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Piiedlaender: Nochmals Polarität / Adolf Knoblauch: Frühe Gedichte III?/ Herwarth Waiden: Wichtige Leute / Oskar Kokoschka: Paul Scheerbart /\nZeichnung / Jacoba van Heernskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt /|Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.2", "titre_corps": "Paul Scheerbart / gestorben am 15. Oktober 1915 / Zeichnung von Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Paul Scheerbart / gestorben am 15. 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Sechs Wochen nach dem Tode von\nAugust Stramm stehen wir an deinem Grabe, Paul\nScheerbart. Du bist einer von den ganz großen\nKünstlern, denn du bist zeitlos. Während die Künst-\nler deiner Zeit liebevoll sich mit der Erde befaßten,\nerfaßtest du jenseits von Liebe und Erde die Welt.\nWährend den Künstlern deiner Zeit nichts Mensch-\nliches mehr fremd war, war dir das Weltliche ver-\ntraut. Nicht alles Vergängliche, aJles Unvergäng-\nliche was dir ein Gleichnis. Und dir war es, wie\nnur wenigen Künstlern, vergönnt, für das Gleichnis\ndeine eigene Form zu finden, Daruim wird dein\nName leuchten wie der Name Die Welt, die durch\ndich sprach.\nWir aber beugen uns in Trauer und Ehriurcht\nvor dir, Paul Scheerbart."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "87", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.4", "titre_corps": "Die ernste Kritik", "titre_sommaire": "Die ernste Kritik", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.2", "debut_caractere": 853, "fin_caractere_exclue": 10402, "texte": "Die ernste Kritik\n\nDer < geschätzte Kunstkritiker der Kölnischen\nZeitung -findet „daß die Kunst vor dem Krieg viel-\nfach überschätzt wurde.\" Der geschätzte Kunst-\nkritiker, der in namenloser Bescheidenheit zu Köln\nam Rheine wirkt, hat deshalb eine große Abhand-\nlung veröffentlicht: „Der Krieg und künftige Auf-\ngaben deutscher Kunstkritik\". Die deutschen Kunst-\nkritiker sind alle in die Schule des Lebens oder\nan die Schule der Natur gegangen und haben die\nverganenen Aufgaben so schlecht gemacht, daß die\nkünftigen Aufgaben von ihnen sicher auch nicht\ngelöst werden können. Denn die künftigen Auf-\ngaben und die vergangenen sind dieselben. Man\nmuß nur in die richtige Schule gehen und mancher\nlernt es nie. Bemerkenswert bleibt, daß die Kunst-\nlehrer immer bei den Schülern lernen. Der Meister\n(ist ihnen zu einfach. Und die Oberschüler, die\nProfessoren und Museums-Direktoren, haben höch-\nstens das Interesse an einem sogenannten Meister,\nihm möglichst viele Werke seiner Schüler zuzuwei-\nsen. „Schon manche Künstler haben den Spruch:\nErnst ist das Leben, heiter ist die Kunst\" geist-\nreichelnd ins Gegenteil umgedichtet. Obschon\nSchiller dabei mißverstanden wird, läßt man sich\ndie Umdichtung für einen Künstler gefallen, weil\ndie Kunst im Beruf Lebensaufgabe ist. Aber bei\nLaien, denen die Kunst doch nicht den wesentlichen\nInhalt, sondern einen Schmuck des Lebens aus-\nmacht, bedeutet jene Umkehrung eine ungesunde\nUebertreibung.\" So sieht es in dem Kopfe des\nKunstkritikers aus, der die künftigen Aufgaben\ndeutscher Kunstkritik wenigstens für Köln fest-\n*\nstellen will. Die geistreichelnden Künstler sind\nsicherlich Laien, denen der Schmuck des Lebens\nBeruf geworden ist. Obschon ich Schiller nicht\nmißverstehe, bin ich doch für Umdichtung. Heiter\niist das Leben, heiter ist die Kunst. Wenn die\nMenschen sich das Leben nicht heiter machen, also\ndas Leben nehmen wie es ist, kann das Leben\nnichts dafür. Und wenn man die Kunst ernst nimmt,\nkann es nur Heiterkeit erregen. Aber die Heiter-\nkeit des Künstlers gewinnt aus dem Ernst des\nKunstkritikers. Während der Ernst des Kunstkri-\ntikers das Leben heiter macht, das Leben, dessen\nHeiterkeit sich die Menschen schämen. Die Kunst\nist also Lebensaufgabe für alle die Leute, -die\neinen Beruf aus ihr machen. Für die andern bür-\ngerlichen Berufe, zu der doch wohl auch die Kunst-\nKritik gehört, ist sie eine ungesunde Uebertreibung.\nDer Schmuck des Lebens ist überhaupt eine un-\ngesunde Uebertreibung. Denn der hat noch nie\ngelebt, der das Leben erst schmücken muß. Sei\nes nun mit Rosen im Haar, mit Sekt und italieni-\nschen Nächten, mit Göttern und Teufeln aller er-\ndachten Arten, oder mit Oelgemälden, die all die-\nsen Schmuck im Bilde festhalten. Schiller kannte\nnur die Moral von der Geschichte, wußte aber\nwenigstens die halbe Wahrheit, daß die Kunst\nheiter ist. Daß ihm die Kunst nicht glückte, daß\nihn die Kunst als Organ nicht benutzte, lag eben\nan seinem Wissen dieser halben Wahrheit. Denn\nwenn man etwas schon weiß, versteht man es\nnoch nicht. Und wenn man etwas schon versteht,\ndann fühlt man es nocht nicht. Und wenn man\netwas schon fühlt, dann gestaltet es sich noch\nnicht. Und wenn dieses Gefühl der Heiterkeit Ge-\nstalt gewonnen hat, durch den, den die Kunst\nberief, sehen die Künstler und die übrigen Bürger\ndie Gestalt nicht, weil sie den Schmuck vergaß.\nManche Leute sehen eben eine Hand erst, wenn\nsie einen Ring trägt. Sie sehen aber meistens\nnicht, daß der Ring die Hand trägt und die Hand\nden Ring nicht verträgt. Man verträgt sich in\ndiesem ernsten Leben überhaupt sehr leicht. Men-\nschen sind wir immer noch alle und wenn etwas\nhervorsticht, kann es dem andern allzuleicht in\ndie Augen fallen. Die Leute freuen sich über Alles,\nwas hervorsticht. Die Leute sind nicht sachlich.\nDie Heiterkeit der Kunst, der Schmuck, muß ihnen\nden Ernst des Aschbechers, der Tasse, des Hauses\nund der Leinwand vertreiben. Geschwüre werden\nmit Anstand getragen, Damen werden an die Häu-\nser geklebt, Herren auf das Dach gestellt, Götter\nauf c'e Leinwand lackiert, Gesichter in den Gips\ngedrückt, damit nur ja die Welt recht heiter werde.\nMan kann sich schon vor Schönheit gar nicht mehr\nlassen. Alle diese Tätigkeiten haben viele Leute\nzu einer Lebensaufgabe gemacht um anderen\nLeuten zu beweisen, daß das Leben sich zu leben\nlohnt. Nur während der Arbeit darf man sich der\nSchönheit nicht hingeben, das ist eine ungesunde\nUebertreibung und stört den Ernst des Leb ns.\nHöchstend ein paar gute Photos auf dem Schreib-\ntisch oder ein Druck in der Arbeitsstätte, ein\numblumter Spruch im Schlafzimmer darf ahnen\nlassen, welche Genüße nach der Arbeit bevor-\nstehen. Und während die andern Leute arbeiten,\npassen die Kunstkritiker gut auf, daß die andern\nabends frohe Feste feiern können und den\nSchmuck aes Lebens mit Verstand gemessen.\nSonst ist der beste Tropfen auch nichts wert. Die\nMarke bei der Flasche Wein heimlich ins Ohr\ngeflüstert und der schlechteste Haüssekt wird\nzum Mumm. Die Marke Rembrandt heimlich ins Ohr\ngeflüstert und der schlechteste Kopist wird wenig-\nstens zum Meisterschüler. Wer kein Meister sein\nkann oder will, muß wenigstens ein Meisterschüler\nsein. Nur keine neuen Meister. Ehret eure altert\nMeister. Trinkt nur alte Weine. Der neue Wein\nmuß ja auch einmal alt werden und kann dann\nnoch immer getrunken werden. Der neue Meister\nwird für die Enkel aufgespart, damit die Enkel ja\nnicht einem neuen Meister verfallen. Alles zu seiner\nZeit aber der Künstler immer für die übernächste\nZeit. Diese Pflicht hat die Kunstkritik übernommen.\nSie beweist ihre Daseinsberechtigung damit, daß\nsie nichts dasein läßt und der Herr aus Köln hat\nschon für übermorgen Angst. Da er nun nicht\nwissen kann, was die Künstler übermorgen machen\nwerden, so will er wenigstens dafür sorgen, daß\nseine eigenen Nachfolger erst zwei Tage später\nhinsehen. Nun zu den Ungesunden. Die Ungesunden\nsind also Laien, die nicht arbeiten, sondern in der\nKunst den wesentlichen Inhalt des Lebens sehen.\nGottseidank setzt hier die Statistik ein: „Die\nHypertrophie des Kunstsinns beschränkte sich\nzahlenmässig freilich auf kleine Kreise, aber diese\nKreise gaben in Kimstfragen mancherorts den Ton\nan, und es hat sich eine verderbliche Wechselwir-\nkung zwischen ihnen und der Fachliteratur ent-\nwickelt.\" Hat man Töne für Kreise, die Fragen\nangeben und die eine Wechselwirkung zwischen\nsich und der Fachliteratur entwickeln. Dieser\nKnäuel ist nicht zu entwirren. Was aber den\nHerrn aus Köln stört, ist also, daß die kleinen\nKreise große Kreise schlagen. Die Fachliteratur,\ndie sich immer zu spät entwickelt, ist verwirrt und\nda sie die Kreise nicht stören kann, will sie sich aus\nder Umklammerung erretten. Aber jeder Deutsche\nist noch kein Hindenburg. Und wenn man die\nStrategie mit der Taktik verwechselt, kann selbst\nein örtlicher Erfolg in Köln ausbleiben. „Die Schrift-\nsteller sahen sich von Leuten umringt, die in heißem\nBemühen um den Ruhm der Kennerschaft bereit\nwaren, alle Eröffnungen eines tiefer Eingeweihten\ngläubig hinzunehmen und nachzuplappern.\" Die\nSchriftsteller sassen also in der Falle. „ Statt sich\nmit der bescheidenen aber nützlichen Aufgabe\neines ehrlichen Maklers zwischen Kunst und Publi-\nkum zu benügen, schoben viele Kritiker theore-\ntisches Wissen und dialektische Spitzfindigkeit in\nden Vordergrund. Einzelne, zum Beispiel der große\nProphet Kandinsky, beteten ihrer Gemeinde *in\ndunkelmystisches Hexen-Einmaleins vor, das baren\nUnsinn verbarg.\" Die ehrlichen Makler wurden\ngewöhnlich von großen Propheten aus dem Tem-\npel geworfen, was aber die ehrlichen Makler\nniemals hinderte, ihrei Geschäfte vor der Tür\nweiter zu verrichten. Nun hatten aber bisher stets\nnur Propheten eine Gemeinde und nicht ehrliche\nMakler. Und das dunkelmystische Hexen-Ein-\nmaleins schien stets nur denen als barer Unsinn,\ndie an das bare Einmaleins glaubten und die Hexen\nverbrannten. Es gehört viel Klugheit dazu, Hexen\nzu verbrennen, Propheten zu steinigen. Aber stets\nnoch haben die Steine geredet, wenn die Propheten\nschwiegen und stets noch hat ein Feuer geleuchtet,\nwenn Hexen verbrannten. Die Steine waren nicht\numzustossen und jedes Feuer erlischt nur an sich.\nUnd die Makler konnten nur feststellen, wieviel\nSteine geworfen wurden, einmaleins, und wie lange\ndas Feuer leuchtete. Und auch das konnten sie nicht,\ndenn ihnen fehlt die Sachlichkeit der Propheten\nund der Hexen. Sie sehen immer mehr Steine, als\ngeworfen werden und ihnen erlischt das Feuer,\nwährend es aufflammt. Die Herren Makler haben\nnämlich keine Zeit. Sie müssen arbeiten. Sie\nmüssen die anderen Propheten steinigen sehen.\nUnd die anderen Hexen verbrennen. Sie müssen\ndabei gewesen sein, damit andere Leute wissen,\ndaß sie dabei gewesen sind. Und dieses Leben\nsollte ernst sein? Und diese Kunst nicht heiter?\nDie Natur aber. „Die Natur bleibt der Mut-\nterbeden der Kunst, womit nicht strenger Realis-\nmus und pedantische Richtigkeit als alleinselig-\nmachend hingestellt werden sollen. Das Ideal der\nabsoluten Malerei, die „reinen Kunst der Farbe\"\nläuft auf ein bischen leere Geschmäcklerei, höhere\nAnstreicherkunst hinaus. Ein geschickter Tapezie-\nrerlehrling müßte, wenn er einen besonders schö-\nnen Farbstoff entdeckte, als moderner Tizian\ngelten.\" Zwar handelt sich nicht um eine reine\nKunst des Farbstoffs, sondern um eine reine Kunst\nder Farbe. Aber wieviele geschickte Tapezierer\nmit nicht besonders schönen Farbstoffen gelten\nnoch als moderne Tizians. Uebrigens hat Tizian\nauch nicht seine Bilder auf dem Mutterboden\ngemalt und vom strengen Realismus war er ziem-\nlich weit entfernt. Deshalb wird er wohl ein Nichts-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6858, "texte": "köliner gewesen sein: „Gemeinsam ist ihnen, daß\nsie sich nach einem für Nichtskönner sehr bequemen\nGrundsatz von dem natürlichen Vorbild lossagen.\"\nDas Lossagen von dem natürlichen Vorbild Tizian\nist so leicht, wie die Nachbilder Tizians in Köln\nmeisterhaft zu nennen. Das Losmalen ist schon\nbedeutend schwerer. Es erfordert die selbe Zeit\nwie das Erlernen des Nachmalens. Diese Herren\nNaturforscher haben nämlich die Natur stets nur\nin gemaltem Zustand gesehen. Infolgedessen ist\nihnen die ungemalte Natur unnatürlich. Alles Un-\nnatürliche ist natürlich natürlicher als das Natür-\nliche. Denn das Natürliche ist nur die festgelegte\nNatur des Unnatürlichen. Es ist unnatürlich, daß der\nHerr aus Köln Kunst nicht sieht. Das ist natürlich.\nWeil er den Vaterboden nicht kennt. Oder sollte es\nunnatürlich sein, daß zu einer richtigen Mutter ein\nrichtiger Vater gehört. Oder sollte es unnatürlich\nsein, daß- zn einer richtigen Mutter viele richtige\nVäter gehören. Daß die vielen Väter so roh mit der\neinen alleinseligmachenden Mutter umgehen ist\ndoch nicht Schuld der absoluten Malerei, die die\nMutter ja ganz zufrieden läßt. Aber außer dem\nMutterboden verfügt der Herr aus Köln natürlich\nüber viele „Lesefrüchte\". Die Früchte hat er\ngepflückt, wo sie ihn trafen. Der Herr aus Köln\nist keine Eva, die sich mit einem schönen Apfel\nbestechen läßt. Er ist vielmehr durchaus männlich.\nDer Herr aus Köln jubelt über die Gottvollen, die\neingesehen haben, daß der Krieg eigens wegen des\nExpressionismus gekommen sei. Zu seiner Em-\npörung findet er in einem andern Aufsatz „die\nFaselei, der Krieg habe mit dem Expressionimus\nnicht nur nicht aufgeräumt, sondern seine Richtig-\nkeit schlechthin und mit ungemeiner Schlagkraft\ngezeigt, erfüllt und bewiesen; der Expressionismus\nsei eben ein in alle Wirkungskreise sich ausdeh-\nnten des Kulturbekennitnis.\" Aufgeräumt (hat der\nKrieg mit dem Expressionismus nicht, das muß\nselbst die Faselei des Herrn aus Köln zugeben.\nAber mit Krieg wiird weder für noch gegen Kunst\netwas bewiesen. Die „Aesthetenzunft\" will den\nKrieg nicht „für ihre Zwecke ausbeuten'4. Der\nHerr aus Köln erwartet aber eine Wirkung: „Die\nKünstelei in der modernen Kunst, die gemütsöde\nWissenschaftlichkeit, die atemlose Jagd nach dem\nNeuen und Unerhörten, das Unsinnige und notwen-\ndig verlogene Nachäffen des Primitiven, alle die\nunruhige Vielgeschäftigkeit wurzelte nicht so sehr\nin starker geistiger Fruchtbarkeit als in aufge-\nreizter Blasiertheit, die sich selbst oft für zukunfts-\nfrohen Idealismus hielt und in dem krankhaften\nHunger der Uebersättigung.\" Und das Alles\nwegen des Aufgebens der Vorbilder. Die moderne\nKunst hat den Herrn aus Köln ganz entwurzelt und\neine aufgereizte Fruchtbarkeit in ihm erzeugt, die\ner selbst für zukunftfrohen Idealismus hält. Man\nsali nicht richten, wenn man wütend ist. Die Wut\nvergeht und das Richten besteht. Und dieser\nRiditer aus Köln kennt nicht einmal die Tatsachen.\nEr tobt über Expressionismus und meint den Im-\npressionisrnsus. Und zwar den fadesten Impres-\nsionismus, der siclh Naturalismus nannte. Also bei\nden Künstlern, die die Natur lieber lebten als sie\nmalten. Wogegen nichts zu sagen wäre, wenn sie\nnicht doch gemalt hätten. Also, meine Darrten und\nHerren, die Sie schon einmal vielleicht zufällig\neinen Expressionisten kennen gelernt ihaben sollten,\nprüfen Sde die nachgesagten Schandbarkeiten\ndieser Leute nach. Man denke: „Seraphisch-\nschwinds üdhtige Poeten bildeten sich ein, ihre Tee-\nstuben seien Tempel und sie selbst das unnahbare\nGötterbild; andere liefen mit aufgekrempelten\nHemdärmeln auf die Gasse und in öffentliche\nHäuser und nannten die schnodderige, kaltschnäu-\nzige Frechheit ihres ach so wohlfeilen Skep-\ntizismus' Weltanschauung. Eine Weltanschauung\naus dem Hinterfenster eines Freudenhauses!\" Das\nkann sich Alles nur auf Köln beziehen, wo keine\nExpressionisten wohnen. Wenigstens sonstwo sind\nsie keine Teestubenbesitzer und Köln ist eine der\nwenigen Städte, die sich noch einiger Freuden-\nhäuser erfreuen. Die Kunstgesetze des Expres-\nsionismus wären denn doch zu örtlich gebunden.\nWas sollten die Lernte in Berlin zum Beispiel\nmachen, wenn sie nicht aus dem Hinterfenster eines\nFreudenhauses die Welt anschauen können. Die\nBesucher der Blutgasse zu Köln sind also die\nwahren Expressionisten. Die Untat dieser Untäter\nschreit mit aufgekrempelten Aermeln zum Himmel,\ntrotzdem ich den Zweck der Uebung nicht ver-\nstehe. Aber der Herr aus Köln möge es sich gesagt\nsein lassen, die öffentlichen Häuser sind die Mode\nvon vorgestern. Und aufgekrempelte Aermei sieht\nman nur noch in den Redaktionsstuben. Und der\nschwindsüchtige Poetenmaler in der Teestube ist\nschon längst gestorben. Man hat offenbar in Köln\nwieder einmal seinen Beruf verfehlt. Die Herren\nwaren vielleicht mit Tizian beschäftigt, als das\nKünstlervölkchen von vorgestern einging. „Wenn\nblumengeschmückte Soldaten oder Einberufene mit\nihren bescheidenen Pappschachteln durch die\nStraßen marschierten — ob da nicht manchem\nAnhänger der neuesten Richtungen der Gedanke\ndurch den Kopf gefahren ist, daß die von ihm auf\nden Schild gehobene Kunst allen jenen Menschen,\ndie ihr Leben für das Vaterland hinzuopfern bereit\nwaren und denen er mit herzlichstem Brudergefühl\nnachschaute, Steine statt Brot gegeben hat. Trotz\nallen Geredes, daß Expressionismus, Futurismus\nundsoweiter heute nun einmal im Reich der Kunst\nherrschen, kann kein Zweifel bestehen, daß jene\nRichtungen der weitaus überwiegenden Mehrzahl\nder Gebildeten, geschweige denn der Masse des\nVolkes, unverständlich und sogar zuwider sind.'*\nDann ist es eben der Stein der Weisen gewesen,\nden man auch nicht essen kann. Aber trotz allem\nGerede des Herrn aus Köln, regiert kein Trotz\nden Genetiv und herrscht im Reiche der Kunst die\nKunst und nicht der Herr aus Köln. Er hat kein\nRecht im Namen der überwiegenden Mehrzahl der\nGebildeten, geschweige denn im Namen der Masse\ndes Volks unverständliche und sogar zuwidere\nUrteile zu fällen. Ich habe bewiesen, daß ihm die\nAktivlegitimation fehlt. Er wiegt sich auch nicht\nin Gedanken, der Herr aus Köln: „Wir wiegen uns\nnicht in dem Gedanken, überzeugte Anhänger der\nneuesten Richtungen bekehren zu können; das kann\nnur die Zeit und wer in Kunstdingen einige Erfah-\nrung hat, weiß, wie erstaunlich rasch oft zu unver-\ngänglichen Prinzipien aufgeblähte Einseitigkeiten\nzusammenbrechen.\" Diese aufgeblähte Einseitig-\nkeit ist bereits zusammengebrochen und brauchte\nnicht einmal auf die Gesellschaft mit beschränkter\nHaftung, die Zeit, zu warten. Die überwiegende\nMehrzahl wiegt bereits über seinen Gedanken und\ndie Masse des Volks hat auch einige Erfahrung in\nKunstdingen. „Alle Lauen jedoch, alle bäng-\nlichen Leute des Wenn und Aber möchten wir\naufrütteln, Farbe zu bekennen.\" Aber weiter will\nich anch Nichts. Das ist ja die reine Malerei.\nEinig sind wir und darum Teestuben und Freuden-\nHäuser!\n\nHerwarth Walden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.5", "titre_corps": "Unseren Stunden", "titre_sommaire": "Unseren Stunden", "signature_source": "Sophie van Leer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.3", "debut_caractere": 6860, "fin_caractere_exclue": 8157, "texte": "Gedichte\nUnseren Stunden\nSophie van Leer\n\nI\nEin ranker Stengel ist dein blonder Nacken\ndein schmales Antlitz ist ein goldener Kelch\nMeine Hände tasten den Wind\nder deine Glieder einhüllt\nWenn deine Arme im Gehen gleiten\nberge ich ihre Bewegungen in mich\nWenn deine Augen fern suchen\nbete ich\ndiass sie zurückkehren\nund an mir vorübergehen\nMeine Blicke decken deine Spuren zu\ndass Niemand sie gehe\n\nII\nMein Leid umbettet golcl dein Haar\nMeine Wunde linden deine Worte\nDein Silberlachen kräuselt meine Sorgen\nDu hast meine stammelnde Sehnsucht wachgeküsst\nWo du gehst, steht meine träumende Kirche\n\nIII\nMeine Liebe ist eine blasse Ampel\nUnd meine Sehnsucht ein schimmernder Saal\nWeisse Rehe sind meine Füsse\nund weinende Birken meine Arme\nSilbern sprühen Deine Küsse\nwenn Dunkelheit uns niederkniet\n\nRausch\nMeine Blicke sind goldene Bälle\nMeine Zähne tanzen Reigen in deinem Blut\nDeine Freude sprudelt blitzende Tropfen\nReckend ringt deine wilde Wucht\nmein lahmendes Wollen zu Boden\nVerlangen brandet\nSehnen bäumt\nund sprengt den trotzen Willen\nMein Denken zerschellt\nIch\nFühle\nUns\n\nTotenlied\nDurch gräberneWeiten schreitet zag\nmein süßes Verlangen nach dir\nMeine Träume atmen weiße Tränen\nHart greift mein Schmerz nach dir\nAus Diamanten eine Kette rinnt dein Blut\nund tropft in meinen Totenschrein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Er unterscheidet niemals bloß eine\nRichtung, sondern einen Richtungs-Unterschied,\neigentlich -Gegensatz.\nDer Verstöße gegen dieses, wenn man die\nWelt des Unterschiedes restlos erschöpfen will,\nunerläßliche Benehmen, sind so zahlreiche, daß\nohne sie jene Welt längst stimmen würde, klingen\nwtürde, statt zu klappern. Vor Allem verstößt man\ngegen sein eignes Subjekt, wenn man es aus der\nüber jeden Unterschied lachend erhabenen Majestät\nzu etwas leiblich-menschlich vereinzelt Unter-\nschiedenem degradiert. Leiber sind bloß Füll-\nfederhalter des schreibenden Subjektes. Gleich\ndanach versündigt man sich am Objekt, am Unter-\nscheidbaren, wenn man dessen Differenz\nirgendwie monistisch-unitarisch vereinfältigt. Sim-\nplizität ist nichts für Simpel; sie verlangt den tief-\nund feinhörigen Harmoniker des stets gegen diesen\nwiderspänstigen Unterschiedes.\nAchtet nun darauf, wie ganz allein deswegen,\nweil die Welt unterschieden ist, ihre Gegenseitig-\nkeit in jeder Beziehung respektiert werden muß;\nund wie durchaus unzulänglich jeder Versuch, auch\nmir den geringsten Unterschied harmlos simpel zu\nnuancieren; oder einseitig aus aller gegenseitigen\nBeziehung zu renken, ausfallen muß: beidemal tritt\nder Bankerott des unterscheidendenSubjekts ein.\nAuch die minimale Differenz sticht eben von\nihrem Nichts, d. i. ihrem Unterscheider nicht sim-\npel, sondern notwendig differenziert, gegenseitig,\n„polar4' ab. Deswegen soll, da die Sünde der\nfalschen Einfachheit so verführerisch ist, sofort an\nder Pforte zur ganzen Welt der Unterschiede, die\nWarnung laut werden: unterscheide wirklich einen\nechten Unterschied, einen Kontrast! Laß dein\nAuge hier gleich mit jenem „Doppelblick in\ndie .Welt sehen, welchen alle großen Erkenntnisse\nhaben\" (Ecce homo). Denn das ganze Elend aller\nmenschlichen Theorie und Praxis besteht nur darin,\ndaß man krank, falsch, unrund, ungegenseitig\nunterscheidet; im Mangel an Polarität der\nUrteilskraft! Es gehört Mut dazu, die volle Unter-\nscheidungskraft nicht bloß logisch, sondern auch\nsinnlich-praktisch aufzubieten. Der Kontrast ist\nein Ungeheuer, das nur der besiegt, der es weder\ndomestiziert noch überschätzt und in seiner Wild-\nfremdheit beläßt: er soll dessen volle Kraft für sich\nverwerten lernen. Der Blick für den Unterschied\nwird leicht zu zahm. Fast scheint es, wie wenn\nz. B. in der Philosophie erst Kant den echten\nDiameter de Unterscheidens aufgerissen hätte, in-\ndem er die mild vertuschten Leibnizischen Welt-\ngegensätze kräftig unterschied und mit nüchtern-\nster Besinnung Finsternis vom Licht entfernte,\nNegatives von Positivem; während es vordem\nwohlgefälliger war, das Negative als eine blassere\nNüance des Positiven abzuschätzen. Es kommt ein\nentschiednerer Geschmack auf, der sich für den\nKontrast auch noch in der mildesten Nüance ab-\nschärft. Es dauerte lange, bevor man inne wurde,\ndaß der Magnet nicht bloß anzog, sondern auch ab-\nstieß. Die Rechnung mit entgegengesetzten Größen\nlernt der Schüler später als die mit gleichartigen.\nGewöhnlich (sehr gewöhnlich!) saust der\nUnterscheidende eine Stufenleiter von Gradunter-\nschieden hinab: er zählt, er lebt, er verzeitlicht,\nentwickelt in einer Richtung; vom Quell in einem\nFluß zur Mündung; vom Anfang zum Ende, von\nder Ursache zur Wirkung. Die Halbheit seiner\nUrteilskraft täuscht ihn über die Gegenseitigkeit\nseiner Funktionen. Er hat keinen klaren Doppel-\nblick für die runde Energie des Richtungsunter-\nschiedes. Er, der Sehende, der Richtende, läßt\nsich unvermerkt einseitig, halbseitig beeinflussen;\nvergißt den Rückweg, mit der Strömung treibend,\nstatt sie zum Schwimmen auch gegen den Strom\nfreiwillig zu benutzen. Er bemerkt nicht, daß sein\nLeben schwebt, sondern in der Jugend scheint es\nihm zu steigen; im Alter zu fallen; das System\nseiner Funktionen ist disordiniert, aus der Koordi-\nnation geraten; er rollt in die Tiefen des Lebens\nnoch nicht wie Sterne in Himmeln rollen; sondern\nwie Steine im Abgründe; er hat sein Galileisches\nGesetz noch nicht Newtonisiert. Und das Alles nur\ndeshalb, weil er den Hang hat, einer Richtung zu\nfolgen, statt einen Richtungs-Unterschied zu be-\nrücksichtigen : er super- und subordiniert, ohne auf\ndie M! ill e zu achten, die er dazwischen einnimmt;\nso stürzt er, wo er schweben könnte. Aus der\nMagie, dem Magnetismus, der Polarität, dem äqui-\nlibrischen Zauber des Unterschiedes, bloß als\nsolchen, wird etwas Gemeines, Unwirksames, so-\nwie man diese zauberische Dualität aus einem\nGegenüber in die zahme Reihenfolge eines Hister-\neinanders verblickt. Gewiß folgt Späteres z. B.\nauf Früheres; aber Später kontrebalanciert vor\nAllem gegen Früher, Früher gegen Später kraft\nder Angel das Jetzt, die der Unterscheider des\nUnterschiedes sich gefügig macht, der von jedem\nUnterschiede, u m jeden selbstsicher zu beherr-\nschen, absolut freie Geist, dessen Residenz die\nEwigkeit, diese Vertilgerin sowohl wie Erzeugerin\nalles Zeit — Unterschiedes ist.\nNachdem im Verlauf der Jahrtausende die Welt\nmehr und mehr differenziert worden ist, der Geist\nelastischer werden mußte, um nicht in sich selber\nzerrissen zu werden, tut es endlich Not, jeden\nUnterschied mit diesem unterschiedslos integren\nNeutralgeist zu witzigen, um als lachender Sieger\nallem Unterschied zu gebieten.\nEs ist die oberste Anstands-Maßregel des kon-\nzentriert universalen freien (vom Unt e r -\nschiede freien, allen in sich verquickenden)\nGeistes, die Pole des Unterschiedes gegen einan-\nder zu benutzen, auszuspielen, den einen mit dem\nandern in Schach zu halten und nie zu gestatten,\ndaß seine freie Oberherrschaft in ihrer Integrität\ndurch solche Sklaven verletzt werde, für deren\ngrobe Drastik der ätherische Geist nichts ist,\nwährend grade die, immense Neutralmacht dieses\n„Nichts\" alle grobe Drastik aus sich erzeugt. Es ist\nnicht etwa gemeint, alle Unterschiede in einem\nseichten Meer des Indifferentismus verschwimmen\nzu lassen. Das wäre ein Mißverständnis. Im Gegen-\nteil! Gegen jede Abschwächung der Energie des\nUnterschiedes wurde soeben scharf protestiert:\nUnterschied ist polar! Aber grade deswegen ist\nder persönliche Ursprung seiner Existens deren\neigne Null, und mit deren granum salis ist er zu...\ncachieren, wenn er nicht verdummen soll. Daher\nlächelt die sonst ernste Welt dem Geiste, der\ndieses faßt.\nSchlechte Unterscheider sind daran: kenntlich,\ndaß sie die wahre gegenseitige Polarität des Unter-\nschiedes irgendwie in Eins werfen. So warf New-\nton die Finsternis der Farbe in ihr Licht. Goethes\necht unterscheidender Doppelblick entdeckte die\nFarben-Polarität. Er wollte „den einseitigen New-\ntonischen Poltergeist auf immerdar verscheu-\nchen.\" Wie könnte das gelingen in einer Welt,\nwo Leute die Differenz entweder überanstrengen\nund nach dem Geiste, der sie . . . polarisiert, ewig\nhungern lassen; oder, sie matt verleimen! Des-\nwegen nennt auch Goethe die Metamorphose eine\ngefährliche Gabe. Und nur, wer sich selbst als das\neinzige Welt-Syndetikon in eigner Person empfin-\ndet, kann ohne Gefahr der Geber gerade dieser\nGabe werden. Seine ewig lebendige Identität\nbraucht sich ebensowenig vor den krassesten Dif-\nferenzen zu scheuen; wie sie sich hüten wird, auch\nnur die geringsten zu eskamotieren. Sie weiß, als\ndas einzige Identische, nur sich selbst, also etwas,\naas objektiv gleich null ist: der ganze Rest ist :zu\ndistinguieren! Die objektive Welt ist also Welt-\nDifferenz, eine polare Doppel-Welt, ein Welt contra\nWelt, eine Welt aus entgegengesetzten Größen\nund Werten, deren Copula nur der eigne Geist\nsein kann. Man unterschätzt auch den geringsten\nUnterschied, wenn man ihn harmlos als „Nüance\"\ntraktieren möchte: objektiv gibt es gar keilte\nIdentität! Und man überschätzt auch den größten,\nwenn man ihn nicht von der enormen persön-\nlichen Welt-Identität ausblitzen läßt.\nEs gibt also das, was jeder Differenz überlegen\nist, garnicht objektiv, bloß persönlich. Wer seine\neigne Person in diesem einzigen Sinne kultiviert,\nhat in ihr den echten Beginn zu jeder Kultur, die\nwesentlich eine Kultur der präzisesten Distinktian"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 58, "fin_caractere_exclue": 513, "texte": "sein soll: so will es der freie subjektve Schöpfer-\ngeist der sich selbst notwendig differenziert\nobjektiviert oder sonst steril in sich verbleibt.\nWenn die Herren Leute dies bedächten, würden sie\nnicht mehr, über eine schöpferische Indiffe-\nrenz, eine neutrale Größe von unterscheidender\nFunktion spotten; und sie würden den Unter-\nschied nicht länger etwa kausal monistisch, son-\ndern eben dual, polar in Form der reziproken\nGegenseitigkeit kultivieren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.7.1", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedr uckt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedr uckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 56, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedr uckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "95", "image_debut": 5, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8", "titre_corps": "Frühe Gedichte III", "titre_sommaire": "Frühe Gedichte III", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 515, "fin_caractere_exclue": 3729, "texte": "Frühe Gedichte III\nAdolf Knoblauch\n\nDie Schläfer\nIch schaue aus stillem nächtlichem Haus\nin die silberne Nacht hinaus.\nDie stummen, toten Fensterhöhlen\nsind nicht zu zählen. - ?%\nDa hebt der Gram die kühle Hand,\nund ich sehe hinter die steinerne Wand.\nw [p- . <\n' - • li\"V <\nIn langen milden Säulenhallen\nspielen Brunnen mit atmendem Rieseln, : *\nzwischen Säulen im bläulichen Licht\nschlummern gestreckt zur ewigen Ruh\nMänner und Knaben aus weissem Stein.\nZu Jedes Häupten liegen Bhimen im Schrein,\ndie welken im Sternengeflüster.\ny;v\nDie Lampen bei den Schläfern sind verlöscht,\ndie Hast unter der Sonne ist ausgelöscht.\nLeise, leise, hätt in den Hahlen\nsterblich Getön sich gerührt, r %\nes hätte sich ewig fortgerührt. v •\nDer Morgen ist herrlich,\nbreitet sein schimmernd Haar,\nein Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr.\nIm Silberlicht drängen Wolken heran,\nkränzen zur Mitte den stillen Plan.\nDumpf das Meer vorm Morgen ruht,\nseine Wogen gehen schwer mit Träumen,\nSterne sind schwach und spiegeln nicht mehr.\nDa führt empor am kühlen Zelt\nder greise Held den Ruhm der Welt,\nseine klaren Augen halten das Heer\nvon Knaben und Männern mif zartem Gebot.\nEin Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr,\ndie Wolke lässt sein schwebendes Haar,\nwenn er hervorgeht aus dem bläulichen Saal\nmit den steinernen Schläfern.\nDem Greise folgt der bläuliche Zug,\nGespanne rollen, Reiter sprengen\nim Schiimmergelock. Rehfarben,\nGülden, Rosen, Karmosin, Karfunkelgrün,\nStahlblau, Degenklar,spähend Weiss\nheißen die Rosse inimächtiger Wehr ■\nund reiten meilenweit ins Feld,\nziehen unsichtbar um die Hälfte der Welt.\nDann kehren sie heim ins Dämmerland,\nwenn die Sonne blich, und Sterne\nerschienen in lauschender Nacht. Ueber Wälder,\nStädte und Hämmerwerke im Feuerschein\nreitet der windlose Zug zu den Toten heim.\nTau, den die Nacht in die Herzen senkt,\nlastet, da er alle Qual in sie senkt.\nDie Nacht hat jeden Tag die Wahl,\nbei einem Herzen zu ruhn,\ndas sie ruft in Qual,\nvon ihrem Saume tropft das Weh der Welt\nDie Vollendeten schreiten, zum Heer gedrängt, ;\nin Purpur, Kronen flammen im Saal,\nihre Schwerter heilen den Wehruf der Not,\nihrer Panzer Stahl, ihre Stirnen heil\nhalten dem klaffenden Abgrund stand, (\naus dem es mit feurigem Heulen tobt.\nZwei Knaben im grünen und Rosenkleid\nschliessen die Tore, die steinerne Wand\nsiegelt der Gram mit kühler Hand.\n\nSäulengang\nDer 'Wandelgang von einfachen ruhigen Säulen\nsteht in schlichter altersgrauer Schönheit\nüber dem tiefen Fluß. Seiner Stille\nbin ich freirid, von schwerer Arbeit bin ich triüde,\nvom Fieber des rastlosen Werkers bin ich gram.\nIm Flusse wandern große rote Kähne.\nHier weht der Sommerwtaf im Schatten kühler\nlinden.\nStandbilder verwittern in den Nischen,\ndie heiße Stirn drück ich ans liehe Rund\nder großen Schale aus Stein; da bin ich still\ngeworden,\nbetrachte ihre ruhige Schönheit:\nEine Flötenspielerin hält die lange, zarte Fiöte,\nJahrhunderte wand ein dunkel vorüber\nin ihrem nachdenklichen Wohllaut.\ni\nHoch am First bäumen sich eherne Rosse\nvom harten Zügel des Bändigers.\n\nAbendwolken\nVom seligen Maitraum, gar schnell vergangen,\nblieb eine liebliche Freude hangen.\nRote Dächer, goldene Kuppeln im Blau\nund Wohnungen im hellen Geviert. 1"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6964, "texte": "Vorhänge wallen in Fenstern von linder Luft.\nEine Frau beugt sich zu den Blumen\nauf grünem Altane. Ein liebes Mädchen\nhebt die schimmernden Arme in ihrer Kammer\nund löst die goldne Haarflechte.\nIn blauer Höhe steht sicher und traulich\nder zarte Sichelmond. Innig breitet das Mädchen\nsein Haar und giebt es dem Abendwehn.\nlieber dem roten First kräuseln sich\nbläuliche Wolken. Wdhlver traut\nkommen sie fem vom Meere in die weiße Stadt,\nwenn sie still ist am Abend,\neinen sich zu großen schneeigen Mauern und ruhen.\nMein Auge kennt sie immer wieder\nim hohen klaren Abgrund am sachten Wandel.\nSie verwandeln sich mächtiger\nrühren inniger, schimmernder\nmit kühlen Fingern ans Herz,\ndas seltsam laut pocht in der atmenden Helligkeit.\nAuf goldnen Schwingen entschlummert\ndie fruchtbare, nährende Wolke,\nnadh heiligem Entstehen aus der Tiefe\nwandelt sie im strahlenden Licht\nin goldnen Gestalten, 1\nliis durch die schweren Wogen am Abend\ndie blassen Sterne her aufglänzen,\nund die greise Nacht an ihrer dunßlen Brust\ndie zarten Pilger hüllt.\nSchwebt mir nahe, Fittiche\ndunkel und mächtig, welche die Menschenbrust\nzur gastlichen Wohnstätte bereiten\nfür alle Träume und Liebe und Schmerz.\nGeht auf den Weg und schaut sie an,\nfer Kinder, die eine Heimat habt: : v\nder Sternendom hat seine in eurem Auge.\ns\n\nMädchenklage\nDu Heimat unter dunklem Zeder bäum!\nin deinem immergrünen Bezirke\nlege ieh mich zu (deinen Wurzeln\nund suche Zuflucht in ihren wilden Krümmungen,\nDraussen getin die weissen Segel,\nund das Ufer rundet sich in der Tiefe\nmit dem bunten geräuschvollen Hafen.\n■ T.\nRings steigen besonnte Vögel,\nschimmernde Wolken erheben sich\nim glühenden Abendwehn : ■\nund sinken auf den blauen Meerrand.\nIsinst war es eine königliche Stirn, |\ndie ich in meinem Schosse hegte,\ndie ieh barg mit weißen Mädchengliedern.\n* *\nFittiche, die schwer im starken Wipfel rauschen,\nIringen nicht Trost, Himmel und Meer\nschweigen dem Seufzer, und die Heimat,\nan deren schwache schutzlose Brust,\nich mich drücke empfängt den Tau meiner Augen,\nder unfruchtbar ist in der Wildnis.\nVerzweiflung stachelt mich ermattend\nim heißen düstren Sand,\nin Stürmen, unendlicher Nacht und Meer\nund wieder vergeblich zu Land.\nDas linde Abendwehn streicht die rissigen Glieder,\nseine goldnen Fingerspitzen glätten mein rauhes\nHaar,\ndie Lust meines Mundes pflückt es\nn»Ü schwellendem Atem, zag im flammenden\nGewölk.\nMein Haupt sinkt im Meese.\nSri» unbekanntes D&tner\ndurchhaucht Strahl der Fische,\nund der Acker der Algen §\nist in der Tiefe gefurcht.\nIch stehe am bleichen Ufer\nunter grauem Himmel\nstumme Vögel fliegen oben, t ■\ngoldne Wimpel blitzen im weissen Meer,\nWind biegt die Hahne um meine Füsse.\nEin Stoß hebt das Meer mit Pfeifen,\nDas Pfeifen wächst zum Donner, •\nindes die Sonne mit einem Rade\nvon blutigen Nadeln starrt\nim heißen, eisgrauen Gewölk.\nSie haben Seinen Mantel genommen\nund Ihn qualvoll in die Tiefe gestossen.\nMein Wehe krümmt sich ums unendliche Meer.\nDa der verdorrte Staub tinter dem Fusse knirscht,\nda mein verzehrter Leib wankt,\nals er glaubt, den Schmerzensschrei zu hören,\nkaum vernehmlich im Abendläuten,\noder im Wächterruf, froh der gesegneten Frühe,\noder im Stimmen des Vogels,\ndessen Flug mein Angesicht beschattet.\n9\nMeine Heimat, deine Blüten küssen mich,\ndu verwirfst mich nicht, und im nächtlichen Baum\nschaukelst du junge Liebesbrut.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir gleich\nzärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen.\nZu bräutlichem Abschied trugen sie mich\nauf Teppichen ans Meer. Brüder und Eltern\nsahen hinaus nach den Schiffen.\nEr stand neben dem Kupfer-Schmuck der\nSchiffsbehelmung,\ndie glänzend im Wasser spiegelte.\nDas alles sah ich im unaufhaltsamen Nahn\nder Trennung. Da wandte er sich in sich selbst\nund deckte die Hände vors Angesicht,\nals bedürfte er nicht des Sonnenglanzes beim\n; Abschied,\nnicht der Seinen Liebe und seines Landes.\nSie hoben die Anker. Dann ward ich fortgeführt.\nAuf der Zinne des gelben Stadtwalls,\ndie weit hinaus im Meere brannte,\nsank ich langsam hin und harrte,\ndaß sie mich nun ließen und vergäßen.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren\nund falten die Hände mit Seufzen.\n/ * *\nIn meinen Mädchenkileidern durchhauchte mich\nzarte Wallung, Glück flammte auf meinem Busen.\nIn die rote Grube des Berges,\nins tiefste Nest trug er mich\nmit hohen schwebenden Gliedern,\num des Hügels reine Stirn\nzogen weisse, runde Wolken.\nIm rollenden Sturm hielt er den schweren Arm\nüber mir, langsam ritt er auf glühender Straße\nin den bleichen Schienen seiner stolzen Rüstung.\nSein Herz klopfte scheu, als er mich weißes\nMädchen\nzum ersten Mal im Atem reifer Aehrenbreiten\nenthüllte. Dem Geliebten wand ich bräutlich\nBlumen vom Feld, rot und blau,\nmit vielmals zückenden Lippen.\nAuf abendlichen Anger schauten wir\ndes Springbrunns goldnen Spielbällen zu,\nden bunten, die glänzend auf und nieder rinnen.\nAn hoher Mauer, zu Füssen der Törme\nvon brandigem Gold hielten Bewaffnete Wacht.\nUeber meine lichte Nackheit,\ndie weisse Schulter, die er liebte, ; V\nschaut sein starrer Blick zum Meere.\nUnd als ich'ihn suche, frage,\nsenkt er matt sein Auge, !■ |\ntastet nach meinen Gliedern.\nDa winde ich den Kranz, bräutlich\ndes um; seine Stirn.\nIch lächelte vor seinen Augen,\nals stand ich vor dem Cherub mit dem Schwerte.\nUnter der feierlichen Zeder stand er einstmals,\nim Düster des ewigen Ruhmes-Laubs,\ner las die Schrift der Ahnen,\nGeheimnis in schwefligen Zeichen\nund schritt zum Vätersaal,\nzu den Rüstungen von schwarzem Stahl.\nSchiffsbohlen donnerten vom Gefecht\ndes Schiffsvolkes, sein Befehl\nschlug das weite Meer in Fesseln,\nseines Panzers gewölbte Ringe\nschütterten vom schweren Lanzenstoß.\nDie Seinen drängten alle zu ihm,\nvorwärts zur Eroberung,\nehern klirrte sein Schwert\nvom Mahlschatz der Erben.\nTürme schufen schirmende Macht\naus der Vorzeit, seinen Nachfahren\ngab er sie, dereinst gefriedet\nzu verehrten Ruhmestempeln.\nDie Ahnen drängten mit flammenden Helmen\nzu den Seinen in die Schlachtreihe,\nKrater im Meere höhlte der finstre Angriff,\ndas Schiff stand, im Brand\nund die Furchtbaren kamen selbst,\num den teuren Sohn zu schützen.\nDie Felsen fingen das siedende Meer,\nflochten aus schäumenden Strähnen\ndonnernd Harfe, die Vernichtung klagte.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen.\n\nReiselied\n\nNorden steigt grau\nund Süden sinkt grau,\nheiimatswärts Herz!\nDie Fenster deckt trüb\nNebel der Frühe,\ndurch dichte Feuchte\nheimatswärts Herz!\n... '• - .\\\\ i' i • •- i\n' ''• . : , • •• '\nDumpf umsonst\nmühst du dich Herz\nund ringst,\nden Himmel zu sehn.\nVom dürren Wipfel\nfliegt auf im Dunst\nerschreckt der Vogel. j\nGramvolle Brüder,\neilen wir schweigend '\ndurch blasse Nacht\ndurch ewige Oede. v *.\n1 . . *' I ># •- !\n. \" . 112\nDüstre Armengesichter, <\ndurchnagt vom Leid,\nzerfressen vom Tod,\nschrak nie Blitz 4er Sonne\nvon goldner Sense, 112\nsahn nie rosige Rosse\nauf silberner Weltflur. !?.■'\nDer müden Erde\ngeängstete Kinder, e *\nzart aus Lehm gebildet;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5808, "texte": "mtäkm wir uns süchtig, ,\ndie Fenster Stäbe - ,\nunserer Kerker durchzufeilen.\nVergrabt euch in die Fäuste ,\nhohle Auge«,\ngesendet von dir\nungeheure Sonne. '\nEinst in dünner Luft ../'>>\ndes Hochgebirges\nsalin wir die herrlichen Täler\nScharfen Augs\nhub uns der Aar, - r _\nSehers Lied, ' • -\nWeltvaters Vogel, - -\nsonder Trag,\nhei! und frei. - >\nUns Einsame\nschmenzt zuweilen die Brust\ngiühend Schluchzen,\nErinnerung ans frühe Land,\n{■' •\nda wir Kinder waren\nund Götter hatten 4 - 7\nund Menschen träumten\nhei! gleich uns.\nStumm verborgen\nsteigt (mein Lied,\nverspottet, voll Leid,\nins blasse Gewölk,\ndas feucht und windlos ruht.\n\nFlamme der Tage\nIch schaue voll des Geistes den Bruder:\nhinter Busch und Dorn\nliegt er nackt vor Leid und betet:\nKomm über mich, Flamme der Tage!\nEin Spiegelpanzer umstrahlt seine Brust\nin den Flammenkreisen des Morgens:\nnoch war ich nie so froh, da ich sehe\ndie lichte Lust der blühenden Zierde,\nin deren sanfter Flamme\ndie Bergwelt drunten erglüht.\nEs erbebt ein Krachen zitternd weit.\nEin Himmelssdiwert zerschlägt das eherne\nGesehmeid.\nIm blauen Gebirg voll Ewigkeit\nsteht er, hebt die Hände im glanzlosen Leid\nund wankt hintenüber.\nTodessdhein, bleichraulh zieht in die Bergweit ein.\nDa komm ich ergrimmend.\nDa brennt zweifach Klage.\nDa schlag ich deine Brust.\nDu netzest mich mit Tränen.\nDa hämmern wir die Angst\nund schaffen:\nWeisse Flamme der Tage !\n\nMondaufgang\nI\nSchwer drängen in der Nacht die Wolken sich\nzusammen\nund ballen sich um tiefgewühlte Gruben,\ndie stumm-zerrißnen Waller, die zum Lichte\nschwammen.\nLauernd schmiegt sich Nachtwind dunkel\nverwoben,\nim sachten Schwung den wilden Himmel bis zum\nMond zu teilen\nvom tiefen bleichen Wald bis an die bleichen\nWolken droben:\nDen Strahl zu locken, durch den die Wolken\nsich am Himmel türinen,\njäh Silberadern durch die Dünste quellen, die\nauseinanderdrängen\nvor Aufgang der weissen Scheibe —\ndas Licht zu trinken, durch das sie scheiden von\nden Stürmen.\nII\nGrenzenlos hat uns der Nacht der weisse Mond\nden Hfcnsmelsbogen gelichtet,\nmit leisem Atemholen hat -die Nacht die Erdgrube\n. < zugeschlossen,\nund Düfte haben das dunkle Herz zum Herrn der\nNacht hinaufgerichtet\nHelligkeit hat blau die KJippe an der Zinne mild\numflossen,\nvom tiefen Hauche rundet sidi der\nlichtgestaltet reine Kreis,\naus reglos düstrer Nacht auf ungeheurem Plan\nhat sieh der Schein ergossen.\nWas der Tag vergeudet, was die Nacht begrub,\nbestrahlt die Ehre seiner Herrlichkeit:\nDie Düfte, die von den Gründen steigen,\n— als den Zwist seine Großmut schlichtete —\nsind von der seltsam hellen Erde, Atem ihrer\nSchwere.\n\nEngeltrost\nHabe nicht Angst,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam.\nEin bleiches Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nund wenn du aufblickst\nschaust du in dunkle traurige Engelsaugen.\nWenn du dich entsetzest,\nin deinen Weg die stieren Tiere treten\nund in der Finsternis dich langsam umwandeln,\nfalte fromm die Hände,\nwie deine Mutter dir tat,\nblicke auf meine weißen Hände,\ndenn alle Engel haben weißen Hände,\nund um sie ist heilender Glanz.\nBist du matt und krank l\nund sinkst fürchtend auf die Knie\nvor dem wilden Abgrund,\nschließest die Augen und verstummst,\ndann sollen dich meines Gewandes\nschimmernde Falten hüllen,\ndann sollst du den sanften Schwung\nder großen weißen Flügel spüren,\ndie dich zu Gott führen.\nDu sollst auf einer Höhe stehen,\ndie deine Flisse heilt,\ndie Welt sollst du schauen\nals eine einzige große Stadt\naus Glanz und Freude,\ndie von feurigen Gesängen brennt.\nDu sollst entschlummern\nim Schein von allen Gestirnen\nunter meinen Märchen\nvom Anfang aller Dinge,\ndeine schlafenden Lider\nwill ich mit Zärtlichkeit salben.\nStill ist es im Reich der Engel.\nEin Kupferlicht glüht auf,\nV* ■\nFelsengebirg wächst überall unendlich,\ndort geht die Sonne einstmals auf]\nHabe nicht Angst\nEin bleicnes Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam.\n\nDeutsche Hafenstadt\nDie Dörfer schwinden.\nUeber dunklem Moorland stehen Dünste der\ngrofltea Stadft,\nfinstre Vororthäuser steigen herauf,\nund droben wachsen mählich Türme von IQrcfee*\nund Fabriken im schwefelgelben Lichtkreis,\nungeheurer drohen Rauchwolken von Feuerfestem«\nEiserne Prahme\nketten mit Gewinden\nWolken von Asche\nan den Himmel der Stadt\nTeerplanken bergen die Kirchenfenster\nund Donnertore von Fabriken*\ndie vom brandenden Rufen\nrasender, blanker Maschinen stöhnen\nim Weißlicht glänzender Lichtkugeln.\nt\nAuf Granitfliesen der Flußdämme\nrollen Eisenzüge mit schrillem Pfeifen\nüber bunten Fahrlichtern.\nKanäle öffnen die finstren Pforten\nund Dampfer eilen hinaus in den unermeßlichem\nSkünt,\nLastkähne mit schwarzem Riffeldach, gelben\nFlanken,\nknarren in den Ketten, überschäumt von\nschmutzigen Bäcäe«\nunaufhörlich durcheinander springen flinke Jolle«\nund Ruderboote;\nHoch in den strengen gelben Lichtkreis\nragen Riesenleiber der Meerschiffe,\nScharen der Böte rufen aus der Tiefe\nmit hellen Pfiffen zur finstren dröhnenden flöhe\nwo Lademaschinen mit Lasten werken und\ndonnern.\nUnaufhaltsamer Wirbel von Hämmern .auf Erz\nnietet fern die luftigen Eisengewebc der Docks.\nEinziehende und atisfahrende Meerschiffe\nstoßen dumpfe Schlachtrufe aus,\num die Heimbleibenden\nanzufeuern zu rastloserem Werke.\nSchnelle grüne Flußboote wirren die erregte Flut\nmit weißen Scharumkränzen.\nUeber eisernen Strombrücken, die auf Gr&ftit in\nder Tiefe ruhen»\nschlagen donnernde Bahnen, tagteng Gefährte\nim Gedränge,\nsurren elektrische Züge im stählernen Geviert.\nAn schwarzen Rammpfähien der Bollwerke\nknirschen der Last ledige Segler\nan Ankerketten und scheuern sich gleich schweren\nFischen,\nDampfer nach den atlantischen Freistaaten\n»mit goldglänzenden Namen an den Stirnen,\nsie bewegen sich leise in der wundersamen Unrast,.\ndie von See herandrängt.\nDie Stahlschrauben am Rücken\nspannen die riesigen Flügel hoch."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6492, "texte": "Aus den Schiffsküchen\nsteigen scharfe Gerüche vom Abendessen\nder Schiffer\nim trüben Dunst.\nAuf niedren Brücken schreiten wuchtige Arbeiter,\nStaub in tiefgefurohten Gesichtern,\nein wenig gebückt, mit vorhängenden Köpfen;\nsie unterhalten sich mit dunklem Lachen,\nindes erzene Werkzeuge dumpt aufeinander klirren.\nLangsam dröhnt und steht überm atemlos\nhastenden Hafen\nmächtig überhallend, feierlich,\nein großer im Gewimmel aufrechter Schall,\ndas Tuten eines ungeheuren Meerfahrers,\ngeduldig wölbt es die stolze, weit atmende Kraft\nüber der brüllenden Tiefe.\nSeine weißen Flanken beträufen\ndes Heimatstromes Wellen.\nMit vier gelben Schornsteinen,\nder schimmernden Reihe fisdhäugiger Fenster,\nseinen Kupferhelmen, die im Abendrot brennen,\nzieht der Hundertäugige voll seiner wimmelnden\nFracht\nin den brüllenden Hafen.\nGewinde, Ketten knarren, Pfeifen schreien heulend,\nSchiffsglocken läuten zum Feierabend,\nKirchen festen\nmit Paukenschlägen Abendgluten und die Sterne\nim Himmel zusammen.\nAus noch einmal durchsonnten Wolken\nflammt der Abend auf Fenstern und Dächern,\nstrahlt die Stadt in letzter Glut.\nDie müden Werker gehen schwer in den alten\nkrummen Gassen,\nzu den hochgieblig schmalen Häusern,\nzu den seltsamen Türen.\nIn der schweigendien Hafenöde\nbrennen an den Schiffsmasten rote spärliche\nLaternen.\nIn den engen Gäßchen, auf denen die Nacht drückt,\ndie den schweren Modergeruch von\nFriedhofsstätten haben,\nerheben sich nur die Schreie von Katzen und das\nSchlagen von Turmuhren\nmit dumpfem, traurigem, steinernems Ernst.\n\nAbschied am Abend\nLaß mich in deinem Schoß mich müde bergen,\ndenn tief in Abend Wolken\nwill sich die blutige Sonne bergen.\nLaß mich die Hände ruhig heben\nzu deinen Händen,\ndie sich faltend um sie legen.\nSo laß uns auf zum Flug der Tauben schauen,\ndie von der Straße um die Türme kreisen,\ndurch düstren Bogengang von grauen hohen\nSäulen,\nin dem sich mild der Abendhimmel wölbt.\nDer Himmel richtet sich hinauf zum Tag\nund neigt sich wieder still gen Abend,\nwie Er neigst du dich überströmmend,\nvom Mund zu lösen\ndas dunkel reiche Blut\nder Entzückung,\nals lösest du zage deinen Kahn vom Ufergrund.\n\nNacht im Garten\nJugend nacht, Morgenschlummer\nin seiiger Gliederlösung.\nMit ruhigem, tiefem Harm\ngemeinsames Atmen, Erwachen, Liebkosen...\nHinweben der Stunden im Sterngeflimmer,\nder dunkle geheimnisvolle Nacht-Dom\nvoll von goldenen Früchten.\nEine der großen goldenen Früchte\nnehme ich aus den Zweigen\ndes Baumes, der unser Lager schirmt,\nund lege sie z\\v Ischen unsere nackten Lenden.\nSie trennt uns:\nzartes sanftes Gefäß von treuer Bildung,\nreinlicher Scheidung,\ndas Gott in unsre Finger gab.\nAus dem Rade seines heimliches Kreises\nschfwingt es tausendfachen Samen,\ndiese Nacht soll es uns trennen,\ndamit wir nicht ermüden\nbis zum Morgen in den Liebkosungen zu strahlen\n\nGranatwald\nEin tiefer Traum, am glühenden Leben,\nar zeitlosen Seins brennendem Wunder\nteilzunehmen,\nam herben Schweben zager Liebesfrauen,\ndie des Frühlings holde Glutgebärden zeigen.\nSie lächeln fromm aus heller goldner Heiterkeit,\nder Blumen Blau strömt auf vom goldnen Grund\nund glänzt erfrischt im düsteren Granatwald.\nIndes die schlanken Frauen ihre Hände\nineinaiiderlegen\nim wundersamen jungen Hag, rauscht droben\ndurch die Wipfel\nder starke Engel mit den wieißen Liebesgliedern\nund sendet süsse Wollust in den Morgenwinden.\nFern sind die steife Pracht, der Weihrauch und\ndie priesterlichen Sänge!\n\nGedächtnis\nIch sah. in Strahlen deinen Blick sich (heben,\ndes Glanzmeers Wölbung grüßtest du mit Singen\nund brauchtest keinen Trost.\nDu standst mit Beben auf dem tiefen Plan,\nvon deinem Herzen sanken\nlangsame Tropfen Blut,\ndoch genesen schautest du in Wolken,\nrot entglommen,\ndie holdselige Frau mit liebem Lächeln.\nDein Name sei mir zum Gedächtnis\nFest der Feste, Mal von Feuer,\ndas die Wolken purpurn färbt,\nStern sei dein Haupt,\nder Nächtens seinen Eisglanz zündet.\n\nHeimkehr ins Vaterland\nEs ist ein Tag ohne Sonne,\nich bin müde und träume von Heimat und\nHeimkehr.\nAuf grauem Karren\nzieht ein graues Pferd den dunklen Sarg,\ndfarin mein toter Körper ruht.\nAuf meinem Sarge aber sitzt meine Mutter\nund weint, weint graue Tränen in graues Tuch.\nNeben dem alten dürren Pferde geht mein greiser\nVater\nund hat einen schwarzen Mantel an.\nUeber graue holprige Fläche,\ndie rosenfarbene Wolken beglänzen, werde ich\nlangsam hingefahren,\nwo man mich eingraben wird,\nwährend von allen Seiten Riesengipfel der Alpen\nim Abendglühn aufstehn\nund jugendstark den grossen rosenfarbenen Himmel\nals heitre Fruchtschale\nüber ihre dunkelweißen Häupter heben.\nDenn Keinerlei Last ruht auf mir,\nmein Tod war rosenfarben wie der Himmel.\nAber, denke ich daran,\ndaß die Mutter über meinem Sarge sitzt mit\nWeinen,\nund mein Vater vorn rieben dem Meinen Pferde\nunsicher und ein wenig gebeugt geht,\nwill wieder Schluchzen\nund betäubender Krampf\nüber -meine toten Glieder kommen.\nAlles, was rosenfarben wiar,\nwandelt sich schwer und finster\nvor stürmender Gewitternacht.\nDas ist mein Weinen:\nMeine Eltern gehen müde und gebrechlich,\nniemand ist, der sie stützt,\nder sie in Treuen achtsam geleitet.\n\nAn den toten Dichter\nIr.« Sehnsucht Jenen, der sich von uns schied\nseh ich am milden Abend, der den kühlen Tag\nverbirgt,\ndas Haupt aus dunklen Ranken heben,\ndie Augen aus weihendem Haar trauern scheu\ngemieden.\nEinst schwangst du Himmelsherz\nam Jugendrand von Liedern trunken\ndich hoch im Raum\nauf ungeheuren Winden, Wolken winkten ...\nHeiterkeit, deine bunte Brause-Muschel,\nhat von den Jugendsängen\ngeheimnisvoll den goldhen Urklang\nin zarter Kammer aufbewahrt.\nAus tausend leeren Stunden\nist riesenhaft der kalte Tag gewachsen\nund hat sich über dich gewälzt,\nda du vermessen,\nin Jahrhunderten hingerissen,\nein Leben glühtest,\ndein anmes einzges Leben,\ndas trübe Sonne magerte.\nAm Abend sei dir letzte Ehr-Entbietung:\nim hohen Räume bin ich vor dein Bild getreten\nund stellte Kerzen auf das Linnen,\ndunkle Blut-Blumen standen aufgetan.\nDeine Lippen rührte namenlos\nveisehrend Lächeln.\n\nWein des Lebens\nWein des Lebens\nHimmelsbrüder kommt zum Mahl,\nFeuersöhne, Entzündete, Zündende.\nIn Kelchen glüht der Erde süßester Wein.\nAuf Tiegeln flammen Fackeln in Wirbeln,\nauf iden Rücken mächtiger Raubtiere, die wir\nbändigten,\nruhen unsre Häupter,\ndie Glieder sind selig von der Tierwärme.\nWeihende Klangkraft brennt im Saale,\nund Einer steht auf, singt glanzstrahlenden\nWeckruf:\nIch Kind, dem glühendem Nachtschoß Sohn;\nIch Kraft, Ueb erschäumen,\nTor, das Stern en-Lichtmacht auf tat,\nalles Licht verbindet neu zum seligen Brande."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6363, "texte": "Schweigend öffnen sich die Tore der Weltnacht,\nFackeln löschen.\nEiner liegt das Angesicht zur Erde gedrückt\nim Weinen, übermächtigen Stöhnen:\nkeine liebe Milde mag ihn trösten,\nkeine Menschenhand verhüllt se;n Leid.\n\nKlagen\nI.\nDa du in Qual zurückgestoßener Liebe\nblind den Himmel erregtest,\nda du zum Feuerkreise stiegst,\ndich sehnend traf Liebe,\nda du den Flammend-Schönen,\ndie selig niederlächeiln Liebe,\nklagenden Triebs\nzu gleichen glühst.\nDu öffnest die Aiime,\nwillst inbrünstig Sterbliches umfassen,\nwillst deine Sinne schärfen\nund immer höher reichen ins ewig Ahnungsvolle.\nEh du nicht bitter dich in dich bezwangst,\nwird nie in dir gehärtet\naus grausen dem Geblüt\nendlose bittre Qual\nzurückgestoßener Liebe.\nII\nIm Sehnen, jene hohe Schönheit zu gewinnen:\nUnschuld, Selig sein, inneres Beharren —\nerstarkt mir trennend Schicksal,\nein trotzges Widersprechen,\nim eignen Sinne zu beharren.\nErschließt sich wunderbares Lieben und Verstehen,\nEiner im Andren ganz genug zu weilen,\nzwei Wasser, die die große Strömung eint,\nzweifach Erkennen in der seltnen Stunde,\nEines und Gleiches für uns Beide\nund Eine Kraft, die Welt zu teilen :\nJäh sinkt vom Zweifelshauche tief verdrossen,\nvon einem Worte, das gedacht, doch nicht\ngesprochen ist,\ndie Eine Kraft. Die Kraft, durch die das Wissen\nwird,\nLeid zu ertragen\nund Schmerzen zuzufügen,\nwenn die trübe Stunde biegt\nIII\nMein schweres Klagen berg ich qualvoll,\nda ich vor dir soll wieichen,\nda feurige Tränen in sengender Scham\nherniederbeben\nvom nachtumizogenen Himmel,\nda ich in irrer Hast\nentflieh zu einsamen Bereichen.\nRuhlose pochen an ...\nWeinend mag ich nicht Bruderhände reichen,\nlinde Hände nicht zu meinen Haupte heben,\ndie meine Dörrglut wenden,\ndie grauenvollen Schatten scheuchen,\nwelche trennen deines Liebelächelns\nhold erstrahlend Zeichen.\n\nNächtliche Flußfahrt\nEinsam, bleich und frierend\nlehnt das fremde Mädchen am Geländer\ndes dumpf arbeitenden Schiffes.\nSchwarze Kielwirbel reißt es nach sich\nin den mondblauen Fluß wogen,\ndie mit gebannten Falten am Schiffe anschlagen.\nIhr drängenden heranwälzenden Grundwogen\nlegt eure wärmenden Buge\num die Hände des bleichen Mädchens,\nmit euren Lippen wollt ihr sie wärmen,\nvoll Zutrauen neigt sich zu euch sein Haupt\nim liebenden Zuhören,\neure nächtlichen Wangen\nliebkost es im mondweißen Schein.\nIhr atmet herauf tief kühlen Tanggeruch\nund blaues Licht nehmt ihr von unendlicher\nFluthöhe\nund schmückt sein Haar\nund den jungfräulichen Rücken.\nNacht dv r Liebe\nbreitet weit die Arme über die von Flammen\nfernbesäte Fahrt.\nVerzehrt zittert das einsame Rotlicht\nam schwanken Mäste.\nDie große schwere Rauchfahne des arbeitenden\nSchiffes\nbiegt sich erstickend übers Wasser\nund hüllt die klaren Lichter und den Fluß.\nVergeblich sende ich des Herzens stolzen Schlag\nin weite Nacht und Wind und Flut,\nin nahe Trennung, da ich einsam weine.\n\nErhebung\nSteigt zum Himmel aus meertönenden Orgeln\nGesänge der Vollendung,\nwacht auf von den Toten,\ngenest von der Sünden Krankheit,\nHochgewaiten haben\nden reinigenden Speer geboten\nrühmet des Knaben seligen Namen.\nDjm Reinen, Schweigenden\nward der umlohte heile Speer,\nihm, der des Lebens rote Fessel sprengte,\nerwachen Dankgesänge,\nwir hauchen im Lichtmeere\ndes Knaben seligen Namen.\n\nDas Dirnchen\nSie ist selig im erborgten Schein,\nsie ist leicht und fein,\nein Stern, der in den Himmel steigt.\nIch bin vom Anblick selig rein,\nihr zarter Gang dringt mir im Traume ein,\nim Schwung der ranken Füße\nsteigt sie aufwärts, tief errötend.\nIm Aufblick zu den fernen, blassen Wolken will\nich stehn.\nDann seh ich durch die blassen Linnen\nihre reichen Rosenglieder.\nWenn sie das schmale Köpfchen wiegt\nführt sie den Tanz,\nder weich uim ihre Hüften liegt,\nsich um den Mund im Lächeln biegt:\nder wunderliche Sprung,\nden irre Sterne krümmen\nin hoher Nacht,\nwenn Silbertau die Herzen hellt.\nEs soll erglühn ein Silberstern geschmiegt,\nwo ihre Brüste sich zutief berühren,\ndahin sie schamhaft ihre Finger legte,\nvon holden Eiferwinden angeblasen.\nWenn sie die Spielzeugkleider rafft,\nsei Gesang des Knaben.\nSelgen Schritts schwingt sie den Tanz:\nDer holde Kopf, gekränzt vom Zopf,\ndas flinke Fiißchen, das mich lockt\nin geschürzten schwimmerweißen Spitzen,\ndaß eine Heimat sei und Sterne,\nmacht sie reich und fern und frei.\n\nGeburt der Liebe\nDu schöne Frau, der früh mit sanftem Sinn ich\ndient ergeben,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,\ndie gelbe Rose im braunen Haar,\ngewühlt ins blutige Laub der Reben.\nDie zarten Brüste kränzt des goldnen Gürtels\nSchmuck,\ndeine reichen Glieder, die Wollust nicht versehrt,\nhüllen seidenblau Gewänder.\nVom tiefen Schooß, den deine starken Lenden\nhüten,\nhebst du die Rosenhand, die Tag von Nächten\nschied\nund schenket Tau in frühen Wonnen.\nDu bist der Morgenröte herbe düstre Schau,\nwoihl hütest du die Morgenfrucht,\ndie in den Sonnengärten keimt.\nEs leuchtede des hehren weißen Leibes Schein,\naa spielend wir kristallne Flut durchschwammen\nund in Berührung süß uns einten.\nWir opferten in heiiger Insel Hain,\ndie fern im Meer der Feuergott erschuf,\nder Liebenden Besiegler; smaragdengrün\nist sie zum sanften Tag erhellt\nvon Blumen ewgen Scheins. Ich krönte dich,\nda du dem Meer entstiegst in den Gewändern,\ndie von deinen Gliedern schienen rosenrot.\nDu führtest mich auf rauhen Stegen,\nwo hoch und schmal im Sprung vom Fels\neinst Jünglings-Neigung krönte Tod!\nEs wälzt von Heiligtum zu Heiligtum\nsich Meer mit Harfenschlägen;\nauf rauher Klippe, zu der uns Anmut führte,\nerglühte unsre Schau,\nob nicht die Morgenröte ernst das Meer errege,\naus weißem Schaum die Liebe stiege\nin dem blauen Licht.\nAuf daß die Sehnsuchtsqual nicht gar\nden wunderbaren Leib zerrütte,\nbaun wir die Tempel um den Erdkreis\nzu frommer Stifter Ruhm,\nin heller Knaben Hut,\nin ihnen wölbt sich stilles, tiefes Blau\nund Himmelsruh und Glück\nvom Anfang und dem Ende auf zur Mitte\nund wandelt unsre schmerzlich wache Regung\nim ungestümen Blut.\nDenn Frieden, der nicht solcher Andacht Frucht,\nder dich im Sturm und Hassen süß bezwang,\nder Frieden, der der Erde nur,\ndich salbt mit Oel und schafft zur Königlichen\nFreude,\nward lind nach irrer Pein\nin wunderbarer Nacht errungen,\nda Scham und Herzens Ohnmacht schwand,\nder schönen Brüste Reiz enthüllte\nschneeweiß die innig kühle Hand,\ndie sie umschlingt und alle Wollust stillt.\nDu schöne Frau, die sanften Sinns mich küßte,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2945, "texte": "du brachtest mir in Harm und Nacht den\nklaren Frieden,\nLicht für die Angst, Brot für die Gier,\nfür Feigheit Glut! An deinen Brüsten ruh ich,\nruh vom Streit und Weinen abgeschieden\nbei deinem Leib aus Schnee und Blut.\n»\n\nAn das liebliche und Innige Kissd Lilith fiart\nGeist der Liebe sanft auf Morgenflügeln,\nkein Wort hat je belebt so süßen Hauch.\nWenn eben dunkler Taubenflug entkreist den\nHügeln,\ndann jäh sich dreht,\nso wandelt auch mir traurig finstren Sinn\nein selig Sehen\nvom Liliengefieder frei und hoch im Blau.\nNach träumen, trauern, sehnen: brennend Wehe\nmein Blut im holden Ueberschwang erfuhr.\nMein Lilienkind!\ndas soheu und ernst Fürstinnen-Aug im\nDämm er hob,\nich habe nicht gewagt, dich zu berühren,\nals du die schweren Lippen,\ndie das Wort noch nicht erschlossen,\nzu meinem Munde neigtest.\nDa War getagt in deinem Leib\nder künftgen Seele Ehre,\nmein Kind, des zarte Glieder ich umschloß,\nihr feinen Hände, die ich fürchtend nahm,\ndu golden Haupt, das habe ich geküßt,\nmit blassem Edelstein im schmalen Feuerband.\nIch schwankte tiefbedrückt im rätselvollen Dunkel,\nvom Sommer nicnt, vom Grabes-Atem blind\ngenährt,\nwar ich gebannt vor Angst, vom inneren Gericht\nverdammt;\nda hast du deine reinende Berührung gewährt\nMit Weinen, da mich Ueberschwang ergriff,\nglüh ich am Abgrund, ruh vom schweren Kampf,\nda icl« Qie Herrlichkeit und Gott begriff,\nward mir der Erde Ahnung heilig kund.\nDie Kinderhände heben ihren Feuerbogen,\nder frische Mund verkündigt Laute himmelklar,\nein Muschelwagen weiß auf Meereswogen,\nin der Liebe Hände es gebettet war.\nEs schoß die Pfeile von der Feuersehne,\nund trafen, da ich betend rang im Däimmer,\naen Muschelwagen lenkte -es mit Silberklingen,\ndaß glühend Sehnen in mich Armen drang.\nMeine Hände bebten, da sie zag sein Haar\nberührten,\n„du bleib, bleib hier!\" mein Kind, Lilie,\nda mich deine Finger, meine Hände dich berührten,\nwill ich bei dir sein, und du sollst bei mir ruhen\ndicht.\nIü meines zagen Dämmers innig-stumme Kreise\ntrittst du, versöhnst mich wunderbar,\nvon hinnen nimmt mich deiner Aermchen Elfenreif\nmit Freuen einest du in heller Kinderweise,\ndas einsam glüht, vor Qual zersplittert ist.\nVon Verzweiflung hast du mich gereinigt,,\naus trüber Höhle bin ich nun geeinigt,\naus grimmer Fehde höchster Kraft von Feuer.\nMein Kind, vor dessen Hauch und Duft die Welt\nverweht,\ndas fromm mich anschaut, Ruhm und Wert!\nDir halten Kraft und Glut den Schwur, den\ngeisteshellen,\nals sich dein Mund mir scheu genaht, du sanft\ndich neigtest,\nda sich imein ewig Selbst erschloß,\ndas keine Erde fremdend überragt.\nDes Himmels Zauberklang hab ich vernommen,\nf.\ngesellt bin ich den ewigen Geistern,\ndu Kindeshand, die zarten Trost gewährt,\ndes Schwachen frommes Himmelsbrot und Wein.\nWenn idi von dir geh, mein Kind, verbirg\ndie Augen,\nverbergt euch, die ihr seht, daß Weinen kommt.\nWeil ich ahne, daß alle irdischen Dinge gerichtet\nsind,\nwenn aus deinen Augen und aus meinen Augen\ndie erste Träne kommt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.1", "titre_corps": "Die Schläfer", "titre_sommaire": "Die Schläfer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 551, "fin_caractere_exclue": 2876, "texte": "Die Schläfer\nIch schaue aus stillem nächtlichem Haus\nin die silberne Nacht hinaus.\nDie stummen, toten Fensterhöhlen\nsind nicht zu zählen. - ?%\nDa hebt der Gram die kühle Hand,\nund ich sehe hinter die steinerne Wand.\nw [p- . <\n' - • li\"V <\nIn langen milden Säulenhallen\nspielen Brunnen mit atmendem Rieseln, : *\nzwischen Säulen im bläulichen Licht\nschlummern gestreckt zur ewigen Ruh\nMänner und Knaben aus weissem Stein.\nZu Jedes Häupten liegen Bhimen im Schrein,\ndie welken im Sternengeflüster.\ny;v\nDie Lampen bei den Schläfern sind verlöscht,\ndie Hast unter der Sonne ist ausgelöscht.\nLeise, leise, hätt in den Hahlen\nsterblich Getön sich gerührt, r %\nes hätte sich ewig fortgerührt. v •\nDer Morgen ist herrlich,\nbreitet sein schimmernd Haar,\nein Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr.\nIm Silberlicht drängen Wolken heran,\nkränzen zur Mitte den stillen Plan.\nDumpf das Meer vorm Morgen ruht,\nseine Wogen gehen schwer mit Träumen,\nSterne sind schwach und spiegeln nicht mehr.\nDa führt empor am kühlen Zelt\nder greise Held den Ruhm der Welt,\nseine klaren Augen halten das Heer\nvon Knaben und Männern mif zartem Gebot.\nEin Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr,\ndie Wolke lässt sein schwebendes Haar,\nwenn er hervorgeht aus dem bläulichen Saal\nmit den steinernen Schläfern.\nDem Greise folgt der bläuliche Zug,\nGespanne rollen, Reiter sprengen\nim Schiimmergelock. Rehfarben,\nGülden, Rosen, Karmosin, Karfunkelgrün,\nStahlblau, Degenklar,spähend Weiss\nheißen die Rosse inimächtiger Wehr ■\nund reiten meilenweit ins Feld,\nziehen unsichtbar um die Hälfte der Welt.\nDann kehren sie heim ins Dämmerland,\nwenn die Sonne blich, und Sterne\nerschienen in lauschender Nacht. Ueber Wälder,\nStädte und Hämmerwerke im Feuerschein\nreitet der windlose Zug zu den Toten heim.\nTau, den die Nacht in die Herzen senkt,\nlastet, da er alle Qual in sie senkt.\nDie Nacht hat jeden Tag die Wahl,\nbei einem Herzen zu ruhn,\ndas sie ruft in Qual,\nvon ihrem Saume tropft das Weh der Welt\nDie Vollendeten schreiten, zum Heer gedrängt, ;\nin Purpur, Kronen flammen im Saal,\nihre Schwerter heilen den Wehruf der Not,\nihrer Panzer Stahl, ihre Stirnen heil\nhalten dem klaffenden Abgrund stand, (\naus dem es mit feurigem Heulen tobt.\nZwei Knaben im grünen und Rosenkleid\nschliessen die Tore, die steinerne Wand\nsiegelt der Gram mit kühler Hand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.2", "titre_corps": "Säulengang", "titre_sommaire": "Säulengang", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 2878, "fin_caractere_exclue": 3563, "texte": "Säulengang\nDer 'Wandelgang von einfachen ruhigen Säulen\nsteht in schlichter altersgrauer Schönheit\nüber dem tiefen Fluß. Seiner Stille\nbin ich freirid, von schwerer Arbeit bin ich triüde,\nvom Fieber des rastlosen Werkers bin ich gram.\nIm Flusse wandern große rote Kähne.\nHier weht der Sommerwtaf im Schatten kühler\nlinden.\nStandbilder verwittern in den Nischen,\ndie heiße Stirn drück ich ans liehe Rund\nder großen Schale aus Stein; da bin ich still\ngeworden,\nbetrachte ihre ruhige Schönheit:\nEine Flötenspielerin hält die lange, zarte Fiöte,\nJahrhunderte wand ein dunkel vorüber\nin ihrem nachdenklichen Wohllaut.\ni\nHoch am First bäumen sich eherne Rosse\nvom harten Zügel des Bändigers."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "90", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.3", "titre_corps": "Abendwolken", "titre_sommaire": "Abendwolken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "debut_caractere": 3565, "fin_caractere_exclue": 3729, "texte": "Abendwolken\nVom seligen Maitraum, gar schnell vergangen,\nblieb eine liebliche Freude hangen.\nRote Dächer, goldene Kuppeln im Blau\nund Wohnungen im hellen Geviert. 1"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1296, "texte": "Vorhänge wallen in Fenstern von linder Luft.\nEine Frau beugt sich zu den Blumen\nauf grünem Altane. Ein liebes Mädchen\nhebt die schimmernden Arme in ihrer Kammer\nund löst die goldne Haarflechte.\nIn blauer Höhe steht sicher und traulich\nder zarte Sichelmond. Innig breitet das Mädchen\nsein Haar und giebt es dem Abendwehn.\nlieber dem roten First kräuseln sich\nbläuliche Wolken. Wdhlver traut\nkommen sie fem vom Meere in die weiße Stadt,\nwenn sie still ist am Abend,\neinen sich zu großen schneeigen Mauern und ruhen.\nMein Auge kennt sie immer wieder\nim hohen klaren Abgrund am sachten Wandel.\nSie verwandeln sich mächtiger\nrühren inniger, schimmernder\nmit kühlen Fingern ans Herz,\ndas seltsam laut pocht in der atmenden Helligkeit.\nAuf goldnen Schwingen entschlummert\ndie fruchtbare, nährende Wolke,\nnadh heiligem Entstehen aus der Tiefe\nwandelt sie im strahlenden Licht\nin goldnen Gestalten, 1\nliis durch die schweren Wogen am Abend\ndie blassen Sterne her aufglänzen,\nund die greise Nacht an ihrer dunßlen Brust\ndie zarten Pilger hüllt.\nSchwebt mir nahe, Fittiche\ndunkel und mächtig, welche die Menschenbrust\nzur gastlichen Wohnstätte bereiten\nfür alle Träume und Liebe und Schmerz.\nGeht auf den Weg und schaut sie an,\nfer Kinder, die eine Heimat habt: : v\nder Sternendom hat seine in eurem Auge.\ns"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "90", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.4", "titre_corps": "Mädchenklage", "titre_sommaire": "Mädchenklage", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.6", "debut_caractere": 1298, "fin_caractere_exclue": 6299, "texte": "Mädchenklage\nDu Heimat unter dunklem Zeder bäum!\nin deinem immergrünen Bezirke\nlege ieh mich zu (deinen Wurzeln\nund suche Zuflucht in ihren wilden Krümmungen,\nDraussen getin die weissen Segel,\nund das Ufer rundet sich in der Tiefe\nmit dem bunten geräuschvollen Hafen.\n■ T.\nRings steigen besonnte Vögel,\nschimmernde Wolken erheben sich\nim glühenden Abendwehn : ■\nund sinken auf den blauen Meerrand.\nIsinst war es eine königliche Stirn, |\ndie ich in meinem Schosse hegte,\ndie ieh barg mit weißen Mädchengliedern.\n* *\nFittiche, die schwer im starken Wipfel rauschen,\nIringen nicht Trost, Himmel und Meer\nschweigen dem Seufzer, und die Heimat,\nan deren schwache schutzlose Brust,\nich mich drücke empfängt den Tau meiner Augen,\nder unfruchtbar ist in der Wildnis.\nVerzweiflung stachelt mich ermattend\nim heißen düstren Sand,\nin Stürmen, unendlicher Nacht und Meer\nund wieder vergeblich zu Land.\nDas linde Abendwehn streicht die rissigen Glieder,\nseine goldnen Fingerspitzen glätten mein rauhes\nHaar,\ndie Lust meines Mundes pflückt es\nn»Ü schwellendem Atem, zag im flammenden\nGewölk.\nMein Haupt sinkt im Meese.\nSri» unbekanntes D&tner\ndurchhaucht Strahl der Fische,\nund der Acker der Algen §\nist in der Tiefe gefurcht.\nIch stehe am bleichen Ufer\nunter grauem Himmel\nstumme Vögel fliegen oben, t ■\ngoldne Wimpel blitzen im weissen Meer,\nWind biegt die Hahne um meine Füsse.\nEin Stoß hebt das Meer mit Pfeifen,\nDas Pfeifen wächst zum Donner, •\nindes die Sonne mit einem Rade\nvon blutigen Nadeln starrt\nim heißen, eisgrauen Gewölk.\nSie haben Seinen Mantel genommen\nund Ihn qualvoll in die Tiefe gestossen.\nMein Wehe krümmt sich ums unendliche Meer.\nDa der verdorrte Staub tinter dem Fusse knirscht,\nda mein verzehrter Leib wankt,\nals er glaubt, den Schmerzensschrei zu hören,\nkaum vernehmlich im Abendläuten,\noder im Wächterruf, froh der gesegneten Frühe,\noder im Stimmen des Vogels,\ndessen Flug mein Angesicht beschattet.\n9\nMeine Heimat, deine Blüten küssen mich,\ndu verwirfst mich nicht, und im nächtlichen Baum\nschaukelst du junge Liebesbrut.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir gleich\nzärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen.\nZu bräutlichem Abschied trugen sie mich\nauf Teppichen ans Meer. Brüder und Eltern\nsahen hinaus nach den Schiffen.\nEr stand neben dem Kupfer-Schmuck der\nSchiffsbehelmung,\ndie glänzend im Wasser spiegelte.\nDas alles sah ich im unaufhaltsamen Nahn\nder Trennung. Da wandte er sich in sich selbst\nund deckte die Hände vors Angesicht,\nals bedürfte er nicht des Sonnenglanzes beim\n; Abschied,\nnicht der Seinen Liebe und seines Landes.\nSie hoben die Anker. Dann ward ich fortgeführt.\nAuf der Zinne des gelben Stadtwalls,\ndie weit hinaus im Meere brannte,\nsank ich langsam hin und harrte,\ndaß sie mich nun ließen und vergäßen.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren\nund falten die Hände mit Seufzen.\n/ * *\nIn meinen Mädchenkileidern durchhauchte mich\nzarte Wallung, Glück flammte auf meinem Busen.\nIn die rote Grube des Berges,\nins tiefste Nest trug er mich\nmit hohen schwebenden Gliedern,\num des Hügels reine Stirn\nzogen weisse, runde Wolken.\nIm rollenden Sturm hielt er den schweren Arm\nüber mir, langsam ritt er auf glühender Straße\nin den bleichen Schienen seiner stolzen Rüstung.\nSein Herz klopfte scheu, als er mich weißes\nMädchen\nzum ersten Mal im Atem reifer Aehrenbreiten\nenthüllte. Dem Geliebten wand ich bräutlich\nBlumen vom Feld, rot und blau,\nmit vielmals zückenden Lippen.\nAuf abendlichen Anger schauten wir\ndes Springbrunns goldnen Spielbällen zu,\nden bunten, die glänzend auf und nieder rinnen.\nAn hoher Mauer, zu Füssen der Törme\nvon brandigem Gold hielten Bewaffnete Wacht.\nUeber meine lichte Nackheit,\ndie weisse Schulter, die er liebte, ; V\nschaut sein starrer Blick zum Meere.\nUnd als ich'ihn suche, frage,\nsenkt er matt sein Auge, !■ |\ntastet nach meinen Gliedern.\nDa winde ich den Kranz, bräutlich\ndes um; seine Stirn.\nIch lächelte vor seinen Augen,\nals stand ich vor dem Cherub mit dem Schwerte.\nUnter der feierlichen Zeder stand er einstmals,\nim Düster des ewigen Ruhmes-Laubs,\ner las die Schrift der Ahnen,\nGeheimnis in schwefligen Zeichen\nund schritt zum Vätersaal,\nzu den Rüstungen von schwarzem Stahl.\nSchiffsbohlen donnerten vom Gefecht\ndes Schiffsvolkes, sein Befehl\nschlug das weite Meer in Fesseln,\nseines Panzers gewölbte Ringe\nschütterten vom schweren Lanzenstoß.\nDie Seinen drängten alle zu ihm,\nvorwärts zur Eroberung,\nehern klirrte sein Schwert\nvom Mahlschatz der Erben.\nTürme schufen schirmende Macht\naus der Vorzeit, seinen Nachfahren\ngab er sie, dereinst gefriedet\nzu verehrten Ruhmestempeln.\nDie Ahnen drängten mit flammenden Helmen\nzu den Seinen in die Schlachtreihe,\nKrater im Meere höhlte der finstre Angriff,\ndas Schiff stand, im Brand\nund die Furchtbaren kamen selbst,\num den teuren Sohn zu schützen.\nDie Felsen fingen das siedende Meer,\nflochten aus schäumenden Strähnen\ndonnernd Harfe, die Vernichtung klagte.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c024", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "92", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.5", "titre_corps": "Reiselied", "titre_sommaire": "Reiselied", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.6", "debut_caractere": 6301, "fin_caractere_exclue": 6964, "texte": "Reiselied\n\nNorden steigt grau\nund Süden sinkt grau,\nheiimatswärts Herz!\nDie Fenster deckt trüb\nNebel der Frühe,\ndurch dichte Feuchte\nheimatswärts Herz!\n... '• - .\\\\ i' i • •- i\n' ''• . : , • •• '\nDumpf umsonst\nmühst du dich Herz\nund ringst,\nden Himmel zu sehn.\nVom dürren Wipfel\nfliegt auf im Dunst\nerschreckt der Vogel. j\nGramvolle Brüder,\neilen wir schweigend '\ndurch blasse Nacht\ndurch ewige Oede. v *.\n1 . . *' I ># •- !\n. \" . 112\nDüstre Armengesichter, <\ndurchnagt vom Leid,\nzerfressen vom Tod,\nschrak nie Blitz 4er Sonne\nvon goldner Sense, 112\nsahn nie rosige Rosse\nauf silberner Weltflur. !?.■'\nDer müden Erde\ngeängstete Kinder, e *\nzart aus Lehm gebildet;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 623, "texte": "mtäkm wir uns süchtig, ,\ndie Fenster Stäbe - ,\nunserer Kerker durchzufeilen.\nVergrabt euch in die Fäuste ,\nhohle Auge«,\ngesendet von dir\nungeheure Sonne. '\nEinst in dünner Luft ../'>>\ndes Hochgebirges\nsalin wir die herrlichen Täler\nScharfen Augs\nhub uns der Aar, - r _\nSehers Lied, ' • -\nWeltvaters Vogel, - -\nsonder Trag,\nhei! und frei. - >\nUns Einsame\nschmenzt zuweilen die Brust\ngiühend Schluchzen,\nErinnerung ans frühe Land,\n{■' •\nda wir Kinder waren\nund Götter hatten 4 - 7\nund Menschen träumten\nhei! gleich uns.\nStumm verborgen\nsteigt (mein Lied,\nverspottet, voll Leid,\nins blasse Gewölk,\ndas feucht und windlos ruht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c025", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.5.1", "titre_corps": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c026", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.6", "titre_corps": "Flamme der Tage", "titre_sommaire": "Flamme der Tage", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 625, "fin_caractere_exclue": 1382, "texte": "Flamme der Tage\nIch schaue voll des Geistes den Bruder:\nhinter Busch und Dorn\nliegt er nackt vor Leid und betet:\nKomm über mich, Flamme der Tage!\nEin Spiegelpanzer umstrahlt seine Brust\nin den Flammenkreisen des Morgens:\nnoch war ich nie so froh, da ich sehe\ndie lichte Lust der blühenden Zierde,\nin deren sanfter Flamme\ndie Bergwelt drunten erglüht.\nEs erbebt ein Krachen zitternd weit.\nEin Himmelssdiwert zerschlägt das eherne\nGesehmeid.\nIm blauen Gebirg voll Ewigkeit\nsteht er, hebt die Hände im glanzlosen Leid\nund wankt hintenüber.\nTodessdhein, bleichraulh zieht in die Bergweit ein.\nDa komm ich ergrimmend.\nDa brennt zweifach Klage.\nDa schlag ich deine Brust.\nDu netzest mich mit Tränen.\nDa hämmern wir die Angst\nund schaffen:\nWeisse Flamme der Tage !"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.7", "titre_corps": "Mondaufgang", "titre_sommaire": "Mondaufgang", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 1384, "fin_caractere_exclue": 2575, "texte": "Mondaufgang\nI\nSchwer drängen in der Nacht die Wolken sich\nzusammen\nund ballen sich um tiefgewühlte Gruben,\ndie stumm-zerrißnen Waller, die zum Lichte\nschwammen.\nLauernd schmiegt sich Nachtwind dunkel\nverwoben,\nim sachten Schwung den wilden Himmel bis zum\nMond zu teilen\nvom tiefen bleichen Wald bis an die bleichen\nWolken droben:\nDen Strahl zu locken, durch den die Wolken\nsich am Himmel türinen,\njäh Silberadern durch die Dünste quellen, die\nauseinanderdrängen\nvor Aufgang der weissen Scheibe —\ndas Licht zu trinken, durch das sie scheiden von\nden Stürmen.\nII\nGrenzenlos hat uns der Nacht der weisse Mond\nden Hfcnsmelsbogen gelichtet,\nmit leisem Atemholen hat -die Nacht die Erdgrube\n. < zugeschlossen,\nund Düfte haben das dunkle Herz zum Herrn der\nNacht hinaufgerichtet\nHelligkeit hat blau die KJippe an der Zinne mild\numflossen,\nvom tiefen Hauche rundet sidi der\nlichtgestaltet reine Kreis,\naus reglos düstrer Nacht auf ungeheurem Plan\nhat sieh der Schein ergossen.\nWas der Tag vergeudet, was die Nacht begrub,\nbestrahlt die Ehre seiner Herrlichkeit:\nDie Düfte, die von den Gründen steigen,\n— als den Zwist seine Großmut schlichtete —\nsind von der seltsam hellen Erde, Atem ihrer\nSchwere."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c028", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.8", "titre_corps": "Engeltrost", "titre_sommaire": "Engeltrost", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 2577, "fin_caractere_exclue": 3904, "texte": "Engeltrost\nHabe nicht Angst,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam.\nEin bleiches Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nund wenn du aufblickst\nschaust du in dunkle traurige Engelsaugen.\nWenn du dich entsetzest,\nin deinen Weg die stieren Tiere treten\nund in der Finsternis dich langsam umwandeln,\nfalte fromm die Hände,\nwie deine Mutter dir tat,\nblicke auf meine weißen Hände,\ndenn alle Engel haben weißen Hände,\nund um sie ist heilender Glanz.\nBist du matt und krank l\nund sinkst fürchtend auf die Knie\nvor dem wilden Abgrund,\nschließest die Augen und verstummst,\ndann sollen dich meines Gewandes\nschimmernde Falten hüllen,\ndann sollst du den sanften Schwung\nder großen weißen Flügel spüren,\ndie dich zu Gott führen.\nDu sollst auf einer Höhe stehen,\ndie deine Flisse heilt,\ndie Welt sollst du schauen\nals eine einzige große Stadt\naus Glanz und Freude,\ndie von feurigen Gesängen brennt.\nDu sollst entschlummern\nim Schein von allen Gestirnen\nunter meinen Märchen\nvom Anfang aller Dinge,\ndeine schlafenden Lider\nwill ich mit Zärtlichkeit salben.\nStill ist es im Reich der Engel.\nEin Kupferlicht glüht auf,\nV* ■\nFelsengebirg wächst überall unendlich,\ndort geht die Sonne einstmals auf]\nHabe nicht Angst\nEin bleicnes Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c029", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.9", "titre_corps": "Deutsche Hafenstadt", "titre_sommaire": "Deutsche Hafenstadt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "debut_caractere": 3906, "fin_caractere_exclue": 5808, "texte": "Deutsche Hafenstadt\nDie Dörfer schwinden.\nUeber dunklem Moorland stehen Dünste der\ngrofltea Stadft,\nfinstre Vororthäuser steigen herauf,\nund droben wachsen mählich Türme von IQrcfee*\nund Fabriken im schwefelgelben Lichtkreis,\nungeheurer drohen Rauchwolken von Feuerfestem«\nEiserne Prahme\nketten mit Gewinden\nWolken von Asche\nan den Himmel der Stadt\nTeerplanken bergen die Kirchenfenster\nund Donnertore von Fabriken*\ndie vom brandenden Rufen\nrasender, blanker Maschinen stöhnen\nim Weißlicht glänzender Lichtkugeln.\nt\nAuf Granitfliesen der Flußdämme\nrollen Eisenzüge mit schrillem Pfeifen\nüber bunten Fahrlichtern.\nKanäle öffnen die finstren Pforten\nund Dampfer eilen hinaus in den unermeßlichem\nSkünt,\nLastkähne mit schwarzem Riffeldach, gelben\nFlanken,\nknarren in den Ketten, überschäumt von\nschmutzigen Bäcäe«\nunaufhörlich durcheinander springen flinke Jolle«\nund Ruderboote;\nHoch in den strengen gelben Lichtkreis\nragen Riesenleiber der Meerschiffe,\nScharen der Böte rufen aus der Tiefe\nmit hellen Pfiffen zur finstren dröhnenden flöhe\nwo Lademaschinen mit Lasten werken und\ndonnern.\nUnaufhaltsamer Wirbel von Hämmern .auf Erz\nnietet fern die luftigen Eisengewebc der Docks.\nEinziehende und atisfahrende Meerschiffe\nstoßen dumpfe Schlachtrufe aus,\num die Heimbleibenden\nanzufeuern zu rastloserem Werke.\nSchnelle grüne Flußboote wirren die erregte Flut\nmit weißen Scharumkränzen.\nUeber eisernen Strombrücken, die auf Gr&ftit in\nder Tiefe ruhen»\nschlagen donnernde Bahnen, tagteng Gefährte\nim Gedränge,\nsurren elektrische Züge im stählernen Geviert.\nAn schwarzen Rammpfähien der Bollwerke\nknirschen der Last ledige Segler\nan Ankerketten und scheuern sich gleich schweren\nFischen,\nDampfer nach den atlantischen Freistaaten\n»mit goldglänzenden Namen an den Stirnen,\nsie bewegen sich leise in der wundersamen Unrast,.\ndie von See herandrängt.\nDie Stahlschrauben am Rücken\nspannen die riesigen Flügel hoch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c030", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.10", "titre_corps": "Aus den Schiffsküchen", "titre_sommaire": "Aus den Schiffsküchen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1522, "texte": "Aus den Schiffsküchen\nsteigen scharfe Gerüche vom Abendessen\nder Schiffer\nim trüben Dunst.\nAuf niedren Brücken schreiten wuchtige Arbeiter,\nStaub in tiefgefurohten Gesichtern,\nein wenig gebückt, mit vorhängenden Köpfen;\nsie unterhalten sich mit dunklem Lachen,\nindes erzene Werkzeuge dumpt aufeinander klirren.\nLangsam dröhnt und steht überm atemlos\nhastenden Hafen\nmächtig überhallend, feierlich,\nein großer im Gewimmel aufrechter Schall,\ndas Tuten eines ungeheuren Meerfahrers,\ngeduldig wölbt es die stolze, weit atmende Kraft\nüber der brüllenden Tiefe.\nSeine weißen Flanken beträufen\ndes Heimatstromes Wellen.\nMit vier gelben Schornsteinen,\nder schimmernden Reihe fisdhäugiger Fenster,\nseinen Kupferhelmen, die im Abendrot brennen,\nzieht der Hundertäugige voll seiner wimmelnden\nFracht\nin den brüllenden Hafen.\nGewinde, Ketten knarren, Pfeifen schreien heulend,\nSchiffsglocken läuten zum Feierabend,\nKirchen festen\nmit Paukenschlägen Abendgluten und die Sterne\nim Himmel zusammen.\nAus noch einmal durchsonnten Wolken\nflammt der Abend auf Fenstern und Dächern,\nstrahlt die Stadt in letzter Glut.\nDie müden Werker gehen schwer in den alten\nkrummen Gassen,\nzu den hochgieblig schmalen Häusern,\nzu den seltsamen Türen.\nIn der schweigendien Hafenöde\nbrennen an den Schiffsmasten rote spärliche\nLaternen.\nIn den engen Gäßchen, auf denen die Nacht drückt,\ndie den schweren Modergeruch von\nFriedhofsstätten haben,\nerheben sich nur die Schreie von Katzen und das\nSchlagen von Turmuhren\nmit dumpfem, traurigem, steinernems Ernst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.11", "titre_corps": "Abschied am Abend", "titre_sommaire": "Abschied am Abend", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 1524, "fin_caractere_exclue": 2118, "texte": "Abschied am Abend\nLaß mich in deinem Schoß mich müde bergen,\ndenn tief in Abend Wolken\nwill sich die blutige Sonne bergen.\nLaß mich die Hände ruhig heben\nzu deinen Händen,\ndie sich faltend um sie legen.\nSo laß uns auf zum Flug der Tauben schauen,\ndie von der Straße um die Türme kreisen,\ndurch düstren Bogengang von grauen hohen\nSäulen,\nin dem sich mild der Abendhimmel wölbt.\nDer Himmel richtet sich hinauf zum Tag\nund neigt sich wieder still gen Abend,\nwie Er neigst du dich überströmmend,\nvom Mund zu lösen\ndas dunkel reiche Blut\nder Entzückung,\nals lösest du zage deinen Kahn vom Ufergrund."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c032", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.12", "titre_corps": "Nacht im Garten", "titre_sommaire": "Nacht im Garten", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 2120, "fin_caractere_exclue": 2791, "texte": "Nacht im Garten\nJugend nacht, Morgenschlummer\nin seiiger Gliederlösung.\nMit ruhigem, tiefem Harm\ngemeinsames Atmen, Erwachen, Liebkosen...\nHinweben der Stunden im Sterngeflimmer,\nder dunkle geheimnisvolle Nacht-Dom\nvoll von goldenen Früchten.\nEine der großen goldenen Früchte\nnehme ich aus den Zweigen\ndes Baumes, der unser Lager schirmt,\nund lege sie z\\v Ischen unsere nackten Lenden.\nSie trennt uns:\nzartes sanftes Gefäß von treuer Bildung,\nreinlicher Scheidung,\ndas Gott in unsre Finger gab.\nAus dem Rade seines heimliches Kreises\nschfwingt es tausendfachen Samen,\ndiese Nacht soll es uns trennen,\ndamit wir nicht ermüden\nbis zum Morgen in den Liebkosungen zu strahlen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c033", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.13", "titre_corps": "Granatwald", "titre_sommaire": "Granatwald", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 2793, "fin_caractere_exclue": 3396, "texte": "Granatwald\nEin tiefer Traum, am glühenden Leben,\nar zeitlosen Seins brennendem Wunder\nteilzunehmen,\nam herben Schweben zager Liebesfrauen,\ndie des Frühlings holde Glutgebärden zeigen.\nSie lächeln fromm aus heller goldner Heiterkeit,\nder Blumen Blau strömt auf vom goldnen Grund\nund glänzt erfrischt im düsteren Granatwald.\nIndes die schlanken Frauen ihre Hände\nineinaiiderlegen\nim wundersamen jungen Hag, rauscht droben\ndurch die Wipfel\nder starke Engel mit den wieißen Liebesgliedern\nund sendet süsse Wollust in den Morgenwinden.\nFern sind die steife Pracht, der Weihrauch und\ndie priesterlichen Sänge!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c034", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.14", "titre_corps": "Gedächtnis", "titre_sommaire": "Gedächtnis", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 3398, "fin_caractere_exclue": 3866, "texte": "Gedächtnis\nIch sah. in Strahlen deinen Blick sich (heben,\ndes Glanzmeers Wölbung grüßtest du mit Singen\nund brauchtest keinen Trost.\nDu standst mit Beben auf dem tiefen Plan,\nvon deinem Herzen sanken\nlangsame Tropfen Blut,\ndoch genesen schautest du in Wolken,\nrot entglommen,\ndie holdselige Frau mit liebem Lächeln.\nDein Name sei mir zum Gedächtnis\nFest der Feste, Mal von Feuer,\ndas die Wolken purpurn färbt,\nStern sei dein Haupt,\nder Nächtens seinen Eisglanz zündet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c035", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.15", "titre_corps": "Heimkehr ins Vaterland", "titre_sommaire": "Heimkehr ins Vaterland", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 3868, "fin_caractere_exclue": 5066, "texte": "Heimkehr ins Vaterland\nEs ist ein Tag ohne Sonne,\nich bin müde und träume von Heimat und\nHeimkehr.\nAuf grauem Karren\nzieht ein graues Pferd den dunklen Sarg,\ndfarin mein toter Körper ruht.\nAuf meinem Sarge aber sitzt meine Mutter\nund weint, weint graue Tränen in graues Tuch.\nNeben dem alten dürren Pferde geht mein greiser\nVater\nund hat einen schwarzen Mantel an.\nUeber graue holprige Fläche,\ndie rosenfarbene Wolken beglänzen, werde ich\nlangsam hingefahren,\nwo man mich eingraben wird,\nwährend von allen Seiten Riesengipfel der Alpen\nim Abendglühn aufstehn\nund jugendstark den grossen rosenfarbenen Himmel\nals heitre Fruchtschale\nüber ihre dunkelweißen Häupter heben.\nDenn Keinerlei Last ruht auf mir,\nmein Tod war rosenfarben wie der Himmel.\nAber, denke ich daran,\ndaß die Mutter über meinem Sarge sitzt mit\nWeinen,\nund mein Vater vorn rieben dem Meinen Pferde\nunsicher und ein wenig gebeugt geht,\nwill wieder Schluchzen\nund betäubender Krampf\nüber -meine toten Glieder kommen.\nAlles, was rosenfarben wiar,\nwandelt sich schwer und finster\nvor stürmender Gewitternacht.\nDas ist mein Weinen:\nMeine Eltern gehen müde und gebrechlich,\nniemand ist, der sie stützt,\nder sie in Treuen achtsam geleitet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c036", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.16", "titre_corps": "An den toten Dichter", "titre_sommaire": "An den toten Dichter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 5068, "fin_caractere_exclue": 5953, "texte": "An den toten Dichter\nIr.« Sehnsucht Jenen, der sich von uns schied\nseh ich am milden Abend, der den kühlen Tag\nverbirgt,\ndas Haupt aus dunklen Ranken heben,\ndie Augen aus weihendem Haar trauern scheu\ngemieden.\nEinst schwangst du Himmelsherz\nam Jugendrand von Liedern trunken\ndich hoch im Raum\nauf ungeheuren Winden, Wolken winkten ...\nHeiterkeit, deine bunte Brause-Muschel,\nhat von den Jugendsängen\ngeheimnisvoll den goldhen Urklang\nin zarter Kammer aufbewahrt.\nAus tausend leeren Stunden\nist riesenhaft der kalte Tag gewachsen\nund hat sich über dich gewälzt,\nda du vermessen,\nin Jahrhunderten hingerissen,\nein Leben glühtest,\ndein anmes einzges Leben,\ndas trübe Sonne magerte.\nAm Abend sei dir letzte Ehr-Entbietung:\nim hohen Räume bin ich vor dein Bild getreten\nund stellte Kerzen auf das Linnen,\ndunkle Blut-Blumen standen aufgetan.\nDeine Lippen rührte namenlos\nveisehrend Lächeln."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c037", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "94", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.17", "titre_corps": "Wein des Lebens", "titre_sommaire": "Wein des Lebens", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "debut_caractere": 5955, "fin_caractere_exclue": 6492, "texte": "Wein des Lebens\nWein des Lebens\nHimmelsbrüder kommt zum Mahl,\nFeuersöhne, Entzündete, Zündende.\nIn Kelchen glüht der Erde süßester Wein.\nAuf Tiegeln flammen Fackeln in Wirbeln,\nauf iden Rücken mächtiger Raubtiere, die wir\nbändigten,\nruhen unsre Häupter,\ndie Glieder sind selig von der Tierwärme.\nWeihende Klangkraft brennt im Saale,\nund Einer steht auf, singt glanzstrahlenden\nWeckruf:\nIch Kind, dem glühendem Nachtschoß Sohn;\nIch Kraft, Ueb erschäumen,\nTor, das Stern en-Lichtmacht auf tat,\nalles Licht verbindet neu zum seligen Brande."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 215, "texte": "Schweigend öffnen sich die Tore der Weltnacht,\nFackeln löschen.\nEiner liegt das Angesicht zur Erde gedrückt\nim Weinen, übermächtigen Stöhnen:\nkeine liebe Milde mag ihn trösten,\nkeine Menschenhand verhüllt se;n Leid."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c038", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "94", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.18", "titre_corps": "Klagen", "titre_sommaire": "Klagen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 217, "fin_caractere_exclue": 1802, "texte": "Klagen\nI.\nDa du in Qual zurückgestoßener Liebe\nblind den Himmel erregtest,\nda du zum Feuerkreise stiegst,\ndich sehnend traf Liebe,\nda du den Flammend-Schönen,\ndie selig niederlächeiln Liebe,\nklagenden Triebs\nzu gleichen glühst.\nDu öffnest die Aiime,\nwillst inbrünstig Sterbliches umfassen,\nwillst deine Sinne schärfen\nund immer höher reichen ins ewig Ahnungsvolle.\nEh du nicht bitter dich in dich bezwangst,\nwird nie in dir gehärtet\naus grausen dem Geblüt\nendlose bittre Qual\nzurückgestoßener Liebe.\nII\nIm Sehnen, jene hohe Schönheit zu gewinnen:\nUnschuld, Selig sein, inneres Beharren —\nerstarkt mir trennend Schicksal,\nein trotzges Widersprechen,\nim eignen Sinne zu beharren.\nErschließt sich wunderbares Lieben und Verstehen,\nEiner im Andren ganz genug zu weilen,\nzwei Wasser, die die große Strömung eint,\nzweifach Erkennen in der seltnen Stunde,\nEines und Gleiches für uns Beide\nund Eine Kraft, die Welt zu teilen :\nJäh sinkt vom Zweifelshauche tief verdrossen,\nvon einem Worte, das gedacht, doch nicht\ngesprochen ist,\ndie Eine Kraft. Die Kraft, durch die das Wissen\nwird,\nLeid zu ertragen\nund Schmerzen zuzufügen,\nwenn die trübe Stunde biegt\nIII\nMein schweres Klagen berg ich qualvoll,\nda ich vor dir soll wieichen,\nda feurige Tränen in sengender Scham\nherniederbeben\nvom nachtumizogenen Himmel,\nda ich in irrer Hast\nentflieh zu einsamen Bereichen.\nRuhlose pochen an ...\nWeinend mag ich nicht Bruderhände reichen,\nlinde Hände nicht zu meinen Haupte heben,\ndie meine Dörrglut wenden,\ndie grauenvollen Schatten scheuchen,\nwelche trennen deines Liebelächelns\nhold erstrahlend Zeichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c039", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "94", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.19", "titre_corps": "Nächtliche Flußfahrt", "titre_sommaire": "Nächtliche Flußfahrt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 1804, "fin_caractere_exclue": 2838, "texte": "Nächtliche Flußfahrt\nEinsam, bleich und frierend\nlehnt das fremde Mädchen am Geländer\ndes dumpf arbeitenden Schiffes.\nSchwarze Kielwirbel reißt es nach sich\nin den mondblauen Fluß wogen,\ndie mit gebannten Falten am Schiffe anschlagen.\nIhr drängenden heranwälzenden Grundwogen\nlegt eure wärmenden Buge\num die Hände des bleichen Mädchens,\nmit euren Lippen wollt ihr sie wärmen,\nvoll Zutrauen neigt sich zu euch sein Haupt\nim liebenden Zuhören,\neure nächtlichen Wangen\nliebkost es im mondweißen Schein.\nIhr atmet herauf tief kühlen Tanggeruch\nund blaues Licht nehmt ihr von unendlicher\nFluthöhe\nund schmückt sein Haar\nund den jungfräulichen Rücken.\nNacht dv r Liebe\nbreitet weit die Arme über die von Flammen\nfernbesäte Fahrt.\nVerzehrt zittert das einsame Rotlicht\nam schwanken Mäste.\nDie große schwere Rauchfahne des arbeitenden\nSchiffes\nbiegt sich erstickend übers Wasser\nund hüllt die klaren Lichter und den Fluß.\nVergeblich sende ich des Herzens stolzen Schlag\nin weite Nacht und Wind und Flut,\nin nahe Trennung, da ich einsam weine."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c040", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "94", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.20", "titre_corps": "Erhebung", "titre_sommaire": "Erhebung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 2840, "fin_caractere_exclue": 3225, "texte": "Erhebung\nSteigt zum Himmel aus meertönenden Orgeln\nGesänge der Vollendung,\nwacht auf von den Toten,\ngenest von der Sünden Krankheit,\nHochgewaiten haben\nden reinigenden Speer geboten\nrühmet des Knaben seligen Namen.\nDjm Reinen, Schweigenden\nward der umlohte heile Speer,\nihm, der des Lebens rote Fessel sprengte,\nerwachen Dankgesänge,\nwir hauchen im Lichtmeere\ndes Knaben seligen Namen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c041", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "94", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.21", "titre_corps": "Das Dirnchen", "titre_sommaire": "Das Dirnchen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 3227, "fin_caractere_exclue": 4249, "texte": "Das Dirnchen\nSie ist selig im erborgten Schein,\nsie ist leicht und fein,\nein Stern, der in den Himmel steigt.\nIch bin vom Anblick selig rein,\nihr zarter Gang dringt mir im Traume ein,\nim Schwung der ranken Füße\nsteigt sie aufwärts, tief errötend.\nIm Aufblick zu den fernen, blassen Wolken will\nich stehn.\nDann seh ich durch die blassen Linnen\nihre reichen Rosenglieder.\nWenn sie das schmale Köpfchen wiegt\nführt sie den Tanz,\nder weich uim ihre Hüften liegt,\nsich um den Mund im Lächeln biegt:\nder wunderliche Sprung,\nden irre Sterne krümmen\nin hoher Nacht,\nwenn Silbertau die Herzen hellt.\nEs soll erglühn ein Silberstern geschmiegt,\nwo ihre Brüste sich zutief berühren,\ndahin sie schamhaft ihre Finger legte,\nvon holden Eiferwinden angeblasen.\nWenn sie die Spielzeugkleider rafft,\nsei Gesang des Knaben.\nSelgen Schritts schwingt sie den Tanz:\nDer holde Kopf, gekränzt vom Zopf,\ndas flinke Fiißchen, das mich lockt\nin geschürzten schwimmerweißen Spitzen,\ndaß eine Heimat sei und Sterne,\nmacht sie reich und fern und frei."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c042", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "95", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.22", "titre_corps": "Geburt der Liebe", "titre_sommaire": "Geburt der Liebe", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "debut_caractere": 4251, "fin_caractere_exclue": 6363, "texte": "Geburt der Liebe\nDu schöne Frau, der früh mit sanftem Sinn ich\ndient ergeben,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,\ndie gelbe Rose im braunen Haar,\ngewühlt ins blutige Laub der Reben.\nDie zarten Brüste kränzt des goldnen Gürtels\nSchmuck,\ndeine reichen Glieder, die Wollust nicht versehrt,\nhüllen seidenblau Gewänder.\nVom tiefen Schooß, den deine starken Lenden\nhüten,\nhebst du die Rosenhand, die Tag von Nächten\nschied\nund schenket Tau in frühen Wonnen.\nDu bist der Morgenröte herbe düstre Schau,\nwoihl hütest du die Morgenfrucht,\ndie in den Sonnengärten keimt.\nEs leuchtede des hehren weißen Leibes Schein,\naa spielend wir kristallne Flut durchschwammen\nund in Berührung süß uns einten.\nWir opferten in heiiger Insel Hain,\ndie fern im Meer der Feuergott erschuf,\nder Liebenden Besiegler; smaragdengrün\nist sie zum sanften Tag erhellt\nvon Blumen ewgen Scheins. Ich krönte dich,\nda du dem Meer entstiegst in den Gewändern,\ndie von deinen Gliedern schienen rosenrot.\nDu führtest mich auf rauhen Stegen,\nwo hoch und schmal im Sprung vom Fels\neinst Jünglings-Neigung krönte Tod!\nEs wälzt von Heiligtum zu Heiligtum\nsich Meer mit Harfenschlägen;\nauf rauher Klippe, zu der uns Anmut führte,\nerglühte unsre Schau,\nob nicht die Morgenröte ernst das Meer errege,\naus weißem Schaum die Liebe stiege\nin dem blauen Licht.\nAuf daß die Sehnsuchtsqual nicht gar\nden wunderbaren Leib zerrütte,\nbaun wir die Tempel um den Erdkreis\nzu frommer Stifter Ruhm,\nin heller Knaben Hut,\nin ihnen wölbt sich stilles, tiefes Blau\nund Himmelsruh und Glück\nvom Anfang und dem Ende auf zur Mitte\nund wandelt unsre schmerzlich wache Regung\nim ungestümen Blut.\nDenn Frieden, der nicht solcher Andacht Frucht,\nder dich im Sturm und Hassen süß bezwang,\nder Frieden, der der Erde nur,\ndich salbt mit Oel und schafft zur Königlichen\nFreude,\nward lind nach irrer Pein\nin wunderbarer Nacht errungen,\nda Scham und Herzens Ohnmacht schwand,\nder schönen Brüste Reiz enthüllte\nschneeweiß die innig kühle Hand,\ndie sie umschlingt und alle Wollust stillt.\nDu schöne Frau, die sanften Sinns mich küßte,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 218, "texte": "du brachtest mir in Harm und Nacht den\nklaren Frieden,\nLicht für die Angst, Brot für die Gier,\nfür Feigheit Glut! An deinen Brüsten ruh ich,\nruh vom Streit und Weinen abgeschieden\nbei deinem Leib aus Schnee und Blut.\n»"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c043", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c043", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.8.23", "titre_corps": "An das liebliche und Innige Kissd Lilith fiart", "titre_sommaire": "An das liebliche und Innige Kissd Lilith fiart", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "debut_caractere": 220, "fin_caractere_exclue": 2945, "texte": "An das liebliche und Innige Kissd Lilith fiart\nGeist der Liebe sanft auf Morgenflügeln,\nkein Wort hat je belebt so süßen Hauch.\nWenn eben dunkler Taubenflug entkreist den\nHügeln,\ndann jäh sich dreht,\nso wandelt auch mir traurig finstren Sinn\nein selig Sehen\nvom Liliengefieder frei und hoch im Blau.\nNach träumen, trauern, sehnen: brennend Wehe\nmein Blut im holden Ueberschwang erfuhr.\nMein Lilienkind!\ndas soheu und ernst Fürstinnen-Aug im\nDämm er hob,\nich habe nicht gewagt, dich zu berühren,\nals du die schweren Lippen,\ndie das Wort noch nicht erschlossen,\nzu meinem Munde neigtest.\nDa War getagt in deinem Leib\nder künftgen Seele Ehre,\nmein Kind, des zarte Glieder ich umschloß,\nihr feinen Hände, die ich fürchtend nahm,\ndu golden Haupt, das habe ich geküßt,\nmit blassem Edelstein im schmalen Feuerband.\nIch schwankte tiefbedrückt im rätselvollen Dunkel,\nvom Sommer nicnt, vom Grabes-Atem blind\ngenährt,\nwar ich gebannt vor Angst, vom inneren Gericht\nverdammt;\nda hast du deine reinende Berührung gewährt\nMit Weinen, da mich Ueberschwang ergriff,\nglüh ich am Abgrund, ruh vom schweren Kampf,\nda icl« Qie Herrlichkeit und Gott begriff,\nward mir der Erde Ahnung heilig kund.\nDie Kinderhände heben ihren Feuerbogen,\nder frische Mund verkündigt Laute himmelklar,\nein Muschelwagen weiß auf Meereswogen,\nin der Liebe Hände es gebettet war.\nEs schoß die Pfeile von der Feuersehne,\nund trafen, da ich betend rang im Däimmer,\naen Muschelwagen lenkte -es mit Silberklingen,\ndaß glühend Sehnen in mich Armen drang.\nMeine Hände bebten, da sie zag sein Haar\nberührten,\n„du bleib, bleib hier!\" mein Kind, Lilie,\nda mich deine Finger, meine Hände dich berührten,\nwill ich bei dir sein, und du sollst bei mir ruhen\ndicht.\nIü meines zagen Dämmers innig-stumme Kreise\ntrittst du, versöhnst mich wunderbar,\nvon hinnen nimmt mich deiner Aermchen Elfenreif\nmit Freuen einest du in heller Kinderweise,\ndas einsam glüht, vor Qual zersplittert ist.\nVon Verzweiflung hast du mich gereinigt,,\naus trüber Höhle bin ich nun geeinigt,\naus grimmer Fehde höchster Kraft von Feuer.\nMein Kind, vor dessen Hauch und Duft die Welt\nverweht,\ndas fromm mich anschaut, Ruhm und Wert!\nDir halten Kraft und Glut den Schwur, den\ngeisteshellen,\nals sich dein Mund mir scheu genaht, du sanft\ndich neigtest,\nda sich imein ewig Selbst erschloß,\ndas keine Erde fremdend überragt.\nDes Himmels Zauberklang hab ich vernommen,\nf.\ngesellt bin ich den ewigen Geistern,\ndu Kindeshand, die zarten Trost gewährt,\ndes Schwachen frommes Himmelsbrot und Wein.\nWenn idi von dir geh, mein Kind, verbirg\ndie Augen,\nverbergt euch, die ihr seht, daß Weinen kommt.\nWeil ich ahne, daß alle irdischen Dinge gerichtet\nsind,\nwenn aus deinen Augen und aus meinen Augen\ndie erste Träne kommt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c044", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.9", "titre_corps": "Wichtige Leute", "titre_sommaire": "Wichtige Leute", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "debut_caractere": 2947, "fin_caractere_exclue": 8023, "texte": "Wichtige Leute\nHerwarth Walden\n\nHofräte erinnern sich\nHofrat Paul Schienther: „Vor dreissig Jahren\nverkehrte ich viel im Hause Paul Meyerheims.\"\nHofrat Max Grube: „Fast auf den Tag sind es\nnur vierzig Jahre her — mir aber ist's, als wär's\ngestern gewesen, daß ich den etwas abschüssigen\nGeibelplatz in Lübeck, der damals freilich den\nweniger poetischen Namen Kuhberg trug, hinan-\nschritt, tum meinen ersten Besuch bei Emanuel\nGeibel zu machen.\"\nHofrat Schienther: „Es war noch nicht das\nvornehme Haus in der Hildebrandtstrasse, die ein\nbischen Schmollwinkel wurde. Es waren noch\nHaus und Garten in der Matthäikirchstrasse. Dem\nHaus sah man noch die alte Zeit an. Daß hier ein\nMaler wohnte, verriet das Atelierfenster in ober-\nsten Stockwerk.\"\nHofrat Grube: „Geibel war ein prächtiger Ge-\nsellschafter, der seine Meinung mit Feuereifer ver-\nteidigte, doch auch andere gelten liess.\"\nHofrat Schienther n „Im Winter gab ejs bei\nMeyerheims viele Gesellschaften, zu denen ein-\ngeladen war. Dann drängte sich in den immer-\nhin beschränkten Räumen das künstlerische Berlin\nzusammen. Man sah nicht bloss Maler und Bild-\nhauer.\"\nHofrat Grube: „Geibel sprach gewählt und\nschön, verschmähte jedoch auch einen derben\nAusdruck nicht, in seiner Redeweise war durch-\naus nichts Geziertes „Sauft, Kinder, sauft, es ist\ndas Beste!\" war die Vorrede für den warmen\nPunsch, der zum Beschluß der Abendmahlzeit re-\ngelmässig erschien, wie im Hause behauptet\nwurde, aus Gesundheitsrücksichten.\"\nHofrat Schienther: „An schönen Sommernach-\nmittagen kamen unzählige Freunde ungebeten in\nden Garten, setzten sich gruppenweise an den ver-\nschiedenen grünen Plätzchen nieder zu Kaffee und\nKuchen, Tee und köstlich belegten Brödchen.\"\nHofrat Grube: „Auf einen guten Tropfen hielt\ner überhaupt nach echter Poetenart. Ab und an\nwurde auch ein Gläschen Schaum spendiert.\"\nHofrat Schienther: „Eines Nacht, da der alte\nMeister Menzel gegangen war, hörte ich Meyer-\nheim das kühne Wort sprechen: „Een oller Stiebel\nvon Menzel ist mer lieber als de janze sixtinsche\nMadonna.\"\nHofrat Grube: „Geibels tiefe Seelenreinheit\nhatte etwas wahrhaft Kindliches im schönsten\nSinne des Wortes. Wagners Musik war ihm ver-\nhasst, weil sie sich seiner Meinung nach nur an\ndie Sinne wende.\"\nHofrat Schienther: „Es fehle auch nicht an Ver-\nsuchen, in der Matthäikirchstrasse die Faschings-\nLaune anzupflanzen.\"\nHofrat Grube: „Glauben Sie mir, sagte er ein-\nmal, ich habe oft mit Tränen in den Augen die\nVersfiisse an den Fingern abgezählt.\"\nHofrat Schienther: „Als echtem Tiermaler\nwaren ihm die kleinsten Tiere nicht minder lieb\nals die grossen.\"\nHofrat Grube: „Nachdruck verboten.\"\nHofrat Schienther: „Nachdruck verboten.\"\nEs ist doch schön, daß es grosse Künstler gibt.\nKöstlich belegte Brödchen und ein Glas Punsch,\nMeyerheims kleinste Tiere fassen Geibels Vers-\nfüsse, die Matthäikirchstrasse endet auf dem Kuh-\nberg, das muß mit Nachdruck festgestellt werden.\nDas war noch eine poetische schö-öne Zei-eit.\nDie Erinnerung der Hofräte reicht weit.\ni ■\n\nWarum ich Strindberg vorlese\nDie Dichter über Strindberg\nStrindberg ist nicht nur schlecht ins Deutsche\nübersetzt worden, er wird auch von Irene Triesch\nvorgelesen. Sie plaudert es aus, warum sie es tut.\nWenn Kunstkritiker und Schauspieler aus der\nSchule plaudern, ist es für die Katze. Es ist immer\ngut, wenn man sich entschuldigt. Man kann näm-\nlich niemals wissen ob es für die Katze ist. Zu einer\nVorlesung gehört eine Auffassung. Und auf die\nAuffassung kommt es an. Andere sehen volle Run-\ndungen und weichste Formen, doch seien wir sach-\nlich: „So fasse ich Strindberg auf: als den Genius\nder stets verkannt nur dort Liebe fand, wo sie\nkeinen Wert für ihn hatte und dort wo er Liebe\nsuchte, zurückgeworfen wurde, weil er in seiner\nFeinnervigkeit selbst dort sich wundstoßen mußte,\nwo Andere volle Rundung und weichste Formen\nsahen.\" Bei Irene Triesch fand er Liebe. Und\nmanchmal versagen eben feine Nerven bei der\nvollsten Rundung. Dafür war eben Strindberg der\nGenius der, ich möchte sagen, stets verkannt.\nNein: „Strindberg ist einer jener genialen Men-\nschen, die man, ich möchte sagen, erst richtig\nlieben kann, wenn sie selbst nichts Eigentliches\nmehr davon haben, die gestorben sein müssen, um\nden Andern wahrhaft zu leben.\" Wenigstens kann\nman nachdem Tode sich an den weichstem Formen\nnicht mehr wundstoßen. Jedenfalls ist wieder\neinmal einer jener genialen Menschen aufgefaßt,\nder Liebe suchte, wo sie keinen Wert für ihn\nhatte und dort wo er Liebe fand, zurückgeworfen\nwurde. Weshalb ich Irene Triesch nicht vorlese.\nGerhart Hauptmann: „August Strindberg ist\nfür mich eine der markantesten Persönlichkeiten\nunserer Epoche.\"\nThomas Mann: „Seit Tolstois Tode hat man\nohne Schwanken in August Strindberg den ersten\nGeist Europas zu grüßen.\"\nMaximilian Harden: „Das ist ein universaler\nKopf der die Welt von vielen Seiten ansah.\"\nAllseitig anerkannt, ein universaler Kopf wird\nsich doch einen ersten Geist leisten können und zu\neiner der markantesten Persönlichkeiten unserer\nEpoche werden. Trotzdem soll man an Strindberg\nglauben. 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Es waren noch\nHaus und Garten in der Matthäikirchstrasse. Dem\nHaus sah man noch die alte Zeit an. Daß hier ein\nMaler wohnte, verriet das Atelierfenster in ober-\nsten Stockwerk.\"\nHofrat Grube: „Geibel war ein prächtiger Ge-\nsellschafter, der seine Meinung mit Feuereifer ver-\nteidigte, doch auch andere gelten liess.\"\nHofrat Schienther n „Im Winter gab ejs bei\nMeyerheims viele Gesellschaften, zu denen ein-\ngeladen war. Dann drängte sich in den immer-\nhin beschränkten Räumen das künstlerische Berlin\nzusammen. Man sah nicht bloss Maler und Bild-\nhauer.\"\nHofrat Grube: „Geibel sprach gewählt und\nschön, verschmähte jedoch auch einen derben\nAusdruck nicht, in seiner Redeweise war durch-\naus nichts Geziertes „Sauft, Kinder, sauft, es ist\ndas Beste!\" war die Vorrede für den warmen\nPunsch, der zum Beschluß der Abendmahlzeit re-\ngelmässig erschien, wie im Hause behauptet\nwurde, aus Gesundheitsrücksichten.\"\nHofrat Schienther: „An schönen Sommernach-\nmittagen kamen unzählige Freunde ungebeten in\nden Garten, setzten sich gruppenweise an den ver-\nschiedenen grünen Plätzchen nieder zu Kaffee und\nKuchen, Tee und köstlich belegten Brödchen.\"\nHofrat Grube: „Auf einen guten Tropfen hielt\ner überhaupt nach echter Poetenart. Ab und an\nwurde auch ein Gläschen Schaum spendiert.\"\nHofrat Schienther: „Eines Nacht, da der alte\nMeister Menzel gegangen war, hörte ich Meyer-\nheim das kühne Wort sprechen: „Een oller Stiebel\nvon Menzel ist mer lieber als de janze sixtinsche\nMadonna.\"\nHofrat Grube: „Geibels tiefe Seelenreinheit\nhatte etwas wahrhaft Kindliches im schönsten\nSinne des Wortes. Wagners Musik war ihm ver-\nhasst, weil sie sich seiner Meinung nach nur an\ndie Sinne wende.\"\nHofrat Schienther: „Es fehle auch nicht an Ver-\nsuchen, in der Matthäikirchstrasse die Faschings-\nLaune anzupflanzen.\"\nHofrat Grube: „Glauben Sie mir, sagte er ein-\nmal, ich habe oft mit Tränen in den Augen die\nVersfiisse an den Fingern abgezählt.\"\nHofrat Schienther: „Als echtem Tiermaler\nwaren ihm die kleinsten Tiere nicht minder lieb\nals die grossen.\"\nHofrat Grube: „Nachdruck verboten.\"\nHofrat Schienther: „Nachdruck verboten.\"\nEs ist doch schön, daß es grosse Künstler gibt.\nKöstlich belegte Brödchen und ein Glas Punsch,\nMeyerheims kleinste Tiere fassen Geibels Vers-\nfüsse, die Matthäikirchstrasse endet auf dem Kuh-\nberg, das muß mit Nachdruck festgestellt werden.\nDas war noch eine poetische schö-öne Zei-eit.\nDie Erinnerung der Hofräte reicht weit.\ni ■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c046", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c046", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.9.2", "titre_corps": "Strindberg ist nicht nur schlecht ins Deutsche", "titre_sommaire": "Strindberg ist nicht nur schlecht ins Deutsche", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "debut_caractere": 5951, "fin_caractere_exclue": 8023, "texte": "Warum ich Strindberg vorlese\nDie Dichter über Strindberg\nStrindberg ist nicht nur schlecht ins Deutsche\nübersetzt worden, er wird auch von Irene Triesch\nvorgelesen. Sie plaudert es aus, warum sie es tut.\nWenn Kunstkritiker und Schauspieler aus der\nSchule plaudern, ist es für die Katze. Es ist immer\ngut, wenn man sich entschuldigt. Man kann näm-\nlich niemals wissen ob es für die Katze ist. Zu einer\nVorlesung gehört eine Auffassung. Und auf die\nAuffassung kommt es an. Andere sehen volle Run-\ndungen und weichste Formen, doch seien wir sach-\nlich: „So fasse ich Strindberg auf: als den Genius\nder stets verkannt nur dort Liebe fand, wo sie\nkeinen Wert für ihn hatte und dort wo er Liebe\nsuchte, zurückgeworfen wurde, weil er in seiner\nFeinnervigkeit selbst dort sich wundstoßen mußte,\nwo Andere volle Rundung und weichste Formen\nsahen.\" Bei Irene Triesch fand er Liebe. Und\nmanchmal versagen eben feine Nerven bei der\nvollsten Rundung. Dafür war eben Strindberg der\nGenius der, ich möchte sagen, stets verkannt.\nNein: „Strindberg ist einer jener genialen Men-\nschen, die man, ich möchte sagen, erst richtig\nlieben kann, wenn sie selbst nichts Eigentliches\nmehr davon haben, die gestorben sein müssen, um\nden Andern wahrhaft zu leben.\" Wenigstens kann\nman nachdem Tode sich an den weichstem Formen\nnicht mehr wundstoßen. Jedenfalls ist wieder\neinmal einer jener genialen Menschen aufgefaßt,\nder Liebe suchte, wo sie keinen Wert für ihn\nhatte und dort wo er Liebe fand, zurückgeworfen\nwurde. 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Georg Kt*d a. A.\n28. November\n(leaf: Geschlossen\nSturmausstelluageM in Deutsckland\nNovember: Brandenburg-Jfave!: Expressionisten:\nFraaz Marc / Gabriele Miinter / Jacoba van Heems-\nkerck J Carl Mease / Otakar Kubin j Canipeadonk /\nIsaac Grnnewald / Sigrfd Hierteu-Griiitewald /\nHeorg Mucfae"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c049", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c049", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 1243, "fin_caractere_exclue": 3136, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFerarnf Amt Liitzow 4443\nflalbmonatsschrift Der Sturm\nErscfeeint am ersten und fiinfzehnten jodes Mooats\nOauerbezug\nGewohnHche Ausgabe Fur Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Viertdjahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSender ausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\n•ehd un gin Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEfa Halbjahr 6 Mark / Fur das Ausland:\nEki Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n$eser Ausgabe werden Vierteijahrsbezige, Einzel-\nfiummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Hummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFuafter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKtmsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nSurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegl Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwttnscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\n« en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß Ei n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschkn: Zwanzig Blatt Zelch»ungei® /\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier In\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartos la ©In-\nfacfaerer Mappe 12 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c050", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c050", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 3138, "fin_caractere_exclue": 6032, "texte": "Kavdinsky-Album / Sehrift des Kunstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbiidungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913\nHeentskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln signierte Originalholzschnitte I Auflage 30\nMappen I Mappe 6—30 je einhundert Mark\nBueher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ih r sti 11 e s\nQ1 ii c k —! / Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus j Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Gelder Butten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du I Llebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur liunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behtse: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte ,/ 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne /50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierische Augenbliok 112 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Waiden: Dalmslieder j 7m Qe-\ndichten von Arao Holz / Ffir Qesang und Wa-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzelni: Er\nh6rt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Waiden: Der Sturm / Heeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Boccioai: Dai\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qiao S eve•\nrini: Die Modistin / Ruhelose Ttnzerin j Pan-\nPan Tanz /Umberto Boccioai r Abschied/\nKandinsky: Kompositiori 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Biid 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Hjerten-Griinewald: Kinder\nKartenvon Macke / Miinter / Marc Chagall (5) I\nKlee I Leger / Jawlensky I Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austeliungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffmfzig Ab-\nbiidungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Pia k a t fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / OriginaHithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 / Adolf Loos I 2 Herwarth Waiden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuMbert / Das Blatt 5 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c051", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c051", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 6034, "fin_caractere_exclue": 7063, "texte": "Gemalde / Aquarelle / Zeiehnungen/\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunsttern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMens© / Campendonk / Gabrtele Miinter I Jaw-\nlensky / Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\n§er / Marc Chagall / Feniand Leger / Jacoba van\nlieernskerck I Otakar Kubin / Emil Fftla / Vlncetsc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severinf 112\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff I Fritz Baumann / Max Pecfcstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Zwolftes\nJa hr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmaussteliungen j\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation\nDas zwolfte Jahr begann am I. April 1915 / Die\nSturmgabe, die die Mitglieder des Vereins ftir\nKunst im Jahr 1915/16 frei erhalten, ist: Heems-\nkerck: handgedruckter und signierter Holzseimitt\nauf Kaiserlich Japan-Papier"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c052", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 7065, "fin_caractere_exclue": 7177, "texte": "Zeitsehriften\nUmelecky Mesicaik / Monatsschrift fOr neue iiad\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c053", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 7179, "fin_caractere_exclue": 7187, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-11-01-01-c054", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-11-01_01#c054", "volume": "bmtnabg_1915-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "debut_caractere": 7189, "fin_caractere_exclue": 8014, "texte": "Neu erschienen: Adolf Knoblauch: Die\nschwarze Fahne / Eine Dichtung / Qeheftet 2 Mark\nVerlag Der Sturm Berlin W 9\nEttde November erscheint: August Stramm: §e-\nschehen / Sturmbuch XI / 50 Pfennig- / Verlag\nDer Sturm / Berlin W 9\nFelix Muller / Dresden: Handgedruckte Holz-\nschnitte und Originallithos / Zu beziehen durch\nden Verlag Der Sturm Berlin W 9\nLJmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mian©\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsate-\nund Deckelpapiere fur Biichereinb&nde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.1", "texte": "DER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9/' Potsdamer Straße 134 a\nSECHSTER JAHRGANG 1915\nBERUN ERSTES UND ZWEITES NOVEMBERHEFT\nNUMMER 15/16\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Paul Scheerbart / Herwarth Waiden: Die|ernste Kritik / Sophie van Leer: Gedichte / Kurt Heynicke: Gedichte /\nS. Piiedlaender: Nochmals Polarität / Adolf Knoblauch: Frühe Gedichte III?/ Herwarth Waiden: Wichtige Leute / Oskar Kokoschka: Paul Scheerbart /\nZeichnung / Jacoba van Heernskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt /|Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nPaul Scheerbart / gestorben am 15. Oktober 1915 / Zeichnung von Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.2", "texte": "Paul Scheerbart\nRede am Grab\nHerwarth Walden\nDie deutsche Kunst und insbesondere meine\nFreunde und ich haben einen neuen großen Verlust\nerlitten. Sechs Wochen nach dem Tode von\nAugust Stramm stehen wir an deinem Grabe, Paul\nScheerbart. Du bist einer von den ganz großen\nKünstlern, denn du bist zeitlos. Während die Künst-\nler deiner Zeit liebevoll sich mit der Erde befaßten,\nerfaßtest du jenseits von Liebe und Erde die Welt.\nWährend den Künstlern deiner Zeit nichts Mensch-\nliches mehr fremd war, war dir das Weltliche ver-\ntraut. Nicht alles Vergängliche, aJles Unvergäng-\nliche was dir ein Gleichnis. Und dir war es, wie\nnur wenigen Künstlern, vergönnt, für das Gleichnis\ndeine eigene Form zu finden, Daruim wird dein\nName leuchten wie der Name Die Welt, die durch\ndich sprach.\nWir aber beugen uns in Trauer und Ehriurcht\nvor dir, Paul Scheerbart.\n\nDie ernste Kritik\n\nDer < geschätzte Kunstkritiker der Kölnischen\nZeitung -findet „daß die Kunst vor dem Krieg viel-\nfach überschätzt wurde.\" Der geschätzte Kunst-\nkritiker, der in namenloser Bescheidenheit zu Köln\nam Rheine wirkt, hat deshalb eine große Abhand-\nlung veröffentlicht: „Der Krieg und künftige Auf-\ngaben deutscher Kunstkritik\". Die deutschen Kunst-\nkritiker sind alle in die Schule des Lebens oder\nan die Schule der Natur gegangen und haben die\nverganenen Aufgaben so schlecht gemacht, daß die\nkünftigen Aufgaben von ihnen sicher auch nicht\ngelöst werden können. Denn die künftigen Auf-\ngaben und die vergangenen sind dieselben. Man\nmuß nur in die richtige Schule gehen und mancher\nlernt es nie. Bemerkenswert bleibt, daß die Kunst-\nlehrer immer bei den Schülern lernen. Der Meister\n(ist ihnen zu einfach. Und die Oberschüler, die\nProfessoren und Museums-Direktoren, haben höch-\nstens das Interesse an einem sogenannten Meister,\nihm möglichst viele Werke seiner Schüler zuzuwei-\nsen. „Schon manche Künstler haben den Spruch:\nErnst ist das Leben, heiter ist die Kunst\" geist-\nreichelnd ins Gegenteil umgedichtet. Obschon\nSchiller dabei mißverstanden wird, läßt man sich\ndie Umdichtung für einen Künstler gefallen, weil\ndie Kunst im Beruf Lebensaufgabe ist. Aber bei\nLaien, denen die Kunst doch nicht den wesentlichen\nInhalt, sondern einen Schmuck des Lebens aus-\nmacht, bedeutet jene Umkehrung eine ungesunde\nUebertreibung.\" So sieht es in dem Kopfe des\nKunstkritikers aus, der die künftigen Aufgaben\ndeutscher Kunstkritik wenigstens für Köln fest-\n*\nstellen will. Die geistreichelnden Künstler sind\nsicherlich Laien, denen der Schmuck des Lebens\nBeruf geworden ist. Obschon ich Schiller nicht\nmißverstehe, bin ich doch für Umdichtung. Heiter\niist das Leben, heiter ist die Kunst. Wenn die\nMenschen sich das Leben nicht heiter machen, also\ndas Leben nehmen wie es ist, kann das Leben\nnichts dafür. Und wenn man die Kunst ernst nimmt,\nkann es nur Heiterkeit erregen. Aber die Heiter-\nkeit des Künstlers gewinnt aus dem Ernst des\nKunstkritikers. Während der Ernst des Kunstkri-\ntikers das Leben heiter macht, das Leben, dessen\nHeiterkeit sich die Menschen schämen. Die Kunst\nist also Lebensaufgabe für alle die Leute, -die\neinen Beruf aus ihr machen. Für die andern bür-\ngerlichen Berufe, zu der doch wohl auch die Kunst-\nKritik gehört, ist sie eine ungesunde Uebertreibung.\nDer Schmuck des Lebens ist überhaupt eine un-\ngesunde Uebertreibung. Denn der hat noch nie\ngelebt, der das Leben erst schmücken muß. Sei\nes nun mit Rosen im Haar, mit Sekt und italieni-\nschen Nächten, mit Göttern und Teufeln aller er-\ndachten Arten, oder mit Oelgemälden, die all die-\nsen Schmuck im Bilde festhalten. Schiller kannte\nnur die Moral von der Geschichte, wußte aber\nwenigstens die halbe Wahrheit, daß die Kunst\nheiter ist. Daß ihm die Kunst nicht glückte, daß\nihn die Kunst als Organ nicht benutzte, lag eben\nan seinem Wissen dieser halben Wahrheit. Denn\nwenn man etwas schon weiß, versteht man es\nnoch nicht. Und wenn man etwas schon versteht,\ndann fühlt man es nocht nicht. Und wenn man\netwas schon fühlt, dann gestaltet es sich noch\nnicht. Und wenn dieses Gefühl der Heiterkeit Ge-\nstalt gewonnen hat, durch den, den die Kunst\nberief, sehen die Künstler und die übrigen Bürger\ndie Gestalt nicht, weil sie den Schmuck vergaß.\nManche Leute sehen eben eine Hand erst, wenn\nsie einen Ring trägt. Sie sehen aber meistens\nnicht, daß der Ring die Hand trägt und die Hand\nden Ring nicht verträgt. Man verträgt sich in\ndiesem ernsten Leben überhaupt sehr leicht. Men-\nschen sind wir immer noch alle und wenn etwas\nhervorsticht, kann es dem andern allzuleicht in\ndie Augen fallen. Die Leute freuen sich über Alles,\nwas hervorsticht. Die Leute sind nicht sachlich.\nDie Heiterkeit der Kunst, der Schmuck, muß ihnen\nden Ernst des Aschbechers, der Tasse, des Hauses\nund der Leinwand vertreiben. Geschwüre werden\nmit Anstand getragen, Damen werden an die Häu-\nser geklebt, Herren auf das Dach gestellt, Götter\nauf c'e Leinwand lackiert, Gesichter in den Gips\ngedrückt, damit nur ja die Welt recht heiter werde.\nMan kann sich schon vor Schönheit gar nicht mehr\nlassen. Alle diese Tätigkeiten haben viele Leute\nzu einer Lebensaufgabe gemacht um anderen\nLeuten zu beweisen, daß das Leben sich zu leben\nlohnt. Nur während der Arbeit darf man sich der\nSchönheit nicht hingeben, das ist eine ungesunde\nUebertreibung und stört den Ernst des Leb ns.\nHöchstend ein paar gute Photos auf dem Schreib-\ntisch oder ein Druck in der Arbeitsstätte, ein\numblumter Spruch im Schlafzimmer darf ahnen\nlassen, welche Genüße nach der Arbeit bevor-\nstehen. Und während die andern Leute arbeiten,\npassen die Kunstkritiker gut auf, daß die andern\nabends frohe Feste feiern können und den\nSchmuck aes Lebens mit Verstand gemessen.\nSonst ist der beste Tropfen auch nichts wert. Die\nMarke bei der Flasche Wein heimlich ins Ohr\ngeflüstert und der schlechteste Haüssekt wird\nzum Mumm. Die Marke Rembrandt heimlich ins Ohr\ngeflüstert und der schlechteste Kopist wird wenig-\nstens zum Meisterschüler. Wer kein Meister sein\nkann oder will, muß wenigstens ein Meisterschüler\nsein. Nur keine neuen Meister. Ehret eure altert\nMeister. Trinkt nur alte Weine. Der neue Wein\nmuß ja auch einmal alt werden und kann dann\nnoch immer getrunken werden. Der neue Meister\nwird für die Enkel aufgespart, damit die Enkel ja\nnicht einem neuen Meister verfallen. Alles zu seiner\nZeit aber der Künstler immer für die übernächste\nZeit. Diese Pflicht hat die Kunstkritik übernommen.\nSie beweist ihre Daseinsberechtigung damit, daß\nsie nichts dasein läßt und der Herr aus Köln hat\nschon für übermorgen Angst. Da er nun nicht\nwissen kann, was die Künstler übermorgen machen\nwerden, so will er wenigstens dafür sorgen, daß\nseine eigenen Nachfolger erst zwei Tage später\nhinsehen. Nun zu den Ungesunden. Die Ungesunden\nsind also Laien, die nicht arbeiten, sondern in der\nKunst den wesentlichen Inhalt des Lebens sehen.\nGottseidank setzt hier die Statistik ein: „Die\nHypertrophie des Kunstsinns beschränkte sich\nzahlenmässig freilich auf kleine Kreise, aber diese\nKreise gaben in Kimstfragen mancherorts den Ton\nan, und es hat sich eine verderbliche Wechselwir-\nkung zwischen ihnen und der Fachliteratur ent-\nwickelt.\" Hat man Töne für Kreise, die Fragen\nangeben und die eine Wechselwirkung zwischen\nsich und der Fachliteratur entwickeln. Dieser\nKnäuel ist nicht zu entwirren. Was aber den\nHerrn aus Köln stört, ist also, daß die kleinen\nKreise große Kreise schlagen. Die Fachliteratur,\ndie sich immer zu spät entwickelt, ist verwirrt und\nda sie die Kreise nicht stören kann, will sie sich aus\nder Umklammerung erretten. Aber jeder Deutsche\nist noch kein Hindenburg. Und wenn man die\nStrategie mit der Taktik verwechselt, kann selbst\nein örtlicher Erfolg in Köln ausbleiben. „Die Schrift-\nsteller sahen sich von Leuten umringt, die in heißem\nBemühen um den Ruhm der Kennerschaft bereit\nwaren, alle Eröffnungen eines tiefer Eingeweihten\ngläubig hinzunehmen und nachzuplappern.\" Die\nSchriftsteller sassen also in der Falle. „ Statt sich\nmit der bescheidenen aber nützlichen Aufgabe\neines ehrlichen Maklers zwischen Kunst und Publi-\nkum zu benügen, schoben viele Kritiker theore-\ntisches Wissen und dialektische Spitzfindigkeit in\nden Vordergrund. Einzelne, zum Beispiel der große\nProphet Kandinsky, beteten ihrer Gemeinde *in\ndunkelmystisches Hexen-Einmaleins vor, das baren\nUnsinn verbarg.\" Die ehrlichen Makler wurden\ngewöhnlich von großen Propheten aus dem Tem-\npel geworfen, was aber die ehrlichen Makler\nniemals hinderte, ihrei Geschäfte vor der Tür\nweiter zu verrichten. Nun hatten aber bisher stets\nnur Propheten eine Gemeinde und nicht ehrliche\nMakler. Und das dunkelmystische Hexen-Ein-\nmaleins schien stets nur denen als barer Unsinn,\ndie an das bare Einmaleins glaubten und die Hexen\nverbrannten. Es gehört viel Klugheit dazu, Hexen\nzu verbrennen, Propheten zu steinigen. Aber stets\nnoch haben die Steine geredet, wenn die Propheten\nschwiegen und stets noch hat ein Feuer geleuchtet,\nwenn Hexen verbrannten. Die Steine waren nicht\numzustossen und jedes Feuer erlischt nur an sich.\nUnd die Makler konnten nur feststellen, wieviel\nSteine geworfen wurden, einmaleins, und wie lange\ndas Feuer leuchtete. Und auch das konnten sie nicht,\ndenn ihnen fehlt die Sachlichkeit der Propheten\nund der Hexen. Sie sehen immer mehr Steine, als\ngeworfen werden und ihnen erlischt das Feuer,\nwährend es aufflammt. Die Herren Makler haben\nnämlich keine Zeit. Sie müssen arbeiten. Sie\nmüssen die anderen Propheten steinigen sehen.\nUnd die anderen Hexen verbrennen. Sie müssen\ndabei gewesen sein, damit andere Leute wissen,\ndaß sie dabei gewesen sind. Und dieses Leben\nsollte ernst sein? Und diese Kunst nicht heiter?\nDie Natur aber. „Die Natur bleibt der Mut-\nterbeden der Kunst, womit nicht strenger Realis-\nmus und pedantische Richtigkeit als alleinselig-\nmachend hingestellt werden sollen. Das Ideal der\nabsoluten Malerei, die „reinen Kunst der Farbe\"\nläuft auf ein bischen leere Geschmäcklerei, höhere\nAnstreicherkunst hinaus. Ein geschickter Tapezie-\nrerlehrling müßte, wenn er einen besonders schö-\nnen Farbstoff entdeckte, als moderner Tizian\ngelten.\" Zwar handelt sich nicht um eine reine\nKunst des Farbstoffs, sondern um eine reine Kunst\nder Farbe. Aber wieviele geschickte Tapezierer\nmit nicht besonders schönen Farbstoffen gelten\nnoch als moderne Tizians. Uebrigens hat Tizian\nauch nicht seine Bilder auf dem Mutterboden\ngemalt und vom strengen Realismus war er ziem-\nlich weit entfernt. Deshalb wird er wohl ein Nichts-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.3", "texte": "köliner gewesen sein: „Gemeinsam ist ihnen, daß\nsie sich nach einem für Nichtskönner sehr bequemen\nGrundsatz von dem natürlichen Vorbild lossagen.\"\nDas Lossagen von dem natürlichen Vorbild Tizian\nist so leicht, wie die Nachbilder Tizians in Köln\nmeisterhaft zu nennen. Das Losmalen ist schon\nbedeutend schwerer. Es erfordert die selbe Zeit\nwie das Erlernen des Nachmalens. Diese Herren\nNaturforscher haben nämlich die Natur stets nur\nin gemaltem Zustand gesehen. Infolgedessen ist\nihnen die ungemalte Natur unnatürlich. Alles Un-\nnatürliche ist natürlich natürlicher als das Natür-\nliche. Denn das Natürliche ist nur die festgelegte\nNatur des Unnatürlichen. Es ist unnatürlich, daß der\nHerr aus Köln Kunst nicht sieht. Das ist natürlich.\nWeil er den Vaterboden nicht kennt. Oder sollte es\nunnatürlich sein, daß zu einer richtigen Mutter ein\nrichtiger Vater gehört. Oder sollte es unnatürlich\nsein, daß- zn einer richtigen Mutter viele richtige\nVäter gehören. Daß die vielen Väter so roh mit der\neinen alleinseligmachenden Mutter umgehen ist\ndoch nicht Schuld der absoluten Malerei, die die\nMutter ja ganz zufrieden läßt. Aber außer dem\nMutterboden verfügt der Herr aus Köln natürlich\nüber viele „Lesefrüchte\". Die Früchte hat er\ngepflückt, wo sie ihn trafen. Der Herr aus Köln\nist keine Eva, die sich mit einem schönen Apfel\nbestechen läßt. Er ist vielmehr durchaus männlich.\nDer Herr aus Köln jubelt über die Gottvollen, die\neingesehen haben, daß der Krieg eigens wegen des\nExpressionismus gekommen sei. Zu seiner Em-\npörung findet er in einem andern Aufsatz „die\nFaselei, der Krieg habe mit dem Expressionimus\nnicht nur nicht aufgeräumt, sondern seine Richtig-\nkeit schlechthin und mit ungemeiner Schlagkraft\ngezeigt, erfüllt und bewiesen; der Expressionismus\nsei eben ein in alle Wirkungskreise sich ausdeh-\nnten des Kulturbekennitnis.\" Aufgeräumt (hat der\nKrieg mit dem Expressionismus nicht, das muß\nselbst die Faselei des Herrn aus Köln zugeben.\nAber mit Krieg wiird weder für noch gegen Kunst\netwas bewiesen. Die „Aesthetenzunft\" will den\nKrieg nicht „für ihre Zwecke ausbeuten'4. Der\nHerr aus Köln erwartet aber eine Wirkung: „Die\nKünstelei in der modernen Kunst, die gemütsöde\nWissenschaftlichkeit, die atemlose Jagd nach dem\nNeuen und Unerhörten, das Unsinnige und notwen-\ndig verlogene Nachäffen des Primitiven, alle die\nunruhige Vielgeschäftigkeit wurzelte nicht so sehr\nin starker geistiger Fruchtbarkeit als in aufge-\nreizter Blasiertheit, die sich selbst oft für zukunfts-\nfrohen Idealismus hielt und in dem krankhaften\nHunger der Uebersättigung.\" Und das Alles\nwegen des Aufgebens der Vorbilder. Die moderne\nKunst hat den Herrn aus Köln ganz entwurzelt und\neine aufgereizte Fruchtbarkeit in ihm erzeugt, die\ner selbst für zukunftfrohen Idealismus hält. Man\nsali nicht richten, wenn man wütend ist. Die Wut\nvergeht und das Richten besteht. Und dieser\nRiditer aus Köln kennt nicht einmal die Tatsachen.\nEr tobt über Expressionismus und meint den Im-\npressionisrnsus. Und zwar den fadesten Impres-\nsionismus, der siclh Naturalismus nannte. Also bei\nden Künstlern, die die Natur lieber lebten als sie\nmalten. Wogegen nichts zu sagen wäre, wenn sie\nnicht doch gemalt hätten. Also, meine Darrten und\nHerren, die Sie schon einmal vielleicht zufällig\neinen Expressionisten kennen gelernt ihaben sollten,\nprüfen Sde die nachgesagten Schandbarkeiten\ndieser Leute nach. Man denke: „Seraphisch-\nschwinds üdhtige Poeten bildeten sich ein, ihre Tee-\nstuben seien Tempel und sie selbst das unnahbare\nGötterbild; andere liefen mit aufgekrempelten\nHemdärmeln auf die Gasse und in öffentliche\nHäuser und nannten die schnodderige, kaltschnäu-\nzige Frechheit ihres ach so wohlfeilen Skep-\ntizismus' Weltanschauung. Eine Weltanschauung\naus dem Hinterfenster eines Freudenhauses!\" Das\nkann sich Alles nur auf Köln beziehen, wo keine\nExpressionisten wohnen. Wenigstens sonstwo sind\nsie keine Teestubenbesitzer und Köln ist eine der\nwenigen Städte, die sich noch einiger Freuden-\nhäuser erfreuen. Die Kunstgesetze des Expres-\nsionismus wären denn doch zu örtlich gebunden.\nWas sollten die Lernte in Berlin zum Beispiel\nmachen, wenn sie nicht aus dem Hinterfenster eines\nFreudenhauses die Welt anschauen können. Die\nBesucher der Blutgasse zu Köln sind also die\nwahren Expressionisten. Die Untat dieser Untäter\nschreit mit aufgekrempelten Aermeln zum Himmel,\ntrotzdem ich den Zweck der Uebung nicht ver-\nstehe. Aber der Herr aus Köln möge es sich gesagt\nsein lassen, die öffentlichen Häuser sind die Mode\nvon vorgestern. Und aufgekrempelte Aermei sieht\nman nur noch in den Redaktionsstuben. Und der\nschwindsüchtige Poetenmaler in der Teestube ist\nschon längst gestorben. Man hat offenbar in Köln\nwieder einmal seinen Beruf verfehlt. Die Herren\nwaren vielleicht mit Tizian beschäftigt, als das\nKünstlervölkchen von vorgestern einging. „Wenn\nblumengeschmückte Soldaten oder Einberufene mit\nihren bescheidenen Pappschachteln durch die\nStraßen marschierten — ob da nicht manchem\nAnhänger der neuesten Richtungen der Gedanke\ndurch den Kopf gefahren ist, daß die von ihm auf\nden Schild gehobene Kunst allen jenen Menschen,\ndie ihr Leben für das Vaterland hinzuopfern bereit\nwaren und denen er mit herzlichstem Brudergefühl\nnachschaute, Steine statt Brot gegeben hat. Trotz\nallen Geredes, daß Expressionismus, Futurismus\nundsoweiter heute nun einmal im Reich der Kunst\nherrschen, kann kein Zweifel bestehen, daß jene\nRichtungen der weitaus überwiegenden Mehrzahl\nder Gebildeten, geschweige denn der Masse des\nVolkes, unverständlich und sogar zuwider sind.'*\nDann ist es eben der Stein der Weisen gewesen,\nden man auch nicht essen kann. Aber trotz allem\nGerede des Herrn aus Köln, regiert kein Trotz\nden Genetiv und herrscht im Reiche der Kunst die\nKunst und nicht der Herr aus Köln. Er hat kein\nRecht im Namen der überwiegenden Mehrzahl der\nGebildeten, geschweige denn im Namen der Masse\ndes Volks unverständliche und sogar zuwidere\nUrteile zu fällen. Ich habe bewiesen, daß ihm die\nAktivlegitimation fehlt. Er wiegt sich auch nicht\nin Gedanken, der Herr aus Köln: „Wir wiegen uns\nnicht in dem Gedanken, überzeugte Anhänger der\nneuesten Richtungen bekehren zu können; das kann\nnur die Zeit und wer in Kunstdingen einige Erfah-\nrung hat, weiß, wie erstaunlich rasch oft zu unver-\ngänglichen Prinzipien aufgeblähte Einseitigkeiten\nzusammenbrechen.\" Diese aufgeblähte Einseitig-\nkeit ist bereits zusammengebrochen und brauchte\nnicht einmal auf die Gesellschaft mit beschränkter\nHaftung, die Zeit, zu warten. Die überwiegende\nMehrzahl wiegt bereits über seinen Gedanken und\ndie Masse des Volks hat auch einige Erfahrung in\nKunstdingen. „Alle Lauen jedoch, alle bäng-\nlichen Leute des Wenn und Aber möchten wir\naufrütteln, Farbe zu bekennen.\" Aber weiter will\nich anch Nichts. Das ist ja die reine Malerei.\nEinig sind wir und darum Teestuben und Freuden-\nHäuser!\n\nHerwarth Walden.\n\nGedichte\nUnseren Stunden\nSophie van Leer\n\nI\nEin ranker Stengel ist dein blonder Nacken\ndein schmales Antlitz ist ein goldener Kelch\nMeine Hände tasten den Wind\nder deine Glieder einhüllt\nWenn deine Arme im Gehen gleiten\nberge ich ihre Bewegungen in mich\nWenn deine Augen fern suchen\nbete ich\ndiass sie zurückkehren\nund an mir vorübergehen\nMeine Blicke decken deine Spuren zu\ndass Niemand sie gehe\n\nII\nMein Leid umbettet golcl dein Haar\nMeine Wunde linden deine Worte\nDein Silberlachen kräuselt meine Sorgen\nDu hast meine stammelnde Sehnsucht wachgeküsst\nWo du gehst, steht meine träumende Kirche\n\nIII\nMeine Liebe ist eine blasse Ampel\nUnd meine Sehnsucht ein schimmernder Saal\nWeisse Rehe sind meine Füsse\nund weinende Birken meine Arme\nSilbern sprühen Deine Küsse\nwenn Dunkelheit uns niederkniet\n\nRausch\nMeine Blicke sind goldene Bälle\nMeine Zähne tanzen Reigen in deinem Blut\nDeine Freude sprudelt blitzende Tropfen\nReckend ringt deine wilde Wucht\nmein lahmendes Wollen zu Boden\nVerlangen brandet\nSehnen bäumt\nund sprengt den trotzen Willen\nMein Denken zerschellt\nIch\nFühle\nUns\n\nTotenlied\nDurch gräberneWeiten schreitet zag\nmein süßes Verlangen nach dir\nMeine Träume atmen weiße Tränen\nHart greift mein Schmerz nach dir\nAus Diamanten eine Kette rinnt dein Blut\nund tropft in meinen Totenschrein.\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nAugust Stramm\nDu bist von den Berge*\naus den Steinen\nund dem Feuer\nBlinde\nwerfen Dämime\nSonnenregen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.4", "texte": "Bald\nwühlt die Glut\nauf flache Scholle».\nDann brennen Menschen:\nDu! ;\n\nStrindberg\nDein Kreuz war aus Sternen.\nFeuer Gottes\ndeine Seele.\nEwigkeit\ngebar dein Schmerz\nUnendlichkeit\ndeine Tiefe\nDu hast in Liebe empfangen\nDich wissen\ndie Wissenden\n\nNach Strindbergs Ostern\nAuf allen Lichtern tropfen Dornenkronen\nBist steht auf Zweigen\nbell\nwie Morgentau.\nUnd unser Weg quält uns mit spitzen Steinen\nhinblutend\nschreiten wir mit nackten Füßen.\nSchwer ist das Holz zu tragen\nund Leib und Stab sind müde.\nBis eine Sonne über Glocken steht.\nBis aus dem Kreuze\nOsterlilien sprießen.\nWir quälen alle unsern Weg\nwir\ndie wir nicht die Seichtheit glatter Tage\nin den Seelen tragen.\ni\n\nFerne Frau\nIn deinem Schöße\nruht mein Schlaf.\nDeine Seele ist ein großes Wasser\ndie Sterne finden kein Bild in dir.\nDu stirbst in den kalten Winden\nund ich lächle mich an deinem Grabe\nvorbei.\n\nNochmals Polarität\noder\nvom Wesen des Unterschiedes\nDr. S. Friedlaender\n\nGariiicht intensiv genug sind die verehrten Mit-\nmenschen darauf aufmerksam zu machen, daß der\nUnterscheidende, der wirklich mit Urteilskraft\nunterscheidet, und also selbst persönlich von allem\nUnterschiede eximiert ist, notwendigerweise polar\ngegenseitig, also nicht etwa z. B. kausal einseitig\nunterscheidet. Er unterscheidet niemals bloß eine\nRichtung, sondern einen Richtungs-Unterschied,\neigentlich -Gegensatz.\nDer Verstöße gegen dieses, wenn man die\nWelt des Unterschiedes restlos erschöpfen will,\nunerläßliche Benehmen, sind so zahlreiche, daß\nohne sie jene Welt längst stimmen würde, klingen\nwtürde, statt zu klappern. Vor Allem verstößt man\ngegen sein eignes Subjekt, wenn man es aus der\nüber jeden Unterschied lachend erhabenen Majestät\nzu etwas leiblich-menschlich vereinzelt Unter-\nschiedenem degradiert. Leiber sind bloß Füll-\nfederhalter des schreibenden Subjektes. Gleich\ndanach versündigt man sich am Objekt, am Unter-\nscheidbaren, wenn man dessen Differenz\nirgendwie monistisch-unitarisch vereinfältigt. Sim-\nplizität ist nichts für Simpel; sie verlangt den tief-\nund feinhörigen Harmoniker des stets gegen diesen\nwiderspänstigen Unterschiedes.\nAchtet nun darauf, wie ganz allein deswegen,\nweil die Welt unterschieden ist, ihre Gegenseitig-\nkeit in jeder Beziehung respektiert werden muß;\nund wie durchaus unzulänglich jeder Versuch, auch\nmir den geringsten Unterschied harmlos simpel zu\nnuancieren; oder einseitig aus aller gegenseitigen\nBeziehung zu renken, ausfallen muß: beidemal tritt\nder Bankerott des unterscheidendenSubjekts ein.\nAuch die minimale Differenz sticht eben von\nihrem Nichts, d. i. ihrem Unterscheider nicht sim-\npel, sondern notwendig differenziert, gegenseitig,\n„polar4' ab. Deswegen soll, da die Sünde der\nfalschen Einfachheit so verführerisch ist, sofort an\nder Pforte zur ganzen Welt der Unterschiede, die\nWarnung laut werden: unterscheide wirklich einen\nechten Unterschied, einen Kontrast! Laß dein\nAuge hier gleich mit jenem „Doppelblick in\ndie .Welt sehen, welchen alle großen Erkenntnisse\nhaben\" (Ecce homo). Denn das ganze Elend aller\nmenschlichen Theorie und Praxis besteht nur darin,\ndaß man krank, falsch, unrund, ungegenseitig\nunterscheidet; im Mangel an Polarität der\nUrteilskraft! Es gehört Mut dazu, die volle Unter-\nscheidungskraft nicht bloß logisch, sondern auch\nsinnlich-praktisch aufzubieten. Der Kontrast ist\nein Ungeheuer, das nur der besiegt, der es weder\ndomestiziert noch überschätzt und in seiner Wild-\nfremdheit beläßt: er soll dessen volle Kraft für sich\nverwerten lernen. Der Blick für den Unterschied\nwird leicht zu zahm. Fast scheint es, wie wenn\nz. B. in der Philosophie erst Kant den echten\nDiameter de Unterscheidens aufgerissen hätte, in-\ndem er die mild vertuschten Leibnizischen Welt-\ngegensätze kräftig unterschied und mit nüchtern-\nster Besinnung Finsternis vom Licht entfernte,\nNegatives von Positivem; während es vordem\nwohlgefälliger war, das Negative als eine blassere\nNüance des Positiven abzuschätzen. Es kommt ein\nentschiednerer Geschmack auf, der sich für den\nKontrast auch noch in der mildesten Nüance ab-\nschärft. Es dauerte lange, bevor man inne wurde,\ndaß der Magnet nicht bloß anzog, sondern auch ab-\nstieß. Die Rechnung mit entgegengesetzten Größen\nlernt der Schüler später als die mit gleichartigen.\nGewöhnlich (sehr gewöhnlich!) saust der\nUnterscheidende eine Stufenleiter von Gradunter-\nschieden hinab: er zählt, er lebt, er verzeitlicht,\nentwickelt in einer Richtung; vom Quell in einem\nFluß zur Mündung; vom Anfang zum Ende, von\nder Ursache zur Wirkung. Die Halbheit seiner\nUrteilskraft täuscht ihn über die Gegenseitigkeit\nseiner Funktionen. Er hat keinen klaren Doppel-\nblick für die runde Energie des Richtungsunter-\nschiedes. Er, der Sehende, der Richtende, läßt\nsich unvermerkt einseitig, halbseitig beeinflussen;\nvergißt den Rückweg, mit der Strömung treibend,\nstatt sie zum Schwimmen auch gegen den Strom\nfreiwillig zu benutzen. Er bemerkt nicht, daß sein\nLeben schwebt, sondern in der Jugend scheint es\nihm zu steigen; im Alter zu fallen; das System\nseiner Funktionen ist disordiniert, aus der Koordi-\nnation geraten; er rollt in die Tiefen des Lebens\nnoch nicht wie Sterne in Himmeln rollen; sondern\nwie Steine im Abgründe; er hat sein Galileisches\nGesetz noch nicht Newtonisiert. Und das Alles nur\ndeshalb, weil er den Hang hat, einer Richtung zu\nfolgen, statt einen Richtungs-Unterschied zu be-\nrücksichtigen : er super- und subordiniert, ohne auf\ndie M! ill e zu achten, die er dazwischen einnimmt;\nso stürzt er, wo er schweben könnte. Aus der\nMagie, dem Magnetismus, der Polarität, dem äqui-\nlibrischen Zauber des Unterschiedes, bloß als\nsolchen, wird etwas Gemeines, Unwirksames, so-\nwie man diese zauberische Dualität aus einem\nGegenüber in die zahme Reihenfolge eines Hister-\neinanders verblickt. Gewiß folgt Späteres z. B.\nauf Früheres; aber Später kontrebalanciert vor\nAllem gegen Früher, Früher gegen Später kraft\nder Angel das Jetzt, die der Unterscheider des\nUnterschiedes sich gefügig macht, der von jedem\nUnterschiede, u m jeden selbstsicher zu beherr-\nschen, absolut freie Geist, dessen Residenz die\nEwigkeit, diese Vertilgerin sowohl wie Erzeugerin\nalles Zeit — Unterschiedes ist.\nNachdem im Verlauf der Jahrtausende die Welt\nmehr und mehr differenziert worden ist, der Geist\nelastischer werden mußte, um nicht in sich selber\nzerrissen zu werden, tut es endlich Not, jeden\nUnterschied mit diesem unterschiedslos integren\nNeutralgeist zu witzigen, um als lachender Sieger\nallem Unterschied zu gebieten.\nEs ist die oberste Anstands-Maßregel des kon-\nzentriert universalen freien (vom Unt e r -\nschiede freien, allen in sich verquickenden)\nGeistes, die Pole des Unterschiedes gegen einan-\nder zu benutzen, auszuspielen, den einen mit dem\nandern in Schach zu halten und nie zu gestatten,\ndaß seine freie Oberherrschaft in ihrer Integrität\ndurch solche Sklaven verletzt werde, für deren\ngrobe Drastik der ätherische Geist nichts ist,\nwährend grade die, immense Neutralmacht dieses\n„Nichts\" alle grobe Drastik aus sich erzeugt. Es ist\nnicht etwa gemeint, alle Unterschiede in einem\nseichten Meer des Indifferentismus verschwimmen\nzu lassen. Das wäre ein Mißverständnis. Im Gegen-\nteil! Gegen jede Abschwächung der Energie des\nUnterschiedes wurde soeben scharf protestiert:\nUnterschied ist polar! Aber grade deswegen ist\nder persönliche Ursprung seiner Existens deren\neigne Null, und mit deren granum salis ist er zu...\ncachieren, wenn er nicht verdummen soll. Daher\nlächelt die sonst ernste Welt dem Geiste, der\ndieses faßt.\nSchlechte Unterscheider sind daran: kenntlich,\ndaß sie die wahre gegenseitige Polarität des Unter-\nschiedes irgendwie in Eins werfen. So warf New-\nton die Finsternis der Farbe in ihr Licht. Goethes\necht unterscheidender Doppelblick entdeckte die\nFarben-Polarität. Er wollte „den einseitigen New-\ntonischen Poltergeist auf immerdar verscheu-\nchen.\" Wie könnte das gelingen in einer Welt,\nwo Leute die Differenz entweder überanstrengen\nund nach dem Geiste, der sie . . . polarisiert, ewig\nhungern lassen; oder, sie matt verleimen! Des-\nwegen nennt auch Goethe die Metamorphose eine\ngefährliche Gabe. Und nur, wer sich selbst als das\neinzige Welt-Syndetikon in eigner Person empfin-\ndet, kann ohne Gefahr der Geber gerade dieser\nGabe werden. Seine ewig lebendige Identität\nbraucht sich ebensowenig vor den krassesten Dif-\nferenzen zu scheuen; wie sie sich hüten wird, auch\nnur die geringsten zu eskamotieren. Sie weiß, als\ndas einzige Identische, nur sich selbst, also etwas,\naas objektiv gleich null ist: der ganze Rest ist :zu\ndistinguieren! Die objektive Welt ist also Welt-\nDifferenz, eine polare Doppel-Welt, ein Welt contra\nWelt, eine Welt aus entgegengesetzten Größen\nund Werten, deren Copula nur der eigne Geist\nsein kann. Man unterschätzt auch den geringsten\nUnterschied, wenn man ihn harmlos als „Nüance\"\ntraktieren möchte: objektiv gibt es gar keilte\nIdentität! Und man überschätzt auch den größten,\nwenn man ihn nicht von der enormen persön-\nlichen Welt-Identität ausblitzen läßt.\nEs gibt also das, was jeder Differenz überlegen\nist, garnicht objektiv, bloß persönlich. Wer seine\neigne Person in diesem einzigen Sinne kultiviert,\nhat in ihr den echten Beginn zu jeder Kultur, die\nwesentlich eine Kultur der präzisesten Distinktian"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.5", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedr uckt\n\nsein soll: so will es der freie subjektve Schöpfer-\ngeist der sich selbst notwendig differenziert\nobjektiviert oder sonst steril in sich verbleibt.\nWenn die Herren Leute dies bedächten, würden sie\nnicht mehr, über eine schöpferische Indiffe-\nrenz, eine neutrale Größe von unterscheidender\nFunktion spotten; und sie würden den Unter-\nschied nicht länger etwa kausal monistisch, son-\ndern eben dual, polar in Form der reziproken\nGegenseitigkeit kultivieren.\n\nFrühe Gedichte III\nAdolf Knoblauch\n\nDie Schläfer\nIch schaue aus stillem nächtlichem Haus\nin die silberne Nacht hinaus.\nDie stummen, toten Fensterhöhlen\nsind nicht zu zählen. - ?%\nDa hebt der Gram die kühle Hand,\nund ich sehe hinter die steinerne Wand.\nw [p- . <\n' - • li\"V <\nIn langen milden Säulenhallen\nspielen Brunnen mit atmendem Rieseln, : *\nzwischen Säulen im bläulichen Licht\nschlummern gestreckt zur ewigen Ruh\nMänner und Knaben aus weissem Stein.\nZu Jedes Häupten liegen Bhimen im Schrein,\ndie welken im Sternengeflüster.\ny;v\nDie Lampen bei den Schläfern sind verlöscht,\ndie Hast unter der Sonne ist ausgelöscht.\nLeise, leise, hätt in den Hahlen\nsterblich Getön sich gerührt, r %\nes hätte sich ewig fortgerührt. v •\nDer Morgen ist herrlich,\nbreitet sein schimmernd Haar,\nein Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr.\nIm Silberlicht drängen Wolken heran,\nkränzen zur Mitte den stillen Plan.\nDumpf das Meer vorm Morgen ruht,\nseine Wogen gehen schwer mit Träumen,\nSterne sind schwach und spiegeln nicht mehr.\nDa führt empor am kühlen Zelt\nder greise Held den Ruhm der Welt,\nseine klaren Augen halten das Heer\nvon Knaben und Männern mif zartem Gebot.\nEin Zitterndes ist er ganz in Liebe, Not und Gefahr,\ndie Wolke lässt sein schwebendes Haar,\nwenn er hervorgeht aus dem bläulichen Saal\nmit den steinernen Schläfern.\nDem Greise folgt der bläuliche Zug,\nGespanne rollen, Reiter sprengen\nim Schiimmergelock. Rehfarben,\nGülden, Rosen, Karmosin, Karfunkelgrün,\nStahlblau, Degenklar,spähend Weiss\nheißen die Rosse inimächtiger Wehr ■\nund reiten meilenweit ins Feld,\nziehen unsichtbar um die Hälfte der Welt.\nDann kehren sie heim ins Dämmerland,\nwenn die Sonne blich, und Sterne\nerschienen in lauschender Nacht. Ueber Wälder,\nStädte und Hämmerwerke im Feuerschein\nreitet der windlose Zug zu den Toten heim.\nTau, den die Nacht in die Herzen senkt,\nlastet, da er alle Qual in sie senkt.\nDie Nacht hat jeden Tag die Wahl,\nbei einem Herzen zu ruhn,\ndas sie ruft in Qual,\nvon ihrem Saume tropft das Weh der Welt\nDie Vollendeten schreiten, zum Heer gedrängt, ;\nin Purpur, Kronen flammen im Saal,\nihre Schwerter heilen den Wehruf der Not,\nihrer Panzer Stahl, ihre Stirnen heil\nhalten dem klaffenden Abgrund stand, (\naus dem es mit feurigem Heulen tobt.\nZwei Knaben im grünen und Rosenkleid\nschliessen die Tore, die steinerne Wand\nsiegelt der Gram mit kühler Hand.\n\nSäulengang\nDer 'Wandelgang von einfachen ruhigen Säulen\nsteht in schlichter altersgrauer Schönheit\nüber dem tiefen Fluß. Seiner Stille\nbin ich freirid, von schwerer Arbeit bin ich triüde,\nvom Fieber des rastlosen Werkers bin ich gram.\nIm Flusse wandern große rote Kähne.\nHier weht der Sommerwtaf im Schatten kühler\nlinden.\nStandbilder verwittern in den Nischen,\ndie heiße Stirn drück ich ans liehe Rund\nder großen Schale aus Stein; da bin ich still\ngeworden,\nbetrachte ihre ruhige Schönheit:\nEine Flötenspielerin hält die lange, zarte Fiöte,\nJahrhunderte wand ein dunkel vorüber\nin ihrem nachdenklichen Wohllaut.\ni\nHoch am First bäumen sich eherne Rosse\nvom harten Zügel des Bändigers.\n\nAbendwolken\nVom seligen Maitraum, gar schnell vergangen,\nblieb eine liebliche Freude hangen.\nRote Dächer, goldene Kuppeln im Blau\nund Wohnungen im hellen Geviert. 1"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.6", "texte": "Vorhänge wallen in Fenstern von linder Luft.\nEine Frau beugt sich zu den Blumen\nauf grünem Altane. Ein liebes Mädchen\nhebt die schimmernden Arme in ihrer Kammer\nund löst die goldne Haarflechte.\nIn blauer Höhe steht sicher und traulich\nder zarte Sichelmond. Innig breitet das Mädchen\nsein Haar und giebt es dem Abendwehn.\nlieber dem roten First kräuseln sich\nbläuliche Wolken. Wdhlver traut\nkommen sie fem vom Meere in die weiße Stadt,\nwenn sie still ist am Abend,\neinen sich zu großen schneeigen Mauern und ruhen.\nMein Auge kennt sie immer wieder\nim hohen klaren Abgrund am sachten Wandel.\nSie verwandeln sich mächtiger\nrühren inniger, schimmernder\nmit kühlen Fingern ans Herz,\ndas seltsam laut pocht in der atmenden Helligkeit.\nAuf goldnen Schwingen entschlummert\ndie fruchtbare, nährende Wolke,\nnadh heiligem Entstehen aus der Tiefe\nwandelt sie im strahlenden Licht\nin goldnen Gestalten, 1\nliis durch die schweren Wogen am Abend\ndie blassen Sterne her aufglänzen,\nund die greise Nacht an ihrer dunßlen Brust\ndie zarten Pilger hüllt.\nSchwebt mir nahe, Fittiche\ndunkel und mächtig, welche die Menschenbrust\nzur gastlichen Wohnstätte bereiten\nfür alle Träume und Liebe und Schmerz.\nGeht auf den Weg und schaut sie an,\nfer Kinder, die eine Heimat habt: : v\nder Sternendom hat seine in eurem Auge.\ns\n\nMädchenklage\nDu Heimat unter dunklem Zeder bäum!\nin deinem immergrünen Bezirke\nlege ieh mich zu (deinen Wurzeln\nund suche Zuflucht in ihren wilden Krümmungen,\nDraussen getin die weissen Segel,\nund das Ufer rundet sich in der Tiefe\nmit dem bunten geräuschvollen Hafen.\n■ T.\nRings steigen besonnte Vögel,\nschimmernde Wolken erheben sich\nim glühenden Abendwehn : ■\nund sinken auf den blauen Meerrand.\nIsinst war es eine königliche Stirn, |\ndie ich in meinem Schosse hegte,\ndie ieh barg mit weißen Mädchengliedern.\n* *\nFittiche, die schwer im starken Wipfel rauschen,\nIringen nicht Trost, Himmel und Meer\nschweigen dem Seufzer, und die Heimat,\nan deren schwache schutzlose Brust,\nich mich drücke empfängt den Tau meiner Augen,\nder unfruchtbar ist in der Wildnis.\nVerzweiflung stachelt mich ermattend\nim heißen düstren Sand,\nin Stürmen, unendlicher Nacht und Meer\nund wieder vergeblich zu Land.\nDas linde Abendwehn streicht die rissigen Glieder,\nseine goldnen Fingerspitzen glätten mein rauhes\nHaar,\ndie Lust meines Mundes pflückt es\nn»Ü schwellendem Atem, zag im flammenden\nGewölk.\nMein Haupt sinkt im Meese.\nSri» unbekanntes D&tner\ndurchhaucht Strahl der Fische,\nund der Acker der Algen §\nist in der Tiefe gefurcht.\nIch stehe am bleichen Ufer\nunter grauem Himmel\nstumme Vögel fliegen oben, t ■\ngoldne Wimpel blitzen im weissen Meer,\nWind biegt die Hahne um meine Füsse.\nEin Stoß hebt das Meer mit Pfeifen,\nDas Pfeifen wächst zum Donner, •\nindes die Sonne mit einem Rade\nvon blutigen Nadeln starrt\nim heißen, eisgrauen Gewölk.\nSie haben Seinen Mantel genommen\nund Ihn qualvoll in die Tiefe gestossen.\nMein Wehe krümmt sich ums unendliche Meer.\nDa der verdorrte Staub tinter dem Fusse knirscht,\nda mein verzehrter Leib wankt,\nals er glaubt, den Schmerzensschrei zu hören,\nkaum vernehmlich im Abendläuten,\noder im Wächterruf, froh der gesegneten Frühe,\noder im Stimmen des Vogels,\ndessen Flug mein Angesicht beschattet.\n9\nMeine Heimat, deine Blüten küssen mich,\ndu verwirfst mich nicht, und im nächtlichen Baum\nschaukelst du junge Liebesbrut.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir gleich\nzärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen.\nZu bräutlichem Abschied trugen sie mich\nauf Teppichen ans Meer. Brüder und Eltern\nsahen hinaus nach den Schiffen.\nEr stand neben dem Kupfer-Schmuck der\nSchiffsbehelmung,\ndie glänzend im Wasser spiegelte.\nDas alles sah ich im unaufhaltsamen Nahn\nder Trennung. Da wandte er sich in sich selbst\nund deckte die Hände vors Angesicht,\nals bedürfte er nicht des Sonnenglanzes beim\n; Abschied,\nnicht der Seinen Liebe und seines Landes.\nSie hoben die Anker. Dann ward ich fortgeführt.\nAuf der Zinne des gelben Stadtwalls,\ndie weit hinaus im Meere brannte,\nsank ich langsam hin und harrte,\ndaß sie mich nun ließen und vergäßen.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren\nund falten die Hände mit Seufzen.\n/ * *\nIn meinen Mädchenkileidern durchhauchte mich\nzarte Wallung, Glück flammte auf meinem Busen.\nIn die rote Grube des Berges,\nins tiefste Nest trug er mich\nmit hohen schwebenden Gliedern,\num des Hügels reine Stirn\nzogen weisse, runde Wolken.\nIm rollenden Sturm hielt er den schweren Arm\nüber mir, langsam ritt er auf glühender Straße\nin den bleichen Schienen seiner stolzen Rüstung.\nSein Herz klopfte scheu, als er mich weißes\nMädchen\nzum ersten Mal im Atem reifer Aehrenbreiten\nenthüllte. Dem Geliebten wand ich bräutlich\nBlumen vom Feld, rot und blau,\nmit vielmals zückenden Lippen.\nAuf abendlichen Anger schauten wir\ndes Springbrunns goldnen Spielbällen zu,\nden bunten, die glänzend auf und nieder rinnen.\nAn hoher Mauer, zu Füssen der Törme\nvon brandigem Gold hielten Bewaffnete Wacht.\nUeber meine lichte Nackheit,\ndie weisse Schulter, die er liebte, ; V\nschaut sein starrer Blick zum Meere.\nUnd als ich'ihn suche, frage,\nsenkt er matt sein Auge, !■ |\ntastet nach meinen Gliedern.\nDa winde ich den Kranz, bräutlich\ndes um; seine Stirn.\nIch lächelte vor seinen Augen,\nals stand ich vor dem Cherub mit dem Schwerte.\nUnter der feierlichen Zeder stand er einstmals,\nim Düster des ewigen Ruhmes-Laubs,\ner las die Schrift der Ahnen,\nGeheimnis in schwefligen Zeichen\nund schritt zum Vätersaal,\nzu den Rüstungen von schwarzem Stahl.\nSchiffsbohlen donnerten vom Gefecht\ndes Schiffsvolkes, sein Befehl\nschlug das weite Meer in Fesseln,\nseines Panzers gewölbte Ringe\nschütterten vom schweren Lanzenstoß.\nDie Seinen drängten alle zu ihm,\nvorwärts zur Eroberung,\nehern klirrte sein Schwert\nvom Mahlschatz der Erben.\nTürme schufen schirmende Macht\naus der Vorzeit, seinen Nachfahren\ngab er sie, dereinst gefriedet\nzu verehrten Ruhmestempeln.\nDie Ahnen drängten mit flammenden Helmen\nzu den Seinen in die Schlachtreihe,\nKrater im Meere höhlte der finstre Angriff,\ndas Schiff stand, im Brand\nund die Furchtbaren kamen selbst,\num den teuren Sohn zu schützen.\nDie Felsen fingen das siedende Meer,\nflochten aus schäumenden Strähnen\ndonnernd Harfe, die Vernichtung klagte.\nDie Getöteten der Erde kommen zu mir\ngleich zärtlichen Tieren,\nund heben die Hände mit Seufzen.\n\nReiselied\n\nNorden steigt grau\nund Süden sinkt grau,\nheiimatswärts Herz!\nDie Fenster deckt trüb\nNebel der Frühe,\ndurch dichte Feuchte\nheimatswärts Herz!\n... '• - .\\\\ i' i • •- i\n' ''• . : , • •• '\nDumpf umsonst\nmühst du dich Herz\nund ringst,\nden Himmel zu sehn.\nVom dürren Wipfel\nfliegt auf im Dunst\nerschreckt der Vogel. j\nGramvolle Brüder,\neilen wir schweigend '\ndurch blasse Nacht\ndurch ewige Oede. v *.\n1 . . *' I ># •- !\n. \" . 112\nDüstre Armengesichter, <\ndurchnagt vom Leid,\nzerfressen vom Tod,\nschrak nie Blitz 4er Sonne\nvon goldner Sense, 112\nsahn nie rosige Rosse\nauf silberner Weltflur. !?.■'\nDer müden Erde\ngeängstete Kinder, e *\nzart aus Lehm gebildet;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.7", "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.8", "texte": "mtäkm wir uns süchtig, ,\ndie Fenster Stäbe - ,\nunserer Kerker durchzufeilen.\nVergrabt euch in die Fäuste ,\nhohle Auge«,\ngesendet von dir\nungeheure Sonne. '\nEinst in dünner Luft ../'>>\ndes Hochgebirges\nsalin wir die herrlichen Täler\nScharfen Augs\nhub uns der Aar, - r _\nSehers Lied, ' • -\nWeltvaters Vogel, - -\nsonder Trag,\nhei! und frei. - >\nUns Einsame\nschmenzt zuweilen die Brust\ngiühend Schluchzen,\nErinnerung ans frühe Land,\n{■' •\nda wir Kinder waren\nund Götter hatten 4 - 7\nund Menschen träumten\nhei! gleich uns.\nStumm verborgen\nsteigt (mein Lied,\nverspottet, voll Leid,\nins blasse Gewölk,\ndas feucht und windlos ruht.\n\nFlamme der Tage\nIch schaue voll des Geistes den Bruder:\nhinter Busch und Dorn\nliegt er nackt vor Leid und betet:\nKomm über mich, Flamme der Tage!\nEin Spiegelpanzer umstrahlt seine Brust\nin den Flammenkreisen des Morgens:\nnoch war ich nie so froh, da ich sehe\ndie lichte Lust der blühenden Zierde,\nin deren sanfter Flamme\ndie Bergwelt drunten erglüht.\nEs erbebt ein Krachen zitternd weit.\nEin Himmelssdiwert zerschlägt das eherne\nGesehmeid.\nIm blauen Gebirg voll Ewigkeit\nsteht er, hebt die Hände im glanzlosen Leid\nund wankt hintenüber.\nTodessdhein, bleichraulh zieht in die Bergweit ein.\nDa komm ich ergrimmend.\nDa brennt zweifach Klage.\nDa schlag ich deine Brust.\nDu netzest mich mit Tränen.\nDa hämmern wir die Angst\nund schaffen:\nWeisse Flamme der Tage !\n\nMondaufgang\nI\nSchwer drängen in der Nacht die Wolken sich\nzusammen\nund ballen sich um tiefgewühlte Gruben,\ndie stumm-zerrißnen Waller, die zum Lichte\nschwammen.\nLauernd schmiegt sich Nachtwind dunkel\nverwoben,\nim sachten Schwung den wilden Himmel bis zum\nMond zu teilen\nvom tiefen bleichen Wald bis an die bleichen\nWolken droben:\nDen Strahl zu locken, durch den die Wolken\nsich am Himmel türinen,\njäh Silberadern durch die Dünste quellen, die\nauseinanderdrängen\nvor Aufgang der weissen Scheibe —\ndas Licht zu trinken, durch das sie scheiden von\nden Stürmen.\nII\nGrenzenlos hat uns der Nacht der weisse Mond\nden Hfcnsmelsbogen gelichtet,\nmit leisem Atemholen hat -die Nacht die Erdgrube\n. < zugeschlossen,\nund Düfte haben das dunkle Herz zum Herrn der\nNacht hinaufgerichtet\nHelligkeit hat blau die KJippe an der Zinne mild\numflossen,\nvom tiefen Hauche rundet sidi der\nlichtgestaltet reine Kreis,\naus reglos düstrer Nacht auf ungeheurem Plan\nhat sieh der Schein ergossen.\nWas der Tag vergeudet, was die Nacht begrub,\nbestrahlt die Ehre seiner Herrlichkeit:\nDie Düfte, die von den Gründen steigen,\n— als den Zwist seine Großmut schlichtete —\nsind von der seltsam hellen Erde, Atem ihrer\nSchwere.\n\nEngeltrost\nHabe nicht Angst,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam.\nEin bleiches Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nund wenn du aufblickst\nschaust du in dunkle traurige Engelsaugen.\nWenn du dich entsetzest,\nin deinen Weg die stieren Tiere treten\nund in der Finsternis dich langsam umwandeln,\nfalte fromm die Hände,\nwie deine Mutter dir tat,\nblicke auf meine weißen Hände,\ndenn alle Engel haben weißen Hände,\nund um sie ist heilender Glanz.\nBist du matt und krank l\nund sinkst fürchtend auf die Knie\nvor dem wilden Abgrund,\nschließest die Augen und verstummst,\ndann sollen dich meines Gewandes\nschimmernde Falten hüllen,\ndann sollst du den sanften Schwung\nder großen weißen Flügel spüren,\ndie dich zu Gott führen.\nDu sollst auf einer Höhe stehen,\ndie deine Flisse heilt,\ndie Welt sollst du schauen\nals eine einzige große Stadt\naus Glanz und Freude,\ndie von feurigen Gesängen brennt.\nDu sollst entschlummern\nim Schein von allen Gestirnen\nunter meinen Märchen\nvom Anfang aller Dinge,\ndeine schlafenden Lider\nwill ich mit Zärtlichkeit salben.\nStill ist es im Reich der Engel.\nEin Kupferlicht glüht auf,\nV* ■\nFelsengebirg wächst überall unendlich,\ndort geht die Sonne einstmals auf]\nHabe nicht Angst\nEin bleicnes Zeichen der Nacht\nneige ich mich über dich,\nmeine Hand ist sanfter Hauch\nund führt dich sorgsam.\n\nDeutsche Hafenstadt\nDie Dörfer schwinden.\nUeber dunklem Moorland stehen Dünste der\ngrofltea Stadft,\nfinstre Vororthäuser steigen herauf,\nund droben wachsen mählich Türme von IQrcfee*\nund Fabriken im schwefelgelben Lichtkreis,\nungeheurer drohen Rauchwolken von Feuerfestem«\nEiserne Prahme\nketten mit Gewinden\nWolken von Asche\nan den Himmel der Stadt\nTeerplanken bergen die Kirchenfenster\nund Donnertore von Fabriken*\ndie vom brandenden Rufen\nrasender, blanker Maschinen stöhnen\nim Weißlicht glänzender Lichtkugeln.\nt\nAuf Granitfliesen der Flußdämme\nrollen Eisenzüge mit schrillem Pfeifen\nüber bunten Fahrlichtern.\nKanäle öffnen die finstren Pforten\nund Dampfer eilen hinaus in den unermeßlichem\nSkünt,\nLastkähne mit schwarzem Riffeldach, gelben\nFlanken,\nknarren in den Ketten, überschäumt von\nschmutzigen Bäcäe«\nunaufhörlich durcheinander springen flinke Jolle«\nund Ruderboote;\nHoch in den strengen gelben Lichtkreis\nragen Riesenleiber der Meerschiffe,\nScharen der Böte rufen aus der Tiefe\nmit hellen Pfiffen zur finstren dröhnenden flöhe\nwo Lademaschinen mit Lasten werken und\ndonnern.\nUnaufhaltsamer Wirbel von Hämmern .auf Erz\nnietet fern die luftigen Eisengewebc der Docks.\nEinziehende und atisfahrende Meerschiffe\nstoßen dumpfe Schlachtrufe aus,\num die Heimbleibenden\nanzufeuern zu rastloserem Werke.\nSchnelle grüne Flußboote wirren die erregte Flut\nmit weißen Scharumkränzen.\nUeber eisernen Strombrücken, die auf Gr&ftit in\nder Tiefe ruhen»\nschlagen donnernde Bahnen, tagteng Gefährte\nim Gedränge,\nsurren elektrische Züge im stählernen Geviert.\nAn schwarzen Rammpfähien der Bollwerke\nknirschen der Last ledige Segler\nan Ankerketten und scheuern sich gleich schweren\nFischen,\nDampfer nach den atlantischen Freistaaten\n»mit goldglänzenden Namen an den Stirnen,\nsie bewegen sich leise in der wundersamen Unrast,.\ndie von See herandrängt.\nDie Stahlschrauben am Rücken\nspannen die riesigen Flügel hoch."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.9", "texte": "Aus den Schiffsküchen\nsteigen scharfe Gerüche vom Abendessen\nder Schiffer\nim trüben Dunst.\nAuf niedren Brücken schreiten wuchtige Arbeiter,\nStaub in tiefgefurohten Gesichtern,\nein wenig gebückt, mit vorhängenden Köpfen;\nsie unterhalten sich mit dunklem Lachen,\nindes erzene Werkzeuge dumpt aufeinander klirren.\nLangsam dröhnt und steht überm atemlos\nhastenden Hafen\nmächtig überhallend, feierlich,\nein großer im Gewimmel aufrechter Schall,\ndas Tuten eines ungeheuren Meerfahrers,\ngeduldig wölbt es die stolze, weit atmende Kraft\nüber der brüllenden Tiefe.\nSeine weißen Flanken beträufen\ndes Heimatstromes Wellen.\nMit vier gelben Schornsteinen,\nder schimmernden Reihe fisdhäugiger Fenster,\nseinen Kupferhelmen, die im Abendrot brennen,\nzieht der Hundertäugige voll seiner wimmelnden\nFracht\nin den brüllenden Hafen.\nGewinde, Ketten knarren, Pfeifen schreien heulend,\nSchiffsglocken läuten zum Feierabend,\nKirchen festen\nmit Paukenschlägen Abendgluten und die Sterne\nim Himmel zusammen.\nAus noch einmal durchsonnten Wolken\nflammt der Abend auf Fenstern und Dächern,\nstrahlt die Stadt in letzter Glut.\nDie müden Werker gehen schwer in den alten\nkrummen Gassen,\nzu den hochgieblig schmalen Häusern,\nzu den seltsamen Türen.\nIn der schweigendien Hafenöde\nbrennen an den Schiffsmasten rote spärliche\nLaternen.\nIn den engen Gäßchen, auf denen die Nacht drückt,\ndie den schweren Modergeruch von\nFriedhofsstätten haben,\nerheben sich nur die Schreie von Katzen und das\nSchlagen von Turmuhren\nmit dumpfem, traurigem, steinernems Ernst.\n\nAbschied am Abend\nLaß mich in deinem Schoß mich müde bergen,\ndenn tief in Abend Wolken\nwill sich die blutige Sonne bergen.\nLaß mich die Hände ruhig heben\nzu deinen Händen,\ndie sich faltend um sie legen.\nSo laß uns auf zum Flug der Tauben schauen,\ndie von der Straße um die Türme kreisen,\ndurch düstren Bogengang von grauen hohen\nSäulen,\nin dem sich mild der Abendhimmel wölbt.\nDer Himmel richtet sich hinauf zum Tag\nund neigt sich wieder still gen Abend,\nwie Er neigst du dich überströmmend,\nvom Mund zu lösen\ndas dunkel reiche Blut\nder Entzückung,\nals lösest du zage deinen Kahn vom Ufergrund.\n\nNacht im Garten\nJugend nacht, Morgenschlummer\nin seiiger Gliederlösung.\nMit ruhigem, tiefem Harm\ngemeinsames Atmen, Erwachen, Liebkosen...\nHinweben der Stunden im Sterngeflimmer,\nder dunkle geheimnisvolle Nacht-Dom\nvoll von goldenen Früchten.\nEine der großen goldenen Früchte\nnehme ich aus den Zweigen\ndes Baumes, der unser Lager schirmt,\nund lege sie z\\v Ischen unsere nackten Lenden.\nSie trennt uns:\nzartes sanftes Gefäß von treuer Bildung,\nreinlicher Scheidung,\ndas Gott in unsre Finger gab.\nAus dem Rade seines heimliches Kreises\nschfwingt es tausendfachen Samen,\ndiese Nacht soll es uns trennen,\ndamit wir nicht ermüden\nbis zum Morgen in den Liebkosungen zu strahlen\n\nGranatwald\nEin tiefer Traum, am glühenden Leben,\nar zeitlosen Seins brennendem Wunder\nteilzunehmen,\nam herben Schweben zager Liebesfrauen,\ndie des Frühlings holde Glutgebärden zeigen.\nSie lächeln fromm aus heller goldner Heiterkeit,\nder Blumen Blau strömt auf vom goldnen Grund\nund glänzt erfrischt im düsteren Granatwald.\nIndes die schlanken Frauen ihre Hände\nineinaiiderlegen\nim wundersamen jungen Hag, rauscht droben\ndurch die Wipfel\nder starke Engel mit den wieißen Liebesgliedern\nund sendet süsse Wollust in den Morgenwinden.\nFern sind die steife Pracht, der Weihrauch und\ndie priesterlichen Sänge!\n\nGedächtnis\nIch sah. in Strahlen deinen Blick sich (heben,\ndes Glanzmeers Wölbung grüßtest du mit Singen\nund brauchtest keinen Trost.\nDu standst mit Beben auf dem tiefen Plan,\nvon deinem Herzen sanken\nlangsame Tropfen Blut,\ndoch genesen schautest du in Wolken,\nrot entglommen,\ndie holdselige Frau mit liebem Lächeln.\nDein Name sei mir zum Gedächtnis\nFest der Feste, Mal von Feuer,\ndas die Wolken purpurn färbt,\nStern sei dein Haupt,\nder Nächtens seinen Eisglanz zündet.\n\nHeimkehr ins Vaterland\nEs ist ein Tag ohne Sonne,\nich bin müde und träume von Heimat und\nHeimkehr.\nAuf grauem Karren\nzieht ein graues Pferd den dunklen Sarg,\ndfarin mein toter Körper ruht.\nAuf meinem Sarge aber sitzt meine Mutter\nund weint, weint graue Tränen in graues Tuch.\nNeben dem alten dürren Pferde geht mein greiser\nVater\nund hat einen schwarzen Mantel an.\nUeber graue holprige Fläche,\ndie rosenfarbene Wolken beglänzen, werde ich\nlangsam hingefahren,\nwo man mich eingraben wird,\nwährend von allen Seiten Riesengipfel der Alpen\nim Abendglühn aufstehn\nund jugendstark den grossen rosenfarbenen Himmel\nals heitre Fruchtschale\nüber ihre dunkelweißen Häupter heben.\nDenn Keinerlei Last ruht auf mir,\nmein Tod war rosenfarben wie der Himmel.\nAber, denke ich daran,\ndaß die Mutter über meinem Sarge sitzt mit\nWeinen,\nund mein Vater vorn rieben dem Meinen Pferde\nunsicher und ein wenig gebeugt geht,\nwill wieder Schluchzen\nund betäubender Krampf\nüber -meine toten Glieder kommen.\nAlles, was rosenfarben wiar,\nwandelt sich schwer und finster\nvor stürmender Gewitternacht.\nDas ist mein Weinen:\nMeine Eltern gehen müde und gebrechlich,\nniemand ist, der sie stützt,\nder sie in Treuen achtsam geleitet.\n\nAn den toten Dichter\nIr.« Sehnsucht Jenen, der sich von uns schied\nseh ich am milden Abend, der den kühlen Tag\nverbirgt,\ndas Haupt aus dunklen Ranken heben,\ndie Augen aus weihendem Haar trauern scheu\ngemieden.\nEinst schwangst du Himmelsherz\nam Jugendrand von Liedern trunken\ndich hoch im Raum\nauf ungeheuren Winden, Wolken winkten ...\nHeiterkeit, deine bunte Brause-Muschel,\nhat von den Jugendsängen\ngeheimnisvoll den goldhen Urklang\nin zarter Kammer aufbewahrt.\nAus tausend leeren Stunden\nist riesenhaft der kalte Tag gewachsen\nund hat sich über dich gewälzt,\nda du vermessen,\nin Jahrhunderten hingerissen,\nein Leben glühtest,\ndein anmes einzges Leben,\ndas trübe Sonne magerte.\nAm Abend sei dir letzte Ehr-Entbietung:\nim hohen Räume bin ich vor dein Bild getreten\nund stellte Kerzen auf das Linnen,\ndunkle Blut-Blumen standen aufgetan.\nDeine Lippen rührte namenlos\nveisehrend Lächeln.\n\nWein des Lebens\nWein des Lebens\nHimmelsbrüder kommt zum Mahl,\nFeuersöhne, Entzündete, Zündende.\nIn Kelchen glüht der Erde süßester Wein.\nAuf Tiegeln flammen Fackeln in Wirbeln,\nauf iden Rücken mächtiger Raubtiere, die wir\nbändigten,\nruhen unsre Häupter,\ndie Glieder sind selig von der Tierwärme.\nWeihende Klangkraft brennt im Saale,\nund Einer steht auf, singt glanzstrahlenden\nWeckruf:\nIch Kind, dem glühendem Nachtschoß Sohn;\nIch Kraft, Ueb erschäumen,\nTor, das Stern en-Lichtmacht auf tat,\nalles Licht verbindet neu zum seligen Brande."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.10", "texte": "Schweigend öffnen sich die Tore der Weltnacht,\nFackeln löschen.\nEiner liegt das Angesicht zur Erde gedrückt\nim Weinen, übermächtigen Stöhnen:\nkeine liebe Milde mag ihn trösten,\nkeine Menschenhand verhüllt se;n Leid.\n\nKlagen\nI.\nDa du in Qual zurückgestoßener Liebe\nblind den Himmel erregtest,\nda du zum Feuerkreise stiegst,\ndich sehnend traf Liebe,\nda du den Flammend-Schönen,\ndie selig niederlächeiln Liebe,\nklagenden Triebs\nzu gleichen glühst.\nDu öffnest die Aiime,\nwillst inbrünstig Sterbliches umfassen,\nwillst deine Sinne schärfen\nund immer höher reichen ins ewig Ahnungsvolle.\nEh du nicht bitter dich in dich bezwangst,\nwird nie in dir gehärtet\naus grausen dem Geblüt\nendlose bittre Qual\nzurückgestoßener Liebe.\nII\nIm Sehnen, jene hohe Schönheit zu gewinnen:\nUnschuld, Selig sein, inneres Beharren —\nerstarkt mir trennend Schicksal,\nein trotzges Widersprechen,\nim eignen Sinne zu beharren.\nErschließt sich wunderbares Lieben und Verstehen,\nEiner im Andren ganz genug zu weilen,\nzwei Wasser, die die große Strömung eint,\nzweifach Erkennen in der seltnen Stunde,\nEines und Gleiches für uns Beide\nund Eine Kraft, die Welt zu teilen :\nJäh sinkt vom Zweifelshauche tief verdrossen,\nvon einem Worte, das gedacht, doch nicht\ngesprochen ist,\ndie Eine Kraft. Die Kraft, durch die das Wissen\nwird,\nLeid zu ertragen\nund Schmerzen zuzufügen,\nwenn die trübe Stunde biegt\nIII\nMein schweres Klagen berg ich qualvoll,\nda ich vor dir soll wieichen,\nda feurige Tränen in sengender Scham\nherniederbeben\nvom nachtumizogenen Himmel,\nda ich in irrer Hast\nentflieh zu einsamen Bereichen.\nRuhlose pochen an ...\nWeinend mag ich nicht Bruderhände reichen,\nlinde Hände nicht zu meinen Haupte heben,\ndie meine Dörrglut wenden,\ndie grauenvollen Schatten scheuchen,\nwelche trennen deines Liebelächelns\nhold erstrahlend Zeichen.\n\nNächtliche Flußfahrt\nEinsam, bleich und frierend\nlehnt das fremde Mädchen am Geländer\ndes dumpf arbeitenden Schiffes.\nSchwarze Kielwirbel reißt es nach sich\nin den mondblauen Fluß wogen,\ndie mit gebannten Falten am Schiffe anschlagen.\nIhr drängenden heranwälzenden Grundwogen\nlegt eure wärmenden Buge\num die Hände des bleichen Mädchens,\nmit euren Lippen wollt ihr sie wärmen,\nvoll Zutrauen neigt sich zu euch sein Haupt\nim liebenden Zuhören,\neure nächtlichen Wangen\nliebkost es im mondweißen Schein.\nIhr atmet herauf tief kühlen Tanggeruch\nund blaues Licht nehmt ihr von unendlicher\nFluthöhe\nund schmückt sein Haar\nund den jungfräulichen Rücken.\nNacht dv r Liebe\nbreitet weit die Arme über die von Flammen\nfernbesäte Fahrt.\nVerzehrt zittert das einsame Rotlicht\nam schwanken Mäste.\nDie große schwere Rauchfahne des arbeitenden\nSchiffes\nbiegt sich erstickend übers Wasser\nund hüllt die klaren Lichter und den Fluß.\nVergeblich sende ich des Herzens stolzen Schlag\nin weite Nacht und Wind und Flut,\nin nahe Trennung, da ich einsam weine.\n\nErhebung\nSteigt zum Himmel aus meertönenden Orgeln\nGesänge der Vollendung,\nwacht auf von den Toten,\ngenest von der Sünden Krankheit,\nHochgewaiten haben\nden reinigenden Speer geboten\nrühmet des Knaben seligen Namen.\nDjm Reinen, Schweigenden\nward der umlohte heile Speer,\nihm, der des Lebens rote Fessel sprengte,\nerwachen Dankgesänge,\nwir hauchen im Lichtmeere\ndes Knaben seligen Namen.\n\nDas Dirnchen\nSie ist selig im erborgten Schein,\nsie ist leicht und fein,\nein Stern, der in den Himmel steigt.\nIch bin vom Anblick selig rein,\nihr zarter Gang dringt mir im Traume ein,\nim Schwung der ranken Füße\nsteigt sie aufwärts, tief errötend.\nIm Aufblick zu den fernen, blassen Wolken will\nich stehn.\nDann seh ich durch die blassen Linnen\nihre reichen Rosenglieder.\nWenn sie das schmale Köpfchen wiegt\nführt sie den Tanz,\nder weich uim ihre Hüften liegt,\nsich um den Mund im Lächeln biegt:\nder wunderliche Sprung,\nden irre Sterne krümmen\nin hoher Nacht,\nwenn Silbertau die Herzen hellt.\nEs soll erglühn ein Silberstern geschmiegt,\nwo ihre Brüste sich zutief berühren,\ndahin sie schamhaft ihre Finger legte,\nvon holden Eiferwinden angeblasen.\nWenn sie die Spielzeugkleider rafft,\nsei Gesang des Knaben.\nSelgen Schritts schwingt sie den Tanz:\nDer holde Kopf, gekränzt vom Zopf,\ndas flinke Fiißchen, das mich lockt\nin geschürzten schwimmerweißen Spitzen,\ndaß eine Heimat sei und Sterne,\nmacht sie reich und fern und frei.\n\nGeburt der Liebe\nDu schöne Frau, der früh mit sanftem Sinn ich\ndient ergeben,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,\ndie gelbe Rose im braunen Haar,\ngewühlt ins blutige Laub der Reben.\nDie zarten Brüste kränzt des goldnen Gürtels\nSchmuck,\ndeine reichen Glieder, die Wollust nicht versehrt,\nhüllen seidenblau Gewänder.\nVom tiefen Schooß, den deine starken Lenden\nhüten,\nhebst du die Rosenhand, die Tag von Nächten\nschied\nund schenket Tau in frühen Wonnen.\nDu bist der Morgenröte herbe düstre Schau,\nwoihl hütest du die Morgenfrucht,\ndie in den Sonnengärten keimt.\nEs leuchtede des hehren weißen Leibes Schein,\naa spielend wir kristallne Flut durchschwammen\nund in Berührung süß uns einten.\nWir opferten in heiiger Insel Hain,\ndie fern im Meer der Feuergott erschuf,\nder Liebenden Besiegler; smaragdengrün\nist sie zum sanften Tag erhellt\nvon Blumen ewgen Scheins. Ich krönte dich,\nda du dem Meer entstiegst in den Gewändern,\ndie von deinen Gliedern schienen rosenrot.\nDu führtest mich auf rauhen Stegen,\nwo hoch und schmal im Sprung vom Fels\neinst Jünglings-Neigung krönte Tod!\nEs wälzt von Heiligtum zu Heiligtum\nsich Meer mit Harfenschlägen;\nauf rauher Klippe, zu der uns Anmut führte,\nerglühte unsre Schau,\nob nicht die Morgenröte ernst das Meer errege,\naus weißem Schaum die Liebe stiege\nin dem blauen Licht.\nAuf daß die Sehnsuchtsqual nicht gar\nden wunderbaren Leib zerrütte,\nbaun wir die Tempel um den Erdkreis\nzu frommer Stifter Ruhm,\nin heller Knaben Hut,\nin ihnen wölbt sich stilles, tiefes Blau\nund Himmelsruh und Glück\nvom Anfang und dem Ende auf zur Mitte\nund wandelt unsre schmerzlich wache Regung\nim ungestümen Blut.\nDenn Frieden, der nicht solcher Andacht Frucht,\nder dich im Sturm und Hassen süß bezwang,\nder Frieden, der der Erde nur,\ndich salbt mit Oel und schafft zur Königlichen\nFreude,\nward lind nach irrer Pein\nin wunderbarer Nacht errungen,\nda Scham und Herzens Ohnmacht schwand,\nder schönen Brüste Reiz enthüllte\nschneeweiß die innig kühle Hand,\ndie sie umschlingt und alle Wollust stillt.\nDu schöne Frau, die sanften Sinns mich küßte,\ndu Haupt, das Sommerabends Sonnenrot verklärt,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.11", "texte": "du brachtest mir in Harm und Nacht den\nklaren Frieden,\nLicht für die Angst, Brot für die Gier,\nfür Feigheit Glut! An deinen Brüsten ruh ich,\nruh vom Streit und Weinen abgeschieden\nbei deinem Leib aus Schnee und Blut.\n»\n\nAn das liebliche und Innige Kissd Lilith fiart\nGeist der Liebe sanft auf Morgenflügeln,\nkein Wort hat je belebt so süßen Hauch.\nWenn eben dunkler Taubenflug entkreist den\nHügeln,\ndann jäh sich dreht,\nso wandelt auch mir traurig finstren Sinn\nein selig Sehen\nvom Liliengefieder frei und hoch im Blau.\nNach träumen, trauern, sehnen: brennend Wehe\nmein Blut im holden Ueberschwang erfuhr.\nMein Lilienkind!\ndas soheu und ernst Fürstinnen-Aug im\nDämm er hob,\nich habe nicht gewagt, dich zu berühren,\nals du die schweren Lippen,\ndie das Wort noch nicht erschlossen,\nzu meinem Munde neigtest.\nDa War getagt in deinem Leib\nder künftgen Seele Ehre,\nmein Kind, des zarte Glieder ich umschloß,\nihr feinen Hände, die ich fürchtend nahm,\ndu golden Haupt, das habe ich geküßt,\nmit blassem Edelstein im schmalen Feuerband.\nIch schwankte tiefbedrückt im rätselvollen Dunkel,\nvom Sommer nicnt, vom Grabes-Atem blind\ngenährt,\nwar ich gebannt vor Angst, vom inneren Gericht\nverdammt;\nda hast du deine reinende Berührung gewährt\nMit Weinen, da mich Ueberschwang ergriff,\nglüh ich am Abgrund, ruh vom schweren Kampf,\nda icl« Qie Herrlichkeit und Gott begriff,\nward mir der Erde Ahnung heilig kund.\nDie Kinderhände heben ihren Feuerbogen,\nder frische Mund verkündigt Laute himmelklar,\nein Muschelwagen weiß auf Meereswogen,\nin der Liebe Hände es gebettet war.\nEs schoß die Pfeile von der Feuersehne,\nund trafen, da ich betend rang im Däimmer,\naen Muschelwagen lenkte -es mit Silberklingen,\ndaß glühend Sehnen in mich Armen drang.\nMeine Hände bebten, da sie zag sein Haar\nberührten,\n„du bleib, bleib hier!\" mein Kind, Lilie,\nda mich deine Finger, meine Hände dich berührten,\nwill ich bei dir sein, und du sollst bei mir ruhen\ndicht.\nIü meines zagen Dämmers innig-stumme Kreise\ntrittst du, versöhnst mich wunderbar,\nvon hinnen nimmt mich deiner Aermchen Elfenreif\nmit Freuen einest du in heller Kinderweise,\ndas einsam glüht, vor Qual zersplittert ist.\nVon Verzweiflung hast du mich gereinigt,,\naus trüber Höhle bin ich nun geeinigt,\naus grimmer Fehde höchster Kraft von Feuer.\nMein Kind, vor dessen Hauch und Duft die Welt\nverweht,\ndas fromm mich anschaut, Ruhm und Wert!\nDir halten Kraft und Glut den Schwur, den\ngeisteshellen,\nals sich dein Mund mir scheu genaht, du sanft\ndich neigtest,\nda sich imein ewig Selbst erschloß,\ndas keine Erde fremdend überragt.\nDes Himmels Zauberklang hab ich vernommen,\nf.\ngesellt bin ich den ewigen Geistern,\ndu Kindeshand, die zarten Trost gewährt,\ndes Schwachen frommes Himmelsbrot und Wein.\nWenn idi von dir geh, mein Kind, verbirg\ndie Augen,\nverbergt euch, die ihr seht, daß Weinen kommt.\nWeil ich ahne, daß alle irdischen Dinge gerichtet\nsind,\nwenn aus deinen Augen und aus meinen Augen\ndie erste Träne kommt.\n\nWichtige Leute\nHerwarth Walden\n\nHofräte erinnern sich\nHofrat Paul Schienther: „Vor dreissig Jahren\nverkehrte ich viel im Hause Paul Meyerheims.\"\nHofrat Max Grube: „Fast auf den Tag sind es\nnur vierzig Jahre her — mir aber ist's, als wär's\ngestern gewesen, daß ich den etwas abschüssigen\nGeibelplatz in Lübeck, der damals freilich den\nweniger poetischen Namen Kuhberg trug, hinan-\nschritt, tum meinen ersten Besuch bei Emanuel\nGeibel zu machen.\"\nHofrat Schienther: „Es war noch nicht das\nvornehme Haus in der Hildebrandtstrasse, die ein\nbischen Schmollwinkel wurde. Es waren noch\nHaus und Garten in der Matthäikirchstrasse. Dem\nHaus sah man noch die alte Zeit an. Daß hier ein\nMaler wohnte, verriet das Atelierfenster in ober-\nsten Stockwerk.\"\nHofrat Grube: „Geibel war ein prächtiger Ge-\nsellschafter, der seine Meinung mit Feuereifer ver-\nteidigte, doch auch andere gelten liess.\"\nHofrat Schienther n „Im Winter gab ejs bei\nMeyerheims viele Gesellschaften, zu denen ein-\ngeladen war. Dann drängte sich in den immer-\nhin beschränkten Räumen das künstlerische Berlin\nzusammen. Man sah nicht bloss Maler und Bild-\nhauer.\"\nHofrat Grube: „Geibel sprach gewählt und\nschön, verschmähte jedoch auch einen derben\nAusdruck nicht, in seiner Redeweise war durch-\naus nichts Geziertes „Sauft, Kinder, sauft, es ist\ndas Beste!\" war die Vorrede für den warmen\nPunsch, der zum Beschluß der Abendmahlzeit re-\ngelmässig erschien, wie im Hause behauptet\nwurde, aus Gesundheitsrücksichten.\"\nHofrat Schienther: „An schönen Sommernach-\nmittagen kamen unzählige Freunde ungebeten in\nden Garten, setzten sich gruppenweise an den ver-\nschiedenen grünen Plätzchen nieder zu Kaffee und\nKuchen, Tee und köstlich belegten Brödchen.\"\nHofrat Grube: „Auf einen guten Tropfen hielt\ner überhaupt nach echter Poetenart. Ab und an\nwurde auch ein Gläschen Schaum spendiert.\"\nHofrat Schienther: „Eines Nacht, da der alte\nMeister Menzel gegangen war, hörte ich Meyer-\nheim das kühne Wort sprechen: „Een oller Stiebel\nvon Menzel ist mer lieber als de janze sixtinsche\nMadonna.\"\nHofrat Grube: „Geibels tiefe Seelenreinheit\nhatte etwas wahrhaft Kindliches im schönsten\nSinne des Wortes. Wagners Musik war ihm ver-\nhasst, weil sie sich seiner Meinung nach nur an\ndie Sinne wende.\"\nHofrat Schienther: „Es fehle auch nicht an Ver-\nsuchen, in der Matthäikirchstrasse die Faschings-\nLaune anzupflanzen.\"\nHofrat Grube: „Glauben Sie mir, sagte er ein-\nmal, ich habe oft mit Tränen in den Augen die\nVersfiisse an den Fingern abgezählt.\"\nHofrat Schienther: „Als echtem Tiermaler\nwaren ihm die kleinsten Tiere nicht minder lieb\nals die grossen.\"\nHofrat Grube: „Nachdruck verboten.\"\nHofrat Schienther: „Nachdruck verboten.\"\nEs ist doch schön, daß es grosse Künstler gibt.\nKöstlich belegte Brödchen und ein Glas Punsch,\nMeyerheims kleinste Tiere fassen Geibels Vers-\nfüsse, die Matthäikirchstrasse endet auf dem Kuh-\nberg, das muß mit Nachdruck festgestellt werden.\nDas war noch eine poetische schö-öne Zei-eit.\nDie Erinnerung der Hofräte reicht weit.\ni ■\n\nWarum ich Strindberg vorlese\nDie Dichter über Strindberg\nStrindberg ist nicht nur schlecht ins Deutsche\nübersetzt worden, er wird auch von Irene Triesch\nvorgelesen. Sie plaudert es aus, warum sie es tut.\nWenn Kunstkritiker und Schauspieler aus der\nSchule plaudern, ist es für die Katze. Es ist immer\ngut, wenn man sich entschuldigt. Man kann näm-\nlich niemals wissen ob es für die Katze ist. Zu einer\nVorlesung gehört eine Auffassung. Und auf die\nAuffassung kommt es an. Andere sehen volle Run-\ndungen und weichste Formen, doch seien wir sach-\nlich: „So fasse ich Strindberg auf: als den Genius\nder stets verkannt nur dort Liebe fand, wo sie\nkeinen Wert für ihn hatte und dort wo er Liebe\nsuchte, zurückgeworfen wurde, weil er in seiner\nFeinnervigkeit selbst dort sich wundstoßen mußte,\nwo Andere volle Rundung und weichste Formen\nsahen.\" Bei Irene Triesch fand er Liebe. Und\nmanchmal versagen eben feine Nerven bei der\nvollsten Rundung. Dafür war eben Strindberg der\nGenius der, ich möchte sagen, stets verkannt.\nNein: „Strindberg ist einer jener genialen Men-\nschen, die man, ich möchte sagen, erst richtig\nlieben kann, wenn sie selbst nichts Eigentliches\nmehr davon haben, die gestorben sein müssen, um\nden Andern wahrhaft zu leben.\" Wenigstens kann\nman nachdem Tode sich an den weichstem Formen\nnicht mehr wundstoßen. Jedenfalls ist wieder\neinmal einer jener genialen Menschen aufgefaßt,\nder Liebe suchte, wo sie keinen Wert für ihn\nhatte und dort wo er Liebe fand, zurückgeworfen\nwurde. Weshalb ich Irene Triesch nicht vorlese.\nGerhart Hauptmann: „August Strindberg ist\nfür mich eine der markantesten Persönlichkeiten\nunserer Epoche.\"\nThomas Mann: „Seit Tolstois Tode hat man\nohne Schwanken in August Strindberg den ersten\nGeist Europas zu grüßen.\"\nMaximilian Harden: „Das ist ein universaler\nKopf der die Welt von vielen Seiten ansah.\"\nAllseitig anerkannt, ein universaler Kopf wird\nsich doch einen ersten Geist leisten können und zu\neiner der markantesten Persönlichkeiten unserer\nEpoche werden. Trotzdem soll man an Strindberg\nglauben. Er war gegen Charakterköpfe."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151101-01.1.12", "texte": "Notiz\nVerlag Der Sturm\nWährend des Krieges erscheint „Der Sturm\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die\nDezember-Doppelnummer erscheint am fünfzehn-\nten Dezember\n\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 35\nBruck Carl Hause / Berlin SO 26\nEs werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig.\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer Straße 134 a\nGe&ffset tagtich von 10—6 Utir / Sanntags von\nll—2 Ufir\nCintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMoaatiicher Wechsel\nFiinfnnddreissigste Ausstellung\nGabriele Miinter\nSechsunddreissigste Ausstellung\nGraphik\nJacob* Tan Heeaskerck j Maria EJkde* / Arnold\nTopp j Bartkold Ase*dorpf / L. Georg Kt*d a. A.\n28. November\n(leaf: Geschlossen\nSturmausstelluageM in Deutsckland\nNovember: Brandenburg-Jfave!: Expressionisten:\nFraaz Marc / Gabriele Miinter / Jacoba van Heems-\nkerck J Carl Mease / Otakar Kubin j Canipeadonk /\nIsaac Grnnewald / Sigrfd Hierteu-Griiitewald /\nHeorg Mucfae\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFerarnf Amt Liitzow 4443\nflalbmonatsschrift Der Sturm\nErscfeeint am ersten und fiinfzehnten jodes Mooats\nOauerbezug\nGewohnHche Ausgabe Fur Deutschland\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig / Fii r das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs / Ein Halb-\njahr 4 francs 50 centimes / Ein Viertdjahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSender ausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\n•ehd un gin Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEfa Halbjahr 6 Mark / Fur das Ausland:\nEki Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\n$eser Ausgabe werden Vierteijahrsbezige, Einzel-\nfiummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Hummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFuafter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKtmsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nSurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegl Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwttnscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\n« en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß Ei n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschkn: Zwanzig Blatt Zelch»ungei® /\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier In\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartos la ©In-\nfacfaerer Mappe 12 Mark\n\nKavdinsky-Album / Sehrift des Kunstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbiidungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913\nHeentskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln signierte Originalholzschnitte I Auflage 30\nMappen I Mappe 6—30 je einhundert Mark\nBueher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ih r sti 11 e s\nQ1 ii c k —! / Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus j Roman I 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur / in ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Gelder Butten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du I Llebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna/ 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur liunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behtse: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte ,/ 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne /50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierische Augenbliok 112 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Waiden: Dalmslieder j 7m Qe-\ndichten von Arao Holz / Ffir Qesang und Wa-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzelni: Er\nh6rt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Waiden: Der Sturm / Heeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Boccioai: Dai\nLaches / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qiao S eve•\nrini: Die Modistin / Ruhelose Ttnzerin j Pan-\nPan Tanz /Umberto Boccioai r Abschied/\nKandinsky: Kompositiori 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Biid 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Hjerten-Griinewald: Kinder\nKartenvon Macke / Miinter / Marc Chagall (5) I\nKlee I Leger / Jawlensky I Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austeliungskataloge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffmfzig Ab-\nbiidungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Pia k a t fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / OriginaHithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 / Adolf Loos I 2 Herwarth Waiden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuMbert / Das Blatt 5 Mark\n\nGemalde / Aquarelle / Zeiehnungen/\nHanddrucke / Plastiken\nsind von folgenden Kunsttern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archipenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMens© / Campendonk / Gabrtele Miinter I Jaw-\nlensky / Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzin-\n§er / Marc Chagall / Feniand Leger / Jacoba van\nlieernskerck I Otakar Kubin / Emil Fftla / Vlncetsc\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni / Severinf 112\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Schmidt-\nRottluff I Fritz Baumann / Max Pecfcstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Zwolftes\nJa hr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmaussteliungen j\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation\nDas zwolfte Jahr begann am I. April 1915 / Die\nSturmgabe, die die Mitglieder des Vereins ftir\nKunst im Jahr 1915/16 frei erhalten, ist: Heems-\nkerck: handgedruckter und signierter Holzseimitt\nauf Kaiserlich Japan-Papier\n\nZeitsehriften\nUmelecky Mesicaik / Monatsschrift fOr neue iiad\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nNeu erschienen: Adolf Knoblauch: Die\nschwarze Fahne / Eine Dichtung / Qeheftet 2 Mark\nVerlag Der Sturm Berlin W 9\nEttde November erscheint: August Stramm: §e-\nschehen / Sturmbuch XI / 50 Pfennig- / Verlag\nDer Sturm / Berlin W 9\nFelix Muller / Dresden: Handgedruckte Holz-\nschnitte und Originallithos / Zu beziehen durch\nden Verlag Der Sturm Berlin W 9\nLJmberto Boccioni: Pittura Scultura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / Mian©\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsate-\nund Deckelpapiere fur Biichereinb&nde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}