{"numero_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_sha256": "4dd32f2146ddd746eeaf6e1ac3b1165685fe18ce5f4236341dbb91f69101c2dd", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1916/01/01_01/bmtnabg_1916-01-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1916/01/01_01/bmtnabg_1916-01-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.1", "debut_caractere": 280, "fin_caractere_exclue": 711, "texte": "Inhalt:\nHerwarth Waiden: Das Hohelied des Preußentums / Herwarth Waiden: Märchen / Herwarth Waiden: Die Wacht in Charlottenburg / Knrt\nHeynicke: Gedichte / Sophie van Leer: Die Geschwister / Wilhelm Runge: Lieder / Adolf Knoblauch: Taliesin / Herwarth Waiden: Götz von Berlichingen /\nAdolf Knoblauch: Absage an einen naturalistischen Kritiker / Max Ernst: Zeichnung / Jacoba van Heemskerck: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt /"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.2", "titre_corps": "Max Ernst: Zeichnung", "titre_sommaire": "Max Ernst: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.1", "debut_caractere": 713, "fin_caractere_exclue": 733, "texte": "Max Ernst: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.3", "titre_corps": "Das Hohelied des Preußentums", "titre_sommaire": "Das Hohelied des Preußentums", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9895, "texte": "Das Hohelied des\nPreußentums\n\nNeil Waiden, meiner Frau aus Schweden,\nder Preußin\nDie Gefahr ist das Ichbewußtsein ohne Ich und\nohne Bewußtsein. Nicht auf die richtige Meinung\nkommt es an, sondern wer das Recht auf richtige\nMeinung hat. Der Gebildete fühlt sich bewußt und\nder Künstler noch bewußter. Der Gebildete stu-\ndiert den Horizont und der Künstler sieht durch\nihn durch. Was man so Künstler nennt. Menschen,\ndie zur Verschönerung des Lebens beitragen. Es\nverschönert sich, wer nicht schön ist. Es sucht\ndie Wahrheit, w>er unwahr ist. Es macht Kunst,\nwer unkünstlerisch ist.\nDarum singe ich das Hohelied der Nüchternheit.\nDenn Schönheit, Wahrheit und Kunst verstehen\nsich von selbst. Sie werden nur nicht verstanden,\nwenn man sie verstehen will. Der Horizont ist\neine Vorstellung, aber die Stellung wird auch im\nHorizont gefunden. Und wer einen Stand hat,\nbraucht ihn sich nicht erst durch Verstand zu\nbeweisen.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit\nDas ist die Fähigkeit des Beherrschten, beherrscht\nzu sein. Herrscher sind es stets. Herrscher fühlen\nstets ihre Dienerschaft Diener fühlen sich stets\nals Könige. Oder als Königsstürzer. Der Schreiber\nfühlt sich als der Schreibende, der Maler als der\nMalende, der Rat als der Ratende. Nur wer ge-\nhorcht, hört. Wer befiehlt, hört die Gehorchenden.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\nTums. Denn die Preussen wissen zu gehorchen.\nSc haben sie die Möglichkeit zu hören.\nJa, die Andern sind freie Menschen. Doch\nnur die Freien sind unfrei. Sie ordnen sich nicht\nunter und laufen daher durcheinander. Sie treten\nsich auf die Füsse dank ihrer Freiheit und müssen\ndie Köpfe nach unten wenden, um ihre Füsse\nwiederzufinden, die durcheinander laufen. Wer\nsich unterordnet, kann den Kopf getrost hoch\ntragen. Niemand tritt ihm auf die Füsse, denn alle\nordnen sich unter.\nDarum singe ich das Hohelied des Militarismus.\nDenn es ist schön, den Kopf hochtragen zu dürfen.\nDenn was ich darf, kann ich. Doch w,as ich kann,\nkann verhindert werden.\nJa. die Andern sind freie Kaufleute. Sie\nkönnen Handel treiben wo sie verhandeln können.\nSie treiben Händel, wo sie handeln wollen. Sie be-\nsitzen die Freiheit der Meere, aber die Meere be-\nherrschen sie. Das Meer fühlt sich beherrscht, es\nordnet sich dem Sturm unter und darum\nherrscht es.\nJa. die Andern sind freie Menschen. Sie dürfen\nalles für Geld. Töten und getötet werden. Doch\nohne Ordnung. Daher kann getötet werden, wer\neigentlich töten sollte. Und wer tötet, sollte eigent-\nlich getötet werden. Jeder kann sich dort über-\nordnen. Aber der Zufall des Geldes stört die\nOrdnung. Denn Ordnung ist die Störung der\nZufälle.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\ntums.\nJeder sei auf seine Art ein Preusse, aber er\nsei es.\nAber auf seine Art.\nAber ein Preusse.\nAber er sei es.\nIch grüsse euch, ihr Preussen in allen Landen.\nIhr seid die Künstler der Erde. Man muß erstauf der\nErde heimisch werden, um in der Welt zu leben.\nDie Wurzeln der Bäume keimen unter der Erde.\nWir müssen auf der Erde keimen, damit wir in\ndie Himmel wachsen können. Wir wollen kerzen-\ngerade stehen. Aber die Kerzen müssen erst\ngerade gestellt werden, damit sie gerade stehen.\nDarum singe ich das Hohelied der Nüchtern-\nheit. Betrunkene können nicht gerade stehen.\nAber die gerade stehen, sind trunken ob ihrer\nGeradheit. Noch sind die Menschen in Preussen\nnicht meine Preussen. Doch können aus Preussen\nam ersten Preussen werden. Sie mögen sich be-\neilen, damit ihnen Andere nicht zuvorkommen. Es\nist die Kunst, Preusse zu sein. Wehe den Preussen,\ndie sich nach der Freiheit sehnen, die die Andern\nnicht haben. Die Freiheit liegt in der Luft, in der\nman nicht stehen kann. Auch ich warne Neugierige.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit.\nMachen wir uns einmal das Unklare klar, da-\nmit wir das Klare unklar machen. Die Freiheit,\ndie ich meine, habe ich. Daß sie die andern nicht\nhaben, dafür kann Preussen nicht. Die andern for-\ndern die Freiheit des Geistes. Das heißt: den Geist,\nden sie nicht haben, soll man unfrei machen, da-\nmit sie ihn fassen können. Was befreit werden\nsoll, muß erst unfrei gewesen sein. Was aber\nunfrei ist, kann nie frei werden. Denn das Unfreie\nist das Unfaßbare. Die Freiheit kann jeder fassen.\nDas ist so klar, daß es unklar scheint. Aber w,as\nscheint, ist stets klar. Was ist, ist unklar. Ge-\nfordert wird nicht die Freiheit des Geistes, sondern\ndie Fordernden fordern die Freiheit ihres Geistes.\nDas geht aber über die Grenzen der Regierung,\ngeht also die Regierung nichts an. Man kann\ndoch nicht ins Grenzenlose regieren. Man muß\naber Grenzen haben. Denn nur die Grenze ge-\nwährt de Aussicht auf das Grenzenlose. Wenn\nder Geist in das Grenzenlose schw7ebt, ist es aus\nmit der Aussicht. Sichtbar macht ihn nur die\nSchranke. Und in der Beschränkung zeigt sich\nerst der Meister. Man kann die Grenzen ja ver-\nschieben, wenn man nicht Platz hat, Platz zur Aus-\nsicht. Man kan sich neue Grenzen machen, wenn\nman es kann. Man kann die Grenzen aber nicht\nan den Rand der Erde verschieben, weil die Erde\nkeinen Rand hat. Man kommt also immer in die\nGrenzen wieder zurück. Man muß also einen\nStand haben, der ja nicht ein Standpunkt zu sein\nbraucht. Man muß aber auf der Kugel stehen, auch\nwenn sie sich dreht. Aber man muß immer stehen\nbleiben. Dagegen hilft selbst die Freiheit des\nGeistes nicht. Ziehen wir also die Grenzen der\nBeschränkung. Beschränkte fühlen sich nicht un-\nbeschränkt. Unbeschränkte sind stets beschränkt.\nOb sie wollen oder nicht, in Preussen und in\nFrankreich.\nFriedrich Schiller, kein Preusse, wollte wenig-\nstens Gedankenfreiheit. Sie wurde ihm gewährt.\nKein Kunstwerk entstand. Es ist keine Kunst, zu\ndenken. Der Künstler macht sich keine Gedanken.\nDie andern machen sich Gedanken über den\nKünstler. Das ist aber wieder keine Kunst.\nDie Preussen müssen alle rechts gehen. Also,\nes ist Platz für die Leute, die links gehen wollen.\nSie gehen dadurch nämlich auch rechts. Wenn aber\nalle rechts und links gehen, weiß keiner mehr, wo\nrechts und links ist. Und ich höre immer, daß man\ndas so gerne wissen will. Die Ordnung macht die\nUnwissenden wissend, damit die Wissenden un-\nwissend sein können. Auf das Wissen kommt es\naber nicht an. Wohl aber auf das Rechtsgehen.\nAuf die Ordnung. Wenn wir keine freien Geister\nmehr hätten, könnte die Ordnung auch ohne Ver-\nordnung sein. Noch ist es ausserordentlich, ordent-\nlich zu sein. Darum ist das Ordentliche das Ausser-\nordentliche.\nNoch wohnen wenige Künstler in Preussen. Die\nvielen Künstler schwärmen und verfliegen sich.\nSie wollen durchaus über ihre Grenzen, weil sie\nkeine Heimat in sich haben. Sie haben keine\nHeimat, weil sie in der Ferne schweifen.\nMuß denn unsere Heimat in Griechenland sein.\nDurch mich schweift die Ferne. Darum brauche ich\nnicht einmal nach Rom zu reisen. Der Schnee liegt\nvor meinen Fenster. Ich gehe rechts und neben\nmir blüht der Baum der Erkenntnis. In Griechen-\nland ist es Winter.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit.\nWenn man immer rechts geht, kommt man bis\nnach Aegypten. Preussen ist groß. Wenn alles\ndurcheinander läuft, kommt man nicht vom Fleck.\nTrotzdem man sogar läuft. Es ist erstaunlich, was\nman mit Rechtsgehen alles erreicht. Aber es ist\nnicht erstaunlich, weil es ein Wunder ist. Das\nWunder ist das Natürliche. Daher ist es unnatür-\nlich, nicht an das Wunder zu glauben. Ich glaube\nan das Rechtsgehen. Wenn ich nicht daran glaube,\ngeht das Wunder links. Die andern glauben gar\nnichts. Darum werden sie ausser sich, weil das\nWunder ausser ihnen ist. Nur im Glaubenden ist\ndas Wunder. Aber wo es ist, kann man nicht\nwissen.\nDie; vielen Künstler greifen einfach ins Leben.\nDas Leben hat nur noch auf die Künstler gewartet.\nEs wartete und wartete bis die Künstler kamen.\nDann war es ganz natürlich tot. soll das\nLeben darauf warten, daß die Künstler hinein-\ngreifen. Die Künstler suchen das Leben. Man\nsucht, was man nicht hat oder was man nicht\nmehr hat. Das Leben versucht die Künstler. Die\nKunst geht aber immer rechts. Kunst ist Ordnung.\nKünstler ist, wer das ohne Verordnung glaubt.\nDen vielen Künstlern muß es erst verordnet wer-\nden, damit die wenigen ihre Ordnung haben. Die\nKunst lebt nicht auf den Hawaii-Inseln aber auch\nnicht in der Ackerstrasse. Sie kann aber in\nPreussen leben, weil man in Preussen leben kann.\nAuch in Griechenland gab es Sklaven. Sie hatten\ndie Pflicht zu gehorchen. Wann wird man sich\nüber das Recht, zu gehorchen, freuen. W»enn es\nkeine Sklaven mehr gibt und keine Persönlich-\nkeiten. Wenn wir uns alle unter die Ordnung unter-\ngeordnet haben. Wenn wir uns alle unter die\nOrdnung geordnet haben.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\ntums.\nHier müssen wenigstens alle zunächst rechts\ngehen. Auch die Persönlichkeiten.\nDer König von Preussen wird von dem Schutz-\nmann angehalten, wenn er zu schnell fährt. In\nandern Ländern darf jeder Sklave sogar die Per-\nsönlichkeiten überfahren. Dafür haben aber die\nPersönlichkeiten das Recht auf Persönlichkeit, so-\nweit es die andern gestatten. Sklaven und Per-\nsönlichkeiten überfahren sich zu ihrem eigenen\nVergnügen gegenseitig. Es ist eben ihr Vergnü-\ngen, sich zu überfahren. Ob es für die Ueber-\nfahrenen ein Vergnügen ist, das geht die Freien\nnichts an. Die freien Geister triumphieren. Die\nsind übergefahren. Der König von Preussen wird\naufgeschrieben. So kann man aber berechnen,\nwann man in Aegypten eintrifft. Die anderen\nHerren können es nicht . Sie wissen nicht, wer\nihnen in den Weg fährt. Sie haben keine Pflichten,\nnur Rechte. Das Recht, nach Aegypten zu fahren\noder nicht, wie sie wollen. Die Preussen müssen.\nWenn einer den Preussen in den Weg fährt wird\ner aufgeschrieben. Ordnung muß sein. Ich glaube\nan das Rechtsgehen.\nDarum singe ich das Hohelied des Militarismus.\nEntweder man ist Militär oder man läßt es ganz.\nEntweder man siegt oder man läßt den Krieg ganz.\nWarum stellt man dem Sieger Persönlichkeiten\nin den Weg. Persönlichkeiten denken und Sieger"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1518, "texte": "glauben. Den Gläubigen gehört die Welt. Warum\nseilen nur Ungläubige auf der Erde leben.\nWenn die Preussen doch meine Preussen\nwären. Warum können die zwei Milliarden Men-\nschen auf der Erde nicht alle rechts gehen. Da\nsie keinen Glauben haben, könnten sie es doch\neinmal mit diesem Glauben versuchen. Denn es\nkommt ja nur auf das Glauben an. Die Welt ist\nso groß, können wir nicht einmal auf der Erde\nOrdnung halten, wie sollen wir uns in der Welt\nzurechtfinden. Der nüchterne Preusse findet sich\nzu Fuß nach Aegypten. Noch leugnet er den Him-\nmel. Ihr auch. Aber ihr findet euch nicht einmal\nin euren eignen Ländern zurecht. Darum ihr Be-\nfehlenden, ihr freien Geister, lernt das Gehor-\nchen. Lernt die Wunder der Ordnung. Auch die\nSonne scheint nicht nach ihrem Belieben. Auch\ndie Sonne ist preussisch. Auch der Mond und die\nSterne. Auch die Menschen leben nicht nach ihrem\nBelieben. Sie sterben. Und wenn sie nach ihrem\nBelieben leben wollen, töten sie sich. Ist das na-\ntürlich?\nIn den Dingen der Erde sind die Preussen\nKünstler. Denn sie sind erfinderisch. Künstler über\nden Dingen dieser Erde werden sie sein, wenn sie\nfinderisch sind. Der Mörser, der erfunden wurde,\nist, auch ohne daß er zerstößt. Das Kunstwerk\nist, auch ohne daß man es glaubt.\nIch hoffe, Preussen, daß ihr es glauben lernt.\nDer Glaube hat euch zu Preussen gemacht, er\nkann euch auch zu Künstlern machen.\nJeder hat das Recht, Preusse zu werden.\nAuf seine Art. Aber er sei es.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\nturns.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.4", "titre_corps": "Märehen", "titre_sommaire": "Märehen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.3", "debut_caractere": 1520, "fin_caractere_exclue": 7851, "texte": "Märehen\nHerwarth Walden\n/\nDas schlesische Volk wird nicht nur mit einer\n„Schlesischen Volkszeitung\" beglückt, die „Schle-\nsische Volkszeitung\" hat sogar ein Feuilleton.\nNun bin ich gegen das Wort Feuilleton, gegen den\nBegriff und gegen die „Schlesische Volkszeitung\".\nDas Vorhandensein dieses Blattes wurde mir\ndurch eine Rechtsverletzung bekannt. Es handelt\nsich wieder um den unberechtigten Nachdruck\neines Gedichtes von August Stramm, „über das\nwir im Einklang so ziemlich mit der gesamten\ndeutschen, weniger stürmisch veranlagten Presse\nlustig zu machen uns erlaubten.\" Die Erlaubnis,\ndie man sonst Verbot nennt, ist der gesamten\ndeutschen weniger stürmisch veranlagten Presse\nschlecht bekommen. Zwar kann unmöglich jede\nAktion eine Reaktion erzeugen, auch wenn es\nnoch so sehr gewünscht wird. Und Verluste ge-\nschehen durch den Sturm und nicht gegen den\nSturm. Jeder Verlust des Sturms ist aber ein Ge-\nwinn. Denn was nicht mit dem Sturm leben kann,\nmuf untergehen. Die Aktionäre der Presse und\nder Literatur rechnen aber noch aus jedem Verlust'\nmühselig einen Gewinn heraus. Noch bin ich so\nreich, daß ich verlieren kann. Und was sich von\nmir verlieren kann, hat mich nie besessen. Aus\nPlanken bauen sich die Literaten ihr Schiffchen\nzusammen, daß es nur eine Versart hat. Schiffchen\nsinken oder werden versenkt, wenn man eine\nFlette hat. Und was nicht versenkbar ist, habe\nich selbst gerettet, bevor die andern es nur finden\nkonnten. Da lungern sie am Ufer, nach Resten,\nund wagen sich nicht ins Meer hinaus. Und\nschimpfen auf die neuen Schiffe. Meine Schiffe\nfahren durch die Meere und die „Schlesische\nVolkszeitung\" sitzt in Breslau. Gewiß, auch\nBreslau ist eine schöne Stadt. Und schließlich\nkann die „Schlesische Volkszeitung\" behaupten,\nauf einer Stufe mit den modernen literarischen\nZeitschriften zu stehen, sie alle wissen nicht, was\nKunst ist. Außerdem kann aber die Schlesische\nVolkszeitung nicht fassen, daß ich den Hofrat\nPaul Schienther nicht anerkenne, während doch\nHerr Hofrat Paul Schienther in seiner literarischen\nRundschau von einem Dritten August Stramm\nanerkennen läßt. Das können Kollegen nie be-\ngreifen. Der Kollege Ludwig Fulda erkennt den\nKollegen Fritz Engel an, der Kollege Engel den\nKollegen Fulda. Der Kollege Ibsen hat allerdings\nvergessen, den Kollegen Schienther anzuerkennen,\ntrotzdem der ihn schlecht übersetzt hat. Also auch\ndie Kollegialität hat ihre Grenzen. Die Schlesische\nVolkszeitung aber keine, denn sie ist eine Persön-\nlichkeit. Namenlos wird sie in die Literaturge-\nschichte einziehen, sie ist beglückt, daß sie die\n„Sturm-Literatur nicht wohlwollend gefördert\nhat.\" Ein Glück, daß sie es nicht getan hat, sonst\nhätte die Schlesische Volkszeitung von mir au~h\nwohlwollende Förderung ihrer literarischen Kritik\nerwartet. Sie wird ihr aber trotzdem zuteil.\n„Warum wir das Alles erzählen? Weil wir so\netwas wie eine ausgleichende ästhetische Gerech-\ntigkeit darin erblicken, daß ein Sturmonkel auch\nnach dem mit faulen Eiern wirft, der aus Angst,\nnicht für voll fortschrittlich gehalten werden zu\nkönnen selbst am klar erwiesenen Blödsinn noch\netwas Gekonntes findet.\" Nein, der gute Sturm-\nOnkel hat mit guten Landeiern geworfen, sie\nrochen nur den faulen Köpfen der Schlesischen\nVolkszeitung faul. Dem Faulen ist alles faul. Die\nHerren ohne Namen von der Schlesischen Volks-\nzeitung sollten den Sturm etwas besser lesen.\nWann habe ich je behauptet, daß die Kunst fort-\nschrittlich gesonnen sein soll. Im Gegenteil, katho-\nlisch ist Trumpf. Aber das Katholische der Schle-\nsischen Volkszeitung ist nur Tendenz, vielleicht Ge-\nsinnung, keinesfalls aber Sinn. Denn die literari-\nsche Kritik der Schlesischen Volkszeitung würde\nden Sinn des Katholizismus für Unsinn halten. Sie\nverdaut den Sinn nur der Schlesischen Himmels-\nspeise. „Wir glauben für uns in Anspruch nehmen\nzu können, daß wir jedem ehrlichen Ringen mit\nTeilnahme begegnen, aber dieses „Geschehen\"\nwird man als selbst für eine Bierzeitung zu dumm\nablehnen. Das Berliner Tageblatt aber findet\ndiesen krankhaften Unsinn gekonnt, ja sogar ge-\nkonnter.\" Ich danke für Teilnahme. Und Ring-\nkämpfe interessieren mich nicht. Es ist aber nicht\nehrlich von der Schlesischen Volkszeitung, dem\nBerliner Tageblatt zu unterstellen, daß es „Ge-\nschehen\" für gekonnt hält. Das Berliner Tageblatt\nist durchaus der Ansicht der Schlesischen Volks-\nzeitung. Nur soll die Schlesische Volkszeitung sich\nnicht einbilden, daß sie mehr von Kunst versteht,\nals das Berliner Tageblatt. Von der Kunst brauchen\nJournalisten nichts zu verstehen, aber ihr\nFach müssen sie können. Das Berliner Tageblatt\ndruckt wenigstens nichts unerlaubt nach, wenn\nes sich auch unberechtigt über Kunst äussert. Das\ntut die Schlesische Volkszeitung außerdem. Mit\ndem Katholisch-Sein allein ist es noch nicht getan.\nUnd jeder Rückschrittt ist noch kein Fort-\nschritt. Auf den Schritt kommt es an. Man soll\nweder nach hinten laufen noch nach vorn. Der\nLaufende läuft. Die ganz klugen Kinder bleiben\nstehen, weil es doch keinen Zweck hat, die dum-\nmen Kinder laufen ein Stückchen mit der Eisen-\nbahn mit, weil sie noch an ihren Lauf glauben,\nalso gar nicht so schlecht katholisch sind. Die Eisen-\nbahn fährt aber immer weiter. Und der gute Onkel\nsitzt drinnen und fährt immer weiter. Die dummen\nKinder fassen das Ei vielleicht noch, weil sie\nwenigstens versuchten, ein Stückchen voraus-\nzulaufen, die ganz klugen Kinder halten das Ei für\nfaul, weil es ihnen doch schon zu weit vom Wege\nabliegt und sie doch keinen Glauben an das Laufen\nhaben. Dabei war das Ei eine Kugel, also, nicht\nzu essen und nicht zu verdauen, eine Kugel, die\nläuft und immer weiter läuft, viel weiter noch als\ndie Eisenbahn, immer rund um die Erde, die nun\nleider einmal rund ist. Und die klugen und die\ndummen Kinder stehen nicht auf der Kugel, sie\nhängen an ihr. Noch rollt die Erde nicht der Men-\nschen wegen. Aber sie rollt. Die Rollkutscher\nschimpfen mächtig. Es ist kein Vergnügen, gerollt\nzu werden, wenn man nicht rollen kann.\nDie Kinder sollten dem guten Onkel glauben\nund nicht an der Kugel stochern. Plötzlich platzt\nsie. Sterne springen heraus. Die Sterne ver-\nschwinden im Weltraum, weil die Kinder die\nleeren Reste auf der Erde untersuchen. Die Sterne\nhaben sie übersehen. Und in die Welt fährt nicht\neinmal die Eisenbahn.\nAchtung! Nicht in Breslau aussteigen. Der Zug\nfährt weiter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.5", "titre_corps": "Die Wacht in Charlottenburg", "titre_sommaire": "Die Wacht in Charlottenburg", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.3", "debut_caractere": 7853, "fin_caractere_exclue": 10016, "texte": "Die Wacht in\nCharlottenburg\n\nDer Kunstmaler Lovis Corinth hielt einen Vor-\ntrag vor den Vertretern der neutralen Presse, in\nder Annahme, daß die Herren vielleicht noch\nweniger von Kunst verstehen als die deutsche\nPresse. Die Reden und die Werke dieses Kunst-\nmalers können allerdings die Herren der neutralen\nPresse überzeugen, „daß unsere Stadt Berlin nicht\nso bar aller Kultur ist, wie unsere Feinde es\nüberall ausposaunen möchten.\" Solche Reden und\nBilder gibt es auch im neutralen Ausland und auch\nim übrigen Ausland. Kultur haben wir in Europa\ngerade genug. Die Kunst aber ist nicht an Deutsch-\nland gebunden und auch nicht von Frankreich ge-\npachtet. Die Kunst lebt dort, wo die Künstler\nleben. Es leben nicht viele Künstler auf der Erde,\naber viele Kunstmacher. Auch Haarmacher lassen\nsich gerne Haarkünstler nennen. Herr Lovis\nCorinth, der dicke Damen malt, empört sich über\ndie „perverse Frivolität dieser neuesten Kunstrich-\ntung\". Dicke Damen können vielleicht diese Eigen-\nschaft haben, auf wen aber Bilder von Franz\nMarc oder Fernand Leger oder Kandinsky pervers\nund frivol wirken können, der müßte im Passage-\nPanoptikum zu Berlin oder im Musee Grevin zu\nParis als Kunstwerk ausgestellt werden. Sonst\ntritt der Herr Corinth als neuer Hutten auf: „Bei\nmeiner Liebe zur Wahrheit habe ich es gewagt,\nmeine Stimme zu erheben, selbst auf die Gefahr\nhin, als blutiger Reaktionär gebrandmarkt zu wer-\nden. Es war im Januar 1914, als ich den Vortrag\nüber deutsche Malerei bei den Studenten hielt. Ich\npredigte nicht tauben Ohren. Unter Beifall hatte\nich die Ueberzeugung, daß ein gesunder Kern der\ndeutschen Jugend noch geblieben war.\" Die\nHerren nehmen es nie so genau mit der Liebe zur\nWahrheit. Die paar Studenten, die dem Vortrag\ndes Herrn Corinth beiwohnten, in jenem histori-\nschen Januar des Jahres 1914, sind nicht die\ndeutsche Jugend. Und selbst der Beifall der ge-\nsamten deutschen Jugend macht aus den Werken\ndes Herrn Lovis Corinth keine Kunst. Es bleibt\nMalerei für taube Ohren. Doch wird dafür gesorgt,\ndaß die deutsche Jugend ihre Augen öffnet. Da-\nfür beruft sich Herr Corinth auf Kant, Friedrich\nden Großen, Goethe und Beethoven. Ferner auf"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "debut_caractere": 570, "fin_caractere_exclue": 2377, "texte": "Dürer, Holbein und Matthias Grünewald. Gegen\ndiese Künstler ist garnichts einzuwenden. Nur\nmachen sie die Bilder von Corinth nicht besser,\nsie haben sie schon besser gemacht Aber\nhier predigt man tauben Ohren. Man sagt Corinth\nund man brüllt dagegen Grünewald. Und selbst\nwenn der Herr Corinth der Urenkel Grünewalds\nwäre, die Kunst erbt sich in der Verwandtschaft\nnicht fort. Seinen neuen Gott, Max Liebermann,\nverleugnet er jetzt. Die Herren sind zur Zeit böse.\nDas war in Charlottenburg im Monat Mai. Zum\nGlück für die Kunststadt Berlin befindet sich die\nBerliner Sezession in Charlottenburg, während\nMax Liebermann und Genossen sich über den\nAustritt von Lovis Corinth so freuten, daß sie\ngleichfalls in Charlottenburg eine Freie Sezession\ngründeten. Die Genies werden aber nicht nur aus\nAkademien, sie werden auch aus Sezessionen aus-\ngewiesen. „Die deutsche Kunst wird eines schönen\nTages wieder da sein.\" Der schöne Tag ist bereits\nda. „Mit Zuversicht erwarte ich den Messias und\nbereite ihm seinen Weg.\" Der Messias ging die\nStraße nebenan, weshalb Herr Corinth vergeblich\ntrotz eifrigem Schippen warten wird. „Das große\nGenie, welches uns die nationale deutsche Kunst\nbringen wird, ist vielleich unter Kanonensaluten\nund Maschinengewehrgeknatter wie ein Fürsten-\nkind bereits geboren.\" Dann hätte schon die Anzeige\nim Berliner Tageblatt gestanden. Der Herr Corinth\nsucht aber immer nach Säuglingen, die sich von\nihm pflegen lassen wollen, und dabei stehen die\nneuen Männer schon über ihm. Die nationale Kunst\nist da, wenn die Nation die Kunst will. Wenn sie\nnicht will, nützt ihr auch die nationale Kunst\nnichts. Kunst ist nicht, was Lovis Corinth macht\nKunst ist nicht, was die Nation macht. Kunst ist,\nwas der Künstler macht. Der Künstler ist aber\nnur das Werkzeug seines Werkes.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 568, "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nErhebung\nMeine Hände tragen den Tag empor\nvor meinem Hammer zerbricht die Nacht\nHoch\nKlingt mein Haupt in die Sterne\nich bin der Sonne Bruder,\nmeine Finger sind aus Strahlen gemacht\nich zerjuble die kalten Winde\nMein Glaube ist das Licht,\nSieg\nist das Herz der Flamme.\nIch bin ein Wandrer auf der Straße\nAus meiner Dornenkrone tropfen Sterne in\ndie Brust.\n\nFerne Granate\nDer Wald springt auf,\ndie Winde ächzen\naufsternend himmelende in den Schrei!\nDie schwarze Erde\nreißt den gelben Fetzen\nhoch\nder blinden Sonne\npeitschenquer\nins Abendgesicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.6.1", "titre_corps": "Erhebung", "titre_sommaire": "Erhebung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "debut_caractere": 24, "fin_caractere_exclue": 379, "texte": "Erhebung\nMeine Hände tragen den Tag empor\nvor meinem Hammer zerbricht die Nacht\nHoch\nKlingt mein Haupt in die Sterne\nich bin der Sonne Bruder,\nmeine Finger sind aus Strahlen gemacht\nich zerjuble die kalten Winde\nMein Glaube ist das Licht,\nSieg\nist das Herz der Flamme.\nIch bin ein Wandrer auf der Straße\nAus meiner Dornenkrone tropfen Sterne in\ndie Brust."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.6.2", "titre_corps": "Ferne Granate", "titre_sommaire": "Ferne Granate", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "debut_caractere": 381, "fin_caractere_exclue": 568, "texte": "Ferne Granate\nDer Wald springt auf,\ndie Winde ächzen\naufsternend himmelende in den Schrei!\nDie schwarze Erde\nreißt den gelben Fetzen\nhoch\nder blinden Sonne\npeitschenquer\nins Abendgesicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.7", "titre_corps": "Die Geschwister", "titre_sommaire": "Die Geschwister", "signature_source": "Sophie van Leer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "debut_caractere": 2379, "fin_caractere_exclue": 7536, "texte": "Die Geschwister\nSophie van Leer\nEine Diele knarrte unter ihren Füssen. Ihre\nZöpfe scheuchten über die Schulter. Die Kniee\nrieben sich im Fieber.\nSie tastete im Dunkel nach dem Bett hin.\n„Schläfst Du schon? Ich fürchte mich allein\nzu sein.\"\nEr schlug die Decke zurück:\n„Leg dich zu mir, Kind, Du wirst dich er-\nkälten.\"\n„Mutter hat es doch verboten. — Wo gehst Du\nhin?\"\n„Ich schließe die Eltern ein.\"\nAls sie nebeneinander lagen, fragte sie:\n„Glaubst Du, daß es ein Unglück war?\"\n„Nein, er tat es mit Absicht.\"\n„Warum?\"\n„Weil er dich lieb hatte. Er schrieb es mir.\"\n„Zeige mir den Brief.\"\n„Ich habe ihn verbrannt.\"\nSie schluchzte leise:\n„Dann bin ich seine Witwe.\"\n* *\n❖\nSie nähte sich einen schwarzen Schleier, den\nsie nachts trug. Sie baute beim Zubettegehen\neinen kleinen Altar mit Blumen und Kerzen und in\nder Mitte das Bild des Toten, zu dem sie betete.\nEines Abends trat der Bruder ein.\n„Was du tust ist Sünde\" sagte er und betrach-\ntete das Bild zwischen den Kerzen. „Er war dein\nBruder.\"\nAm nächsten Tag ging sie zur Beichte. Als sie\nnach Hause kam, verbrannte sie den Schleier, zer-\npflückte die Blumen auf dem Altar und zerschnitt\ndas Bild.\n* *\n*\nSie standen vor dem Spiegel und er fragte:\n„Findest du, daß wir uns ähnlich sehen?\"\n„Nein.\"\nEr holte die Bilder der Eltern und verglich\nsie mit seinem Gesicht.\n„Sehe ich ihnen ähnlich?4'\n„Nein, du gleichst Niemandem.\"\n„Das kommt, weil ich nicht dein Bruder bin.\nAls ich zwei Jahre alt war, sind meine Eltern ge-\nstorben.\"\n„Erzähle mir davon.\"\n„Nicht hier.\"\nIm Walde legten sie sich zwischen Sträuchern\nin das Gras. Ihre Hand zitterte über seine geschlos-\nsenen Lieder; plötzlich drückte sie heftig seinen\nKopf gegen ihre kleine Brust:\n„Hast du nun niemand mehr auf der Welt?\nNiemand?\"\nEr ließ ihre Flechten durch seine Finger rieseln:\n„Einen einzigen Menschen habe ich auf der\nganzen Welt! Niemand als dich habe ich. Du\nmußt meine Freundin sein.\"\n„Armer Junge. Die Eltern sind schlecht zu dir.\nUnd Niemand kann dir die Liebe ersetzen. Ich\nwerde immer bei dir bleiben, dich lieb haben. Du\nbist so weich und deine Seele weint nach Liebe.\"\nSie strich mit bebenden Fingern über seine\nbreite Stirne.\nEr sah zwischen Blättern in den Himmel:\n„Es wäre so schön, wenn es keine Eltern gäbe.\nKeine Schule und keine Kameraden. Immer allein,\nmit dir allein. — Wollen wir hier im Walde bleiben,\nuns ein Höhle bauen?\"\n„In einigen Jahren können wir heirate*. Du\nmußt nicht so traurige Gedanken haben.\"\nEr riß kleine Halme aus dem Boden.\n„Wie ist es, wenn man beichten geht?\"\n„Hast du noch nie gebeichtet?\"\n„Nein, was denn?\"\n„Man kann sich alles von der Seele sprechen.\"\n„Kann man den Beichtvater sehen?\"\n„Nein, die Kirche ist dunkel und man ist von\neinem Vorhang verdeckt.\"\n„Kann Niemand zuhören?\"\n„Nein, man spricht ganz leise.\"\n„Darf ich dich einmal begleiten, wenn du\nfeichten gehst?\"\n„Ja, dann setz dich in die Nähe und paß gut\nauf. Ich werde so sprechen, daß du es hörst.\"\n„Schämst du dich nicht, wenn ich es höre?*'\n„Nein. Ich habe nichts vor dir zu verbergen.\"\n* *\n*\nIn der Kirche versteckte er sich hinter eine\nSäule und hörte ihre Beichte:\n„Ich habe den Eltern Böses gewünscht Ich\nwollte von Haus fortlaufen. Ich habe sündige Ge-\ndanken gehabt.\"\nWeiter sagte sie nichts. — Der Beichvater gab\nihr Absolution. Das war alles.\nEr schlich sich fort. Draussen verbarg er sich\nund wartete, bis die Kirche leer war.\nEr strich zwischen den Bänken umher. Es war\nNiemand da. Im Beichtstuhl kniete er, die\nStirne gegen das Holz gedrückt Ueber ihm hing\nein schwarzes Kreuz mit einem silbernen Christus.\nEr ergriff es und hielt es sich vor die Augen.\nWorte zerfetzten seinen Atem. Glühend spann-\nten seine Lippen über den Mund. Seine Zähne\nhakten in die zuckende Hand.\nEr horchte, den Hals zwischen die Schultern\ngeduckt und blickte scheu nach dem Kreuz empor.\nDer Christus schwieg.\n* *\n*\nSie gingen zusammen den Berg hinauf. — Er\nzählte die Zickzacklinien des Weges. — An einer\nBiegung blieb er stehen.\n„Bis hieher gingen wir hinauf. Er wurde müde.\nEr hatte mich böse gemacht Wie ein Hund schlich\ner hinter mir her, und greinte, ob wir nicht um-\nkehren sollten. Jedesmal schob er seine klammen,\nfeuchten Zitterfinger in meine Hand. — Hier brach\ner zusammen. Ich lud ihn auf den Rücken, und\nstieg weiter. Plötzlich sah ich seinen Kopf über\nmeine Schulter neben meinem Halse hängen. Seine\nAugenlider klappten auf und zu, die Arme schlen-\nkerten, seine Kiefer gähnten wie bei einer Holz-\npuppe. Die Haut über seinen Backenknochen war\ngelb. Und seine Stirn stand voll Schweißperlen.\nEr war so häßlich, und es konnte ihm gar nicnt\nv/ehe tun, denn er war bewußtlos. Ich hißte ihn\nüoer die Schulter und ließ ihn in den See fallen.\"\nSie streichelte seine Hand und schauerte zu-\nsammen.\n„Ich habe Angst vor dir und liebe dich. Mehr\nnoch als vorher. — Komm wir wollen zurück-\ngehen und nicht mehr daran denken.\"\nEr blieb stehen:\n„Es ist noch etwas: ich bin dein Bruder.\"\n„Das wußte ich. Ich habe die Eltern gefragt.\"\nSie legte ihren Arm um seine Schultern:\n„Wenn wir alt geworden sind, können wir\nBeide in ein Kloster gehen. Und später werde ich\nAlles beichten.\"\nSie atmeten tief auf, nahmen sich bei den Hän-\nden und (küßten sich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.8", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt/ Vom Stocklgadruckt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt/ Vom Stocklgadruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 54, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt/ Vom Stocklgadruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.9", "titre_corps": "Lieder : Willseim Ruage", "titre_sommaire": "Lieder : Willseim Ruage", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2736, "texte": "Lieder\nWillseim Ruage\nDein Auge\nist meine sammtene Wiese\nüber alle Hügel des Abends\nund deine Lippen sind zu schwer\nfür ein leichtes Wort\ndeiße Gedanken\nsind von den Fingern des Todes\nder sich zersehnt\nein Tanz des Glücks\nSchließ mich ein\nin die wilden Rosen . *\ndeines Bluts\ndein Atem\nist die Wiege des Sommers\n* #\n*\nAus jedes Grusses Lächeln blüht dir Sonne\nauf allen Wiesen bist du Tausendschön\nviel-tausendschöß\nund deine Seele streicht\ntrol wie ein Segel\ndurchs Aehrenfekl\nwenn sanft der Mittag schlaft\nauf seiner Wälder Wiege\nIter und Irin\ndann wirfst du deine* Sorgen in den Klee\nund hebst die Augen wieder auf\nzwei Rosen\ndie hingefallen sind.\n* *\n* »\nTod tropft von allen Dächern\nund es blutet jeder Halm\nnoch liegt das Leben\nauf grünen Weiden\nam Sonnenhang\nbläst dumpf in das Horn der Wälder\nam Abend\nund entführt der Son»e Geschmeide\nauf die Terrassen\nseines Bluts\nlacht hell auf\nvieltausend Falter\ndurch den Blumen blauschaukelnd Meer\nnach dem Honig ihrer Lust\nuralte Schätze\nkerztief versenkt.\n* *\n*\nTraurig welkt der Sommer deiner Augea\nund es suchen deine Sinne\nirre Bienen\naach dem Honig ihrer Lust\nIns Geplänkel deiner Lippen mit den Worten\nstreckt sich Schlaf\ntJnd der Hände müde Falter\nsenken der Gebärden Flügel\nin den Abend deines Bluts\nBis die Ebbe deines Auges\nwieder Flut wird\nund von weissen Tempelstufen deines Mundes\nWorte stürzen\nknte Kinderschar treppauf-treppab\n* *\n*\nBtem wiegt\ndte Welle deines Auges\nIn des Haares dunklem Wälder-Arm\n*nd es weht mit starken Winden\nvon der Stime Felsgestein\ni* der Stunden Gondellied\nBis des Glückes gelbe Rose aus der Tieie bricht\nund libeüenleicht\nein Sonnensegel\ndurchs Gelächter der Gewässer springt.\n* #\n*\nUebers blaue Meer der Stunden\nwinkt der Sehnsucht Schwalbenschwinge\nden Gestaden fernen Glücks\nUnd des Herzens roter Morgen\nsteigt empor aus tiefen Nächten\ndeines Bluts\nFällt ein Sturm von Vogelliedern\nauf der Winde seidge Schaukeln\nKitzelt mit den Sonnenfingern\nKräuselnd Lachen auf dem Wellenmund\nund zerreißt den Schleier von den Augen\nBknen\ndie honigtrunken sind\n* jj;\n*\nWorte sind nicht immer blinde Bettler\nan den Türen unsrer Sehnsucht\nManchmal fällt das Leben ein durch die hohen\nTannen wäMer\nmoosbespülte Fichten\nlichten\nihren Leib den Silberketten\nsüssen\nLichts\nUnd Libellenflimmer fliessen\ndurch der Binsen Gondellied\nWenn am Wiesenhang des Himmels\nblau versponnen Sommerfäden\ntanzen auf ganz weißen Sohlen\nin die Luft\nspinnfeingewebt\n❖ *\nUnter deiner Braue\nschläft der Abend\nund am Rande deines Auges\nlieg ich in des Tages Boot\nwellenmüd\nin dem Abendleuchten deiner Wange\ndas noch einmal alles überblüht\nund wie langsam der Gedanken Volk\naus dem Antlitz in den Wald der Seele zieht\ntrinke ich den allertiefsten Frieden\nin dem roten Weine\ndeines Munds"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "117", "image_debut": 6, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.10", "titre_corps": "Taliesin : Ans dem Walisischen frei nachgedichtet", "titre_sommaire": "Taliesin : Ans dem Walisischen frei nachgedichtet", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.6", "debut_caractere": 2738, "fin_caractere_exclue": 2801, "texte": "Taliesin\nAns dem Walisischen frei nachgedichtet\nAdolf Knoblauch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.6", "debut_caractere": 2816, "fin_caractere_exclue": 6074, "texte": "Inzw*schen weilten sein Weib und Taliesin froh\nin Elfins Wohnung. Taliesin zeigte der Herrin, wie\nElfin ihretwegen im Gefängnis wäre, aber er gebot\nihr, froh zu sein, weil er an Maelguns Hof gehen\nwolle, um den Herrn zu befreien. Da fragte sie ihn,\nauf welche Art er ihn freimachen wolle. Er ant-\nwortete ihr:\nEine Reise will ich vollbringen,\nzum Tore will ich kommen,\nin die Halle will ich treten,\nmein Lied will ich singen,\neine Rede will ich sprechen:\nstumm machen königliche Barden.\nIn des Fürsten Gegenwart\nwill ich zum Spotte grüssen,\nwill auf sie vorbrechen\nund Elfin befreien.\nDann wird Streit entstehen\nin des Fürsten Gegenwart\nForderung kommen an Barden\nnach mild flutendem Lied,\nZauberers prüfender Lehre,\nDruiden Weisheit.\nAm Hof der Söhne des Teilers\nsind Etliche, die schienen\nlüstern zu Ränken,\nzu schaden dem Unschuldigen\nmit List und Trug\nm Martern des Kummers.\nLaßt die Toren schweigen!\nEinst schwieg in Badons Schlacht\nvor Artur, Haupt der Freien,\nmit langen, roten Klingen\nGewandtheit eigensinniger Männer.\nWehe den Toren,\nwenn Rache über sie kommt!\nIch,Taliesin, Haupt der Barden,\nwill Freund Elfin befreien\naus hochmütigen Tyrannen-Ketten.\nIhrem grausam schaurigen Geschrei\nsoll bald ein Ende werden\ndurch des erstaunlichen Rössen Tat\naus dem hohen fernen Norden.\nNie sei dem Maelgun Guynedd\nGnade noch Heil\nfür seine Gewalttat, Unrecht.\nDem Rhun, seiner ganzen Rasse\nwerde zuteil Aeußerstes des Uebels,\nsein Lebenslauf sei kurz,\nwüst all seine Länder,\nbesiegelt lange Verbannung\nwerde Maelgun Guynedd.\nHiernach nahm er Abschied von der Herrin\nund kam endlich zum Hof Maelguns, der im Begriif\nwar, sich in der Halle zu setzen und mit königlichem\nGepränge zu speisen, wie das zu tun in jenen\nTagen Brauch war bei jeder Haupt-Mahlzeit für\nKönige und Fürsten. Sobald als Taliesin die Halle\nbetrat, setzte er sich in eine stille Ecke nahe bei der\nStelle, wo Barden und Sänger vorbeizukommen\npflegten, um ihren Dienst und ihr Amt gegenüber\ndem König zu erfüllen, so wie das Brauch bei de«\nhohen Festen ist, wenn Freigebigkeit angekündigt\nwird. Als nun die Barden und Herolde kamen, um\ndie Geschenke auszurufen und die Macht und\nStärke des Königs zu verkünden, steckte Taliesin\ndie Lippen nach ihnen aus im Augenblick, als sie a«\nder Ecke vorübergingen, in der er sich verkrochen\nhatte, und spielte mit den Fingern auf den Lippen:\n„Blerum, blerum\". Aber sie kümmerten sich nicht\nsehr um ihn und schritten vor bis zum König, dem\nsie wie gewohnt den Gehorsam mit ihren Körpers\nerwiesen, ohne ein einziges Wort zu sprechen, sie\nstreckten nur die Lippen, machten dem König\nGrimassen und spielten mit den Fingern auf ihrei\nLippen: „Blerum, blerum\", wie sie am anderen Ort\nden Knaben hatten tun sehen. Dieser Anblick lief\nden König sich verwundern und bei sich urteile»,\ndaß sie von vielen Getränken trunken 'seien. Er\nbefahl daher einem der Herren, der an der Tafel\nbediente, zu ihnen zu gehen und zu verlangen, dal\nsie ihren Verstand zusammennähmen und nach-\ndächten, an welcher Stelle sie stünden und was\nsich für sie ziemte. Solches bestellte auch der\nHerr. Aber sie hielten mit ihrer Narrheit garnicht\nirgend mehr inne denn vordem. Darauf sandte er\nzum zweiten Mal zu ihnen und zum dritten, und\nverlangte, daß sie aus der Halle fortgingen. Zu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7297, "texte": "letzt befahl der König einem der Knappen, ihrem\nFührer, der Henin Vardd hieß, einen Schlag zu\ngeben. Der Knappe nahm einen Besen und schlug\nihm aufs Haupt, daß er in den Sitz zurückfiel. Da\nerhob er sich, ging auf den Knieen und ersuchte\num des Kqnigs gnädige Erlaubnis, zu zeigen, daß\nder Fehler nicht aus Kenntnismangel noch aus\nTrunkenheit geschehen wäre, sondern unter dem\nEinfluß irgend einös Geistes in der Halle. Hiernach\nsprach Heinin: „Ehrenwerter König, deine Gnaden\nwisse, daß wir nicht infolge der Stärke oder dem\nZuviel des Getränkes verstummten, ohnmächtig\nder Rede wie Trunkene, sondern unter dem Ein-\nfluß eines Ge?stes, der dort in der Ecke in Gestalt\neines Kindes sitzt.\" Sogleich befahl der König dem\nKnappen, ihn zu holen, er ging zum Winkel, in dem\nTaliesin saß und brachte ihn vor den König, der\nfragte, was er sei und woher er komme. Er ant-\nwortete dem König im Vers:\nUrbarde bin ich dem Elfin,\nUrsprungslandsland ist mir das Reich der\nSommersterne,\nich hieß Merlin, und einst wird Taliesin\nmich jeder König nennen.\nMit dem Herrn war ich im höchsten Kreis\nüber Luzifers Fall zu Hölle.\nIch habe vor Alexander das Banner getragen,\nich kenne die von Nord nach Süd.\nIch war auf der Milchstrasse am Tron des Teilers,\nich war in Kanaan als Abisaloni erschlagen ward,\nich betreute Gottes Geist in der Talniedrung zu\nHebron,\nich war am Hofe Dons vor Gudions Geburt,\nich war Lehrer dem Eli und Henoc'n.\nIch erhielt die Schwingen des Genius vom\nglänzenden Bischofstabe,\nich war beredt ehe ich rede-begabt war.\nIch war am Ort der Kreuzigung dds\ngnadenreichen Gottsohnes.\nDrei Menschenalter war ich im Gefängnis\nArianrods.\nIch war Bauleiter am Werk des Nimrodturms.\nIch bin ein Wunder von unbekanntem\nUrsprung!\nIch war in A'sien mit Noah in der Arche\nund schaute die Vernichtung von Sodom\nund Gomorrha.\nIch war in Indien, als Rom erbaut ward,\nhergelangt bin ich mit den Letzten von Troja.\nIch war mit dem Herrn im Esels-Stall\nund stärkte Moses mit Jordan-Walser.\nIch war mit Maria-Magdalenen vor der\nHimmelreste.\nIch erlangte Musenweihe aus Caridwens Ke'ssel,\nwar ein Barde der Harfe zu Lleon von Lochiin.\nIch war auf dem weißen Berge am Hof von\nCynvelyn\nTag und Jahr lang in Stöcken und Ketten.\nIch habe Hunger gelitten für den Sohn\nder Jungfrau\nund wurde erzogen im Land der Gottheit.\nAllem Geistigen wurde ich Lehrer,\nimstand das ganze All zu lehren.\nAlso werde ich bfls zum Tag des Urteilsspruches\nauf dem Antlitz der Erde sein,\nunbekannt, sei mein Leib Fisch oder Fleisch.\nDann war ich neun Monde lang\nim Schoß der Hexe Caridwen,\nursprünglich klein Guion\nbin ich endlich Taliesin.\nAls König und Edelleute dies Lied vernommen\nhatten, verwunderten sie sich sehr, denn sie hatten\ndesgleichen nie von einem so jungen Knaben ge-\nhört. Als der König erfuhr, daß er Elfins Barde\nsei, gebot er dem Heinin, seinem ersten und klüg-\nsten Barden, Taliesin zu antworten und mit ihm\nwettzustreiten. Doch als er kam, konnte er nichts\nanderes tun, dem auf den Lippen „blerum\" zu\nspielen, und als er nach den anderen vierundzwan-\nzig Barden sandte, taten sie alle desgleichen und\nvermochten nichts anderes. Maelgun fragte den\nKnaben Taliesin, was sein Auftrag sei, und dieser\nantwortete im Liede:\nSchwache Barden, ich versuche,\nob ich den Preis mir kiese,\nzu erbringen strebe ich\nmit zartem verkündendem Lied\nden Verlust, den ich litt;\nmeinen Versuch hoff ich zu vollbringen.\nDa Elfin Mühsal trägt\nin Dyganwys Feste,\nmögen der Ketten und Fesseln\nnicht zuviel auf ihn gelegt werden.\nDen Sitz der Feste Dyganwy\nwill ich noch einmal versuchen.\nGewaltig bin ich durch meine Muse,\ngewaltig ist auf meinem Teil, was ich versuche.\nDreihundert und mehr Lieder\nsind im Buchstaben gebunden, den ich singe.\nWo ich bin, sollten Stein und Ring nicht bestehen,\nkein Barde soll um mich sein, der nicht wisse,\ndaß in Artros Landen\nElfin sicher sei mit dreizehn Riegeln,\ndafür, daß er seinen Lehrer preist.\nDann will ich, Taliesin,\nHaupt der Barden im Westen,\n•-\nElfin aus goldner Fessel lösen.\nSeid ihr ursprüngliche Barden\nso erklärt Mir, dem Meister der Wissenschaften,\neure Geheimnisse, die den Weltwohnern\ngeschehen.\nEs giebt ein schädlich Geschöpf\nvon der Mauer des Satans,\ndas alles niedergerungen hat\nzwischen der Tiefe und dem Seichten.\nWeit wie Alpenberge sind seine Rachen,\nTod bezwingt es nicht, weder Fairst noch\nKlingen.\nIm Haarwulst der beiden Tatzen\nhängt die Last von neunhundert Wagen.\nEin Auge grün wie heller Eiszapf\nsteckt in seinem Kopf.\nDrei Quellen entspringen dem Genick des Nacken's,\ndarin schwimmen Meerrobben.\nDas sind die drei Namen der Quellen:\ndie Eine ist erzeugt aus den Tränen der Corina,\nsie füllen die Fluten und schwinden zu Meeren,\ndie Zweite ist ohne Beleidigung,\nsie wird über uns fallen im Regen,\nden rings der Himmel ausgießt;\ndurch Bergadern im Bette von Kieseln,\nals Werk deis königlichsten der Könige\nwird die Dritte erscheinen.\nIhr seid Stolper-Barden, zusehr Besorgte,\nihr könnt nicht das Britenreich verherrlichen.\nIch Taliesin, Haupt der Barden im Westen,\nwill Elfin ltfsen aus goldner Fessel.\n* *\nStumm seid, boshafte Reimerbarden\ndie zwischen wahr und falsch nicht scheiden\nkönnen.\nSeid ihr vom Himmel gebildete ursprüngliche\nBarden,\nsagt eurem König, welch Schicksal ihm werde.\nIch bin euch Wahrkünder, Führerbarde,\nder jede Stelle im Land eures Königs kernte\nIch will Elfin befreien\naus des Steinturmes Bauch,\nwill eurem König künden, was ihm geschieht).\nHöchst seltsames Geschöpf\nwird vom Meersumpf Rhiannedd\nkommen über Mälgun Guynedd,\num sein Unrecht zu strafen.\nSeine Haare, Zähne, Augen werden von Gold sei»*\nes wird Vernichtung bringen\nüber Maelgun Guynedd. > ■ .>\n* *\n*\nEntdecke, wer ist das starke Geschöpf,\ndas vor der Sintflut war,\nohne Fleisch und Knochen,\nohne Ader und Blut,\nohne Kopf und Füsse.\nfcs wird nicht älter, ;\nnicht jünger, denn zu Beginn.\nAus Furcht vor Verweigerung\nhat es keine rohen Bedürfnisse\nmit Geschöpfen.\nGott, wie weiß das Meer wird,\nwenn ds beginnt, zu kommen,\nseine großen Vorstöße,\nwenn es aus Süden kommt!\nSeine großen Dünste\nwenn es die Küsten »schlägt.\nIm Feld, im Wald, >\nohne Merkmale des Alterns,\ngleichaltrig allen fünf Weltaltern\nund noch weit älter, )•\nund seien es Jahre zahllos.\nEs ist so weit\nwie die Fläche der Erde,\nward nicht geboren\nund kam nicht zur Sichtbarkeit.\nBestürzung wird es hervorrufen,\nwo immer Gott will,\nauf dem Meere, am Land.\nEs sieht nicht, wird nicht gesehen,\nin der Irre ist sein Lauf, 1\nes wird nicht kommen,\nwenn seiner begehrt wird, *\nunentbehrlich am Land, auf dem Meere,\nohne Seinesgleichen, vierseitig, !\nunbegrenzt, unvergleichlich.\nEs kommt aus den vier Ecken\nnicht angekündigt, nicht ohne Kunde,\nseine Fahrt beginnt es\nüber dem Marmorfels\nwohlklingend, stumm,\nmild, 'stark, kühn, , *\nso glänzt es überm Land.\nEs schweigt, tönt, tobt,\nes ist das Lärmendste\nauf dem Angesicht der Erde.\nEs ist gut, schlecht,\näußerst schmähend,\nheimlich, kein Blick durchdringt es,\nschädlich wohltätig,\ndort und hier, es verwirrt,\naber giebt den Schimpf nicht zurück.\nEs wird für seine Taten nicht leiden,\nwir sehen, es ist vom Tadel frei.\nEs ist feucht und trocken, 1\nkommt oft und geht hervor\naus Sonnenglut und Mondeskälte.\nMinder wohltätig ist der Mond,\nda seine Glut geringe ist.\nEin Seiender richtete es auf\nvor allen Geschöpfen,\num durch schrecklichen Windstoß\nRache zu üben an Maelgun Guynedd."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6513, "texte": "I*des er also nahe bei der Tür seinen Vers\nsang, erhob sich gewaltiger Windsturm, daß König\nund Edelleute glaubten, das Schloß würde auf ihre\nKöpfe fallen. Der König ließ sie eilends Elfin aus\nseinem Kerker holen und stellte ihn vor Taliesin.\nEs heißt, daß dieser gleich einen Vers sang, sodaß\nsich die Ketten um seine Füske auftaten.\nIch bete an den Höchsten, Herrn alles Beseelten,\nIhn, der die Himmel trägt,\nder Jegliches in seiner aeußersten Anstrengung\nregiert.\nIhn, der das Wasser gut für Alle schuf,\nIhn, der jede Gabe verleiht und sie segnet.\nMöge den Mälgun von Män, der uns bittet,\nUeberfülle des Meths werden\naus schäumenden Meth-Hörnern\ndes gar reinen gewählten Würztranks.\nSeit Bienen sammeln, die nicht Geniefcsenden,\nhaben wir Meth, funkelnd abgezogenen,\nallgepriesenen.\nDie Geschöpfe in ihrer Vielheit, welche die Erde\nnährt,\nmachte Gott für Menschen um des Reichtums\nwillen.\nEtliche heftig, Etliche stumm, sie geniessen ihrer,\nEtliche wild, Etliche zahm, der Herr schuf sie,\naus dem Erzeugnis von Etlichen haben wir\nKleidung,\nEtliche für Speise und Trank,\ndie dauern bis zum Tage dels Urteils.\nIch bete zum Höchsten, dem Hort des\nFriedensreichs,\ndaß er Elfin vom Banne löse.\nDer mir Wein und Bier und Meth gab\nmit dem Geschenk hoher Für'stenrosse,\nprächtig anzuschauen,\ner möge mir Elfin wiedergeben.\nBis an mein Ende möge Gott guten Willens\nmir zahlloser Alter Folge gewähren in Ehren\nin der Zuflucht voll Ruhe.\nRitter defe Meth-Tranks, spät sei deine Auflösung.\nDanach sang er den Gesang, welcher heißt:\nDie Vortrefflichkeit der Barden\nWer war der erste Mensch,\nden Gott im Himmel bildete?\nwelche ist die schönst zierende Rede,\ndie bereitet vor Jevaw ist?\nWelch Mahl, welch Trank,\nwelch Dach sein Schutz?\nwelches der erste Eindruck\nseines ursprünglichen Denkens?\nwelches sein Kleid ? wer tat Verkleidung an,\nals er sich hütete vor den Listen des Landes\nzu Beginn.\nWarum soll der Stein hart sein,\nDorn scharfspitzig?\nWer fet hart wie Kiesel, salzig wie Tränen,\nwer süß wie Honig, wer reitet auf dem Sturm?\nWarum runzelt sich die Nase?\nwarum ist das Rad rund?\nwarum ist die Zunge mit Sprache begabt\neher dem ein ander Glied?\nHeinin, laß deine Barden, die zuständig sind,\nmir, Taliesin, antworten!\nDanach sang er die Anrede, welche heißt:\nDer Tadel an die Barden\nBarde, bist du völlig in Genius getaucht\nund bist keiner Aufsicht unterthan,\nsei nicht tinbeugsam an des Königs Hof!\nHeiiiin, bleib stumm, bis deine Reimerei erkannt ist.\nBleib stumm über deines Verses Namen,\nüber den Namen, mit dem du dich rühmst,\nüber den Namen deines Ahnen, ehe er\ngetauft ward,\nüber den Namen der Sphäre, des Elementes,\ndeiner Sprache, deiner Gegend!\nPrahlt Barden da droben,\nprahlt Barden dort unten!\nMein Gefährte ist in der Tiefe\nan den Ketten Arianrods.\nIhr wißt nicht sicher,\nwie ihr mein Lied, das ich rede,\nverstehen sollt, wie klar zu scheiden ist\nzwischen Wahr und Falsch!\nSchwächliche Barden, Krähen der Gegend,\nwarum flieht ihr nicht von hinnen?\nEin Barde, der mich nicht stumm macht,\nkann kein Schweigen gewinnen,\nbis daß ihn decken Sand und Kiesel.\nSolcher mir lauschet,\nGott möge ihm zuhören.\nDanach sang er das S+ück, welches heißt:\nDer Groll der Barden\nSänger verharren im falschen Brauch,\nunsittliche Lieder sind ihr Entzücken,\nleeres, geschmackloses Lob sagen sie her,\nzu jeder Zeit reden sie Falschheit.\nSie machen lächerlich unschuldige Leute,\nmachen wüst eheliche Frauen,\nverderben unschuldige Jungfern der Maria,\nverbringen das Leben mit Eitelkeit.\nZur Nacht (sind sie trunken,\nschlafen am Tag, nähren sich müssiggehend\nohne Arbeit, hassen die Kirche, besuchen die\nSchenke.\nSie verbinden sich mit Dieben, meineidigen\nBurschen,\nfragen an Höfen nach Mahlzeiten,\nbringen jegliches sinnlose Wort vor,\npreisen jede Tod-Sünde,\nführen jeden ruchlosen Lebenslauf,\ndurchstreifen Dorf, Stadt, Land,\nund denken garnicht an den Griff des Todes.\nSie geben Niemandem Obdach, erbarmen\nsich nicht,\ngestatten Essen im Uebermaß,\ngebrauchen weder Psalm noch Gebet,\nzahlen nicht Zehnten und Opfer an Gott,\nverehren, nicht an Sonn- und Feiertagen,\nbeachten nicht Fasten- und Festtage!\nDie Vögel fliegen, Fische schwimmen,\nBienen sammeln Honig, Würmer kriechen,\njedes Ding arbeitet, um Nahrung zu gewinnen,\naußer den Sängern und faulen, nutzlosen Dieben.\nIch spotte nicht des Liedes und des Spieles,\ndenn sie sind von Gott gegeben\nzur Erleuchtung des Gedankens!\nAber dessen spotte ich, der sie mißbraucht,\nweil er Jesus und seinen Dienst lä'stert.\nNachdem Taliesin den Herrn aus dem Gefäng-\nnis befreite, die Unschuld seines Weibes beschirmt\nund die Barden zum Verstummen gebracht hatte,\ndaß keiner von ihnen ein Wort zu sprechen wagte,\nführte er Elfins Weib vor sie hin und zeigte, daß\nihr kein Finger fehle, recht froh war Elfin, recht\nfroh war Taliesin.\nDann bat er Elfin, mit dem König zu wetten,\ndaß er ein Pferd, beides besser und schneller habe\nals die Pferde des Königs. Dies tat Elfin. Tag,\nZeit -und Ort wurden bestimmt, der Ort war es,\nder bis heut Morva Rhiannedd heißt. Dahin ging\nder König mit allen Leuten und vierundzwanzig\nder schnellsten Pferde, die er besaß. Mit langem\nVerfahren wurde die Laufbahn abgesteckt, und die\nPferde wurden für das Rennen aufgestellt. Taliesin\nkam mit vierundzwanzig Zweigen der Stechpalme,\ndie er schwarz gebrannt hatte und hieß dem\nJüngling, der das Pferd des Herrn ritt, sie 'sich in\nden Gürtel stecken, und ordnete an, daß er alle\nPferde der Königs vor sich gelangen ließe und\njedesmal einen der Zweige nähme, wenn er ein\nPferd nach dem anderen überholen sollte, und mit\nihm das Pferd über Kreuz schlage. Dann sollte er\nden Zweig fallen lassen, hiernach einen anderen\nZweig nehmen und jedem der Pferde, wenn er\nsie nacheinander überholen würde, in gleichei\nWeise zu tun, indem er dem Reiter streng vor-\nschrieb, genau darauf zu achten, wenn sein eignes\nPferd stolpern sollte, und dann an der Stelle seine\nMütze hinzuwerfen.\nAll dies erfüllte der Jüngling, indem er Jedem\nvon den königlichen Pferden einen Schlag gab und\ndie Mütze an der Stelle, wo sein Pferd stolperte,\nhinwarf. Zu dieser Stelle brachte Taliesin seinen\nHerrn, nachdem sein Pferd das Wettrennen ge-\nwonnen hatte. Er hieß Eltin Arbeiter nehmen uinid\nan dem Ort ein Loch graben. Als sie in den Boden\ntief genug gegraben hatten, fanden sie einen gro-\nßen Kessel voll Gold. Darauf sprach Taliesin:\n„Sieh, Elfin, das ist Bezahlung und Lohn für dich,\ndafür daß du mich aus dem Wehr nahmst und von\nder Zeit an mich erzogst.\" Noch heute befindet\nsich an dieser Stelle ein Wassersumpf, der Pull-\nbair heißt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.10.1", "titre_corps": "Jaeoba van Heemskerck: Holzschnitt /Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Jaeoba van Heemskerck: Holzschnitt /Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 54, "texte": "Jaeoba van Heemskerck: Holzschnitt /Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "119", "image_debut": 9, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.11", "titre_corps": "Götz von Berlichingen", "titre_sommaire": "Götz von Berlichingen", "signature_source": "Volkssfück von Kayssler Aus dem Goetheschen übersetzt ; Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.9", "debut_caractere": 6534, "fin_caractere_exclue": 8267, "texte": "Götz von Berlichingen\nVolkssfück von Kayssler\nAus dem Goetheschen übersetzt\n\nDer Dramaturg und sein Volksdichter\nManche Leute setzen sich einen anderen Hut auf\nund sehen dann gleicji ganz anders aus. „Eine\nüberraschende Wandlung vom Humoristen zum\nHymnen-Dichter hat der Chefredakteur vom „Ulk4'\nFritz Engel vollzogen. Sein Buch „Und draußen\nist Krieg\" bringt Gedichte von ernstem Grundton.\"\nDieses Buch, sagt das Berliner Tageblatt, soll der\nMensch sich auf den Weihnachts-Büchertisch legen.\nDen neuen Hut stellte der ältere Redakteur des\nUlks fest. Beide Chefredakteure des Ulks haben\naber wenig Sinn für Humor, trotzdem das Berliner\nTageblatt eine Beilage des Ulks ist. Des Ulk£,\nden ein anderer Chefredakteur Fritz Engel in eben\ndiesem Nebenblatt des Ulks in der Nebenabteilung\n„Kunst\" fortgesetzt veröffentlicht. Dieser Kunst-\nhumorist des Berliner Tageblatts ist weniger hym-\nnisch veranlagt als der Chefredakteur des Ulks\ndafür ulkt er aber mit einem Humor herum, der\nihn verlacht. Humor ist ja ganz ulkig, aber Ulk\nnoch lange nicht humoristisch. Da gehört auch die\nberühmte Dosis Ernst dazu. Dosiert man aber\nnicht richtig, so kommt wieder kein Humor heraus,\nvielmehr der Ernst des Lebens, der das Leben\nund die Kunstkritik lächerlich macht. Die Herren\nvon Ullstein sagen wenigstens Schnittmuster,\nwenn sie Schnittmuster meinen. Die Herren von\nMosse betreiben die Konfektion in künstlerischer\nHerrenkleidung. Sie vermessen sich fortwährend,\nindem sie Künstler messen. Aber sie reichen nicht\nheran, auch wenn sich die ganze Redaktion Kopf\nauf Kopf stellt.\n„An Goethes Götz haben sich neben der\nHand des Meisters noch manche Andere\nv rsucht.\" Wer nicht arbeiten kann, muß bear-\nbeiten. Diese Raubritter ohne Adel versuchen sich"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 11008, "texte": "also neben der eisernen Hand, statt die Münde da-\nvon zu lassen. „Der Grund ist klar genug. Dieses\nDrama ist von Hause aus kein Buchdrama\nschlechthin.\" Es ist aus gutem Hause, man muß\nsich also mit ihm beschäftigen. „Es ist ein Mittleres\nzwischen Lese- und Schaustück, und wenn auch\ndie Form zerfliessend undramatisch ist, so ver-\nlangt doch das Meiste davon nach der plastischen\nGestaltung.\" Also immer feste druff. Das Drama\naus gutem Hause wird vermöbelt, damit es ver-\nplastikt werden darf oder soll. Aber was eine\nrichtige Plastik ist, die muß auch vermalt werden:\n„Es ist soviel Bildliches darin, daß wir danach\ndürsten, es nun auch wirklich verbildlicht zu\nsehen, und das Glück, als Deutscher ein solches\nWerk zu besitzen, ist tatsächlich so groß, daß wir\nden Genuß daran verbreitert sehen wollen, bis in\nden Kreis derer, die vielleicht nicht Phantasie oder\nSammlung genug \"haben, um sich das strahlende\nWesen der Dichtung aus dem Buche zu vergegen-\nwärtigen.\" Ja, wenn der Goethe noch den Engel\nerlebt hätte; dann würde er „in einer eindrucks-\nvollen und bilderreichen Sprache ans Herz des\nLesers rühren.\" Diese Kritik des Chefredakteurs\ndes „Ulk\" außer Diensten gibt dem Fritz Engel\ndas Recht, sich mal die Bilder des Herrn Goethe\nauf rhre Bildlichkeit hin anzusehen. Herr Fritz\nEngel ist sozusagen vom Fach, er liest täglich die\nAnsichten des zukünftigen Chefredakteurs des\nUlks Fritz Stahl. Er liest die Ansichten, aber er\nsieht sie nicht. Fritz Stahl allerdings auch nicht.\nFritz Engel ergeht es so wie den Besuchern der\nGroßen Berliner Kunstausstellung, er bekommt\nDurst wenn er Bilder sieht. Er sieht eine Land-\nschaft und bekommt Durst, den Durst in München\nzu löschen, weil es bei München so schöne Land-\nschaften gibt. Aber es trinkt sich nicht gut allein.\nDarum muß der Genuß verbreitert werden. Wir\nwollen den Genuß verbreitert sehen. Die Bilder\nmüssen so lebendig werden, daß man sie gar\nnicht mehr braucht. Leben, das ist die Kunst.\nWenn der Goethe doch den Engel gekannt hätte.\nSo muß das strahlende Wesen dieses bilderreichen\nHumoristen dazu helfen, Goethe in das richtige\nLicht des Kreises derer zu setzen, die den Ulk als\nMittleres zwischen sich und Goethe stellen. „Das\nTheater ist nun einmal Vollmittel, um dichterisches\nLeben weiterzupflanzen, das Buch bleibt immer\nnur ein Hilfswerkzeug.\" Das Theater als Hilfs-\nmittel zur Fortpflanzung hat schon erhebliches Be-\ndenken erregt. Aber diese Dichterleben nehmen\nes nicht so genau. Trotzdem das Buch als Hilfs-\nwerkzeug zur Fortpflanzung von Pappe ist, soweit\nes nicht Zimmerpflanzen behandelt. Aber manche\nlernen es auch daraus nicht. Für diese tritt dann\nHerr Friedrich Kayßler auf die Bühne. „Nun hat\nFriedrich Kayßler, einer unserer ernstesten Schau-\nspieler, und deshalb so ernst weil er nicht nur\n„Schauspieler\" ist, den Koloß von neuem bearbei-\ntet.\" Herr Kayßler ist deshalb so ernst, weil er\nnicht Schauspieler ist, und er hat Uebung im Be-\narbeiten von Kolossen. Nicht nur, daß er nicht\nspielen kann, wie kann man so etwas von einem\nernstesten Menschen verlangen, er kann auch\nnicht dichten. Hingegen ist er aus gutem Hause,\närgert sich infolgedessen über Kolosse, die nicht\ndurch die kunstgewerbliche Türe gehen und\nschrieb deshalb einen Band Gedichte „Pan im Sa-\nlon\". Nach dieser Behandlung des alten Raufgottes\nmachte er sich an den alten Raufbold, auf daß er\nsalonfähig werde. Dazu gehört einzig und allein\ndie Kunst zu streichen, oder englisch gesprochen,\n„das Bildliche zu verbildlichen\". „Mit Recht von\nGoethes erster Götz-Niederschrifft entzückt, hat er\nmehr davon verwandt als der Geheime Rat selbst,\nda er nach dreissig Jahren das Brausende dämpfte,\nund das, was nach seinen eigenen Worten eine\nböse Operation war, mit dramaturgischem und\nväterlichem Eifer vornahm.\" Goethe hat nicht\nbehauptet, daß ihm die Operation nicht ge-\nglückt sei. Zur Operation gehört aber bekanntlich\ndie Einwilligung des Patienten. Goethe muß nun\nleiden, ohne zu klagen. Der ernste Kayßler nimmt\ndie Dämpfung ab und läßt es brausen, auf daß der\nGenuß der im Selterwassergewerbe-Betrieb Be-\nschäftigten verbreitert werde. „Verehrungswür-\ndiger mag der ältere Goethe sein, doch unsere\nLiebe von Herz zu Herz gehört mehr dem jungen,\nder nicht der größere, aber in gewissem Sinne der\nreichere Mensch gewesen ist.\" Ja, der junge\nGoethe hat noch ans Herz des Lesers gerührt,\nauch er hat sich zwar nie damit gebrüstet, am\nBusen der Engel und Kayßler gelegen zu haben.\nAber so ein Chefdichter wie der Herr Engel glaubt\nimmer an Gegenliebe. „Darum begrüssen wir es\nar sich, daß Kayßler uns von dieser Urkraft mög-\nlichst viel gibt.\" Wir begrüssen -Kayßler, daß er\nuns den Berliner Urquell wieder neu eröffnet,\nzwecks Verbreiterung der Leser des Berliner\nTageblatts. Ein echter Genuß. Wenn der olle\nGoethe gefunden hat, daß er zuviel Urkraft ver-\nschenkte, was geht das Unsereinen an. Wir trin-\nken immer noch eins. „Wir freuen uns auch des-\nhalb darüber, weil es eine Huldigung ist für die\nFreiheit des schöpferischen Triebes, dem sich\nJung-Goethe noch hemmungslos hingab, mit drei-\nundzwanzig Jahren unbewußt für seine Unsterb-\nlichkeit tätig und dem großen Lehrer William\nbereits ebenbürtig.\" Eine schöne Huldigung für\ndie Freiheit Goethes, daß man ihm die Freiheit\nnimmt, Hand an seine eigene Jugend zu legen. Da\n(kommt der Herr Alt-Kayßler, schlägt dem Alt-\nGoethe auf die Hand, weil er den Jung-Goethe\nhemmte. Worauf Mittel-Engel Alt-Kayßler seine\nHuldigung darbringt, Mittel-Engel, noch hemmungs-\nlos, mit fünfzig Jahren bewußt fürs Berliner Tage-\nblatt tätig bis zur Bewußtlosigkeit, und dem\ngroßen Lehrer Sigmar bereits ebenbürtig. Der\nShakespeare William unterschied sich nur inso-\nfern von dem Engel Fritz als er eine über-\nraschende Wandlung vom Hymnen-Dichter zum\nHumoristen vollzog, obgleich er sich auch dann\nnoch nicht zum Chefredakteur des Ulks eignete.\nDazu zerfloß seine Form zu undramatisch und das\nVerbildlichte war bei ihm zu bildlich. „Goethesche\nSzenen zu verändern, bleibt immer eine Gefahr —\nist etwas entstanden, was der Gefahr wert\ngewesen ist? Hat die Bühne etwas Dauerndes\ngewonnen?\" Gefährlich ist's, den Leu zu wecken.\nJedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist\nüer Mensch in seinem Künstlerwahn. So ähnlich\nhat ein anderer Kollege mit meiner gütigen Hilfe\nsich zu dieser Frage gäussert. Das Volk äussert\nsich dahin, daß darin umkommt, wer sich in Ge-\nfahr begibt. „Wird Götz nun im großen Sinne ein\nVolksstück sein?\" Das Volk sagt nein. Der große\nSinn des Herrn Kayßler könnte höchstens etwas\nDauerndes an Tantiemen gewinnen wenn sich\nGoethe auf der Bühne verliert. Der Mittel-Engel\nwirft nur so Fragen auf, daß der ganze Staub\nseiner Persönlichkeit vom Bühnenboden auffliegt\nund den Himmel Goethes verdunkelt. Der Mittel-\nEngel macht die Leser des Berliner Tageblattes\ndirekt an der Unfehlbarkeit Goethes bange, wie\ngut hätte der Goethe die Hand Kayßlers gebraucht.\n„Schreitet die Handlung rasch und ohne Ab-\nschweif vorwärts?\" Die Handlung im Drama muß\nnämlich wie ein Buttergeschäft gehen. Hier Geld,\nhier keine Ware. Denn das Drama ist nämlich\ndie einzige Handlung, die keine Stoffe braucht.\nWeder Stoffe zum Kleiden noch Stoff zum Essen\noder Trinken. Man muß allerdings mehr Kleingeld\nhaben als es landläufig ist. Goethe liebte es, abzu-\nschweifen. Was ihm der gute Kayßler jetzt nahe-\nlegt. „Ist der große Doppelcharakter gewahrt, ier\ndas eigentliche Geniezeichen ist: Zeitchronik und\nzugleich Menschenchronik, die sich hier und da\nsondern, und zuletzt doch großartig zusammen-\nrauschen in Götzens Sterbeszene, in dem letzten\nherrlichen Ausklang, der — das ist bezeichnend ge-\nnug — in allen drei Fassungen, die von Goethe\nselbst stammen, den gleichen Wortlaut hat?\" Der\nEngel des Berliner Tageblatts ist nicht nur Mensch\nund Charakter, er ist Uebermensch mit einem\nDoppelcharakter. Denn seine Zeitung hat das\neigentliche Geniezeichen: Zeitchronik und zugleich\nMenschenchronik, die sich hier und da sondern.\nNur die Sterbeszene fehlt, sonst hätte sich Goethe\nden ganzen Götz schenken können und es Herrn\nKayßler und seinem Dramaturgen überlassen, die\nSache kurzerhand allein zu machen. Goethe hat\nGötz in drei Fassungen gleich sterben lassen. Das\nist bezeichnend genug. Aber im Leben hat er sich\noft geändert. Jetzt wird sein Leben zusammenge-\nfaßt, damit es ohne Abschweif sei. Damit es rasch\nvorwärts gehe. Dabei ging es Goethe gar nicht\nzu langsam. „Das sind viele Fragen und zumindest\ndie letzte kann restlos bejaht werden. Der fünfte\nAkt, der in jeder Hinsicht die Krönung des Werkes\nist, beweist es. Hier wird das Höchste, was histo-\nrische Dichtung bieten kann, erreicht.\" Heißt das\nnun, trotz Goethe mit Hilfe von Kayßler oder trotz\nKayßler mit Hilfe von Goethe. Jedenfalls, wir\nwerden aufgeklärt, was das Höchste an histori-\nscher Dichtung erreicht: „Hintergrund und Vor-\ndergrund durchsetzen einander völlig.\" Ich kann\ndarin nur eine Verschiebung des Maschinen-\nmeisters sehen. Welch ein Bild. Der Hintergrund\nversperrt die Bühne zum Parkett und der Vorder-\ngrund führt zu den Ankleideräumen der Schau-\nspieler. Alles ist gründlich durchwachsen. „Der\nHeld und die Welt, in der er gelebt hat, an der er\nverblutet ist, werden Eins.\" Ich fürchte, der Heid\nwird sich garnicht mehr zurecht finden. Hinter-\ngrund, Vordergrund, Alles durchsetzt. Ueberhaupt\ndieser Held. Das war ein ganz besonderer Held.\n„Und wenn der Berlichinger schon immer nicht\nnur einen Panzer getragen\", was wird er noch ge-\ntragen haben. Nicht immer nur einen Panzer? Der\nBerlichinger, der sich doch stets mit dem Panzer\nvöllig durchsetzt hat. „Sondern unter dem Panzer\",\nwas hat er unter dem Panzer getragen? Geht es\nnicht zu weit in der Intimität oder hat es doch\nnoch etwas mit der Stoff-Frage des Dramas zu\ntun? Nein, der Held hat natürlich etwas ganz\nBesonderes unter dem Panzer getragen: „Sondern\nunter dem Panzer ein Herz.\" Steh still, mein Herz,\ndenn: „unter dem Panzer ein Herz, so strahlt\nes hier gleich dem flammenden Herzen eines Ver-\nklärten auf frommen Bildern.\" Also hat er das\nHerz über dem Panzer getragen, gleich jenen\nfrommen Bildern, die eigentlich keine Bilder sind,\nweil sie das Herz nicht in der Brust tragen, sodaß\nman es nicht sehen kann. Ja, so ein herziger HeW:\n„Wir lieben diesen Götz so sehr, daß wir nur ihn,\nnur immer ihn sehen wollen, und darum stimmen\nwir dem Bearbeiter zu, daß er aus dem ersten\nGötz auch noch die Kerkerszene herüber genom-\nmen hat.\" Der Bearbeiter hat das Herz erst in das\nrichtige Licht gezogen. Seit er ihn gesehen, glaubt\ner endlich, blind zu sein. „Vielleicht liegt die dra-\nmaturgische Aufgabe überhaupt darin, den Titel-\nhelden, der auch der Held unseres ganzen Gefühls\nist, so stark wie möglich in die Mitte zu rücken.4'\nDer Bearbeiter und der Mittel-Engel sehen nämlich\nnur Helden, wenn sie möglichst in die Mitte ge-\nrückt werden. Abseitige Abschweifungen sind un-\nbeliebt. Und der Held unseres ganzen Gefühls ist\neben beliebt. Also natürlich muß man ihn in die\nMitte rücken, „ihn selbst und natürlich auch\", was\nzu einem richtigen Helden gehört, die traute Fa-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6284, "texte": "miüe, „ihn selbst und natürlich auch seine Elisa-\nbeth, sein Kind, dann den tapferen Georg und den\nLerse.\" Die Mitte nimmt schon die ganze Bühne\nein, die Seiten müssen sich zusammendrücken:\n„.Alles andere, auch der bischöfliche Hof, ist Bei-\ngabe und von Wert nur, soweit es dem notwen-\ndigen Kontraste dient.\" Auf Kontrastwirkungen\nversteht sich der Meister Engel. Er dichtet ernst\nund heiter, obschon es bei ihm keine Kontraste\nsind, Das witzigste Gedicht des Ulks ist nicht ge-\nwitzter als diese Berlinische Dramaturgie. Wo\nsind die Kontraste. Die Kontraste hat der Herr\nEngel gepachtet. Hier trennt sich der Weg des\nDramaturgen von dem Weg des Bearbeiters:\n„Deshalb gehe ich nicht ganz mit Kayßler zu-\nsammen.\" „Adelheid duftet stark nach Kulisse.\"\nHerr Engel weiß, wie eine Frau zu riechen hat.\n„Es ist goethephilologisch gewiß willkommen,\nZeuge der Naivität des jungen Dichters zu sein\nund zu beobachten, wie er den Lichtgestalten\nGötz und Genossen dieses „dämonische Weib\"\nentgegenstellte.\" Goethe hat eben dieses dämoni-\nsche Weib entgegengestellt, um den Goethe-Philo-\nlogen willkommen zu sein. Was hätten die Herren\nsonst schließlich machen sollen. Dämonische\nWeiber gilt es nur für naive Dichter, nicht für\nEngel und Genossen, die mit den Lichtgestalten\nder Frauen besser Bescheid wissen. Dämonische\nWeiber verstehen nicht einmal etwas von Goethe-\nPhilologie und sind deshalb unwillkommen: „Aber\nzu sagen hat uns Adelheid Nichts.\" Die Naivität\nvon Jung-Goethe kann „uns\" leid tun. Nur keine\ndämonischen Weiber. „Deshalb, da gestrichen\nwerden muß, streiche man hier.\" Das ist Dämonie\nunter dem Strich. Aber der Goethe hat die Dämonie\nso hineingearbeitet, daß sie nicht gänzlich heraus\nverarbeitet werden ikann. Diese Dichter stören\nmit ihrer Naivität die Bearbeiter wirklich ganz\nempfindlich: „Wenigstens Szenenteile; ganze\nSzenen werden nicht zu entbehren sein. Denn\njede dient zentripetal der Gesamtwirkung und so\nsehr sie mit vielen Verwandlungen von einander\nfortzuströmen scheinen, so wenig sind sie als\nBasis des großen fünften Aktes zu vermissen.\"\nGoethe war wirklich rücksichtslos. Er hatte Alles\n•so ineinander verdichtet, daß die beste Schere\nbricht. Nicht einmal die Adelheid läßt sich heraus-\nschneiden. Die ganze Zentrifugalkraft nützt bei der\nZentripetalität nichts. „Rasch also vollziehen sich\ndie Ereignisse nicht.\" Der Engel hat absolut keine\nZeit, er muß die Nachtkritik schreiben. Aber etwas\nstimmt ihn doch wohlwollend gegen Goethe:\n„Lediglich der Drehbühne, mag sie auch meist nur\nflache oder verengte Bühnenbilder gestatten, bleibt\nes zu danken, daß wir nicht ungeduldig\nwerden.\" Den ganzen Abend Goethe für\neinen Goethe - Philologen ist doch etwas viel.\nVielleicht kann man dem Engel noch etwas\nentgegenkommen und die Worte fortnehmen,\nsodaß sich nur die Bühnenbilder vor seinem\ngeistigen Auge drehn. Die Dichtung wird\nja insofern überflüssig, als Herr Kayßler die Büh-\nnenbilder in die richtige Architektur gebracht hat:\n„Aber die Architektur des Ganzen ist gut: richtige\nPyramidenform mit breitem Fundament und\nscharfer Spitze.\" Der Herr Engel befindet sich\nschon richtig aktuell in Aegypten. Man soll sich\naber nicht auf die scharfe Spitze setzen, auch\nwenn man über ein breites Fundament verfügt.\nDie richtige Architektur des Dramas ist nämlich nie-\nmals eine Pyramide. Sie ist, mein Engel, vielmehr\nei*e Arena, wenn auch nicht der Zirkus Busch.\nHerr Engel rückt in die Mitte, während die Kunst\num ihn kreist. Da rücken sie alle ängstlich mit\nihren kleinen Peitschen auf den beliebten Mittel-\npunkt zusammen, schreien Hottehüh, die kleinen\nKwder, während die wilden Pferde um sie herum\njagen. Die wilden Pferde, die immer engere\nKreise ziehen und die Mitte frei lassen, damit sie\nden Herren mit der kleinen Peitsche nicht wehe\ntun. Man glaubt zu zähmen und man wird ge-\nzähmt. Die wilden Pferde finden ihren Kreis auch\nohne Mitte.\nKayßlers Volksstück auf der Bühne\nMan braucht das Volksstück nicht zu sehen.\nDenn Herr Fritz Engel sah es so, daß man es nicht\nmehr sehen kann. Der Dichter selbst spielte den\nTitelheld: „Friedrich Kayßler spielt selbst den\nGötz.\" Er hat sich verstanden: „Die seelischen\nBeziehungen zwischen Darsteller und Rolle sind\nunverkennbar.\" Der Darsteller wird wohl die Rolle\nauswendig gelernt haben. Auch Rollen haben zu-\n,weilen Seelen. Herr Fritz Engel erinnert sich:\n„Wenn ich an den toten Matkowsky denke, sehe\nich ihn immer als den sterbenden Götz.\" Und der\nlebende Matkowsky erinnert ihn an Kayßler: „Ich\nwill ihm nicht wehe tun, wenn ich an Matkowsky\nerinnere, der durch seine Schönheit und durch\nseine rassige Männlichkeit berauscht.\" Herr\nKayßler berauscht im Gegensatz hierzu bekannt-\nlich durch herbe Männlichkeit. Die Darstellerin\nder Frau Elisabeth bekommt eine Transfusion:\n„Helene Fehdmer als Frau Elisabeth ist am Schluß\nprachtvoll. Das Blut der Dichtung ist dann in sie\nübergegangen. Vorher ist sie ein wenig trocken.\nElisabeths Modell ist nun einmal Goethes Mutter,\nund diese Frau .war gewiß springlebendig.\". So\nein Modell muß ja die trockenste Frau quietsch-\nvergnügt machen. Selbst der ernste Kritiker\nwird ein ulkiger Springinsfeld. Schwerer ists mit\nder Dämonin, für die es kein Modell gibt: „Irene\nTriesch nimmt die Dämonin Adelheid mit aller\nBühnenbeherztheit.\" Sie duftet stark nach Kulisse.\n„Die Verlockung ist ja groß, sich hier auf das\nwogende Meer des großen Theaters hinauszu-\nschaukeln.\" Leider ist die Bühne mit dem Hinter-\ngrund durchsetzt. Im übrigen ist Herr Engel für\nAusgleiche, worunter er Aneignungen versteht.\nDas heißt, Frau Elisabeth soll etwas schaukeln und\nFrau Triesch sich etwas ins Trockene setzen.\nOder auf englisch: „So wäre eine Ausglättung\ndes Ganzen dadurch zu erreichen, daß Frau\nTriesch etwas von der Reserve der Frau Fehdmer\nund Frau Fehdmer etwas von der Farbigkeit der\nFrau Triesch sich aneignete. Auch sonst sind\nsolche Ausgleiche noch erwünscht.\" Wenn\ndiese Ausglättung erfolgt ist, werde ich mich auch\neinmal auf das schlüpfrige Parkett des Pans im\nSalon begeben. Bis dahin hat Herr Engel den Vor-\nrang oder den Klubsessel.\nBerichtigung: In der vorigen Nummer\nheißt die Zeile 36 von oben, auf Seite 98,\nSpalte 2:\n. . . immer nur einen Stern, wenn eine Stern-\nschnuppe\nDiese Zeile muß lauten:\n. . . immer nur einen Stein, wenn eine Stern-\nschnuppe\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.12", "titre_corps": "Absage : an einen naturalistischen Kritiker", "titre_sommaire": "Absage : an einen naturalistischen Kritiker", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.11", "debut_caractere": 6286, "fin_caractere_exclue": 10239, "texte": "Absage\nan einen naturalistischen Kritiker\nAdolf Knoblauch\nIch habe nicht den Tadel vergessen, den Sie\nmir nach der Lektüre meines Buches „Die\nschwarze Fahne\" erteilten: noch einmal weise ich\ndarauf hin, daß eine Ausdruckskunst auf völlige\nUeberwindung der nur psychologischen Erzäh-\nlungsweise hinstreben muß; je reiner ich die Psy-\nchologie auflöse im künstlerischen Plan, desto\ndichterischer kann ich sein. Ich gehe soweit zu\nsagen, daß Psychologie überhaupt nichts mit Kunst\nzu tun hat, und daß sie, die Allem dienstbare Psy-\nchologie, die Geringste der iviügde im Dienste des\nstrengen Lebens ist.\nSie bezeichneten meine Schilderungsart als\n„bronziert\", auf das psychologische Grundge-\nschehen seien Himmel, Wolken, Winter und die\nhandelnde Person selbst, der Bran*), aufbronziert!\nEs ist das Kennzeichen kritischer Aermlichkeit und\nMutlosigkeit, eine Kunst, die auf neuen veränder-\nten Grundbedingungen beruht und daher in unge-\nahnten, bisher unbekannten Gestalten auftritt, ab-\nzuurteilen mit dem ein langes Leben hindurch ge-\nläufig gewordenen Maßstab, der auf Grund ande-\nrer Seins-Bedingungen der Kunst entstand. In der\nTat ist eine neue Kunst mit bedeutenden reifsten\nWerken entstanden, die mit erstaunlicher Heftigkeit\ndas psychologische Mittel dem Naturbereiche zu-\nweist, es in scharfe Zucht nimmt und es eng auf\nseine dienende Eigenschaft beschränkt. Der psy-\nchologische und eindrucksmäßige Naturalismus\npredigt Ehrlichkeit. Natürlichkeit des Daseins,\nseine Sache ist daher die Psychologie der Welt\nund niemals ihr Wesen! Wir sahen die na-\nturalistische Literatur etwa an der Aufgabe schei-\ntern, das Wesen der Welt und ihre ruhm-\nreiche Geistigkeit zu ergreifen, darzustellen und\ninnig zu sein.\nDie stolzen Werke der Kunst unseres neuen\nGeschlechtes, — welches heute auf den Schlacht-\nfeldern blutet und den köstlichen Siegespreis mit\nseinem Leben zahlt — die erneuerten und verjüng-\nten Künste der Malerei, Bildnerei und Dichtung\nfassen mit gesammelter Energie alle Sachlichkeit,\nalles Leben und sein innigstes Wesen und seine\nGeistigkeit in unendlicher Synthese auf, doch wohl-\ngemerkt, die Ausübung solcher neuen Kunst setzt\ndas Bestehen einer geheimnisvoll bindenden Kraft\nvon großer Strenge voraus, (solche wie sie immer\ndie Menschheit in den wenigen Augenblicken der\ngroßer Kunst besaß!). Und zugleich geschieht das\nWunder, die Natur legte erfreut alle ihre edelsten\nund erdkräftigsten Gaben der jungen Kunst Euro-\npas als Morgengabe in die Wiege. Nein, die junge\nKunst braucht nicht mehr die Bronze und die Pa-\ntina, sie gießt nicht mehr die Natur zu gipsernen\nKlichees ab, mißbraucht kein edles Kupfer und Erz.\nIndem sie eine wundersame Sachlichkeit und hell-\nsichtige Feinfühligkeit errungen hat vor dem Leben\nvon Blut und Geist, lächelt sie über den trüben\nVorwurf der Ignoranten, daß sie darauf ausgehe,\nEffekte zu stehlen von dem lieben göttlichen Licht\nund den ewigen Farben.\nAll dies „Bronzieren\", dies Ersinnen der Licht-\nund Farben-„Effekte\", die Verunstaltung der leben-\ndigen Körperglieder der Kunst durch die\nwuchernde Muskulatur, die Flachheit der süchti-\ngen Psychologie, sie sind nicht nur der bejahrten\nlebensblinden Akademie zu eigen, sondern auch,\nnur abwegiger noch, der verflossenen geistesblin-\nden Wirklichkeits- und Eindruckskunst. Man er-\nkennt sie daran, daß für sie die Realität die kraft-\nlose Armut einer Mietskaserne hat.\nErst vor den stolzen Werken der jungen kubi-\nstischen Kunst stehen wir selbst in ungeahnter\nKraft erneuert, der Atemhauch des Ewigen rührt\nuns nach schmachvollen Jahren künstlerischer\nFesselung an, seine Leidenschaft schlägt stürmisch\nan unser Herz, gewaltige Freuden stehen in uns\nauf mit Säulen von Licht. Die Vergangenheit ist\nvor ihr endlich dahingebrochen.\n') „Bran\" ist Kymrisch, heißt im Mabinogi „der\nGroße14, „Bendigeid Bran« heißt der „Gesegnete und Qroßeu\nBran von 1915 hat sich das Wort jenes mittelalterlichen\nBran vorgesetzt: „Wer Haupt ist, soll auch Brücke sein ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.13", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 584, "texte": "Notiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Stern\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die\nFebruar-Doppelnummer erscheint am fünfzehnten\nFebruar\nVerlag Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 586, "fin_caractere_exclue": 948, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer Straße 134 a\nQeoffnet tSglich von 10—6 Uhr / Somitags vo«\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSiebenunddreissigste Ausstellung\nMax Ernst\nGeorg Muehe\nGemalde\nAchtunddreissigste Ausstellung\nJaeobavanHeemskerek\nNeue Gemalde\nErdtfnttng: 30. Januar\nQenf: Qeschlossea"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 950, "fin_caractere_exclue": 2980, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nPernruf Amt Liitzow 4443\nftalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersteo und funfzehnten iedes Mouais\nOauerbezug\nQewohnliche Ausgabe Fii r Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\ni Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I Ffir das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs I Ein Halb-\n}ahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse ndu n gin Ro 11 en dire k t durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nSin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFGnfter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nilurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nSahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Viert e1 j ahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzig BUtt Zeichnungea /\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier te\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa la aia-\n'acherer Mappe 12 Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinsilers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 2982, "fin_caractere_exclue": 5817, "texte": "Heemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte uni\neinzeln signierte Originalholeschnitte I Auflage 31\nMappen J Mappe 6—30 je einhundert Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQliick —! / Drama / Ein Taub enschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne ./ Eine\nDichtung I Qeheftet 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur I In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna I 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte / 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / 50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierische Augenblick / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nflerwarth Walden: Dafaislieder / Zu Qe-\ndichten von ArnoHolz / Fflr Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Bocciofli: Dta\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht 1 Zug in voller Fahrt / QifioSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Bocciont? Abschled/\nKandlnsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utin am delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Brid 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Hjerten-Griinewald: Kinder\nKartenvon Macke / Miinter / Marc Chagall(s) I\nKlee I Leger / Jawlensky ! Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austellungskataioge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fiir die Zeitschrlft\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Me n -\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Blatt 5 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 5819, "fin_caractere_exclue": 6847, "texte": "Gemalde / Aquarelle / Zeichnungen\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archtpenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky / Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzii-\nger j Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeeniskerck / Otakar Kubln / Emil Filla / Vlnceac\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni I Severlnl I\nCarra / Russolo / Francis Picabia I Schmidt-\nRottluff I Fritz Baumann / Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Her w a rth Walden I Zwolftes\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstelltmgen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation\nDas zwolfte Jahr begann am 1. April 1915 / Die\nSturmgabe, die die Mitglieder' des Vereins fiir\nKunst im Jahr 1915/16 frei erhalten, Ist: Heenis-\nkerck: handgedruckter und signierter Holzschnitt\nauf Kaiserlich Japan-Papier"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 6849, "fin_caractere_exclue": 6958, "texte": "Zeitsehriften\nUraelecky Meslcnik / Monatsschrlft fflr neue\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 6960, "fin_caractere_exclue": 6968, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-01-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-01-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1916-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "debut_caractere": 6970, "fin_caractere_exclue": 7835, "texte": "Soeben erschienen: Sturm-Kunstler fL ichtb i i d-\nkart en / Karte 20 Pfennig: 1: August Stramm\n/ 2: Herwarth Walden / 3: Jacoba van Heems-\nkerck / 2 und 3 erscheinen am 1. Februar I August\nStramm: Qeschehen / Sturmbuch XI 1 50\nPfennig I Verlag der Sturm / Berlin W 9\nFelix Miiller / Dresden: Handgedruckte tiolz-\nschnitte und Originallithos / Zu beziehen durch\nden Verlag Der Sturm Berlin W 9\nUmberto Boccioni: Pittura Scullura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / MUauo\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir BuchereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch BesteJ-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- u«d\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.1", "texte": "Der Sturm\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9/Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9/Potsdamer Straße 134 a\nSECHSTER JAHRGANG 1916\nBERLIN ERSTES UND ZWEITES JANUARHEFT\nNUMMER 19/20\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Das Hohelied des Preußentums / Herwarth Waiden: Märchen / Herwarth Waiden: Die Wacht in Charlottenburg / Knrt\nHeynicke: Gedichte / Sophie van Leer: Die Geschwister / Wilhelm Runge: Lieder / Adolf Knoblauch: Taliesin / Herwarth Waiden: Götz von Berlichingen /\nAdolf Knoblauch: Absage an einen naturalistischen Kritiker / Max Ernst: Zeichnung / Jacoba van Heemskerck: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt /\n\nMax Ernst: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.2", "texte": "Das Hohelied des\nPreußentums\n\nNeil Waiden, meiner Frau aus Schweden,\nder Preußin\nDie Gefahr ist das Ichbewußtsein ohne Ich und\nohne Bewußtsein. Nicht auf die richtige Meinung\nkommt es an, sondern wer das Recht auf richtige\nMeinung hat. Der Gebildete fühlt sich bewußt und\nder Künstler noch bewußter. Der Gebildete stu-\ndiert den Horizont und der Künstler sieht durch\nihn durch. Was man so Künstler nennt. Menschen,\ndie zur Verschönerung des Lebens beitragen. Es\nverschönert sich, wer nicht schön ist. Es sucht\ndie Wahrheit, w>er unwahr ist. Es macht Kunst,\nwer unkünstlerisch ist.\nDarum singe ich das Hohelied der Nüchternheit.\nDenn Schönheit, Wahrheit und Kunst verstehen\nsich von selbst. Sie werden nur nicht verstanden,\nwenn man sie verstehen will. Der Horizont ist\neine Vorstellung, aber die Stellung wird auch im\nHorizont gefunden. Und wer einen Stand hat,\nbraucht ihn sich nicht erst durch Verstand zu\nbeweisen.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit\nDas ist die Fähigkeit des Beherrschten, beherrscht\nzu sein. Herrscher sind es stets. Herrscher fühlen\nstets ihre Dienerschaft Diener fühlen sich stets\nals Könige. Oder als Königsstürzer. Der Schreiber\nfühlt sich als der Schreibende, der Maler als der\nMalende, der Rat als der Ratende. Nur wer ge-\nhorcht, hört. Wer befiehlt, hört die Gehorchenden.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\nTums. Denn die Preussen wissen zu gehorchen.\nSc haben sie die Möglichkeit zu hören.\nJa, die Andern sind freie Menschen. Doch\nnur die Freien sind unfrei. Sie ordnen sich nicht\nunter und laufen daher durcheinander. Sie treten\nsich auf die Füsse dank ihrer Freiheit und müssen\ndie Köpfe nach unten wenden, um ihre Füsse\nwiederzufinden, die durcheinander laufen. Wer\nsich unterordnet, kann den Kopf getrost hoch\ntragen. Niemand tritt ihm auf die Füsse, denn alle\nordnen sich unter.\nDarum singe ich das Hohelied des Militarismus.\nDenn es ist schön, den Kopf hochtragen zu dürfen.\nDenn was ich darf, kann ich. Doch w,as ich kann,\nkann verhindert werden.\nJa. die Andern sind freie Kaufleute. Sie\nkönnen Handel treiben wo sie verhandeln können.\nSie treiben Händel, wo sie handeln wollen. Sie be-\nsitzen die Freiheit der Meere, aber die Meere be-\nherrschen sie. Das Meer fühlt sich beherrscht, es\nordnet sich dem Sturm unter und darum\nherrscht es.\nJa. die Andern sind freie Menschen. Sie dürfen\nalles für Geld. Töten und getötet werden. Doch\nohne Ordnung. Daher kann getötet werden, wer\neigentlich töten sollte. Und wer tötet, sollte eigent-\nlich getötet werden. Jeder kann sich dort über-\nordnen. Aber der Zufall des Geldes stört die\nOrdnung. Denn Ordnung ist die Störung der\nZufälle.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\ntums.\nJeder sei auf seine Art ein Preusse, aber er\nsei es.\nAber auf seine Art.\nAber ein Preusse.\nAber er sei es.\nIch grüsse euch, ihr Preussen in allen Landen.\nIhr seid die Künstler der Erde. Man muß erstauf der\nErde heimisch werden, um in der Welt zu leben.\nDie Wurzeln der Bäume keimen unter der Erde.\nWir müssen auf der Erde keimen, damit wir in\ndie Himmel wachsen können. Wir wollen kerzen-\ngerade stehen. Aber die Kerzen müssen erst\ngerade gestellt werden, damit sie gerade stehen.\nDarum singe ich das Hohelied der Nüchtern-\nheit. Betrunkene können nicht gerade stehen.\nAber die gerade stehen, sind trunken ob ihrer\nGeradheit. Noch sind die Menschen in Preussen\nnicht meine Preussen. Doch können aus Preussen\nam ersten Preussen werden. Sie mögen sich be-\neilen, damit ihnen Andere nicht zuvorkommen. Es\nist die Kunst, Preusse zu sein. Wehe den Preussen,\ndie sich nach der Freiheit sehnen, die die Andern\nnicht haben. Die Freiheit liegt in der Luft, in der\nman nicht stehen kann. Auch ich warne Neugierige.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit.\nMachen wir uns einmal das Unklare klar, da-\nmit wir das Klare unklar machen. Die Freiheit,\ndie ich meine, habe ich. Daß sie die andern nicht\nhaben, dafür kann Preussen nicht. Die andern for-\ndern die Freiheit des Geistes. Das heißt: den Geist,\nden sie nicht haben, soll man unfrei machen, da-\nmit sie ihn fassen können. Was befreit werden\nsoll, muß erst unfrei gewesen sein. Was aber\nunfrei ist, kann nie frei werden. Denn das Unfreie\nist das Unfaßbare. Die Freiheit kann jeder fassen.\nDas ist so klar, daß es unklar scheint. Aber w,as\nscheint, ist stets klar. Was ist, ist unklar. Ge-\nfordert wird nicht die Freiheit des Geistes, sondern\ndie Fordernden fordern die Freiheit ihres Geistes.\nDas geht aber über die Grenzen der Regierung,\ngeht also die Regierung nichts an. Man kann\ndoch nicht ins Grenzenlose regieren. Man muß\naber Grenzen haben. Denn nur die Grenze ge-\nwährt de Aussicht auf das Grenzenlose. Wenn\nder Geist in das Grenzenlose schw7ebt, ist es aus\nmit der Aussicht. Sichtbar macht ihn nur die\nSchranke. Und in der Beschränkung zeigt sich\nerst der Meister. Man kann die Grenzen ja ver-\nschieben, wenn man nicht Platz hat, Platz zur Aus-\nsicht. Man kan sich neue Grenzen machen, wenn\nman es kann. Man kann die Grenzen aber nicht\nan den Rand der Erde verschieben, weil die Erde\nkeinen Rand hat. Man kommt also immer in die\nGrenzen wieder zurück. Man muß also einen\nStand haben, der ja nicht ein Standpunkt zu sein\nbraucht. Man muß aber auf der Kugel stehen, auch\nwenn sie sich dreht. Aber man muß immer stehen\nbleiben. Dagegen hilft selbst die Freiheit des\nGeistes nicht. Ziehen wir also die Grenzen der\nBeschränkung. Beschränkte fühlen sich nicht un-\nbeschränkt. Unbeschränkte sind stets beschränkt.\nOb sie wollen oder nicht, in Preussen und in\nFrankreich.\nFriedrich Schiller, kein Preusse, wollte wenig-\nstens Gedankenfreiheit. Sie wurde ihm gewährt.\nKein Kunstwerk entstand. Es ist keine Kunst, zu\ndenken. Der Künstler macht sich keine Gedanken.\nDie andern machen sich Gedanken über den\nKünstler. Das ist aber wieder keine Kunst.\nDie Preussen müssen alle rechts gehen. Also,\nes ist Platz für die Leute, die links gehen wollen.\nSie gehen dadurch nämlich auch rechts. Wenn aber\nalle rechts und links gehen, weiß keiner mehr, wo\nrechts und links ist. Und ich höre immer, daß man\ndas so gerne wissen will. Die Ordnung macht die\nUnwissenden wissend, damit die Wissenden un-\nwissend sein können. Auf das Wissen kommt es\naber nicht an. Wohl aber auf das Rechtsgehen.\nAuf die Ordnung. Wenn wir keine freien Geister\nmehr hätten, könnte die Ordnung auch ohne Ver-\nordnung sein. Noch ist es ausserordentlich, ordent-\nlich zu sein. Darum ist das Ordentliche das Ausser-\nordentliche.\nNoch wohnen wenige Künstler in Preussen. Die\nvielen Künstler schwärmen und verfliegen sich.\nSie wollen durchaus über ihre Grenzen, weil sie\nkeine Heimat in sich haben. Sie haben keine\nHeimat, weil sie in der Ferne schweifen.\nMuß denn unsere Heimat in Griechenland sein.\nDurch mich schweift die Ferne. Darum brauche ich\nnicht einmal nach Rom zu reisen. Der Schnee liegt\nvor meinen Fenster. Ich gehe rechts und neben\nmir blüht der Baum der Erkenntnis. In Griechen-\nland ist es Winter.\nDarum singe ich das Hohelied der Sachlichkeit.\nWenn man immer rechts geht, kommt man bis\nnach Aegypten. Preussen ist groß. Wenn alles\ndurcheinander läuft, kommt man nicht vom Fleck.\nTrotzdem man sogar läuft. Es ist erstaunlich, was\nman mit Rechtsgehen alles erreicht. Aber es ist\nnicht erstaunlich, weil es ein Wunder ist. Das\nWunder ist das Natürliche. Daher ist es unnatür-\nlich, nicht an das Wunder zu glauben. Ich glaube\nan das Rechtsgehen. Wenn ich nicht daran glaube,\ngeht das Wunder links. Die andern glauben gar\nnichts. Darum werden sie ausser sich, weil das\nWunder ausser ihnen ist. Nur im Glaubenden ist\ndas Wunder. Aber wo es ist, kann man nicht\nwissen.\nDie; vielen Künstler greifen einfach ins Leben.\nDas Leben hat nur noch auf die Künstler gewartet.\nEs wartete und wartete bis die Künstler kamen.\nDann war es ganz natürlich tot. soll das\nLeben darauf warten, daß die Künstler hinein-\ngreifen. Die Künstler suchen das Leben. Man\nsucht, was man nicht hat oder was man nicht\nmehr hat. Das Leben versucht die Künstler. Die\nKunst geht aber immer rechts. Kunst ist Ordnung.\nKünstler ist, wer das ohne Verordnung glaubt.\nDen vielen Künstlern muß es erst verordnet wer-\nden, damit die wenigen ihre Ordnung haben. Die\nKunst lebt nicht auf den Hawaii-Inseln aber auch\nnicht in der Ackerstrasse. Sie kann aber in\nPreussen leben, weil man in Preussen leben kann.\nAuch in Griechenland gab es Sklaven. Sie hatten\ndie Pflicht zu gehorchen. Wann wird man sich\nüber das Recht, zu gehorchen, freuen. W»enn es\nkeine Sklaven mehr gibt und keine Persönlich-\nkeiten. Wenn wir uns alle unter die Ordnung unter-\ngeordnet haben. Wenn wir uns alle unter die\nOrdnung geordnet haben.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\ntums.\nHier müssen wenigstens alle zunächst rechts\ngehen. Auch die Persönlichkeiten.\nDer König von Preussen wird von dem Schutz-\nmann angehalten, wenn er zu schnell fährt. In\nandern Ländern darf jeder Sklave sogar die Per-\nsönlichkeiten überfahren. Dafür haben aber die\nPersönlichkeiten das Recht auf Persönlichkeit, so-\nweit es die andern gestatten. Sklaven und Per-\nsönlichkeiten überfahren sich zu ihrem eigenen\nVergnügen gegenseitig. Es ist eben ihr Vergnü-\ngen, sich zu überfahren. Ob es für die Ueber-\nfahrenen ein Vergnügen ist, das geht die Freien\nnichts an. Die freien Geister triumphieren. Die\nsind übergefahren. Der König von Preussen wird\naufgeschrieben. So kann man aber berechnen,\nwann man in Aegypten eintrifft. Die anderen\nHerren können es nicht . Sie wissen nicht, wer\nihnen in den Weg fährt. Sie haben keine Pflichten,\nnur Rechte. Das Recht, nach Aegypten zu fahren\noder nicht, wie sie wollen. Die Preussen müssen.\nWenn einer den Preussen in den Weg fährt wird\ner aufgeschrieben. Ordnung muß sein. Ich glaube\nan das Rechtsgehen.\nDarum singe ich das Hohelied des Militarismus.\nEntweder man ist Militär oder man läßt es ganz.\nEntweder man siegt oder man läßt den Krieg ganz.\nWarum stellt man dem Sieger Persönlichkeiten\nin den Weg. Persönlichkeiten denken und Sieger"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.3", "texte": "glauben. Den Gläubigen gehört die Welt. Warum\nseilen nur Ungläubige auf der Erde leben.\nWenn die Preussen doch meine Preussen\nwären. Warum können die zwei Milliarden Men-\nschen auf der Erde nicht alle rechts gehen. Da\nsie keinen Glauben haben, könnten sie es doch\neinmal mit diesem Glauben versuchen. Denn es\nkommt ja nur auf das Glauben an. Die Welt ist\nso groß, können wir nicht einmal auf der Erde\nOrdnung halten, wie sollen wir uns in der Welt\nzurechtfinden. Der nüchterne Preusse findet sich\nzu Fuß nach Aegypten. Noch leugnet er den Him-\nmel. Ihr auch. Aber ihr findet euch nicht einmal\nin euren eignen Ländern zurecht. Darum ihr Be-\nfehlenden, ihr freien Geister, lernt das Gehor-\nchen. Lernt die Wunder der Ordnung. Auch die\nSonne scheint nicht nach ihrem Belieben. Auch\ndie Sonne ist preussisch. Auch der Mond und die\nSterne. Auch die Menschen leben nicht nach ihrem\nBelieben. Sie sterben. Und wenn sie nach ihrem\nBelieben leben wollen, töten sie sich. Ist das na-\ntürlich?\nIn den Dingen der Erde sind die Preussen\nKünstler. Denn sie sind erfinderisch. Künstler über\nden Dingen dieser Erde werden sie sein, wenn sie\nfinderisch sind. Der Mörser, der erfunden wurde,\nist, auch ohne daß er zerstößt. Das Kunstwerk\nist, auch ohne daß man es glaubt.\nIch hoffe, Preussen, daß ihr es glauben lernt.\nDer Glaube hat euch zu Preussen gemacht, er\nkann euch auch zu Künstlern machen.\nJeder hat das Recht, Preusse zu werden.\nAuf seine Art. Aber er sei es.\nDarum singe ich das Hohelied des Preussen-\nturns.\n\nHerwarth Walden\n\nMärehen\nHerwarth Walden\n/\nDas schlesische Volk wird nicht nur mit einer\n„Schlesischen Volkszeitung\" beglückt, die „Schle-\nsische Volkszeitung\" hat sogar ein Feuilleton.\nNun bin ich gegen das Wort Feuilleton, gegen den\nBegriff und gegen die „Schlesische Volkszeitung\".\nDas Vorhandensein dieses Blattes wurde mir\ndurch eine Rechtsverletzung bekannt. Es handelt\nsich wieder um den unberechtigten Nachdruck\neines Gedichtes von August Stramm, „über das\nwir im Einklang so ziemlich mit der gesamten\ndeutschen, weniger stürmisch veranlagten Presse\nlustig zu machen uns erlaubten.\" Die Erlaubnis,\ndie man sonst Verbot nennt, ist der gesamten\ndeutschen weniger stürmisch veranlagten Presse\nschlecht bekommen. Zwar kann unmöglich jede\nAktion eine Reaktion erzeugen, auch wenn es\nnoch so sehr gewünscht wird. Und Verluste ge-\nschehen durch den Sturm und nicht gegen den\nSturm. Jeder Verlust des Sturms ist aber ein Ge-\nwinn. Denn was nicht mit dem Sturm leben kann,\nmuf untergehen. Die Aktionäre der Presse und\nder Literatur rechnen aber noch aus jedem Verlust'\nmühselig einen Gewinn heraus. Noch bin ich so\nreich, daß ich verlieren kann. Und was sich von\nmir verlieren kann, hat mich nie besessen. Aus\nPlanken bauen sich die Literaten ihr Schiffchen\nzusammen, daß es nur eine Versart hat. Schiffchen\nsinken oder werden versenkt, wenn man eine\nFlette hat. Und was nicht versenkbar ist, habe\nich selbst gerettet, bevor die andern es nur finden\nkonnten. Da lungern sie am Ufer, nach Resten,\nund wagen sich nicht ins Meer hinaus. Und\nschimpfen auf die neuen Schiffe. Meine Schiffe\nfahren durch die Meere und die „Schlesische\nVolkszeitung\" sitzt in Breslau. Gewiß, auch\nBreslau ist eine schöne Stadt. Und schließlich\nkann die „Schlesische Volkszeitung\" behaupten,\nauf einer Stufe mit den modernen literarischen\nZeitschriften zu stehen, sie alle wissen nicht, was\nKunst ist. Außerdem kann aber die Schlesische\nVolkszeitung nicht fassen, daß ich den Hofrat\nPaul Schienther nicht anerkenne, während doch\nHerr Hofrat Paul Schienther in seiner literarischen\nRundschau von einem Dritten August Stramm\nanerkennen läßt. Das können Kollegen nie be-\ngreifen. Der Kollege Ludwig Fulda erkennt den\nKollegen Fritz Engel an, der Kollege Engel den\nKollegen Fulda. Der Kollege Ibsen hat allerdings\nvergessen, den Kollegen Schienther anzuerkennen,\ntrotzdem der ihn schlecht übersetzt hat. Also auch\ndie Kollegialität hat ihre Grenzen. Die Schlesische\nVolkszeitung aber keine, denn sie ist eine Persön-\nlichkeit. Namenlos wird sie in die Literaturge-\nschichte einziehen, sie ist beglückt, daß sie die\n„Sturm-Literatur nicht wohlwollend gefördert\nhat.\" Ein Glück, daß sie es nicht getan hat, sonst\nhätte die Schlesische Volkszeitung von mir au~h\nwohlwollende Förderung ihrer literarischen Kritik\nerwartet. Sie wird ihr aber trotzdem zuteil.\n„Warum wir das Alles erzählen? Weil wir so\netwas wie eine ausgleichende ästhetische Gerech-\ntigkeit darin erblicken, daß ein Sturmonkel auch\nnach dem mit faulen Eiern wirft, der aus Angst,\nnicht für voll fortschrittlich gehalten werden zu\nkönnen selbst am klar erwiesenen Blödsinn noch\netwas Gekonntes findet.\" Nein, der gute Sturm-\nOnkel hat mit guten Landeiern geworfen, sie\nrochen nur den faulen Köpfen der Schlesischen\nVolkszeitung faul. Dem Faulen ist alles faul. Die\nHerren ohne Namen von der Schlesischen Volks-\nzeitung sollten den Sturm etwas besser lesen.\nWann habe ich je behauptet, daß die Kunst fort-\nschrittlich gesonnen sein soll. Im Gegenteil, katho-\nlisch ist Trumpf. Aber das Katholische der Schle-\nsischen Volkszeitung ist nur Tendenz, vielleicht Ge-\nsinnung, keinesfalls aber Sinn. Denn die literari-\nsche Kritik der Schlesischen Volkszeitung würde\nden Sinn des Katholizismus für Unsinn halten. Sie\nverdaut den Sinn nur der Schlesischen Himmels-\nspeise. „Wir glauben für uns in Anspruch nehmen\nzu können, daß wir jedem ehrlichen Ringen mit\nTeilnahme begegnen, aber dieses „Geschehen\"\nwird man als selbst für eine Bierzeitung zu dumm\nablehnen. Das Berliner Tageblatt aber findet\ndiesen krankhaften Unsinn gekonnt, ja sogar ge-\nkonnter.\" Ich danke für Teilnahme. Und Ring-\nkämpfe interessieren mich nicht. Es ist aber nicht\nehrlich von der Schlesischen Volkszeitung, dem\nBerliner Tageblatt zu unterstellen, daß es „Ge-\nschehen\" für gekonnt hält. Das Berliner Tageblatt\nist durchaus der Ansicht der Schlesischen Volks-\nzeitung. Nur soll die Schlesische Volkszeitung sich\nnicht einbilden, daß sie mehr von Kunst versteht,\nals das Berliner Tageblatt. Von der Kunst brauchen\nJournalisten nichts zu verstehen, aber ihr\nFach müssen sie können. Das Berliner Tageblatt\ndruckt wenigstens nichts unerlaubt nach, wenn\nes sich auch unberechtigt über Kunst äussert. Das\ntut die Schlesische Volkszeitung außerdem. Mit\ndem Katholisch-Sein allein ist es noch nicht getan.\nUnd jeder Rückschrittt ist noch kein Fort-\nschritt. Auf den Schritt kommt es an. Man soll\nweder nach hinten laufen noch nach vorn. Der\nLaufende läuft. Die ganz klugen Kinder bleiben\nstehen, weil es doch keinen Zweck hat, die dum-\nmen Kinder laufen ein Stückchen mit der Eisen-\nbahn mit, weil sie noch an ihren Lauf glauben,\nalso gar nicht so schlecht katholisch sind. Die Eisen-\nbahn fährt aber immer weiter. Und der gute Onkel\nsitzt drinnen und fährt immer weiter. Die dummen\nKinder fassen das Ei vielleicht noch, weil sie\nwenigstens versuchten, ein Stückchen voraus-\nzulaufen, die ganz klugen Kinder halten das Ei für\nfaul, weil es ihnen doch schon zu weit vom Wege\nabliegt und sie doch keinen Glauben an das Laufen\nhaben. Dabei war das Ei eine Kugel, also, nicht\nzu essen und nicht zu verdauen, eine Kugel, die\nläuft und immer weiter läuft, viel weiter noch als\ndie Eisenbahn, immer rund um die Erde, die nun\nleider einmal rund ist. Und die klugen und die\ndummen Kinder stehen nicht auf der Kugel, sie\nhängen an ihr. Noch rollt die Erde nicht der Men-\nschen wegen. Aber sie rollt. Die Rollkutscher\nschimpfen mächtig. Es ist kein Vergnügen, gerollt\nzu werden, wenn man nicht rollen kann.\nDie Kinder sollten dem guten Onkel glauben\nund nicht an der Kugel stochern. Plötzlich platzt\nsie. Sterne springen heraus. Die Sterne ver-\nschwinden im Weltraum, weil die Kinder die\nleeren Reste auf der Erde untersuchen. Die Sterne\nhaben sie übersehen. Und in die Welt fährt nicht\neinmal die Eisenbahn.\nAchtung! Nicht in Breslau aussteigen. Der Zug\nfährt weiter.\n\nDie Wacht in\nCharlottenburg\n\nDer Kunstmaler Lovis Corinth hielt einen Vor-\ntrag vor den Vertretern der neutralen Presse, in\nder Annahme, daß die Herren vielleicht noch\nweniger von Kunst verstehen als die deutsche\nPresse. Die Reden und die Werke dieses Kunst-\nmalers können allerdings die Herren der neutralen\nPresse überzeugen, „daß unsere Stadt Berlin nicht\nso bar aller Kultur ist, wie unsere Feinde es\nüberall ausposaunen möchten.\" Solche Reden und\nBilder gibt es auch im neutralen Ausland und auch\nim übrigen Ausland. Kultur haben wir in Europa\ngerade genug. Die Kunst aber ist nicht an Deutsch-\nland gebunden und auch nicht von Frankreich ge-\npachtet. Die Kunst lebt dort, wo die Künstler\nleben. Es leben nicht viele Künstler auf der Erde,\naber viele Kunstmacher. Auch Haarmacher lassen\nsich gerne Haarkünstler nennen. Herr Lovis\nCorinth, der dicke Damen malt, empört sich über\ndie „perverse Frivolität dieser neuesten Kunstrich-\ntung\". Dicke Damen können vielleicht diese Eigen-\nschaft haben, auf wen aber Bilder von Franz\nMarc oder Fernand Leger oder Kandinsky pervers\nund frivol wirken können, der müßte im Passage-\nPanoptikum zu Berlin oder im Musee Grevin zu\nParis als Kunstwerk ausgestellt werden. Sonst\ntritt der Herr Corinth als neuer Hutten auf: „Bei\nmeiner Liebe zur Wahrheit habe ich es gewagt,\nmeine Stimme zu erheben, selbst auf die Gefahr\nhin, als blutiger Reaktionär gebrandmarkt zu wer-\nden. Es war im Januar 1914, als ich den Vortrag\nüber deutsche Malerei bei den Studenten hielt. Ich\npredigte nicht tauben Ohren. Unter Beifall hatte\nich die Ueberzeugung, daß ein gesunder Kern der\ndeutschen Jugend noch geblieben war.\" Die\nHerren nehmen es nie so genau mit der Liebe zur\nWahrheit. Die paar Studenten, die dem Vortrag\ndes Herrn Corinth beiwohnten, in jenem histori-\nschen Januar des Jahres 1914, sind nicht die\ndeutsche Jugend. Und selbst der Beifall der ge-\nsamten deutschen Jugend macht aus den Werken\ndes Herrn Lovis Corinth keine Kunst. Es bleibt\nMalerei für taube Ohren. Doch wird dafür gesorgt,\ndaß die deutsche Jugend ihre Augen öffnet. Da-\nfür beruft sich Herr Corinth auf Kant, Friedrich\nden Großen, Goethe und Beethoven. Ferner auf"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.4", "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nErhebung\nMeine Hände tragen den Tag empor\nvor meinem Hammer zerbricht die Nacht\nHoch\nKlingt mein Haupt in die Sterne\nich bin der Sonne Bruder,\nmeine Finger sind aus Strahlen gemacht\nich zerjuble die kalten Winde\nMein Glaube ist das Licht,\nSieg\nist das Herz der Flamme.\nIch bin ein Wandrer auf der Straße\nAus meiner Dornenkrone tropfen Sterne in\ndie Brust.\n\nFerne Granate\nDer Wald springt auf,\ndie Winde ächzen\naufsternend himmelende in den Schrei!\nDie schwarze Erde\nreißt den gelben Fetzen\nhoch\nder blinden Sonne\npeitschenquer\nins Abendgesicht.\n\nDürer, Holbein und Matthias Grünewald. Gegen\ndiese Künstler ist garnichts einzuwenden. Nur\nmachen sie die Bilder von Corinth nicht besser,\nsie haben sie schon besser gemacht Aber\nhier predigt man tauben Ohren. Man sagt Corinth\nund man brüllt dagegen Grünewald. Und selbst\nwenn der Herr Corinth der Urenkel Grünewalds\nwäre, die Kunst erbt sich in der Verwandtschaft\nnicht fort. Seinen neuen Gott, Max Liebermann,\nverleugnet er jetzt. Die Herren sind zur Zeit böse.\nDas war in Charlottenburg im Monat Mai. Zum\nGlück für die Kunststadt Berlin befindet sich die\nBerliner Sezession in Charlottenburg, während\nMax Liebermann und Genossen sich über den\nAustritt von Lovis Corinth so freuten, daß sie\ngleichfalls in Charlottenburg eine Freie Sezession\ngründeten. Die Genies werden aber nicht nur aus\nAkademien, sie werden auch aus Sezessionen aus-\ngewiesen. „Die deutsche Kunst wird eines schönen\nTages wieder da sein.\" Der schöne Tag ist bereits\nda. „Mit Zuversicht erwarte ich den Messias und\nbereite ihm seinen Weg.\" Der Messias ging die\nStraße nebenan, weshalb Herr Corinth vergeblich\ntrotz eifrigem Schippen warten wird. „Das große\nGenie, welches uns die nationale deutsche Kunst\nbringen wird, ist vielleich unter Kanonensaluten\nund Maschinengewehrgeknatter wie ein Fürsten-\nkind bereits geboren.\" Dann hätte schon die Anzeige\nim Berliner Tageblatt gestanden. Der Herr Corinth\nsucht aber immer nach Säuglingen, die sich von\nihm pflegen lassen wollen, und dabei stehen die\nneuen Männer schon über ihm. Die nationale Kunst\nist da, wenn die Nation die Kunst will. Wenn sie\nnicht will, nützt ihr auch die nationale Kunst\nnichts. Kunst ist nicht, was Lovis Corinth macht\nKunst ist nicht, was die Nation macht. Kunst ist,\nwas der Künstler macht. Der Künstler ist aber\nnur das Werkzeug seines Werkes.\n\nHerwarth Walden\n\nDie Geschwister\nSophie van Leer\nEine Diele knarrte unter ihren Füssen. Ihre\nZöpfe scheuchten über die Schulter. Die Kniee\nrieben sich im Fieber.\nSie tastete im Dunkel nach dem Bett hin.\n„Schläfst Du schon? Ich fürchte mich allein\nzu sein.\"\nEr schlug die Decke zurück:\n„Leg dich zu mir, Kind, Du wirst dich er-\nkälten.\"\n„Mutter hat es doch verboten. — Wo gehst Du\nhin?\"\n„Ich schließe die Eltern ein.\"\nAls sie nebeneinander lagen, fragte sie:\n„Glaubst Du, daß es ein Unglück war?\"\n„Nein, er tat es mit Absicht.\"\n„Warum?\"\n„Weil er dich lieb hatte. Er schrieb es mir.\"\n„Zeige mir den Brief.\"\n„Ich habe ihn verbrannt.\"\nSie schluchzte leise:\n„Dann bin ich seine Witwe.\"\n* *\n❖\nSie nähte sich einen schwarzen Schleier, den\nsie nachts trug. Sie baute beim Zubettegehen\neinen kleinen Altar mit Blumen und Kerzen und in\nder Mitte das Bild des Toten, zu dem sie betete.\nEines Abends trat der Bruder ein.\n„Was du tust ist Sünde\" sagte er und betrach-\ntete das Bild zwischen den Kerzen. „Er war dein\nBruder.\"\nAm nächsten Tag ging sie zur Beichte. Als sie\nnach Hause kam, verbrannte sie den Schleier, zer-\npflückte die Blumen auf dem Altar und zerschnitt\ndas Bild.\n* *\n*\nSie standen vor dem Spiegel und er fragte:\n„Findest du, daß wir uns ähnlich sehen?\"\n„Nein.\"\nEr holte die Bilder der Eltern und verglich\nsie mit seinem Gesicht.\n„Sehe ich ihnen ähnlich?4'\n„Nein, du gleichst Niemandem.\"\n„Das kommt, weil ich nicht dein Bruder bin.\nAls ich zwei Jahre alt war, sind meine Eltern ge-\nstorben.\"\n„Erzähle mir davon.\"\n„Nicht hier.\"\nIm Walde legten sie sich zwischen Sträuchern\nin das Gras. Ihre Hand zitterte über seine geschlos-\nsenen Lieder; plötzlich drückte sie heftig seinen\nKopf gegen ihre kleine Brust:\n„Hast du nun niemand mehr auf der Welt?\nNiemand?\"\nEr ließ ihre Flechten durch seine Finger rieseln:\n„Einen einzigen Menschen habe ich auf der\nganzen Welt! Niemand als dich habe ich. Du\nmußt meine Freundin sein.\"\n„Armer Junge. Die Eltern sind schlecht zu dir.\nUnd Niemand kann dir die Liebe ersetzen. Ich\nwerde immer bei dir bleiben, dich lieb haben. Du\nbist so weich und deine Seele weint nach Liebe.\"\nSie strich mit bebenden Fingern über seine\nbreite Stirne.\nEr sah zwischen Blättern in den Himmel:\n„Es wäre so schön, wenn es keine Eltern gäbe.\nKeine Schule und keine Kameraden. Immer allein,\nmit dir allein. — Wollen wir hier im Walde bleiben,\nuns ein Höhle bauen?\"\n„In einigen Jahren können wir heirate*. Du\nmußt nicht so traurige Gedanken haben.\"\nEr riß kleine Halme aus dem Boden.\n„Wie ist es, wenn man beichten geht?\"\n„Hast du noch nie gebeichtet?\"\n„Nein, was denn?\"\n„Man kann sich alles von der Seele sprechen.\"\n„Kann man den Beichtvater sehen?\"\n„Nein, die Kirche ist dunkel und man ist von\neinem Vorhang verdeckt.\"\n„Kann Niemand zuhören?\"\n„Nein, man spricht ganz leise.\"\n„Darf ich dich einmal begleiten, wenn du\nfeichten gehst?\"\n„Ja, dann setz dich in die Nähe und paß gut\nauf. Ich werde so sprechen, daß du es hörst.\"\n„Schämst du dich nicht, wenn ich es höre?*'\n„Nein. Ich habe nichts vor dir zu verbergen.\"\n* *\n*\nIn der Kirche versteckte er sich hinter eine\nSäule und hörte ihre Beichte:\n„Ich habe den Eltern Böses gewünscht Ich\nwollte von Haus fortlaufen. Ich habe sündige Ge-\ndanken gehabt.\"\nWeiter sagte sie nichts. — Der Beichvater gab\nihr Absolution. Das war alles.\nEr schlich sich fort. Draussen verbarg er sich\nund wartete, bis die Kirche leer war.\nEr strich zwischen den Bänken umher. Es war\nNiemand da. Im Beichtstuhl kniete er, die\nStirne gegen das Holz gedrückt Ueber ihm hing\nein schwarzes Kreuz mit einem silbernen Christus.\nEr ergriff es und hielt es sich vor die Augen.\nWorte zerfetzten seinen Atem. Glühend spann-\nten seine Lippen über den Mund. Seine Zähne\nhakten in die zuckende Hand.\nEr horchte, den Hals zwischen die Schultern\ngeduckt und blickte scheu nach dem Kreuz empor.\nDer Christus schwieg.\n* *\n*\nSie gingen zusammen den Berg hinauf. — Er\nzählte die Zickzacklinien des Weges. — An einer\nBiegung blieb er stehen.\n„Bis hieher gingen wir hinauf. Er wurde müde.\nEr hatte mich böse gemacht Wie ein Hund schlich\ner hinter mir her, und greinte, ob wir nicht um-\nkehren sollten. Jedesmal schob er seine klammen,\nfeuchten Zitterfinger in meine Hand. — Hier brach\ner zusammen. Ich lud ihn auf den Rücken, und\nstieg weiter. Plötzlich sah ich seinen Kopf über\nmeine Schulter neben meinem Halse hängen. Seine\nAugenlider klappten auf und zu, die Arme schlen-\nkerten, seine Kiefer gähnten wie bei einer Holz-\npuppe. Die Haut über seinen Backenknochen war\ngelb. Und seine Stirn stand voll Schweißperlen.\nEr war so häßlich, und es konnte ihm gar nicnt\nv/ehe tun, denn er war bewußtlos. Ich hißte ihn\nüoer die Schulter und ließ ihn in den See fallen.\"\nSie streichelte seine Hand und schauerte zu-\nsammen.\n„Ich habe Angst vor dir und liebe dich. Mehr\nnoch als vorher. — Komm wir wollen zurück-\ngehen und nicht mehr daran denken.\"\nEr blieb stehen:\n„Es ist noch etwas: ich bin dein Bruder.\"\n„Das wußte ich. Ich habe die Eltern gefragt.\"\nSie legte ihren Arm um seine Schultern:\n„Wenn wir alt geworden sind, können wir\nBeide in ein Kloster gehen. Und später werde ich\nAlles beichten.\"\nSie atmeten tief auf, nahmen sich bei den Hän-\nden und (küßten sich."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.5", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt/ Vom Stocklgadruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.6", "texte": "Lieder\nWillseim Ruage\nDein Auge\nist meine sammtene Wiese\nüber alle Hügel des Abends\nund deine Lippen sind zu schwer\nfür ein leichtes Wort\ndeiße Gedanken\nsind von den Fingern des Todes\nder sich zersehnt\nein Tanz des Glücks\nSchließ mich ein\nin die wilden Rosen . *\ndeines Bluts\ndein Atem\nist die Wiege des Sommers\n* #\n*\nAus jedes Grusses Lächeln blüht dir Sonne\nauf allen Wiesen bist du Tausendschön\nviel-tausendschöß\nund deine Seele streicht\ntrol wie ein Segel\ndurchs Aehrenfekl\nwenn sanft der Mittag schlaft\nauf seiner Wälder Wiege\nIter und Irin\ndann wirfst du deine* Sorgen in den Klee\nund hebst die Augen wieder auf\nzwei Rosen\ndie hingefallen sind.\n* *\n* »\nTod tropft von allen Dächern\nund es blutet jeder Halm\nnoch liegt das Leben\nauf grünen Weiden\nam Sonnenhang\nbläst dumpf in das Horn der Wälder\nam Abend\nund entführt der Son»e Geschmeide\nauf die Terrassen\nseines Bluts\nlacht hell auf\nvieltausend Falter\ndurch den Blumen blauschaukelnd Meer\nnach dem Honig ihrer Lust\nuralte Schätze\nkerztief versenkt.\n* *\n*\nTraurig welkt der Sommer deiner Augea\nund es suchen deine Sinne\nirre Bienen\naach dem Honig ihrer Lust\nIns Geplänkel deiner Lippen mit den Worten\nstreckt sich Schlaf\ntJnd der Hände müde Falter\nsenken der Gebärden Flügel\nin den Abend deines Bluts\nBis die Ebbe deines Auges\nwieder Flut wird\nund von weissen Tempelstufen deines Mundes\nWorte stürzen\nknte Kinderschar treppauf-treppab\n* *\n*\nBtem wiegt\ndte Welle deines Auges\nIn des Haares dunklem Wälder-Arm\n*nd es weht mit starken Winden\nvon der Stime Felsgestein\ni* der Stunden Gondellied\nBis des Glückes gelbe Rose aus der Tieie bricht\nund libeüenleicht\nein Sonnensegel\ndurchs Gelächter der Gewässer springt.\n* #\n*\nUebers blaue Meer der Stunden\nwinkt der Sehnsucht Schwalbenschwinge\nden Gestaden fernen Glücks\nUnd des Herzens roter Morgen\nsteigt empor aus tiefen Nächten\ndeines Bluts\nFällt ein Sturm von Vogelliedern\nauf der Winde seidge Schaukeln\nKitzelt mit den Sonnenfingern\nKräuselnd Lachen auf dem Wellenmund\nund zerreißt den Schleier von den Augen\nBknen\ndie honigtrunken sind\n* jj;\n*\nWorte sind nicht immer blinde Bettler\nan den Türen unsrer Sehnsucht\nManchmal fällt das Leben ein durch die hohen\nTannen wäMer\nmoosbespülte Fichten\nlichten\nihren Leib den Silberketten\nsüssen\nLichts\nUnd Libellenflimmer fliessen\ndurch der Binsen Gondellied\nWenn am Wiesenhang des Himmels\nblau versponnen Sommerfäden\ntanzen auf ganz weißen Sohlen\nin die Luft\nspinnfeingewebt\n❖ *\nUnter deiner Braue\nschläft der Abend\nund am Rande deines Auges\nlieg ich in des Tages Boot\nwellenmüd\nin dem Abendleuchten deiner Wange\ndas noch einmal alles überblüht\nund wie langsam der Gedanken Volk\naus dem Antlitz in den Wald der Seele zieht\ntrinke ich den allertiefsten Frieden\nin dem roten Weine\ndeines Munds\n\nTaliesin\nAns dem Walisischen frei nachgedichtet\nAdolf Knoblauch\n\nFortsetzung\n\nInzw*schen weilten sein Weib und Taliesin froh\nin Elfins Wohnung. Taliesin zeigte der Herrin, wie\nElfin ihretwegen im Gefängnis wäre, aber er gebot\nihr, froh zu sein, weil er an Maelguns Hof gehen\nwolle, um den Herrn zu befreien. Da fragte sie ihn,\nauf welche Art er ihn freimachen wolle. Er ant-\nwortete ihr:\nEine Reise will ich vollbringen,\nzum Tore will ich kommen,\nin die Halle will ich treten,\nmein Lied will ich singen,\neine Rede will ich sprechen:\nstumm machen königliche Barden.\nIn des Fürsten Gegenwart\nwill ich zum Spotte grüssen,\nwill auf sie vorbrechen\nund Elfin befreien.\nDann wird Streit entstehen\nin des Fürsten Gegenwart\nForderung kommen an Barden\nnach mild flutendem Lied,\nZauberers prüfender Lehre,\nDruiden Weisheit.\nAm Hof der Söhne des Teilers\nsind Etliche, die schienen\nlüstern zu Ränken,\nzu schaden dem Unschuldigen\nmit List und Trug\nm Martern des Kummers.\nLaßt die Toren schweigen!\nEinst schwieg in Badons Schlacht\nvor Artur, Haupt der Freien,\nmit langen, roten Klingen\nGewandtheit eigensinniger Männer.\nWehe den Toren,\nwenn Rache über sie kommt!\nIch,Taliesin, Haupt der Barden,\nwill Freund Elfin befreien\naus hochmütigen Tyrannen-Ketten.\nIhrem grausam schaurigen Geschrei\nsoll bald ein Ende werden\ndurch des erstaunlichen Rössen Tat\naus dem hohen fernen Norden.\nNie sei dem Maelgun Guynedd\nGnade noch Heil\nfür seine Gewalttat, Unrecht.\nDem Rhun, seiner ganzen Rasse\nwerde zuteil Aeußerstes des Uebels,\nsein Lebenslauf sei kurz,\nwüst all seine Länder,\nbesiegelt lange Verbannung\nwerde Maelgun Guynedd.\nHiernach nahm er Abschied von der Herrin\nund kam endlich zum Hof Maelguns, der im Begriif\nwar, sich in der Halle zu setzen und mit königlichem\nGepränge zu speisen, wie das zu tun in jenen\nTagen Brauch war bei jeder Haupt-Mahlzeit für\nKönige und Fürsten. Sobald als Taliesin die Halle\nbetrat, setzte er sich in eine stille Ecke nahe bei der\nStelle, wo Barden und Sänger vorbeizukommen\npflegten, um ihren Dienst und ihr Amt gegenüber\ndem König zu erfüllen, so wie das Brauch bei de«\nhohen Festen ist, wenn Freigebigkeit angekündigt\nwird. Als nun die Barden und Herolde kamen, um\ndie Geschenke auszurufen und die Macht und\nStärke des Königs zu verkünden, steckte Taliesin\ndie Lippen nach ihnen aus im Augenblick, als sie a«\nder Ecke vorübergingen, in der er sich verkrochen\nhatte, und spielte mit den Fingern auf den Lippen:\n„Blerum, blerum\". Aber sie kümmerten sich nicht\nsehr um ihn und schritten vor bis zum König, dem\nsie wie gewohnt den Gehorsam mit ihren Körpers\nerwiesen, ohne ein einziges Wort zu sprechen, sie\nstreckten nur die Lippen, machten dem König\nGrimassen und spielten mit den Fingern auf ihrei\nLippen: „Blerum, blerum\", wie sie am anderen Ort\nden Knaben hatten tun sehen. Dieser Anblick lief\nden König sich verwundern und bei sich urteile»,\ndaß sie von vielen Getränken trunken 'seien. Er\nbefahl daher einem der Herren, der an der Tafel\nbediente, zu ihnen zu gehen und zu verlangen, dal\nsie ihren Verstand zusammennähmen und nach-\ndächten, an welcher Stelle sie stünden und was\nsich für sie ziemte. Solches bestellte auch der\nHerr. Aber sie hielten mit ihrer Narrheit garnicht\nirgend mehr inne denn vordem. Darauf sandte er\nzum zweiten Mal zu ihnen und zum dritten, und\nverlangte, daß sie aus der Halle fortgingen. Zu-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.7", "texte": "Jaeoba van Heemskerck: Holzschnitt /Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.8", "texte": "letzt befahl der König einem der Knappen, ihrem\nFührer, der Henin Vardd hieß, einen Schlag zu\ngeben. Der Knappe nahm einen Besen und schlug\nihm aufs Haupt, daß er in den Sitz zurückfiel. Da\nerhob er sich, ging auf den Knieen und ersuchte\num des Kqnigs gnädige Erlaubnis, zu zeigen, daß\nder Fehler nicht aus Kenntnismangel noch aus\nTrunkenheit geschehen wäre, sondern unter dem\nEinfluß irgend einös Geistes in der Halle. Hiernach\nsprach Heinin: „Ehrenwerter König, deine Gnaden\nwisse, daß wir nicht infolge der Stärke oder dem\nZuviel des Getränkes verstummten, ohnmächtig\nder Rede wie Trunkene, sondern unter dem Ein-\nfluß eines Ge?stes, der dort in der Ecke in Gestalt\neines Kindes sitzt.\" Sogleich befahl der König dem\nKnappen, ihn zu holen, er ging zum Winkel, in dem\nTaliesin saß und brachte ihn vor den König, der\nfragte, was er sei und woher er komme. Er ant-\nwortete dem König im Vers:\nUrbarde bin ich dem Elfin,\nUrsprungslandsland ist mir das Reich der\nSommersterne,\nich hieß Merlin, und einst wird Taliesin\nmich jeder König nennen.\nMit dem Herrn war ich im höchsten Kreis\nüber Luzifers Fall zu Hölle.\nIch habe vor Alexander das Banner getragen,\nich kenne die von Nord nach Süd.\nIch war auf der Milchstrasse am Tron des Teilers,\nich war in Kanaan als Abisaloni erschlagen ward,\nich betreute Gottes Geist in der Talniedrung zu\nHebron,\nich war am Hofe Dons vor Gudions Geburt,\nich war Lehrer dem Eli und Henoc'n.\nIch erhielt die Schwingen des Genius vom\nglänzenden Bischofstabe,\nich war beredt ehe ich rede-begabt war.\nIch war am Ort der Kreuzigung dds\ngnadenreichen Gottsohnes.\nDrei Menschenalter war ich im Gefängnis\nArianrods.\nIch war Bauleiter am Werk des Nimrodturms.\nIch bin ein Wunder von unbekanntem\nUrsprung!\nIch war in A'sien mit Noah in der Arche\nund schaute die Vernichtung von Sodom\nund Gomorrha.\nIch war in Indien, als Rom erbaut ward,\nhergelangt bin ich mit den Letzten von Troja.\nIch war mit dem Herrn im Esels-Stall\nund stärkte Moses mit Jordan-Walser.\nIch war mit Maria-Magdalenen vor der\nHimmelreste.\nIch erlangte Musenweihe aus Caridwens Ke'ssel,\nwar ein Barde der Harfe zu Lleon von Lochiin.\nIch war auf dem weißen Berge am Hof von\nCynvelyn\nTag und Jahr lang in Stöcken und Ketten.\nIch habe Hunger gelitten für den Sohn\nder Jungfrau\nund wurde erzogen im Land der Gottheit.\nAllem Geistigen wurde ich Lehrer,\nimstand das ganze All zu lehren.\nAlso werde ich bfls zum Tag des Urteilsspruches\nauf dem Antlitz der Erde sein,\nunbekannt, sei mein Leib Fisch oder Fleisch.\nDann war ich neun Monde lang\nim Schoß der Hexe Caridwen,\nursprünglich klein Guion\nbin ich endlich Taliesin.\nAls König und Edelleute dies Lied vernommen\nhatten, verwunderten sie sich sehr, denn sie hatten\ndesgleichen nie von einem so jungen Knaben ge-\nhört. Als der König erfuhr, daß er Elfins Barde\nsei, gebot er dem Heinin, seinem ersten und klüg-\nsten Barden, Taliesin zu antworten und mit ihm\nwettzustreiten. Doch als er kam, konnte er nichts\nanderes tun, dem auf den Lippen „blerum\" zu\nspielen, und als er nach den anderen vierundzwan-\nzig Barden sandte, taten sie alle desgleichen und\nvermochten nichts anderes. Maelgun fragte den\nKnaben Taliesin, was sein Auftrag sei, und dieser\nantwortete im Liede:\nSchwache Barden, ich versuche,\nob ich den Preis mir kiese,\nzu erbringen strebe ich\nmit zartem verkündendem Lied\nden Verlust, den ich litt;\nmeinen Versuch hoff ich zu vollbringen.\nDa Elfin Mühsal trägt\nin Dyganwys Feste,\nmögen der Ketten und Fesseln\nnicht zuviel auf ihn gelegt werden.\nDen Sitz der Feste Dyganwy\nwill ich noch einmal versuchen.\nGewaltig bin ich durch meine Muse,\ngewaltig ist auf meinem Teil, was ich versuche.\nDreihundert und mehr Lieder\nsind im Buchstaben gebunden, den ich singe.\nWo ich bin, sollten Stein und Ring nicht bestehen,\nkein Barde soll um mich sein, der nicht wisse,\ndaß in Artros Landen\nElfin sicher sei mit dreizehn Riegeln,\ndafür, daß er seinen Lehrer preist.\nDann will ich, Taliesin,\nHaupt der Barden im Westen,\n•-\nElfin aus goldner Fessel lösen.\nSeid ihr ursprüngliche Barden\nso erklärt Mir, dem Meister der Wissenschaften,\neure Geheimnisse, die den Weltwohnern\ngeschehen.\nEs giebt ein schädlich Geschöpf\nvon der Mauer des Satans,\ndas alles niedergerungen hat\nzwischen der Tiefe und dem Seichten.\nWeit wie Alpenberge sind seine Rachen,\nTod bezwingt es nicht, weder Fairst noch\nKlingen.\nIm Haarwulst der beiden Tatzen\nhängt die Last von neunhundert Wagen.\nEin Auge grün wie heller Eiszapf\nsteckt in seinem Kopf.\nDrei Quellen entspringen dem Genick des Nacken's,\ndarin schwimmen Meerrobben.\nDas sind die drei Namen der Quellen:\ndie Eine ist erzeugt aus den Tränen der Corina,\nsie füllen die Fluten und schwinden zu Meeren,\ndie Zweite ist ohne Beleidigung,\nsie wird über uns fallen im Regen,\nden rings der Himmel ausgießt;\ndurch Bergadern im Bette von Kieseln,\nals Werk deis königlichsten der Könige\nwird die Dritte erscheinen.\nIhr seid Stolper-Barden, zusehr Besorgte,\nihr könnt nicht das Britenreich verherrlichen.\nIch Taliesin, Haupt der Barden im Westen,\nwill Elfin ltfsen aus goldner Fessel.\n* *\nStumm seid, boshafte Reimerbarden\ndie zwischen wahr und falsch nicht scheiden\nkönnen.\nSeid ihr vom Himmel gebildete ursprüngliche\nBarden,\nsagt eurem König, welch Schicksal ihm werde.\nIch bin euch Wahrkünder, Führerbarde,\nder jede Stelle im Land eures Königs kernte\nIch will Elfin befreien\naus des Steinturmes Bauch,\nwill eurem König künden, was ihm geschieht).\nHöchst seltsames Geschöpf\nwird vom Meersumpf Rhiannedd\nkommen über Mälgun Guynedd,\num sein Unrecht zu strafen.\nSeine Haare, Zähne, Augen werden von Gold sei»*\nes wird Vernichtung bringen\nüber Maelgun Guynedd. > ■ .>\n* *\n*\nEntdecke, wer ist das starke Geschöpf,\ndas vor der Sintflut war,\nohne Fleisch und Knochen,\nohne Ader und Blut,\nohne Kopf und Füsse.\nfcs wird nicht älter, ;\nnicht jünger, denn zu Beginn.\nAus Furcht vor Verweigerung\nhat es keine rohen Bedürfnisse\nmit Geschöpfen.\nGott, wie weiß das Meer wird,\nwenn ds beginnt, zu kommen,\nseine großen Vorstöße,\nwenn es aus Süden kommt!\nSeine großen Dünste\nwenn es die Küsten »schlägt.\nIm Feld, im Wald, >\nohne Merkmale des Alterns,\ngleichaltrig allen fünf Weltaltern\nund noch weit älter, )•\nund seien es Jahre zahllos.\nEs ist so weit\nwie die Fläche der Erde,\nward nicht geboren\nund kam nicht zur Sichtbarkeit.\nBestürzung wird es hervorrufen,\nwo immer Gott will,\nauf dem Meere, am Land.\nEs sieht nicht, wird nicht gesehen,\nin der Irre ist sein Lauf, 1\nes wird nicht kommen,\nwenn seiner begehrt wird, *\nunentbehrlich am Land, auf dem Meere,\nohne Seinesgleichen, vierseitig, !\nunbegrenzt, unvergleichlich.\nEs kommt aus den vier Ecken\nnicht angekündigt, nicht ohne Kunde,\nseine Fahrt beginnt es\nüber dem Marmorfels\nwohlklingend, stumm,\nmild, 'stark, kühn, , *\nso glänzt es überm Land.\nEs schweigt, tönt, tobt,\nes ist das Lärmendste\nauf dem Angesicht der Erde.\nEs ist gut, schlecht,\näußerst schmähend,\nheimlich, kein Blick durchdringt es,\nschädlich wohltätig,\ndort und hier, es verwirrt,\naber giebt den Schimpf nicht zurück.\nEs wird für seine Taten nicht leiden,\nwir sehen, es ist vom Tadel frei.\nEs ist feucht und trocken, 1\nkommt oft und geht hervor\naus Sonnenglut und Mondeskälte.\nMinder wohltätig ist der Mond,\nda seine Glut geringe ist.\nEin Seiender richtete es auf\nvor allen Geschöpfen,\num durch schrecklichen Windstoß\nRache zu üben an Maelgun Guynedd."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.9", "texte": "I*des er also nahe bei der Tür seinen Vers\nsang, erhob sich gewaltiger Windsturm, daß König\nund Edelleute glaubten, das Schloß würde auf ihre\nKöpfe fallen. Der König ließ sie eilends Elfin aus\nseinem Kerker holen und stellte ihn vor Taliesin.\nEs heißt, daß dieser gleich einen Vers sang, sodaß\nsich die Ketten um seine Füske auftaten.\nIch bete an den Höchsten, Herrn alles Beseelten,\nIhn, der die Himmel trägt,\nder Jegliches in seiner aeußersten Anstrengung\nregiert.\nIhn, der das Wasser gut für Alle schuf,\nIhn, der jede Gabe verleiht und sie segnet.\nMöge den Mälgun von Män, der uns bittet,\nUeberfülle des Meths werden\naus schäumenden Meth-Hörnern\ndes gar reinen gewählten Würztranks.\nSeit Bienen sammeln, die nicht Geniefcsenden,\nhaben wir Meth, funkelnd abgezogenen,\nallgepriesenen.\nDie Geschöpfe in ihrer Vielheit, welche die Erde\nnährt,\nmachte Gott für Menschen um des Reichtums\nwillen.\nEtliche heftig, Etliche stumm, sie geniessen ihrer,\nEtliche wild, Etliche zahm, der Herr schuf sie,\naus dem Erzeugnis von Etlichen haben wir\nKleidung,\nEtliche für Speise und Trank,\ndie dauern bis zum Tage dels Urteils.\nIch bete zum Höchsten, dem Hort des\nFriedensreichs,\ndaß er Elfin vom Banne löse.\nDer mir Wein und Bier und Meth gab\nmit dem Geschenk hoher Für'stenrosse,\nprächtig anzuschauen,\ner möge mir Elfin wiedergeben.\nBis an mein Ende möge Gott guten Willens\nmir zahlloser Alter Folge gewähren in Ehren\nin der Zuflucht voll Ruhe.\nRitter defe Meth-Tranks, spät sei deine Auflösung.\nDanach sang er den Gesang, welcher heißt:\nDie Vortrefflichkeit der Barden\nWer war der erste Mensch,\nden Gott im Himmel bildete?\nwelche ist die schönst zierende Rede,\ndie bereitet vor Jevaw ist?\nWelch Mahl, welch Trank,\nwelch Dach sein Schutz?\nwelches der erste Eindruck\nseines ursprünglichen Denkens?\nwelches sein Kleid ? wer tat Verkleidung an,\nals er sich hütete vor den Listen des Landes\nzu Beginn.\nWarum soll der Stein hart sein,\nDorn scharfspitzig?\nWer fet hart wie Kiesel, salzig wie Tränen,\nwer süß wie Honig, wer reitet auf dem Sturm?\nWarum runzelt sich die Nase?\nwarum ist das Rad rund?\nwarum ist die Zunge mit Sprache begabt\neher dem ein ander Glied?\nHeinin, laß deine Barden, die zuständig sind,\nmir, Taliesin, antworten!\nDanach sang er die Anrede, welche heißt:\nDer Tadel an die Barden\nBarde, bist du völlig in Genius getaucht\nund bist keiner Aufsicht unterthan,\nsei nicht tinbeugsam an des Königs Hof!\nHeiiiin, bleib stumm, bis deine Reimerei erkannt ist.\nBleib stumm über deines Verses Namen,\nüber den Namen, mit dem du dich rühmst,\nüber den Namen deines Ahnen, ehe er\ngetauft ward,\nüber den Namen der Sphäre, des Elementes,\ndeiner Sprache, deiner Gegend!\nPrahlt Barden da droben,\nprahlt Barden dort unten!\nMein Gefährte ist in der Tiefe\nan den Ketten Arianrods.\nIhr wißt nicht sicher,\nwie ihr mein Lied, das ich rede,\nverstehen sollt, wie klar zu scheiden ist\nzwischen Wahr und Falsch!\nSchwächliche Barden, Krähen der Gegend,\nwarum flieht ihr nicht von hinnen?\nEin Barde, der mich nicht stumm macht,\nkann kein Schweigen gewinnen,\nbis daß ihn decken Sand und Kiesel.\nSolcher mir lauschet,\nGott möge ihm zuhören.\nDanach sang er das S+ück, welches heißt:\nDer Groll der Barden\nSänger verharren im falschen Brauch,\nunsittliche Lieder sind ihr Entzücken,\nleeres, geschmackloses Lob sagen sie her,\nzu jeder Zeit reden sie Falschheit.\nSie machen lächerlich unschuldige Leute,\nmachen wüst eheliche Frauen,\nverderben unschuldige Jungfern der Maria,\nverbringen das Leben mit Eitelkeit.\nZur Nacht (sind sie trunken,\nschlafen am Tag, nähren sich müssiggehend\nohne Arbeit, hassen die Kirche, besuchen die\nSchenke.\nSie verbinden sich mit Dieben, meineidigen\nBurschen,\nfragen an Höfen nach Mahlzeiten,\nbringen jegliches sinnlose Wort vor,\npreisen jede Tod-Sünde,\nführen jeden ruchlosen Lebenslauf,\ndurchstreifen Dorf, Stadt, Land,\nund denken garnicht an den Griff des Todes.\nSie geben Niemandem Obdach, erbarmen\nsich nicht,\ngestatten Essen im Uebermaß,\ngebrauchen weder Psalm noch Gebet,\nzahlen nicht Zehnten und Opfer an Gott,\nverehren, nicht an Sonn- und Feiertagen,\nbeachten nicht Fasten- und Festtage!\nDie Vögel fliegen, Fische schwimmen,\nBienen sammeln Honig, Würmer kriechen,\njedes Ding arbeitet, um Nahrung zu gewinnen,\naußer den Sängern und faulen, nutzlosen Dieben.\nIch spotte nicht des Liedes und des Spieles,\ndenn sie sind von Gott gegeben\nzur Erleuchtung des Gedankens!\nAber dessen spotte ich, der sie mißbraucht,\nweil er Jesus und seinen Dienst lä'stert.\nNachdem Taliesin den Herrn aus dem Gefäng-\nnis befreite, die Unschuld seines Weibes beschirmt\nund die Barden zum Verstummen gebracht hatte,\ndaß keiner von ihnen ein Wort zu sprechen wagte,\nführte er Elfins Weib vor sie hin und zeigte, daß\nihr kein Finger fehle, recht froh war Elfin, recht\nfroh war Taliesin.\nDann bat er Elfin, mit dem König zu wetten,\ndaß er ein Pferd, beides besser und schneller habe\nals die Pferde des Königs. Dies tat Elfin. Tag,\nZeit -und Ort wurden bestimmt, der Ort war es,\nder bis heut Morva Rhiannedd heißt. Dahin ging\nder König mit allen Leuten und vierundzwanzig\nder schnellsten Pferde, die er besaß. Mit langem\nVerfahren wurde die Laufbahn abgesteckt, und die\nPferde wurden für das Rennen aufgestellt. Taliesin\nkam mit vierundzwanzig Zweigen der Stechpalme,\ndie er schwarz gebrannt hatte und hieß dem\nJüngling, der das Pferd des Herrn ritt, sie 'sich in\nden Gürtel stecken, und ordnete an, daß er alle\nPferde der Königs vor sich gelangen ließe und\njedesmal einen der Zweige nähme, wenn er ein\nPferd nach dem anderen überholen sollte, und mit\nihm das Pferd über Kreuz schlage. Dann sollte er\nden Zweig fallen lassen, hiernach einen anderen\nZweig nehmen und jedem der Pferde, wenn er\nsie nacheinander überholen würde, in gleichei\nWeise zu tun, indem er dem Reiter streng vor-\nschrieb, genau darauf zu achten, wenn sein eignes\nPferd stolpern sollte, und dann an der Stelle seine\nMütze hinzuwerfen.\nAll dies erfüllte der Jüngling, indem er Jedem\nvon den königlichen Pferden einen Schlag gab und\ndie Mütze an der Stelle, wo sein Pferd stolperte,\nhinwarf. Zu dieser Stelle brachte Taliesin seinen\nHerrn, nachdem sein Pferd das Wettrennen ge-\nwonnen hatte. Er hieß Eltin Arbeiter nehmen uinid\nan dem Ort ein Loch graben. Als sie in den Boden\ntief genug gegraben hatten, fanden sie einen gro-\nßen Kessel voll Gold. Darauf sprach Taliesin:\n„Sieh, Elfin, das ist Bezahlung und Lohn für dich,\ndafür daß du mich aus dem Wehr nahmst und von\nder Zeit an mich erzogst.\" Noch heute befindet\nsich an dieser Stelle ein Wassersumpf, der Pull-\nbair heißt.\n\nFortsetzung fol?t\n\nGötz von Berlichingen\nVolkssfück von Kayssler\nAus dem Goetheschen übersetzt\n\nDer Dramaturg und sein Volksdichter\nManche Leute setzen sich einen anderen Hut auf\nund sehen dann gleicji ganz anders aus. „Eine\nüberraschende Wandlung vom Humoristen zum\nHymnen-Dichter hat der Chefredakteur vom „Ulk4'\nFritz Engel vollzogen. Sein Buch „Und draußen\nist Krieg\" bringt Gedichte von ernstem Grundton.\"\nDieses Buch, sagt das Berliner Tageblatt, soll der\nMensch sich auf den Weihnachts-Büchertisch legen.\nDen neuen Hut stellte der ältere Redakteur des\nUlks fest. Beide Chefredakteure des Ulks haben\naber wenig Sinn für Humor, trotzdem das Berliner\nTageblatt eine Beilage des Ulks ist. Des Ulk£,\nden ein anderer Chefredakteur Fritz Engel in eben\ndiesem Nebenblatt des Ulks in der Nebenabteilung\n„Kunst\" fortgesetzt veröffentlicht. Dieser Kunst-\nhumorist des Berliner Tageblatts ist weniger hym-\nnisch veranlagt als der Chefredakteur des Ulks\ndafür ulkt er aber mit einem Humor herum, der\nihn verlacht. Humor ist ja ganz ulkig, aber Ulk\nnoch lange nicht humoristisch. Da gehört auch die\nberühmte Dosis Ernst dazu. Dosiert man aber\nnicht richtig, so kommt wieder kein Humor heraus,\nvielmehr der Ernst des Lebens, der das Leben\nund die Kunstkritik lächerlich macht. Die Herren\nvon Ullstein sagen wenigstens Schnittmuster,\nwenn sie Schnittmuster meinen. Die Herren von\nMosse betreiben die Konfektion in künstlerischer\nHerrenkleidung. Sie vermessen sich fortwährend,\nindem sie Künstler messen. Aber sie reichen nicht\nheran, auch wenn sich die ganze Redaktion Kopf\nauf Kopf stellt.\n„An Goethes Götz haben sich neben der\nHand des Meisters noch manche Andere\nv rsucht.\" Wer nicht arbeiten kann, muß bear-\nbeiten. Diese Raubritter ohne Adel versuchen sich"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.10", "texte": "also neben der eisernen Hand, statt die Münde da-\nvon zu lassen. „Der Grund ist klar genug. Dieses\nDrama ist von Hause aus kein Buchdrama\nschlechthin.\" Es ist aus gutem Hause, man muß\nsich also mit ihm beschäftigen. „Es ist ein Mittleres\nzwischen Lese- und Schaustück, und wenn auch\ndie Form zerfliessend undramatisch ist, so ver-\nlangt doch das Meiste davon nach der plastischen\nGestaltung.\" Also immer feste druff. Das Drama\naus gutem Hause wird vermöbelt, damit es ver-\nplastikt werden darf oder soll. Aber was eine\nrichtige Plastik ist, die muß auch vermalt werden:\n„Es ist soviel Bildliches darin, daß wir danach\ndürsten, es nun auch wirklich verbildlicht zu\nsehen, und das Glück, als Deutscher ein solches\nWerk zu besitzen, ist tatsächlich so groß, daß wir\nden Genuß daran verbreitert sehen wollen, bis in\nden Kreis derer, die vielleicht nicht Phantasie oder\nSammlung genug \"haben, um sich das strahlende\nWesen der Dichtung aus dem Buche zu vergegen-\nwärtigen.\" Ja, wenn der Goethe noch den Engel\nerlebt hätte; dann würde er „in einer eindrucks-\nvollen und bilderreichen Sprache ans Herz des\nLesers rühren.\" Diese Kritik des Chefredakteurs\ndes „Ulk\" außer Diensten gibt dem Fritz Engel\ndas Recht, sich mal die Bilder des Herrn Goethe\nauf rhre Bildlichkeit hin anzusehen. Herr Fritz\nEngel ist sozusagen vom Fach, er liest täglich die\nAnsichten des zukünftigen Chefredakteurs des\nUlks Fritz Stahl. Er liest die Ansichten, aber er\nsieht sie nicht. Fritz Stahl allerdings auch nicht.\nFritz Engel ergeht es so wie den Besuchern der\nGroßen Berliner Kunstausstellung, er bekommt\nDurst wenn er Bilder sieht. Er sieht eine Land-\nschaft und bekommt Durst, den Durst in München\nzu löschen, weil es bei München so schöne Land-\nschaften gibt. Aber es trinkt sich nicht gut allein.\nDarum muß der Genuß verbreitert werden. Wir\nwollen den Genuß verbreitert sehen. Die Bilder\nmüssen so lebendig werden, daß man sie gar\nnicht mehr braucht. Leben, das ist die Kunst.\nWenn der Goethe doch den Engel gekannt hätte.\nSo muß das strahlende Wesen dieses bilderreichen\nHumoristen dazu helfen, Goethe in das richtige\nLicht des Kreises derer zu setzen, die den Ulk als\nMittleres zwischen sich und Goethe stellen. „Das\nTheater ist nun einmal Vollmittel, um dichterisches\nLeben weiterzupflanzen, das Buch bleibt immer\nnur ein Hilfswerkzeug.\" Das Theater als Hilfs-\nmittel zur Fortpflanzung hat schon erhebliches Be-\ndenken erregt. Aber diese Dichterleben nehmen\nes nicht so genau. Trotzdem das Buch als Hilfs-\nwerkzeug zur Fortpflanzung von Pappe ist, soweit\nes nicht Zimmerpflanzen behandelt. Aber manche\nlernen es auch daraus nicht. Für diese tritt dann\nHerr Friedrich Kayßler auf die Bühne. „Nun hat\nFriedrich Kayßler, einer unserer ernstesten Schau-\nspieler, und deshalb so ernst weil er nicht nur\n„Schauspieler\" ist, den Koloß von neuem bearbei-\ntet.\" Herr Kayßler ist deshalb so ernst, weil er\nnicht Schauspieler ist, und er hat Uebung im Be-\narbeiten von Kolossen. Nicht nur, daß er nicht\nspielen kann, wie kann man so etwas von einem\nernstesten Menschen verlangen, er kann auch\nnicht dichten. Hingegen ist er aus gutem Hause,\närgert sich infolgedessen über Kolosse, die nicht\ndurch die kunstgewerbliche Türe gehen und\nschrieb deshalb einen Band Gedichte „Pan im Sa-\nlon\". Nach dieser Behandlung des alten Raufgottes\nmachte er sich an den alten Raufbold, auf daß er\nsalonfähig werde. Dazu gehört einzig und allein\ndie Kunst zu streichen, oder englisch gesprochen,\n„das Bildliche zu verbildlichen\". „Mit Recht von\nGoethes erster Götz-Niederschrifft entzückt, hat er\nmehr davon verwandt als der Geheime Rat selbst,\nda er nach dreissig Jahren das Brausende dämpfte,\nund das, was nach seinen eigenen Worten eine\nböse Operation war, mit dramaturgischem und\nväterlichem Eifer vornahm.\" Goethe hat nicht\nbehauptet, daß ihm die Operation nicht ge-\nglückt sei. Zur Operation gehört aber bekanntlich\ndie Einwilligung des Patienten. Goethe muß nun\nleiden, ohne zu klagen. Der ernste Kayßler nimmt\ndie Dämpfung ab und läßt es brausen, auf daß der\nGenuß der im Selterwassergewerbe-Betrieb Be-\nschäftigten verbreitert werde. „Verehrungswür-\ndiger mag der ältere Goethe sein, doch unsere\nLiebe von Herz zu Herz gehört mehr dem jungen,\nder nicht der größere, aber in gewissem Sinne der\nreichere Mensch gewesen ist.\" Ja, der junge\nGoethe hat noch ans Herz des Lesers gerührt,\nauch er hat sich zwar nie damit gebrüstet, am\nBusen der Engel und Kayßler gelegen zu haben.\nAber so ein Chefdichter wie der Herr Engel glaubt\nimmer an Gegenliebe. „Darum begrüssen wir es\nar sich, daß Kayßler uns von dieser Urkraft mög-\nlichst viel gibt.\" Wir begrüssen -Kayßler, daß er\nuns den Berliner Urquell wieder neu eröffnet,\nzwecks Verbreiterung der Leser des Berliner\nTageblatts. Ein echter Genuß. Wenn der olle\nGoethe gefunden hat, daß er zuviel Urkraft ver-\nschenkte, was geht das Unsereinen an. Wir trin-\nken immer noch eins. „Wir freuen uns auch des-\nhalb darüber, weil es eine Huldigung ist für die\nFreiheit des schöpferischen Triebes, dem sich\nJung-Goethe noch hemmungslos hingab, mit drei-\nundzwanzig Jahren unbewußt für seine Unsterb-\nlichkeit tätig und dem großen Lehrer William\nbereits ebenbürtig.\" Eine schöne Huldigung für\ndie Freiheit Goethes, daß man ihm die Freiheit\nnimmt, Hand an seine eigene Jugend zu legen. Da\n(kommt der Herr Alt-Kayßler, schlägt dem Alt-\nGoethe auf die Hand, weil er den Jung-Goethe\nhemmte. Worauf Mittel-Engel Alt-Kayßler seine\nHuldigung darbringt, Mittel-Engel, noch hemmungs-\nlos, mit fünfzig Jahren bewußt fürs Berliner Tage-\nblatt tätig bis zur Bewußtlosigkeit, und dem\ngroßen Lehrer Sigmar bereits ebenbürtig. Der\nShakespeare William unterschied sich nur inso-\nfern von dem Engel Fritz als er eine über-\nraschende Wandlung vom Hymnen-Dichter zum\nHumoristen vollzog, obgleich er sich auch dann\nnoch nicht zum Chefredakteur des Ulks eignete.\nDazu zerfloß seine Form zu undramatisch und das\nVerbildlichte war bei ihm zu bildlich. „Goethesche\nSzenen zu verändern, bleibt immer eine Gefahr —\nist etwas entstanden, was der Gefahr wert\ngewesen ist? Hat die Bühne etwas Dauerndes\ngewonnen?\" Gefährlich ist's, den Leu zu wecken.\nJedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist\nüer Mensch in seinem Künstlerwahn. So ähnlich\nhat ein anderer Kollege mit meiner gütigen Hilfe\nsich zu dieser Frage gäussert. Das Volk äussert\nsich dahin, daß darin umkommt, wer sich in Ge-\nfahr begibt. „Wird Götz nun im großen Sinne ein\nVolksstück sein?\" Das Volk sagt nein. Der große\nSinn des Herrn Kayßler könnte höchstens etwas\nDauerndes an Tantiemen gewinnen wenn sich\nGoethe auf der Bühne verliert. Der Mittel-Engel\nwirft nur so Fragen auf, daß der ganze Staub\nseiner Persönlichkeit vom Bühnenboden auffliegt\nund den Himmel Goethes verdunkelt. Der Mittel-\nEngel macht die Leser des Berliner Tageblattes\ndirekt an der Unfehlbarkeit Goethes bange, wie\ngut hätte der Goethe die Hand Kayßlers gebraucht.\n„Schreitet die Handlung rasch und ohne Ab-\nschweif vorwärts?\" Die Handlung im Drama muß\nnämlich wie ein Buttergeschäft gehen. Hier Geld,\nhier keine Ware. Denn das Drama ist nämlich\ndie einzige Handlung, die keine Stoffe braucht.\nWeder Stoffe zum Kleiden noch Stoff zum Essen\noder Trinken. Man muß allerdings mehr Kleingeld\nhaben als es landläufig ist. Goethe liebte es, abzu-\nschweifen. Was ihm der gute Kayßler jetzt nahe-\nlegt. „Ist der große Doppelcharakter gewahrt, ier\ndas eigentliche Geniezeichen ist: Zeitchronik und\nzugleich Menschenchronik, die sich hier und da\nsondern, und zuletzt doch großartig zusammen-\nrauschen in Götzens Sterbeszene, in dem letzten\nherrlichen Ausklang, der — das ist bezeichnend ge-\nnug — in allen drei Fassungen, die von Goethe\nselbst stammen, den gleichen Wortlaut hat?\" Der\nEngel des Berliner Tageblatts ist nicht nur Mensch\nund Charakter, er ist Uebermensch mit einem\nDoppelcharakter. Denn seine Zeitung hat das\neigentliche Geniezeichen: Zeitchronik und zugleich\nMenschenchronik, die sich hier und da sondern.\nNur die Sterbeszene fehlt, sonst hätte sich Goethe\nden ganzen Götz schenken können und es Herrn\nKayßler und seinem Dramaturgen überlassen, die\nSache kurzerhand allein zu machen. Goethe hat\nGötz in drei Fassungen gleich sterben lassen. Das\nist bezeichnend genug. Aber im Leben hat er sich\noft geändert. Jetzt wird sein Leben zusammenge-\nfaßt, damit es ohne Abschweif sei. Damit es rasch\nvorwärts gehe. Dabei ging es Goethe gar nicht\nzu langsam. „Das sind viele Fragen und zumindest\ndie letzte kann restlos bejaht werden. Der fünfte\nAkt, der in jeder Hinsicht die Krönung des Werkes\nist, beweist es. Hier wird das Höchste, was histo-\nrische Dichtung bieten kann, erreicht.\" Heißt das\nnun, trotz Goethe mit Hilfe von Kayßler oder trotz\nKayßler mit Hilfe von Goethe. Jedenfalls, wir\nwerden aufgeklärt, was das Höchste an histori-\nscher Dichtung erreicht: „Hintergrund und Vor-\ndergrund durchsetzen einander völlig.\" Ich kann\ndarin nur eine Verschiebung des Maschinen-\nmeisters sehen. Welch ein Bild. Der Hintergrund\nversperrt die Bühne zum Parkett und der Vorder-\ngrund führt zu den Ankleideräumen der Schau-\nspieler. Alles ist gründlich durchwachsen. „Der\nHeld und die Welt, in der er gelebt hat, an der er\nverblutet ist, werden Eins.\" Ich fürchte, der Heid\nwird sich garnicht mehr zurecht finden. Hinter-\ngrund, Vordergrund, Alles durchsetzt. Ueberhaupt\ndieser Held. Das war ein ganz besonderer Held.\n„Und wenn der Berlichinger schon immer nicht\nnur einen Panzer getragen\", was wird er noch ge-\ntragen haben. Nicht immer nur einen Panzer? Der\nBerlichinger, der sich doch stets mit dem Panzer\nvöllig durchsetzt hat. „Sondern unter dem Panzer\",\nwas hat er unter dem Panzer getragen? Geht es\nnicht zu weit in der Intimität oder hat es doch\nnoch etwas mit der Stoff-Frage des Dramas zu\ntun? Nein, der Held hat natürlich etwas ganz\nBesonderes unter dem Panzer getragen: „Sondern\nunter dem Panzer ein Herz.\" Steh still, mein Herz,\ndenn: „unter dem Panzer ein Herz, so strahlt\nes hier gleich dem flammenden Herzen eines Ver-\nklärten auf frommen Bildern.\" Also hat er das\nHerz über dem Panzer getragen, gleich jenen\nfrommen Bildern, die eigentlich keine Bilder sind,\nweil sie das Herz nicht in der Brust tragen, sodaß\nman es nicht sehen kann. Ja, so ein herziger HeW:\n„Wir lieben diesen Götz so sehr, daß wir nur ihn,\nnur immer ihn sehen wollen, und darum stimmen\nwir dem Bearbeiter zu, daß er aus dem ersten\nGötz auch noch die Kerkerszene herüber genom-\nmen hat.\" Der Bearbeiter hat das Herz erst in das\nrichtige Licht gezogen. Seit er ihn gesehen, glaubt\ner endlich, blind zu sein. „Vielleicht liegt die dra-\nmaturgische Aufgabe überhaupt darin, den Titel-\nhelden, der auch der Held unseres ganzen Gefühls\nist, so stark wie möglich in die Mitte zu rücken.4'\nDer Bearbeiter und der Mittel-Engel sehen nämlich\nnur Helden, wenn sie möglichst in die Mitte ge-\nrückt werden. Abseitige Abschweifungen sind un-\nbeliebt. Und der Held unseres ganzen Gefühls ist\neben beliebt. Also natürlich muß man ihn in die\nMitte rücken, „ihn selbst und natürlich auch\", was\nzu einem richtigen Helden gehört, die traute Fa-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.11", "texte": "miüe, „ihn selbst und natürlich auch seine Elisa-\nbeth, sein Kind, dann den tapferen Georg und den\nLerse.\" Die Mitte nimmt schon die ganze Bühne\nein, die Seiten müssen sich zusammendrücken:\n„.Alles andere, auch der bischöfliche Hof, ist Bei-\ngabe und von Wert nur, soweit es dem notwen-\ndigen Kontraste dient.\" Auf Kontrastwirkungen\nversteht sich der Meister Engel. Er dichtet ernst\nund heiter, obschon es bei ihm keine Kontraste\nsind, Das witzigste Gedicht des Ulks ist nicht ge-\nwitzter als diese Berlinische Dramaturgie. Wo\nsind die Kontraste. Die Kontraste hat der Herr\nEngel gepachtet. Hier trennt sich der Weg des\nDramaturgen von dem Weg des Bearbeiters:\n„Deshalb gehe ich nicht ganz mit Kayßler zu-\nsammen.\" „Adelheid duftet stark nach Kulisse.\"\nHerr Engel weiß, wie eine Frau zu riechen hat.\n„Es ist goethephilologisch gewiß willkommen,\nZeuge der Naivität des jungen Dichters zu sein\nund zu beobachten, wie er den Lichtgestalten\nGötz und Genossen dieses „dämonische Weib\"\nentgegenstellte.\" Goethe hat eben dieses dämoni-\nsche Weib entgegengestellt, um den Goethe-Philo-\nlogen willkommen zu sein. Was hätten die Herren\nsonst schließlich machen sollen. Dämonische\nWeiber gilt es nur für naive Dichter, nicht für\nEngel und Genossen, die mit den Lichtgestalten\nder Frauen besser Bescheid wissen. Dämonische\nWeiber verstehen nicht einmal etwas von Goethe-\nPhilologie und sind deshalb unwillkommen: „Aber\nzu sagen hat uns Adelheid Nichts.\" Die Naivität\nvon Jung-Goethe kann „uns\" leid tun. Nur keine\ndämonischen Weiber. „Deshalb, da gestrichen\nwerden muß, streiche man hier.\" Das ist Dämonie\nunter dem Strich. Aber der Goethe hat die Dämonie\nso hineingearbeitet, daß sie nicht gänzlich heraus\nverarbeitet werden ikann. Diese Dichter stören\nmit ihrer Naivität die Bearbeiter wirklich ganz\nempfindlich: „Wenigstens Szenenteile; ganze\nSzenen werden nicht zu entbehren sein. Denn\njede dient zentripetal der Gesamtwirkung und so\nsehr sie mit vielen Verwandlungen von einander\nfortzuströmen scheinen, so wenig sind sie als\nBasis des großen fünften Aktes zu vermissen.\"\nGoethe war wirklich rücksichtslos. Er hatte Alles\n•so ineinander verdichtet, daß die beste Schere\nbricht. Nicht einmal die Adelheid läßt sich heraus-\nschneiden. Die ganze Zentrifugalkraft nützt bei der\nZentripetalität nichts. „Rasch also vollziehen sich\ndie Ereignisse nicht.\" Der Engel hat absolut keine\nZeit, er muß die Nachtkritik schreiben. Aber etwas\nstimmt ihn doch wohlwollend gegen Goethe:\n„Lediglich der Drehbühne, mag sie auch meist nur\nflache oder verengte Bühnenbilder gestatten, bleibt\nes zu danken, daß wir nicht ungeduldig\nwerden.\" Den ganzen Abend Goethe für\neinen Goethe - Philologen ist doch etwas viel.\nVielleicht kann man dem Engel noch etwas\nentgegenkommen und die Worte fortnehmen,\nsodaß sich nur die Bühnenbilder vor seinem\ngeistigen Auge drehn. Die Dichtung wird\nja insofern überflüssig, als Herr Kayßler die Büh-\nnenbilder in die richtige Architektur gebracht hat:\n„Aber die Architektur des Ganzen ist gut: richtige\nPyramidenform mit breitem Fundament und\nscharfer Spitze.\" Der Herr Engel befindet sich\nschon richtig aktuell in Aegypten. Man soll sich\naber nicht auf die scharfe Spitze setzen, auch\nwenn man über ein breites Fundament verfügt.\nDie richtige Architektur des Dramas ist nämlich nie-\nmals eine Pyramide. Sie ist, mein Engel, vielmehr\nei*e Arena, wenn auch nicht der Zirkus Busch.\nHerr Engel rückt in die Mitte, während die Kunst\num ihn kreist. Da rücken sie alle ängstlich mit\nihren kleinen Peitschen auf den beliebten Mittel-\npunkt zusammen, schreien Hottehüh, die kleinen\nKwder, während die wilden Pferde um sie herum\njagen. Die wilden Pferde, die immer engere\nKreise ziehen und die Mitte frei lassen, damit sie\nden Herren mit der kleinen Peitsche nicht wehe\ntun. Man glaubt zu zähmen und man wird ge-\nzähmt. Die wilden Pferde finden ihren Kreis auch\nohne Mitte.\nKayßlers Volksstück auf der Bühne\nMan braucht das Volksstück nicht zu sehen.\nDenn Herr Fritz Engel sah es so, daß man es nicht\nmehr sehen kann. Der Dichter selbst spielte den\nTitelheld: „Friedrich Kayßler spielt selbst den\nGötz.\" Er hat sich verstanden: „Die seelischen\nBeziehungen zwischen Darsteller und Rolle sind\nunverkennbar.\" Der Darsteller wird wohl die Rolle\nauswendig gelernt haben. Auch Rollen haben zu-\n,weilen Seelen. Herr Fritz Engel erinnert sich:\n„Wenn ich an den toten Matkowsky denke, sehe\nich ihn immer als den sterbenden Götz.\" Und der\nlebende Matkowsky erinnert ihn an Kayßler: „Ich\nwill ihm nicht wehe tun, wenn ich an Matkowsky\nerinnere, der durch seine Schönheit und durch\nseine rassige Männlichkeit berauscht.\" Herr\nKayßler berauscht im Gegensatz hierzu bekannt-\nlich durch herbe Männlichkeit. Die Darstellerin\nder Frau Elisabeth bekommt eine Transfusion:\n„Helene Fehdmer als Frau Elisabeth ist am Schluß\nprachtvoll. Das Blut der Dichtung ist dann in sie\nübergegangen. Vorher ist sie ein wenig trocken.\nElisabeths Modell ist nun einmal Goethes Mutter,\nund diese Frau .war gewiß springlebendig.\". So\nein Modell muß ja die trockenste Frau quietsch-\nvergnügt machen. Selbst der ernste Kritiker\nwird ein ulkiger Springinsfeld. Schwerer ists mit\nder Dämonin, für die es kein Modell gibt: „Irene\nTriesch nimmt die Dämonin Adelheid mit aller\nBühnenbeherztheit.\" Sie duftet stark nach Kulisse.\n„Die Verlockung ist ja groß, sich hier auf das\nwogende Meer des großen Theaters hinauszu-\nschaukeln.\" Leider ist die Bühne mit dem Hinter-\ngrund durchsetzt. Im übrigen ist Herr Engel für\nAusgleiche, worunter er Aneignungen versteht.\nDas heißt, Frau Elisabeth soll etwas schaukeln und\nFrau Triesch sich etwas ins Trockene setzen.\nOder auf englisch: „So wäre eine Ausglättung\ndes Ganzen dadurch zu erreichen, daß Frau\nTriesch etwas von der Reserve der Frau Fehdmer\nund Frau Fehdmer etwas von der Farbigkeit der\nFrau Triesch sich aneignete. Auch sonst sind\nsolche Ausgleiche noch erwünscht.\" Wenn\ndiese Ausglättung erfolgt ist, werde ich mich auch\neinmal auf das schlüpfrige Parkett des Pans im\nSalon begeben. Bis dahin hat Herr Engel den Vor-\nrang oder den Klubsessel.\nBerichtigung: In der vorigen Nummer\nheißt die Zeile 36 von oben, auf Seite 98,\nSpalte 2:\n. . . immer nur einen Stern, wenn eine Stern-\nschnuppe\nDiese Zeile muß lauten:\n. . . immer nur einen Stein, wenn eine Stern-\nschnuppe\n\nHerwarth Walden\n\nAbsage\nan einen naturalistischen Kritiker\nAdolf Knoblauch\nIch habe nicht den Tadel vergessen, den Sie\nmir nach der Lektüre meines Buches „Die\nschwarze Fahne\" erteilten: noch einmal weise ich\ndarauf hin, daß eine Ausdruckskunst auf völlige\nUeberwindung der nur psychologischen Erzäh-\nlungsweise hinstreben muß; je reiner ich die Psy-\nchologie auflöse im künstlerischen Plan, desto\ndichterischer kann ich sein. Ich gehe soweit zu\nsagen, daß Psychologie überhaupt nichts mit Kunst\nzu tun hat, und daß sie, die Allem dienstbare Psy-\nchologie, die Geringste der iviügde im Dienste des\nstrengen Lebens ist.\nSie bezeichneten meine Schilderungsart als\n„bronziert\", auf das psychologische Grundge-\nschehen seien Himmel, Wolken, Winter und die\nhandelnde Person selbst, der Bran*), aufbronziert!\nEs ist das Kennzeichen kritischer Aermlichkeit und\nMutlosigkeit, eine Kunst, die auf neuen veränder-\nten Grundbedingungen beruht und daher in unge-\nahnten, bisher unbekannten Gestalten auftritt, ab-\nzuurteilen mit dem ein langes Leben hindurch ge-\nläufig gewordenen Maßstab, der auf Grund ande-\nrer Seins-Bedingungen der Kunst entstand. In der\nTat ist eine neue Kunst mit bedeutenden reifsten\nWerken entstanden, die mit erstaunlicher Heftigkeit\ndas psychologische Mittel dem Naturbereiche zu-\nweist, es in scharfe Zucht nimmt und es eng auf\nseine dienende Eigenschaft beschränkt. Der psy-\nchologische und eindrucksmäßige Naturalismus\npredigt Ehrlichkeit. Natürlichkeit des Daseins,\nseine Sache ist daher die Psychologie der Welt\nund niemals ihr Wesen! Wir sahen die na-\nturalistische Literatur etwa an der Aufgabe schei-\ntern, das Wesen der Welt und ihre ruhm-\nreiche Geistigkeit zu ergreifen, darzustellen und\ninnig zu sein.\nDie stolzen Werke der Kunst unseres neuen\nGeschlechtes, — welches heute auf den Schlacht-\nfeldern blutet und den köstlichen Siegespreis mit\nseinem Leben zahlt — die erneuerten und verjüng-\nten Künste der Malerei, Bildnerei und Dichtung\nfassen mit gesammelter Energie alle Sachlichkeit,\nalles Leben und sein innigstes Wesen und seine\nGeistigkeit in unendlicher Synthese auf, doch wohl-\ngemerkt, die Ausübung solcher neuen Kunst setzt\ndas Bestehen einer geheimnisvoll bindenden Kraft\nvon großer Strenge voraus, (solche wie sie immer\ndie Menschheit in den wenigen Augenblicken der\ngroßer Kunst besaß!). Und zugleich geschieht das\nWunder, die Natur legte erfreut alle ihre edelsten\nund erdkräftigsten Gaben der jungen Kunst Euro-\npas als Morgengabe in die Wiege. Nein, die junge\nKunst braucht nicht mehr die Bronze und die Pa-\ntina, sie gießt nicht mehr die Natur zu gipsernen\nKlichees ab, mißbraucht kein edles Kupfer und Erz.\nIndem sie eine wundersame Sachlichkeit und hell-\nsichtige Feinfühligkeit errungen hat vor dem Leben\nvon Blut und Geist, lächelt sie über den trüben\nVorwurf der Ignoranten, daß sie darauf ausgehe,\nEffekte zu stehlen von dem lieben göttlichen Licht\nund den ewigen Farben.\nAll dies „Bronzieren\", dies Ersinnen der Licht-\nund Farben-„Effekte\", die Verunstaltung der leben-\ndigen Körperglieder der Kunst durch die\nwuchernde Muskulatur, die Flachheit der süchti-\ngen Psychologie, sie sind nicht nur der bejahrten\nlebensblinden Akademie zu eigen, sondern auch,\nnur abwegiger noch, der verflossenen geistesblin-\nden Wirklichkeits- und Eindruckskunst. Man er-\nkennt sie daran, daß für sie die Realität die kraft-\nlose Armut einer Mietskaserne hat.\nErst vor den stolzen Werken der jungen kubi-\nstischen Kunst stehen wir selbst in ungeahnter\nKraft erneuert, der Atemhauch des Ewigen rührt\nuns nach schmachvollen Jahren künstlerischer\nFesselung an, seine Leidenschaft schlägt stürmisch\nan unser Herz, gewaltige Freuden stehen in uns\nauf mit Säulen von Licht. Die Vergangenheit ist\nvor ihr endlich dahingebrochen.\n') „Bran\" ist Kymrisch, heißt im Mabinogi „der\nGroße14, „Bendigeid Bran« heißt der „Gesegnete und Qroßeu\nBran von 1915 hat sich das Wort jenes mittelalterlichen\nBran vorgesetzt: „Wer Haupt ist, soll auch Brücke sein ."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160101-01.1.12", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen, Hervorhebung von Wor-\nten ist nur durch Sperrdruck, von Narnen nur diwch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespalteae Zeile\n60 Pfennig.\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich 4er Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nVerantwortlich für deo gesamten Inhalt und Verlag:\nF. Harnisch / Berlin W 36\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nNotiz\nWährend des Krieges erscheint „Der Stern\"\nnur einmal monatlich als Doppelnummer. Die\nFebruar-Doppelnummer erscheint am fünfzehnten\nFebruar\nVerlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nin Berlin und Genf\nBerlin W Potsdamer Straße 134 a\nQeoffnet tSglich von 10—6 Uhr / Somitags vo«\n11—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSiebenunddreissigste Ausstellung\nMax Ernst\nGeorg Muehe\nGemalde\nAchtunddreissigste Ausstellung\nJaeobavanHeemskerek\nNeue Gemalde\nErdtfnttng: 30. Januar\nQenf: Qeschlossea\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nPernruf Amt Liitzow 4443\nftalbmonatsschrift Der Sturm\nErscheint am ersteo und funfzehnten iedes Mouais\nOauerbezug\nQewohnliche Ausgabe Fii r Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\ni Mark 50 / Einzelheft 40 Pfennig I Ffir das\nAusland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 9 francs I Ein Halb-\n}ahr 4 francs 50 centimes / Ein Vierteljahr 3 francs\nEinzelheft 50 centimes / Probenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse ndu n gin Ro 11 en dire k t durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nSin Halbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark I Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark / Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFGnfter Jahrgang: 6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\nilurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nSahnhofshandlungen, Kiosken u. Straßenstanden auf\nPalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Bet r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Viert e1 j ahres bis\nzum ffinften des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfinscht wird\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzig BUtt Zeichnungea /\nStrich&tzung / Auf Kaiserlich Japan-Papier te\nLuxus-Mappe 25 Mark / Auf Costa-Kartoa la aia-\n'acherer Mappe 12 Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinsilers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913\n\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte uni\neinzeln signierte Originalholeschnitte I Auflage 31\nMappen J Mappe 6—30 je einhundert Mark\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQliick —! / Drama / Ein Taub enschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg / Tragodie / Jedes\nWerk 2 Mark\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne ./ Eine\nDichtung I Qeheftet 2 Mark\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: Qlasarchitektur I In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Zwei Mark / Luxusaus-\ngabe in zwanzig numerierten und signierten Exem-\nplaren auf Van Gelder Biitten, Decke und Vorsatz-\npapier von Anna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte / Gebunden\n3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna I 50 Pfennig / II: August Stramm: R u d i -\nmen tar / 50 Pfennig I III: Mynona: Fur Hunde\nund andere Menschen / 50 Pfennig / IV: August\nStramm: Die Haidebraut / 50 Pfennig / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / 50 Pfennig / VIII: August Stramm:\nKrafte / 50 Pfennig / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / 50 Pfennig / X: Aage von Kohl: Der\ntierische Augenblick / 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nflerwarth Walden: Dafaislieder / Zu Qe-\ndichten von ArnoHolz / Fflr Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFiir Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nDas Exemplar 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Bocciofli: Dta\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht 1 Zug in voller Fahrt / QifioSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tinzerin / Pan-\nPan Tanz / Umberto Bocciont? Abschled/\nKandlnsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utin am delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Brid 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Hjerten-Griinewald: Kinder\nKartenvon Macke / Miinter / Marc Chagall(s) I\nKlee I Leger / Jawlensky ! Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nIllustrierte Sturm - Austellungskataioge\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig / Ota-\nkar Kubin / Marc Chagall / Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fiinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat fiir die Zeitschrlft\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Me n -\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n/ 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Blatt 5 Mark\n\nGemalde / Aquarelle / Zeichnungen\nHanddrueke / Plastiken\nsind von folgenden Kiinstlern im Sturm standig\nvorhanden:\nKandinsky / Franz Marc / Archtpenko I Oskar\nKokoschka / August Macke / Paul Klee / Carl\nMense / Campendonk / Gabriele Miinter / Jaw-\nlensky / Marianne von Werefkin / Albert Bloch /\nHans Arp I Picasso / Albert Gleizes / Jean Metzii-\nger j Marc Chagall / Fernand Leger / Jacoba van\nHeeniskerck / Otakar Kubln / Emil Filla / Vlnceac\nBenes / Otto Gutfreund / Boccioni I Severlnl I\nCarra / Russolo / Francis Picabia I Schmidt-\nRottluff I Fritz Baumann / Max Pechstein\nVerein fur Kunst\nLeitung Her w a rth Walden I Zwolftes\nJahr I Jahresbeitrag 20 Mark I Rechte der\nMitglieder: Freier Bezug der Zeitschrift der\nSturm I Freier Besuch aller Sturmausstelltmgen /\nJedes Jahr frei eine Sturmpublikation\nDas zwolfte Jahr begann am 1. April 1915 / Die\nSturmgabe, die die Mitglieder' des Vereins fiir\nKunst im Jahr 1915/16 frei erhalten, Ist: Heenis-\nkerck: handgedruckter und signierter Holzschnitt\nauf Kaiserlich Japan-Papier\n\nZeitsehriften\nUraelecky Meslcnik / Monatsschrlft fflr neue\nalte Kunst / Administration Prag I 5 Veleslavinova\n\nAnzeigen\n\nSoeben erschienen: Sturm-Kunstler fL ichtb i i d-\nkart en / Karte 20 Pfennig: 1: August Stramm\n/ 2: Herwarth Walden / 3: Jacoba van Heems-\nkerck / 2 und 3 erscheinen am 1. Februar I August\nStramm: Qeschehen / Sturmbuch XI 1 50\nPfennig I Verlag der Sturm / Berlin W 9\nFelix Miiller / Dresden: Handgedruckte tiolz-\nschnitte und Originallithos / Zu beziehen durch\nden Verlag Der Sturm Berlin W 9\nUmberto Boccioni: Pittura Scullura futuriste /\nDinamismo plastico / 500 pagine / riproduzioni qua-\ndri e sculture / Edizioni futuriste di Poesia / MUauo\n/ Con ritratto dell'autore / Preis M 3,50 / Zu be-\nziehen durch den Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir BuchereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch BesteJ-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- u«d\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4"}]}