Beethoven verstauchte\nsich das Bein, die Saiten des soeben erfundenen\nFlügels zersprangen und die Pfingsten lachten sich\neinen Ast in das Gebälk. Und welchen Blick in\ndie zarte Seele von Lissauer jr. kann der sehr\ngeehrte Leser hierbei tun. Wie der junge Dichter\ntränenden Auges auf die armseligen Domestiken-\nkammern des hochherrschaftlichen Vaterhauses\nstarrte. Ach, wie gern hätte er ihnen die Frem-\ndenzimmer weit geöffnet. So ahnte Sudermann\nschon in seinen Hintertreppenträumen die jungen\nDichter aus den gehobenen Branchen voraus. Die\nPfingsten reisten immer weiter\n„Von dem heiligen Wald, wo der Dornstrauch\nvor Moses erbrannte,\nBis nach Florenz zum Haus des höllebildenden\nDante,\nUeber den Saal, wo des Rubens' Gesicht die\nSünder zum Falle verdammte,\nUeber das Weimarerhaus, wo Schillers Tisch-\nholz erflammte.\"\nBis über des Lissauers Haus, wo die Feuer-\nversicherung nicht einsprang,\nWeil nicht gehindert der Senior des Juniors\nfeurigen Dichtdrang.\n„Aber die Menschen sehen die reisenden\nFeuer nicht;\nNie vollendend die ewige Fahrt gleitet das\npfingstliche Licht.\"\nDarum sollen die Menschen Pfingstens zu\ndichten nicht trachten,\nDichten macht auch viel Spaß zum fröhlichen\nFest Weihnachten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi er teljah r e s bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nziehuhg des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuifcre /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "debut_caractere": 2717, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "Mappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton li ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nG1 uc k —! I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in em-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a ,/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig j Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nElerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Oe-\ndichten von Ar no Ho I z ! Ffir Oesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer I: Er\nhort mit ihr den Qukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig\nKfinstierpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug voller Fahrt / Oino Seve-\nring Die Modistin I Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / L6ger / Jawlensky / Werefkin / Qleizes usw\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fUr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko ./ Oskar\nKokoschka / August M&cke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "debut_caractere": 5383, "fin_caractere_exclue": 5981, "texte": "Benes / Otto Gutfreund / Boccioni ,/ Severlui /\nCarra / Russolo / Francis Picabia J Scbmidt-\nRottluff I Walter Helbig / Max Pechsteia\nVerein fUr Kunst ,\nLeitung Herwarth ? Walden / Elftes\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkarriappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "debut_caractere": 5983, "fin_caractere_exclue": 6594, "texte": "Zeitsehriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via.\nNazionale 25\nLa Route / Revue del' Effort Social I Paris / Rue>\nde Vaugirard 120\nLa Renaissance Conteinporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Pranoalse / Monatsschrift I\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc\n50 centimes\nLeg Cahiers du Centre > Mouljns [AUierj\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustrS ft\nDirecteurs: Quillaume Apollinaire et Jean C£-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail I Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift ffir neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "debut_caractere": 6596, "fin_caractere_exclue": 6604, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "debut_caractere": 6606, "fin_caractere_exclue": 7747, "texte": "Poet-Lore Begriindet 1890 ! Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck ./ Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge } Whitman 112\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose /' Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste I\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be--\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\nenthalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart /' Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Blichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.1", "texte": "Umfang: acht Seiten\nfiinzelbezug 40 Pfennig\näwgf» i» HfüSK \\ -\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9/Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9/Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN-PARIS ERSTES JULIHEFT\nNUMMER 7\n\nInhalt:\nAugust Stramm: Rudimentär / Guillaume Apollinaire: Le los du Douanier / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / H. W.: Ziele: Das\nZiel der Klasse / Das Ziel der Piingsten / Kurt Heynicke: Gedichte / Schmidt-Rottluff: Originalholzschnitt\n\nSchmidt-Rottluff: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.2", "texte": "Rudimentär\nAugast Stramm\nEin Ehepaar und ein Kind\nEin Chauffeur und ein Hund\nDachzimmer; links das Fenster, rechts die\nTür. Die hintere Wand schrägt in halber Höhe\nzur Decke. Die Tapete hängt in Fetzen herab.\nAn der Hinterwand Schrankspind, Bett und\nHerd mit kleinem Gaskocher; zwischen Herd und\nTür der Ausguß. Tisch mit zerbrochenem Stuhl\nund Schemel in der Mitte; auf dem Tisch Speise-\nreste, Papier und schadhaftes Geschirr.\nIm Bett unter einer Decke der Mann an der\nWand, die Frau vorn und das eingebündelte Kind\nquer am Fußende\nDer Mann (stiert vom Bett auf einen Zei-\ntungsfleck, der unmittelbar über dem Bette unter\nder herabhängenden Tapete sichtbar ist; nach\neiner Weile stößt er die Frau an): ... merkst\nde wat? . . .\nDie Frau (liegt zusammengekrümmt, das\nGesicht in den Kissen vergraben): ... laß mir!\nEr (zieht den Tapetenfetzen niedriger, um die\nZeitung besser sehen zu können): . . .\nSie (unwillig): ... wat machst de imma?\nEr (auf die Zeitung stierend): . . . een va-\nfluchtet Wort . . .\nSie (aufmerkend): . . . wat n Wort?\nEr: Kuck hier .. . (fährt mit dem Finger\nüber die Zeitung und buchstabiert) . . . ru . . .\nde . . . m . . . en . . . tär . . . rudementer . . .\nwie dät klingt . . . ?\nSie (wühlt sich wieder in das Kissen): . . .\ndu bis varickt . . .\nEr (wirft sich rum): ... ick krieg keen Ruh\nnich . . .\nSie: Mach n Knoten!\nEr (schlägt mit der Faust auf die Zeitung):\n. . . Dreck! (und dreht sich zur Wand)\n(Nach einer Weile fährt sie plötzlich hoch)\nSie: Herrjotte nee! ... de Wohnung! . . .\nwie se aussiehtf ... ick hab ja nich ausjefeyt\n. . . nich! . . . eejentlich . . . wenn se uns nu\nfind'n . . . ma mißt doch . . . (sie stellt die Füße\nzur Erde, bleibt aber auf der Bettkante sitzen)\n'n reenet Hemd . . . und so . . . un . . . (ihr\nwird plötzlich weinerlich weh) ... et soll nich\nheeßen . . . nee ... et warn doch ordentliche\nLeite . . . solln se sagen ... dät laß ick nich\nuff mir sitzen. (Sie schluchzt laut auf)\nE r (ohne sich zu rühren): ...nu . . . kriegst\ndus varickt? . . . machn Hahn zu . . . wenigstens\n... et steijt eenn schonst in de Neese ... (er\nniest umständlich laut und dreht sich faul auf den\nRücken)\nSie (in Unterrock, Hemd und Strümpfen geht\nzum Herd und dreht den Hahn am Gasauslaß zu,\nwobei sie den Kopf abwendet): . . . mir . . . is\n. . . schon janz schlecht . . .\nE r (in Hemd und Hose, wälzt sich nach vorne\nzur Bettkante): . . . machs Fenster uff!\nS i e (streift ein paar Schuhe über)\nE r (starrt auf dem Bauche liegend vom Bett\nzur Erde, greift plötzlich zum Fußboden und hebt\neine Zigarette, die am Bettpfosten lag, auf): . . .\nnu . . . eener ... (er steckt die Zigarette in den\nMund und sucht in den Taschen, während er sich\nlangsam faul vom Bette auf die Füße wälzt, nach\nZündhölzern; nach längerem Herumsuchen zieht\ner ein zerbrochenes Streichholz aus der Tasche\ndes Rockes, mit dem das Kind zugedeckt war, tritt\nzum Tisch, wischt mit dem Aermel über die Tisch-\nkante und setzt das Streichholz an; er stockt aber\nerschrocken und schaut auf seine Frau) ... na\n. . . willst de nich? . . . vorwärts . . . sonst\njeht dir der janze Kasten in de Luft.\nS i e (hastet zum Fenster und öffnet es)\nE r (tritt ans Fenster und schöpft tief aufatmend\nLuft): . . . a . . . dät zieht durch! ... (Er reibt\ndas Zündholz auf dem Fensterbrett und zündet\ndie Zigarette an)\nS i e (stellt eifrig das Geschirr auf dem Tisch\nvöllig zweck- und sinnlos durcheinander und wirft\nWurstpapiere und Abfälle auf die Erde, keifend):\n. . . aber dät sag ick dir . . . wenn ick erst Ord-\nnung hab . . . Ordnung . . .\nE r (bläst behaglich den Rauch zum Fenster\nraus)\nSie (nimmt aus der aufgerissenen Schublade\neine kleine Flasche, hebt sie prüfend hoch und\nstößt einen freudigen Schrei aus): ... ho .. .\nhier . . . wahrhaftig . . . Korn ... da is ja\nnoch . . .\nE r (ist mit einem Satze bei ihr, entreißt ihr\ndie Flasche, entkorkt sie, riecht und nimmt einen\nkräftigen Schluck)\nSie (hält ihm die Flasche fest): .. . mir\nooch . . . mir\nE r (setzt schmatzend ab)\nS i e (trinkt den Rest)\nE r (hustet leicht): ... Schafsköppe .. . wir\n... so lang der Mensch noch Schnaps hat . . .\nSie: ... jewiß . . . wir kennten so scheen\nlebn ... so\nE r (wie nachdenklich): ... lebn .. . (fährt\nplötzlich auf und stößt sie vor die Brust, daß sie\ntaumelt) . . . lebn . . . mit son Schticke ...?...\nSie (aufkeifend): ... laß mir .. .\nEr (knufft auf die Zurückweichende ein): son\nSchticke . . . dat sich rumtreibt . . . mit andere\nKerls abgibt . . . son\nSie (trumpft immer dagegen): .. . son\nSchtrolch . . . son Lump . . . ! ... soll ick trei\n.. . sind ... ?! (Sie haut mehrfach höhnend\nihm vor der Nase in die flache Hand): . . . nich\nin de la mäng! . . . nich in . . .\nE r (packt sie würgend): ... ick schlag dir dod\n... ick mach dir . . . (er holt zum Schlage aus)\nSie (entwindet sich ihm und flüchtet zur Tür):\n... du Patron du . . . Patron ... ick schrei . .\n(sie entriegelt die Tür)\nE r (nimmt den Stuhl und schlägt ihn zwischen\ndas Geschirr auf dem Tisch, daß Stuhl und Ge-\nschirr in Trümmer gehen): Weib!\nS i e (eilt zurück und hält ihm den wieder aus-\nholenden Arm): . . . dät Jeschirr! ... de juten\nTassen!\nE r (packt sie)\nS i e (sucht sich ihm zu entwinden und strebt\nauf das Fenster zu): ... ick spring aust Fenster!\n. . . Hilfe! . . . Hilfe!\nE r (packt sie hinterrücks bei den Haaren und\nwirft sie vor dem Fenster zu Boden): . . . willst\ndu dei Maul halten .. . ! ... willst du .. .\n(schlägt mit der Faust auf die am Boden in sich\nzusammenkauernde und nur leise wimmernde ein)\n. . . du . . . (dann läßt er erschöpft von ihr ab\nund setzt sich auf den Schemel hinterm Tisch,\nden Kopf auf beide Hände gestützt, ins Leere star-\nrend und keuchend vor Erschöpfung) .... son\n... so muß man sich uffrejen . . . wejen ... da\nsoll eener bei Vaschtand bleibn\nS i e (richtet sich langsam und vorsichtig wie-\nder auf und reibt sich stöhnend die geschlagenen\nKörperstellen)\nE r (schlägt mit der Faust auf den Tisch und\nwendet den Kopf nach ihr)\nSie (drückt sich verstummend scheu unter\ndas Fenster)\nE r (nimmt seine vorige Haltung wieder ein)\nSie (sucht lautlos unbemerkt hinter ihm vor-\nbei zu schleichen; als sie hinter ihm ist, greift sie\nplötzlich aufschreckend seine rechte Hand): . . .\nWilli ... du blutst ja ...! Willi . . . nu kuck\n. . . o ... und so viel . . .\nE r (sieht überrascht auf seine Hand, an der\nBlut herunter läuft)\nSie: Du hast dir inn Scherben jehaun . . .\n(sie nimmt ein zerbrochenes Waschbecken unterm\nBett vor, läßt etwas Wasser an der Leitung hin-\neinlaufen und stellt es auf den Tisch, dann springt\nsie zum Wandschrank, nimmt einen Fetzen Lein-\nwand heraus, reißt ihn in mehrere Streifen und\nwäscht ihm die Hand) . . . nunich . . . Willi . .\nson Jeblute . . .\nE r (hat ihrem Beginnen gleichmütig zugesehen\nund blickt jetzt aufmerksam zum Spind rüber):\n... du hast ja noch Wäsch im Spind . . .\nSie (ohne aufzublicken, ihn verbindend): .. .\nnunich . . .\nEr (ruhig): . . . janz feine Wäsch . . .\nSie (hält inne und starrt ihn an)\nEr (weicht aus): . . . nu . . .\nE r (prüft dann ihre Figur mit den Blicken):\n. . . wie du noch ausschaust . . .\nSie (verständnislos): . . . ick . . . ick . . .\n(sie bricht plötzlich in Tränen aus) .. .\nWilli . . . (sie wirft sich ihm schluchzend um den\nHals) . . . nee .... Willi ... da kann mir eener\njeben . . . Willi . . . (küßt ihn) . . . mein lieben\nWilli ... ick kann ja doch keen andern jut sind..\nEr (tätschelt sie): . . . nu . . . laß man . . .\n(er klopft sie zärtlich ab) . . . da js doch noch wat\ndran . . . (er erhebt sich und drängt sie zärtlich\nzum Bett hin)\nSie (hingegeben): ... ach .. . Willi . . .\n(indem sie sich auf die Bettkante setzt, fällt ihr\nBlick auf das quer am Fußende liegende Kind):\n. . . nu ... kuck . . . doch . . . Fränzchen (sie\nbeugt sich über das Kind)\nE r (blickt hin und ist einen Augenblick über-\nrascht): . . . Jotte nee ... (er befühlt es) . . .\net is . . .\nS i e (wirft sich mit einem Aufschrei über das\nKind): .. . Fränzchen! .. . Jotte .. . Fränz-\nchen! . . .\nEr (sein Blick wird wieder durch das Wort\nan der Wand gefesselt, — abwesend): . . . rude\n. . . (wieder erwachend) . . . weiß der Deubel!\nSie (jammernd): . . . wir habn dir jemordet!\nEr (roh): . . . schrei nich . . .\nEin Hund (winselt schwach unter dem Bette)\nEr (stößt mit dem Fuß unter das Bett): . . .\nkusch dich\nSie (unter Schluchzen): Wat winselt Molli so?\n. . . denn so? . . .\nEr: Er riecht dn Dod!\nS i e (richtet sich hoch, nimmt das Kind auf den\nArm und küßt es; dann bückt sie sich impulsiv\nzum Bettrande und zeigt das Kind unters Bett):\n. . . ja . . . Molli . . . kuck . . . Fränzchen is dod\n. . . (schluchzt) . . . och . . . unse Fränzchen\nis dod\nE r (stiert wieder gebannt auf den Fleck an\nder Wand, hebt den Papierfetzen hoch und liest):\n. . . Kon . . .\nSie (wütend): ... nu ... laß mir aber .. .\nvadammt . . . mit dei Faxn!\nEr (wütend): .. . Teufel ... ob mir wat\nsagen tät. (Er dreht sich brüsk um)\nSie (preßt winselnd das Kind an sich): .. .\nick hab ooch keen Lust nich mehr . . . nich\nmehr . . .\nE r (ist zum Spind getreten, steht davor und\nfaßt hinein): . . . du . . . Päte jibt immer noch\ndrei Märker . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.3", "texte": "Sie (wütend): Laß mei Wäsch . . .\nEr (gleichmütig): . . . nunich . . . eejentlich\nwir kennten uns noch n juten Dag machen . . .\nSie (legt das Kind schnell hin und läuft zu\nihm): . . . drei Märker . . . meenst de wirklich?\nEr (nickt): ... bei Moses . . .\nSie (nimmt die Wäsche und eine Bluse aus\ndem Spind und legt alles auf einen Haufen): . . .\nso . . . denn . . .\nE r (nimmt den Rock vom Bett, zieht ihn an\nund setzt sich die Mütze auf)\nSie (will zum Fenster gehen): . . . dät is\nimmer noch ne Luft hier . . . (ihr Blick fällt zu-\nfällig auf Fränzchen) . . . achott! . . . Fränzchen!\n(sie setzt sich neben das Kind aufs Bett) . . . nee\n... et hat ooch keenen Zweck nich . . .\nE r (nimmt das Wäschebündel untern Arm und\nwill rausgehen)\nSie (schreckt auf): . . . du . . . Willi . . . ne\n. . . wart . . „ watzieh ick denn an? . . . (sie\ngeht ihm nach) . . . wir müssen uns doch . . .\nwenn se uns nu findn . . . und ick hab nischt an-\nders . . . (sie nimmt ihm das Bündel unterm Arm\nfort und beginnt die Bluse anzuziehen)\nEr (steht an der Tür, starrt sie an und steckt\ndie Hände in die Hosentaschen)\nSie: Weest de noch . . . Willi ... ? . . .\nde Sonntagsbluse . . .? de hast d u mr jeschenkt\n. . . (sie nimmt einen Kleiderrock, der über der\nBettk'ante hängt und zieht ihn an, stellt sich dann\nmit dem Rücken vor ihren Mann hin) . . . du . .\nE r (knöpft ihr die Bluse zu)\nSie (sich zurechtzupfend): . . . Anstand muß\nsin . . . un . . . (sie zieht die Tischschublade vor,\nkramt darin rum und hebt eine Kette heraus)\n. . . sieh ... de Kette ... tu ick ooch um . . .\ndät Jold is runter . . . aber et sieht doch jut aus\n. . . nich? (sie legt die Kette um und stellt sich\nkokett vor ihn hin)\nE r (nickt, fährt ihr übers Haar und wirft sich\ndann wieder aufs Bett, auf dem Bauche liegen\nbleibend)\nSie (zärtlich, deckt ihn zu): .. . jo .. .\nWilliken ... ick deck dir zu . . . (sie\nwickelt das Kind ein und legt es zum\nFußende) . . . jo . . . Fränzel . . . still . . . Vater\nun Mutter . . . kommen nu ooch schon . . . (Sie\nlegt das Kind hin und läßt sich dann selbst ganz\nerschöpft aufs Bett fallen) . . . ach . . . Jott . . .\nmir is schon janz schlecht . . . wirklich dät Jas\nis nu aber zu mächtig jeworden . . .\nEr (hebt den Kopf): ... du bis varickt! . . ,\nhastn Hahn uffjedreht unds Fenster zujemacht? ..\nSie (springt auf): . . . ach . . . Jotte . . .\nnee . . .\nChauffeur (stößt die Tür auf und poltert\nherein; er stutzt): ... na ... nu ... du liejst\nnoch im Bette? Son fauler Hund! (Er sieht die\nScherben auf dem Tisch, das blutige Tuch und das\nWaschbecken; er lacht auf): . . . oah . . . hier\nhats schon Arbeit jemacht? An frihen Sonntags-\nmorjen? Ei weih!\nSie (nimmt schnell die Schüssel und das Tuch,\ngießt das Wasser in den Ausguß): ...wir nee...\nwat . . . (herausstoßend) . . . wir wollen uns\nneuet Jeschirr koofen . . .\nCauffeur (lacht derb auf und tritt mit dem\nFuß die auf der Erde liegenden Scherben noch\nkleiner): ... na denn man zu . . . habtr noch\nmehr .. . nehmt nicht iebell! (Er zieht eine\nkurze Pfeife aus der Rocktasche, klopft sie in die\nhohle Hand aus, holt Tabak hervor, stopft die\nPfeife und setzt sich aufs Bett)\nSie (geschäftig umherrennend): ... ja je-\nwiß . . . Willi hat Schtellung . . .\nChauffeur (horcht auf): ... wat Schtellung?\n(Er dreht sich zu dem Mann um, der gleichmütig\ndas Gesicht zur Wand gekehrt liegen geblieben\nist, und knufft ihn derb in die Seite): Du .. . steh\nuff . . . eenen ausjeben ... uff (er zündet sich\ndie Pfeife an) . . . de Schtellung . . .\nEr (wälzt sich auf die andere Seite): . . . wat\njiebst de Vorschuß?\nChauffeur (lacht): Dir? . . . nich ne Laus\nuffm Kopp!\nEr (gähnt faul)\nChauffeur (schiebt die Hand in seine\nTasche und klimpert)\nSie (starrt gespannt auf seine Bewegungen)\nE r (richtet sich mit jähem Schwung im Bette\nauf)\nChauffeur (lacht protzig): Aber . . . wo\n. . . mir sollt . . . nich druff ankommen . . .!\nFuhren jehabt heit Nacht .. .! Wer nich lebt\n. . . magn Hund sin . . . (Er wirft einen Taler auf\nden Tisch)\nSie (stürzt drauf): . . . n Daler!\nEr (ist aus dem Bett): . . . her damit\nSie: Ick . . .\nEr (windet ihr den Taler aus der Hand, dro-\nhend): Mach keen Jequatsche . . .\nChauffeur (sieht lachend zu): Na .. .\ndenn holt man n ordntlichen Kümmel\nE r (hat schon die Mütze aufgesetzt und geht\nraus)\nSie (ruft hinter ihm nach: . . . du . . . But-\nter .. . un Brot . . . un Eier . . . un Speck . . .\n(sie setzt zum Chauffeur erklärend hinzu) . . . wir\nhabn nemlich noch nischt jejessen ... in all de\nUffrejung . . .\nE r (verschwindet)\nChauffeur (lacht): ... kannk mer schon\ndenken . . . und so fein hast dr jemacht?\nS i e (räumt die Scherben vom Tisch und wirft\nsie in die Ofenecke): Heit is doch Feiertag . . .\nChauffeur: Feierdag . . . ja. (Er faßt sie,\ndie gerade vor ihm den Tisch abräumt, am Rock\nund zieht sie zu sich) deine Bluse\nSie: Denn hak se man ia . . . (sich sträubend)\n... du ... du .. . knöppst mr ja uff!\nChauffeur: A!... hast dun blanket Fell!\nSie (entwindet sich ihm, er zieht sie aber\nneben sich aufs Bett)\nSie (wehrt sich): ... nee ... du .. . nich\n... er kann jeden Oogenblick . . . t is keen Ver-\nlaß uff ihm\nChauffeur: Ick hau m eenen uffn Kürbis\nSie: Nee . . . nee . . . (entwindet sich ihm)\n. . . heit Abend . . . sicher . . .\nChauffeur (droht): Du .. .\nSie (bringt ihre Kleider in Ordnung, beleidigt):\n. . . wat ick doch vaschpreche\nChauffeur: t soll dr nich leid tun!\nSie (empört): ... so meenst de dät? . . .\nJeld? . . . Ick? . . . Ick bin ne anständije Frau\nChauffeur (ruhig, behäbig): . . . i . . . wo\n.. . nich .. . Marjell! (Er zieht eine Handvoll\nMünzen aus der Tasche)\nSie (tritt mit gespanntem Blick näher)\nChauffeur: Kumm . . . zwei Märker . . .\n•schenk ick dir\nS i e (nimmt hastig das Geld und steckt es ein)\nChauffeur: Aber dat de dir fein machst\n. . . (rechnet) un de drei Märker vorhin .. .?\nS i e (nimmt liebkosend die Wäschestücke, die\n'noch über der Bettkante hängen, und legt sie in\ndas Spind): . . . sollst dir nich beklagen . . .\nChauffeur: Wat legst denn weg da? . . .\nSie: Oh . . . dät zieh ick an . . . (vorwurfs-\nvoll) un Willi wollt et vakloppen . . .\nChauffeur (grinst): . . . vakloppen? . . .\nSie (räumt): . . . oh . . . Willi ... er meint\n.. . un ick soll ooch wat vadienen\nChauffeur (nimmt die Pfeife aus dem\nMund): . . . wa? . . . woso?\nSie (scharwenzelt): .. . warum ... un .. .\nick . . . warum nich? . . .\nChauffeur (steht,auf): .. . ach so .. .\npfeift der Wind . . . (roh) . . . also dät sag ick dir\n... so lang wir beide wat habn . . .\nSie: Wat? . . . du? . . . ick . . .\nChauffeur (packt ihren Arm, aufgeregt):\nIck .. . vastehst de? Ick will mein Weib för\nmir habn, va . . .\nSie (keift dagegen): ... du kannst mir . . .\ndu kannst mir . . . un wenn ick will . . . un ick\njeh . . . wenn ick Jeld vadienen kann . . .\nChauffeur (haut ihr eine schallende Ohr-\nfeige runter)\nSie (heult kreischend auf und hält sich die\nBacke)\nE r (tritt in diesem Augenblick in die Tür,\ngine Flasche und einige Päkchen im Arm und in\nden Händen): . . . Wat is hier los?\nSie: Willi . . . Willi ... er hat mir beleidigt\n... er hat jesagt ... ick soll nich uff de Straße\njehn . . . dann haut er mir . . .\nChauffeur (hat sie losgelassen und sich\nwieder aufs Bett gesetzt)\nE r (wirft die Paketchen auf den Tisch, stellt\ndie Flasche hin und setzt die Mütze in den\nNacken): Mensch! ... du willst hier?! . . . meine\nSachen?! ... da is ja .. .! Mit mein Weib\nmach ick . . . wat ick will! .. . Vastehst de?\n(haut auf den Tisch) wat ick will! un warum\nsoll se nich jehn? . . . is se nich noch jut wie\nne andere? . . . bekiek se dir mal an . . . (er\nnimmt seine Frau am Arm und stößt sie dem\nChauffeur zu)\nChauffeur (stößt sie unwillig zurück)\nEr (aufgebracht): ... du willst mein Weib\nnich kieken? . . . mein . . .\nChauffeur (ruhig und verdrießlich): ... de\nzwei Märker soll se mir zurückjeben ... wo ick\nihr Vorschuß jejeben hab\nSie (kreischt auf): . . . dät is nich wahr!\n. . . dät is nich wahr! . . . zwei Märker hat er\nmir jejeben . . . dät ick mit ihm zsammen sein\nsollt . . . heit abend . . . dä Lump! . . . vafiehren\nwollt er mir!\nEr (wirft wild seinen Rock ab): ... wat?\n. . . Aus di e Luke kuckst de? . . . Mit mein\nWeib Schindluder treiben? . . . willst du dein...\n. . . Raus ... du Hund! (Er stürzt sich auf ihn)\nChauffeur (gibt ihm in aller Ruhe einen\nwuchtigen Stoß vor den Bauch, daß er in die Ecke\nfliegt)\nEr (schaut erstaunt leise wimmernd um sich\nund heult dann plötzlich laut auf): ... o . . .\ndät heeßt sich ... so wat . . . Freindschaft . . .\nmein Weib vafiehren . . . mein ... (er fährt plötz-\nlich wütend auf) ... du bis schuld . . . alleen\nschuld ... (er fährt auf seine Frau los, haut ihr\neine runter und würgt sie) . . . wozu hast de\ndeine faulen Knochens ...?... warum kannst\nde nich . . .?\nChauffeur (ist ruhig aufgestanden, tritt an\nden Tisch, steckt die Paketchen ein und will auch\ndie Flasche einstecken)\nE r (hält erschrocken ein, läßt seine Frau los\nund tritt an den Chauffeur ran): . . . nee . . .\ndu . . . dät tust de mir nich an! . . . du . . . ick\n... bin immer dein Freund jewesen . . . un . . .\n(als ob er sich besinnt und jetzt erst zum Be-\nwußtsein des Geschehenen kommt) . . wat is\ndenn eejentlich passiert? ... ick weeß nich . . .\nick bin so uffjerejt . . ."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.4", "texte": "S i e (tritt ebenfalls, sich noch den Hals reibend\nhinzu): ... nee ... du ... so lassen wir dir\nnich weg! ... dät war ja dat erschte Mal . . .\ndät wir n juten Freind nischt vorjesetzt hätten...\n(sie nimmt ihm die Pakete aus der Tasche) . . .\nick schlag dir schnell n paar Eier in de Pfanne!\nChauffeur (sträubt sich): ... ick hab je-\nnug von eich Sorte . . .\nEr (nimmt ihm die Flasche aus der Tasche,\nentkorkt sie und hält sie ihm hin): . . . hier . . .\nBruderherz .. . hier ... dät wär jelacht! Nee\n. . . nee . . . (Er hält dem Chauffeur die Flasche\nan den Mund, so daß dieser gegen seinen Willen\ntrinken muß)\nChauffeur (nimmt einen Schluck und\nwischt sich den Mund): . . . na ja . . . (dann gibt\ner die Flasche zurück, zieht seine Pfeife wieder\nvor und setzt sich auf den Bettrand)\nS i e (hat inzwischen einen noch nicht ganz zer-\nbrochenen Teller gefunden, wäscht ihn unter der\nLeitung ab und schickt sich an, die Eier hinein zu\nschlagen)\nEr (trinkt): . . . nee . . . weest de . . . mein\njuter Freind ... du kannst allens hier haben . . .\nvon mir . . . wat de willst ... so war dät nich\njemeent . . . und mei Weib . . .\nSie (nickt): . . . ja ja . . . (nimmt ihm die\nFlasche ab und trinkt ebenfalls)\nChauffeur (blickt neben sich und sieht das\neingebündelte Kind am Fußende des Bettes): . . .\nwat is denn dät? . . .\nSie (jammernd): . . . achott! . . . Fränzchen!\n. . . unser Fränzchen!\nChauffeur (lockert etwas die Umhüllung):\n. . . dät kriegt ja keene Luft nich! (Er faßt es an)\n. . . dät . . . is . . . ja . . .\nE r (hat sich eine Scheibe Brot abgeschnitten\nund kaut, tritt jetzt an das Bett heran): . . . dät\nhak ooch schon jesagt . . .\nSie (eilt zum Bett, reißt das Kind hoch und\npreßt es an sich, weinend): ... ja ... unser\nFränzchen . . . mein Schtickelcken\nE r (tritt wieder zum Tisch, schneidet ein Stück\nWurst ab, schmiert eine Brotschnitte dazu und ißt\ngleichmütig)\nChauffeur: Wenn is et denn jeschtorben?\nSie (wiegt jammernd das tote Kind auf den\nArmen, während ihr die Tränen herunterkollern):\n. . . wann . . . wer weeß ... et war ja immer\nso schwach . . . un ... (sie bricht in die Knie,\nlegt das Kind aufs Bett und ihren Kopf darauf)\nChauffeur (steht mit unbehaglichen Bewe-\ngungen auf)\nSie (jammernd): .. . wir .. . wir .. . woll-\nten .. . wir haddn ja keen Pfennig mehr int Haus\n. . . un ... (sie wird gleichmütig und steht auf)\n. . . un . . . wir han Jashahn uffjedreht . . .\nChauffeur (nimmt die Pfeife aus dem\nMund und schluckt etwas runter): Hm! (Er\nschnüffelt in der Luft)\nSie (legt das Kind wieder sorgsam ins Bett\nund deckt es zu): ... ja ... Fränzchen! . . .\nschlaf . . . ja . . . jo . . .\nChauffeur (steckt die Pfeife ein): ... na\n... da habtr eich wat scheens an Hals jeladen...\nE r (hält mit Kauen ein und schaut ihn an)\nSie: ... Wa . . . ?\nChauffeur (knöpft den Rock zu): . . . n\npaar Jährchen. Kindsmord!\nSie (schreit auf): . . . Mord!\nEr (ist erst starr, dann dringt er auf die Frau\nein): . . . halt dei Maul! . . . halt dei Maul! . . .\nvafluchtet Jeschreie! .. . (Er schlägt zu, trifft\naber nicht, da die Frau sich auf das Bett fallen\nläßt und hinter dem Chauffeur verbirgt)\nChauffeur (nimmt einen Schluck aus der\nFlasche): . . . wird eim vadammt koddrig bei!\n(Wendet sich zum Gehen) Will nischt mit ze dun\nham! (Er stutzt und blickt auf den Fußboden zur\nTür hin, die sich etwas bewegt hat) ... wat\nwar dät?\nSie (blickt zur Tür hin und dann schnell un-\nters Bett): Molli . . . (sie eilt zur Tür und ruft\nraus) . . . Molli . . . Molli . . . (sie dreht sich\nweinend um und schließt die Tür) . . . nu is\nMolli ooch weg . . .\nChauffeur: ... hat dä immer da unnert\nBett jelejen?\nE r (nickt kauend)\nChauffeur: ... ooch . . . mitn offenen\nJashahn?\nEr (nickt): Nu jewiß!\nSie (heult): ... oh ... et war son treuet\nVieh . . . nich von de Stelle z bringen . . , un\nnu . . . (sie geht zum Tisch, schmiert sich unter\nTränen eine Stulle und beißt herzhaft hinein) . . .\nmit uns sterben wollt er . . .\nChauffeur (nachdenklich): . . . wenn dä\nda drunner . . . nich . . . verreckt is . . .\nEr (kauend): . . . son Viech hatn zähet Le-\nben . . .\nChauffeur (schüttelt den Kopf, wendet sich\ndann, um auf andere Gedanken zu kommen, zu\ndem Mann): . . . Mensch ... ick denk du has\nSchtellung?\nE r (immerzu kauend, sieht ihn erstaunt an):\n... ick? ... (besinnt sich) ha ick ooch ... ha\nick! . . . ick werd Chauffeur!\nChauffeur( faßt nach der Tischkante): . . .\ndu .. . ?! .. . Mensch! Bei hellen Dage?\nEr (hantiert aufgeregt mit Wurst und Brot\nin der einen und dem Messer in der anderen\nHand): Wat? . . . ick nich ...?... ick .. .?\nSie (dringt kauend auf den Chauffeur ein):\n. . . mein Willi? . . . dä kann mehr . . . wie du\naussiehst! (auftrumpfend) ... ja . . . Chauffeur\n. . . Willi . . . Chauffeur ... bei Haase . . .\nEr (greift auf): ... ja ... bei Haase . . . je-\nwiß . . . Dag und Nacht Haase! . . .\nChauffeur (steht sprachlos)\nSie (sieht den Teller, in den sie vorhin die\nEier geschlagen hat): ach Jott ... de Rühreier...\n(sie quirlt mit einem Messerstiel die Eier)\nChauffeur (wütend): Schwindel! ... in-\nfamigter Schwindel! . . . und du drehst den Jas-\nhahn uff?!\nE r (ereifert sich, ohne aber darüber das Essen\nzu vergessen, er schiebt ein Stück Wurst und\nBrot nach dem andern in den Mund): . . . ick?!\nJashahn?! Wenn ick will? ... (er schlägt mit\nder Faust, in der er das Messer hält, auf den\nTisch) mein Jashahn? . . .ick kann mit mein\nJashahn machen, wat . . . un . . . un . . . (stößt\nimmerzu bekräftigend das Messer auf den Tisch)\n. . . Schwindel . . . allens Schwindel . . . jewiß\nSchwindel! . . . nich n Pfennig hak . . . nich ne\nAhnung von Stellung . . . un ick will ooch nich\n... ick willt nich ... ick bün keen son Ochse\n... ! .. . Leb ick nich? .. . (er weist auf\nWurst, Brot und Flasche) . . . jeht et uns nich\njut? . . . habn wir z sorgen? . . .\nSie (vom Herd her, wo sie mit der Pfanne\nhantiert und inzwischen vergeblich versucht hat,\ndas Gas anzuzünden): . . . hat keener nich n\nZindholz mehr? . . . dät brennt ja nich! . . .\n(Sie wirft eine leere Streichholzschachtel fort)\nChauffeur (zieht eine Streichholzschachtel\naus der Hosentasche und versucht anzustecken):\n. . . is ... der Hahn ooch uff?\nSie (prüft): ... nu jewiß doch .. .\nChauffeur (versucht mehrere Streichhölzer\nvergeblich): . . . aber ... da ... Is doch keen\nJas nich .. . Wo ist denn der Jas?\nS i e (schreit auf und schlägt die Hände überm\nKopf zusammen): . . . ach Jott . . . ach Jott! . .\ndät hak doch janz vajessen ... ! . . . se habn\nuns doch j espe r r t . . . jestern han se uns der\nJas jesperrt . . . weil wr de Rechnung nich zahln\nkunntn . . .\nChauffeur (starrt sie an, geht dann schwe-\nren Schrittes zum Bett und setzt sich nieder, daß\nes in allen Fugen kracht): . . . nu brat mir eener\nn Storch . . . un n recht fetten . . .\nSie (schnell, erleuchtet): .... dann is\nFränzchen ooch nich an den Jas jestorben! . . .\nEr (starrt auf das Wort an der Wand und\nschüttelt den Kopf)\nChauffeur: ... nee . . . dät is er nich!\n. . . (Er erhebt sich mit einem scheuen Blick auf\ndie Leiche)\nEr (vorwurfsvoll zu ihr): . . . dat is nu wie-\nder dein Schlamperei!\nS i e (tritt an das Bett und macht das Gesicht\ndes Kindes zärtlich frei; dann steht sie mit\ngefalteten Händen davor, gerührt): .... du\n. . . Willi . . . nu kiek emal . . . kiek emal . . .\nunser Kind . . . nu kiek doch bloß mal an . . .\nwie nett er daliegt! . . . eenes janz nadierlichen\nDodes . . . (Sie zieht ihren Mann am Rockärmel\nnäher vors Bett)\nE r (starrt wieder auf den Fleck an der Wand,\ndann plötzlich): . . . du . . . sag emal . . . weeßt\nde . . . (buchstabiert) . . . rudementer ... du bis\ndoch son halben Jelehrten\nChauffeur (hat zusammenschauernd einen\nSchluck aus der Flasche genommen, tritt jetzt zu\nden beiden und sucht übertrieben lebhaft und laut\nbramarbasierend etwas von sich abzuschütteln):\nMensch, dät weest de nich? (liest) siehst de doch\n. . . dät is wat ärztlichet . . . Aerztekongreß . . .\nin . . . in . . .\nEr (ungeduldig): Nu wat?!\nChauffeur (überstürzt sich): Oh . . . dät\nkannk dr sagen . . . dät kannk dr janz jenau sa-\ngen ... oh ... ick .. . drei Jahre Saaldiener\njewesen in de Charitee ... ick (stellt sich in Po-\nsitur) also (gewichtig) ru — di — men — tär\n. . . so heest dät . . . is . . . rudimentär . . . dät\nis n Blinddarm\nSie (horcht auf): n wat?\nChauffeur: Ja n Blinddarm! Son Ding,\nwat so rumbaumelt . . . wozu? woso? . . . wien\nPortmonä . . . vastehst de . . . Portmonä von\ndir ... vakommen . . . wat een bloß lästig is\n. . . mit sich rumschleppt um drieber z stolpern\n(er versetzt ihm jetzt immerzu Püffe) ritsch\nratsch! raus! mits jroße Messer! raus!\nE r (sucht sich gegen die Püffe zu schützen\nund zieht sich immer mehr zur Tür hin): Mensch!\nChauffeur (ohne sich stören zu lassen, mit\nsatanischer Lust): Mensch! Mensch! wat men-\nschen? ! weest de, wat is menschen?\nE r (krümmt sich vor Schmerzen): ...jo . . .\njo . . .\nChauffeur (gibt ihm noch einen letzten\nkräftigen Puff und setzt sich dann befriedigt):\nNu, wennt weest! imma bei de Sache bleiben!\nNich n Jashahn uffdrehn ohne Jas! nich Chauffeur\nmachen im Bette! immern Hund anbinden! (tippt\nsich mit dem Finger auf die Stirn) denken! mei\nJungeken! denken\nSie (stiert jetzt auch auf den Zeitungsfleck):\n. . . jo . . . jo . . . rudelmang!\nChauffeur (lacht roh): Raus dermit! Ja!\nDät is der Zimmt!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.5", "texte": "Sie (wird immer aufgeregter): Raus! raus!\nMensch, ick fühl mr ooch so manchmal . . .\n(bricht aus) ja! wozu sind mr uff dr Welt? wat\nhat dät allens fiern Zweck? (Sie sieht plötzlich\nauf den Teller mit Eiern, den sie immer noch in\nder Hand hat) O Jott! de scheenen Eier! (Sie\nstellt den Teller auf den Tisch und stockt er-\nschrocken mit einem Blick auf das Kind) Wir\nmissen doch Fränzchen anmelden bei de Polzei!\nEr (stiert auf den Zeitungsfleck, reißt dann\nplötzlich wütend den Fetzen und mit dem näch-\nsten Griff das Zeitungsblatt herunter, sodaß die\nnackte ausgebröckelte Wand sichtbar wird, knüllt\ndas Zeitungsblatt zusammen und stopft es in die\nTasche, grob wütend): Quatsch!\nSie (lebhaft, aufgeregt): Ja! Quatsch! Wir\nwolin jehn! (schlägt plötzlich um) nee! wir jehn\nnich! (weint und schluchzt) ick will nich! ick\nwill nie mehr! dät hat doch allens keenen Zweck\nnich'!\nChauffeur (roh): Wat Zweck? ! (Greift in\ndie Tasche und holt eine Handvoll Münzen heraus,\ndie er in der hohlen Hand klappert und lacht gur-\ngelnd stolz)\nSie (schmiegt sich an ihn): Du! du hast mir\ndoch (lebendig) Willi! er hat mir injeladen! heite\nabend! dät kannr doch ooch jleich . . . (sie sucht\nin ihren Taschen) oh! . . . (sie hebt triumphierend\ndas Zweimarkstück in die Höhe) ick hab ja noch\nzwei Märker! (jubelt) zwei Märker! Mensch!\nW(illi! nun könn mr leben!\nE r (setzt die Mütze grade, lacht und faßt sie\num den Leib): Oh! Mensch! Wir leben!\nChauffeur (unbehaglich): Kommt mir man\nblos aus de Bude hier raus! Ick halt eich frei!\nAlle frei! Hier is man ja keen Mensch mehr!\nErst inn Tiergarten mit meine Karre! un denn...\nSie (klatscht vor Vergnügen in die Hände):\nO je Tiergarten! un denn (fällt ihrem Mann um\nden Hals) Willi! wat is n scheenet Leben!\nEr (gutgelaunt): Nu siehst de, Schticke!\nSie (eilig): Komm! komm! (ihr Blick fällt aufs\nBett) achott! Fränzchen! (sie deckt ihn zu,\nkreischt aber im nächsten Moment laut auf und\nschüttelt sich vor Lachen)\nChauffeur (schon in der Tür): Na wat?!\nSie (lacht): Willi! son jemeiner Mensch! er\n'hat mir jekitzelt!\nChauffeur (drängt): Komm! ick ... ick\n. . . ! aber nich hier! (schaudert mit einem Blick\nauf das Kind) raus! raus! dät is der Zimmt! (er\nzieht sie beide mit) raus mit eich Schticker!\n(Alle drei gehen raus; sie lacht immer noch\nausgelassen; der Schlüssel wird in der Tür umge-\ndreht; dann gellt das Kreischen und Lachen der\nFrau wieder hell auf; die Männerstimmen hallen\ndazwischen; der Lärm verklingt langsam nach\nunten)\n(Die Bühne bleibt noch einen Augenblick, nach-\ndem Stille eingetreten ist, leer; dann fällt der Vor-\nhang rasch)\nEnde\n*\nAlle Rechte insbesondere der Aufführung vor-\nbehalten.\n\nLe los du Douanier\nUn tout petit oiseau\nSur Tepaule d'un ange\nlis chantent la louange\nDu gentil Rousseau\nLes mouvements du monde\nLes souvenirs s'en voat\nComme un bateau sur l'onde\nEt les regrets au fond\nGentil Rousseau\nTu es cet ange\nEt cet oiseau\nDe ta louange\nlis se donnaient la main et s'attristaient ensemble\nSur leurs tombeaux ce sont les memes fleurs\nqui tremblent\nTu as raison eile est belle\nMais je n'ai pas le droit de l'aimer\nII faut que je reste ici\nOü l'on fait de si jolies couronnes mortuaires\nen perles\nII faudra que je te montra Qa\nLa belle Americaine\nQui rend les hommes fous\nDans deux ou trois semaines\nPartira pour Corfou\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nDes plaies sur les jambes\nTu m'as montre ces trous sanglants\nQuand nous prenions un quinquina\nAu bar des lies Marquises rue de la Gaite\nUn matin doux de verduresse\nLes matelots l'attendent\nEt fixent Thorizon\nOü mi-corps hors de l'onde\nBayent tous les poissons\nJe tourne vire\nPhare affole i\nMon beau navire\nS'est en alle\nLes tessons de ta voix que l'amour a brisee\nNegres melodieux Et je t'avais grisee\nLa belle Americaine\nQui rend les hommes fous\nDans deux ou trois semaines\nPartira pour Corfou\nTu traverses Paris ä pied tres lentement\nLa brise au voile mauve Etes-vous la maman\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nOn dit qu'elle etait belle\nPres du Mississipi\nMais que la rend plus belle\nLa mode de Paris\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nII grava sur un banc pres la porte Dauphine\nLes deux noms adores Clemence et Josephine\nEt deux rosiers grimpaient le long de son äme\nUn merveilleux trio\nII sourit sur le pave des gardes ä la jument\npisseuse\nII dirige un orchestre d'enfants\nMademoiselle Madeleine\nAh! Mademoiselle Madeleine\nAh!\nII y a d'autres filles\nDans l'arrondissement\nDes douces des gentilles\nEt qui n'ont pas d'amant\nJe tourne vire\nPhare affole\nMon beau navire\nS'est en alle\nGuillaume Apollinaire\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nOder war es nicht vielmehr wie ein Finger,\nganz in der Nähe, der hastig und energisch wider\nein dickes Stück Gummi tupfte — oder nein, ge-\nwiß nicht, es trommelte ja wie ein Herz, das in\nrasender Hast, wahnsinnig, mit erstickendem\nGrauen gegen eine Brust hämmert, hier, ganz dicht\ndabei, hinter seinem Rücken, nein, tief da drinnen\nin ihm selber —:\nMein Gott!\nAnnie, meine Geliebte!\nJetzt weiß ich —: mein Herz, an dem Abend,\nwährend ich dich nach Hause trug!\nMein Herz, das da drinnen unter wahnsinnigen\nQualen pochte — während ich hierher lief, dich in\nmeinen Armen! . . .\nEr stand da, schnappte nach Luft, dort am Fen-\nster. Ward jetzt plötzlich von einem häßlichen,\neinem ausweitenden Gefühl unter seinen Rippen\nergriffen — als säße dort irgend etwas, da drinnen,\nin allen Adern seiner Brust, sie unleidlich erwei-\nternd! als wären einige große, eisenharte Tiere in\ndie Venen rings um sein Herz hineingelangt — und\nbrächten sie fast zum Zerspringen!\nEr öffnete gleich darauf seinen Mund zu einem\nSchrei — denn nun stürzten sie alle auf einmal\nvorwärts, ungeheuer, sie sprengten die Wände der\nAdern, sie bissen wie Feuerschnäbel in das Fleisch\nseines Herzens — er wand seinen Körper nach\nrechts mit einem Ruck herum, der Schweiß\nströmte ihm über das Gesicht herab, er hörte den\nFall der Tropfen auf dem Fußboden, es sauste ihm\nvor den Ohren, seine Schläfe Flammen, seine Kehle\ntrocken!\nIm selben Nu dunkelte es vor seinem Blick, er\nmachte schwankend einen Schritt vornüber, schlug\ndie Fäuste gegen seine Brust, sank klagend in die\nKnie, streckte seine Arme mit nach hinten gebeug-\nten Fingern aus — fiel vornüber auf die beiden\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.6", "texte": "Handflächen nieder, hatte von neuem eine Empfin-\ndung, als werde sein Herz heulend aus dem Sack\nder Lungen herausgerissen, Nerven, Muskeln zer-\nfetzt —:\nHilfe!\nNimm es von mir!\nEs tut so entsetzlich weh! . . .\nWahnsinnig versuchte er einen Schrei zu er-\nsticken, zerrte an seinem Kragen, riß die Knopf-\nlöcher der Weste auf, schlug sich mit geballten\nFäusten vor die Stirn, Hilfe, jetzt wieder, eine\nglühende Säge, mein Herz, ich will nicht mehr!\nEr vernahm auf einmal das Geräusch eines lang-\ngezogenen Stöhnens, röchelte vor Angst und Qual,\nfühlte, daß es nun wieder kam, Hilfe, ich verbrenne\nbei lebendigem Leibe und dann war es alles\nweg und zu Ende, ja — Gott sei Dank! nein . . .\nrühr mich nicht an, dann kommt es gleich wie-\nder . . . Ach Gott, sei gepriesen, es ist vorbei, es\nist ganz vorbei, nun kommt es nicht wieder zu-\nrück! ....\nEr lachte mit dunkelndem Blick, zitternden\nLippen, ermattet bis ins Innerste — noch immer\nauf allen vieren dort liegend; auf zitternden,\nschweißfeuchten Händen und auf schmerzenden\nKnien, der Kopf bleischwer zwischen den beben-\nden Armen herabhängend.\nAber einen Augenblick später ward er unver-\nmutet von einem eiskalten Schamgefühl getroffen,\nfand es unbegreiflich, daß er sich auf diese Weise\nso hatte übermannen lassen, lächerlich, hysterisch!\nEr erhob sich mit Mühe, stand schließlich auf\nbeiden Füßen, noch mit einem ganz schwachen\nStechen tief da drinnen — mit kurzem, keuchen-\ndem Atem. Dachte im selben Nu an Annie — und\nan alles, was sie hatte leiden müssen!\nEr schob es mit beiden Händen von sich, är-\ngerte sich gleich darauf über diese Schwäche,\nstarrte wild um sich her, mit beständig halb zu-\nsammengepreßter Kehle — tat schwankend ein\npaar Schritte vorwärts, und glitt langsam in den\ngroßen, roten Stuhl nieder, auf dem der Professor\nvorhin gesessen hatte.\nEs tat ihm gut, zu sitzen.\nBehutsam streckte er beide Beine lang vor sich\naus, ließ den Nacken leise hintenüber sinken.\nMit einer rätselhaften Süßigkeit erinnerte er\nsich gleich darauf, wie weh es getan hatte. Eine\nSekunde war es ihm, als sei das alles zusammen\nmystisch um Annies willen geschehen — aber im\nselben Augenblick ekelte ihn heftig bei dem Ge-\ndanken, er fand ihn häßlich, sentimental und lügen-\nhaft — und vor allem gemein darauf berechnet, ihn\nselbst anzuführen, ihn dazu zu bringen, das Ent-\nsetzliche, das Namenlose, was sie hatte leiden müs-\nsen, zu vergessen!\nNein, dachte er heftig — und was war übrigens\ntrotzdem das, was er jetzt hier erlebt, im Vergleich\nbloß zu dem, was er in jenen ersten zwölf Stunden\nempfunden hatte — oder vielmehr, schon von dem\nMoment selber an, an jenem Abend, wo er an die\nEisenbahnstation telephoniert und dort erfahren\nhatte, daß . . .\nEr machte eine gewaltsame Bewegung mit bei-\nden Händen, wollte sich nicht hieran erinnern,\nwollte die Kraft haben, es zu verscheuchen — so\nwie in früheren Zeiten, so wie er es wieder und\nwieder im Laufe dieser zwei langen, langen Jahre\nvermocht hatte — in diesen zweimal dreihundert-\nundfünfundsechzig grenzenlosen Nächten!\nNicht wahr —: sehr möglich, daß seine\nKräfte allmählich im Begriff waren, zu versagen!\nsehr möglich, daß er heute aus unerklärlichen\nGründen und Grundesgründen verwerflich sein\nBenehmen geändert, sich restlos anders benommen\nhatte, nach jeder Richtung hin, als bisher! sehr\nmöglich! jawohl — und er hatte ja auch versucht,\neine Andeutung von Berechtigung dazu oder eine\nEntschuldigung dafür in der Tatsache zu finden,\ndaß das Manuskript, dies letzte und äußerste Manu-\nskript, dort lag und fertig war!\nEr war also tatsächlich mit seinem Werk zu\nEnde gelangt, hatte in dem Buch dort das Tiefste\nund Höchste niedergeschrieben, was er vermochte\n— hatte nicht das geringste mehr hinzuzufügen!\nUnd ergo hatte er jetzt wohl ein klein wenig\nRecht dazu . . .\nAber von neuem bestrebte er sich, diese Vor-\nstellungen mit Energie zu verscheuchen, sah deut-\nlich ein, wie folgeschwer, wie gefährlich es war,\nnachzugeben — suchte auch sich selbst in Zorn\nzuzureden wegen der Gedanken, die da eben durch\nsein Gehirn geflogen waren —:\nUnsinn!\nPrahlerei von Alpha bis Omega!\nKein Künstler konnte jemals in seinem vierzig-\nsten Jahre kommen und sagen, daß er nun sein\nletztes Wort geschrieben habe! Niemals!\nWenn ihm einmal das Leben diese Gaben ge-\nschenkt, ihm ohne zu zählen vierzig große Jahre\ndes Strebens, des Könnens, des Glückes verliehen\nhatte — ihm alles, was sich Gutes denken ließ, ge-\ngönnt hatte, alles, weswegen die Menge sich tag-\ntäglich von Morgens bis Abend ein ganzes, langes,\nlanges Leben hindurch abmüht und plagt, um nur\neinen winzig kleinen Bruchteil davon zu er-\nreichen . . . dann fehlte es auch noch gerade, daß\ner nachgab!\nNein, wahrlich, noch waren keineswegs seine\nSchulden bezahlt — seine ungeheuren Ehrenschul-\nden an sie alle, an Sie, an das Leben selbst! Sicher-\nlich nicht —: alles das, was von jenem Abend\nstammte, alles das, was offenbar und ver-\nborgen an jenem Abend vor zwei Jahren begonnen\nhatte, während er dort unten an der Straßenbahn\nging und vergebens auf sie wartete —: bei alledem\nzu verweilen hate er nicht das Recht! es war vor-\nbei, es war fertig und abgeschlossen, es war für\nimmer hinter Schloß und Riegel gesetzt ... so wie\n— ja, gerade so wie der Urheber zu dem ganzen,\nso wie Karl Mumme selbst —: es war seine ein-\nfache Pflicht, das alles zu vergessen! . . .\nDoch, trotzdem fuhren seine Gedanken fort,\nwieder und wieder zu diesem einen Punkt zurück-\nzukehren.\nEr ertappte sich plötzlich dabei, daß er den\nVersuch machte, sich selbst zu beweisen — daß\nes ihm in Wirklichkeit gut tun würde, es würde\nihn ja gerade außerordentlich stärken und trösten,\nwenn er von neuem diese Stunden von damals\nwieder erleben könnte!\nUnd nicht genug damit —: aber war es nicht\neine Untreue gegen Annie, eine Wortbrüchigkeit,\nein wiederholtes Sieverlassen, ein neues und noch\nfeigeres Sieimstichlassen — daß er so unmännlich\nvor diesen Vorstellungen zurückwich!? . . .\nAngstumfangen erhob er sich schließlich mit\neinem Ruck, wollte fort von hier, ins Bett hinauf,\nhinaus und spazieren gehen, wieder hinab in den\nGarten, fort, gleichgültig wohin, nur fort, so schnell\nwie möglich fort von hier, sogleich weg da\naber fiel sein Blick auf einmal auf den Brief, der\ndort mitten auf der Platte des großen Tisches lag,\nauf den länglichen, blauen Brief mit dem Siegel\ndes Gerichts —:\nNun ja!\nKarl Mumme!\nIn ganz wenigen Stunden sollten sie beide ein-\nander von Angesicht zu Angesicht gegenüber\nstehen! . . .\nNoch mehr entnervt suchte er auch diesem Be-\nwußtsein zu entfliehn, starrte einen Augenblick\nentsetzt umher, tat einen Schritt auf den Tisch zu,\nmachte eine Handbewegung, um dies Stück Papier\nzu zerreißen — streckte darauf seinen Arm aus,\nwie um ein Buch zu ergreifen und zu tun, als lese\ner, erhob darauf jäh beide Hände über seinem\nScheitel, stürzte vorwärts durch das Zimmer, auf\ndie Tür zu, wollte fort, hinaus, weg und\nda blieb er einen Moment stehen, die Finger um\nden Türgriff geklammert, warf seinen Kopf zurück,\nplötzlich in ein kurzes und röchelndes Lachen aus-\nbrechend —: Ja, ja, denn genau auf dieselbe Weise\nwar er ja an jenem Abend durch das Zimmer ge-\nstürmt, mit diesen langen, beiden Sprüngen, die\nihn von der einen Seite des Schreibtisches — und\nganz bis an die Schwelle führten, wo er in diesem\nAugenblick stand!\nGerade so, dachte er in schwindelnder Hast,\nlehnte seine Schultern schwer gegen den Rahmen\nder Tür und pr'eßte seine Hand 'gegen die\nAugen —:\nGerade derselbe Sprung — wie damals!\nAn jenem meilenfernen und gegenwartnahen\nAbend, den er nie vergessen konnte — und bei\ndem er im innersten Innern seines Sinnes in jeder\nSekunde verweilte!\nNein, nicht das geringste von alledem war ver-\ngessen, alles saß so tief in seinen sämtlichen Fi-\nbern, zu gleicher Zeit seine Stärke und seine\nSchwäche — bereit, jede Minute hervor zu kom-\nmen!\nAch ja, dieser gräßliche Abend vor zwei Jah-\nren —: Sommer wie jetzt, Nacht wie jetzt, die\nUhr ein wenig über eins. Er hatte dort gesessen\nund viele, viele Stunden geschrieben. Annie war in\nder Stadt — bei ihrer Mutter, die nicht wohl war,\ndie krank lag, ernstlich krank.\nJener Abend . . . während er schrieb, sah er\nhin und wieder nach seiner Uhr, die er vor sich\nauf den Tisch gelegt hatte, um auf die Zeit acht\nzu geben, wenn sie nach Hause kam. Erst mit\nder letzten Straßenbahn von da drinnen, hatte sie\nvor ein paar Stunden telephoniert; er hatte ge-\nfragt, ob er nicht lieber in die Stadt kommen und\nsie holen sollte — aber sie hatte nein geantwortet,\nsie wußte ja ebenso gut wie er, daß diese Arbeit,\nmit der er beschäftigt war, sehr eilte — und im\nübrigen fuhr die Straßenbahn sozusagen von\nTür zu Tür!\nNun ja, er warf noch einen letzten Blick auf\ndie kleinen, schwarzen Zeiger ■—: ja wohl, fünf\nMinuten über, es wird am besten sein, wenn ich\njetzt gehe, in zwei Minuten ist der Wagen hier!\nEr erhebt sich, nimmt Hut und Stock und geht\nhinaus. Es ist warm, es ist sternenklar, es ist ein\nwunderbares Wetter aus Sommer und aus einem\nfrischen kleinen Wind, der von da draußen vom\nWasser her streicht — und so fein in den Bäumen\ndes Weges saust. Er drückt den Hut fest auf den\nKopf, eilt, mit dem innersten Innern seiner Ge-\ndanken, noch bei dem Papier dort oben verwei-\nlend — eifrig nach der Haltestelle da drüben rechts\nhinüber!\nEr hat reichlich Zeit, er vergißt plötzlich sein\nBuch, entsinnt sich lächelnd, daß jetzt endlich Annie\nankommt, sie ist viele Stunden fort gewesen\nund siehe, unten bei der Biegung schimmert schon\ndas rote und das weiße Licht in der Ferne!\nEr geht auf die Fahrstraße hinaus, dicht bis an\nden hohen, hellgrauen, eisernen Mast, der die\nDrähte trägt.\nDer Wagen nähert sich, lärmend braust er vor-\nwärts, sein Lichtschimmer fliegt über den Staub-\ndes 'Weges dahin, vorüber an den Büschen, die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.7", "texte": "sich aus Gärten vorbeugen, glüht in den beiden\nendlosen Kupferleitungen da oben!\nNun ist er ganz nahe, seine Fahrt läßt nach —\nschnell schweift Mortons Blick über die breiten\nFensterscheiben dahin, wo ist sie nur? — Der\nWagen hält, eine ältere Dame in Schwarz steigt\naus — aber Annie ist nicht da!\nSie ist nicht da denkt er, mehr erstaunt als\nunruhig —: warum wohl nicht?\nIhm fällt ein, daß er sich vielleicht geirrt hat,\ndaß dies möglicherweise gar nicht der letzte Wa-\ngen ist — und als sich der Motor schon mit einem\nBrummen wieder in Gang gesetzt hat, und das\nlange, strahlend helle Gefährt kreischend auf sei-\nnen Schienen dahinschreitet, gelingt es ihm noch,\ndem Schaffner zuzurufen, indem er den Hut mit\nbeiden Händen festhält: „War dies der letzte Wa-\ngen? . . .\" und in seinem Ohr klingt die Antwort\nwie ein Echo —:\n„Der letzte Wagen!\nJawohl!\"\nNun ja, besinnt er sich — es kommt ihm aber\ndoch anfangs nicht ganz wahrscheinlich vor: sie\nist vielleicht schon bei der vorhergehenden Halte-\nstelle ausgestiegen, um in dem schönen Wetter\nnoch die paar Minuten zu gehen!\nEr tritt also auf den Bürgersteig zurück, sucht\ndurch das Dunkel hindurch zu spähen, geht ein\npaar hundert Schritt zögernd vorwärts, in der\nHoffnung, sie dort bei dem ersten Laternenpfahl\nanzutreffen . . . oder doch auf alle Fälle bei dem\nnächsten . . . oder bei dem übernächsten sicher!\nEr lächelt bei dem Gedanken, ihr Gesicht zu\nsehen, ach, das goldene Haar, das jetzt binnen\nkurzem ihm aus der Ferne entgegenschimmern\nwird, ihr Lächeln, den schwachen und lieben\nDruck ihres Armes zu spüren, während sie zu-\nsammen umkehren — vielleicht sollten sie eigent-\nlich noch einen kleinen Spaziergang machen, ehe\nsie hineingingen?\nJa, aber . . .\nNein!\nSie ist ja doch nicht hier — obwohl sie schon\nbis hierher gelangt sein müßte, wenn sie wirk-\nlich . . .\nAber vielleicht, ja, natürlich, sie ist ganz ein-\nfach schon zu Hause angelangt 5— während er\nnichts ahnend dort rechts stand und auf den Weg\nwartete und den Schaffner ausfragte!\nWieder von neuem belebt, beeilt er sich, kehrt\n■zu machen, nach Hause zu laufen.\nEr stößt das Tor auf, vergißt es wieder zu\nschließen, kommt herein, ein klein wenig atemlos,\nein wenig warm von der heißen Luft — hat gleich\ndarauf mit seinem Blick nach ihren Sachen im\nEntree gesucht: nun ja, da sind sie nicht, sie ist\nalso wahrscheinlich gleich damit hinauf gegangen\n— denn es ist ja geradezu unmenschlich warm,\npuh, du großer Gott, man schwitzt wie ich\nweiß nicht was, kann kaum atmen vor schwüler\nHitze; vielleicht ist sie auch ein wenig müde,\nnicht wahr, es liegt natürlich nicht der geringste\nGrund vor, unruhig zu sein!\nDas Mädchen kommt aus ihrem Zimmer, wäh-\nrend dies blitzschnell durch sein Gehirn flog.\n„Wo ist die gnädige Frau?\" — fragt er, schon\nein Stückchen die Treppe hinauf, die in das obere\nStockwerk führt — indem er sich über das weiße\nGeländer lehnt.\n\nFortsetzung folgt\n\nZiele\nH. W.\nDas Ziel der Klasse\nDr. v. Studt: Die moderne Kunst erweckt\nschmerzvolle Enttäuschung und Entrüstung. In\nweiten Kreisen der Lehrerschaft unserer höheren\npreußischen Kunstanstalten besteht die Besorgnis,\ndaß die Schüler dem Einfluß der modernen Rich-\ntung erliegen und die Ziele nicht erreichen, die\nihnen gestellt sind.\nDas äußert besorgt ein früherer preußischer\nKultusminister im preußischen Herrenhaus. Wenn\njunge Künstler Berge zu versetzen suchen, kön-\nnen sie eben nicht versetzt werden. Den Kunst-\nprofessoren wird um ihre Oberlehrerwürde bange:\nihre Schüler erreichen nicht mehr das Ziel der\nKlasse. Bei der vorgesetzten Behörde wächst\nschmerzvolle Enttäuschung und Entrüstung. Und\ndie Kunst wächst über die vorgesetze Behörde\nhinaus.\nDas Ziel der Pfingsten\n„Son pere possedait une des plus importantes\nmaisons de commerce de soie. II etait encore au\ngymnase que dejä les journaux et les revues pu-\nbliaient ses poemes.\"\nDer französische Biograph kann sich eben\nnicht deutsch ausdrücken. Nicht der Vater,\nder das sehr bedeutende Seidengeschäft be-\nsaß, der Sohn dichtete auf dem Gymna-\nsium. Seidene Gedichte. Der Sohn weiß,\nwas man einem sehr bedeutenden Seidenhaus\nschuldet. Soie oblige. Sie schillert. Der Sohn\nauch. Nachdem er als Sohn eines Großindustrie-\nellen in üblicher Weise sich mit dem „Acker\" be-\nfaßt hatte, veröffentlichte er Gedichte auf Ge-\ndichte. Nichts Heiligeres blieb von ihnen ver-\nschont. Er verherrlichte alles. Pfingsten ist für\njeden Dichter eine jedes Jahr wiederkehrende Ge-\nlegenheit, sich auf den heiligen Geist zu stürzen.\nDer Sohn des alten Lissauers benutzt die Kon-\njunktur: „Anruf\".\n„Stürze nieder auf mich, den ich singe, du\nschöpfender Geist\".\nEr schöpft wirklich, literweise, die Folge ist\nein neues Gedicht: „Die Ausgießungen\". Und nun\nregnet er los, der Sohn — tres important — des\nalten Lissauers. Alle besserem Leute haben um\nPfingsten rum geschöpft.\n„Die Pfingsten weilen am Himmel und schütten\nsich aus auf Homer.\"\nChristi Auferstehung hatte sich der alte Homer\nauch nicht träumen lassen. Aber er gehört zur\nFirma, und wenn man einmal einen Traum be-\nzogen hat und der Pfingsthimmel so bezogen ist,\ndaß es nur so schüttet und gießt, spinnt man seine\nFäden auch zum Zweck der Okkasion rückwärts.\nO'importe. Die Pfingsten verursachen weiter er-\nhebliche Verkehrsstörungen:\n„Zu Assisi saß Franz, des Bernardo Sohn,\nwas mag dieser Vater für ein sehr bedeutendes\nGeschäft besessen haben, kein französischer\nBiograph gibt davon Kunden\nmit den Freunden beim Mahl,\n„Feuer fiel durchs Dach auf die Diele, doch nie-\nmand sonst sah es im Saal,\n„und er schrie und zerriß das Gewand,\n„und schrie und lief nackt aus dem Saal ins Land.\"\nDie Pfingsten sollten nicht mit dem Feuer spie-\nlen, die besten seidenen Gewänder zerreißen. Des-\nhalb überlegten sich das auch die Pfingsten und\nbegnügten sich nunmehr mit Brausen ohne Was-\nser, was aber auch eine ganz hübsche Wirkung\nhatte:\n„Vor ihrem Brausen zu Wittenberg, barst die\nengst'arrende Zelle,\nLuther der Mensch trat heraus, umdonnert\nvon Helle.\"\nNun, sagten sich die Pfingsten, wenn doch\nalles kaputt geht, macht Feuer doch mehr Spaß.\nDann wollen wir mal das Feuer nicht fallen lassen,\nsondern gleich mit Feuer hageln, was auch eine\nganz hübsche Musik gibt:\n„Und sie standen bei Nacht über Wien, hoch ob\nder Mölkerbastei,\nEiner schlief in der Kammer, armselig gleich\nDomestiken,\nFeuer hagelte durchs Gebälk, Beethoven fuhr\nauf mit Schrei,\nund fiel an den Flügel, ausgießend große Musiken.\"\nDa lag Musike drin. Beethoven verstauchte\nsich das Bein, die Saiten des soeben erfundenen\nFlügels zersprangen und die Pfingsten lachten sich\neinen Ast in das Gebälk. Und welchen Blick in\ndie zarte Seele von Lissauer jr. kann der sehr\ngeehrte Leser hierbei tun. Wie der junge Dichter\ntränenden Auges auf die armseligen Domestiken-\nkammern des hochherrschaftlichen Vaterhauses\nstarrte. Ach, wie gern hätte er ihnen die Frem-\ndenzimmer weit geöffnet. So ahnte Sudermann\nschon in seinen Hintertreppenträumen die jungen\nDichter aus den gehobenen Branchen voraus. Die\nPfingsten reisten immer weiter\n„Von dem heiligen Wald, wo der Dornstrauch\nvor Moses erbrannte,\nBis nach Florenz zum Haus des höllebildenden\nDante,\nUeber den Saal, wo des Rubens' Gesicht die\nSünder zum Falle verdammte,\nUeber das Weimarerhaus, wo Schillers Tisch-\nholz erflammte.\"\nBis über des Lissauers Haus, wo die Feuer-\nversicherung nicht einsprang,\nWeil nicht gehindert der Senior des Juniors\nfeurigen Dichtdrang.\n„Aber die Menschen sehen die reisenden\nFeuer nicht;\nNie vollendend die ewige Fahrt gleitet das\npfingstliche Licht.\"\nDarum sollen die Menschen Pfingstens zu\ndichten nicht trachten,\nDichten macht auch viel Spaß zum fröhlichen\nFest Weihnachten.\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nUntreue\nSie hat hundert Augen\ndie brennen durch meine Nacht.\nMeine Hände krampfen:\nKomm dazwischen!\nAuf allen Tischen\nwimmern die Kelche.\n\nGedicht\nSie überstrahlt alle Schimmerlampen\nim schwülen Saale\nund ist die stille Königin von Cutaway und Sacco.\nSie sind wie die Hunde zur Frühlingszeit\num das Weib.\nKeiner findet ein Loch in ihren Seidenstrümpfen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140701-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Potsdamer Strait* 134 a\nSiebenundzwanzigste Ausstellung\nGleizes / Metzinger\nDuehamp-Villon /Villon\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Somitags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nErdffmmg in Genf: 15. August: Kandinsky\nSturmausstellungen in Deutschland und im Aus-\nland I Jul! 1914\nStuttgart: Franz Marc\nGoteborg / Schweden: Der Blaue Reiter\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\nAugsburg: Gabriele Miinter\nTokyo: Graphik\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten iedes Monats\nQauerbezug\nGewdhnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungam: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes J Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplar e auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nclurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi er teljah r e s bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nziehuhg des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuifcre /\nParis\n\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen /\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton li ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nG1 uc k —! I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in em-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a ,/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig j Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nElerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Oe-\ndichten von Ar no Ho I z ! Ffir Oesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer I: Er\nhort mit ihr den Qukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig\nKfinstierpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug voller Fahrt / Oino Seve-\nring Die Modistin I Ruhelose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Munter / Marc Chagall /\nKlee / L6ger / Jawlensky / Werefkin / Qleizes usw\nIllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fUr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko ./ Oskar\nKokoschka / August M&cke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\n\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni ,/ Severlui /\nCarra / Russolo / Francis Picabia J Scbmidt-\nRottluff I Walter Helbig / Max Pechsteia\nVerein fUr Kunst ,\nLeitung Herwarth ? Walden / Elftes\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkarriappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm\n\nZeitsehriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via.\nNazionale 25\nLa Route / Revue del' Effort Social I Paris / Rue>\nde Vaugirard 120\nLa Renaissance Conteinporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Pranoalse / Monatsschrift I\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc\n50 centimes\nLeg Cahiers du Centre > Mouljns [AUierj\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustrS ft\nDirecteurs: Quillaume Apollinaire et Jean C£-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail I Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift ffir neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPoet-Lore Begriindet 1890 ! Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck ./ Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge } Whitman 112\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose /' Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste I\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be--\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\nenthalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart /' Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Blichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}