{"numero_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_sha256": "ed11cc77a99fa01a22f7f69e4410df46ddee3606b852097c2287cba5d91d5aea", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1915/05/01_01/bmtnabg_1915-05-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1915/05/01_01/bmtnabg_1915-05-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.1", "debut_caractere": 274, "fin_caractere_exclue": 755, "texte": "Inhalt:\nHerwarth Waiden: Richtiges Hellsehen / Herwarth Waiden: Jos. & Joseph / August Stramm: Gedichte / Alfred Döblin: Geschichten von den\nLobensteioern / Adolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Adolf Knoblauch: Persisches Märchen / Desider Kostolänyi: Verpelety / Kurt Heynidee: Gedichte /\nKürt Heynicke: Das Sterben ins Dunkle / N.W. Neuschwedische Lyrik / Karl Brand: Du / Herwarth Waiden: Fröhliche Ostern / Isaac Grünewaid: Zwei\nZeidroungea / Felix Müller: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.2", "titre_corps": "Isaac Grünewald: Zeichnung", "titre_sommaire": "Isaac Grünewald: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.1", "debut_caractere": 757, "fin_caractere_exclue": 783, "texte": "Isaac Grünewald: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.3", "titre_corps": "Richtiges Hellsehen", "titre_sommaire": "Richtiges Hellsehen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7039, "texte": "Richtiges Hellsehen\nHerwarth Walden\nViele Leute, die nicht sehen können, möchten\nzu gern hellsehen oder wenigstens zusehen, wie\nhellgesehen wird. Man braucht nur Hellseher ge-\nnannt zu werden, und sofort finden sich tausend\nBlinde, deren Skepsis gegen das Licht erst beim\nHellsehen ausbricht. Sonst sind die Blinden zu-\nfrieden, wenn der Hellseher das sieht, was sie\nselbst sehen, nämlich nichts.\nAber diesmal mußte es sich um eine große\nSache handeln. Eine richtige wissenschaftliche\nKommission hatte sich gebildet. Welche Namen!\nDie stärkste Saalkrone mußte vor so viel Glanz\nerbleichen. Eine Kommission von Königen der\nbesseren Kunst und Wissenschaft: Herr Ludwig\nFulda, Herr Rudolf Presber, Herr Doktor Magnus\nHirschfeld. Im Kreise dieser erlauchten Gesell-\nschaft wagt man die Prinzen gar nicht zu nennen,\ntrotzdem sie auch nicht von Pappe, sondern pa-\npieren sind. Diese besseren Meister hatten sich\neigens zu dem Zwecke zusammengetan, einen\nHellseher zu durchschauen. Geschirmt vom\nSchutzverband deutscher Schriftsteller, war Herr\nSchermann aus Wien gekommen, nein, geholt\nworden, um seine Gesichte diesen überaus geisti-\ngen Gesichtern vorzuzeigen. Aber nicht vorzu-\nmachen, das sollte, wollte und mußte diese Kom-\nmission verhindern. Das übrige Publikum, brave\nSchriftsteller und ehrliche Kunstfreunde, schnitt\nGesichter, als Herr Schermann keine Gesichte\nzeigte. Aber die Gesichter des übrigen Publikums\nerstrahlten, als ihnen der Geistesmeister Ludwig\nFulda nicht nur den Verstand, sondern auch ein\nAmt zusprach. Die braven Schriftsteller und die\nehrlichen Kunstfreunde sollten richten, ob der\n\\\nSchermann die Geister, die Herr Fulda meinte,\nrichtig gedeutet habe. Über die Geister des\nHerrn Fulda und über seinen eigenen Geist ist man\nbekanntlich einer Meinung unter sich. Die Richter,\ndie etwa anderer Meinung hätten sein können,\nwaren zur Vorsicht nicht eingeladen. Widerspruch\nreizt die Geister und das Reizende an den Geistern\nist, daß sie widerspruchslos richtig anerkannt\nwerden. Herr Ludwig Fulda hatte keine schäbigen\nGeister zitiert. Und er hätte die Geister des Herrn\nSeh ermann nicht anerkannt, wenn Herr Scher-\nmann nicht die Geister anerkannt hätte. Gerechtig-\nkeit muß sein. Und deshalb „gab das Publikum\ndurch lautes Bravo zu erkennen, daß Schermann\nWesen und Art Hardens richtig gedeutet habe\".\nEs wurde Herrn Schermann nicht leicht gemacht.\nJemand besaß einen Brief von Harden, zwei Zei-\nlen, womit Harden ein Manuskript ablehnte. Da\nGeister gute Ohren haben,, wurde der Name des\nerlauchten Briefschreibers nicht einmal geflüstert.\nMit Kreide stand der Name sichtbar auf der Tafel\nfür alle, die keine Geister waren. Kein Geist von\nkeinen Geistern. Herr Schermann betrat den Saal,\nwie die Presse mitteilt, geführt von Ludwig\nFulda und Rudolf Presber. Handschellen waren\nihm wahrscheinlich nicht angelegt, auf daß er\nauch mit den Händen deuten könne. Die Presse\nbemerkt des weiteren, daß er „mit gesenktem\nKopfe\" die Deutung begann. Eine geistige Huldi-\ngung wahrscheinlich für den erlauchten Zeilen-\nschreiber. Das laute Bravo galt folgender Deu-\ntung: „Scharfe Zunge, tritt jedermann gerne ent-\ngegen, selbst einem König, sehr selbstbewußt,\nscharfer Kritiker, schneidet oft das Wort ab, kann\ndie Menschen durch Schrift und Mund hinreißen,\nglänzender Beobachter, läßt sich nicht beein-\nflussen, führt alles durch, was er will, ein bißchen\neitel in puncto Kleidung. Ein Mensch, der schwer\nhineinzulegen ist, lieber selbst hineinlegt, stolz auf\nden Namen, den er sich errungen.\" Das Publikum\nfindet die Deutung richtig (lautes Bravo), die\nVossische Zeitung findet sie sogar verblüffend.\nNun muß ich leider die Vossische Zeitung ver-\nblüffen. Herr Harden tritt durchaus nicht gern\njedermann entgegen, wenn ein Mann ihm über-\nlegen ist. Er hat nie gewagt, auch nur eine Zeile\ngegen Karl Kraus zu schreiben. Man ist kein\nscharfer Kritiker, wenn man selbst einem König\ngerne entgegentritt, die Herren Theodor Suse und\nHerbert Eulenberg aber für Dichter hält. Manchem\nglänzenden Beobachter wäre zu wünschen, daß\ner sich beeinflussen lasse. Und durch den Mund\nhinzureißen, ist keine Kunst, wenn man oft das\nWort abschneidet. Aber Herr Schermann kann\nnoch viel mehr, erzählte Herr Ludwig Fulda sei-\nnem übrigen Publikum. Er, Herr Doktor Ludwig\nFulda, habe dem Schermann ein kurzes Chinin-\nrezept gegeben. Nicht etwa zur Beruhigung der\nNerven des Herrn Schermann, Herr Fulda wollte\nnur wissen, wess Geistes Kindchen ihm dieses Re-\nzept geschrieben habe. Herr Schermann, durch\ndas Chinin inspiriert, las folgendes: „Ein Forscher\nder Seele, ein sehr vorsichtiger Mensch, ein\nMensch, der die Fähigkeit hat, seine Umgebung zu\nberuhigen, ich sehe ein Kommen und Gehen um\nihn.\" Und siehe, Herr Schermann hatte den Arzt\nder Seele Fuldas „richtig\" gefunden. Das Rezept\nstammte von Herrn Doktor Artur Schnitzler. Die\nVossische Zeitung bemerkt, daß es ob dieser Deu-\ntung einen Augenblick Applaus, Jubel und Zu-\nstimmung gab; das Berliner Tageblatt bemerkt,\ndaß nach Ansicht des Meisterkollegen Fulda die\n\"Handschrift Schnitzlers im allgemeinen richtig\ngedeutet: sei, daß aber auch Fehler mit unterlaufen\n; seien. Da Journalisten bekanntlich niemals richtig\n1 beobachten, kann man nicht wissen, wer nun die\nRichtigkeit richtig wiedergegeben hat. Sollte aber\nein Fehler unterlaufen sein, so ist es sicher der,\ndaß Herr Doktor Artur Schnitzler ein Forscher\nder Seele sei. Ein vorsichtiger Mensch, das dürfte\nstimmen. Erfreulich bleibt es, daß er die Fähigkeit\nhat, seine Umgebung zu beruhigen, wenn fort-\nwährend ein Kommen und Gehen um ihn ist. Sonst\nwürde er am Ende noch so nervös, daß er den\nDoktor Ludwig Fulda um das Chininrezept bitten\nmüßte. Den einzigen Mißton in die allgemeine\nRichtigkeit brachte Herr Professor Max Dessoir.\nHerr Schermann fand, daß Herr Siegfried Jacob-\nsohn nach seiner Schrift ein starker Bejaher sei.\nHerr Professor Dessoir konstatiert, daß Herr\nJacobsohn gerade einer der stärksten Verneiner\nsei. Die Vossische Zeitung findet mit geistiger\nÜberlegenheit heraus, daß die Wahrheit wie im-\nmer in der Mitte liegt. „Aber sind denn nicht: die\nstarken Verneiner auch die starken Bejaher?\"\nWenn zwei sich streiten, freut sich die Mitte.\nNach dem Berliner Tageblatt war Herr Professor\nDessoir der Wortführer des Skeptizismus. Ein\nSkeptiker, der Herrn Siegfried Jacobsohn richtig\ndeuten kann, hat seinen Beruf als Geisterseher\nverfehlt. Das Berliner Tageblatt bemerkt, man\nsolle mit einem Schlußurteil über das Phänomen\nder Erscheinung Schermann zurückhalten, bis nach\nexakter Prüfung die Wissenschaft gesprochen hat.\nWomit wohl Herr Doktor Magnus Hirschfeld ge-\nmeint ist. Die exakte Wissenschaft wird wohl in\nder Lage sein, die künstlerische Befähigung der\nHerren der Kommission festzustellen. Sie wird\nwohl auch herausbekommen, ob Herr Siegfried\nJacobsohn ein Bejaher oder Verneiner ist. Aber\ndaß Herr Schermann hellsehen kann, wo nicht das\ngeringste zu sehen ist, mit dieser Erscheinung\ndürfte selbst die exakte Wissenschaft ins Dunkle\ntreffen.\nWenn doch die Leute erst einmal die Augen\naufmachen lernten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.4", "titre_corps": "Jos. & Joseph", "titre_sommaire": "Jos. & Joseph", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.2", "debut_caractere": 7041, "fin_caractere_exclue": 8957, "texte": "Jos. & Joseph\nHerwarth Walden\nDie Behauptung des Herrn Joseph Aug. Lux\nin Nummer 113 des Vorwärts, ich hätte Herrn Jos.\nAug. Lux falsch zitiert, ist unrichtig.. Aller-\ndings habe ich den dort angeführten Satz aus dem\nFi ankfurter Artikel ebensowenig zitiert, wie zahl-\nlose, andere Sätze, die einen Flächenraum von bei-\nnahe fünfhundert Zeilen einnehmen. Die Unter-\nscheidung zwischen „wirklichen Könnern und sol-\nchen,, die nur mitlaufen\", hat Herr Joseph Aug.\nLux. in der B. Z. am Mittag vom 18. März 1915\nnicht gemacht, weshalb er auch diesen unter-\nscheidenden Satz aus seinem Artikel in der B. Z.\nim Vorwärts nicht anführt. Die Sätze, die ich\nim Sturm beweisen den belieb-\nten Wechsel der Gesinnung. In der Frankfurter\nZeitung hatte Herr Jos, Aug. Lux alle Künstler\ndes Expressionismus namentlich aufgeführt,\ndie irgendwie „ausgezogen\" waren. Herr Joseph\nAug. Lux nennt in der B. Z. am Mittag keinen\nNamen, hingegen sagt er: „Wie es Ihnen erging,\nso steht es fast um alle Begabungen, die in\nden letzten Jahren als1 Kühlsten, Futuristen, Ex-\npressionisten 1 oder Sezessionisten/ auszogen,\ndie neue Kunst zu entdecken. Sie taten kraftgeni-\nalisch, aber es war nicht die Gebärde der Kraft,\nsondern der Schwäche, die beim Bluff eine Zu-\nflucht suchte.\" Hingegen in der Frankfurter Zei-\ntung nach Nennung zahlreicher Namen schreibt\nHerr Jos. Aug. Lux zum Beispiel: „Alle zusammen\nsind ein Beweis, daß in dem überwundenen (!)\nKubismus ein Entwicklungskeim steckte, der in\nder Tat schöne Blüten getrieben hat.\" Diese\nWidersprüche, wie es Heir Joseph Aug. Lux wohl-\nwollend im Vorwärts selbst nennt, lassen sich\ndurch etwa fünfhundert Zeilen hindurch aufdecken.\nEndlich kann sich Herr Joseph Aug. Lux nicht auf\ndas beziehen, was die „beteiligtem Künstler selbst\nfühlen\", weil die beteiligten Künstler selbst ent-\nweder im Felde oder im Auslande sind und über-\nhaupt jede Beteiligung an der Firma Jos. & Joseph\nablehnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.5", "titre_corps": "August Stramm", "titre_sommaire": "August Stramm", "signature_source": "Schlacht", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.2", "debut_caractere": 8959, "fin_caractere_exclue": 9086, "texte": "Gedichte\nAugust Stramm\nSchlacht\nAechzen ringt\nUnd\nStampfet in die Erde\nPacken würgt\nUnd\nWindet wühlt und stemmt\nDie Lüfte stehn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 953, "texte": "Und\nV I ,\nKlammer 11 krampfzerrissen\nZerfetzen kracht\nUnd\nSchellet gell zu Boden\nDas Wissen stockt\nDie Hoffnung bebt und starrt\nDie Ahnung blutet\nSchreien wächst empor\nDas Leben\nFlammt\nDie letzten Brände\nsprühen\nWild\nKrallt\nDas Sterben\nAuf\nZum Himmel.\nDas Taglicht stirbt\nDie Nacht\nFlort um\nDas Grabtuch\nDie Erde hüllt\nUnd\nLiebe spreizt den Schooß\nDie Sterne zittern\nStrahlen brücket über\nDie Zeit klimmt an\nUnd\nLächeln sammelt Tropfen\nUnd\nSammeln Lächeln\nLächeln Sammeln Schreiten\nUnd\nSammeln schreitet\nLächeln Schreiten Schwinden\nUnd\nSchreiten schwindet\nSchwinden Lächeln Schreiten\nUnd\nSchwinden schreitet nach\nDem sturen Raum.\nWacht,\nDie Nacht wiegt auf den Lidern\nMüdigkeit flackt und neckt\nDer Feind verschmiegt\nDie Pfeife schmurgf\nVerloren\nUnd\nAlle Räume\nFrösteln\nSchrumpfig\nKlein.\nKrieg :\nWehe wühlt\nMarren starrt entsetzt\nKreißen schlittert\nBären spannt die Glieder\nDie Stunde blutet\nFrage hebt das Auge\nDie Zeit gebärt\nErschöpfung\nJüngt\nDer\nTod"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "18", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.6", "titre_corps": "Geschichten von den Lobensteinern", "titre_sommaire": "Geschichten von den Lobensteinern", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.3", "debut_caractere": 955, "fin_caractere_exclue": 8667, "texte": "Geschichten von den\nLobensteinern\nAlfred Döblin\n\nVon der Unbehilflichkeit der Leute sind zahllose\nGeschichten im Schwange. Sie alle zu erzählen ist\nein einzelner garnicht fähig. Worauf die Leute ver-\nfielen, zeigt vielleicht sinnfällig die Geschichte von\nder Kuh. Eine Mutter hatte ein kleines Kind, das\nsie mit Milch füttern mußte. Weil sie nun viel aus-\nging und ihr Mann zu den Springern und Flaneu-\nren gehörte, so legte sie das Kindchen oft im Stall\nin eine Ecke, damit sie es gleich zur Hand hätte,\nwenn sie die Kuh melkte. Bald schien ihr auch das\nzu viel; sie flocht sich ein Körbchen und band es\nder Kuh auf den Rücken; oben lag in einem Bett-\nchen das Kind und sie brauchte sich nicht zu\nbücken. Damit nun die Kuh niemanden heranlasse\nund das Kind ihr nicht gestohlen werde, vergaß sie\nnicht, dem Vieh einen großen Stein au den\nSchwanz zu knüpfen, damit es Angreifern eins vor\ndie Brust versetze. Es hätte natürlich nicht viel\ngefehlt, daß statt dessen das unvernüftige Tier das\nKindchen in seiner Unruhe schlug. Wie die Mutter\nam Morgen das Tier wild mit dem Schwanz fech-\nten sah, — sie hatte sich schon Bänderchen um den\nKopf und eine rote Schärpe umgehängt, weil heute\nein noch unbekannter Heiliger durch eine Prozes-\nsion verehrt werden sollte, — traute sie sich nicht\nan die Kuh heran, denn das schlagende bewaffnete\nWesen schien es nun direkt auf sie abgesehen zu\nhaben. Das Kind schrie nach seiner Milch, und in\nihrer Not und Einfalt holte sie sich einen kleinen\ndünnen Schlauch, stieg, von dem grimmigen Rinds-\nvieh entfernt, auf eine Leiter, rutschte auf einem\nDachsparren entlang, bis sie über dem Kindchen\nsaß mit ihrer Spritze und ließ die Milch dem Kind\nvon oben in den Mund fließen, sachte und unter\nvorsichtigem Zielen. Es versteht sich, daß das Ge-\nschöpf sich oft verschluckte und völlig begossen\nwurde; daß auch die Kuh hin und her trabte und\nnach den Beinen der schwebenden Mutter\nschnappte. Bei dieser Prozedur kam eine andere\nFrau an, blieb im Stalleingang stehen und schrie,\ndie Mutter solle der Kuh ordentlich eins mit dem\nSchuh auf die Nüstern geben. Die Mutter tat es,\nund diesen Augenblick der Verblüffung des Viehs\nbenützte die Frau, um hinterrücks anzuspringen,\nden Schwanz zu packen und den gefährlichen Stein\nabzuschirren. Froh kletterte die Mutter abwärts,\nlief, um mit der Hand noch einmal die Schwere des\nSteines zu prüfen. Die Nachbarin aber hielt sie mit\nschlauer Miene bei der schönen Schürze fest,\nsteckte den Finger in den Mund, und nun setzten\ndie ungezogenen Weiber Folgendes ins Werk: sie\ndrehten sachte das Körbchen, aus dem sie das Ge-\nschöpf che,n herausgehoben hatten, abwärts, ließen\nes an dem Strick, der um die Kuh reichte, herunter-\ngleiten um die Bauch Wölbung des Tieres, bis es\nunten hing. Da hinein versenkten sie den Säugling,\ninahe der vollen Wampen und der frischen Milch.\nSie schlüpften zurück und bewunderten von der\nStalltür entzückt ihre Arbeit, und wie gut das\nWürmchen aufgehoben war an der warmen Quelle.\nEs wäre wohl alles so verblieben, hätten nicht die\nKuh selbst und zwei daneben stehende Ochsen der\nSache ein Ende gemacht. Das Kindchen, noch naß,\nließ sein Stimmchen aus dem wogenden Versteck\nerschallen; die Kuh, wahrscheinlich in der Meinung,\ndaß sie Bauchrednerin geworden sei, stand stumm\nund unbeweglich, glotzte entgeistert und horchte.\nDie beiden Ochsen stellten sich herzu, senkten die\nKöpfe und schwankten zwischen Ehrfurcht und Mit-\ngefühl, äußerten sich in einem ungeheuren Brüllen,\nfragend, antwortend, tröstend. Auf das unglaub-\nliche Getöse lugten einige Männer herein. Diese\nklärten die Situation allseitig. Sie holten das Kind;\ndann nahmen sie ihre Hosengürtel und schlugen\ndamit den Weibern ums Maul; vielfach holten sie\naus; die eine verlor dabei ihre Bänder, die andere\nverwünschte ihre Schlauheit. Kuh und Ochsen fan-\nden sich erleichtert.\nEs wohnte da auch in einem dunklen Hause ein\nälterer Barbier. Der hatte von seinem Vater ein\ngroßes Ofenrohr geerbt, welches unten zugelötet\nwar. Warum es zugelötet war, ließ sich nicht mehr\nfeststellen. Jedenfalls stand es seit alterslier in\nder Wohnstube des Barbiers. Eine besonders fin-\nstere Ecke wurde stets ausgewählt für das Ofen-\nrohr; da hielt sich das rauchschwarze cylindrische\nInstrument auf zwischen hochlehnigen Stühlen und\nKörben, die vergeblich suchten den ungewöhn-\nlichen Gegenstand zu verdecken. Das zuge-\nschweißte Ding wurde von dem Barbier benutzt\nals Opferstock und vorübergehende Depositen-\nkasse; wenn er etwas wieder haben wollte, so\nnahm er eine reservierte Schere seiner Barbier-\nstube, deren beide Flügel durch mächtige Holz-\ngriffe verlängert waren und ließ sie in die Tiefe\nnach der Beute schnappen. Oder er griff zu einem\nübermäßig gestreckten Löffel, scharrte und angelte\nam Boden. Die Röhre war mit nach Padrutz ge-\nwandert, in dem Barbierhäuschen hatte sie ihren\nangestammten Eckplatz gefunden. Einmal ging der\nMann am Feierabend in die Ecke, packte die Röhre\nbei ihrer Oeffnung, kippte und drehte sie leicht, ließ\nSchere und Löffel herabspielen. Aber wie sie auch\nschnappten, sie fanden nichts. Der angeschweißte\nBoden hatte sich nämlich gelöst von dem Rohr,\nGeld und Boden stand etwas entfernt auf der Erde.\nEr schob alle Kästen, Koffer und Stühle beiseite,\nrollte die polternde Röhre an das Fenster, richtete\nsie auf und begann das Visitieren von neuem. Der\nSchweiß lief dem kleinen kahlköpfigen Mann über\ndie Nasenflanken, sein schmales graues Gesicht\nvibrierte; mit Löffel und Schere spazierte er auf\nund ab, umging seinen Tresor, ließ seine Füße da-\ngegen pendeln: aber kein herzliches Geld klap-\nperte. Wie er auch entsetzt und giftig über die\nRöhre herfiel, sie drückte und rüttelte, ihr Bauch\nblieb still, „Es ist weg!\" Er hatte vor einer Stunde\nnoch die Heller hinuntergeworfen, nicht aus dem\nZimmer war er gegangen! Der Barbier lief zu sei-\nnem Nachbar, der sein letzter Kunde gewesen war,\nholte ihn in die Stube und fragte, ob er ihn nicht\nvor grad einer Stunde barbiert hätte nach allen\nRegeln seiner Kunst. Der schmunzelte: „Ei ja\",\nund seine Frau habe ihn bewundert, weil er so\nschön gerochen hätte und acht Heller habe er da-\nfür geleistet: „Ei ja, ist schon alles recht.\" Der\nMann wollte dem Barbier wieder die Hand geben,\naber der verängstigte Mensch hielt ihn beim Rock-\nkragen: „Und die acht Heller, die hab ich aus dem\nFenster geschmissen oder aus dem?\" „Ei nein,\"\nbrummte der andere und nahm die Pfeife aus dem\nMund, „wie wirst Du denn meine guten acht Hel-\nler aus Deinem Fenster werfen. Das Geld steht\nzwar schlecht im Kurs hier zu Lande, aber hast sie\nDir doch sauer verdient an meinen Stoppeln.\" Er\nlachte behaglich, betrachtete seinen Mann zwei-\nfelnd. Der ließ den Rockkragen los. „Es ist weg, die\nacht Heller sind weg; die zwanzig Heller für Po-\nmade sind weg; das ganze Geld vom langen Tag\nist weg.\" Der Nachbar begütigte unverändert\nlächelnd: „Ei nein. Wie wird doch das ganze Geld\nweg sein, für die Pomade und das Barbieren? Wo\nwird es sein? In der Röhre, in der Röhre; bei der\nalten Tante.\" Der Barbier auf dem niedrigen Sche-\nmel, der mit Blutflecken bedeckt zum Zahnziehen\ndiente, stöhnte: „Nicht bei der Tante.\" Resolut\nnahm der Nachbar Löffel und Schere vom Fenster-\nbrett, suchte erst in der Ecke nach dem Rohr, stieg\nam Fenster in den Abgrund. Er machte den Mund\nnicht wieder zu. Flüsternd kam er hinter den Bar-\nbier her: „Bist Du nicht raus gegangen?\" „Nicht\nrausgegangen.\" „Gibst Dein Wort drauf, Barbier?\"\nDa pfiff der Nachbar, ging auf den Spitzen mit Löf-\nfel und Schere ans Fenster, legte alles vorsichtig\nnebeneinander, schlüpfte ohne eine Silbe, nur mit\nder Hand den Barbier leicht am Aermel streifend\nzur Tür hinaus. Allein saß der kleine Meister in der\nStube mit der schwarzen Ofenröhre."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 11066, "texte": "Nach einer viertel Stunde stiegen drei Männer\ntinter Führung: des Nachbarn ein, flüsterten mit\ndem Nachbarn, .der zeigte: „Da am Fenster.\" Sie\nhatten alle vier bebänderte Mützen in der Hand,\ntaten sie]] ein Langes und Breites mit Dienern und\nGrüßen, vor dem Barbier im Angststuhl, umstan-\nden, Anne über den Leib geschlagen, im Kreis die\nschwarze stille Blechrundung. Der Nachbar klopfte\ndagegen: „Es ist Blech.\" Die nickten: „Blech, von\noben bis nuten.\" Als ein jüngerer die Fingerspitze\nnach dem Rand ausstreckte, hielt ihn mit hohen An-\nbrauen ein anderer zurück: „Was mußt Du gleich\nanfassen?\" Der erste Nachbar bog dieKniee, stelzte\nzum Barbier, hauchte ihm gebückt ins Ohr: „Ver-\nhext.\" Der Barbier stellte sich leicht zitternd unter\nsie; die drei neuen befühlten nacheinander das\nglatte Kinn des offiziell dreinschauenden Nachbarn,\nder auch seinen Geldbeutel klappern und drücken\nließ. Im Gänsemarsch zogen sie hinaus, schüttelten\ndraußen ihre Jacken. Vorübergehend sagte der\nNachbar noch, „nicht anrühren sollte der Barbier\ndie Röhre; wer weiß, wenn man sie sich über den\nKopf zieht, wird man unsichtbar und nachher fin-\ndet man nicht heraus oder was sonst.\"\nAm nächsten Morgen nickte die Bauernkom-\nmission an, sechs Mann stark, nahm vor der Tür\nden blanken Barbierteller ab, damit sie keiner störe\nund begann das Untersuchen. Zwei Goldgulden\nhatte jeder mitgebracht, darauf das Kreuzzeichen\nmit Kohle gemalt. Das graue Männchen rollte seine\nRöhre in die dunkle Ecke; dann wurde er bei\nSeite gewiesen. -Ein Baüer trat nach dem andern\nan die Höhlung heran, warf seine Gulden hinunter.\nMan hieß den Barbier nun das Möbel anzuheben,\nund während alle bei Seite traten, an das Fenster\nwälzen und aufrichten. Gewichtig trampste ein\nBauer an das Regal, nahm Schere und Löffel her-\nunter und fing an nach abgelegter Jacke zu schar-\nren, zu angeln und zu schnappen. Es währte ge-\nraume Zeit, bis er abließ. Von allen Seiten versuch-\nten sie ihr Heil, schweißtriefend scharten sie sich\num das wackelnde Ronr und unternahmen Angriffe.\nNunmehr hieß der Anführer der Kommission den\nBarbier, das Rohr zu kippen; zwei Mann luden es\nsich auf die Schulter und postierten sich damit vor\nihren Befehlshaber. Der ließ Platz machen nnd\nschaute in die Höhlung hinein. Er setzte sich auf\neinten Stuhl. Als das Fenster geöffnet war, richtete\ner sich auf, schüttelte den Kopf: „Der Boden ist\ndurchsichtig, völlig durchsichtig! Man sieht den\nleibhaftigen Himmel.\" Die Übrigen nahten sich\nhintereinander, das Kopf schütteln und betretene\nHerumblicken nahm kein Ende: „Man kann\nden Himmel erblicken! Durch den Boden!\" Der\nBarbier hatte die Nacht über geweint nach\nseinem Geld; nunmehr drückten ihm die Bauern\neiner nach dem andern die Hand, sahen ihn\nernst und gefaßt an und verschwanden.\nDraußen standen sie noch in einier Reihe unter dem\nScheunendach, guckten und zeigten nach dem\nHaus herüber. Bald hinter ihnen her spazierte der\nNachbar mit Frau und Schwagersleuten herein\nzum Barbier, sie hatten die Kommission draußen\nparlamentieren hören und wollten einmal sehen,\nwas die Röhre blicken lasse. Abwechselnd hielten\nsie das Blech auf ihren Buckeln; der Nachbar äu-\nßerte befriedigt: „Ja es ist ein schöner Durchblick.\"\nUnd alle sahen hindurch und freuten sich des schö-\nnen Himmels; und erzählten zu Hause, welch schö-\nnen Himmel man dies Jahr durch die Wunderröhre\ndes Barbiers sehen könne, so daß am selben Nach-\nmittag schon welche gelaufen kamen mit Würsten,\nPulswärmern, Messingknöpfen, Schnupftabak nnd\nzu der Stube hereindrangen. Der wollte wissen, ob\n•*»• - i , ,\nman. auch fragen könne, wie es der Schatz mit\neinem meine, der, wie sein Bier wird, der, ob das\nRohr auch wisse, wo Geld vergraben liege; er\nwüßte nämlich ein sonderbares Loch in der Nähe.\nDer angestaunte Besitzer ging erregt durch das\nZimmer: „Man muß halt alles versuchen: fragts\nmich nicht. Die Haare können einem zu Berge\nstehen ob derer Geschichten.\" Er erinnerte sich in\nall dem Gedränge, daß sein Großvater, der erste\nBesitzer des Rohrs, ein frommer, seliger, freilich\nauch verdächtiger Mann gewesen sei, sofern er\nnämlich unter merkwürdigen Umständen starb mit-\nten beim Essen, nachdem er dreimal auffällig mit\ndem Mund geschnappt hatte. Das war ein Zeichen,\ner hatte etwas sagen wollen wegen des Rohrs. Ein\naltes Weib tat wehmütig einen flüchtigen Blick\ndurch das Rohr, dann machte sie den Mund ganz\nschief, schluchzte und heulte: „Man kann den Him-\nmel sehen samt den Englein. Mein Philipp ist da,\nja, mein Philipp ist da.\" Ein dickes junges Wesen\nmit vielem Putz tröstete die Wiittwie, meinte: „Ich\nschau nicht durch. Das Wasser läuft einem im\nMund zusammen. Der Magen könnt sich einem um-\nkehren.\"\nDer Barbier machte hinter dien Leuten die Tür\nzu; er stellte das Rohr in seinen finstern Winkel,\nlegte das Ohr an das Blech; er hörte es deutlich\nflattern und pfeifen von vielen himmlischen Vögeln;\ndann gab es eine beängstigende Stille. Er warf\neinen Heller hinein, wartete etwas; dann kniff er\ndie Augen zu, faßte sich ein Herz, angelte und\nschüttelte das Blech. Die Buben standen vor dem\nFenster, schrieen: „Gold mach er, Gold macht er.\"\nEr drohte hinaus, zog die Vorhängt zu, schmunzelte\nbösartig: „Nun, wenn ich schon Gold mache; ihr\nkriegt nichts ab, verschmutztes Gesindel.\" Marian-\ndel hieß seine Tochter, sie war nicht sonderlich\nschön; sie erlebte in diesen Tagen eine feine Zeit.\nDie Burschen föeüein ihr zu Dutzenden nach. Sie\nließ ihre böse Zunge, wegen der sie auch gehaßt\nwar, gehen, fischte sich die am meisten um-\nschwärmten Burschen heraus und führte ein großes\nGetue mit ihnen beim Kirchgang und auf dem\nMarktplatz. Die Burschen, ob der drohenden fabel-\nhaften Mitgift, ließen die Weinflaschen anspringen,\nschmeichelten der dürren eitlen Person lim Schul-\nter und Brust. Die Mädchen weinten zu Dutzenden.\nEin furchtbares Regiment führte sie, ja der ganze\nTanzboden zitterte vor ihr und manche Wirte klag-\nten über das hochmütige Volk, weil die Barbiers-\ntochter den großen Schwärm der Burschen hinter\nsich her zog und sich: nach Laune bald da bald\nda blicken ließ.\nFür den Barbier lief die Sache nicht gut ab. Ein\nanderer Baritscherer trug gegen ihn große Wut zur\nSchau, weil zu dem Zauberer die Leute liefen wie\nin eine Schenke; es hofften nämlich viele, der Bar-\nbier würde gelegentlich etwas für sie abfallen las-\nsen. Jener Bartscherer gewöhnte sich in seinem\nGrimm ein besonderes Zucken der linken Backe an,\ner kehrte dien Spieß um; der alte Barbier nnd Kol-\nlege sei ein Hexerich, und was für einer, und was\nes da zu bewundern und was es zu beneiden gäbe?\nSeit wann werden Hexeriche angestaunt? Wer\ngarantiere, was dieser Mann alles vorhabe? Alles,\nalles, noch alles! An Euren Früchten soll man Euch\nerkennen; man frage einen gewissen Wirt zum gol-\ndenen Elch, wie lange sich nächtens eine gewisse\nunansehnliche Dame, Fräulein oder Jungfer, Mari-\nandel geschimpft, in einem gewissen Garten mit\nBurschen aufhalte, heute den, nnd übermorgen den\numhalse? Wie gewonnen, so zerronnen, hieße es,\nund ferner: Untreue schlägt seinen eigenen Herrn,\nnnd ferner: es ist noch nicht aller Tage Abend. Der\nWidersacher, in seiner mageren Existenz bedroht,\nbestimmte einige ausgeschlossene Freiersleute, da-\nzu eine kleine Horde unbegüterter Mädchen sich\nihm anzuschließen und einen Vorstoß zu unterneh-\nmen gegen das Hexen- und Zauberwesen im neuen\nPadrutz. Sie schmiedeten mancherlei Pläne und\nschließlich wurde ein Komplott reif gegen den Bar-\nbier. Eines sehr dunklen Abends rückten eine\nSchar Mädchen mit wenigen Männern in den Gar-\nten zum Goldenen Elchen ein, schwang Besenstiele\nund Stangen, vertrieb und prügelte die hinter Bäu-\nmen lauernden Burschen, die auf einer Wiese\nkosende Mariandel wurde aus ihren Träumen ge-\nrissen, windelweich gegerbt ,alsdann gebunden in\neine entfernte Schemde transportiert. Inzwischen\nmarschierte der hetzende Widersacher mit seiner\nMannschaft vor das Barbierhaus; ganz still war es\nda und schöne Sommerluft wehte; der gewandte\nMann schwang sich anschleichend durch ein offe-\nnes Fenster, wand sich ohne zu poltern in die Nähe\nder gefährlichen Röhre, und plötzlich, als* er den\nBarbier schnarchen hörte, gab er einen lauten\nSchrei von sich, die Mannschaft stürmte herein\ndurch die springende Türe. Eine rasende Schläge-\nrei entspann sich. Mit Möbeln, Gegenständen, denn\nman fürchtete überall Hexenkram. Der Zauberer\nsuchte in seiner Todesangst nach dem Rohr zu ent-\nwischen; sobald er nackt den Angreifern ausglitt\nund fortschlüpftei, stand der andere Pomadenkünst-\nler drohend mit seinem Knüttel da, wie der Erz-\nengel vor dem Paradies, und die Hiebe sausten auf\nr\nden kollegialen Buckel. Wie man ihn im Finstern\nüberwältigt hatte und zwischen Betten, festge-\nschnürt auf den Boden legte, stürzte unvermutet\ndas Rohr um; es hatte sich nämlich der Wider-\nsacher unter heftigem Zucken seiner Backe daran\nzu schaffen gemacht, um hinterrücks zu seinem\nGlück zu kommen. Aber in dem kleinen Zimmer\npurzelte nur alles durcheinander; mehrere rutsch-\nten aus über das rollende Blech;, es war im Nu\nverborgen, und wurde von einem, der sich die Hose\ndaran aufriß, in der Wut zertreten, zerbogen und\nvöllig seiner Form beraubt. Nachdem die höllische\nSchar das Geschirr im Laden, Seifenbecken,\nWaschkanne und Zierkrüge kurz und klein geschla-\ngen hatte, verschwand sie im Dunklen, von wo sie\nangeschwirrt war. Unter den heißen Betten wim-\nmerte der geprügelte Barbier; die unansehnliche\nTochter wurde vor Anbruch des Tags noch von\ndrei Mädchen, die in ihrer Rachsucht nicht schla-\nfen konnten, zwei dreimal in einen der nahen\nStinkseen getunkt und so besudelt am Ufer hinge-\nworfen. Mit der nächsten Morgensonne wurde alles\naufgedeckt. Der Barbier erstattete Anzeige, er sah\nsich vor dem Ruin. Bei der ersten, Vernehmung\njedoch ließ er die Anklage fallen, denn er durfte\nnichts von dem Zauberrohr verlauten lassen vor\nder Behörde. So wäre der graue geplagte Mensch\nschrecklich von dem Schicksal gefoppt worden,\nnachdem er sein Rohr, viel Handwerksgeschirr und\nmanchen Kunden verloren hatte. Aber wie er ein-\nmal auffegte in jener dunklen Stubenecke, sehn-\nsüchtig bei der Erinnerung an sein Rohr, erfüllte\nsich ein Wunder: plötzlich lagen da, von Staub be-\ndeckt, zahlreiche blanke Goldgulden und massen-\nhaft kleine Heller. Auch der Boden des Rohres lug\nda, freilich das Trümmerstück war ganz gewöhn-\nliches Blech und nicht mehr durchsichtig. Beglückt\nund doch gequält sammelte er alles zusammen; er\ndachte, am Boden hockend, den Fund im Schoß,\nwas sich alles hätte erreichen lassen mit dem\nRohr, wenn es sogar in der Abwesenheit an seiner\nWohnstatt Geld hinstreute, wie eine Hernie, die\nnach ihrem Tode noch Eier legt. Als er jegliches\nin Gedanken durchgegangen war, hob er sein\nmageres Körperchen auf, legte alles Geld in seinen\nBeutel, umstellte nun die Fundstelle, wie früher\ndas Rohr, mit Kästen, hohen Stühlen und Gerümpel.\nEr gelobte in dem eingezäunten Revier über Tag\nund Tag wieder zu fegen. Die mißachtete Marian-\ndel wagte sich kaum ans Licht; sie war von ihrer\nHöhe gestürzt. 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Er ist auch zu\nkomisch und doch wohl verrückt; aber schließlich\nhat man seine Pflicht getan! Frau Hannah versteht\nnicht, daß Bran von der Züchtigung garnicht er-\nschüttert ist, und sie spricht es zuerst laut vor den\nAnderen aus: „Der weiß, scheint, noch immer\nnicht, was mit ihm los ist.\" In der Verwirrung\nihres Gewissens aber fragt sie sich, ob dem „Kerl\"\nnicht doch Unrecht getan wird, sie kehrt Bran den\nRücken, schüttelt sich erbittert und trabt ab.\nBran wendet sich an den alten Herrn, er solle\nihm erklären, was das Ganze bedeute. Auf diese\nsachliche Frage ändert der Assessor stumm die\nHaltung und beginnt abzumarschieren. Dann bleibt\ner aber stehen und wendet das Gesicht Bran zu,\nlegt seine viereckige Faust m die Stirn\nan seinem grauen Kubus etwas loszuschrauben.\n„Ich glaube, Sie rührt wohl gar nichts mehr, Sie\nsind nicht mehr normal\", und aus der Tiefe des\ndunkeln Flurs beglaubigt Frau Hannah den Spruch\nihres Eheherrn: „Sie sind für ehrlos erklärt worden,\nso, nun wissen Sie es.\" Das Fräulein (Liebling der\nHerrenwelt) dreht sich trillernd auf dem Schuh-\nabsatz um sich selbst, mit kreischendem Gelächter,\nmit den Armen schlenkernd, spuckt sie schallend\nauf die Flurdiele.\nBran bleibt allein und lächelt. Der Assessor hat\nes argwöhnisch bemerkt und ruft: „Sie findeil\ndas wohl nicht komisch, Ihnen ist so etwas zuzu-\ntrauen.\" „Komisch gewiß\" antwortet Bran gelas-\nsen, „der Humor durchschneidet tötlich die Ge-\nberde aller Gewalttätigkeit, das eben noch Ge-\nblähte sinkt lächerlich in den Staub.\"\nEine feierliche festtägige Stunde kommt über\nBran, Stärke erfüllt ihn, Schaffenslust überschattet\nihn. Bran hat im Auge einer Frau Gott geschaut,\ndas* ist sein nicht preisgegebenes Geheimnis, sein\nGewinn aus diesen Tagen; seine männliche In-\nbrunst schreitet feierlich dem Leben entgegen,\nüber ihm rauscht im schweren, ernsten Wind ent-\nfaltet die schwärze Fahne, die er in die beginnende\nSchlacht führt.\nA u s g a im g\nBran packt an einem Vorfrühlingsabend seine\ngeringen Habseligkeiten, löst das Kärtchen mit dem\nSee von Sils Maria von der Wand überm Bett und\nwartet ein Weilchen aufrecht und still.\nHell, jungmännlich aufrecht steht Bran im hoch-\ngrünen Licht des Abendhimmels über dem ruhe-\nvollen Dunkel der aufgebrochenen Aecker. Wol-\nken färben noch nicht zauberisch die himmlische\nFerne, erblaßt sind zornrote Sonn-Untergänge,\ndurch den nackten Abend gehen klare Stiche\nblitzender Sterne.\nBrans Angesicht ist wohlgewölbt, seine Schulter\nhochgeformt: er hat alles angenommen, die Krank-\nheit, die Verschuldung, verstrickendes Geschwätz\nruhig in seinen priesterlichen Händen, und er brei-\ntet seine Hände hoch dem All, um sie in seinem eis-\ngrünen Atem zu reinigen.\nSeit Wochen ist bereits die Leutnantsfamilie\nfortgezogen. Nach der „Ohrfeige\" ist Frau Brosin\nnicht mehr bei ihren Kindern erschienen, sie ist\nzur Ausbildung im Schwesterndienst in ein Hospi-\ntal des roten Kreuzes eingetreten.\nEines Tages war die Tante von Frau Lise er-\nschienen, eine würdige alte Dame aus dem Vor-\nstande des roten Kreuzes, in deren Schutz sich die\nunglückliche Leutnantsfrau geflüchtet hatte. Sie\nerschien als die Verkörperung der brosinschen Fa-\nmilienehre, Geleitet von einem jungen Offizier\n(Frau Lisens Bruder) und dem kriegerischen As-\nsessor, der Bran zum „Verhör\" lockte. Es wurde\nfeierlich der brosinsche Familienfluch über Bran\nbis in seine fernsten Lebenstage hinaus gesprochen,\nund der unselig Verdammte durch die brosinsche\nFamilienrache mit der Reitpeitsche des Offiziers\nbedroht.\nAuf die eifersüchtige Frage der Erbosten, wie\ner es fertiggebracht hätte, einer verheirateten\nDame einen Liebesantrag zu machen, erwiderte\nBran mit der Sanftheit eines großen Stolzes, daß\ner Frau Lise garnicht liebe oder lieben wolle. Das\nwar ein Schreck für die alte Dame, ein Ratlossein\nfür die überheblich Moralische . . .\nDas Kinderfräulein brachte die Uebersiedlung\nder Familie nach Krughagen zustande, nahm die\nKinder und überführte den gelähmten Mann in die\nländliche Entlegenheit.\nSein mietsvertragliches Vierteljahr bei Asses-\nsors bezahlte der Leutnant „anständigerweise\".\nUnd so dauerte es nur etliche Tage, bis Bran für\nFrau Hannah kein Stein des Anstoßes auf ihrem\nferneren Wege war. Als noch dazu ein im Haus\nansässiger Schriftsteller gar BraiK in Schutz nahm\ngegen alle Vorwürfe und ihm Recht gab, verzieh\nFrau Hannah dem Studenten alles, was er ihr umd\nder Pension angetan! hatte. Ihre Empfindungen\nwurden wieder christlich und glatt.\nObwohl der weltkluge Assessor ernstlich die\nBesuche des „ehrlosen Menschen\" sich verbeten\nhatte, verzichtete keineswegs seine Gemahlin dar-\nauf, den Jüngling bei Abwesenheit des Eheherrn\nin ihrer Küche zurückzuhalten: Sie habe immer an\nseine Ehrlichkeit geglaubt, aber sie habe sich auch\ngeärgert über seine Liebes-Erklärung an Frau\nLeutnant. Die alte Dame vom roten, Kreuz habe\nihr aber späterhin dargetan, daß er Frau Leutnant\ngarnicht geliebt habe und sie auch gar nicht habe\nlieben wollen. Da sei sie nun vollends beruhigt\nüber die ganze Sache, sie sei ihnen allen durch den\nLeutnant so schrecklich gemacht worden. Von\nBran halte sie dasselbe wie vordem, als sei nichts\nvorgefallen. . .\nBeim langen, strengen Schweigen des Jüng-\nlings bestätigte die Alte scheu, daß er wie Christus\ngestanden sei, verspottet wie Er.\n❖ «■\n*9M\nAuf seiner Reise einsam im D. Zuge, der durch\ndie märzlichen Harzberge braust, liest Bran nach\ndem Fahrtrhythmus das geheimnisvolle Bruch-\nstück des antiken\nParmenide s\nDas Rossegespann, das mich trägt, zog mich\nfürder soweit ich nur wollte, nachdem es mich\nauf den vielgerühmten Weg der Göttin geleitet, der\nallein den Wissenden überallhin führt. Dorthin\nbrachten mich die vielverständigen Rosse, die den\nWagen zogen, und die Mädchen wiesen den Weg.\nDie Achse knirschte in den Naben sich heißlau-\nfend, mit pfeifendem Tone. Denn sie ward beider-\nseits von zwei wirbelnden Kreisen beflügelt, wenn\ndie Heliadenmädchen, welche das Haus der Nacht\nverlassen, und den Schleier vom Haupte zurückge-\nschlagen hatten, die Fahrt zum Lichte beeilten.\nDa steht das Tor, wo sich die Pfade des Tages\nund der Nacht scheiden. Türsturz und steinerne\nSchwelle hält es auseinander, das Tor hat die Fül-\nlung von großen Flügeltüren, die (einpassenden\nSchlüssel verwahrt Dike, die gewaltige Rächerin.\nIhr nun sprachen die Mädchen mit Schmeichel-\nworten zu, beredeten sie klug, den verpflöckten\nRiegel ihnen geschwind vom Tore zu stoßen. Da\nsprang es auf und öffnete weit seinen Schlund, die\nerzbeschlagenen Pfosten, die mit Zapfen und Dor-\nnen eingefügten, drehten sich nacheinander in den\nPfannen. Mitten durchs Tor lenkten die Mä;dchen\nstracks dem Geleise nach Rosse und Wagen.\nHuldreich nahm mich die Göttin auf, sie ergriff\nmeine Rechte und sprach zu mir: „Jüngling, der du\nunsterblichen Lenkern geseilt, mit dem Rossege-\nspann unserem Hause nahtest, sei gegrüßt! Kein\nböser Stern hat dich auf diesen Weg geleitet (denn\ner liegt fürwahr weit ab von der Menschen Pfade),\nsondern Recht und Gerechtigkeit. So sollst du sie.\ndenn erfahren: der wohlgerundeten Wahrheit fel-\nsenfestes Herz und die Wahngedanken der Sterb-\nlichen, denen verläßliche Wahrheit nicht innewohnt.\nDu wirst trotzdem auch das erfahren, wie man\nalles und jedes durchgehen, und dabei jedes Schein-\nwesen auf die Probe stellen solle.\nAber von diesem Weg der Forschung halte du\ndich mit den Gedanken ferne, lasse dich nicht durch\ndie vielerfahrene Gewohnheit auf diesen Weg\nzwingen, nur deinen Blick den ziellosen, dein Ge-\nhör das brausende, deine Zunge walten zu lassen:\nnein, mit dem Geiste bringe die vielumstritteiie\nPrüfung, die ich rief, zur Entscheidung.\nEs bleibt nur ein lebendiger Weg übrig.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "20", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.8", "titre_corps": "Persisches Märchen", "titre_sommaire": "Persisches Märchen", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.6", "debut_caractere": 8024, "fin_caractere_exclue": 8946, "texte": "Persisches Märchen\n\nDas Morgenland nennt seinen hohen Namen,\nihm neigten sich einst Brüder und die Aehren.\nDie Wolke seines Ruhmes loht vor Städten,\nVölkern\nDie weiße Barke auf weltweiten Schwingen»,\nvor schaumgekrönten Fluten hergetragen,\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm.\nErrötend, in seiner Seide,\nberührt er heilend ihre Adern mit der Hände\nköniglichen Lilien.\nDie ihn fragen:\nSinn der eigenen Frage\nertönt aus seinem Aug,\nam reinen Bronn, in klarer Bergluft.\nScherze —\nV\nGoldpfeil aus seinem Aug!\nUnd vorwärts stürmend,\nSchultern weißgewölbt,\nArme um der Freunde treue Nacken,\nhebt er zum Wettlauf an\ngoldsohligen Fußes.\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm,\nerrötend in seiner Seide.\n«I* fcf*\nV '»»\nEin armer Neger bleibt mit fleißigem Betrachten\ndem schwermutsreichen Tröste zugewendet,\nder sonderlichen Arzenei, die wunde Herzen heilt,\ndie blutigen Ränder zueinanderfühlt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3522, "texte": "In. seine Kammer weht der Wind vom Garten\nhold ein duftend Blatt,\nauf dem ein goldgewölbter Käfer ruht.\nIm halben Traum erbebt das weiße Herz,\n— Schwan, der schwebt auf dunkler Flut\ngeneigt zum hellen Ebenbild —\ndas; seine Flügel jäh entspannt,\ndas wundersame Gold mit zartem Rand.\nIm schw-ermutsdichten Hain,\nDes Wind gestaltlos Sehnen\naufküßt mit Dämmern\nhört er die Knaben in den Nachtwind singen,\nihm die schwermutsüße Kunde singen\nfühlt aus güldener Nacht entringen\nnach tausend Jahren eine Märchenstunde.\nEr hebt das Haupt mit bangen Händen:\nGott fließt durch den Hain\nfließt ins Herz mit seinen schimmernden Sternen\nbadet seine Glieder mit dem Abendgold durch\nschwere Bäume\nAllmacht in jeder Regung, Wandel mit Sternen,\nZum Dome, wo das Finstere ringsum kauert,\ntritt er mit seiner Kerze.\nVom Hauche ewgen Brennens,\nvom linden Beten, wunderbaren Sange\nsteigt am der Flamme reines Blau.\nIlxm nahen sich Alle!\nSeine Rede schmilzt Jähre,\nTräges wandelt sie zu tödlicher Kraft,\nTalg zu Licht, Grauen zu Süße,\ndie schwer am Munde des Liebenden hangt,\nam Leibe der Biene, die dem Kelch entrann.\n❖ *\nAus finstren Lüften\ntropfen bohrend Feuertränen...\nZu Häupten kreist geschwungenen Stahles\nharte! Drohung gegen erzene Torflügel.\nLichter splittern: Die Tore auf!\nVon Millionen blanker Waffenspitzen\nstürmt die weiße Weite,\nriesige Blutfahnen schweben heran,\ndurch den Glanz stürzen nieder\nungeheuer verzerrte Grimmhäupter,\nenthauptet Sonnen und Monde.\nFlammende Spitzen bohren,\nreißen ihn in Erdstücke, Kiesel,\nSturmnacht wirft ihn über die Klippe.\nGoldmeer bricht auf,\nwälzt Erdteile zu Wolken, die von Gold triefen,\nWolkentiefen stürmen Hosiannaglut.\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm.\nErrötend in seiner Seide,\nberührt er heilend ihre Adern mit der Hände\nKöniglichen Lilien.\nZuruf stürmt!\nStromschnelle, reißender über dem Fels,\nLöwe, brüllend vorm Sprung:\nDas Morgenland rühmt seinen hohen Namen,\ndie Wolke, die vor Städten, Völkern loht,\ndie weiße Barke auf weltweiten Schwingen.\nDer Neger sieht Ihn durch die Enge\ndrunten schreiten auf dem dunklen Tuch,\nden goldgewölbten Käfer\nr .\nschaut er auf dem holden Blatt,\ndas Haupt von Gold, das Kleid von Schnee\nmit zartem Rand.\nBrennend schwingt der Schwarze\nnieder sich zur Gasse, lallend weicht die Menge,\nund er sieht Ihn, wie Ihn keiner sah.\nSonnentrunken schaut er Jenes Lächeln,\nWanderer, dem auf Bergen trunken\ndes Morgenrotes frühster Strahl begegnet.\nWohl beginnt der Knabe den Gesang,\ndoch scheu verstummt die zage Stimme\nvor Glockenschlägen ungeahnt im Innern,\ndie am Herzen sengen:\n„So find ich heim!\nDie Mondlast tragen Bäume leicht,\ndie Gräser jenen Hauch,\nder sie durchweht auf unsichtbarer Spur.\nSo find ich heim!\nIn Sonne, im Bilde aller Himmelsräume\ntilg ich die Zeit auf weiten Todesschwingen.\nDer Schmetterling entschwebt mit schwerem\nBlütenstaub.\nDer Sendling hebt sich aus dem Staub,\ndem freien All Veikündigung zu jauchzen;\naus Sterblichkeit das Herz, das alle Räume\nausgemessen:\nDie goldene Locke darf es niemals heilig rühren!\nLächelnd hebt der Neger seinen Blick\n— ein Kind, das eine seltne Blüte seinem Vater\n* •\nbringt —\nund sinkt zur Erde, die Lippe grau,\ndie schlanken Hände schlaff gespreitet.\n•irr*!:\n; .f. -t\nNacht hüllt die Stätte!\nLohend steht allein Er über Städten, Völkern,\nund rührt in seiner Schwingen mächtigem Ent-\nfalten\nan Dome. Vom Geläut erzittert die Nachtweite,\nvon königlicher Totenklage.\nDann kniet er weich, hebt die tote Stirn,\nden herben Leib !\nKeiner sah, als Er ihn heimgebracht\n\nAdolf Knoblauch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "19", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.8.1", "titre_corps": "Felix Müller: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Felix Müller: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 33, "texte": "Felix Müller: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "22", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.9", "titre_corps": "Verpeléty : Desider Kosztolányi", "titre_sommaire": "Verpeléty : Desider Kosztolányi", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.8", "debut_caractere": 3524, "fin_caractere_exclue": 7933, "texte": "Verpeléty\nDesider Kosztolányi\nieh hatte die ganze Nacht schlaflos verbracht.\nZeitig am Morgen begab ich mich auf den\nBahnhof, versäumte den Zug und erfuhr, daß ich\nbis elf Uhr vormittags auf den nächsten zu warten\nhabe. Ich verfügte mich in den Restaurationsraum\nund betrachtete gelangweilt die Pyramiden, die\naus Orangen, m Staniol verpackten Zwiebackpäck-\nchen und Aepfeln errichtet waren, das charakteri-\nstische Stilleben der Bahnhofrestaurants in unga-\nrischen Provinzstädten. Es gibt nichts Melancho-\nlischeres als der Aufenthalt in einem solchen ver-\nlassenen Räume, wenn man die Nacht schlaflos\nverbracht und nicht gefrühstückt hat. Der\nbleichwangige Kellnerjunge — seine Frackschöße\nreichten bis zum Boden — trat mit: der weißen\nServiette dienstbereit vor mich hin und brachte\nden Kaffee. Die Milch war dickflüssig und fett, der\nKaffee träufelte wie Pflaumenmus aus der Kanne.\nIch verlangte das Lokalblatt, doch auch dieses in-\nteressierte mich nicht. Der im Kreise wandernde\ngroße Zeiger der Wanduhr und sein langsam\nschleichender Gefährte, der Stundenzeiger, weck-\nteri meinen Aerger, weil sie mir verrieten, ich\nhätte noch volle vier Stunden liier zu verbringen.\nIch befand mich im Kerne der großen ungari-\nschen Tiefebene, des Alfökis. Die Stadt selbst lag\nin ziemlicher Entfernung vom Bahnhof, dahin zu-\nrückzugehen verlohnte sich nicht, und außerdem\nträufelte draußen Regen. Ich versuchte Verschie-\ndenes, um die Zeit tot zu schlagen, nehme schließ-\nlich aus dem Zündstein ein Streichholz und be-\ntrachte starren Blickes das schwarze Köpfchen,\num mich zu hypnotisieren. Doch bald werde ich\nauch dieses schwindelverursachenden Fakir kunst-\nstiickchens überdrüssig und werfe gähnend das\nZündholz fort. Da bemerke ich, daß in einem Win-\nkel des Speisesaales zwei Männer sitzen und halb-\nlaut reden.\nJedes zweite ihrer Worte ist:\n„Verpeiety\"\nSeitdem ich sie belausche, habe Ich diesen\nNamen etwa fünfzigmal vernommen:\n„Verpeiety, Verpeiety, Verpeiety.\"\nEiner der Plaudernden ist mager und trägt •eine\nfertig gekaufte Halsbinde, einen ab-\ngetragenen Anzug, über der Weste eine silberne\nUhr kette. Seine von Blutäderchen durchzogenen\nkleinen Augen verraten, daß er die gamze Nacht\nnicht geschlafen hat. Vorhin trank er Bier, darauf\nWein, und jetzt bestellte er sich einen Wachhai -\nder schnaps. Neben ihm sitzt ein beleibter Mann in\nder Nähe des kaltgewordenen Ofens, bekleidet, mit\neiner Bauernpekesche, daran ein Pelzkragen, Die-\nser Mann schien ein dickschädliger Ackerbau-\nmensch zu sein, ein Magyare von türkischem\nTypus, im Gegensätze zu seinem mageren Sitz-\nnachbarn, dessen Mausegesicht den Bauernsciilag\nder Tiefebene verriet Beide rauchten ganz billige\nZigaretten und machten den Eindruck zivilisierter,\nneurasthenischer geistiger Proleten.\nNun kam es blökend aus dem Mund des Dicken:\n„Die Schulgememde . .\nAlso anscheinend Lehrer. Später erfahre ich,\nüber wen sie sprechen. Verpeiety ist der Inspek-\ntor des Schulbezirkes und die beiden waren aus\nirgendwelchen Dörfern oder -Gehöften zu einer\nLehrerversammlung gekommen, um wichtige, ganz\nbesonders wichtige Angelegenheiten zu erledigen,\n„Ein unglaublicher Kerl,\" sagte der Magere\nden Kopf schüttelnd, „wie er gestern wieder mit\nder Faust auf den Tisch gehauen hat.\"\n„Du kennst doch Verpeiety iä! weißt, dai er\nsein Leben lang ein rabiater Mensch gewesen ist.\"\n„Rabiat\", wiederholte der Magere, ,Jcann er\nvon mir aus mit seinem Hund sein, aber nicht mit\nmir. Wer bin ich denn? Sein Dienstbote? Oder\nsein Hund?\"\nDamit schlug er sich auf den Brustkasten,, der\nso schmal und abgemagert war, daß fast die Rip-\npen herausfielen. So wuchtig schlug er zu, daß er\nsicherlich Schmerz empfand, und seine hektische\narmselige Brust rasselte tatsächlich auf wie eine\nschwindsüchtige Harmonika. Ich hätte ihn bei der\nHand fassen mögen und sagen:\n„Haltern Sie ein, Herr Lehrer, halten Sie ein.\"\n„Das gibt es nicht,\" fuhr er immer heftiger fort.\n„Da werden wir schon noch .ein Wort ei mitzu-\nreden haben. Ich erfülle meine Pflichten genauest,\nfordere aber, jawohl ich fordere, daß mir sei-\ntens meiner Vorgesetzten eine menschenwürdige\nBehandlung zuteil wird.\"\nIch sann darüber nach, ob es noch ein traurige-\nres Wort geben könne, als dieses „meine Vorge-\nsetzten.\"\nDer Lehrer fuhr in seinen Erörterungen fort.\n„Verpeiety kennt meine Intentionen. Ich habe\nihm diese ausführlich dargelegt und da hat er den\nSchwanz eingezogen. Ins Gesicht habe ich ihm ged-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10148, "texte": "sagt, daß ich selbst — jawohl ich selbst, die Ein-\nleitung- der Disziplinaruntersuchung gegen mich\nverlangen werde.\"\n„Und was meinte er dazu?\"\n„Er wollte mich davon abbringen.\"\n„Und?\"\n„Es blieb ihm schließlich nichts anderes übrig,\nals mein Verlangen zur Kenntnis zu nehmen.\"\n„Sicherlich glaubt er, dir damit das Genick zu\nbrechen.\"\n„Da täuscht er sich sehr gewaltig!\" sprach der\nMagere. „Verpelety ist fertig. Ich habe positive\nKenntnis davon, daß er gegangen wird.\" Er machte\nmit der Hand eine hinauskomplimentierende Be-\nwegung, als ob er den Verpelety verabschiede.\n„Was du sagst?!\"\n„Es ist nahezu totsicher. Verpelety — ich wie-\nderhole es — fällt, aber die Treppe hinauf.\" Um\nsich einen wichtigen Anschein zu geben, fügte er\nhinzu:\n„Er wird nach Budapest versetzt. Er möge aber\nnur meine Disziplinaruntersuchung abwarten, dann\nwird sich schon ergeben, wer ein Schuft ist. Aber\neins kann ich dir sagen: einer von uns geht. Ent-\nweder er oder ich. Beide können wir nicht blei-\nbest\"\nDer magere Herr verzog gequält die Lippen\nund seine gelblich-grünen Zähne blinkten hervor.\nSeine Trinkeraugen sprühten Haß, sein Mund\nwand sich in erbitterten Krümmungen und das\nschüttere Kopfhaar sträubte sich. Mir wurde es\nklar, daß dieser Mensch selbst vor einem Mord\nan Verpelety nicht zurückschrecken würde.\n„Verpelety,\" so dachte ich bei mir, „du mußt\ndoch ein elender Schweinehund sein, wenn du\neinen Menschen so zu quälen vermagst.\"\nEs ist von jeher meine Ueberzeugung gewesen,\ndaß den Menschen nicht zu helfen ist, weil sie sich\nselbst nicht helfen wollen. Sie hängen am Elend\nund Kummer und wollen verkommen. Ein einziges\nMal in meinem Leben versuchte ich es mit einer\n„sittlichen Forderung\". Den Kopf voll Champagner,\nunter Tränen und Heulen verriet ich meinem\nFreund, daß er von seiner Frau betrogen werde.\nUnd von da ab war mein bisheriger bester Freimd\nmein ärgster Feind. Seither lobe ich die ungetreuen\nWeiber vor den betrogenen Gatten, sage den mise-\nrablen Reimschmieden Komplimente und klatsche\ndem Schmutz und der Dummheit Beifall.\nDoch an diesem Morgen befand ich mich nach\neiner schlaflos verbrachten Nacht, und deshalb in-\nteressierte und ärgerte mich der Streit des Leh-\nrers mehr. Ich konnte die Worte nicht mehr ver-\nnehmen, das Gespräch war vertraulicher gewor-\nden, die beiden —so schien es -— besprachen die\nEinzelheiten der Geschehnisse, die Kulissengeheim-\nnisse. Geduldig saßen sie in der einsamen Bahn-\nhofrestauration, in endlosem Warten, als harrten\nsie nicht auf einen bald einfahrenden Zug, son-\ndern auf die Gerechtigkeit. Zuweilen beugte sich\nder Magere über den Dicken, flüsterte ihm etwas\nzu, oder zuckte die Achseln. Er mochte irgendwie\ngegen die Vorschriften gehandelt haben, aber —\nGott als Zeuge — er war unschuldig.\nAbermals hörte ich:\n„Verpelety\".\nDann wieder:\n„Verpelety\".\nUnd wieder:\n„Verpelety\".\nSchert euch zum Teufel mit eurem Verpelety!\nSollte diese Angelegenheit nicht doch irgend-\nwie aus der Welt zu schaffen sein?\nIch bin zur Zeit wenig beschäftigt und habe\nübrigens nicht viel Ziele im Leben.\nVielleicht versuche ichs.\nVerpelety — so soll künftighin mein Lebens-\nzweck heißen.\nIch denke daran, den Mann persönlich aufzu-\nsuchen. Eine bizarre Idee, aber nicht unausführ-\nbar. Im Koffer liegt mein Frack — zöge ich ihn mir\nan und bände mir die schmutziggewordene weiche\nHalsbinde von gestern um den verschwitzten stei-\nfen Kragen, Verpelety würde es sicherlich als ge-\nschmackvoll, elegant und ehrend empfinden und\nmich zweifelsohne empfangen. Ich würde flunkern,\ndaß ich der Alleroberste Inspektor des „Landes-\nLehrer-Inspektorates\" sei . . . doch damit könnte\nich übel ankommen. Es wird besser sein, mich für\nden Sekretär des „Internationalen Pädagogischen\nVerbandes\" auszugeben. Dies sichert meinen Erfolg\nund es ist auch gar nicht von Belang, daß ein sol-\ncher Verband nicht existiert. Verpelety ist ganz\nsicher ein beschränkter Patron, das Unbekannte\nwird ihm imponierein.\nDoch — diese Verpeletys gehören zu den Män-\nnern mit der starken Faust. Mit ihresgleichen kann\nman sich nicht verbrüdern. Tu ichs, setze ich mich\nder Gefahr aus, daß mich der gute Mann beim\nKragen packt, zur Türe hinauswirft, oder gar die\nPolizei ruft und mich als gefährlichen Hochstapler\nverhaften läßt. Am praktischsten wird sein, daß ich\nihn, so wie ich bin, aufsuche, meinen wahren Na-\nmen nenne und erzähle, was ich hörte.\n„Sehr geehrter Herr Schulinspektor, ich kenne\nSie dem Rufe nach und weiß auch Ihre pädagogi-\nschen Verdienste zu würdigen. Ich bin auf der\nDurchreise, habe im Speisesaal zufällig zwei Ihrer\nUntergebenen belauscht, zwei armselige und be-\ndauernswerte Lehrer, zwei Tagelöhner der Nation.\nWie abgenützt und banal auch diese Worte sein\nmögen, ich weiß keine anderen, bezeichnenderen,\ntreffenderen. Diese Männer sind wirklich die Tage-\nlöhner der Nation. Ich bitte, lachen Sie nicht. Ich\nkonnte diesen Leuten bis ins Innerste sehen und\nauf dem weißen Tischtuch der Bahnhofrestaura-\ntion zuckten vor mir zwei zerstörte Lehrerherzen.\nSchon zeitlich am Morgen tranken sie Bier, Wein\nund Wacholderschnaps, alles durcheinander. Man\nkiagt diese Jammerbolde an, daß sie Trunkenbolde\nseien und betrunken in der Schule erscheinen?\nNur Ihretwegen, mein Herr Verpelety, trinken sie.\nIhretwegen sind sie ewig schläfrig. Ihnen gilt der\nHaß der beiden, denn Sie sind es, der sie zu Trun-\nkenbolden gemacht hat Seien Sie Mensch, ein\nverständnisvoller, kluger, redlicher Mann, und mil-\ndern Sie Ihre drakonischen Verfügungen. Be-\ndenken Sie doch, daß Sie die Schicksalsfäden, das\nLeiben, das ganze Familienleben jener Männer\nin der Hand halten, die volle drei Stunden nur von\nIhnen sprachen, während die Tränen des mageren\nLehrers in das Wacholdergläschen träufelten.\"\nAuch dies wirkt auf den Mann nicht? Gewiß\nTiicht. Wie ich Verpelety kenne, gibt er auf mein\nGerede keinen Deut. Sein Gesicht ist knochig und\nfahl, seine aufgedunsenen Lippen von einem strup-\npigen roten Schnurrbart überwuchert, seine\nBackenknochen aus Stahl, wie die Kiefer eines\nKrokodils. An jedem Morgen verzehrt er einige\nsolcher Lehreilein zum Frühstück. Seine Faust\nist fürchterlich, der Vollbart ist gestutzt, auf dem\nrotbehaarten Zeigefinger trägt er einen Siegelring\naus Karneolstein. Solche Menschen sind nicht\nleicht umzustimmen.\nAls Anarchist muß ich zu ihm hineinstürzen.\nAls der tollköpfige Auswuchs der verkommenen\nund korrupten Gesellschaft. Krepier, Tyrann! Ich\nhabe keinen Revolver, keine Waffe ist in meinem\nBesitz als das Taschenmesser, mit dem ich beim\nNachtmahlbutterbrot zu lessen pflege. Ich öffne\nseine fünf Klingen, desgleichen die Schere, den\nKorkzieher und die Nagelfeile. Blutiger Tyrann,\nSchrecken der Witwen und Waisen, Henker der\nUnschuldigen, jetzt mußt du von hinnen. Den\nKorkzieher renne ich dir in den Schmerbauch, zer-\nreiße dir deinen Fettwanst, daß das Blut nach allen\nSeiten spritzt. Krepier, du Schuft!\"\nMit keuchendem Atem male ich mir den Mord\naus. Ich reiße den Mund auf, mein Gesicht er-\nbleicht, und ich merke, der Kellnerjunge schaut\nmich erstaunt an, während er auf mich zueilt und\nnach meinem Begehr fragt.\n„Nichts will ich, mein lieber Sohn. Nichts, als\ndaß ein wenig Ordnung auf Erden herrsche.\"\nDann lache ich auf. Lächelnd und zischend, mit\ngalligem Schlangenzorn wälze ich in meinem Ge-\nhirn theatralische Flüche. Ich könnte ihn schließlich\nauch als Journalist besuchen und einen unange-\nnehmen Zeitungsartikel in Aussicht stellen. Dies\nwäre das aller einfachste. „Ja, sagen Sie mal, mein\nBester, wie verhält sich die Sache mit diesen arm-\nseligen Lehrerlein? Ja, ja, Sie sauberes Herrchen,\nich bring Ihren Namen in die Zeitung, auf meine\nFeder spieß ich Sie, wie eine halbkrepierte Fliege.\nLeugnen Sie nicht! Daten her! Tun Sie mal nicht\nso, Sie alter Paralytiker. Noch heute wird zum\nRückzug geblasen, sonst ist morgen alles aus. Ge-\nlüstet es dich nach einigen Untertiteln: Was sagst\ndu zu „Schinderpädagogik in ungarischen Schu-\nlen\"! Oder „ein Sadist in der Schulkommission\"!\nKann noch mit zwanzig Stück in dieser Fagon auf-\nwarten, wenn dir beliebt. Kein einziger gefällt dir,\nmein werter Freund Verpelety? Nun, dann reichen\nwir einander die Hände und sind wieder gut.\"\nTatsächlich wäre es auch am vorteilhaftesten,\ndie Sache in Güte beizulegen. Ich beschaue mir\nnoch einmal die beiden Lehrer, denen schon der\nGesprächsstoff ausgegangen ist und die nun alko-\nholbenommen beim Tisch sitzen und schrecklich\nernste Gesichter schneiden.\nIch glaube nicht, daß ich von ihnen liebenswür-\ndig empfangen würde, wiewohl es doch eigentlich\ndie natürlichste Sache der Welt wäre, wenn ich\njetzt aufstände und mich vorstellte und an ihren\nTisch setzte:\n„Meine Herren — Sie werden verzeihen — ich\nhabe nolens volens Ihr Gespräch einige Stunden\nlang belauscht und erfuhr, daß Sie einen Konflikt\nmit Verpelety haben. Schaun Sie mal, ich bin ein\nkluger Mensch, durch den Beruf dazu ausersehen,\ndie Menschen zu kennen, bin ein Dichter, der das\nLeben aller Menschen mitempfindet, sah viel, litt\nviel, reiste viel . . . Sie können mir glauben, daß\nich Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasse* und mit\neinem Wort die Gedanken formen kann, zu deren\nErfassung Sie ein Jahr benötigen, wenngleich Sie\nsie in langen Gehöftnächten, Dorfgemeinderat-\nsitzungen, Schweinschlachtfesten und während des\nUnterrichtes unzähligemal von allen Seiten prü-\nfend erwägen. Ueberdies bin ich ein guter Kerl.\nWenn Sie mir ausführlich erzählen wollten, wovon\ndie Rede ist, werden Sie sich wundern, wie rasch\nich durch einen sprühenden Einfall Licht in Ihre fin-\nstere Lage bringe. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich\nVerpelety nicht kenne. Niemals hörte ich diesen\nNamen. Doch kann er kein böser Mensch sein.\nSucht wohl auch nur sein Recht, vielleicht etwas\nichsüchtig und unerbittlich, wie ja auch Sie nach\nIhrem Recht fahnden, ichsüchtig und unerbittlich.\nSeien Sie mir nicht gram, doch dies ist meine\nUeberzeugung. Findet sie etwa nicht Ihren Bei-\nfall?\"\nIch spähe nach den Lippen der beiden Lehrer,\nwill wissen, was sie zu antworten haben, und\nmerke erst jetzt, daß ich sie nicht einmal ange-\nsprochen habe. Ich zahle, um meinen Tisch ver-\nlassen zu können und — wie zufällig — an jenen\nder Lehrer zu schleichen, mich so in ihre Angele-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2395, "texte": "genheit zu stehlen, daß sie davon nichts merken.\nDa kommt ein Eisenbahner und verkündet mit\neiner Glocke in der Hand, daß der gemischte Zug\nnach den Szegediner Gehöften gleich abfahren\nwerde. Die beiden Lehrer schnellen von den Sitzen\nauf, zahlen, raffen ihr Gepäck zusammen und wan-\nken verschlafen zur Türe hinaus.\nIch begebe mich auch auf das Gleis.\nRauche mir dort eine Zigarre an. Giftigbitter\nist der Glimmstengel, dunkel, zerfranzt, hat keine\nLuft und glüht mit mattem Rot. Eine Weile kaue\nich an der Zigarre herum, dann werfe ich sie zur\nStrafe auf die Kieselsteine und trete darauf.\nDer Zug fährt ab.\nUnd die Lehrer werfen nicht einmal einen Blick\naus dem Abteilfenster auf mich zurück. Schauen\nmich nicht einmal an, wiewohl ich mich vier lange\nStunden mit ihnen abgemüht habe, mit ihrem blu-\ntenden Leben. Sie ahnen nicht einmal, wer ich bin.\n„Undankbar seid ihr, meine Freunde, sehr undank-\nbar!\n„Reist nur fort, ihr, die ihr nicht willens gewe-\nsen wart, zu sehen, daß euch gegenüber ein stum-\nmer, guter Mensch sitzt. Helft euch selbst:, wie ihrs\neben vermöget.\"\nWieder bin ich einsam an dem fremden Ort.\nIn der fremden Stadt, in der Verpelety schläft. Ver-\npelety, der große Herr, steht um diese Zeit auf,\ngähnt lange, spaziert in dem gestreiften Nacht-\nhemd ein wenig umher und denkt die Schul-\nangelegeinheiten nach.\n„Guten Morgen, Verpelety. Verzeih mir, daß ich\nsoviel Schlechtes von dir dachte und an dich an\ndiesem unausgeschlafenen, meinem letzten hero-\nischen Morgen, ermorden wollte. Eigentlich gehst\ndu mich nichts an, niemand geht mich etwas an\nund es ist so — am allerbesten.\"\n„Lebet wohl, ihr beiden Lehrer, du Magerer\nund du Dicker. Ihr habt mich allein gelassen mit\nmeiner beißenden, quälenden, dummen Menschen-\nliebe. Einsam und allein, mich armeini, bemitleidens-\nwerten Narren. Ihr seid davongefahren, rauchet\njetzt in einem Abteil dritter Klasse geruhsam die\nbilligen Zigaretten weiter,, werdet euch daheim\nEntenbraten und grüne Paprikaschoten kochen\nlassen und an Krätzer einen Rausch antrinken.\"\nAlles ist in Ordnung. In allerbester Ordnung.\nNur ich bin so traurig, daß ich mich am liebsten\nrücklings auf die kiesige Erde schleudern möchte,\nquer über die Schienen.\n„Doch wißt ihr was? Im Grunde meines Her-\nzens dauert ihr mich nicht einmal mehr. Ich pfeif\nauf euch alle mit einander ...\"\nEinzigautorisierte Übertragung aus dem Magyarischen von\nStefan !, Klein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.10", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.10", "debut_caractere": 2397, "fin_caractere_exclue": 4109, "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nEin Vortragsabend von Rudolf Blümer\nViel Menschen gehn ins gleiche Bluten dieser Tage\nmit zager Seele\nKlänge suchend.\nHerquellend aus dem Glanz des Wortes\nzerpeitschen Strahlen Finsternis zu Sonnentänzen\nund Schönheit greift im Flammenspiele\num die Herzen.\nDie Seelen geben sich die Hände\nund eine Brücke baut sich her und hin\naus Worten\ndie sich eine Lippe schafft,\nzur Feier vielen,\ndie dürsten.\n\nVerzückung\nSo steh ich.\nRings glänzt das Meer\nchrystallnen Auges mir ins Antlitz\nund über meinen Schultern\nwölbt sich hoch\nder blutdurchtränkte, wehende Abendhimmel,\ntanzt ostwärts Hoffnung,\nwehende gehende Sterne, auf.\nIch höre die Himmel singen\ngöttlichen Ohres\nund die Jahrtausende sehe ich zerbrechen\nam Felsen meiner Ewigketi.\nZu meinen Füßen reichen sich zwei Welten\nihre Lichthände\nund ich stehe\nstarren, brennenden Leibes auf ewiger Insel.\nIm Norden\nwo nie eine Sonne steht,\nhastet krummen Rückens ein Weib,\nruft und winkt\nDer Hauch ihres Mundes ist leer\nund die Gesänge der Welt verschlingen ihn.\nSo steh' ich.\nSchwarzdiamanten wird des Meeres Auge.\nAuf meinem Haupte\nblüht das Abendrot.\n\nZwei Liebesgedichte\nLiebeslieder quellen mir vom Herzen\nich bin einsam,\nwie ein Kuckucksvogel.\nWeiß geht meine Seele unter euerm Lächeln\nDie Arme hängen\nund die Augen leuchten furchtsam:\nWo, Geliebte?\nLiebeslieder sind wie hohe Wolken,\nDie nicht wissen, wem sie wandern.\n.t. -t.\n*\nIch bin einsam, ihr Frauen!\nSeht mein Lächeln\nich bin still.\nWie ein Kind taste ich Blumen,\nkröne sie meiner Liebsten ins Haar.\nDann kommt der Wind mit dunkler Gebärde\nhöhnt und verlacht meine Kränze.\nZerpflückt\nliegen sie weinend im Staube\nund die Kiefern stehen im Abendrot\nstarr\nwie Galgen an blutiger Wand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Aus jedem Baume, aus jedem Grashalme,\nüber den der Wind geht, blickt ein fahles Wesen mit\ndichten, schwarzen Strähnen wie Schlangenköpfe,\nrotblusig und mager. Es schattet seinen Schritt\nund zerpeitscht seine Besinnung. Es ist aus der\nStunde gewachsen, die Heilige zu Menschen\nmacht, aus dem Leibe eines Weibes geboren, den\nder Priester küßte.\nEr schreitet, er will das Unruhige zertreten,\naber sein Tritt verrinnt im Sande, feig und win-\nselnd wie ein Hund.\nWenn Agnes nicht in seiner Nähe ist, fühlt\ner sie. Ihr weißer Nacken flimmert in der Sonne,\nhinklagend in die Stille, welche weich macht.\nUnd wenn er in der Kirche vor seinem Gott\nkniet, kriecht das Lied durch die bunten Heiligen-\nfenster, schleicht zur Orgel und spielt mitten in\nden Lobgesang ein jauchzendes Spotten.\nSie wächst mitten in der Predigt aus dem\nSchiffe und den gläubigen, einfältigen Bauernge-\nsichtern; schlank und weißen Gesichts, mit tief-\nblauem Blick, den blonde Stirnlocken rahmen.\nDann streichen seine Hände bang über die\nKanzeiverkleidung, und das Feuer seiner Stimm#\nerlischt in einem flehenden Gebete.\nHernach wirft er sich schwer wie ein Stein\nüber die harten Dielen vor seinem Hausaltar, zer-\nquält sich und bettelt den weißen Jesus am höl-\nzernen Kreuz, daß er Bruder zu ihm sagen soll.\nAber das Kruzifix steht starr und leer in seiner\ngeschnitzten Pein.\nUnd dann ist Agnes wieder in seinem Hirn, wie\nein Quell m vertrocknendem Berglande, und\nstreicht ihm das Haai über den Schläfen mit einer\nfeinen, weißen Hand aus einem Liliengarten. Da\nschlummert er ein, und es geht hell und golden\ndurch seinen Traum.\nDie Kissen liegen weiß wie junger Schnee. Und\nder Priester beißt mit brennender Lippe in das\nLinnen. Er will „Gott, Gott\" sagen. Aber seine\ninende Zunge bringt nur ein wunderbar weiches,\nkinderinniges „Agnes\" hervor.\nUnd er tastet über Kissen und Holz und glaubt,\niibter einen weißen, hinneigenden Frauenleib* zu\nfühlen. Seine Augen wühlen im Dunkel und finden\nkein Licht. Erst lange hernach steigt die Däm-\nmerung in seinen Blick, noch feucht von der Um-\narmung der Nacht. Und im Weben der jungen\nLichtstrahlen beginnt das Heilandsbild sich zu re-\ngen, das gebeugte Dornenhaupt blickt und strahlt\nim Kranz hellblonder Haare und hat einen tief-\nblauen Blick.\nDa beugt der Mensch seinen Rücken und geht\nmit wimmernder Seele aus dem Zimmer.\nDie Glocken singen. Heiter und liebevoll\nschwingen sie über dem Dorfe, mit klangvollen\nFittichen ihre Kinder zu rufen und zu segnen.\nEr ist heute im Amt mit einem göttlichen Eifer,\ner will sich auf den Herrn stützen weil- er fühlt,\ndaß seine Besinnung zu fallen droht wie ein Haus\nvor einer Lawine. Sein Tun ist allein schon Buße,\nund jeder Fingerschlag spricht: Herr, erhöre mich.\nGemach leert sich die Kirche, und die Säulen\nstehen weiß und schmucklos, leer wie Totensteine\nim Winter. Durch die Fenster zwängt sich ein\nStück Sonne, legt sich auf den Altar und wird\nStimme und Gestalt. Ein jubelndes Lied übe?\neinem schlohweißen Nacken, welchen das Haar\nkrönt in goldenen Prächten.\nDa wirft der Priester das heilige Buch hinter\nsich und geht zu Agnes, dem Weibe.\nEs zieht eine Zeit über das Land, aufjauchzend\nin der Lust des Frühlings. Es lenzt weiß von den\nBäumen, steht zwischen grünem Gesträuche und\nläutet vom Morgen bis Abend in Käfersang und\nVogellied. Und wenn die Sterne steigen, nachti-\ngallt es in der Runde.\nSie gehen Hand in Hand, Leid in Leid, Freude\nin Freude.\nHügelhintenist das Dorf versunken, und auf\ndem braunen Wege schläft die Einsamkeit, und\ndie Ruhe hüllt sich in die vielen schlanken Kiefer-\nstämme mit den dunkelgrünen Kronen.\nWenn sie einander ansehen, fühlen sie, daß\nkeiner dem andern eine Lüge sagen kann. Denn\nes flackert in der Tiefe, und der Funke ist zu groß,\nals daß er sterben könnte. Und die Augen, die\nFenster der Seele, bluten: Lebet!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4209, "texte": "Groß ist die Stille 'der Welt. Und über einer\nweißeii Birke, welche einsam mit zwei Ge-\nschwistern eine Lichtung behütet, glänzt in hoch-\nzeitlichem Glänze eine Krone. Der Mann und das\nWeib atmen gegeneinander. Ihr Verlangen faßt\nsich an den Händen, und das Wehren wirft die\nHäupter hintenüber.\nGroß ist die Stille des Lebens, Licht geht über\ndie Kronen.\n•Und er reißt sich nach vorn, und seine keuchen-\nden Lippen flackern auf den ihren, saugen, ge-\nnießen, voller und berauschender als das erstemal.\n„Es ist zu tief in uns\", atmet er, und seine\nStimme ist neu. Ihr aufbegehrender Busen liegt\nprall an seiner Brust, und er tastet sich mit den\nLippen an ihren Hals und preßt sein Blut in das\nFleisch ihres Nackens.\nEin schwarzer Specht klopft hart in die Stille.\nSie schrecken aus der Tiefe und haben fremde Ge-\nsichter.\nZwei Glocken kommen aus dem Dorfe, andäch-\ntig wie zwei Hände, welche sich betend falten. Er\nhört die Klänge, und seine Brust zittert, und seine\nLippen sind weiß, wie die Birkenrinde neben ihm.\nJeder Glockenton ist ihm ein Rutenschlag.\nDa flieht er mit hastigem Atem, und seine\nWangen brennen' in roten Flecken. Neben ihm\naber keucht und pfeift das hagere, rotblusige Weib,\ndas die Menschen Sünde nennen.\nEs ist gegen Morgen, um die Stunde, da alle\nFelder die Meeschen brauchen. Im Pfarrhause\nwimmert ein Mensch zu dem schweigenden Jesus\nhinauf.\nAgnes bringt ihm ein Buch zurück, das er ihr\ngeliehen hat. Es ist ein ganz einfaches Buch mit\neinem Schicksal. Und dieses steigt aus den\nBlättern, setzt sich im Zimmer auf einen Stuhl\nund sieht die beiden Menschen an.\nUnd sie sinken vor ihm in die Knie, weinen sich\nan und fragen: „Warum quälen wir uns?\" Da\nantwortet eine schrille Flöte.\nUnd er preßt Agnes in seine reinen Kissen, die\nnun keuchen und angstvolle Augen bekommen.\nDas Jesusbild fällt auf den Boden, mit dem Gesicht\nin den Staub. Eine große, häßliche Fliege läuft\nquer über das Holz.\nZwei Tage sind Augenblicke, aber Ewigkeiten\nfür einen Menschen, der Qual trägt. Er steht\nbleich über der Kanzel, hoch und groß wie nie.\nSeine weißen Lippen tragen das Leid, und über\nseinen Schultern zuckt das Schwert der Buße. Er\nwill „Gott\" sagen, aber seine Zunge zerbricht in\neinem stammelnden Liebeswort. Aus dem Schiffe\nblüht das weiße Gesicht, wächst und stellt angst-\nvoll zwischen der gläubigen bunten Einfalt. Aus\ndem Altar steigt ein Vogellied, klagend und\nschluchzend diesmal, wie Abschiedsfeier.\nVon allen Säulen blicken schwarzflüglige Eulen-\nvögeh mit krummen Schnäbeln und grünlichen\nFeueraugen. Und die Augen zeigen auf sein\nPriestergewand, Höllenfinger, die ihn verdammen.\nSeine Besinnung verläßt sein Hirn und tanzt\nirgendwo zwischen weißen Brüsten und hinge-\nstreckten Frauenleibern. Sein Schrei ist ein wim-\nmerndes Todesgebet: Barmherzigkeit, Herr, ich\nertrinke!\nSein Kopf schlägt dumpf gegen die Kanzelver-\nkleidung, und über das dunkle Tuch rinnt wie eine\nharte Unterschrift ein feiner Streifen roten Blutes.\nDie Bauern tragen ihn aus der Kirche, an-\ndächtig, wie eine Hostie getragen wird.\nMauern und Mönche schweigen in dem Kloster,\nwo man ihn pflegt. Es gehen die Tage im Sonnen-\nglanze hinüber zum Erntereigen. Dann reift der\nWein, und die Welt wird bunt und vergoldet sich\nim Tanze des späten Sommers hinüber in den\nWinter.\nEr zittert noch manchmal, wenn die Glocken\nim Kloster singen. Aber als die ersten Schnee-\nflocken der Natur das Totenlied spielen, ist es\nganz still. Er bekommt neue, harte Augen und\nbittet den Abt um sein Ohr, daß er beichte.\nDer alte Mann streicht seine Hand mit müder\nMildheit. „Du überwandest, Bruder. Du darfst in\nder Welt wohnen». Diese Mauern sind nur für\nTote. Du überwandest und dientest damit Gott.\"\nEin Brief mit dunkler, schwerer Schrift gibt\nihm einen neuen Kreis. In einer großen Stadt, wo\ndie Kirche des Sonntags eine Modenausstellung\nist, mit Seide und toten Vögeln auf den Hüten.\nUnd in der Einsamkeit der großen Stadt und\ndes großen Amtes verrinnt der Strom seines\nBlutes, und gemach versiegt der Quell in dem\nheißen Boden der Vergangenheit. Der Mittag geht\nüber sein Antlitz, aber er vermag an dem Stein\nnichts abzubröckeln.\nUnd er setzt seinen Fuß ohne Beschwerde, still\nund gerade, wie Menschen mitunter in den Tod\ngehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.12", "titre_corps": "Neuschwedische Lyrik : Pär Lagerkvist: Motiv", "titre_sommaire": "Neuschwedische Lyrik : Pär Lagerkvist: Motiv", "signature_source": "N. 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Am schönsten sind die Ge-\nbete an Gott, von denen einige übertragen\nin der nächsten Nummer folgen. Hingegen\nhalten sich die gereimten Gedichte nicht und\nnoch weniger die Novellen auf derselben Höhe.\nEs fehlt ihnen die künstlerische Gestaltung.\nEinige Novellen sind sogar auf die Pointe\nhin gearbeitet, was stets und unter allen\nUmständen unkünstlerisch ist. Jedenfalls kann man\nPär Lagerkvist zu den Künstlern rechnen, auf die\nzu zählen ist. Insbesondere wird seine Entwick-\nlung für die schwedische Literatur viel bedeuten.\nSein Buch „Motiv\" erschien im Verlag Albert Bon-\nnier zu Stockholm."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.13", "titre_corps": "Du", "titre_sommaire": "Du", "signature_source": "Karl Brand", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.11", "debut_caractere": 5444, "fin_caractere_exclue": 5843, "texte": "Du\nKarl Brand\nZwischen deinen schmalen Rippen glotzt dein blut-\nvergorenes Herz.\nSchreiten verhallt an deinem Atem.\nDeine Schatten keuchen an mir empor.\nUm dein verweintes Lächeln flattern meine Tode.\nDeine Lippen fressen sich in mich.\nImmer rasen deine Worte,\nkrallen sich in meine Ohren,\nzerren fressend sich an mir empor.\nSchlürfend klingen springend meine Blutschläge\nund verflachen sich an dir."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.14", "titre_corps": "Fröhliche Ostern", "titre_sommaire": "Fröhliche Ostern", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.11", "debut_caractere": 5845, "fin_caractere_exclue": 9312, "texte": "Fröhliche Ostern\nHerwarth Walden\nSeien wir natürlich! Alles ist natürlich, was\nhundert Jahre alt ist. Fünfzehnjährige Dramen\nwerden zurechtgewiesen, da sie noch im Flügel-\nkleide sind. Und die Kunstkritiker sind stets\ngegen Flügel. Flügel sind nur natürlich, wenn man\nsie gebraten essen kann. Aber das Rauschen in\nder Kunst stört noch ihre tauben Ohren. Ein Vogel\nflattert auf und der Kritiker sieht, daß der Dichter\neinen hat, weil der Kritiker sonst seine, Feder\nnicht gebrauchen kann. Tinte macht noch keinen\nDichter schwarz und deshalb braucht der Kritiker\nnicht reingewaschen zu werden.\nDer Hofrat Doktor Paul Schienther ist noch\nimmer im Flügelkleide, ein Backfisch von fünfzig\nJahren und ein Stockfisch. Er plaudert noch immer\nvon Strindberg, dem „verweibten Weiberbe-\nschimpfer.\" Er hat sich ein jungfräuliches Herz\nbewahrt, trotzdem Strindberg „aus der naturalisti-\nschen in die mystische Lebensepoche leingetreten\nwar.\" Der Hofrat bleibt unhöflich vor der Tür\nund erzählt den ungläubigen Lesern des Berliner\nTageblatts eine naturalistische Handlung des Pas-\nsionsspiels „Ostern/\" Mit solchen Worten: „Ein\nFamilienvater hat Gelder unterschlagen und hockt\nim Gefängnis, besaß aber die erlösende Eigenschaft,\nflerzensgüte zu zeigen . . . Seine Familie steht un-\nter dem Druck dieser Taten; von ihren häuslichen\nNachwirkungen lebt das Stück . . . Da der- Vater\neingesperrt ist, so sehen wir ihn selbst nicht in die-,\nsem bewölktem Kreise, den aber sein Geist be-\nherrscht. Und er hat ein Kind, das seines Wesens\nist.\" Also immerhin ein Lob für den Naturalisten\n*\nStrindbeg, daß wir den eingesperrten Vater nicht\nsehen. Wäre er nicht .eingesperrt worden, so würde\ndas Stück nicht leben, aber das Kind, das seines\nWesens ist,„Das Kind ist ein Mädchen mit dem\nschönen Namen Eleonore, aber es wirkt ge-\nschlechtlos wie ein Bote Gottes.\" Die einzige Ent-\nschuldigung für das nichtnaturalistische Mädchen\nist, daß Strindberg schon in die mystische Lebens-\nepoche eingetreten war. Der Herr Hofrat braucht\nihm dahin nicht zu folgen, er ist nun einmal gegen\nMystik und für Lia Rosen. Weil Lia Rosen nach\nseiner Meinung die Eleonore hätte spielen müssen,\nfindet er: „Fräulein Orska, die Darstellerin in der\nKöniggrätzer Straße, ist womöglich noch schwär-\nzer als Lia Rosen, aber sie kommt eher aus einem\nTuschkasten als aus dem Lande, wo die Blumen\nsprechen.\" Der Herr Hofrat kommt aber direkt\naus dem Mustopf, wenn er weiter nichts an Fräu-\nlein Orska findet, als daß sie noch schwärzer ist.\nWenn sie aus dem Lande käme, wo die Blumen\nwie Herr Hofrat Schienther sprechen, könnte man\nsie anschwärzen lassen. Sie spricht aber nicht,\nsondern tut, was Blumen tun: sie blüht. Das\nBlühen aber ist eine mystische Angelegenheit,\nkeine Tatsache, keine eigene Angelegenheit des\nEmpfängers, der nicht empfangen kann. Maria\nOrska schafft, wie der Künstler schaffen muß. Sie\nahmt nicht nach, sie gestaltet. Sie zeigt nicht die\nOsterliiie, sie ist es. Sie stellt keinen Menschen\ndar, das Menschliche stellt sich in ihr dar. Sie\ngibt, indem sie aufnimmt, sie ist die Taube für den\nHeiligen Geist. Sie hat die Schönheit eines Bildes:\ndas Format des Erlebnisgehaltes und seine Ge-\nstaltung im sichtbaren Ausgleich der Formen und\nFarben durch gefühlssichere Wertung des Ver-\nhältnisgemäßen.\nEin Glück für Maria Orska, für Strindberg und\nfür die Natur, daß sie die Natürlichkeit anders als\ndie auffassen, die Kitsch mit den Augen ihrer\nNatur und Natur mit den Augen ihres Kitsches\nansehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.15", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 482, "fin_caractere_exclue": 641, "texte": "Notiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die fttui«\nDoppeln«nimer erscheint am fünfzehnten juut.\nVerlag Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 643, "fin_caractere_exclue": 1093, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Ptttdiaer StraSe 134*\nZweiunddreissigste Ausstellung\nIsaac Grtinewald j Stockholm\nSigrid Hjerten-\nGrilnewald / Stockholm\nEdward Hald / Stockholm\nEinar Jolin / Stockholm\nGosta Adrian-Nilsson/L«iHi\nQeMfaet tiglich von 10-4 Ufar / Soontacs von\n11—2 Ufcr\nClotrltt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMoaatlicher Wechsel\nSturw-Ausstelluagen in fieutsddaid\nMai 1915\nHamburg: Frane Marc\ndeaf: Qeschlassea"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 1095, "fin_caractere_exclue": 3073, "texte": "Veriag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Sirafte 134 a\nFeramf Arat Liitzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscbebit am erstcn und fiinfzehnten Mes MLonats\nDauerbezug\nOewdfwillche Ausgabe F ti r Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I F fi r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs I Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare aiif holzfreiem Papier, V e r -\nlendung in f? o 11 e ii direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nicht abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahr gang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n2i Mark / Vierter faiirgaitg 154—203: 6 Mark / Am\nI. IuH wird der Prefe des vierteu Jahr gangs auf\n19 Mark erfiofit / Funfter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Veriag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Veriag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nMappen und Alben / Veriag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungea j\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier Is\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton le da-\nfacherer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 3075, "fin_caractere_exclue": 5893, "texte": "Kandhisky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBiieher aus dem Verlag Der Sturm\nHermans Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / E i n Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / TragSdie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur/ in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark ./ Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Bfitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher 1: August Stramm: San eta Su-\nsan n a / 50 Pfennig / II: August Stramm: R a d i -\nmesitar / 50 Pfennig ,/ III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut J 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nMerwarth Waktoa: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von ArnoHolz / Fflr Oesang und Kia-\n▼ier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 eittzeln: Er\nhfirt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nDer Sturm / Heeresmarsck / Fur Klavier /\n50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfeanig\nFutitristta: Umberto Boccioni; Das\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voUer Fahrt / GinoSeve*\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto B o c c 1 o h 1 ? Abschiedj\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Defauaay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid fljerten-Gninewald: Kinder\nKarten von Macke / Mtinter,/ Marc Chagall (4) /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\n/ Archipenko I usw\nErschieiien bisher 36 verschiedene Kartea\nIllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin./ Marc Chagall j Kandinsky / ie 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / OriginaHithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkdpfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c024", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 5895, "fin_caractere_exclue": 6729, "texte": "Masse / Campeadoak / Gabriel* Mooter / Jaw-\nteasky / Marianne ron Werefkln / Albert Block /\nHaas Arp ./ Picasso / Albert GSeizes / Jean XMi-\nser / Marc Chagafl I Fernand Leger / Jfccafea van\nfleemskerck / Otakar Kubin / Enti! FMa / Vine—c\nBenes / Otto Giitfreuad / Boccioni / SeverU f\nCarra / Russolo / Francis Plcabla / Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig ./ Max Pecksteia\nVerein fur Kunst\nLeitung: Waiden ,/ Z Velf t e s\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Recite deti\nMitglieder: Freier Bezug der ZeitschirSft dee\nSturm I Freier Besuch ailer SturmaussteHttitcefi (l.\nJedes Jahr frei erne Sturmpufolifcatioii\nDas zwdifte Jahr begiimt am 1. April 1915 / Die\nSturmpublikation, die die MitgUeder des Vsreins\nfur Kunst im Jahr 1915/16 frei erfeaften, 1st: Hefeftts-\nkeick handgedruekter und sigflierter tfolzsctoitt\nauf Kaiseriich Japan-Papier"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c025", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 6731, "fin_caractere_exclue": 6901, "texte": "Zeitsehriften\nLa Carta / Halbmonatsschrift / Ftorenz / Vis\nNazlonale 25\nUmelecky Mesicaik / Monatsacbrift fir neu« o*§\nalte Kianst / Administration Prax I 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c026", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 6903, "fin_caractere_exclue": 6911, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-05-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-05-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1915-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "debut_caractere": 6913, "fin_caractere_exclue": 8065, "texte": "Soeben erschtenen: August Suramin: Krafte\nf Drama / Sturmbuch VIII / 50 Pfennig\nSoeben erschieneii: Heemskerck-Mappe: SecSis\nhandgedruckte und einzeln sigHlerte\nschnltte / Auflage 30 Mappen / Mappa 1—§ viAe-\nstellt / Mappe 6—30 je einhiuidert Mark / Veriag\nDer Sturm Berlin W 9\nFetix Miiller / Dresden: Handgedruckte Mok-\nschnitte und Originallithcs / Zu beziekeit iurek\nden Verlag Der Sturm Berlin? W 9\nPeat-Lore Begriindet 1890 / Ekie Zweifneaais-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Draam\nder Gegenwart in alien Landern / Probeheft gagen\nEinsendung von 6 Mark 50 Pfennig / Jahresf>eiM*g\n21 Mark / Verlag R i c h a r d G. B a d g e r / Bw&m\nj Mass / USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccloni: Pittura Scultura futurists /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzionl qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mft&it©\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vocsate-\nund Deckelpapiere fur Buchereinb&nde / M«is4«r\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestd-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.1", "texte": "* |HB\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nSECHSTER JAHRGANG 1915\nBERLIN ERSTES UND ZWEITES MAIHEFT\nNUMMER 3 4\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Richtiges Hellsehen / Herwarth Waiden: Jos. & Joseph / August Stramm: Gedichte / Alfred Döblin: Geschichten von den\nLobensteioern / Adolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Adolf Knoblauch: Persisches Märchen / Desider Kostolänyi: Verpelety / Kurt Heynidee: Gedichte /\nKürt Heynicke: Das Sterben ins Dunkle / N.W. Neuschwedische Lyrik / Karl Brand: Du / Herwarth Waiden: Fröhliche Ostern / Isaac Grünewaid: Zwei\nZeidroungea / Felix Müller: Originalholzschnitt\n\nIsaac Grünewald: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.2", "texte": "Richtiges Hellsehen\nHerwarth Walden\nViele Leute, die nicht sehen können, möchten\nzu gern hellsehen oder wenigstens zusehen, wie\nhellgesehen wird. Man braucht nur Hellseher ge-\nnannt zu werden, und sofort finden sich tausend\nBlinde, deren Skepsis gegen das Licht erst beim\nHellsehen ausbricht. Sonst sind die Blinden zu-\nfrieden, wenn der Hellseher das sieht, was sie\nselbst sehen, nämlich nichts.\nAber diesmal mußte es sich um eine große\nSache handeln. Eine richtige wissenschaftliche\nKommission hatte sich gebildet. Welche Namen!\nDie stärkste Saalkrone mußte vor so viel Glanz\nerbleichen. Eine Kommission von Königen der\nbesseren Kunst und Wissenschaft: Herr Ludwig\nFulda, Herr Rudolf Presber, Herr Doktor Magnus\nHirschfeld. Im Kreise dieser erlauchten Gesell-\nschaft wagt man die Prinzen gar nicht zu nennen,\ntrotzdem sie auch nicht von Pappe, sondern pa-\npieren sind. Diese besseren Meister hatten sich\neigens zu dem Zwecke zusammengetan, einen\nHellseher zu durchschauen. Geschirmt vom\nSchutzverband deutscher Schriftsteller, war Herr\nSchermann aus Wien gekommen, nein, geholt\nworden, um seine Gesichte diesen überaus geisti-\ngen Gesichtern vorzuzeigen. Aber nicht vorzu-\nmachen, das sollte, wollte und mußte diese Kom-\nmission verhindern. Das übrige Publikum, brave\nSchriftsteller und ehrliche Kunstfreunde, schnitt\nGesichter, als Herr Schermann keine Gesichte\nzeigte. Aber die Gesichter des übrigen Publikums\nerstrahlten, als ihnen der Geistesmeister Ludwig\nFulda nicht nur den Verstand, sondern auch ein\nAmt zusprach. Die braven Schriftsteller und die\nehrlichen Kunstfreunde sollten richten, ob der\n\\\nSchermann die Geister, die Herr Fulda meinte,\nrichtig gedeutet habe. Über die Geister des\nHerrn Fulda und über seinen eigenen Geist ist man\nbekanntlich einer Meinung unter sich. Die Richter,\ndie etwa anderer Meinung hätten sein können,\nwaren zur Vorsicht nicht eingeladen. Widerspruch\nreizt die Geister und das Reizende an den Geistern\nist, daß sie widerspruchslos richtig anerkannt\nwerden. Herr Ludwig Fulda hatte keine schäbigen\nGeister zitiert. Und er hätte die Geister des Herrn\nSeh ermann nicht anerkannt, wenn Herr Scher-\nmann nicht die Geister anerkannt hätte. Gerechtig-\nkeit muß sein. Und deshalb „gab das Publikum\ndurch lautes Bravo zu erkennen, daß Schermann\nWesen und Art Hardens richtig gedeutet habe\".\nEs wurde Herrn Schermann nicht leicht gemacht.\nJemand besaß einen Brief von Harden, zwei Zei-\nlen, womit Harden ein Manuskript ablehnte. Da\nGeister gute Ohren haben,, wurde der Name des\nerlauchten Briefschreibers nicht einmal geflüstert.\nMit Kreide stand der Name sichtbar auf der Tafel\nfür alle, die keine Geister waren. Kein Geist von\nkeinen Geistern. Herr Schermann betrat den Saal,\nwie die Presse mitteilt, geführt von Ludwig\nFulda und Rudolf Presber. Handschellen waren\nihm wahrscheinlich nicht angelegt, auf daß er\nauch mit den Händen deuten könne. Die Presse\nbemerkt des weiteren, daß er „mit gesenktem\nKopfe\" die Deutung begann. Eine geistige Huldi-\ngung wahrscheinlich für den erlauchten Zeilen-\nschreiber. Das laute Bravo galt folgender Deu-\ntung: „Scharfe Zunge, tritt jedermann gerne ent-\ngegen, selbst einem König, sehr selbstbewußt,\nscharfer Kritiker, schneidet oft das Wort ab, kann\ndie Menschen durch Schrift und Mund hinreißen,\nglänzender Beobachter, läßt sich nicht beein-\nflussen, führt alles durch, was er will, ein bißchen\neitel in puncto Kleidung. Ein Mensch, der schwer\nhineinzulegen ist, lieber selbst hineinlegt, stolz auf\nden Namen, den er sich errungen.\" Das Publikum\nfindet die Deutung richtig (lautes Bravo), die\nVossische Zeitung findet sie sogar verblüffend.\nNun muß ich leider die Vossische Zeitung ver-\nblüffen. Herr Harden tritt durchaus nicht gern\njedermann entgegen, wenn ein Mann ihm über-\nlegen ist. Er hat nie gewagt, auch nur eine Zeile\ngegen Karl Kraus zu schreiben. Man ist kein\nscharfer Kritiker, wenn man selbst einem König\ngerne entgegentritt, die Herren Theodor Suse und\nHerbert Eulenberg aber für Dichter hält. Manchem\nglänzenden Beobachter wäre zu wünschen, daß\ner sich beeinflussen lasse. Und durch den Mund\nhinzureißen, ist keine Kunst, wenn man oft das\nWort abschneidet. Aber Herr Schermann kann\nnoch viel mehr, erzählte Herr Ludwig Fulda sei-\nnem übrigen Publikum. Er, Herr Doktor Ludwig\nFulda, habe dem Schermann ein kurzes Chinin-\nrezept gegeben. Nicht etwa zur Beruhigung der\nNerven des Herrn Schermann, Herr Fulda wollte\nnur wissen, wess Geistes Kindchen ihm dieses Re-\nzept geschrieben habe. Herr Schermann, durch\ndas Chinin inspiriert, las folgendes: „Ein Forscher\nder Seele, ein sehr vorsichtiger Mensch, ein\nMensch, der die Fähigkeit hat, seine Umgebung zu\nberuhigen, ich sehe ein Kommen und Gehen um\nihn.\" Und siehe, Herr Schermann hatte den Arzt\nder Seele Fuldas „richtig\" gefunden. Das Rezept\nstammte von Herrn Doktor Artur Schnitzler. Die\nVossische Zeitung bemerkt, daß es ob dieser Deu-\ntung einen Augenblick Applaus, Jubel und Zu-\nstimmung gab; das Berliner Tageblatt bemerkt,\ndaß nach Ansicht des Meisterkollegen Fulda die\n\"Handschrift Schnitzlers im allgemeinen richtig\ngedeutet: sei, daß aber auch Fehler mit unterlaufen\n; seien. Da Journalisten bekanntlich niemals richtig\n1 beobachten, kann man nicht wissen, wer nun die\nRichtigkeit richtig wiedergegeben hat. Sollte aber\nein Fehler unterlaufen sein, so ist es sicher der,\ndaß Herr Doktor Artur Schnitzler ein Forscher\nder Seele sei. Ein vorsichtiger Mensch, das dürfte\nstimmen. Erfreulich bleibt es, daß er die Fähigkeit\nhat, seine Umgebung zu beruhigen, wenn fort-\nwährend ein Kommen und Gehen um ihn ist. Sonst\nwürde er am Ende noch so nervös, daß er den\nDoktor Ludwig Fulda um das Chininrezept bitten\nmüßte. Den einzigen Mißton in die allgemeine\nRichtigkeit brachte Herr Professor Max Dessoir.\nHerr Schermann fand, daß Herr Siegfried Jacob-\nsohn nach seiner Schrift ein starker Bejaher sei.\nHerr Professor Dessoir konstatiert, daß Herr\nJacobsohn gerade einer der stärksten Verneiner\nsei. Die Vossische Zeitung findet mit geistiger\nÜberlegenheit heraus, daß die Wahrheit wie im-\nmer in der Mitte liegt. „Aber sind denn nicht: die\nstarken Verneiner auch die starken Bejaher?\"\nWenn zwei sich streiten, freut sich die Mitte.\nNach dem Berliner Tageblatt war Herr Professor\nDessoir der Wortführer des Skeptizismus. Ein\nSkeptiker, der Herrn Siegfried Jacobsohn richtig\ndeuten kann, hat seinen Beruf als Geisterseher\nverfehlt. Das Berliner Tageblatt bemerkt, man\nsolle mit einem Schlußurteil über das Phänomen\nder Erscheinung Schermann zurückhalten, bis nach\nexakter Prüfung die Wissenschaft gesprochen hat.\nWomit wohl Herr Doktor Magnus Hirschfeld ge-\nmeint ist. Die exakte Wissenschaft wird wohl in\nder Lage sein, die künstlerische Befähigung der\nHerren der Kommission festzustellen. Sie wird\nwohl auch herausbekommen, ob Herr Siegfried\nJacobsohn ein Bejaher oder Verneiner ist. Aber\ndaß Herr Schermann hellsehen kann, wo nicht das\ngeringste zu sehen ist, mit dieser Erscheinung\ndürfte selbst die exakte Wissenschaft ins Dunkle\ntreffen.\nWenn doch die Leute erst einmal die Augen\naufmachen lernten.\n\nJos. & Joseph\nHerwarth Walden\nDie Behauptung des Herrn Joseph Aug. Lux\nin Nummer 113 des Vorwärts, ich hätte Herrn Jos.\nAug. Lux falsch zitiert, ist unrichtig.. Aller-\ndings habe ich den dort angeführten Satz aus dem\nFi ankfurter Artikel ebensowenig zitiert, wie zahl-\nlose, andere Sätze, die einen Flächenraum von bei-\nnahe fünfhundert Zeilen einnehmen. Die Unter-\nscheidung zwischen „wirklichen Könnern und sol-\nchen,, die nur mitlaufen\", hat Herr Joseph Aug.\nLux. in der B. Z. am Mittag vom 18. März 1915\nnicht gemacht, weshalb er auch diesen unter-\nscheidenden Satz aus seinem Artikel in der B. Z.\nim Vorwärts nicht anführt. Die Sätze, die ich\nim Sturm beweisen den belieb-\nten Wechsel der Gesinnung. In der Frankfurter\nZeitung hatte Herr Jos, Aug. Lux alle Künstler\ndes Expressionismus namentlich aufgeführt,\ndie irgendwie „ausgezogen\" waren. Herr Joseph\nAug. Lux nennt in der B. Z. am Mittag keinen\nNamen, hingegen sagt er: „Wie es Ihnen erging,\nso steht es fast um alle Begabungen, die in\nden letzten Jahren als1 Kühlsten, Futuristen, Ex-\npressionisten 1 oder Sezessionisten/ auszogen,\ndie neue Kunst zu entdecken. Sie taten kraftgeni-\nalisch, aber es war nicht die Gebärde der Kraft,\nsondern der Schwäche, die beim Bluff eine Zu-\nflucht suchte.\" Hingegen in der Frankfurter Zei-\ntung nach Nennung zahlreicher Namen schreibt\nHerr Jos. Aug. Lux zum Beispiel: „Alle zusammen\nsind ein Beweis, daß in dem überwundenen (!)\nKubismus ein Entwicklungskeim steckte, der in\nder Tat schöne Blüten getrieben hat.\" Diese\nWidersprüche, wie es Heir Joseph Aug. Lux wohl-\nwollend im Vorwärts selbst nennt, lassen sich\ndurch etwa fünfhundert Zeilen hindurch aufdecken.\nEndlich kann sich Herr Joseph Aug. Lux nicht auf\ndas beziehen, was die „beteiligtem Künstler selbst\nfühlen\", weil die beteiligten Künstler selbst ent-\nweder im Felde oder im Auslande sind und über-\nhaupt jede Beteiligung an der Firma Jos. & Joseph\nablehnen.\n\nGedichte\nAugust Stramm\nSchlacht\nAechzen ringt\nUnd\nStampfet in die Erde\nPacken würgt\nUnd\nWindet wühlt und stemmt\nDie Lüfte stehn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.3", "texte": "Und\nV I ,\nKlammer 11 krampfzerrissen\nZerfetzen kracht\nUnd\nSchellet gell zu Boden\nDas Wissen stockt\nDie Hoffnung bebt und starrt\nDie Ahnung blutet\nSchreien wächst empor\nDas Leben\nFlammt\nDie letzten Brände\nsprühen\nWild\nKrallt\nDas Sterben\nAuf\nZum Himmel.\nDas Taglicht stirbt\nDie Nacht\nFlort um\nDas Grabtuch\nDie Erde hüllt\nUnd\nLiebe spreizt den Schooß\nDie Sterne zittern\nStrahlen brücket über\nDie Zeit klimmt an\nUnd\nLächeln sammelt Tropfen\nUnd\nSammeln Lächeln\nLächeln Sammeln Schreiten\nUnd\nSammeln schreitet\nLächeln Schreiten Schwinden\nUnd\nSchreiten schwindet\nSchwinden Lächeln Schreiten\nUnd\nSchwinden schreitet nach\nDem sturen Raum.\nWacht,\nDie Nacht wiegt auf den Lidern\nMüdigkeit flackt und neckt\nDer Feind verschmiegt\nDie Pfeife schmurgf\nVerloren\nUnd\nAlle Räume\nFrösteln\nSchrumpfig\nKlein.\nKrieg :\nWehe wühlt\nMarren starrt entsetzt\nKreißen schlittert\nBären spannt die Glieder\nDie Stunde blutet\nFrage hebt das Auge\nDie Zeit gebärt\nErschöpfung\nJüngt\nDer\nTod\n\nGeschichten von den\nLobensteinern\nAlfred Döblin\n\nVon der Unbehilflichkeit der Leute sind zahllose\nGeschichten im Schwange. Sie alle zu erzählen ist\nein einzelner garnicht fähig. Worauf die Leute ver-\nfielen, zeigt vielleicht sinnfällig die Geschichte von\nder Kuh. Eine Mutter hatte ein kleines Kind, das\nsie mit Milch füttern mußte. Weil sie nun viel aus-\nging und ihr Mann zu den Springern und Flaneu-\nren gehörte, so legte sie das Kindchen oft im Stall\nin eine Ecke, damit sie es gleich zur Hand hätte,\nwenn sie die Kuh melkte. Bald schien ihr auch das\nzu viel; sie flocht sich ein Körbchen und band es\nder Kuh auf den Rücken; oben lag in einem Bett-\nchen das Kind und sie brauchte sich nicht zu\nbücken. Damit nun die Kuh niemanden heranlasse\nund das Kind ihr nicht gestohlen werde, vergaß sie\nnicht, dem Vieh einen großen Stein au den\nSchwanz zu knüpfen, damit es Angreifern eins vor\ndie Brust versetze. Es hätte natürlich nicht viel\ngefehlt, daß statt dessen das unvernüftige Tier das\nKindchen in seiner Unruhe schlug. Wie die Mutter\nam Morgen das Tier wild mit dem Schwanz fech-\nten sah, — sie hatte sich schon Bänderchen um den\nKopf und eine rote Schärpe umgehängt, weil heute\nein noch unbekannter Heiliger durch eine Prozes-\nsion verehrt werden sollte, — traute sie sich nicht\nan die Kuh heran, denn das schlagende bewaffnete\nWesen schien es nun direkt auf sie abgesehen zu\nhaben. Das Kind schrie nach seiner Milch, und in\nihrer Not und Einfalt holte sie sich einen kleinen\ndünnen Schlauch, stieg, von dem grimmigen Rinds-\nvieh entfernt, auf eine Leiter, rutschte auf einem\nDachsparren entlang, bis sie über dem Kindchen\nsaß mit ihrer Spritze und ließ die Milch dem Kind\nvon oben in den Mund fließen, sachte und unter\nvorsichtigem Zielen. Es versteht sich, daß das Ge-\nschöpf sich oft verschluckte und völlig begossen\nwurde; daß auch die Kuh hin und her trabte und\nnach den Beinen der schwebenden Mutter\nschnappte. Bei dieser Prozedur kam eine andere\nFrau an, blieb im Stalleingang stehen und schrie,\ndie Mutter solle der Kuh ordentlich eins mit dem\nSchuh auf die Nüstern geben. Die Mutter tat es,\nund diesen Augenblick der Verblüffung des Viehs\nbenützte die Frau, um hinterrücks anzuspringen,\nden Schwanz zu packen und den gefährlichen Stein\nabzuschirren. Froh kletterte die Mutter abwärts,\nlief, um mit der Hand noch einmal die Schwere des\nSteines zu prüfen. Die Nachbarin aber hielt sie mit\nschlauer Miene bei der schönen Schürze fest,\nsteckte den Finger in den Mund, und nun setzten\ndie ungezogenen Weiber Folgendes ins Werk: sie\ndrehten sachte das Körbchen, aus dem sie das Ge-\nschöpf che,n herausgehoben hatten, abwärts, ließen\nes an dem Strick, der um die Kuh reichte, herunter-\ngleiten um die Bauch Wölbung des Tieres, bis es\nunten hing. Da hinein versenkten sie den Säugling,\ninahe der vollen Wampen und der frischen Milch.\nSie schlüpften zurück und bewunderten von der\nStalltür entzückt ihre Arbeit, und wie gut das\nWürmchen aufgehoben war an der warmen Quelle.\nEs wäre wohl alles so verblieben, hätten nicht die\nKuh selbst und zwei daneben stehende Ochsen der\nSache ein Ende gemacht. Das Kindchen, noch naß,\nließ sein Stimmchen aus dem wogenden Versteck\nerschallen; die Kuh, wahrscheinlich in der Meinung,\ndaß sie Bauchrednerin geworden sei, stand stumm\nund unbeweglich, glotzte entgeistert und horchte.\nDie beiden Ochsen stellten sich herzu, senkten die\nKöpfe und schwankten zwischen Ehrfurcht und Mit-\ngefühl, äußerten sich in einem ungeheuren Brüllen,\nfragend, antwortend, tröstend. Auf das unglaub-\nliche Getöse lugten einige Männer herein. Diese\nklärten die Situation allseitig. Sie holten das Kind;\ndann nahmen sie ihre Hosengürtel und schlugen\ndamit den Weibern ums Maul; vielfach holten sie\naus; die eine verlor dabei ihre Bänder, die andere\nverwünschte ihre Schlauheit. Kuh und Ochsen fan-\nden sich erleichtert.\nEs wohnte da auch in einem dunklen Hause ein\nälterer Barbier. Der hatte von seinem Vater ein\ngroßes Ofenrohr geerbt, welches unten zugelötet\nwar. Warum es zugelötet war, ließ sich nicht mehr\nfeststellen. Jedenfalls stand es seit alterslier in\nder Wohnstube des Barbiers. Eine besonders fin-\nstere Ecke wurde stets ausgewählt für das Ofen-\nrohr; da hielt sich das rauchschwarze cylindrische\nInstrument auf zwischen hochlehnigen Stühlen und\nKörben, die vergeblich suchten den ungewöhn-\nlichen Gegenstand zu verdecken. Das zuge-\nschweißte Ding wurde von dem Barbier benutzt\nals Opferstock und vorübergehende Depositen-\nkasse; wenn er etwas wieder haben wollte, so\nnahm er eine reservierte Schere seiner Barbier-\nstube, deren beide Flügel durch mächtige Holz-\ngriffe verlängert waren und ließ sie in die Tiefe\nnach der Beute schnappen. Oder er griff zu einem\nübermäßig gestreckten Löffel, scharrte und angelte\nam Boden. Die Röhre war mit nach Padrutz ge-\nwandert, in dem Barbierhäuschen hatte sie ihren\nangestammten Eckplatz gefunden. Einmal ging der\nMann am Feierabend in die Ecke, packte die Röhre\nbei ihrer Oeffnung, kippte und drehte sie leicht, ließ\nSchere und Löffel herabspielen. Aber wie sie auch\nschnappten, sie fanden nichts. Der angeschweißte\nBoden hatte sich nämlich gelöst von dem Rohr,\nGeld und Boden stand etwas entfernt auf der Erde.\nEr schob alle Kästen, Koffer und Stühle beiseite,\nrollte die polternde Röhre an das Fenster, richtete\nsie auf und begann das Visitieren von neuem. Der\nSchweiß lief dem kleinen kahlköpfigen Mann über\ndie Nasenflanken, sein schmales graues Gesicht\nvibrierte; mit Löffel und Schere spazierte er auf\nund ab, umging seinen Tresor, ließ seine Füße da-\ngegen pendeln: aber kein herzliches Geld klap-\nperte. Wie er auch entsetzt und giftig über die\nRöhre herfiel, sie drückte und rüttelte, ihr Bauch\nblieb still, „Es ist weg!\" Er hatte vor einer Stunde\nnoch die Heller hinuntergeworfen, nicht aus dem\nZimmer war er gegangen! Der Barbier lief zu sei-\nnem Nachbar, der sein letzter Kunde gewesen war,\nholte ihn in die Stube und fragte, ob er ihn nicht\nvor grad einer Stunde barbiert hätte nach allen\nRegeln seiner Kunst. Der schmunzelte: „Ei ja\",\nund seine Frau habe ihn bewundert, weil er so\nschön gerochen hätte und acht Heller habe er da-\nfür geleistet: „Ei ja, ist schon alles recht.\" Der\nMann wollte dem Barbier wieder die Hand geben,\naber der verängstigte Mensch hielt ihn beim Rock-\nkragen: „Und die acht Heller, die hab ich aus dem\nFenster geschmissen oder aus dem?\" „Ei nein,\"\nbrummte der andere und nahm die Pfeife aus dem\nMund, „wie wirst Du denn meine guten acht Hel-\nler aus Deinem Fenster werfen. Das Geld steht\nzwar schlecht im Kurs hier zu Lande, aber hast sie\nDir doch sauer verdient an meinen Stoppeln.\" Er\nlachte behaglich, betrachtete seinen Mann zwei-\nfelnd. Der ließ den Rockkragen los. „Es ist weg, die\nacht Heller sind weg; die zwanzig Heller für Po-\nmade sind weg; das ganze Geld vom langen Tag\nist weg.\" Der Nachbar begütigte unverändert\nlächelnd: „Ei nein. Wie wird doch das ganze Geld\nweg sein, für die Pomade und das Barbieren? Wo\nwird es sein? In der Röhre, in der Röhre; bei der\nalten Tante.\" Der Barbier auf dem niedrigen Sche-\nmel, der mit Blutflecken bedeckt zum Zahnziehen\ndiente, stöhnte: „Nicht bei der Tante.\" Resolut\nnahm der Nachbar Löffel und Schere vom Fenster-\nbrett, suchte erst in der Ecke nach dem Rohr, stieg\nam Fenster in den Abgrund. Er machte den Mund\nnicht wieder zu. Flüsternd kam er hinter den Bar-\nbier her: „Bist Du nicht raus gegangen?\" „Nicht\nrausgegangen.\" „Gibst Dein Wort drauf, Barbier?\"\nDa pfiff der Nachbar, ging auf den Spitzen mit Löf-\nfel und Schere ans Fenster, legte alles vorsichtig\nnebeneinander, schlüpfte ohne eine Silbe, nur mit\nder Hand den Barbier leicht am Aermel streifend\nzur Tür hinaus. Allein saß der kleine Meister in der\nStube mit der schwarzen Ofenröhre."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.4", "texte": "Nach einer viertel Stunde stiegen drei Männer\ntinter Führung: des Nachbarn ein, flüsterten mit\ndem Nachbarn, .der zeigte: „Da am Fenster.\" Sie\nhatten alle vier bebänderte Mützen in der Hand,\ntaten sie]] ein Langes und Breites mit Dienern und\nGrüßen, vor dem Barbier im Angststuhl, umstan-\nden, Anne über den Leib geschlagen, im Kreis die\nschwarze stille Blechrundung. Der Nachbar klopfte\ndagegen: „Es ist Blech.\" Die nickten: „Blech, von\noben bis nuten.\" Als ein jüngerer die Fingerspitze\nnach dem Rand ausstreckte, hielt ihn mit hohen An-\nbrauen ein anderer zurück: „Was mußt Du gleich\nanfassen?\" Der erste Nachbar bog dieKniee, stelzte\nzum Barbier, hauchte ihm gebückt ins Ohr: „Ver-\nhext.\" Der Barbier stellte sich leicht zitternd unter\nsie; die drei neuen befühlten nacheinander das\nglatte Kinn des offiziell dreinschauenden Nachbarn,\nder auch seinen Geldbeutel klappern und drücken\nließ. Im Gänsemarsch zogen sie hinaus, schüttelten\ndraußen ihre Jacken. Vorübergehend sagte der\nNachbar noch, „nicht anrühren sollte der Barbier\ndie Röhre; wer weiß, wenn man sie sich über den\nKopf zieht, wird man unsichtbar und nachher fin-\ndet man nicht heraus oder was sonst.\"\nAm nächsten Morgen nickte die Bauernkom-\nmission an, sechs Mann stark, nahm vor der Tür\nden blanken Barbierteller ab, damit sie keiner störe\nund begann das Untersuchen. Zwei Goldgulden\nhatte jeder mitgebracht, darauf das Kreuzzeichen\nmit Kohle gemalt. Das graue Männchen rollte seine\nRöhre in die dunkle Ecke; dann wurde er bei\nSeite gewiesen. -Ein Baüer trat nach dem andern\nan die Höhlung heran, warf seine Gulden hinunter.\nMan hieß den Barbier nun das Möbel anzuheben,\nund während alle bei Seite traten, an das Fenster\nwälzen und aufrichten. Gewichtig trampste ein\nBauer an das Regal, nahm Schere und Löffel her-\nunter und fing an nach abgelegter Jacke zu schar-\nren, zu angeln und zu schnappen. Es währte ge-\nraume Zeit, bis er abließ. Von allen Seiten versuch-\nten sie ihr Heil, schweißtriefend scharten sie sich\num das wackelnde Ronr und unternahmen Angriffe.\nNunmehr hieß der Anführer der Kommission den\nBarbier, das Rohr zu kippen; zwei Mann luden es\nsich auf die Schulter und postierten sich damit vor\nihren Befehlshaber. Der ließ Platz machen nnd\nschaute in die Höhlung hinein. Er setzte sich auf\neinten Stuhl. Als das Fenster geöffnet war, richtete\ner sich auf, schüttelte den Kopf: „Der Boden ist\ndurchsichtig, völlig durchsichtig! Man sieht den\nleibhaftigen Himmel.\" Die Übrigen nahten sich\nhintereinander, das Kopf schütteln und betretene\nHerumblicken nahm kein Ende: „Man kann\nden Himmel erblicken! Durch den Boden!\" Der\nBarbier hatte die Nacht über geweint nach\nseinem Geld; nunmehr drückten ihm die Bauern\neiner nach dem andern die Hand, sahen ihn\nernst und gefaßt an und verschwanden.\nDraußen standen sie noch in einier Reihe unter dem\nScheunendach, guckten und zeigten nach dem\nHaus herüber. Bald hinter ihnen her spazierte der\nNachbar mit Frau und Schwagersleuten herein\nzum Barbier, sie hatten die Kommission draußen\nparlamentieren hören und wollten einmal sehen,\nwas die Röhre blicken lasse. Abwechselnd hielten\nsie das Blech auf ihren Buckeln; der Nachbar äu-\nßerte befriedigt: „Ja es ist ein schöner Durchblick.\"\nUnd alle sahen hindurch und freuten sich des schö-\nnen Himmels; und erzählten zu Hause, welch schö-\nnen Himmel man dies Jahr durch die Wunderröhre\ndes Barbiers sehen könne, so daß am selben Nach-\nmittag schon welche gelaufen kamen mit Würsten,\nPulswärmern, Messingknöpfen, Schnupftabak nnd\nzu der Stube hereindrangen. Der wollte wissen, ob\n•*»• - i , ,\nman. auch fragen könne, wie es der Schatz mit\neinem meine, der, wie sein Bier wird, der, ob das\nRohr auch wisse, wo Geld vergraben liege; er\nwüßte nämlich ein sonderbares Loch in der Nähe.\nDer angestaunte Besitzer ging erregt durch das\nZimmer: „Man muß halt alles versuchen: fragts\nmich nicht. Die Haare können einem zu Berge\nstehen ob derer Geschichten.\" Er erinnerte sich in\nall dem Gedränge, daß sein Großvater, der erste\nBesitzer des Rohrs, ein frommer, seliger, freilich\nauch verdächtiger Mann gewesen sei, sofern er\nnämlich unter merkwürdigen Umständen starb mit-\nten beim Essen, nachdem er dreimal auffällig mit\ndem Mund geschnappt hatte. Das war ein Zeichen,\ner hatte etwas sagen wollen wegen des Rohrs. Ein\naltes Weib tat wehmütig einen flüchtigen Blick\ndurch das Rohr, dann machte sie den Mund ganz\nschief, schluchzte und heulte: „Man kann den Him-\nmel sehen samt den Englein. Mein Philipp ist da,\nja, mein Philipp ist da.\" Ein dickes junges Wesen\nmit vielem Putz tröstete die Wiittwie, meinte: „Ich\nschau nicht durch. Das Wasser läuft einem im\nMund zusammen. Der Magen könnt sich einem um-\nkehren.\"\nDer Barbier machte hinter dien Leuten die Tür\nzu; er stellte das Rohr in seinen finstern Winkel,\nlegte das Ohr an das Blech; er hörte es deutlich\nflattern und pfeifen von vielen himmlischen Vögeln;\ndann gab es eine beängstigende Stille. Er warf\neinen Heller hinein, wartete etwas; dann kniff er\ndie Augen zu, faßte sich ein Herz, angelte und\nschüttelte das Blech. Die Buben standen vor dem\nFenster, schrieen: „Gold mach er, Gold macht er.\"\nEr drohte hinaus, zog die Vorhängt zu, schmunzelte\nbösartig: „Nun, wenn ich schon Gold mache; ihr\nkriegt nichts ab, verschmutztes Gesindel.\" Marian-\ndel hieß seine Tochter, sie war nicht sonderlich\nschön; sie erlebte in diesen Tagen eine feine Zeit.\nDie Burschen föeüein ihr zu Dutzenden nach. Sie\nließ ihre böse Zunge, wegen der sie auch gehaßt\nwar, gehen, fischte sich die am meisten um-\nschwärmten Burschen heraus und führte ein großes\nGetue mit ihnen beim Kirchgang und auf dem\nMarktplatz. Die Burschen, ob der drohenden fabel-\nhaften Mitgift, ließen die Weinflaschen anspringen,\nschmeichelten der dürren eitlen Person lim Schul-\nter und Brust. Die Mädchen weinten zu Dutzenden.\nEin furchtbares Regiment führte sie, ja der ganze\nTanzboden zitterte vor ihr und manche Wirte klag-\nten über das hochmütige Volk, weil die Barbiers-\ntochter den großen Schwärm der Burschen hinter\nsich her zog und sich: nach Laune bald da bald\nda blicken ließ.\nFür den Barbier lief die Sache nicht gut ab. Ein\nanderer Baritscherer trug gegen ihn große Wut zur\nSchau, weil zu dem Zauberer die Leute liefen wie\nin eine Schenke; es hofften nämlich viele, der Bar-\nbier würde gelegentlich etwas für sie abfallen las-\nsen. Jener Bartscherer gewöhnte sich in seinem\nGrimm ein besonderes Zucken der linken Backe an,\ner kehrte dien Spieß um; der alte Barbier nnd Kol-\nlege sei ein Hexerich, und was für einer, und was\nes da zu bewundern und was es zu beneiden gäbe?\nSeit wann werden Hexeriche angestaunt? Wer\ngarantiere, was dieser Mann alles vorhabe? Alles,\nalles, noch alles! An Euren Früchten soll man Euch\nerkennen; man frage einen gewissen Wirt zum gol-\ndenen Elch, wie lange sich nächtens eine gewisse\nunansehnliche Dame, Fräulein oder Jungfer, Mari-\nandel geschimpft, in einem gewissen Garten mit\nBurschen aufhalte, heute den, nnd übermorgen den\numhalse? Wie gewonnen, so zerronnen, hieße es,\nund ferner: Untreue schlägt seinen eigenen Herrn,\nnnd ferner: es ist noch nicht aller Tage Abend. Der\nWidersacher, in seiner mageren Existenz bedroht,\nbestimmte einige ausgeschlossene Freiersleute, da-\nzu eine kleine Horde unbegüterter Mädchen sich\nihm anzuschließen und einen Vorstoß zu unterneh-\nmen gegen das Hexen- und Zauberwesen im neuen\nPadrutz. Sie schmiedeten mancherlei Pläne und\nschließlich wurde ein Komplott reif gegen den Bar-\nbier. Eines sehr dunklen Abends rückten eine\nSchar Mädchen mit wenigen Männern in den Gar-\nten zum Goldenen Elchen ein, schwang Besenstiele\nund Stangen, vertrieb und prügelte die hinter Bäu-\nmen lauernden Burschen, die auf einer Wiese\nkosende Mariandel wurde aus ihren Träumen ge-\nrissen, windelweich gegerbt ,alsdann gebunden in\neine entfernte Schemde transportiert. Inzwischen\nmarschierte der hetzende Widersacher mit seiner\nMannschaft vor das Barbierhaus; ganz still war es\nda und schöne Sommerluft wehte; der gewandte\nMann schwang sich anschleichend durch ein offe-\nnes Fenster, wand sich ohne zu poltern in die Nähe\nder gefährlichen Röhre, und plötzlich, als* er den\nBarbier schnarchen hörte, gab er einen lauten\nSchrei von sich, die Mannschaft stürmte herein\ndurch die springende Türe. Eine rasende Schläge-\nrei entspann sich. Mit Möbeln, Gegenständen, denn\nman fürchtete überall Hexenkram. Der Zauberer\nsuchte in seiner Todesangst nach dem Rohr zu ent-\nwischen; sobald er nackt den Angreifern ausglitt\nund fortschlüpftei, stand der andere Pomadenkünst-\nler drohend mit seinem Knüttel da, wie der Erz-\nengel vor dem Paradies, und die Hiebe sausten auf\nr\nden kollegialen Buckel. Wie man ihn im Finstern\nüberwältigt hatte und zwischen Betten, festge-\nschnürt auf den Boden legte, stürzte unvermutet\ndas Rohr um; es hatte sich nämlich der Wider-\nsacher unter heftigem Zucken seiner Backe daran\nzu schaffen gemacht, um hinterrücks zu seinem\nGlück zu kommen. Aber in dem kleinen Zimmer\npurzelte nur alles durcheinander; mehrere rutsch-\nten aus über das rollende Blech;, es war im Nu\nverborgen, und wurde von einem, der sich die Hose\ndaran aufriß, in der Wut zertreten, zerbogen und\nvöllig seiner Form beraubt. Nachdem die höllische\nSchar das Geschirr im Laden, Seifenbecken,\nWaschkanne und Zierkrüge kurz und klein geschla-\ngen hatte, verschwand sie im Dunklen, von wo sie\nangeschwirrt war. Unter den heißen Betten wim-\nmerte der geprügelte Barbier; die unansehnliche\nTochter wurde vor Anbruch des Tags noch von\ndrei Mädchen, die in ihrer Rachsucht nicht schla-\nfen konnten, zwei dreimal in einen der nahen\nStinkseen getunkt und so besudelt am Ufer hinge-\nworfen. Mit der nächsten Morgensonne wurde alles\naufgedeckt. Der Barbier erstattete Anzeige, er sah\nsich vor dem Ruin. Bei der ersten, Vernehmung\njedoch ließ er die Anklage fallen, denn er durfte\nnichts von dem Zauberrohr verlauten lassen vor\nder Behörde. So wäre der graue geplagte Mensch\nschrecklich von dem Schicksal gefoppt worden,\nnachdem er sein Rohr, viel Handwerksgeschirr und\nmanchen Kunden verloren hatte. Aber wie er ein-\nmal auffegte in jener dunklen Stubenecke, sehn-\nsüchtig bei der Erinnerung an sein Rohr, erfüllte\nsich ein Wunder: plötzlich lagen da, von Staub be-\ndeckt, zahlreiche blanke Goldgulden und massen-\nhaft kleine Heller. Auch der Boden des Rohres lug\nda, freilich das Trümmerstück war ganz gewöhn-\nliches Blech und nicht mehr durchsichtig. Beglückt\nund doch gequält sammelte er alles zusammen; er\ndachte, am Boden hockend, den Fund im Schoß,\nwas sich alles hätte erreichen lassen mit dem\nRohr, wenn es sogar in der Abwesenheit an seiner\nWohnstatt Geld hinstreute, wie eine Hernie, die\nnach ihrem Tode noch Eier legt. Als er jegliches\nin Gedanken durchgegangen war, hob er sein\nmageres Körperchen auf, legte alles Geld in seinen\nBeutel, umstellte nun die Fundstelle, wie früher\ndas Rohr, mit Kästen, hohen Stühlen und Gerümpel.\nEr gelobte in dem eingezäunten Revier über Tag\nund Tag wieder zu fegen. Die mißachtete Marian-\ndel wagte sich kaum ans Licht; sie war von ihrer\nHöhe gestürzt. Es dauerte lange, bis sie ihr Züng-\nlein wieder entdeckte, und das nicht"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.5", "texte": "Isaac Grünewald: Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.6", "texte": "mehr als zehn Zentimeter lang, fünf breit und\nkürbisrot, half dem schwere,ll, verzagten Körper\nauf. Mit Schnattert! und Sticheln kam Mariandel\nwieder angerückt. Das Geheimnis 'der Ofenröhre\nhat aber bis heute kein Lobeiisteiner entdecken\nkönnen.\n\nDie schwarze Fahne\nEine Dichtung\nAdolf Knoblauch\nIn diesem Augenblick erscheint ihnen allen ihr\nDastehen peinlich, sie ärgern sich. Er ist auch zu\nkomisch und doch wohl verrückt; aber schließlich\nhat man seine Pflicht getan! Frau Hannah versteht\nnicht, daß Bran von der Züchtigung garnicht er-\nschüttert ist, und sie spricht es zuerst laut vor den\nAnderen aus: „Der weiß, scheint, noch immer\nnicht, was mit ihm los ist.\" In der Verwirrung\nihres Gewissens aber fragt sie sich, ob dem „Kerl\"\nnicht doch Unrecht getan wird, sie kehrt Bran den\nRücken, schüttelt sich erbittert und trabt ab.\nBran wendet sich an den alten Herrn, er solle\nihm erklären, was das Ganze bedeute. Auf diese\nsachliche Frage ändert der Assessor stumm die\nHaltung und beginnt abzumarschieren. Dann bleibt\ner aber stehen und wendet das Gesicht Bran zu,\nlegt seine viereckige Faust m die Stirn\nan seinem grauen Kubus etwas loszuschrauben.\n„Ich glaube, Sie rührt wohl gar nichts mehr, Sie\nsind nicht mehr normal\", und aus der Tiefe des\ndunkeln Flurs beglaubigt Frau Hannah den Spruch\nihres Eheherrn: „Sie sind für ehrlos erklärt worden,\nso, nun wissen Sie es.\" Das Fräulein (Liebling der\nHerrenwelt) dreht sich trillernd auf dem Schuh-\nabsatz um sich selbst, mit kreischendem Gelächter,\nmit den Armen schlenkernd, spuckt sie schallend\nauf die Flurdiele.\nBran bleibt allein und lächelt. Der Assessor hat\nes argwöhnisch bemerkt und ruft: „Sie findeil\ndas wohl nicht komisch, Ihnen ist so etwas zuzu-\ntrauen.\" „Komisch gewiß\" antwortet Bran gelas-\nsen, „der Humor durchschneidet tötlich die Ge-\nberde aller Gewalttätigkeit, das eben noch Ge-\nblähte sinkt lächerlich in den Staub.\"\nEine feierliche festtägige Stunde kommt über\nBran, Stärke erfüllt ihn, Schaffenslust überschattet\nihn. Bran hat im Auge einer Frau Gott geschaut,\ndas* ist sein nicht preisgegebenes Geheimnis, sein\nGewinn aus diesen Tagen; seine männliche In-\nbrunst schreitet feierlich dem Leben entgegen,\nüber ihm rauscht im schweren, ernsten Wind ent-\nfaltet die schwärze Fahne, die er in die beginnende\nSchlacht führt.\nA u s g a im g\nBran packt an einem Vorfrühlingsabend seine\ngeringen Habseligkeiten, löst das Kärtchen mit dem\nSee von Sils Maria von der Wand überm Bett und\nwartet ein Weilchen aufrecht und still.\nHell, jungmännlich aufrecht steht Bran im hoch-\ngrünen Licht des Abendhimmels über dem ruhe-\nvollen Dunkel der aufgebrochenen Aecker. Wol-\nken färben noch nicht zauberisch die himmlische\nFerne, erblaßt sind zornrote Sonn-Untergänge,\ndurch den nackten Abend gehen klare Stiche\nblitzender Sterne.\nBrans Angesicht ist wohlgewölbt, seine Schulter\nhochgeformt: er hat alles angenommen, die Krank-\nheit, die Verschuldung, verstrickendes Geschwätz\nruhig in seinen priesterlichen Händen, und er brei-\ntet seine Hände hoch dem All, um sie in seinem eis-\ngrünen Atem zu reinigen.\nSeit Wochen ist bereits die Leutnantsfamilie\nfortgezogen. Nach der „Ohrfeige\" ist Frau Brosin\nnicht mehr bei ihren Kindern erschienen, sie ist\nzur Ausbildung im Schwesterndienst in ein Hospi-\ntal des roten Kreuzes eingetreten.\nEines Tages war die Tante von Frau Lise er-\nschienen, eine würdige alte Dame aus dem Vor-\nstande des roten Kreuzes, in deren Schutz sich die\nunglückliche Leutnantsfrau geflüchtet hatte. Sie\nerschien als die Verkörperung der brosinschen Fa-\nmilienehre, Geleitet von einem jungen Offizier\n(Frau Lisens Bruder) und dem kriegerischen As-\nsessor, der Bran zum „Verhör\" lockte. Es wurde\nfeierlich der brosinsche Familienfluch über Bran\nbis in seine fernsten Lebenstage hinaus gesprochen,\nund der unselig Verdammte durch die brosinsche\nFamilienrache mit der Reitpeitsche des Offiziers\nbedroht.\nAuf die eifersüchtige Frage der Erbosten, wie\ner es fertiggebracht hätte, einer verheirateten\nDame einen Liebesantrag zu machen, erwiderte\nBran mit der Sanftheit eines großen Stolzes, daß\ner Frau Lise garnicht liebe oder lieben wolle. Das\nwar ein Schreck für die alte Dame, ein Ratlossein\nfür die überheblich Moralische . . .\nDas Kinderfräulein brachte die Uebersiedlung\nder Familie nach Krughagen zustande, nahm die\nKinder und überführte den gelähmten Mann in die\nländliche Entlegenheit.\nSein mietsvertragliches Vierteljahr bei Asses-\nsors bezahlte der Leutnant „anständigerweise\".\nUnd so dauerte es nur etliche Tage, bis Bran für\nFrau Hannah kein Stein des Anstoßes auf ihrem\nferneren Wege war. Als noch dazu ein im Haus\nansässiger Schriftsteller gar BraiK in Schutz nahm\ngegen alle Vorwürfe und ihm Recht gab, verzieh\nFrau Hannah dem Studenten alles, was er ihr umd\nder Pension angetan! hatte. Ihre Empfindungen\nwurden wieder christlich und glatt.\nObwohl der weltkluge Assessor ernstlich die\nBesuche des „ehrlosen Menschen\" sich verbeten\nhatte, verzichtete keineswegs seine Gemahlin dar-\nauf, den Jüngling bei Abwesenheit des Eheherrn\nin ihrer Küche zurückzuhalten: Sie habe immer an\nseine Ehrlichkeit geglaubt, aber sie habe sich auch\ngeärgert über seine Liebes-Erklärung an Frau\nLeutnant. Die alte Dame vom roten, Kreuz habe\nihr aber späterhin dargetan, daß er Frau Leutnant\ngarnicht geliebt habe und sie auch gar nicht habe\nlieben wollen. Da sei sie nun vollends beruhigt\nüber die ganze Sache, sie sei ihnen allen durch den\nLeutnant so schrecklich gemacht worden. Von\nBran halte sie dasselbe wie vordem, als sei nichts\nvorgefallen. . .\nBeim langen, strengen Schweigen des Jüng-\nlings bestätigte die Alte scheu, daß er wie Christus\ngestanden sei, verspottet wie Er.\n❖ «■\n*9M\nAuf seiner Reise einsam im D. Zuge, der durch\ndie märzlichen Harzberge braust, liest Bran nach\ndem Fahrtrhythmus das geheimnisvolle Bruch-\nstück des antiken\nParmenide s\nDas Rossegespann, das mich trägt, zog mich\nfürder soweit ich nur wollte, nachdem es mich\nauf den vielgerühmten Weg der Göttin geleitet, der\nallein den Wissenden überallhin führt. Dorthin\nbrachten mich die vielverständigen Rosse, die den\nWagen zogen, und die Mädchen wiesen den Weg.\nDie Achse knirschte in den Naben sich heißlau-\nfend, mit pfeifendem Tone. Denn sie ward beider-\nseits von zwei wirbelnden Kreisen beflügelt, wenn\ndie Heliadenmädchen, welche das Haus der Nacht\nverlassen, und den Schleier vom Haupte zurückge-\nschlagen hatten, die Fahrt zum Lichte beeilten.\nDa steht das Tor, wo sich die Pfade des Tages\nund der Nacht scheiden. Türsturz und steinerne\nSchwelle hält es auseinander, das Tor hat die Fül-\nlung von großen Flügeltüren, die (einpassenden\nSchlüssel verwahrt Dike, die gewaltige Rächerin.\nIhr nun sprachen die Mädchen mit Schmeichel-\nworten zu, beredeten sie klug, den verpflöckten\nRiegel ihnen geschwind vom Tore zu stoßen. Da\nsprang es auf und öffnete weit seinen Schlund, die\nerzbeschlagenen Pfosten, die mit Zapfen und Dor-\nnen eingefügten, drehten sich nacheinander in den\nPfannen. Mitten durchs Tor lenkten die Mä;dchen\nstracks dem Geleise nach Rosse und Wagen.\nHuldreich nahm mich die Göttin auf, sie ergriff\nmeine Rechte und sprach zu mir: „Jüngling, der du\nunsterblichen Lenkern geseilt, mit dem Rossege-\nspann unserem Hause nahtest, sei gegrüßt! Kein\nböser Stern hat dich auf diesen Weg geleitet (denn\ner liegt fürwahr weit ab von der Menschen Pfade),\nsondern Recht und Gerechtigkeit. So sollst du sie.\ndenn erfahren: der wohlgerundeten Wahrheit fel-\nsenfestes Herz und die Wahngedanken der Sterb-\nlichen, denen verläßliche Wahrheit nicht innewohnt.\nDu wirst trotzdem auch das erfahren, wie man\nalles und jedes durchgehen, und dabei jedes Schein-\nwesen auf die Probe stellen solle.\nAber von diesem Weg der Forschung halte du\ndich mit den Gedanken ferne, lasse dich nicht durch\ndie vielerfahrene Gewohnheit auf diesen Weg\nzwingen, nur deinen Blick den ziellosen, dein Ge-\nhör das brausende, deine Zunge walten zu lassen:\nnein, mit dem Geiste bringe die vielumstritteiie\nPrüfung, die ich rief, zur Entscheidung.\nEs bleibt nur ein lebendiger Weg übrig.\nEnde\n\nSchluß\n\nPersisches Märchen\n\nDas Morgenland nennt seinen hohen Namen,\nihm neigten sich einst Brüder und die Aehren.\nDie Wolke seines Ruhmes loht vor Städten,\nVölkern\nDie weiße Barke auf weltweiten Schwingen»,\nvor schaumgekrönten Fluten hergetragen,\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm.\nErrötend, in seiner Seide,\nberührt er heilend ihre Adern mit der Hände\nköniglichen Lilien.\nDie ihn fragen:\nSinn der eigenen Frage\nertönt aus seinem Aug,\nam reinen Bronn, in klarer Bergluft.\nScherze —\nV\nGoldpfeil aus seinem Aug!\nUnd vorwärts stürmend,\nSchultern weißgewölbt,\nArme um der Freunde treue Nacken,\nhebt er zum Wettlauf an\ngoldsohligen Fußes.\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm,\nerrötend in seiner Seide.\n«I* fcf*\nV '»»\nEin armer Neger bleibt mit fleißigem Betrachten\ndem schwermutsreichen Tröste zugewendet,\nder sonderlichen Arzenei, die wunde Herzen heilt,\ndie blutigen Ränder zueinanderfühlt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.7", "texte": "Felix Müller: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.8", "texte": "In. seine Kammer weht der Wind vom Garten\nhold ein duftend Blatt,\nauf dem ein goldgewölbter Käfer ruht.\nIm halben Traum erbebt das weiße Herz,\n— Schwan, der schwebt auf dunkler Flut\ngeneigt zum hellen Ebenbild —\ndas; seine Flügel jäh entspannt,\ndas wundersame Gold mit zartem Rand.\nIm schw-ermutsdichten Hain,\nDes Wind gestaltlos Sehnen\naufküßt mit Dämmern\nhört er die Knaben in den Nachtwind singen,\nihm die schwermutsüße Kunde singen\nfühlt aus güldener Nacht entringen\nnach tausend Jahren eine Märchenstunde.\nEr hebt das Haupt mit bangen Händen:\nGott fließt durch den Hain\nfließt ins Herz mit seinen schimmernden Sternen\nbadet seine Glieder mit dem Abendgold durch\nschwere Bäume\nAllmacht in jeder Regung, Wandel mit Sternen,\nZum Dome, wo das Finstere ringsum kauert,\ntritt er mit seiner Kerze.\nVom Hauche ewgen Brennens,\nvom linden Beten, wunderbaren Sange\nsteigt am der Flamme reines Blau.\nIlxm nahen sich Alle!\nSeine Rede schmilzt Jähre,\nTräges wandelt sie zu tödlicher Kraft,\nTalg zu Licht, Grauen zu Süße,\ndie schwer am Munde des Liebenden hangt,\nam Leibe der Biene, die dem Kelch entrann.\n❖ *\nAus finstren Lüften\ntropfen bohrend Feuertränen...\nZu Häupten kreist geschwungenen Stahles\nharte! Drohung gegen erzene Torflügel.\nLichter splittern: Die Tore auf!\nVon Millionen blanker Waffenspitzen\nstürmt die weiße Weite,\nriesige Blutfahnen schweben heran,\ndurch den Glanz stürzen nieder\nungeheuer verzerrte Grimmhäupter,\nenthauptet Sonnen und Monde.\nFlammende Spitzen bohren,\nreißen ihn in Erdstücke, Kiesel,\nSturmnacht wirft ihn über die Klippe.\nGoldmeer bricht auf,\nwälzt Erdteile zu Wolken, die von Gold triefen,\nWolkentiefen stürmen Hosiannaglut.\nDie Tore auf!\nGoldwind sammelt aller Länder Atem in ihm.\nErrötend in seiner Seide,\nberührt er heilend ihre Adern mit der Hände\nKöniglichen Lilien.\nZuruf stürmt!\nStromschnelle, reißender über dem Fels,\nLöwe, brüllend vorm Sprung:\nDas Morgenland rühmt seinen hohen Namen,\ndie Wolke, die vor Städten, Völkern loht,\ndie weiße Barke auf weltweiten Schwingen.\nDer Neger sieht Ihn durch die Enge\ndrunten schreiten auf dem dunklen Tuch,\nden goldgewölbten Käfer\nr .\nschaut er auf dem holden Blatt,\ndas Haupt von Gold, das Kleid von Schnee\nmit zartem Rand.\nBrennend schwingt der Schwarze\nnieder sich zur Gasse, lallend weicht die Menge,\nund er sieht Ihn, wie Ihn keiner sah.\nSonnentrunken schaut er Jenes Lächeln,\nWanderer, dem auf Bergen trunken\ndes Morgenrotes frühster Strahl begegnet.\nWohl beginnt der Knabe den Gesang,\ndoch scheu verstummt die zage Stimme\nvor Glockenschlägen ungeahnt im Innern,\ndie am Herzen sengen:\n„So find ich heim!\nDie Mondlast tragen Bäume leicht,\ndie Gräser jenen Hauch,\nder sie durchweht auf unsichtbarer Spur.\nSo find ich heim!\nIn Sonne, im Bilde aller Himmelsräume\ntilg ich die Zeit auf weiten Todesschwingen.\nDer Schmetterling entschwebt mit schwerem\nBlütenstaub.\nDer Sendling hebt sich aus dem Staub,\ndem freien All Veikündigung zu jauchzen;\naus Sterblichkeit das Herz, das alle Räume\nausgemessen:\nDie goldene Locke darf es niemals heilig rühren!\nLächelnd hebt der Neger seinen Blick\n— ein Kind, das eine seltne Blüte seinem Vater\n* •\nbringt —\nund sinkt zur Erde, die Lippe grau,\ndie schlanken Hände schlaff gespreitet.\n•irr*!:\n; .f. -t\nNacht hüllt die Stätte!\nLohend steht allein Er über Städten, Völkern,\nund rührt in seiner Schwingen mächtigem Ent-\nfalten\nan Dome. Vom Geläut erzittert die Nachtweite,\nvon königlicher Totenklage.\nDann kniet er weich, hebt die tote Stirn,\nden herben Leib !\nKeiner sah, als Er ihn heimgebracht\n\nAdolf Knoblauch\n\nVerpeléty\nDesider Kosztolányi\nieh hatte die ganze Nacht schlaflos verbracht.\nZeitig am Morgen begab ich mich auf den\nBahnhof, versäumte den Zug und erfuhr, daß ich\nbis elf Uhr vormittags auf den nächsten zu warten\nhabe. Ich verfügte mich in den Restaurationsraum\nund betrachtete gelangweilt die Pyramiden, die\naus Orangen, m Staniol verpackten Zwiebackpäck-\nchen und Aepfeln errichtet waren, das charakteri-\nstische Stilleben der Bahnhofrestaurants in unga-\nrischen Provinzstädten. Es gibt nichts Melancho-\nlischeres als der Aufenthalt in einem solchen ver-\nlassenen Räume, wenn man die Nacht schlaflos\nverbracht und nicht gefrühstückt hat. Der\nbleichwangige Kellnerjunge — seine Frackschöße\nreichten bis zum Boden — trat mit: der weißen\nServiette dienstbereit vor mich hin und brachte\nden Kaffee. Die Milch war dickflüssig und fett, der\nKaffee träufelte wie Pflaumenmus aus der Kanne.\nIch verlangte das Lokalblatt, doch auch dieses in-\nteressierte mich nicht. Der im Kreise wandernde\ngroße Zeiger der Wanduhr und sein langsam\nschleichender Gefährte, der Stundenzeiger, weck-\nteri meinen Aerger, weil sie mir verrieten, ich\nhätte noch volle vier Stunden liier zu verbringen.\nIch befand mich im Kerne der großen ungari-\nschen Tiefebene, des Alfökis. Die Stadt selbst lag\nin ziemlicher Entfernung vom Bahnhof, dahin zu-\nrückzugehen verlohnte sich nicht, und außerdem\nträufelte draußen Regen. Ich versuchte Verschie-\ndenes, um die Zeit tot zu schlagen, nehme schließ-\nlich aus dem Zündstein ein Streichholz und be-\ntrachte starren Blickes das schwarze Köpfchen,\num mich zu hypnotisieren. Doch bald werde ich\nauch dieses schwindelverursachenden Fakir kunst-\nstiickchens überdrüssig und werfe gähnend das\nZündholz fort. Da bemerke ich, daß in einem Win-\nkel des Speisesaales zwei Männer sitzen und halb-\nlaut reden.\nJedes zweite ihrer Worte ist:\n„Verpeiety\"\nSeitdem ich sie belausche, habe Ich diesen\nNamen etwa fünfzigmal vernommen:\n„Verpeiety, Verpeiety, Verpeiety.\"\nEiner der Plaudernden ist mager und trägt •eine\nfertig gekaufte Halsbinde, einen ab-\ngetragenen Anzug, über der Weste eine silberne\nUhr kette. Seine von Blutäderchen durchzogenen\nkleinen Augen verraten, daß er die gamze Nacht\nnicht geschlafen hat. Vorhin trank er Bier, darauf\nWein, und jetzt bestellte er sich einen Wachhai -\nder schnaps. Neben ihm sitzt ein beleibter Mann in\nder Nähe des kaltgewordenen Ofens, bekleidet, mit\neiner Bauernpekesche, daran ein Pelzkragen, Die-\nser Mann schien ein dickschädliger Ackerbau-\nmensch zu sein, ein Magyare von türkischem\nTypus, im Gegensätze zu seinem mageren Sitz-\nnachbarn, dessen Mausegesicht den Bauernsciilag\nder Tiefebene verriet Beide rauchten ganz billige\nZigaretten und machten den Eindruck zivilisierter,\nneurasthenischer geistiger Proleten.\nNun kam es blökend aus dem Mund des Dicken:\n„Die Schulgememde . .\nAlso anscheinend Lehrer. Später erfahre ich,\nüber wen sie sprechen. Verpeiety ist der Inspek-\ntor des Schulbezirkes und die beiden waren aus\nirgendwelchen Dörfern oder -Gehöften zu einer\nLehrerversammlung gekommen, um wichtige, ganz\nbesonders wichtige Angelegenheiten zu erledigen,\n„Ein unglaublicher Kerl,\" sagte der Magere\nden Kopf schüttelnd, „wie er gestern wieder mit\nder Faust auf den Tisch gehauen hat.\"\n„Du kennst doch Verpeiety iä! weißt, dai er\nsein Leben lang ein rabiater Mensch gewesen ist.\"\n„Rabiat\", wiederholte der Magere, ,Jcann er\nvon mir aus mit seinem Hund sein, aber nicht mit\nmir. Wer bin ich denn? Sein Dienstbote? Oder\nsein Hund?\"\nDamit schlug er sich auf den Brustkasten,, der\nso schmal und abgemagert war, daß fast die Rip-\npen herausfielen. So wuchtig schlug er zu, daß er\nsicherlich Schmerz empfand, und seine hektische\narmselige Brust rasselte tatsächlich auf wie eine\nschwindsüchtige Harmonika. Ich hätte ihn bei der\nHand fassen mögen und sagen:\n„Haltern Sie ein, Herr Lehrer, halten Sie ein.\"\n„Das gibt es nicht,\" fuhr er immer heftiger fort.\n„Da werden wir schon noch .ein Wort ei mitzu-\nreden haben. Ich erfülle meine Pflichten genauest,\nfordere aber, jawohl ich fordere, daß mir sei-\ntens meiner Vorgesetzten eine menschenwürdige\nBehandlung zuteil wird.\"\nIch sann darüber nach, ob es noch ein traurige-\nres Wort geben könne, als dieses „meine Vorge-\nsetzten.\"\nDer Lehrer fuhr in seinen Erörterungen fort.\n„Verpeiety kennt meine Intentionen. Ich habe\nihm diese ausführlich dargelegt und da hat er den\nSchwanz eingezogen. Ins Gesicht habe ich ihm ged-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.9", "texte": "sagt, daß ich selbst — jawohl ich selbst, die Ein-\nleitung- der Disziplinaruntersuchung gegen mich\nverlangen werde.\"\n„Und was meinte er dazu?\"\n„Er wollte mich davon abbringen.\"\n„Und?\"\n„Es blieb ihm schließlich nichts anderes übrig,\nals mein Verlangen zur Kenntnis zu nehmen.\"\n„Sicherlich glaubt er, dir damit das Genick zu\nbrechen.\"\n„Da täuscht er sich sehr gewaltig!\" sprach der\nMagere. „Verpelety ist fertig. Ich habe positive\nKenntnis davon, daß er gegangen wird.\" Er machte\nmit der Hand eine hinauskomplimentierende Be-\nwegung, als ob er den Verpelety verabschiede.\n„Was du sagst?!\"\n„Es ist nahezu totsicher. Verpelety — ich wie-\nderhole es — fällt, aber die Treppe hinauf.\" Um\nsich einen wichtigen Anschein zu geben, fügte er\nhinzu:\n„Er wird nach Budapest versetzt. Er möge aber\nnur meine Disziplinaruntersuchung abwarten, dann\nwird sich schon ergeben, wer ein Schuft ist. Aber\neins kann ich dir sagen: einer von uns geht. Ent-\nweder er oder ich. Beide können wir nicht blei-\nbest\"\nDer magere Herr verzog gequält die Lippen\nund seine gelblich-grünen Zähne blinkten hervor.\nSeine Trinkeraugen sprühten Haß, sein Mund\nwand sich in erbitterten Krümmungen und das\nschüttere Kopfhaar sträubte sich. Mir wurde es\nklar, daß dieser Mensch selbst vor einem Mord\nan Verpelety nicht zurückschrecken würde.\n„Verpelety,\" so dachte ich bei mir, „du mußt\ndoch ein elender Schweinehund sein, wenn du\neinen Menschen so zu quälen vermagst.\"\nEs ist von jeher meine Ueberzeugung gewesen,\ndaß den Menschen nicht zu helfen ist, weil sie sich\nselbst nicht helfen wollen. Sie hängen am Elend\nund Kummer und wollen verkommen. Ein einziges\nMal in meinem Leben versuchte ich es mit einer\n„sittlichen Forderung\". Den Kopf voll Champagner,\nunter Tränen und Heulen verriet ich meinem\nFreund, daß er von seiner Frau betrogen werde.\nUnd von da ab war mein bisheriger bester Freimd\nmein ärgster Feind. Seither lobe ich die ungetreuen\nWeiber vor den betrogenen Gatten, sage den mise-\nrablen Reimschmieden Komplimente und klatsche\ndem Schmutz und der Dummheit Beifall.\nDoch an diesem Morgen befand ich mich nach\neiner schlaflos verbrachten Nacht, und deshalb in-\nteressierte und ärgerte mich der Streit des Leh-\nrers mehr. Ich konnte die Worte nicht mehr ver-\nnehmen, das Gespräch war vertraulicher gewor-\nden, die beiden —so schien es -— besprachen die\nEinzelheiten der Geschehnisse, die Kulissengeheim-\nnisse. Geduldig saßen sie in der einsamen Bahn-\nhofrestauration, in endlosem Warten, als harrten\nsie nicht auf einen bald einfahrenden Zug, son-\ndern auf die Gerechtigkeit. Zuweilen beugte sich\nder Magere über den Dicken, flüsterte ihm etwas\nzu, oder zuckte die Achseln. Er mochte irgendwie\ngegen die Vorschriften gehandelt haben, aber —\nGott als Zeuge — er war unschuldig.\nAbermals hörte ich:\n„Verpelety\".\nDann wieder:\n„Verpelety\".\nUnd wieder:\n„Verpelety\".\nSchert euch zum Teufel mit eurem Verpelety!\nSollte diese Angelegenheit nicht doch irgend-\nwie aus der Welt zu schaffen sein?\nIch bin zur Zeit wenig beschäftigt und habe\nübrigens nicht viel Ziele im Leben.\nVielleicht versuche ichs.\nVerpelety — so soll künftighin mein Lebens-\nzweck heißen.\nIch denke daran, den Mann persönlich aufzu-\nsuchen. Eine bizarre Idee, aber nicht unausführ-\nbar. Im Koffer liegt mein Frack — zöge ich ihn mir\nan und bände mir die schmutziggewordene weiche\nHalsbinde von gestern um den verschwitzten stei-\nfen Kragen, Verpelety würde es sicherlich als ge-\nschmackvoll, elegant und ehrend empfinden und\nmich zweifelsohne empfangen. Ich würde flunkern,\ndaß ich der Alleroberste Inspektor des „Landes-\nLehrer-Inspektorates\" sei . . . doch damit könnte\nich übel ankommen. Es wird besser sein, mich für\nden Sekretär des „Internationalen Pädagogischen\nVerbandes\" auszugeben. Dies sichert meinen Erfolg\nund es ist auch gar nicht von Belang, daß ein sol-\ncher Verband nicht existiert. Verpelety ist ganz\nsicher ein beschränkter Patron, das Unbekannte\nwird ihm imponierein.\nDoch — diese Verpeletys gehören zu den Män-\nnern mit der starken Faust. Mit ihresgleichen kann\nman sich nicht verbrüdern. Tu ichs, setze ich mich\nder Gefahr aus, daß mich der gute Mann beim\nKragen packt, zur Türe hinauswirft, oder gar die\nPolizei ruft und mich als gefährlichen Hochstapler\nverhaften läßt. Am praktischsten wird sein, daß ich\nihn, so wie ich bin, aufsuche, meinen wahren Na-\nmen nenne und erzähle, was ich hörte.\n„Sehr geehrter Herr Schulinspektor, ich kenne\nSie dem Rufe nach und weiß auch Ihre pädagogi-\nschen Verdienste zu würdigen. Ich bin auf der\nDurchreise, habe im Speisesaal zufällig zwei Ihrer\nUntergebenen belauscht, zwei armselige und be-\ndauernswerte Lehrer, zwei Tagelöhner der Nation.\nWie abgenützt und banal auch diese Worte sein\nmögen, ich weiß keine anderen, bezeichnenderen,\ntreffenderen. Diese Männer sind wirklich die Tage-\nlöhner der Nation. Ich bitte, lachen Sie nicht. Ich\nkonnte diesen Leuten bis ins Innerste sehen und\nauf dem weißen Tischtuch der Bahnhofrestaura-\ntion zuckten vor mir zwei zerstörte Lehrerherzen.\nSchon zeitlich am Morgen tranken sie Bier, Wein\nund Wacholderschnaps, alles durcheinander. Man\nkiagt diese Jammerbolde an, daß sie Trunkenbolde\nseien und betrunken in der Schule erscheinen?\nNur Ihretwegen, mein Herr Verpelety, trinken sie.\nIhretwegen sind sie ewig schläfrig. Ihnen gilt der\nHaß der beiden, denn Sie sind es, der sie zu Trun-\nkenbolden gemacht hat Seien Sie Mensch, ein\nverständnisvoller, kluger, redlicher Mann, und mil-\ndern Sie Ihre drakonischen Verfügungen. Be-\ndenken Sie doch, daß Sie die Schicksalsfäden, das\nLeiben, das ganze Familienleben jener Männer\nin der Hand halten, die volle drei Stunden nur von\nIhnen sprachen, während die Tränen des mageren\nLehrers in das Wacholdergläschen träufelten.\"\nAuch dies wirkt auf den Mann nicht? Gewiß\nTiicht. Wie ich Verpelety kenne, gibt er auf mein\nGerede keinen Deut. Sein Gesicht ist knochig und\nfahl, seine aufgedunsenen Lippen von einem strup-\npigen roten Schnurrbart überwuchert, seine\nBackenknochen aus Stahl, wie die Kiefer eines\nKrokodils. An jedem Morgen verzehrt er einige\nsolcher Lehreilein zum Frühstück. Seine Faust\nist fürchterlich, der Vollbart ist gestutzt, auf dem\nrotbehaarten Zeigefinger trägt er einen Siegelring\naus Karneolstein. Solche Menschen sind nicht\nleicht umzustimmen.\nAls Anarchist muß ich zu ihm hineinstürzen.\nAls der tollköpfige Auswuchs der verkommenen\nund korrupten Gesellschaft. Krepier, Tyrann! Ich\nhabe keinen Revolver, keine Waffe ist in meinem\nBesitz als das Taschenmesser, mit dem ich beim\nNachtmahlbutterbrot zu lessen pflege. Ich öffne\nseine fünf Klingen, desgleichen die Schere, den\nKorkzieher und die Nagelfeile. Blutiger Tyrann,\nSchrecken der Witwen und Waisen, Henker der\nUnschuldigen, jetzt mußt du von hinnen. Den\nKorkzieher renne ich dir in den Schmerbauch, zer-\nreiße dir deinen Fettwanst, daß das Blut nach allen\nSeiten spritzt. Krepier, du Schuft!\"\nMit keuchendem Atem male ich mir den Mord\naus. Ich reiße den Mund auf, mein Gesicht er-\nbleicht, und ich merke, der Kellnerjunge schaut\nmich erstaunt an, während er auf mich zueilt und\nnach meinem Begehr fragt.\n„Nichts will ich, mein lieber Sohn. Nichts, als\ndaß ein wenig Ordnung auf Erden herrsche.\"\nDann lache ich auf. Lächelnd und zischend, mit\ngalligem Schlangenzorn wälze ich in meinem Ge-\nhirn theatralische Flüche. Ich könnte ihn schließlich\nauch als Journalist besuchen und einen unange-\nnehmen Zeitungsartikel in Aussicht stellen. Dies\nwäre das aller einfachste. „Ja, sagen Sie mal, mein\nBester, wie verhält sich die Sache mit diesen arm-\nseligen Lehrerlein? Ja, ja, Sie sauberes Herrchen,\nich bring Ihren Namen in die Zeitung, auf meine\nFeder spieß ich Sie, wie eine halbkrepierte Fliege.\nLeugnen Sie nicht! Daten her! Tun Sie mal nicht\nso, Sie alter Paralytiker. Noch heute wird zum\nRückzug geblasen, sonst ist morgen alles aus. Ge-\nlüstet es dich nach einigen Untertiteln: Was sagst\ndu zu „Schinderpädagogik in ungarischen Schu-\nlen\"! Oder „ein Sadist in der Schulkommission\"!\nKann noch mit zwanzig Stück in dieser Fagon auf-\nwarten, wenn dir beliebt. Kein einziger gefällt dir,\nmein werter Freund Verpelety? Nun, dann reichen\nwir einander die Hände und sind wieder gut.\"\nTatsächlich wäre es auch am vorteilhaftesten,\ndie Sache in Güte beizulegen. Ich beschaue mir\nnoch einmal die beiden Lehrer, denen schon der\nGesprächsstoff ausgegangen ist und die nun alko-\nholbenommen beim Tisch sitzen und schrecklich\nernste Gesichter schneiden.\nIch glaube nicht, daß ich von ihnen liebenswür-\ndig empfangen würde, wiewohl es doch eigentlich\ndie natürlichste Sache der Welt wäre, wenn ich\njetzt aufstände und mich vorstellte und an ihren\nTisch setzte:\n„Meine Herren — Sie werden verzeihen — ich\nhabe nolens volens Ihr Gespräch einige Stunden\nlang belauscht und erfuhr, daß Sie einen Konflikt\nmit Verpelety haben. Schaun Sie mal, ich bin ein\nkluger Mensch, durch den Beruf dazu ausersehen,\ndie Menschen zu kennen, bin ein Dichter, der das\nLeben aller Menschen mitempfindet, sah viel, litt\nviel, reiste viel . . . Sie können mir glauben, daß\nich Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasse* und mit\neinem Wort die Gedanken formen kann, zu deren\nErfassung Sie ein Jahr benötigen, wenngleich Sie\nsie in langen Gehöftnächten, Dorfgemeinderat-\nsitzungen, Schweinschlachtfesten und während des\nUnterrichtes unzähligemal von allen Seiten prü-\nfend erwägen. Ueberdies bin ich ein guter Kerl.\nWenn Sie mir ausführlich erzählen wollten, wovon\ndie Rede ist, werden Sie sich wundern, wie rasch\nich durch einen sprühenden Einfall Licht in Ihre fin-\nstere Lage bringe. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich\nVerpelety nicht kenne. Niemals hörte ich diesen\nNamen. Doch kann er kein böser Mensch sein.\nSucht wohl auch nur sein Recht, vielleicht etwas\nichsüchtig und unerbittlich, wie ja auch Sie nach\nIhrem Recht fahnden, ichsüchtig und unerbittlich.\nSeien Sie mir nicht gram, doch dies ist meine\nUeberzeugung. Findet sie etwa nicht Ihren Bei-\nfall?\"\nIch spähe nach den Lippen der beiden Lehrer,\nwill wissen, was sie zu antworten haben, und\nmerke erst jetzt, daß ich sie nicht einmal ange-\nsprochen habe. Ich zahle, um meinen Tisch ver-\nlassen zu können und — wie zufällig — an jenen\nder Lehrer zu schleichen, mich so in ihre Angele-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.10", "texte": "genheit zu stehlen, daß sie davon nichts merken.\nDa kommt ein Eisenbahner und verkündet mit\neiner Glocke in der Hand, daß der gemischte Zug\nnach den Szegediner Gehöften gleich abfahren\nwerde. Die beiden Lehrer schnellen von den Sitzen\nauf, zahlen, raffen ihr Gepäck zusammen und wan-\nken verschlafen zur Türe hinaus.\nIch begebe mich auch auf das Gleis.\nRauche mir dort eine Zigarre an. Giftigbitter\nist der Glimmstengel, dunkel, zerfranzt, hat keine\nLuft und glüht mit mattem Rot. Eine Weile kaue\nich an der Zigarre herum, dann werfe ich sie zur\nStrafe auf die Kieselsteine und trete darauf.\nDer Zug fährt ab.\nUnd die Lehrer werfen nicht einmal einen Blick\naus dem Abteilfenster auf mich zurück. Schauen\nmich nicht einmal an, wiewohl ich mich vier lange\nStunden mit ihnen abgemüht habe, mit ihrem blu-\ntenden Leben. Sie ahnen nicht einmal, wer ich bin.\n„Undankbar seid ihr, meine Freunde, sehr undank-\nbar!\n„Reist nur fort, ihr, die ihr nicht willens gewe-\nsen wart, zu sehen, daß euch gegenüber ein stum-\nmer, guter Mensch sitzt. Helft euch selbst:, wie ihrs\neben vermöget.\"\nWieder bin ich einsam an dem fremden Ort.\nIn der fremden Stadt, in der Verpelety schläft. Ver-\npelety, der große Herr, steht um diese Zeit auf,\ngähnt lange, spaziert in dem gestreiften Nacht-\nhemd ein wenig umher und denkt die Schul-\nangelegeinheiten nach.\n„Guten Morgen, Verpelety. Verzeih mir, daß ich\nsoviel Schlechtes von dir dachte und an dich an\ndiesem unausgeschlafenen, meinem letzten hero-\nischen Morgen, ermorden wollte. Eigentlich gehst\ndu mich nichts an, niemand geht mich etwas an\nund es ist so — am allerbesten.\"\n„Lebet wohl, ihr beiden Lehrer, du Magerer\nund du Dicker. Ihr habt mich allein gelassen mit\nmeiner beißenden, quälenden, dummen Menschen-\nliebe. Einsam und allein, mich armeini, bemitleidens-\nwerten Narren. Ihr seid davongefahren, rauchet\njetzt in einem Abteil dritter Klasse geruhsam die\nbilligen Zigaretten weiter,, werdet euch daheim\nEntenbraten und grüne Paprikaschoten kochen\nlassen und an Krätzer einen Rausch antrinken.\"\nAlles ist in Ordnung. In allerbester Ordnung.\nNur ich bin so traurig, daß ich mich am liebsten\nrücklings auf die kiesige Erde schleudern möchte,\nquer über die Schienen.\n„Doch wißt ihr was? Im Grunde meines Her-\nzens dauert ihr mich nicht einmal mehr. Ich pfeif\nauf euch alle mit einander ...\"\nEinzigautorisierte Übertragung aus dem Magyarischen von\nStefan !, Klein\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nEin Vortragsabend von Rudolf Blümer\nViel Menschen gehn ins gleiche Bluten dieser Tage\nmit zager Seele\nKlänge suchend.\nHerquellend aus dem Glanz des Wortes\nzerpeitschen Strahlen Finsternis zu Sonnentänzen\nund Schönheit greift im Flammenspiele\num die Herzen.\nDie Seelen geben sich die Hände\nund eine Brücke baut sich her und hin\naus Worten\ndie sich eine Lippe schafft,\nzur Feier vielen,\ndie dürsten.\n\nVerzückung\nSo steh ich.\nRings glänzt das Meer\nchrystallnen Auges mir ins Antlitz\nund über meinen Schultern\nwölbt sich hoch\nder blutdurchtränkte, wehende Abendhimmel,\ntanzt ostwärts Hoffnung,\nwehende gehende Sterne, auf.\nIch höre die Himmel singen\ngöttlichen Ohres\nund die Jahrtausende sehe ich zerbrechen\nam Felsen meiner Ewigketi.\nZu meinen Füßen reichen sich zwei Welten\nihre Lichthände\nund ich stehe\nstarren, brennenden Leibes auf ewiger Insel.\nIm Norden\nwo nie eine Sonne steht,\nhastet krummen Rückens ein Weib,\nruft und winkt\nDer Hauch ihres Mundes ist leer\nund die Gesänge der Welt verschlingen ihn.\nSo steh' ich.\nSchwarzdiamanten wird des Meeres Auge.\nAuf meinem Haupte\nblüht das Abendrot.\n\nZwei Liebesgedichte\nLiebeslieder quellen mir vom Herzen\nich bin einsam,\nwie ein Kuckucksvogel.\nWeiß geht meine Seele unter euerm Lächeln\nDie Arme hängen\nund die Augen leuchten furchtsam:\nWo, Geliebte?\nLiebeslieder sind wie hohe Wolken,\nDie nicht wissen, wem sie wandern.\n.t. -t.\n*\nIch bin einsam, ihr Frauen!\nSeht mein Lächeln\nich bin still.\nWie ein Kind taste ich Blumen,\nkröne sie meiner Liebsten ins Haar.\nDann kommt der Wind mit dunkler Gebärde\nhöhnt und verlacht meine Kränze.\nZerpflückt\nliegen sie weinend im Staube\nund die Kiefern stehen im Abendrot\nstarr\nwie Galgen an blutiger Wand.\n\nDas Sterben ins\nDunkle\nKurt Heynicke\nWo seine Füße auch hinfühlen, nie gehen sie\nallein. Aus jedem Baume, aus jedem Grashalme,\nüber den der Wind geht, blickt ein fahles Wesen mit\ndichten, schwarzen Strähnen wie Schlangenköpfe,\nrotblusig und mager. Es schattet seinen Schritt\nund zerpeitscht seine Besinnung. Es ist aus der\nStunde gewachsen, die Heilige zu Menschen\nmacht, aus dem Leibe eines Weibes geboren, den\nder Priester küßte.\nEr schreitet, er will das Unruhige zertreten,\naber sein Tritt verrinnt im Sande, feig und win-\nselnd wie ein Hund.\nWenn Agnes nicht in seiner Nähe ist, fühlt\ner sie. Ihr weißer Nacken flimmert in der Sonne,\nhinklagend in die Stille, welche weich macht.\nUnd wenn er in der Kirche vor seinem Gott\nkniet, kriecht das Lied durch die bunten Heiligen-\nfenster, schleicht zur Orgel und spielt mitten in\nden Lobgesang ein jauchzendes Spotten.\nSie wächst mitten in der Predigt aus dem\nSchiffe und den gläubigen, einfältigen Bauernge-\nsichtern; schlank und weißen Gesichts, mit tief-\nblauem Blick, den blonde Stirnlocken rahmen.\nDann streichen seine Hände bang über die\nKanzeiverkleidung, und das Feuer seiner Stimm#\nerlischt in einem flehenden Gebete.\nHernach wirft er sich schwer wie ein Stein\nüber die harten Dielen vor seinem Hausaltar, zer-\nquält sich und bettelt den weißen Jesus am höl-\nzernen Kreuz, daß er Bruder zu ihm sagen soll.\nAber das Kruzifix steht starr und leer in seiner\ngeschnitzten Pein.\nUnd dann ist Agnes wieder in seinem Hirn, wie\nein Quell m vertrocknendem Berglande, und\nstreicht ihm das Haai über den Schläfen mit einer\nfeinen, weißen Hand aus einem Liliengarten. Da\nschlummert er ein, und es geht hell und golden\ndurch seinen Traum.\nDie Kissen liegen weiß wie junger Schnee. Und\nder Priester beißt mit brennender Lippe in das\nLinnen. Er will „Gott, Gott\" sagen. Aber seine\ninende Zunge bringt nur ein wunderbar weiches,\nkinderinniges „Agnes\" hervor.\nUnd er tastet über Kissen und Holz und glaubt,\niibter einen weißen, hinneigenden Frauenleib* zu\nfühlen. Seine Augen wühlen im Dunkel und finden\nkein Licht. Erst lange hernach steigt die Däm-\nmerung in seinen Blick, noch feucht von der Um-\narmung der Nacht. Und im Weben der jungen\nLichtstrahlen beginnt das Heilandsbild sich zu re-\ngen, das gebeugte Dornenhaupt blickt und strahlt\nim Kranz hellblonder Haare und hat einen tief-\nblauen Blick.\nDa beugt der Mensch seinen Rücken und geht\nmit wimmernder Seele aus dem Zimmer.\nDie Glocken singen. Heiter und liebevoll\nschwingen sie über dem Dorfe, mit klangvollen\nFittichen ihre Kinder zu rufen und zu segnen.\nEr ist heute im Amt mit einem göttlichen Eifer,\ner will sich auf den Herrn stützen weil- er fühlt,\ndaß seine Besinnung zu fallen droht wie ein Haus\nvor einer Lawine. Sein Tun ist allein schon Buße,\nund jeder Fingerschlag spricht: Herr, erhöre mich.\nGemach leert sich die Kirche, und die Säulen\nstehen weiß und schmucklos, leer wie Totensteine\nim Winter. Durch die Fenster zwängt sich ein\nStück Sonne, legt sich auf den Altar und wird\nStimme und Gestalt. Ein jubelndes Lied übe?\neinem schlohweißen Nacken, welchen das Haar\nkrönt in goldenen Prächten.\nDa wirft der Priester das heilige Buch hinter\nsich und geht zu Agnes, dem Weibe.\nEs zieht eine Zeit über das Land, aufjauchzend\nin der Lust des Frühlings. Es lenzt weiß von den\nBäumen, steht zwischen grünem Gesträuche und\nläutet vom Morgen bis Abend in Käfersang und\nVogellied. Und wenn die Sterne steigen, nachti-\ngallt es in der Runde.\nSie gehen Hand in Hand, Leid in Leid, Freude\nin Freude.\nHügelhintenist das Dorf versunken, und auf\ndem braunen Wege schläft die Einsamkeit, und\ndie Ruhe hüllt sich in die vielen schlanken Kiefer-\nstämme mit den dunkelgrünen Kronen.\nWenn sie einander ansehen, fühlen sie, daß\nkeiner dem andern eine Lüge sagen kann. Denn\nes flackert in der Tiefe, und der Funke ist zu groß,\nals daß er sterben könnte. Und die Augen, die\nFenster der Seele, bluten: Lebet!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.11", "texte": "Groß ist die Stille 'der Welt. Und über einer\nweißeii Birke, welche einsam mit zwei Ge-\nschwistern eine Lichtung behütet, glänzt in hoch-\nzeitlichem Glänze eine Krone. Der Mann und das\nWeib atmen gegeneinander. Ihr Verlangen faßt\nsich an den Händen, und das Wehren wirft die\nHäupter hintenüber.\nGroß ist die Stille des Lebens, Licht geht über\ndie Kronen.\n•Und er reißt sich nach vorn, und seine keuchen-\nden Lippen flackern auf den ihren, saugen, ge-\nnießen, voller und berauschender als das erstemal.\n„Es ist zu tief in uns\", atmet er, und seine\nStimme ist neu. Ihr aufbegehrender Busen liegt\nprall an seiner Brust, und er tastet sich mit den\nLippen an ihren Hals und preßt sein Blut in das\nFleisch ihres Nackens.\nEin schwarzer Specht klopft hart in die Stille.\nSie schrecken aus der Tiefe und haben fremde Ge-\nsichter.\nZwei Glocken kommen aus dem Dorfe, andäch-\ntig wie zwei Hände, welche sich betend falten. Er\nhört die Klänge, und seine Brust zittert, und seine\nLippen sind weiß, wie die Birkenrinde neben ihm.\nJeder Glockenton ist ihm ein Rutenschlag.\nDa flieht er mit hastigem Atem, und seine\nWangen brennen' in roten Flecken. Neben ihm\naber keucht und pfeift das hagere, rotblusige Weib,\ndas die Menschen Sünde nennen.\nEs ist gegen Morgen, um die Stunde, da alle\nFelder die Meeschen brauchen. Im Pfarrhause\nwimmert ein Mensch zu dem schweigenden Jesus\nhinauf.\nAgnes bringt ihm ein Buch zurück, das er ihr\ngeliehen hat. Es ist ein ganz einfaches Buch mit\neinem Schicksal. Und dieses steigt aus den\nBlättern, setzt sich im Zimmer auf einen Stuhl\nund sieht die beiden Menschen an.\nUnd sie sinken vor ihm in die Knie, weinen sich\nan und fragen: „Warum quälen wir uns?\" Da\nantwortet eine schrille Flöte.\nUnd er preßt Agnes in seine reinen Kissen, die\nnun keuchen und angstvolle Augen bekommen.\nDas Jesusbild fällt auf den Boden, mit dem Gesicht\nin den Staub. Eine große, häßliche Fliege läuft\nquer über das Holz.\nZwei Tage sind Augenblicke, aber Ewigkeiten\nfür einen Menschen, der Qual trägt. Er steht\nbleich über der Kanzel, hoch und groß wie nie.\nSeine weißen Lippen tragen das Leid, und über\nseinen Schultern zuckt das Schwert der Buße. Er\nwill „Gott\" sagen, aber seine Zunge zerbricht in\neinem stammelnden Liebeswort. Aus dem Schiffe\nblüht das weiße Gesicht, wächst und stellt angst-\nvoll zwischen der gläubigen bunten Einfalt. Aus\ndem Altar steigt ein Vogellied, klagend und\nschluchzend diesmal, wie Abschiedsfeier.\nVon allen Säulen blicken schwarzflüglige Eulen-\nvögeh mit krummen Schnäbeln und grünlichen\nFeueraugen. Und die Augen zeigen auf sein\nPriestergewand, Höllenfinger, die ihn verdammen.\nSeine Besinnung verläßt sein Hirn und tanzt\nirgendwo zwischen weißen Brüsten und hinge-\nstreckten Frauenleibern. Sein Schrei ist ein wim-\nmerndes Todesgebet: Barmherzigkeit, Herr, ich\nertrinke!\nSein Kopf schlägt dumpf gegen die Kanzelver-\nkleidung, und über das dunkle Tuch rinnt wie eine\nharte Unterschrift ein feiner Streifen roten Blutes.\nDie Bauern tragen ihn aus der Kirche, an-\ndächtig, wie eine Hostie getragen wird.\nMauern und Mönche schweigen in dem Kloster,\nwo man ihn pflegt. Es gehen die Tage im Sonnen-\nglanze hinüber zum Erntereigen. Dann reift der\nWein, und die Welt wird bunt und vergoldet sich\nim Tanze des späten Sommers hinüber in den\nWinter.\nEr zittert noch manchmal, wenn die Glocken\nim Kloster singen. Aber als die ersten Schnee-\nflocken der Natur das Totenlied spielen, ist es\nganz still. Er bekommt neue, harte Augen und\nbittet den Abt um sein Ohr, daß er beichte.\nDer alte Mann streicht seine Hand mit müder\nMildheit. „Du überwandest, Bruder. Du darfst in\nder Welt wohnen». Diese Mauern sind nur für\nTote. Du überwandest und dientest damit Gott.\"\nEin Brief mit dunkler, schwerer Schrift gibt\nihm einen neuen Kreis. In einer großen Stadt, wo\ndie Kirche des Sonntags eine Modenausstellung\nist, mit Seide und toten Vögeln auf den Hüten.\nUnd in der Einsamkeit der großen Stadt und\ndes großen Amtes verrinnt der Strom seines\nBlutes, und gemach versiegt der Quell in dem\nheißen Boden der Vergangenheit. Der Mittag geht\nüber sein Antlitz, aber er vermag an dem Stein\nnichts abzubröckeln.\nUnd er setzt seinen Fuß ohne Beschwerde, still\nund gerade, wie Menschen mitunter in den Tod\ngehen.\n\nNeuschwedische Lyrik\nPär Lagerkvist: Motiv\nN. W.\nIn dem Beitrag „Die neue Kunst im Norden\",\nNummer 202-203 dieser Zeitschrift, wurde unter\nanderen auch der schwedische Dichter Pär Lager-\nkvist genannt. Es handelte sich damals um ein\nprogrammatisches Buch, in dem er seine Theorien\nzur Bildkunst und Wortkunst darlegte. Lagerkvist\nist einer der wenigen in Schweden, der ernst für\ndie neue Kunst eintritt. Sein neues Buch ist die\nErfüllung seiner Theorien. Er nennt die kleine\nSammlung von Gedichten, Prosagedichten und\nNovellen „Motiv\". Namentlich die Prosagedichte\nsind sehr stark und künstlerisch in ihrer Einfach-\nheit und Sachlichkeit. Am schönsten sind die Ge-\nbete an Gott, von denen einige übertragen\nin der nächsten Nummer folgen. Hingegen\nhalten sich die gereimten Gedichte nicht und\nnoch weniger die Novellen auf derselben Höhe.\nEs fehlt ihnen die künstlerische Gestaltung.\nEinige Novellen sind sogar auf die Pointe\nhin gearbeitet, was stets und unter allen\nUmständen unkünstlerisch ist. Jedenfalls kann man\nPär Lagerkvist zu den Künstlern rechnen, auf die\nzu zählen ist. Insbesondere wird seine Entwick-\nlung für die schwedische Literatur viel bedeuten.\nSein Buch „Motiv\" erschien im Verlag Albert Bon-\nnier zu Stockholm.\n\nDu\nKarl Brand\nZwischen deinen schmalen Rippen glotzt dein blut-\nvergorenes Herz.\nSchreiten verhallt an deinem Atem.\nDeine Schatten keuchen an mir empor.\nUm dein verweintes Lächeln flattern meine Tode.\nDeine Lippen fressen sich in mich.\nImmer rasen deine Worte,\nkrallen sich in meine Ohren,\nzerren fressend sich an mir empor.\nSchlürfend klingen springend meine Blutschläge\nund verflachen sich an dir.\n\nFröhliche Ostern\nHerwarth Walden\nSeien wir natürlich! Alles ist natürlich, was\nhundert Jahre alt ist. Fünfzehnjährige Dramen\nwerden zurechtgewiesen, da sie noch im Flügel-\nkleide sind. Und die Kunstkritiker sind stets\ngegen Flügel. Flügel sind nur natürlich, wenn man\nsie gebraten essen kann. Aber das Rauschen in\nder Kunst stört noch ihre tauben Ohren. Ein Vogel\nflattert auf und der Kritiker sieht, daß der Dichter\neinen hat, weil der Kritiker sonst seine, Feder\nnicht gebrauchen kann. Tinte macht noch keinen\nDichter schwarz und deshalb braucht der Kritiker\nnicht reingewaschen zu werden.\nDer Hofrat Doktor Paul Schienther ist noch\nimmer im Flügelkleide, ein Backfisch von fünfzig\nJahren und ein Stockfisch. Er plaudert noch immer\nvon Strindberg, dem „verweibten Weiberbe-\nschimpfer.\" Er hat sich ein jungfräuliches Herz\nbewahrt, trotzdem Strindberg „aus der naturalisti-\nschen in die mystische Lebensepoche leingetreten\nwar.\" Der Hofrat bleibt unhöflich vor der Tür\nund erzählt den ungläubigen Lesern des Berliner\nTageblatts eine naturalistische Handlung des Pas-\nsionsspiels „Ostern/\" Mit solchen Worten: „Ein\nFamilienvater hat Gelder unterschlagen und hockt\nim Gefängnis, besaß aber die erlösende Eigenschaft,\nflerzensgüte zu zeigen . . . Seine Familie steht un-\nter dem Druck dieser Taten; von ihren häuslichen\nNachwirkungen lebt das Stück . . . Da der- Vater\neingesperrt ist, so sehen wir ihn selbst nicht in die-,\nsem bewölktem Kreise, den aber sein Geist be-\nherrscht. Und er hat ein Kind, das seines Wesens\nist.\" Also immerhin ein Lob für den Naturalisten\n*\nStrindbeg, daß wir den eingesperrten Vater nicht\nsehen. Wäre er nicht .eingesperrt worden, so würde\ndas Stück nicht leben, aber das Kind, das seines\nWesens ist,„Das Kind ist ein Mädchen mit dem\nschönen Namen Eleonore, aber es wirkt ge-\nschlechtlos wie ein Bote Gottes.\" Die einzige Ent-\nschuldigung für das nichtnaturalistische Mädchen\nist, daß Strindberg schon in die mystische Lebens-\nepoche eingetreten war. Der Herr Hofrat braucht\nihm dahin nicht zu folgen, er ist nun einmal gegen\nMystik und für Lia Rosen. Weil Lia Rosen nach\nseiner Meinung die Eleonore hätte spielen müssen,\nfindet er: „Fräulein Orska, die Darstellerin in der\nKöniggrätzer Straße, ist womöglich noch schwär-\nzer als Lia Rosen, aber sie kommt eher aus einem\nTuschkasten als aus dem Lande, wo die Blumen\nsprechen.\" Der Herr Hofrat kommt aber direkt\naus dem Mustopf, wenn er weiter nichts an Fräu-\nlein Orska findet, als daß sie noch schwärzer ist.\nWenn sie aus dem Lande käme, wo die Blumen\nwie Herr Hofrat Schienther sprechen, könnte man\nsie anschwärzen lassen. Sie spricht aber nicht,\nsondern tut, was Blumen tun: sie blüht. Das\nBlühen aber ist eine mystische Angelegenheit,\nkeine Tatsache, keine eigene Angelegenheit des\nEmpfängers, der nicht empfangen kann. Maria\nOrska schafft, wie der Künstler schaffen muß. Sie\nahmt nicht nach, sie gestaltet. Sie zeigt nicht die\nOsterliiie, sie ist es. Sie stellt keinen Menschen\ndar, das Menschliche stellt sich in ihr dar. Sie\ngibt, indem sie aufnimmt, sie ist die Taube für den\nHeiligen Geist. Sie hat die Schönheit eines Bildes:\ndas Format des Erlebnisgehaltes und seine Ge-\nstaltung im sichtbaren Ausgleich der Formen und\nFarben durch gefühlssichere Wertung des Ver-\nhältnisgemäßen.\nEin Glück für Maria Orska, für Strindberg und\nfür die Natur, daß sie die Natürlichkeit anders als\ndie auffassen, die Kitsch mit den Augen ihrer\nNatur und Natur mit den Augen ihres Kitsches\nansehen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19150501-01.1.12", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespalteue Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Stur« ohne Atigabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die fttui«\nDoppeln«nimer erscheint am fünfzehnten juut.\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Ptttdiaer StraSe 134*\nZweiunddreissigste Ausstellung\nIsaac Grtinewald j Stockholm\nSigrid Hjerten-\nGrilnewald / Stockholm\nEdward Hald / Stockholm\nEinar Jolin / Stockholm\nGosta Adrian-Nilsson/L«iHi\nQeMfaet tiglich von 10-4 Ufar / Soontacs von\n11—2 Ufcr\nClotrltt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMoaatlicher Wechsel\nSturw-Ausstelluagen in fieutsddaid\nMai 1915\nHamburg: Frane Marc\ndeaf: Qeschlassea\n\nVeriag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Sirafte 134 a\nFeramf Arat Liitzow 4443\nHalbmonatsschrift Der Sturm\nErscbebit am erstcn und fiinfzehnten Mes MLonats\nDauerbezug\nOewdfwillche Ausgabe F ti r Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I F fi r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs I Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare aiif holzfreiem Papier, V e r -\nlendung in f? o 11 e ii direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nicht abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahr gang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n2i Mark / Vierter faiirgaitg 154—203: 6 Mark / Am\nI. IuH wird der Prefe des vierteu Jahr gangs auf\n19 Mark erfiofit / Funfter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Veriag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstSnden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Veriag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nMappen und Alben / Veriag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungea j\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier Is\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Karton le da-\nfacherer Mappe 12 Mark\n\nKandhisky 1901—1913 / Monographic mit sech-\nzig ganzseitigen Abbildungen und\nText von Kandinsky / 10 Mark\nBiieher aus dem Verlag Der Sturm\nHermans Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQ1 iick —! / Drama / E i n Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / TragSdie / Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur/ in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark ./ Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Qelder Bfitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nI Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher 1: August Stramm: San eta Su-\nsan n a / 50 Pfennig / II: August Stramm: R a d i -\nmesitar / 50 Pfennig ,/ III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut J 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nMerwarth Waktoa: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von ArnoHolz / Fflr Oesang und Kia-\n▼ier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 eittzeln: Er\nhfirt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nDer Sturm / Heeresmarsck / Fur Klavier /\n50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfeanig\nFutitristta: Umberto Boccioni; Das\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voUer Fahrt / GinoSeve*\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto B o c c 1 o h 1 ? Abschiedj\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Defauaay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid fljerten-Gninewald: Kinder\nKarten von Macke / Mtinter,/ Marc Chagall (4) /\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\n/ Archipenko I usw\nErschieiien bisher 36 verschiedene Kartea\nIllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin./ Marc Chagall j Kandinsky / ie 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm / OriginaHithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkdpfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Exemplar 5 Mark\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen /\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kunstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko / Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\n\nMasse / Campeadoak / Gabriel* Mooter / Jaw-\nteasky / Marianne ron Werefkln / Albert Block /\nHaas Arp ./ Picasso / Albert GSeizes / Jean XMi-\nser / Marc Chagafl I Fernand Leger / Jfccafea van\nfleemskerck / Otakar Kubin / Enti! FMa / Vine—c\nBenes / Otto Giitfreuad / Boccioni / SeverU f\nCarra / Russolo / Francis Plcabla / Schmidt-\nRottluff I Walter Helbig ./ Max Pecksteia\nVerein fur Kunst\nLeitung: Waiden ,/ Z Velf t e s\nJahr / Jahresbeitrag 20 Mark / Recite deti\nMitglieder: Freier Bezug der ZeitschirSft dee\nSturm I Freier Besuch ailer SturmaussteHttitcefi (l.\nJedes Jahr frei erne Sturmpufolifcatioii\nDas zwdifte Jahr begiimt am 1. April 1915 / Die\nSturmpublikation, die die MitgUeder des Vsreins\nfur Kunst im Jahr 1915/16 frei erfeaften, 1st: Hefeftts-\nkeick handgedruekter und sigflierter tfolzsctoitt\nauf Kaiseriich Japan-Papier\n\nZeitsehriften\nLa Carta / Halbmonatsschrift / Ftorenz / Vis\nNazlonale 25\nUmelecky Mesicaik / Monatsacbrift fir neu« o*§\nalte Kianst / Administration Prax I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nSoeben erschtenen: August Suramin: Krafte\nf Drama / Sturmbuch VIII / 50 Pfennig\nSoeben erschieneii: Heemskerck-Mappe: SecSis\nhandgedruckte und einzeln sigHlerte\nschnltte / Auflage 30 Mappen / Mappa 1—§ viAe-\nstellt / Mappe 6—30 je einhiuidert Mark / Veriag\nDer Sturm Berlin W 9\nFetix Miiller / Dresden: Handgedruckte Mok-\nschnitte und Originallithcs / Zu beziekeit iurek\nden Verlag Der Sturm Berlin? W 9\nPeat-Lore Begriindet 1890 / Ekie Zweifneaais-\nschrift, gewidmet der Dichtung und dem Draam\nder Gegenwart in alien Landern / Probeheft gagen\nEinsendung von 6 Mark 50 Pfennig / Jahresf>eiM*g\n21 Mark / Verlag R i c h a r d G. B a d g e r / Bw&m\nj Mass / USA 194 Boylston Street\nUmberto Boccloni: Pittura Scultura futurists /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzionl qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mft&it©\nI Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vocsate-\nund Deckelpapiere fur Buchereinb&nde / M«is4«r\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestd-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}