{"numero_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_sha256": "f80567f268661ae5255c1a7da353c477549996f75e26f017c67b88f60123e187", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1914/10/01_01/bmtnabg_1914-10-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1914/10/01_01/bmtnabg_1914-10-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.1", "debut_caractere": 328, "fin_caractere_exclue": 643, "texte": "Inhalt:\nAngust Stramm: Erwachen / Kurt Heynicke: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Albert Ehrenstein: Österreichische Prosa /\nInhaltsverzeichnis Fünfter Jahrgang Erstes Halbjahr / Vincenc Benes: Originallinoleumschnitt / Vlatislav Hof man: Monumentalgebäude (1914) / Linoleum-\nschnitt des Urhebers"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.2", "titre_corps": "Vincenc Benes: Originallinoleumschnitt", "titre_sommaire": "Vincenc Benes: Originallinoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.1", "debut_caractere": 645, "fin_caractere_exclue": 683, "texte": "Vincenc Benes: Originallinoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "93", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.3", "titre_corps": "Erwachen", "titre_sommaire": "Erwachen", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7780, "texte": "Erwachen\nAugust Stramm\nEr\nS i e\nEs\nWirt\nHausknecht\nMasse\nHotelzimmer\nZwei Betten nebeneinander; an der Wand gegen-\nüber Flügeltür; an der Hinterwand zwischen hohen\nFenstern ein Spiegel. Reisetaschen und Kleidungs-\nstücke auf Nachttischen und Stühlen verstreut\nS i e (im vorderen Bett, richtet sich auf und starrt\nin das Dunkel)\nEr (nach einer Weile): was wachst du?\n5 i e (schaltet das Licht auf dem Nachttisch ein)\nE r (faßt ihren Arm, zärtlich, unruhig): was wachst\ndu?\nSie (wischt den Schlaf von Gesicht und Haar,\ndeckt das Bett zurück und stellt die Füße zur\nErde in die Pantoffel)\nEr (halb aufgerichtet spannt den Blick in ihren\nNacken)\nSie (deckt die Hände auf die geschlossenen Knie\nund späht in das Zimmer)\nEr (schnellt hoch, hart): was starrst du?\nSie (stammelt unverständlich, weist die linke\nHand ins Zimmer, schnellt zurück und hüllt mit\nbeiden Händen das Gesicht)\nE r (starrt ins Zimmer, blickt auf Sie, lehnt zu\nihr rüber, weich): Träume . . (schmiegt die Hand\nauf ihren Nacken)\nSie (zuckt zusammen; die Händen fallen aufs\nBett)\nE r (vorwurfsvoll): Kind !\nSie (haucht): nimm die Hand fort!\nEr (beruhigt): du!\nSie (entsetzt): nimm die Hand fort!\nEr (nimmt die Hand fort)\nSie (schüttelt sich)\nEr (weich): was hast du?\nSie (kauert, die Arme über der Brust gekreuzt\nund auf den Schultern, trocken, ohne Tonfall):\nich weiß es nicht\nEr (im Schlafanzug, steigt in die Pantoffel, geht\nkopfschüttelnd zur Tür und schaltet das Decken-\nlicht ein): so! (läuft armschlenkernd kreuz und\nquer durch den Raum): sieh doch nur! sieh!\nSie (hebt spähend den Kopf ins Zimmer)\n£ r (bleibt in der Mitte zwischen Tür und Fenster\nstehen und lächelt sie scherzhaft überlegen an):\nna was?!\nSie (regungslos): ja . . da . .!\nEr: hier bin i ch!\nS i e (schaudert): ja (nickt zustimmend prüfend) ja!\nE r (geht zärtlich auf Sie zu): siehst du\nSie (springt auf, wehrt und schreit): steh! steh!\nsteh dort!\nEr (tritt betroffen widerwillig an den Platz zu-\nrück): ach!\nSie (prüft Ihn stumm)\nEr (ärgerlich): es ist dumpf hier! sein wir ver-\nnünftig! (geht zum Fenster)\nSie (will Ihn zurückhalten, erlahmt aber fahrig,\ntritt bis ans Bettende vor und sieht vorgebeugt\nauf den Fleck, wo Er stand)\nEr (zieht den Vorhang und blickt zurück): nun?\nist da was?\nSie (hebt den Blick durchs Fenster und legt\nschauernd das Nachtgewand fester um den Leib)\nEr (die Hand am Fensterhebel): du frierst?\nSie: die Nacht ist naß\nEr (starrt betroffen): wir sind geborgen! (geht zu\nIhr und drängt Sie zum Bett)\nSie (weist zurück): nicht! nicht!\nEr: du hast schlecht geträumt\nSie (widerstrebt schwach): ich habe geschlafen\nEr (setzt Sie aufs Bett): so wollen wir weiter\nschlafen\nSie (blickt ins Zimmer, ohne Angst neugierig\nfeststellend): und da ist doch was!\nEr (unwillig): was?! was soll\nSie (erhebt sich und blickt neugierig auf den\nFleck, nickt bekräftigend)\nEr (geht zurück und scharrt, schroff): wo soll hier\nwas\nSie (beherrscht): ja . . grade . . wo soll . .? (Sie\nblickt in den Spiegel und ordnet das Haar; hält\nerschrocken inne): und ich sehe aus! ich sehe\naus! o!\nEr (ärgerlich): laß den Spiegel!\nSie (preßt die Handflächen gegen die Schläfen):\ndas bin ich nicht\nEr (tritt vor Sie und verdeckt den Spiegel): wer\nsonst?!\nSie (spricht nach): ja . . wer . .?\nEr (bricht aus): zum Donnerwetter! (bezwingt\nsich und stampft auf): Nichts!!\nSie (starrt Ihn erschrocken an): nichts! nichts!\nEr (beherrrscht): du machst mich ja mit verrückt!\nDein Wahn . . .\nSie (in mattem Widerspruch): Wahn . . Wahn . .\nEr (faßt derb Ihren Arm und schüttelt Sie): sei\nvernünftig jetzt\nSie (gellt auf und entsetzt vor ihm zurück)\nE r (läßt Sie und blickt hilflos erschrocken um\nsich) was? was?\nSie (erschöpft): Du würgst mich\nEr (überreizt, aber ich . . ich . . doch gar\nnichts.. ich . . (mit flehend zusammengekrampf-\nten Händen vor Ihr)\nSie (erwacht nach einer Weile, reibt sich das\nHandgelenk, fröstelt matt): ja! es ist dumpf hier!\nmach das Fenster auf!\nEr (strampelt außer sich, wehrig durchs Zimmer):\nnein! nein! nein! (bleibt im Zimmer stehn)\nSie (in matter Bestimmtheit): mach das Fenster\nauf\nE r (schlägt am Fenster die Fäuste fesselnspren-\ngend auseinander): zum Teufel ja! (reißt tobend\nmit beiden Händen den Fensterhebel nieder):\nja!!! (Das Fenster stürzt zerklirrend über ihn,\ndie Wand zwischen den Fenstern bricht durch,\nder Spiegel splittert ins Zimmer)\nEr (starr inmitten des Einsturzes)\nSie (entsetzt)\nE r (wendet scheu betrachtend den Fensterhebel in\nder Hand): morsch!\nSie (wimmert)\nE r (blickt zag zu Ihr hin): das wollte ich nicht! o!\nSie (wimmert): der Spiegel\nE r (stutzt fetzt den Hebel in die Trümmer und\nreckt in wildes Lachen)\nSie (in Entsetzen und Beben): o! o! du! du! du\nbist furchtbar! furchtbar! du!\n(Stimmen, Rufen, Laufen draußen; Geräusch im\nHause)\n(Der Staub ist durch die große Mauerlücke ver-\nzogen)\nEin Stern (flirrt in schwarzblaue Nacht)\nE r (lacht ruhiger, versonnener, in kurzen Nach-\nwellen; steht dann ganz still und schaut zum\nStern auf)\nSie (kauert entsetzt ziternd auf dem Bett, die\nHände auf die Bettlehne gekrampft und horscht\nzur Tür, lallt): k . . k . . kommen\nE r (ruhig, verträumt): sieh den Stern\nS i e (lallt unverständlich)\nEr: sieh doch! der Stern!\nSie (ganz in Entsetzen aufgelöst): k.. k .. klopfen\n(Energisches Klopfen an der Tür, Rufen, derbes\nHerunterklinken)\nEr (tritt unbekümmert weiter vor in die Mauer-\nspalte und späht zum Stern)\nSie (schreckt auf, ratscht überhastend zu Ihm,\nhält Ihn zurück und lallt): du . . du fällst! du\nfällst!\nschweres Schlagen, Rütteln an der Tür; Rufe:\nhe! he! he!)\nSie (zieht ihn kriechend zurück): hör doch! hör\ndoch!\nE r (kommt nicht vom Sterne los)\nSie (springt auf und rüttelt Ihn wild): nun sei\ndoch . . (Schwere Eisenschläge gegen die Tür)\nEr (erwacht, wendet sich zur Tür und schlingt\nhaltend den Arm um Sie)\n(Laufen und Rufen auf der Straße)\n(Die Tür wuchtet unter Fluchen und Wettern)\nSie (klammert ohnmächtig an seiner Brust)\nEr (trägt Sie über die Trümmer, blickt zum Stern\nauf, bedauert): fort in den Wolken!\n(Die Nacht wird schwarz)\nDie Tür (kracht herein)\nDer Wirt und Der Hausknecht (keuchen\nmit Brechstangen)\nE r (legt Sie ruhig zurecht und deckt zu)\nWirt (wild drohend): Sie!\nHausknecht (starrt mit erhobener Brechstange\nstumpf auf den Trümmerhaufen)\nE r (blickt ruhig auf)\nWirt (vor dem Trümmerhaufen, außer sich): Sie\nhaben mein Haus umgerissen!\nEr (ruhig): ich\nWirt (außer sich): Sie Sie Sie! Lügen Sie! lügen\nSie! lügen Sie!\nHausknecht (droht schwerfällig): vaflucht!\nEr (ruhig): die Wand ist zusammengefallen\nWirt (außer sich, spricKFnach): die Wand! die\nWand! die Wand! (schreit immer wilder): der\nHimmel! der Himmel! der Himmel! Polizei! Poli-\nzei! Polizei! Ich lasse Sie festnehmen! ich lasse\nHausknecht (stimmt ein): Pulzei Puzei\nEr (zuckt, hastig): wenn ich nun aber (macht eine\nBewegung)\nWirt (starrt ihn an): Sie Sie Sie (versteht und\nschlägt um): wat?\nEr (ruhig): wir können ja darüber reden (mahnt\nzur Ruhe): meine Frau . . .\nWirt (plötzlich ganz Teilnahme, legt die Stange\naus der Hand und die Händ ineinander ) o!\nHausknecht (zerrt verlegen die Mütze runter\nund tritt an der Eisenstange spielend langsam\nzurück)\nWirt: wir künn'n Dokter halen (wendet zum\nHausknecht, der diensteifrig die Mütze aufstülpt\nund zum Gehen kehrt): jo\nHausknecht (eilfertig): jo\nEr (hastig): nein nein nein halt! danke schön! sie\nwird schon so . .\n(Geräusch und Lärm auf der Straße;)\n(Leiser Donner in der Ferne)\nWirt (verlegen): nu jo! nu jo (schaut raus) nu\nsüh dät Volk! (zum Hausknecht): joh runner du!\nde Tür fest an! dät sich dät Plebs nich rin\nkümmt!\nHausknecht (rückt die Mütze): jo (eilt erlöst\nab)\nE r (nimmt eine Geldtasche unter dem Kopfkissen\nvor)\nWirt (folgt seinen Bewegungen, kriechend): Sie\nküanVn ooch n anner Zimmer hebben . . Herr . .\nHerr! (es donnert): dät Jewidder\nE r (öffnet die Geldtasche, die voll Gold glitzert)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8078, "texte": "Wirt (geblendet, gurgelt und schluckt verlegen,\nhält beide Hände gierig hin)\nE r (zählt dem Wirt eine Anzahl Goldstücke in\ndie Hand) ist das genug?\nWirt (von einem Bein aufs andere, stammelt auf-\ngeregt begehrlich): jo jo nu\nEr (bestimmt): das ist genug!\nWirt (ruckst): nu jo\nE r (schließt die Geldtasche): ja\nWirt (bestimmt): nee nee nee (faßt die Geld-\ntasche)\nEr: Sie?!\nWirt: Sie!!\nEr (sucht die Geldtasche loszureißen)\nWirt (hält gegen): du! Paß uff!\nEr: Unverschämter\nWirt (zerrt höhnisch): Jungeken! stille! ja? ! biste\nstille! hollt Mul! Jungeken! (will ihm mit aller\nGewalt die Tasche entreißen)\nEr: ha\nWirt: ik weeß! ik weeß Bescheid! (mit Bedeu-\ntung): die Frau\nEr (wild):. Schuft!\nWirt (lacht, grimmig): jo jo\n(Die Geldtasche öffnet sich beim Ringen; die Gold-\nstücke kollern hinaus in die Nacht)\nWirt bestürzt): o! o! dät Jeld!-\n(Donner rasselt)\nWirt: ooo! ooo! dät blanke Jeld! Jeld! (hebt die\nFaust gegen Ihn, der betroffen die leere Tasche\nhält): du! du!\n(Lärm, Geschrei und Gebalge draußen)\nWirt (zittert an allen Gliedeern): son Hund! son\nHund! son . . (hapselt zur Tür): Jeld! son Jeld!\n(verliert Goldstücke, hebt auf und verliert wie-\nder): oooooo!! (hastet gehetzt durch den drau-\nßen ansteigenden Lärm raus)\nEr (klopft prüfend die leere Tasche und'schüttelt\nden Kopf)\n(Blitz und starker Schlag)\nSie (stört auf): was ist? was ist?\nEr (ruhig spöttisch): Donner!\nSie (starrt um)): wo bin ich?\nEr (wie vorhin): hier!\nSie (wimmert und horcht): der Fluß rauscht\nEr: der Pöbel rauft\nSie (aufgeregt): das ist Wasser! Wasser! Der\nFluß! wir sind über den Fluß gegangen! o! so\nschwarz! so schwarz in der Abendsonne (Wildes\nSchreien, Gelächter, Gepolter, Hohngeheul,\nHagelgeprassel draußen)\nSie (verbirgt sich im Bett wimmernd): was hat\ndas Volk? was hat das Volk?\nEr (ruhig, verächtlich): mein Geld\nSie (entsetzt): ooo! mach das Licht aus!\nEr (geht ruhig zur Tür und schaltet aus): ja\n(Blitz, Donner und Hagel)\n(die flackrige Nachttischlampe hellt den Bettwin-\nkel; der übrige Raum liegt im Dunkel)\nSie (weint): o! wären wir wir\nEr (unterbricht grob): was wir?!\n(Furchtbarer Schrei, dann jähe Ruhe draußen)\nE r (zuckt und späht, tritt hastig zurück): wir kön-\nnen hier nicht bleiben (streift das Beinkleid über)\n(Wildes Schreien draußen und Wehklagen): Mord!\nMord!\nEr (gehetzt): du! zieh dich an! zieh dich an! wir\nmüssen fort! fort!\nSie (hastet aus dem Bett): du du (zittert an allen\nGliedern): wenn sie wenn sie wenn sie uns hier\nfinden, wenn sie (lehnt erschöpft an die Wand)\nEr (rafft ihre Sachen zusammen und wirft sie\nIhr in den Winkel zu): schnell schnell! keine Zeit\nS i e (faßt willenlos die Kleidungsstücke, schwach)\ndu du ich (beugt schwach den Kopf zurück)\nEr (drängt und zieht den Rock an): bitte bitte ja\nSie: du ich trag ein Kind! ich fühls!\nE r (starrt sie an)\n(Poltern und Geschrei auf der Treppe)\nE r (eilt zur Tür, um zu sperren)\nVolk (drängt in die Tür mit Geheul)\nE r (springt zurück in den Bettwinkel, der durch\nden Trümmerhaufen in natürlicher Weise ver-\nschanzt ist und tritt schützend neben sie)\nSie (am Fenster, die Hände hinter, sich aufge-\nstützt, starrt auf .die Eindringlinge, ganz Ent-\nsetzen)\nArbeiter, Handwerker und Junge Bur-\nschen (in der Tür stutzen und verstummen\nbeim Anblick der beiden, treten dann vorsichtig\nspähend lüstern nacheinander ein)\n(Blitz und Donner)\nDie Masse (streicht lüstern näher): oah! oah!\n©! o! o! nu kieke bloß! in Hemd is se! oaah! ut-\nverschamt! in Hemd! oah!\n(Hände gehren)\n(Einzelne wollen über den Schutthaufen klettern)\nEr (reißt die Schublade des Nachttisches auf und\nhebt die Pistole)\nDurcheinander (stört zurück): nu kiek bloß!\ndä Hund! hei will scheiten! Pulzei! Pulzei! Dä\nHund! dä Hund! runner mit! runner mit! (Vor-\nspringen, Höhnen und Zurückspringen): du! du!\nwir kriegen di! dod mit em! dät Wiv! dät Wiv!\nsin Wiv! sin Wiv!\nHausierer (schleicht rum): i du! nu kucke\ndoch! i! nu! nu kucke doch ein! ik laß mr dod-\nschlagen! ik laß mr dodschlagen! ik laß mr dod-\nschlagen! dät is dem Lumpel sei Weib! dem\nLumpel sei Weib! dem Kaufmann Lumpel sei\nWeib! sei Weib! aus der Bunzeljasse!\nDurcheinander (schreit auf): aus der Bun-\nzeljasse! aus der Bunzeljasse! Lumpel! Lumpel!\nBunzel! Bunzeljasse!\nHausierer (überschreit): jo jo jo! dät is dem\nLumpel sei Weib! ik kenn ihr janz jenau! sei\nWeib!\nSchreien und Vorstürmen (durch den Re-\nvolver in Bann gehalten): Lump! Schuft! Wei-\nber! son Hund! den Lumpel halen, Lumpel!\nLumpel! Lumpel!\nEinzelne (eilen fort): wir halen em! wir halen\nem!\nAuflachen: ik mach em de Freud! ik mach em\nde Freud! Lumpel!\nS i e (droht zu fallen)\nEr Tumfängt sie, in. der Hand die Pistole\nschußbereit)\nAufgeregtes Schreien (traut sich nicht\nheran): Willst du dät Ding runnernehmen! hei\nscheit! hei mürdert! Mord un Dodschlag! des\nLebens nich sicher! Ruff! ruff! Pulzei! Pulzei!\nMänner, Weiber, Kinder, Jungens (stür-\nmen unter Lärm und Geschrei durch die Tür):\nSe bringen em! Se bringen em! se kumme mit\nem! so habn se em gepackt! se hebbn em! (da-\nzwischen lüsterne Ausrufe mit dem Blick auf\nSie) oa! oa! oa! (erschrecktes Zurückweichen,\nsobald die Waffe wahrgenommen wird) o! o!\nrunner! runner!\nZwei Polizisten (führen den Hausknecht ge-\nfesselt herein)\n(Volk und Lärm hinterher)\nHausknecht (dringt wild auf Ihn ein): dät is\ner! dät is er!\nPolizisten (halten ihn): Ruhe! halt!\nMasse (schreit): Halt ihn! halt ihn!\nWachtmeister (tritt ein): Ruhe! Ruhe hier!\n(Verstummen)\nHausknecht (sucht sich wild aufgeregt loszu-\nreißen und auf Ihn zu stürzen): dät ist er! dät is\ner!\nWachtmeister (packt ihn derb ins Genick\nund schüttelt): weris? »\nHausknecht (wild): dä dä dä dä ■ /\nWachtmeister (rüttelt ihn): Hund! Hund! du\nhast den Wirt ermordet (Bewegung in der!\nMasse)\nHausknecht (bäumt auf) Hund Hund Hund!\nJeld Jeld Jeld! Dä had dät Jeld dät Jeld dät Jeld\nMasse (nimmt eine beistimmende Bewegung an)\nWachtmeister (ruhig zu Ihm): nehmen Sie\ndie Waffe runter . '\nEr (senkt die Waffe) . i\nHausknecht (heult wild geschüttelt) ik bün n\nehrlicher Mann! ik hab keen Kind watjedahn!\nkeen Kind! immer jewesen! keen Kind! wat hat\ner wat hat er dät Jeld! runner jeschmissen\nMasse (stimmt zu): wenn einer so mit dät Jeld\numjeht! Jeld! de eigenen Leute schlagen dod!-\ndod! •\nWachtmeister (legt dem Hausknecht derb\ndie Hand auf dem Mund und blickt drohend um)\n(Verstummen)\nWachtmeister (zieht sein Buch raus, schroff)\nwer sind Sie?\nEr (ruhig, ausweichend) ja \"\nWachtmeister (grob): Wer sind Sie?\nE r (schweigt)\nWachtmeister (tritt näher): legen Sie das\nfort!\nE r (schiebt die Waffe hinter sich auf das Fenster-\nbrett)\nWachmeister: zum letzten Mal! ich frage\nSie wer sie sind?\nEr (ruhig): ich reise :\nMasse (bewegt und murmelt)\nWachtmeister (fährt auf): zum Teufel! (be-\nherrscht sich): nun gut! womit reisen Sie?\nworin? wofür?\nE r (schweigt)\nMasse (wird wachsend unruhiger)\nWachtmeister (wütend): wollen Sie jetzt'\nantworten? Wollen Sie? Ist das Ihre Frau?\nEr (kalt scharf): ja\n(Blitz und Donner draußen)\nMasse (in grellem Aufruhr) dät is nich wahr! dät\nis nich wahr! hei lügt! hei lügt! dät is nich sin\nWiv! dät is nich sin Wiv! nich sin, Wiv! sin Wiv!\n(drängt drohend näher)\nWachtmeister (breitet die Arme zurückhal-\ntend)\nEr (nimmt die Waffe wieder in die Hand)\n(Blitz und Donner)\nProfessoren, Beamte, Kaufleute,\nHandwerker (schreien wild durcheinander\nund drängen näher): das is ja mein Weib! mein\nWeib! mein Weib! das ist mein Weib! mein\nWeib! Teufel! Teufel! mein Weib! (die erho-\nbene Pistole stößt die drohenden Fäuste immer\nwieder zurück)\nHausdiener (macht Platz die Arme umschla-\ngend und überbrüllt): seid still! nicht verrückt!\nnich verrückt! nu hört doch! hört doch! dät is\ndem Lumpel sei Weib! dem Kaufmann Lumpel\nsei Weib! aus der Bunzeljasse! ich weiß jenau!\nBunzel! Lumpel! Lumpel! Bunzel!\nWachtmeister: Dirne!\nMasse (greift auf): Dirne! Dirne!\nHausierer (hohnlachend): mit Weiber handelt\ner! mit Weiber reist er! Weiber!\nMasse (greift auf, wild): Weiber stiehlt er! unsre\nWeiber! unsre Weiber!\nSchmied (springt vor): der hat meine Tochter\nverführt! der hat meine Tochter verführt!\nSeine Frau (hält ihn zurück): Josef! Josef!\nSchmied: so sah er aus! so sah er aus! der\nwar et"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8560, "texte": "Sein Freund (zieht ihn zurück): Unsinn!\nSeine Frau (hängt sich an ihn): Josef\nVerschiedene (ziehen und schieben den\nSchmied in die Masse zurück)\nBirne (springt vor, schlägt die Arme in grelles\nLachen): das ist mein Schatz! das is ja mei\nSchatzel! du! Kleiner!! du!\nW achtmeister (stößt sie brutal zurück und\nbraßt durch den Aufruhr): Ruhe\n(Flammender Blitz und unmittelbar täubender\nDonnerschlag)\n(Totenstille im Augenblick, dann kreischen die\nWeiber auf und bekreuzigen sich)\nEinzelne: der macht uns alle verrückt! kein\nMensch weiß wat er is! dä machts Jewidder!\n(aufschwellend): Jewidder! Jewidder! dä is\nschuld! alles schuld! dä Mord! dä Mord!\nHausknecht (greift auf): dä wart! dä wart! dä\nwart! dä hat jemordet! Anstift! ik wull nich! ik\nwull nich! ik wull jo jar nich!\nDurcheinander: dät is der Mörder! Mörder!\nJewidder! Jewidder! unsre Häuser fallen her!\nunsre Häuser in! Ruff! ruff! rin mit em! Rin!\nJefängnis! Jefängnis! Zuchthaus! Schaffot! Schaf-\nfott! Setzt n fest! setzt n fest!\nDie Pistole (spielt im Kreise und hält das\nToben zurück)\nWachtmeister (zieht den Säbel, wutschäu-\nmend): die Waffe runter! ich verhafte Sie! ich\nverhafte Sie! verhafte Sie! Im Namen des Ge-\nsetzes Gesetzes Gesetzes! Aufruhr Aufruhr! Die\nganze Stadt in Aufruhr gebracht!\nG e h e u 1 (stimmt zu)\nRufe (dringen durch): wir saßen in der Kneipe!\nruhig! ich habe meinen Schoppen stehn lassen\nmüssen!\nHausknecht (dazwischen): ik kunn jo niks\nvor! i'k kunn niks vor! ik wull dät nich!\nAlle (dringen auf Ihn vor und fluten zurück):\nMörder! Mörder! Häuserstürzer! Mörder!\nWachtmeister (schlägt blind mit dem Säbel\nnach der Pistole): runter runter!\nHausknecht (ringt los und entflieht)\nDie Polizisten (drängen durch die Masse auf-\ngehalten mühsam nach)\nEine Frauenstimme (gellt langgezogen von\nder Tür und erstarrt den Lärm)\nFeuerschein (flackert durch die Mauerluke)\nWeib: Lot mi dörch! Lot mi dörch! Lot mi dörch!\ndr Lumpel is higeschloge! dr Lumpel! n Schlag!\nn Schlag! higeschloge äs n Sack! dod! dä Lum-\npel is dod! Jrad haddn wir et em seggt! janz\nleise seggt! dor is r (stellt sich wuthaft auf\nsie zu) dei Mann is dod! dei Mann is dod! dei\nMann\nDer Feuerschein (wird heller, Funken\nsprühn)\nS i e (ist bei dem Geschrei des Weibes entsetzt auf-\ngefahren, lächelt dann, legt den Arm um seinen\nHals und verbirgt ihr Gesicht an seiner Brust)\nWeib (außer sich, empört): se lacht! se lacht! se\nlacht! se lacht!\nBewegung: et brennt! et brennt!\nRufe (draußen und an der Tür): Feuer! Feuer!\nder Blitz!\nDie Sturmglocken (setzen ein)\nFeuerhörner und Wagengerassel (drau-\nßen)\nDurcheinander (schreit): Feuer! Feuer! dät\nRathaus brennt! dä Markt brennt! de Straße\nbrennt! alle Ecke brennt! brennen! Feuer!\nFeuer! (Fliehen und Forthasten)\nWachtmeister (eilt fort) das Haus wird um-\nstellt! das Haus wird umstellt!\nWeib: nu kuckt! nu kuckt! se rührt sich nich! ihr\nMann is dod! se rührt sich nich! ihr Mann is\ndod! der Deuvel hat se in de Krallen! Der Deu-\nvel! (weist in plötzlicher Erleuchtung auf Ih n)\ndät is der Deuvel!\nWeiber und Männer (bekreuzigen sich): der\nDeuvel! der Deuvel!\nWeiber (schreien darußen): unsre Kinder! unsre\nKinder!\n(weitere Weiber eilen fort)\nSie (horcht aufatmend, haucht): Kinder!\nEr (faßt sie fester): mein Kind!\nDurcheinander: der hat de Stadt anjezün-\ndet! de Stadt! der Deuvel! Deuvel!\nWeib: den Paster halen! den Paster!\nVerschiedene: nträuchern soll r em! uträu-\nchern! Paster! Paster!\nEinzelne (eilen fort und sto&en auf das Mäd-\nchen)\nMädchen (tritt ein, zwei Kinder im Alter von\nfünf und sechs Jahren an der Hand)\nMädchen (geht verschüchtert vor): du du dein\nMann is tot! deine Kinder\nKinder (blicken neugierig um. drängen fest au\ndas Mädchen und weinen)\nS i 8 (ringt von Ihm und streekt die Arme)\nEr (hält Sie mit aller Kraft): du bist verloren\nKinder (sehen die Mutter und strecken auf-\nschreiend die Arme): Mutter! Mutter!\nSie (von ihm festgehalten strebt mit ausgestreck-\nten Armen auf die Kinder zu)\nEr: bleib bleib! (hält Sie mit äußerster Anstren-\ngung)\nSie (stößt Ihn mit wilden Aufschrei zurück und\ntaumelt ohnmächtig umklammernd zu Füßen\nihrer Kinder)\nE r (steht betäubt und gespannt)\nMädchen (starrt Ihn erschrocken groß an)\nDie Masse (mit Wutgeheul über Sie): do is se!\nhooo! hoa! wir hebben sei so! nu! packt se!\nhe! her mit! (Sie wird hochgerissen): raus!\nraus!\nWeiber (schlagen der Ohnmächtigen ins Ge-\nsicht): Pfui Teuvel! Pfui Teuvel! (Männer drän-\ngen die Weiber zurück): weg da! weg! dät jibt\nn Spaß! n Spaß! n Spaß!\nWeiber: sie is ne Hure! (schreien ihr ins Ge-\nsicht): Hure! Hure!\nMänner: se soll de Weih kriegen! de Weih krie-\ngen! (schleppen, zerren und stoßen Sie zur Tür)\nStadthure! Stadthure werden! Jleich! (treten\nsie roh): hopla! hopla!\nDie Kinder (hängen schreiend an Ihr)\nEr (hat auf sich selbst bedacht dagestanden,\nspringt jetzt mit einem Wutschrei die Pistole\nvon sich schleudernd über die Trümmerbarri-\nkade, reißt mit mächtigem Schwung das Fen-\nsterkreuz hoch und schlägt dazwischen: los! los!\nHunde! Schurken!\nDie Masse (flüchtet in wildem Entsetzen): der\nDeuvel! der Deuvel! der Deuvel!\nDie Kinder (lassen entsetzt die Mutter les und\nflüchten schreiend)\nDas Mädchen (drückt sich fest an die Wand\nneben der Tür und schaut mit großen starren\nAugen auf Ihn)\nE r (stürmt der Masse nach, kommt schwer\natmend zurück, wirft den Rest des zerbrochenen\nFensterkreuzes verächtlich von sich, blickt be-\nsinnend um und beugt sich zu I h r hinab, die in\nder Mitte des Raumes zusammengekauert auf\ndem Fußboden liegt)\nE r (legt die Hand auf Ihr Haar, weich): du du\nE r (will S i e hochheben)\nS i e (springt entwindend hoch, die Handflächen in\nhöchstem Entsetzen gegen Ihn): du du! du du!\nschreit lang auf): ooooo!!! (wild stürmend\nzischend): duf du! der Himmel brennt! du! du!\ndie Mauern stürzen! du!\nDas Mädchen (preßt die Pauste vor den Mund)\nEr (tritt beruhigend auf Sie zw): stark stark!\nSie (weicht vor Ihm zur Tür und klammert am\nTürpfosten zurückschreiend): du hier! -du! du\nhier!\nEr (springt auf Sie zu und faßt Ihr Handgelenk):\nwir fliehen wir fliehen! wir kommen- durch! das\nGetümmel durch!\nS i e (windet unter seinem Griff und ringt außer\nSich): durch! durch! durch! fliehen,! fliehen!\nfliehen! Gott! Teufel! Himmel! Feuer! Men-\nschen! du du du\nEr (hält sie): Ruhig! ruhig! schnell!\nSie (in höchstem Entsetzen): Hure Hure Hure!\nWeib Weib Weib! ich wül! ich will! will ich!\nHure Hure Hure! Nicht dein Weib! nie dein\nWeib! dein Weib! nicht (reißt los und läuft das\nWort langgellend raus): dein Weieieieieib!\nEr (steht, die leeren Hände zur Aufnahme gebrei-\ntet und starrt Ihr nach, wendet dann langsam,\ndas Haupt zerschmettert gesenkt; ballt jäh im\nRuck die Fäuste, knirscht, stampft zu dem Trüm-\nmerhaufen, stößt die Steine mit Fußtritten als\nSpielbälle auseinander, lacht dumpf höhnisch in\ndie Flammennacht, am ganzen Leibe wtitzit-\nternd, heiser bellend)\nEine große Glocke (schlägt an, poltert, gellt\nund erstirbt in gewaltigem Krachen)\n(Lärm, Geschrei, Wehklagen, greller und immer\nnäher greifender Feuerregen): Die Kirche! die\nKirche!\nEr (springt in die Luke, stemmt an die Mauer und\nbrüllt mit Wutkraft hinaus): den Fluß hinein!\nden Fluß hinein! den Fluß in die Straßen! in die\nRinnsteine! in die Gassen! den Fluß hinein! das\nWehr auf! das Wehr auf! zum Teufel! das\nWehr!\nD e r R u 112 (läuft draußen immer weiter fert): das\nWehr! das Wehr! das Wehr!\nEr (brüllt): rechts herum! rechts herum! so! die\nSchleusen! so! so! ja! so! Schafsköpfe! so!\nWeiber und Kinder (jammern): unsre Häuser!\nunsre Häuser!\nEr (brüllt): wir bauen sie auf! bauen sie auf!\nbauen sie aufl\nWirre Rufe (draußen): bauen auf! bauen auf!\naufbauen! aufbauen!\nEr (tritt über die Trümmer zurück und lacht wild,\ndie Arme verschränkt, nickt tmd murmelt hin):\naufbauen! aufbauen! (Gewaltiges Rauschen,\ndraußen, Schäumen und Zischen)\nDas Mädchen (steht fest an die Mauer gepreßt\nin Ihn versunken)\nEr (schaut auf, stöhnt, seufzt und bHckt hilflos um;\nsein Blick schrickt auf das Mädchen)\nDie Augen (beider starren ineinander)\nEr: du? du? wer bist du? wer du?\nDas Mädchen (stammelt verwirrt zitternd): ich\nich\nE r (macht einen Schritt auf Es zu)\nE s (reckt sich höher an die Wand schmiegend)\nEr: was willst du hier?\nE s (steht fest ihn anstarrend)\nEr (vor dem Mädchen, blickt ihm ins Qesicht, er-\nstaunt): bis du nicht? brachtest du nicht?\nE s (ruhig, halblaut): ich bin die Schwester\nEr: Schwester?\nEs: ihre Schwester\nEr: oooooohhü (betrachtet Es, nach einer Weile):\nwas willst du hier? was hast du\nEs (trocken, ohne Tonfall): ich weiß es nicht\nEr: fürchtest du dich nicht?\nE s (schweigt und starrt ihn an)\nEr: fürchtest du dich nicht? (ruhig mit leisem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2386, "texte": "Scott): Himmel Feuer Menschen! ich habe den\nFrevel angestiftet\nEs (ruhig): ich habe Sie erkannt\nEr (spannt hoch)\nEs: Sie Sie . . hast die Kirche gebaut\nE r (starrt und nickt, verschlingt die Arme)\nEs: das Rathaus\nEr (stellt den Fuß vor): das weißt du?\nEs (heißer, lebendiger): die Schule! das Wehr!\nE r (nickt und wiegt den Körper)\nEs (erschöpft, haucht): ich habe erkannt! Sie er-\nkannt!\nEr (tritt noch dichter vor Es hin, weich, zagend):\ndu? du? Schwester?\nE s (zittert)\nEr (ganz dicht vor dem Mädchen, flüstert heiß):\nSchwester?\nE s (zittert und klammert sich mühsam an die\nWand)\nE r (beugt sich über, ohne zu berühren, die Hände\nineinander gefesselt auf dem Rücken): du fürch-\ntest?\nS i e (legt den Kopf zurück und schaut von unten\nin die Augen am ganzen Leibe zitternd)\n(Die Glut draußen dämpft ab, fernes Rufen)\nIhre Augen (hängen ineinander)\nEr (aufatmend): sie war erwacht! deine Schwe-\nster\nS i e (schlägt die Arme breit an die Wand)\nEr (leise, forschend): ja plötzlich aufgewacht\nRauch (verschlingt die Gluten, Zischen Brausen)\n(Das Rufen kommt näher)\nEr: du- wach du auf! du! wache du auf! hörst du!\nwenn . . . du . . erwachst\nS i e (hebt ihn stummend die Hand)\nFrauen und Kinderstimmen (daußen): der\nBaumeister war dät! dät war der Baumeister!\n(Jubelnd): unser Baumeister Baumeister Bau-\nmeister!\nMännerstimmen (fragen, forschen dazwi-\nschen)\nEr (weich suchend klagend): die anderen\nWeiber, Kinder, Männer (rufen auf der\nTreppe): Baumeister! unser Baumeister! unser\nBaumeister!\nSie (schrickt zusammen und stellt sich schützend\nvor Ihn zur Tür)\nE r (tritt zwischen Sie und Tür, lächelnd den Blick\nüber die Schulter zur Tür)\nS i e (faltet die Hände ineinander und flüstert zu\nihm aufblickend): Mann!\nWeib e r und Kinder (stürmen in die Tür): Bau-\nmeist . . (das Wort erstirbt in starrem Schauen)\nEin kleines Glöckchen (schlägt an zum\nMorgengebet)\nDie Weiber und Kinder (kauern die Hände\ngefaltet nieder)\nMänner (starren über ihre Köpfe weg in die Tür,\nnehmen die Mütze ab und stehen stumm in ehr-\nfürchtigem Schweigen)\nE r (streicht Ihr übers Haar und läßt die Hand auf\nIhrem Haupt liegen, weich froh): Weib!\n(die letzte Glut erlischt, es wird ganz dunkel drau-\nßen)\nLeichte Nachschwaden (dampfen durch\ndie Mauerlücke und verdämmern den Raum)\nDer Stern (blitzt hell auf)\nE r und S i e wenden langsam um und schauen eng\naneinander geschmiegt Arm in Arm zu dem\nStern empor)\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Nicht wahr, die\nAntwort auf jene drei leeren Rätsel lag ja selbst-\nverständlich als die Summe dieser vier Bücher\nverborgen, die er im Laufe dieser zwei Jahre ge-\ndichtet hatte! warum sollte er also jetzt sein Ge-\nhirn zerbrechen, das bleich war vor Mattigkeit,\nseine Sinne, die zu schlaff waren, um sich zu dem\nPunkt aufzuschwingen — von wo her ja allein\nein Ueberschauen möglich ist! Herrgott, ja, die\nUhr war jetzt fast sechs — würde es da nicht weit\nvernünftiger sein, wenn er nun ohne Umstände in\nsei Bett hinauf ginge und bis präzis acht Uhr\nschliefe! Ödere wenn er zu allererst ein Bad\nnähme, eine eiskalte Dusche — das würde ihm\nzweifelsohne gut tun, vielleicht ihm auch Lust zu\nein klein wenig Schlummer hinterher schaffen!\nEr stand einen Augenblick da, im voraus die-\nsen Gedanken genießend — tat dann plötzlich einen\nkurzen Schritt vorwärts, mit belebtem Gesicht —\nDenn er erinnerte sich jetzt auf einmal, ohne\nnoch selbst zu begreifen wie und warum — des\nallerersten Males vor langer Zeit, als er mit vollem\nund klarem Bewußtsein bei sich selber das Vor-\nhandensein dieser wesenstiefen Anschauung fest-\ni r\nstellte —: daß sich ein wunderbares, ein heißes\nund strahlendes, ein verheißungsvolles Geheimnis\nhinter allem verbirgt, was wir hören und sehen,\nhinter allem, was wir tun, hinter allem, was uns\nallen mit einander geschieht!\nEr mochte wohl damals vier- oder fünfunzwan-\nzig Jahre alt sein.\nEs war im Hochsommer.\nSo wie jetzt.\nEr war auf seinem Rad hinausgefahren, radelte\nweit ins Land hinein. Es war ein göttliches Wet-\nter, schneeweiße Wege, auf denen sich der Staub\nhier und da in stiebenden Wolken erhob; so kühl,\nwenn man durch einen Wald glitt. Er hatte seine\nMütze in die Tasche gesteckt und radelte drauf\nlos. Die Sonne bräunte seine Stirn. Er fuhr und\nfuhr, trampelte hart auf den Pedalen den Hügel hin-\nauf, genoß mit Sausen um seine Wangen die flie-\ngende Lust, hinabzurasen.\nDie Felder drehten sich vorüber, ihre großen\nTafeln leuchteten grün und gelb.\nWälder, Wiesen, Hügel, einzelne Gehöfte rechts\noder links mit weißen Giebeln — winzig kleine\nDörfer, wo Enten schnatternd über den Weg wat-\nschelten und Hunde anschlugen. Der ferne, blaue\nHimmel überall, ei, wie war das herrlich!\nAch, er hatte eine Rückfahrkarte für die ganze\nWelt, er war so stark und frei wie nie zuvor, er\nwar ein sonnversengter, ein gelbbrauner Löwe,\nder mit weißen Zähnen auf Raub ausging, alles,\nwas in die Nähe seiner Sinne kam, verschlang er\ngleich und lachte dazu, er verzehrte Stück für\nStück Himmel wie Erde, trank erbarmungslos die\nAtmosphäre auf — seine Seele war so hungrig wie\neine Welt! . , .\nHoch am Tage kam er endlich von neuem wie-\nder an den Strand hinaus.\nJa, gewiß: da draußen stand, schräge\nüber dem blendend weißen Saum der Küste, diese\nmächtige Fläche von Blau — ihre Kühle und ihr\nAroma tief ins Land hineinwerfend-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10072, "texte": "Schiffe fuhren darüber hin, Boote tanzten vor-\nbei, die weißen und die roten Segel schimmerten,\nder Rauch der Schornsteine fern da draußen, mein\nGott, siehe mit Gnaden auf mich —: hier ist Meer,\nhier ist Duft von Salz und Tang und Wasser, hier\nwill ich baden!\nGesagt, getan.\nEr stellt das Rad an einen schattigen Abhang.\nTrampelt mit witternden Nasenlöchern an den\nRand des Strandes hinab, reißt durstend die Klei-\nder ab, schweißtriefend ist er — steht nackend,\nlachlustig und empfindlich in der frischen Luft.\nStolziert endlich in das niedrige Wasser hin-\naus, watet tiefer und tiefer hinaus, lacht schau-\ndernd und mit Grimassen dem nassen Element zu,\ndas ihm Schritt für Schritt kitzelnd am Leib hin-\naufwächst; setzt endlich beide Beine an, springt\nhoch in die Luft hinauf, krümmt sich dort zusam-\nmen wie ein Bogen, mit ausgestreckten Armen\n—: auf den Kopf hinunter, bis auf den Grund.\nDas Wasser quillt und gleitet, schimmernd hell-\ngrün ist alles da unten, er rudert ausgelassen da-\nhin, über den feingeriefelten Sand des Bodens,\nsieht sich eifrig nach allen Seiten um, über seinem\nNacken funkelt das Feuer der Sonne, der Luft-\ndruck preßt in seinen Wangen, in seiner Nase, in\nseiner Brust — und er kommt prustend wieder an\ndie Oberfläche hinauf. Er wird immer glückseli-\nger, er zerstiebt und schäumt um sich herum,\nschlägt Purzelbäume, schwimmt weit, weit hinaus\n— auf dem Bauch; wendet sich. schließlich um\nund plätschert langsam wieder ans Ufer, auf dem\nRücke».\nEr läßt sich treiben mit geschlossenen Augen,\nohne eijie Hand zu rühren, wie ein Tagedieb, und\nläßt die Wellen sich weich umwiegen — und er\nmacht sich bleischwer, sinkt in sitzender Stellung\nauf den Boden hinab, erreicht ihn mit einem\nPlumps! Ach, dies seidene Gewand, das niemand\nbisher in der Welt angehabt hat, dieser kühle An-\nzug, der ihm wie angegossen paßt, diese nieder-\nträchtig schöne und kühle und klare Flüssigkeit,\nvon der man nie genug bekommen kann! Ach, wie\nihm dies schmeckt, wie eine eisgekühlte und wür-\nzige Bouillon, so herb und süß und kalt — und\nsiehe, da unten über dem blonden Moire des San-\ndes eilt ein Taschenkrebs seitwärts dahin, er hält\ntose, bohrt sich plötzlich nieder — und ist weg! —\nEr kommt endlich wieder ans Ufer, abgekühlt,\nermattet, wirr vom Lachen; wirft sich auf einen\nFleck Sand hin, so lang er ist, auf den Rücken,\ndie Arme und Beine nach allen Seiten ausge-\nstreckt —:\nJetzt ist es die Sache der Sonne!\nBitte schön, jetzt ist es die Reihe an Ihnen,\nHerr Helios Goldbrand!\nMein Gott, Sie haben ja doch nichts weiter zu\ntun — also greifen Sie nur zu, ich warte gierig!..\nUnd während er nun so daliegt, entsinnt er sich\nplötzlich mit Schadenfreude der Bücher, die er da-\nheim aufgeschlagen auf dem Schreibtisch, in der\ndrückend warmen Stube unter dem Dach, hat lie-\ngen lassen —: Werke über Anatomie, eine höchst\nvorzügliche Wissenschaft, vielleicht noch notwen-\ndiger für einen Dichter, als alle die andern — wenn\nauch gerade heraus gesagt nichts im Vergleich zu\neinem Bad wie dieses hier!\nEr sucht einen Augenblick, sich aller dieser\nlangen oder kurzen Erklärungen zu erinnern (die\nübrigens keineswegs zu viel erklären!), dieser\nteuflichen, lateinischen Namen, die nicht ausein-\nander zu halten sind!\nAber plötzlich sieht er das ganze vor sich statt\ndessen — erlebt seinen eigenen Körper, sozusagen,\nhier auf diesem Fleck —:\nJa, gewiß!\nAlle diese Fibern, die die Fahrt hier hinaus in\nSpannung gebracht hat, die die Kühle des langen\nBades mit froher Laune angefüllt hat; die Münder\nder weit geöffneten Poren, die jetzt, fast hörbar,\nwill es ihm scheinen, mit aller Gewalt, begehrlich,\nmit einem Grinsen des Behagens die Sonnenhitze\neinschlürfen; das Blut, das feurig und erfrischt da\ndrinnen umherrinnt und es so fürchterlich eilig hat!\nDies alles sieht er leibhaftig vor sich, geradeso\nwie die Anotomie es ihm gezeigt hat t—:\nGleich einer unzähligen Heerschar von Zellen,\nin einem wunderbareen und festen System aufge-\nbaut! Milliarden von winzig kleinen, lebenden We-\nsen, weiß, rot, gelb, grau — eine unabsehbare\nMenge von mikroskopischen Damen und Herren,\ndie, jedes für sich, ihr Amt in seinem Körper aus-\nzuführen haben!\nUnd er lacht dann auf einmal, denn er erkennt\njäh, daß er ja also nichts geringeres ist, als eine\nKoralleninsel! oder nein, er ist ganz einfach der\nStaat selbst — dessen ewiges, herumwanderndes\nOriginal, dessen unvergängliches Prinzip, dessen\nMaßstab und Kanon, er selber, von oben bis\nunten! ....\nSein Antlitz ändert sich auf einmal.\nEr springt auf, sieht lodernd um, sein Brust-\nkasten weitet sich gewaltsam —':\nJawohl, sein Körper — das ist eine Welt! Das\nist die gesammelte Existenz von zahllos zahllosen\nUnbekannten, von Milliarden von diminutiven Un-\ntertanen, die, jeder für sich, ihr eigenes, selbstän-\ndiges Leben da drinnen mit seiner Hilfe leben —\naber gleichzeitig müssen sie alle zusammen als\nEntgelt gewisse Frohndienste verrichten ... für\nihn!\nFür . . . Ihn?\nJa, aber, wer ist denn . . . Er?\nSein Körper ist ja nicht er — das sind ja alle\ndie andern?!\nNein, aber der König ist er! Der unsichtbare\nKönig — der nirgends und überall ist!\nEr ist das Gesetz für seinen eigenen Körper! Er\nist jener Ungreifbare selbst, der eines Tages vor\nvielen Jahren anfing, diese vielen, vielen, winzig\nkleinen Wesen zu sammeln, eine bestimmte An-\nzahl von jeder einzelnen Art, sie dazu brachte, daß\nsie wuchsen, daß sie sich vermehrten — daß sie\nein beständig vollkommenerer Ausdruck für sein\neigentliches Selbst wurden! Er ist mit anderen\nWorten —: jenes rätselhafte Bild, nach dessen\nMuster dies Mosaik, das er seinen Körper nennt,\naus unzählig vielen, kleinen Stücken zusammen-\ngesetzt ist! Oder er selbst ist nichts weniger als\nder Blitz — und sein Körper ist die Stange des\nBlitzableiters! Er ist gerade heraus gesagt der\nSchachspieler — die Myriaden seines Fleisches\nund Blutes da drinnen sind die Figuren! Er ist die-\nser eine und einzige, dessen Wesen gar nicht aus-\ngedrückt werden kann, ausgenommen gerade als\nSumme aller dieser andern, gerade in der Form\nkombiniert, die sein Kopf, sein Körper, seine Glie-\nder haben —: mit genau dieser Höhe, dieser\nBreite, mit diesen Schultern, diesem Gesicht, die-\nsen Armen, Hüften, Beinen, Füßen, Zehen, Nägeln\n— mit diesem Blut, diesem Herzen, diesen Lun-\ngen, Milz und Nieren und Gehirn und allem, was\nman nennen kann!\nEr streckt lachend und heftig seine Arme aus,\nrunzelt daruaf die Stirn —:\nAber jetzt zu sterben?\nSterben — was ist denn das?\nSterben, ja, er hat ja immer (obwohl er, der\nTeufel mag wissen, warum, es nie einem andern\ngegenüber erwähnt hat), er hat ja immer gleich-\nsam in sich fühlen können, daß dieser eigentliche\nEr niemals sterben könne . . nein, selbstverständ-\nlich, und nun sieht er es genau —:\nWie sollte er denn auch sterben können nur\nweil alle diese kleinen Geschöpfe, die sein Wesen\neinstmal sich gesammelt hat — auch einmal ihre\nFreiheit zurückerlangen müssen? Ja, weiß er nicht\ngerade von seiner Anantomie her, daß unaufhör-\nlich, Minute für Minute, Tag für Tag, Scharen von\nihnen von ihm fortgejagt werden: bald als ein\nStückchen Haut, das abblättert, bald als ein Haar,\ndas ausfällt, bald durch Schweiß oder seinen Atem;\nin jeder einzigen Sekunde, Tag und Nacht hin-\ndurch, schafft er sie in größeren oder kleineren\nMengen ab, wirft sie ganz einfach von sich und\nläßt sie in Zukunft ihr eigenes, privates Leben\nleben, kennt sie nicht mehr: sie haben ihre Pflicht\ngetan, danke schön, jetzt können sie gehen!\nUnd es ist wohl nicht so ganz wenig auf ein-\nmal, was er in dieser Art von sich abschüttelt —:\nnein, im Laufe von sieben kurzen Jahren ist das\nGanze erneuert, ist alles das Frühere aus dem\nWege geschafft . . . aber starb er denn davon?\nGing er umher und fuhr jedes siebente Jahr gen\nHimmel?? oder wurde Er ein anderer, ein neuer,\nein fremder Mann jedes siebente Jahr?! haha,\nkeineswegs —: oder, sage mir, würden die Blitze\nverschwinden — wenn die Blitzableiter verboten\nwürden? Fällt der Schachspieler ohnmächtig um,\nweil seine Figuren schlecht stehen — oder wird er\ngesund, weil sie gut stehen?! Stirbt er, weil er sie\nmiserabel spielt, weil er aus den für uns alle gel-\ntenden Regeln für die einzelnen Züge und für das\nganze Spiel — niemals etwas anderes erreicht hat,\nals früher oder später matt zu werden? oder lebt\ner vielleicht ewig, weil er ein Meister darin ist,\ndie Königin und den Springer und den Bauern zu\ngebrauchen; weil er zu jeder Zeit vollkommen\nnicht nur die Eigenschaften und Stellungen seiner\neigenen Figuren -— sondern auch die Fehler des\nGegners zu benutzen weiß? weil er wieder und\nwieder den besiegt, gegen den erkämpft?!\nNein!\nSicher nicht!\nAber wie geht es denn zu — dies alles . . .\nEr machte eine heftige Bewegung mit den Ar-\nmen, stand nackend, wild vor Grübeln, da im\nSande, die Sonne spielte auf seiner Haut, in seinen\nAugen.\nEr lachte, er runzelte seine Brauen, er jam-\nmerte gequält darüber, nicht verstehen zu können\nund plötzlich stieg aus seinem Herzen zum Him-\nmel empor ein Flammen von Wonne, er begriff\nsich auf einmal selbst so tief und gut wie nie zu-\nvor . . . und er wußte jäh, warum er immer dun-\nkel gefühlt hatte: daß es nichts Besseres in der\nWelt gab, als geboren zu werden! nichts Schöne-\nres, als mühselig Tag für Tag, Jahr für Jahr zu\nkämpfen! und nichts Seligeres, als sich schließlich\neinmal zu ergeben und zu sterben! Ja, denn\nGeburt wie Leben und Tod, das alles bedeutet\nia nur ein und dasselbe, dieses Eine und\nGöttliche —: wieder und wieder das alte Gewand\nabzustreifen, das nicht mehr passen konnte, das\nunter unserem Wuchs zersprengt wurde! leicht-\nfüßig und kampflustig Jahr für Jahr dahin zu wan-\ndern. aufwärts, eine Jakobsleiter mit unzählig vie-\nlen Stufen hinauf! Ei zu sein, um Larve werden\nzu können — und Puppe, um endlich, in seiner\nvollen Gestalt eines ewigen, strahlenden Wesens,\nmit leuchtenden Purpurfarben in Rot und in Blau,\ndie Weite seiner mächtigen Flügel zu öffnen und\nglückberauscht zu der schönen, der goldenen\nSonne empor zu tanzen!\nGlaß Morton lacht kurz und heiß.\nEr stand dort im Zimmer, warm von seiner Er-\ninnerung, mit weit geöffneten Augen dem Schim-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9729, "texte": "mer der Morgensonne entgegen, der taghell von\ndem lichten Himmel herabfiel — und von dem\nweißen Wege da draußen, von dem Laubgehänge\nder grünen Bäume, von den kuppeiförmigen\nBüschen zurückgeworfen wurde! Er genoß in allen\nFibern noch einmal, wie in einer einzigen Summe,\ndas Glück seines ganzen, Lebens — und lachte leise\nda£u.\nAltes, restlos alles, Annie und seine Ar-\nbeit, sein Leben in den vielen tausend Tagen,\ngenoß er vollauf in dem schwindelnden Nu — und\nlachte während dessen, mit hintenübergebeiigtem\nHals, mit strahlenden Augen —:\nHafraha!\nMein Leben, von meiner ersten Stunde bis zu\nmeiner letzte»!\nDie rätselhafte Wonne, die beständig aus ver-\nborgene« Quellen da drinnen geströmt ist!\nAch, die Freude über alles, was jedem einzel-\nnen Sinn begegnete, was meinem Gehirn und mei-\n-netn Herzen Nahrung gab!\nDas Siegesbewußtsein, mystisch entsprungen\naus einem eksiatiseben Ahnen davon, daß alles\ndas, was uns geschieht — ein Geschenk ist! daß\nalles, was zu uns kommt, ein Reichtum ist!!\nGlück, das ist ein Geschenk, das mit einem\nLächein kommt — Unglück ein Ueberfluß, der mit\nTränen kommt! Geburt ein Bad in Licht und der\nTod ein Bad in einem beschwichtigenden, Dunkel\n— blitzschnelle Wandlungen, die alle miteinander\nnur ein einziges Ziel haben: daß unser unsicht-\nbares Selbst gedeihen soll, daß wir nach allen Sei-\nten hin sprossen und wachsen sollen! daß unser\nIch, tief und wach und rund, steh mannigfach ent-\nfalten soll — als eine Blume, als ein Baum mit\nStamm und Krone, als ein wunderbarer, ein rie-\nsengroßer Wald!\nJa. ja, wie Kinder sind wir r— wie die unschul-\ndigen Kleinen, die spielend die Stunden des Tages\neinfangen und unaufhörlich dadurch wachsen!\nWie die Knaben und Mädchen sind wir — die\nerwachen und lachen, die essen und lachen, die\nweinen und lachen, die zur Abendzeit einschlum-\nmern, während sie lachen — und unaufhörlich,\nmühelos von dem allen wachsen!\nMein Gott, was ist das doch für eine häßliche\nSeuche, was ist das doch für eine lächerliche, eine\nfurchtgeborene Blindheit, was ist es für eine un-\nsagbare und lebensfeige Torheit, die uns dennoch\ndazu bringen kann, zuweilen zu glauben, daß wir\netwas ganz anderes sind! daß sich für uns die\nKurve abwärts biegt — obwohl sie doch bestän-\ndig aufwärts zeigt für die Kleinen mit ihren zarten,\nungeübten Kräften! daß für uns alles zum Tode\nführt — während dasselbe für diese Zarten und\nVerteidigungslosen, für diese, denen alle Erfahrung\nfehlt, Leben bringt! . . .\nAch Gott!\nJa! —:\nIn allen seinen Fibern, in jeder einzigen — da\nsaß urtief und brennend diese starke und freudige\nGewißheit!\nDa saß die treibende Kraft, von der aus er alle\nseine Worte geschrieben hatte —: Das Leben ist\nGlück — und die Kunst ist Glück! Das Leben und\ndie Kunst sind ein und dasselbe!\nAch, aus seinem Gehör und Gesicht, seinem\nGeruch und Geschmack, die scharf wie Messer bis\nin das Mark alles dessen, was um ihn her geschah\neindrangen; aus seinem Gehirn, das so heftig wie\nSchüsse in den Kern des Daseins hineinschlug, in\njeden Punkt, auf den er zielte; aus seinem Herzen,\ndas mit jedem einzelnen Pulsschlag sich wie in\neiner Explosion weit aufsprengte für alles, was ihm\nnahe kam —: aus seinem ganzen Wesen, das\ndurch seinen unauslöschlichen Brand ihn ununter-\nbrochen da drinnen leben ließ, woher alles Wissen\nkommt, wo die Liebe und die Weisheit wohnen\n—: da heraus stammten auch seine Bücher, jedes\neinzelne, wie Schauer aus Blank und Rot ent-\nsprungen,! wie der Fluß von Jubel und von\nSchmerz — wie der wilde Strom aus dem blenden-\nden Gold des Lebens selber in Wonne und auch\nin Qual!\nJa, mit so geschärften Sinnen, wie sie die an-\ndern nur besaßen, wenn sie sich in dem äußersten\nNu der Todesangst oder der Liebesekstase befan-\nden; mit Muskeln wie bei dem Mutigen in der Se-\nkunde, wo er seine Tat ausübt; mit einem Gedan-\nkeven/so gewaltig und weit, wie bei denen, die uns\nall ihr ewiges Wissen von Wahrheit geschenkt\nhaben; mit Gefühlen wie die der Mutter, die in\nmeilen weiter Entfernung geheimnisvoll den Tod\nihres einzigen Kindes erfährt , . . so war er be-\nstrebt gewesen, seine Kunst zu schreiben! sie zu\nvermögen, sich übermächtig zu erheben, mit einer\nglotzenden Finsternis und mit einem schwindeln-\nden Licht, mit götterschönen Antlitzen von Zärt-\nlichkeit und von Haß — sie zu vermögen, sich\nlächelnd und riesenhaft zu erheben und einem\njeden zuzurufen :\nAlles, was ich hier erzähle, das ist dein Leben!\nSiebe, dieser Held, das bist in Wirklichkeit du\n— wenn auch dein Auge es selbst nicht wußte!\nSiehe, dieser lachende und fröhliche Märtyrer\nauf dem Scheiterhaufen, das bist im tiefsten In-\nnern du — wenn auch dein eigenes Herz es bis-\nher nicht völlig begriffen hat!\nSiehe, dies Antlitz eines Gottes, einer Göttin,\nder Hölle und des Himmels in einem —: das alles\nbist im tiefsten Innern du, das seid ihr — wann\nauch eure Gedanken bisher nicht wagten, es völlig\nzu fassen! das sind du und ich und wir alle zu-\nsammen, wir Brüder und Schwestern, wir hellen\nund dunklen Geschwister — deren Bahn bestän-\ndig nach dem Zenit hinaufweist!\nAnnie! ,■ ■J *\nDu Geliebte, ja!\nAnnie, du Königin von uns allen, ach wurdest\ndu zu mir geführt in dem, was wir Liebe nennen:\ndamit du und ich rätselhaft, ahnbar nur für das\nunaussprechlichst Verborgene in uns beiden —\ndamit wir zwei, durch restlos alles, was in unserem\nZusammenleben geschah, durch die Süße, die mit\nihrem Brand zwischen uns beiden strömte, durch\ndie Kraft, die wir einander lachend Tag für Tag\nschenkten, durch das verzehrende und strahlende\nFeuer in unserer Zärtlichkeit Jahr für Jahr —\nrauschartig vollbringen konnten, emporzusteigen\nzu den fernen, Zielen, die sich unsere Seelen ge-\nsetzt hatten . . . und die auf eigene Hand zu errei-\nchen, sie nicht die Kraft besaßen!\nAnnie, Angebetete, du Schmerzensteuerste von\nallen, mein Weib und meine Mutter, wußte ich\ndenn schon jenes allererste Mal, aus dem stolzen\nund sanften Blitz deiner Augen —: wie du hoch,\nmeilenhoch über uns allen standest! daß du eines\nTages unter grauenhaftem Weh von mir gerissen\nwerden solltest — weil du erreicht hattest, was du\nwolltest . . . und weÜ ich. im Kampf mit der gräß-\nlichen Finsternis, in der du mich zurückließest,\nversuchen sollte, hinterher zu beweisen, daß ich\ndeiner doch vielleicht einmal trotz allem würdig\nwerden könnte!\nAnnie, Meine, und rufest du mich jetzt — weil\nich gehalten habe, was du wünschtest! weil ich\nden Sieg über die Finsternis errang — an der\nmeine Kraft erprobt werden sollte!\nWeil der Becher meiner Erkenntnis gefüllt ist,\nweil die Zeit für meine Ruhe gekommen ist —\nnicht in dem dunklen Schoß der Erde, wo die an-\ndern glauben, daß du bist! nicht in dem kohl-\nschwarzen Schoß der Trauer, von dem ich so oft\nträumte, and nach dem ich mich in den Stunden\nmetner Schwäche sehnte! Sondern in des Lebens\nmächtigem, in des Allebens seligem, In unseres\nwahren, ungeborenen unsterblichen Seins süßem\nund großem und unbegreiflich fruchtbarem Schoßt\nDa, an jener sonnigen Küste — weher wir uns\nalle, jedesmal wenn wir uns von neuem wieder in\nFleisch kleiden, in stets Schimmernderem Glanz,\nmit Jubel aufschwingen -— und wohin wir mit dur-\nstendem Sehnen bereichert zurückkehren! stei-\ngend, immer siegend, Tag für Tag schmerzüber-\nwindend und wonneseblürfend — aufwärts, immer\naufwärts, empor zu einer Klar h eil und Höhe, von\nder wir noch gar nichts wissen! . . .\nEr hatte seine beiden Arme ausgestreckt.\nHinter seinen Augen brannte es bitter — und\ndrängte.\nAus seinem Herzen stieg schaudernd seine\nQual und seine Lust, sein Glück-Unglück in Einem.\nUnd da wußte er jählings, was es war — wo-\nrauf er im innersten Innern eben gewartet, wonach\ner eben geforscht hatte, was er eben nicht hatte\nfinden können —: Ihn! ihn von da drüben, dieses\nfremde und tötende Wesen! den Morder, der sich\nzwei lange Jahre verborgen gehalten hatte, mitten\ndrin, hinter der unabsehbaren Menge von Men-\nschen — aber der sich vor ein paar Stunden aus\nder Finsternis aufgerichtet hatte und ihm sichtbar\ngeworden war —:\nKa r 1 Mumm e! . . .\nEr fuhr zusammen wie unter einem Schlag —\nmit einem Stöhnen, mit einem Stich quer durch die\nBrust\nUnd gleich darauf runzelte er seine Brauen, er-\nhob seine Hand, die Fläche nach außen gekehrt,\nversuchte, diesen Namen von sich fortzuschie-\nben —:\nGeh, ich will nicht hören, ich habe nichts mit\ndir zu tun, ich kannte dich niemals, von weit her\nkreuztest du unsere Wege — ohne jemals zuvor\ngewußt zu haben, daß wir existierten!\nDu warst, so wie wir andern, ein willenloses\nWerkzeug für jenes innerste Ich in dir selbst —\ngeh, habe ich zwei Jahre lang leben können, ohne\ndas geringste von dir zu wissen, was soll ich dann\njetzt mit dir — an dem letzten Tag!\nIch habe nicht und abermals nichts mit dir zu\nschaffen, es ist längst bestimmt, daß ich dich nie-\nmals sehen will! . . ..\nEr richtete starr seinen Nacken auf, lachte\nstreng und heiß —:\nFort!\nIch kenne dich nicht!\nDu bist vollkommen ausgelöscht aus meinem\nLeben!\nDu warst nur die Hand, die aus der Finsternis\nauftauchte — um, durch einen entsetzlichen Au-\ngenblick hindurch, dich selbst und sie und mich\nzum Licht zu führen — auf den Wegen, die nun\neinmal die unseren waren! . . .\nAber noch in demselben Moment, wo diese Ge-\ndanken, in diese knappen Worte gestaltet, ihm be-\nwußt wurden — da erschienen sie ihm nicht nur\nunausstehlich brutal, sondern auch feig!\nBlitzschnell, als habe ein unsichtbarer Riese\nalles auf den Kopf gestellt — so dünkte es ihm jäh,\nals sei das, was er eben gedacht hatte, als sei\njedes einzelne Wort von dem allen, als sei sogar\njeder Satz, den er in seinen sämtlichen Jahren ge-\nschrieben hatte, als sei ausnahmslos sein ganzes\nDasein auf einer Lüge aufgebaut! auf Schwäche,\nauf Furcht — auf einem häßlichen, einem unwür-\ndigen und ungeheuren Entsetzen . , . diavor, zu\nsterben!\nJa!"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2487, "texte": "Da lag die Erklärung von dem ganzen!\nDa hatte er die einfache, furchtbare Lösung des\nRätsels —\nGedacht, das hatte er nie.-— nur leer gegrübelt,\num die Angst vor dem Leben und dem Tode von\nsich zu verscheuchen! gedichtet hatte er ebenso-\nwenig nur gekritzelt und gegriffelt, um sein\nmaßloses, endloses Grauen zu übertäuben! geliebt\nhatte er keineswegs — nur sich begehrlich an sie\nangeklammert, so lange sie bei ihm war —nur sie\nschonungslos noch weiter fortgestoßen von der\nSekunde an, wo sie ihm genommen war!\nGerade!\nGerade das!\nGrade so — und nicht, in keinem Punkt anders,\nwar also sein Leben von Anfang bis zu Ende ge-\nwesen! ' • ' '\nAch Gott, er hatte über alle die andern trium-\nphiert — und war selbst tausendmal gemeiner ge-\nwesen als irgendeiner von ihnen!\nEr hatte Sie wieder und wieder betrogen und\nim Stich gelassen — sie, die jeden Tropfen gab, ja,\nja, die wahrlich einen jeden Tropfen ihres Blutes\nfür ihn gegeben hatte!\nUnd nun, nun heute, wo dieser fremde Doktor,\nwo dieser Professor vor einigen Stunden zu ihm\ngekommen war, und mysteriös, ohne selbst das\nGeringste davon zu ahnen — zu ihm gekommen\nwar, wie ein Abgesandter aus dem großen, aus\ndem starken Leben da draußen und ihm zugeflü-\nstert hatte: Nun haben wir ihn endlich gefangen!\nNun sitzt er da drinnen und wartet in Ketten —\ndamit du dein Vergehen wieder gut machen\nkannst, was du Annie noch immer schuldest! da-\nmit deine Hand ihre Kehle zum erstenmal in die-\nsen beiden langen Jahren befreien kann — indem\ndu mit Riesenkraft, mit einem Rache-Griff, die\nseine umklammerst!\nGenau so — ja, aber von demselben Augen-\nblick an, wo diese lichte, diese sehnsuchtsvoll er-\nwartete und frohe Botschaft mit ihrer Forderung\nzu ihm gekommen war . . . von da an hatte er nicht\ndas Geringste weiter vorgenommen, als sich be-\nmütfit, es von sich zu schieben — der Feigling, der\ner war! ach Gott, aber jetzt sollte es ein Ende\nhaben! jetzt wollte er zum ersten- und letztenmal\nin seinen Jahren den Mut und die Kräfte sammeln,\ndie doch im innersten Innern auch wohl in ihm\nwohnen mußten! jetzt wollte er, in ganz wenig\nStunden, mit aufrechtem und blitzendem Sinn, zum\nerstenmal mit aufrechtem und blitzendem Sinn,\nzum erstenmal mit rechtmäßigem Frieden in sei-\nnem Herzen, den gnadenlosen Racheakt vollziehen\n—: Auge um Auge und Zahn um Zahn widerver-\ngelten, was er noch nicht bezahlt hatte! die Rech-\nnung mit Feuer und Blut abschließen, deren Rich-\ntigkeit anzuerkennen, seine Feigheit ihn bisher ver-\nhindert hatte! ...."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "95", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.5.1", "titre_corps": "Vlatislav Hofman: Monumentalgebäude (1914) / Linoleumschnitt des Urhebers", "titre_sommaire": "Vlatislav Hofman: Monumentalgebäude (1914) / Linoleumschnitt des Urhebers", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 73, "texte": "Vlatislav Hofman: Monumentalgebäude (1914) / Linoleumschnitt des Urhebers"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "99", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.6", "titre_corps": "Österreichische Prosa", "titre_sommaire": "Österreichische Prosa", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.10", "debut_caractere": 2508, "fin_caractere_exclue": 10024, "texte": "Österreichische Prosa\n\nDie bisher — aus Scheingründen — repräsen-\ntativ standen für die epische Prosa Deutsch-Oe-\nsterreichs: Die Schnitzler und Bartsch haben lei-\nder nachgelassen oder wurden erkannt, agnosziert\nHier sei die Rede von einigen weniger bekannten\nAutoren, die im Guten wie im Bösen, mit und ohne\nAllüren ihr Land in interessanterer Weise vertre-\nten, stilvoll oder lediglich hart zugreifend Pro-\nbleme gestaltend erörtern und über sie hinweo-\nschreitend viel Geistigkeit exakt versinnlichen.\nMan muß dem jungen Dichter Ernst W.e i ß\nmehr als ein Wohlverhaltenszeugnis ausstellen, er\nhilft, die literarische Ehre der. Stadt Wien retten,\ndie schon seit langem nur wenig bemerkenswerte\nProsa Jüngerer hervorgebracht hat. Seine (von S.\nFischer ans Land gezogene) . „Galeere\" ist\nein Roman, den ein Oberflächlicher „Der\nRöntgenstrahlen und der Liebe Wellen\" nennen\nkönnte,, in dem ein Sentimentaler vor allem von\nden Röntgenstrahlen gerächte Grausamkeiten eines\nForscher- und Männerherzens zu sehen vermöchte.\n— ohne damit dem eigentlichen Konflikt und\nThema dieser zwingend vollendeten Erzählung\nirgendwie näher zu kommen. Eine neue und gute\nepische Dichtung muß notwendigerweise mehr\nsein als die säuberliche Erledigung eines Spezial-\nfalles. Wenn ich sagte: Herr Doktor Erik Gylden-\ndal, Röntgenstrahlenbeobachter, Privatdozent und\nHeld des Weißschen Romanes, wird mit Leib und\nSeele aufgefressen von seinem Beruf, gäbe ich nur\nscheinbar den äußerlichen „Inhalt\" des meister-\nlichen Buches an. Gewiß: auch an Erik Gyldendal\nwird sichtbar die fürchterliche Zweischneidigkeit\njeder Tätigkeit. Er legte, sich eine Wissenschaft\nbei, legte sich in sie, sie stärkte ihn, gab ihm das\nRückgrat, das den Erfolg schafft — aber sie war\nauch ein Speer, der Wunden heilte, um sie dann\ndesto tiefer zu schlagen.\nJedenfalls ist „Die Galeere\" mehr, viel, viel\nmehr als ein landläufiger, süßholzraspelnder •\nJungwienerroman, es ist ein modernes Buch von\nMannestod und Liebe; sein Held gibt sich in einer\nso sonderbar klar fiebernden Dumpfheit der Liebe\nund dem Tode hin, daß diese dämonische Schick-\nsalsgebundenheit in ihrer antiken und doch neu\nbelebten Größe und schauerlichen Schönheit auf\njeden Empfindungsfähigen nur in hohem Sinne\ntragisch wirken kann.\nErik Gyldendal lebt, oft sich aufbäumend und\ndoch fatalistisch, mit großer Anfangsgeschwindig-\nkeit (und schließlich der ergebenen Frömmigkeit\nder Todesschwäche) arbeitsam dahin unter der\nPeitsche der Urkräfte, er könnte, wie wenige, mit\ndem griechischen Tragiker von sich bekennen:\ndvoiv ävaxeijuai fieoig ' igcort xai ftavatco/ Nur\ndaß er, von seinem Ehrgeiz gehetzt wie ein\nGaleerensträfling, gerne außerdem und vor allem\nauch noch die Zeit, den Tod durchbrechen, mit sei-\nnen Forscherarbeiten in die Ewigkeit eindringen,\ndem Leben egoistisch nur ein Minimum zedieren\nmöchte.\nAber Ernst Weiß, sein Schöpfer, ein Moralist\nwie alle großen Künstler, läßt ihm das nicht an-\ngehen, hält den egozentrischen Herrn Gyldendal\ngerechtermaßen, was den Lebensfaden anlangt,\nkurz: Der Dozent zerschellt zur Strafe für seine\nsadistischen Komponenten . . . Ueber die Fabel des\nRomans möchte ich nicht mehr angeben, er ver-\ndient keinen exzerpierenden Hinweis, sondern jene\ngenaue, wiederholte und bewundernde Lektüre,\nauf die sich die Leserschaft Deutschlands sonst\nnur dann und zwar automatisch einstellt, wenn sie\nsich durch einen anerkannten Namen zur Ergriffen-\nheit verpflichtet fühlt. Nur soviel sei noch ausge-\nsagt: Ernst Weiß gibt bei der das Innerste und\nAeußerste bloßlegenden Schilderung der Eltern\nund Geliebten Gyldendals mehr an gestaltender\nLeidenschaft aus, als sonstwer in Deutschland —\nHeinrich Mann vielleicht ausgenommen — zu ver-\ngeben hat! . . . Und hinter dem impulsiven Men-\nschenkneter steht ein mit ärztlicher Exaktheit ar-\nbeitender Psychologe. Und außerdem ist Stil,\nLyrik, Poesie in diesem dichterisch geschwunge-\nnen Buche ... Da gibt es kernweiche Stimmungen\nund tadellos vergiftete Dissonanzen. Nicht fehlt die\nverstehende und gütig alles wissende\nkeit eines Denkers und — die Temperamentfülle\ndes Weltverbesseres, der — beispielsweise\ngegen den Mißbrauch der als Allheilmittet betrach-\nteten Erotik wettert. Man lese dieses musikalische,\nnaturnahe Buch eines Städters. Es ist kein halbes\nVersprechen, kein Erstling im gewöhnlichen Sinn,\nsondern eine Erfüllung, wie sie selten gelang!\nfet Ernst Weiß ein moderner Wiener Epiker,\nder vielleicht ohne Balzac, Flaubert, Zola, Maupas-\nsant, Schnitzler denkbar, aber diesen Dichtern ge-\nwiß wie jeder heutige Erzähler irgendwie verpflich-\ntet ist, so wahrt Otto Stoessl die historische\nEntwicklung und Kontinuität nach einer österrei-\nchischeren Richtung hin; in ihm ist das Behagen\nam säuberlichen Detail des reinsten und echtesten\ndeutschösterreichischen Prosaikers: Adalbert Stif-\nter, in ihm kräuselt sich anmutig die Lust am\nAbenteuerlichen des austroamerikanischen Fabu-\nlierers Charles Sealsfield, in ihm waltet die gar\nnicht dörperhafte Zuneigung Ludwig A,nzengru-\nbers zu allem Ländlich-sittlich-idyllischen. Nicht\ndaß diese „Bestandteile\" in Otto Stoessls neuester\n(von Georg Müller edierter) Erzählung „W a s\nnützen mir die schönen Schuhe\" er-\nweislich, ja auch nur ahnbar wären! Im\nGegenteil: Stoessl ist kein Epigone und mit\nallerlei Einflüssen erblich Belasteter. Aber,\nwer einen Bücherkasten hat, kann Stoessls\nWerke nicht gut anderwärts einordnen als\nzwischen den Bänden besagter Erzählkünstler\nDanubiens .... Schon das Proömium übt eine\naußerordentlich beruhigende Wirkung auf den\nLeser . . . Alle Bücher Stoessls haben eine Neigung\nzum Schelmenroman, schmackhaft und herzhaft\nwie sie sind, wären sie das beste Gegengewicht\ngegen die beliebte Wiener Raunzerei und die er-\nstickende Melancholie, die den Stilübungen jünge-\nrer Schwarzgelbseher entsteigen muß. Seine lie-\nben Gestalten haben einen angenehmen Stich ins\nSchnurrige, er bietet Epik an sich, ohne „Pro-\nbleme\" und aufreizend kuriose Vorgänge, ist unter-\nhaltlich innerhalb des Literarischen, der' Form-\nkunst. Diesmal — wohl zwischen den Schlachten\n— liefert er ein ergötzliches Zwischenspiel, in dem\ndie Episodenranken, ohne zu überwuchern, das In-\nteressanteste, Amüsant-Lustigste sind. Da ist die\nverdammt fragwürdige „Wittib\" Tora Obweger,\nund allerhand männliche Tugend, die an ihr vor-\nübergeht, entweder die „Gefehlte\", ein noch nor-\nmaleres Weib heiratet, oder, ohne den letzten festen\nGriff zu besitzen, sich irgend einem Tabakhandel\nergibt. Zuletzt kommt natürlich die bürgerliche\nEhrbarkeit in Gestalt eines Herrn Mathematikoro-\nfessors, der den Springinsfeld Tora in Schwarz\nkleidet, und sie als aber schon sehr angetraute Ehe-\ngattin heimführt. Doch wie hinreißend lustig —\nmit strengen Perspektiven zwar ab und zu ge-\nschmückt und ernsten Ausblicken ins unabänder-\nliche Leben — diese muntere, schlichte Geschichte\nerzählt ist! Ich halte Stoessl. unerachtet seiner\nscheinbaren, nämlich gespielten Trockenheit für\nden stärksten und feinsten Humoristen unter den\nDeutschen von heute.\nAuch ein sehr starker Humorist, aber ein un-\nfreiwilliger, ist der immerhin talentdotierte\nHermann Graedener, dessen (bei Rütten\nund Loening sichtbar gewordener) Roman\n„U t z Urbac h\" ein „Bauernkrieg-Fries\" sein\nsoll. Graedener stammt nicht aus der Walzer-\nzentrale Wien, sondern — er interpretiert\nhalt die Weanastadt anders — aus dem\ngleichnamigen Tummelplatz der starken Män-\nner und weltmeisterlichen Schwergewichtsathle-\nten. Ergo zeigt er seine „Muschkeln\". Sein Roman\nsieht so aus, als hätte der Sohn eines reichen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5296, "texte": "Fieischhackers aus den „enteren Gründen\" Wiens\neinen blutrünstigen Stoff verwurstet. Nichtsdesto-\nweniger ist der Verfasser wahrscheinlich ein zart-\nbesockter Aesthet, der seine innere Unkraft durch\nexhibitionistische Kraftmeierei, den Mund voll neh-\nmendes Auftrumpfen, unerhörten Fleisch- und Blut-\nkonsum sowie Menschenmassierung zu überkom-\nkompensieren trachtet. Mit einem pseudoarchai-\nschen, vermutlich via Schönherr, Handel-Mazetti\nbezogenen Kraftdeutsch versucht Graedener in die\nLiteratur einzumarschieren. Hermann Graedener\n— den ich vonnunan Irmin Graedenariro zu\nnennen vorschlage — gebärdet sich ledig-\nlich urgermanisch dahinschlegelnd, teutobür-\ngerlich. Jemand versucht, exotische Dinge\nzu tanzen, der vielleicht kaum normal gehen kann!\nBegabung ist sicher vorhanden, in Hülle und Fülle,\naber outriert, maniriert, und alle wahre Geradheit\nunter einem schweißvollen Turner-Deutsch und\nbäurischen Kraftwortschwall verkümmert. Auch\nsoziales Empfinden, das humane Mitgefühl des\nDichters ist da. Doch warum konzentrierte es sich\nzeitlich rückwärts, ließ sich dekorativ ansprechen\nvon verjährter Bauernunterdrückung, und nicht\nvon der Lebensqual des heutigen letzten Standes?\nOder fehlte Graedenern — pardon: Irmin Graede-\nnariro — bei unseren Arbeitern noch die effekt-\nvolle Explosion, die große auch von Histori-\nkern bemerkbare Revolution, die es den Lieb-\nilabern roter Farbflecke und schriller Plakate an-\ntut?!\nMögen immerhin die Schätzer unehrlicher,\nrenovierter Butzenscheibenpoesie heute schon ihr\njubelndes: „Hojotoho! Graedenariro!\" anstimmen,\nich will dennoch ruhig zuwarten, und unter der\nBedingung, daß dieser Dichter nicht wieder gegen\nalle Hoffnung den kraftqualmenden Dürrkopf spielt,\nerkläre ich mich gern bereit, auch seinen nächsten\nRoman zu lesen — was sonst zum Quadrat erho-\nbene Tantalusqual wäre . . .\nRichard Schaukai ließ (bei Georg\nMüller) den hübschen Titel „Die Märchen\nvon Hans Bürgers Kindheit\" erscheinen\n— hinter dem kein Werk steht. Und doch\nwäre er der Inbegriff von Otto Stoessl,\nErnst Weiß, Hermann Graedener. Er ist der\nTalentvollste und Genieloseste unter den Ge-\nnannten, könnte jeden dieser drei Dichter stili-\nstisch nachäffen. Selbst hat er — ein anderer Hof-\nmannsthal — keinen eigenen Stil, existiert an sich\nebensowenig wie dieser vormals geschätzte, in-\nkonstante Neolibrettist. Er ist, mit Aristoteles zu\nsprechen: das Nichtseiende, das nicht gedacht wer-\nden kann. Wenn sich dennoch so häufig etwas\nSchaukaliges nach außen projiziert, ist das keines-\nwegs seine Schuld; er wird eben hier und da von\nanderen, weit größeren Schriftstellern gestaltet,\nund die Nachwirkungen und Nachwehen solcher\nplastischen Lektüre erscheinen von Zeit zu Zeit in\nBuchform. Das heißt, der Drucker liefert einen\nausgezeichneten Druck und das Papier „spenden\"\ndiesem traurigsten Schicksal ausgesetzte Waldbe-\nstände: es ist wahrhaft tragisch, daß um eines so\npapierenen Literaten willen Holzhauer, Baum-\nmörder, Halbgöttinnen, Dryaden, ins Fleisch schnei-\nden! — Den von Richard Schaukai signierten Text\nStellt bereitwilligst die Weltliteratur bei. Wir haben\nes in diesem Brünner Dichter nämlich mit einer\nArt literarischem Tierstimmenimitator zu tun,\neinem routinierten Fregoli und Verwandlungs-\nkünstler. Der Starter des „Herrnvonßalthes-\ns e r\" ist betrüblicher Weise ein stilistischer Dandy\nund leider Gottes kein Dilettant! Ehrliche Unbega-\nbung wäre diesem verschnörkelten Alles- und in-\nfolgedessen Nichtskönner vorzuziehen. Denn es\ndauert verdammt lange, ehe selbst ein kritischer\nGeist ahnt, daß er einem Mineral aufgesessen ist,\ndas zwar keinere reinen Kristallisation fähig: ist,\naber sklavisch und slavisch polymorph, in erstaun-\nlicher Methode jedem schönen Eindruck hinge-\ngeben, zu jeder fremden Gestaltung zu ver-\nhalten ist. Ob er nun Gedichte schreibt, von\nHeine, Verlaine, fleredia Verse abschöpft.\nE. T. A. Hoffmann parasitär umrankt, oder\n— in seinem besten Buch, dem „E ro s\nThanatos\" — kleistisch blendet, immer bleibt\ndem Lektor die ahnungsvolle Frage und der Ge-\nschmack auf den Lippen: „Sapperment! Woher be-\nzieht denn jetzt Schaukai seinen Stil?\" Diesmal\nantwortet der „Autor\": „Ich gehe heuer nach\nEichendorff aufs Land.\" Er macht nunmehr aus-\nschließlich in Einfachheit, Primitivität, sein momen-\ntanes Stilsurrogat ist als ein treffliches Biederge-\nmeier anzusprechen. Er ist dermalen von Stifter,\nEichendorff und den sanften Russen (von\nTurgenjeff bis Ssologub) abhängig. So entstand,\ngeschrieben in den langstieligen, von keinem Atem\ndurchhaltbaren Schachtelsätzen eines deskriptiven,\nfarblosen Stils, ein blasses Buch, das schon ver-\nhallt ist, wenn man es — mit Mühe — zu Ende\ngelesen hat. Durchdrungen ist es vom Moderge-\nruch einer von Anbeginn muffigen Kindheit. Denn\nauch der Titel stimmt nicht recht. Es sind nämlich\nkeine herzlichen Märchen, sondern chronische\nPhilosopheme über die Kindheit, zum Besten gege-\nben von einem „Nachdenklichen\", der sich über\nsein Altern „Sorgen macht\", sich, begreiflich! sehr\nwundert, daß er einmal Kind war, und nun noch\nmehr, daß er Kinder hat. Immerhin weiß er, daß\nder Erwachsenen Tag, die Arbeit, Schande ist, und\nnur der Schlaf, der Traum, das Spiel der Kindheit:\nGlück. So mag auch er weiterhin auf seine Art\nOesterreicher sein. 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Capek\nModerne Architektur 3 18\nAlfred Döblin\nDer Kaplan 5 35\nVon der himmlischen Gnade 12 82\nAlbert Dreyfus\nGedichte 6 46\nAlbert Ehrenstein\nGedichte 1 3\nGedichte 3 22\nStoßseufzer 9 71\n-Hermann Essig\nGynäkologisches 1 7\nA. M. Frey\nCordelia 3 19\nHenry Gauthier-Villars (Willy)\nLe Greco-Paganisme 2 14\n\"Paul Hatvani\nBetrachtung 8 63\nVision 4 31\nKurt Heynicke\nGedichte 7 55\nGedichte 9 71\n, Adolf Knoblauch\nAuf Peter Hilles Tod 10/11 77\nBesinnung 1 10/11 76\nNummer Seite\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman 1 4\n2 11\n3 22\n4 28\n5 39\n6 43\n7 53\n8 60\n9 69\n10/11 77\n12 86\nFrantisek Langer\nDie Uhr 8 62\nPaul Lepoin\nDas Gespenst der Judenstadt 2 13\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte 12 87\nHeimweh 10/11 76\nMarijan Marik\nTotengebete 12 84\nAlfred Richard Meyer\nDie Barfußtänzerin Käte Fischer 1 7\nMynona\nFür Hunde und andere Menschen 9 66\nAugust Stramm\nDie Haidebraut 10/11 74\nDie Menschheit 8 58\nGedichte 2 10\nGedichte 5 34\nGedichte 6 42\nGedichte 9 68\nRudimentär 7 50\nSancta Susanna 4 26\nKurt Striepe\nDie letzte Nacht 4 30\nJosef Tress\nDer bunte Menschenfilm 4 31\nHerwarth Waiden\nHeeresmarsch I Für Klavier 10/11 Beilage\nNummer Seite\nHerwarth Waiden\nAntwort 2 10\nDer Mittelaltmeister 8 58\nDer Psychologe 1 2\nDie Tauentzien-Girls 5 34\nKünstler 9 71\nNotizen 4 26\nRenaissance 6 42\nZiele 7 56\nErwin Weber\nOpernhaus 2 15\nEmpfohlene Bücher\n1 8 / 3 23 / 4 31\n6 47 / 10/11 79\nZeichnungen\nMarc ChagaM\nZeichnung 6 41\nEmil Filla\nZeichnung 10/11 73\nJacoba van fieemskerck\nZeichnung 9 65\nVlatislav Hofman\nDetail einer Facade 1914 /\nLinoleumschnitt 4 25\nEckhaus 1914 / Linoelumschnitt 6 45\nProjekt eines Friedhofs bei Prag 1912 /\nLinoleumschnitt 3 21\nOtakar Kubin\nOriginalholzschnitt 2 9\n3 17\nFranz Marc\nKatzen / Zeichnung 1 1\nCarl Mense\nOriginallinoleumschnitt * 5 33\nOriginalholzschnitt 8 57\nOriginallinoleumschnitt 12 81\nFriedrich Rosenkranz\nOriginalholzschnitt 1 5\nSchmidt-Rottluff\nOriginalholzschnitt 7 49"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.8", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.12", "debut_caractere": 481, "fin_caractere_exclue": 896, "texte": "Notiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. 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StraBenstanden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoscfeks: Zwanzig: Blatt Zeichmmgen /\nStrichatzung / Auf X&lserlicb Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton Ih dn-\n'acherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.12", "debut_caractere": 3119, "fin_caractere_exclue": 5899, "texte": "Kandinsky 1901—1913 j Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / I h r sillies\nQ1 ii c k —! I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / TragSdie J Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scfieerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwaizig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stranun: Sancta Su-\nsanna I 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nme oi tar / 50 Pfennig / III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: D a f n i s ii e d e r / Zu Oe-\ndichten von A r n o M o i ? I Fur Oesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nPfennig / Der Sturm / Heeresmarsch ./ Fiir\nKlavier / 50 Pfennig\nKunsilerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemp!ar 20 Pfennig\nFuturlsten: Umberto Boccioni: Das\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Oino Seve-\nriai: Die Modistin / Ruhe'.ose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter J Marc Chagall (4) /\nKlee I Leger / Jawlensky ./ Werefkin / Qleizes\nI Archipenko ./ usw\nIllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschriit\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee /' Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall I Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1914-10-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1914-10-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1914-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste I\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto deirautore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\nentbalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.1", "texte": "Umiagg zwölf Seiten\nBinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE* KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1914\nBERLIN ERSTES UND ZWEITES OKTOBERHEFT\nNUMMER 13/14\n\nInhalt:\nAngust Stramm: Erwachen / Kurt Heynicke: Gedichte / Aage von Kohl: Der Weg durch die Nacht / Albert Ehrenstein: Österreichische Prosa /\nInhaltsverzeichnis Fünfter Jahrgang Erstes Halbjahr / Vincenc Benes: Originallinoleumschnitt / Vlatislav Hof man: Monumentalgebäude (1914) / Linoleum-\nschnitt des Urhebers\n\nVincenc Benes: Originallinoleumschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.2", "texte": "Erwachen\nAugust Stramm\nEr\nS i e\nEs\nWirt\nHausknecht\nMasse\nHotelzimmer\nZwei Betten nebeneinander; an der Wand gegen-\nüber Flügeltür; an der Hinterwand zwischen hohen\nFenstern ein Spiegel. Reisetaschen und Kleidungs-\nstücke auf Nachttischen und Stühlen verstreut\nS i e (im vorderen Bett, richtet sich auf und starrt\nin das Dunkel)\nEr (nach einer Weile): was wachst du?\n5 i e (schaltet das Licht auf dem Nachttisch ein)\nE r (faßt ihren Arm, zärtlich, unruhig): was wachst\ndu?\nSie (wischt den Schlaf von Gesicht und Haar,\ndeckt das Bett zurück und stellt die Füße zur\nErde in die Pantoffel)\nEr (halb aufgerichtet spannt den Blick in ihren\nNacken)\nSie (deckt die Hände auf die geschlossenen Knie\nund späht in das Zimmer)\nEr (schnellt hoch, hart): was starrst du?\nSie (stammelt unverständlich, weist die linke\nHand ins Zimmer, schnellt zurück und hüllt mit\nbeiden Händen das Gesicht)\nE r (starrt ins Zimmer, blickt auf Sie, lehnt zu\nihr rüber, weich): Träume . . (schmiegt die Hand\nauf ihren Nacken)\nSie (zuckt zusammen; die Händen fallen aufs\nBett)\nE r (vorwurfsvoll): Kind !\nSie (haucht): nimm die Hand fort!\nEr (beruhigt): du!\nSie (entsetzt): nimm die Hand fort!\nEr (nimmt die Hand fort)\nSie (schüttelt sich)\nEr (weich): was hast du?\nSie (kauert, die Arme über der Brust gekreuzt\nund auf den Schultern, trocken, ohne Tonfall):\nich weiß es nicht\nEr (im Schlafanzug, steigt in die Pantoffel, geht\nkopfschüttelnd zur Tür und schaltet das Decken-\nlicht ein): so! (läuft armschlenkernd kreuz und\nquer durch den Raum): sieh doch nur! sieh!\nSie (hebt spähend den Kopf ins Zimmer)\n£ r (bleibt in der Mitte zwischen Tür und Fenster\nstehen und lächelt sie scherzhaft überlegen an):\nna was?!\nSie (regungslos): ja . . da . .!\nEr: hier bin i ch!\nS i e (schaudert): ja (nickt zustimmend prüfend) ja!\nE r (geht zärtlich auf Sie zu): siehst du\nSie (springt auf, wehrt und schreit): steh! steh!\nsteh dort!\nEr (tritt betroffen widerwillig an den Platz zu-\nrück): ach!\nSie (prüft Ihn stumm)\nEr (ärgerlich): es ist dumpf hier! sein wir ver-\nnünftig! (geht zum Fenster)\nSie (will Ihn zurückhalten, erlahmt aber fahrig,\ntritt bis ans Bettende vor und sieht vorgebeugt\nauf den Fleck, wo Er stand)\nEr (zieht den Vorhang und blickt zurück): nun?\nist da was?\nSie (hebt den Blick durchs Fenster und legt\nschauernd das Nachtgewand fester um den Leib)\nEr (die Hand am Fensterhebel): du frierst?\nSie: die Nacht ist naß\nEr (starrt betroffen): wir sind geborgen! (geht zu\nIhr und drängt Sie zum Bett)\nSie (weist zurück): nicht! nicht!\nEr: du hast schlecht geträumt\nSie (widerstrebt schwach): ich habe geschlafen\nEr (setzt Sie aufs Bett): so wollen wir weiter\nschlafen\nSie (blickt ins Zimmer, ohne Angst neugierig\nfeststellend): und da ist doch was!\nEr (unwillig): was?! was soll\nSie (erhebt sich und blickt neugierig auf den\nFleck, nickt bekräftigend)\nEr (geht zurück und scharrt, schroff): wo soll hier\nwas\nSie (beherrscht): ja . . grade . . wo soll . .? (Sie\nblickt in den Spiegel und ordnet das Haar; hält\nerschrocken inne): und ich sehe aus! ich sehe\naus! o!\nEr (ärgerlich): laß den Spiegel!\nSie (preßt die Handflächen gegen die Schläfen):\ndas bin ich nicht\nEr (tritt vor Sie und verdeckt den Spiegel): wer\nsonst?!\nSie (spricht nach): ja . . wer . .?\nEr (bricht aus): zum Donnerwetter! (bezwingt\nsich und stampft auf): Nichts!!\nSie (starrt Ihn erschrocken an): nichts! nichts!\nEr (beherrrscht): du machst mich ja mit verrückt!\nDein Wahn . . .\nSie (in mattem Widerspruch): Wahn . . Wahn . .\nEr (faßt derb Ihren Arm und schüttelt Sie): sei\nvernünftig jetzt\nSie (gellt auf und entsetzt vor ihm zurück)\nE r (läßt Sie und blickt hilflos erschrocken um\nsich) was? was?\nSie (erschöpft): Du würgst mich\nEr (überreizt, aber ich . . ich . . doch gar\nnichts.. ich . . (mit flehend zusammengekrampf-\nten Händen vor Ihr)\nSie (erwacht nach einer Weile, reibt sich das\nHandgelenk, fröstelt matt): ja! es ist dumpf hier!\nmach das Fenster auf!\nEr (strampelt außer sich, wehrig durchs Zimmer):\nnein! nein! nein! (bleibt im Zimmer stehn)\nSie (in matter Bestimmtheit): mach das Fenster\nauf\nE r (schlägt am Fenster die Fäuste fesselnspren-\ngend auseinander): zum Teufel ja! (reißt tobend\nmit beiden Händen den Fensterhebel nieder):\nja!!! (Das Fenster stürzt zerklirrend über ihn,\ndie Wand zwischen den Fenstern bricht durch,\nder Spiegel splittert ins Zimmer)\nEr (starr inmitten des Einsturzes)\nSie (entsetzt)\nE r (wendet scheu betrachtend den Fensterhebel in\nder Hand): morsch!\nSie (wimmert)\nE r (blickt zag zu Ihr hin): das wollte ich nicht! o!\nSie (wimmert): der Spiegel\nE r (stutzt fetzt den Hebel in die Trümmer und\nreckt in wildes Lachen)\nSie (in Entsetzen und Beben): o! o! du! du! du\nbist furchtbar! furchtbar! du!\n(Stimmen, Rufen, Laufen draußen; Geräusch im\nHause)\n(Der Staub ist durch die große Mauerlücke ver-\nzogen)\nEin Stern (flirrt in schwarzblaue Nacht)\nE r (lacht ruhiger, versonnener, in kurzen Nach-\nwellen; steht dann ganz still und schaut zum\nStern auf)\nSie (kauert entsetzt ziternd auf dem Bett, die\nHände auf die Bettlehne gekrampft und horscht\nzur Tür, lallt): k . . k . . kommen\nE r (ruhig, verträumt): sieh den Stern\nS i e (lallt unverständlich)\nEr: sieh doch! der Stern!\nSie (ganz in Entsetzen aufgelöst): k.. k .. klopfen\n(Energisches Klopfen an der Tür, Rufen, derbes\nHerunterklinken)\nEr (tritt unbekümmert weiter vor in die Mauer-\nspalte und späht zum Stern)\nSie (schreckt auf, ratscht überhastend zu Ihm,\nhält Ihn zurück und lallt): du . . du fällst! du\nfällst!\nschweres Schlagen, Rütteln an der Tür; Rufe:\nhe! he! he!)\nSie (zieht ihn kriechend zurück): hör doch! hör\ndoch!\nE r (kommt nicht vom Sterne los)\nSie (springt auf und rüttelt Ihn wild): nun sei\ndoch . . (Schwere Eisenschläge gegen die Tür)\nEr (erwacht, wendet sich zur Tür und schlingt\nhaltend den Arm um Sie)\n(Laufen und Rufen auf der Straße)\n(Die Tür wuchtet unter Fluchen und Wettern)\nSie (klammert ohnmächtig an seiner Brust)\nEr (trägt Sie über die Trümmer, blickt zum Stern\nauf, bedauert): fort in den Wolken!\n(Die Nacht wird schwarz)\nDie Tür (kracht herein)\nDer Wirt und Der Hausknecht (keuchen\nmit Brechstangen)\nE r (legt Sie ruhig zurecht und deckt zu)\nWirt (wild drohend): Sie!\nHausknecht (starrt mit erhobener Brechstange\nstumpf auf den Trümmerhaufen)\nE r (blickt ruhig auf)\nWirt (vor dem Trümmerhaufen, außer sich): Sie\nhaben mein Haus umgerissen!\nEr (ruhig): ich\nWirt (außer sich): Sie Sie Sie! Lügen Sie! lügen\nSie! lügen Sie!\nHausknecht (droht schwerfällig): vaflucht!\nEr (ruhig): die Wand ist zusammengefallen\nWirt (außer sich, spricKFnach): die Wand! die\nWand! die Wand! (schreit immer wilder): der\nHimmel! der Himmel! der Himmel! Polizei! Poli-\nzei! Polizei! Ich lasse Sie festnehmen! ich lasse\nHausknecht (stimmt ein): Pulzei Puzei\nEr (zuckt, hastig): wenn ich nun aber (macht eine\nBewegung)\nWirt (starrt ihn an): Sie Sie Sie (versteht und\nschlägt um): wat?\nEr (ruhig): wir können ja darüber reden (mahnt\nzur Ruhe): meine Frau . . .\nWirt (plötzlich ganz Teilnahme, legt die Stange\naus der Hand und die Händ ineinander ) o!\nHausknecht (zerrt verlegen die Mütze runter\nund tritt an der Eisenstange spielend langsam\nzurück)\nWirt: wir künn'n Dokter halen (wendet zum\nHausknecht, der diensteifrig die Mütze aufstülpt\nund zum Gehen kehrt): jo\nHausknecht (eilfertig): jo\nEr (hastig): nein nein nein halt! danke schön! sie\nwird schon so . .\n(Geräusch und Lärm auf der Straße;)\n(Leiser Donner in der Ferne)\nWirt (verlegen): nu jo! nu jo (schaut raus) nu\nsüh dät Volk! (zum Hausknecht): joh runner du!\nde Tür fest an! dät sich dät Plebs nich rin\nkümmt!\nHausknecht (rückt die Mütze): jo (eilt erlöst\nab)\nE r (nimmt eine Geldtasche unter dem Kopfkissen\nvor)\nWirt (folgt seinen Bewegungen, kriechend): Sie\nküanVn ooch n anner Zimmer hebben . . Herr . .\nHerr! (es donnert): dät Jewidder\nE r (öffnet die Geldtasche, die voll Gold glitzert)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.3", "texte": "Wirt (geblendet, gurgelt und schluckt verlegen,\nhält beide Hände gierig hin)\nE r (zählt dem Wirt eine Anzahl Goldstücke in\ndie Hand) ist das genug?\nWirt (von einem Bein aufs andere, stammelt auf-\ngeregt begehrlich): jo jo nu\nEr (bestimmt): das ist genug!\nWirt (ruckst): nu jo\nE r (schließt die Geldtasche): ja\nWirt (bestimmt): nee nee nee (faßt die Geld-\ntasche)\nEr: Sie?!\nWirt: Sie!!\nEr (sucht die Geldtasche loszureißen)\nWirt (hält gegen): du! Paß uff!\nEr: Unverschämter\nWirt (zerrt höhnisch): Jungeken! stille! ja? ! biste\nstille! hollt Mul! Jungeken! (will ihm mit aller\nGewalt die Tasche entreißen)\nEr: ha\nWirt: ik weeß! ik weeß Bescheid! (mit Bedeu-\ntung): die Frau\nEr (wild):. Schuft!\nWirt (lacht, grimmig): jo jo\n(Die Geldtasche öffnet sich beim Ringen; die Gold-\nstücke kollern hinaus in die Nacht)\nWirt bestürzt): o! o! dät Jeld!-\n(Donner rasselt)\nWirt: ooo! ooo! dät blanke Jeld! Jeld! (hebt die\nFaust gegen Ihn, der betroffen die leere Tasche\nhält): du! du!\n(Lärm, Geschrei und Gebalge draußen)\nWirt (zittert an allen Gliedeern): son Hund! son\nHund! son . . (hapselt zur Tür): Jeld! son Jeld!\n(verliert Goldstücke, hebt auf und verliert wie-\nder): oooooo!! (hastet gehetzt durch den drau-\nßen ansteigenden Lärm raus)\nEr (klopft prüfend die leere Tasche und'schüttelt\nden Kopf)\n(Blitz und starker Schlag)\nSie (stört auf): was ist? was ist?\nEr (ruhig spöttisch): Donner!\nSie (starrt um)): wo bin ich?\nEr (wie vorhin): hier!\nSie (wimmert und horcht): der Fluß rauscht\nEr: der Pöbel rauft\nSie (aufgeregt): das ist Wasser! Wasser! Der\nFluß! wir sind über den Fluß gegangen! o! so\nschwarz! so schwarz in der Abendsonne (Wildes\nSchreien, Gelächter, Gepolter, Hohngeheul,\nHagelgeprassel draußen)\nSie (verbirgt sich im Bett wimmernd): was hat\ndas Volk? was hat das Volk?\nEr (ruhig, verächtlich): mein Geld\nSie (entsetzt): ooo! mach das Licht aus!\nEr (geht ruhig zur Tür und schaltet aus): ja\n(Blitz, Donner und Hagel)\n(die flackrige Nachttischlampe hellt den Bettwin-\nkel; der übrige Raum liegt im Dunkel)\nSie (weint): o! wären wir wir\nEr (unterbricht grob): was wir?!\n(Furchtbarer Schrei, dann jähe Ruhe draußen)\nE r (zuckt und späht, tritt hastig zurück): wir kön-\nnen hier nicht bleiben (streift das Beinkleid über)\n(Wildes Schreien draußen und Wehklagen): Mord!\nMord!\nEr (gehetzt): du! zieh dich an! zieh dich an! wir\nmüssen fort! fort!\nSie (hastet aus dem Bett): du du (zittert an allen\nGliedern): wenn sie wenn sie wenn sie uns hier\nfinden, wenn sie (lehnt erschöpft an die Wand)\nEr (rafft ihre Sachen zusammen und wirft sie\nIhr in den Winkel zu): schnell schnell! keine Zeit\nS i e (faßt willenlos die Kleidungsstücke, schwach)\ndu du ich (beugt schwach den Kopf zurück)\nEr (drängt und zieht den Rock an): bitte bitte ja\nSie: du ich trag ein Kind! ich fühls!\nE r (starrt sie an)\n(Poltern und Geschrei auf der Treppe)\nE r (eilt zur Tür, um zu sperren)\nVolk (drängt in die Tür mit Geheul)\nE r (springt zurück in den Bettwinkel, der durch\nden Trümmerhaufen in natürlicher Weise ver-\nschanzt ist und tritt schützend neben sie)\nSie (am Fenster, die Hände hinter, sich aufge-\nstützt, starrt auf .die Eindringlinge, ganz Ent-\nsetzen)\nArbeiter, Handwerker und Junge Bur-\nschen (in der Tür stutzen und verstummen\nbeim Anblick der beiden, treten dann vorsichtig\nspähend lüstern nacheinander ein)\n(Blitz und Donner)\nDie Masse (streicht lüstern näher): oah! oah!\n©! o! o! nu kieke bloß! in Hemd is se! oaah! ut-\nverschamt! in Hemd! oah!\n(Hände gehren)\n(Einzelne wollen über den Schutthaufen klettern)\nEr (reißt die Schublade des Nachttisches auf und\nhebt die Pistole)\nDurcheinander (stört zurück): nu kiek bloß!\ndä Hund! hei will scheiten! Pulzei! Pulzei! Dä\nHund! dä Hund! runner mit! runner mit! (Vor-\nspringen, Höhnen und Zurückspringen): du! du!\nwir kriegen di! dod mit em! dät Wiv! dät Wiv!\nsin Wiv! sin Wiv!\nHausierer (schleicht rum): i du! nu kucke\ndoch! i! nu! nu kucke doch ein! ik laß mr dod-\nschlagen! ik laß mr dodschlagen! ik laß mr dod-\nschlagen! dät is dem Lumpel sei Weib! dem\nLumpel sei Weib! dem Kaufmann Lumpel sei\nWeib! sei Weib! aus der Bunzeljasse!\nDurcheinander (schreit auf): aus der Bun-\nzeljasse! aus der Bunzeljasse! Lumpel! Lumpel!\nBunzel! Bunzeljasse!\nHausierer (überschreit): jo jo jo! dät is dem\nLumpel sei Weib! ik kenn ihr janz jenau! sei\nWeib!\nSchreien und Vorstürmen (durch den Re-\nvolver in Bann gehalten): Lump! Schuft! Wei-\nber! son Hund! den Lumpel halen, Lumpel!\nLumpel! Lumpel!\nEinzelne (eilen fort): wir halen em! wir halen\nem!\nAuflachen: ik mach em de Freud! ik mach em\nde Freud! Lumpel!\nS i e (droht zu fallen)\nEr Tumfängt sie, in. der Hand die Pistole\nschußbereit)\nAufgeregtes Schreien (traut sich nicht\nheran): Willst du dät Ding runnernehmen! hei\nscheit! hei mürdert! Mord un Dodschlag! des\nLebens nich sicher! Ruff! ruff! Pulzei! Pulzei!\nMänner, Weiber, Kinder, Jungens (stür-\nmen unter Lärm und Geschrei durch die Tür):\nSe bringen em! Se bringen em! se kumme mit\nem! so habn se em gepackt! se hebbn em! (da-\nzwischen lüsterne Ausrufe mit dem Blick auf\nSie) oa! oa! oa! (erschrecktes Zurückweichen,\nsobald die Waffe wahrgenommen wird) o! o!\nrunner! runner!\nZwei Polizisten (führen den Hausknecht ge-\nfesselt herein)\n(Volk und Lärm hinterher)\nHausknecht (dringt wild auf Ihn ein): dät is\ner! dät is er!\nPolizisten (halten ihn): Ruhe! halt!\nMasse (schreit): Halt ihn! halt ihn!\nWachtmeister (tritt ein): Ruhe! Ruhe hier!\n(Verstummen)\nHausknecht (sucht sich wild aufgeregt loszu-\nreißen und auf Ihn zu stürzen): dät ist er! dät is\ner!\nWachtmeister (packt ihn derb ins Genick\nund schüttelt): weris? »\nHausknecht (wild): dä dä dä dä ■ /\nWachtmeister (rüttelt ihn): Hund! Hund! du\nhast den Wirt ermordet (Bewegung in der!\nMasse)\nHausknecht (bäumt auf) Hund Hund Hund!\nJeld Jeld Jeld! Dä had dät Jeld dät Jeld dät Jeld\nMasse (nimmt eine beistimmende Bewegung an)\nWachtmeister (ruhig zu Ihm): nehmen Sie\ndie Waffe runter . '\nEr (senkt die Waffe) . i\nHausknecht (heult wild geschüttelt) ik bün n\nehrlicher Mann! ik hab keen Kind watjedahn!\nkeen Kind! immer jewesen! keen Kind! wat hat\ner wat hat er dät Jeld! runner jeschmissen\nMasse (stimmt zu): wenn einer so mit dät Jeld\numjeht! Jeld! de eigenen Leute schlagen dod!-\ndod! •\nWachtmeister (legt dem Hausknecht derb\ndie Hand auf dem Mund und blickt drohend um)\n(Verstummen)\nWachtmeister (zieht sein Buch raus, schroff)\nwer sind Sie?\nEr (ruhig, ausweichend) ja \"\nWachtmeister (grob): Wer sind Sie?\nE r (schweigt)\nWachtmeister (tritt näher): legen Sie das\nfort!\nE r (schiebt die Waffe hinter sich auf das Fenster-\nbrett)\nWachmeister: zum letzten Mal! ich frage\nSie wer sie sind?\nEr (ruhig): ich reise :\nMasse (bewegt und murmelt)\nWachtmeister (fährt auf): zum Teufel! (be-\nherrscht sich): nun gut! womit reisen Sie?\nworin? wofür?\nE r (schweigt)\nMasse (wird wachsend unruhiger)\nWachtmeister (wütend): wollen Sie jetzt'\nantworten? Wollen Sie? Ist das Ihre Frau?\nEr (kalt scharf): ja\n(Blitz und Donner draußen)\nMasse (in grellem Aufruhr) dät is nich wahr! dät\nis nich wahr! hei lügt! hei lügt! dät is nich sin\nWiv! dät is nich sin Wiv! nich sin, Wiv! sin Wiv!\n(drängt drohend näher)\nWachtmeister (breitet die Arme zurückhal-\ntend)\nEr (nimmt die Waffe wieder in die Hand)\n(Blitz und Donner)\nProfessoren, Beamte, Kaufleute,\nHandwerker (schreien wild durcheinander\nund drängen näher): das is ja mein Weib! mein\nWeib! mein Weib! das ist mein Weib! mein\nWeib! Teufel! Teufel! mein Weib! (die erho-\nbene Pistole stößt die drohenden Fäuste immer\nwieder zurück)\nHausdiener (macht Platz die Arme umschla-\ngend und überbrüllt): seid still! nicht verrückt!\nnich verrückt! nu hört doch! hört doch! dät is\ndem Lumpel sei Weib! dem Kaufmann Lumpel\nsei Weib! aus der Bunzeljasse! ich weiß jenau!\nBunzel! Lumpel! Lumpel! Bunzel!\nWachtmeister: Dirne!\nMasse (greift auf): Dirne! Dirne!\nHausierer (hohnlachend): mit Weiber handelt\ner! mit Weiber reist er! Weiber!\nMasse (greift auf, wild): Weiber stiehlt er! unsre\nWeiber! unsre Weiber!\nSchmied (springt vor): der hat meine Tochter\nverführt! der hat meine Tochter verführt!\nSeine Frau (hält ihn zurück): Josef! Josef!\nSchmied: so sah er aus! so sah er aus! der\nwar et"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.4", "texte": "Sein Freund (zieht ihn zurück): Unsinn!\nSeine Frau (hängt sich an ihn): Josef\nVerschiedene (ziehen und schieben den\nSchmied in die Masse zurück)\nBirne (springt vor, schlägt die Arme in grelles\nLachen): das ist mein Schatz! das is ja mei\nSchatzel! du! Kleiner!! du!\nW achtmeister (stößt sie brutal zurück und\nbraßt durch den Aufruhr): Ruhe\n(Flammender Blitz und unmittelbar täubender\nDonnerschlag)\n(Totenstille im Augenblick, dann kreischen die\nWeiber auf und bekreuzigen sich)\nEinzelne: der macht uns alle verrückt! kein\nMensch weiß wat er is! dä machts Jewidder!\n(aufschwellend): Jewidder! Jewidder! dä is\nschuld! alles schuld! dä Mord! dä Mord!\nHausknecht (greift auf): dä wart! dä wart! dä\nwart! dä hat jemordet! Anstift! ik wull nich! ik\nwull nich! ik wull jo jar nich!\nDurcheinander: dät is der Mörder! Mörder!\nJewidder! Jewidder! unsre Häuser fallen her!\nunsre Häuser in! Ruff! ruff! rin mit em! Rin!\nJefängnis! Jefängnis! Zuchthaus! Schaffot! Schaf-\nfott! Setzt n fest! setzt n fest!\nDie Pistole (spielt im Kreise und hält das\nToben zurück)\nWachtmeister (zieht den Säbel, wutschäu-\nmend): die Waffe runter! ich verhafte Sie! ich\nverhafte Sie! verhafte Sie! Im Namen des Ge-\nsetzes Gesetzes Gesetzes! Aufruhr Aufruhr! Die\nganze Stadt in Aufruhr gebracht!\nG e h e u 1 (stimmt zu)\nRufe (dringen durch): wir saßen in der Kneipe!\nruhig! ich habe meinen Schoppen stehn lassen\nmüssen!\nHausknecht (dazwischen): ik kunn jo niks\nvor! i'k kunn niks vor! ik wull dät nich!\nAlle (dringen auf Ihn vor und fluten zurück):\nMörder! Mörder! Häuserstürzer! Mörder!\nWachtmeister (schlägt blind mit dem Säbel\nnach der Pistole): runter runter!\nHausknecht (ringt los und entflieht)\nDie Polizisten (drängen durch die Masse auf-\ngehalten mühsam nach)\nEine Frauenstimme (gellt langgezogen von\nder Tür und erstarrt den Lärm)\nFeuerschein (flackert durch die Mauerluke)\nWeib: Lot mi dörch! Lot mi dörch! Lot mi dörch!\ndr Lumpel is higeschloge! dr Lumpel! n Schlag!\nn Schlag! higeschloge äs n Sack! dod! dä Lum-\npel is dod! Jrad haddn wir et em seggt! janz\nleise seggt! dor is r (stellt sich wuthaft auf\nsie zu) dei Mann is dod! dei Mann is dod! dei\nMann\nDer Feuerschein (wird heller, Funken\nsprühn)\nS i e (ist bei dem Geschrei des Weibes entsetzt auf-\ngefahren, lächelt dann, legt den Arm um seinen\nHals und verbirgt ihr Gesicht an seiner Brust)\nWeib (außer sich, empört): se lacht! se lacht! se\nlacht! se lacht!\nBewegung: et brennt! et brennt!\nRufe (draußen und an der Tür): Feuer! Feuer!\nder Blitz!\nDie Sturmglocken (setzen ein)\nFeuerhörner und Wagengerassel (drau-\nßen)\nDurcheinander (schreit): Feuer! Feuer! dät\nRathaus brennt! dä Markt brennt! de Straße\nbrennt! alle Ecke brennt! brennen! Feuer!\nFeuer! (Fliehen und Forthasten)\nWachtmeister (eilt fort) das Haus wird um-\nstellt! das Haus wird umstellt!\nWeib: nu kuckt! nu kuckt! se rührt sich nich! ihr\nMann is dod! se rührt sich nich! ihr Mann is\ndod! der Deuvel hat se in de Krallen! Der Deu-\nvel! (weist in plötzlicher Erleuchtung auf Ih n)\ndät is der Deuvel!\nWeiber und Männer (bekreuzigen sich): der\nDeuvel! der Deuvel!\nWeiber (schreien darußen): unsre Kinder! unsre\nKinder!\n(weitere Weiber eilen fort)\nSie (horcht aufatmend, haucht): Kinder!\nEr (faßt sie fester): mein Kind!\nDurcheinander: der hat de Stadt anjezün-\ndet! de Stadt! der Deuvel! Deuvel!\nWeib: den Paster halen! den Paster!\nVerschiedene: nträuchern soll r em! uträu-\nchern! Paster! Paster!\nEinzelne (eilen fort und sto&en auf das Mäd-\nchen)\nMädchen (tritt ein, zwei Kinder im Alter von\nfünf und sechs Jahren an der Hand)\nMädchen (geht verschüchtert vor): du du dein\nMann is tot! deine Kinder\nKinder (blicken neugierig um. drängen fest au\ndas Mädchen und weinen)\nS i 8 (ringt von Ihm und streekt die Arme)\nEr (hält Sie mit aller Kraft): du bist verloren\nKinder (sehen die Mutter und strecken auf-\nschreiend die Arme): Mutter! Mutter!\nSie (von ihm festgehalten strebt mit ausgestreck-\nten Armen auf die Kinder zu)\nEr: bleib bleib! (hält Sie mit äußerster Anstren-\ngung)\nSie (stößt Ihn mit wilden Aufschrei zurück und\ntaumelt ohnmächtig umklammernd zu Füßen\nihrer Kinder)\nE r (steht betäubt und gespannt)\nMädchen (starrt Ihn erschrocken groß an)\nDie Masse (mit Wutgeheul über Sie): do is se!\nhooo! hoa! wir hebben sei so! nu! packt se!\nhe! her mit! (Sie wird hochgerissen): raus!\nraus!\nWeiber (schlagen der Ohnmächtigen ins Ge-\nsicht): Pfui Teuvel! Pfui Teuvel! (Männer drän-\ngen die Weiber zurück): weg da! weg! dät jibt\nn Spaß! n Spaß! n Spaß!\nWeiber: sie is ne Hure! (schreien ihr ins Ge-\nsicht): Hure! Hure!\nMänner: se soll de Weih kriegen! de Weih krie-\ngen! (schleppen, zerren und stoßen Sie zur Tür)\nStadthure! Stadthure werden! Jleich! (treten\nsie roh): hopla! hopla!\nDie Kinder (hängen schreiend an Ihr)\nEr (hat auf sich selbst bedacht dagestanden,\nspringt jetzt mit einem Wutschrei die Pistole\nvon sich schleudernd über die Trümmerbarri-\nkade, reißt mit mächtigem Schwung das Fen-\nsterkreuz hoch und schlägt dazwischen: los! los!\nHunde! Schurken!\nDie Masse (flüchtet in wildem Entsetzen): der\nDeuvel! der Deuvel! der Deuvel!\nDie Kinder (lassen entsetzt die Mutter les und\nflüchten schreiend)\nDas Mädchen (drückt sich fest an die Wand\nneben der Tür und schaut mit großen starren\nAugen auf Ihn)\nE r (stürmt der Masse nach, kommt schwer\natmend zurück, wirft den Rest des zerbrochenen\nFensterkreuzes verächtlich von sich, blickt be-\nsinnend um und beugt sich zu I h r hinab, die in\nder Mitte des Raumes zusammengekauert auf\ndem Fußboden liegt)\nE r (legt die Hand auf Ihr Haar, weich): du du\nE r (will S i e hochheben)\nS i e (springt entwindend hoch, die Handflächen in\nhöchstem Entsetzen gegen Ihn): du du! du du!\nschreit lang auf): ooooo!!! (wild stürmend\nzischend): duf du! der Himmel brennt! du! du!\ndie Mauern stürzen! du!\nDas Mädchen (preßt die Pauste vor den Mund)\nEr (tritt beruhigend auf Sie zw): stark stark!\nSie (weicht vor Ihm zur Tür und klammert am\nTürpfosten zurückschreiend): du hier! -du! du\nhier!\nEr (springt auf Sie zu und faßt Ihr Handgelenk):\nwir fliehen wir fliehen! wir kommen- durch! das\nGetümmel durch!\nS i e (windet unter seinem Griff und ringt außer\nSich): durch! durch! durch! fliehen,! fliehen!\nfliehen! Gott! Teufel! Himmel! Feuer! Men-\nschen! du du du\nEr (hält sie): Ruhig! ruhig! schnell!\nSie (in höchstem Entsetzen): Hure Hure Hure!\nWeib Weib Weib! ich wül! ich will! will ich!\nHure Hure Hure! Nicht dein Weib! nie dein\nWeib! dein Weib! nicht (reißt los und läuft das\nWort langgellend raus): dein Weieieieieib!\nEr (steht, die leeren Hände zur Aufnahme gebrei-\ntet und starrt Ihr nach, wendet dann langsam,\ndas Haupt zerschmettert gesenkt; ballt jäh im\nRuck die Fäuste, knirscht, stampft zu dem Trüm-\nmerhaufen, stößt die Steine mit Fußtritten als\nSpielbälle auseinander, lacht dumpf höhnisch in\ndie Flammennacht, am ganzen Leibe wtitzit-\nternd, heiser bellend)\nEine große Glocke (schlägt an, poltert, gellt\nund erstirbt in gewaltigem Krachen)\n(Lärm, Geschrei, Wehklagen, greller und immer\nnäher greifender Feuerregen): Die Kirche! die\nKirche!\nEr (springt in die Luke, stemmt an die Mauer und\nbrüllt mit Wutkraft hinaus): den Fluß hinein!\nden Fluß hinein! den Fluß in die Straßen! in die\nRinnsteine! in die Gassen! den Fluß hinein! das\nWehr auf! das Wehr auf! zum Teufel! das\nWehr!\nD e r R u 112 (läuft draußen immer weiter fert): das\nWehr! das Wehr! das Wehr!\nEr (brüllt): rechts herum! rechts herum! so! die\nSchleusen! so! so! ja! so! Schafsköpfe! so!\nWeiber und Kinder (jammern): unsre Häuser!\nunsre Häuser!\nEr (brüllt): wir bauen sie auf! bauen sie auf!\nbauen sie aufl\nWirre Rufe (draußen): bauen auf! bauen auf!\naufbauen! aufbauen!\nEr (tritt über die Trümmer zurück und lacht wild,\ndie Arme verschränkt, nickt tmd murmelt hin):\naufbauen! aufbauen! (Gewaltiges Rauschen,\ndraußen, Schäumen und Zischen)\nDas Mädchen (steht fest an die Mauer gepreßt\nin Ihn versunken)\nEr (schaut auf, stöhnt, seufzt und bHckt hilflos um;\nsein Blick schrickt auf das Mädchen)\nDie Augen (beider starren ineinander)\nEr: du? du? wer bist du? wer du?\nDas Mädchen (stammelt verwirrt zitternd): ich\nich\nE r (macht einen Schritt auf Es zu)\nE s (reckt sich höher an die Wand schmiegend)\nEr: was willst du hier?\nE s (steht fest ihn anstarrend)\nEr (vor dem Mädchen, blickt ihm ins Qesicht, er-\nstaunt): bis du nicht? brachtest du nicht?\nE s (ruhig, halblaut): ich bin die Schwester\nEr: Schwester?\nEs: ihre Schwester\nEr: oooooohhü (betrachtet Es, nach einer Weile):\nwas willst du hier? was hast du\nEs (trocken, ohne Tonfall): ich weiß es nicht\nEr: fürchtest du dich nicht?\nE s (schweigt und starrt ihn an)\nEr: fürchtest du dich nicht? (ruhig mit leisem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.5", "texte": "Scott): Himmel Feuer Menschen! ich habe den\nFrevel angestiftet\nEs (ruhig): ich habe Sie erkannt\nEr (spannt hoch)\nEs: Sie Sie . . hast die Kirche gebaut\nE r (starrt und nickt, verschlingt die Arme)\nEs: das Rathaus\nEr (stellt den Fuß vor): das weißt du?\nEs (heißer, lebendiger): die Schule! das Wehr!\nE r (nickt und wiegt den Körper)\nEs (erschöpft, haucht): ich habe erkannt! Sie er-\nkannt!\nEr (tritt noch dichter vor Es hin, weich, zagend):\ndu? du? Schwester?\nE s (zittert)\nEr (ganz dicht vor dem Mädchen, flüstert heiß):\nSchwester?\nE s (zittert und klammert sich mühsam an die\nWand)\nE r (beugt sich über, ohne zu berühren, die Hände\nineinander gefesselt auf dem Rücken): du fürch-\ntest?\nS i e (legt den Kopf zurück und schaut von unten\nin die Augen am ganzen Leibe zitternd)\n(Die Glut draußen dämpft ab, fernes Rufen)\nIhre Augen (hängen ineinander)\nEr (aufatmend): sie war erwacht! deine Schwe-\nster\nS i e (schlägt die Arme breit an die Wand)\nEr (leise, forschend): ja plötzlich aufgewacht\nRauch (verschlingt die Gluten, Zischen Brausen)\n(Das Rufen kommt näher)\nEr: du- wach du auf! du! wache du auf! hörst du!\nwenn . . . du . . erwachst\nS i e (hebt ihn stummend die Hand)\nFrauen und Kinderstimmen (daußen): der\nBaumeister war dät! dät war der Baumeister!\n(Jubelnd): unser Baumeister Baumeister Bau-\nmeister!\nMännerstimmen (fragen, forschen dazwi-\nschen)\nEr (weich suchend klagend): die anderen\nWeiber, Kinder, Männer (rufen auf der\nTreppe): Baumeister! unser Baumeister! unser\nBaumeister!\nSie (schrickt zusammen und stellt sich schützend\nvor Ihn zur Tür)\nE r (tritt zwischen Sie und Tür, lächelnd den Blick\nüber die Schulter zur Tür)\nS i e (faltet die Hände ineinander und flüstert zu\nihm aufblickend): Mann!\nWeib e r und Kinder (stürmen in die Tür): Bau-\nmeist . . (das Wort erstirbt in starrem Schauen)\nEin kleines Glöckchen (schlägt an zum\nMorgengebet)\nDie Weiber und Kinder (kauern die Hände\ngefaltet nieder)\nMänner (starren über ihre Köpfe weg in die Tür,\nnehmen die Mütze ab und stehen stumm in ehr-\nfürchtigem Schweigen)\nE r (streicht Ihr übers Haar und läßt die Hand auf\nIhrem Haupt liegen, weich froh): Weib!\n(die letzte Glut erlischt, es wird ganz dunkel drau-\nßen)\nLeichte Nachschwaden (dampfen durch\ndie Mauerlücke und verdämmern den Raum)\nDer Stern (blitzt hell auf)\nE r und S i e wenden langsam um und schauen eng\naneinander geschmiegt Arm in Arm zu dem\nStern empor)\nEnde\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nWacht\nAus hundert hohlen Augen\nmit verkohlten Lidern\ngrinst das Dorf.\nSteht die Kirche\nunberührt\nund trotzt in die Nacht.\nIch und mein Karabiner sind Wacht\nbei drei Verwundeten und einem Toten.\nAus Strähnen langen Regens\nwebt der Sturm\nmein Kleid.\nVom Turm\nscheu und groß\nwirft die Uhr\nder Nacht\nzwölf Schläge in den Schoß.\nDrinnen stöhnen drei Wunden\nauf Stroh.\nPferde, Laute irgendwo!\nMein Karabiner äugt in die Nacht.\nWir sind Wacht\nbei drei Verwundeten und einem Toten.\n\nNachtfahrt im Flugzeug\nDer letzte Lichtbogen des wegweisenden Flugfelds\nentwindet sich uns.\nDer Eisenvogel,\nfauchend gebeugt dem Hirne des Menschen\nüberschreit mit grauweißem Atem\nalle Laute.\nSterne fließen wie helle Seidenfaden\nüber das dunkle Kleid einer stolzen Frau,\ngeschmückt mit gebogenem Monddiadem.\nKein Atmen der Wälder herauf.\nLichthaft nur\nfühlen die Augen den roten Schrei\nden am Horizont die Weltstadt blutet.\n\nUeberwindung\nImmer leiser\nwird die Last,\nimmer heller\ndie Nacht.\nLetzte Laute\nentfliehen hinab.\nDie Uhr schlägt Morgen.\nNur noch ein Tropfenfall.\nDann Mittagsstille.\n\nNachtlied\nDie letzte Achse des verpaßten Zuges\nkrarrt.\nSignale bluten rote Tropfen.\nNun gibt die Weinblattlaube uns ein Bett.\nSag deiner Laute, sie soll singen\nund ein paar Sterne aus dem Walde holen.\nDie Lautenbänder glühn wie fremde Zweige\nmein Atem muß mit deinen Haaren spielen.\nAnschwellend wird dein Lied\nein Schrei.\nSei still!\nEin Glühwurmpaar\nbrennt nun.\n\nDer Weg\ndurch die Nacht\nRoman\nAage von Kohl\n\nFwtsetzung\n\nNun, dachte er müde, entnervt, gereizt durch\ndie Vorstellung jener drei sinnlosen und nichts be-\ndeutenden Fragen, die er sich eben gerade selbst\ngestellt hatte —: wie war es möglich, daß er es\nüberhaupt fertig bringen mochte! Nicht wahr, die\nAntwort auf jene drei leeren Rätsel lag ja selbst-\nverständlich als die Summe dieser vier Bücher\nverborgen, die er im Laufe dieser zwei Jahre ge-\ndichtet hatte! warum sollte er also jetzt sein Ge-\nhirn zerbrechen, das bleich war vor Mattigkeit,\nseine Sinne, die zu schlaff waren, um sich zu dem\nPunkt aufzuschwingen — von wo her ja allein\nein Ueberschauen möglich ist! Herrgott, ja, die\nUhr war jetzt fast sechs — würde es da nicht weit\nvernünftiger sein, wenn er nun ohne Umstände in\nsei Bett hinauf ginge und bis präzis acht Uhr\nschliefe! Ödere wenn er zu allererst ein Bad\nnähme, eine eiskalte Dusche — das würde ihm\nzweifelsohne gut tun, vielleicht ihm auch Lust zu\nein klein wenig Schlummer hinterher schaffen!\nEr stand einen Augenblick da, im voraus die-\nsen Gedanken genießend — tat dann plötzlich einen\nkurzen Schritt vorwärts, mit belebtem Gesicht —\nDenn er erinnerte sich jetzt auf einmal, ohne\nnoch selbst zu begreifen wie und warum — des\nallerersten Males vor langer Zeit, als er mit vollem\nund klarem Bewußtsein bei sich selber das Vor-\nhandensein dieser wesenstiefen Anschauung fest-\ni r\nstellte —: daß sich ein wunderbares, ein heißes\nund strahlendes, ein verheißungsvolles Geheimnis\nhinter allem verbirgt, was wir hören und sehen,\nhinter allem, was wir tun, hinter allem, was uns\nallen mit einander geschieht!\nEr mochte wohl damals vier- oder fünfunzwan-\nzig Jahre alt sein.\nEs war im Hochsommer.\nSo wie jetzt.\nEr war auf seinem Rad hinausgefahren, radelte\nweit ins Land hinein. Es war ein göttliches Wet-\nter, schneeweiße Wege, auf denen sich der Staub\nhier und da in stiebenden Wolken erhob; so kühl,\nwenn man durch einen Wald glitt. Er hatte seine\nMütze in die Tasche gesteckt und radelte drauf\nlos. Die Sonne bräunte seine Stirn. Er fuhr und\nfuhr, trampelte hart auf den Pedalen den Hügel hin-\nauf, genoß mit Sausen um seine Wangen die flie-\ngende Lust, hinabzurasen.\nDie Felder drehten sich vorüber, ihre großen\nTafeln leuchteten grün und gelb.\nWälder, Wiesen, Hügel, einzelne Gehöfte rechts\noder links mit weißen Giebeln — winzig kleine\nDörfer, wo Enten schnatternd über den Weg wat-\nschelten und Hunde anschlugen. Der ferne, blaue\nHimmel überall, ei, wie war das herrlich!\nAch, er hatte eine Rückfahrkarte für die ganze\nWelt, er war so stark und frei wie nie zuvor, er\nwar ein sonnversengter, ein gelbbrauner Löwe,\nder mit weißen Zähnen auf Raub ausging, alles,\nwas in die Nähe seiner Sinne kam, verschlang er\ngleich und lachte dazu, er verzehrte Stück für\nStück Himmel wie Erde, trank erbarmungslos die\nAtmosphäre auf — seine Seele war so hungrig wie\neine Welt! . , .\nHoch am Tage kam er endlich von neuem wie-\nder an den Strand hinaus.\nJa, gewiß: da draußen stand, schräge\nüber dem blendend weißen Saum der Küste, diese\nmächtige Fläche von Blau — ihre Kühle und ihr\nAroma tief ins Land hineinwerfend-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.6", "texte": "Vlatislav Hofman: Monumentalgebäude (1914) / Linoleumschnitt des Urhebers"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.8", "texte": "Schiffe fuhren darüber hin, Boote tanzten vor-\nbei, die weißen und die roten Segel schimmerten,\nder Rauch der Schornsteine fern da draußen, mein\nGott, siehe mit Gnaden auf mich —: hier ist Meer,\nhier ist Duft von Salz und Tang und Wasser, hier\nwill ich baden!\nGesagt, getan.\nEr stellt das Rad an einen schattigen Abhang.\nTrampelt mit witternden Nasenlöchern an den\nRand des Strandes hinab, reißt durstend die Klei-\nder ab, schweißtriefend ist er — steht nackend,\nlachlustig und empfindlich in der frischen Luft.\nStolziert endlich in das niedrige Wasser hin-\naus, watet tiefer und tiefer hinaus, lacht schau-\ndernd und mit Grimassen dem nassen Element zu,\ndas ihm Schritt für Schritt kitzelnd am Leib hin-\naufwächst; setzt endlich beide Beine an, springt\nhoch in die Luft hinauf, krümmt sich dort zusam-\nmen wie ein Bogen, mit ausgestreckten Armen\n—: auf den Kopf hinunter, bis auf den Grund.\nDas Wasser quillt und gleitet, schimmernd hell-\ngrün ist alles da unten, er rudert ausgelassen da-\nhin, über den feingeriefelten Sand des Bodens,\nsieht sich eifrig nach allen Seiten um, über seinem\nNacken funkelt das Feuer der Sonne, der Luft-\ndruck preßt in seinen Wangen, in seiner Nase, in\nseiner Brust — und er kommt prustend wieder an\ndie Oberfläche hinauf. Er wird immer glückseli-\nger, er zerstiebt und schäumt um sich herum,\nschlägt Purzelbäume, schwimmt weit, weit hinaus\n— auf dem Bauch; wendet sich. schließlich um\nund plätschert langsam wieder ans Ufer, auf dem\nRücke».\nEr läßt sich treiben mit geschlossenen Augen,\nohne eijie Hand zu rühren, wie ein Tagedieb, und\nläßt die Wellen sich weich umwiegen — und er\nmacht sich bleischwer, sinkt in sitzender Stellung\nauf den Boden hinab, erreicht ihn mit einem\nPlumps! Ach, dies seidene Gewand, das niemand\nbisher in der Welt angehabt hat, dieser kühle An-\nzug, der ihm wie angegossen paßt, diese nieder-\nträchtig schöne und kühle und klare Flüssigkeit,\nvon der man nie genug bekommen kann! Ach, wie\nihm dies schmeckt, wie eine eisgekühlte und wür-\nzige Bouillon, so herb und süß und kalt — und\nsiehe, da unten über dem blonden Moire des San-\ndes eilt ein Taschenkrebs seitwärts dahin, er hält\ntose, bohrt sich plötzlich nieder — und ist weg! —\nEr kommt endlich wieder ans Ufer, abgekühlt,\nermattet, wirr vom Lachen; wirft sich auf einen\nFleck Sand hin, so lang er ist, auf den Rücken,\ndie Arme und Beine nach allen Seiten ausge-\nstreckt —:\nJetzt ist es die Sache der Sonne!\nBitte schön, jetzt ist es die Reihe an Ihnen,\nHerr Helios Goldbrand!\nMein Gott, Sie haben ja doch nichts weiter zu\ntun — also greifen Sie nur zu, ich warte gierig!..\nUnd während er nun so daliegt, entsinnt er sich\nplötzlich mit Schadenfreude der Bücher, die er da-\nheim aufgeschlagen auf dem Schreibtisch, in der\ndrückend warmen Stube unter dem Dach, hat lie-\ngen lassen —: Werke über Anatomie, eine höchst\nvorzügliche Wissenschaft, vielleicht noch notwen-\ndiger für einen Dichter, als alle die andern — wenn\nauch gerade heraus gesagt nichts im Vergleich zu\neinem Bad wie dieses hier!\nEr sucht einen Augenblick, sich aller dieser\nlangen oder kurzen Erklärungen zu erinnern (die\nübrigens keineswegs zu viel erklären!), dieser\nteuflichen, lateinischen Namen, die nicht ausein-\nander zu halten sind!\nAber plötzlich sieht er das ganze vor sich statt\ndessen — erlebt seinen eigenen Körper, sozusagen,\nhier auf diesem Fleck —:\nJa, gewiß!\nAlle diese Fibern, die die Fahrt hier hinaus in\nSpannung gebracht hat, die die Kühle des langen\nBades mit froher Laune angefüllt hat; die Münder\nder weit geöffneten Poren, die jetzt, fast hörbar,\nwill es ihm scheinen, mit aller Gewalt, begehrlich,\nmit einem Grinsen des Behagens die Sonnenhitze\neinschlürfen; das Blut, das feurig und erfrischt da\ndrinnen umherrinnt und es so fürchterlich eilig hat!\nDies alles sieht er leibhaftig vor sich, geradeso\nwie die Anotomie es ihm gezeigt hat t—:\nGleich einer unzähligen Heerschar von Zellen,\nin einem wunderbareen und festen System aufge-\nbaut! Milliarden von winzig kleinen, lebenden We-\nsen, weiß, rot, gelb, grau — eine unabsehbare\nMenge von mikroskopischen Damen und Herren,\ndie, jedes für sich, ihr Amt in seinem Körper aus-\nzuführen haben!\nUnd er lacht dann auf einmal, denn er erkennt\njäh, daß er ja also nichts geringeres ist, als eine\nKoralleninsel! oder nein, er ist ganz einfach der\nStaat selbst — dessen ewiges, herumwanderndes\nOriginal, dessen unvergängliches Prinzip, dessen\nMaßstab und Kanon, er selber, von oben bis\nunten! ....\nSein Antlitz ändert sich auf einmal.\nEr springt auf, sieht lodernd um, sein Brust-\nkasten weitet sich gewaltsam —':\nJawohl, sein Körper — das ist eine Welt! Das\nist die gesammelte Existenz von zahllos zahllosen\nUnbekannten, von Milliarden von diminutiven Un-\ntertanen, die, jeder für sich, ihr eigenes, selbstän-\ndiges Leben da drinnen mit seiner Hilfe leben —\naber gleichzeitig müssen sie alle zusammen als\nEntgelt gewisse Frohndienste verrichten ... für\nihn!\nFür . . . Ihn?\nJa, aber, wer ist denn . . . Er?\nSein Körper ist ja nicht er — das sind ja alle\ndie andern?!\nNein, aber der König ist er! Der unsichtbare\nKönig — der nirgends und überall ist!\nEr ist das Gesetz für seinen eigenen Körper! Er\nist jener Ungreifbare selbst, der eines Tages vor\nvielen Jahren anfing, diese vielen, vielen, winzig\nkleinen Wesen zu sammeln, eine bestimmte An-\nzahl von jeder einzelnen Art, sie dazu brachte, daß\nsie wuchsen, daß sie sich vermehrten — daß sie\nein beständig vollkommenerer Ausdruck für sein\neigentliches Selbst wurden! Er ist mit anderen\nWorten —: jenes rätselhafte Bild, nach dessen\nMuster dies Mosaik, das er seinen Körper nennt,\naus unzählig vielen, kleinen Stücken zusammen-\ngesetzt ist! Oder er selbst ist nichts weniger als\nder Blitz — und sein Körper ist die Stange des\nBlitzableiters! Er ist gerade heraus gesagt der\nSchachspieler — die Myriaden seines Fleisches\nund Blutes da drinnen sind die Figuren! Er ist die-\nser eine und einzige, dessen Wesen gar nicht aus-\ngedrückt werden kann, ausgenommen gerade als\nSumme aller dieser andern, gerade in der Form\nkombiniert, die sein Kopf, sein Körper, seine Glie-\nder haben —: mit genau dieser Höhe, dieser\nBreite, mit diesen Schultern, diesem Gesicht, die-\nsen Armen, Hüften, Beinen, Füßen, Zehen, Nägeln\n— mit diesem Blut, diesem Herzen, diesen Lun-\ngen, Milz und Nieren und Gehirn und allem, was\nman nennen kann!\nEr streckt lachend und heftig seine Arme aus,\nrunzelt daruaf die Stirn —:\nAber jetzt zu sterben?\nSterben — was ist denn das?\nSterben, ja, er hat ja immer (obwohl er, der\nTeufel mag wissen, warum, es nie einem andern\ngegenüber erwähnt hat), er hat ja immer gleich-\nsam in sich fühlen können, daß dieser eigentliche\nEr niemals sterben könne . . nein, selbstverständ-\nlich, und nun sieht er es genau —:\nWie sollte er denn auch sterben können nur\nweil alle diese kleinen Geschöpfe, die sein Wesen\neinstmal sich gesammelt hat — auch einmal ihre\nFreiheit zurückerlangen müssen? Ja, weiß er nicht\ngerade von seiner Anantomie her, daß unaufhör-\nlich, Minute für Minute, Tag für Tag, Scharen von\nihnen von ihm fortgejagt werden: bald als ein\nStückchen Haut, das abblättert, bald als ein Haar,\ndas ausfällt, bald durch Schweiß oder seinen Atem;\nin jeder einzigen Sekunde, Tag und Nacht hin-\ndurch, schafft er sie in größeren oder kleineren\nMengen ab, wirft sie ganz einfach von sich und\nläßt sie in Zukunft ihr eigenes, privates Leben\nleben, kennt sie nicht mehr: sie haben ihre Pflicht\ngetan, danke schön, jetzt können sie gehen!\nUnd es ist wohl nicht so ganz wenig auf ein-\nmal, was er in dieser Art von sich abschüttelt —:\nnein, im Laufe von sieben kurzen Jahren ist das\nGanze erneuert, ist alles das Frühere aus dem\nWege geschafft . . . aber starb er denn davon?\nGing er umher und fuhr jedes siebente Jahr gen\nHimmel?? oder wurde Er ein anderer, ein neuer,\nein fremder Mann jedes siebente Jahr?! haha,\nkeineswegs —: oder, sage mir, würden die Blitze\nverschwinden — wenn die Blitzableiter verboten\nwürden? Fällt der Schachspieler ohnmächtig um,\nweil seine Figuren schlecht stehen — oder wird er\ngesund, weil sie gut stehen?! Stirbt er, weil er sie\nmiserabel spielt, weil er aus den für uns alle gel-\ntenden Regeln für die einzelnen Züge und für das\nganze Spiel — niemals etwas anderes erreicht hat,\nals früher oder später matt zu werden? oder lebt\ner vielleicht ewig, weil er ein Meister darin ist,\ndie Königin und den Springer und den Bauern zu\ngebrauchen; weil er zu jeder Zeit vollkommen\nnicht nur die Eigenschaften und Stellungen seiner\neigenen Figuren -— sondern auch die Fehler des\nGegners zu benutzen weiß? weil er wieder und\nwieder den besiegt, gegen den erkämpft?!\nNein!\nSicher nicht!\nAber wie geht es denn zu — dies alles . . .\nEr machte eine heftige Bewegung mit den Ar-\nmen, stand nackend, wild vor Grübeln, da im\nSande, die Sonne spielte auf seiner Haut, in seinen\nAugen.\nEr lachte, er runzelte seine Brauen, er jam-\nmerte gequält darüber, nicht verstehen zu können\nund plötzlich stieg aus seinem Herzen zum Him-\nmel empor ein Flammen von Wonne, er begriff\nsich auf einmal selbst so tief und gut wie nie zu-\nvor . . . und er wußte jäh, warum er immer dun-\nkel gefühlt hatte: daß es nichts Besseres in der\nWelt gab, als geboren zu werden! nichts Schöne-\nres, als mühselig Tag für Tag, Jahr für Jahr zu\nkämpfen! und nichts Seligeres, als sich schließlich\neinmal zu ergeben und zu sterben! Ja, denn\nGeburt wie Leben und Tod, das alles bedeutet\nia nur ein und dasselbe, dieses Eine und\nGöttliche —: wieder und wieder das alte Gewand\nabzustreifen, das nicht mehr passen konnte, das\nunter unserem Wuchs zersprengt wurde! leicht-\nfüßig und kampflustig Jahr für Jahr dahin zu wan-\ndern. aufwärts, eine Jakobsleiter mit unzählig vie-\nlen Stufen hinauf! Ei zu sein, um Larve werden\nzu können — und Puppe, um endlich, in seiner\nvollen Gestalt eines ewigen, strahlenden Wesens,\nmit leuchtenden Purpurfarben in Rot und in Blau,\ndie Weite seiner mächtigen Flügel zu öffnen und\nglückberauscht zu der schönen, der goldenen\nSonne empor zu tanzen!\nGlaß Morton lacht kurz und heiß.\nEr stand dort im Zimmer, warm von seiner Er-\ninnerung, mit weit geöffneten Augen dem Schim-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.9", "texte": "mer der Morgensonne entgegen, der taghell von\ndem lichten Himmel herabfiel — und von dem\nweißen Wege da draußen, von dem Laubgehänge\nder grünen Bäume, von den kuppeiförmigen\nBüschen zurückgeworfen wurde! Er genoß in allen\nFibern noch einmal, wie in einer einzigen Summe,\ndas Glück seines ganzen, Lebens — und lachte leise\nda£u.\nAltes, restlos alles, Annie und seine Ar-\nbeit, sein Leben in den vielen tausend Tagen,\ngenoß er vollauf in dem schwindelnden Nu — und\nlachte während dessen, mit hintenübergebeiigtem\nHals, mit strahlenden Augen —:\nHafraha!\nMein Leben, von meiner ersten Stunde bis zu\nmeiner letzte»!\nDie rätselhafte Wonne, die beständig aus ver-\nborgene« Quellen da drinnen geströmt ist!\nAch, die Freude über alles, was jedem einzel-\nnen Sinn begegnete, was meinem Gehirn und mei-\n-netn Herzen Nahrung gab!\nDas Siegesbewußtsein, mystisch entsprungen\naus einem eksiatiseben Ahnen davon, daß alles\ndas, was uns geschieht — ein Geschenk ist! daß\nalles, was zu uns kommt, ein Reichtum ist!!\nGlück, das ist ein Geschenk, das mit einem\nLächein kommt — Unglück ein Ueberfluß, der mit\nTränen kommt! Geburt ein Bad in Licht und der\nTod ein Bad in einem beschwichtigenden, Dunkel\n— blitzschnelle Wandlungen, die alle miteinander\nnur ein einziges Ziel haben: daß unser unsicht-\nbares Selbst gedeihen soll, daß wir nach allen Sei-\nten hin sprossen und wachsen sollen! daß unser\nIch, tief und wach und rund, steh mannigfach ent-\nfalten soll — als eine Blume, als ein Baum mit\nStamm und Krone, als ein wunderbarer, ein rie-\nsengroßer Wald!\nJa. ja, wie Kinder sind wir r— wie die unschul-\ndigen Kleinen, die spielend die Stunden des Tages\neinfangen und unaufhörlich dadurch wachsen!\nWie die Knaben und Mädchen sind wir — die\nerwachen und lachen, die essen und lachen, die\nweinen und lachen, die zur Abendzeit einschlum-\nmern, während sie lachen — und unaufhörlich,\nmühelos von dem allen wachsen!\nMein Gott, was ist das doch für eine häßliche\nSeuche, was ist das doch für eine lächerliche, eine\nfurchtgeborene Blindheit, was ist es für eine un-\nsagbare und lebensfeige Torheit, die uns dennoch\ndazu bringen kann, zuweilen zu glauben, daß wir\netwas ganz anderes sind! daß sich für uns die\nKurve abwärts biegt — obwohl sie doch bestän-\ndig aufwärts zeigt für die Kleinen mit ihren zarten,\nungeübten Kräften! daß für uns alles zum Tode\nführt — während dasselbe für diese Zarten und\nVerteidigungslosen, für diese, denen alle Erfahrung\nfehlt, Leben bringt! . . .\nAch Gott!\nJa! —:\nIn allen seinen Fibern, in jeder einzigen — da\nsaß urtief und brennend diese starke und freudige\nGewißheit!\nDa saß die treibende Kraft, von der aus er alle\nseine Worte geschrieben hatte —: Das Leben ist\nGlück — und die Kunst ist Glück! Das Leben und\ndie Kunst sind ein und dasselbe!\nAch, aus seinem Gehör und Gesicht, seinem\nGeruch und Geschmack, die scharf wie Messer bis\nin das Mark alles dessen, was um ihn her geschah\neindrangen; aus seinem Gehirn, das so heftig wie\nSchüsse in den Kern des Daseins hineinschlug, in\njeden Punkt, auf den er zielte; aus seinem Herzen,\ndas mit jedem einzelnen Pulsschlag sich wie in\neiner Explosion weit aufsprengte für alles, was ihm\nnahe kam —: aus seinem ganzen Wesen, das\ndurch seinen unauslöschlichen Brand ihn ununter-\nbrochen da drinnen leben ließ, woher alles Wissen\nkommt, wo die Liebe und die Weisheit wohnen\n—: da heraus stammten auch seine Bücher, jedes\neinzelne, wie Schauer aus Blank und Rot ent-\nsprungen,! wie der Fluß von Jubel und von\nSchmerz — wie der wilde Strom aus dem blenden-\nden Gold des Lebens selber in Wonne und auch\nin Qual!\nJa, mit so geschärften Sinnen, wie sie die an-\ndern nur besaßen, wenn sie sich in dem äußersten\nNu der Todesangst oder der Liebesekstase befan-\nden; mit Muskeln wie bei dem Mutigen in der Se-\nkunde, wo er seine Tat ausübt; mit einem Gedan-\nkeven/so gewaltig und weit, wie bei denen, die uns\nall ihr ewiges Wissen von Wahrheit geschenkt\nhaben; mit Gefühlen wie die der Mutter, die in\nmeilen weiter Entfernung geheimnisvoll den Tod\nihres einzigen Kindes erfährt , . . so war er be-\nstrebt gewesen, seine Kunst zu schreiben! sie zu\nvermögen, sich übermächtig zu erheben, mit einer\nglotzenden Finsternis und mit einem schwindeln-\nden Licht, mit götterschönen Antlitzen von Zärt-\nlichkeit und von Haß — sie zu vermögen, sich\nlächelnd und riesenhaft zu erheben und einem\njeden zuzurufen :\nAlles, was ich hier erzähle, das ist dein Leben!\nSiebe, dieser Held, das bist in Wirklichkeit du\n— wenn auch dein Auge es selbst nicht wußte!\nSiehe, dieser lachende und fröhliche Märtyrer\nauf dem Scheiterhaufen, das bist im tiefsten In-\nnern du — wenn auch dein eigenes Herz es bis-\nher nicht völlig begriffen hat!\nSiehe, dies Antlitz eines Gottes, einer Göttin,\nder Hölle und des Himmels in einem —: das alles\nbist im tiefsten Innern du, das seid ihr — wann\nauch eure Gedanken bisher nicht wagten, es völlig\nzu fassen! das sind du und ich und wir alle zu-\nsammen, wir Brüder und Schwestern, wir hellen\nund dunklen Geschwister — deren Bahn bestän-\ndig nach dem Zenit hinaufweist!\nAnnie! ,■ ■J *\nDu Geliebte, ja!\nAnnie, du Königin von uns allen, ach wurdest\ndu zu mir geführt in dem, was wir Liebe nennen:\ndamit du und ich rätselhaft, ahnbar nur für das\nunaussprechlichst Verborgene in uns beiden —\ndamit wir zwei, durch restlos alles, was in unserem\nZusammenleben geschah, durch die Süße, die mit\nihrem Brand zwischen uns beiden strömte, durch\ndie Kraft, die wir einander lachend Tag für Tag\nschenkten, durch das verzehrende und strahlende\nFeuer in unserer Zärtlichkeit Jahr für Jahr —\nrauschartig vollbringen konnten, emporzusteigen\nzu den fernen, Zielen, die sich unsere Seelen ge-\nsetzt hatten . . . und die auf eigene Hand zu errei-\nchen, sie nicht die Kraft besaßen!\nAnnie, Angebetete, du Schmerzensteuerste von\nallen, mein Weib und meine Mutter, wußte ich\ndenn schon jenes allererste Mal, aus dem stolzen\nund sanften Blitz deiner Augen —: wie du hoch,\nmeilenhoch über uns allen standest! daß du eines\nTages unter grauenhaftem Weh von mir gerissen\nwerden solltest — weil du erreicht hattest, was du\nwolltest . . . und weÜ ich. im Kampf mit der gräß-\nlichen Finsternis, in der du mich zurückließest,\nversuchen sollte, hinterher zu beweisen, daß ich\ndeiner doch vielleicht einmal trotz allem würdig\nwerden könnte!\nAnnie, Meine, und rufest du mich jetzt — weil\nich gehalten habe, was du wünschtest! weil ich\nden Sieg über die Finsternis errang — an der\nmeine Kraft erprobt werden sollte!\nWeil der Becher meiner Erkenntnis gefüllt ist,\nweil die Zeit für meine Ruhe gekommen ist —\nnicht in dem dunklen Schoß der Erde, wo die an-\ndern glauben, daß du bist! nicht in dem kohl-\nschwarzen Schoß der Trauer, von dem ich so oft\nträumte, and nach dem ich mich in den Stunden\nmetner Schwäche sehnte! Sondern in des Lebens\nmächtigem, in des Allebens seligem, In unseres\nwahren, ungeborenen unsterblichen Seins süßem\nund großem und unbegreiflich fruchtbarem Schoßt\nDa, an jener sonnigen Küste — weher wir uns\nalle, jedesmal wenn wir uns von neuem wieder in\nFleisch kleiden, in stets Schimmernderem Glanz,\nmit Jubel aufschwingen -— und wohin wir mit dur-\nstendem Sehnen bereichert zurückkehren! stei-\ngend, immer siegend, Tag für Tag schmerzüber-\nwindend und wonneseblürfend — aufwärts, immer\naufwärts, empor zu einer Klar h eil und Höhe, von\nder wir noch gar nichts wissen! . . .\nEr hatte seine beiden Arme ausgestreckt.\nHinter seinen Augen brannte es bitter — und\ndrängte.\nAus seinem Herzen stieg schaudernd seine\nQual und seine Lust, sein Glück-Unglück in Einem.\nUnd da wußte er jählings, was es war — wo-\nrauf er im innersten Innern eben gewartet, wonach\ner eben geforscht hatte, was er eben nicht hatte\nfinden können —: Ihn! ihn von da drüben, dieses\nfremde und tötende Wesen! den Morder, der sich\nzwei lange Jahre verborgen gehalten hatte, mitten\ndrin, hinter der unabsehbaren Menge von Men-\nschen — aber der sich vor ein paar Stunden aus\nder Finsternis aufgerichtet hatte und ihm sichtbar\ngeworden war —:\nKa r 1 Mumm e! . . .\nEr fuhr zusammen wie unter einem Schlag —\nmit einem Stöhnen, mit einem Stich quer durch die\nBrust\nUnd gleich darauf runzelte er seine Brauen, er-\nhob seine Hand, die Fläche nach außen gekehrt,\nversuchte, diesen Namen von sich fortzuschie-\nben —:\nGeh, ich will nicht hören, ich habe nichts mit\ndir zu tun, ich kannte dich niemals, von weit her\nkreuztest du unsere Wege — ohne jemals zuvor\ngewußt zu haben, daß wir existierten!\nDu warst, so wie wir andern, ein willenloses\nWerkzeug für jenes innerste Ich in dir selbst —\ngeh, habe ich zwei Jahre lang leben können, ohne\ndas geringste von dir zu wissen, was soll ich dann\njetzt mit dir — an dem letzten Tag!\nIch habe nicht und abermals nichts mit dir zu\nschaffen, es ist längst bestimmt, daß ich dich nie-\nmals sehen will! . . ..\nEr richtete starr seinen Nacken auf, lachte\nstreng und heiß —:\nFort!\nIch kenne dich nicht!\nDu bist vollkommen ausgelöscht aus meinem\nLeben!\nDu warst nur die Hand, die aus der Finsternis\nauftauchte — um, durch einen entsetzlichen Au-\ngenblick hindurch, dich selbst und sie und mich\nzum Licht zu führen — auf den Wegen, die nun\neinmal die unseren waren! . . .\nAber noch in demselben Moment, wo diese Ge-\ndanken, in diese knappen Worte gestaltet, ihm be-\nwußt wurden — da erschienen sie ihm nicht nur\nunausstehlich brutal, sondern auch feig!\nBlitzschnell, als habe ein unsichtbarer Riese\nalles auf den Kopf gestellt — so dünkte es ihm jäh,\nals sei das, was er eben gedacht hatte, als sei\njedes einzelne Wort von dem allen, als sei sogar\njeder Satz, den er in seinen sämtlichen Jahren ge-\nschrieben hatte, als sei ausnahmslos sein ganzes\nDasein auf einer Lüge aufgebaut! auf Schwäche,\nauf Furcht — auf einem häßlichen, einem unwür-\ndigen und ungeheuren Entsetzen . , . diavor, zu\nsterben!\nJa!"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.10", "texte": "Da lag die Erklärung von dem ganzen!\nDa hatte er die einfache, furchtbare Lösung des\nRätsels —\nGedacht, das hatte er nie.-— nur leer gegrübelt,\num die Angst vor dem Leben und dem Tode von\nsich zu verscheuchen! gedichtet hatte er ebenso-\nwenig nur gekritzelt und gegriffelt, um sein\nmaßloses, endloses Grauen zu übertäuben! geliebt\nhatte er keineswegs — nur sich begehrlich an sie\nangeklammert, so lange sie bei ihm war —nur sie\nschonungslos noch weiter fortgestoßen von der\nSekunde an, wo sie ihm genommen war!\nGerade!\nGerade das!\nGrade so — und nicht, in keinem Punkt anders,\nwar also sein Leben von Anfang bis zu Ende ge-\nwesen! ' • ' '\nAch Gott, er hatte über alle die andern trium-\nphiert — und war selbst tausendmal gemeiner ge-\nwesen als irgendeiner von ihnen!\nEr hatte Sie wieder und wieder betrogen und\nim Stich gelassen — sie, die jeden Tropfen gab, ja,\nja, die wahrlich einen jeden Tropfen ihres Blutes\nfür ihn gegeben hatte!\nUnd nun, nun heute, wo dieser fremde Doktor,\nwo dieser Professor vor einigen Stunden zu ihm\ngekommen war, und mysteriös, ohne selbst das\nGeringste davon zu ahnen — zu ihm gekommen\nwar, wie ein Abgesandter aus dem großen, aus\ndem starken Leben da draußen und ihm zugeflü-\nstert hatte: Nun haben wir ihn endlich gefangen!\nNun sitzt er da drinnen und wartet in Ketten —\ndamit du dein Vergehen wieder gut machen\nkannst, was du Annie noch immer schuldest! da-\nmit deine Hand ihre Kehle zum erstenmal in die-\nsen beiden langen Jahren befreien kann — indem\ndu mit Riesenkraft, mit einem Rache-Griff, die\nseine umklammerst!\nGenau so — ja, aber von demselben Augen-\nblick an, wo diese lichte, diese sehnsuchtsvoll er-\nwartete und frohe Botschaft mit ihrer Forderung\nzu ihm gekommen war . . . von da an hatte er nicht\ndas Geringste weiter vorgenommen, als sich be-\nmütfit, es von sich zu schieben — der Feigling, der\ner war! ach Gott, aber jetzt sollte es ein Ende\nhaben! jetzt wollte er zum ersten- und letztenmal\nin seinen Jahren den Mut und die Kräfte sammeln,\ndie doch im innersten Innern auch wohl in ihm\nwohnen mußten! jetzt wollte er, in ganz wenig\nStunden, mit aufrechtem und blitzendem Sinn, zum\nerstenmal mit aufrechtem und blitzendem Sinn,\nzum erstenmal mit rechtmäßigem Frieden in sei-\nnem Herzen, den gnadenlosen Racheakt vollziehen\n—: Auge um Auge und Zahn um Zahn widerver-\ngelten, was er noch nicht bezahlt hatte! die Rech-\nnung mit Feuer und Blut abschließen, deren Rich-\ntigkeit anzuerkennen, seine Feigheit ihn bisher ver-\nhindert hatte! ....\n\nFortsetzung folgt\n\nÖsterreichische Prosa\n\nDie bisher — aus Scheingründen — repräsen-\ntativ standen für die epische Prosa Deutsch-Oe-\nsterreichs: Die Schnitzler und Bartsch haben lei-\nder nachgelassen oder wurden erkannt, agnosziert\nHier sei die Rede von einigen weniger bekannten\nAutoren, die im Guten wie im Bösen, mit und ohne\nAllüren ihr Land in interessanterer Weise vertre-\nten, stilvoll oder lediglich hart zugreifend Pro-\nbleme gestaltend erörtern und über sie hinweo-\nschreitend viel Geistigkeit exakt versinnlichen.\nMan muß dem jungen Dichter Ernst W.e i ß\nmehr als ein Wohlverhaltenszeugnis ausstellen, er\nhilft, die literarische Ehre der. Stadt Wien retten,\ndie schon seit langem nur wenig bemerkenswerte\nProsa Jüngerer hervorgebracht hat. Seine (von S.\nFischer ans Land gezogene) . „Galeere\" ist\nein Roman, den ein Oberflächlicher „Der\nRöntgenstrahlen und der Liebe Wellen\" nennen\nkönnte,, in dem ein Sentimentaler vor allem von\nden Röntgenstrahlen gerächte Grausamkeiten eines\nForscher- und Männerherzens zu sehen vermöchte.\n— ohne damit dem eigentlichen Konflikt und\nThema dieser zwingend vollendeten Erzählung\nirgendwie näher zu kommen. Eine neue und gute\nepische Dichtung muß notwendigerweise mehr\nsein als die säuberliche Erledigung eines Spezial-\nfalles. Wenn ich sagte: Herr Doktor Erik Gylden-\ndal, Röntgenstrahlenbeobachter, Privatdozent und\nHeld des Weißschen Romanes, wird mit Leib und\nSeele aufgefressen von seinem Beruf, gäbe ich nur\nscheinbar den äußerlichen „Inhalt\" des meister-\nlichen Buches an. Gewiß: auch an Erik Gyldendal\nwird sichtbar die fürchterliche Zweischneidigkeit\njeder Tätigkeit. Er legte, sich eine Wissenschaft\nbei, legte sich in sie, sie stärkte ihn, gab ihm das\nRückgrat, das den Erfolg schafft — aber sie war\nauch ein Speer, der Wunden heilte, um sie dann\ndesto tiefer zu schlagen.\nJedenfalls ist „Die Galeere\" mehr, viel, viel\nmehr als ein landläufiger, süßholzraspelnder •\nJungwienerroman, es ist ein modernes Buch von\nMannestod und Liebe; sein Held gibt sich in einer\nso sonderbar klar fiebernden Dumpfheit der Liebe\nund dem Tode hin, daß diese dämonische Schick-\nsalsgebundenheit in ihrer antiken und doch neu\nbelebten Größe und schauerlichen Schönheit auf\njeden Empfindungsfähigen nur in hohem Sinne\ntragisch wirken kann.\nErik Gyldendal lebt, oft sich aufbäumend und\ndoch fatalistisch, mit großer Anfangsgeschwindig-\nkeit (und schließlich der ergebenen Frömmigkeit\nder Todesschwäche) arbeitsam dahin unter der\nPeitsche der Urkräfte, er könnte, wie wenige, mit\ndem griechischen Tragiker von sich bekennen:\ndvoiv ävaxeijuai fieoig ' igcort xai ftavatco/ Nur\ndaß er, von seinem Ehrgeiz gehetzt wie ein\nGaleerensträfling, gerne außerdem und vor allem\nauch noch die Zeit, den Tod durchbrechen, mit sei-\nnen Forscherarbeiten in die Ewigkeit eindringen,\ndem Leben egoistisch nur ein Minimum zedieren\nmöchte.\nAber Ernst Weiß, sein Schöpfer, ein Moralist\nwie alle großen Künstler, läßt ihm das nicht an-\ngehen, hält den egozentrischen Herrn Gyldendal\ngerechtermaßen, was den Lebensfaden anlangt,\nkurz: Der Dozent zerschellt zur Strafe für seine\nsadistischen Komponenten . . . Ueber die Fabel des\nRomans möchte ich nicht mehr angeben, er ver-\ndient keinen exzerpierenden Hinweis, sondern jene\ngenaue, wiederholte und bewundernde Lektüre,\nauf die sich die Leserschaft Deutschlands sonst\nnur dann und zwar automatisch einstellt, wenn sie\nsich durch einen anerkannten Namen zur Ergriffen-\nheit verpflichtet fühlt. Nur soviel sei noch ausge-\nsagt: Ernst Weiß gibt bei der das Innerste und\nAeußerste bloßlegenden Schilderung der Eltern\nund Geliebten Gyldendals mehr an gestaltender\nLeidenschaft aus, als sonstwer in Deutschland —\nHeinrich Mann vielleicht ausgenommen — zu ver-\ngeben hat! . . . Und hinter dem impulsiven Men-\nschenkneter steht ein mit ärztlicher Exaktheit ar-\nbeitender Psychologe. Und außerdem ist Stil,\nLyrik, Poesie in diesem dichterisch geschwunge-\nnen Buche ... Da gibt es kernweiche Stimmungen\nund tadellos vergiftete Dissonanzen. Nicht fehlt die\nverstehende und gütig alles wissende\nkeit eines Denkers und — die Temperamentfülle\ndes Weltverbesseres, der — beispielsweise\ngegen den Mißbrauch der als Allheilmittet betrach-\nteten Erotik wettert. Man lese dieses musikalische,\nnaturnahe Buch eines Städters. Es ist kein halbes\nVersprechen, kein Erstling im gewöhnlichen Sinn,\nsondern eine Erfüllung, wie sie selten gelang!\nfet Ernst Weiß ein moderner Wiener Epiker,\nder vielleicht ohne Balzac, Flaubert, Zola, Maupas-\nsant, Schnitzler denkbar, aber diesen Dichtern ge-\nwiß wie jeder heutige Erzähler irgendwie verpflich-\ntet ist, so wahrt Otto Stoessl die historische\nEntwicklung und Kontinuität nach einer österrei-\nchischeren Richtung hin; in ihm ist das Behagen\nam säuberlichen Detail des reinsten und echtesten\ndeutschösterreichischen Prosaikers: Adalbert Stif-\nter, in ihm kräuselt sich anmutig die Lust am\nAbenteuerlichen des austroamerikanischen Fabu-\nlierers Charles Sealsfield, in ihm waltet die gar\nnicht dörperhafte Zuneigung Ludwig A,nzengru-\nbers zu allem Ländlich-sittlich-idyllischen. Nicht\ndaß diese „Bestandteile\" in Otto Stoessls neuester\n(von Georg Müller edierter) Erzählung „W a s\nnützen mir die schönen Schuhe\" er-\nweislich, ja auch nur ahnbar wären! Im\nGegenteil: Stoessl ist kein Epigone und mit\nallerlei Einflüssen erblich Belasteter. Aber,\nwer einen Bücherkasten hat, kann Stoessls\nWerke nicht gut anderwärts einordnen als\nzwischen den Bänden besagter Erzählkünstler\nDanubiens .... Schon das Proömium übt eine\naußerordentlich beruhigende Wirkung auf den\nLeser . . . Alle Bücher Stoessls haben eine Neigung\nzum Schelmenroman, schmackhaft und herzhaft\nwie sie sind, wären sie das beste Gegengewicht\ngegen die beliebte Wiener Raunzerei und die er-\nstickende Melancholie, die den Stilübungen jünge-\nrer Schwarzgelbseher entsteigen muß. Seine lie-\nben Gestalten haben einen angenehmen Stich ins\nSchnurrige, er bietet Epik an sich, ohne „Pro-\nbleme\" und aufreizend kuriose Vorgänge, ist unter-\nhaltlich innerhalb des Literarischen, der' Form-\nkunst. Diesmal — wohl zwischen den Schlachten\n— liefert er ein ergötzliches Zwischenspiel, in dem\ndie Episodenranken, ohne zu überwuchern, das In-\nteressanteste, Amüsant-Lustigste sind. Da ist die\nverdammt fragwürdige „Wittib\" Tora Obweger,\nund allerhand männliche Tugend, die an ihr vor-\nübergeht, entweder die „Gefehlte\", ein noch nor-\nmaleres Weib heiratet, oder, ohne den letzten festen\nGriff zu besitzen, sich irgend einem Tabakhandel\nergibt. Zuletzt kommt natürlich die bürgerliche\nEhrbarkeit in Gestalt eines Herrn Mathematikoro-\nfessors, der den Springinsfeld Tora in Schwarz\nkleidet, und sie als aber schon sehr angetraute Ehe-\ngattin heimführt. Doch wie hinreißend lustig —\nmit strengen Perspektiven zwar ab und zu ge-\nschmückt und ernsten Ausblicken ins unabänder-\nliche Leben — diese muntere, schlichte Geschichte\nerzählt ist! Ich halte Stoessl. unerachtet seiner\nscheinbaren, nämlich gespielten Trockenheit für\nden stärksten und feinsten Humoristen unter den\nDeutschen von heute.\nAuch ein sehr starker Humorist, aber ein un-\nfreiwilliger, ist der immerhin talentdotierte\nHermann Graedener, dessen (bei Rütten\nund Loening sichtbar gewordener) Roman\n„U t z Urbac h\" ein „Bauernkrieg-Fries\" sein\nsoll. Graedener stammt nicht aus der Walzer-\nzentrale Wien, sondern — er interpretiert\nhalt die Weanastadt anders — aus dem\ngleichnamigen Tummelplatz der starken Män-\nner und weltmeisterlichen Schwergewichtsathle-\nten. Ergo zeigt er seine „Muschkeln\". Sein Roman\nsieht so aus, als hätte der Sohn eines reichen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.11", "texte": "Fieischhackers aus den „enteren Gründen\" Wiens\neinen blutrünstigen Stoff verwurstet. Nichtsdesto-\nweniger ist der Verfasser wahrscheinlich ein zart-\nbesockter Aesthet, der seine innere Unkraft durch\nexhibitionistische Kraftmeierei, den Mund voll neh-\nmendes Auftrumpfen, unerhörten Fleisch- und Blut-\nkonsum sowie Menschenmassierung zu überkom-\nkompensieren trachtet. Mit einem pseudoarchai-\nschen, vermutlich via Schönherr, Handel-Mazetti\nbezogenen Kraftdeutsch versucht Graedener in die\nLiteratur einzumarschieren. Hermann Graedener\n— den ich vonnunan Irmin Graedenariro zu\nnennen vorschlage — gebärdet sich ledig-\nlich urgermanisch dahinschlegelnd, teutobür-\ngerlich. Jemand versucht, exotische Dinge\nzu tanzen, der vielleicht kaum normal gehen kann!\nBegabung ist sicher vorhanden, in Hülle und Fülle,\naber outriert, maniriert, und alle wahre Geradheit\nunter einem schweißvollen Turner-Deutsch und\nbäurischen Kraftwortschwall verkümmert. Auch\nsoziales Empfinden, das humane Mitgefühl des\nDichters ist da. Doch warum konzentrierte es sich\nzeitlich rückwärts, ließ sich dekorativ ansprechen\nvon verjährter Bauernunterdrückung, und nicht\nvon der Lebensqual des heutigen letzten Standes?\nOder fehlte Graedenern — pardon: Irmin Graede-\nnariro — bei unseren Arbeitern noch die effekt-\nvolle Explosion, die große auch von Histori-\nkern bemerkbare Revolution, die es den Lieb-\nilabern roter Farbflecke und schriller Plakate an-\ntut?!\nMögen immerhin die Schätzer unehrlicher,\nrenovierter Butzenscheibenpoesie heute schon ihr\njubelndes: „Hojotoho! Graedenariro!\" anstimmen,\nich will dennoch ruhig zuwarten, und unter der\nBedingung, daß dieser Dichter nicht wieder gegen\nalle Hoffnung den kraftqualmenden Dürrkopf spielt,\nerkläre ich mich gern bereit, auch seinen nächsten\nRoman zu lesen — was sonst zum Quadrat erho-\nbene Tantalusqual wäre . . .\nRichard Schaukai ließ (bei Georg\nMüller) den hübschen Titel „Die Märchen\nvon Hans Bürgers Kindheit\" erscheinen\n— hinter dem kein Werk steht. Und doch\nwäre er der Inbegriff von Otto Stoessl,\nErnst Weiß, Hermann Graedener. Er ist der\nTalentvollste und Genieloseste unter den Ge-\nnannten, könnte jeden dieser drei Dichter stili-\nstisch nachäffen. Selbst hat er — ein anderer Hof-\nmannsthal — keinen eigenen Stil, existiert an sich\nebensowenig wie dieser vormals geschätzte, in-\nkonstante Neolibrettist. Er ist, mit Aristoteles zu\nsprechen: das Nichtseiende, das nicht gedacht wer-\nden kann. Wenn sich dennoch so häufig etwas\nSchaukaliges nach außen projiziert, ist das keines-\nwegs seine Schuld; er wird eben hier und da von\nanderen, weit größeren Schriftstellern gestaltet,\nund die Nachwirkungen und Nachwehen solcher\nplastischen Lektüre erscheinen von Zeit zu Zeit in\nBuchform. Das heißt, der Drucker liefert einen\nausgezeichneten Druck und das Papier „spenden\"\ndiesem traurigsten Schicksal ausgesetzte Waldbe-\nstände: es ist wahrhaft tragisch, daß um eines so\npapierenen Literaten willen Holzhauer, Baum-\nmörder, Halbgöttinnen, Dryaden, ins Fleisch schnei-\nden! — Den von Richard Schaukai signierten Text\nStellt bereitwilligst die Weltliteratur bei. Wir haben\nes in diesem Brünner Dichter nämlich mit einer\nArt literarischem Tierstimmenimitator zu tun,\neinem routinierten Fregoli und Verwandlungs-\nkünstler. Der Starter des „Herrnvonßalthes-\ns e r\" ist betrüblicher Weise ein stilistischer Dandy\nund leider Gottes kein Dilettant! Ehrliche Unbega-\nbung wäre diesem verschnörkelten Alles- und in-\nfolgedessen Nichtskönner vorzuziehen. Denn es\ndauert verdammt lange, ehe selbst ein kritischer\nGeist ahnt, daß er einem Mineral aufgesessen ist,\ndas zwar keinere reinen Kristallisation fähig: ist,\naber sklavisch und slavisch polymorph, in erstaun-\nlicher Methode jedem schönen Eindruck hinge-\ngeben, zu jeder fremden Gestaltung zu ver-\nhalten ist. Ob er nun Gedichte schreibt, von\nHeine, Verlaine, fleredia Verse abschöpft.\nE. T. A. Hoffmann parasitär umrankt, oder\n— in seinem besten Buch, dem „E ro s\nThanatos\" — kleistisch blendet, immer bleibt\ndem Lektor die ahnungsvolle Frage und der Ge-\nschmack auf den Lippen: „Sapperment! Woher be-\nzieht denn jetzt Schaukai seinen Stil?\" Diesmal\nantwortet der „Autor\": „Ich gehe heuer nach\nEichendorff aufs Land.\" Er macht nunmehr aus-\nschließlich in Einfachheit, Primitivität, sein momen-\ntanes Stilsurrogat ist als ein treffliches Biederge-\nmeier anzusprechen. Er ist dermalen von Stifter,\nEichendorff und den sanften Russen (von\nTurgenjeff bis Ssologub) abhängig. So entstand,\ngeschrieben in den langstieligen, von keinem Atem\ndurchhaltbaren Schachtelsätzen eines deskriptiven,\nfarblosen Stils, ein blasses Buch, das schon ver-\nhallt ist, wenn man es — mit Mühe — zu Ende\ngelesen hat. Durchdrungen ist es vom Moderge-\nruch einer von Anbeginn muffigen Kindheit. Denn\nauch der Titel stimmt nicht recht. Es sind nämlich\nkeine herzlichen Märchen, sondern chronische\nPhilosopheme über die Kindheit, zum Besten gege-\nben von einem „Nachdenklichen\", der sich über\nsein Altern „Sorgen macht\", sich, begreiflich! sehr\nwundert, daß er einmal Kind war, und nun noch\nmehr, daß er Kinder hat. Immerhin weiß er, daß\nder Erwachsenen Tag, die Arbeit, Schande ist, und\nnur der Schlaf, der Traum, das Spiel der Kindheit:\nGlück. So mag auch er weiterhin auf seine Art\nOesterreicher sein. Nämlich: mixtum compositum..\n\nAlbert Ehrenstein\n\nInhaltsverzeichnis\nErstes Halbjahr 1914\nFünfter Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nGuillaume Apollinaire\nLe los du Douanier 7 53\nRotsoge 3 19\nAdolf Behne\nZur neuen Kunst 1 2\nHans Blüher\nZur Kritik des Sexualitätsbegriffs 6 46\nKarl Brand\nBergwanderung 8 62\nJose! Capek\nModerne Architektur 3 18\nAlfred Döblin\nDer Kaplan 5 35\nVon der himmlischen Gnade 12 82\nAlbert Dreyfus\nGedichte 6 46\nAlbert Ehrenstein\nGedichte 1 3\nGedichte 3 22\nStoßseufzer 9 71\n-Hermann Essig\nGynäkologisches 1 7\nA. M. Frey\nCordelia 3 19\nHenry Gauthier-Villars (Willy)\nLe Greco-Paganisme 2 14\n\"Paul Hatvani\nBetrachtung 8 63\nVision 4 31\nKurt Heynicke\nGedichte 7 55\nGedichte 9 71\n, Adolf Knoblauch\nAuf Peter Hilles Tod 10/11 77\nBesinnung 1 10/11 76\nNummer Seite\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman 1 4\n2 11\n3 22\n4 28\n5 39\n6 43\n7 53\n8 60\n9 69\n10/11 77\n12 86\nFrantisek Langer\nDie Uhr 8 62\nPaul Lepoin\nDas Gespenst der Judenstadt 2 13\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte 12 87\nHeimweh 10/11 76\nMarijan Marik\nTotengebete 12 84\nAlfred Richard Meyer\nDie Barfußtänzerin Käte Fischer 1 7\nMynona\nFür Hunde und andere Menschen 9 66\nAugust Stramm\nDie Haidebraut 10/11 74\nDie Menschheit 8 58\nGedichte 2 10\nGedichte 5 34\nGedichte 6 42\nGedichte 9 68\nRudimentär 7 50\nSancta Susanna 4 26\nKurt Striepe\nDie letzte Nacht 4 30\nJosef Tress\nDer bunte Menschenfilm 4 31\nHerwarth Waiden\nHeeresmarsch I Für Klavier 10/11 Beilage\nNummer Seite\nHerwarth Waiden\nAntwort 2 10\nDer Mittelaltmeister 8 58\nDer Psychologe 1 2\nDie Tauentzien-Girls 5 34\nKünstler 9 71\nNotizen 4 26\nRenaissance 6 42\nZiele 7 56\nErwin Weber\nOpernhaus 2 15\nEmpfohlene Bücher\n1 8 / 3 23 / 4 31\n6 47 / 10/11 79\nZeichnungen\nMarc ChagaM\nZeichnung 6 41\nEmil Filla\nZeichnung 10/11 73\nJacoba van fieemskerck\nZeichnung 9 65\nVlatislav Hofman\nDetail einer Facade 1914 /\nLinoleumschnitt 4 25\nEckhaus 1914 / Linoelumschnitt 6 45\nProjekt eines Friedhofs bei Prag 1912 /\nLinoleumschnitt 3 21\nOtakar Kubin\nOriginalholzschnitt 2 9\n3 17\nFranz Marc\nKatzen / Zeichnung 1 1\nCarl Mense\nOriginallinoleumschnitt * 5 33\nOriginalholzschnitt 8 57\nOriginallinoleumschnitt 12 81\nFriedrich Rosenkranz\nOriginalholzschnitt 1 5\nSchmidt-Rottluff\nOriginalholzschnitt 7 49"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19141001-01.1.12", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die Aus-\nstellung in Berlin bleibt geöffnet. Die November-\nDoppel-Nummer erscheint am fünfzehnten No-\nvember.\nVon Hermann Essig, unserm Mitarbeiter,\nsind zwei Dramen vom Deutschen Theater, vom\nDeutschem Künstlertheater zu Berlin und vom\nDüsseldorfer Schauspielhaus zur Aufführung in\ndieser Spielzeit angenommen.\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm .\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W / Potsdamer Strain II4i\nAchtundzwanzigste Ausstellung\nFuturisten\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Soantags von\nU—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAonatficher Wechsel\nEroffnung in Genf: Unbestimmt\nSturmausstellungen in Deutschland\nOktaber 1914\nHamburg: Jacoba van • Heemskerck\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraOe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nialbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten und fiinfzehnten iedes Mo cats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Haibjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\nI Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I F ii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Haib-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Haibjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Haibjahr 9 francs I Von\n<!ieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwunscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoscfeks: Zwanzig: Blatt Zeichmmgen /\nStrichatzung / Auf X&lserlicb Japan-Papier in\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton Ih dn-\n'acherer Mappe 12 Mark\n\nKandinsky 1901—1913 j Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / I h r sillies\nQ1 ii c k —! I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / TragSdie J Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Scfieerbart: Glasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Qelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwaizig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSturm-Biicher I: August Stranun: Sancta Su-\nsanna I 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nme oi tar / 50 Pfennig / III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: D a f n i s ii e d e r / Zu Oe-\ndichten von A r n o M o i ? I Fur Oesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nPfennig / Der Sturm / Heeresmarsch ./ Fiir\nKlavier / 50 Pfennig\nKunsilerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemp!ar 20 Pfennig\nFuturlsten: Umberto Boccioni: Das\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Oino Seve-\nriai: Die Modistin / Ruhe'.ose TSnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nKarten von Macke / Miinter J Marc Chagall (4) /\nKlee I Leger / Jawlensky ./ Werefkin / Qleizes\nI Archipenko ./ usw\nIllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin 30 Pfennig / Marc Chagall 30 Pfennig\nI Kandinsky 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschriit\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee /' Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Munter / Jaw-\nlensky I Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp / Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\nger I Marc Chagall I Fernand Leger / Jacoba van\nHeemskerck / Otakar Kubin / Emil Filla / Vincenc\n\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni J Severini /\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff / Walter Ilelbig I Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Elftes\nJ a h r I Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmaussteihmgen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation: 1913/14i\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nim Winter linden zehn Autorenabende statt und\nzwar an jedem zweiten und vierten Donnerstag\nder Monate Dezember, Januar, Februar, Marz und\nApril in der Kunstausstellung Der Sturm\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / FloFenz I Vi*\nNazionale 25\nUmelecky Mesicnlk / Monatsschrift far neue una\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnze\n\nPoet-Lore Begrundet 1890 I Eine Zweimonats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Drama\nder Qegenwart in alien Landern / Literarische\nBeitrage von Maeterlinck / Claudel / J amines /\nDuhamel / D'Annunzio / Synge ./ Whitman /\nEchegaray / Bjornson / Hervieu / Tchechow /\nPszybiszevski / Gorki / Noguchi / Qhose / Mac\nGathmhacil / Probeheft gegen Einsendung von\n6 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug 21 Mark / Ver-\nlag Richard G. Badger / Boston / Mass\nI USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste I\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Milano\nI Con ritratto deirautore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nEmil Rosenow: Samtliche Dramen / Die Ausgabe\nentbalt das Lustspiel Kater Lampe und das Drama\nDie im Schatten leben / Preis gebunden M. 7,50 /\nZu beziehen durch den Verlag Der Sturm Ber-\nlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fur Biichereinbande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 4"}]}