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Nachträglich be-\ndauert allerdings von seinen wohltätigen Freunden,\ndie sich darüber freuten, daß andere Leute wohl-\ntätig waren und sie als Zahlstelle benutzten. Da\nPaul Scheerbart nach alter deutscher Sitte jedem\nMann, auch wenn er Dichter war, beim Glase Bier\ndas Du anbot, vielmehr das angebotene Du an-\nnahm, so standen eben alle Fachdichter mit ihm auf\ntrautem Du. Die Kollegen wollten ihn durchaus zu\nsich herunterholen, die Sternenwelt war ihnen\nnicht sicher genug, um sich dorthin zu begeben.\nSie vermißten sonst an ihm Alles, was sie hatten,\nund deshalb war er Künstler. Er schuf die Men-\nschen nicht nach ihrem Ebenbilde, er erfand Luft-\nschiffe und Fliegerbomben, bevor sie erfunden\nwurden, er erfand beinahe das Perpetuum mobile,\nwährend die andern nur perpetuierlich mobil\nwaren. Jetzt sind viele Leute mobil, die früher\nnicht geglaubt hätten, daß es möglich wäre. Aber\nso mobil wie Paul Scheerbart können sie doch\nnicht werden. Bei ihnen ist höchstens die Dornte\nmobile, während es bei Paul Scheerbart gleich die\nganze Welt war. Spaß muß sein, er darf sogar\nernst genommen werden, nur muß er nicht ernst\nsein. Aber die Kollegen sind so vom Ernst des\nLebens gepackt, daß sie den Künstler gern mitlei-\nden lassen möchten, statt sich mit ihm zu freuen.\nMitleid ist eine Tugend des Künstlers, Kollegen ge-\nbrauchen davon -nur 10% für wohltätige Zwecke,\naber mit Leid ist noch keine Welt geschaffen wor-\nden. Da ging es bedeutend vergnügter zu. Alles im\nWeltenraume kreist. Nur die Herrschaften auf der\nErde stehen so still, daß sie das Kreisen gar nicht\nmerken und es ihnen erst wissenschaftlich bewie-\nsen werden muß. Und trotz aller Wissenschaft ist\nihnen die Sonne nur dazu da sie zu bescheinen.\nSelbst das macht sie nervös und sie suchen angst-\nvoll den Schatten, auf daß ihr Gehirn nicht\nplatze. Paul Scheerbart ließ die Gehirne platzen.\nDie Dichterkollegen seiner Zeit und deren Nach-\nfolger sind dagegen, weil sie nichts zum Platzen\nhaben. Sie machen das Kunstgeschäft mit der Ero-\ntik und verkriechen sich am Weibe. Paul Scheer-\nbart warf sich in den Weltraum. Und weil Paul\nScheerbart nicht immer schlief, wurde er von den\nZeitgenossen zum Anti-Erotiker ernannt. Darum\nbesingen die Andern den Schlaf, während Paul\nScheerbart im Schlafe singt. Die andern stürmen\nins Leben wild hinaus, Paul Scheerbart stürmte\naus dem Leben. Die andern müssen dazu\nerst sterben, während Paul Scheerbart auch\ndieses Sterben als Privatangelegenheit be-\ntrachtete, und sich das Recht nahm, sich\njederzeit beliebig in andere Welten zu begeben,\nohne die Erde, die sich größenwahnsinnig Welt\nnennt, danach ergebenst zu fragen. Der Dichter\nShakespeare, den Scheerbart übrigens nicht leiden\nkonnte, hat eigens Narren benützt, um Königen\ndie Wahrheit zu sagen. Die deutschen Schriftstel-\nler und ihr ungeistiger Anhang empfinden Scheer-\nbart als Narren, trotzdem sie noch lange nicht Kö-\nnige dieser Erde sind. Könige sind beherrschter\nund fühlen sich von Gottes Gnaden. Deutsche\nSchriftsteller sind sich selbst genug. Mir noch lange\nnicht. Wenn sie ihr Gewerbe in Erotik und ver-\nwandten Dingen nur in ihrem schönen Heim allein\nbetreiben würden und nicht die Kunst damit be-\nhelligten, so könnte man sie ruhig auf dem Hypo-\nthekenmarkt herumstehen oder sich am Rasen-\nsport ergötzen lassen. Sie dürften nach dem Wet-\nter sehen, gefallene Pferde bestaunen und sich so-\ngar einen entsetzlichen Anblick darbieten lassen.\nSie dürften über jede Dummheit lachen, die ihnen\nselbst widerfährt, aber sie sollten nur nicht ver-\nsuchen, die Welt mit der Erde zu verdecken. Denn\nselbst ihr bescheidenes Plätzchen im Schatten\nwäre ihnen ohne Sonne nicht möglich. Sie könnten\nsich gar nicht kühl fühlen, wenn es daneben nicht\nheiß wäre. Und darum finden sie Paul Scheerbart\ngrotesk, weil er nicht im Schatten sinnen wollte.\nAußerdem war ihnen Paul Scheerbart zu unbe-\nscheiden. Sie freuten sich über ihre Mietswohnung\nam Kurfürstendamm, er wollte gleich einen Palast\naus Glas haben. Und weil sie die Mietswohnung\nhatten und er den Glaspalast nicht hatte, finden\nsie sich überlegen. Woher weiß man, daß Paul\nScheerbart diesen Glaspalast nicht hatte. Selbst\nder Referent der Frankfurter Zeitung wird doch\nnicht überall gewesen sein. Und es sind zwischen\nHimmel und Erde schon viele Dinge geschehen,\nvon denen viele sich nichts haben träumen lassen,\nweil ihnen Träume unberechenbar sind. Aber\nwirklich, man kann nicht Alles berechnen. Mancher\nrechnet sein ganzes Leben und es stimmt doch\nnie. Und vieles stimmte, wenn die andern nach-\nrechneten. Nicht die Formel ist das Ergebnis, aus\ndem Ergebnis zieht man die Formel. Und wenn\nman sich in der Formel irrt, stimmt selbst die\nganze Rechnerei nicht. Also Paul Scheerbart hatte\nden Glaspalast. Ich habe ihn gesehen. Und noch\nein paar Menschen, an deren Glaubwürdigkeit\nnicht zu zweifeln ist. Freilich, Leute die an dem\nGlauben zweifeln sind nicht würdig, den\nGlaspalast zu sehen. Deshalb haben ihn\nauch so wenige gesehen. Und die kurz-\nsichtigen schon lange nicht. Die sehen\nimmer nur einen! Stern, wenn eine Sternschnuppe\ngefallen ist. Der Stein ist grau wie alle Theorie.\nDie Kurzsichtigen wissen auch genau, daß Nichts\nsich ewig bewegt. Es muß sich eben alles aus-\nruhen. Man hat eigens eine vis inertiae, eine Kraft\nder Trägheit erfunden. Nur keine Aufregung. Aber\nwährend sie auf die Kraft unter sich starren, fliegt\ndie Kraft über sie weg und das Gesetz der Träg-\nheit wirft sie auf die Erde. Paul Scheerbart be-\nwegte sich andauernd, während sie mit ihm bei\nTisch zu sitzen meinten. Noch beim fünfzehnten\nGlase Pilsener drehte er sich in der Welt, während\nsich in ihnen nach dem fünften Glase Bier endlich\ndie Erde im Kopfe zu drehen begann. Beim sech-\nsten Glase schliefen sie gemäß dem Gesetz der\nTiägheit, während Paul Scheerbart beim zwan-\nzigsten Glase die Fehler Shakespeares bewies.\nAuch Shakespeare hat seine Fehler. Aber das Ge-\nsetz der Trägheit schützt sie. Und die andern\nschlafen schon lange, wenn sie bewiesen werden.\nNun aber ist man allseitig zufrieden, daß Paul\nScheerbart dem Stern Erde verließ, die Erde muß\nentgöttern werden. Götter sind nichts für ernsthafte\nLeute, die sich Könige dünken und Erdarbeiter\nsind. Aber warum sollen sich nicht Götter auch\neinmal auf der Erde aufhalten, wenn es ihnen\nSpaß macht. Sie nehmen niemandem etwas, sie\nverkriechen sich nicht in die Spalten der Organe,\ndie schon genug besetzt sind. Sie sind Organe. Sie\nwerden gefunden, auch wenn sie verlegt werden.\nSie werden sogar verlegt, auch wenn sie nicht ge-\nfunden werden. Götter leben, auch wenn sie tot-\ngeschrieben sind. Denn es ist göttlich zu leben.\nNeulich sagte mir jemand, Paul Scheerbart sei\neigentlich der erste Expressionist gewesen. Sicher,\ndenn das Leben machte auf ihn keinen Eindruck.\nUebrigens hat es noch früher einen Expressioni-\nsten gegeben, der hieß Heinrich von Kleist.\nDer letzte Freund von Paul Scheerbart hieß\nAugust Stramm.\nUnd Anna Scheerbart heißt die Frau, die für\nPaul Scheerbart lebte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "99", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.4", "titre_corps": "Die Mücke", "titre_sommaire": "Die Mücke", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.2", "debut_caractere": 7161, "fin_caractere_exclue": 10307, "texte": "Die Mücke\n\nWas ist geistiges Eigentum? Geistiges Eigen-\ntum ist eine Zeitschrift für Literatur- und Presse-\nwesen des Journalisten- und Schriftsteller-\nvereins Urheberschutz herausgegeben voa\neinem Herrn Friedrich Huth zu Charlotten-\nburg bei Berlin. Die Abonnenten dieser\nZeitschrift können mit 25 %\\ Rabatt elegant\ngebunden für Mark 4— eine Schrift des\nHerrn Huth erwerben „Das Recht des Autors\"\nerläutert an Beispielen aus der Rechtspraxis. Der\nHerr Huth ist ferner Vorsitzender der Rechtskom-\nmission des Journalisten- und Schriftstellervereins\nUrheberschutz E. V. Ich kann dem Literatur- und\nPressewesen nur raten, sich nicht allzusehr auf die-\nsen Herrn Huth zu verlassen. Denn die deutsche»\nGerichte wissen entschieden mehr vom Urheber-\nschutz als der Verein, der sich unter die Hut des\ngeistigen Eigentums begeben hat. Das werden die\nHerren bald einsehen. Nicht einsehen werden sie,\nwas Kunst ist. Das ist ein anderes Fach, das mit\ndem Literatur- und Pressewesen nichts zu tun hat.\nEs ist für einetfr Stubenmaler höchst drollig, zu\nsehen wie aus Farben ein Bild entsteht. Für den\nHerausgeber eines Pressefachblattes höchst drollig\nzu sehen wie aus Worten ein Gedicht entsteht:\n„Nach der Probe, die mir kürzlich ins Haus geflat-\ntert ist, muß dies eine höchst drollige Zeitschrift\nsein. In einigen Zeitungen ist aus dem Sturm ein\nGedicht „Feuertaufe\" abgedruckt worden, dessen\nVerfasser ein Herr August Stramm ist. Der Ab-\ndruck des „Gedichteis\" erfolgte natürlich, um die\nLeser durch die Fülle unfreiwilliger Komik zu er-\nheitern und Kritik zu üben an dem Verstände eines\nRedakteurs, welcher seinen Lesern derartigen\nBlödsinn bietet.\" In diesen Zeilen ist nur auffallend,\ndaß dem Vorsitzenden der Rechtskommission Huth\nder Abdruck eines Gedichtes natürlich erscheint\nDas bereitet mir sehr viel unfreiwillige Komik und\nes erheitert mich, daß man durch eine Rechtsver-\nletzung Kritik an meinem Verstände üben will. Der\nVerstand der Verständigen scheint für die Jura\nalso doch nicht auszureichen. Allerdings haben die\nverständigen Dichter auch eine unverständliche\nVorstellung vom geistigen Eigentum. Denn sie las-\nsen sich Eigentum schützein, was ihnen nicht ge-\nhört. Sie verändern einige Worte aus den Dich-\ntungen der Herren Goethe, Schiller und Heine,\nmachen sie für das Literatur- und Pressewesen\ngeeignet, soweit es die Gedichte nicht schon in\nsich selbst waren, und lassen sich die Dichtungen\nder toten Kollegen bezahlen. „Auch vom Kollegen\nBarlösius war ein treffliches Gedicht vom Schüt-\nzengraben eingelaufen, das neben anderem Grüßen\naus dem Felde zur Verlesung kam.\" Das Gedicht\nist leider natürlich nicht abgedruckt, sonst hätte\nich gerne Mark 100— Nachdruckshonorar gezahlt,\nwenn ich mir diesen Schützen hätte einfangen kön-\nnen. Also der Kollege Barlösius weiß, wie trefflich\nes in dem Schützengraben zugeht. Ein Herr August\nStramm weiß es nicht und der blödsinnige Redak-\nteur druckt unsinnige Gedichte ab, weil ihn sinnige\nGedichte nicht interessieren. Auch der Hannover-\nsche Kurier hat natürlich das Gedicht „Feuertaufe\"\nvon August Stramm nachgedruckt und „schlug\ndem Sturm für die nächste Nummer folgendes Ge-\ndicht vor:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8958, "texte": "«O\nAti\njfust! Du bist\ndas größte\nschaf-\nfende\nüchterisch-\nt Genie des\nJahr-\nkunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\"\nHierzu bemerkt der sinnige Herr Huth: „Wir\nkönnen nun leider dem Hannoverschen Kurier\nnicht beistimmen. Sein Gedicht kann sich mit dem\nvon Stramm absolut nicht messen — denn in den\nVersen des Hannoverschen Kurier liegt doch\nwenigstens ein Sinn, während man das Stramm-\nscbe Elaborat nur als absoluten Blödsinn oder gro-\nben Unfug bezeichnen kann.\" Der Dichter und\nKollege Hannoverscher Kurier steht unter dem\nSchutz des geistigen Eigentums. „Aber die Komik\ndieses Gedichtes wird noch überboten durch die\nEreignisse, die sich an den Abdruck des köstlichen\nSchriftwerks knüpfen. Der Verlag Der Sturm for-\ndert für den Nachdruck des Gedichtes, wo immer\ner es abgedruckt findet, zehn Mark. Und wir sind\nveranlaßt, ein Gutachten darüber abzugeben, ob\ndenn ein derartiges Werk Schutz genieße. Im\nGrunde verlohnt es sich gar nicht, hier viel Scharf-\nsinn aufzubieten. Von einem Schriftwerk muß\nman vor allen Dingen verlangen, daß es dem Ge-\ndankenaustausch dient; die Worte müssen in einer\ndem Sprachgebrauch angepaßten Weise zusam-\nmengefügt werden, um dem Leser Gedanken zu\nübermitteln. Auf die größere oder geringere Kunst-\nfertigkeit kommt es nicht an.\" Ich weiß nicht, von\nwem „wir\" veranlaßt ist, ein Gutachten abzugeben\nJedenfalls sicher nicht vom Gericht. Vor Eröff-\nnung des Verfahrens ernennt ein Gericht über-\nhaupt keinen Sachverständigen, und wenn es einen\nernennt, so ernennt es einen Sachverständigen.\nWarum das Verfahren noch nicht eröffnet ist, kann\nich dem „wir\" nicht begreiflich machen. Für Dinge\ndes Urheberschutzes reicht sein Verstand nicht\naus. Er kann nur Gedichte des Kollegen Hanno-\nverscher Kurier verstehen. Immerhin soll der\nScharfsinn den „man\" aufgeboten hat, nicht ver-\nloren gehen. Denn es gibt keinen absoluten Blöd-\nsinn, an dem man nicht den absoluten Sinn aufzei-\ngen könnte und keinem groben Unfug, an dem man\nnicht mit Fug grob werden könnte. Der\nBlödsinn des Literatur- und Pressewesens\nwird aus der Definition des Schriftwerks klar.\n„Man verlangt von einem Schriftwerk, daß es\ndem Gedankenaustausch dient.\" Goethe hat also\ngedichtet, um mit einem Herausgeber Fried-\nrich Huth Gedanken auszutauschen. Was hat\nHerr Friedrich Huth ihm in Tausch gegeben? Das\nBuch „Das Recht des Autors\" Mark 4— elegant\ngebunden, wobei Goethe noch um die 25% Rabatt\nkommt, weil er nicht Abonnent des Geistigen\nEigentums war. Wenn man was verlangt, Herr\nFriedrich Huth, im Tausch verlangt, muß man\netwas geben. Wenn man aber einem Künstler ein\nGedicht gebraucht wiedergibt, so ist das kein reel-\nles Geschäft. Doch die Worte müssen auch in einer\ndem Sprachgebrauch angepaßten Weise zusam-\nmengefügt werden. Dieses Anpassungsverfahren\nIst zwar im Literatur- und Pressewesen sehr be-\nliebt, Leute aber, die es sich leisten können, tra-\nten keine gebrauchtem Sachen. Namentlich nicht,\nwenn sie so schäbig\" sind, daß der durchlöcherte\nVerstand aus allen Fugen scheint „Von einean\nSchriftwerk kann man aber nicht sprechen, wenn\nWorte ohne sinngemäße Verbindung aufgereiht\n»\nwerden, — Worte denen man nocht nicht einmal\nanzusehen vermag, ob es Haupt- oder Tätigkeits-\nworte sind, ob sie als Subjekt oder Objekt oder\nPrädikat im Satz auftreten — soweit überhaupt\nbei Mangel jeglicher Interpunktion von einer Satz-\nbildung die Rede sein1 kann/' Herr Friedrich Huth\neiikennt einen Satz an der Interpunktion. Wenn er\nalso schreibt: Friedrich Huth . Punkt, so ist der\nSatz fertig, dem Sprachgebrauch angepaßt, dem\nGedankenaustausch dienend. Er besteht zwar nur\naus einem Subjekt, das mir als Objekt dient und\ndem ich kein Prädikat geben will. „Die Stramm -\nsche Dichtung besitzt aber den Vorzug, daß sie bei\njeder überhaupt möglichen Auffassung, Deutung\nund Zusammenfassung der Worte absoluten Un-\nsinn .ergibt — weshalb ich auch zu dem Ergebnis\ngelangt bin, daß höchstwahrscheinlich ein Geistes-\nkranker Urheber dieses Werkes ist.\" Dieser ab-\nsolute Unsinn des Ergebnisses ist grober Unfug.\nEs ist nicht meine Aufgabe und nicht Aufgabe die-\nser Zeitschrift, Dich August Stramm, Du großer\nKünstler, vor Schwachsinnigen zu zergliedern. Was\nkörperlich an Dir war, hast Du auch zum Schutz\nder Urheber hingegeben. Noch war Dein Qeist\nstark genug, zu fallen. Hier die Bescheinigung der\nGeisteskrankheit:\nNachruf\nAm 1. September 1915 fiel bei einem Sturmangriff\nüber einen Kanal an der Spitze seiner Kompagnie\nHauptmann der Reserve\nAugust Stramm\nRitter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, des Oester-\nreichischen Verdienstkreuzes mit der Kriegsdeko-\nration, und eingegeben zum Eisernen Kreuz 1.\nKlasse. Seit Januar dieses Jahres dem Regiment an-\ngehörend, hat er an den schönen Erfolgen des Regi-\nments zum Teil als Bataillonsführer hervorragen-\nden Anteil. Sein Name ist mit der Geschichte des\nRegiments, das mit ihm einen seiner tüchtigsten\nOffiziere verloren hat, eng verknüpft. Als treuer\nKamerad und unermüdlich fürsorgender Vorgesetz-\nter wird er uns allen unvergeßlich sein.\nIm Namen des Offizierkorps\nAhlers\nMajor und Kommandant des Reserve-Infanterie-\nRegiments 272-\nAugust Stramm wird also wohl über soviel\nVerstand verfügt haben, wie Herr Friedrich Huth\nnach seinem Ergebnis. Damit wäre allerdings die\nKünstlerschaft nicht bewiesen. Herr Friedrich Huth\nkann zwar Sätze bilden, weil Andere sie für ihn\ngebildet haben. Aber auf das Bilden kommt es an.\n„Man\" soll sich nicht fremde Federn an den eige-\nnen Hut stecken. „Man\" sollte nicht einmal den\nHut für ein geistiges Eigentum halten1. „Man\" sollte\nden Hut lieber zwischen die Beine stecken, da\ndoch kein Kopf da ist. Das ist mein Ergebnis. Denn\nabsoluter Unfug kann nur aus grobem Blödsinn\nsinngemäß entstehen. Uebrig bleibt die ehrliche\nUeberzeugung: „Ich kann meine ehrliche Ueber-\nzeugung nur dahin aussprechen, daß diese Dich-\ntung Quatsch ist.\" Diese Ueberzeugung ist zwar\nehrlich aber nicht vom ihm. Denn nach hundert\nJahren oder vielleicht schon übermorgen wird der-\nselbe! Herr Friedrich Huth das Prädikat finden und\nden neuen August Stramm bequatschen, der nach\nhundert Jahren kommt oder vielleicht schon über-\nmorgen. Herr Friedrich Huth ist hingegen so gütig,\nanzunehmen, daß die Redaktion des Sturms die\nDichtung schon heute nicht für Quatsch hält. Und\nzwar nicht aus Gründen des Verdienstes. Aus\nGründen des Verdienens: „Nicht derselben Ansicht\nscheint die Redaktion des Sturm zu sein, da sie\ndem Werke Aufnahme gewährte und für jeden Ab-\ndruck zehn Mark Entschädigung einzieht. Da ge-\nwinnt man fast den Eindruck, daß die Redaktion\ndes Sturm nach möglichst blödsinnigen Gedichten\nUmschau hält, weil sie sicher ist, daß diese dem\nAbdruck nicht entgehen können. Neben dem Hei-\nterkeitserfolge bietet also die Methode Gelegen-\nheit, bemerkenswerte Entschädigungen zu erlan-\ngen. Das ist allerdings verständlich, da es in dieser\nZeit nicht leicht ist, mit literarischer Arbeit etwas\nzu verdienen.\" Gewiß bin ich insofern sicher, daß\nich unberechtigtem Nachdruck nicht .entgehen kann.\nDenn dazu ist ja die Zeitschrift Geistiges Eigentum\nund der Verein Urheberschutz vorhanden. Die\nganze spießbürgerliche Gemeinheit dieser Schrift-\nstellerchen zeigt sich jedoch in der Unterstellung.\nDieser Mensch, der angeblich das Recht auf geisti-\nges Eigentum vertritt, wagt so etwas zu schreiben,\ndieser Mensch, der niemals auch nur eine einzige\nNummer dieser Zeitschrift in der Hand gehabt hat,\ndieser Mensch, der nach eigenem Eingeständnis\nnur das eine Gedicht von August Stramm kennt\nund auch das nur aus einem unberechtigten Nach-\ndruck mit Druckfehlern. Dieser Herausgeber einer\nZeitschrift, dieser Rechtsschützer der Arbeitneh-\nmer hält es für eine Ausnutzung, Arbeitgeber am\nMißbrauch fremden Eigentums zu verhindern.\nNein, meine Methode soll die Gelegenheit vebieten,\ndaß der Name August Stramm in einem Blatte ge-\nnannt wird, das über ihm den Namen Friedrich\nHuth trägt. Solche Leute können nur durch Zah-\n>\nlung zur Achtung vor Recht und Kunst gebracht\nwerden. Der Verlag Der Sturm verwendet aber\nnoch mehr bemerkenswerte Entschädigungen zu-\ngunsten der Künstler, denen das Literatur- und\nPressewesen die Existenz nimmt. Und dieser Herr\nFriedrich Huth, der sich zum Sachverständigen er-\nnennt, besitz natürlich die Kühnheit, im Namen\ndes deutschen Volkes zu sprechen: „Aber in einem\nPunkt ist der Irrtum unmöglich, daß das deutsche\nVolk, das in diesem Krieg soviel gesunde Kraft be-\nkundet hat, sich einreden lassen wird, daß sich ab-\nsoluter Unsinn dadurch in ein schutzberechtigtes\nGedicht verwandeln lasse, daß ein spekulativer\nKopf ihm ein Stück Papier zur Verfügung stellt.\"\nDiese Spekulation auf das deutsche Volk ist miß-\nglückt. Herr Friedrich Huth ist nicht das deutsche\nVolk. Noch hat es gesunde Kraft genug, um sich\nsolche Helden unter dem Schreibtisch hervorzu-\nholen.\nDiese Ohrfeige dürfte Herrn Huth wohl zu-\nnächst genügen. Man schießt nicht gegen Mücken.\nWie diese Mücken diei Kämpfer umschwärmen.\nAber wir schwärmen über ihnen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "101", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.5", "titre_corps": "Die Fliege", "titre_sommaire": "Die Fliege", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.3", "debut_caractere": 8960, "fin_caractere_exclue": 9736, "texte": "Die Fliege\n\nWas ist die Ethische Rundschau? Die „Ethische\nRundschau\" ist die „Vereinszeitschrift der Gesell-\nschaft zur Förderung des Tierschutzes und ver-\nwandter Bestrebungen in Berlin W 15, Düsseldor-\nferstraße 23. Mitgliedsbeitrag mindestens 5 Mark.\nFür den Inhalt der Zeitschrfit ist jedoch nur der\nHerausgeber, nicht der Vorstand verantwortlich.\"\nDas kann ich mir denken. Menschen, die sich ehr-\nlich um den Tierschutz bemühen, haben keine Zeit,\nauch gegen Kunstmißhandlungen einzuschreiten.\nDamit beschäftigt sich ausschließlich der Heraus-\ngeber der „Ethischen Rundschau\". Er hört auf den\nNamen Magnus Schwantje und hat furchtbar\nwenig Zeit: „Der Herausgeber empfiehlt den\nSchriftstellern, welche Aufsätze in der „Ethischen\nRundschau\" zu veröffentlichen wünschen, aber"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10945, "texte": "liieht von ihm um Mitarbeit gebeten worden sind,\nihm zunächst den Inhalt der Aufsätze genau anzu-\nheben und ihm die Manuskripte nur dann zu sen-\nefe**, wenn er darum bittet. Die Prüfung von Ma-\nnuskripten, um deren Einsendung der Herausgeber\nnickt gebeten hat, kann in der Regel erst mach Mo-\nnaten erfolgen.\" Ferner erscheint die „Ethische\nwährend des Krieges mit einem Trau-\nerfand und schließlich ist der Herausgeber wäh-\nrend der ersten acht Monate des Jahres 1915\ncfurck den Krieg verhindert worden* Hefte der\n„Ethischen Rundschau\" herauszugeben. In diesen,\nacht Monaten hat der Herausgeber die Gesetze der\nEthik vergessen, aber doch die Zeit gefunden, in\nüe Kunstausstellung „Der Sturm\" zu gehen, eine\nProbeniatimer mitzunehmen, unberechtigte Nach-\ndrucke herzustellen und einen Aufsatz eines Herrn\nOtto Köster „Fäulnis in der modernen Kunst\" zu\nprüfen und ihn anzunehmen. Diese Ethiker, die\nihre Zeitschrift wegen des Krieges mit einem Trau-\nerrand erscheinen lassen, erwarten trotzdem durch\nim Krieg „die geistige und sittliche Wiedergeburt\niLÄseres Volkes. Es kam aber anders. Der Sturm\nier sittlichen Begeisterung legte sich im Laufe der\nMonate ein wenig, der Sturm des Herrn Herwarth\nWaideaf dagegen blieb.\" Er wird also wohl echter\nsein. Herr Otto Köster ist selbstverständlich so\nahnungslos wie alle ethischen Bekämpfer der\nKunst. Er hält die Kriegsflugblätter von Paul Cas-\nsirer für ein Organ der neuen Kunst, während sie\ntatsächlich nur ein Organ für verwandte Bestre-\nbungen sind, die sich mit Tierschutz und Ethik be-\nfassen. Die Kunst hat nicht das Geringste mit ihnen\nzu tun, weder die neue noch die alte. Herr Köster\nhat noch weniger Zeit als Herr Schwantje, denn\ner war nicht einmal im Sturm, sondern hat nur an\n„Straßenschaufenstern Proben des modernen\nKunstunfugs gesehen.\" Hierauf macht er sich ent-\nwicklungsgeschichtliche Sorgen, beruft sich auf\nden „bekannten Kunstkritiker4 Kurt Küchler,\nKriegsberichterstatter des Hamburger Fremden-\nblatts, der auch „ein Gegner der neuen Richtung\"\nist, beruft sich ferner auf Schopenhauer, redet von\nphilosophischen Modeströmungen und fällt hierauf\ngründlich rein: „Kein Zweifel, daß diese neue\nKunst ihren Jüngern mancherlei schätzbare Vor-\nteile bietet. Vor allem: sie enthebt sie eines lang-\nwierigen, mühsäligen Naturstudiums. Ein Böcklin,\nder stundenlang im Anblick eines Baumzweiges\nversunken bleiben konnte, ein Menzel, dessen\nzahllose Skizzenbücher ... — sie waren Toren,\ndie ihre Energie an einem Irrtum vergeudeten.\"\nBöcklin machte noch ganz andere Sachen. Er be-\nsä!) sich eigens in das Altertum, hielt sich dort\nmehrere Jahre lang auf, im Anblick der Centauren\nversunken, um Gestalt und Farbe seinem Gedächt-\nnis in allen! Einzelheiten einzuprägen. Herr Otto\nKöster hingegen macht sich das Leben leichter, er\nMacht sich nicht zahllose Skizzen über Kunst, geht\nzufällig an einem Straßenschaufenster vorbei und\ndank seiner philosophischen Schulung erkennt er\ndie Fäulnis in der modernen Kunst mit Willen und\nofaite Vorstellung. Früher war es besser, sagt\nHerr Otto Köster, aber heute: j,Das Genie von\nketite ist reich genug, um eine eigene Welt aus\nsich, aus seinen Seelenerlebnissen und Nerven-\nscirwingungen zu gestalten: er bedarf nicht äuße-\nre? Gegenstände, sondern höchstens äußerer\nReize, nicht räumlich zeitlicher Gesetze, sondern\nvölliger Freiheit in der Wahl seiner Ausdrucksmit-\ntel,\" Hierzu bemerkt Schopenhauer, der maßge-\nfcemde Autor der „Ethischen Rundschau\": „Wenn\nwir bei Betrachtung eines Werkes der bildenden\nKunst oder beim Lesen einer Dichtung oder beim\nAnhören einer Musik durch alle die reichen Kunst-\nMitte! hindurch den deutlichen begrenzten kalten\nwäefeternen Begriff durchschimmern und am Ende\nhervortreten sehen, welcher der Kern dieses Wer-\nkes war, dessen ganze Konzeption mithin nur im\ndeutlichen Denken desselben bestanden hat und\ndemnach durch die Mitteilung desselben von\nGrund aus erschöpft ist; so empfinden wir Ekel\nund Unwillen: denn wir sehen uns getäuscht und\num unsere Teilnahme und Aufmerksamkeit betro-\ngen. Ganz befriedigt durch den Eindruck eines\nKunstwerks sind wir nur dann, wann er etwas hin-\nterläßt, das wir bei allem Nachdenken darüber,\nnicht bis zur Deutlichkeit eines Begriffs herabzie-\nhen können. Das Merkmal jedes hybriden Ur-\nsprungs aus bloßen Begriffen ist, daß der Urheber\neines Kunstwerks, ehe er an die Ausführung ging,\nmit deutlichen Worten angeben {konnte, was er\ndarzustellen beabsichtige: denn da wäre durch\ndiese Worte selbst sein ganzer Zweck zu er-\nreichen gewesen. Daher ist es ein so unwürdiges\nwie albernes Unternehmen, wenn man wie heut-\nzutage öfter versucht worden, eine Dichtung Sha-\nkespeares oder Goethes zurückführen will auf eine\nabstrakte Wahrheit, deren Mitteilung ihr Zweck\ngewesen wäre. Denken soll freilich der Künstler,\nbei der Anordnung seines Werkes: aber nur das\nGedachte, was geschaut wurde ehe es gedacht\nwar, hat nachmals, bei der Mitteilung, anregende\nKraft und wird dadurch unvergänglich\" Böcklin\nhingegen sah sich stundenlang einen Baumzweig\nan, um ihn im Gedächtnis zu behalten, sagt Herr\nOtto Köster, auch ein Philosoph. Und er will\ndurchaus denken, was er nicht schauen kann und\nwas er noch nicht einmal durchdacht hat. Hierauf\nberuft sich Herr Otto Köster auf die Königsberger\nliartungsche Zeitung, wo jemand gesagt hat, daß\nman mit der neuen Kunst Millionen verdienen\nkönne. Es sollte nicht einmal gegen die neue\nKunst sprechen, wenn damit Millionen verdient\nwürden. Aber die Maler, die mit ihrem Kitsch nur\nHunderttausende verdienen, sind schwer beun-\nruhigt, daß das Geschäft gestört werden könnte,\nund die Philosophen, die ihre Welt aus dem Ham-\nburger Fremdenblatt und der Königsberger Har-\n'tungscheii Zeitung beziehen, sind stets für das\nVerständliche gewesen. Herr Otto Köster ist\nschließlich betrübt, daß es keine allgemein aner-\nkannte philosophisch ästhetische Grundiiberzeu-\ngung gibt, dieser Mangel hat „die heillose Zerrüt-\ntung des europäischen Kunstlebens ermöglicht.\"\nHierzu bemerkt Schopenhauer: „In der Kunst ist\ndas Allerbeste zu geistig, um geradezu den Sinnens\ngegeben zu werden: es muß in der Phantasie des\nBeschauers geboren, wiewohl durch das Kunst-\nwerk erzeugt werden. Hierauf beruht es, daß die\nSkizzen großer Meister oft mehr wirken als ihre\nausgemalten Bilder; wozu freilich noch der andere\nVorteil beiträgt, daß sie aus einem Guß im Augen-\nblick der Konzeption vollendet sind; während das\nausgeführte Gemälde, da die Begeisterung doch\nnicht bis zu seiner Vollendung anhalten kann, nur\nunter fortgesetzter Bemühung mittels kluger\nUeberlegung und beharrlicher Absichtlichkeit zu-\nstande kommt.\" Das wird Herr Otto Köster zwar\nnicht verstehen und darum flüchtet er sich zu\nKant: „Daß es allgemein gültige (künstlerische\nGrundsätze, daß es die für die Naturwissenschaft\nund die Ethik so auch für die Aesthetik ein a priori\ngibt und daß auch auf dem Felde der Kunst die\nzügellose« Ausschweifungen eines sich durch kei-\nnerlei Gesetzesschranken gebunden fühlenden\nSubjektivismus nicht geduldet werden dürfen, dar-\nüber sollte seit den Tagen Kants von Rechts\nwegen kein Zweifel mehr bestehen. Indessen: Wer\nfragt denn heute, von ein paar sonderbaren und\nein wenig altfränkischen Schwärmern abgesehen,\nnach Kant. Herr Waiden vom Sturm würde ihn in\nseiner geistvollen Art vermutlich für eine Mumie\nerklären, die man bei historischen Festzügen auf\ngeputztem Wagen durch die Straßen fährt.\" Ich\nwerde zwar in meiner geistvollen Art nicht Herrn\nKantft dazu benutzen, sondern Herrn Otto Köster,\nich kann ihn nicht mal für eine Mumie erklären,\ndenn die hat vermutlich einmal gelebt, Begriffe\nwie Herr Otto Köster hingegen niemals. Natürlich\ngibt es für die Kunst ein a priori, nur kann Herr\nKöster es a posteriori nicht begreifen. Denn nur,\nwas er begreifen kann, hält er für ein a priori. Da!.»\ner aber die „Kunst der Waiden, und\nGenossen\" nicht begreift, beweist das a priori die-\nser Kunst.\nDer Oberethiker, der große Schwant je, der\nMann der keine Zeit hat, veröffentlicht eine Nach-\nschrift zu dieser stinkenden Fäulnis des Herrn\nOtto Köster. Er hat sich einmal eine Ausstellung\ndes Sturms angesehen, nicht ohm> sich vorher mit\nder Vorbereitung eines dauernden Friedens und\nder Verwendung der Sanitätshunde im Kriege be-\nschäftigt z?u haben. Auch hat er vorher in der\nSchopenhauer-Gesellschaft einen Vortrag gehal-\nten, die mit Schopenhauer soviel zu tun hat, wie\nder Goethe- Bund mit Goethe. Dieser philo-\nsophische Ethiker schreibt in Anschauung und\nStil des „Berliner Lokalanzeigers44. Ich erschlage\nihn mit Schopenhauer: „Die Werke der Dichter,\nbildender und darstellender Künstler überhaupt\nenthalten anerkanntermaßen einen Schatz tiefer\nWeisheit: eben weil aus ihnen die Weisheit dter\nDinge der Natur selbst redet, deren Aussagen sie\nbloß durch Verdeutlichung und reinere Wieder-\nholung verdolmetschen. Deshalb muß aber freilich\nauch jeder, der das Gedicht liest oder das Kunst-\nwerk betrachtet, aus eigenen Mitteln beitragen,\njene Weisheit zu Tage zu fördern: folglich faßt er\nnur so viel davon, als seine Fähigkeit\nund seine Bildung zuläßt; wie ins tiefe\nMeer jeder Schiffer sein Senkblei so tief\nhinabläßt, als dessen Länge reicht. Vor einl Bild\nhat Jeder sich hinzustellen, wie vor einen Fürsten,\nob und was es zu ihm sprechen werde; und wie\njenen, auch dieses nicht selbst anzureden: denn\nda würde er nur sich selbst vernehmen.\" Ist nun\nSchopenhauer größenwahnsinnig, oder ich, oder\nder große Schwantje. Kaum betritt er die Kunst-\nausstellung, so bequatscht er die Bilder: „Das\nganze Blatt Papier ist gleichmäßig bekritzelt, so-\ndaß sich garnichts erkennen läßt . . . sämtliche dort\nausgestellte Plastiken, an die ich mich erinnere,\nhatten Köpfe, denen Mund, Nase, Augen, Ohren\nund Haare fehlten . . . Diese Zeichnung besteht\naus vielen Dreiecken, Vierecken und anderen Fi-\nguren, von denen die meisten schraffiert sind.\"\nDas sieht Herr Schwantje. „Alle Verirmngen\nder Menschheit müssen wir Ethiker untersuchen,\num den menschlichen Charakter kennen zu ler-\nnen.\" Wer hat nur Schwantje zum Ethiker er-\nnannt? Schopenhauer sicher nicht. „So unge-\nfährlich ist der Futurismus aber nicht. Die Ge-\nschichte zeigt, daß auch die tollste geistige und\nsittliche Entartung, wenn man sie nicht rechtzeitig\neinzudämmen trachtet, sich auf so weite Kreise\nausbreiten kann, daß sie die Entwicklung der ge-\nsamten» Kultur schädlich beeinflussen.\" Das dürfte\neigentlich nur Herr Otto Köster geschrieben\nhaben, der für Kant ist, während doch Herr\nSchwantje mit Schopenhauer anderer Ansicht sein\nmüßte über das, was wir Ethiker tun sollen. Wenn\nHerr Köster auch Angst hat, daß ich Herrn Kant\nabweise, so ist die Angst begründeter, daß Scho-\npenhauer es tut. Aber auch ihm wird vermutlich\nHerr Köster das Recht versagen, gegen Kant zu\nsein. Doch das Mitglied der Schopenhauer-Gesell-\nschaft müßte wieder für Schopenhauer sein.\nAber die Herren nach Kant und Schopenhatier\nhaben offenbar noch niemals auch nur eine\nTaschenausgabe dieser Werke gelesen, Schopen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1875, "texte": "hau er sagt: „Wer sagt euch, daß geschehen soll\nwas nie geschieht? Was berechtigt euch, dies\nvorweg anzunehmen und demnächst eine Ethik in\nlegislatorisch imperativer Form als die allein mög-\nliche uns sofort aufzudringen? Ich sage im Ge-\ngensatz zu Kant, daß der Ethiker wie der Philo-\nsoph überhaupt sich begnügen muß mit Erklärung\nund Deutung des Gegebenen, also des wirklich\nSeienden oder Geschehenden, um zu einem Ver-\nständnis desselben zu gelangen, und daß er hierin\nvollauf zu tun hat, vielmehr als bis heute nach ab-\ngelaufenen Jahrtausenden getan ist.\" Herr\nSchwantie aber, der kleine Ethiker in der Westen-\ntasche, hat zuviel andere Dinge zu tun. Er muß\nsich um die Sainiitätshunde kümmern, um die Vor-\nbereitung des dauernden Friedens und um die Ge-\nfahren des Futurismus. Er muß Entartungen ein-\ndämmen, daß er nur so eine Art ist. Alles\nsehr schön und nützlich, nur muß man nicht be-\nhaupten, „zur Erläuterung und Vertiefung der\nethischen Anschauungen und zur Förderung ethi-\nscher Bestrebungen\" tätig zu sein. Warum den\nMu'nd so voll nehmen? Warum sagt der kleine\nSchwantje statt ethischer Bestrebungen nicht lie-\nber Tierschutz und statt Läuterung und Vertiefung\nder ethischen Anschauungen Erziehung zur Kunst-\nlosigkeit. Eine Anschauung hat Herr Schwantje\nnicht, dazu redet er zu viel. Und von Läuterung\nkann keine Rede sein, wenn man in sein Blätt-\nchen die Fäulnis von Otto Köster aufnimmt. Der\nliebe Schwantje sollte sich überhaupt erst dann\nwieder mit etwas beschäftigen, wenn er Zeit hat.\nDas wird der Fall sein, sowie er den dauernden\nFrieden endgültig vorbereitet hat. Auf einen Satz\nvon Schopenhauer ist Herr Schwantje grundsätz-\nlich stolz: „Die von mir aufgestellte moralische\nTriebfeder bewährt sich als die echte dadurch, daß\nsie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt.\" Auch,\nHerr Schwantje. Sonst war Schopenhauer anderer\nAnsicht.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "104", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.6", "titre_corps": "Von Zeit und Ewigkeit", "titre_sommaire": "Von Zeit und Ewigkeit", "signature_source": "Herwarth walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.5", "debut_caractere": 1877, "fin_caractere_exclue": 9722, "texte": "Von Zeit und Ewigkeit\n\nEs gibt nicht nur Zeitungskollegen, es gibt auch\nZeitschriftenkollegen. Das sind Herren, die sich\ngegenseitig besprechen, ohne daß dabei ein Geist\nherauskommt. Trotzdem möchte ich die Geister,\ndie ich nicht rief, loswerden. Ich muß mit der\nPresse sagen: das geht zu weit, weil es nicht\nweit genug geht. Nur kein Ziel, nur kein Ende des\nWeges, und wenn das Ende auch mit vielem Be-\nmühen Kokoschka oder Lasker - Schüler oder\nAugust Stramin heißt. Gewiß, Spaß muß sein, aber\nauch wenn sich der lebendige Oppenheimer tot-\nsagen läßt, durch allzufreundliche Freunde, so\nwird der tote Oppenheimer doch dadurch nicht\nlebendig, daß die B. Z. am Mittag sein Dasein be-\nscheinigt. Herr Franz Werfel wird dadurch nicht\nlebendig, daß ihn Herr Kurt Wolff den Zukunfts-\ndichter der neuen Jugend nennt. Umsoweniger,\nda Herr Kurt Wolff sicher nicht wissen kann, was\nHerr Werfel in der Zukunft werden wird. Ich weiß\nes. Die Herren von der Zukunft, die mit Modernität\nfortschreiten, haben keine Gegenwart und höchst\nlogisch also keine Zukunft. Es sei denn, daß Herr\nMaximilian Harden sich der neuen Jugend erbarmt,\nwas aber auch) höchstens für die Vergangenheit\neinen Wert hat. Denn wir lesen nicht in der\nZukunft. Es gibt viele Talente auf dieser Erde,\naber die Talente bilden kein Zeitecho, wenn sie\nauch noch so talentvoll gegen die Zeit herum-\ntappsen. Sie rennen doch nur in der Zeit herum.\nAuch weiße Blätter haben keine Farbe. Und auf die\nFarbe kommt es an. Die Zeit vergeht und die\nWeißen Blätter blühen nicht und die Herren mit\ndem Talent wollen doch in der Sonne und auf der\nErde stehen. Sie müssen sich wenigstens an einem\nFetzen halten: „Wir haben angekündigt, daß das\nZeitecho aktueller und lebendiger werden soll und\nmit dem täglichen Leben möglichst eng verknüpft.\nWir gehen darin so weit, daß wir im graphischen\nTeil Modebilder bringen werden. Denn heute\nscheint die Mode das Gebiet zu sein, auf dem sich\nKunst und Leben am innigsten verknüpfen. Für die\nwenigstens, die in der Nagelung eiserner Männer\nkeine Verknüpfung von Kunst und Leben sehen.\nDie Modebilder werden auch vom reinen künst-\nlerischen Standpunkt, also für Leute, die nicht für\nMode, wohl aber für Kunst Verständnis haben,\nhöchst beachtenswert sein.\" Nicht etwa der neue\nProspekt des Konfektionärs leitet so die Aktuali-\ntät seines täglichen Lebens ein, sondern die Zeit-\nschrift der Zukunftsdichter der neuen Jugend, das\nZeitecho hat den Fetzen gefunden, durch den es\nsein Leben alle vierzehn Tage auf dieser Erde be-\nweisen will. Aber auch diesen Fetzen hat es nicht\neinmal gefunden, denn der oder die Moden-Alfred-\nMarie reicht seine oder ihre Schleppe den\nZukunftsdichtern, auf daß sie ihn oder sie\nverherrlichen mögen nach alter wohlbewähr-\nter Art der Troubadoure. Zwar kommt es\nnicht mehr so sehr auf die Frauen an\nals auf das, was auf ihnen hängt. Aber das täg-\nliche Leben schreitet fort, wenigstens alle vier-\nzehn Tage, und wird auf einen reinen künstleri-\nschen Standpunkt gestellt, der aber als Stand-\nkomma nach unten zu erheblich unter den Satz\nfällt. Nämlich unter den Satz daß Nagelung keine\nVerknüpfung sei. Freilich sind die Zukunftsdichter\nvernagelt und unter sich verknüpft. Wrenn man\nden Nägeln aber auf den Kopf schlägt, stellt es sich\nheraus, daß gar kein Kopf da ist, aber ein Knopf,\nder die Kunst an die Mode näht. Der große\nDämonikcr, Herr Doktor juris Hanns Heinz Ewers,\nhat schon vor Jahren aus der Kunst sich seine\nKrawatten gedreht, zur großen Absatzfreude der\neinschlägigen Industrie. Herr Doktor juris Hanns\nHeinz Ewers erreichte damit keinen Wahnsinn,\nden er doch so gern packen möchte oder von dem\ner wenigstens doch so gern gepackt sein möchte,\naber doch eine Methode. Er blieb bei einer\nBranche. Die Herren der Zukunft sind lebendiger.\nSie gehen aufs Ganze. Herr Rudolph Hertzog liefert\nlaut Anzeige des Zeitechos die Stoffe und Moden-\nAlfred-Marie mit dem zweifelhaften Artikel druckt\nsie auf echt Japan-Papier und koloriert sie mit\nseiner oder ihrer feinen Hand. Signierte Kleider\nwerden aufkommen und die deutsche Kunst kann\nsich unter die weiten Röcke verkriechen. Ich ziehe\neinige Herren wieder hervor. Der Herausgeber,\nder den Widerhall der Zeit herausgibt, weil ihm\nder Hall zu laut ist und weil die Zeit ihn nicht\nherausgibt, setzt Herrn Franz Werfel mit folgen-\nden Worten der Zeit aus: „Viel schöner, viel grau-\nsamer, viel weltlicher, als ich es je könnte, be-\nschreibt Franz Werfel die Daseinsangst — die mich\nimmer treibt, wieder fröhlich zu sein — in seinem\nBuch „Einander\" in dem Gedicht von Adam.\" Der\nHerausgeber ist also nur zwischen zwei Ge-\ndankenstrichen fröhlich. Warum hat er Daseins-\nangst, wo sie Herr Franz Werfel für ihn beschreibt\nund mich dadurch ohne Gedankenstriche fröhlich\nmacht. Gewiß, auf das Beschreiben kommt es für\ndie Modeschriftsteller an. Und die Mode, die uns\ndoch wieder mit dem Leben verknüpft und die\nKunst als Schleifchen mit sich führt, hat noch nie\neine schlechte Konjunktur gehabt. Die Mode macht\nman mit. Und mit der Mode.macht man es. Und\naus den Resten läßt sich noch manches Kleidsame\nzusammenstellen. Man soll nie die Gelegenheit ver-\nsäumen. Zwar macht Gelegenheit Diebe, aber auch\nLiebe. Die Liebe ist wieder mit den Damen ver-\nknüpft und die Damen mit der Kunst, sodaß sich\ndie Nagelung eiserner Männer erübrigt. Doch zur\nDaseinsangst:\n„An diesem Kreuzweg, abendlich umlauert\nGewahr'ich plötzlich, wie mein Leben dauert/'\nDer alte Adam in Jamben, wie er leibt und lebt.\nDer Kreuzweg, Ecke Wilhelmstraße - Unter den\nLinden, ist nur abendlich umlauert, weil der Adam\nplötzlich gewahr wird, daß sein Leben noch immer\ndauert. Ich sichere eis ihm mindestens für die Zeit-\ndauer des Zeitechos zu.\n„Ich hör in mir die Zeit, die schafft und mauert,\nGleichgültig innen Schlag an Schlag erschallen.\"\nDie Zeit mauert, weil das Leben eben dauert.\nUnd aus ihrer Gleichgültigkeit kann sie durch diese\nJamben auch nicht geweckt werden. Aber die\nZeit allein genügt nicht, um ihm sein plötzliches\nLeben glaubhaft zu machen. Herr Kurt Wolff, der\nVerleger, fordert seine Gedichte:\n„Das Tier des Daseins hat mich überfallen,\nEin Atem geht, der groß mich überstreicht.\"\nInnen gemauert und aussen überstrichen, doch\ndas Gedicht geht weiter:\n„Auf meiner Schulter, riesenhaft und leicht\nSitzt es mir vogelfern und endlos eingekauert.\"\nOder wie man früher sagte:\nEin blondgelockter Jüngling\nmit pechrabenscharzem Haar.\nWas entschieden logischer ist, als wenn das\nBiest jenem endlos eingekauert auf der Schulter\nsitzt. Einkauern setzt nämlich voraus, daß auch der\nSchwanz dabei ist.\nNun kommt der alte Adam in neuen Kleidern,\nneu wie alt:\n„Und um mich Sternensturz und Fels und Baum\nGehn ihres Wegs und wandeln Traum in Traum/4\nDas hätte ich sehen mögen, wie der Sternen-\nsturz mit dem Fels und Baum ihrer Wege gehen.\nDer Zukunftsdichter hat es sicher auch nicht ge-\nsehen. Wenn aber etwa der Sternensturz um ihn\nsein sollte, und ganz bescheiden Fels und Baum\nnur ihres Weges gehen, so ist das Gedicht schlecht\ngefaltet oder gebügelt, wenn es sich um den Adam\nhandelt. Allerdings ist der Herr Dichter über-\nträumt :\n„Ich Ueberträumter, wie ich steh und stehe\nFühl ich mich an, und weiß, daß ich mich drehe.\"\nEr weiß es, aber ich nicht. Ich habe nicht den\ngeringsten Grund, dieser Aussage zu glauben. Die\nDrehung, sehr geehrter Herr Dichter, muß erst\ndurch Gestaltung bewiesen werden. Sonst glaube\nich immer, daß ich noch steh und stehe. Und wie\nwunderbar sich mein Unglaube bestätigt, er dreht\nsich nicht, er wird gedreht und geht endlich oder\nvielmehr er fährt endlich mit Fels und Baum und\nSternensturz weiter:\n„Gedreht mit andern fahr ich hin\nUnd weiß nur Eins: es ist kein Sinn\nIn de m Ich bin.\"\nDa's wußte ich allerdings. Aber jetzt tritt\nAugust Stramm für ihn ein:\n„Ichbin ist um mich.\"\nDer Zukunftsdichter besinnt sich auf den Kein-\nsinn. Sein Ichbin hat keine langen Beine, denn in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5905, "texte": "derselben Zeile findet er schon die Verknüpfung\nmit der Zeit wieder und schreibt:\n„Ich bin eingeschlossen,\nUnd „Unentrinnbar\" ist der zweite Name der Welt!\nZerbräch ich mich, wär ich nicht ausgegossen,\nNur neu in den verruchten Tanz gestellt!\"'\nEs ist leichter, aus der Haut als aus der Welt\nzu fahren, und wer sich zerbricht, ist noch nicht\nausgegossen. Und wenn ich diese Dichtung zer-\nbreche, ist auch kein Tropfen auszugiessen. Darum\nweiter in den verruchten Tango:\n„Denn All ist Alles,\nKein Loch in der Zeit,\nKein Raum' hinter der Unendlichkeit\"\nAlles ist weg. Die Zeit ist zugemauert Und\nRaum ist in der kleinsten Hütte, warum müssen\ndie Herren ihn hinter der Unendlichkeit suchen,\nwo ihnen doch in ihrer Endlichkeit sovie'le Salons\noffen stehen. Aber schon kommt ihm die Moden-\nAlfred-Marie zu Hilfe:\n„Ach, wie unsäglich unverknüpft\nMir jedes Ding vorüberhüpft!\nDer eitle Sturm, der eitle Wald\nDer eitle Ich vorüberwallt/'\nAch wie so trügerisch. Der eitle Ich wallt nicht\nvorüber. Sein Drumrum muß gesehen werden. Das\nwird ihn »schon wieder mit den vorüberhüpfenden\nDingern verknüpfen. Nun knüpft sich der Zukunfts-\ndichter auf:\n„Niemals ein Mein,\nImmer nur Sein!\nWill ich was halten,\nLöst sich und brichts.\nVon den Gestalten\nNichts kan ich halten\nNicht einmal nichts.\"\nSehr richtig. W-orauf Goethe fortführt:\nAus Fünf und Sechs\nSo sagt die Hex\nMach Sieben und Acht\nSo ist's vollbracht\nUnd Neun und Eins\nUnd Zehn ist keins.\nDer Zukunftsdichter gibt die Droschkenfahrt\nnach Unentrinnbar auf:\n„Flucht ist mir nicht gegeben\nWohin ichi mich wende — Leben.\nSo will ich mich denn verweben\nIns Ewige, ins Allein\nAuf dieser Erde eben\nSitzen und sein und Schrein.\"\nNun eben. Aber dieser Herr Dichter entwickelt\ndie Kunst noch weiter: während der Herausgeber\nnur die Kunst mit dem Leben verknüpft, verwebt\nder Dichter das Ewige mit dem Leben. Spinnerei\nund Weberei. Aber dieses „Eben\" rührt mich. Es\nist so hilflos. Wenn er wenigstens Streben ge-\nschrieben hätte, was doch auf die Zukunft weist\nAber nichts für ungut. Er will doch nur noch\nsitzen und sein und schrein. Den Schrei nach der\nMode. Sie wird ihn umhüllen. Nur keine Angst,\njunger Adam, es wird schon schief gehen. Hierzu\nbemerkt das Zeitecho: „Als der Ergste unter den\nDichtern der letzten Generation, hat Werfe! große\nund hohe ethische Forderungen aufgestellt. In edel-\nstem Pathos und hoher Begeisterung singt er von\nden heiligen Ideen der Menschenliebe und des\nSchuldbewußtseins.\" Diese letzte Generation mit\ndiesem ersten Dichter muß doch wohl den Raum\nhinter der Unendlichkeit gefunden haben. Hohe\nethische Forderungen aufzustellen, ist keine Kunst.\nMan mus sie außerdem selbst bezahlen können.\nAber nicht nur die Zeit, auch das Zeitecho be-\ndarf eines verantwortlichen Schriftleiters. Der ist\nüber seinen Dichter zu Tränen gerührt. Er ver-\nöffenlicht, was man so veröffentlichen nennt, einen\nBrief an den Verleger des Herrn Dichters Werfel:\n„Sie fragen nach einer Kritik. Doch wohl nicht im\nErnst? Schönheit, Liebe, Inbrunst — sind das\nDinge, die man kritisiert?\" Ich habe es für\nden Herrn Verleger im Spaß getan, ohne\nauf Gegenbesprechung wert zu legen. Schön-\nheit, Liebe und Insbrunst sind allerdings keine\nDinge, aber diese Gedichte sind so dinglich, daß\nman sie handgreiflich fassen kann. „Wie mannig-\nfaltig sind die Tränen, die über dieses Buch geweint\nwerden! Und das arme Herz weiß schließlich selbst\nselbst nicht, weshalb es schluchzen und zittern\nmuß. Vor Freude? Vor Schönheit? Vor Leid?\nVor Liebe?\" Du armes Herz, vergiß die Qual.\nDenn die Freude, die Schönheit, das Leid, die\nLiebe, Herr verantwortlicher Schriftleiter, sagt\nman nicht, wenn man Künstler ist.\nUnter den gütigen Rock der Mode werden von\nder letzten Generation mit hinunter genommen die\nHerren Holitscher und Kellermann. Ja, der Hö-\nllischer. „Was der erzählte von Ostpreußen und\nseinen Verwüstungen, das ist nicht von Berufs\nwegen gesagt, sondern aus einem von Mitleid\nzerrissenen Herzen und aus einer großen erbar-\nmenden Liebe heraus.\" So sagt ein letzter Dichter,\nnamens S. D. im Zeitecho. Herr Holitscher ist\nsicher nicht zum Dichter berufen, auch wenn sein\nHerz von Mitleid zerrissen ist. Das Mitleiden ist\nkein Mittel zur Kunst. Eher schon das Leiden.\nAber das ist peinlicher. Und wohlverstanden, nur\nein Mittel. Herr Kellermann wird zum Dichter\nernannt, weil er diesen Satz schrieb: „Es ist unbe-\ngreiflich, daß nicht die Sonne am Himmel schwarz\nwird und die Sterne erlöschen.\" Nämlich in der\nSchlacht. Vielleicht ist die Sonne schwarz ge-\nworden, und vielleicht sind die Sterne erloschen.\nWenn Herr Kellermann etwas unbegreiflich findet,\nist es vielleicht sehr begreiflich. Er weiß nämlich\nallzugenau, daß die Sonne nicht schwarz wird und\ndie Sterne nicht erlöschen. Man kann nicht das Un-\nbegreifliche dadurch begreiflich machen, daß man\ndas Unbegreifliche unbegreiflich nennt. Die Kunst\nist eben, das Unbegreifliche begreiflich zu machen.\nNur sind die Hände nicht das Werkzeug hierzu.\nAuch Herr Carl Spitteier wird von den letzten\nDichtern für einen Kollegen gehalten. Die Herren\nstellen sich sogar eine Stufe unter ihn. Das ergibt\nsich aus der etischen Forderung. Er soll von\nder deutschen Tagespresse als undankbarer\nDeutschenfeind verlästert worden sein. Darum\nkommt er eine rauf. Alle aus Mitleid Zerrissenen\nreichen die andere Wange hin. Die beste Methode\nfür jede mässige Begabung des Auslands, in\nDeutschland anerkannt zu werden, besteht zur Zeit\nund zum Zeitecho darin, gegen Deutschland un-\ndankbar zu sein. Die Zerrissenen kennen die\ngrosse n Begabungen des Auslands nicht. Die\nsind i n si c h geborgen wie die großen Deutschen.\nDer Künstler erfüllt die ethische Forderung,\nohne sie erst aufzustellen. Der Künstler braucht\nkeine Anerkennung, weil er erkennt. Der Künstler\nbraucht keinen Widerhall, weil er tönt Der Künstler\nbraucht sich nicht an den Schatten zu klammern,\nweil er scheint.\nO, meine Freunde, wie wir scheinen.\n\nHerwarth walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102/103", "page_fin": "102/103", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.6.1", "titre_corps": "Emil Maetzel: Badende Knaben / Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Emil Maetzel: Badende Knaben / Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102/103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 46, "texte": "Emil Maetzel: Badende Knaben / Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "105", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.7", "titre_corps": "Professorale", "titre_sommaire": "Professorale", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.7", "debut_caractere": 5907, "fin_caractere_exclue": 9366, "texte": "Professorale\nDer Kunstpfeifer\n„Daß es keinem Europäer jemals gelungen ist,\nmit den schiefäugigen Schuften aus Asien in ver-\ntraute menschliche Beziehungen zu kommen, ist\neigentlich für die Bewertung japanischer Kunst\nschon ausreichend.\" Nun hat Ehrlich seinen Hata\ngefunden und wir dürfen uns also mit der Bewer-\ntung japanischer Kunst weiter befassen trotz\nHerrn Richard Pfeiffer, Professor an der König-\nlichen Kunstakademie zu Königsberg in Preußen,\nder sich also grundsätzlich äusserte. Im übrigen\nrühmt er frei nach dem deutschen Dichter Lessing\nTugenden, die er nicht hat: nämlich den deutschen\nStil. „Nicht nur der Generalquartiermeister\nschreibt diesen herrlichen Stil, den unsere pracht-\nvollen Heere lieben.\" Herr Professor Pfeiffer liebt\nihn nicht, denn er gehört offenbar dem Heere nicht\nan, und er kann ihn auch nicht schreiben, den\ndeutschen Stil. Dafür hat er aber eine Wesens-\nart: „Mit Worten läßt sich unsere Wesensart nicht\nerschöpfen.\" Wo bleibt der deutsche Stil?,, Wollen\nwir aber doch darüber reden, so könnten wir sie\nvielleicht kurz als eine vollkommene Durchdrin-\ngung von Intuition und bürgerlicher Solidität be-\nzeichnen. Diese beiden Pole in gleicher Stärke\nzu vereinigen, ist u n s allein eigentümlich.\" Herr\nProfessor Pfeiffer rühmt kurz vor diesen Sätzen\n„die stark einsetzende Sprachreinigung\", die bei\nihm aber ausgesetzt hat. Die Art des Wesens dieses\nProfessors ist stark durchlöchert, denn seine\nWesensart wird vollkommen von Intuition und\nbürgerlicher Solidität durchdrungen. Die bürger-\nliche Solidität wird durch die Tätigkeit des Herrn\nProfessors an der königlichen Kunstakademie ein-\nwandfrei bewiesen. Bedauerlich bleibt nur. daß\ndie Sprachreinigung bei der Intuition aussetzte.\nVermutlich muß die Intuition als undeutfsch ver-\nworfen werden. Nur ist die Intuition viel deutscher,\nals alle Kunstprofessoren glauben. Die bürgerliche\nSolidität in der Kunst hat zwar nicht die Kunst tot-\ngemacht, aber die deutschen Künstler unterdrückt.\nSelbst eine solide Begabung wie Menzel wurde\nvon der Akademie verwiesen. Noch immer haben\ndie Akademien nach fünfzig Jahren Solidität aner-\nkannt. Sogar Begabung wird verziehen, wenn sie\nnachgemacht werden kann. Bildet sich aber keine\nSchule, so ist es klar, daß Lehrer dagegen sein\nmüssen. Denn wo bliebe die bürgerliche Existenz,\nwenn den Lehrern die Schule entzogen würde.\nAuch der Generalquartiermeister von 'Stein hat\nkeine Schule gemacht. Wie darf man sich auf\neine Autorität beziehen, die man anerkennt, aber\nnicht erkennt. Nidht einmal die Kenntnisse zur Er-\nkenntnis bringen diese Leute mit. Diese Lehrer\nsind ganz ungelehrig. Sie sitzen solide auf ihrem\nLehrstühlchen, auch wenn die Welt in Trümmer\ngeht. Würde der Generalquartiermeister in seinem\nwirklich deutschen Stil gemeldet haben: Polen ist\nverloren, so würde vom Lehrstühlchen bürgerlich\nsolide geantwortet werden: Noch ist Polen nicht\nverloren. Jeder Verlust ist in der Kunst ein Ge-\nwinn, aber die Gewinner wissen die Verluste\nnicht zu schätzen. Sie setzen immer auf das große\nLos, halten das für solide und halten »die Intuition\nfür eine Niete. Aber diese Lehrer sind außerdem\nschlecht unterrichtet. Sie wenden die bürgerliche\nSolidität bei der Kunst und die Intuition bei der\nKunstgeschichte an: „Diese neueste Erfindung ist\nein gemeinsames Werk der Franzosen und ihrer\nFreunde, der Russen. Schon der Name ist eine\nAnmassung. Denn Expression, Ausdruck, ist das\nallgemeine Ziel jeder Kunst. Nur wollen sich die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7064, "texte": "Vertreter dieser Sache nicht der Formensprache\nbedienen, in welcher der Geist der Welten selber\nm deutlich und leise redet, sondern sie haben eine\neigene Sprache erfunden, die dann freilich an Roii-\nfoeit und Primitivität nicht überboten kann. Uni-\nformierte Anarchie.\" Der Geist der Welten heißt\nnicht Pfeiffer und hat ihm überhaupt ein tolles\nStückchen vorgepfiffen. Denn der Expressionismus\nist eine deutsche Angelegenheit, die von den fran-\nzösischen und russischen Pfeifern stets verpaukt\nwurde. Die kleine deutsche Flöte tutet natürlich\nin der üblichen deutschen Ausländem nach. Ge-\nwiß ist Ausdruck das allgemeine Ziel jeder\nKunst, und jeder, der dieses Ziel erreicht oder\nerreicht hat, soll gern Expressionist genannt wer-\nden. Die Anmassmig liegt also weniger in der\nExpression als in der Pression, Jeden Deutschen\nund natürlich ebenso jeden Ausländer für einen\nKünstler zu erklären, der sich mit der Farbenlehre\nauf der Leinwand praktisch betätigt. Der Geist\nder Welten spricht nämlich so viele eigene\nSprachen, daß alle Germanisten und Romanisten\nsie noch nicht erlernen und sie also noch weniger\nlehren konnten. Sprachen lassen sich nicht\nerlernen. Wer eine eigene Sprache besitzt, wirkt\nauf einen Kunstprofessor jeder Nationalität immer\nwie ein schiefäugiger Schuft, mit dem man eben\nnicht in vertraute menschliche Beziehung kommen\nkann. Und wenn diese Beziehung nidht am Stamm-\ntisch gefunden werden kann, verzichtet man lieber\nauf den Stamm und bleibt bei Tische sitzen. Auch\ndie schiefen Augen sind vom Geist der Welten er-\ndacht worden. Auch Schiefäugige können unifor-\nmiert werden. Und jede Uniform war einmal eine\nUniform. Nämlich die Form dessen, der unifor-\nmierte. Pfeifer sind so stolz, weil sie immer\nvorangehen. Aber wenn abgewinkt wird muß die\nganze Tuterei sofort aufhören. Doch unser braver\nProfessor aus Königsberg will durchaus auf der\nkleinen Flöte Solo spielen: „Wahrhaftig, Liebe ist\nder Geist der Kunst, wie Richard Wagner erkannt\nhat. Ohne die ordnende Rolle der erkennenden\nTriebe im Weltprozeß zu verkennen, kann man\ndoch sagen, daß aus reiner Vernunft noch kein\nGedicht entstanden ist, kein I<ind geboren wurde.\"\nNur daß Gedichte aus Liebe noch lange keine\nLiebesgedichte sind und daß schon viele Kinder\naus reiner Vernunft geboren sind. Herr Professor\nPfeiffer ist so gütig, die erkennenden Triebe nicht\nzu verkennen. Trieb ist zwar der Gegensatz von\nErkenntnis und die Vernunft hat schon viele Ge-\ndichte gemacht aber noch keinen Trieb hervor-\ngebracht. Man glaubt nämlich nur zu treiben,\nman wird getrieben. Aber stets haben sich\ndie Triebe auf die Liebe gereimt, was viele für ein\nGedicht halten. Die Kunst ist zwar der Geist der\nLiebe, aber die Liebe nicht der Geist der Kunst,\nauch wenn es Richard Wagner erkannt hat. Daß\nnämlich Richard Wagner soviel erkannt hat, ist\ndem Geist seiner Kunst sehr hinderlich gewesen.\n„Sollte einmal der Augenblick der völligen Verhir-\nrnrng eintreten, den viele so heiß ersehnen, so\nwäre damit auch die Rolle der Kunst ausgespielt.\"\nOhne erkennende Liebe spielt der Herr Professor\neinfach nicht mehr mit: „Denn die Kunst ist an\nunsere körperliche Organisation gebunden und teilt\nauch ihre Beschränkungen. Die modernsten Be-\nstrebungen der Ueberwindung der Form und der\nEntdeckung des Geistigen und Seelischen in der\nKunst sind wurzellos unorganische Geliirnkon-\nstruktionen von mißverstandenen Möglichkeiten:\nKunstgeist ist Formgeist.\" Manche Leute haben\nnun das Geistige und Seelische in ihrer körper-\nlichen Organisation. Und die Beschränkung der\nkörperlichen Organisation von Kunstprofessoren\nist nur an sie und nicht an die Kunst gebunden.\nIm übrigen handelt es sich gar nicht darum, For-\nmen zu überwinden, sondern Formen zu winden.\nDas ist eben die verfluchte eigene Sprache des\nGeistes der Welten. Endlich fühlt sich dieser\nostpreussische Professor veranlaßt, gegen An-\nschauungen zu kämpfen, die Anschauungen der\nAkademien sind, weil man dort nicht schauen\nkann: „In der modernen Kunstschriftstellerei spielt\n•der Begriff der Entwicklung eine große Rolle.\nUeberall findet man die „Entwicklungslinien von\nCimabue bis Meier\", meist wird dieser Entwick-\nlungsbegriff wohl im Sinne der Höherentwicklung,\nder Verfeinerung, kurz des Fortschrittes ver-\nstanden.44 Was mag dieser Pfeiffer für moderne\nKunstschriftstellerei gelesen haben, die ihn bis auf\nCimabue aufwickeln. Er hat sich da erheblich ver-\nheddert, Und selbst wenn alle „modernen44 Kunst-\nschriftsteller behauptet hätten, daß die Kunst von\nMatthias Grünewakl bis zu Adolf Menzel sich\nhöher entwickelt hätte, so wird kein Künstler ge-\nfunden werden, der das behauptet. Trotz der Jahr-\nhundertfeier. Ich aber behaupte, was die Herren\nmit ihrer beschränkten körperlichen Organisation\nnicht auffassen können, daß derselbe Geist der\nWelten aus der Kunst des Franz Marc spricht wie\naus der Kunst des Albrecht Dürer, aus der Kunst\ndes Oskar Kokoschka wie ans der Kunst des\nMatthias Grünewald.\nProfessor Vogel will mitmachen\n„Vogel meint, daß wir in den letzten Jahren\nneben der dankenswerten Steigerimg der künst-\nlerischen Mittel — Leibi — auch einen bedauer-\nlichen Verfall erlebt hätten und allerhand\nSnobismus, der seines Erachtens durch den Krieg\nspurlos vernichtet werden wird. Aus dem Nichts\nwerde Nichts. Zu allen Zeiten sei große Kunst nur\ndurch Fortführung der Tradition entstanden, da-\ndurch, daß ein Kerl auf dem Schultern eines\nanderen Kerls stand und so würde auch sofort mit\nBeendigung des Krieges eine ganz entschiedene\nRückkehr zu unserer guten alten deutschen Tra-\ndition einsetzen, wohl verstanden mit vollkomme-\nner Geltung des guten Neuen, das seitdem errun-\ngen worden sei.4' Man muß schon auf die Sieges-\nsäule steigen um die Werke Professors Hugo Vogel\nfür Kunst zu halten. Soviele Kerls stehen schon\nunter Ihm. Die Monumentalmater klettern immer\nhöher herauf, rutschen dann mit einem Ruck zur\nguten alten Tradition zurück, nicht ohne unterwegs\nein paar Stückchen vom Expressionismus mitzu-\nreissen. Der Vogel weiß manch Liedchen von der\nMalerei zu singen: „Das Wesen der Monumental-\nmalerei sei zu allen Zeiten gewesen, zu erzählen,\nzu schildern und die rein malerischen Fragen seien\nihr immer das Mittel und der Weg zu diesem\nZweck gewesen. Wer es anders ansähe, befinde\nsich in einem verfänglichen Irrtum.44 Dais Tirili\nsoll uns nicht verführen. Der Zweck entheiligt die\nmalerischen Mittel und der Weg führt zur Zeit\nnicht mehr nach Rom. „Man müsse absolut\nzwischen Staffeleibild und Monumentalmalerei\nunterscheiden, bei der ersteren sei ein l'art pour l'art\nmöglich, bei letzterer niemals. Sie schreite im ge-\nwissem Sinne stets auf dem dramatischen Kothurn.\"\nDie Erzählung auf dem dramatischen Kothurn ist\nan sich schon ein trauriges Schauspiel, die letzteste\nMonumentalmalerei des Herrn Professors Vogel\nunterscheidet sich absolut nicht von seinem\nerstesten Staffeleibild, denn beidere haben weder\nmit der l'art noch mit der Kunst was zu tun. Die\nBilder schreiten und der Professor schildert einen\nverfänglichen Irrtum. 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Becher\neine große literarische Hoffnung dar.\" Herr Kurt\nWolff, Verlagsbuchhändler zu Leipzig, ruft und die\nBerufenen erscheinen. Herr Verlagsbuchhändler\nWolff teilt weiter mit, daß es Johannes R. Becher\ngelungen sei, den errungenen Platz neben Werfel\nzu behaupten. Im Bücherschrank des Herrn Wolff.\nNun ringt ein Könner wie besessen, um sich neben\nHerrn Werfel behaupten zu können, der im Sturm\nfiel, dem aber sein, Plätzchen gern gegönnt sein\nsoll. Gegen sieghafte Zielstrebigkeit kommt man\nhingegen nicht auf, auch wenn man sich schaf-\nfend noch so sehr bemüht. Hingegen begrüßt die\nPresse hochachtungsvoll die große literarische\n'Hoffnung des Herrn Wolff. Das feinsinnige Ber-\nliner Tageblatt: „Nun steht Becher aber jedem\nAesthetentum fern. Er wäre lieber Propagator als\nLyriker. Und ein etischer Erfolg wäre ihm lieber\nals ein künstlerischer.44 Das Berliner Tageblatt\nbraucht ihn nur über den Strich zu schieben und\nder etische Erfolg ist da. Wenn auch das Ber-\nliner Tageblatt unter dem Strich jedem Aestheten-\ntum fern steht. Die Breslauer Zeitung: „...und\nin satanischen Impressionen schaurigsten Erde-\nlends beschwören die dichterischen Visionen\nBechers den Geist Dantes herauf, der Hölle und\nHimmel durchquert.44 Diese Art Spiritismus\nwird abgelehnt. Erde und Hölle und Himmel\nkennt man schon so gut, die Geister, die\nman nicht rief, wird man schon wieder loswerden.\nZeit im Bild: „Vieles wirkt wie Versuche, die For-\nschungen der Sexualpathologie und Kriminalpsyche\nin eine äussere poetische Form bringen.44 Nämlich\nin die Form Dantes. „Seine Bilder sind Zusammen-\nsetzungen von Farbflecken einer biszweilen gran-\ndiosen Grellheit Alles in Bechers Arbeiten ist\nTat.44 Nun ist zwar die Kunst Tat aber die Tat\nnoch lange keine Kunst. Außerdem irrt sich, die\nZeit im Bild, die weder Zeit noch Bild kennt, wenn\nsie sich einbildet, daß eine Zusammensetzung von\nFarbflecken Expressionismus sei. Das ist nämlich\nImpressionismus: „Hier haben wir die Anfänge\neiner dichterischen Bestrebung, die zu dem Ex-\npressionismus der bildenden Kunst in dem Verhält-\nnis einer gewissen Parallelität steht.44 Die Paralleli-\ntät wird abgelehnt, ebenso wie die Dichtungen des\nHerrn Becher. Zielstrebige Bestrebungen inter-\nessieren nicht. Und die Aehre, eine Zeitschrift, die\nkümmerlich in der Schweiz verwelkt: „Johannes\nR.Beel lers Werk kommt weniger von der Literatur\nher als aus dem Leben. Das Leben steigt macht-\nvoll, hinter dem Geschriebenen empor und bricht\ndurch jede Zeile.44 Warum denn erst die Kunst be-\nmühen. Der Werfel nehme den Becher, lasse das\nLeben schäumen, es brechen und überfliessen wo-\nhin es will. Dann mögen die großen literarischen\nHoffnungen sich weiter in die Sexualpathologie\nund die Kriminalpsyche vertiefen und schließlich\nals Ethiker sich gegenseitig in der Presse Aner-\nkennungen schreiben.\nEinseitig bin ich.\nAuch Schiller sucht unfehlbar\nHerr Fritz Engel vom Berliner Tageblatt feat\netwas einzuwenden. Gegen Schiller. Schiller hat\ndiesem Kinde, kein Engel ist so rein, die Unrein-\nheit der Maria Stuart nicht genug bewiesen. „Was\nan der Dichtung ausgesetzt werden kann: daß\nwir von der Unreinheit dieses Weibes nur immer\nhören und nie an sie zu glauben vermögen, gibt der"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 795, "texte": "Darstellerin ja eine so reiche Gelegenheit, einen\nvon einfacher Großartigkeit hinzustel-\nlen. Stellt sie nun die Großartigkeit der Reinheit\noder der Unreinheit hin. 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Ein Sohn und eine\nTochter waren ihm von seinem Weibe geboren,\neinen Bruder hatten sie, der Avaggdu hieß und der\nhäßlichste Man war, den es je gab. Da er wegen\nseiner Häßlichkeit wohl nie unter Männern von\nhoher Geburt zugelassen würde, dachte Caridwen\ndaran, ihm höhere Verdienste und Kenntnisse zu\nverleihen.\nEs war zu Beginn von Arturs Zeit und seiner\nTafelrunde.\nSie beschloß, den Zauberkünsten der Bücher\ngemäß einen Kessel der Erleuchtung und des\nWissens für den Sohn zu kochen, auf daß er ehren-\nvolle Aufnahme fände für die Kenntnis von Ge-\nheimnissen des zukünftigen Welt-Zustandes. Sie\nbegann den Kessel zu kochen, der vom Beginn\nJahr und Tag nicht zu kochen aufhören konnte, bis\naus ihm drei gesegnete Tropfen durch die Gnade\nder Erleuchtung gewonnen wurden. Um den Kesisel\n'umzurühren, stellte sie Guion Bacih 'an, um das\nFeuer unter ihm anzuzünden, einen Blinden\nnamens Morda. Sie machte ihnen zur Pflicht, das\nKochen auf Jahr und Tag hinaus nicht aufhören zu\nlassen. Den sternenkundigen Büchern gemäß sam-\nmelte sie täglich in den sternenerfüllten Stunden\nalle zauber führ enden Kräuter.\nAn einem Tage gegen Ende des Jahres, als\nCaridwen Pflanzen auslas und Beschwörungen\nmachte, geschah es, daß drei Tropfen des Zauber-\ntranks aus dem Kessel flössen und auf die Finger\nvon Guion Bach fielen. Infolge der großen Glut\nsteckte er den Finger in den Mund, und als er die\n'■wunderwirkenden Tropfen in den Mund tat, sah er\nim Augenblick Jegliches voraus, was kommen\nwird und erkannte, daß es seine Hauptsorge sein\nmüsse, sich vor den Ränken Caridwenfs zu hüten,\ndenn ihre Geschicklichkeit war groß. Er fürchtete\nsich und flüchtete nach seinem Lande. Der Kessel\nbrach entzwei, da der ganze Trank in ihm giftig\n\\tfar außer den drei zauberführenden Tropfen, so-\n•daß vom Wasser des Flusses, in den der Kessel-\ntrank lief, die Pferde des Guyddno Garanhir ver-\ngiftet wurden.\nDanach kam Caridwen herein und sah die Be-\nmühungen des ganzen Jahres verloren. Sie griff\neinen Holzscheit und schlug dem blinden Morda\nauf den Kopf bis eins der Augen herausfiel auf die\nWange. Da 'sagte er: „Ganz ungerecht hast du\nmich verunstaltet, ich bin unschuldig, dein Verlust\ngeschah nicht durch mich.\" „Das ist wahr\", er-\nwiderte Caridwen, „Guion Bach war es, der mich\nberaubte.1'\nSie lief hinaus, ihm nach, und rannte. Er sah\nsie, verwandelte sich in einen Hasen und floh.\nAber sie verwandelte sich in einen Windhund und\nverfolgte ihn. Er lief zum Fluß und ward ein Fisch,\nsie in Gestalt der Otterhündin jagte ihn unterm\nWaSsser, bis er gezwungen war, sich in einen Vogel\nder Luft zu verwandeln. Sie folgte ihm als Falke\nund gab im Himmel nicht Ruhe. Als sie grade auji\nihn niederschießen wollte erspähte er in seiner\nTodesfurcht einen Haufen geworfelten Weizens\nauf einem Scheuerboden, sank unter den Weizen\nund verwandelte sich in eines der Körner. Da\nnahm sie die Gestalt eines schwarzen hochkäm-\nmigen Huhnes an, ging zum Weizen, kratzte ihn\nmit den Füssen, fand ihn heraus und verschluckte\nihn. Wie die Geschichte meldet, trug sie ihn neun\nMonde, und als lsie von ihm entbunden ward,\nkonnte sie es wegen seiner Schönheit nicht übers\nHerz bringen, ihn zu töten. Daher wickelte sie\nihn in einen Ledersack und warf ihn auf das Er-\nbarmen Gottes hin im April am 29. Tage in das\nMeer.\nZu der Zeit befand sich das Wehr Guyddnos\nam Strand nahe bei seinem Schlosse. An jedem\nersten Mai-Abend wurde Gewinn aus dem Wehr\ngezogen im Wert von hundert Pfund. In den\nTagen hatte Guyddno einen Sohn namens Elfin,\nden unglücklichsten und dürftigsten aller Jüng-\nlinge, worüber der Vater sich sehr grämte, denn\ner glaubte, dieser Sohn sei ihm zur bösen Stunde\ngeboren. Auf den Rat der Versammlung hatte der\nVater ihm den Zug des Wehris in diesem Jahr\ngewährt, um zu sehen, ob ihm das Glück je be-\ngegnen würde, und auch um ihm etwas zu geben,\nmit dem er sein Leben beginnen könnte. Als Elfin\nam nächsten Tag hinging und nachsah, war nichts\nim Wehr. Aber alis er umkehrte, bemerkte er den\nLedersack auf einen Pfahl des Wehrs. Da sprach\neiner der Wehr-Wärter zu Elfin: „Du warst nie\nunglücklich bis zur heutigen Nacht, jetzt aber hast\ndu die Kräfte des Wehrs zerstört, das stets an\njedem ersten Maiabend einen Wert von hundert\nPfund leistete, und heut Nacht ist nichts in ihm als\ndiese lederne Haut.\" „Wie denn'4, antwortete Elfin,\n„in ihr kann ein Wert von hundert Pfund sein!\"\nWohlan, sie hoben den ledernen Sack auf, und der\nihn öffnete, erblickte den Vorderkopf eines Knaben\nund sprach zu Elfin: „Schau, eine Glänzende\nStirn!'4 „Er heiße Taliesin\", sagte Elfin. Er hob\nden Knaben in den Armen auf und setzte ihn kum-\nwervoll hinter sich, indem er sein Mißgeschick be-\nklagte. Er ließ sein Pferd, vordem trabte, im\nPaß gehen, und es trug ihn so sanft, als sässe er im\nbequemen Stuhl. Gleich dichtete Taliesin Trost\nund Lob dem Elfin und kündete Ehre dem Elfin\nan. Sein Trost lautete wie ihr hören könnt:\nIn Guyddnos Wehr\nwar nie solch Glück\nwie zu dieser Nacht.\nSchön Elfin, trockne die Wangen,\nzu große Trübnis hilft mit Nichten,\nda du glaubst, du habest nie Gewinn.\nZuviel Grämen ist nicht gut,\nzweifle nicht an den Wundern des Allmächtigen,\nWenn ich auch klein bin,\nich bin dennoch hochbegabt.\nAus Meeren, den Bergen,\naus Tiefen der Ströme\nbietet Gott die Schätze\ndem beglückten Mann.\nElfin, Mann von lebensvollen Eigenschaften,\ndu ziehest unmännliche Schlüsse.\nDu mußt nicht übermässig dich sorgen.\nEs ist besser an Gott zu glauben,\ndenn Böses zu hindern.\n€\nSchwach und klein, der ich bin,\nam schäumenden Strande des Meeres\nwerde ich am Tag der Trübsal\ndir dienlicher sein denn dreihundert Lachse.\nElfin, Mann von edlen Eigenschaften,\nsei nicht verdrossen über dein Unglück.\nDer ich mich schwach im Sacke lehne,\nTugend liegt auf meiner Zunge.\nWo ich dein Beschützer bleibe,\nfürchte dich nicht zu sehr,\nbleib des Namens inne: Dreifaltigkeit!\nNiemand soll dich zu kränken wagen.\ni\nDies war das erste Gedicht, das Taliesin je\nsang. Welches Elfin zum Tröste war in seinem\nHarm dafür daß der Ertrag des Wehrs verlöre»\nging. Wajs aber schlimmer war, alle Welt würde\ndenken, daß jenes infolge seines Fehlers, seines\nMißgeschicks geschah. Da fragte Elfin ihn, was\ner wäre, ob Mensch oder Geist, worauf er diese\nGeschichte sang und darstellte:\nV\nZu Anfang war ich gebildet als artig Wesen,\nIch tat Busse am Hofe Caridwens.\nVon sichtbarer Gestalt nur klein,\nward ich liebreich empfangen.\nIch erwuchs im Schlosse des Orte^s,\nan den ich gebracht war.\nGeachtet wurde ich in der Verteidigung,\nderen Ursach die milde Muse war.\nDurch Gesetz ohne Rede wurde ich frei\ndurch eine lachende, alte schwarze Hexe,\nderen gereizter Anspruch\nmich furchtbar verfolgte.\nIch floh mit Stärke, floh als Frosch,\nfloh in Krähengestalt und fand nicht Ruh,\nfloh hitzig, floh als Kette,\nfloh als Reh im verstrickten Hag,\nfloh als Wolfskalb, als Wolf in der Wildnis,\nfloh als Drossel mit vorbedeutender Sprache,\nfloh als Fuchs, gewöhnt an Kreuz- und\nQuersprünge*,\nfloh als Marder, und es half nichts,\nfloh als Eichhörnchen, aber barg mich umsonst,\nfloh als des Hirschen Augsprosse im roten Lauf,\nfloh als Eisen im glühenden Feuer,\nfloh als Speeres-Spitze,\nDenen zum Weh, die nach ihr trachten,\nfloh als wilder, bitter kämpfender Stier,\nfloh als borstiger Bär, der aus dem Höhlweg bricht^\nfloh als weißes Korn reinen Weizens,\ndas verwickelt ist im Saum des hänfenen Tuchs«,\nsichtbar von Größe eines Stutenfüllens,\ngefüllt wie ein Schiff auf den Fluten.\nSo ward ich in den finstren Sack geworfen,\nhinausgesandt, um auf uferlosem Meer zu treiben.\nNun ward mir ein Vorzeichen,\ndaß ich zärtlich ernährt würde,\ndenn Gott der Herr setzte mich frei.\nElfin kam zum Haus oder Hof Guyddnos des\nVaters, mit ihm Talidsin. Guyddno fragte ihm, 06\ner einen guten Fisohzug am Wehr gehabt habe,\nund Elfin berichtete, daß er Besseres denn Fisch\ngewonnen habe. Was das wäre, fragte\n„Ein Barde.\" Worauf Guyddno sagte: „Zu wa&\nwird Der dir nütze sein?\" Taliesin 'selbst ant-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8203, "texte": "„Er wird ihm mehr nützen, als dir ie das\nWehr gewann.4' Fragte Guyddno: „Du kannst\n«sprechen und bist so klein?' Ihm antwortete\nTaliesin: „Ich bin besser imstand zu reden, als du\nmich zu fragen.\" „Laß mioh's hören, was du reden\nkannst\", rief Guyddno. Also sang Taliesin:\nDem Wa'sser wohnt segenbegabte Kraft inne.\nEs ist hochgerecht, gerade über Gott zu denken.\nEs ziemt sich, Gott im Ernst zu bitten,\ndenn kein Hindernis besteht, daß wir unsren\nLohn gewinnen.\nDurch Nachsinnen weiß ich: dreimal ward ich\ngeboren!\nJener wäre elend, der nicht käme\nund gewänne alle Wissenschaften dqr Weit,\ndie in .meiner Brust gesammelt sind.\nDer ich das Gewesene weiß\nund das künftig sich ereignet,\nIch will zum Herrn beten,\n.daß ich Zuflucht in ihm erlange,\n.daß ich Beachtung in seiner Gnade gewinne.\nMariens Söhn ist min Glaube,\ngroß ist mein Entzücken an ihm,\ndenn in ihm wird die Welt ständig erhalten.\nVon Gott kam es, daß ich mich unterrichtete,\ndaß meine Erwartung erregt würde.\nDer wiahre Himmels-Schöpfer gewährt\nBeschirmung.\nEs ist eine wahre Absicht im täglichen Gebet\nder Heiligen,\nGott der Erneuerer will sie zu 'sich bringen.\nUnd sogleich gab Elfin den Fischzug seinem\n[Weibe, und sie nährte ihn zärtlich und mit Liebe.\nVon nun an nahm Elfin mehr und mehr zu Tag für\nTag an Reichtum, Liebe und Gunst vom Könige.\n:\nTaliesin wohnte bei ihm bis er dreizehn Jahr alt\nwar. Damals ging Elfin auf eine Weihnachts-\nEinladung zum Onkel Maelgun Guyddned,, der\nbisweilen während der Weihnachtzeit in seinem\nSchloß Dyganwy offenen Hof abhielt für das ganze\nGefolge seiner Herren beider Grade, geistlicher\nund weltlicher, samt einer großen dichtgedrängten\nSchar ißitter und Knappen. Unter ihnen erhob sLh\nGespräch und Redestreit, also wurde gesprochen:\n. „Gibt es in der ganzen Welt noch einen so\ngroßen König wie Maelgun oder Jemanden, dem\nvom Himmel soviel geistliche Gaben verliehen\nwurden wie ihm? Vor Allem: Gestalt, Schönheit,\nDemut, Stärke, außer allen Seelenkräften. Sie\nsagten auch, daß der Himmel ihm mit diesem\nAllem zusammen eine Gabe gegeben hätte, welche\nalle anderen überragte und diese war: Schönheit,\nAnstand, Anmut, Weisheit und Bescheidenheit\nseiner Königin, deren Tugenden diejenigen aller\nedlen Frauen und Jungfrauen durchhin das ganze\nKönigreich übertrafen. Hiernach legten sie einander\nFragen vor: wer hat tapfrere Leute, wer hat\nschönere und schnellere Pferde oder Windhunde,\nwer hat geschicktere und weisere Barden — afe\nMaelgun?\nZu jener Zeit standen nun die Barden im großen\nAnsehen bei den Höheren im Reich, und das Amt\nJener, die jetzt Herolde heißen, verrichteten keine,\ndie nicht .gebildet waren, nicht nur erfahren im\nDienst der Könige und Fürsten, sondern beflissen\nlind wohl bewandert in Stammbaum, Rüstungen\nund Taten der Fürsten und Könige und im Rede-\nfctreit über ausländische Reiche und die Altertümer\ndieser Reiche, und vor allem in den Jahrbüchern\nhoher Edelleute. Sie waren auch stets vorbereitet\nmit den Antworten in verschiedenen Sprachen,\nLatein, Französisch, Walisisch und Englisch. Samt\nall diesem waren sie große Geschichtsschreiber und\nUrkunden-Aufzeichner, geschickt in bildenden Ver-\nsen und in jeder diesen Sprachen bereit, Englynieri\nzu machen. Vierundzwanzig dieser Leute\nbeim Fefet in Maelguns Palast, ihrer aller Haupt\nhieß Heinin Vardd.\nNachdem sie alle endigten, alle den König und\nseine Gaben lobend, geschah es, daß Elfin auf diese\nWeise sprach: „Wahr ist es, keiner als ein König\nkann mit einem König wetteifern. Wäre er nicht\nKönig, würde ich sagen, daß meine Weib ebenso\ntugendhaft sei wie irgend eine Frau im Reich.\nAber auch einen Barden habe ich, der geschickter\nals alle ist.\" Binnen kurzem zeigten\nEtliche aus dem Gefolge dem Könige alle Prahlerei\nvon Elfin an. Und der König befahl, daß er in\nstrenges Gefängnis gesetzt werde, bis er die Wahr-\nheit wistee, sowohl über die Tugenden seiner Frau\nals auch über die Weisheit seines Barden.\nAls Elfin in einen Schloßturm gelegt worden\nwar mit einer dicken Kette um die Füsse — es war\neine Kette von Silber, da er königlichen Blutes\nwar —- sandte der König, wie die Geschichte er-\nzählt, seinen Sohn Rhun hin, um das Betragen des\nWeibes von Elfin zu erkunden. Rhun war aber\nder verworfenste Mann, und es gab weder eine\nFrau noch ein Mädchen, mit denen er Umgang\ngepflegt hatte, die nicht Böses über ihn gesprochen\nhätten. Indem Ruhn in Eile nach Elfins Wohnung\nging, völlig gesonnen, über dessen Weib Schande\nzr bringen, sagte Taliesin seiner Herrin, wie der\nKönig seinen Herrn ins Gefängnis legte, und wie\nRhun eilends daherkam, mit dem Bestreben,\nSchande über sie zu bringen. Aus dem Grunde\nveranlaßte er seine Herrin, einefs der Küchen-\nmädchen in ihrer Tracht anzuziehen, was die Edel-\nfrau gern tat. Sie belud die Hände der Magd mit\nden besten Ringen, die sie und der Gemahl be-\nlassen.\nTaliesin veranlaßte seine Herrin, dem Mädchen\ndiese Gestalt zu geben und es bei Tische zum\nAbendessen sitzen zu lassen, und er schuf es so,\ndaß das Mädchen-wie die Herrin erschien und die\nHerrin gleich dem Mädchen. Als sie zur schick-\nlichen Zeit in der angegebenen Weise 'sich beim\nAbendbrot niedergesetzt hatte, gelangte Rhun\nplötzlich zu Elfins Wohnung und wurde gern emp-\nfangen, denn alle Diener kannten ihn genau. Sie\nbrachten ihn eilends zum Zimmer der Herrin, in\nderen Erscheinung das Mädchen sich vom Abend-\nessen erhob und ihn gern bewillkommnete. Danach\nsetzte sie sich ein zweites Mal wieder zum Abend-\nessen hin und mit ihr Rhun. Alsdann begann Rhun\nmit dem Mädchen zu scherzen, die still das Aus-\nsehen der Herrin bewahrte. Wirklich zeigt die Ge-\nschichte, daß das Mädchen derart berauscht wurde,\ndaß sie einschlief. Ein Pulver, welches Rhun ihr\nin den Trank getan 'hatte, machte *sie so derb\nschlafen, daß sie es nimmer fühlte, als er von ihrer\nHand den kleinen Finger abschnitt, an dem Elfins\nSiegelring war, den er kurz vorher seinem Weibe\nzum Andenken gesandt hatte. Rhun kehrte zum\nKönig zurück mit Finger und Ring aKs Beweis um\nzu zeigen, daß er ihn von ihrer Hand abschnitt,\nohne sie aus dem Schlaf ihrer Unmässigkeit zu\nwecken.\nDer König freute sich höchlich über die Nach-\nricht und sandte nach den Räten, denen er die\nganze Geschichte vom Beginn an erzählte. Er ließ\nElfin aus dem Gefängnis bringen und schmähte\nihn wegen seiner Prahlerei. Solcherart sprach er\nzu Elfin: „Dir sei kund jenseits allen Zweifels,\ndaß e,s nur Torheit ist, den Tugenden seiner Frau\nzu glauben weiter als er sie sehen kann. Und damit\ndu versichert seist der Verdorbenheit deines\nWeibes, siehe hier ihren Finger mit deinem Siegel-\nring darauf, der von ihrer Hand letzte\nNacht abgeschnitten wurde, als sie de»\nSchlaf des Rausches schlief.\" Ihm ant-\nwortete Elfin: „Mächtiger König, meine*\nRing kann ich nicht verleugnen, denn er ist Viele*\nbekannt. Aber heftig behaupte ich, daß der Finger,\nan dem er war, nie der Hand meines Weibes ver-\nbunden war, denn wahr und gewiß, es giebt drei\nsonderliche Dinge, die zu ihm gehören, und keines\nvon diesen gehörte jemals zu irgend einem der\nFinger meines Weibes. Das erste von den Dreien\nist, daß gewiß dieser Ring nie auf ihrem Daum\nbleiben würde, wo auch mein Weib in der gegen-\nwärtigen Stunde sein möge, ob sie sitze, stehe oder\nniederliege. Hingegen könnt ihr deutlich sehen,\ndaß es mühsam war, ihn über das Kleinfingergelenk\nder Hand zu ziehen, von wo dieser geschnitten\nwurde. Das zweite Ding ist, daß mein Weib\nnie einen Samstag vorübergehen ließ seit ich sie\nkenne, ohne daß sie die Nägel vor dem Zubett-\ngehen schälte, und ihr könnt völlig sehen, daß der\nNagel dieses Kleinfingers einen Monat lang nicht\ngeschält worden ist. Das Dritte wahrlich ist, daß\ndie Hand, woher dieser Finger kam, innerhalb von\ndrei Tagen, ehe der Finger abgeschnitten wurde»\nRoggenteig geknetet hat, und ich kann Eurer\nGütigkeit versichern, daß mein Weib nie Roggen-\nteig knetete seit sie mein Weib geworden ist.\nDa ward der König gewaltig zornig auf Elfin\nwegen -seines beharrlichen Widerstandes und\ndarum, daß er die Güte seines Weibes achtete. Er\nbefahl, ihn zum zweiten Mal ins Gefängnis zu wer-\nfen, und er solle daraus nicht eher gelöst werden,\nbis er die Wahrheit seiner Prahlerei bewiesen\nhätte, sowohl hinsichtlich der Weisheit seines\nBarden wie auch der Tugenden seines Weibes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.10", "titre_corps": "Spielender Knabe", "titre_sommaire": "Spielender Knabe", "signature_source": "Sophie van Leer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.10", "debut_caractere": 8225, "fin_caractere_exclue": 8552, "texte": "Spielender Knabe\nSophie van Leer\nZehn Steinchen\nsieben Eicheln\nein braunes Tier\nmit silbernen Füssea\nRunde Körnchen\ndie Berge ] .\neine Wasserpfütze\ndas Meer\nGrasbüschel\ngrüne Wälder\nEin Käfer\nmit Flügeln wie der Himmel\nund noch Einer\nWarum darf man Käfer nicht an einem Faden\naufreihen?\nSie glänzen so schön zwischen Kastanien."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.11", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 591, "texte": "Notiz\nWäh read des Krieges erscksittt Starstf*\nnur eimnai monatlich als Deppetmunmür* Bjtk.-\nJiifniar-Doppeiimmnier erscheint ai» ffiafzefaifcpi\nJanuar\nVertag Dar Stimm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "debut_caractere": 593, "fin_caractere_exclue": 1028, "texte": "Der Sturm\nSiandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer StraOe 134 a\nOeoffnet taglich von 19—6 Ufer / So&aiags voa\nS I—2 Ulir\nElatritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Made\nMonatlicher Wechsel\nSechsunddreissigste Ausstellung\nGraphik\nJaooba van Heentskerck / Maria Uhden j Arnold\nTopp j Barthoid Asendorpf / L. 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StraBenstSndea auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle gt~\nwtascht wird, bitten wir den B e t r a z Br den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeg Inn des neuen Vierteljahr es bis\nznm fllnften. des ersten Monats einasu-\nscjiden / AndernfaHs nehmen wir an, daB E i n -\nziefa unz des Betrages durch Nachnahme\nwater Berechnung des Nachnahmejiortos te-\nwunscht wlrd\nMapped und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokosehka: Zwanzic Blatt Zetchnuncei ]\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier ic\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa is da-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKaadifisk^-Album / Schrift des Kiinstlers iiber sich\nsetbst rait seeks L? ganzseitigen Abbildungen seiner\nWedke vow 1901 bis 1913"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "debut_caractere": 3089, "fin_caractere_exclue": 5955, "texte": "llceiMskerck-Mapjie: Sedis haiidgedmckte ime\nernedn stgnierte Originathotesclimtte / Aufiage 31\niVlappeu ./ Mappe 6—39 je einfmndert Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / LustspicI /\nOberteufel / Tragfldie / Ihr stilles\nQ1 ii ck —! / Drama / E i n Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Eine\nDichtung ./ Qeheftet 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: G1 a s a r c h i t e k t u r / In eiti-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Gelder Batten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stratnm: Du / Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturni-Bticher I: August Stratum: Sancta Su-\nsanna/50 Pfennig / U: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Mensehen / SO Pfennig / IV: August\nStramm: Die fiaidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VH: Adolf Behue: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte / 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne f 50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierisclie Augenbliok / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nRerwartfe Waktea: Daiaislieder / Zu Ge-\ndichten van Arua Holz ) Fir Oesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzein: Er\ni\nhdrt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / fieeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKOnstlerpostkarteii / Verlag Der Sturai\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteis: Umber to Boccioai: Da*\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qi*o Scve-\nriiii: Die Modistin / Ruhelose Tlnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Bocc!o»1: Abschied/\nKaadhtsky: Koinposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Defaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Biid 2 / Bitd 15\nAugust Maeke: Spaziergang\nSigrid Hiert&n-Griinewald: Kinder\nKarten vo n Macke / Mtinter / Marc Ghagail (5) /\nKlee I L6ger / Jawiensky / Werefkin / CMeizes\n/ Archipenko / usw\nErschienen blsher 36 verschiedene Karten\nlllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Biaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagafl / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutsoher lierbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokosehka: Plakat far die Zeitschrift\nDer Sturm / Originaliithographie I Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokosehka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmei / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuiibert / Das Blatt 5 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "debut_caractere": 5957, "fin_caractere_exclue": 7009, "texte": "Gemalde / Aquarelle / Zeiehmmgen\nHanddrueke / Plastiken\nsind von foigenden K tins II em im Sturm staiidis\nvorhaiidea:\nKandkisky / Franz Marc / Archfpesiko / Oskar\nKokoschka / August Mack© / Pail! IClee ./■ Ccsrt\nMense / Canipeodonfc / Gabriel© Miinter / Jaw-\nlensky / Marianne von Werefkin / Albert Bflocb /\nfians Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Mefa:!*-\nger / Marc CfiagaH / Feniand Leger / Jacoba v-iia\nHeeraskerck / Otakar Kubln / Emit Fflla / Vkweae\nBenes / Otto Gutfreund / Bocciom / Seveiin! ?\nCarra / Russolo / Francis Picabia / Sefunlil-\nRettluff / Fritz Baitxnaitn / Max Pectestein\nVerein fQr Kunst\nLeitung Herwarth W a 1 d e n / Z w © 1 i! t s\nJ a h r I Jahresbeitrag 20 Mark / Reclste d«r\nMitglieder: Frefer Bezug der Zeitschrilt der\nSturm I Freier Besuch after Sturmausstelluiige\nJedes Jahr frei eine Stormpublikation\nDas zwcHfte Jahr begann am I. April 1915 f W&\nStorm gabe, die die Miigfieder des Vereios Mr\nKunst Im Jahr 1915/16 frei erhaften, 1st: Heems-\nkerck: handgedmckter und slgnferter Rotzsctaitt\nanf Katsexitch Japan-Papier"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "debut_caractere": 7011, "fin_caractere_exclue": 7119, "texte": "Zeitsehriften\nUmetecky Mesiealk / Monatsschrift fir mm uiH\nalt© Kunst / Administration Prag 1 5 Veleslavtovi"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1915-12-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1915-12-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1915-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Taiiesin /\nMärchen / Gabriele Mfinter: Zeichnung / Emil Maetzel: Badende Knaben / Linoleumschnitt\n\nGabriele Münter: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.2", "texte": "Paul Scheerbart\nHerwarth Walden\nDie Zeit, vertreten durch die Presse, weiß es\nganz genau: Paul Scheerbart ist ein Phantast ge-\nwesen, ein armer Narr, der zeit seines Lebens fern\nvon Zeit und Leben existierte. Nachträglich be-\ndauert allerdings von seinen wohltätigen Freunden,\ndie sich darüber freuten, daß andere Leute wohl-\ntätig waren und sie als Zahlstelle benutzten. Da\nPaul Scheerbart nach alter deutscher Sitte jedem\nMann, auch wenn er Dichter war, beim Glase Bier\ndas Du anbot, vielmehr das angebotene Du an-\nnahm, so standen eben alle Fachdichter mit ihm auf\ntrautem Du. Die Kollegen wollten ihn durchaus zu\nsich herunterholen, die Sternenwelt war ihnen\nnicht sicher genug, um sich dorthin zu begeben.\nSie vermißten sonst an ihm Alles, was sie hatten,\nund deshalb war er Künstler. Er schuf die Men-\nschen nicht nach ihrem Ebenbilde, er erfand Luft-\nschiffe und Fliegerbomben, bevor sie erfunden\nwurden, er erfand beinahe das Perpetuum mobile,\nwährend die andern nur perpetuierlich mobil\nwaren. Jetzt sind viele Leute mobil, die früher\nnicht geglaubt hätten, daß es möglich wäre. Aber\nso mobil wie Paul Scheerbart können sie doch\nnicht werden. Bei ihnen ist höchstens die Dornte\nmobile, während es bei Paul Scheerbart gleich die\nganze Welt war. Spaß muß sein, er darf sogar\nernst genommen werden, nur muß er nicht ernst\nsein. Aber die Kollegen sind so vom Ernst des\nLebens gepackt, daß sie den Künstler gern mitlei-\nden lassen möchten, statt sich mit ihm zu freuen.\nMitleid ist eine Tugend des Künstlers, Kollegen ge-\nbrauchen davon -nur 10% für wohltätige Zwecke,\naber mit Leid ist noch keine Welt geschaffen wor-\nden. Da ging es bedeutend vergnügter zu. Alles im\nWeltenraume kreist. Nur die Herrschaften auf der\nErde stehen so still, daß sie das Kreisen gar nicht\nmerken und es ihnen erst wissenschaftlich bewie-\nsen werden muß. Und trotz aller Wissenschaft ist\nihnen die Sonne nur dazu da sie zu bescheinen.\nSelbst das macht sie nervös und sie suchen angst-\nvoll den Schatten, auf daß ihr Gehirn nicht\nplatze. Paul Scheerbart ließ die Gehirne platzen.\nDie Dichterkollegen seiner Zeit und deren Nach-\nfolger sind dagegen, weil sie nichts zum Platzen\nhaben. Sie machen das Kunstgeschäft mit der Ero-\ntik und verkriechen sich am Weibe. Paul Scheer-\nbart warf sich in den Weltraum. Und weil Paul\nScheerbart nicht immer schlief, wurde er von den\nZeitgenossen zum Anti-Erotiker ernannt. Darum\nbesingen die Andern den Schlaf, während Paul\nScheerbart im Schlafe singt. Die andern stürmen\nins Leben wild hinaus, Paul Scheerbart stürmte\naus dem Leben. Die andern müssen dazu\nerst sterben, während Paul Scheerbart auch\ndieses Sterben als Privatangelegenheit be-\ntrachtete, und sich das Recht nahm, sich\njederzeit beliebig in andere Welten zu begeben,\nohne die Erde, die sich größenwahnsinnig Welt\nnennt, danach ergebenst zu fragen. Der Dichter\nShakespeare, den Scheerbart übrigens nicht leiden\nkonnte, hat eigens Narren benützt, um Königen\ndie Wahrheit zu sagen. Die deutschen Schriftstel-\nler und ihr ungeistiger Anhang empfinden Scheer-\nbart als Narren, trotzdem sie noch lange nicht Kö-\nnige dieser Erde sind. Könige sind beherrschter\nund fühlen sich von Gottes Gnaden. Deutsche\nSchriftsteller sind sich selbst genug. Mir noch lange\nnicht. Wenn sie ihr Gewerbe in Erotik und ver-\nwandten Dingen nur in ihrem schönen Heim allein\nbetreiben würden und nicht die Kunst damit be-\nhelligten, so könnte man sie ruhig auf dem Hypo-\nthekenmarkt herumstehen oder sich am Rasen-\nsport ergötzen lassen. Sie dürften nach dem Wet-\nter sehen, gefallene Pferde bestaunen und sich so-\ngar einen entsetzlichen Anblick darbieten lassen.\nSie dürften über jede Dummheit lachen, die ihnen\nselbst widerfährt, aber sie sollten nur nicht ver-\nsuchen, die Welt mit der Erde zu verdecken. Denn\nselbst ihr bescheidenes Plätzchen im Schatten\nwäre ihnen ohne Sonne nicht möglich. Sie könnten\nsich gar nicht kühl fühlen, wenn es daneben nicht\nheiß wäre. Und darum finden sie Paul Scheerbart\ngrotesk, weil er nicht im Schatten sinnen wollte.\nAußerdem war ihnen Paul Scheerbart zu unbe-\nscheiden. Sie freuten sich über ihre Mietswohnung\nam Kurfürstendamm, er wollte gleich einen Palast\naus Glas haben. Und weil sie die Mietswohnung\nhatten und er den Glaspalast nicht hatte, finden\nsie sich überlegen. Woher weiß man, daß Paul\nScheerbart diesen Glaspalast nicht hatte. Selbst\nder Referent der Frankfurter Zeitung wird doch\nnicht überall gewesen sein. Und es sind zwischen\nHimmel und Erde schon viele Dinge geschehen,\nvon denen viele sich nichts haben träumen lassen,\nweil ihnen Träume unberechenbar sind. Aber\nwirklich, man kann nicht Alles berechnen. Mancher\nrechnet sein ganzes Leben und es stimmt doch\nnie. Und vieles stimmte, wenn die andern nach-\nrechneten. Nicht die Formel ist das Ergebnis, aus\ndem Ergebnis zieht man die Formel. Und wenn\nman sich in der Formel irrt, stimmt selbst die\nganze Rechnerei nicht. Also Paul Scheerbart hatte\nden Glaspalast. Ich habe ihn gesehen. Und noch\nein paar Menschen, an deren Glaubwürdigkeit\nnicht zu zweifeln ist. Freilich, Leute die an dem\nGlauben zweifeln sind nicht würdig, den\nGlaspalast zu sehen. Deshalb haben ihn\nauch so wenige gesehen. Und die kurz-\nsichtigen schon lange nicht. Die sehen\nimmer nur einen! Stern, wenn eine Sternschnuppe\ngefallen ist. Der Stein ist grau wie alle Theorie.\nDie Kurzsichtigen wissen auch genau, daß Nichts\nsich ewig bewegt. Es muß sich eben alles aus-\nruhen. Man hat eigens eine vis inertiae, eine Kraft\nder Trägheit erfunden. Nur keine Aufregung. Aber\nwährend sie auf die Kraft unter sich starren, fliegt\ndie Kraft über sie weg und das Gesetz der Träg-\nheit wirft sie auf die Erde. Paul Scheerbart be-\nwegte sich andauernd, während sie mit ihm bei\nTisch zu sitzen meinten. Noch beim fünfzehnten\nGlase Pilsener drehte er sich in der Welt, während\nsich in ihnen nach dem fünften Glase Bier endlich\ndie Erde im Kopfe zu drehen begann. Beim sech-\nsten Glase schliefen sie gemäß dem Gesetz der\nTiägheit, während Paul Scheerbart beim zwan-\nzigsten Glase die Fehler Shakespeares bewies.\nAuch Shakespeare hat seine Fehler. Aber das Ge-\nsetz der Trägheit schützt sie. Und die andern\nschlafen schon lange, wenn sie bewiesen werden.\nNun aber ist man allseitig zufrieden, daß Paul\nScheerbart dem Stern Erde verließ, die Erde muß\nentgöttern werden. Götter sind nichts für ernsthafte\nLeute, die sich Könige dünken und Erdarbeiter\nsind. Aber warum sollen sich nicht Götter auch\neinmal auf der Erde aufhalten, wenn es ihnen\nSpaß macht. Sie nehmen niemandem etwas, sie\nverkriechen sich nicht in die Spalten der Organe,\ndie schon genug besetzt sind. Sie sind Organe. Sie\nwerden gefunden, auch wenn sie verlegt werden.\nSie werden sogar verlegt, auch wenn sie nicht ge-\nfunden werden. Götter leben, auch wenn sie tot-\ngeschrieben sind. Denn es ist göttlich zu leben.\nNeulich sagte mir jemand, Paul Scheerbart sei\neigentlich der erste Expressionist gewesen. Sicher,\ndenn das Leben machte auf ihn keinen Eindruck.\nUebrigens hat es noch früher einen Expressioni-\nsten gegeben, der hieß Heinrich von Kleist.\nDer letzte Freund von Paul Scheerbart hieß\nAugust Stramm.\nUnd Anna Scheerbart heißt die Frau, die für\nPaul Scheerbart lebte.\n\nDie Mücke\n\nWas ist geistiges Eigentum? Geistiges Eigen-\ntum ist eine Zeitschrift für Literatur- und Presse-\nwesen des Journalisten- und Schriftsteller-\nvereins Urheberschutz herausgegeben voa\neinem Herrn Friedrich Huth zu Charlotten-\nburg bei Berlin. Die Abonnenten dieser\nZeitschrift können mit 25 %\\ Rabatt elegant\ngebunden für Mark 4— eine Schrift des\nHerrn Huth erwerben „Das Recht des Autors\"\nerläutert an Beispielen aus der Rechtspraxis. Der\nHerr Huth ist ferner Vorsitzender der Rechtskom-\nmission des Journalisten- und Schriftstellervereins\nUrheberschutz E. V. Ich kann dem Literatur- und\nPressewesen nur raten, sich nicht allzusehr auf die-\nsen Herrn Huth zu verlassen. Denn die deutsche»\nGerichte wissen entschieden mehr vom Urheber-\nschutz als der Verein, der sich unter die Hut des\ngeistigen Eigentums begeben hat. Das werden die\nHerren bald einsehen. Nicht einsehen werden sie,\nwas Kunst ist. Das ist ein anderes Fach, das mit\ndem Literatur- und Pressewesen nichts zu tun hat.\nEs ist für einetfr Stubenmaler höchst drollig, zu\nsehen wie aus Farben ein Bild entsteht. Für den\nHerausgeber eines Pressefachblattes höchst drollig\nzu sehen wie aus Worten ein Gedicht entsteht:\n„Nach der Probe, die mir kürzlich ins Haus geflat-\ntert ist, muß dies eine höchst drollige Zeitschrift\nsein. In einigen Zeitungen ist aus dem Sturm ein\nGedicht „Feuertaufe\" abgedruckt worden, dessen\nVerfasser ein Herr August Stramm ist. Der Ab-\ndruck des „Gedichteis\" erfolgte natürlich, um die\nLeser durch die Fülle unfreiwilliger Komik zu er-\nheitern und Kritik zu üben an dem Verstände eines\nRedakteurs, welcher seinen Lesern derartigen\nBlödsinn bietet.\" In diesen Zeilen ist nur auffallend,\ndaß dem Vorsitzenden der Rechtskommission Huth\nder Abdruck eines Gedichtes natürlich erscheint\nDas bereitet mir sehr viel unfreiwillige Komik und\nes erheitert mich, daß man durch eine Rechtsver-\nletzung Kritik an meinem Verstände üben will. Der\nVerstand der Verständigen scheint für die Jura\nalso doch nicht auszureichen. Allerdings haben die\nverständigen Dichter auch eine unverständliche\nVorstellung vom geistigen Eigentum. Denn sie las-\nsen sich Eigentum schützein, was ihnen nicht ge-\nhört. Sie verändern einige Worte aus den Dich-\ntungen der Herren Goethe, Schiller und Heine,\nmachen sie für das Literatur- und Pressewesen\ngeeignet, soweit es die Gedichte nicht schon in\nsich selbst waren, und lassen sich die Dichtungen\nder toten Kollegen bezahlen. „Auch vom Kollegen\nBarlösius war ein treffliches Gedicht vom Schüt-\nzengraben eingelaufen, das neben anderem Grüßen\naus dem Felde zur Verlesung kam.\" Das Gedicht\nist leider natürlich nicht abgedruckt, sonst hätte\nich gerne Mark 100— Nachdruckshonorar gezahlt,\nwenn ich mir diesen Schützen hätte einfangen kön-\nnen. Also der Kollege Barlösius weiß, wie trefflich\nes in dem Schützengraben zugeht. Ein Herr August\nStramm weiß es nicht und der blödsinnige Redak-\nteur druckt unsinnige Gedichte ab, weil ihn sinnige\nGedichte nicht interessieren. Auch der Hannover-\nsche Kurier hat natürlich das Gedicht „Feuertaufe\"\nvon August Stramm nachgedruckt und „schlug\ndem Sturm für die nächste Nummer folgendes Ge-\ndicht vor:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.3", "texte": "«O\nAti\njfust! Du bist\ndas größte\nschaf-\nfende\nüchterisch-\nt Genie des\nJahr-\nkunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\"\nHierzu bemerkt der sinnige Herr Huth: „Wir\nkönnen nun leider dem Hannoverschen Kurier\nnicht beistimmen. Sein Gedicht kann sich mit dem\nvon Stramm absolut nicht messen — denn in den\nVersen des Hannoverschen Kurier liegt doch\nwenigstens ein Sinn, während man das Stramm-\nscbe Elaborat nur als absoluten Blödsinn oder gro-\nben Unfug bezeichnen kann.\" Der Dichter und\nKollege Hannoverscher Kurier steht unter dem\nSchutz des geistigen Eigentums. „Aber die Komik\ndieses Gedichtes wird noch überboten durch die\nEreignisse, die sich an den Abdruck des köstlichen\nSchriftwerks knüpfen. Der Verlag Der Sturm for-\ndert für den Nachdruck des Gedichtes, wo immer\ner es abgedruckt findet, zehn Mark. Und wir sind\nveranlaßt, ein Gutachten darüber abzugeben, ob\ndenn ein derartiges Werk Schutz genieße. Im\nGrunde verlohnt es sich gar nicht, hier viel Scharf-\nsinn aufzubieten. Von einem Schriftwerk muß\nman vor allen Dingen verlangen, daß es dem Ge-\ndankenaustausch dient; die Worte müssen in einer\ndem Sprachgebrauch angepaßten Weise zusam-\nmengefügt werden, um dem Leser Gedanken zu\nübermitteln. Auf die größere oder geringere Kunst-\nfertigkeit kommt es nicht an.\" Ich weiß nicht, von\nwem „wir\" veranlaßt ist, ein Gutachten abzugeben\nJedenfalls sicher nicht vom Gericht. Vor Eröff-\nnung des Verfahrens ernennt ein Gericht über-\nhaupt keinen Sachverständigen, und wenn es einen\nernennt, so ernennt es einen Sachverständigen.\nWarum das Verfahren noch nicht eröffnet ist, kann\nich dem „wir\" nicht begreiflich machen. Für Dinge\ndes Urheberschutzes reicht sein Verstand nicht\naus. Er kann nur Gedichte des Kollegen Hanno-\nverscher Kurier verstehen. Immerhin soll der\nScharfsinn den „man\" aufgeboten hat, nicht ver-\nloren gehen. Denn es gibt keinen absoluten Blöd-\nsinn, an dem man nicht den absoluten Sinn aufzei-\ngen könnte und keinem groben Unfug, an dem man\nnicht mit Fug grob werden könnte. Der\nBlödsinn des Literatur- und Pressewesens\nwird aus der Definition des Schriftwerks klar.\n„Man verlangt von einem Schriftwerk, daß es\ndem Gedankenaustausch dient.\" Goethe hat also\ngedichtet, um mit einem Herausgeber Fried-\nrich Huth Gedanken auszutauschen. Was hat\nHerr Friedrich Huth ihm in Tausch gegeben? Das\nBuch „Das Recht des Autors\" Mark 4— elegant\ngebunden, wobei Goethe noch um die 25% Rabatt\nkommt, weil er nicht Abonnent des Geistigen\nEigentums war. Wenn man was verlangt, Herr\nFriedrich Huth, im Tausch verlangt, muß man\netwas geben. Wenn man aber einem Künstler ein\nGedicht gebraucht wiedergibt, so ist das kein reel-\nles Geschäft. Doch die Worte müssen auch in einer\ndem Sprachgebrauch angepaßten Weise zusam-\nmengefügt werden. Dieses Anpassungsverfahren\nIst zwar im Literatur- und Pressewesen sehr be-\nliebt, Leute aber, die es sich leisten können, tra-\nten keine gebrauchtem Sachen. Namentlich nicht,\nwenn sie so schäbig\" sind, daß der durchlöcherte\nVerstand aus allen Fugen scheint „Von einean\nSchriftwerk kann man aber nicht sprechen, wenn\nWorte ohne sinngemäße Verbindung aufgereiht\n»\nwerden, — Worte denen man nocht nicht einmal\nanzusehen vermag, ob es Haupt- oder Tätigkeits-\nworte sind, ob sie als Subjekt oder Objekt oder\nPrädikat im Satz auftreten — soweit überhaupt\nbei Mangel jeglicher Interpunktion von einer Satz-\nbildung die Rede sein1 kann/' Herr Friedrich Huth\neiikennt einen Satz an der Interpunktion. Wenn er\nalso schreibt: Friedrich Huth . Punkt, so ist der\nSatz fertig, dem Sprachgebrauch angepaßt, dem\nGedankenaustausch dienend. Er besteht zwar nur\naus einem Subjekt, das mir als Objekt dient und\ndem ich kein Prädikat geben will. „Die Stramm -\nsche Dichtung besitzt aber den Vorzug, daß sie bei\njeder überhaupt möglichen Auffassung, Deutung\nund Zusammenfassung der Worte absoluten Un-\nsinn .ergibt — weshalb ich auch zu dem Ergebnis\ngelangt bin, daß höchstwahrscheinlich ein Geistes-\nkranker Urheber dieses Werkes ist.\" Dieser ab-\nsolute Unsinn des Ergebnisses ist grober Unfug.\nEs ist nicht meine Aufgabe und nicht Aufgabe die-\nser Zeitschrift, Dich August Stramm, Du großer\nKünstler, vor Schwachsinnigen zu zergliedern. Was\nkörperlich an Dir war, hast Du auch zum Schutz\nder Urheber hingegeben. Noch war Dein Qeist\nstark genug, zu fallen. Hier die Bescheinigung der\nGeisteskrankheit:\nNachruf\nAm 1. September 1915 fiel bei einem Sturmangriff\nüber einen Kanal an der Spitze seiner Kompagnie\nHauptmann der Reserve\nAugust Stramm\nRitter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, des Oester-\nreichischen Verdienstkreuzes mit der Kriegsdeko-\nration, und eingegeben zum Eisernen Kreuz 1.\nKlasse. Seit Januar dieses Jahres dem Regiment an-\ngehörend, hat er an den schönen Erfolgen des Regi-\nments zum Teil als Bataillonsführer hervorragen-\nden Anteil. Sein Name ist mit der Geschichte des\nRegiments, das mit ihm einen seiner tüchtigsten\nOffiziere verloren hat, eng verknüpft. Als treuer\nKamerad und unermüdlich fürsorgender Vorgesetz-\nter wird er uns allen unvergeßlich sein.\nIm Namen des Offizierkorps\nAhlers\nMajor und Kommandant des Reserve-Infanterie-\nRegiments 272-\nAugust Stramm wird also wohl über soviel\nVerstand verfügt haben, wie Herr Friedrich Huth\nnach seinem Ergebnis. Damit wäre allerdings die\nKünstlerschaft nicht bewiesen. Herr Friedrich Huth\nkann zwar Sätze bilden, weil Andere sie für ihn\ngebildet haben. Aber auf das Bilden kommt es an.\n„Man\" soll sich nicht fremde Federn an den eige-\nnen Hut stecken. „Man\" sollte nicht einmal den\nHut für ein geistiges Eigentum halten1. „Man\" sollte\nden Hut lieber zwischen die Beine stecken, da\ndoch kein Kopf da ist. Das ist mein Ergebnis. Denn\nabsoluter Unfug kann nur aus grobem Blödsinn\nsinngemäß entstehen. Uebrig bleibt die ehrliche\nUeberzeugung: „Ich kann meine ehrliche Ueber-\nzeugung nur dahin aussprechen, daß diese Dich-\ntung Quatsch ist.\" Diese Ueberzeugung ist zwar\nehrlich aber nicht vom ihm. Denn nach hundert\nJahren oder vielleicht schon übermorgen wird der-\nselbe! Herr Friedrich Huth das Prädikat finden und\nden neuen August Stramm bequatschen, der nach\nhundert Jahren kommt oder vielleicht schon über-\nmorgen. Herr Friedrich Huth ist hingegen so gütig,\nanzunehmen, daß die Redaktion des Sturms die\nDichtung schon heute nicht für Quatsch hält. Und\nzwar nicht aus Gründen des Verdienstes. Aus\nGründen des Verdienens: „Nicht derselben Ansicht\nscheint die Redaktion des Sturm zu sein, da sie\ndem Werke Aufnahme gewährte und für jeden Ab-\ndruck zehn Mark Entschädigung einzieht. Da ge-\nwinnt man fast den Eindruck, daß die Redaktion\ndes Sturm nach möglichst blödsinnigen Gedichten\nUmschau hält, weil sie sicher ist, daß diese dem\nAbdruck nicht entgehen können. Neben dem Hei-\nterkeitserfolge bietet also die Methode Gelegen-\nheit, bemerkenswerte Entschädigungen zu erlan-\ngen. Das ist allerdings verständlich, da es in dieser\nZeit nicht leicht ist, mit literarischer Arbeit etwas\nzu verdienen.\" Gewiß bin ich insofern sicher, daß\nich unberechtigtem Nachdruck nicht .entgehen kann.\nDenn dazu ist ja die Zeitschrift Geistiges Eigentum\nund der Verein Urheberschutz vorhanden. Die\nganze spießbürgerliche Gemeinheit dieser Schrift-\nstellerchen zeigt sich jedoch in der Unterstellung.\nDieser Mensch, der angeblich das Recht auf geisti-\nges Eigentum vertritt, wagt so etwas zu schreiben,\ndieser Mensch, der niemals auch nur eine einzige\nNummer dieser Zeitschrift in der Hand gehabt hat,\ndieser Mensch, der nach eigenem Eingeständnis\nnur das eine Gedicht von August Stramm kennt\nund auch das nur aus einem unberechtigten Nach-\ndruck mit Druckfehlern. Dieser Herausgeber einer\nZeitschrift, dieser Rechtsschützer der Arbeitneh-\nmer hält es für eine Ausnutzung, Arbeitgeber am\nMißbrauch fremden Eigentums zu verhindern.\nNein, meine Methode soll die Gelegenheit vebieten,\ndaß der Name August Stramm in einem Blatte ge-\nnannt wird, das über ihm den Namen Friedrich\nHuth trägt. Solche Leute können nur durch Zah-\n>\nlung zur Achtung vor Recht und Kunst gebracht\nwerden. Der Verlag Der Sturm verwendet aber\nnoch mehr bemerkenswerte Entschädigungen zu-\ngunsten der Künstler, denen das Literatur- und\nPressewesen die Existenz nimmt. Und dieser Herr\nFriedrich Huth, der sich zum Sachverständigen er-\nnennt, besitz natürlich die Kühnheit, im Namen\ndes deutschen Volkes zu sprechen: „Aber in einem\nPunkt ist der Irrtum unmöglich, daß das deutsche\nVolk, das in diesem Krieg soviel gesunde Kraft be-\nkundet hat, sich einreden lassen wird, daß sich ab-\nsoluter Unsinn dadurch in ein schutzberechtigtes\nGedicht verwandeln lasse, daß ein spekulativer\nKopf ihm ein Stück Papier zur Verfügung stellt.\"\nDiese Spekulation auf das deutsche Volk ist miß-\nglückt. Herr Friedrich Huth ist nicht das deutsche\nVolk. Noch hat es gesunde Kraft genug, um sich\nsolche Helden unter dem Schreibtisch hervorzu-\nholen.\nDiese Ohrfeige dürfte Herrn Huth wohl zu-\nnächst genügen. Man schießt nicht gegen Mücken.\nWie diese Mücken diei Kämpfer umschwärmen.\nAber wir schwärmen über ihnen.\n\nHerwarth Walden\n\nDie Fliege\n\nWas ist die Ethische Rundschau? Die „Ethische\nRundschau\" ist die „Vereinszeitschrift der Gesell-\nschaft zur Förderung des Tierschutzes und ver-\nwandter Bestrebungen in Berlin W 15, Düsseldor-\nferstraße 23. Mitgliedsbeitrag mindestens 5 Mark.\nFür den Inhalt der Zeitschrfit ist jedoch nur der\nHerausgeber, nicht der Vorstand verantwortlich.\"\nDas kann ich mir denken. Menschen, die sich ehr-\nlich um den Tierschutz bemühen, haben keine Zeit,\nauch gegen Kunstmißhandlungen einzuschreiten.\nDamit beschäftigt sich ausschließlich der Heraus-\ngeber der „Ethischen Rundschau\". Er hört auf den\nNamen Magnus Schwantje und hat furchtbar\nwenig Zeit: „Der Herausgeber empfiehlt den\nSchriftstellern, welche Aufsätze in der „Ethischen\nRundschau\" zu veröffentlichen wünschen, aber"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.4", "texte": "liieht von ihm um Mitarbeit gebeten worden sind,\nihm zunächst den Inhalt der Aufsätze genau anzu-\nheben und ihm die Manuskripte nur dann zu sen-\nefe**, wenn er darum bittet. Die Prüfung von Ma-\nnuskripten, um deren Einsendung der Herausgeber\nnickt gebeten hat, kann in der Regel erst mach Mo-\nnaten erfolgen.\" Ferner erscheint die „Ethische\nwährend des Krieges mit einem Trau-\nerfand und schließlich ist der Herausgeber wäh-\nrend der ersten acht Monate des Jahres 1915\ncfurck den Krieg verhindert worden* Hefte der\n„Ethischen Rundschau\" herauszugeben. In diesen,\nacht Monaten hat der Herausgeber die Gesetze der\nEthik vergessen, aber doch die Zeit gefunden, in\nüe Kunstausstellung „Der Sturm\" zu gehen, eine\nProbeniatimer mitzunehmen, unberechtigte Nach-\ndrucke herzustellen und einen Aufsatz eines Herrn\nOtto Köster „Fäulnis in der modernen Kunst\" zu\nprüfen und ihn anzunehmen. Diese Ethiker, die\nihre Zeitschrift wegen des Krieges mit einem Trau-\nerrand erscheinen lassen, erwarten trotzdem durch\nim Krieg „die geistige und sittliche Wiedergeburt\niLÄseres Volkes. Es kam aber anders. Der Sturm\nier sittlichen Begeisterung legte sich im Laufe der\nMonate ein wenig, der Sturm des Herrn Herwarth\nWaideaf dagegen blieb.\" Er wird also wohl echter\nsein. Herr Otto Köster ist selbstverständlich so\nahnungslos wie alle ethischen Bekämpfer der\nKunst. Er hält die Kriegsflugblätter von Paul Cas-\nsirer für ein Organ der neuen Kunst, während sie\ntatsächlich nur ein Organ für verwandte Bestre-\nbungen sind, die sich mit Tierschutz und Ethik be-\nfassen. Die Kunst hat nicht das Geringste mit ihnen\nzu tun, weder die neue noch die alte. Herr Köster\nhat noch weniger Zeit als Herr Schwantje, denn\ner war nicht einmal im Sturm, sondern hat nur an\n„Straßenschaufenstern Proben des modernen\nKunstunfugs gesehen.\" Hierauf macht er sich ent-\nwicklungsgeschichtliche Sorgen, beruft sich auf\nden „bekannten Kunstkritiker4 Kurt Küchler,\nKriegsberichterstatter des Hamburger Fremden-\nblatts, der auch „ein Gegner der neuen Richtung\"\nist, beruft sich ferner auf Schopenhauer, redet von\nphilosophischen Modeströmungen und fällt hierauf\ngründlich rein: „Kein Zweifel, daß diese neue\nKunst ihren Jüngern mancherlei schätzbare Vor-\nteile bietet. Vor allem: sie enthebt sie eines lang-\nwierigen, mühsäligen Naturstudiums. Ein Böcklin,\nder stundenlang im Anblick eines Baumzweiges\nversunken bleiben konnte, ein Menzel, dessen\nzahllose Skizzenbücher ... — sie waren Toren,\ndie ihre Energie an einem Irrtum vergeudeten.\"\nBöcklin machte noch ganz andere Sachen. Er be-\nsä!) sich eigens in das Altertum, hielt sich dort\nmehrere Jahre lang auf, im Anblick der Centauren\nversunken, um Gestalt und Farbe seinem Gedächt-\nnis in allen! Einzelheiten einzuprägen. Herr Otto\nKöster hingegen macht sich das Leben leichter, er\nMacht sich nicht zahllose Skizzen über Kunst, geht\nzufällig an einem Straßenschaufenster vorbei und\ndank seiner philosophischen Schulung erkennt er\ndie Fäulnis in der modernen Kunst mit Willen und\nofaite Vorstellung. Früher war es besser, sagt\nHerr Otto Köster, aber heute: j,Das Genie von\nketite ist reich genug, um eine eigene Welt aus\nsich, aus seinen Seelenerlebnissen und Nerven-\nscirwingungen zu gestalten: er bedarf nicht äuße-\nre? Gegenstände, sondern höchstens äußerer\nReize, nicht räumlich zeitlicher Gesetze, sondern\nvölliger Freiheit in der Wahl seiner Ausdrucksmit-\ntel,\" Hierzu bemerkt Schopenhauer, der maßge-\nfcemde Autor der „Ethischen Rundschau\": „Wenn\nwir bei Betrachtung eines Werkes der bildenden\nKunst oder beim Lesen einer Dichtung oder beim\nAnhören einer Musik durch alle die reichen Kunst-\nMitte! hindurch den deutlichen begrenzten kalten\nwäefeternen Begriff durchschimmern und am Ende\nhervortreten sehen, welcher der Kern dieses Wer-\nkes war, dessen ganze Konzeption mithin nur im\ndeutlichen Denken desselben bestanden hat und\ndemnach durch die Mitteilung desselben von\nGrund aus erschöpft ist; so empfinden wir Ekel\nund Unwillen: denn wir sehen uns getäuscht und\num unsere Teilnahme und Aufmerksamkeit betro-\ngen. Ganz befriedigt durch den Eindruck eines\nKunstwerks sind wir nur dann, wann er etwas hin-\nterläßt, das wir bei allem Nachdenken darüber,\nnicht bis zur Deutlichkeit eines Begriffs herabzie-\nhen können. Das Merkmal jedes hybriden Ur-\nsprungs aus bloßen Begriffen ist, daß der Urheber\neines Kunstwerks, ehe er an die Ausführung ging,\nmit deutlichen Worten angeben {konnte, was er\ndarzustellen beabsichtige: denn da wäre durch\ndiese Worte selbst sein ganzer Zweck zu er-\nreichen gewesen. Daher ist es ein so unwürdiges\nwie albernes Unternehmen, wenn man wie heut-\nzutage öfter versucht worden, eine Dichtung Sha-\nkespeares oder Goethes zurückführen will auf eine\nabstrakte Wahrheit, deren Mitteilung ihr Zweck\ngewesen wäre. Denken soll freilich der Künstler,\nbei der Anordnung seines Werkes: aber nur das\nGedachte, was geschaut wurde ehe es gedacht\nwar, hat nachmals, bei der Mitteilung, anregende\nKraft und wird dadurch unvergänglich\" Böcklin\nhingegen sah sich stundenlang einen Baumzweig\nan, um ihn im Gedächtnis zu behalten, sagt Herr\nOtto Köster, auch ein Philosoph. Und er will\ndurchaus denken, was er nicht schauen kann und\nwas er noch nicht einmal durchdacht hat. Hierauf\nberuft sich Herr Otto Köster auf die Königsberger\nliartungsche Zeitung, wo jemand gesagt hat, daß\nman mit der neuen Kunst Millionen verdienen\nkönne. Es sollte nicht einmal gegen die neue\nKunst sprechen, wenn damit Millionen verdient\nwürden. Aber die Maler, die mit ihrem Kitsch nur\nHunderttausende verdienen, sind schwer beun-\nruhigt, daß das Geschäft gestört werden könnte,\nund die Philosophen, die ihre Welt aus dem Ham-\nburger Fremdenblatt und der Königsberger Har-\n'tungscheii Zeitung beziehen, sind stets für das\nVerständliche gewesen. Herr Otto Köster ist\nschließlich betrübt, daß es keine allgemein aner-\nkannte philosophisch ästhetische Grundiiberzeu-\ngung gibt, dieser Mangel hat „die heillose Zerrüt-\ntung des europäischen Kunstlebens ermöglicht.\"\nHierzu bemerkt Schopenhauer: „In der Kunst ist\ndas Allerbeste zu geistig, um geradezu den Sinnens\ngegeben zu werden: es muß in der Phantasie des\nBeschauers geboren, wiewohl durch das Kunst-\nwerk erzeugt werden. Hierauf beruht es, daß die\nSkizzen großer Meister oft mehr wirken als ihre\nausgemalten Bilder; wozu freilich noch der andere\nVorteil beiträgt, daß sie aus einem Guß im Augen-\nblick der Konzeption vollendet sind; während das\nausgeführte Gemälde, da die Begeisterung doch\nnicht bis zu seiner Vollendung anhalten kann, nur\nunter fortgesetzter Bemühung mittels kluger\nUeberlegung und beharrlicher Absichtlichkeit zu-\nstande kommt.\" Das wird Herr Otto Köster zwar\nnicht verstehen und darum flüchtet er sich zu\nKant: „Daß es allgemein gültige (künstlerische\nGrundsätze, daß es die für die Naturwissenschaft\nund die Ethik so auch für die Aesthetik ein a priori\ngibt und daß auch auf dem Felde der Kunst die\nzügellose« Ausschweifungen eines sich durch kei-\nnerlei Gesetzesschranken gebunden fühlenden\nSubjektivismus nicht geduldet werden dürfen, dar-\nüber sollte seit den Tagen Kants von Rechts\nwegen kein Zweifel mehr bestehen. Indessen: Wer\nfragt denn heute, von ein paar sonderbaren und\nein wenig altfränkischen Schwärmern abgesehen,\nnach Kant. Herr Waiden vom Sturm würde ihn in\nseiner geistvollen Art vermutlich für eine Mumie\nerklären, die man bei historischen Festzügen auf\ngeputztem Wagen durch die Straßen fährt.\" Ich\nwerde zwar in meiner geistvollen Art nicht Herrn\nKantft dazu benutzen, sondern Herrn Otto Köster,\nich kann ihn nicht mal für eine Mumie erklären,\ndenn die hat vermutlich einmal gelebt, Begriffe\nwie Herr Otto Köster hingegen niemals. Natürlich\ngibt es für die Kunst ein a priori, nur kann Herr\nKöster es a posteriori nicht begreifen. Denn nur,\nwas er begreifen kann, hält er für ein a priori. Da!.»\ner aber die „Kunst der Waiden, und\nGenossen\" nicht begreift, beweist das a priori die-\nser Kunst.\nDer Oberethiker, der große Schwant je, der\nMann der keine Zeit hat, veröffentlicht eine Nach-\nschrift zu dieser stinkenden Fäulnis des Herrn\nOtto Köster. Er hat sich einmal eine Ausstellung\ndes Sturms angesehen, nicht ohm> sich vorher mit\nder Vorbereitung eines dauernden Friedens und\nder Verwendung der Sanitätshunde im Kriege be-\nschäftigt z?u haben. Auch hat er vorher in der\nSchopenhauer-Gesellschaft einen Vortrag gehal-\nten, die mit Schopenhauer soviel zu tun hat, wie\nder Goethe- Bund mit Goethe. Dieser philo-\nsophische Ethiker schreibt in Anschauung und\nStil des „Berliner Lokalanzeigers44. Ich erschlage\nihn mit Schopenhauer: „Die Werke der Dichter,\nbildender und darstellender Künstler überhaupt\nenthalten anerkanntermaßen einen Schatz tiefer\nWeisheit: eben weil aus ihnen die Weisheit dter\nDinge der Natur selbst redet, deren Aussagen sie\nbloß durch Verdeutlichung und reinere Wieder-\nholung verdolmetschen. Deshalb muß aber freilich\nauch jeder, der das Gedicht liest oder das Kunst-\nwerk betrachtet, aus eigenen Mitteln beitragen,\njene Weisheit zu Tage zu fördern: folglich faßt er\nnur so viel davon, als seine Fähigkeit\nund seine Bildung zuläßt; wie ins tiefe\nMeer jeder Schiffer sein Senkblei so tief\nhinabläßt, als dessen Länge reicht. Vor einl Bild\nhat Jeder sich hinzustellen, wie vor einen Fürsten,\nob und was es zu ihm sprechen werde; und wie\njenen, auch dieses nicht selbst anzureden: denn\nda würde er nur sich selbst vernehmen.\" Ist nun\nSchopenhauer größenwahnsinnig, oder ich, oder\nder große Schwantje. Kaum betritt er die Kunst-\nausstellung, so bequatscht er die Bilder: „Das\nganze Blatt Papier ist gleichmäßig bekritzelt, so-\ndaß sich garnichts erkennen läßt . . . sämtliche dort\nausgestellte Plastiken, an die ich mich erinnere,\nhatten Köpfe, denen Mund, Nase, Augen, Ohren\nund Haare fehlten . . . Diese Zeichnung besteht\naus vielen Dreiecken, Vierecken und anderen Fi-\nguren, von denen die meisten schraffiert sind.\"\nDas sieht Herr Schwantje. „Alle Verirmngen\nder Menschheit müssen wir Ethiker untersuchen,\num den menschlichen Charakter kennen zu ler-\nnen.\" Wer hat nur Schwantje zum Ethiker er-\nnannt? Schopenhauer sicher nicht. „So unge-\nfährlich ist der Futurismus aber nicht. Die Ge-\nschichte zeigt, daß auch die tollste geistige und\nsittliche Entartung, wenn man sie nicht rechtzeitig\neinzudämmen trachtet, sich auf so weite Kreise\nausbreiten kann, daß sie die Entwicklung der ge-\nsamten» Kultur schädlich beeinflussen.\" Das dürfte\neigentlich nur Herr Otto Köster geschrieben\nhaben, der für Kant ist, während doch Herr\nSchwantje mit Schopenhauer anderer Ansicht sein\nmüßte über das, was wir Ethiker tun sollen. Wenn\nHerr Köster auch Angst hat, daß ich Herrn Kant\nabweise, so ist die Angst begründeter, daß Scho-\npenhauer es tut. Aber auch ihm wird vermutlich\nHerr Köster das Recht versagen, gegen Kant zu\nsein. Doch das Mitglied der Schopenhauer-Gesell-\nschaft müßte wieder für Schopenhauer sein.\nAber die Herren nach Kant und Schopenhatier\nhaben offenbar noch niemals auch nur eine\nTaschenausgabe dieser Werke gelesen, Schopen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.5", "texte": "hau er sagt: „Wer sagt euch, daß geschehen soll\nwas nie geschieht? Was berechtigt euch, dies\nvorweg anzunehmen und demnächst eine Ethik in\nlegislatorisch imperativer Form als die allein mög-\nliche uns sofort aufzudringen? Ich sage im Ge-\ngensatz zu Kant, daß der Ethiker wie der Philo-\nsoph überhaupt sich begnügen muß mit Erklärung\nund Deutung des Gegebenen, also des wirklich\nSeienden oder Geschehenden, um zu einem Ver-\nständnis desselben zu gelangen, und daß er hierin\nvollauf zu tun hat, vielmehr als bis heute nach ab-\ngelaufenen Jahrtausenden getan ist.\" Herr\nSchwantie aber, der kleine Ethiker in der Westen-\ntasche, hat zuviel andere Dinge zu tun. Er muß\nsich um die Sainiitätshunde kümmern, um die Vor-\nbereitung des dauernden Friedens und um die Ge-\nfahren des Futurismus. Er muß Entartungen ein-\ndämmen, daß er nur so eine Art ist. Alles\nsehr schön und nützlich, nur muß man nicht be-\nhaupten, „zur Erläuterung und Vertiefung der\nethischen Anschauungen und zur Förderung ethi-\nscher Bestrebungen\" tätig zu sein. Warum den\nMu'nd so voll nehmen? Warum sagt der kleine\nSchwantje statt ethischer Bestrebungen nicht lie-\nber Tierschutz und statt Läuterung und Vertiefung\nder ethischen Anschauungen Erziehung zur Kunst-\nlosigkeit. Eine Anschauung hat Herr Schwantje\nnicht, dazu redet er zu viel. Und von Läuterung\nkann keine Rede sein, wenn man in sein Blätt-\nchen die Fäulnis von Otto Köster aufnimmt. Der\nliebe Schwantje sollte sich überhaupt erst dann\nwieder mit etwas beschäftigen, wenn er Zeit hat.\nDas wird der Fall sein, sowie er den dauernden\nFrieden endgültig vorbereitet hat. Auf einen Satz\nvon Schopenhauer ist Herr Schwantje grundsätz-\nlich stolz: „Die von mir aufgestellte moralische\nTriebfeder bewährt sich als die echte dadurch, daß\nsie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt.\" Auch,\nHerr Schwantje. Sonst war Schopenhauer anderer\nAnsicht.\n\nHerwarth Walden\n\nVon Zeit und Ewigkeit\n\nEs gibt nicht nur Zeitungskollegen, es gibt auch\nZeitschriftenkollegen. Das sind Herren, die sich\ngegenseitig besprechen, ohne daß dabei ein Geist\nherauskommt. Trotzdem möchte ich die Geister,\ndie ich nicht rief, loswerden. Ich muß mit der\nPresse sagen: das geht zu weit, weil es nicht\nweit genug geht. Nur kein Ziel, nur kein Ende des\nWeges, und wenn das Ende auch mit vielem Be-\nmühen Kokoschka oder Lasker - Schüler oder\nAugust Stramin heißt. Gewiß, Spaß muß sein, aber\nauch wenn sich der lebendige Oppenheimer tot-\nsagen läßt, durch allzufreundliche Freunde, so\nwird der tote Oppenheimer doch dadurch nicht\nlebendig, daß die B. Z. am Mittag sein Dasein be-\nscheinigt. Herr Franz Werfel wird dadurch nicht\nlebendig, daß ihn Herr Kurt Wolff den Zukunfts-\ndichter der neuen Jugend nennt. Umsoweniger,\nda Herr Kurt Wolff sicher nicht wissen kann, was\nHerr Werfel in der Zukunft werden wird. Ich weiß\nes. Die Herren von der Zukunft, die mit Modernität\nfortschreiten, haben keine Gegenwart und höchst\nlogisch also keine Zukunft. Es sei denn, daß Herr\nMaximilian Harden sich der neuen Jugend erbarmt,\nwas aber auch) höchstens für die Vergangenheit\neinen Wert hat. Denn wir lesen nicht in der\nZukunft. Es gibt viele Talente auf dieser Erde,\naber die Talente bilden kein Zeitecho, wenn sie\nauch noch so talentvoll gegen die Zeit herum-\ntappsen. Sie rennen doch nur in der Zeit herum.\nAuch weiße Blätter haben keine Farbe. Und auf die\nFarbe kommt es an. Die Zeit vergeht und die\nWeißen Blätter blühen nicht und die Herren mit\ndem Talent wollen doch in der Sonne und auf der\nErde stehen. Sie müssen sich wenigstens an einem\nFetzen halten: „Wir haben angekündigt, daß das\nZeitecho aktueller und lebendiger werden soll und\nmit dem täglichen Leben möglichst eng verknüpft.\nWir gehen darin so weit, daß wir im graphischen\nTeil Modebilder bringen werden. Denn heute\nscheint die Mode das Gebiet zu sein, auf dem sich\nKunst und Leben am innigsten verknüpfen. Für die\nwenigstens, die in der Nagelung eiserner Männer\nkeine Verknüpfung von Kunst und Leben sehen.\nDie Modebilder werden auch vom reinen künst-\nlerischen Standpunkt, also für Leute, die nicht für\nMode, wohl aber für Kunst Verständnis haben,\nhöchst beachtenswert sein.\" Nicht etwa der neue\nProspekt des Konfektionärs leitet so die Aktuali-\ntät seines täglichen Lebens ein, sondern die Zeit-\nschrift der Zukunftsdichter der neuen Jugend, das\nZeitecho hat den Fetzen gefunden, durch den es\nsein Leben alle vierzehn Tage auf dieser Erde be-\nweisen will. Aber auch diesen Fetzen hat es nicht\neinmal gefunden, denn der oder die Moden-Alfred-\nMarie reicht seine oder ihre Schleppe den\nZukunftsdichtern, auf daß sie ihn oder sie\nverherrlichen mögen nach alter wohlbewähr-\nter Art der Troubadoure. Zwar kommt es\nnicht mehr so sehr auf die Frauen an\nals auf das, was auf ihnen hängt. Aber das täg-\nliche Leben schreitet fort, wenigstens alle vier-\nzehn Tage, und wird auf einen reinen künstleri-\nschen Standpunkt gestellt, der aber als Stand-\nkomma nach unten zu erheblich unter den Satz\nfällt. Nämlich unter den Satz daß Nagelung keine\nVerknüpfung sei. Freilich sind die Zukunftsdichter\nvernagelt und unter sich verknüpft. Wrenn man\nden Nägeln aber auf den Kopf schlägt, stellt es sich\nheraus, daß gar kein Kopf da ist, aber ein Knopf,\nder die Kunst an die Mode näht. Der große\nDämonikcr, Herr Doktor juris Hanns Heinz Ewers,\nhat schon vor Jahren aus der Kunst sich seine\nKrawatten gedreht, zur großen Absatzfreude der\neinschlägigen Industrie. Herr Doktor juris Hanns\nHeinz Ewers erreichte damit keinen Wahnsinn,\nden er doch so gern packen möchte oder von dem\ner wenigstens doch so gern gepackt sein möchte,\naber doch eine Methode. Er blieb bei einer\nBranche. Die Herren der Zukunft sind lebendiger.\nSie gehen aufs Ganze. Herr Rudolph Hertzog liefert\nlaut Anzeige des Zeitechos die Stoffe und Moden-\nAlfred-Marie mit dem zweifelhaften Artikel druckt\nsie auf echt Japan-Papier und koloriert sie mit\nseiner oder ihrer feinen Hand. Signierte Kleider\nwerden aufkommen und die deutsche Kunst kann\nsich unter die weiten Röcke verkriechen. Ich ziehe\neinige Herren wieder hervor. Der Herausgeber,\nder den Widerhall der Zeit herausgibt, weil ihm\nder Hall zu laut ist und weil die Zeit ihn nicht\nherausgibt, setzt Herrn Franz Werfel mit folgen-\nden Worten der Zeit aus: „Viel schöner, viel grau-\nsamer, viel weltlicher, als ich es je könnte, be-\nschreibt Franz Werfel die Daseinsangst — die mich\nimmer treibt, wieder fröhlich zu sein — in seinem\nBuch „Einander\" in dem Gedicht von Adam.\" Der\nHerausgeber ist also nur zwischen zwei Ge-\ndankenstrichen fröhlich. Warum hat er Daseins-\nangst, wo sie Herr Franz Werfel für ihn beschreibt\nund mich dadurch ohne Gedankenstriche fröhlich\nmacht. Gewiß, auf das Beschreiben kommt es für\ndie Modeschriftsteller an. Und die Mode, die uns\ndoch wieder mit dem Leben verknüpft und die\nKunst als Schleifchen mit sich führt, hat noch nie\neine schlechte Konjunktur gehabt. Die Mode macht\nman mit. Und mit der Mode.macht man es. Und\naus den Resten läßt sich noch manches Kleidsame\nzusammenstellen. Man soll nie die Gelegenheit ver-\nsäumen. Zwar macht Gelegenheit Diebe, aber auch\nLiebe. Die Liebe ist wieder mit den Damen ver-\nknüpft und die Damen mit der Kunst, sodaß sich\ndie Nagelung eiserner Männer erübrigt. Doch zur\nDaseinsangst:\n„An diesem Kreuzweg, abendlich umlauert\nGewahr'ich plötzlich, wie mein Leben dauert/'\nDer alte Adam in Jamben, wie er leibt und lebt.\nDer Kreuzweg, Ecke Wilhelmstraße - Unter den\nLinden, ist nur abendlich umlauert, weil der Adam\nplötzlich gewahr wird, daß sein Leben noch immer\ndauert. Ich sichere eis ihm mindestens für die Zeit-\ndauer des Zeitechos zu.\n„Ich hör in mir die Zeit, die schafft und mauert,\nGleichgültig innen Schlag an Schlag erschallen.\"\nDie Zeit mauert, weil das Leben eben dauert.\nUnd aus ihrer Gleichgültigkeit kann sie durch diese\nJamben auch nicht geweckt werden. Aber die\nZeit allein genügt nicht, um ihm sein plötzliches\nLeben glaubhaft zu machen. Herr Kurt Wolff, der\nVerleger, fordert seine Gedichte:\n„Das Tier des Daseins hat mich überfallen,\nEin Atem geht, der groß mich überstreicht.\"\nInnen gemauert und aussen überstrichen, doch\ndas Gedicht geht weiter:\n„Auf meiner Schulter, riesenhaft und leicht\nSitzt es mir vogelfern und endlos eingekauert.\"\nOder wie man früher sagte:\nEin blondgelockter Jüngling\nmit pechrabenscharzem Haar.\nWas entschieden logischer ist, als wenn das\nBiest jenem endlos eingekauert auf der Schulter\nsitzt. Einkauern setzt nämlich voraus, daß auch der\nSchwanz dabei ist.\nNun kommt der alte Adam in neuen Kleidern,\nneu wie alt:\n„Und um mich Sternensturz und Fels und Baum\nGehn ihres Wegs und wandeln Traum in Traum/4\nDas hätte ich sehen mögen, wie der Sternen-\nsturz mit dem Fels und Baum ihrer Wege gehen.\nDer Zukunftsdichter hat es sicher auch nicht ge-\nsehen. Wenn aber etwa der Sternensturz um ihn\nsein sollte, und ganz bescheiden Fels und Baum\nnur ihres Weges gehen, so ist das Gedicht schlecht\ngefaltet oder gebügelt, wenn es sich um den Adam\nhandelt. Allerdings ist der Herr Dichter über-\nträumt :\n„Ich Ueberträumter, wie ich steh und stehe\nFühl ich mich an, und weiß, daß ich mich drehe.\"\nEr weiß es, aber ich nicht. Ich habe nicht den\ngeringsten Grund, dieser Aussage zu glauben. Die\nDrehung, sehr geehrter Herr Dichter, muß erst\ndurch Gestaltung bewiesen werden. Sonst glaube\nich immer, daß ich noch steh und stehe. Und wie\nwunderbar sich mein Unglaube bestätigt, er dreht\nsich nicht, er wird gedreht und geht endlich oder\nvielmehr er fährt endlich mit Fels und Baum und\nSternensturz weiter:\n„Gedreht mit andern fahr ich hin\nUnd weiß nur Eins: es ist kein Sinn\nIn de m Ich bin.\"\nDa's wußte ich allerdings. Aber jetzt tritt\nAugust Stramm für ihn ein:\n„Ichbin ist um mich.\"\nDer Zukunftsdichter besinnt sich auf den Kein-\nsinn. Sein Ichbin hat keine langen Beine, denn in"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102/103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.6", "texte": "Emil Maetzel: Badende Knaben / Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.7", "texte": "derselben Zeile findet er schon die Verknüpfung\nmit der Zeit wieder und schreibt:\n„Ich bin eingeschlossen,\nUnd „Unentrinnbar\" ist der zweite Name der Welt!\nZerbräch ich mich, wär ich nicht ausgegossen,\nNur neu in den verruchten Tanz gestellt!\"'\nEs ist leichter, aus der Haut als aus der Welt\nzu fahren, und wer sich zerbricht, ist noch nicht\nausgegossen. Und wenn ich diese Dichtung zer-\nbreche, ist auch kein Tropfen auszugiessen. Darum\nweiter in den verruchten Tango:\n„Denn All ist Alles,\nKein Loch in der Zeit,\nKein Raum' hinter der Unendlichkeit\"\nAlles ist weg. Die Zeit ist zugemauert Und\nRaum ist in der kleinsten Hütte, warum müssen\ndie Herren ihn hinter der Unendlichkeit suchen,\nwo ihnen doch in ihrer Endlichkeit sovie'le Salons\noffen stehen. Aber schon kommt ihm die Moden-\nAlfred-Marie zu Hilfe:\n„Ach, wie unsäglich unverknüpft\nMir jedes Ding vorüberhüpft!\nDer eitle Sturm, der eitle Wald\nDer eitle Ich vorüberwallt/'\nAch wie so trügerisch. Der eitle Ich wallt nicht\nvorüber. Sein Drumrum muß gesehen werden. Das\nwird ihn »schon wieder mit den vorüberhüpfenden\nDingern verknüpfen. Nun knüpft sich der Zukunfts-\ndichter auf:\n„Niemals ein Mein,\nImmer nur Sein!\nWill ich was halten,\nLöst sich und brichts.\nVon den Gestalten\nNichts kan ich halten\nNicht einmal nichts.\"\nSehr richtig. W-orauf Goethe fortführt:\nAus Fünf und Sechs\nSo sagt die Hex\nMach Sieben und Acht\nSo ist's vollbracht\nUnd Neun und Eins\nUnd Zehn ist keins.\nDer Zukunftsdichter gibt die Droschkenfahrt\nnach Unentrinnbar auf:\n„Flucht ist mir nicht gegeben\nWohin ichi mich wende — Leben.\nSo will ich mich denn verweben\nIns Ewige, ins Allein\nAuf dieser Erde eben\nSitzen und sein und Schrein.\"\nNun eben. Aber dieser Herr Dichter entwickelt\ndie Kunst noch weiter: während der Herausgeber\nnur die Kunst mit dem Leben verknüpft, verwebt\nder Dichter das Ewige mit dem Leben. Spinnerei\nund Weberei. Aber dieses „Eben\" rührt mich. Es\nist so hilflos. Wenn er wenigstens Streben ge-\nschrieben hätte, was doch auf die Zukunft weist\nAber nichts für ungut. Er will doch nur noch\nsitzen und sein und schrein. Den Schrei nach der\nMode. Sie wird ihn umhüllen. Nur keine Angst,\njunger Adam, es wird schon schief gehen. Hierzu\nbemerkt das Zeitecho: „Als der Ergste unter den\nDichtern der letzten Generation, hat Werfe! große\nund hohe ethische Forderungen aufgestellt. In edel-\nstem Pathos und hoher Begeisterung singt er von\nden heiligen Ideen der Menschenliebe und des\nSchuldbewußtseins.\" Diese letzte Generation mit\ndiesem ersten Dichter muß doch wohl den Raum\nhinter der Unendlichkeit gefunden haben. Hohe\nethische Forderungen aufzustellen, ist keine Kunst.\nMan mus sie außerdem selbst bezahlen können.\nAber nicht nur die Zeit, auch das Zeitecho be-\ndarf eines verantwortlichen Schriftleiters. Der ist\nüber seinen Dichter zu Tränen gerührt. Er ver-\nöffenlicht, was man so veröffentlichen nennt, einen\nBrief an den Verleger des Herrn Dichters Werfel:\n„Sie fragen nach einer Kritik. Doch wohl nicht im\nErnst? Schönheit, Liebe, Inbrunst — sind das\nDinge, die man kritisiert?\" Ich habe es für\nden Herrn Verleger im Spaß getan, ohne\nauf Gegenbesprechung wert zu legen. Schön-\nheit, Liebe und Insbrunst sind allerdings keine\nDinge, aber diese Gedichte sind so dinglich, daß\nman sie handgreiflich fassen kann. „Wie mannig-\nfaltig sind die Tränen, die über dieses Buch geweint\nwerden! Und das arme Herz weiß schließlich selbst\nselbst nicht, weshalb es schluchzen und zittern\nmuß. Vor Freude? Vor Schönheit? Vor Leid?\nVor Liebe?\" Du armes Herz, vergiß die Qual.\nDenn die Freude, die Schönheit, das Leid, die\nLiebe, Herr verantwortlicher Schriftleiter, sagt\nman nicht, wenn man Künstler ist.\nUnter den gütigen Rock der Mode werden von\nder letzten Generation mit hinunter genommen die\nHerren Holitscher und Kellermann. Ja, der Hö-\nllischer. „Was der erzählte von Ostpreußen und\nseinen Verwüstungen, das ist nicht von Berufs\nwegen gesagt, sondern aus einem von Mitleid\nzerrissenen Herzen und aus einer großen erbar-\nmenden Liebe heraus.\" So sagt ein letzter Dichter,\nnamens S. D. im Zeitecho. Herr Holitscher ist\nsicher nicht zum Dichter berufen, auch wenn sein\nHerz von Mitleid zerrissen ist. Das Mitleiden ist\nkein Mittel zur Kunst. Eher schon das Leiden.\nAber das ist peinlicher. Und wohlverstanden, nur\nein Mittel. Herr Kellermann wird zum Dichter\nernannt, weil er diesen Satz schrieb: „Es ist unbe-\ngreiflich, daß nicht die Sonne am Himmel schwarz\nwird und die Sterne erlöschen.\" Nämlich in der\nSchlacht. Vielleicht ist die Sonne schwarz ge-\nworden, und vielleicht sind die Sterne erloschen.\nWenn Herr Kellermann etwas unbegreiflich findet,\nist es vielleicht sehr begreiflich. Er weiß nämlich\nallzugenau, daß die Sonne nicht schwarz wird und\ndie Sterne nicht erlöschen. Man kann nicht das Un-\nbegreifliche dadurch begreiflich machen, daß man\ndas Unbegreifliche unbegreiflich nennt. Die Kunst\nist eben, das Unbegreifliche begreiflich zu machen.\nNur sind die Hände nicht das Werkzeug hierzu.\nAuch Herr Carl Spitteier wird von den letzten\nDichtern für einen Kollegen gehalten. Die Herren\nstellen sich sogar eine Stufe unter ihn. Das ergibt\nsich aus der etischen Forderung. Er soll von\nder deutschen Tagespresse als undankbarer\nDeutschenfeind verlästert worden sein. Darum\nkommt er eine rauf. Alle aus Mitleid Zerrissenen\nreichen die andere Wange hin. Die beste Methode\nfür jede mässige Begabung des Auslands, in\nDeutschland anerkannt zu werden, besteht zur Zeit\nund zum Zeitecho darin, gegen Deutschland un-\ndankbar zu sein. Die Zerrissenen kennen die\ngrosse n Begabungen des Auslands nicht. Die\nsind i n si c h geborgen wie die großen Deutschen.\nDer Künstler erfüllt die ethische Forderung,\nohne sie erst aufzustellen. Der Künstler braucht\nkeine Anerkennung, weil er erkennt. Der Künstler\nbraucht keinen Widerhall, weil er tönt Der Künstler\nbraucht sich nicht an den Schatten zu klammern,\nweil er scheint.\nO, meine Freunde, wie wir scheinen.\n\nHerwarth walden\n\nProfessorale\nDer Kunstpfeifer\n„Daß es keinem Europäer jemals gelungen ist,\nmit den schiefäugigen Schuften aus Asien in ver-\ntraute menschliche Beziehungen zu kommen, ist\neigentlich für die Bewertung japanischer Kunst\nschon ausreichend.\" Nun hat Ehrlich seinen Hata\ngefunden und wir dürfen uns also mit der Bewer-\ntung japanischer Kunst weiter befassen trotz\nHerrn Richard Pfeiffer, Professor an der König-\nlichen Kunstakademie zu Königsberg in Preußen,\nder sich also grundsätzlich äusserte. Im übrigen\nrühmt er frei nach dem deutschen Dichter Lessing\nTugenden, die er nicht hat: nämlich den deutschen\nStil. „Nicht nur der Generalquartiermeister\nschreibt diesen herrlichen Stil, den unsere pracht-\nvollen Heere lieben.\" Herr Professor Pfeiffer liebt\nihn nicht, denn er gehört offenbar dem Heere nicht\nan, und er kann ihn auch nicht schreiben, den\ndeutschen Stil. Dafür hat er aber eine Wesens-\nart: „Mit Worten läßt sich unsere Wesensart nicht\nerschöpfen.\" Wo bleibt der deutsche Stil?,, Wollen\nwir aber doch darüber reden, so könnten wir sie\nvielleicht kurz als eine vollkommene Durchdrin-\ngung von Intuition und bürgerlicher Solidität be-\nzeichnen. Diese beiden Pole in gleicher Stärke\nzu vereinigen, ist u n s allein eigentümlich.\" Herr\nProfessor Pfeiffer rühmt kurz vor diesen Sätzen\n„die stark einsetzende Sprachreinigung\", die bei\nihm aber ausgesetzt hat. Die Art des Wesens dieses\nProfessors ist stark durchlöchert, denn seine\nWesensart wird vollkommen von Intuition und\nbürgerlicher Solidität durchdrungen. Die bürger-\nliche Solidität wird durch die Tätigkeit des Herrn\nProfessors an der königlichen Kunstakademie ein-\nwandfrei bewiesen. Bedauerlich bleibt nur. daß\ndie Sprachreinigung bei der Intuition aussetzte.\nVermutlich muß die Intuition als undeutfsch ver-\nworfen werden. Nur ist die Intuition viel deutscher,\nals alle Kunstprofessoren glauben. Die bürgerliche\nSolidität in der Kunst hat zwar nicht die Kunst tot-\ngemacht, aber die deutschen Künstler unterdrückt.\nSelbst eine solide Begabung wie Menzel wurde\nvon der Akademie verwiesen. Noch immer haben\ndie Akademien nach fünfzig Jahren Solidität aner-\nkannt. Sogar Begabung wird verziehen, wenn sie\nnachgemacht werden kann. Bildet sich aber keine\nSchule, so ist es klar, daß Lehrer dagegen sein\nmüssen. Denn wo bliebe die bürgerliche Existenz,\nwenn den Lehrern die Schule entzogen würde.\nAuch der Generalquartiermeister von 'Stein hat\nkeine Schule gemacht. Wie darf man sich auf\neine Autorität beziehen, die man anerkennt, aber\nnicht erkennt. Nidht einmal die Kenntnisse zur Er-\nkenntnis bringen diese Leute mit. Diese Lehrer\nsind ganz ungelehrig. Sie sitzen solide auf ihrem\nLehrstühlchen, auch wenn die Welt in Trümmer\ngeht. Würde der Generalquartiermeister in seinem\nwirklich deutschen Stil gemeldet haben: Polen ist\nverloren, so würde vom Lehrstühlchen bürgerlich\nsolide geantwortet werden: Noch ist Polen nicht\nverloren. Jeder Verlust ist in der Kunst ein Ge-\nwinn, aber die Gewinner wissen die Verluste\nnicht zu schätzen. Sie setzen immer auf das große\nLos, halten das für solide und halten »die Intuition\nfür eine Niete. Aber diese Lehrer sind außerdem\nschlecht unterrichtet. Sie wenden die bürgerliche\nSolidität bei der Kunst und die Intuition bei der\nKunstgeschichte an: „Diese neueste Erfindung ist\nein gemeinsames Werk der Franzosen und ihrer\nFreunde, der Russen. Schon der Name ist eine\nAnmassung. Denn Expression, Ausdruck, ist das\nallgemeine Ziel jeder Kunst. Nur wollen sich die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.8", "texte": "Vertreter dieser Sache nicht der Formensprache\nbedienen, in welcher der Geist der Welten selber\nm deutlich und leise redet, sondern sie haben eine\neigene Sprache erfunden, die dann freilich an Roii-\nfoeit und Primitivität nicht überboten kann. Uni-\nformierte Anarchie.\" Der Geist der Welten heißt\nnicht Pfeiffer und hat ihm überhaupt ein tolles\nStückchen vorgepfiffen. Denn der Expressionismus\nist eine deutsche Angelegenheit, die von den fran-\nzösischen und russischen Pfeifern stets verpaukt\nwurde. Die kleine deutsche Flöte tutet natürlich\nin der üblichen deutschen Ausländem nach. Ge-\nwiß ist Ausdruck das allgemeine Ziel jeder\nKunst, und jeder, der dieses Ziel erreicht oder\nerreicht hat, soll gern Expressionist genannt wer-\nden. Die Anmassmig liegt also weniger in der\nExpression als in der Pression, Jeden Deutschen\nund natürlich ebenso jeden Ausländer für einen\nKünstler zu erklären, der sich mit der Farbenlehre\nauf der Leinwand praktisch betätigt. Der Geist\nder Welten spricht nämlich so viele eigene\nSprachen, daß alle Germanisten und Romanisten\nsie noch nicht erlernen und sie also noch weniger\nlehren konnten. Sprachen lassen sich nicht\nerlernen. Wer eine eigene Sprache besitzt, wirkt\nauf einen Kunstprofessor jeder Nationalität immer\nwie ein schiefäugiger Schuft, mit dem man eben\nnicht in vertraute menschliche Beziehung kommen\nkann. Und wenn diese Beziehung nidht am Stamm-\ntisch gefunden werden kann, verzichtet man lieber\nauf den Stamm und bleibt bei Tische sitzen. Auch\ndie schiefen Augen sind vom Geist der Welten er-\ndacht worden. Auch Schiefäugige können unifor-\nmiert werden. Und jede Uniform war einmal eine\nUniform. Nämlich die Form dessen, der unifor-\nmierte. Pfeifer sind so stolz, weil sie immer\nvorangehen. Aber wenn abgewinkt wird muß die\nganze Tuterei sofort aufhören. Doch unser braver\nProfessor aus Königsberg will durchaus auf der\nkleinen Flöte Solo spielen: „Wahrhaftig, Liebe ist\nder Geist der Kunst, wie Richard Wagner erkannt\nhat. Ohne die ordnende Rolle der erkennenden\nTriebe im Weltprozeß zu verkennen, kann man\ndoch sagen, daß aus reiner Vernunft noch kein\nGedicht entstanden ist, kein I<ind geboren wurde.\"\nNur daß Gedichte aus Liebe noch lange keine\nLiebesgedichte sind und daß schon viele Kinder\naus reiner Vernunft geboren sind. Herr Professor\nPfeiffer ist so gütig, die erkennenden Triebe nicht\nzu verkennen. Trieb ist zwar der Gegensatz von\nErkenntnis und die Vernunft hat schon viele Ge-\ndichte gemacht aber noch keinen Trieb hervor-\ngebracht. Man glaubt nämlich nur zu treiben,\nman wird getrieben. Aber stets haben sich\ndie Triebe auf die Liebe gereimt, was viele für ein\nGedicht halten. Die Kunst ist zwar der Geist der\nLiebe, aber die Liebe nicht der Geist der Kunst,\nauch wenn es Richard Wagner erkannt hat. Daß\nnämlich Richard Wagner soviel erkannt hat, ist\ndem Geist seiner Kunst sehr hinderlich gewesen.\n„Sollte einmal der Augenblick der völligen Verhir-\nrnrng eintreten, den viele so heiß ersehnen, so\nwäre damit auch die Rolle der Kunst ausgespielt.\"\nOhne erkennende Liebe spielt der Herr Professor\neinfach nicht mehr mit: „Denn die Kunst ist an\nunsere körperliche Organisation gebunden und teilt\nauch ihre Beschränkungen. Die modernsten Be-\nstrebungen der Ueberwindung der Form und der\nEntdeckung des Geistigen und Seelischen in der\nKunst sind wurzellos unorganische Geliirnkon-\nstruktionen von mißverstandenen Möglichkeiten:\nKunstgeist ist Formgeist.\" Manche Leute haben\nnun das Geistige und Seelische in ihrer körper-\nlichen Organisation. Und die Beschränkung der\nkörperlichen Organisation von Kunstprofessoren\nist nur an sie und nicht an die Kunst gebunden.\nIm übrigen handelt es sich gar nicht darum, For-\nmen zu überwinden, sondern Formen zu winden.\nDas ist eben die verfluchte eigene Sprache des\nGeistes der Welten. Endlich fühlt sich dieser\nostpreussische Professor veranlaßt, gegen An-\nschauungen zu kämpfen, die Anschauungen der\nAkademien sind, weil man dort nicht schauen\nkann: „In der modernen Kunstschriftstellerei spielt\n•der Begriff der Entwicklung eine große Rolle.\nUeberall findet man die „Entwicklungslinien von\nCimabue bis Meier\", meist wird dieser Entwick-\nlungsbegriff wohl im Sinne der Höherentwicklung,\nder Verfeinerung, kurz des Fortschrittes ver-\nstanden.44 Was mag dieser Pfeiffer für moderne\nKunstschriftstellerei gelesen haben, die ihn bis auf\nCimabue aufwickeln. Er hat sich da erheblich ver-\nheddert, Und selbst wenn alle „modernen44 Kunst-\nschriftsteller behauptet hätten, daß die Kunst von\nMatthias Grünewakl bis zu Adolf Menzel sich\nhöher entwickelt hätte, so wird kein Künstler ge-\nfunden werden, der das behauptet. Trotz der Jahr-\nhundertfeier. Ich aber behaupte, was die Herren\nmit ihrer beschränkten körperlichen Organisation\nnicht auffassen können, daß derselbe Geist der\nWelten aus der Kunst des Franz Marc spricht wie\naus der Kunst des Albrecht Dürer, aus der Kunst\ndes Oskar Kokoschka wie ans der Kunst des\nMatthias Grünewald.\nProfessor Vogel will mitmachen\n„Vogel meint, daß wir in den letzten Jahren\nneben der dankenswerten Steigerimg der künst-\nlerischen Mittel — Leibi — auch einen bedauer-\nlichen Verfall erlebt hätten und allerhand\nSnobismus, der seines Erachtens durch den Krieg\nspurlos vernichtet werden wird. Aus dem Nichts\nwerde Nichts. Zu allen Zeiten sei große Kunst nur\ndurch Fortführung der Tradition entstanden, da-\ndurch, daß ein Kerl auf dem Schultern eines\nanderen Kerls stand und so würde auch sofort mit\nBeendigung des Krieges eine ganz entschiedene\nRückkehr zu unserer guten alten deutschen Tra-\ndition einsetzen, wohl verstanden mit vollkomme-\nner Geltung des guten Neuen, das seitdem errun-\ngen worden sei.4' Man muß schon auf die Sieges-\nsäule steigen um die Werke Professors Hugo Vogel\nfür Kunst zu halten. Soviele Kerls stehen schon\nunter Ihm. Die Monumentalmater klettern immer\nhöher herauf, rutschen dann mit einem Ruck zur\nguten alten Tradition zurück, nicht ohne unterwegs\nein paar Stückchen vom Expressionismus mitzu-\nreissen. Der Vogel weiß manch Liedchen von der\nMalerei zu singen: „Das Wesen der Monumental-\nmalerei sei zu allen Zeiten gewesen, zu erzählen,\nzu schildern und die rein malerischen Fragen seien\nihr immer das Mittel und der Weg zu diesem\nZweck gewesen. Wer es anders ansähe, befinde\nsich in einem verfänglichen Irrtum.44 Dais Tirili\nsoll uns nicht verführen. Der Zweck entheiligt die\nmalerischen Mittel und der Weg führt zur Zeit\nnicht mehr nach Rom. „Man müsse absolut\nzwischen Staffeleibild und Monumentalmalerei\nunterscheiden, bei der ersteren sei ein l'art pour l'art\nmöglich, bei letzterer niemals. Sie schreite im ge-\nwissem Sinne stets auf dem dramatischen Kothurn.\"\nDie Erzählung auf dem dramatischen Kothurn ist\nan sich schon ein trauriges Schauspiel, die letzteste\nMonumentalmalerei des Herrn Professors Vogel\nunterscheidet sich absolut nicht von seinem\nerstesten Staffeleibild, denn beidere haben weder\nmit der l'art noch mit der Kunst was zu tun. Die\nBilder schreiten und der Professor schildert einen\nverfänglichen Irrtum. Aber zu allen Zeiten ist es\nso gewesen, daß Schildermaler Tatsachen er-\nzählen.\n\nGeprebte Stimmen\n\nDer Herr neben Werfel\n„Unter den Könnern der jüngsten Dichtergene-\nration, deren i>ersönliche Note und sieghafte Ziel-\nstrebigkeit sie glücklicherweise als Rufer wie als\nBerufene erscheinen läßt, stellt Johannes R. Becher\neine große literarische Hoffnung dar.\" Herr Kurt\nWolff, Verlagsbuchhändler zu Leipzig, ruft und die\nBerufenen erscheinen. Herr Verlagsbuchhändler\nWolff teilt weiter mit, daß es Johannes R. Becher\ngelungen sei, den errungenen Platz neben Werfel\nzu behaupten. Im Bücherschrank des Herrn Wolff.\nNun ringt ein Könner wie besessen, um sich neben\nHerrn Werfel behaupten zu können, der im Sturm\nfiel, dem aber sein, Plätzchen gern gegönnt sein\nsoll. Gegen sieghafte Zielstrebigkeit kommt man\nhingegen nicht auf, auch wenn man sich schaf-\nfend noch so sehr bemüht. Hingegen begrüßt die\nPresse hochachtungsvoll die große literarische\n'Hoffnung des Herrn Wolff. Das feinsinnige Ber-\nliner Tageblatt: „Nun steht Becher aber jedem\nAesthetentum fern. Er wäre lieber Propagator als\nLyriker. Und ein etischer Erfolg wäre ihm lieber\nals ein künstlerischer.44 Das Berliner Tageblatt\nbraucht ihn nur über den Strich zu schieben und\nder etische Erfolg ist da. Wenn auch das Ber-\nliner Tageblatt unter dem Strich jedem Aestheten-\ntum fern steht. Die Breslauer Zeitung: „...und\nin satanischen Impressionen schaurigsten Erde-\nlends beschwören die dichterischen Visionen\nBechers den Geist Dantes herauf, der Hölle und\nHimmel durchquert.44 Diese Art Spiritismus\nwird abgelehnt. Erde und Hölle und Himmel\nkennt man schon so gut, die Geister, die\nman nicht rief, wird man schon wieder loswerden.\nZeit im Bild: „Vieles wirkt wie Versuche, die For-\nschungen der Sexualpathologie und Kriminalpsyche\nin eine äussere poetische Form bringen.44 Nämlich\nin die Form Dantes. „Seine Bilder sind Zusammen-\nsetzungen von Farbflecken einer biszweilen gran-\ndiosen Grellheit Alles in Bechers Arbeiten ist\nTat.44 Nun ist zwar die Kunst Tat aber die Tat\nnoch lange keine Kunst. Außerdem irrt sich, die\nZeit im Bild, die weder Zeit noch Bild kennt, wenn\nsie sich einbildet, daß eine Zusammensetzung von\nFarbflecken Expressionismus sei. Das ist nämlich\nImpressionismus: „Hier haben wir die Anfänge\neiner dichterischen Bestrebung, die zu dem Ex-\npressionismus der bildenden Kunst in dem Verhält-\nnis einer gewissen Parallelität steht.44 Die Paralleli-\ntät wird abgelehnt, ebenso wie die Dichtungen des\nHerrn Becher. Zielstrebige Bestrebungen inter-\nessieren nicht. Und die Aehre, eine Zeitschrift, die\nkümmerlich in der Schweiz verwelkt: „Johannes\nR.Beel lers Werk kommt weniger von der Literatur\nher als aus dem Leben. Das Leben steigt macht-\nvoll, hinter dem Geschriebenen empor und bricht\ndurch jede Zeile.44 Warum denn erst die Kunst be-\nmühen. Der Werfel nehme den Becher, lasse das\nLeben schäumen, es brechen und überfliessen wo-\nhin es will. Dann mögen die großen literarischen\nHoffnungen sich weiter in die Sexualpathologie\nund die Kriminalpsyche vertiefen und schließlich\nals Ethiker sich gegenseitig in der Presse Aner-\nkennungen schreiben.\nEinseitig bin ich.\nAuch Schiller sucht unfehlbar\nHerr Fritz Engel vom Berliner Tageblatt feat\netwas einzuwenden. Gegen Schiller. Schiller hat\ndiesem Kinde, kein Engel ist so rein, die Unrein-\nheit der Maria Stuart nicht genug bewiesen. „Was\nan der Dichtung ausgesetzt werden kann: daß\nwir von der Unreinheit dieses Weibes nur immer\nhören und nie an sie zu glauben vermögen, gibt der"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.9", "texte": "Darstellerin ja eine so reiche Gelegenheit, einen\nvon einfacher Großartigkeit hinzustel-\nlen. Stellt sie nun die Großartigkeit der Reinheit\noder der Unreinheit hin. Ja, eine so reiche Gelegen-\nheit darf nicht verpaßt werden. Die Darstellerin\nsetzt da ein, wo die Dichtung aussetzt. Und gar\nerst die Elisabeth des Herrn Reinhardt. Eine gute\nMarke: „Ihre Eifersucht auf Maria ist echteste\nSorte, ihr Triumph über die knieende Feindin ist\nvor allem der Sieg einer Frau über die andere und\nso war sie in der großen Szene des dritten Akts\nam stärksten.\" Und so bringt Herr Fritz Engel\nSchiller den Lesern näher. Größtes Lob: „Ferdi-\nnand Bonn spielt den Leicester sehr frisch, beinah\nwie einen Zeitgenossen im Frack.\" Der Lord läßt\nsich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Schweden.\n\nHerwarth Walden\n\nTaliesin\nAus dem Walisischen frei nachgedichtet\nAdolf Knoblauch\nIn vergangenen Zeiten lebte in Pullyn ein\nMann aus vornehmem Geschlecht namens Tegid\nVoel, mitten im Tegidsee war seine Wohnung und\nsein Weib hieß Caridwen. Ein Sohn und eine\nTochter waren ihm von seinem Weibe geboren,\neinen Bruder hatten sie, der Avaggdu hieß und der\nhäßlichste Man war, den es je gab. Da er wegen\nseiner Häßlichkeit wohl nie unter Männern von\nhoher Geburt zugelassen würde, dachte Caridwen\ndaran, ihm höhere Verdienste und Kenntnisse zu\nverleihen.\nEs war zu Beginn von Arturs Zeit und seiner\nTafelrunde.\nSie beschloß, den Zauberkünsten der Bücher\ngemäß einen Kessel der Erleuchtung und des\nWissens für den Sohn zu kochen, auf daß er ehren-\nvolle Aufnahme fände für die Kenntnis von Ge-\nheimnissen des zukünftigen Welt-Zustandes. Sie\nbegann den Kessel zu kochen, der vom Beginn\nJahr und Tag nicht zu kochen aufhören konnte, bis\naus ihm drei gesegnete Tropfen durch die Gnade\nder Erleuchtung gewonnen wurden. Um den Kesisel\n'umzurühren, stellte sie Guion Bacih 'an, um das\nFeuer unter ihm anzuzünden, einen Blinden\nnamens Morda. Sie machte ihnen zur Pflicht, das\nKochen auf Jahr und Tag hinaus nicht aufhören zu\nlassen. Den sternenkundigen Büchern gemäß sam-\nmelte sie täglich in den sternenerfüllten Stunden\nalle zauber führ enden Kräuter.\nAn einem Tage gegen Ende des Jahres, als\nCaridwen Pflanzen auslas und Beschwörungen\nmachte, geschah es, daß drei Tropfen des Zauber-\ntranks aus dem Kessel flössen und auf die Finger\nvon Guion Bach fielen. Infolge der großen Glut\nsteckte er den Finger in den Mund, und als er die\n'■wunderwirkenden Tropfen in den Mund tat, sah er\nim Augenblick Jegliches voraus, was kommen\nwird und erkannte, daß es seine Hauptsorge sein\nmüsse, sich vor den Ränken Caridwenfs zu hüten,\ndenn ihre Geschicklichkeit war groß. Er fürchtete\nsich und flüchtete nach seinem Lande. Der Kessel\nbrach entzwei, da der ganze Trank in ihm giftig\n\\tfar außer den drei zauberführenden Tropfen, so-\n•daß vom Wasser des Flusses, in den der Kessel-\ntrank lief, die Pferde des Guyddno Garanhir ver-\ngiftet wurden.\nDanach kam Caridwen herein und sah die Be-\nmühungen des ganzen Jahres verloren. Sie griff\neinen Holzscheit und schlug dem blinden Morda\nauf den Kopf bis eins der Augen herausfiel auf die\nWange. Da 'sagte er: „Ganz ungerecht hast du\nmich verunstaltet, ich bin unschuldig, dein Verlust\ngeschah nicht durch mich.\" „Das ist wahr\", er-\nwiderte Caridwen, „Guion Bach war es, der mich\nberaubte.1'\nSie lief hinaus, ihm nach, und rannte. Er sah\nsie, verwandelte sich in einen Hasen und floh.\nAber sie verwandelte sich in einen Windhund und\nverfolgte ihn. Er lief zum Fluß und ward ein Fisch,\nsie in Gestalt der Otterhündin jagte ihn unterm\nWaSsser, bis er gezwungen war, sich in einen Vogel\nder Luft zu verwandeln. Sie folgte ihm als Falke\nund gab im Himmel nicht Ruhe. Als sie grade auji\nihn niederschießen wollte erspähte er in seiner\nTodesfurcht einen Haufen geworfelten Weizens\nauf einem Scheuerboden, sank unter den Weizen\nund verwandelte sich in eines der Körner. Da\nnahm sie die Gestalt eines schwarzen hochkäm-\nmigen Huhnes an, ging zum Weizen, kratzte ihn\nmit den Füssen, fand ihn heraus und verschluckte\nihn. Wie die Geschichte meldet, trug sie ihn neun\nMonde, und als lsie von ihm entbunden ward,\nkonnte sie es wegen seiner Schönheit nicht übers\nHerz bringen, ihn zu töten. Daher wickelte sie\nihn in einen Ledersack und warf ihn auf das Er-\nbarmen Gottes hin im April am 29. Tage in das\nMeer.\nZu der Zeit befand sich das Wehr Guyddnos\nam Strand nahe bei seinem Schlosse. An jedem\nersten Mai-Abend wurde Gewinn aus dem Wehr\ngezogen im Wert von hundert Pfund. In den\nTagen hatte Guyddno einen Sohn namens Elfin,\nden unglücklichsten und dürftigsten aller Jüng-\nlinge, worüber der Vater sich sehr grämte, denn\ner glaubte, dieser Sohn sei ihm zur bösen Stunde\ngeboren. Auf den Rat der Versammlung hatte der\nVater ihm den Zug des Wehris in diesem Jahr\ngewährt, um zu sehen, ob ihm das Glück je be-\ngegnen würde, und auch um ihm etwas zu geben,\nmit dem er sein Leben beginnen könnte. Als Elfin\nam nächsten Tag hinging und nachsah, war nichts\nim Wehr. Aber alis er umkehrte, bemerkte er den\nLedersack auf einen Pfahl des Wehrs. Da sprach\neiner der Wehr-Wärter zu Elfin: „Du warst nie\nunglücklich bis zur heutigen Nacht, jetzt aber hast\ndu die Kräfte des Wehrs zerstört, das stets an\njedem ersten Maiabend einen Wert von hundert\nPfund leistete, und heut Nacht ist nichts in ihm als\ndiese lederne Haut.\" „Wie denn'4, antwortete Elfin,\n„in ihr kann ein Wert von hundert Pfund sein!\"\nWohlan, sie hoben den ledernen Sack auf, und der\nihn öffnete, erblickte den Vorderkopf eines Knaben\nund sprach zu Elfin: „Schau, eine Glänzende\nStirn!'4 „Er heiße Taliesin\", sagte Elfin. Er hob\nden Knaben in den Armen auf und setzte ihn kum-\nwervoll hinter sich, indem er sein Mißgeschick be-\nklagte. Er ließ sein Pferd, vordem trabte, im\nPaß gehen, und es trug ihn so sanft, als sässe er im\nbequemen Stuhl. Gleich dichtete Taliesin Trost\nund Lob dem Elfin und kündete Ehre dem Elfin\nan. Sein Trost lautete wie ihr hören könnt:\nIn Guyddnos Wehr\nwar nie solch Glück\nwie zu dieser Nacht.\nSchön Elfin, trockne die Wangen,\nzu große Trübnis hilft mit Nichten,\nda du glaubst, du habest nie Gewinn.\nZuviel Grämen ist nicht gut,\nzweifle nicht an den Wundern des Allmächtigen,\nWenn ich auch klein bin,\nich bin dennoch hochbegabt.\nAus Meeren, den Bergen,\naus Tiefen der Ströme\nbietet Gott die Schätze\ndem beglückten Mann.\nElfin, Mann von lebensvollen Eigenschaften,\ndu ziehest unmännliche Schlüsse.\nDu mußt nicht übermässig dich sorgen.\nEs ist besser an Gott zu glauben,\ndenn Böses zu hindern.\n€\nSchwach und klein, der ich bin,\nam schäumenden Strande des Meeres\nwerde ich am Tag der Trübsal\ndir dienlicher sein denn dreihundert Lachse.\nElfin, Mann von edlen Eigenschaften,\nsei nicht verdrossen über dein Unglück.\nDer ich mich schwach im Sacke lehne,\nTugend liegt auf meiner Zunge.\nWo ich dein Beschützer bleibe,\nfürchte dich nicht zu sehr,\nbleib des Namens inne: Dreifaltigkeit!\nNiemand soll dich zu kränken wagen.\ni\nDies war das erste Gedicht, das Taliesin je\nsang. Welches Elfin zum Tröste war in seinem\nHarm dafür daß der Ertrag des Wehrs verlöre»\nging. Wajs aber schlimmer war, alle Welt würde\ndenken, daß jenes infolge seines Fehlers, seines\nMißgeschicks geschah. Da fragte Elfin ihn, was\ner wäre, ob Mensch oder Geist, worauf er diese\nGeschichte sang und darstellte:\nV\nZu Anfang war ich gebildet als artig Wesen,\nIch tat Busse am Hofe Caridwens.\nVon sichtbarer Gestalt nur klein,\nward ich liebreich empfangen.\nIch erwuchs im Schlosse des Orte^s,\nan den ich gebracht war.\nGeachtet wurde ich in der Verteidigung,\nderen Ursach die milde Muse war.\nDurch Gesetz ohne Rede wurde ich frei\ndurch eine lachende, alte schwarze Hexe,\nderen gereizter Anspruch\nmich furchtbar verfolgte.\nIch floh mit Stärke, floh als Frosch,\nfloh in Krähengestalt und fand nicht Ruh,\nfloh hitzig, floh als Kette,\nfloh als Reh im verstrickten Hag,\nfloh als Wolfskalb, als Wolf in der Wildnis,\nfloh als Drossel mit vorbedeutender Sprache,\nfloh als Fuchs, gewöhnt an Kreuz- und\nQuersprünge*,\nfloh als Marder, und es half nichts,\nfloh als Eichhörnchen, aber barg mich umsonst,\nfloh als des Hirschen Augsprosse im roten Lauf,\nfloh als Eisen im glühenden Feuer,\nfloh als Speeres-Spitze,\nDenen zum Weh, die nach ihr trachten,\nfloh als wilder, bitter kämpfender Stier,\nfloh als borstiger Bär, der aus dem Höhlweg bricht^\nfloh als weißes Korn reinen Weizens,\ndas verwickelt ist im Saum des hänfenen Tuchs«,\nsichtbar von Größe eines Stutenfüllens,\ngefüllt wie ein Schiff auf den Fluten.\nSo ward ich in den finstren Sack geworfen,\nhinausgesandt, um auf uferlosem Meer zu treiben.\nNun ward mir ein Vorzeichen,\ndaß ich zärtlich ernährt würde,\ndenn Gott der Herr setzte mich frei.\nElfin kam zum Haus oder Hof Guyddnos des\nVaters, mit ihm Talidsin. Guyddno fragte ihm, 06\ner einen guten Fisohzug am Wehr gehabt habe,\nund Elfin berichtete, daß er Besseres denn Fisch\ngewonnen habe. Was das wäre, fragte\n„Ein Barde.\" Worauf Guyddno sagte: „Zu wa&\nwird Der dir nütze sein?\" Taliesin 'selbst ant-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.10", "texte": "„Er wird ihm mehr nützen, als dir ie das\nWehr gewann.4' Fragte Guyddno: „Du kannst\n«sprechen und bist so klein?' Ihm antwortete\nTaliesin: „Ich bin besser imstand zu reden, als du\nmich zu fragen.\" „Laß mioh's hören, was du reden\nkannst\", rief Guyddno. Also sang Taliesin:\nDem Wa'sser wohnt segenbegabte Kraft inne.\nEs ist hochgerecht, gerade über Gott zu denken.\nEs ziemt sich, Gott im Ernst zu bitten,\ndenn kein Hindernis besteht, daß wir unsren\nLohn gewinnen.\nDurch Nachsinnen weiß ich: dreimal ward ich\ngeboren!\nJener wäre elend, der nicht käme\nund gewänne alle Wissenschaften dqr Weit,\ndie in .meiner Brust gesammelt sind.\nDer ich das Gewesene weiß\nund das künftig sich ereignet,\nIch will zum Herrn beten,\n.daß ich Zuflucht in ihm erlange,\n.daß ich Beachtung in seiner Gnade gewinne.\nMariens Söhn ist min Glaube,\ngroß ist mein Entzücken an ihm,\ndenn in ihm wird die Welt ständig erhalten.\nVon Gott kam es, daß ich mich unterrichtete,\ndaß meine Erwartung erregt würde.\nDer wiahre Himmels-Schöpfer gewährt\nBeschirmung.\nEs ist eine wahre Absicht im täglichen Gebet\nder Heiligen,\nGott der Erneuerer will sie zu 'sich bringen.\nUnd sogleich gab Elfin den Fischzug seinem\n[Weibe, und sie nährte ihn zärtlich und mit Liebe.\nVon nun an nahm Elfin mehr und mehr zu Tag für\nTag an Reichtum, Liebe und Gunst vom Könige.\n:\nTaliesin wohnte bei ihm bis er dreizehn Jahr alt\nwar. Damals ging Elfin auf eine Weihnachts-\nEinladung zum Onkel Maelgun Guyddned,, der\nbisweilen während der Weihnachtzeit in seinem\nSchloß Dyganwy offenen Hof abhielt für das ganze\nGefolge seiner Herren beider Grade, geistlicher\nund weltlicher, samt einer großen dichtgedrängten\nSchar ißitter und Knappen. Unter ihnen erhob sLh\nGespräch und Redestreit, also wurde gesprochen:\n. „Gibt es in der ganzen Welt noch einen so\ngroßen König wie Maelgun oder Jemanden, dem\nvom Himmel soviel geistliche Gaben verliehen\nwurden wie ihm? Vor Allem: Gestalt, Schönheit,\nDemut, Stärke, außer allen Seelenkräften. Sie\nsagten auch, daß der Himmel ihm mit diesem\nAllem zusammen eine Gabe gegeben hätte, welche\nalle anderen überragte und diese war: Schönheit,\nAnstand, Anmut, Weisheit und Bescheidenheit\nseiner Königin, deren Tugenden diejenigen aller\nedlen Frauen und Jungfrauen durchhin das ganze\nKönigreich übertrafen. Hiernach legten sie einander\nFragen vor: wer hat tapfrere Leute, wer hat\nschönere und schnellere Pferde oder Windhunde,\nwer hat geschicktere und weisere Barden — afe\nMaelgun?\nZu jener Zeit standen nun die Barden im großen\nAnsehen bei den Höheren im Reich, und das Amt\nJener, die jetzt Herolde heißen, verrichteten keine,\ndie nicht .gebildet waren, nicht nur erfahren im\nDienst der Könige und Fürsten, sondern beflissen\nlind wohl bewandert in Stammbaum, Rüstungen\nund Taten der Fürsten und Könige und im Rede-\nfctreit über ausländische Reiche und die Altertümer\ndieser Reiche, und vor allem in den Jahrbüchern\nhoher Edelleute. Sie waren auch stets vorbereitet\nmit den Antworten in verschiedenen Sprachen,\nLatein, Französisch, Walisisch und Englisch. Samt\nall diesem waren sie große Geschichtsschreiber und\nUrkunden-Aufzeichner, geschickt in bildenden Ver-\nsen und in jeder diesen Sprachen bereit, Englynieri\nzu machen. Vierundzwanzig dieser Leute\nbeim Fefet in Maelguns Palast, ihrer aller Haupt\nhieß Heinin Vardd.\nNachdem sie alle endigten, alle den König und\nseine Gaben lobend, geschah es, daß Elfin auf diese\nWeise sprach: „Wahr ist es, keiner als ein König\nkann mit einem König wetteifern. Wäre er nicht\nKönig, würde ich sagen, daß meine Weib ebenso\ntugendhaft sei wie irgend eine Frau im Reich.\nAber auch einen Barden habe ich, der geschickter\nals alle ist.\" Binnen kurzem zeigten\nEtliche aus dem Gefolge dem Könige alle Prahlerei\nvon Elfin an. Und der König befahl, daß er in\nstrenges Gefängnis gesetzt werde, bis er die Wahr-\nheit wistee, sowohl über die Tugenden seiner Frau\nals auch über die Weisheit seines Barden.\nAls Elfin in einen Schloßturm gelegt worden\nwar mit einer dicken Kette um die Füsse — es war\neine Kette von Silber, da er königlichen Blutes\nwar —- sandte der König, wie die Geschichte er-\nzählt, seinen Sohn Rhun hin, um das Betragen des\nWeibes von Elfin zu erkunden. Rhun war aber\nder verworfenste Mann, und es gab weder eine\nFrau noch ein Mädchen, mit denen er Umgang\ngepflegt hatte, die nicht Böses über ihn gesprochen\nhätten. Indem Ruhn in Eile nach Elfins Wohnung\nging, völlig gesonnen, über dessen Weib Schande\nzr bringen, sagte Taliesin seiner Herrin, wie der\nKönig seinen Herrn ins Gefängnis legte, und wie\nRhun eilends daherkam, mit dem Bestreben,\nSchande über sie zu bringen. Aus dem Grunde\nveranlaßte er seine Herrin, einefs der Küchen-\nmädchen in ihrer Tracht anzuziehen, was die Edel-\nfrau gern tat. Sie belud die Hände der Magd mit\nden besten Ringen, die sie und der Gemahl be-\nlassen.\nTaliesin veranlaßte seine Herrin, dem Mädchen\ndiese Gestalt zu geben und es bei Tische zum\nAbendessen sitzen zu lassen, und er schuf es so,\ndaß das Mädchen-wie die Herrin erschien und die\nHerrin gleich dem Mädchen. Als sie zur schick-\nlichen Zeit in der angegebenen Weise 'sich beim\nAbendbrot niedergesetzt hatte, gelangte Rhun\nplötzlich zu Elfins Wohnung und wurde gern emp-\nfangen, denn alle Diener kannten ihn genau. Sie\nbrachten ihn eilends zum Zimmer der Herrin, in\nderen Erscheinung das Mädchen sich vom Abend-\nessen erhob und ihn gern bewillkommnete. Danach\nsetzte sie sich ein zweites Mal wieder zum Abend-\nessen hin und mit ihr Rhun. Alsdann begann Rhun\nmit dem Mädchen zu scherzen, die still das Aus-\nsehen der Herrin bewahrte. Wirklich zeigt die Ge-\nschichte, daß das Mädchen derart berauscht wurde,\ndaß sie einschlief. Ein Pulver, welches Rhun ihr\nin den Trank getan 'hatte, machte *sie so derb\nschlafen, daß sie es nimmer fühlte, als er von ihrer\nHand den kleinen Finger abschnitt, an dem Elfins\nSiegelring war, den er kurz vorher seinem Weibe\nzum Andenken gesandt hatte. Rhun kehrte zum\nKönig zurück mit Finger und Ring aKs Beweis um\nzu zeigen, daß er ihn von ihrer Hand abschnitt,\nohne sie aus dem Schlaf ihrer Unmässigkeit zu\nwecken.\nDer König freute sich höchlich über die Nach-\nricht und sandte nach den Räten, denen er die\nganze Geschichte vom Beginn an erzählte. Er ließ\nElfin aus dem Gefängnis bringen und schmähte\nihn wegen seiner Prahlerei. Solcherart sprach er\nzu Elfin: „Dir sei kund jenseits allen Zweifels,\ndaß e,s nur Torheit ist, den Tugenden seiner Frau\nzu glauben weiter als er sie sehen kann. Und damit\ndu versichert seist der Verdorbenheit deines\nWeibes, siehe hier ihren Finger mit deinem Siegel-\nring darauf, der von ihrer Hand letzte\nNacht abgeschnitten wurde, als sie de»\nSchlaf des Rausches schlief.\" Ihm ant-\nwortete Elfin: „Mächtiger König, meine*\nRing kann ich nicht verleugnen, denn er ist Viele*\nbekannt. Aber heftig behaupte ich, daß der Finger,\nan dem er war, nie der Hand meines Weibes ver-\nbunden war, denn wahr und gewiß, es giebt drei\nsonderliche Dinge, die zu ihm gehören, und keines\nvon diesen gehörte jemals zu irgend einem der\nFinger meines Weibes. Das erste von den Dreien\nist, daß gewiß dieser Ring nie auf ihrem Daum\nbleiben würde, wo auch mein Weib in der gegen-\nwärtigen Stunde sein möge, ob sie sitze, stehe oder\nniederliege. Hingegen könnt ihr deutlich sehen,\ndaß es mühsam war, ihn über das Kleinfingergelenk\nder Hand zu ziehen, von wo dieser geschnitten\nwurde. Das zweite Ding ist, daß mein Weib\nnie einen Samstag vorübergehen ließ seit ich sie\nkenne, ohne daß sie die Nägel vor dem Zubett-\ngehen schälte, und ihr könnt völlig sehen, daß der\nNagel dieses Kleinfingers einen Monat lang nicht\ngeschält worden ist. Das Dritte wahrlich ist, daß\ndie Hand, woher dieser Finger kam, innerhalb von\ndrei Tagen, ehe der Finger abgeschnitten wurde»\nRoggenteig geknetet hat, und ich kann Eurer\nGütigkeit versichern, daß mein Weib nie Roggen-\nteig knetete seit sie mein Weib geworden ist.\nDa ward der König gewaltig zornig auf Elfin\nwegen -seines beharrlichen Widerstandes und\ndarum, daß er die Güte seines Weibes achtete. Er\nbefahl, ihn zum zweiten Mal ins Gefängnis zu wer-\nfen, und er solle daraus nicht eher gelöst werden,\nbis er die Wahrheit seiner Prahlerei bewiesen\nhätte, sowohl hinsichtlich der Weisheit seines\nBarden wie auch der Tugenden seines Weibes.\n\nForts etzimg folgt\n\nSpielender Knabe\nSophie van Leer\nZehn Steinchen\nsieben Eicheln\nein braunes Tier\nmit silbernen Füssea\nRunde Körnchen\ndie Berge ] .\neine Wasserpfütze\ndas Meer\nGrasbüschel\ngrüne Wälder\nEin Käfer\nmit Flügeln wie der Himmel\nund noch Einer\nWarum darf man Käfer nicht an einem Faden\naufreihen?\nSie glänzen so schön zwischen Kastanien."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19151201-01.1.11", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen In&alts fan\nlaufend gesetzt .aufgenommen. Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur tauft,\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespalfcene Zziit\n60 Pfennig.\nDi« Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag;\nF. Harnisch / Berlin W 35\nBruck Carl Hause / Berlin SO 2$\n\nNotiz\nWäh read des Krieges erscksittt Starstf*\nnur eimnai monatlich als Deppetmunmür* Bjtk.-\nJiifniar-Doppeiimmnier erscheint ai» ffiafzefaifcpi\nJanuar\nVertag Dar Stimm\n\nDer Sturm\nSiandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer StraOe 134 a\nOeoffnet taglich von 19—6 Ufer / So&aiags voa\nS I—2 Ulir\nElatritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Made\nMonatlicher Wechsel\nSechsunddreissigste Ausstellung\nGraphik\nJaooba van Heentskerck / Maria Uhden j Arnold\nTopp j Barthoid Asendorpf / L. Qeorg Kind u. A.\nSiebenunddreissigste Aussteilung\nMax Ernst\nGeorg Muehe\n(km Hide\nErSHmiflg: 2. Jamtar\nQesif: Geschlossen\n\nVerlag Der Sturm\nBaffin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFee aruf Ami Liitzow 4443\nlialbmonatsschrift Der Sturm\ntwdwlot am erst&t und fflnfrehntea |edn Mosiii\nDauerbezug\nQewdhnOche Aitsgabe FUr Deutschland\nund Oesterreich-Ungam: Em Jahr 6\nMark / Ein Efalbjahr 3 Mark / EinVierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig: / F0r das\nA« si and bel direkter Zustellunc\nd ut c h die Post: Ein Jahr 9 francs / Eiti Halb-\nlaitr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nfSaselheft 50 centimes I Probenamraer umsonst\nSanderansgabe: Ungebrochene Exem-\n#} a r e a of fro I z f r e i e m Papier, V e r -\n• endunz in Roilen direkt durch die\nPost fftr Deutschland und Oester-\nreich-U ngarn: Ein Jahr 12 Mark /\nEiti Halbjahr 6 Mark / Ftir das A u si and:\nEte Jahr 18 francs / Ein Iialbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden VierteljahrsbezSfe, Eiwel-\nBumrnern und Probeiuimmern n i c h t afcgegeben\nIter Sturm: Erster Jahrganc* Nummer 1—56:\nIS Mark / Zwelter Jahrgang, Nuramer 57—1S4:\n10 Mark / Dritter Jahr gang:, Nummer 1§5—152/153:\n20 Mark / Viecter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nPtinfter Jahrgaog: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandJungen, durch die Post, sowie direkt\nlurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nZiehen / Zum Emzelverkauf lie£t Der Sturm in allea\nBahnhofshandlungen, Kiosken it. StraBenstSndea auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle gt~\nwtascht wird, bitten wir den B e t r a z Br den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeg Inn des neuen Vierteljahr es bis\nznm fllnften. des ersten Monats einasu-\nscjiden / AndernfaHs nehmen wir an, daB E i n -\nziefa unz des Betrages durch Nachnahme\nwater Berechnung des Nachnahmejiortos te-\nwunscht wlrd\nMapped und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokosehka: Zwanzic Blatt Zetchnuncei ]\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier ic\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa is da-\nfacherer Mappe 12 Mark\nKaadifisk^-Album / Schrift des Kiinstlers iiber sich\nsetbst rait seeks L? ganzseitigen Abbildungen seiner\nWedke vow 1901 bis 1913\n\nllceiMskerck-Mapjie: Sedis haiidgedmckte ime\nernedn stgnierte Originathotesclimtte / Aufiage 31\niVlappeu ./ Mappe 6—39 je einfmndert Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / LustspicI /\nOberteufel / Tragfldie / Ihr stilles\nQ1 ii ck —! / Drama / E i n Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie I Jedes\nWerk 2 Mark\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Eine\nDichtung ./ Qeheftet 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: G1 a s a r c h i t e k t u r / In eiti-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplar en auf Van Gelder Batten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stratnm: Du / Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturni-Bticher I: August Stratum: Sancta Su-\nsanna/50 Pfennig / U: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Mensehen / SO Pfennig / IV: August\nStramm: Die fiaidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VH: Adolf Behue: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte / 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne f 50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierisclie Augenbliok / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nRerwartfe Waktea: Daiaislieder / Zu Ge-\ndichten van Arua Holz ) Fir Oesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzein: Er\ni\nhdrt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / fieeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKOnstlerpostkarteii / Verlag Der Sturai\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisteis: Umber to Boccioai: Da*\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Qi*o Scve-\nriiii: Die Modistin / Ruhelose Tlnzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Bocc!o»1: Abschied/\nKaadhtsky: Koinposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Defaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Biid 2 / Bitd 15\nAugust Maeke: Spaziergang\nSigrid Hiert&n-Griinewald: Kinder\nKarten vo n Macke / Mtinter / Marc Ghagail (5) /\nKlee I L6ger / Jawiensky / Werefkin / CMeizes\n/ Archipenko / usw\nErschienen blsher 36 verschiedene Karten\nlllustrierte Sturm - Austel lungskataloge\nDer Biaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n/ Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagafl / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutsoher lierbstsalon / Mit funfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokosehka: Plakat far die Zeitschrift\nDer Sturm / Originaliithographie I Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokosehka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmei / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuiibert / Das Blatt 5 Mark\n\nGemalde / Aquarelle / Zeiehmmgen\nHanddrueke / Plastiken\nsind von foigenden K tins II em im Sturm staiidis\nvorhaiidea:\nKandkisky / Franz Marc / Archfpesiko / Oskar\nKokoschka / August Mack© / Pail! 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