{"numero_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_sha256": "8b70c8f88e8db15f5f0b74423ffc3b0e4b890dfe57c40944453811f7e0aa438a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1914/09/01_01/bmtnabg_1914-09-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1914/09/01_01/bmtnabg_1914-09-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.1", "debut_caractere": 314, "fin_caractere_exclue": 501, "texte": "Inhalt:\nAlfred Döblin: Von der himmlichen Gnade / Marli an Marik: Totengebete / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Ernst Wilhelm Lötz:\nGedichte / Carl Mense: Originallinoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.2.2", "titre_corps": "Carl Mense: Originallinoleumschnitt", "titre_sommaire": "Carl Mense: Originallinoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.1", "debut_caractere": 503, "fin_caractere_exclue": 538, "texte": "Carl Mense: Originallinoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "84", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.2.3", "titre_corps": "Von der himmlischen Gnade", "titre_sommaire": "Von der himmlischen Gnade", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10319, "texte": "Von der himmlischen\nGnade\nAlfred Döblin\nKein Land ist an Friedlichkeit jenem zu ver-\nvergleichen, das in den Tod führt. Das Leben\nwölbt sich über dem Kopf wie ein Brückenbogen\nund unten fließt das V/asser, trägt den Kahn, nimmt\nihn weiter.\nFriedrichsfelde bei Berlin; ein heller Sommer-\nabend. Die Fredersdorf erstraße eng, schlecht ge-\npflastert; eine Reihe niedriger verfallener Häuser,\nKohlenplätze, Baustellen. Die schmutzigen, ver-\nwachsenen Kinder lärmten nicht mehr draußen.\nGebückt zog ein altes Menschenpaar von der\nChaussee her im die Gasse ein, die beiden Naßkes.\nEr an der Deichsel des ratternden Hundewagens,\nsie daneben, die Hände unter der schmierigen roten\nSchürze, die sie wie ein Muff aufgerollt hatte. Sie\nfuhren blicklos die Gasse herauf, unter dem blü-\nhenden Kastanienbaum hindurch, der schräg\ngegenüber ihrem jämmerlichen Häusschen wuchs.\nEin Stieglitz sprang auf den Baum, hüpfte\nZweig auf, Zweig ab; nach einigem „Kiwitt, kiwitt,\nzwrr\" sang er:\n„Grün ist der Mai. Mit mancherlei schönen\nBlümelein gezieret sind Berg und Tal. Viele kalte\nBrünnlein rauschen, darauf wir Waldvögelein\nlauschen.\"\nDie äußeren Aeste der Kastanien berührten den\nhohen Bretterzaun vor Naßkes Häuschen. Hinter\neinem verwilderten Hof, auf dem Brennholz und\nZiegelsteine stapelten, einen schmalen Gemüsegar-\nten vor der Front, stand das einstöckige Bauwerk.\nDie Fensterscheiben blind, mit Staub beladen, einige\nverhängt mit Lumpen und Laken. Im ersten Stock\nwaren Fenster geöffnet; irgend wer bullerte oben\nund warf von Zeit zu Zeit etwas um. Sie fuhren\nin den Hof ein, trabten drin langsam und blicklos.\nDer Alte schirrte den Hund ab, an die Leine\nunter einem niedrigen Schuppen, schüttete, den\nEimer auf den Knieen und geduckt, dem schnap-\npenden Tier Abfall vor. Sie gingen nicht gleich\nins Haus. Neben dem Wagen, der sich in den wei-\nchen Schutt tief mit den Rädern eingrub, saßen sie\nauf umgekehrten Kiepen vor dem Gemüsegarten.\nDie Spatzen schrien, der Stieglitz rief weiter. Der\nAlte murrte: „Wat die nu zu krähen haben.\"\nSie saßen still nebeneinander und sahen gerade-\naus. Braune Klinkersteine von Oefen lagen da und\nblitzten. Dann fing der Vogel wieder an: „Kwiwitt,\nkwiwitt\".\n„Man wird doch seine Ruhe haben können vor\ndie Aester\"; einen Stein nahm der Alte, schmiß ihn\nüber den Zaun in das Laub hinauf, der Vogel flog\nfort. Nicht lange fing leise im ersten Stock eine\nHandharmonika an, wimmernd und stöhnend; die\nMusik kam hinter ihren krummen Rücken her und\nging mit der Luft. Nach einer Weile wiegte die\nvertrocknete Großmutter den Kopf unter ihrem\nUmschlagetuch: „Et zieht; ick jeh rin.\" Unbeweg-\nlich saß er, mit den Armen auf den Knieen; die\nKlinker flennten: „Jeh man.\" Er hörte auf die\nMusik.\nDie Blicke der heiden waren wie Gummiringe\ndie allmählich überweitet wurden; die Haut hing\nwie ein zu weiter Lumpensack um ihr Gestell.\nGraubraune verrunzelte Gesichter boten sie dem\nLicht. Bei lag fuhren sie Hundefutter durch die\nStadt, an den Markthallen lasen sie Fleischabfall,\nhalbverweste Fische, Kartoffeln, Schalen auf. Das\nSprechen hatten sich die Beiden abgewöhnt. Ihre\nKnochen taten unermüdlich ihren Dienst, Maschi-\nnen, die einmal angelassen waren, trugen das Herz,\ndas träge und zögernd sein Ticktack machte, die\nkeuchenden Lungen; und die Köpfe, auf den ver-\ndorrten Hälsen schaukelnd, wurden mitgeschleppt.\nRasch wurde es finster. Und wie die beiden\nauf ihrem stummen Zimmer wirtschafteten, schlug\nder Hund an. Ein iVlannesschritt kam die Stufen\nherauf, eine bärtige derbe Qestalt steckte den Kopf\nin die dunkle Küche, knipste seine Taschenlampe\nund der weiße Lichtkreis lief über Säcke, Töpfe,\nHerd und ein Durcheinander von Konservenbüchsen,\nschallte seine Stimme: „Sind Naßkes hier? Ist\ndas dunkel! Ne, ist das dunkel!\" Ein zweiter Mann\nkam herauf, stand neben ihm, ein Schutzmann mit\ndem Revolver am Gurt. Die beiden Alten saßen\nauf der Matratze im Zimmer nebenan. Sie knuffte\niihn in die Seite, zischte: „Du\" und zeigte nach der\nKüche. Er tat als ob er schlief. „Warten Sie mal,\nFiebig, Sie brauchen nicht mitzukommen,\", sagte\nder bärtige Mann an der Küchentür, „bleiben Sie\ndraußen, lassen Sie aber die Hoftür offen.\" Vor-\nsichtig stieg er durch die verstellte Küche, stieß\ndie Stubentür auf: „Warum meldet Ihr Euch denn\nnicht? Wenn man Euch ruft? Was? Sie sind\nNaßke?\" Der Alte krabbelte unter dem stechenden\nfahndenden Lichtkreis hoch, stützte sich gegen die\nWand. „Sind Sie Naßke? Sagen Sies doch. Wo ist\ndenn die Alte? Na, verkriechen Sie sich man nicht,\nGroßmutterken; wir kriegen Ihnen schon.\"\nEr hob sie unter den Lumpen hoch: „Die Bee-\nnekens taugen wohl nicht mehr. Aber es langt\nnoch. Sie sollen jestohlen haben, Sie beeden.\" Die\nAlte kreischte, hob die Hände über den Kopf und\ndrehte sich nach der dunklen Wand zu. „Ne, olle\nDame, schreien hilft nischt. Stehen Sie mal janz\nuff; Sie sollen mitkommen uffs Revier.\" „Ick hab\nnich jestohlen, Herr Wachtmeester\" plärrte die\nFrau. „Das können Se nachher erzählen. Hut haben\nSie woll nich? Naßke, wo habt Ihr denn det Jeld\nverstochen?\" „Ick hab nischt jestohlen und ick\nhab nischt jestohlen.\" Sie gingen vor dem kräfti-\ngen Mann mit gesenkten Köpfen her. „Nu mach\nman bloß kein Klamauk hier; habt Ihr natürlich\ngleich verschoben. Fiebig, Sie gehen mal rauf hier\noben. Dett sind doch Eure Freinde, die lange\nEmma und der dufte Rutschinski, alles auf einen\nHaufen. Den Leutchen gehört der Hund, fiebig;\nsagen Sie von wegen Nummer sicher mit die Naß-\nkes und kucken Sie sich ein bißchen um.\" Er flü-\nsterte dem Schutzmann ins Ohr: „Vorsicht; ich\nwarte solange.\"\nSo kamen die beiden nach Moabit. Sie hatten\nam Vormittag in einem Haus von Rummelsburg\nden Mülleimer durchsucht. Als sie mit ihrem Sack\ndurch den Hausflur kamen, stand ein Bierwagen\nvor der Tür; der Bierfahrer hatte einen leeren\nBierkasten im Hausflur abgestellt, während er\ndurch einen Hintereingang eine frische Ladung in\ndie Restauration trug. Versehentlich tat der Mann\nsein Beutelchen mit Kleingeld statt in die Tasche\nin ein Schubfach des leeren Kastens. Naßke griff\nunbedenklich im Vorübergehen danach; sie fuhr\nängstlich hinter ihm her, schimpfte leise: „Wat\nwillste denn damit? Leg wieder hin.\" Er tauchte\nden Beutel in seinen gleichmütig äbgeschulterten\nLumpensack, öffnete die Tür, sie sockten langsam\nmit ihrem Wagen um die nächste Ecke. Die Frau\nschob hinten an dem Karren; sie war ängstlich;\ner hatte das Gefühl: „Die Sache hat ihre Ordnung;\ndem Dicken haben wirs besorgt.\" Er kaufte sich\nbei einem Händler in der Kneipe eine Stange -extra-\nfeinen Priem; sie ein paar wollene Pulswärmer,\neine Flasche süßen Likör und ein kariertes Um-\nschlagetuch. Der Rest des Geldes wurde am Bo-\nden zwischen die Bretter des Karrens geklemmt.\nIn Moabit saß er zusammen mit einem behäbi-\ngen schlauen Bruder, der schon öfter ein Ding ge-\ndieht hatte. Zuletzt hätte er eine schöne Stange\nGeld geerbt, erzählte er dem Alten, den er mit der.\nWorten begrüßte: „Mensch Dir hätten Se ooch lie-\nber gleich in de Müllkute lassen können.\" Er\nsuchte „die olle Mumie\" zu bewegen, ihm etwas\nzu erzählen. Als der schwieg und immer giftig\nauf die Diele hinsah, reizte er ihn: „Wat hast Du\ndenn jeklaut? Nen doten Heringsschwanz, wat?\nUnd denn gleich jekocht in de Sechserkneipe und\nalleene uffjefressen.\" Der Alte blieb stumm. Er\nwar mit einem dumpfen Grimm gefüllt; wenn er\nstörrisch die Suppe herunterschluckte und seinen\nTeller ausleckte, fuhr der Dicke vor ihm zurück:\n„Beiß mir man nicht; sonstens bestell ick nen\nMaulkorb.\"\nEines Morgens greinte und quackte Naßke:\n„Mein Zahn wackelt.\" „Wat soll ick denn damit?\"\n„Ick will nen Baibier haben für mein Zahn.\" „Wat\nis?\" „Ick will nen Baibier haben.\" „Laß Dir aus-\nstellen im Zoologischen, oller Affe mit Dein Zahn.\"\nDer Alte knarrte weiter; der andere meinte ruhig:\n„Wenns de noch viel jaulst, kriegste eins in die\nFresse und der Zahn hoppst raus.\" Zwei Wochen\nsaß Naßke; am Abend bevor er entlassen wurde,\nbrummte er wieder. Der Gauner fragte: „Wat\nmöchste?\" Naßke sah vergrämt vor sich hin und\nsagte nach einer Pause: „Wat man möchte? Man\nmöchte am liebsten dot sin.l.\"\nIm ersten Stock bei Naßkes wohnte Emma mit\ndem duften Rutschinski. Rutschinski ging in der\nZeit, während die beiden festgenommen wurden,\nnicht aus, weil er sich den Fuß auf der Treppe um-\ngeknickt hatte. Er war ein großer schlanker Mann,\nhatte ein schönes volles Gesicht. Seine schöne\nFigur hatte sein Schicksal bestimmt. Sobald er\ndas erste Mal keine Arbeit fand und spazieren\nging, entdeckten zwei ledige Fräuleins seine\nschwarzen Haare und die stumpfe Nase, dazu ein\npaar grade Beine. So spazierte er bald weiter mit\neiner samtenen Mütze und der kecken Strizzilocke\nauf der Stirn; die ledigen Fräuleins arbeiteten für\nihn. Nun beschützte er die lange Emma, ein blon-\ndes ehemaliges Kindermädchen. WTenn es soweit\nwar mit dem Geld, wollten sie heiraten und ein\nGemüsegeschäft aufmachen. Als die Naßkes in\nMoabit saßen, sagte Rutschinski, Emma solle mal\nwo einen ordentlichen Griff tun, sie wollten den\nalten Leuten ein kesses Abendbrot zukommen las-\nsen und einen Anwalt bestellen.\nAm nächsten Morgen um sechs Uhr entstand\nvor der benachbarten Rettungswache ein großer\nLärm. Emma wurde von einem Mann hereinge-\nführt am Arm. Sie torkelte. Sie hatte eine Kratz-\nwunde an der Stirn, ihre Nase und Oberlippe blu-\ntete; in Strähnen fiel ihr das blonde Haar zottelig\nauf die Schulter. Die Blumen auf ihrem Hut waren\nhalb heruntergerissen; die weiße Bluse mit Stra-\nßenschmutz beklebt. Der Mann hielt ihren Sonnen-\nschirm in der Hand; er war mitten entzweigebro-\nchen, die Stangen mit dem roten Bezug hingen.\nAus einer Seitentür des hellen viereckigen Raumes,\nin dem Instrumentenschränke, Verbandkästen\nstanden, stampfte gewichtig ein älterer Mann in\neiner weißrotgestreiften Bluse mit bloßen Armen;\ner trug eine Stahlbrille, in der Mitte des Schädels\nwaren ihm die Haare ausgegangen; an den Seiten\nwuchsen sie buschig nach vorn, schwarz und grau.\nEr sah, die Arme in die Seiten gestemmt, zu, wie\nder Arbeiter prustend das Mädchen über den Bo-\nden schleifte und. hingleiten ließ. Er kommandierte:\n„Legen Sie den Schirm daneben. Die Person ken-\nnen Sie natierlich nich? Na, dann kennen Se\ngehen.\"\nEmma schnarchte; der Schleim hing ihr aus\ndem Mund; ein Dunst von Schnaps und Tabak-\nrauch ging von ihr aus. Die Treppe im Hinter-\ngrund des Raumes sprang ein Herr im weißen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10606, "texte": "Mantel herunter; lang, schmalwangiges Gesicht,\ngeschäftsschlaue Züge, muntere Bewegungen.\n„Herr Doktor\" rief ihm der Heilgehilfe entgegen,\n'der noch immer mit eingestemmten Armen vor\nEmma stand, „ein neuer Fall.\" „Das sieht ein Blin-\nder, Walter. Wenn Sie weiter nischt von mir wol-\nlen, kann ich ja wieder gehen. Aber ne feine Num-\nmer für den frühen Morgen. Man sollte es nicht\nfür möglich halten. Die hat sich aus der Linien-\nstraße hier rauf verirrt.\" „Haben wir jetzt alle sel-\nber hier am Ort, Herr Doktor.\" „Na sehen Sie zu,\nWalter, klingeln Sies Revier an.\"\nDer Heilgehilfe war mit dem Mädchen allein.\nEr ging um sie herum, spukte verächtlich zu ihren\nFüßen aus: „Pfui!\" Aus dem Verbandsschrank\nholte er einen Wattebausch, goß einen Schuß Sal-\nmiak darauf, stubbste es der scharchenden Per-\nson unter die Nase. Die drehte den Kopf ab,\nspuckte aus. Er folgte hingekniet mit dem Bausch,\nklammerte ihren zerzausten Kopf in seinen linken\nArm fest. Sie schlug mit den Beinen. „Wat hat\ndet Luder für ne Kledasche an. Stiefeletten bis un-\nter die Knie.\" Ihre blauseidenen durchbrochenen\nStrümpfe kamen zum Vorschein. Mit einem Ruck\nwand sie ihren Kopf aus seinem Arm, kauerte hin,\ndann kroch sie wie ein Hund auf allen Vieren bis\nan den Verbandtisch, während ihr die Haare über\ndas verschwollene Gesicht hingen, richtete sich\nprustend hoch; er dicht hinter ihr mit dem Lappen.\nSie taumelte zur Wand hin, zerrte an dem Schloß\ndes Verbandskastens, beschmierte die Scheibe mit\nihrem angepreßten Gesicht. Er schleuderte sie zur\nSeite: „Mensch, nimmste die Pfoten weg.\" Von\nhinten preßte er der Torkelnden wieder den scharf\nriechenden Bausch vor den Mund, sie würgte,\nbrüllte, stürzte seitwärts auf die Hände. Der Dok-\ntor rief hell von drinnen: „Sie werden wohl mit\ndem Weib nicht fertig, daß die so schreit?\" „Wird\neben wach, Herr Doktor.\" „Na schön.\" Das Ge-\nsicht Emmas war dick gequollen, ihre Augen trän-\nten. Der Mann mit der Glatze nahm sie, von rück-\nwärts über sie gebeugt, die Zähne zusammenbei-\nßend, auf den Arm, schleppte und krachte sie auf\nden Verbandstisch hin; er flüsterte: „Jetzt bleibste\naber liegen, olle Toppsau du.\" Schwapp, die\nfeuchte Ladung saß wieder im Gesicht. Sie fing\nan zu ringen, mit den Beinen zu strampeln, um vom\nTisch zu kommen und dem stechenden Dunst zu\nentgehen. Er drückte sie mit seinem breiten Ober-\nkörper nieder, stemmte ihre Kniee herunter, hielt\nsie umklammernd gegen die Tischplatte. Er\nknirschte, der Schweiß machte seine Glatze feucht\nund glänzend: „Läßt du meine Bluse los, Dreck-\nfink gemeiner. Schämen sollste dich, daß du dich\nso aufführst, schämen sollste dich, schämen sollste\ndich!\" Sie kämpfte erwachend immer heftiger, er\nließ von ihrer Nase nicht ab. Wie sie, während ihr\ndie Kleider bis an das Gesäß hochrutschten, vom\nTisch herunterstrampelte und ihm über die Backe\nkratzte, wuchtete der grimmige Mann zurückfah-\nrend, atemlos seine rechte Faust mit dem Lappen\nzweimal auf ihrem Mund, gegen ihre Zähne, daß\nsie stöhnte, geiferte, die Augen aufriß. Sie saß auf\ndem Boden vor dem Tisch, sabberte: „Herr Rat,\nich kann ja nichts davor. Tun Sie mir nichts.\" „Tu\nman nich noch so dämlich.\" „Der Franz hat mir\nzuerst geschlagen mit mein Schirm, Herr Rat.\"\n„Jetzt stehste uff und hältst die Klappe.\" Er ging\nan den kleinen Spiegel über dem Waschbecken,\nwischte sich mit einem Sublimattupfer die lange\nKratzstrieme.\nDraußen klinkte die Türe; ein kleiner junger\nMann in einer blauen Pellerine polterte herein.\n„Franz\" gröhlte Emma heiser, „Liebling, Liebling!\nKomm doch her. Es ist mein Bräutigam.\" „Ja, sie\nmeint mir.\" „Ick tu mir was an, wenn Du nicht zu\nmir kommst.\" „Beruhige Dir doch, Emma; es is\nweiter nischt.\"\nMit einmal blinzte sie gegen ihn hin: „Det will\n'n Rechtsanwalt sind\", sagte sie blickend, am Bo-\nden herumkrabbelnd, „det will mein Bräutigam\nsind? Un nachher wird er mein Schirm an mir ka-\nputt hauen. Wat willste denn hieer? Die Naßkes\nkommen ooch ohne Dir raus.\" „Aber Emma.\" „W,O\nbin ich denn Deine Emma, Du Bedrieger. Herr\nRat, det is ein Bedrieger.\" Sie hatte sich am Tisch\naufgerichtet, schimpfte lauter und drohte gegen den\nkleinen Mann, der sich neben den Heilgehilfen\nstellte: „Mit Dir wer ick schon mal abrechnen. Erst\nmacht er ein besoffen und nachher will er Vor-\nschuß von eim habn. Wofür denn? Der n Rechts-\nanwalt? Du —\" Sie wollte auf ihn zu, der Mann\nmit der Bluse hielt sie fest; er drückte sie auf den\nStuhl: „Setzen Se sich man und quaseln Se hier\nnich noch.\" Sie. fuchtelte, rückte sich den Hut zu-\nrecht. Der alte Mann verpflasterte ihre Nase,\nsteckte ihr mit bösen Blicken die Haare fest.\nAm folgenden Tage wurde Emma von der Po-\nlizei entlassen. Die Naßkes hockten schon wieder\nzu Hause. Rutschinski empfing seine Braut mit den\nWorten: „Dir sollten sie lieber rausgeschmissen\nhaben auf der Unfallstation statts Dir zu verbin-\nden.\" Sie holte aus ihrem Strumpf Geld, das sie\nvon ihrem ersparten genommen hatte; er zählte\nbesänftigt: „Na fleißig bist ja gewesen, Emma, olle\nSchmalzbacke. Aber mach mir bloß nich sone\nZicken, besonders wenn ick een krankes Been habe\nund nicht mitkann.\" Als er nach ihrem Schirm fragte,\nerzählte sie ablenkend, schmeichelnd von dem klei-\nnen Franz, den er kannte; er kriegte einen Qrimm,\nversprach, indem er sich in die Hand spuckte, die\nHandflächen gegeneinander rieb und dabei pfiff,\nAbhilfe zu schaffen.\nNaßke konnte sein Hundefutter nicht mehr los-\nwerden. Zwei Kollegen waren ihm zuvorgekom-\nmen. Er fand aus seinem Groll nicht heraus. Der\nHunger war in ihrer Wohnung; der Alte ließ sich\nnicht bewegen zu arbeiten. Wenn er bloß den\ndicken Bierfahrer unter die Finger kriegte. Sie\nwickelte sich große Zeuglappen um ihr geschwol-\nlenes Bein, legte gekautes Brot unter. Er näselte:\n„Wat pusseiste immerzu an det Been? Det schene\nBrot rufflegen. Wennstes bloß ausspucken tust,\nbrauchst et ooch nich zu essen.\" Sie keifte und\nstubbste ihn unter das Kinn: „Und wenn Du oller\nDusselbart bloß quasseln tust, kainnste gehn. Mit\nDeine Schlauheit brauchste Dir nich dicke zu tun.\"\nSie schwiegen auf ihren Matratzen. Dann sagte er:\n„Ick häng mir uff.\" Sie packte ihn vor Wut und\nschüttelte ihn: „Uffhängen kannste Dir soviel Du\nwillst. Un ick zahl noch een Jroschen zu und jeh\nmit Emman in nen Kientopp.\"\nRutschinski hinkte herunter zu dem Alten, der\nsich nicht aus dem Haus bewegte und die Alte al-\nlein mit dem Wagen ließ; er fragte ihn, warum er\nsich denn aufhängen wollte. Naßke bellte: „Wat\njeht denn Dir det an? Ihr seid Grünschnabel. Du\nfragst mir ooch nich, wennste Deine Emma ver-\nmöbelst. Ick kann mir uffhängen, wenn ick will.\"\nRutschinski stellte ihm eine Flasche Schnaps auf\ndas Fensterbrett:„Son oller Mann und sich uff-\nhängen, det hat keenen Dreh. Naßken trinken Se\nman eins mit Muttern.\" Der Alte winkte ab. Er\nsaß in dem wüsten Zimmer allein auf der Matratze,\nhockte stundenlang. Sein welkes Gesicht war bit-\nter. Wie es Abend wurde, die Vögel wieder zank-\nten und sangen, trank er in einem Winkel einen\nSchluck Schnaps, ging in den Hof, holte eine alte\nHundeleine aus dem Schuppen und hängte sich an\neinem Fensterhaken auf.\nDa hing er, hinter einem übergelegten Sack-\nlumpen, mit zusammengeschnürtem Hals, wie e\\n\nleichtes langes Paket an einem Seil und schwankte\nnicht.\nDer Brückenbogen schwamm über den Kopf\nweg; eine Schnelle hob den Kahn, senkte ihn in\neinen Brunnen; glatt und frei sank der Kahn, eine\nangeblasene Feder versank.\nDie Alte zottelte mit dem Hundewagen an;\nkauerte auf der Kiepe vor dem Gemüsegarten.\nMüde lahmte sie durch die Küche ins Zimmer. Als\nsie das Bündel am Fensterhaken hängen sah, stand\nsie gebückt, faltete die Hände über der Schürze\nund sah regungslos lange Minuten hinüber. Sie\nblieb ganz kalt, schüttelte den Kopf: „Nu hat er\nsich richtig uffjehängt, der olle Struckräuber. Der\nfragt ooch nich nach Gott und de Welt.\" Durch die\nTür keifte sie nach Emma und Rutschinski, zeigte\nihnen die Leiche: „Da hängt er.\" Rutschinski\nfragte: „Aber Großmutterken, warum schneiden\nSe denn Ihren Ollen nich ab?\" Sie scharrte ärger-\nlich in die Küche; nach einer Weile piepste es zu-\nrück: „Ick soll ihn nu noch abschneiden, den\nStruckräuber. Vor sonen Doten ekle ick mir.\" Spä-\nter, als die Leiche auf der Matratze lag, sagte sie\nzu Rutschinski: „Raus mit dem. Mach Dir uff die\nSocken.\"\nDie Tage vor dem Begräbnis fuhr die alte Naßke\nnicht mit dem Karren; Emma brachte ihr zu essen;\nwenn sie im Garten auf ihre Kiepe saß, spielte Rut-\nschinski der Großmutter auf seiner Mundharmo-\nnika vor, aber nur lustige Stücke, Gassenhauer.\nUnd nach der Beerdigung, am Nachmittag nahmen\nEmma und Rutschinski die Frau unter die Arme,\nund sie marschierten langsam die sommerlich\nwarme Chaussee herunter. Emma trug eine kleine\nschwarze Kapotte; ihr Gesicht war noch verpfla-\nstert, die Lippe geschwollen; an1 den Mund-\nwinkel der tiefe Dirnenzug; über ihr helles\nKleid hatte sie ein dunkles langes Jacket gelegt,\nDer dufte Rutschinski, blaß, den schwarzen\nSchnurrbart mit Bartwichse hochgezwirbelt, ließ\nseine lebendigen Augen rechts und links gehen;\nauf dem glattgescheitelten Kopf saß der steife\nschwarze Hut schief, die Strizzilocke unentwegt in\nder Stirn, im schicken grauen Anzug mit einem\nKnotenstock; eine rote Nelke im Knopfloch. Sie\nschleppten die Alte, die unter ihrem neuen karier-\nten Umschlagetuch verschwand, in den grünum-\nzäunten Garten einer Budike, an dem Eingang war\nein kleines Holzschild angebracht: „Hier spielt\nBismarck.\" Sie setzten sich; Emma raffte ihr\nKleid, holte aus dem rechten Strumpf über dem\nKnie ihr Portemonnaie, gab es Rutschinski.\nFrau Naßke schwieg hinter ihrem Kognak, sie\nschien zu frieren. Emma flüsterte: „Sie is noch\njiftig auf den Ollen; nich dran tippen.\" Der dicke\nKneipier mit einer mächtigen Bierschürze stellte\nsich neben den Tisch; Rutschinski stand auf: „Ein\nscheener Dag, aber traurig. Der olle Mann hat\n'mit Hundekuchen gehandelt und denn, wie et is in\ndie schlechte Zeit, Se können sich denken —\" „Is\nwoll dot?\" Rutschinski sagte bei Seite: „Hat sich\ndas Jas alleene abjedreht.\" „Ne sowat. Die arme\nolle Frau.\" „Die redt keen Ton. Machen Se 'n bis-\nken Musike. Wo is denn Bismarck?\" „Wird gleich\nserviert.\" Der Hausdiener mit der ungeheuren\nGlatze setzte sich drin an das Tafelklavier. Rut-\nschinski faßte seinen Stock kurz; wenn mal der\nkleine Franz hier wieder einkehrte, solle der Knei-\npier nach ihm schicken:: „Mit dem will ick mal\nunter vier Oogen sprechen. Det is mein Freind.\nKucken Sie sich mal die Neese von meine Braut\nan.\" Emma mit den blonden Haaren hielt die alte\nNaßken umfaßt, redete ihr zu einem Schnäpschen\nzu. Die nippte und lächelte schwach. Bismarck\nklimperte. Auf der Buche vor dem Lokal zwit-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 299, "texte": "scherten die Vögel; ein Junge klatschte mit seiner\nPeitsche: „Sie, mein Triesel, nich rufftreten.\"\nDer Stieglitz sang:\n„Des Menschen Gemüt hoch aufgeblüht soll sich\nnun auch ergötzen zu dieser Zeit, mit Lust und\nFreud sich an dem Maien letzen. Und bitten Gott\ngar eben, er wolle weiter Gnade geben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "86", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.2.4", "titre_corps": "Totengebete", "titre_sommaire": "Totengebete", "signature_source": "Marijan Marik", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.4", "debut_caractere": 301, "fin_caractere_exclue": 6329, "texte": "Totengebete\n\nGott spielt über meinem Haupte sein trauriges\ntrauriges Lied . . .\nSo viele kleine Tränen rieseln\nUeber mein wehes Herz . . .\nDie große Trauer schreitet über meine Welt\nEin kleiner weitere Stern ist gefallen . . .\nUeber verwüstete Wiesen irrt meine Seele\nAn großen zerrissenen Wolken hängen meine\nAugen\n* *\n*\nUnd Gott\nSpielt sein trauriges Lied über meinem Haupte...\nGeliebte Du!\nHeilige Du!\nLangsam lautlos schleicht die tückische Nacht in\nmein Herz\nDie Nacht Deines Sterbens . .\nLangsam lautlos schleicht die kalte furchtbare\nDie all meine Sterne gestohlen hat\nDie all meine Seufzer geatmet hat . . .\nIhre grausamen knöchernen Hände haben meine\nSeele zerzaust\nIhr eisiger Atem hat sie vergiftet —\nDie schleichende tötende Nacht Deines Sterbens —\nGeliebte!\nWarum mußte ich Deine Seele töten?\nWarum mußte Dein ewiges Licht\nVor meinem verzweifelten Wahnsinn sterben —\nHeilige Du!?\n* ♦\n*\nGeliebte!\nIch träume das Lied unsrer Liebe:\nEin Stern bist Du mir der über meinem Haupte\nschwebt\nUnd des Nachts in meine Augen niedersteigt . ,\nEin süßer Duft der meine Seele umzittert\nMüde Liebesworte die auf meinem Munde ruhen..\nMatte fiebernde Birken flüstern mein Märchen\nTraumschwere Nebel weinen still über meinem\nWeh\nDer Mond sucht die Tränen meiner heiligsten\nSehnsucht\nUnd ich träume das Lied unsrere Liebe\nDas Lied meines Leides . . .\n*\nAus dem Land meiner heiligsten Träume bist Du\ngekommen\nMein schönster Gott pflückte Blumen für Dich\nMeine reinsten Gebete umspielten Dein Haupt..,\nAus dem Land meiner herrlichsten Märchen bis\nDu gekommen\nMeine kostbarsten Worte waren Deiner Stirne\nSchmuck\nMeine geheimste Sehnsucht war Deiner Augen\nGlanz\nMein Wunder Du!...\nGanz leise bist Du in meine Einsamkeit gekommen\nMeine gequälte Erwartung haben Deine Hände\nliebkost\nMeinen versengten Schmerz hat Deine Reinheit\ngeküßt...\nEinen herrlichen heilenden Blick hast Du mir\ngebracht\nAus dem Land meiner heiligsten Träume\nMein Wunder Du! . . .\n* *\n*\nUnd nun —\nMein totes Glück Du!\nEin großes schmerzendes Sterben schreitet über\ndas All\nDa Deine Seele starb\nUnd alle Himmel und alle Sonnen sind tot\nUnd alle Frühlinge und alle Schönheit . . .\nEin unendlich trauriges Weinen spinnt sich von\nStern zu Stern\nEin unsägliches Schluchzen zittert über dem Meer\nt)a Deine Seele starb . . .\nD!\nGottes unendlich gütiges Augist erloschen\nUnd der ewige Jammer der Welten kauert im\nfurchtbaren Dunkel\nUeber trotzige Wälder rast das maßlose Weh\nDer ewige Schmerz der Erde blutet\nUeber dem zerfetzten Himmel\nStröme von Blut und Eleend wälzen sich über die\nErde\nIn das heilige ewige Meer . .\nUnd meine gejagte verzweifelte Seele\nWeint über dem heiligen ewigen Meer\nUeber dem befleckten Meer ....\nMeinte Seele von Stürmen gepeitscht betäubt vom\nJammer der Erde\nMeine Seele ziternd vor dem furchbaren lauernden\nDunkel . . .\nOh das stöhnende giftige Dunkel über der Welt!\nWarum mußte Dein ewiges Licht\nVor meinem verzweifelten Wahnsinn sterben —\nHeilige Du!?\n* *\n*\nDu — meine erste Träne!\nDu — mein erstes Wort!\nIn der opalnen gottdurchglühten\nMorgenröte des Werdens warst Du in meiner\nSeele\nMit dem ersten Lichte wurdest Du mir geschenkt\nIn der ersten Blume sangst Du mit mir zu der\nSonne\nIn dem Erwachen des ersten Frühlings\nHast du mit mir\nDen keuschen Rausch der Lust getanzt\nUnd alles Werden und alles Sterben\nWarst Du und Ich . . .\nDer glühende Morgen — der Kuß\nUnsern Erwachens\nDer lustreich erschlaffende Abend — die Ruh\nUnsrer herrlichen Müdigkeit\nUnd die tausend singenden Farben —\nDie Pracht unsrer Träume\nDie ich von Dir und Du von mir träumtest —\nDie Schönheit unserer Lieder\nDa wir vor Gott spielten . . .\n*\nUnd in den schlanken Bäumen\nZitterte unsere Sehnsucht\nIn dem berauschenden Glänze über dem Himmel\nSchwingend unsere heilige Liebe\nIn der göttlichen iefe der Nacht\nLag unser stolzes Erkennen\nUnd alles Werden und alles Sterben\nWarst Du und Ich! . . .\n* *\n*\nDas Röcheln der sterbenden lichten Tage gleitet\nUeber raein müdes Haupt . . .\nOh — und mein Schmerz um Dich! . .\nEin müder gequälter Gedanke irrt und irrt\nSo weltenweit von Dir weg schluchzend und\nfliehend\nUnd wieder zurück zu Dir\nVerblutend und suchend\nErlösung vor Dir . . .\nUnd Du — überall um mich\nUnd Du — immer um mich\nUnd Du —- immer in mir . .\nUnd in der Tiefe meiner Seele\nEin schmerzendes Feuer:\nDie herrlichen Flammen Deiner Blicke und die\nLust Deiner Küsse . .\n*\nDu mein süßes Geheimnis\nDu Atem meines Blutes\nDu Ahnung meiner Seele . . .\nIn dem stolzen Schweigen herrlicher Wälder\nHab ich Dein Nahen geahnt\nUnd in dem zagenden Flüstern das in den Nächten\nflimmert\nUnd in dem zarten sehnsuchtsvollen Lichte\nDas über die Berge zieht —\nImmer hat Dich so unsäglich süß und traurig\nMeine Seele geahnt . . .\nO und das marternde marternde Warten der\nbleichen Stunden!...\nUnd dann:\nGanz leise bist Du in meine Einsamkeit\ngekommen..\nMeine müde Einsamkeit\nHat prachtvolle Märchen für Deine Seele ersonnen\nMeine wartende Seele\nHat alle. Schönheit der Wälder und Meere für\nDeine Seele gesammelt...\nUnd:\nWunderbare Liebesworte aus den Augen toter\nMädchen\nAlte herrliche Gebete aus den Hallen toter\nTempel...\nAlle Schönheit des Himmels und der Erde\nGeheimnisse kostbar und weltentief\nTalismane des kühnsten Bösen\nVerzücktester Märtyrer Blutmale\nDüfte gottähnlicher Rausche\nDie stählerne Pracht satanischen Trotzes\nAlles legt ich zu Deinen Füßen . . .\nAus den stolzesten Blumen meines Gehirnes\nWob ich Dir einen herrlichen Teppich\nNeue berauschende Rhythmen hab ich für Dich\ngeboren\nNeue berückende Bilder hab ich für Dich erzeugt\nUnd alles was ich hatte gab ich Dir zu eigen\nMein Schicksal Du! —\n*\nUnd jetzt —\nMüde kauert meine abgehetzte Seele\nUnd erschauert\nVor den huschenden höhnenden Schatten der\nNacht\nVor den harten gellenden Schreien der Weiten..\nWarum mußte ich Deine Seele töten?\nDeine Seele die mein Schicksal war?\n*\nSo zart hat Deine liebende Seele mein bebendes\nWeh umfangen\nIm Rausch der Erlösung hat meine Seele gejauchzt\nZu den geheimsten Wunden drang Dein heilendes\nSehen...\nUnd neue herrliche Welten wurden in unsrer hei-\nligen übermenschlichen Liebe geboren —"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6467, "texte": "Splitter von rasenden Sternen waren in Deinem\nHaar\nEin herrliches junges Glühen\nNeuer nie geahnter Himmel\nBetäubte unsre seligen Augen . .\nUnd Du und Ich: eim einziges Wort der Schöpfung!\nUnd Du und Ich: ein süßes Geheimnis des\nHimmels!\n* *\n*\nUnd dann die rasenden Sommertage\nDa wütend der Himmel an der Erde nagt\nUnd aus dem verborgensten Dunkel die giftigen\nHauche auferstehen\nUnd stolze -ewige Wälder wie kleine fiebernde\nKinder sterben\n•Und das stolze Meer\nEin armer verdurstender heulender Kranke ist . . .\nDie rasenden Sommertage die am eigenen Gifte\nsterben\nUnd die Nächte —\nDas gräßliche gläserne Auge des Irrsinns . . .\nDa erwachte\nDas alte häßliche Blut\nDie Rache des Bösen\nDie so lange träge Jahrhunderte schlief —\nUnd der häßliche böse mordende Gedanke\nDen entfesselte Nächte großgezogen\nDen brennende haßglühende Sonnen gestillt —\nDer mordende böse Gedanke schrie auf\nUnd die verhaltene Wut bezwungener Stürme\nUnd die erstickten Flüche brandender Wellen\nUnd die Gier\nDie tückische heuchelnde Gieer nach meinem\nBlute . . .\nO das harte Verlangen\nDas in Deinem Blute schlummerte\nDas schrie und keuchte und raste.\nDas schreckliche Rot geopferten Blutes\nBegoß Deinen Blick . . .\nO es war derselbe Blick\nDer vor Jahrtausenden ein verblutendes Herz\nliebkoste\nUnd die letzten Schmerzen brechender Augen\ntfank\nUnd sich\nAn die unendlich traurige Blässe einer stolzen\nbesiegten Stirne\nSo grausam und wollüstig schmiegte . .\nO es war derselbe harte harte Blick —\nUnd ein verheerendes Feuermeer\nGoß sich lüstern vom Himmel über die Erde\nUnd uralte Bäume stöhnten in dem flutenden Tod\nHimmelhohe Berge stürzten ins urgrundtiefe Elend\nUnd vom Himmel gerissene Sterne\nTantzten auf perlengebärendem Schäumen . . .\nAlte tote Lieder weinten\nUeber dem allumfassenden Wirbel\nUeber dem allzerfetzenden Sturme\nUebere der allbeschmutzenden Stimme\nDes alten häßlichen Blutes\nDer Rache des Bösen\nDie so lange träge Jahrhunderte schlief . . .\nO der Haß der wahnsinnige Haß\nDer Dein heiliges Bhit peitschte!\nUnd der Haß griff mit tausend saugenden Armen\nAn meine Seele\nUnd der giftberauschte Blick Deiner himmeltiefen\nAugen\nWurde diese schäumende Wut\nUnd verheerte die Gärten meiner Seele\nUnd bespie die gottgeborenen Blumen\nDie in den tiefsten Kammern\nMeines hoffenden wartenden blutenden Hirnes\nDeines Kommens harrten . . .\nO die alten schlummernden Tage\nWurden wach in Deinem heiligen Blute\nUnd die vergessenen Fieber\nSchlangen sich um meine Seele\nUnd Du\nDie Du meine ewige\nMeine vergöttlichende Sehnsucht warst\nDu wolltest meine Seele beschmutzen\nIn den abscheulichen Schlamm\nDen Geschlecht auf Geschlecht verzweifelt\ndurchwatet\nIn dem so unzählige Strahlen ertranken\nIn dem so viele Blumen starben\nIn diesen vergiftenden Schlamm\nWolltest Du meine trauernde Seele schleppen . . .\nUnd\nDa mußte ich Deine Seele töten\nDa mußte Deine ewige Flamme\nsterben . . .\nOh ich mußte Deine ewige gottesähnliche Schön-\nheit retten\nFür mich — Heilige Du!\n* *\n♦\nO Gott warum lag dies harte Verhängnis\nUeber meinem armen Leben?\nSieh mein gebrochener Stolz fleht zu Dir . . .\nMeine Seele ist bang —\nGrausam sind die Wunder die Du ihr geschenkt\nhast . .\nWeltferne Glocken summen in die Nacht\nDer Wald streut seine Seufzer auf mein wirres\nHaar...\nMeine Heilige ist tot...\nDie Wehmut weiter Felder zittert um mich her\nUnd die bittre Trauer einsamer Gipfel\nUnd die heißen Schreie verirrter Vögel —\nMein gebrochener Stolz erkennt Deine Wrege:\nIch lege meine Stirne auf die arme Erde\nUnd laß sie meine Tränen trinken . .\n* *\nO wie Dein Tod an meiner Seele nagt . .!\nIch kaure trauernd an Deinem Grab\nDie Träume meines Glückes\nLiegen schwer auf meinem Hirne . . .\n* *\n*\nO Du!\nDich hat Dein Tod geheiligt . .\nSieh auf meinen Schmerz!\nVom Osten zum Westen irrt mein einsames Leid\nUnd verfinstert den Himmel\nUnd wirft auf das Meer seine schmerzende Trauer\nMein Leid um Dich\nMein Leid um Deinen Tod . . .\nAus meinen verzweifelten Stunden werd ich\nEinen Kranz Dir winden\nMeine kranke Sehnsucht soll ein Licht sein\nUeber Deinem Grab —\nAber sieh auf meinen Schmerz! . . .\nO bette mich weich auf diesen endlosen Nächten\nLeg Deine liebkosende Hand um mein armes\nHerz —\nSchenk mir Vergessen!\nUeberall sucht mein fieberndes Hirn nach Dir\nNach Dir meinem Ursprung — nach Dir meiner\nVollendung\nUeberall macht mich der Duft Deiner Seege krank\nUeberall fühl ich die streichelnde Wärme Deiner\nAugen\nO schenk mir Vergessen Du —\nDich hat Dein Tod geheiligt\nDich hat Dein Tod zu den Sternen gehoben . . .\n* ♦\n*\nEin unsagbar trauriges Singen war über unsrer\nLiebe\nMüde Stunden kreisten um unser Glück . . .\nDeine Seele war so schwach und krank\nAn meine arme Seele gelehnt . .\nWelke früh gestorbne Blumen fielen auf unsere\nStirnen\nHand in Hand gingen unsre einsamen Seelen\nUnd suchten Gott . . .\nUeber ferne, ferne Wege gingen unsere Seelen\nDie Nacht goß ihren häßlichen Blick in unsere\nHerzen\nDie Sterne flohen furchtsam vor uns . .\nDa wüßt ich:\nGott ist nicht mehr mit mir ...\n* *\n*\nO Geliebte ich bin Verzweiflung und Gebet . .\nMeine müden Augen träumen Deine Trauer\nZwei schwankende Säulen sind meine flehenden\nArme\nDie Stunde Deines Kommens weint . . .\nO komm!\nWie blutet Dein Siegel auf meinem Herzen!\nO ewig meinen bleichen Schmerz auf Deinen\nHänden zur Ruh!\n* *\n* . i\nIn meinem Herzen singt Deine duftende Stimme\nMein banges Erwarten schleppt sich Dir entgegen\nO meine kranke Liebe möchte Dein Haar\nliebkosen\nUnd Deine herrlichen Augen küssen . . .\nUnd wieder singt Deine duftende 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Stimme des Lebens\nWeinte lange und quälend\nUnd wurde zu entsetzlichem Lachen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1910, "texte": "Und wurde zu entgöttlichem Höhnen\nDas meine Seele langsam zerbröckelte . .\nO wie das buhlende Leben Dich lockte!\nSein häßlicher heißer Atem rötete Deine Wangen\nSein böses Begehren schlich in Deine Augen\nUnd war in dem höllischen Glanz Deines Haares\nUnd kicherte in den süßen Winkeln Deines Mundes\nO in der gräßlichen Flut von Feuer und Verlangen\nRang ich um Dich\nDie brennenden Wellen wollten mein Haupt ver-\nschlingen\nZischende Schlangen preßten meinen Leib\nDie fressende rote Glut biß an meine Augen\nUnd ich rang verzweifelt um Dich\nUnd mein Gesicht schlug blutig Dein grausames\nhöhnendes Lachen\nO die verheerende Flut\nZerschlug die Pracht meiner Träume\nBeschmutzte geifernd mein einsames Heiligtum\nUnd immer und immer schlug mein Gesicht blutig\nDein grausames höhnendes Lachen . . .\n*\nDa schrie meine verzweifelnde Seele zu Gott —\nGott war nicht mehr mit mir . . .\nUnd ich riß Deine Seele von meiner\nMit der sie seit Ewigkeit war . .\nVerblutend\nKniete meine Seele vor dem Blicke Gottes:\nDeine tote Seele brachte ich Ihm zu Opfer . . .\n* *\n*\nOh ich allein mit Deimern Tod . . .!\n* *\n*\nUnd dann\nStark und mächtig wurde mein grausamer\nSchmerz\nUnd lachte über die kleine Pracht\nUeber das kleine Glück des Lebens\nSeine trotzige Stirne lehnte am Knie Gottes\nGottes unendlich heilende Hand streichelte seinen\nNacken...\n* *\nDa nahm ich Deinen bleichen Tod in meine Arme\nAuf den höchsten Gipfel\nMeiner harten Einsamkeit stieg ich.\nHilflos wimmernd schlug das Meer des Lebens\nGegen meine harte harte Einsamkeit . .\nUnd ich — schmerzendes Lachen und\nverzweifelnde Kraft\nIch küßte noch einmal Deinen bleichen Tod\nUnd schenkte ihn dem Leben . .\n* *\n*\nLeise schluchzt in meiner Seele die 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(blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.6", "debut_caractere": 1912, "fin_caractere_exclue": 8107, "texte": "Der Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nEr zuckt auf einmal zusammen, hört plötzlich\ndiese letzten Worte —:\nGetötet und ... ?!\nUeber Nacht getötet und be . . . !?!\nSo wie Annie über Nacht von Mörderhand . . ??\nEr steht da, am Fußende ihres Bettes, totmüde\n— und starrt schaudernd und eiskalt um sich.\nEr entsinnt sich auf einmal, wie aus einer Fin-\nsternis dahinter heraus, was er vor einer Weile\ngedacht hat —: irgend etwas, das für sie gemacht\nwerden müsse . . . und für ihre Eltern!\nUnd gleich darauf, ehe er es selbst noch recht\nweiß, hat er seine Jacke abgerissen, die Weste:\ndas alles ist steif von Blut! — Er dreht sich auf\nseiner Ferse herum, eilt nach dem Badezimmer,\nreißt die Tür weit auf — und bleibt dort eine Se-\nkunde stehen, an den Türpfosten gelehnt.\nIhm gerade gegenüber fällt der Tagesschimmer\nbunt durch die breite, farbige Fensterscheibe; da\nhinten, rechts, leuchtet das riesige, ovale Becken\naus blendenem Marmor; die schweren Messing-\nhähne darüber flammen wie Gold; hoch dort oben\nkrümmt der blanke Strahlenverbreiter der Dusche\nsich hinab; auf dem Fußboden die weißen und\nschwarzen glatten Fliesen —:\nJa!\nAnnie, meine Geliebte!\nIch komme — jetzt bin ich bereit! . . .\nEr hat den Hahn für das heiße Wasser schon\ngeöffnett — brüllend stürzt es aus dem goldenen\nMund heraus, füllt den Raum mit seinem rauchen-\nden Atem, mit seiner Wärme und mit seinem wei-\nßen Dampf.\nWährenddes ist er wieder in das andere Zim-\nmer geeilt, hat sich über das Bett gebeugt, hat sie\nbehutsam auf seine Arme gehoben. Er zögert\neinen kurzen Augenblick dort an der Schwelle,\nschon umhüllt von! dem Flor der lauen, dichten\nNebel — verschwindet gleich darauf.\nUnd nun vernimmt man von da drinnen her\nbeständig den brausenden Lärm jenes kochenden\nGießbaches, hin und wieder das fauchende Krei-\nschen von Stoffen, die zerrissen werden. Man\nhört den Laut seiner Schmerzensrufe, das Kläffen\nseiner Qual — während er zitternd, Punkt für\nPunkt, sein Unternehmen ausführt! Ach, ja, sein\nHerz rast und steht jäh darauf still, rast und steht\nvon neuem still. Er beißt knirschend seine Zähne\nzusammen, preßt seinen Mund gegen ihre Wange\n— er stöhnt wild und heiß, küßt wieder die feucht\nschimmernde Haut, auf der unablässig Perlen ge-\nboren werden! Sein Sinn ist plötzlich nicht mehr\ngeteilt, er hat vollkommen vergessen, ihn,\nder tötete, und die andern, die da unten war-\nten, alles und aJle hat er vollkommen vergessen\n— in allen seinen Fibern weiß er nur eins: eine\nschwindelnde Zärtlichkeit eine schmerzdurch-\nbohrte und brennende Liebe, eine Welt von sen-\ngender Liebe — die zugleich zerreißt und heilt, die\nsein Herz grausam in Fetzen zerfleischt und gleich-\nzeitig es so stark und ganz macht wie nie zuvor!\nAch, und seine Hände, sie umfassen so schnell, so\nsanft und so kundig ihre Glieder — während die\nDämpfe das alles verschleiern! Er verrichtet mit\nflammender Sorgfalt dies Gräßliche und Schöne,\ndas notwendig ist! Mein Gott, aus dem lauen\nWirbel der wogenden Nebel, aus dem beständig\nrinnenden Fluß der heißen Wasser, die das Wun-\nder ihres entblößten und weißen Körpers umspii-\nlen — tauchen wieder und wieder seine geschäfti-\ngen, demütigen Hände von neuem auf, sie baden\nund waschen, sie greifen so fest und so gut zu,,\nsie löschen sorgfältig und zitternd die Spuren aus*\nSie machen sie neu und schön, wie sie immer\nwar! ...\nDie Stunden vergehen.\nDie Stunden kommen, er hört sie nicht.\nDie Stunden vergehen — und er bemerkt sie\nnicht.\nDier Stunden kommen und gehen, aber er ach-\ntet ihrer nicht — eine jede von ihnen ist Tausende*\nMillionen von Jahren, die weder gezählt, noch ge-\nsammelt, noch gefaßt werden können.\nUnd er eilt beständig hin und her, bald in die\nSchlafstube, vor weit geöffnete, duftende Schub-\nladen und Schränke, oder vor das Bett — und bald\nwieder in die Badestube. Er lacht, er bleibt hin\nund wieder auf einmal stehen, sein Herz krampft\nsich qualvoll zusammen, tut so wahnsinnig weh.\nSein Lieb ist wieder zart und schön, nun kleidet\ner sein Lieb wiederum in Spitzen und in Seide,\ner schmückt ihren Körper, den er immer so innig\ngeliebt hat — sein Gemüt ist zu Tode durchfurcht\nvon der Sehnsucht nach ihr, durch deren Hilfe er\nall seine Zeit gelebt hat!\nDie Stunden kommen und gehen . . . und end-\nlich ist sie bereit.\nJa!\nJetzt könnt ihr kommen:\nSie liegt da auf einem gischtweißen Bett, in\neinem schäumenden Brausen von Weiß! Das gol-\ndene, das mächtige Har ist zu beiden Seiten könig-\nlich an der hohen Schönheit ihres Antlitzes ent-\nlang ausgebreitet; das dunkle und blanke Gespinst\nder Augenwimpern berührt die zarten Wangen!\nWeiß liegt sie da, wie auf Marmor — aus Gold\nund Marmor selbst! Jung, wunderbar schön —\nliegt sie da unid schlummert lautlos und tief. Durch\ndas weit geöffnete Fenster streicht der Mittags-\nwind herein und bringt labend diesen zarten,\n\"diesen kühlen und süßen Duft von frühen\nRosen mit — den Annie so sehr liebte . . . und da\nsinkt er machtlos neben dem Rande des Bettes\nnieder, er birgt bebend sein Antlitz in den Händen,\nseine Schultern zittern auf einmal, zwischen seinen\nFingern quellen Tränen hervor\nVI\nGlaß Morton ließ langsam seinein Nacken hin-\ntenüber sinken.\nEr saß in einem der großen, roten Lederstühle,\nda unten in seinem Arbeitszimmer — starrte zu dem\ngelblichen Vorhang hinaus, der vor die Fenster\ngezogen war; das Morgenlicht stand schon so klar\nhinter dem feinen Gitterwerk der sich kreuzen-\nden Fäden. Aus dem Garten hörte man das Ge-\nräusch zwitschernder Vögel. lin weiter Ferne un-\nterschied man plötzlich ein langgezogenes, gellen-\ndes Kreischen: die erste Straßenbahn, die in die\nStadt fuhr, bog aus ihrem Schuppen heraus.\nSein Herz war voller Frieden; es bewegte sich\nkein Gedanke in seinem Kopf.\nDie Minuten schritten dahin, er saß unbeweg-\nlich da.\nDraußen vom Wege her hörte man eine Weile\nspäter das Traben eines Pferdes, den gedämpft\nrollenden Lärm eines Fuhrwerkes, das sich näherte\n— und noch mäher kam, ganz nahe, still stand; ein\nSprung, ein munteres und melodisches Pfeifen, ein\nRufen und der klirrende, rasselnde Lärm von ge-\nfüllten und leeren Kannen.\nGlaß saß mit zwinkernden Augen da und\nlauschte auf dies alles um sich her, mit teilnahms-\nloser, mit ruhiger und angenehm berührter Auf-\nmerksamkeit."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8971, "texte": "Ja, dachte er auf einmal —: er ruhte!\nEr befand sich so gut hier. Sein Sinn war so\nstill. Er ruhte!\nAber hatte er denn auch wirklich Zeit dazu? Da\nwar doch wahrscheinlich dies oder jenes, was be-\nsorgt werden mußte, ehe er ... da hineinfuhr!?\nWie? etwas, was besorgt werden mußte?? Ge-\nwiß nicht, keineswegs, im Gegenteil —: da war ja\nvon nun an überhaupt nichts mehr für ihn — zu\nbesorgen. Er ruhte ja . . .\nNoch einen Augenblick blieb er sitzen, fühlte\nteilweise ein Bedürfnis, auch ferner auf demselben\nFleck zu verharren, bis er fort mußte — ward aber\nMann von einer unerklärlichen, leisen Unruhe er-\ngriffen, von dem Vorgefühl, in der Tat wichtige\nDinge verrichten zu müssen, die seine völlige An-\nwesenheit sogleich erforderten —: Aber welche?\nund wo? und übrigens auch: warum??\nEr erhob sich ein klein wenig gereizt, wanderte\nein- oder zweimal rastlos im Zimmer auf und nie-\nder, sah plötzlich zu der Decke empor, gewahrte,\ndaß die elektrischen Flammen noch brannten —\nobwohl es da draußen längst heller, lichter Tag\nwar. Nun ja, die konnte er doch auf alle Fälle\nauslöschen! — Er ging also zu dem Kontakt, drehte\num, sah «och einmal zu dem Kronleuchter empor,\nals wolle er sich vergewissern, daß es wirklich so\ngeschehen war, wie er wollte —:\nVorbei! dachte er im selben Augenblick.\nNur ein winzig schwaches Knipsen an dem\nrichtigen Fleck — und das Licht ist vorbei!\nJa, aber der Strom! Der Strom tief da drinnen,\ndies Sonderbare, das weder Flüssigkeit ist noch\nLuft, und das doch rinnt und so ungreifbar fein\nist! das eben noch die kleinen Lampen da oben er-\nglühen machte, nein, das ist nicht vorbei! das ist\njetzt nur irgendwo anders hin — wo ich es nicht\nsehen kann! ....\nNein!\nKeineswegs vorbei!\nAuch nicht, wenn das Elektrizitätswerk da hin-\nten in Flammen aufginge oder zum Stillstand ge-\nbracht würde; auch nicht, wenn alles, was wir\nvon der Art gemacht haben, ins Stocken geriete —:\nnein, die unerschöpflich und unsichtbar Quellende\nselbst, die ungeheure, die uralte und junge Kraft\nselbst — sie bleibt unverändert, ewig da draußen\num uns her! Alles, was wir an Strom brauchen,\nwar ja nur ein Darlehn aus dem unvergänglichen,\naus dem endlosen und unermeßlichen Leben nach\nallen Seiten, wovon unsere Existenz nur ein ver-\nschwindend winziger Teil ist!\nNein!\nNicht das geringste kann sterben! 1\nNichts kann beginnen — und nichts kann in\nWahrheit aufhören!\nAlles, was es gibt, ist beständig dagewesen, in\nirgend einer wechselnden Form — denn woher\nsollte es sonst wohl plötzlich gekommen sein? . .\nEr schüttelte langsam seinen Kopf, unzufrieden\nvon neuem, mit diesem unbestimmbaren, innersten\nBewußtsein von etwas, das zu Ende gebracht wer-\nden sollte und mußte — ehe er jetzt in wenigen\nStunden zu dieser Begegnung in die Stadt fuhr!\nUnd da erinnerte er sich im selben Augenblick\ndes kleinen Mädchens, von dem der Aufseher da\ndraußen auf dem Friedhof gesteren Abend gespro-\nchen hatte. Er lächelte: A.ch, ja, was wird das\nwohl für ein Geschenk sein, das ich aus der kleinen\nHand empfange? — Und gleich darauf fielen ihm\ndie Worte des Aufsehers selbst ein — diese Worte,\ndie über Nacht seine Gedanken wieder und wieder\nbeschäftigt hatten.\nEr lachte kurz. Fand es vollständig zwecklos,\nwiderwärtig, daß er, wenn auch nur für einen ein-\nzigen Augenblick, sich so an diese völlig nichts-\nsagenden, diese gänzlich stumpfsinnigen Sätze\nhatte hängen können —: Glück — Unglück? Wer\nwußte, was im Grunde mit diesen beiden rätselhaf-\nten und mißbrauchten Wörtern gemeint war? Einige\nnannten das Glück — was ein anderer für das\nSchlimmste von allem halten würde; einer be-\nnannte jenes Unglück — was ein anderere mit allen\nFähigkeiten zu erreichen bestrebt war; waren wir\nden wirklich alle miteinander wie der Hund, der\nvon dem Fisch: der Aermste! sagt — weil er in\ndem nassen Wasser leben muß? — Und nun er\nselber: hatte er nicht das Glück in reichlicherem\nMaße als irgend ein anderer besessen — und das\nUnglück, jawohl, vielleicht in gleichem Maße!\nGlück — Unglück, höre nun einmal das waren\ndoch schließlich ganz inhaltlose und leere Wörter,\nzwei veerschieden klingende Namen für ein und\ndasselbe Ding! Glück, Unglück, Freude, Kummer,\nGeburt, Jugend, Mannesalter, Greisentum, Tod\n— alles nur umschreibende Ausdrücke für ein und\ndasselbe —: für Leben!\nEr schüttelte von neuem den Kopf, immer un-\nzufriedener mit alledem — und dann kehrte er jäh\nund gereizt zu dieser Frage zurück, zu dieser drei\nfachen Frage, die sich gestern Abend plötzlich in\nseinem Sinn erhoben hatte!\nHöre jetzt —:\nNicht wahr, er hatte ja doch seine gegebene,\nseine wesemsbestimmte Anschauung von allem,\nwas uns Minute für Minute, so lange wir leben,\ngeschieht!\nSeit er ganz blutjung war und bis auf den heuti-\ngen Tag; durch jede Kleinigkeit von allem, was er\nerlebt, gedacht und empfunden hatte; hinter jedem\nAntlitz, das er in seinen sämtlichen Büchern nie-\ndergeschrieben hatte — immer war es im inner-\nsten Innern ein und dasselbe —: die Freude dar-\nüber, da zu sein! die Zuversicht allem gegenüber,\nwas uns geschieht!\nDer intime, funkelnde Kern in seinem Ich —:\ndie Dankbarkeit ausnahmslos über alles, was das\nDasein geboten hatte, mochte es im Augenblick\ngnädig oder grausam anzusehen sein! das Ver-\ntrauen und der Mut — überall auf diesem Inner-\nsten und Unkontrollierbaren begründet, auf die-\nser heftigen und lichten Ueberzeugung, daß es\nwirklich ein Rätsel gibt — ein strahlendes Rätsel,\ndas uns fern und verheißend entgegenschimmert,\nhinter allem, was wir Leben — und allem, was wir\nTod nennen!\nNun ja!\nUnd hier kam also diese Frage und teilte sich, in\ndrei —:\nErstens. Wie war es denn möglich, daß er\ntrotz diesem unerschütterlichen und klaren Ahnen,\ndurch vierzig arbeitsame und frohe Jahre oben-\ndrein restlos von allem gestärkt, was sein Gehirn\nund sein Heerz erfahren hatten — daß er dennoch\nvon dieser selben gräßlichen Stunde vor zwei\nJahren an und bis zu diesem Augenblick zutiefst in\nsich unvermindert gerast und gelitten hatte! von\nAnfang bis zu Ende geblutet hatte, unter dem\nSchlag von diesem — daß Annie zugestoßen war,\nund das doch, infolge seines geheimsten Wissens,\nkeineswegs etwas wirklich Böses sein könnte,\nnein — im Gegenteil!\nZweitens. Wo lag ferner die Erklärung dafür,\ndaß dieses selbe unabänderliche und verzehrende\nQual schon ganz wenige Tagen nach ihrem Tode\n— auf einmal uind völlig den Charakter verändert\nhatte! sich in eine brennende und ungeheure Kraft\nder Sinne, des Gedankens, des Schaffenswillens\numgesetzt hatte — so weißglühend heiß, wie er es\nnie zuvor hatte erreichen können, auch nicht für\neine einzelne Sekunde! zu einem so ununterbro-\nchenen und fieberwilden, so vollkommen pausen-\nlosen, so unerhört lodernden Können — daß er\nWoche für Woche, Monat für Monat, kaum fertig\nmit einem Werk geworden, als schon das nächste\nbegonnen war, diese beiden Jahre hindurch, sozu-\nsagen ohne Aufenthalt dort an seine Tisch geses-\nsen hatte, machtdurchzittert, flammenheiß und\nstark! alles vergessend — und in einer Explosion\nvon Erinnern! fern von allem wie ein Toter —\nund in einer Eruption von Leben!\nUnd endlich, drittens. Wie ging es denn zu,\ndaß er jetzt ebenso jäh — von gestern Nachmittag\nan, genau von dem Glockenschlag gestern an, wo\ner damit fertig geworden war, dies letzte Manu-\nskript einzupacken, das jetzt zum Druck bereit\nwar — von da an, Minute, Stunde für Stunde, in\nstets sich steigerndem Maße, sich ganz anders be-\nnommen hatte — denn je zuvor im Laufe dieser\nzweimal zwölf lange Monate —: ja, als seien auf\neinmal diese beiden Jahre völlig aus seinem Leben\nausgestrichen, als habe er Sie erst heute Abend\nallen Ernstes verloren!? . . .\nEr war, mit einem leisen Zittern tief drinnen\nin sich, vor dem hohen und schmalen Bücherregal\nstehen geblieben, das an dem Pfeiler zwischen den\nbeiden Fenstern nach links zu stand.\nBeugte sich jetzt ein klein wenig vornüber,\nstarrte das zweitoberste Bord an —:\nDa standen seine eigenen Bücher.\nUnter ihnen diese drei — ein dicker Band No-\nvellen und zwei Schauspiele — die er gerade im\nLaufe dieser beiden Jahre geschrieben hatte.\nUnd da hinten auf dem Schreibtisch lag der\nvierte und letzte Band! dieser große Roman, an\ndem er seine Kräfte bis zum äußersten Grad über-\nanspaninend, alles verbrauchend, was ihm noch an\nKräften und Willen geblieben war, sich bestrebt\nhatte, sei ganzes Wesen ein letztes Mal zu sam-\nmeln und ihm ganz und gar Ausdruck zu erleihen\n— so allumfassend, so durchsichtigklar, so gewal-\ntig, wie nie zuvor! Dort lag er, dieser mächtige,\ndieser schwere und leichte Band, empfangen, ge-\nschrieben, vollendet in kaum einem Monat — in\nvier kurzen Wochen, wo er zehn, zwölf, vierzehn,\nzwanzig, zuweilen dreißig Stunden ununterbrochen\nan seinem Tisch gesessen hatte! mit Feuer Zug für\nZug die Antlitze dieses Menschenpaares aufzeich-\ninend, die hier zu schildern er beabsichtigte —: die\nUnbeugsamen, die Lachenden und Tapferen, die\nAuserwählten des Schmerzes und die Erkorenen\nder Freude, in deren gewjaltigen und erhabenen\nLeben alles Lebende sein eigenes Leben lebte! . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Ernst Wilhelm Lotz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.7", "debut_caractere": 8992, "fin_caractere_exclue": 9723, "texte": "Gedichte\nErnst Wilhelm Lotz\n\nWir fanden Glanz\nFanden ein Meer, Werkstatt und Uns.\nZur Nacht, eine Liebe sang vor unserm Fenster.\nAuf unsern Stimmen fuhren wir hinauf,\nWir reiten Hand in Hand.\nAus deinen Haaren, helles Fest im Morgen,\nIrr flogen Küsse hoch\nUnd stachen reifen Wahnsinn in meiin Blut —\nDann dursteten wir oft an wunden Brunnen.\nDie Türme wehten stählern in dem Land.\nUnd unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden\nStürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.\n\nDeine Haare\nWaren mir Sommer und Gartenglück,\nAn die Vorstadt gebaut. Weite und Wehen.\nDa fand ich Traum und Körper. 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Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir <jen\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi ertelj a hr e s bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Biatt Zeicbnungeo j\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier 1b\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-K&rtoß is ein-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-09-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-09-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1914-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste t\nDinamismo plastico / 500 pagine I riproduzioni Qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milan©\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be~\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmH Roseaow: Samtliche Dram en / Die Ausgabe\nenthSlt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis sebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart j Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nfiinzelbezug 40 Pfennig\nDer Sturm\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin WQ/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN ZWEITES SEPTEMBERHEFT\nNUMMER 12\n\nInhalt:\nAlfred Döblin: Von der himmlichen Gnade / Marli an Marik: Totengebete / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Ernst Wilhelm Lötz:\nGedichte / Carl Mense: Originallinoleumschnitt\n\nCarl Mense: Originallinoleumschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.2", "texte": "Von der himmlischen\nGnade\nAlfred Döblin\nKein Land ist an Friedlichkeit jenem zu ver-\nvergleichen, das in den Tod führt. Das Leben\nwölbt sich über dem Kopf wie ein Brückenbogen\nund unten fließt das V/asser, trägt den Kahn, nimmt\nihn weiter.\nFriedrichsfelde bei Berlin; ein heller Sommer-\nabend. Die Fredersdorf erstraße eng, schlecht ge-\npflastert; eine Reihe niedriger verfallener Häuser,\nKohlenplätze, Baustellen. Die schmutzigen, ver-\nwachsenen Kinder lärmten nicht mehr draußen.\nGebückt zog ein altes Menschenpaar von der\nChaussee her im die Gasse ein, die beiden Naßkes.\nEr an der Deichsel des ratternden Hundewagens,\nsie daneben, die Hände unter der schmierigen roten\nSchürze, die sie wie ein Muff aufgerollt hatte. Sie\nfuhren blicklos die Gasse herauf, unter dem blü-\nhenden Kastanienbaum hindurch, der schräg\ngegenüber ihrem jämmerlichen Häusschen wuchs.\nEin Stieglitz sprang auf den Baum, hüpfte\nZweig auf, Zweig ab; nach einigem „Kiwitt, kiwitt,\nzwrr\" sang er:\n„Grün ist der Mai. Mit mancherlei schönen\nBlümelein gezieret sind Berg und Tal. Viele kalte\nBrünnlein rauschen, darauf wir Waldvögelein\nlauschen.\"\nDie äußeren Aeste der Kastanien berührten den\nhohen Bretterzaun vor Naßkes Häuschen. Hinter\neinem verwilderten Hof, auf dem Brennholz und\nZiegelsteine stapelten, einen schmalen Gemüsegar-\nten vor der Front, stand das einstöckige Bauwerk.\nDie Fensterscheiben blind, mit Staub beladen, einige\nverhängt mit Lumpen und Laken. Im ersten Stock\nwaren Fenster geöffnet; irgend wer bullerte oben\nund warf von Zeit zu Zeit etwas um. Sie fuhren\nin den Hof ein, trabten drin langsam und blicklos.\nDer Alte schirrte den Hund ab, an die Leine\nunter einem niedrigen Schuppen, schüttete, den\nEimer auf den Knieen und geduckt, dem schnap-\npenden Tier Abfall vor. Sie gingen nicht gleich\nins Haus. Neben dem Wagen, der sich in den wei-\nchen Schutt tief mit den Rädern eingrub, saßen sie\nauf umgekehrten Kiepen vor dem Gemüsegarten.\nDie Spatzen schrien, der Stieglitz rief weiter. Der\nAlte murrte: „Wat die nu zu krähen haben.\"\nSie saßen still nebeneinander und sahen gerade-\naus. Braune Klinkersteine von Oefen lagen da und\nblitzten. Dann fing der Vogel wieder an: „Kwiwitt,\nkwiwitt\".\n„Man wird doch seine Ruhe haben können vor\ndie Aester\"; einen Stein nahm der Alte, schmiß ihn\nüber den Zaun in das Laub hinauf, der Vogel flog\nfort. Nicht lange fing leise im ersten Stock eine\nHandharmonika an, wimmernd und stöhnend; die\nMusik kam hinter ihren krummen Rücken her und\nging mit der Luft. Nach einer Weile wiegte die\nvertrocknete Großmutter den Kopf unter ihrem\nUmschlagetuch: „Et zieht; ick jeh rin.\" Unbeweg-\nlich saß er, mit den Armen auf den Knieen; die\nKlinker flennten: „Jeh man.\" Er hörte auf die\nMusik.\nDie Blicke der heiden waren wie Gummiringe\ndie allmählich überweitet wurden; die Haut hing\nwie ein zu weiter Lumpensack um ihr Gestell.\nGraubraune verrunzelte Gesichter boten sie dem\nLicht. Bei lag fuhren sie Hundefutter durch die\nStadt, an den Markthallen lasen sie Fleischabfall,\nhalbverweste Fische, Kartoffeln, Schalen auf. Das\nSprechen hatten sich die Beiden abgewöhnt. Ihre\nKnochen taten unermüdlich ihren Dienst, Maschi-\nnen, die einmal angelassen waren, trugen das Herz,\ndas träge und zögernd sein Ticktack machte, die\nkeuchenden Lungen; und die Köpfe, auf den ver-\ndorrten Hälsen schaukelnd, wurden mitgeschleppt.\nRasch wurde es finster. Und wie die beiden\nauf ihrem stummen Zimmer wirtschafteten, schlug\nder Hund an. Ein iVlannesschritt kam die Stufen\nherauf, eine bärtige derbe Qestalt steckte den Kopf\nin die dunkle Küche, knipste seine Taschenlampe\nund der weiße Lichtkreis lief über Säcke, Töpfe,\nHerd und ein Durcheinander von Konservenbüchsen,\nschallte seine Stimme: „Sind Naßkes hier? Ist\ndas dunkel! Ne, ist das dunkel!\" Ein zweiter Mann\nkam herauf, stand neben ihm, ein Schutzmann mit\ndem Revolver am Gurt. Die beiden Alten saßen\nauf der Matratze im Zimmer nebenan. Sie knuffte\niihn in die Seite, zischte: „Du\" und zeigte nach der\nKüche. Er tat als ob er schlief. „Warten Sie mal,\nFiebig, Sie brauchen nicht mitzukommen,\", sagte\nder bärtige Mann an der Küchentür, „bleiben Sie\ndraußen, lassen Sie aber die Hoftür offen.\" Vor-\nsichtig stieg er durch die verstellte Küche, stieß\ndie Stubentür auf: „Warum meldet Ihr Euch denn\nnicht? Wenn man Euch ruft? Was? Sie sind\nNaßke?\" Der Alte krabbelte unter dem stechenden\nfahndenden Lichtkreis hoch, stützte sich gegen die\nWand. „Sind Sie Naßke? Sagen Sies doch. Wo ist\ndenn die Alte? Na, verkriechen Sie sich man nicht,\nGroßmutterken; wir kriegen Ihnen schon.\"\nEr hob sie unter den Lumpen hoch: „Die Bee-\nnekens taugen wohl nicht mehr. Aber es langt\nnoch. Sie sollen jestohlen haben, Sie beeden.\" Die\nAlte kreischte, hob die Hände über den Kopf und\ndrehte sich nach der dunklen Wand zu. „Ne, olle\nDame, schreien hilft nischt. Stehen Sie mal janz\nuff; Sie sollen mitkommen uffs Revier.\" „Ick hab\nnich jestohlen, Herr Wachtmeester\" plärrte die\nFrau. „Das können Se nachher erzählen. Hut haben\nSie woll nich? Naßke, wo habt Ihr denn det Jeld\nverstochen?\" „Ick hab nischt jestohlen und ick\nhab nischt jestohlen.\" Sie gingen vor dem kräfti-\ngen Mann mit gesenkten Köpfen her. „Nu mach\nman bloß kein Klamauk hier; habt Ihr natürlich\ngleich verschoben. Fiebig, Sie gehen mal rauf hier\noben. Dett sind doch Eure Freinde, die lange\nEmma und der dufte Rutschinski, alles auf einen\nHaufen. Den Leutchen gehört der Hund, fiebig;\nsagen Sie von wegen Nummer sicher mit die Naß-\nkes und kucken Sie sich ein bißchen um.\" Er flü-\nsterte dem Schutzmann ins Ohr: „Vorsicht; ich\nwarte solange.\"\nSo kamen die beiden nach Moabit. Sie hatten\nam Vormittag in einem Haus von Rummelsburg\nden Mülleimer durchsucht. Als sie mit ihrem Sack\ndurch den Hausflur kamen, stand ein Bierwagen\nvor der Tür; der Bierfahrer hatte einen leeren\nBierkasten im Hausflur abgestellt, während er\ndurch einen Hintereingang eine frische Ladung in\ndie Restauration trug. Versehentlich tat der Mann\nsein Beutelchen mit Kleingeld statt in die Tasche\nin ein Schubfach des leeren Kastens. Naßke griff\nunbedenklich im Vorübergehen danach; sie fuhr\nängstlich hinter ihm her, schimpfte leise: „Wat\nwillste denn damit? Leg wieder hin.\" Er tauchte\nden Beutel in seinen gleichmütig äbgeschulterten\nLumpensack, öffnete die Tür, sie sockten langsam\nmit ihrem Wagen um die nächste Ecke. Die Frau\nschob hinten an dem Karren; sie war ängstlich;\ner hatte das Gefühl: „Die Sache hat ihre Ordnung;\ndem Dicken haben wirs besorgt.\" Er kaufte sich\nbei einem Händler in der Kneipe eine Stange -extra-\nfeinen Priem; sie ein paar wollene Pulswärmer,\neine Flasche süßen Likör und ein kariertes Um-\nschlagetuch. Der Rest des Geldes wurde am Bo-\nden zwischen die Bretter des Karrens geklemmt.\nIn Moabit saß er zusammen mit einem behäbi-\ngen schlauen Bruder, der schon öfter ein Ding ge-\ndieht hatte. Zuletzt hätte er eine schöne Stange\nGeld geerbt, erzählte er dem Alten, den er mit der.\nWorten begrüßte: „Mensch Dir hätten Se ooch lie-\nber gleich in de Müllkute lassen können.\" Er\nsuchte „die olle Mumie\" zu bewegen, ihm etwas\nzu erzählen. Als der schwieg und immer giftig\nauf die Diele hinsah, reizte er ihn: „Wat hast Du\ndenn jeklaut? Nen doten Heringsschwanz, wat?\nUnd denn gleich jekocht in de Sechserkneipe und\nalleene uffjefressen.\" Der Alte blieb stumm. Er\nwar mit einem dumpfen Grimm gefüllt; wenn er\nstörrisch die Suppe herunterschluckte und seinen\nTeller ausleckte, fuhr der Dicke vor ihm zurück:\n„Beiß mir man nicht; sonstens bestell ick nen\nMaulkorb.\"\nEines Morgens greinte und quackte Naßke:\n„Mein Zahn wackelt.\" „Wat soll ick denn damit?\"\n„Ick will nen Baibier haben für mein Zahn.\" „Wat\nis?\" „Ick will nen Baibier haben.\" „Laß Dir aus-\nstellen im Zoologischen, oller Affe mit Dein Zahn.\"\nDer Alte knarrte weiter; der andere meinte ruhig:\n„Wenns de noch viel jaulst, kriegste eins in die\nFresse und der Zahn hoppst raus.\" Zwei Wochen\nsaß Naßke; am Abend bevor er entlassen wurde,\nbrummte er wieder. Der Gauner fragte: „Wat\nmöchste?\" Naßke sah vergrämt vor sich hin und\nsagte nach einer Pause: „Wat man möchte? Man\nmöchte am liebsten dot sin.l.\"\nIm ersten Stock bei Naßkes wohnte Emma mit\ndem duften Rutschinski. Rutschinski ging in der\nZeit, während die beiden festgenommen wurden,\nnicht aus, weil er sich den Fuß auf der Treppe um-\ngeknickt hatte. Er war ein großer schlanker Mann,\nhatte ein schönes volles Gesicht. Seine schöne\nFigur hatte sein Schicksal bestimmt. Sobald er\ndas erste Mal keine Arbeit fand und spazieren\nging, entdeckten zwei ledige Fräuleins seine\nschwarzen Haare und die stumpfe Nase, dazu ein\npaar grade Beine. So spazierte er bald weiter mit\neiner samtenen Mütze und der kecken Strizzilocke\nauf der Stirn; die ledigen Fräuleins arbeiteten für\nihn. Nun beschützte er die lange Emma, ein blon-\ndes ehemaliges Kindermädchen. WTenn es soweit\nwar mit dem Geld, wollten sie heiraten und ein\nGemüsegeschäft aufmachen. Als die Naßkes in\nMoabit saßen, sagte Rutschinski, Emma solle mal\nwo einen ordentlichen Griff tun, sie wollten den\nalten Leuten ein kesses Abendbrot zukommen las-\nsen und einen Anwalt bestellen.\nAm nächsten Morgen um sechs Uhr entstand\nvor der benachbarten Rettungswache ein großer\nLärm. Emma wurde von einem Mann hereinge-\nführt am Arm. Sie torkelte. Sie hatte eine Kratz-\nwunde an der Stirn, ihre Nase und Oberlippe blu-\ntete; in Strähnen fiel ihr das blonde Haar zottelig\nauf die Schulter. Die Blumen auf ihrem Hut waren\nhalb heruntergerissen; die weiße Bluse mit Stra-\nßenschmutz beklebt. Der Mann hielt ihren Sonnen-\nschirm in der Hand; er war mitten entzweigebro-\nchen, die Stangen mit dem roten Bezug hingen.\nAus einer Seitentür des hellen viereckigen Raumes,\nin dem Instrumentenschränke, Verbandkästen\nstanden, stampfte gewichtig ein älterer Mann in\neiner weißrotgestreiften Bluse mit bloßen Armen;\ner trug eine Stahlbrille, in der Mitte des Schädels\nwaren ihm die Haare ausgegangen; an den Seiten\nwuchsen sie buschig nach vorn, schwarz und grau.\nEr sah, die Arme in die Seiten gestemmt, zu, wie\nder Arbeiter prustend das Mädchen über den Bo-\nden schleifte und. hingleiten ließ. Er kommandierte:\n„Legen Sie den Schirm daneben. Die Person ken-\nnen Sie natierlich nich? Na, dann kennen Se\ngehen.\"\nEmma schnarchte; der Schleim hing ihr aus\ndem Mund; ein Dunst von Schnaps und Tabak-\nrauch ging von ihr aus. Die Treppe im Hinter-\ngrund des Raumes sprang ein Herr im weißen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.3", "texte": "Mantel herunter; lang, schmalwangiges Gesicht,\ngeschäftsschlaue Züge, muntere Bewegungen.\n„Herr Doktor\" rief ihm der Heilgehilfe entgegen,\n'der noch immer mit eingestemmten Armen vor\nEmma stand, „ein neuer Fall.\" „Das sieht ein Blin-\nder, Walter. Wenn Sie weiter nischt von mir wol-\nlen, kann ich ja wieder gehen. Aber ne feine Num-\nmer für den frühen Morgen. Man sollte es nicht\nfür möglich halten. Die hat sich aus der Linien-\nstraße hier rauf verirrt.\" „Haben wir jetzt alle sel-\nber hier am Ort, Herr Doktor.\" „Na sehen Sie zu,\nWalter, klingeln Sies Revier an.\"\nDer Heilgehilfe war mit dem Mädchen allein.\nEr ging um sie herum, spukte verächtlich zu ihren\nFüßen aus: „Pfui!\" Aus dem Verbandsschrank\nholte er einen Wattebausch, goß einen Schuß Sal-\nmiak darauf, stubbste es der scharchenden Per-\nson unter die Nase. Die drehte den Kopf ab,\nspuckte aus. Er folgte hingekniet mit dem Bausch,\nklammerte ihren zerzausten Kopf in seinen linken\nArm fest. Sie schlug mit den Beinen. „Wat hat\ndet Luder für ne Kledasche an. Stiefeletten bis un-\nter die Knie.\" Ihre blauseidenen durchbrochenen\nStrümpfe kamen zum Vorschein. Mit einem Ruck\nwand sie ihren Kopf aus seinem Arm, kauerte hin,\ndann kroch sie wie ein Hund auf allen Vieren bis\nan den Verbandtisch, während ihr die Haare über\ndas verschwollene Gesicht hingen, richtete sich\nprustend hoch; er dicht hinter ihr mit dem Lappen.\nSie taumelte zur Wand hin, zerrte an dem Schloß\ndes Verbandskastens, beschmierte die Scheibe mit\nihrem angepreßten Gesicht. Er schleuderte sie zur\nSeite: „Mensch, nimmste die Pfoten weg.\" Von\nhinten preßte er der Torkelnden wieder den scharf\nriechenden Bausch vor den Mund, sie würgte,\nbrüllte, stürzte seitwärts auf die Hände. Der Dok-\ntor rief hell von drinnen: „Sie werden wohl mit\ndem Weib nicht fertig, daß die so schreit?\" „Wird\neben wach, Herr Doktor.\" „Na schön.\" Das Ge-\nsicht Emmas war dick gequollen, ihre Augen trän-\nten. Der Mann mit der Glatze nahm sie, von rück-\nwärts über sie gebeugt, die Zähne zusammenbei-\nßend, auf den Arm, schleppte und krachte sie auf\nden Verbandstisch hin; er flüsterte: „Jetzt bleibste\naber liegen, olle Toppsau du.\" Schwapp, die\nfeuchte Ladung saß wieder im Gesicht. Sie fing\nan zu ringen, mit den Beinen zu strampeln, um vom\nTisch zu kommen und dem stechenden Dunst zu\nentgehen. Er drückte sie mit seinem breiten Ober-\nkörper nieder, stemmte ihre Kniee herunter, hielt\nsie umklammernd gegen die Tischplatte. Er\nknirschte, der Schweiß machte seine Glatze feucht\nund glänzend: „Läßt du meine Bluse los, Dreck-\nfink gemeiner. Schämen sollste dich, daß du dich\nso aufführst, schämen sollste dich, schämen sollste\ndich!\" Sie kämpfte erwachend immer heftiger, er\nließ von ihrer Nase nicht ab. Wie sie, während ihr\ndie Kleider bis an das Gesäß hochrutschten, vom\nTisch herunterstrampelte und ihm über die Backe\nkratzte, wuchtete der grimmige Mann zurückfah-\nrend, atemlos seine rechte Faust mit dem Lappen\nzweimal auf ihrem Mund, gegen ihre Zähne, daß\nsie stöhnte, geiferte, die Augen aufriß. Sie saß auf\ndem Boden vor dem Tisch, sabberte: „Herr Rat,\nich kann ja nichts davor. Tun Sie mir nichts.\" „Tu\nman nich noch so dämlich.\" „Der Franz hat mir\nzuerst geschlagen mit mein Schirm, Herr Rat.\"\n„Jetzt stehste uff und hältst die Klappe.\" Er ging\nan den kleinen Spiegel über dem Waschbecken,\nwischte sich mit einem Sublimattupfer die lange\nKratzstrieme.\nDraußen klinkte die Türe; ein kleiner junger\nMann in einer blauen Pellerine polterte herein.\n„Franz\" gröhlte Emma heiser, „Liebling, Liebling!\nKomm doch her. Es ist mein Bräutigam.\" „Ja, sie\nmeint mir.\" „Ick tu mir was an, wenn Du nicht zu\nmir kommst.\" „Beruhige Dir doch, Emma; es is\nweiter nischt.\"\nMit einmal blinzte sie gegen ihn hin: „Det will\n'n Rechtsanwalt sind\", sagte sie blickend, am Bo-\nden herumkrabbelnd, „det will mein Bräutigam\nsind? Un nachher wird er mein Schirm an mir ka-\nputt hauen. Wat willste denn hieer? Die Naßkes\nkommen ooch ohne Dir raus.\" „Aber Emma.\" „W,O\nbin ich denn Deine Emma, Du Bedrieger. Herr\nRat, det is ein Bedrieger.\" Sie hatte sich am Tisch\naufgerichtet, schimpfte lauter und drohte gegen den\nkleinen Mann, der sich neben den Heilgehilfen\nstellte: „Mit Dir wer ick schon mal abrechnen. Erst\nmacht er ein besoffen und nachher will er Vor-\nschuß von eim habn. Wofür denn? Der n Rechts-\nanwalt? Du —\" Sie wollte auf ihn zu, der Mann\nmit der Bluse hielt sie fest; er drückte sie auf den\nStuhl: „Setzen Se sich man und quaseln Se hier\nnich noch.\" Sie. fuchtelte, rückte sich den Hut zu-\nrecht. Der alte Mann verpflasterte ihre Nase,\nsteckte ihr mit bösen Blicken die Haare fest.\nAm folgenden Tage wurde Emma von der Po-\nlizei entlassen. Die Naßkes hockten schon wieder\nzu Hause. Rutschinski empfing seine Braut mit den\nWorten: „Dir sollten sie lieber rausgeschmissen\nhaben auf der Unfallstation statts Dir zu verbin-\nden.\" Sie holte aus ihrem Strumpf Geld, das sie\nvon ihrem ersparten genommen hatte; er zählte\nbesänftigt: „Na fleißig bist ja gewesen, Emma, olle\nSchmalzbacke. Aber mach mir bloß nich sone\nZicken, besonders wenn ick een krankes Been habe\nund nicht mitkann.\" Als er nach ihrem Schirm fragte,\nerzählte sie ablenkend, schmeichelnd von dem klei-\nnen Franz, den er kannte; er kriegte einen Qrimm,\nversprach, indem er sich in die Hand spuckte, die\nHandflächen gegeneinander rieb und dabei pfiff,\nAbhilfe zu schaffen.\nNaßke konnte sein Hundefutter nicht mehr los-\nwerden. Zwei Kollegen waren ihm zuvorgekom-\nmen. Er fand aus seinem Groll nicht heraus. Der\nHunger war in ihrer Wohnung; der Alte ließ sich\nnicht bewegen zu arbeiten. Wenn er bloß den\ndicken Bierfahrer unter die Finger kriegte. Sie\nwickelte sich große Zeuglappen um ihr geschwol-\nlenes Bein, legte gekautes Brot unter. Er näselte:\n„Wat pusseiste immerzu an det Been? Det schene\nBrot rufflegen. Wennstes bloß ausspucken tust,\nbrauchst et ooch nich zu essen.\" Sie keifte und\nstubbste ihn unter das Kinn: „Und wenn Du oller\nDusselbart bloß quasseln tust, kainnste gehn. Mit\nDeine Schlauheit brauchste Dir nich dicke zu tun.\"\nSie schwiegen auf ihren Matratzen. Dann sagte er:\n„Ick häng mir uff.\" Sie packte ihn vor Wut und\nschüttelte ihn: „Uffhängen kannste Dir soviel Du\nwillst. Un ick zahl noch een Jroschen zu und jeh\nmit Emman in nen Kientopp.\"\nRutschinski hinkte herunter zu dem Alten, der\nsich nicht aus dem Haus bewegte und die Alte al-\nlein mit dem Wagen ließ; er fragte ihn, warum er\nsich denn aufhängen wollte. Naßke bellte: „Wat\njeht denn Dir det an? Ihr seid Grünschnabel. Du\nfragst mir ooch nich, wennste Deine Emma ver-\nmöbelst. Ick kann mir uffhängen, wenn ick will.\"\nRutschinski stellte ihm eine Flasche Schnaps auf\ndas Fensterbrett:„Son oller Mann und sich uff-\nhängen, det hat keenen Dreh. Naßken trinken Se\nman eins mit Muttern.\" Der Alte winkte ab. Er\nsaß in dem wüsten Zimmer allein auf der Matratze,\nhockte stundenlang. Sein welkes Gesicht war bit-\nter. Wie es Abend wurde, die Vögel wieder zank-\nten und sangen, trank er in einem Winkel einen\nSchluck Schnaps, ging in den Hof, holte eine alte\nHundeleine aus dem Schuppen und hängte sich an\neinem Fensterhaken auf.\nDa hing er, hinter einem übergelegten Sack-\nlumpen, mit zusammengeschnürtem Hals, wie e\\n\nleichtes langes Paket an einem Seil und schwankte\nnicht.\nDer Brückenbogen schwamm über den Kopf\nweg; eine Schnelle hob den Kahn, senkte ihn in\neinen Brunnen; glatt und frei sank der Kahn, eine\nangeblasene Feder versank.\nDie Alte zottelte mit dem Hundewagen an;\nkauerte auf der Kiepe vor dem Gemüsegarten.\nMüde lahmte sie durch die Küche ins Zimmer. Als\nsie das Bündel am Fensterhaken hängen sah, stand\nsie gebückt, faltete die Hände über der Schürze\nund sah regungslos lange Minuten hinüber. Sie\nblieb ganz kalt, schüttelte den Kopf: „Nu hat er\nsich richtig uffjehängt, der olle Struckräuber. Der\nfragt ooch nich nach Gott und de Welt.\" Durch die\nTür keifte sie nach Emma und Rutschinski, zeigte\nihnen die Leiche: „Da hängt er.\" Rutschinski\nfragte: „Aber Großmutterken, warum schneiden\nSe denn Ihren Ollen nich ab?\" Sie scharrte ärger-\nlich in die Küche; nach einer Weile piepste es zu-\nrück: „Ick soll ihn nu noch abschneiden, den\nStruckräuber. Vor sonen Doten ekle ick mir.\" Spä-\nter, als die Leiche auf der Matratze lag, sagte sie\nzu Rutschinski: „Raus mit dem. Mach Dir uff die\nSocken.\"\nDie Tage vor dem Begräbnis fuhr die alte Naßke\nnicht mit dem Karren; Emma brachte ihr zu essen;\nwenn sie im Garten auf ihre Kiepe saß, spielte Rut-\nschinski der Großmutter auf seiner Mundharmo-\nnika vor, aber nur lustige Stücke, Gassenhauer.\nUnd nach der Beerdigung, am Nachmittag nahmen\nEmma und Rutschinski die Frau unter die Arme,\nund sie marschierten langsam die sommerlich\nwarme Chaussee herunter. Emma trug eine kleine\nschwarze Kapotte; ihr Gesicht war noch verpfla-\nstert, die Lippe geschwollen; an1 den Mund-\nwinkel der tiefe Dirnenzug; über ihr helles\nKleid hatte sie ein dunkles langes Jacket gelegt,\nDer dufte Rutschinski, blaß, den schwarzen\nSchnurrbart mit Bartwichse hochgezwirbelt, ließ\nseine lebendigen Augen rechts und links gehen;\nauf dem glattgescheitelten Kopf saß der steife\nschwarze Hut schief, die Strizzilocke unentwegt in\nder Stirn, im schicken grauen Anzug mit einem\nKnotenstock; eine rote Nelke im Knopfloch. Sie\nschleppten die Alte, die unter ihrem neuen karier-\nten Umschlagetuch verschwand, in den grünum-\nzäunten Garten einer Budike, an dem Eingang war\nein kleines Holzschild angebracht: „Hier spielt\nBismarck.\" Sie setzten sich; Emma raffte ihr\nKleid, holte aus dem rechten Strumpf über dem\nKnie ihr Portemonnaie, gab es Rutschinski.\nFrau Naßke schwieg hinter ihrem Kognak, sie\nschien zu frieren. Emma flüsterte: „Sie is noch\njiftig auf den Ollen; nich dran tippen.\" Der dicke\nKneipier mit einer mächtigen Bierschürze stellte\nsich neben den Tisch; Rutschinski stand auf: „Ein\nscheener Dag, aber traurig. Der olle Mann hat\n'mit Hundekuchen gehandelt und denn, wie et is in\ndie schlechte Zeit, Se können sich denken —\" „Is\nwoll dot?\" Rutschinski sagte bei Seite: „Hat sich\ndas Jas alleene abjedreht.\" „Ne sowat. Die arme\nolle Frau.\" „Die redt keen Ton. Machen Se 'n bis-\nken Musike. Wo is denn Bismarck?\" „Wird gleich\nserviert.\" Der Hausdiener mit der ungeheuren\nGlatze setzte sich drin an das Tafelklavier. Rut-\nschinski faßte seinen Stock kurz; wenn mal der\nkleine Franz hier wieder einkehrte, solle der Knei-\npier nach ihm schicken:: „Mit dem will ick mal\nunter vier Oogen sprechen. Det is mein Freind.\nKucken Sie sich mal die Neese von meine Braut\nan.\" Emma mit den blonden Haaren hielt die alte\nNaßken umfaßt, redete ihr zu einem Schnäpschen\nzu. Die nippte und lächelte schwach. Bismarck\nklimperte. Auf der Buche vor dem Lokal zwit-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.4", "texte": "scherten die Vögel; ein Junge klatschte mit seiner\nPeitsche: „Sie, mein Triesel, nich rufftreten.\"\nDer Stieglitz sang:\n„Des Menschen Gemüt hoch aufgeblüht soll sich\nnun auch ergötzen zu dieser Zeit, mit Lust und\nFreud sich an dem Maien letzen. Und bitten Gott\ngar eben, er wolle weiter Gnade geben.\"\n\nTotengebete\n\nGott spielt über meinem Haupte sein trauriges\ntrauriges Lied . . .\nSo viele kleine Tränen rieseln\nUeber mein wehes Herz . . .\nDie große Trauer schreitet über meine Welt\nEin kleiner weitere Stern ist gefallen . . .\nUeber verwüstete Wiesen irrt meine Seele\nAn großen zerrissenen Wolken hängen meine\nAugen\n* *\n*\nUnd Gott\nSpielt sein trauriges Lied über meinem Haupte...\nGeliebte Du!\nHeilige Du!\nLangsam lautlos schleicht die tückische Nacht in\nmein Herz\nDie Nacht Deines Sterbens . .\nLangsam lautlos schleicht die kalte furchtbare\nDie all meine Sterne gestohlen hat\nDie all meine Seufzer geatmet hat . . .\nIhre grausamen knöchernen Hände haben meine\nSeele zerzaust\nIhr eisiger Atem hat sie vergiftet —\nDie schleichende tötende Nacht Deines Sterbens —\nGeliebte!\nWarum mußte ich Deine Seele töten?\nWarum mußte Dein ewiges Licht\nVor meinem verzweifelten Wahnsinn sterben —\nHeilige Du!?\n* ♦\n*\nGeliebte!\nIch träume das Lied unsrer Liebe:\nEin Stern bist Du mir der über meinem Haupte\nschwebt\nUnd des Nachts in meine Augen niedersteigt . ,\nEin süßer Duft der meine Seele umzittert\nMüde Liebesworte die auf meinem Munde ruhen..\nMatte fiebernde Birken flüstern mein Märchen\nTraumschwere Nebel weinen still über meinem\nWeh\nDer Mond sucht die Tränen meiner heiligsten\nSehnsucht\nUnd ich träume das Lied unsrere Liebe\nDas Lied meines Leides . . .\n*\nAus dem Land meiner heiligsten Träume bist Du\ngekommen\nMein schönster Gott pflückte Blumen für Dich\nMeine reinsten Gebete umspielten Dein Haupt..,\nAus dem Land meiner herrlichsten Märchen bis\nDu gekommen\nMeine kostbarsten Worte waren Deiner Stirne\nSchmuck\nMeine geheimste Sehnsucht war Deiner Augen\nGlanz\nMein Wunder Du!...\nGanz leise bist Du in meine Einsamkeit gekommen\nMeine gequälte Erwartung haben Deine Hände\nliebkost\nMeinen versengten Schmerz hat Deine Reinheit\ngeküßt...\nEinen herrlichen heilenden Blick hast Du mir\ngebracht\nAus dem Land meiner heiligsten Träume\nMein Wunder Du! . . .\n* *\n*\nUnd nun —\nMein totes Glück Du!\nEin großes schmerzendes Sterben schreitet über\ndas All\nDa Deine Seele starb\nUnd alle Himmel und alle Sonnen sind tot\nUnd alle Frühlinge und alle Schönheit . . .\nEin unendlich trauriges Weinen spinnt sich von\nStern zu Stern\nEin unsägliches Schluchzen zittert über dem Meer\nt)a Deine Seele starb . . .\nD!\nGottes unendlich gütiges Augist erloschen\nUnd der ewige Jammer der Welten kauert im\nfurchtbaren Dunkel\nUeber trotzige Wälder rast das maßlose Weh\nDer ewige Schmerz der Erde blutet\nUeber dem zerfetzten Himmel\nStröme von Blut und Eleend wälzen sich über die\nErde\nIn das heilige ewige Meer . .\nUnd meine gejagte verzweifelte Seele\nWeint über dem heiligen ewigen Meer\nUeber dem befleckten Meer ....\nMeinte Seele von Stürmen gepeitscht betäubt vom\nJammer der Erde\nMeine Seele ziternd vor dem furchbaren lauernden\nDunkel . . .\nOh das stöhnende giftige Dunkel über der Welt!\nWarum mußte Dein ewiges Licht\nVor meinem verzweifelten Wahnsinn sterben —\nHeilige Du!?\n* *\n*\nDu — meine erste Träne!\nDu — mein erstes Wort!\nIn der opalnen gottdurchglühten\nMorgenröte des Werdens warst Du in meiner\nSeele\nMit dem ersten Lichte wurdest Du mir geschenkt\nIn der ersten Blume sangst Du mit mir zu der\nSonne\nIn dem Erwachen des ersten Frühlings\nHast du mit mir\nDen keuschen Rausch der Lust getanzt\nUnd alles Werden und alles Sterben\nWarst Du und Ich . . .\nDer glühende Morgen — der Kuß\nUnsern Erwachens\nDer lustreich erschlaffende Abend — die Ruh\nUnsrer herrlichen Müdigkeit\nUnd die tausend singenden Farben —\nDie Pracht unsrer Träume\nDie ich von Dir und Du von mir träumtest —\nDie Schönheit unserer Lieder\nDa wir vor Gott spielten . . .\n*\nUnd in den schlanken Bäumen\nZitterte unsere Sehnsucht\nIn dem berauschenden Glänze über dem Himmel\nSchwingend unsere heilige Liebe\nIn der göttlichen iefe der Nacht\nLag unser stolzes Erkennen\nUnd alles Werden und alles Sterben\nWarst Du und Ich! . . .\n* *\n*\nDas Röcheln der sterbenden lichten Tage gleitet\nUeber raein müdes Haupt . . .\nOh — und mein Schmerz um Dich! . .\nEin müder gequälter Gedanke irrt und irrt\nSo weltenweit von Dir weg schluchzend und\nfliehend\nUnd wieder zurück zu Dir\nVerblutend und suchend\nErlösung vor Dir . . .\nUnd Du — überall um mich\nUnd Du — immer um mich\nUnd Du —- immer in mir . .\nUnd in der Tiefe meiner Seele\nEin schmerzendes Feuer:\nDie herrlichen Flammen Deiner Blicke und die\nLust Deiner Küsse . .\n*\nDu mein süßes Geheimnis\nDu Atem meines Blutes\nDu Ahnung meiner Seele . . .\nIn dem stolzen Schweigen herrlicher Wälder\nHab ich Dein Nahen geahnt\nUnd in dem zagenden Flüstern das in den Nächten\nflimmert\nUnd in dem zarten sehnsuchtsvollen Lichte\nDas über die Berge zieht —\nImmer hat Dich so unsäglich süß und traurig\nMeine Seele geahnt . . .\nO und das marternde marternde Warten der\nbleichen Stunden!...\nUnd dann:\nGanz leise bist Du in meine Einsamkeit\ngekommen..\nMeine müde Einsamkeit\nHat prachtvolle Märchen für Deine Seele ersonnen\nMeine wartende Seele\nHat alle. Schönheit der Wälder und Meere für\nDeine Seele gesammelt...\nUnd:\nWunderbare Liebesworte aus den Augen toter\nMädchen\nAlte herrliche Gebete aus den Hallen toter\nTempel...\nAlle Schönheit des Himmels und der Erde\nGeheimnisse kostbar und weltentief\nTalismane des kühnsten Bösen\nVerzücktester Märtyrer Blutmale\nDüfte gottähnlicher Rausche\nDie stählerne Pracht satanischen Trotzes\nAlles legt ich zu Deinen Füßen . . .\nAus den stolzesten Blumen meines Gehirnes\nWob ich Dir einen herrlichen Teppich\nNeue berauschende Rhythmen hab ich für Dich\ngeboren\nNeue berückende Bilder hab ich für Dich erzeugt\nUnd alles was ich hatte gab ich Dir zu eigen\nMein Schicksal Du! —\n*\nUnd jetzt —\nMüde kauert meine abgehetzte Seele\nUnd erschauert\nVor den huschenden höhnenden Schatten der\nNacht\nVor den harten gellenden Schreien der Weiten..\nWarum mußte ich Deine Seele töten?\nDeine Seele die mein Schicksal war?\n*\nSo zart hat Deine liebende Seele mein bebendes\nWeh umfangen\nIm Rausch der Erlösung hat meine Seele gejauchzt\nZu den geheimsten Wunden drang Dein heilendes\nSehen...\nUnd neue herrliche Welten wurden in unsrer hei-\nligen übermenschlichen Liebe geboren —"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.5", "texte": "Splitter von rasenden Sternen waren in Deinem\nHaar\nEin herrliches junges Glühen\nNeuer nie geahnter Himmel\nBetäubte unsre seligen Augen . .\nUnd Du und Ich: eim einziges Wort der Schöpfung!\nUnd Du und Ich: ein süßes Geheimnis des\nHimmels!\n* *\n*\nUnd dann die rasenden Sommertage\nDa wütend der Himmel an der Erde nagt\nUnd aus dem verborgensten Dunkel die giftigen\nHauche auferstehen\nUnd stolze -ewige Wälder wie kleine fiebernde\nKinder sterben\n•Und das stolze Meer\nEin armer verdurstender heulender Kranke ist . . .\nDie rasenden Sommertage die am eigenen Gifte\nsterben\nUnd die Nächte —\nDas gräßliche gläserne Auge des Irrsinns . . .\nDa erwachte\nDas alte häßliche Blut\nDie Rache des Bösen\nDie so lange träge Jahrhunderte schlief —\nUnd der häßliche böse mordende Gedanke\nDen entfesselte Nächte großgezogen\nDen brennende haßglühende Sonnen gestillt —\nDer mordende böse Gedanke schrie auf\nUnd die verhaltene Wut bezwungener Stürme\nUnd die erstickten Flüche brandender Wellen\nUnd die Gier\nDie tückische heuchelnde Gieer nach meinem\nBlute . . .\nO das harte Verlangen\nDas in Deinem Blute schlummerte\nDas schrie und keuchte und raste.\nDas schreckliche Rot geopferten Blutes\nBegoß Deinen Blick . . .\nO es war derselbe Blick\nDer vor Jahrtausenden ein verblutendes Herz\nliebkoste\nUnd die letzten Schmerzen brechender Augen\ntfank\nUnd sich\nAn die unendlich traurige Blässe einer stolzen\nbesiegten Stirne\nSo grausam und wollüstig schmiegte . .\nO es war derselbe harte harte Blick —\nUnd ein verheerendes Feuermeer\nGoß sich lüstern vom Himmel über die Erde\nUnd uralte Bäume stöhnten in dem flutenden Tod\nHimmelhohe Berge stürzten ins urgrundtiefe Elend\nUnd vom Himmel gerissene Sterne\nTantzten auf perlengebärendem Schäumen . . .\nAlte tote Lieder weinten\nUeber dem allumfassenden Wirbel\nUeber dem allzerfetzenden Sturme\nUebere der allbeschmutzenden Stimme\nDes alten häßlichen Blutes\nDer Rache des Bösen\nDie so lange träge Jahrhunderte schlief . . .\nO der Haß der wahnsinnige Haß\nDer Dein heiliges Bhit peitschte!\nUnd der Haß griff mit tausend saugenden Armen\nAn meine Seele\nUnd der giftberauschte Blick Deiner himmeltiefen\nAugen\nWurde diese schäumende Wut\nUnd verheerte die Gärten meiner Seele\nUnd bespie die gottgeborenen Blumen\nDie in den tiefsten Kammern\nMeines hoffenden wartenden blutenden Hirnes\nDeines Kommens harrten . . .\nO die alten schlummernden Tage\nWurden wach in Deinem heiligen Blute\nUnd die vergessenen Fieber\nSchlangen sich um meine Seele\nUnd Du\nDie Du meine ewige\nMeine vergöttlichende Sehnsucht warst\nDu wolltest meine Seele beschmutzen\nIn den abscheulichen Schlamm\nDen Geschlecht auf Geschlecht verzweifelt\ndurchwatet\nIn dem so unzählige Strahlen ertranken\nIn dem so viele Blumen starben\nIn diesen vergiftenden Schlamm\nWolltest Du meine trauernde Seele schleppen . . .\nUnd\nDa mußte ich Deine Seele töten\nDa mußte Deine ewige Flamme\nsterben . . .\nOh ich mußte Deine ewige gottesähnliche Schön-\nheit retten\nFür mich — Heilige Du!\n* *\n♦\nO Gott warum lag dies harte Verhängnis\nUeber meinem armen Leben?\nSieh mein gebrochener Stolz fleht zu Dir . . .\nMeine Seele ist bang —\nGrausam sind die Wunder die Du ihr geschenkt\nhast . .\nWeltferne Glocken summen in die Nacht\nDer Wald streut seine Seufzer auf mein wirres\nHaar...\nMeine Heilige ist tot...\nDie Wehmut weiter Felder zittert um mich her\nUnd die bittre Trauer einsamer Gipfel\nUnd die heißen Schreie verirrter Vögel —\nMein gebrochener Stolz erkennt Deine Wrege:\nIch lege meine Stirne auf die arme Erde\nUnd laß sie meine Tränen trinken . .\n* *\nO wie Dein Tod an meiner Seele nagt . .!\nIch kaure trauernd an Deinem Grab\nDie Träume meines Glückes\nLiegen schwer auf meinem Hirne . . .\n* *\n*\nO Du!\nDich hat Dein Tod geheiligt . .\nSieh auf meinen Schmerz!\nVom Osten zum Westen irrt mein einsames Leid\nUnd verfinstert den Himmel\nUnd wirft auf das Meer seine schmerzende Trauer\nMein Leid um Dich\nMein Leid um Deinen Tod . . .\nAus meinen verzweifelten Stunden werd ich\nEinen Kranz Dir winden\nMeine kranke Sehnsucht soll ein Licht sein\nUeber Deinem Grab —\nAber sieh auf meinen Schmerz! . . .\nO bette mich weich auf diesen endlosen Nächten\nLeg Deine liebkosende Hand um mein armes\nHerz —\nSchenk mir Vergessen!\nUeberall sucht mein fieberndes Hirn nach Dir\nNach Dir meinem Ursprung — nach Dir meiner\nVollendung\nUeberall macht mich der Duft Deiner Seege krank\nUeberall fühl ich die streichelnde Wärme Deiner\nAugen\nO schenk mir Vergessen Du —\nDich hat Dein Tod geheiligt\nDich hat Dein Tod zu den Sternen gehoben . . .\n* ♦\n*\nEin unsagbar trauriges Singen war über unsrer\nLiebe\nMüde Stunden kreisten um unser Glück . . .\nDeine Seele war so schwach und krank\nAn meine arme Seele gelehnt . .\nWelke früh gestorbne Blumen fielen auf unsere\nStirnen\nHand in Hand gingen unsre einsamen Seelen\nUnd suchten Gott . . .\nUeber ferne, ferne Wege gingen unsere Seelen\nDie Nacht goß ihren häßlichen Blick in unsere\nHerzen\nDie Sterne flohen furchtsam vor uns . .\nDa wüßt ich:\nGott ist nicht mehr mit mir ...\n* *\n*\nO Geliebte ich bin Verzweiflung und Gebet . .\nMeine müden Augen träumen Deine Trauer\nZwei schwankende Säulen sind meine flehenden\nArme\nDie Stunde Deines Kommens weint . . .\nO komm!\nWie blutet Dein Siegel auf meinem Herzen!\nO ewig meinen bleichen Schmerz auf Deinen\nHänden zur Ruh!\n* *\n* . i\nIn meinem Herzen singt Deine duftende Stimme\nMein banges Erwarten schleppt sich Dir entgegen\nO meine kranke Liebe möchte Dein Haar\nliebkosen\nUnd Deine herrlichen Augen küssen . . .\nUnd wieder singt Deine duftende Stimme in\nmeinem Herzen\nVergessene Kinderlieder streicheln meine Augen..\nDa schaut mein totes Glück tief mir im die Augen\nO wie das schmerzt!\nGellend zerbricht der Schrei meiner Angst an der\nharten Nacht\nZu meinen Füßen stirbt eine kleine einsame\nWelle...\n* *\n♦\nUnd immer wieder zuckt Dein Sterben durch\nmeine Adern\nMein totes Wunder Du!\nOh warum mußt ich Dich töten — Heilige Du?!\n*\nZwei Geschwistersterne waren unsere Leben\nWarum verließest Du mich?\nZwei Blumen derselben göttlichen Wurzel\nWarum sehnte sich Deine verderbende Pracht\nSo weit von mir weg?\n* *\n*\nGott — Du — und Ich!\nWelch ein herrliches Glück hätten wir drei\ngenossen!\nIn dem heüigen Tau der Osternacht hatten wir\nunsere Seelen gereinigt\nNeue herrliche Psalmen unserer Lust hatten wir\nIhm gesungen\nNeue duftende Kränze unserer Träume\nHätten wir um Seinen Himmel gewunden —\nWelch ein herrliches Glück hätten wir drei\ngenossen\nQott — Du — und Ich\nAber in Deinem weitenrückten Rausche\nWeinte die Stimme des Lebens\nWeinte lange und quälend\nUnd wurde zu entsetzlichem Lachen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.6", "texte": "Und wurde zu entgöttlichem Höhnen\nDas meine Seele langsam zerbröckelte . .\nO wie das buhlende Leben Dich lockte!\nSein häßlicher heißer Atem rötete Deine Wangen\nSein böses Begehren schlich in Deine Augen\nUnd war in dem höllischen Glanz Deines Haares\nUnd kicherte in den süßen Winkeln Deines Mundes\nO in der gräßlichen Flut von Feuer und Verlangen\nRang ich um Dich\nDie brennenden Wellen wollten mein Haupt ver-\nschlingen\nZischende Schlangen preßten meinen Leib\nDie fressende rote Glut biß an meine Augen\nUnd ich rang verzweifelt um Dich\nUnd mein Gesicht schlug blutig Dein grausames\nhöhnendes Lachen\nO die verheerende Flut\nZerschlug die Pracht meiner Träume\nBeschmutzte geifernd mein einsames Heiligtum\nUnd immer und immer schlug mein Gesicht blutig\nDein grausames höhnendes Lachen . . .\n*\nDa schrie meine verzweifelnde Seele zu Gott —\nGott war nicht mehr mit mir . . .\nUnd ich riß Deine Seele von meiner\nMit der sie seit Ewigkeit war . .\nVerblutend\nKniete meine Seele vor dem Blicke Gottes:\nDeine tote Seele brachte ich Ihm zu Opfer . . .\n* *\n*\nOh ich allein mit Deimern Tod . . .!\n* *\n*\nUnd dann\nStark und mächtig wurde mein grausamer\nSchmerz\nUnd lachte über die kleine Pracht\nUeber das kleine Glück des Lebens\nSeine trotzige Stirne lehnte am Knie Gottes\nGottes unendlich heilende Hand streichelte seinen\nNacken...\n* *\nDa nahm ich Deinen bleichen Tod in meine Arme\nAuf den höchsten Gipfel\nMeiner harten Einsamkeit stieg ich.\nHilflos wimmernd schlug das Meer des Lebens\nGegen meine harte harte Einsamkeit . .\nUnd ich — schmerzendes Lachen und\nverzweifelnde Kraft\nIch küßte noch einmal Deinen bleichen Tod\nUnd schenkte ihn dem Leben . .\n* *\n*\nLeise schluchzt in meiner Seele die Sehnsucht nach\nDeiner heiligen Schönheit\nIch senke mein müdes Haupt vor der mordenden\nNacht\nSie spielt mit meinen Tränen\nUnd legt sich todesschwer auf meine arme Seele\nMeine Seele friert\nUnd stammelt Deine Totengebete.\n\nMarijan Marik\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\nEr zuckt auf einmal zusammen, hört plötzlich\ndiese letzten Worte —:\nGetötet und ... ?!\nUeber Nacht getötet und be . . . !?!\nSo wie Annie über Nacht von Mörderhand . . ??\nEr steht da, am Fußende ihres Bettes, totmüde\n— und starrt schaudernd und eiskalt um sich.\nEr entsinnt sich auf einmal, wie aus einer Fin-\nsternis dahinter heraus, was er vor einer Weile\ngedacht hat —: irgend etwas, das für sie gemacht\nwerden müsse . . . und für ihre Eltern!\nUnd gleich darauf, ehe er es selbst noch recht\nweiß, hat er seine Jacke abgerissen, die Weste:\ndas alles ist steif von Blut! — Er dreht sich auf\nseiner Ferse herum, eilt nach dem Badezimmer,\nreißt die Tür weit auf — und bleibt dort eine Se-\nkunde stehen, an den Türpfosten gelehnt.\nIhm gerade gegenüber fällt der Tagesschimmer\nbunt durch die breite, farbige Fensterscheibe; da\nhinten, rechts, leuchtet das riesige, ovale Becken\naus blendenem Marmor; die schweren Messing-\nhähne darüber flammen wie Gold; hoch dort oben\nkrümmt der blanke Strahlenverbreiter der Dusche\nsich hinab; auf dem Fußboden die weißen und\nschwarzen glatten Fliesen —:\nJa!\nAnnie, meine Geliebte!\nIch komme — jetzt bin ich bereit! . . .\nEr hat den Hahn für das heiße Wasser schon\ngeöffnett — brüllend stürzt es aus dem goldenen\nMund heraus, füllt den Raum mit seinem rauchen-\nden Atem, mit seiner Wärme und mit seinem wei-\nßen Dampf.\nWährenddes ist er wieder in das andere Zim-\nmer geeilt, hat sich über das Bett gebeugt, hat sie\nbehutsam auf seine Arme gehoben. Er zögert\neinen kurzen Augenblick dort an der Schwelle,\nschon umhüllt von! dem Flor der lauen, dichten\nNebel — verschwindet gleich darauf.\nUnd nun vernimmt man von da drinnen her\nbeständig den brausenden Lärm jenes kochenden\nGießbaches, hin und wieder das fauchende Krei-\nschen von Stoffen, die zerrissen werden. Man\nhört den Laut seiner Schmerzensrufe, das Kläffen\nseiner Qual — während er zitternd, Punkt für\nPunkt, sein Unternehmen ausführt! Ach, ja, sein\nHerz rast und steht jäh darauf still, rast und steht\nvon neuem still. Er beißt knirschend seine Zähne\nzusammen, preßt seinen Mund gegen ihre Wange\n— er stöhnt wild und heiß, küßt wieder die feucht\nschimmernde Haut, auf der unablässig Perlen ge-\nboren werden! Sein Sinn ist plötzlich nicht mehr\ngeteilt, er hat vollkommen vergessen, ihn,\nder tötete, und die andern, die da unten war-\nten, alles und aJle hat er vollkommen vergessen\n— in allen seinen Fibern weiß er nur eins: eine\nschwindelnde Zärtlichkeit eine schmerzdurch-\nbohrte und brennende Liebe, eine Welt von sen-\ngender Liebe — die zugleich zerreißt und heilt, die\nsein Herz grausam in Fetzen zerfleischt und gleich-\nzeitig es so stark und ganz macht wie nie zuvor!\nAch, und seine Hände, sie umfassen so schnell, so\nsanft und so kundig ihre Glieder — während die\nDämpfe das alles verschleiern! Er verrichtet mit\nflammender Sorgfalt dies Gräßliche und Schöne,\ndas notwendig ist! Mein Gott, aus dem lauen\nWirbel der wogenden Nebel, aus dem beständig\nrinnenden Fluß der heißen Wasser, die das Wun-\nder ihres entblößten und weißen Körpers umspii-\nlen — tauchen wieder und wieder seine geschäfti-\ngen, demütigen Hände von neuem auf, sie baden\nund waschen, sie greifen so fest und so gut zu,,\nsie löschen sorgfältig und zitternd die Spuren aus*\nSie machen sie neu und schön, wie sie immer\nwar! ...\nDie Stunden vergehen.\nDie Stunden kommen, er hört sie nicht.\nDie Stunden vergehen — und er bemerkt sie\nnicht.\nDier Stunden kommen und gehen, aber er ach-\ntet ihrer nicht — eine jede von ihnen ist Tausende*\nMillionen von Jahren, die weder gezählt, noch ge-\nsammelt, noch gefaßt werden können.\nUnd er eilt beständig hin und her, bald in die\nSchlafstube, vor weit geöffnete, duftende Schub-\nladen und Schränke, oder vor das Bett — und bald\nwieder in die Badestube. Er lacht, er bleibt hin\nund wieder auf einmal stehen, sein Herz krampft\nsich qualvoll zusammen, tut so wahnsinnig weh.\nSein Lieb ist wieder zart und schön, nun kleidet\ner sein Lieb wiederum in Spitzen und in Seide,\ner schmückt ihren Körper, den er immer so innig\ngeliebt hat — sein Gemüt ist zu Tode durchfurcht\nvon der Sehnsucht nach ihr, durch deren Hilfe er\nall seine Zeit gelebt hat!\nDie Stunden kommen und gehen . . . und end-\nlich ist sie bereit.\nJa!\nJetzt könnt ihr kommen:\nSie liegt da auf einem gischtweißen Bett, in\neinem schäumenden Brausen von Weiß! Das gol-\ndene, das mächtige Har ist zu beiden Seiten könig-\nlich an der hohen Schönheit ihres Antlitzes ent-\nlang ausgebreitet; das dunkle und blanke Gespinst\nder Augenwimpern berührt die zarten Wangen!\nWeiß liegt sie da, wie auf Marmor — aus Gold\nund Marmor selbst! Jung, wunderbar schön —\nliegt sie da unid schlummert lautlos und tief. Durch\ndas weit geöffnete Fenster streicht der Mittags-\nwind herein und bringt labend diesen zarten,\n\"diesen kühlen und süßen Duft von frühen\nRosen mit — den Annie so sehr liebte . . . und da\nsinkt er machtlos neben dem Rande des Bettes\nnieder, er birgt bebend sein Antlitz in den Händen,\nseine Schultern zittern auf einmal, zwischen seinen\nFingern quellen Tränen hervor\nVI\nGlaß Morton ließ langsam seinein Nacken hin-\ntenüber sinken.\nEr saß in einem der großen, roten Lederstühle,\nda unten in seinem Arbeitszimmer — starrte zu dem\ngelblichen Vorhang hinaus, der vor die Fenster\ngezogen war; das Morgenlicht stand schon so klar\nhinter dem feinen Gitterwerk der sich kreuzen-\nden Fäden. Aus dem Garten hörte man das Ge-\nräusch zwitschernder Vögel. lin weiter Ferne un-\nterschied man plötzlich ein langgezogenes, gellen-\ndes Kreischen: die erste Straßenbahn, die in die\nStadt fuhr, bog aus ihrem Schuppen heraus.\nSein Herz war voller Frieden; es bewegte sich\nkein Gedanke in seinem Kopf.\nDie Minuten schritten dahin, er saß unbeweg-\nlich da.\nDraußen vom Wege her hörte man eine Weile\nspäter das Traben eines Pferdes, den gedämpft\nrollenden Lärm eines Fuhrwerkes, das sich näherte\n— und noch mäher kam, ganz nahe, still stand; ein\nSprung, ein munteres und melodisches Pfeifen, ein\nRufen und der klirrende, rasselnde Lärm von ge-\nfüllten und leeren Kannen.\nGlaß saß mit zwinkernden Augen da und\nlauschte auf dies alles um sich her, mit teilnahms-\nloser, mit ruhiger und angenehm berührter Auf-\nmerksamkeit.\n\nFortsetzuag"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.7", "texte": "Ja, dachte er auf einmal —: er ruhte!\nEr befand sich so gut hier. Sein Sinn war so\nstill. Er ruhte!\nAber hatte er denn auch wirklich Zeit dazu? Da\nwar doch wahrscheinlich dies oder jenes, was be-\nsorgt werden mußte, ehe er ... da hineinfuhr!?\nWie? etwas, was besorgt werden mußte?? Ge-\nwiß nicht, keineswegs, im Gegenteil —: da war ja\nvon nun an überhaupt nichts mehr für ihn — zu\nbesorgen. Er ruhte ja . . .\nNoch einen Augenblick blieb er sitzen, fühlte\nteilweise ein Bedürfnis, auch ferner auf demselben\nFleck zu verharren, bis er fort mußte — ward aber\nMann von einer unerklärlichen, leisen Unruhe er-\ngriffen, von dem Vorgefühl, in der Tat wichtige\nDinge verrichten zu müssen, die seine völlige An-\nwesenheit sogleich erforderten —: Aber welche?\nund wo? und übrigens auch: warum??\nEr erhob sich ein klein wenig gereizt, wanderte\nein- oder zweimal rastlos im Zimmer auf und nie-\nder, sah plötzlich zu der Decke empor, gewahrte,\ndaß die elektrischen Flammen noch brannten —\nobwohl es da draußen längst heller, lichter Tag\nwar. Nun ja, die konnte er doch auf alle Fälle\nauslöschen! — Er ging also zu dem Kontakt, drehte\num, sah «och einmal zu dem Kronleuchter empor,\nals wolle er sich vergewissern, daß es wirklich so\ngeschehen war, wie er wollte —:\nVorbei! dachte er im selben Augenblick.\nNur ein winzig schwaches Knipsen an dem\nrichtigen Fleck — und das Licht ist vorbei!\nJa, aber der Strom! Der Strom tief da drinnen,\ndies Sonderbare, das weder Flüssigkeit ist noch\nLuft, und das doch rinnt und so ungreifbar fein\nist! das eben noch die kleinen Lampen da oben er-\nglühen machte, nein, das ist nicht vorbei! das ist\njetzt nur irgendwo anders hin — wo ich es nicht\nsehen kann! ....\nNein!\nKeineswegs vorbei!\nAuch nicht, wenn das Elektrizitätswerk da hin-\nten in Flammen aufginge oder zum Stillstand ge-\nbracht würde; auch nicht, wenn alles, was wir\nvon der Art gemacht haben, ins Stocken geriete —:\nnein, die unerschöpflich und unsichtbar Quellende\nselbst, die ungeheure, die uralte und junge Kraft\nselbst — sie bleibt unverändert, ewig da draußen\num uns her! Alles, was wir an Strom brauchen,\nwar ja nur ein Darlehn aus dem unvergänglichen,\naus dem endlosen und unermeßlichen Leben nach\nallen Seiten, wovon unsere Existenz nur ein ver-\nschwindend winziger Teil ist!\nNein!\nNicht das geringste kann sterben! 1\nNichts kann beginnen — und nichts kann in\nWahrheit aufhören!\nAlles, was es gibt, ist beständig dagewesen, in\nirgend einer wechselnden Form — denn woher\nsollte es sonst wohl plötzlich gekommen sein? . .\nEr schüttelte langsam seinen Kopf, unzufrieden\nvon neuem, mit diesem unbestimmbaren, innersten\nBewußtsein von etwas, das zu Ende gebracht wer-\nden sollte und mußte — ehe er jetzt in wenigen\nStunden zu dieser Begegnung in die Stadt fuhr!\nUnd da erinnerte er sich im selben Augenblick\ndes kleinen Mädchens, von dem der Aufseher da\ndraußen auf dem Friedhof gesteren Abend gespro-\nchen hatte. Er lächelte: A.ch, ja, was wird das\nwohl für ein Geschenk sein, das ich aus der kleinen\nHand empfange? — Und gleich darauf fielen ihm\ndie Worte des Aufsehers selbst ein — diese Worte,\ndie über Nacht seine Gedanken wieder und wieder\nbeschäftigt hatten.\nEr lachte kurz. Fand es vollständig zwecklos,\nwiderwärtig, daß er, wenn auch nur für einen ein-\nzigen Augenblick, sich so an diese völlig nichts-\nsagenden, diese gänzlich stumpfsinnigen Sätze\nhatte hängen können —: Glück — Unglück? Wer\nwußte, was im Grunde mit diesen beiden rätselhaf-\nten und mißbrauchten Wörtern gemeint war? Einige\nnannten das Glück — was ein anderer für das\nSchlimmste von allem halten würde; einer be-\nnannte jenes Unglück — was ein anderere mit allen\nFähigkeiten zu erreichen bestrebt war; waren wir\nden wirklich alle miteinander wie der Hund, der\nvon dem Fisch: der Aermste! sagt — weil er in\ndem nassen Wasser leben muß? — Und nun er\nselber: hatte er nicht das Glück in reichlicherem\nMaße als irgend ein anderer besessen — und das\nUnglück, jawohl, vielleicht in gleichem Maße!\nGlück — Unglück, höre nun einmal das waren\ndoch schließlich ganz inhaltlose und leere Wörter,\nzwei veerschieden klingende Namen für ein und\ndasselbe Ding! Glück, Unglück, Freude, Kummer,\nGeburt, Jugend, Mannesalter, Greisentum, Tod\n— alles nur umschreibende Ausdrücke für ein und\ndasselbe —: für Leben!\nEr schüttelte von neuem den Kopf, immer un-\nzufriedener mit alledem — und dann kehrte er jäh\nund gereizt zu dieser Frage zurück, zu dieser drei\nfachen Frage, die sich gestern Abend plötzlich in\nseinem Sinn erhoben hatte!\nHöre jetzt —:\nNicht wahr, er hatte ja doch seine gegebene,\nseine wesemsbestimmte Anschauung von allem,\nwas uns Minute für Minute, so lange wir leben,\ngeschieht!\nSeit er ganz blutjung war und bis auf den heuti-\ngen Tag; durch jede Kleinigkeit von allem, was er\nerlebt, gedacht und empfunden hatte; hinter jedem\nAntlitz, das er in seinen sämtlichen Büchern nie-\ndergeschrieben hatte — immer war es im inner-\nsten Innern ein und dasselbe —: die Freude dar-\nüber, da zu sein! die Zuversicht allem gegenüber,\nwas uns geschieht!\nDer intime, funkelnde Kern in seinem Ich —:\ndie Dankbarkeit ausnahmslos über alles, was das\nDasein geboten hatte, mochte es im Augenblick\ngnädig oder grausam anzusehen sein! das Ver-\ntrauen und der Mut — überall auf diesem Inner-\nsten und Unkontrollierbaren begründet, auf die-\nser heftigen und lichten Ueberzeugung, daß es\nwirklich ein Rätsel gibt — ein strahlendes Rätsel,\ndas uns fern und verheißend entgegenschimmert,\nhinter allem, was wir Leben — und allem, was wir\nTod nennen!\nNun ja!\nUnd hier kam also diese Frage und teilte sich, in\ndrei —:\nErstens. Wie war es denn möglich, daß er\ntrotz diesem unerschütterlichen und klaren Ahnen,\ndurch vierzig arbeitsame und frohe Jahre oben-\ndrein restlos von allem gestärkt, was sein Gehirn\nund sein Heerz erfahren hatten — daß er dennoch\nvon dieser selben gräßlichen Stunde vor zwei\nJahren an und bis zu diesem Augenblick zutiefst in\nsich unvermindert gerast und gelitten hatte! von\nAnfang bis zu Ende geblutet hatte, unter dem\nSchlag von diesem — daß Annie zugestoßen war,\nund das doch, infolge seines geheimsten Wissens,\nkeineswegs etwas wirklich Böses sein könnte,\nnein — im Gegenteil!\nZweitens. Wo lag ferner die Erklärung dafür,\ndaß dieses selbe unabänderliche und verzehrende\nQual schon ganz wenige Tagen nach ihrem Tode\n— auf einmal uind völlig den Charakter verändert\nhatte! sich in eine brennende und ungeheure Kraft\nder Sinne, des Gedankens, des Schaffenswillens\numgesetzt hatte — so weißglühend heiß, wie er es\nnie zuvor hatte erreichen können, auch nicht für\neine einzelne Sekunde! zu einem so ununterbro-\nchenen und fieberwilden, so vollkommen pausen-\nlosen, so unerhört lodernden Können — daß er\nWoche für Woche, Monat für Monat, kaum fertig\nmit einem Werk geworden, als schon das nächste\nbegonnen war, diese beiden Jahre hindurch, sozu-\nsagen ohne Aufenthalt dort an seine Tisch geses-\nsen hatte, machtdurchzittert, flammenheiß und\nstark! alles vergessend — und in einer Explosion\nvon Erinnern! fern von allem wie ein Toter —\nund in einer Eruption von Leben!\nUnd endlich, drittens. Wie ging es denn zu,\ndaß er jetzt ebenso jäh — von gestern Nachmittag\nan, genau von dem Glockenschlag gestern an, wo\ner damit fertig geworden war, dies letzte Manu-\nskript einzupacken, das jetzt zum Druck bereit\nwar — von da an, Minute, Stunde für Stunde, in\nstets sich steigerndem Maße, sich ganz anders be-\nnommen hatte — denn je zuvor im Laufe dieser\nzweimal zwölf lange Monate —: ja, als seien auf\neinmal diese beiden Jahre völlig aus seinem Leben\nausgestrichen, als habe er Sie erst heute Abend\nallen Ernstes verloren!? . . .\nEr war, mit einem leisen Zittern tief drinnen\nin sich, vor dem hohen und schmalen Bücherregal\nstehen geblieben, das an dem Pfeiler zwischen den\nbeiden Fenstern nach links zu stand.\nBeugte sich jetzt ein klein wenig vornüber,\nstarrte das zweitoberste Bord an —:\nDa standen seine eigenen Bücher.\nUnter ihnen diese drei — ein dicker Band No-\nvellen und zwei Schauspiele — die er gerade im\nLaufe dieser beiden Jahre geschrieben hatte.\nUnd da hinten auf dem Schreibtisch lag der\nvierte und letzte Band! dieser große Roman, an\ndem er seine Kräfte bis zum äußersten Grad über-\nanspaninend, alles verbrauchend, was ihm noch an\nKräften und Willen geblieben war, sich bestrebt\nhatte, sei ganzes Wesen ein letztes Mal zu sam-\nmeln und ihm ganz und gar Ausdruck zu erleihen\n— so allumfassend, so durchsichtigklar, so gewal-\ntig, wie nie zuvor! Dort lag er, dieser mächtige,\ndieser schwere und leichte Band, empfangen, ge-\nschrieben, vollendet in kaum einem Monat — in\nvier kurzen Wochen, wo er zehn, zwölf, vierzehn,\nzwanzig, zuweilen dreißig Stunden ununterbrochen\nan seinem Tisch gesessen hatte! mit Feuer Zug für\nZug die Antlitze dieses Menschenpaares aufzeich-\ninend, die hier zu schildern er beabsichtigte —: die\nUnbeugsamen, die Lachenden und Tapferen, die\nAuserwählten des Schmerzes und die Erkorenen\nder Freude, in deren gewjaltigen und erhabenen\nLeben alles Lebende sein eigenes Leben lebte! . . .\n\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nErnst Wilhelm Lotz\n\nWir fanden Glanz\nFanden ein Meer, Werkstatt und Uns.\nZur Nacht, eine Liebe sang vor unserm Fenster.\nAuf unsern Stimmen fuhren wir hinauf,\nWir reiten Hand in Hand.\nAus deinen Haaren, helles Fest im Morgen,\nIrr flogen Küsse hoch\nUnd stachen reifen Wahnsinn in meiin Blut —\nDann dursteten wir oft an wunden Brunnen.\nDie Türme wehten stählern in dem Land.\nUnd unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden\nStürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.\n\nDeine Haare\nWaren mir Sommer und Gartenglück,\nAn die Vorstadt gebaut. Weite und Wehen.\nDa fand ich Traum und Körper. Und den Wind,\nDer meine frühen Nächte überflammte.\nNun gleite ich manchmal kühl in Booten,\nMit hartem Hals:\nUnd ich begreife, daß ich einsam bin!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19140901-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt and Verlas:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die Aus-\nstellung in Berlin bleibt geöffnet Das vorliegende\nzweite Septemberheft ist eine Einzelnummer. Die\nOktober-Doppelnummer erscheint am fünfzehnten\nOktober.\nVon Hermann Essig, unserm Mitarbeiter,\nsind zwei Dramen vom Deutschen Theater, vom\nDeutschem Künstlertheater zu Berlin und vom\nDüsseldorfer Schauspielhaus zur Aufführung hi\ndieser Spielzeit angenommen.\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Poteduntr Strait 134 a\nAchtundzwanzigste Ausstellung\nFuturisten\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEroffnung in Genf: Unbestimmt\nSturmausstelJungen in Deutschland\nOktober 1914\nHamburg: Jacoba van Heemskerck\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und funfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / Fur das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs J Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark J Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\naummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n(lurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir <jen\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vi ertelj a hr e s bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nMappen und Alben\nOskar Kokoschka: Zwanzig Biatt Zeicbnungeo j\nStrichStzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier 1b\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-K&rtoß is ein-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel j Tragodie / Ihr stilles\nGliick —! j Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg / Tragodie ./ Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundeli Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwaazig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Bucher I: August Stramm: Sancta Su-\nsan n a / 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nme 11 tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut j 50 Pfennig / Verlag Der\nSturm I Berlin\nMusik\nRerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz I For Gesang und Kla-\nvier ,/ 3 Mark / 50 Seiten / Numm,e>r 1 eiarzelrr: Er\nhort mit ihr den Qukguk schreyn j 50 Pfennig\nPfennig / Der Sturm / Heeresmarsch / Fur\nKlavier / 50 Pfennig\nKfinstlerpostkarten\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccionl: Das\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht i Zug in voller Fahrt / Oino Seve-\nrib i: Die, Modistin / Ruhelose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccion): Abachied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Mflnter / Marc Chagall /\nKlee / L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes usw\nllustrierte Ausstellungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fdnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / Originailithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemaide / Aquarelle / Zeichnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky j Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Kle© / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Mflnter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin j Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall / Fernand Leger /' Jacoba van\nHeemskerck I Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severini I\n\nCarra / Russolo / Francis Picabia I Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig / Max Pechstein\nVerein flir Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJa hr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstellungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/141\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nIm Winter finden zehn Autorenabende statt und\nzwar an jedem zweiten und vierten Donnerstag\nder Monate Novemeber, Dezember, Januar,\nFebruar und Marz in der Kunstaustellung Der\nSturm\n\nZeitsehriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / FloFenz / Via\nNazionale 25\nUmefecky Mestenlk / Monatsschrift fCr neue und\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nPeet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Draroa\nder Gegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck I Claudel / Jammes 112\nDuhamel / D'Annunzio / Synge ./ Whitman J\nEchegaray / Bjflrnson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Ghose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste t\nDinamismo plastico / 500 pagine I riproduzioni Qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milan©\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be~\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmH Roseaow: Samtliche Dram en / Die Ausgabe\nenthSlt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis sebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart j Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}