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so schreckhaft,\nWenn ich im leeren Berge singe,\nBin ich auch nicht mehr allein.\nTausend Stimmen erwidern mir\nAus der Höhe\nUnd aber aus der Tiefe.\nIch schreite hinaus:\nVon allen Seiten\nFließt Gold mir entgegen.\nVom Farren am Bache\nSammle ich kostbare Tropfen\nHier: Trinket allesamt.\nAus der Kehle alles Leben\nSingt es im Morgenwalde.\n\nHeller Mittag\nDurch die ganz feinen Wolkenstreifen\nTropft blauer Himmel ins Meer.\nSegel flattern auf\nUnd fliegen zu den weißen Möwen.\nUm den Kiel meines Kahnes im schlafenden Schilf\nLiebt sich die See.\nSchwertlilien gleiten über Bord\nUnd schauen auf mein Gesicht herab.\nUm meine Lippen und um die Spitzen meiner\nFinger\nHängt Wind sich wie Trauer.\nMeine Augen sind junge Welten\nUnd ihre Lider Himmel aus lichtem Gold:\nAlle weißen Wolken\nSind unter ihnen eingefangen.\nDie Sonne ist bis zu Gott hinaufgestiegen.\nDer hält sie unter sein Herz\nUnd schenlkt der Erglühten\nViel Güte von seinem schönen Gesicht.\n\nFülle\nBraun von Sonne\nFüllt reifer Weizen meine hohle Hand.\nDa mein Mund nun spricht,\nSchaut auf alle Gottheit unter Bäumen\nUnd 'lächelt über das Leben.\nGottheit, die Hände beugend im Schöße:\nDas ist die Fülle.\nAber die Menschen sind Speicher.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nWenn die Gottheit schaut,\nWerden schwer die Ähren,\nDes Irdischen Blicke sind Schnitter und\nErntewagen.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nKrüge süßen Methes voll\nSind die dunklen Wolken\nHinter den goldenen Feldern.\nOh du Kind mit der kleinen Garbe im Arme!\nDeine Augen sind groß:\nEs blüht in ihnen ein lichtes Land mit silbernen\nStrömen,\nAn denen du ganz einsam sitzest und spielst.\nDes Nachts,\nWenn die Sterne, Singende wandeln die weiße\nStraße:\nManch einer stürzt da im rauschenden Korn\nUnd wird auf der Erde geboren.\nDann sitzest du, Kind, mit der kleinen Garbe\nim Arme,\nIn deinem nachtblauen Lande an silbernen Strömen\nUnd lächelst über das Leben\n\nSinnlichkeit\nIn meinen Adern häufet sich Blütenstaub:\nWie alles Blut in ihm versiegt!\nVon Sehnsucht erklingend begatten sich gläserne\nBlumen in meinem Herzen.\nFallen welkend aus den Schatten der Schläfen\nMeiner Finger enge Fünfblattblüten\nUnd verlieren sich in reißenden Strömen\nDa weht aus des Gaumens Wüste so müder Wind.\nDa beugen sich zitternde Zweige zu mir herab\nUnd trinken heißen Wein aus den Kelchen\nmeiner Augen.\nMit pflaumiger Pfirsichhaut sind Himmel und\nSteine bekleidet.\nVom Sonnenfelsen höhnt mich begreifendes\nLächeln von Schlangen:\nDas verglättet alle Kanten zu weicher Rundheit."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4301, "texte": "Dürstendes Dickicht wirft sich über den Schoß\nder Sommernacht:\nNun ist des Tages Hauch eine zimmetduftende\nOrchidee,\nIn der ich betäubter Falter flattre.\nIn meinem Haupte rauscht ein Garten,\nAuf dessen Kronen schwelender Abend 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Vögel Tau\nVor Freude über unser Glück:\nIch will Ihnen dafür Saphire' für ihre Augen\nschenken.\nDu bist eine silberne Gerte\nAn der überströmend mein Herz hangt\nUnd Gott hält uns in den blauen wehenden\nNachtwind hinaus.\n\nGroße Träume wiegen mich . . .\nWälder, deren Bäume lange Bärte tragen,\nWälder, in denen Nachts unzählige Kerzen\nbrennen,\nIrgendwo in euern Kronen lieg ich wie in einer\nWiege.\nMeere, deren Wogen in die Wolken lachen,\nMeere, zu deren Grund nachts sterbende\nSterne sinken,\nIrgendwo in euern Tälern lieg ich wie in\neiner Wiege.\nImmer flüstert euer ewiges Atemholen in meine\nOhren,\nImmer trägt mich euer sanfter Gesang in lichten\nSchlaf.\nWälder und Meere, irgendwo in euch lieg ich\nwie in einer Wiege.\n\nEntscheidung\nGezweig aus Sternen bog sich zu ihm herab,\nAls der Beglückte durch nächtliche Gärten ging.\nGloriolen glänzten über seiner Spur.\nFerne folgte sein Schatten aus dummem Gold.\nDer spielte ihn. Es sang dazu ein blaues Licht\nim Baum.\nDoch der Beglückte wie im Traum wankte\nden Strand entlang.\nErsehntem weggeschenkt. Das zwang\nZum Niederknien am Fuße der Düne ihn.\nEs war die Luft von silbernen Pfeilen erfüllt,\nHochoben verklingenden.\nUm Mitternacht sank eine dunkle Sonne ins Meer,\nLangsam ein schwarzes Segel zog vorbei.\nSand floß auf des Menschen Scheitel von\nder Höhe der Düne im Wind.\nÜber dem Meere erblickte er eine Stadt.\nIn ihr sich selbst. An gebundenen Händen\nWard er von wilden Rossen durch die Straßen\ngeschleift,\nVon des Mondes metallenem Zuruf verhöhnt.\nAuf den Dächern die schweigsam schauende\nMenge;\nDie riesenhaften Gestalten der Priester.\nSturmwind entführte die Stadt.\nEin Geier, von Wolken verfolgt, schoß durch\nden Raum,\nIn wütendem Kampf mit einer Flamme, die er\ngeraubt hat.\nEine weite See sprang hoch, die ihn ergriff,\nUnd hing lange felsenstarr im Sternenkreis,\nDen Lachenden, der durch die Höhlen der\nWogen schritt,\nStaunend seine leuchtenden Arme, liebreich\ndie leeren Hände besah.\nO das war jener, der dort am Strande lag.\nFreudig hob er das Haupt: Nun war Ruhe\nringsum,\nEs wuchs um ihn ein wunderbarer Wald.\nTiefer ward die Schönheit unter den heiligen\nBäumen.\nNach Menschenaltern versank er in\nAll-Einsamkeit.\nImmer lichtere Himmel durchschwebten sein Herz.\n\nVersöhnung\nAm Abend verloren ihr Licht zwei strahlende\nWelten.\nDes Menschen Augen. Sein Antlitz verlor jeden\nSinn.\nNachts trieb Gott den Hadernden ans Ufer\ndes Sees.\nO wie faßten die Stimmen der Geister wild an\nsein Herz.\nNun er sein Urteil begriff, weinte er lang.\nGrausam in seinem Gesicht lebte der nahe Mond,\nBis er im Himmel versank vor des Tages\nsteigendem Schein.\nVoll zärtlicher Liebe dachte er an ein Kind.\nAm Morgen segnete süßer Tau seinen Scheitel,\nEr fühlte für einen im Sonnenschein zitternden\nZweig.\nUnd in seinem Herzen\nFaltete die Freude die goldenen Hände verklärt\nzum Gebet.\n\nDaß ich ein Teil haben darf\nDaß ich ein Teil haben darf\nAn deines Tages Ungemach,\nIst mir so tiefes Glück.\nDaß du so gütig bist,\nVor jenen Sorgen, die dich quälen,\nZu mir zu flüchten,\nDank ich dir tausendmal.\nO ikönnte ich\nDeine Flucht beschützen,\nDeine Augen erhellen\nUnd dich lächeln lassen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.5", "titre_corps": "Ich schreite über eine weite Heide . . .", "titre_sommaire": "Ich schreite über eine weite Heide . . .", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "debut_caractere": 1631, "fin_caractere_exclue": 1978, "texte": "Ich schreite über eine weite Heide . . .\nIch schreite über eine weite Heide,\nDurch die die Spuren eines Wagens gehn.\nNirgends sind Menschen zu sehn.\nHeideblumen pflück ich mit Blättern von Seide,\nAus ihnen form ich einen Strauß.\nDann zieh ich die Blüten einzeln heraus\nUnd meine weißen trauernden Finger\nZerreißen die duftenden Dinger\nGedankenlos."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.7", "titre_corps": "Morgen", "titre_sommaire": "Morgen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "debut_caractere": 2454, "fin_caractere_exclue": 3280, "texte": "Morgen\nDie zwei Reihen der hochästigen Kiefern am\nHochwege\nSind eine brausende Orgel für den Wind.\nDie zwei Reihen der hochästigen Schwarzkiefern\nam Talwege\nWandern in den hellen Laubwald.\nIn den Netzen des Mooses\nFängt Tau sich als Wohlgeruch.\nIm Walde, der uralt ist,\nLiegen Götterbilder,\nViele Götterbilder aus weißem Marmor\nIn Faltengewändern:\nIn den Ästen, wie eingesponnen,\nAm Boden, von Moos begrünt,\nSchlafend auch an die Stämme gelehnt.\nIm leeren Berge der schwarze See\nIst nicht mehr so schreckhaft,\nWenn ich im leeren Berge singe,\nBin ich auch nicht mehr allein.\nTausend Stimmen erwidern mir\nAus der Höhe\nUnd aber aus der Tiefe.\nIch schreite hinaus:\nVon allen Seiten\nFließt Gold mir entgegen.\nVom Farren am Bache\nSammle ich kostbare Tropfen\nHier: Trinket allesamt.\nAus der Kehle alles Leben\nSingt es im Morgenwalde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.8", "titre_corps": "Heller Mittag", "titre_sommaire": "Heller Mittag", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "debut_caractere": 3282, "fin_caractere_exclue": 3884, "texte": "Heller Mittag\nDurch die ganz feinen Wolkenstreifen\nTropft blauer Himmel ins Meer.\nSegel flattern auf\nUnd fliegen zu den weißen Möwen.\nUm den Kiel meines Kahnes im schlafenden Schilf\nLiebt sich die See.\nSchwertlilien gleiten über Bord\nUnd schauen auf mein Gesicht herab.\nUm meine Lippen und um die Spitzen meiner\nFinger\nHängt Wind sich wie Trauer.\nMeine Augen sind junge Welten\nUnd ihre Lider Himmel aus lichtem Gold:\nAlle weißen Wolken\nSind unter ihnen eingefangen.\nDie Sonne ist bis zu Gott hinaufgestiegen.\nDer hält sie unter sein Herz\nUnd schenlkt der Erglühten\nViel Güte von seinem schönen Gesicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.9", "titre_corps": "Fülle", "titre_sommaire": "Fülle", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "debut_caractere": 3886, "fin_caractere_exclue": 4823, "texte": "Fülle\nBraun von Sonne\nFüllt reifer Weizen meine hohle Hand.\nDa mein Mund nun spricht,\nSchaut auf alle Gottheit unter Bäumen\nUnd 'lächelt über das Leben.\nGottheit, die Hände beugend im Schöße:\nDas ist die Fülle.\nAber die Menschen sind Speicher.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nWenn die Gottheit schaut,\nWerden schwer die Ähren,\nDes Irdischen Blicke sind Schnitter und\nErntewagen.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nKrüge süßen Methes voll\nSind die dunklen Wolken\nHinter den goldenen Feldern.\nOh du Kind mit der kleinen Garbe im Arme!\nDeine Augen sind groß:\nEs blüht in ihnen ein lichtes Land mit silbernen\nStrömen,\nAn denen du ganz einsam sitzest und spielst.\nDes Nachts,\nWenn die Sterne, Singende wandeln die weiße\nStraße:\nManch einer stürzt da im rauschenden Korn\nUnd wird auf der Erde geboren.\nDann sitzest du, Kind, mit der kleinen Garbe\nim Arme,\nIn deinem nachtblauen Lande an silbernen Strömen\nUnd lächelst über das Leben"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "27", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.10", "titre_corps": "Sinnlichkeit", "titre_sommaire": "Sinnlichkeit", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "debut_caractere": 4825, "fin_caractere_exclue": 5421, "texte": "Sinnlichkeit\nIn meinen Adern häufet sich Blütenstaub:\nWie alles Blut in ihm versiegt!\nVon Sehnsucht erklingend begatten sich gläserne\nBlumen in meinem Herzen.\nFallen welkend aus den Schatten der Schläfen\nMeiner Finger enge Fünfblattblüten\nUnd verlieren sich in reißenden Strömen\nDa weht aus des Gaumens Wüste so müder Wind.\nDa beugen sich zitternde Zweige zu mir herab\nUnd trinken heißen Wein aus den Kelchen\nmeiner Augen.\nMit pflaumiger Pfirsichhaut sind Himmel und\nSteine bekleidet.\nVom Sonnenfelsen höhnt mich begreifendes\nLächeln von Schlangen:\nDas verglättet alle Kanten zu weicher Rundheit."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 454, "texte": "Dürstendes Dickicht wirft sich über den Schoß\nder Sommernacht:\nNun ist des Tages Hauch eine zimmetduftende\nOrchidee,\nIn der ich betäubter Falter flattre.\nIn meinem Haupte rauscht ein Garten,\nAuf dessen Kronen schwelender Abend drückt.\nGrellrote große Früchte schwingen tönend im\nSturm.\nNachts neigen sie sich von den Stielen und fallen\nWie Flammen von Fackeln, Ertrinken im Tau\nmeiner Lider.\nHastet der Smüm durchs phosphorleuchtende\nSchilf meinerWimpern"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.11", "titre_corps": "Liebeslied", "titre_sommaire": "Liebeslied", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 456, "fin_caractere_exclue": 1415, "texte": "Liebeslied\nWenn deine Augen süß zu mir singen,\nIst meine Seele ein tiefer Brunnen,\nZu dessen Grunde leise Gold klirrt.\nIn meinem Schosse hielt ich fest deine Hand:\nSo bin ich durch Aetherräume fortgeflogen\nJahrtausendelang mit traumversilberter Stirne.\nDeine Worte sind Freundesarme\nDie sich gütig und weich um meine Schultern\nlegen,\nDaß sich meine Lippen zum Lichte entfalten können.\nGott hat dich auf meine Arme gelegt.\nNun will ich dich tragen durch alle Leben\nBis wieder zu Gott.\nMeine Spuren folgen mir alle verklärt,\nEin großes Heer, dir dienstbar zu sein,\nUnd mich zu führen die bereitete Straße.\nDie Blumen der Beete knospen uns nach\nUnd rufen uns Wohlgerüche zu\nUnd können nur mehr an deinem Gürtel blühen.\nIn grauen Abend weinen die Vögel Tau\nVor Freude über unser Glück:\nIch will Ihnen dafür Saphire' für ihre Augen\nschenken.\nDu bist eine silberne Gerte\nAn der überströmend mein Herz hangt\nUnd Gott hält uns in den blauen wehenden\nNachtwind hinaus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.12", "titre_corps": "Große Träume wiegen mich . . .", "titre_sommaire": "Große Träume wiegen mich . . .", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 1417, "fin_caractere_exclue": 1913, "texte": "Große Träume wiegen mich . . .\nWälder, deren Bäume lange Bärte tragen,\nWälder, in denen Nachts unzählige Kerzen\nbrennen,\nIrgendwo in euern Kronen lieg ich wie in einer\nWiege.\nMeere, deren Wogen in die Wolken lachen,\nMeere, zu deren Grund nachts sterbende\nSterne sinken,\nIrgendwo in euern Tälern lieg ich wie in\neiner Wiege.\nImmer flüstert euer ewiges Atemholen in meine\nOhren,\nImmer trägt mich euer sanfter Gesang in lichten\nSchlaf.\nWälder und Meere, irgendwo in euch lieg ich\nwie in einer Wiege."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.13", "titre_corps": "Entscheidung", "titre_sommaire": "Entscheidung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 1915, "fin_caractere_exclue": 3411, "texte": "Entscheidung\nGezweig aus Sternen bog sich zu ihm herab,\nAls der Beglückte durch nächtliche Gärten ging.\nGloriolen glänzten über seiner Spur.\nFerne folgte sein Schatten aus dummem Gold.\nDer spielte ihn. Es sang dazu ein blaues Licht\nim Baum.\nDoch der Beglückte wie im Traum wankte\nden Strand entlang.\nErsehntem weggeschenkt. Das zwang\nZum Niederknien am Fuße der Düne ihn.\nEs war die Luft von silbernen Pfeilen erfüllt,\nHochoben verklingenden.\nUm Mitternacht sank eine dunkle Sonne ins Meer,\nLangsam ein schwarzes Segel zog vorbei.\nSand floß auf des Menschen Scheitel von\nder Höhe der Düne im Wind.\nÜber dem Meere erblickte er eine Stadt.\nIn ihr sich selbst. An gebundenen Händen\nWard er von wilden Rossen durch die Straßen\ngeschleift,\nVon des Mondes metallenem Zuruf verhöhnt.\nAuf den Dächern die schweigsam schauende\nMenge;\nDie riesenhaften Gestalten der Priester.\nSturmwind entführte die Stadt.\nEin Geier, von Wolken verfolgt, schoß durch\nden Raum,\nIn wütendem Kampf mit einer Flamme, die er\ngeraubt hat.\nEine weite See sprang hoch, die ihn ergriff,\nUnd hing lange felsenstarr im Sternenkreis,\nDen Lachenden, der durch die Höhlen der\nWogen schritt,\nStaunend seine leuchtenden Arme, liebreich\ndie leeren Hände besah.\nO das war jener, der dort am Strande lag.\nFreudig hob er das Haupt: Nun war Ruhe\nringsum,\nEs wuchs um ihn ein wunderbarer Wald.\nTiefer ward die Schönheit unter den heiligen\nBäumen.\nNach Menschenaltern versank er in\nAll-Einsamkeit.\nImmer lichtere Himmel durchschwebten sein Herz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.14", "titre_corps": "Versöhnung", "titre_sommaire": "Versöhnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 3413, "fin_caractere_exclue": 4006, "texte": "Versöhnung\nAm Abend verloren ihr Licht zwei strahlende\nWelten.\nDes Menschen Augen. Sein Antlitz verlor jeden\nSinn.\nNachts trieb Gott den Hadernden ans Ufer\ndes Sees.\nO wie faßten die Stimmen der Geister wild an\nsein Herz.\nNun er sein Urteil begriff, weinte er lang.\nGrausam in seinem Gesicht lebte der nahe Mond,\nBis er im Himmel versank vor des Tages\nsteigendem Schein.\nVoll zärtlicher Liebe dachte er an ein Kind.\nAm Morgen segnete süßer Tau seinen Scheitel,\nEr fühlte für einen im Sonnenschein zitternden\nZweig.\nUnd in seinem Herzen\nFaltete die Freude die goldenen Hände verklärt\nzum Gebet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.3.15", "titre_corps": "Daß ich ein Teil haben darf", "titre_sommaire": "Daß ich ein Teil haben darf", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 4008, "fin_caractere_exclue": 4301, "texte": "Daß ich ein Teil haben darf\nDaß ich ein Teil haben darf\nAn deines Tages Ungemach,\nIst mir so tiefes Glück.\nDaß du so gütig bist,\nVor jenen Sorgen, die dich quälen,\nZu mir zu flüchten,\nDank ich dir tausendmal.\nO ikönnte ich\nDeine Flucht beschützen,\nDeine Augen erhellen\nUnd dich lächeln lassen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "28", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Franz Richard Dehrens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "debut_caractere": 4303, "fin_caractere_exclue": 5789, "texte": "Gedichte\nFranz Richard Dehrens\n\nPreußin\nJener kleinen, tapferen Schaffnerin der Linie O\nFrühabend herzen Sonnenrasen\nSang bleichen Wangenweiße\nStrohe Augen blauen struppig Heu Resede\nSilberkleiner Birke graue Borke grüne Borte\nTrockner Wind strampelt braunstrolchenden\nnackten Bach\nIm Wettermeer stelzen stahltrunken Feuervögel\nSchart stehen stillen Leibes mädchentoll.\n\nPreußisch\nKanonen laden\nSklaven herren\nRampen reiten\nHerren Sklaven\nRinnen rasen\nSklaven herren\nRüsten felsen\nHerren Sklaven\nRiesel recken\nSklaven herren\nWiesel watten\nHerren Sklaven\nFausten flattern\nSklaven herren\nWetter bienen\nHerren siklaven\nGletten fahren\nSklaven herren\nQuader quellen\nHerren Sklaven\nRäder ringen\nSklaven herren\nBergen hirnen\nHerren Sklaven\nMastspitze ersticht Meerhast\nLicht stickt Last.\n\nRast\nStaubgelb klingt Sand Sonne\nSchauernde Kirchenkristalle süßen müde Pferde-\naugen\nSamen ertragen erlahmen\nRäder rollen Ziele\nWaldrand wendet Sielen\nFrühlingsgräser kosen Gottes grünes Bett\nEntknospen marschstrengen wegbetrunlkenen Leib\nHoch torkelt Seegang.\n\nMarsch\nLenzrote Straße liebelt Libelle\nWiegen wiesen\nSargen saaten\nKlausen klirren\nWälder worren\nFurche tiefe schwarze grüne Pfütze\n\nLeeres Dorf\nWehen wurzelt Birkenhaar\nKletten dorren Kanten\nBlühe Wolke gurgelt schweben Schrein\nKurze Kamine blenden blinke Sommerlust\nBlinde blumen Sehen.\n\nSternenbrennen\nLeuchten tiefen Silberschlagen\nSonne taumeln Rosenkeimen\nTauen Wangen tropfen bebenbang\nBrennen ranken Blühenbleiben\nZünden lange Lanzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 484, "texte": "Wickeln lose Wunden\nStürzen krönen Strahlen\nSpiegel krallen Mittagsstrudel\nWissen heimen Himmel\nHeere Hände pfliidken Flammen.\n\nTannentod\nWarten wagen maien Wellenwagen\nBeile keilen Keulen Goldschaum\nGolden bluten grüne Tode\nBeile keuchen kraftlos lange locke Strähnen\nBlonde Saiten reißen bitterheiß Wachholder weine\nBeile geilen Trotz und Treten\nSande beten\nSande leben\nSande heben\nSande herrschen\nWeihen sonnen\nWeihen binden\nWeihen 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Gedanken\nMein Schmerz sät zärtlichdunkle Tropfen\nAus meinem Blute keimt ein Taugestirn\nMein Lachen weint zu Deinen Füßen\nWeiß fließen meine Wangen durch die Nacht\nMein Herz umklammert qualgebeugt die Sterne\nIV\nNacht wandelt auf weinenden Sohlen\nwelk wühlen die Augen im Nichts\nWeiße Mondeshand\ndeckt verwaiste Blicke\nStunden tragen schwere Stunden\ndie warten in das Dunkel\nDas Lager wirft mich ab\nDie Wände lachen\nSturm stürmt das Fenster\nzerbricht den Spiegel meines Gebets\nWiege mein wundes Herz\nBette mein Blut in Träume"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c030", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "30", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": 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Glutstrom\nmeines Blutes\nDeine Blicke necken mein zitterndes Schweigen\nVerlangen quält mein Denken\nIch will Kind sein\nmich Mutter sagen hören\nIII\nFür Wilhelm Runge\nDein Wort ist Blut\nSein Sinn erblüht in Deiner Hand\nDie Zeilen säumen leuchtende Gärten\ndie jauchzen in den Tag\nAus jedem Waldbach murmelt das Märchem\nIn jedem Baum glänzt ein Gestirn\nDie Nacht trägt eine Säule\nDer Tempel Deines Herzens tönt\nDie Lieder taumeln sonneschwer\nund trinken den Quell Deiner Träume\nIV\nMit meiner Stirne spielen Deine Finger\nHände wühlen in glühem Gelock\nWorte raunen stummen Sinn\nüberplätschern tausend Stunden\nDrohend wirft die Uhr die Schläge\nHerz seufzt qualgequält\nBlut zertropft\nund atmet siedeheiß\nWellenträumendes Kinderlachen\nübertänzelt bebende Glut\nV\nDie Tage winken mit spielen Händchen\nund lächeln sonnbetaut\nDas Blut streut seine Blüten\nallerwege\nSilbervögel zwitschern die Gedanken\nZweige necken Knospen\nDer Himmel sprüht Licht\nund sprengt den Sarg\nVI\nMeine Augen sind schlaflose Nächte\nDein Schritt schreitet\nDie Schläge meines Herzens beten Glut\nZu Deinen Füßen kniet mein Traum\nDie Sonne splittert Sterne\nNacht weint Licht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 374, "texte": "VII\nDeine Augen sind blaue Tempel\nMeine Blicke knieen\nMein Herz weint im Meer\nSehnsucht schleicht Deine Wege\nAuf dem Teppich meiner Stirn\nfalten weinende Gedanken\ndie blonden Hände\n• t\nDie Halle meines Leibes\ntönt\nnach Dir\nVIII\nNacken zückt\nBlicke splittern\nHände wiegen\nHerz schmiegt\nKosen flattert\nLider seufzen\nGlieder zagen\nKniee sinken\nSehnen fleht\nLächeln nickt Gewähr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c032", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", 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Sterne\nauf stillen Straßen stehen ernste Tränen\nund vor den Häusern wohnen Trauerweiden,\nsie wachsen von dem Blute vieler Tage.\nDie Sonne schweigt,\ndie Nacht wirft Nebel über ihren Glanz\nund alles Atmen\nwird ein Schlaf.\n*\nAm Tor der Sonne schläft mein Atem ein\nIch bin das blaue Kleid des Tags\nund klinge Frühling in der Brust.\nHoch\ngeht mein Herz die goldne Pforte\nviel weiße Hände tauen in mein Haar\nAuf Strahlen wächst mein Blidk empor,\nich bin die Wolke ohne Uferziel.\nTag ist mein Gang\nalle Sonnen lächeln mildes Licht\nmeines Herzens Dienerinnen.\nKinderschritte sind meine Augen\nein Lächeln fällt zu Gottes Fuß\nSterne reigen Tänze mir zur Lust\nund ich blühe\nJugend hinauf\nSonnenüber in das Allein.\n*\nNun bin ich Wald im Sternenmantel\nich wehe kühl zu Füßen deiner Liebe.\nIn deinem Antlitz suche ich mein Herz\nmeine Seele zuckt hinter deinem Gang.\nIch kleide dich mit meinem Blut\nund trinke Tränen deinem Schmerz.\nDeines Lebens Magd ist mein Leib\nIn hellen 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.8", "titre_corps": "Lieder", "titre_sommaire": "Lieder", "signature_source": "Wilhelm Runge", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.6", "debut_caractere": 1264, "fin_caractere_exclue": 2551, "texte": "Lieder\nWilhelm Runge\nI\nRosen nicken aus den Junistunden\nträllern Sommerblau den Matten hin\nmild aus tiefstem Herzen grünt die Heimat\nihre Lippen murmeln wälderschwer\nüberwelthin schwingt die Sterne Zeit\nKinderwangliebkinderwanggereiht\nKrieg brüllt auf\nDie wilden Blumen schrein\nSonne leckt Gestöhn aus allen Poren\nFrieden holt den tiefen Atem ein\nund der Nächte durchgewühlte Locken\nschmeicheln um der Seele zitternd Knie\nAngst zerreißt der Sterne Himmelsglanz\nund der Abend drückt die Augen blind\neinsam geigt\ntief hinter Blut geduckt\newger Kindheit wildumsehntes Glück\nund der Sehnsucht über die Welt\nhängende Herzen\nschlagen\nII\nDas Denken träumt\nGelächter reimt die Straßen\nzum Tanz des Blutes\nschläfenaufundab\nDie Adern blinzeln Frühling durch die Knospen\nund schlürfen tief den schweren Himmel ein\nWind spielt der Augen froh geschwellte Segel\nder Stirne Knoten löst vom Tode sich\nweiß über Wiesen schnattern Dörfer hin\ni\ndie Städte fauchen\nund zankend zerrn die Pulse ihre Zügel\nnur deine Seele spielt im Sternjasmin\nLieb-Brüderchen Maßloslieb-Schwesterlein\nIII\nAn der Wüste deiner Stirne welkt der frühen\nWinde Blüte\nmeiner Stimme Hand zerrt blutend deines\nDenkens Dorngestrüpp\nEinsam scheuen Deine Augen\nhängen müde ihre Zweige\nund Dein Mund ist ein Boot\nnachts\nauf uferlosem Meer"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5858, "texte": "Da zerbricht ein Wort der Lippen Fessel\nund befreit den Hafen Deiner Stirn\nin die Sonne segeln Deine Blicke\nDeiner Wangen Geige\nspannt die Saiten\nzu des Bhites Julimorgenlied\nund die Seele springt aus ihrer Sänfte\nin den wilden Reigen\nhimmeltief\nIV\nIn Dich unendlich Meer strömt all mein Denken\nDeiner Hände leichter Wellenschaum netzt des\nSommers heißgespielte Wange\nSonne sucht ihr Gold\nin Deinem Herzen\nvon den Muscheln Deiner Ebbe\nzehrt mein Tag\nMatt von Deiner Seele Flut\nbricht das Ufer meines Glücks ins Knie\nRettung lockt der Stimme grüne Insel\nDoch es strandet jeder Wunsch\nan der Stirne wildgewirrten Klippen\nund immer\nschließt Du Deine Augen\nerblicke ich das Dunkel dieser Welt\nV\nDu bist ein reissender Strom\nerwürgst alle Brücken\nbist Du nicht da\nirrt meines Blutes Herde\nhirtenlos\nund nahst Du\nflieht es\nein geschlagen Heer\nscheu senken meine Augen ihre Lanzen\nBin ein träumend Dorf\nim Geheg der Sterne\nDeine Augen werfen Brand\nin die Giebel\nDeiner Hände Siegespsalmen bet ich\nin den wilden Tempeln\nmeines Munds\nSonne blühen Deiner Stirne Alpen\nnie lieg ich so selig\nwie zu Deiner Stimme Füssen\ndiesem uferlosen Mai\nVI\nBlasse Finger kauern scheu in der bangen Hand\ndoch sie strecken wieder Frieden\ntrippetänzeln wieder Glück\nvon des Blutes Rosenblüten überrannt\nSommer steigt\ndie Glockenblumen läuten\nund der Adern Dolden hängen schwer\nAus der Seele Wurzelwaldgewirr\njagt des Wollens Wildfang durch die Moose\nüber aller Träume Brückenrund\nund jauchzt hin\nder Füße Sonnenschimmer\nund die Lippen zwitschern Morgentau\nWiesen spielen Frühling mit dem Wald\nund der Himmel\naus der Stirne Wiege\nfällt den Augen lachend in den Arm.\nVII\nUeberzittern Deine Hände\nmachtlos vor dem Biß der Angst\njähes Fallen Deines Blutes\nvon dem leidgesteinten Leib\nSäule\nängstend in das Luftspiel\nwindehergewehtwehin\nkauern Deine Augen Frage\nAntwort\nwindgeweht — wohin\nQual\ndie Pulse schlagen Feuer\nblutdurchglutet rast der Brand\nund das Herz läutet wild\nSturmesglocken\nKlippenstrandet\nwirrer Sinn\nAtem wirft das kurze Ruder hin\nund des Herzens Meerestosen stöhnt\nKrieg\nVIII\nTraum frieden alle Straßen\nzweigen leise\nin\ndie Sterne\nDa erhebt sich leicht aus ihrem Laub\ntrillernder Morgen\nschlägt zurück der Gassen dunklen Mantel\nhell springt aller Fenster Müde auf\nund Soldaten jauchzen Morgenglanz um der\nSonne Helmesspitzentanz\nBrausen spült\ndes Himmels Purpurfuß\nin den Kehlen tanzt das Paradies\nHäuser wirbeln hin\nDie Spatzen schwatzen\nund die Dächer pfeifen es herab\nIX\nDeiner Augen Berge ringen Wolken\nmeine Lippen schielen scheu\nEinst trug rosa Kleidchen meine Wange deines\nLachens Sommerstraßen lang\ndoch nun geht sie nicht mehr aus und ein\ntraurig trottet\ndurch den Herbst\nihr verwaister Fuß\nstumm stemmt Deine Stirne Eisenfäuste\nwider meiner Sehnsucht Drang\nwilde Ungewetter türmt Dein Antlitz\njagt in Ebbe\nmeiner Wünsche Flut\nund des Herzens blutversteinte Stadt\nstarrt ins irre Leuchten Deiner Blitze\nzuckt gell auf\nzerschellt\nin schreiem Schlag\nX\nDes Himmels schwerster Atem keucht aus Gräben\nirr schlägt sein Puls der Heimat Märchenkuß\nscheu im Versteck der Adern wimmert Blut\nnimmt zag ein letztes Denken auf die Lippen\nAus allen Poren strotzt des Drübens Hölle\nund mauert grell die Herzen in den Tod\nGewitter flattern\naller Mai verweht\nder Seele immergrüne Zweige brechen\ngrün stiebt ein Lächeln durch die Wangenschwüle\nund in die Fernen sickert Tod um Tod\nfahl in die dürren Kniee sinkt der Tag\nwühlt weh die letzten Seufzer aus der Brust\nGebete fegen Glück\ndie Wolken wiegen\nund Sehnsucht wirft des Blutes Deckung auf\ntrotzt wilden Hohn dem Tod in Riesengröße\nweit überschattend alles Spiel der Welt\nXI\nMaienbäume pflücken aus dem Tag sich des\nHimmels tausend blaue Blüten\nMorgen läutet seiner Glocken Tau in den\nchorgewölbten Vogelkehlen\nund der Wind tanzt seine wilden Füsse in den\nzarten Wolkenarmen wund\nAugen flattern blau ' '\ndie Steine duften\nHummeln bummeln durch das Sommerblut\nund der Sterne Schwalben nisten in der Seele\nTrunken steigt der Stirne Sonnenblume\nvon des Frühlings gärtenweichem Lager\nLippen breiten ihre weiten Flügel\nschwingen überweit ihr Kinderglück\nund die Sonne durch der Adern Gassen\nträllert selig\nTau und Tod\nXII\nUrwald brausen wuchtig Deine Lippen\nmoosgeschmiegt\nzirpt zag\nmein Herz\nschnellt vom krummen Bogen meiner Stirn\nnach der goldnen Locke\nübertänzelnd\nDeines Lachens blauen Mai\nwild der Augen schärfsten Sehnsuchtspfeil\nsinkt aufs Knie\ndie Hände schluchzen\nvon der Seele Rücken springt das Leid entzwei\nund zersplittert einen Tanz des Glücks\nSorge wankt geknickt\ndie Sterne flüstern\nleise weht das Blut\nund des Atems Teppich\nfällt pulsauf pulsab\nstockend\nDir\nzu Füssen\nXIII\nAus den schwarzen Falten deiner Augen\nzucken Dolche\nzurück in seine Halle schlägt mein Herz\ntastet scheu\nSäule um Säule\nnach dem Gewölbe Deines Angesichts\nDein Atem trägt den Arm voll dunkler Wälder\nund sein blaues Meergefieder schlägt der Tag\nin der Sonne Goldgelächterflitter\nAlle Hände voller Silberblumen\nspringen Bächlein durch der Adern Sturmgehölz\nund der Stirne blumenwilde Wiese\nsenkt die windgeschwächten Schmetterflügel\nin des Abends weltenweiten Schoß\nXIV\nWild wirft mich die Gondel Deiner Augen\nin der Stirne Wellenungestüm\nSturm zerzaust der Hände scheu Geäst\nund des Blutes Wolken schweben fern\nSterne stehen Deinem Hauch gebückt\nDeine Lippen weiten ihren Strand\nwiegen nieder junges Himmelblau\n/in der Wangenflügel Faltertanz\nSträucher lispeln durch das Dorf geduckt\nSonne beißt die prallen Lippen wund\nblutet ihren Sommer in die Seele\nXV\nWolken Schluchten in die Wälder\nund das Moos im Sonnegoldgezweig\nschlägt die sammtverträumten Augen auf\nleise neckt des Windes Frühlingsfinger\nStraßen harfen durch die Wälderweite\nDörfer heben ihr betautes Haupt\naus der Wiesen düfteschwerem Strauß\nKirchen beten in .das Abendrot\nAuf den Sternen brennt ihr Orgelton\nSeele wirft die Nächte in den Staub\nwiegt in ihrem Arm den Himmelsglanz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c044", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.9", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1037, "texte": "Gedichte\nThomas Ring\nDie Nacht schauert\nDein Antlitz fahlt\nTrauer tropft aus wehen Augen\nMondumweint\nMeine Selmsucht ragt um dich\nWeitwölber Dom\nPfeiler schwingen tönende Bogen\nFenster sprühen bäumende Glut\nKlänge stürzen wirbeln schluchzen\nAtmen dich\n*\nGlocken dröhnen deinem Tode\nLieder beben hauchen Schmerz\nNächte klagen\nMein Atem schüttert deine goldenen Strähnen\nMeine Schultern kauert Grauen\nMeine Stirn zerhämmert Gram\nPulsgedrängt\nLechzer Schreie Garbe sprengt den Raum\nErde splittert\nBlüten tränen Blut in eise Öde\n*\nSonne wirbelt sprühe Pfeile\nAus des Waldes Harzodem\nBrodeln Nebel\nNachtgeduckt\nGlanzumlohter Leib verikauert\nHände pressen knospe Brüste\nNacken steint\nAugen schauern rückgewandt\nIrre Sterne\nMein Hauch überblüht deine Wangen\nDie Ketten deines Schlafes brechen\nLächeln regt deinen bleichen Mund,\nZage Blüten\nZittern unsere Seelen\nDolden träufeln Honigdüfte\nPerlbesprüht\nSaugen Kelche des Morgens Goldtaumel\n♦\nIn deinen Tränen perlt mein Blut\nSiedheiße Tropfen\nMeine Adern welken\nDie Sonne zerhaucht\nQualhingeweht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c045", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c045", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.10", "titre_corps": "Dem Mädehen", "titre_sommaire": "Dem Mädehen", "signature_source": "Karl Brand", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.8", "debut_caractere": 6193, "fin_caractere_exclue": 6599, "texte": "Gedicht\nDem Mädehen\nKarl Brand\nZerfallen\nist mein Gesicht in Tränen,\nsandversickert.\nSprungbereiten Fingern entfällst du.\nIch war ein tauverwehtes Wiesenmeer\nnun\nharter Weg unter wehen Tritten.\nUnd firnenumleokt\ngletschern Gemäuer meiner Lustgebirge\nin kalten Seen.\nEntrieselt meinem Altarstein\nwiegen Wolken.\nZerstieben\nDich — meine Sonne —\nschleichst du nachts\ntappend schlafverloren\num meine Augenlider."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c046", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c046", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.11", "titre_corps": "Die Seherin : Für Anna Knoblauch", "titre_sommaire": "Die Seherin : Für Anna Knoblauch", "signature_source": "Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.8", "debut_caractere": 1039, "fin_caractere_exclue": 3985, "texte": "Die Seherin\nFür Anna Knoblauch\nAdolf Knoblauch\nAus greisem Nordmeer, zum grauen Mittag\nragt die Seherin, gebeugten Riesenleibes,\nihr Antlitz glimmt unbeweglich hinauf.\nGoldene Wimpel blitzen triumphierend,\nGoldgestalten glühen um die Seherin,\ndurchsichtig hoch ineinander geschnitten.\nIhre Häupter, Leuchttürme von Gold,\nsind gebannt in Kreise von Schwertblitzen.\nUnter Bögen zarten vielfarbenen Lichts\nschlafen ihre sichtbaren Herzen.\nAls der Sturm unendliche Schwärze wälzt,\ndie Wasser rollt über ihr segnendes Glück,\nals sie sich betrübt im Wirbel des Grenzenlosen,\nist ihr Antlitz starr, die Augbraue hoch,\ndas Auglid nimmermüd . . .\nUeber die wüsten Wirbel\nhat sie die unendliche Brücke gespannt,\nauf Pfeilern gegründet,\nvon Schwertblitzen der Gottsöhne gehärtet.\nSie steht auf aus stillem Tal,\nMädchen, gehütet und geborgen.\nSie tritt mitten aufs Meer,\nFüße beschuht mit roter Koralle,\nfeurig der Leib, gegürtet mit Flechten der Tiefe.\nSie schwingt sich zu des Himmels Schatten,\nan ihre Sohlen schmiegt das Meer den Tierrücken.\nSonne überwindet ihr Haupt,\nbricht den Riegel seiner Nacht,\nschmilzt Ametyste, Opale, Rubine,\nund glüht weiß ihre Stirn,\ndaß sie durch Stein und Felsen dringe\nin die finsterste Kammer.\nAls sie im Gemach der Mütter weilt,\ntraulich auf dem Schemel zu ihren Füßen,\nals des Geliebten Arm um sie gegürtet liegt,\nstockt ihr Herzschlag vor dem stillen Atmen,\nnah ist das Leben, reglos . . .\nDer Nacht Gewölb verklärt ein holder Stern\nim blauen Fenster. Die Herzen der Mütter\nsind eingeschlafen in den Armen der Liebenden\nund ruhen heilig beisammen.\nSie hört des Mittags Wärme tönen,\nsein unhörbar Rasen erlauscht sie in Himmelsferne,\nund er umschlingt sie mit seinen Armen\nim duftend gelockerten Kraut.\nEr hebt sie auf, rasend in Zärtlichkeit,\nund sie ist seines mächtigen Werkzeugs\ntönende Saite, fernhelle Weise.\nUngeheures Haupt auf ihrem Busen!\nBebende Füße, treibendes Herzklopfen,\ngespreitete Hände, Zittern, Jauchzen.\nTiere, Bäume, Gras, Wasser, Winde,\nErde, Sonne, Wolken umspringen sie,\nder unzählbaren Herden Getümmel,\nund rufen sie zum Spiel,\nschmeicheln ihr, küssen ihre Glieder,\nentzücken ihre Augen, köstlich, flammend,\nkränzen frohlockend ihr Haupt,\nbis sie zutraulich wird, unschreckbar\nmit Tier, Hügel, Himmel, vorm Meer\nfürder ihr Fuß nicht stockt.\nEs gibt Lippen, Hände, Glieder, Scham\nund sie legen sich an Lippen, Hände, Glieder, Scham..\nSie scherzt sinnend unschreckbar,\nund freut sich am Wohlgeruch,\nder um die Felsen heilig fließt;\nbekränzten Hauptes, goldner Lenden\nliegt sie gebettet in schlanker Hüften Beugung.\nRuhiges Gewölk in der Tiefe sind ihre Augen,\nreine Quellen, die aus Felsen springen, ihre Lippen.\nIn greiser Nacht geht sie aus sanftem Tal\ngebeugten Riesenleibes, die Schultern düster,\nihr Antlitz glimmt von zehrenden Tränen,\nMädchen, gehütet und geborgen . . .\nAus dem Buch von Adolf Knoblauch: Kreis des Anfanes\nFrühe Gedichte / Erschienen im Verlag Der Sturm / Berlin\nMai 1916"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c047", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c047", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "35", "image_debut": 8, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.12", "titre_corps": "Kunstvermittler", "titre_sommaire": "Kunstvermittler", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.8", "debut_caractere": 3987, "fin_caractere_exclue": 6191, "texte": "Kunstvermittler\n\nDer Kankasier\n„Niggerei. Die neueste Kunstmode. Nachdruck\nverboten. Von Fritz Stahl. Wenn man jetzt in\nunsere Kunstausstellungen geht, in denen die Pa-\nrole des Tages gilt, so muß man die Hoffnung\ndraußen lassen, Menschen unserer Welt zu finden,\nForm, Bewegung, Ausdruck, die uns vertraut sind,\ndie unsere Sprache reden. Höchstens ein paar\nreife Männer, die diese liebe Jugend von heute\ndafür verkalkt schimpft, wagen es noch, der-\ngleichen zu schaffen. Den Mut, es an sichtbare\nPlätze zu stellen, bringen sie aber nicht mehr\nrecht auf. Von der kaukasischen Rasse hat etwa\nnoch der Muschik Bürgerrecht in der Welt des\nSchönen. Mehr gilt schon der Mongole. Aber der\neigentliche Beherrscher ist der Neger, in ihm sehen\ndiese Künstler den idealen Menschen — er hat den\nHellenen abgelöst.\" Man ikann solchen Künstlern\nden Vorwurf nicht ersparen, daß sie sich Herrn\nFritz Stahl als Vorwurf entgehen lassen. So ein\nreiner Kaukasier ist eine feine Sache. So ein hel-\nlenischer Kaukasier hat zweifellos ein Bürgerrecht\nin der Welt dies Schönen. Aber Ruhe ist töie\nerste Bürgerpflicht. Und die Welt des Schönen\nsollte die Menschen unserer Welt finden, die\nunsere Sprache des Berliner Tageblatts reden.\nHerr Fritz Stahl nimmt den Rassenkampf gegen\nMongolen und Neger auf, die den idealen Menschen\nFritz Stahl abgelöst haben. Er weiß, wie er aus-\nsieht und ist sich selbst schön genug. Er schafft\nnoch Form, Bewegung und Ausdruck, die uns ver-\ntraut sind. Ja, früher waren bessere Zeiten: „Wie\nfrüher einmal die Künstler idealisierten und in\neiner Frau den Anklang an die Venus liebten und\nverherrlichten . . .\" Das war Musik für seine\ntauben Augen. Darum sagt er in unserer Sprache:\n~So sage ich lieber: Niggerei. Vielleicht bringt das\nderbe deutsche Wort hie und da einen zur Be-\nsinnung. Künstler oder Mitmacher, was eigentlich\ndiese Ausschaltung der kaukasischen Menschheit\nbedeutet.\" Kunst. „Ist es nicht Wahnsinn?\" Herr\nFritz Stahl hat diie Methode. „Hat die Kunst gar\nkeinen Umgang mehr mit dem Gefühl oder wenig-\nstens mit dem Takt?!\" Der Umgang mit der\nkaukasischen Menschheit hatte sträfliche Folgen.\nUnd der Umgang mit dem Takt war zu sächlich\nund führte zum Taktieren. Diese Musik wurde"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.9", "debut_caractere": 46, "fin_caractere_exclue": 4850, "texte": "nach dem Taikt gemacht, aber der Takt macht\nkeine Musilk. Das hören blinde Ohren nicht. Aber\nnur nicht ungerecht: „Uebrigens um nicht unge-\nrecht zu sein, nicht nur die Jüngsten sind der\nNiggerei verfallen. Etwas davon ist in den Malern\naller Richtungen erschienen, die sich als Kriegs-\nmaler zuerst auf die Gefangenen und auch hier\nam liebsten auf die Farbigen gestürzt haben.\" Die\nKaukasier außer Herrn Fritz Stahl sind offenbar\nschon alle abgemalt und Herr Fritz Stahl war\nden Kriegsmalern nicht wild und farbig genug. Er\nist zu gerecht. Er redet nur seine vertraute\nSprache, hat nur Umgang mit kaukasischen Re-\ndakteuren und sieht ein Bild nicht, wenn er sich\nnicht auf das Modell stürzen kann. Er ist zu ge-\nrecht: „Man wird mir nicht zutrauen, daß ich die\npersönliche Wahl des Künstlers beschränken,\neinen ganzen Teil der Menschheit davon aus-\nschließen wolle, Gegenstand der Kunst zu sein.\nDavon ist gar nicht die Rede\". Allerdings nicht.\nDenn noch ist Herr Fritz Stahl nicht zum Ober-\nbefehlshaber der Künstler ernannt worden. Das\nwird man ihm nicht zutrauen. Das hat ihm nie-\nmand zugetraut. „Gauguin war persönlich, als er\nnach den Südsee-Inseln ging.\" Sonst wäre ihm\nder Gang auch schwer gefallen. „Er brauchte\nnacktes Leben und der Ton schwarzer Leiber\npaßte in seine Farbe.\" Herr Fritz Stahl sieht auch\nrecht schwarz, deshalb sieht er keine Farbe.\n„Aber alle diese Künstler, fast ohne Ausnahme,\ngehen ja gar nicht in das fremde Leben.\" Viel-\nleicht ist ihnen Herr Fritz Stahl schon bunt genug.\n„Sie arbeiten nach Modellen, die zu den in Frei-\nheit lebenden dunklen Menschen sich verhalten,\nwie die Tiere zoologischer Gärten zu wilden.\"\nOder wie Herr Stahl zur Kunst. „Oder sie schaffen\nohne jede Anschauung, nehmen nur Formen und\nFarben aus anderer Kunst und geben im Grunde\nschwarzgefärbte Berliner Modelle, ob sie nun\nv/irklich Modelle gebrauchen oder nur aus der\nliefe dies Gemütes schöpfen.\" Womit das Ge-\nheimnis des Kunstschaffens verraten ist: man\nstürzt sich auf ein Modell, nimmt Formen und\nFarben aus anderer Kunst, und gibt im Grunde\nschwarzgefärbte Berliner Modelle. Anschauung\nheißt also Dagewesensein. Hierauf kommt Herr\nStahl, sieht mit dem linken Auge auf das Modell,\nmit dem rechten auf das Schwarzgefärbte, und\nseine Kritük ist fertig. Eine Reise nach den Südsee-\ninseln zur Feststellung der Identität des Schwarz-\ngefärbten erlaubt Herrn Stahl seine Tätigkeit in der\nJerusalemer Strasse nicht Schon aus diesem\nGrunde müßte also die persönliche Wahl des\nKünstlers beschränkt werden. Obgleich eine\nAusstellung, die Herr Stahl nicht bespricht, erst\nfür sich zu sprechen anfängt. Herr Stahl glaubt\naber, er müsse dabei gewesen sein. Das ist sein\nKinderglaube. „Kunst ist eine verdammt\nschwierige Sache, sie bedeutet: eigenes Erleben\nin eine Form vergeistigten Handwerks bannen.\"\nOder in unserer vertrauten Sprache: Eigenes Er-\nleben bedeutet, Reisen machen, aber nicht zu weit,\n\"vergeistigtes Handwerk heißt, in (einer Frau den\nAnklang an die Venus lieben und verherrlichen. Ja,\ndie vertraute Sprache redet Bände. Bände der\nKunstgeschichte und Bände der Kunstkritik. Aber\nsie wird immer schwerer. Die kaukasischen\nKünstler mußten offenbar ihrem Kunstkritiker das\nAbgangszeugnis über Betragen, Fleiß und Auf-\nmerksamkeit vorlegen. Der Herr Kunstkritiker\nwußte, ob die Kaukasier nicht die Schule ge-\nschwänzt haben. Er zählte die Lernstunden und\ndie Schweißtropfen auf dem Tuche der heiligen\nKaulkasier und er wußte, daß das Werk gut war.\nAber jetzt: „Deshalb die ungeheure Schar von\nMitläufern, die deshalb jeden Realismus hassen\nmüssen, weil sie nicht geboren sind und nicht ge-\nlernt haben, irgend ein Wirkliches auszudrücken.\nSie sind mit ihrem Prinzip gegen jede Kritik ge-\nfeit.\" Gegen jede Kritik des Herrn Fritz Stahl.\nSeine Wirklichkeit ist ein Anklang. Seine Kritik\nist ein Vergleich, der immer zu seinem Nachteil\nausfällt und kein Urteil. Sein Vorurteil ist stets\nein Nachurteil. Und aus Angst vor Herrn Fritz\nStahl retten sich die Künstler nach den Südsee-\ninseln: „Alles das aber läßt sich am besten\nmachen, wenn man Welt und Menschen unserer\ntäglichen Gegenwart durch unbekannte Wesen\nersetzt.\" Dabei liegen diese Guten so nahe, in\nden Gefangenenlagern. Und die Menschen unserer\ntäglichen Gegenwart lassen sich nicht durch Bilder\nersetzen. Sie sind zu /kostbar. Zu sehr Wirklich-\nkeit. Man sieht über sie hinweg. „Es hat sich als\nsehr leicht erwiesen, durch diie Niggerei viele\nMenschen gegen alles abzustumpfen, was Qualität\nheißt. Sogar Künstler, von denen man es anders\nhätte erwarten sollen, sind der fortgesetzten Ein-\nwirkung dieser Scheußlichkeiten unterlegen.\" Nur\nHerr Fritz Stahl steht als Denkmal der Qualität\nauf dem Dönhoffplatz. Trotzdem die Kunst der\nfortgesetzten Einwirkung nicht unterliegt. Selbst\nsolche Qualität wird nicht Gegenstand der Kunst."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10438, "texte": "~Es wird ein Erwachen folgen. Solche Modien\ndauern nicht lange, am wenigsten, wenn sie der-\nartig extrem sind. Die Nigger werden ebenso ver-\nschwinden, wie die Bauern und die Minenarbeiter,\ndie vor zwanzig und zehn Jahren den Charakter\nunserer Ausstellungen bestimmten.\" Ich glaube\nrieht an die Ankündigung des Herrn Fritz Stahl,\ndaß sein Erwachen folgen wird. Er hat schon\nallzulange einen gesegneten Schlaf. Jedenfalls wird\nes nie dahinkommen, daß nach zehn Jahren Herr\nFritz Stahl den Charakter der Sturm-Ausstellun-\ngen bestimmt, auch wenn er und sämtliche Kol-\nlegen als kaukasische Modelle der Friedensmaler\nin die schönste Wirklichkeit geölt werden.\nDie Niggerei nicht so ohne\nEs ist nicht so einfach, andauernd über Dinge\nzu schreiben, die man nicht kennt und nicht er-\nkennt. Herr Fritz Stahl sollte sich auch einmal\nals Kriegsberichterstatter von der Kunst erholen.\nEs tut mir leid, einen alten Mann dauernd im Ur-\nwald herumstapfen zu sehen. Er sucht den Weg\nund jeder Baum stößt ihm gegen den Kopf.\nWoraus sich die Kopflosigkeit beweisen läßt. Acht\nTage nach der großen Niggerei, die Herrn Fritz\nStahl humoristisch nimmt, kommt er mit der großen\nAesthetik über Liebermann: „Er drang geradeaus\nin das Wesen des malerischen Schaffens... Maler\nist, wem aus Natur oder Erinnerung eine Bildform\nentsteht und wer sie — und nicht ein Stück Wirk-\nlichkeit — auf die Fläche bringt. In Rembrandts\ngeschlachtetem Ochsen ist ebenso viel Phantasie\nwie in Saul und David (Hans Thoma geht noch\nweiter; er hat den Ochsen das stärkste Werk\nmalerischer Phantasie genannt, das es überhaupt\ngibt).\" Da horchen die Ochsen auf. „Im Gegen-\nsatz, den Liebermann nicht so scharf formuliert,\nkönnte man sagen: Wer eine erdachte Szene nach\nModellen abmalt, ist ebenso Naturalist, wie wenn\ner einen schwarzen Pudel abmalte.\" Also Herr\nStahl denkt sich die Sache so: wer einen Nigger\nabmalt, ist nur Naturalist, wenn Herr Stahl das\nModell neben dem Bilde stehen ihat. Und ein\nschwarzer Pudel ist der einzige Pudel, den die\nNatur das Recht zu schaffen hat. Sonst ist die\nNatur unnaturalistisch, weil die Farbe nicht die\nkaukasische Rasseneigentümlichkeit besitzt. Auf\ndiese Weise wird der Expressionismus ange-\nschwärzt. Der Naturalist Liebermann verzichtet\nauf die Wirklichkeit, womit er sich eigentlich\naus dem Kunstkritikbereich des Herrn Fritz Stahl\nbegibt. Liebermann will nur eine Bildform\nauf die Fläche bringen. Nur kann er es nicht,\nweil ihn die Natur und die Erinnerung daran\nstören. Während der anerkennende Herr Fritz\nStahl die Bildform für leine Niggerei hält. Das\nist ziemlich konfus, aber nur von und durch Herrn\nStahl. Aber er wird noch konfuser: „Eine neue\nAesthetik hat die alten törichten Unterscheidungen\nwieder aufgenommen. Der Expressionismus\nscheidet, genau wie die vorsezessionistische An-\nschauung, wieder nach Stoffen, will wieder nichts\ngelten lassen, was nicht Phantasie in ihrem engen\nund falschen Sinne gebildet hat.\" Das wird die\nneue Aesthetik des Herrn Fritz Stahl über\nExpressionismus. Nun wird doch der harmloseste\nLeser des Berliner Tageblatts endgültig merken,\ndaß Herr Fritz Stahl auch von den Naturalisten\nkeine Ahnung hat. Selbst Liebermann wendet sich\ngegen die Wirklichkeit der Jerusalemer Strasse.\nEr will, wie jeder leidlich begabte Maler, nicht\neinen Kaukasier konterfeien, er will ein Bild malen.\nDaß er es nicht kann, ist Mangel der Begabung.\nRembrandt brauchte sich nicht erst einen\nOchsen schlachten zu lassen um ein Bild zu malen.\nEbensowenig, wie er den Herren Saul und David\neinen Besuch abstatten mußte. Herr Stahl hinge-\ngen muß wenigstens in den zoologischen Garten\ngehen um festzustellen, ob der Ochse kein Schaf\nist. Sonst ist er in der Kunstkritik behindert.\nWorauf Herr Stahl wissenschaftlich wird: „Lieber-\nmanns Aufsätze erheben natürlich nicht den An-\nspruch eine ganze Aesthestilk zu geben, sein Inter-\nesse hat eine ganz bestimmte Grenze, es umfaßt\nnur die Malerei, der er seine eigene verwandt\nfühlt, die besonders malerisch genannte Malerei,\netwa von Tizian an, die Malerei, die auf der be-\nweglichen und immerhin beschränkten Tafel oder\nLeinwand schafft. Man muß doch hinzufügen, daß\nes noch eine andere gibt, eine Malerei, die mit\nder Wand, ja mit allen Wänden eines Raumes\nrechnet.\" Also Wandmalerei, unwissenschaftlich\ngesagt. Malerei, die rechnet, irrt sich immer. Die\nGesetze der Kunst sind gleich, ob die Tafel be-\nweglich oder die Wand unbeweglich ist. Man\nhat sogar schon unbewegliche Wände zu beweg-\nlichen Tafeln gemacht. Sie nehmen häufig in Mu-\nseen einen Ehrenplatz ein. Die Bilanz des Herrn\nFritz Stahl ist also falsch. Er muß sich nun\nmit komplizierten Buchungen helfen: „Ein Maler\ndieser Art ist Raffaiel, dem Liebermanns gelegent-\nliche Bemerkungen Unrecht tun. Die Aufgaben\ndie er zu lösen hatte, sind mit dem blossen form-\nlosen Farbenfleck nicht zu lösen. Sie fordern die\nfestumrissene Farbenfläche. Ja, sie können und\nmüssen sogar die Farbe ganz anders verwerten,\nnicht als wahrheitgebendes, sondern als dekora-\ntives Element.\" Raffael der Niggerei verdächtigt,\nwährend in diesem Sinne Liebermann der Nigger\nist. „Sie brauchen die Farbe rein, stark, festlich.\"\nDie kaukasischen Naturalisten hingegen dreckig.\n„Und es wird schwer zu widerlegen sein, wenn\nMaler wieder sagen: ich habe diese schönen\nFarben auf der Palette, ich muß sie gebrauchen.\nAus solcher Anschauung erwachen die neuesten\nBestrebungen, deren einzelnen Werke man kritisch\nablehnen, deren Recht, deren künstlerisches\nGrundgefühl man aber nicht bestreiten kann.\" Und\ndarum Nigger und Teufel. Gewiß kann man ab-\nlehnen. Ich lehne sogar Herrn Stahl kritisch ab.\nIch bestreite ihm sogar das künstlerische Grund-\ngefühl, dessen Recht er aber nicht abstreiten kann.\nSogar Liebermann und der geschlachtete Ochse\nlassen ihn im Stich. „Künstler sind Fachmänner\nnur im Technischen, nicht im Künstlerischen.\" Herr\nStahl ist nicht einmal Fachmann im Technischen,\nalso ein Künstler. „Man weiß, wie unglaubliche\nUrteile der Menzel von sich gab.\" Von Herrn\nStahl wird man das bald nicht mehr wissen, dem\nFachmann im Künstlerischen. „So wenig nun alle\nKünstler zu den Menschen gehören, die geboren\nsind Kunst zu machen, so wenig gehören alle\nAesthetiker zu den Menschen, die geboren sind\nKunst zu fühlen.'' Herr Fritz Stahl gehört zu den\nMenschen, die geboren sind. Wirklich geboren.\n„Unterscheidungen nach Berufen gibt es da über-\nhaupt nicht.\" Doch, man muß nur die nicht zu den\nBerufen zählen, die ihn verfehlt haben. „Immer-\nhin wäre es merkwürdig, wienn gerade die Aesthe-\ntiker diese Gabe ganz entbehren sollten.\" Ja, Herr\nFritz Stahl, es ist merkwürdig, aber es ist so,\nwenn Sie sich nämlich für einen Aesthetiker halten\nsollten.\nTreu und unerschütterlich\n„Es gibt einen Wert in der Kunst, der uner-\nschütterlich steht, wenn auch die Wogen sub-\njektivster und individuellster Betätigung noch so\nhoch gehen; das ist der gute Studienkopf.\" Diese\nsubjektivste und individuellste Ansicht vom Stu-\ndienkopf hat ein objektivster und typischster Prof\nzu Königsberg in Preußen. Der gute Studienkopf\nsteht hoch im Wert. Denn: „Wer kopieren kann,\nder kann auch schaffen.\" Das möchte den Ko-\npisten so passen. Denn objektivst: ~Mit Achtung\nbetrachtet ein echter Maler jedes solches Zeug-\nnis wahrer Formenkraft, mag seine Machart noch\nso altvaterisch sein.\" Dieser gute Studienkopf\nsteht natürlich in der Werkstatt der Kunst. Aller-\ndings in der Ecke: „Um diesen Eckstein wird\nniemand herumkommen.\" Natürlich nicht, wenn\ndie Werkstatt der Kunst so eng ist, daß man um\neinen plastischen Studienkopf nicht herumkommt.\n„Ewig bleibt es wahr: Nachahmung ist die erste\nStufe der Kunst. Nur ein Narr kann meinen, Stufen\nkönne man überspringen. Das geht nicht.\" Narren\nund Kinder reden die Wahrheit. Was ist das für\neine altvaterische Unwahrheit, daß man Stufen\nnicht überspringen kann. Das ist Weisheit auf\nKrücken. „Hat jemand gezeigt, daß er imstande\nist, Akt und Kopf mit wirklichem Verständnis der\norganischen Form und ihrer Bewegungsmöglich-\nkeit zu erfassen so kann man ihm ferner jede\nVerzeichnung verzeihen. Aber nicht eher. So du\nweißt, was du tust, so bist du selig, so du es aber\nnicht weißt, bist du bloß ein Stümper.\" Zwar weiß\ner nicht viel, der Prof, doch möchte er alles wis-\nsen. Wenn Einer zeichnen kann, darf er sich ver-\nzeichnen. Das muntere Künstlervölkchen macht\nsich eben einen Spaß daraus, sich nun gerade zu\nverzeichnen — wenn es zeichnen kann. Nur den\nNachweis in Königsberg erbringen. Das hätte der\nQreco früher wissen sollen. Er hätte nicht einmal\nden Astigmatismus nötig gehabt. Das ist das\nSchicksal der Vorgeborenen. Nachher kommt\nimmer ein Prof und verlangt den Nachweis, vor-\nweise, wie Profs nun einmal sind. „Wenn ein Go-\nthiker Hände bildet mit Fingern, die viel zu lang\nsind, um zum Beispiel das Greifen auszudrücken,\nso betont und steigert er damit nur einen Vorgang,\nden er in künstlerischer Absicht recht eindring-\nlich zu machen gedenkt. Er schaltet also durchaus\nfrei mit den Formelementen der Natur.\" Hier\nwird offenbar ein Spätgothiker abgehandelt, der\nnoch in der glücklichen Lage war, den Nachweis\nin Königsberg zu erbringen. Dem wird also infolge-\ndessen nicht auf die viel zu langen Finger ge-\nschlagen. Warum auch. Er schaltet also durch-\naus frei mit den Formelementen der Natur. Und\nes sind schließlich nur die Finger und nicht der\nStudienkopf. „Was aber ihn und sein Verfahren\nturmhoch über gewisse moderne Nachfolger hebt,\nist das organische Gefühl, der Sinn fürs Naturge-\nsetz. Solche Finger, mögen sie noch so toll ver-\nkrampft, noch so spinnenartig geformt sein, könnte\nman sich durchaus vorstellen. Sie sind lebensmög-\nlich.\" Die Unterscheidung zwischen dem Natur-\ngesetz der Gothiker und dem Naturgesetz der ge-\nwissen modernen Nachfolger ist juristisch unhaltbar.\nDer Prof kann sich spinnenartig geformte Finger\nnur bei dem Gothiker durchaus vorstellen. Das\nist kein Kunststück, wenn einem die spinnenartig\ngeformten Finger vorgestellt werden. Warum\nmuß man aber dem Kokoschka nachstellen, wenn\ner gleichfalls durchaus frei mit den Formelementen\nder Natur schaltet. Das sollte man umso weniger\ntun, als Kokoschka sogar den Nachweis erbracht\nhat, während der Gothiker ihn unschuldig blieb.\n„Weil man die formalen Möglichkeiten durch die\nalte Kunst ausgeschöpft glaubte, erfand man neue\nFormen, welche die Anarchie zum höchsten Ge-\nse'llschaftszustand erhoben.\" Eine Anarchie, die\nein Gesellschaftszustand ist, ist gar nicht so\nschlimm. Aber neue Formen sind nur so lange"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10174, "texte": "anarchistisch, wie die Profs dagegen sind. Sind die\nProfs dafür, ist die Gesellschaft wieder um einen\nZustand reicher. Bald ist es so weit: „Vieles im\nProgramm dieser Bewegung ist richtig und berech-\ntigt.\" Auf das Programm kommt es nicht an, aber\ndie Musik ist richtig. „Die Möglichkeit bildender\nKunst beruht darauf, daß sich das Geistige im\nFormalen ausdrückt.\" Nur daß das Formale sich\naus dem Vormalen und nicht ans dem Nachmalen\nergibt. „Wir müssen also versuchen, die Form-\ngesetze zu erkennen, das heißt in diesem Falle,\nwir müssen Physiognomik treiben.\" Der Prof war\nschon auf dem richtigen Wege, nun stößt er sich\nwieder an diesem verfluchten Eckstein, dem lieben\nguten alten Studienkopf. „Das werden freilich die\nMeisten nicht einsehen wollen.\" Die Bewegung\ngreift von Satz zu Satz mehr um sich. Jener fühlt\nsich schon in der Minderheit. „Sie hassen alles,\nwas nach Lernen und nach Methode aussieht.\" Und\nnun ist der Prof ganz unser: „Unbewußt, gefiihls-\nmässig mache der Künstler alles ganz richtig und\nschön. Sehr wahr, wenn nämlich der sehr seltene\nFall eintritt, daß der künstlerische Trance tief ge-\nnug, die Intuition wirklich vollendet ist. In diesem\nFall spricht der Künstler wirklich als Werkzeug\ndes Weltwillens ex cathedra und sein Wort ist un-\nfehlbar.\" In diesem Fall, sehr geehrter Herr Prof,\nist der Künstler eben nur Künstler. Nur in diesem\nseltenen Fall. So lange der Künstler nicht Werk-\nzeug des Weltwillens ist, bleibt der guteste Stu-\ndienkopf Zeugwerk. „Nur schwache Seelen haben\ndas Wissen zu fürchten. O welch eine Armut der\nGehirne.\" Das Wissen um die Kunst setzt eine\ngrößere Stärke des Gehirns voraus als das Wis-\nsen um den Studienkopf. Und da der Herr Prof\nso bibelfest ist, möchte ich mir ergebenst zu be-\nmerken erlauben, daß unser Wissen nur Stückwerk\nist. Namentlich wenn es aus der Erfahrung kommt.\nDenn es gibt Dinge zwischen Himmel und Erden,\nvon denen sich unsere Schulweisheit nichts träu-\nmen läßt. Einem Prof muß man klassisch kom-\nmen, um seinem Wissen Ehrfurcht zu erweisen.\nEin Prof träumt nämlich Schulweisheit. Und diese\nhohe Schule haben die gewissen modernen Nach-\nfolger nachweislich durchgemacht. Aber diese\nHerren sind so stolz auf ihr ABC, daß sie sich\nselber schließlich ein X für ein U vormachen. Da\nsie die Intuition nicht haben, schieben sie sie gü-\ntigst auf den Gothiker ab. Kein Zeitgenosse darf\nihnen überlegen sein. Trotzdem der Künstler sich\nunterlegen fühlt. Werkzeug ist. Und nicht ein\ngroßmächtiger Prof in Königsberg, der die Natur-\ngesetze aus Mangel an starkem Gehirn nicht rich-\ntig juristisch auslegen kann. So, meine Herren\nProf, haben wir nicht gewettet. Wenn man Griffe\nklopfen kann, kann man noch lange nicht schießen.\nDa gehören Augen dazu. Wenn man Begriffe\nklopft, kann man noch lange nicht greifen. Da ge-\nhören Augen dazu. Und nicht Gehirne, die durch\nBegriffe verstaubt sind. Die ewigen Gesetze der\nNatur sind eben von der Natur und nicht von den\nProfs diktiert worden. Auch wenn sie einen noch\nso guten Studienkopf machen. Man kann sich in\nder Physiognomik täuschen. Ein gutes Modell sieht\noft einem Prof so ähnlich, daß der Prof ver-\nzweifeln müßte. Aus Gründen der Physiognomik.\nDa machen aber die Herren gute Miene zum bösen\nSpiel. Trotzdem das böse Spiel erst die gute Miene\ndes Studienkopfs macht. Wovon sich wieder die\nProfweisheit nichts träumen läßt. So dus aber nicht\nweißt, bist du ein Stümper. Aber man erfährt\nmanches, aus so gelahrtem Munde. Von so einem\nManne des Wissens: „Wenn man freilich verkün-\ndet, daß der Maler dumm und geil sein müsse, so\nwird man sich doch wohl hüten müssen, objek-\ntive Gesetze erkennen zu wollen.\" Wenn also ein\nMaler nicht die hohe Schule von Königsberg durch-\ngemacht hat, ist er dumm und infolgedessen geil.\nKluge Menschen sind nämlich niemals geil. Wenig-\nstens nicht in Königsberg. Und diese dummen und\ngeilen Maler können keine objektiven Gesetze er-\nkennen. Nämlich die objektiven Gesetze der Phy-\nsiognomik. Und was diese dummen und geilen\nMialer noch tun werden, das kann sich der Prof\nrecht gut ausmalen: „Und weiter wird der Pen-\nseur denken, ohne das dazu unumgänglich not-\nwendige Organ an seinem Kopf zu tragen.\" Die\nfrüheren klugen Maler zwischen dem Gothiker und\nden gewissen Nachfolgern haben auf ihren Bildern\ndas Gehirn bekanntlich immer bloßgelegt. Es sind\nauch grauenvolle Bilder dabei herausgekommen.\nProfs sollen sogar ihr Gehirn immer an dem\nKopfe tragen, damit man auch das unumgänglich\nnotwendige Organ zum Denken sieht. Sonst glaubt\nvielleicht so ein dummer Maler dem Denker das\npenser nicht. Ja, es ist nicht so einfach mit dem\nStudienkopf. „Man wird ruhig Apostel malen, die\ndem Kenner ihre absolute religiöse Unfähigkeit auf\ngrößte Entfernung zeigen.\" Es gibt also auch\nKenner für religiöse Unfähigkeit. Oder betreiben\netwa die Kunstkenner dieses Amt im Nebenberuf.\nDas wäre nicht auszudenken. „Wer Buchstaben\nnachmalt, kann noch nicht schreiben.\" Nachah-\nmung ist die erste Stufe der Kunst. Wer kopieren\nkann, der kann auch schaffen. Wer hingegen Bil-\nder nachmalt, kann noch nicht schaffen. „Schrei-\nben kann man erst, wenn man lesen kann.\" Lesen\nkann man erst wenn man schreiben kann. Die\nHerren, die nicht Stufen überspringen können, soll-\nten sich lieber nicht auf Gehirnakrobatik einlassen.\nEs ist zu leicht ihnen auf den Kopf zu springen.\nUnd die starken Gehirne werden weich in meinen\nHänden. Man kann nämlich nicht nur über den\nEckstein hinwegspringen, man kann auch Wände\neinrennen, wenn mit ihnen die Kunst verstellt wird.\nWände sind verstellbarer als man glaubt. Und die\nschönste Perspektive ist zum Teufel, wenn durch\nVerstellen der Wände der Weg zu Gott geöffnet\nwird. Nur nicht ängstlich. Es bleibe in den vier\nWänden, wer frische Luft nicht vertragen kann.\nAber man soll um des schönen Himmels willen\nnicht innerhalb des Horizonts der vier Wände die\nNatur anrufen. Wer in der Natur des Bildes immer\nnur einen Ausschnitt sieht, hat nie das Bild der\nNatur gesehen. Und Finger, die viel zu lang sind\num zum Beispiel das Greifen auszudrücken,\ngreifen viel zu oft nach der Kunst, für die die\nFinger viel zu kurz sind.\nVolksernährung\nDie Volksausgabe wird populär. Die großen,\ndie literarischen Verleger haben in schweren\nZeiten ihr Herz fürs Volk gefunden. Das Volk\nsoll nicht mehr keine Bücher kaufen, das Volk\nsoll vielmehr Volksbücher kaufen. Jedes Buch\nkann ein Volksbuch werden und zwar auf eine\nsehr einfache Weise: man setzt den Ladenpreis\nherunter. Das Volksbuch muß aber auch Volks-\nnahrung sein, wenn der Verleger satt werden will.\nPapier mit Druckerschwärze ißt das deutsche Volk\nnoch immer nicht. Das Volk ist für Delikatessen.\nDas weiß der Feinschmecker, Herr Verlagsbuch-\nhändler S. Fischer. Seinen Hauptmann zu milita-\nrisieren, scheint ihm zur Zeit nicht schwer. Also\nVolksausgabe, ein starkler Band von fünfhundert-\nvierzig Seiten, drei Mark, und das deutsche Volk\nhat die billige Delikatesse, wenn es will. Was\nliegt aber näher, als daß ein Fischer auch an die\nfleischlosen Tage denkt. Deshalb teilt er dem\ndeutschen Volke mit: „Es ist Brot in dem Buch,\nund darum muß es ein Volksbuch werden.\" Das\ndeutsche Volk hat es noch nicht nötig, Papier für\nBrot zu nehmen. Aber es wird sich hoffentlich\nfreuen, daß der Fischer Butter auf dem Kopfe\nhat.\nNoeh ein Träumer\n..Immer wieder verlangt man aus dem\nSchützengraben nach dem Roman Alraune die Ge-\nschichte eines lebenden Wesens von Hanns Heinz\nEwers. Um dem dringenden Bedürfnis nachzukom-\nmen, entschlossen wir uns, von diesem beliebten\nBuche eine einmalige Fei-d postaus-\ngab e in der Höhe von siebentausend Exemplaren\nherstellen zu lassen. Preis leichtkartonniert\nMark 3.—. Nach Ausverkauf der siebentausend\nExemplare der Feldpostausgabe kann nur noch die\nteure Ausgabe bezogen werden, da ein Neudruck\nder billigen Ausgabe unmöglich ist.\" Vor dem\ndringenden Bedürfnis ist nichts unmöglich. Auch\nGeorg Müller-Verlag wird mit sich reden lassen,\nwenn es sich um den Handel handelt. Der Neu-\ndruck einer billigen Ausgabe leicht kartonniert ist\njedenfalls möglicher als Hanns Heinz Ewers zu\neinem dringenden Bedürfnis zu machen. Es sei\ndenn, daß Kurt Wolff-Verlag Georg Müller-Verlag\nwegen des doch möglichen Neudrucks auf Ver-\nletzung des Urheberrechts verklagt. Der Wolf ver-\nliert die Lammsgeduld, wenn der Müller leere\nHülsen drischt. Eine Idee des Verlegers leichtkarton-\nniert ist umso wertvoller, umso weniger seine Au-\ntoren Ideen haben. Naturgeschichtlich merkwür-\ndig bleibt nur, daß vertriebene Autoren besser\ngehen als treibende. Der Wolff-Meyrink und der\nMüller-Ewers sind übrigens Verwandte absteigen-\nder Linie. Die große Presse druckt sie nicht nur, sie\nist sogar bedrückt von dem Nachdruck der Emp-\nfindungen. Atemlos verkündete das Berliner Tage-\nblatt über den Wolff-Meyrink: „Man muß es lesen,\nwenn man einmal angefangen hat.\" Hingegen der\nBerliner Börsencourier über den Müller-Ewers:\n„Und wenn man es einmal zu lesen begonnen hat,\n— liest man atemlos zu Ende.\" Da staunste. Aber\nder Müller-Ewers ist auch mit dem Fischer-Haupt-\nmann verwandt. Es ist Brot in dem Buch: „Von\nden unendlich vielen Büchern ist Alraune eines der\nseltenen, die man verschlingt.\" So erklärt sich\nder schlechte Geschmack der Neuen Freien\nPresse. Doch die Verwandtschaft wird immer\ndicker. Der Wolff-Meyrink und der Müller-Ewers\nhaben den selben Vater. Die Weser-Zeitung, wirk-\nlich die Weser-Zeitung meldete über den Wolff-\nMeyrink: „Es ist ein Buch, gegen das man ein\nVerbrechen begeht, wenn man es liest, wie Poe\noder E. Th. A. Hoffmann.\" Und das Literarische\nEcho, wirklich das Literarische Echo, meldet über\nden Müller-Ewers: „Und viel künstlerisch Feines\nist in diesem Buch... die Hoffmannstimmung.\"\nDa staunste. Ja, Kinder schlachten nach ihrem\nVater. Wenn die Kinder nicht von schlechten\nEltern stammen, sollte man es doch einmal mit den\nEltern versuchen. Was den Kindern schlecht ist,\nist den Eltern billig. Man gehe einmal auf den\nWeizen zurück, der schlecht aufgegangen ist.\nSämtliche Werke von E. Th. A. Hoffmann. Frei\nvor Meyrink und Ewers, verfaßt von Ebendemsel-\nben. Ein Neudruck der billigen Ausgabe ist mög-\nlich. Feldpostausgabe noch billiger. Die. 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Juli\nGemalde und Zeichnungen\nSturm-Ausstellung zu Christiania\nZweite Ausstellung\nKandinsky\nGabriele Miinter\nDer Sturm vertritt folgende Kiinstler und verfiigt\nstandig iiber dereu Gemalde I Aquarelle I Zeich-\nnungen / lianddrucke I Plastiken\nCampendonk / Marc Chagall / Jacoba van Heems-\nkerck I Kandinsky / Franz Marc I Qeorg Muche I\nGabriele Miinter I Nell Walden\nIsaac Griinewald / Sigrid Hjerten-Griinewald\nFernand Leger I Archipenko / Boccioni / Carlo D.\nCarra / Luigi Russolo I Gino Severini\nFritz Baumann / Vincenc Benes I Albert-Bloch I\nMax Ernst / Emil Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Alexei Jawlensky / Paul\nKlee I Oskar Kokoschka / Otakar Kubin / Carl\nMense / Jean Metzinger / Francis Picabia / Pablo\nPicasso I Georg Schrimpf / Marianne von Weref-\nkin I Cezanne / van Gogh / Munch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c051", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c051", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.12", "debut_caractere": 1476, "fin_caractere_exclue": 2316, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am funfzehnten jedes Monats\nOauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein Halbjahr 3 Mark / Einzelheft 80 Pfennig\nJ Fiir das Ausland bei direkter Zu -\nsteliung durch die Post: Ein Jahr 8 Mark\nI Ein Halbjahr 4 Mark I Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\npla-re, Versendung in Rollen direkt\ndurch die Post fiir Deutschland und\nOesterreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark I\nHalbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark I Ein Halbjahr 7 Mark\nDer Sturm: Erster Jahr gang, Numm.er 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFiinfter Jahrgang und sechster Jahrgang je 6 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c052", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.12", "debut_caractere": 2318, "fin_caractere_exclue": 5094, "texte": "Die Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch deii Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen I Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Straßenstanden\nauf / Falls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwGnscht wird, bitten wir den Betrag flir den\nBeginn des neuen Halbjahres bis\nzum funften des ersten Monats einzu-\nsenden I Sonst wird der Betrag durch Nach-\nnah<me unter Berechnung der Kosten eingezogen\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Mappe mit zwanzig Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japartpapier 25 Mark\nAnf Costakarton 15 Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 I Album 10 Mark\nHeeinskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte I Auflage 30\nMappen\nMappe je einhundert Mark\nBtieher aus dem Verlag Der Sturm\nJedes Buch 2 Mark\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nÜberteufel /' Tragodie / Ihr stilles\nG1 ii c k —! j Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Eine\nDichtung\nPaul Leppin: Daniel Jesus I Roman\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur ,/ In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Sonderausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nHerwarth Walden: Kunstmaler und Kunst-\nkritiker / Gesammelte Schriften I\nBand I\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Starmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nMerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Gc-\ndichten von Ar no ii o1 z / Ftir Gesang und Kla-\nvier ./ 3 Mark / 50 Seiten j Nummer 1 einzeln: Er\nhsrt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier )\n1 Mark\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das Lachen\nI.uigi Russolo: Erinnerung einer Nacht I Zug in\nvoiler Fahrt\nGino Severini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin I\nPan-Pan Tanz\nKandinsky: Komposition 2 I Komposition 6\nFranz Marc: Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1916-06-15-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1916-06-15_01#c053", "volume": "bmtnabg_1916-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.12", "debut_caractere": 5096, "fin_caractere_exclue": 6721, "texte": "August Macke: Spaziergang\nSigrid HjertSn-Griinewald: Kinder\nKancn von Miinter I Marc Chagall (5) <■\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Qleizet\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm-Kiiustler I Lichbildkarten I Karte\n20 Pfennig: Is August Stramm I 2: Herwarth\nWalclen / 3: Jacoba van Heemskerck\nSturm - Austel lungskataloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Otakar Kubin I Marc Chagall I Kandinsky\nJe 50 Pfennig\nDie Futuristen / 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fflnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nHanddrueke\nOskar Kokoschka: Plakat ffir die Zeitschrift\nDer Sturm I Originallithographie\nDer Abzug 10 Mark\nAnna Scheerbart: Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Biichereinbande / Format\n42 X 35 Mark 4\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos I 2 Herwarth Walden I 3 Karl Kraus /\n4 Richard Dehmel I 5 Paul Scheerbart I 6 Yvette\nQuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturm-\nausstellungen / Jedes Jahr frei eine Sturmpubli-\nkation / 1916/17 nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrueke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka\nDie Autorenabende beginnen am Freitag den\n1. 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.2", "texte": "Gedichte\nIsidor Quartner\nGefallen September 1915\n\nStiller Abend\nVater, nun ist es Abend.\nWie hat sich mein Groll vor deiner Güte\nverwandelt.\nWelch eine schöne Einkehr muß der Tod sein.\nAuf meinem Scheitel leise atmet dein Segen.\nIch bin unter deinen Händen ein junger Baum.\nIch möchte Blüten tragen für die Liebe in\ndeinen Augen.\n\nSitz ich still am Ufer . . .\nSitz ich still am Ufer, seh ins Wasser;\nZucken Sonnenpfeile hin und her\nJunge unerwachsne Blitze.\nSitz ich still am Ufer, es ist Mittag;\nFließt der ganze See in gltihndem Golde\nBlanke eingeschmolzne Blitze.\nSitz ich still am Ufer, es ist Abend.\nReißen rote Pfeile auf mein Herz\nTausend heißgeglühte Blitze.\nSitz ich still am Ufer; es ist Nacht.\nKommt vom Himmel eine milde Kühle,\nLegt der Mond mir seine weichen Strahlen,\nWeiße dünne Seide auf das wunde Herz.\n\nLand der Freude\nv\nAn deinen leuchtenden Feuern hab ich dich\nerkannt:\nDu bist das Land,\nDas von der Erde zu den Gestirnen reicht,\nDeß Sonne nie verbleicht,\nIn deinen Städten lebt eine lichte Menge\nUnd auf den Straßen ist stets ein Gedränge\nVon Festen und Gästen,\nIn deinen Palästen\nSingt eine ewige Flamme:\nIhr Gesang ist dein Name.\n\nIm Nebel\nKahle Hügel lasten schwer im Nebel,\nüber die laufen graue Hunde hin.\nHellgelbe Lichter schreien erschrocken auf\nUnd ertrinken im Nebel.\nRasen aus dunkeln Haaren von Toten\nRauscht Schwermut um meinen Schritt.\nDer Dolch an meinem Handgelenk\nKlirrt aus der Scheide:\nTastend trafen meine Hände einen Stamm.\nAus der Luft stürzen Tropfen plump zur Erde:\nDie schallt hohlen Tones wie ein Gong.\nMein Ruf nach dir\nWird dicht vor meinen Lippen weggenommen\nUnd still versteckt.\n\nIch schreite über eine weite Heide . . .\nIch schreite über eine weite Heide,\nDurch die die Spuren eines Wagens gehn.\nNirgends sind Menschen zu sehn.\nHeideblumen pflück ich mit Blättern von Seide,\nAus ihnen form ich einen Strauß.\nDann zieh ich die Blüten einzeln heraus\nUnd meine weißen trauernden Finger\nZerreißen die duftenden Dinger\nGedankenlos.\n\nTod des Enttäuschten\nÜberall, wo mein Blut fließt,\nSchlägt auch mein Herz.\nEs ist doch junger Frühling im Reich meiner\nSeele\nMit einer tiefen Wunde\nWanke ich über den Weg.\nOh mir,\nZur Seite fall ich\nIns blumige Feld.\nAn meine Schultern schlägt die Erde:\n„Auftun\"\nEs murmeln alle Quellen,\nEs rinnen alle Brunnen\nIn meiner Brust.\nZwei rote Blumen\nSinken auf meine Augen\nEs ist doch junger Frühling im Reich meiner\nSeele.\nÜberall, wo mein Blut fließt,\nSchlägt auch mein Herz.\n\nMorgen\nDie zwei Reihen der hochästigen Kiefern am\nHochwege\nSind eine brausende Orgel für den Wind.\nDie zwei Reihen der hochästigen Schwarzkiefern\nam Talwege\nWandern in den hellen Laubwald.\nIn den Netzen des Mooses\nFängt Tau sich als Wohlgeruch.\nIm Walde, der uralt ist,\nLiegen Götterbilder,\nViele Götterbilder aus weißem Marmor\nIn Faltengewändern:\nIn den Ästen, wie eingesponnen,\nAm Boden, von Moos begrünt,\nSchlafend auch an die Stämme gelehnt.\nIm leeren Berge der schwarze See\nIst nicht mehr so schreckhaft,\nWenn ich im leeren Berge singe,\nBin ich auch nicht mehr allein.\nTausend Stimmen erwidern mir\nAus der Höhe\nUnd aber aus der Tiefe.\nIch schreite hinaus:\nVon allen Seiten\nFließt Gold mir entgegen.\nVom Farren am Bache\nSammle ich kostbare Tropfen\nHier: Trinket allesamt.\nAus der Kehle alles Leben\nSingt es im Morgenwalde.\n\nHeller Mittag\nDurch die ganz feinen Wolkenstreifen\nTropft blauer Himmel ins Meer.\nSegel flattern auf\nUnd fliegen zu den weißen Möwen.\nUm den Kiel meines Kahnes im schlafenden Schilf\nLiebt sich die See.\nSchwertlilien gleiten über Bord\nUnd schauen auf mein Gesicht herab.\nUm meine Lippen und um die Spitzen meiner\nFinger\nHängt Wind sich wie Trauer.\nMeine Augen sind junge Welten\nUnd ihre Lider Himmel aus lichtem Gold:\nAlle weißen Wolken\nSind unter ihnen eingefangen.\nDie Sonne ist bis zu Gott hinaufgestiegen.\nDer hält sie unter sein Herz\nUnd schenlkt der Erglühten\nViel Güte von seinem schönen Gesicht.\n\nFülle\nBraun von Sonne\nFüllt reifer Weizen meine hohle Hand.\nDa mein Mund nun spricht,\nSchaut auf alle Gottheit unter Bäumen\nUnd 'lächelt über das Leben.\nGottheit, die Hände beugend im Schöße:\nDas ist die Fülle.\nAber die Menschen sind Speicher.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nWenn die Gottheit schaut,\nWerden schwer die Ähren,\nDes Irdischen Blicke sind Schnitter und\nErntewagen.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nKrüge süßen Methes voll\nSind die dunklen Wolken\nHinter den goldenen Feldern.\nOh du Kind mit der kleinen Garbe im Arme!\nDeine Augen sind groß:\nEs blüht in ihnen ein lichtes Land mit silbernen\nStrömen,\nAn denen du ganz einsam sitzest und spielst.\nDes Nachts,\nWenn die Sterne, Singende wandeln die weiße\nStraße:\nManch einer stürzt da im rauschenden Korn\nUnd wird auf der Erde geboren.\nDann sitzest du, Kind, mit der kleinen Garbe\nim Arme,\nIn deinem nachtblauen Lande an silbernen Strömen\nUnd lächelst über das Leben\n\nSinnlichkeit\nIn meinen Adern häufet sich Blütenstaub:\nWie alles Blut in ihm versiegt!\nVon Sehnsucht erklingend begatten sich gläserne\nBlumen in meinem Herzen.\nFallen welkend aus den Schatten der Schläfen\nMeiner Finger enge Fünfblattblüten\nUnd verlieren sich in reißenden Strömen\nDa weht aus des Gaumens Wüste so müder Wind.\nDa beugen sich zitternde Zweige zu mir herab\nUnd trinken heißen Wein aus den Kelchen\nmeiner Augen.\nMit pflaumiger Pfirsichhaut sind Himmel und\nSteine bekleidet.\nVom Sonnenfelsen höhnt mich begreifendes\nLächeln von Schlangen:\nDas verglättet alle Kanten zu weicher Rundheit."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.3", "texte": "Dürstendes Dickicht wirft sich über den Schoß\nder Sommernacht:\nNun ist des Tages Hauch eine zimmetduftende\nOrchidee,\nIn der ich betäubter Falter flattre.\nIn meinem Haupte rauscht ein Garten,\nAuf dessen Kronen schwelender Abend drückt.\nGrellrote große Früchte schwingen tönend im\nSturm.\nNachts neigen sie sich von den Stielen und fallen\nWie Flammen von Fackeln, Ertrinken im Tau\nmeiner Lider.\nHastet der Smüm durchs phosphorleuchtende\nSchilf meinerWimpern\n\nLiebeslied\nWenn deine Augen süß zu mir singen,\nIst meine Seele ein tiefer Brunnen,\nZu dessen Grunde leise Gold klirrt.\nIn meinem Schosse hielt ich fest deine Hand:\nSo bin ich durch Aetherräume fortgeflogen\nJahrtausendelang mit traumversilberter Stirne.\nDeine Worte sind Freundesarme\nDie sich gütig und weich um meine Schultern\nlegen,\nDaß sich meine Lippen zum Lichte entfalten können.\nGott hat dich auf meine Arme gelegt.\nNun will ich dich tragen durch alle Leben\nBis wieder zu Gott.\nMeine Spuren folgen mir alle verklärt,\nEin großes Heer, dir dienstbar zu sein,\nUnd mich zu führen die bereitete Straße.\nDie Blumen der Beete knospen uns nach\nUnd rufen uns Wohlgerüche zu\nUnd können nur mehr an deinem Gürtel blühen.\nIn grauen Abend weinen die Vögel Tau\nVor Freude über unser Glück:\nIch will Ihnen dafür Saphire' für ihre Augen\nschenken.\nDu bist eine silberne Gerte\nAn der überströmend mein Herz hangt\nUnd Gott hält uns in den blauen wehenden\nNachtwind hinaus.\n\nGroße Träume wiegen mich . . .\nWälder, deren Bäume lange Bärte tragen,\nWälder, in denen Nachts unzählige Kerzen\nbrennen,\nIrgendwo in euern Kronen lieg ich wie in einer\nWiege.\nMeere, deren Wogen in die Wolken lachen,\nMeere, zu deren Grund nachts sterbende\nSterne sinken,\nIrgendwo in euern Tälern lieg ich wie in\neiner Wiege.\nImmer flüstert euer ewiges Atemholen in meine\nOhren,\nImmer trägt mich euer sanfter Gesang in lichten\nSchlaf.\nWälder und Meere, irgendwo in euch lieg ich\nwie in einer Wiege.\n\nEntscheidung\nGezweig aus Sternen bog sich zu ihm herab,\nAls der Beglückte durch nächtliche Gärten ging.\nGloriolen glänzten über seiner Spur.\nFerne folgte sein Schatten aus dummem Gold.\nDer spielte ihn. Es sang dazu ein blaues Licht\nim Baum.\nDoch der Beglückte wie im Traum wankte\nden Strand entlang.\nErsehntem weggeschenkt. Das zwang\nZum Niederknien am Fuße der Düne ihn.\nEs war die Luft von silbernen Pfeilen erfüllt,\nHochoben verklingenden.\nUm Mitternacht sank eine dunkle Sonne ins Meer,\nLangsam ein schwarzes Segel zog vorbei.\nSand floß auf des Menschen Scheitel von\nder Höhe der Düne im Wind.\nÜber dem Meere erblickte er eine Stadt.\nIn ihr sich selbst. An gebundenen Händen\nWard er von wilden Rossen durch die Straßen\ngeschleift,\nVon des Mondes metallenem Zuruf verhöhnt.\nAuf den Dächern die schweigsam schauende\nMenge;\nDie riesenhaften Gestalten der Priester.\nSturmwind entführte die Stadt.\nEin Geier, von Wolken verfolgt, schoß durch\nden Raum,\nIn wütendem Kampf mit einer Flamme, die er\ngeraubt hat.\nEine weite See sprang hoch, die ihn ergriff,\nUnd hing lange felsenstarr im Sternenkreis,\nDen Lachenden, der durch die Höhlen der\nWogen schritt,\nStaunend seine leuchtenden Arme, liebreich\ndie leeren Hände besah.\nO das war jener, der dort am Strande lag.\nFreudig hob er das Haupt: Nun war Ruhe\nringsum,\nEs wuchs um ihn ein wunderbarer Wald.\nTiefer ward die Schönheit unter den heiligen\nBäumen.\nNach Menschenaltern versank er in\nAll-Einsamkeit.\nImmer lichtere Himmel durchschwebten sein Herz.\n\nVersöhnung\nAm Abend verloren ihr Licht zwei strahlende\nWelten.\nDes Menschen Augen. Sein Antlitz verlor jeden\nSinn.\nNachts trieb Gott den Hadernden ans Ufer\ndes Sees.\nO wie faßten die Stimmen der Geister wild an\nsein Herz.\nNun er sein Urteil begriff, weinte er lang.\nGrausam in seinem Gesicht lebte der nahe Mond,\nBis er im Himmel versank vor des Tages\nsteigendem Schein.\nVoll zärtlicher Liebe dachte er an ein Kind.\nAm Morgen segnete süßer Tau seinen Scheitel,\nEr fühlte für einen im Sonnenschein zitternden\nZweig.\nUnd in seinem Herzen\nFaltete die Freude die goldenen Hände verklärt\nzum Gebet.\n\nDaß ich ein Teil haben darf\nDaß ich ein Teil haben darf\nAn deines Tages Ungemach,\nIst mir so tiefes Glück.\nDaß du so gütig bist,\nVor jenen Sorgen, die dich quälen,\nZu mir zu flüchten,\nDank ich dir tausendmal.\nO ikönnte ich\nDeine Flucht beschützen,\nDeine Augen erhellen\nUnd dich lächeln lassen!\n\nGedichte\nFranz Richard Dehrens\n\nPreußin\nJener kleinen, tapferen Schaffnerin der Linie O\nFrühabend herzen Sonnenrasen\nSang bleichen Wangenweiße\nStrohe Augen blauen struppig Heu Resede\nSilberkleiner Birke graue Borke grüne Borte\nTrockner Wind strampelt braunstrolchenden\nnackten Bach\nIm Wettermeer stelzen stahltrunken Feuervögel\nSchart stehen stillen Leibes mädchentoll.\n\nPreußisch\nKanonen laden\nSklaven herren\nRampen reiten\nHerren Sklaven\nRinnen rasen\nSklaven herren\nRüsten felsen\nHerren Sklaven\nRiesel recken\nSklaven herren\nWiesel watten\nHerren Sklaven\nFausten flattern\nSklaven herren\nWetter bienen\nHerren siklaven\nGletten fahren\nSklaven herren\nQuader quellen\nHerren Sklaven\nRäder ringen\nSklaven herren\nBergen hirnen\nHerren Sklaven\nMastspitze ersticht Meerhast\nLicht stickt Last.\n\nRast\nStaubgelb klingt Sand Sonne\nSchauernde Kirchenkristalle süßen müde Pferde-\naugen\nSamen ertragen erlahmen\nRäder rollen Ziele\nWaldrand wendet Sielen\nFrühlingsgräser kosen Gottes grünes Bett\nEntknospen marschstrengen wegbetrunlkenen Leib\nHoch torkelt Seegang.\n\nMarsch\nLenzrote Straße liebelt Libelle\nWiegen wiesen\nSargen saaten\nKlausen klirren\nWälder worren\nFurche tiefe schwarze grüne Pfütze\n\nLeeres Dorf\nWehen wurzelt Birkenhaar\nKletten dorren Kanten\nBlühe Wolke gurgelt schweben Schrein\nKurze Kamine blenden blinke Sommerlust\nBlinde blumen Sehen.\n\nSternenbrennen\nLeuchten tiefen Silberschlagen\nSonne taumeln Rosenkeimen\nTauen Wangen tropfen bebenbang\nBrennen ranken Blühenbleiben\nZünden lange Lanzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.4", "texte": "Wickeln lose Wunden\nStürzen krönen Strahlen\nSpiegel krallen Mittagsstrudel\nWissen heimen Himmel\nHeere Hände pfliidken Flammen.\n\nTannentod\nWarten wagen maien Wellenwagen\nBeile keilen Keulen Goldschaum\nGolden bluten grüne Tode\nBeile keuchen kraftlos lange locke Strähnen\nBlonde Saiten reißen bitterheiß Wachholder weine\nBeile geilen Trotz und Treten\nSande beten\nSande leben\nSande heben\nSande herrschen\nWeihen sonnen\nWeihen binden\nWeihen kränzen\nWeihen ketten\nRote Tanne irren rote Tode.\n\nGedichte\nSophie Van Leer\n\nNachtlieder\nI\nVerlangen dringt in meine Nächte\n»nd haucht mit heißem Atem meine Träume\nDein Sehnen kreist um meine Stunden\nDein Flehen hascht nach meinem Blut\nAuf meiner Schwelle tasten deine Sohlen\nAugen blinden durch das Dunkel\nIm glühen Mondlicht atmen deine Schultern\nDein Lachen streut glitzernde Strahlen\nII\nMein Weinen weint\nDu küßest meine Schmerzen\nDein Knieen beugt\nund kühlt mein Blut\nEinsamlkeit inselt das Haus\nIII\nUm Deine Hände spinnt der Schlaf\nund Deine Träume rauschen\nMein Wachen seufzt\nWarten duldet wehes Warten\nMein Blutstrom gleitet auf und nieder\ntastet\nwebt die Hände\nkreuzt die Finger\nsenkt die Stirn\nDein Angesicht ist eine weiße Knospe\nMein Frühlingsatem\nwirbt\num Deine Blätter\nDie Purpurwiese Deines Bluts\nwandeln meine Gedanken\nSilber sinkt die Sonne\nsät die Sterne meiner Sehnsucht aus\nMeine Blicke schlingen ihre Aeste\nBebend hält mein Hauch die Stimme\nAn das Ufer meiner Seele\nschlagen\nzag\nSekunden\nAuf dem Rande meines Herzens\nsitzen Tage\nfalten müde Schwingen\nStunden spinnen Netze\ntanzen Gitterreigen\nzerren scheue Blicke\nhinauf\nhinab\nStein der Zeit\neist\nmeine Tränen\n\nMeiner Toten\nI\nSonne strahlt Kränze um deine Bahre\nDeine Finger ranken das Kreuz\nDein Gewand weint.\nMeine Trauer deckt matte Rosen\nauf dein Gesicht\nDer Tod ist ein weißes Kleid\num deine Glieder\nII\nIch lehne an meinen Schoß\nund kiiße meine Haare\nich streiche meine weinende Hand\nund trinke meine Tränen\nMein Sehnen irrt und lauscht nach dir\nMein Beten flackert\nWimmern klagt\nDein Tod verblutet mich\nIII\nMeine Tränen weiden am Saume Deines Schlafs\nIn meinem Schoß zerbrechen die Gedanken\nMein Schmerz sät zärtlichdunkle Tropfen\nAus meinem Blute keimt ein Taugestirn\nMein Lachen weint zu Deinen Füßen\nWeiß fließen meine Wangen durch die Nacht\nMein Herz umklammert qualgebeugt die Sterne\nIV\nNacht wandelt auf weinenden Sohlen\nwelk wühlen die Augen im Nichts\nWeiße Mondeshand\ndeckt verwaiste Blicke\nStunden tragen schwere Stunden\ndie warten in das Dunkel\nDas Lager wirft mich ab\nDie Wände lachen\nSturm stürmt das Fenster\nzerbricht den Spiegel meines Gebets\nWiege mein wundes Herz\nBette mein Blut in Träume\n\nGesänge\n\nI\nIch darf mit zarten Fingern deinen Arm nicht\nstreicheln\nmit meinem Kleide deine Glieder nicht berühren\nIch darf nicht aus dem Kelche deines Mundes\ntrinken\nDu siehst meine Adern zerbrechen\nund mein gequältes Bhit nach dir zerfließen\nDeine Seele zagt an mir vorüber\nDein Lächeln in Fernen\nkennt mich nicht\nIch zerhauche die Hülle deiner Augen\ndahinter\nstehen Tränen\nnach Ihr\nII\nFür Frau Neil Waiden\nDeine blonde Nähe kühlt mein Ungestüm\nDas Lächeln deiner kleinen Finger\n«\nbespült den dunklen Glutstrom\nmeines Blutes\nDeine Blicke necken mein zitterndes Schweigen\nVerlangen quält mein Denken\nIch will Kind sein\nmich Mutter sagen hören\nIII\nFür Wilhelm Runge\nDein Wort ist Blut\nSein Sinn erblüht in Deiner Hand\nDie Zeilen säumen leuchtende Gärten\ndie jauchzen in den Tag\nAus jedem Waldbach murmelt das Märchem\nIn jedem Baum glänzt ein Gestirn\nDie Nacht trägt eine Säule\nDer Tempel Deines Herzens tönt\nDie Lieder taumeln sonneschwer\nund trinken den Quell Deiner Träume\nIV\nMit meiner Stirne spielen Deine Finger\nHände wühlen in glühem Gelock\nWorte raunen stummen Sinn\nüberplätschern tausend Stunden\nDrohend wirft die Uhr die Schläge\nHerz seufzt qualgequält\nBlut zertropft\nund atmet siedeheiß\nWellenträumendes Kinderlachen\nübertänzelt bebende Glut\nV\nDie Tage winken mit spielen Händchen\nund lächeln sonnbetaut\nDas Blut streut seine Blüten\nallerwege\nSilbervögel zwitschern die Gedanken\nZweige necken Knospen\nDer Himmel sprüht Licht\nund sprengt den Sarg\nVI\nMeine Augen sind schlaflose Nächte\nDein Schritt schreitet\nDie Schläge meines Herzens beten Glut\nZu Deinen Füßen kniet mein Traum\nDie Sonne splittert Sterne\nNacht weint Licht"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.5", "texte": "Aron fra Kangek: Zeichnungen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.6", "texte": "VII\nDeine Augen sind blaue Tempel\nMeine Blicke knieen\nMein Herz weint im Meer\nSehnsucht schleicht Deine Wege\nAuf dem Teppich meiner Stirn\nfalten weinende Gedanken\ndie blonden Hände\n• t\nDie Halle meines Leibes\ntönt\nnach Dir\nVIII\nNacken zückt\nBlicke splittern\nHände wiegen\nHerz schmiegt\nKosen flattert\nLider seufzen\nGlieder zagen\nKniee sinken\nSehnen fleht\nLächeln nickt Gewähr\n\nGranate\nDie Glieder hasten in den Lehm\ndie Augen tasten in den Raum\nin Fetzen\nstiebt der Himmel\nGlut zerschneidet den Augenblick\nAtmen\nfällt in das Vorbei.\n\nBeobachtungsstand\nAn meinen Augen gehen die Hügel entlang,\nder Wald gebiert den roten Wächtermond.\nEin Maschinengewehr plätschert hinter den\nSternen.\nIch bin ein Stunde in der Stille.\nAus den Gräben\ntastet der Morgen\nein Amen\ntropft in meine Gedanken.\n\nGedichte\nMarja Enid\nAus dem Tschechischen\n\nTraum\nWeiße Vögel flattern über goldne Brücken\nDer Fluß fließt schwarz mit rotem Wellenschaum.\nDie Ufer grünen\nDer Himmel lächelt Blau.\n\nAn Dieh\nSilbertau liegt um mein Herz\nRosig träumt es von Dir.\nIn meinen Händen schlummert Deine Seele,\nEin sc'nwarzgoldner Edelstein,\nLeuchtet er in der Nacht.\n*\nSchwarz-silbrig ist mein Herz\nDunkelblau meine Seele\nMein goldnes Blut rollt durch lichte Adern\nDeine Silber-Träume bin ich, Liebende.\n\nLieder\nWilhelm Runge\nI\nRosen nicken aus den Junistunden\nträllern Sommerblau den Matten hin\nmild aus tiefstem Herzen grünt die Heimat\nihre Lippen murmeln wälderschwer\nüberwelthin schwingt die Sterne Zeit\nKinderwangliebkinderwanggereiht\nKrieg brüllt auf\nDie wilden Blumen schrein\nSonne leckt Gestöhn aus allen Poren\nFrieden holt den tiefen Atem ein\nund der Nächte durchgewühlte Locken\nschmeicheln um der Seele zitternd Knie\nAngst zerreißt der Sterne Himmelsglanz\nund der Abend drückt die Augen blind\neinsam geigt\ntief hinter Blut geduckt\newger Kindheit wildumsehntes Glück\nund der Sehnsucht über die Welt\nhängende Herzen\nschlagen\nII\nDas Denken träumt\nGelächter reimt die Straßen\nzum Tanz des Blutes\nschläfenaufundab\nDie Adern blinzeln Frühling durch die Knospen\nund schlürfen tief den schweren Himmel ein\nWind spielt der Augen froh geschwellte Segel\nder Stirne Knoten löst vom Tode sich\nweiß über Wiesen schnattern Dörfer hin\ni\ndie Städte fauchen\nund zankend zerrn die Pulse ihre Zügel\nnur deine Seele spielt im Sternjasmin\nLieb-Brüderchen Maßloslieb-Schwesterlein\nIII\nAn der Wüste deiner Stirne welkt der frühen\nWinde Blüte\nmeiner Stimme Hand zerrt blutend deines\nDenkens Dorngestrüpp\nEinsam scheuen Deine Augen\nhängen müde ihre Zweige\nund Dein Mund ist ein Boot\nnachts\nauf uferlosem Meer\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nWeib\nIch bin das Abgrundtiefe und das Fassungslose\nich bin der Wind und das Rohr.\nMein ist die Glut und das Eis. der Gewässer,\nich bin der Schlaf und das Wachen.\nAn meiner Hütte klingen viele Glocken\nan meiner Brust versinkt der Tag.\nIch bin die Freude,\nwelche Schmerzen bringt.\nIch bin die Ewigkeit,\ndie Augen Blicke dauert.\nIn meinen Nächten sterben die Gedanken.\nWenn dich mein Arm an meine Lippen legt,\nsind deine Stunden wie ein Frühlingsmorgen,\nich bin die Einsamkeit,\n•die niemals fragt.\nFlimmernde Rosen sind meine Kissen,\nmein Zimmer ist eine singende Nachtigall.\nIch bin das Blut.\nIch bin das Du.\n\nKaffeehaus\nDie Geigen übersingen deinen Blick\ndein Atem ist ein Gläserklang\nund ein müdes Kissen meinem Auge.\nIn die Stunde\nsinkt dein Wort\nund abendwärts verblüht dein Angesicht.\nDie hellen Seidenstrümpfe flimmern Nacht.\nEin fremder Mann\nschreit in deine Brust.\n\nFrau\nL>eine Lippen schüren Flammen meinem Traum\nein fernes Geigenspiel ist deine Stimme.\nAn deiner Brust zerbrandet alle Welt\nein Blütenbaum wächst unseren Gedanken.\nDu bist ein Kelch\nund trinkst mein Blut zur Nacht,\nein helles Segel führt gen Morgen.\nAn deiner Stirne ebbt mein Wollen\nmein Tun\nerlischt in deiner Weit.\nIch bin ein Tritt in deinem Schatten,\nund eine goldne Kette ist dein Ruf.\nIch reiße die Sonne entzwei\nund kröne sie deinem Haar\nich fluche dem Schlafe\nder meinem Munde deinen Namen stiehlt.\n\nGedichte\nAm Abend sinken alle Worte in den Wald\nund sterben dunkelüber in die Ewigkeit\nund neue Taten werden aus dem Ursprung.\nAn fremden Ufern wandeln fremde Sterne\nauf stillen Straßen stehen ernste Tränen\nund vor den Häusern wohnen Trauerweiden,\nsie wachsen von dem Blute vieler Tage.\nDie Sonne schweigt,\ndie Nacht wirft Nebel über ihren Glanz\nund alles Atmen\nwird ein Schlaf.\n*\nAm Tor der Sonne schläft mein Atem ein\nIch bin das blaue Kleid des Tags\nund klinge Frühling in der Brust.\nHoch\ngeht mein Herz die goldne Pforte\nviel weiße Hände tauen in mein Haar\nAuf Strahlen wächst mein Blidk empor,\nich bin die Wolke ohne Uferziel.\nTag ist mein Gang\nalle Sonnen lächeln mildes Licht\nmeines Herzens Dienerinnen.\nKinderschritte sind meine Augen\nein Lächeln fällt zu Gottes Fuß\nSterne reigen Tänze mir zur Lust\nund ich blühe\nJugend hinauf\nSonnenüber in das Allein.\n*\nNun bin ich Wald im Sternenmantel\nich wehe kühl zu Füßen deiner Liebe.\nIn deinem Antlitz suche ich mein Herz\nmeine Seele zuckt hinter deinem Gang.\nIch kleide dich mit meinem Blut\nund trinke Tränen deinem Schmerz.\nDeines Lebens Magd ist mein Leib\nIn hellen Nächten bin ich tot an deiner Brust."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.7", "texte": "Da zerbricht ein Wort der Lippen Fessel\nund befreit den Hafen Deiner Stirn\nin die Sonne segeln Deine Blicke\nDeiner Wangen Geige\nspannt die Saiten\nzu des Bhites Julimorgenlied\nund die Seele springt aus ihrer Sänfte\nin den wilden Reigen\nhimmeltief\nIV\nIn Dich unendlich Meer strömt all mein Denken\nDeiner Hände leichter Wellenschaum netzt des\nSommers heißgespielte Wange\nSonne sucht ihr Gold\nin Deinem Herzen\nvon den Muscheln Deiner Ebbe\nzehrt mein Tag\nMatt von Deiner Seele Flut\nbricht das Ufer meines Glücks ins Knie\nRettung lockt der Stimme grüne Insel\nDoch es strandet jeder Wunsch\nan der Stirne wildgewirrten Klippen\nund immer\nschließt Du Deine Augen\nerblicke ich das Dunkel dieser Welt\nV\nDu bist ein reissender Strom\nerwürgst alle Brücken\nbist Du nicht da\nirrt meines Blutes Herde\nhirtenlos\nund nahst Du\nflieht es\nein geschlagen Heer\nscheu senken meine Augen ihre Lanzen\nBin ein träumend Dorf\nim Geheg der Sterne\nDeine Augen werfen Brand\nin die Giebel\nDeiner Hände Siegespsalmen bet ich\nin den wilden Tempeln\nmeines Munds\nSonne blühen Deiner Stirne Alpen\nnie lieg ich so selig\nwie zu Deiner Stimme Füssen\ndiesem uferlosen Mai\nVI\nBlasse Finger kauern scheu in der bangen Hand\ndoch sie strecken wieder Frieden\ntrippetänzeln wieder Glück\nvon des Blutes Rosenblüten überrannt\nSommer steigt\ndie Glockenblumen läuten\nund der Adern Dolden hängen schwer\nAus der Seele Wurzelwaldgewirr\njagt des Wollens Wildfang durch die Moose\nüber aller Träume Brückenrund\nund jauchzt hin\nder Füße Sonnenschimmer\nund die Lippen zwitschern Morgentau\nWiesen spielen Frühling mit dem Wald\nund der Himmel\naus der Stirne Wiege\nfällt den Augen lachend in den Arm.\nVII\nUeberzittern Deine Hände\nmachtlos vor dem Biß der Angst\njähes Fallen Deines Blutes\nvon dem leidgesteinten Leib\nSäule\nängstend in das Luftspiel\nwindehergewehtwehin\nkauern Deine Augen Frage\nAntwort\nwindgeweht — wohin\nQual\ndie Pulse schlagen Feuer\nblutdurchglutet rast der Brand\nund das Herz läutet wild\nSturmesglocken\nKlippenstrandet\nwirrer Sinn\nAtem wirft das kurze Ruder hin\nund des Herzens Meerestosen stöhnt\nKrieg\nVIII\nTraum frieden alle Straßen\nzweigen leise\nin\ndie Sterne\nDa erhebt sich leicht aus ihrem Laub\ntrillernder Morgen\nschlägt zurück der Gassen dunklen Mantel\nhell springt aller Fenster Müde auf\nund Soldaten jauchzen Morgenglanz um der\nSonne Helmesspitzentanz\nBrausen spült\ndes Himmels Purpurfuß\nin den Kehlen tanzt das Paradies\nHäuser wirbeln hin\nDie Spatzen schwatzen\nund die Dächer pfeifen es herab\nIX\nDeiner Augen Berge ringen Wolken\nmeine Lippen schielen scheu\nEinst trug rosa Kleidchen meine Wange deines\nLachens Sommerstraßen lang\ndoch nun geht sie nicht mehr aus und ein\ntraurig trottet\ndurch den Herbst\nihr verwaister Fuß\nstumm stemmt Deine Stirne Eisenfäuste\nwider meiner Sehnsucht Drang\nwilde Ungewetter türmt Dein Antlitz\njagt in Ebbe\nmeiner Wünsche Flut\nund des Herzens blutversteinte Stadt\nstarrt ins irre Leuchten Deiner Blitze\nzuckt gell auf\nzerschellt\nin schreiem Schlag\nX\nDes Himmels schwerster Atem keucht aus Gräben\nirr schlägt sein Puls der Heimat Märchenkuß\nscheu im Versteck der Adern wimmert Blut\nnimmt zag ein letztes Denken auf die Lippen\nAus allen Poren strotzt des Drübens Hölle\nund mauert grell die Herzen in den Tod\nGewitter flattern\naller Mai verweht\nder Seele immergrüne Zweige brechen\ngrün stiebt ein Lächeln durch die Wangenschwüle\nund in die Fernen sickert Tod um Tod\nfahl in die dürren Kniee sinkt der Tag\nwühlt weh die letzten Seufzer aus der Brust\nGebete fegen Glück\ndie Wolken wiegen\nund Sehnsucht wirft des Blutes Deckung auf\ntrotzt wilden Hohn dem Tod in Riesengröße\nweit überschattend alles Spiel der Welt\nXI\nMaienbäume pflücken aus dem Tag sich des\nHimmels tausend blaue Blüten\nMorgen läutet seiner Glocken Tau in den\nchorgewölbten Vogelkehlen\nund der Wind tanzt seine wilden Füsse in den\nzarten Wolkenarmen wund\nAugen flattern blau ' '\ndie Steine duften\nHummeln bummeln durch das Sommerblut\nund der Sterne Schwalben nisten in der Seele\nTrunken steigt der Stirne Sonnenblume\nvon des Frühlings gärtenweichem Lager\nLippen breiten ihre weiten Flügel\nschwingen überweit ihr Kinderglück\nund die Sonne durch der Adern Gassen\nträllert selig\nTau und Tod\nXII\nUrwald brausen wuchtig Deine Lippen\nmoosgeschmiegt\nzirpt zag\nmein Herz\nschnellt vom krummen Bogen meiner Stirn\nnach der goldnen Locke\nübertänzelnd\nDeines Lachens blauen Mai\nwild der Augen schärfsten Sehnsuchtspfeil\nsinkt aufs Knie\ndie Hände schluchzen\nvon der Seele Rücken springt das Leid entzwei\nund zersplittert einen Tanz des Glücks\nSorge wankt geknickt\ndie Sterne flüstern\nleise weht das Blut\nund des Atems Teppich\nfällt pulsauf pulsab\nstockend\nDir\nzu Füssen\nXIII\nAus den schwarzen Falten deiner Augen\nzucken Dolche\nzurück in seine Halle schlägt mein Herz\ntastet scheu\nSäule um Säule\nnach dem Gewölbe Deines Angesichts\nDein Atem trägt den Arm voll dunkler Wälder\nund sein blaues Meergefieder schlägt der Tag\nin der Sonne Goldgelächterflitter\nAlle Hände voller Silberblumen\nspringen Bächlein durch der Adern Sturmgehölz\nund der Stirne blumenwilde Wiese\nsenkt die windgeschwächten Schmetterflügel\nin des Abends weltenweiten Schoß\nXIV\nWild wirft mich die Gondel Deiner Augen\nin der Stirne Wellenungestüm\nSturm zerzaust der Hände scheu Geäst\nund des Blutes Wolken schweben fern\nSterne stehen Deinem Hauch gebückt\nDeine Lippen weiten ihren Strand\nwiegen nieder junges Himmelblau\n/in der Wangenflügel Faltertanz\nSträucher lispeln durch das Dorf geduckt\nSonne beißt die prallen Lippen wund\nblutet ihren Sommer in die Seele\nXV\nWolken Schluchten in die Wälder\nund das Moos im Sonnegoldgezweig\nschlägt die sammtverträumten Augen auf\nleise neckt des Windes Frühlingsfinger\nStraßen harfen durch die Wälderweite\nDörfer heben ihr betautes Haupt\naus der Wiesen düfteschwerem Strauß\nKirchen beten in .das Abendrot\nAuf den Sternen brennt ihr Orgelton\nSeele wirft die Nächte in den Staub\nwiegt in ihrem Arm den Himmelsglanz"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.8", "texte": "Gedichte\nThomas Ring\nDie Nacht schauert\nDein Antlitz fahlt\nTrauer tropft aus wehen Augen\nMondumweint\nMeine Selmsucht ragt um dich\nWeitwölber Dom\nPfeiler schwingen tönende Bogen\nFenster sprühen bäumende Glut\nKlänge stürzen wirbeln schluchzen\nAtmen dich\n*\nGlocken dröhnen deinem Tode\nLieder beben hauchen Schmerz\nNächte klagen\nMein Atem schüttert deine goldenen Strähnen\nMeine Schultern kauert Grauen\nMeine Stirn zerhämmert Gram\nPulsgedrängt\nLechzer Schreie Garbe sprengt den Raum\nErde splittert\nBlüten tränen Blut in eise Öde\n*\nSonne wirbelt sprühe Pfeile\nAus des Waldes Harzodem\nBrodeln Nebel\nNachtgeduckt\nGlanzumlohter Leib verikauert\nHände pressen knospe Brüste\nNacken steint\nAugen schauern rückgewandt\nIrre Sterne\nMein Hauch überblüht deine Wangen\nDie Ketten deines Schlafes brechen\nLächeln regt deinen bleichen Mund,\nZage Blüten\nZittern unsere Seelen\nDolden träufeln Honigdüfte\nPerlbesprüht\nSaugen Kelche des Morgens Goldtaumel\n♦\nIn deinen Tränen perlt mein Blut\nSiedheiße Tropfen\nMeine Adern welken\nDie Sonne zerhaucht\nQualhingeweht\n\nDie Seherin\nFür Anna Knoblauch\nAdolf Knoblauch\nAus greisem Nordmeer, zum grauen Mittag\nragt die Seherin, gebeugten Riesenleibes,\nihr Antlitz glimmt unbeweglich hinauf.\nGoldene Wimpel blitzen triumphierend,\nGoldgestalten glühen um die Seherin,\ndurchsichtig hoch ineinander geschnitten.\nIhre Häupter, Leuchttürme von Gold,\nsind gebannt in Kreise von Schwertblitzen.\nUnter Bögen zarten vielfarbenen Lichts\nschlafen ihre sichtbaren Herzen.\nAls der Sturm unendliche Schwärze wälzt,\ndie Wasser rollt über ihr segnendes Glück,\nals sie sich betrübt im Wirbel des Grenzenlosen,\nist ihr Antlitz starr, die Augbraue hoch,\ndas Auglid nimmermüd . . .\nUeber die wüsten Wirbel\nhat sie die unendliche Brücke gespannt,\nauf Pfeilern gegründet,\nvon Schwertblitzen der Gottsöhne gehärtet.\nSie steht auf aus stillem Tal,\nMädchen, gehütet und geborgen.\nSie tritt mitten aufs Meer,\nFüße beschuht mit roter Koralle,\nfeurig der Leib, gegürtet mit Flechten der Tiefe.\nSie schwingt sich zu des Himmels Schatten,\nan ihre Sohlen schmiegt das Meer den Tierrücken.\nSonne überwindet ihr Haupt,\nbricht den Riegel seiner Nacht,\nschmilzt Ametyste, Opale, Rubine,\nund glüht weiß ihre Stirn,\ndaß sie durch Stein und Felsen dringe\nin die finsterste Kammer.\nAls sie im Gemach der Mütter weilt,\ntraulich auf dem Schemel zu ihren Füßen,\nals des Geliebten Arm um sie gegürtet liegt,\nstockt ihr Herzschlag vor dem stillen Atmen,\nnah ist das Leben, reglos . . .\nDer Nacht Gewölb verklärt ein holder Stern\nim blauen Fenster. Die Herzen der Mütter\nsind eingeschlafen in den Armen der Liebenden\nund ruhen heilig beisammen.\nSie hört des Mittags Wärme tönen,\nsein unhörbar Rasen erlauscht sie in Himmelsferne,\nund er umschlingt sie mit seinen Armen\nim duftend gelockerten Kraut.\nEr hebt sie auf, rasend in Zärtlichkeit,\nund sie ist seines mächtigen Werkzeugs\ntönende Saite, fernhelle Weise.\nUngeheures Haupt auf ihrem Busen!\nBebende Füße, treibendes Herzklopfen,\ngespreitete Hände, Zittern, Jauchzen.\nTiere, Bäume, Gras, Wasser, Winde,\nErde, Sonne, Wolken umspringen sie,\nder unzählbaren Herden Getümmel,\nund rufen sie zum Spiel,\nschmeicheln ihr, küssen ihre Glieder,\nentzücken ihre Augen, köstlich, flammend,\nkränzen frohlockend ihr Haupt,\nbis sie zutraulich wird, unschreckbar\nmit Tier, Hügel, Himmel, vorm Meer\nfürder ihr Fuß nicht stockt.\nEs gibt Lippen, Hände, Glieder, Scham\nund sie legen sich an Lippen, Hände, Glieder, Scham..\nSie scherzt sinnend unschreckbar,\nund freut sich am Wohlgeruch,\nder um die Felsen heilig fließt;\nbekränzten Hauptes, goldner Lenden\nliegt sie gebettet in schlanker Hüften Beugung.\nRuhiges Gewölk in der Tiefe sind ihre Augen,\nreine Quellen, die aus Felsen springen, ihre Lippen.\nIn greiser Nacht geht sie aus sanftem Tal\ngebeugten Riesenleibes, die Schultern düster,\nihr Antlitz glimmt von zehrenden Tränen,\nMädchen, gehütet und geborgen . . .\nAus dem Buch von Adolf Knoblauch: Kreis des Anfanes\nFrühe Gedichte / Erschienen im Verlag Der Sturm / Berlin\nMai 1916\n\nKunstvermittler\n\nDer Kankasier\n„Niggerei. Die neueste Kunstmode. Nachdruck\nverboten. Von Fritz Stahl. Wenn man jetzt in\nunsere Kunstausstellungen geht, in denen die Pa-\nrole des Tages gilt, so muß man die Hoffnung\ndraußen lassen, Menschen unserer Welt zu finden,\nForm, Bewegung, Ausdruck, die uns vertraut sind,\ndie unsere Sprache reden. Höchstens ein paar\nreife Männer, die diese liebe Jugend von heute\ndafür verkalkt schimpft, wagen es noch, der-\ngleichen zu schaffen. Den Mut, es an sichtbare\nPlätze zu stellen, bringen sie aber nicht mehr\nrecht auf. Von der kaukasischen Rasse hat etwa\nnoch der Muschik Bürgerrecht in der Welt des\nSchönen. Mehr gilt schon der Mongole. Aber der\neigentliche Beherrscher ist der Neger, in ihm sehen\ndiese Künstler den idealen Menschen — er hat den\nHellenen abgelöst.\" Man ikann solchen Künstlern\nden Vorwurf nicht ersparen, daß sie sich Herrn\nFritz Stahl als Vorwurf entgehen lassen. So ein\nreiner Kaukasier ist eine feine Sache. So ein hel-\nlenischer Kaukasier hat zweifellos ein Bürgerrecht\nin der Welt dies Schönen. Aber Ruhe ist töie\nerste Bürgerpflicht. Und die Welt des Schönen\nsollte die Menschen unserer Welt finden, die\nunsere Sprache des Berliner Tageblatts reden.\nHerr Fritz Stahl nimmt den Rassenkampf gegen\nMongolen und Neger auf, die den idealen Menschen\nFritz Stahl abgelöst haben. Er weiß, wie er aus-\nsieht und ist sich selbst schön genug. Er schafft\nnoch Form, Bewegung und Ausdruck, die uns ver-\ntraut sind. Ja, früher waren bessere Zeiten: „Wie\nfrüher einmal die Künstler idealisierten und in\neiner Frau den Anklang an die Venus liebten und\nverherrlichten . . .\" Das war Musik für seine\ntauben Augen. Darum sagt er in unserer Sprache:\n~So sage ich lieber: Niggerei. Vielleicht bringt das\nderbe deutsche Wort hie und da einen zur Be-\nsinnung. Künstler oder Mitmacher, was eigentlich\ndiese Ausschaltung der kaukasischen Menschheit\nbedeutet.\" Kunst. „Ist es nicht Wahnsinn?\" Herr\nFritz Stahl hat diie Methode. „Hat die Kunst gar\nkeinen Umgang mehr mit dem Gefühl oder wenig-\nstens mit dem Takt?!\" Der Umgang mit der\nkaukasischen Menschheit hatte sträfliche Folgen.\nUnd der Umgang mit dem Takt war zu sächlich\nund führte zum Taktieren. Diese Musik wurde\n\nGedicht\nDem Mädehen\nKarl Brand\nZerfallen\nist mein Gesicht in Tränen,\nsandversickert.\nSprungbereiten Fingern entfällst du.\nIch war ein tauverwehtes Wiesenmeer\nnun\nharter Weg unter wehen Tritten.\nUnd firnenumleokt\ngletschern Gemäuer meiner Lustgebirge\nin kalten Seen.\nEntrieselt meinem Altarstein\nwiegen Wolken.\nZerstieben\nDich — meine Sonne —\nschleichst du nachts\ntappend schlafverloren\num meine Augenlider."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.9", "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nnach dem Taikt gemacht, aber der Takt macht\nkeine Musilk. Das hören blinde Ohren nicht. Aber\nnur nicht ungerecht: „Uebrigens um nicht unge-\nrecht zu sein, nicht nur die Jüngsten sind der\nNiggerei verfallen. Etwas davon ist in den Malern\naller Richtungen erschienen, die sich als Kriegs-\nmaler zuerst auf die Gefangenen und auch hier\nam liebsten auf die Farbigen gestürzt haben.\" Die\nKaukasier außer Herrn Fritz Stahl sind offenbar\nschon alle abgemalt und Herr Fritz Stahl war\nden Kriegsmalern nicht wild und farbig genug. Er\nist zu gerecht. Er redet nur seine vertraute\nSprache, hat nur Umgang mit kaukasischen Re-\ndakteuren und sieht ein Bild nicht, wenn er sich\nnicht auf das Modell stürzen kann. Er ist zu ge-\nrecht: „Man wird mir nicht zutrauen, daß ich die\npersönliche Wahl des Künstlers beschränken,\neinen ganzen Teil der Menschheit davon aus-\nschließen wolle, Gegenstand der Kunst zu sein.\nDavon ist gar nicht die Rede\". Allerdings nicht.\nDenn noch ist Herr Fritz Stahl nicht zum Ober-\nbefehlshaber der Künstler ernannt worden. Das\nwird man ihm nicht zutrauen. Das hat ihm nie-\nmand zugetraut. „Gauguin war persönlich, als er\nnach den Südsee-Inseln ging.\" Sonst wäre ihm\nder Gang auch schwer gefallen. „Er brauchte\nnacktes Leben und der Ton schwarzer Leiber\npaßte in seine Farbe.\" Herr Fritz Stahl sieht auch\nrecht schwarz, deshalb sieht er keine Farbe.\n„Aber alle diese Künstler, fast ohne Ausnahme,\ngehen ja gar nicht in das fremde Leben.\" Viel-\nleicht ist ihnen Herr Fritz Stahl schon bunt genug.\n„Sie arbeiten nach Modellen, die zu den in Frei-\nheit lebenden dunklen Menschen sich verhalten,\nwie die Tiere zoologischer Gärten zu wilden.\"\nOder wie Herr Stahl zur Kunst. „Oder sie schaffen\nohne jede Anschauung, nehmen nur Formen und\nFarben aus anderer Kunst und geben im Grunde\nschwarzgefärbte Berliner Modelle, ob sie nun\nv/irklich Modelle gebrauchen oder nur aus der\nliefe dies Gemütes schöpfen.\" Womit das Ge-\nheimnis des Kunstschaffens verraten ist: man\nstürzt sich auf ein Modell, nimmt Formen und\nFarben aus anderer Kunst, und gibt im Grunde\nschwarzgefärbte Berliner Modelle. Anschauung\nheißt also Dagewesensein. Hierauf kommt Herr\nStahl, sieht mit dem linken Auge auf das Modell,\nmit dem rechten auf das Schwarzgefärbte, und\nseine Kritük ist fertig. Eine Reise nach den Südsee-\ninseln zur Feststellung der Identität des Schwarz-\ngefärbten erlaubt Herrn Stahl seine Tätigkeit in der\nJerusalemer Strasse nicht Schon aus diesem\nGrunde müßte also die persönliche Wahl des\nKünstlers beschränkt werden. Obgleich eine\nAusstellung, die Herr Stahl nicht bespricht, erst\nfür sich zu sprechen anfängt. Herr Stahl glaubt\naber, er müsse dabei gewesen sein. Das ist sein\nKinderglaube. „Kunst ist eine verdammt\nschwierige Sache, sie bedeutet: eigenes Erleben\nin eine Form vergeistigten Handwerks bannen.\"\nOder in unserer vertrauten Sprache: Eigenes Er-\nleben bedeutet, Reisen machen, aber nicht zu weit,\n\"vergeistigtes Handwerk heißt, in (einer Frau den\nAnklang an die Venus lieben und verherrlichen. Ja,\ndie vertraute Sprache redet Bände. Bände der\nKunstgeschichte und Bände der Kunstkritik. Aber\nsie wird immer schwerer. Die kaukasischen\nKünstler mußten offenbar ihrem Kunstkritiker das\nAbgangszeugnis über Betragen, Fleiß und Auf-\nmerksamkeit vorlegen. Der Herr Kunstkritiker\nwußte, ob die Kaukasier nicht die Schule ge-\nschwänzt haben. Er zählte die Lernstunden und\ndie Schweißtropfen auf dem Tuche der heiligen\nKaulkasier und er wußte, daß das Werk gut war.\nAber jetzt: „Deshalb die ungeheure Schar von\nMitläufern, die deshalb jeden Realismus hassen\nmüssen, weil sie nicht geboren sind und nicht ge-\nlernt haben, irgend ein Wirkliches auszudrücken.\nSie sind mit ihrem Prinzip gegen jede Kritik ge-\nfeit.\" Gegen jede Kritik des Herrn Fritz Stahl.\nSeine Wirklichkeit ist ein Anklang. Seine Kritik\nist ein Vergleich, der immer zu seinem Nachteil\nausfällt und kein Urteil. Sein Vorurteil ist stets\nein Nachurteil. Und aus Angst vor Herrn Fritz\nStahl retten sich die Künstler nach den Südsee-\ninseln: „Alles das aber läßt sich am besten\nmachen, wenn man Welt und Menschen unserer\ntäglichen Gegenwart durch unbekannte Wesen\nersetzt.\" Dabei liegen diese Guten so nahe, in\nden Gefangenenlagern. Und die Menschen unserer\ntäglichen Gegenwart lassen sich nicht durch Bilder\nersetzen. Sie sind zu /kostbar. Zu sehr Wirklich-\nkeit. Man sieht über sie hinweg. „Es hat sich als\nsehr leicht erwiesen, durch diie Niggerei viele\nMenschen gegen alles abzustumpfen, was Qualität\nheißt. Sogar Künstler, von denen man es anders\nhätte erwarten sollen, sind der fortgesetzten Ein-\nwirkung dieser Scheußlichkeiten unterlegen.\" Nur\nHerr Fritz Stahl steht als Denkmal der Qualität\nauf dem Dönhoffplatz. Trotzdem die Kunst der\nfortgesetzten Einwirkung nicht unterliegt. Selbst\nsolche Qualität wird nicht Gegenstand der Kunst."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.10", "texte": "~Es wird ein Erwachen folgen. Solche Modien\ndauern nicht lange, am wenigsten, wenn sie der-\nartig extrem sind. Die Nigger werden ebenso ver-\nschwinden, wie die Bauern und die Minenarbeiter,\ndie vor zwanzig und zehn Jahren den Charakter\nunserer Ausstellungen bestimmten.\" Ich glaube\nrieht an die Ankündigung des Herrn Fritz Stahl,\ndaß sein Erwachen folgen wird. Er hat schon\nallzulange einen gesegneten Schlaf. Jedenfalls wird\nes nie dahinkommen, daß nach zehn Jahren Herr\nFritz Stahl den Charakter der Sturm-Ausstellun-\ngen bestimmt, auch wenn er und sämtliche Kol-\nlegen als kaukasische Modelle der Friedensmaler\nin die schönste Wirklichkeit geölt werden.\nDie Niggerei nicht so ohne\nEs ist nicht so einfach, andauernd über Dinge\nzu schreiben, die man nicht kennt und nicht er-\nkennt. Herr Fritz Stahl sollte sich auch einmal\nals Kriegsberichterstatter von der Kunst erholen.\nEs tut mir leid, einen alten Mann dauernd im Ur-\nwald herumstapfen zu sehen. Er sucht den Weg\nund jeder Baum stößt ihm gegen den Kopf.\nWoraus sich die Kopflosigkeit beweisen läßt. Acht\nTage nach der großen Niggerei, die Herrn Fritz\nStahl humoristisch nimmt, kommt er mit der großen\nAesthetik über Liebermann: „Er drang geradeaus\nin das Wesen des malerischen Schaffens... Maler\nist, wem aus Natur oder Erinnerung eine Bildform\nentsteht und wer sie — und nicht ein Stück Wirk-\nlichkeit — auf die Fläche bringt. In Rembrandts\ngeschlachtetem Ochsen ist ebenso viel Phantasie\nwie in Saul und David (Hans Thoma geht noch\nweiter; er hat den Ochsen das stärkste Werk\nmalerischer Phantasie genannt, das es überhaupt\ngibt).\" Da horchen die Ochsen auf. „Im Gegen-\nsatz, den Liebermann nicht so scharf formuliert,\nkönnte man sagen: Wer eine erdachte Szene nach\nModellen abmalt, ist ebenso Naturalist, wie wenn\ner einen schwarzen Pudel abmalte.\" Also Herr\nStahl denkt sich die Sache so: wer einen Nigger\nabmalt, ist nur Naturalist, wenn Herr Stahl das\nModell neben dem Bilde stehen ihat. Und ein\nschwarzer Pudel ist der einzige Pudel, den die\nNatur das Recht zu schaffen hat. Sonst ist die\nNatur unnaturalistisch, weil die Farbe nicht die\nkaukasische Rasseneigentümlichkeit besitzt. Auf\ndiese Weise wird der Expressionismus ange-\nschwärzt. Der Naturalist Liebermann verzichtet\nauf die Wirklichkeit, womit er sich eigentlich\naus dem Kunstkritikbereich des Herrn Fritz Stahl\nbegibt. Liebermann will nur eine Bildform\nauf die Fläche bringen. Nur kann er es nicht,\nweil ihn die Natur und die Erinnerung daran\nstören. Während der anerkennende Herr Fritz\nStahl die Bildform für leine Niggerei hält. Das\nist ziemlich konfus, aber nur von und durch Herrn\nStahl. Aber er wird noch konfuser: „Eine neue\nAesthetik hat die alten törichten Unterscheidungen\nwieder aufgenommen. Der Expressionismus\nscheidet, genau wie die vorsezessionistische An-\nschauung, wieder nach Stoffen, will wieder nichts\ngelten lassen, was nicht Phantasie in ihrem engen\nund falschen Sinne gebildet hat.\" Das wird die\nneue Aesthetik des Herrn Fritz Stahl über\nExpressionismus. Nun wird doch der harmloseste\nLeser des Berliner Tageblatts endgültig merken,\ndaß Herr Fritz Stahl auch von den Naturalisten\nkeine Ahnung hat. Selbst Liebermann wendet sich\ngegen die Wirklichkeit der Jerusalemer Strasse.\nEr will, wie jeder leidlich begabte Maler, nicht\neinen Kaukasier konterfeien, er will ein Bild malen.\nDaß er es nicht kann, ist Mangel der Begabung.\nRembrandt brauchte sich nicht erst einen\nOchsen schlachten zu lassen um ein Bild zu malen.\nEbensowenig, wie er den Herren Saul und David\neinen Besuch abstatten mußte. Herr Stahl hinge-\ngen muß wenigstens in den zoologischen Garten\ngehen um festzustellen, ob der Ochse kein Schaf\nist. Sonst ist er in der Kunstkritik behindert.\nWorauf Herr Stahl wissenschaftlich wird: „Lieber-\nmanns Aufsätze erheben natürlich nicht den An-\nspruch eine ganze Aesthestilk zu geben, sein Inter-\nesse hat eine ganz bestimmte Grenze, es umfaßt\nnur die Malerei, der er seine eigene verwandt\nfühlt, die besonders malerisch genannte Malerei,\netwa von Tizian an, die Malerei, die auf der be-\nweglichen und immerhin beschränkten Tafel oder\nLeinwand schafft. Man muß doch hinzufügen, daß\nes noch eine andere gibt, eine Malerei, die mit\nder Wand, ja mit allen Wänden eines Raumes\nrechnet.\" Also Wandmalerei, unwissenschaftlich\ngesagt. Malerei, die rechnet, irrt sich immer. Die\nGesetze der Kunst sind gleich, ob die Tafel be-\nweglich oder die Wand unbeweglich ist. Man\nhat sogar schon unbewegliche Wände zu beweg-\nlichen Tafeln gemacht. Sie nehmen häufig in Mu-\nseen einen Ehrenplatz ein. Die Bilanz des Herrn\nFritz Stahl ist also falsch. Er muß sich nun\nmit komplizierten Buchungen helfen: „Ein Maler\ndieser Art ist Raffaiel, dem Liebermanns gelegent-\nliche Bemerkungen Unrecht tun. Die Aufgaben\ndie er zu lösen hatte, sind mit dem blossen form-\nlosen Farbenfleck nicht zu lösen. Sie fordern die\nfestumrissene Farbenfläche. Ja, sie können und\nmüssen sogar die Farbe ganz anders verwerten,\nnicht als wahrheitgebendes, sondern als dekora-\ntives Element.\" Raffael der Niggerei verdächtigt,\nwährend in diesem Sinne Liebermann der Nigger\nist. „Sie brauchen die Farbe rein, stark, festlich.\"\nDie kaukasischen Naturalisten hingegen dreckig.\n„Und es wird schwer zu widerlegen sein, wenn\nMaler wieder sagen: ich habe diese schönen\nFarben auf der Palette, ich muß sie gebrauchen.\nAus solcher Anschauung erwachen die neuesten\nBestrebungen, deren einzelnen Werke man kritisch\nablehnen, deren Recht, deren künstlerisches\nGrundgefühl man aber nicht bestreiten kann.\" Und\ndarum Nigger und Teufel. Gewiß kann man ab-\nlehnen. Ich lehne sogar Herrn Stahl kritisch ab.\nIch bestreite ihm sogar das künstlerische Grund-\ngefühl, dessen Recht er aber nicht abstreiten kann.\nSogar Liebermann und der geschlachtete Ochse\nlassen ihn im Stich. „Künstler sind Fachmänner\nnur im Technischen, nicht im Künstlerischen.\" Herr\nStahl ist nicht einmal Fachmann im Technischen,\nalso ein Künstler. „Man weiß, wie unglaubliche\nUrteile der Menzel von sich gab.\" Von Herrn\nStahl wird man das bald nicht mehr wissen, dem\nFachmann im Künstlerischen. „So wenig nun alle\nKünstler zu den Menschen gehören, die geboren\nsind Kunst zu machen, so wenig gehören alle\nAesthetiker zu den Menschen, die geboren sind\nKunst zu fühlen.'' Herr Fritz Stahl gehört zu den\nMenschen, die geboren sind. Wirklich geboren.\n„Unterscheidungen nach Berufen gibt es da über-\nhaupt nicht.\" Doch, man muß nur die nicht zu den\nBerufen zählen, die ihn verfehlt haben. „Immer-\nhin wäre es merkwürdig, wienn gerade die Aesthe-\ntiker diese Gabe ganz entbehren sollten.\" Ja, Herr\nFritz Stahl, es ist merkwürdig, aber es ist so,\nwenn Sie sich nämlich für einen Aesthetiker halten\nsollten.\nTreu und unerschütterlich\n„Es gibt einen Wert in der Kunst, der uner-\nschütterlich steht, wenn auch die Wogen sub-\njektivster und individuellster Betätigung noch so\nhoch gehen; das ist der gute Studienkopf.\" Diese\nsubjektivste und individuellste Ansicht vom Stu-\ndienkopf hat ein objektivster und typischster Prof\nzu Königsberg in Preußen. Der gute Studienkopf\nsteht hoch im Wert. Denn: „Wer kopieren kann,\nder kann auch schaffen.\" Das möchte den Ko-\npisten so passen. Denn objektivst: ~Mit Achtung\nbetrachtet ein echter Maler jedes solches Zeug-\nnis wahrer Formenkraft, mag seine Machart noch\nso altvaterisch sein.\" Dieser gute Studienkopf\nsteht natürlich in der Werkstatt der Kunst. Aller-\ndings in der Ecke: „Um diesen Eckstein wird\nniemand herumkommen.\" Natürlich nicht, wenn\ndie Werkstatt der Kunst so eng ist, daß man um\neinen plastischen Studienkopf nicht herumkommt.\n„Ewig bleibt es wahr: Nachahmung ist die erste\nStufe der Kunst. Nur ein Narr kann meinen, Stufen\nkönne man überspringen. Das geht nicht.\" Narren\nund Kinder reden die Wahrheit. Was ist das für\neine altvaterische Unwahrheit, daß man Stufen\nnicht überspringen kann. Das ist Weisheit auf\nKrücken. „Hat jemand gezeigt, daß er imstande\nist, Akt und Kopf mit wirklichem Verständnis der\norganischen Form und ihrer Bewegungsmöglich-\nkeit zu erfassen so kann man ihm ferner jede\nVerzeichnung verzeihen. Aber nicht eher. So du\nweißt, was du tust, so bist du selig, so du es aber\nnicht weißt, bist du bloß ein Stümper.\" Zwar weiß\ner nicht viel, der Prof, doch möchte er alles wis-\nsen. Wenn Einer zeichnen kann, darf er sich ver-\nzeichnen. Das muntere Künstlervölkchen macht\nsich eben einen Spaß daraus, sich nun gerade zu\nverzeichnen — wenn es zeichnen kann. Nur den\nNachweis in Königsberg erbringen. Das hätte der\nQreco früher wissen sollen. Er hätte nicht einmal\nden Astigmatismus nötig gehabt. Das ist das\nSchicksal der Vorgeborenen. Nachher kommt\nimmer ein Prof und verlangt den Nachweis, vor-\nweise, wie Profs nun einmal sind. „Wenn ein Go-\nthiker Hände bildet mit Fingern, die viel zu lang\nsind, um zum Beispiel das Greifen auszudrücken,\nso betont und steigert er damit nur einen Vorgang,\nden er in künstlerischer Absicht recht eindring-\nlich zu machen gedenkt. Er schaltet also durchaus\nfrei mit den Formelementen der Natur.\" Hier\nwird offenbar ein Spätgothiker abgehandelt, der\nnoch in der glücklichen Lage war, den Nachweis\nin Königsberg zu erbringen. Dem wird also infolge-\ndessen nicht auf die viel zu langen Finger ge-\nschlagen. Warum auch. Er schaltet also durch-\naus frei mit den Formelementen der Natur. Und\nes sind schließlich nur die Finger und nicht der\nStudienkopf. „Was aber ihn und sein Verfahren\nturmhoch über gewisse moderne Nachfolger hebt,\nist das organische Gefühl, der Sinn fürs Naturge-\nsetz. Solche Finger, mögen sie noch so toll ver-\nkrampft, noch so spinnenartig geformt sein, könnte\nman sich durchaus vorstellen. Sie sind lebensmög-\nlich.\" Die Unterscheidung zwischen dem Natur-\ngesetz der Gothiker und dem Naturgesetz der ge-\nwissen modernen Nachfolger ist juristisch unhaltbar.\nDer Prof kann sich spinnenartig geformte Finger\nnur bei dem Gothiker durchaus vorstellen. Das\nist kein Kunststück, wenn einem die spinnenartig\ngeformten Finger vorgestellt werden. Warum\nmuß man aber dem Kokoschka nachstellen, wenn\ner gleichfalls durchaus frei mit den Formelementen\nder Natur schaltet. Das sollte man umso weniger\ntun, als Kokoschka sogar den Nachweis erbracht\nhat, während der Gothiker ihn unschuldig blieb.\n„Weil man die formalen Möglichkeiten durch die\nalte Kunst ausgeschöpft glaubte, erfand man neue\nFormen, welche die Anarchie zum höchsten Ge-\nse'llschaftszustand erhoben.\" Eine Anarchie, die\nein Gesellschaftszustand ist, ist gar nicht so\nschlimm. Aber neue Formen sind nur so lange"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.11", "texte": "anarchistisch, wie die Profs dagegen sind. Sind die\nProfs dafür, ist die Gesellschaft wieder um einen\nZustand reicher. Bald ist es so weit: „Vieles im\nProgramm dieser Bewegung ist richtig und berech-\ntigt.\" Auf das Programm kommt es nicht an, aber\ndie Musik ist richtig. „Die Möglichkeit bildender\nKunst beruht darauf, daß sich das Geistige im\nFormalen ausdrückt.\" Nur daß das Formale sich\naus dem Vormalen und nicht ans dem Nachmalen\nergibt. „Wir müssen also versuchen, die Form-\ngesetze zu erkennen, das heißt in diesem Falle,\nwir müssen Physiognomik treiben.\" Der Prof war\nschon auf dem richtigen Wege, nun stößt er sich\nwieder an diesem verfluchten Eckstein, dem lieben\nguten alten Studienkopf. „Das werden freilich die\nMeisten nicht einsehen wollen.\" Die Bewegung\ngreift von Satz zu Satz mehr um sich. Jener fühlt\nsich schon in der Minderheit. „Sie hassen alles,\nwas nach Lernen und nach Methode aussieht.\" Und\nnun ist der Prof ganz unser: „Unbewußt, gefiihls-\nmässig mache der Künstler alles ganz richtig und\nschön. Sehr wahr, wenn nämlich der sehr seltene\nFall eintritt, daß der künstlerische Trance tief ge-\nnug, die Intuition wirklich vollendet ist. In diesem\nFall spricht der Künstler wirklich als Werkzeug\ndes Weltwillens ex cathedra und sein Wort ist un-\nfehlbar.\" In diesem Fall, sehr geehrter Herr Prof,\nist der Künstler eben nur Künstler. Nur in diesem\nseltenen Fall. So lange der Künstler nicht Werk-\nzeug des Weltwillens ist, bleibt der guteste Stu-\ndienkopf Zeugwerk. „Nur schwache Seelen haben\ndas Wissen zu fürchten. O welch eine Armut der\nGehirne.\" Das Wissen um die Kunst setzt eine\ngrößere Stärke des Gehirns voraus als das Wis-\nsen um den Studienkopf. Und da der Herr Prof\nso bibelfest ist, möchte ich mir ergebenst zu be-\nmerken erlauben, daß unser Wissen nur Stückwerk\nist. Namentlich wenn es aus der Erfahrung kommt.\nDenn es gibt Dinge zwischen Himmel und Erden,\nvon denen sich unsere Schulweisheit nichts träu-\nmen läßt. Einem Prof muß man klassisch kom-\nmen, um seinem Wissen Ehrfurcht zu erweisen.\nEin Prof träumt nämlich Schulweisheit. Und diese\nhohe Schule haben die gewissen modernen Nach-\nfolger nachweislich durchgemacht. Aber diese\nHerren sind so stolz auf ihr ABC, daß sie sich\nselber schließlich ein X für ein U vormachen. Da\nsie die Intuition nicht haben, schieben sie sie gü-\ntigst auf den Gothiker ab. Kein Zeitgenosse darf\nihnen überlegen sein. Trotzdem der Künstler sich\nunterlegen fühlt. Werkzeug ist. Und nicht ein\ngroßmächtiger Prof in Königsberg, der die Natur-\ngesetze aus Mangel an starkem Gehirn nicht rich-\ntig juristisch auslegen kann. So, meine Herren\nProf, haben wir nicht gewettet. Wenn man Griffe\nklopfen kann, kann man noch lange nicht schießen.\nDa gehören Augen dazu. Wenn man Begriffe\nklopft, kann man noch lange nicht greifen. Da ge-\nhören Augen dazu. Und nicht Gehirne, die durch\nBegriffe verstaubt sind. Die ewigen Gesetze der\nNatur sind eben von der Natur und nicht von den\nProfs diktiert worden. Auch wenn sie einen noch\nso guten Studienkopf machen. Man kann sich in\nder Physiognomik täuschen. Ein gutes Modell sieht\noft einem Prof so ähnlich, daß der Prof ver-\nzweifeln müßte. Aus Gründen der Physiognomik.\nDa machen aber die Herren gute Miene zum bösen\nSpiel. Trotzdem das böse Spiel erst die gute Miene\ndes Studienkopfs macht. Wovon sich wieder die\nProfweisheit nichts träumen läßt. So dus aber nicht\nweißt, bist du ein Stümper. Aber man erfährt\nmanches, aus so gelahrtem Munde. Von so einem\nManne des Wissens: „Wenn man freilich verkün-\ndet, daß der Maler dumm und geil sein müsse, so\nwird man sich doch wohl hüten müssen, objek-\ntive Gesetze erkennen zu wollen.\" Wenn also ein\nMaler nicht die hohe Schule von Königsberg durch-\ngemacht hat, ist er dumm und infolgedessen geil.\nKluge Menschen sind nämlich niemals geil. Wenig-\nstens nicht in Königsberg. Und diese dummen und\ngeilen Maler können keine objektiven Gesetze er-\nkennen. Nämlich die objektiven Gesetze der Phy-\nsiognomik. Und was diese dummen und geilen\nMialer noch tun werden, das kann sich der Prof\nrecht gut ausmalen: „Und weiter wird der Pen-\nseur denken, ohne das dazu unumgänglich not-\nwendige Organ an seinem Kopf zu tragen.\" Die\nfrüheren klugen Maler zwischen dem Gothiker und\nden gewissen Nachfolgern haben auf ihren Bildern\ndas Gehirn bekanntlich immer bloßgelegt. Es sind\nauch grauenvolle Bilder dabei herausgekommen.\nProfs sollen sogar ihr Gehirn immer an dem\nKopfe tragen, damit man auch das unumgänglich\nnotwendige Organ zum Denken sieht. Sonst glaubt\nvielleicht so ein dummer Maler dem Denker das\npenser nicht. Ja, es ist nicht so einfach mit dem\nStudienkopf. „Man wird ruhig Apostel malen, die\ndem Kenner ihre absolute religiöse Unfähigkeit auf\ngrößte Entfernung zeigen.\" Es gibt also auch\nKenner für religiöse Unfähigkeit. Oder betreiben\netwa die Kunstkenner dieses Amt im Nebenberuf.\nDas wäre nicht auszudenken. „Wer Buchstaben\nnachmalt, kann noch nicht schreiben.\" Nachah-\nmung ist die erste Stufe der Kunst. Wer kopieren\nkann, der kann auch schaffen. Wer hingegen Bil-\nder nachmalt, kann noch nicht schaffen. „Schrei-\nben kann man erst, wenn man lesen kann.\" Lesen\nkann man erst wenn man schreiben kann. Die\nHerren, die nicht Stufen überspringen können, soll-\nten sich lieber nicht auf Gehirnakrobatik einlassen.\nEs ist zu leicht ihnen auf den Kopf zu springen.\nUnd die starken Gehirne werden weich in meinen\nHänden. Man kann nämlich nicht nur über den\nEckstein hinwegspringen, man kann auch Wände\neinrennen, wenn mit ihnen die Kunst verstellt wird.\nWände sind verstellbarer als man glaubt. Und die\nschönste Perspektive ist zum Teufel, wenn durch\nVerstellen der Wände der Weg zu Gott geöffnet\nwird. Nur nicht ängstlich. Es bleibe in den vier\nWänden, wer frische Luft nicht vertragen kann.\nAber man soll um des schönen Himmels willen\nnicht innerhalb des Horizonts der vier Wände die\nNatur anrufen. Wer in der Natur des Bildes immer\nnur einen Ausschnitt sieht, hat nie das Bild der\nNatur gesehen. Und Finger, die viel zu lang sind\num zum Beispiel das Greifen auszudrücken,\ngreifen viel zu oft nach der Kunst, für die die\nFinger viel zu kurz sind.\nVolksernährung\nDie Volksausgabe wird populär. Die großen,\ndie literarischen Verleger haben in schweren\nZeiten ihr Herz fürs Volk gefunden. Das Volk\nsoll nicht mehr keine Bücher kaufen, das Volk\nsoll vielmehr Volksbücher kaufen. Jedes Buch\nkann ein Volksbuch werden und zwar auf eine\nsehr einfache Weise: man setzt den Ladenpreis\nherunter. Das Volksbuch muß aber auch Volks-\nnahrung sein, wenn der Verleger satt werden will.\nPapier mit Druckerschwärze ißt das deutsche Volk\nnoch immer nicht. Das Volk ist für Delikatessen.\nDas weiß der Feinschmecker, Herr Verlagsbuch-\nhändler S. Fischer. Seinen Hauptmann zu milita-\nrisieren, scheint ihm zur Zeit nicht schwer. Also\nVolksausgabe, ein starkler Band von fünfhundert-\nvierzig Seiten, drei Mark, und das deutsche Volk\nhat die billige Delikatesse, wenn es will. Was\nliegt aber näher, als daß ein Fischer auch an die\nfleischlosen Tage denkt. Deshalb teilt er dem\ndeutschen Volke mit: „Es ist Brot in dem Buch,\nund darum muß es ein Volksbuch werden.\" Das\ndeutsche Volk hat es noch nicht nötig, Papier für\nBrot zu nehmen. Aber es wird sich hoffentlich\nfreuen, daß der Fischer Butter auf dem Kopfe\nhat.\nNoeh ein Träumer\n..Immer wieder verlangt man aus dem\nSchützengraben nach dem Roman Alraune die Ge-\nschichte eines lebenden Wesens von Hanns Heinz\nEwers. Um dem dringenden Bedürfnis nachzukom-\nmen, entschlossen wir uns, von diesem beliebten\nBuche eine einmalige Fei-d postaus-\ngab e in der Höhe von siebentausend Exemplaren\nherstellen zu lassen. Preis leichtkartonniert\nMark 3.—. Nach Ausverkauf der siebentausend\nExemplare der Feldpostausgabe kann nur noch die\nteure Ausgabe bezogen werden, da ein Neudruck\nder billigen Ausgabe unmöglich ist.\" Vor dem\ndringenden Bedürfnis ist nichts unmöglich. Auch\nGeorg Müller-Verlag wird mit sich reden lassen,\nwenn es sich um den Handel handelt. Der Neu-\ndruck einer billigen Ausgabe leicht kartonniert ist\njedenfalls möglicher als Hanns Heinz Ewers zu\neinem dringenden Bedürfnis zu machen. Es sei\ndenn, daß Kurt Wolff-Verlag Georg Müller-Verlag\nwegen des doch möglichen Neudrucks auf Ver-\nletzung des Urheberrechts verklagt. Der Wolf ver-\nliert die Lammsgeduld, wenn der Müller leere\nHülsen drischt. Eine Idee des Verlegers leichtkarton-\nniert ist umso wertvoller, umso weniger seine Au-\ntoren Ideen haben. Naturgeschichtlich merkwür-\ndig bleibt nur, daß vertriebene Autoren besser\ngehen als treibende. Der Wolff-Meyrink und der\nMüller-Ewers sind übrigens Verwandte absteigen-\nder Linie. Die große Presse druckt sie nicht nur, sie\nist sogar bedrückt von dem Nachdruck der Emp-\nfindungen. Atemlos verkündete das Berliner Tage-\nblatt über den Wolff-Meyrink: „Man muß es lesen,\nwenn man einmal angefangen hat.\" Hingegen der\nBerliner Börsencourier über den Müller-Ewers:\n„Und wenn man es einmal zu lesen begonnen hat,\n— liest man atemlos zu Ende.\" Da staunste. Aber\nder Müller-Ewers ist auch mit dem Fischer-Haupt-\nmann verwandt. Es ist Brot in dem Buch: „Von\nden unendlich vielen Büchern ist Alraune eines der\nseltenen, die man verschlingt.\" So erklärt sich\nder schlechte Geschmack der Neuen Freien\nPresse. Doch die Verwandtschaft wird immer\ndicker. Der Wolff-Meyrink und der Müller-Ewers\nhaben den selben Vater. Die Weser-Zeitung, wirk-\nlich die Weser-Zeitung meldete über den Wolff-\nMeyrink: „Es ist ein Buch, gegen das man ein\nVerbrechen begeht, wenn man es liest, wie Poe\noder E. Th. A. Hoffmann.\" Und das Literarische\nEcho, wirklich das Literarische Echo, meldet über\nden Müller-Ewers: „Und viel künstlerisch Feines\nist in diesem Buch... die Hoffmannstimmung.\"\nDa staunste. Ja, Kinder schlachten nach ihrem\nVater. Wenn die Kinder nicht von schlechten\nEltern stammen, sollte man es doch einmal mit den\nEltern versuchen. Was den Kindern schlecht ist,\nist den Eltern billig. Man gehe einmal auf den\nWeizen zurück, der schlecht aufgegangen ist.\nSämtliche Werke von E. Th. A. Hoffmann. Frei\nvor Meyrink und Ewers, verfaßt von Ebendemsel-\nben. Ein Neudruck der billigen Ausgabe ist mög-\nlich. Feldpostausgabe noch billiger. Die. Idee steht\nden Herren Verlegern kostenlos zur Verfügung.\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19160615-01.1.12", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag:\nF, Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 2f\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdaraer StraSe 134 a\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags vob\n11 -2 Uhr\nTageskarte 1 Mark I Jahreskarte 6 Mark\n'4onatlicher Wecfasel\nZweiundvierzigste Ausstellung\nLyonel Feininger\nPaul Kother\nFelix Miiller\nDreiundvierzigste Ausstellung\nCampendonk / Chagall / Heemskerck / Kandiusky /\nMarc I Muche / Miinter / Klee / Kokoschka / Ku-\nbin I Mense / Picabia / Albert-Bloch /' und andere\nEroffnung: 1. Juli\nAm 1. November: Gedachtnisausstellung Franz Marc\n\nSturm-Ausstellung zu Potsdam\n20. Juni bis 5. Juli\nGemalde und Zeichnungen\nSturm-Ausstellung zu Christiania\nZweite Ausstellung\nKandinsky\nGabriele Miinter\nDer Sturm vertritt folgende Kiinstler und verfiigt\nstandig iiber dereu Gemalde I Aquarelle I Zeich-\nnungen / lianddrucke I Plastiken\nCampendonk / Marc Chagall / Jacoba van Heems-\nkerck I Kandinsky / Franz Marc I Qeorg Muche I\nGabriele Miinter I Nell Walden\nIsaac Griinewald / Sigrid Hjerten-Griinewald\nFernand Leger I Archipenko / Boccioni / Carlo D.\nCarra / Luigi Russolo I Gino Severini\nFritz Baumann / Vincenc Benes I Albert-Bloch I\nMax Ernst / Emil Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Alexei Jawlensky / Paul\nKlee I Oskar Kokoschka / Otakar Kubin / Carl\nMense / Jean Metzinger / Francis Picabia / Pablo\nPicasso I Georg Schrimpf / Marianne von Weref-\nkin I Cezanne / van Gogh / Munch\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am funfzehnten jedes Monats\nOauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark I Ein Halbjahr 3 Mark / Einzelheft 80 Pfennig\nJ Fiir das Ausland bei direkter Zu -\nsteliung durch die Post: Ein Jahr 8 Mark\nI Ein Halbjahr 4 Mark I Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\npla-re, Versendung in Rollen direkt\ndurch die Post fiir Deutschland und\nOesterreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark I\nHalbjahr 6 Mark / Fiir das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark I Ein Halbjahr 7 Mark\nDer Sturm: Erster Jahr gang, Numm.er 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n20 Mark I Vierter Jahrgang 154—203: 10 Mark /\nFiinfter Jahrgang und sechster Jahrgang je 6 Mark\n\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch deii Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen I Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Straßenstanden\nauf / Falls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwGnscht wird, bitten wir den Betrag flir den\nBeginn des neuen Halbjahres bis\nzum funften des ersten Monats einzu-\nsenden I Sonst wird der Betrag durch Nach-\nnah<me unter Berechnung der Kosten eingezogen\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nOskar Kokoschka: Mappe mit zwanzig Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japartpapier 25 Mark\nAnf Costakarton 15 Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlers iiber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901 bis 1913 I Album 10 Mark\nHeeinskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte I Auflage 30\nMappen\nMappe je einhundert Mark\nBtieher aus dem Verlag Der Sturm\nJedes Buch 2 Mark\nHermann Essig: Der Frauenmut / Lustspiel /\nÜberteufel /' Tragodie / Ihr stilles\nG1 ii c k —! j Drama / Ein Taubenschlag /\nLustspiel aus dem Leben einer Dienstherrschaft I\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nAdolf Knoblauch: Die schwarze Fahne / Eine\nDichtung\nPaul Leppin: Daniel Jesus I Roman\nPaul Scheerbart: Glasarchitektur ,/ In ein-\nhundertundelf Kapiteln / Sonderausgabe in zwanzig\nnumerierten und gezeichneten Exemplaren auf\nVan Gelder Biitten, Decke und Vorsatzpapier von\nAnna Scheerbart fiinfundzwanzig Mark\nHerwarth Walden: Kunstmaler und Kunst-\nkritiker / Gesammelte Schriften I\nBand I\nAugust Stramm: Du / Liebesgedichte\nNur gebunden 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fur Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen / VI: Aage von Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage von\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Geschehen\nJedes Starmbuch 50 Pfennig\nMusik aus dem Verlag Der Sturm\nMerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Gc-\ndichten von Ar no ii o1 z / Ftir Gesang und Kla-\nvier ./ 3 Mark / 50 Seiten j Nummer 1 einzeln: Er\nhsrt mit ihr den Gukguk schreyn / 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Der S t ur m / Heeresmarsch /\nFur Klavier )\n1 Mark\nKunstlerpostkarten / Verlag Der Sturm\nJede Karte 20 Pfennig\nFuturisten: Umberto Boccioni: Das Lachen\nI.uigi Russolo: Erinnerung einer Nacht I Zug in\nvoiler Fahrt\nGino Severini: Die Modistin I Ruhelose Tanzerin I\nPan-Pan Tanz\nKandinsky: Komposition 2 I Komposition 6\nFranz Marc: Tierschicksale\nOskar Kokoschka: Utinam delectet\nRobert Delaunay: La Tour\nJacoba van Heemskerck: Bild 2 / Bild 15\n\nAugust Macke: Spaziergang\nSigrid HjertSn-Griinewald: Kinder\nKancn von Miinter I Marc Chagall (5) <■\nKlee I Leger / Jawlensky / Werefkin / Qleizet\nI Archipenko / usw\nErschienen bisher 36 verschiedene Karten\nSturm-Kiiustler I Lichbildkarten I Karte\n20 Pfennig: Is August Stramm I 2: Herwarth\nWalclen / 3: Jacoba van Heemskerck\nSturm - Austel lungskataloge\nmit Abbildungen\nDer Blaue Reiter / Severini / Archipenko / Skupina\nI Otakar Kubin I Marc Chagall I Kandinsky\nJe 50 Pfennig\nDie Futuristen / 60 Pfennig\nErster Deutscher Herbstsalon / Mit fflnfzig Ab-\nbildungen in Kupfertiefdruck / 2 Mark\nHanddrueke\nOskar Kokoschka: Plakat ffir die Zeitschrift\nDer Sturm I Originallithographie\nDer Abzug 10 Mark\nAnna Scheerbart: Handgefertigte farbige Vorsatz-\nund Deckelpapiere fiir Biichereinbande / Format\n42 X 35 Mark 4\nKunstdrueke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos I 2 Herwarth Walden I 3 Karl Kraus /\n4 Richard Dehmel I 5 Paul Scheerbart I 6 Yvette\nQuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nDreizehntes Jahr 1. April 1916 bis 31. Marz 1917\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturm-\nausstellungen / Jedes Jahr frei eine Sturmpubli-\nkation / 1916/17 nach Wahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unterschriebener\nHolzschnitt auf Kaiserlich Japan-Papier oder zwei\nKunstdrueke nach Wahl oder das Sturmplakat von\nKokoschka\nDie Autorenabende beginnen am Freitag den\n1. September 1916:\nGedachtnisfeier August Stramm\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nAdolf Knoblauch: Kreis des Anfangs / Friihe\nGedichte / 5 Mark / Sonderausgabe (Auflage 10):\n30 Mark\nSoeben erschienen: August Stramm: Die Unfrucht-\nbaren / Sturmbuch XII / 50 Pfennig\nDer Preis des zweiten und vierten Jahrgangs der\nZeitschrift Der Sturm wird am 1. Juli auf je 20\nMark erhoht\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVerlag Der Sturm"}]}