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Wilhelm Mauke, der\nernste deutsche Komponist, macht ein Klamauk,\ndie Zeit im Bild hält Maukes Bilder fest. Nein,\ndas ist ein gaz toller Künstler, der Richard Strauß.\nAls Christus fing er an, als Moses hört er noch\nnicht auf und die Propheten reißen sich bei dieser\nMusik um ihre Sehergabe. Doch fangen wir mit\nMauke historisch an. „Der europäische Musiker\n— kaum Wedekind, Reinhardt und Pegoud über-\ntreffen ihn an Ruhm — entstand aus einer Kreu-\nzung von altem münchener Bieradel mütterlicher-\nseits und praktischem Antiwagnerianertum väter-\nlich.\" Der Bieradel ist keine Schnapsidee, aber\ndie Kreuzung mit der Bierbourgoisie, dem prak-\ntischen Antiwagnerianertum, ließ einen Reis ent-\nstehen, der sich naturlogisch mit künstlicher Be-\nmühung zu unserm fünfzigjährigen Strauß ent-\nwickelte. Nicht einmal zwei Städte brauchen sich\num diesen Reis zu reißen. Dieser gesunde Bier-\njunge konnte nur in München geboren werden:\n„In dem bescheidenen Pschorrhinterhaus am\nchristkatholischen Altheimereck in Alt-München.\nDas Bethlehem der neuen Musik!\" Der beschei-\ndene Stall und das bescheidene Pschorrhinterhaus.\nAuch der Bieradel hat es nicht mehr leicht. Selbst\nPschorr fängt an zu siechen. Musik hilft drüber\nweg. Die Tochter Pschorrs läßt sich das Wald-\nhorn blasen. Im stillen Kämmerlein des Kammer-\nmusikers Strauß blüht neues Leben und im Beth-\nlehem der neuen Musik wird ihnen Richard ge-\nboren. Und nun gehts los: „Gymnasium, Hol-\nlandeum, Kgl. Kontrapunkt-Fabrik am Odeons-\nplatz ( — jetzt gibts dort neue Kunst —) gleich-\nzeitig philosophische Kollegs an der Universität;\nLiszt's Weihekuß auf die Stirne\" (— als verspä-\nteter Ersatz für die heiligen drei Könige —) und\nso weiter, und so weiter, „Eingreifen Alexander\nRitters, des treuesten der treuen Wagnerianer\nals Mentor Jung Richards\" und so weiter, und so\nweiter, „der Enkel Spitzwegs, der Münchener\nVerleger Eugen Spitzweg wagt als erster Kom-\npositionen des feurigen Revolutionärs und Um-\nstoßers alter Gesetzestafeln zu verlegen (was spä-\nter für Herrn Fürstner keine Kunst mehr war).\"\nWobei nicht ganz klar ist, ob für Herrn Fürstner\ndie Kompositionen des Jung-Moses keine Kunst\nmehr waren, die der Konkurrent schon verlegt\nhatte, oder ob Herr Fürstner die Kompositionen\nfür keine Kunst mehr hielt, die er von dem älteren\nUmstoßer verlegte. Und nun nach diesen ver-\nschiedenen religiösen Metamorphosen begann der\nJungmeister Richard Strauß zu singen, „der junge\nüberquellende Liederdichter, aus dem der Lenz\nnicht nur, auch ein heißes Glücksgefühl des\nSchaffens und ein dionysisches Jubeln sang\".\nNach der Singerei kam „Pauline, die energisch-\ntreue Gattin\". Aber es kam immer besser:\n„nächst dem Lied, dessen Grenzen er durch Hin-\neinziehen des sozialen Moments zeitgemäß erwei-\ntert hat, hat der Jubilar auf dem Gebiet der sym-\nphonischen Programm-Musik Werke von bleiben-\nden Wert und vorbildlicher Bedeutung geschaf-\nfen.\" Erst gesungen und dann geschafft. „Bis\ndahin unerhörte Kunst der Tonmalerei, die wohl\nrealistisch vorgeht und detailliert . . . Individua-\nlisierung und Erlösung der einzelnen Orchester-\ninstrumente zu selbständigen Persönlichkeiten.\"\nDie Pauke wird erlöst und die Windmaschine und\ndie Ruten äußern sich höchst persönlich. Bis\nschließlich noch „ein ganzer Komplex half zum\nWelterfolg, dem Durchbruch jener schwereichenen\nBarrikaden, die den Künstler von der Welt tren-\nnen.\" Der Komplex ist etwas kompliziert, aber so,\ndaß tout le monde sich nicht mehr von dem Herrn\nKünstler getrennt fühlt und sogar der Tonsetzer\nmit den 89 Mark und 11 Pfennigen etwas bitter\nwird. Der Komplex heißt: „Die Bibel, Oskar\nWilde, die Konjunktur der Hysterie und perversen\nErotik, der Feminismus und Semitismus der groß-\nstädtischen Seele, Max Reinhardt, Hofmannsthal,\nBerliner Großindustrielle, die Presse, der Antike-\nrummel im Zirkus, der Wienerwalzer, die Ver-\nwechslung von Oskar Strauß mit Richard.\" Der\nKollege Mauke vergißt reineweg die Jubelstim-\nmung über den Komplex. Jedem ist nicht solch\nein Komplex gegeben. Aber Richard Strauß, „der\nOrganisator\", versteht es. „Er weiß, daß er die\nPresse um den kleinen Finger wickeln kann.\" Als\nRichard Wagner lebte, war der Holzbock vom\nLokal-Anzeiger zwar schon geboren, aber noch\nnicht von Scherl berufen. Von Richard Strauß\nwurde er auserwählt, um das deutsche Volk in\ndie Pläne des Mittelaltmeisers einzuwickeln. Nur\ndie alldeutsche, echtpreußische Presse funktio-\nnierte noch nicht. Sie glaubte offenbar dem Mit-\ntelaltmeister die Reinheit des Rassebieradels nicht.\nUnd jetzt endlich erfährt das erstaunte Volk vom\nBiographen Mauke, warum Strauß den Rosen-\nkavalier schrieb: „Des Vorwurfs rassereiner Kri-\ntiker ewigen Semitismus und Feminis-\nmus satt, stellt Strauß also im Rosenkavalier end-\nlich einen Mann in den Vordergrund. Den Ochs,\nenen unverdächtgen arischen Rüpel von primitiv\nmaskuliner Männlichkeit.\" Sowie die rassereinen\nKritiker die maskuline Männlichkeit im Vorder-\ngrund sahen, übersahen sie die Frau und\ndas Bett im Hintergrund. Diese beiden wur-\nden nach der Logik des Biographen Mauke\naufgestellt, um auch weiterhin die semitische\nund feministische Presse um den kleinen\nFinger wickeln zu können. Hoffentlich haben sich\ndie rassereinen und die rasseunreinen Kritiker\nbei dem gemeinsamen Gekrabbel um den kleinen\nFinger nicht zu sehr gegenseitig gestört. Es ist er-\nreicht, heil dir im Lorbeerkranz, er steht auf dem\nbekannten Gipfel, eigenem und hypothekenfreiem\nBesitz, das Betreten des Grundstücks ist nur dem\nHolzbock und vielleicht von nun ab auch dem\nMauke gestattet, der also erschüttert und er-\nschütternd schließt: „Von der Höhe seiner fünfzig\nJahre darf dieser schlanke, elastische, von Win-\ntersport gebräunte, (— es wird einem blau\nvor den Augen —) von intensiven Lebensgenuß\nbeschwingte, in beiden Welten beheimatete Jüng-\nling (— schier fünfzig Jahre bist du alt —) im\nschütteren Lorbeerkranz, Einsiedler und Globe-\ntrotter zugleich, mit stolzem Lächeln auf seine\nErfolge und Taten blicken.\" Hoch von der Höhe,\nhoch, hoch ihm, Riccardo Strauß, Ritter pp. hoher\nOrden, Doktor der Philosophie, Obergeneralfeld-\nmarschallmusikdirektor, Meisterschaftsbobsleigh-\nfahrer. Durch Nacht zum Licht. Ueber Land\nund Meer. Nord und Süd. Ost und West. Kunst\nund Künstler. 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Badezimmer —: auch da nicht!\nWo denn??\nEinen Augenblick bleibt er auf der Schwelle\nstehen, auf dem Wege nach unten zurück.\nZum erstenmal fährt ein Stich, ein plötzlicher,\nbrennender Stich durch sein Herz —: aber noch\nist es mehr Enttäuschung als Unruhe, mehr Be-\ntrübnis darüber, sie noch eine Weile entbehren\nzu müssen — als Angst!\nNun, denkt er, und lacht im selben Moment\nzärtlich und licht: das Dummerchen, sie hätte sich\nja doch die Mühe machen können, mir zu telepho-\nnieren, daß sie . . .\nDaß sie was?! — fragt er sich jäh selbst; er\nist wieder in sein Zimmer hinunter gekommen und\nsteht da, ist sich auf einmal klar darüber gewor-\nden: daß sie dann überhaupt nicht mehr in dieser\nNacht nach Hause kommen kann, kurz und gut,\nsie ist da drinnen geblieben, sollte es, mit andern\nWorten, plötzlich ganz schlimm mit ihrer Mutter\ngeworden sein — ist die Sache in dem Maße ernst,\nmein Gott!\nEr hat schon den Arm ausgestreckt, um nach\ndem Telephon zu greifen ,— erinnert sich dann\naber, auf einmal unsagbar erleichtert, daß da noch\nein Zug ist!\nNatürlich!\nEin Zug, der eine Viertelstunde später von der\nStadt abgeht als die letzte Straßenbahn!\nUnd ihre Eltern wohnen dem Bahnhof ja gerade\ngegenüber —: kurz und gut, sie ist ganz einfach\nmit der Eisenbahn gefahren!\nJa, aber — er fühlt sich ein wenig beunruhigt:\nWenn der Zug aus der Stadt eine Viertelstunde\nnach der Straßenbahn abgeht — dann hätte sie ja\nschon hier sein müssen? Noch ehe er vorhin den\nWeg hinab ging, um sie zu erwarten nicht\nwahr! Zweifelsohne, selbstverständlich!\nEr hebt die Hand an den Kopf, mit einem son-\nderbaren, gleichsam tickenden, kleinen Gefühl da\ndrinnen in seiner Brust — das indessen im selben\nAugenblick innehält, in dem er sich erinnert: sie\nweiß doch, daß er es nicht gern sieht, wenn sie\ndes Abends oder in der Nacht allein hier draußen\ngeht, wenn es auch nur ein Zehnminutengang ist,\nvon der kleinen Station da oben bis hier zur Villa\nhinab, wo sie wohnen —: und vermutlich ist sie\nalso gerade in dieser Sekunde im Begriff, ihn von\nda oben anzurufen, um ihn zu bitten, zu kommen\nund sie zu holen! Ganz sicher, hahaha, ganz ein-\nfach, sie hat wahrscheinlich schon vergebens tele-\nphoniert — gerade während er da unten an der\nStraßenbahn stand; auch das hat sie aller Wahr-\nscheinlichkeit nach jetzt hinterher ausgerechnet\"—\nund steht deswegen dort und wartet darauf, daß\ner sie anklingeln soll!\nMit einem Sprung ist er am Telephon, klingelt\nheftig drauf los, eifrig, seiner Sache vollkommen\nsicher, schon mit dem Ansatz eines Lächelns um\nseine Lippen, kann gleichsam in seinen Ohren die\nWonne fühlen, nun sofort ihre Stimme hören zu\nsollen! Hahaha, höchst kindisch, das muß er ehr-\nlich zugeben — aber er ist wirklich sozusagen\nganz nervös, vor lauter froher Erwartung, nach\ndieser Abwesenheit von den paar Stunden . . .\n„Jawohl, Fräulein!\nEisenbahnstation — danke! . . .\nSo, ach ... ah . . . vielleicht der Assistent,\nguten Abend!\nJa, Sie sprechen mit Morton, sagen Sie mir\ndoch: haben Sie vielleicht nicht zufällig beobach-\ntet, ob meine Frau in dem Zuge war, der eben\naus der Stadt kam?\"\nEr hört die Antwort, es ist ein munteres und\nehrerbietiges Ja. Seine Augen leuchten, er ist eben\nim Begriff, den Hörer in übertriebenem Eifer an-\nzuhängen, entsinnt sich dann plötzlich sehnsuchts-\nbenommen, daß sie also irgendwo in den Warte-\nsälen da oben sitzen muß, er kann es auf einmal\nnicht mehr aushalten, er muß ihre Stimme gleich,\nsofort hören —: „Ach, bitte, entschuldigen Sie,\naber sagen Sie mir doch, würden Sie mir viel-\nleicht den Gefallen tun und einmal nachsehen ob\nwohl da draußen im Wartezimmer sitzt —\nund sie in dem Fall bitten . . .\"\nAber die Antwort ist schon da, prompt —:\n„Nein!\nFrau Morton ist nicht da ,— sie war die ein-\nzige, die hier auf der Station ausstieg!\nIch habe übrigens selbst die Fahrkarte der gnä-\ndigen Frau abgenommen — sie ist den Bahn-\nhofsweg dann hinuntergegangen — sie muß also\nschon . . .\"\nMorton hört den jäh veränderten Ton hinter\nder Stimme des Mannes, eine keimende Unruhe\n— seine Hand hat selbst angefangen unerklärlich\nzu zittern —:\n„Vielen Dank — entschuldigen Sie!\nGute Nacht!\" — sagt er kurz, hängt den Hörer\nan und steht einen Augenblick da, plötzlich atem-\nlos lahm, kann weder denken, noch sich besinnen;\nhat auf einmal ein häßliches, ein frierendes Gefühl\nvon irgend etwas Kaltem und Schwarzem dort\nhinter sich, oder oben über seinem Scheitel . . .\nund dann in zwei rasenden Sätzen ist er rurid um\nden Schreibtisch gelangt, bis an die Tür, hinaus\ngekommen.\nDie Dunkelheit, das Sausen der Bäume, das\nGartentor — er bleibt auf einmal da unten stehen,\nwahnsinnig nach rechts und nach links auf den\nWeg hinausstarrend — der sich dort zu beiden\nSeiten in die Nacht hinzieht, staubschimmernd, öde,\nhier und da die Laternen mit ihren großen Kugeln\naus gelblichem Licht.\nMein Gott, das Ganze ist ja unmöglich, man\nkann nicht mehr als sechs oder sieben, höchstens\nacht, neun Minuten zu dem Stückchen Weges ge-\nbrauchen!\nMit andern Worten, schon zwei bis zweieinhalb\nMinuten, bevor er das erstemal hier draußen war,\nmußte sie bis hierher gelangt sein! Es ist also\nirgend etwas geschehen: krank geworden, in der\nDunkelheit gestrauchelt, zu Schaden gekommen??\nNoch einmal sucht er wild, besinnungslos, sein\nGrauen zurückzudrängen, greift wahnsinnig nach\nganz sinnlosen, trostlosen Vorstellungen —:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9943, "texte": "Jawohl!\nAber ihre Mutter!\nVielleicht ist sie wirklich noch da drinnen in\nder Stadt!\nVielleicht hat sich trotz allem der Eisenbahn-\nassistent geirrt, nicht wahr, das ist doch denkbar!?\nEr geht einen Schritt zurück auf das Haus zu,\ndann fällt ihm aber plötzlich ein, daß es vielleicht\nnicht geht, an ihre Eltern zu telephonieren, denn\nfalls nun der Mann doch recht gesehen hat . . .\nund übrigens nein ... er weiß jetzt klar und\ndeutlich, daß sie nicht in der Stadt geblieben sein\nkann! Der Eisenbahnassistent hat ihr ja selbst\ndas Billet abgenommen! und also . . .\nEr erwacht zu klarem und gewaltsamem Nach-\ndenken. Alle Unentschlossenheit ist verschwunden.\nIn einem Nu ist er oben in seiner Stube. Blutige\nKnöchel von dem schwergehenden Schloß der En-\ntreetür. Das Telephon —:\n„Bitte!\nPolizeistation!\nSchnell — es eilt, eilt!\"\nFieberheiß umklammert er den Hörer, der sich\nin seiner Hand feucht anfühlte. Kann kaum still\nstehen. Ueber seinem Kopf saust es dumpf. In\nseiner Kehle sitzt eine Klaue!\nVon Zeit zu Zeit ertönt da drinnen im schwar-\nzen Trichter aus Ebonit ein feiner, klappernder\nLaut. Seine Beine strammen sich steif unter ihm.\nDu allmächtiger Gott, wie lange soll das währen.\n\"Endlich —: eine schlaftrunkene Stimme: Werda?\n„Hier Morton, Strandweg siebenundvierzig!\nEs ist wohl kein Unglücksfall jetzt eben bei\nIhnen gemeldet?\nMeine Frau ist nämlich vor gut zwanzig Mi-\nnuten von der Eisenbahnstation hier oben fort-\ngegangen und noch nicht hierher gekommen.\"\nEin Murmeln, ein Räuspern, dann plötzlich\nZug in der Stimme da drinnen, Glaß sieht ihn\nvor sich, diesen Polizeibeamten — wird selbst\nkreideweiß, indem er dieses Antlitz ahnt, indem er\nden veränderten Ton seine Stimme hört!\n■ fc»\n„Danke schön,\" — antwortet Glaß gleich darauf\n— „ich gehe selbst sogleich von hier fort!\nSchicken Sie Ihre Leute aus — so schnell Sie\nkönnen!\"\nIn einem Nu ist er unten im Garten, zur Pforte\nhinaus, läuft in fliegender Eile ohne Gedanken, nur\nvorwärts starrend, nach links am Wege entlang\n— und kommt ungefähr fünfhundert Schritte ent-\nfernt an die Ecke, wo der Bahnhofsweg in einem\nrechten Winkel in den Strandweg mündet.\nEr übersieht noch immer laufend mit einem ein-\nzigen Blick diese lange, lange Reihe von einsamen\nLaternen! den asphaltierten, schnurgeraden Bahn-\nhofsweg, der direkt wie ein Pfeil über diese noch\nunbebauten Felder führt — die sich dunkel, finster\ngegen das Licht des Weges abheben, hier und da\nmit dem kohlschwarzen Schatten einzelner Bäume,\ndie aus ehemaligen Gärten stehen geblieben sind.\nEr läuft beständig vorwärts, jetzt ein wenig\nlangsamer, weil er nach beiden Seiten spähen muß;\nes sitzt ein pfriemspitzer Stich in seinem Nacken;\ner ruft gedämpft —:\n„Annie!\nHier bin ich!\nNun komme ich ja!\"\nKeinerlei Antwort Nichts zu hören. Nichts\nzu sehen.\nFinsternis. Weg. Laternen. Bäume. Meine\nAugen, mein Herz, Annie, ach Gott, was ist ge-\nschehen!\nEr läuft und läuft, strauchelt, richtet sich wie-\nder auf, den Pfriem im Nacken, einen Spieß —\nstarrt mit allen Sinnen, Geliebte, hörst du, wo bist\ndu nur, nenne meinen 'Namen!\nWo bist du, ich komme, um dich nach Hause\nzu tragen, sei ruhig, nun mußt du ja hören, daß ich\nkomme, das Geräusch meines Laufens, bumm,\nbumm, höre, ich komme, so schnell ich kann, was\nist doch nur geschehen, mein Gott, ich kann es\nnicht ertragen vor Angst, sag mir doch, was ge-\nschehen ist!\nEr läuft noch immer, alle Muskeln anspannend,\nschneller, noch schneller — dreht den Kopf un-\naufhörlich von rechts nach links, aber nicht das\ngeringste, weder nah noch fern, vollkommen öde\nnach allen Seiten, todesstill und leer! Ihn umfängt\njäh dies alles, diese vollständige Einsamkeit und\nFinsternis — und da wird sein Nacken auf ein-\nmal von einem Schlachtschwert zerschmettert, die\nentsetzenerregenden Bilder stehen blutig vor ihm,\nunmöglich, ihnen in die Augen zu sehen: denn sie\nist nicht mehr gefallen und hat sich verletzt oder\nist zu Schaden gekommen! nein, aus dem Dunkel\nheraus ahnt er Gestalten, denen sie begegnet ist,\ndie sie mit einem Gebrüll an die Erde geworfen,\nihr ein Leid angetan haben, das nicht genannt wer-\nden kann . . . seine Füße reißen ihn noch hastiger\ndahin, das Feuer schäumt und heult, sein Gehirn\nwird von Feuer verzehrt, ein Entsetzen über allen\nVerstand hat ihn von Kopf bis zu Fuß eingehüllt,\ner läuft in fliegender Fahrt, durch kohlschwarze\nFinsternis, blind, mit gefletschten Zähnen, mit\nFäusten, die ihre Nägel in Fleisch eingraben, toll,\nrasend, er will töten, zermalmen, morden! Annie,\nmein Lieb, ach, komme ich zu spät, dann soll die\nWelt sterben, beeile dich, sammle alle deine Kräfte\nund flüstere mir bloß seinen Namen zu, oder wie\ner aussieht, ach Gott, mit meinen Händen will ich\nihn Stück für Stück erdrosseln, von keiner Marter\nder Erde soll er verschont bleiben . . . oder nein,\nich will ihm alles schenken, wenn nur du noch frei\ngekauft werden kannst, alles, mich selbst, mein\nLeben, alles, die ganze Welt soll er haben . . .\nEr läuft.\nStrauchelt von neuem.\nStürzt diesmal platt an die Erde, liegt lang aus-\ngestreckt auf dem Asphalt des Weges.\nFühlt einen Augenblick, dadurch beschwichtigt,\nden Brand in seinen Händen, in seinem Kinn —\nrichtet sich wieder auf. Und da . . . mein Gott. . .\nda sieht er, wie der Wind einen schaumweisen\nWimpel ganz da drinnen auf dem Felde in die\nHöhe hebt —: Geliebte, du!\nMit einem Geheul setzt er sich in Galopp, er\nrast dahin, durch Gras, über kleine Hügel, dahinten\nsteigt und senkt sich ihr stummer Ruf an sein\nAuge, dahin, er wird von Flügeln getragen — ge-\nlangt endlich bis dahin, begreift es alles, er liegt\nim selben Augenblick über ihren Körper geschleu-\ndert, Erde, Gestank von Blut, schreit, mein Leben,\nJesus! zerreißt sein Gewand über der Brust, ahnt\ndie dunkle Wunde, die in ihrem Leib klafft, schlägt\nsorgfältig ihre Kleider herunter, lauscht und tastet\nan ihrem Herzen: nein, totenstill, kalt, sie ist un-\nbeweglich, steif, ihr Gesicht kann er jetzt in der\nDunkelheit unterscheiden: Hilfe, das Grauen ihres\nAntlitzes in diesem Tod! Mord, Blut überall, Annie,\nLiebste, mein Gott, mein Gott, ist es denn mög-\nlich, daß ich zu spät gekommen bin! sterben, laß\nmich sterben, ich will sterben, sterben, sterben,\nmein Gott, zerreiße mich in Stücke, so daß ich\ngleich, sofort sterben kann! . . .\nEr hat sich plötzlich, mit einem Ruck erhoben.\nIn seinem Ohr vernimmt er unsagbar feinhörig,\nferne Tritte.\nWendet mit einem Ruck den Kopf um, starrt\nunter gerunzelten Brauen hervor; da drinnen, ja!\nJa, ein paar leuchtende Punkte bewegen sich\nSchritt für Schritt vorwärts, da hinten an dem\nStrang des Weges entlang durch die Finsternis —\ner weiß auf einmal, daß es die Polizei ist, die aus-\ngegangen ist, um zu suchen —; aber nein, die haben\nhier nichts zu tun, kein Mann in der Welt soll\nseine Annie sehen, kein Blick auf Erden soll an\nihre Leiche rühren, mein Gott, ist das, was ge-\nschehen ist, nicht zehntausendmal mehr als genug!\nUnd im selben Augenblick hält er sie fauchend\numschlungen. Hebt sie geifernd auf seinen Arm,\nüber sein Handgelenk fällt das goldene Haar sei-\ndenweich herab.\nAn seiner Schulter ruht ihre Wange, in die\nNacht hinaus starren die großen Augen, weit ge-\nöffnet mit ihrem Grauen!\nEr preßt — während er dahintrabt, über die\nFelder hinweg, in einem weiten, weiten Bogen\nfort von diesen beiden Lichtern da unten, die lang-\nsam vorwärts rücken, beide Seiten des Weges ab-\nsuchend, strauchelnd, mit zusammengebissenen\nZähnen, mit flammenden Blicken, knurrend preßt\ner sie mit aller Macht gegen sein Herz, sein Ge-\nhirn rast feuerrot, er ist unermeßlich stark, er ist\nein losgelassener Stier, eine gellende Lokomotive,\ndie durch gegangen ist, er trägt seine Geliebte da-\nhin wie eine Feder, ja, er kam gerade in der rech-\nten Sekunde, um sie zu erretten von denen, die\nihr Böses zufügen wollte, siehe, er ist so stark wie\nein Gott und ein Teufel — weil er seine Annie\nträgt!\nNoch sieht er wie in einem Blitz das weiße\nBand des Strandweges — über das er atemlos in\neinem einzigen Satz hinwegspringt. Er stürzt sich\ndarauf quer durch eine Hecke, durch noch eine\nund noch eine, ist plötzlich in seinen Garten hin-\neingelangt, steht einen Augenblick auf der Veran-\ndatreppe still — ist im nächsten Moment in seinem\nZimmer.\nMit einer Armbewegung fegt er alles vom\nSchreibtisch herunter — legt sie sorgsam darauf;\nist in einem Sprung an den Fenstern, läßt die Gar-\ndinen herunter; dann an den Türen: erst an der\nzur Wohnstube, dann an der, die nach dem Entree\nhinausführt, dreht die Schlüssel in beiden herum —:\nAllein!\nGott sei gelobt!\nEndlich in Sicherheit mit Annie! . . .\nDa pocht es an die Tür dahinten — er antwortet\nnicht, starrt nur mit schäumendem Mund und blu-\ntigen Augen dahin.\nEr hört ein Murmeln da draußen, ein gedämpf-\ntes und eingeschüchtertes — gleich darauf wird\nwieder geklopft, aber diesmal von einer anderen,\nfesteren Hand als vorhin —:\n„Herr Morton! - ! ,•1\n„Ist Herr Morton da? . . .\nHier ist Niels Haid, der Polizeiassistent!\"\nLautlos hat währenddessen Glaß den Kontakt\ndes elektrischen Lichts erreicht, er preßt seinen\nganzen Körper dagegen, um den Laut abzu-\nschwächen, während er knipst — es wird stock-\nfinster im Zimmer, ich will niemand hier drinnen\nhaben, niemand darf zu Annie hereinkommen!\nEr steht noch dort an der Tür, zwinkert mit\nden Augen in der kohlschwarzen Dunkelheit, reibt\nsich die Hände auf einmal — er faßt von einem\nplötzlichen und zitternden Verlangen, da hinaus zu\nstürzen und diese Menschen weg zu jagen, zu\nrufen und zu schlagen und mit den Fäusten zu\nstoßen, ja, sie mit geballter Faust ins Gesicht zu\ntreffen, Blut, Schmerzensgeschrei, Totschlag und\nMord — soll er? Obschon, nein, auf keinen Fall,\ner darf um Gottes willen einem solchen Verlangen\nnicht nachgeben, er darf sie nicht vergessen, die\ner verteidigen muß, darf um keinen Preis von hier\nfortgehen! Ach, aber sinnlos, dumm, rein lächer-\nlich war es von ihm, daß er dahin telephonierte,\nwas sollte er wohl mit allen diesen Wildfremden,\nhatten sie ihm vielleicht seine Annie zurück-\ngegeben?!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1446, "texte": "Einen Augenblick hebt er die linke Hand, jäh\nvon Wollust bei dem Gedanken, den Schlüssel\nmausestill umzudrehen, riesenstark mit einem\nTigersprung da draußen zu sein, diese unbekannten\nWesen zur Erde zu schlagen, die es wagen, in sein\nHaus einzudringen! seine Knie eisenhart auf ihre\nBrust zu stemmen, bis sie kracht, ihre Köpfe mit\neinem einzigen Totschlägerschlag seiner Knochen\nflachzuschmettern, das konnte sie vielleicht leh-\nren, Annie in Frieden zu lassen! . . .\nUnd da vermag er sich nicht mehr zu beherr-\nschen. Ohne es zu wollen, hat er schon den Arm\nausgestreckt. Er greift mit gekrümmten Fingern\nnach dem Schloß. Aber noch in derselben Se-\nkunde, wo das kalte Eisen des Schlüssels seiner\nHaut begegnet, reißt er keuchend die Hand zu-\nrück —: nein, es würde doch unklug sein! Er\nkennt sie, das Pack, er weiß aufs Haar, jedesmal,\nwenn man einen einzigen von diesen Burschen\nwegjagt, dann kommen statt seiner nur zwanzig\nneue!\nNein!\nGanz verkehrt!\nEr mußt etwas ganz anderes ersinnen!\nEr mußt weit schlauere und hinterlistigere\nMittel erfinden, um Sie gegen ihre Gewalt und\nVergewaltigung zu schützen! . . .\nIm selben Moment erinnert er sich in allen sei-\nhen Muskeln, daß er neulich — als Annie irgend\netwas aus dem Schlafstubenfenster hatte fallen\nlassen, während er da unten im Garten stand —\nvon da unten auf das Dach der Veranda hinauf-\ngeklettert war, und ihr diese Nadel oder Brosche,\noder was es sein mochte, hinaufgereicht hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "62", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.6", "titre_corps": "Bergwanderung", "titre_sommaire": "Bergwanderung", "signature_source": "Karl Brand", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.6", "debut_caractere": 1467, "fin_caractere_exclue": 1904, "texte": "Bergwanderung\nKarl Brand\nWolken krachen ins Gebälk der Berge,\nSchleim der Schlangendrüsen\ntropft mir in die Augen\nund hier oben such ich Gottes Weg.\nGrüne Steine bröckeln rieselnd\nunter meinen Riesentritten\nSchattengeschraubt,\ndaß das Blut mir im Gelenk verspritzt,\ndie Augen werden tief wie Meere\nunter mir.\nSausend fliegen Himmelsfetzen\nwindgerissen mir ins Antlitz;\nund vertrocknet meine heißen Lippen\nKriech ich\nhin auf Gottespfaden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "63", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.7", "titre_corps": "Die Uhr : Schattenspiel im Zimmer der verstorbenen Frau", "titre_sommaire": "Die Uhr : Schattenspiel im Zimmer der verstorbenen Frau", "signature_source": "Frantisek Langer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.6", "debut_caractere": 1906, "fin_caractere_exclue": 8412, "texte": "Die Uhr\nSchattenspiel im Zimmer der verstorbenen Frau\nFrantisek Langer\nDer Mann:\nWie dieser Raum ihre Existenz in sich fort-\nsetzt! Vielleicht sind an den Gegenständen, die\nsie berührt hat, für immer die Spuren ihrer Be-\ngegnung mit ihnen haften geblieben. Für mich, der\nich in mir sie, nur sie trage, ist jeder Gegenstand\nbesätes Erdreich, aus dem auf geahnte Berührun-\ngen hin ihr ganzes Wesen, Glied um Glied aufer-\nsteht. Die Lampe, die sie auf den Tisch stellte,\nist nur der Gegenstand, auf den sich ihre beiden\nHände legten und die Hände gehn über in die\nArme, die den Aermeln entsteigen und die Arme\nerheben sich vor der langsam über den Teppich\nschreitenden Gestalt. Auch der Spiegel ist nur\neine tote Platte, die mir aber im Erinnern ihre Be-\nwegungen beim Kämmen der Haare, die Schön-\nheit ihrer Schultern und ihres Nackens wiedergibt.\nEbenso das Bett, in dem sie schlief, die Stühle, wo\nsie zu sitzen pflegte, die Schränke, an deren halb-\ngeöffneten Türen sie ihre Kleider wählte, alles ist\nvoll von ihr, überall und bei allem weilt ihre Ge-\nstalt. Und so sehe ich sie unzähligemal verviel-\nfacht gleichzeitig an verschiedenen Stellen stehn\nund sitzen, ich wundere mich bereits, daß zwi-\nschen ihren gedrängten Wesen im Räume des\nZimmers Lücken bleiben, durch die ich die körper-\nliche Gegenwart des Tisches, der Lampe darauf,\nder Uhr, des Bettes, des Kinderwagens, der\nSchränke erblicken kann.\nWarum konnte nicht ich an ihrer statt schlwan-\nger sein und selber die Last des wachsenden Kin-\ndes tragen, nur daß ihr Körper schlank, fein und\nfröhlich und ihre Wangen frisch blieben.— warum?\nIch bin ein Mann! Warum war mir nicht gegeben,\nallen ihren Schmerz zu erdulden, an ihrer statt zu\ngebären, nach dem Tode zu rufen, zu sterben, mir,\nder ich ein Mann bin!\nDer Kinderwagen\nNicht wahr, ich bin brav, weil ich hiergeblie-\nben bin? (Ich bin gewohnt zu schmeicheln, weil\nin mir dein Kind schläft.) Aber warum habt ihr\nmich heute zuhause gelassen und warum durfte\ndie Amine das Kind auf den Händen in den Park\nhinaus tragen? Sie ist fremd und ich bin dein.\nUnter wie vielen Wagen — erinnere dich an ihre\ngedrängten Reihen, wie sie warteten, bis jemand\nsie erwähle, und an deine Verlegenheit, als du\nzwischen ihnen hindurchschrittst, — mit welchen\nGefühlen, mit welcher Fülle von Stolz und Zärt-\nlichkeit hast du mich in dem Geschäfte ausge-\nwählt!\nDer Mann\n(geht zum Fenster)\nHeute ginge sie sicher hinaus und ließe sich\nmit dem Knäblein auf irgendeiner Bank nieder.\nDort oben, wohin die Sonne scheint und von wo\nman in unsere Fenster sehn kann. Wir wären\nständig verbunden durch die Möglichkeit einan-\nder zu erblicken, wenn ich an das Fenster trete.\nWir würden uns durch ein angenehmes Band ge-\nfesselt fühlen, über das unsre Gedanken dem\nBlicke folgen können. Aber jetzt, wenn ich um\nmich schaue, ist mein Blick unbeendet, als ob von\nmir ins Leere Bänder hingen, schlapp ungespannt.\n(Er wendet sich ins Zimmer zurück)\nNur hier in diesem Zimmer finden die Bänder\nBerührungspunkte, meine Blicke und meine Ge-\ndanken reiben sich an den Dingen, die mich über-\nzeugen, daß sie gelebt hat. Sie flattern an ihnen,\nvom Andrang der Trauer bewegt. Meine Trauer\nist wie ein Hauch, wie der Wind, der die schwar-\nzen und traurigen Flaggen und Fransen bewegt,\ndie an einem Sterbetage aus den Fenstern und\nDachluken heraushängen. Sie wölben sich und\nrauschen, wenn sie an wirkliche Dinge rühren.\nAlles was ich denke, fühle, erlebe, zittert, flattert\nund wogt wie eine Fahne in bebender Hand: Alles\nzittert von Erinnerungen, von denen ich nicht\nmehr zu glauben wage, daß sie der Ausklang ver-\ngangener Wirklichkeit sind. Alles wogt von Hoff-\nnungen und Vertröstungen auf die Zukunft, von\ndenen ich plötzlich und schmerzlich das Bewußt-\nsein habe, daß sie niemals, niemals sich erfüllen\nwerden.\nDie Uhr\n(Ihre Zeiger weisen beständig auf drei Uhr)\nIch stehe, ich bin im Lauf, im Gang, im Rhyth-\nmus stehn geblieben, so wie du stehst. Meine\nHände zeigen stets auf die gleiche Stunde und\ndoch weiß ich, daß die Zeit ohne Unterlaß in ge-\nrader Linie der Ewigkeit sich nähert. Meine Auf-\ngabe ist, mein Leben lang mit ihr zu gehn. Aber\ndu hast mich c.us meiner Notwendigkeit gerissen.\nWie ich durch die Reglosigkeit leide! Warum hast\ndu mich vergessen?\nDer Mann\nIch habe sie zuletzt aufgezogen, als sie noch\nlebte, und dann ließ ich sie zu Ende gehen. Sie ist\nnoch beim Klang ihrer Pendel gestorben. Jetzt\nsagt sie mir nichts, der Ablauf der Zeit hat für\nmich keinen Sinn. Die Zeit ist mir gleichgültig,\nmag sie gehen, schwinden, stillstehn, ewig dauern\n— jetzt bin ich nicht in ihr.\nDie Uhr\nWarum bist du so selbstsüchtig, Undankbarer?\nHast du vergessen, wie in vergangenen Zeiten\nmein Pendel stets deine damalige Zeit in die herr-\nlichste Gegenwart spaltete? Wie dicht du die\nLücken zwischen meinen Sekunden ausfülltest, als\nob du mit deinen — — — — — — —\nWie oft ließest du die Augen nicht von mir, wenn\ndein Glück sich einfinden sollte, bis ich die er-\nwartete Ziffer an meinem Kreise zeigte! Und ich\nzählte, zählte die winzigen, nichtigen Bruchteile\nder Zeit, zermalmte damals, äußer Atem wie ein\nSchüler, die kleinen Ziffern, damit sie sich\nin größere verwandelten, nur damit du\nausharrtest. Vergiß auch nicht, als dein\nWeib — damals noch deine Liebste — bald\nfortgehn sollte, wie du auf meine Hände\nblicktest, wie auf zwei feindliche Messer, die sie\nvon dir abschneiden sollten, bis sie die bestimmte\nStelle erreichten. Aber ich ließ aus Mitleid mit\ndir die Zeit in deinem Zimmer innehalten, mein\nWerk stand, und sie blieb lange bei dir, lange, bis\ndas Dunkel sie an die Tageszeit erinnerte. Als\nsie fortging, sprangst du zu mir und küßtest mein\nGesicht. Erinnerst du dich?\n(Der Mann weiß, daß es ihm unmöglich ist, um\nsich herum etwas andres als Erinnerungen zu be-\nleben, und wäre dies nur eine Uhr.)\nDie alte Wirtschafterin\n(Tritt ein)\nWieder nicht aufgegessen? Sehn Sie sich mal ant\nIm Grabe würde sich die Gnädige umdrehn\nüber Ihr Aussehn: Blaß sind Sie, abgemagert.\nBin alt, (und Sie sind jung)\nso alt, daß ich schon aufhörte zu trauern\nüber alles Traurige im Leben.\nEin Stündchen später sterben oder früher . . .\nDoch Sie sind jung.\nUnd doch blieb das Kotlett auf dem Teller liegen,.\nobgleich es fein gebraten war,\nDas Leben hat ein Recht . . .\nZum Abendessen wird es Tauben geben.\nMir alten Frau blieb schließlich übrig nur,\nmich über Ofenplatten beugen und\nGerichte kochen und daran zu riechen,\nund Jüngeren manches rüsten für das Leben,\nwas sie annehmen, manchmal ablehnen.\nIch geh schon, gehe schon."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5183, "texte": "Traurig zu sein ist sicher etwas schönes,\num das was wir verloren. Doch man verliert\n(mir starben Mann und Sohn und meine Tochter\nging davon mit Einem)\nDer Mensch verliert, bis er nichts mehr besitzt;\nund Trauer schwindet in der Tage Gleichmut\nund dann bedauert es der Mensch nicht mehr,\nDaß keine Trauer mehr ihm blieb, nun noch zu\ntrauern.\nDann sieht er alles wieder anders an.\nSie waren traurig, mehr als zur Genüge.\nDies sag ich Ihnen täglich, doch vergebens.\n(Ab)\nDer Mann\nWie lange habe ich nicht mehr das Gefühl des\nHungers gehabt. Das Gefühl irgendeines Verlan-\ngens. Ich bin aus dem Lebendigsein gerissen und\nin irgendeine Zeit versetzt, die nicht mein ist und\nich rage in ihr empor wie ein Dorn, wie ein\nFremdkörper, der sich nicht anpassen kann. Vor\nmir und hinter mir ist in dieser Zeit nichts, was\nmein Sein in den zusammenhängenden Gang\nspannte, der vom unausdenkbaren Anbeginn der\newigen Zeit bis an ihr unmögliches und wie her-\neinbrechendes Ende fortschreitet. Als ob ich dar-\naus gelöscht wäre seit dem Augenblicke, da sie\nstarb. Ich bin jetzt ohne menschliche Empfindun-\ngen und habe nur Erinnerungen daran. Ich em-\npfinde nur in Erinnerungen.\nWelch ein Weib ist sie gewesen,\nwas für Worte sprach ihr Mund!\nWie oft schien es mir, als ob sie Grenzen-\nloses verkünden würde, ein großes Geschenk der\ntiefsten Güte, das in meine Worte ein solches\nGlück hineinströmte, daß ich mir sagte: „Niemals\nim Leben kann ich mehr empfangen. Es ist Zeit,\ndaß ich sterbe.\"\nDer Zweifel\nSprach sie dies Wort einmal aus?\nDer Mann\nIch erwartete es täglich und täglich war sie\nIhm näher. Aber sie starb vor der Zeit.\nDer Zweifel\nWeißt du denn nicht, daß du ihr ständig vor-\nsprachst, was sie zu dir sagen sollte? Sie war\neine Frau, also ein Mund und du der Mann, also\nder von Euch beiden. Sie war dem näher, was du\nerwartetest, wenn du dir den Inhalt deines War-\ntens besser vergegenwärtigtest. Aber nie wäre sie\nbis zu ihm gelangt, so wie du nicht zu seiner wirk-\nlichen Vorstellung gelangen konntest. Das ist\nkeine Dialektik. Aber was sie war, das war sie\neinzig durch dich. Und wozu sie in deinen Er-\ninnerungen erwuchs, das ist sie nur durch dein\nZurückdenken geworden.\n(Durch das geöffnete Fenster redet die Schar\nvon Dingen ins Zimmer herein, die man durch das\nFenster erblickt. Es sind dies: Die Fußwege am\nParkabhang. Ammen. Ein fliegender Ball. Einige\nschwere Wagen. Die schrägen Schattendächer\nüber Schaufenster. Menschengruppen und allerlei\nFußgänger)\nDer Mann\nIhr wollt mich daran erinnern, daß ich stets\nunter euch bin. Ich weiß es wohl, aber ich lebe\nnur in der Wiederholung, ich wiederhole jetzt nur\nmeine und ihre Blicke. Wenig zugegen bin ich in\neurem Leben. Zwar erregt ihr keinen Mißge-\nschmack in mir, aber ich bin einsam, selbst wenn\nich in euch bin. Es pflegte anders zu sein. Wenn\nwir — mit ihr — in einander eingehängt gingen,\nda waren wir allen Geschehens der Gasse teil-\nhaftig. Wie gern unterzogen wir uns ihrem zu-\nfälligen Anhäufen von Menschen, das sie mit uns\nund andern nahm. Wir vereinigten uns mit ihnen,\nbrachen uns an den Straßenecken, stoben ausein-\nander an den Kreuzungen. Oder wir gingen beide\nganz allein, wie versprengte Einheiten über den\nöden Marktplatz, in dessen Winkel sich eine Sta-\ntuengruppe verbarg. Und dann kehrten wir im-\nmer zurück, fröhlich durch die Menge, durch die\nwir schritten, wie zwei Haare, die zwischen den\nZähnen eines Kammes hindurchgegangen sind und\nsich nun wellen, abgetrennt von den übrigen.\nImmer jedoch waren wir zwei.\n(Der Zweifel ist bereits verschwunden, aber die\nGasse unter den Fenstern verstummt nicht.)\nDer Mann\nVerstumm, verstumm, du heißes Lied der\nGehenden und der Ungeduldigen. Laß mich in mir\nmich verlieren. Nein ich bin nicht unglücklich, um\nvom Boden das Zwirnknäul aufheben zu müssen,\ndessen Fäden mich an das tägliche Leben fesseln\nund das Bedürfnis und die Dankbarkeit zu fühlen,\ndaß es mir nur möglich ist, ihnen entlang zu gehen,\num zu ihrer Mitte zu gelangen. Ich bin allein.und\ndurch mich selbst lebendig gehe ich einmal aus\nmir heraus und in deine Klänge und Bewegungen\nein, dann gehe ich wiederum nur als ein unbedeu-\ntender, sich verlierender und demütiger Geher,\nden nur sein Wort und seine Gegenwart verkün-\ndet. Doch jetzt vergönn mir, traurig zu sein.\nDie Uhr\nVergiß mich nicht! Mein Werk leidet durch\nden Staub und Rost, der sich daran fängt. Du bist\nvoll der Vergangenheit, die irgenwo stehen geblie-\nben ist, aber deine Trauer ist in dir verborgen wie\naufgezogene Federn. Du hast das große Gefühl\ndeiner Existenz in dir, ihr tiefes Bewußtsein, das\ndich sättigt und durch das du lebst. Wie ist dein\nLeben beneidenswert . . . Aber die Feder in mir\nist ohne Kraft, abgelaufen, sie wartet auf deine\nHand, um sich aufzurollen, zu spannen, damit ich\ngehe und lebe, ich Uhr. Hab Mitleid mit mir . . .\nErwecke mich!\nDer Mann\nUeberdenke ich meine Trauer, wie schön ist es,\ndaß ich sie fühle. Daß ich lebe und sie fühlen\nkann. Wie schön ist mein Leben, daß ich den\nSchmerz sehr fühlen kann. Wie sehr fühle ich das\nLeben durch den Schmerz, den ich leide!\n(Unversehens tritt er hin und zieht die Uhr auf.)\nDie Uhr\n(beginnt zu gehen)\nDank, Dank!\n(Aus dem Tschechischen übertragen von Otto Pick)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "63", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.8", "titre_corps": "Betrachtung : Paul Hatvani", "titre_sommaire": "Betrachtung : Paul Hatvani", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.7", "debut_caractere": 5185, "fin_caractere_exclue": 8703, "texte": "Betrachtung\nPaul Hatvani\nDer Philister, der mir seinen Kitsch lobt, hat\nnicht nur deshalb Unrecht, weil ich Recht habe.\nIm Kitsch läßt es sich gut wohnen, der Philister\nverbietet mir diese Behaglichkeit, um Ruhe zu\nhaben. Ich aber weiß es: die Freude am Kitsch\nist nur geheuchelt und der goldene Mittelweg\nführt auf ein Golgatha der Langweile. Ruhe ist ein\nVorbote des Schlafes; ich aber beschwöre den\nTraum: und es fällt dem Philister nicht im Traume\nein, daß er Unrecht haben könnte.\nJ)ie Ruhe ist das Hauptargument des Philisters.\nDeshalb beunruhigt ihn jedes Neue und jede Kunst.\nUnd jedes Alte und jeder Kitsch beruhigt ihn: auch\ndenn, wenn das Alte Kunst und der Kitsch neu ist.\nDenn er ist Logiker: ewig stille steht er im Nichts\nund bezieht sich auf Alles.\nEr weiß es nicht, daß seine Ruhe ein Tod und\nsein Leben ein Beweis des Sterbens ist. Aber\ner versteht Alles, und sein Verstehen heißt Logik.\nDamit verfolgt er mich bis in den Traum; der\nFluch des Einsamen ist kein Hindernis; er will\nmich überzeugen und zeugt nur wider mich. Er\nleugnet: und ich behaupte mich. Er spricht die\nWahrheit. Aber sie enthüllt die Lüge, die einen\nSchein ins Sein steigert.\nDie Phrase ist das Schild und die Geste ist der\nSpeer des Philisters. Aber die Ruhe ist sein Hei-\nligtum; und deshalb schützt er sich mit der Phrase\nund verteidigt seine Geste, auf daß der Geist nicht\nüber ihn komme und er ruhig sterben könne,\namen.\nDenn er will ruhig leben. Nichts darf ihn stö-\nren. Und so verdammt er die Kunst und flucht\nseinen eigenen Fluch. Und heuchelt Freude am\neigenen Fluch. Und heuchelt Freude am eigenen\nKitsch, ohne sich freuen zu können. Denn mit der\nLust geht auch die Fähigkeit der Freude verloren;\nPhilister sind nie freudig, immer nur gemütlich.\nDas Leben des Philisters ist ein Abwehren der\nGeräusche. Denn nur in der Eintönigkeit der\neigenen Seele fühlt sich die Gemütlichkeit wohl.\nDie Kunst aber, ewig neu und veränderlich, nimmt\nauf den Winterschlaf der Philisterseele keine\nRücksicht. Da hört sich die Gemütlichkeit auf.\nDie Kunst ist unschuldig. Der Philister ist an\nsich böse und nicht erst durch die Kunst verwirrt\nworden. Seine innere Stimme, sein gewissenloses\nGewissen, zwingt ihn, die Kunst zu hassen und\nein stinkender Instinkt weist ihm den rechten\nWeg. Er fühlt die Kunst, um sie zu verdammen.\nEr haßt sie, weil sie ihn beunruhigen könnte. Er\nhat Unrecht, weil ich Recht habe.\nSein Haß ist inferior. Er mordet nicht, son-\ndern richtet. Er richtet nicht, sondern rechtet.\nDer Philister ist ein Vorwand der Schöpfung.\nEr füllt die Lücken aus, die sein Sinn gelassen hat.\nDer Künstler aber ist die Erfüllung der großen\nFülle, die das Leben gelassen hat, als es den Phi-\nlister schuf.\nDer Philister geht im Garten der Lust spazie-\nren, als würden die Blumen nur blühen, wenn sie\nvon seinem wässrigen Geiste begossen würden.\nEine einsame Blume will daran nicht glauben;\nsie will im Stillen blühen, da ruft seine Stimme:\n„Sesam, schließe dich!\"\nPhilister glauben nicht, aber sie sind überzeugt\ndavon. Ob es nun einen Gott gibt oder nicht:\nsie sind überzeugt davon. Denn nicht das Be-\njahen oder Verneinen macht den Philister, son-\ndern die Ueberzeugung..\nDer Philister spricht: „Ich bin normal, also ist\nIrrsinn.\"\nDer Philister und die Welt: sie kennen sich\nvom Sehen. Dann begann er ein Verhältnis mit\nihr, das nicht ohne Folgen bleibt.\nDer Schablone des Lebens folgt der Tod. Wie\nist es doch verstummt um den Tod! 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StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andemfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eug&ne Figuiere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.8", "debut_caractere": 2707, "fin_caractere_exclue": 5382, "texte": "Mappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen j\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nG1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag ,/\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie J Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark ./ Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Bucher I: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a / 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig / Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nfferwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn ./ einzeln 50\nPfennig\nKilnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacfaen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r to Boccioni: Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoscbka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter /' Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nIllustrierte Ausstellun^skataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fQnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoscbka: PI a k at fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky j Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka ./ August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch J\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck J Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.8", "debut_caractere": 5384, "fin_caractere_exclue": 5981, "texte": "Benes / Otto Gutfreund / Boccioni ./ Severini /'\nCarra / Russolo / Francis Picabia ./ Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJ a h r I Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14;\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an iedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-07-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-07-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.8", "debut_caractere": 5983, "fin_caractere_exclue": 6568, "texte": "Zeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz J Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de l'Effort Social J Paris /\nde Vaugirard 120\nLa Renaissance Contemporaine /\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Francalse ! 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Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be--\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\ne nth alt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nFÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN-PARIS ZWEITES JULIHEFT\nNUMMER 8\n\nInhalt:\nH. W.: Der Mittelaltmeister / August Stramm: Die Menschheit / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Karl Brand: Bergwanderung /\nFrantisek Langer: Die Uhr / Paul Hatvani: Betrachtung / Carl Mense: Originalholzschnitt\n\nCarl Mense: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.2", "texte": "Der Mittelaltmeister\nH. W.\nWeß Brot ich esse, dessen Lieder ich besinge.\n„Denn nicht mehr ganz ohne Lohn ist nun die\nArbeit auch des überflüssigsten aller Zeitgenos-\nsen, des ernsten deutschen Komponisten.\" Der\nernste deutsche Komponist hat 89 Mark 11 Pfen-\nnig Jahreseinnahmen bekommen. Dank der Ge-\nnossenschaft deutscher Tonsetzer, in der „er die\ndeutschen Komponisten gewerkschaftlich organi-\nsiert hat\". Er, der Herrlichste von allen. Er,\nder Meister. Er, das fünfzigjährige Geburtstags-\nkind. Er, der Richard Strauß. Strauß dem\nStrauß. Nun windet ihm den Lorbeerkranz mit\nveilchenblauen Worten. Wilhelm Mauke, der\nernste deutsche Komponist, macht ein Klamauk,\ndie Zeit im Bild hält Maukes Bilder fest. Nein,\ndas ist ein gaz toller Künstler, der Richard Strauß.\nAls Christus fing er an, als Moses hört er noch\nnicht auf und die Propheten reißen sich bei dieser\nMusik um ihre Sehergabe. Doch fangen wir mit\nMauke historisch an. „Der europäische Musiker\n— kaum Wedekind, Reinhardt und Pegoud über-\ntreffen ihn an Ruhm — entstand aus einer Kreu-\nzung von altem münchener Bieradel mütterlicher-\nseits und praktischem Antiwagnerianertum väter-\nlich.\" Der Bieradel ist keine Schnapsidee, aber\ndie Kreuzung mit der Bierbourgoisie, dem prak-\ntischen Antiwagnerianertum, ließ einen Reis ent-\nstehen, der sich naturlogisch mit künstlicher Be-\nmühung zu unserm fünfzigjährigen Strauß ent-\nwickelte. Nicht einmal zwei Städte brauchen sich\num diesen Reis zu reißen. Dieser gesunde Bier-\njunge konnte nur in München geboren werden:\n„In dem bescheidenen Pschorrhinterhaus am\nchristkatholischen Altheimereck in Alt-München.\nDas Bethlehem der neuen Musik!\" Der beschei-\ndene Stall und das bescheidene Pschorrhinterhaus.\nAuch der Bieradel hat es nicht mehr leicht. Selbst\nPschorr fängt an zu siechen. Musik hilft drüber\nweg. Die Tochter Pschorrs läßt sich das Wald-\nhorn blasen. Im stillen Kämmerlein des Kammer-\nmusikers Strauß blüht neues Leben und im Beth-\nlehem der neuen Musik wird ihnen Richard ge-\nboren. Und nun gehts los: „Gymnasium, Hol-\nlandeum, Kgl. Kontrapunkt-Fabrik am Odeons-\nplatz ( — jetzt gibts dort neue Kunst —) gleich-\nzeitig philosophische Kollegs an der Universität;\nLiszt's Weihekuß auf die Stirne\" (— als verspä-\nteter Ersatz für die heiligen drei Könige —) und\nso weiter, und so weiter, „Eingreifen Alexander\nRitters, des treuesten der treuen Wagnerianer\nals Mentor Jung Richards\" und so weiter, und so\nweiter, „der Enkel Spitzwegs, der Münchener\nVerleger Eugen Spitzweg wagt als erster Kom-\npositionen des feurigen Revolutionärs und Um-\nstoßers alter Gesetzestafeln zu verlegen (was spä-\nter für Herrn Fürstner keine Kunst mehr war).\"\nWobei nicht ganz klar ist, ob für Herrn Fürstner\ndie Kompositionen des Jung-Moses keine Kunst\nmehr waren, die der Konkurrent schon verlegt\nhatte, oder ob Herr Fürstner die Kompositionen\nfür keine Kunst mehr hielt, die er von dem älteren\nUmstoßer verlegte. Und nun nach diesen ver-\nschiedenen religiösen Metamorphosen begann der\nJungmeister Richard Strauß zu singen, „der junge\nüberquellende Liederdichter, aus dem der Lenz\nnicht nur, auch ein heißes Glücksgefühl des\nSchaffens und ein dionysisches Jubeln sang\".\nNach der Singerei kam „Pauline, die energisch-\ntreue Gattin\". Aber es kam immer besser:\n„nächst dem Lied, dessen Grenzen er durch Hin-\neinziehen des sozialen Moments zeitgemäß erwei-\ntert hat, hat der Jubilar auf dem Gebiet der sym-\nphonischen Programm-Musik Werke von bleiben-\nden Wert und vorbildlicher Bedeutung geschaf-\nfen.\" Erst gesungen und dann geschafft. „Bis\ndahin unerhörte Kunst der Tonmalerei, die wohl\nrealistisch vorgeht und detailliert . . . Individua-\nlisierung und Erlösung der einzelnen Orchester-\ninstrumente zu selbständigen Persönlichkeiten.\"\nDie Pauke wird erlöst und die Windmaschine und\ndie Ruten äußern sich höchst persönlich. Bis\nschließlich noch „ein ganzer Komplex half zum\nWelterfolg, dem Durchbruch jener schwereichenen\nBarrikaden, die den Künstler von der Welt tren-\nnen.\" Der Komplex ist etwas kompliziert, aber so,\ndaß tout le monde sich nicht mehr von dem Herrn\nKünstler getrennt fühlt und sogar der Tonsetzer\nmit den 89 Mark und 11 Pfennigen etwas bitter\nwird. Der Komplex heißt: „Die Bibel, Oskar\nWilde, die Konjunktur der Hysterie und perversen\nErotik, der Feminismus und Semitismus der groß-\nstädtischen Seele, Max Reinhardt, Hofmannsthal,\nBerliner Großindustrielle, die Presse, der Antike-\nrummel im Zirkus, der Wienerwalzer, die Ver-\nwechslung von Oskar Strauß mit Richard.\" Der\nKollege Mauke vergißt reineweg die Jubelstim-\nmung über den Komplex. Jedem ist nicht solch\nein Komplex gegeben. Aber Richard Strauß, „der\nOrganisator\", versteht es. „Er weiß, daß er die\nPresse um den kleinen Finger wickeln kann.\" Als\nRichard Wagner lebte, war der Holzbock vom\nLokal-Anzeiger zwar schon geboren, aber noch\nnicht von Scherl berufen. Von Richard Strauß\nwurde er auserwählt, um das deutsche Volk in\ndie Pläne des Mittelaltmeisers einzuwickeln. Nur\ndie alldeutsche, echtpreußische Presse funktio-\nnierte noch nicht. Sie glaubte offenbar dem Mit-\ntelaltmeister die Reinheit des Rassebieradels nicht.\nUnd jetzt endlich erfährt das erstaunte Volk vom\nBiographen Mauke, warum Strauß den Rosen-\nkavalier schrieb: „Des Vorwurfs rassereiner Kri-\ntiker ewigen Semitismus und Feminis-\nmus satt, stellt Strauß also im Rosenkavalier end-\nlich einen Mann in den Vordergrund. Den Ochs,\nenen unverdächtgen arischen Rüpel von primitiv\nmaskuliner Männlichkeit.\" Sowie die rassereinen\nKritiker die maskuline Männlichkeit im Vorder-\ngrund sahen, übersahen sie die Frau und\ndas Bett im Hintergrund. Diese beiden wur-\nden nach der Logik des Biographen Mauke\naufgestellt, um auch weiterhin die semitische\nund feministische Presse um den kleinen\nFinger wickeln zu können. Hoffentlich haben sich\ndie rassereinen und die rasseunreinen Kritiker\nbei dem gemeinsamen Gekrabbel um den kleinen\nFinger nicht zu sehr gegenseitig gestört. Es ist er-\nreicht, heil dir im Lorbeerkranz, er steht auf dem\nbekannten Gipfel, eigenem und hypothekenfreiem\nBesitz, das Betreten des Grundstücks ist nur dem\nHolzbock und vielleicht von nun ab auch dem\nMauke gestattet, der also erschüttert und er-\nschütternd schließt: „Von der Höhe seiner fünfzig\nJahre darf dieser schlanke, elastische, von Win-\ntersport gebräunte, (— es wird einem blau\nvor den Augen —) von intensiven Lebensgenuß\nbeschwingte, in beiden Welten beheimatete Jüng-\nling (— schier fünfzig Jahre bist du alt —) im\nschütteren Lorbeerkranz, Einsiedler und Globe-\ntrotter zugleich, mit stolzem Lächeln auf seine\nErfolge und Taten blicken.\" Hoch von der Höhe,\nhoch, hoch ihm, Riccardo Strauß, Ritter pp. hoher\nOrden, Doktor der Philosophie, Obergeneralfeld-\nmarschallmusikdirektor, Meisterschaftsbobsleigh-\nfahrer. Durch Nacht zum Licht. Ueber Land\nund Meer. Nord und Süd. Ost und West. Kunst\nund Künstler. In vorzüglicher Hochachtung.\n\nDie Menschheit\nAugust Stramm\nTränen kreist der Raum!\nTränen Tränen\nDunkle Tränen\nQoldne Tränen\nLichte Tränen\nWellen krieseln\nGlasten stumpfen\nTränen Tränen\nTränen\nFunken\nSpringen auf und quirlen\nQuirlen quirlen\nWirbeln glitzen\nWirbeln sinken\nWirbeln springen\nZeugen\nNeu und neu und neu\nVertausendfacht\nZermilliont\nIm Licht!\nTränen Tränen\nTränen Funken\nAugen schimmern\nAugen Augen\nNebeln schweben\nTauchen blinzeln\nSaugen\nSchwere schwere\nBlinde\nTief\nHinunter\nIn die Nächte\nReißen\nSchaun!\nSchatten dampfen\nWeiche blasse\nFließen fließen\nWallen wogen\nHart und härter\nRunden Formen\nÜngetüme\nUngestüme\nUngefüge\nLeiber\nLeiber\nWalzen wälzen\nStalten sondern\nEinen fliehen\nZeugen schwellen\nTummeln starren\nFliegen stürzen\nStürzen stürzen\nStürzen stürzen\nIn\nDen\nSchrei!\nMäuler\nGähnen\nGähnen klappen\nKlappen schnappen\nSchnappen\nLaute\nLaute Laute\nSchüttern Ohren\nHorchen Horchen\nSchärfen Horchen\nSchwingen Schreie\nTöne Töne\nRufe Rufe\nKlappen Klarren\nKlirren Klingen\nSurren Summen\nBrummen Schnurren"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.3", "texte": "Gurren Gnurren\nGurgeln Grurgeln\nPstn Pstn\nHsstn Hsstn\nRurren Rurren\nRurren Rurren\nSammeln Sammeln\nSammeln Stammeln\nWorte Worte Worte\nWort\nDas Wort!\nWorte Worte\nWorte Worte\nBinden\nSchauen\nFühlen\nTasten\nBauen\nWorte Worte Worte\nSinnen\nSchrecken Grausen Furcht\nBringen\nHilfe Stütze Nahrung\nSchlingen\nBänder Fesseln Ketten\nSchüttern\nFreuen Fluchen Weh\nBilden\nBilder\nBilder Formen\nWecken nähren\nNähren mehren\nStützen gängeln\nLehren\nStehen\nLehren lehren\nAufrecht stehn\nDen\nMenschengeist!\nTaumeln Taumeln\nIrren Wirren\nWippein Kanten\nFallen Heben\nTappen Halten\nZagen Leben\nGehen\nVorwärts rückwärts\nSeitwärts seitwärts\nAufwärts\nAbwärts\nTasten Schwanken\nIn das Dunkel\nBauet\nKrücken\nKrücken Krücken\nBrücken Brücken\nWahne Wahne\nWahne Tiefen\nWahne Höhen\nWahne Schrecken\nWahne Hoffen\nWahne Strafen\nWahne Löhne\nAus\nDem\nEigenen\nBlute Blute\nStückt den Raum\nIn\nWahne Wahne\nReißet aus dem Raum\nDas\nIch!\nReißt aus Ich\nDas\nUm ihn Um ihn\nReißt\nDas\nUm ihn Um ihn\n\"Reißt\nSich\nSelber Selber Selber\nReißt\nDie Formen\nReckt\nDie Formen\nReckt\nDas\nUm ihn\nReckt\nDas\nUm sich\nReckt\nSich\nSelber Selber Selber\nReckt\nDie\nHand!\nHände\nKämpfen\nKrämpfen kämpfen\n1 Bluten Beten\nHolen Leben\nSchmettern würgen\nMorden morden\nStreicheln schmeicheln\nRächen rächen\nHüten wehren\nTreiben stoßen\nJagen\nFüße\nUeber\nFelder\nFelder Felder\nWüsten Wälder\n,Spreiten Schenkel\nSchmettern Hirne\nStopfen Mäuler\nSticken Worte\nWürgen Leiber\nTrümmern Formen\nWehren Schatten\nPressen Tränen\nTränen Tränen\nSchwarze Tränen\nTränen Tränen\nBlutige Tränen\nTränen Tränen\nGreuel Greuel\nUnerhörte Greuel\nZiehen\nZiehen wachsen\nWachsen deihen\nReifen reifen\nReifen Früchte\nStählen Kräfte\nSpannen\nZeit\nSpannen\nZeit\nSpannen\nZeit\nSpannen Zeit\nDie wesensbare\nSpannen Zeit\nDie grauenbäre\nSpannen Zeit\nDie fassenstrotze\nSpannen Zeit\nIn\nFeste Schirre\nUngeheure\nWinzge\nSchirre\nKnechten Zeit\nIn\nStarre Masse\nKnechten Zeit\nUm\nSterne Sterne\nKnechten\nSterne\nAus dem Räume\nSterne Sterne\nSterne Sterne\nKrammen Sterne\nIn\nDie Arme\nSterne Welten\nWelten\nUnd\nUmpranken\nIhr\nGeheimnis\nIhr Geheimnis\nIhr Geheimnis\nGrauenrund\nUnd\nRichtespurvag\nRaum und Raum\nUnd\nRaum und Raum\nRaum und Raum\nRingsum um um\nHöhe Tiefe\nLänge Breite\nRaum\nNur Raum\nNur Raum nur Raum\nSchwingen Rasen\nRasen Schwingen\nUm\nIm Raum\nIm Raum\nIm Räume\nKlammern Krallen\nFeste fester\nZittern Beben\nKlammern Krallen\nAneinander\nDurcheinander\nOben unten\nUnten oben\nRaum und Schwingen\nRaum und Wirbeln\nSchwingen Prellen\nPrellen Schleudern\nKlammern Klammern\nKlammern Klammern\nMenschen Menschen\nMenschen Menschen\nUeber\nMenschen\nKnochen Knochen\nUeber\nKnochen\nBeine Beine\nKöpfe Köpfe\nHände Hände\nHirne Hirne\nHerzen Herzen\nLeiber Leiber\nDicht gedrängt\nGehäuft gemasset\nWirr verschlungen\nHinter Zeichen\nFahnen Fahnen\nTrommelnd brechend"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.4", "texte": "Fluchend betend\nMordend sengend\nHeilend lindernd\nTröstend löschend\nMütter Kinder\nVäter Gatten\nFreunde Fremde\n'Feinde Brüder\nSchwestern Huren\nBräute Krieger\nMörder Beter\nFallen fallen\nSchichten Wege\nFallen fallen\nSchütten Wege\nFallen fallen\nWege Wege\nWegeschotter\nWege Wege\n(Neue Wege\nWege\nWege\nDurch das Elend\nDurch das Grausen\n' Durch das Leiden\nDurch den Atem\nVoll von Keimen\nDurch den Atem\nVoll von Toden\nDurch den Atem\nVoll von Leben\nDurch die Tränen\nTränen Tränen\nDurch\nDie\nNächte Nächte\nNächte\nVoran Voran\nHoch die Zeichen\nVoran Voran\nSchauer Zucken\nVoran Voran\nSchrei und Täuben\nVoran Voran\nIn die Gähne\nVoran Voran\nIn die Leere\nVoran Voran\nIn die Wiege\nVoran Voran\nIn die Gruft\nKreis im Kreise\nKreis im Kreise\nVoran Voran\nIn den Anfang\nVoran Voran\nIn das Ende\nVoran Voran\nIn den Abgrund\nVoran Voran\nIn die Höhe\nVoran Voran\nIn das Sterben\nVoran Voran\nIn das Werden\nKreis im Kreise\nIn das Werden\nKreis im Kreise\nIn das Werden\nIn\nDas\nWerden Werden Werden\nIn\nDas\nKreisen Kreisen Kreisen\nIn\nDie j , J\nTränen Tränen Tränen\nIn die\nTränen\nIn den Raum\nIn den Raum\nIn den Raum!\nTränen kreist der Raum!\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\n„Die gnädige Frau?!\" — ein Paar große, runde\nAugen, ein vollständig verständnisloses Kopf-\nschütteln, — „die gnädige Frau ist ja heute abend\nin der Stadt — das weiß der Herr doch!\"\nEr wird plötzlich über alle Maßen gereizt im\ntiefsten Innern: diese Gans, kann sie denn nicht\nbegreifen . . . mit ein paar Sprüngen ist er in die\nSchlafstube hinaufgelangt: nein, da ist sie nicht!\nIm Badezimmer —: auch da nicht!\nWo denn??\nEinen Augenblick bleibt er auf der Schwelle\nstehen, auf dem Wege nach unten zurück.\nZum erstenmal fährt ein Stich, ein plötzlicher,\nbrennender Stich durch sein Herz —: aber noch\nist es mehr Enttäuschung als Unruhe, mehr Be-\ntrübnis darüber, sie noch eine Weile entbehren\nzu müssen — als Angst!\nNun, denkt er, und lacht im selben Moment\nzärtlich und licht: das Dummerchen, sie hätte sich\nja doch die Mühe machen können, mir zu telepho-\nnieren, daß sie . . .\nDaß sie was?! — fragt er sich jäh selbst; er\nist wieder in sein Zimmer hinunter gekommen und\nsteht da, ist sich auf einmal klar darüber gewor-\nden: daß sie dann überhaupt nicht mehr in dieser\nNacht nach Hause kommen kann, kurz und gut,\nsie ist da drinnen geblieben, sollte es, mit andern\nWorten, plötzlich ganz schlimm mit ihrer Mutter\ngeworden sein — ist die Sache in dem Maße ernst,\nmein Gott!\nEr hat schon den Arm ausgestreckt, um nach\ndem Telephon zu greifen ,— erinnert sich dann\naber, auf einmal unsagbar erleichtert, daß da noch\nein Zug ist!\nNatürlich!\nEin Zug, der eine Viertelstunde später von der\nStadt abgeht als die letzte Straßenbahn!\nUnd ihre Eltern wohnen dem Bahnhof ja gerade\ngegenüber —: kurz und gut, sie ist ganz einfach\nmit der Eisenbahn gefahren!\nJa, aber — er fühlt sich ein wenig beunruhigt:\nWenn der Zug aus der Stadt eine Viertelstunde\nnach der Straßenbahn abgeht — dann hätte sie ja\nschon hier sein müssen? Noch ehe er vorhin den\nWeg hinab ging, um sie zu erwarten nicht\nwahr! Zweifelsohne, selbstverständlich!\nEr hebt die Hand an den Kopf, mit einem son-\nderbaren, gleichsam tickenden, kleinen Gefühl da\ndrinnen in seiner Brust — das indessen im selben\nAugenblick innehält, in dem er sich erinnert: sie\nweiß doch, daß er es nicht gern sieht, wenn sie\ndes Abends oder in der Nacht allein hier draußen\ngeht, wenn es auch nur ein Zehnminutengang ist,\nvon der kleinen Station da oben bis hier zur Villa\nhinab, wo sie wohnen —: und vermutlich ist sie\nalso gerade in dieser Sekunde im Begriff, ihn von\nda oben anzurufen, um ihn zu bitten, zu kommen\nund sie zu holen! Ganz sicher, hahaha, ganz ein-\nfach, sie hat wahrscheinlich schon vergebens tele-\nphoniert — gerade während er da unten an der\nStraßenbahn stand; auch das hat sie aller Wahr-\nscheinlichkeit nach jetzt hinterher ausgerechnet\"—\nund steht deswegen dort und wartet darauf, daß\ner sie anklingeln soll!\nMit einem Sprung ist er am Telephon, klingelt\nheftig drauf los, eifrig, seiner Sache vollkommen\nsicher, schon mit dem Ansatz eines Lächelns um\nseine Lippen, kann gleichsam in seinen Ohren die\nWonne fühlen, nun sofort ihre Stimme hören zu\nsollen! Hahaha, höchst kindisch, das muß er ehr-\nlich zugeben — aber er ist wirklich sozusagen\nganz nervös, vor lauter froher Erwartung, nach\ndieser Abwesenheit von den paar Stunden . . .\n„Jawohl, Fräulein!\nEisenbahnstation — danke! . . .\nSo, ach ... ah . . . vielleicht der Assistent,\nguten Abend!\nJa, Sie sprechen mit Morton, sagen Sie mir\ndoch: haben Sie vielleicht nicht zufällig beobach-\ntet, ob meine Frau in dem Zuge war, der eben\naus der Stadt kam?\"\nEr hört die Antwort, es ist ein munteres und\nehrerbietiges Ja. Seine Augen leuchten, er ist eben\nim Begriff, den Hörer in übertriebenem Eifer an-\nzuhängen, entsinnt sich dann plötzlich sehnsuchts-\nbenommen, daß sie also irgendwo in den Warte-\nsälen da oben sitzen muß, er kann es auf einmal\nnicht mehr aushalten, er muß ihre Stimme gleich,\nsofort hören —: „Ach, bitte, entschuldigen Sie,\naber sagen Sie mir doch, würden Sie mir viel-\nleicht den Gefallen tun und einmal nachsehen ob\nwohl da draußen im Wartezimmer sitzt —\nund sie in dem Fall bitten . . .\"\nAber die Antwort ist schon da, prompt —:\n„Nein!\nFrau Morton ist nicht da ,— sie war die ein-\nzige, die hier auf der Station ausstieg!\nIch habe übrigens selbst die Fahrkarte der gnä-\ndigen Frau abgenommen — sie ist den Bahn-\nhofsweg dann hinuntergegangen — sie muß also\nschon . . .\"\nMorton hört den jäh veränderten Ton hinter\nder Stimme des Mannes, eine keimende Unruhe\n— seine Hand hat selbst angefangen unerklärlich\nzu zittern —:\n„Vielen Dank — entschuldigen Sie!\nGute Nacht!\" — sagt er kurz, hängt den Hörer\nan und steht einen Augenblick da, plötzlich atem-\nlos lahm, kann weder denken, noch sich besinnen;\nhat auf einmal ein häßliches, ein frierendes Gefühl\nvon irgend etwas Kaltem und Schwarzem dort\nhinter sich, oder oben über seinem Scheitel . . .\nund dann in zwei rasenden Sätzen ist er rurid um\nden Schreibtisch gelangt, bis an die Tür, hinaus\ngekommen.\nDie Dunkelheit, das Sausen der Bäume, das\nGartentor — er bleibt auf einmal da unten stehen,\nwahnsinnig nach rechts und nach links auf den\nWeg hinausstarrend — der sich dort zu beiden\nSeiten in die Nacht hinzieht, staubschimmernd, öde,\nhier und da die Laternen mit ihren großen Kugeln\naus gelblichem Licht.\nMein Gott, das Ganze ist ja unmöglich, man\nkann nicht mehr als sechs oder sieben, höchstens\nacht, neun Minuten zu dem Stückchen Weges ge-\nbrauchen!\nMit andern Worten, schon zwei bis zweieinhalb\nMinuten, bevor er das erstemal hier draußen war,\nmußte sie bis hierher gelangt sein! Es ist also\nirgend etwas geschehen: krank geworden, in der\nDunkelheit gestrauchelt, zu Schaden gekommen??\nNoch einmal sucht er wild, besinnungslos, sein\nGrauen zurückzudrängen, greift wahnsinnig nach\nganz sinnlosen, trostlosen Vorstellungen —:\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.5", "texte": "Jawohl!\nAber ihre Mutter!\nVielleicht ist sie wirklich noch da drinnen in\nder Stadt!\nVielleicht hat sich trotz allem der Eisenbahn-\nassistent geirrt, nicht wahr, das ist doch denkbar!?\nEr geht einen Schritt zurück auf das Haus zu,\ndann fällt ihm aber plötzlich ein, daß es vielleicht\nnicht geht, an ihre Eltern zu telephonieren, denn\nfalls nun der Mann doch recht gesehen hat . . .\nund übrigens nein ... er weiß jetzt klar und\ndeutlich, daß sie nicht in der Stadt geblieben sein\nkann! Der Eisenbahnassistent hat ihr ja selbst\ndas Billet abgenommen! und also . . .\nEr erwacht zu klarem und gewaltsamem Nach-\ndenken. Alle Unentschlossenheit ist verschwunden.\nIn einem Nu ist er oben in seiner Stube. Blutige\nKnöchel von dem schwergehenden Schloß der En-\ntreetür. Das Telephon —:\n„Bitte!\nPolizeistation!\nSchnell — es eilt, eilt!\"\nFieberheiß umklammert er den Hörer, der sich\nin seiner Hand feucht anfühlte. Kann kaum still\nstehen. Ueber seinem Kopf saust es dumpf. In\nseiner Kehle sitzt eine Klaue!\nVon Zeit zu Zeit ertönt da drinnen im schwar-\nzen Trichter aus Ebonit ein feiner, klappernder\nLaut. Seine Beine strammen sich steif unter ihm.\nDu allmächtiger Gott, wie lange soll das währen.\n\"Endlich —: eine schlaftrunkene Stimme: Werda?\n„Hier Morton, Strandweg siebenundvierzig!\nEs ist wohl kein Unglücksfall jetzt eben bei\nIhnen gemeldet?\nMeine Frau ist nämlich vor gut zwanzig Mi-\nnuten von der Eisenbahnstation hier oben fort-\ngegangen und noch nicht hierher gekommen.\"\nEin Murmeln, ein Räuspern, dann plötzlich\nZug in der Stimme da drinnen, Glaß sieht ihn\nvor sich, diesen Polizeibeamten — wird selbst\nkreideweiß, indem er dieses Antlitz ahnt, indem er\nden veränderten Ton seine Stimme hört!\n■ fc»\n„Danke schön,\" — antwortet Glaß gleich darauf\n— „ich gehe selbst sogleich von hier fort!\nSchicken Sie Ihre Leute aus — so schnell Sie\nkönnen!\"\nIn einem Nu ist er unten im Garten, zur Pforte\nhinaus, läuft in fliegender Eile ohne Gedanken, nur\nvorwärts starrend, nach links am Wege entlang\n— und kommt ungefähr fünfhundert Schritte ent-\nfernt an die Ecke, wo der Bahnhofsweg in einem\nrechten Winkel in den Strandweg mündet.\nEr übersieht noch immer laufend mit einem ein-\nzigen Blick diese lange, lange Reihe von einsamen\nLaternen! den asphaltierten, schnurgeraden Bahn-\nhofsweg, der direkt wie ein Pfeil über diese noch\nunbebauten Felder führt — die sich dunkel, finster\ngegen das Licht des Weges abheben, hier und da\nmit dem kohlschwarzen Schatten einzelner Bäume,\ndie aus ehemaligen Gärten stehen geblieben sind.\nEr läuft beständig vorwärts, jetzt ein wenig\nlangsamer, weil er nach beiden Seiten spähen muß;\nes sitzt ein pfriemspitzer Stich in seinem Nacken;\ner ruft gedämpft —:\n„Annie!\nHier bin ich!\nNun komme ich ja!\"\nKeinerlei Antwort Nichts zu hören. Nichts\nzu sehen.\nFinsternis. Weg. Laternen. Bäume. Meine\nAugen, mein Herz, Annie, ach Gott, was ist ge-\nschehen!\nEr läuft und läuft, strauchelt, richtet sich wie-\nder auf, den Pfriem im Nacken, einen Spieß —\nstarrt mit allen Sinnen, Geliebte, hörst du, wo bist\ndu nur, nenne meinen 'Namen!\nWo bist du, ich komme, um dich nach Hause\nzu tragen, sei ruhig, nun mußt du ja hören, daß ich\nkomme, das Geräusch meines Laufens, bumm,\nbumm, höre, ich komme, so schnell ich kann, was\nist doch nur geschehen, mein Gott, ich kann es\nnicht ertragen vor Angst, sag mir doch, was ge-\nschehen ist!\nEr läuft noch immer, alle Muskeln anspannend,\nschneller, noch schneller — dreht den Kopf un-\naufhörlich von rechts nach links, aber nicht das\ngeringste, weder nah noch fern, vollkommen öde\nnach allen Seiten, todesstill und leer! Ihn umfängt\njäh dies alles, diese vollständige Einsamkeit und\nFinsternis — und da wird sein Nacken auf ein-\nmal von einem Schlachtschwert zerschmettert, die\nentsetzenerregenden Bilder stehen blutig vor ihm,\nunmöglich, ihnen in die Augen zu sehen: denn sie\nist nicht mehr gefallen und hat sich verletzt oder\nist zu Schaden gekommen! nein, aus dem Dunkel\nheraus ahnt er Gestalten, denen sie begegnet ist,\ndie sie mit einem Gebrüll an die Erde geworfen,\nihr ein Leid angetan haben, das nicht genannt wer-\nden kann . . . seine Füße reißen ihn noch hastiger\ndahin, das Feuer schäumt und heult, sein Gehirn\nwird von Feuer verzehrt, ein Entsetzen über allen\nVerstand hat ihn von Kopf bis zu Fuß eingehüllt,\ner läuft in fliegender Fahrt, durch kohlschwarze\nFinsternis, blind, mit gefletschten Zähnen, mit\nFäusten, die ihre Nägel in Fleisch eingraben, toll,\nrasend, er will töten, zermalmen, morden! Annie,\nmein Lieb, ach, komme ich zu spät, dann soll die\nWelt sterben, beeile dich, sammle alle deine Kräfte\nund flüstere mir bloß seinen Namen zu, oder wie\ner aussieht, ach Gott, mit meinen Händen will ich\nihn Stück für Stück erdrosseln, von keiner Marter\nder Erde soll er verschont bleiben . . . oder nein,\nich will ihm alles schenken, wenn nur du noch frei\ngekauft werden kannst, alles, mich selbst, mein\nLeben, alles, die ganze Welt soll er haben . . .\nEr läuft.\nStrauchelt von neuem.\nStürzt diesmal platt an die Erde, liegt lang aus-\ngestreckt auf dem Asphalt des Weges.\nFühlt einen Augenblick, dadurch beschwichtigt,\nden Brand in seinen Händen, in seinem Kinn —\nrichtet sich wieder auf. Und da . . . mein Gott. . .\nda sieht er, wie der Wind einen schaumweisen\nWimpel ganz da drinnen auf dem Felde in die\nHöhe hebt —: Geliebte, du!\nMit einem Geheul setzt er sich in Galopp, er\nrast dahin, durch Gras, über kleine Hügel, dahinten\nsteigt und senkt sich ihr stummer Ruf an sein\nAuge, dahin, er wird von Flügeln getragen — ge-\nlangt endlich bis dahin, begreift es alles, er liegt\nim selben Augenblick über ihren Körper geschleu-\ndert, Erde, Gestank von Blut, schreit, mein Leben,\nJesus! zerreißt sein Gewand über der Brust, ahnt\ndie dunkle Wunde, die in ihrem Leib klafft, schlägt\nsorgfältig ihre Kleider herunter, lauscht und tastet\nan ihrem Herzen: nein, totenstill, kalt, sie ist un-\nbeweglich, steif, ihr Gesicht kann er jetzt in der\nDunkelheit unterscheiden: Hilfe, das Grauen ihres\nAntlitzes in diesem Tod! Mord, Blut überall, Annie,\nLiebste, mein Gott, mein Gott, ist es denn mög-\nlich, daß ich zu spät gekommen bin! sterben, laß\nmich sterben, ich will sterben, sterben, sterben,\nmein Gott, zerreiße mich in Stücke, so daß ich\ngleich, sofort sterben kann! . . .\nEr hat sich plötzlich, mit einem Ruck erhoben.\nIn seinem Ohr vernimmt er unsagbar feinhörig,\nferne Tritte.\nWendet mit einem Ruck den Kopf um, starrt\nunter gerunzelten Brauen hervor; da drinnen, ja!\nJa, ein paar leuchtende Punkte bewegen sich\nSchritt für Schritt vorwärts, da hinten an dem\nStrang des Weges entlang durch die Finsternis —\ner weiß auf einmal, daß es die Polizei ist, die aus-\ngegangen ist, um zu suchen —; aber nein, die haben\nhier nichts zu tun, kein Mann in der Welt soll\nseine Annie sehen, kein Blick auf Erden soll an\nihre Leiche rühren, mein Gott, ist das, was ge-\nschehen ist, nicht zehntausendmal mehr als genug!\nUnd im selben Augenblick hält er sie fauchend\numschlungen. Hebt sie geifernd auf seinen Arm,\nüber sein Handgelenk fällt das goldene Haar sei-\ndenweich herab.\nAn seiner Schulter ruht ihre Wange, in die\nNacht hinaus starren die großen Augen, weit ge-\nöffnet mit ihrem Grauen!\nEr preßt — während er dahintrabt, über die\nFelder hinweg, in einem weiten, weiten Bogen\nfort von diesen beiden Lichtern da unten, die lang-\nsam vorwärts rücken, beide Seiten des Weges ab-\nsuchend, strauchelnd, mit zusammengebissenen\nZähnen, mit flammenden Blicken, knurrend preßt\ner sie mit aller Macht gegen sein Herz, sein Ge-\nhirn rast feuerrot, er ist unermeßlich stark, er ist\nein losgelassener Stier, eine gellende Lokomotive,\ndie durch gegangen ist, er trägt seine Geliebte da-\nhin wie eine Feder, ja, er kam gerade in der rech-\nten Sekunde, um sie zu erretten von denen, die\nihr Böses zufügen wollte, siehe, er ist so stark wie\nein Gott und ein Teufel — weil er seine Annie\nträgt!\nNoch sieht er wie in einem Blitz das weiße\nBand des Strandweges — über das er atemlos in\neinem einzigen Satz hinwegspringt. Er stürzt sich\ndarauf quer durch eine Hecke, durch noch eine\nund noch eine, ist plötzlich in seinen Garten hin-\neingelangt, steht einen Augenblick auf der Veran-\ndatreppe still — ist im nächsten Moment in seinem\nZimmer.\nMit einer Armbewegung fegt er alles vom\nSchreibtisch herunter — legt sie sorgsam darauf;\nist in einem Sprung an den Fenstern, läßt die Gar-\ndinen herunter; dann an den Türen: erst an der\nzur Wohnstube, dann an der, die nach dem Entree\nhinausführt, dreht die Schlüssel in beiden herum —:\nAllein!\nGott sei gelobt!\nEndlich in Sicherheit mit Annie! . . .\nDa pocht es an die Tür dahinten — er antwortet\nnicht, starrt nur mit schäumendem Mund und blu-\ntigen Augen dahin.\nEr hört ein Murmeln da draußen, ein gedämpf-\ntes und eingeschüchtertes — gleich darauf wird\nwieder geklopft, aber diesmal von einer anderen,\nfesteren Hand als vorhin —:\n„Herr Morton! - ! ,•1\n„Ist Herr Morton da? . . .\nHier ist Niels Haid, der Polizeiassistent!\"\nLautlos hat währenddessen Glaß den Kontakt\ndes elektrischen Lichts erreicht, er preßt seinen\nganzen Körper dagegen, um den Laut abzu-\nschwächen, während er knipst — es wird stock-\nfinster im Zimmer, ich will niemand hier drinnen\nhaben, niemand darf zu Annie hereinkommen!\nEr steht noch dort an der Tür, zwinkert mit\nden Augen in der kohlschwarzen Dunkelheit, reibt\nsich die Hände auf einmal — er faßt von einem\nplötzlichen und zitternden Verlangen, da hinaus zu\nstürzen und diese Menschen weg zu jagen, zu\nrufen und zu schlagen und mit den Fäusten zu\nstoßen, ja, sie mit geballter Faust ins Gesicht zu\ntreffen, Blut, Schmerzensgeschrei, Totschlag und\nMord — soll er? Obschon, nein, auf keinen Fall,\ner darf um Gottes willen einem solchen Verlangen\nnicht nachgeben, er darf sie nicht vergessen, die\ner verteidigen muß, darf um keinen Preis von hier\nfortgehen! Ach, aber sinnlos, dumm, rein lächer-\nlich war es von ihm, daß er dahin telephonierte,\nwas sollte er wohl mit allen diesen Wildfremden,\nhatten sie ihm vielleicht seine Annie zurück-\ngegeben?!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.6", "texte": "Einen Augenblick hebt er die linke Hand, jäh\nvon Wollust bei dem Gedanken, den Schlüssel\nmausestill umzudrehen, riesenstark mit einem\nTigersprung da draußen zu sein, diese unbekannten\nWesen zur Erde zu schlagen, die es wagen, in sein\nHaus einzudringen! seine Knie eisenhart auf ihre\nBrust zu stemmen, bis sie kracht, ihre Köpfe mit\neinem einzigen Totschlägerschlag seiner Knochen\nflachzuschmettern, das konnte sie vielleicht leh-\nren, Annie in Frieden zu lassen! . . .\nUnd da vermag er sich nicht mehr zu beherr-\nschen. Ohne es zu wollen, hat er schon den Arm\nausgestreckt. Er greift mit gekrümmten Fingern\nnach dem Schloß. Aber noch in derselben Se-\nkunde, wo das kalte Eisen des Schlüssels seiner\nHaut begegnet, reißt er keuchend die Hand zu-\nrück —: nein, es würde doch unklug sein! Er\nkennt sie, das Pack, er weiß aufs Haar, jedesmal,\nwenn man einen einzigen von diesen Burschen\nwegjagt, dann kommen statt seiner nur zwanzig\nneue!\nNein!\nGanz verkehrt!\nEr mußt etwas ganz anderes ersinnen!\nEr mußt weit schlauere und hinterlistigere\nMittel erfinden, um Sie gegen ihre Gewalt und\nVergewaltigung zu schützen! . . .\nIm selben Moment erinnert er sich in allen sei-\nhen Muskeln, daß er neulich — als Annie irgend\netwas aus dem Schlafstubenfenster hatte fallen\nlassen, während er da unten im Garten stand —\nvon da unten auf das Dach der Veranda hinauf-\ngeklettert war, und ihr diese Nadel oder Brosche,\noder was es sein mochte, hinaufgereicht hatte.\n\nFortsetzung folgt\n\nBergwanderung\nKarl Brand\nWolken krachen ins Gebälk der Berge,\nSchleim der Schlangendrüsen\ntropft mir in die Augen\nund hier oben such ich Gottes Weg.\nGrüne Steine bröckeln rieselnd\nunter meinen Riesentritten\nSchattengeschraubt,\ndaß das Blut mir im Gelenk verspritzt,\ndie Augen werden tief wie Meere\nunter mir.\nSausend fliegen Himmelsfetzen\nwindgerissen mir ins Antlitz;\nund vertrocknet meine heißen Lippen\nKriech ich\nhin auf Gottespfaden.\n\nDie Uhr\nSchattenspiel im Zimmer der verstorbenen Frau\nFrantisek Langer\nDer Mann:\nWie dieser Raum ihre Existenz in sich fort-\nsetzt! Vielleicht sind an den Gegenständen, die\nsie berührt hat, für immer die Spuren ihrer Be-\ngegnung mit ihnen haften geblieben. Für mich, der\nich in mir sie, nur sie trage, ist jeder Gegenstand\nbesätes Erdreich, aus dem auf geahnte Berührun-\ngen hin ihr ganzes Wesen, Glied um Glied aufer-\nsteht. Die Lampe, die sie auf den Tisch stellte,\nist nur der Gegenstand, auf den sich ihre beiden\nHände legten und die Hände gehn über in die\nArme, die den Aermeln entsteigen und die Arme\nerheben sich vor der langsam über den Teppich\nschreitenden Gestalt. Auch der Spiegel ist nur\neine tote Platte, die mir aber im Erinnern ihre Be-\nwegungen beim Kämmen der Haare, die Schön-\nheit ihrer Schultern und ihres Nackens wiedergibt.\nEbenso das Bett, in dem sie schlief, die Stühle, wo\nsie zu sitzen pflegte, die Schränke, an deren halb-\ngeöffneten Türen sie ihre Kleider wählte, alles ist\nvoll von ihr, überall und bei allem weilt ihre Ge-\nstalt. Und so sehe ich sie unzähligemal verviel-\nfacht gleichzeitig an verschiedenen Stellen stehn\nund sitzen, ich wundere mich bereits, daß zwi-\nschen ihren gedrängten Wesen im Räume des\nZimmers Lücken bleiben, durch die ich die körper-\nliche Gegenwart des Tisches, der Lampe darauf,\nder Uhr, des Bettes, des Kinderwagens, der\nSchränke erblicken kann.\nWarum konnte nicht ich an ihrer statt schlwan-\nger sein und selber die Last des wachsenden Kin-\ndes tragen, nur daß ihr Körper schlank, fein und\nfröhlich und ihre Wangen frisch blieben.— warum?\nIch bin ein Mann! Warum war mir nicht gegeben,\nallen ihren Schmerz zu erdulden, an ihrer statt zu\ngebären, nach dem Tode zu rufen, zu sterben, mir,\nder ich ein Mann bin!\nDer Kinderwagen\nNicht wahr, ich bin brav, weil ich hiergeblie-\nben bin? (Ich bin gewohnt zu schmeicheln, weil\nin mir dein Kind schläft.) Aber warum habt ihr\nmich heute zuhause gelassen und warum durfte\ndie Amine das Kind auf den Händen in den Park\nhinaus tragen? Sie ist fremd und ich bin dein.\nUnter wie vielen Wagen — erinnere dich an ihre\ngedrängten Reihen, wie sie warteten, bis jemand\nsie erwähle, und an deine Verlegenheit, als du\nzwischen ihnen hindurchschrittst, — mit welchen\nGefühlen, mit welcher Fülle von Stolz und Zärt-\nlichkeit hast du mich in dem Geschäfte ausge-\nwählt!\nDer Mann\n(geht zum Fenster)\nHeute ginge sie sicher hinaus und ließe sich\nmit dem Knäblein auf irgendeiner Bank nieder.\nDort oben, wohin die Sonne scheint und von wo\nman in unsere Fenster sehn kann. Wir wären\nständig verbunden durch die Möglichkeit einan-\nder zu erblicken, wenn ich an das Fenster trete.\nWir würden uns durch ein angenehmes Band ge-\nfesselt fühlen, über das unsre Gedanken dem\nBlicke folgen können. Aber jetzt, wenn ich um\nmich schaue, ist mein Blick unbeendet, als ob von\nmir ins Leere Bänder hingen, schlapp ungespannt.\n(Er wendet sich ins Zimmer zurück)\nNur hier in diesem Zimmer finden die Bänder\nBerührungspunkte, meine Blicke und meine Ge-\ndanken reiben sich an den Dingen, die mich über-\nzeugen, daß sie gelebt hat. Sie flattern an ihnen,\nvom Andrang der Trauer bewegt. Meine Trauer\nist wie ein Hauch, wie der Wind, der die schwar-\nzen und traurigen Flaggen und Fransen bewegt,\ndie an einem Sterbetage aus den Fenstern und\nDachluken heraushängen. Sie wölben sich und\nrauschen, wenn sie an wirkliche Dinge rühren.\nAlles was ich denke, fühle, erlebe, zittert, flattert\nund wogt wie eine Fahne in bebender Hand: Alles\nzittert von Erinnerungen, von denen ich nicht\nmehr zu glauben wage, daß sie der Ausklang ver-\ngangener Wirklichkeit sind. Alles wogt von Hoff-\nnungen und Vertröstungen auf die Zukunft, von\ndenen ich plötzlich und schmerzlich das Bewußt-\nsein habe, daß sie niemals, niemals sich erfüllen\nwerden.\nDie Uhr\n(Ihre Zeiger weisen beständig auf drei Uhr)\nIch stehe, ich bin im Lauf, im Gang, im Rhyth-\nmus stehn geblieben, so wie du stehst. Meine\nHände zeigen stets auf die gleiche Stunde und\ndoch weiß ich, daß die Zeit ohne Unterlaß in ge-\nrader Linie der Ewigkeit sich nähert. Meine Auf-\ngabe ist, mein Leben lang mit ihr zu gehn. Aber\ndu hast mich c.us meiner Notwendigkeit gerissen.\nWie ich durch die Reglosigkeit leide! Warum hast\ndu mich vergessen?\nDer Mann\nIch habe sie zuletzt aufgezogen, als sie noch\nlebte, und dann ließ ich sie zu Ende gehen. Sie ist\nnoch beim Klang ihrer Pendel gestorben. Jetzt\nsagt sie mir nichts, der Ablauf der Zeit hat für\nmich keinen Sinn. Die Zeit ist mir gleichgültig,\nmag sie gehen, schwinden, stillstehn, ewig dauern\n— jetzt bin ich nicht in ihr.\nDie Uhr\nWarum bist du so selbstsüchtig, Undankbarer?\nHast du vergessen, wie in vergangenen Zeiten\nmein Pendel stets deine damalige Zeit in die herr-\nlichste Gegenwart spaltete? Wie dicht du die\nLücken zwischen meinen Sekunden ausfülltest, als\nob du mit deinen — — — — — — —\nWie oft ließest du die Augen nicht von mir, wenn\ndein Glück sich einfinden sollte, bis ich die er-\nwartete Ziffer an meinem Kreise zeigte! Und ich\nzählte, zählte die winzigen, nichtigen Bruchteile\nder Zeit, zermalmte damals, äußer Atem wie ein\nSchüler, die kleinen Ziffern, damit sie sich\nin größere verwandelten, nur damit du\nausharrtest. Vergiß auch nicht, als dein\nWeib — damals noch deine Liebste — bald\nfortgehn sollte, wie du auf meine Hände\nblicktest, wie auf zwei feindliche Messer, die sie\nvon dir abschneiden sollten, bis sie die bestimmte\nStelle erreichten. Aber ich ließ aus Mitleid mit\ndir die Zeit in deinem Zimmer innehalten, mein\nWerk stand, und sie blieb lange bei dir, lange, bis\ndas Dunkel sie an die Tageszeit erinnerte. Als\nsie fortging, sprangst du zu mir und küßtest mein\nGesicht. Erinnerst du dich?\n(Der Mann weiß, daß es ihm unmöglich ist, um\nsich herum etwas andres als Erinnerungen zu be-\nleben, und wäre dies nur eine Uhr.)\nDie alte Wirtschafterin\n(Tritt ein)\nWieder nicht aufgegessen? Sehn Sie sich mal ant\nIm Grabe würde sich die Gnädige umdrehn\nüber Ihr Aussehn: Blaß sind Sie, abgemagert.\nBin alt, (und Sie sind jung)\nso alt, daß ich schon aufhörte zu trauern\nüber alles Traurige im Leben.\nEin Stündchen später sterben oder früher . . .\nDoch Sie sind jung.\nUnd doch blieb das Kotlett auf dem Teller liegen,.\nobgleich es fein gebraten war,\nDas Leben hat ein Recht . . .\nZum Abendessen wird es Tauben geben.\nMir alten Frau blieb schließlich übrig nur,\nmich über Ofenplatten beugen und\nGerichte kochen und daran zu riechen,\nund Jüngeren manches rüsten für das Leben,\nwas sie annehmen, manchmal ablehnen.\nIch geh schon, gehe schon."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.7", "texte": "Traurig zu sein ist sicher etwas schönes,\num das was wir verloren. Doch man verliert\n(mir starben Mann und Sohn und meine Tochter\nging davon mit Einem)\nDer Mensch verliert, bis er nichts mehr besitzt;\nund Trauer schwindet in der Tage Gleichmut\nund dann bedauert es der Mensch nicht mehr,\nDaß keine Trauer mehr ihm blieb, nun noch zu\ntrauern.\nDann sieht er alles wieder anders an.\nSie waren traurig, mehr als zur Genüge.\nDies sag ich Ihnen täglich, doch vergebens.\n(Ab)\nDer Mann\nWie lange habe ich nicht mehr das Gefühl des\nHungers gehabt. Das Gefühl irgendeines Verlan-\ngens. Ich bin aus dem Lebendigsein gerissen und\nin irgendeine Zeit versetzt, die nicht mein ist und\nich rage in ihr empor wie ein Dorn, wie ein\nFremdkörper, der sich nicht anpassen kann. Vor\nmir und hinter mir ist in dieser Zeit nichts, was\nmein Sein in den zusammenhängenden Gang\nspannte, der vom unausdenkbaren Anbeginn der\newigen Zeit bis an ihr unmögliches und wie her-\neinbrechendes Ende fortschreitet. Als ob ich dar-\naus gelöscht wäre seit dem Augenblicke, da sie\nstarb. Ich bin jetzt ohne menschliche Empfindun-\ngen und habe nur Erinnerungen daran. Ich em-\npfinde nur in Erinnerungen.\nWelch ein Weib ist sie gewesen,\nwas für Worte sprach ihr Mund!\nWie oft schien es mir, als ob sie Grenzen-\nloses verkünden würde, ein großes Geschenk der\ntiefsten Güte, das in meine Worte ein solches\nGlück hineinströmte, daß ich mir sagte: „Niemals\nim Leben kann ich mehr empfangen. Es ist Zeit,\ndaß ich sterbe.\"\nDer Zweifel\nSprach sie dies Wort einmal aus?\nDer Mann\nIch erwartete es täglich und täglich war sie\nIhm näher. Aber sie starb vor der Zeit.\nDer Zweifel\nWeißt du denn nicht, daß du ihr ständig vor-\nsprachst, was sie zu dir sagen sollte? Sie war\neine Frau, also ein Mund und du der Mann, also\nder von Euch beiden. Sie war dem näher, was du\nerwartetest, wenn du dir den Inhalt deines War-\ntens besser vergegenwärtigtest. Aber nie wäre sie\nbis zu ihm gelangt, so wie du nicht zu seiner wirk-\nlichen Vorstellung gelangen konntest. Das ist\nkeine Dialektik. Aber was sie war, das war sie\neinzig durch dich. Und wozu sie in deinen Er-\ninnerungen erwuchs, das ist sie nur durch dein\nZurückdenken geworden.\n(Durch das geöffnete Fenster redet die Schar\nvon Dingen ins Zimmer herein, die man durch das\nFenster erblickt. Es sind dies: Die Fußwege am\nParkabhang. Ammen. Ein fliegender Ball. Einige\nschwere Wagen. Die schrägen Schattendächer\nüber Schaufenster. Menschengruppen und allerlei\nFußgänger)\nDer Mann\nIhr wollt mich daran erinnern, daß ich stets\nunter euch bin. Ich weiß es wohl, aber ich lebe\nnur in der Wiederholung, ich wiederhole jetzt nur\nmeine und ihre Blicke. Wenig zugegen bin ich in\neurem Leben. Zwar erregt ihr keinen Mißge-\nschmack in mir, aber ich bin einsam, selbst wenn\nich in euch bin. Es pflegte anders zu sein. Wenn\nwir — mit ihr — in einander eingehängt gingen,\nda waren wir allen Geschehens der Gasse teil-\nhaftig. Wie gern unterzogen wir uns ihrem zu-\nfälligen Anhäufen von Menschen, das sie mit uns\nund andern nahm. Wir vereinigten uns mit ihnen,\nbrachen uns an den Straßenecken, stoben ausein-\nander an den Kreuzungen. Oder wir gingen beide\nganz allein, wie versprengte Einheiten über den\nöden Marktplatz, in dessen Winkel sich eine Sta-\ntuengruppe verbarg. Und dann kehrten wir im-\nmer zurück, fröhlich durch die Menge, durch die\nwir schritten, wie zwei Haare, die zwischen den\nZähnen eines Kammes hindurchgegangen sind und\nsich nun wellen, abgetrennt von den übrigen.\nImmer jedoch waren wir zwei.\n(Der Zweifel ist bereits verschwunden, aber die\nGasse unter den Fenstern verstummt nicht.)\nDer Mann\nVerstumm, verstumm, du heißes Lied der\nGehenden und der Ungeduldigen. Laß mich in mir\nmich verlieren. Nein ich bin nicht unglücklich, um\nvom Boden das Zwirnknäul aufheben zu müssen,\ndessen Fäden mich an das tägliche Leben fesseln\nund das Bedürfnis und die Dankbarkeit zu fühlen,\ndaß es mir nur möglich ist, ihnen entlang zu gehen,\num zu ihrer Mitte zu gelangen. Ich bin allein.und\ndurch mich selbst lebendig gehe ich einmal aus\nmir heraus und in deine Klänge und Bewegungen\nein, dann gehe ich wiederum nur als ein unbedeu-\ntender, sich verlierender und demütiger Geher,\nden nur sein Wort und seine Gegenwart verkün-\ndet. Doch jetzt vergönn mir, traurig zu sein.\nDie Uhr\nVergiß mich nicht! Mein Werk leidet durch\nden Staub und Rost, der sich daran fängt. Du bist\nvoll der Vergangenheit, die irgenwo stehen geblie-\nben ist, aber deine Trauer ist in dir verborgen wie\naufgezogene Federn. Du hast das große Gefühl\ndeiner Existenz in dir, ihr tiefes Bewußtsein, das\ndich sättigt und durch das du lebst. Wie ist dein\nLeben beneidenswert . . . Aber die Feder in mir\nist ohne Kraft, abgelaufen, sie wartet auf deine\nHand, um sich aufzurollen, zu spannen, damit ich\ngehe und lebe, ich Uhr. Hab Mitleid mit mir . . .\nErwecke mich!\nDer Mann\nUeberdenke ich meine Trauer, wie schön ist es,\ndaß ich sie fühle. Daß ich lebe und sie fühlen\nkann. Wie schön ist mein Leben, daß ich den\nSchmerz sehr fühlen kann. Wie sehr fühle ich das\nLeben durch den Schmerz, den ich leide!\n(Unversehens tritt er hin und zieht die Uhr auf.)\nDie Uhr\n(beginnt zu gehen)\nDank, Dank!\n(Aus dem Tschechischen übertragen von Otto Pick)\n\nBetrachtung\nPaul Hatvani\nDer Philister, der mir seinen Kitsch lobt, hat\nnicht nur deshalb Unrecht, weil ich Recht habe.\nIm Kitsch läßt es sich gut wohnen, der Philister\nverbietet mir diese Behaglichkeit, um Ruhe zu\nhaben. Ich aber weiß es: die Freude am Kitsch\nist nur geheuchelt und der goldene Mittelweg\nführt auf ein Golgatha der Langweile. Ruhe ist ein\nVorbote des Schlafes; ich aber beschwöre den\nTraum: und es fällt dem Philister nicht im Traume\nein, daß er Unrecht haben könnte.\nJ)ie Ruhe ist das Hauptargument des Philisters.\nDeshalb beunruhigt ihn jedes Neue und jede Kunst.\nUnd jedes Alte und jeder Kitsch beruhigt ihn: auch\ndenn, wenn das Alte Kunst und der Kitsch neu ist.\nDenn er ist Logiker: ewig stille steht er im Nichts\nund bezieht sich auf Alles.\nEr weiß es nicht, daß seine Ruhe ein Tod und\nsein Leben ein Beweis des Sterbens ist. Aber\ner versteht Alles, und sein Verstehen heißt Logik.\nDamit verfolgt er mich bis in den Traum; der\nFluch des Einsamen ist kein Hindernis; er will\nmich überzeugen und zeugt nur wider mich. Er\nleugnet: und ich behaupte mich. Er spricht die\nWahrheit. Aber sie enthüllt die Lüge, die einen\nSchein ins Sein steigert.\nDie Phrase ist das Schild und die Geste ist der\nSpeer des Philisters. Aber die Ruhe ist sein Hei-\nligtum; und deshalb schützt er sich mit der Phrase\nund verteidigt seine Geste, auf daß der Geist nicht\nüber ihn komme und er ruhig sterben könne,\namen.\nDenn er will ruhig leben. Nichts darf ihn stö-\nren. Und so verdammt er die Kunst und flucht\nseinen eigenen Fluch. Und heuchelt Freude am\neigenen Fluch. Und heuchelt Freude am eigenen\nKitsch, ohne sich freuen zu können. Denn mit der\nLust geht auch die Fähigkeit der Freude verloren;\nPhilister sind nie freudig, immer nur gemütlich.\nDas Leben des Philisters ist ein Abwehren der\nGeräusche. Denn nur in der Eintönigkeit der\neigenen Seele fühlt sich die Gemütlichkeit wohl.\nDie Kunst aber, ewig neu und veränderlich, nimmt\nauf den Winterschlaf der Philisterseele keine\nRücksicht. Da hört sich die Gemütlichkeit auf.\nDie Kunst ist unschuldig. Der Philister ist an\nsich böse und nicht erst durch die Kunst verwirrt\nworden. Seine innere Stimme, sein gewissenloses\nGewissen, zwingt ihn, die Kunst zu hassen und\nein stinkender Instinkt weist ihm den rechten\nWeg. Er fühlt die Kunst, um sie zu verdammen.\nEr haßt sie, weil sie ihn beunruhigen könnte. Er\nhat Unrecht, weil ich Recht habe.\nSein Haß ist inferior. Er mordet nicht, son-\ndern richtet. Er richtet nicht, sondern rechtet.\nDer Philister ist ein Vorwand der Schöpfung.\nEr füllt die Lücken aus, die sein Sinn gelassen hat.\nDer Künstler aber ist die Erfüllung der großen\nFülle, die das Leben gelassen hat, als es den Phi-\nlister schuf.\nDer Philister geht im Garten der Lust spazie-\nren, als würden die Blumen nur blühen, wenn sie\nvon seinem wässrigen Geiste begossen würden.\nEine einsame Blume will daran nicht glauben;\nsie will im Stillen blühen, da ruft seine Stimme:\n„Sesam, schließe dich!\"\nPhilister glauben nicht, aber sie sind überzeugt\ndavon. Ob es nun einen Gott gibt oder nicht:\nsie sind überzeugt davon. Denn nicht das Be-\njahen oder Verneinen macht den Philister, son-\ndern die Ueberzeugung..\nDer Philister spricht: „Ich bin normal, also ist\nIrrsinn.\"\nDer Philister und die Welt: sie kennen sich\nvom Sehen. Dann begann er ein Verhältnis mit\nihr, das nicht ohne Folgen bleibt.\nDer Schablone des Lebens folgt der Tod. Wie\nist es doch verstummt um den Tod! Die Furcht\nist schlafen gegangen und durch den Traum pol-\ntert der Haß des ewigen Philisters."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140715-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durck\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlar\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt nnd Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Potsdamw StraB« 134 a\nSiebenundzwanzigste Ausstellung\nGleizes / Metzinger\nDuehamp-Villon/Villon\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel •\nEroffnung in Genf: 15. August: Kandinsky\n6 rue de Candolle\nSturmausstellungen in Deutschland und im Ahs-\nland I Juli 1914\nStuttgart: Franz Marc\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\nAugsburg: Gabriele Miinter .'\nTokyo: Graphik\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443 r ;\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten iedes Monats\nDauerbezug\nQewohnliche Ausgabe Fiir Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / Fur das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs ./ Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs ,/ Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n'durch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andemfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eug&ne Figuiere /\nParis\n\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungen j\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton in ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nG1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag ,/\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie J Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark ./ Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Bucher I: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a / 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig / Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nfferwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Ffir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn ./ einzeln 50\nPfennig\nKilnstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacfaen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz / Um b e r to Boccioni: Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoscbka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter /' Marc Chagall /\nKlee / Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nIllustrierte Ausstellun^skataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fQnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoscbka: PI a k at fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky j Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka ./ August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch J\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck J Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\n\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni ./ Severini /'\nCarra / Russolo / Francis Picabia ./ Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJ a h r I Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14;\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an iedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstellung\nDer Sturm\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz J Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de l'Effort Social J Paris /\nde Vaugirard 120\nLa Renaissance Contemporaine /\nParis I 41 Rue Monge\nLa Nouvelie Revue Francalse ! Monatsschrift f\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc\n50 centimes\nLes Cabiers du Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris / Recueil Mensuel illustr6 /\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean C6-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail / Jabres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fSr neue uod\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPoet-Lore Begriindet 1890 / Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck ./ Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman }\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /'\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be--\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\ne nth alt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}