{"numero_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_sha256": "7afe6a35878796b486dba218745253cda6d0944cb793a97c9e55ab693c66fd0b", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1916/04/15_01/bmtnabg_1916-04-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1916/04/15_01/bmtnabg_1916-04-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.1", "debut_caractere": 313, "fin_caractere_exclue": 1022, "texte": "Inhalt:\nFranz Marc: Im Fegefeuer des Krieges / Sophie van Leer: Aut den Tod von Franz Marc / Herwarth Waiden: Bilder / Hermann Essig: Der\ns«höne Beck / Wilhelm Runge: Gedichte / Sophie van Leer: Die Flut / Kurt Heynicke: Das Tagebuch / Der Weg / Thomas Ring: Gedichte / Kurt\nStriepe: Maya / Herwarth Waiden: Abgriffe: Nach dem Fall / Dieser Engel, kein Kind ist so rein / Zu lustig [ Lustbarkeitssteuer / Zum Verwechseln /\nNachtrab / Die Natur pulst / Die Eigenart / Albert-Bloch und Herwarth Wahlen: Über Paul Klee / Zwei Briefe / Paul Hatvani; Notizen / Paul Klee;\nTraum zu Schiff / Zeichaung / Jakoba van Heemskerck: Holzschnitt 112 Vom Stock gedruckt / Georg Schrimpf: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.2", "titre_corps": "Paul Klee: Traum zu Schiff / Zeichnung", "titre_sommaire": "Paul Klee: Traum zu Schiff / Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.1", "debut_caractere": 1024, "fin_caractere_exclue": 1062, "texte": "Paul Klee: Traum zu Schiff / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.3", "titre_corps": "Im Fegefeuer des Krieges", "titre_sommaire": "Im Fegefeuer des Krieges", "signature_source": "Franz Mare", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8745, "texte": "Im Fegefeuer des\nKrieges\nFranz Mare\nWas wir Krieger in diesen Monaten draußen\nerleben, überragt in weitem Bogen unsere Denk-\nkraft. Wir werden Jahre brauchen, bis wir diesen\nsagenhaften Krieg als Tat, als unser Erlebnis\nwerden begreifen können.\nVielleicht schürfen die in der Heimat Verbliebe-\niitn schon ein paar Schichten tiefer in seinen Ge-\nheimnissen. Wir, die wir draußen sind, immer Er-\nwartungen und Befehle im Kopf, unermüdlich rei-\nten und marschieren, um dann ein paar Stunden\nzu schlafen wie die Bären — wir können nicht\ndenken. Wir können nur primitiv erleben; unser\nBewußtsein schwankt oft zwischen zwei Fragen:\nJst dieses tolle -Kriegerleben nur ein Traum, oder\nsind unsere Heimatgedanken, die uns manchmal\nstreifen, der Traum? Eher scheint beides ein\nTraum zu sein, als beides wahr.\nWir liegen an einem Waldrand mit unseren Mu-\nnitionswagen ; gewitterartig rollt der Kanonen-\ndonner am ganzen Horizont. Ueberall die kleinen\nSprengwölkchen; beides gehört schon zur Land-\nschaft, wie auch das Echo, das jeden Schuß ver-\ndoppelt weiterträgt. Plötzlich ein Surren, das in\neinem ungeheuren Bogen über uns weggeht, un-\ngleich, in steten Schwingungen, übergehend von\nhellem Pfeifen in tiefes Brummen; wie der hohe,\nweite Schrei des Raubvogels, immer kurz hinter-\neinander, mit dem Eigensinn des Tieres, das keinen\nanderen Ruf kennt. Dann in der Ferne ein dump-\nfer Knall. Es sind schwere, feindliche Artillerie-\ngeschosse, die über uns wegrasen, nach einem uns\nunbekannten Ziel. Ein Schuß zieht den anderen\nnach. Der Himmel steht im reinsten Herbstblau,\nund doch fühlen wir die hohen Rinnen, in denen\ndie Geschosse ihn durchstürmen.\nDer Artilleriekampf hat selbst für den Artille-\nristen oft etwas Mystisches, Mythisches. Wir sind\nKinder zweier Weltalter. Wir Menschen des\nzwanzigsten Jahrhunderts erfahren täglich, daß alle\nSage, alle Mystik, aller Okkultismus einmal Wahr-\nheit wird, also auch einmal Wahrheit gewesen ist.\nWas Homer von dem unsichtbaren, donnergrol-\nlenden Zeus singt, dem fernhintreffenden, und von\nMars mit seinen unsichtbaren Pfeilen, wir haben\nes zu Wahrheit gemacht. Und doch schützt uns\nalles Wissen nicht vor dem mystischen Schauer.\nMan sagt uns, daß das nahe Städtchen vom\nFeind in Brand geschossen wird, also 'liegen wir\nwohlgeborgen unter dem Zenith der großen Ge-\nschoßkurve. Wir bleiben die Nacht in Stellung;\ndas Sausen tönt über uns lautsingend durch die\nklare Nacht. Wir schlafen in unsere Mäntel ge-\nhüllt. Die Pferde senken die Köpfe und ruhen im\nmüden Stehen.\nNun ist ein jeder für sich und kann träumen,\ndenken, wenn ihm der Schlaf die Gedanken nicht\nabreißt.\nIn einer kleiner Ecke unseres Bewußtseins\ngrübeln wir vielleicht noch zwischen Wachen und\nSchlafen:\nKaum war ein großer Krieg weniger Rassen-\nkrieg als dieser. Wo ist heute die germanische\nRasse? Hat dieses Wort je ein größeres Fiasko\nerlebt? Man wird sich endgültig daran gewöhnen,\nanstatt „germanisch\" das Wort „deutsch\" zu\nsetzen; dafür wird der deutsche Adler auch ein\npaar wuchtige Krallen mehr in sein Wappen be-\nkommen; den neuen deutschen Adler möchte ich\ngern zeichnen, wenn dieser Krieg einmal vor-\nbei ist.\nJa, wenn der Krieg einmal vorbei ist, was wird\ndann in Deutschland?\nWird es neben dem politischen Deutschland\nauch «ein künstlerisches geben?\nWir haben in den letzten Jahren vieles in der\nKunst und im Leben für morsch und abgetan er-\nklärt und auf neue Dinge gewiesen.\nNiemand wollte sie.\nWir wußten nicht, daß so rasend schnell der\ngroße Krieg kommen würde, der über alle Worte\nweg selbst das Morsche zerbricht, das Faulende\nausstößt und das Kommende zur Gegenwart\nmacht.\n*\n❖\nDurch diesen großen Krieg wird mit vielem\nanderen, das sich zu Unrecht in unser zwanzigstes\nJahrhundert hinübergerettet hat, auch die Pseudo-\nkunst ihr Ende finden, mit der sich der Deutsche\nbislang gutmütig zufrieden gegeben hat.\nDer Drang der Deutschen, formbildnerisch\nNeues in Musik, Dichtung und Kunst aufzuneh-\nmen, war in der letzten Generation so gering,\ndaß man sich die schlechtesten und fadenscheinig-\nsten Wiederholungen alter guter Kunstformen ge-\nfallen ließ. Das Volk als Ganzes ahnte wohl den\ngroßen Krieg sicherer als der Einzelne und spannte\nalle seine Nerven nach ihm.\nKunst in solcher Wartezeit war nicht aktuell,\nKunst als Volkstat unzeitgemäß.\nDas deutsche Volk ahnte, daß es erst durch\nden großen Krieg gehen mußte, um sich ein neues\nLeben und neue Ideale zu formen. Es behielt\nrecht mit seinem Unwillen, in elfter Stunde neue\nKunstideen aufzunehmen. Man sät nicht feinen\nSamen, wenn ein Sturm am Himmel steht.\nEr ist schnell hereingebrochen und hat manche\nzarte Saat zerstört.\nIch glaube nicht, daß viel von dem, was wir\nneuen Maler in Deutschland an ungewohnten\nKunstformen vor dem Kriege geschaffen haben,\nWurzel fassen konnte. Wir werden von vorn an-\nfangen müssen zu arbeiten; erst an uns selber in\nder Schule dieses großen Krieges, dann an unse-\nrem deutschen Volk. Denn wenn das große Auf-\natmen kommt, wird der Deutsche auch wieder\nnach seiner Kunst fragen, ohne die er in\nkeiner reifen Zeit war.\nEr war Bildner in der Gotik, Dichter und Mu-\nsiker im neunzehnten Jahrhundert und wird\nwieder Bildner im zwanzigsten Jahrhundert sein.\nWir Deutsche sind seit der Gotik formbildnerisch\nunsagbar arm geworden; wir besorgten anderes\nfür die Welt; heute besorgen wir das Letzte: diesen\nentsetzlichen Krieg. Wer ihn draußen miterlebt\nund das neue Leben ahnt, das wir uns mit ihm\nerobern, der denkt wohl, daß man den neuen Wein\nnicht in alte Schläuche faßt. Wir werden das neue\nJahrhundert mit unserem formbildnerischen Wil-\nlen durchsetzen.\n* *\n❖\nWie viele Gedanken Christi sind heute noch\nungewußt, ungenutzt, verschwiegen. Jede Zeit\nhat ihren Christus, den sie verdient, und nimmt\nso viel aus diesem unerschöpften Born, als ihre\nKrüge fassen.\nDer große Nazarener hat die Gesetze der Natur\nintuitiv erfaßt. Seine bilderreiche Sprache hat\nneben unserem neuen erkenntnis-theoretischen\nDenken ihre Wucht nicht verloren. Seine tiefsten\nGedankein wandeln noch parallel mit unserem\nForschen; wir hören noch immer das Murmeln\ndieses lebendigen Quells neben uns.\nIn so wilden Tagen wie den unseren werden\nalle uralte Fragen neu gestellt, manche toten\ntotgesagten Fragen stehen auf aus ihren Gräbern.\nAlle großen Ereignisse der Weltgeschichte sind\ngroße Gerichtstage für die menschliche Erkennt-\nnis. Die ehrwürdigsten Meinungen und Glaubens-\nsätze werden neu gewogen. Was gestern galt, ist\nheute verpaßt und abgetan. Nur die guten Dinge\nbleiben, die echten, inhaltsschweren, wahren; sie\ngehen geläutert und gestählt durch das Fegefeuer\ndes Krieges.\nWir Europäer haben in jahrhundertelanger ern-\nster, gemeinsamer Arbeit einen solchen echten -\nnach Menschenwissen echten, wahren Schatz ge-\nhoben, ein Erbgut, das noch jeden Krieg über-\ndauert hat und an dem kein Rost nagt: die „exak-\nten Wissenschaften\". Zum ersten und einzigen\nMale ist dem menschlichen Geist das „Absolute\"\ngeglückt: sich ein Reich zu schaffen, das „auch\nnicht von dieser Welt\" ist und doch alles, was\nWelt ist, fühlend und ordnend durchdringt. Die\nWissenschaften kennen keine nationale Schranken,\ndie Politik hat keinen Raum in ihnen. Alle mo-\ndernen Menschen, alle guten Europäer stehen ini\\\nBann und Bunde dieses Reiches.\nWir können es nicht gutheißen, daß dem\nGeiste dieses obersten europäischen Gewissens\nentgegen einige deutsche Gelehrte mit gutem\nNamen etwas unternommen haben, das in\nEuropa wie ein Signal zum Bannbruch wir-\nken könnte: „sie verzichten in deutschem\nNationalgefühl auf die ihnen durch Auszeichnungen\nvon englischen Universitäten, Akademien und ge-\nlehrten Gesellschaften erwiesenen Ehren und da-\nmit verbundenen Rechte\". Das ist nicht gut. Hier\nwird auf dem freien Forum der Wissenschaft ein\nZaun errichtet; er kann nicht lange stehen; denn\ndie Wissenschaft ist stärker, eine geistige Macht,\ndie sich in das Unendliche dehnt; aber der Ver-\nsuch ist eben darum nicht gut, weil er keine Zu-\nkunft in sich trägt. Alle nationale Erregung unse-\nrer Tage kann ihn nicht rechtfertigen.\nDer Feind steht nicht dort, wohin der Pfeil ab-\ngesandt wurde. Unser deutscher Kulturgeist und\nnationaler Impuls muß in ganz anderer Richtung\naktiv und aggressiv werden.\nSoll der Krieg uns das bringen, was wir er-\nsehnen und das in einem Verhältnis zu unseren\nOpfern steht — der Atem stockt vor dieser\nRiesengleichung —, so müssen wir Deutsche nichts\nleidenschaftlicher »meiden als die Enge des Herzens\nund des nationalen Wollens. Sie verdürbe uns\nalles. Wer hat, dem wird gegeben. Nur mit dieser\nDevise werden wir auch geistig die Sieger bleiben\nund die ersten Europäer sein. Der kommende\nTyp des Europäers wird der deutsche Typ sein;\naber zuvor muß der Deutsche ein guter Europäer\nwerden. Das ist er heute nicht immer und\nüberall.\nGeschrieben Herbst 1914"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.4", "titre_corps": "Auf den Tod von Franz Marc", "titre_sommaire": "Auf den Tod von Franz Marc", "signature_source": "Sophie van Leer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.2", "debut_caractere": 8747, "fin_caractere_exclue": 8925, "texte": "Auf den Tod von\nFranz Marc\nSophie van Leer\nDer Atem welkt\nDie Stunden gehn gebückt\nBlaue Tränen trösten das Leid\nDas Wort schreit auf\nDie Klage jammert\nStunden bluten hin\nsterben"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "4", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.5", "titre_corps": "Bilder : Vorirag zur Eröffnung der Sturm-Ausstellung in Den Haag", "titre_sommaire": "Bilder : Vorirag zur Eröffnung der Sturm-Ausstellung in Den Haag", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.2", "debut_caractere": 8927, "fin_caractere_exclue": 9179, "texte": "Bilder\nVorirag zur Eröffnung der Sturm-Ausstellung\nin Den Haag\n\nMit dieser Ausstellung wird ein Ueberblick\nüber die neue Bewegung in den bildenden Künsten\ngegeben. Ein Ueberblick, der zugleich das Blick-\nfeld der Zeitgenossen erweitern wird. Der größte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10993, "texte": "Teil der Zeitgenossen ist zu stolz auf seine Augen,\nmit denen er nicht einmal sehen gelernt hat. Er\nverlangt vom Bildwerk die Wiedergabe des eige-\nnen optischen Eindrucks, der nicht einmal sein\neigener ist. Hätte er ihn, so wäre er schon künst-\nlerisch. Künstler sein heißt eine eigene Anschauung\ngestalten können. Die Einheit von Anschauung\nund Gestaltung ist das Wesen der Kunst, ist die\nKunst. Die großen Neuerer des neunzehnten Jahr-\nhunderts haben ein doppeltes Erbe hinterlassen,\nein materielles, das ihren Epigonen und Nachah-\nmern von heute zufiel und das diese angstvoll\nfesthalten und ein geistiges, das mit dieser Aus-\nstellung vorgeführt wird. Jene klammern sich an\ndite Form, die Größere geschaffen haben. Statt\nEigenes zu gestalten, ahmen sie Gestalten ver-\ngangener Bilder nach. Und zwar nur die Bilder,\nnicht einmal die so kläglich oft herbeigerufene Na-\ntur. Und Nachahmung kann nie Kunst sein. Es\nbedeutet nichts, geliebte Bilder nachzufärben, oder\ndie geliebte Natur zu verfärben. Die affenhafte\nFähigkeit, nachzuahmen, vermißt man bei den\nKünstlern der Gegenwart, die das geistige Erbe\nder großen Neuerer angetreten haben. Man redet\nvon dem Fehlen der Form und meint das Fehlen\nder Uniform. Menschen sind wir zwar alle, aber\ntrotzdem gleicht kein Körper dem andern. Das\nGleichen wird nur durch die Uniform vorgetäuscht.\nMan bleibt sich gleich, auch wenn die Uniform mit\nder Mode wechselt. Selbst ein Sich-Zurückanziehen\nin Biedermeierröcke, Krinolinen, römische Togen\noder griechische Faltenkleider ändert am Körper\nnichts. Und den Körper der Kunst ändert nicht\nteinmal das Licht von außen, nicht einmal das Hell-\nDunkei Den Körper ändert ausschließlich der\nGeist, dem der Körper dient. Den Körper ohne\nGeist zu malen, ist keine Kunst. Man malt aber\nroch nicht geistig, wenn man Geister malt. Selbst\nein schöner Geist ist nur ein Schöngeist, also\nkitschig. Kunst ist die persönliche Gestaltung eines\npersönliches Erlebnisses. Das Einzige, was den\nKünstler bindet und zugleich ihm Halt gibt, ist das\nMaterial seiner Kunst. Jede konventionelle Form\naber ist ein Gerüst für einen einstürzenden Bau\noder ein Korsett für einen verfallenden Körper.\nKunst ist Geburt und nicht Wiedergeburt, auch wenn\nman sie Renaissance nennt. Wenn man eine edle\nFrucht geniessen will, muß man die Schale opfern.\nAuch die schönste Schale hilft nicht über die Schal-\nheit des Innern. Der Künstler malt, was er schaut\nmit seinen innersten Sinnen, den Ausdruck, die\nExpression seines Wesens. Der Künstler ist sich\nbewußt, nur ein Wesen der Wesenheit zu sein. Er\nist vergänglich und deshalb sich selber wie alles\nVergängliche ihm nur ein Gleichnis. Er spielt\nim Leben, er spielt mit dem Leben, er spielt Leben.\nDer Eindruck von außen wird ihm der Ausdruck\nvon innen. Er ist Träger und Getragener seiner\nVisionen, seiner inneren Gesichte. Kann e r dafür,\ndaß Gesichter anders aussehen. Wurde Beethoven\nsein Rhythmus vormarschiert? Wrohl aber ließ er\nMenschenheere aller Länder nach seinem Willen\nstürmen, siegen oder fallen. Große Meister der\nälteren Zeit, Matthias Grünewald und Greco,\nSeghers und Cezanne bildeten die Menschheit nach\nihren Bildern. Die jüngst vergangene Malerei\nstellte die Menschheit zu Kostümfesten zu Wasser\nund zu Lande auf. Die Künstler haben nicht\nmehr gebildet, dafür waren sie es. Der wirk-\nliche Künstler muß der Bildner seiner Bildungen\nsein. Und die Gebildeten insgesamt sollten sich\nendlich entschliessen, aus der Passivität der Bil-\ndung zur Aktivität des Bildes aufzuschauen.\nDie Bildung ist eine Tatsache, die die Tat\nvernichtet und uns zu einer Sache macht. Wir\nschliessen unsere allgemeine Bildung ab, und\nwerden Spezialisten. Wir nennen uns dann auch\nAnalytiker. Und bringt die Sache wenig Geld ein,\nnennen wir uns Wissenschaftler. Manchmal auch\nForscher. Wir forschen nach den Elementen. Erst\ngab es nur vier, dann sechzig, jetzt ungefähr ein-\nhundert. Und jedesmal, wenn die Herren Forscher\ndie Elemente ansehen, sind es wieder mehr. Wir\nforschen nach den Bakterien, finden sie, aber die\nKrankheit wuchert ruhig weiter, nur wissenschaft-\nlicher. Wir forschen nach den alten Meistern und\nfinden jeden Monat neue Rembrandts. Erst\nneulich hat ein ganz großer Reinbrandt-\nforscher festgestellt, daß Rembrandts Reichtum\nmit seiner Armut zunahm. Ein altes Rezept\nübrigens, das immer noch wie neu auf Ärzte wirkt.\nAndere Kunsthistoriker suchen die Plätze auf, an\ndenen ein guter Mensch geweilt hat und die er\nihnen nicht vorenthielt. Das Meer sieht zwar\nanders aus, wenn man hinkommt, aber man be-\nruhigt sich, das Wetter war eben damals offenbar\ngünstiger. Die Landschaft hat sich verändert, man\nmußte die Bäume fällen, um Häuser zu bauen, auf\ndaß die Landschaftsbilder einen Platz fänden, sie,\ndie es mehr gibt, als Bäume aller Wälder. Die\nabgemalten Menschen sind gestorben, aber irgend-\nwo lebt immer die Kusine einer Kusine.\nUnd mancher Schädel hat sich noch tadellos in\nder Erde erhalten. Das ist die vergleichende\nKunstwissenschaft. Kunstwissenschaftler, die nicht\nmehr ganze Bilder sehen können, beschäftigen sich\nmit interessanten Einzelheiten, insbesondere mit der\nZusammensetzung der Leinwand. Einzelheiten, die\nihnen nicht passen, nennen sie übermalt. Sie lösen\nmit der Kraft der Elemente alles ab und o Wunder,\njedes Mal war eine Untermalung da. Elemente sind\nnämlich klüger als Kunsthistoriker. Elemente sind\nSynthetiker, sie binden, was die andern trennen.\nAber auf analytische Weise ist noch niemand\nKunstkenner geworden. Nicht darauf kommt\nes an, daß der große Name noch lebt, sondern\ndarauf, daß das Bild lebt. Namen haften in jedem\nGedächtnis, Bilder nicht. Darum überleben die\nNamen die Bilder.\nAber ein Bild lebt länger als alle Namen.\nEthnographie ist keine Graphik. Unsere Museen\nsind ethnographische Anstalten und in den ethno-\ngraphischen Museen liegt noch die große Kunst\nbegraben. Die Kunst der Namenlosen. Der\nKünstler sieht und sucht Bilder. Er erinnert\nsich nicht, er ersinnt.\nSeien wir doch einmal natürlich. Aber wirk-\nlich. Denn wird man bestreiten wollen, daß unser\nKörper und alle Körper sich fortwährend bilden.\nTut das der Körper nicht mehr, sind wir nämlich tot.\nDoch während unser Körperliches lebt, steht unser\nVerstand still. Wir merken das nicht, denn unser\nVerstand ist sehr schnell satt. Nur der Magen\nschreit. Der Körper erinnert uns wenigstens an\nsein Bilden. Plötzlich ist der Rock zu eng oder\ndie Bluse zu weit. Wir merken etwas. Der Ver-\nstand ist satt. Wir wissen alles. Alles ist schon\ndagewesen, nur wir sind nie dabeigewesen. Denn\nwir wußten ja schon alles. Da kommt ein Mensch\nund sieht den Körper wachsen. Man zieht doch\nmanchmal den Rock aus, es soll auch Menschen\ngeben, die durch die Röcke sehen. Es gibt Augen\ndie sehen, wie sich Zellen lieben. Forscher sehen\nnur, wie sie sich trennen. Denn erst muß das\nLeben herausgenommen sein, ehe man das Tren-\nnen untersuchen kann. Aber die Liebe soll man\nauch schon bei Lebenden gesehen haben. Die\nLiebe, die umarmt, die Liebe, die gebiert, die\nLiebe, die Frucht trägt, die Liebe, aus der das\nLeben blüht. Die Liebe untersucht nicht, die Liebe\nsucht. Die Suchenden finden sich, vereinen sich.\nDichter, sogar alte Dichter, nennen Liebende ein\nBild für Götter. Bilder sind stets für Götter.\nNur wenn man Liebende abmalt, ist noch kein\nBild geschaffen. Liebende stellen sich nie zur Liebe\nauf. Liebe wird gefühlt, von den andern noch\nimmer nicht geahnt, weil sie eben die Liebe nur\nan der vollendeten Tatsache und nicht an der\nLiebe erkennen.\nNun wissen Sie zwar noch immer nicht, was\nein Bild ist. Aber Sie fühlen es vielleicht. Wir alle\nbeobachten nicht, wie wir wachsen. Aber wir\nsehen den Erwachsenen vor uns. Sehen wir doch\neinmal auf die Bilder. Fragen wir doch eim-nal\nnicht, wie sie gewachsen sind. Stellen wir uns\ndoch einmal nicht gegenseitig vor. Wir sind des-\nhalb nicht unhöflich, denn wir gehen ja nicht zum\nBilde. Wir stehen vor ihm. Oder richtiger unter\nihm. Warum stehen wir immer über dem Bilde!\nWarum drängen wir uns dem Bilde auf. Seien\nwir doch einmal bescheiden. Vielleicht stehen wir\nvor einem König, der nicht König spielt, weil er\nKönig ist. Sehen wir doch einmal hin. Sehen wir\ndoch einmal, wie auf diesen Bildern Formen und\nFarben mit einander spielen, Formen und Farben\nin innigsten Beziehungen leben, Formen und Far-\nben glücklich sich selbst genug sind. Sehen wir\ndoch einmal wie dort Strenge starrt, dort Milde\nbläut, dort Glück rötet, dort Liebe grünt, dort\nHaß vergilbt, aber wehren wir schnell unserm Ver-\nstand. Denn Liebe grünt nicht nur, Liebe rötet\nauch, Haß vergilbt nicht nur, Haß schwärzt auch.\nJedes Wort ist nur ein Gleichnis, jedes Bild nur\ndann ein Sinnbild, wenn es mit dem Sinn und\nnicht nach einem Sinn lebt. Sonst wird jeder\nSinn ein Unsinn. Denn jeder Unsinn stammt aus\ndem Sinn. Und wenn man schon verständig sein\nwill, so sei man wenigstens vernünftig. Der eine\nliebt eine dicke Frau, der andere eine schlanke.\nDer eine kann Eichen nicht ausstehen, und der\nandere ärgert sich über Lorbeer. Es gibt keine\nGesetze der Schönheit. Es gibt nur Gesetze des\nOrganischen. Alles Organische ist schön. Dick\noder dünn, kurz oder lang, das ist alles gleich,\naber organisch muß es sein. Warum soll jene\ngerade Linie einen Knick bekommen, weil ein\nMensch zufällig eine Nase hat. Warum soll jenes\nDreieck einen Höker haben, weil auf dem Berge\nein paar Bäume stehen. Was gehen das Dreieck\ndie Bäume an. Kümmern sich die Nasen um die\ngeraden Linien oder die Bäume um die Dreiecke.\nAlso vergleichen wir nicht. Weder mit den alten\nMeistern, die meistens nur alt sind, noch mit der\nNatur, die jünger ist als ihre Anhänger. Und wenn\nschon der Verstand eine so natürliche Angelegen-\nheit ist, wie man behauptet, warum soll es der\nGeist nicht sein. Der Geist spricht zwar aus dem\nVerstand, aber er offenbart sich vor dem Ver-\nstand. Jede Mutter rühmt ihr Kind, das zwar noch\nkeinen Verstand hat, aber doch schon so viel emp-\nfindet. Schon? Woher hat es das Kind? Also muß\nes doch etwas geben, was außerhalb des Ver-\nstandes der Eltern und der Aelteren liegt. Das\nnämlich ist die eigentliche Anschauung, das\nSchöpferische, das Bilden aus sich, das Ge-\nstalten. Jeder Besenstiel ein Pferd. Nachher lernt\nman, höchst verständig, daß das Pferd kein\nBesenstiel ist. Auf dem Besenstiel konnten wir\neinst alle reiten. Auf dem Pferd ist es schwieriger,\ndoch das lernt man schon.\nEin großes Staunen ist auf der Erde, wenn etwa\nein Handwerker Gedichte schreibt. Ein Hand-\nwerker, ohne Schulbildung, der vielleicht sogar\northographische Fehler macht. Man ist noch nicht\nDichter, wenn man orthographische Fehler macht.\nMan kann es sein und orthographische Fehler kann\njeder Schüler verbessern. Technische Dinge sind\nzu erlernen. Man ist noch nicht Maler, wenn man\nKeine Technik gelernt hat. Aber mit der Tech-\nnik ist man es noch lange nicht. Die erlernte Tech-\nnik wird von den Laien überschätzt und von den\nKunstmalern. Es handelt sich nicht darum, Gelerntes\nzu lernen, es handelt sich darum, aus si c h zu\nlernen. Auch das ist Technik. Formeln kann man"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3160, "texte": "zwar anwenden, aber arbeiten kann man nur,\nwenn man den Ursprung der Formel kennt.\nDie Origo, der Ursprung, wird ja theoretisch sehr\nbeim Künstler geschätzt, wie soll eine Originalität\naus dem Ursprung eines andern Boden fassen,\nwenn man nicht einmal den Ursprung des andern,\nsondern nur seinen Stand nach dem Sprung aus-\nwendig lernt. Oder mit den Händen nachmacht.\nWährend jener sprang. Die Origo ist doch nicht\ndie Erfindung des allerältesten Meisters, dann\nwäre er allein nur Original gewesen. Auch er, der\nallerälteste Meister, muß doch irgend woher ge-\nsprungen sein. Sprünge werden wenigstens\nnoch nicht verpachtet. Man kann sich auch\ndie Originalität nicht leihen, selbst nicht von\ndem reichsten Künstler. Der Urgrund, aus\ndem der Ursprung erfolgt, ist kein Boden.\nAus dem Ewig - Fliessenden springt der Künstler\nauf den Boden, er nimmt Gestalt an. Aber\nniemals wird das Ewig-Fliessende in gleicher\nGestalt Form werden. Formeln lernen und Formeln\nnachmachen ist eine Beschäftigung für Schüler.\nKind und Künstler fangen den Regen mit bittend\ngeschlossenen Händen auf. Die andern nehmen\nden Regenschirm.\nNun haben die Denker die Sache erfaßt. Also\nKunst ist gar keine Kunst. Die Denker können\nsich das Kaleidoskop nehmen und dann stürzen\nFarben und Formen .ineinander. Oder sie sehen\nsich eine Palette an. Gewiß, Kunst ist ein Zufall,\naber sie fällt eben nicht Jedem zu. Und das Ka-\nleidoskop und die Palette sind kein Zufall. Sie sind\nnämlich gemacht. Kunst ist gar nicht schwie-\nrig, wenn man Künstler ist. Nicht der\nMeisterschafts-Springer, der aus unsichtbarer\nHöhe abspringt, gerät in Angstschweiß, sondern\ndas Publikum. Es springt nur, wer springen kann.\nGefahren sieht man unten. Das ist nicht die Kunst,\nda ß er springt. Sondern daß er springt. Aber\nwir sind so ängstlich, daß wir den Andern das\nSpringen verleiden wollen. Bleiben wir doch end-\nlich einmal ruhig. Es springt nur, wer springen\nkann. Bewundern wir den Sprung und nicht die\nGefahr.\nDie Sonne fragt auch nicht ergebenst an, ob sie\ndie Erde vergolden darf. Sie tut es. Der Künstler\nsoll ergebenst anfragen. Warumsoller? Wem die\nKunst zu sonnig ist, der kann sich ja begraben\nlassen.\nDarf ich Sie nunmehr bitten, diese Bilder zu\nbetrachten. Reinen Auges und reinen Sinnes. Sehen\nSie nur. Kümmern Sie sich bitte zunächst\neinmal um weiter nichts, nicht einmal um die\nNamen der Künstler. Nehmen Sie einmal an, Sie\nerwarten einen Sonnenaufgang. Man muß ja nicht\nnur immer eine Sonnenfinsterniß sich ansehen, zu\nder man noch geschwärzte Gläser braucht. Der\nSonnenaufgang wird vorausgesagt. Ich zeige ihn\nhiermit an. Aber nicht das ist erheblich. Er-\nheblich ist es, die Sonne zu sehen. Auf welche\nWeise die Sonne aufgeht und wie sie es macht,\ndas wird nie angezeigt. Mit Worten kann ich nur\nsagen, daß es bestimmt nicht gemacht wird. Das\nScheinen ist eine Angelegenheit der Sonne selbst.\nSehen Sie ruhig hin. Lenken Sie Ihren Verstand\nab, sonst lenken Sie sich selbst ab. Gönnen Sie\nder Kunst wenigstens Minuten Ihrer Sammlung.\nDie Sammlung zur Kunst geschieht nicht\nvor Ihnen, aber sie geschah.\nGlauben Sie an die Kunst und sie wird vor\nIhren leiblichen Augen auferstehen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "6", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.6", "titre_corps": "Der schöne Beck", "titre_sommaire": "Der schöne Beck", "signature_source": "Hermann Essig", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.4", "debut_caractere": 3162, "fin_caractere_exclue": 9575, "texte": "Der schöne Beck\nHermann Essig\n\nDer schöne Beck war verlobt!\nWie ein Orkan brauste es durch alle Kneipen\nund Ballsäle. Wie hieß die Glückliche, welche das\nentzückende Bärtchen Henri quatre kratzen fühlen\ndurfte? Eine Dame der Halbwelt natürlich. Man\nkonnte sich denken, daß Beck, ein schöner Mann,\nLumpengeschmack hatte.\nEine krause Wut zeichnete nach dem Be-\nkanntwerden so manches Mädchenantlitz der\nOberwelt. Ein Beweis, wie beneidenswert eigent-\nlich die Unterwelt war. Und man zweifelte nicht,\ndaß dieser schöne Beck es fertig bringen würde,\ndie berüchtigte. Elena in der Oberwelt heimisch\nzu machen.\nElena saß dann mit ihrem bukettierten Rufe wie\nein Schatten mitten unter den Frauen des unan-\ntastbaren Leumunds. Es war nicht auszudenken.\nUnd doch war Beck so schön, daß keine einzige\ngegen ihn Stellung zu nehmen wagte, er konnte\nsich einfach alles erlauben. Man murrte in der\nStille und bewunderte seine Schönheit nach wie\nvor laut.\nGanz anders stand die Sache mit Beck selbst.\nWohl hatte er sich verlobt, aber nur, um\nscheinbar zu heiraten. Er wollte es prüfen, wie\nder Wirbelwind in die Krinotlinen fuhr. Deshalb\nhatte er sich Elena ausgesucht.\nEr hoffte diese Person ebenso leicht, wie er\nsie genommen hatte, wieder abschieben zu können.\nDann wäre die Frauenwelt noch rasender um ihn\ngeworden, wenn er wieder frei war. Beck war\nein dämonischer Kavalier und hatte sich dieses\nProgramm ohne Mephistos Hilfe zurechtgelegt.\nElena hatte in ihrem Leben schon wahrhaft\nviel hinter sich und hatte energische Nüstern. Frei-\nlich, der schöne Beck war kühn genug, ein Scherz-\nspiel mit ihr zu wagen.\nElena, war sie so unerfahren geblieben, daß\nsie dies nicht von der ersten Stunde an merkte,\nwie er mit wohlgesetzten Liebesschwüren nahte,\nheißes Begehren in den Augen?\nOffenbar ließ sie sich von Beck anbeten nach\nHerzensnöten und war der Spielball seiner Liebes-\nleidenschaft. Man glaubte, ein Kindchen zu sehen,\nso verändert war Elena. Sie gab sich ganz ihrem\nHeiland, dem schönen Beck, hin und sie zeigte\nsich hingegeben, unwiderstrebend allem, was er\nvon ihr begehrte.\nSo kam es, daß der schöne Beck viel von ihr\nhatte und genug hatte, ganz wie er ahnte. Er\nwußte, diese Hingabe an mich ist so groß, daß ich\ndie Hingabe auch nicht einbüße, wenn ich Elena\nzu Boden trete.\nEr erschien eines Tages bei ihr und erklärte\nihr, daß ein Ende sein müsse, müsse. Er hatte\nerwartet Elena würde in Ohnmacht fallen, und er\nwürde sie ein letztesmal , in Krämpfen liegend, be-\nsitzen, aber es war anders gekommen, der schöne\nBeck erhielt eine glatte Ohrfeige.\nAlso so einfach kam er nicht los von ihr. Der\nschöne Beck mußte krank werden, er, der Held,\nmußte in eine sieche Krankenstube flüchten, um\nElena zu entgehen. Er mußte tun, als wollte er\nseine Schönheit aufgeben, nur um ihr zu entrinnen,\nUeber Elena regneten die Flüche der ganzen\nweiblichen Einwohnerschaft. Wahrscheinlich hatte\nsie ihn krank gemacht. Sie war verrucht! Aber\nElena blieb ruhig und trocken mit energischen\nNüstern.\nBeck wurde immer kränker, da die Braut ihn\ntäglich besuchte. Er verfiel in Fieber, und er\ndeutete dem Arzte an, daß die Besuche der Braut\nfür ihn aufregend und schädlich seien. Na-\ntiiriich wurden die Besuche sofort verboten. Eleia\nlächelte, sie wußte schon. Es genügte ihr, wein\nsie sich künftig beim Pförtner des Krankenhauses\nnach dem Geliebten erkundigte.\nBeck fragte, ob die Braut es aufgegeben habe,\nsich für ihn zu interessieren. Doch er erfuhr, daß sie\nsich täglich zwei- bis dreimal sogar, unabwend-\nbar, nach dem Befinden des todkranken Bräuti-\ngams erkundigte. Beck schwitzte furchtbar, und\nseine Taktik mußte durchdringen. Er verfiel in\nDelirium.\nElena, eine Dame der Unterwelt, mußte es zu\ndumm werden, sich mit einem kranken Kerl herum-\nzuschlagen. Leider, Beck verrechnete sich gründ-\nlich.\nEr bat darum den Arzt, der Braut ja seinen\nZustand ungeschminkt mit der vollen erschüttern-\nden Wahrheit seines nahen Todes zu berichten.\nDer Arzt berichtete einfach pflichtgemäß, daß\nes immer und immer, selbst den vereinten An-\nstrengungen von Professor, Medizinalrat und\nAssistenzarzt nicht gelingen könne, die Diagnose\nüber die Krankheit des Herrn Beck richtig und\npräzis zu stellen.\nDie Krankheit war ein absonderlicher Fall.\nImmerhin. Ein gewisses Fieber war da. Vielleicht\nEntlobungswahnsinn.\nWenn die Aerzte zum schönen Beck hinein-\ntraten, so lag er meist im Delirium, schließlich. Er\ndelirierte von Ameisen, von Oxalsäure, von Büffel-\njagd, Tanzbeinen, Glasbläsern, Nordlandsreisen,\nHauswirten, ausgenommenen Hühnern, über-\nschwemmten Kellern, Orchideenzucht und Kletter-\naffen.\nAch, es war interessant, ihm zuzuhören. Der\nMedizinalrat ahnte bald, daß dieses Delirium nicht\necht sein konnte. Das erste Mal blieb die Visite\nzwei Minuten bei Beck und hörte nur kurz, was\ner faselte.\nMan verschrieb ihm eine Morphiumspritze mit\nleichtester Dosis.\nBeck war entzückt, und er versäumte nicht,\nes Elena wissen zu lassen, damit sie' Furcht kriegen\nwürde, später einen Morphinisten zu besitzen,\nwenn sie ihn nicht endlich aufgab.\nDas zweitemal verweilte der Rat eine Minute\nlänger, und er flüsterte laut ,Morphium', sagte\naber leise »Wasser4 in die Ohren der Assistenz.\nMit Beck wurde jetzt einfach Schindluder ge-\ntrieben. Jedesmal, wenn die Aerzte mit grimmigem\nGesicht bei dem Patienten verweilt hatten, mußten\nsie sich nachher krampfhaft zusammennehmen,\nbeim Verlassen des Zimmers nicht laut hinauszu-\nlachen. Und der Medizinalrat war so perfid, täg-\nlich eine gezählte Minute länger bei ihm zu bleiben.\nBeck mußte auf diese Weise täglich länger deli-\nrieren.\nDer Medizinalrat sagte scherzend zu seinem\nBegleiter: ,Merken Sie genau auf, unser Lieber\nwird bald nichts mehr zu reden wissen, ich glaube\nnicht, daß er ein so vorzüglicher Dichter sein\nwird, bei jedem Tage seine Phantasie eine Minute\nlänger zu dehnen.'\nBeck schwitzte allmählich Pein bei seinem De-\nlirium, nun sollte er schon während der Dauer von\nganzen langen fünfzehn Minuten immer neue Ein-\nfälle haben. Er merkte, daß er versagen würde,\nund änderte seine Taktik.\nEr war ja unter Anwendung von Wasser-\nspritzen bereits ein verzweifelter Morphinist ge-\nworden. Er beschloß, von jetzt ab in Apathie still\nzu liegen.\nDer Medizinalrat hatte gewonnen. Als sie ein-\ntraten und Beck still lag, schlaff, scherzte er laut:\n,Sehen Sie, meine Herren, Herr Beck weiß nichts\nmehr.' In diesem Augenblick wäre er beinahe auf-\ngeschnellt und aus dem Bett gesprungen, um das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6773, "texte": "Krankenhaus, das keinen Erfolg verbürgte, zu ver-\nlassen. Aber er beherrschte sich noch einmal und\nblieb regungslos liegen. Doch eine gewisse le.se\nZuckung seines Mundes und ein bischen Farbe der\nWangen war dem geübten Auge des Arztes nicht\nentgangen.\nDa man allmählich längst erkannt hatte, worauf\ndas Krankenspie.l hinauslief, verschwor man sich\nnunmehr mit der Braut. Man wollte sehen, ob die\nKrankheit eine Besserung zum Guten nahm, wenn\nsie sich nicht mehr näch dem Herrn Bräutigam\nerkundigte.\nZwar am Tage nach der Entlarvung delirierte\nBeck wieder etwas, doch nur, indem er ein, zwei\nWorte lallte. Der Medizinalrat äußerte leise:\n,Meine Herren, der Fall scheint doch nicht ohne\nBedenken.' Die Assistenz meinte, es wäre wich-\ntig, endlich ein abschließendes Urteil zu bekom-\nmen, denn die Braut des Kranken habe nachdrück-\nlich schon in der Frühe vorgesprochen, ,sie müsse\nnun endlich wissen, ob er je wieder gesund würde,\nsie könne' — er setzte es ganz leise hinzu — ,nicht\newig auf einen hoffnungslosen Menschen warten.'\nBeck, als er es hörte, hämmerten die Pulse,\nendlich sollte wirklich die Befreiung kommen?\nDann war es der Segen seiner Hartnäckigkeit im\nSimulieren.\nDer Medizinalrat trat, durch den Bericht seines\nAssistenzarztes offenbar bestimmt, näher an das\nBett und fühlte den Puls: ,Sehr frequent und\nDeliriumerscheinungen äußerst bedenklich.4 Damit\nverließ er den Kranken.\nFür Beck schien eine neue Sonne aufzugehen.\nAls sie draußen waren, richtete er sich auf und\nlachte in seinen Taschenspiegel neue verliebte\nFaungesichter für Weiber, Weiber, andere als\nElena.\nUnd wirklich schon am Nachmittag hatte sich\nElena nicht mehr nach ihm erkundigt.\nNun fragte es sich, sollte er sehr rasch gesund\nwerden oder noch eine Weile Delirium mimen.\nUm die Meinung vor den Aerzten nicht zu ver-\nlieren, entschied er sich für das letzte. Er war\nin der Not seiner knappen Phantasie allmählich\nauf die Idee verfallen, nicht mehr von Elefanten-\nabenteuern zu delirieren, sondern lieber die näch-\nste Umgebung des Zimmers nacheinander in ab-\nsonderliche Betrachtung zu ziehen.\nEr erfand damit reizende Dinge, und er freute\nsich der Wirkung auf die Aerzte. Namentlich ein\ngroßer Globus, der im Zimmer stand und seine\nliebe teure Mutter Erde darstellte, gab ihm eine\nMenge Gelegenheit zu astrologischen Viechereien.\nDer Medizinalrai zeigte ein ganz besonderes\nInteresse für diese neue Epoche. Er ließ deshalb\nden Globus herausnehmen. Ueber das Fehlen des\nGlobus delirierte dann Beck in der genialen Ab-\nstraktion: ,Ich sehe den Mond nicht'\nDer Medizinalrat schmunzelte und dachte:\n,Warte, ein zweites Mal werde ich dich entlarven,\naber so, daß du mir nicht entrinnen kannst.'\nEr ließ vom Assistenzarzt die Erdkugel um-\ndrehen, so daß der Südpol oben war und der\nNordpol unten, sodann den Globus in seiner Ver-\nkehrtheit dem Kranken wieder ins Zimmer zurück-\nstellen.\nZur Visite ging er diesmal mit ganz besonderer\nStimmung, ließ sich natürlich äußerlich nichts an-\nmerken.\nUnd es war prachtvoll, dieses Delirium! Eine\nvollständige abgerundete Sinfonie. Herr Beck\nsprach: ,Butterstullen, Erde dreht sich verkehrt\num die Sonne, pr Mauseschwänzchen.'\nDann war er still.\nDer Medizinalrat wiederholte laut: »Butter-\nstullen,' noch lauter, ,die Erde dreht sich verkehrt\num die Sonne,' ,Herr Doktor, geben Sie einmal\nden Globus her! heda, Herr Beck, wollen Sie den\nSchwindel nicht eingestehen? der Globus ist aller-\ndings verkehrt aufgesteckt.'\nEin Riesengelächter. Die ganze Pflegerinnen-\nlind Schw'esternschar stürmte an das umlachte\nBett des Herrn Beck.\nDer schöne Beck saß aufrecht und verlegen\nim Hemde vor all den Damen.\nIhn tätschelnd, meinte der Medizinalrat weiter:\n,Herr Beck, wir danken Ihnen im Namen der\nKrankenhauskasse sehr für Ihren langen Besuch,\ndoch, da Sie Ihre Braut schon mehrere Tage los\nsind, so würde ich Sie bitten, anzuerkennen, daß\ndie Erde noch gle ch wie bisher umläuft, damit Ihr\nBett für ernstere Patienten frei wird. Adieu, Herr\nBeck, Sie sind gesund und können gleich auf-\nstehen und uns, ich hoffe, als geheilt, verlassen.'\nDam t reichte er ihm die Hand und befahl das Per-\nsonal hinaus\nBeck sah in seinen Taschenspiegel, klingelte\nund ließ sich vom Portier die Kleider beschaffen.\nWährend der Portier die Kleider herkomman-\ndierte und Elena die Entlassung des Herren\nBräutigams telephonisch mitteilte, machte Beck\nherrliche gymnastische Hebungen, um seinen bett-\nlägerigen Körper wieder apollisch zu fühlen. Er\nerkannte zu seiner ungewöhnlichen Freude, daß,\nwenn er einige Filetbeefsteaks gegessen haben\nv/iirde, er wieder der alte magnifique schöne Beck\nwar.\nUnd wie würden die Weiber, Weiber, neue\nWeiber bezaubert, wenn es herumlief, daß e r\nwieder herumkavalierte!\nDer Portier brachte die Kleider und erhielt\nein klotziges Trinkgeld, worauf er die Mütze zog\nbis zu den Waden und stramm abtrat.\nDer schöne Beck stopfte sich seit fünf Wochen\ndas erste Mal wieder in die Hosen. Er sah dabei\nhinaus über die Platanen- vor dem Portal des\nKrankenhauses. Er bemerkte jetzt erst, wie er\nsich selber freiwillig zu einem Gefangenen gemacht\nhatte. Aber der Preis war es wert. Für fünf\nWochen Simulieren Freiheit von einem lästigen\nWeibe.\nDen Leichtsinn einer Verlobung wollte er ja nie\nwieder begehen!\nVerlobt war schneller als entlobt.\nEr klingelte noch einmal, das letzte Mal. Die\nbedienende Schwester kam mit lächelndem Ant-\nlitz. Sie empfing den Obolus: ,Ich werde es in die\nOpferkasse legen.' In angenehmer Laune sollte ihn\ndas ganze Krankenhaus gehen sehen. Man sollte\nRespekt vor ihm haben. Er machte eine Schen-\nkung. Der Medizinalrat kam noch einmal und lobte\nihn und Beck befahl, um die Protzerei rund abzu-\nschließen, eine Autodroschke.\nSeltsam, der schöne Beck wußte doch überall\nalles um ihn herum auf die Beine zu bringen. Sein\nAbgang aus dem Spitale gestaltete sich zu einer\nArt Triumphzug. Die Fenster waren von Kranken\nbelagert, um den Mann mit dem verkehrten\nGlobus und der versagenden Deliriumphantasie\nzu sehen, Beck, den schönen, den großen Heuchler.\nEr schritt dem Tor zu. ,Portier, wo ist die\nDroschke?'\nDer Portier, es sauste gerade ein Auto vor,\nrannte an das Portal, öffnete weit, aber das Auto\nstoppte vorher ab und hielt. Der Chauffeur winkte\ngegen den Wagenschlag, der Portier lüpfte die\nMütze und öffnete dienstbeflissen.\nEine Dame entstieg mit prachtvollem Bukett.\nUnter Beck wankte der Boden. Elena be-\nglückwünschte ihn zur Genesung.\nWas sollte er anfangen? Vor dem lachenden\nHause mußte er sich von Elena, von der alten\nGeliebten, der er nicht mehr entrinnen konnte, in\ndas Auto hineinküssen lassen.\nTut, tut und schwumms, schwang es sich im\nGalopp um die Ecke über eine der vielen Tier-\ngartenbrücken. 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Zwischen ihren\nKnieen klemmt sie eine Puppe.\nEr windet den Körper durch die enge Wendel-\ntreppe und läßt sich neben ihr nieder. Sie näht\nden zerrissenen Puppenleib, leimt eine blond-\nlockige Perücke auf den kleinen Porzellanschädel,\nzieht Pantöffeichen aus Pappe an die winzigen\nFüßchen.\n„Du!\"\nSie beugt den Kopf vor.\n„Du!\"\nEr legt sein Gesicht über ihre Schulter, seine\nWange gegen ihre. Sie wühlt zwischen Puppen-\nkleklern.\nEr wirft ihr Spielzeug um, zertritt es, gleitet\nam Geländer die Treppe nieder.\n*\nEine Glocke schlägt und eine Planke dehnt sich.\nEi wirft den Körper um. Heiß streichen seine\nSohlen das Laken. Eine Flamme flackert im\nWinde, eine Lampe wiegt an einer Kette.\nSeine Zunge wühlt am glühenden Gaumen.\nSein Kopf zerrt über die Kissen. Seine Hände um-\nkrammen die Pfosten. Wirr spinnen seine Finger\nauf der Decke. Die Hände zögern nach der Wand.\nIn Schluchzen gleitet er zurück und stürzt sich\nrücklings zu Boden.\n*\nIhre Blicke haschen sich. Ihre Bewegungen\nholen sich ein, vereinen sich. Er atmet den Gesang\nihrer Schritte.\nWenn sein Blut flehend raunt, tragen ihre Füsse\nsie nicht mehr.\nWenn seine Hand neben ihren Augen sich\nfragend senkt, bricht ihr Herzschlag auf und\nsprengt ihre Adern. Wenn der Wind den Blüten-\nduft seiner dunkelblassen Haut herüber spielt,\nspülen wilde Wellen über sie und würgen ihre\nKehle.\nHochauf werfen sie sich in den Himmel, fallen\nrleder in den lohen Brand der sie umleckt und\nflattert, wildgierig um ihr Lager schleicht und\nschmeichelt, duckt und taumelt, tänzelt, ringsum,\nringsum.\nAuf der Gondel seines Atems trägt er sie em-\npor, bettet sie in Wolkenhängen, pflückt ihr Sterne,\nschattet ihre Lider.\n*\nNachts hören sie die Gartenpforte klagen. Die\nMessingkette schwebt und schwenkt und stöhnt\nim Sturm.\n„Höre mich. Rufe mich. Rette mich\", schmerzt\ner mit zerrissenem Atem und bäumt die Glieder.\nUnd ihr Gebet kniet neben seinem Bette. Kühl\nfassen ihre schmalen Finger ihn an und glätten\nmit Kosen die zerren Züge seiner irren Qual.\n*\nAn schwülen Abenden in seiner Kammer mar-\ntert zehrendes Verlangen sein Gehirn. Glühende\nGriffe schütteln sein Blut. Lüstern gehen seine\nGedanken um.\nSein Tasten umwölbt ihre schneeigen Schen-\nkel. Lechzend pressen seine Lippen den Rücken\nihrer Hand. Seine Tränen schluchzen in ihren\nSchoß.\n„Laß mich dein Sklave sein, den deine fun-\nkelnden Füsse treten. Um deine Bahre baue ich\nblaue Beete und wirke Teppiche aus glitzernden\nSilberhalmen.\n„Die du in meinen Träumen bist, daß ich mein\nLager blutend zerwühle. Im Dunkel zucken meine\nGlieder nach dir, umpranken tückisch deinen Leib,\nknieen deine Hüften. Brandend umbraust dich mein\nBegehren.\n„Gib mir deine Tulpenlippen, deinen schim-\nmernden Nacken, deine kleinen, zitternden Brüste.\"\n*\nZwei Schatten gleiten durch den nächtigen\nWeg. Ihre Füsse suchen scheuchen Schritts den\nBoden.\nDer Weiher fröstelt. Sie stehn im Boot ge-\nschmiegt, umhüllen sich mit ihren Schultern.\nSie wiegen, leise, stärker, lauter, schwer\nim Beugen.\nWellen wachsen, kreisen, ebben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.9", "titre_corps": "Das Tagebuch", "titre_sommaire": "Das Tagebuch", "signature_source": "Kurt Heynieke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.8", "debut_caractere": 4621, "fin_caractere_exclue": 6075, "texte": "Das Tagebuch\nKurt Heynieke\nIhre Augen sind schläfrige Gaslampen in den\nKaffeehäusern. Die Sehnsucht vieler Männer\ndaran. Aber die Zungen des kleinen Kurortes Sand\nein goldenes Gitter um ihre Stunden. In der Sonne\nliegt sie ganze Tage und wartet. Mit klei&eja\nAugen, die durch die Wimpern Stechen. Ste &6rt\ndas Leben mit der Liebe tanzen. Und fühlt: töte\nGlut im Kamin. Sie bangt nach der Flamme.\n*\nMeine Augen sind kühl, ich bin ein Schate\nin der Glut. Ich hänge an ihr wie eines Arzte*\nMesser und zerschneide jedes ihrer Worte. Sie\nwöhnt mich knieen in ihrer Asche. Aber mßüt\nallmächtige Seele hockt auf dem flachen Gewässer\nihrer Sinne und lacht.\nait-\nFeucht wie ihr Mund sind ihre Worte und\nunwahr wie ihr Abschied Ich habe Sehnsucht nach\nihrer Einsamkeit in den Kissen. Sie ist ein Abend\nim See, rot und feucht und ein Rohrvogelschtei.\n*\nIn der Sonne dehnt sich ihr Haar. Sein Pults\nbrennt und bringt das Ende. Eine Stimme klopift:\nTöte den Tor! Ich lächle und bin Licht und Fackel\nüber alles.\n*\nIhr Atmen trinkt meine Ruhe. An ihrer Li£p*\nhöre ich ihre Seele wachsen. Um uns föntet die\nMitternacht.\n*\nIhre Augen wachsen in den Morgen. Ein Weib\nliegt am Wege. Ich bin ein Gang aus dem Dim-\nkein.\n*\nMeine Seele weint nicht. Meine Hand ist ein\nGebet zum Himmel Ich lege keine Blumen auf\nden Tod. Sie ist an ihrer Seele gestorben. Sit\nwar zu klein für das Leben.\n*\nIch gehe gen Mittag. Bald wird mein Atem\nmüde sein. Die große Stille ist mein RuhegenoÖ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "9", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.10", "titre_corps": "Der Weg", "titre_sommaire": "Der Weg", "signature_source": "Kurt Heynieke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.8", "debut_caractere": 6077, "fin_caractere_exclue": 7098, "texte": "Der Weg\nKurt Heynieke\nQeigen überklingen die Nacht. In den Bäumen;\nverrinnen die Bogenlampen, schaukelnde Leuchte\nvögel in den Sommernächten. Die weiße Frau\nträgt ihre Augen verborgen, er quält sich in ihren\nQang. Vor ihrem Blick wird seine Besinnung ein\nWirrspiel, ihre Worte streicheln sein Blut. „In\ndir bin ich hell, Maria, du bist meine Kraft.\" Ihre\nSchönheit beugt sich vor ihm. „Meine Liebe ist\nein Sarg, Jobst. Ich fühle das Ende.\" Sein Blut\nliegt auf ihren Lippen. „So kröne ich deinen Sarg\nmit meiner Lust!\" Sie bettet ihr Haar in seine»\nSchoß. Ein dunkles Lautenband überdämmert sein\nLeuchten. Seine Finger tasten:\nIch bin ein Abenlied\nij? den Wipfeln der hohen Wälder\nein Leuchten\ndem Schreiten deines Ganges\nDas Atmen deines Schlafes\nist meine Wiege\nzur Nacht.\nIm Fenster schwimmen Sterne. Ueber die\nWege am Hause plätschert ein Fiüstern. Die\nfremden Worte haben Hände bekommen. Böse\nAugen stechen in den Gang.\n„Ich sagte alles, ich trage Fesseln und bin dir\nselber Kette.\" Ihr Weinen löscht seine Frage. Und"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 785, "texte": "er lächelt über die Stunde und greift ihre Hand.\n„Ueber die Berge geht das Licht. Komm!\"\nDer Dampfer frißt die Wagen. Hinter dem Bug\nve'rsinnt tfas Land. Und die Stunden zerbrechen\ndie Zungen.\nDas Meer ist vorbei. Fußunten die Wälder.\nIhre Füsse bluten. Ihre Brust keucht tief. Da\nträgt er die weiße Frau an seinem Herzen. Die\nBerge leben, ihr Leibt trägt Schnee. Ueber den\nGletschern lebt die Sonne.\nVom Tage fällt der Sonnenmantel. Der Abend\nsteigt rot auf die Gipfel. Jobst trägt den Tod in\nseinen Armen. Lange schon. Ihr Herzschlag ist\nan seinem Munde verglommen. Die letzte Sonne\nblutet in den Schnee. Er taumelt in die Leere.\nSeine Hände greifen sonnhinab. Und er fällt aus\ndem letzten Tagesblick über den weißen Schnee\ni» ein dunkles Tor, seinem weißen Weibe nach,\nin die Nacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.11", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.9", "debut_caractere": 787, "fin_caractere_exclue": 1976, "texte": "Gedichte\nThomas Ring\nDie Glut deiner Wangen erstickt müder Tod\nDurch deine Hände quält bittres Weinen\nDas Jauchzen deines Mundes welkt\nDeine Augen schlafen.\nUm deine Bahre trauern Engel\nDein Sterben haucht in stumme Nacht.\n*\nBlumen falten ihre Kelche\nDie Sonne gleitet aus meinen Händen\nSterne verzischen im Meer.\nFrierend kniet meine Sehnsucht vor dir.\n*\nDeine Hände spielen in meinen klagenden Blumen\nSeufzer flattern gequält zu dir\nNacht tränt glitzertrunkene Sterne.\nDu schreitest durch die schimmernde Stadt meiner\nSeele\nTempel tönen deinen Schritt\nGesänge jauchzen dir\nGemälde strahlen\nTirrne bäumen Gebete von Stein.\nBlaue Falter meine Augen\nLichtwiegend\nTasten zag deine Glieder\nKnospend beben meine Lippen.\nMeine Sehnsucht schmiegt weich\nBrandend wirbelt mein drängendes Blut\nUm dich.\n*\nStunden sickern blutige Tränen\nQualen spritzen gurgelnde Schreie\nWunden brennen flackerndes Grauen\nAngst würgt\nUnd\nEist\nLippen zersiegen Traum\nAugen zerstrahlen Nebel\nWelten bersten\nZerstürzen.\nSprühen klinigend tanzende Sonnen\nBlühen funkelnde Sternenkränze\nSchmelzen mondbespülte Gletscher\nDuften leis märzranke Blumen\nWiegen im Schlaf.\nDer Himmel weht Glut\nKlänge taumeln\nJubel kränzt dich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.12", "titre_corps": "Maya", "titre_sommaire": "Maya", "signature_source": "Kurt Striepe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.9", "debut_caractere": 1978, "fin_caractere_exclue": 5835, "texte": "Maya\nKurt Striepe\nDer Tod kam. Gestern Nacht pochte er. Und\nmein Nebenmann ging. Heute Morgen ging die\nSonne rot auf über dem Blut seiner Lippen. Odu\nherrliche Sonne. O du sonniger TodL Die Hände\nim Gebet verkrampft. Wir glauben alle. Und\ndaß wir immer unser Leben wiedersehen —das ist\ndas Grauen. Das ist das Wunder. Ein grauen-\nhaftes Wunder ist dies tägliche Geschenk. Wenn\nwir sterben? Wir denken an dies und das — das,\nwas der Gott ist. Und wir lieben unser Leben.\nMein Kopf liegt in den Kissen. Eine große\nScham. Wellen schlagen die Adern über mir zu-\nsammen. Ei das Singen seines Blutes hören und\nwissen, daß es letztmal singt. Und wissen,\ndaß man letztmal hört. Meine Lunge preßt die\nschwere Decke. Wie eine Ebene — endlos. Nein,\nmeine Knie sind seelige Inseln. Das sanfte Lied ist\nmeine Melodie. Und Hände — Hände sind Har-\nmonien.\nWir liegen alle. In langen Reihen. In weißen\nBetten. Im großen Saal. Viel Fenster, die in die\nKälte führen. Merken Sie, wie das langweilt.\nDraußen ist Leben. Wir aber frieren im Leben.\nWir lieben die Wärme — die im Saal hockt. Die\naus dem Ofen grient — ein Fratz. Wir kriechen\ndahin. Die Augen gleiten — tasten — fingern\nbleich störrisch an den Wänden. So kalt graust\ndies Weiß. Der schwarze Ofen ist meine Braut.\nWenn sie käme. Fühlst du, daß ich an dich denke.\nFühlst daß meine Augen bangen. Fühlst du das?\nUnd dann kommst du nicht? Maya ist das nicht\nGrauen? Ich höre d'en Zug. Der kommt. Die\nTür am Bahnhof schlägt. Die Schritte. Diese\nkleinen harten Schritte. Welches Lied! Oh du\numträuimte Geliebte! Die Straße am Kanal. Wie\ndu das Eis bewunderst und dich wunderst. Ich\nweiß alles, was du denkst. Heliotrop ist dein Par-\nfüm. Ein Vogel singt. Nun lauschst du. Wir\nlauschten oft. Im Winter. Auf der Bank am See.\nVom Kirchhof schrie das Käuzchen. Komm mit —\nkomm mit . . . Ich komme. Wie eine selige Ge-\nwißheit ist das. Der Lungenschuß neben mir\nbricht Blut. Das ist das Leben. Welch Leben —\nDie Sonne — Maya — die Sonne! Oh alles Glück.\nOh alle Sehnsucht. Kommen Sie — Maya — nur\neinmal die Sonne sehen, die in unseren Saal\nscheint. Davor verblaßt meine Liebe. Liebe ist\nwunderlich — ist — ein zufälliges Zusammentref-\nfen zweier Zufälligkeiten. Das ist mir nun Gewiß-\nheit. Und Sehnsucht — Sehnsucht ist auch ein\nTraum. Ein Traum nach einem Unerfüllten. War-\num immer Träume.\nIch gehe neben dem Leben her. Man geht und\ngeht und geht. Bis Sie müde sind. Dann kommt\ndas Lauschen auf das Ende.\nWie wir tanzten. Wir saßen. Ihre weißen\nHände. Maya — Ihre weißen Hände sind Läm-\nmer. Sind ein heiliges Dulden. Mehr weiß ich\nnicht von Ihnen. Aber daß ich das weiß. — Oh\nMaya! Immer sehe ich Ihre Hände. Und Ihren\nMund — als ich ging.\nSie kommt. — Ja sie kommt. Die Straße hat\nein Ende. An der Brücke muß sie sein. Das Eis\nstaut sich. Ich fühle ihr Jauchzen. Die Schritte —\nihre Schritte. Gib Acht! — Du! — Du! — siehst\ndu nicht — die Brücke. — „Was ist Ihnen?\" fragt\ndie Schwester. „Mir? Mir? — ich — mir ist so\nangst. Schwester die Brücke. Sie stürzt —\nIch bin doch naß — ich sinke — Schwester.\" Oh\ndiese Augen. Deine Augen waren immer ein\nWunder. Im Eis sollen wir brechen. / Warum\nkamst du nicht früher. Etwas früher. Eine Se-\nkunde früher.\nNun ist das Leben aus. Die Sehnsucht hat ein\nEnde. Der Traum ist zu Ende. Mein Kopf wühlt\nin Scham — ich bin froh im Ersticken. Nun folgt\ndie Nacht. Oh du köstliche Nacht! Du süße\nNacht. Geigen sind meine Nerven — die die Qual\nstreicht. Der Tod geigt sacht. Doch .meine Gei-\ngen schreien im wilden Mord. Ich fühle mein\nBlut über meine Hände springen. Daß es mein\nBlut ist. Ich lasse das Hirn im Schädel springen.\nDaß es mein Hirn ist. Wenn aber das Blut über\nden Schädel jagt, weiß ich, daß Gott ist und die\nDemut.\nDu Braut — daß du nicht kamst war das\nGrauen. — Maya — daß Ihre weiße, Hand nicht\nkam war das Ende.\nAber Gott ist.\nUnd die Demut.\nDer Tod.\nUnd das Vergessen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "11", "image_debut": 9, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.13", "titre_corps": "Abgriffe", "titre_sommaire": "Abgriffe", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.9", "debut_caractere": 5837, "fin_caractere_exclue": 7717, "texte": "Abgriffe\nHerwarth Walden\nMach dem Fall\n„Henry Marc-Klamaucke vielleicht wie kein\nzweiter vor ihm das Nicht-Ich ausschaltend am\nentgegengesetzten Pole den Ring geschlossen und\nsich in seine eigene Ich-Tiefe solchermassen ver-\nsenkt, daß Alles Dasein der Dinge, alles Existente\nals über ihm projiciert erscheint und seiner vi-\nsuellen Richtigkeit entbehrend nicht die begriff-\nliche Notwendigkeit wohl aber die intellektuelle\nEmpfindung eines Gesichtsfeldausschnittes aus-\nlöst.\" Das steht nicht in den Fliegenden Blättern\nsondern im Simplicissimus. Urheber dieses Textes\nund zweier Schmierereien hierzu ist Herr 0. Gul-\nbransson zu München. Der Simplicissimus ver-\nöffentlichte sie am 29. Februar 1916. Franz Marc,\noer Bayer, konnte diese Heimtücke nicht mehr\nbelächeln, da vier Tage darauf die Tücke einer\nGranate ihn heimrief. Noch erfreut sich Herr\nGulbransson in seinem Heim zu München der\nSonne, die ihm nicht scheint. Aber sie scheint.\nUnd sie brennt diesen Gulbransson, als ein Brand-\nmal seiner Vergänglichkeit muß er gebrandmarkt\nweiterleben, keine Granate wird ihn von seiner\nSchande lösen. Gebrandmarkt muß er ewig durch\ndie Straßen Münchens schleichen, Gulbransson, der\nNeutrale, der wider besseres Wissen gegen die\nKunst Partei ergriff, im Burgfrieden.\n*\n„Franz Marc, der kürzlich für unser Vaterland\nden Heldentod starb, ist wohl einer der ehrlich-\nsten und überzeugtesten unter den hiesigen Ex-\npressionisten gewesen.\" So beginnen die Münch-\nner Neuesten Nachrichten ihren Nachruf auf den\ngrößten deutschen Maler, nachdem sie sich acht\nTage lang besonnen haben, ob sie überhaupt von\ndem Tod des Künstlers Notiz nehmen sollen. Der\nehi liehe Tod überzeugt dieses Provinzblatt, daß\nFranz Marc wohl ehrlich überzeugt gewesen ist.\nWährend seines Lebens hat es auch das bestritten.\nAber das Unglaubliche geschieht. Der Münchner\nKunstschreiber, der weder die Kunst noch das"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10081, "texte": "Schreiben versteht, bringt es fertig zu hoffen, daß\nMarc mit der Zeit zu der Seichtheit dieses Münch-\nner Schlamms gekommen wäre: „...erregte er\nAufsehen und Widerspruch durch seine stilisierten\nund nach dem Grundsatz der Farben Übertragung\nungewöhnlich gefärbten Tierstücke, blaue Pferde\nvnd eine gelbe Kuh. Sein Wille war aber echt\nund bei dem Ernste seines Strebens und der guten\nGrundlage, die er hatte, war mit Sicherheit zu\nerwarten, daß Marc sich aus jenen Absonderlich-\nkeiten losgerungen und zu einem selbständigen\nund eigenartigen dekorativen Stil durchgearbeitet\nhätte.\" Dieser KunstscJireiber wird nie ein blaues\nWunder erleben und eine gelbe Kuh sieht er nicht,\nweil ihm selbst gelb vor den Augen ist, wenn\ner gegen Kunst wütet. Es ist nicht absonderlich,\ndaß ein Mensch ohne Grundlage die Kunst zu ver-\nstehen glaubt, trotzdem er nicht einmal bei einer\nGrund läge stehen könnte. Ein Schreiber, der nie\nein Wort gesehen hat, ist zweifellos farbenblind.\nEhrlich überzeugt ihn nur ein schmutziges Braun,\ndas keine Farbe ist. „So bedeutet sein Tod sicher\neinen Verlust für die deutsche Kunst.\" Darf dieser\nHiesige über Verluste reden, der noch heute für\nden Gewinn zu kurzsichtig ist.\nDu, Franz Marc, hast München, Bayern,\nDeutschland in die Welt geweitet.\n♦\nDer Kriegsberichterstatter der Vossischen Zei-\ntung, Doktor M.ax Osborn, schreibt: „Später, als\nich aus der Kriegswildnis wieder in die Stadt kam,\nward es mir dann aus den Zeitungen bestätigt,\ndaß Franz Marc am vierten März gefallen war.\nDer Zufallsweg hatte mich vor sein Grab geführt.\nArmer Junge, der du mit brausendem Kopf deine\nWeltenphantasien von märchenhaften Tieren auf\ndie Leinwand brachtest. Wir hatten auf dich ge-\nhofft, auf dein eigenwüchsiges Talent vor Allem\ngerechnet, wenn wir daran dachten, wie sich die\nKunstsehnsucht der neuen Malergeneration einst\nerfüllen würde.\"\nSeht ihr denn seine Kunst vor eurer Sehn-\nsucht nicht?\n*\nDer Simplicissimus vergnügt sich weiter damit,\neinfältigste Witze über Kunst zu machen. Seine\nZeichner werden allmählich so talentlos, daß sie\nan Stelle ihrer unoriginalen Zeichnungen originale\nPhotographien unberechtigt nachdrucken. Dar-\nüber wird man sich noch unterhalten. Während\nauf Seite sechshundertdreiundzwanzig Marc und\nKandinsky beschimpft werden, liest man auf Seite\nsechshundertsiebzehn: „Klassische Schönheit. Der\nSchwertertanz von Olga Desmond fünf Mark und\nlebende Marmorbilder vom Schönheitsabend fünf\nMark. Vier Probephotographien in eleganter\nMappe für zwei Mark frei. Wir bitten die Leses\nsich bei Bestellungen auf den Simplizissimus be-\nziehen zu wollen.\" Man kann nicht behaupten,\ndaß der Simplicissimus in klassischer Schönheit\ngestorben ist. Ihm ist selbst nicht ganz geheuer,\ndenn wir Leser, zu denen ich nicht gehöre, be-\nziehen uns auf noch zwei Anzeigen, die neben\nder Schönheit klassisch stehen: „Zittern, Angst-\ngefühl besonders in Gegenwart Anderer.\" „Dann\nverlangen Sie kostenlos unseren Katalog wenig\ngetragener Kavaliersgarderoben.\" Ja, meine\nschönen Kavaliere, die Gegenwart Anderer soll\neuch noch zittern machen.\nDieser Engel, kein Kind ist so rein\nDer Ulk, in dessen Verlag auch das Berliner\nTageblatt erscheint, veröffentlicht folgenden Witz:\n„Tochter: Mama, was wollen die Kubisten\neigentlich? Mutter: Mein Gott, was haben\nvir Eltern es schwer heutzutage. Kaum sind die\nKinder aus -dem Alter heraus, wo sie unbequeme\nFragen zu stellen pflegen, so treten sie in das\nAlter, wo sie noch unbequemere stellen.\"\nIch habe nicht Witz genug, diesen Witz des\nHerrn Fritz Engel witzig zu finden. Kunst ist\neben nichts für Spießbürger, sie ist unbequem. Und\nHerr Fritz Engel wird in Fragen der Kunst nie\nüber das bequeme Alter des neugebornen Kindes\nherauskommen.\nZu lustig\nEin Herr, der auf den lustigen Namen\nMoszkowski hört, veröffentlicht in den Lustigen\nBlättern eine Groteske „Siehst Du so aus?!\"\nSpäter heißt es: „Er hatte soeben sein Selbstbild-\nnis beendet, in jener merkwürdigen futuristischen\nArt, die auf Aehnlichkeit verzichtet und an deren\nStelle eine aus Komik und Grauen gemischte Un-\nmöglichkeit setzt: die Entmenschung des Men-\nschen. „Entschuldigen Sie, wenn ich störe sagte\ndie Fee, aber ich habe mich wohl in der Türe\ngeirrt. Ich dachte, hier wohnt ein Künstler und\nich wollte mich eigentlich malen lassen.\" (Anmer-\nkung: die Fee ist zweifellos die bekannte Küchen-\nfee). „Können Sie bei mir haben, entgegnete Ga-\nbriel; Oel oder Aquarell, Brustbild, Kniestück oder\nganze Figur, ganz wie Sie wünschen.\" Man sieht,\nMoszkowski, der Vater der Küchenfee, hat noch\nnie ein futuristisches Bild gesehen. Auch er hat\nsich in der Tür geirrt. Die Herrschaften sind aus\nder Provinz. Ich schlage jedenfalls Kniestück vor,\ndas auf Aehnlichkeit nicht verzichtet. Siehst Du\nso aus?! So siehste aus!?\nLustbarkeitssteuer\nEhrerbietigst schreibt der Vorstand des Vereins\nBerliner Künstler gez. R. Schulte im Hofe, erster\nVorsitzender, an den Herrn Reichsschatzsekretär:\n„Es gibt sehr viele Menschen, die sogenannte\nKunst kaufen und hierfür nicht unerhebliche Mittel\naufwenden. Außer um fabrikartig hergestellte\nWerke handelt es sich um überpinselte photo-\ngraphische, mechanische Vergrößerungen. Die Zahl\nder Abnehmer ist beschämend groß und die Preise\nbetragen in sehr vielen Fällen tausend Mark und\nsogar viel darüber. Sie würden unter den Be-\ngriff des Gesetzes nicht fallen, was umso bedenk-\nlicher ist, als gerade diese Machwerke Kunst und\nKünstler schädigen.\" Auch die überpinselten, me-\nchanischen Verkleinerungen nach anderen Bildern\noder Modellen sind keine Kunst. Die sehr vielen\nMenschen kaufen auch diese sogenannte Kunst.\nWirklich künstlerische Werke werden aber nur\nselten al's Kunst erkannt und dann noch lange nicht\nanerkannt. Diese würden also wahrscheinlich nicht\nzur Steuer der Kunst herangezogen werden. Zum\nSteuer der Wahrheit dürfen aber Vereinsbilder\nauch nicht als Kunst besteuert werden. Es bliebe\nalso gar nichts für die Steuer übrig. Sodaß zu\nempfehlen wäre: Die Kunst im Haus und im Hofe\nbleibt steuerfrei. Jeder Verfertiger dieser Kunst-\nabarten muß aber Steuer für die Ausübung seiner\nTätigkeit zahlen. Die Liebhaber dieser schönen\nKünste können ruhig ein Opfer für die Zeit bringen,\ndie sie Andern nehmen. Dieser Sport bedarf keiner\nSchonung. Und Fußballspielen ist gesünder als\nMalen. Die Farbenindustrie braucht sich nicht zu\nbeunruhigen. Anstreichen ist auch in Kriegszeiten\nbesonders beliebt. Und es gehört sogar viel Farbe\ndazu, andern Leuten seine Nation weiß zu\nmachen.\nZum Verwechseln\nFritz Stahl von Mosse, März 1916: „Ganz\nSicher kann man das bei uns ja nicht wissen, da\nsich ein Geschäft das Oelporträts nach Photo-\ngraphien liefert, wirklich der Kundschaft höchster\nKreise erfreut.\"\nDer Sturm, Septemberheft 1915: „Die Maltech-\nrik Franz von Lenbachs. Vom Herausgeber der\nMünchener kunsttechnischen Blätter, Maler Prof.\nErnst Berger: Es wurde damals dem Künstler\nvon den übelwollenden Neidern nachgesagt, er\narbeite mittels oder nach Photographien und ent-\nwerte damit seine Bilder. Dieser Vorwurf ist sehr\nungerecht Er benutzte wohl die Photo-\ngraphie und machte sieh .die Pausen\nnach solchen für ihn eigens oder zu\nseinen Zwecken hergestellten Ve r-\ngrösserungen. Wer aber solche vergrösser-\nten Abdrucke kennt — wird wissen, daß es nicht\nso leicht ist .. .\" Also. Trotzdem erfreut siph\nMeister Lenbach und so mancher Vereinskünsti.eß\nder Kundschaft höchster Kunstkenner. Sie werden\nsogar von größten Kunstkritikern gewürdigt. Aber\nwenn einer sich ehrlich zur überpinselten Photo-\ngraphie bekennt, wird er der Kundschaft verleidet.\nWarum soll der Fischer aus Berlin nicht seine\nNetze über die höchsten Kreise werfen, wenn die\nhöchsten Kunstkenner sich im selben Kreise\ndrehen. Umsomehr, da doch die Bilder schließ-\nlich nicht nur den zahlenden oder bezahlten Mo-\ndellen, sondern sogar sich untereinander zum Ver-\nwechseln ähnlich sehen.\nNachtrab\nEs war in Wilmersdorf, im Monat Juli 1912,\nda schrieb die dortige Kunstzeitschrift: „Gegen\nden Futurismus: In den Kampf der Urteile, Mani-\nfeste und Programme, die der Einzug des Futu-\nrismus in Berlin mit sich brachte, gebot nicht\nallein ein Gefühlsmässig-Unsympatisches zu schwei-\ngen: das neue Bild selbst forderte energischer als\njedes andere ein post festum. War doch, was da\nvon draußen hereinkam, derart aus der Luft geholt,\nso jenseits aller Evolution, daß man, wiewohl\nmehr der schlechten Erziehung halber an die Stirn\nsich griff und einen Sessel zu Hilfe nahm. Nun\nist es wohl erlaubt, aber auch Zeit, sich zu er-\nheben; und mit ein wenig müder Ueberlegung des\nvielseitigen Introduktions-Geschreibsels vor dieses\nneue Bild hinzutreten und ihm seine Meinung zu\nsagen, der weder Uebereilung noch Vorsicht zu\neigen sind, sondern der ausgeschlafene Widerwille\ngegen ein Partout, ein Unmögliches, eine Unkunst.\"\nWilmersdorf liegt nicht bei Berlin und diese Vor-\nortzeitschrift erscheint nicht in Deutschland. Des-\nhalb wundere ich mich nicht, daß eine Reaktion\nim Februar 1916 auf die Aktion vom Juli 1912\nerfolgen mußte. Der Wilmersdorfer verkündet':\n„Auch von dieser Sondernummer ist zu sagen,\nwas von den übrigen zu sagen war: sie gibt kein\nvollständiges Bild von Italiens neuer Kunst und\nLiteratur, sie will (und kann) nur anregend wir-\nken. Viele der besten jungen sind hier (zum ersten\nMal in Deutschland) beisammen: das ist Alles, was\nich zu erreichen gesucht habe.\" Das stimmt\nnicht. Der Herr aus Wilmersdorf hat schon wieder\nseinen Vordersatz vergessen: „Da es mir nun\ndoch möglich geworden ist, Soffici mit einer\nschönen früheren Arbeit für dieses Heft zu gewin-\nnen, sind die Futuristen immerhin durch einen der\nihren vertreten.\" Das stimmt nicht. Diese Arbeit\nhat Soffici nicht nach Wilmersdorf gesandt. Das\nweiß ich besser. Denn vor dem Vordersatz steht\nwieder ein Vordersatz, der vergessen wurde:\n„Leider ist es unmöglich, futuristische Kunst in\ndieser Numer zu bringen.\" Das glaube ich, die\nWilmersdorfer scheinen sich allmählich auch an\ndas deutsche Urheberrecht gewöhnen zu wollen,\ndurch dessen Verletzung sie schon recht erhebliche\nUnannehmlichkeiten sich zuzogen. Aber es kommt\nimmer noch besser: „Wir wollen aber wenigstens"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4644, "texte": "die Begabtesten unter ihnen nennen: Umberto\nBoccioni, Luigi jßussfolo, Carlo D. Carra, Gino\nSeverini, der Schöpfer des Pan-Pan, Ardengo\nSoffici.\" Diese futuristische Kunst, die in der Num-\nr.er nicht gebracht werden konnte, ist zwar nicht\nLi Wilmersdorf, aber in Berlin und in allen Groß-\nstädten Deutschlands und Europas seit jenem\nJahre 1912 vom Sturm ausgestellt worden. Be-\nsonderes Mißfallen erregte sie nur in Wilmersdorf.\nUnd Soffici, von dem eine schöne frühere Arbeit\ngewonnen wurde, hat sogar allein zweimal1 in\nSturm zu Berlin ausgestellt. Sogar mit schönen\nneueren Arbeiten. Boccioni war 1912 in Wilmers-\ndorf besonders unbeliebt. Deutschland ist so groß,\ndaß es über das Loch Wilmersdorf hinwegsieht.\nWilmersdorf soll aber nicht im Namen von\nDeutschland sprechen. Der ahnungslose Wilmers-\ndorfer empfiehlt angelegentlich die Verse von\nMarinetti, gegen den er im Jahre 1912 eine\nRüpelei vorbrachte. Er empfiehlt auch die\nSonette von Petrarca und schreibt in Klammern,\ndenn Klammern sind seine Stärke: „(muß ich\nDante nennen?)\" Das sollte er Marinetti fragen.\nIch weiß bereits wer im April 1920 zum ersten\nMal in Deutschland bei Wilmersdorf den dortigen\nEinwohnern vorgeführt wird. Leider ist es uns\nunmöglich. Die Herrschaften sollten lieber ihr\nMögliches unmöglich machen. Sonst mache ich\nsie alle, Aktionäre und Reaktionäre, einmal gründ-\nlich unmöglich, wenn ich guter Laune sein sollte.\nDie Natur pulst\n„Zwei Schicksale entwickeln sich nebenein-\nander, die in entgegengesetzter Richtung führen:\nwir sehen die langsame Trennung zweier Gatten,\ndie in wachsender Entfremdung ein fast gespen-\nstisches Zusammenleben führen, auf der andern\nSeite vollzieht sich die Verbindung zweier Men-\nschen, die äußerlich getrennt, innerlich von An-\nfang an für einander bestimmt mit langsamer Kon-\nsequenz sich auf einander zu bewegen.\" Erst\nführen die Schicksale entgegengesetzt, dann füh-\nren die Gatten ein Zusammenleben, andererseits\nvollzieht sich die Verbindung zweier Menschen\nmit langsamer Konsequenz aufeinander. Einer-\nseits wird geschieden, dort demnächst gehoch-\nzeitet. Mit langsamer Konsequenz. Ein tragisches\nSchicksalsknäuel sieht man vor den Augen des\nVerlags S. Fischer, der sich also in dem Roman\n„Wandlungen\" verheddert hat. Aber auch der\nlyrische Leser soll ins Garn gelockt werden: „Wie\neine Arabeske flicht sich episodisch dazwischen\n— halb ernst, halb spielerisch — das zarte schwär-\nmerische Verhältnis Anselms zu Jasmin.\" Falls\nclas dem dramatischen Leser zu duftig ist: „Diese\ndrei in sich noch mehrfach komplizierten Probleme\nsind in ihrer gegenseitigen Beeinflussung mit\ngrößter psychologischer Feinheit und Zartheit\ndurchgeführt.\" Zweifellos ist es mehrfach kom-\npliziert, wenn sich Probleme gegenseitig beein-\nflussen, während eine einseitige Entfremdung und\neine zweiseitige Verbindung halb ernst, halb spiele-\nrisch durchgeführt wird. Zu solchem Quatsch ge-\nhört ein dicker Kitt, Wasser tuts freilich nicht, da\nmuß das dunkle Blut heran: „Huchs tiefe dichte-\nrische Natur mit ihrem dunklen leidenschaftlichen\nBlut pulst durch den Roman.\" Wie wäre es den\ndrei Liebespaaren ergangen, wenn die Natur nicht\ngütigst gepulst hätte. Wie es ihnen ergangen ist,\nlese man in dem Pappband siebente Reihe Num-\nmer drei, Fischers Romanbibliotek. Die -'Worte\nschwollen, kühl bis ans Herz hinan.\nDie Eigenart\nDie Firma Breitkopf und Härtel in Leipzig hat\nnicht nur ihren Alexander (Sascha) Schneider, sie\nhat nunmehr auch einen Künstler mit einer Eigen-\nart entdeckt: „...erschienen vierundzwanzig aus-\ngewählte Kunstblätter, die für die Eigenart Hans\nThomas besonders bezeichnend sind. Die Eigenart\nHans Thomas ist das Deutschtum.\" Diese Eigen-\nart teilt er mit siebzig Millionen Menschen. „Zu\neiner Zeit, als ausländische Moden noch das deut-\nsche Kunstleben beherrschten ..zu dieser Zeit\nmußte auch das Vaterland der Herren Breitkopf\nund Härtel größer sein. Da vertrat diese eigen-\nartige Firma die größten Verleger von Peters-\nburg und Mailand, verlegte musikgeschicbtliche\nSammelwerke von England und Frankreich, gab\nSchriften in französischer Sprache heraus und\nmachte also einfach die große Mode mit. Jetzt ist\nes kein Kunststück, eine Eigenart zu bekommen.\n„Selbst ein echter Sohn unseres Volkes, weiß er\nso innig und eindringlich die Heimat in Land und\nLeuten, in Wahrheit und Dichtung zu schildern, daß\ninsbesondere seine von uns schon in vielen tausen-\nden verbreiteten köstlichen Steindrucke so recht\ngeeignet sind—\" Insbesondere setzen sich die\nHerren jetzt für die deutsche Mode ein. Die Kunst\nin Deutschland wird mit bestem Willen nie und\nnicht einma!lt von den Herren Breitkopf und Härtel\nverlegt werden können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c023", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.14", "titre_corps": "Über Paul Klee", "titre_sommaire": "Über Paul Klee", "signature_source": "Zwei Briefe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.11", "debut_caractere": 4646, "fin_caractere_exclue": 6382, "texte": "Über Paul Klee\nZwei Briefe\nLieber Herr Waiden\nIch habe die Besprechungen meiner Bilder in der\nBerliner Presse gelesen. Allerdings haben sie mir\nkeine Freude gemacht. Würden Sie bereit sein,\nvon mir eine Erwiderung gegen die Berliner Kritik\nim Sturm abzudrucken? Es ist mir unerträglich,\nsc im Gegensatz zu Paul Klee gelobt zu werden.\nIch möchte mich dagegen öffentlich auflehnen.\nNicht etwa, um mir persönliche Genugtuung zu\nverschaffen. Was die Kritik über mich schreibt,\nkann mir im allgemeinen gleichgültig sein, nur in\nsolchem Zusammenhang nicht. Die einzige Rück-\nsicht, die mich hemmt, ist die Scheu, mich in einer\nso persönlichen Sache hervorzutun und die Angst,\nden Eindruck zu erwecken, Paul Klee, bedürfe\netwa der Hilfe Anderer. Das wierden Sie wohl\n\\ erstehen. Bitte raten Sie mir.\nWenn der Monat nicht schon vorgerückt wäre,\nmöchte ich am liebsten den „Fries zu einem Mu-\nsikzimmer\" von der Ausstellung zurückziehen,\nwie ich schon früher einmal, bei ähnlicher\nGelegenheit, mit einem Bild verfahren habe.\nWohl ist er gut, wenngleich er eine überstandene\nPhase meiner Entwicklung darstellt. Aber diesen\nLeuten hat er nicht zu „gefallen\". Daß er gut ist,\nkönnen sie am allerwenigsten ahnen, geschweige\ndenn, warum er gut ist. So kann er ihnen höch-\nstens gefallen, so peinlich mir das unter diesen\nUmständen auch ist.\nMit besten Grüssen\nIhr\nAlbert-Bloch\nLieber Herr Albert-Bloch\nIch soll Ihnen raten und will Ihnen gleich\nhelfen, indem ich Ihren Brief veröffentliche. So\nwahre ich Ihnen Ihre Scheu des Künstlers und\nSie verwahren sich gegen das Lob der Unge-\nlobten. Sie können stolz sein, daß S i e das Recht\nhaben, sich aufzulehnen. 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Aber das\nLicht ist dunkel und die Nacht leuchtet. Durch den\nSatzbau einer unzähmbaren Heftigkeit rinnt Blut;\nund immer wieder stirbt das Tote und das Le-\nbende erlebt Mittag und Mitternacht.\nDie Worte schreien Stunden in den Tag; siehe,\nVisionen stehen hinter den Dingen der Welt. Da\nwandelt ein Hellseher durchs Dunkel und ein\nMondsüchtiger findet Erde, nichts als Erde. Ge-\nspenstisch ist das Alltägliche geworden und all-\ntäglich schreiten unerbitterliche Gespenster durch\ndie Zeit. Es ist Winter zur Sommerszeit und die\nSchneelandschaft verbirgt Sommerblüte. Da\nsprechen die Dinge vom Wunder der Zeit. Und\nes ist Zeit, vor Allem Zeit. Die Zeit des In-\ntellekts. Wissen und Wollen. Der Geist ringt mit\nder Materie, das Altertum erwacht und das Mittel-\nalter grinst dazwischen. Sylva sylvarum. Der\nGott versagt, richtet Swedenborg das Chas ein.\nAber es ist auch die Zeit der Schlagworte. Und\ndie Schlagworte schlagen Zwölf: es ist zu Ende\nmit ihnen.\nNun spielt die Landschaft Traum: Träume\nwandeln durchs Land und die Dinge erwachen zu\nneuem Schlafe. Der Hellseher sieht: aber Alles\nist dunkel. Da beginnt das Herz zu leuchten.\nEntwicklung aus den Dingen in den Sinn:\nwieder einmal ist das Symptom ein Symbol ge-\nworden. Und da Alles nur Entwicklung ist, Fort-\nschritt in sich selbst und ewige Wiederkehr ohne\nAusgang:\nEr Mondsüchtige hat die Erde gesucht und\ndie Erde gefunden. Irdisch war der Mond und\nirdisch war die Sonne der Landschaft.\nDarüber aber, im Spiele des Chaos und im\nSchicksal der Welt, darüber aber, über Berg und\nTal und Welt und Weib — grüßet Gottes An-\ngesicht.\nBemerkung\nDer Irrtum der Wissenschaft, die für jeden\nAbgrund einen Grund sucht, liegt nicht darin, daß\nsie ihn findet. Denn auch die Enträtselung sämt-\nlicher Wielträtselecken aller Zeiten und Zeit-\nschriften wird den P. T. Einsendern höchstens\neinen Teil ihrer eigenen Gefühle verraten und was\nnicht vorher berechnet war, trifft nachher ohne-\ndies nicht ein. Der Wissenschaft wird es immer\nwieder gelingen, uns zu beweisen, daß sie gerade\nso viel weiß, um eine selbständiges Dasein zu\nfristen. Zu wünschen wäre es aber, wenn sie\nendlich einmal einsehen könnte, daß sie niemals\nden Grenzen ihrer eigenen Theorien entrinnt.\nDaß sie also auch dort nur Methode ist, wo sie\nauf ihre Resultate stolz ist.\nDie Persönlichkeit aber dringt über das Objek-\ntive jeder Abstraktion hinaus. Sie ist das Leben,\n— und darauf kommt es an. Und Persönlichkeit,\ndie sich behauptet, ist eine zu Ende geführte Konse-\nquenz und damit ein Vollkommenes.\nPersönlichkeit ist kein literarischer Begriff;\nebenso wie Wissenschaft kein philosophischer ist.\nSie hat also mit Romanen und Novellen beliebter\nSchriftsteller nichts zu tun. Aber sie lebt und er-\nlebt; sie fordert Anteil an Zeit und Welt und das\nist gerade genug: die Wissenschaft mag sich mit\nder Weltanschauung begnügen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c025", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.12", "debut_caractere": 109, "fin_caractere_exclue": 417, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdamer StraSe 134 a\nGeftffnet tagiioh yon 10—6 Uhr / Sonntags voa\n! ]—2 Utir\nTageskarte 1 Mark ( Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Weoiisel\nVierzigste Ausstellung\nOskar Kokosehka\nOtakar Kubin\nEinundvierzigste Ausstellung\nGeorg Sehrimpf\nFritz Baumann\nEroffnung 1. 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I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nAdolf Knoblauch: Die scfiwarze Fahne I Eine\nDichtung /\nPaul Leppin: Daniel Jesus I Roman\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / In ein-\nhundertundelf Kapiteln I Sonderausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart funfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Bticher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna ,/ II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen I VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst J VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Sturmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwartii Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Pflr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten j Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Boccionir Daa\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Giso\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz /Umberto Boccionir Abschled/\nKandinsky: Komposition 2 / Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrsd Hjerten-Grunewald: Kinder"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c031", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.12", "debut_caractere": 4926, "fin_caractere_exclue": 6615, "texte": "Karten von Miinter / Marc Chagall /\nKlee I L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Kartea\nSturm-Kiinstler I L i c h b i 1 d k a r t e n I Kaa'te\n20 Pfennig: 1: August Strains* I 2: Herwarth\nWalden f 3: Jacoba van Heeroskerek\nSturm- Austellungskalatoge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n1 Otakar Kubin I Marc Chagall I KandiaSky f je\n50 Pfennig\nDie Futuristen f 60 Pfennig\nCrster Deutscher Herbstsaion / Mit ftiafzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturiafi\nOskar Kokoschka: PI a k at ffir die Zeitschntt\nDer Sturm I Originallithographie I Der Abzug\n10 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuilbert / Das BJatt 5 Mark\nAnna Scheerbart /' Handgeferttgte farbige Vorsata-\nund Deckelpapiere fiir Buchererabande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo aach Bestel-\nlungen entgegengenommen werden f Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Dreizeka-\nt es J ah r 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 / Jakres-\nbeitrag 20 Mark / Rechte der Mitglieder: Freier\nBezug der Zeitschrift Der Sturm f Freier Besuch\naller Sturmausstellungen I Jedes Jahr frei ethe\nSturmpubliikation\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 /\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereins fiir\nKunst im Jahr 1916/17 frei erhalten ist nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrueke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c032", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.12", "debut_caractere": 6617, "fin_caractere_exclue": 7057, "texte": "Neuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen: Kandinsky: Komposition 2\nI Kiinstlerpostkarte I Karte 20 Pfennig\nErschienen: Herwarth Walden: Kunstmaler\nu nd Kunstkritiker I Qesammelte\nSchrifter f Band I I 2 Mark I Verlag Der\nSturm I Berlin W 9\nSoeben erschienen: Kunstdrucke auf Batten\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nDas Blatt 5 Mark\nMitte April erscheint: Adolf Knoblauch: Kreis\ndes Anfangs I Friihe Qedichte f 5 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-04-15-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-04-15_01#c033", "volume": "bmtnabg_1916-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.12", "debut_caractere": 7059, "fin_caractere_exclue": 7109, "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.1", "texte": "Vi IjgBr ljj$p**^~^~~' ™lBjfi «HS Sf fl^BBj^\n»3» mKF HHS B U\nü yl |N B ■: I EH 9Bgfö|;\nFÖR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nSIEBENTER JAHRGANG\nBERLIN APRIL 1916\nERSTES HEFT\n\nInhalt:\nFranz Marc: Im Fegefeuer des Krieges / Sophie van Leer: Aut den Tod von Franz Marc / Herwarth Waiden: Bilder / Hermann Essig: Der\ns«höne Beck / Wilhelm Runge: Gedichte / Sophie van Leer: Die Flut / Kurt Heynicke: Das Tagebuch / Der Weg / Thomas Ring: Gedichte / Kurt\nStriepe: Maya / Herwarth Waiden: Abgriffe: Nach dem Fall / Dieser Engel, kein Kind ist so rein / Zu lustig [ Lustbarkeitssteuer / Zum Verwechseln /\nNachtrab / Die Natur pulst / Die Eigenart / Albert-Bloch und Herwarth Wahlen: Über Paul Klee / Zwei Briefe / Paul Hatvani; Notizen / Paul Klee;\nTraum zu Schiff / Zeichaung / Jakoba van Heemskerck: Holzschnitt 112 Vom Stock gedruckt / Georg Schrimpf: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nPaul Klee: Traum zu Schiff / Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.2", "texte": "Im Fegefeuer des\nKrieges\nFranz Mare\nWas wir Krieger in diesen Monaten draußen\nerleben, überragt in weitem Bogen unsere Denk-\nkraft. Wir werden Jahre brauchen, bis wir diesen\nsagenhaften Krieg als Tat, als unser Erlebnis\nwerden begreifen können.\nVielleicht schürfen die in der Heimat Verbliebe-\niitn schon ein paar Schichten tiefer in seinen Ge-\nheimnissen. Wir, die wir draußen sind, immer Er-\nwartungen und Befehle im Kopf, unermüdlich rei-\nten und marschieren, um dann ein paar Stunden\nzu schlafen wie die Bären — wir können nicht\ndenken. Wir können nur primitiv erleben; unser\nBewußtsein schwankt oft zwischen zwei Fragen:\nJst dieses tolle -Kriegerleben nur ein Traum, oder\nsind unsere Heimatgedanken, die uns manchmal\nstreifen, der Traum? Eher scheint beides ein\nTraum zu sein, als beides wahr.\nWir liegen an einem Waldrand mit unseren Mu-\nnitionswagen ; gewitterartig rollt der Kanonen-\ndonner am ganzen Horizont. Ueberall die kleinen\nSprengwölkchen; beides gehört schon zur Land-\nschaft, wie auch das Echo, das jeden Schuß ver-\ndoppelt weiterträgt. Plötzlich ein Surren, das in\neinem ungeheuren Bogen über uns weggeht, un-\ngleich, in steten Schwingungen, übergehend von\nhellem Pfeifen in tiefes Brummen; wie der hohe,\nweite Schrei des Raubvogels, immer kurz hinter-\neinander, mit dem Eigensinn des Tieres, das keinen\nanderen Ruf kennt. Dann in der Ferne ein dump-\nfer Knall. Es sind schwere, feindliche Artillerie-\ngeschosse, die über uns wegrasen, nach einem uns\nunbekannten Ziel. Ein Schuß zieht den anderen\nnach. Der Himmel steht im reinsten Herbstblau,\nund doch fühlen wir die hohen Rinnen, in denen\ndie Geschosse ihn durchstürmen.\nDer Artilleriekampf hat selbst für den Artille-\nristen oft etwas Mystisches, Mythisches. Wir sind\nKinder zweier Weltalter. Wir Menschen des\nzwanzigsten Jahrhunderts erfahren täglich, daß alle\nSage, alle Mystik, aller Okkultismus einmal Wahr-\nheit wird, also auch einmal Wahrheit gewesen ist.\nWas Homer von dem unsichtbaren, donnergrol-\nlenden Zeus singt, dem fernhintreffenden, und von\nMars mit seinen unsichtbaren Pfeilen, wir haben\nes zu Wahrheit gemacht. Und doch schützt uns\nalles Wissen nicht vor dem mystischen Schauer.\nMan sagt uns, daß das nahe Städtchen vom\nFeind in Brand geschossen wird, also 'liegen wir\nwohlgeborgen unter dem Zenith der großen Ge-\nschoßkurve. Wir bleiben die Nacht in Stellung;\ndas Sausen tönt über uns lautsingend durch die\nklare Nacht. Wir schlafen in unsere Mäntel ge-\nhüllt. Die Pferde senken die Köpfe und ruhen im\nmüden Stehen.\nNun ist ein jeder für sich und kann träumen,\ndenken, wenn ihm der Schlaf die Gedanken nicht\nabreißt.\nIn einer kleiner Ecke unseres Bewußtseins\ngrübeln wir vielleicht noch zwischen Wachen und\nSchlafen:\nKaum war ein großer Krieg weniger Rassen-\nkrieg als dieser. Wo ist heute die germanische\nRasse? Hat dieses Wort je ein größeres Fiasko\nerlebt? Man wird sich endgültig daran gewöhnen,\nanstatt „germanisch\" das Wort „deutsch\" zu\nsetzen; dafür wird der deutsche Adler auch ein\npaar wuchtige Krallen mehr in sein Wappen be-\nkommen; den neuen deutschen Adler möchte ich\ngern zeichnen, wenn dieser Krieg einmal vor-\nbei ist.\nJa, wenn der Krieg einmal vorbei ist, was wird\ndann in Deutschland?\nWird es neben dem politischen Deutschland\nauch «ein künstlerisches geben?\nWir haben in den letzten Jahren vieles in der\nKunst und im Leben für morsch und abgetan er-\nklärt und auf neue Dinge gewiesen.\nNiemand wollte sie.\nWir wußten nicht, daß so rasend schnell der\ngroße Krieg kommen würde, der über alle Worte\nweg selbst das Morsche zerbricht, das Faulende\nausstößt und das Kommende zur Gegenwart\nmacht.\n*\n❖\nDurch diesen großen Krieg wird mit vielem\nanderen, das sich zu Unrecht in unser zwanzigstes\nJahrhundert hinübergerettet hat, auch die Pseudo-\nkunst ihr Ende finden, mit der sich der Deutsche\nbislang gutmütig zufrieden gegeben hat.\nDer Drang der Deutschen, formbildnerisch\nNeues in Musik, Dichtung und Kunst aufzuneh-\nmen, war in der letzten Generation so gering,\ndaß man sich die schlechtesten und fadenscheinig-\nsten Wiederholungen alter guter Kunstformen ge-\nfallen ließ. Das Volk als Ganzes ahnte wohl den\ngroßen Krieg sicherer als der Einzelne und spannte\nalle seine Nerven nach ihm.\nKunst in solcher Wartezeit war nicht aktuell,\nKunst als Volkstat unzeitgemäß.\nDas deutsche Volk ahnte, daß es erst durch\nden großen Krieg gehen mußte, um sich ein neues\nLeben und neue Ideale zu formen. Es behielt\nrecht mit seinem Unwillen, in elfter Stunde neue\nKunstideen aufzunehmen. Man sät nicht feinen\nSamen, wenn ein Sturm am Himmel steht.\nEr ist schnell hereingebrochen und hat manche\nzarte Saat zerstört.\nIch glaube nicht, daß viel von dem, was wir\nneuen Maler in Deutschland an ungewohnten\nKunstformen vor dem Kriege geschaffen haben,\nWurzel fassen konnte. Wir werden von vorn an-\nfangen müssen zu arbeiten; erst an uns selber in\nder Schule dieses großen Krieges, dann an unse-\nrem deutschen Volk. Denn wenn das große Auf-\natmen kommt, wird der Deutsche auch wieder\nnach seiner Kunst fragen, ohne die er in\nkeiner reifen Zeit war.\nEr war Bildner in der Gotik, Dichter und Mu-\nsiker im neunzehnten Jahrhundert und wird\nwieder Bildner im zwanzigsten Jahrhundert sein.\nWir Deutsche sind seit der Gotik formbildnerisch\nunsagbar arm geworden; wir besorgten anderes\nfür die Welt; heute besorgen wir das Letzte: diesen\nentsetzlichen Krieg. Wer ihn draußen miterlebt\nund das neue Leben ahnt, das wir uns mit ihm\nerobern, der denkt wohl, daß man den neuen Wein\nnicht in alte Schläuche faßt. Wir werden das neue\nJahrhundert mit unserem formbildnerischen Wil-\nlen durchsetzen.\n* *\n❖\nWie viele Gedanken Christi sind heute noch\nungewußt, ungenutzt, verschwiegen. Jede Zeit\nhat ihren Christus, den sie verdient, und nimmt\nso viel aus diesem unerschöpften Born, als ihre\nKrüge fassen.\nDer große Nazarener hat die Gesetze der Natur\nintuitiv erfaßt. Seine bilderreiche Sprache hat\nneben unserem neuen erkenntnis-theoretischen\nDenken ihre Wucht nicht verloren. Seine tiefsten\nGedankein wandeln noch parallel mit unserem\nForschen; wir hören noch immer das Murmeln\ndieses lebendigen Quells neben uns.\nIn so wilden Tagen wie den unseren werden\nalle uralte Fragen neu gestellt, manche toten\ntotgesagten Fragen stehen auf aus ihren Gräbern.\nAlle großen Ereignisse der Weltgeschichte sind\ngroße Gerichtstage für die menschliche Erkennt-\nnis. Die ehrwürdigsten Meinungen und Glaubens-\nsätze werden neu gewogen. Was gestern galt, ist\nheute verpaßt und abgetan. Nur die guten Dinge\nbleiben, die echten, inhaltsschweren, wahren; sie\ngehen geläutert und gestählt durch das Fegefeuer\ndes Krieges.\nWir Europäer haben in jahrhundertelanger ern-\nster, gemeinsamer Arbeit einen solchen echten -\nnach Menschenwissen echten, wahren Schatz ge-\nhoben, ein Erbgut, das noch jeden Krieg über-\ndauert hat und an dem kein Rost nagt: die „exak-\nten Wissenschaften\". Zum ersten und einzigen\nMale ist dem menschlichen Geist das „Absolute\"\ngeglückt: sich ein Reich zu schaffen, das „auch\nnicht von dieser Welt\" ist und doch alles, was\nWelt ist, fühlend und ordnend durchdringt. Die\nWissenschaften kennen keine nationale Schranken,\ndie Politik hat keinen Raum in ihnen. Alle mo-\ndernen Menschen, alle guten Europäer stehen ini\\\nBann und Bunde dieses Reiches.\nWir können es nicht gutheißen, daß dem\nGeiste dieses obersten europäischen Gewissens\nentgegen einige deutsche Gelehrte mit gutem\nNamen etwas unternommen haben, das in\nEuropa wie ein Signal zum Bannbruch wir-\nken könnte: „sie verzichten in deutschem\nNationalgefühl auf die ihnen durch Auszeichnungen\nvon englischen Universitäten, Akademien und ge-\nlehrten Gesellschaften erwiesenen Ehren und da-\nmit verbundenen Rechte\". Das ist nicht gut. Hier\nwird auf dem freien Forum der Wissenschaft ein\nZaun errichtet; er kann nicht lange stehen; denn\ndie Wissenschaft ist stärker, eine geistige Macht,\ndie sich in das Unendliche dehnt; aber der Ver-\nsuch ist eben darum nicht gut, weil er keine Zu-\nkunft in sich trägt. Alle nationale Erregung unse-\nrer Tage kann ihn nicht rechtfertigen.\nDer Feind steht nicht dort, wohin der Pfeil ab-\ngesandt wurde. Unser deutscher Kulturgeist und\nnationaler Impuls muß in ganz anderer Richtung\naktiv und aggressiv werden.\nSoll der Krieg uns das bringen, was wir er-\nsehnen und das in einem Verhältnis zu unseren\nOpfern steht — der Atem stockt vor dieser\nRiesengleichung —, so müssen wir Deutsche nichts\nleidenschaftlicher »meiden als die Enge des Herzens\nund des nationalen Wollens. Sie verdürbe uns\nalles. Wer hat, dem wird gegeben. Nur mit dieser\nDevise werden wir auch geistig die Sieger bleiben\nund die ersten Europäer sein. Der kommende\nTyp des Europäers wird der deutsche Typ sein;\naber zuvor muß der Deutsche ein guter Europäer\nwerden. Das ist er heute nicht immer und\nüberall.\nGeschrieben Herbst 1914\n\nAuf den Tod von\nFranz Marc\nSophie van Leer\nDer Atem welkt\nDie Stunden gehn gebückt\nBlaue Tränen trösten das Leid\nDas Wort schreit auf\nDie Klage jammert\nStunden bluten hin\nsterben\n\nBilder\nVorirag zur Eröffnung der Sturm-Ausstellung\nin Den Haag\n\nMit dieser Ausstellung wird ein Ueberblick\nüber die neue Bewegung in den bildenden Künsten\ngegeben. Ein Ueberblick, der zugleich das Blick-\nfeld der Zeitgenossen erweitern wird. Der größte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.3", "texte": "Teil der Zeitgenossen ist zu stolz auf seine Augen,\nmit denen er nicht einmal sehen gelernt hat. Er\nverlangt vom Bildwerk die Wiedergabe des eige-\nnen optischen Eindrucks, der nicht einmal sein\neigener ist. Hätte er ihn, so wäre er schon künst-\nlerisch. Künstler sein heißt eine eigene Anschauung\ngestalten können. Die Einheit von Anschauung\nund Gestaltung ist das Wesen der Kunst, ist die\nKunst. Die großen Neuerer des neunzehnten Jahr-\nhunderts haben ein doppeltes Erbe hinterlassen,\nein materielles, das ihren Epigonen und Nachah-\nmern von heute zufiel und das diese angstvoll\nfesthalten und ein geistiges, das mit dieser Aus-\nstellung vorgeführt wird. Jene klammern sich an\ndite Form, die Größere geschaffen haben. Statt\nEigenes zu gestalten, ahmen sie Gestalten ver-\ngangener Bilder nach. Und zwar nur die Bilder,\nnicht einmal die so kläglich oft herbeigerufene Na-\ntur. Und Nachahmung kann nie Kunst sein. Es\nbedeutet nichts, geliebte Bilder nachzufärben, oder\ndie geliebte Natur zu verfärben. Die affenhafte\nFähigkeit, nachzuahmen, vermißt man bei den\nKünstlern der Gegenwart, die das geistige Erbe\nder großen Neuerer angetreten haben. Man redet\nvon dem Fehlen der Form und meint das Fehlen\nder Uniform. Menschen sind wir zwar alle, aber\ntrotzdem gleicht kein Körper dem andern. Das\nGleichen wird nur durch die Uniform vorgetäuscht.\nMan bleibt sich gleich, auch wenn die Uniform mit\nder Mode wechselt. Selbst ein Sich-Zurückanziehen\nin Biedermeierröcke, Krinolinen, römische Togen\noder griechische Faltenkleider ändert am Körper\nnichts. Und den Körper der Kunst ändert nicht\nteinmal das Licht von außen, nicht einmal das Hell-\nDunkei Den Körper ändert ausschließlich der\nGeist, dem der Körper dient. Den Körper ohne\nGeist zu malen, ist keine Kunst. Man malt aber\nroch nicht geistig, wenn man Geister malt. Selbst\nein schöner Geist ist nur ein Schöngeist, also\nkitschig. Kunst ist die persönliche Gestaltung eines\npersönliches Erlebnisses. Das Einzige, was den\nKünstler bindet und zugleich ihm Halt gibt, ist das\nMaterial seiner Kunst. Jede konventionelle Form\naber ist ein Gerüst für einen einstürzenden Bau\noder ein Korsett für einen verfallenden Körper.\nKunst ist Geburt und nicht Wiedergeburt, auch wenn\nman sie Renaissance nennt. Wenn man eine edle\nFrucht geniessen will, muß man die Schale opfern.\nAuch die schönste Schale hilft nicht über die Schal-\nheit des Innern. Der Künstler malt, was er schaut\nmit seinen innersten Sinnen, den Ausdruck, die\nExpression seines Wesens. Der Künstler ist sich\nbewußt, nur ein Wesen der Wesenheit zu sein. Er\nist vergänglich und deshalb sich selber wie alles\nVergängliche ihm nur ein Gleichnis. Er spielt\nim Leben, er spielt mit dem Leben, er spielt Leben.\nDer Eindruck von außen wird ihm der Ausdruck\nvon innen. Er ist Träger und Getragener seiner\nVisionen, seiner inneren Gesichte. Kann e r dafür,\ndaß Gesichter anders aussehen. Wurde Beethoven\nsein Rhythmus vormarschiert? Wrohl aber ließ er\nMenschenheere aller Länder nach seinem Willen\nstürmen, siegen oder fallen. Große Meister der\nälteren Zeit, Matthias Grünewald und Greco,\nSeghers und Cezanne bildeten die Menschheit nach\nihren Bildern. Die jüngst vergangene Malerei\nstellte die Menschheit zu Kostümfesten zu Wasser\nund zu Lande auf. Die Künstler haben nicht\nmehr gebildet, dafür waren sie es. Der wirk-\nliche Künstler muß der Bildner seiner Bildungen\nsein. Und die Gebildeten insgesamt sollten sich\nendlich entschliessen, aus der Passivität der Bil-\ndung zur Aktivität des Bildes aufzuschauen.\nDie Bildung ist eine Tatsache, die die Tat\nvernichtet und uns zu einer Sache macht. Wir\nschliessen unsere allgemeine Bildung ab, und\nwerden Spezialisten. Wir nennen uns dann auch\nAnalytiker. Und bringt die Sache wenig Geld ein,\nnennen wir uns Wissenschaftler. Manchmal auch\nForscher. Wir forschen nach den Elementen. Erst\ngab es nur vier, dann sechzig, jetzt ungefähr ein-\nhundert. Und jedesmal, wenn die Herren Forscher\ndie Elemente ansehen, sind es wieder mehr. Wir\nforschen nach den Bakterien, finden sie, aber die\nKrankheit wuchert ruhig weiter, nur wissenschaft-\nlicher. Wir forschen nach den alten Meistern und\nfinden jeden Monat neue Rembrandts. Erst\nneulich hat ein ganz großer Reinbrandt-\nforscher festgestellt, daß Rembrandts Reichtum\nmit seiner Armut zunahm. Ein altes Rezept\nübrigens, das immer noch wie neu auf Ärzte wirkt.\nAndere Kunsthistoriker suchen die Plätze auf, an\ndenen ein guter Mensch geweilt hat und die er\nihnen nicht vorenthielt. Das Meer sieht zwar\nanders aus, wenn man hinkommt, aber man be-\nruhigt sich, das Wetter war eben damals offenbar\ngünstiger. Die Landschaft hat sich verändert, man\nmußte die Bäume fällen, um Häuser zu bauen, auf\ndaß die Landschaftsbilder einen Platz fänden, sie,\ndie es mehr gibt, als Bäume aller Wälder. Die\nabgemalten Menschen sind gestorben, aber irgend-\nwo lebt immer die Kusine einer Kusine.\nUnd mancher Schädel hat sich noch tadellos in\nder Erde erhalten. Das ist die vergleichende\nKunstwissenschaft. Kunstwissenschaftler, die nicht\nmehr ganze Bilder sehen können, beschäftigen sich\nmit interessanten Einzelheiten, insbesondere mit der\nZusammensetzung der Leinwand. Einzelheiten, die\nihnen nicht passen, nennen sie übermalt. Sie lösen\nmit der Kraft der Elemente alles ab und o Wunder,\njedes Mal war eine Untermalung da. Elemente sind\nnämlich klüger als Kunsthistoriker. Elemente sind\nSynthetiker, sie binden, was die andern trennen.\nAber auf analytische Weise ist noch niemand\nKunstkenner geworden. Nicht darauf kommt\nes an, daß der große Name noch lebt, sondern\ndarauf, daß das Bild lebt. Namen haften in jedem\nGedächtnis, Bilder nicht. Darum überleben die\nNamen die Bilder.\nAber ein Bild lebt länger als alle Namen.\nEthnographie ist keine Graphik. Unsere Museen\nsind ethnographische Anstalten und in den ethno-\ngraphischen Museen liegt noch die große Kunst\nbegraben. Die Kunst der Namenlosen. Der\nKünstler sieht und sucht Bilder. Er erinnert\nsich nicht, er ersinnt.\nSeien wir doch einmal natürlich. Aber wirk-\nlich. Denn wird man bestreiten wollen, daß unser\nKörper und alle Körper sich fortwährend bilden.\nTut das der Körper nicht mehr, sind wir nämlich tot.\nDoch während unser Körperliches lebt, steht unser\nVerstand still. Wir merken das nicht, denn unser\nVerstand ist sehr schnell satt. Nur der Magen\nschreit. Der Körper erinnert uns wenigstens an\nsein Bilden. Plötzlich ist der Rock zu eng oder\ndie Bluse zu weit. Wir merken etwas. Der Ver-\nstand ist satt. Wir wissen alles. Alles ist schon\ndagewesen, nur wir sind nie dabeigewesen. Denn\nwir wußten ja schon alles. Da kommt ein Mensch\nund sieht den Körper wachsen. Man zieht doch\nmanchmal den Rock aus, es soll auch Menschen\ngeben, die durch die Röcke sehen. Es gibt Augen\ndie sehen, wie sich Zellen lieben. Forscher sehen\nnur, wie sie sich trennen. Denn erst muß das\nLeben herausgenommen sein, ehe man das Tren-\nnen untersuchen kann. Aber die Liebe soll man\nauch schon bei Lebenden gesehen haben. Die\nLiebe, die umarmt, die Liebe, die gebiert, die\nLiebe, die Frucht trägt, die Liebe, aus der das\nLeben blüht. Die Liebe untersucht nicht, die Liebe\nsucht. Die Suchenden finden sich, vereinen sich.\nDichter, sogar alte Dichter, nennen Liebende ein\nBild für Götter. Bilder sind stets für Götter.\nNur wenn man Liebende abmalt, ist noch kein\nBild geschaffen. Liebende stellen sich nie zur Liebe\nauf. Liebe wird gefühlt, von den andern noch\nimmer nicht geahnt, weil sie eben die Liebe nur\nan der vollendeten Tatsache und nicht an der\nLiebe erkennen.\nNun wissen Sie zwar noch immer nicht, was\nein Bild ist. Aber Sie fühlen es vielleicht. Wir alle\nbeobachten nicht, wie wir wachsen. Aber wir\nsehen den Erwachsenen vor uns. Sehen wir doch\neinmal auf die Bilder. Fragen wir doch eim-nal\nnicht, wie sie gewachsen sind. Stellen wir uns\ndoch einmal nicht gegenseitig vor. Wir sind des-\nhalb nicht unhöflich, denn wir gehen ja nicht zum\nBilde. Wir stehen vor ihm. Oder richtiger unter\nihm. Warum stehen wir immer über dem Bilde!\nWarum drängen wir uns dem Bilde auf. Seien\nwir doch einmal bescheiden. Vielleicht stehen wir\nvor einem König, der nicht König spielt, weil er\nKönig ist. Sehen wir doch einmal hin. Sehen wir\ndoch einmal, wie auf diesen Bildern Formen und\nFarben mit einander spielen, Formen und Farben\nin innigsten Beziehungen leben, Formen und Far-\nben glücklich sich selbst genug sind. Sehen wir\ndoch einmal wie dort Strenge starrt, dort Milde\nbläut, dort Glück rötet, dort Liebe grünt, dort\nHaß vergilbt, aber wehren wir schnell unserm Ver-\nstand. Denn Liebe grünt nicht nur, Liebe rötet\nauch, Haß vergilbt nicht nur, Haß schwärzt auch.\nJedes Wort ist nur ein Gleichnis, jedes Bild nur\ndann ein Sinnbild, wenn es mit dem Sinn und\nnicht nach einem Sinn lebt. Sonst wird jeder\nSinn ein Unsinn. Denn jeder Unsinn stammt aus\ndem Sinn. Und wenn man schon verständig sein\nwill, so sei man wenigstens vernünftig. Der eine\nliebt eine dicke Frau, der andere eine schlanke.\nDer eine kann Eichen nicht ausstehen, und der\nandere ärgert sich über Lorbeer. Es gibt keine\nGesetze der Schönheit. Es gibt nur Gesetze des\nOrganischen. Alles Organische ist schön. Dick\noder dünn, kurz oder lang, das ist alles gleich,\naber organisch muß es sein. Warum soll jene\ngerade Linie einen Knick bekommen, weil ein\nMensch zufällig eine Nase hat. Warum soll jenes\nDreieck einen Höker haben, weil auf dem Berge\nein paar Bäume stehen. Was gehen das Dreieck\ndie Bäume an. Kümmern sich die Nasen um die\ngeraden Linien oder die Bäume um die Dreiecke.\nAlso vergleichen wir nicht. Weder mit den alten\nMeistern, die meistens nur alt sind, noch mit der\nNatur, die jünger ist als ihre Anhänger. Und wenn\nschon der Verstand eine so natürliche Angelegen-\nheit ist, wie man behauptet, warum soll es der\nGeist nicht sein. Der Geist spricht zwar aus dem\nVerstand, aber er offenbart sich vor dem Ver-\nstand. Jede Mutter rühmt ihr Kind, das zwar noch\nkeinen Verstand hat, aber doch schon so viel emp-\nfindet. Schon? Woher hat es das Kind? Also muß\nes doch etwas geben, was außerhalb des Ver-\nstandes der Eltern und der Aelteren liegt. Das\nnämlich ist die eigentliche Anschauung, das\nSchöpferische, das Bilden aus sich, das Ge-\nstalten. Jeder Besenstiel ein Pferd. Nachher lernt\nman, höchst verständig, daß das Pferd kein\nBesenstiel ist. Auf dem Besenstiel konnten wir\neinst alle reiten. Auf dem Pferd ist es schwieriger,\ndoch das lernt man schon.\nEin großes Staunen ist auf der Erde, wenn etwa\nein Handwerker Gedichte schreibt. Ein Hand-\nwerker, ohne Schulbildung, der vielleicht sogar\northographische Fehler macht. Man ist noch nicht\nDichter, wenn man orthographische Fehler macht.\nMan kann es sein und orthographische Fehler kann\njeder Schüler verbessern. Technische Dinge sind\nzu erlernen. Man ist noch nicht Maler, wenn man\nKeine Technik gelernt hat. Aber mit der Tech-\nnik ist man es noch lange nicht. Die erlernte Tech-\nnik wird von den Laien überschätzt und von den\nKunstmalern. Es handelt sich nicht darum, Gelerntes\nzu lernen, es handelt sich darum, aus si c h zu\nlernen. Auch das ist Technik. Formeln kann man"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.4", "texte": "zwar anwenden, aber arbeiten kann man nur,\nwenn man den Ursprung der Formel kennt.\nDie Origo, der Ursprung, wird ja theoretisch sehr\nbeim Künstler geschätzt, wie soll eine Originalität\naus dem Ursprung eines andern Boden fassen,\nwenn man nicht einmal den Ursprung des andern,\nsondern nur seinen Stand nach dem Sprung aus-\nwendig lernt. Oder mit den Händen nachmacht.\nWährend jener sprang. Die Origo ist doch nicht\ndie Erfindung des allerältesten Meisters, dann\nwäre er allein nur Original gewesen. Auch er, der\nallerälteste Meister, muß doch irgend woher ge-\nsprungen sein. Sprünge werden wenigstens\nnoch nicht verpachtet. Man kann sich auch\ndie Originalität nicht leihen, selbst nicht von\ndem reichsten Künstler. Der Urgrund, aus\ndem der Ursprung erfolgt, ist kein Boden.\nAus dem Ewig - Fliessenden springt der Künstler\nauf den Boden, er nimmt Gestalt an. Aber\nniemals wird das Ewig-Fliessende in gleicher\nGestalt Form werden. Formeln lernen und Formeln\nnachmachen ist eine Beschäftigung für Schüler.\nKind und Künstler fangen den Regen mit bittend\ngeschlossenen Händen auf. Die andern nehmen\nden Regenschirm.\nNun haben die Denker die Sache erfaßt. Also\nKunst ist gar keine Kunst. Die Denker können\nsich das Kaleidoskop nehmen und dann stürzen\nFarben und Formen .ineinander. Oder sie sehen\nsich eine Palette an. Gewiß, Kunst ist ein Zufall,\naber sie fällt eben nicht Jedem zu. Und das Ka-\nleidoskop und die Palette sind kein Zufall. Sie sind\nnämlich gemacht. Kunst ist gar nicht schwie-\nrig, wenn man Künstler ist. Nicht der\nMeisterschafts-Springer, der aus unsichtbarer\nHöhe abspringt, gerät in Angstschweiß, sondern\ndas Publikum. Es springt nur, wer springen kann.\nGefahren sieht man unten. Das ist nicht die Kunst,\nda ß er springt. Sondern daß er springt. Aber\nwir sind so ängstlich, daß wir den Andern das\nSpringen verleiden wollen. Bleiben wir doch end-\nlich einmal ruhig. Es springt nur, wer springen\nkann. Bewundern wir den Sprung und nicht die\nGefahr.\nDie Sonne fragt auch nicht ergebenst an, ob sie\ndie Erde vergolden darf. Sie tut es. Der Künstler\nsoll ergebenst anfragen. Warumsoller? Wem die\nKunst zu sonnig ist, der kann sich ja begraben\nlassen.\nDarf ich Sie nunmehr bitten, diese Bilder zu\nbetrachten. Reinen Auges und reinen Sinnes. Sehen\nSie nur. Kümmern Sie sich bitte zunächst\neinmal um weiter nichts, nicht einmal um die\nNamen der Künstler. Nehmen Sie einmal an, Sie\nerwarten einen Sonnenaufgang. Man muß ja nicht\nnur immer eine Sonnenfinsterniß sich ansehen, zu\nder man noch geschwärzte Gläser braucht. Der\nSonnenaufgang wird vorausgesagt. Ich zeige ihn\nhiermit an. Aber nicht das ist erheblich. Er-\nheblich ist es, die Sonne zu sehen. Auf welche\nWeise die Sonne aufgeht und wie sie es macht,\ndas wird nie angezeigt. Mit Worten kann ich nur\nsagen, daß es bestimmt nicht gemacht wird. Das\nScheinen ist eine Angelegenheit der Sonne selbst.\nSehen Sie ruhig hin. Lenken Sie Ihren Verstand\nab, sonst lenken Sie sich selbst ab. Gönnen Sie\nder Kunst wenigstens Minuten Ihrer Sammlung.\nDie Sammlung zur Kunst geschieht nicht\nvor Ihnen, aber sie geschah.\nGlauben Sie an die Kunst und sie wird vor\nIhren leiblichen Augen auferstehen.\n\nHerwarth Walden\n\nDer schöne Beck\nHermann Essig\n\nDer schöne Beck war verlobt!\nWie ein Orkan brauste es durch alle Kneipen\nund Ballsäle. Wie hieß die Glückliche, welche das\nentzückende Bärtchen Henri quatre kratzen fühlen\ndurfte? Eine Dame der Halbwelt natürlich. Man\nkonnte sich denken, daß Beck, ein schöner Mann,\nLumpengeschmack hatte.\nEine krause Wut zeichnete nach dem Be-\nkanntwerden so manches Mädchenantlitz der\nOberwelt. Ein Beweis, wie beneidenswert eigent-\nlich die Unterwelt war. Und man zweifelte nicht,\ndaß dieser schöne Beck es fertig bringen würde,\ndie berüchtigte. Elena in der Oberwelt heimisch\nzu machen.\nElena saß dann mit ihrem bukettierten Rufe wie\nein Schatten mitten unter den Frauen des unan-\ntastbaren Leumunds. Es war nicht auszudenken.\nUnd doch war Beck so schön, daß keine einzige\ngegen ihn Stellung zu nehmen wagte, er konnte\nsich einfach alles erlauben. Man murrte in der\nStille und bewunderte seine Schönheit nach wie\nvor laut.\nGanz anders stand die Sache mit Beck selbst.\nWohl hatte er sich verlobt, aber nur, um\nscheinbar zu heiraten. Er wollte es prüfen, wie\nder Wirbelwind in die Krinotlinen fuhr. Deshalb\nhatte er sich Elena ausgesucht.\nEr hoffte diese Person ebenso leicht, wie er\nsie genommen hatte, wieder abschieben zu können.\nDann wäre die Frauenwelt noch rasender um ihn\ngeworden, wenn er wieder frei war. Beck war\nein dämonischer Kavalier und hatte sich dieses\nProgramm ohne Mephistos Hilfe zurechtgelegt.\nElena hatte in ihrem Leben schon wahrhaft\nviel hinter sich und hatte energische Nüstern. Frei-\nlich, der schöne Beck war kühn genug, ein Scherz-\nspiel mit ihr zu wagen.\nElena, war sie so unerfahren geblieben, daß\nsie dies nicht von der ersten Stunde an merkte,\nwie er mit wohlgesetzten Liebesschwüren nahte,\nheißes Begehren in den Augen?\nOffenbar ließ sie sich von Beck anbeten nach\nHerzensnöten und war der Spielball seiner Liebes-\nleidenschaft. Man glaubte, ein Kindchen zu sehen,\nso verändert war Elena. Sie gab sich ganz ihrem\nHeiland, dem schönen Beck, hin und sie zeigte\nsich hingegeben, unwiderstrebend allem, was er\nvon ihr begehrte.\nSo kam es, daß der schöne Beck viel von ihr\nhatte und genug hatte, ganz wie er ahnte. Er\nwußte, diese Hingabe an mich ist so groß, daß ich\ndie Hingabe auch nicht einbüße, wenn ich Elena\nzu Boden trete.\nEr erschien eines Tages bei ihr und erklärte\nihr, daß ein Ende sein müsse, müsse. Er hatte\nerwartet Elena würde in Ohnmacht fallen, und er\nwürde sie ein letztesmal , in Krämpfen liegend, be-\nsitzen, aber es war anders gekommen, der schöne\nBeck erhielt eine glatte Ohrfeige.\nAlso so einfach kam er nicht los von ihr. Der\nschöne Beck mußte krank werden, er, der Held,\nmußte in eine sieche Krankenstube flüchten, um\nElena zu entgehen. Er mußte tun, als wollte er\nseine Schönheit aufgeben, nur um ihr zu entrinnen,\nUeber Elena regneten die Flüche der ganzen\nweiblichen Einwohnerschaft. Wahrscheinlich hatte\nsie ihn krank gemacht. Sie war verrucht! Aber\nElena blieb ruhig und trocken mit energischen\nNüstern.\nBeck wurde immer kränker, da die Braut ihn\ntäglich besuchte. Er verfiel in Fieber, und er\ndeutete dem Arzte an, daß die Besuche der Braut\nfür ihn aufregend und schädlich seien. Na-\ntiiriich wurden die Besuche sofort verboten. Eleia\nlächelte, sie wußte schon. Es genügte ihr, wein\nsie sich künftig beim Pförtner des Krankenhauses\nnach dem Geliebten erkundigte.\nBeck fragte, ob die Braut es aufgegeben habe,\nsich für ihn zu interessieren. Doch er erfuhr, daß sie\nsich täglich zwei- bis dreimal sogar, unabwend-\nbar, nach dem Befinden des todkranken Bräuti-\ngams erkundigte. Beck schwitzte furchtbar, und\nseine Taktik mußte durchdringen. Er verfiel in\nDelirium.\nElena, eine Dame der Unterwelt, mußte es zu\ndumm werden, sich mit einem kranken Kerl herum-\nzuschlagen. Leider, Beck verrechnete sich gründ-\nlich.\nEr bat darum den Arzt, der Braut ja seinen\nZustand ungeschminkt mit der vollen erschüttern-\nden Wahrheit seines nahen Todes zu berichten.\nDer Arzt berichtete einfach pflichtgemäß, daß\nes immer und immer, selbst den vereinten An-\nstrengungen von Professor, Medizinalrat und\nAssistenzarzt nicht gelingen könne, die Diagnose\nüber die Krankheit des Herrn Beck richtig und\npräzis zu stellen.\nDie Krankheit war ein absonderlicher Fall.\nImmerhin. Ein gewisses Fieber war da. Vielleicht\nEntlobungswahnsinn.\nWenn die Aerzte zum schönen Beck hinein-\ntraten, so lag er meist im Delirium, schließlich. Er\ndelirierte von Ameisen, von Oxalsäure, von Büffel-\njagd, Tanzbeinen, Glasbläsern, Nordlandsreisen,\nHauswirten, ausgenommenen Hühnern, über-\nschwemmten Kellern, Orchideenzucht und Kletter-\naffen.\nAch, es war interessant, ihm zuzuhören. Der\nMedizinalrat ahnte bald, daß dieses Delirium nicht\necht sein konnte. Das erste Mal blieb die Visite\nzwei Minuten bei Beck und hörte nur kurz, was\ner faselte.\nMan verschrieb ihm eine Morphiumspritze mit\nleichtester Dosis.\nBeck war entzückt, und er versäumte nicht,\nes Elena wissen zu lassen, damit sie' Furcht kriegen\nwürde, später einen Morphinisten zu besitzen,\nwenn sie ihn nicht endlich aufgab.\nDas zweitemal verweilte der Rat eine Minute\nlänger, und er flüsterte laut ,Morphium', sagte\naber leise »Wasser4 in die Ohren der Assistenz.\nMit Beck wurde jetzt einfach Schindluder ge-\ntrieben. Jedesmal, wenn die Aerzte mit grimmigem\nGesicht bei dem Patienten verweilt hatten, mußten\nsie sich nachher krampfhaft zusammennehmen,\nbeim Verlassen des Zimmers nicht laut hinauszu-\nlachen. Und der Medizinalrat war so perfid, täg-\nlich eine gezählte Minute länger bei ihm zu bleiben.\nBeck mußte auf diese Weise täglich länger deli-\nrieren.\nDer Medizinalrat sagte scherzend zu seinem\nBegleiter: ,Merken Sie genau auf, unser Lieber\nwird bald nichts mehr zu reden wissen, ich glaube\nnicht, daß er ein so vorzüglicher Dichter sein\nwird, bei jedem Tage seine Phantasie eine Minute\nlänger zu dehnen.'\nBeck schwitzte allmählich Pein bei seinem De-\nlirium, nun sollte er schon während der Dauer von\nganzen langen fünfzehn Minuten immer neue Ein-\nfälle haben. Er merkte, daß er versagen würde,\nund änderte seine Taktik.\nEr war ja unter Anwendung von Wasser-\nspritzen bereits ein verzweifelter Morphinist ge-\nworden. Er beschloß, von jetzt ab in Apathie still\nzu liegen.\nDer Medizinalrat hatte gewonnen. Als sie ein-\ntraten und Beck still lag, schlaff, scherzte er laut:\n,Sehen Sie, meine Herren, Herr Beck weiß nichts\nmehr.' In diesem Augenblick wäre er beinahe auf-\ngeschnellt und aus dem Bett gesprungen, um das"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.5", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.6", "texte": "Krankenhaus, das keinen Erfolg verbürgte, zu ver-\nlassen. Aber er beherrschte sich noch einmal und\nblieb regungslos liegen. Doch eine gewisse le.se\nZuckung seines Mundes und ein bischen Farbe der\nWangen war dem geübten Auge des Arztes nicht\nentgangen.\nDa man allmählich längst erkannt hatte, worauf\ndas Krankenspie.l hinauslief, verschwor man sich\nnunmehr mit der Braut. Man wollte sehen, ob die\nKrankheit eine Besserung zum Guten nahm, wenn\nsie sich nicht mehr näch dem Herrn Bräutigam\nerkundigte.\nZwar am Tage nach der Entlarvung delirierte\nBeck wieder etwas, doch nur, indem er ein, zwei\nWorte lallte. Der Medizinalrat äußerte leise:\n,Meine Herren, der Fall scheint doch nicht ohne\nBedenken.' Die Assistenz meinte, es wäre wich-\ntig, endlich ein abschließendes Urteil zu bekom-\nmen, denn die Braut des Kranken habe nachdrück-\nlich schon in der Frühe vorgesprochen, ,sie müsse\nnun endlich wissen, ob er je wieder gesund würde,\nsie könne' — er setzte es ganz leise hinzu — ,nicht\newig auf einen hoffnungslosen Menschen warten.'\nBeck, als er es hörte, hämmerten die Pulse,\nendlich sollte wirklich die Befreiung kommen?\nDann war es der Segen seiner Hartnäckigkeit im\nSimulieren.\nDer Medizinalrat trat, durch den Bericht seines\nAssistenzarztes offenbar bestimmt, näher an das\nBett und fühlte den Puls: ,Sehr frequent und\nDeliriumerscheinungen äußerst bedenklich.4 Damit\nverließ er den Kranken.\nFür Beck schien eine neue Sonne aufzugehen.\nAls sie draußen waren, richtete er sich auf und\nlachte in seinen Taschenspiegel neue verliebte\nFaungesichter für Weiber, Weiber, andere als\nElena.\nUnd wirklich schon am Nachmittag hatte sich\nElena nicht mehr nach ihm erkundigt.\nNun fragte es sich, sollte er sehr rasch gesund\nwerden oder noch eine Weile Delirium mimen.\nUm die Meinung vor den Aerzten nicht zu ver-\nlieren, entschied er sich für das letzte. Er war\nin der Not seiner knappen Phantasie allmählich\nauf die Idee verfallen, nicht mehr von Elefanten-\nabenteuern zu delirieren, sondern lieber die näch-\nste Umgebung des Zimmers nacheinander in ab-\nsonderliche Betrachtung zu ziehen.\nEr erfand damit reizende Dinge, und er freute\nsich der Wirkung auf die Aerzte. Namentlich ein\ngroßer Globus, der im Zimmer stand und seine\nliebe teure Mutter Erde darstellte, gab ihm eine\nMenge Gelegenheit zu astrologischen Viechereien.\nDer Medizinalrai zeigte ein ganz besonderes\nInteresse für diese neue Epoche. Er ließ deshalb\nden Globus herausnehmen. Ueber das Fehlen des\nGlobus delirierte dann Beck in der genialen Ab-\nstraktion: ,Ich sehe den Mond nicht'\nDer Medizinalrat schmunzelte und dachte:\n,Warte, ein zweites Mal werde ich dich entlarven,\naber so, daß du mir nicht entrinnen kannst.'\nEr ließ vom Assistenzarzt die Erdkugel um-\ndrehen, so daß der Südpol oben war und der\nNordpol unten, sodann den Globus in seiner Ver-\nkehrtheit dem Kranken wieder ins Zimmer zurück-\nstellen.\nZur Visite ging er diesmal mit ganz besonderer\nStimmung, ließ sich natürlich äußerlich nichts an-\nmerken.\nUnd es war prachtvoll, dieses Delirium! Eine\nvollständige abgerundete Sinfonie. Herr Beck\nsprach: ,Butterstullen, Erde dreht sich verkehrt\num die Sonne, pr Mauseschwänzchen.'\nDann war er still.\nDer Medizinalrat wiederholte laut: »Butter-\nstullen,' noch lauter, ,die Erde dreht sich verkehrt\num die Sonne,' ,Herr Doktor, geben Sie einmal\nden Globus her! heda, Herr Beck, wollen Sie den\nSchwindel nicht eingestehen? der Globus ist aller-\ndings verkehrt aufgesteckt.'\nEin Riesengelächter. Die ganze Pflegerinnen-\nlind Schw'esternschar stürmte an das umlachte\nBett des Herrn Beck.\nDer schöne Beck saß aufrecht und verlegen\nim Hemde vor all den Damen.\nIhn tätschelnd, meinte der Medizinalrat weiter:\n,Herr Beck, wir danken Ihnen im Namen der\nKrankenhauskasse sehr für Ihren langen Besuch,\ndoch, da Sie Ihre Braut schon mehrere Tage los\nsind, so würde ich Sie bitten, anzuerkennen, daß\ndie Erde noch gle ch wie bisher umläuft, damit Ihr\nBett für ernstere Patienten frei wird. Adieu, Herr\nBeck, Sie sind gesund und können gleich auf-\nstehen und uns, ich hoffe, als geheilt, verlassen.'\nDam t reichte er ihm die Hand und befahl das Per-\nsonal hinaus\nBeck sah in seinen Taschenspiegel, klingelte\nund ließ sich vom Portier die Kleider beschaffen.\nWährend der Portier die Kleider herkomman-\ndierte und Elena die Entlassung des Herren\nBräutigams telephonisch mitteilte, machte Beck\nherrliche gymnastische Hebungen, um seinen bett-\nlägerigen Körper wieder apollisch zu fühlen. Er\nerkannte zu seiner ungewöhnlichen Freude, daß,\nwenn er einige Filetbeefsteaks gegessen haben\nv/iirde, er wieder der alte magnifique schöne Beck\nwar.\nUnd wie würden die Weiber, Weiber, neue\nWeiber bezaubert, wenn es herumlief, daß e r\nwieder herumkavalierte!\nDer Portier brachte die Kleider und erhielt\nein klotziges Trinkgeld, worauf er die Mütze zog\nbis zu den Waden und stramm abtrat.\nDer schöne Beck stopfte sich seit fünf Wochen\ndas erste Mal wieder in die Hosen. Er sah dabei\nhinaus über die Platanen- vor dem Portal des\nKrankenhauses. Er bemerkte jetzt erst, wie er\nsich selber freiwillig zu einem Gefangenen gemacht\nhatte. Aber der Preis war es wert. Für fünf\nWochen Simulieren Freiheit von einem lästigen\nWeibe.\nDen Leichtsinn einer Verlobung wollte er ja nie\nwieder begehen!\nVerlobt war schneller als entlobt.\nEr klingelte noch einmal, das letzte Mal. Die\nbedienende Schwester kam mit lächelndem Ant-\nlitz. Sie empfing den Obolus: ,Ich werde es in die\nOpferkasse legen.' In angenehmer Laune sollte ihn\ndas ganze Krankenhaus gehen sehen. Man sollte\nRespekt vor ihm haben. Er machte eine Schen-\nkung. Der Medizinalrat kam noch einmal und lobte\nihn und Beck befahl, um die Protzerei rund abzu-\nschließen, eine Autodroschke.\nSeltsam, der schöne Beck wußte doch überall\nalles um ihn herum auf die Beine zu bringen. Sein\nAbgang aus dem Spitale gestaltete sich zu einer\nArt Triumphzug. Die Fenster waren von Kranken\nbelagert, um den Mann mit dem verkehrten\nGlobus und der versagenden Deliriumphantasie\nzu sehen, Beck, den schönen, den großen Heuchler.\nEr schritt dem Tor zu. ,Portier, wo ist die\nDroschke?'\nDer Portier, es sauste gerade ein Auto vor,\nrannte an das Portal, öffnete weit, aber das Auto\nstoppte vorher ab und hielt. Der Chauffeur winkte\ngegen den Wagenschlag, der Portier lüpfte die\nMütze und öffnete dienstbeflissen.\nEine Dame entstieg mit prachtvollem Bukett.\nUnter Beck wankte der Boden. Elena be-\nglückwünschte ihn zur Genesung.\nWas sollte er anfangen? Vor dem lachenden\nHause mußte er sich von Elena, von der alten\nGeliebten, der er nicht mehr entrinnen konnte, in\ndas Auto hineinküssen lassen.\nTut, tut und schwumms, schwang es sich im\nGalopp um die Ecke über eine der vielen Tier-\ngartenbrücken. Dort entschwanden Beck und\nElena der Welt.\nDas vom Portier bestellte Auto lotterte unbe-\nschäftigt trübselig davon.\n\nGedichte\nWilhelm Runge\n\nAbendlied\nIhre goldnen Harfenseiten\nzieht die Sonne\nleise aus dem Vogellied\nund sie hält dann\nmit der Hand der Wälder\nihr verträumtes Auge zu\nwenn der Tag geht grün\nim Bett der Felder\nin die sternbesäte Ruh\n\nTrennung\nIn die Hand brennt mir die Welt\nbeim Abschied\nSonnenuntergang Sonnenaufgang\nist dein Blick ' ,\nDeine Stimme\nleises Abendlied im Heimatsdorf\nAuf die Wiesen aller Kindheit\nfällt ein Tau\nBeuge still dein Haupt in Sehnsuchtstiefe\nScheiden weint nun\nlaut\nin alle Nächte\ngib mir nun noch einmal deine Lippen\nJunirosenglut\nund Sommerglück\n\nZur Musik\nSommer\nheisser\nliederschwerer\nsteigt aus meiner Haut empor\nmohnrot wingt er sich verblutend in die Garben\nder Musik\nund ein seidger Wind\ndurch Aehren\nleise trällert hin\nAuf der Schwelle dunkler Wälder\nschlafen Schmerzen in das Dickicht\nUnd ein Tempelwerk von Tönen\nwirft sich ,aus dem Schaum der Meere\nin den Glanz der Taggestirne\nin die Adern\nstiebt das Glück\nFern in Schluchten der Verzweiflung\nstirbt Getier\nwährend süss das Rosenrot der Lieder\nbunte Kinderschar durch Wiesen\ntanzt den taubestrahlten Morgen\ntulpentaumelnd\nin der Himmel blaues Glück\n\nStrophe\nScmmerstund\nder Tod ist bittrer\nals die Mandel deines Auges\nund der Abend kann nicht ruhen\nAuf dem Kissen des Gebetes\neh du, im Gelock der Sonnen,\nin den Schlummer deiner Wälder\nsenkst dein Antlitz\nTräumer\nTag •"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.7", "texte": "Georg Schrimpf: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.8", "texte": "Zug mit Verwundeten\nIn das Bienenvolk der Strassen\ndas in das Oelaub der Stadt\nsummend fährt\nspringt ein Tier aus fernen Ländern\nheisses Keuchen aus der Lunge\nschüttelfsfe vom Mähnenrücken\nin die dichtgedrängte Neugier grosser Häuser\nfensterstarrend\ngraues Sumpfvolk aus den Gräben\nFetzen aus der Haut des Krieges\nBlicke aus dem Zwang des Todes\nund Gesichte\ndie aus Gräbern\ndurchs Gestrüpp der Bärte\nzage\nkauern\ndurch das Hämmern in den Ohren\ndas noch dumpf granatentosend durch die Pulse\ndröhnt\nfällt das sanfte taubenzarte\nStreifen über Gänseblumen\nMädchenlachen\nSchmetterling\n\nLied\nKeiner trägt vom Hügel meinen Traum\ndiese Rose in der Hand des Monds\nSchwingt mein Hetz in seiner Hängematte\nzwischen Frühling- hin und Sommer her\nstark wie Erdbeern duftet all mein Fleisch\nsüß und zart\nund mein Blick mit Käferfüssen\nhängt am Neikenflitterkleid\nMorgen bin idfe summend\nHand voll Tau\nbin ein duftend Gartenbeet\ndas die tausend Inseln seiner Lust\nin das blaue Meer des Himmels hebt\n\nLied\nHand greift nacli dem Wein der Wälder\nder das schwere Sommerblut\nin das gelbe Meer -des Tages stürzt\nund es wächst des Herzens volle Frucht\nin der Stunden Gärten auf\nReifes Obst bist du, der Sinne Schwere\nasternfarben Müht das Auge dir\nund ein starker Herbstwind\nweht mein Blut\ndurchs Gezweig der Adern hin\nBrennend liegen meine Lippen wund\nvon der Sehnsucht wilden Stürmen\n•die nun vor dem starren Blick des Monds\nihre Flügel fallen läßt\ndoch neu auffahrt\nda die Sonne winkt\nübers Felsgeäder aller Schmerzen\nnach dem Gipfel\nallen Glücks\n\nDie Flut\nSophie van Leer\nIn der Mittagsglut hockt sie unter dem brüten-\nden Dachgebälk und summt. Zwischen ihren\nKnieen klemmt sie eine Puppe.\nEr windet den Körper durch die enge Wendel-\ntreppe und läßt sich neben ihr nieder. Sie näht\nden zerrissenen Puppenleib, leimt eine blond-\nlockige Perücke auf den kleinen Porzellanschädel,\nzieht Pantöffeichen aus Pappe an die winzigen\nFüßchen.\n„Du!\"\nSie beugt den Kopf vor.\n„Du!\"\nEr legt sein Gesicht über ihre Schulter, seine\nWange gegen ihre. Sie wühlt zwischen Puppen-\nkleklern.\nEr wirft ihr Spielzeug um, zertritt es, gleitet\nam Geländer die Treppe nieder.\n*\nEine Glocke schlägt und eine Planke dehnt sich.\nEi wirft den Körper um. Heiß streichen seine\nSohlen das Laken. Eine Flamme flackert im\nWinde, eine Lampe wiegt an einer Kette.\nSeine Zunge wühlt am glühenden Gaumen.\nSein Kopf zerrt über die Kissen. Seine Hände um-\nkrammen die Pfosten. Wirr spinnen seine Finger\nauf der Decke. Die Hände zögern nach der Wand.\nIn Schluchzen gleitet er zurück und stürzt sich\nrücklings zu Boden.\n*\nIhre Blicke haschen sich. Ihre Bewegungen\nholen sich ein, vereinen sich. Er atmet den Gesang\nihrer Schritte.\nWenn sein Blut flehend raunt, tragen ihre Füsse\nsie nicht mehr.\nWenn seine Hand neben ihren Augen sich\nfragend senkt, bricht ihr Herzschlag auf und\nsprengt ihre Adern. Wenn der Wind den Blüten-\nduft seiner dunkelblassen Haut herüber spielt,\nspülen wilde Wellen über sie und würgen ihre\nKehle.\nHochauf werfen sie sich in den Himmel, fallen\nrleder in den lohen Brand der sie umleckt und\nflattert, wildgierig um ihr Lager schleicht und\nschmeichelt, duckt und taumelt, tänzelt, ringsum,\nringsum.\nAuf der Gondel seines Atems trägt er sie em-\npor, bettet sie in Wolkenhängen, pflückt ihr Sterne,\nschattet ihre Lider.\n*\nNachts hören sie die Gartenpforte klagen. Die\nMessingkette schwebt und schwenkt und stöhnt\nim Sturm.\n„Höre mich. Rufe mich. Rette mich\", schmerzt\ner mit zerrissenem Atem und bäumt die Glieder.\nUnd ihr Gebet kniet neben seinem Bette. Kühl\nfassen ihre schmalen Finger ihn an und glätten\nmit Kosen die zerren Züge seiner irren Qual.\n*\nAn schwülen Abenden in seiner Kammer mar-\ntert zehrendes Verlangen sein Gehirn. Glühende\nGriffe schütteln sein Blut. Lüstern gehen seine\nGedanken um.\nSein Tasten umwölbt ihre schneeigen Schen-\nkel. Lechzend pressen seine Lippen den Rücken\nihrer Hand. Seine Tränen schluchzen in ihren\nSchoß.\n„Laß mich dein Sklave sein, den deine fun-\nkelnden Füsse treten. Um deine Bahre baue ich\nblaue Beete und wirke Teppiche aus glitzernden\nSilberhalmen.\n„Die du in meinen Träumen bist, daß ich mein\nLager blutend zerwühle. Im Dunkel zucken meine\nGlieder nach dir, umpranken tückisch deinen Leib,\nknieen deine Hüften. Brandend umbraust dich mein\nBegehren.\n„Gib mir deine Tulpenlippen, deinen schim-\nmernden Nacken, deine kleinen, zitternden Brüste.\"\n*\nZwei Schatten gleiten durch den nächtigen\nWeg. Ihre Füsse suchen scheuchen Schritts den\nBoden.\nDer Weiher fröstelt. Sie stehn im Boot ge-\nschmiegt, umhüllen sich mit ihren Schultern.\nSie wiegen, leise, stärker, lauter, schwer\nim Beugen.\nWellen wachsen, kreisen, ebben.\n\nDas Tagebuch\nKurt Heynieke\nIhre Augen sind schläfrige Gaslampen in den\nKaffeehäusern. Die Sehnsucht vieler Männer\ndaran. Aber die Zungen des kleinen Kurortes Sand\nein goldenes Gitter um ihre Stunden. In der Sonne\nliegt sie ganze Tage und wartet. Mit klei&eja\nAugen, die durch die Wimpern Stechen. Ste &6rt\ndas Leben mit der Liebe tanzen. Und fühlt: töte\nGlut im Kamin. Sie bangt nach der Flamme.\n*\nMeine Augen sind kühl, ich bin ein Schate\nin der Glut. Ich hänge an ihr wie eines Arzte*\nMesser und zerschneide jedes ihrer Worte. Sie\nwöhnt mich knieen in ihrer Asche. Aber mßüt\nallmächtige Seele hockt auf dem flachen Gewässer\nihrer Sinne und lacht.\nait-\nFeucht wie ihr Mund sind ihre Worte und\nunwahr wie ihr Abschied Ich habe Sehnsucht nach\nihrer Einsamkeit in den Kissen. Sie ist ein Abend\nim See, rot und feucht und ein Rohrvogelschtei.\n*\nIn der Sonne dehnt sich ihr Haar. Sein Pults\nbrennt und bringt das Ende. Eine Stimme klopift:\nTöte den Tor! Ich lächle und bin Licht und Fackel\nüber alles.\n*\nIhr Atmen trinkt meine Ruhe. An ihrer Li£p*\nhöre ich ihre Seele wachsen. Um uns föntet die\nMitternacht.\n*\nIhre Augen wachsen in den Morgen. Ein Weib\nliegt am Wege. Ich bin ein Gang aus dem Dim-\nkein.\n*\nMeine Seele weint nicht. Meine Hand ist ein\nGebet zum Himmel Ich lege keine Blumen auf\nden Tod. Sie ist an ihrer Seele gestorben. Sit\nwar zu klein für das Leben.\n*\nIch gehe gen Mittag. Bald wird mein Atem\nmüde sein. Die große Stille ist mein RuhegenoÖ.\n\nDer Weg\nKurt Heynieke\nQeigen überklingen die Nacht. In den Bäumen;\nverrinnen die Bogenlampen, schaukelnde Leuchte\nvögel in den Sommernächten. Die weiße Frau\nträgt ihre Augen verborgen, er quält sich in ihren\nQang. Vor ihrem Blick wird seine Besinnung ein\nWirrspiel, ihre Worte streicheln sein Blut. „In\ndir bin ich hell, Maria, du bist meine Kraft.\" Ihre\nSchönheit beugt sich vor ihm. „Meine Liebe ist\nein Sarg, Jobst. Ich fühle das Ende.\" Sein Blut\nliegt auf ihren Lippen. „So kröne ich deinen Sarg\nmit meiner Lust!\" Sie bettet ihr Haar in seine»\nSchoß. Ein dunkles Lautenband überdämmert sein\nLeuchten. Seine Finger tasten:\nIch bin ein Abenlied\nij? den Wipfeln der hohen Wälder\nein Leuchten\ndem Schreiten deines Ganges\nDas Atmen deines Schlafes\nist meine Wiege\nzur Nacht.\nIm Fenster schwimmen Sterne. Ueber die\nWege am Hause plätschert ein Fiüstern. Die\nfremden Worte haben Hände bekommen. Böse\nAugen stechen in den Gang.\n„Ich sagte alles, ich trage Fesseln und bin dir\nselber Kette.\" Ihr Weinen löscht seine Frage. Und"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.9", "texte": "er lächelt über die Stunde und greift ihre Hand.\n„Ueber die Berge geht das Licht. Komm!\"\nDer Dampfer frißt die Wagen. Hinter dem Bug\nve'rsinnt tfas Land. Und die Stunden zerbrechen\ndie Zungen.\nDas Meer ist vorbei. Fußunten die Wälder.\nIhre Füsse bluten. Ihre Brust keucht tief. Da\nträgt er die weiße Frau an seinem Herzen. Die\nBerge leben, ihr Leibt trägt Schnee. Ueber den\nGletschern lebt die Sonne.\nVom Tage fällt der Sonnenmantel. Der Abend\nsteigt rot auf die Gipfel. Jobst trägt den Tod in\nseinen Armen. Lange schon. Ihr Herzschlag ist\nan seinem Munde verglommen. Die letzte Sonne\nblutet in den Schnee. Er taumelt in die Leere.\nSeine Hände greifen sonnhinab. Und er fällt aus\ndem letzten Tagesblick über den weißen Schnee\ni» ein dunkles Tor, seinem weißen Weibe nach,\nin die Nacht.\n\nGedichte\nThomas Ring\nDie Glut deiner Wangen erstickt müder Tod\nDurch deine Hände quält bittres Weinen\nDas Jauchzen deines Mundes welkt\nDeine Augen schlafen.\nUm deine Bahre trauern Engel\nDein Sterben haucht in stumme Nacht.\n*\nBlumen falten ihre Kelche\nDie Sonne gleitet aus meinen Händen\nSterne verzischen im Meer.\nFrierend kniet meine Sehnsucht vor dir.\n*\nDeine Hände spielen in meinen klagenden Blumen\nSeufzer flattern gequält zu dir\nNacht tränt glitzertrunkene Sterne.\nDu schreitest durch die schimmernde Stadt meiner\nSeele\nTempel tönen deinen Schritt\nGesänge jauchzen dir\nGemälde strahlen\nTirrne bäumen Gebete von Stein.\nBlaue Falter meine Augen\nLichtwiegend\nTasten zag deine Glieder\nKnospend beben meine Lippen.\nMeine Sehnsucht schmiegt weich\nBrandend wirbelt mein drängendes Blut\nUm dich.\n*\nStunden sickern blutige Tränen\nQualen spritzen gurgelnde Schreie\nWunden brennen flackerndes Grauen\nAngst würgt\nUnd\nEist\nLippen zersiegen Traum\nAugen zerstrahlen Nebel\nWelten bersten\nZerstürzen.\nSprühen klinigend tanzende Sonnen\nBlühen funkelnde Sternenkränze\nSchmelzen mondbespülte Gletscher\nDuften leis märzranke Blumen\nWiegen im Schlaf.\nDer Himmel weht Glut\nKlänge taumeln\nJubel kränzt dich.\n\nMaya\nKurt Striepe\nDer Tod kam. Gestern Nacht pochte er. Und\nmein Nebenmann ging. Heute Morgen ging die\nSonne rot auf über dem Blut seiner Lippen. Odu\nherrliche Sonne. O du sonniger TodL Die Hände\nim Gebet verkrampft. Wir glauben alle. Und\ndaß wir immer unser Leben wiedersehen —das ist\ndas Grauen. Das ist das Wunder. Ein grauen-\nhaftes Wunder ist dies tägliche Geschenk. Wenn\nwir sterben? Wir denken an dies und das — das,\nwas der Gott ist. Und wir lieben unser Leben.\nMein Kopf liegt in den Kissen. Eine große\nScham. Wellen schlagen die Adern über mir zu-\nsammen. Ei das Singen seines Blutes hören und\nwissen, daß es letztmal singt. Und wissen,\ndaß man letztmal hört. Meine Lunge preßt die\nschwere Decke. Wie eine Ebene — endlos. Nein,\nmeine Knie sind seelige Inseln. Das sanfte Lied ist\nmeine Melodie. Und Hände — Hände sind Har-\nmonien.\nWir liegen alle. In langen Reihen. In weißen\nBetten. Im großen Saal. Viel Fenster, die in die\nKälte führen. Merken Sie, wie das langweilt.\nDraußen ist Leben. Wir aber frieren im Leben.\nWir lieben die Wärme — die im Saal hockt. Die\naus dem Ofen grient — ein Fratz. Wir kriechen\ndahin. Die Augen gleiten — tasten — fingern\nbleich störrisch an den Wänden. So kalt graust\ndies Weiß. Der schwarze Ofen ist meine Braut.\nWenn sie käme. Fühlst du, daß ich an dich denke.\nFühlst daß meine Augen bangen. Fühlst du das?\nUnd dann kommst du nicht? Maya ist das nicht\nGrauen? Ich höre d'en Zug. Der kommt. Die\nTür am Bahnhof schlägt. Die Schritte. Diese\nkleinen harten Schritte. Welches Lied! Oh du\numträuimte Geliebte! Die Straße am Kanal. Wie\ndu das Eis bewunderst und dich wunderst. Ich\nweiß alles, was du denkst. Heliotrop ist dein Par-\nfüm. Ein Vogel singt. Nun lauschst du. Wir\nlauschten oft. Im Winter. Auf der Bank am See.\nVom Kirchhof schrie das Käuzchen. Komm mit —\nkomm mit . . . Ich komme. Wie eine selige Ge-\nwißheit ist das. Der Lungenschuß neben mir\nbricht Blut. Das ist das Leben. Welch Leben —\nDie Sonne — Maya — die Sonne! Oh alles Glück.\nOh alle Sehnsucht. Kommen Sie — Maya — nur\neinmal die Sonne sehen, die in unseren Saal\nscheint. Davor verblaßt meine Liebe. Liebe ist\nwunderlich — ist — ein zufälliges Zusammentref-\nfen zweier Zufälligkeiten. Das ist mir nun Gewiß-\nheit. Und Sehnsucht — Sehnsucht ist auch ein\nTraum. Ein Traum nach einem Unerfüllten. War-\num immer Träume.\nIch gehe neben dem Leben her. Man geht und\ngeht und geht. Bis Sie müde sind. Dann kommt\ndas Lauschen auf das Ende.\nWie wir tanzten. Wir saßen. Ihre weißen\nHände. Maya — Ihre weißen Hände sind Läm-\nmer. Sind ein heiliges Dulden. Mehr weiß ich\nnicht von Ihnen. Aber daß ich das weiß. — Oh\nMaya! Immer sehe ich Ihre Hände. Und Ihren\nMund — als ich ging.\nSie kommt. — Ja sie kommt. Die Straße hat\nein Ende. An der Brücke muß sie sein. Das Eis\nstaut sich. Ich fühle ihr Jauchzen. Die Schritte —\nihre Schritte. Gib Acht! — Du! — Du! — siehst\ndu nicht — die Brücke. — „Was ist Ihnen?\" fragt\ndie Schwester. „Mir? Mir? — ich — mir ist so\nangst. Schwester die Brücke. Sie stürzt —\nIch bin doch naß — ich sinke — Schwester.\" Oh\ndiese Augen. Deine Augen waren immer ein\nWunder. Im Eis sollen wir brechen. / Warum\nkamst du nicht früher. Etwas früher. Eine Se-\nkunde früher.\nNun ist das Leben aus. Die Sehnsucht hat ein\nEnde. Der Traum ist zu Ende. Mein Kopf wühlt\nin Scham — ich bin froh im Ersticken. Nun folgt\ndie Nacht. Oh du köstliche Nacht! Du süße\nNacht. Geigen sind meine Nerven — die die Qual\nstreicht. Der Tod geigt sacht. Doch .meine Gei-\ngen schreien im wilden Mord. Ich fühle mein\nBlut über meine Hände springen. Daß es mein\nBlut ist. Ich lasse das Hirn im Schädel springen.\nDaß es mein Hirn ist. Wenn aber das Blut über\nden Schädel jagt, weiß ich, daß Gott ist und die\nDemut.\nDu Braut — daß du nicht kamst war das\nGrauen. — Maya — daß Ihre weiße, Hand nicht\nkam war das Ende.\nAber Gott ist.\nUnd die Demut.\nDer Tod.\nUnd das Vergessen.\n\nAbgriffe\nHerwarth Walden\nMach dem Fall\n„Henry Marc-Klamaucke vielleicht wie kein\nzweiter vor ihm das Nicht-Ich ausschaltend am\nentgegengesetzten Pole den Ring geschlossen und\nsich in seine eigene Ich-Tiefe solchermassen ver-\nsenkt, daß Alles Dasein der Dinge, alles Existente\nals über ihm projiciert erscheint und seiner vi-\nsuellen Richtigkeit entbehrend nicht die begriff-\nliche Notwendigkeit wohl aber die intellektuelle\nEmpfindung eines Gesichtsfeldausschnittes aus-\nlöst.\" Das steht nicht in den Fliegenden Blättern\nsondern im Simplicissimus. Urheber dieses Textes\nund zweier Schmierereien hierzu ist Herr 0. Gul-\nbransson zu München. Der Simplicissimus ver-\nöffentlichte sie am 29. Februar 1916. Franz Marc,\noer Bayer, konnte diese Heimtücke nicht mehr\nbelächeln, da vier Tage darauf die Tücke einer\nGranate ihn heimrief. Noch erfreut sich Herr\nGulbransson in seinem Heim zu München der\nSonne, die ihm nicht scheint. Aber sie scheint.\nUnd sie brennt diesen Gulbransson, als ein Brand-\nmal seiner Vergänglichkeit muß er gebrandmarkt\nweiterleben, keine Granate wird ihn von seiner\nSchande lösen. Gebrandmarkt muß er ewig durch\ndie Straßen Münchens schleichen, Gulbransson, der\nNeutrale, der wider besseres Wissen gegen die\nKunst Partei ergriff, im Burgfrieden.\n*\n„Franz Marc, der kürzlich für unser Vaterland\nden Heldentod starb, ist wohl einer der ehrlich-\nsten und überzeugtesten unter den hiesigen Ex-\npressionisten gewesen.\" So beginnen die Münch-\nner Neuesten Nachrichten ihren Nachruf auf den\ngrößten deutschen Maler, nachdem sie sich acht\nTage lang besonnen haben, ob sie überhaupt von\ndem Tod des Künstlers Notiz nehmen sollen. Der\nehi liehe Tod überzeugt dieses Provinzblatt, daß\nFranz Marc wohl ehrlich überzeugt gewesen ist.\nWährend seines Lebens hat es auch das bestritten.\nAber das Unglaubliche geschieht. Der Münchner\nKunstschreiber, der weder die Kunst noch das"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.10", "texte": "Schreiben versteht, bringt es fertig zu hoffen, daß\nMarc mit der Zeit zu der Seichtheit dieses Münch-\nner Schlamms gekommen wäre: „...erregte er\nAufsehen und Widerspruch durch seine stilisierten\nund nach dem Grundsatz der Farben Übertragung\nungewöhnlich gefärbten Tierstücke, blaue Pferde\nvnd eine gelbe Kuh. Sein Wille war aber echt\nund bei dem Ernste seines Strebens und der guten\nGrundlage, die er hatte, war mit Sicherheit zu\nerwarten, daß Marc sich aus jenen Absonderlich-\nkeiten losgerungen und zu einem selbständigen\nund eigenartigen dekorativen Stil durchgearbeitet\nhätte.\" Dieser KunstscJireiber wird nie ein blaues\nWunder erleben und eine gelbe Kuh sieht er nicht,\nweil ihm selbst gelb vor den Augen ist, wenn\ner gegen Kunst wütet. Es ist nicht absonderlich,\ndaß ein Mensch ohne Grundlage die Kunst zu ver-\nstehen glaubt, trotzdem er nicht einmal bei einer\nGrund läge stehen könnte. Ein Schreiber, der nie\nein Wort gesehen hat, ist zweifellos farbenblind.\nEhrlich überzeugt ihn nur ein schmutziges Braun,\ndas keine Farbe ist. „So bedeutet sein Tod sicher\neinen Verlust für die deutsche Kunst.\" Darf dieser\nHiesige über Verluste reden, der noch heute für\nden Gewinn zu kurzsichtig ist.\nDu, Franz Marc, hast München, Bayern,\nDeutschland in die Welt geweitet.\n♦\nDer Kriegsberichterstatter der Vossischen Zei-\ntung, Doktor M.ax Osborn, schreibt: „Später, als\nich aus der Kriegswildnis wieder in die Stadt kam,\nward es mir dann aus den Zeitungen bestätigt,\ndaß Franz Marc am vierten März gefallen war.\nDer Zufallsweg hatte mich vor sein Grab geführt.\nArmer Junge, der du mit brausendem Kopf deine\nWeltenphantasien von märchenhaften Tieren auf\ndie Leinwand brachtest. Wir hatten auf dich ge-\nhofft, auf dein eigenwüchsiges Talent vor Allem\ngerechnet, wenn wir daran dachten, wie sich die\nKunstsehnsucht der neuen Malergeneration einst\nerfüllen würde.\"\nSeht ihr denn seine Kunst vor eurer Sehn-\nsucht nicht?\n*\nDer Simplicissimus vergnügt sich weiter damit,\neinfältigste Witze über Kunst zu machen. Seine\nZeichner werden allmählich so talentlos, daß sie\nan Stelle ihrer unoriginalen Zeichnungen originale\nPhotographien unberechtigt nachdrucken. Dar-\nüber wird man sich noch unterhalten. Während\nauf Seite sechshundertdreiundzwanzig Marc und\nKandinsky beschimpft werden, liest man auf Seite\nsechshundertsiebzehn: „Klassische Schönheit. Der\nSchwertertanz von Olga Desmond fünf Mark und\nlebende Marmorbilder vom Schönheitsabend fünf\nMark. Vier Probephotographien in eleganter\nMappe für zwei Mark frei. Wir bitten die Leses\nsich bei Bestellungen auf den Simplizissimus be-\nziehen zu wollen.\" Man kann nicht behaupten,\ndaß der Simplicissimus in klassischer Schönheit\ngestorben ist. Ihm ist selbst nicht ganz geheuer,\ndenn wir Leser, zu denen ich nicht gehöre, be-\nziehen uns auf noch zwei Anzeigen, die neben\nder Schönheit klassisch stehen: „Zittern, Angst-\ngefühl besonders in Gegenwart Anderer.\" „Dann\nverlangen Sie kostenlos unseren Katalog wenig\ngetragener Kavaliersgarderoben.\" Ja, meine\nschönen Kavaliere, die Gegenwart Anderer soll\neuch noch zittern machen.\nDieser Engel, kein Kind ist so rein\nDer Ulk, in dessen Verlag auch das Berliner\nTageblatt erscheint, veröffentlicht folgenden Witz:\n„Tochter: Mama, was wollen die Kubisten\neigentlich? Mutter: Mein Gott, was haben\nvir Eltern es schwer heutzutage. Kaum sind die\nKinder aus -dem Alter heraus, wo sie unbequeme\nFragen zu stellen pflegen, so treten sie in das\nAlter, wo sie noch unbequemere stellen.\"\nIch habe nicht Witz genug, diesen Witz des\nHerrn Fritz Engel witzig zu finden. Kunst ist\neben nichts für Spießbürger, sie ist unbequem. Und\nHerr Fritz Engel wird in Fragen der Kunst nie\nüber das bequeme Alter des neugebornen Kindes\nherauskommen.\nZu lustig\nEin Herr, der auf den lustigen Namen\nMoszkowski hört, veröffentlicht in den Lustigen\nBlättern eine Groteske „Siehst Du so aus?!\"\nSpäter heißt es: „Er hatte soeben sein Selbstbild-\nnis beendet, in jener merkwürdigen futuristischen\nArt, die auf Aehnlichkeit verzichtet und an deren\nStelle eine aus Komik und Grauen gemischte Un-\nmöglichkeit setzt: die Entmenschung des Men-\nschen. „Entschuldigen Sie, wenn ich störe sagte\ndie Fee, aber ich habe mich wohl in der Türe\ngeirrt. Ich dachte, hier wohnt ein Künstler und\nich wollte mich eigentlich malen lassen.\" (Anmer-\nkung: die Fee ist zweifellos die bekannte Küchen-\nfee). „Können Sie bei mir haben, entgegnete Ga-\nbriel; Oel oder Aquarell, Brustbild, Kniestück oder\nganze Figur, ganz wie Sie wünschen.\" Man sieht,\nMoszkowski, der Vater der Küchenfee, hat noch\nnie ein futuristisches Bild gesehen. Auch er hat\nsich in der Tür geirrt. Die Herrschaften sind aus\nder Provinz. Ich schlage jedenfalls Kniestück vor,\ndas auf Aehnlichkeit nicht verzichtet. Siehst Du\nso aus?! So siehste aus!?\nLustbarkeitssteuer\nEhrerbietigst schreibt der Vorstand des Vereins\nBerliner Künstler gez. R. Schulte im Hofe, erster\nVorsitzender, an den Herrn Reichsschatzsekretär:\n„Es gibt sehr viele Menschen, die sogenannte\nKunst kaufen und hierfür nicht unerhebliche Mittel\naufwenden. Außer um fabrikartig hergestellte\nWerke handelt es sich um überpinselte photo-\ngraphische, mechanische Vergrößerungen. Die Zahl\nder Abnehmer ist beschämend groß und die Preise\nbetragen in sehr vielen Fällen tausend Mark und\nsogar viel darüber. Sie würden unter den Be-\ngriff des Gesetzes nicht fallen, was umso bedenk-\nlicher ist, als gerade diese Machwerke Kunst und\nKünstler schädigen.\" Auch die überpinselten, me-\nchanischen Verkleinerungen nach anderen Bildern\noder Modellen sind keine Kunst. Die sehr vielen\nMenschen kaufen auch diese sogenannte Kunst.\nWirklich künstlerische Werke werden aber nur\nselten al's Kunst erkannt und dann noch lange nicht\nanerkannt. Diese würden also wahrscheinlich nicht\nzur Steuer der Kunst herangezogen werden. Zum\nSteuer der Wahrheit dürfen aber Vereinsbilder\nauch nicht als Kunst besteuert werden. Es bliebe\nalso gar nichts für die Steuer übrig. Sodaß zu\nempfehlen wäre: Die Kunst im Haus und im Hofe\nbleibt steuerfrei. Jeder Verfertiger dieser Kunst-\nabarten muß aber Steuer für die Ausübung seiner\nTätigkeit zahlen. Die Liebhaber dieser schönen\nKünste können ruhig ein Opfer für die Zeit bringen,\ndie sie Andern nehmen. Dieser Sport bedarf keiner\nSchonung. Und Fußballspielen ist gesünder als\nMalen. Die Farbenindustrie braucht sich nicht zu\nbeunruhigen. Anstreichen ist auch in Kriegszeiten\nbesonders beliebt. Und es gehört sogar viel Farbe\ndazu, andern Leuten seine Nation weiß zu\nmachen.\nZum Verwechseln\nFritz Stahl von Mosse, März 1916: „Ganz\nSicher kann man das bei uns ja nicht wissen, da\nsich ein Geschäft das Oelporträts nach Photo-\ngraphien liefert, wirklich der Kundschaft höchster\nKreise erfreut.\"\nDer Sturm, Septemberheft 1915: „Die Maltech-\nrik Franz von Lenbachs. Vom Herausgeber der\nMünchener kunsttechnischen Blätter, Maler Prof.\nErnst Berger: Es wurde damals dem Künstler\nvon den übelwollenden Neidern nachgesagt, er\narbeite mittels oder nach Photographien und ent-\nwerte damit seine Bilder. Dieser Vorwurf ist sehr\nungerecht Er benutzte wohl die Photo-\ngraphie und machte sieh .die Pausen\nnach solchen für ihn eigens oder zu\nseinen Zwecken hergestellten Ve r-\ngrösserungen. Wer aber solche vergrösser-\nten Abdrucke kennt — wird wissen, daß es nicht\nso leicht ist .. .\" Also. Trotzdem erfreut siph\nMeister Lenbach und so mancher Vereinskünsti.eß\nder Kundschaft höchster Kunstkenner. Sie werden\nsogar von größten Kunstkritikern gewürdigt. Aber\nwenn einer sich ehrlich zur überpinselten Photo-\ngraphie bekennt, wird er der Kundschaft verleidet.\nWarum soll der Fischer aus Berlin nicht seine\nNetze über die höchsten Kreise werfen, wenn die\nhöchsten Kunstkenner sich im selben Kreise\ndrehen. Umsomehr, da doch die Bilder schließ-\nlich nicht nur den zahlenden oder bezahlten Mo-\ndellen, sondern sogar sich untereinander zum Ver-\nwechseln ähnlich sehen.\nNachtrab\nEs war in Wilmersdorf, im Monat Juli 1912,\nda schrieb die dortige Kunstzeitschrift: „Gegen\nden Futurismus: In den Kampf der Urteile, Mani-\nfeste und Programme, die der Einzug des Futu-\nrismus in Berlin mit sich brachte, gebot nicht\nallein ein Gefühlsmässig-Unsympatisches zu schwei-\ngen: das neue Bild selbst forderte energischer als\njedes andere ein post festum. War doch, was da\nvon draußen hereinkam, derart aus der Luft geholt,\nso jenseits aller Evolution, daß man, wiewohl\nmehr der schlechten Erziehung halber an die Stirn\nsich griff und einen Sessel zu Hilfe nahm. Nun\nist es wohl erlaubt, aber auch Zeit, sich zu er-\nheben; und mit ein wenig müder Ueberlegung des\nvielseitigen Introduktions-Geschreibsels vor dieses\nneue Bild hinzutreten und ihm seine Meinung zu\nsagen, der weder Uebereilung noch Vorsicht zu\neigen sind, sondern der ausgeschlafene Widerwille\ngegen ein Partout, ein Unmögliches, eine Unkunst.\"\nWilmersdorf liegt nicht bei Berlin und diese Vor-\nortzeitschrift erscheint nicht in Deutschland. Des-\nhalb wundere ich mich nicht, daß eine Reaktion\nim Februar 1916 auf die Aktion vom Juli 1912\nerfolgen mußte. Der Wilmersdorfer verkündet':\n„Auch von dieser Sondernummer ist zu sagen,\nwas von den übrigen zu sagen war: sie gibt kein\nvollständiges Bild von Italiens neuer Kunst und\nLiteratur, sie will (und kann) nur anregend wir-\nken. Viele der besten jungen sind hier (zum ersten\nMal in Deutschland) beisammen: das ist Alles, was\nich zu erreichen gesucht habe.\" Das stimmt\nnicht. Der Herr aus Wilmersdorf hat schon wieder\nseinen Vordersatz vergessen: „Da es mir nun\ndoch möglich geworden ist, Soffici mit einer\nschönen früheren Arbeit für dieses Heft zu gewin-\nnen, sind die Futuristen immerhin durch einen der\nihren vertreten.\" Das stimmt nicht. Diese Arbeit\nhat Soffici nicht nach Wilmersdorf gesandt. Das\nweiß ich besser. Denn vor dem Vordersatz steht\nwieder ein Vordersatz, der vergessen wurde:\n„Leider ist es unmöglich, futuristische Kunst in\ndieser Numer zu bringen.\" Das glaube ich, die\nWilmersdorfer scheinen sich allmählich auch an\ndas deutsche Urheberrecht gewöhnen zu wollen,\ndurch dessen Verletzung sie schon recht erhebliche\nUnannehmlichkeiten sich zuzogen. Aber es kommt\nimmer noch besser: „Wir wollen aber wenigstens"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.11", "texte": "die Begabtesten unter ihnen nennen: Umberto\nBoccioni, Luigi jßussfolo, Carlo D. Carra, Gino\nSeverini, der Schöpfer des Pan-Pan, Ardengo\nSoffici.\" Diese futuristische Kunst, die in der Num-\nr.er nicht gebracht werden konnte, ist zwar nicht\nLi Wilmersdorf, aber in Berlin und in allen Groß-\nstädten Deutschlands und Europas seit jenem\nJahre 1912 vom Sturm ausgestellt worden. Be-\nsonderes Mißfallen erregte sie nur in Wilmersdorf.\nUnd Soffici, von dem eine schöne frühere Arbeit\ngewonnen wurde, hat sogar allein zweimal1 in\nSturm zu Berlin ausgestellt. Sogar mit schönen\nneueren Arbeiten. Boccioni war 1912 in Wilmers-\ndorf besonders unbeliebt. Deutschland ist so groß,\ndaß es über das Loch Wilmersdorf hinwegsieht.\nWilmersdorf soll aber nicht im Namen von\nDeutschland sprechen. Der ahnungslose Wilmers-\ndorfer empfiehlt angelegentlich die Verse von\nMarinetti, gegen den er im Jahre 1912 eine\nRüpelei vorbrachte. Er empfiehlt auch die\nSonette von Petrarca und schreibt in Klammern,\ndenn Klammern sind seine Stärke: „(muß ich\nDante nennen?)\" Das sollte er Marinetti fragen.\nIch weiß bereits wer im April 1920 zum ersten\nMal in Deutschland bei Wilmersdorf den dortigen\nEinwohnern vorgeführt wird. Leider ist es uns\nunmöglich. Die Herrschaften sollten lieber ihr\nMögliches unmöglich machen. Sonst mache ich\nsie alle, Aktionäre und Reaktionäre, einmal gründ-\nlich unmöglich, wenn ich guter Laune sein sollte.\nDie Natur pulst\n„Zwei Schicksale entwickeln sich nebenein-\nander, die in entgegengesetzter Richtung führen:\nwir sehen die langsame Trennung zweier Gatten,\ndie in wachsender Entfremdung ein fast gespen-\nstisches Zusammenleben führen, auf der andern\nSeite vollzieht sich die Verbindung zweier Men-\nschen, die äußerlich getrennt, innerlich von An-\nfang an für einander bestimmt mit langsamer Kon-\nsequenz sich auf einander zu bewegen.\" Erst\nführen die Schicksale entgegengesetzt, dann füh-\nren die Gatten ein Zusammenleben, andererseits\nvollzieht sich die Verbindung zweier Menschen\nmit langsamer Konsequenz aufeinander. Einer-\nseits wird geschieden, dort demnächst gehoch-\nzeitet. Mit langsamer Konsequenz. Ein tragisches\nSchicksalsknäuel sieht man vor den Augen des\nVerlags S. Fischer, der sich also in dem Roman\n„Wandlungen\" verheddert hat. Aber auch der\nlyrische Leser soll ins Garn gelockt werden: „Wie\neine Arabeske flicht sich episodisch dazwischen\n— halb ernst, halb spielerisch — das zarte schwär-\nmerische Verhältnis Anselms zu Jasmin.\" Falls\nclas dem dramatischen Leser zu duftig ist: „Diese\ndrei in sich noch mehrfach komplizierten Probleme\nsind in ihrer gegenseitigen Beeinflussung mit\ngrößter psychologischer Feinheit und Zartheit\ndurchgeführt.\" Zweifellos ist es mehrfach kom-\npliziert, wenn sich Probleme gegenseitig beein-\nflussen, während eine einseitige Entfremdung und\neine zweiseitige Verbindung halb ernst, halb spiele-\nrisch durchgeführt wird. Zu solchem Quatsch ge-\nhört ein dicker Kitt, Wasser tuts freilich nicht, da\nmuß das dunkle Blut heran: „Huchs tiefe dichte-\nrische Natur mit ihrem dunklen leidenschaftlichen\nBlut pulst durch den Roman.\" Wie wäre es den\ndrei Liebespaaren ergangen, wenn die Natur nicht\ngütigst gepulst hätte. Wie es ihnen ergangen ist,\nlese man in dem Pappband siebente Reihe Num-\nmer drei, Fischers Romanbibliotek. Die -'Worte\nschwollen, kühl bis ans Herz hinan.\nDie Eigenart\nDie Firma Breitkopf und Härtel in Leipzig hat\nnicht nur ihren Alexander (Sascha) Schneider, sie\nhat nunmehr auch einen Künstler mit einer Eigen-\nart entdeckt: „...erschienen vierundzwanzig aus-\ngewählte Kunstblätter, die für die Eigenart Hans\nThomas besonders bezeichnend sind. Die Eigenart\nHans Thomas ist das Deutschtum.\" Diese Eigen-\nart teilt er mit siebzig Millionen Menschen. „Zu\neiner Zeit, als ausländische Moden noch das deut-\nsche Kunstleben beherrschten ..zu dieser Zeit\nmußte auch das Vaterland der Herren Breitkopf\nund Härtel größer sein. Da vertrat diese eigen-\nartige Firma die größten Verleger von Peters-\nburg und Mailand, verlegte musikgeschicbtliche\nSammelwerke von England und Frankreich, gab\nSchriften in französischer Sprache heraus und\nmachte also einfach die große Mode mit. Jetzt ist\nes kein Kunststück, eine Eigenart zu bekommen.\n„Selbst ein echter Sohn unseres Volkes, weiß er\nso innig und eindringlich die Heimat in Land und\nLeuten, in Wahrheit und Dichtung zu schildern, daß\ninsbesondere seine von uns schon in vielen tausen-\nden verbreiteten köstlichen Steindrucke so recht\ngeeignet sind—\" Insbesondere setzen sich die\nHerren jetzt für die deutsche Mode ein. Die Kunst\nin Deutschland wird mit bestem Willen nie und\nnicht einma!lt von den Herren Breitkopf und Härtel\nverlegt werden können.\n\nÜber Paul Klee\nZwei Briefe\nLieber Herr Waiden\nIch habe die Besprechungen meiner Bilder in der\nBerliner Presse gelesen. Allerdings haben sie mir\nkeine Freude gemacht. Würden Sie bereit sein,\nvon mir eine Erwiderung gegen die Berliner Kritik\nim Sturm abzudrucken? Es ist mir unerträglich,\nsc im Gegensatz zu Paul Klee gelobt zu werden.\nIch möchte mich dagegen öffentlich auflehnen.\nNicht etwa, um mir persönliche Genugtuung zu\nverschaffen. Was die Kritik über mich schreibt,\nkann mir im allgemeinen gleichgültig sein, nur in\nsolchem Zusammenhang nicht. Die einzige Rück-\nsicht, die mich hemmt, ist die Scheu, mich in einer\nso persönlichen Sache hervorzutun und die Angst,\nden Eindruck zu erwecken, Paul Klee, bedürfe\netwa der Hilfe Anderer. Das wierden Sie wohl\n\\ erstehen. Bitte raten Sie mir.\nWenn der Monat nicht schon vorgerückt wäre,\nmöchte ich am liebsten den „Fries zu einem Mu-\nsikzimmer\" von der Ausstellung zurückziehen,\nwie ich schon früher einmal, bei ähnlicher\nGelegenheit, mit einem Bild verfahren habe.\nWohl ist er gut, wenngleich er eine überstandene\nPhase meiner Entwicklung darstellt. Aber diesen\nLeuten hat er nicht zu „gefallen\". Daß er gut ist,\nkönnen sie am allerwenigsten ahnen, geschweige\ndenn, warum er gut ist. So kann er ihnen höch-\nstens gefallen, so peinlich mir das unter diesen\nUmständen auch ist.\nMit besten Grüssen\nIhr\nAlbert-Bloch\nLieber Herr Albert-Bloch\nIch soll Ihnen raten und will Ihnen gleich\nhelfen, indem ich Ihren Brief veröffentliche. So\nwahre ich Ihnen Ihre Scheu des Künstlers und\nSie verwahren sich gegen das Lob der Unge-\nlobten. Sie können stolz sein, daß S i e das Recht\nhaben, sich aufzulehnen. Dieses Recht geben\nIhnen Ihre Bilder, die über jenes Lob erhaben\nsind.\nIhr\nHerwarth Wal1 den\n\nNotizen\nPaul Hatvani\nStrindberg\nDas Buch ist in Chaos zerfetzt und Gott schei-\ndet immer wieder Licht von Finsternis. Aber das\nLicht ist dunkel und die Nacht leuchtet. Durch den\nSatzbau einer unzähmbaren Heftigkeit rinnt Blut;\nund immer wieder stirbt das Tote und das Le-\nbende erlebt Mittag und Mitternacht.\nDie Worte schreien Stunden in den Tag; siehe,\nVisionen stehen hinter den Dingen der Welt. Da\nwandelt ein Hellseher durchs Dunkel und ein\nMondsüchtiger findet Erde, nichts als Erde. Ge-\nspenstisch ist das Alltägliche geworden und all-\ntäglich schreiten unerbitterliche Gespenster durch\ndie Zeit. Es ist Winter zur Sommerszeit und die\nSchneelandschaft verbirgt Sommerblüte. Da\nsprechen die Dinge vom Wunder der Zeit. Und\nes ist Zeit, vor Allem Zeit. Die Zeit des In-\ntellekts. Wissen und Wollen. Der Geist ringt mit\nder Materie, das Altertum erwacht und das Mittel-\nalter grinst dazwischen. Sylva sylvarum. Der\nGott versagt, richtet Swedenborg das Chas ein.\nAber es ist auch die Zeit der Schlagworte. Und\ndie Schlagworte schlagen Zwölf: es ist zu Ende\nmit ihnen.\nNun spielt die Landschaft Traum: Träume\nwandeln durchs Land und die Dinge erwachen zu\nneuem Schlafe. Der Hellseher sieht: aber Alles\nist dunkel. Da beginnt das Herz zu leuchten.\nEntwicklung aus den Dingen in den Sinn:\nwieder einmal ist das Symptom ein Symbol ge-\nworden. Und da Alles nur Entwicklung ist, Fort-\nschritt in sich selbst und ewige Wiederkehr ohne\nAusgang:\nEr Mondsüchtige hat die Erde gesucht und\ndie Erde gefunden. Irdisch war der Mond und\nirdisch war die Sonne der Landschaft.\nDarüber aber, im Spiele des Chaos und im\nSchicksal der Welt, darüber aber, über Berg und\nTal und Welt und Weib — grüßet Gottes An-\ngesicht.\nBemerkung\nDer Irrtum der Wissenschaft, die für jeden\nAbgrund einen Grund sucht, liegt nicht darin, daß\nsie ihn findet. Denn auch die Enträtselung sämt-\nlicher Wielträtselecken aller Zeiten und Zeit-\nschriften wird den P. T. Einsendern höchstens\neinen Teil ihrer eigenen Gefühle verraten und was\nnicht vorher berechnet war, trifft nachher ohne-\ndies nicht ein. Der Wissenschaft wird es immer\nwieder gelingen, uns zu beweisen, daß sie gerade\nso viel weiß, um eine selbständiges Dasein zu\nfristen. Zu wünschen wäre es aber, wenn sie\nendlich einmal einsehen könnte, daß sie niemals\nden Grenzen ihrer eigenen Theorien entrinnt.\nDaß sie also auch dort nur Methode ist, wo sie\nauf ihre Resultate stolz ist.\nDie Persönlichkeit aber dringt über das Objek-\ntive jeder Abstraktion hinaus. Sie ist das Leben,\n— und darauf kommt es an. Und Persönlichkeit,\ndie sich behauptet, ist eine zu Ende geführte Konse-\nquenz und damit ein Vollkommenes.\nPersönlichkeit ist kein literarischer Begriff;\nebenso wie Wissenschaft kein philosophischer ist.\nSie hat also mit Romanen und Novellen beliebter\nSchriftsteller nichts zu tun. Aber sie lebt und er-\nlebt; sie fordert Anteil an Zeit und Welt und das\nist gerade genug: die Wissenschaft mag sich mit\nder Weltanschauung begnügen!"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160415-01.1.12", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 2i\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdamer StraSe 134 a\nGeftffnet tagiioh yon 10—6 Uhr / Sonntags voa\n! ]—2 Utir\nTageskarte 1 Mark ( Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Weoiisel\nVierzigste Ausstellung\nOskar Kokosehka\nOtakar Kubin\nEinundvierzigste Ausstellung\nGeorg Sehrimpf\nFritz Baumann\nEroffnung 1. Mai\n\nSturm-Ausstellung zu Ha gen inWestfalen\nZweite Ausstellucg\nJacoba van fi&e»iskerck\n\nSturm-Ausstellung zu Christiania\nZweitc Ausstellung\nKandiusky\nGabriele Miinter\n\nDer Sfurm vertritt folgende Kiinstler und verfiigt\nstandig fiber deren Geinalde I Aquarelle I Zelch-\nnungen I Handdrucke I Plastiken\nCampendonk I Marc Chagail I Jacoba van Heems-\nkerck I Kanditisky / Franz Marc / Georg Muche I\nGabriele Munter / Nell Walden\nIsaac Grunewald / Sigrid fljerten-Grunewald\nFernand Leger J Archipenko I Boccioni / Carlo D.\nCarra / Luigi Russolo / Gino Severini\nFritz Baumann / VincenC Benes I Albert-Bloch I\nEmil FHla / Albert Gleizes I Otto Gutfreund /\nOswald Herzog I Alexei Jawlensky / Paul Klee I\nOskar Kokoschka I Otakar Kubin I Carl Mense ./\nJean Metzinger I Francis Picabia / Pablo Picasso I\nMarianne von Werefkin I Cesanne van Gogh I\nMuncii\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein Halbjahr 3 Mark / Einzelheft 80 Pfennig\nJ Fiir das Ausland bei direkter Z u -\nstellung durch die Post: Ein Jahr 8 Mark\nI Ein Halbjahr 4 Mark I Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare, Versendung in Rollen direkt\ndurch die Post fiir Deutschland und\nOesterreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark I\nOil Halbjahr 6 MaTk / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark I Ein Halbjahr 7 Mark\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFinfter Jahrgang und sechster Jahrgang je 6 Mark\n\nDie Zeitsdhrift Der Sturm ist diirch aile Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nZiehen I Zum Emzelverkauf liegt Der Sturm in\nBafrnhofshandlungen, Kiosken und StraBenstanden\nauf I Falls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwflnscht wird, bitten wir den B e t r a g ftir den\nB e g i n n des neuen Halbjahres bis\neum ffinften des ersteR Monats einzu-\nseuden I Sonst wird der Betrag durch Nach-\nnahme unter Berechnung der Kosten eingezogen\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Zwanzlx Blatt ZeichnunfM /\nStrichatzung I Auf Kaiserlich Japanpapier in\nMappe 25 Mark / Auf Costakarton in Mappe\n15 Mark\nKandlnsky-Album / Schrift des Kiinstlers tiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 / Album 10 Mark\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte I Auflage 30\nMappen / Mappe je einhundert Mark\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nJedes Buch 2 Mark\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQliick —! I Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nAdolf Knoblauch: Die scfiwarze Fahne I Eine\nDichtung /\nPaul Leppin: Daniel Jesus I Roman\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur / In ein-\nhundertundelf Kapiteln I Sonderausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart funfundzwanzig Mark\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Bticher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna ,/ II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen I VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst J VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Sturmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwartii Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Pflr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten j Nummer 1 einzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier / 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umber to Boccionir Daa\nLacben / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht ! Zug in voller Fahrt / Giso\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tftnzerin / Pan-\nPan Tanz /Umberto Boccionir Abschled/\nKandinsky: Komposition 2 / Komposition 6\nFranz Marc: Affentries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrsd Hjerten-Grunewald: Kinder\n\nKarten von Miinter / Marc Chagall /\nKlee I L6ger / Jawlensky / Werefkin / Gleizes\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Kartea\nSturm-Kiinstler I L i c h b i 1 d k a r t e n I Kaa'te\n20 Pfennig: 1: August Strains* I 2: Herwarth\nWalden f 3: Jacoba van Heeroskerek\nSturm- Austellungskalatoge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n1 Otakar Kubin I Marc Chagall I KandiaSky f je\n50 Pfennig\nDie Futuristen f 60 Pfennig\nCrster Deutscher Herbstsaion / Mit ftiafzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturiafi\nOskar Kokoschka: PI a k at ffir die Zeitschntt\nDer Sturm I Originallithographie I Der Abzug\n10 Mark\nOskar Kokoschka: Sonderdrucke der Men-\nschenkopfe auf Japan- und Buttenpapier:\n1 I Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\nI 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nQuilbert / Das BJatt 5 Mark\nAnna Scheerbart /' Handgeferttgte farbige Vorsata-\nund Deckelpapiere fiir Buchererabande / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo aach Bestel-\nlungen entgegengenommen werden f Deckel- und\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden / Dreizeka-\nt es J ah r 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 / Jakres-\nbeitrag 20 Mark / Rechte der Mitglieder: Freier\nBezug der Zeitschrift Der Sturm f Freier Besuch\naller Sturmausstellungen I Jedes Jahr frei ethe\nSturmpubliikation\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 /\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereins fiir\nKunst im Jahr 1916/17 frei erhalten ist nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrueke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen: Kandinsky: Komposition 2\nI Kiinstlerpostkarte I Karte 20 Pfennig\nErschienen: Herwarth Walden: Kunstmaler\nu nd Kunstkritiker I Qesammelte\nSchrifter f Band I I 2 Mark I Verlag Der\nSturm I Berlin W 9\nSoeben erschienen: Kunstdrucke auf Batten\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nDas Blatt 5 Mark\nMitte April erscheint: Adolf Knoblauch: Kreis\ndes Anfangs I Friihe Qedichte f 5 Mark\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}