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Aber sehen Sie sich nur um! Dieser\nMeinung sind hier viele, Sie sind gar nicht das\neinzige Gespenst, welches sein Schattendasein auf\neinem Planeten für eine reale Existenz hält — und\nanders wäre euch auch nicht wohl.\nAber wir existieren doch, gestikulierte Heinz\nMockel, wir sind real, selbst wenn wir Schatten\nsind. Was fällt Ihnen ein, mein bester Exekutor?\nWas mir einfällt? Existieren tut ihr schon —\naber da gibt's doch noch Unterschiede; Unter-\nschiede in der Realität selber. Der Schatten, der\nsich für das Ding hält, welches ihn wirft, verdient,\nirreal zu heißen: ergo ....\nVerdient! Verdient zu heißen! Heinz Mockel\nschneuzte sich. Sie geben klein bei, und ergo war\nirreal in Ihrem Munde bloß ein Schimpfwort.\nSchämen Sie sich! Er zitterte und wurde rot;\nworüber sich der Exekutor gewaltig freute, aber\nheimlich. Laut sagte er mit düsterer Miene:\nLieber Mockel, wollen Sie, wie Sie da sind,\nSie pauvres Gespenst, Ihr eigenes wahrhaft leben-\ndiges Wesen sehen? Den Körper, von dem Sie\nder Schatten sind? Wollen Sie? Soll ich, der\nExekutor, die vitale Maschinerie Ihres Lebens\nspielen lassen? Teurer Freund, reizen Sie mich\nzu keiner Exekution! Ich kann Sie auf und ab\ndeklinieren und Ihr bißchen Identität dermaßen\nflektieren, Ihre Grade, Ihre Skala aufrollen, daß\nSie sehr drastisch begreifen müssen: Heinz\nMockel, der hier vor mir steht, ist nur eine dürf-\ntige Möglichkeit seiner vielen so gut wie irreal\nim Vergleich zu der pluralischen Kraft, welche in\nihm gelähmt ist und eventuell elektrisiert werden\nkönnte. Ein kleines Beispiel für viele. (Der Exe-\nkutor verdoppelte sich; es war, wie wenn sein\nganzer Leib das Schielen kriegte. Aber sofort\nging er wieder in sich zusammen, lächelte ange-\nstrengt.) Was Wetter, keuchte er, Lähmungen,\nmein Lieber, kann man schon überwinden. Aber\nfreilich, wenn man, wie Ihr, sich gar nicht einmal\nals gelähmt empfindet — ja dann, ia dann —.\nHabe ich Sie recht verstanden, Exekutor,\ntrotzte Mockel, Sie wolen mir einbilden, ich könnte\nmich durch Ankämpfen gegen gewisse Lähmungen\nverdoppeln, verdrei-, vervier-, verixfachen? Und\nwenn schon — was, was, was hätte ich schon\ndadavon??\nMockel, krähte der Exekutor, Sie sind mords-\nmäßig dumm, wenn Sie nicht mindestens zwei\nFolgerungen sofort zu Ihrem Vorteile daraus zie-\nhen. Erstlich können Sie sich nicht bloß verix-\nfachen, sondern überhaupt alterieren, variieren,\nwie Sie wollen. Zweitens sind x-Leiber doch eine\nunermeßliche Wohltat gegen den einen, lumpigen,\nfast irrealen, dieses Fragment, dieses Minimum\nvon Dasein. Ich kann Ihnen nur sagen, werden\nSie recht sehr mißtrauisch gegen Ihre Ohnmächte,\ngegen Ihre verfluchten Unmöglichkeiten. Ihre Lo-\ngik stinkt ja ordentlich nach Impotenz, nach Ver-\nboten, Toden und weltvernagelnden Brettern. Sie\ntun mir weh und amüsieren mich doch damit. Wie\nsoll ich mir eigentlich vorkommen? Ich bin doch\ngeradezu toll vor Nüchternheit. Sagen Sie schon\netwas, gottvoller Mockel!!\nErlauben Sie, Exekutorchen, Ihr kleiner Ansatz\nzur Selbstverdoppelung muß natürlich logisch\nuntergebracht werden, das gebe ich gern zu.\nWollen Sie (er aß einen Bonbon) mich verleiten,\nUnmögliches für möglich (für wirklich, schrie\nder Exekutor), für realisierbar zu halten?\nWir bleiben immer hinter der Möglichkeit\nzurück — gerade, weil sie unausschöpfbar ist\n(hier riß der Exekutor sich seinen Kopf ab und\nschleuderte ihn, während ihm sofort ein neuer\nauf dem Rumpfe saß, unter die Q-Bahn). Unmög-\nlichkeiten sind Unfähigkeiten. Ich will aus einem\nZeitwort ein paar europäische Fürsten machen.\nIch bin Exekutor, vergessen Sie das nicht!\nEin Kreis ist kein Viereck — unmöglich, sagte\nMockel einfach und kreuzte sublim die Arme.\nKreis, kauerte es retour, Viereck — Gotte\ndoch, was für Sachen. Mockel, Mockel, Sie gehen\n.noch an Ihren Konstruktionen zugrunde. Nicht\nwahr, j a ist unmöglich nein? Mein lieber Freund\nMockel, machen Sie es mir nicht so leicht, Sie\nzu genieren. Sie leiden unsäglich an ganz un-\nverdaulichen Definitionen. Purgieren Sie sich,\nÄrmster, nehmen Sie eine Dosis Infinitivin und\nPanalethinin, Sie sind von Differenzierungen ver-\nstopft: man steigt nicht einmal in den selben\nFluß und kein mal in einen andern; Mockel,\nich bin außer mir, Sie verletzen mich, und ich habe\nNerven, Schmerzempfindlichkeit noch in den ab-\nstraktesten Begriffen, spüre sie wie Zähne; quälen\nSie mich nicht!\nEs wird ja immer schöner, betonte Mockel und\nentkreuzte seine ernsten Arme. Ih, da soll ja\ndoch gleich! Ein netter Wirrwarr, eine Logik des\nWahnsinns, Methodik der Tollheit. Hat man\nWorte! Herr Exekutor, die Logik ist die Polizei\nder Welt, Sie benehmen sich direkt polizeiwidrig.\nAha! Mockel, Sie sind durchschaut: Polizei?\nJa so! Ich bin gerade auf Ihre Verbrechen sehr\nneugierig. Dachte ich's doch, es ist nichts schuld\nals Furcht, und Furcht lähmt. Mockel, hören\nSie, begleiten Sie mich in mein Laboratorium, ich\nnenne es auch gerne Annihilatorium: euch Men-\nschenkerlen kann man mit reiner Logik allein\nnicht beikommen, die Sinnlichkeit ist eure mäch-\ntige Göttin. Ihr würdet nicht einmal an die\nSchönheit glauben, wenn Ihr sie nicht mit Sinnen\nwahrnähmet. Wir armen, armen Unvorsinnlichen!\nAllons, Mockel!\nDer Exekutor nahm aus seiner Tasche einen\nkleinen runden planen Glasspiegel, der hinten mit\neiner Art Uhrgehäuse versehen war, er brachte\nein paar Schrauben ins Drehen und hielt ihn dem\nMockel vors Gesicht. Lieber Mockel, sagte er ver-\nbindlich: Sie können blind sein oder sehen oder —\ndas ist das sonderbare Dritte — beides zusammen\nsein, perspicax, durch und durch schauend. Also,\nlieber Mockel, keine Besorgnis, ich mache die\nSache mit Ihnen rein optisch ab, mein Laborato-\nrium ist soeben die Welt Ihrer schönen Augen —\naufgepaßt!\n(Mockel sah, das Auge auf den schnurrenden\nSpiegel gerichtet, auf einmal nichts mehr, dennoch\nsah er. Der Spiegel hatte sein Gesicht auf den\nNullpunkt geschraubt, wo Finsternis mit Licht einen\ntrüben Glanz bildeten, der aus Reflexion und\nDurchsichtigkeit zusammen zu bestehen schien.\nMockel tastete nach seinem eigenen und dem Leib\ndes Exekutors, das Getast gab die Anwesenheit\nbeider zu verstehen. Da auch der Erdboden, auf\ndem sie standen, optisch verschwunden war, hatte\nMiockel das seltsame Gefühl, inmitten einer Leere\nim All zu stehen, ihm schwindelte, und er hörte\nsich zum Exekutor sprechen): Exekutor, was be-\ndeutet's?\nMein bester Mockel, es ist die Vorbedingung\nfür unser Verixfach'ungs- und Alterationsexperi-\nment. Wer und wo und was sind Sie jetzt eigent-\nlich? Haben Sie Grenzen? Haben Sie Figur?\nSind Sie nicht ich? Nicht alles in allem? Bitte\num Antwort!\nAber mein Getast —\nBlutiger Heiland! unterbrach ihn der Exekutor\nexplosiv —- sein Getast, sein Getast! Ist es erhört,\nSie unsauberer Geist? Ohne alles Abstraktions-\nvermögen! Wenn Sie mir nicht so leid täten,\nwürde ich Ihnen mit eins Ihr Getast radikal ex-\ntrahieren wie einen festsitzenden Zahn ... es ist\nnur ein festsitzender Zahn. Herr Mockel! Ich ver-\nlange Ihren ganzen Ernst, ehe ich Ihnen faul zu\nwitzeln gestatte — noch ei n solcher logischer\nSchnitzer, und ich vernichte Sie, daß Ihnen alle\nSinne vergehen oder vielmehr . . . eingehen; also\nHände an die Hosennaht! Sie sind „Weltauge\",\nsonst nichts — ist es Ihnen zu wenig?\nDas nicht, Herr Exekutor, es hat zwar etwas\nKünstliches, das Gesicht ist doch schließlich im\nKontinent aller übrigen Sinne enthalten, man kann\nes doch nur allenfalls zu Experimentierzwecken\nso räumlich isolieren, ich habe eine ziemlich un-\nangenehme Empfindung — aber bitte, lassen Sie\nsich nicht stören; fahren Sie fort, Herr Exekutor!\nDer Exekutor sagte:\nMockel, sagte der Exekutor, pardauz, passen\nSie auf, hören Sie mir zu! Sie sind jetzt überall,\ndoch scheint Ihnen eine Stelle besonders betont?\nLassen Sie sich heute bloß nicht in das Bockshorn\nvon Ihrer eigenen Stimme jagen! Wie?\nNa, mir scheint, Sie nehmen es mit der einen\nbesonders betonten Stelle merkwürdig leicht; ich\naber nicht — so leicht lasse ich mir mein Indivi-\nduum nicht wegeskamotieren, bitte.\nDavon, Mockel, ist ja gar keine Rede. Nur,\nmein Lieber, übertreiben Sie nicht! Es hilft Ihnen\nnichts, Sie sind die ganze Geschichte, das bißchen\nZentralgefühl braucht Sie nicht gleich um alle Pe-\nripherie zu bringen. Dieses Mehr-hier-als-dort-\nsein erklärt sich perspektivisch: und perspektivisch\nsind Sie, Mockel, weil Sie ein Weltkerl sind, ein\nunmöglicher, ein unendlicher Kerl. Die Perspek-\ntive schreibt sich aus einem besonderen Auge her,\nund dieses besondere Auge hätte keine, wenn\nes nicht ein Auge aus Augen wäre, ein monströses,\nhyperbolisches, ein Weltauge — verstanden?\nEs geht mir zu rasch, Herr. Wie komme ich\nzu der ganzen Affäre? Was geht mich das Wjelt-\nauge an? Ich bin ein schlichter Grossist namens\nMockel, und wenn ich nicht das Malheur gehabt\nhätte, ausgerechnet ich, auf den Exekutor zu\nstoßen, so stände ich jetzt, ich weiß nicht wo. Was\ngeht mich das Weltauge an?\nHerra! Das ist es ja gerade! Ginge es Sie\nwirklich nichts an, so würden Sie in diese Lage,\nzu fragen, was es Sie angehe, niemals gekommen\nsein. Das ist es ja eben! Ihr seid so beschränkt.\nIhr glaubt, es sei leicht, auszumachen, was euch\nangehe. Hähä, Mockele, da sein Sie vorsichtig!\nSie und ich, wir sind jetzt die Welt-Licht-Nacht,\ndie sich mit sich selber unterhält, im Klaren und\nUnklaren zugleich über sich ist. Was wäre ein\nEntweder ohne ein Oder? Ja und Nein klingt\nebenso richtig wie Ja oder Nein. Im Ernst, mein\nlieber Mockel, Sie müssen Ihrer Lokalisation besser\nmißtrauen lernen, Sie sind hier und dort und über-\nall, Ihr Punkt inkludiert den Raum, das begreift\nein Kind.\nHm!\nHum! Sie lokalisieren sich bloß relativ, Sie\nsind im Absoluten gelähmt, Sie Alle hier. Wenn\nSie Möglichkeiten wenigstens aufdämmern ließen.\nIhr seid so dumpf!\nUnd das nennen Sie experimentieren? Worte,\nWorte, Worte. Im übrigen, als ob mein Leib nicht\nauch optisch Figur hätte, haben könnte und in\nder Tat hatte, bevor Sie mit Ihrem netten Spiegel\neine monistische Sauße draus machten.\nMonistisch? Teufel! Revozieren Sie. Ich\nwollte Ihnen den unermeßlichen Unterschied, das\nbis zur Verschrobenheit Perspektivische in Ihrer"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9870, "texte": "eigenen Identität beibringen, und Sie kommen mir\nmit monistisch. Ihre Identität ist selbst ein sehr\nnetter Spiegel.\nEin hübsches Mysterium zum Verblüffen ah-\nnungsloser Grossisten. Fahren Sie fort!\nGern! Sie sind wirklich ahnungslos. Merken\nSie gar nicht, daß der Spiegel die einzige Mög-\nlichkeit gibt, Identisches zu alterieren? Sein Sie\nnicht so stumpfsinnig!\nErlauben Sie, mein Reflex ist nicht mein Ori-\nginal. Ich bin. Dann kommt der Spiegel, dann\nmein Abbild in ihm —\nWeit gefehlt, mein sehr mein Lieber! Der\nSpiegel ist was ganz Nachträgliches, ein bloßer\nReflex des Originals: und das absolute Welt-Ori-\nginal, dessen bloßer Reflex die Welt ist, muß so\nschöpferisch gedacht werden, daß eben seine ge-\nsamte Schöpfung von selbst sein Reflex wird,\nReflex seiner eigenen Projektion, Spiegel seines\nUrlichtes.\nHerr, das ist dunkel! Über Licht sollte man\nheller denken!\nBitte! Was Sie da Licht nennen, ist für mich\nnur eine hellere Art Finsternis, und beides, Licht\nwie Finsternis, sind nur der hellere und dunklere\nReflex des sie projezierenden optischen Originals,\ndas eben auf sich selbst reflektiert. Ich bin nicht\ndunkel. Ich bin nur Klärobskurant, Mockel. Das\nlebendige Medium, die schöpferische Indifferenz,\nder Sehende selber, ist unmöglich ohne den\n'Spiegel seiner Gesichte.\nSehen Sie wohl, Herr Exekutor, auch Sie haben\nzuletzt Ihre Unmöglichkeit: Licht, Medium und\nFinsternis sind ohne einander unmöglich —\nhaha. Und wer sagte vorhin, Unmöglichkeiten\nsind Unfähigkeiten?\nWir sind zum All, zur Allmöglichkeit gezwun-\ngen, verpflichtet, in unserm Falle zum optischen\nAll: Unmöglichkeit wird das Motiv zu aller Mög-\nlichkeit; Ohnmacht motiviert zur Allmacht. Sie\nmüssen den Sinn meiner Worte bedenken. Un-\nmöglichkeit ist nie simpel absolut. Sie triviali-\nsieren mich. Unfähigkeiten sind nie absolut, sind\naufzuregen, aufzupeitschen; es sind Halbfähig-\nkeiten, und jedes Unmögliche ist bereits halb\nv/irklich. Wenn Sie das Phänomen Licht voll und\nrund denken, müssen Sie — genau nach Goethe —\nNichtlicht und beider Verkehr im lebendigen Me-\ndium mitdenken.\nUnd was würde folgen?\nSetzen Sie die Unendlichkeit, die Enor-\nmität des Sehenden als des optischen Ori-\nginals, dann würde, außer der Ebenbürtigkeit\nvon Projektion und Reflexion, folgen, daß im\nProjektor ein ewig lebendiger Überschuß\nvorhanden wäre, daß die Gleichung zwischen\neinfallendem und reflektiertem Licht, bei aller\nMechanität, für den genauen Blick einen son-\nderbar lebendigen Rest ließe — dieser Rest sind\nwir, bester Mockel, sind die „Seelen\", diese leben-\ndigen Welt-Nichtse, die sich in Originale oder Re-\nflexe hineinlokalisieren.\nSo so! Mit anderen Worten: mein Leib, optisch\ngenommen, wäre von der Valenz eines Spiegel-\nbildes? Von der gleichen Valenz mit allen übri-\ngen Spiegelbildern? Und das Original? Wo\nhaben Sie mein Original?\nOh oh! Begreifen Sie immer noch nicht! Rein\noptisch gewertet, gibt es kein primäres Original,\nMockel. Allenfalls könnte man eher den Primat\nder optischen Indifferenz zu behaupten wagen,\ndas Geheimnis der Seele muß im Welt-Nichts\nstecken.\nSie sagten doch, es wäre eine Gleichung? Na,\nwo ist das andere Glied?\nAh bah, wenn ich sage, die optische Welt ist\ndas runde, also in sich antipodische Spiegelbild\nder optischen Seele, des Sehens, dann wissen Sie\nhoffentlich Bescheid!\nKeineswegs!\nDas ist schade, jetzt muß ich mich Ihretwegen\nselber langweilen. Also das optisch Selbe gerät\nin Kontraste bis zur Selbstopposition durch seine\neigene Exorbitanz — ist Ihnen das klar?\nHalt, Sie versündigen sich an der Identität.\nHalt, Identität versündigt sich, sage ich, an sich\n'selber durch ihr Mehr-als-identisch-sein, dem na-\ntürlich sofort ein solches Minder antwortet; die\noptische Welt ist die intrikate Selbstbespiegelung\ndes Selben.\nJa wessen?\nIhres eigenen Sehens! Begreifen Sie doch: um\naus Identischem eine Welt von geradezu essenti-\nellen Kontrasten zu schaffen, habe ich nur nötig,\neinen unendlich komplizierbaren Spiegel aus dem\nIdentischen selbst hinauszuentwickeln. Etwas\nHyperidentisches artet notwendig in Selbstaltera-\ntion aus.\nIch frage Sie nochmals: wo ist dieses Identi-\nsche von allem? Dieses Urwesen, das Sie vari-\nieren? Wie sieht es aus? Was ist es? Dann\nzeigen Sie es mir in seinen verschiedenen Abspie-\ngelungen, und den Spiegel möchte ich auch sehen\n— alles hübsch der Reihe nach.\nIhre Naivität überschreitet alle zulässigen Gren-\nzen. Das Identische von allem ist selbstverständ-\nlich wesentlich unwahrnehmbar, ununterscheidbar,\nununterschieden, absolut identisch. Das Hyper-\nresp. Hypo-Identische dagegen zeigt Ihnen jeder\nBlick.\nIch habe immer mehr den Eindruck, Sie wollen\nsich um Ihr Experiment herumdrücken. Ihr Kniff\nist gut! Noch niemand hat mit solcher logischen\nNoblesse die Viel- und Verschiedenheit über den\nberühmten einen und selben Kamm geschoren.\nRein optisch hat es übrigens etwas Bestechendes\n— schade, daß wir nicht nur aus Licht bestehen!\nTeurer Freund, pochen Sie nur nicht zu sehr\ndarauf! Ich erinnere Sie an Ihren Kontinent aller\nSinne! Das Sehen als sublimiertes Tasten ist\nschon landläufig, das führt uns vom Thema ab und\nvom Experiment. Ein Spezifizieren ohne Generali-\nsieren, ein Homogenisieren ohne Heterogenisieren\nbeschädigt die Verwandschaft aller We-\nsen, die wesentliche Paarigkeit ihrer Diversität,\ndie Exxorbitanz ihrer Identität.\nGott, welche Begriffsstutzer ei! Experiment,\nExperiment!\nJa, das Experiment soll für euch auch den-\nke n, ich glaub's. Meine Begriffe sind die Begriffe\nder Sinne. Und bevor wir weiterexperimentieren,\nwerden Sie gütigst einige Geistesanstrengung nicht\nscheuen, sie ist nicht allzu stark. Identisches, hy-\nperbolisch intendiert, zerspritzt in eine weit und\nbreite Selbstbespiegelung, in lauter Projektion des\nOriginals und Reflexion darauf.\nMir will scheinen, Ihre strotzende Identität ist\nein blanker klarer Selbstwiderspruch.\nAlso schöpferisch!\nWie? Und wo sind alle die lieben verschiede-\nnen Dinge, die sich abspiegeln? Dieses identisch\nüppige Original wäre ja ein lauteres Nichts!\nGewiß, das Nichts der Unterschiede, und er-\ninnern Sie sich, der dieser persön-\nlichen Indifferenz aller Differenz galt unser opti-\nsches \"Werkexperiment, es ist gelungen.\nUnd nun? Wo bekommen Sie die Differenzie-\nrung jetzt her? Ich bin gespannt.\nSehr, sehr einfach! Sie ist ja bereits vorhan-\nden — denn selbstverständlich ist dieser optische\nIndifferenzzustand im höchsten Grade explosiv,\nüberspannt, eine Art Agon mit sich, eine Paralysis\nvoll zitternden Lebens, eine Schwangerschaft, wel-\nche zur Geburt drängt.\nErlauben Sie! Übergewicht ist kein Gleich-\ngewicht.\nErlauben Sie: anders gibt es kein Gleichgewicht\nals durch eine Differenz, die es sich streitig macht.\nWir haben Waffenstillstand, aber jederzeit kann\nder Krieg beginnen.\nEin Krieg um nichts und wieder nichts! Es\nwäre, wie wenn ein still stehendes Pendel aus\neigener Kraft wieder schwingen sollte.\nSehr interessant, Herr Mockel! Sie glauben\nan einen Stillstand ohne Bewegung? — Die Schwin-\ngung eines Pendels hört subjektiv niemals auf, ob-\ngleich ihre Amplitode objektiv gleich Null werden\nkann. Andere Sorten Ruhe sind nur Konzeptionen\nlebloser Seelen. Um Ruhe streitet die ganze Be-\nwegung, persönliche Ruhe vibriert vom Gegenteil\naller Ruhe. Das eigene Nichts zittert vom All.\nSo so? Wissen Sie, wie das klingt? Wie\nwenn das ruhende Pendel, wenn es bloß Lust be-\nkäme, auf einmal rund um sich selbst schwingen\nkönnte. Ihre Auffassung sogar zugegeben, so ver-\nsteht man doch gar nicht die Hauptsache: wie\nvermag eine ruhig scheinende Vibration von\nselbst alle Grade der Bewegung zu durchlaufen?\nVon selbst?\nJa, ist das denn nicht der springende Punkt?\nKeineswegs, edler Denker! Dieses objektive\n„Von selbst\" ist fauler Zauber. Sie hören doch,\ndaß unser subjektiv eigenes schöpferisches Nichts\ngepaart ist, unser Selbst sein eigener Zwilling. Der\nleiseste Anstoß realisiert alle Schwingungsmöglich-\nkeiten des Pendels.\nDieser Anstoß ist mir ein Anstoß.\nAber mit nichten, er ist eigentlich niemals me-\nchanisch und braucht auch nicht einmal so zu schei-\nnen, kann außerordentlich spontan erfolgen und\nsich vom antippenden Finger unterscheiden wie\nein Stern vom fallenden Stein. Unterscheiden Sie\nnur, bitte, Automaten nicht so fürchterlich schroff\nvon .. . Heteromaten. „Selbst\", „Von selbst\" —\nals ob Willkür ein Wunder wäre! Das ist nur\ntechnisch geschickter verfertigt.\nIch darf Sie wohl ersuchen, deutlicher zu\nwerden?\nJa, gewiß, Deutlichkeit ist so recht der Wunsch\nvon Tauben und Blinden. Ein Wagen kann ent-\nweder von etwas „Anderm\" oder „von selbst\" be-\nwegt sein, von einem Pferd oder von einem Akku-\nmulator — ist das denn ein so imponierender Un-\nterschied? Ein Pendel kann entweder „von selber\"\nschwingen durch inwendigen Mechanismus oder\ndurch den Anstoß des Fingers. Kurzum, je nach-\ndem ich geschickter oder plumper kombiniere,\nmache ich die Sache zum Auto- oder zum Hetero-\nmobil. Der sogenannte eigene Wille ist eine ver-\ndammt geschickte Kombination. Also eigentlich\nmuß doch in der Möglichkeit, so zu kombinieren,\ndas echteste „Von selbst\" verborgen liegen. Da\nsuchen Sie nach!\nIch suche. Soviel ich finde, wollen Sie mit\neinem schwachen Aufgebot von Witz Etwas aus\nNichts machen. Das Nichts der Bewegung, zu-\ngestanden auch, daß es aus entgegengesetzten Be-\nwegungen kombiniert und so etwas wie eine\nSelbst-Opposition sei, bleibt nun eben doch,\nbis auf weiteres, der unabänderliche Ruhestand.\nIn diesem Nichts verschwinden doch die Unter-\nschiede. Wie wollen Sie sie daraus wieder zum\nVorschein bringen?\nAls ob eine persönliche Indifferenz, die eine\nDifferenz lebendig identifiziert enthält, sie nicht\nnach „eigenem\" Gutdünken wieder daraus hervor-\ntreten lassen könnte! Wenn Sie nur einsehen, daß\ndas Ganze seine Selbst-Opposition niemals un-\npersönlich restlos tot endet, so können Sie immer-\nhin den schöpferischen Luxus der Automatisierung\nerlauben. Die persönliche Indifferenz des Ganzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8487, "texte": "könnte man in Ansehung der differenzierten Welt\ngeradezu Gott nennen. Was ist denn, damit ver-\nglichen, Ihre gesamte Sinnenwelt! Man könnte\nsie verschwinden lassen, und es wäre nichts ver-\nloren. — Sie erlauben also, daß ich nunmehr auch\nGehör, Geruch, Geschmack und vor allem Getast\nindifferenziere, indiskret mache?\nAber das hieße dann ja soviel wie er-\nsparen Sie mir diese Gotteslästerung!\nAllerliebster! Sie hören ja, daß es mit den Dif-\nferenzen der Sinne nicht soviel auf sich hat; es\nbleiben Ihnen z. B. doch noch die Differenzen des\nUrteils! Diese sind ja weit wichtiger! Sinn-\nliches Unterscheidungsvermögen haben ja auch\ndie Tiere, aber kein logisches.\nNa, es dürfte Ihnen nicht allzu schwer fallen,\nauch die logische Indifferenz herzustellen, also den\nUnsinn zum Weltprrnzip zu machen.\nSie sind, wie Gegner meistens sind, voller Zu-\ntrauen zur Blödsinnigkeit des anderen: ohne Ja\nkein Nein! Darauf folgt noch lange nicht die sterile\nIdentität beider in ihrer Indifferenz.\nWas denn sonst? Es ist doch ihre Ununter-\nscheidbarkeit!\nWohl, aber diese doch nur als das schöpferische\nPrinzip zu ihrer notwendigen Entgegenset-\nzung! Es ist ihre schöpferische Identität, in sich\nwiderstreitend, jedem Versuch, sie steril zu iden-\ntifizieren, sich prinzipiell widersetzend, obgleich\nbeide in sich enthaltend, ihr neutrum commune\ndisiungens: ihr Leben in eigener Person.\nDas wollen Sie experimentell herstellen??\nHören Sie mir zu! Alles Unterscheidbare geht\nauf eine solche lebendige Indifferenz zurück, wenn\n'Sie nur nicht die originale Indifferenz, das absolut\nUnunterscheidbare mit seinen sehr wohl und leicht\njmterscheidbjaren Symbolen und Analogien ver-\nwechseln. Wenn ich z. B. sagte, die Welt sei die\nExplikation eines subjektiven Zentrums zur objek-\ntiven Kugel, so ist irgendeine Kugel, die Sie mir\nvorweisen können, doch nur eine sehr kümmer-\nliche, wenn auch nicht uninstruktive Illustration\ndes Urverhältnisses. Nenne ich dieses etwa „Gott\"\n— warum wäre das Experiment seiner eigenen\nHerstellung eine Lästerung?\nAh! Wenn ich recht verstehe, wollen Sie dar-\nauf hinaus, man könne den sinnfälligen Menschen\nindifferenzieren, ohne daß deshalb sein Wesen ver-\nloren gehe; es riecht ein wenig nach Astralleib.\nLassen Sie diese mokanten Assoziationen! Den-\nken Sie sich die Sache so: Die Sinne sind eine recht\nbunt auskolorierte Logik. Ich achromatisiere zu-\nnächst diese Logik! Nun bleiben noch die Schwarz-\nWeiß-Zeichnungen der Logik, die sind schwerer\nzu beseitigen, aber es geht. Commencons!\nHalt, halt! Eh' Sie beginnen, — was bleibt denn\ndann??\nDas eigenste Selbe! Das göttliche Nichts! Wie\nkönnen Sie fragen? Die Sinne sind komplementär,\ndie Logik ist komplementär. Wenn ich komple-\nmentäre Farben ineinander bringe, entfärbe ich.\nEbenso alogisiere ich die Logik.\nWas bleibt??\nHerr je! Die eigene Klarheit bleibt, bester\nMookel! Also die schöpferische Prädisposition zur\nganzen Chose.\nDa hammersch! Exekutor, Sie sind auf 'ne ver-\nteufelt bequeme Selbst-Vergottung aus.\nIch werde Sie beexekutern. Ha'm Sie 'ne Ah-\nnung! Mein sehr Lieber, das, was ich herstelle,\ndie sinnliche Indifferenz, ist weiter von Gott ent-\nfernt als der physische Punkt vom mathematischen.\nSie Rindsvieh!\nTemperiere dir! Experimentieren Sie gefälligst,\nstatt zu schimpfen.\nMockel! * •\nExe—\nOchse, ist es zu schildern?\nNe! Tolle Chose — warum haben Sie nicht\ngleich gesagt, daß Sie nur unsere sinnlichen; Diffe-\nrenzen vernichten wollten? Ich würde mir weniger\ngegrault haben.\nIch habe es Ihnen ja sechsmal versichert, Sie\nLausewenzel! Es war das Reich der sogenannten\nFaustischen Mütter. Setzt Ihr Denken auch nur\neinen einzigen Augenblick aus?\nDaß ich nicht wüßte!\nSie konnten nicht die geringsten sinnlichen Un-\nterschiede mehr konstatieren, während Sie um so\nleichter die allerfeinsten Gedanken-Differenzierun-\ngen betätigten?\nGeb' ich Ihnen, vor Freude weinend, zu! Be-\nsonders merkwürdig war ja das Aussetzen des Ge-\ntasts — da legst dich nieder!\nDas hat nun die wahnwitzigsten Vorteile. Vor\nallem ist es die bequemste Reisegelegenheit, die es\ngibt. Sie stellen das sinnliche Nichts von Peters-\nburg her und differenzieren es zum sinnlichen\nParis.\nIh! Wie?\nSie unterschätzen eben die Exekutivkraft Ihrer\neigenen Person; sie kultivieren menschlich das Ob-\njekt; statt daß eine enorme Kultur des Subjekts\nalles Objekt zum automatischen Diener machen\nwürde. Vergessen Sie nicht, daß bereits der alte\nKant die Spontanetät des Gedankens erlebt und\ngelehrt hat; leider hat er sie den Sinnen zum Fräße\nhingeworfen und hundert bloß gedachte Taler für\nhundert harte weggeschenkt\nNa, Exekutor, zum Henker, in Geldsachen\nwürde die Gemütlichkeit\nIst es die Möglichkeit, Sie Dickhäuter! Be-\ngreifen Sie denn nicht, daß Härte, und sei es Taler-\nhärte, eine bloße Eigenschaft des Willens ist; daß\nnur Gedanken, denen der Wille fehlt, bloße Gedan-\nken bleiben müssen? Und daß freilich der diffe-\nrenzierte, der zersplitterte Wille erst in der Faust\ndes ungeteilten schließlich so erhärtend wirkt, daß\nleiseste Gedanken durch ihn sofort zur härtesten\nTatsache werden müssen? (Der Exekutor griff\nhundert harte Taler aus der Luft und hielt sie\nMockeln hin.)\nJesus!\nNe! Nich Jesus, sondern ganz einfach beson-\nnenste Tatkraft ohne Apparate!\nWer das könnte, bei dem könnten Rothschilds\nhausieren gehen!\nJesus! Das kann jeder, wenn er will. Wollen\nkann man aber nur, wenn man das Nichts der gan-\nzen Affaire persönlich ist — erst dann hält man\njede gewollte Differenz beim Schlavittchen. Das\nist der Witz der persönlichen Indifferenz, den kein\nMensch versteht, weil kein Mensch sich selber im\nInnersten versteht! Mockel, haben Sie Mut, jetzt\nunser Nichts in des Wortes verwegenster Bedeu-\ntung zu erleben? Passen Sie mal auf, was Sie dann\nfür 'ne Tatkraft kriegen. Einzige Bedingung: Sie\ngeben jeden Widerstand, auch in Gedanken, gegen\nmich auf. Zuerst hebe ich nur wieder das sinnliche\nUnterscheidungsvermögen auf. Sie können dann\nnoch phantasieren, denken, fühlen, wollen, so diffe-\nrenziert Sie sein mögen.\nNa, Mockel?\n> Muß ich zugeben. Ich sehe aber immer noch\nnicht den Witz der Sache ein, nämlich den willkür-\nlichen Rückweg aus diesem Nichts der Sinne zu\njeder von mir beliebten Differenz derselben, z. B.\nalso zu hundert harten Tälern. Ich gebe übrigens\nsogar eine enorme Kräftigung meines Innern zu.\nEs wollte mir vorkommen, wie wenn dieses erst\nrecht erwachte und vom Willen beseelt würde, die\nverschwundene Welt der Sinne spontan aus sich\nhervorzubringen; ich vermißte nur allein die Tat-\nkraft unser Energierung!\nDie kann sich auch erst hervortun, Mockel,\nwenn wir nun auch noch die inneren Differenzen,\ngerade um frei über sie verfügen zu können, ra-\ndikal vernichten, dann erst haben wir unseren in-\nnersten Willen zu aller Tatkraft komprimiert.\nExekutor! Um Gottes willen, vernichte ich da-\nmit nicht auch jeden inneren Unterschied zwischen\ndem höchsten, allervollkommensten Wesen und\n— verzeihen Sie — mir???\nMockel, wie können Sie daran zweifeln? Das\nist ja gerade der Kernpunkt! In uns liegt, wie\nGoethe (t 1832) sagt, „des Gottes eigene Kraft\"\n— fragt mich nur nicht, wie — d. h. wie trag und\ntot sie im Menschen liegt, der nur durch diesen\nTod seines innersten ununterscheidbaren Unter-\nscheidungsvermögens bloßer Mensch bleibt.\nExekutor! Mir wird die Sache zu brenzlich.\nIch gehe auf Ihre Bedingungen nicht ein! Lieber\nbehalte ich die Sehnsucht nach harten Talern un-\nstillbar in mir, als daß ich einwilligte, die Distanz\nzwischen Ihm und mir wegfallen zu lassen. Das\nwäre ja die unverschämteste Dummdreistigkeit\nvon der Welt!\nIm Gegenteil! Diese Distanz gerade ist was\nganz Äußerliches und ist gerade außen nur dann\nam allerstrengsten festzuhalten, wenn sie inner-\nlichst wegfällt: denn nur dieses .Wegfallenlassen\nIst erst Innerlichkeit; und auch im Innersten noch\nsich gegen Gott im mindesten sträuben, sich auch\nhier noch von ihm unterscheiden wollen, ist weiter\nnichts als der schlechte, äußerliche, unvermögend«,\nunmagische Wille, der sich Mensch nennt.\nAber —\nKein Aber, Mockel! Sie haben sich selbst ge-\nrichtet! Bleiben Sie, was Sie sind, ein Hund von\neinem Menschen vor der eigenen Göttlichkeit in\nIhrem Innersten!\nAber Herr Exekutor, Sie schieben mir das\nNicht-eingehen-wollen auf ein vorgeschlagenes Ex-\nperiment ins Gewissen hinein — nanu?\nOh, Mockel! Mockelchen! Es ist das einzige\nexperimentum crucis der Welt. Ich will nicht\nmehr sagen. (Er zündete sich eine Zigarre an und\nverschwand, ganz in ihren Dampf eingehüllt;\nMo okel sagte): Nemo contra Mockelum nisi\nMockel ipse.\nFinis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "69", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.2.4", "titre_corps": "Gediehte", "titre_sommaire": "Gediehte", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.4", "debut_caractere": 8489, "fin_caractere_exclue": 8933, "texte": "Gediehte\nAugust Stramm\n\nErinnerung\nWelten schweigen aus mir raus\nWelten Welten\nSchwarz und fahl und licht!\nLicht im Licht!\nGlühen Flackern Lodern\nWeben Schweben Leben\nNahen Schreiten\nSchreiten\nAll die weh verklungenen Wünsche\nAll die harb zerrungenen Tränen\nAll die barsch verlachten Ängste\nAll die kalt erstickten Qluten\nDurch den Siedstrom meines Blutes\nDurch das Brennen meiner Sehnen\nDurch die Lohe der Gedanken\nStürmen stürmen\nBogen bahnen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2131, "texte": "Regen wegen\nDir\nDen Weg\nDen Weg\nDen Weg\nzu mir!\nDir\nDen Weg\nDen ichumbrausten\nDir\nDen Weg\nden duumträumten\nDir\nDen Weg\nDen flammzerrissenen\nDir\nDen Weg\nDen unbegangenen\nNie\nGefundenen Weg\nzu\nMir!\n\nLiebeskampf\nDas Wollen steht\nDu fliehst und fliehst\nNicht halten\nSuchen nicht\nIch\nWill\nDich\nNicht!\nDas Wollen steht\nUnd reißt die Wände nieder\nDas Wollen steht\nUnd ebbt die Ströme ab\nDas Wollen steht\nUnd schrumpft die Meilen in sich\nDas Wollen steht\nUnd keucht und keucht\nUnd keucht\nVor dir!\nVor dir\nUnd hassen\nVor dir\nUnd wehren\nVor dir\nUnd beugen sich\nUnd\nSinken\nTreten\nStreicheln\nFluchen *\nSegnen\nUm und um\nDie runde runde hetze WelH\nDas Wollen steht!\nGeschehn geschieht!\nIm gleichen Krämpfe\nPressen unsre Hände\nUnd unsre Tränen\nWellen\nAuf\nDen gleichen Strom!\nDas Wollen steht!\nNicht Du!\nNicht Dich!\nDas Wollen steht!\nNicht\nIch!\n\nVerabredung\nDer Torweg fängt mit streifen Bändern ein\nMein Stock schilt\nKlirr\nDen frechgespreizten Prellstein.\nDas Kichern n\nSchrickt ,\nDurch Dunkel\nTrügeneckend\nIn\nWarmes Beben\nStolpern\nHastig\nDie Gedanken.\nEin schwarzer Kuß\nStiehlt scheu zum Tor hinaus\nFlirr ,:!\"\nDer Laternenschein\nHellt\nNach\nIhm\nIn die Gasse.\n\nMondblick\nAn meine Augen spannt der Schein.\nDas Schläfern glimmt in deine Kammer\nQelbt hoch hinauf\nUnd\nSchwület mich!\nMatt - ..\nBleicht das Bett\nUnd\nStreift die Hüllen\nStülpt frech das Hemd\nVerfröstelt\nAuf den Mond.\nJetzt\nLeuchtest du\nDu\nLeuchtest leuchtest!\nGlast -<'9\"\nBlaut die Hand\nIn glühewehe Leere\nReißt nach dem Himmel\nMond und Sterne\nStürzen\nSchlagen um mich\nWirbeln\nTasten\nHalt Halt Halt!\nUnd\nZittern aus zu Ruh\nAm alten Platz! **\nIn •'<\"?>.\nDeinem Fenster droben\nGähnmüd\nBlinzt\nDie Nacht!\n\nDer Morgen\nSchwarz\nGraut\nZerknittert schämig fahlig.\nSchweigen schleicht zu Bette!\nSchrecke lugen\nHorchen\nZiepsen\nDucken\nZiepsen spürig\nSchrillen trotzig\nRufen rufen\nWachen auf\nVon Ast zu Ast.\nIn die Winkel glupschen Lüfte\nTalpschen Dünste.\nKlatschen Flattern Knacken Schwirren\nZerrt ins Fahle bleiche Fetzen!\nBlaublaß glasen Ströme zu Kristall!\nKlirrig\nQrellt der Himmel auf!\nFunken brennen\nSplitter glühen!\nSchauernd\nWirbeln Tropfen Spiegel!\nLichtgeblendet schwingt herauf\nDie Helle!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "69", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ja, aber die Treppe von\nhier draußen kann er nicht hinaufkommen — denn\nda steht ja der Assistent offenbar, zusammen mit\ndem Dienstmädchen und vielleicht außerdem noch\nein Schutzmann oder auch zwei! Also bleibt ihm\nnur eins übrig: den längeren, aber unbewachten\nWeg entlang zu schleichen, lautlos, durch die\nWohnstube, das Eßzimmer, das Gartenzimmer —\nund endlich an den Pfeilern und dem Gitterwerk\nder Veranda hinauf!\nGut!\nVersuchen wir es!\nEs bleibt uns ja nichts anderes übrig! . . .\nEr hat schon, ohne das geringste Geräusch, die\nSchuhe von den Füßen geschoben — vorsichtig,\nauf Socken erreicht er die Wohnstubentür, dreht\nmit unendlicher Sorgfalt den Schlüssel um, öffnet.\nKehrt, noch immer unhörbar, zu dem Tisch zurück,\nwo sie ruht — sein Herz ist kurz davor, vor Dank-\nbarkeit zu brechen, als er sie wieder an der\nBrust hat.\nUnd auf Fußspitzen, Schritt für Schritt, gleitet\ner rund um den Schreibtisch herum, auf die Tür\nzu, schlüpft hindurch, kommt hinaus. Einen Augen-\nblick zögert er, legt sie darauf sorgsam in den\nlinken Arm zurecht, bekommt auf diese Weise den\nrechten frei, braucht eine ganze Minute, um den\nSchlüssel aus seinem Loch herauszudrehen, ihn an\nder auswendigen Seite wieder einzustecken und\nsein Taschentuch da drinnen über den Drücker zu\nhängen; dann zieht er die Tür leise zu, schließt sie\nab, steckt den Schlüssel in die Tasche, macht kehrt.\nAtemlos spät er eine Weile nach allen Seiten.\nDie Gardinen sind nicht herabgelassen, hier im\nWohnzimmer, hier ist es also einigermaßen hell;\ndie blanken Möbel geben den schwachen Schim-\nmer von da draußen her wieder, Spiegel stehen\ngleich viereckigen, bleichblauen Nebelflächen hier\nund da, goldene Beschläge glühen, die blonden\nSofabezüge sind schwach zu erkennen — er kann\ndeutlich den Weg sehen, den er gehen soll!\nZögernd setzt er den linken Fuß vor, dann den\nrechten, wohl, alles in Ordnung, es scheint brillant\ngelingen zu sollen, nur mutig vorwärts, siehe, es\ngeht: ho, st, hier, an dieser Stelle pflegt ja wohl\nder Fußboden zu knarren, vielleicht wäre es des-\nwegen besser, um den kleinen Tisch dort herum\nzu gehen!\nZitternd vor Befriedigung entdeckt er im näch-\nsten Augenblick, daß die Tür zum Eßzimmer nur\nangelehnt steht —:\nDie wird ihm also keine Mühe verursachen!\nKeine Spur! . . .\nEin klein wenig ängstlich wird er doch gleich\ndarauf, als er bemerkt, daß es hier drinnen voll-\nkommen stockfinster ist!\nEr spannt sein Gesicht wahnsinnig an, rät sich\nmit Ohr und Hand durch die Dunkelheit weiter, mit\nblinzelnden Augen — dringt nur Fuß für Fuß vor.\nBleibt jäh stehen, mitten da drinnen, preßt sie fest\nan sich — steht da auf Socken, die Zehen gegen\nden kühlen Fußboden gekrümmt, fühlt vorsichtig\nvor sich hin, mit ausgespreizten und spielenden\nFingern: ja, ganz recht, dieser Stuhl unmittelbar\nhier an seinem Knie steht durchaus nicht an seinem\ngewohnten Fleck!\nEr fühlt sich jetzt sicherer, beruhigt, fast gewiß,\ndaß das Ganze wohl gelingen wird."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9887, "texte": "Jetzt in einem langen Schritt über die knar-\nrende Schwelle zum Gartenzimmer — dort sind,\nGott sei Dank, gar keine Türen zu öffnen!\nGerade vor ihm, gleich einem weit gespannten\nNebelschleier, weitet sich die freie Aussicht über\nden Garten — der helle Himmel der Sommernacht,\ndie Umrisse eines kuppeiförmigen Gebüsches, das\nLicht eines Sternes.\nEr bleibt da draußen in der Veranda stehen,\nsaugt begehrlich die frische Luft ein, runzelt gleich\ndarauf die Stirn, gereizt über ein jähes Gefühl,\nklatschnaß zu sein, ja, wirklich, noch dazu von\neiner abscheulichen, einer klebrigen Feuchtigkeit,\ndie ganz durch seine Weste, seine Beinkleider ge-\ndrungen ist, seine Strümpfe durchsickert hat, die\nein ekelhaftes Geräusch hervorruft, wenn er geht\n— und ihm steht das Herz unerklärlich still vor\nGrauen, wenn !er die Zehen da drinnen in den\nSocken bewegt!\nEr lehnt sich, plötzlich eine Übelkeit empfin-\ndend, mit sausendem Kopf gegen den Türpfosten\nder Veranda, todmüde aus irgendeinem Grund —\nden er unbestimmt ausfindig zu machen sucht . . .\naber dann strammt er sich mit einem Ruck auf —:\n' St!\nDa wieder, horch!\nEs pocht da hinten, weit hinter ihm!\nJawohl, ich verstehe es recht gut —: das ist\ndie Polizei, die noch immer da hinten steht, und\nhämmert, um hinein zu gelangen! . . .\nEine tiefe, fast schluchzende Dankbarkeit dringt\ndurch seinen ganzen Körper, er preßt mit schau-\ndernder, mit brennender, mit unsagbarer und\nschmerzvoller Zärtlichkeit diese angebetete Last,\ndie er in seinen Armen trägt, an sein Herz: sei\nruhig, meine ewig Geliebte, fürchte dich nicht, du\nbist ja bei mir —: in meinen Armen, hier drinnen\nin meiner Brust, in allen meinen Fibern bist du\nfür immer bei mir!\nEr entsinnt sich im selben Nu, was er hier\ndraußen will.\nEr tritt also hastig auf die braune Treppe hin-\naus, die in den Garten hinabführt, macht kehrt auf\nder obersten Stufe, das Gesicht dem Hause zuge-\nwendet — sieht einen Augenblick prüfend in die\nDunkelheit hinauf, verfolgt den Weg, auf den er\niiun soll —: diese schweren, lotrechten Balken, hier\nund da durch solide Querlatten verbunden, das\nGanze vollkommen verdeckt hinter dem kreuz-\nweisen, dünnen Gitterwerk des Spaliers und den\nüppigen Gehängen des wilden Weins und des\nEfeus.\nEr hört von neuem, diesmal weit stärker als zu-\nvor, dieses Trommeln und dieses Rufen da hinten.\nSein linker Arm schließt sich wie eine eiserne\nKlammer um ihren Leib.\nEr hebt eilig den rechten Fuß, setzt ihn auf die\nerste Querstange zwischen Zweige und Laubwerk,\ngreift mit der freien Hand so hoch, wie er langen\nkann, hinauf, spannt alle Muskeln in seinem Körper\nan, zieht an, hebt sich hinauf, die kühlen Blätter\nsickern herab, an seiner Wange vorbei — er ist\neine gute Elle hinaufgelangt.\nDort macht er wieder für eine kurze Sekunde\nHalt, wagt nicht, diese einzige Hand, die er zu sei-\nner Verfügung hat, loszulassen — kann weder hin-\nauf, noch hinab kommen.\nEr erinnert sich gleich darauf wieder des Po-\nlizeiassistenten, der da unten steht und gierig don-\nnert — beugt sich vorwärts, den Mund weit ge-\nöffnet, die Lippen zurückgezogen, er preßt sein Ge-\nsicht tief durch das taufeuchte, weichende Laub,\nsucht darin eine Sekunde mit zugeklemmten Augen,\nbeißt sich darauf in eine der schmalen Spalierlatten\nfest, da wo sie sich mit einer andern kreuzt;\nklemmt mit aller Gewalt die Kiefer um das kühle\nHolz zusammen, läßt währenddes die rechte Hand\nlos, tastet damit hinauf, findet einen Halt, löst den\nMund, folgt mit beiden Beinen nach — ist wieder\neine Elle höher hinaufgelangt.\nEr lacht auf einmal, ganz kurz und gedämpft.\nIm Gaumen ein Geschmack wie von Farbe und\nHarz, er spuckt aus.\nBereitet sich zu dem nächsten Schritt vor-\nwärts vor: bohrt das Gesicht zwischen die glatten\nBlätter hinein, hakt die Zähne fest, wühlt blind über\nseinem Kopf hinauf mit der rechten Faust und\nfindet Halt, löst den Mund. Und wieder dasselbe\nvon vorn: der Biß, die Hand los, um sich noch\nhöher festzuklammern — und die Beine nach.\nNoch einmal dasselbe; von neuem nagt er sich\nfest — ist diesmal aber nicht glücklich gewesen,\ndie Latte gibt mit einem leisen Krachen nach, seine\nUnterlippe gerät in die Klemme einer Kreuzung,\nsitzt fest — aber Gott sei Dank hat er die Hand\nnoch nicht losgelassen; einen Augenblick hängt er\nda mitten zwischen oben und unten, in der Dunkel-\nheit, ihre weißbekleidete Gestalt unbeweglich in\nseinem Arm, sich krampfhaft mit Hand und Fuß\nfesthakend — und mit diesem Stück bleichroten\nFleisches wie festgenagelt in das Holz tief da drin-\nnen, in dem dunkelgrünen Laub.\nAber nun sieht er ein, daß er sich beeilen muß.\nEr schüttelt den Kopf, reißt und zerrt mit aller\nMacht, um loszukommen, hat ein Gefühl, als sei er\nim Begrifft, sein ganzes Gesicht von dem Schädel\nwegzuschinden, mein Gott, es tut wahnsinnig weh\n— oder nein, gewiß nicht, es tut im Gegenteil gut,\nach, es beruhigt sein Herz so herrlich!\nEr hat indessen noch einmal alle seine Kraft zu-\nsammengerafft, schleudert jetzt den Nacken gewalt-\nsam, zurück, ein Feuer entsteht um Nase und\nMund — und er ist frei. Aber es ist keine Zeit zu\nverlieren. Er leckt sich unwillkürlich und schnell\num die Lippe: es schmeckt salzig und süß. Hat\nschon eine bessere Stelle an dem Gitter gefunden,\ngelangt wieder einen Schritt hinauf. Im selben\nAugenblick geht eine stockfinstere Wolke über\nseinen Scheitel hin, oder nein, sie wandert feucht\nund wiegend quer durch seinen Kopf, er ist blind,\nkann weder hören noch fühlen, weiß nur, daß er\num jeden Preis in die Höhe muß: nun, beiß nur\nzu — und greif währenddessen hinauf; beiß wieder\n— und greif; beiß abermals — und greif; beiß —\nund . . . dann spürt er plötzlich den kühlen Zink\nunter seiner Handfläche, als er sie diesmal hinauf-\nstreckt. Seine Finger krümmen sich um eine Leiste\ndes Daches, sein Ellbogen hakt sich ein, er zieht\nden Körper hinterdrein — und liegt eine Sekunde\nspäter, kniend, auf dem glatten, bleigrauen Metall,\nauf einmal todmüde, mit wehen Gliedern, einen\nsiebenzölligen Nagel in seinem Kinn und seinen\nschmerzenden Kiefern — wahnsinnig preßt er diese\nheimliche, diese geliebte Last an sich, dies Teuerste\nvon allem in der Welt — das der Polizei wegzu-\nstehlen ihm gelungen ist, und das in Sicherheit zu\nbringen er nun bestrebt ist, koste es, was es\nwolle! . . .\nIn Sicherheit — wiederholt er in demselben\nAugenblick und wird bange.\nJawohl, ja, er liegt hier und vertrödelt die Zeit,\naber das ist sehr verkehrt von ihm, das ist voll-\nkommen blödsinnig verkehrt, er muß sich, weiß\nGott, sputen, er hat es wirklich außerordentlich\neilig, da sind noch ein paar Schritte, die getan wer-\nden müssen! . . .\nEr arbeitet, um sich aufzurichten — kann aber\nauf einmal nicht. Die Beine wollen nicht. Der\nRücken will nicht. Der Nacken will auch nicht.\nNichts will.\nMit einem Ruck wirft er den Kopf zurück —:\nWas?!\nWas ist denn das?!\nHabt ihr vergessen, ihr Schlingel, um was es\nsich handelt!\nWißt ihr denn noch nicht, daß Annies Leben auf\ndem Spiele steht! . . .\nUnd er versucht von neuem, wahnwitzig alle\nseine Kräfte anspannend. Aber es geht trotzdem\nnicht.\nEr kommt nur halbwegs auf die Beine, sinkt\ngleich darauf wieder zusammen, noch tiefer als zu-\nvor — gegen seine Stirn fühlt er auf einmal die\nGlätte und Kälte des Zinks.\nDa hört er indessen plötzlich gedämpfte Rufe\nvon da drüben, von der anderen Seite des Hauses\nher — draußen von dem Wege, oder vielleicht\nschon drinnen in dem Vorgarten . . . und im selben\nAugenblick ist er oben auf seinen Füßen, mit einem\nSatz, er gleitet wie ein Schatten über das breite,\nabfallende Dach, erreicht das Fenster, das offen\nsteht, er schreitet hinein —:\nGott sei gepriesen!\nJetzt ist er endlich geborgen!\nNun ist das alles wunderbar gut gegangen!\nHier kann nicht das geringste Schlimme mehr\ngeschehen — sie ist völlig gerettet! . . .\nHastig durch das Zimmer dahineilend, ohne\nLicht anzuzünden, hat er schon mit Vorsicht seine\nteure Last vor sich auf das Bett gelegt — das da\nsteht, schimmernd in der grauen Dämmerung mit\nder Pracht der weißen seidenen Decke.\nEr eilte darauf nach jener Ecke, links und dem\nFenster gegenüber — wo die beiden Türen zu-\nsammenstoßen, eine nach dem Badezimmer, aber\nvon da gibt es keinen andern Ausgang als hier\nhinein, und um den braucht er sich also nicht zu\nbekümmern; die andere dahingegen führt auf den\nGang hinaus und muß offenbar versperrt werden.\nZunächst schließt er sie ab.\nSteht darauf einen Moment unentschlossen da>\nverwirrt und unzufrieden.\nTritt dann ein paar Schritte zurück, vor den\ngroßen Mahagonikleiderschrank; er sieht ihn einen\nAugenblick grübelnd von oben bis unten an,\nschnaubt, trocknet mit dem Rücken seiner Hand\nden Schweiß von der Stirn und den Augen, das\nBlut von Kinn und Mund.\nNickt darauf ein oder zweimal vor sich hin, mit\nbelebter Miene, geht auf die andere Seite des\nSchrankes hinüber, auf die Seite, die von der Tür\nam weitesten entfernt ist — stemmt die Schultern,\ndagegen, stützt ihn langsam und vorsichtig halb\num, so daß er nur auf zwei von den niedrigen\nKlötzen steht; stützt dann beide Handflächen in\nBrusthöhe dagegen, wandert Schritt für Schritt zu-\nrück, nach der entgegengesetzten Seite, seine\nFäuste beständig mit seinem ganzen Gewicht gegen\ndie glatte Fläche pressend, die, jedesmal, wenn er\neine Hand bewegt, kreischt und brummt — bis es\nihm endlich gelingt, das schwere Möbel ohne alles\nGeräusch auf die hohe Kante nieder zu legen —\nso daß es jetzt die Tür vollkommen verbarrikadiert!\nSieh!\nJetzt ist also faktisch gar keine Gefahr mehr!\nHaha, Gott sei Dank, alles in vorzüglicher Ord-\nnung. Es ist ja alles über Erwarten geglückt! . . .\nEr ist mit lautlosen Schritten bis an das Bett\ngekommen, wo er sie niedergelegt hat — und steht\neinen Augenblick da, wischt sich von neuem\nSchweiß und Blut aus dem Gesicht. Er legt sich\ndarauf mit lächelndem Munde auf die Knie, kann\ndurch das halbdurchsichtige Dunkel sehr deutlich\nsie unterscheiden, die da liegt, weiß in ihrem wei-\nßen Gewand, ausgestreckt in ihrer vollen Länge"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2352, "texte": "auf der weißen Decke. Er zögert noch eine Se-\nkunde, findet beinahe, daß es unrecht ist, sie schon\nwecken zu müssen! Und doch — denkt er gleich\ndarauf, umfangen von einer sonderbaren, sehr ge-\ndämpften und schmerzlichen Unruhe, die er nicht\nbegreifen kann, über die näher nachzugrübeln er\nsich übrigens auch keine Zeit läßt —: und doch\nist es zweifelsohne nicht richtig, daß sie unter Um-\nständen wie diese noch weiter schläft! Nein, ab-\nsolut nicht — da ist noch zu viel zu riskieren!\nAlso —:\n„Annie, kleines Lieb!\nAnnie, haha, mach jetzt nur deine Augen auf!\nSieh, hier liegst du ja so gut in deinem eigenen\nBett, in deinem und meinem Bett, liegst du so lieb-\nlich da!\nAber ich möchte doch so herzlich gern deine\nStimme einmal hören — du weißt nicht, wie un-\nendlich ich mich danach gesehnt habe, diesen gan-\nzen Abend heute!\"\nSie antwortet indessen nicht.\nEr schüttelt zärtlich und lächelnd den Kopf.\nMein Gott, wie muß sie müde sein, so tief pflegt\nsie doch sonst niemals zu schlafen!\nAber versuchen wir es doch noch einmal wieder\n— denn, wie gesagt, niemand weiß, was geschehen\nkann, wenn man nicht Tag und Nacht wacht!\nEr richtet sich halbwegs auf, legt sich nun auf\ndie Knie auf den Rand des Bettes selber, stützt\nsich vornüber auf beide Handflächen, die tief, tief\nversinken in dem weichen Lager zu beiden Seiten\nihrer Gestalt; er liegt da, das Gesicht ganz nahe\nan ihrem Gürtel, und flüster mit einer heißen und\nleisen Stimme, mit einer stammelnden und seligen\nStimme —:\n„Annie!\nHöre jetzt einmal!\nMein Schatz, dies geht nimmermehr an!\nKomm, Geliebte, du mußt auf, es ist spät — und\nkein Mensch in der Welt weiß, was an Entsetz-\nlichem noch vor Abend eintreten kann!\"\nEr fühlt sich plötzlich durchschauert bei diesen\nWorten — oder nein, vielmehr weil sie nicht er-\nwachen will! Nicht erwachen, sie, deren Schlum-\nmer immer so leicht war — grübelt er, auf einmal\naußer sich vor Angst —: sollte das alles denn ver-\nkehrt sein? Ist ihm das Ganze denn im tiefsten\nInnern mit Stumpf und Stiel mißglückt —: ist sie\nes vielleicht schließlich gar nicht, die er hier mit\nhinaufgebracht hat? 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Kurz, solche Gedichte „werden\nwohl nur in weiblichen Menschenherzen geboren.\"\nNein, Herr Geheimrat, sie werden wohl auch in\nmännlichen Menschenherzen diese Ge-\nrichte. Sie sind komplett fertig, diese Kinderchen.\n„Einfachheit, um es mit einem Worte zu sagen, ist\nder große Vorzug ihrer dichterischen Eigenart.\"\nUnd dann kommt die Bescherung, eine Probe der\neinfachen Eigenart:\nBerg s e e\nWie ist der See zur Mittagsstund\nGlasklar und wasserrein.\nKomm, wirf den kleinsten Kieselstein,\nIhm in das grüne Herz hinein,\nDu siehst ihn bis zum Grund.\nEs wird dem Leser dabei nicht so wohlig, er\nerfährt nicht, ob der kleinste Kieselstein in das\ngrüne männliche oder weibliche Herz geworfen\nwird. S. Fischer holte sich die kleinen Kieselsteine\nund ward nicht mehr gesehen.\nDer Dichter\nJa, was so ein männlicher Dichter ist, das greift\ngleich anders zu. Wasser tuts freilich nicht, aber:\n„Javol\" bereitet mir viel Behagen,\nIch brauch' es schon seit vielen Tagen:\nZu stärken meinen blonden Schopf,\nZu erfrischen meinen Dichterkopf,\nUnd überhaupt, weil es sehr gut\nDem Haar, der Haut, dem Kopfe tut.\nDr. Hanns Heinz Ewers\nDer Dämoniker mit dem Pyjamas und ff Kra-\nwatten läßt in seine tiefsten Toilettengeheimnisse\nblicken. Der blonde Schopf, den so oft der dich-\nterische Arm beim Photographieren stützen muß,\nverdient die Stärke glanzvoll aber fettlos. Der\nDichterschopf existiert in diesem javoligen Fall nur\ndurch den Dichter Busch. Viele existieren nur\nvon andern und selbst der Gebrauch von Javol\nmacht die Köpfchen nicht zu Köpfen. Aber wie singt\ndoch die Dichterin, zitiert wie geschmiert:\nKomm, wirf den kleinsten Kieselstein,\nIhm in das grüne Herz hinein,\nDu siehst ihn bis zum Grund.\nDer Vater des Kubisten\nKubistische Söhne, auch wenn sie nur kubistisch\ntun, können immerhin ihre Väter berühmt machen,\nsoweit sie Schüler Prellers sind. Dieser rührende\nHerr W. 8., der die Münchener in den Neuesten\nNachrichten über bessere Kunst aufklärt, rühmt\neinen Vater eines Kubisten. Das war eine merk-\nwürdige Zeit, damals, als Preller und seine Leute\ndie Lande weit und breit bemalten. Herr W. B. hat\njene Zeit öfter zu beobachten Gelegenheit gehabt,\nnoch mehr, er hat sie erkannt: „Vielmehr scheinen,\nwie man das in jener Zeit öfter zu beobachten Ge-\nlegenheit hat, zwei Seelen in seiner Brust gewohnt\nzu haben.\" Trotzdem blieb das Herz des Malers\nreiner, als seine Farben. „Er konnte sich dem\nEinfluß der klassischen Auffassung nicht entziehen\nund sah andererseits doch ein, daß die vom Westen\nkommende neue Richtung eine umfangreiche Skala\ndifferenzierter und delikater Darbietungen ermög-\nliche. In diesem Sinne . . .\" malt er nur einer-\nseits. Die zweite Seele erbte Herr W. 8., der sie\naber auch noch nicht trocken gewohnt hat.\nDer Impressionist\n„Und einer, den eine Ahnung treibt, oder viel-\nleicht auch nur der Wunsch, zuerst etwas Neues\nzu erfahren, turnt auf den Vorderperron und wartet\nauf den nächsten Zettelverteiler.\nDa steht er, am Nollendorfplatz, und im Vorbei-\nsausen drückt er dem Fahrgast einige Blätter in die\nHand. Der liest, kriegt einen Choc und klopft wie\nwahnsinnig an die vordere Glastür des Wagens.\n„Auf! Macht doch auf!\"\nBrummend kommt der Schaffner und der junge\nMensch steht in der Tür.\n„Extraausgabe des Berliner Tage-\nblatts: Der österreichische Thron-\nfolger und seine Frau sind ermordet!\"\nDer beeindruckte junge Mensch könnte sich\num einen Redakteurposten bei Ullstein oder um\neine Zettelverteilerstelle bei Scherl bewerben. Das\nExtrablatt eines Mordes zum Extradreck einer Re-\nklame zu machen, ist zum Schießen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.2.8", "titre_corps": "Stoßseufzer", "titre_sommaire": "Stoßseufzer", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.7", "debut_caractere": 7545, "fin_caractere_exclue": 8087, "texte": "Stoßseufzer\nAlbert Ehrenstein\nIhr Götter von Rechts und Links,\nwenn schon der Tag langen Ganges nicht\nvorübergeht,\nverschont meine schmerzzertobte Brust,\nwenn sie nachtbefangen und ungewappnet ist.\nDenn der Mond lärmt am blutigen Himmel,\nmich hetzen die Geister der unbesprochenen\nBücher,\ngleichend gefleckten Bullenbeißern,\nden Kröten unter den Hunden.\nIch, weilend im trauernden Forst,\nkann nicht entrinnen,\nunfähig des Bergs,\ndes Erklimmens rettender Gipfel,\nwo reiner die Luft ist\nund kein Gerede von Büchern,\nden Kröten unter den Dingen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.8", "debut_caractere": 481, "fin_caractere_exclue": 957, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin uni Genf\nBerlin W / Potsdamar Strata 134 a\nSiebenundzwanzigste Ausstellung\nGleizes / Metzinger\nDuehamp-Villon /Villon\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEroffnung in Genf: 15. 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StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuifcre /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.8", "debut_caractere": 2703, "fin_caractere_exclue": 5367, "texte": "Mappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzif Blatt Zelchnungen j\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier In\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton In cln-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag ./\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft ./\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Bucher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna,/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R ud i -\nmentar/50 Pfennig j Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Oe-\ndichten von Amo Holz / Ffir Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig , g\nKfinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin I Ruhelose Tftnzerin I Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nHustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: Plakat ffir die Zeitschritt\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko ./ Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin j Albert Bloch J\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla j Vincenc"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1914-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Heinz Mockel\nschneuzte sich. Sie geben klein bei, und ergo war\nirreal in Ihrem Munde bloß ein Schimpfwort.\nSchämen Sie sich! Er zitterte und wurde rot;\nworüber sich der Exekutor gewaltig freute, aber\nheimlich. Laut sagte er mit düsterer Miene:\nLieber Mockel, wollen Sie, wie Sie da sind,\nSie pauvres Gespenst, Ihr eigenes wahrhaft leben-\ndiges Wesen sehen? Den Körper, von dem Sie\nder Schatten sind? Wollen Sie? Soll ich, der\nExekutor, die vitale Maschinerie Ihres Lebens\nspielen lassen? Teurer Freund, reizen Sie mich\nzu keiner Exekution! Ich kann Sie auf und ab\ndeklinieren und Ihr bißchen Identität dermaßen\nflektieren, Ihre Grade, Ihre Skala aufrollen, daß\nSie sehr drastisch begreifen müssen: Heinz\nMockel, der hier vor mir steht, ist nur eine dürf-\ntige Möglichkeit seiner vielen so gut wie irreal\nim Vergleich zu der pluralischen Kraft, welche in\nihm gelähmt ist und eventuell elektrisiert werden\nkönnte. Ein kleines Beispiel für viele. (Der Exe-\nkutor verdoppelte sich; es war, wie wenn sein\nganzer Leib das Schielen kriegte. Aber sofort\nging er wieder in sich zusammen, lächelte ange-\nstrengt.) Was Wetter, keuchte er, Lähmungen,\nmein Lieber, kann man schon überwinden. Aber\nfreilich, wenn man, wie Ihr, sich gar nicht einmal\nals gelähmt empfindet — ja dann, ia dann —.\nHabe ich Sie recht verstanden, Exekutor,\ntrotzte Mockel, Sie wolen mir einbilden, ich könnte\nmich durch Ankämpfen gegen gewisse Lähmungen\nverdoppeln, verdrei-, vervier-, verixfachen? Und\nwenn schon — was, was, was hätte ich schon\ndadavon??\nMockel, krähte der Exekutor, Sie sind mords-\nmäßig dumm, wenn Sie nicht mindestens zwei\nFolgerungen sofort zu Ihrem Vorteile daraus zie-\nhen. Erstlich können Sie sich nicht bloß verix-\nfachen, sondern überhaupt alterieren, variieren,\nwie Sie wollen. Zweitens sind x-Leiber doch eine\nunermeßliche Wohltat gegen den einen, lumpigen,\nfast irrealen, dieses Fragment, dieses Minimum\nvon Dasein. Ich kann Ihnen nur sagen, werden\nSie recht sehr mißtrauisch gegen Ihre Ohnmächte,\ngegen Ihre verfluchten Unmöglichkeiten. Ihre Lo-\ngik stinkt ja ordentlich nach Impotenz, nach Ver-\nboten, Toden und weltvernagelnden Brettern. Sie\ntun mir weh und amüsieren mich doch damit. Wie\nsoll ich mir eigentlich vorkommen? Ich bin doch\ngeradezu toll vor Nüchternheit. Sagen Sie schon\netwas, gottvoller Mockel!!\nErlauben Sie, Exekutorchen, Ihr kleiner Ansatz\nzur Selbstverdoppelung muß natürlich logisch\nuntergebracht werden, das gebe ich gern zu.\nWollen Sie (er aß einen Bonbon) mich verleiten,\nUnmögliches für möglich (für wirklich, schrie\nder Exekutor), für realisierbar zu halten?\nWir bleiben immer hinter der Möglichkeit\nzurück — gerade, weil sie unausschöpfbar ist\n(hier riß der Exekutor sich seinen Kopf ab und\nschleuderte ihn, während ihm sofort ein neuer\nauf dem Rumpfe saß, unter die Q-Bahn). Unmög-\nlichkeiten sind Unfähigkeiten. Ich will aus einem\nZeitwort ein paar europäische Fürsten machen.\nIch bin Exekutor, vergessen Sie das nicht!\nEin Kreis ist kein Viereck — unmöglich, sagte\nMockel einfach und kreuzte sublim die Arme.\nKreis, kauerte es retour, Viereck — Gotte\ndoch, was für Sachen. Mockel, Mockel, Sie gehen\n.noch an Ihren Konstruktionen zugrunde. Nicht\nwahr, j a ist unmöglich nein? Mein lieber Freund\nMockel, machen Sie es mir nicht so leicht, Sie\nzu genieren. Sie leiden unsäglich an ganz un-\nverdaulichen Definitionen. Purgieren Sie sich,\nÄrmster, nehmen Sie eine Dosis Infinitivin und\nPanalethinin, Sie sind von Differenzierungen ver-\nstopft: man steigt nicht einmal in den selben\nFluß und kein mal in einen andern; Mockel,\nich bin außer mir, Sie verletzen mich, und ich habe\nNerven, Schmerzempfindlichkeit noch in den ab-\nstraktesten Begriffen, spüre sie wie Zähne; quälen\nSie mich nicht!\nEs wird ja immer schöner, betonte Mockel und\nentkreuzte seine ernsten Arme. Ih, da soll ja\ndoch gleich! Ein netter Wirrwarr, eine Logik des\nWahnsinns, Methodik der Tollheit. Hat man\nWorte! Herr Exekutor, die Logik ist die Polizei\nder Welt, Sie benehmen sich direkt polizeiwidrig.\nAha! Mockel, Sie sind durchschaut: Polizei?\nJa so! Ich bin gerade auf Ihre Verbrechen sehr\nneugierig. Dachte ich's doch, es ist nichts schuld\nals Furcht, und Furcht lähmt. Mockel, hören\nSie, begleiten Sie mich in mein Laboratorium, ich\nnenne es auch gerne Annihilatorium: euch Men-\nschenkerlen kann man mit reiner Logik allein\nnicht beikommen, die Sinnlichkeit ist eure mäch-\ntige Göttin. Ihr würdet nicht einmal an die\nSchönheit glauben, wenn Ihr sie nicht mit Sinnen\nwahrnähmet. Wir armen, armen Unvorsinnlichen!\nAllons, Mockel!\nDer Exekutor nahm aus seiner Tasche einen\nkleinen runden planen Glasspiegel, der hinten mit\neiner Art Uhrgehäuse versehen war, er brachte\nein paar Schrauben ins Drehen und hielt ihn dem\nMockel vors Gesicht. Lieber Mockel, sagte er ver-\nbindlich: Sie können blind sein oder sehen oder —\ndas ist das sonderbare Dritte — beides zusammen\nsein, perspicax, durch und durch schauend. Also,\nlieber Mockel, keine Besorgnis, ich mache die\nSache mit Ihnen rein optisch ab, mein Laborato-\nrium ist soeben die Welt Ihrer schönen Augen —\naufgepaßt!\n(Mockel sah, das Auge auf den schnurrenden\nSpiegel gerichtet, auf einmal nichts mehr, dennoch\nsah er. Der Spiegel hatte sein Gesicht auf den\nNullpunkt geschraubt, wo Finsternis mit Licht einen\ntrüben Glanz bildeten, der aus Reflexion und\nDurchsichtigkeit zusammen zu bestehen schien.\nMockel tastete nach seinem eigenen und dem Leib\ndes Exekutors, das Getast gab die Anwesenheit\nbeider zu verstehen. Da auch der Erdboden, auf\ndem sie standen, optisch verschwunden war, hatte\nMiockel das seltsame Gefühl, inmitten einer Leere\nim All zu stehen, ihm schwindelte, und er hörte\nsich zum Exekutor sprechen): Exekutor, was be-\ndeutet's?\nMein bester Mockel, es ist die Vorbedingung\nfür unser Verixfach'ungs- und Alterationsexperi-\nment. Wer und wo und was sind Sie jetzt eigent-\nlich? Haben Sie Grenzen? Haben Sie Figur?\nSind Sie nicht ich? Nicht alles in allem? Bitte\num Antwort!\nAber mein Getast —\nBlutiger Heiland! unterbrach ihn der Exekutor\nexplosiv —- sein Getast, sein Getast! Ist es erhört,\nSie unsauberer Geist? Ohne alles Abstraktions-\nvermögen! Wenn Sie mir nicht so leid täten,\nwürde ich Ihnen mit eins Ihr Getast radikal ex-\ntrahieren wie einen festsitzenden Zahn ... es ist\nnur ein festsitzender Zahn. Herr Mockel! Ich ver-\nlange Ihren ganzen Ernst, ehe ich Ihnen faul zu\nwitzeln gestatte — noch ei n solcher logischer\nSchnitzer, und ich vernichte Sie, daß Ihnen alle\nSinne vergehen oder vielmehr . . . eingehen; also\nHände an die Hosennaht! Sie sind „Weltauge\",\nsonst nichts — ist es Ihnen zu wenig?\nDas nicht, Herr Exekutor, es hat zwar etwas\nKünstliches, das Gesicht ist doch schließlich im\nKontinent aller übrigen Sinne enthalten, man kann\nes doch nur allenfalls zu Experimentierzwecken\nso räumlich isolieren, ich habe eine ziemlich un-\nangenehme Empfindung — aber bitte, lassen Sie\nsich nicht stören; fahren Sie fort, Herr Exekutor!\nDer Exekutor sagte:\nMockel, sagte der Exekutor, pardauz, passen\nSie auf, hören Sie mir zu! Sie sind jetzt überall,\ndoch scheint Ihnen eine Stelle besonders betont?\nLassen Sie sich heute bloß nicht in das Bockshorn\nvon Ihrer eigenen Stimme jagen! Wie?\nNa, mir scheint, Sie nehmen es mit der einen\nbesonders betonten Stelle merkwürdig leicht; ich\naber nicht — so leicht lasse ich mir mein Indivi-\nduum nicht wegeskamotieren, bitte.\nDavon, Mockel, ist ja gar keine Rede. Nur,\nmein Lieber, übertreiben Sie nicht! Es hilft Ihnen\nnichts, Sie sind die ganze Geschichte, das bißchen\nZentralgefühl braucht Sie nicht gleich um alle Pe-\nripherie zu bringen. Dieses Mehr-hier-als-dort-\nsein erklärt sich perspektivisch: und perspektivisch\nsind Sie, Mockel, weil Sie ein Weltkerl sind, ein\nunmöglicher, ein unendlicher Kerl. Die Perspek-\ntive schreibt sich aus einem besonderen Auge her,\nund dieses besondere Auge hätte keine, wenn\nes nicht ein Auge aus Augen wäre, ein monströses,\nhyperbolisches, ein Weltauge — verstanden?\nEs geht mir zu rasch, Herr. Wie komme ich\nzu der ganzen Affäre? Was geht mich das Wjelt-\nauge an? Ich bin ein schlichter Grossist namens\nMockel, und wenn ich nicht das Malheur gehabt\nhätte, ausgerechnet ich, auf den Exekutor zu\nstoßen, so stände ich jetzt, ich weiß nicht wo. Was\ngeht mich das Weltauge an?\nHerra! Das ist es ja gerade! Ginge es Sie\nwirklich nichts an, so würden Sie in diese Lage,\nzu fragen, was es Sie angehe, niemals gekommen\nsein. Das ist es ja eben! Ihr seid so beschränkt.\nIhr glaubt, es sei leicht, auszumachen, was euch\nangehe. Hähä, Mockele, da sein Sie vorsichtig!\nSie und ich, wir sind jetzt die Welt-Licht-Nacht,\ndie sich mit sich selber unterhält, im Klaren und\nUnklaren zugleich über sich ist. Was wäre ein\nEntweder ohne ein Oder? Ja und Nein klingt\nebenso richtig wie Ja oder Nein. Im Ernst, mein\nlieber Mockel, Sie müssen Ihrer Lokalisation besser\nmißtrauen lernen, Sie sind hier und dort und über-\nall, Ihr Punkt inkludiert den Raum, das begreift\nein Kind.\nHm!\nHum! Sie lokalisieren sich bloß relativ, Sie\nsind im Absoluten gelähmt, Sie Alle hier. Wenn\nSie Möglichkeiten wenigstens aufdämmern ließen.\nIhr seid so dumpf!\nUnd das nennen Sie experimentieren? Worte,\nWorte, Worte. Im übrigen, als ob mein Leib nicht\nauch optisch Figur hätte, haben könnte und in\nder Tat hatte, bevor Sie mit Ihrem netten Spiegel\neine monistische Sauße draus machten.\nMonistisch? Teufel! Revozieren Sie. Ich\nwollte Ihnen den unermeßlichen Unterschied, das\nbis zur Verschrobenheit Perspektivische in Ihrer"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.3", "texte": "eigenen Identität beibringen, und Sie kommen mir\nmit monistisch. Ihre Identität ist selbst ein sehr\nnetter Spiegel.\nEin hübsches Mysterium zum Verblüffen ah-\nnungsloser Grossisten. Fahren Sie fort!\nGern! Sie sind wirklich ahnungslos. Merken\nSie gar nicht, daß der Spiegel die einzige Mög-\nlichkeit gibt, Identisches zu alterieren? Sein Sie\nnicht so stumpfsinnig!\nErlauben Sie, mein Reflex ist nicht mein Ori-\nginal. Ich bin. Dann kommt der Spiegel, dann\nmein Abbild in ihm —\nWeit gefehlt, mein sehr mein Lieber! Der\nSpiegel ist was ganz Nachträgliches, ein bloßer\nReflex des Originals: und das absolute Welt-Ori-\nginal, dessen bloßer Reflex die Welt ist, muß so\nschöpferisch gedacht werden, daß eben seine ge-\nsamte Schöpfung von selbst sein Reflex wird,\nReflex seiner eigenen Projektion, Spiegel seines\nUrlichtes.\nHerr, das ist dunkel! Über Licht sollte man\nheller denken!\nBitte! Was Sie da Licht nennen, ist für mich\nnur eine hellere Art Finsternis, und beides, Licht\nwie Finsternis, sind nur der hellere und dunklere\nReflex des sie projezierenden optischen Originals,\ndas eben auf sich selbst reflektiert. Ich bin nicht\ndunkel. Ich bin nur Klärobskurant, Mockel. Das\nlebendige Medium, die schöpferische Indifferenz,\nder Sehende selber, ist unmöglich ohne den\n'Spiegel seiner Gesichte.\nSehen Sie wohl, Herr Exekutor, auch Sie haben\nzuletzt Ihre Unmöglichkeit: Licht, Medium und\nFinsternis sind ohne einander unmöglich —\nhaha. Und wer sagte vorhin, Unmöglichkeiten\nsind Unfähigkeiten?\nWir sind zum All, zur Allmöglichkeit gezwun-\ngen, verpflichtet, in unserm Falle zum optischen\nAll: Unmöglichkeit wird das Motiv zu aller Mög-\nlichkeit; Ohnmacht motiviert zur Allmacht. Sie\nmüssen den Sinn meiner Worte bedenken. Un-\nmöglichkeit ist nie simpel absolut. Sie triviali-\nsieren mich. Unfähigkeiten sind nie absolut, sind\naufzuregen, aufzupeitschen; es sind Halbfähig-\nkeiten, und jedes Unmögliche ist bereits halb\nv/irklich. Wenn Sie das Phänomen Licht voll und\nrund denken, müssen Sie — genau nach Goethe —\nNichtlicht und beider Verkehr im lebendigen Me-\ndium mitdenken.\nUnd was würde folgen?\nSetzen Sie die Unendlichkeit, die Enor-\nmität des Sehenden als des optischen Ori-\nginals, dann würde, außer der Ebenbürtigkeit\nvon Projektion und Reflexion, folgen, daß im\nProjektor ein ewig lebendiger Überschuß\nvorhanden wäre, daß die Gleichung zwischen\neinfallendem und reflektiertem Licht, bei aller\nMechanität, für den genauen Blick einen son-\nderbar lebendigen Rest ließe — dieser Rest sind\nwir, bester Mockel, sind die „Seelen\", diese leben-\ndigen Welt-Nichtse, die sich in Originale oder Re-\nflexe hineinlokalisieren.\nSo so! Mit anderen Worten: mein Leib, optisch\ngenommen, wäre von der Valenz eines Spiegel-\nbildes? Von der gleichen Valenz mit allen übri-\ngen Spiegelbildern? Und das Original? Wo\nhaben Sie mein Original?\nOh oh! Begreifen Sie immer noch nicht! Rein\noptisch gewertet, gibt es kein primäres Original,\nMockel. Allenfalls könnte man eher den Primat\nder optischen Indifferenz zu behaupten wagen,\ndas Geheimnis der Seele muß im Welt-Nichts\nstecken.\nSie sagten doch, es wäre eine Gleichung? Na,\nwo ist das andere Glied?\nAh bah, wenn ich sage, die optische Welt ist\ndas runde, also in sich antipodische Spiegelbild\nder optischen Seele, des Sehens, dann wissen Sie\nhoffentlich Bescheid!\nKeineswegs!\nDas ist schade, jetzt muß ich mich Ihretwegen\nselber langweilen. Also das optisch Selbe gerät\nin Kontraste bis zur Selbstopposition durch seine\neigene Exorbitanz — ist Ihnen das klar?\nHalt, Sie versündigen sich an der Identität.\nHalt, Identität versündigt sich, sage ich, an sich\n'selber durch ihr Mehr-als-identisch-sein, dem na-\ntürlich sofort ein solches Minder antwortet; die\noptische Welt ist die intrikate Selbstbespiegelung\ndes Selben.\nJa wessen?\nIhres eigenen Sehens! Begreifen Sie doch: um\naus Identischem eine Welt von geradezu essenti-\nellen Kontrasten zu schaffen, habe ich nur nötig,\neinen unendlich komplizierbaren Spiegel aus dem\nIdentischen selbst hinauszuentwickeln. Etwas\nHyperidentisches artet notwendig in Selbstaltera-\ntion aus.\nIch frage Sie nochmals: wo ist dieses Identi-\nsche von allem? Dieses Urwesen, das Sie vari-\nieren? Wie sieht es aus? Was ist es? Dann\nzeigen Sie es mir in seinen verschiedenen Abspie-\ngelungen, und den Spiegel möchte ich auch sehen\n— alles hübsch der Reihe nach.\nIhre Naivität überschreitet alle zulässigen Gren-\nzen. Das Identische von allem ist selbstverständ-\nlich wesentlich unwahrnehmbar, ununterscheidbar,\nununterschieden, absolut identisch. Das Hyper-\nresp. Hypo-Identische dagegen zeigt Ihnen jeder\nBlick.\nIch habe immer mehr den Eindruck, Sie wollen\nsich um Ihr Experiment herumdrücken. Ihr Kniff\nist gut! Noch niemand hat mit solcher logischen\nNoblesse die Viel- und Verschiedenheit über den\nberühmten einen und selben Kamm geschoren.\nRein optisch hat es übrigens etwas Bestechendes\n— schade, daß wir nicht nur aus Licht bestehen!\nTeurer Freund, pochen Sie nur nicht zu sehr\ndarauf! Ich erinnere Sie an Ihren Kontinent aller\nSinne! Das Sehen als sublimiertes Tasten ist\nschon landläufig, das führt uns vom Thema ab und\nvom Experiment. Ein Spezifizieren ohne Generali-\nsieren, ein Homogenisieren ohne Heterogenisieren\nbeschädigt die Verwandschaft aller We-\nsen, die wesentliche Paarigkeit ihrer Diversität,\ndie Exxorbitanz ihrer Identität.\nGott, welche Begriffsstutzer ei! Experiment,\nExperiment!\nJa, das Experiment soll für euch auch den-\nke n, ich glaub's. Meine Begriffe sind die Begriffe\nder Sinne. Und bevor wir weiterexperimentieren,\nwerden Sie gütigst einige Geistesanstrengung nicht\nscheuen, sie ist nicht allzu stark. Identisches, hy-\nperbolisch intendiert, zerspritzt in eine weit und\nbreite Selbstbespiegelung, in lauter Projektion des\nOriginals und Reflexion darauf.\nMir will scheinen, Ihre strotzende Identität ist\nein blanker klarer Selbstwiderspruch.\nAlso schöpferisch!\nWie? Und wo sind alle die lieben verschiede-\nnen Dinge, die sich abspiegeln? Dieses identisch\nüppige Original wäre ja ein lauteres Nichts!\nGewiß, das Nichts der Unterschiede, und er-\ninnern Sie sich, der dieser persön-\nlichen Indifferenz aller Differenz galt unser opti-\nsches \"Werkexperiment, es ist gelungen.\nUnd nun? Wo bekommen Sie die Differenzie-\nrung jetzt her? Ich bin gespannt.\nSehr, sehr einfach! Sie ist ja bereits vorhan-\nden — denn selbstverständlich ist dieser optische\nIndifferenzzustand im höchsten Grade explosiv,\nüberspannt, eine Art Agon mit sich, eine Paralysis\nvoll zitternden Lebens, eine Schwangerschaft, wel-\nche zur Geburt drängt.\nErlauben Sie! Übergewicht ist kein Gleich-\ngewicht.\nErlauben Sie: anders gibt es kein Gleichgewicht\nals durch eine Differenz, die es sich streitig macht.\nWir haben Waffenstillstand, aber jederzeit kann\nder Krieg beginnen.\nEin Krieg um nichts und wieder nichts! Es\nwäre, wie wenn ein still stehendes Pendel aus\neigener Kraft wieder schwingen sollte.\nSehr interessant, Herr Mockel! Sie glauben\nan einen Stillstand ohne Bewegung? — Die Schwin-\ngung eines Pendels hört subjektiv niemals auf, ob-\ngleich ihre Amplitode objektiv gleich Null werden\nkann. Andere Sorten Ruhe sind nur Konzeptionen\nlebloser Seelen. Um Ruhe streitet die ganze Be-\nwegung, persönliche Ruhe vibriert vom Gegenteil\naller Ruhe. Das eigene Nichts zittert vom All.\nSo so? Wissen Sie, wie das klingt? Wie\nwenn das ruhende Pendel, wenn es bloß Lust be-\nkäme, auf einmal rund um sich selbst schwingen\nkönnte. Ihre Auffassung sogar zugegeben, so ver-\nsteht man doch gar nicht die Hauptsache: wie\nvermag eine ruhig scheinende Vibration von\nselbst alle Grade der Bewegung zu durchlaufen?\nVon selbst?\nJa, ist das denn nicht der springende Punkt?\nKeineswegs, edler Denker! Dieses objektive\n„Von selbst\" ist fauler Zauber. Sie hören doch,\ndaß unser subjektiv eigenes schöpferisches Nichts\ngepaart ist, unser Selbst sein eigener Zwilling. Der\nleiseste Anstoß realisiert alle Schwingungsmöglich-\nkeiten des Pendels.\nDieser Anstoß ist mir ein Anstoß.\nAber mit nichten, er ist eigentlich niemals me-\nchanisch und braucht auch nicht einmal so zu schei-\nnen, kann außerordentlich spontan erfolgen und\nsich vom antippenden Finger unterscheiden wie\nein Stern vom fallenden Stein. Unterscheiden Sie\nnur, bitte, Automaten nicht so fürchterlich schroff\nvon .. . Heteromaten. „Selbst\", „Von selbst\" —\nals ob Willkür ein Wunder wäre! Das ist nur\ntechnisch geschickter verfertigt.\nIch darf Sie wohl ersuchen, deutlicher zu\nwerden?\nJa, gewiß, Deutlichkeit ist so recht der Wunsch\nvon Tauben und Blinden. Ein Wagen kann ent-\nweder von etwas „Anderm\" oder „von selbst\" be-\nwegt sein, von einem Pferd oder von einem Akku-\nmulator — ist das denn ein so imponierender Un-\nterschied? Ein Pendel kann entweder „von selber\"\nschwingen durch inwendigen Mechanismus oder\ndurch den Anstoß des Fingers. Kurzum, je nach-\ndem ich geschickter oder plumper kombiniere,\nmache ich die Sache zum Auto- oder zum Hetero-\nmobil. Der sogenannte eigene Wille ist eine ver-\ndammt geschickte Kombination. Also eigentlich\nmuß doch in der Möglichkeit, so zu kombinieren,\ndas echteste „Von selbst\" verborgen liegen. Da\nsuchen Sie nach!\nIch suche. Soviel ich finde, wollen Sie mit\neinem schwachen Aufgebot von Witz Etwas aus\nNichts machen. Das Nichts der Bewegung, zu-\ngestanden auch, daß es aus entgegengesetzten Be-\nwegungen kombiniert und so etwas wie eine\nSelbst-Opposition sei, bleibt nun eben doch,\nbis auf weiteres, der unabänderliche Ruhestand.\nIn diesem Nichts verschwinden doch die Unter-\nschiede. Wie wollen Sie sie daraus wieder zum\nVorschein bringen?\nAls ob eine persönliche Indifferenz, die eine\nDifferenz lebendig identifiziert enthält, sie nicht\nnach „eigenem\" Gutdünken wieder daraus hervor-\ntreten lassen könnte! Wenn Sie nur einsehen, daß\ndas Ganze seine Selbst-Opposition niemals un-\npersönlich restlos tot endet, so können Sie immer-\nhin den schöpferischen Luxus der Automatisierung\nerlauben. Die persönliche Indifferenz des Ganzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.4", "texte": "könnte man in Ansehung der differenzierten Welt\ngeradezu Gott nennen. Was ist denn, damit ver-\nglichen, Ihre gesamte Sinnenwelt! Man könnte\nsie verschwinden lassen, und es wäre nichts ver-\nloren. — Sie erlauben also, daß ich nunmehr auch\nGehör, Geruch, Geschmack und vor allem Getast\nindifferenziere, indiskret mache?\nAber das hieße dann ja soviel wie er-\nsparen Sie mir diese Gotteslästerung!\nAllerliebster! Sie hören ja, daß es mit den Dif-\nferenzen der Sinne nicht soviel auf sich hat; es\nbleiben Ihnen z. B. doch noch die Differenzen des\nUrteils! Diese sind ja weit wichtiger! Sinn-\nliches Unterscheidungsvermögen haben ja auch\ndie Tiere, aber kein logisches.\nNa, es dürfte Ihnen nicht allzu schwer fallen,\nauch die logische Indifferenz herzustellen, also den\nUnsinn zum Weltprrnzip zu machen.\nSie sind, wie Gegner meistens sind, voller Zu-\ntrauen zur Blödsinnigkeit des anderen: ohne Ja\nkein Nein! Darauf folgt noch lange nicht die sterile\nIdentität beider in ihrer Indifferenz.\nWas denn sonst? Es ist doch ihre Ununter-\nscheidbarkeit!\nWohl, aber diese doch nur als das schöpferische\nPrinzip zu ihrer notwendigen Entgegenset-\nzung! Es ist ihre schöpferische Identität, in sich\nwiderstreitend, jedem Versuch, sie steril zu iden-\ntifizieren, sich prinzipiell widersetzend, obgleich\nbeide in sich enthaltend, ihr neutrum commune\ndisiungens: ihr Leben in eigener Person.\nDas wollen Sie experimentell herstellen??\nHören Sie mir zu! Alles Unterscheidbare geht\nauf eine solche lebendige Indifferenz zurück, wenn\n'Sie nur nicht die originale Indifferenz, das absolut\nUnunterscheidbare mit seinen sehr wohl und leicht\njmterscheidbjaren Symbolen und Analogien ver-\nwechseln. Wenn ich z. B. sagte, die Welt sei die\nExplikation eines subjektiven Zentrums zur objek-\ntiven Kugel, so ist irgendeine Kugel, die Sie mir\nvorweisen können, doch nur eine sehr kümmer-\nliche, wenn auch nicht uninstruktive Illustration\ndes Urverhältnisses. Nenne ich dieses etwa „Gott\"\n— warum wäre das Experiment seiner eigenen\nHerstellung eine Lästerung?\nAh! Wenn ich recht verstehe, wollen Sie dar-\nauf hinaus, man könne den sinnfälligen Menschen\nindifferenzieren, ohne daß deshalb sein Wesen ver-\nloren gehe; es riecht ein wenig nach Astralleib.\nLassen Sie diese mokanten Assoziationen! Den-\nken Sie sich die Sache so: Die Sinne sind eine recht\nbunt auskolorierte Logik. Ich achromatisiere zu-\nnächst diese Logik! Nun bleiben noch die Schwarz-\nWeiß-Zeichnungen der Logik, die sind schwerer\nzu beseitigen, aber es geht. Commencons!\nHalt, halt! Eh' Sie beginnen, — was bleibt denn\ndann??\nDas eigenste Selbe! Das göttliche Nichts! Wie\nkönnen Sie fragen? Die Sinne sind komplementär,\ndie Logik ist komplementär. Wenn ich komple-\nmentäre Farben ineinander bringe, entfärbe ich.\nEbenso alogisiere ich die Logik.\nWas bleibt??\nHerr je! Die eigene Klarheit bleibt, bester\nMookel! Also die schöpferische Prädisposition zur\nganzen Chose.\nDa hammersch! Exekutor, Sie sind auf 'ne ver-\nteufelt bequeme Selbst-Vergottung aus.\nIch werde Sie beexekutern. Ha'm Sie 'ne Ah-\nnung! Mein sehr Lieber, das, was ich herstelle,\ndie sinnliche Indifferenz, ist weiter von Gott ent-\nfernt als der physische Punkt vom mathematischen.\nSie Rindsvieh!\nTemperiere dir! Experimentieren Sie gefälligst,\nstatt zu schimpfen.\nMockel! * •\nExe—\nOchse, ist es zu schildern?\nNe! Tolle Chose — warum haben Sie nicht\ngleich gesagt, daß Sie nur unsere sinnlichen; Diffe-\nrenzen vernichten wollten? Ich würde mir weniger\ngegrault haben.\nIch habe es Ihnen ja sechsmal versichert, Sie\nLausewenzel! Es war das Reich der sogenannten\nFaustischen Mütter. Setzt Ihr Denken auch nur\neinen einzigen Augenblick aus?\nDaß ich nicht wüßte!\nSie konnten nicht die geringsten sinnlichen Un-\nterschiede mehr konstatieren, während Sie um so\nleichter die allerfeinsten Gedanken-Differenzierun-\ngen betätigten?\nGeb' ich Ihnen, vor Freude weinend, zu! Be-\nsonders merkwürdig war ja das Aussetzen des Ge-\ntasts — da legst dich nieder!\nDas hat nun die wahnwitzigsten Vorteile. Vor\nallem ist es die bequemste Reisegelegenheit, die es\ngibt. Sie stellen das sinnliche Nichts von Peters-\nburg her und differenzieren es zum sinnlichen\nParis.\nIh! Wie?\nSie unterschätzen eben die Exekutivkraft Ihrer\neigenen Person; sie kultivieren menschlich das Ob-\njekt; statt daß eine enorme Kultur des Subjekts\nalles Objekt zum automatischen Diener machen\nwürde. Vergessen Sie nicht, daß bereits der alte\nKant die Spontanetät des Gedankens erlebt und\ngelehrt hat; leider hat er sie den Sinnen zum Fräße\nhingeworfen und hundert bloß gedachte Taler für\nhundert harte weggeschenkt\nNa, Exekutor, zum Henker, in Geldsachen\nwürde die Gemütlichkeit\nIst es die Möglichkeit, Sie Dickhäuter! Be-\ngreifen Sie denn nicht, daß Härte, und sei es Taler-\nhärte, eine bloße Eigenschaft des Willens ist; daß\nnur Gedanken, denen der Wille fehlt, bloße Gedan-\nken bleiben müssen? Und daß freilich der diffe-\nrenzierte, der zersplitterte Wille erst in der Faust\ndes ungeteilten schließlich so erhärtend wirkt, daß\nleiseste Gedanken durch ihn sofort zur härtesten\nTatsache werden müssen? (Der Exekutor griff\nhundert harte Taler aus der Luft und hielt sie\nMockeln hin.)\nJesus!\nNe! Nich Jesus, sondern ganz einfach beson-\nnenste Tatkraft ohne Apparate!\nWer das könnte, bei dem könnten Rothschilds\nhausieren gehen!\nJesus! Das kann jeder, wenn er will. Wollen\nkann man aber nur, wenn man das Nichts der gan-\nzen Affaire persönlich ist — erst dann hält man\njede gewollte Differenz beim Schlavittchen. Das\nist der Witz der persönlichen Indifferenz, den kein\nMensch versteht, weil kein Mensch sich selber im\nInnersten versteht! Mockel, haben Sie Mut, jetzt\nunser Nichts in des Wortes verwegenster Bedeu-\ntung zu erleben? Passen Sie mal auf, was Sie dann\nfür 'ne Tatkraft kriegen. Einzige Bedingung: Sie\ngeben jeden Widerstand, auch in Gedanken, gegen\nmich auf. Zuerst hebe ich nur wieder das sinnliche\nUnterscheidungsvermögen auf. Sie können dann\nnoch phantasieren, denken, fühlen, wollen, so diffe-\nrenziert Sie sein mögen.\nNa, Mockel?\n> Muß ich zugeben. Ich sehe aber immer noch\nnicht den Witz der Sache ein, nämlich den willkür-\nlichen Rückweg aus diesem Nichts der Sinne zu\njeder von mir beliebten Differenz derselben, z. B.\nalso zu hundert harten Tälern. Ich gebe übrigens\nsogar eine enorme Kräftigung meines Innern zu.\nEs wollte mir vorkommen, wie wenn dieses erst\nrecht erwachte und vom Willen beseelt würde, die\nverschwundene Welt der Sinne spontan aus sich\nhervorzubringen; ich vermißte nur allein die Tat-\nkraft unser Energierung!\nDie kann sich auch erst hervortun, Mockel,\nwenn wir nun auch noch die inneren Differenzen,\ngerade um frei über sie verfügen zu können, ra-\ndikal vernichten, dann erst haben wir unseren in-\nnersten Willen zu aller Tatkraft komprimiert.\nExekutor! Um Gottes willen, vernichte ich da-\nmit nicht auch jeden inneren Unterschied zwischen\ndem höchsten, allervollkommensten Wesen und\n— verzeihen Sie — mir???\nMockel, wie können Sie daran zweifeln? Das\nist ja gerade der Kernpunkt! In uns liegt, wie\nGoethe (t 1832) sagt, „des Gottes eigene Kraft\"\n— fragt mich nur nicht, wie — d. h. wie trag und\ntot sie im Menschen liegt, der nur durch diesen\nTod seines innersten ununterscheidbaren Unter-\nscheidungsvermögens bloßer Mensch bleibt.\nExekutor! Mir wird die Sache zu brenzlich.\nIch gehe auf Ihre Bedingungen nicht ein! Lieber\nbehalte ich die Sehnsucht nach harten Talern un-\nstillbar in mir, als daß ich einwilligte, die Distanz\nzwischen Ihm und mir wegfallen zu lassen. Das\nwäre ja die unverschämteste Dummdreistigkeit\nvon der Welt!\nIm Gegenteil! Diese Distanz gerade ist was\nganz Äußerliches und ist gerade außen nur dann\nam allerstrengsten festzuhalten, wenn sie inner-\nlichst wegfällt: denn nur dieses .Wegfallenlassen\nIst erst Innerlichkeit; und auch im Innersten noch\nsich gegen Gott im mindesten sträuben, sich auch\nhier noch von ihm unterscheiden wollen, ist weiter\nnichts als der schlechte, äußerliche, unvermögend«,\nunmagische Wille, der sich Mensch nennt.\nAber —\nKein Aber, Mockel! Sie haben sich selbst ge-\nrichtet! Bleiben Sie, was Sie sind, ein Hund von\neinem Menschen vor der eigenen Göttlichkeit in\nIhrem Innersten!\nAber Herr Exekutor, Sie schieben mir das\nNicht-eingehen-wollen auf ein vorgeschlagenes Ex-\nperiment ins Gewissen hinein — nanu?\nOh, Mockel! Mockelchen! Es ist das einzige\nexperimentum crucis der Welt. Ich will nicht\nmehr sagen. (Er zündete sich eine Zigarre an und\nverschwand, ganz in ihren Dampf eingehüllt;\nMo okel sagte): Nemo contra Mockelum nisi\nMockel ipse.\nFinis\n\nGediehte\nAugust Stramm\n\nErinnerung\nWelten schweigen aus mir raus\nWelten Welten\nSchwarz und fahl und licht!\nLicht im Licht!\nGlühen Flackern Lodern\nWeben Schweben Leben\nNahen Schreiten\nSchreiten\nAll die weh verklungenen Wünsche\nAll die harb zerrungenen Tränen\nAll die barsch verlachten Ängste\nAll die kalt erstickten Qluten\nDurch den Siedstrom meines Blutes\nDurch das Brennen meiner Sehnen\nDurch die Lohe der Gedanken\nStürmen stürmen\nBogen bahnen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.5", "texte": "Regen wegen\nDir\nDen Weg\nDen Weg\nDen Weg\nzu mir!\nDir\nDen Weg\nDen ichumbrausten\nDir\nDen Weg\nden duumträumten\nDir\nDen Weg\nDen flammzerrissenen\nDir\nDen Weg\nDen unbegangenen\nNie\nGefundenen Weg\nzu\nMir!\n\nLiebeskampf\nDas Wollen steht\nDu fliehst und fliehst\nNicht halten\nSuchen nicht\nIch\nWill\nDich\nNicht!\nDas Wollen steht\nUnd reißt die Wände nieder\nDas Wollen steht\nUnd ebbt die Ströme ab\nDas Wollen steht\nUnd schrumpft die Meilen in sich\nDas Wollen steht\nUnd keucht und keucht\nUnd keucht\nVor dir!\nVor dir\nUnd hassen\nVor dir\nUnd wehren\nVor dir\nUnd beugen sich\nUnd\nSinken\nTreten\nStreicheln\nFluchen *\nSegnen\nUm und um\nDie runde runde hetze WelH\nDas Wollen steht!\nGeschehn geschieht!\nIm gleichen Krämpfe\nPressen unsre Hände\nUnd unsre Tränen\nWellen\nAuf\nDen gleichen Strom!\nDas Wollen steht!\nNicht Du!\nNicht Dich!\nDas Wollen steht!\nNicht\nIch!\n\nVerabredung\nDer Torweg fängt mit streifen Bändern ein\nMein Stock schilt\nKlirr\nDen frechgespreizten Prellstein.\nDas Kichern n\nSchrickt ,\nDurch Dunkel\nTrügeneckend\nIn\nWarmes Beben\nStolpern\nHastig\nDie Gedanken.\nEin schwarzer Kuß\nStiehlt scheu zum Tor hinaus\nFlirr ,:!\"\nDer Laternenschein\nHellt\nNach\nIhm\nIn die Gasse.\n\nMondblick\nAn meine Augen spannt der Schein.\nDas Schläfern glimmt in deine Kammer\nQelbt hoch hinauf\nUnd\nSchwület mich!\nMatt - ..\nBleicht das Bett\nUnd\nStreift die Hüllen\nStülpt frech das Hemd\nVerfröstelt\nAuf den Mond.\nJetzt\nLeuchtest du\nDu\nLeuchtest leuchtest!\nGlast -<'9\"\nBlaut die Hand\nIn glühewehe Leere\nReißt nach dem Himmel\nMond und Sterne\nStürzen\nSchlagen um mich\nWirbeln\nTasten\nHalt Halt Halt!\nUnd\nZittern aus zu Ruh\nAm alten Platz! **\nIn •'<\"?>.\nDeinem Fenster droben\nGähnmüd\nBlinzt\nDie Nacht!\n\nDer Morgen\nSchwarz\nGraut\nZerknittert schämig fahlig.\nSchweigen schleicht zu Bette!\nSchrecke lugen\nHorchen\nZiepsen\nDucken\nZiepsen spürig\nSchrillen trotzig\nRufen rufen\nWachen auf\nVon Ast zu Ast.\nIn die Winkel glupschen Lüfte\nTalpschen Dünste.\nKlatschen Flattern Knacken Schwirren\nZerrt ins Fahle bleiche Fetzen!\nBlaublaß glasen Ströme zu Kristall!\nKlirrig\nQrellt der Himmel auf!\nFunken brennen\nSplitter glühen!\nSchauernd\nWirbeln Tropfen Spiegel!\nLichtgeblendet schwingt herauf\nDie Helle!\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nEr begreift ferner, daß die Lage hier in diesem\nZimmer mit den drei großen Fenstern und den bei-\nden Türen auf die Dauer unhaltbar ist —: also\nmuß er von hier fort! Ja, aber die Treppe von\nhier draußen kann er nicht hinaufkommen — denn\nda steht ja der Assistent offenbar, zusammen mit\ndem Dienstmädchen und vielleicht außerdem noch\nein Schutzmann oder auch zwei! Also bleibt ihm\nnur eins übrig: den längeren, aber unbewachten\nWeg entlang zu schleichen, lautlos, durch die\nWohnstube, das Eßzimmer, das Gartenzimmer —\nund endlich an den Pfeilern und dem Gitterwerk\nder Veranda hinauf!\nGut!\nVersuchen wir es!\nEs bleibt uns ja nichts anderes übrig! . . .\nEr hat schon, ohne das geringste Geräusch, die\nSchuhe von den Füßen geschoben — vorsichtig,\nauf Socken erreicht er die Wohnstubentür, dreht\nmit unendlicher Sorgfalt den Schlüssel um, öffnet.\nKehrt, noch immer unhörbar, zu dem Tisch zurück,\nwo sie ruht — sein Herz ist kurz davor, vor Dank-\nbarkeit zu brechen, als er sie wieder an der\nBrust hat.\nUnd auf Fußspitzen, Schritt für Schritt, gleitet\ner rund um den Schreibtisch herum, auf die Tür\nzu, schlüpft hindurch, kommt hinaus. Einen Augen-\nblick zögert er, legt sie darauf sorgsam in den\nlinken Arm zurecht, bekommt auf diese Weise den\nrechten frei, braucht eine ganze Minute, um den\nSchlüssel aus seinem Loch herauszudrehen, ihn an\nder auswendigen Seite wieder einzustecken und\nsein Taschentuch da drinnen über den Drücker zu\nhängen; dann zieht er die Tür leise zu, schließt sie\nab, steckt den Schlüssel in die Tasche, macht kehrt.\nAtemlos spät er eine Weile nach allen Seiten.\nDie Gardinen sind nicht herabgelassen, hier im\nWohnzimmer, hier ist es also einigermaßen hell;\ndie blanken Möbel geben den schwachen Schim-\nmer von da draußen her wieder, Spiegel stehen\ngleich viereckigen, bleichblauen Nebelflächen hier\nund da, goldene Beschläge glühen, die blonden\nSofabezüge sind schwach zu erkennen — er kann\ndeutlich den Weg sehen, den er gehen soll!\nZögernd setzt er den linken Fuß vor, dann den\nrechten, wohl, alles in Ordnung, es scheint brillant\ngelingen zu sollen, nur mutig vorwärts, siehe, es\ngeht: ho, st, hier, an dieser Stelle pflegt ja wohl\nder Fußboden zu knarren, vielleicht wäre es des-\nwegen besser, um den kleinen Tisch dort herum\nzu gehen!\nZitternd vor Befriedigung entdeckt er im näch-\nsten Augenblick, daß die Tür zum Eßzimmer nur\nangelehnt steht —:\nDie wird ihm also keine Mühe verursachen!\nKeine Spur! . . .\nEin klein wenig ängstlich wird er doch gleich\ndarauf, als er bemerkt, daß es hier drinnen voll-\nkommen stockfinster ist!\nEr spannt sein Gesicht wahnsinnig an, rät sich\nmit Ohr und Hand durch die Dunkelheit weiter, mit\nblinzelnden Augen — dringt nur Fuß für Fuß vor.\nBleibt jäh stehen, mitten da drinnen, preßt sie fest\nan sich — steht da auf Socken, die Zehen gegen\nden kühlen Fußboden gekrümmt, fühlt vorsichtig\nvor sich hin, mit ausgespreizten und spielenden\nFingern: ja, ganz recht, dieser Stuhl unmittelbar\nhier an seinem Knie steht durchaus nicht an seinem\ngewohnten Fleck!\nEr fühlt sich jetzt sicherer, beruhigt, fast gewiß,\ndaß das Ganze wohl gelingen wird.\n\nFortsetzuaff"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.6", "texte": "Jetzt in einem langen Schritt über die knar-\nrende Schwelle zum Gartenzimmer — dort sind,\nGott sei Dank, gar keine Türen zu öffnen!\nGerade vor ihm, gleich einem weit gespannten\nNebelschleier, weitet sich die freie Aussicht über\nden Garten — der helle Himmel der Sommernacht,\ndie Umrisse eines kuppeiförmigen Gebüsches, das\nLicht eines Sternes.\nEr bleibt da draußen in der Veranda stehen,\nsaugt begehrlich die frische Luft ein, runzelt gleich\ndarauf die Stirn, gereizt über ein jähes Gefühl,\nklatschnaß zu sein, ja, wirklich, noch dazu von\neiner abscheulichen, einer klebrigen Feuchtigkeit,\ndie ganz durch seine Weste, seine Beinkleider ge-\ndrungen ist, seine Strümpfe durchsickert hat, die\nein ekelhaftes Geräusch hervorruft, wenn er geht\n— und ihm steht das Herz unerklärlich still vor\nGrauen, wenn !er die Zehen da drinnen in den\nSocken bewegt!\nEr lehnt sich, plötzlich eine Übelkeit empfin-\ndend, mit sausendem Kopf gegen den Türpfosten\nder Veranda, todmüde aus irgendeinem Grund —\nden er unbestimmt ausfindig zu machen sucht . . .\naber dann strammt er sich mit einem Ruck auf —:\n' St!\nDa wieder, horch!\nEs pocht da hinten, weit hinter ihm!\nJawohl, ich verstehe es recht gut —: das ist\ndie Polizei, die noch immer da hinten steht, und\nhämmert, um hinein zu gelangen! . . .\nEine tiefe, fast schluchzende Dankbarkeit dringt\ndurch seinen ganzen Körper, er preßt mit schau-\ndernder, mit brennender, mit unsagbarer und\nschmerzvoller Zärtlichkeit diese angebetete Last,\ndie er in seinen Armen trägt, an sein Herz: sei\nruhig, meine ewig Geliebte, fürchte dich nicht, du\nbist ja bei mir —: in meinen Armen, hier drinnen\nin meiner Brust, in allen meinen Fibern bist du\nfür immer bei mir!\nEr entsinnt sich im selben Nu, was er hier\ndraußen will.\nEr tritt also hastig auf die braune Treppe hin-\naus, die in den Garten hinabführt, macht kehrt auf\nder obersten Stufe, das Gesicht dem Hause zuge-\nwendet — sieht einen Augenblick prüfend in die\nDunkelheit hinauf, verfolgt den Weg, auf den er\niiun soll —: diese schweren, lotrechten Balken, hier\nund da durch solide Querlatten verbunden, das\nGanze vollkommen verdeckt hinter dem kreuz-\nweisen, dünnen Gitterwerk des Spaliers und den\nüppigen Gehängen des wilden Weins und des\nEfeus.\nEr hört von neuem, diesmal weit stärker als zu-\nvor, dieses Trommeln und dieses Rufen da hinten.\nSein linker Arm schließt sich wie eine eiserne\nKlammer um ihren Leib.\nEr hebt eilig den rechten Fuß, setzt ihn auf die\nerste Querstange zwischen Zweige und Laubwerk,\ngreift mit der freien Hand so hoch, wie er langen\nkann, hinauf, spannt alle Muskeln in seinem Körper\nan, zieht an, hebt sich hinauf, die kühlen Blätter\nsickern herab, an seiner Wange vorbei — er ist\neine gute Elle hinaufgelangt.\nDort macht er wieder für eine kurze Sekunde\nHalt, wagt nicht, diese einzige Hand, die er zu sei-\nner Verfügung hat, loszulassen — kann weder hin-\nauf, noch hinab kommen.\nEr erinnert sich gleich darauf wieder des Po-\nlizeiassistenten, der da unten steht und gierig don-\nnert — beugt sich vorwärts, den Mund weit ge-\nöffnet, die Lippen zurückgezogen, er preßt sein Ge-\nsicht tief durch das taufeuchte, weichende Laub,\nsucht darin eine Sekunde mit zugeklemmten Augen,\nbeißt sich darauf in eine der schmalen Spalierlatten\nfest, da wo sie sich mit einer andern kreuzt;\nklemmt mit aller Gewalt die Kiefer um das kühle\nHolz zusammen, läßt währenddes die rechte Hand\nlos, tastet damit hinauf, findet einen Halt, löst den\nMund, folgt mit beiden Beinen nach — ist wieder\neine Elle höher hinaufgelangt.\nEr lacht auf einmal, ganz kurz und gedämpft.\nIm Gaumen ein Geschmack wie von Farbe und\nHarz, er spuckt aus.\nBereitet sich zu dem nächsten Schritt vor-\nwärts vor: bohrt das Gesicht zwischen die glatten\nBlätter hinein, hakt die Zähne fest, wühlt blind über\nseinem Kopf hinauf mit der rechten Faust und\nfindet Halt, löst den Mund. Und wieder dasselbe\nvon vorn: der Biß, die Hand los, um sich noch\nhöher festzuklammern — und die Beine nach.\nNoch einmal dasselbe; von neuem nagt er sich\nfest — ist diesmal aber nicht glücklich gewesen,\ndie Latte gibt mit einem leisen Krachen nach, seine\nUnterlippe gerät in die Klemme einer Kreuzung,\nsitzt fest — aber Gott sei Dank hat er die Hand\nnoch nicht losgelassen; einen Augenblick hängt er\nda mitten zwischen oben und unten, in der Dunkel-\nheit, ihre weißbekleidete Gestalt unbeweglich in\nseinem Arm, sich krampfhaft mit Hand und Fuß\nfesthakend — und mit diesem Stück bleichroten\nFleisches wie festgenagelt in das Holz tief da drin-\nnen, in dem dunkelgrünen Laub.\nAber nun sieht er ein, daß er sich beeilen muß.\nEr schüttelt den Kopf, reißt und zerrt mit aller\nMacht, um loszukommen, hat ein Gefühl, als sei er\nim Begrifft, sein ganzes Gesicht von dem Schädel\nwegzuschinden, mein Gott, es tut wahnsinnig weh\n— oder nein, gewiß nicht, es tut im Gegenteil gut,\nach, es beruhigt sein Herz so herrlich!\nEr hat indessen noch einmal alle seine Kraft zu-\nsammengerafft, schleudert jetzt den Nacken gewalt-\nsam, zurück, ein Feuer entsteht um Nase und\nMund — und er ist frei. Aber es ist keine Zeit zu\nverlieren. Er leckt sich unwillkürlich und schnell\num die Lippe: es schmeckt salzig und süß. Hat\nschon eine bessere Stelle an dem Gitter gefunden,\ngelangt wieder einen Schritt hinauf. Im selben\nAugenblick geht eine stockfinstere Wolke über\nseinen Scheitel hin, oder nein, sie wandert feucht\nund wiegend quer durch seinen Kopf, er ist blind,\nkann weder hören noch fühlen, weiß nur, daß er\num jeden Preis in die Höhe muß: nun, beiß nur\nzu — und greif währenddessen hinauf; beiß wieder\n— und greif; beiß abermals — und greif; beiß —\nund . . . dann spürt er plötzlich den kühlen Zink\nunter seiner Handfläche, als er sie diesmal hinauf-\nstreckt. Seine Finger krümmen sich um eine Leiste\ndes Daches, sein Ellbogen hakt sich ein, er zieht\nden Körper hinterdrein — und liegt eine Sekunde\nspäter, kniend, auf dem glatten, bleigrauen Metall,\nauf einmal todmüde, mit wehen Gliedern, einen\nsiebenzölligen Nagel in seinem Kinn und seinen\nschmerzenden Kiefern — wahnsinnig preßt er diese\nheimliche, diese geliebte Last an sich, dies Teuerste\nvon allem in der Welt — das der Polizei wegzu-\nstehlen ihm gelungen ist, und das in Sicherheit zu\nbringen er nun bestrebt ist, koste es, was es\nwolle! . . .\nIn Sicherheit — wiederholt er in demselben\nAugenblick und wird bange.\nJawohl, ja, er liegt hier und vertrödelt die Zeit,\naber das ist sehr verkehrt von ihm, das ist voll-\nkommen blödsinnig verkehrt, er muß sich, weiß\nGott, sputen, er hat es wirklich außerordentlich\neilig, da sind noch ein paar Schritte, die getan wer-\nden müssen! . . .\nEr arbeitet, um sich aufzurichten — kann aber\nauf einmal nicht. Die Beine wollen nicht. Der\nRücken will nicht. Der Nacken will auch nicht.\nNichts will.\nMit einem Ruck wirft er den Kopf zurück —:\nWas?!\nWas ist denn das?!\nHabt ihr vergessen, ihr Schlingel, um was es\nsich handelt!\nWißt ihr denn noch nicht, daß Annies Leben auf\ndem Spiele steht! . . .\nUnd er versucht von neuem, wahnwitzig alle\nseine Kräfte anspannend. Aber es geht trotzdem\nnicht.\nEr kommt nur halbwegs auf die Beine, sinkt\ngleich darauf wieder zusammen, noch tiefer als zu-\nvor — gegen seine Stirn fühlt er auf einmal die\nGlätte und Kälte des Zinks.\nDa hört er indessen plötzlich gedämpfte Rufe\nvon da drüben, von der anderen Seite des Hauses\nher — draußen von dem Wege, oder vielleicht\nschon drinnen in dem Vorgarten . . . und im selben\nAugenblick ist er oben auf seinen Füßen, mit einem\nSatz, er gleitet wie ein Schatten über das breite,\nabfallende Dach, erreicht das Fenster, das offen\nsteht, er schreitet hinein —:\nGott sei gepriesen!\nJetzt ist er endlich geborgen!\nNun ist das alles wunderbar gut gegangen!\nHier kann nicht das geringste Schlimme mehr\ngeschehen — sie ist völlig gerettet! . . .\nHastig durch das Zimmer dahineilend, ohne\nLicht anzuzünden, hat er schon mit Vorsicht seine\nteure Last vor sich auf das Bett gelegt — das da\nsteht, schimmernd in der grauen Dämmerung mit\nder Pracht der weißen seidenen Decke.\nEr eilte darauf nach jener Ecke, links und dem\nFenster gegenüber — wo die beiden Türen zu-\nsammenstoßen, eine nach dem Badezimmer, aber\nvon da gibt es keinen andern Ausgang als hier\nhinein, und um den braucht er sich also nicht zu\nbekümmern; die andere dahingegen führt auf den\nGang hinaus und muß offenbar versperrt werden.\nZunächst schließt er sie ab.\nSteht darauf einen Moment unentschlossen da>\nverwirrt und unzufrieden.\nTritt dann ein paar Schritte zurück, vor den\ngroßen Mahagonikleiderschrank; er sieht ihn einen\nAugenblick grübelnd von oben bis unten an,\nschnaubt, trocknet mit dem Rücken seiner Hand\nden Schweiß von der Stirn und den Augen, das\nBlut von Kinn und Mund.\nNickt darauf ein oder zweimal vor sich hin, mit\nbelebter Miene, geht auf die andere Seite des\nSchrankes hinüber, auf die Seite, die von der Tür\nam weitesten entfernt ist — stemmt die Schultern,\ndagegen, stützt ihn langsam und vorsichtig halb\num, so daß er nur auf zwei von den niedrigen\nKlötzen steht; stützt dann beide Handflächen in\nBrusthöhe dagegen, wandert Schritt für Schritt zu-\nrück, nach der entgegengesetzten Seite, seine\nFäuste beständig mit seinem ganzen Gewicht gegen\ndie glatte Fläche pressend, die, jedesmal, wenn er\neine Hand bewegt, kreischt und brummt — bis es\nihm endlich gelingt, das schwere Möbel ohne alles\nGeräusch auf die hohe Kante nieder zu legen —\nso daß es jetzt die Tür vollkommen verbarrikadiert!\nSieh!\nJetzt ist also faktisch gar keine Gefahr mehr!\nHaha, Gott sei Dank, alles in vorzüglicher Ord-\nnung. Es ist ja alles über Erwarten geglückt! . . .\nEr ist mit lautlosen Schritten bis an das Bett\ngekommen, wo er sie niedergelegt hat — und steht\neinen Augenblick da, wischt sich von neuem\nSchweiß und Blut aus dem Gesicht. Er legt sich\ndarauf mit lächelndem Munde auf die Knie, kann\ndurch das halbdurchsichtige Dunkel sehr deutlich\nsie unterscheiden, die da liegt, weiß in ihrem wei-\nßen Gewand, ausgestreckt in ihrer vollen Länge"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.7", "texte": "auf der weißen Decke. Er zögert noch eine Se-\nkunde, findet beinahe, daß es unrecht ist, sie schon\nwecken zu müssen! Und doch — denkt er gleich\ndarauf, umfangen von einer sonderbaren, sehr ge-\ndämpften und schmerzlichen Unruhe, die er nicht\nbegreifen kann, über die näher nachzugrübeln er\nsich übrigens auch keine Zeit läßt —: und doch\nist es zweifelsohne nicht richtig, daß sie unter Um-\nständen wie diese noch weiter schläft! Nein, ab-\nsolut nicht — da ist noch zu viel zu riskieren!\nAlso —:\n„Annie, kleines Lieb!\nAnnie, haha, mach jetzt nur deine Augen auf!\nSieh, hier liegst du ja so gut in deinem eigenen\nBett, in deinem und meinem Bett, liegst du so lieb-\nlich da!\nAber ich möchte doch so herzlich gern deine\nStimme einmal hören — du weißt nicht, wie un-\nendlich ich mich danach gesehnt habe, diesen gan-\nzen Abend heute!\"\nSie antwortet indessen nicht.\nEr schüttelt zärtlich und lächelnd den Kopf.\nMein Gott, wie muß sie müde sein, so tief pflegt\nsie doch sonst niemals zu schlafen!\nAber versuchen wir es doch noch einmal wieder\n— denn, wie gesagt, niemand weiß, was geschehen\nkann, wenn man nicht Tag und Nacht wacht!\nEr richtet sich halbwegs auf, legt sich nun auf\ndie Knie auf den Rand des Bettes selber, stützt\nsich vornüber auf beide Handflächen, die tief, tief\nversinken in dem weichen Lager zu beiden Seiten\nihrer Gestalt; er liegt da, das Gesicht ganz nahe\nan ihrem Gürtel, und flüster mit einer heißen und\nleisen Stimme, mit einer stammelnden und seligen\nStimme —:\n„Annie!\nHöre jetzt einmal!\nMein Schatz, dies geht nimmermehr an!\nKomm, Geliebte, du mußt auf, es ist spät — und\nkein Mensch in der Welt weiß, was an Entsetz-\nlichem noch vor Abend eintreten kann!\"\nEr fühlt sich plötzlich durchschauert bei diesen\nWorten — oder nein, vielmehr weil sie nicht er-\nwachen will! Nicht erwachen, sie, deren Schlum-\nmer immer so leicht war — grübelt er, auf einmal\naußer sich vor Angst —: sollte das alles denn ver-\nkehrt sein? Ist ihm das Ganze denn im tiefsten\nInnern mit Stumpf und Stiel mißglückt —: ist sie\nes vielleicht schließlich gar nicht, die er hier mit\nhinaufgebracht hat? Ist es vielleicht denkbar, daß\nes mit anderen Worten ein wildfremdes Wesen ist,\nirgendeine Leiche, irgendeine, die gemordet wurde\n— ist es eine eiskalte, eine geschändete und ge-\nmordete Frau, die er hier hinaufgeschleppt und auf\nAnnies feines Bett gelegt hat?!\n\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nAbend\nWenn die Straßen\nabends sich mit weiten Fingern\nihren dunklen Mantel holen\nund ihn knöpfen\nmit dem bleichen, weichen Licht der Qaslaternen,\nhocken die harten Knochen hohlbackiger Männer\nund die schlaffen Brüste gebärmüder Frauen\nvor totenäugigen Kellerfenstern.\nEine magere, hochbuckelige Katze\ntänzelt durch das Gewirr der jammernden jyiünder,\ndurch den Rauch billiger Zigaretten\nund bürstet ihr Fell am Knie einer Dirne.\nHart und laut\nbrüllt über den Dächern elfmal die Nacht.\nGeräuschvoll schließen die Gassen die Augen.\nNur der Helm eines Schutzmanns\nist eine Klippe,\ngemieden vom Gummischritt billiger Mädchen.\n\nFabrikmädchen am Sonnabend\nDie bunte, billige Fahne um die Hüften,\ndie Nase in den Lüften,\nden Lohnbeutel in striemigen Händen,\nund das Lachen schon im Sonntag.\nIn den Lenden\nein Wiegen\nals trügen\nsie andächtig ein Muttergottesbild.\n\nDie Keusche\nSie hat ewig\nWasser in den Augen.\nHellblaue Kleider mühen sich,\nzu sitzen.\nIhr Lächeln ist das Rollen eines Kinofilms.\nSechs Knöpfe\nhaben ihre Leinwandhosen.\n\nKünstler\nH. W.\nDie Dichterin\n„Sammlung von Gedichten erscheinen lassen,\ndie zum allerbesten gehört, was uns die deutsche\nLyrik in den letzten Jahren beschert hat.\" Von\nder schönen Bescherung mußte das Berliner Tage-\nblatt sein Teilchen für die sehr geehrten Leser ab-\nbekommen. Ein wirklicher Geheimrat, der sonst\nkönigliche Kupferstiche in Dresden behütet, wandte\nsein gütiges Herz der deutschen Lyrik zu. Sie sind\nso „außerordentlich weiblich im rühmenden Sinne\",\ndie Gedichte. Natürlich auch mit der Natur ver-\nbunden: „Sie atmen die herbsüße Gebirgsluft ihrer\ntiroler Heimat\". Kurz, solche Gedichte „werden\nwohl nur in weiblichen Menschenherzen geboren.\"\nNein, Herr Geheimrat, sie werden wohl auch in\nmännlichen Menschenherzen diese Ge-\nrichte. Sie sind komplett fertig, diese Kinderchen.\n„Einfachheit, um es mit einem Worte zu sagen, ist\nder große Vorzug ihrer dichterischen Eigenart.\"\nUnd dann kommt die Bescherung, eine Probe der\neinfachen Eigenart:\nBerg s e e\nWie ist der See zur Mittagsstund\nGlasklar und wasserrein.\nKomm, wirf den kleinsten Kieselstein,\nIhm in das grüne Herz hinein,\nDu siehst ihn bis zum Grund.\nEs wird dem Leser dabei nicht so wohlig, er\nerfährt nicht, ob der kleinste Kieselstein in das\ngrüne männliche oder weibliche Herz geworfen\nwird. S. Fischer holte sich die kleinen Kieselsteine\nund ward nicht mehr gesehen.\nDer Dichter\nJa, was so ein männlicher Dichter ist, das greift\ngleich anders zu. Wasser tuts freilich nicht, aber:\n„Javol\" bereitet mir viel Behagen,\nIch brauch' es schon seit vielen Tagen:\nZu stärken meinen blonden Schopf,\nZu erfrischen meinen Dichterkopf,\nUnd überhaupt, weil es sehr gut\nDem Haar, der Haut, dem Kopfe tut.\nDr. Hanns Heinz Ewers\nDer Dämoniker mit dem Pyjamas und ff Kra-\nwatten läßt in seine tiefsten Toilettengeheimnisse\nblicken. Der blonde Schopf, den so oft der dich-\nterische Arm beim Photographieren stützen muß,\nverdient die Stärke glanzvoll aber fettlos. Der\nDichterschopf existiert in diesem javoligen Fall nur\ndurch den Dichter Busch. Viele existieren nur\nvon andern und selbst der Gebrauch von Javol\nmacht die Köpfchen nicht zu Köpfen. Aber wie singt\ndoch die Dichterin, zitiert wie geschmiert:\nKomm, wirf den kleinsten Kieselstein,\nIhm in das grüne Herz hinein,\nDu siehst ihn bis zum Grund.\nDer Vater des Kubisten\nKubistische Söhne, auch wenn sie nur kubistisch\ntun, können immerhin ihre Väter berühmt machen,\nsoweit sie Schüler Prellers sind. Dieser rührende\nHerr W. 8., der die Münchener in den Neuesten\nNachrichten über bessere Kunst aufklärt, rühmt\neinen Vater eines Kubisten. Das war eine merk-\nwürdige Zeit, damals, als Preller und seine Leute\ndie Lande weit und breit bemalten. Herr W. B. hat\njene Zeit öfter zu beobachten Gelegenheit gehabt,\nnoch mehr, er hat sie erkannt: „Vielmehr scheinen,\nwie man das in jener Zeit öfter zu beobachten Ge-\nlegenheit hat, zwei Seelen in seiner Brust gewohnt\nzu haben.\" Trotzdem blieb das Herz des Malers\nreiner, als seine Farben. „Er konnte sich dem\nEinfluß der klassischen Auffassung nicht entziehen\nund sah andererseits doch ein, daß die vom Westen\nkommende neue Richtung eine umfangreiche Skala\ndifferenzierter und delikater Darbietungen ermög-\nliche. In diesem Sinne . . .\" malt er nur einer-\nseits. Die zweite Seele erbte Herr W. 8., der sie\naber auch noch nicht trocken gewohnt hat.\nDer Impressionist\n„Und einer, den eine Ahnung treibt, oder viel-\nleicht auch nur der Wunsch, zuerst etwas Neues\nzu erfahren, turnt auf den Vorderperron und wartet\nauf den nächsten Zettelverteiler.\nDa steht er, am Nollendorfplatz, und im Vorbei-\nsausen drückt er dem Fahrgast einige Blätter in die\nHand. Der liest, kriegt einen Choc und klopft wie\nwahnsinnig an die vordere Glastür des Wagens.\n„Auf! Macht doch auf!\"\nBrummend kommt der Schaffner und der junge\nMensch steht in der Tür.\n„Extraausgabe des Berliner Tage-\nblatts: Der österreichische Thron-\nfolger und seine Frau sind ermordet!\"\nDer beeindruckte junge Mensch könnte sich\num einen Redakteurposten bei Ullstein oder um\neine Zettelverteilerstelle bei Scherl bewerben. Das\nExtrablatt eines Mordes zum Extradreck einer Re-\nklame zu machen, ist zum Schießen.\n\nStoßseufzer\nAlbert Ehrenstein\nIhr Götter von Rechts und Links,\nwenn schon der Tag langen Ganges nicht\nvorübergeht,\nverschont meine schmerzzertobte Brust,\nwenn sie nachtbefangen und ungewappnet ist.\nDenn der Mond lärmt am blutigen Himmel,\nmich hetzen die Geister der unbesprochenen\nBücher,\ngleichend gefleckten Bullenbeißern,\nden Kröten unter den Hunden.\nIch, weilend im trauernden Forst,\nkann nicht entrinnen,\nunfähig des Bergs,\ndes Erklimmens rettender Gipfel,\nwo reiner die Luft ist\nund kein Gerede von Büchern,\nden Kröten unter den Dingen!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140801-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Mause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin uni Genf\nBerlin W / Potsdamar Strata 134 a\nSiebenundzwanzigste Ausstellung\nGleizes / Metzinger\nDuehamp-Villon /Villon\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEroffnung in Genf: 15. August: Kandinsky\n6 rue de Candolle\nSturmausstellungen in Deutschland und im Aus-\nland I August 1914\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\nTokyo: Graphik\nSeptember 1914\nHannover: Kandinsky\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443 : - ; 2\nftalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten jedes Mouats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig ./ F ii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes ,/ Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Filr das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs ./ Voh\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n'durch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuifcre /\nParis\n\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzif Blatt Zelchnungen j\nStrichatzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier In\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton In cln-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKandinsky 1901—1913 / Monographie mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag ./\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft ./\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Bucher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna,/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R ud i -\nmentar/50 Pfennig j Verlag Der Sturm / Berlin\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Oe-\ndichten von Amo Holz / Ffir Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / einzeln 50\nPfennig , g\nKfinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin I Ruhelose Tftnzerin I Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee / L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nHustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: Plakat ffir die Zeitschritt\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko ./ Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin j Albert Bloch J\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla j Vincenc\n\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni j Severini /\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig / Max Pechstein\nVerein fllr Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJ a h r I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und MSrz in der Kunstausstellung\nDer Sturm\n\nZeitsehriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrilt / Florenz I Via\nNazionale 25\nLa Route / Revue de l'Effort Social / Paris / Rue\nde Vaugirard 120\nLa Renaissance Contemporaine / Halbmonatsschrift\nParis / 41 Rue Monge\nLa Nouvelle Revue Francalse I Monatsschrift (\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Franc\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nLes Soir6es de Paris / Recueil Mensuel illustr€ /\nDirecteurs: Guillaume Apollinaire et Jean Ce-\nrusse I Paris 278 Boulevard Raspail / Jahres-\nbezug 12 francs\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fDr neue undf\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPoet-Lore Begriindet 1890 / Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Qegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck J Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge / Whitman f\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Qhose / Mac\nQathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste f\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dram en / Die Ausgabe\nenthalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}