{"numero_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_sha256": "817c058039115dcc47eb514d22f10d198ec07597ed0b67dcc2d87af75858d09e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1914/08/15_01/bmtnabg_1914-08-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1914/08/15_01/bmtnabg_1914-08-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.1", "debut_caractere": 332, "fin_caractere_exclue": 581, "texte": "Inhalt:\nAnglist Stramm: Die Haidebraut / Ernst Wilhelm Lötz: Heimweh / Adolf Knoblauch: Besinnung / Auf Peter Hilles Tod / Aage von Kohl: Der\nWeg durch die Nacht / Empfohlene Bücher / Emil Filla: Zeichnung / Herwarth Waiden: Der Sturm / Heeresmarsch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.2", "titre_corps": "Emil Filla: Zeichnung", "titre_sommaire": "Emil Filla: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.1", "debut_caractere": 583, "fin_caractere_exclue": 604, "texte": "Emil Filla: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "74", "page_fin": "76", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.3", "titre_corps": "Die Haidebraut", "titre_sommaire": "Die Haidebraut", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7318, "texte": "Die Haidebraut\nAugust Stramm\nMaruschka\nLaszlo\nLaszlos Vater\nMaruschkas Eltern.\nDie Haide\nDie Sterne klagen\nDer Windhauch raunt\nWoher? Wohin?\nDu du? Ich Du?\nMorgen\nIn der Hütte Durch Tür und Fenster leuchtet\ndie Haide.\nLaszl: Du gehörst zu mir!\nMaruschka: ich gehöre zu niemand!\nLaszlo: mein Recht!\nMaruschka: du hast kein Recht!\nLaszlo: dein Wort!\nMaruschka: (haucht)\nLaszlo (zieht das Messer): hüte dich!\nMaruschka (nimmt einen Feuerbrand vom\nHerd): . . komm her!\nMaruschka: (nimmt die Milch vom Feuer und\ngießt sie um)\nLaszlo: der holt dich nicht!\nMaruschka: wenn ich nicht will!\nLaszlo: du wirst nicht wollen!\nLaszlos Vater (im Stuhl am Feuer): ... ihr\nänderts nicht!\nMaruschka (setzt dem Alten die Milch hin):\ndu hast mir nie davon gesprochen . . . vor wieviel\nJahren . . .?\nLaszlos Vater: ich zähl sie nicht!\nMaruschka: . . wars Sommer . . Winter . .\ngar nichts . . . war Sonne . . Sturm . . .\nLaszlos Vater (rückt den Pfeifenstummel aus\nden Zähnen): . . das wechselt oft . . .\nMaruschka: was war mein Kleid? . . was tat\nich . .? lief ich . . sprach ich . . .?\nLaszlo Vater (trinkt): Kinder . . die nicht\nlaufen . . nahm ich nie!\nMaruschka: . . Kinder\nLaszlos Vater (trinkt und setzt sich zurecht)\nMaruschka (setzt sich und starrt ins Feuer):\n... weißt du . . . daß ich sein Kind bin . . ?\nLaszlos Vater: ich sah ihn nie!\nMaruschka: . .. du sahst ihn nie . . .\nLaszlos Vater:., er sah das Zeichen über\ndeiner Braue . .\nMaruschka (fährt mit der Hand langsam über\ndie linke Augenbraue)\nLaszlos Vater: du mußt es wissen!\nMaruschka: . . . wer . . . muß . . .\nLaszlos Vater: dein Blut!\nMaruschka (steht auf): . . . mein Blut . . .!?\n... mein Blut . .?! und doch hast du mich ihm ge-\nraubt . .?!\nLaszlos Vater: . . wir sind alle irgendwo ge-\nraubt . . . alle . . . und verlassen.\nMaruschka\nLaszlos Vater: nicht alle finden ihren Vater\nwieder\nMaruschka: . . . er soll dich züchtigen!\nLaszlos Vater: . . . dein gütiger Vater . .\nMaruschka: . . und darum hast du mich be-\ntrogen? ! (reißt eine Lassopeitsche von der Wand)\nLaszlos Vater: ich hab dich hochgezogen!..\nin der Haide!\nMaruschka (peitscht den Alten auf mit schwe-\nren Schlägen): betrogen . . . betrogen . . .!\nLaszlos Vater (hält den Arm vor und flieht\nhumpelnd durch die Türe)\nLaszlo (steht hohnlachend am Türpfosten)\nMaruschka: du lachst . . .?\nLaszlo (den Pfeifemstummel zwischen den Zäh-\nnen): . . es schadt dem alten Hunde nichts! (er-\ngreift sie am Handgelenk und will sie an sich\nreißen)\nMaruschka (windet sich kraftvoll los, springt\nzurück und hebt die Peitsche)\nLaszlo (greift lachend zum Messer): . . komm\nher!\nMaruschka (läßt die Peitsche langsam sinken)\n(atemloses Horchen)\nLaszlo (lacht kurz)\nMaruschka: es reiten viele . . .!\nLaszlo: . . . er reitet nicht!\nMaruschka (wirft sich auf den Boden und\nhorcht)\nLaszlo (macht eine Bewegung zu ihr)\nMar uschka.(schnellt hoch): ich . . kenne diese\nTöne nicht!\nLaszlo (grinst): es fährt!\nMaruschka: . . es fährt . . . nicht!\nLaszlo: sein Wagen braucht keine Pferde.\nMaruschka: . . .keine Pferde . .\nLaszlo: ihn treibt etwas, ich weiß nicht was\nMaruschka: du sahst es . . .?\nLaszlo: . . ich sah es . . . jenseits der Haide . . .\nwo die große Wege gehn . . . weit ... in die\nFerne ... zu den Kuppeln und Türmen . . .zu den\nLichtern in der Nacht\nMaruschka:\nLaszlo: .. es jagt .. . und rattert .. . und knat-\ntert und wirbelt . . . (lacht auf und wirft die Pfeife\nin die Ecke)\nMaruschka (krampft die Hände)\nLaszlo (versenkt die Hände in die Taschen)\nMaruschka: . . . laß uns fliehen . . .!\nLaszlo (lacht auf und tritt zu ihr hin, weich) . .\nMaruschka\nMaruschka (schlüpft an ihm vorbei)\nLaszlo (vertritt ihr die Tür): er kommt nicht bis\nher ... die Haide verschlingt ihn denn . . . sein\nWagen ist schwer . . . er muß zu Fuß gehn wie\nich und du ... er holt dich nicht! . . ,\nMaruschka: . . . er . . holt. . . mich . . nicht ..\nEin Automobil (hält keuchend in der Ferne)\nLaszlo . . . hörst du . , . es rattert . . . toll . . .\nrrrrrrrr .... die Menschen dort ... sie haben\nnicht Morgen und Mittag und Abend nicht . . .\nwenn die Sonne zeigt ... sie kennen einander\nnicht . . . wild . . . durcheinander . . . der Himmel\nwölbt sich nicht . . . immer nur in Fetzen . . .\nMauern . . . Winkel . . Wege . . . hart und voll\nStein .... kreuz und quer ... du findst nicht\ndurch!\nMaruschka (zittert am ganzen Leibe): Vater ..\nLaszlo (lacht in sich hinein und geht hinaus):\ner holt dich nicht!\nMaruschka (fährt hoch, schließt in wilder Hast\ndie Tür und Fensterscheiben, schiebt Laden und\nRiegel vor, stürzt Schemel und Tisch dagegen,\nkauert nieder und stemmt sich krampfhaft gegen\ndie Tür)\nEin paar Sonnenstrahlen (zittern durch\nSpalten) .... (es klopft) . . .\nMittag\nVor der Hütte Das schwere Rohrdach winkelt auf\ndie Erde. Hohiei Fliederbüsche grünen die Mauern.\nMaisfelder glühen zur Haide\nDe r Vater (klopft): dein Vater\nMaruschka (innen): ich kenne dich nicht!\nDie Mutter (klopft): deine Mutter\nMaruschka: ich kenne dich nicht!\nDie Eltern: du sollst uns kennen lernen!\nDie Mutter: mach auf!\nMaruschka: . . . dies ist mein Haus!\nDie Mutter:... dein . . . Haus . . .\nMaruschka: ich habs gerichtet . . ich habs ge-\ndeckt . . . geflickt . . .\nDie Mutter (schaut zum Dach): du hasts ge-\ndeckt ....\nDer Vater (rüttelt am Pfosten): es hält flicht\nStand!\nMaruschka: ich bin sicher hier vor Sturm und\nWetter . . .\nDie Mutter: bei uns nicht minder . ...\n« «\nDier Vater: ich habe Schätze . . .\nMaruschka: ich mag die Schätze nicht!\nDie Mutter: ich liebe dich!\nMaruschka: ich fürchte dich!\nL as z 1 o (sitzt auf der Brunnröhre, lacht hell auf,\nnimmt eine Flinte vor und schießt in das Maisfeld)\nDie Eltern:\nMaruschka: . . . Laszlo!\nLaszlo (kommt aus dem Feld und lacht): . .ein\nWeih! (wirft den Vogel zu Boden und setzt sich\nwieder\n• ••••••••••••• »•••••\nDer Vater (klopft): Mara. . .\nDie Mutter (klopft): Maria . . .\nLaszlo (ruft): Maruschka!\nMaruschka: nein!!!\nDie Mutter (klopft)\nMaruschka: ihr wollt mich aus meiner Haide\nholen. . . .\nDer Vater: . .wir wollen dich in einen Garten\nführen!\nMaruschka: .. . was ist das .. einen Garten.?!\nDie Mutter: ein Garten . . .\nDer Vater: ein Garten . . .\nDie Mutter: eine Haide . . . mit hohen . . . .\nschattigen Bäumen . . . mit Wiesen . . . weich und\nkühl . . . Blumen . . . Rosen . . . oh . . . Blüten . .\noh wundersame Düfte . .\nMaruschka: meine Blumen duften auch . . ich\nwill die euren nicht . . .\nDer Vater: . . . du sollst nur haben., was du\nwillst . .\nMaruschka: . . . so will ich bleiben . . .!\nDie Mutter: . . . bleiben . . .\nMaruschka: so bleibt ihr!\nDie Mutter: . . . wir . . .\nDer Vater: . . wir müssen zur Heimat . . .\nMaruschka: . . eure Heimat . . .?!\nDie Mutter: . . unsere .. . Heimat .. .\nMaruschka: meine Heimat ist die Haide!\nDie Mutter: . . .die . . . Haide . . .\nMaruschka: so gehör ich nicht zu euch!\nDer Vater: du bist mein Fleisch!\nDie Mutter: du bist mein Blut!\nMaruschka: ihr habt mich schlecht gehütet . .\nDie Mutter: wir haben dich gehütet . . .\nDie Eltern: wie unsere Seele . . .\nMaruschka: . . . was ist . . . das . . unsere\nSeele . . .?\nDie Mutter: . . was . . ist . . .? was dich zu\nuns führt . . . .!\nMaruschka (schreit entsetzt auf): .. ich fürchte\nmich vor euch!\nDie Eltern: wir lieben dich! . . .\nMaruschka: ich fühle nichts ... ich fühle\nnichts ... ich fühle nichts für euch .. . geht mir aus\ndem Wege . . aus dem Wege ... ich will die\nHaide sehn . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7866, "texte": "Die Eltern (treten zur Seite)\nDerVater:...du sollst sie sehen ... so oft du\nwillst . .\nMar usch k a: ... so 0ft...?! so will ich immer!\nDie Mutter: . . . du wirst nicht wollen . . .\nDer Vater: . . . du wirst sie nicht missen\nMaruschka (schreit auf): ihr wollt mich zwin-\ngen . . . .!\nDer Vater: du wirst frei sein . . . frei\nMaruschka: . . so muß ich mich meines Wil-\nlens schämen . . .!\nDer Vater: Dein Wille ist unser Wille!\nMaruschka: ihr werdet mich verachten\nDer Vater: du wirst geehrt!\nDie Eltern: du bist unser Kind!\nMaruschka: . . . hier bin ich geehrt . . . und\nniemandes Kind\nDie Mutter: ... wir . . . sind . . . alle . . .\njemandes Kind . . .\nMaruschka: . . .ich . . . fühl . . . mich . . .\nso ...verlassen . . .\nLaszlo (strafft hoch)\nDie Mutter: . . . Kind!\nDer Vater... öffne . . .!\nLaszlo (krampft die Arme übereinander und\nwendet sich den Alten zu)\nMaruschka: ich komme nicht!\nDie Mutter: du kommst!\nMaruschka: nein . . . nein!\nLaszlo (tritt drohend zu den Alten)\nDer Vater: wir zwingen dich nicht . . .\nMaruschka: so lang ich lebe . . . nicht!\nDie Mutter: du wirst erst leben . . .\nMaruschka: nein! . . . nein!\nDie Mutter: frei kommst du . . . frei.. .\nDer Vater: wie du willst ....\nMaruschka: . . . so will ich eine Spanne . . .\neine kleine Spanne Zeit . . .\nDer Vater: du magst sie haben . . so lang du\nwillst . .\nMaruschka: bis zur Nacht . . .\nDer Vater: so kurz?!\nDie Mutter: so lang?!\nMaruschka: bis zur Nacht!\nDer Vater: bis zur Nacht!\nDie Mutter: nun öffne . . .\nMaruschka:\nD er V atier: nun öffne ...!...\nLaszlo: Maruschka! . . . öffne! . . .\nMaruschka (öffnet)\nMaruschka (steht unbeweglich starr aufgerich-\ntet in der Tür)\n(Weißstrahlige Wolken türmen über den Himmel\nund jagen krasse Schatten über die Haide)\nDie Eltern (stehen Maruschka starr gegenüber)\nDie Mutter (geht mit ausgebreiteten Armen auf\nsie zu und umschlingt sie): . . . mein . . . Kind!\nMaruschka (mit entsetzendurchbebter Stimme):\n. . . Laszlo!\nLaszlo (ergreift ihre Hand und entreißt sie den\nEltern wild)\nMaruschka (sinkt erschöpft an ihn)\nAbend\nDie Pferdekoppel Erlen am Weiher Schwere\nsonnenglühe Wolken grauen fahl\nMaruschka (lehnt erschöpft an der Koppelein-\nfassung und atmet schwer): ich habe die Haide\ndurchjagt ....\nMaruschka (reckt verzweifelt die Arme): . . .\nMauern . . . (blickt zu den Wolken) . . .dort . . .\ndort . . .\nLaszlo (die Hände in den Taschen und die Pfeife\nzwischen den Zähnen): Wolken . . .\nMaruschka (fällt in die Knie und schlägt die\nHände vors Gesicht)\nLaszlo (tritt zu ihr hin und beugt sich über sie):\n. . . Maruschka ...ich bin hier!\nMaruschka (nimmt die Hände vom Gesicht\nund starrt zu ihm auf)\nMaruschka (springt empor und umschlingt ihn)\nLaszlo (schleudert die Pfeife weg, greift ihr mit\nder Faust ins Haar, beugt ihren Kopf nach rück-\nwärts und küßt sie wild): ich . . bin . . . bei . . .\ndir! ich . ..!\nMaruschka (küßt ihn wieder mit wahnsinniger\nGlut): Laszlo!\nLaszlo: du liebst mich ... du liebst mich . . .\ndu liebst mich doch . . . ich weiß es . . ich wußte\nes . . .\nMaruschka (läßt ihn plötzlich los und starrt\nerschrocken um sich): ich liebe dich . . . dich . . .\nja . . nein . . die Haide . . doch . . . ich liebe dich\n. . . dich . . . dich ...dich allein . . . (bäumt sich\ngegen Unsichtbares und schreit in furchtbarer\nAngst) . . . und ich liebe doch etwas ganz ande-\nres . . . entsetzliches ... ich verstehe nicht . . .\nich geh zu Grunde .. . ich .. .\nLaszlo: warum quälst du dich ...?... du bist\nfrei . . . ganz frei ... er holt dich nicht . . . wenn\ndu nicht willst ...\nMaruschka (schreit auf): und ich will nicht . .\nnein ... ich will nicht . . . niemals will ich wollen\n.... oh\n(Heuschrecken schnarren in die Hälme)\nMaruschka:\nLaszlo: Heuschrecken!\nMaruschka (lacht gezwungen und sucht sich\ngewaltsam zu beruhigen): . . . ich erschrecke . . .\ndie Luft sticht so . . . nicht ... sie sticht „ . . nicht\nwahr?! . . . Laszlo . . .\nLaszlo: sie ist weich und warm!\nMaruschka: nein . . . nein . . . ja . . doch . .\nLaszlo . . ja . . es lügt mich alles an ...!... die\nHalme ... die Halme . . . sieh ... es saust . . .\nund rauscht . . . sonst ... es rührt sich nicht . . .\nder Quell . . . (sie beugt sich) .. er spiegelt nicht...\nder Himmel... sieh ... starr ... stumm sie\nsprachen sonst . . die Wolken . . oh . . (sie kauert\nnieder und verhüllt ihr Gesicht)\nLaszlo: ein Wetter kommt. . wie alle Tage ...!.\n(Staubarme spannen zu den Wolken; die Haide\nblaßt)\nMaruschka (schaut auf): . . . alle ... so sah\nichs nie! . . . ich bin nicht mehr . . . Laszlo . . .\nLaszlo (beugt sich über sie und hebt sie hoch):\nMaruschka!\nMaruschka (erhebt sich und schaut nach allen\nSeiten über die Haide; ihr Blick bleibt auf dem\nWasserspiegel haften)\nMaruschka (drängt sich an Laszlo, flüstert in\nhöchster entsetzter Angst) . . . Laszlo . . das Was-\nser .. . Laszlo ... dunkel .. . das Auge .. . wessen\nwessen? .... mein Vater! . . tief . . unermeßlich..\nso dunkel .... klar . . die ganze Haide leuchtet\ndarin . . und . .\nMaruschka (hetzt zum Weiher, greift den\nErlenbusch und beugt sich über den Wasserspie-\ngel) . . wo ist . . . meine Heimat . . .?\nLaszlo (springt ihr nach, greift sie und reißt sie\nroh zurück auf den festen Boden, daß sie hin-\nschlägt)\nLaszlo (packt sie grausam wild an Haar und\nSchulter) ... du bist wahnsinnig\nMaruschka (erstarrt unter seinem Griff): ich\nkomm nicht los.\nLaszlo: ich laß dich nicht\nM a r u s c h k a: . . , icti komme nicht los!\nich liebe dich\nLas z 1 o (zerrt sie wild hin und her): .. ich halte\ndich . . .ich hasse dich ... ich knechte dich , » .\nMaruschka (schlägt die Arme zu ihm auf und\nreißt seinen Kopf zu sich herunter) ... ich . .\nliebe dich ... ich liebe dich . . du wilder . . du\ngrausamer . . . ja . . verlaß mich nicht!\nMaruschka (hebt sich an Laszlo hoch)\nLaszlo (läßt sie frei): wie gehören zusammen\nMaruschka (kämmt mit den Händen ihr Haar\nund erstarrt in der Bewegung) . . . er . . wird . .\nkommen und mich ansehn . .\nLaszlo: er wird dich nicht ansehn!\nMaruschka: . . er wird ... er hat so große\nMacht . . . fliehn . . .?\nLaszlo: du brauchst nicht fliehn\nMaruschka: . . . fliehn . . .\nLaszlo: . . ich . . . werde ... ihn . . töten!\nMaruschka:\nLaszlo: ich töte ihn!\nMaruschka:\nLaszlo: ich . . .\nMaruschka (faßt ihn an und schüttelt ihn unter\nwildem Gelächter): Laszlo . . . Laszlo . . .\ndu wirst . . . Lazio . . du wirst ihn nicht töten...\nnein . . . nein . . . nein ... du wirst ihn nicht\ntöten . . .!\nLaszlo (schüttelt sie ab): Wieib!\nMaruschka (hält plötzlich inne und lauscht)\n(Staubwolken schrillen über die Haide)\nMaruschka: . . . die . . . Haide schreit . . .!\n(mit plötzlicher Aufraffung) . . ich töte ihn! . . ich\ntöte ihn! . . . ich . . . !!!\nMaruschka (ergreift Laszlos Arm und jagt mit\nihm davon)\nNacht\nIn der Hütte Das Herdfeuer ist erloschen Fenster-\nläden und Tür sind geschlossen Eine Oellampe\nflackt vom Lehmherd\nMaruschka und Laszlo (graben vor dem\nHerd ein mannlanges Loch)\nMaruschka (hält ein und starrt auf den Spaten\ngestützt ins Leere)\n\"Laszlo (hält inne und starrt auf Maruschka)\nLaszlo (zieht einen kleinen Haidebusch aus dem\nBrustlatz und reicht ihn ihr hin)\nMaruschka:\nLaszlo: gegen den Blick!\nMaruschka (ergreift den Busch hastig, nestelt\nund gräbt weiter)\nM a r us c h k a: . . . wo . . ist . .? . .\nLaszlo: . .der Alte . . ? . . die Haide ist weit!\nMaruschka und Laszlo (graben)\nLaszlo (springt in die Grube, die ihm bis zur\nBrust reicht)\nLaszlo (dreht sich darin um und klettert wiedre\n.\nraus)\nLaszlo (lacht kurz hämisch)\nMaruschka: . . . regnets noch?\nLaszlo (geht zur Tür und öffnet einen Spalt)\n1\nLaszlo (horcht und schleicht lautlos zurück)\nMaruschka (wirft den Spaten fort)\nLaszlo (gibt ihr lachend das Messer)\nMaruschka (ergreift es hastig und steckt es zu\nsich) (Die Tür bewegt sich)\nMaruschka:\nLaszlo (geht zur Tür und legt sie an) . . . .der\nWind\nMaruschka (kauert im entferntesten Winkel\nder Hütte)\nLaszlo:\nMaruschka... es... weht . . . aus . . . der\nErde!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6408, "texte": "Laszlo: . . . du wirst es nicht können!\nMaruschka (schauernd): . . . ich . . ich . . .\n(schreit auf) . . . mich graut . . .\nLaszlo: alle graut!\nMaruschka (stützt den Kopf) . . . und wieder\nfort . . . wo ich so glücklich bin . . .?! . .\nLaszlo: . . . du mußt nicht fort!\nMaruschka:\nLaszlo: Maruschka!\nMaruschka (schreit auf): ich muß!!! ich muß!!!\nLaszlo: er soll fort!!!\nMaruschka: fort .... !! Fort..!! . er kann\nnie fort!\nLaszlo (entreißt ihr den Dolch)\nMaruschka (ringt mit ihm)\nLaszlo (schleudert sie in die Ecke)\nMaruschka: töte mich!!! . . . töte mich!!!..\ndu kannst ihn nicht töten!!!\nLaszlo (prüft lachend die Schneide des Dolches)\nMaruschka: er lebt nicht dort!!! ... er lebt\nnicht dort!!! .... hier!!! . . . dahin den Dolch!!!..\ndahin . . .!!! (sie reißt ihr Tuch von der Brust) du\njagst ihn nicht mehr raus!!\nLaszlo (springt auf sie zu und küßt wild ihre\nnackte Brust)\nMaruschka (stößt ihn zurück und entwindet\nsich ihm)\n(Erstarrendes Horchen)\nLaszlo (schleicht zum Fenster und späht durch\nden Spalt)\nLaszlo (springt zurück und faßt das Messer)\nMaruschka (atmend): . . er . . . geht . .er . .\ngeht . . . (Schritte streifen die Außenwand der\nHütte)\nMaruschka (sinkt in sich zusammen, am gan-\nzen Leibe zitternd): ....\nLaszlo (in heißem Hauche): Maruschka . . liebst\ndu mich?!\nMaruschka (stammelnd): ja . .ja .. ja . .\n(Es klopft)\nLaszlo (löscht die Lampe und steht sprungbereit)\n(Es klopft)\nMaruschka (schreit auf) . . . ja . . . ja . . .!!!\n(Die Tür ruckt auf, undurchdringliche Finsternis\ngähnt herein)\n(Schweigen)\n(Ein! schwachhallender Donner, dann erleuchtet ein\nBlitz die Haide taghell)\n(Wetterleuchten von allen Seiten)\nDer Vater (in einen weiten Mantel gehüllt, steht\nin der Tür und breitet die Arme gegen Maruschka)\nLaszlo (stürzt auf ihn los)\nMaruschka (schnellt hoch und fällt ihm in den\nArm)\n(Ein kurzes Ringen)\nMaruschka (entwindet Laszlo denl Dolch und\njagt ihn ihm in die Brust)\nLaszlo (fällt in kurzem Sprung ohne einen Laut\nvornüber)\nDier Vater (tritt ein)\nMaruschka (starr aufgerichtet)\nDer Vater (will zu LaLszlo treten, sein Blick\nbleibt an dem Grabe haften)\nDer Vater (wendet sich um zu Maruschka und\nschaut sie an)\nMaruschka (bricht lautlos zusammen)\nDer neue Tag\nNeben der Hütte umzäunte Obstbäume. Gemüse>-\nund Blumenbeete. Ein Holzfeuer glimmt auf der\nErde Morgendämmerung in der Haide\nLerchen (trillern in der Ferne)\nEine Lerche (schlägt in der Nähe laut an und\nsteigt)\nMaruschka (auf der Bank an der Hütte fährt\nauf): . . . wer . . . wer ist tot?! . . ich . . ich . .\nwer bin ich?! . . (sie legt die Hand vor die Stirn\nund starrt in die Haide)\nDer V a t e r (steht neben ihr und legt ihr die Hand\nauf die Schulter)\nMaruschka: . . . die Haide ~?!.. ich sehe\nsie nicht . . . (schreit auf) . . Feuea:!!! schleudert\nFeuer in sie . .!\nDer Vater: ruhig . . . ruhig . . . mein Kind!\n... es wird Tag! (Der Himmel lichtet)\nMaruschka (schrickt zusammen und kauert\nauf der Bank): . . . wer bist du? . . . wer spricht\n...?.. ich kenne dich nicht . . .\nDer Vater: . . ich habe dich gesucht ... ge-\nsucht ... ich bin gewandert\nMaruschka: . . . ich verstehe; dich nicht! . .\nich kann dich nicht verstehen . . . wer bist du . . ?\nDer Vater: . . . sieh mich an . . .\nMaruschka (schrickt zusammen und hebt den\nBlick zu ihm)\nEine Sternschnuppe (gleitet nieder und er-\nstirbt)\nMaruschka (verhüllt wimmernd ihr Gesicht im\nRock)\nDer Vater:... mein . . . Kind!\nMaruschka (läßt die Hände fallen, erhebt sich\nund starrt in die Haide, wo die Sternschnuppe fiel)\nDer Wind (spielt in ihrem aufgelöstem Haar\nund in den Sträuchern und Blättern der Haide)\nMaruschka: . .. vom Himmel.. . zur Haide ..\nEin weißer Nebelstreif (steigt hoch und\nsinkt)\nMaruschka (wirft sich wild aufschluchzend in\ndas Gras und küßt die Blumen): . , . Perlen . . ,\nTränen . . . Tiränen ... sie weinen . .. weinen .. .\nDer Vater (immer neben ihr, über sie gebeugt):\n. . . der Tau bringt neues Leben , , .\nMaruschka (kriecht von Blume zu Blume und\nküßt sie): . . . leben . .. weinen . . , leben ... wo\nist die Heimat?\nDer Vater: . . . der Streifen dort ...?... weit\n. . . weit . . . der große Wald . . . das rauscht. . .\nund rauscht . . . unermeßliches Leben . . . darin\nein Haus ... ein Turm darüber . . . weithin kannst\ndu blicken in die Fernen .. . Haiden schaust du .. .\n'und Wald . .. Wald . . . Wasser fließen . . . fließen\n. . . Winde wehn . . . stürmen . . .\nMaruschka: was soll der Turm ...?!...\nDer Vater: . . ich habe ausgeschaut . . . von\ndort . . . nach dir . . . und nach den Sternen\nnachts ... die mir von die erzählten . . .\nMaruschka (horcht auf): . . . die Sterne erzäh-\nlen dir? . . .\nDer Vater: ich kann in ihnen lesen\nMaruschka (hebt sich in die Kniee): ich,auch\n... ich auch ... sie sprachen oft zu mir . .\nDer Vater: . . nun schau . . . wir reden eine\nSprache\nDer Vater (will die Hand auf ihre Schulter\nlegen)\nMaruschka (beugt sich angstvoll zurück und\nstreckt die Hände gegen ihn)\nDer Vater: . . fürchte nicht ... wo du bist . . .\nist auch deine Haide!\nMaruschka (in Entsetzen ohne Atem und\nStimme): . . . was treibt dich zu mir hin?!\nDer Vater: wir gehören zusammen\nMaruschka: ich weiß nichts!\nDer Vater: . . . wir wissen alle nichts ... (er\nlegt die Hand auf ihre Schulter)\nMaruschka (in tiefstem Grauen) ... du .. du\nmordest mich . . .\nDer Vater: Mutter schmückt das Heim . . sie\nweiß ... du kommst ...!...\nMaruschka (springt wild auf): . . . Licht . . .\nLicht!!!.... Licht!! ... wo ist meine Haide? ?!!!\n'Maruschka (springt zu dem glimmenden\nFeuer, reißt einen Feuerbrand aus der Glut und\nschleudert ihn in das Dach der Hütte) . . . Licht\nwill ich haben . . . Licht!!! . . Licht!!!\nDie Hütte (flammt kurz auf)\nDie Sonne (zerflutet die Nebel)\nMaruschka (deckt geblendet die Augen):. .oh.\nDunkle Rauchwolken (hinter der schnell\nzusammenknatternden Hütte matten die Sonne zur\nfahlroten Scheibe)\nMaruschka (nimmt die Hände von den Augen)\n... ich . . seh . . . keinen . . . Weg . . . mehr ...!\n. . keinen . . .\nDer Vater (tritt zu ihr hin): .... Kind! . . . .\nD i e H a i d e (ein dunkler Schattenriß im Himmels-\nfahl)\nMaruschka: oh . . . meine Haide ... ! . . .\nDer Vater: . . . gib mir deine Hand . . .!\nMaruschka (gibt ihm die Hand): ... die Haide\nstirbt! . . .\nDer Vater: ... auf ihr .. . Schritt für Schritt...\nlangsam ... ich bringe dich heim . . . schau nicht\nzurück! . . . vor dir liegt der Weg . . . dort . . .\nwird wieder Licht die Sonne .... du\nwirst im Lichte sehn ...!!! im Lichte...!!!\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "76", "page_fin": "76", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.4", "titre_corps": "Heimweh", "titre_sommaire": "Heimweh", "signature_source": "Ernst Wilhelm Lotz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.4", "debut_caractere": 6410, "fin_caractere_exclue": 7056, "texte": "Heimweh\nErnst Wilhelm Lotz\nIch bin ein Haus aus tief gefügtem Glas —\nNun kommen alle Menschen, kühl wie Schatten,\nIn meine Brunst und feiern weiche Feste.\nGlanz, meine Kupel, die im Klaren tönt,\nEin leiser Riß durchzittert ihre Stimme:\nDu Ferne, Gleitende, Du Hand im Haar!\nDie Wagen, die in wachen Straßen\nSchwebten,\nWissen um deinen Gang\nIn zager Nacht.\nIn dunkeln Türmen, die den Abend riefen,\nVersammeln sich die ungekühlten Fernen:\nIch wünsche Dich!\nDas Eis zerriß in Schollen.\nSo schrieen meine Hände\nNach dem Zwei!\nSchon krönten junge Lauben meinen Schlaf,\nDoch schrille Lichter blendeten den Frühling. —\nO Taumellose. Groß. Im Städtewald!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "76", "page_fin": "77", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.5", "titre_corps": "Besinnung", "titre_sommaire": "Besinnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.4", "debut_caractere": 7058, "fin_caractere_exclue": 7529, "texte": "Besinnung\nVom fremd-drohenden Bildwerk wandt ich mich\nfort.\nSchweren Schild lehnt ich hinab.\nVon düstrer Nachtwache bin ich wund.\nIch starre nach oben, wo Wolken sich runden,\ndas unermeßliche zum Ungestalten hochtreibt.\nVor jenen Riesenschatten,\nder schrecklichen Eis-Blindheit oder dörrenden\nFlamme\nVerberg ich mich schluchzend\nbei den mütterlichen Halmen.\nWo triuliche Rufe in meinem Blumengarten\nscharren,\nwo ich liebe Kunde vernehme,\nErinnerung meines Guten und Bösen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1045, "texte": "Linderung und Hülfe meines Getanenen und\nUnterlassenen,\ndas Gedanken, das zum Schlafe lindert.\nAlle Tat verlöscht, ein edler Leuchtstreif,\nAnmut versunkener Tage erblüht,\ndie Gewißheit, die im Traum sich darbietet.\nDie Linien der Liebe sind ins Verborgene\ngeschrieben.\nMakellos sei das Herz, das durch Welt und Nacht\nvor sie hintritt\n£\nAlles soll sie ausgleichen und an ihren ewigen\nBusesn\nalles in sich verschränken.\nWem je in hoher Kraft ein Gedanke sich getaucht,\ndem Säenden, der genügsam des Anderen\nFruchtbarkeit erweckt,\ndem Liebenden, jünglingshaft, schwersinnend,\ndem Bangenden, der überströmende Erwartung\nnicht ausspricht\ndem Einsamen, dessen Herz weißer glänzt als\nMond und See,\nerschließt sich unter dem dichten Nachthimmel\nein neues Leben mit unschuldigen Tränen.\nImmer sei das hohe Licht um uns\ngegliederter Raum oder edel werbendes Buch,\ndamit wir nie frei von Liebe sind. y\nMilde sei das Tal, zu dem unser Pfad hinablenkt,\nund von fern auf den 'Höhen\nwarte der Edlen gewappnete und ernste Schar,\ndie treu schauet auf unsere Welt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "77", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.6", "titre_corps": "Auf Peter Hilles Tod", "titre_sommaire": "Auf Peter Hilles Tod", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.5", "debut_caractere": 1047, "fin_caractere_exclue": 2259, "texte": "Auf Peter Hilles Tod\nAdolf Knoblauch\nWenn du eine Stimme\nin Lüften\nüber den Wäldern\ngewaltig hörst,\nso denke, mein frischer Jugendknabe,\ndaß du dich von mir abkehren sollst,\nund nicht wissen des Schweifenden\nLeben und Ende\nDem männlich-rauhen Schrei\ndes Reihers gehorche\ndes Seespiegels goldene Lanzen\nlenke in dein Herz\nDes Reihers rauhe Stimme\nist die Meine\ndes Seespiegels goldene Lanzen\nsind meine Worte, die blitzenden . . .\nAus Seelenfinsternis hob ich eine Welt —\nNächtens, das Rauschen\ndas überm Wanderer webt\nVerwob ich ins Brausen\ndas ich dir sende\neinsam, nach meinem Tod!\nIm Buche bin ich nicht begraben —\nMajestätisches Gedröhne,\ndas mit mir Verlorenen\neinsam dahinzog,\nHall der Worte,\nmeine hinknieende Unruhe,\nEinfältig Getast im hohen Welt-Atem:\nDas alles vernimm',\nder du dich an mein Herz niederbückst,\nden des friedlosen Wanderers\nBartgeäst umflicht,\num den in gewitternder Einsamkeit\nVielhundertjährige Kiefern\nrot und hart sich recken.\nSchau diese schmale, edle Hand,\ndes Genius Hand,\nlegt sich auf dein springendes Herz\nund erhebt dich vom Tode.\nDen Blauen Stern,\nseine einsame Bahn\nempfängt der seelenstillbreitende See,\ndas goldene Rotlicht,\nder Spiegel mit seiner unendlichen Tiefe . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "79", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.7", "titre_corps": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "titre_sommaire": "Der Weg durch die Nacht : Roman", "signature_source": "Aage von Kohl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.5", "debut_caractere": 2261, "fin_caractere_exclue": 7900, "texte": "Der Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nEin tiefer und langsamer Schwindel geht durch\nseinen Kopf.\nEin grenzenloser Ekel und ein Grauen steigen\naus seiner Brust auf — und er ist im Begriff, schäu-\nmend zornig zu werden über diesen schrecklichen\nIrrtum — rasend zornig: ja, auf sich selbst und\nauf diese Fremde und Stumme!\nUnd zu gleicher Zeit hat er nichtsdestoweniger\nim innersten Innern eine quälende Ahnung davon,\ndaß das Verkehrteste an dieser Sache an einem\nganz anderen Punkte liegt, als er vermutet: aber\nwo denn, wo denn, wie, was ist denn so schnur-\nstracks und fürchterlich verkehrt??\nAlle seine Fibern spannen sich wahnsinnig an,\num diesem Mysterium auf den Grund zu gelangen,\num begreifen zu können, von wem oder woher das\nGrauenvolle denn stammt.\nEinen Augenblick ist es, als ob ein blutiges und\nfernes, fernes Fassen im Begriff ist aufzuspringen,\nin seinem Gehirn, in seinem Herzen, mit zerrei-\nßender Klaue — aber mit einer Handbewegung\njagt er dies viel, viel zu Gräßliche weg, zehntau-\nsend Meilen1 weit weg: gewiß nicht, murmelte er\nund zwingt sich zu lächeln —: habe ich nicht in\nallen meinen Büchern geschrieben, bin ich nicht\nbestrebt gewesen zu beweisen, in jedem einzelnen\nAntlitz, das ich geschaffen habe: daß, was wir\nhaben — gerade das ist, was wir begehrten!\nNicht wahr, und wie sollte es denkbar sein,\ndaß ich begehrt hätte, daß . . . daß . . . daß so\netwas geschehen sollte! Nein, keineswegs, es ist\nganz empörend verkehrt: niemals hat ein Mensch\nmit größerer Zärtlichkeit und Seligkeit nach ewi-\ngem Zusammenleben mit einem andern verlangt,\nals ich nach Annie! Und also, ja, es ist kindisch\neinleuchtend, dies alles! Aber ich habe sie nur\nnicht richtig geweckt — und es ist außerordentlich\ndumm von mir, mich davon einschüchtern zu las-\nsen, wenn auch nur auf eine Minute mich davon\neinschüchtern zu lassen! Selbstverständlich ist es\nwirklich Annie, die da liegt und so süß schlum-\nmert. Ich kenne ja leinen jeden einzelnen ihrer\nZüge mit Wonne wieder — aber sie muß jetzt er-\nwachen, so schnell wie möglich, es gilt ihr Leben\nund meins, daß ich ihre Stimme noch heute abend\nhöre, denn nun weiß ich in vollem Maße, was eine\nNacht bringen kann! . . .\nUnd also beugt er von neuem sein Antlitz wie-\nder zu ihr hinab, er spitzt lautlos seinen Mund,\nseine Augen glänzen — er will gerade seine Lip-\npen auf die ihren pressen, um sie so mit einem\nKuß aus dem Schlaf zu rufen.\nAber da kommt es ihm unvermutet vor, als\nhöre er den Laut von sehr leisen Schritten draußen\ndie Treppe hinaufkommen —:\nJa!\nSie kommen!\n; Und es sind ihrer viele!\nDu allmächtiger Gott — was soll er gegen sie\nalle tun!? . . ,\nMit einem Sprung ist er dort an der Tür, die\nOberlippe in die Höhe gehoben, er lächelt weiß\nund rot, seine Pulse hämmern, tief drinnen in\nseinem Kopf flammen seine Augen: Gut, es soll sie\nteuer zu stehen kommen, wenn sie versuchen,\ngegen meinen Willen hier einzudringen! Ach, ich\nschwöre es euch hoch und heilig zu, daß noch\nkein Mensch in der Welt sein Leben so kostbar\nverkauft haben soll — wie ich sie gegen euch alle\nverteidigen will, so viele ihr auch seid! Kommt\nherauf, ja, kommt nur, wenn ihr es wagt!\nDa machen die Schritte auf dem Gange da\ndraußen plötzlich Halt. Ein hastiges Murmeln. Ein\nRäuspern — es wird gedämpft an die Füllung der\nTür hinter dem umgestürzten Schrank gepocht —:\n„Herr Morton?\nIst Herr Morton hier?\"\nOb Herr Morton hier ist, höhnt Glaß stumm\nund mit einem Grinsen.\nAber im selben Nu preßt er wie verrückt seine\nHände gegen die Stirn.\nRätselhaft bemüht, irgend etwas zu begreifen,\nvon dem er nicht weiß, was es ist! irgend etwas,\ndas zu begreifen er noch vor einem Augenblick\nzollnahe war!\nEr lauscht mit ganzer Macht, wird sich plötz-\nlich klar darüber: daß er auf alle Fälle diese\nStimme wiedererkennt— die eben seinen Namen\nrief! diese leise, fast flehende Stimme — und ein\nsonderbares, ein grauenerweckendes Zittern tief\ndrinnen in ihrem Klang!\nGewiß, er hat vor ein paar blitzkurzen Sekun-\nden — oder nein, er hat vor einigen Wochen —\noder vielmehr vor vielen, vielen Jahren, hat er\ndiese Stimme einmal gehört! in einem Telephon hat\ner diese Stimme gehört, die erst ganz anders klang\n. . . und darauf auf einmal, niemand weiß wes-\nhalb, plötzlich diesen Unterton von Angst, von. zit-\nternder Bewegtheit bekam —: oder war es ein\nerstickendes Mitgefühl, das die Stimme dieses\nMannes zusammen preßte?!\nMitgefühl?\nWie so — mit wem denn?\nMit irgendeinem fremden Mann — dessen\nFrau . . .?\nAufs neue läuft eine heftige Erschütterung durch\nseine Brust; sie fliegt gleich einer Vibration durch\nseine Lenden, durch seine Knie hinab, läßt den\nBoden unter seinen Fußsohlen wogen. Er macht\neine gewaltsame Bewegung mit beiden Armen,\nschlägt im nächsten Augenblick die Fäuste gegen\nsein Herz, wirft den Nacken mit einem Stöhnen\nhintenüber —:\nJa!\nJetzt weiß er!\nJetzt fängt er an sich zu entsinnen —:\nEr erinnert sich der Straßenbahn, des Tele-\nphons, der Stimme des Polizeibeamten dort auf\nder Station, des Laufes den, Bahn'hofsweg hinab,\nder Felder, der Finsternis ... ja, ja, aber was hat\ndas alles mit Annie zu schaffen?! . . .\nEin tiefes Brüllen steigt durch seine Kehle auf\nund will durch seinen Mund hinaus, er beißt die\nZähne darüber zusammen, spürt plötzlich den\nSchmerz in seiner Lippe, kann sich noch immer\nnicht klar darüber werden, was für einen Zu-\nsammenhang das, was geschehen ist, mit Annie\nhaben kann — entsinnt sich dahingegen nun auch\neiner Menge anderer dunklen Dinge — die offen-\nbar nach diesem Entscheidenden und Unverständ-\nlichen vor sich gegangen sein müssen —: nämlich\ndes Weges hierher nach Hause mit Ihr in seinen\nArmen, des kurzen Aufenthaltes im Arbeitszimmer,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9977, "texte": "wo sie auf dem Tisch lag und schlief, des Pochens\nund des Rufens des Polizeiassistenten, der Flucht\ndurch die Stuben da unten — jawohl, aber hier-\nherauf, wie ist er im Grunde hierher gekommen,\nwie ist in Sonderheit Annie hierhinauf gelangt —\nund was ist denn das Entsetzliche, das mit ihr ge-\nschehen ist?? . . .\nAlle diese Erwägungen haben noch keine Se-\nkunde gewährt, von dem Moment an gerechnet,\nwo sein Name jetzt eben genannt wurde — das\nkann er aus der Art und Weise schließen, wie das\nPochen jetzt wiederholt wird, ohne Andeutung von\nUngeduld, gedämpft, noch immer gleichsam ein\nklein wenig flehend —:\n„Herr Morton?!\nDarf ich Sie bitten zu öffnen?\nHier ist der Polizeiassistent — und der Arzt!\"\nEinen kleinen Augenblick steht Glaß da und ist\nplötzlich unsicher geworden.\nNoch nicht klar über irgend etwas anderes —\nals daß etwas Unerklärliches, etwas Entsetzliches\ngeschehen sein muß.\nEtwas, das irgendeinen wahnsinnigen Zusam-\nmenhang mit dem Teuersten von allem haben muß,\nwas es gibt, ja, mit Annie — mit Annie, die nun\ndaliegt und nicht zu erwecken ist!\nEtwas, das man möglicherweise sehr wohl mit\numschreibenden Worten nennen, in eine Anzahl\nvon bestimmten, unzweifelhaften Einzelhandlungen\nzusammenfassen könnte . . . aber das gesammelt\nganz einfach nicht in einem enthalten sein kann,\nüber das man nur den Kopf schütteln, und von dem\ntnan nicht einmal reden hören mag!\nOder versuchen wir nun nur einmal dies hier:\nDie Straßenbahn, nicht wahr; der Zug bis zur Sta-\ntion; eine Fahrkarte; dann1 die Felder da draußen,\ndie Stockfinsternis und die Einsamkeit zu allen\nSeiten; ein Mann mit einer eiskalten Flamme in\nseiner Hand; ein jähes und langgezogenes Heulen,\ndas einem das Herz zum Stillstehen bringt — und\ngleich darauf eine schneeweiße Spitzenflagge, die\nmitten da draußen hingepflanzt ist, mitten in die\nFinsternis und in den heulenden Schrei; dann ein\nlanger, ein grauenvoller, blutroter Streifen, der\nquer über einem leuchtenden Atlas sichtbar wird;\neine unbewegliche Last in seinen Armen, die man\nbeschützen will, von der man weiß, 'daß kein\nMensch auf der Welt das geringste Recht daran\nhat . . . und hinter all diesem Kohlschwarzen und\nSchimmernden, tief, tief dahinter, aus meilenweiter\nEntfernung, draußen vom äußersten Ende der Welt\nher — ja, aus einer ganz anderen, aus einer voll-\nkommen unbekannten und fremden Existenz,\ngleich einem fernen, echoerweckenden Ruf, der\nunablässig in allen seinen Nerven von oben bis\nunten schaudert —: der Name Annie, meine Ge-\nliebte! . . .\nEr erhebt schweißtriefend, zitternd die Hände\nvor das Gesicht — zu gleicher Zeit bemüht, zu be-\ngreifen und das Verständnis von sich fortzu-\nscheuchen.\nWird darin gestört durch ein drittes heftiges\nPochen an die Tür, da hinter dem Schrank — und\ngleich darauf wieder eine Stimme: ja aber eine\nneue, eine bisher ungehörte Stimme, eine, die\ngleichsam mit Mühe spricht, sozusagen ihren eige-\nnen innersten Klang verbergend . . . wovon? und\nwarum?? und wohinter??? . . .\n„Ich bitte Sie inständig, zu öffnen, Her Morton\n— es ist Dr. Hämmingstedt von hier drüben! Sie\nkennen mich ja gut!\nIch bin von der Polizei herbeigerufen!\" — Eine\nsekundenkurze Pause und darauf, plötzlich unver-\nschleiert, mit diesem selben dumpfen und atem-\nlosen Zittern in sich, wie es die Stimmen aller\nMenschen heute Nacht zu haben scheinen —:\n„Ich bitte Sie, Herr Morton!\nHören Sie jetzt —: ich stehe hier draußen, zu-\nsammen mit dem Polizeiassisten Niels Haid!\nEr gibt Ihnen das Versprechen darauf, daß nie-\nmand weiter als ich selbst hineinkommen soll,\nwenn Sie öffnen!\nEr verspricht Ihnen auf Ehrenwort, daß die\nrein kriminelle Untersuchung ganz und gar auf\nIhrem Fürgutbefinden beruhen soll — soweit es\nsich mit Gesetz und Recht vereinigen läßt!\" —\nnoch einen Moment Stille und darauf, noch heißer,\nnoch mehr staccato —:\n„Aber mein Gott, Her Morton!\nIch flehe Sie an, laden Sie doch nicht eine solche\nVerantwortung auf Ihre Schultern!\nVielleicht ist es noch möglich für eine Sach-\nkenntnis, die Ihnen im vollsten Maße zu Diensten\nsteht — etwas für Ihre Frau zu tun.\nOeffnen Sie deswegen!\nOeffnen Sie in des Himmels Namen!\nMensch, wie können Sie sich nur so benehmen,\nwie Sie es tun —: öffnen Sie!\"\nGlaß hat während alledem unbeweglich und\nstumm dagestanden, den Kopf vornüber gelegt, un-\nerklärlich todmüde in allen Gliedern, zu gleicher\nZeit angespannt lauschend, was da draußen gesagt\nwird — und versuchend, es klar und voll zu ver-\nbinden . . . mit dem, was er nicht fassen kann.\nJetzt fühlt er. plötzlich, unvermutet, das Blut,\ndas kochend heiß, rot und schäumend nach seinem\nGehirn aufsteigt —:\n„Gut!\" — hört er seine eigene Stimme, von\nHaß geschwollen, heiser und kurz —:\n„Ich habe nicht das geringste mit irgend ze-\nmand von Ihnen allen zu schaffen. Weder für den\nArzt noch für die Polizei ist hier etwas auszu-\nrichten. Ich verlange, daß Sie alle wie ein Mann\naugenblicklich mein Haus verlassen!\nHaben Sie mich verstanden —: ich stehe nicht\nfür die Folgen der Sache ein, wenn Sie oder an-\ndere es versuchen, Ihren Willen mit Macht durch-\nzusetzen!\nHaben Sie es jetzt begriffen? Sind Sie sich\nvöllig klar darüber, was ich meine —:\nDann gehen Sie!\nLassen Sie mich in Ruhe!\nVerschwinden Sie — in diesem Augenblick!\nEs kommt keine Menscbenseele lebend hier\nhinein!\" —\nEr horcht noch eine Sekunde auf diese unter-\ndrückten Stimmen da draußen, gleich darauf auf\nden Laut von Schritten, die sich langsam fortver-\nfügen.\nMacht mit einem Satz Kehrt, die Front dem\nBette zugewendet — und weiß im selben Nu alles!\nDiesmal vollständig, detailliert, entsetzlich, tod-\nbringend in allen Nerven und Fibern — und mit\neinem Schrei, mit einem Axthieb vor seinen Kopf,\nist er auf die Knie gesunken, die Stirn gegen den\nRand des Lagers —: Annie, mein Gott!\nEr liegt eine lange Zeit da, die Brust aufge-\nrissen, das Herz verrückt.\nEr bewegt sich beständig in ganz kleinen\nRucken auf seinen Knien hin und her, hat ihre eine\nHand ergriffen; sie ist eiskalt und gräßlich schwer;\ner bohrt sein Antlitz gegen die Hand nieder, Annie,\nGeliebte, alles in der Welt ist vorbei, wie ist das\nmöglich!\nEr jammert, er sinkt zurück und sitzt einen\nAugenblick auf seinen Fersen, stumm und lahm vor\nGrauen. Er schnappt nach Luft, wird von neuem\nvon diesem namenlos Unerhörten umfangen, das\nhat geschehen können, mein Lieb, ach, wäre ich\nes doch, ach, wärest nicht du es, sondern ich!\nEr haut seine Stirn, seine Nasenwurzel, seine Lip-\npen mit aller Macht gegen den scharfen Mahagoni-\nrand des Bettes, er lacht, aus einer Qual heraus,\ndie nicht beschrieben werden kann, er stottert und\nbewegt lautlos die Lippen, wird auf einmal eisig\nkalt und im nächsten Nu glühen alle seine Fibern,\ner richtet sich plötzlich halbwegs auf, umfaßt sie\nmit einem weit geöffneten Blick, der blitzscharf\nbeobachtet, er gleitet mit unsagbarer Sorgfalt an\nihrer Seite nieder, streicht das Haar von ihrer\nWange fort, von ihrem Mund, er küßt ihre Lippen\nmit brennender Pein, wird jäh ergriffen von der\nUebelkeit des Blutgeruchs, jammert, sinkt dort vor\ndem Lager auf die Knie nieder, rast und lacht und\nringt die Hände, Annie, nein, es ist unmöglich!...\nBeständig liegt er da — ohne auf Zeit oder\nRaum zu achten, ohne zu begreifen, oder zu fas-\nsen, ohne sich zu bewegen, mit blinzelnden und\ntrockenen Augen —:\nMein Gott, wie ist es möglich gewesen —\nAnnie, die so licht und schön war!\nMein Gott, wie hat es geschehen können —\nAnnie, die so jung war!\nMein Gott, es ist unmöglich — Annie, die so\njung war!\nMein Gott, mein Gott, mein Gott!\nMeine Einzige, meine Geliebte!\nEr schleppt sich auf den Knien nach der andern\nSeite des Bettes herum, dort am Fenster; sein\nKinn hüpft lautlos auf und nieder, sein Antlitz ist\nformlos geschwollen, das Blut sitzt in Klecksen\ndarauf, er reibt verzweifelt mit beiden Händen\ndarüber hin!\nEr kann trotz allem nicht daran glauben, daß\nes hat geschehen können, er erhebt sich deswegen\nmit einem Ruck, der Frühschimmer hat ihre Wange\nerreicht, ihre Haut ist so wunderbar zart und\nschön, ach, der Widerschein der Morgensonne auf\nihrer Lippe —; nein, gewiß nicht, ah-ah-ah, es\nkann nicht richtig sein, dies hier, wie, hör jetzt\neinmal, liebe Annie, ich bitte, ich flehe, öffne deine\nAugen! Antworte mir, antworte mir .nur noch\nein einziges Mal — oder bewege nur blinzelnd das\nLid deines Auges, die langen Seidenfransen\ndaran!\nUnd er begreift im selben Nu von neuem, daß\ndas alles miteinander nicht das geringste nützt!\nDaß sie doch niemals mehr ihre Augen weder\nschließen noch öffnen wird, daß sie ihm niemals\nmehr wird antworten können, sie hört längst nicht\nmehr seine Stimme, weder er noch sie wissen,\nwo sie ist -— sie ist meilenweit, unendlich weit\nfort von hier, ihr Ich ist mit Gewalt aus ihrem\nKörper herausgerissen, entfernt von allem, was\nwir kennen! Nein, er wird sie nie wieder sehen,\nsie sollen nimmermehr miteinander reden, sich nie\nfreuen und lächeln, nie gegenseitig ihr Glück er-\nleben — weder dessen Rede, noch dessen Schwei-\ngen, das ist alles für immer vorbei! Alles — für\newig — vorbei!\nEr hat sich klagend ein klein wenig erhoben,\nstützt sich jetzt mit den Flächen beider Hände\ngegen den Rand des Bettes. Seine Blicke flattern\nverwirrt über ihr Antlitz hin, er entdeckt plötzlich\ndas Entsetzen in ihren grauenvoll ausgeweiteten,\nsteifen Pupillen — und da sinkt er mit einem Stöh-\nnen zurück, beide Arme vorstreckt, und im sel-\nben Nu kehrt sich das alies nieder gegen ihn\nselbst! es trifft sein Gehirn, seine Nerven, sein\nHerz wie ein Schauer von Feuer, wie ein Un-\nwetter von Brand und Schüssen, wie Blitz und\nDonnergedröhn überall — Ja, das ganze ist seine\nSchuld. Er, nur er, ist schuld an diesem allen —\noder warum hatte er Sie denn allein in die Stadt\nfahren lassen! warum hatte er nicht, als sie später-\nhin am Abend telephonierte, daß sie mit der letzten\nStraßenbahn kommen würde — warum hatte er ihr\nda nicht gesagt, daß sie da bleiben und warten\nsolle, daß er sich jetzt ein Automobil nähme und\nhinführe und sie holte, weil er sich sehnte! Mein\nGott, hätte er sie geliebt, wie sie es wert war —"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9179, "texte": "dann hätte er dies eine Mal unerklärlich geahnt,\nwas geschehen konnte! dann hätte sein Herz alles\nerratend vorausgesehen, was geschehen mußte —\nwenn er ihr diesen Abend erlaubte, allein hier her-\nauszufahren! Dann wäre es ihm ergangen, wie\nes so vielen Müttern und Vätern ergangen war,\nso vielen Liebenden auf dem ganzen Erdkreis —:\ndaß ein geheimnisvolles Wissen sie rastlos, ruhe-\nlos, von daheim trieb, fort, hinaus — hinaus, um\nvorzubeugen, was sonst unabwendbar geschehen\nwürde! Ja, ja, das alles ist seine eigene Schuld,\ndas alles ist nur gerecht und natürlich, er hatte\nsie nicht genug geliebt . . . und nun ist es zu spät!\ner hatte seine eigenen Pläne und Arbeiten höher\ngestellt als Sie und dies ist die Strafe dafür . .\nund nun kann es niemals, nie wieder gut gemacht\nwerden! . . .\nEr birgt zermalmt sein Antlitz in den Händen,\nbleibt da liegen, ohne ein Glied zu rühren.\nUnd die Minuten vergehen — sie kommen und\nvergehen.\nEin Sonnenstreif fällt schmal und blank und\nschaut durch das offene Fenster herein, das im\nWinde schwankt.\nGlaß Morton erhebt auf einmal den Kopf, sieht\ndie Gardinen dort, die zerrissen sind ,es haftet\nBlut daran — Blut auch auf dem Fensterbrett und\nauf dem Fußboden — Blut überall.\nJa überall, über die seidene Decke des Bettes\nhat es sich gebreitet, auf einem Purpurlaken liegt\nsie da — die Schönste von allen, die ewig junge,\ndie zarte und lichte Fürstin der Welt und des\nLebens!\nEr lacht glückselig und verzweifelt, erinnert\nsich in einem blitzkurzen Nu all ihres Glückes —\nsinkt keuchend vornüber, schlägt sich die Stirn\nblutig, ruft und murmelt! — Er entsinnt sich, wel-\nche Qual sie erlitten hat, während dies alles über\nNacht geschehen ist — und erhebt sich halb mit\neinem Ruck und schüttelt die Fäuste in der Luft\nvor sich, will töten und zerschmettern! — Er er-\ninnert sich des allerersten Males in seinem Leben,\nwo er sie sah — und er birgt sein Antlitz in beiden\nHänden, schreit da drinnen, rast und keucht! —\nEr unterscheidet plötzlich den Laut von Schritten\nirgendwo da unten unter sich, von beständigen,\nlangsamen, gleichsam patrouillierenden Schritten\nda unten durch die Zimmer, einen nach dem an-:\ndem: auf und nieder, der Gang eines Wächters,\nauf und nieder — und seih Herz schleudert einen\nStröm von kochendem Blut in seine Wangen hin-\nauf: diese Köter, die da gehen und warten, diese\nLaurer, die da unten umherschleichen! — Im näch-\nsten: Augenblick fällt ihm jener erste Abend nach'\ndem Ball ein, den er bei ihren Eltern zubrachte ...\nund da! steht er auf einmal aufgerichtet, wild mit\nSchwankenden Knien da —: ■ • !\nJa! ' •\nDie hat er vergessen!\nVergessen bis jetzt — ihre Eltern!\nWas soll er tun, wenn sie jetzt . . . bald, viel-\nleicht schon in diesem Moment . . . erfahren haben,\nwas geschehen ist!\nEr starrt ratlos nach allen Seiten umher: der\nSchrank, der umgestürzt dort vor der Tür in der\nEcke liegt, die zerfetzten, blutbefleckten Gardinen,\ndie wehen! das Bett; seine Kleider — Sie!\n(Jnd da ist es, als erwache er jetzt fast ganz.\nEr entsinnt sich jedes einzelnen kleinen Dinges,\nin allem, was geschehen ist — und in allem, was\nunvermeidlich folgen muß! Ja, ihr Vater und ihre\nMutter vor allen Dingen ... ihr Vater, der alt,\nihre Mutter, die krank ist! Mein Gott, wozu soll\ner greifen! Was soll er antworten — wenn nun\nbinnen kurzem auch die beiden Alten hierher kom-\nmen und verlangen ihre Annie zu sehen, ach, ihr\nLieblingskind, das letzte von ihnen allen, sie, die\nso schön war, so licht, so froh und so gut — und\nder Morton ein unvergängliches Glück zu schenken\ngeschworen hatte!\nEr ist von neuem an dem Rande des Bettes\nniedergeglitten, eine einzige Sekunde noch zer-\nrissen, aufgelöst, ertrunken in seiner Qual — aber\ndann ist sie selbst es plötzlich wieder, die in seinen\nGedanken auftaucht —:\nSie!\nHat er auch sie vergessen?\nHat er sie unachtsam daliegen lassen, stunden-\nlang?\nHat er sowohl sie — als auch die Eltern\nvergessen, denen sie keinen Schmerz bereiten\nwollte?! . . .\nUnd da ist er jäh ganz wach, hat sich mit einem\nRuck aufgerichtet —: ja, ja, meine Geliebte, was\nsoll ich für dich tun?!\nEr tritt im selben Augeblick einen kurzen\nSchritt vor, hat sein Antlitz mit gerunzelten Brauen\nerhoben, in seinem Herzen entsteht auf einmal ein\nungeheures Schwellen! er zittert, tief aus seinem\nBlut fliegen wieder die kochenden, feuerroten\nDünste hervor — und jäh umklammern ihn schäu-\nmende Begierde, wahnsinnig gehässige Gelüste —:\nJa!\nWas soll er tun — um ihr Los zu mildern?!\nAlles, gleichgültig was, zu allem, was es auch\nsein mag — ist er bereit, um seine Schuld zu\nsühnen!\nSoll er gleich hier an ihrer Seite sterben — zur\nStrafe, weil dies hier geschehen ist! Soll er nie-\nderknien und sich mit einem Schuß in den Schädel\ntöten, sein Leben nach allen Seiten verspritzen, rot\nund grau — reuevoll und sehnsuchbesessen zu Ihr\nhinüberstarrend! Oder soll er mit einem Sprung\noben im Bette sein, sich in der Ecke da oben an\nseinem Hals aufknüpfen, krepieren wie der Unwür-\ndige, der er ist — während er röchelnd und selig\nihren Namen in einem Flehen flüstert! Oder nein,\ndas alles ist ja gar nichts, das ist ja nur Wollust im\nVergleich mit dem, was sie hat leiden müssen —\nnein, aber soll er denn sein Taschenmesser heraus-\nholen, es öffnen und mit seiner stumpfen Klinge\nseinen Leib in derselben gräßlichen Wunde auf-\nschlitzen, die ihm sie geraubt hat — mit fester und\nlangsamer Hand, Stück für Stück, seine Eingeweide\nherausreißen, sie in einem Schwall von Blut von\nsich schleudern — und sterben mit einem Schau-\ndern von Wonne, daß er sogleich ihrer Fußspur\nhat folgen können?!\nWas?\nSoll er?\nWird sie das froh machen — und wird es\nseine eigene Schande gut machen können?\nOder sind es vielleicht die anderen, die ge-\ntroffen werden sollen? Die ganze unzählige, un-\nbekannte Menge, in der er, der Fremde, der Mör-\nder, schon längst verschwunden und verborgen\nist?! Sage es mir, soll ich sie totschlagen — um\nihre Leichen zu einem ungeheuren Monument auf-\nzuhäufen, zu einer schwindelnden, sickernden Py-\nramide über deiner Leiche? Soll ich ihnen allen\nmein Haus öffnen, an demselben Tagp, an dem du\nbegraben wirst — soll ich im voraus die Keller\ndes Hauses mit Pulver und Dynamit füllen», soll ich\nsie zu Tausenden hier hinauslocken und sie dann\nalle zusammen in die Luft sprengen — so daß sie\nin einem sukundenkurzen, himmelhohen Berg von\nFeuer und Geschrei, von Rauch und Tod um-\nkommen?! Oder soll ich an jenem Tage zahllose,\nlange Tische überall hier drinnen, in allen Stuben,\noben wie unten, in den Gängen des Gartens, auf\nden Rasenplätzen und dort unten am Strande ent-\nlang, decken lassen — und im voraus ein schran-\nkenloses Gift in sämtliche Flaschen und Gläser\ngießen lassen! soll ich sie lächelnd mit einer ver-\nheerenden Pestilenz bewirten, so daß jeder ein-\nzelne von ihnen noch mehr leiden muß, als du,\nHunderte von Malen länger und Tausende von\nMalen qualvoller als du . . . und dann selbst mitten\nin dem heulenden Chaos von Todeskampfzucken\ndamit enden, mich selbst als den letzten von allen\nzu morden, satt von der Rache, zum Bersten über-\nsättigt von Rache, triumphierend und toll von\nSehnsucht — auf deinem Grabe?!\nNicht wahr?\nWie gefällt dir das?!\nOder antworte mir, findest du mehr Behagen\nan dem, was mir jetzt eben eingefallen ist —:\nHahaha, ein gigantischer Einfall, wohl wert des\nVerlustes von dir —: höre jetzt hier einmal, soll\nich von nun an Tag und Nacht schreiben, jedes\nTüttelchen meiner Kräfte gebrauchen — um eine\nvollkommen neue Art von Kunst zu dichten! Haha,\nunendliche Bücher schreiben, Folianten, deren\nTitel schon ein tiefer, ein unsichtbarer und giftiger\nStich in das Herz aller Welt ist; deren Fieberhand-\nlung dem Leser die Kraft stehlen, das Mark aus\nseinen Knochen trinken, jedes Körnchen seinjer\nZufriedenheit und Ruhe seines Zutrauens zum Le-\nben ersticken soll; und deren Personen häßliche,\nunvergeßliche Gesichter haben: große kreideweiße\nFratzen, die sich hin und her wiegen, glotzende\nAugen, geifernde Münder — und verkrüppelte Or-\ngane! Ja Geschichten, die wie Ungeziefer über die\nTürschwelle des Lesers dahergekrochen kommen,\ndie lautlos an allen Wänden in seinem Zimmer\nhinaufkrabbeln, sich jäh als ein unfaßbarer, unver-\ntretbarer Beigeschmack der Fäulnis in allen sei-\nnen Speisen verraten sollen; sich als erstickender\nGestank von Typhus und Seuche offenbaren, der\naus all seinem Getränk aufsteigt! Haha, Schau-\nspiele, die rufen und locken — und sich hinterher\nwie eine Ansteckung in allen Sinnen festkleben,\nden Schlaf des Zuschauers daheim verschleimen,\nentzündet und unsagbar in seinen Träumen gau-\nkeln, seine Züge Nacht für Nacht erschlaffen und\nverunzieren! Romane, die sein Fleisch zersetzen,\neinen säureherben Eiter in alle verborgenen Wun-\nden tropfen — Menschen dazu bringen, daß sie sich\nnicht nur vor sich selber grauen, sondern auch vor\nihrer Frau, ihrem Mann, ihren Kindern und Eltern!!\nWerke, die mit jedem Atemzug ihre Adern mit\ndemselben stinkenden Morast von Blut und Mord\nfüllen, mit demselben wunden Haß gegen alle Welt\n— wie sie in diesem Nu in m e i n e n Nerven rasen!\nBücher, ja ,die beflecken und schänden, die mit\nGewalt nehmen und meuchlings morden — gerade\nso wie Annie über Nacht getötet und besudelt\nworden ist! . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.8", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.7", "debut_caractere": 9200, "fin_caractere_exclue": 9476, "texte": "Empfohlene Bücher\nHans Hildebrandt\nAdolf Holzel als Zeichner\nStuttgart I Deutsche Verlagsanstalt\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nLieferung 15: O. 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Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben\nOskar Kokoschki: Zwanzlf Blatt ZeichnungeH j\nStrichltzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier la\nLiixus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton la eia-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "debut_caractere": 3112, "fin_caractere_exclue": 5813, "texte": "Kandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzi g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBQcher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft ./\nNapoleons Aufstieg / Tragodie ! Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher 1: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a / 50 Pfennig j II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig / III: Mynona: Von Hun den\nund andererc Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut /' 50 Pfennig / Verlag Der\nSturm I Berlin\nMusik\nHerwartb Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Amo Hoiz / Far Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Qukguk schreyn I einzeln 50\nPfennig / Der Sturm / Heeresmarsch / Fiir\nKlavier / 50 Pfennig\nKfinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccloni: Dm\nLachen / Luifißussolo: Erinnerunj einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruheiose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccloni t Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschlcksale\nOskar Kokoschka: Utin am delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee ! L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit filnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertlefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGem&lde / Aquarelle / Zelchnungen /\nHanddrucke / Plastlken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck. ./ Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severini I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "debut_caractere": 5815, "fin_caractere_exclue": 6354, "texte": "Carra / Russolo j Francis Plcabia / Scbmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein\nVerein fiir Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation:\nKokoschkarnappe / Prospekt urnsonst\nIra nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstelhing\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "debut_caractere": 6356, "fin_caractere_exclue": 6529, "texte": "Zeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via\nNazionale 25\nUmelecky Mesicnlk / Monatsschrift fi3r neue ÜB#\nalte Kunst 112 Administration Pras: ! 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "debut_caractere": 6531, "fin_caractere_exclue": 6539, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-08-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-08-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1914-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "debut_caractere": 6541, "fin_caractere_exclue": 7680, "texte": "Poet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge I Whitman I.\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Qhose j Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Vey-\nlag Richard G. Badger I Boston / Mas#\nI USA 194 Boylston Street\nLJmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: SSmtliche Dramen / Die Ausgabe\nenthalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M* 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart j Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur BiichereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzDaDier Format 42 X 35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.1", "texte": "Umfang zwölf Seiten\nfiinzelbezug 40 Pfennig\nDER\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN ZWEITES AUGUSTHEFT / ERSTES SEPTEMBERHEFT\nNUMMER 10/11\n\nInhalt:\nAnglist Stramm: Die Haidebraut / Ernst Wilhelm Lötz: Heimweh / Adolf Knoblauch: Besinnung / Auf Peter Hilles Tod / Aage von Kohl: Der\nWeg durch die Nacht / Empfohlene Bücher / Emil Filla: Zeichnung / Herwarth Waiden: Der Sturm / Heeresmarsch\n\nEmil Filla: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.2", "texte": "Die Haidebraut\nAugust Stramm\nMaruschka\nLaszlo\nLaszlos Vater\nMaruschkas Eltern.\nDie Haide\nDie Sterne klagen\nDer Windhauch raunt\nWoher? Wohin?\nDu du? Ich Du?\nMorgen\nIn der Hütte Durch Tür und Fenster leuchtet\ndie Haide.\nLaszl: Du gehörst zu mir!\nMaruschka: ich gehöre zu niemand!\nLaszlo: mein Recht!\nMaruschka: du hast kein Recht!\nLaszlo: dein Wort!\nMaruschka: (haucht)\nLaszlo (zieht das Messer): hüte dich!\nMaruschka (nimmt einen Feuerbrand vom\nHerd): . . komm her!\nMaruschka: (nimmt die Milch vom Feuer und\ngießt sie um)\nLaszlo: der holt dich nicht!\nMaruschka: wenn ich nicht will!\nLaszlo: du wirst nicht wollen!\nLaszlos Vater (im Stuhl am Feuer): ... ihr\nänderts nicht!\nMaruschka (setzt dem Alten die Milch hin):\ndu hast mir nie davon gesprochen . . . vor wieviel\nJahren . . .?\nLaszlos Vater: ich zähl sie nicht!\nMaruschka: . . wars Sommer . . Winter . .\ngar nichts . . . war Sonne . . Sturm . . .\nLaszlos Vater (rückt den Pfeifenstummel aus\nden Zähnen): . . das wechselt oft . . .\nMaruschka: was war mein Kleid? . . was tat\nich . .? lief ich . . sprach ich . . .?\nLaszlo Vater (trinkt): Kinder . . die nicht\nlaufen . . nahm ich nie!\nMaruschka: . . Kinder\nLaszlos Vater (trinkt und setzt sich zurecht)\nMaruschka (setzt sich und starrt ins Feuer):\n... weißt du . . . daß ich sein Kind bin . . ?\nLaszlos Vater: ich sah ihn nie!\nMaruschka: . .. du sahst ihn nie . . .\nLaszlos Vater:., er sah das Zeichen über\ndeiner Braue . .\nMaruschka (fährt mit der Hand langsam über\ndie linke Augenbraue)\nLaszlos Vater: du mußt es wissen!\nMaruschka: . . . wer . . . muß . . .\nLaszlos Vater: dein Blut!\nMaruschka (steht auf): . . . mein Blut . . .!?\n... mein Blut . .?! und doch hast du mich ihm ge-\nraubt . .?!\nLaszlos Vater: . . wir sind alle irgendwo ge-\nraubt . . . alle . . . und verlassen.\nMaruschka\nLaszlos Vater: nicht alle finden ihren Vater\nwieder\nMaruschka: . . . er soll dich züchtigen!\nLaszlos Vater: . . . dein gütiger Vater . .\nMaruschka: . . und darum hast du mich be-\ntrogen? ! (reißt eine Lassopeitsche von der Wand)\nLaszlos Vater: ich hab dich hochgezogen!..\nin der Haide!\nMaruschka (peitscht den Alten auf mit schwe-\nren Schlägen): betrogen . . . betrogen . . .!\nLaszlos Vater (hält den Arm vor und flieht\nhumpelnd durch die Türe)\nLaszlo (steht hohnlachend am Türpfosten)\nMaruschka: du lachst . . .?\nLaszlo (den Pfeifemstummel zwischen den Zäh-\nnen): . . es schadt dem alten Hunde nichts! (er-\ngreift sie am Handgelenk und will sie an sich\nreißen)\nMaruschka (windet sich kraftvoll los, springt\nzurück und hebt die Peitsche)\nLaszlo (greift lachend zum Messer): . . komm\nher!\nMaruschka (läßt die Peitsche langsam sinken)\n(atemloses Horchen)\nLaszlo (lacht kurz)\nMaruschka: es reiten viele . . .!\nLaszlo: . . . er reitet nicht!\nMaruschka (wirft sich auf den Boden und\nhorcht)\nLaszlo (macht eine Bewegung zu ihr)\nMar uschka.(schnellt hoch): ich . . kenne diese\nTöne nicht!\nLaszlo (grinst): es fährt!\nMaruschka: . . es fährt . . . nicht!\nLaszlo: sein Wagen braucht keine Pferde.\nMaruschka: . . .keine Pferde . .\nLaszlo: ihn treibt etwas, ich weiß nicht was\nMaruschka: du sahst es . . .?\nLaszlo: . . ich sah es . . . jenseits der Haide . . .\nwo die große Wege gehn . . . weit ... in die\nFerne ... zu den Kuppeln und Türmen . . .zu den\nLichtern in der Nacht\nMaruschka:\nLaszlo: .. es jagt .. . und rattert .. . und knat-\ntert und wirbelt . . . (lacht auf und wirft die Pfeife\nin die Ecke)\nMaruschka (krampft die Hände)\nLaszlo (versenkt die Hände in die Taschen)\nMaruschka: . . . laß uns fliehen . . .!\nLaszlo (lacht auf und tritt zu ihr hin, weich) . .\nMaruschka\nMaruschka (schlüpft an ihm vorbei)\nLaszlo (vertritt ihr die Tür): er kommt nicht bis\nher ... die Haide verschlingt ihn denn . . . sein\nWagen ist schwer . . . er muß zu Fuß gehn wie\nich und du ... er holt dich nicht! . . ,\nMaruschka: . . . er . . holt. . . mich . . nicht ..\nEin Automobil (hält keuchend in der Ferne)\nLaszlo . . . hörst du . , . es rattert . . . toll . . .\nrrrrrrrr .... die Menschen dort ... sie haben\nnicht Morgen und Mittag und Abend nicht . . .\nwenn die Sonne zeigt ... sie kennen einander\nnicht . . . wild . . . durcheinander . . . der Himmel\nwölbt sich nicht . . . immer nur in Fetzen . . .\nMauern . . . Winkel . . Wege . . . hart und voll\nStein .... kreuz und quer ... du findst nicht\ndurch!\nMaruschka (zittert am ganzen Leibe): Vater ..\nLaszlo (lacht in sich hinein und geht hinaus):\ner holt dich nicht!\nMaruschka (fährt hoch, schließt in wilder Hast\ndie Tür und Fensterscheiben, schiebt Laden und\nRiegel vor, stürzt Schemel und Tisch dagegen,\nkauert nieder und stemmt sich krampfhaft gegen\ndie Tür)\nEin paar Sonnenstrahlen (zittern durch\nSpalten) .... (es klopft) . . .\nMittag\nVor der Hütte Das schwere Rohrdach winkelt auf\ndie Erde. Hohiei Fliederbüsche grünen die Mauern.\nMaisfelder glühen zur Haide\nDe r Vater (klopft): dein Vater\nMaruschka (innen): ich kenne dich nicht!\nDie Mutter (klopft): deine Mutter\nMaruschka: ich kenne dich nicht!\nDie Eltern: du sollst uns kennen lernen!\nDie Mutter: mach auf!\nMaruschka: . . . dies ist mein Haus!\nDie Mutter:... dein . . . Haus . . .\nMaruschka: ich habs gerichtet . . ich habs ge-\ndeckt . . . geflickt . . .\nDie Mutter (schaut zum Dach): du hasts ge-\ndeckt ....\nDer Vater (rüttelt am Pfosten): es hält flicht\nStand!\nMaruschka: ich bin sicher hier vor Sturm und\nWetter . . .\nDie Mutter: bei uns nicht minder . ...\n« «\nDier Vater: ich habe Schätze . . .\nMaruschka: ich mag die Schätze nicht!\nDie Mutter: ich liebe dich!\nMaruschka: ich fürchte dich!\nL as z 1 o (sitzt auf der Brunnröhre, lacht hell auf,\nnimmt eine Flinte vor und schießt in das Maisfeld)\nDie Eltern:\nMaruschka: . . . Laszlo!\nLaszlo (kommt aus dem Feld und lacht): . .ein\nWeih! (wirft den Vogel zu Boden und setzt sich\nwieder\n• ••••••••••••• »•••••\nDer Vater (klopft): Mara. . .\nDie Mutter (klopft): Maria . . .\nLaszlo (ruft): Maruschka!\nMaruschka: nein!!!\nDie Mutter (klopft)\nMaruschka: ihr wollt mich aus meiner Haide\nholen. . . .\nDer Vater: . .wir wollen dich in einen Garten\nführen!\nMaruschka: .. . was ist das .. einen Garten.?!\nDie Mutter: ein Garten . . .\nDer Vater: ein Garten . . .\nDie Mutter: eine Haide . . . mit hohen . . . .\nschattigen Bäumen . . . mit Wiesen . . . weich und\nkühl . . . Blumen . . . Rosen . . . oh . . . Blüten . .\noh wundersame Düfte . .\nMaruschka: meine Blumen duften auch . . ich\nwill die euren nicht . . .\nDer Vater: . . . du sollst nur haben., was du\nwillst . .\nMaruschka: . . . so will ich bleiben . . .!\nDie Mutter: . . . bleiben . . .\nMaruschka: so bleibt ihr!\nDie Mutter: . . . wir . . .\nDer Vater: . . wir müssen zur Heimat . . .\nMaruschka: . . eure Heimat . . .?!\nDie Mutter: . . unsere .. . Heimat .. .\nMaruschka: meine Heimat ist die Haide!\nDie Mutter: . . .die . . . Haide . . .\nMaruschka: so gehör ich nicht zu euch!\nDer Vater: du bist mein Fleisch!\nDie Mutter: du bist mein Blut!\nMaruschka: ihr habt mich schlecht gehütet . .\nDie Mutter: wir haben dich gehütet . . .\nDie Eltern: wie unsere Seele . . .\nMaruschka: . . . was ist . . . das . . unsere\nSeele . . .?\nDie Mutter: . . was . . ist . . .? was dich zu\nuns führt . . . .!\nMaruschka (schreit entsetzt auf): .. ich fürchte\nmich vor euch!\nDie Eltern: wir lieben dich! . . .\nMaruschka: ich fühle nichts ... ich fühle\nnichts ... ich fühle nichts für euch .. . geht mir aus\ndem Wege . . aus dem Wege ... ich will die\nHaide sehn . . ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.3", "texte": "Die Eltern (treten zur Seite)\nDerVater:...du sollst sie sehen ... so oft du\nwillst . .\nMar usch k a: ... so 0ft...?! so will ich immer!\nDie Mutter: . . . du wirst nicht wollen . . .\nDer Vater: . . . du wirst sie nicht missen\nMaruschka (schreit auf): ihr wollt mich zwin-\ngen . . . .!\nDer Vater: du wirst frei sein . . . frei\nMaruschka: . . so muß ich mich meines Wil-\nlens schämen . . .!\nDer Vater: Dein Wille ist unser Wille!\nMaruschka: ihr werdet mich verachten\nDer Vater: du wirst geehrt!\nDie Eltern: du bist unser Kind!\nMaruschka: . . . hier bin ich geehrt . . . und\nniemandes Kind\nDie Mutter: ... wir . . . sind . . . alle . . .\njemandes Kind . . .\nMaruschka: . . .ich . . . fühl . . . mich . . .\nso ...verlassen . . .\nLaszlo (strafft hoch)\nDie Mutter: . . . Kind!\nDer Vater... öffne . . .!\nLaszlo (krampft die Arme übereinander und\nwendet sich den Alten zu)\nMaruschka: ich komme nicht!\nDie Mutter: du kommst!\nMaruschka: nein . . . nein!\nLaszlo (tritt drohend zu den Alten)\nDer Vater: wir zwingen dich nicht . . .\nMaruschka: so lang ich lebe . . . nicht!\nDie Mutter: du wirst erst leben . . .\nMaruschka: nein! . . . nein!\nDie Mutter: frei kommst du . . . frei.. .\nDer Vater: wie du willst ....\nMaruschka: . . . so will ich eine Spanne . . .\neine kleine Spanne Zeit . . .\nDer Vater: du magst sie haben . . so lang du\nwillst . .\nMaruschka: bis zur Nacht . . .\nDer Vater: so kurz?!\nDie Mutter: so lang?!\nMaruschka: bis zur Nacht!\nDer Vater: bis zur Nacht!\nDie Mutter: nun öffne . . .\nMaruschka:\nD er V atier: nun öffne ...!...\nLaszlo: Maruschka! . . . öffne! . . .\nMaruschka (öffnet)\nMaruschka (steht unbeweglich starr aufgerich-\ntet in der Tür)\n(Weißstrahlige Wolken türmen über den Himmel\nund jagen krasse Schatten über die Haide)\nDie Eltern (stehen Maruschka starr gegenüber)\nDie Mutter (geht mit ausgebreiteten Armen auf\nsie zu und umschlingt sie): . . . mein . . . Kind!\nMaruschka (mit entsetzendurchbebter Stimme):\n. . . Laszlo!\nLaszlo (ergreift ihre Hand und entreißt sie den\nEltern wild)\nMaruschka (sinkt erschöpft an ihn)\nAbend\nDie Pferdekoppel Erlen am Weiher Schwere\nsonnenglühe Wolken grauen fahl\nMaruschka (lehnt erschöpft an der Koppelein-\nfassung und atmet schwer): ich habe die Haide\ndurchjagt ....\nMaruschka (reckt verzweifelt die Arme): . . .\nMauern . . . (blickt zu den Wolken) . . .dort . . .\ndort . . .\nLaszlo (die Hände in den Taschen und die Pfeife\nzwischen den Zähnen): Wolken . . .\nMaruschka (fällt in die Knie und schlägt die\nHände vors Gesicht)\nLaszlo (tritt zu ihr hin und beugt sich über sie):\n. . . Maruschka ...ich bin hier!\nMaruschka (nimmt die Hände vom Gesicht\nund starrt zu ihm auf)\nMaruschka (springt empor und umschlingt ihn)\nLaszlo (schleudert die Pfeife weg, greift ihr mit\nder Faust ins Haar, beugt ihren Kopf nach rück-\nwärts und küßt sie wild): ich . . bin . . . bei . . .\ndir! ich . ..!\nMaruschka (küßt ihn wieder mit wahnsinniger\nGlut): Laszlo!\nLaszlo: du liebst mich ... du liebst mich . . .\ndu liebst mich doch . . . ich weiß es . . ich wußte\nes . . .\nMaruschka (läßt ihn plötzlich los und starrt\nerschrocken um sich): ich liebe dich . . . dich . . .\nja . . nein . . die Haide . . doch . . . ich liebe dich\n. . . dich . . . dich ...dich allein . . . (bäumt sich\ngegen Unsichtbares und schreit in furchtbarer\nAngst) . . . und ich liebe doch etwas ganz ande-\nres . . . entsetzliches ... ich verstehe nicht . . .\nich geh zu Grunde .. . ich .. .\nLaszlo: warum quälst du dich ...?... du bist\nfrei . . . ganz frei ... er holt dich nicht . . . wenn\ndu nicht willst ...\nMaruschka (schreit auf): und ich will nicht . .\nnein ... ich will nicht . . . niemals will ich wollen\n.... oh\n(Heuschrecken schnarren in die Hälme)\nMaruschka:\nLaszlo: Heuschrecken!\nMaruschka (lacht gezwungen und sucht sich\ngewaltsam zu beruhigen): . . . ich erschrecke . . .\ndie Luft sticht so . . . nicht ... sie sticht „ . . nicht\nwahr?! . . . Laszlo . . .\nLaszlo: sie ist weich und warm!\nMaruschka: nein . . . nein . . . ja . . doch . .\nLaszlo . . ja . . es lügt mich alles an ...!... die\nHalme ... die Halme . . . sieh ... es saust . . .\nund rauscht . . . sonst ... es rührt sich nicht . . .\nder Quell . . . (sie beugt sich) .. er spiegelt nicht...\nder Himmel... sieh ... starr ... stumm sie\nsprachen sonst . . die Wolken . . oh . . (sie kauert\nnieder und verhüllt ihr Gesicht)\nLaszlo: ein Wetter kommt. . wie alle Tage ...!.\n(Staubarme spannen zu den Wolken; die Haide\nblaßt)\nMaruschka (schaut auf): . . . alle ... so sah\nichs nie! . . . ich bin nicht mehr . . . Laszlo . . .\nLaszlo (beugt sich über sie und hebt sie hoch):\nMaruschka!\nMaruschka (erhebt sich und schaut nach allen\nSeiten über die Haide; ihr Blick bleibt auf dem\nWasserspiegel haften)\nMaruschka (drängt sich an Laszlo, flüstert in\nhöchster entsetzter Angst) . . . Laszlo . . das Was-\nser .. . Laszlo ... dunkel .. . das Auge .. . wessen\nwessen? .... mein Vater! . . tief . . unermeßlich..\nso dunkel .... klar . . die ganze Haide leuchtet\ndarin . . und . .\nMaruschka (hetzt zum Weiher, greift den\nErlenbusch und beugt sich über den Wasserspie-\ngel) . . wo ist . . . meine Heimat . . .?\nLaszlo (springt ihr nach, greift sie und reißt sie\nroh zurück auf den festen Boden, daß sie hin-\nschlägt)\nLaszlo (packt sie grausam wild an Haar und\nSchulter) ... du bist wahnsinnig\nMaruschka (erstarrt unter seinem Griff): ich\nkomm nicht los.\nLaszlo: ich laß dich nicht\nM a r u s c h k a: . . , icti komme nicht los!\nich liebe dich\nLas z 1 o (zerrt sie wild hin und her): .. ich halte\ndich . . .ich hasse dich ... ich knechte dich , » .\nMaruschka (schlägt die Arme zu ihm auf und\nreißt seinen Kopf zu sich herunter) ... ich . .\nliebe dich ... ich liebe dich . . du wilder . . du\ngrausamer . . . ja . . verlaß mich nicht!\nMaruschka (hebt sich an Laszlo hoch)\nLaszlo (läßt sie frei): wie gehören zusammen\nMaruschka (kämmt mit den Händen ihr Haar\nund erstarrt in der Bewegung) . . . er . . wird . .\nkommen und mich ansehn . .\nLaszlo: er wird dich nicht ansehn!\nMaruschka: . . er wird ... er hat so große\nMacht . . . fliehn . . .?\nLaszlo: du brauchst nicht fliehn\nMaruschka: . . . fliehn . . .\nLaszlo: . . ich . . . werde ... ihn . . töten!\nMaruschka:\nLaszlo: ich töte ihn!\nMaruschka:\nLaszlo: ich . . .\nMaruschka (faßt ihn an und schüttelt ihn unter\nwildem Gelächter): Laszlo . . . Laszlo . . .\ndu wirst . . . Lazio . . du wirst ihn nicht töten...\nnein . . . nein . . . nein ... du wirst ihn nicht\ntöten . . .!\nLaszlo (schüttelt sie ab): Wieib!\nMaruschka (hält plötzlich inne und lauscht)\n(Staubwolken schrillen über die Haide)\nMaruschka: . . . die . . . Haide schreit . . .!\n(mit plötzlicher Aufraffung) . . ich töte ihn! . . ich\ntöte ihn! . . . ich . . . !!!\nMaruschka (ergreift Laszlos Arm und jagt mit\nihm davon)\nNacht\nIn der Hütte Das Herdfeuer ist erloschen Fenster-\nläden und Tür sind geschlossen Eine Oellampe\nflackt vom Lehmherd\nMaruschka und Laszlo (graben vor dem\nHerd ein mannlanges Loch)\nMaruschka (hält ein und starrt auf den Spaten\ngestützt ins Leere)\n\"Laszlo (hält inne und starrt auf Maruschka)\nLaszlo (zieht einen kleinen Haidebusch aus dem\nBrustlatz und reicht ihn ihr hin)\nMaruschka:\nLaszlo: gegen den Blick!\nMaruschka (ergreift den Busch hastig, nestelt\nund gräbt weiter)\nM a r us c h k a: . . . wo . . ist . .? . .\nLaszlo: . .der Alte . . ? . . die Haide ist weit!\nMaruschka und Laszlo (graben)\nLaszlo (springt in die Grube, die ihm bis zur\nBrust reicht)\nLaszlo (dreht sich darin um und klettert wiedre\n.\nraus)\nLaszlo (lacht kurz hämisch)\nMaruschka: . . . regnets noch?\nLaszlo (geht zur Tür und öffnet einen Spalt)\n1\nLaszlo (horcht und schleicht lautlos zurück)\nMaruschka (wirft den Spaten fort)\nLaszlo (gibt ihr lachend das Messer)\nMaruschka (ergreift es hastig und steckt es zu\nsich) (Die Tür bewegt sich)\nMaruschka:\nLaszlo (geht zur Tür und legt sie an) . . . .der\nWind\nMaruschka (kauert im entferntesten Winkel\nder Hütte)\nLaszlo:\nMaruschka... es... weht . . . aus . . . der\nErde!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.4", "texte": "Laszlo: . . . du wirst es nicht können!\nMaruschka (schauernd): . . . ich . . ich . . .\n(schreit auf) . . . mich graut . . .\nLaszlo: alle graut!\nMaruschka (stützt den Kopf) . . . und wieder\nfort . . . wo ich so glücklich bin . . .?! . .\nLaszlo: . . . du mußt nicht fort!\nMaruschka:\nLaszlo: Maruschka!\nMaruschka (schreit auf): ich muß!!! ich muß!!!\nLaszlo: er soll fort!!!\nMaruschka: fort .... !! Fort..!! . er kann\nnie fort!\nLaszlo (entreißt ihr den Dolch)\nMaruschka (ringt mit ihm)\nLaszlo (schleudert sie in die Ecke)\nMaruschka: töte mich!!! . . . töte mich!!!..\ndu kannst ihn nicht töten!!!\nLaszlo (prüft lachend die Schneide des Dolches)\nMaruschka: er lebt nicht dort!!! ... er lebt\nnicht dort!!! .... hier!!! . . . dahin den Dolch!!!..\ndahin . . .!!! (sie reißt ihr Tuch von der Brust) du\njagst ihn nicht mehr raus!!\nLaszlo (springt auf sie zu und küßt wild ihre\nnackte Brust)\nMaruschka (stößt ihn zurück und entwindet\nsich ihm)\n(Erstarrendes Horchen)\nLaszlo (schleicht zum Fenster und späht durch\nden Spalt)\nLaszlo (springt zurück und faßt das Messer)\nMaruschka (atmend): . . er . . . geht . .er . .\ngeht . . . (Schritte streifen die Außenwand der\nHütte)\nMaruschka (sinkt in sich zusammen, am gan-\nzen Leibe zitternd): ....\nLaszlo (in heißem Hauche): Maruschka . . liebst\ndu mich?!\nMaruschka (stammelnd): ja . .ja .. ja . .\n(Es klopft)\nLaszlo (löscht die Lampe und steht sprungbereit)\n(Es klopft)\nMaruschka (schreit auf) . . . ja . . . ja . . .!!!\n(Die Tür ruckt auf, undurchdringliche Finsternis\ngähnt herein)\n(Schweigen)\n(Ein! schwachhallender Donner, dann erleuchtet ein\nBlitz die Haide taghell)\n(Wetterleuchten von allen Seiten)\nDer Vater (in einen weiten Mantel gehüllt, steht\nin der Tür und breitet die Arme gegen Maruschka)\nLaszlo (stürzt auf ihn los)\nMaruschka (schnellt hoch und fällt ihm in den\nArm)\n(Ein kurzes Ringen)\nMaruschka (entwindet Laszlo denl Dolch und\njagt ihn ihm in die Brust)\nLaszlo (fällt in kurzem Sprung ohne einen Laut\nvornüber)\nDier Vater (tritt ein)\nMaruschka (starr aufgerichtet)\nDer Vater (will zu LaLszlo treten, sein Blick\nbleibt an dem Grabe haften)\nDer Vater (wendet sich um zu Maruschka und\nschaut sie an)\nMaruschka (bricht lautlos zusammen)\nDer neue Tag\nNeben der Hütte umzäunte Obstbäume. Gemüse>-\nund Blumenbeete. Ein Holzfeuer glimmt auf der\nErde Morgendämmerung in der Haide\nLerchen (trillern in der Ferne)\nEine Lerche (schlägt in der Nähe laut an und\nsteigt)\nMaruschka (auf der Bank an der Hütte fährt\nauf): . . . wer . . . wer ist tot?! . . ich . . ich . .\nwer bin ich?! . . (sie legt die Hand vor die Stirn\nund starrt in die Haide)\nDer V a t e r (steht neben ihr und legt ihr die Hand\nauf die Schulter)\nMaruschka: . . . die Haide ~?!.. ich sehe\nsie nicht . . . (schreit auf) . . Feuea:!!! schleudert\nFeuer in sie . .!\nDer Vater: ruhig . . . ruhig . . . mein Kind!\n... es wird Tag! (Der Himmel lichtet)\nMaruschka (schrickt zusammen und kauert\nauf der Bank): . . . wer bist du? . . . wer spricht\n...?.. ich kenne dich nicht . . .\nDer Vater: . . ich habe dich gesucht ... ge-\nsucht ... ich bin gewandert\nMaruschka: . . . ich verstehe; dich nicht! . .\nich kann dich nicht verstehen . . . wer bist du . . ?\nDer Vater: . . . sieh mich an . . .\nMaruschka (schrickt zusammen und hebt den\nBlick zu ihm)\nEine Sternschnuppe (gleitet nieder und er-\nstirbt)\nMaruschka (verhüllt wimmernd ihr Gesicht im\nRock)\nDer Vater:... mein . . . Kind!\nMaruschka (läßt die Hände fallen, erhebt sich\nund starrt in die Haide, wo die Sternschnuppe fiel)\nDer Wind (spielt in ihrem aufgelöstem Haar\nund in den Sträuchern und Blättern der Haide)\nMaruschka: . .. vom Himmel.. . zur Haide ..\nEin weißer Nebelstreif (steigt hoch und\nsinkt)\nMaruschka (wirft sich wild aufschluchzend in\ndas Gras und küßt die Blumen): . , . Perlen . . ,\nTränen . . . Tiränen ... sie weinen . .. weinen .. .\nDer Vater (immer neben ihr, über sie gebeugt):\n. . . der Tau bringt neues Leben , , .\nMaruschka (kriecht von Blume zu Blume und\nküßt sie): . . . leben . .. weinen . . , leben ... wo\nist die Heimat?\nDer Vater: . . . der Streifen dort ...?... weit\n. . . weit . . . der große Wald . . . das rauscht. . .\nund rauscht . . . unermeßliches Leben . . . darin\nein Haus ... ein Turm darüber . . . weithin kannst\ndu blicken in die Fernen .. . Haiden schaust du .. .\n'und Wald . .. Wald . . . Wasser fließen . . . fließen\n. . . Winde wehn . . . stürmen . . .\nMaruschka: was soll der Turm ...?!...\nDer Vater: . . ich habe ausgeschaut . . . von\ndort . . . nach dir . . . und nach den Sternen\nnachts ... die mir von die erzählten . . .\nMaruschka (horcht auf): . . . die Sterne erzäh-\nlen dir? . . .\nDer Vater: ich kann in ihnen lesen\nMaruschka (hebt sich in die Kniee): ich,auch\n... ich auch ... sie sprachen oft zu mir . .\nDer Vater: . . nun schau . . . wir reden eine\nSprache\nDer Vater (will die Hand auf ihre Schulter\nlegen)\nMaruschka (beugt sich angstvoll zurück und\nstreckt die Hände gegen ihn)\nDer Vater: . . fürchte nicht ... wo du bist . . .\nist auch deine Haide!\nMaruschka (in Entsetzen ohne Atem und\nStimme): . . . was treibt dich zu mir hin?!\nDer Vater: wir gehören zusammen\nMaruschka: ich weiß nichts!\nDer Vater: . . . wir wissen alle nichts ... (er\nlegt die Hand auf ihre Schulter)\nMaruschka (in tiefstem Grauen) ... du .. du\nmordest mich . . .\nDer Vater: Mutter schmückt das Heim . . sie\nweiß ... du kommst ...!...\nMaruschka (springt wild auf): . . . Licht . . .\nLicht!!!.... Licht!! ... wo ist meine Haide? ?!!!\n'Maruschka (springt zu dem glimmenden\nFeuer, reißt einen Feuerbrand aus der Glut und\nschleudert ihn in das Dach der Hütte) . . . Licht\nwill ich haben . . . Licht!!! . . Licht!!!\nDie Hütte (flammt kurz auf)\nDie Sonne (zerflutet die Nebel)\nMaruschka (deckt geblendet die Augen):. .oh.\nDunkle Rauchwolken (hinter der schnell\nzusammenknatternden Hütte matten die Sonne zur\nfahlroten Scheibe)\nMaruschka (nimmt die Hände von den Augen)\n... ich . . seh . . . keinen . . . Weg . . . mehr ...!\n. . keinen . . .\nDer Vater (tritt zu ihr hin): .... Kind! . . . .\nD i e H a i d e (ein dunkler Schattenriß im Himmels-\nfahl)\nMaruschka: oh . . . meine Haide ... ! . . .\nDer Vater: . . . gib mir deine Hand . . .!\nMaruschka (gibt ihm die Hand): ... die Haide\nstirbt! . . .\nDer Vater: ... auf ihr .. . Schritt für Schritt...\nlangsam ... ich bringe dich heim . . . schau nicht\nzurück! . . . vor dir liegt der Weg . . . dort . . .\nwird wieder Licht die Sonne .... du\nwirst im Lichte sehn ...!!! im Lichte...!!!\nEnde\n\nHeimweh\nErnst Wilhelm Lotz\nIch bin ein Haus aus tief gefügtem Glas —\nNun kommen alle Menschen, kühl wie Schatten,\nIn meine Brunst und feiern weiche Feste.\nGlanz, meine Kupel, die im Klaren tönt,\nEin leiser Riß durchzittert ihre Stimme:\nDu Ferne, Gleitende, Du Hand im Haar!\nDie Wagen, die in wachen Straßen\nSchwebten,\nWissen um deinen Gang\nIn zager Nacht.\nIn dunkeln Türmen, die den Abend riefen,\nVersammeln sich die ungekühlten Fernen:\nIch wünsche Dich!\nDas Eis zerriß in Schollen.\nSo schrieen meine Hände\nNach dem Zwei!\nSchon krönten junge Lauben meinen Schlaf,\nDoch schrille Lichter blendeten den Frühling. —\nO Taumellose. Groß. Im Städtewald!\n\nBesinnung\nVom fremd-drohenden Bildwerk wandt ich mich\nfort.\nSchweren Schild lehnt ich hinab.\nVon düstrer Nachtwache bin ich wund.\nIch starre nach oben, wo Wolken sich runden,\ndas unermeßliche zum Ungestalten hochtreibt.\nVor jenen Riesenschatten,\nder schrecklichen Eis-Blindheit oder dörrenden\nFlamme\nVerberg ich mich schluchzend\nbei den mütterlichen Halmen.\nWo triuliche Rufe in meinem Blumengarten\nscharren,\nwo ich liebe Kunde vernehme,\nErinnerung meines Guten und Bösen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.5", "texte": "Linderung und Hülfe meines Getanenen und\nUnterlassenen,\ndas Gedanken, das zum Schlafe lindert.\nAlle Tat verlöscht, ein edler Leuchtstreif,\nAnmut versunkener Tage erblüht,\ndie Gewißheit, die im Traum sich darbietet.\nDie Linien der Liebe sind ins Verborgene\ngeschrieben.\nMakellos sei das Herz, das durch Welt und Nacht\nvor sie hintritt\n£\nAlles soll sie ausgleichen und an ihren ewigen\nBusesn\nalles in sich verschränken.\nWem je in hoher Kraft ein Gedanke sich getaucht,\ndem Säenden, der genügsam des Anderen\nFruchtbarkeit erweckt,\ndem Liebenden, jünglingshaft, schwersinnend,\ndem Bangenden, der überströmende Erwartung\nnicht ausspricht\ndem Einsamen, dessen Herz weißer glänzt als\nMond und See,\nerschließt sich unter dem dichten Nachthimmel\nein neues Leben mit unschuldigen Tränen.\nImmer sei das hohe Licht um uns\ngegliederter Raum oder edel werbendes Buch,\ndamit wir nie frei von Liebe sind. y\nMilde sei das Tal, zu dem unser Pfad hinablenkt,\nund von fern auf den 'Höhen\nwarte der Edlen gewappnete und ernste Schar,\ndie treu schauet auf unsere Welt\n\nAuf Peter Hilles Tod\nAdolf Knoblauch\nWenn du eine Stimme\nin Lüften\nüber den Wäldern\ngewaltig hörst,\nso denke, mein frischer Jugendknabe,\ndaß du dich von mir abkehren sollst,\nund nicht wissen des Schweifenden\nLeben und Ende\nDem männlich-rauhen Schrei\ndes Reihers gehorche\ndes Seespiegels goldene Lanzen\nlenke in dein Herz\nDes Reihers rauhe Stimme\nist die Meine\ndes Seespiegels goldene Lanzen\nsind meine Worte, die blitzenden . . .\nAus Seelenfinsternis hob ich eine Welt —\nNächtens, das Rauschen\ndas überm Wanderer webt\nVerwob ich ins Brausen\ndas ich dir sende\neinsam, nach meinem Tod!\nIm Buche bin ich nicht begraben —\nMajestätisches Gedröhne,\ndas mit mir Verlorenen\neinsam dahinzog,\nHall der Worte,\nmeine hinknieende Unruhe,\nEinfältig Getast im hohen Welt-Atem:\nDas alles vernimm',\nder du dich an mein Herz niederbückst,\nden des friedlosen Wanderers\nBartgeäst umflicht,\num den in gewitternder Einsamkeit\nVielhundertjährige Kiefern\nrot und hart sich recken.\nSchau diese schmale, edle Hand,\ndes Genius Hand,\nlegt sich auf dein springendes Herz\nund erhebt dich vom Tode.\nDen Blauen Stern,\nseine einsame Bahn\nempfängt der seelenstillbreitende See,\ndas goldene Rotlicht,\nder Spiegel mit seiner unendlichen Tiefe . . .\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nEin tiefer und langsamer Schwindel geht durch\nseinen Kopf.\nEin grenzenloser Ekel und ein Grauen steigen\naus seiner Brust auf — und er ist im Begriff, schäu-\nmend zornig zu werden über diesen schrecklichen\nIrrtum — rasend zornig: ja, auf sich selbst und\nauf diese Fremde und Stumme!\nUnd zu gleicher Zeit hat er nichtsdestoweniger\nim innersten Innern eine quälende Ahnung davon,\ndaß das Verkehrteste an dieser Sache an einem\nganz anderen Punkte liegt, als er vermutet: aber\nwo denn, wo denn, wie, was ist denn so schnur-\nstracks und fürchterlich verkehrt??\nAlle seine Fibern spannen sich wahnsinnig an,\num diesem Mysterium auf den Grund zu gelangen,\num begreifen zu können, von wem oder woher das\nGrauenvolle denn stammt.\nEinen Augenblick ist es, als ob ein blutiges und\nfernes, fernes Fassen im Begriff ist aufzuspringen,\nin seinem Gehirn, in seinem Herzen, mit zerrei-\nßender Klaue — aber mit einer Handbewegung\njagt er dies viel, viel zu Gräßliche weg, zehntau-\nsend Meilen1 weit weg: gewiß nicht, murmelte er\nund zwingt sich zu lächeln —: habe ich nicht in\nallen meinen Büchern geschrieben, bin ich nicht\nbestrebt gewesen zu beweisen, in jedem einzelnen\nAntlitz, das ich geschaffen habe: daß, was wir\nhaben — gerade das ist, was wir begehrten!\nNicht wahr, und wie sollte es denkbar sein,\ndaß ich begehrt hätte, daß . . . daß . . . daß so\netwas geschehen sollte! Nein, keineswegs, es ist\nganz empörend verkehrt: niemals hat ein Mensch\nmit größerer Zärtlichkeit und Seligkeit nach ewi-\ngem Zusammenleben mit einem andern verlangt,\nals ich nach Annie! Und also, ja, es ist kindisch\neinleuchtend, dies alles! Aber ich habe sie nur\nnicht richtig geweckt — und es ist außerordentlich\ndumm von mir, mich davon einschüchtern zu las-\nsen, wenn auch nur auf eine Minute mich davon\neinschüchtern zu lassen! Selbstverständlich ist es\nwirklich Annie, die da liegt und so süß schlum-\nmert. Ich kenne ja leinen jeden einzelnen ihrer\nZüge mit Wonne wieder — aber sie muß jetzt er-\nwachen, so schnell wie möglich, es gilt ihr Leben\nund meins, daß ich ihre Stimme noch heute abend\nhöre, denn nun weiß ich in vollem Maße, was eine\nNacht bringen kann! . . .\nUnd also beugt er von neuem sein Antlitz wie-\nder zu ihr hinab, er spitzt lautlos seinen Mund,\nseine Augen glänzen — er will gerade seine Lip-\npen auf die ihren pressen, um sie so mit einem\nKuß aus dem Schlaf zu rufen.\nAber da kommt es ihm unvermutet vor, als\nhöre er den Laut von sehr leisen Schritten draußen\ndie Treppe hinaufkommen —:\nJa!\nSie kommen!\n; Und es sind ihrer viele!\nDu allmächtiger Gott — was soll er gegen sie\nalle tun!? . . ,\nMit einem Sprung ist er dort an der Tür, die\nOberlippe in die Höhe gehoben, er lächelt weiß\nund rot, seine Pulse hämmern, tief drinnen in\nseinem Kopf flammen seine Augen: Gut, es soll sie\nteuer zu stehen kommen, wenn sie versuchen,\ngegen meinen Willen hier einzudringen! Ach, ich\nschwöre es euch hoch und heilig zu, daß noch\nkein Mensch in der Welt sein Leben so kostbar\nverkauft haben soll — wie ich sie gegen euch alle\nverteidigen will, so viele ihr auch seid! Kommt\nherauf, ja, kommt nur, wenn ihr es wagt!\nDa machen die Schritte auf dem Gange da\ndraußen plötzlich Halt. Ein hastiges Murmeln. Ein\nRäuspern — es wird gedämpft an die Füllung der\nTür hinter dem umgestürzten Schrank gepocht —:\n„Herr Morton?\nIst Herr Morton hier?\"\nOb Herr Morton hier ist, höhnt Glaß stumm\nund mit einem Grinsen.\nAber im selben Nu preßt er wie verrückt seine\nHände gegen die Stirn.\nRätselhaft bemüht, irgend etwas zu begreifen,\nvon dem er nicht weiß, was es ist! irgend etwas,\ndas zu begreifen er noch vor einem Augenblick\nzollnahe war!\nEr lauscht mit ganzer Macht, wird sich plötz-\nlich klar darüber: daß er auf alle Fälle diese\nStimme wiedererkennt— die eben seinen Namen\nrief! diese leise, fast flehende Stimme — und ein\nsonderbares, ein grauenerweckendes Zittern tief\ndrinnen in ihrem Klang!\nGewiß, er hat vor ein paar blitzkurzen Sekun-\nden — oder nein, er hat vor einigen Wochen —\noder vielmehr vor vielen, vielen Jahren, hat er\ndiese Stimme einmal gehört! in einem Telephon hat\ner diese Stimme gehört, die erst ganz anders klang\n. . . und darauf auf einmal, niemand weiß wes-\nhalb, plötzlich diesen Unterton von Angst, von. zit-\nternder Bewegtheit bekam —: oder war es ein\nerstickendes Mitgefühl, das die Stimme dieses\nMannes zusammen preßte?!\nMitgefühl?\nWie so — mit wem denn?\nMit irgendeinem fremden Mann — dessen\nFrau . . .?\nAufs neue läuft eine heftige Erschütterung durch\nseine Brust; sie fliegt gleich einer Vibration durch\nseine Lenden, durch seine Knie hinab, läßt den\nBoden unter seinen Fußsohlen wogen. Er macht\neine gewaltsame Bewegung mit beiden Armen,\nschlägt im nächsten Augenblick die Fäuste gegen\nsein Herz, wirft den Nacken mit einem Stöhnen\nhintenüber —:\nJa!\nJetzt weiß er!\nJetzt fängt er an sich zu entsinnen —:\nEr erinnert sich der Straßenbahn, des Tele-\nphons, der Stimme des Polizeibeamten dort auf\nder Station, des Laufes den, Bahn'hofsweg hinab,\nder Felder, der Finsternis ... ja, ja, aber was hat\ndas alles mit Annie zu schaffen?! . . .\nEin tiefes Brüllen steigt durch seine Kehle auf\nund will durch seinen Mund hinaus, er beißt die\nZähne darüber zusammen, spürt plötzlich den\nSchmerz in seiner Lippe, kann sich noch immer\nnicht klar darüber werden, was für einen Zu-\nsammenhang das, was geschehen ist, mit Annie\nhaben kann — entsinnt sich dahingegen nun auch\neiner Menge anderer dunklen Dinge — die offen-\nbar nach diesem Entscheidenden und Unverständ-\nlichen vor sich gegangen sein müssen —: nämlich\ndes Weges hierher nach Hause mit Ihr in seinen\nArmen, des kurzen Aufenthaltes im Arbeitszimmer,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.6", "texte": "wo sie auf dem Tisch lag und schlief, des Pochens\nund des Rufens des Polizeiassistenten, der Flucht\ndurch die Stuben da unten — jawohl, aber hier-\nherauf, wie ist er im Grunde hierher gekommen,\nwie ist in Sonderheit Annie hierhinauf gelangt —\nund was ist denn das Entsetzliche, das mit ihr ge-\nschehen ist?? . . .\nAlle diese Erwägungen haben noch keine Se-\nkunde gewährt, von dem Moment an gerechnet,\nwo sein Name jetzt eben genannt wurde — das\nkann er aus der Art und Weise schließen, wie das\nPochen jetzt wiederholt wird, ohne Andeutung von\nUngeduld, gedämpft, noch immer gleichsam ein\nklein wenig flehend —:\n„Herr Morton?!\nDarf ich Sie bitten zu öffnen?\nHier ist der Polizeiassistent — und der Arzt!\"\nEinen kleinen Augenblick steht Glaß da und ist\nplötzlich unsicher geworden.\nNoch nicht klar über irgend etwas anderes —\nals daß etwas Unerklärliches, etwas Entsetzliches\ngeschehen sein muß.\nEtwas, das irgendeinen wahnsinnigen Zusam-\nmenhang mit dem Teuersten von allem haben muß,\nwas es gibt, ja, mit Annie — mit Annie, die nun\ndaliegt und nicht zu erwecken ist!\nEtwas, das man möglicherweise sehr wohl mit\numschreibenden Worten nennen, in eine Anzahl\nvon bestimmten, unzweifelhaften Einzelhandlungen\nzusammenfassen könnte . . . aber das gesammelt\nganz einfach nicht in einem enthalten sein kann,\nüber das man nur den Kopf schütteln, und von dem\ntnan nicht einmal reden hören mag!\nOder versuchen wir nun nur einmal dies hier:\nDie Straßenbahn, nicht wahr; der Zug bis zur Sta-\ntion; eine Fahrkarte; dann1 die Felder da draußen,\ndie Stockfinsternis und die Einsamkeit zu allen\nSeiten; ein Mann mit einer eiskalten Flamme in\nseiner Hand; ein jähes und langgezogenes Heulen,\ndas einem das Herz zum Stillstehen bringt — und\ngleich darauf eine schneeweiße Spitzenflagge, die\nmitten da draußen hingepflanzt ist, mitten in die\nFinsternis und in den heulenden Schrei; dann ein\nlanger, ein grauenvoller, blutroter Streifen, der\nquer über einem leuchtenden Atlas sichtbar wird;\neine unbewegliche Last in seinen Armen, die man\nbeschützen will, von der man weiß, 'daß kein\nMensch auf der Welt das geringste Recht daran\nhat . . . und hinter all diesem Kohlschwarzen und\nSchimmernden, tief, tief dahinter, aus meilenweiter\nEntfernung, draußen vom äußersten Ende der Welt\nher — ja, aus einer ganz anderen, aus einer voll-\nkommen unbekannten und fremden Existenz,\ngleich einem fernen, echoerweckenden Ruf, der\nunablässig in allen seinen Nerven von oben bis\nunten schaudert —: der Name Annie, meine Ge-\nliebte! . . .\nEr erhebt schweißtriefend, zitternd die Hände\nvor das Gesicht — zu gleicher Zeit bemüht, zu be-\ngreifen und das Verständnis von sich fortzu-\nscheuchen.\nWird darin gestört durch ein drittes heftiges\nPochen an die Tür, da hinter dem Schrank — und\ngleich darauf wieder eine Stimme: ja aber eine\nneue, eine bisher ungehörte Stimme, eine, die\ngleichsam mit Mühe spricht, sozusagen ihren eige-\nnen innersten Klang verbergend . . . wovon? und\nwarum?? und wohinter??? . . .\n„Ich bitte Sie inständig, zu öffnen, Her Morton\n— es ist Dr. Hämmingstedt von hier drüben! Sie\nkennen mich ja gut!\nIch bin von der Polizei herbeigerufen!\" — Eine\nsekundenkurze Pause und darauf, plötzlich unver-\nschleiert, mit diesem selben dumpfen und atem-\nlosen Zittern in sich, wie es die Stimmen aller\nMenschen heute Nacht zu haben scheinen —:\n„Ich bitte Sie, Herr Morton!\nHören Sie jetzt —: ich stehe hier draußen, zu-\nsammen mit dem Polizeiassisten Niels Haid!\nEr gibt Ihnen das Versprechen darauf, daß nie-\nmand weiter als ich selbst hineinkommen soll,\nwenn Sie öffnen!\nEr verspricht Ihnen auf Ehrenwort, daß die\nrein kriminelle Untersuchung ganz und gar auf\nIhrem Fürgutbefinden beruhen soll — soweit es\nsich mit Gesetz und Recht vereinigen läßt!\" —\nnoch einen Moment Stille und darauf, noch heißer,\nnoch mehr staccato —:\n„Aber mein Gott, Her Morton!\nIch flehe Sie an, laden Sie doch nicht eine solche\nVerantwortung auf Ihre Schultern!\nVielleicht ist es noch möglich für eine Sach-\nkenntnis, die Ihnen im vollsten Maße zu Diensten\nsteht — etwas für Ihre Frau zu tun.\nOeffnen Sie deswegen!\nOeffnen Sie in des Himmels Namen!\nMensch, wie können Sie sich nur so benehmen,\nwie Sie es tun —: öffnen Sie!\"\nGlaß hat während alledem unbeweglich und\nstumm dagestanden, den Kopf vornüber gelegt, un-\nerklärlich todmüde in allen Gliedern, zu gleicher\nZeit angespannt lauschend, was da draußen gesagt\nwird — und versuchend, es klar und voll zu ver-\nbinden . . . mit dem, was er nicht fassen kann.\nJetzt fühlt er. plötzlich, unvermutet, das Blut,\ndas kochend heiß, rot und schäumend nach seinem\nGehirn aufsteigt —:\n„Gut!\" — hört er seine eigene Stimme, von\nHaß geschwollen, heiser und kurz —:\n„Ich habe nicht das geringste mit irgend ze-\nmand von Ihnen allen zu schaffen. Weder für den\nArzt noch für die Polizei ist hier etwas auszu-\nrichten. Ich verlange, daß Sie alle wie ein Mann\naugenblicklich mein Haus verlassen!\nHaben Sie mich verstanden —: ich stehe nicht\nfür die Folgen der Sache ein, wenn Sie oder an-\ndere es versuchen, Ihren Willen mit Macht durch-\nzusetzen!\nHaben Sie es jetzt begriffen? Sind Sie sich\nvöllig klar darüber, was ich meine —:\nDann gehen Sie!\nLassen Sie mich in Ruhe!\nVerschwinden Sie — in diesem Augenblick!\nEs kommt keine Menscbenseele lebend hier\nhinein!\" —\nEr horcht noch eine Sekunde auf diese unter-\ndrückten Stimmen da draußen, gleich darauf auf\nden Laut von Schritten, die sich langsam fortver-\nfügen.\nMacht mit einem Satz Kehrt, die Front dem\nBette zugewendet — und weiß im selben Nu alles!\nDiesmal vollständig, detailliert, entsetzlich, tod-\nbringend in allen Nerven und Fibern — und mit\neinem Schrei, mit einem Axthieb vor seinen Kopf,\nist er auf die Knie gesunken, die Stirn gegen den\nRand des Lagers —: Annie, mein Gott!\nEr liegt eine lange Zeit da, die Brust aufge-\nrissen, das Herz verrückt.\nEr bewegt sich beständig in ganz kleinen\nRucken auf seinen Knien hin und her, hat ihre eine\nHand ergriffen; sie ist eiskalt und gräßlich schwer;\ner bohrt sein Antlitz gegen die Hand nieder, Annie,\nGeliebte, alles in der Welt ist vorbei, wie ist das\nmöglich!\nEr jammert, er sinkt zurück und sitzt einen\nAugenblick auf seinen Fersen, stumm und lahm vor\nGrauen. Er schnappt nach Luft, wird von neuem\nvon diesem namenlos Unerhörten umfangen, das\nhat geschehen können, mein Lieb, ach, wäre ich\nes doch, ach, wärest nicht du es, sondern ich!\nEr haut seine Stirn, seine Nasenwurzel, seine Lip-\npen mit aller Macht gegen den scharfen Mahagoni-\nrand des Bettes, er lacht, aus einer Qual heraus,\ndie nicht beschrieben werden kann, er stottert und\nbewegt lautlos die Lippen, wird auf einmal eisig\nkalt und im nächsten Nu glühen alle seine Fibern,\ner richtet sich plötzlich halbwegs auf, umfaßt sie\nmit einem weit geöffneten Blick, der blitzscharf\nbeobachtet, er gleitet mit unsagbarer Sorgfalt an\nihrer Seite nieder, streicht das Haar von ihrer\nWange fort, von ihrem Mund, er küßt ihre Lippen\nmit brennender Pein, wird jäh ergriffen von der\nUebelkeit des Blutgeruchs, jammert, sinkt dort vor\ndem Lager auf die Knie nieder, rast und lacht und\nringt die Hände, Annie, nein, es ist unmöglich!...\nBeständig liegt er da — ohne auf Zeit oder\nRaum zu achten, ohne zu begreifen, oder zu fas-\nsen, ohne sich zu bewegen, mit blinzelnden und\ntrockenen Augen —:\nMein Gott, wie ist es möglich gewesen —\nAnnie, die so licht und schön war!\nMein Gott, wie hat es geschehen können —\nAnnie, die so jung war!\nMein Gott, es ist unmöglich — Annie, die so\njung war!\nMein Gott, mein Gott, mein Gott!\nMeine Einzige, meine Geliebte!\nEr schleppt sich auf den Knien nach der andern\nSeite des Bettes herum, dort am Fenster; sein\nKinn hüpft lautlos auf und nieder, sein Antlitz ist\nformlos geschwollen, das Blut sitzt in Klecksen\ndarauf, er reibt verzweifelt mit beiden Händen\ndarüber hin!\nEr kann trotz allem nicht daran glauben, daß\nes hat geschehen können, er erhebt sich deswegen\nmit einem Ruck, der Frühschimmer hat ihre Wange\nerreicht, ihre Haut ist so wunderbar zart und\nschön, ach, der Widerschein der Morgensonne auf\nihrer Lippe —; nein, gewiß nicht, ah-ah-ah, es\nkann nicht richtig sein, dies hier, wie, hör jetzt\neinmal, liebe Annie, ich bitte, ich flehe, öffne deine\nAugen! Antworte mir, antworte mir .nur noch\nein einziges Mal — oder bewege nur blinzelnd das\nLid deines Auges, die langen Seidenfransen\ndaran!\nUnd er begreift im selben Nu von neuem, daß\ndas alles miteinander nicht das geringste nützt!\nDaß sie doch niemals mehr ihre Augen weder\nschließen noch öffnen wird, daß sie ihm niemals\nmehr wird antworten können, sie hört längst nicht\nmehr seine Stimme, weder er noch sie wissen,\nwo sie ist -— sie ist meilenweit, unendlich weit\nfort von hier, ihr Ich ist mit Gewalt aus ihrem\nKörper herausgerissen, entfernt von allem, was\nwir kennen! Nein, er wird sie nie wieder sehen,\nsie sollen nimmermehr miteinander reden, sich nie\nfreuen und lächeln, nie gegenseitig ihr Glück er-\nleben — weder dessen Rede, noch dessen Schwei-\ngen, das ist alles für immer vorbei! Alles — für\newig — vorbei!\nEr hat sich klagend ein klein wenig erhoben,\nstützt sich jetzt mit den Flächen beider Hände\ngegen den Rand des Bettes. Seine Blicke flattern\nverwirrt über ihr Antlitz hin, er entdeckt plötzlich\ndas Entsetzen in ihren grauenvoll ausgeweiteten,\nsteifen Pupillen — und da sinkt er mit einem Stöh-\nnen zurück, beide Arme vorstreckt, und im sel-\nben Nu kehrt sich das alies nieder gegen ihn\nselbst! es trifft sein Gehirn, seine Nerven, sein\nHerz wie ein Schauer von Feuer, wie ein Un-\nwetter von Brand und Schüssen, wie Blitz und\nDonnergedröhn überall — Ja, das ganze ist seine\nSchuld. Er, nur er, ist schuld an diesem allen —\noder warum hatte er Sie denn allein in die Stadt\nfahren lassen! warum hatte er nicht, als sie später-\nhin am Abend telephonierte, daß sie mit der letzten\nStraßenbahn kommen würde — warum hatte er ihr\nda nicht gesagt, daß sie da bleiben und warten\nsolle, daß er sich jetzt ein Automobil nähme und\nhinführe und sie holte, weil er sich sehnte! Mein\nGott, hätte er sie geliebt, wie sie es wert war —"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.7", "texte": "dann hätte er dies eine Mal unerklärlich geahnt,\nwas geschehen konnte! dann hätte sein Herz alles\nerratend vorausgesehen, was geschehen mußte —\nwenn er ihr diesen Abend erlaubte, allein hier her-\nauszufahren! Dann wäre es ihm ergangen, wie\nes so vielen Müttern und Vätern ergangen war,\nso vielen Liebenden auf dem ganzen Erdkreis —:\ndaß ein geheimnisvolles Wissen sie rastlos, ruhe-\nlos, von daheim trieb, fort, hinaus — hinaus, um\nvorzubeugen, was sonst unabwendbar geschehen\nwürde! Ja, ja, das alles ist seine eigene Schuld,\ndas alles ist nur gerecht und natürlich, er hatte\nsie nicht genug geliebt . . . und nun ist es zu spät!\ner hatte seine eigenen Pläne und Arbeiten höher\ngestellt als Sie und dies ist die Strafe dafür . .\nund nun kann es niemals, nie wieder gut gemacht\nwerden! . . .\nEr birgt zermalmt sein Antlitz in den Händen,\nbleibt da liegen, ohne ein Glied zu rühren.\nUnd die Minuten vergehen — sie kommen und\nvergehen.\nEin Sonnenstreif fällt schmal und blank und\nschaut durch das offene Fenster herein, das im\nWinde schwankt.\nGlaß Morton erhebt auf einmal den Kopf, sieht\ndie Gardinen dort, die zerrissen sind ,es haftet\nBlut daran — Blut auch auf dem Fensterbrett und\nauf dem Fußboden — Blut überall.\nJa überall, über die seidene Decke des Bettes\nhat es sich gebreitet, auf einem Purpurlaken liegt\nsie da — die Schönste von allen, die ewig junge,\ndie zarte und lichte Fürstin der Welt und des\nLebens!\nEr lacht glückselig und verzweifelt, erinnert\nsich in einem blitzkurzen Nu all ihres Glückes —\nsinkt keuchend vornüber, schlägt sich die Stirn\nblutig, ruft und murmelt! — Er entsinnt sich, wel-\nche Qual sie erlitten hat, während dies alles über\nNacht geschehen ist — und erhebt sich halb mit\neinem Ruck und schüttelt die Fäuste in der Luft\nvor sich, will töten und zerschmettern! — Er er-\ninnert sich des allerersten Males in seinem Leben,\nwo er sie sah — und er birgt sein Antlitz in beiden\nHänden, schreit da drinnen, rast und keucht! —\nEr unterscheidet plötzlich den Laut von Schritten\nirgendwo da unten unter sich, von beständigen,\nlangsamen, gleichsam patrouillierenden Schritten\nda unten durch die Zimmer, einen nach dem an-:\ndem: auf und nieder, der Gang eines Wächters,\nauf und nieder — und seih Herz schleudert einen\nStröm von kochendem Blut in seine Wangen hin-\nauf: diese Köter, die da gehen und warten, diese\nLaurer, die da unten umherschleichen! — Im näch-\nsten: Augenblick fällt ihm jener erste Abend nach'\ndem Ball ein, den er bei ihren Eltern zubrachte ...\nund da! steht er auf einmal aufgerichtet, wild mit\nSchwankenden Knien da —: ■ • !\nJa! ' •\nDie hat er vergessen!\nVergessen bis jetzt — ihre Eltern!\nWas soll er tun, wenn sie jetzt . . . bald, viel-\nleicht schon in diesem Moment . . . erfahren haben,\nwas geschehen ist!\nEr starrt ratlos nach allen Seiten umher: der\nSchrank, der umgestürzt dort vor der Tür in der\nEcke liegt, die zerfetzten, blutbefleckten Gardinen,\ndie wehen! das Bett; seine Kleider — Sie!\n(Jnd da ist es, als erwache er jetzt fast ganz.\nEr entsinnt sich jedes einzelnen kleinen Dinges,\nin allem, was geschehen ist — und in allem, was\nunvermeidlich folgen muß! Ja, ihr Vater und ihre\nMutter vor allen Dingen ... ihr Vater, der alt,\nihre Mutter, die krank ist! Mein Gott, wozu soll\ner greifen! Was soll er antworten — wenn nun\nbinnen kurzem auch die beiden Alten hierher kom-\nmen und verlangen ihre Annie zu sehen, ach, ihr\nLieblingskind, das letzte von ihnen allen, sie, die\nso schön war, so licht, so froh und so gut — und\nder Morton ein unvergängliches Glück zu schenken\ngeschworen hatte!\nEr ist von neuem an dem Rande des Bettes\nniedergeglitten, eine einzige Sekunde noch zer-\nrissen, aufgelöst, ertrunken in seiner Qual — aber\ndann ist sie selbst es plötzlich wieder, die in seinen\nGedanken auftaucht —:\nSie!\nHat er auch sie vergessen?\nHat er sie unachtsam daliegen lassen, stunden-\nlang?\nHat er sowohl sie — als auch die Eltern\nvergessen, denen sie keinen Schmerz bereiten\nwollte?! . . .\nUnd da ist er jäh ganz wach, hat sich mit einem\nRuck aufgerichtet —: ja, ja, meine Geliebte, was\nsoll ich für dich tun?!\nEr tritt im selben Augeblick einen kurzen\nSchritt vor, hat sein Antlitz mit gerunzelten Brauen\nerhoben, in seinem Herzen entsteht auf einmal ein\nungeheures Schwellen! er zittert, tief aus seinem\nBlut fliegen wieder die kochenden, feuerroten\nDünste hervor — und jäh umklammern ihn schäu-\nmende Begierde, wahnsinnig gehässige Gelüste —:\nJa!\nWas soll er tun — um ihr Los zu mildern?!\nAlles, gleichgültig was, zu allem, was es auch\nsein mag — ist er bereit, um seine Schuld zu\nsühnen!\nSoll er gleich hier an ihrer Seite sterben — zur\nStrafe, weil dies hier geschehen ist! Soll er nie-\nderknien und sich mit einem Schuß in den Schädel\ntöten, sein Leben nach allen Seiten verspritzen, rot\nund grau — reuevoll und sehnsuchbesessen zu Ihr\nhinüberstarrend! Oder soll er mit einem Sprung\noben im Bette sein, sich in der Ecke da oben an\nseinem Hals aufknüpfen, krepieren wie der Unwür-\ndige, der er ist — während er röchelnd und selig\nihren Namen in einem Flehen flüstert! Oder nein,\ndas alles ist ja gar nichts, das ist ja nur Wollust im\nVergleich mit dem, was sie hat leiden müssen —\nnein, aber soll er denn sein Taschenmesser heraus-\nholen, es öffnen und mit seiner stumpfen Klinge\nseinen Leib in derselben gräßlichen Wunde auf-\nschlitzen, die ihm sie geraubt hat — mit fester und\nlangsamer Hand, Stück für Stück, seine Eingeweide\nherausreißen, sie in einem Schwall von Blut von\nsich schleudern — und sterben mit einem Schau-\ndern von Wonne, daß er sogleich ihrer Fußspur\nhat folgen können?!\nWas?\nSoll er?\nWird sie das froh machen — und wird es\nseine eigene Schande gut machen können?\nOder sind es vielleicht die anderen, die ge-\ntroffen werden sollen? Die ganze unzählige, un-\nbekannte Menge, in der er, der Fremde, der Mör-\nder, schon längst verschwunden und verborgen\nist?! Sage es mir, soll ich sie totschlagen — um\nihre Leichen zu einem ungeheuren Monument auf-\nzuhäufen, zu einer schwindelnden, sickernden Py-\nramide über deiner Leiche? Soll ich ihnen allen\nmein Haus öffnen, an demselben Tagp, an dem du\nbegraben wirst — soll ich im voraus die Keller\ndes Hauses mit Pulver und Dynamit füllen», soll ich\nsie zu Tausenden hier hinauslocken und sie dann\nalle zusammen in die Luft sprengen — so daß sie\nin einem sukundenkurzen, himmelhohen Berg von\nFeuer und Geschrei, von Rauch und Tod um-\nkommen?! Oder soll ich an jenem Tage zahllose,\nlange Tische überall hier drinnen, in allen Stuben,\noben wie unten, in den Gängen des Gartens, auf\nden Rasenplätzen und dort unten am Strande ent-\nlang, decken lassen — und im voraus ein schran-\nkenloses Gift in sämtliche Flaschen und Gläser\ngießen lassen! soll ich sie lächelnd mit einer ver-\nheerenden Pestilenz bewirten, so daß jeder ein-\nzelne von ihnen noch mehr leiden muß, als du,\nHunderte von Malen länger und Tausende von\nMalen qualvoller als du . . . und dann selbst mitten\nin dem heulenden Chaos von Todeskampfzucken\ndamit enden, mich selbst als den letzten von allen\nzu morden, satt von der Rache, zum Bersten über-\nsättigt von Rache, triumphierend und toll von\nSehnsucht — auf deinem Grabe?!\nNicht wahr?\nWie gefällt dir das?!\nOder antworte mir, findest du mehr Behagen\nan dem, was mir jetzt eben eingefallen ist —:\nHahaha, ein gigantischer Einfall, wohl wert des\nVerlustes von dir —: höre jetzt hier einmal, soll\nich von nun an Tag und Nacht schreiben, jedes\nTüttelchen meiner Kräfte gebrauchen — um eine\nvollkommen neue Art von Kunst zu dichten! Haha,\nunendliche Bücher schreiben, Folianten, deren\nTitel schon ein tiefer, ein unsichtbarer und giftiger\nStich in das Herz aller Welt ist; deren Fieberhand-\nlung dem Leser die Kraft stehlen, das Mark aus\nseinen Knochen trinken, jedes Körnchen seinjer\nZufriedenheit und Ruhe seines Zutrauens zum Le-\nben ersticken soll; und deren Personen häßliche,\nunvergeßliche Gesichter haben: große kreideweiße\nFratzen, die sich hin und her wiegen, glotzende\nAugen, geifernde Münder — und verkrüppelte Or-\ngane! Ja Geschichten, die wie Ungeziefer über die\nTürschwelle des Lesers dahergekrochen kommen,\ndie lautlos an allen Wänden in seinem Zimmer\nhinaufkrabbeln, sich jäh als ein unfaßbarer, unver-\ntretbarer Beigeschmack der Fäulnis in allen sei-\nnen Speisen verraten sollen; sich als erstickender\nGestank von Typhus und Seuche offenbaren, der\naus all seinem Getränk aufsteigt! Haha, Schau-\nspiele, die rufen und locken — und sich hinterher\nwie eine Ansteckung in allen Sinnen festkleben,\nden Schlaf des Zuschauers daheim verschleimen,\nentzündet und unsagbar in seinen Träumen gau-\nkeln, seine Züge Nacht für Nacht erschlaffen und\nverunzieren! Romane, die sein Fleisch zersetzen,\neinen säureherben Eiter in alle verborgenen Wun-\nden tropfen — Menschen dazu bringen, daß sie sich\nnicht nur vor sich selber grauen, sondern auch vor\nihrer Frau, ihrem Mann, ihren Kindern und Eltern!!\nWerke, die mit jedem Atemzug ihre Adern mit\ndemselben stinkenden Morast von Blut und Mord\nfüllen, mit demselben wunden Haß gegen alle Welt\n— wie sie in diesem Nu in m e i n e n Nerven rasen!\nBücher, ja ,die beflecken und schänden, die mit\nGewalt nehmen und meuchlings morden — gerade\nso wie Annie über Nacht getötet und besudelt\nworden ist! . . .\n\nFortsetzung folgt\n\nEmpfohlene Bücher\nHans Hildebrandt\nAdolf Holzel als Zeichner\nStuttgart I Deutsche Verlagsanstalt\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nLieferung 15: O. Wulff: Altchristliche und\nbyzantinische Kunst ,/ Heft 7\nBerlin-Neubabelsberg f Akademische Verlags-\ngesellschaft Athenaion m. b. H."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeil«\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Grunde vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm*\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die Aus-\nstellung in Berlin bleibt geöffnet.\nDer Heeresmarsch „Sturm\" von Herwarth\nWaiden, der dieser Nummer beiliegt, ist auch im\nEinzelverkauf zum Preis von 50 Pfennig erhältlich.\nVon Hermann Essig, unserm Mitarbeiter,\nsind zwei Dramen vom Deutschen Theater und\nDeutschem Künstlertheater zur Aufführung in die-\nser Spielzeit angenommen.\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin unci Genf\nBerlin W / Potedantr Stral« 134 a\nAchtundzwanzigste Ausstellung\nFuturisten\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\nll—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nWechsel\nEroffnung in Genf: Unbestimmt\nSturmaussiellungen in Deutsehland\nSeptember 1914\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und ftinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs ./ Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark J Fur das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs ./ Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeztige, Einzel-\nnummern und Probenummern nicht abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203 : 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nICunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nclurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Bet r a g ffir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben\nOskar Kokoschki: Zwanzlf Blatt ZeichnungeH j\nStrichltzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier la\nLiixus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton la eia-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzi g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBQcher\nSoeben erschien im Verlag Der Sturm:\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / Ein Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft ./\nNapoleons Aufstieg / Tragodie ! Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher 1: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a / 50 Pfennig j II: August Stramm: R u d i -\nmentar / 50 Pfennig / III: Mynona: Von Hun den\nund andererc Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut /' 50 Pfennig / Verlag Der\nSturm I Berlin\nMusik\nHerwartb Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Amo Hoiz / Far Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1: Er\nhort mit ihr den Qukguk schreyn I einzeln 50\nPfennig / Der Sturm / Heeresmarsch / Fiir\nKlavier / 50 Pfennig\nKfinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccloni: Dm\nLachen / Luifißussolo: Erinnerunj einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Qiao Seve-\nring Die Modistin / Ruheiose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccloni t Abschled/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschlcksale\nOskar Kokoschka: Utin am delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall /\nKlee ! L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit filnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertlefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGem&lde / Aquarelle / Zelchnungen /\nHanddrucke / Plastlken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck. ./ Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severini I\n\nCarra / Russolo j Francis Plcabia / Scbmidt-\nRottluff I Walter Helbig I Max Pechstein\nVerein fiir Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation:\nKokoschkarnappe / Prospekt urnsonst\nIra nachsten Winter finden zehn Autorenabende\nstatt und zwar an jedem zweiten und vierten\nDonnerstag der Monate Oktober, November, Ja-\nnuar, Februar und Marz in der Kunstausstelhing\nDer Sturm\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Florenz / Via\nNazionale 25\nUmelecky Mesicnlk / Monatsschrift fi3r neue ÜB#\nalte Kunst 112 Administration Pras: ! 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge I Whitman I.\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Qhose j Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Vey-\nlag Richard G. Badger I Boston / Mas#\nI USA 194 Boylston Street\nLJmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: SSmtliche Dramen / Die Ausgabe\nenthalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M* 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart j Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur BiichereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzDaDier Format 42 X 35 Mark 4"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.9", "texte": "DER STURM\nHeeresmarsch\nFür August Stramm\nHerwarth Walden\nOpus 21\n\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\n1914"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140815-01.1.10", "texte": "Herwarth Walden / Opus 21"}]}