{"numero_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_sha256": "8ffd005bda60a745ddeb5550e8339df6e9daea6ab61d04669fbb90f94af74314", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1916/03/01_01/bmtnabg_1916-03-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1916/03/01_01/bmtnabg_1916-03-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.1", "debut_caractere": 309, "fin_caractere_exclue": 1154, "texte": "Inhalt:\nHerwarth Waiden: Franz Marc / Herwarth Waiden: Die Liebe des Lebens und das Leben der Liebe / Herwarth Waiden: Aus der Zeit\nfür die Zeiten: Der Casus des Kaukasus / Die große Mode / Dilettanten gegen Dilettanten / Alexander der Schneider / Zu gesund / Untergetaucht /\nBilder mit Dingen / Das Erwachen des Löwenkritikers / Der Sprung auf den Boden / Ich hab es geschworen / Erziehung / Nachrichtung / Fällt selbst\nhinein / Nicht zu machen / Wovon man nicht sprechen sollte / Zu leicht befunden / Verlagspoesie / Sophie van Leer: Der Tod: Mädchen / Die Kugel /\nKerker / Wilhelm Runge: Lieder / Albert-Bloch: Aufzeichnungen / Elek Turcsänyi: Der Kampf der Gefühle auf dem Hinterhof / Franz Marc: Holzschnitt /\nVom Stock gedrudkt / Campendonk: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Inhaltsverzeichnis: Sechster Jahrgang / Zweites Halbjahr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.2", "titre_corps": "Franz Marc", "titre_sommaire": "Franz Marc", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.1", "debut_caractere": 1156, "fin_caractere_exclue": 3940, "texte": "Franz Marc\nHerwarth Walden\nNun ist ein Künsler gefallen, der nicht fallen\nkann. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Aber\ndie Erde war ihm heimisch. Die Erde, die Leben-\ndiges erzeugt und Lebendiges trägt. Ihm schien\ndie Erde, ihm redeten die Tiere, die Wälder und\ndie Felsen. Sie alle wissen nicht, was sie tun.\nSie sind der Sinn der Erde und er gab ihnen das\nSinnbild. Das Gleichnis. Er sah das Nackte reinen\nAuges, weil er spielen konnte, weil er ein Künstler\nwar. Ihn zog der Mensch nicht an, den er aus-\nziehen mußte. Der erst hinter den Dingen stand.\nEr sah die Dinge an sich, die Andere sich erst\naufbauen müssen. Er stand vor den Felsen\nund die Felsen fügten sich ihm. Er wandelte zwi-\nschen den Bäumen und der Wald umstellte sich\nihm. Ihm lauschten die Tiere und er gab ihnen\ndie Farben seiner Liebe.\nDie Liebe seiner Farben. Wie sie sich lieben,\ndie Farben, wenn man sie nicht stört. Wie sich\ndie Formen umarmen, wenn man sie nicht bricht.\nKein Feuer verbrennt Brennende.\nWie Du brennst, Franz Marc. Wie Deine\nAugen aufsaugen, was ist. Wie das Sein durch\nDich Glühenden -glüht. Wie Dein Brand allen Zau-\nber tötet, der nicht Wunder ist. Wie das Wunder\ndurch Dich auf die Erde kommt, die nun entzaubert\nund verwundert ist: mit großen erstaunten Kinder-\naugen nun in die Welt sieht, die sich über den\nAugen aller Kämpfer wölbt. Sichtbar nur für\ngioße, erstaunte Kinderaugen.\nSie wachsen nicht, diese Erwachsenen. Franz\nMarc, wüßten sie, wie der Künstler sie liebt, diese\nBlinden, denen er das Licht gibt, alles Feuer\nwürde sich selber verzehren, ehe es den Menschen\nfrißt, der allein und nur, ihnen allen Vater und\nMutter, Geliebter und Geliebte ist.\nDas Feuer verbrennt keinen Brennenden.\nDie Erde ist das Tal der Klage, weil wir\nwissen, was wir tun. Wir erfinden, was wir nicht\nsuchen. Künstler und Kinder finden, was sie\nsuchen. Sie sehen , sie hören, sie fühlen. Sie\nspringen im Tal, sehen die Berge, hören die Stimme\nund fühlen Gott. Vielleicht stolpern sie über die\nWurzeln, schlagen sie, weil sie sie nicht sahen.\nAber der Vogel dort erhebt sie und sie sind Eins\nmit der Erde, weil' sie sich in der Welt fühlen. Die\nKlage wird Klang. Der Jubel hallt wider. Ihr\nJubel. Blinde stehen nicht auf. Taube klagen.\nAber Du stehst auf, Franz Marc. Dir war die\nErde heimisch, aber Dein Reich ist in der Welt\nDie Erde lebt aus Dir. Und ein Baum wächst\nauf, seine Aeste greifen um die Erde, seine Blätter\nleuchten blau in Aller Herzen, seine Blüten duften\nKlang in Aller Seelen, es raunt aus ihm in Aller\nDenken, es singt aus ihm der Welten Stimme, es\nklingt aus ihm der Welten Schweigen.\nTäler blühen in seinem Schatten.\nIch liebe das Unvergängliche, durch das ich\nglühe.\nWie ich Dich liebe, Franz Marc.\nWie Du mir entgegenglühst.\nWie ich Dir entgegenglühe.\nDir, Künstler Gottes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "34", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.3", "titre_corps": "Die Liebe des Lebens und das Leben der Liebe", "titre_sommaire": "Die Liebe des Lebens und das Leben der Liebe", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3844, "texte": "Die Liebe des Lebens\nund das Leben der\nLiebe\nHerwarth Walden\nDie Liebe des Lebens ist die Selbstliebe. Wir\nheben uns so sehr, daß wir uns nicht verlieren\nmöchten. Wir finden uns gut und schön. Wir\nfinden uns wahr und fromm. Wir sind so tugend-\nhaft, daß wir nur das Laster sehen. Wir sind\nstolz auf uns. Denn wir sind wir. Wir wollen auch\nnicht sterben, denn es wäre schade um uns. Wir\nwollen auch nach dem Tode fortleben. Wir leben\num zu leben. Wir sterben nicht, das überlassen\nwir den andern. Nach dem Tode leben wir noch\nbesser. Noch klüger. Noch schöner. Noch wahrer.\nNoch frömmer. Denn wir sind wir. Das Reich\nGottes sind wir. Wir werfen uns nicht fort, wir\nwerfen nichts fort. Nicht einmal das Leben. Denn\nes gibt ein Wiedersehen. Ein Wiedersehn mit\nunsern Brüdern und Schwestern. Mit unseren\nGeliebten. Mit denen also, die wir lieben. Also\nmit uns. Wir wollen nicht geliebt werden, denn\ndas nimmt uns etwas. Wir sind wir. Wir wollen\ndereinst nur mit denen zusammenleben, die sich\nselbst lieben. Die also uns in unserer Selbstliebe\nnicht stören. Nachher sind wir alle Brüder und\nSchwestern, weniger gern Geliebte als Liebende,\nGeliebte fordern und Liebende brauchen nichts zu\ngeben als die Liebe. Sie bekommen sich zurück.\nWir lieben meinen Bruder und meinen Schwester.\nAber sein Bruder und seine Schwester ist unbe-\nliebt. Wir haben die Nächstenliebe, denn wir\nstehen uns am nächsten. Und wenn wir Toten\nerwachen, können wir uns weiterlieben. Wir\nwollen uns nicht verlieren, wir haben Angst um\nuns daß wir uns nicht zurückfinden. Aber weit ist\ndie Welt. Und wir stehen im Leben.\nDas Leben der Liebe ist nicht von dieser Erde.\nDie Liebe scheint über uns. Tropfen sind wir nun,\ndie fallen. Fallen und jene Blume tränken, die\nseinen Bruder oder seine Schwester gar liebt. Wir\nmit unserer Liebe des Lebens fallen, damit wir\nauferstehen. Wir müssen uns durchaus wieder-\nfinden. Wir sind unentbehrlich für uns. Wir\nmüssen unsere Nächsten wiederfinden, damit\nwir uns wiedererkennen. Weil wir uns vielleicht\ndoch verlieren könnten.\nDenn \"die Welt ist weit und wir stehen auf der\nErde.\nDas Leben der Liebe fragt nicht nach uns und\nfragt uns nicht. Die Liebe liebt. Sie wertet nicht.\nSie strahlt über die Fallenden und die Gefallenen,\nauch wenn sie nur seine Schwestern sind. Unsere\nSchwestern fallen nicht, die wir das Leben lieben.\nUnsere Brüder fallen, damit wir noch etwas leben\nkönnen. Das ist die Pflicht der Nächstenliebe, weil\nwir uns die Nächsten sind. Wir lieben das Leben,\nweil das Leben ohne unsere Liebe vielleicht nicht\nleben könnte,. Wir wollen es dem Leben zuliebe\nnicht darauf ankommen lassen, daß etwa gar das\nLeben sterbe. Wir leben weiter. Vor dem Tod\nund nach dem Tode. Mit dem Nächsten und dank\ndem Nächsten. Was sollte die Erde ohne uns an-\nfangen. Es ist nicht auszudenken. Al§o es darf\nnicht sein.\nEs ist sehr groß, sich klein zu fühlen, aber noch\ngrößer, sich klein zu denken. Denn nur unsere\nGrösse gibt uns das Recht zur Liebe des Lebens.\nDas doch nicht das Leben der Liebe ist.\nDie großen Denker sagen, der Baum stehe nur,\nwenn wir ihn sehen. Aber der Baum steht und sie\nstossen sich den Kopf. Dann wird der Baum ge-\nfällt, damit wir uns nicht den Kopf stossen. Nun\nstolpern wir mit den Füssen. Wir graben den\nBaum ein. Nesseln verbrennen uns die Haut.\nAber wir müssen let>en. Nach dem Tode brauchen\nwir uns nicht mehr den Kopf zu stossen, nicht\nmehr zu stolpern und nicht mehr die Haut zu ver-\nbrennen. Wir sind ganz frei, nur der schönen Be-\nschäftigung hingegeben, uns zu lieben.\nNesseln brennen, weil sie lieben. Nicht uns.\nAber das ist das Leben der Liebe.\nDieses Bild stört uns, weil wir die Farben\nnicht lieben.\nAber die Farben lieben doch.\nDie Farben lieben für sich und wir für uns.\nDer Baum steht.\nWir lieben das Leben.\nDoch nur die Liebe lebt.\nWir sind eine dumme Person.\nDer Himmel weint nicht.\nEs regnet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "140", "image_debut": 3, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.4", "titre_corps": "Aus der Zeit für die Zeiten", "titre_sommaire": "Aus der Zeit für die Zeiten", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.3", "debut_caractere": 3846, "fin_caractere_exclue": 10029, "texte": "Aus der Zeit für die\nZeiten\n\nDer Casus des Kaukasus\nNun müssen ihn selbst die Tauben hören, den\nRitter Stahl von Mosse ohne Furcht mit Tadel.\nEi hat es getragen sieben Monate, nun trägt er\nes länger nicht mehr. Heiß mich nicht schweigen,\nheiß mich reden. Die Stunde kommt, die, Stunde\nnaht, nun muß sich alles, alles wenden. Erschallet\nDrommeten, ertönet Fanfaren. Herr Stahl, der\nFritz, macht seinem bedrängten Auge Luft, indem\ner Bilder stürmt. „Keine Furcht vor den üblichen\nSchmähungen darf einen Mann verhindern, das\nlaut zu bekennen, und wenn so viele schweigen\noder sich schlau aus der Affäre winden, so ist das\nnur ein Grund, noch deutlicher und schärfer zu\nsrechen.\" Er windet sich nicht schlau aus der\nAffäre, er windet sich. Er spricht immer weiter,\nnoch deutlicher und schärfer, statt deutlicher und\nschärfer zu sehein. Aber so wenig seine Sprache\nscharf ist, so wenig deutlich sieht sein Auge.\nKeine Furcht darf einen Mann verhindern, über\nKunst zu schreiben, wienn er dazu von Mosse\nberufen ist. Aber der große Stahl sieht über-\nall nur sich. Er schmäht und glaubt geschmäht\nzu werden. Seine Schmähungen gehen nicht\nüber den Strich des Berliner Tageblatts. Mein\nErbarmen sichert ihm einen bescheidenen\nPlatz in dem Ulk der Kunstgeschichte. Er macht\nsich zum Spott und ich ihn zu Humor. Und das\nist der Witz davon. „Diese absichtliche oft\ngeradezu kaltblütig ausgerechnete Vergewalti-\ngung von Natur und Menschheit bedeutet ein Ver-\nbrechen nicht nur mehr gegen die Kunst, sondern\ngegen jedes gesunde Weitgefühl.\" Der Herr Stahl\nist wirklich nicht bescheiden. Er nennt sich Welt-\ngefühl, während er doch nur Beziehungen zum\nWeltspiegel hat. Fritz Engel ist ihm sicher der\nZeitgeist. Aber wenn der Natur, die kaltblütig\nausgerechnet und endgültig im Jahre 1916 verge-\nwaltigt ist, nur noch das Erwachen des Herrn\nStahl mit lautem Gähnen bevorsteht, kann sie sich\nruhig begraben lassen. Was hat man eigentlich dir,\ndu armes Kind, getan. Du kennst nicht mehr das\nLand, wo die Zitronen blühen. Das ist Alles.\nManche Leute sonnen sich eben gern im Süden.\nAber deswegen darf doch die Sonne wohl im\nOsten aufgehen. Im Norden stürmt es. Aber es\nist dem Weltgefühl ganz gesund. Kunst ist nicht\nfür katarrhalische Erscheinungen und die Sonne\nHomers, siehe, sie leuchtet auch uns. Diese klima-\ntische Erörterung dürfte selbst die klassische Bil-\ndung des Herrn Stahl befriedigen. Es ist un-\nbequem, etwas aus der Sonne zu gehen, wenn\nman in der Sonne zu liegen glaubt Herr Stahl\nist eingeschlafen und hat nicht gemerkt, daß sich\ndie Erde mit ihm umdrehte und er nun im Schatten\nan der Mutter Erde klebt. Seine Augen blicken\nins Bodenlose, er sieht nichts mehr, verliert den\nHalt und die Haltung. „Vielleicht hat diese Beob-\nachtung den Widerwillen, den die in die Masse\ngewachsenen wüsten Scheusslichkeiten der soge-\nnannten Jugend der Gruppe in mir weckten noch\ngesteigert; er ist schließlich zu geradezu körper-\nlichem Ekel geworden.\" Ich kann die Qualen\ndes Herrn Stahl nicht mit ansehen und wende\nmich deshalb zu freundlicheren Gebilden seiner\nTätigkeit: „Wir, die wir vor einigen zwanzig\nJahren in das Kunstleben eintraten, haben lange\nund scharf gegen den Eigensinn der damals herr-\nschenden Künstler zu kämpfen gehabt, die sich\nverbissen gegen alles Neue wehrten und es nicht\nir, ihre Ausstellungen Hessen. Ich bin jetzt ge-\nneigt, ihnen jedes harte Wort abzubitten. Denn\nmochten sie irren, oft sehr irren, schließlich glaub-\nten sie doch ehrlich an ihre Sache und vertraten\nsie und büssten am Ende ihre Entschlossenheit.\nUnd das steht höher als die Fügsamkeit gegen\nden Terror der Jüngsten, die wir heute leider fast\nbei allen Leitern sezessionistischer Ausstellungen\nfinden.\" Es irrt der Stahl so lang er lebt, aber\nich bin doch anständiger. Denn ich bin fest über-\nzeugt, daß der Kunstkritiker Stahl ehrlich unkünst-\nlerisch ist. Er irrt oft, sehr oft, aber er glaubt doch\nehrlich an seine Unfähigkeit, vertritt sie und büsst\nam Ende seine Entschlossenheit. Er irrt sich in\nAllem. Herr Stahl ist den Jüngsten nicht einmal\nan Jahren so sehr überlegen, wie er sich vor-\nkommt, die Jüngsten üben gar keinen Terror auf\ndie Leiter sezessionistischer Ausstellungen aus.\nSie haben noch niemals eine, sezessionistische Aus-\nstellung beschickt, nicht einmal eine Einladung an-\ngenommen. Ihr Terrorismus besteht nur darin, daß\nsie auf die Besprechung des Herrn Stahl verzich-\nten. Herr Stahl ist niemals um ein gutes Wort\ngebeten worden, trotzdem es einen guten Platz\nim Berliner Tageblatt findet. Herr Stahl hat viele\nböse Worte für den Nachwuchs der Jüngsten, er,\nder noch nie einen gerade gewachsenen Künstler\ngesehen hat. Sicher ist, der Nachwuchs ist nicht\nvon schlechten Eltern. Und wenn die Kinderchen\nKandinsky, Marc und Kokoschka zum Verwech-\nseln ähnlich sehen, so liegt das eben im Wesen der\nNatur, mit der ja sonst Herr Stahl auf vertrautem\nFusse steht. Wenn erwachsene toternste Impres-\nsionisten sich andere Kleider anziehen, was können\ndie Unverkleideten dafür. Aber Herr Stahl ist so\nernst, daß er von jedem Maskenball Kunstberichte\nschreibt. Er erkennt Goethe nur an der monumen-\ntalen Haltung und Beethoven an der Taubheit.\nUnd Expressionisten nur an der widernatürlichen\nVergewaltigung der Natur. Herr Stahl hat sich\nwenigstens historisch mit Rembrandt beschäftigt,\nbevor er die kleinen Rembrandts zu großen Rem-\nbrandts herauflobte. Mit den großen Künstlern\nder neuen Stilbewegung hat sich Herr Fritz Stahl\nnie beschäftigt, das kann ich ihm nachweisen.\nTrotzdem er ihre Schüler heruntertadelt. Schüler\nzum größten Teil, die von den Lehrern nur das\nSpucken abgeguckt haben. Mit welchem Recht\naber wird Herr Stahl unmoralisch. Mit welchem\nRecht spricht Herr Stahl den Leitern der sezes-\nsionistischen Ausstellungen den Glauben an die\nEhrlichkeit ihrer Sache ab. Mit welchem Recht\nbehauptet Herr Stahl, daß zum Beispiel Herr Curt\nHerrmann weniger von Kunst versteht als er. Curt\nHerrmann, der mit seinen sechzig Jahren während\nseines ganzen Lebens noch immer strebend sich\nbemüht, während Herr Stahl mit seinen lächer-\nlichen fünfzig Jahren eine Ansicht hat, die höch-\nstens auf einer Ansichtskarte Platz findet. Viel-\nleicht Herr Stahl als guter Hirte dargestellt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10450, "texte": "auf einem Hügelchen, während sich um ihn im\nKreis die Schafe drehen. Sonnenlicht von links\noben. Rechts untren ein kleiner Bach. Rechts oben\nein paar Sperlinge, links unten eine satte Wiese.\nAlle Künstler wollen eben nicht Schafe sein. Sehen\nwir uns einmal in dem Gemüsegarten des Herrn\nStahl etwas um: „ . . . der nicht viel jünger ist,\nlegt mit wenigen reinen Farben ein Blumenstück\nvon so reichem und duftigen Leben hin, daß man\ndreimal nachsieht, ob dieses frische Stück wirk-\nlich von dem greisen Landschafter kommen kann.\"\nEine Spätgeburt, die man gleich mitnehmen\nmöchte. Bei so einem Blumenstück muß man\ndreimal nachsehen, ob es auch wirklich unecht ist.\nDas reine Panoptikum. Wenn man so etwas hin-\nlegt, halten es die andern wirklich für echt, trotz-\ndem es unecht ist. Ein anderes altes Herz: „Das\nHerz dieses bald Achtzigjährigen fühlt den Jubel\neines Frühsommertages so rein und stark, als hätte\nes ihn zum ersten Mal erlebt.\" Das Bild heißt\n„Himmelfahrtstag\", ist von Hans Thoma und wird\nHerrn Fritz Stahl zu seinem achtzigsten Geburts-\ntag geschenkt, wenn er bis dahin zur Auferstehung\ngekommen sein sollte. „... gibt ein prachtvolles\nStück Hamburg, einen trüben und bewegten Tag,\ndurch den plötzlich Sonnenlicht dringt.\" Da\nbraucht der Herr Stahl den Regenschirm nicht\nmehr zum Losschlagen zu benutzen. „ ... das Bild\neines Trauernden das ganz als Rhythmus in\nschwarzen und grauen Tönen gedacht ist.\" Herr\nStahl sieht eben nur gedachte Bilder, Bilder mit\nDingen. „... gibt ein forsch gemaltes und charak-\nteristisches Porträt.\" Wieviele Menschen haben\nnicht schon durch ein forschgemaltes Porträt\nCharakter bekommen. Aber ein Talent bildet sich\nin der Stille. „... hat sich auf das Stilleben zu-\nrückgezogen.\" Für Herrn Stahl ist auch jede Nie-\nderlage ein triumphaler Rückzug. Aber nun geht\nes noch einmal immer feste druff: „In der Plastik\nhat das Fratzenwesen einen besonders breiten\nRaum. Man muß sich fast schämen zur kaukasi-\nschen Rasse zu gehören, wenn man all diese zer-\nquetschten Köpfe und platten Nasen als Schönheit\nverherrlicht sieht.\" Ja, der Herr Stahl hat eben\nFasse, der Kaukasus kann sich freuen. Und Herr\nStahl wird dem Fratzenwesen als Modell empfoh-\nlen, wenn es mal wieder kaukasisch kommen will.\n„Es gibt jetzt keine größere Chance für junge\nKünstler, als wenn Gott ihnen ein negerartiges\nWeib gibt.\" Selbst Gott scheint von der Natur\nabzufallen, wenn er den jungen Künstlern mit\nnegerartigen Weibern entgegenkommt. Oder sind\ndiese Weiber nicht von Gott geschaffen? Daß\nHerr Stahl es tat, ist nicht anzunehmen. Er ist\nvon der kaukasischen Rasse. Aber im Ernst, den\nich so sehr liebe, sollte man solche Sätze für mög-\nlich halten. Wenn auch vor Gott nichts unmöglich\nist. Wenn dieser Herr Stahl der Gott einer größe-\nren Menge Kaukasier ist, zieh ich, weiß Gott, den\nGott der Neger vor. Er hat sich zwar ohne Er-\nlaubnis des Herrgottes aus dem Kaukasus zer-\nquetschte Köpfe und platte Nasen geleistet, was\nnützen mir aber platte Köpfe und glatte Nasen,\nwenn sie als Schönheit verherrlicht nur wächsern\nwirken, sodaß man nicht weiß, ob sie echt oder\nunecht sind. Ehrlich währt am längsten. Und daß\ndu die Nase im Gesicht behältst. 0 schreib solang\ndu schreiben kannst. Die Stunde kommt, die\nStunde naht. Es muß sich alles wenden.\nDie grobe Mode\nDie „Werkstatt der Kunst\" vereinigt sich nun\ngleichfalls mit der Werkstatt des Schneiders. Die\n„Werkstatt der Kunst\" ist das Vereinsorgan der\nAllgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft und\nzahlreicher anderer Dilettantenverbände. Nur daß\ndiese Dilettanten ganz besonders die Kunst mehr\nlieben als daß sie von ihr geliebt werden. Kunst\nist eben nicht für Gegenliebe. Dilettanten sind\nimmer wichtig und haben deshalb in ihren Vereins-\norganen stets einen „amtlichen Teil\". Es ist zu\nbedauern daß nicht auch die gesamten Oelbilder\nauf Kupfer oder anderen beschlagnahmten Metallen\nniedergepinselt worden sind. Das wäre eine so\nschöne Gelegenheit gewesen, die ganze Kunst zu\nverpulvern. Rauch ist alles ird'sche Leben. Leider\nist nun eine Metallfreigabestelle eingerichtet, die\nMutterplatten von künstlerischem Wert auf Antrag\nwieder frei gibt. Die ungebornen Kinder werden\nalso wieder auf die Erde kommen und ich möchte\ndie Mutterplatte sehen, die nicht ihren Kindern\nden größten Wert beimißt. Kaum ist die Mutter\nfreigegeben, so äußert sich schon nichtamtlich\nMargarete von Suttner über die Mode im Bilde.\nFür sie ist die Mode wenigstens noch eine Spezial-\ngattung der Kunst, die in mehrere Untergattungen\nzerfällt. Für das Zeitecho der Moderne ist die\nMode schlechthin die Kunst. Das „Hohenzollern-\nkr.nstgewerbehaus\" und der „Graphik-Verlag\",\nalias „Moden-Alfred-Marie\", wetteifern der Mode\ndas zu geben, was ihnen die Kunst nicht gibt.\nMode und Moderne sind ja schließlich auch das\nselbe. Die Futuristen aber, die sich in diesen\nSalons zeigen, sind eben keine. Denn Mode ist\nstets Gegenwart und nie Zukunft. Doch Schneider\nsind stets ängstlich: „Endlich sehen wir, daß sich\nauch in diesem Seitental der ernsten Kunst die\nFuturisten einzunisten beginnen. Um sich für ihre\nBlättchen zu interessieren, bedarf es anscheinend\neiner besonderen Seh- und Auffassungsweise.\"\nModeblättchen von Futuristen sind genau so\ndumm wie Modeblättchen überhaupt. Es ist zu\ndumm, Zukunft, die immer Zukunft bleibt, nach-\nahmen zu wollen. Denn erstens kann man die\nZukunft nicht sehen, da man dazu anscheinend\neiner besonderen Seh- und Auffassungsweise be-\ndarf und zweitens kann man sich für solche Blätt-\nchen nur interessieren, wenn man schönen Frauen\nnachäffen will. Kunstprofessoren sind gewöhnlich\nkeine schöne Frauen, dazu sind die Umhängebärte\nzu würdig, schöne Frauen lassen sich aber weder\nvon Sezessionisten noch von Futuristen anziehen,\ndas tun sie selber. Schöne Frauen erfinden sich die\nMode, die häßlichen machen sie nach. Dann wird\ndas alles gemalt und die Mode im Bilde ist fertig.\nHierauf wird sie von Kunstschriftstellern wie Herr\nFritz von Stahl und Frau Margarete von Suttner\nbesprochen. „Ich sehe Pflanzenfaserpapier, ein\nübermässig kostspieliges Reproduktionsverfahren,\nDreiecke anstelle von Nasen, bunte Tupfen an-\nstelle von Augen, ein bisschen Japan, ein bisschen\nAlt-Aegypten, eine grosse Unruhe, ein grosses\nSuchen, kurz, es ist „Der Sturm\" ins Winzige\nübertragen.\" Da sie die Robes nicht sieht, sind die\nBilder offenbar falsch plaziert. Uebrigens hätte\nsich die Kunstschriftstellerin denken müssen, daß\ndiese Sachen nichts mit dem Sturm zu tun haben.\nDer Sturm läßt sich weder tragen noch gar ins\nWinzige übertragen. Graphisch kann man sich nur\nbei der Moden-Alfred-Marie anziehen und male-\nrisch nur auf Künstlerfesten.\nDer Sturm heult über die Wüsten.\nDilettanten gegen Dilettanten\nAuch der Leserkreis der „Werkstatt der\nKunst\" betrachtet. Natürlich nicht Bilder. Bilder\nkennt man in jener Werkstatt nicht. „Nur in der\nMalerei ist es Mode, ohne Sinn und Verstand mög-\nlichst produktiv zu sein. Hier werden gegen-\nwärtig dem größten Dilettantismus die Lorbeeren\nzugeworfen.\" Sehr objektiv von der „Allgemeinen\nDeutschen Kunstgenossenschaft\", das in ihrem\neigenen Vereinsorgan zuzugestehen. „Talent hat\nallein noch kein Genie gezeitigt.\" Da müssen Sick\nschon mehrere Talente zusammentun, einen Verein\nbilden. „Aber wir brauchen keine wertlosen Ar-\nbeiten aus andern Ländern, um unsere Ausstel-\nlungshallen zu fußen.\" Gewiß nicht, dafür sorgt\nschon die „Allgemeine Deutsche Kunstgenossen-\nschaft4'. „Maler, die ihre Bilder fabrikmäßig an-\nfertigen. nur um allen Einladungen nachzukom-*\ntuen, verdienen bei uns Unsummen/' Der Leser-\nkreis liest nicht die Beilage der „Werkstatt der\nKunst\", „die kunsttechnischen Blätter\". Leubach,\nder teure, war doch unser. Der Leserkreis wird\nimmer geschlossener: „Wer sehen gelernt hat,\nwird sich niemals erdreisten, dem Publikum miß-\nglückte Malversuche als Kunstwerke vorzuset-\nzen. \" Zwei Gedankenstriche für die „Werk-\nstatt der Kunst\".\nAlexander, der Schneider\nAuf Sascha Schneider hat der Krieg gewirkt.\nEr übersetzte seinen Vornamen in Alexander, heißt\nnunmehr Alexander (Sascha) Schneider und kann\nncch immer nicht malen. Er zeichnet noch immer\ndie selben Männekens, nur heissen sie jetzt nicht\nmehr Diskuswerfer, sondern Krieger. Der Ball-\nspieler heißt jetzt Kriegsfurie und der Gymnast\nder Tod. Ein Herr Krieger bläst so kräftig auf\nder Posaune, daß ihm die Haare horizontal zu Tal\nstehen. Herr Alexander (Sascha) Schneider ist\naber ein ernster Künstler, ein Denker: „Denn\nAlexander (Sascha) Schneiders Kriegergestalten\nund Todesgewalten sind keine sachlichen Abbildun-\ngen, keine Illustrationen, aber auch keine billigen\nherkömmlichen Allegorien. Sie zeigen uns weder\ndie Feldgrauen bei ihrer wirklichen Tätigkeit,\nnoch bringen sie abstrakte Umschreibungen für\ndas, was uns alle \"lebendig erfüllt.\" So sagt die\nFirma Breitkopf und Härtel von ihrem Alexander\n(Sascha) dem Grossen. „Sie sind vielmehr der\nunmittelbare Form gewordene Ausdruck dafür,\nwie die erschütternden Empfindungen, die uns\nangesichts des gewaltigen Völkerringens beseelen\nin einem Künstlergeist und Künstlerauge Gestalt\nannehmen und dadurch auch für uns vertieft und\nabgeklärt erscheinen, wenn wir die Fähigkeit be-\nsitzen, sie mit unserer eigenen Empfindungswelt\nmiterlebend zu verschmelzen.\" Wenn wir aber\nnicht die Fähigkeit der Herren Breitkopf und\nHärtel besitzen, so erscheinen sie uns nicht ver-\ntieft und abgeklärt, sie haben nur in dem einen\nKünstlergeist und Künstlerauge des Alexander\n(Sascha) Schneider Gestalt angenommen, sie sind\nvielmehr die mittelbare Ausdruck gewordene\nForm vergangener Jahrhunderte. Oder weniger\npropagandistisch gesprochen: sie sind Kitsch, die\nKriegergestalten und Todesgewalten. Ich kann\nsolche Männekens auf den Tod nicht ausstehen.\nDazu ist sogar der Tod zu ernst. Aber Breitkopf\nund Härtel sind überwältigt. Einfach hin. „Es\nwerden sich mit diesen geradezu überwältigenden\nSchöpfungen nicht nur die Kunst- und Literatur-\nzeitschriften beschäftigen, sondern auch in Tages-\nzeitungen dürfte Stellung zu ihnen genommen\nwerden; wir selbst werden in nachdrücklichster\nWeise für das Bekanntwerden des Werkes\nsorgen.\" Die Kriegergestalten Breitkopf und\nHärtel stehen nachdrücklichst vor meinem Auge.\nAlexander (Sascha) Schneider löst sich mir vor\ndiesem Bilde in billige herkömmliche Allegorie.\nAuf, Tageszeitungen, Kunst- und Literaturzeit-\nschriften, auf in den Kampf für Alexander (Sascha)\nden Grossen, denn schon steht hier seine Todes-\ngestalt. Obschon hinter dem Alexander (Sascha)\nnur ein Schneider steht."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10239, "texte": "Zu gesund\n„Wenn es auch Tatsache ist, daß die Anzeige\nii( Tageszeitungen und Zeitschriften der beste\nGrundbestandteil aller auf den gleichen Endzweck\ngerichteten Maßnahmen ist, so gibt es auch\nandere Reklameformen, die sich als sehr\nzweckmässig erwiesen haben und von denen\nmanche sogar der Allgemeinheit sehr nützliche\nkulturelle Dienste erwiesen, insofern sich diese\nReklamearten der Kunst bedienen und in den\nweitesten Kreisen den Sinn für das Schöne er-\nwecken und befestigen.\" Ich werde gebeten,\ndiesen Satz der Oeffentlichkeit nicht vorzuent-\nhalten. Ich selbst verzichte zwar auf den besten\nGrundbestandteil aller auf den gleichen Endzweck\ngerichteten Maßnahmen, aber die Reklamearten\nbedienen sich bitte der Kunst und die Kunst, die\nsich sonst bedienen läßt, erweckt und befestigt\nden Sinn für das Schöne. Die Kunst wird sich\netwas husten: „Diese Firma hat nämlich von\neiner sehr bedeutenden Kunstanstalt das Repro-\nduktionsrecht für eine ganze Reihe künstlerisch\nausgeführter naturgetreuer Vogelbilder erworben\nund hiervon zur Reklame für das bekannte Husten-\nmittel „Kaisers Brustkaramellen\" eine Riesenauf-\nlage herstellen lassen.\" Das ist zu süß. Man hat\nden Husten und noch den Vogel dazu. „Diese\nBilder werden kostenlos an die Abnehmer des er-\nwähnten Hustenmittels abgegeben und kommen so\nin alle Kreise des Volkes.\" Der Sinn für das Schöne\nfliegt naturgetreu in die Lüfte. Man macht sich\nheiser, nimmt, wenn man Vogel ist, Kaisers Brust-\nkaramellen, um wieder singen zu können wie der\nVogel singt, nimmt, wenn man Abnehmer ist, ein\nnaturgetreues Vogelbild, worauf man nicht mehr\nhusten braucht. Für alle Kreise des Vogelvolks\nund der Menschenwelt ist so bestens gesorgt.\nKostenlos. Bediene dich selbst der Kunst. Zu\nhaben in den vielen Tausenden von Verkaufs-\nstellen.\nUntergetaucht\nDie Kunstausstellung Wiesbaden 1915 ist ge-\nschlossen. Einige Sätze des „Wiesbadener Bade-\nblatts\" müssen aber aus der Zeit gerettet werden.\nDie Kunstkritik der Großstädte hat zwar noch\nimmer viel gegen künstlerische Formen einzu-\nwenden. Sie versucht wenigstens dennoch, sich\nin Form zu halten und sich an den guten Ton im\nUmgang mit Kunstwerken zu gewöhnen. Die Ver-\nwandtschaft im Lande benimmt sich hingegen\nnoch sehr flegelhaft. Wiesbaden scheint sich über-\nhaupt sehr geschützt vorzukommen. Das „Wies-\nbadener Badeblatt\", Organ der Stadtverwaltung\nund Amtsblatt der Residenzstadt Wiesbaden,\nspritzt gegen Kunst um sich, als ob der Koch-\nbrunnen ein Niagara-Fall ist. Kräftig, aber nicht\nkräftigend, worauf es doch für Wiesbaden an-\nkäme. Mit der Kraft der Kranken, die sie erst\nwiederbekommen wollen. Die große Kunstaus-\nstellung Wiesbaden 1915 hat versucht, historisch\nzu sein. Das ist zwar nicht künstlerisch. Man ver-\nfiel aber wenigstens nicht auf den Fehler der\nHistoriker, die Historie etwa mit dem Jahr 1870\nabzuschliessen. Das ist die übliche sehr dumme\nGeschichte. Man wußte wenigstens in Wiesbaden,\ndaß alles Geschichte ist, was geschah. Die Ge-\nschichte wird eben jeden Tag einen Tag älter. Das\nist für Historiker unangenehm, denn sie müssen\njeden Tag etwas zulernen. Historiker essen aber\nalte Weisheit so mit Löffeln, daß sie die Löffel\nweglegen und satt sind, wenn die Geschichte ge-\nrade wieder anfängt. Infolgedessen war die Kunst-\nausstellung Wiesbaden schlecht unterrichtet, und\nstellte nur die Bilder von Zeitgenossen aus, die\nKunst nur durch die Vorgenossen sehen. Der\nNachgesclimack ist schlecht. Wiederkäuen keine\nmenschliche Tätigkeit. „Jedenfalls hat der Be-\nschauer die Möglichkeit einer guten Orientierung\nvon Böcklin, Th. Alt über Leibi, Thoma, Trübner,\nLiebermann bis zu Curt Herrmann, Orlik, E. R.\nWeiß, Weisgerber, Erbslöh und Schwalbach, also\nbis zu den Jüngsten, die sich mit vollem Bewußt-\nsein von der Natur abwenden, die sich romantisch\ngeben möchten, deren phantastische Werke aber\nnicht aus einer reich blühenden Phantasie geboren\nsind, sondern einer ganz dürren und dürftigen ge-\ndanklichen Spekulation ihr kümmerliches Dasein\nverdanken. Jedenfalls hat ihr Rechenexempel ein\nLoch und sie beweisen nur, wie weit ihr Schaffen\nvon Kunst entfernt ist. Das ist aber der Wert der-\nselben, daß sie uns zeigt, auf welchem Weg in\ndie künstlerische Dürre und Unfruchtbarkeit wir\nuns befinden.\" Man hat es also glücklich fertig-\ngebracht, zwei Maler der expressionistischen Be-\nwegung zu finden, die auch schon Nachgenossen\nsind. Die reichblühende Phantasie der genannten\nHerren außer Leibi ist aber gleich dürftig. Und\ndas Rechenexempel hat für alle dasselbe Loch.\nDas Rechnen mit Löchern ist überhaupt sehr\nschwierig: „Das Rechenexempel stellt sich ein,\nwo das naive Schauen, das Erlebnis ausbleibt.\"\nDas halte ich für höhere Mathematik. Nur kann\nder Herr Kritiker des Wiesbadener Badeblatts\nnicht Kubikwurzeln ziehen: „Cezanne und van\nGogh sind die Ausgangspunkte der Jüngsten. Der\nImpressionismus, der auf einem ganz voraus-\nsetzungslosen Erfassen der Natur beruht, ist eine\nWeltanschauung, über welche die Jüngsten in\nihrer Empfindungsarmut hinwegwollen' — wollen,\nohne inneres Erleben, nicht müssen. Die Kunst,\ndie einst das Kunstgewerbe befruchtete und em-\nporhob, steigt herab, macht bei letzterem Anleihen\nund droht in ihm zu versinken.\" Ueber eine Welt-\nanschauung- ohne Anschauung der Welt wollen\nalso die Jüngsten hinweg, statt auf einem Erfassen\nzu beruhen. Waruni müssen sie eigentlich, wenn\nsie nicht wollen. So viel freien Willen wie der\nKunstkritiker des Wiesbadener Badeblatts wird\nihnen die Mutter Natur doch wohl gegeben haben.\nUnd die Kunst, die der Herr an ihren Früchten,\ndem Kunstgewerbe, erkennt, hat soviel letztere\nAnleihen1 bei der Mutter Natur gemacht, bis sie\nihr schließlich die Kunst schuldig blieb. Das müßte\nder letzteste Kunstkritiker nachrechnen können,\naber sein Exempel hat eben ein Loch, Natürlich\nversteht der Bademann van Gogh: „Ebenso wird\nvan Goghs große Persönlichkeit, deren glühendes\nFeuer nicht die reine Form finden konnte, weil das\nKönnen nicht stark genug war, von ihnen völlig\nmißverstanden. Sie klammern sich an die Mängel\nseines Handwerks an.\" Solchem Kunstkritiker\nmuß mal das Handwerk gelegt werden, und zwar\nso gründlich, daß er sich nicht mehr an die Mängel\nklammern kann. Indem man ihm auf die Finger\nklopft. Van Gogh konnte also die reine Form nicht\nfinden. Die große Persönlichkeit des Wiesbadeners\nverbrennt sich die Finger an dem glühenden Feuer\nund schreit Zeter und Mordio. Wer hat ihn ge-\nheissen hin einzufassen. Er kann auch zu Hause\nbaden und braucht nicht mit dem Feuer zu spielen.\nWer das nämlich kann, ohne sich die Finger zu\nverbrennen, ist der Künstler. Gewiß, Ruinen sind\ninteressanter für die Kunstkritiker, diese ruinierten\ngrossen Persönlichkeiten. Und nun werden die\nRuinen beschrieben: „Ein vielversprechendes Talent\nlernt man in W. Teutsch, München, kennen, dessen\nBilder ebenso stimmungsvoll wie großzügig.\"\nDiese Vielversprecher halten niemals Wort. Aber\nder Bademann verspricht sich weiter: „Sehr gut\nist auch Joachim von Bülow vertreten, der für\nseine Eindrücke eine möglichst einfache Formel\ngefunden hat.\" Dieser arme Maler wird ganz un-\nberechtigt in den Verdacht der Spekulation ge-\nbracht, trotzdem man ihm seine Bilder genau an\nfünf Fingern nachrechnen kann. „Max Unolds\n„Dame im Klubsessel\" sprich in seiner Art für\nseinen Schöpfer.\" Di.e Dialoge kennt man. „Eine\nPersönlichkeit, die sehr glücklich mit modernen\nAusdruckmitteln monumentale Wirkungen an-\nstrebt, ist Franz Reinhardt.\" Es irrt der Mensch\nsolange er strebt. So malen sich in dem Kopfe\ndes Bademanns die alten Künstler. Die jungen\naber, „sie wollen bedeutend wirken, weil sie so\nunbedeutend im Können sind. Sie bemänteln ihr\nNichtkönnen mit dem durchsichtig schäbigen\nSchleier der Originalität.\" Der Bademann ist kein\nOriginal. Er will bedeutend wirken, indem er das\nKönnen für unbedeutend und sein Bedeuten für\nKönnen hält. Dem Mann muß bedeutet werden,\ndaß man auch ohne Schleier schäbig wirken kann.\nUnd im Bade ist schon mancher enthüllt, der in\nKleidern als starker Mann posierte.\nBilder mit Dingen\nKostenlose Stoffe für Impressio-\nnisten der Leinwand und des Papiers\nRede von Lloyd George: „Niemals werden\nwir genug von Menschenleben haben, solange wir\nnicht die hinreichenden Mittel besitzen, um im\nSturm das Loch zu öffnen, durch welches der\nWeg zum Siege führt.\" Titel: Durch Loch zum\nSieg.\nBerliner Tageblatt vom 2. November 1915:\n„Die Fleischer konnten in den gestrigen Abend-\nstunden den Andrang der Käufer kaum bewältigen\nund vor vielen Läden bildeten sich lange Reihen\nvon Hausfrauen, die sich mit Fleisch und Dauer-\nwaren versorgten. Mit einem derartig unver-\nnünftigen Verhalten schneiden sich die Berliner\nHausfrauen natürlich ins eigene Fleisch.\" Titel:\nEigene Fleisch- und Dauerwaren. Besprechung\nvon Fritz Stahl wird zugesichert.\nGraphisches Kabinett: „Und wie in früherer\nZeit der Verleger eine persönliche Rolle spielte\nund durch seine Individualität einen hervorragen-\nden Faktor in der literarischen Kultur darstellte,\nso soll auch der moderne, Verleger, der sich seit\nzwei Jahrzehnten diesem Typus wieder zu nähern\nbeginnt, in besonderen Vortragsabenden als sol-\ncher entdeckt werden.\" Titel: Der Faktor im Ka-\nbinett.\n„Gerichtssaal. Das Kriegsspiel der Jugend.\nDas Reichsgericht aber hat auf die Revision hin\ndas Urteil aufgehoben. Die Revision brach in\nder Hauptsache eine Lanze für das soldatische\nSpiel unserer Jugend.\" Titel: Spiele nicht mit\nWorten, denn es fühlt wie du den Schmerz.\nBerliner Tageblatt: „Trübner ist seit minde-\nstens fünfzehn Jahren einer der begabtesten deut-\nschen Maler.\" Feststellung zur Feier seines fünf-\nundsechzigsten Geburtstags. Die ersten fünfzig\nJahre war Herr Fritz Stahl wahrscheinlich da-\ngegen. Titel: Vor fünfzig Jahren.\nBerliner Tageblatt über Trübner: „Selbst\nmindere und weggelegte Bilder seiner jüngeren\nJahre bringen noch hohe Preise.\" Bei Cezanne\nund van Gogh nennt man so etwas Atelierreste.\n„Seine Stellung unter den Besten der Zeit wird\nnirgends bestritten.\" Titel: Nach fünfzig Jahren.\nUebrigens sollte Herr Fritz Stahl sich nicht für\nAlles über Deutschland halten. Wer den Resten\nseiner Zeit genug getan, der hat gelebt für Fritz\nStahl.\nLicht und Schatten: „Auf einem Selbstporträt\nlernt man den ernsten nachdenkenden Kopf des\nKünstlers kennen.\" Titel: Selbstporträt mit Kopf."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10195, "texte": "„Schwurgerichtssaal Zürich: Weltfriedensdrama\nvon Doktor Otto Borngräber, vorgetragen vom\nDichter selbst, auf Einladung der Vereinigung von\nAngehörigen kriegführender Staaten im neutralen\nAuslande.\" Titel: Der falsche Schwur. Oder: Der\nBerichterstatter auf dem neutralen Kriegstheater.\nDas Erwachen des Löwenkritikers\n„Beethovens Klavierkonzert in Es von der\ngreisen Klavierlöwin Teresa Careno in großem\nStil wenngleich nicht ohne empfindliche An-\nschlagshärten vorgetragen.\" Warum soll eine\nLöwin nicht hart zupacken. Wenn der Herr Mu-\nsikkritiker eine Dame dazu ernennt, muß er sich\nnicht wundern, wenn er mir in die Klauen fällt.\nDer Sprung auf den Boden\n„Es besteht die Gefahr für ihn, daß sich leicht,\nwenn er beständig' weiter dieser Charakter- und\nLebenszeichnerei obliegen würde, 'eine gewisse\nManier statt der bisherigen Ursprünglichkeit, mit\nder er die von ihm schilderten Menschen aus ihrer\nräumlichen und zeitlichen Umgebung herausholt,\nbei ihm ausbilden könnte.\" So sagt der Dichter\nHerbert Eulenberg über sich selbst. Er malt sich\nbesser als die, von ihm geschilderten Menschen,\nEr nennt seine bisherige Manier Ursprünglichkeit\nund seine zukünftige Manier. Er sieht eine Gefahr,\nwo er schon längst über den Eulenberg ist und\nversteht es, mit guter Manier sich abzuzeichnen.\nDie beste Manier, einen Ursprung vorzutäuschen,\nwährend man nur einen Hopsassa macht.\nIch hab es geschworen ..\n„ ... und in feiertäglicher Stimmung lauschte die\nHörerschar den Kundgebungen des Genies. Wir\nhaben ihn lange nicht gesehen, den kleinen Meister\nmit der allmählich sehr hoch gewordenen, von\nzwei mächtigen Haarbüscheln flankierten Stirn,\nmit den zusammengekniffenen unter struppigen\nBrauen hervorblitzenden Augen, und wir freuen\nuns, daß er rundlicher geworden ist und daß es\nihm offenbar also gut geht.\" Der ernste Musik-\nkritiker der Vossischen Zeitung strahlt. Rundliche\nGenies wirken immer beruhigender. Wir freuen\nund, daß die Kunst so gut anschlägt.\" „Er greift in\ndie Tasten und ruft durch eine kurze, ohne jeden\nEhrgeiz geformte Improvisation zur Sammlung\nauf.\" Sitzt man im Fett, läßt eben der Ehrgeiz nach.\nUnd die Form auch. Improvisatoren rufen zur\nSammlung, weil ihnen die Sammlung zur Improvi-\nsation fehlt. „Es ist nämlich ein Beethovenabend,\nden er angezeigt hat. Er faßt sie etwas derbe\nan, diese Variationen, und er spielt sie wohl noch\nnicht vollkommen konzentriert, noch nicht aus-\ngesöhnt mit dem Schicksal, noch nicht einver-\nstanden mit der Situation, beinahe gleichgültig\nherunter.\" Aergert er sich, daß er Beethoven\nspielen muß? Warum muß er? Aber es handelt\nsich nicht um das Spiel von Beethoven, es handelt\nsich um das Spiel des Schicksals. Denn: „Wir\nerinnern uns daran, daß d'Albert einmal das Kon-\nzertieren abgeschworen hatte, und wir können\nes begreifen, daß er vorerst einmal innere Hem-\nmungen zu überwinden hat, sobald er öffentlich am\nKlavier sitzt.\" Die Schwurfinger wollen also noch\nnicht. Wer mag das rundliche Genie in seinen in-\nneren Hemmungen gestört haben, daß es sich nun\ndoch öffentlich ans Klavier setzt. Wir hatten die\nOpernschwüre nicht so juristisch genommen, aber\nder ernste Musikkritiker erinnert uns daran. Und\ndie Variationen werden derbe angepackt, weil der\nkleine Meister variabel ist. „Zum Schluß indessen\nwandelte sich die Lauheit in Jubel.\" Und alle\nSchwüre waren vergessen. Wir freuen uns, daß\nes ihm also offenbar gut geht.\nErziehung\nDie schweizerischen Metzger packen die jäm-\nmerlichen Schriftsteller mit starker Faust: „Die\nschweizerische Metzgerzeitung benötigt für ihren\nUnterhaltungsteil einiger Erzählungen oder kürze-\nrer Romane. Arbeiten, die mit Fremdwörtern ge-\nspickt sind oder viele SchachteÜsätze enthalten,\nkommen nicht in Betracht.\" Diese sittliche Forde-\nrung sollten sich Germanisten und Romanisten\nüber ihren Schreibtisch hängen. Metzger müssen\nwissen, daß man nicht mit Fremdwörtern spickt.\nSie brauchen auch keine Schachteln. Aber das\nPapier der Herren Schriftsteller ist für ihre Ware\nnicht fein genug. Es ist zu sehr mit Schachtel-\nsätzen beschmutzt. Die Metzger werden schon\nmit der Schweinerei des deutschen Stils aufräu-\nmen. Die Herren Schriftsteller werden dem Ab-\nsatz zuliebe schreiben lernen. Bemerkung für\nSchriftsteller: „Weitere Auskunft erteilt die Re-\ndaktion der schweizerischen Metzgerzeitung,\nZürich, Wertmühleplatz 1\".\nNachrichtung\nJedes Echo hat jetzt eine Meinung. Das ist\ngegen das Naturgesetz. Ich werde einmal in das\nEcho hineinrufen und es wird dann aufhören zu\nantworten. Ich bin sehr geduldig, aber ich dulde\nnicht, daß das „Literarische Echo\" in jeder Num-\nmer, die der Verlag Egon Fleischel und Co. gibt,\nUnfug über Künstler schreiben läßt. Ich verbitte\nmir insbesondere Besprechungen von einem Herrn\nMartin Sommerfeld, der recht brach daliegt. Die-\nser Mann wagt es, eine Meinung über Adolf\nKnoblauch und Aage von Kohl zu haben. Er bildet\nsich sogar ein, daß diese Künstler besonders für\nihn leben: „Aus Episoden des russisch-japanischen\nKrieges sollen wir diese Nutzanwendung ziehen.\nWir aber: wir klappen diese Büchlein schweigend\nzu und bemerken höchstens: wie richtig!\" Wer\nsich so verschreibt, dem kann ich nur verschrei-\nben, keine Nutzanwendung zu ziehen. Dann kann\ner diese Büchlein wirklich schweigend zuklappen\nund braucht nicht noch höchstens zu bemerken:\nwie richtig. Denn es ist stets falsch, wenn man\ndas bemerken kann. Der Herr Sommerfeld aus\nBerlin ist natürlich eine Persönlichkeit: „Der\nKrieg, hier ist er Institution, seine Teilnehmer ihr\nWerkzeug.\" Persönlichkeiten fühlen sich stets als\nGeneralfeldmarschälle. Wozu aber der Herr Som-\nmerfeld erst ernannt werden müsste. Vorläufig\nträgt er noch nicht einmal den dazugehörigen\nTornister. „Was ist uns das Leben des Leutnant\nBentai? Einige Zeilen bedruckten Papiers.\" Was\nist mir das Leben des Martin Sommerfeld?\nEinige Zeilen' bedruckten Papiers. „Aber wir\nspüren nicht den heißen stoßweisen Atem zer-\nschrundenen jungen Leibes, den man streicheln,\nden man pflegen und immer wieder streicheln\nmöchte.\" Der Bruder Martin wird doch keine\nSchwester sein? „Wenn diese Papierfigur ihr\nLeben nicht beschliessen würde, wenn in der\nandern Dichtung unausdenklich grausiges Ge-\nschehen nicht fast Pointe1 der Massenopferung\nwürde — wir hätten das Gefühl, als ob iin dem\nRahmen eines Gemäldes ein häßliches Loch wäre.\"\nWenn man sich in den Rahmen eines Gemäldes\nfestbeißt, sieht man natürlich ein häßliches Loch.\nNur daß der Rahmen nicht das Gemälde ist. „Aage\nvon Kohl, der politische Dichtung geben, die un-\nendliche Qual des Krieges zum Aufruf für die\nMenschheit gestalten wollte, hatte in diesen beiden\nProsadichtungen (mäßige) Kriegsberichterstattung\ngeschrieben, Illustrationen zum Generalstabsbe-\nricht mit der Miene eines Besserwissers: „so sieht\nes in der Wirklichkeit aus\". Diese Novellen sind\nzwar vor zehn Jahren entstanden und Aage von\nKohl hat deshalb keine Kriegsberichterstattung ge-\nschrieben, weil er niemals Kriegsberichterstatter\nwar. Er ist Hauptmann. Aber der Herr Sommer-\nfeld in Berlin, der Kenner der Generalstabsbe-\nrichte, der weiß im Krieg Bescheid. Nun möchte\nich die Miene dieses Besserwissers sehen. Nun\nwird er wohl einel böse Miene zum guten Spiel\nmachen. So siehste aus. Das Leben des Leutnants\nBentai ist uns Nichts. Hingegen fühlt Schwester-\nchen Martin Sommerfeld mit dem Dichter Adolf\nKnoblauch: „ ... und wir fühlen mehr mit dem\n(hart ringenden) Dichter als mit seinem Geschöpf.\"\nIch hingegen fühle nichts mit dem Geschöpf Som-\nmerfeld und Knoblauch verzichtet sicher lieber\nauf das ganze Fühlen, wenn der Sommerfeld ihm\nden Winter seines Vergnügens stört. Uebrigens\neine Seele, dieser Sommerfeld, er fühlt mit dem\nHartringenden. Künstler ringen nicht für das Pu-\nblikum. Wer im Sturm steht, hat schon die Mei-\nsterschaft eirungen.\nFällt selbst hincin\nDie Schlesische Volkszeitung war sehr 'glück-\nlich, wie es in meinem Märchen heißt. Die gute\nTante freute sich, daß der Onkel Mosse in seinem\nBerliner Tageblatt loben ließ, und daß mir Unband\ndas Lob nicht mehr galt als der Tadel. Ich tadelte\nsogar die gute Tante, weil sie das tadelnswert fand.\nDie Tante läßt sich aber erziehen. Der Onkel\nwurde getadelt, nachdem er den Sturm gelobt\nhatte. Die Tante lobte den Sturm, nachdem sie\ngetadelt war. So verschieden wirkt die Erziehung.\nIn der Schlesischen Volkszeitung Nummer 578\nsteht zu lesen: „Die Ausstellung der Sturm hat...\nWerket) Einlaß gewährt die dafür zeugen... Man-\nchem der jüngern Künstler scheint der Erfolg ja\nauch gewiß zu sein... Zu den bedeutenderen\nKräften auf dem Gebiet der Graphik zählen...\nIn ihren Großstadtbildern wie in den anmutigen\nMarinestücken zeigt sich ein Können, dem man\nnicht allzuhäufig begegnet.\" (In Klammern Doppel-\npunkt: ich habe nicht etwa eine Anleihe bei der\nGrossen Berliner Kunstausstellung gemacht, man\nschreibt tatsächlich so von Jacoba van Heems-\nkerck.) „Ebenso ragt die „Selbstmörderin\" von\nArnold Sopp weit über das Durchschnittsmaß\nhinaus.\" Die. „Selbstmörderin\" von Arnold Topp,\ndem man ein S für ein T vormachte ist so groß,\ndaß fast sämtliche Kritiker sie bemerken. Damen\nmit so anregender Beschäftigung fallen stets auf,\nauch wenn sie für den Künstler selbst Durch-\nschnittsmaß haben. Nun aber wird der Onkel\nMosse kommen und sich über die Tante\nfreuen, die gar nicht so klug war, wie\nsie es von dem Onkel verlangte. Schlesische\nVolkszeitung, es ist gefährlich, nicht zu lesen. Die\nbeste Absicht wird eine bessere Absicht. Dadurch.\nMan glaubt zu schlagen, und man schlägt sich\nselber. Dadurch. Man versteht die Wortkunst\nnicht, weil man die Zeit nicht aufbringt. Die Zeit\nzum Lesen. Und Auserlesenes will noch langsamer\ngelesen werden. Nun gebe ich der Schlesischen\nVolkszeitung den wohlgemeinten Rat: sie soll\nAugust Stramm noch einmal, noch tausendmal\nlesen. Und' dann nichts mehr schreiben.\nNicht zu machen\n„Auf einem halben Hundert Seiten hat Paul\nSchienther seinen Fontane lebendig, wie er wohl\nsein mochte, hingestellt.\" So schreibt ein Ver-\nehrer. „Wer seine Charakteristik der Effie Briest\ntrotz ihrer Einfachheit nicht meisterhaft findet,\ndem ist nicht zu helfen\". Mir ist nicht zu helfen.\nAber dem Verehrer in der Tagespresse kann ge-\nholfen werden, wenn er sich einmal etwas mit\ndem Schlenthrian befassen würde. Vor Lachen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5749, "texte": "kann ich mich trotz der Empfehlung des Verehrers\nnicht einmal an den Birnen halten, ich, dem er\nnicht helfen kann: „Er halte sich an die Birnen\ndes Herrn von Ribbeck auf Ribbeck, wir aber\nwollen uns wieder einmal der Werke des klugen\nschönen Geistes freuen, der..jetzt kommt eine\nUeberraschung für die Leute, die sich nicht an die\nBirnen halten wollen: „schönen Geistes freuen,\nder Fontane innewohnt.\" Den Schienther hat er\nalso bereits wieder verlassen. Das war ein kurzer\nBesuch. Wie gut, daß ich mir nicht helfen ließ.\nWovon man nicht sprechen sollte\n„Der Golem ist heute in Aller Munde und das\nBuch, von dem man überall spricht. Es braucht\nnur ständig auf Lager zu sein. Verkaufen wird\nes sich dann von selbst.\" Der Golem kann sich\nsogar verkaufen, wenn ihn Kurt Wolff-Verlag auf\nLager verlegt Durch Ablagerung wird er nicht\nbesser, denn er ist schon reichlich abgelagert, der\nGolem von Gustav Meyrink. Der Kurt Wolff-\nVertreter am Leipziger Tageblatt bestätigt es:\n„Beklemmender Dunst mittelalterlichsten Prags,\nden Atem zerschlagend und überirdischer Seele\nGeist feiern phantastische Hochzeit, zu der Poe\nund E. Th. A. Hoffmann aus vollstem Herzen den\nSegen gaben.\" Aus vollstem Herzen. Poe und\nHoffmann werden sich aber mächtig wundern, daß\nihre Kinder nochmals geboren werden. Der Segen\nwird wohl aber mehr genommen sein. Die Hoch-\nzeit zwischen dem Herrn Dunst und dem Fräulein\nGeist wird wohl selbst mittelalterlichsten Priestern\nzu phantastisch gewesen sein. Und der Herr Dunst\nhat den Atem so zerschlagen, daß dem Fräulein\nGeist die Puste ausging. Darum bemerkt ein\nanderer junger Mann von Kurt Wolff-Verlag im\nBerliner Börsencourier: „Alles was von Meyrinks\nEigenart bisher in Skizzen und kurzen Geschichten\nverzettelt war, ist hier zu einem großen ganzen,\näußerst rein und stark wirkenden Buch wie zum\nersten Mal zusammengefaßt.\" Große Bücher wir-\nken immer äußerst stark. Aber das hat man davon,\nErst läßt man die Eigenart verzetteln und dann\nmuß man sie wieder zusammenfassen. Hoffentlich\nist kein Zettel verloren gegangen. Das täte mir\nwirklich leid um die Eigenart. Sie wird sich wohl\nauch noch gesammelt ziemlich abgerissen vor-\nkommen.\nZu leicht befunden\nMitteilung vom Kurt Wolff-Verlag: „Der\nGolem, Gustav Meyrinks neuer Roman, der heute\nim Mittelpunkt des literarischen Interesses aller\nGebildeten steht... Gewicht dauerhaft kartonniert\nvierhundert Gramm . , . versandfertig im Karton\nvierhundertachtzig Gramm.\" So wenig wiegt das\nliterarische Interesse aller Gebildeten. Aber der\nVerlag ist guter Hoffnung: „Falls nicht ausdrück-\nlich Feldpostausgabe bestellt, werde ich auch\nnach wie vor immer die reguläre Ausgabe zur\nAuslieferung bringen, zumal die Feldpostausgabe,\nwenn sie ausverkauft sein wird, und die zehn-\ntausend Exemplare werden rasch ausverkauft\nsein, auf keinen Fall neu gedruckt werden soll/'\nWenn die Feldpostausgabe ausverkauft werden\nsein sollte, und auf keinen Fall nie neu gedruckt\nwerden sollen könnte, würde der Mittelpunkt be-\nreits vier Millionen Gramm wiegen. Ohne Karton.\nDer Golem wird platzen, namentlich da er zusam-\nmengepreßt ist: „Die Feldpostaufgabe, in der die\nfünfhundert Seiten der regulären Ausgabe auf\nzirka dreihundert Seiten zusammengepreßt sind..\"\nNun brauchen nur noch die dreihundert Seiten\nzusammengepreßt zu werden, und der Matsch ist\nfertig, ohne daß die Feldpost erst keuchen braucht.\nVeriagspoesie\nKurt Wolff-Verlag: „...Im -zweiten Jahre des\nKrieges bemüht, von seinem Wirken kurz Rechen-\nschaft abzulegen, darf der Kurt Wolff-Verlag in\nLeipzig mit einiger Genugtuung darauf hinweisen,\ndaß er... die Umgruppierung fast der gesamten\nVerlagsindustrie auf eine lohnende Kriegskonjunk-\ntur hin nicht mitgemacht hat. Ohne den Ehrgeiz,\nsich der herrschenden Mode in Kriegslieferungen\nund Clichees anzupassen, glaubte er, zunächst\ndem Geiste der Poesie lieber schweigend zu\ndienen.\" Eine liebe Umschreibung für den Bank-\nrott des Geistes der Poesie. Welche Genugtuung,\nwenn der Geist auch in der Zukunft geschwiegen\nhätte. Der Kurt Wolff-Verlag läßt aber dem ge-\nhetzten Geist keine Ruhe, mit dem so reichlich\nverdient ist. Denn er hat noch eine Aufgabe:\n„Nach wie vor sieht er seine Aufgabe darin, eine\nhelfende und treibende Kraft des Geistes zu sein,\nder unbeirrt von Schwankungen über der Zeit\nschwebt.\" Die Aufgaben werden leider in die Zeit\nverlegt, sodaß sie nachher auf Lager zu finden\nsind. Der Geist ist zwar keine Taube aber ein\nLämmlein, weiß wie Schnee: „Als Vorboten dieser\nneuen Erkenntnis sollen nach prüfender Wertung\ndie Werke erscheinen, die auf den folgenden\nSeiten verzeichnet sind.\" Wo haben sich die Vor-\nboten die neue Erkenntnis hergeholt, da doch der\nGeist von Kurt Wolff-Verlag unbeirrt von Schwan-\nkungen über der Zeit schwebt. Die Vorboten kom-\nmen mir sehr bekannt vor. Ich kenne sie noch\naus der guten alten Zeit, die im selben Verlag an-\ngestellt war. Boten schweben nicht, sie kommen\nhöchstens immer zu spät. Aber das Leben in\nLeipzig und auf der Erde ist so interessant, daß\ndie Boten an jeder Strassenecke stehen bleiben.\nUnd dort die Schmöker von Kurt Wolff-Verlag\nlesen. Den Roman von Karl Hauptmann, Bruder\neines Dichters, das Drama von Sil Vara, dem Lon-\ndoner Lokalchronisten der B. Z. am Mittag, die\ndrei Erzählungen von Carl Sternheim, die durch\nden diesjährigen Fontanepreis ausgezeichnet wur-\nden (Mitteilung für Eilboten: der Fontanepreis\nwird von S. Fischer-Verlag und Kurt Wolff-Verlag\nverliehen) die Troerinnen des Euripides, der auch\nschon nicht dichten konnte, deshalb deutsch be-\narbeitet von Franz Werfel. Das alles lesen die\nVorboten nach prüfender Wertung demnächst. Der\nGeist der Poesie scheint doch den Krieg zu über-\nleben. Man soll nicht über das Schweigen reden,\nwenn man über das Reden nicht schweigen kann.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.5", "titre_corps": "Franz Msrc: Schiafende Hirtin / Holzechnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Franz Msrc: Schiafende Hirtin / Holzechnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 64, "texte": "Franz Msrc: Schiafende Hirtin / Holzechnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "139", "page_fin": "139", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.6", "titre_corps": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 44, "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "142", "image_debut": 9, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.7", "titre_corps": "Der Tod", "titre_sommaire": "Der Tod", "signature_source": "Sophie van Leer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.9", "debut_caractere": 5751, "fin_caractere_exclue": 8801, "texte": "Der Tod\nSophie van Leer\n\nDie Kugel\nI\nDas Kind irrt mit seiner Frage durch Zimmer\nund Gänge. Sein Schluchzen1 wühlt gegen die\nWände, sein Weinen weint durch die Malle.\n„Ist er tot? Sagt mir doch, ob er tot ist.\"\n* *\n*\nSie sitzt an seinem Bett.\n„Wie schön du bist. Deine Wangen flammen.\nDeine Augen sind müde Blumen. Mußt du ster-\nben?\"\n„Es ist nicht gefährlich. Ich habe keifte Schmer-\nzen. Die Kugel ist entfernt.\"\n„Schenke sie mir.\"\n* *\n*\nSie sagt zu ihrem Brüderchen:\n„Setze dir einen Helm auf und hänge dir den\nSäbel um. Ich will dir zeigen, wie man schießt.\"\nSie ladet die Flinte des Kindes und setzt sje\ngegen ihre Biust.\n„Ziehe nur. Es ist schon etwas darm.\"\nII\nDer Knabe sitzt in der schwarzen Rutsehe\nneben dem offenen Sarg. Er haucht auf die wäch-\nsernen Finger. Er biegt die weißen Händchen aus-\neinander und hüllt ihre nackten Füsse in Blumen-\nEr teilt die Lider und küßt ihre Augen. Sa>iöe-\nheiße Wange blutet über ihre Stirn.\nAuf dem Kirchhof fällt der Schnee. Der lee/e-\nSarg sinkt zwischen enge Erdenwände. Schwarz\nfährt die Kutsche heimwärts. Der Knatx: gleitet\nmit der kleinen Leiche zu Boden.\nIm Walde baut er aus Zweigen und Blättern\nein Feuer. Einzeln hält er die glasigen Fmgerctien\nan die knisternden Reisigflämmchen, die blumige\nSchatten auf das Totenhemd sprenkeln und er—\nlischen.\nIhren Kopf neste-t er an seine nackte Brust,\nihre Hände birgt er in seine Achselhöhlen, ihr Haar\nspinnt er um die Stirn. Er öffnet ihre Lippen tmxf\nträufelt ihr kleine Worte in den Mund.\nAm Morgen baut er einen Sarg und bettet sich\nund sie darein.\nMädchen\n„Geh auf einen andern Hügel spielen, Junge.\"\nDer Blasse läuft mit Schaufel und Eimer in\ndie Dünen.\nDas Mädchen sieht ihm nach und sucht ihn aaiu\nBist du böse, daß dich mein Bruder fortge-\nschickt hat?\n„Wo wohnst du?\" fragt er.\n„In unserm Wagen. Wir haben einen Zirkus,.\nUnd du?\"\n„Meine Mutter ist krank und mein Vater Hat\nall sein Geld verloren.\"\n„Ich leihe dir mein Pferd.\"\n* *\n❖\nSie weint auf der Matratze. Der Bruder kast\nihre Glieder.\n„Gehe nicht fort. Wer soll tanzen, wer reiten,\nwer dein Pferd füttern?\"\njfc *\n*\nDer Mond wartet. Im Schatten hinter der Düne*\nküßt der Blasse das Mädchen.\n„Schenke mir dein Kleidchen, deine Schuhe,\ndeinen Reifen.\"\n„Und wenn ich dir Alles schenke, wir können\nmich nicht kaufen.\"\n„Komm, spiel mit mir.\"\nSie ziehen Schuhe und Strümpfe aus und laufen\nin das Meer.\nKerker\nIch scheure die Wände. Meine Stirn schlägt\nden Boden. Meine Zähne zernagen die Tür. Meine\nNägel krammen das Gitter.\nEin Totes legt man auf meine Schultern und all\nmein Blut wird zu Tränen.\nIch will dich sehen, du einsam, wie ich, ein-\ngekerkert neben mir. Streichle die »Wand, küsse\ndie Steine, kose den Mörtel. Flüstre, schreie,\nweine, lache, daß ich dich höre. Meine Lippen\nlauschen.\nNun trage ich deine Schmerzen. Giesse deine\nSchuld über mich aus. Halte dich an die Pfeiler\nmeines Bluts, das mir die Adern zerreißt. Komm\nin mein Gebet, dass du nicht leidest.\nIn mein Gefängnis träumt der Sommer. Meine\nSehnsucht säuselt und,; flüstert nach dir. Mein\nAtem plätschert an der Wand."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 682, "texte": "Weit atmet Licht. Die Nacht zerflutet uferlos.\nBunte Uhren sdhlagen. Auf knarrt die Zelltür.\nIrden knirscht der Krug über den Boden. Füsse\nund Tiere streichen das Gitter vorbei. Ein Kind\nbückt sein Gesicht und drückt spitze Lippen an\ndie Drähte.\nJede Nacht des Lebens liegt eine Frau in\nmeinen Armen. Um meine Lenden schlängeln ihre\nGlieder. Ihre Hände tragen meinen Nacken. Ihr\nOdem flammt gegen meine Stirn.\nWir wollen sterben. Beide. Morgen wollen\nwir sterben. Wir haben Alles zu verlieren.\nIch suche die Fesseln, die ich tragen will hinter\nihr her, daß die Erde rasselt und der Himmel von\nKettenstriemen stöhnt. 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Ich bin, unter Umständen, bereit eine\nRevolution mitzumachen, aber nur wenn man mir\ndas Recht einräumt, mich rechtzeitig — das liiesse\neigentlich, von vornherein — von den Revolutio-\nnären abzuwenden.\n* *\n*\nDieses Bild versteht ihr also nicht? Ja,\nwarum wollt ihr es denn verstehen? Ihr habt\nes garnicht zu verstehen. Ich verstehe es selbst\nnicht. — Wie, und habe es doch gemalt! — Das\ntut ja nichts: bin ich das BiM einmal los-\ngeworden, so habe iah es nicht mehr, und verstehe\nes einfach nicht. Ich ahne es aber, ich empfinde,\nfühle, erfühle es: — so allein erfasse ich es\nauch. Und nur wer es so erfaßt, nur der wird e$\nverstehen. Demi mit dem Verstand will das BiM\nnicht erfaßt werden, — das leidet es nie — und\nn i e erfaßt, wer es zu verstehen trachtet.\n* *\n*\nBelegen kann ich es zwar nicht, da ich keine\nMythologie zur Hand habe, und auf mein Gedächt-\nnis will ich mich erst garnicht verlassen; at>er\nirgendwo muß sich die Pallas Athene einmal mit\ndem Maklergott Hermes doch eingelassen haben.\nMan wirft ihr sogar vor, sie habe ihm Zwillinge\ngeboren: den Kritiker und den Bilderhändler. Das\nist aber grobe Uebertreibung. Höchstens Filzläuse\nmag sie von ihm erwischt haben.\n* *\n❖\nDas Handwerk pfuscht mir in den Geist.\nWie Wenige sind es, die sich beim Malen\nandrer Dinge bedienen, als der Hände und Augen,\ndieser beiden Haupthindernisse des Künstlers!\nHand, Auge, Farbe, Pinsel — sie Alle sind Feinde\nder Vision. Die Dickichte, die Verhaue, die der\nGeist, ehe ihm seine Vision Wirklichkeit wird, erst\ndurchbrechen muß. — Um sie dann vielleicht nicht\nwieder zu erkennen! Macht nichts; sie ist es aber\ndoch. — Wer nur seine Vision unmittelbar auf die\nLeinwand projicieren könnte! Dann aber\nwäre sie wohl die rechte nicht — oder? —\nHände, Augen, Pinsel, Farbe: notwendige, aber\nhemmende, lästige Vermittler zwischen Geist und\nAusdruck; Agenten, lumpige Zwischenhändlei —\nnichts mehr. — Wie Wenige sind es, die außer\nHand und Auge, Farbe und Pinsel zum Malen\nsonst noch was gebrauchen, die ihre Diener nicht\nüber sich zu Herren erhoben haben, die nicht\nSkiaven geworden sind ihrer eignen Knechte, die\nes nicht waren von Anfang an!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "143", "image_debut": 11, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.10", "titre_corps": "Der Kampf der Gefühle auf dem Hinterhol", "titre_sommaire": "Der Kampf der Gefühle auf dem Hinterhol", "signature_source": "Elek Turcsányi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.11", "debut_caractere": 5836, "fin_caractere_exclue": 6141, "texte": "Der Kampf der Gefühle\nauf dem Hinterhol\nElek Turcsányi\nAls die Uhr der nahen Kirche fünf geschlagen\nhatte, war er schon längst mit der Durchsicht der\nBlätter fertig, und faulenzte auf dem Bett.\nGedankenlos und unbewegt starrte er in eine\nder oberen Zimmerecken, bis ihm die ermatteten\nLider müde zufielen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5760, "texte": "Dann begann er nachzusinnen.\nDie fünf Glockenschläge Hessen ihn daran\ndenken, daß es fünf Uhr nachmittags sei, er in\nder Nacht lange gearbeitet und in seinen Träumen\neine Zusammenkunft mit jungen Mädchen hatte,\ndie Röcke bis zu den Knien trugen und verliebt\nmit ihm schäkerten.\nAn die Liebe dachte er, die Frauen, Freunde,\nMenschen, an das Leben.\nUnd weil er nicht traurig sein wollte, begann\ner leise zu pfeifen.\nSo leise, daß auch er es kaum hörte, stimmte\ner eine lustige magyarische Melodie an. Schön\ninj Tempo, im Takt pfiff er und trommelte dabei\nmit den Fingern auf der Decke. Inzwischen fiel\nihm ein, daß er die magyarischen Volksweisen\neigentlich immer verabscheut hatte, dies aber sei\nein liebes und melodisches Lied und es hat den\nAnschein, als gäbe es auch einige wertvolle\nStücke der Volksmusik. Doch konnte er nicht be-\ngreifen, warum er sich mit einer magyarischen\nWeisse befaßte, obwohl er doch voll Opern- und\nOperettenmusik war und die französischen\nChansons überaus liebte.\nEr verstummte.\nDer Gedanke an die Chansons rief ihm die\nalte Französin in den Sinn, die ihm gegenüber in\neinem möblierten Zimmer wohnte, genau so wie\ner, und vor zehn Jahren die gefeiertste Duchesse\nin der Stadt Paris war. Die Geliebte eines\nHerzogs.\nDie Wohnung der Französin, jetzt ein enges\nmöbliertes Zimmer, war früher ein Schloß in der\nNähe von Paris, dann kam die gealterte Grisette\nnach Pest, zog in der schmierigen Zinskaserne auf\n■der Ringstrasse ein und blickte durch das einzige\nschmale Fenster verschämt auf den Lichthof.\nAuf den Lichthof, genau wie er.\nDoch dies war wieder eine traurige Sache und\nweil er die Traurigkeit meiden wollte, suchte er\nmit den Augen wieder die oberen Stubenwinkel,\nund versank in sorgloses Schauen.\nJn diesem Augenblick begann jemand zu singen\n— wahrscheinlich die alte Französin —. Traurige,\nunverständliche Worte. Da tauchte vor ihm in der\nStubenecke das Gesicht seines verstorbenen lieb-\nsten Freundes auf, das Gesicht des einzigen, guten,\ndurch Selbstmord geendeten Yo-Ko, den er so\nsehr geliebt und seither hunderte und tausende\nMale beweint hatte.\nDieses Lied drang ihm ins Herz. Ein Lied der\nErinnerung!\nNun war die Traurigkeit nicht mehr zu ver-\ntreiben.\nDas Lied schluchzte wahrhaftig auf den\nLippen der alten Französin, die eine sehr gefühl-\nvolle Seele hatte und oft von längst vergangenen\nZeiten träumte: von ihrer Jugend.\nDie Französin fristete ihren Lebensunterhalt\ndurch die Erteilung von Lektionen. Und wenn\nsie während einer solchen französischen Unter-\nrichtsstunde von ihrem Unglück, den Erinnerun-\ngen, übermannt wurde, zögerte sie nicht lange,\nseelisches Gleichgewicht durch das Absingen eines\nzarten, ihrer Stimmung entsprechenden Chansons\nwieder herzustellen. Solche Szenen lösten ver-\nschiedenste und entgegengesetzte Kundgebungen\nbei den staunenden Kindern aus, die je nach\ndem entwickelten Temperament vor der plötzlich\nsingenden Französin erschraken oder ihr rück-\nsichtslos in die Augen lachten.\nDas Leben der Demoiselle mochte daher mit\nvielen Kämpfen verbunden sein und so kann es\nnicht Wunder nehmen, daß an diesem stillen Sonn-\ntagsnachmittag wieder Schwermut ihre Seele er-\nfasste.\nDer junge Mann verwunderte sich darüber\nnicht einmal, sondern fand es ganz natürlich. Die\nFranzösin schluchzte ihr ganzes Leben, alle\nSchmerzen, alle Enttäuschungen, die große Tra-\ngödie ihres Lebens in einem solchen leichten und\nkurzen Liedchen. Stets lauschte er still, voll Ehrer-\nbietung, und wenn er sich mit dem Rhythmus der\nWeisen vollgesaugt hatte, begleitete er den welken\nSopran der Französin einige Takte mit seinem\nsummenden Baß. Leise und mitleiderfüllt sang er\ni?iit, schlug dann gewöhnlich den Hut auf den Kopf\nund ging ruhig fort.\nJetzt aber lag er im Bett, nackt, und konnte\nsich nicht so leicht entfernen. Und da ihn das\nLied an den verstorbenen Freund erinnerte, wollte\ner es vielleich nicht einmal.\nDie aufflammenden Sterne der Erinnerung\nbeleuchteten mit Kraft den schwarzen See, auf\ndem das Gesicht seines blasswangigen japanischen\nPrinzen, seines „Einzigen\" schwamm, wie eine\nverlassene einsame Seerose. Er sah auch die\nHände, die nächtlichen kleinen Lampions glichen.\nEr hatte gar keine Lust, von den Visionen Ab-\nschied zu nehmen, die durch das Lied aufstiegen.\nGelassen hegte er sogar den Schmerz, den die\nStimme der Französin durch sein Herz peitschte.\nEr war ihr dankbar.\nUnd er empfand Traum, als die kummervolle\nWeise mit einem scharfen Aufschrei abbrach.\nNur einen Augenblick dauerte diese Stille,\nschon im nächsten begann die Französin ein an-\nderes Lied.\nDie ersten Töne stieß sie mit großer\nKraft hervor, daß der junge Mann erschrocken aus\ndem Bette sprang. Durchgeistigte Priesterinnen\nfeierlicher Kulte lebten vor ihm auf und karmin-\nbemalte abergläubische Wilde, als er das Lied\nerkannte.\nDas Lied der Französin hatte er einst — mit\nYo-Ko zusammen — gesungen am Abend ihres Be-\nkanntwerdens in der raucherfüMten niedrigen Vor-\nstadtschenke, das Lied, das Yo-Ko in einer Ofner\nKneipe vor seinem Tode sang, ti aurig, gesenkten\nHauptes, verzagt. Das Lied, das er Yo-Ko zuliebe\nvergessen wollte.\nMit weit aufgerissenem Mund, mit aller Kraft\nbegann er mitzusingen. Auf dieses Lied hatte er\nein Recht, er wollte mit seiner dröhnenden\nStimme die andere zum Schweigen bringen.\nDoch die Französin, die auch eine Liebe zu be-\nweinen hatte, hörte nicht auf. Krampfhaft klam-\nmerte sie sich an das Lied und kreischte zornig,\nheiser, hartnäckig und mit zäher Ausdauer die\nMelodie.\nDen beiden Singenden drang das Blut zu Kopfe.\nSie rissen die Fenster ihrer Stuben auf und sangen\nmit verzerrtem Gesicht, fluchend und dennoch\nbegeistert.\nUnter dem tollen Lachen der Bewohner ver-\neinigten sie Verehrung und Verachtung.\nEinzigberechtigte Übertragung aus dem Magyarischen von\nStefan I. 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Friedlaender\nNochmals Polarität 15/16 88\nKurt Heynicke\nGedichte 15/16 87\nGedichte 19/20 112\nAdoli Knoblauch\nAbsage an einen naturalistischen\nKritiker 13/14 81\nBrief 13/14 81\nFrühe Gedichte 111 15/16 89\nTabesin 17/18 106\n19/20 114\n21/22 129\nSophie van Leer\nDer Tod 23/24 140\nDie Geschwister 19/20 112\nFernes Lied 21/22 129\nGedicht 13/14 81\nGedichte 15/16 87\nSpielender Knabe 17/18 107\nWilhelm Runge\nLieder 19/20 114\nLieder 21/22 131\nLieder 23/24 142\nAugust Stramm\nGeschehen 13/14 74\nElek Turcsänyi\nDer Kampf der Gefühle auf dem\nHinterhof 23/24 142\nHerwarth Waiden\nAugust Stramm 13/14 74\nAus der Zeit für die Zeiten 23/24 134\nDas Hohelied des Preußentums 19/20 110\nDer menschliche Künstler 21/22 124\nDie ernste Kritik 15/16 86\nDie Fliege 17/18 99\nDie Liebe des Lebens und das\nLeben der Liebe 23/24 134\nDie Mücke 17/l8 98\nDie Renaissance der Wiedergeburt 21/22 130\nDie Wacht in Charlottenburg 19/20 111\nEinblick in Kunst 21/22 122\nFranz Marc 23/24 133\nGepreßte Stimmen 17/18 105\nGötz von Berlichingen 19/20 117\nKinder, Kinder 13/14 82\nMärchen 19/20 111\nPaul Scheerbart 15/16 86\n17/18 98\nProfessorale 17/18 104\nVon Zeit und Ewigkeit 17/18 101\nWichtige Leute 15/16 95\nZeichnungen\nFritz Baumann\nOriginalholzschnitt 13/14 78\nCampendonk\nEx Libris 21/22 129\nOriginalholzschnitt 21/22 121\nOriginalholzschnitt 23/24 139\nOriginalholzschnitt 23/24 141\nMax Ernst\nZeichnung 19/20 110\nJacoba van Heemskerck\nOriginalholzschnitt 13/14 73\nOriginalholzschnitt 15/16 89\nOriginalholzschnitt 19/20 113\nOriginalholzschnitt 19/20 115\nOriginalholzschnitt 21/22 125\nOriginalholzschnitt 21/22 127\nOskar Kokoschka\nPaul Scheerbart/Zeichnung 15/16 85\nEmil Maetzel\nLinoleumschnitt 17/18 102\nFranz Marc\nOriginalholzschnitt 23/24 137\nGabriele Münter\nZeichnung 17/18 97\nMaria Uhden\nOriginalholzschnitt 15/16 91"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.2", "debut_caractere": 109, "fin_caractere_exclue": 497, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdamer Straße 134 a\nQeoffnet taglicb von 10—6 Uhr / Sonntags vos\n11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nfclonatlicher Wechsel\nNeununddreissigste Ausstellung\nPaul Klee\nAlbert-Bloeh\nVierzigste Ausstellung\nOskar Kokoschka\nOtakar Kubin\nEroffnung: Ersten April\nSturm-Ausstellung zu Haag\nZweite Ausstellung\nEroffnung: 17. 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I Auf Costakarton in Mappe 12 Mk.\nKandinsky-Album / Schrift des Kunstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 / Albutm 10 Mark\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte ' Auflage 30\nMappen I Mappe je einhundert Mank\nBucher aus dem Veriag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr still es\nQliick —! / Drama / Ein Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nAdo!! Knoblauch: Die schwarze Fahne I Eine\nDichtung J\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Luxusausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart funfundzwanzig Mark\nJedes Bach 2 Mark\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna I II: August Stramin: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen I VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst I VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Stnrmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Veriag Der Sturm\nHerwarth Walden: Daiaislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno holz / Filr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeiit: Er\nh6rt mit ihr den Gukguk schreyn /' 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Veriag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacben / Luigi Russ o 1 o: Erinnerung einer\nNacht I Zug ).n voller Fahrt / GsaoSevc-\nrini: Die Modistin / Ruheiose Tftiizenn j Pan-\nPan Tanz / Umber t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Kinder"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.2", "debut_caractere": 4952, "fin_caractere_exclue": 6259, "texte": "Kartenvon Macke j Munter / Marc Chagall $5) t\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm - Austellungskafaloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig ! Ota-\nkar Kubin I Marc Chagall j Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke aus dem Veriag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Me n -\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Krans\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Blatt 5 Mark\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden I Dreizehn-\ntesJahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 I Jahres-\nbeitrag 20 Mark I Rechte der Mitglieder: Freier\nBezug der Zeitschrift Der Sturm I Freier Besuch\naller Sturmausstellungen I Jedes Jahr frei eine\nSturmpublikation\nDas dreizehnte Jahr beginnt am 1. April 1916\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereiiis Kir\nKunst irn Jahr 1916/17 frei erhalten ist nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder Kan-\ndinskyalbum"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.2", "debut_caractere": 6261, "fin_caractere_exclue": 6884, "texte": "Neuanzeigen Der Sturm\nSoebenerschienen: Kandinsky: Komposition 2\n/ Kiinstlerpostkarte / Karte 20 Pfennig\"\nSoeben erschienen: Sturm-Kunstler ' Lichtb.il d-\nkart en / Karte 20 Pfennig: 1: August Stratum\n/ 2: Herwarth Walden / 3: Jacoba van !ieeiß6-\nkerck\nAm ersten Marz erschien: Herwarth Walden:\nKunstmaler und Kunstkritiker ( Ge -\nsammelte Schriften I Band 1/2 Mark /\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Blichereinbiinde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-03-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-03-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1916-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.2", "debut_caractere": 6886, "fin_caractere_exclue": 7151, "texte": "Mitteilung\nDer Sturm beginnt am 1. April den siebenten Jaiir-\ngang. Die Zeitschrift erscheint von nun ab\nmon a 11 ic h, am funfzehnten jedes Monats\nProbehefte und Verlagsverzeichnisse werden\nkostenlos versandt\nAnzeigen werden nicht mehr aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.1", "texte": "DER STURM\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungs räume\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nSECHSTER JAHRGANG 1916\nBERLIN ERSTES UND ZWEITES MÄRZHEFT\nNUMMER 23/24\nBerlin am achten März 1916\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Franz Marc / Herwarth Waiden: Die Liebe des Lebens und das Leben der Liebe / Herwarth Waiden: Aus der Zeit\nfür die Zeiten: Der Casus des Kaukasus / Die große Mode / Dilettanten gegen Dilettanten / Alexander der Schneider / Zu gesund / Untergetaucht /\nBilder mit Dingen / Das Erwachen des Löwenkritikers / Der Sprung auf den Boden / Ich hab es geschworen / Erziehung / Nachrichtung / Fällt selbst\nhinein / Nicht zu machen / Wovon man nicht sprechen sollte / Zu leicht befunden / Verlagspoesie / Sophie van Leer: Der Tod: Mädchen / Die Kugel /\nKerker / Wilhelm Runge: Lieder / Albert-Bloch: Aufzeichnungen / Elek Turcsänyi: Der Kampf der Gefühle auf dem Hinterhof / Franz Marc: Holzschnitt /\nVom Stock gedrudkt / Campendonk: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Inhaltsverzeichnis: Sechster Jahrgang / Zweites Halbjahr\n\nFranz Marc\nHerwarth Walden\nNun ist ein Künsler gefallen, der nicht fallen\nkann. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Aber\ndie Erde war ihm heimisch. Die Erde, die Leben-\ndiges erzeugt und Lebendiges trägt. Ihm schien\ndie Erde, ihm redeten die Tiere, die Wälder und\ndie Felsen. Sie alle wissen nicht, was sie tun.\nSie sind der Sinn der Erde und er gab ihnen das\nSinnbild. Das Gleichnis. Er sah das Nackte reinen\nAuges, weil er spielen konnte, weil er ein Künstler\nwar. Ihn zog der Mensch nicht an, den er aus-\nziehen mußte. Der erst hinter den Dingen stand.\nEr sah die Dinge an sich, die Andere sich erst\naufbauen müssen. Er stand vor den Felsen\nund die Felsen fügten sich ihm. Er wandelte zwi-\nschen den Bäumen und der Wald umstellte sich\nihm. Ihm lauschten die Tiere und er gab ihnen\ndie Farben seiner Liebe.\nDie Liebe seiner Farben. Wie sie sich lieben,\ndie Farben, wenn man sie nicht stört. Wie sich\ndie Formen umarmen, wenn man sie nicht bricht.\nKein Feuer verbrennt Brennende.\nWie Du brennst, Franz Marc. Wie Deine\nAugen aufsaugen, was ist. Wie das Sein durch\nDich Glühenden -glüht. Wie Dein Brand allen Zau-\nber tötet, der nicht Wunder ist. Wie das Wunder\ndurch Dich auf die Erde kommt, die nun entzaubert\nund verwundert ist: mit großen erstaunten Kinder-\naugen nun in die Welt sieht, die sich über den\nAugen aller Kämpfer wölbt. Sichtbar nur für\ngioße, erstaunte Kinderaugen.\nSie wachsen nicht, diese Erwachsenen. Franz\nMarc, wüßten sie, wie der Künstler sie liebt, diese\nBlinden, denen er das Licht gibt, alles Feuer\nwürde sich selber verzehren, ehe es den Menschen\nfrißt, der allein und nur, ihnen allen Vater und\nMutter, Geliebter und Geliebte ist.\nDas Feuer verbrennt keinen Brennenden.\nDie Erde ist das Tal der Klage, weil wir\nwissen, was wir tun. Wir erfinden, was wir nicht\nsuchen. Künstler und Kinder finden, was sie\nsuchen. Sie sehen , sie hören, sie fühlen. Sie\nspringen im Tal, sehen die Berge, hören die Stimme\nund fühlen Gott. Vielleicht stolpern sie über die\nWurzeln, schlagen sie, weil sie sie nicht sahen.\nAber der Vogel dort erhebt sie und sie sind Eins\nmit der Erde, weil' sie sich in der Welt fühlen. Die\nKlage wird Klang. Der Jubel hallt wider. Ihr\nJubel. Blinde stehen nicht auf. Taube klagen.\nAber Du stehst auf, Franz Marc. Dir war die\nErde heimisch, aber Dein Reich ist in der Welt\nDie Erde lebt aus Dir. Und ein Baum wächst\nauf, seine Aeste greifen um die Erde, seine Blätter\nleuchten blau in Aller Herzen, seine Blüten duften\nKlang in Aller Seelen, es raunt aus ihm in Aller\nDenken, es singt aus ihm der Welten Stimme, es\nklingt aus ihm der Welten Schweigen.\nTäler blühen in seinem Schatten.\nIch liebe das Unvergängliche, durch das ich\nglühe.\nWie ich Dich liebe, Franz Marc.\nWie Du mir entgegenglühst.\nWie ich Dir entgegenglühe.\nDir, Künstler Gottes."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.2", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause j Berlin SO 2%\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdamer Straße 134 a\nQeoffnet taglicb von 10—6 Uhr / Sonntags vos\n11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nfclonatlicher Wechsel\nNeununddreissigste Ausstellung\nPaul Klee\nAlbert-Bloeh\nVierzigste Ausstellung\nOskar Kokoschka\nOtakar Kubin\nEroffnung: Ersten April\nSturm-Ausstellung zu Haag\nZweite Ausstellung\nEroffnung: 17. Marz\nHooge Wal 16a\n\nSturm-Ausstellung zu Stockholm\nDritte Aussteilurtg\nGabriele Miinter\n\nDer Sturm vertritt folgende Ktinstler und verfiigt\nstandig iiber deren Geinalde / Aquarelle I Zeicfa-\nnungen I Handdrucke I Plastiken\nCampendonk I Marc Chagall I Jacoba van Heems-\nkerck I Kandinsky / Franz Marc 112 I Georg Muche I\nGabriele Miinter / Nell Walden\nIsaac Griinewald I Sigrid Hjerten-Griinewald\nFernand Leger / Archipenko I Boccioni ' Carlo D.\nCarra / Luigi Russolo I Gino Severini\nFritz Baumann I Vincence Benes I Albert-Bloch I\nEmil Filla / Albert Gleizes I Otto Gutfreund I\nOswald Herzog I Alexei Jawlensky I Paul Klee I\nOskar Kokoschka I Otakar Kubin / Carl Mense /\nJean Metzinger / Francis Picabia I Pablo Picasso I\nMarianne von Werefkin / Cezanne I van Gogh\nMatisse / Munch\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Storm\nErscheint am funfzehnten jedes Monats\n/\nOauerbezug\nGewonhliciie Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein Halbjahr 3 Mark / Einzelheft 80 Pfennig\nJ Fii r das Ausl a n d be i dire k t e r Zu -\nste 11 un g dur c h die Post: Ein Jahr 9 francs\nI Ein Halbjahr 4 francs 50 centimes / Einzelheft 1\nfranc\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare, Verse n dung in Rollen direkt\ndurch die Post fii r Deutschland und\nOcster reich-Ungar n: Ein Jahr 12 Mark I\n£I£n Halbjahr 6 Mark / Ffir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs I Ein Halbjahr 9 francs\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Numm.er 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Mummer 57—104:\n10 Mark ./ Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFiinfter Jahrgang und sechster Jahrgang je 6 Mark\n\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Veriag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Ernzelverkauf liegt Der Sturm in\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Straßenstanden\nauf I Falls direkte Zustelltuig durch den Veriag\nDer Sturm uriter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g ftir den\nBegin n des neuen Halbjahres bis\n2um fiinften des ersten Monats einzu-\nsenden I Sonst wird der Betrag durch Nach-\nnahme unter Berechnung der Kosten eingezogen\nMappen und Alben / Veriag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzig Blatt Zeichnungea /\ni\nStrichatzung I Auf Kaiserlich Japanpapier in\nMappe 25 Mk. I Auf Costakarton in Mappe 12 Mk.\nKandinsky-Album / Schrift des Kunstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 / Albutm 10 Mark\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte ' Auflage 30\nMappen I Mappe je einhundert Mank\nBucher aus dem Veriag Der Sturm\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr still es\nQliick —! / Drama / Ein Taubenschlag I\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nAdo!! Knoblauch: Die schwarze Fahne I Eine\nDichtung J\nPaul Leppin: Daniel Jesus / Roman / 2 Mark\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Luxusausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart funfundzwanzig Mark\nJedes Bach 2 Mark\nAugust Stramm: Du I Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna I II: August Stramin: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen I VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst I VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Stnrmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Veriag Der Sturm\nHerwarth Walden: Daiaislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno holz / Filr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 einzeiit: Er\nh6rt mit ihr den Gukguk schreyn /' 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Veriag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das\nLacben / Luigi Russ o 1 o: Erinnerung einer\nNacht I Zug ).n voller Fahrt / GsaoSevc-\nrini: Die Modistin / Ruheiose Tftiizenn j Pan-\nPan Tanz / Umber t o Boccioni: Abschied/\nKandinsky: Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid Kinder\n\nKartenvon Macke j Munter / Marc Chagall $5) t\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm - Austellungskafaloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Je 50 Pfennig / Die Futuristen 60 Pfennig ! Ota-\nkar Kubin I Marc Chagall j Kandinsky / je 50 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ffinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrucke aus dem Veriag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Plakat ftir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Me n -\nschenkopfe auf Japan- und Biittenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Krans\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert / Das Blatt 5 Mark\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden I Dreizehn-\ntesJahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 I Jahres-\nbeitrag 20 Mark I Rechte der Mitglieder: Freier\nBezug der Zeitschrift Der Sturm I Freier Besuch\naller Sturmausstellungen I Jedes Jahr frei eine\nSturmpublikation\nDas dreizehnte Jahr beginnt am 1. April 1916\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereiiis Kir\nKunst irn Jahr 1916/17 frei erhalten ist nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder Kan-\ndinskyalbum\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoebenerschienen: Kandinsky: Komposition 2\n/ Kiinstlerpostkarte / Karte 20 Pfennig\"\nSoeben erschienen: Sturm-Kunstler ' Lichtb.il d-\nkart en / Karte 20 Pfennig: 1: August Stratum\n/ 2: Herwarth Walden / 3: Jacoba van !ieeiß6-\nkerck\nAm ersten Marz erschien: Herwarth Walden:\nKunstmaler und Kunstkritiker ( Ge -\nsammelte Schriften I Band 1/2 Mark /\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Blichereinbiinde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42 X 35 Mark 4\n\nMitteilung\nDer Sturm beginnt am 1. April den siebenten Jaiir-\ngang. Die Zeitschrift erscheint von nun ab\nmon a 11 ic h, am funfzehnten jedes Monats\nProbehefte und Verlagsverzeichnisse werden\nkostenlos versandt\nAnzeigen werden nicht mehr aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.3", "texte": "Die Liebe des Lebens\nund das Leben der\nLiebe\nHerwarth Walden\nDie Liebe des Lebens ist die Selbstliebe. Wir\nheben uns so sehr, daß wir uns nicht verlieren\nmöchten. Wir finden uns gut und schön. Wir\nfinden uns wahr und fromm. Wir sind so tugend-\nhaft, daß wir nur das Laster sehen. Wir sind\nstolz auf uns. Denn wir sind wir. Wir wollen auch\nnicht sterben, denn es wäre schade um uns. Wir\nwollen auch nach dem Tode fortleben. Wir leben\num zu leben. Wir sterben nicht, das überlassen\nwir den andern. Nach dem Tode leben wir noch\nbesser. Noch klüger. Noch schöner. Noch wahrer.\nNoch frömmer. Denn wir sind wir. Das Reich\nGottes sind wir. Wir werfen uns nicht fort, wir\nwerfen nichts fort. Nicht einmal das Leben. Denn\nes gibt ein Wiedersehen. Ein Wiedersehn mit\nunsern Brüdern und Schwestern. Mit unseren\nGeliebten. Mit denen also, die wir lieben. Also\nmit uns. Wir wollen nicht geliebt werden, denn\ndas nimmt uns etwas. Wir sind wir. Wir wollen\ndereinst nur mit denen zusammenleben, die sich\nselbst lieben. Die also uns in unserer Selbstliebe\nnicht stören. Nachher sind wir alle Brüder und\nSchwestern, weniger gern Geliebte als Liebende,\nGeliebte fordern und Liebende brauchen nichts zu\ngeben als die Liebe. Sie bekommen sich zurück.\nWir lieben meinen Bruder und meinen Schwester.\nAber sein Bruder und seine Schwester ist unbe-\nliebt. Wir haben die Nächstenliebe, denn wir\nstehen uns am nächsten. Und wenn wir Toten\nerwachen, können wir uns weiterlieben. Wir\nwollen uns nicht verlieren, wir haben Angst um\nuns daß wir uns nicht zurückfinden. Aber weit ist\ndie Welt. Und wir stehen im Leben.\nDas Leben der Liebe ist nicht von dieser Erde.\nDie Liebe scheint über uns. Tropfen sind wir nun,\ndie fallen. Fallen und jene Blume tränken, die\nseinen Bruder oder seine Schwester gar liebt. Wir\nmit unserer Liebe des Lebens fallen, damit wir\nauferstehen. Wir müssen uns durchaus wieder-\nfinden. Wir sind unentbehrlich für uns. Wir\nmüssen unsere Nächsten wiederfinden, damit\nwir uns wiedererkennen. Weil wir uns vielleicht\ndoch verlieren könnten.\nDenn \"die Welt ist weit und wir stehen auf der\nErde.\nDas Leben der Liebe fragt nicht nach uns und\nfragt uns nicht. Die Liebe liebt. Sie wertet nicht.\nSie strahlt über die Fallenden und die Gefallenen,\nauch wenn sie nur seine Schwestern sind. Unsere\nSchwestern fallen nicht, die wir das Leben lieben.\nUnsere Brüder fallen, damit wir noch etwas leben\nkönnen. Das ist die Pflicht der Nächstenliebe, weil\nwir uns die Nächsten sind. Wir lieben das Leben,\nweil das Leben ohne unsere Liebe vielleicht nicht\nleben könnte,. Wir wollen es dem Leben zuliebe\nnicht darauf ankommen lassen, daß etwa gar das\nLeben sterbe. Wir leben weiter. Vor dem Tod\nund nach dem Tode. Mit dem Nächsten und dank\ndem Nächsten. Was sollte die Erde ohne uns an-\nfangen. Es ist nicht auszudenken. Al§o es darf\nnicht sein.\nEs ist sehr groß, sich klein zu fühlen, aber noch\ngrößer, sich klein zu denken. Denn nur unsere\nGrösse gibt uns das Recht zur Liebe des Lebens.\nDas doch nicht das Leben der Liebe ist.\nDie großen Denker sagen, der Baum stehe nur,\nwenn wir ihn sehen. Aber der Baum steht und sie\nstossen sich den Kopf. Dann wird der Baum ge-\nfällt, damit wir uns nicht den Kopf stossen. Nun\nstolpern wir mit den Füssen. Wir graben den\nBaum ein. Nesseln verbrennen uns die Haut.\nAber wir müssen let>en. Nach dem Tode brauchen\nwir uns nicht mehr den Kopf zu stossen, nicht\nmehr zu stolpern und nicht mehr die Haut zu ver-\nbrennen. Wir sind ganz frei, nur der schönen Be-\nschäftigung hingegeben, uns zu lieben.\nNesseln brennen, weil sie lieben. Nicht uns.\nAber das ist das Leben der Liebe.\nDieses Bild stört uns, weil wir die Farben\nnicht lieben.\nAber die Farben lieben doch.\nDie Farben lieben für sich und wir für uns.\nDer Baum steht.\nWir lieben das Leben.\nDoch nur die Liebe lebt.\nWir sind eine dumme Person.\nDer Himmel weint nicht.\nEs regnet.\n\nAus der Zeit für die\nZeiten\n\nDer Casus des Kaukasus\nNun müssen ihn selbst die Tauben hören, den\nRitter Stahl von Mosse ohne Furcht mit Tadel.\nEi hat es getragen sieben Monate, nun trägt er\nes länger nicht mehr. Heiß mich nicht schweigen,\nheiß mich reden. Die Stunde kommt, die, Stunde\nnaht, nun muß sich alles, alles wenden. Erschallet\nDrommeten, ertönet Fanfaren. Herr Stahl, der\nFritz, macht seinem bedrängten Auge Luft, indem\ner Bilder stürmt. „Keine Furcht vor den üblichen\nSchmähungen darf einen Mann verhindern, das\nlaut zu bekennen, und wenn so viele schweigen\noder sich schlau aus der Affäre winden, so ist das\nnur ein Grund, noch deutlicher und schärfer zu\nsrechen.\" Er windet sich nicht schlau aus der\nAffäre, er windet sich. Er spricht immer weiter,\nnoch deutlicher und schärfer, statt deutlicher und\nschärfer zu sehein. Aber so wenig seine Sprache\nscharf ist, so wenig deutlich sieht sein Auge.\nKeine Furcht darf einen Mann verhindern, über\nKunst zu schreiben, wienn er dazu von Mosse\nberufen ist. Aber der große Stahl sieht über-\nall nur sich. Er schmäht und glaubt geschmäht\nzu werden. Seine Schmähungen gehen nicht\nüber den Strich des Berliner Tageblatts. Mein\nErbarmen sichert ihm einen bescheidenen\nPlatz in dem Ulk der Kunstgeschichte. Er macht\nsich zum Spott und ich ihn zu Humor. Und das\nist der Witz davon. „Diese absichtliche oft\ngeradezu kaltblütig ausgerechnete Vergewalti-\ngung von Natur und Menschheit bedeutet ein Ver-\nbrechen nicht nur mehr gegen die Kunst, sondern\ngegen jedes gesunde Weitgefühl.\" Der Herr Stahl\nist wirklich nicht bescheiden. Er nennt sich Welt-\ngefühl, während er doch nur Beziehungen zum\nWeltspiegel hat. Fritz Engel ist ihm sicher der\nZeitgeist. Aber wenn der Natur, die kaltblütig\nausgerechnet und endgültig im Jahre 1916 verge-\nwaltigt ist, nur noch das Erwachen des Herrn\nStahl mit lautem Gähnen bevorsteht, kann sie sich\nruhig begraben lassen. Was hat man eigentlich dir,\ndu armes Kind, getan. Du kennst nicht mehr das\nLand, wo die Zitronen blühen. Das ist Alles.\nManche Leute sonnen sich eben gern im Süden.\nAber deswegen darf doch die Sonne wohl im\nOsten aufgehen. Im Norden stürmt es. Aber es\nist dem Weltgefühl ganz gesund. Kunst ist nicht\nfür katarrhalische Erscheinungen und die Sonne\nHomers, siehe, sie leuchtet auch uns. Diese klima-\ntische Erörterung dürfte selbst die klassische Bil-\ndung des Herrn Stahl befriedigen. Es ist un-\nbequem, etwas aus der Sonne zu gehen, wenn\nman in der Sonne zu liegen glaubt Herr Stahl\nist eingeschlafen und hat nicht gemerkt, daß sich\ndie Erde mit ihm umdrehte und er nun im Schatten\nan der Mutter Erde klebt. Seine Augen blicken\nins Bodenlose, er sieht nichts mehr, verliert den\nHalt und die Haltung. „Vielleicht hat diese Beob-\nachtung den Widerwillen, den die in die Masse\ngewachsenen wüsten Scheusslichkeiten der soge-\nnannten Jugend der Gruppe in mir weckten noch\ngesteigert; er ist schließlich zu geradezu körper-\nlichem Ekel geworden.\" Ich kann die Qualen\ndes Herrn Stahl nicht mit ansehen und wende\nmich deshalb zu freundlicheren Gebilden seiner\nTätigkeit: „Wir, die wir vor einigen zwanzig\nJahren in das Kunstleben eintraten, haben lange\nund scharf gegen den Eigensinn der damals herr-\nschenden Künstler zu kämpfen gehabt, die sich\nverbissen gegen alles Neue wehrten und es nicht\nir, ihre Ausstellungen Hessen. Ich bin jetzt ge-\nneigt, ihnen jedes harte Wort abzubitten. Denn\nmochten sie irren, oft sehr irren, schließlich glaub-\nten sie doch ehrlich an ihre Sache und vertraten\nsie und büssten am Ende ihre Entschlossenheit.\nUnd das steht höher als die Fügsamkeit gegen\nden Terror der Jüngsten, die wir heute leider fast\nbei allen Leitern sezessionistischer Ausstellungen\nfinden.\" Es irrt der Stahl so lang er lebt, aber\nich bin doch anständiger. Denn ich bin fest über-\nzeugt, daß der Kunstkritiker Stahl ehrlich unkünst-\nlerisch ist. Er irrt oft, sehr oft, aber er glaubt doch\nehrlich an seine Unfähigkeit, vertritt sie und büsst\nam Ende seine Entschlossenheit. Er irrt sich in\nAllem. Herr Stahl ist den Jüngsten nicht einmal\nan Jahren so sehr überlegen, wie er sich vor-\nkommt, die Jüngsten üben gar keinen Terror auf\ndie Leiter sezessionistischer Ausstellungen aus.\nSie haben noch niemals eine, sezessionistische Aus-\nstellung beschickt, nicht einmal eine Einladung an-\ngenommen. Ihr Terrorismus besteht nur darin, daß\nsie auf die Besprechung des Herrn Stahl verzich-\nten. Herr Stahl ist niemals um ein gutes Wort\ngebeten worden, trotzdem es einen guten Platz\nim Berliner Tageblatt findet. Herr Stahl hat viele\nböse Worte für den Nachwuchs der Jüngsten, er,\nder noch nie einen gerade gewachsenen Künstler\ngesehen hat. Sicher ist, der Nachwuchs ist nicht\nvon schlechten Eltern. Und wenn die Kinderchen\nKandinsky, Marc und Kokoschka zum Verwech-\nseln ähnlich sehen, so liegt das eben im Wesen der\nNatur, mit der ja sonst Herr Stahl auf vertrautem\nFusse steht. Wenn erwachsene toternste Impres-\nsionisten sich andere Kleider anziehen, was können\ndie Unverkleideten dafür. Aber Herr Stahl ist so\nernst, daß er von jedem Maskenball Kunstberichte\nschreibt. Er erkennt Goethe nur an der monumen-\ntalen Haltung und Beethoven an der Taubheit.\nUnd Expressionisten nur an der widernatürlichen\nVergewaltigung der Natur. Herr Stahl hat sich\nwenigstens historisch mit Rembrandt beschäftigt,\nbevor er die kleinen Rembrandts zu großen Rem-\nbrandts herauflobte. Mit den großen Künstlern\nder neuen Stilbewegung hat sich Herr Fritz Stahl\nnie beschäftigt, das kann ich ihm nachweisen.\nTrotzdem er ihre Schüler heruntertadelt. Schüler\nzum größten Teil, die von den Lehrern nur das\nSpucken abgeguckt haben. Mit welchem Recht\naber wird Herr Stahl unmoralisch. Mit welchem\nRecht spricht Herr Stahl den Leitern der sezes-\nsionistischen Ausstellungen den Glauben an die\nEhrlichkeit ihrer Sache ab. Mit welchem Recht\nbehauptet Herr Stahl, daß zum Beispiel Herr Curt\nHerrmann weniger von Kunst versteht als er. Curt\nHerrmann, der mit seinen sechzig Jahren während\nseines ganzen Lebens noch immer strebend sich\nbemüht, während Herr Stahl mit seinen lächer-\nlichen fünfzig Jahren eine Ansicht hat, die höch-\nstens auf einer Ansichtskarte Platz findet. Viel-\nleicht Herr Stahl als guter Hirte dargestellt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.4", "texte": "auf einem Hügelchen, während sich um ihn im\nKreis die Schafe drehen. Sonnenlicht von links\noben. Rechts untren ein kleiner Bach. Rechts oben\nein paar Sperlinge, links unten eine satte Wiese.\nAlle Künstler wollen eben nicht Schafe sein. Sehen\nwir uns einmal in dem Gemüsegarten des Herrn\nStahl etwas um: „ . . . der nicht viel jünger ist,\nlegt mit wenigen reinen Farben ein Blumenstück\nvon so reichem und duftigen Leben hin, daß man\ndreimal nachsieht, ob dieses frische Stück wirk-\nlich von dem greisen Landschafter kommen kann.\"\nEine Spätgeburt, die man gleich mitnehmen\nmöchte. Bei so einem Blumenstück muß man\ndreimal nachsehen, ob es auch wirklich unecht ist.\nDas reine Panoptikum. Wenn man so etwas hin-\nlegt, halten es die andern wirklich für echt, trotz-\ndem es unecht ist. Ein anderes altes Herz: „Das\nHerz dieses bald Achtzigjährigen fühlt den Jubel\neines Frühsommertages so rein und stark, als hätte\nes ihn zum ersten Mal erlebt.\" Das Bild heißt\n„Himmelfahrtstag\", ist von Hans Thoma und wird\nHerrn Fritz Stahl zu seinem achtzigsten Geburts-\ntag geschenkt, wenn er bis dahin zur Auferstehung\ngekommen sein sollte. „... gibt ein prachtvolles\nStück Hamburg, einen trüben und bewegten Tag,\ndurch den plötzlich Sonnenlicht dringt.\" Da\nbraucht der Herr Stahl den Regenschirm nicht\nmehr zum Losschlagen zu benutzen. „ ... das Bild\neines Trauernden das ganz als Rhythmus in\nschwarzen und grauen Tönen gedacht ist.\" Herr\nStahl sieht eben nur gedachte Bilder, Bilder mit\nDingen. „... gibt ein forsch gemaltes und charak-\nteristisches Porträt.\" Wieviele Menschen haben\nnicht schon durch ein forschgemaltes Porträt\nCharakter bekommen. Aber ein Talent bildet sich\nin der Stille. „... hat sich auf das Stilleben zu-\nrückgezogen.\" Für Herrn Stahl ist auch jede Nie-\nderlage ein triumphaler Rückzug. Aber nun geht\nes noch einmal immer feste druff: „In der Plastik\nhat das Fratzenwesen einen besonders breiten\nRaum. Man muß sich fast schämen zur kaukasi-\nschen Rasse zu gehören, wenn man all diese zer-\nquetschten Köpfe und platten Nasen als Schönheit\nverherrlicht sieht.\" Ja, der Herr Stahl hat eben\nFasse, der Kaukasus kann sich freuen. Und Herr\nStahl wird dem Fratzenwesen als Modell empfoh-\nlen, wenn es mal wieder kaukasisch kommen will.\n„Es gibt jetzt keine größere Chance für junge\nKünstler, als wenn Gott ihnen ein negerartiges\nWeib gibt.\" Selbst Gott scheint von der Natur\nabzufallen, wenn er den jungen Künstlern mit\nnegerartigen Weibern entgegenkommt. Oder sind\ndiese Weiber nicht von Gott geschaffen? Daß\nHerr Stahl es tat, ist nicht anzunehmen. Er ist\nvon der kaukasischen Rasse. Aber im Ernst, den\nich so sehr liebe, sollte man solche Sätze für mög-\nlich halten. Wenn auch vor Gott nichts unmöglich\nist. Wenn dieser Herr Stahl der Gott einer größe-\nren Menge Kaukasier ist, zieh ich, weiß Gott, den\nGott der Neger vor. Er hat sich zwar ohne Er-\nlaubnis des Herrgottes aus dem Kaukasus zer-\nquetschte Köpfe und platte Nasen geleistet, was\nnützen mir aber platte Köpfe und glatte Nasen,\nwenn sie als Schönheit verherrlicht nur wächsern\nwirken, sodaß man nicht weiß, ob sie echt oder\nunecht sind. Ehrlich währt am längsten. Und daß\ndu die Nase im Gesicht behältst. 0 schreib solang\ndu schreiben kannst. Die Stunde kommt, die\nStunde naht. Es muß sich alles wenden.\nDie grobe Mode\nDie „Werkstatt der Kunst\" vereinigt sich nun\ngleichfalls mit der Werkstatt des Schneiders. Die\n„Werkstatt der Kunst\" ist das Vereinsorgan der\nAllgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft und\nzahlreicher anderer Dilettantenverbände. Nur daß\ndiese Dilettanten ganz besonders die Kunst mehr\nlieben als daß sie von ihr geliebt werden. Kunst\nist eben nicht für Gegenliebe. Dilettanten sind\nimmer wichtig und haben deshalb in ihren Vereins-\norganen stets einen „amtlichen Teil\". Es ist zu\nbedauern daß nicht auch die gesamten Oelbilder\nauf Kupfer oder anderen beschlagnahmten Metallen\nniedergepinselt worden sind. Das wäre eine so\nschöne Gelegenheit gewesen, die ganze Kunst zu\nverpulvern. Rauch ist alles ird'sche Leben. Leider\nist nun eine Metallfreigabestelle eingerichtet, die\nMutterplatten von künstlerischem Wert auf Antrag\nwieder frei gibt. Die ungebornen Kinder werden\nalso wieder auf die Erde kommen und ich möchte\ndie Mutterplatte sehen, die nicht ihren Kindern\nden größten Wert beimißt. Kaum ist die Mutter\nfreigegeben, so äußert sich schon nichtamtlich\nMargarete von Suttner über die Mode im Bilde.\nFür sie ist die Mode wenigstens noch eine Spezial-\ngattung der Kunst, die in mehrere Untergattungen\nzerfällt. Für das Zeitecho der Moderne ist die\nMode schlechthin die Kunst. Das „Hohenzollern-\nkr.nstgewerbehaus\" und der „Graphik-Verlag\",\nalias „Moden-Alfred-Marie\", wetteifern der Mode\ndas zu geben, was ihnen die Kunst nicht gibt.\nMode und Moderne sind ja schließlich auch das\nselbe. Die Futuristen aber, die sich in diesen\nSalons zeigen, sind eben keine. Denn Mode ist\nstets Gegenwart und nie Zukunft. Doch Schneider\nsind stets ängstlich: „Endlich sehen wir, daß sich\nauch in diesem Seitental der ernsten Kunst die\nFuturisten einzunisten beginnen. Um sich für ihre\nBlättchen zu interessieren, bedarf es anscheinend\neiner besonderen Seh- und Auffassungsweise.\"\nModeblättchen von Futuristen sind genau so\ndumm wie Modeblättchen überhaupt. Es ist zu\ndumm, Zukunft, die immer Zukunft bleibt, nach-\nahmen zu wollen. Denn erstens kann man die\nZukunft nicht sehen, da man dazu anscheinend\neiner besonderen Seh- und Auffassungsweise be-\ndarf und zweitens kann man sich für solche Blätt-\nchen nur interessieren, wenn man schönen Frauen\nnachäffen will. Kunstprofessoren sind gewöhnlich\nkeine schöne Frauen, dazu sind die Umhängebärte\nzu würdig, schöne Frauen lassen sich aber weder\nvon Sezessionisten noch von Futuristen anziehen,\ndas tun sie selber. Schöne Frauen erfinden sich die\nMode, die häßlichen machen sie nach. Dann wird\ndas alles gemalt und die Mode im Bilde ist fertig.\nHierauf wird sie von Kunstschriftstellern wie Herr\nFritz von Stahl und Frau Margarete von Suttner\nbesprochen. „Ich sehe Pflanzenfaserpapier, ein\nübermässig kostspieliges Reproduktionsverfahren,\nDreiecke anstelle von Nasen, bunte Tupfen an-\nstelle von Augen, ein bisschen Japan, ein bisschen\nAlt-Aegypten, eine grosse Unruhe, ein grosses\nSuchen, kurz, es ist „Der Sturm\" ins Winzige\nübertragen.\" Da sie die Robes nicht sieht, sind die\nBilder offenbar falsch plaziert. Uebrigens hätte\nsich die Kunstschriftstellerin denken müssen, daß\ndiese Sachen nichts mit dem Sturm zu tun haben.\nDer Sturm läßt sich weder tragen noch gar ins\nWinzige übertragen. Graphisch kann man sich nur\nbei der Moden-Alfred-Marie anziehen und male-\nrisch nur auf Künstlerfesten.\nDer Sturm heult über die Wüsten.\nDilettanten gegen Dilettanten\nAuch der Leserkreis der „Werkstatt der\nKunst\" betrachtet. Natürlich nicht Bilder. Bilder\nkennt man in jener Werkstatt nicht. „Nur in der\nMalerei ist es Mode, ohne Sinn und Verstand mög-\nlichst produktiv zu sein. Hier werden gegen-\nwärtig dem größten Dilettantismus die Lorbeeren\nzugeworfen.\" Sehr objektiv von der „Allgemeinen\nDeutschen Kunstgenossenschaft\", das in ihrem\neigenen Vereinsorgan zuzugestehen. „Talent hat\nallein noch kein Genie gezeitigt.\" Da müssen Sick\nschon mehrere Talente zusammentun, einen Verein\nbilden. „Aber wir brauchen keine wertlosen Ar-\nbeiten aus andern Ländern, um unsere Ausstel-\nlungshallen zu fußen.\" Gewiß nicht, dafür sorgt\nschon die „Allgemeine Deutsche Kunstgenossen-\nschaft4'. „Maler, die ihre Bilder fabrikmäßig an-\nfertigen. nur um allen Einladungen nachzukom-*\ntuen, verdienen bei uns Unsummen/' Der Leser-\nkreis liest nicht die Beilage der „Werkstatt der\nKunst\", „die kunsttechnischen Blätter\". Leubach,\nder teure, war doch unser. Der Leserkreis wird\nimmer geschlossener: „Wer sehen gelernt hat,\nwird sich niemals erdreisten, dem Publikum miß-\nglückte Malversuche als Kunstwerke vorzuset-\nzen. \" Zwei Gedankenstriche für die „Werk-\nstatt der Kunst\".\nAlexander, der Schneider\nAuf Sascha Schneider hat der Krieg gewirkt.\nEr übersetzte seinen Vornamen in Alexander, heißt\nnunmehr Alexander (Sascha) Schneider und kann\nncch immer nicht malen. Er zeichnet noch immer\ndie selben Männekens, nur heissen sie jetzt nicht\nmehr Diskuswerfer, sondern Krieger. Der Ball-\nspieler heißt jetzt Kriegsfurie und der Gymnast\nder Tod. Ein Herr Krieger bläst so kräftig auf\nder Posaune, daß ihm die Haare horizontal zu Tal\nstehen. Herr Alexander (Sascha) Schneider ist\naber ein ernster Künstler, ein Denker: „Denn\nAlexander (Sascha) Schneiders Kriegergestalten\nund Todesgewalten sind keine sachlichen Abbildun-\ngen, keine Illustrationen, aber auch keine billigen\nherkömmlichen Allegorien. Sie zeigen uns weder\ndie Feldgrauen bei ihrer wirklichen Tätigkeit,\nnoch bringen sie abstrakte Umschreibungen für\ndas, was uns alle \"lebendig erfüllt.\" So sagt die\nFirma Breitkopf und Härtel von ihrem Alexander\n(Sascha) dem Grossen. „Sie sind vielmehr der\nunmittelbare Form gewordene Ausdruck dafür,\nwie die erschütternden Empfindungen, die uns\nangesichts des gewaltigen Völkerringens beseelen\nin einem Künstlergeist und Künstlerauge Gestalt\nannehmen und dadurch auch für uns vertieft und\nabgeklärt erscheinen, wenn wir die Fähigkeit be-\nsitzen, sie mit unserer eigenen Empfindungswelt\nmiterlebend zu verschmelzen.\" Wenn wir aber\nnicht die Fähigkeit der Herren Breitkopf und\nHärtel besitzen, so erscheinen sie uns nicht ver-\ntieft und abgeklärt, sie haben nur in dem einen\nKünstlergeist und Künstlerauge des Alexander\n(Sascha) Schneider Gestalt angenommen, sie sind\nvielmehr die mittelbare Ausdruck gewordene\nForm vergangener Jahrhunderte. Oder weniger\npropagandistisch gesprochen: sie sind Kitsch, die\nKriegergestalten und Todesgewalten. Ich kann\nsolche Männekens auf den Tod nicht ausstehen.\nDazu ist sogar der Tod zu ernst. Aber Breitkopf\nund Härtel sind überwältigt. Einfach hin. „Es\nwerden sich mit diesen geradezu überwältigenden\nSchöpfungen nicht nur die Kunst- und Literatur-\nzeitschriften beschäftigen, sondern auch in Tages-\nzeitungen dürfte Stellung zu ihnen genommen\nwerden; wir selbst werden in nachdrücklichster\nWeise für das Bekanntwerden des Werkes\nsorgen.\" Die Kriegergestalten Breitkopf und\nHärtel stehen nachdrücklichst vor meinem Auge.\nAlexander (Sascha) Schneider löst sich mir vor\ndiesem Bilde in billige herkömmliche Allegorie.\nAuf, Tageszeitungen, Kunst- und Literaturzeit-\nschriften, auf in den Kampf für Alexander (Sascha)\nden Grossen, denn schon steht hier seine Todes-\ngestalt. Obschon hinter dem Alexander (Sascha)\nnur ein Schneider steht."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.5", "texte": "Zu gesund\n„Wenn es auch Tatsache ist, daß die Anzeige\nii( Tageszeitungen und Zeitschriften der beste\nGrundbestandteil aller auf den gleichen Endzweck\ngerichteten Maßnahmen ist, so gibt es auch\nandere Reklameformen, die sich als sehr\nzweckmässig erwiesen haben und von denen\nmanche sogar der Allgemeinheit sehr nützliche\nkulturelle Dienste erwiesen, insofern sich diese\nReklamearten der Kunst bedienen und in den\nweitesten Kreisen den Sinn für das Schöne er-\nwecken und befestigen.\" Ich werde gebeten,\ndiesen Satz der Oeffentlichkeit nicht vorzuent-\nhalten. Ich selbst verzichte zwar auf den besten\nGrundbestandteil aller auf den gleichen Endzweck\ngerichteten Maßnahmen, aber die Reklamearten\nbedienen sich bitte der Kunst und die Kunst, die\nsich sonst bedienen läßt, erweckt und befestigt\nden Sinn für das Schöne. Die Kunst wird sich\netwas husten: „Diese Firma hat nämlich von\neiner sehr bedeutenden Kunstanstalt das Repro-\nduktionsrecht für eine ganze Reihe künstlerisch\nausgeführter naturgetreuer Vogelbilder erworben\nund hiervon zur Reklame für das bekannte Husten-\nmittel „Kaisers Brustkaramellen\" eine Riesenauf-\nlage herstellen lassen.\" Das ist zu süß. Man hat\nden Husten und noch den Vogel dazu. „Diese\nBilder werden kostenlos an die Abnehmer des er-\nwähnten Hustenmittels abgegeben und kommen so\nin alle Kreise des Volkes.\" Der Sinn für das Schöne\nfliegt naturgetreu in die Lüfte. Man macht sich\nheiser, nimmt, wenn man Vogel ist, Kaisers Brust-\nkaramellen, um wieder singen zu können wie der\nVogel singt, nimmt, wenn man Abnehmer ist, ein\nnaturgetreues Vogelbild, worauf man nicht mehr\nhusten braucht. Für alle Kreise des Vogelvolks\nund der Menschenwelt ist so bestens gesorgt.\nKostenlos. Bediene dich selbst der Kunst. Zu\nhaben in den vielen Tausenden von Verkaufs-\nstellen.\nUntergetaucht\nDie Kunstausstellung Wiesbaden 1915 ist ge-\nschlossen. Einige Sätze des „Wiesbadener Bade-\nblatts\" müssen aber aus der Zeit gerettet werden.\nDie Kunstkritik der Großstädte hat zwar noch\nimmer viel gegen künstlerische Formen einzu-\nwenden. Sie versucht wenigstens dennoch, sich\nin Form zu halten und sich an den guten Ton im\nUmgang mit Kunstwerken zu gewöhnen. Die Ver-\nwandtschaft im Lande benimmt sich hingegen\nnoch sehr flegelhaft. Wiesbaden scheint sich über-\nhaupt sehr geschützt vorzukommen. Das „Wies-\nbadener Badeblatt\", Organ der Stadtverwaltung\nund Amtsblatt der Residenzstadt Wiesbaden,\nspritzt gegen Kunst um sich, als ob der Koch-\nbrunnen ein Niagara-Fall ist. Kräftig, aber nicht\nkräftigend, worauf es doch für Wiesbaden an-\nkäme. Mit der Kraft der Kranken, die sie erst\nwiederbekommen wollen. Die große Kunstaus-\nstellung Wiesbaden 1915 hat versucht, historisch\nzu sein. Das ist zwar nicht künstlerisch. Man ver-\nfiel aber wenigstens nicht auf den Fehler der\nHistoriker, die Historie etwa mit dem Jahr 1870\nabzuschliessen. Das ist die übliche sehr dumme\nGeschichte. Man wußte wenigstens in Wiesbaden,\ndaß alles Geschichte ist, was geschah. Die Ge-\nschichte wird eben jeden Tag einen Tag älter. Das\nist für Historiker unangenehm, denn sie müssen\njeden Tag etwas zulernen. Historiker essen aber\nalte Weisheit so mit Löffeln, daß sie die Löffel\nweglegen und satt sind, wenn die Geschichte ge-\nrade wieder anfängt. Infolgedessen war die Kunst-\nausstellung Wiesbaden schlecht unterrichtet, und\nstellte nur die Bilder von Zeitgenossen aus, die\nKunst nur durch die Vorgenossen sehen. Der\nNachgesclimack ist schlecht. Wiederkäuen keine\nmenschliche Tätigkeit. „Jedenfalls hat der Be-\nschauer die Möglichkeit einer guten Orientierung\nvon Böcklin, Th. Alt über Leibi, Thoma, Trübner,\nLiebermann bis zu Curt Herrmann, Orlik, E. R.\nWeiß, Weisgerber, Erbslöh und Schwalbach, also\nbis zu den Jüngsten, die sich mit vollem Bewußt-\nsein von der Natur abwenden, die sich romantisch\ngeben möchten, deren phantastische Werke aber\nnicht aus einer reich blühenden Phantasie geboren\nsind, sondern einer ganz dürren und dürftigen ge-\ndanklichen Spekulation ihr kümmerliches Dasein\nverdanken. Jedenfalls hat ihr Rechenexempel ein\nLoch und sie beweisen nur, wie weit ihr Schaffen\nvon Kunst entfernt ist. Das ist aber der Wert der-\nselben, daß sie uns zeigt, auf welchem Weg in\ndie künstlerische Dürre und Unfruchtbarkeit wir\nuns befinden.\" Man hat es also glücklich fertig-\ngebracht, zwei Maler der expressionistischen Be-\nwegung zu finden, die auch schon Nachgenossen\nsind. Die reichblühende Phantasie der genannten\nHerren außer Leibi ist aber gleich dürftig. Und\ndas Rechenexempel hat für alle dasselbe Loch.\nDas Rechnen mit Löchern ist überhaupt sehr\nschwierig: „Das Rechenexempel stellt sich ein,\nwo das naive Schauen, das Erlebnis ausbleibt.\"\nDas halte ich für höhere Mathematik. Nur kann\nder Herr Kritiker des Wiesbadener Badeblatts\nnicht Kubikwurzeln ziehen: „Cezanne und van\nGogh sind die Ausgangspunkte der Jüngsten. Der\nImpressionismus, der auf einem ganz voraus-\nsetzungslosen Erfassen der Natur beruht, ist eine\nWeltanschauung, über welche die Jüngsten in\nihrer Empfindungsarmut hinwegwollen' — wollen,\nohne inneres Erleben, nicht müssen. Die Kunst,\ndie einst das Kunstgewerbe befruchtete und em-\nporhob, steigt herab, macht bei letzterem Anleihen\nund droht in ihm zu versinken.\" Ueber eine Welt-\nanschauung- ohne Anschauung der Welt wollen\nalso die Jüngsten hinweg, statt auf einem Erfassen\nzu beruhen. Waruni müssen sie eigentlich, wenn\nsie nicht wollen. So viel freien Willen wie der\nKunstkritiker des Wiesbadener Badeblatts wird\nihnen die Mutter Natur doch wohl gegeben haben.\nUnd die Kunst, die der Herr an ihren Früchten,\ndem Kunstgewerbe, erkennt, hat soviel letztere\nAnleihen1 bei der Mutter Natur gemacht, bis sie\nihr schließlich die Kunst schuldig blieb. Das müßte\nder letzteste Kunstkritiker nachrechnen können,\naber sein Exempel hat eben ein Loch, Natürlich\nversteht der Bademann van Gogh: „Ebenso wird\nvan Goghs große Persönlichkeit, deren glühendes\nFeuer nicht die reine Form finden konnte, weil das\nKönnen nicht stark genug war, von ihnen völlig\nmißverstanden. Sie klammern sich an die Mängel\nseines Handwerks an.\" Solchem Kunstkritiker\nmuß mal das Handwerk gelegt werden, und zwar\nso gründlich, daß er sich nicht mehr an die Mängel\nklammern kann. Indem man ihm auf die Finger\nklopft. Van Gogh konnte also die reine Form nicht\nfinden. Die große Persönlichkeit des Wiesbadeners\nverbrennt sich die Finger an dem glühenden Feuer\nund schreit Zeter und Mordio. Wer hat ihn ge-\nheissen hin einzufassen. Er kann auch zu Hause\nbaden und braucht nicht mit dem Feuer zu spielen.\nWer das nämlich kann, ohne sich die Finger zu\nverbrennen, ist der Künstler. Gewiß, Ruinen sind\ninteressanter für die Kunstkritiker, diese ruinierten\ngrossen Persönlichkeiten. Und nun werden die\nRuinen beschrieben: „Ein vielversprechendes Talent\nlernt man in W. Teutsch, München, kennen, dessen\nBilder ebenso stimmungsvoll wie großzügig.\"\nDiese Vielversprecher halten niemals Wort. Aber\nder Bademann verspricht sich weiter: „Sehr gut\nist auch Joachim von Bülow vertreten, der für\nseine Eindrücke eine möglichst einfache Formel\ngefunden hat.\" Dieser arme Maler wird ganz un-\nberechtigt in den Verdacht der Spekulation ge-\nbracht, trotzdem man ihm seine Bilder genau an\nfünf Fingern nachrechnen kann. „Max Unolds\n„Dame im Klubsessel\" sprich in seiner Art für\nseinen Schöpfer.\" Di.e Dialoge kennt man. „Eine\nPersönlichkeit, die sehr glücklich mit modernen\nAusdruckmitteln monumentale Wirkungen an-\nstrebt, ist Franz Reinhardt.\" Es irrt der Mensch\nsolange er strebt. So malen sich in dem Kopfe\ndes Bademanns die alten Künstler. Die jungen\naber, „sie wollen bedeutend wirken, weil sie so\nunbedeutend im Können sind. Sie bemänteln ihr\nNichtkönnen mit dem durchsichtig schäbigen\nSchleier der Originalität.\" Der Bademann ist kein\nOriginal. Er will bedeutend wirken, indem er das\nKönnen für unbedeutend und sein Bedeuten für\nKönnen hält. Dem Mann muß bedeutet werden,\ndaß man auch ohne Schleier schäbig wirken kann.\nUnd im Bade ist schon mancher enthüllt, der in\nKleidern als starker Mann posierte.\nBilder mit Dingen\nKostenlose Stoffe für Impressio-\nnisten der Leinwand und des Papiers\nRede von Lloyd George: „Niemals werden\nwir genug von Menschenleben haben, solange wir\nnicht die hinreichenden Mittel besitzen, um im\nSturm das Loch zu öffnen, durch welches der\nWeg zum Siege führt.\" Titel: Durch Loch zum\nSieg.\nBerliner Tageblatt vom 2. November 1915:\n„Die Fleischer konnten in den gestrigen Abend-\nstunden den Andrang der Käufer kaum bewältigen\nund vor vielen Läden bildeten sich lange Reihen\nvon Hausfrauen, die sich mit Fleisch und Dauer-\nwaren versorgten. Mit einem derartig unver-\nnünftigen Verhalten schneiden sich die Berliner\nHausfrauen natürlich ins eigene Fleisch.\" Titel:\nEigene Fleisch- und Dauerwaren. Besprechung\nvon Fritz Stahl wird zugesichert.\nGraphisches Kabinett: „Und wie in früherer\nZeit der Verleger eine persönliche Rolle spielte\nund durch seine Individualität einen hervorragen-\nden Faktor in der literarischen Kultur darstellte,\nso soll auch der moderne, Verleger, der sich seit\nzwei Jahrzehnten diesem Typus wieder zu nähern\nbeginnt, in besonderen Vortragsabenden als sol-\ncher entdeckt werden.\" Titel: Der Faktor im Ka-\nbinett.\n„Gerichtssaal. Das Kriegsspiel der Jugend.\nDas Reichsgericht aber hat auf die Revision hin\ndas Urteil aufgehoben. Die Revision brach in\nder Hauptsache eine Lanze für das soldatische\nSpiel unserer Jugend.\" Titel: Spiele nicht mit\nWorten, denn es fühlt wie du den Schmerz.\nBerliner Tageblatt: „Trübner ist seit minde-\nstens fünfzehn Jahren einer der begabtesten deut-\nschen Maler.\" Feststellung zur Feier seines fünf-\nundsechzigsten Geburtstags. Die ersten fünfzig\nJahre war Herr Fritz Stahl wahrscheinlich da-\ngegen. Titel: Vor fünfzig Jahren.\nBerliner Tageblatt über Trübner: „Selbst\nmindere und weggelegte Bilder seiner jüngeren\nJahre bringen noch hohe Preise.\" Bei Cezanne\nund van Gogh nennt man so etwas Atelierreste.\n„Seine Stellung unter den Besten der Zeit wird\nnirgends bestritten.\" Titel: Nach fünfzig Jahren.\nUebrigens sollte Herr Fritz Stahl sich nicht für\nAlles über Deutschland halten. Wer den Resten\nseiner Zeit genug getan, der hat gelebt für Fritz\nStahl.\nLicht und Schatten: „Auf einem Selbstporträt\nlernt man den ernsten nachdenkenden Kopf des\nKünstlers kennen.\" Titel: Selbstporträt mit Kopf."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.6", "texte": "Franz Msrc: Schiafende Hirtin / Holzechnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.7", "texte": "„Schwurgerichtssaal Zürich: Weltfriedensdrama\nvon Doktor Otto Borngräber, vorgetragen vom\nDichter selbst, auf Einladung der Vereinigung von\nAngehörigen kriegführender Staaten im neutralen\nAuslande.\" Titel: Der falsche Schwur. Oder: Der\nBerichterstatter auf dem neutralen Kriegstheater.\nDas Erwachen des Löwenkritikers\n„Beethovens Klavierkonzert in Es von der\ngreisen Klavierlöwin Teresa Careno in großem\nStil wenngleich nicht ohne empfindliche An-\nschlagshärten vorgetragen.\" Warum soll eine\nLöwin nicht hart zupacken. Wenn der Herr Mu-\nsikkritiker eine Dame dazu ernennt, muß er sich\nnicht wundern, wenn er mir in die Klauen fällt.\nDer Sprung auf den Boden\n„Es besteht die Gefahr für ihn, daß sich leicht,\nwenn er beständig' weiter dieser Charakter- und\nLebenszeichnerei obliegen würde, 'eine gewisse\nManier statt der bisherigen Ursprünglichkeit, mit\nder er die von ihm schilderten Menschen aus ihrer\nräumlichen und zeitlichen Umgebung herausholt,\nbei ihm ausbilden könnte.\" So sagt der Dichter\nHerbert Eulenberg über sich selbst. Er malt sich\nbesser als die, von ihm geschilderten Menschen,\nEr nennt seine bisherige Manier Ursprünglichkeit\nund seine zukünftige Manier. Er sieht eine Gefahr,\nwo er schon längst über den Eulenberg ist und\nversteht es, mit guter Manier sich abzuzeichnen.\nDie beste Manier, einen Ursprung vorzutäuschen,\nwährend man nur einen Hopsassa macht.\nIch hab es geschworen ..\n„ ... und in feiertäglicher Stimmung lauschte die\nHörerschar den Kundgebungen des Genies. Wir\nhaben ihn lange nicht gesehen, den kleinen Meister\nmit der allmählich sehr hoch gewordenen, von\nzwei mächtigen Haarbüscheln flankierten Stirn,\nmit den zusammengekniffenen unter struppigen\nBrauen hervorblitzenden Augen, und wir freuen\nuns, daß er rundlicher geworden ist und daß es\nihm offenbar also gut geht.\" Der ernste Musik-\nkritiker der Vossischen Zeitung strahlt. Rundliche\nGenies wirken immer beruhigender. Wir freuen\nund, daß die Kunst so gut anschlägt.\" „Er greift in\ndie Tasten und ruft durch eine kurze, ohne jeden\nEhrgeiz geformte Improvisation zur Sammlung\nauf.\" Sitzt man im Fett, läßt eben der Ehrgeiz nach.\nUnd die Form auch. Improvisatoren rufen zur\nSammlung, weil ihnen die Sammlung zur Improvi-\nsation fehlt. „Es ist nämlich ein Beethovenabend,\nden er angezeigt hat. Er faßt sie etwas derbe\nan, diese Variationen, und er spielt sie wohl noch\nnicht vollkommen konzentriert, noch nicht aus-\ngesöhnt mit dem Schicksal, noch nicht einver-\nstanden mit der Situation, beinahe gleichgültig\nherunter.\" Aergert er sich, daß er Beethoven\nspielen muß? Warum muß er? Aber es handelt\nsich nicht um das Spiel von Beethoven, es handelt\nsich um das Spiel des Schicksals. Denn: „Wir\nerinnern uns daran, daß d'Albert einmal das Kon-\nzertieren abgeschworen hatte, und wir können\nes begreifen, daß er vorerst einmal innere Hem-\nmungen zu überwinden hat, sobald er öffentlich am\nKlavier sitzt.\" Die Schwurfinger wollen also noch\nnicht. Wer mag das rundliche Genie in seinen in-\nneren Hemmungen gestört haben, daß es sich nun\ndoch öffentlich ans Klavier setzt. Wir hatten die\nOpernschwüre nicht so juristisch genommen, aber\nder ernste Musikkritiker erinnert uns daran. Und\ndie Variationen werden derbe angepackt, weil der\nkleine Meister variabel ist. „Zum Schluß indessen\nwandelte sich die Lauheit in Jubel.\" Und alle\nSchwüre waren vergessen. Wir freuen uns, daß\nes ihm also offenbar gut geht.\nErziehung\nDie schweizerischen Metzger packen die jäm-\nmerlichen Schriftsteller mit starker Faust: „Die\nschweizerische Metzgerzeitung benötigt für ihren\nUnterhaltungsteil einiger Erzählungen oder kürze-\nrer Romane. Arbeiten, die mit Fremdwörtern ge-\nspickt sind oder viele SchachteÜsätze enthalten,\nkommen nicht in Betracht.\" Diese sittliche Forde-\nrung sollten sich Germanisten und Romanisten\nüber ihren Schreibtisch hängen. Metzger müssen\nwissen, daß man nicht mit Fremdwörtern spickt.\nSie brauchen auch keine Schachteln. Aber das\nPapier der Herren Schriftsteller ist für ihre Ware\nnicht fein genug. Es ist zu sehr mit Schachtel-\nsätzen beschmutzt. Die Metzger werden schon\nmit der Schweinerei des deutschen Stils aufräu-\nmen. Die Herren Schriftsteller werden dem Ab-\nsatz zuliebe schreiben lernen. Bemerkung für\nSchriftsteller: „Weitere Auskunft erteilt die Re-\ndaktion der schweizerischen Metzgerzeitung,\nZürich, Wertmühleplatz 1\".\nNachrichtung\nJedes Echo hat jetzt eine Meinung. Das ist\ngegen das Naturgesetz. Ich werde einmal in das\nEcho hineinrufen und es wird dann aufhören zu\nantworten. Ich bin sehr geduldig, aber ich dulde\nnicht, daß das „Literarische Echo\" in jeder Num-\nmer, die der Verlag Egon Fleischel und Co. gibt,\nUnfug über Künstler schreiben läßt. Ich verbitte\nmir insbesondere Besprechungen von einem Herrn\nMartin Sommerfeld, der recht brach daliegt. Die-\nser Mann wagt es, eine Meinung über Adolf\nKnoblauch und Aage von Kohl zu haben. Er bildet\nsich sogar ein, daß diese Künstler besonders für\nihn leben: „Aus Episoden des russisch-japanischen\nKrieges sollen wir diese Nutzanwendung ziehen.\nWir aber: wir klappen diese Büchlein schweigend\nzu und bemerken höchstens: wie richtig!\" Wer\nsich so verschreibt, dem kann ich nur verschrei-\nben, keine Nutzanwendung zu ziehen. Dann kann\ner diese Büchlein wirklich schweigend zuklappen\nund braucht nicht noch höchstens zu bemerken:\nwie richtig. Denn es ist stets falsch, wenn man\ndas bemerken kann. Der Herr Sommerfeld aus\nBerlin ist natürlich eine Persönlichkeit: „Der\nKrieg, hier ist er Institution, seine Teilnehmer ihr\nWerkzeug.\" Persönlichkeiten fühlen sich stets als\nGeneralfeldmarschälle. Wozu aber der Herr Som-\nmerfeld erst ernannt werden müsste. Vorläufig\nträgt er noch nicht einmal den dazugehörigen\nTornister. „Was ist uns das Leben des Leutnant\nBentai? Einige Zeilen bedruckten Papiers.\" Was\nist mir das Leben des Martin Sommerfeld?\nEinige Zeilen' bedruckten Papiers. „Aber wir\nspüren nicht den heißen stoßweisen Atem zer-\nschrundenen jungen Leibes, den man streicheln,\nden man pflegen und immer wieder streicheln\nmöchte.\" Der Bruder Martin wird doch keine\nSchwester sein? „Wenn diese Papierfigur ihr\nLeben nicht beschliessen würde, wenn in der\nandern Dichtung unausdenklich grausiges Ge-\nschehen nicht fast Pointe1 der Massenopferung\nwürde — wir hätten das Gefühl, als ob iin dem\nRahmen eines Gemäldes ein häßliches Loch wäre.\"\nWenn man sich in den Rahmen eines Gemäldes\nfestbeißt, sieht man natürlich ein häßliches Loch.\nNur daß der Rahmen nicht das Gemälde ist. „Aage\nvon Kohl, der politische Dichtung geben, die un-\nendliche Qual des Krieges zum Aufruf für die\nMenschheit gestalten wollte, hatte in diesen beiden\nProsadichtungen (mäßige) Kriegsberichterstattung\ngeschrieben, Illustrationen zum Generalstabsbe-\nricht mit der Miene eines Besserwissers: „so sieht\nes in der Wirklichkeit aus\". Diese Novellen sind\nzwar vor zehn Jahren entstanden und Aage von\nKohl hat deshalb keine Kriegsberichterstattung ge-\nschrieben, weil er niemals Kriegsberichterstatter\nwar. Er ist Hauptmann. Aber der Herr Sommer-\nfeld in Berlin, der Kenner der Generalstabsbe-\nrichte, der weiß im Krieg Bescheid. Nun möchte\nich die Miene dieses Besserwissers sehen. Nun\nwird er wohl einel böse Miene zum guten Spiel\nmachen. So siehste aus. Das Leben des Leutnants\nBentai ist uns Nichts. Hingegen fühlt Schwester-\nchen Martin Sommerfeld mit dem Dichter Adolf\nKnoblauch: „ ... und wir fühlen mehr mit dem\n(hart ringenden) Dichter als mit seinem Geschöpf.\"\nIch hingegen fühle nichts mit dem Geschöpf Som-\nmerfeld und Knoblauch verzichtet sicher lieber\nauf das ganze Fühlen, wenn der Sommerfeld ihm\nden Winter seines Vergnügens stört. Uebrigens\neine Seele, dieser Sommerfeld, er fühlt mit dem\nHartringenden. Künstler ringen nicht für das Pu-\nblikum. Wer im Sturm steht, hat schon die Mei-\nsterschaft eirungen.\nFällt selbst hincin\nDie Schlesische Volkszeitung war sehr 'glück-\nlich, wie es in meinem Märchen heißt. Die gute\nTante freute sich, daß der Onkel Mosse in seinem\nBerliner Tageblatt loben ließ, und daß mir Unband\ndas Lob nicht mehr galt als der Tadel. Ich tadelte\nsogar die gute Tante, weil sie das tadelnswert fand.\nDie Tante läßt sich aber erziehen. Der Onkel\nwurde getadelt, nachdem er den Sturm gelobt\nhatte. Die Tante lobte den Sturm, nachdem sie\ngetadelt war. So verschieden wirkt die Erziehung.\nIn der Schlesischen Volkszeitung Nummer 578\nsteht zu lesen: „Die Ausstellung der Sturm hat...\nWerket) Einlaß gewährt die dafür zeugen... Man-\nchem der jüngern Künstler scheint der Erfolg ja\nauch gewiß zu sein... Zu den bedeutenderen\nKräften auf dem Gebiet der Graphik zählen...\nIn ihren Großstadtbildern wie in den anmutigen\nMarinestücken zeigt sich ein Können, dem man\nnicht allzuhäufig begegnet.\" (In Klammern Doppel-\npunkt: ich habe nicht etwa eine Anleihe bei der\nGrossen Berliner Kunstausstellung gemacht, man\nschreibt tatsächlich so von Jacoba van Heems-\nkerck.) „Ebenso ragt die „Selbstmörderin\" von\nArnold Sopp weit über das Durchschnittsmaß\nhinaus.\" Die. „Selbstmörderin\" von Arnold Topp,\ndem man ein S für ein T vormachte ist so groß,\ndaß fast sämtliche Kritiker sie bemerken. Damen\nmit so anregender Beschäftigung fallen stets auf,\nauch wenn sie für den Künstler selbst Durch-\nschnittsmaß haben. Nun aber wird der Onkel\nMosse kommen und sich über die Tante\nfreuen, die gar nicht so klug war, wie\nsie es von dem Onkel verlangte. Schlesische\nVolkszeitung, es ist gefährlich, nicht zu lesen. Die\nbeste Absicht wird eine bessere Absicht. Dadurch.\nMan glaubt zu schlagen, und man schlägt sich\nselber. Dadurch. Man versteht die Wortkunst\nnicht, weil man die Zeit nicht aufbringt. Die Zeit\nzum Lesen. Und Auserlesenes will noch langsamer\ngelesen werden. Nun gebe ich der Schlesischen\nVolkszeitung den wohlgemeinten Rat: sie soll\nAugust Stramm noch einmal, noch tausendmal\nlesen. Und' dann nichts mehr schreiben.\nNicht zu machen\n„Auf einem halben Hundert Seiten hat Paul\nSchienther seinen Fontane lebendig, wie er wohl\nsein mochte, hingestellt.\" So schreibt ein Ver-\nehrer. „Wer seine Charakteristik der Effie Briest\ntrotz ihrer Einfachheit nicht meisterhaft findet,\ndem ist nicht zu helfen\". Mir ist nicht zu helfen.\nAber dem Verehrer in der Tagespresse kann ge-\nholfen werden, wenn er sich einmal etwas mit\ndem Schlenthrian befassen würde. Vor Lachen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.8", "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.9", "texte": "kann ich mich trotz der Empfehlung des Verehrers\nnicht einmal an den Birnen halten, ich, dem er\nnicht helfen kann: „Er halte sich an die Birnen\ndes Herrn von Ribbeck auf Ribbeck, wir aber\nwollen uns wieder einmal der Werke des klugen\nschönen Geistes freuen, der..jetzt kommt eine\nUeberraschung für die Leute, die sich nicht an die\nBirnen halten wollen: „schönen Geistes freuen,\nder Fontane innewohnt.\" Den Schienther hat er\nalso bereits wieder verlassen. Das war ein kurzer\nBesuch. Wie gut, daß ich mir nicht helfen ließ.\nWovon man nicht sprechen sollte\n„Der Golem ist heute in Aller Munde und das\nBuch, von dem man überall spricht. Es braucht\nnur ständig auf Lager zu sein. Verkaufen wird\nes sich dann von selbst.\" Der Golem kann sich\nsogar verkaufen, wenn ihn Kurt Wolff-Verlag auf\nLager verlegt Durch Ablagerung wird er nicht\nbesser, denn er ist schon reichlich abgelagert, der\nGolem von Gustav Meyrink. Der Kurt Wolff-\nVertreter am Leipziger Tageblatt bestätigt es:\n„Beklemmender Dunst mittelalterlichsten Prags,\nden Atem zerschlagend und überirdischer Seele\nGeist feiern phantastische Hochzeit, zu der Poe\nund E. Th. A. Hoffmann aus vollstem Herzen den\nSegen gaben.\" Aus vollstem Herzen. Poe und\nHoffmann werden sich aber mächtig wundern, daß\nihre Kinder nochmals geboren werden. Der Segen\nwird wohl aber mehr genommen sein. Die Hoch-\nzeit zwischen dem Herrn Dunst und dem Fräulein\nGeist wird wohl selbst mittelalterlichsten Priestern\nzu phantastisch gewesen sein. Und der Herr Dunst\nhat den Atem so zerschlagen, daß dem Fräulein\nGeist die Puste ausging. Darum bemerkt ein\nanderer junger Mann von Kurt Wolff-Verlag im\nBerliner Börsencourier: „Alles was von Meyrinks\nEigenart bisher in Skizzen und kurzen Geschichten\nverzettelt war, ist hier zu einem großen ganzen,\näußerst rein und stark wirkenden Buch wie zum\nersten Mal zusammengefaßt.\" Große Bücher wir-\nken immer äußerst stark. Aber das hat man davon,\nErst läßt man die Eigenart verzetteln und dann\nmuß man sie wieder zusammenfassen. Hoffentlich\nist kein Zettel verloren gegangen. Das täte mir\nwirklich leid um die Eigenart. Sie wird sich wohl\nauch noch gesammelt ziemlich abgerissen vor-\nkommen.\nZu leicht befunden\nMitteilung vom Kurt Wolff-Verlag: „Der\nGolem, Gustav Meyrinks neuer Roman, der heute\nim Mittelpunkt des literarischen Interesses aller\nGebildeten steht... Gewicht dauerhaft kartonniert\nvierhundert Gramm . , . versandfertig im Karton\nvierhundertachtzig Gramm.\" So wenig wiegt das\nliterarische Interesse aller Gebildeten. Aber der\nVerlag ist guter Hoffnung: „Falls nicht ausdrück-\nlich Feldpostausgabe bestellt, werde ich auch\nnach wie vor immer die reguläre Ausgabe zur\nAuslieferung bringen, zumal die Feldpostausgabe,\nwenn sie ausverkauft sein wird, und die zehn-\ntausend Exemplare werden rasch ausverkauft\nsein, auf keinen Fall neu gedruckt werden soll/'\nWenn die Feldpostausgabe ausverkauft werden\nsein sollte, und auf keinen Fall nie neu gedruckt\nwerden sollen könnte, würde der Mittelpunkt be-\nreits vier Millionen Gramm wiegen. Ohne Karton.\nDer Golem wird platzen, namentlich da er zusam-\nmengepreßt ist: „Die Feldpostaufgabe, in der die\nfünfhundert Seiten der regulären Ausgabe auf\nzirka dreihundert Seiten zusammengepreßt sind..\"\nNun brauchen nur noch die dreihundert Seiten\nzusammengepreßt zu werden, und der Matsch ist\nfertig, ohne daß die Feldpost erst keuchen braucht.\nVeriagspoesie\nKurt Wolff-Verlag: „...Im -zweiten Jahre des\nKrieges bemüht, von seinem Wirken kurz Rechen-\nschaft abzulegen, darf der Kurt Wolff-Verlag in\nLeipzig mit einiger Genugtuung darauf hinweisen,\ndaß er... die Umgruppierung fast der gesamten\nVerlagsindustrie auf eine lohnende Kriegskonjunk-\ntur hin nicht mitgemacht hat. Ohne den Ehrgeiz,\nsich der herrschenden Mode in Kriegslieferungen\nund Clichees anzupassen, glaubte er, zunächst\ndem Geiste der Poesie lieber schweigend zu\ndienen.\" Eine liebe Umschreibung für den Bank-\nrott des Geistes der Poesie. Welche Genugtuung,\nwenn der Geist auch in der Zukunft geschwiegen\nhätte. Der Kurt Wolff-Verlag läßt aber dem ge-\nhetzten Geist keine Ruhe, mit dem so reichlich\nverdient ist. Denn er hat noch eine Aufgabe:\n„Nach wie vor sieht er seine Aufgabe darin, eine\nhelfende und treibende Kraft des Geistes zu sein,\nder unbeirrt von Schwankungen über der Zeit\nschwebt.\" Die Aufgaben werden leider in die Zeit\nverlegt, sodaß sie nachher auf Lager zu finden\nsind. Der Geist ist zwar keine Taube aber ein\nLämmlein, weiß wie Schnee: „Als Vorboten dieser\nneuen Erkenntnis sollen nach prüfender Wertung\ndie Werke erscheinen, die auf den folgenden\nSeiten verzeichnet sind.\" Wo haben sich die Vor-\nboten die neue Erkenntnis hergeholt, da doch der\nGeist von Kurt Wolff-Verlag unbeirrt von Schwan-\nkungen über der Zeit schwebt. Die Vorboten kom-\nmen mir sehr bekannt vor. Ich kenne sie noch\naus der guten alten Zeit, die im selben Verlag an-\ngestellt war. Boten schweben nicht, sie kommen\nhöchstens immer zu spät. Aber das Leben in\nLeipzig und auf der Erde ist so interessant, daß\ndie Boten an jeder Strassenecke stehen bleiben.\nUnd dort die Schmöker von Kurt Wolff-Verlag\nlesen. Den Roman von Karl Hauptmann, Bruder\neines Dichters, das Drama von Sil Vara, dem Lon-\ndoner Lokalchronisten der B. Z. am Mittag, die\ndrei Erzählungen von Carl Sternheim, die durch\nden diesjährigen Fontanepreis ausgezeichnet wur-\nden (Mitteilung für Eilboten: der Fontanepreis\nwird von S. Fischer-Verlag und Kurt Wolff-Verlag\nverliehen) die Troerinnen des Euripides, der auch\nschon nicht dichten konnte, deshalb deutsch be-\narbeitet von Franz Werfel. Das alles lesen die\nVorboten nach prüfender Wertung demnächst. Der\nGeist der Poesie scheint doch den Krieg zu über-\nleben. Man soll nicht über das Schweigen reden,\nwenn man über das Reden nicht schweigen kann.\n\nHerwarth Walden\n\nDer Tod\nSophie van Leer\n\nDie Kugel\nI\nDas Kind irrt mit seiner Frage durch Zimmer\nund Gänge. Sein Schluchzen1 wühlt gegen die\nWände, sein Weinen weint durch die Malle.\n„Ist er tot? Sagt mir doch, ob er tot ist.\"\n* *\n*\nSie sitzt an seinem Bett.\n„Wie schön du bist. Deine Wangen flammen.\nDeine Augen sind müde Blumen. Mußt du ster-\nben?\"\n„Es ist nicht gefährlich. Ich habe keifte Schmer-\nzen. Die Kugel ist entfernt.\"\n„Schenke sie mir.\"\n* *\n*\nSie sagt zu ihrem Brüderchen:\n„Setze dir einen Helm auf und hänge dir den\nSäbel um. Ich will dir zeigen, wie man schießt.\"\nSie ladet die Flinte des Kindes und setzt sje\ngegen ihre Biust.\n„Ziehe nur. Es ist schon etwas darm.\"\nII\nDer Knabe sitzt in der schwarzen Rutsehe\nneben dem offenen Sarg. Er haucht auf die wäch-\nsernen Finger. Er biegt die weißen Händchen aus-\neinander und hüllt ihre nackten Füsse in Blumen-\nEr teilt die Lider und küßt ihre Augen. Sa>iöe-\nheiße Wange blutet über ihre Stirn.\nAuf dem Kirchhof fällt der Schnee. Der lee/e-\nSarg sinkt zwischen enge Erdenwände. Schwarz\nfährt die Kutsche heimwärts. Der Knatx: gleitet\nmit der kleinen Leiche zu Boden.\nIm Walde baut er aus Zweigen und Blättern\nein Feuer. Einzeln hält er die glasigen Fmgerctien\nan die knisternden Reisigflämmchen, die blumige\nSchatten auf das Totenhemd sprenkeln und er—\nlischen.\nIhren Kopf neste-t er an seine nackte Brust,\nihre Hände birgt er in seine Achselhöhlen, ihr Haar\nspinnt er um die Stirn. Er öffnet ihre Lippen tmxf\nträufelt ihr kleine Worte in den Mund.\nAm Morgen baut er einen Sarg und bettet sich\nund sie darein.\nMädchen\n„Geh auf einen andern Hügel spielen, Junge.\"\nDer Blasse läuft mit Schaufel und Eimer in\ndie Dünen.\nDas Mädchen sieht ihm nach und sucht ihn aaiu\nBist du böse, daß dich mein Bruder fortge-\nschickt hat?\n„Wo wohnst du?\" fragt er.\n„In unserm Wagen. Wir haben einen Zirkus,.\nUnd du?\"\n„Meine Mutter ist krank und mein Vater Hat\nall sein Geld verloren.\"\n„Ich leihe dir mein Pferd.\"\n* *\n❖\nSie weint auf der Matratze. Der Bruder kast\nihre Glieder.\n„Gehe nicht fort. Wer soll tanzen, wer reiten,\nwer dein Pferd füttern?\"\njfc *\n*\nDer Mond wartet. Im Schatten hinter der Düne*\nküßt der Blasse das Mädchen.\n„Schenke mir dein Kleidchen, deine Schuhe,\ndeinen Reifen.\"\n„Und wenn ich dir Alles schenke, wir können\nmich nicht kaufen.\"\n„Komm, spiel mit mir.\"\nSie ziehen Schuhe und Strümpfe aus und laufen\nin das Meer.\nKerker\nIch scheure die Wände. Meine Stirn schlägt\nden Boden. Meine Zähne zernagen die Tür. Meine\nNägel krammen das Gitter.\nEin Totes legt man auf meine Schultern und all\nmein Blut wird zu Tränen.\nIch will dich sehen, du einsam, wie ich, ein-\ngekerkert neben mir. Streichle die »Wand, küsse\ndie Steine, kose den Mörtel. Flüstre, schreie,\nweine, lache, daß ich dich höre. Meine Lippen\nlauschen.\nNun trage ich deine Schmerzen. Giesse deine\nSchuld über mich aus. Halte dich an die Pfeiler\nmeines Bluts, das mir die Adern zerreißt. Komm\nin mein Gebet, dass du nicht leidest.\nIn mein Gefängnis träumt der Sommer. Meine\nSehnsucht säuselt und,; flüstert nach dir. Mein\nAtem plätschert an der Wand."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.10", "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.11", "texte": "Weit atmet Licht. Die Nacht zerflutet uferlos.\nBunte Uhren sdhlagen. Auf knarrt die Zelltür.\nIrden knirscht der Krug über den Boden. Füsse\nund Tiere streichen das Gitter vorbei. Ein Kind\nbückt sein Gesicht und drückt spitze Lippen an\ndie Drähte.\nJede Nacht des Lebens liegt eine Frau in\nmeinen Armen. Um meine Lenden schlängeln ihre\nGlieder. Ihre Hände tragen meinen Nacken. Ihr\nOdem flammt gegen meine Stirn.\nWir wollen sterben. Beide. Morgen wollen\nwir sterben. Wir haben Alles zu verlieren.\nIch suche die Fesseln, die ich tragen will hinter\nihr her, daß die Erde rasselt und der Himmel von\nKettenstriemen stöhnt. Ich lösche das Sonnlicht.\nIch will Sterben schlafen . . . mit ihr.\n\nLieder\nWilhelm Runge\nWelt nun bis du Wald in Aengsten\nder den Nacken furchtsam beugt\nbei dem wilden Griff des Sturmes\nherzhinauf\nTritt mein Fuß den Traum der Moose\nder aus seinem Schlummer fährt\nund zerbricht die schreckgereckten\ntausend Aeste wilder Furcht\nBrüllend durch das Meer der Zittergräser\nrast der Seele Wipfelungestüm\nund verebbt am Fuß der Farne\nwo mit Sonnenabend die Lichtung winkt.\nZagend fährt das wilde Tier des Waldes\naus der Irre Nachtverhau\nstößt am Zaune müder Abendglocken\nan dem Bug von grünen Geigen\ndas Geweih der Schmerzen ab.\n* *\n*\nIn die Ferne läuten die Gedanken\nwiesengesenkt\nKuhglockeiidumpf\nund aller Worte flüsternd Schilf\nweht wasserhin\ngoldihäuptig\nin der Wälder Dom\nkniet Sonne nieder\nhinbluten\nwilde Rosen ihrer Glut\nund meiner Augen stille Hirten\nsammeln der Wolken samtne Herden ein\naus weiter Himmel kornblumblauem Feld\nin ihrer Hütten Mutterhut\nVom Hauch der Wiesen steigt des Glückes Lerche\nzerreißt die zarte Brust\ndaß in die Aehren\nleis abendsonnenblutet ihr Gesang.\n* *\n*\nWild peitscht Sturm der Seele Meeresstille\nund des Herzens Purpurwelle bäumt\nstrandhin flücht ich aus von ihrem Schlage\ndurch der Adern Wüstensand\nmeiner Augen müde Möwen\nschweifen\nund die Muschel meiner Stimme\nheult\nmir ins Ohr\nhimmelfern der Stern des Glückes glimmt\nblutbeschattet\nund der Atem durch den Dünensammt\nlauscht\nwie der Sonne Meeresperle\naufschreit\nwild die dunkelgoldnen Strahlen springen\nin den wellenleichten\nZwitschertanz.\n* *\n*\nSeufzer bangt\nDes Auges voller Garten\nsteht in Regen\ndurch der Stirne Wüstensand\nschleppt sich die Gedankenkarawane\nsonnetaumelnd\ndurstentlang\nalles Blut verdunkelt wolkenschwül\nund der Hände scheue Tauben\nängsten\nda springt auf der Seele wildes Tier\ndonnerheult\ndie Hölle seiner Schrecken\nund zerstampft den Frieden in die Wildnis\ndie das Eiland seiner Stärke ist.\n♦ ♦\n*\nMeiner Stimme Quelle stürzt\nfelsherab\nverrieselt\nstirbt\nim Gestein verloren\nSchmerzen wuchten stämmig hoch\nwälderdumpf\ndrängeln schwüle Wolkenschwere\nin der Seele Sonnentanz\nund es hängt des Auges bunte Wimpel\nzage wehend\nvor dem Sturm.\n* *\n*\nAus der Wiege deines Tanzes\nrauscht es Wald\ndeiner Füße leichte Brandung\nküßt das Ufer\nmeines Glücks\nund ich stürz der Sonne nach\ndeines Lächelns\nSieg schreit auf die Meute deines Auges\ntief herzab flieh ich\ndas Tal des Bluts\nund verschlag die Zweige aus den Adern\ndie den Weg mir engen\nsteh aufatmend\nIn die Stirne drückt\ndeines Blutes dunkler Rosenkranz.\n♦ *\n♦\nMeine Augen wollen wandern\nalle Wege\ndeines Leibes\ndoch schon auf dem Rücken deiner Hand\nbrechen sie zusammen\nüberall bist du ganz steil\nunzugänglich\nschüttelst Spott\nübers Zagen meines Fußes\ndurch die wäldersammtne Haut\nDeines Blutes grollendes Gewitter\nschleppt der Schwüle Zunge\nlechzend\nalle Vögel zwitschern schluchzend\nins Gefieder\nBiene bin ich\nall dein Blühen schweigt\nund der Stirne offne Hand\nist verschlossen.\n\nAufzeichnungen\nAus einem Notizbuch\nAlbert-Bloch\nRevolutionen sind mir schon recht; nur darf\nman sich mit den jeweiligen Revolutionären nicht\n•einlassen. Ich bin, unter Umständen, bereit eine\nRevolution mitzumachen, aber nur wenn man mir\ndas Recht einräumt, mich rechtzeitig — das liiesse\neigentlich, von vornherein — von den Revolutio-\nnären abzuwenden.\n* *\n*\nDieses Bild versteht ihr also nicht? Ja,\nwarum wollt ihr es denn verstehen? Ihr habt\nes garnicht zu verstehen. Ich verstehe es selbst\nnicht. — Wie, und habe es doch gemalt! — Das\ntut ja nichts: bin ich das BiM einmal los-\ngeworden, so habe iah es nicht mehr, und verstehe\nes einfach nicht. Ich ahne es aber, ich empfinde,\nfühle, erfühle es: — so allein erfasse ich es\nauch. Und nur wer es so erfaßt, nur der wird e$\nverstehen. Demi mit dem Verstand will das BiM\nnicht erfaßt werden, — das leidet es nie — und\nn i e erfaßt, wer es zu verstehen trachtet.\n* *\n*\nBelegen kann ich es zwar nicht, da ich keine\nMythologie zur Hand habe, und auf mein Gedächt-\nnis will ich mich erst garnicht verlassen; at>er\nirgendwo muß sich die Pallas Athene einmal mit\ndem Maklergott Hermes doch eingelassen haben.\nMan wirft ihr sogar vor, sie habe ihm Zwillinge\ngeboren: den Kritiker und den Bilderhändler. Das\nist aber grobe Uebertreibung. Höchstens Filzläuse\nmag sie von ihm erwischt haben.\n* *\n❖\nDas Handwerk pfuscht mir in den Geist.\nWie Wenige sind es, die sich beim Malen\nandrer Dinge bedienen, als der Hände und Augen,\ndieser beiden Haupthindernisse des Künstlers!\nHand, Auge, Farbe, Pinsel — sie Alle sind Feinde\nder Vision. Die Dickichte, die Verhaue, die der\nGeist, ehe ihm seine Vision Wirklichkeit wird, erst\ndurchbrechen muß. — Um sie dann vielleicht nicht\nwieder zu erkennen! Macht nichts; sie ist es aber\ndoch. — Wer nur seine Vision unmittelbar auf die\nLeinwand projicieren könnte! Dann aber\nwäre sie wohl die rechte nicht — oder? —\nHände, Augen, Pinsel, Farbe: notwendige, aber\nhemmende, lästige Vermittler zwischen Geist und\nAusdruck; Agenten, lumpige Zwischenhändlei —\nnichts mehr. — Wie Wenige sind es, die außer\nHand und Auge, Farbe und Pinsel zum Malen\nsonst noch was gebrauchen, die ihre Diener nicht\nüber sich zu Herren erhoben haben, die nicht\nSkiaven geworden sind ihrer eignen Knechte, die\nes nicht waren von Anfang an!\n\nDer Kampf der Gefühle\nauf dem Hinterhol\nElek Turcsányi\nAls die Uhr der nahen Kirche fünf geschlagen\nhatte, war er schon längst mit der Durchsicht der\nBlätter fertig, und faulenzte auf dem Bett.\nGedankenlos und unbewegt starrte er in eine\nder oberen Zimmerecken, bis ihm die ermatteten\nLider müde zufielen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160301-01.1.12", "texte": "Dann begann er nachzusinnen.\nDie fünf Glockenschläge Hessen ihn daran\ndenken, daß es fünf Uhr nachmittags sei, er in\nder Nacht lange gearbeitet und in seinen Träumen\neine Zusammenkunft mit jungen Mädchen hatte,\ndie Röcke bis zu den Knien trugen und verliebt\nmit ihm schäkerten.\nAn die Liebe dachte er, die Frauen, Freunde,\nMenschen, an das Leben.\nUnd weil er nicht traurig sein wollte, begann\ner leise zu pfeifen.\nSo leise, daß auch er es kaum hörte, stimmte\ner eine lustige magyarische Melodie an. Schön\ninj Tempo, im Takt pfiff er und trommelte dabei\nmit den Fingern auf der Decke. Inzwischen fiel\nihm ein, daß er die magyarischen Volksweisen\neigentlich immer verabscheut hatte, dies aber sei\nein liebes und melodisches Lied und es hat den\nAnschein, als gäbe es auch einige wertvolle\nStücke der Volksmusik. Doch konnte er nicht be-\ngreifen, warum er sich mit einer magyarischen\nWeisse befaßte, obwohl er doch voll Opern- und\nOperettenmusik war und die französischen\nChansons überaus liebte.\nEr verstummte.\nDer Gedanke an die Chansons rief ihm die\nalte Französin in den Sinn, die ihm gegenüber in\neinem möblierten Zimmer wohnte, genau so wie\ner, und vor zehn Jahren die gefeiertste Duchesse\nin der Stadt Paris war. Die Geliebte eines\nHerzogs.\nDie Wohnung der Französin, jetzt ein enges\nmöbliertes Zimmer, war früher ein Schloß in der\nNähe von Paris, dann kam die gealterte Grisette\nnach Pest, zog in der schmierigen Zinskaserne auf\n■der Ringstrasse ein und blickte durch das einzige\nschmale Fenster verschämt auf den Lichthof.\nAuf den Lichthof, genau wie er.\nDoch dies war wieder eine traurige Sache und\nweil er die Traurigkeit meiden wollte, suchte er\nmit den Augen wieder die oberen Stubenwinkel,\nund versank in sorgloses Schauen.\nJn diesem Augenblick begann jemand zu singen\n— wahrscheinlich die alte Französin —. Traurige,\nunverständliche Worte. Da tauchte vor ihm in der\nStubenecke das Gesicht seines verstorbenen lieb-\nsten Freundes auf, das Gesicht des einzigen, guten,\ndurch Selbstmord geendeten Yo-Ko, den er so\nsehr geliebt und seither hunderte und tausende\nMale beweint hatte.\nDieses Lied drang ihm ins Herz. Ein Lied der\nErinnerung!\nNun war die Traurigkeit nicht mehr zu ver-\ntreiben.\nDas Lied schluchzte wahrhaftig auf den\nLippen der alten Französin, die eine sehr gefühl-\nvolle Seele hatte und oft von längst vergangenen\nZeiten träumte: von ihrer Jugend.\nDie Französin fristete ihren Lebensunterhalt\ndurch die Erteilung von Lektionen. Und wenn\nsie während einer solchen französischen Unter-\nrichtsstunde von ihrem Unglück, den Erinnerun-\ngen, übermannt wurde, zögerte sie nicht lange,\nseelisches Gleichgewicht durch das Absingen eines\nzarten, ihrer Stimmung entsprechenden Chansons\nwieder herzustellen. Solche Szenen lösten ver-\nschiedenste und entgegengesetzte Kundgebungen\nbei den staunenden Kindern aus, die je nach\ndem entwickelten Temperament vor der plötzlich\nsingenden Französin erschraken oder ihr rück-\nsichtslos in die Augen lachten.\nDas Leben der Demoiselle mochte daher mit\nvielen Kämpfen verbunden sein und so kann es\nnicht Wunder nehmen, daß an diesem stillen Sonn-\ntagsnachmittag wieder Schwermut ihre Seele er-\nfasste.\nDer junge Mann verwunderte sich darüber\nnicht einmal, sondern fand es ganz natürlich. Die\nFranzösin schluchzte ihr ganzes Leben, alle\nSchmerzen, alle Enttäuschungen, die große Tra-\ngödie ihres Lebens in einem solchen leichten und\nkurzen Liedchen. Stets lauschte er still, voll Ehrer-\nbietung, und wenn er sich mit dem Rhythmus der\nWeisen vollgesaugt hatte, begleitete er den welken\nSopran der Französin einige Takte mit seinem\nsummenden Baß. Leise und mitleiderfüllt sang er\ni?iit, schlug dann gewöhnlich den Hut auf den Kopf\nund ging ruhig fort.\nJetzt aber lag er im Bett, nackt, und konnte\nsich nicht so leicht entfernen. Und da ihn das\nLied an den verstorbenen Freund erinnerte, wollte\ner es vielleich nicht einmal.\nDie aufflammenden Sterne der Erinnerung\nbeleuchteten mit Kraft den schwarzen See, auf\ndem das Gesicht seines blasswangigen japanischen\nPrinzen, seines „Einzigen\" schwamm, wie eine\nverlassene einsame Seerose. Er sah auch die\nHände, die nächtlichen kleinen Lampions glichen.\nEr hatte gar keine Lust, von den Visionen Ab-\nschied zu nehmen, die durch das Lied aufstiegen.\nGelassen hegte er sogar den Schmerz, den die\nStimme der Französin durch sein Herz peitschte.\nEr war ihr dankbar.\nUnd er empfand Traum, als die kummervolle\nWeise mit einem scharfen Aufschrei abbrach.\nNur einen Augenblick dauerte diese Stille,\nschon im nächsten begann die Französin ein an-\nderes Lied.\nDie ersten Töne stieß sie mit großer\nKraft hervor, daß der junge Mann erschrocken aus\ndem Bette sprang. Durchgeistigte Priesterinnen\nfeierlicher Kulte lebten vor ihm auf und karmin-\nbemalte abergläubische Wilde, als er das Lied\nerkannte.\nDas Lied der Französin hatte er einst — mit\nYo-Ko zusammen — gesungen am Abend ihres Be-\nkanntwerdens in der raucherfüMten niedrigen Vor-\nstadtschenke, das Lied, das Yo-Ko in einer Ofner\nKneipe vor seinem Tode sang, ti aurig, gesenkten\nHauptes, verzagt. Das Lied, das er Yo-Ko zuliebe\nvergessen wollte.\nMit weit aufgerissenem Mund, mit aller Kraft\nbegann er mitzusingen. Auf dieses Lied hatte er\nein Recht, er wollte mit seiner dröhnenden\nStimme die andere zum Schweigen bringen.\nDoch die Französin, die auch eine Liebe zu be-\nweinen hatte, hörte nicht auf. Krampfhaft klam-\nmerte sie sich an das Lied und kreischte zornig,\nheiser, hartnäckig und mit zäher Ausdauer die\nMelodie.\nDen beiden Singenden drang das Blut zu Kopfe.\nSie rissen die Fenster ihrer Stuben auf und sangen\nmit verzerrtem Gesicht, fluchend und dennoch\nbegeistert.\nUnter dem tollen Lachen der Bewohner ver-\neinigten sie Verehrung und Verachtung.\nEinzigberechtigte Übertragung aus dem Magyarischen von\nStefan I. Klein\n\nInhalts Verzeichnis\nZweites Halbjahr 1915/16\nSechster Jahrgang\nBeiträge Nummer Seite\nAlbert - Bloch\nAufzeichnungen 23/24 142\nFranz Richard Behrens\nExpressionist-Artillerist 21/22 130\nAlfred Döblin\nBrief 13/14 81\nDas Gespenst vom Ritthof 13/14 80\nS. Friedlaender\nNochmals Polarität 15/16 88\nKurt Heynicke\nGedichte 15/16 87\nGedichte 19/20 112\nAdoli Knoblauch\nAbsage an einen naturalistischen\nKritiker 13/14 81\nBrief 13/14 81\nFrühe Gedichte 111 15/16 89\nTabesin 17/18 106\n19/20 114\n21/22 129\nSophie van Leer\nDer Tod 23/24 140\nDie Geschwister 19/20 112\nFernes Lied 21/22 129\nGedicht 13/14 81\nGedichte 15/16 87\nSpielender Knabe 17/18 107\nWilhelm Runge\nLieder 19/20 114\nLieder 21/22 131\nLieder 23/24 142\nAugust Stramm\nGeschehen 13/14 74\nElek Turcsänyi\nDer Kampf der Gefühle auf dem\nHinterhof 23/24 142\nHerwarth Waiden\nAugust Stramm 13/14 74\nAus der Zeit für die Zeiten 23/24 134\nDas Hohelied des Preußentums 19/20 110\nDer menschliche Künstler 21/22 124\nDie ernste Kritik 15/16 86\nDie Fliege 17/18 99\nDie Liebe des Lebens und das\nLeben der Liebe 23/24 134\nDie Mücke 17/l8 98\nDie Renaissance der Wiedergeburt 21/22 130\nDie Wacht in Charlottenburg 19/20 111\nEinblick in Kunst 21/22 122\nFranz Marc 23/24 133\nGepreßte Stimmen 17/18 105\nGötz von Berlichingen 19/20 117\nKinder, Kinder 13/14 82\nMärchen 19/20 111\nPaul Scheerbart 15/16 86\n17/18 98\nProfessorale 17/18 104\nVon Zeit und Ewigkeit 17/18 101\nWichtige Leute 15/16 95\nZeichnungen\nFritz Baumann\nOriginalholzschnitt 13/14 78\nCampendonk\nEx Libris 21/22 129\nOriginalholzschnitt 21/22 121\nOriginalholzschnitt 23/24 139\nOriginalholzschnitt 23/24 141\nMax Ernst\nZeichnung 19/20 110\nJacoba van Heemskerck\nOriginalholzschnitt 13/14 73\nOriginalholzschnitt 15/16 89\nOriginalholzschnitt 19/20 113\nOriginalholzschnitt 19/20 115\nOriginalholzschnitt 21/22 125\nOriginalholzschnitt 21/22 127\nOskar Kokoschka\nPaul Scheerbart/Zeichnung 15/16 85\nEmil Maetzel\nLinoleumschnitt 17/18 102\nFranz Marc\nOriginalholzschnitt 23/24 137\nGabriele Münter\nZeichnung 17/18 97\nMaria Uhden\nOriginalholzschnitt 15/16 91"}]}