{"numero_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_sha256": "023b1759f9498dff041fbbfc0e4f75698e021b8daa2b7ae21364b4db9a4b7092", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1916/05/15_01/bmtnabg_1916-05-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1916/05/15_01/bmtnabg_1916-05-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.1", "debut_caractere": 267, "fin_caractere_exclue": 677, "texte": "Inhalt:\nAugust Stramm: Die Unfruchtbaren / Adolf Knoblauch; Kymrische Dichtungen: Glanzschimtnernde Spitzen / Bergschnee / Kurt Heynicke: Ereignis /\nSophie van Leer: Die Puppe / Paul Hatvani Notizen: Gespenster / Alltagebuchblatt / Herwarth Waiden: Ein großer Traum zu meiner Freude /\nSophie van Leer: Gedichte / Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt / Maria Uliden; Zwei Holzschnitte Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.2", "titre_corps": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.1", "debut_caractere": 679, "fin_caractere_exclue": 723, "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "20", "image_debut": 2, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.3", "titre_corps": "Die Unfruchtbaren : Tragikomödie", "titre_sommaire": "Die Unfruchtbaren : Tragikomödie", "signature_source": "August Stramm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8723, "texte": "Die Unfruchtbaren\nTragikomödie\nAugust Stramm\n\nTemb e c k\nKro 11 e r c . .\n~ , Studenten\nScherwenz\nM 11 r x\nReferendar Rohrbruch und Frau\nVermieterin Frau S t a r s c h\nBerlin W Gegenwart\nStudentenbude: an der Wand vom Fenster\nliriks zur Tür, rechts ein kleines Schreibbureau,\nein Bett, ein Waschgestell und in der Türecke der\nKachelofen. Links neben der Tür eine Kommode;\ngegenüber rieben dem Fenster ein Kleiderriegel\nmit verschlossenem Tuchvorhang; über dem\nWaschgestell ein billiger Spiegel; mehr in der\nMitte ein abgetretener mit faseriger Litze einge-\nfaßter Teppich von unbestimmter Farbe, darauf\nein runder Tisch mit grellgeblümter Plüschdecke\nund drei verschlissene mit Häkeldeckchen ge-\nschmückte Lehnstühle verschiedener Größe und\nForm. Neben Nippsachen und Bildern ä la garnie\nhängen, stehen und liegen Studentenbilder und\nEmbleme, Bücher, Kleidungsstücke, Kragen,\nSchlipse, Zigarrenkisten, Aschbecher umher.\nDer Fenstervorhang ist vorgezogen, das Bett\nist abgedeckt und unbenutzt.\nTembeck (hockt bei brennender Petroleum-\nlampe vor dem Schreibpult und arbeitet. Er hat\nden Rock zugeknöpft, den Kragen hochgeschla-\ngen, und beide Hände in den Rocktaschen; die\nFiisse in Filzschuhen schuffeit er an den Waden).\nKroller (schwer verschwiemelt, reißt die Tür\nauf und bleibt, Hut im Nacken, Mantel aufge-\nknöpft, auf seinen Stock gestützt im Türrahmen\nstehen; er brüllt): Lampe aus! Schwerebrett!\nLampe aus! (tritt ein, haut den Stock aufs Bett,\ngeht zum Fenster und zieht den Vorhang zurück)\nder helle Tag kuckt durchs Fenster!\nTembeck (blickt auf, ruhig): wisch dir mal erst\ndie Nacht aus den Augen.\nKroll er (umarmt ihn tollaunig und drückt über-\nmütig Tembecks Kopf auf das Schreibpult:\nJunge . . . eine Nacht . . .\nTembeck (wehrt sich): Donnerwetter.\nKro 11 e r (läßt von ihm ab): Lampe aus! (er bläst\ndie Lampe aus)\nTembeck (streckt die Hand aus, um ihn zu\nhindern): bei der Kälte!!\nKroll er (fährt auf): noch nicht geheizt? neun\nUhr? (wirft Hut und Mantel ab, reißt den Stock\nvom Bett und stürmt zur Tür): Frau Starsch!\nWirtschaft! Feuer! Kaffee!\n(eine keifende Stimme antwortet vom hinteren\nFlur)\nKro 11 e r (verschwindet im Flur und trommelt\nmit den Fäusten an verschiedene Türen): Feuer!\nKaffeeee!\n(Die keifende Stimme kreischt jetzt auf dem\nFlur zwischen dem Gebrüll)\nKroll er (zerrt lachend Frau Starsch in Nacht-\njacke und Unterrock in das Zimmer)\nFrau Starsch: Jemeinheit!\nKroll er (haut ihr lachend mit dem Stock eins\nhinten über)\nFrau Starsch: au!\nKr 01l er (überbrüllt sie): Jemeinheit!\nFrau Starsch (sucht sich loszumachen): Sie!\nKr 01l er (faßt sie lachend um und knutscht sie):\nfühl bloß!\nFrau Starsch (kreischt und quietscht auf):\nHerr Kroller, ik ruf de Polzei (sie reißt sich los\nund läuft raus): Jemeinheit!\nKroller (imitiert ihre Fettstimme): Jemeinheit!\n(er dreht sich lachend um)\nTembeck (der sichtlich unangenehm berührt in\nBüchern gekramt hat): laß das alte Weib in\nRuh.\nKroll er (wirft sich aufs Bett): Mensch, du hast\nkeine Glut mehr\n(Im Nebenzimmer fliegt ein harter Gegenstand\ngegen die Wand, ein lautes Geschimpfe wird\nhörbar und der Ruf: „Ruhe!\")\nKro 11 e r (fährt lachend hoch): ho! Murx! Joseph!\nhaben wir den in seinen Träumen gestört? (er\nhaut mit der Faust gegen die Wand): hei! eins\nzwei drei! (er geht den Stock schwingend zur\nTür): Hilfsstellung! (stößt in der Tür auf\nScherwenz, der in Hemd und Hose ungekämmt\nund ungewaschen hereintritt und Kroller ins\nZimmer zurückstößt)\nScherwenz (wütend): vafluchter Saufbold! (er\nwirft sich in den nächststehenden Fauteuil und\nsteckt fröstelnd die Hände in die Taschen)\nKroll er (rempelt ihn): Saufbold?! du Sauf-\nphilister !\nScherwenz (schüttelt ihn unwirsch ab): ich\nsauf überhaupt nicht mehr vastehst de? minde-\nstens acht Wochen nich.\nKro 11 e r (beugt sich überrascht zu ihm herab\nund starrt ihm ins Gesicht): Tatsache?! (tanzt\nhohnlachend umher): Jemeinheit!\nMurx (stürmt rein, ebenfalls wie Scherwenz in\nHemd und Hose, sich noch den Rock über-\nziehend, wütend): der Teufel hol euch alle mit-\neinander ! ich zieh, ich zieh sofort, ich willi meine\nRuhe haben.\nKro 11 e r (faßt ihn an den Hals und wirft ihn\naufs Bett): Ruhe, Kameel, wer dir deine Ruhe\nläßt, begeht n Verbrechen. Verstehst de . . was\nhast de wieder für Ringe um de Augen?\nMurx (entwendet sich ihm und springt auf): es\nmag sich nicht jeder de Augen vorn Kopp saufen.\nKroll er (schüttelt ihn): meine Augen? meine\nAugen haben ein Weib gesehn, ein Weib . . .\nFrau Starsch (steckt den Kopf durch die\nTüre): ich kann wohl den Kaffe für die Herren\njleich zus . . .\nKr 01l er (wirft wütend seinen Schlapphut nach\nihr): ha, Fettwanze.\nFrau Starsch (hat die Tür schon wieder ge-\nschlossen)\nMurx (sucht am Fußende des Bettes zwischen\nBett und Waschgestell und zieht eine Flasche\nvor)\nKroll er (sucht ihm die Flasche aus der Hand\nzu winden): her mit dem Schnaps.\nMurx (hält die Flasche kramphaft fest): ich ver-\nbitt mir das, verstehst de (immer wütender):\nich verbitt mir das ein für allemal, deine alber-\nnen Spässe\nFrau Starsch (trägt ein Tablett, das mit vier\nKaffeekännchen, vier Milchtöpfchen, vier Zucker-\nnäpfchen, vier Tassen und acht Brötchen besetzt\nist): ja, vabitten, vabitt mer ooch . . . vastehn Se,\nHerr Doktor, Sie (verteilt die Portionen auf den\nTisch): Spaß allemal, aber ze viel is ze viel, ann\nfriehen Morjen, un Lischen, von wejen, wenn\ndie so wat bei ihre Mutter sieht.\nKro 11 e r (hat die Flasche losgelassen und sie\nangestarrt): bist de schon wieder da? (er geht\nzum Tisch und rafft die Zucker Stückchen zu-\nsammen): komm her (sucht ihr den Zucker in\nden Mund zu stecken)\nFrau Starsch (wehrt ab): Herr Kroller\nKroll er (unbeirrt): Zucker jibt Fett, stoppt lose\nMäuler (er wirft ihr, da sie bereits durch die\nTür gehastet ist, die Zuckerstücke nach)\nTembeck (gießt Kaffee ein und bricht ein Bröt-\nchen): der schöne Zucker\nMurx (hat ein Gläschen auf dem Schreibtisch er-\nwischt und schenkt ein)\nScherwenz (schiebt mit dem Arm verächtlich\ndie Kaffeetasse weg und streckt die Beine untern\nTisch)\nM u r x (gießt den Schnaps runter und schüttelt sich\nbehaglich): ah! (er droht scherzend Kroller) du,\nLieschen!\nKro 11 e r (geht zum Tisch und gießt ein, ver-\närgert): äh!\nScherwenz (mürrisch, ohne aufzublicken): laßt\ndie Finger von, rat euch, Finger von.\nMurx (grienend, lauernd): hast de Erfahrung?\nScherwenz (mürrisch): genug . . für ein bal-\nneologisches Praktikum in Aachen.\nKro 11 e r (setzt auf): Lieschen?\nMurx (stellt die Flasche überrascht auf den\nTisch): von Lieschen?\nKro 11 e r (hupft auf die Knie schlagend jubelnd im\nZimmer umher): das steck ich Mutter Starsch,\nMutter Starsch (brüllt) Mutter . . .\nScherwenz (auffahrend): hältst de dein Maul!\nMurx (nachdenklich vor sich hinstierend, grie-\nnend, lauernd, lüstern; seine Fröhlichkeit hat\netwas fahriges, immer zum Umschlag drohendes,\nbald ausgelassen überschäumendes, bald kind-\nlich verstecktes): also darum warst de so oft\nze Haus, schlafe ze Haus, de letzten Wochen.\nKr 01l er (höhnt): schlafe ze Hause, schlafe ze\nHause\nT embeck (schüttelt den Kopf und setzt sich)\nMurx (grienend, schnalzend, die Augen ins Leere,\ndie Hände in den Taschen): nee . . . nee . . . seht\nihr, das verfluchte WeibsvOlk\nKroller (höhnisch von der Seite): du hast doch\nkeine Bange nich\nMurx (fährt auf): wie?!\nKroller (rührt in seiner Tasse und trinkt): du,\ninteressiert dich det nich, he? Hab dich noch nich\njesehn\nMurx (fahrig, hilflos, wütend): ich? ich?! dir auf\ndie Nase binden? ja (in plötzlichem rettendem\nEinfall) hast de Tembeck schon mal gesehn?\nKro 11 e r (trocken): das ist ganz was anderes\n(reißt dem Murx mit einem plötzlichen Ruck\ndie Hände aus den Taschen) Hände hoch!\nMurx (dringt wütend auf Kroller ein): laßt mich\nin Ruh (schlägt um sich und lacht blöde) eure\nDreckereien. Pfui Teufel (frech) und wenn\nschon, ja, jeder nach seinem Geschmack\nScherwenz (macht eine Bewegung des Ekels)\nMurx (begehrt auf): ihr?! kein Weib auf der\nStraße ist vor euch sicher\nScherwenz (ruckt im Stuhl, angewidert): Feig-\nheit! hundsgemeine Feigheit!\nMurx (verständnislos): was?\nScherwenz (stößt wütend die Hand auf den\nTisch)\n¥ro 11 e r (höhnisch): n Kerl, der sich nich an n\nWeib ran wagt\nTembeck (fährt mit der Hand nachdenklich\nübers Gesicht): Feigheit\nMurx (steht zusammengeduckt mit leeren\nAugen): Feig . . .? (lacht laut auf und gießt sich\nhastig einen Schnaps einT habt ihr Ahnung (stürzt\nhastig den Schnaps runter)\nT embeck (steht auf und zieht die Uhr)\nKro 11 er: was siehst\nTembeck: Rohrbruch wollte mich besuchen\n(Allseitige überraschte Bewegung)\nScherwenz: Rohrbruch?\nMurx (steht mit glänzenden Augen): oh\nKr 011 er: ach!\nScherwenz (trocken): was will er?\nT embeck (lächelnd): er macht seinen Doktor.\n(Bewegung)\nKro 11 er: Potz Blitz! (pfeift)\nMurx (strahlend): neulich sah ich ihn mit seiner\njungen Frau."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9125, "texte": "Tembeck: sein Thema kollidiert etwas mit dem\nmeinen, Eherecht und so (steht auf, nimmt ein\nBlatt Papier vom Schreibtisch und liest): die\nGeburtenabnahme, ihre sozialen und ethischen\nUrsachen und Wirkungen (legt das Blatt wieder\nhin) . . das spielt auch in meine Arbeit hinein\nMur x: ah . . . ja . . . Geburten\nKroller (kaut und schüttelt den Kopf): ja, dann,\nso kann man sich also . . verändern!\nMurx (tänzelt lachend umher, die Hände in den\nTaschen)\nScherwenz (nickt vor sich hin): ja, heiraten\nMurx (überschäumend): seht ihr, seht ihr, ein\nWeib, ein Weib!\nKro 11 e r (trocken, spöttisch): ach\nMurx (auftrumpfend): jawohl, der Staat soll uns\nein Weib geben, ein Weib müssen wir haben.\nKroll er (lacht trocken, höhnisch)\nScherwenz (steht auf und tritt ans Fenster):\nich möcht wohl heute mal zum Kolleg gehen,\nwas Vernünftiges hören\nKroll er (tritt zu ihm): sieh sie dir doch an, wie\nsie rennen, die Streber, bleich, schloddrig, mit\ndem Stempel einsamer Nächte.\nMurx (immer noch fanatisch): nee, derda... hat\nnei Kellnerin . . .ja, kuck . . o . . ich sag euch,\nVolkshygiene, nichts als Volkshygiene.\nScherwenz (trocken): hm!\nMurx (stolz): ooch\nTembeck (am Schreibtisch): arbeiten\nMurx (immer geblasen auf und ab hetzend): ha,\narbeiten, die Konzentration! Teufel! kaum setz\nich mich hin, gleich tanzt mir n Weib vor den\nAugen (geht zum Tisch und will einschenken)\n. . . (stellt die Flasche mit einer Gebärde des\nWiderwillens wieder hin) äh!\nScherwenz: ist das nicht Rohrbruch?\n(Alle drängen ans Fenster)\nKro 11 e r (überrascht): Donnerwetter!\nMurx (hastig, entzückt): das ist seine Frau, ja,-\nseht mal, Blitz! was?! wie...?! he?!\nTembeck: die bringt ihn wohl her?\nScherwenz: die bringt er doch nicht mit?\nT embeck (beunruhigt): nanu . .?\nMurx (außer sich): wahrhaftig, die schwenken\nrüber (beugt sich ganz vor zur Scheibe) sie\ngehn ins Haus, ins Haus\nTembeck: Teufel!\n(alle stieben auseinander)\n(Kroller, Scherwenz, Murx stürzen ihre Sachen\nzusammenraffend, zur Tür hinaus)\nMurx (brüllt draußen im Flur): Frau Starsch\nKroll er: Waschwasser, Frau Starsch . .Wasen-\nwasser . . heiliges Kanonenrohr.\nTembeck (schmeißt seine Schlabben unters\nBett und zieht hastig die Stiefel an, die er\nfluchend unterm Waschgestell hervorsucht;\ndann taucht er einen Handtuchzipfel in die\nWasserkaraffe, fährt sich hastig übers Gesicht\nund trocknet mit einem anderen Zipfel nach; er\nzieht einen Taschenkamm raus und fährt sich\nvor dem Spiegel durchs Haar; knöpft den Rock\nauf und zieht Kragen und Schlips in großer\nHast an)\n(Es klingelt draußen)\nTembeck (rafft die umherliegenden Kleidungs-\nstücke zusammen und wirft alles unters Bett;\ner klopft das Bett glatt und packt das Kaffee-\ngeschirr ratlos gleichfalls unters Bett)\n(Es klingelt draußen zum zweiten Male)\n(Die schlürfenden Schritte der Frau Starsch\nnähern sich und man hört ihren überraschten\nsüßlichen Begrüssungssermon, in der 'eine frische\nburschikose Männerstimme hineintönt)\nTembeck (horcht einen Augenblick, dann setzt\ner sich, immer noch sich zurechtzupfend, an\nden Schreibtisch, stützt den Kopf in die Hand\nund arbeitet anscheinend eifrig)\n(Es klopft)\nTembeck: herein!\nFrau Starsch (öffnet die Tür, süß): Herr\nDoktor, Herr Referendar Rohrbruch (noch\nsüßer) und\nRohrbruch (hinter ihr, schiebt sie zur Seite):\npapperlapapp, guten Morgen Spund! (geht auf\nTembeck zu, der sich erhoben hat, und reicht\nihm die Hand) ich habe meine Frau mitgebracht,\nes interessierte sie, mal meine alte Behausung\nkennen zu lernen. Hoffentlich stört es dich nicht\nTembeck (schüttelt kräftig die Hand, dienst-\neifrig): aber ich bitte, bitte sehr\nRohrbruch (geht zur Tür): Schatz\nFrau Starsch (reibt mit der Schürze eifrig\nüber die Stühle und Möbelkanten, süß): bitte,\nbitte, gnädige Frau\nFrau Rohrbruch (tritt an der Hand ihres\nMannes ein): ich bitte um Entschuldigung\nT embeck (verbeugt sich unbeholfen tief)\nRohrbruch (stellt vor): Herr cand. phil. Tem-\nbeck, meine Frau.\nFrau Rohrbruch (reicht Tembeck die Hand):\nich überfalle Sie\nT embeck (immer mit tiefen Verbeugungen stot-\ntert verwirrt etwas unverständliches zusammen,\nihre Hand nehmend)\nRohrbruch (schwadroniert): und das ist hier\nalso meine Bude, Schatz, hier habe ich gehaust,\nan die vier Semester, es ist noch fast alles un-\nverändert\nFrau Rohrbruch (schaut sich um): das freut\nmich sehr, das mal zu sehn\nRohrbruch (greift auf die Kommode): sogar\nmeine Stummel liegen noch da ( er nimmt eine\nvolle Aschenschale in die Hand)\nFrau Starsch (die an der Tür liebedienerisch\nstehen geblieben war, stürzt auf ihn zu und\nnimmt ihm die Aschenschale ab): oh, Herr Re-\nferendar (zu Frau Rohrbruch) der Herr Refe-\nrendar waren immer so spaßig (sie verschwindet\nschnell mit der Schale)\nRohrbruch (lacht hinter ihr her): ja Schatz,\nder Betrieb ist ein bischen primitiv, sechs\nWrochen bin ich nun schon weg\nFrau Rohrbruch (belustigt): wie konntest du\ndie arme Frau\nRohrbruch (lacht): ich wollts dir ja doch nur\nzeigen (fährt mit dem Finger über die Bettkante\nund zeigt ihr) sieh, das liegt auch noch aus\nmeiner Zeit, interessiert dich das nicht?\nFrau Rohrbruch (schlägt ihm lachend auf\ndie Finger): er ist schon ein richtiger Ehemann\ngeworden, was? oder hat er das früher aucn\ngesehen? (blickt sich um): aber, wirklich, es ist\nmir alles sehr interessant, ich lerne wieder ein\nMal ein Stückchen von meinem Mann kennen,\ndas tu ich zu gern, besonders aus seinem frühe-\nren Leben\nT embeck (lacht verlegen und rückt einen\nFauteuil): wollen Gnädige Frau nicht Platz\nnehmen?\nFrau Rolb r u c h (setzt sich): danke schön,\nwohnten Sie schon hier?\nRohrbruch (hält Tembeck die Zigarrentasche\nhin): ja, hier haust eine ganze Studentenkolonie,\nfünfe, was?\nT embeck (der eine Zigarre genommen hat,\nreicht Rohrbruch das Messer zum Abschneiden,\nruhig): danke. Vier jetzt, seitdem du fort bist,\nist noch nicht wieder vermietet. So mitten im\nSemester ( zu Frau Rohrbruch) und ich bin dann\nin das Zimmer Ihres Gatten gezogen.\nFrau Rohrbruch: so? ein lustiges Leben ist\ndas sicher hier, was? ich denke es mir herrlich,\nunter gleichgestimmten Seelen\nRohrbruch (lacht, gibt das Messer zurück und\nzündet sich die Zigarre an): oh, wir haben\nmanchen Ulk gedreht (klopft Tembeck auf die\nSchulter) was? altes Haus? die Bude kann er-\nzählen\nFrau Rohrbruch (lacht): hoffentlich plaudert\nsie heute ein bischen aus (sie erhebt sich und\ntritt an den Schreibtisch) ist das der Schreib-\ntisch, an dem du so viel gearbeitet hast?\nRohrbruch: jawoll, gearbeitet\nFrau Rohrbruch (schelmisch): und Briefe an\nmich geschrieben?\nR ohrb r u c h (ist hinter sie getreten, nimmt rasch\nein Bild hinter ihrem Rücken von der Wand und\nsteckt es mit Handbewegung Tembeck zu, der\nes hinter den Vorhang des Kleiderriegels legt)\nFrau Rohrbruch (betrachtet eine Photo-\ngraphie, die auf dem Schreibtisch steht): das\nsind wohl\nRohrb r u c h (rasch): ja, seine Schwestern\nFrau Rohrbruch (nimmt das Bild): wie\nhübsch (vergleicht), aber eigentlich wenig ähn-\nlich.\nRohrbruch (nimmt ihr das Bild aus der Hand\nund legt es auf den Schreibtischaufsatz mit der\nBildseite nach unten): Und, Lieb, sieh mal, hier\nhat immer dein Bild gestanden, dein Bild (weist\nauf einen Platz auf den Schreibtisch) akkurat\nhier.\nFrau Rohrbruch (lacht glücklich auf und\nklatscht vor Vergnügen in die Hände) 0, wie\ngern hätt ich das gesehen (stutzt, findet dann\naber gleich ihre Sicherheit wieder) gewiß, ich\nhabe oft das Verlangen gehabt, ich möchte mal\nsehen, wo der Liebste wohnt (zu Tembeck)\nkönnen Sie das verstehen? na, Sie haben doch\nzwei Schwestern? Haben die? Sind Sie der ein-\nzige Bruder?\nTembeck (verwirrt): ja, ich glaube.\nFrau Rohrbruch (sieht ihn überrascht an)\nKroller (tritt in die Tür, geschniegelt und ge-\nbügelt): ah, sieh da, welche Ehre (tritt mit aus-\ngestreckter Hand auf Rohrbruch zu, stutzt und\ntut, als bemerke er erst jetzt Frau Rohrbruch)\noh, Verzeihung.\nRohrbruch (wendet sich um und reicht ihm\ndie Hand): Kroller, das freut mich (stellt vor)\nhier, Schatz, mein alter Studibruder Kroller.\nKroller (verbeugt sich galant): Gnädige Frau\nScherwenz und Murx (treten in die Türe)\nRohrbruch (erfreut): und da, da ist die ganze\nKorona, das trifft sich famos, nun kann ich sie\ndir gleich alle vorführen, Kind, die Getreuen,\nunter denen ich gehaust habe, hier, mein lieber\nFreund Scherwenz, genannt Loch, du findest\nkeinen festeren Mann im Trunk. Und hier (zieht\nden etwas zaghaft zurückstehenden Murx heran)\nunser Bierdichter Murx, er rezitiert dir die\nwunderbarsten Bierverse, wenn er voll ist, des\nGeistes\nScherwenz und Murx (verbeugen sich eckig,\nman merkt ihnen die Verlegenheit über Rohr-\nbruchs Erklärungen an)\nFrau Rohrbruch (lacht unbefangen und\nreicht allen dreien die Hand, die sie mit tiefer\nVerbeugung nehmen, zuletzt dem Murx): oh,\nSie Dichter! Sie sind also eigentlich das höhere\nElement hier in diesem Kreise?\nMurx (stottert unter tiefen Verbeugungen ver-\nlegen): sehr schmeichclhaft, Gnädige Frau\nRohrbruch (lustig): ja, meine Frau wollte sich\nmal in meinem alten Milieu umsehen, einen Ein-\nblick tun in mein vorsündflutliches Leben.\nKroller (galant): ein herrlicher Einfall, gnädige\nFrau, der uns diese hohe Ehre verschafft\nFrau Rohrbruch: Sie haben wohl nicht oft\nDamenbesuch?\nKroller (sicher): leider nein."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8719, "texte": "Frau Rohrb r u c Ii (lustig, etwas burschikos\nauflachend): ja, ja, ich komme ■ungewohnt, man\nmerkt\nK roll er (leicht betroffen): Gnädige Frau emp-\nfinden? oh, entschuldigen (rückt »hastig einen\nSessel), wir haben Ihnen ja nicht einmal einen\nStuhl angeboten.\nFrau Rohrbruch: so meinte ich das aber\nnicht (sie setzt sich)\nKroll er: ja, Sehen gnädige Frau, wir Jung-\ngesellen. uns fehlt so die richtige Luft.\nFrau Rohrbruch (belustigt): was, wie meinen\nSie das?\nKroll er (sucht nach Worten): na, so, wir emp-\nfinden jetzt schon die ganze Umgebring hier\nanders, behaglicher, schöner, seitdem\nRohrbruch (ulkt): aufs Schwadronieren ver-\nsteht er sich.\nMurx: rede -du nicht, ja\nKroll er (galant): ja, den (besten Beweis, für\ndas was ich sagen will, liefert Ihr Gatte ja selbst.\nRohrbruch (schmunzelnd): macht meine Frau\nnicht eitel.\nFrau Rohrbr uc h (natürlich): ach, doch, ich\nglaube es wohl. Das ist ja auch was, worauf\nwir Frauen stolz sind, daß wir einen wohltuen-\nden, beruhigenden Einfluß auszuüben vermögen,\nauf (scherzhaft) .... solche Stürmer und\nDränger.\nKro 11 e r (setzt sich mit melancholischem Augen-\n■ aufschlag in den Sessel ihr gegenüber und ver-\ni schlingt die Hände auf den Knieen)\nTombeck (ruhig): Gnädige Frau, dürfen wir\nIhnen etwas anbieten?\nFrau Rohrbruch: danke schön\nT e m b e c k (leicht scherzhaft): Sie könnten dann\ngleich mal einen Einblick gewinnen, in unsere\nNahrungssorgen.\nFrau Rohrbruch (lustig): dann allerdings\nMurx (rennt zur Tür)\nKro 11 e r (springt auf): ich werde sofort alles\nveranlassen.\nFrau Rohrbruch: aber keine Umstände, bitte\nich, nichts holen lassen, das wäre Vorspiege-\nlung falscher Tatsachen.\nKr oller (galant): Gnädige Frau, die echte Gattin\neines Juristen.\nFrau Rohrbruch (nickt ihm lächelnd zu): es\nbildet sich so eins am andern.\nMurx (noch in der Tür): Mensch, was mußt du\nnoch gebüdet werden (er verschwindet lachend)\nKro 11 e r (hinter ihm)\nRohrbruch (lacht): ja, alles mit der Zeit.\nScherwerz (geht ebenfalls raus)\nT embeck (hat inzwischen die Kommoden-\nschublade geöffnet und darin rumgekramt; er\nholt einen Teller mit einigen Wurstzipfeln raus,\nein Stück Brot und Butter in Papier, hält es\neinen Augenblick versteckt in den Händen, legt\ndann hilflos alles wieder in die Lade zurück und\ngeht zur Tür): ich werde erst mal ein paar\nTeller kommen lassen.\nFrau Rohrbruch (steht auf): nein, nein, ich\nwill es gerade so haben. Kommen Sie, ich werde\ndie Hausfrau spielen (sie tritt an die Schublade\nheran, schlägt überrascht die Hände zusammen\nund lacht) o, welch köstliches Stilleben, und da\nsuchen die Maler immer nach neuen Motiven\nMurx (tritt ein, die Tür mit dem Fuße aufstoßend,\nim Arm eine Kruke Steinhäger und ein paar\nSchnapsgläser, über dem andern Arm am Bind-\nfaden herabbaumelnd einen angeschnittenen\nSchinken)\nFrau Rohrbruch (lacht hell auf): so, so ists\nrecht. Sehen Sie, Sie haben mich verstanden\n(nimmt ihm Flasche und Gläser ab und stellt\nalles auf den Tisch; sie streift dann den Mantel\nrunter, wobei Rohrbruch und Tembeck zu-\nspringen) nun wirds gemütlich.\nMu r x (streift den Schinken ab und legt ihn auf\nden Tisch, geschmeichelt): ja, gnädige Frau.\nFrau Rohrbruch (springt zu): oh, die schöne\nDecke (sie hebt den Schinken hoch und sieht\nsich suchend um)\nRohrbruch (wischt gemütlich über die Decke\nund betrachtet seine Hand): sag lieber der gute\nSchinken.\nFrau Rohrbruch: haben Sie keinen Ieller?\nKro 11 e r (tritt ein): es kommt alles, gnädige Frau\n(springt zu und nimmt ihr den Schinken ab) aber\nwer hatt denn den so hier reingebracht?\nFrau Rohrbruch (wehrt ab): nun lassen Sie\ndoch\nKroll er (nimmt ihn ihr ab): nein, nein. Teller\nund Schüsseln kommen sofort (er dreht sich hilf-\nlos mit dem Schinken um und hängt ihn dann\nan den Bettpfosten, wütend Murx zuraunend):\nMensch, ganz verrückt geworden? hast nicht\nfürn Sechser Lebensart im Leibe?\nScherwenz (bringt einen Postkarton rein): so,\ngnädige Frau. Entschuldigung für einen alten\nBierstudenten, aber ich bringe Ihnen meine Vor-\nräte gleich in Originalatrappe (er stellt das Paket\nauf den Tisch)\nFrau Rohrbruch: aber das ist ja reizend,\nvon wem ist denn das Paket?\nScherwenz (hebt den Deckel ab): von meiner\nBraut, gnädige Frau, soeben angekommen (er\nbrüllt) Teller!\nMurx (reißt die Tür auf und brüllt in den Flur\nhinaus): Teller, was ist das für eine Wirtschaft?\nKroller (gibt ihm einen Rippenstoß): brüll nich\nso.\nScherwenz (nimmt aus dem Paket eine große\nin Papier gewickelte Schlackwurst und wickelt\nsie aus)\nFrau Rohrbruch (bewundernd): oh, wir be-\nrauben Sie.\nRohrbruch (lacht): das ist er gewöhnt, Kind.\nDie Braut hat uns schon mehr wie einmal vom\nHungerstode errettet.\nFrau Starsch (trägt ein Tablett mit Tellern,\nMessern, Gabeln): ik komme schonst, dät Je-\nschreie, däs jeht ja her, wie uff Hochzeit.\nFrau Rohrbruch (lacht und nimmt Teller und\nBestecke vom Tablett, alle springen diensteifrig\nzu) wann wollen Sie denn heiraten?\nScherwenz (nachdenklich): ja\nFrau Rohrbruch (tröstend): die Zeit kommt\nauch.\nFrau Starsch: Kinder, aber doch erst n Tisch-\ntuch (sie stellt das Tablett aufs Bett, nimmt ein\nTischtuch und faltet es auseinander, während\nScherwenz sein Paket hält und die übrigen die\nbereits hingesetzten Teller und Bestecke fort-\nnehmen und halten)\nPohrbruch: Mutter Starsch weiß immer, was\nsich gehört.\nFrau Starsch (selbstbewußt): nunich Jnädij-\nste, mit de Ordnung, wissen Se, wat dat hier\nheeßt, Ordnung, son bischen blos durchhalten\nRotirbruch (ulkt): Sie hats wirklich schwer.\nFrau Starsch (ruhig): Sie waren immer noch\neener von de ruhigsten, ja, mit de wenigsten An-\nsprüche.\nFrau Rohrbruch: siehst de Männe, das\nfreut mich, nun hör ich dich doch mal loben,\nFrau Starsch: ja, höchstens Abends, wenn er\nden janzen Dag jesoffen hatte, dann jingt los.\nMurx (lacht hämisch)\nKroller (tritt neben Frau Starsch mit Handbe-\nwegung, aber einen scherzhaften Ton wahrend):\nwena: Sie jetzt nich däs Mund halten.\nFrau Starsch (pomadig): Sie? (während sie\ndeckt) bei Tag und bei Nacht? und denn andere\nLeute Ruhe jebieten? nee. Wissen Sie, Jnädijste,\nik bin jejen meine Herren wie ne Mutter,\n(brüllendes Gelächter)\nFrau Ronrb r u c h (hat sich schon vorhin in\neinen Sessel fallen lassen und lacht in ihr\nTaschentuch)\nMurx (in tiefem Tone), Mutter Starsch, Mutter\nStarseh!\nFrau Starsch (deckt seelenruhig und mit\nWürde weiter, die Gabeln und Messer noch am\nTischtuch nachwischend): wenn se man alle sone\nMutter hätten.\nKr 01l er (reibt die Füße an den Waden): dann\nwürden die Eisbeine billiger werden.\nFrau Starsch (sieht ihn über die Schulter an,\nrullig weiterdeckend): haben Sie nich meer-\nschtendeels überjeheizt?\n(Lachen)\nFrau Starsch: Ja, Jnädijste (stellt Butter und\nBrot und zum Schluß ein Körbchen mit Schrip-\npen hin) dat werden Se ja ooch noch erleben,\nanerkannt is nich bei de Männer. Un de Schrip-\npen stifte ik.\nFrau Rohrbruch: das ist reizend von Ihnen.\nKroll er (zu Frau Starsch, die das Tablett vom\nBett nimmt und rausgehen will, halb großspurig,\nhalb bittend): haben Se noch ne Flasche Wein\nim Haus, Frau Starsch?\nFrau Starsch (überhört ihn): guten Appetit.\nKroll er (ihr nach): ne Flasche Wein\nFrau Starsch (in der Tür)\nKr oller (nervös, aber mit Selbstbeherrschung):\nseit wann sind Sie schwerhörig, Frau Starsch?\nFrau Starsch (setzt ein paar mal an, dann):\nwat macht Ihre Jicht! wie? können Se bald\nwieder in die Tasche langen (sie tut, als greife\nsie in die Tasche, geht raus und schlägt die Tür\nhinter sich zu)\n(Lachen)\nScherwerz (hat inzwischen weiter ausge-\npackt)\nFrau Rohrbruch (nickt ihrem Mann zu)\nRohrbruch (versteht): also den Wein spen-\ndiere ich.\nKroller: aber Mensch, du als Gast\nFrau Rohrbruch: das gestatten die Herren\ndoch, daß ich auch etwas zugebe zu dem Pick-\nnick.\nKroller (galant): unter diesen Umständen,\ngnädige Frau, das ist uns allerdings eine be-\nsondere Ehre.\nRohrbruch (zieht die Börse und nimmt ein\nZehnmarkstück raus, es in der Hand haltend):\nalso, zwei Flaschen wollen wir sagen, nicht\nwahr? Brauneberger.\nMurx: feudal!\nKroll er (hält die Hand hin): komm her\nRohrbruch (gibt ihm das Geld)\nKro 11 er: Zehn Mark, Donnerwetter! (er geht\nselbstbewußt zur Tür) so (in der Tür, herrisch)\nFrau Starsch, ach bitte doch!\nFrau Starsch (behäbig draußen): nu?! (sie\nerscheint in der Tür, sich die Hände an der\nSchürze abtrocknend)\nKroll er (reicht ihr das Geldstück mit Pose):\nzwei Flaschen Brauneberger, verstehen Sie,\nzwei Flaschen . . Brau . . ne . . ber .. Ger . .\nFrau Starsch (sieht prüfend das Geldstück an\nund murmelt etwas, wendet sich dann, die\nSchürze abbindend zur Tür)\nKro 11 e r (setzt sich triumphierend an den Tisch)\nMurx: däs war Trumpf!\nScherwenz (stellt die leere Schachtel beiseite)\nFrau Rohrbruch: nun sieh mal Männe (weist\nauf die Teller mit Wurst und Schinken, die\nScherwenz aufgehäuft hat) ist das nicht delikat?\nsolche Braut"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8785, "texte": "Scherwer z (tapsig galant, überreicht ihr ein\nBlumensträusschen, das aus dem Paket fiel)\nFrau Roh rbruch: das darf ich nicht anneh-\nmen . . das hat Ihr Fräulein Braut für Sie be-\nstimmt.\nScherwenz (verwirrt): ja\nKroller (kommt ihm zu Hilfe): kann die Spen-\nderin eine bessere Verwendung wünschen, als\ndaß ihre Blumen einem hohen Besuche geweiht\nwerden?\nFrau Rohrbruch (widerspricht): ooh, das\nglaube ich doch, (zu ihrem Mann) hast Du das\nmit meinem Blumen auch gemacht? (sie nimmt\ndie Blumen und sieht sich suchend um)\nTembeck (springt auf, nimmt ein Wasserglas\nvom Waschgestell, spült es etwas aus und\nschüttelt Wasser aus der Karaffe hinein)\nRohrbruc h (hastig): nein, gewiß nicht, Kind.\nFrau Rohrbruch (nimmt das. Glas von Tem-\nbeck, stellt die Blumen hinein und setzt sie vor\nScherwenz auf den Tisch): so sehen Sie, so wol-\nlen wir das machen. Und nachher nehmen Sie\ndas Sträusschen mit auf Ihr Zimmer, das freut\nIhr Fräulein Braut mehr (scherzend) als schen-\nken Sie es der schönsten andern Frau.\nScherwenz (verbeugt sich leicht verlegen):\ndanke\n(Während der 'Folge wird gegessen, alle be-\nmühen sich .der größten Aufmerksamkeit gegen\nFrau Rohrbruch; sie schneidet' die Wurst vor\nund benimmt sich überhaupt leicht und unge-\nzwungen mit etwas burschikosem Anhauch als\nHausfrau)\nFrau Rohrbruch (zu ihrem Mann): du, war\ndenn das auch wahr?\nRohrbruch (selbstbewußt): aber Kind, deine\nBlumen haben immer auf meinem Schreibtisch\ngestanden.\nMurx (herausplatzend): jawohl, stand hier immer\nalles voll Blumen\nFrau Rohrbruch (leicht erstaunt): das kann\nnicht sein, so viel habe ich doch garnicht ge-\nschickt.\nRohrbruch (bezwingt seine Verlegenheit): na\nja, die alten welkten, und frische kamen zu, so\nwurden es denn schon mal (mit einem wütenden\nBlick auf Murx) . . . meh . . re . . re . . . (zärt-\nlich) ... ich konnte mich nicht recht davon\ntrennen\nMurx (hastig): ja, ja, so meinte ich das auch.\nIch glaube, es liegt noch ein Sträusschen (er\nspäht unters Bett und will sich erheben)\nFrau Rohrbruch (erbleicht): wie?\nKro 11 e r (gibt ihm einen Stoß, daß er auf den\nSitz zürtickfällt): das ist meins, ich fands vor-\nhin verwelkt in der Tasche.\nFrau Rohrbruch (wieder beruhigt und lustig\nzu Murx): Sie sind ein zu spaßiger Herr, Sie\nerinnern mich an eine Freundin, die war auch\nimmer so ... so . . (bricht ab) Sie sind wohl sehr\nschwärmerisch veranlagt?\nMurx (eifrig, geschmeichelt): 0.., Gnädige Frau\n(sucht altverständig zu sein) nur, ich sage mir\nimmer, so lange ich doch nicht ans Heiraten\ndenken kann\n(ausbrechendes Gelächter)\nKr 01l er: nein, gnädige Frau, ich muß unserm\nFreunde beispringen, er findet sich in Damen-\ngesellschaft wirklich nicht recht aus.\nMurx (wütend): du\nFrau Rohrbruch (lenkt ab): haben Sie keine\nbekannten Familien?\nKroll e r (eifrig): o doch, und es ist sehr nett da.\nFrau Rohrbruch: nun Sehen Sie\nMurx: ja, es ist aber doch nicht, (sucht nach\nAusdruck)\nFrau Rohrbruch: was denn?\nRohrbruch (unruhig): na, laßt nur.\nFrau Rohrbruch (zu ihrem Mann): hast du\ndich früher auch vereinsamt gefühlt?\nRohrbruch (faßt zärtlich ihre Hand): erst jetzt\nweiß ich, wie einsam ich war\nFrau Rohrbruch: erzählen Sie mir doch\netwas von meinem Mann.\nRohrbruch (lenkt ab): wo bleibt nur der\nWein?\nScherwer. z (erhebt sich und geht raus): ich\nwerde nachsehen.\nMurx (springt auf): wir könnten bis dahin einen\nSchnaps trinken\nRohrbruch (spottet): Deinen Steinhäger?\nKroller (erhebt sich): ich habe einen Curaao\nMur x: ja ja . .\nFraußohrbruch: Sie trinken süßen Schnaps?\nKroll er: ich? nein.\nFrau Rohrbruch (lacht): wer denn?\nKro 11 e r (leicht verwirrt): nun ja (in plötzlichem\nEinfall) meine Mutter war letzhin hier . . .\nFrau Rohrbruch (arglos): so, Ihre Frau\nMutter.\nRohrbruch (springt ein): du kannst dir\nübrigens die anderen Buden auch mal ansehen,\nKind, bei Gelegenheit, vielleicht interess . . .\nFrau Rohrbruch (springt auf und klatscht\nvor Vergnügen in die Hände): ja, die andern,\ndann würde ich den vollständigen Eindruck be-\nkommen. Wenn die Herren?! (Zustimmung)\nPohrbruch (unruhig): aber wir wollen sie doch\nerst zurecht machen lassen\nScherwenz (der mit entkorkten Weinflaschen\nim Arm und Gläser in der Hand reingekommen\nist und alles auf dem Tische plaziert): mein\nZimmer ist fertig, wie ich eben gesehen habe,\ndas können gnädige Frau gleich\nFrau Rohrbruch: aber das ist ja sehr inter-\nessant, ich brenne darauf . . . nachher trinken\nwir dann auf die ganze Kolonie, was Männe?\nRohrbruch (steht auf): na ja.\nMurx (springt diensteifrig an die Tür)\nScherwenz: bitte . . .\nFrau Rohrbruch, Scherwenz und\nRohrbruch (gehen raus)\nKroJler (lehnt hinter ihnen die Tür an, macht\nFaxen und balzt): o\nMurx (fiebernd): hast du die Beine gesehn? die\nKnöchel?\nT embeck (unwillig): Ist hier Viehmarkt?\nMurx: oh, Vieh (er stößt die geballten Fäuste\nnach unten) so mal Vieh sein, ganz Vieh sein\n(schlägt die Faust vor die Brust) toben, sättigen,\nleben, oooh . . . ich . . . ich glaube, danach wird\nman ein besserer Mensch.\nTembeck (tritt angeekelt zum Schreibtisch)\nRohrbruch (tritt ein zu Murx): es ist doch\nalles in Ordnung? keine Bilder? und so\nMurx (gereizt): reg dich nicht auf!\nRohrbruch: gut daß ich das hier noch recht-\nzeitig sah\nT embeck (mürrisch): das hing noch aus deiner\nZeit (nimmt das Bild vom Schreibtischaufsatz\nund wirft es hinter den Vorhang) ich hab mich\nnicht weiter drum gekümmert.\nRohrbruch (getroffen): ach (wütend) ihr seid\nalle miteinander (verschluckt das Wort)\nMurx (im Herausgehen): und was bist du? du\nstinkst jetzt vor Feinheit.\nRohrbruch (lacht und sieht ihm kopfschüttelnd\nnach, wendet sich dann zu Tembeck): wir kön-\nnen vielleicht schnell mal unsere Sache durch-\nsprechen (tritt zum Schreibtisch und blättert)\nwas macht die Arbeit? Literatur en masse, was?\nTembeck: danach wäre die Aufgabe längst ge-\nlöst.\nRohrbruch: ja, Papier (nimmt ein Blatt auf)\nschau (liest) die Natur des Mannes muß\nals polygam angesprochen werden (legt das\nBlatt wieder hin, trocken) das mach dir ab.\nT embeck (erstaunt): wie?\nRohrbruch (kurz): Quatsch\nTiembeck: ich glaube, das ist sogar noch ne\nImpfpocke von dir.\nRohrbruch (ärgerlich): früher, ja.\nTembeck (setzt sich auf die Bettkante): so.\nRohrbruch (ausbrechend): jawohl, krank,\nkrank, immer krank. Ihr alle miteinander, min-\ndestens überreizt (tippt sich mit dem Finger auf\ndie Stirn) das Blut steht euch im Kopf, das Blut,\ndie ganze Welt ist verzerrt, euch, ein Weib,\nein Weib, weiter nichts.\nT& m b e c k (fährt sich über die Stirn)\nRohrbruch (klopft ihm vertraulich auf die\nSchulter): ich weiß Bescheid, Junge, habs am\neigenen Leibe erfahren. Und. dann nicht rnebr\nalle Gedanken voll haben, immer nur von der\neinen Qual (stöhnt) Teufel, ja, arbeiten, immer\nnur arbeiten, um etwas tot zu kriegen in sich\nTembeck (stiert vor sich hin)\nRohrbruch: Körper und Geist im Gleichge-\nwicht haben, jawoll, im Gleichgewicht (reckt\ndie Arme) verheiratet sein, die ganze Welt, altes\nist verändert, innen und außen, Zentnergewichte\nfallen ab ... du kriegst eine Kraft . . . eine Ruhe\n(lautes Gelächter draußen)\nRohrbruch (geht zur Tür und legt die Hand\nauf die Klinke)\nT embeck (schaut auf): was hast du?\nRohrbruch (unentschlossen, unruhig): nichts.\nTembeck (lächelt spöttisch)\nRohrbruch (barsch): was lachst du?\nTembeck: oh, die Ehe hat auch ihre Beun-\nruhigungen, scheints\nRohrbruch (läßt die Klinke los und tritt ein\npaar Schritte in das Zimmer zurück, wütend):\nBeunruhigungen, verrückt, du bist verrückt\n(geht kurz entschossen wieder zur Tür) Hf\neinem Irrenhause soll man vorsichtig sein.\nTembeck (aufsässig): oh\nRohrb r u c h: ja, ihr seid eine Gefahr, ihr, grade\nihr, für alle, eine Gefahr für das Ganze,\nT embeck (lacht laut auf)\nFrau Rohrbruch (tritt lachend ein, hinter ihr\ndie andern): du, Männe, ich bin entzückt\nRohrbruch (mißtrauisch): wie?\nFrau Rohrbruch (zieht Murx am Arme\nvor): ja, hier, er ist wirklich ein Schwärmer.\nRohrbruch (gepeinigt): so?\nFrau Rohrbruch: ja wer sein Mütterchen so\nin Ehren hält\nRohrbruch (leicht erstaunt): Mütterchen?\nFrau Rohrbruch: ja, das Bild, über seinem\nBett, hast du das noch nicht gesehen, gleicH\nneben dem Kopfkissen?\nRohrbruch (erschrickt und starrt fassungslos\nauf Murx)\nFrau Ronrbruch (stutzt und w,endet sich zu\nMurx): ohhhh . . .\nMurx (verteidigt sich): nein, gnädige Frau, das\nhängt schon da, so lange, bitte sehr, bitte, die\nTapete ist ganz dunkel dahinter\nFrau Rohrbruch (impulsiv): das muß ich\nsehen (sie eilt raus)\nMurx (ihr nach): bitte sehr, bitte (die Tür bleibt\noffen)\nR ohrbruch (aufatmend): das hat er wohl ge-\nschickt ausgewechselt, wie?\nKrolLer (schlägt ihm auf die Schulter): Donner-\nwetter, Junge, dein Weibchen, Donnerwetter!\nda packt einen der ganze Jammer.\nScherwenz (nachdenklich): ja, Jammer\nRohrbruch (hat sich erholt und schwadro-\nniert): ja5 heiratet Kinder, das ist das einzig\nrichtige. Heiraten, je eher, um so besser. Wirk-\nlich, wenn ich euch sagen kann"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7345, "texte": "Frau Rohrbruch (tritt ganz verstört in die\nTür und winkt ihrem Mann)\nFrau Ronrbruch (hält sich das Taschentuch\nvors Gesicht): O, plötzlich, mir ist so (tritt ein\nund langt nach ihrem Mantel)\nRohrbruch und die übrigen springen dienst-\neifrig zu\nRohr bruch (drängt alle beiseite und hilft seiner\nFrau in den Mantel): was ist geschehen?\nFrau Rohrbruch (mühsam beherrscht):\nnichts, nichts, die Herren müssen mich schon\nentschuldigen (sie geht mit leichtem Kopfnicken\nraus)\n(Alle stehen betreten, blicken sich gegenseitig an\nund verbeugen sich noch nachträglich)\nPohrbruch (rafft Hut und Mantel zusammen\nund eilt seiner Frau nach): was ist denn nur\nlos?\nTembeck (nach einer Weile): was war?\nKr 01l er: ich weiß nicht (er fährt dann plötzlich\nhoch) oh?!\nTembeck und Scherwenz (blicken ihn an)\nTembeck (versteht): unmöglich\nMurx (tritt in die Tür, selbstgefällig lächelnd;\ner sieht sich überrascht um): wo ist unser Be-\nsuch?\nTembeck (blickt ihn scharf an): fort\nKroll er (nimmt ihn ebenfalls scharf ins Auge):\nder jungen Frau ist schlecht geworden\nMurx (erst bestürzt, nickt dann sicher und selbst-\ngefällig vor sich hin): jungen Frauen wird schon\nmal (lacht zynisch)\nKro 11 e r (gibt die Beobachtung beruhigt auf und\nsetzt sich): na ja\nMurx: das bringt das Heiraten mit sich.\nScherwenz: aber Rohrbruch ist glücklich. Wie\nhat er sich verändert.\nTembeck (trocken): ja\nKroll er: Flitterwochen\nScherwenz: er liebt seine Frau.\nKr oller (nachdenklich): Liebe, wißt ihr, was\nLiebe ist?\n(Stumme Bewegung)\nKro 11 e r (halb zu sich): ich hab manchmal son\nGefühl ne Träne im Auge, so zufrieden, mit Gott\nund der Welt, dankbar, müde, jugendduselig,\naber dann bin ich immer satt.\nTembeck (still): Tier\nKro 11 e r (steht auf): nein, Mensch! ist s in dem\nPunkte verflucht unterscheidbar?\nMurx (lacht zynisch): un de Weiber sind nicht\nbesser\nKro 11 e r (grunzt höhnisch): du mußt s ja wissen\nMurx (steckt die Hände in die Taschen und geht\nselbstbewußt auf und ab): ja!\nKr 01l er (wird wieder argwöhnisch, behält aber\nimmer noch den spöttischen Ton): so?!\nMurx (bleibt stehen und schreit ihm ins Gesicht):\nja!\nKroller (faßt ihn plötzlich am Arm): du hast\ndoch etwas mit der Frau gehabt!\nMurx (erst bestürzt, dann frech): ich?!\nKr 01l er: ja!\nMurx: nein!\nKroll er: Lügner!\nMurx (stürzt sich auf ihn, sie ringen)\nKroller (wirft Murx zu Boden und kniet auf\nihn)\nMurx (keuchend, wütend): Neidhammel!\nKr 01l er (stößt Murxs Arme von sich, daß die\nFäuste auf den Boden schlagen und steht auf)\nMurx (springt auf, schäumend vor Wut): Neid-\nhammel! Neidhammel! ja . . Großmäuler, ihr!\nich rühr kein Weib an! ich? habt ihr nicht ge-\nsehen, wie sie mich bevorzugt hat, vor euch\nallen? (mit Pose und verschränkten Armen)\nnicht nein gesagt hat sie, nicht mal abgewehrt\n(prahlt und höhnt) ein Rendezvous hab ich ver-\nabredet, ein Rendezvous mit ihr, jawoll, nichts\ngesagt hat se, aber sie kommt, sie kommt, das\nhab ich ihr ange . . .\nKro 11 e r (hebt -die Fäuste gegen Murx, als wolle\ner ihn niederschlagen, wendet sich dann aber\nvoll Ekel ab)\n(Alle wenden Murx den Rücken)\nMurx (verständnislos, betroffen): was, was,\nwenn ihr mal Weiber habt\nKro 11 e r (wendet sich um und weist mit erhobe-\nner Hand zur Tür)\nMurx (schlotternd, stammelnd): w... w... das.,\ndas ... laß ich mir nich gefal...\nI( ro 11 e r (wendet ihm wieder verächtlich den\nRücken)\nMurx: ge ... g... ge .. fallen ... (er ballt im Wut-\nanfall die Fäuste als wollte er sich auf Kroller\nstürzen, klappt dann aber plötzlach ab und\nwankt raus)\nKrolle r (trommelt erregt mit den Knöcheln auf\nden Tisch, nach einer Weile): so. Was sagt ihr\nnun?\nT embeck (zuckt die Schultern und wendet sich\nzum Schreibtisch, wo er in Papieren blättert)\nKro 11 er: ... die... Blamage.\nScherwenz (steht nachdenklich am Fenster):\narmer Kerl\nKroller (braust auf): ein Schuft, ein Schuft!\nScherwenz (hebt abwehrend die Hände)\nKr 01l e r: du?!\nScherwenz (ruhig): wir brühen alle in dem-\nselben Kessel\nMurx (stürzt rein in wilder Aufregung, zermürbt\nund zerschlagen, schreiend): ihr... ihr... wie..\nwie . . . helft .. . helft .. . mir .. . mir doch .. .\nich sehe . . . seh ich ... sie war arglos . . . .\nso arglos .... (schlägt sich' verzweifelt vor die\nBrust) ich . . . Lump! elender Hund! (alle haben\nsich von ihm abgewendet; Scherwenz steht am\nFenster, Kroller hat am Schreibtisch ein Zei-\ntungsblatt aufgenommen und liest, Tembeck\nblättert am Schreibtisch)\nScherwenz (nach einer schweren Pause): die\nSonne kommt heute nicht mehr durch.\nT embeck (nimmt mit belegter Stimme das Ge-\nspräch auf): dann kommt sie morgen\nScherwenz: am morgen, ja, morgen (gähnt)\nKro 11 e r (blättert in der Zeitung): da ist doch\nschon wieder, eins, zwei, ja, alles Lustmorde.\nMurx (der ganz vernichtet dagestanden und\nmehrfach zum Sprechen ansetzend von einem\nzum andern geschaut hat, zuckt bei dem\nWorte „Lustmorde\" zusammen und stammelt\netwas unverständliches; dann schleicht er, sich\nnoch einmal scheu umblickend, wankend hinaus)\nTembeck: was sagt er?\n(Alle schweigen)\nScherwenz (wendet sich nach einer Pause um,\nbestimmt): und er ist doch ein armer Kerl!\ntrotz allem (geht zur Tür) in solchen Stunden\nbraucht der Mensch einen anderen, ich werd\nihm zureden, er soll umsatteln, Medizin stu-\ndieren, hat schon manchen geheilt, so n paar\nLeichen sezieren. Das macht nüchtern (er geht\nraus)\nKrolder (macht eine Gebärde des Ekels): oah!\n(setzt sich und stützt den Kopf in die Hand)\nTembeck (blättert am Schreibtisch)\nScherwenz (tritt ein, bestürzt): er hat sich\neingeschlossen, das tut er doch sonst nicht\nTembeck (erschrocken): er hat Gift, er sprach\nvon . . er hat sichs besorgt\nKr 01l er (unwillig): Quatsch! schlafen lassen, er\nschämt sich, das ist alles. Zu weiterm langt\nseine Energie nicht mehr. Und wenn, was ist\nan ihm verloren?\nScherwenz: was ist an uns verloren?\nKro 11 e r (steht auf): nun, ich bin noch nicht so\nweit! und ehe verstumpft, verseucht, verzehrt,\nhols der Teufel (schenkt sich ein Glas ein) bei\nmeines Vaters Gut, der Nachbar, eine alte ehr-\nliche Haut, mein Mädel hat Bäckchen wie Appel.\nDie Klitsche äst nicht groß, aber wenn man\nselbst mit arbeitet . . . Ich häng den ganzen\nDreck an n Nagel und werde Bauer (trinkt)\nScherwenz (stumpfsinnig): eigener Herd aui\neigenem Grund, am Ende ein Weg für Viele\nT embeck (schnappt auf): Bodenreform.\nKrolle r (setzt -das Glas auf): ihr seid alle beide\nverrückt! total verrückte\nScherwenz (geht raus): gute Nacht!\nKroller: und der hat wirklich einen bösen\nKnacks.\nT embeck (hat sich an den Schreibtisch gesetzt\nund beginnt eifrig zu schreiben)\nKroll er (tritt zu ihm): was hast du?\nT embeck (fährt auf): nun wieder nichts, gar\nnichts! (er wirft ärgerlich die Feder hin) eins,\noder eines doch (springt auf) wie es ist, ist\nes eine Verschwendung von Menschenkraft son-\ndergleichen.\nKroller (stutzt): so? ach. Na siehst du. Don-\nnerwetter! schreib das hin! führ es aus, beweis\nes, tausend Beispiele warten, genug zu tausend\nDoktorarbeiten.\nT embeck (lacht bitter auf)\nKro 11 e r (ruhig und gleichmütig): nun es ist doch\nwas! mach du deine Arbeit, und ich heirate.\nSo hilft sich jeder wie er kann! nur gesund!\nHeilst du nicht Jahrtausende mit den paar\nBogen Papier, heilst du nur dich! so meine\nich's! (er tritt vom Tisch, schenkt ein, hebt das\nGlas, als trinke er jemandem zu) Prost Rose!\n(trinkt, schlenkert das Glas aus, stellt es hin\nund geht raus) ich reise noch heute!\nAus dem Nachlaß / Jugendarbeit"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.3.1", "titre_corps": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "19", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.3.2", "titre_corps": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "22", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.4", "titre_corps": "Kymrische Dichtungen : Nachdichtungen", "titre_sommaire": "Kymrische Dichtungen : Nachdichtungen", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.8", "debut_caractere": 7347, "fin_caractere_exclue": 8287, "texte": "Kymrische Dichtungen\nNachdichtungen\nAdolf Knoblauch\nGlanzschimmernde Spitzen\nGlanzschimmernde Spitzen der Eschen.\nSie sollen schlank und weiß sein,\nerwachsen auf der Höhung des Tals.\nSchwaches Herz, sehnend seine Klage.\nGlanzschimmernde Spitze der Klippe\nzur langen Stunde um Mitternacht.\nJeglich geistigem Selbst soll Ehre sein.\nDer in Qualen, Schlaf wird ihm zugestehen\ndie schöne Eine, pflicht-gedenkend.\nGlanzschimmernde Spitzen der Weide.\nDer Fisch scherzend im See.\nWind braust über der Aeste Spitzen.\nNatur ist höher als Bildung.\nGlanzschimmernde Spitzen des Ginsters.\nHalte dem Weisen Vertrauen,\nhalte zurück gegen den Unweisen,\naußer Gott ist keiner, der ganz errät.\nGlanzschimmernde Spitzen vom Klee.\nDer Furchtsame hat nicht Herz.\nEifersüchtige erschöpfen sich selbst,\nSchwachem ist Sorge eigen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Schilfhalme.\nDem Eifersüchtigen, tobend,\nkann kaum genügt werden.\nDes Weisen Tat ist: aufrichtig lieben."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6342, "texte": "Glanzschimmernde Spitzen der Berge von\nWinterstürmen.\nWelk, gebeugt ist das hohe Gras.\nGegen Hunger gibt es nicht Verschämtheit.\nGlanzschimmernde Spitzen von Bergen.\nWinterkälte dringt herein.\nZerbrechlich das Röhricht. Reif überm Grab.\nGewaltsam verging sich Torheit in Haft.\nGlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nBittere Eschenzweige. Süße Pastinake. Woge\nbirgt Lachen.\nDie Wange soll nicht des Herzens Angst\nverheimlichen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Hundsrose.\nMühseligkeit hat nicht zierliches Betragen.\nSeines Lebens Reinheit laß Jeglichen bewahren.\nUnsitten sind höchste Befleckung.\nGianzschimmernde Spitzen vom Pfriemkraut.\nLaß den Liebenden bestellen.\nSehr gelb sind die vollgedrängten Zweige.\nSeicht die Furt. Es neigt der Zufriedene\nzu Schlafesfreude.\nGlanzschimmernde Spitzen des Apfelbaums.\nUmsichtig ist jeder Kluge.\nZänker des Andren, nachdem er geliebt,\nverläßt ihn Unvorsichtigkeit.\nGianzschimmernde Spitzen des Apfelbaums.\nUmsichtig ist jeder Kluge.\nStill stehender Sumpf am langen Tag ist\nvoll Fieber.\nDicht der Schleier vorm Licht des blinden\nGefangenen.\ntjlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nKalt rauscht der Strom.\nDas Vieh soll gebracht sein in die Birken-\numhegte Lichtung.\nAugenblicks eilt der Pfeil des Hoch-\nmütigen, um Pein zu geben.\nGlanzschimmernde Spitzen der harten Stechpalme.\nLaßt Gold austeilen.\nWenn alle in Schlaf fallen auf dem Wall,\nGott wird nicht schlafen, wenn er Be-\nfreiung verleiht.\nGlanzschimmernde Spitzen der Weide.\nEingeboren, anhangend, kühn soll das Krieg-\nroß am langen Tage sein,\nwenn an Blättern Ueberfluß ist.\nDie zu Einander Freundschaft haben,\nwerden nicht gegen Einander verachten.\nGlanzschimmernde Spitzen der Binsen.\nSie sollen stachlig sein, wenn unters Kissen\ngebreitet.\nDer unzüchtige Geist wird hochmütig sein.\nGianzschimmernde Spitzen des Hagedorns.\nZutraulich ist der Blick des Rosses.\nEs ist einem Liebenden eigen, Verfolger\nzu sein.\nMöge der emsige Diener Gutes tun.\nGlanzschimmernde Spitzen der Kresse.\nKriegerisch Roß. Der Bäume schöne Zier\nfür die Erde.\nFreudenvoll die Seele mit dem, das sie liebt.\nGlanzschimmernde Spitzen der Büsche.\nReich an Wert das Roß. Gut ist, mit Stärke\nVorsicht haben.\nDer Ungeschickte werde machtlos gemacht.\nGlanzschimmernde Spitzen des Haselstrauches\nam Weiher.\nNicht betrübt wird jeder Satte sein.\nEines Mächtigen Tat ist: einen Vertrag halten.\nGlanzschimmernde Spitzen der Gräser.\nDer Träge schwerfällig. Der Junge ein Lerner.\nNur der Törichte ward den Glauben brechen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Lilien.\nJeder Kühne sei Diener.\nDas Wort einer Familie wird Vormacht haben.\nZum Glaubenslosen paßt gebrochnes Wort.\nGlanzschimmernde Spitzen der Heide.\nDes Furchtsamen Teil ist Fehlschlagen.\nWasser wird eindringen in des Ufers Stirne\nDem Gläubigen ist eigen ungebrochenes\nWort.\nGlanzschimmernde Spitzen der Binsen.\nKühe geben Ertrag. An diesem Tag fließen\nmeine Tränen.\nTrost gibt es nirgends dem Elenden.\nGlanzschimmernde Spitzen des Farns. Gelb\nder Ackersenf.\nLedig alles Vorwurfs sind die Blinden.\nZur Lust streifen junge Burschen umher.\nGlanzschimmernde Spitzen des Speierbaumes.\nGewohnt zu sorgen ist der Alte und Bienen\nfür die Wildnis.\nAußer Gott giebt es keinen Rächer.\nGlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nOhn Aufhören ist Sturm, Bienen sind hoch.\nZerbrechlich das dürre Reisig.\nZum Wollüstigen paßt übermäßig Lachen.\nGlanzschimmernde Spitzen des Hains.\nBeständig sind die Bäume und die Blätter\nder Eichen fallen.\nGlücklich der die Eine sieht, die er liebt.\nBergschnee\nBergschnee. Rings um den Busch Wind.\nDer Himmelsschöpfer macht mich staiik.\nIst Gurnerth im Schlaf?\nBergschnee. Gott über allen Dingen,\nzu Ihm will ich beten.\nNein, ich kann nicht schlafen.\nBergschnee. Rings um das Haus Wind.\nBedeutet es, daß du sprichst,\nWas verursacht es, Gurnerth?\nBergschnee. Wind von Süden.\nIch will ursprüngliche Worte sprechen.\nWahrstes ist Tod.\nBergschnee. Weiß gedeckt übers Tal.\nJeglicher ist sanft zu ihm, von Dem er\nwertgehalten.\nMöge der Himmelsschöpfer dich erlösen.\nBergschnee. Weiß überdeckt der Baum.\nIch will unterschieden sprechen.\nEs gibt keine Stätte gegen das Gesetz des Himmels.\nBergschnee. Jegliche Feier soll gehalten sein.\nAus Furcht vor bekümmernder Angst am Tag\ndes Urteils\nwerde ich des Abendmahles Gnade hatten.\nBergschnee. Rings um das Haus Wind.\nEs bedeutet, daß du sprichst.\nMein Bruder, muß dies sein?\nDu Hoch-Begabter! Dich liebe ich.\nEs bedeutet, daß ich zu Gott bitten will.\nEs ist hohe Zeit, Llewelyn, ich sollt es empfangen.\nBergschnee. Rings um den Hügel Wind.\nDer Himmelsschöpfer wird mich halten.\nIst LleweSvn im Schlaf?\nBergschnee. Wind von Süden.\nIch will ursprüngliche Worte sprechen.\nNein, singen meine Stunden.\nBergschnee. Es ist gar leicht bekannt,\nwenn der Wind die Mauer umdreht.\nWeißt du, wer es sagt?\nBergschnee. Kühner des Sprechens,\nEs bedeutet, daß du sprichst.\nIch bin unwissend, so du nicht sprichst.\nBergschnee. Jegliche Hilfe\nsoll schicklichen Preis empfangen.\nDein Bruder Gurnerth ist hier.\nZuvorderst im Getümmel zu kraftgedrängter Tat\nist, der vom Geist getrieben wird.\nWas ist das Beste dir, Gurnerth?\nErstes, übergeliebt in jedem Brauch, und in\njeder Tat Tapfrem verwandt,\nist ein reines Leben bis auf den Tag des Gerichts,\nBestes, das ich fand: Almosengeben.\nDu Hoch-Begabter mit guten Eigenschaften.\nDie Lehre ist auf deinen Lippen.\nSag mir Beste der Almosen.\n■/ 112\nKühn der Geist. Wind überm See,\nwenn die Woge rings schlägt an die Höhe.\nDas Beste: Fleisch für der. Hunger.\nWenn iah Fleisch nicht erlange,\nes mit den Händen rrcht fasse,\nSag, was dann soll ich tun? !\n,\n\\\nZuvorderst im Getümmel, zu kräftiger Tat\nist jeder Tapfre, getrieben vom Geist,\ngib das Gewand, vor Nacktheit zu bewahren.\nMeine Gewänder will ich hingeben,\nmich selbst Gott übergeben.\nWrelchen Lohn werd ich da erhalten?\nWelch gute Dinge du gibst bei jeglichem Anlaß,\nkühn in deinem Vorrecht erhalte du das Angesicht\nt.nd du sollst hundertfältigen Himmel haben.\nSeit mit dem Frühdämmer ich dich liebe,\nfrage ich dich im gebundenen Wiort,\nmit Gott: welch' Ding das verhaßteste?\nVorzug, Geist, gleiches Wesen,\nWasser, das den Aufstieg hinanfließen soll.\nSchlimmstes des Trugs, wo es Vertrauen giebt\nWo ich Trug übe durch Vertrauen,\ndem erhabenen Gott mich bekenne,\nwelche Strafe wird mich befallen?\nUebtest du Trug durch Vertrauen\nohne Treue, ohne inneres Gesetz, ohne Glauben,\nsollst du siebenfach Buße halten."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Mit dem Taggrauen will ich dir glauben,\nund ich will Gottes wegen fragen,\nwie werde ich den Himmel erlangen?\nGutes, Böses sind ungleich,\nWind und Rauch, die sich streiten.\nTu Gutes Gottes wegen, der nicht zornig ist.\nKühn ist der Geist Jeglichem, der schützt.\nRosse, die rings es zu laufen treibt in der Wärme.\nBekenntnis ist aller Dinge Ende.\nWas du tust aus allem Uebermaaß,\naus Trug, Unterdrückung, Stolz,\nGottes wegen tu ein volles Bekenntnis."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.5", "titre_corps": "Ereignis : Kurt Heynicke", "titre_sommaire": "Ereignis : Kurt Heynicke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 2331, "texte": "Ereignis\nKurt Heynicke\nIch bin ein sonnenloser Abgrund. Meine Be-\nsinnung ist tot. Ich fühle nichts. Ich lese den\nBrief mit zerbrochenem Blick. Ich verbrenne in\nHaß und Verzweiflung, Melitta, die mich betrügt.\nSie ist eine kalte Flamme, Ein kreischender Ruf\nim Dunkeln.\nWir sind der Sturm. Ich bin Feuer und Schrei,\nHieb und Stich. Ich bin kein Körper, ich habe\nweder Lunge noch Herz. Die Luft brennt Feuer,\nRauch und Schreie. Ich bin eine Welle in dem\nMeere riesenhaften Lärmes. Und bin Vergessen\nund nichts.\nDer Morgen knistert. Flammen schneiden im\nNebel. Das Dorf stirbt. Ich wiege auf der Bahre.\nMein Fuß ist tot. Ich weiß nichts. Ich bin ein\nT räum.\nMelitta wächst aus dem Boden ihres hellen\nZimmers. Der Mond liegt auf ihrem Leibe und sie\nist nackend. Ich zähle jeden Strahl, der sie um-\ngleitet. Ich fiebere und bin ganz still. Aus jedem\nStrahl kriecht ein häßliches gelbes Spinnentier und\nalle wachsen um ihren Hals zum Schmuck. Mein\nBett ist eine linde Hand, wie meiner Mutter junger\nSchoß, als ich Kind war. Die Ruhe ist ein Wiegen-\nlied. Ich schlafe in das große Nichts.\nSie ist da. Sie liegt an meinen Lippen und ist\nTräne. Sie glänzt. Wie hohles Glas. Ich höre\nihren Mund und suche ihre Seele. Aber ich finde\nsie nicht. Ich gehe eine graue Ebene ohne Licht.\nUm ihren Hals ringelt ein Schmuck aus golde-\nnen Spinnen, eine Kette, die ich nicht kenne. Und\nmein Traum ist wach und schreit. Und ich kralle\nihren Hals. Und blute in den Schrei. Und sinke\nabwärts in die Nacht.\nIch bin der letzte Schlaf. Ich bin ein Blühen\nund bin die Hoffnung. Melitta ist tot für meine\nSeele. Ich schreite in ein neues Leben. Mit se-\nligem Schritte, denn ich bin neu und frei.\nNun bin ich alt. Ein Lächeln in das große Ge-\nheimnis, allein zu sein. Die Tannen glänzen. Der\nAbend fällt. Melitta, du warst die Liebe. Und ich\nwar in dir. Ich bin die Erinnerung. Und das Glück.\nDenn ich bin alt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.6", "titre_corps": "Die Puppe : Sophie van Leer", "titre_sommaire": "Die Puppe : Sophie van Leer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "debut_caractere": 2333, "fin_caractere_exclue": 3619, "texte": "Die Puppe\nSophie van Leer\nDer Stein ritzt die große Spiegelscheibe. Glas-\nstreifen zersplittert das Pflaster.\nDer Knabe steht vor der Blondgelockten. Ihre\nAugen weiten in Warten. Hände und Arme\nbreiten in Sehnsucht.\nEr bettet sie in Schmuck und Blumen. Kerzen\nbeten um ihr Gesicht. Und er küßt die toten\nGlieder. Seine Schläfen schmiegen ihre Stirn. Er\nwühlt die starren Füsse und deckt den warmen\nLeib über sie.\nUnd sein Leben strömt in sie. Zitternde Adern-\nstrahlen pflanzt er in ihre Lenden. Geboren regen\nsich die Füsse.\nUnd er senkt sein Herz in das weiße Wachs\nund kleine Brüste knospen. Zag klopft das Blut\nund zuckt und klimmt in ihren Nacken und flutet\nin die Wangen und scheucht die Stirnenblässe.\nHeber die bleichen Lippen wächst der erste Atem.\nWeit werden die Augen und blicken.\nUnd ihre Haut blüht und duftet, daß er in die\nKniee sinkt und weint in ihren Schoß.\nSein Blut wächst in Strömen, er türmt die\nHände um ihren Hals und klammert ihre\nSchultern. Rauschend umhüllen sie seine trunke-\nnen, taumelnden Worte.\nUnd sein Blut rollt.\nUnd sie schreitet durch die Gänge seiner Adern\nund ihre Fingern plätschern in dem Brunnen, der\nseinen Gliedern entquillt und ihr blondes Haar be-\ntaut.\nUnd ihre Arme ranken um sein Haupt und\nhängen Trauerweiden um sein sterbes Angesicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.7", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "Paul Hatvani", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "debut_caractere": 3621, "fin_caractere_exclue": 7593, "texte": "Notizen\nPaul Hatvani\nGespenster\nZu entscheiden, ob es in der Welt Gespenster\ngäbe oder nicht, ist viel leichter, als man glauben\nsollte. Man soll nur glauben: und dann gibt es\nGespenster. Der Gespensterglauben ist ein\ngraziöseres System von Weltbetrachtung, als es\ndie heutige Naturwissenschaft zu bieten vermag;\nes hat die Unbeschwertheit der Phantasie für sich,\ndie Gewandtheit des Geistes und die ungeheure\nPrämisse Wollust. Denn es ist ein überirdisch-\nschönes Spiel, das sich im Geistersehen der Geist\nmit der schwerfälligen Welt erlaubt. Die dunkle\nNatur, deren dämonisches Wesen in dieser armen\nZeit der Naturforschung ganz „aufgeklärt\" scheint,\nbelebt sich in unendlicher Anmut mit Wesen ihrer\neigensten Wesenhaftigkeit. Sie ist fürderhin nicht\nmehr tot, starr, ein Gesellschaftspiel für impotente\nGelehrten; sie erblüht in wunderbar naher Weise\nzu ewigem Leben.\nMan muß Gespenster nicht sehen, um daran zu\nglauben. Man muß sie sich nicht beweisen lassen.\nMan kann sie sich nicht anders beweisen, als\netwa einen schönen Gedanken, ein Kunstwerk,\n>einen allerhöchsten Augenblick. Man darf höch-\nstens ein paar Eigenschaften der Gespenster er-\nraten, ein—zwei psychologische Merkmale, die\nniemals trügen und betrügen.\nGespenster sind Träger unserer Gedanken im\nSpiele der Welt. Dieses ist zwar aus einer fal-\nschen Perspektive gesehen: denn eigentlich sind\ndie Gedanken nichts als Spiegelbilder der Ge-\nspenster. Und jene wirren Abenteuer des Geistes,\nbei denen das ewige Für und Wider einem Un-\ngefähr der fernsten Empfindung weicht, die Ferne\nnahe kommt und die Nähe in die Ferne schweift,\nsind eigentlich immer wieder die Walpurgisnächte\neiner größeren Systematik.\nGespenster sind eine unerwartete Bereiche-\nrung unserer Vorstellungen. Sie legen den Weg\nzum Bild zweimal zurück, und bringen deshalb\ndas Erlebnis frischer in die Seele. Eine neue Art\nder Erlebnisse sei dadurch möglich gemacht; die\nKunst, nun wieder an einem Ende angelangt, er-\ngreife die günstige Gelegenheit und entscheide sich\nfür Gespenster. An Stelle der bereits mit allem\nKomfort der Neuzeit ausgestatteten Illusion mag\nnun endlich die von allem materiellen Zwiange\nbefreite Vision treten.\nIn der Malerei scheint bereits schon vieles vom\nZwange der Illusion befreit zu sein; es gibt nun\nschon Bilder, die nicht mehr so aussehen, „wie\nwirklich\". Der Expressionismus ist vielleicht der\nerste visionäre Versuch in der Kunst.\nIch glaube aber, daß das Theater sich nun\nendlich einmal nach Gespenstern umsehen müßte.\nDann könnte man wieder einmal von schöpferischer\nBühnenkunst reden. Und es würde das nun schon\nan ewiger Wiederkehr verstorbene „dramatische\nGedicht\" mit ungeheurer neuer Bedeutung zum\ndramatischen Gesicht werden.\nAlltagebuchblatt\nDie Stunden rinnen zeitentlang; des Weges\nkümmerliche Enge führt mich dahin.\nNachmittags; Straße; trübe Sonne im Sterben.\nEin Bettler aus Shakespeares besserem Andenken:\ndie bittende Hand erstarrt .aus Demut und\nHeuchelei.\nDahinter, im Cafe, die weißen Angesichte der\nMädchen. Eines, in weißer Bluse; blondes Haar;\nMagdalena im Hurenhaus. Ein Kellner bringt\nlüstern den Kaffee. Lächeln des Armes, als er den\nZucker emporhebt.\nEin schwarzer Mann auf der Straße, der ge-\nschäftig hineilt. Er ist nicht mehr von dieser We't.\nWirklichkeits-Spuk. An Zeit und Raum verwirrt;\nAgent des Überwelthistorischen.\nSpäter. Ein Zimmer. Die Dame wölbt sich mir\nentgegen. Das Klavier stöhnt. Dolce far niente,\naber prestissimo. Ein Bild der Madame X...; ich\ndenke „Ninon de Lenclos\". Schumanns Träumerei;\ndie Musik des Alltags schreckt mich auf. Im\nSpiegel mein Bild: ich hasse mich. Die Dame\nspricht es hin. Ich antworte Weniges. Empfehle\nmich; gehe.\nWieder auf der Straße. Menschen im Licht.\nRufe. Lachen aus der Ferne. Ein Pferd, wie von\nRodin.\nAbends, das Mädchen. Vorwürfe des Alltags.\nMan lebt aneinander vorbei. Einsam. Einsamkeit\ninmitten des Kusses. Dunkles Lied; das Ungefähr\ndes Herzens schwankt.\nAbschied; es gibt keine Träne, da alles Pathos\nverpönt ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "23", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.8", "titre_corps": "Ein groBer Traum zu meiner Freude", "titre_sommaire": "Ein groBer Traum zu meiner Freude", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "debut_caractere": 7595, "fin_caractere_exclue": 8247, "texte": "Ein groBer Traum zu\nmeiner Freude\n„Schon in meiner ersten Ankündigung hatte ich\nmit Nachdruck darauf verwiesen, wie das Werk,\ndas eigentlich ein großer Traum ist und geheimnis-\nvolle Gründe und Beziehungen der Menschen-\nschioksale enthält, sehr viel mehr als ein guter\nRoman wirkt. Das wird zu meiner Freude . . .\nSo schreibt zum Beispiel die Weserzeitung am\nSchluß eines sechsspaltigen Feuilletons: Es ist ein\nBuch, gegen das man ein Verbrechen begeht, wenn\nman es liest wie Poe oder F. Th. A. Hoffmann.'4\nDer Nachdruck, auf den verwiesen wird, hat jetzt\ndas fünfundsechzigste bis hundertste Tausend er-\nreicht. Solch einen Druck kann man durch sechs-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4879, "texte": "spaltige Inserate erreichen. Wenn man Poe oder\n' E. Th. A. Hoffmann verwässert, reicht das Wasser\nnatürlich für hunderttausend Leser. So groß ist das\nReinlichkeitsbedürfnis der Menschen nicht. Wer\nwird auch in Strömen baden, wenn der Teich vor\n•dem Mitreißen schützt. Hier ist es seicht, hier\nkann man auf beiden Füßen stehen und der Ret-\ntungsgürtel ist dem Schutze des Publikums emp-\nfohlen. Die Weser bestätigt den Teich und zu mei-\nner Freude ist ein großer Traum eigentlich ein gro-\nßes Geschäft. An der Weser ist schon viel ge-\nträumt worden, mit und ohne Musik. Und man ist\nvor dem Verbrechen geschützt, Poe und E. Th. A.\nHoffmann zu lesen. Das hat mit seinem Singen\nhochachtungsvoll Kurt Wolff-Verlag getan. Er hat\nden Golem, der einst sagenhaft war, zu dem Leben\neines Geschäftsreisenden erweckt. Nun ist er, der\nHerr Golem, nicht mehr ein Monument, aber von\nunserer Zeiten Schande, kein Stein mehr,\naber Fleisch von seinem Fleisch und Blut von sei-\nnem Blut. Er lebt, wie es so seine Art ist. Da\nsind wir sehr intim. Du bist mein Augenstern.\nJetzt braucht er nur noch von Herrn Werfel ins\nGriechische übersetzt zu werden und der neue\nEuripides ist fertig. Hochachtungsvoll Kurt Wolff.\nDer Mensch denkt und das Geschäft lenkt. Noch\nvor vier Wochen waren wir in der Lage, einen\nTraum von Kurt Wolff Verlag vorträumen zu dür-\nfen: „Falls nicht ausdrücklich Feldpostausgabe be-\nstellt zumal die Feldpostausgabe, wenn sie aus-\nverkauft sein wird, und die zehntausend Exemplare\nwerden rasch ausverkauft sein, auf keinen\nFall neu gedruckt werden soll.\" Aber große\nTräume sind große Schäume. Und Schaum\nwird stets nachgefüllt, weil er billig ist. Der\nMensch denkt, aber das Geschäft ist richtig:\n„Um eine praktische Versendung als Feldpostbrief\nzu ermöglichen, sali ich mich gezwungen,\ndiese Exemplare auf leichterem Papier zu drucken,\nalso doch noch eine Ausgabe fürs Feld zu machen.\nEs lag, wie ich auch des öfteren angezeigt\nhabe, gewiß nicht in meiner Absicht, die Ausgabe\nnoch einmal zu drucken. Tägliche Zuschriften und\nBestellungen . . ~ so daß es engherzig und klein-\nlich wirken müßte, wenn ich diese fortwährenden\nWünsche nicht doch noch zu befriedigen trachten\nwürde.\" Ein großer Träumer darf nie engherzig\nund (kleinlich sein. Wenn geheimnisvolle Gründe\nund Beziehungen der Menschenschicksale erhellt\nwerden können, muß wenigstens das leichtere Pa-\npier daran glauben. Man merkt die beste Absicht.\nEr hat gewiß den keinen Fall des öfteren angezeigt,\naber wer kann der Weserzeitung widerstehen. Und\ndas Berliner Tageblatt hat gesagt: „Man muß es\nlesen, wenn man einmal angefangen hat.\" Das hat\ndas Berliner Tageblatt gesagt. Soll man da noch\nengherzig und kleinlich wirken, wenn man es nicht\neinmal ist. Wenn man großzügig inseriert. Aber\nder beste Menschenfreund mit den gewissesten Ab-\nsichten kann in schlechten Ruf kommen. Das Sor-\ntiment hat vielleicht Angst vor den Kunden, denen\nes den großen Traum für diesen einen Fall noch-\nmals vorlegen soll. Das Sortiment hat Angst, der\nKunde könnte vielleicht erwachen und den Traum\nfür einen realen Hinterhalt hinterher halten. Auch\ndafür hat Kurt Wolff-Verlag gesorgt: „Dem Sorti-\nment stelle ich in Form einer „Erklärung\" einen\nsehr wirkungsvollen Prospekt kostenfrei in jeder\nAnzahl zur Verfügung. Eine öffentliche Ankündi-\ngung der Feldpostausgabe wird nicht erfolgen, da\nihr Absatz mich verlegerisch — wie ich nur noch-\nmals wiederholen kann — nicht weiter interessiert\nund ich nur täglich geäußerte Wünsche noch ein-\nmal hiermit erfüllen wollte.\" Da die Feldpostaus-\ngabe geht, kann sich der interessante uninteres-\nsierte Menschenfreund die öffentliche Ankündigung\nschenken. Also unlyrisch: die Inserate schenkt er\nsich und die Feldpostaugabe schenkt ihm eine Feld-\nposteinnahme. Er macht sich' also mit dem Vater-\nland Verdienste. Dem Verdienste seine vier Mark.\nDarum setzt Kurt Wolff-Verlag die Literatur auch\nin Anführungszeichen. Oder wie es in seinem Pro-\nspekt heißt: „Nach wie vor sieht er seine Aufgabe\ndarin, eine helfende und treibende Kraft des Gei-\nstes zu sein, der unbeirrt von den Schwankungen\nüber der Zeit schwebt.\" So inseriert er laut für\ndas sehr geehrte Publikum. Für den sehr geehr-\nten Zwischenhandel sagt er leise (ins Ohr), nicht\nohne ironische Anführungszeichen: .. der freund-\nlichen Beachtung der Herren Kollegen. Firmen,\ndie für „Literatur\" überhaupt Verwendung haben,\ndürften meinen Verlag nicht mehr entbehren kön-\nnen, trotz der derzeitig hohen Papier- und sonsti-\ngen Herstellungspreise werde ich auch bei Bü-\nchern, die, wie jetzt der Golem, von selber „ge-\nhen\", dem Buchhandel die denkbar glänzend-\nsten . . .\" Wenn sogar schön die großen Träume\nmit dem Geist über der Zeit von selber gehen, da\nwird der Buchhandel schon hinter die kleinen\nTräume laufen, die geradezu den Haufen über das\nPublikum rennen müssen. 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Die\nKritik ist ihm glücklich ausgetrieben worden und\ner verkriecht seine Meinung in die Feuilletons.\nAber auch sie finde ich. Herr Scheffler muß schon\nin seiner eigenen Zeitschrift sich verstecken, wenn\nich ihn nicht mehr finden soll. Mein Gedächtnis\nläßt ihn nicht im Stich. Also Herr Scheffler hat\neine Novelle geschrieben, die Adolf Loos vor zwan-\nzig Jahren bereits geschrieben hat. Nur richtete\nsie sich bei Adolf Loos gegen die Impressionisten,\nwährend sie Herr Karl Scheffler gegen die Expres-\nsionisten anwendet. Es handelt sich in beiden Fäl-\nlen um den bekannten reichen Mann, der sich künst-\nlerisch einrichten läßt. Bei Loos künstlerischer\nund realer auf den eigenen Wunsch dieses reichen\nMannes. Bei Herrn Scheffler unkünstlerischer und\nunwahrer, also impressionistischer, auf den Wunsch\ndes Herrn Scheffler. Bei Loos will sich der reiche\nMann ein Bild aus der Sezession kaufen. Das Ge-\nschöpfchen des Herrn Scheffler empfiehlt dem rei-\nchen Mann die Expressionisten, Kubisten und Fu-\nturisten. Da Loos von der Raumkunst etwas ver-\nsteht, nämlich, daß sie keine Kunst ist, verbietet\nder Raumkünstler seines Gleichnisses überhaupt\nden Kauf von Bildern, da sie nicht zur Raumkunst\ndes Raumkünstlers passen würden. Herr Scheff-\nler, der nicht einmal etwas von der Raumkunst\nversteht, trotzdem es keine Kunst ist, läßt den\nRaumkünstler dem reichen Mann empfehlen, sich\nBilder zu kaufen. Der Raumkünstler sagt sogar\ndem reichen Onkel ausdrücklich, daß der Kauf die-\nser Bilder einst ein großes Geschäft sei. Herr\nScheffler weiß, womit man reiche Leute überzeugt.\nAdolf Loos kümmert sich in seinem Gleichnis na-\ntürlich nicht um die Geschäfte. Aber von dem\nRaumkunstundkünstler heißt es: „Nun sauste der\nRaumkünstler wieder davon. Wie ein beglücken-\nder Gott schritt er durch die Ateliers der Werden-\nden dahin. Er traf sie fast alle auch an; denn was\nein rechter —ionist ist, der ist ebenfalls d. u.\" Das\nwagt Herr Karl Scheffler zu schreiben, vier Wo-\nchen nach dem Fall von Franz Marc, und ein und\nein halbes Jahr nach dem Tod von August Macke,\nwährend er selbst Felddienst in der Vossischen Zei-\ntung tut. Allerdings ist Herr Scheffler sehr kurz-\nsichtig, denn er sieht bei seinen Impressionisten und\nSezessionisten die — ionisten nicht, er hält sie alle\nfür Kunst und Künstler. Aber sein Raumkünstler\nweiß wenigstens, wo er hingehört: „zu diesem Zeit-\npunkt zeigte der junge Kulturmann mir das bisher\nErreichte. Ob ich nicht ein Sonderheft Kunst und\nKünstler darüber bringen wollte.\" Dieses Heft\nhätte ich zwar wieder beschlagnahmen lassen,\nwenn es widerrechtlich wie gewöhnlich Reproduk-\ntionen nach1 Werken von Künstlern gebracht hätte.\nAber dieser Raumkünstler hat sicher keinen Künst-\nler gefunden. Sonst hätte er über den Onkel Scheff-\nler besser Bescheid gewußt. Dann folgt wie bei\njedem Kitsch, die Pointe. Der reiche Onkel kommt\nauch zu Herrn Scheffler, beschwert sich über den\nNeffen Raumkünstler und Herr Scheffler schließt\nprophetisch: „So verschieden Sie auch scheinen,\nso verwandt sind Sie sich doch letzten Endes. Arm\nin Arm sollten Sie Ihr Jahrhundert in die Schranken\nfordern.\" So schillert diese Novelle aus, aber ich\nsetze noch eine Pointe hinterher. Herr Karl Scheff-\nler vergißt zum guten Ende, daß er auch zu der\nVerwandtschaft gehört. Solche Leute können nur\nvon ihm stammen. Natürlich schimpft man immer\nauf die Verwandtschaft, aber man verträgt sich\ndoch ganz gut. 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VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Angenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Sturrabuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: Dafaislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Fflr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 eiwzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFiir Klavier )\n1 Mark\nK&nstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das Lachen I Ab-\nschied\nI.uigi Russolo: Erinnerung einer Nacht I Zug in\nvoller Fahrt\nGino Severini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin I\nPan-Pan Tanz\nKandinsky: Komposition 2 I Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSt grid Hjerten-Griinewald: Kinder"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.12", "debut_caractere": 4922, "fin_caractere_exclue": 6590, "texte": "K a r t e n von Miinter I Marc Chagall (5) I\nIQee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizet\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm-Ktiiistfer / Lichbildkarten / Karte\n20 Pfennig: 1: August Stramm I 2: Herwarth\nWafden / 3: Jacoba van Heetfiskerck\nSturm - Austellungskataloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n1 Otakar Kubin ' Marc Chagall I Kandinsky / je\n50 Pfennig\nDie Futuristen I 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ftinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm ' Originallithographie\nDer Abzug 10 Mark\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJcder Kunstdrnck 5 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden I 3 Karl Kraus /\n4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart 6 Yvette\nGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nPaul Klee: Kriegerisclier St a mm\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsat*-\nund Deckelpapiere fur BuchereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- unrf\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 I\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturwi-\nausstellungen Jedes Jahr frei eine Sturmpubli-\nkation\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereins fiir\nKunst im Jahr frei erhalteii ist nach Wahf:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiseriich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrucke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.12", "debut_caractere": 6592, "fin_caractere_exclue": 6829, "texte": "Neuanzeigen Der Sturm\nHerwarth Waldeti: Kunstmaler und K u n s t-\nkritiker / Qesammelte Schriften I\nBand I / 2 Mark I Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSoeben erschieneti: Adolf Knoblauch: Kreis\nd es A n f a n g s I Frtihe Gedicfate I 5 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-05-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-05-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1916-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.12", "debut_caractere": 6831, "fin_caractere_exclue": 6881, "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.1", "texte": "J§& Sp ySB| m My IpS tÖ@L Jp fl| m Wm m&\nFÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nSIEBENTER JAHRGANG\nBERLIN MAI 1916\nZWEITES HEFT\n\nInhalt:\nAugust Stramm: Die Unfruchtbaren / Adolf Knoblauch; Kymrische Dichtungen: Glanzschimtnernde Spitzen / Bergschnee / Kurt Heynicke: Ereignis /\nSophie van Leer: Die Puppe / Paul Hatvani Notizen: Gespenster / Alltagebuchblatt / Herwarth Waiden: Ein großer Traum zu meiner Freude /\nSophie van Leer: Gedichte / Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt / Maria Uliden; Zwei Holzschnitte Vom Stock gedruckt\n\nCampendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.2", "texte": "Die Unfruchtbaren\nTragikomödie\nAugust Stramm\n\nTemb e c k\nKro 11 e r c . .\n~ , Studenten\nScherwenz\nM 11 r x\nReferendar Rohrbruch und Frau\nVermieterin Frau S t a r s c h\nBerlin W Gegenwart\nStudentenbude: an der Wand vom Fenster\nliriks zur Tür, rechts ein kleines Schreibbureau,\nein Bett, ein Waschgestell und in der Türecke der\nKachelofen. Links neben der Tür eine Kommode;\ngegenüber rieben dem Fenster ein Kleiderriegel\nmit verschlossenem Tuchvorhang; über dem\nWaschgestell ein billiger Spiegel; mehr in der\nMitte ein abgetretener mit faseriger Litze einge-\nfaßter Teppich von unbestimmter Farbe, darauf\nein runder Tisch mit grellgeblümter Plüschdecke\nund drei verschlissene mit Häkeldeckchen ge-\nschmückte Lehnstühle verschiedener Größe und\nForm. Neben Nippsachen und Bildern ä la garnie\nhängen, stehen und liegen Studentenbilder und\nEmbleme, Bücher, Kleidungsstücke, Kragen,\nSchlipse, Zigarrenkisten, Aschbecher umher.\nDer Fenstervorhang ist vorgezogen, das Bett\nist abgedeckt und unbenutzt.\nTembeck (hockt bei brennender Petroleum-\nlampe vor dem Schreibpult und arbeitet. Er hat\nden Rock zugeknöpft, den Kragen hochgeschla-\ngen, und beide Hände in den Rocktaschen; die\nFiisse in Filzschuhen schuffeit er an den Waden).\nKroller (schwer verschwiemelt, reißt die Tür\nauf und bleibt, Hut im Nacken, Mantel aufge-\nknöpft, auf seinen Stock gestützt im Türrahmen\nstehen; er brüllt): Lampe aus! Schwerebrett!\nLampe aus! (tritt ein, haut den Stock aufs Bett,\ngeht zum Fenster und zieht den Vorhang zurück)\nder helle Tag kuckt durchs Fenster!\nTembeck (blickt auf, ruhig): wisch dir mal erst\ndie Nacht aus den Augen.\nKroll er (umarmt ihn tollaunig und drückt über-\nmütig Tembecks Kopf auf das Schreibpult:\nJunge . . . eine Nacht . . .\nTembeck (wehrt sich): Donnerwetter.\nKro 11 e r (läßt von ihm ab): Lampe aus! (er bläst\ndie Lampe aus)\nTembeck (streckt die Hand aus, um ihn zu\nhindern): bei der Kälte!!\nKroll er (fährt auf): noch nicht geheizt? neun\nUhr? (wirft Hut und Mantel ab, reißt den Stock\nvom Bett und stürmt zur Tür): Frau Starsch!\nWirtschaft! Feuer! Kaffee!\n(eine keifende Stimme antwortet vom hinteren\nFlur)\nKro 11 e r (verschwindet im Flur und trommelt\nmit den Fäusten an verschiedene Türen): Feuer!\nKaffeeee!\n(Die keifende Stimme kreischt jetzt auf dem\nFlur zwischen dem Gebrüll)\nKroll er (zerrt lachend Frau Starsch in Nacht-\njacke und Unterrock in das Zimmer)\nFrau Starsch: Jemeinheit!\nKroll er (haut ihr lachend mit dem Stock eins\nhinten über)\nFrau Starsch: au!\nKr 01l er (überbrüllt sie): Jemeinheit!\nFrau Starsch (sucht sich loszumachen): Sie!\nKr 01l er (faßt sie lachend um und knutscht sie):\nfühl bloß!\nFrau Starsch (kreischt und quietscht auf):\nHerr Kroller, ik ruf de Polzei (sie reißt sich los\nund läuft raus): Jemeinheit!\nKroller (imitiert ihre Fettstimme): Jemeinheit!\n(er dreht sich lachend um)\nTembeck (der sichtlich unangenehm berührt in\nBüchern gekramt hat): laß das alte Weib in\nRuh.\nKroll er (wirft sich aufs Bett): Mensch, du hast\nkeine Glut mehr\n(Im Nebenzimmer fliegt ein harter Gegenstand\ngegen die Wand, ein lautes Geschimpfe wird\nhörbar und der Ruf: „Ruhe!\")\nKro 11 e r (fährt lachend hoch): ho! Murx! Joseph!\nhaben wir den in seinen Träumen gestört? (er\nhaut mit der Faust gegen die Wand): hei! eins\nzwei drei! (er geht den Stock schwingend zur\nTür): Hilfsstellung! (stößt in der Tür auf\nScherwenz, der in Hemd und Hose ungekämmt\nund ungewaschen hereintritt und Kroller ins\nZimmer zurückstößt)\nScherwenz (wütend): vafluchter Saufbold! (er\nwirft sich in den nächststehenden Fauteuil und\nsteckt fröstelnd die Hände in die Taschen)\nKroll er (rempelt ihn): Saufbold?! du Sauf-\nphilister !\nScherwenz (schüttelt ihn unwirsch ab): ich\nsauf überhaupt nicht mehr vastehst de? minde-\nstens acht Wochen nich.\nKro 11 e r (beugt sich überrascht zu ihm herab\nund starrt ihm ins Gesicht): Tatsache?! (tanzt\nhohnlachend umher): Jemeinheit!\nMurx (stürmt rein, ebenfalls wie Scherwenz in\nHemd und Hose, sich noch den Rock über-\nziehend, wütend): der Teufel hol euch alle mit-\neinander ! ich zieh, ich zieh sofort, ich willi meine\nRuhe haben.\nKro 11 e r (faßt ihn an den Hals und wirft ihn\naufs Bett): Ruhe, Kameel, wer dir deine Ruhe\nläßt, begeht n Verbrechen. Verstehst de . . was\nhast de wieder für Ringe um de Augen?\nMurx (entwendet sich ihm und springt auf): es\nmag sich nicht jeder de Augen vorn Kopp saufen.\nKroll er (schüttelt ihn): meine Augen? meine\nAugen haben ein Weib gesehn, ein Weib . . .\nFrau Starsch (steckt den Kopf durch die\nTüre): ich kann wohl den Kaffe für die Herren\njleich zus . . .\nKr 01l er (wirft wütend seinen Schlapphut nach\nihr): ha, Fettwanze.\nFrau Starsch (hat die Tür schon wieder ge-\nschlossen)\nMurx (sucht am Fußende des Bettes zwischen\nBett und Waschgestell und zieht eine Flasche\nvor)\nKroll er (sucht ihm die Flasche aus der Hand\nzu winden): her mit dem Schnaps.\nMurx (hält die Flasche kramphaft fest): ich ver-\nbitt mir das, verstehst de (immer wütender):\nich verbitt mir das ein für allemal, deine alber-\nnen Spässe\nFrau Starsch (trägt ein Tablett, das mit vier\nKaffeekännchen, vier Milchtöpfchen, vier Zucker-\nnäpfchen, vier Tassen und acht Brötchen besetzt\nist): ja, vabitten, vabitt mer ooch . . . vastehn Se,\nHerr Doktor, Sie (verteilt die Portionen auf den\nTisch): Spaß allemal, aber ze viel is ze viel, ann\nfriehen Morjen, un Lischen, von wejen, wenn\ndie so wat bei ihre Mutter sieht.\nKro 11 e r (hat die Flasche losgelassen und sie\nangestarrt): bist de schon wieder da? (er geht\nzum Tisch und rafft die Zucker Stückchen zu-\nsammen): komm her (sucht ihr den Zucker in\nden Mund zu stecken)\nFrau Starsch (wehrt ab): Herr Kroller\nKroll er (unbeirrt): Zucker jibt Fett, stoppt lose\nMäuler (er wirft ihr, da sie bereits durch die\nTür gehastet ist, die Zuckerstücke nach)\nTembeck (gießt Kaffee ein und bricht ein Bröt-\nchen): der schöne Zucker\nMurx (hat ein Gläschen auf dem Schreibtisch er-\nwischt und schenkt ein)\nScherwenz (schiebt mit dem Arm verächtlich\ndie Kaffeetasse weg und streckt die Beine untern\nTisch)\nM u r x (gießt den Schnaps runter und schüttelt sich\nbehaglich): ah! (er droht scherzend Kroller) du,\nLieschen!\nKro 11 e r (geht zum Tisch und gießt ein, ver-\närgert): äh!\nScherwenz (mürrisch, ohne aufzublicken): laßt\ndie Finger von, rat euch, Finger von.\nMurx (grienend, lauernd): hast de Erfahrung?\nScherwenz (mürrisch): genug . . für ein bal-\nneologisches Praktikum in Aachen.\nKro 11 e r (setzt auf): Lieschen?\nMurx (stellt die Flasche überrascht auf den\nTisch): von Lieschen?\nKro 11 e r (hupft auf die Knie schlagend jubelnd im\nZimmer umher): das steck ich Mutter Starsch,\nMutter Starsch (brüllt) Mutter . . .\nScherwenz (auffahrend): hältst de dein Maul!\nMurx (nachdenklich vor sich hinstierend, grie-\nnend, lauernd, lüstern; seine Fröhlichkeit hat\netwas fahriges, immer zum Umschlag drohendes,\nbald ausgelassen überschäumendes, bald kind-\nlich verstecktes): also darum warst de so oft\nze Haus, schlafe ze Haus, de letzten Wochen.\nKr 01l er (höhnt): schlafe ze Hause, schlafe ze\nHause\nT embeck (schüttelt den Kopf und setzt sich)\nMurx (grienend, schnalzend, die Augen ins Leere,\ndie Hände in den Taschen): nee . . . nee . . . seht\nihr, das verfluchte WeibsvOlk\nKroller (höhnisch von der Seite): du hast doch\nkeine Bange nich\nMurx (fährt auf): wie?!\nKroller (rührt in seiner Tasse und trinkt): du,\ninteressiert dich det nich, he? Hab dich noch nich\njesehn\nMurx (fahrig, hilflos, wütend): ich? ich?! dir auf\ndie Nase binden? ja (in plötzlichem rettendem\nEinfall) hast de Tembeck schon mal gesehn?\nKro 11 e r (trocken): das ist ganz was anderes\n(reißt dem Murx mit einem plötzlichen Ruck\ndie Hände aus den Taschen) Hände hoch!\nMurx (dringt wütend auf Kroller ein): laßt mich\nin Ruh (schlägt um sich und lacht blöde) eure\nDreckereien. Pfui Teufel (frech) und wenn\nschon, ja, jeder nach seinem Geschmack\nScherwenz (macht eine Bewegung des Ekels)\nMurx (begehrt auf): ihr?! kein Weib auf der\nStraße ist vor euch sicher\nScherwenz (ruckt im Stuhl, angewidert): Feig-\nheit! hundsgemeine Feigheit!\nMurx (verständnislos): was?\nScherwenz (stößt wütend die Hand auf den\nTisch)\n¥ro 11 e r (höhnisch): n Kerl, der sich nich an n\nWeib ran wagt\nTembeck (fährt mit der Hand nachdenklich\nübers Gesicht): Feigheit\nMurx (steht zusammengeduckt mit leeren\nAugen): Feig . . .? (lacht laut auf und gießt sich\nhastig einen Schnaps einT habt ihr Ahnung (stürzt\nhastig den Schnaps runter)\nT embeck (steht auf und zieht die Uhr)\nKro 11 er: was siehst\nTembeck: Rohrbruch wollte mich besuchen\n(Allseitige überraschte Bewegung)\nScherwenz: Rohrbruch?\nMurx (steht mit glänzenden Augen): oh\nKr 011 er: ach!\nScherwenz (trocken): was will er?\nT embeck (lächelnd): er macht seinen Doktor.\n(Bewegung)\nKro 11 er: Potz Blitz! (pfeift)\nMurx (strahlend): neulich sah ich ihn mit seiner\njungen Frau."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.3", "texte": "Tembeck: sein Thema kollidiert etwas mit dem\nmeinen, Eherecht und so (steht auf, nimmt ein\nBlatt Papier vom Schreibtisch und liest): die\nGeburtenabnahme, ihre sozialen und ethischen\nUrsachen und Wirkungen (legt das Blatt wieder\nhin) . . das spielt auch in meine Arbeit hinein\nMur x: ah . . . ja . . . Geburten\nKroller (kaut und schüttelt den Kopf): ja, dann,\nso kann man sich also . . verändern!\nMurx (tänzelt lachend umher, die Hände in den\nTaschen)\nScherwenz (nickt vor sich hin): ja, heiraten\nMurx (überschäumend): seht ihr, seht ihr, ein\nWeib, ein Weib!\nKro 11 e r (trocken, spöttisch): ach\nMurx (auftrumpfend): jawohl, der Staat soll uns\nein Weib geben, ein Weib müssen wir haben.\nKroll er (lacht trocken, höhnisch)\nScherwenz (steht auf und tritt ans Fenster):\nich möcht wohl heute mal zum Kolleg gehen,\nwas Vernünftiges hören\nKroll er (tritt zu ihm): sieh sie dir doch an, wie\nsie rennen, die Streber, bleich, schloddrig, mit\ndem Stempel einsamer Nächte.\nMurx (immer noch fanatisch): nee, derda... hat\nnei Kellnerin . . .ja, kuck . . o . . ich sag euch,\nVolkshygiene, nichts als Volkshygiene.\nScherwenz (trocken): hm!\nMurx (stolz): ooch\nTembeck (am Schreibtisch): arbeiten\nMurx (immer geblasen auf und ab hetzend): ha,\narbeiten, die Konzentration! Teufel! kaum setz\nich mich hin, gleich tanzt mir n Weib vor den\nAugen (geht zum Tisch und will einschenken)\n. . . (stellt die Flasche mit einer Gebärde des\nWiderwillens wieder hin) äh!\nScherwenz: ist das nicht Rohrbruch?\n(Alle drängen ans Fenster)\nKro 11 e r (überrascht): Donnerwetter!\nMurx (hastig, entzückt): das ist seine Frau, ja,-\nseht mal, Blitz! was?! wie...?! he?!\nTembeck: die bringt ihn wohl her?\nScherwenz: die bringt er doch nicht mit?\nT embeck (beunruhigt): nanu . .?\nMurx (außer sich): wahrhaftig, die schwenken\nrüber (beugt sich ganz vor zur Scheibe) sie\ngehn ins Haus, ins Haus\nTembeck: Teufel!\n(alle stieben auseinander)\n(Kroller, Scherwenz, Murx stürzen ihre Sachen\nzusammenraffend, zur Tür hinaus)\nMurx (brüllt draußen im Flur): Frau Starsch\nKroll er: Waschwasser, Frau Starsch . .Wasen-\nwasser . . heiliges Kanonenrohr.\nTembeck (schmeißt seine Schlabben unters\nBett und zieht hastig die Stiefel an, die er\nfluchend unterm Waschgestell hervorsucht;\ndann taucht er einen Handtuchzipfel in die\nWasserkaraffe, fährt sich hastig übers Gesicht\nund trocknet mit einem anderen Zipfel nach; er\nzieht einen Taschenkamm raus und fährt sich\nvor dem Spiegel durchs Haar; knöpft den Rock\nauf und zieht Kragen und Schlips in großer\nHast an)\n(Es klingelt draußen)\nTembeck (rafft die umherliegenden Kleidungs-\nstücke zusammen und wirft alles unters Bett;\ner klopft das Bett glatt und packt das Kaffee-\ngeschirr ratlos gleichfalls unters Bett)\n(Es klingelt draußen zum zweiten Male)\n(Die schlürfenden Schritte der Frau Starsch\nnähern sich und man hört ihren überraschten\nsüßlichen Begrüssungssermon, in der 'eine frische\nburschikose Männerstimme hineintönt)\nTembeck (horcht einen Augenblick, dann setzt\ner sich, immer noch sich zurechtzupfend, an\nden Schreibtisch, stützt den Kopf in die Hand\nund arbeitet anscheinend eifrig)\n(Es klopft)\nTembeck: herein!\nFrau Starsch (öffnet die Tür, süß): Herr\nDoktor, Herr Referendar Rohrbruch (noch\nsüßer) und\nRohrbruch (hinter ihr, schiebt sie zur Seite):\npapperlapapp, guten Morgen Spund! (geht auf\nTembeck zu, der sich erhoben hat, und reicht\nihm die Hand) ich habe meine Frau mitgebracht,\nes interessierte sie, mal meine alte Behausung\nkennen zu lernen. Hoffentlich stört es dich nicht\nTembeck (schüttelt kräftig die Hand, dienst-\neifrig): aber ich bitte, bitte sehr\nRohrbruch (geht zur Tür): Schatz\nFrau Starsch (reibt mit der Schürze eifrig\nüber die Stühle und Möbelkanten, süß): bitte,\nbitte, gnädige Frau\nFrau Rohrbruch (tritt an der Hand ihres\nMannes ein): ich bitte um Entschuldigung\nT embeck (verbeugt sich unbeholfen tief)\nRohrbruch (stellt vor): Herr cand. phil. Tem-\nbeck, meine Frau.\nFrau Rohrbruch (reicht Tembeck die Hand):\nich überfalle Sie\nT embeck (immer mit tiefen Verbeugungen stot-\ntert verwirrt etwas unverständliches zusammen,\nihre Hand nehmend)\nRohrbruch (schwadroniert): und das ist hier\nalso meine Bude, Schatz, hier habe ich gehaust,\nan die vier Semester, es ist noch fast alles un-\nverändert\nFrau Rohrbruch (schaut sich um): das freut\nmich sehr, das mal zu sehn\nRohrbruch (greift auf die Kommode): sogar\nmeine Stummel liegen noch da ( er nimmt eine\nvolle Aschenschale in die Hand)\nFrau Starsch (die an der Tür liebedienerisch\nstehen geblieben war, stürzt auf ihn zu und\nnimmt ihm die Aschenschale ab): oh, Herr Re-\nferendar (zu Frau Rohrbruch) der Herr Refe-\nrendar waren immer so spaßig (sie verschwindet\nschnell mit der Schale)\nRohrbruch (lacht hinter ihr her): ja Schatz,\nder Betrieb ist ein bischen primitiv, sechs\nWrochen bin ich nun schon weg\nFrau Rohrbruch (belustigt): wie konntest du\ndie arme Frau\nRohrbruch (lacht): ich wollts dir ja doch nur\nzeigen (fährt mit dem Finger über die Bettkante\nund zeigt ihr) sieh, das liegt auch noch aus\nmeiner Zeit, interessiert dich das nicht?\nFrau Rohrbruch (schlägt ihm lachend auf\ndie Finger): er ist schon ein richtiger Ehemann\ngeworden, was? oder hat er das früher aucn\ngesehen? (blickt sich um): aber, wirklich, es ist\nmir alles sehr interessant, ich lerne wieder ein\nMal ein Stückchen von meinem Mann kennen,\ndas tu ich zu gern, besonders aus seinem frühe-\nren Leben\nT embeck (lacht verlegen und rückt einen\nFauteuil): wollen Gnädige Frau nicht Platz\nnehmen?\nFrau Rolb r u c h (setzt sich): danke schön,\nwohnten Sie schon hier?\nRohrbruch (hält Tembeck die Zigarrentasche\nhin): ja, hier haust eine ganze Studentenkolonie,\nfünfe, was?\nT embeck (der eine Zigarre genommen hat,\nreicht Rohrbruch das Messer zum Abschneiden,\nruhig): danke. Vier jetzt, seitdem du fort bist,\nist noch nicht wieder vermietet. So mitten im\nSemester ( zu Frau Rohrbruch) und ich bin dann\nin das Zimmer Ihres Gatten gezogen.\nFrau Rohrbruch: so? ein lustiges Leben ist\ndas sicher hier, was? ich denke es mir herrlich,\nunter gleichgestimmten Seelen\nRohrbruch (lacht, gibt das Messer zurück und\nzündet sich die Zigarre an): oh, wir haben\nmanchen Ulk gedreht (klopft Tembeck auf die\nSchulter) was? altes Haus? die Bude kann er-\nzählen\nFrau Rohrbruch (lacht): hoffentlich plaudert\nsie heute ein bischen aus (sie erhebt sich und\ntritt an den Schreibtisch) ist das der Schreib-\ntisch, an dem du so viel gearbeitet hast?\nRohrbruch: jawoll, gearbeitet\nFrau Rohrbruch (schelmisch): und Briefe an\nmich geschrieben?\nR ohrb r u c h (ist hinter sie getreten, nimmt rasch\nein Bild hinter ihrem Rücken von der Wand und\nsteckt es mit Handbewegung Tembeck zu, der\nes hinter den Vorhang des Kleiderriegels legt)\nFrau Rohrbruch (betrachtet eine Photo-\ngraphie, die auf dem Schreibtisch steht): das\nsind wohl\nRohrb r u c h (rasch): ja, seine Schwestern\nFrau Rohrbruch (nimmt das Bild): wie\nhübsch (vergleicht), aber eigentlich wenig ähn-\nlich.\nRohrbruch (nimmt ihr das Bild aus der Hand\nund legt es auf den Schreibtischaufsatz mit der\nBildseite nach unten): Und, Lieb, sieh mal, hier\nhat immer dein Bild gestanden, dein Bild (weist\nauf einen Platz auf den Schreibtisch) akkurat\nhier.\nFrau Rohrbruch (lacht glücklich auf und\nklatscht vor Vergnügen in die Hände) 0, wie\ngern hätt ich das gesehen (stutzt, findet dann\naber gleich ihre Sicherheit wieder) gewiß, ich\nhabe oft das Verlangen gehabt, ich möchte mal\nsehen, wo der Liebste wohnt (zu Tembeck)\nkönnen Sie das verstehen? na, Sie haben doch\nzwei Schwestern? Haben die? Sind Sie der ein-\nzige Bruder?\nTembeck (verwirrt): ja, ich glaube.\nFrau Rohrbruch (sieht ihn überrascht an)\nKroller (tritt in die Tür, geschniegelt und ge-\nbügelt): ah, sieh da, welche Ehre (tritt mit aus-\ngestreckter Hand auf Rohrbruch zu, stutzt und\ntut, als bemerke er erst jetzt Frau Rohrbruch)\noh, Verzeihung.\nRohrbruch (wendet sich um und reicht ihm\ndie Hand): Kroller, das freut mich (stellt vor)\nhier, Schatz, mein alter Studibruder Kroller.\nKroller (verbeugt sich galant): Gnädige Frau\nScherwenz und Murx (treten in die Türe)\nRohrbruch (erfreut): und da, da ist die ganze\nKorona, das trifft sich famos, nun kann ich sie\ndir gleich alle vorführen, Kind, die Getreuen,\nunter denen ich gehaust habe, hier, mein lieber\nFreund Scherwenz, genannt Loch, du findest\nkeinen festeren Mann im Trunk. Und hier (zieht\nden etwas zaghaft zurückstehenden Murx heran)\nunser Bierdichter Murx, er rezitiert dir die\nwunderbarsten Bierverse, wenn er voll ist, des\nGeistes\nScherwenz und Murx (verbeugen sich eckig,\nman merkt ihnen die Verlegenheit über Rohr-\nbruchs Erklärungen an)\nFrau Rohrbruch (lacht unbefangen und\nreicht allen dreien die Hand, die sie mit tiefer\nVerbeugung nehmen, zuletzt dem Murx): oh,\nSie Dichter! Sie sind also eigentlich das höhere\nElement hier in diesem Kreise?\nMurx (stottert unter tiefen Verbeugungen ver-\nlegen): sehr schmeichclhaft, Gnädige Frau\nRohrbruch (lustig): ja, meine Frau wollte sich\nmal in meinem alten Milieu umsehen, einen Ein-\nblick tun in mein vorsündflutliches Leben.\nKroller (galant): ein herrlicher Einfall, gnädige\nFrau, der uns diese hohe Ehre verschafft\nFrau Rohrbruch: Sie haben wohl nicht oft\nDamenbesuch?\nKroller (sicher): leider nein."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.4", "texte": "Frau Rohrb r u c Ii (lustig, etwas burschikos\nauflachend): ja, ja, ich komme ■ungewohnt, man\nmerkt\nK roll er (leicht betroffen): Gnädige Frau emp-\nfinden? oh, entschuldigen (rückt »hastig einen\nSessel), wir haben Ihnen ja nicht einmal einen\nStuhl angeboten.\nFrau Rohrbruch: so meinte ich das aber\nnicht (sie setzt sich)\nKroll er: ja, Sehen gnädige Frau, wir Jung-\ngesellen. uns fehlt so die richtige Luft.\nFrau Rohrbruch (belustigt): was, wie meinen\nSie das?\nKroll er (sucht nach Worten): na, so, wir emp-\nfinden jetzt schon die ganze Umgebring hier\nanders, behaglicher, schöner, seitdem\nRohrbruch (ulkt): aufs Schwadronieren ver-\nsteht er sich.\nMurx: rede -du nicht, ja\nKroll er (galant): ja, den (besten Beweis, für\ndas was ich sagen will, liefert Ihr Gatte ja selbst.\nRohrbruch (schmunzelnd): macht meine Frau\nnicht eitel.\nFrau Rohrbr uc h (natürlich): ach, doch, ich\nglaube es wohl. Das ist ja auch was, worauf\nwir Frauen stolz sind, daß wir einen wohltuen-\nden, beruhigenden Einfluß auszuüben vermögen,\nauf (scherzhaft) .... solche Stürmer und\nDränger.\nKro 11 e r (setzt sich mit melancholischem Augen-\n■ aufschlag in den Sessel ihr gegenüber und ver-\ni schlingt die Hände auf den Knieen)\nTombeck (ruhig): Gnädige Frau, dürfen wir\nIhnen etwas anbieten?\nFrau Rohrbruch: danke schön\nT e m b e c k (leicht scherzhaft): Sie könnten dann\ngleich mal einen Einblick gewinnen, in unsere\nNahrungssorgen.\nFrau Rohrbruch (lustig): dann allerdings\nMurx (rennt zur Tür)\nKro 11 e r (springt auf): ich werde sofort alles\nveranlassen.\nFrau Rohrbruch: aber keine Umstände, bitte\nich, nichts holen lassen, das wäre Vorspiege-\nlung falscher Tatsachen.\nKr oller (galant): Gnädige Frau, die echte Gattin\neines Juristen.\nFrau Rohrbruch (nickt ihm lächelnd zu): es\nbildet sich so eins am andern.\nMurx (noch in der Tür): Mensch, was mußt du\nnoch gebüdet werden (er verschwindet lachend)\nKro 11 e r (hinter ihm)\nRohrbruch (lacht): ja, alles mit der Zeit.\nScherwerz (geht ebenfalls raus)\nT embeck (hat inzwischen die Kommoden-\nschublade geöffnet und darin rumgekramt; er\nholt einen Teller mit einigen Wurstzipfeln raus,\nein Stück Brot und Butter in Papier, hält es\neinen Augenblick versteckt in den Händen, legt\ndann hilflos alles wieder in die Lade zurück und\ngeht zur Tür): ich werde erst mal ein paar\nTeller kommen lassen.\nFrau Rohrbruch (steht auf): nein, nein, ich\nwill es gerade so haben. Kommen Sie, ich werde\ndie Hausfrau spielen (sie tritt an die Schublade\nheran, schlägt überrascht die Hände zusammen\nund lacht) o, welch köstliches Stilleben, und da\nsuchen die Maler immer nach neuen Motiven\nMurx (tritt ein, die Tür mit dem Fuße aufstoßend,\nim Arm eine Kruke Steinhäger und ein paar\nSchnapsgläser, über dem andern Arm am Bind-\nfaden herabbaumelnd einen angeschnittenen\nSchinken)\nFrau Rohrbruch (lacht hell auf): so, so ists\nrecht. Sehen Sie, Sie haben mich verstanden\n(nimmt ihm Flasche und Gläser ab und stellt\nalles auf den Tisch; sie streift dann den Mantel\nrunter, wobei Rohrbruch und Tembeck zu-\nspringen) nun wirds gemütlich.\nMu r x (streift den Schinken ab und legt ihn auf\nden Tisch, geschmeichelt): ja, gnädige Frau.\nFrau Rohrbruch (springt zu): oh, die schöne\nDecke (sie hebt den Schinken hoch und sieht\nsich suchend um)\nRohrbruch (wischt gemütlich über die Decke\nund betrachtet seine Hand): sag lieber der gute\nSchinken.\nFrau Rohrbruch: haben Sie keinen Ieller?\nKro 11 e r (tritt ein): es kommt alles, gnädige Frau\n(springt zu und nimmt ihr den Schinken ab) aber\nwer hatt denn den so hier reingebracht?\nFrau Rohrbruch (wehrt ab): nun lassen Sie\ndoch\nKroll er (nimmt ihn ihr ab): nein, nein. Teller\nund Schüsseln kommen sofort (er dreht sich hilf-\nlos mit dem Schinken um und hängt ihn dann\nan den Bettpfosten, wütend Murx zuraunend):\nMensch, ganz verrückt geworden? hast nicht\nfürn Sechser Lebensart im Leibe?\nScherwenz (bringt einen Postkarton rein): so,\ngnädige Frau. Entschuldigung für einen alten\nBierstudenten, aber ich bringe Ihnen meine Vor-\nräte gleich in Originalatrappe (er stellt das Paket\nauf den Tisch)\nFrau Rohrbruch: aber das ist ja reizend,\nvon wem ist denn das Paket?\nScherwenz (hebt den Deckel ab): von meiner\nBraut, gnädige Frau, soeben angekommen (er\nbrüllt) Teller!\nMurx (reißt die Tür auf und brüllt in den Flur\nhinaus): Teller, was ist das für eine Wirtschaft?\nKroller (gibt ihm einen Rippenstoß): brüll nich\nso.\nScherwenz (nimmt aus dem Paket eine große\nin Papier gewickelte Schlackwurst und wickelt\nsie aus)\nFrau Rohrbruch (bewundernd): oh, wir be-\nrauben Sie.\nRohrbruch (lacht): das ist er gewöhnt, Kind.\nDie Braut hat uns schon mehr wie einmal vom\nHungerstode errettet.\nFrau Starsch (trägt ein Tablett mit Tellern,\nMessern, Gabeln): ik komme schonst, dät Je-\nschreie, däs jeht ja her, wie uff Hochzeit.\nFrau Rohrbruch (lacht und nimmt Teller und\nBestecke vom Tablett, alle springen diensteifrig\nzu) wann wollen Sie denn heiraten?\nScherwenz (nachdenklich): ja\nFrau Rohrbruch (tröstend): die Zeit kommt\nauch.\nFrau Starsch: Kinder, aber doch erst n Tisch-\ntuch (sie stellt das Tablett aufs Bett, nimmt ein\nTischtuch und faltet es auseinander, während\nScherwenz sein Paket hält und die übrigen die\nbereits hingesetzten Teller und Bestecke fort-\nnehmen und halten)\nPohrbruch: Mutter Starsch weiß immer, was\nsich gehört.\nFrau Starsch (selbstbewußt): nunich Jnädij-\nste, mit de Ordnung, wissen Se, wat dat hier\nheeßt, Ordnung, son bischen blos durchhalten\nRotirbruch (ulkt): Sie hats wirklich schwer.\nFrau Starsch (ruhig): Sie waren immer noch\neener von de ruhigsten, ja, mit de wenigsten An-\nsprüche.\nFrau Rohrbruch: siehst de Männe, das\nfreut mich, nun hör ich dich doch mal loben,\nFrau Starsch: ja, höchstens Abends, wenn er\nden janzen Dag jesoffen hatte, dann jingt los.\nMurx (lacht hämisch)\nKroller (tritt neben Frau Starsch mit Handbe-\nwegung, aber einen scherzhaften Ton wahrend):\nwena: Sie jetzt nich däs Mund halten.\nFrau Starsch (pomadig): Sie? (während sie\ndeckt) bei Tag und bei Nacht? und denn andere\nLeute Ruhe jebieten? nee. Wissen Sie, Jnädijste,\nik bin jejen meine Herren wie ne Mutter,\n(brüllendes Gelächter)\nFrau Ronrb r u c h (hat sich schon vorhin in\neinen Sessel fallen lassen und lacht in ihr\nTaschentuch)\nMurx (in tiefem Tone), Mutter Starsch, Mutter\nStarseh!\nFrau Starsch (deckt seelenruhig und mit\nWürde weiter, die Gabeln und Messer noch am\nTischtuch nachwischend): wenn se man alle sone\nMutter hätten.\nKr 01l er (reibt die Füße an den Waden): dann\nwürden die Eisbeine billiger werden.\nFrau Starsch (sieht ihn über die Schulter an,\nrullig weiterdeckend): haben Sie nich meer-\nschtendeels überjeheizt?\n(Lachen)\nFrau Starsch: Ja, Jnädijste (stellt Butter und\nBrot und zum Schluß ein Körbchen mit Schrip-\npen hin) dat werden Se ja ooch noch erleben,\nanerkannt is nich bei de Männer. Un de Schrip-\npen stifte ik.\nFrau Rohrbruch: das ist reizend von Ihnen.\nKroll er (zu Frau Starsch, die das Tablett vom\nBett nimmt und rausgehen will, halb großspurig,\nhalb bittend): haben Se noch ne Flasche Wein\nim Haus, Frau Starsch?\nFrau Starsch (überhört ihn): guten Appetit.\nKroll er (ihr nach): ne Flasche Wein\nFrau Starsch (in der Tür)\nKr oller (nervös, aber mit Selbstbeherrschung):\nseit wann sind Sie schwerhörig, Frau Starsch?\nFrau Starsch (setzt ein paar mal an, dann):\nwat macht Ihre Jicht! wie? können Se bald\nwieder in die Tasche langen (sie tut, als greife\nsie in die Tasche, geht raus und schlägt die Tür\nhinter sich zu)\n(Lachen)\nScherwerz (hat inzwischen weiter ausge-\npackt)\nFrau Rohrbruch (nickt ihrem Mann zu)\nRohrbruch (versteht): also den Wein spen-\ndiere ich.\nKroller: aber Mensch, du als Gast\nFrau Rohrbruch: das gestatten die Herren\ndoch, daß ich auch etwas zugebe zu dem Pick-\nnick.\nKroller (galant): unter diesen Umständen,\ngnädige Frau, das ist uns allerdings eine be-\nsondere Ehre.\nRohrbruch (zieht die Börse und nimmt ein\nZehnmarkstück raus, es in der Hand haltend):\nalso, zwei Flaschen wollen wir sagen, nicht\nwahr? Brauneberger.\nMurx: feudal!\nKroll er (hält die Hand hin): komm her\nRohrbruch (gibt ihm das Geld)\nKro 11 er: Zehn Mark, Donnerwetter! (er geht\nselbstbewußt zur Tür) so (in der Tür, herrisch)\nFrau Starsch, ach bitte doch!\nFrau Starsch (behäbig draußen): nu?! (sie\nerscheint in der Tür, sich die Hände an der\nSchürze abtrocknend)\nKroll er (reicht ihr das Geldstück mit Pose):\nzwei Flaschen Brauneberger, verstehen Sie,\nzwei Flaschen . . Brau . . ne . . ber .. Ger . .\nFrau Starsch (sieht prüfend das Geldstück an\nund murmelt etwas, wendet sich dann, die\nSchürze abbindend zur Tür)\nKro 11 e r (setzt sich triumphierend an den Tisch)\nMurx: däs war Trumpf!\nScherwenz (stellt die leere Schachtel beiseite)\nFrau Rohrbruch: nun sieh mal Männe (weist\nauf die Teller mit Wurst und Schinken, die\nScherwenz aufgehäuft hat) ist das nicht delikat?\nsolche Braut"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.5", "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.6", "texte": "Scherwer z (tapsig galant, überreicht ihr ein\nBlumensträusschen, das aus dem Paket fiel)\nFrau Roh rbruch: das darf ich nicht anneh-\nmen . . das hat Ihr Fräulein Braut für Sie be-\nstimmt.\nScherwenz (verwirrt): ja\nKroller (kommt ihm zu Hilfe): kann die Spen-\nderin eine bessere Verwendung wünschen, als\ndaß ihre Blumen einem hohen Besuche geweiht\nwerden?\nFrau Rohrbruch (widerspricht): ooh, das\nglaube ich doch, (zu ihrem Mann) hast Du das\nmit meinem Blumen auch gemacht? (sie nimmt\ndie Blumen und sieht sich suchend um)\nTembeck (springt auf, nimmt ein Wasserglas\nvom Waschgestell, spült es etwas aus und\nschüttelt Wasser aus der Karaffe hinein)\nRohrbruc h (hastig): nein, gewiß nicht, Kind.\nFrau Rohrbruch (nimmt das. Glas von Tem-\nbeck, stellt die Blumen hinein und setzt sie vor\nScherwenz auf den Tisch): so sehen Sie, so wol-\nlen wir das machen. Und nachher nehmen Sie\ndas Sträusschen mit auf Ihr Zimmer, das freut\nIhr Fräulein Braut mehr (scherzend) als schen-\nken Sie es der schönsten andern Frau.\nScherwenz (verbeugt sich leicht verlegen):\ndanke\n(Während der 'Folge wird gegessen, alle be-\nmühen sich .der größten Aufmerksamkeit gegen\nFrau Rohrbruch; sie schneidet' die Wurst vor\nund benimmt sich überhaupt leicht und unge-\nzwungen mit etwas burschikosem Anhauch als\nHausfrau)\nFrau Rohrbruch (zu ihrem Mann): du, war\ndenn das auch wahr?\nRohrbruch (selbstbewußt): aber Kind, deine\nBlumen haben immer auf meinem Schreibtisch\ngestanden.\nMurx (herausplatzend): jawohl, stand hier immer\nalles voll Blumen\nFrau Rohrbruch (leicht erstaunt): das kann\nnicht sein, so viel habe ich doch garnicht ge-\nschickt.\nRohrbruch (bezwingt seine Verlegenheit): na\nja, die alten welkten, und frische kamen zu, so\nwurden es denn schon mal (mit einem wütenden\nBlick auf Murx) . . . meh . . re . . re . . . (zärt-\nlich) ... ich konnte mich nicht recht davon\ntrennen\nMurx (hastig): ja, ja, so meinte ich das auch.\nIch glaube, es liegt noch ein Sträusschen (er\nspäht unters Bett und will sich erheben)\nFrau Rohrbruch (erbleicht): wie?\nKro 11 e r (gibt ihm einen Stoß, daß er auf den\nSitz zürtickfällt): das ist meins, ich fands vor-\nhin verwelkt in der Tasche.\nFrau Rohrbruch (wieder beruhigt und lustig\nzu Murx): Sie sind ein zu spaßiger Herr, Sie\nerinnern mich an eine Freundin, die war auch\nimmer so ... so . . (bricht ab) Sie sind wohl sehr\nschwärmerisch veranlagt?\nMurx (eifrig, geschmeichelt): 0.., Gnädige Frau\n(sucht altverständig zu sein) nur, ich sage mir\nimmer, so lange ich doch nicht ans Heiraten\ndenken kann\n(ausbrechendes Gelächter)\nKr 01l er: nein, gnädige Frau, ich muß unserm\nFreunde beispringen, er findet sich in Damen-\ngesellschaft wirklich nicht recht aus.\nMurx (wütend): du\nFrau Rohrbruch (lenkt ab): haben Sie keine\nbekannten Familien?\nKroll e r (eifrig): o doch, und es ist sehr nett da.\nFrau Rohrbruch: nun Sehen Sie\nMurx: ja, es ist aber doch nicht, (sucht nach\nAusdruck)\nFrau Rohrbruch: was denn?\nRohrbruch (unruhig): na, laßt nur.\nFrau Rohrbruch (zu ihrem Mann): hast du\ndich früher auch vereinsamt gefühlt?\nRohrbruch (faßt zärtlich ihre Hand): erst jetzt\nweiß ich, wie einsam ich war\nFrau Rohrbruch: erzählen Sie mir doch\netwas von meinem Mann.\nRohrbruch (lenkt ab): wo bleibt nur der\nWein?\nScherwer. z (erhebt sich und geht raus): ich\nwerde nachsehen.\nMurx (springt auf): wir könnten bis dahin einen\nSchnaps trinken\nRohrbruch (spottet): Deinen Steinhäger?\nKroller (erhebt sich): ich habe einen Curaao\nMur x: ja ja . .\nFraußohrbruch: Sie trinken süßen Schnaps?\nKroll er: ich? nein.\nFrau Rohrbruch (lacht): wer denn?\nKro 11 e r (leicht verwirrt): nun ja (in plötzlichem\nEinfall) meine Mutter war letzhin hier . . .\nFrau Rohrbruch (arglos): so, Ihre Frau\nMutter.\nRohrbruch (springt ein): du kannst dir\nübrigens die anderen Buden auch mal ansehen,\nKind, bei Gelegenheit, vielleicht interess . . .\nFrau Rohrbruch (springt auf und klatscht\nvor Vergnügen in die Hände): ja, die andern,\ndann würde ich den vollständigen Eindruck be-\nkommen. Wenn die Herren?! (Zustimmung)\nPohrbruch (unruhig): aber wir wollen sie doch\nerst zurecht machen lassen\nScherwenz (der mit entkorkten Weinflaschen\nim Arm und Gläser in der Hand reingekommen\nist und alles auf dem Tische plaziert): mein\nZimmer ist fertig, wie ich eben gesehen habe,\ndas können gnädige Frau gleich\nFrau Rohrbruch: aber das ist ja sehr inter-\nessant, ich brenne darauf . . . nachher trinken\nwir dann auf die ganze Kolonie, was Männe?\nRohrbruch (steht auf): na ja.\nMurx (springt diensteifrig an die Tür)\nScherwenz: bitte . . .\nFrau Rohrbruch, Scherwenz und\nRohrbruch (gehen raus)\nKroJler (lehnt hinter ihnen die Tür an, macht\nFaxen und balzt): o\nMurx (fiebernd): hast du die Beine gesehn? die\nKnöchel?\nT embeck (unwillig): Ist hier Viehmarkt?\nMurx: oh, Vieh (er stößt die geballten Fäuste\nnach unten) so mal Vieh sein, ganz Vieh sein\n(schlägt die Faust vor die Brust) toben, sättigen,\nleben, oooh . . . ich . . . ich glaube, danach wird\nman ein besserer Mensch.\nTembeck (tritt angeekelt zum Schreibtisch)\nRohrbruch (tritt ein zu Murx): es ist doch\nalles in Ordnung? keine Bilder? und so\nMurx (gereizt): reg dich nicht auf!\nRohrbruch: gut daß ich das hier noch recht-\nzeitig sah\nT embeck (mürrisch): das hing noch aus deiner\nZeit (nimmt das Bild vom Schreibtischaufsatz\nund wirft es hinter den Vorhang) ich hab mich\nnicht weiter drum gekümmert.\nRohrbruch (getroffen): ach (wütend) ihr seid\nalle miteinander (verschluckt das Wort)\nMurx (im Herausgehen): und was bist du? du\nstinkst jetzt vor Feinheit.\nRohrbruch (lacht und sieht ihm kopfschüttelnd\nnach, wendet sich dann zu Tembeck): wir kön-\nnen vielleicht schnell mal unsere Sache durch-\nsprechen (tritt zum Schreibtisch und blättert)\nwas macht die Arbeit? Literatur en masse, was?\nTembeck: danach wäre die Aufgabe längst ge-\nlöst.\nRohrbruch: ja, Papier (nimmt ein Blatt auf)\nschau (liest) die Natur des Mannes muß\nals polygam angesprochen werden (legt das\nBlatt wieder hin, trocken) das mach dir ab.\nT embeck (erstaunt): wie?\nRohrbruch (kurz): Quatsch\nTiembeck: ich glaube, das ist sogar noch ne\nImpfpocke von dir.\nRohrbruch (ärgerlich): früher, ja.\nTembeck (setzt sich auf die Bettkante): so.\nRohrbruch (ausbrechend): jawohl, krank,\nkrank, immer krank. Ihr alle miteinander, min-\ndestens überreizt (tippt sich mit dem Finger auf\ndie Stirn) das Blut steht euch im Kopf, das Blut,\ndie ganze Welt ist verzerrt, euch, ein Weib,\nein Weib, weiter nichts.\nT& m b e c k (fährt sich über die Stirn)\nRohrbruch (klopft ihm vertraulich auf die\nSchulter): ich weiß Bescheid, Junge, habs am\neigenen Leibe erfahren. Und. dann nicht rnebr\nalle Gedanken voll haben, immer nur von der\neinen Qual (stöhnt) Teufel, ja, arbeiten, immer\nnur arbeiten, um etwas tot zu kriegen in sich\nTembeck (stiert vor sich hin)\nRohrbruch: Körper und Geist im Gleichge-\nwicht haben, jawoll, im Gleichgewicht (reckt\ndie Arme) verheiratet sein, die ganze Welt, altes\nist verändert, innen und außen, Zentnergewichte\nfallen ab ... du kriegst eine Kraft . . . eine Ruhe\n(lautes Gelächter draußen)\nRohrbruch (geht zur Tür und legt die Hand\nauf die Klinke)\nT embeck (schaut auf): was hast du?\nRohrbruch (unentschlossen, unruhig): nichts.\nTembeck (lächelt spöttisch)\nRohrbruch (barsch): was lachst du?\nTembeck: oh, die Ehe hat auch ihre Beun-\nruhigungen, scheints\nRohrbruch (läßt die Klinke los und tritt ein\npaar Schritte in das Zimmer zurück, wütend):\nBeunruhigungen, verrückt, du bist verrückt\n(geht kurz entschossen wieder zur Tür) Hf\neinem Irrenhause soll man vorsichtig sein.\nTembeck (aufsässig): oh\nRohrb r u c h: ja, ihr seid eine Gefahr, ihr, grade\nihr, für alle, eine Gefahr für das Ganze,\nT embeck (lacht laut auf)\nFrau Rohrbruch (tritt lachend ein, hinter ihr\ndie andern): du, Männe, ich bin entzückt\nRohrbruch (mißtrauisch): wie?\nFrau Rohrbruch (zieht Murx am Arme\nvor): ja, hier, er ist wirklich ein Schwärmer.\nRohrbruch (gepeinigt): so?\nFrau Rohrbruch: ja wer sein Mütterchen so\nin Ehren hält\nRohrbruch (leicht erstaunt): Mütterchen?\nFrau Rohrbruch: ja, das Bild, über seinem\nBett, hast du das noch nicht gesehen, gleicH\nneben dem Kopfkissen?\nRohrbruch (erschrickt und starrt fassungslos\nauf Murx)\nFrau Ronrbruch (stutzt und w,endet sich zu\nMurx): ohhhh . . .\nMurx (verteidigt sich): nein, gnädige Frau, das\nhängt schon da, so lange, bitte sehr, bitte, die\nTapete ist ganz dunkel dahinter\nFrau Rohrbruch (impulsiv): das muß ich\nsehen (sie eilt raus)\nMurx (ihr nach): bitte sehr, bitte (die Tür bleibt\noffen)\nR ohrbruch (aufatmend): das hat er wohl ge-\nschickt ausgewechselt, wie?\nKrolLer (schlägt ihm auf die Schulter): Donner-\nwetter, Junge, dein Weibchen, Donnerwetter!\nda packt einen der ganze Jammer.\nScherwenz (nachdenklich): ja, Jammer\nRohrbruch (hat sich erholt und schwadro-\nniert): ja5 heiratet Kinder, das ist das einzig\nrichtige. Heiraten, je eher, um so besser. Wirk-\nlich, wenn ich euch sagen kann"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.7", "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.8", "texte": "Frau Rohrbruch (tritt ganz verstört in die\nTür und winkt ihrem Mann)\nFrau Ronrbruch (hält sich das Taschentuch\nvors Gesicht): O, plötzlich, mir ist so (tritt ein\nund langt nach ihrem Mantel)\nRohrbruch und die übrigen springen dienst-\neifrig zu\nRohr bruch (drängt alle beiseite und hilft seiner\nFrau in den Mantel): was ist geschehen?\nFrau Rohrbruch (mühsam beherrscht):\nnichts, nichts, die Herren müssen mich schon\nentschuldigen (sie geht mit leichtem Kopfnicken\nraus)\n(Alle stehen betreten, blicken sich gegenseitig an\nund verbeugen sich noch nachträglich)\nPohrbruch (rafft Hut und Mantel zusammen\nund eilt seiner Frau nach): was ist denn nur\nlos?\nTembeck (nach einer Weile): was war?\nKr 01l er: ich weiß nicht (er fährt dann plötzlich\nhoch) oh?!\nTembeck und Scherwenz (blicken ihn an)\nTembeck (versteht): unmöglich\nMurx (tritt in die Tür, selbstgefällig lächelnd;\ner sieht sich überrascht um): wo ist unser Be-\nsuch?\nTembeck (blickt ihn scharf an): fort\nKroll er (nimmt ihn ebenfalls scharf ins Auge):\nder jungen Frau ist schlecht geworden\nMurx (erst bestürzt, nickt dann sicher und selbst-\ngefällig vor sich hin): jungen Frauen wird schon\nmal (lacht zynisch)\nKro 11 e r (gibt die Beobachtung beruhigt auf und\nsetzt sich): na ja\nMurx: das bringt das Heiraten mit sich.\nScherwenz: aber Rohrbruch ist glücklich. Wie\nhat er sich verändert.\nTembeck (trocken): ja\nKroll er: Flitterwochen\nScherwenz: er liebt seine Frau.\nKr oller (nachdenklich): Liebe, wißt ihr, was\nLiebe ist?\n(Stumme Bewegung)\nKro 11 e r (halb zu sich): ich hab manchmal son\nGefühl ne Träne im Auge, so zufrieden, mit Gott\nund der Welt, dankbar, müde, jugendduselig,\naber dann bin ich immer satt.\nTembeck (still): Tier\nKro 11 e r (steht auf): nein, Mensch! ist s in dem\nPunkte verflucht unterscheidbar?\nMurx (lacht zynisch): un de Weiber sind nicht\nbesser\nKro 11 e r (grunzt höhnisch): du mußt s ja wissen\nMurx (steckt die Hände in die Taschen und geht\nselbstbewußt auf und ab): ja!\nKr 01l er (wird wieder argwöhnisch, behält aber\nimmer noch den spöttischen Ton): so?!\nMurx (bleibt stehen und schreit ihm ins Gesicht):\nja!\nKroller (faßt ihn plötzlich am Arm): du hast\ndoch etwas mit der Frau gehabt!\nMurx (erst bestürzt, dann frech): ich?!\nKr 01l er: ja!\nMurx: nein!\nKroll er: Lügner!\nMurx (stürzt sich auf ihn, sie ringen)\nKroller (wirft Murx zu Boden und kniet auf\nihn)\nMurx (keuchend, wütend): Neidhammel!\nKr 01l er (stößt Murxs Arme von sich, daß die\nFäuste auf den Boden schlagen und steht auf)\nMurx (springt auf, schäumend vor Wut): Neid-\nhammel! Neidhammel! ja . . Großmäuler, ihr!\nich rühr kein Weib an! ich? habt ihr nicht ge-\nsehen, wie sie mich bevorzugt hat, vor euch\nallen? (mit Pose und verschränkten Armen)\nnicht nein gesagt hat sie, nicht mal abgewehrt\n(prahlt und höhnt) ein Rendezvous hab ich ver-\nabredet, ein Rendezvous mit ihr, jawoll, nichts\ngesagt hat se, aber sie kommt, sie kommt, das\nhab ich ihr ange . . .\nKro 11 e r (hebt -die Fäuste gegen Murx, als wolle\ner ihn niederschlagen, wendet sich dann aber\nvoll Ekel ab)\n(Alle wenden Murx den Rücken)\nMurx (verständnislos, betroffen): was, was,\nwenn ihr mal Weiber habt\nKro 11 e r (wendet sich um und weist mit erhobe-\nner Hand zur Tür)\nMurx (schlotternd, stammelnd): w... w... das.,\ndas ... laß ich mir nich gefal...\nI( ro 11 e r (wendet ihm wieder verächtlich den\nRücken)\nMurx: ge ... g... ge .. fallen ... (er ballt im Wut-\nanfall die Fäuste als wollte er sich auf Kroller\nstürzen, klappt dann aber plötzlach ab und\nwankt raus)\nKrolle r (trommelt erregt mit den Knöcheln auf\nden Tisch, nach einer Weile): so. Was sagt ihr\nnun?\nT embeck (zuckt die Schultern und wendet sich\nzum Schreibtisch, wo er in Papieren blättert)\nKro 11 er: ... die... Blamage.\nScherwenz (steht nachdenklich am Fenster):\narmer Kerl\nKroller (braust auf): ein Schuft, ein Schuft!\nScherwenz (hebt abwehrend die Hände)\nKr 01l e r: du?!\nScherwenz (ruhig): wir brühen alle in dem-\nselben Kessel\nMurx (stürzt rein in wilder Aufregung, zermürbt\nund zerschlagen, schreiend): ihr... ihr... wie..\nwie . . . helft .. . helft .. . mir .. . mir doch .. .\nich sehe . . . seh ich ... sie war arglos . . . .\nso arglos .... (schlägt sich' verzweifelt vor die\nBrust) ich . . . Lump! elender Hund! (alle haben\nsich von ihm abgewendet; Scherwenz steht am\nFenster, Kroller hat am Schreibtisch ein Zei-\ntungsblatt aufgenommen und liest, Tembeck\nblättert am Schreibtisch)\nScherwenz (nach einer schweren Pause): die\nSonne kommt heute nicht mehr durch.\nT embeck (nimmt mit belegter Stimme das Ge-\nspräch auf): dann kommt sie morgen\nScherwenz: am morgen, ja, morgen (gähnt)\nKro 11 e r (blättert in der Zeitung): da ist doch\nschon wieder, eins, zwei, ja, alles Lustmorde.\nMurx (der ganz vernichtet dagestanden und\nmehrfach zum Sprechen ansetzend von einem\nzum andern geschaut hat, zuckt bei dem\nWorte „Lustmorde\" zusammen und stammelt\netwas unverständliches; dann schleicht er, sich\nnoch einmal scheu umblickend, wankend hinaus)\nTembeck: was sagt er?\n(Alle schweigen)\nScherwenz (wendet sich nach einer Pause um,\nbestimmt): und er ist doch ein armer Kerl!\ntrotz allem (geht zur Tür) in solchen Stunden\nbraucht der Mensch einen anderen, ich werd\nihm zureden, er soll umsatteln, Medizin stu-\ndieren, hat schon manchen geheilt, so n paar\nLeichen sezieren. Das macht nüchtern (er geht\nraus)\nKrolder (macht eine Gebärde des Ekels): oah!\n(setzt sich und stützt den Kopf in die Hand)\nTembeck (blättert am Schreibtisch)\nScherwenz (tritt ein, bestürzt): er hat sich\neingeschlossen, das tut er doch sonst nicht\nTembeck (erschrocken): er hat Gift, er sprach\nvon . . er hat sichs besorgt\nKr 01l er (unwillig): Quatsch! schlafen lassen, er\nschämt sich, das ist alles. Zu weiterm langt\nseine Energie nicht mehr. Und wenn, was ist\nan ihm verloren?\nScherwenz: was ist an uns verloren?\nKro 11 e r (steht auf): nun, ich bin noch nicht so\nweit! und ehe verstumpft, verseucht, verzehrt,\nhols der Teufel (schenkt sich ein Glas ein) bei\nmeines Vaters Gut, der Nachbar, eine alte ehr-\nliche Haut, mein Mädel hat Bäckchen wie Appel.\nDie Klitsche äst nicht groß, aber wenn man\nselbst mit arbeitet . . . Ich häng den ganzen\nDreck an n Nagel und werde Bauer (trinkt)\nScherwenz (stumpfsinnig): eigener Herd aui\neigenem Grund, am Ende ein Weg für Viele\nT embeck (schnappt auf): Bodenreform.\nKrolle r (setzt -das Glas auf): ihr seid alle beide\nverrückt! total verrückte\nScherwenz (geht raus): gute Nacht!\nKroller: und der hat wirklich einen bösen\nKnacks.\nT embeck (hat sich an den Schreibtisch gesetzt\nund beginnt eifrig zu schreiben)\nKroll er (tritt zu ihm): was hast du?\nT embeck (fährt auf): nun wieder nichts, gar\nnichts! (er wirft ärgerlich die Feder hin) eins,\noder eines doch (springt auf) wie es ist, ist\nes eine Verschwendung von Menschenkraft son-\ndergleichen.\nKroller (stutzt): so? ach. Na siehst du. Don-\nnerwetter! schreib das hin! führ es aus, beweis\nes, tausend Beispiele warten, genug zu tausend\nDoktorarbeiten.\nT embeck (lacht bitter auf)\nKro 11 e r (ruhig und gleichmütig): nun es ist doch\nwas! mach du deine Arbeit, und ich heirate.\nSo hilft sich jeder wie er kann! nur gesund!\nHeilst du nicht Jahrtausende mit den paar\nBogen Papier, heilst du nur dich! so meine\nich's! (er tritt vom Tisch, schenkt ein, hebt das\nGlas, als trinke er jemandem zu) Prost Rose!\n(trinkt, schlenkert das Glas aus, stellt es hin\nund geht raus) ich reise noch heute!\nAus dem Nachlaß / Jugendarbeit\n\nKymrische Dichtungen\nNachdichtungen\nAdolf Knoblauch\nGlanzschimmernde Spitzen\nGlanzschimmernde Spitzen der Eschen.\nSie sollen schlank und weiß sein,\nerwachsen auf der Höhung des Tals.\nSchwaches Herz, sehnend seine Klage.\nGlanzschimmernde Spitze der Klippe\nzur langen Stunde um Mitternacht.\nJeglich geistigem Selbst soll Ehre sein.\nDer in Qualen, Schlaf wird ihm zugestehen\ndie schöne Eine, pflicht-gedenkend.\nGlanzschimmernde Spitzen der Weide.\nDer Fisch scherzend im See.\nWind braust über der Aeste Spitzen.\nNatur ist höher als Bildung.\nGlanzschimmernde Spitzen des Ginsters.\nHalte dem Weisen Vertrauen,\nhalte zurück gegen den Unweisen,\naußer Gott ist keiner, der ganz errät.\nGlanzschimmernde Spitzen vom Klee.\nDer Furchtsame hat nicht Herz.\nEifersüchtige erschöpfen sich selbst,\nSchwachem ist Sorge eigen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Schilfhalme.\nDem Eifersüchtigen, tobend,\nkann kaum genügt werden.\nDes Weisen Tat ist: aufrichtig lieben."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.9", "texte": "Glanzschimmernde Spitzen der Berge von\nWinterstürmen.\nWelk, gebeugt ist das hohe Gras.\nGegen Hunger gibt es nicht Verschämtheit.\nGlanzschimmernde Spitzen von Bergen.\nWinterkälte dringt herein.\nZerbrechlich das Röhricht. Reif überm Grab.\nGewaltsam verging sich Torheit in Haft.\nGlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nBittere Eschenzweige. Süße Pastinake. Woge\nbirgt Lachen.\nDie Wange soll nicht des Herzens Angst\nverheimlichen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Hundsrose.\nMühseligkeit hat nicht zierliches Betragen.\nSeines Lebens Reinheit laß Jeglichen bewahren.\nUnsitten sind höchste Befleckung.\nGianzschimmernde Spitzen vom Pfriemkraut.\nLaß den Liebenden bestellen.\nSehr gelb sind die vollgedrängten Zweige.\nSeicht die Furt. Es neigt der Zufriedene\nzu Schlafesfreude.\nGlanzschimmernde Spitzen des Apfelbaums.\nUmsichtig ist jeder Kluge.\nZänker des Andren, nachdem er geliebt,\nverläßt ihn Unvorsichtigkeit.\nGianzschimmernde Spitzen des Apfelbaums.\nUmsichtig ist jeder Kluge.\nStill stehender Sumpf am langen Tag ist\nvoll Fieber.\nDicht der Schleier vorm Licht des blinden\nGefangenen.\ntjlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nKalt rauscht der Strom.\nDas Vieh soll gebracht sein in die Birken-\numhegte Lichtung.\nAugenblicks eilt der Pfeil des Hoch-\nmütigen, um Pein zu geben.\nGlanzschimmernde Spitzen der harten Stechpalme.\nLaßt Gold austeilen.\nWenn alle in Schlaf fallen auf dem Wall,\nGott wird nicht schlafen, wenn er Be-\nfreiung verleiht.\nGlanzschimmernde Spitzen der Weide.\nEingeboren, anhangend, kühn soll das Krieg-\nroß am langen Tage sein,\nwenn an Blättern Ueberfluß ist.\nDie zu Einander Freundschaft haben,\nwerden nicht gegen Einander verachten.\nGlanzschimmernde Spitzen der Binsen.\nSie sollen stachlig sein, wenn unters Kissen\ngebreitet.\nDer unzüchtige Geist wird hochmütig sein.\nGianzschimmernde Spitzen des Hagedorns.\nZutraulich ist der Blick des Rosses.\nEs ist einem Liebenden eigen, Verfolger\nzu sein.\nMöge der emsige Diener Gutes tun.\nGlanzschimmernde Spitzen der Kresse.\nKriegerisch Roß. Der Bäume schöne Zier\nfür die Erde.\nFreudenvoll die Seele mit dem, das sie liebt.\nGlanzschimmernde Spitzen der Büsche.\nReich an Wert das Roß. Gut ist, mit Stärke\nVorsicht haben.\nDer Ungeschickte werde machtlos gemacht.\nGlanzschimmernde Spitzen des Haselstrauches\nam Weiher.\nNicht betrübt wird jeder Satte sein.\nEines Mächtigen Tat ist: einen Vertrag halten.\nGlanzschimmernde Spitzen der Gräser.\nDer Träge schwerfällig. Der Junge ein Lerner.\nNur der Törichte ward den Glauben brechen.\nGlanzschimmernde Spitzen der Lilien.\nJeder Kühne sei Diener.\nDas Wort einer Familie wird Vormacht haben.\nZum Glaubenslosen paßt gebrochnes Wort.\nGlanzschimmernde Spitzen der Heide.\nDes Furchtsamen Teil ist Fehlschlagen.\nWasser wird eindringen in des Ufers Stirne\nDem Gläubigen ist eigen ungebrochenes\nWort.\nGlanzschimmernde Spitzen der Binsen.\nKühe geben Ertrag. An diesem Tag fließen\nmeine Tränen.\nTrost gibt es nirgends dem Elenden.\nGlanzschimmernde Spitzen des Farns. Gelb\nder Ackersenf.\nLedig alles Vorwurfs sind die Blinden.\nZur Lust streifen junge Burschen umher.\nGlanzschimmernde Spitzen des Speierbaumes.\nGewohnt zu sorgen ist der Alte und Bienen\nfür die Wildnis.\nAußer Gott giebt es keinen Rächer.\nGlanzschimmernde Spitzen der Eiche.\nOhn Aufhören ist Sturm, Bienen sind hoch.\nZerbrechlich das dürre Reisig.\nZum Wollüstigen paßt übermäßig Lachen.\nGlanzschimmernde Spitzen des Hains.\nBeständig sind die Bäume und die Blätter\nder Eichen fallen.\nGlücklich der die Eine sieht, die er liebt.\nBergschnee\nBergschnee. Rings um den Busch Wind.\nDer Himmelsschöpfer macht mich staiik.\nIst Gurnerth im Schlaf?\nBergschnee. Gott über allen Dingen,\nzu Ihm will ich beten.\nNein, ich kann nicht schlafen.\nBergschnee. Rings um das Haus Wind.\nBedeutet es, daß du sprichst,\nWas verursacht es, Gurnerth?\nBergschnee. Wind von Süden.\nIch will ursprüngliche Worte sprechen.\nWahrstes ist Tod.\nBergschnee. Weiß gedeckt übers Tal.\nJeglicher ist sanft zu ihm, von Dem er\nwertgehalten.\nMöge der Himmelsschöpfer dich erlösen.\nBergschnee. Weiß überdeckt der Baum.\nIch will unterschieden sprechen.\nEs gibt keine Stätte gegen das Gesetz des Himmels.\nBergschnee. Jegliche Feier soll gehalten sein.\nAus Furcht vor bekümmernder Angst am Tag\ndes Urteils\nwerde ich des Abendmahles Gnade hatten.\nBergschnee. Rings um das Haus Wind.\nEs bedeutet, daß du sprichst.\nMein Bruder, muß dies sein?\nDu Hoch-Begabter! Dich liebe ich.\nEs bedeutet, daß ich zu Gott bitten will.\nEs ist hohe Zeit, Llewelyn, ich sollt es empfangen.\nBergschnee. Rings um den Hügel Wind.\nDer Himmelsschöpfer wird mich halten.\nIst LleweSvn im Schlaf?\nBergschnee. Wind von Süden.\nIch will ursprüngliche Worte sprechen.\nNein, singen meine Stunden.\nBergschnee. Es ist gar leicht bekannt,\nwenn der Wind die Mauer umdreht.\nWeißt du, wer es sagt?\nBergschnee. Kühner des Sprechens,\nEs bedeutet, daß du sprichst.\nIch bin unwissend, so du nicht sprichst.\nBergschnee. Jegliche Hilfe\nsoll schicklichen Preis empfangen.\nDein Bruder Gurnerth ist hier.\nZuvorderst im Getümmel zu kraftgedrängter Tat\nist, der vom Geist getrieben wird.\nWas ist das Beste dir, Gurnerth?\nErstes, übergeliebt in jedem Brauch, und in\njeder Tat Tapfrem verwandt,\nist ein reines Leben bis auf den Tag des Gerichts,\nBestes, das ich fand: Almosengeben.\nDu Hoch-Begabter mit guten Eigenschaften.\nDie Lehre ist auf deinen Lippen.\nSag mir Beste der Almosen.\n■/ 112\nKühn der Geist. Wind überm See,\nwenn die Woge rings schlägt an die Höhe.\nDas Beste: Fleisch für der. Hunger.\nWenn iah Fleisch nicht erlange,\nes mit den Händen rrcht fasse,\nSag, was dann soll ich tun? !\n,\n\\\nZuvorderst im Getümmel, zu kräftiger Tat\nist jeder Tapfre, getrieben vom Geist,\ngib das Gewand, vor Nacktheit zu bewahren.\nMeine Gewänder will ich hingeben,\nmich selbst Gott übergeben.\nWrelchen Lohn werd ich da erhalten?\nWelch gute Dinge du gibst bei jeglichem Anlaß,\nkühn in deinem Vorrecht erhalte du das Angesicht\nt.nd du sollst hundertfältigen Himmel haben.\nSeit mit dem Frühdämmer ich dich liebe,\nfrage ich dich im gebundenen Wiort,\nmit Gott: welch' Ding das verhaßteste?\nVorzug, Geist, gleiches Wesen,\nWasser, das den Aufstieg hinanfließen soll.\nSchlimmstes des Trugs, wo es Vertrauen giebt\nWo ich Trug übe durch Vertrauen,\ndem erhabenen Gott mich bekenne,\nwelche Strafe wird mich befallen?\nUebtest du Trug durch Vertrauen\nohne Treue, ohne inneres Gesetz, ohne Glauben,\nsollst du siebenfach Buße halten."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.10", "texte": "Mit dem Taggrauen will ich dir glauben,\nund ich will Gottes wegen fragen,\nwie werde ich den Himmel erlangen?\nGutes, Böses sind ungleich,\nWind und Rauch, die sich streiten.\nTu Gutes Gottes wegen, der nicht zornig ist.\nKühn ist der Geist Jeglichem, der schützt.\nRosse, die rings es zu laufen treibt in der Wärme.\nBekenntnis ist aller Dinge Ende.\nWas du tust aus allem Uebermaaß,\naus Trug, Unterdrückung, Stolz,\nGottes wegen tu ein volles Bekenntnis.\n\nEreignis\nKurt Heynicke\nIch bin ein sonnenloser Abgrund. Meine Be-\nsinnung ist tot. Ich fühle nichts. Ich lese den\nBrief mit zerbrochenem Blick. Ich verbrenne in\nHaß und Verzweiflung, Melitta, die mich betrügt.\nSie ist eine kalte Flamme, Ein kreischender Ruf\nim Dunkeln.\nWir sind der Sturm. Ich bin Feuer und Schrei,\nHieb und Stich. Ich bin kein Körper, ich habe\nweder Lunge noch Herz. Die Luft brennt Feuer,\nRauch und Schreie. Ich bin eine Welle in dem\nMeere riesenhaften Lärmes. Und bin Vergessen\nund nichts.\nDer Morgen knistert. Flammen schneiden im\nNebel. Das Dorf stirbt. Ich wiege auf der Bahre.\nMein Fuß ist tot. Ich weiß nichts. Ich bin ein\nT räum.\nMelitta wächst aus dem Boden ihres hellen\nZimmers. Der Mond liegt auf ihrem Leibe und sie\nist nackend. Ich zähle jeden Strahl, der sie um-\ngleitet. Ich fiebere und bin ganz still. Aus jedem\nStrahl kriecht ein häßliches gelbes Spinnentier und\nalle wachsen um ihren Hals zum Schmuck. Mein\nBett ist eine linde Hand, wie meiner Mutter junger\nSchoß, als ich Kind war. Die Ruhe ist ein Wiegen-\nlied. Ich schlafe in das große Nichts.\nSie ist da. Sie liegt an meinen Lippen und ist\nTräne. Sie glänzt. Wie hohles Glas. Ich höre\nihren Mund und suche ihre Seele. Aber ich finde\nsie nicht. Ich gehe eine graue Ebene ohne Licht.\nUm ihren Hals ringelt ein Schmuck aus golde-\nnen Spinnen, eine Kette, die ich nicht kenne. Und\nmein Traum ist wach und schreit. Und ich kralle\nihren Hals. Und blute in den Schrei. Und sinke\nabwärts in die Nacht.\nIch bin der letzte Schlaf. Ich bin ein Blühen\nund bin die Hoffnung. Melitta ist tot für meine\nSeele. Ich schreite in ein neues Leben. Mit se-\nligem Schritte, denn ich bin neu und frei.\nNun bin ich alt. Ein Lächeln in das große Ge-\nheimnis, allein zu sein. Die Tannen glänzen. Der\nAbend fällt. Melitta, du warst die Liebe. Und ich\nwar in dir. Ich bin die Erinnerung. Und das Glück.\nDenn ich bin alt.\n\nDie Puppe\nSophie van Leer\nDer Stein ritzt die große Spiegelscheibe. Glas-\nstreifen zersplittert das Pflaster.\nDer Knabe steht vor der Blondgelockten. Ihre\nAugen weiten in Warten. Hände und Arme\nbreiten in Sehnsucht.\nEr bettet sie in Schmuck und Blumen. Kerzen\nbeten um ihr Gesicht. Und er küßt die toten\nGlieder. Seine Schläfen schmiegen ihre Stirn. Er\nwühlt die starren Füsse und deckt den warmen\nLeib über sie.\nUnd sein Leben strömt in sie. Zitternde Adern-\nstrahlen pflanzt er in ihre Lenden. Geboren regen\nsich die Füsse.\nUnd er senkt sein Herz in das weiße Wachs\nund kleine Brüste knospen. Zag klopft das Blut\nund zuckt und klimmt in ihren Nacken und flutet\nin die Wangen und scheucht die Stirnenblässe.\nHeber die bleichen Lippen wächst der erste Atem.\nWeit werden die Augen und blicken.\nUnd ihre Haut blüht und duftet, daß er in die\nKniee sinkt und weint in ihren Schoß.\nSein Blut wächst in Strömen, er türmt die\nHände um ihren Hals und klammert ihre\nSchultern. Rauschend umhüllen sie seine trunke-\nnen, taumelnden Worte.\nUnd sein Blut rollt.\nUnd sie schreitet durch die Gänge seiner Adern\nund ihre Fingern plätschern in dem Brunnen, der\nseinen Gliedern entquillt und ihr blondes Haar be-\ntaut.\nUnd ihre Arme ranken um sein Haupt und\nhängen Trauerweiden um sein sterbes Angesicht.\n\nNotizen\nPaul Hatvani\nGespenster\nZu entscheiden, ob es in der Welt Gespenster\ngäbe oder nicht, ist viel leichter, als man glauben\nsollte. Man soll nur glauben: und dann gibt es\nGespenster. Der Gespensterglauben ist ein\ngraziöseres System von Weltbetrachtung, als es\ndie heutige Naturwissenschaft zu bieten vermag;\nes hat die Unbeschwertheit der Phantasie für sich,\ndie Gewandtheit des Geistes und die ungeheure\nPrämisse Wollust. Denn es ist ein überirdisch-\nschönes Spiel, das sich im Geistersehen der Geist\nmit der schwerfälligen Welt erlaubt. Die dunkle\nNatur, deren dämonisches Wesen in dieser armen\nZeit der Naturforschung ganz „aufgeklärt\" scheint,\nbelebt sich in unendlicher Anmut mit Wesen ihrer\neigensten Wesenhaftigkeit. Sie ist fürderhin nicht\nmehr tot, starr, ein Gesellschaftspiel für impotente\nGelehrten; sie erblüht in wunderbar naher Weise\nzu ewigem Leben.\nMan muß Gespenster nicht sehen, um daran zu\nglauben. Man muß sie sich nicht beweisen lassen.\nMan kann sie sich nicht anders beweisen, als\netwa einen schönen Gedanken, ein Kunstwerk,\n>einen allerhöchsten Augenblick. Man darf höch-\nstens ein paar Eigenschaften der Gespenster er-\nraten, ein—zwei psychologische Merkmale, die\nniemals trügen und betrügen.\nGespenster sind Träger unserer Gedanken im\nSpiele der Welt. Dieses ist zwar aus einer fal-\nschen Perspektive gesehen: denn eigentlich sind\ndie Gedanken nichts als Spiegelbilder der Ge-\nspenster. Und jene wirren Abenteuer des Geistes,\nbei denen das ewige Für und Wider einem Un-\ngefähr der fernsten Empfindung weicht, die Ferne\nnahe kommt und die Nähe in die Ferne schweift,\nsind eigentlich immer wieder die Walpurgisnächte\neiner größeren Systematik.\nGespenster sind eine unerwartete Bereiche-\nrung unserer Vorstellungen. Sie legen den Weg\nzum Bild zweimal zurück, und bringen deshalb\ndas Erlebnis frischer in die Seele. Eine neue Art\nder Erlebnisse sei dadurch möglich gemacht; die\nKunst, nun wieder an einem Ende angelangt, er-\ngreife die günstige Gelegenheit und entscheide sich\nfür Gespenster. An Stelle der bereits mit allem\nKomfort der Neuzeit ausgestatteten Illusion mag\nnun endlich die von allem materiellen Zwiange\nbefreite Vision treten.\nIn der Malerei scheint bereits schon vieles vom\nZwange der Illusion befreit zu sein; es gibt nun\nschon Bilder, die nicht mehr so aussehen, „wie\nwirklich\". Der Expressionismus ist vielleicht der\nerste visionäre Versuch in der Kunst.\nIch glaube aber, daß das Theater sich nun\nendlich einmal nach Gespenstern umsehen müßte.\nDann könnte man wieder einmal von schöpferischer\nBühnenkunst reden. Und es würde das nun schon\nan ewiger Wiederkehr verstorbene „dramatische\nGedicht\" mit ungeheurer neuer Bedeutung zum\ndramatischen Gesicht werden.\nAlltagebuchblatt\nDie Stunden rinnen zeitentlang; des Weges\nkümmerliche Enge führt mich dahin.\nNachmittags; Straße; trübe Sonne im Sterben.\nEin Bettler aus Shakespeares besserem Andenken:\ndie bittende Hand erstarrt .aus Demut und\nHeuchelei.\nDahinter, im Cafe, die weißen Angesichte der\nMädchen. Eines, in weißer Bluse; blondes Haar;\nMagdalena im Hurenhaus. Ein Kellner bringt\nlüstern den Kaffee. Lächeln des Armes, als er den\nZucker emporhebt.\nEin schwarzer Mann auf der Straße, der ge-\nschäftig hineilt. Er ist nicht mehr von dieser We't.\nWirklichkeits-Spuk. An Zeit und Raum verwirrt;\nAgent des Überwelthistorischen.\nSpäter. Ein Zimmer. Die Dame wölbt sich mir\nentgegen. Das Klavier stöhnt. Dolce far niente,\naber prestissimo. Ein Bild der Madame X...; ich\ndenke „Ninon de Lenclos\". Schumanns Träumerei;\ndie Musik des Alltags schreckt mich auf. Im\nSpiegel mein Bild: ich hasse mich. Die Dame\nspricht es hin. Ich antworte Weniges. Empfehle\nmich; gehe.\nWieder auf der Straße. Menschen im Licht.\nRufe. Lachen aus der Ferne. Ein Pferd, wie von\nRodin.\nAbends, das Mädchen. Vorwürfe des Alltags.\nMan lebt aneinander vorbei. Einsam. Einsamkeit\ninmitten des Kusses. Dunkles Lied; das Ungefähr\ndes Herzens schwankt.\nAbschied; es gibt keine Träne, da alles Pathos\nverpönt ist.\n\nEin groBer Traum zu\nmeiner Freude\n„Schon in meiner ersten Ankündigung hatte ich\nmit Nachdruck darauf verwiesen, wie das Werk,\ndas eigentlich ein großer Traum ist und geheimnis-\nvolle Gründe und Beziehungen der Menschen-\nschioksale enthält, sehr viel mehr als ein guter\nRoman wirkt. Das wird zu meiner Freude . . .\nSo schreibt zum Beispiel die Weserzeitung am\nSchluß eines sechsspaltigen Feuilletons: Es ist ein\nBuch, gegen das man ein Verbrechen begeht, wenn\nman es liest wie Poe oder F. Th. A. Hoffmann.'4\nDer Nachdruck, auf den verwiesen wird, hat jetzt\ndas fünfundsechzigste bis hundertste Tausend er-\nreicht. Solch einen Druck kann man durch sechs-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.11", "texte": "spaltige Inserate erreichen. Wenn man Poe oder\n' E. Th. A. Hoffmann verwässert, reicht das Wasser\nnatürlich für hunderttausend Leser. So groß ist das\nReinlichkeitsbedürfnis der Menschen nicht. Wer\nwird auch in Strömen baden, wenn der Teich vor\n•dem Mitreißen schützt. Hier ist es seicht, hier\nkann man auf beiden Füßen stehen und der Ret-\ntungsgürtel ist dem Schutze des Publikums emp-\nfohlen. Die Weser bestätigt den Teich und zu mei-\nner Freude ist ein großer Traum eigentlich ein gro-\nßes Geschäft. An der Weser ist schon viel ge-\nträumt worden, mit und ohne Musik. Und man ist\nvor dem Verbrechen geschützt, Poe und E. Th. A.\nHoffmann zu lesen. Das hat mit seinem Singen\nhochachtungsvoll Kurt Wolff-Verlag getan. Er hat\nden Golem, der einst sagenhaft war, zu dem Leben\neines Geschäftsreisenden erweckt. Nun ist er, der\nHerr Golem, nicht mehr ein Monument, aber von\nunserer Zeiten Schande, kein Stein mehr,\naber Fleisch von seinem Fleisch und Blut von sei-\nnem Blut. Er lebt, wie es so seine Art ist. Da\nsind wir sehr intim. Du bist mein Augenstern.\nJetzt braucht er nur noch von Herrn Werfel ins\nGriechische übersetzt zu werden und der neue\nEuripides ist fertig. Hochachtungsvoll Kurt Wolff.\nDer Mensch denkt und das Geschäft lenkt. Noch\nvor vier Wochen waren wir in der Lage, einen\nTraum von Kurt Wolff Verlag vorträumen zu dür-\nfen: „Falls nicht ausdrücklich Feldpostausgabe be-\nstellt zumal die Feldpostausgabe, wenn sie aus-\nverkauft sein wird, und die zehntausend Exemplare\nwerden rasch ausverkauft sein, auf keinen\nFall neu gedruckt werden soll.\" Aber große\nTräume sind große Schäume. Und Schaum\nwird stets nachgefüllt, weil er billig ist. Der\nMensch denkt, aber das Geschäft ist richtig:\n„Um eine praktische Versendung als Feldpostbrief\nzu ermöglichen, sali ich mich gezwungen,\ndiese Exemplare auf leichterem Papier zu drucken,\nalso doch noch eine Ausgabe fürs Feld zu machen.\nEs lag, wie ich auch des öfteren angezeigt\nhabe, gewiß nicht in meiner Absicht, die Ausgabe\nnoch einmal zu drucken. Tägliche Zuschriften und\nBestellungen . . ~ so daß es engherzig und klein-\nlich wirken müßte, wenn ich diese fortwährenden\nWünsche nicht doch noch zu befriedigen trachten\nwürde.\" Ein großer Träumer darf nie engherzig\nund (kleinlich sein. Wenn geheimnisvolle Gründe\nund Beziehungen der Menschenschicksale erhellt\nwerden können, muß wenigstens das leichtere Pa-\npier daran glauben. Man merkt die beste Absicht.\nEr hat gewiß den keinen Fall des öfteren angezeigt,\naber wer kann der Weserzeitung widerstehen. Und\ndas Berliner Tageblatt hat gesagt: „Man muß es\nlesen, wenn man einmal angefangen hat.\" Das hat\ndas Berliner Tageblatt gesagt. Soll man da noch\nengherzig und kleinlich wirken, wenn man es nicht\neinmal ist. Wenn man großzügig inseriert. Aber\nder beste Menschenfreund mit den gewissesten Ab-\nsichten kann in schlechten Ruf kommen. Das Sor-\ntiment hat vielleicht Angst vor den Kunden, denen\nes den großen Traum für diesen einen Fall noch-\nmals vorlegen soll. Das Sortiment hat Angst, der\nKunde könnte vielleicht erwachen und den Traum\nfür einen realen Hinterhalt hinterher halten. Auch\ndafür hat Kurt Wolff-Verlag gesorgt: „Dem Sorti-\nment stelle ich in Form einer „Erklärung\" einen\nsehr wirkungsvollen Prospekt kostenfrei in jeder\nAnzahl zur Verfügung. Eine öffentliche Ankündi-\ngung der Feldpostausgabe wird nicht erfolgen, da\nihr Absatz mich verlegerisch — wie ich nur noch-\nmals wiederholen kann — nicht weiter interessiert\nund ich nur täglich geäußerte Wünsche noch ein-\nmal hiermit erfüllen wollte.\" Da die Feldpostaus-\ngabe geht, kann sich der interessante uninteres-\nsierte Menschenfreund die öffentliche Ankündigung\nschenken. Also unlyrisch: die Inserate schenkt er\nsich und die Feldpostaugabe schenkt ihm eine Feld-\nposteinnahme. Er macht sich' also mit dem Vater-\nland Verdienste. Dem Verdienste seine vier Mark.\nDarum setzt Kurt Wolff-Verlag die Literatur auch\nin Anführungszeichen. Oder wie es in seinem Pro-\nspekt heißt: „Nach wie vor sieht er seine Aufgabe\ndarin, eine helfende und treibende Kraft des Gei-\nstes zu sein, der unbeirrt von den Schwankungen\nüber der Zeit schwebt.\" So inseriert er laut für\ndas sehr geehrte Publikum. Für den sehr geehr-\nten Zwischenhandel sagt er leise (ins Ohr), nicht\nohne ironische Anführungszeichen: .. der freund-\nlichen Beachtung der Herren Kollegen. Firmen,\ndie für „Literatur\" überhaupt Verwendung haben,\ndürften meinen Verlag nicht mehr entbehren kön-\nnen, trotz der derzeitig hohen Papier- und sonsti-\ngen Herstellungspreise werde ich auch bei Bü-\nchern, die, wie jetzt der Golem, von selber „ge-\nhen\", dem Buchhandel die denkbar glänzend-\nsten . . .\" Wenn sogar schön die großen Träume\nmit dem Geist über der Zeit von selber gehen, da\nwird der Buchhandel schon hinter die kleinen\nTräume laufen, die geradezu den Haufen über das\nPublikum rennen müssen. Mit (kollegialer Begrü-\nßung ganz ergebenst Kurt Wolff-Verlag.\n\nWieder gefunden\nHerwarth Walden\nHerr Karl Scheffler schreibt jetzt Novellen. Die\nKritik ist ihm glücklich ausgetrieben worden und\ner verkriecht seine Meinung in die Feuilletons.\nAber auch sie finde ich. Herr Scheffler muß schon\nin seiner eigenen Zeitschrift sich verstecken, wenn\nich ihn nicht mehr finden soll. Mein Gedächtnis\nläßt ihn nicht im Stich. Also Herr Scheffler hat\neine Novelle geschrieben, die Adolf Loos vor zwan-\nzig Jahren bereits geschrieben hat. Nur richtete\nsie sich bei Adolf Loos gegen die Impressionisten,\nwährend sie Herr Karl Scheffler gegen die Expres-\nsionisten anwendet. Es handelt sich in beiden Fäl-\nlen um den bekannten reichen Mann, der sich künst-\nlerisch einrichten läßt. Bei Loos künstlerischer\nund realer auf den eigenen Wunsch dieses reichen\nMannes. Bei Herrn Scheffler unkünstlerischer und\nunwahrer, also impressionistischer, auf den Wunsch\ndes Herrn Scheffler. Bei Loos will sich der reiche\nMann ein Bild aus der Sezession kaufen. Das Ge-\nschöpfchen des Herrn Scheffler empfiehlt dem rei-\nchen Mann die Expressionisten, Kubisten und Fu-\nturisten. Da Loos von der Raumkunst etwas ver-\nsteht, nämlich, daß sie keine Kunst ist, verbietet\nder Raumkünstler seines Gleichnisses überhaupt\nden Kauf von Bildern, da sie nicht zur Raumkunst\ndes Raumkünstlers passen würden. Herr Scheff-\nler, der nicht einmal etwas von der Raumkunst\nversteht, trotzdem es keine Kunst ist, läßt den\nRaumkünstler dem reichen Mann empfehlen, sich\nBilder zu kaufen. Der Raumkünstler sagt sogar\ndem reichen Onkel ausdrücklich, daß der Kauf die-\nser Bilder einst ein großes Geschäft sei. Herr\nScheffler weiß, womit man reiche Leute überzeugt.\nAdolf Loos kümmert sich in seinem Gleichnis na-\ntürlich nicht um die Geschäfte. Aber von dem\nRaumkunstundkünstler heißt es: „Nun sauste der\nRaumkünstler wieder davon. Wie ein beglücken-\nder Gott schritt er durch die Ateliers der Werden-\nden dahin. Er traf sie fast alle auch an; denn was\nein rechter —ionist ist, der ist ebenfalls d. u.\" Das\nwagt Herr Karl Scheffler zu schreiben, vier Wo-\nchen nach dem Fall von Franz Marc, und ein und\nein halbes Jahr nach dem Tod von August Macke,\nwährend er selbst Felddienst in der Vossischen Zei-\ntung tut. Allerdings ist Herr Scheffler sehr kurz-\nsichtig, denn er sieht bei seinen Impressionisten und\nSezessionisten die — ionisten nicht, er hält sie alle\nfür Kunst und Künstler. Aber sein Raumkünstler\nweiß wenigstens, wo er hingehört: „zu diesem Zeit-\npunkt zeigte der junge Kulturmann mir das bisher\nErreichte. Ob ich nicht ein Sonderheft Kunst und\nKünstler darüber bringen wollte.\" Dieses Heft\nhätte ich zwar wieder beschlagnahmen lassen,\nwenn es widerrechtlich wie gewöhnlich Reproduk-\ntionen nach1 Werken von Künstlern gebracht hätte.\nAber dieser Raumkünstler hat sicher keinen Künst-\nler gefunden. Sonst hätte er über den Onkel Scheff-\nler besser Bescheid gewußt. Dann folgt wie bei\njedem Kitsch, die Pointe. Der reiche Onkel kommt\nauch zu Herrn Scheffler, beschwert sich über den\nNeffen Raumkünstler und Herr Scheffler schließt\nprophetisch: „So verschieden Sie auch scheinen,\nso verwandt sind Sie sich doch letzten Endes. Arm\nin Arm sollten Sie Ihr Jahrhundert in die Schranken\nfordern.\" So schillert diese Novelle aus, aber ich\nsetze noch eine Pointe hinterher. Herr Karl Scheff-\nler vergißt zum guten Ende, daß er auch zu der\nVerwandtschaft gehört. Solche Leute können nur\nvon ihm stammen. Natürlich schimpft man immer\nauf die Verwandtschaft, aber man verträgt sich\ndoch ganz gut. Und das Jahrhundert feuert über\ndie Schranken hinweg.\n\nLieder\nSophie van Leer.\nI\nIn meinem Blut\ntanzt\nDu\nSäule\nträgst Du mich\nWellen schlägst Du um mich her\nMantel aus Meer\nKühle säst Du\nin mein heißgepochtes Herz\nNacht singt Du\nTraum träumt Du\nSinn sinnt Du\nFern\nDu\nII\nIn meine Schultern hülle ich Dich\nund trage Dich zu mir\nIch wiege Dich im Kahne meines Bluts\nund pflanze hoch die Wälder meiner Glieder\num Dich\nich bette Dich\nin das rausche Gestrüpp meiner Locken\nIII\nWunde mich nicht\nwende Dich nicht\n(weile\nwölbe Dein Lauschen\nBieg Deine Glieder\nbeuge Dein Läicheln\nNeige die Wange\nin meinen Schoß\nlausch meiner Sehnsucht\nRausche Rausche"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160515-01.1.12", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verla«:\nF Harnisch / Berlin W 35\nBruck Carl Hause / Berlin SO 2k\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdamer StraSe 134 a\nQedtfnet ttfglich von 10—6 Ubr / Somitags vo*\n11—2 Uhr\nTaseskarte 1 Mark I Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEioundvierzigste Ausstellung\nGeorg Schrimpf\nJohannes Itten\nZweiundvierzigste Ausstellung\nLyonel Feininger\nPaul Kother\nFelix Muller\nEroffnung: Dreifiigster Mai\n\nSturm-Ausstellung zu Braunschweig\n7. Mai bis 31. Mai\nGemalde und Zeichnungen\n\nSturm-Aussfellung zu Cliristiania\nZweite Ausstellung\nKandinsky\nGabriele Miinter\n\nDer Sturm vertritt folgende Kiinstler und verfiigt\nstandig iiber deren Gemalde I Aquarelle I Zeich-\nnungen I Handdrucke I Plastiken\nCampcfidonk I Marc Chagall I Jacoba van Heems-\nkerck I Kandinsky / Franz Marc I Georg Muche /\nGabrlele Miinter / Nell Walden\nIsaac Griinewald / Sigrid Hjerten-Griinewald\nFernand Leger / Archipenko / Boccioni I Carlo D.\nCarra J Luigi Russolo I Gino Severini\nFritz Baumann / Vfncenc Benes I Albert-Bloch I\nEnril Filla / Albert Gleizes / Otto Gutlreund I\nOswald Herzog / Alexei Jawlensky / Paul Klee I\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin I Carl Mense /\nJeau Metzinger I Francis Picabia ./ Pablo Picasso I\nMarianne von Werefkin / Cezanne I van Gogh I\nMunch\n\nVerlag Der Sturm\nBerHa W 9 Potodamer StraBe 134 a\nrernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliclie Ausgabe Fiir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein fialbiahr 3 Mark / Einzelheft 80 Pfennig\nJ Fiir das Ausland bei direkter Z u -\nst el lung durch die Post: Ein Jahr 8 Mark\nI Ein Halbjahr 4 Mark I Einzelheft 1 Mark\nSoiiderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare, Versendung; in Rollen direkt\ndurch die Post fiir Deutschland und\nOesterreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark /\nCin Halbjahr 6 MaTk / Ffir das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark I Ein Halbjahr 7 Mark\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFiirfter Jahrgang und sechster Jahrgang je 6 Mark\n\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen I Zum Ernzelverkauf liegt Der Sturm in\nBalmhofsliandlungen, Kiosken und StraBenstanden\nauf I Falls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwfinscht wird, bitten wir den Betrag filr den\nBeginn des neuen Halbjahres bis\nrum flinften des ersten Monats einzu-\nsenden I Sonst wird der Betrag durch Nach-\nnahme unter Berechnung der Kosten eingezogen\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Mappe mit zwanzig Blalt\nZeichnungen in Strichatzung\nAnf Kaiserlich Japanpapier 25 Mark\nAof Costakarton 15 Mark\nKandlnsky-Album / Schrift des Kiinstlers tiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 I Album 10 Mark\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzehi unterschriebene Holzschnitte I Auflage 30\nMappen\nMappe je einhundert Mark\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nJedes Bach 2 Mark\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nOberteufel / Tragodie / Ihr stilles\nQI ii c k —! / Drama / Ein Taubenschla* /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft /\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nAdolf Knoblauch: Dte schwarze Fahne / Eine\nDichtung\nPaul Leppin: Daniel Jesus I Roman\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur I In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Sonderausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Qelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart funfundzwanzig Mark\nAugust Stratum: Du I Liebesgedichte\nNor gebunden 3 Mark\nSturm-Bticher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fiir Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen ./ VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Ringe / VII: Adolf Befane: Zur\nneuen Kunst ! VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Angenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Sturrabuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nHerwarth Walden: Dafaislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Fflr Gesang und Kla-\nvier / 3 Mark / 50 Seiten / Nummer 1 eiwzeln: Er\nhort mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFiir Klavier )\n1 Mark\nK&nstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das Lachen I Ab-\nschied\nI.uigi Russolo: Erinnerung einer Nacht I Zug in\nvoller Fahrt\nGino Severini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin I\nPan-Pan Tanz\nKandinsky: Komposition 2 I Komposition 6\nFranz Marc: Affenfries / Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\nAugust Macke: Spaziergang\nSt grid Hjerten-Griinewald: Kinder\n\nK a r t e n von Miinter I Marc Chagall (5) I\nIQee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Gleizet\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm-Ktiiistfer / Lichbildkarten / Karte\n20 Pfennig: 1: August Stramm I 2: Herwarth\nWafden / 3: Jacoba van Heetfiskerck\nSturm - Austellungskataloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\n1 Otakar Kubin ' Marc Chagall I Kandinsky / je\n50 Pfennig\nDie Futuristen I 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit ftinfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fflr die Zeitschrift\nDer Sturm ' Originallithographie\nDer Abzug 10 Mark\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJcder Kunstdrnck 5 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden I 3 Karl Kraus /\n4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheerbart 6 Yvette\nGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nPaul Klee: Kriegerisclier St a mm\nAnna Scheerbart / Handgefertigte farbige Vorsat*-\nund Deckelpapiere fur BuchereinbSnde / Muster\nim Sturm (Ausstellungskasse), wo auch Bestel-\nlungen entgegengenommen werden / Deckel- unrf\nVorsatzpapier Format 42X35 Mark 4\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917 I\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturwi-\nausstellungen Jedes Jahr frei eine Sturmpubli-\nkation\nDie Sturmgabe, die die Mitglieder des Vereins fiir\nKunst im Jahr frei erhalteii ist nach Wahf:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiseriich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrucke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nHerwarth Waldeti: Kunstmaler und K u n s t-\nkritiker / Qesammelte Schriften I\nBand I / 2 Mark I Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nSoeben erschieneti: Adolf Knoblauch: Kreis\nd es A n f a n g s I Frtihe Gedicfate I 5 Mark\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}