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Wohin will unsere Malerei, fragt\ner sich in der Neuen Rundschau und gibt sich selbst eine Ant-\nwort, die mehr als fraglich ist. Er hat zunächst die Güte, den\nLesern der Neuen Rundschau zu berichten, was Der Sturm ist:\n„Der Sturm, die betriebsame und rührige Zentrale für letzte\nKunst, eröffnete die fünfzigste Austeilung und bot bei dieser\nGelegenheit eine Gesamtschau der Jüngsten/' Der älteste Kri-\ntiker blickt auf sich zurück: „Für Neulinge ist es gut, sich zu\nbelehren; für Kenner gut, sich einmal zu fragen, wie weit das\ngediehen ist und welche Aussichten es macht.\" Der Neuling\nOskar Bie belehrt sich bei dem Kenner Oskar Bie, der Aussich-\nten macht, statt Aussichten zu sehen. Herr Oskar Bie könnte\nsich auch denken, daß man einst sagen wird, an dieser Krippe\nsei die neue Kunst geboren worden.\" Herr Bie bleibt an seiner\nalten Krippe stehen: „Bewegung ist da, und viel Reflex in\nästethiesierenden Abhandlungen und Polemiken besserer Jour-\nnale. Aber fragen wir die Verteidiger: Nun sind diese Bilder\nwirklich, was ihr verlangt? So sagen sie: Gewiß noch nicht.\"\nDiese Verteidiger, die das sagen, können nur die Herren Bie\nund Stahl sein, Wleil sie etwas von den Bildern verlangen,\nwährend wir, viel bescheidener, nur Bilder verlangen. „Und\nfragen wir, immer wieder neugierig die Bilder selbst, so sagen\nsie immer wieder Nein.\" Sollen Bilder etwa Herrn Professor\nBie bejahen? ,,Es ist ein unheimliches Gerede um eine Sache,\ndie wohl Lebensmut, aber keine Lebensmöglichkeit bewiesen\nhat. Ein Zustand, bezeichnend für unsere Zeit, die so viel vom\nWillen spricht, daß sie nicht mehr dazu kommt, zu wollen.\"\nDieser letzte Satz lag noch im Zettelkasten des Herrn Pro-\nfessors aus der kleinen Zeit. Denn die große Zeit spricht nicht\nmehr von dem Willen, sie will, wie es sonst in besseren Jour-\nnalen heißt. Lebensmut beweist immer Lebensmöglichkeit,\nFreilich will die Kunst, nicht einmal die letzte, nach Art des\nHerrn Professors Bie leben. Das Leben der Kunst ist Kunst,\nund nicht die Kunst des Lebens, das überhaupt keine Kunst ist\nund das von Herausgebern neuer Rundschauen stets an der\nKrippe verschlafen wurde, „Die ganze futuristische, kubistische,\nexpressionistische Bewegung vollzieht sich in einem Kreise von\nLiteratur und Atelierkunst, der ganz für sich bleibt und jede\nBeziehung zur bevölkerten Erde abgebrochen hat.\" Nur ein\nKenner wie Herr Bie kann einen Kreis sehen, der Be-\nziehungen abbricht, Kenner pflegen allerdings stets Beziehun-\ngen zu unterhalten, und das Unterhalten von Beziehungen nen-\nnen sie Kunst. Aber die bevölkerte Erde glaubt es ihnen nicht\nmehr. Die Kunst befindet sich nicht in einem Kriegszustand zur\nbevölkerten Erde, die Kunst führt einen Verteidigungskrieg\ngegen die Herren, die der bevölkerten Erde Oel liefern wollen,\nSie wollen Oel statt Bilder geben, Sie wollen die Wirklichkeit\nin Oel festhalten, weil sie die Wirklichkeit nicht fassen können,\nOel auf Leinwand ist gut gegen Schnupfen. Muß man aber\nimmer wirklich verschnupft sein, sollte nicht vielmehr die Wirk-\nlichkeit einmal verschnupft sein, daß man sie ewig nur mit einem\nPinsel behandelt. Herr Bie aber ist für den Schnupfen: „Positiv\nist der Ausgangspunkt: Der Widerwillen gegen das ewige Nach-\nmalen der Wirklichkeit. Man kann das mitempfinden, ohne\nes für mehr zu halten als einen billigen Leichtsinn. Denn alles\nRealistische, soweit es sich vom Gegenständlichen abhängig\nmacht, ist nicht Bequemlichkeit, sondern ein Ringen um die\nNatur, ein Schöpfungsprozeß der Ueberwindung des Objekts,\nder das Leben der Kunst ist.\" Negativ ist das Eingangsfrage-\nzeichen des Herrn Professors in die Kunst. Er hält „das\" für\neinen billigen Leichtsinn, der ihm aber teuer zu stehen kommt.\nEr findet sich nämlich nicht in die Kunst hinein. Man erfährt\naber durch ihn, was das Leben der Kunst ist, nämlich ein Ring-\nkampf mit der Materie und ein Schöpfungsprozeß der Ueber-\nwindung des Objekts. Dieser wirkliche Bie hat eine etwas un-\nnaturalistische Vorstellung von der Schöpfung, Schöpfung ist\neine Ausstoßung und nicht Ueberwindung des Objekts. Die\nMutter ringt nicht mit dem Kinde, Das Kind entringt sich ihr.\nDer Vater Bie hat es in der Naturgeschichte auch noch nicht\nweit gebracht, trotzdem er die Hände über die letzte Kunst\nringen muß, „Im Gewinnen dieser Beziehung zur Wirklichkeit\nliegt der ganze leibliche innere verzückende Wert der Kunst.\nLöst man diese Angel einfach aus und wirft sie weg, so fliegt\ndie Kunst ins Beziehungslose, ins Herzlose, ins Kalte und ledig-\nlich Geistige.\" Das gute Herz, dieses liebe Gemüt, Seine Be-\nziehung zur Kunst ist eine Angel, Eine schwache Beziehung,\nNimmt man ihm die Angel fort, so fliegt ihm die Kunst fort,\nnicht einmal den Köder hat er übrig, mit dem er die Kunst\nfangen wollte. Man soll sich eben nicht an Angeln halten, wie\nleicht kann ein starker Sturm sie einem alten Manne entwinden,\nwie schwer beißt ein seltener Fisch den faulen Köder. Der\nFisch ohne Angel hat mehr Lebensmöglichkeit, wenn es auch\nherzlos ist, einem Professor einen guten Happen zu nehmen.\nEr bleibt auf seinem Angelpunkt: „Die Kunst erhält statt der\neroberten Freiheit die willkürliche und betrunkene Freiheit.\"\nDie Freiheit an der Angel hat einen Widerhaken und ist die\nKunst deshalb betrunken, wenn sie Herrn Professor Bie nicht\nberauscht. Und ist die Kunst deshalb willkürlich, wenn Herr\nProfessor Bie nicht willkürlich verspeisen kann, ,,Und die\nKunst löst sich in dem selben Maße, in dem sie den Gegenstand\nbloß beobachtet, von der Kausalität menschlichen Gefühls und\nInteresses.\" Ein Hering in der Hand ist besser als eine Forelle\nim Bache, Wie oft bestimmt die Kautätigkeit die Kausalität\nmenschlichen Gefühls und Interesses.\nAber etwas Versöhnliches findet Herr Professor Bie den-\nnoch in „dieser Kunst\", Nämlich, daß es Richtungen gibt. „Die\nFuturisten, die die Dinge dieser Welt immerhin nicht leugnen,\nsondern nur ohantastisch durcheinander wrerfen.\" Man kann\nj.\nwirklich zufrieden sein, daß die Futuristen die Dinge dieses\nProfessors nicht leugnen, Wenn man sie ihm auch durchein-\nander wirft, das läßt er sich in seinem billigen Leichtsinn noch\ngefallen. Aber, Herr Professor, vielleicht sehen Sie nur die\nOberfläche. Vielleicht sind die Dinge gar nicht so durcheinander\ngeworfen, wie es jemandem scheinen kann, der den Grund dieser\nDinge nur durch einen Angelhaken fühlt. Was Herr Professor\nBie nicht mehr sieht, ist für ihn Dekoration. Wenn andere\nMusik nicht hören, ist sie für sie Geräusch. Wenn andere Dich-\ntung nicht verstehen, ist sie für sie Wort. Diese Methode ist\nso alt, wie Zeitungskritiker es nie werden können, Herr Pro-\nfessor Bie findet überall das Ende, weil er einen Anfang kennt.\nKunst aber steht jenseits von Anfang und Ende.\nHierauf gibt Herr Professor Bie den größten Künstlern\nunserer Zeit: Marc Chagall, Paul Klee, Jacoba von\nCampendonk, Marc, Kandinsky eine Gebrauchsanweisung, wie\nsie ihm zu seiner Angel wieder verhelfen können. Diese Künst-\nler sind aber so herzlos, daß sie ihn in das erstbeste Bildeir-\ngeschäft verweisen. Warum schweift der alte Mann in die\nFerne, wo ihm doch sein Gutes so nahe liegt.\nHierauf kommt seine Moral von seiner Geschichte: „Eine\nsolche Uebersicht beweist, daß die ganze Revolution stecken\ngeblieben ist. Es ist seit langem kein Fortschritt zu bemerken,\nes ist keine Klarheit, es ist Systemlosigkeit und Zersetzung\ndurch Theorie, sicherlich auch unberechtigte Prätention, Die\nEntwicklung ist an einen Wendepunkt gelangt.\" Eine Revo-\nlution bleibt nie stecken. Nur der Rundschauer bleibt es, weil\ner an dem rauschenden Wasser ruhevoll nach der Angel sieht,\nwarm bis ans Herz hinan, Kunst kennt keinen Fortschritt, Nur\nj»\nder Kritiker schreitet fort. Auch die Entwicklung des Herrn\nProfessors Bie ist an ein Wendekomma gelangt. 1913 schrieb er\nüber Paul Klee: „Paul Klee ist derjenige, der das Gerücht von\nden Max und Moritz-Zeichnungen verursacht hat.\" 1917 heißt\nes schon: „Paul Klee hat feine gekritzelte, schüchtern stili-\nsierte Zeichnungen von allerlei menschlichen und tierischen\nDingen.\" 1912 schrieb er über die Futuristen: , . wird nun\nerst die allgemeine Aufmerksamkeit auf die törichten Bestre-\nbungen der sogenannten Futuristen lenken und diese Vereini-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4109, "texte": "gung zu einer Bedeutung erheben, die ihr nicht zukommt. Man\nwäre so über sie zur Tagesordnung übergegangen und hätte\nsie an ihrer eigenen Kraftlosigkeit sterben lassen.\" 1917 aber\nheißt es: „Es ist nicht zu leugnen, daß einige italienische Futu-\nristen dem nahe kommen. Hier ist ein kleines Bild von Seve-\nrini „Die Stimme meines Zimmers\". Das ist nicht nur gedacht\noder gehört, es ist gewachsen. Die Bewegung, statt auf der\nNetzhaut im Gehirn gespiegelt, das Ziel aller dieser Maler,\nist so Substanz geblieben, daß sie Malerei werden konnte. Sie\nerstarrt nicht, ab,er fliegt auch nicht weg.\" Nun hat Severini\naber Herrn Professor Bie nicht etwa den Gefallen getan, ihm\ndieses rühmenswerte Bild eigens 1917 zu malen. Dieses Bild\nwuchs, um mit dem Herrn Professor zu reden, bereits im Jahre\n1911 und wurde vom Sturm bereits 1912 das erste Mal aus-\ngestellt, in der Ausstellung, über die Herr Professor Bie zur\nTagesordnung übergegangen ist. Ich habe schon einmal be-\nhauptet, daß Herr Professor Bie schläft, also höchstens zur\nNachtordnung übergehen kann. Nachdem der alte Herr fünf-\nzig Ausstellungen verschlafen hat, schreibt er heute über die\ntörichten Bestrebungen der sogenannten Futuristen vom Fort-\nschritt der Malerei, wie er ihn sich denkt: „Aus dem Kubismus\nkann es nicht kommen. Nur aus jener futuristisch-expressio-\nnistischen Linie, die die Methode und das Prinzip nicht über\nden Weg und das Ziel stellen.\" Worauf dieser Tagesschrift-\nsteller bei Nacht folgenden Satz zu schreiben wagt: „Man\nkann Genies nicht fabrizieren, und da dieser Betrieb etwas von\nFabrik an sich trägt, wird es so nicht kommen.\" Dieser Mann,\nder nicht einmal das Handwerk kennt, wagt von einer Fabrik\nzu reden, Dieser Mann, der sinnlos Sätze fabriziert, wagt, die-\nsen Künstlern seine Tätigkeit zu unterstellen. Dieser Mann,\ndem keine Sterne leuchten, weil er am Tage schläft. Diesem\nMann, dem der Himmel voller Gegenstände hängt, „Der Stern\nleuchtet, aber die Krippe ist leer.\" ich sehe jemanden nach\nabermals fünf Jahren an der Krippe stehen, der dann Ja sagen\nwird. Aber dieses Ja ist eben so gleichgültig, wie dieses Nein,\ndas ihn in das Nichts herzlos zurückwirft.\nDie Denkende\nEine Frau Baronin von Nauendorf schrieb im Wiesbadener\nTageblatt vom 7. März 1917 über Franz Marc: ~Die letzten\nV erke aber scheinen von einem geistig Gestörten herzurühren.\nAn diesem Gewirr gibt es nichts zu bewundern, man steht ein-\nfach ratlos und sprachlos. Und der Gedanke taucht auf, ob hier\nnicht ein Künstler rechtzeitig den Tod auf dem\nSchlachtfeld fand, ehe der Wahnsinn seinem Schaffen\nein trauriges Ende bereitete.'4\nEine gesunde Hyäne, Hyänen sind gesund, weil sie sich\nkeine Gedanken machen. Sonst würden sie vielleicht über sich\nwahnsinnig werden.\nAuch ein Expressionist\nDer Geheime Hof rat Max Klinger wird von einem Herrn\nDr. Paul Landau zu seinem sechzigsten Geburtstag also gefeiert:\n„So dringt Klinger im Wagnerschen Sinne zum Gesamtkunst-\nwerke vor. ... So ist Klinger Expressionist im Sinne unserer\nJüngsten, ein Darsteller des Traumes und des Märchens.\" Ein\nDarsteller ist nie Expressionist. Aber so müssen heute selbst\nGeheime Hofräte in die Ewigkeit gerettet werden. Wie wird\naber dem ehemaligen Kollegen des Berliner Börsencouriers,\nHerrn Professor Oskar Bie, zu Mute werden, wenn Herr Dr.\nPaul Landau über seinen Klinger, über beider Klinger, also\nschreibt: „So ist Klingers ganze Kunst ein ewiges Ringen um\ndas Ideale über die Wirklichkeit hinaus, und so ist der Künstler\nselbst ein Sinnbild . . .\" Der Künstler konnte sich und hätte\nuns das Malen schenken können, da er selbst das Bild seines\nSinnes ist, Herrn Professor Bie wird es aber beziehungslos\nzumute werden. Bezugscheine für Kunst werden sicherem Ver-\nnehmen nach nicht ausgegeben.\nPrämium\nHerr F. S—s über die fünfzigste Ausstellung des Sturms:\n„Wer aber aus Picassos geometrischen Linienkonstruktionen\neine Frau mit Violine herauszukennen vermag, verdient sicher\neinen von Herwarth Waiden zu stiftenden Ehrenpreis,\" Ich\nstifte ihn, Herr F. S—s. möge sich also bemühen. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.5", "titre_corps": "Maya!", "titre_sommaire": "Maya!", "signature_source": "Kurt Striepe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.4", "debut_caractere": 1318, "fin_caractere_exclue": 3218, "texte": "Maya!\n\nDies ist das Ende. Kleine weiße Hände werfen den Schatten\nüber meine Augen. Ich sehe nur diese Hände, Musik weht\nums Münster unserer Frau. Diese Finger singen hoch singen\nüber mich. Ganz blond sind die Haare. Es spricht Jemand\nzu mir aus den Märchen. Nie sah ich solche Finger. Ich ver-\ngesse den Abendglanz Ihrer Hände. Ich vergesse die Schwermut\nIhrer Augen. Meine Sinne werden ein trauerndes Spiel. Kinder\nim Herbstnebel.\nEs kam der Mann, dem die Hände gehören. Und küßte sie.\nEs kommt der Tod, der greift an mein Herz, Und weckt es.\nDas Spiel ist aus. Wir spielten sonderlich. Der Tod und\nich. Zuletzt spielten wir „Fingergucken\". Solange wir uns\ndurch die Finger schauen können, geht jeder seinen Weg. Er\nkann es immer. Aber meine Hände sind müde geworden, und\nschwer. Da der Mond rot schien, sang ich Liebeslieder, Nun\nist er blaß und meine Hände weinen über seinen Weg. Bleich\nliegen meiner Finger Male.\nDie zu mir kommen, kennen mich nicht. Ich kenne aMe\nQualen, Ich trank die Wollust. Ich durstete die Sehnsucht\nIch bin der Hunger nach meiner Nacht. Nach meiner süßen\nNacht.\nDer Mond wirft Schatten über mein Gesicht. Ich bin ein\nflammender Wunsch nach Unerfülltem.\nHeute singe ich noch. Meine Finger sind ein wüster\nTraum.\nKleine blonde Hände werfen den Schatten über mich.\nDas ist das Ende.\nAber die Sehnsucht ist!\n*\nMaya\nDas Irren ist vorbei. Ich sehe klar. Die Erwartung\nfriert mich nicht mehr. Die Täuschung flieht mich. Nichts\nkam. Und ich wartete. Mein Narr,\nIch staune in mich.\nIch starre in mich.\nDie Lächerlichkeit bangt nicht mehr. Ich fürchte —\nMich.\nMaya — daß ich alles sehe, ist die Ruhe. Allem stehe ich\nkalt gegenüber — ich lüge.\nDies aber ist Wahrheit:\nMeine Seele träumt. i\nMein Leben träumt.\nIch träume an mir vorüber.\nDer Traum ist mein Leben. Ich lebe mich tot,\n„Ich liebe Dich\"\n„Das sagen viele,\" antwortete die Frau. Ihr Mund ward\nweiß, Ihre Hände Saitenspiel."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6201, "texte": "Ich habe Ihnen das nie gesagt. Und doch liebe ich Ihre\nHände. Ihre Augen. Ihren Namen.\nr— Weib, das meinen Brautfinger glüht, dich liebe ich,\nDeine Haare sind der Mondtempel meiner Bitten,\nDeine Augen träumen am Abend,\nMeine Hände spielen , , Spielen Mondtraum, Glühen Liebe\nin meine Einsamkeit.\n„Ich liebe Dich\"\n„Ich bin das Leben\", sagtest Du,\nDaß ich das nicht verstand.\n„Mich friert das Leben\". Da lachtest Du. „Warum denkst\nDu an das Leben — was willst Du: Ich bin das Leben!\"\nMeine Augen starren in mich.\nDu bist kein Traum.\nMaya — Ihre Hände weinen über mir. Mein Hirn ist tan-\nzender Kreisel . . Ich drehe mich, Nie kann ich mich fassen.\n„Ich bin das Leben\", — das Leben ist mein Traum. Du\naber bist! — Braut! Du fühlst nichts. Du denkst nichts.\nDu bist!\nMorgen bin ich auch. Die Gewißheit des Wissens ist Ruhe.\nMein Herz springt, mein Auge springt, mein Blut springt —\nNerven sind Melodien, Hände der Glanz meiner Musik. Alles\nwill zu mir — das in mir ist.\nDas Irritierende ist vorbei.\nIch weiß.\n„Ich bin das Leben\" — Du lachst,\n„Ich habe ein Recht auf den Tod!\"\nDas ist mein Stolz\nDu —\n*\nMaya\nAn dem Wasser saß ich, das ganz schwarz ist, mein Leben\nwar müde. Ich starre mir selbst ins Gesicht, Mein Degen zer-\nfleischt mich. Aber die Wellen haben immer Ruhe. Ich kenne\ndies Lachen. Das ist nicht mein Lachen, In meiner Liebe starb\neine Frau. Ihr Erbe war ein Lachen.\nDas reizt mich. Ich will nichts mehr von der Frau. Ich\nwill . . . das Wasser verschlingt mich. Die Wellen glucksen,\ndas Lachen.\nDaran denke ich nun.\nUnd daß wir einmal an einem Wasser gingen — in gleichem\nSchwung — an unserem letzten Tag.\nAus den Wänden meines Zimmers glühen mir Maiglöck-\nchen entgegen und rote Nelken. Ich habe die Sträuße gezählt.\nIch wartete auf etwas und zählte.\nDie Ruhe der Tür unterbricht meine bunten Wände —\nIch hasse ihre Weißheit -— als ob nie schmutzige Finger sie be-\nrührt hätten. Ich warte — sie öffnet sich nicht. Ich warte\nauch nicht auf Menschen, die kommen, meine Schmerzen zu\nbefühlen. Das ist zu wenig, ich warte auf m,ehr.\nSieben dunkle und acht helle Streifen hat meine Bettdecke.\nDie wühlen sich in meine Wunde. Aber es sind doch mehr helle\nals dunkle Streifen. Und auch darin sind Maiglöckchen ge-\nwebt. Meine Augen tanzen. Das ist ihnen zu bunt.\nAuf dem Bahnhof gab ich Ihnen einen Strauß davon. „Die\nsind ja giftig\". — Ich wollte Ihnen kein Gift geben — Maya,\ndas ist nun lange her. In meinem Waffenrock sind sie braun\ngeworden.\nPlötzlich weiß ich, worauf ich warte.\n„Armut ist ein Glanz von Innen'\", sagt jemand. Mir innen\nist eine große Flamme. Ich bin ein glühendes Fanal. Mein\nGlanz ist rot. Blut. Blut bringt Schmerzen.\nDarauf warte ich.\nIch will meine Schmerzen. Meine Wunden glühen. Sieben\nglühende Wunden. Sieben ist eine heilige Zahl. Ich bin\nglücklich.\nIch bin König meiner Schmerzen.\nMan hat Schläuche in meinen Leib gedreht. Rechts und\nlinks hängen sie aus meinem Bett. Der Eiter tropft, gleich-\nmäßig. Ich bin sehr matt geworden. Meine Augen sind sehr\nmüde.\nLetzten Endes warte ich doch nicht auf die Schmerzen\nDer Tod wäre mir lieber.\nDer Tod ist ganz weich — ganz sanft.\nDer Tod ist noch weicher als der Glanz Ihrer Hände,\nUnd die sind sonnensommerlich.\nMaya!\nDiese Nacht kann ich Ihnen alles sagen. Meine Nerve»\nsind wirres Bacchanal. Blut stößt gegen die Schläfen. Ryth-\nmus rast. Meine Augsn flimmern haschischtoll — über Allem\nsaugt mein Mund die Weiße der Maiglöckchen vor mir und die\nSüße der ganz blonden Frau, oin Ihren Locken ertrinken, aus\nIhren Heliotrop-Händen hellen Rausch schlürfen.\nMaya — Ihr Brief!\nMein Herz war wund, Meine Hände haben Ihr Gesicht\nverlernt. Und Ihr Leben. Spielen! — Maya — Zum Spielen\nsind wir zu ernst geworden. Eine seltne Orchidee küssen —\nich küsse ihre Seltenheit, eine schöne Frau lieben — ich liebe\ndie Schönheit. Ist das Spiel?\nIch habe mich wieder. Ich packe mich. Werfe mich im.\nden Raum. Stehe im Fenster. Mein Körper zittert. Drunten\ndas Leben.\nLeben, das wir zusammen lebten. Erde, die wir zusammet\nhaßten. odu grausames Leben! 0 du schöne Erde!\nIst das mein Leben. Mich nahm wer. Warf mich hin, wo\nviel Löcher den Boden tränken. Gab mir Eisen in den hellen\nLeib. Meine Hände sehnen ins Dunkel, Zerteilen Nebel.\nSonne kommt nicht, Sonne küßt nicht. Scheiben pressen Stir-\nnen glatt. Kirchen flattern die Luft. Straßen schwingen sich.\nMenschen lachen. Dies Lachen — unser Leben? Meine\nSchmerzen wühlen. Nerven zerreißen. — Mein Leben!\nMeine Seele irrt nicht im Kalten. Meine Seele ist weitfem\ntraumschallend. Ich bin nicht Ich. Der dieses litt — wenet\nSie wußten . . . Ich bin meine Mutter.\nHerrscher möchte ich sein — oder Tier. Nur nicht Ge-\nbärde.\nD as ist das Wunder: daß es ein Jahr war. Ich liege in der-\nselben Stadt, demselben Haus, dem gleichen Zimmer und Bett\nund auf den Tag kommt das Rauschen wieder aus Ihren Hän-\nden. Danach stand meine Sehnsucht wie ein irrer Traum. Wie\neine Geburt aus dem Manne.\nDie ganz blonde Frau. Maya — ich krieche in mich.\nMeine Wunden blecken die Ränder zusammen. Augen starrem\nSchlaf. Ob sie mich küssen wird? „Kinder haben\" —\nIch schreie. „Jemand wird in Deinem Haar seine Finger\ntrocknen!\" — „Nein — niemand!\" „Ich will Grauen, doch die\nZeit und der Tod. Mein sagen\". Sie starrt. Ihre Hand schleift\nmeinen Mund. Ich küsse die Hand. Und wünsche — mehr.\nDer Brief meiner Braut: „Du Geliebter! Die Schmerzen\nwaren rasend. Ich habe sie ertragen. Ich wollte das. Maja\nsagt — ich sei tapfer gewesen. Ich weiß für wen ich das tat.\nIhr wühlt man den Leib auf — ich küsse einer fremde»\nFrau die Hand. Und wünsche mehr.\nWer bin ich? Was bin ich?\nWesen aus den Exaltationen meines Nichts! Wesen —*\nVielleicht nur Mechanismus. Hohles leeres Ding.\nIch bin doch Dichter.\nDichter sind Gottes Ebenbilder, glaubte ich. Und ich —\ndaß man mich schlüge!\nMein Leben wäre auf Lügen erbaut.\nIch bin doch Dichter.\nDie Nacht kommt nicht, die mir Frieden gibt.\nDer Tag kommt nicht, der mir Lügen nimmt.\nIch bin der Uebergangene im Leben.\nIch, der ich hinter Dornen raste\nund nur im Dunkel weiter taste\nmuß dennoch so an dieser Erde kleben.\nMaya — schenken Sie mir die Ruhe wieder — nur mir!\nDas Wunder Ihrer Sonnenhände. Das Leuchten Ihrer Rosen-\nnägel. Und das Zittern, das in Ihrem Herzen thront."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3563, "texte": "Meine schmalen Hände spielen blaue Tänzerin und wilden\nBock. Lust kost. — Müde sterben Sie Sehnen.\nSehnen nach Du, i\nMaya\nIhr Name ist das Lachen der Kinderlandschaften, ist das\nLeuchten der heiligen Leuchter im Tempel — ist der Mannes-\nschrei aus der Erlösung.\nIch bin das Glück. Nun ich mein Schicksal weiß und das\nEnde 4er Wege. Die Wege werden kurz sein und das Ende.\nGestern abend ging ich hinter die Gräben. Eine Flamme,\ndie nach der Luft schreit, war mein tosendes Herz. Und da ich\nstille ward und die Ruhe kam — sah ich die Sonne zwischen\nmeinen Fingern gleiten. Bäume standen zum Schwur gereckt\nund es war ein Glühen über der Erde.\nIm Weitergehen sah ich den Baum knorrig und hart. Der\nwar schöner als alle Wälder der Heimat, als die goldenen\nLeuchter, die in den Tempeln hängen des Gottes.\nKeine Ruhe fand der Sturm der Sehnsucht. Ueber den\nSarg der Wälder ging ich. Tief versanken meine Füße im\nSchnee. Ich ging suchen, wonach meine Erfüllung schrie.\nStand ein Kreuz am Weg. Das Kreuz des Herrn. Darum\nwaren Birken. In dem weißen Kleide. Und zu Füßen viele\nkleine Kreuze, denen die Erfüllung ward.\nUnd da ich mich niederlegte, fand ich die Ruhe. Und\nSchlaf. Im Schlafe hatte ich dies Gesicht:\nAuf einem hohen Berge stand ein Weib. Purpur ist die\nFarbe des Kleides und braun das Haar. Um den Hals trug sie\ndie goldene Kette mit dem Bernstein. Der Schwarze stand bei\nihr. Sein grünseidenes Lachen brachte ihr Fächerkühlung.\nDa die Sonne ihr Gesicht beschien, kam einer von Norden,\nSeine Stirne berührte die Erde ihrer Füße. Und er stand auf —\nsah sie an. Sagte ~Elisabeth\":\nDann sang er dieses Lied:\nMeine Augen stechen die Erde\nnach Deiner Fährte,\nScheue Rehe zittern sie\nnach Deinen Armen,\nMein Mund ist müde geworden\nnach Deinen Händen\neine blühende Qual\nschweigt er vor Wissen,\nDu blühst auf\neine große Blume.\nDie Dir dienen\nsind Heilige\nin den Tempeln.\nSterne werden\ndie in Deinen Händen sterben.\nIch küsse den Weg\nden Dein Lachen eilt.\nDa er schwieg, schaute sie ihn an. Vom Himmel kam ein\ngroßer goldner Schleier und deckte ihn zu. Sie aber blieb\nstumm.\nVon Süden kam ein Mann und sagte: „Elisa — komm,\nlaß uns ein Heim bauen und glücklich sein.\" Sie nickte. Und\nes kam ein roter Schleier, wie ihr Gewand und deckte ihn zu.\nEs kam aber ein Mann aus dem Osten, der sagte ~hiM zu\nihr, und da sie ihn anstarrte, sprach er ihre eignen Worte:\n~In der Dämmerung werden wir leise weiterreden. Von\ndem, was wir zuletzt sagten — und wieder ist ewiger Vorfrüh-\nling, und alles muß warten, bis die große Sonne kommt. Aber\nvielleicht zerspringt alles zu früh und die Blüten fallen noch\nin den Schnee und werden blaßblaue Hyazinthen und haben\nschweren süßen Duft und tragen keine Früchte.\"\nAis er sah, daß ein Zittern über ihre Seele ging, sagte er:\n~Laß uns lieben\" und sie gebaren die Lust.\nDer andere unter dem roten Schleier freute sich über das\nKind, und es trug seinen Ring. Jedes Frühjahr aber kam der\nMann aus dem Osten. Und sie standen über einer Wiege.\nLachten, Der aus dem Süden aber glaubte an sein Weib.\nDen unter der goldnen Decke hatten sie vergessen. Er trug\ndie Sehnsucht. Und von der Liebe wußte keiner was, denn er.\nDa ich dies Gesicht hatte, heulten Granaten über den\nFriedhof und wühlten mein Grab. Bäume schrieen auf und die\nBäume zersplitterten.\nKrachendes Tosen wirbelt das Lärmen der Zeit, Wjir aber\nliegen in dem Nachen des Lebens und lullen uns ein in Lieder\nder Lust und Liebe und wissen nicht, daß alles nur\nein Schrei ist.\nAls ich heimging, blühte die Sonne am Himmel. Es sang\nein ganz kleiner Vogel sein Lied.\nMaya!\n\nKurt Striepe"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.5.1", "titre_corps": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 44, "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.8", "debut_caractere": 3565, "fin_caractere_exclue": 4657, "texte": "Gedichte\nThomas Ring\n\nTage dumpfen brüten Schmerz\nNächte gellen\ntropfen Schauder\nstierer Zorn umrinnt verglaste Augen\nlehmkralle Fäuste krusten Blut\nTode schwirren\nschwinge Nähe hastet Grabenschlamm\nHassen krampft\nverschmurgt wildflackren Brand\nTaumel würgt\ndurchsplittert ächze Leiber\nWunden klatschen spelles Grauen\nAengste surren\nLeere haucht\nTiefe tasten streife Blicke !\n%\nLiebe wirbt\naufblitzt um Sonnen\nSehnen klammert eise Firnen\nHände perlen über Tränen Stern\nZerbranden schäumt\nwindkalte Nächte knarschen\nirr schluchzen Sterne durch den wirblen Raum\nHaß ragt\nund Kampf durchtönt blutstarres Grauen\nZorn bäumt\nund Qual durchrinnt dumpf taste Träume\nund Sehnen ballt\nStrömt fahler Glanz\nfern schmelzen Tränen in den Tag\nzag flattern Augen weh-behaucht\nund Blut zerwellt in eise Schründe\nMorgen glutet\nKlänge reigen\nBlau dämmern Berge Meer\nGlanz wiegen Gletscher\nfern\nSchwebst du\nstürzt wirr Umnachten\nbrechen Borde des Blutes\nstrahlzermürbt\nschmilzt heiß Verwehren\nhaucht gilb Zersehnen\nTränt Schauer wüstenirr\nAtem sehnt in eise Schauer\nZerhauchen strömt\nund strömt durch wehe Weiten"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 696, "texte": "Zermürben gräbt und gräbt\nMondwieger Strahl erstirbt\nsternträume Segel kentern i\ngewürgt von Salzstarren Tränen\nWolken fetzen zwänge Felsen\nDumpfe dünstet ächze Klamm\nKreisch flattert Krieg\naufstürmend in das All\nHeere donnern sturzberauscht\nzerbranden wirre Knäuel\nSchaum des Zorns umflutet Stahl\nblütrauschgepeitscht\numflackert sträube zage Hände\nanklatscht versunken träume Stirn\nPacken würgt\nund krammt und wühlt und krallt\nzerblättert Sehnen Liebe Traum\nVerbluten tropft\nund tränt\nSchwirrfaucher Donner schneidet Nebelschwaden\nZerstampfen fetzt\nZersplittern wirbelt Grausen\n.• i\nDie Berge bersten\nKnattern übertaumelt Fels\nZerrissene Leiber kollern in die Nacht\nZerfetzen stampft\nund stampft"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.6.1", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 56, "texte": "Jacoba van Heemskerck / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "14", "image_debut": 10, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.7", "titre_corps": "Die visionären Ekstasen des Dichters J. M. Tullian : Oskar Graf-Berg Für Georg Schrimpfs Bilder", "titre_sommaire": "Die visionären Ekstasen des Dichters J. M. Tullian : Oskar Graf-Berg Für Georg Schrimpfs Bilder", "signature_source": "nebst Chronik von Anfang ; Ende", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.10", "debut_caractere": 698, "fin_caractere_exclue": 6159, "texte": "Die visionären Ekstasen des Dichters\nJ. M. Tullian\nOskar Graf-Berg\nFür Georg Schrimpfs Bilder\nnebst Chronik von Anfang und Ende\n\nDie Herkunft\nSo zu lesen im Klassenbuch Jahrgang 1884 der Wartenek-\nschen Werktagsschule:\n„Blasius Hinz (4. Schuljahr) fiel vom Gerüst des im Bau\nbegriffenen Brauhauses Mertelfing, erlitt Gehirnerschütterung,\nverlor Sprache und Gehör, Elterlicherseits entschuldigt.\"\n„Es frommt nicht, sich ein schadenfroh Lachen anzugewöh-\nnen über nachbarlich Unglück, Sintemalen man selbst Nachbar\nist\" soll sich Hoch würden Herr Pfarrer Mair darüber ausge-\nlassen haben, . ,\nUnd ferner; Im Register der Irrfenanstalt Flamendingen\n1889: „Blasius Hinz, gebürtig aus Mertelfing, gemeindlichen An-\nordnungen zufolge eingeliefert. Zur weiteren Behandlung, , ,\nDerselbe Jahrgang 1895: „Blasius Hinz auf elterliche Verant-\nwortung entlassen,\"\nSolchermaßen wiederum hört man ungefähr an Biertischen\nin Mertelfing: „Ja, die Hinzens! der Blasius! Ist ein merk-\nwürdig Stück mit ihm. Und hätt sich der besessene Schneider\nnicht aufgehängt, seiner Lebtag nimmermehr wär der Bub zum\nSprechen gekommen. Ja, ja, der Schreck!\"\nOder, es sei fast was von einer unterirdischen Hexerei im\nHinzengeschlecht, der Vater ein Sonderling, die Mutter eine\nBetschwester, wie es keine zweite gibt, die Großeltern Süff-\nlinge, väterlicherseits ein Mädchenmörder, ein Landstreicher,\nzwei Geschwister verschollen in Amerika (drinnen, auf >der\nMutterseite Geizhälse und bigotte Gestalten, ja sogar ein paar\nSelbstmörder und einen wütigen Herrgottschnitzer, dem sein\nGeld wo in einer Kirche stecke. Anlässe genug also.\n„Aber\", aus verwichtigten Bauerngesichtern, „es ist und\nbleibt ein Wunder, wie er auf einmal heimgekommen ist, der\nBub, schwitzend und brüllend, wie er da auf einmal reden\nkonnte,\" Und dann die geschwänzte Betrachtweise: „Wer da\nnicht an einen Gott glaubt, der verdients zehntausend Jahr in\nder Holl zu kochen \" Man begegnet bei dererlei Ge-\nsprächen aufschnaubenden Gesichtern, denen man das Maß von\nGespanntheit ablesen kann, das ein ehrenwertes Gemeinde-\nmitglied, das was zu sagen hat, erfüllt, wenns drauf cinkommt,\ndaß er dann nicht später einmal was gibt für den Armenpfleg-\nschaftsrat und das Gemeindehaus, tja!\n„Die alte Weberin hat eben doch recht gehabt\" sagt dann\ndas bröselige Gwöhlhansgesicht, Und der Fischer, der wo so\nmassig im Nischerl sitzt, wie angepappt, faucht auf: „Gehts mir\nmit dieser alten Hex!\" Man sollte den Blasius nur gescheidt\nangesehen haben, bevor er verschwunden ist, , . , Zu selbiger\nZeit tauchen auch schon in den Polizeiblättern Berichte auf,\nGerüchte machen sich in Mertelfing breit, Das Niedereitelfinger\nBezirksblatt warnt vor einem gewissen Blasius, der landstrei-\nchend und heustadelbewohnend umhervagiert und die Gewohn-\nheit habe, sich fremde Namen beizulegen, Dann ist es, wie ein\nWisch. Stumm.\nNeuer dingliche Nachforschungen haben ergeben, daß der\nnunmehr gefallene Dichter J, M. Tullian identisch ist mit dem\nDorfidioten von Mertelfing und dem gewissen Landstreicher\nBlasius, der die Gewohnheit habe, wie man solches also lesen\nmag im wohllöblichen Niedereitelfinger Polizeiblatt, Besonders\nhervorzuheben sind auch noch die bemerkenswerten, äußerst\naufschlußreichen Berichte des Nervenarztes Kanneder-Flamen-\ndingen.\nDie fortwälzende Zeit ist die beste Totengräberin und wie\nman so sagt, hat sie viel gemeinsam mit dicken Spinnweb-\nhäuten —: Das Ueberschleiern und Vergessenlassen. Aber, und\ndarin muß der entzückte Chronist jubelig sein zartbesaitetes\nHerz für Herrn Schullehrer Mailinger in Wartenek schlagen\nlassen und voll und ganz anerkennen. Nämlich —; „Aber, hat\nder Herr Schullehrer Mailinger gesagt bei der mehr als merk-\nwürdigen damaligen Hiobspost vom Felde her nach dem er-\nschreckten Mertelfing und der darauffolgenden Totenfeier des\nBlasius Hinz, vulgo Julius Magus Tullian, also: „Aber\" sagte\ner, „seltsam sind die Menschenwege und das Seltsame hat Reiz!\"\nUnd in diesem Falle für den wonniglich angerührten Chro-\nnisten. Wir aber, die wir versuchen, ein verrätseltes Genie-\nwerk den Klauen moderner Vergessenheit zu entreißen, wir\nkönnen, weil wir voll tiefer Trauer noch einmal die liebens-\nwürdige Gestalt Tullians vor unseren Augen leibhaftig und\nsprudelnd lebendig aufstehen lassen, uns des schmerzlichen\nAusrufes nicht enthalten: „0, Ironie des Schicksals, im Mertel-\nfinger Dorfidioten den großen Dichter Julius Magus Tullian\nverkörpert zu sehen!\" Und falten vor solchem erschüttert die\nHände! Tullian selbst würde diese Einmischung und das Nach-\ntasten in seine gewiß merkwürdigen Lebensgänge mit einem:\n„Lassen wir das\" und der Paraphrase: „Es ist eine Gemein-\nheit, sich in das Erleben eines Menschen zu mischen\", beiseite-\ngeschoben haben. Schon wegen des Geschmacks, und justa-\nment er doch selber einmal seinen Lebensgang folgend aufzu-\nzeichnen versuchte: „Es war zur selbigen Zeit al9 der Umwerter\naller Werte über schmale Brücken hopste und in trunkene\nLandschaft mit Pan laue Flöte pfiff in linden Abend\" — gleich\naber wieder abgebrochen und dick und resolut geschrieben, wie\nAbwehr, oder Besinnen:\n„Umwertimg aller Werte? Beweis, daß noch Werte sind!\nHinfälligkeit, Verirren im Begriffe!\"\nJenun, man ist ein Dichter!\nDie Ekstasen\n„Geliebte Philosophen! Es ist ein Hühnerei geplatzt, Er-\neignis genug, um ohnmächtig zu werden!\nO, dunkelrote Gassen, flieht doch nicht!\nEin schöngetäfeltes Zimmer mit überladenem Mobilar.\nHier hockt wo die Absicht: Man will präsentieren, zugleich"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7102, "texte": "aber auch verdecken. Ein riskantes Versuchen, nicht wahr,\nHerr Professor? Wenn man in Ermangelung des umfassenden\nGeistesvermögens statt Alles zu nehmen, sich mit dem nihilisti-\nschen Nichts begnügt? Sowas ist doch bequem! Gerunzelte\nStirnen gehen in grellen Bogenlampen spazieren: ~Aber lieber\nMann!\"\nZu allen Zeiten war das der Fall — aber — Himmel brechen\nzusammen, Ueber eine frischverzinkte Nachtlandschaft rinnt\nmilchiger Morgen. Schäbig. Wirklich arg schäbig. Ueberflüs-\nsigerweise steht bei diesem Vorgang ein Verkannter schmacht-\nlockig am Fenster und — Nun ja, es ist einfach arg, wenn eine\nKuh ernst schaut! — Aber Frau Professor Röhlinger liest den\nNietzsche. Liebe Moderne! Die Falle ist nicht da, weil es Mäuse\ngibt und der Besen nicht, weil Schmutz ist, sondern umgekehrt.\nKulturelle Werte schlamasseln heutzutage auf besudelten\nTischen, oder — immer.\nArme Tinte reimt so fühlfäderig weiter über Papier. Falb!\nNordlicht! Eine gelbe Zigarettenschachtel und dunkelraben-\nschwarzer Kaffee bleibt mir. Die schöngeplätteten Sätzlein\nschauen so naiv: „Ich bin doch nett, nicht?1'\nSowas? Als ob nicht Hochstapler, Maggisuppen und Dich-\nter kausal wären?\nWarum also schaust Du mich so an, Du dickes Porträt auf\nder Wand — na sagen wir: „Du Bäckermeister!\"\n0, offener Himmel! Da sitzet zur Rechten oder oben eine\nFrau. Diese Frau! Es sagt wer sacht verbläßt durch tiefe Nebel:\n„Warum läßt der Staat nicht los von dieser Frau? Es kämen\nso schöne Kinder zur Welt!\"\nEin Kopfkranz schmachtet. Und Jünglinge versinken in das\nWasser begehrender Tränen,\nWenn man prinzipiell was wehren will. Aber Fräulein, das\nkurze Röckchen, oder Rauschen von seidenen? Vom Radfahren\nwird man gewiß nicht so rot.\n~Seien Sie gut zu mir!\" Eine spitzige Kerze tastet katzen-\nfiaft. Weites Land, so weit und still und wunschentlockend.\nSiehe Madonna, vor Dir knieen wir Ausgegossenen Nirvanas\nNur — Verzweiflung ist heikel, heikler als ein seidiger Ge-\nruchssinn. Spritzer auf nachgiebige Leinwandböden. Und runde\nKörper jubeln hell ins Wurfgewühl springenden Tages\nVom Mond herab schräg durch das Zimmerfenster schießt\neine Dohle, pfeilscharf, mitten durch mein Hirn. Der Spiegel\ngrinst fließt über die knarrende Ottomane und stürzt mich in\njähsilbrige Kluft. Von stacheligen Kaktussen umrankt. Julius\nMagus Tullian, Gloriolen verblassen vor Deiner Leuchte.. Du\nSehnsucht aller Träume, Von einem Pfühl spricht ein granitenes\nGesicht also. Und windet einen Krönungskranz. Schleußen zum\nGral liegen im Ringeln des Zigarettenrauches. Ein Hinterhaus\nsieht dieser erhobenen Geburt in den letzten Wehen entgegen.\nAls ob gar nichts sei, sagt wer an fliehenden Gesichtern\nvorbei: Diese Gedichte sind die höchste Konzentration wahrer\nRomantik.\" Daß ein Kritiker Extrakt ahnt und Stirne furcht,\nden Zeigefinger fuchteln läßt, — denn so wehrt man sich am\nbesten gegen unflügges Zeug,\nDurch zackige Schluchten verweserter Gedankenflüsse\nwühlen wir uns, Blut ist in unseren Adern und überflutet hän-\nfene Striche, die gern fesseln möchten.\nDer wahrste Dom ist das Freudenhaus! Steht auf, sonnige\nKinder! Ob Du nun sonst wie heißt, bleibt gleich. Tullian,\nEuer Sänger und Verkünder ist auferstanden. Ein fadenscheini-\nger, windangstender Anzug schließt Knochen ein. Verblichene\nGarderobe gehört zu einem Märtyrer. Golgatha, dralles Mägd-\nlein, liegt bei Meister Sinding in der Aststraße, so geheißen und\nrühmend erwähnt, weil er borgt bis ultimo und noch was von\nder Eleganz echter Schnäpse hat. In Spelunken sterben wir\nunseren Kreuzestod, sachte und still, aber nicht mehr als Lump\nund Wassertrinker, Kommen sie, kommen sie, sowas hält auf.\nMeine schöne runde Pappmundstückzigarette lugt keck ins\nwürfelnde Treiben der breiten Straßen, . . .\nJulius, Magus Tullian, Du Urweltpionier!\nLollo! Rund wie ein himmelblaues Osterei. Lollo! Es wat-\nschelt eine Trambahn durch graue Schächte, In goldenen\nBlitzableitern schlafen himmlische Gedanken. Zerdehnen\nsich auf glitschigen, prallen Asphaltböden zu perlenden\nSchritten, Aus Hermann Tietz-Fenstern feixen schwüle Damen,\nkühl wie Schatten, kalt und überlegen. Ein Schweinskopf liegt\nauf einem Postament in einem Tal geringelter Wurstberge.\nFlüsse rinnen fettig. Ein Tor wölbt sich und ein Kreis kreist.\nUnd biegende Bäume peitschen an trotzige Mauern, Lollo! Dein\nGesicht leuchtet durch meine Finsternis, Ich glaube dem Ruf\nmeines Blutes und male Deine Augen purpurn und schwelgend\nin den Teppich Deines blonden Gesichts, das mich begleitet\ndurch meine wehen Gänge, Hier trauern hochgetürmte alt-\ndeutsche Möbel — so bieder, daß ein hamsternder Schuster aus\ndieser Biederkeit Leder schneiden könnte, Leder bei diesem\nMangel — und warten auf Dich, Du große, schöne, lächelnde\nKurtisane! Diese Nische geht erst dann auseinander, wenn Du\nbei mir bist, Dann wollen wir — nein, dann tun sich Sterne auf\nund ein Chorus singt. Fontänen zirpen, werfen schwergefaltete\nRinge. O, düsterste Stunden, warum flieht Ihr von mir in Hei-\nden, die ungangbar sind?\nLaßt lieben die, die schmollend und aufgeschmalzt durch-\ngehen in blinde Nacht. Wir aber gehören zu denen, die sich\nspielend verschenken mit offenem, wissendem,\\ »quälendem\nGlauben.\nVorläufig bleibt uns nichts anderes übrig als von der Ast-\nstraße aus zu gehen und in weitem Bogen wieder in sie zu\nmünden. Eine Beschäftigung, die, wäre sie bloß zeitraubend,\nnicht von Belang wäre. Aber der Graf hat zwei Frauen zu\nlieben versucht, die ihn liebten.\nUeber ein Autoritätstintnefaß trillert eine verkündende\nLerche, während singende Sensen ins appetitliche Grün knir-\nschen.\nUnd wir gehen über gebogene, schwere Felder und rufen\nin Ermangelung einer wirklichen ekstatisch auf: „Ihr wogenden\nFelder, seid meine Braut!\"\nHängt Vorhänge vor Eure Welt! Und gurgelt mir aus ra-\ngenden Stämmen einen munteren, stürzenden Bach, in dem\nviele Kinder plauschig sitzen. Und die kleinen Wellchen back-\npfeifen (\nWir sind die Hassenden, die Wissenden und Sterbenden!\nWeil wir zuviel lieben!\nEine dunstige Nacht hat uns ausgespien, die zuviel Augen\nhat!\nTru,nken schwelt ein bleicher Balkon spitz in flimmernde\nNacht, Ein rosenroter Turm weint. Gefaltete Giebel beten sum-\nmend ein Raunen in zerrissene Wolken, die hängen bleiben an\ngroßen jähaufgereckten Zeigefingern. Ein schwarzer Kater tappt\neins — zwei — drei — samten in meine Gedanken, sengt einen\nPfiff in beide Ohren mit seinen brennenden Augen. Jetzt wissen,\ndaß Geliebte von mir sprechen mit bronzenen Worten! Küsse\nschmiegen sanft blanke Wangen. Felder wiegen grellgelb ein\nweites Licht, durch das rote Mohnblumen gehaschte Striche\nhuschen, bescheiden, wie bleiche, zitternde Hände, die sehn-\nsüchtig vergilben,\nEine Tanne steht mitten auf dem Felde. Einsam wie\neine Frau, kahl und gebrochen hängend. Das ist das Märchen\nvon den Weibern am Berge, die nach Kind rufen.\nEs lebe die Wüstenei! Wir sind Kellner in straffen\nFräcken, hamsternder Du!\nNun wieder Nacht, Wandelnd in grottigem Kristall. Das\nSilber vergegenwärtigender Gedanken rinnt sacht an meine\nSchädelwand: „Bitte seien Sie so gut und denken Sie einmal\nanständig!\"\nDas war ganz sicher ein korrigierender Schulmeister, im\ntiefsten empört."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7323, "texte": "Dahinten muß eine strömende Stadt über bauchige Berge\nblutrot in den Himmel türmen. Hinter tief verhängten Fenstern\nschmachten Mädchen. Und bauen Burgen, formen plätschernde\nBrünnlein, gedämpfte Schloßhöfe in weichen Sofas, denken an\nsilbrig-fließenden Mond.\nSogar der ferne Trompeter fehlt nicht, noch die Einsamkeit\nschroffer Raubritterschlösser.\nAber Herr Metzgermeister Grölinger brummt über die Zei-\ntung hinweg, daß sich sowas für eine ehrsame Bürgerstochter\nnicht gehört,\nFrau Kommerzienrat Kropfeder preßt den nudeligen Bauch\nin das Gewand einer Nymphe. Die Wohltätigkeit!\nSäle flattern, klammern Toiletten ein und schwitzender\nDuft, der gerne weggefächert sein will.\n„Emma, geh mach!\" Ein bißchen fad. Da —: Pix, der\nletzte Druckknopf liegt in Fesseln, Frau Kommerzienrat Kropf-\neder schnaubt auf, Ja, nun wieder Nacht!\nSchleppender Mantel, sterniger Du! Lehne Dich nicht an\ndie zickzackenen Häuserbrocken, Meine Hände verwelken\nsehnend. — Ich will, ein Page, Dich streichelnd in meine Hand\nnehmen. Und voll beglückt hinter Dir herschreiten, Nacht, Du\nKönigin! Ich liebe Dich mehr als alle Glut und Eleganz schüt-\nternder Straßen, denn Du hast das wachsene Gesicht, durch\ndas man deine tiefen rätselumwobenen Denksäle schmetternd\nherausfühlt.\nDenn zuletzt, Nacht und Inferno, seid ihr die Zuflucht der\nTotverliebten und Seher.\nSieben Männer stehen siebenartig gekleidet, Ganz nah.\nZu all diesen sieben Gesichtern, die gewiß auch dankbare Stoffe\nfür Buchseiten naturalistischer Bücher sein könnten, gesellt sich\nsiebenfach ein Weib.\nIch fühle, so wie man einen weichen Polster fühlt, auf dem\nman gemächlich sitzt: Sieben Schicksale und alle die meinen,\nalle — (Ist's genug? Oder muß noch mehr gesagt werden? Ge-\nnug? Daß einer einmal zelebrierend gesagt hat: Es gibt einen\nBorn. Irgendwo. Und: ~Es ist noch nicht genug Hoffnungs-\nlosigkeit getrunken worden.\"}\nIm Wurstladen an der Ecke steht hinter getürmten Würsten\nein blasses Gesicht. Die Sonne brennt hinein und höhlt ein Loch\nund sengt eine müde Frau heraus und schält sie für den kom-\nmenden Tag.\nGewiß hat sich dieses Mädchen in die fleischige Hand ge-\nschnitten, die mit soviel Fett hantiert.\nHoch in den Lüften, in verblaßten Schwaden, durch Wolken,\ndie geschürzt die Welt befächern. Hoch also — tront sieben-\nfach dies müde Weib. Aber auf der Straße ist es das Lauf-\nmädchen von der rothaarigen, spindeldürren Modes am Rondell-\nplatz.\nUnd doch sagt wer, totaufdringlich an eine verschlossene\nTür pochend: „So öffne, wenn Du doch weißt, daß ich Dich lieb\nhabe.\" Aber das ist schließlich nur so.\nJedenfalls sind die Siouxindianr rasend über Prärien ge-\nstürmt und haben nur nach Fleisch gehungert.\nMan muß die tiefe Wehmut leerer Gläser ergründen und die\nstarre Ohnmacht eines Bulldoggenauges erschauen, um lachen\nzu lernen. Selbst mein Spiegel ist ein unehrlicher Schuft. Und\ndeshalb — nein, ich bin gestolpert.\nDeshalb heißt es von mir, ich wäre betrunken und säße hier\nim Park auf der nassen Bank und schliefe.\nAllerdings, denn gestern hob eine schöne Dame lupfend\nmeinen gesichtverdeckenden Steifhut und sagte lächelnd: ~Ah,\nerst Koofmann, dann Loofmann, jetzt Soofmann,\" Brückenlos\nertrinken Tage, und nicht einmal Nächte sind Pflastersteine für\nmeine Straße.\nDas Ende\nAls der große Dichter Julius Magus Tullian sich an einem\nMorgen schneuzte und solchermaßen den Tag begann, fragte\nihn eine Dame auf der Straße, wovon er denn den Stoff für\nso bilderreiche Skizzen hernehme, daß er vom Wesen der\nMimik das Tiefste begriff, nämlich das kokette, einschmei-\nchelnde Lächeln, das man dem und dem zu servieren genötigt\nist, weil sonst die Vermutung in verschiedenen Köpfen Raum\ngewönne: „Ein dummer, einfältiger Tölpel!\" So beauftragt von\neinem Methaphysischen dahinter einer plötzlich aufquellenden\nErkenntnis antwortete er schmeichelhaft: „Von den Frauen,\nliebes Kind!\"\nBlätter verkündeten laut und vernehmlich, daß hier endlich\nder wahre Dichter der Frau sich entfalte. Auflagen hämmerten\nfordernd und mit der Ungeduld eines erregten Klopfers an die\nPeripherie seiner Phantasie, sodaß er sich wimmernd in namen-\nloser Qual bog. Stöhnend spie ihn eine Straße auf die glatte\nVorstadtwiese, die unweit seiner Behausung sich ausbreitete.\nUnd außer der Gefahr von Steinwürfen toller Hundsbuben noch\ndie Annehmlichkeit: ~Schutt abladen gestattet\" in sich ein-\nschloß. Sein wogendes Gemüt legte sich allgemach, wie auch\ner sich hinlegte und sich einmal recht eindringlich bedauerte.\nWeil er aber dabei allgemach in einen derartigen Katzenjammer\ngeriet, daß ihn ekelte, gab er das Philosophieren auf und schloß\nkurz abgeschnitten: ~Ich bin einfach Hiob! Fertig!\" Und be-\ngeilte sich mit rosiger Gemütlichkeit, schmälerte sein Schwei-\nfen in die anmaßenden Wolken und schlief endlich ein. Und\nbegann zu träumen.\n~Hoch auf einem Berge nackend, der blendenden Sonne\nden Blick zuwendend. Jubelnd! Unter ihm lag —: ein flim-\nmernder Teppich — die rauschende Stadt, Auf einem glitzern-\ndem See flogen Segel, die ganze Wtelt lag vor ihm: hier bitte,\nwie eine saftige Pastete.\nErwachend rief er trunken: „Ich liebe Dich, o Erde!\" Und\nreckte sich. Als er in die Stadt kam, war Kriegslärm.\nSchritte dröhnten dumpf und höltern. Bahnhöfe hallten: „Es\nbraust ein Ruf .... Beim Nornenbrunnen stand ein feister\nMetzgermeister und musterte selig die grau dahinschwellenden\nWellen.\nVor einer aufgestapelten Kopfmenge türmte sich ein säuliger\nErker:\n„Meine sehr verehrten Anwesenden!\" Man ließe danken für\ndie hingebende Teilnahme. Aber es sei schon einigen schlecht\ngeworden, deshalb werde eindringlichst gebeten, auseinanderzu-\ngehen . . ,\nAuf eine Order hin mußte sich auch unser Dichter stellen.\n(Hier erlaubt sich der Chronist eine Einschaltung, denn er war\nder Einzige, der den leibhaftigen Tullian als Soldat sah.)\nHernach ist noch ruchbar geworden, daß ein Held bei Saar-\nburg von gottverdammten Franktireurs erschossen wurde.\n„Jetzt kann ich meinem Mietzins nachschauen\" soll eine\nbiedere Hausfrau gesagt haben.\nEine sehr bewegte Geduldsprobe für einen fordernden und\nbegehrenden Leser, wenn man mit dem bischen Sterben eines\nMenschen so viel Tänze macht. Es gemahnt das zu sehr an den\nfrechen, aufdringlichen Verkäufer, der mit Hilfe seiner unver-\nschämten speichel-leckerischen Beredsamkeit einem abgeneig-\nten Kunden einen Artikel auf schwätzen will. Ja, es ist sogar\nein wenig komisch. Zum Glück, zum großen Glücke läuft eben\nnoch eine federfeste Episode ein, als ich diese Zeilen zusammen\nsetze, die ich nicht versäumen möchte noch beizufügen:\nMitten durchs Fenster des Buchladens schnitt das Licht,\nBunte Einbände schlüpfen ineinander; Buchstaben tänzelten.\nAuf einmal bog sich die Scheibe, färbte sich anders — lachte\nbreit, latschend. Auf einem Einband stand: „Das Buch der\nSünde\", zwanzigste Auflage.\nSelbstgefällig grinsten die dicken, butterfesten Buchstaben.\nDer Anhang zitterte, fauchte gegen die Scheibe, tischte den\nHerrschaften die Worte auf: „Eine gewaltige Tragödie\nein mit dem Blute geschriebenes Geständnis eines Mannes . . .\nnicht ohne tiefe Erschütterung .... das wahrste Buch! An\nder Auslage stand ein Mann, lachte verbissen, spie auf das\nFenster: „Gesindel! Rabengesindel verfluchtes!\" Ging. Eigent-\nlich bewegte sich nur seine Gestalt von dannen. Er spie immer\nnoch auf die Scheibe, fletschte mit den Zähnen, lachte boshaft\nin sich, polterte. , ."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2062, "texte": "~Je besser man lügt, desto wahrer . , . , Alter Humbug!\"\nPlötzlich blieb er stehen, sah auf, zischte schnaubend: „Richtig!\nja, der fette Einband mit dem Anhang, tja, totrichtig, sah aus\nwie ein Schwein, das das Schwänzlein freundlich rollt, ha, ja . ,\nfreundlich, und der Schreiber? Ist auch ein Schw — nein!\nEr ist der Kellner, der diesen ganzen Dreck serviert!\" Offen-\nbar befriedigt über diese Erkenntnis, setze er seinen Gang fort,\nging schneller — rannte — keuchte.\nIn seinem Zimmer fiel er in den Divan, stöhnte. Dann be-\ngann er wieder zu schreiben\nSolchermaßen geschah zur Sommernacht in einem unwich-\ntigen anno domini. Es wäre schlechtweg Anmaßung, diese\nkomische Schrulle zu Papier zu bringen, ihr einen besonderen\nWert beizulegen, wären nicht, wie aus Vermutungen einer be-\nträchtlichen Anzahl geistig einwandfreier Personen hervorgeht,\nseltsame Geschehnisse damit verknüpft. Besagter Auslagebe-\ngucker war nämlich kein anderer als Tullian, unser geliebter\nTullian. Und um die Geschehnisse steht es so:\n„Augenzeugen bekunden, bei jedem Rekordflug folgendes\ngesehen zu haben: Sobald der Flieger landet oder abstürzt,\nwirbelt eine Gestalt aus dem Boden, reibt sich die Hände,\ntänzelt mit geradezu rasender Geschwindigkeit um den Apparat\nund ruft laut: ,Fein geflogen? Eure Nerven gekitzelt. Ge-\nspannt! Wie mit meinen Büchern! Das Leben gewagt — ge-\nnug getan!' Dann ein Surren — die Gestalt ist fort. Einige\nbehaupten sogar, bei einer aufregenden Absturzszene die tän-\nzelnde Gestalt ganz verzückt ausrufen gehört zu haben: ~Blut\ngefällt Euch, nicht wahr? Noch besser aber die Leiden An-\nderer, Wohlan führt Gladiatorenkämpfe ein — das erspart\nc\ndie Buchschreiberei. Auch Unterhalts besser -—\"\nUnd ein pfeifendes Trr\nUnd all diese Leute vermessen sich bei der geringsten An-\nzweiflung ihrer wahnwitzigen Erzählungen eidlich zu bestätigen,\ndaß die Erscheinung identisch sei mit dem leibhaftigen Dichter\nJulius Magus Tullian,\nNun aber ists genug. Und dieses ist nicht mehr zum Lachen,\noder gar Anlaß zu einem scheelsüchtigem: ~Ist das alles?\"\nIch bitte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.7.1", "titre_corps": "Oswald Herzog: Liebe / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Oswald Herzog: Liebe / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 55, "texte": "Oswald Herzog: Liebe / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.8", "titre_corps": "Kurzes Spiel vom Weib : Der Mann Der Bruder und das Weib", "titre_sommaire": "Kurzes Spiel vom Weib : Der Mann Der Bruder und das Weib", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.14", "debut_caractere": 2064, "fin_caractere_exclue": 4784, "texte": "Kurzes Spiel vom Weib\nDer Mann\nDer Bruder\nund das Weib\nKurt Heynicke\nHelles Zimmer bei Nacht Eine Uhr\nDer Mann: Die Uhr schreit. Hörst du ihre Stimme? Sie\nzerfrißt meine Besinnung, Wo ist Sie?\nDer Bruder: Deine Sehnsucht geht wandern. Aber. Dein\nStab zerbricht. Du sollst Deine Gedanken nicht in ihren\nSchatten stellen, Sonne dich in deiner Sonne, Dieses\nWeib ist Stunde, Ewigkeit heißt deine Sehnsucht.\nDer Mann: Stunden in Sternen, Brüder. Ihr Leib ist ein\nGefäß, ich hänge daran und trinke,\nDe r B rüder : Wärest du Peitsche, du Trinker, Ihre Augen\nspielen um Dich und ihre Gedanken hängen an fremden\nBlicken, Sie ist Weib.\nDer Mann: Wenn ich Haß gebären könnte in ihrem Arm,\nAber meine Seele bekommt rote Augen, Ich bin ein\nseidener Mantel um ihre Glieder in den Stunden ihres\nSchenkens.\n(Ein Wagen rollt nahe und vorbei, Der Mann geht an das\nFenster,)\nDer Bruder: Sie ist es nicht, Bruder, du bist zu tief in\nihr, O, blühe hinauf und hinüber! Könntest du glänzen\nüber ihr Lächeln! Aber im Narrenkleid ihrer gelben Haare\nfesselt dein Blut\nDer Mann: Meine Besinnung ist hinweg. Kleine Schoß-\ntiere winseln herum. Wände fallen auf mich. Eine Hand,\nzu heben. Eine Stunde, zu sein. Nichts. Schatten. Nichts,\n(am Fenster] Luft in der Nacht. Wehen unter den Sternen.\nIch will gehen. In den Frieden der Nacht. In die Nacht\ndes Friedens. Ein Gebet liegt am Wege, Es wird blühen\nan meiner Brust, (hinaus)\nDe r B rüder: Spiel deine Sterne, Schenke sie dem Weibe\nzum Schmuck. Sie tritt sie in den Staub, In das Lachen,\nDas Weib: (durch die Tür) Mein heiliger Narr ist hinweg.\nMeine Augen gingen ihm nach. In die blinde Nacht.\nDer Bruder : Du hieltest ihn nicht? Seine Nacht hat Sterne.\nDie deine ist ein Katzenauge. Seine Qual floh in jene Nacht.\nDie dunkle Hand wird ihm Frieden sein. Wae du funkelst,\ndu Tier!\nDas Weib: Gott zum Dank, Herr Priester. Dient ein Tier\nnicht dem Stärkeren? Er ist nicht Kraft, zu der ich beten\nkann. Er schleudert mir nicht die Fetzen seiner Seele ins\nGesicht und tritt nicht meinen Leib. Ich würde schreien\nihm zur Lust! Ich will das Ende! Aber am Ende steht eine\nFlamme. Sie blutet. Du!\nDer Bruder: Du! Ich! Meines Bruders Seele verbrennen\nim Hauch eines Weibes, Mein Herz schürt Flammen, Du!\nNein!\nDas Weib: (zischt) Du Priester, Du Mann, der sich nicht\nkreuzigen will,\n(Sie geht in die Ecke des Zimmers, schaltet das Licht aus.\nDer Mond sticht durch das Fenster. Sie reißt ihre Kleider\nfetz herab. Der Mond umzittert ihre nackten Glieder)\nDa, du Mann! Da meine Seele und da und da! Und mein\nLeib blüht und sternt vor dir. Hörst du die Stunde, Sie\nklopft und hat keine Seele, Sie fließt, ich glühe, ich golde\nsie, (Er schreitet. Tastet ihr entgegen, sinkt. 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VI: Aage you Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c028", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.15", "debut_caractere": 4514, "fin_caractere_exclue": 4985, "texte": "Kunstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 1\nUmberto Boccioni t / 1\nCampendonk / 1\n. . 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Carra / Mai Ernst / Emil\nFMI& / Albert Gleizes / Otto Gotfreund / Oswald\nHerzog I Sigrld filer ten-Griinewald / Isaac Griine-\nwald I Johannes Itten / Alexei von Jawletisky /\nPaul Klee / Otakar Kubin / Fern and Leger / Carl\nMense / Jean Metzinger / Francis Picabia / Georg\nSchnmpf / Gino Severini / Fritz Stuckenberg /\nArnold Topp / Maria Uhden / Marianne von\nWerefkitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c033", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "debut_caractere": 1415, "fin_caractere_exclue": 1907, "texte": "Kunstsehule Der Sturm\nLeitung: Herwarth Walden\nUnterricht und Ausbildung in\nder expressionistischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerei\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstsehule Der Sturm\nRudolf Bauer / Rudolf Bliimner / Campendoak /\nJacoba van Heeraskerck / Paul Klee I Georg Muche/\nGabriele Miinter / Lothar Schreyer / Herwarth\nWalden\nSprechstunden der Leitung der Kunstsehule Der Sturm:\nDienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend 4—5 / Das Sekre-\ntariat ist taglich von 10—6 geoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c034", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "debut_caractere": 1909, "fin_caractere_exclue": 2910, "texte": "Oeffentliehe Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nVortragsreihe I\nLothar Sehreyer: Der Expressionismus\nin der Diehtung\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April bis Juni\n%4—%5 Beginn 18. April\nSechs Vortrage\n1. Der Mensch der Kunst\nMittwoch 18. April\n2. Die ,Wjortkunst der Vergangenheit\nMittwoch 25. April ;\n3. Die Kunstmacht der deutschen Spracke\nMittwoch 9. Mai\n4. Das Gedicht der deutschen Gegenwart\nMittwoch 23. Mai\ni\n5. Die Erzahlung der deutschen Gegenwart\nMittwoch 6. Juni\n6. Das Drama der deutschen Gegenwart\nMittwoch 20. Juni\nVortragsreihe II\nLothar Sehreyer: Das Buhnenkunstwerk\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April bis Juai\n5—6 I Beginn 18. April\nSechs Vortrage\n1. Die Wirklichkeit des Geistes\nMittwooh 11. April\n2. Die Biihnenkunst im Mtemschenhaus\nMittwoch 25. April\n3. Die Farbform des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 9. Mai\n4. Die Bewegung des Biihnenkunstwerjces\nMittwoch 23. Miai\n\\\n5. Der Ton,des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 6. Juni\n6. Das Spiel des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 20. 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April\nHermann Essig\nVortragende:\nHermann Essig\nRudolf Bliimner\nHer war th Walden\nDreiunddreißigster Abend\nMittwoch den 25. April\nHermann Essig\nVortragende:\nHermann Essig\nRudolf Bliimner\nHer war th Walden\nLetzter Abend\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den September 1917"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c036", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "debut_caractere": 3369, "fin_caractere_exclue": 3859, "texte": "Verein far Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nVierzehnies Jahr 1. April 1917 bis 31. Marz 1918\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturm-\nausstellungen I Besuch der Sturm-Kunstabeiide zu\nhalben Preisen I Jedes Jahr frei eine SturmpubM-\nkation / 1917/18 nach Wahl:\nfleemskerck: handgcdruckter and inatersckriebeaer\nHolzscknitt auf Kateerfich Japan-Papier oder zwel\nKunstdrucke nacfc Wahl oder das Sturmplabat toii\nKokoscfoka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c037", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "debut_caractere": 3861, "fin_caractere_exclue": 3990, "texte": "Kunstbuehhandlung Der Sturm\nPotsdamer Straße 138 a\nhat gute und seltene Biicher und Noten vcrrafe\nund nimmt Bestellungen entgegen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-04-15-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-04-15_01#c038", "volume": "bmtnabg_1917-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "debut_caractere": 3992, "fin_caractere_exclue": 5096, "texte": "Neuanzeigen Der Sturm\nlierwarth Walden: Ekiblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Gemaiflten\nder Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Wialdea: Weib / Komitragodi®\n3 Mark\nSonderausgabe / hamdgemalter Einband von Georg Sehrisnpf\n(Awflage 10) 50 Mark\nAm 1. 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M. Tullian / Kurt\nHeynicke: Kurzes Spiel vom Weib / Wilhelm Runge: Lieder / Bohuslav Kokoschka: Stiegenhaus / Zeichnung / Campendonk: Drei\nHolzschnitte / Vom Stock gedruckt / Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt / Oswald Herzog: Liebe / Holzschnitt /\nVom Stock gedruckt\n\nBohuslav Kokoschka: Stiegenhaus / Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.2", "texte": "Prebfühler\n\nDer Kenner\nHerr Oskar B i e hält sich für einen Kenner, weil er früher\nim Berliner Börsencourier und heute noch in der Neuen Rund-\nschau über Malerei schreibt. Wohin will unsere Malerei, fragt\ner sich in der Neuen Rundschau und gibt sich selbst eine Ant-\nwort, die mehr als fraglich ist. Er hat zunächst die Güte, den\nLesern der Neuen Rundschau zu berichten, was Der Sturm ist:\n„Der Sturm, die betriebsame und rührige Zentrale für letzte\nKunst, eröffnete die fünfzigste Austeilung und bot bei dieser\nGelegenheit eine Gesamtschau der Jüngsten/' Der älteste Kri-\ntiker blickt auf sich zurück: „Für Neulinge ist es gut, sich zu\nbelehren; für Kenner gut, sich einmal zu fragen, wie weit das\ngediehen ist und welche Aussichten es macht.\" Der Neuling\nOskar Bie belehrt sich bei dem Kenner Oskar Bie, der Aussich-\nten macht, statt Aussichten zu sehen. Herr Oskar Bie könnte\nsich auch denken, daß man einst sagen wird, an dieser Krippe\nsei die neue Kunst geboren worden.\" Herr Bie bleibt an seiner\nalten Krippe stehen: „Bewegung ist da, und viel Reflex in\nästethiesierenden Abhandlungen und Polemiken besserer Jour-\nnale. Aber fragen wir die Verteidiger: Nun sind diese Bilder\nwirklich, was ihr verlangt? So sagen sie: Gewiß noch nicht.\"\nDiese Verteidiger, die das sagen, können nur die Herren Bie\nund Stahl sein, Wleil sie etwas von den Bildern verlangen,\nwährend wir, viel bescheidener, nur Bilder verlangen. „Und\nfragen wir, immer wieder neugierig die Bilder selbst, so sagen\nsie immer wieder Nein.\" Sollen Bilder etwa Herrn Professor\nBie bejahen? ,,Es ist ein unheimliches Gerede um eine Sache,\ndie wohl Lebensmut, aber keine Lebensmöglichkeit bewiesen\nhat. Ein Zustand, bezeichnend für unsere Zeit, die so viel vom\nWillen spricht, daß sie nicht mehr dazu kommt, zu wollen.\"\nDieser letzte Satz lag noch im Zettelkasten des Herrn Pro-\nfessors aus der kleinen Zeit. Denn die große Zeit spricht nicht\nmehr von dem Willen, sie will, wie es sonst in besseren Jour-\nnalen heißt. Lebensmut beweist immer Lebensmöglichkeit,\nFreilich will die Kunst, nicht einmal die letzte, nach Art des\nHerrn Professors Bie leben. Das Leben der Kunst ist Kunst,\nund nicht die Kunst des Lebens, das überhaupt keine Kunst ist\nund das von Herausgebern neuer Rundschauen stets an der\nKrippe verschlafen wurde, „Die ganze futuristische, kubistische,\nexpressionistische Bewegung vollzieht sich in einem Kreise von\nLiteratur und Atelierkunst, der ganz für sich bleibt und jede\nBeziehung zur bevölkerten Erde abgebrochen hat.\" Nur ein\nKenner wie Herr Bie kann einen Kreis sehen, der Be-\nziehungen abbricht, Kenner pflegen allerdings stets Beziehun-\ngen zu unterhalten, und das Unterhalten von Beziehungen nen-\nnen sie Kunst. Aber die bevölkerte Erde glaubt es ihnen nicht\nmehr. Die Kunst befindet sich nicht in einem Kriegszustand zur\nbevölkerten Erde, die Kunst führt einen Verteidigungskrieg\ngegen die Herren, die der bevölkerten Erde Oel liefern wollen,\nSie wollen Oel statt Bilder geben, Sie wollen die Wirklichkeit\nin Oel festhalten, weil sie die Wirklichkeit nicht fassen können,\nOel auf Leinwand ist gut gegen Schnupfen. Muß man aber\nimmer wirklich verschnupft sein, sollte nicht vielmehr die Wirk-\nlichkeit einmal verschnupft sein, daß man sie ewig nur mit einem\nPinsel behandelt. Herr Bie aber ist für den Schnupfen: „Positiv\nist der Ausgangspunkt: Der Widerwillen gegen das ewige Nach-\nmalen der Wirklichkeit. Man kann das mitempfinden, ohne\nes für mehr zu halten als einen billigen Leichtsinn. Denn alles\nRealistische, soweit es sich vom Gegenständlichen abhängig\nmacht, ist nicht Bequemlichkeit, sondern ein Ringen um die\nNatur, ein Schöpfungsprozeß der Ueberwindung des Objekts,\nder das Leben der Kunst ist.\" Negativ ist das Eingangsfrage-\nzeichen des Herrn Professors in die Kunst. Er hält „das\" für\neinen billigen Leichtsinn, der ihm aber teuer zu stehen kommt.\nEr findet sich nämlich nicht in die Kunst hinein. Man erfährt\naber durch ihn, was das Leben der Kunst ist, nämlich ein Ring-\nkampf mit der Materie und ein Schöpfungsprozeß der Ueber-\nwindung des Objekts. Dieser wirkliche Bie hat eine etwas un-\nnaturalistische Vorstellung von der Schöpfung, Schöpfung ist\neine Ausstoßung und nicht Ueberwindung des Objekts. Die\nMutter ringt nicht mit dem Kinde, Das Kind entringt sich ihr.\nDer Vater Bie hat es in der Naturgeschichte auch noch nicht\nweit gebracht, trotzdem er die Hände über die letzte Kunst\nringen muß, „Im Gewinnen dieser Beziehung zur Wirklichkeit\nliegt der ganze leibliche innere verzückende Wert der Kunst.\nLöst man diese Angel einfach aus und wirft sie weg, so fliegt\ndie Kunst ins Beziehungslose, ins Herzlose, ins Kalte und ledig-\nlich Geistige.\" Das gute Herz, dieses liebe Gemüt, Seine Be-\nziehung zur Kunst ist eine Angel, Eine schwache Beziehung,\nNimmt man ihm die Angel fort, so fliegt ihm die Kunst fort,\nnicht einmal den Köder hat er übrig, mit dem er die Kunst\nfangen wollte. Man soll sich eben nicht an Angeln halten, wie\nleicht kann ein starker Sturm sie einem alten Manne entwinden,\nwie schwer beißt ein seltener Fisch den faulen Köder. Der\nFisch ohne Angel hat mehr Lebensmöglichkeit, wenn es auch\nherzlos ist, einem Professor einen guten Happen zu nehmen.\nEr bleibt auf seinem Angelpunkt: „Die Kunst erhält statt der\neroberten Freiheit die willkürliche und betrunkene Freiheit.\"\nDie Freiheit an der Angel hat einen Widerhaken und ist die\nKunst deshalb betrunken, wenn sie Herrn Professor Bie nicht\nberauscht. Und ist die Kunst deshalb willkürlich, wenn Herr\nProfessor Bie nicht willkürlich verspeisen kann, ,,Und die\nKunst löst sich in dem selben Maße, in dem sie den Gegenstand\nbloß beobachtet, von der Kausalität menschlichen Gefühls und\nInteresses.\" Ein Hering in der Hand ist besser als eine Forelle\nim Bache, Wie oft bestimmt die Kautätigkeit die Kausalität\nmenschlichen Gefühls und Interesses.\nAber etwas Versöhnliches findet Herr Professor Bie den-\nnoch in „dieser Kunst\", Nämlich, daß es Richtungen gibt. „Die\nFuturisten, die die Dinge dieser Welt immerhin nicht leugnen,\nsondern nur ohantastisch durcheinander wrerfen.\" Man kann\nj.\nwirklich zufrieden sein, daß die Futuristen die Dinge dieses\nProfessors nicht leugnen, Wenn man sie ihm auch durchein-\nander wirft, das läßt er sich in seinem billigen Leichtsinn noch\ngefallen. Aber, Herr Professor, vielleicht sehen Sie nur die\nOberfläche. Vielleicht sind die Dinge gar nicht so durcheinander\ngeworfen, wie es jemandem scheinen kann, der den Grund dieser\nDinge nur durch einen Angelhaken fühlt. Was Herr Professor\nBie nicht mehr sieht, ist für ihn Dekoration. Wenn andere\nMusik nicht hören, ist sie für sie Geräusch. Wenn andere Dich-\ntung nicht verstehen, ist sie für sie Wort. Diese Methode ist\nso alt, wie Zeitungskritiker es nie werden können, Herr Pro-\nfessor Bie findet überall das Ende, weil er einen Anfang kennt.\nKunst aber steht jenseits von Anfang und Ende.\nHierauf gibt Herr Professor Bie den größten Künstlern\nunserer Zeit: Marc Chagall, Paul Klee, Jacoba von\nCampendonk, Marc, Kandinsky eine Gebrauchsanweisung, wie\nsie ihm zu seiner Angel wieder verhelfen können. Diese Künst-\nler sind aber so herzlos, daß sie ihn in das erstbeste Bildeir-\ngeschäft verweisen. Warum schweift der alte Mann in die\nFerne, wo ihm doch sein Gutes so nahe liegt.\nHierauf kommt seine Moral von seiner Geschichte: „Eine\nsolche Uebersicht beweist, daß die ganze Revolution stecken\ngeblieben ist. Es ist seit langem kein Fortschritt zu bemerken,\nes ist keine Klarheit, es ist Systemlosigkeit und Zersetzung\ndurch Theorie, sicherlich auch unberechtigte Prätention, Die\nEntwicklung ist an einen Wendepunkt gelangt.\" Eine Revo-\nlution bleibt nie stecken. Nur der Rundschauer bleibt es, weil\ner an dem rauschenden Wasser ruhevoll nach der Angel sieht,\nwarm bis ans Herz hinan, Kunst kennt keinen Fortschritt, Nur\nj»\nder Kritiker schreitet fort. Auch die Entwicklung des Herrn\nProfessors Bie ist an ein Wendekomma gelangt. 1913 schrieb er\nüber Paul Klee: „Paul Klee ist derjenige, der das Gerücht von\nden Max und Moritz-Zeichnungen verursacht hat.\" 1917 heißt\nes schon: „Paul Klee hat feine gekritzelte, schüchtern stili-\nsierte Zeichnungen von allerlei menschlichen und tierischen\nDingen.\" 1912 schrieb er über die Futuristen: , . wird nun\nerst die allgemeine Aufmerksamkeit auf die törichten Bestre-\nbungen der sogenannten Futuristen lenken und diese Vereini-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.3", "texte": "gung zu einer Bedeutung erheben, die ihr nicht zukommt. Man\nwäre so über sie zur Tagesordnung übergegangen und hätte\nsie an ihrer eigenen Kraftlosigkeit sterben lassen.\" 1917 aber\nheißt es: „Es ist nicht zu leugnen, daß einige italienische Futu-\nristen dem nahe kommen. Hier ist ein kleines Bild von Seve-\nrini „Die Stimme meines Zimmers\". Das ist nicht nur gedacht\noder gehört, es ist gewachsen. Die Bewegung, statt auf der\nNetzhaut im Gehirn gespiegelt, das Ziel aller dieser Maler,\nist so Substanz geblieben, daß sie Malerei werden konnte. Sie\nerstarrt nicht, ab,er fliegt auch nicht weg.\" Nun hat Severini\naber Herrn Professor Bie nicht etwa den Gefallen getan, ihm\ndieses rühmenswerte Bild eigens 1917 zu malen. Dieses Bild\nwuchs, um mit dem Herrn Professor zu reden, bereits im Jahre\n1911 und wurde vom Sturm bereits 1912 das erste Mal aus-\ngestellt, in der Ausstellung, über die Herr Professor Bie zur\nTagesordnung übergegangen ist. Ich habe schon einmal be-\nhauptet, daß Herr Professor Bie schläft, also höchstens zur\nNachtordnung übergehen kann. Nachdem der alte Herr fünf-\nzig Ausstellungen verschlafen hat, schreibt er heute über die\ntörichten Bestrebungen der sogenannten Futuristen vom Fort-\nschritt der Malerei, wie er ihn sich denkt: „Aus dem Kubismus\nkann es nicht kommen. Nur aus jener futuristisch-expressio-\nnistischen Linie, die die Methode und das Prinzip nicht über\nden Weg und das Ziel stellen.\" Worauf dieser Tagesschrift-\nsteller bei Nacht folgenden Satz zu schreiben wagt: „Man\nkann Genies nicht fabrizieren, und da dieser Betrieb etwas von\nFabrik an sich trägt, wird es so nicht kommen.\" Dieser Mann,\nder nicht einmal das Handwerk kennt, wagt von einer Fabrik\nzu reden, Dieser Mann, der sinnlos Sätze fabriziert, wagt, die-\nsen Künstlern seine Tätigkeit zu unterstellen. Dieser Mann,\ndem keine Sterne leuchten, weil er am Tage schläft. Diesem\nMann, dem der Himmel voller Gegenstände hängt, „Der Stern\nleuchtet, aber die Krippe ist leer.\" ich sehe jemanden nach\nabermals fünf Jahren an der Krippe stehen, der dann Ja sagen\nwird. Aber dieses Ja ist eben so gleichgültig, wie dieses Nein,\ndas ihn in das Nichts herzlos zurückwirft.\nDie Denkende\nEine Frau Baronin von Nauendorf schrieb im Wiesbadener\nTageblatt vom 7. März 1917 über Franz Marc: ~Die letzten\nV erke aber scheinen von einem geistig Gestörten herzurühren.\nAn diesem Gewirr gibt es nichts zu bewundern, man steht ein-\nfach ratlos und sprachlos. Und der Gedanke taucht auf, ob hier\nnicht ein Künstler rechtzeitig den Tod auf dem\nSchlachtfeld fand, ehe der Wahnsinn seinem Schaffen\nein trauriges Ende bereitete.'4\nEine gesunde Hyäne, Hyänen sind gesund, weil sie sich\nkeine Gedanken machen. Sonst würden sie vielleicht über sich\nwahnsinnig werden.\nAuch ein Expressionist\nDer Geheime Hof rat Max Klinger wird von einem Herrn\nDr. Paul Landau zu seinem sechzigsten Geburtstag also gefeiert:\n„So dringt Klinger im Wagnerschen Sinne zum Gesamtkunst-\nwerke vor. ... So ist Klinger Expressionist im Sinne unserer\nJüngsten, ein Darsteller des Traumes und des Märchens.\" Ein\nDarsteller ist nie Expressionist. Aber so müssen heute selbst\nGeheime Hofräte in die Ewigkeit gerettet werden. Wie wird\naber dem ehemaligen Kollegen des Berliner Börsencouriers,\nHerrn Professor Oskar Bie, zu Mute werden, wenn Herr Dr.\nPaul Landau über seinen Klinger, über beider Klinger, also\nschreibt: „So ist Klingers ganze Kunst ein ewiges Ringen um\ndas Ideale über die Wirklichkeit hinaus, und so ist der Künstler\nselbst ein Sinnbild . . .\" Der Künstler konnte sich und hätte\nuns das Malen schenken können, da er selbst das Bild seines\nSinnes ist, Herrn Professor Bie wird es aber beziehungslos\nzumute werden. Bezugscheine für Kunst werden sicherem Ver-\nnehmen nach nicht ausgegeben.\nPrämium\nHerr F. S—s über die fünfzigste Ausstellung des Sturms:\n„Wer aber aus Picassos geometrischen Linienkonstruktionen\neine Frau mit Violine herauszukennen vermag, verdient sicher\neinen von Herwarth Waiden zu stiftenden Ehrenpreis,\" Ich\nstifte ihn, Herr F. S—s. möge sich also bemühen. Vielleicht\ngehen ihm bei dieser Lockung doch noch die Augen auf.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nFranz Richard Behrens\n\nTrommeln\nGranaten grüßen gelbe Grenzen\nSehen sich blau\nGranaten stellen steile Stirnen\nFrühen stiebt lach\nGranaten wecken wilde Winzer\nBlonden trauen\nGranaten klettern gleiche Gluten\nSeilen säe Sehnen\nGranaten nesseln nasse Nelken\nNehmen nackt Korn\nGranaten gürten ganze Gärten\nZäunen kühle Blüte\nGranaten knistern kurze Kerzen\nKnien roh Gold\nGranaten krönen Königsküsse\nGlocken segeln Sonnen\nBlicken schwerten Würfeln\nSchüren hellen Würfeln\nZittern hecken Würfeln\nHügel hirten nattern\nNächte borgen brüte Schwäne\nMorgen Spellen\nMorgen brechen Speere Höhlen\nErnten schälen Nächte\nStröme kupfern kernen\nSchnee schnitzen Wicken\nStröme schwalben Rosen\nSchenken schlingen Purpurschürzen\nFlanken eisen fliehe Springen\nTore finden Fassen\nTäler schluchzen Durst\nBerge tauen Winken\nSterne stielen steine Steilen\nRöten erreißen\nSterne stecken stille Stufen\nKnicken entrücken\nSterne palmen perlen Beten\nSpinnen zerplittern\nSterne baden brause Bienen\nBeben bäumen Flehen\nSterne steinen stehe Sterne\nBluten kugeln Ranken\nFahnen töten Kugeln\nSchmerzen buchten Kugeln\nKirschen lippen Kugeln\nKugel lacht heilen Abend"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.4", "texte": "Rauschen grotten Tagen\nFalter tappen Trotzen\nGilben säuseln Samen\nWir wickeln Wolken weg\nEisadlerschrei\nWir weiten Wiegen Weg\nMohnsturz erstahlt\nWir wirbeln weißen Wind\nKnabengrab greift\nWir wiesen wühlen Wein\nWir wäldern wüsten Brand\nWir brennen Morgenwald\n\nErschossenes Licht\nGestern erschoß meine Mutter das Licht\nWissen nichten\nPriester nacken\nNacken stieren\nFrieren wissen\nWissen nicht\nWissen nichts\nWissen bluten\nAdern wissen\nMeine Mutter erschoß gestern das Licht\n\nHochrotglühen\n1915 bei Heinrich von Kleist\nGleichrot\nJohannisbeeren läüten\nW ehren\nKranz\nGoldblatt laternen Regenglanz\nHaß r o t\nHinter Hecken\nSplintern\nHufe\nSplittern walchen Eisenrebe\nSchamrot\nWaldnackte Spiegelbirkea\nHüllen\nHauchen\nHang hirnt hetze Höhe\nLebe r o t\nEradern springt\nAhorn\nAsthell\nEntsamt entblutet Sonnensaft\nGo 11 ro t\nPeitschen schlafen\nBuchtbinsen\nBüsche\nLodern latten kernen Kinder\n*\nMut r o t\nBrandbuchenbrei\nSchlingen\nBrüten\nEuter beulen Binden\nFreirot\nT ollkirschentau\nTrotten\nTrank\nBrustbrach nadeln Sandalen\nK 1 arr o t\nMorgenmeer\nMorgensee\nMohne Morgen\nBlüten nüstern neue Nüsse\n\nHöchstes\nLeben lechzen lenze Lüsten\nBrüten blättern brennen Blüten\nTage trachten träge Türme\nTrauen schürzen träne Flechten\nFlackern flitzen\nFließen stürzen\nSüßlichter rotreigen Sekunden\nGesichte bunten Verbrennen\nEraschen sternt Jubeln\n\nMaya!\n\nDies ist das Ende. Kleine weiße Hände werfen den Schatten\nüber meine Augen. Ich sehe nur diese Hände, Musik weht\nums Münster unserer Frau. Diese Finger singen hoch singen\nüber mich. Ganz blond sind die Haare. Es spricht Jemand\nzu mir aus den Märchen. Nie sah ich solche Finger. Ich ver-\ngesse den Abendglanz Ihrer Hände. Ich vergesse die Schwermut\nIhrer Augen. Meine Sinne werden ein trauerndes Spiel. Kinder\nim Herbstnebel.\nEs kam der Mann, dem die Hände gehören. Und küßte sie.\nEs kommt der Tod, der greift an mein Herz, Und weckt es.\nDas Spiel ist aus. Wir spielten sonderlich. Der Tod und\nich. Zuletzt spielten wir „Fingergucken\". Solange wir uns\ndurch die Finger schauen können, geht jeder seinen Weg. Er\nkann es immer. Aber meine Hände sind müde geworden, und\nschwer. Da der Mond rot schien, sang ich Liebeslieder, Nun\nist er blaß und meine Hände weinen über seinen Weg. Bleich\nliegen meiner Finger Male.\nDie zu mir kommen, kennen mich nicht. Ich kenne aMe\nQualen, Ich trank die Wollust. Ich durstete die Sehnsucht\nIch bin der Hunger nach meiner Nacht. Nach meiner süßen\nNacht.\nDer Mond wirft Schatten über mein Gesicht. Ich bin ein\nflammender Wunsch nach Unerfülltem.\nHeute singe ich noch. Meine Finger sind ein wüster\nTraum.\nKleine blonde Hände werfen den Schatten über mich.\nDas ist das Ende.\nAber die Sehnsucht ist!\n*\nMaya\nDas Irren ist vorbei. Ich sehe klar. Die Erwartung\nfriert mich nicht mehr. Die Täuschung flieht mich. Nichts\nkam. Und ich wartete. Mein Narr,\nIch staune in mich.\nIch starre in mich.\nDie Lächerlichkeit bangt nicht mehr. Ich fürchte —\nMich.\nMaya — daß ich alles sehe, ist die Ruhe. Allem stehe ich\nkalt gegenüber — ich lüge.\nDies aber ist Wahrheit:\nMeine Seele träumt. i\nMein Leben träumt.\nIch träume an mir vorüber.\nDer Traum ist mein Leben. Ich lebe mich tot,\n„Ich liebe Dich\"\n„Das sagen viele,\" antwortete die Frau. Ihr Mund ward\nweiß, Ihre Hände Saitenspiel."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.5", "texte": "Campendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nCampendonk: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.6", "texte": "Ich habe Ihnen das nie gesagt. Und doch liebe ich Ihre\nHände. Ihre Augen. Ihren Namen.\nr— Weib, das meinen Brautfinger glüht, dich liebe ich,\nDeine Haare sind der Mondtempel meiner Bitten,\nDeine Augen träumen am Abend,\nMeine Hände spielen , , Spielen Mondtraum, Glühen Liebe\nin meine Einsamkeit.\n„Ich liebe Dich\"\n„Ich bin das Leben\", sagtest Du,\nDaß ich das nicht verstand.\n„Mich friert das Leben\". Da lachtest Du. „Warum denkst\nDu an das Leben — was willst Du: Ich bin das Leben!\"\nMeine Augen starren in mich.\nDu bist kein Traum.\nMaya — Ihre Hände weinen über mir. Mein Hirn ist tan-\nzender Kreisel . . Ich drehe mich, Nie kann ich mich fassen.\n„Ich bin das Leben\", — das Leben ist mein Traum. Du\naber bist! — Braut! Du fühlst nichts. Du denkst nichts.\nDu bist!\nMorgen bin ich auch. Die Gewißheit des Wissens ist Ruhe.\nMein Herz springt, mein Auge springt, mein Blut springt —\nNerven sind Melodien, Hände der Glanz meiner Musik. Alles\nwill zu mir — das in mir ist.\nDas Irritierende ist vorbei.\nIch weiß.\n„Ich bin das Leben\" — Du lachst,\n„Ich habe ein Recht auf den Tod!\"\nDas ist mein Stolz\nDu —\n*\nMaya\nAn dem Wasser saß ich, das ganz schwarz ist, mein Leben\nwar müde. Ich starre mir selbst ins Gesicht, Mein Degen zer-\nfleischt mich. Aber die Wellen haben immer Ruhe. Ich kenne\ndies Lachen. Das ist nicht mein Lachen, In meiner Liebe starb\neine Frau. Ihr Erbe war ein Lachen.\nDas reizt mich. Ich will nichts mehr von der Frau. Ich\nwill . . . das Wasser verschlingt mich. Die Wellen glucksen,\ndas Lachen.\nDaran denke ich nun.\nUnd daß wir einmal an einem Wasser gingen — in gleichem\nSchwung — an unserem letzten Tag.\nAus den Wänden meines Zimmers glühen mir Maiglöck-\nchen entgegen und rote Nelken. Ich habe die Sträuße gezählt.\nIch wartete auf etwas und zählte.\nDie Ruhe der Tür unterbricht meine bunten Wände —\nIch hasse ihre Weißheit -— als ob nie schmutzige Finger sie be-\nrührt hätten. Ich warte — sie öffnet sich nicht. Ich warte\nauch nicht auf Menschen, die kommen, meine Schmerzen zu\nbefühlen. Das ist zu wenig, ich warte auf m,ehr.\nSieben dunkle und acht helle Streifen hat meine Bettdecke.\nDie wühlen sich in meine Wunde. Aber es sind doch mehr helle\nals dunkle Streifen. Und auch darin sind Maiglöckchen ge-\nwebt. Meine Augen tanzen. Das ist ihnen zu bunt.\nAuf dem Bahnhof gab ich Ihnen einen Strauß davon. „Die\nsind ja giftig\". — Ich wollte Ihnen kein Gift geben — Maya,\ndas ist nun lange her. In meinem Waffenrock sind sie braun\ngeworden.\nPlötzlich weiß ich, worauf ich warte.\n„Armut ist ein Glanz von Innen'\", sagt jemand. Mir innen\nist eine große Flamme. Ich bin ein glühendes Fanal. Mein\nGlanz ist rot. Blut. Blut bringt Schmerzen.\nDarauf warte ich.\nIch will meine Schmerzen. Meine Wunden glühen. Sieben\nglühende Wunden. Sieben ist eine heilige Zahl. Ich bin\nglücklich.\nIch bin König meiner Schmerzen.\nMan hat Schläuche in meinen Leib gedreht. Rechts und\nlinks hängen sie aus meinem Bett. Der Eiter tropft, gleich-\nmäßig. Ich bin sehr matt geworden. Meine Augen sind sehr\nmüde.\nLetzten Endes warte ich doch nicht auf die Schmerzen\nDer Tod wäre mir lieber.\nDer Tod ist ganz weich — ganz sanft.\nDer Tod ist noch weicher als der Glanz Ihrer Hände,\nUnd die sind sonnensommerlich.\nMaya!\nDiese Nacht kann ich Ihnen alles sagen. Meine Nerve»\nsind wirres Bacchanal. Blut stößt gegen die Schläfen. Ryth-\nmus rast. Meine Augsn flimmern haschischtoll — über Allem\nsaugt mein Mund die Weiße der Maiglöckchen vor mir und die\nSüße der ganz blonden Frau, oin Ihren Locken ertrinken, aus\nIhren Heliotrop-Händen hellen Rausch schlürfen.\nMaya — Ihr Brief!\nMein Herz war wund, Meine Hände haben Ihr Gesicht\nverlernt. Und Ihr Leben. Spielen! — Maya — Zum Spielen\nsind wir zu ernst geworden. Eine seltne Orchidee küssen —\nich küsse ihre Seltenheit, eine schöne Frau lieben — ich liebe\ndie Schönheit. Ist das Spiel?\nIch habe mich wieder. Ich packe mich. Werfe mich im.\nden Raum. Stehe im Fenster. Mein Körper zittert. Drunten\ndas Leben.\nLeben, das wir zusammen lebten. Erde, die wir zusammet\nhaßten. odu grausames Leben! 0 du schöne Erde!\nIst das mein Leben. Mich nahm wer. Warf mich hin, wo\nviel Löcher den Boden tränken. Gab mir Eisen in den hellen\nLeib. Meine Hände sehnen ins Dunkel, Zerteilen Nebel.\nSonne kommt nicht, Sonne küßt nicht. Scheiben pressen Stir-\nnen glatt. Kirchen flattern die Luft. Straßen schwingen sich.\nMenschen lachen. Dies Lachen — unser Leben? Meine\nSchmerzen wühlen. Nerven zerreißen. — Mein Leben!\nMeine Seele irrt nicht im Kalten. Meine Seele ist weitfem\ntraumschallend. Ich bin nicht Ich. Der dieses litt — wenet\nSie wußten . . . Ich bin meine Mutter.\nHerrscher möchte ich sein — oder Tier. Nur nicht Ge-\nbärde.\nD as ist das Wunder: daß es ein Jahr war. Ich liege in der-\nselben Stadt, demselben Haus, dem gleichen Zimmer und Bett\nund auf den Tag kommt das Rauschen wieder aus Ihren Hän-\nden. Danach stand meine Sehnsucht wie ein irrer Traum. Wie\neine Geburt aus dem Manne.\nDie ganz blonde Frau. Maya — ich krieche in mich.\nMeine Wunden blecken die Ränder zusammen. Augen starrem\nSchlaf. Ob sie mich küssen wird? „Kinder haben\" —\nIch schreie. „Jemand wird in Deinem Haar seine Finger\ntrocknen!\" — „Nein — niemand!\" „Ich will Grauen, doch die\nZeit und der Tod. Mein sagen\". Sie starrt. Ihre Hand schleift\nmeinen Mund. Ich küsse die Hand. Und wünsche — mehr.\nDer Brief meiner Braut: „Du Geliebter! Die Schmerzen\nwaren rasend. Ich habe sie ertragen. Ich wollte das. Maja\nsagt — ich sei tapfer gewesen. Ich weiß für wen ich das tat.\nIhr wühlt man den Leib auf — ich küsse einer fremde»\nFrau die Hand. Und wünsche mehr.\nWer bin ich? Was bin ich?\nWesen aus den Exaltationen meines Nichts! Wesen —*\nVielleicht nur Mechanismus. Hohles leeres Ding.\nIch bin doch Dichter.\nDichter sind Gottes Ebenbilder, glaubte ich. Und ich —\ndaß man mich schlüge!\nMein Leben wäre auf Lügen erbaut.\nIch bin doch Dichter.\nDie Nacht kommt nicht, die mir Frieden gibt.\nDer Tag kommt nicht, der mir Lügen nimmt.\nIch bin der Uebergangene im Leben.\nIch, der ich hinter Dornen raste\nund nur im Dunkel weiter taste\nmuß dennoch so an dieser Erde kleben.\nMaya — schenken Sie mir die Ruhe wieder — nur mir!\nDas Wunder Ihrer Sonnenhände. Das Leuchten Ihrer Rosen-\nnägel. Und das Zittern, das in Ihrem Herzen thront."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.7", "texte": "Campendonk:\nHolzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.8", "texte": "Meine schmalen Hände spielen blaue Tänzerin und wilden\nBock. Lust kost. — Müde sterben Sie Sehnen.\nSehnen nach Du, i\nMaya\nIhr Name ist das Lachen der Kinderlandschaften, ist das\nLeuchten der heiligen Leuchter im Tempel — ist der Mannes-\nschrei aus der Erlösung.\nIch bin das Glück. Nun ich mein Schicksal weiß und das\nEnde 4er Wege. Die Wege werden kurz sein und das Ende.\nGestern abend ging ich hinter die Gräben. Eine Flamme,\ndie nach der Luft schreit, war mein tosendes Herz. Und da ich\nstille ward und die Ruhe kam — sah ich die Sonne zwischen\nmeinen Fingern gleiten. Bäume standen zum Schwur gereckt\nund es war ein Glühen über der Erde.\nIm Weitergehen sah ich den Baum knorrig und hart. Der\nwar schöner als alle Wälder der Heimat, als die goldenen\nLeuchter, die in den Tempeln hängen des Gottes.\nKeine Ruhe fand der Sturm der Sehnsucht. Ueber den\nSarg der Wälder ging ich. Tief versanken meine Füße im\nSchnee. Ich ging suchen, wonach meine Erfüllung schrie.\nStand ein Kreuz am Weg. Das Kreuz des Herrn. Darum\nwaren Birken. In dem weißen Kleide. Und zu Füßen viele\nkleine Kreuze, denen die Erfüllung ward.\nUnd da ich mich niederlegte, fand ich die Ruhe. Und\nSchlaf. Im Schlafe hatte ich dies Gesicht:\nAuf einem hohen Berge stand ein Weib. Purpur ist die\nFarbe des Kleides und braun das Haar. Um den Hals trug sie\ndie goldene Kette mit dem Bernstein. Der Schwarze stand bei\nihr. Sein grünseidenes Lachen brachte ihr Fächerkühlung.\nDa die Sonne ihr Gesicht beschien, kam einer von Norden,\nSeine Stirne berührte die Erde ihrer Füße. Und er stand auf —\nsah sie an. Sagte ~Elisabeth\":\nDann sang er dieses Lied:\nMeine Augen stechen die Erde\nnach Deiner Fährte,\nScheue Rehe zittern sie\nnach Deinen Armen,\nMein Mund ist müde geworden\nnach Deinen Händen\neine blühende Qual\nschweigt er vor Wissen,\nDu blühst auf\neine große Blume.\nDie Dir dienen\nsind Heilige\nin den Tempeln.\nSterne werden\ndie in Deinen Händen sterben.\nIch küsse den Weg\nden Dein Lachen eilt.\nDa er schwieg, schaute sie ihn an. Vom Himmel kam ein\ngroßer goldner Schleier und deckte ihn zu. Sie aber blieb\nstumm.\nVon Süden kam ein Mann und sagte: „Elisa — komm,\nlaß uns ein Heim bauen und glücklich sein.\" Sie nickte. Und\nes kam ein roter Schleier, wie ihr Gewand und deckte ihn zu.\nEs kam aber ein Mann aus dem Osten, der sagte ~hiM zu\nihr, und da sie ihn anstarrte, sprach er ihre eignen Worte:\n~In der Dämmerung werden wir leise weiterreden. Von\ndem, was wir zuletzt sagten — und wieder ist ewiger Vorfrüh-\nling, und alles muß warten, bis die große Sonne kommt. Aber\nvielleicht zerspringt alles zu früh und die Blüten fallen noch\nin den Schnee und werden blaßblaue Hyazinthen und haben\nschweren süßen Duft und tragen keine Früchte.\"\nAis er sah, daß ein Zittern über ihre Seele ging, sagte er:\n~Laß uns lieben\" und sie gebaren die Lust.\nDer andere unter dem roten Schleier freute sich über das\nKind, und es trug seinen Ring. Jedes Frühjahr aber kam der\nMann aus dem Osten. Und sie standen über einer Wiege.\nLachten, Der aus dem Süden aber glaubte an sein Weib.\nDen unter der goldnen Decke hatten sie vergessen. Er trug\ndie Sehnsucht. Und von der Liebe wußte keiner was, denn er.\nDa ich dies Gesicht hatte, heulten Granaten über den\nFriedhof und wühlten mein Grab. Bäume schrieen auf und die\nBäume zersplitterten.\nKrachendes Tosen wirbelt das Lärmen der Zeit, Wjir aber\nliegen in dem Nachen des Lebens und lullen uns ein in Lieder\nder Lust und Liebe und wissen nicht, daß alles nur\nein Schrei ist.\nAls ich heimging, blühte die Sonne am Himmel. Es sang\nein ganz kleiner Vogel sein Lied.\nMaya!\n\nKurt Striepe\n\nGedichte\nThomas Ring\n\nTage dumpfen brüten Schmerz\nNächte gellen\ntropfen Schauder\nstierer Zorn umrinnt verglaste Augen\nlehmkralle Fäuste krusten Blut\nTode schwirren\nschwinge Nähe hastet Grabenschlamm\nHassen krampft\nverschmurgt wildflackren Brand\nTaumel würgt\ndurchsplittert ächze Leiber\nWunden klatschen spelles Grauen\nAengste surren\nLeere haucht\nTiefe tasten streife Blicke !\n%\nLiebe wirbt\naufblitzt um Sonnen\nSehnen klammert eise Firnen\nHände perlen über Tränen Stern\nZerbranden schäumt\nwindkalte Nächte knarschen\nirr schluchzen Sterne durch den wirblen Raum\nHaß ragt\nund Kampf durchtönt blutstarres Grauen\nZorn bäumt\nund Qual durchrinnt dumpf taste Träume\nund Sehnen ballt\nStrömt fahler Glanz\nfern schmelzen Tränen in den Tag\nzag flattern Augen weh-behaucht\nund Blut zerwellt in eise Schründe\nMorgen glutet\nKlänge reigen\nBlau dämmern Berge Meer\nGlanz wiegen Gletscher\nfern\nSchwebst du\nstürzt wirr Umnachten\nbrechen Borde des Blutes\nstrahlzermürbt\nschmilzt heiß Verwehren\nhaucht gilb Zersehnen\nTränt Schauer wüstenirr\nAtem sehnt in eise Schauer\nZerhauchen strömt\nund strömt durch wehe Weiten"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.9", "texte": "Jacoba van Heemskerck / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.10", "texte": "Zermürben gräbt und gräbt\nMondwieger Strahl erstirbt\nsternträume Segel kentern i\ngewürgt von Salzstarren Tränen\nWolken fetzen zwänge Felsen\nDumpfe dünstet ächze Klamm\nKreisch flattert Krieg\naufstürmend in das All\nHeere donnern sturzberauscht\nzerbranden wirre Knäuel\nSchaum des Zorns umflutet Stahl\nblütrauschgepeitscht\numflackert sträube zage Hände\nanklatscht versunken träume Stirn\nPacken würgt\nund krammt und wühlt und krallt\nzerblättert Sehnen Liebe Traum\nVerbluten tropft\nund tränt\nSchwirrfaucher Donner schneidet Nebelschwaden\nZerstampfen fetzt\nZersplittern wirbelt Grausen\n.• i\nDie Berge bersten\nKnattern übertaumelt Fels\nZerrissene Leiber kollern in die Nacht\nZerfetzen stampft\nund stampft\n\nDie visionären Ekstasen des Dichters\nJ. M. Tullian\nOskar Graf-Berg\nFür Georg Schrimpfs Bilder\nnebst Chronik von Anfang und Ende\n\nDie Herkunft\nSo zu lesen im Klassenbuch Jahrgang 1884 der Wartenek-\nschen Werktagsschule:\n„Blasius Hinz (4. Schuljahr) fiel vom Gerüst des im Bau\nbegriffenen Brauhauses Mertelfing, erlitt Gehirnerschütterung,\nverlor Sprache und Gehör, Elterlicherseits entschuldigt.\"\n„Es frommt nicht, sich ein schadenfroh Lachen anzugewöh-\nnen über nachbarlich Unglück, Sintemalen man selbst Nachbar\nist\" soll sich Hoch würden Herr Pfarrer Mair darüber ausge-\nlassen haben, . ,\nUnd ferner; Im Register der Irrfenanstalt Flamendingen\n1889: „Blasius Hinz, gebürtig aus Mertelfing, gemeindlichen An-\nordnungen zufolge eingeliefert. Zur weiteren Behandlung, , ,\nDerselbe Jahrgang 1895: „Blasius Hinz auf elterliche Verant-\nwortung entlassen,\"\nSolchermaßen wiederum hört man ungefähr an Biertischen\nin Mertelfing: „Ja, die Hinzens! der Blasius! Ist ein merk-\nwürdig Stück mit ihm. Und hätt sich der besessene Schneider\nnicht aufgehängt, seiner Lebtag nimmermehr wär der Bub zum\nSprechen gekommen. Ja, ja, der Schreck!\"\nOder, es sei fast was von einer unterirdischen Hexerei im\nHinzengeschlecht, der Vater ein Sonderling, die Mutter eine\nBetschwester, wie es keine zweite gibt, die Großeltern Süff-\nlinge, väterlicherseits ein Mädchenmörder, ein Landstreicher,\nzwei Geschwister verschollen in Amerika (drinnen, auf >der\nMutterseite Geizhälse und bigotte Gestalten, ja sogar ein paar\nSelbstmörder und einen wütigen Herrgottschnitzer, dem sein\nGeld wo in einer Kirche stecke. Anlässe genug also.\n„Aber\", aus verwichtigten Bauerngesichtern, „es ist und\nbleibt ein Wunder, wie er auf einmal heimgekommen ist, der\nBub, schwitzend und brüllend, wie er da auf einmal reden\nkonnte,\" Und dann die geschwänzte Betrachtweise: „Wer da\nnicht an einen Gott glaubt, der verdients zehntausend Jahr in\nder Holl zu kochen \" Man begegnet bei dererlei Ge-\nsprächen aufschnaubenden Gesichtern, denen man das Maß von\nGespanntheit ablesen kann, das ein ehrenwertes Gemeinde-\nmitglied, das was zu sagen hat, erfüllt, wenns drauf cinkommt,\ndaß er dann nicht später einmal was gibt für den Armenpfleg-\nschaftsrat und das Gemeindehaus, tja!\n„Die alte Weberin hat eben doch recht gehabt\" sagt dann\ndas bröselige Gwöhlhansgesicht, Und der Fischer, der wo so\nmassig im Nischerl sitzt, wie angepappt, faucht auf: „Gehts mir\nmit dieser alten Hex!\" Man sollte den Blasius nur gescheidt\nangesehen haben, bevor er verschwunden ist, , . , Zu selbiger\nZeit tauchen auch schon in den Polizeiblättern Berichte auf,\nGerüchte machen sich in Mertelfing breit, Das Niedereitelfinger\nBezirksblatt warnt vor einem gewissen Blasius, der landstrei-\nchend und heustadelbewohnend umhervagiert und die Gewohn-\nheit habe, sich fremde Namen beizulegen, Dann ist es, wie ein\nWisch. Stumm.\nNeuer dingliche Nachforschungen haben ergeben, daß der\nnunmehr gefallene Dichter J, M. Tullian identisch ist mit dem\nDorfidioten von Mertelfing und dem gewissen Landstreicher\nBlasius, der die Gewohnheit habe, wie man solches also lesen\nmag im wohllöblichen Niedereitelfinger Polizeiblatt, Besonders\nhervorzuheben sind auch noch die bemerkenswerten, äußerst\naufschlußreichen Berichte des Nervenarztes Kanneder-Flamen-\ndingen.\nDie fortwälzende Zeit ist die beste Totengräberin und wie\nman so sagt, hat sie viel gemeinsam mit dicken Spinnweb-\nhäuten —: Das Ueberschleiern und Vergessenlassen. Aber, und\ndarin muß der entzückte Chronist jubelig sein zartbesaitetes\nHerz für Herrn Schullehrer Mailinger in Wartenek schlagen\nlassen und voll und ganz anerkennen. Nämlich —; „Aber, hat\nder Herr Schullehrer Mailinger gesagt bei der mehr als merk-\nwürdigen damaligen Hiobspost vom Felde her nach dem er-\nschreckten Mertelfing und der darauffolgenden Totenfeier des\nBlasius Hinz, vulgo Julius Magus Tullian, also: „Aber\" sagte\ner, „seltsam sind die Menschenwege und das Seltsame hat Reiz!\"\nUnd in diesem Falle für den wonniglich angerührten Chro-\nnisten. Wir aber, die wir versuchen, ein verrätseltes Genie-\nwerk den Klauen moderner Vergessenheit zu entreißen, wir\nkönnen, weil wir voll tiefer Trauer noch einmal die liebens-\nwürdige Gestalt Tullians vor unseren Augen leibhaftig und\nsprudelnd lebendig aufstehen lassen, uns des schmerzlichen\nAusrufes nicht enthalten: „0, Ironie des Schicksals, im Mertel-\nfinger Dorfidioten den großen Dichter Julius Magus Tullian\nverkörpert zu sehen!\" Und falten vor solchem erschüttert die\nHände! Tullian selbst würde diese Einmischung und das Nach-\ntasten in seine gewiß merkwürdigen Lebensgänge mit einem:\n„Lassen wir das\" und der Paraphrase: „Es ist eine Gemein-\nheit, sich in das Erleben eines Menschen zu mischen\", beiseite-\ngeschoben haben. Schon wegen des Geschmacks, und justa-\nment er doch selber einmal seinen Lebensgang folgend aufzu-\nzeichnen versuchte: „Es war zur selbigen Zeit al9 der Umwerter\naller Werte über schmale Brücken hopste und in trunkene\nLandschaft mit Pan laue Flöte pfiff in linden Abend\" — gleich\naber wieder abgebrochen und dick und resolut geschrieben, wie\nAbwehr, oder Besinnen:\n„Umwertimg aller Werte? Beweis, daß noch Werte sind!\nHinfälligkeit, Verirren im Begriffe!\"\nJenun, man ist ein Dichter!\nDie Ekstasen\n„Geliebte Philosophen! Es ist ein Hühnerei geplatzt, Er-\neignis genug, um ohnmächtig zu werden!\nO, dunkelrote Gassen, flieht doch nicht!\nEin schöngetäfeltes Zimmer mit überladenem Mobilar.\nHier hockt wo die Absicht: Man will präsentieren, zugleich"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.11", "texte": "Oswald Herzog: Liebe / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.12", "texte": "aber auch verdecken. Ein riskantes Versuchen, nicht wahr,\nHerr Professor? Wenn man in Ermangelung des umfassenden\nGeistesvermögens statt Alles zu nehmen, sich mit dem nihilisti-\nschen Nichts begnügt? Sowas ist doch bequem! Gerunzelte\nStirnen gehen in grellen Bogenlampen spazieren: ~Aber lieber\nMann!\"\nZu allen Zeiten war das der Fall — aber — Himmel brechen\nzusammen, Ueber eine frischverzinkte Nachtlandschaft rinnt\nmilchiger Morgen. Schäbig. Wirklich arg schäbig. Ueberflüs-\nsigerweise steht bei diesem Vorgang ein Verkannter schmacht-\nlockig am Fenster und — Nun ja, es ist einfach arg, wenn eine\nKuh ernst schaut! — Aber Frau Professor Röhlinger liest den\nNietzsche. Liebe Moderne! Die Falle ist nicht da, weil es Mäuse\ngibt und der Besen nicht, weil Schmutz ist, sondern umgekehrt.\nKulturelle Werte schlamasseln heutzutage auf besudelten\nTischen, oder — immer.\nArme Tinte reimt so fühlfäderig weiter über Papier. Falb!\nNordlicht! Eine gelbe Zigarettenschachtel und dunkelraben-\nschwarzer Kaffee bleibt mir. Die schöngeplätteten Sätzlein\nschauen so naiv: „Ich bin doch nett, nicht?1'\nSowas? Als ob nicht Hochstapler, Maggisuppen und Dich-\nter kausal wären?\nWarum also schaust Du mich so an, Du dickes Porträt auf\nder Wand — na sagen wir: „Du Bäckermeister!\"\n0, offener Himmel! Da sitzet zur Rechten oder oben eine\nFrau. Diese Frau! Es sagt wer sacht verbläßt durch tiefe Nebel:\n„Warum läßt der Staat nicht los von dieser Frau? Es kämen\nso schöne Kinder zur Welt!\"\nEin Kopfkranz schmachtet. Und Jünglinge versinken in das\nWasser begehrender Tränen,\nWenn man prinzipiell was wehren will. Aber Fräulein, das\nkurze Röckchen, oder Rauschen von seidenen? Vom Radfahren\nwird man gewiß nicht so rot.\n~Seien Sie gut zu mir!\" Eine spitzige Kerze tastet katzen-\nfiaft. Weites Land, so weit und still und wunschentlockend.\nSiehe Madonna, vor Dir knieen wir Ausgegossenen Nirvanas\nNur — Verzweiflung ist heikel, heikler als ein seidiger Ge-\nruchssinn. Spritzer auf nachgiebige Leinwandböden. Und runde\nKörper jubeln hell ins Wurfgewühl springenden Tages\nVom Mond herab schräg durch das Zimmerfenster schießt\neine Dohle, pfeilscharf, mitten durch mein Hirn. Der Spiegel\ngrinst fließt über die knarrende Ottomane und stürzt mich in\njähsilbrige Kluft. Von stacheligen Kaktussen umrankt. Julius\nMagus Tullian, Gloriolen verblassen vor Deiner Leuchte.. Du\nSehnsucht aller Träume, Von einem Pfühl spricht ein granitenes\nGesicht also. Und windet einen Krönungskranz. Schleußen zum\nGral liegen im Ringeln des Zigarettenrauches. Ein Hinterhaus\nsieht dieser erhobenen Geburt in den letzten Wehen entgegen.\nAls ob gar nichts sei, sagt wer an fliehenden Gesichtern\nvorbei: Diese Gedichte sind die höchste Konzentration wahrer\nRomantik.\" Daß ein Kritiker Extrakt ahnt und Stirne furcht,\nden Zeigefinger fuchteln läßt, — denn so wehrt man sich am\nbesten gegen unflügges Zeug,\nDurch zackige Schluchten verweserter Gedankenflüsse\nwühlen wir uns, Blut ist in unseren Adern und überflutet hän-\nfene Striche, die gern fesseln möchten.\nDer wahrste Dom ist das Freudenhaus! Steht auf, sonnige\nKinder! Ob Du nun sonst wie heißt, bleibt gleich. Tullian,\nEuer Sänger und Verkünder ist auferstanden. Ein fadenscheini-\nger, windangstender Anzug schließt Knochen ein. Verblichene\nGarderobe gehört zu einem Märtyrer. Golgatha, dralles Mägd-\nlein, liegt bei Meister Sinding in der Aststraße, so geheißen und\nrühmend erwähnt, weil er borgt bis ultimo und noch was von\nder Eleganz echter Schnäpse hat. In Spelunken sterben wir\nunseren Kreuzestod, sachte und still, aber nicht mehr als Lump\nund Wassertrinker, Kommen sie, kommen sie, sowas hält auf.\nMeine schöne runde Pappmundstückzigarette lugt keck ins\nwürfelnde Treiben der breiten Straßen, . . .\nJulius, Magus Tullian, Du Urweltpionier!\nLollo! Rund wie ein himmelblaues Osterei. Lollo! Es wat-\nschelt eine Trambahn durch graue Schächte, In goldenen\nBlitzableitern schlafen himmlische Gedanken. Zerdehnen\nsich auf glitschigen, prallen Asphaltböden zu perlenden\nSchritten, Aus Hermann Tietz-Fenstern feixen schwüle Damen,\nkühl wie Schatten, kalt und überlegen. Ein Schweinskopf liegt\nauf einem Postament in einem Tal geringelter Wurstberge.\nFlüsse rinnen fettig. Ein Tor wölbt sich und ein Kreis kreist.\nUnd biegende Bäume peitschen an trotzige Mauern, Lollo! Dein\nGesicht leuchtet durch meine Finsternis, Ich glaube dem Ruf\nmeines Blutes und male Deine Augen purpurn und schwelgend\nin den Teppich Deines blonden Gesichts, das mich begleitet\ndurch meine wehen Gänge, Hier trauern hochgetürmte alt-\ndeutsche Möbel — so bieder, daß ein hamsternder Schuster aus\ndieser Biederkeit Leder schneiden könnte, Leder bei diesem\nMangel — und warten auf Dich, Du große, schöne, lächelnde\nKurtisane! Diese Nische geht erst dann auseinander, wenn Du\nbei mir bist, Dann wollen wir — nein, dann tun sich Sterne auf\nund ein Chorus singt. Fontänen zirpen, werfen schwergefaltete\nRinge. O, düsterste Stunden, warum flieht Ihr von mir in Hei-\nden, die ungangbar sind?\nLaßt lieben die, die schmollend und aufgeschmalzt durch-\ngehen in blinde Nacht. Wir aber gehören zu denen, die sich\nspielend verschenken mit offenem, wissendem,\\ »quälendem\nGlauben.\nVorläufig bleibt uns nichts anderes übrig als von der Ast-\nstraße aus zu gehen und in weitem Bogen wieder in sie zu\nmünden. Eine Beschäftigung, die, wäre sie bloß zeitraubend,\nnicht von Belang wäre. Aber der Graf hat zwei Frauen zu\nlieben versucht, die ihn liebten.\nUeber ein Autoritätstintnefaß trillert eine verkündende\nLerche, während singende Sensen ins appetitliche Grün knir-\nschen.\nUnd wir gehen über gebogene, schwere Felder und rufen\nin Ermangelung einer wirklichen ekstatisch auf: „Ihr wogenden\nFelder, seid meine Braut!\"\nHängt Vorhänge vor Eure Welt! Und gurgelt mir aus ra-\ngenden Stämmen einen munteren, stürzenden Bach, in dem\nviele Kinder plauschig sitzen. Und die kleinen Wellchen back-\npfeifen (\nWir sind die Hassenden, die Wissenden und Sterbenden!\nWeil wir zuviel lieben!\nEine dunstige Nacht hat uns ausgespien, die zuviel Augen\nhat!\nTru,nken schwelt ein bleicher Balkon spitz in flimmernde\nNacht, Ein rosenroter Turm weint. Gefaltete Giebel beten sum-\nmend ein Raunen in zerrissene Wolken, die hängen bleiben an\ngroßen jähaufgereckten Zeigefingern. Ein schwarzer Kater tappt\neins — zwei — drei — samten in meine Gedanken, sengt einen\nPfiff in beide Ohren mit seinen brennenden Augen. Jetzt wissen,\ndaß Geliebte von mir sprechen mit bronzenen Worten! Küsse\nschmiegen sanft blanke Wangen. Felder wiegen grellgelb ein\nweites Licht, durch das rote Mohnblumen gehaschte Striche\nhuschen, bescheiden, wie bleiche, zitternde Hände, die sehn-\nsüchtig vergilben,\nEine Tanne steht mitten auf dem Felde. Einsam wie\neine Frau, kahl und gebrochen hängend. Das ist das Märchen\nvon den Weibern am Berge, die nach Kind rufen.\nEs lebe die Wüstenei! Wir sind Kellner in straffen\nFräcken, hamsternder Du!\nNun wieder Nacht, Wandelnd in grottigem Kristall. Das\nSilber vergegenwärtigender Gedanken rinnt sacht an meine\nSchädelwand: „Bitte seien Sie so gut und denken Sie einmal\nanständig!\"\nDas war ganz sicher ein korrigierender Schulmeister, im\ntiefsten empört."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.13", "texte": "Dahinten muß eine strömende Stadt über bauchige Berge\nblutrot in den Himmel türmen. Hinter tief verhängten Fenstern\nschmachten Mädchen. Und bauen Burgen, formen plätschernde\nBrünnlein, gedämpfte Schloßhöfe in weichen Sofas, denken an\nsilbrig-fließenden Mond.\nSogar der ferne Trompeter fehlt nicht, noch die Einsamkeit\nschroffer Raubritterschlösser.\nAber Herr Metzgermeister Grölinger brummt über die Zei-\ntung hinweg, daß sich sowas für eine ehrsame Bürgerstochter\nnicht gehört,\nFrau Kommerzienrat Kropfeder preßt den nudeligen Bauch\nin das Gewand einer Nymphe. Die Wohltätigkeit!\nSäle flattern, klammern Toiletten ein und schwitzender\nDuft, der gerne weggefächert sein will.\n„Emma, geh mach!\" Ein bißchen fad. Da —: Pix, der\nletzte Druckknopf liegt in Fesseln, Frau Kommerzienrat Kropf-\neder schnaubt auf, Ja, nun wieder Nacht!\nSchleppender Mantel, sterniger Du! Lehne Dich nicht an\ndie zickzackenen Häuserbrocken, Meine Hände verwelken\nsehnend. — Ich will, ein Page, Dich streichelnd in meine Hand\nnehmen. Und voll beglückt hinter Dir herschreiten, Nacht, Du\nKönigin! Ich liebe Dich mehr als alle Glut und Eleganz schüt-\nternder Straßen, denn Du hast das wachsene Gesicht, durch\ndas man deine tiefen rätselumwobenen Denksäle schmetternd\nherausfühlt.\nDenn zuletzt, Nacht und Inferno, seid ihr die Zuflucht der\nTotverliebten und Seher.\nSieben Männer stehen siebenartig gekleidet, Ganz nah.\nZu all diesen sieben Gesichtern, die gewiß auch dankbare Stoffe\nfür Buchseiten naturalistischer Bücher sein könnten, gesellt sich\nsiebenfach ein Weib.\nIch fühle, so wie man einen weichen Polster fühlt, auf dem\nman gemächlich sitzt: Sieben Schicksale und alle die meinen,\nalle — (Ist's genug? Oder muß noch mehr gesagt werden? Ge-\nnug? Daß einer einmal zelebrierend gesagt hat: Es gibt einen\nBorn. Irgendwo. Und: ~Es ist noch nicht genug Hoffnungs-\nlosigkeit getrunken worden.\"}\nIm Wurstladen an der Ecke steht hinter getürmten Würsten\nein blasses Gesicht. Die Sonne brennt hinein und höhlt ein Loch\nund sengt eine müde Frau heraus und schält sie für den kom-\nmenden Tag.\nGewiß hat sich dieses Mädchen in die fleischige Hand ge-\nschnitten, die mit soviel Fett hantiert.\nHoch in den Lüften, in verblaßten Schwaden, durch Wolken,\ndie geschürzt die Welt befächern. Hoch also — tront sieben-\nfach dies müde Weib. Aber auf der Straße ist es das Lauf-\nmädchen von der rothaarigen, spindeldürren Modes am Rondell-\nplatz.\nUnd doch sagt wer, totaufdringlich an eine verschlossene\nTür pochend: „So öffne, wenn Du doch weißt, daß ich Dich lieb\nhabe.\" Aber das ist schließlich nur so.\nJedenfalls sind die Siouxindianr rasend über Prärien ge-\nstürmt und haben nur nach Fleisch gehungert.\nMan muß die tiefe Wehmut leerer Gläser ergründen und die\nstarre Ohnmacht eines Bulldoggenauges erschauen, um lachen\nzu lernen. Selbst mein Spiegel ist ein unehrlicher Schuft. Und\ndeshalb — nein, ich bin gestolpert.\nDeshalb heißt es von mir, ich wäre betrunken und säße hier\nim Park auf der nassen Bank und schliefe.\nAllerdings, denn gestern hob eine schöne Dame lupfend\nmeinen gesichtverdeckenden Steifhut und sagte lächelnd: ~Ah,\nerst Koofmann, dann Loofmann, jetzt Soofmann,\" Brückenlos\nertrinken Tage, und nicht einmal Nächte sind Pflastersteine für\nmeine Straße.\nDas Ende\nAls der große Dichter Julius Magus Tullian sich an einem\nMorgen schneuzte und solchermaßen den Tag begann, fragte\nihn eine Dame auf der Straße, wovon er denn den Stoff für\nso bilderreiche Skizzen hernehme, daß er vom Wesen der\nMimik das Tiefste begriff, nämlich das kokette, einschmei-\nchelnde Lächeln, das man dem und dem zu servieren genötigt\nist, weil sonst die Vermutung in verschiedenen Köpfen Raum\ngewönne: „Ein dummer, einfältiger Tölpel!\" So beauftragt von\neinem Methaphysischen dahinter einer plötzlich aufquellenden\nErkenntnis antwortete er schmeichelhaft: „Von den Frauen,\nliebes Kind!\"\nBlätter verkündeten laut und vernehmlich, daß hier endlich\nder wahre Dichter der Frau sich entfalte. Auflagen hämmerten\nfordernd und mit der Ungeduld eines erregten Klopfers an die\nPeripherie seiner Phantasie, sodaß er sich wimmernd in namen-\nloser Qual bog. Stöhnend spie ihn eine Straße auf die glatte\nVorstadtwiese, die unweit seiner Behausung sich ausbreitete.\nUnd außer der Gefahr von Steinwürfen toller Hundsbuben noch\ndie Annehmlichkeit: ~Schutt abladen gestattet\" in sich ein-\nschloß. Sein wogendes Gemüt legte sich allgemach, wie auch\ner sich hinlegte und sich einmal recht eindringlich bedauerte.\nWeil er aber dabei allgemach in einen derartigen Katzenjammer\ngeriet, daß ihn ekelte, gab er das Philosophieren auf und schloß\nkurz abgeschnitten: ~Ich bin einfach Hiob! Fertig!\" Und be-\ngeilte sich mit rosiger Gemütlichkeit, schmälerte sein Schwei-\nfen in die anmaßenden Wolken und schlief endlich ein. Und\nbegann zu träumen.\n~Hoch auf einem Berge nackend, der blendenden Sonne\nden Blick zuwendend. Jubelnd! Unter ihm lag —: ein flim-\nmernder Teppich — die rauschende Stadt, Auf einem glitzern-\ndem See flogen Segel, die ganze Wtelt lag vor ihm: hier bitte,\nwie eine saftige Pastete.\nErwachend rief er trunken: „Ich liebe Dich, o Erde!\" Und\nreckte sich. Als er in die Stadt kam, war Kriegslärm.\nSchritte dröhnten dumpf und höltern. Bahnhöfe hallten: „Es\nbraust ein Ruf .... Beim Nornenbrunnen stand ein feister\nMetzgermeister und musterte selig die grau dahinschwellenden\nWellen.\nVor einer aufgestapelten Kopfmenge türmte sich ein säuliger\nErker:\n„Meine sehr verehrten Anwesenden!\" Man ließe danken für\ndie hingebende Teilnahme. Aber es sei schon einigen schlecht\ngeworden, deshalb werde eindringlichst gebeten, auseinanderzu-\ngehen . . ,\nAuf eine Order hin mußte sich auch unser Dichter stellen.\n(Hier erlaubt sich der Chronist eine Einschaltung, denn er war\nder Einzige, der den leibhaftigen Tullian als Soldat sah.)\nHernach ist noch ruchbar geworden, daß ein Held bei Saar-\nburg von gottverdammten Franktireurs erschossen wurde.\n„Jetzt kann ich meinem Mietzins nachschauen\" soll eine\nbiedere Hausfrau gesagt haben.\nEine sehr bewegte Geduldsprobe für einen fordernden und\nbegehrenden Leser, wenn man mit dem bischen Sterben eines\nMenschen so viel Tänze macht. Es gemahnt das zu sehr an den\nfrechen, aufdringlichen Verkäufer, der mit Hilfe seiner unver-\nschämten speichel-leckerischen Beredsamkeit einem abgeneig-\nten Kunden einen Artikel auf schwätzen will. Ja, es ist sogar\nein wenig komisch. Zum Glück, zum großen Glücke läuft eben\nnoch eine federfeste Episode ein, als ich diese Zeilen zusammen\nsetze, die ich nicht versäumen möchte noch beizufügen:\nMitten durchs Fenster des Buchladens schnitt das Licht,\nBunte Einbände schlüpfen ineinander; Buchstaben tänzelten.\nAuf einmal bog sich die Scheibe, färbte sich anders — lachte\nbreit, latschend. Auf einem Einband stand: „Das Buch der\nSünde\", zwanzigste Auflage.\nSelbstgefällig grinsten die dicken, butterfesten Buchstaben.\nDer Anhang zitterte, fauchte gegen die Scheibe, tischte den\nHerrschaften die Worte auf: „Eine gewaltige Tragödie\nein mit dem Blute geschriebenes Geständnis eines Mannes . . .\nnicht ohne tiefe Erschütterung .... das wahrste Buch! An\nder Auslage stand ein Mann, lachte verbissen, spie auf das\nFenster: „Gesindel! Rabengesindel verfluchtes!\" Ging. Eigent-\nlich bewegte sich nur seine Gestalt von dannen. Er spie immer\nnoch auf die Scheibe, fletschte mit den Zähnen, lachte boshaft\nin sich, polterte. , ."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.14", "texte": "~Je besser man lügt, desto wahrer . , . , Alter Humbug!\"\nPlötzlich blieb er stehen, sah auf, zischte schnaubend: „Richtig!\nja, der fette Einband mit dem Anhang, tja, totrichtig, sah aus\nwie ein Schwein, das das Schwänzlein freundlich rollt, ha, ja . ,\nfreundlich, und der Schreiber? Ist auch ein Schw — nein!\nEr ist der Kellner, der diesen ganzen Dreck serviert!\" Offen-\nbar befriedigt über diese Erkenntnis, setze er seinen Gang fort,\nging schneller — rannte — keuchte.\nIn seinem Zimmer fiel er in den Divan, stöhnte. Dann be-\ngann er wieder zu schreiben\nSolchermaßen geschah zur Sommernacht in einem unwich-\ntigen anno domini. Es wäre schlechtweg Anmaßung, diese\nkomische Schrulle zu Papier zu bringen, ihr einen besonderen\nWert beizulegen, wären nicht, wie aus Vermutungen einer be-\nträchtlichen Anzahl geistig einwandfreier Personen hervorgeht,\nseltsame Geschehnisse damit verknüpft. Besagter Auslagebe-\ngucker war nämlich kein anderer als Tullian, unser geliebter\nTullian. Und um die Geschehnisse steht es so:\n„Augenzeugen bekunden, bei jedem Rekordflug folgendes\ngesehen zu haben: Sobald der Flieger landet oder abstürzt,\nwirbelt eine Gestalt aus dem Boden, reibt sich die Hände,\ntänzelt mit geradezu rasender Geschwindigkeit um den Apparat\nund ruft laut: ,Fein geflogen? Eure Nerven gekitzelt. Ge-\nspannt! Wie mit meinen Büchern! Das Leben gewagt — ge-\nnug getan!' Dann ein Surren — die Gestalt ist fort. Einige\nbehaupten sogar, bei einer aufregenden Absturzszene die tän-\nzelnde Gestalt ganz verzückt ausrufen gehört zu haben: ~Blut\ngefällt Euch, nicht wahr? Noch besser aber die Leiden An-\nderer, Wohlan führt Gladiatorenkämpfe ein — das erspart\nc\ndie Buchschreiberei. Auch Unterhalts besser -—\"\nUnd ein pfeifendes Trr\nUnd all diese Leute vermessen sich bei der geringsten An-\nzweiflung ihrer wahnwitzigen Erzählungen eidlich zu bestätigen,\ndaß die Erscheinung identisch sei mit dem leibhaftigen Dichter\nJulius Magus Tullian,\nNun aber ists genug. Und dieses ist nicht mehr zum Lachen,\noder gar Anlaß zu einem scheelsüchtigem: ~Ist das alles?\"\nIch bitte.\n\nKurzes Spiel vom Weib\nDer Mann\nDer Bruder\nund das Weib\nKurt Heynicke\nHelles Zimmer bei Nacht Eine Uhr\nDer Mann: Die Uhr schreit. Hörst du ihre Stimme? Sie\nzerfrißt meine Besinnung, Wo ist Sie?\nDer Bruder: Deine Sehnsucht geht wandern. Aber. Dein\nStab zerbricht. Du sollst Deine Gedanken nicht in ihren\nSchatten stellen, Sonne dich in deiner Sonne, Dieses\nWeib ist Stunde, Ewigkeit heißt deine Sehnsucht.\nDer Mann: Stunden in Sternen, Brüder. Ihr Leib ist ein\nGefäß, ich hänge daran und trinke,\nDe r B rüder : Wärest du Peitsche, du Trinker, Ihre Augen\nspielen um Dich und ihre Gedanken hängen an fremden\nBlicken, Sie ist Weib.\nDer Mann: Wenn ich Haß gebären könnte in ihrem Arm,\nAber meine Seele bekommt rote Augen, Ich bin ein\nseidener Mantel um ihre Glieder in den Stunden ihres\nSchenkens.\n(Ein Wagen rollt nahe und vorbei, Der Mann geht an das\nFenster,)\nDer Bruder: Sie ist es nicht, Bruder, du bist zu tief in\nihr, O, blühe hinauf und hinüber! Könntest du glänzen\nüber ihr Lächeln! Aber im Narrenkleid ihrer gelben Haare\nfesselt dein Blut\nDer Mann: Meine Besinnung ist hinweg. Kleine Schoß-\ntiere winseln herum. Wände fallen auf mich. Eine Hand,\nzu heben. Eine Stunde, zu sein. Nichts. Schatten. Nichts,\n(am Fenster] Luft in der Nacht. Wehen unter den Sternen.\nIch will gehen. In den Frieden der Nacht. In die Nacht\ndes Friedens. Ein Gebet liegt am Wege, Es wird blühen\nan meiner Brust, (hinaus)\nDe r B rüder: Spiel deine Sterne, Schenke sie dem Weibe\nzum Schmuck. Sie tritt sie in den Staub, In das Lachen,\nDas Weib: (durch die Tür) Mein heiliger Narr ist hinweg.\nMeine Augen gingen ihm nach. In die blinde Nacht.\nDer Bruder : Du hieltest ihn nicht? Seine Nacht hat Sterne.\nDie deine ist ein Katzenauge. Seine Qual floh in jene Nacht.\nDie dunkle Hand wird ihm Frieden sein. Wae du funkelst,\ndu Tier!\nDas Weib: Gott zum Dank, Herr Priester. Dient ein Tier\nnicht dem Stärkeren? Er ist nicht Kraft, zu der ich beten\nkann. Er schleudert mir nicht die Fetzen seiner Seele ins\nGesicht und tritt nicht meinen Leib. Ich würde schreien\nihm zur Lust! Ich will das Ende! Aber am Ende steht eine\nFlamme. Sie blutet. Du!\nDer Bruder: Du! Ich! Meines Bruders Seele verbrennen\nim Hauch eines Weibes, Mein Herz schürt Flammen, Du!\nNein!\nDas Weib: (zischt) Du Priester, Du Mann, der sich nicht\nkreuzigen will,\n(Sie geht in die Ecke des Zimmers, schaltet das Licht aus.\nDer Mond sticht durch das Fenster. Sie reißt ihre Kleider\nfetz herab. Der Mond umzittert ihre nackten Glieder)\nDa, du Mann! Da meine Seele und da und da! Und mein\nLeib blüht und sternt vor dir. Hörst du die Stunde, Sie\nklopft und hat keine Seele, Sie fließt, ich glühe, ich golde\nsie, (Er schreitet. Tastet ihr entgegen, sinkt. Sie hebt\nseinen Leib an ihre Lippen)\n\nLieder\nWilhelm Runge\nBäume schleifen Wolken windhinüber\nWiese kraust die Stirn\nDie Steine stutzen\nund die Mauerblümchen fallen ein\nFragen rauft das Blut\ndie Wunden warten\nWunden ringen\nSterne stützen Wald\nSonne drückt verängstelt durch die Aeste\nSträucher picken Rascheln schatttenauf\nDunkel frißt gefräßig in den Tag\nWelken würgt\ndie bleichen Winde weinen\nund die Blätter flattern\nStaub\nErwarten heftet\nKommen lüftet lässig\nHast blinden Augen\nHände lauschen taub\nErinnern flößt\nund Zögern sänftet nieder\nleise hält Lächeln\nstreichelt\ngeht"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlast\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nSturm-Kunstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\n11. Herwarth Walden\n111. Jacoba van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Peter Baum\nVII. Campendonk\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\n\nneuen Kunst / VIII s August Stramm: Krafte /\nIX: Aage von Kohl: Die rote Sonne / X: Aage voh\nKohl: Der tierische Augenblick / XI: August\nStramm: Qeschehen / XII: August Stramm: Die\nUnfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Sehreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 50 Pfennig\n\nVerlag Der Sturm\nmerlin W 9 Potsdarner Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrlft Der Sturm\nErscheint am funfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewofanliche Ausgabe Fur Deutschland\nu*d O esterreich-Ungarn: Em J ahr 6\nMark I Ein lialbjahr 3 Mark 112 Einzelheft 80 Pfennig\nFur das Ausland be i dire k t e r Zu-\nstellung durch die Post: Ein Jahr 8 Mark\nEia Ifalbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSoiiderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplar e, Versendung in Rollen direkt\ndurch die Post fiir Deutschland und\nOesterreich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark I\nfin Halb jahr 6 Mark I Fiir das Ausland:\nEia Jahr 14 Mark / Ein Haibjahr 7 Mark\n\nMusik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFur Klavier / Eine Mark\nDie Judentochter\nFur Gesang und Klavier\nFarbige Uimschlagzeichnung von OSfkar Ko-\nkoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk schreyn\nEinzelausgabe / 50 Pfennig\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMi t A b b i 1 d u a g en\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nMarc Chagall\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nJe rO Pfennig\nDie Futnristen\n60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark .\n\nPreise der friiheren Jahrgange / Vollstandige\nAusgabe\nGewohnliche Sonder-\nAusgabe: ausgabe:\n25 Mark —\n20 Mark —\n30 Mark vergriffen\nvergriffen 30 Mark\n10 Mark 20 Marik\n10 Mark 20 Mark\n10 Mark 20 Mark\nErster Jahrgang\nZweiter Jahrgang\nDritter Jahrgang\nVierter Jahrgang\nFilnfter Jahrgang\nSechster Jahrgang\nSiebenter Jahrgang\n1910/11\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, soweit vorhanden: erster bis siebenter\nJahrgang je 1 Mark\n\nKunstdrueke aus dem Verlag Der St arm\nAuf japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nMarc Chagall: Zeichnung\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos I 2 Herwarth Waid en / 3 Karl Kraus I\n4 Richard Dehmel I 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette\nGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nHeeinskerck-Mappe: Sechs handgedruckte und\neinzeln unterschriebene Holzschnitte I Auflage 30\nMappen\nMappe je einhundert Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kunstlers liber sich\nselbst mit sechzig ganzseitigen Abbildungen seiner\nWerke von 1901—1913 /\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit zwanzig Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakartora 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menscheakopfe / Mappe\nmit 15 Zeichnungen auf Japanpapier in Strich-\natzung I Adolf Loos I Herwarth Walden /\nRichard Dehmel / Paul Scheerbart / Alfred Kerr /\nYvette Quilbert / Karl Kraus / Hermann Essig /\nRudolf Bliimner / Adolf Knoblauch / Mechthild\nLichnowsky / Nell Walden / Max Berg / Gertnad\nEysoldt I Claire Waldoff\nMappe 40 Mark\n\nBueher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse I Gedichte\nGebunden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut I Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick I Drama\nEin Taubenschlag I Lustspiel\nNapoleons Aufstieg I Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne I Eine Dichtung\nGebeftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nGebeftet 5 Mark I Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen I Drama mit\nZeidmung en\nGebunden 10 Mark (Auflage 100) I Sonderausgabe ver-\ngriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur I In 111 Kapiteln\nGebeftet 2 Mark I Sonderausgabe 25 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nGebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe I Roman\nGeheftet 3 Mark I Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I: Kunstmaier Hfid\nKunstkritiker\nGeheftet 2 Mark\nStMrm-Biicher I: August Stramm: Sancta Su-\nsanna / II: August Stramm: Rudimentar /\nIII: Mynona: Fiir Hunde und andere Menschen /\nIV: August Stramm: Die Haidebraut / V: August\nStramm: Erwachen ! VI: Aage you Kohl: Die\nHangematte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\n\nKunstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 1\nUmberto Boccioni t / 1\nCampendonk / 1\n. . Marc Chagall / 5\nRobert Delaunay / 1\nAlbert Gleizes / 1\nJacob a van Heemskerck / 2\nSigrid Hjerten-Grunewald / 1\nAlexei von Jawlensky / 1\nKandinsky / 2\nPaul Klee / 1\nOskar Kofeoschka / 2\nFernand Leger / 1\nAugust Macke t / 1\nFranz Marc t / 2\nGabriele Mliinter / 1\nGino Severini / 4\nMarianne von Were&in / 1\n\nSturm-Einbande\nAuf Japanpapier handgemalt von\nSchrimpf fur alle Ausgaben des Verlags Der\nSturm\nEinband iur Biicher: 20 Mark\nEtaband fur Noten und fiir den Jahrgang der Moiatsschrift\nDer Sturm: 30 Mark\n\nHanddrueke\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fiir die ZeitsevbrSi\nDer Sturm / Originallithograpfaje\nAbztig 10 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170415-01.1.16", "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin W Potsdainer Straße 134$\nGeoff net taglich von Uhr 1 Sosmtags von\n11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMoaatHcher Wechsel\nEiaimdfiinfzigste Ausstellung\nArnold Topp\nNell Walden\nZweiundfiinfzigste Ausstellung\nAlbert-Bloch\nHarald Kauffmann\nEriffntmg Sosintag den 6 Mai 1917\nDreiundfiinfzigste Ausstellung\n3. Sturm-Gesamtsehau\nJuai I Juli 1917\nEroffnung der neuen bedeutend vergroSerten\nRaume im sefben Hans vorn eine Treppe\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausschließlich und ver-\nfiigt Mber ihre Werke (Gemalde / Graphik / Holz-\nschiiitte I Handdrucke) zum Yerkauf und zu Aus-\nstelhingen is der ganzen Welt:\nCampendonk / Marc Chagall / jacoba van f!eems-\nkerck / Kandinsky /Oskar Kokoschka / Franz Marc /\n#e®rg Muche / Gabriel© Miinter / Nell Walden\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland folgende Kiinstler uad ver-\nftigt iiber ihre Werke zum Verkauf und fur Aus-\nsteUtmgeit:\nAlbert-Bloch / Alexander Archipenko / Rudolf\nBauer / Fritz Baumann / Yincenc Benes / Urn-\nberto Boccioni / Carlo D. Carra / Mai Ernst / Emil\nFMI& / Albert Gleizes / Otto Gotfreund / Oswald\nHerzog I Sigrld filer ten-Griinewald / Isaac Griine-\nwald I Johannes Itten / Alexei von Jawletisky /\nPaul Klee / Otakar Kubin / Fern and Leger / Carl\nMense / Jean Metzinger / Francis Picabia / Georg\nSchnmpf / Gino Severini / Fritz Stuckenberg /\nArnold Topp / Maria Uhden / Marianne von\nWerefkitt\n\nKunstsehule Der Sturm\nLeitung: Herwarth Walden\nUnterricht und Ausbildung in\nder expressionistischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerei\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstsehule Der Sturm\nRudolf Bauer / Rudolf Bliimner / Campendoak /\nJacoba van Heeraskerck / Paul Klee I Georg Muche/\nGabriele Miinter / Lothar Schreyer / Herwarth\nWalden\nSprechstunden der Leitung der Kunstsehule Der Sturm:\nDienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend 4—5 / Das Sekre-\ntariat ist taglich von 10—6 geoffnet\n\nOeffentliehe Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nVortragsreihe I\nLothar Sehreyer: Der Expressionismus\nin der Diehtung\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April bis Juni\n%4—%5 Beginn 18. April\nSechs Vortrage\n1. Der Mensch der Kunst\nMittwoch 18. April\n2. Die ,Wjortkunst der Vergangenheit\nMittwoch 25. April ;\n3. Die Kunstmacht der deutschen Spracke\nMittwoch 9. Mai\n4. Das Gedicht der deutschen Gegenwart\nMittwoch 23. Mai\ni\n5. Die Erzahlung der deutschen Gegenwart\nMittwoch 6. Juni\n6. Das Drama der deutschen Gegenwart\nMittwoch 20. Juni\nVortragsreihe II\nLothar Sehreyer: Das Buhnenkunstwerk\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April bis Juai\n5—6 I Beginn 18. April\nSechs Vortrage\n1. Die Wirklichkeit des Geistes\nMittwooh 11. April\n2. Die Biihnenkunst im Mtemschenhaus\nMittwoch 25. April\n3. Die Farbform des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 9. Mai\n4. Die Bewegung des Biihnenkunstwerjces\nMittwoch 23. Miai\n\\\n5. Der Ton,des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 6. Juni\n6. Das Spiel des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 20. Juni\n\nSturm-Kunstabende\nVerein fiir Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der KunstausstefluHg Der Sturm / Berlia\nJ e el en Mittwoch / Beginn aller Abend*: Ukr\nZweiunddreißigster Abend\nMittwoch den 18. April\nHermann Essig\nVortragende:\nHermann Essig\nRudolf Bliimner\nHer war th Walden\nDreiunddreißigster Abend\nMittwoch den 25. April\nHermann Essig\nVortragende:\nHermann Essig\nRudolf Bliimner\nHer war th Walden\nLetzter Abend\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den September 1917\n\nVerein far Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nVierzehnies Jahr 1. April 1917 bis 31. Marz 1918\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der Zeit-\nschrift Der Sturm / Freier Besuch aller Sturm-\nausstellungen I Besuch der Sturm-Kunstabeiide zu\nhalben Preisen I Jedes Jahr frei eine SturmpubM-\nkation / 1917/18 nach Wahl:\nfleemskerck: handgcdruckter and inatersckriebeaer\nHolzscknitt auf Kateerfich Japan-Papier oder zwel\nKunstdrucke nacfc Wahl oder das Sturmplabat toii\nKokoscfoka\n\nKunstbuehhandlung Der Sturm\nPotsdamer Straße 138 a\nhat gute und seltene Biicher und Noten vcrrafe\nund nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nlierwarth Walden: Ekiblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Gemaiflten\nder Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Wialdea: Weib / Komitragodi®\n3 Mark\nSonderausgabe / hamdgemalter Einband von Georg Sehrisnpf\n(Awflage 10) 50 Mark\nAm 1. Mai erscheinea: Kiinstlerpostl?artea der\nSammlung Walden / Erste Folge: 24 Kartell\nAlexander Archipenko (3) / Umberto Boccloni (1) / Franz\nMarc (1) I Marc Chagall (2) / Kandinsky (1) / J&co'oa ran\nHeemskerck (1) / Campendonk (1) / Aibert Gleizes (1) /\nJean Metzinger (1) / Fernand Leger (1) / Vincenc Benes\n(1) / Otakar Kubia (1) / Carl Mense (1) / Georg Mnche\n(1) I Nell Walden (1) I Rudolf Bauer (1) / Fritz Sinckeft-\nberg (1) I Georg Schrimpf (1) / Maria Uhden (1) / Arnold\nTopp (1) / Negerplastik (1)\nJede Karte 20 Pfennig\nIn zweiter Auflage erschien: Sturmbuch VII: Adolf\nBehne: Zur neuen Kunst\nAm 15. Mai erscheint\nHermann Essig: Der Wetterfrosch / Erzaklttsag\nDie Zeitschrift Der Sturm begann am 1. April\nihren achten Jahrgang. Der Umfang des emzelnen\nHeftes ist auf 16 Seiten erweitert, der B»z«gs*\npreis bleibt uaverandert.\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfilhriiche Verzeichnisse des V a r-\n-1a g s Der Sturm kostenlos\nVerlag Der Sturm"}]}