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Sie zeigt allerhand Unausgegorenes und\nganz Verfehltes neben nicht wenigen Arbeiten, die\nvon Entwicklung und Fortschritt zeugen aus An-\nfängen heraus, die man dereinst nicht ohne berech-\ntigtes Mißtrauen beobachte t.\" Während das\nFortlassen des schlichten Hilfszeitworts „hat\" auf\nbesonders natürlich lyrische Begabung hinweist,\nscheint mir hier mehr eine Hilfe als kein Verbum\ni\nvorzuliegen. Sonst hatten die Herren stets etwas\nhinzuzufügen. Insbesondere tat dies auch Herr\nFritz von Ostini, der Dichter der Jugend, der sich\nbei ihr und bei den Münchener Neuesten Nachrichten\nauf sein Altenteil gesetzt hat. Jetzt treibt er\nneue Keime. Aber da man im Monat Februar noch\nnicht wissen kann, ob das Wetter beständig bleibt\noder ob man sich lieber auf seine Unbeständigkeit\nverlassen soll, so denkt man sich die Jugend als\neine Münchener Neueste Nachricht und läßt der da-\ndurch entstandenen Berechtigung zur natürlichen\nlyrischen Begabung durch Fortlassen freies Was-\nser. Und selbst wenn der Drucker nur ahnte, wies\nihm das Herze drückte. Einst kann man es\nauf den Druck oder auf die Gesinnung schieben.\nDereinst war es anders. Als in grauer Vorzeit\nim Jahre 1914 das Unausgegorene für die starken\nMünchener Verhältnisse noch lange nicht trinkbar\ngenug geworden war, da weckte es manchen na-\ntürlichen Widerspruch. Selbst abgestandenes Bier\nist noch besser als gar keins. Jetzt wird es teuerer.\nDie Zeit bringt es mit sich. Die Zeit von 1915\nnimmt, was sie in keiner Zeit vertragen kann. Nun\nhat sich aus den Anfängen etwas recht Beträcht-\nliches entwickelt. Es wird sichtbar. Die Künstler\nkämpfen und die Nachfolger siegen. Die Firma ist\nda, jetzt kann man Geschäfte machen. Der böse\nName hat sich zu einem stattlichen guten Namen\nentwickelt und das Blühen muß rechtzeitig zu\nMünchen angekündigt werden. Sieht man doch\nschon in Berlin die Bäume in den Himmel wachsen.\nUnd dieser Zustand ist gerade noch zu beobachten.\nWenn die Bäume erst im Himmel angekommen\nsind, versagt die Natur, die Brille beschlägt sich\nund der Kunstkritiker hat das Nachsehen. Darum\nentschließt er sich zur Nachsicht, wie es die Vor-\nsicht gebietet. Wie sollte er im Jahre 1916 sagen\nkönnen, was dereinst im Jahre 1915 war, und wo\ner das Dereinst von 1914 zur Kunstgeschichte ge-\nlegt hat. Die moderne Zeit lebt schnell, der mo-\nderne Mensch stirbt noch schneller. Früher saß\nder Kunstwissenschaftler auf den Jahrhunderten\nund konnte infolgedessen nicht unter sich sehen.\nDann legte er sich auf die Jahrzehnte, der ver-\ngangene Mensch war behäbig und er konnte das\nschnelle Wechseln der Jahrzehnte nicht vertragen.\nNun stellt er die Jahre auf den Schreibtisch. Ein\nRückschlagen per ultimo im Abreißkalender, und\ndas Dereinst steht noch da. Man überblickt. Drei-\nhnndertfünfundsechzig Tage sind eine Ewigkeit,\ndie man nachrechnen kann. Nicht umsonst gehört\nman zu den Gebildeten aller Stände. Es läßt sich\nüberblicken. Die Kinder wissen nie, wie gut der\nOnkel es meint. Aber später weiß der gute Onkel,\nwie gut er es gemeint hat. „Eine gewisse Einheit-\nlichkeit des Zieles ist unverkennbar.\" Die Familien-\ninstinkte beginnen zu sprechen. „Jenes Ziel ist wohl\ndie Schöpfung einer an die Natur nicht mehr wie\nbisher gebannten Malerei, einer Kunst, die inner-\nliche Empfindung ohne unmittelbare Abhängigkeit\nvom Vorbild geben soll.\" Die Natur war also der-\neinst ein Vorbild. Der Herr Künstler schuf das\nNachbild und der Kunstkritiker stellte sich zwischen\ndie beiden Bilder und war erst dann zufrieden, wenn\ner beim Umdrehen das Vorbild für das Nachbild\nhielt Die Nachbilder waren zum Greifen ähnlich,\nweil er sie beim Umdrehen für Vorbilder gehalten\nhatte. An den Vorbildern stieß er sich den Kopf,\nsodaß er das Nachbild zwar noch greifen, aber\nnicht mehr sehen konnte. Doch solche Verdrehun-\ngen machen viel Spaß. Und den Onkeln gefallen\ndie Spiele, die sie sich für die Kinder ausdenken,\nbesser, als den Kindern, die lieber mit den Onkeln\nspielen. Aber sei dem, wie es auch sein wolle, die\nFamilie ist erkannt und die unmittelbare Abhängig-\nkeit wird mittelbar. Vorn Mädchen reißt sich stolz\nder Knabe, vom Vorbild das Nachbild, und stürmt\nins Leben wild hinaus. Und erst, wenn das Mäd-\nchen allein ist, merkt es, daß dereinst der Knabe\nda gewesen war. Früher nannte man dieses Ziel,\ndas durch die Familienähnlichkeit erkannt wurde,\nVerrücktheit. Heute: „Farbe nur um der Schönheit\nder Farbe willen. Ausdruck ohne Rücksicht auf\ndie Genauigkeit der Form.\" Genau so haben sich\ndas die Künstler gedacht. Schließlich gibt es ja\nverschiedene Nasen. Und wenn die Künstler\njetzt nur auf die Einheitlichkeit ihres Zieles Wert\nlegen, mein Gott, dann läßt man sich schon einmal\neine Nase drehen. Heute werden sogar die natür-\nlichen Nasen operativ geändert. Soll man sich des-\nhalb wegen einer schiefen Nase von den „jungen\nKunstgelehrten\" fortwährend in die Finger schneiden\nlassen, die man doch zum Schreiben braucht. Wenn\nnur die Form bleibt, da wollen wir nicht mehr so\ngenau auf die Genauigkeit achten.\n„Aber wenn die mit soviel Leidenschaftlichkeit,\nOpfermut und Willensaufwand eingeleitete Bewe-\ngung nur den Zweck erreicht, von inhaltslosen\nFormeln, von der leeren Fertigkeit, vom Schablo-\nnenhaften zu erlösen und die Schaffenden dazu zu\nführen, daß jeder seines Wesens eigenen Ausdruck\nsucht, dann hat das alles auch schon Früchte ge-\ntragen\". An ihren Früchten kann Herr von Ostini\ndie Bewegung allerdings noch nicht erkennen, weil\nFrüchte tragen für die Bewegung etwas beschwer-\nlich ist. Und: „Wer kann ohne lange Prüfung zwi-\nschen der wahrhaften Eigenart, die sich ins Exzen-\ntrische verirrt und der gesuchten Wunderlichkeit\nunterscheiden, die bloß durch Neusein um jeden\nPreis verblüffen will?\" Jedenfalls nicht Herr von\nvon Ostini, nicht einmal nach langer Prüfung. Wer\nnicht konzentrisch ist, irrt sich exzentrisch. Man\nwandert planlos in der Kunstkritik umher und trifft\n„die wahrhafte Eigenart\", die sich nicht verirrt hat.\nJa, wer kann das unterscheiden? „Wer zwischen\ndem, der etwa die Form vergewaltigt im irrtüm-\nlichen aber ehrlichen Streben nach besonderem\nAusdruck und dem, der die Form verzerrt gibt, weil\ner sie einfach nicht beherrscht?\" Jemand, der irr-\ntümlich aber ehrlich vergewaltigt, kein Engel ist\nso rein. Wie verzerrt er aber, was er nicht be-\nherrscht. Es ist nicht so einfach, Früchte zu tragen.\n„Daß eine viel viel farbenfreudigere Kunst als die,\ndie wir bisher hatten, denkbar ist, können wir aus\ndieser Ausstellung erfahren.\" Das erfährt Herr von\nOstini aus einer Ausstellung, die die Nachahmer der\nneuen Kunst noch in unserer Zeit enthält. Er liebt\nnun einmal die Nachahmung. Nach der Natur\nfrüh er,nach den Künstlern jetzt. Herr von Ostini\naber wird vielleicht dereinst im Jahre 1916 wissen,\nwas er dereinst im Jahre 1915 nachgesehen hat.\nEs geht nun einmal nicht\nWährend Herr von Ostini in den Münchener\nNeuesten Nachrichten und fast alle Kollegen in\nBerlin schon ganz behutsam in den Tag blinzeln,\nzieht sich die München-Augsburger Abendzeitung\nin die Nacht zurück. Sie hatte gehofft. „Einige\nVoreilige hatten erwartet und verkündigt, daß die\ngroßen Begebenheiten unserer Zeit gewisse Er-\nscheinungen in der künstlerischen Produktion un-\nserer Tage, die man nicht mit Unrecht als Aus-\nwüchse bezeichnete, hinwegfegen würden auf\nNimmerwiedersehen.\" Dieselbe Nachahmer-Aus-\nstellung in München hat diese Hoffnung „zu schän-\nden gemacht\". Aber immerhin, die München-Augs-\nburger Abendzeitung lobt die Nachahmer über den\nPaul Klee, den einzigen Künstler, der aus dieser\nAusstellung nicht hinweggefegt wurde. „Gemein-\nhin werden solche heftige Entgleisungen, wie sie\nnamentPch wieder Herrn Paul Klee begegneten,\ndamit entschuldigt (oder vielmehr erklärt) daß man\nsagt: es kommt bei der Füllung einer Leinwand\noder einer Tafel nicht auf den Stoff und nicht auf\ndie Darstellung an, sondern auf den Rhythmus der\nLinien, auf die Schönheit der Farbenzusammen-\nstellung, auf die Ueberwindung der Gegenständlich-\nkeit.\" Die München-Augsburger Abendzeitung ent-\ngleist, trotzdem sie schon auf dem richtigen Gleis\nfahren wollte, sie entgleist, ohne es zu merken.\nDenn sie Dildet sich ein, einer heftigen Entgleisung\nbegegnet zu sein, trotzdem sie selbst umgeschmis-\nsen war. Wer das Unglück hat, braucht für den\nSpott nicht zu sorgen. Wenn die Abendzeitung das\nLicht nicht sieht, obschon es ihr beinahe in die\nAugen fällt, sollte sie Paul Klee in ihrer Dunkelheit\nungeschoren lassen. „Wer das Bedürfnis empfindet,\nsich solcher Art künstlerisch auszuleben, soll Tep-\npiche zeichnen und sein Geflunker nicht „Gedanken\nan die Schlacht\" oder „Ausblick aus einem Wald\"\nnennen.\" Man sollte der Abendzeitung einen künst-\nlerisch ausgelebten, gezeichneten Teppich schen-\nken, und damit ihr das Geflunker in den Mund\nschließen, das sie Kunstkritik nennt.\nAber alle Hoffnung ist noch nicht zuschanden.\nDie Gruppe ist „wenig homogen, neben ganz Wil-\nden findet man Künstler, die man zu den sanften\nIdyllikern zu zählen gewohnt ist. Ich tadele das\nnicht, denn wenn . . . Entwicklung ... zu ihr be-\nkennen . . ~ so sind es diese sanften Mitglieder.\nOhne Konzessionen — so hart das Wort ist: es\nmuß heraus! — geht es nun einmal in der Kunst\nnicht.\" Aber Kunstkritiken darf man noch immer\nohne Konzession schreiben. Es geht nun einmaL"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "156", "image_debut": 2, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.4", "titre_corps": "Kräfte", "titre_sommaire": "Kräfte", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.2", "debut_caractere": 9400, "fin_caractere_exclue": 10240, "texte": "Kräfte\nAugust Stramm\n\nEin Ehepaar\nIhre Freundin und sein Freund\nI\nDie Parkbäume spielen Schatten durch Fenster\nund Tür.\nSie: (am offenen Fenster, starrt hinaus, wendet\njäh, stemmt die Faust)\nFrauenlachen (aus dem Park)\nSie (gurgelt, zischt, krampft): so (bebt ins Zim-\nmer) so! (stürzt zum Spiegel, streicht Haar und\nGesicht, wendet, starrt hilflos, tonlos nachspre-\nchig) schön unbeschreiblich anmutig\nWelke Blätter (büschein durchs Fenster)\nSie (rast, zertritt, stampft, schleudert): Moder!\n(erstarrt, nestelt lein Blatt aus dem Haar, hält\ndie ausgestreckte Hand, versinkt) Wer? (krallt\ndas Blatt, schlägt die Luft, stößt den Fuß, er-\nschrickt)\nFrauenlachen runter dem Fenster)\nMannstimme (lockt): Schatz! Schatzi?!\nFrau stimme (fragt): huhu?\nMannstimme: hörst Du?\nSie (schüttelt Krampf)\nMannstimme: wir wollen reiten\nFraustimme: herrlich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7463, "texte": "Mannstimme: Die Herbstsonne\nFraustimme: jetzt\nSie (schraubt den Kopf zwischen beide Fäuste,\nwuchtet mühsam herum): ich . . . reite . . . zur\nNacht . . . zur Nacht das Mondlicht\nFraustimme (lacht glücklich): Nacht!\nHände (klatschen)\nFraustimme: Mondlicht\nSie (knirscht die gekrampfte Faust zwischen die\nZähne): rrrrsch\nFraustimme (beglückt): ich reite reite zur\nNacht! Mondlicht\nMannstimme (lacht)\nSie (starrt)\nFreundstimme: Wir reiten alle\nSie (erwacht, ordnet das Haar, ruckt das Kleid)\nMannstimme: zusammen\nFraustimme, Mannstimme, Freünd-\nstimme (jubelnd): zusammen\nSie (atmet, tritt gemessen zum Fenster)\nLachen (draußen)\nS i e (fingert Blätter)\nFreundstimme (lacht): Überschütten\nFraustimme (übermütig): Blätter!\nSie (scharrt Blätter vom Fensterbrett hinaus,\ntrocken, hart): verwelkt! verwelkt!\nFreund stimme (lacht): begraben!\nSie (erregt): Nicht . . nicht . . nicht . .\nFreundstimme: im\nFraustimme Freundstimme (lachend\nzusammen): Mondlicht?\nSie (fröstelt): Es frostet (tritt zurüok)\nE r (schwingt hoch und springt hinein)\nSie (schrickt die Hände entgegen)\nLachen (draußen)\nEr (reißt sie an sich, sieghaft): Wer?\nSie (wehrt): Du (entwindet zum Fenster)\nE r (neben ihr, lacht): Ich?\nSie (weist hinaus)\nEr (lacht): sie laufen fort, ja! (legt den Arm um)\nSie (entschlüpft, scharrt Blätter und liegt auf dem\nDivan, die Hände unterm Kopf)\nE r (sitzt zu ihr, schäkert)\nSie (wirft den Kopf zur Wand)\nEr (beugt zärtlich): Du?!\nSie (tonlos nachsprechend): un . . be . . schreib-\nMch\nEr (forscht): Was?\nSie (jäht hoch und starrt)\nEr (fährt übers Haar): Liebe!\nSie (stößt ihn zurück, reißt ihn an sich, um-\nschlingt): ich will auch nicht\nEr (leicht erstaunt): was denn?\nSie (läßt schroff los und stapft zum Fenster): ich\nwill!\nEr (schaut verwundert, unruhig): was willst Du?\nSie: Die Sonne liegt auf den Baumwipfeln\nEr (tritt zu ihr, wieich, besorgt): Kind!\nS i e (strafft, wendet und forscht sein Auge)\nE r: Kind!\nSie (hart): ich!\nE r (legt die Hand auf ihre Schulter)\nSie (wendet): brennen! (greift ein Flacon vom\nDivantisch und bespritzt ihr Gesicht)\nFreund und Freundin (lachend, leicht erhitzt\ndurch die Parktür)\nFreundin: Die Sonne!\nFreund (begeistert): zwischen den Bäumen\nFreundin (blendet die Augen): Es ist ganz dun-\nkel hier\nSie (schrillt): Licht! (schaltet ein)\nFreundin: ah!\nSie (schrÜlt die Klingel)\nFreundin (tappt geblendet): jetzt bin ich ganz\nblind (fällt lachend in den Sessel)\nDiener (durch die Flurtür bringt Thee)\nSie: So? (schenkt ein und reicht halb wendend\nder Freundin die Tasse)\nFreundin (will nehmen): danke\nSie (kippt die Tasse um)\nFreundin (springt im Schrei)\nSie (hält die Untertasse starr)\nE r und Freund (springen zu)\nFreundin (tupft das Taschentuch ans Kleid)\nFreund (hebt die Tasse): nicht zerbrochen!\nSie (lacht schrill kurz auf, nimmt die Tasse mit\nfreundlichem Nicken, wird lebendig, tupft die\nFreundin mit der Serviette mederknieend): oh ..\nich . .\nFreundin: es ist nicht schlimm\nEr (tupft den Arm der Freundin): nicht der Arm?\nSie (beugt ganz tief und tupft ganz unten): ich\nbin untröstlich\nEr (legt beruhigend flüchtig die Hand auf ihren\nNacken)\nSie (schnellt wehrig heftig auf, dann sofort be-\nherrscht): ja\nFreundin: ich gieh nach oben\nEr (hastig, galant): dem Mädchen klingeln! (öff-\nnet die Tür und folgt der Freundin)\nSie (schaut den Freund an in Triumph)\nFreund (unsicher)\nS i e (schenkt ein und reicht lächelnd)\nFreund (tastet verwirrt)\nSie (lächelt): sie fällt nicht\nFreund (nimmt und schlürft hastig): so?\nSie (immer lächelnd, schenkt ein, stellt die Tasse\naiuf den Divantisch, sitzt, schaltet die Tisch-\nlampe und dreht das Dunkel des Seidenschirms\nauf ihr Gesicht, heiter): Rauchen Sie?\nFreund (hastet die Zigarettendose vom Tisch\nund bietet ihr)\nSie (nimmt lächelnd): danke\nFreund (hastet Feuer)\nSie (zieht langsam wohlig): danke\nFreund (zündet eine Zigarette und schlenkert\naus)\nSie (lächelnd langsam): Sie werden Feuer stiften\nFreund (starrt prüfig, rückt zusammen): ich\nbrenne schon\nSie (springt auf, reckt den Arm und geht zum\nFenster): aah . . mein Mann ist ein guter\nFreund (starrt nach)\nEr (tritt ein): so!\nSie: der Mond\nEr (neben ihr): ja . . der Mond\nSie (wirft die Zigarette verekelt): äh (prüstelt\nTabak, tritt zum Tisch und schlürft Thee)\nFreundin (reitfertig): ich habe mich fertig ge-\nmacht\nSie (schrofft die Tasse hin): nein\nFreundin und Freund (betreten)\nEr (bestürzt): was?\nSie (ruhig kalt): ich reite nicht\nFreundin (starrt bestürzt umher)\nSie: die Kälte (schließt das Fenster)\nEr (ratlos): du\nFre u n d (raucht nachdenklich)\nFreundin (sitzt, den Kopf auf der Brust)\nS i e (schauert und schließt die Parktür)\nFreundin (schluchzt verhalten): oh\nSie (strafft): Kind nein nein (stürzt hinter den\nStuhl der Freundin und armt): so nicht, nicht,\nich reite! ja! ich reite! (erschöpft) es ist heiß\nfurchtbar beiß hier\nE r (öffnet das Fenster)\nS i e (zwingt die Freundin hoch und faßt sie unter):\nkomm\nFreund (öffnet die Parktür)\nSie (wendet in der Flurtür zum Freund matt,\nfreundlich): danke schön danke\nFreund (in der Parktür, stemmt die Hüften,\npafft über die Schulter zur Flurtür nach)\nEr (boxt)\nFreund (wendet und schaut): wen wehrst du?\nEr (hört erschöpft auf): ja\nFreund (steckt die Hände in die Tasche, gleich-\nmütig): ja\nEr (stürzt raus)\nII\nSie (nestelt am Fenster): Wer?\nFrieundin (sitzt am Tisch hebt das Glas): was\nfragst du?\nSie (weicht aus): du hast Durst nach dem Ritt?\nFreundin (nickt und trinkt)\nS i e (stellt fest): ja! das war das Glas meines\nMannes\nFreundin (schrickt das Glas hin)\nS i e (nestelt, wendet und blickt raus)\nFreundin (stört hoch): wer? wer?\nSie (dreht den Kopf und blickt auf sie): an wen\ndenkst Du?\nFreundin (erschrocken): ich . . . ich ... .\nSie (ruft in den Park): Männe\nFreundin (stammelt sprachlos)\nEr (in der Parktür): wer vermißt mich?\nSie (ruhig): Dein Glas\nE r (lacht und streckt die Hand zum Glas)\nFreundin (hält ihm den Arm): nein nein\nSie (zuckt verächtlich): Kind (geht zur Parktür)\nFreund (tritt in die Parktür)\nFreundin (läßt seinen Arm los)\nEr (verdutzt): und?\nSie: könnt ihr keinen Scherz verstehn?\nTeller (klappern auf der Terasse)\nS i e (nimmt den Arm des Freundes)\nFreundin (üb er hastig): ich gehe mit\nSie (neckt zum Freund): sie will uns nicht allein\nlassen\nFreundin (ratlos betroffen)\nSie (neckt zur Freundin): verraten\nEr (bietet der Freundin den Arm, neckt): wir\ngehen!\nFreundin (schaudert, sammelt sich, nimmt hell\nauflachend den Arm und springt mit Ihm an des\nbeiden vorbei in den Park)\nS i e (lacht hinterher faßt den Arm des Freundes\nfester): ich liebe sie\nFreund (zuckt)\nSie (obenhin): ja\nFreund (hilflos): ja\n\"Sie: Sie auch?\nFreund (stammelt): ich . . ah\nSie (in heller übermütiger Lache): Sie lieben den\nMond\nFreund (ratlos, verlegen): er scheint heute hell\nSie (schaut in den Mond, nach einer Weile): Sie\nhaben scharfe Augen?\nFreund: ich\nSie (läßt seinen Arm, rückt einen Stuhl): ich bi»\nmüde (sitzt, nach einer Pause erschöpft) mein\nMann findet sie unbeschreiblich anmutig\nFreund (zuckt): wer?\nSie (gähnt leicht, gl eich giltig): ja\nFreund (tritt voll innerer Unruhe)\nSie (nach Pause gleichgiltig): wer kommt da?\nFreund (späht gespannt): wer?\nS i e (beobachtet ihn)\nFreund: nein\nSie (spöttelt): Ihre Augen\nFreund (aufgeregt immer spähig): oh meine\nAugen sind scharf\nS i e (nach Pause lächelnd): auf wieviel Schritt\nschießen Sie ins Herz?\nF re und (jäht zu ihr um, hastet zu ihr, nimmt ihre\nHand und küßt sie): ich bin ungezogen?\nSie (erhebt sich ruhig): galt das mir?\nFreund (starrt sie hilflos an)\nS i e (lacht schrill gell in die Nacht)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8145, "texte": "Aufschrei (schrickt im Park)\nSie (tritt in die Tür): Wer schrie da? so? so\n(zieht ihn zu sich) sehen Sie! (ruft) Seid ihr da?\nFreundin (atemlos aus dem Park): oh oh (stol-\npert und sinkt in einen Stuhl)wer hat nur so . .?\nSie (beobachtet): seid ihr erschrocken?\nEr (tritt hastig gezwungen lachend ein): es wird\nein Kauz gewesen sein.\nSie (leicht spöttisch): ja ein Käuzchen, die Nacht\nhat euch erschreckt (lacht) ja di;e Nacht! (faßt\nden Freund unter) Wir gehen das Käuzchen\nschrecken! (lacht auf)\nFreundin (hebt, starrt, horcht): war das?\nEr (beruhigt): Es tut mir leid\nFreundin: Sie? ich gehe nicht wieder (kauert)\nich habe Furcht\nE r (küßt ihre Hand)\nFreundin (entsetzt): wir wollen nie wie'dier\ngehn nie!\nE r (bietet eine Zigarette an)\nFreundin (nimmt): ja\nEr (gibt Feuer): die? Aengste verpaffen! Uebrig\nbleiben Sie und ich! (zündet an und wirft das\nbrennende Streichholz durchs Fenster)\nGrelles Auflachen (stiebt rein)\nFreundin (hoch, an allen Gliedern zitternd)\nEr (schrickt und starrt zum Fenster)\nSie (tritt lachend ein): Kinder (prüft ihr Kleid)\nihr habt mich angesengt beinahe\nFreund (hinter ihr mit drohenden Augen)\nSie (lacht liebenswürdig): Wir leben auch noch!\nihr Feurigen\nFreundin (erlahmt, stottrig): o\nSie (scherzt): was?\nFreund (stößt die Zigarette im Aschbecher ent-\nzwei)\nSie (schaut): Sie Zerstörer\nFreund (tritt zurück): ich?\nSie (weicht ab): wir alle (wendet) es ist gedeckt\n(nimmt die Freundin untern Arm und schiebt sie\nzur Tür, gibt die Willenlose in der Tür lachend\ndem Freund, holt ihren Mann und geht mit ihm\nraus)\nIII\nGedämpftes Licht\nS i e (starrt in Gedanken)\nEr (vom Park): ihr seid alle schnell vom Tisch?\n(legt die Serviette hin)\nSie (streift langsam umständlich den Trauring\nund legt auf den Divantisch)\nEr (erstaunt): was tust Du?\nSie: er tut weh\nE r (greift zum Ring): lassen wir ihn weiter machen\nSie (hart): nein\nEr (betroffen): Du . .?\nSie (trocken): er ist weit genug\nEr (starrt)\nS i e (immer bewegungslos den Rücken zum Fen-\nster): wo sind sie?\nEr (lacht befneät und schaut zum Fenster): sie\nwerben\nSie (bewegungslos)\nEr (wirbt zu ihr): sie werben! Du!\nSie (wehrt die Hand): still\nFreund und Freundin (treten stumm ein)\nSie (lebhaft umschlajgend): keine Furcht mehr\ndraußen?\nFreundin (hart, gepreßt): ich\nSie (scherzt): jetzt graust mich (nimmt den\nArm des Freundes und geht mit dem Freund in\nden Park)\nFreundin (starrt nach den beiden um)\nE r (tritt auf sie zu)\nFreundin (wehrt entsetzt): Schweigen Sie!\nnicht! nicht! nur schweigen! gleich lacht sie.. o\ngleich . . .\nEr (bedauert): das hat Sie erschreckt\nFreundin (immer die Augen zurück): machen\nSie heller hier\nE r (schaltet Flammen ein)\nFreundin: heller (voll Angst und Beben) ich\nwill nichts gar nichts\nE r (tritt neben sie und nimmt ihre Hand)\nFreundin (reißt los): lassen Sie! lassen Sie! ich\nspreche nicht! ich spreche (tritt plötzlich fest\nauf) ja (stark) ich verlobe mich! ich verlobe\nmich\nE r (faltet die Hände)\nFreundin (hebt die Hand, horcht): da lacht? . .\nEr (läßt die Hände fallen): Sie sind erregt\nFreundin (entschlossen): ich will! doch! (hastet\nin den Park)\nEr (ihr nach): hier! hier! Sie finden ja nicht!\nFreund und S i e (vor der Tür, starren den bei-\nden nach)\nSie: die haben Eile\nFreund (starrt nach): ja\nSie: Die haben uns nicht gesehen\nFreund: nein\nSie (lebhaft): Sehen Sie! sie laufen! laufen\nFreund (unbeherrscht): ich\nSie (lauert kalt): o bis dahin treffen Sie nicht\nFreund (erschrickt)\nSie (tritt in das Zimmer): Die Luft ist aufgeregt\nFreund (stapft gezogen nach): ja (starrt in den\nPark)\nSie (ruhig gleichmütig): weshalb erklären Sie sich\nnicht?\nFreund (wendet überrascht zu ihr)\nSie (lächelt): weshalb?\nFreund (starrt wieder in den Park): sie hat mich\nabgewiesen\nS i e (spannt hoch)\nFreund: vorhin! ja!\nSie (forscht): vorhin?\nFreu n d (nickt)\nS i e (nahe zu ihm, legt die Hand auf seinen Arm)\nFreund (zuckt zusammen)\nSie (weich anschmiegend): ich hasse\nFreund (starrt sie' an)\nSie (wehmütig): ja mein Mann\nFreund (fährt um und starrt sie an, unbeherrscht\nsprachlos, packt derb ihren Arm): wer? wer?\nSie (blickt ihn ruhig an): ich\nFreund (löst gebrochen, schwach): Verzeihung\n(stöhnt leise)\nSie (in heller plötzlicher Angst, fleht): Aber Sie\ndürfen nicht! . . nicht wahr . .? das tun Sie\nnicht! o! versprechen Sie! Wenn Sie mich!\netwas für mich! bitte! bitte\nFreund (macht eine wehrige Handbewegung)\nSie (forschig bang): Sie werden es nicht tun!\nFreund (schwach): ich habe kein Recht\nSie (trotzend, forschig hart): Recht?!\nFreund (weh): Recht\n(Schweige n)\nSie (schwach): ich leide so\nFreund (küßt ihre Hand)\nSie (läßt ihm die Hand): mein Mann ist gut! gut\nSie finden Ihr Glück! (Schweigen) Gedanken!\nPeitschen! Stoßen! Grauen! alles verloren!\nFreund (spannt in den Park)\nSie (folgt seinem Blick): sie kommen (läßt seine\nHand los) ihr tappt im Dunkel? Wir sind in der\nKelle!\nE r und Freundin (treten nebeneinander ein)\nEr (hastig): suchen wir bricht ab, zum\nFreund) Dich\nFreund (spannt hoch)\nFreundin (erschöpft): ich geh jetzt, ich bin\nmüde, müde, ich kann nicht, unfähig (schleppt\nohne umblicken hinaus zur Flurtür) ich kann\nnicht\nE r und Freund (staunen hilflos nach)\nSie (kalt): jeder muß alleine tragen! alleine?\n(setzt sich erschöpft) es war zu viel heute\n(scharf, spitz, gestrafft zum Freund) o Sie . .?\nFreund (fährt aus Versunkenheit ertappt): ich\nich\nSie (erhebt sich ruhig fest zu ihrem Mann im\nVorbeigehen): er hat mich angefaßt!\nEr (verständnislos)\nFreund (verständnislos)\nSie (reibt ihren Arm): ja angefaßt (tritt zum Fen-\nster, blickt in die Nacht) ich sage nicht mehr.\nEr (spannt den Blick auf den Freund)\nFreund (strafft und steht dem Blick)\nSie (klammert das Fensterkreuz, schwach, weh):\nangefaßt, Gewalt.\nEr (begehrt auf)\nFreund (geht kalt an ihm vorüber zur Tür)\nSie (in fliegender Angst): nicht, nicht ihr tut das\nnicht, ihr schießt nicht, nicht schießen! nicht!\nFreund (steht in der Tür und blickt auf sie zu-\nrück forschig)\nSie (wirft grelle Lache auf den Freund): Jetzt\nmüssen Sie schießen! jetzt müssen Sie!\nmüssen Sie! Sie müssen!\nFreund (zuckt, taumelt, hetzt in die Nacht)\nSie (am Fenster, ruft nach): Sie! Sie! Sie!\nEr (erwacht): war?! das?! was war das?! wo\nstehst Du? Du?!\nSie (kalt): ich steh auf mleinen Füßen\nEr (bäumt auf): Du!!\nSie (blickt ihn kalt): Du!! Mann!!!\nE r (schlägt die Hände vors Gesicht in Schluchzen)\nS i e (peitscht das Taschentuch in die Luft und den\nRing vom Tisch, ballt die Faust, geht verächt-\nlich vorüber)\nE r (die Hände vors Gesicht gekrampft geschüttelt)\nIV\nDie Divanlampe leuchtet\nS i e (horcht die Hände gekrampft zur Tür): komm!\nkommen! (schüttelt in Schluchzen) lieb! lieben!\n(kauert auf den Divan) komm kommen! komme!\n(schweigt und spannt) fühlen, fühlen! (ringt die\nHände zur Tür) ich habe lieb! (erblickt den\nRing auf der Erde, stürzt, hebt hoch, betrachtet\nund steckt sorgsam wieder auf) ich zieh ihn auf!\nich ziehe ihn wieder auf (zeigt die Hand ins\nLeere) sieh, sieh . . . (preßt die Hände an die\nSchläfen und starrt zur Parktüre) oo! (hetzt an\ndie Tür stößt mit Händen und Füßen die Nacht,\nzurückweichend) nein Nacht! (schiebt vorwärts-\nstemmend etwas hinaus) kalt! (wirft in der Tür\ndie Hände hoch hinausgehend) wieder kommen!\nnicht wiederkommen! (preßt den Kopf besin-\nnend) Liebe Liebe (lehnt die Tür, weich weh)\nich liebe! ja! (schrickt auf und dreht die Faust\nder Tür) Du! (starrt entsetzt und wehrt mit bei-\nden Fäusten) stehen! stehn (taumelt wirr in das\nZimmer) Wände! taumelt! (schaut entsetzt um-\nher, rast gegen die Wand und stapft mit dem\nFuß dagegen) stehen! steh! (schleicht gebückt\nzum Divan) still! (kauert angstgehetzt umher-\nblickend zu den Wänden) nicht laufen! laufen!\nso lauft doch nicht! (springt auf und würgt sich\ndie Hand an die Kehle) Das Gewürge! Qewürge!\nihr würgt mich!\nE r (tritt in die Parktüre mit Mantel und Hut): Du\nbist hier\nSie (schrickt furchtbar, fällt zu Boden, springt\nhoch, geht mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu,\nstark): o Du kommst! Du kommst! leben\nEr (ruhig): ich suche Dich\nSie (umschlingt): nicht. Dich! Dich! Dich! Du!\nEr (schaut sie an ruhig): ich wollte für jeden Fall\nS i e (hält ihm die Hand auf den Mund): es ist alles\nnicht wahr! nicht wahr! nicht wahr!\nE r (wiederholt mechanisch): nicht wahr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7994, "texte": "\"Sie: Lüge! Lüge! gelogen! Lüge lügt!\nEr (verständnislos): lügt\nSie (immer leidenschaftlicher): hat er nicht ge-\nsagt? gesagt? nicht gesagt?\nEr (ruhig): er schießt!\nS i e (stemmt ab, taumelt zum Tisch und legt das\nGesicht auf den Arm): 000\nE r (legt die Hand auf die Schulter)\nSie (springt auf stark visionär): du stirbst\nEr (streichelt sie weich): sterben\nSie: Du\nEr: lieben\nSie (wirft um und klammert): Du wirst nicht\ngehen\nEr (ruhig): ich gehe!\nSie (entwindet sich ihm jäh): Du!\nEr (armt weich nach ihr): Du Du\nSie (stößt ihn mit beiden Händen zurück): Du Du\nt\nDu! gehen! gehen! lügen! lügen! ich weiß nicht\nWahrheit! wo lügt Wahrheit?\nEr: Lügen?\nSie (weicht und stößt, zischt): ich hasse Dich\n(gellt ihm ins Gesicht): tot!\nE r (tritt einen Schritt zurück)\nSie (lacht gellend auf und ordnet im Nacken das\nHaar mit beiden Händen)\nEr (haucht): Du bist . .! fasse Dich! (hält ihr die\nHand hin ruhig): eine Weile\nSie (wen diet ab)\nEr (schließt den Mantel): wenn Du mich liebst\nSie (jäh zu ihm): wenn du mich liebst\nEr (hält ihr die Hand hin): das gilt die Karte\nSie (beugt über den Tisch, stemmt die Ellbogen\nauf und hüllt das Gesicht in die Hände\nE r (küßt ihr Haar, geht schnell ohne umzublicken\nin den Park)\nS i e (fährt hoch, streckt die Hand ihm nach, setzt\nden Fuß und bleibt stehen)\n{Ihre Haltung löst langsam)\nSie (matt schlaff gefangen): Eine Weile (peitscht\nauf und wütet die Venus in dem Winkel zwischen\nParktiir und Flurtür) fort! fort! (hält inne) nein!\nbleib! bleib! (hetzt die Reitgerte vom Tisch und\npeitscht die Venus) runter! runter! kuschen!\nkusch! (läßt erschöpft ab, schleudiert die Peitsche\nfort, wendet und knirscht in Schauern) nun fallt!\nfallt Wände! fallt! würgt! würgt! (erstarrt,\nstützt die Faust auf den Tisch, spannt ab, schüt-\ntelt heiter den Kopf, leicht) würgt!\nD i e Tti r (klopft)\nS i e (spannt hoch)\nP r e u n d i n (im Nachtgewand)\nS i e (starrt)\nFreu n d i n (zaghaft): verzeih, ich hörte sprechen\nSie (rauh): Du? so spät in Nacht? so früh am\nTag?\nFreundin (schauert, tritt ein und schließt die\nTür)\nF reun di n: ich bin unruhig\nSie (abwesend): so so\nFreu n d i n (erschöpft): Angst!\nSie (lacht kurz auf): Angst!\nFreun d i n (erschrocken): Du\nS i e (lauscht in den Park)\nFreundin: Du horchst\nSie (bezwingt): nichts\nFreundin (hastig): Stimmen gehen im Hause\nSie (ruhig): nichts ist im Hause\nFreu nd i n (starrt): wo?\nSie (wirft gleichgiltig, ordnet den Divantisch): er\nhat mich angefaßt\nFreundin (verständnislos)\nSie (gleichmütig): ja der (horcht wieder)\nFreundin (aufgelöst): wer?\nSie (nickt): ja\nFreundin (preßt die Hände auf die Brust und\natmet schwer)\nSie (belauert wegwerfend): er liebt mich sagte\ner. Leidenschaft\nFreundin (erhebt schwerfällig, taumelig)\nSie (lauert grausam): Du liebst ihn? Du liebst?\n(streichelt sie)\nFreundin (sinkt auf den Stuhl zurück, wim-\nmert)\nSie (beugt über sie, gespannt): Verirrung nichts!\nVerirrung!\nFreundin (wimmert): unmöglich\nSie (richtet hoch, kalt): unmöglich\nFrieu n d i n (schreckgespannt): wo?\nSie (zurück kalt): ja die Männer\nFreundin (erhebt sich und legt das Gewand\nfest um)\nSie: Was willst Du?\nFreundin (gefaßt): ich muß ihn sprechen\nSie (lauert): ja?\nFreundin (ringt mit Entschluß): ich frage ihn\nSie (lauert): fragen?\nFreundin (in wilder Erregung): es ist nicht,\nkann nicht sein, Verzweiflung\nSie (höhnt): Verzweiflung\nFreundin (hart, stark): ja Verzweiflung (geht\nzur Tür, fest): ich frage ihn\nZwei Schüsse (flattern aus dem Park)\nS i e (zuckt furchtbar)\nFreundin (starrt, schaut auf sie, schreit, preßt\ndie Hand vor den Mund)\nS i e (hält zitternd am Tisch)\nFreundin (haucht): was war das? das?\nSie (haucht): frage, frage\nFreundin (verständnislos)\nSie (aufgerichtet, roh, selbstbewußt, gerechtfer-\ntigt): er hat mich angefaßt.\nFreundin (schreit, gell): Du lügst\nSie (dumpf drohend): Lüge\nFreundin (schreit): Entsetzen!\nSie (reckt im Triumph): o! mich! Dich mich! ich\nhasse! (immer unbeherrschter, ungebändigter):\nhasse! hasse! Liebe! Wahn! (tobt dicht vor die\nWehrlose) wahr! nicht wahr! wahr! nicht wahr!\nFreundin (wendet jäh zur Flucht)\nS i e (hält ihren Arm, erbarmungsvoll, weich, strei-\nchelnd) arme!\nFreundin (reißt los, taumelt, schleudert gegen\ndie Tür, klammert die Venus, stürzt zu Boden,\nhetzt hoch und flieht durch die Tür aufgellend)\nSie (starrt und starrt auf die Trümmer der\nVenus, hebt den Kopf hoch)\nSie (ins Leere): wer! (horcht und horcht) das\nmüßte anders klingen! anders! anders! (macht\neinen Schritt zur Parktür und horcht) nicht,\nnein, anders (schiebt Schritt um Schritt zur Tür)\n(hetzt dann in den Park) anders\nV\nTag Verhängte Fenster\nT o t e r (aufgebahrt auf dem Divan)\nSie (kniet das Haupt auf dem Toten)\nFreundin (tappt hinein an den Türpfeiler ge-\nlehnt)\nS i e (hebt den Kopf, wendet langsam, mechanisch,\nfaßt die Freundin ins Auge, fährt übers Gesicht)\nSie (erhebt mühsam, wankt auf die Zitternde,\nmatt): ich rief, ließ Dich rufen.\nFreundin (bebt an allen Gliedern)\nSie (armt die Willenlose): zürnen, nicht zürnen,\naufgeregt, erregt, (stärker und gefaßter) ich bin\nwieder ruhig (führt sie zum Stuhl, zwingt sie\nnieder, bleibt stehen, den Leichnam deckend)\nwer weiß? was tut? meine Aengste, ich weiß\nwas kommen mußte, handeln. Sehen. Das Selbst\nsieht sich zu. (streichelt sie) Du bist gut. (küßt\ndie Erschauernde, tritt neben sie)\nFreundin (blickt den Leichnam, schlägt haltlos\nwimmernd den Kopf auf den Tisch)\nSie (streichelt tröstig, schreitet zum Leichnam,\nbreitet die Arme und schaut nach ihr um): hier\nhat er mich geliebt\nFreundin (schaut unter Zwang)\nSie (wendet grausam): was wie in st Du?\nFreundin (hilflos faltet die Hände)\nSie (näher, drohend): sag was weinst Du?\nFreundin (sucht sich zu erheben, erstickt)\nSie (weich und matt): Du sollst nicht weinen.\nFreundin (steht gestützt, weh): Du hast mich\nlieb?\nS i e (zuckt heftig zusammen)\nFreundin (flehig): Du\nSie (lacht grell)\nFreundin (in fliegender Angst): lachen?\nSie (lächelt, spielt die Finger): ich kann alles (faßt\nwirr die Stirn)\nFreundin (tritt auf sie zu und legt ihr die Hand\nauf die Schulter): arme\nSie (erregt hastig): arme, ich bin arm, arm, ich\nwar immer arm (im Aufschrei) ich habe nie was\nich besitze.\nFreundin (tröstig): Du mußt Ruhe haben\nSie : Ruhe (lehnt an sie) Du hast mich lieb?\nFreundin (legt den Arm um): ich habe dich lieb\nSie (legt den Kopf auf ihre Schulter): wen hast\ndu lieb\nF r e u n d i n (zittert)\nSie (hebt den Kopf fern): ich war immer arm*\nallein\nFreundin (faßt ihren Arm)\nSie (bekräftigt): ja doch (schauert, kühl, unbe-\nrührt) er hatte andere\nFreundin (setzt sich erschüttert)\nSie (kühl, ruhig): Du kennst: ihn?\nFreundin (wankt auf, stammend, zitternd): Der\nTote, tot\nSie (tritt zum Toten und deckt sein Gesicht auf):\nwillst Du ihn sehen?\nFneundin (taumelt zurück und bebt auf den\nStuhl)\nSie (kühl): Du hast ihn doch im Leben gesehen\n(kauert und küßt den Toten): jetzt will sie Dich\nnicht mehr sehen, (klagt) niemand sieht Dick\nmehr.\nFreundin (will sich erheben, graust zurück)\nSie (zeigt ihn): Du kannst ihn doch ansehen, Du\nmußt ihn doch sehen (streicht dem Toten das\nHaar glatt)\nFreundin (durchgraust): was? Du?\nSie (unbeirrt): Du hast ihn doch gesehen, daß er\nmich ansah.\nFreundin (die Hand auf die Brust gepreßt): Du\nsprichst, Du sprichst\nSie (erhebt sich): ich spreche\nFreundin: Schweigen\nSie (dreht um, fern, wiederholt): Schweigen\nFreundin (kämpft kraftlos)\nS i e (erhebt sich verächtlich)\nFreundin (erschüttert, gehetzt, springt hoch):\nzeig ihn, zeig ihn.\nSie (faßt ihre Hand): Sieh\nFreundin (starr vor dem Toten, haucht): sieben.\nSie (lacht grell): ich weiß, ich weiß\nFreundin (reißt los): Unsinn! Unsinn!\nSie (ruhig, fern): ich weiß, Unsinn (lebhafter)\nalles Unsinn, (fuchtelt wild) wahr, alles wahf,\n(preßt ihren Kopf zwischen die Hände) alles Un-\nsinn! (preßt die Hände ums Herz) alles wahr!\nFreundin (zittert)\nSie (stampft auf und blitzt sie an, stößt sie ver-\nächtlich von sich und setzt sich zu dem Toten):\nso hab ich Dich gemordet!\nFreundin (hält mühsam am Tisch)\nSie (steht auf, hoheitsvoll vor ihr): nicht Dich!\nnicht Dich! (greift ihr Handgelenk hart, zieht die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3041, "texte": "Gesträubte) er ist tot, Du hast einen lebenden\nSchatz, der mich will\nFreundin (gellt auf): nein!\nSie (zerrt sie): ja! nein! (hält fest, ruhig neben\nihr, bannend): was ist wahr? sag was ist wahr?\nFreundin (in Beben): warum haßt Du?\nSie: ich hasse, hassen? (lacht dumpf) sieh seinen\nMund, er küßt, o küßt!\nFreundin (sucht loszuwinden)\nSie (hält eisern fest): er hat geküßt, Männer küs-\nsen, wir müssen dankbar sein. Dankbar! (packt\nhinter ihr den andern Arm) Moder? die Lippen\nmodern (nimmt eisenfest die Hand auf ihr\nHaupt und beugt die Schreiende) Du mußt nicht\nschreien. Küssen! Küssen lacht! er hat so gern\ngeküßt, lachen! küssen! (stößt die Verstummende\nauf die Lippen) ich weiß, küsse, küsse (wirft die\nOhnmächtige hin) pfui Du Metze, (stößt den Fuß\nnach ihr) küsset anderleuts Leichen (beugt über\nsie) Leichenküsse (lauscht) Du hörst mich nicht,\n(reißt sie an den Haaren hoch) höre höre, ich\nhabe viel zu sagen (beugt über sie) schön Du!\nunsagbar anmutig (betrachtet die Liegende, tritt\nzum Spiegel, wischt über das Gesicht, tritt zu\nihr) nein, nicht bewußtlos, Freuden wachen,\n(gießt ihr Wein aus der Karaffe ins Gesicht) wach\nauf! wach auf (springt hoch, stellt die Flasche\naus der Hand) ja ja (reißt die Lade des Divan-\ntisches auf und stockt im Denken, hebt einen Re-\nvolver hoch) nicht doch! (legt die Hand an die\nStirn) ich bin ja ich bin (legt den Revolver zu-\nrück, lächelt bitter) nein ick hab ihm nie welche\nzugeführt, wahr! Lüge (sie spielt ein Messer) die\nAugen, die Augen, Nacht, (sie klappt das Messer\nund nimmt es stichig, beugt und bewundert) o du\nbist schön, unsagbar anmjutig, wirklich, hörst\nDu? und ich bin schön, er sagte es hundert Mal\n(im wehen Aufschrei) ich hatte nie was ich be-\nsaß. Ich besaß niemals was ich hatte und was\nich hatte, besaßen immer die anderen (weint,\nfährt der Liegenden über Gesicht und Haar)\nnein nein, Du sollst leben, wirklich leben (wol-\nlüstig tastend) Haut, Lippen, oh (beugt tief und\nschneidet) nicht küssen, niemals, niemals mehr\n(wirft Schnitt und Messer durch die Vorhänge des\noffenen Fensters) der andere, (beugt über sie)\nDu bist schön, o .anmutig, (breitet ein Tuch über\n•las wimmernde Gesicht) Du sollst nicht sterben,\nsterben, (preßt das Tuch an) Du kannst Dich auch,\nim Spiegel sehn, er liebt, er nimmt Dich doch\numsagbar, Totenkopf (erhebt sich, blickt angst-\nverzerrt umher, nimmt ein Glas, schenkt Wein\nund schüttet Pulver die Augen weit in Fernen)\nein Tor, ein Tor (schrickt zum Park)\nHunde balgen\nSie (lacht): die Hunde balgen Lippen, (hebt das\nGlasj) hörst Du? warte eine Weile, (Gedanken\nüberfallen) Weile (schaut auf die Liegende, beugt\nüber und horcht) atmen, atmen, Du (stellt das\nGlas fort und packt sie wild in die Haare) Du\nsollst nicht liegen hier, liegen, ich treffe mit ihm,\ntreffe, (schleift in den Park)\nSie: (kommt wieder und trocknet lächelnd die\nHände) ja geile Hunde (nimmt die Hand des\nToten, sitzt und betrachtet)\nHunde (heulen draußen)\nSie: (lacht grell, trinkt, wirft das Glas in Scher-\nben, greift stürzend seine Hand; über ihn) Du,\nDich, Ich.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.4.1", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 42, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "155", "page_fin": "155", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Mit dichten Stößen\ndröhnt der Sturm gegen Haus und Dach und\nlockert den siebenfachen Frost.\nIn der Frühe besucht Herr Assessor den Jüng-\nling, und indem er den vom Waschen feuchten\nSchnauzbart glättet, entledigt er sich des neuesten\nAuftrags: „Nun, Sie Erleuchteter, geht es Ihnen an\nden Kragen, soeben hat der Herr Leutnant die gnä-\ndige Frau telegrafisch aus der Stadt zu sich ge-\nrufen wegen eines gewissen Briefes, den der Brief-\nträger dem Herrn Leutnant bekannt gab. Im Auf-\ntrage der Familie fordere ich Sie auf, Ihr wunder-\nbares Schriftstück gleich herauszugeben, nun keine\nlangen Geschichten . .\nDa Herr Assessor alle seine Saucen mit der Zu-\ntat der Moral einlegt, kann er auch seine neue Auf-\nforderung zur Preisgabe des Briefes unmöglich so\nganz ohne Würze darbieten; Bran habe sich doch\nso für die Frau Leutnant interessiert, nun solle er\nder armen Frau, die er unglücklich gemacht habe,\nhelfen, sich zu rechtfertigen, er müsse begreifen,\ndaß ihre Ehre, ihr Familienleben am seidenen Fa-\nden schwebe . . . Wenn sein Gewissen rein sei» so\nkönne er den Brief ruhig herausgeben und dadurch\nFrau Brosin von jedem Makel befreien. Bran schüt-\ntelt schweigend den Kopf, wie soll er auch den\nBrief, in dem er die Partei der Frau gegen den\nMann nimmt, in die Hände jenes Menschen legen,\nder seine Kinder mißhandelt.\nAuf seine Weigerung dringt der graue Kubus\nmit seinen bösen tiefliegenden Augen und den mes-\nserscharfen Mundfalten nahe gegen Bran an, der\nganze Assessor humpelt einen gewichtigen Schritt\nvorwärts: „Soll ich Sie noch einmal an Ihre Flicht\nerinnern, Mensch, haben Sie nicht soviel Ehre, um\neine tadellose hochanständige Frau von dem\nSchmutz, den Sie auf sie gebracht haben, zu reini-\ngen, Wenn Sie eine Ahnung haben würden vom\nEhrbegriffe jenes Gesellschaftskreises, in dem die\nFrau Leutnant lebt, würden Sie sich schämen.\nWäre der Leutnant gesund, seiner Glieder mäch-\ntag, so hätte er sich längst Genugtuung geholt, aber\nauf andere Art, als Sie vielleicht denken.\"\nBran erwidert gleichgültig auf Anpöbelung:\n„Frau Lise, die allein das Recht über den Brief zu\nverfügen hat, gab ihn mir zurück, und sie tat recht\ndaran. Sie hat jeden Schein eines Verdachtes über\nilloyale Handlungsweise widerlegt, indem sie den\nBrief ablehnte zu empfangen. Damit, denke ich, ist\ndie Angelegenheit endlich erledigt . . .\"\nHerr Assessor humpelt hinaus, um Frau Lise\nweiter für die Sache des Herrn Leutnants zu bear-\nbeiten und nach einer Weile kommt die unge-\nschlachte Frau Hannah zu Bran, schließt vorsichtig\ndie Tür hinter sich zu. Bran ist erstaunt über ihr\nabgemagertes, graues Altweibergesicht, die trüben\nAugen, die „geschäftlich\" vom Gatten beeinflußte\nkalte Stimme: „Es bleibt mir unbegreiflich, wie Sie\neiner verheirateten Frau, die sich einige Male mit\nIhnen unterhalten hat, einen Brief schreiben konn-\nten. Wir alle haben Sie für einen allzu harmlosen\nMenschen gehalten, und nun zerstören Sie uns das\nganze Weihnachtsfest. Geben Sie wenigstens den\nBrief heraus, damit wir die Frau Leutnant beruhi-\ngen, geben Sie ihn mir in die Hand . . .\""}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7035, "texte": "Bran fühlt durch, daß er alle gegen sich hat in\ndd<m beginnenden Streit und nicht nur das würdige\nEhepaar, das Haus in dem er lebt, nein, die ganze\nStraße, den Ort, die „Welt\". Die Welt wendet sich\nvor ihm ab, und mag der Leutnant noch so ekelhaft\nsein mit der unaufhörlichen Suche nach einem „fait\naccompli\", mag die Frau Leutnant Sinn und Be-\ndeutung' seines Schreibens mißverstehen wollen, so\nbleibt doch ein Uebriges, das ihm das verdam-\nmende Urteil von aller Welt einbringt, mag er vor\nsich selbst unsträflich dastehen, die „Welt\" sagt,\ner habe sich in eine Ehe gemischt, die ihm nichts an-\ngehen darf, und die Welt folgert kraft des Gesetzes\nder Finalität, daß er dabei einen bestimmten Zweck\ngehabt habe.\nBran weist diesen Zweck aus gutem Recht und\nkräftig aus guten Geschmack die Bitte Frau Han-\nnahs höflich von sich fort.\nBran steht droben im schwarzen Bergland, um\nihn her ist es tief einsam. Zu seinen Füßen hört er\nAufprall, Donner eines Steines oder Blockes, der zu\nTal rollt. Bran kann ihn weder erspähen, noch ihn\ndaran hindern in der Tiefe seine Bahn zu vollenden,\nnur an seinem Schall ermißt er wägend die Kraft\ndes Aufpralls und die Stelle fern fremden Schick-\nsals, die er treffen wird.\n* # *\nBeim Hinausgehen öffnet Frau Hannah weit die\nStubentür Brans, und auf die Schwelle drängen mit\ndem Fräulein des Leutnants eine Reihe Menschen\nheran, unter denen der kleinen Frau Lisens deka-\ndentes bleiches Gesichtchen sich bemüht, über die\nSchulter der Vorderen Bran zu erblicken. Frau\nHannah verzieht sich im Hintergrund des dämmeri-\ngen Flurs.\nDas Fräulein, das in der Zwischenzeit vom\nLeutnant in wichtiger Sendung angelangt ist, hat\nihr jugendlichrosiges Gesicht wieder erlangt, die\nDinge haben seit der vergangenen Nacht eine\nerwünschte Wendung genommen, bei der Frau Lise\nRanzend hinein - und sie unschuldig emporfallen\nwird für den Leutnant. Hinter ihren reizenden\nbraunen Locken steht der harte Kubus des neugie-\nrigen Herrn Assessor, ängstlich schaut aus dem\nDunkel das hagere Arme Leute Gesicht Frau Han-\nnahs.\nDie Blicke all dieser Leute stehen hakend fra-\ngend um Bran, und Bran weiß, daß sie alle mit\nSpannung auf einen Brief an eine verheiratete Frau\nharren. Ueber die großgeöffnet auf Brans Gesicht\ngerichteten Augen Frau Lisens geht eine Stange\neisernes Grau, Bran erblickt dies liebliche Auge von\ndem Augenblick an nicht mehr, als das wortfüh-\nrende Fräulein im schönen Kasernenton ihres\nMeisters Öffentliche Redekunst zu üben beginnt:\n„Entschuldigen Sie, daß ich so ungebeten zu Ihnen\nins Zimmer komme. Aber ich komme im Auftrage\nvon Herrn Leutnant und soll Ihnen erklären, daß\nSie sofort Ihren Brief an die Frau Leutnant heraus-\ngeben. Sie sind darauf ertappt mit der gnädigen\nFrau ein Verhältnis zu haben — und Herr Leut-\nnant will sich scheiden lassen, wenn das wahr ist.\nUm das festzustellen befiehlt er, daß ich mit dem\nBrief in einer Viertelstunde bei ihm bin, Sie dürfen\ninzwischen keine Zeit haben, einen anderen zu\nschreiben und ihn unterzuschieben, Sie sollen ihn\nmir persönlich einhändigen. Wenn Sie dem Herrn\nLeutnant nicht nachgeben, so wird er telefonisch\ndie Polizei holen.\"\nJetzt sekundiert der würdige Herr Assessor dem\nFräulein: „Alle Leute sollen zunächst wissen, daß\nich Ihren Brief, ganz abgesehen davon, daß er nach\nIhrer eigenen Aussage Liebesdinge enthält, für den\nBeweis einer Taktlosigkeit und Unverschämtheit\nhalte, wie sie mir noch nicht vorgekommen sind.\nSie verdienten ein paar übergezogen für den\nDummjungenstreich.\" Herr Assessor humpelt vor-\nwärts und stelt sich dicht vor Bran: „Sie Einbre-\ncher in fremde Ehen, haben ja nichts zu verlieren,\nund nachdem Sie das Unheil angestiftet haben,\nziehen Sie Ihrer Wege. Qeben Sie endlich dem\nFräulein den Brief, ist er harmlos, tun wir Ihnen\nwirklich Unrecht, so wird sich das bald herausstel-\nlen, und wir werden dann, dem ganzen Streit mit\nHerrn Leutnant, der ein verständiger, logisch den-\nkender Mann ist, beizulegen suchen. Sollte aber das\nGegenteil der Fall sein und Sie eine garnicht so\nharmlose Persönlichkeit sein, so kommen alle Fol-\ngen Ihrer Handlungsweise über Ihr Haupt . . . Also\nschnell, der Herr Leutnant wartet.4'\nBran harrt, bis der schneidige Fürbitter des\nEheherrn ausgeredet und bemerkt mit gesenkter\naber fester Stimme, daß er Niemandem der Anwe-\nsenden den Brief gebe. Wohl aber sei er bereit, so-\ngleich persönlich zum Herrn Leutnant zu gehen\nund ihm den Brief in Gegenwart seiner Frau vor-\nzulesen.\nHerr Assessor säbelt wütend auf Bran drein:\n„Sie zum Herrn Leutnant! Der wird Ihnen schön..\nwas er da hat, Teller, Gläser fliegen Ihnen an den\nKopf, Wenn Sie es wagen, sich bei ihm blicken zu\nlassen.\"\nBran antwortet entschieden: „Wenn es sich nicht\nmachen läßt, daß ich den Brief vorlese, so bin ich\nbereit, ihn dem Herrn Leutnant zu behändigen,\naber nur ihm selbst und Niemandem anders.\"\nSchweigen. Alle wenden sich hastig hinaus und\ngehen in Frau Lisens Wohnung zurück. Der Herr\nAssessor schließt Brans Tür hinter sich.\n/ '\nBran hört sie alle drüben in der Stube durch-\neinander reden und streiten, dann geht er hinzu\nund klopft schnell an jene Tür, aber er wird\nübertönt von dem laut redenden Fräulein. Bran\nöffnet selbst und tritt dann von der Schwelle\nin den Flur zurück. Von hier ruft er mit\nklingend junger Stimme in das Gewirr: „Dem\nHerrn Leutnant bestellen Sie bitte, daß ich meinen\nBrief allein auf seine Drohung hin schrieb, die das\nFräulein zur Sonntag-Nacht der Frau Hannah zum\nBesten gab. Alle Drohungen sind mir gleichgültig.\nDer Brief geht nur Frau Brosin selbst an, er ist in\nmeiner besonderen dichterischen Sprache geschrie-\nben und daher ohne meine Erläuterungen mißver-\nständlich.\" Inzwischen hat Herr Assessor, der gern\nBrans Schachzug vereiteln will, zugerufen:\n„Worte leere Worte! die nicht mit der\nSache zu tun haben. Wir kennen das! Von Leuten\nwie Bran, erfährt man nie das Richtige. Hören Sie\nnicht auf ihn.\" Bran fährt fort: „Ja, fünf Quart-\nselten ist der Brief lang, aber ich hätte zwanzig\nüber das Thema der Frau Brosin schreiben kön-\nnen; von Liebe steht nichts darin, aber Herr Asses-\nsor mag sich in Acht nehmen vor meinen Begriffen\nvon sittlicher Verantwortung und geistiger Be-\nstimmung; er mag sich vor der Verleumdung hü-\nten, um derentwillen dieser Streit um den Brief\nentstanden ist.\"\nIm Zimmer Schweigen, dann ruft Frau Hannah:\n„Zeigen Sie mir bitte den Brief aus der Ferne wie\ner aussieht!\" Bran tritt hinzu und hält ihr den\nBrief vor die Augen. Und Frau Hannah verkündet,\ndaß das ein Brief ohne Anrede sei. (Bran hat die\nGewohnheit, eine deutlich sich abhebende Anrede\nin seinen Briefen zu vermeiden, diesen letzten Rest\nvom einstmal gewesenen Sicheinanderfeierlichneh-\nmen). Es sei also gar kein Brief, sondern eine theo-\nretische, wie Bran uns eben sagt, dichterische Ab-\nhandlung !\nBran geht auf sieine Stube, und auch die Unter-\nhaltung bei Frau Lise ist zu Ende. Das Fräulein\nläuft ohne Brief zum Leutnant, die beiden Frauen\nbegeben sich, von Herrn Assessors elegantem\nScherz geleitet, zur Küche, um unter Teilnahme der\nKinder das Mittagessen zu bereiten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "158", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.7", "titre_corps": "Die Masken", "titre_sommaire": "Die Masken", "signature_source": "August Macke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.9", "debut_caractere": 7056, "fin_caractere_exclue": 9859, "texte": "Die Masken\nAugust Macke\nEin sonniger Tag, ein trüber Tag, ein Perser-\nspeer, ein Weihgefäß, ein Heidenidol und ein Imor-\ntellenkranz, eine gotische Kirche und eine chine-\nsische Dschunke, der Bug eines Piratenschiffes,\ndas W;ort Pirat und das Wort heilig, * Dunkelheit,\nNacht, Frühling, die Zimbeln und ihr Klang und das\nSchießen der Panzerschiffe, die ägyptische Sphinx\nund das Schönheitspflaster auf dem Bäckchen der\nPariser Kokotte.\nDas Lampenlicht bei Ibsen und Mateterlink, die\nDorfstraßen- und Ruinenmalerei, die Mysterien-\nspiele im Mittelalter und das Bangemachen bei\nKindern, eine Landschaft von van Gogh und ein\nStilleben von Cezanne, das Surren der Propeller\nund das Wiehern der Pferde, das Hurrageschrei\neines Reiterangriffs und der Kriegsschmuck der\nIndianer, das Cello und die Glocke, die schrille\nPfeife der Lokomotive und das Domartige des\nBuchenwaldes, Masken und Bühnen bei Japanern\nund Hellenen und das geheimnisvolle, dumpfe\nTrommeln des indischen Fakirs.\nGilt nicht das Leben mehr, denn die Speise, und\nder Leib mehr, denn die Kleidung.\nUnfaßbare Ideen äußern sich in faßbaren For-\nmen. Faßbar durch unsere Sinne als Stern, Donner,\nBlnme, als Form.\nDie Form ist uns Geheimnis, weil sie der Aus-\ndruck von geheimnisvollen Kräften ist. Nur durch\nsie aihnen wir die geheimen Kräfte, den „unsicht-\nbaren Gott\".\nDie Sinne sind uns die Brücke vom Unfaßbaren\nzum Faßbaren.\nSchauen der Pflanzen und Tiere ist: ihr Ge-\nheimnis fühlen.\nHören des Donners ist: sein Geheimnis fühlen.\nDie Sprache der Formen verstehen heißt: dem\nGeheimnis näher sein, leben.\nSchaffen von Formen heißt: leben. Sind nicht\nKinder Schaffende, die direkt auf dem Geheimnis\nihrer Empfindung schöpfen, mehr als der Nach-\nahmer griechischer Form? Sind nicht die Wilden\nKünstler, die ihre eigene Form haben, stark wie\ndie Form des Donners?\nDer Donner äußert sich, die Blume, jede Kraft\näußert sich als Form. Auch der Mensch. Ein Etwas\ntreibt auch ihn, Worte zu finden für Begriffe,\nKlares aus Unklaren, Bewußtes aus Unbewußtem.\nDas ist sein Leben, sein Schaffen.\nWie der Mensch, so wandeln sich auch seine\nFormen.\nDas Verhältnis der vielen Formen untereinan-\nder läßt uns die einzelne Form erkennen. Blau\nwird erst sichtbar durch rot, die Größe des Bau-\nmes durch die Kleinheit des Schmetterlings, die\nJugend des Kindes durch das Alter des Greises,\nEins und zwei ist drei. Das Formlose, das Unend-\nliche, die Null bleibt unfaßbar. Gott bleibt unfaß-\nbar.\nDer Mensch äußert sein Leben in Formen. Jede\nKunstform ist Aeußerung seines inneren Lebens.\nDas Aeußere der Kunstform ist ihr Inneres.\nJede echte Kunstform entsteht aus einem leben-\ndigen Wechselverhältnis des Menschen zu dem\nTatsachenmaterial der Natur formen, der Kunst-\nformen. Der Duft der Blume, das freudige Sprin-\ngen des Hundes, der Tänzerin, das Anlegen von"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4305, "texte": "Schmuck, der Temptei, das Bild, das Leben eines\nVolkes, einer Zeit.\nDie Blume öffnet sich beim Dämmern des Lich-\ntes. Der Panther duckt sich beim Anblick der\nBeute und seine Kräfte wachsen als Folge ihres\nAnblicks. Und die Spannung seiner Kraft ergibt\ndie Weite des Sprunges. Die Kunstform, der Stil\nentsteht aus einer Spannung.\nAuch Stile können an Inzucht zugrunde gehen.\nDie Kreuzung zweier Stile ergibt einen dritten,\nneuen Stil. Die Renaissance der Antike, der Schon-\ngauer- und Mantegnaschüler Dürer. Europa nud\nder Orient\nIn unserer Zeit fanden die Impressionisten den\ndirekten Anschluß an die Naturerscheinungen. Die\norganische Naturform im Licht, in der Atmosphäre\ndarzustellen, wurde ihre Parole. Sie wandelte sich\nunter ihren Händen.\nKunstformen der Bauern, der primitiven Italie-\nner, der Holländer, Japaner und Tahitianer wurden\nebenso zu Anregern wie die Naturformen selbst.\nRenoir, Signac, Toulouse-Lautrec, Beardsley, Ce-\nzanne, van Gogh, Gauguin. Sie sind alle so wenig\nNaturalisten wie Greco oder Giotto. Ihre Werke\nsind der Ausdruck ihres inneren Lebens, sie sind\ndie Form dieser Künstlerseelen im Material der\nMalerei. Das braucht nicht auf das Vorhandensein\neiner Kultur zu deuten, einer Kultur, die für uns das\nwäre, was für das Mittelalter die Gotik war, einer\nKultur, in der alles Form hat, Form, aus unserm\nLeben geboren, nur aus unserem Leben. Selbstver-\nständlich und stark wie der Duft einer Blume.\nWir haben in unserer komplizierten und ver-\nworrenen Zeit Formen, die jeden unbedingt ebenso\nerfassen, wie der Feuertanz den Neger oder das\ngeheimnisvolle Trommeln der Fakire den Inder.\nDer Privatgelehrte steht als Soldat neben dem\nBauernsohn. Beiden fährt der Parademarsch gleich-\nmäßig durch die Glieder, ob sie wollen oder nicht.\nIm Kinematograph staunt der Professor neben dem\nDienstmädchen. Im Variete bezaubert die schmet-\nterlingfarbene Tänzerin die verliebtesten Paare\nebenso stark, wie im gotischen Dom der Feier-\nton der Orgel den Gläubigen und Ungläubigen er-\ngreift.\nFormen sind starke Aeußerungen starken Le-\nbens. Der Unterschied dieser Aeußerungen unter-\neinander besteht im Material, Wiort, Farbe, Klang,\nStein, Holz, Metall. Jede Form braucht man nicht\nzu verstehen. Man braucht auch nicht jede Sprache\nzu lesen.\nDie geringschätzige Handbewegung, mit der bis\ndato Kunstkenner und Künstler aller Kunstformen\nprimitiver Völker ins Gebiet des Ethnologischen\noder Kunstgewerblichen verweisen, ist zum min-\ndesten erstaunlich.\nWas wir als Bild an die Wand hängen, ist\netwas im Prinzip Aehnliches, wie die geschnitzten\nund bemalten Pfeiler in einer Negerhütte. Für den\nNeger ist sein Idol die faßbare Form für eine un-\nfaßbare Idee, die Personifikation eines abstrakten\nBegriffs. Für uns ist das Bild die faßbare Form für\ndie unklare, unfaßbare Vorstellung von einem Ver-\nstorbenen, von einem Tier, einer Pflanze, von dem\nganzen Zauber der Natur, vom Rhytmischen.\nStammt das Portrait des Dr. Gachet von van\nGogh nicht aus einem ähnlichen geistigen Leben,\nwie die im Holzdruck geformte, erstaunte Fratze\ndes japanischen Gauklers. Die Maske des Krank-\nheitsdämons aus Ceylon ist die Schreckensgeste\neines Naturvolkes, mit der seine Priester Krankes\nbeschwören. Für die grotesken Zierate der Maske\nfinden wir Analogien in den Baudenkmälern der\nGotik, in den fast unbekannten Bauten und In-\nschriften im Urwalde von Mexiko. Was für das\nPorträt des europäischen Arztes die welken Blu-\nmen sind, das sind für die Maske des Krankheits-\nBeschwörers die welken Leichen. Die Bronzegüsse\nder Neger von Benin in Westafrika (im Jahre 1889\nentdeckt), die Idole von den Osterinseln aus dem\näußersten Stillen Ozean, der Häuptlingskragen aus\nAlaska und die Holzmaske aus Neukaledonien\nreden dieselbe stänke Sprache wie die Schimären\nvon Notre-Dame und der Grabstein im Frankfurter\nDom. i\nv y'\nWie zum Hohn europäischer Aesthetik reden\nüberall Formen erhabene Sprache. Schon im Spiel\nder Kinder, im Hut der Kokotte, in der Freude\nüber einen sonnigen Tag materialisieren sich leise\nunsichtbare Ideen.\nDie Freuden, die Leiden des Menschen, der\nVölker stehen hinter den Inschriften, den Bildern,\nden Tempeln, den Domen und Masken, hinter den\nmusikalischen Werken, den Schaustücken und\nTänzen. Wo sie nicht dahinter stehen, wo Formen\nleer, grundlos gemacht werden, da ist auch nicht\nKunst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.8", "titre_corps": "Episode", "titre_sommaire": "Episode", "signature_source": "Zsigmond Móricz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.10", "debut_caractere": 4307, "fin_caractere_exclue": 9896, "texte": "Episode\nZsigmond Móricz\nSpät kehrten sie von der Jagd heim und warfen\nsich so wie sie waren, mit den kotigen Stiefeln in\ndie geflochtenen Gartensessel der großen Glas-\nveranda. Peter kam es drollig vor, daß er nun\nHausherr und in seinem Heim war, daß ihm hier\nalles gehörte, das Haus, die Möbel, die Magd und\ndas köstlich kleine Frauchen, drin in den behaglich\neingerichteten Zimmern.\nSie waren alle schrecklich müde, freuten sich,\nwenn sie sich nicht bewegen mußten, und schnauf-\nten wie abgehetzte Pferde. Eine nette Magd deckte\nden Tisch und bewegte sich flink aber plump zwi-\nschen den Männern. Heiter lächelnd verzog Peter\nden Mund: früher, wenn er von der Jagd gekom-\nmen war, hatte es ihm sogar Vergnügen bereitet,\ndas Dienstmädchen in die Beine zu kneifen. Tja,\njetzt, jetzt ist das natürlich etwas anderes. Heute\nist er verheiratet, ein junger Ehemann . . .!\nEr warf sich in den Sessel zurück, blickte auf\nden Plafond und lächelte.\nPlötzlich scheuchte ihn das Geraschel von Frau-\nenkleidern auf.\nSeine Frau trat ein und er erschrak darüber,\nganz unerwartet, als sei ihm ein Unglück zuge-\nstoßen. Das Frauchen sah ganz benommen, schläf-\nrig aus, das Gesicht war rot, von den weichen\nPolstern abgedrückt. Es machte den Eindruck, die\nFrau habe unter dem leichten Schlafrock nichts an.\nPeter errötete, denn er war ein bis zur Dumm-\nheit schamhafter Mensch. Es berührte ihn unan-\ngenehm, daß Ilka aus dem Bette gestiegen und zu\nihnen, den schmutzigen und müden und ordinären\nMännern gekommen war. Er sprang auf, stellte\nsich vor sie hin, als wolle er mit seinem Körper die\nFrau verdecken, ein geheiligtes Geheimnis vor sei-\nnen profanen und barbarisch lüsternen Kumpanen\nverbergen, doch quälte er sich vergebens, einen Vor-\nwand zu finden, mit dem er das Frauchen wieder\nin das dunkle Schlafzimmer zurücksperren könnte;\ner mußte mit erbittertem Munde zusehen, wie seine\nKumpane anscheinend ehrerbietig das kleine Händ-\nchen seiner ihm vor Gott und Menschen angetrauten\nGattin ergriffen, und mit zornig geballter Faust\ndachte er daran, was sich diese Schufte jetzt wohl\ndenken mochten.\nEr lehnte sich zurück und erblickte in der Türe\ngegenüber die eintretende Magd, welche auf einer\ngroßen Tasse das vorbereitete kalte Nachtmahl\nbrachte.\nEr war ganz paff vor Betroffenheit. Das Mäd-\nchen hatte ein fein zugeschnittenes Hemd an, wohl\nein Geschenk Ilkas, doch trug es das Hemd wit\nein Leibchen; vorher war es Peter nicht aufgefallen,,\ndaß das Mädchen im bloßen Hemde wars jetzt\nbrannte sein Gesicht vor Scham. In diesem Augen-\nblick glitt das Hemd von der Schulter des Mäd-\nchens, bis zur Mitte des Oberarmes hinunter, und\nspannte sich über dem Busen.\nWelche Schamlosigkeit! So zeigen sich die\nWeiber in seinem Hause?! Was ist denn dieses\nHaus? Ein Freudenhaus?!\nSehr aufgeregt, fast zornig aß er. Er kaute\ngroße Stücke Schweinefleisch und die Knorpeln\nkrachten unter seinen harten, starken Zähnen. Er\nfühlte, wie sein Frauchen manchmal die Augen\nwarm, müde, verliebt auf ihm ruhen ließ; doch er\nblickte nur zurück, wenn er wußte, das verschla-\nfene Weiblein passe auf die witzige Rede der bei-\nden Männer auf, wie ein kleiner Vogel, der auf\nwippenden Zweigen hockt.\nNach dem Abendessen sagte die kleine Frau:\n„Schlafen gehen, schlafen. Die Herren sind\nmüde. Gehen wir schlafen.\"\nUnd langsam, mit unsicheren Bewegungen\nwollte sie sich erheben. Doch es ging nicht, bitte-\nheischend schaute sie zu ihrem Manne hin und ihr\nBlick bohrte sich flehend, iiebelechzend in seine\nAugen: Komm schon, komm doch schon. Siehst\ndu denn nicht, daß ich dich rufe, warte, mich nach\ndir sehne . . . Umarm mich, drücK mich doch\nschon an dich, führ mich doch mit . . . ich bin dein,,\nganz dein.\nPeter stieg alles Blut in die Schläfen und die\nstarke Sehnsucht brachte ihn fast einer Ohnmacht\nnahe. Doch schon in der nächsten Minute drang\nihm die Ausdünstung der beiden andern Männer\nin die Nase und er wurde sofort wild:\nWas, er soll sie jetzt umarmen, soll sie mit sich\nfort ziehen, vor jedermanns Augen, vor diesen da,\ndie wissen, was in den folgenden Minuten geschehen\nwird, es auf den Taschenuhren abzählen . . . Er\nselbst sollte die Heiligkeit der Ehe mit dieser rohen\nund groben Enthüllung besudeln!\nMit mürrischem Gesicht brummte er:\n„Eh, mit dem vollen Magen kann man sich nicht\nniederlegen. Spielen wir ein Weile.\"\nEr riß aus der Tasche ein Spiel Karten hervor\nund warf es den anderen doch nicht in die Augen,\nwenngleich die Hand diese Richtung nahm, als die\nbeiden in ein freches und rohes Lachen ausbrachen.\nDas Frauchen tat wohl ein wenig zimperlich,\nzog aber dann mit geduldiger Ergebenheit den\nSessel hinter den Gatten, lehnte sich an seine\nSchultern und kiebitzte so.\nPeters Kopf glühte und die Karten grinsten ihn\nhöhnisch an. Er empfand im Ohr den leise\nkeuchenden Atem seiner Frau und schalt sich flu-\nchend:\n„Der Teufel soll meine Schamhaftigkeit holen!\nWie viel Qualen habe ich schon deswegen ausge-\nstanden!\" Und mit wilder Kraft stach er mit dem\nPiqueaß ein. Dreizehn Jahre war ich alt, als ich dem\nKindermädchen fortlief, das mit mir spielen wollte ..\nWie oft entschlüpften mir seither die besten Bissen\nvor dem Mund. Muß ich jetzt hier sitzen und Karten\nspielen, wo ich . . .\"\nEr verlor.\nDie Adern auf seiner Stirne schwollen an und\ner knirschte mit den Zähnen.\nDie Frau sah, ihrem Gatten fehle etwas; sie\numschlang seinen Nacken mit ihren unschuldigen\nschlanken weichen Armen und streute ihm kurze\nKüsse aufs Haar.\nPeter starrte die Karten an und vor seinen Au-\ngen tanzte blendender Nebel. Die Muskeln seines\nArmes begannen zu zittern, doch die Karten in\nseiner Hand zitterten nicht.."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3718, "texte": "Die Magd trat ein. Peter starrte das Mädchen\nmit blinden, hervorquellenden Augen an. Man\nkonnte dem Mädchen ansehen, es habe inzwischen\ngeschlafen, seine Augen blinzelten in dem hellen\nLicht. Das Hemd des Mädchens war nun auch in\nUnordnung, doch jetzt hing es von der anderen\nSchulter hinab und als das Mädchen mit einer un-\nwillkürlichen Bewegung den Arm hob, um das\nHemd zurückzuschieben, sah Peter den gebräunten\nprallen runden Busen und die dunkle Achselhöhle.\nSchlaftrunken trug die Magd die Tasse hinaus\nund Peter verfolgte sie mit den Augen wie ein ner-\nvöser Jagdhund, während er zugleich ganz unbe-\nwußt in die Karten sah.\n„Aber Liebster!\" sagte das Frauchen und zog\nihn bei den Haaren, „ du wirst doch nicht Atout\nausspielen,\" und mit lieblichem, weiblichem Gerech-\ntigkeitsgefühl nahm sie auch gleich die schon aus-\ngespielte Karte zurück.\n„Also, spiel du selbst,\" rief Peter aus und schob\ndie Karten seiner Frau zu. Er wurde rot, weil sie\nihn beschämt hatte, sein Gesicht glühte und er\nmußte sich abwenden, um seine Geniertheit zu ver-\nbergen.\nLächelnd übernahm die kleine Frau die Karten,\nPeter aber machte sich fort. Er warf den Hut auf\nden Kopf und ging hinaus.\nAls er den langen Korridor entlang ging, blieb\ner plötzlich stehen. Seine Brust schnürte sich zu\nzusammen, daß er dem Ersticken nahe war.\nDas Dienstmädchen kam aus der Küche zurück,\nwohin es das Geschirr getragen hatte, und öffnete\nnun die Türe des Dienstbotenzimmens, um schlafen\nzu gehen.\nDiese Stube war früher eine Kammer gewesen;\nwar erst jetzt für die Magd hergerichtet worden,\nweil sich in dem gesondert stehenden Gesindehaus\nkein Platz fand. Man brauchte das Mädchen auch,\nund so schlief es hier allein, — bei der Hand —.\n„Susi!\" rief Peter und wußte nicht einmal, was\ner mit zitternder Stimme sprach. „Warten Sie!\"\nEr sprang zur Türe hin. auf den Fußspitzen\nzwar, aber dennoch tolldreist, denn die große Ace-\ntylenlampe der Veranda beleuchtete den ganzen\nGang. Man hätte ihn sehen müssen, wenn man\nihm nachgeblickt hätte.\nDas Mädchen duckte sich furchtsam und er-\nschrocken in die Türe.\n„Ich will etwas,\" lispelte Peter und sein ganzer\nKörper erzitterte so stark, daß er fast in Schweiß\nausbrach. Er drängte das Mädchen zur Türe hin-\nein.\nAls er später hinaus kam, gähnte er, schaute\nauf den Himmel, streckte sich, bog das Kreuz und\nließ die Rippen unter den Fingern krachen. Er\ntrat hinunter in den Kot, ging eine Weile in der an-\ngenehmen kühlen Luft umher und rauchte sich eine\nZigarre an.\n„Es ist eine schöne Nacht,'4 sagte er und lausch-\nte dem Gestampfe der Rosse, das vom anderen\nHofe herüber drang.\nAls er sich genügend abgekühlt, beruhigt hatte,\nging er auf die Veranda zurück.\nEr schaute den Spielern ein Weilchen zu, doch\nwiderte ihn ihr Lachen an, er verachtete ihre nich-\ntige, durch die Karten verursachte Aufregung und\nsagte einfach, phlegmatisch:\n„Nun, mein Kind, gehen wir nicht schlafen?\"\nDie kleine Frau benützte rasch die Gelegenheit.\nSie hatte schon ein paar Gulden gewonnen und\nwäre damit gerne geflüchtet.\n„Gehen wir, mein Alterchen, gehen wir.\"\n„Dann gute Nacht.\" Gelassen, ohne jeden Neben-\ngedanken reichte er den Männern die Hand.\n„Brr, wie müde bin ich,\" sprach er dann im\nSchlafzimmer, den Rock von sich werfend, „wie\nmüde man sich wegen eines solchen lumpigen\nHasen macht.\"\n„Mein armes Männchen,\" erwiderte die Frau\nunter der leichten Sommerdecke. „Komm, laß dir\neinen Kuß geben.\"\nPeter hielt ihr die Stirne hin und dachte daran,\nder Schaffner sei doch ein Schuft und betrüge ihn\nganz bestimmt. Er verrechnet täglich dreißig Tag-\nlöhner, aber es befanden sich nicht soviel Arbeiter\ndraußen, als sie auf der Jagd an dem Maisfelde\nvorübergekommen waren.\nEinzigautorisierte Übertragung von Stefan I. Klein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.9", "titre_corps": "Die Träume : Dichtungen", "titre_sommaire": "Die Träume : Dichtungen", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.11", "debut_caractere": 3720, "fin_caractere_exclue": 5293, "texte": "Die Träume\nDichtungen\nKurt Heynicke\nIch ruh in tief verglastem Meer\nund alle Gassen der versunknen Stadt\nvorüber.\nIn schlanken Händen toller Freudenhäuser\nblitzt Gold\nund ihren Schatten steht ein Lächeln im Gesicht.\nIm Hafen starrt der Chor der vielen Segel\nmit fremden Augen\nflutversinkend\nin den Meeren.\nEin Brunnen schluchzt auf lautem Markte.\nDort schöpft ein Greis\nalt\nwie der letzte Schlag der Mitternacht\ndie Stunden aus dem Tage.\nIch fühlte\nmorgen bin ich alt wie er\nJa morgen\nKlingen mir die Dome dieser Stadt.\nRings ernste Teppiche an den Wänden.\nSeit tausend Jahren\nsehen sie die Nächte östlicher Lust\nflammend\nwie Feuer in der Wüste.\nUnter der gelben Lampe vertobte der heiße Wind\nKüsse\ndie Karawanen verschütten.\nDie Sklavin nimmt die Hand von meinem Leibe\nich hülle meine Hüften stumm in grüne Seide\nhinbettend\nin die Qual der toten Augen,\nDie weißen Monde reiten über Nacht\nund vielen Sterne\nhaben selbe Gebärde:\nSie lächeln ewig\nwenn ich weine.\nMein Stab sind die Himmel\nund ich will gehen bis zur Morgenwäehe,\nStill liegt die braune Brust des Weibes.\nIhr Traum trinkt Ruhe\nwie die Quellen\nWinters\nim Norden.\nHoch über Tannen\nblühendes Licht\nIch peitsche meinen Rappen\nund reite mein Blut tot.\nNur Gletscher wehen mir zur Seite\nKalt ist die Erde\nwie mein Wollen\nIch hebe meine Hände\nSieg\nzu schlagen\nund\nbebe tastend erdenwärts.\nDenn zwischen Pferdehals und Schenkeln\nmeine Fessel aus den Jahrhunderten:\nWeib!\nDas irgend-du\nist groß und hat so ferne Lippen.\nUnd meine Träne fühlt\ndaß ich nicht mehr bin\nund mir von den Schultern gleite\nwie die jungen Jahre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.10", "titre_corps": "Inhaltsverzeichnis : Zweites Halbjahr 1914/15", "titre_sommaire": "Inhaltsverzeichnis : Zweites Halbjahr 1914/15", "signature_source": "Fünfter Jahrgang", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.11", "debut_caractere": 5295, "fin_caractere_exclue": 7150, "texte": "Inhaltsverzeichnis\nZweites Halbjahr 1914/15\nFünfter Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nAdolf Behae\nDeutsche Expressionisten 17/18 114\nExpressionistische Architektur 19/20 135\nAlbert Ehrensteiß\nErkenntnis 19/20 135\nOesterreichische Prosa 13/14 98\nHermann Essig\nEin Weltereignis 15/16 108\nKurt Heynfcke\nGedichte 13/14 93\nGedichte 19/20 134\nGedichte 23/24 156\nTräume 23/24 159\nAdolf Knoblauch\nAn die Gefährten 17/18 121\nDie schwarze Fahne 19/20 127\nDie schwarze Fahne 21/22 142\nDie schwarze Fahne 23/24 156\nFrühe Gedichte 21/22 139\nKranz der Heimat 19/20 126\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nDie Hängematte des Riuge\nDesider Kosztolanyi\nDer Detektiv\nDer fette Richter\nHochzeit\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte\nAugust Macke\nDie Masken\nZsSgmond Moricz\nEpisode\nMynona\nSt — eine Algebraeske\nAugust Stramm\nErwachen\nGedichte\nGedichte\nGedichte\nGedichte\nKräfte\nHerwarth Waiden\nAugust Macke\nEnthüllungen\nKritiker\nKunstvorsteher\nRausch des Künstlers und des Nicht-\nkünstlers\nTheater\nPaul Zech\n13/14 93 Das Vorgesicht\n15/16 110\n17/18 115\n15/16 102 Zeichnungen\nVincenc Benes\n19/20 132 Linoleumschnitt\niVilo Campendonk\n2112* 13b Zeichnung\niol?o 17? Jacoba van Heemskerck\nOriginalholzschnitte\novoa I*7 Originalholzschnitte\nOriginalholzschnitte\no-x'oa ir« Originalhqlzschnitte\nStilleben I Holzschnitt\n21/22 140 Vlatislav lioiman\nGartenpavillon / Linoleumschnitt\n13/14 96 Monumentalgebäude\n15/16 106 nol v 1 ..\n17/l8 Oskar Koüosclika\n19/20 128 Zeichnung\n21/22 138 August Macke\n23/24 150 Originalzeichnunig\n91/7? Mense\n1.7/1 c 192 Originallinoleumschnitt\n9il?d Originallinoleumschnitt\n19/20 134 Originallinoleumschnitt\nL. Wachlmeier\n15/16 111 Originallinoleumschnitt\n21/22 143 Originallinoleumschnitt\n19/20 128\n13/14 89\n15/16 101\n15/16 105\n23/24 149\n23/24 153\n23/24 155\n19/20 125\n17/18 119\n13/14 94/95\n17/18 113\n21/22 137\n19/20 129\n21/22 141\n21/22 143\n15/16 107\n19/20 131"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.11", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 482, "fin_caractere_exclue": 641, "texte": "Notiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. 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Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene E x e m -\nplare auf holzfreiem Papier, V e r -\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Ftir das Ausland:\nEfai Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n'durch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf iiegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraOenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwtmscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Zwanzig Blatt Zeichnungea /\nStrichStzimg / Auf Kaiserlich Japan-Papier i»\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton \\m da-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 2864, "fin_caractere_exclue": 5638, "texte": "Kandinsky 1901—1913 / Monographic mit s e c h-\nz i g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBueher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nGlii ck —! / Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark I Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Qelder Butten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte / Qebunden\n3 Mark\nSturm-Bticher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig / III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VH: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst j 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: Dainislieder / Zu Qe-\ndichten von Amo Holz / Ffir Gesang und Wa-\nvier ! 3 Mark / 50 Seiten / Hummer 1 emzelfl: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nDer Sturm / Heeresmarsck / Fiir Klavier /\n50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturlsten: Umberto Boccioai: Das\nLadien / LuigiRussolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qiso Seve*\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin I Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni? AbschiedI\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall (4) /\nKiee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Qleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 35 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austel lung skataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / ie 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: PI a k at ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 j Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky j Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 5640, "fin_caractere_exclue": 6503, "texte": "Mense / Campendonk I Gabriele Miimer / Jaw-\niensky / Marianne von Werefkiti / Albert Bioch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / jean Metziu-\nger I Marc ChagalS I Fernand Leger / Jacoba van\nlieeniskerck I Otakar Kubin / Emil Filia / Vincene\nBenes / 01 to Gutfreund / Boccioni / Severiitl (\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schoiidt-\nRottluff I Waiter Helbig I Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung- Herwarth Walden / Elftes\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller SturmaussteUungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nDas zwolfte Jahr beginnt am 1. April 1915 / Die\nSturmpublikation, die die Mitglieder des Vereins\nfur Kunst im Jahr 1915/16 frei erhaiten, 1st: fieems-\nkerck handgedruckter und signierte Holzsclmitt auf\nKaiserlieh Japan-Papier"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 6505, "fin_caractere_exclue": 6674, "texte": "Zeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Fiorenz / V'm\nNazionaie 25\nUmelecky Mesicnfk / Monatsschrift fdr neue and\nalte Kunst / Administration Prag ! 5 Veleslavioova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 6676, "fin_caractere_exclue": 6684, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-03-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-03-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1915-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "debut_caractere": 6686, "fin_caractere_exclue": 7691, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Sti 11 cben / Bottt /\nLandschaft / Handgedruckte Holzschnitte /\naquarelliert / Auflage 5 Exemplare und je 10 Exem-\nplar e schwarz / Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nGemalde Gauguin zu verkaufen / Anfragen ver-\nmittelt Verlag Der Sturm, Berlin W 9\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimoaats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Draoia\nder Gegenwart in alien L&ndern / Probeheft gecen\nEinsendung von 6 Mark 50 Pfennig / Jahresbect*g\n21 Mark / Verlag Richard G. Badger / Bos&m\n/ Mass I USA 194 Boylston Street\nUmberto Boceioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduziofii qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mitanc\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Buchereinb&nde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- uad\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.1", "texte": "DER STURM\nFÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nFÜNFTER JAHRGANG 1915\nBERLIN ERSTES UND ZWEITES MÄRZHEFT\nNUMMER 23/24\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Kritiker / Dereinst / Es geht nun einmal nicht / August Stramm: Kräfte / Kurt Heynicke: Gedichte / Adolf Knoblauch: Die\nschwarze Fahne / August Mäcke: Die Masken / Zsigmond Möricz: Episode / Kurt Heynicke: Träume / Inhaltsverzeichnis des zweiten Halbjahrs /\nJacefea van Heernskerck: Drei Originalholzschnitte\n\nJacoba van Heemskerck: Original holzsehnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.2", "texte": "Kritiker\nHerwarth Waiden\nDereinst\n„Die Ausstellung wird — wie die erste Aus-\nstellung dieses Künstlervereins, natürlich manchen\nWiderspruch wecken, aber auch manche Anregung\ngeben. Sie zeigt allerhand Unausgegorenes und\nganz Verfehltes neben nicht wenigen Arbeiten, die\nvon Entwicklung und Fortschritt zeugen aus An-\nfängen heraus, die man dereinst nicht ohne berech-\ntigtes Mißtrauen beobachte t.\" Während das\nFortlassen des schlichten Hilfszeitworts „hat\" auf\nbesonders natürlich lyrische Begabung hinweist,\nscheint mir hier mehr eine Hilfe als kein Verbum\ni\nvorzuliegen. Sonst hatten die Herren stets etwas\nhinzuzufügen. Insbesondere tat dies auch Herr\nFritz von Ostini, der Dichter der Jugend, der sich\nbei ihr und bei den Münchener Neuesten Nachrichten\nauf sein Altenteil gesetzt hat. Jetzt treibt er\nneue Keime. Aber da man im Monat Februar noch\nnicht wissen kann, ob das Wetter beständig bleibt\noder ob man sich lieber auf seine Unbeständigkeit\nverlassen soll, so denkt man sich die Jugend als\neine Münchener Neueste Nachricht und läßt der da-\ndurch entstandenen Berechtigung zur natürlichen\nlyrischen Begabung durch Fortlassen freies Was-\nser. Und selbst wenn der Drucker nur ahnte, wies\nihm das Herze drückte. Einst kann man es\nauf den Druck oder auf die Gesinnung schieben.\nDereinst war es anders. Als in grauer Vorzeit\nim Jahre 1914 das Unausgegorene für die starken\nMünchener Verhältnisse noch lange nicht trinkbar\ngenug geworden war, da weckte es manchen na-\ntürlichen Widerspruch. Selbst abgestandenes Bier\nist noch besser als gar keins. Jetzt wird es teuerer.\nDie Zeit bringt es mit sich. Die Zeit von 1915\nnimmt, was sie in keiner Zeit vertragen kann. Nun\nhat sich aus den Anfängen etwas recht Beträcht-\nliches entwickelt. Es wird sichtbar. Die Künstler\nkämpfen und die Nachfolger siegen. Die Firma ist\nda, jetzt kann man Geschäfte machen. Der böse\nName hat sich zu einem stattlichen guten Namen\nentwickelt und das Blühen muß rechtzeitig zu\nMünchen angekündigt werden. Sieht man doch\nschon in Berlin die Bäume in den Himmel wachsen.\nUnd dieser Zustand ist gerade noch zu beobachten.\nWenn die Bäume erst im Himmel angekommen\nsind, versagt die Natur, die Brille beschlägt sich\nund der Kunstkritiker hat das Nachsehen. Darum\nentschließt er sich zur Nachsicht, wie es die Vor-\nsicht gebietet. Wie sollte er im Jahre 1916 sagen\nkönnen, was dereinst im Jahre 1915 war, und wo\ner das Dereinst von 1914 zur Kunstgeschichte ge-\nlegt hat. Die moderne Zeit lebt schnell, der mo-\nderne Mensch stirbt noch schneller. Früher saß\nder Kunstwissenschaftler auf den Jahrhunderten\nund konnte infolgedessen nicht unter sich sehen.\nDann legte er sich auf die Jahrzehnte, der ver-\ngangene Mensch war behäbig und er konnte das\nschnelle Wechseln der Jahrzehnte nicht vertragen.\nNun stellt er die Jahre auf den Schreibtisch. Ein\nRückschlagen per ultimo im Abreißkalender, und\ndas Dereinst steht noch da. Man überblickt. Drei-\nhnndertfünfundsechzig Tage sind eine Ewigkeit,\ndie man nachrechnen kann. Nicht umsonst gehört\nman zu den Gebildeten aller Stände. Es läßt sich\nüberblicken. Die Kinder wissen nie, wie gut der\nOnkel es meint. Aber später weiß der gute Onkel,\nwie gut er es gemeint hat. „Eine gewisse Einheit-\nlichkeit des Zieles ist unverkennbar.\" Die Familien-\ninstinkte beginnen zu sprechen. „Jenes Ziel ist wohl\ndie Schöpfung einer an die Natur nicht mehr wie\nbisher gebannten Malerei, einer Kunst, die inner-\nliche Empfindung ohne unmittelbare Abhängigkeit\nvom Vorbild geben soll.\" Die Natur war also der-\neinst ein Vorbild. Der Herr Künstler schuf das\nNachbild und der Kunstkritiker stellte sich zwischen\ndie beiden Bilder und war erst dann zufrieden, wenn\ner beim Umdrehen das Vorbild für das Nachbild\nhielt Die Nachbilder waren zum Greifen ähnlich,\nweil er sie beim Umdrehen für Vorbilder gehalten\nhatte. An den Vorbildern stieß er sich den Kopf,\nsodaß er das Nachbild zwar noch greifen, aber\nnicht mehr sehen konnte. Doch solche Verdrehun-\ngen machen viel Spaß. Und den Onkeln gefallen\ndie Spiele, die sie sich für die Kinder ausdenken,\nbesser, als den Kindern, die lieber mit den Onkeln\nspielen. Aber sei dem, wie es auch sein wolle, die\nFamilie ist erkannt und die unmittelbare Abhängig-\nkeit wird mittelbar. Vorn Mädchen reißt sich stolz\nder Knabe, vom Vorbild das Nachbild, und stürmt\nins Leben wild hinaus. Und erst, wenn das Mäd-\nchen allein ist, merkt es, daß dereinst der Knabe\nda gewesen war. Früher nannte man dieses Ziel,\ndas durch die Familienähnlichkeit erkannt wurde,\nVerrücktheit. Heute: „Farbe nur um der Schönheit\nder Farbe willen. Ausdruck ohne Rücksicht auf\ndie Genauigkeit der Form.\" Genau so haben sich\ndas die Künstler gedacht. Schließlich gibt es ja\nverschiedene Nasen. Und wenn die Künstler\njetzt nur auf die Einheitlichkeit ihres Zieles Wert\nlegen, mein Gott, dann läßt man sich schon einmal\neine Nase drehen. Heute werden sogar die natür-\nlichen Nasen operativ geändert. Soll man sich des-\nhalb wegen einer schiefen Nase von den „jungen\nKunstgelehrten\" fortwährend in die Finger schneiden\nlassen, die man doch zum Schreiben braucht. Wenn\nnur die Form bleibt, da wollen wir nicht mehr so\ngenau auf die Genauigkeit achten.\n„Aber wenn die mit soviel Leidenschaftlichkeit,\nOpfermut und Willensaufwand eingeleitete Bewe-\ngung nur den Zweck erreicht, von inhaltslosen\nFormeln, von der leeren Fertigkeit, vom Schablo-\nnenhaften zu erlösen und die Schaffenden dazu zu\nführen, daß jeder seines Wesens eigenen Ausdruck\nsucht, dann hat das alles auch schon Früchte ge-\ntragen\". An ihren Früchten kann Herr von Ostini\ndie Bewegung allerdings noch nicht erkennen, weil\nFrüchte tragen für die Bewegung etwas beschwer-\nlich ist. Und: „Wer kann ohne lange Prüfung zwi-\nschen der wahrhaften Eigenart, die sich ins Exzen-\ntrische verirrt und der gesuchten Wunderlichkeit\nunterscheiden, die bloß durch Neusein um jeden\nPreis verblüffen will?\" Jedenfalls nicht Herr von\nvon Ostini, nicht einmal nach langer Prüfung. Wer\nnicht konzentrisch ist, irrt sich exzentrisch. Man\nwandert planlos in der Kunstkritik umher und trifft\n„die wahrhafte Eigenart\", die sich nicht verirrt hat.\nJa, wer kann das unterscheiden? „Wer zwischen\ndem, der etwa die Form vergewaltigt im irrtüm-\nlichen aber ehrlichen Streben nach besonderem\nAusdruck und dem, der die Form verzerrt gibt, weil\ner sie einfach nicht beherrscht?\" Jemand, der irr-\ntümlich aber ehrlich vergewaltigt, kein Engel ist\nso rein. Wie verzerrt er aber, was er nicht be-\nherrscht. Es ist nicht so einfach, Früchte zu tragen.\n„Daß eine viel viel farbenfreudigere Kunst als die,\ndie wir bisher hatten, denkbar ist, können wir aus\ndieser Ausstellung erfahren.\" Das erfährt Herr von\nOstini aus einer Ausstellung, die die Nachahmer der\nneuen Kunst noch in unserer Zeit enthält. Er liebt\nnun einmal die Nachahmung. Nach der Natur\nfrüh er,nach den Künstlern jetzt. Herr von Ostini\naber wird vielleicht dereinst im Jahre 1916 wissen,\nwas er dereinst im Jahre 1915 nachgesehen hat.\nEs geht nun einmal nicht\nWährend Herr von Ostini in den Münchener\nNeuesten Nachrichten und fast alle Kollegen in\nBerlin schon ganz behutsam in den Tag blinzeln,\nzieht sich die München-Augsburger Abendzeitung\nin die Nacht zurück. Sie hatte gehofft. „Einige\nVoreilige hatten erwartet und verkündigt, daß die\ngroßen Begebenheiten unserer Zeit gewisse Er-\nscheinungen in der künstlerischen Produktion un-\nserer Tage, die man nicht mit Unrecht als Aus-\nwüchse bezeichnete, hinwegfegen würden auf\nNimmerwiedersehen.\" Dieselbe Nachahmer-Aus-\nstellung in München hat diese Hoffnung „zu schän-\nden gemacht\". Aber immerhin, die München-Augs-\nburger Abendzeitung lobt die Nachahmer über den\nPaul Klee, den einzigen Künstler, der aus dieser\nAusstellung nicht hinweggefegt wurde. „Gemein-\nhin werden solche heftige Entgleisungen, wie sie\nnamentPch wieder Herrn Paul Klee begegneten,\ndamit entschuldigt (oder vielmehr erklärt) daß man\nsagt: es kommt bei der Füllung einer Leinwand\noder einer Tafel nicht auf den Stoff und nicht auf\ndie Darstellung an, sondern auf den Rhythmus der\nLinien, auf die Schönheit der Farbenzusammen-\nstellung, auf die Ueberwindung der Gegenständlich-\nkeit.\" Die München-Augsburger Abendzeitung ent-\ngleist, trotzdem sie schon auf dem richtigen Gleis\nfahren wollte, sie entgleist, ohne es zu merken.\nDenn sie Dildet sich ein, einer heftigen Entgleisung\nbegegnet zu sein, trotzdem sie selbst umgeschmis-\nsen war. Wer das Unglück hat, braucht für den\nSpott nicht zu sorgen. Wenn die Abendzeitung das\nLicht nicht sieht, obschon es ihr beinahe in die\nAugen fällt, sollte sie Paul Klee in ihrer Dunkelheit\nungeschoren lassen. „Wer das Bedürfnis empfindet,\nsich solcher Art künstlerisch auszuleben, soll Tep-\npiche zeichnen und sein Geflunker nicht „Gedanken\nan die Schlacht\" oder „Ausblick aus einem Wald\"\nnennen.\" Man sollte der Abendzeitung einen künst-\nlerisch ausgelebten, gezeichneten Teppich schen-\nken, und damit ihr das Geflunker in den Mund\nschließen, das sie Kunstkritik nennt.\nAber alle Hoffnung ist noch nicht zuschanden.\nDie Gruppe ist „wenig homogen, neben ganz Wil-\nden findet man Künstler, die man zu den sanften\nIdyllikern zu zählen gewohnt ist. Ich tadele das\nnicht, denn wenn . . . Entwicklung ... zu ihr be-\nkennen . . ~ so sind es diese sanften Mitglieder.\nOhne Konzessionen — so hart das Wort ist: es\nmuß heraus! — geht es nun einmal in der Kunst\nnicht.\" Aber Kunstkritiken darf man noch immer\nohne Konzession schreiben. Es geht nun einmaL\n\nKräfte\nAugust Stramm\n\nEin Ehepaar\nIhre Freundin und sein Freund\nI\nDie Parkbäume spielen Schatten durch Fenster\nund Tür.\nSie: (am offenen Fenster, starrt hinaus, wendet\njäh, stemmt die Faust)\nFrauenlachen (aus dem Park)\nSie (gurgelt, zischt, krampft): so (bebt ins Zim-\nmer) so! (stürzt zum Spiegel, streicht Haar und\nGesicht, wendet, starrt hilflos, tonlos nachspre-\nchig) schön unbeschreiblich anmutig\nWelke Blätter (büschein durchs Fenster)\nSie (rast, zertritt, stampft, schleudert): Moder!\n(erstarrt, nestelt lein Blatt aus dem Haar, hält\ndie ausgestreckte Hand, versinkt) Wer? (krallt\ndas Blatt, schlägt die Luft, stößt den Fuß, er-\nschrickt)\nFrauenlachen runter dem Fenster)\nMannstimme (lockt): Schatz! Schatzi?!\nFrau stimme (fragt): huhu?\nMannstimme: hörst Du?\nSie (schüttelt Krampf)\nMannstimme: wir wollen reiten\nFraustimme: herrlich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.3", "texte": "Mannstimme: Die Herbstsonne\nFraustimme: jetzt\nSie (schraubt den Kopf zwischen beide Fäuste,\nwuchtet mühsam herum): ich . . . reite . . . zur\nNacht . . . zur Nacht das Mondlicht\nFraustimme (lacht glücklich): Nacht!\nHände (klatschen)\nFraustimme: Mondlicht\nSie (knirscht die gekrampfte Faust zwischen die\nZähne): rrrrsch\nFraustimme (beglückt): ich reite reite zur\nNacht! Mondlicht\nMannstimme (lacht)\nSie (starrt)\nFreundstimme: Wir reiten alle\nSie (erwacht, ordnet das Haar, ruckt das Kleid)\nMannstimme: zusammen\nFraustimme, Mannstimme, Freünd-\nstimme (jubelnd): zusammen\nSie (atmet, tritt gemessen zum Fenster)\nLachen (draußen)\nS i e (fingert Blätter)\nFreundstimme (lacht): Überschütten\nFraustimme (übermütig): Blätter!\nSie (scharrt Blätter vom Fensterbrett hinaus,\ntrocken, hart): verwelkt! verwelkt!\nFreund stimme (lacht): begraben!\nSie (erregt): Nicht . . nicht . . nicht . .\nFreundstimme: im\nFraustimme Freundstimme (lachend\nzusammen): Mondlicht?\nSie (fröstelt): Es frostet (tritt zurüok)\nE r (schwingt hoch und springt hinein)\nSie (schrickt die Hände entgegen)\nLachen (draußen)\nEr (reißt sie an sich, sieghaft): Wer?\nSie (wehrt): Du (entwindet zum Fenster)\nE r (neben ihr, lacht): Ich?\nSie (weist hinaus)\nEr (lacht): sie laufen fort, ja! (legt den Arm um)\nSie (entschlüpft, scharrt Blätter und liegt auf dem\nDivan, die Hände unterm Kopf)\nE r (sitzt zu ihr, schäkert)\nSie (wirft den Kopf zur Wand)\nEr (beugt zärtlich): Du?!\nSie (tonlos nachsprechend): un . . be . . schreib-\nMch\nEr (forscht): Was?\nSie (jäht hoch und starrt)\nEr (fährt übers Haar): Liebe!\nSie (stößt ihn zurück, reißt ihn an sich, um-\nschlingt): ich will auch nicht\nEr (leicht erstaunt): was denn?\nSie (läßt schroff los und stapft zum Fenster): ich\nwill!\nEr (schaut verwundert, unruhig): was willst Du?\nSie: Die Sonne liegt auf den Baumwipfeln\nEr (tritt zu ihr, wieich, besorgt): Kind!\nS i e (strafft, wendet und forscht sein Auge)\nE r: Kind!\nSie (hart): ich!\nE r (legt die Hand auf ihre Schulter)\nSie (wendet): brennen! (greift ein Flacon vom\nDivantisch und bespritzt ihr Gesicht)\nFreund und Freundin (lachend, leicht erhitzt\ndurch die Parktür)\nFreundin: Die Sonne!\nFreund (begeistert): zwischen den Bäumen\nFreundin (blendet die Augen): Es ist ganz dun-\nkel hier\nSie (schrillt): Licht! (schaltet ein)\nFreundin: ah!\nSie (schrÜlt die Klingel)\nFreundin (tappt geblendet): jetzt bin ich ganz\nblind (fällt lachend in den Sessel)\nDiener (durch die Flurtür bringt Thee)\nSie: So? (schenkt ein und reicht halb wendend\nder Freundin die Tasse)\nFreundin (will nehmen): danke\nSie (kippt die Tasse um)\nFreundin (springt im Schrei)\nSie (hält die Untertasse starr)\nE r und Freund (springen zu)\nFreundin (tupft das Taschentuch ans Kleid)\nFreund (hebt die Tasse): nicht zerbrochen!\nSie (lacht schrill kurz auf, nimmt die Tasse mit\nfreundlichem Nicken, wird lebendig, tupft die\nFreundin mit der Serviette mederknieend): oh ..\nich . .\nFreundin: es ist nicht schlimm\nEr (tupft den Arm der Freundin): nicht der Arm?\nSie (beugt ganz tief und tupft ganz unten): ich\nbin untröstlich\nEr (legt beruhigend flüchtig die Hand auf ihren\nNacken)\nSie (schnellt wehrig heftig auf, dann sofort be-\nherrscht): ja\nFreundin: ich gieh nach oben\nEr (hastig, galant): dem Mädchen klingeln! (öff-\nnet die Tür und folgt der Freundin)\nSie (schaut den Freund an in Triumph)\nFreund (unsicher)\nS i e (schenkt ein und reicht lächelnd)\nFreund (tastet verwirrt)\nSie (lächelt): sie fällt nicht\nFreund (nimmt und schlürft hastig): so?\nSie (immer lächelnd, schenkt ein, stellt die Tasse\naiuf den Divantisch, sitzt, schaltet die Tisch-\nlampe und dreht das Dunkel des Seidenschirms\nauf ihr Gesicht, heiter): Rauchen Sie?\nFreund (hastet die Zigarettendose vom Tisch\nund bietet ihr)\nSie (nimmt lächelnd): danke\nFreund (hastet Feuer)\nSie (zieht langsam wohlig): danke\nFreund (zündet eine Zigarette und schlenkert\naus)\nSie (lächelnd langsam): Sie werden Feuer stiften\nFreund (starrt prüfig, rückt zusammen): ich\nbrenne schon\nSie (springt auf, reckt den Arm und geht zum\nFenster): aah . . mein Mann ist ein guter\nFreund (starrt nach)\nEr (tritt ein): so!\nSie: der Mond\nEr (neben ihr): ja . . der Mond\nSie (wirft die Zigarette verekelt): äh (prüstelt\nTabak, tritt zum Tisch und schlürft Thee)\nFreundin (reitfertig): ich habe mich fertig ge-\nmacht\nSie (schrofft die Tasse hin): nein\nFreundin und Freund (betreten)\nEr (bestürzt): was?\nSie (ruhig kalt): ich reite nicht\nFreundin (starrt bestürzt umher)\nSie: die Kälte (schließt das Fenster)\nEr (ratlos): du\nFre u n d (raucht nachdenklich)\nFreundin (sitzt, den Kopf auf der Brust)\nS i e (schauert und schließt die Parktür)\nFreundin (schluchzt verhalten): oh\nSie (strafft): Kind nein nein (stürzt hinter den\nStuhl der Freundin und armt): so nicht, nicht,\nich reite! ja! ich reite! (erschöpft) es ist heiß\nfurchtbar beiß hier\nE r (öffnet das Fenster)\nS i e (zwingt die Freundin hoch und faßt sie unter):\nkomm\nFreund (öffnet die Parktür)\nSie (wendet in der Flurtür zum Freund matt,\nfreundlich): danke schön danke\nFreund (in der Parktür, stemmt die Hüften,\npafft über die Schulter zur Flurtür nach)\nEr (boxt)\nFreund (wendet und schaut): wen wehrst du?\nEr (hört erschöpft auf): ja\nFreund (steckt die Hände in die Tasche, gleich-\nmütig): ja\nEr (stürzt raus)\nII\nSie (nestelt am Fenster): Wer?\nFrieundin (sitzt am Tisch hebt das Glas): was\nfragst du?\nSie (weicht aus): du hast Durst nach dem Ritt?\nFreundin (nickt und trinkt)\nS i e (stellt fest): ja! das war das Glas meines\nMannes\nFreundin (schrickt das Glas hin)\nS i e (nestelt, wendet und blickt raus)\nFreundin (stört hoch): wer? wer?\nSie (dreht den Kopf und blickt auf sie): an wen\ndenkst Du?\nFreundin (erschrocken): ich . . . ich ... .\nSie (ruft in den Park): Männe\nFreundin (stammelt sprachlos)\nEr (in der Parktür): wer vermißt mich?\nSie (ruhig): Dein Glas\nE r (lacht und streckt die Hand zum Glas)\nFreundin (hält ihm den Arm): nein nein\nSie (zuckt verächtlich): Kind (geht zur Parktür)\nFreund (tritt in die Parktür)\nFreundin (läßt seinen Arm los)\nEr (verdutzt): und?\nSie: könnt ihr keinen Scherz verstehn?\nTeller (klappern auf der Terasse)\nS i e (nimmt den Arm des Freundes)\nFreundin (üb er hastig): ich gehe mit\nSie (neckt zum Freund): sie will uns nicht allein\nlassen\nFreundin (ratlos betroffen)\nSie (neckt zur Freundin): verraten\nEr (bietet der Freundin den Arm, neckt): wir\ngehen!\nFreundin (schaudert, sammelt sich, nimmt hell\nauflachend den Arm und springt mit Ihm an des\nbeiden vorbei in den Park)\nS i e (lacht hinterher faßt den Arm des Freundes\nfester): ich liebe sie\nFreund (zuckt)\nSie (obenhin): ja\nFreund (hilflos): ja\n\"Sie: Sie auch?\nFreund (stammelt): ich . . ah\nSie (in heller übermütiger Lache): Sie lieben den\nMond\nFreund (ratlos, verlegen): er scheint heute hell\nSie (schaut in den Mond, nach einer Weile): Sie\nhaben scharfe Augen?\nFreund: ich\nSie (läßt seinen Arm, rückt einen Stuhl): ich bi»\nmüde (sitzt, nach einer Pause erschöpft) mein\nMann findet sie unbeschreiblich anmutig\nFreund (zuckt): wer?\nSie (gähnt leicht, gl eich giltig): ja\nFreund (tritt voll innerer Unruhe)\nSie (nach Pause gleichgiltig): wer kommt da?\nFreund (späht gespannt): wer?\nS i e (beobachtet ihn)\nFreund: nein\nSie (spöttelt): Ihre Augen\nFreund (aufgeregt immer spähig): oh meine\nAugen sind scharf\nS i e (nach Pause lächelnd): auf wieviel Schritt\nschießen Sie ins Herz?\nF re und (jäht zu ihr um, hastet zu ihr, nimmt ihre\nHand und küßt sie): ich bin ungezogen?\nSie (erhebt sich ruhig): galt das mir?\nFreund (starrt sie hilflos an)\nS i e (lacht schrill gell in die Nacht)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.4", "texte": "Aufschrei (schrickt im Park)\nSie (tritt in die Tür): Wer schrie da? so? so\n(zieht ihn zu sich) sehen Sie! (ruft) Seid ihr da?\nFreundin (atemlos aus dem Park): oh oh (stol-\npert und sinkt in einen Stuhl)wer hat nur so . .?\nSie (beobachtet): seid ihr erschrocken?\nEr (tritt hastig gezwungen lachend ein): es wird\nein Kauz gewesen sein.\nSie (leicht spöttisch): ja ein Käuzchen, die Nacht\nhat euch erschreckt (lacht) ja di;e Nacht! (faßt\nden Freund unter) Wir gehen das Käuzchen\nschrecken! (lacht auf)\nFreundin (hebt, starrt, horcht): war das?\nEr (beruhigt): Es tut mir leid\nFreundin: Sie? ich gehe nicht wieder (kauert)\nich habe Furcht\nE r (küßt ihre Hand)\nFreundin (entsetzt): wir wollen nie wie'dier\ngehn nie!\nE r (bietet eine Zigarette an)\nFreundin (nimmt): ja\nEr (gibt Feuer): die? Aengste verpaffen! Uebrig\nbleiben Sie und ich! (zündet an und wirft das\nbrennende Streichholz durchs Fenster)\nGrelles Auflachen (stiebt rein)\nFreundin (hoch, an allen Gliedern zitternd)\nEr (schrickt und starrt zum Fenster)\nSie (tritt lachend ein): Kinder (prüft ihr Kleid)\nihr habt mich angesengt beinahe\nFreund (hinter ihr mit drohenden Augen)\nSie (lacht liebenswürdig): Wir leben auch noch!\nihr Feurigen\nFreundin (erlahmt, stottrig): o\nSie (scherzt): was?\nFreund (stößt die Zigarette im Aschbecher ent-\nzwei)\nSie (schaut): Sie Zerstörer\nFreund (tritt zurück): ich?\nSie (weicht ab): wir alle (wendet) es ist gedeckt\n(nimmt die Freundin untern Arm und schiebt sie\nzur Tür, gibt die Willenlose in der Tür lachend\ndem Freund, holt ihren Mann und geht mit ihm\nraus)\nIII\nGedämpftes Licht\nS i e (starrt in Gedanken)\nEr (vom Park): ihr seid alle schnell vom Tisch?\n(legt die Serviette hin)\nSie (streift langsam umständlich den Trauring\nund legt auf den Divantisch)\nEr (erstaunt): was tust Du?\nSie: er tut weh\nE r (greift zum Ring): lassen wir ihn weiter machen\nSie (hart): nein\nEr (betroffen): Du . .?\nSie (trocken): er ist weit genug\nEr (starrt)\nS i e (immer bewegungslos den Rücken zum Fen-\nster): wo sind sie?\nEr (lacht befneät und schaut zum Fenster): sie\nwerben\nSie (bewegungslos)\nEr (wirbt zu ihr): sie werben! Du!\nSie (wehrt die Hand): still\nFreund und Freundin (treten stumm ein)\nSie (lebhaft umschlajgend): keine Furcht mehr\ndraußen?\nFreundin (hart, gepreßt): ich\nSie (scherzt): jetzt graust mich (nimmt den\nArm des Freundes und geht mit dem Freund in\nden Park)\nFreundin (starrt nach den beiden um)\nE r (tritt auf sie zu)\nFreundin (wehrt entsetzt): Schweigen Sie!\nnicht! nicht! nur schweigen! gleich lacht sie.. o\ngleich . . .\nEr (bedauert): das hat Sie erschreckt\nFreundin (immer die Augen zurück): machen\nSie heller hier\nE r (schaltet Flammen ein)\nFreundin: heller (voll Angst und Beben) ich\nwill nichts gar nichts\nE r (tritt neben sie und nimmt ihre Hand)\nFreundin (reißt los): lassen Sie! lassen Sie! ich\nspreche nicht! ich spreche (tritt plötzlich fest\nauf) ja (stark) ich verlobe mich! ich verlobe\nmich\nE r (faltet die Hände)\nFreundin (hebt die Hand, horcht): da lacht? . .\nEr (läßt die Hände fallen): Sie sind erregt\nFreundin (entschlossen): ich will! doch! (hastet\nin den Park)\nEr (ihr nach): hier! hier! Sie finden ja nicht!\nFreund und S i e (vor der Tür, starren den bei-\nden nach)\nSie: die haben Eile\nFreund (starrt nach): ja\nSie: Die haben uns nicht gesehen\nFreund: nein\nSie (lebhaft): Sehen Sie! sie laufen! laufen\nFreund (unbeherrscht): ich\nSie (lauert kalt): o bis dahin treffen Sie nicht\nFreund (erschrickt)\nSie (tritt in das Zimmer): Die Luft ist aufgeregt\nFreund (stapft gezogen nach): ja (starrt in den\nPark)\nSie (ruhig gleichmütig): weshalb erklären Sie sich\nnicht?\nFreund (wendet überrascht zu ihr)\nSie (lächelt): weshalb?\nFreund (starrt wieder in den Park): sie hat mich\nabgewiesen\nS i e (spannt hoch)\nFreund: vorhin! ja!\nSie (forscht): vorhin?\nFreu n d (nickt)\nS i e (nahe zu ihm, legt die Hand auf seinen Arm)\nFreund (zuckt zusammen)\nSie (weich anschmiegend): ich hasse\nFreund (starrt sie' an)\nSie (wehmütig): ja mein Mann\nFreund (fährt um und starrt sie an, unbeherrscht\nsprachlos, packt derb ihren Arm): wer? wer?\nSie (blickt ihn ruhig an): ich\nFreund (löst gebrochen, schwach): Verzeihung\n(stöhnt leise)\nSie (in heller plötzlicher Angst, fleht): Aber Sie\ndürfen nicht! . . nicht wahr . .? das tun Sie\nnicht! o! versprechen Sie! Wenn Sie mich!\netwas für mich! bitte! bitte\nFreund (macht eine wehrige Handbewegung)\nSie (forschig bang): Sie werden es nicht tun!\nFreund (schwach): ich habe kein Recht\nSie (trotzend, forschig hart): Recht?!\nFreund (weh): Recht\n(Schweige n)\nSie (schwach): ich leide so\nFreund (küßt ihre Hand)\nSie (läßt ihm die Hand): mein Mann ist gut! gut\nSie finden Ihr Glück! (Schweigen) Gedanken!\nPeitschen! Stoßen! Grauen! alles verloren!\nFreund (spannt in den Park)\nSie (folgt seinem Blick): sie kommen (läßt seine\nHand los) ihr tappt im Dunkel? Wir sind in der\nKelle!\nE r und Freundin (treten nebeneinander ein)\nEr (hastig): suchen wir bricht ab, zum\nFreund) Dich\nFreund (spannt hoch)\nFreundin (erschöpft): ich geh jetzt, ich bin\nmüde, müde, ich kann nicht, unfähig (schleppt\nohne umblicken hinaus zur Flurtür) ich kann\nnicht\nE r und Freund (staunen hilflos nach)\nSie (kalt): jeder muß alleine tragen! alleine?\n(setzt sich erschöpft) es war zu viel heute\n(scharf, spitz, gestrafft zum Freund) o Sie . .?\nFreund (fährt aus Versunkenheit ertappt): ich\nich\nSie (erhebt sich ruhig fest zu ihrem Mann im\nVorbeigehen): er hat mich angefaßt!\nEr (verständnislos)\nFreund (verständnislos)\nSie (reibt ihren Arm): ja angefaßt (tritt zum Fen-\nster, blickt in die Nacht) ich sage nicht mehr.\nEr (spannt den Blick auf den Freund)\nFreund (strafft und steht dem Blick)\nSie (klammert das Fensterkreuz, schwach, weh):\nangefaßt, Gewalt.\nEr (begehrt auf)\nFreund (geht kalt an ihm vorüber zur Tür)\nSie (in fliegender Angst): nicht, nicht ihr tut das\nnicht, ihr schießt nicht, nicht schießen! nicht!\nFreund (steht in der Tür und blickt auf sie zu-\nrück forschig)\nSie (wirft grelle Lache auf den Freund): Jetzt\nmüssen Sie schießen! jetzt müssen Sie!\nmüssen Sie! Sie müssen!\nFreund (zuckt, taumelt, hetzt in die Nacht)\nSie (am Fenster, ruft nach): Sie! Sie! Sie!\nEr (erwacht): war?! das?! was war das?! wo\nstehst Du? Du?!\nSie (kalt): ich steh auf mleinen Füßen\nEr (bäumt auf): Du!!\nSie (blickt ihn kalt): Du!! Mann!!!\nE r (schlägt die Hände vors Gesicht in Schluchzen)\nS i e (peitscht das Taschentuch in die Luft und den\nRing vom Tisch, ballt die Faust, geht verächt-\nlich vorüber)\nE r (die Hände vors Gesicht gekrampft geschüttelt)\nIV\nDie Divanlampe leuchtet\nS i e (horcht die Hände gekrampft zur Tür): komm!\nkommen! (schüttelt in Schluchzen) lieb! lieben!\n(kauert auf den Divan) komm kommen! komme!\n(schweigt und spannt) fühlen, fühlen! (ringt die\nHände zur Tür) ich habe lieb! (erblickt den\nRing auf der Erde, stürzt, hebt hoch, betrachtet\nund steckt sorgsam wieder auf) ich zieh ihn auf!\nich ziehe ihn wieder auf (zeigt die Hand ins\nLeere) sieh, sieh . . . (preßt die Hände an die\nSchläfen und starrt zur Parktüre) oo! (hetzt an\ndie Tür stößt mit Händen und Füßen die Nacht,\nzurückweichend) nein Nacht! (schiebt vorwärts-\nstemmend etwas hinaus) kalt! (wirft in der Tür\ndie Hände hoch hinausgehend) wieder kommen!\nnicht wiederkommen! (preßt den Kopf besin-\nnend) Liebe Liebe (lehnt die Tür, weich weh)\nich liebe! ja! (schrickt auf und dreht die Faust\nder Tür) Du! (starrt entsetzt und wehrt mit bei-\nden Fäusten) stehen! stehn (taumelt wirr in das\nZimmer) Wände! taumelt! (schaut entsetzt um-\nher, rast gegen die Wand und stapft mit dem\nFuß dagegen) stehen! steh! (schleicht gebückt\nzum Divan) still! (kauert angstgehetzt umher-\nblickend zu den Wänden) nicht laufen! laufen!\nso lauft doch nicht! (springt auf und würgt sich\ndie Hand an die Kehle) Das Gewürge! Qewürge!\nihr würgt mich!\nE r (tritt in die Parktüre mit Mantel und Hut): Du\nbist hier\nSie (schrickt furchtbar, fällt zu Boden, springt\nhoch, geht mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu,\nstark): o Du kommst! Du kommst! leben\nEr (ruhig): ich suche Dich\nSie (umschlingt): nicht. Dich! Dich! Dich! Du!\nEr (schaut sie an ruhig): ich wollte für jeden Fall\nS i e (hält ihm die Hand auf den Mund): es ist alles\nnicht wahr! nicht wahr! nicht wahr!\nE r (wiederholt mechanisch): nicht wahr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.5", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.6", "texte": "\"Sie: Lüge! Lüge! gelogen! Lüge lügt!\nEr (verständnislos): lügt\nSie (immer leidenschaftlicher): hat er nicht ge-\nsagt? gesagt? nicht gesagt?\nEr (ruhig): er schießt!\nS i e (stemmt ab, taumelt zum Tisch und legt das\nGesicht auf den Arm): 000\nE r (legt die Hand auf die Schulter)\nSie (springt auf stark visionär): du stirbst\nEr (streichelt sie weich): sterben\nSie: Du\nEr: lieben\nSie (wirft um und klammert): Du wirst nicht\ngehen\nEr (ruhig): ich gehe!\nSie (entwindet sich ihm jäh): Du!\nEr (armt weich nach ihr): Du Du\nSie (stößt ihn mit beiden Händen zurück): Du Du\nt\nDu! gehen! gehen! lügen! lügen! ich weiß nicht\nWahrheit! wo lügt Wahrheit?\nEr: Lügen?\nSie (weicht und stößt, zischt): ich hasse Dich\n(gellt ihm ins Gesicht): tot!\nE r (tritt einen Schritt zurück)\nSie (lacht gellend auf und ordnet im Nacken das\nHaar mit beiden Händen)\nEr (haucht): Du bist . .! fasse Dich! (hält ihr die\nHand hin ruhig): eine Weile\nSie (wen diet ab)\nEr (schließt den Mantel): wenn Du mich liebst\nSie (jäh zu ihm): wenn du mich liebst\nEr (hält ihr die Hand hin): das gilt die Karte\nSie (beugt über den Tisch, stemmt die Ellbogen\nauf und hüllt das Gesicht in die Hände\nE r (küßt ihr Haar, geht schnell ohne umzublicken\nin den Park)\nS i e (fährt hoch, streckt die Hand ihm nach, setzt\nden Fuß und bleibt stehen)\n{Ihre Haltung löst langsam)\nSie (matt schlaff gefangen): Eine Weile (peitscht\nauf und wütet die Venus in dem Winkel zwischen\nParktiir und Flurtür) fort! fort! (hält inne) nein!\nbleib! bleib! (hetzt die Reitgerte vom Tisch und\npeitscht die Venus) runter! runter! kuschen!\nkusch! (läßt erschöpft ab, schleudiert die Peitsche\nfort, wendet und knirscht in Schauern) nun fallt!\nfallt Wände! fallt! würgt! würgt! (erstarrt,\nstützt die Faust auf den Tisch, spannt ab, schüt-\ntelt heiter den Kopf, leicht) würgt!\nD i e Tti r (klopft)\nS i e (spannt hoch)\nP r e u n d i n (im Nachtgewand)\nS i e (starrt)\nFreu n d i n (zaghaft): verzeih, ich hörte sprechen\nSie (rauh): Du? so spät in Nacht? so früh am\nTag?\nFreundin (schauert, tritt ein und schließt die\nTür)\nF reun di n: ich bin unruhig\nSie (abwesend): so so\nFreu n d i n (erschöpft): Angst!\nSie (lacht kurz auf): Angst!\nFreun d i n (erschrocken): Du\nS i e (lauscht in den Park)\nFreundin: Du horchst\nSie (bezwingt): nichts\nFreundin (hastig): Stimmen gehen im Hause\nSie (ruhig): nichts ist im Hause\nFreu nd i n (starrt): wo?\nSie (wirft gleichgiltig, ordnet den Divantisch): er\nhat mich angefaßt\nFreundin (verständnislos)\nSie (gleichmütig): ja der (horcht wieder)\nFreundin (aufgelöst): wer?\nSie (nickt): ja\nFreundin (preßt die Hände auf die Brust und\natmet schwer)\nSie (belauert wegwerfend): er liebt mich sagte\ner. Leidenschaft\nFreundin (erhebt schwerfällig, taumelig)\nSie (lauert grausam): Du liebst ihn? Du liebst?\n(streichelt sie)\nFreundin (sinkt auf den Stuhl zurück, wim-\nmert)\nSie (beugt über sie, gespannt): Verirrung nichts!\nVerirrung!\nFreundin (wimmert): unmöglich\nSie (richtet hoch, kalt): unmöglich\nFrieu n d i n (schreckgespannt): wo?\nSie (zurück kalt): ja die Männer\nFreundin (erhebt sich und legt das Gewand\nfest um)\nSie: Was willst Du?\nFreundin (gefaßt): ich muß ihn sprechen\nSie (lauert): ja?\nFreundin (ringt mit Entschluß): ich frage ihn\nSie (lauert): fragen?\nFreundin (in wilder Erregung): es ist nicht,\nkann nicht sein, Verzweiflung\nSie (höhnt): Verzweiflung\nFreundin (hart, stark): ja Verzweiflung (geht\nzur Tür, fest): ich frage ihn\nZwei Schüsse (flattern aus dem Park)\nS i e (zuckt furchtbar)\nFreundin (starrt, schaut auf sie, schreit, preßt\ndie Hand vor den Mund)\nS i e (hält zitternd am Tisch)\nFreundin (haucht): was war das? das?\nSie (haucht): frage, frage\nFreundin (verständnislos)\nSie (aufgerichtet, roh, selbstbewußt, gerechtfer-\ntigt): er hat mich angefaßt.\nFreundin (schreit, gell): Du lügst\nSie (dumpf drohend): Lüge\nFreundin (schreit): Entsetzen!\nSie (reckt im Triumph): o! mich! Dich mich! ich\nhasse! (immer unbeherrschter, ungebändigter):\nhasse! hasse! Liebe! Wahn! (tobt dicht vor die\nWehrlose) wahr! nicht wahr! wahr! nicht wahr!\nFreundin (wendet jäh zur Flucht)\nS i e (hält ihren Arm, erbarmungsvoll, weich, strei-\nchelnd) arme!\nFreundin (reißt los, taumelt, schleudert gegen\ndie Tür, klammert die Venus, stürzt zu Boden,\nhetzt hoch und flieht durch die Tür aufgellend)\nSie (starrt und starrt auf die Trümmer der\nVenus, hebt den Kopf hoch)\nSie (ins Leere): wer! (horcht und horcht) das\nmüßte anders klingen! anders! anders! (macht\neinen Schritt zur Parktür und horcht) nicht,\nnein, anders (schiebt Schritt um Schritt zur Tür)\n(hetzt dann in den Park) anders\nV\nTag Verhängte Fenster\nT o t e r (aufgebahrt auf dem Divan)\nSie (kniet das Haupt auf dem Toten)\nFreundin (tappt hinein an den Türpfeiler ge-\nlehnt)\nS i e (hebt den Kopf, wendet langsam, mechanisch,\nfaßt die Freundin ins Auge, fährt übers Gesicht)\nSie (erhebt mühsam, wankt auf die Zitternde,\nmatt): ich rief, ließ Dich rufen.\nFreundin (bebt an allen Gliedern)\nSie (armt die Willenlose): zürnen, nicht zürnen,\naufgeregt, erregt, (stärker und gefaßter) ich bin\nwieder ruhig (führt sie zum Stuhl, zwingt sie\nnieder, bleibt stehen, den Leichnam deckend)\nwer weiß? was tut? meine Aengste, ich weiß\nwas kommen mußte, handeln. Sehen. Das Selbst\nsieht sich zu. (streichelt sie) Du bist gut. (küßt\ndie Erschauernde, tritt neben sie)\nFreundin (blickt den Leichnam, schlägt haltlos\nwimmernd den Kopf auf den Tisch)\nSie (streichelt tröstig, schreitet zum Leichnam,\nbreitet die Arme und schaut nach ihr um): hier\nhat er mich geliebt\nFreundin (schaut unter Zwang)\nSie (wendet grausam): was wie in st Du?\nFreundin (hilflos faltet die Hände)\nSie (näher, drohend): sag was weinst Du?\nFreundin (sucht sich zu erheben, erstickt)\nSie (weich und matt): Du sollst nicht weinen.\nFreundin (steht gestützt, weh): Du hast mich\nlieb?\nS i e (zuckt heftig zusammen)\nFreundin (flehig): Du\nSie (lacht grell)\nFreundin (in fliegender Angst): lachen?\nSie (lächelt, spielt die Finger): ich kann alles (faßt\nwirr die Stirn)\nFreundin (tritt auf sie zu und legt ihr die Hand\nauf die Schulter): arme\nSie (erregt hastig): arme, ich bin arm, arm, ich\nwar immer arm (im Aufschrei) ich habe nie was\nich besitze.\nFreundin (tröstig): Du mußt Ruhe haben\nSie : Ruhe (lehnt an sie) Du hast mich lieb?\nFreundin (legt den Arm um): ich habe dich lieb\nSie (legt den Kopf auf ihre Schulter): wen hast\ndu lieb\nF r e u n d i n (zittert)\nSie (hebt den Kopf fern): ich war immer arm*\nallein\nFreundin (faßt ihren Arm)\nSie (bekräftigt): ja doch (schauert, kühl, unbe-\nrührt) er hatte andere\nFreundin (setzt sich erschüttert)\nSie (kühl, ruhig): Du kennst: ihn?\nFreundin (wankt auf, stammend, zitternd): Der\nTote, tot\nSie (tritt zum Toten und deckt sein Gesicht auf):\nwillst Du ihn sehen?\nFneundin (taumelt zurück und bebt auf den\nStuhl)\nSie (kühl): Du hast ihn doch im Leben gesehen\n(kauert und küßt den Toten): jetzt will sie Dich\nnicht mehr sehen, (klagt) niemand sieht Dick\nmehr.\nFreundin (will sich erheben, graust zurück)\nSie (zeigt ihn): Du kannst ihn doch ansehen, Du\nmußt ihn doch sehen (streicht dem Toten das\nHaar glatt)\nFreundin (durchgraust): was? Du?\nSie (unbeirrt): Du hast ihn doch gesehen, daß er\nmich ansah.\nFreundin (die Hand auf die Brust gepreßt): Du\nsprichst, Du sprichst\nSie (erhebt sich): ich spreche\nFreundin: Schweigen\nSie (dreht um, fern, wiederholt): Schweigen\nFreundin (kämpft kraftlos)\nS i e (erhebt sich verächtlich)\nFreundin (erschüttert, gehetzt, springt hoch):\nzeig ihn, zeig ihn.\nSie (faßt ihre Hand): Sieh\nFreundin (starr vor dem Toten, haucht): sieben.\nSie (lacht grell): ich weiß, ich weiß\nFreundin (reißt los): Unsinn! Unsinn!\nSie (ruhig, fern): ich weiß, Unsinn (lebhafter)\nalles Unsinn, (fuchtelt wild) wahr, alles wahf,\n(preßt ihren Kopf zwischen die Hände) alles Un-\nsinn! (preßt die Hände ums Herz) alles wahr!\nFreundin (zittert)\nSie (stampft auf und blitzt sie an, stößt sie ver-\nächtlich von sich und setzt sich zu dem Toten):\nso hab ich Dich gemordet!\nFreundin (hält mühsam am Tisch)\nSie (steht auf, hoheitsvoll vor ihr): nicht Dich!\nnicht Dich! (greift ihr Handgelenk hart, zieht die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.7", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Originalzschnitt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.8", "texte": "Gesträubte) er ist tot, Du hast einen lebenden\nSchatz, der mich will\nFreundin (gellt auf): nein!\nSie (zerrt sie): ja! nein! (hält fest, ruhig neben\nihr, bannend): was ist wahr? sag was ist wahr?\nFreundin (in Beben): warum haßt Du?\nSie: ich hasse, hassen? (lacht dumpf) sieh seinen\nMund, er küßt, o küßt!\nFreundin (sucht loszuwinden)\nSie (hält eisern fest): er hat geküßt, Männer küs-\nsen, wir müssen dankbar sein. Dankbar! (packt\nhinter ihr den andern Arm) Moder? die Lippen\nmodern (nimmt eisenfest die Hand auf ihr\nHaupt und beugt die Schreiende) Du mußt nicht\nschreien. Küssen! Küssen lacht! er hat so gern\ngeküßt, lachen! küssen! (stößt die Verstummende\nauf die Lippen) ich weiß, küsse, küsse (wirft die\nOhnmächtige hin) pfui Du Metze, (stößt den Fuß\nnach ihr) küsset anderleuts Leichen (beugt über\nsie) Leichenküsse (lauscht) Du hörst mich nicht,\n(reißt sie an den Haaren hoch) höre höre, ich\nhabe viel zu sagen (beugt über sie) schön Du!\nunsagbar anmutig (betrachtet die Liegende, tritt\nzum Spiegel, wischt über das Gesicht, tritt zu\nihr) nein, nicht bewußtlos, Freuden wachen,\n(gießt ihr Wein aus der Karaffe ins Gesicht) wach\nauf! wach auf (springt hoch, stellt die Flasche\naus der Hand) ja ja (reißt die Lade des Divan-\ntisches auf und stockt im Denken, hebt einen Re-\nvolver hoch) nicht doch! (legt die Hand an die\nStirn) ich bin ja ich bin (legt den Revolver zu-\nrück, lächelt bitter) nein ick hab ihm nie welche\nzugeführt, wahr! Lüge (sie spielt ein Messer) die\nAugen, die Augen, Nacht, (sie klappt das Messer\nund nimmt es stichig, beugt und bewundert) o du\nbist schön, unsagbar anmjutig, wirklich, hörst\nDu? und ich bin schön, er sagte es hundert Mal\n(im wehen Aufschrei) ich hatte nie was ich be-\nsaß. Ich besaß niemals was ich hatte und was\nich hatte, besaßen immer die anderen (weint,\nfährt der Liegenden über Gesicht und Haar)\nnein nein, Du sollst leben, wirklich leben (wol-\nlüstig tastend) Haut, Lippen, oh (beugt tief und\nschneidet) nicht küssen, niemals, niemals mehr\n(wirft Schnitt und Messer durch die Vorhänge des\noffenen Fensters) der andere, (beugt über sie)\nDu bist schön, o .anmutig, (breitet ein Tuch über\n•las wimmernde Gesicht) Du sollst nicht sterben,\nsterben, (preßt das Tuch an) Du kannst Dich auch,\nim Spiegel sehn, er liebt, er nimmt Dich doch\numsagbar, Totenkopf (erhebt sich, blickt angst-\nverzerrt umher, nimmt ein Glas, schenkt Wein\nund schüttet Pulver die Augen weit in Fernen)\nein Tor, ein Tor (schrickt zum Park)\nHunde balgen\nSie (lacht): die Hunde balgen Lippen, (hebt das\nGlasj) hörst Du? warte eine Weile, (Gedanken\nüberfallen) Weile (schaut auf die Liegende, beugt\nüber und horcht) atmen, atmen, Du (stellt das\nGlas fort und packt sie wild in die Haare) Du\nsollst nicht liegen hier, liegen, ich treffe mit ihm,\ntreffe, (schleift in den Park)\nSie: (kommt wieder und trocknet lächelnd die\nHände) ja geile Hunde (nimmt die Hand des\nToten, sitzt und betrachtet)\nHunde (heulen draußen)\nSie: (lacht grell, trinkt, wirft das Glas in Scher-\nben, greift stürzend seine Hand; über ihn) Du,\nDich, Ich.\nEnde\n\nGedichte\n\nDas erste Weife\nKurt Heynicke\nIch tue alles Kindsein von mir ab\nmmcL decke still den tiefen Sarg\nmit neuen Blicken zu.\nIn meine Augen\nkommt der neue Glanz\nzu fremden Städten und entfernten Wäldern,\nDie reifen Tage werden dunkler\nund schütteln Irrsal aus dem Mantel\nsodaß ich lange in den Abend gehe\nund mich verstecke\nvor dem großen Allein bei Nacht.\nAm Morgen sehen meine Tränen auf ein Wunder\nund ringen sich Gebete aus dem zagen Herzen.\nIch trage die weiße Seide großer Sehnsucht\num meinen schmerzen Leib\nund meine Hände tasten leise an die Türen.\nO wie ich meine Seide hüte!\nIch kann die Fratzen nicht besehn\ndie nächstens mit den bloßen Brüsten winken.\nDein Duft ist selten wie ein Tag\nzu dem man glücklich ist.\nMein Auge weiß nicht\nblühst du weiß oder violett.\nDeine Nächte sind Farben\ndie nur helle Seelen sehen\nund Töne\ndie in tausend Jahren kommen werden.\nDu trägst die Krone des Erfüllens\n'licht im Haar\nund meine Küsse salben deinen Scheitel.\nNun bist du Meer wie alle.\nDu schillerst bunt und unfaßbar\nim Grunde\nund auf der Fläche läßt du deine Stürme wohnen.\nNoch fühl ich deine Augen\ntief in mir,\nIch friere\nund ein dünnes Lächeln\nreißt entzwei.\nDie schnellen Stunden töten Brände\nund aus den letzten Geigenstrich\nrinnt Sattheit\nmüde\nin die Hände.\n\nGott\nIch trage Worte in den Händen\nwie man Geschmeide trägt.\nIch kann es schöner\nals die Priester tun\nund schmücke meinen Gott\nmit Liedern, !\nIch finde ihn\nin dunklen Stunden\nwenn er die engen Gassem\nmit den Augen schönt\nund wenn er sacht die Dirnen streichelt\nDie Liebe aus den hellen Fenstern hängen.\nIch finde nie das Amen bei den Worten.\nIch bange mich\ndem Endelosen Ende sagen.\n\nDie schwarze Fahne\nWiderstand\nEine Dichtung\nAdolf Knoblauch\nBrau hat sich gelobt, zu Hause zu bleiben, wäh-\nrend der durch seinen Brief heraufbeschworene\nStreit mit der Leutnantsfamilie zur Entscheidung\nheranreift, und jeden Abend einen Spaziergang\ndurch erfrischenden Frost, nervenstärkenden Wind\nund tiefe Waldeinsamkeit zu machen.\nNach dem Schnee und dem bleichstarTenfen\nFrosttag, der kupfernen Abendsonne im eisgrußen\nmakellosen Himmelsmeer ist an diesem Morgen &er\nwarmhauchende Südweststurm gekommen, dicke\nmetallene Wolken stehen über den Häusern und\ndem Sanatorium geballt, zu Stufen steigen sie über-\neinander und erfüllen mit ihrem stählernen Dunkel\nden stürmenden Erd-Morgen.\nDer Schnee auf Dächern, Bürgersteigen, den\numwallten Fahrstraßen lockert sich, stürzt hinab,\nschwere schmutzige Klumpen bedecken bald alle\nStraßen, Rinnsale tropfen . . . Mit dichten Stößen\ndröhnt der Sturm gegen Haus und Dach und\nlockert den siebenfachen Frost.\nIn der Frühe besucht Herr Assessor den Jüng-\nling, und indem er den vom Waschen feuchten\nSchnauzbart glättet, entledigt er sich des neuesten\nAuftrags: „Nun, Sie Erleuchteter, geht es Ihnen an\nden Kragen, soeben hat der Herr Leutnant die gnä-\ndige Frau telegrafisch aus der Stadt zu sich ge-\nrufen wegen eines gewissen Briefes, den der Brief-\nträger dem Herrn Leutnant bekannt gab. Im Auf-\ntrage der Familie fordere ich Sie auf, Ihr wunder-\nbares Schriftstück gleich herauszugeben, nun keine\nlangen Geschichten . .\nDa Herr Assessor alle seine Saucen mit der Zu-\ntat der Moral einlegt, kann er auch seine neue Auf-\nforderung zur Preisgabe des Briefes unmöglich so\nganz ohne Würze darbieten; Bran habe sich doch\nso für die Frau Leutnant interessiert, nun solle er\nder armen Frau, die er unglücklich gemacht habe,\nhelfen, sich zu rechtfertigen, er müsse begreifen,\ndaß ihre Ehre, ihr Familienleben am seidenen Fa-\nden schwebe . . . Wenn sein Gewissen rein sei» so\nkönne er den Brief ruhig herausgeben und dadurch\nFrau Brosin von jedem Makel befreien. Bran schüt-\ntelt schweigend den Kopf, wie soll er auch den\nBrief, in dem er die Partei der Frau gegen den\nMann nimmt, in die Hände jenes Menschen legen,\nder seine Kinder mißhandelt.\nAuf seine Weigerung dringt der graue Kubus\nmit seinen bösen tiefliegenden Augen und den mes-\nserscharfen Mundfalten nahe gegen Bran an, der\nganze Assessor humpelt einen gewichtigen Schritt\nvorwärts: „Soll ich Sie noch einmal an Ihre Flicht\nerinnern, Mensch, haben Sie nicht soviel Ehre, um\neine tadellose hochanständige Frau von dem\nSchmutz, den Sie auf sie gebracht haben, zu reini-\ngen, Wenn Sie eine Ahnung haben würden vom\nEhrbegriffe jenes Gesellschaftskreises, in dem die\nFrau Leutnant lebt, würden Sie sich schämen.\nWäre der Leutnant gesund, seiner Glieder mäch-\ntag, so hätte er sich längst Genugtuung geholt, aber\nauf andere Art, als Sie vielleicht denken.\"\nBran erwidert gleichgültig auf Anpöbelung:\n„Frau Lise, die allein das Recht über den Brief zu\nverfügen hat, gab ihn mir zurück, und sie tat recht\ndaran. Sie hat jeden Schein eines Verdachtes über\nilloyale Handlungsweise widerlegt, indem sie den\nBrief ablehnte zu empfangen. Damit, denke ich, ist\ndie Angelegenheit endlich erledigt . . .\"\nHerr Assessor humpelt hinaus, um Frau Lise\nweiter für die Sache des Herrn Leutnants zu bear-\nbeiten und nach einer Weile kommt die unge-\nschlachte Frau Hannah zu Bran, schließt vorsichtig\ndie Tür hinter sich zu. Bran ist erstaunt über ihr\nabgemagertes, graues Altweibergesicht, die trüben\nAugen, die „geschäftlich\" vom Gatten beeinflußte\nkalte Stimme: „Es bleibt mir unbegreiflich, wie Sie\neiner verheirateten Frau, die sich einige Male mit\nIhnen unterhalten hat, einen Brief schreiben konn-\nten. Wir alle haben Sie für einen allzu harmlosen\nMenschen gehalten, und nun zerstören Sie uns das\nganze Weihnachtsfest. Geben Sie wenigstens den\nBrief heraus, damit wir die Frau Leutnant beruhi-\ngen, geben Sie ihn mir in die Hand . . .\"\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.9", "texte": "Bran fühlt durch, daß er alle gegen sich hat in\ndd<m beginnenden Streit und nicht nur das würdige\nEhepaar, das Haus in dem er lebt, nein, die ganze\nStraße, den Ort, die „Welt\". Die Welt wendet sich\nvor ihm ab, und mag der Leutnant noch so ekelhaft\nsein mit der unaufhörlichen Suche nach einem „fait\naccompli\", mag die Frau Leutnant Sinn und Be-\ndeutung' seines Schreibens mißverstehen wollen, so\nbleibt doch ein Uebriges, das ihm das verdam-\nmende Urteil von aller Welt einbringt, mag er vor\nsich selbst unsträflich dastehen, die „Welt\" sagt,\ner habe sich in eine Ehe gemischt, die ihm nichts an-\ngehen darf, und die Welt folgert kraft des Gesetzes\nder Finalität, daß er dabei einen bestimmten Zweck\ngehabt habe.\nBran weist diesen Zweck aus gutem Recht und\nkräftig aus guten Geschmack die Bitte Frau Han-\nnahs höflich von sich fort.\nBran steht droben im schwarzen Bergland, um\nihn her ist es tief einsam. Zu seinen Füßen hört er\nAufprall, Donner eines Steines oder Blockes, der zu\nTal rollt. Bran kann ihn weder erspähen, noch ihn\ndaran hindern in der Tiefe seine Bahn zu vollenden,\nnur an seinem Schall ermißt er wägend die Kraft\ndes Aufpralls und die Stelle fern fremden Schick-\nsals, die er treffen wird.\n* # *\nBeim Hinausgehen öffnet Frau Hannah weit die\nStubentür Brans, und auf die Schwelle drängen mit\ndem Fräulein des Leutnants eine Reihe Menschen\nheran, unter denen der kleinen Frau Lisens deka-\ndentes bleiches Gesichtchen sich bemüht, über die\nSchulter der Vorderen Bran zu erblicken. Frau\nHannah verzieht sich im Hintergrund des dämmeri-\ngen Flurs.\nDas Fräulein, das in der Zwischenzeit vom\nLeutnant in wichtiger Sendung angelangt ist, hat\nihr jugendlichrosiges Gesicht wieder erlangt, die\nDinge haben seit der vergangenen Nacht eine\nerwünschte Wendung genommen, bei der Frau Lise\nRanzend hinein - und sie unschuldig emporfallen\nwird für den Leutnant. Hinter ihren reizenden\nbraunen Locken steht der harte Kubus des neugie-\nrigen Herrn Assessor, ängstlich schaut aus dem\nDunkel das hagere Arme Leute Gesicht Frau Han-\nnahs.\nDie Blicke all dieser Leute stehen hakend fra-\ngend um Bran, und Bran weiß, daß sie alle mit\nSpannung auf einen Brief an eine verheiratete Frau\nharren. Ueber die großgeöffnet auf Brans Gesicht\ngerichteten Augen Frau Lisens geht eine Stange\neisernes Grau, Bran erblickt dies liebliche Auge von\ndem Augenblick an nicht mehr, als das wortfüh-\nrende Fräulein im schönen Kasernenton ihres\nMeisters Öffentliche Redekunst zu üben beginnt:\n„Entschuldigen Sie, daß ich so ungebeten zu Ihnen\nins Zimmer komme. Aber ich komme im Auftrage\nvon Herrn Leutnant und soll Ihnen erklären, daß\nSie sofort Ihren Brief an die Frau Leutnant heraus-\ngeben. Sie sind darauf ertappt mit der gnädigen\nFrau ein Verhältnis zu haben — und Herr Leut-\nnant will sich scheiden lassen, wenn das wahr ist.\nUm das festzustellen befiehlt er, daß ich mit dem\nBrief in einer Viertelstunde bei ihm bin, Sie dürfen\ninzwischen keine Zeit haben, einen anderen zu\nschreiben und ihn unterzuschieben, Sie sollen ihn\nmir persönlich einhändigen. Wenn Sie dem Herrn\nLeutnant nicht nachgeben, so wird er telefonisch\ndie Polizei holen.\"\nJetzt sekundiert der würdige Herr Assessor dem\nFräulein: „Alle Leute sollen zunächst wissen, daß\nich Ihren Brief, ganz abgesehen davon, daß er nach\nIhrer eigenen Aussage Liebesdinge enthält, für den\nBeweis einer Taktlosigkeit und Unverschämtheit\nhalte, wie sie mir noch nicht vorgekommen sind.\nSie verdienten ein paar übergezogen für den\nDummjungenstreich.\" Herr Assessor humpelt vor-\nwärts und stelt sich dicht vor Bran: „Sie Einbre-\ncher in fremde Ehen, haben ja nichts zu verlieren,\nund nachdem Sie das Unheil angestiftet haben,\nziehen Sie Ihrer Wege. Qeben Sie endlich dem\nFräulein den Brief, ist er harmlos, tun wir Ihnen\nwirklich Unrecht, so wird sich das bald herausstel-\nlen, und wir werden dann, dem ganzen Streit mit\nHerrn Leutnant, der ein verständiger, logisch den-\nkender Mann ist, beizulegen suchen. Sollte aber das\nGegenteil der Fall sein und Sie eine garnicht so\nharmlose Persönlichkeit sein, so kommen alle Fol-\ngen Ihrer Handlungsweise über Ihr Haupt . . . Also\nschnell, der Herr Leutnant wartet.4'\nBran harrt, bis der schneidige Fürbitter des\nEheherrn ausgeredet und bemerkt mit gesenkter\naber fester Stimme, daß er Niemandem der Anwe-\nsenden den Brief gebe. Wohl aber sei er bereit, so-\ngleich persönlich zum Herrn Leutnant zu gehen\nund ihm den Brief in Gegenwart seiner Frau vor-\nzulesen.\nHerr Assessor säbelt wütend auf Bran drein:\n„Sie zum Herrn Leutnant! Der wird Ihnen schön..\nwas er da hat, Teller, Gläser fliegen Ihnen an den\nKopf, Wenn Sie es wagen, sich bei ihm blicken zu\nlassen.\"\nBran antwortet entschieden: „Wenn es sich nicht\nmachen läßt, daß ich den Brief vorlese, so bin ich\nbereit, ihn dem Herrn Leutnant zu behändigen,\naber nur ihm selbst und Niemandem anders.\"\nSchweigen. Alle wenden sich hastig hinaus und\ngehen in Frau Lisens Wohnung zurück. Der Herr\nAssessor schließt Brans Tür hinter sich.\n/ '\nBran hört sie alle drüben in der Stube durch-\neinander reden und streiten, dann geht er hinzu\nund klopft schnell an jene Tür, aber er wird\nübertönt von dem laut redenden Fräulein. Bran\nöffnet selbst und tritt dann von der Schwelle\nin den Flur zurück. Von hier ruft er mit\nklingend junger Stimme in das Gewirr: „Dem\nHerrn Leutnant bestellen Sie bitte, daß ich meinen\nBrief allein auf seine Drohung hin schrieb, die das\nFräulein zur Sonntag-Nacht der Frau Hannah zum\nBesten gab. Alle Drohungen sind mir gleichgültig.\nDer Brief geht nur Frau Brosin selbst an, er ist in\nmeiner besonderen dichterischen Sprache geschrie-\nben und daher ohne meine Erläuterungen mißver-\nständlich.\" Inzwischen hat Herr Assessor, der gern\nBrans Schachzug vereiteln will, zugerufen:\n„Worte leere Worte! die nicht mit der\nSache zu tun haben. Wir kennen das! Von Leuten\nwie Bran, erfährt man nie das Richtige. Hören Sie\nnicht auf ihn.\" Bran fährt fort: „Ja, fünf Quart-\nselten ist der Brief lang, aber ich hätte zwanzig\nüber das Thema der Frau Brosin schreiben kön-\nnen; von Liebe steht nichts darin, aber Herr Asses-\nsor mag sich in Acht nehmen vor meinen Begriffen\nvon sittlicher Verantwortung und geistiger Be-\nstimmung; er mag sich vor der Verleumdung hü-\nten, um derentwillen dieser Streit um den Brief\nentstanden ist.\"\nIm Zimmer Schweigen, dann ruft Frau Hannah:\n„Zeigen Sie mir bitte den Brief aus der Ferne wie\ner aussieht!\" Bran tritt hinzu und hält ihr den\nBrief vor die Augen. Und Frau Hannah verkündet,\ndaß das ein Brief ohne Anrede sei. (Bran hat die\nGewohnheit, eine deutlich sich abhebende Anrede\nin seinen Briefen zu vermeiden, diesen letzten Rest\nvom einstmal gewesenen Sicheinanderfeierlichneh-\nmen). Es sei also gar kein Brief, sondern eine theo-\nretische, wie Bran uns eben sagt, dichterische Ab-\nhandlung !\nBran geht auf sieine Stube, und auch die Unter-\nhaltung bei Frau Lise ist zu Ende. Das Fräulein\nläuft ohne Brief zum Leutnant, die beiden Frauen\nbegeben sich, von Herrn Assessors elegantem\nScherz geleitet, zur Küche, um unter Teilnahme der\nKinder das Mittagessen zu bereiten.\n\nFortsetzung folgt\n\nDie Masken\nAugust Macke\nEin sonniger Tag, ein trüber Tag, ein Perser-\nspeer, ein Weihgefäß, ein Heidenidol und ein Imor-\ntellenkranz, eine gotische Kirche und eine chine-\nsische Dschunke, der Bug eines Piratenschiffes,\ndas W;ort Pirat und das Wort heilig, * Dunkelheit,\nNacht, Frühling, die Zimbeln und ihr Klang und das\nSchießen der Panzerschiffe, die ägyptische Sphinx\nund das Schönheitspflaster auf dem Bäckchen der\nPariser Kokotte.\nDas Lampenlicht bei Ibsen und Mateterlink, die\nDorfstraßen- und Ruinenmalerei, die Mysterien-\nspiele im Mittelalter und das Bangemachen bei\nKindern, eine Landschaft von van Gogh und ein\nStilleben von Cezanne, das Surren der Propeller\nund das Wiehern der Pferde, das Hurrageschrei\neines Reiterangriffs und der Kriegsschmuck der\nIndianer, das Cello und die Glocke, die schrille\nPfeife der Lokomotive und das Domartige des\nBuchenwaldes, Masken und Bühnen bei Japanern\nund Hellenen und das geheimnisvolle, dumpfe\nTrommeln des indischen Fakirs.\nGilt nicht das Leben mehr, denn die Speise, und\nder Leib mehr, denn die Kleidung.\nUnfaßbare Ideen äußern sich in faßbaren For-\nmen. Faßbar durch unsere Sinne als Stern, Donner,\nBlnme, als Form.\nDie Form ist uns Geheimnis, weil sie der Aus-\ndruck von geheimnisvollen Kräften ist. Nur durch\nsie aihnen wir die geheimen Kräfte, den „unsicht-\nbaren Gott\".\nDie Sinne sind uns die Brücke vom Unfaßbaren\nzum Faßbaren.\nSchauen der Pflanzen und Tiere ist: ihr Ge-\nheimnis fühlen.\nHören des Donners ist: sein Geheimnis fühlen.\nDie Sprache der Formen verstehen heißt: dem\nGeheimnis näher sein, leben.\nSchaffen von Formen heißt: leben. Sind nicht\nKinder Schaffende, die direkt auf dem Geheimnis\nihrer Empfindung schöpfen, mehr als der Nach-\nahmer griechischer Form? Sind nicht die Wilden\nKünstler, die ihre eigene Form haben, stark wie\ndie Form des Donners?\nDer Donner äußert sich, die Blume, jede Kraft\näußert sich als Form. Auch der Mensch. Ein Etwas\ntreibt auch ihn, Worte zu finden für Begriffe,\nKlares aus Unklaren, Bewußtes aus Unbewußtem.\nDas ist sein Leben, sein Schaffen.\nWie der Mensch, so wandeln sich auch seine\nFormen.\nDas Verhältnis der vielen Formen untereinan-\nder läßt uns die einzelne Form erkennen. Blau\nwird erst sichtbar durch rot, die Größe des Bau-\nmes durch die Kleinheit des Schmetterlings, die\nJugend des Kindes durch das Alter des Greises,\nEins und zwei ist drei. Das Formlose, das Unend-\nliche, die Null bleibt unfaßbar. Gott bleibt unfaß-\nbar.\nDer Mensch äußert sein Leben in Formen. Jede\nKunstform ist Aeußerung seines inneren Lebens.\nDas Aeußere der Kunstform ist ihr Inneres.\nJede echte Kunstform entsteht aus einem leben-\ndigen Wechselverhältnis des Menschen zu dem\nTatsachenmaterial der Natur formen, der Kunst-\nformen. Der Duft der Blume, das freudige Sprin-\ngen des Hundes, der Tänzerin, das Anlegen von"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.10", "texte": "Schmuck, der Temptei, das Bild, das Leben eines\nVolkes, einer Zeit.\nDie Blume öffnet sich beim Dämmern des Lich-\ntes. Der Panther duckt sich beim Anblick der\nBeute und seine Kräfte wachsen als Folge ihres\nAnblicks. Und die Spannung seiner Kraft ergibt\ndie Weite des Sprunges. Die Kunstform, der Stil\nentsteht aus einer Spannung.\nAuch Stile können an Inzucht zugrunde gehen.\nDie Kreuzung zweier Stile ergibt einen dritten,\nneuen Stil. Die Renaissance der Antike, der Schon-\ngauer- und Mantegnaschüler Dürer. Europa nud\nder Orient\nIn unserer Zeit fanden die Impressionisten den\ndirekten Anschluß an die Naturerscheinungen. Die\norganische Naturform im Licht, in der Atmosphäre\ndarzustellen, wurde ihre Parole. Sie wandelte sich\nunter ihren Händen.\nKunstformen der Bauern, der primitiven Italie-\nner, der Holländer, Japaner und Tahitianer wurden\nebenso zu Anregern wie die Naturformen selbst.\nRenoir, Signac, Toulouse-Lautrec, Beardsley, Ce-\nzanne, van Gogh, Gauguin. Sie sind alle so wenig\nNaturalisten wie Greco oder Giotto. Ihre Werke\nsind der Ausdruck ihres inneren Lebens, sie sind\ndie Form dieser Künstlerseelen im Material der\nMalerei. Das braucht nicht auf das Vorhandensein\neiner Kultur zu deuten, einer Kultur, die für uns das\nwäre, was für das Mittelalter die Gotik war, einer\nKultur, in der alles Form hat, Form, aus unserm\nLeben geboren, nur aus unserem Leben. Selbstver-\nständlich und stark wie der Duft einer Blume.\nWir haben in unserer komplizierten und ver-\nworrenen Zeit Formen, die jeden unbedingt ebenso\nerfassen, wie der Feuertanz den Neger oder das\ngeheimnisvolle Trommeln der Fakire den Inder.\nDer Privatgelehrte steht als Soldat neben dem\nBauernsohn. Beiden fährt der Parademarsch gleich-\nmäßig durch die Glieder, ob sie wollen oder nicht.\nIm Kinematograph staunt der Professor neben dem\nDienstmädchen. Im Variete bezaubert die schmet-\nterlingfarbene Tänzerin die verliebtesten Paare\nebenso stark, wie im gotischen Dom der Feier-\nton der Orgel den Gläubigen und Ungläubigen er-\ngreift.\nFormen sind starke Aeußerungen starken Le-\nbens. Der Unterschied dieser Aeußerungen unter-\neinander besteht im Material, Wiort, Farbe, Klang,\nStein, Holz, Metall. Jede Form braucht man nicht\nzu verstehen. Man braucht auch nicht jede Sprache\nzu lesen.\nDie geringschätzige Handbewegung, mit der bis\ndato Kunstkenner und Künstler aller Kunstformen\nprimitiver Völker ins Gebiet des Ethnologischen\noder Kunstgewerblichen verweisen, ist zum min-\ndesten erstaunlich.\nWas wir als Bild an die Wand hängen, ist\netwas im Prinzip Aehnliches, wie die geschnitzten\nund bemalten Pfeiler in einer Negerhütte. Für den\nNeger ist sein Idol die faßbare Form für eine un-\nfaßbare Idee, die Personifikation eines abstrakten\nBegriffs. Für uns ist das Bild die faßbare Form für\ndie unklare, unfaßbare Vorstellung von einem Ver-\nstorbenen, von einem Tier, einer Pflanze, von dem\nganzen Zauber der Natur, vom Rhytmischen.\nStammt das Portrait des Dr. Gachet von van\nGogh nicht aus einem ähnlichen geistigen Leben,\nwie die im Holzdruck geformte, erstaunte Fratze\ndes japanischen Gauklers. Die Maske des Krank-\nheitsdämons aus Ceylon ist die Schreckensgeste\neines Naturvolkes, mit der seine Priester Krankes\nbeschwören. Für die grotesken Zierate der Maske\nfinden wir Analogien in den Baudenkmälern der\nGotik, in den fast unbekannten Bauten und In-\nschriften im Urwalde von Mexiko. Was für das\nPorträt des europäischen Arztes die welken Blu-\nmen sind, das sind für die Maske des Krankheits-\nBeschwörers die welken Leichen. Die Bronzegüsse\nder Neger von Benin in Westafrika (im Jahre 1889\nentdeckt), die Idole von den Osterinseln aus dem\näußersten Stillen Ozean, der Häuptlingskragen aus\nAlaska und die Holzmaske aus Neukaledonien\nreden dieselbe stänke Sprache wie die Schimären\nvon Notre-Dame und der Grabstein im Frankfurter\nDom. i\nv y'\nWie zum Hohn europäischer Aesthetik reden\nüberall Formen erhabene Sprache. Schon im Spiel\nder Kinder, im Hut der Kokotte, in der Freude\nüber einen sonnigen Tag materialisieren sich leise\nunsichtbare Ideen.\nDie Freuden, die Leiden des Menschen, der\nVölker stehen hinter den Inschriften, den Bildern,\nden Tempeln, den Domen und Masken, hinter den\nmusikalischen Werken, den Schaustücken und\nTänzen. Wo sie nicht dahinter stehen, wo Formen\nleer, grundlos gemacht werden, da ist auch nicht\nKunst.\n\nEpisode\nZsigmond Móricz\nSpät kehrten sie von der Jagd heim und warfen\nsich so wie sie waren, mit den kotigen Stiefeln in\ndie geflochtenen Gartensessel der großen Glas-\nveranda. Peter kam es drollig vor, daß er nun\nHausherr und in seinem Heim war, daß ihm hier\nalles gehörte, das Haus, die Möbel, die Magd und\ndas köstlich kleine Frauchen, drin in den behaglich\neingerichteten Zimmern.\nSie waren alle schrecklich müde, freuten sich,\nwenn sie sich nicht bewegen mußten, und schnauf-\nten wie abgehetzte Pferde. Eine nette Magd deckte\nden Tisch und bewegte sich flink aber plump zwi-\nschen den Männern. Heiter lächelnd verzog Peter\nden Mund: früher, wenn er von der Jagd gekom-\nmen war, hatte es ihm sogar Vergnügen bereitet,\ndas Dienstmädchen in die Beine zu kneifen. Tja,\njetzt, jetzt ist das natürlich etwas anderes. Heute\nist er verheiratet, ein junger Ehemann . . .!\nEr warf sich in den Sessel zurück, blickte auf\nden Plafond und lächelte.\nPlötzlich scheuchte ihn das Geraschel von Frau-\nenkleidern auf.\nSeine Frau trat ein und er erschrak darüber,\nganz unerwartet, als sei ihm ein Unglück zuge-\nstoßen. Das Frauchen sah ganz benommen, schläf-\nrig aus, das Gesicht war rot, von den weichen\nPolstern abgedrückt. Es machte den Eindruck, die\nFrau habe unter dem leichten Schlafrock nichts an.\nPeter errötete, denn er war ein bis zur Dumm-\nheit schamhafter Mensch. Es berührte ihn unan-\ngenehm, daß Ilka aus dem Bette gestiegen und zu\nihnen, den schmutzigen und müden und ordinären\nMännern gekommen war. Er sprang auf, stellte\nsich vor sie hin, als wolle er mit seinem Körper die\nFrau verdecken, ein geheiligtes Geheimnis vor sei-\nnen profanen und barbarisch lüsternen Kumpanen\nverbergen, doch quälte er sich vergebens, einen Vor-\nwand zu finden, mit dem er das Frauchen wieder\nin das dunkle Schlafzimmer zurücksperren könnte;\ner mußte mit erbittertem Munde zusehen, wie seine\nKumpane anscheinend ehrerbietig das kleine Händ-\nchen seiner ihm vor Gott und Menschen angetrauten\nGattin ergriffen, und mit zornig geballter Faust\ndachte er daran, was sich diese Schufte jetzt wohl\ndenken mochten.\nEr lehnte sich zurück und erblickte in der Türe\ngegenüber die eintretende Magd, welche auf einer\ngroßen Tasse das vorbereitete kalte Nachtmahl\nbrachte.\nEr war ganz paff vor Betroffenheit. Das Mäd-\nchen hatte ein fein zugeschnittenes Hemd an, wohl\nein Geschenk Ilkas, doch trug es das Hemd wit\nein Leibchen; vorher war es Peter nicht aufgefallen,,\ndaß das Mädchen im bloßen Hemde wars jetzt\nbrannte sein Gesicht vor Scham. In diesem Augen-\nblick glitt das Hemd von der Schulter des Mäd-\nchens, bis zur Mitte des Oberarmes hinunter, und\nspannte sich über dem Busen.\nWelche Schamlosigkeit! So zeigen sich die\nWeiber in seinem Hause?! Was ist denn dieses\nHaus? Ein Freudenhaus?!\nSehr aufgeregt, fast zornig aß er. Er kaute\ngroße Stücke Schweinefleisch und die Knorpeln\nkrachten unter seinen harten, starken Zähnen. Er\nfühlte, wie sein Frauchen manchmal die Augen\nwarm, müde, verliebt auf ihm ruhen ließ; doch er\nblickte nur zurück, wenn er wußte, das verschla-\nfene Weiblein passe auf die witzige Rede der bei-\nden Männer auf, wie ein kleiner Vogel, der auf\nwippenden Zweigen hockt.\nNach dem Abendessen sagte die kleine Frau:\n„Schlafen gehen, schlafen. Die Herren sind\nmüde. Gehen wir schlafen.\"\nUnd langsam, mit unsicheren Bewegungen\nwollte sie sich erheben. Doch es ging nicht, bitte-\nheischend schaute sie zu ihrem Manne hin und ihr\nBlick bohrte sich flehend, iiebelechzend in seine\nAugen: Komm schon, komm doch schon. Siehst\ndu denn nicht, daß ich dich rufe, warte, mich nach\ndir sehne . . . Umarm mich, drücK mich doch\nschon an dich, führ mich doch mit . . . ich bin dein,,\nganz dein.\nPeter stieg alles Blut in die Schläfen und die\nstarke Sehnsucht brachte ihn fast einer Ohnmacht\nnahe. Doch schon in der nächsten Minute drang\nihm die Ausdünstung der beiden andern Männer\nin die Nase und er wurde sofort wild:\nWas, er soll sie jetzt umarmen, soll sie mit sich\nfort ziehen, vor jedermanns Augen, vor diesen da,\ndie wissen, was in den folgenden Minuten geschehen\nwird, es auf den Taschenuhren abzählen . . . Er\nselbst sollte die Heiligkeit der Ehe mit dieser rohen\nund groben Enthüllung besudeln!\nMit mürrischem Gesicht brummte er:\n„Eh, mit dem vollen Magen kann man sich nicht\nniederlegen. Spielen wir ein Weile.\"\nEr riß aus der Tasche ein Spiel Karten hervor\nund warf es den anderen doch nicht in die Augen,\nwenngleich die Hand diese Richtung nahm, als die\nbeiden in ein freches und rohes Lachen ausbrachen.\nDas Frauchen tat wohl ein wenig zimperlich,\nzog aber dann mit geduldiger Ergebenheit den\nSessel hinter den Gatten, lehnte sich an seine\nSchultern und kiebitzte so.\nPeters Kopf glühte und die Karten grinsten ihn\nhöhnisch an. Er empfand im Ohr den leise\nkeuchenden Atem seiner Frau und schalt sich flu-\nchend:\n„Der Teufel soll meine Schamhaftigkeit holen!\nWie viel Qualen habe ich schon deswegen ausge-\nstanden!\" Und mit wilder Kraft stach er mit dem\nPiqueaß ein. Dreizehn Jahre war ich alt, als ich dem\nKindermädchen fortlief, das mit mir spielen wollte ..\nWie oft entschlüpften mir seither die besten Bissen\nvor dem Mund. Muß ich jetzt hier sitzen und Karten\nspielen, wo ich . . .\"\nEr verlor.\nDie Adern auf seiner Stirne schwollen an und\ner knirschte mit den Zähnen.\nDie Frau sah, ihrem Gatten fehle etwas; sie\numschlang seinen Nacken mit ihren unschuldigen\nschlanken weichen Armen und streute ihm kurze\nKüsse aufs Haar.\nPeter starrte die Karten an und vor seinen Au-\ngen tanzte blendender Nebel. Die Muskeln seines\nArmes begannen zu zittern, doch die Karten in\nseiner Hand zitterten nicht.."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.11", "texte": "Die Magd trat ein. Peter starrte das Mädchen\nmit blinden, hervorquellenden Augen an. Man\nkonnte dem Mädchen ansehen, es habe inzwischen\ngeschlafen, seine Augen blinzelten in dem hellen\nLicht. Das Hemd des Mädchens war nun auch in\nUnordnung, doch jetzt hing es von der anderen\nSchulter hinab und als das Mädchen mit einer un-\nwillkürlichen Bewegung den Arm hob, um das\nHemd zurückzuschieben, sah Peter den gebräunten\nprallen runden Busen und die dunkle Achselhöhle.\nSchlaftrunken trug die Magd die Tasse hinaus\nund Peter verfolgte sie mit den Augen wie ein ner-\nvöser Jagdhund, während er zugleich ganz unbe-\nwußt in die Karten sah.\n„Aber Liebster!\" sagte das Frauchen und zog\nihn bei den Haaren, „ du wirst doch nicht Atout\nausspielen,\" und mit lieblichem, weiblichem Gerech-\ntigkeitsgefühl nahm sie auch gleich die schon aus-\ngespielte Karte zurück.\n„Also, spiel du selbst,\" rief Peter aus und schob\ndie Karten seiner Frau zu. Er wurde rot, weil sie\nihn beschämt hatte, sein Gesicht glühte und er\nmußte sich abwenden, um seine Geniertheit zu ver-\nbergen.\nLächelnd übernahm die kleine Frau die Karten,\nPeter aber machte sich fort. Er warf den Hut auf\nden Kopf und ging hinaus.\nAls er den langen Korridor entlang ging, blieb\ner plötzlich stehen. Seine Brust schnürte sich zu\nzusammen, daß er dem Ersticken nahe war.\nDas Dienstmädchen kam aus der Küche zurück,\nwohin es das Geschirr getragen hatte, und öffnete\nnun die Türe des Dienstbotenzimmens, um schlafen\nzu gehen.\nDiese Stube war früher eine Kammer gewesen;\nwar erst jetzt für die Magd hergerichtet worden,\nweil sich in dem gesondert stehenden Gesindehaus\nkein Platz fand. Man brauchte das Mädchen auch,\nund so schlief es hier allein, — bei der Hand —.\n„Susi!\" rief Peter und wußte nicht einmal, was\ner mit zitternder Stimme sprach. „Warten Sie!\"\nEr sprang zur Türe hin. auf den Fußspitzen\nzwar, aber dennoch tolldreist, denn die große Ace-\ntylenlampe der Veranda beleuchtete den ganzen\nGang. Man hätte ihn sehen müssen, wenn man\nihm nachgeblickt hätte.\nDas Mädchen duckte sich furchtsam und er-\nschrocken in die Türe.\n„Ich will etwas,\" lispelte Peter und sein ganzer\nKörper erzitterte so stark, daß er fast in Schweiß\nausbrach. Er drängte das Mädchen zur Türe hin-\nein.\nAls er später hinaus kam, gähnte er, schaute\nauf den Himmel, streckte sich, bog das Kreuz und\nließ die Rippen unter den Fingern krachen. Er\ntrat hinunter in den Kot, ging eine Weile in der an-\ngenehmen kühlen Luft umher und rauchte sich eine\nZigarre an.\n„Es ist eine schöne Nacht,'4 sagte er und lausch-\nte dem Gestampfe der Rosse, das vom anderen\nHofe herüber drang.\nAls er sich genügend abgekühlt, beruhigt hatte,\nging er auf die Veranda zurück.\nEr schaute den Spielern ein Weilchen zu, doch\nwiderte ihn ihr Lachen an, er verachtete ihre nich-\ntige, durch die Karten verursachte Aufregung und\nsagte einfach, phlegmatisch:\n„Nun, mein Kind, gehen wir nicht schlafen?\"\nDie kleine Frau benützte rasch die Gelegenheit.\nSie hatte schon ein paar Gulden gewonnen und\nwäre damit gerne geflüchtet.\n„Gehen wir, mein Alterchen, gehen wir.\"\n„Dann gute Nacht.\" Gelassen, ohne jeden Neben-\ngedanken reichte er den Männern die Hand.\n„Brr, wie müde bin ich,\" sprach er dann im\nSchlafzimmer, den Rock von sich werfend, „wie\nmüde man sich wegen eines solchen lumpigen\nHasen macht.\"\n„Mein armes Männchen,\" erwiderte die Frau\nunter der leichten Sommerdecke. „Komm, laß dir\neinen Kuß geben.\"\nPeter hielt ihr die Stirne hin und dachte daran,\nder Schaffner sei doch ein Schuft und betrüge ihn\nganz bestimmt. Er verrechnet täglich dreißig Tag-\nlöhner, aber es befanden sich nicht soviel Arbeiter\ndraußen, als sie auf der Jagd an dem Maisfelde\nvorübergekommen waren.\nEinzigautorisierte Übertragung von Stefan I. Klein\n\nDie Träume\nDichtungen\nKurt Heynicke\nIch ruh in tief verglastem Meer\nund alle Gassen der versunknen Stadt\nvorüber.\nIn schlanken Händen toller Freudenhäuser\nblitzt Gold\nund ihren Schatten steht ein Lächeln im Gesicht.\nIm Hafen starrt der Chor der vielen Segel\nmit fremden Augen\nflutversinkend\nin den Meeren.\nEin Brunnen schluchzt auf lautem Markte.\nDort schöpft ein Greis\nalt\nwie der letzte Schlag der Mitternacht\ndie Stunden aus dem Tage.\nIch fühlte\nmorgen bin ich alt wie er\nJa morgen\nKlingen mir die Dome dieser Stadt.\nRings ernste Teppiche an den Wänden.\nSeit tausend Jahren\nsehen sie die Nächte östlicher Lust\nflammend\nwie Feuer in der Wüste.\nUnter der gelben Lampe vertobte der heiße Wind\nKüsse\ndie Karawanen verschütten.\nDie Sklavin nimmt die Hand von meinem Leibe\nich hülle meine Hüften stumm in grüne Seide\nhinbettend\nin die Qual der toten Augen,\nDie weißen Monde reiten über Nacht\nund vielen Sterne\nhaben selbe Gebärde:\nSie lächeln ewig\nwenn ich weine.\nMein Stab sind die Himmel\nund ich will gehen bis zur Morgenwäehe,\nStill liegt die braune Brust des Weibes.\nIhr Traum trinkt Ruhe\nwie die Quellen\nWinters\nim Norden.\nHoch über Tannen\nblühendes Licht\nIch peitsche meinen Rappen\nund reite mein Blut tot.\nNur Gletscher wehen mir zur Seite\nKalt ist die Erde\nwie mein Wollen\nIch hebe meine Hände\nSieg\nzu schlagen\nund\nbebe tastend erdenwärts.\nDenn zwischen Pferdehals und Schenkeln\nmeine Fessel aus den Jahrhunderten:\nWeib!\nDas irgend-du\nist groß und hat so ferne Lippen.\nUnd meine Träne fühlt\ndaß ich nicht mehr bin\nund mir von den Schultern gleite\nwie die jungen Jahre.\n\nInhaltsverzeichnis\nZweites Halbjahr 1914/15\nFünfter Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nAdolf Behae\nDeutsche Expressionisten 17/18 114\nExpressionistische Architektur 19/20 135\nAlbert Ehrensteiß\nErkenntnis 19/20 135\nOesterreichische Prosa 13/14 98\nHermann Essig\nEin Weltereignis 15/16 108\nKurt Heynfcke\nGedichte 13/14 93\nGedichte 19/20 134\nGedichte 23/24 156\nTräume 23/24 159\nAdolf Knoblauch\nAn die Gefährten 17/18 121\nDie schwarze Fahne 19/20 127\nDie schwarze Fahne 21/22 142\nDie schwarze Fahne 23/24 156\nFrühe Gedichte 21/22 139\nKranz der Heimat 19/20 126\nAage von Kohl\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nDie Hängematte des Riuge\nDesider Kosztolanyi\nDer Detektiv\nDer fette Richter\nHochzeit\nErnst Wilhelm Lötz\nGedichte\nAugust Macke\nDie Masken\nZsSgmond Moricz\nEpisode\nMynona\nSt — eine Algebraeske\nAugust Stramm\nErwachen\nGedichte\nGedichte\nGedichte\nGedichte\nKräfte\nHerwarth Waiden\nAugust Macke\nEnthüllungen\nKritiker\nKunstvorsteher\nRausch des Künstlers und des Nicht-\nkünstlers\nTheater\nPaul Zech\n13/14 93 Das Vorgesicht\n15/16 110\n17/18 115\n15/16 102 Zeichnungen\nVincenc Benes\n19/20 132 Linoleumschnitt\niVilo Campendonk\n2112* 13b Zeichnung\niol?o 17? Jacoba van Heemskerck\nOriginalholzschnitte\novoa I*7 Originalholzschnitte\nOriginalholzschnitte\no-x'oa ir« Originalhqlzschnitte\nStilleben I Holzschnitt\n21/22 140 Vlatislav lioiman\nGartenpavillon / Linoleumschnitt\n13/14 96 Monumentalgebäude\n15/16 106 nol v 1 ..\n17/l8 Oskar Koüosclika\n19/20 128 Zeichnung\n21/22 138 August Macke\n23/24 150 Originalzeichnunig\n91/7? Mense\n1.7/1 c 192 Originallinoleumschnitt\n9il?d Originallinoleumschnitt\n19/20 134 Originallinoleumschnitt\nL. Wachlmeier\n15/16 111 Originallinoleumschnitt\n21/22 143 Originallinoleumschnitt\n19/20 128\n13/14 89\n15/16 101\n15/16 105\n23/24 149\n23/24 153\n23/24 155\n19/20 125\n17/18 119\n13/14 94/95\n17/18 113\n21/22 137\n19/20 129\n21/22 141\n21/22 143\n15/16 107\n19/20 131"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150301-01.1.12", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin VV 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlas:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die April-\nDoppelnummer erscheint am fünfzehnten April.\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer StraBe 134 a\nEinunddreissigste Ausstellung\nJaeoba\nvan Heemskerek\nGemalde / Zeichnungen\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\nII—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSturm-Ausstellungen in Deutschland\nMarz 1915\nHamburg: Franz Marc\nGenf: Geschlossen\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFerwruf Amt Llitzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersten and funfzehnten ledes Monats\nOauerbezug\nGewdhnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / F ii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzeiheft 50 centimes ! Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene E x e m -\nplare auf holzfreiem Papier, V e r -\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Ftir das Ausland:\nEfai Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\n'durch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf iiegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraOenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwtmscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Zwanzig Blatt Zeichnungea /\nStrichStzimg / Auf Kaiserlich Japan-Papier i»\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton \\m da-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nKandinsky 1901—1913 / Monographic mit s e c h-\nz i g ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBueher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nGlii ck —! / Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark I Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Qelder Butten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte / Qebunden\n3 Mark\nSturm-Bticher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig / III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VH: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst j 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: Dainislieder / Zu Qe-\ndichten von Amo Holz / Ffir Gesang und Wa-\nvier ! 3 Mark / 50 Seiten / Hummer 1 emzelfl: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nDer Sturm / Heeresmarsck / Fiir Klavier /\n50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturlsten: Umberto Boccioai: Das\nLadien / LuigiRussolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qiso Seve*\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin I Pan-\nPan Tanz / Umberto Boccioni? AbschiedI\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nKarten von Macke / Miinter / Marc Chagall (4) /\nKiee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Qleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 35 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austel lung skataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / ie 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: PI a k at ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 j Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky j Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\n\nMense / Campendonk I Gabriele Miimer / Jaw-\niensky / Marianne von Werefkiti / Albert Bioch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / jean Metziu-\nger I Marc ChagalS I Fernand Leger / Jacoba van\nlieeniskerck I Otakar Kubin / Emil Filia / Vincene\nBenes / 01 to Gutfreund / Boccioni / Severiitl (\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schoiidt-\nRottluff I Waiter Helbig I Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung- Herwarth Walden / Elftes\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller SturmaussteUungen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation:\nKokoschkamappe / Prospekt umsonst\nDas zwolfte Jahr beginnt am 1. April 1915 / Die\nSturmpublikation, die die Mitglieder des Vereins\nfur Kunst im Jahr 1915/16 frei erhaiten, 1st: fieems-\nkerck handgedruckter und signierte Holzsclmitt auf\nKaiserlieh Japan-Papier\n\nZeitschriften\nLa Cerba / Halbmonatsschrift / Fiorenz / V'm\nNazionaie 25\nUmelecky Mesicnfk / Monatsschrift fdr neue and\nalte Kunst / Administration Prag ! 5 Veleslavioova\n\nAnzeigen\n\nJacoba van Heemskerck: Sti 11 cben / Bottt /\nLandschaft / Handgedruckte Holzschnitte /\naquarelliert / Auflage 5 Exemplare und je 10 Exem-\nplar e schwarz / Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nGemalde Gauguin zu verkaufen / Anfragen ver-\nmittelt Verlag Der Sturm, Berlin W 9\nPoet-Lore Begriindet 1890 I Eine Zweimoaats-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Draoia\nder Gegenwart in alien L&ndern / Probeheft gecen\nEinsendung von 6 Mark 50 Pfennig / Jahresbect*g\n21 Mark / Verlag Richard G. Badger / Bos&m\n/ Mass I USA 194 Boylston Street\nUmberto Boceioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduziofii qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mitanc\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nZiehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Buchereinb&nde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- uad\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}