{"numero_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_sha256": "d07700df10db9c6fdf0b4fe434b5d68597548c8f5df8241872684e6d7407344c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1917/05/15_01/bmtnabg_1917-05-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1917/05/15_01/bmtnabg_1917-05-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.1", "debut_caractere": 468, "fin_caractere_exclue": 747, "texte": "Inhalt:\nLothar Schreyer: Das Bühnenkunstwerk / Gerhard Ausleger: Tod des blauen Reiters Franz Marc / Kurt Heynicke: Gedichte /\nAdolf Knoblauch: Gereut / Erzählung / Wilhelm Runge: Lieder / Franz Richard Behrens: Gedichte / Rudolf Bauer: Zeichnung / Marc\nChagall: Vier Zeichnungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.2", "titre_corps": "Rudolf Bauer: / Zeichnung", "titre_sommaire": "Rudolf Bauer: / Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.1", "debut_caractere": 749, "fin_caractere_exclue": 774, "texte": "Rudolf Bauer: / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "22", "image_debut": 2, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.3", "titre_corps": "Das Bühnenkunstwerk : Die Wirklichkeit des Geistes", "titre_sommaire": "Das Bühnenkunstwerk : Die Wirklichkeit des Geistes", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6789, "texte": "Das Bühnenkunstwerk\nDie Wirklichkeit des Geistes\nLothar Schreyer\n\nWir wollen das Reich des Geistes errichten.\nDas Reich des Geistes hat die Welt ergriffen.\nWir sind nicht wir.\nIn uns wächst der Stern, der über uns leuchtet. Es ist kein\nMärchen, den Mond vom Himmel zu holen. Was die Hände nie\ngreifen, was der Verstand nie faßt, wird offenbar.\nDie Stunde der Offenbarung ist angebrochen. Die Zungen\njder Verkündigung reden. Sie reden in uns.\nGlücklich, die wir reden dürfen!\nDie Sehnsucht nach Geistigkeit ist der Weg der Mensch-\nheit. Wir sind Werkzeug und Werk der Erfüllung. Die uner-\nfüllte Sehnsucht ist das Reich des Geistes, die Erfüllung das\nWerk des erfüllten Menschen. Der geisterfüllte Mensch ist das\nReich. Der endliche Mensch wird die Unendlichkeit.\nDas Werk ist. Das Werk wirkt die Wirklichkeit. Die\nWirklichkeit wirkt das Werk.\nDas geistige Reich ist eine Wirklichkeit wie das natürliche\nReich. Nicht nur die Natur ist wirklich. Die Natur allein\nist nicht die Wirklichkeit. Die Natur wirkt nicht ohne den\nGeist. Die Natur ist ein Werk des Geistes. Wir sind in das\nWerk gewirkt.\nNur der Geist vermag den Geist unmittelbar zu erkennen.\nDie unmittelbare Erkenntnis ist die Offenbarung.\nDie mittelbare erkennt nicht, Sie lernt das\nBekannte kennen und lehrt es kennen. Lehrer und Schüler\nerwarten, daß die Bekanntschaft erkenntlich ist und eine Er-\nkenntnis als Lohn der Mühe gibt. Den Wartenden flieht das Ziel.\nSeine ganze Mühe ist, Mittel um sich aufzubauen, bis er aller\nMittel bar ist, eine unmittelbare Erkenntnis zu haben. Sie wird\nnie als Lohn gegeben. Sie gibt sich als Gabe.\nKein Mittel führt zur Erkenntnis, aber die Erkenntnis führt\ndas Mittel zur Gestalt.\nDie Gestalt ist das Mittel des Geistes,\nDie Offenbarung ist Gestalt.\nDie Gestalt ist die Erkenntnis.\nNicht Erkennende sind die Wissenden und Glaubenden, Der\nWissende weiß nur von mittelbarer Geistigkeit, die er sieht,\nDer Glaubende glaubt an die unmittelbare Geistigkeit, die er\nnicht sieht. Die unmittelbare Geistigkeit sieht nur der Erken-\nnende. Er weiß kein Wissen. Er glaubt keinen Glauben. Er\nsieht das Gesicht,\nDas Gesicht ist die Offenbarung. Die Offenbarung ist\nWirklichkeit. Der Erkennende sieht das Wunder als Gestalt,\nDer Gläubige glaubt an das Wunder, ohne die Gestalt zu sehen.\nDer Wissende sieht die Gestalt, ohne das Wunder zu sehen.\nDas Wissen ist kein Erkennen. Aber die Gestalt des Was-\nsens erkennt. Die Wissenschaft selbst ist ein untaugliches Mittel\nzur Erkenntnis des Geistes, Das Reich des Geistes verkündet\nsich in der Gestalt der Wissenschaft.\nDer Glaube hat mit Erkennen nichts zu schaffen. Der Glaube\nist ethische Forderung der Religion. Der Glaube ist bewußte\n1 auschung über das mittelbare und unmittelbare Erkennen,\nDer Glaube gibt vor, in das Reich des Geistes zu führen. Ein\nWillensakt tritt an Stelle des Schauens, Der Gläubige will das\nReich des Geistes leben, der Erkennende erlebt es. Der Gläu-\nöige sucht das Reich des Geistes im Reich der Natur zu ver-\nwirklichen. Das Reich des Geistes ist aber schon eine Wirk-\nlichkeit. Sie braucht nicht erst verwirklicht zu werden. Das\nReich des Geistes ist der Wirklichkeit der Natur fremd. Der\nErkennende erkennt, daß keine natürliche Handlung eine geistige\n%\nHandlung sein kann. Keine geistige Handlung kann durch eine\nnatürliche nachgebildet werden. Aber die geistige Handlung\nbildet die natürliche. Die geistige Handlung überwindet die na-\ntürliche. Das geistige Reich, in das Reich der Natur gestellt, ver-\nnichtet die Natur. Der Glaube meint, die Natur in Geist zu ver-\nwandeln. Aber er zerstört den Menschen. Die auf den Glauben\ngegründete Religion zerstört das Leben. Die auf das Schauen\ngegründete Religion erhält das Leben. Denn sie dient Natur und\nGeist. Unser Leben ist ein Leben der Natur wie des Geistes.\nWir sind endlich und unendlich. Wir lieben die Natur. Wir\nlieben den Geist. Denn wir sind lebendige Geister.\nWir wollen nicht die Natur zertrümmern; denn wir sind\nihr hingegeben. Wir können sie nicht zertrümmern. Der Geist\nkann nicht zertrümmert werden; denn wir sind ihm hingegeben.\nWir wollen ihn bekennen.\nDas Bekenntnis des Erkennenden ist seine Erkenntnis.\nDie Erkenntnis erkennt: i\nWir sind endlich in der Natur. Wir sind unendlich im Geist.\nWir haben ein Maß in der Natur, Wir sind ohne Maß im\nGeist.\nWir haben in der Natur eine Gestalt, im Geist Gestalten\nohne Zahl.\nWir leben in der Natur. Wir erleben im Geist.\nWir lieben und leiden in der Natur. Wir schauen im Geist.\nWir handeln in der Natur. Wir erkennen im Geist.\nWir sehnen in der Natur. Wir sind erfüllt im Geist.\nWir sind sinnlich in der Natur. Wir sind sinnenlos im Geist.\nWir ringen nach Verständnis in der Natur. Wir sind dem\nVerständnis entrungen im Geist.\nWir schaffen in der Natur. Wir werden geschaffen im Geist.\nWir greifen die Natur. Wir sind ergriffen vom Geist.\nWir sind getrennt in der Natur, Wir sind eins im Geist.\nWir werden in der Natur. Wir sind im Geist.\nWir erkennen beschränkt in der Natur. Wir haben schran-\nkenlose Erkenntnis im Geist.\nWir sind sterblich in der Natur. Wir sind unsterblich im\nGeist,\nDer lebendige Geist führt ein geistiges Leben, Uns hat\nnicht nur das Leben ergriffen. Auch der Geist hat uns er-\ngriffen. Aber wir haben lang nur das Leben ergriffen. Nun\nwollen wir auch wieder das Geistige ergreifen. Wir wollen\nim Natürlichen Natur sein, im Geistigen Geist. Wir wollen das\nNatürliche leben, das Geistige erleben.\nDas Erlebnis der Erkenntnis ist Offenbarimg,\nDas Erlebnis ist Gefühlsreiz,\nErkenntnis ist Gefühlsreiz durch Begreifen der Begriffe,\nOffenbarung ist Gesicht. Gesicht ist nicht Anschauung.\nDer Begriff öffnet seine Gestalt. Er wird nicht nur begriffen.\nEr ergreift uns so, daß wir ihn ergreifen.\nEs ist unsere Sehnsucht, unendlich, maßlos, zahllos, eins zu\nsein, losgelöst von Sinnen und Verstand, schrankenlos in der\nErkenntnis zu sein, unsterblich zu sein.\nWir sind es.\nDiese Erkenntnis soll allen Menschen wieder werden. Da-\nrum wollen wir das Reich des Geistes errichten.\nDer Wille der Zeit fordert das neue und ewig alte Reich.\nEine Weltanschauung gibt uns keine Erkenntnis mehr. Wir\nwollen die Welt nicht mehr anschauen. Wir wollen die Welt\nsein. Denn wir sind die Welt, Wir sind nicht Schöpfer, Wir\nsind Geschöpf,\nDie Natur hat nichts mit der großen Sehnsucht zu tun,\nDie Sehnsucht tut das Natürliche ab. Die Natur schließt uns\nein. Wir aber sind mehr als das Natürliche und wollen das\nandere, das Reich des Geistes uns öffnen. Doch der Wille ist\nnicht der Schlüssel. Die Sehnsucht öffnet das Reich. Die Sehn-\nsucht ist willenlos. Der Wille ist sehnsuchtslos. Die Sehnsucht\nist in sich. Der Wille ist in der Tat. Durch die Tat das Reich\ndes Geistes errichten zu wollen, ist der große Irrtum der Welt-\nanschauung, Die Welt kann nicht angeschaut werden. Das\nGeistige kann nicht getan werden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7413, "texte": "Das Reich wird errichtet durch die Verkündigung der Er-\nkenntnis,\nDie christliche Kirche der Gegenwart kündet die Erkennt-\nnis nicht. Die Gegenwart sucht sich zu lösen von dieser Kirche,\nDenn wir wissen, daß ihr Glaube nicht selig macht. Er macht\nunselig zu Gunsten einer Verheißung. Wir aber begehren eine\nWirklichkeit im Erdenleben. Der Wechsel auf die Unsterb-\nlichkeit gilt uns nichts, wenn wir wissen, daß wir sterblich sind.\nEr gilt uns weniger als nichts, wenn wir ihn bedingt haben durch\nEntsagung im gewissen sterblichen Leben, Wir Sterbliche wol-\nlen die Unsterblichkeit erleben. Wir erleben sie durch keinen\nGlauben, durch keine Weltanschauung, Wir erleben sie allein\nim Gesicht der Offenbarung, Die Offenbarung wird durch keinen\nWechsel erkauft, durch kein Tun oder Leiden verdient, Sie\nkommt zu Gerechten und Ungerechten, Jeder ist der Rechte,\nDer Rechte ist der weltmächtige Mensch,\nDer weltmächtige Mensch ist der Erkennende. Nur der\nGeistbewußte ist weltmächtig. Jeder kann es sein. Jeder ist\nes, der das Rätsel der Welt nicht hinter der Welt sucht oder\nmit Wissen und Glauben zu lösen sucht. Denn hinter die Welt\nkann niemand kommen. Die Rätsel sind nicht lösbar; sonst\nwären es keine Rätsel, Aber wir sind die Welt. Das gilt es\nzu erkennen. Wir erkennen es, wenn wir uns einbilden in den\nKosmos. Diese Einbildung ist das Bewußtsein unserer Welt-\nmacht. Diese Erkenntnis offenbart sich als Gesicht. Das Ge-\nsicht ist Gestalt. In diese Gestalt sind wir eingebildet. Die\neingebildete Gestalt zu bilden, vermag der Künder der Erkennt-\nnis, Er kündet die Gestalt, indem er sie mit Mitteln des leben-\ndigen Geistes bildet. Der lebendige Geist ist der menschge-\nbundene Geist, Verstand und Gefühl. Der menschgebundene\nGeist ist zur Gestalt der Geistigkeit gebildet. Die Gestalt der\nGeistigkeit kündet das Reich des Geistes. Der Künder heißt\nKünstler,\nDer Künstler lehrt nicht. Der Künstler bekehrt nicht. Der\nKünstler erlebt und kündet sein Erleben. Der Eingebildete\nwird Bildner. Sein Gebilde bildet die Nichtkünstler ein in die\nEinbildung. Nur er ist Bildner, aber alle werden durch sein Ge-\nbilde eingebildet. Die Einbildung aller errichtet die neue Bil-\ndung, Die neue Bildung ist das Bewußtsein der Weltmacht,\nDie neuen Gebildeten sind die Erkennenden, gebildet gegen\nWissen und Glauben, trotz Wissen und Glauben, neben Wissen\nund Glauben.\nDie geistige Macht des Künstlers ist eine Wirklichkeit, Die\ngeistige Macht des Priesters ist eine Täuschung, Täuschende\nund Getäuschte fallen. Der Priester spricht vom Wunder, Der\nKünstler schafft das Wunder, Sein Wunder ist seine Wirklich-\nkeit, Seine Wirklichkeit ist die unsere. Es ist unsere Wirklich-\nkeit des Geistes,\nKunst ist Wirklichkeit des Geistes, nicht Wirklichkeit der\nNatur.\nDie Wirklichkeit des Geistes ist mächtiger als die Wirk-\nlichkeit der Natur. Der Geist ist unendlich, die Natur endlich.\nDer Zeitwille ist organisierte Macht. Die Macht drängt ins\nEndlose, die Organisation ins Endliche. Die Macht drängt ins\nEndlose, indem sie sich das Endliche Untertan macht.\nDie Organisation des Endlichen genügt dem Willen unserer\nZeit nicht. Die Macht über das Natürliche drängt zur größeren\nMacht über das Geistige, Das Vollendete füllt uns nicht mehr.\nWir dringen dem Nievollendeten, Nievollendbaren zu. Denn\nwir sind nie vollendet, nie vollendbar. Durch die Organisation\ndes Endlichen hindurch, über die Organisation hinaus greifen\nwir das Unendliche, Die Organisation wird das Organ der Un-\nendlichkeit, Die Gesamtgestalt des Kunstwerkes ist eine Un-\nendlichkeit, ein Machtwille. Die Einzelgestalt der künstlerischen\nElemente des Kunstwerkes ist eine Endlichkeit, ein Organisa-\ntionswille.\nOrganisierte Endlichkeit wirkt in der Kunst Harmonie.\nOrganisierter Machtwille wirkt in der Kunst Rhythmus.\nDas Kunstwerk ist in seiner Gesamtheit kein harmonisches\nmehr, es ist keine gefesselte Kraft mehr, es ist keine vollendete\nEndlichkeit.\nDas Kunstwerk ist ein rhythmisches, es ist eine ungehemmte\nKraft, es ist eine Unendlichkeit, eine Nievollendung.\nDas rhythmische Kunstwerk hat sich die Harmonie Untertan\ngemacht. Es sieht die Welt durch die Unendlichkeit,\nDas harmonische Kunstwerk hat sich den Rhythmus Untertan\ngemacht. Es sieht wohl auch die Unendlichkeit, aber es sieht\ndie Unendlichkeit durch die Natur.\nDas harmonische Kunstwerk ist ~schön\". Auch das rhyth-\nmische Kunstwerk ist schön. Aber seine Schönheit ist eine\naharmonische.\nFür die aharmonische Schönheit ist der Gegenstand des\nKunstwerkes belanglos. Das rhythmische Kunstwerk kann auf\nden Gegenstand verzichten. Das harmonische Kunstwerk\nbraucht einen Vorwand zur Gestaltung seiner Vision. Denn\nseine Vision wandelt eine Naturerscheinung oder Kulturerschei-\nnung zur Harmonie. Der Rhythmus müht sich nicht, eine Voll-\nkommenheit zu gestalten. Die Gestalt allein ist sein Sinn. Die\nGestalt allein ist die Macht, die ungehemmt die Vision ver-\nkündet.\nDas rhythmische Kunstwerk kündet das Reich des Geistes.\nSeine Gestalt bildet den Nichtkünstler ein in die Vision, Der\nEingebildete ist der Erkennende,\nDen Rhythmus zu erkennen, vermag jeder Mensch. Denn in\njedem Menschen ist der Rhythmus, Der Rhythmus trägt den\nKörper des Menschen. Nicht im Körper des Menschen, sondern\nin seinem Rhythmus zeigt sich sein Geist,\nDer Erkennende erkennt ohne Verstand und Wissen,\nKunst ist unmittelbare Kündung der Geistesgestalt. Die\nGeistesgestalt ist nicht die Naturgestalt. Das Kunstwerk ist\nnicht natürlich. Es ist keine Nachahmung der Natur, Es ist\nauch kein Mühen um die Vollendung der Natur, Die Kultur-\ngestalt ist nur eine Wandlung der Naturgestalt, Die irdische\nVollendung in der Harmonie erreichen zu wollen, ist der liebens-\nwürdige, bequeme Irrtum sozialer Enge,\nKunst ist unmittelbare Kündung der Geistesgestalt, Des\nEingebildete, der Künder, der Künstler bildet die Geistesge-\nstalt aus sinnengebundenen Mitteln. Andere Mittel haben wir\nnicht, über unsere Selbstheit hinauszuwirken. Die sinnenge-\nbundenen Mittel bilden den sinnenentbundenen Ausdruck,\nDas Sinnenentbundene ist auch das Sinnentbundene, Das\nKunstwerk ist sinnenlos und sinnlos. Es vermittelt keine Ver-\nstandesmitteilung oder Gefühlsmitteilung. Das Kunstwerk ist\nunbegreiflich und unbegreifbar. Es stellt nichts vor. Es ist.\nDie Kunst ist. Der Mensch ist. Die Kunst ist im Men-\nschen. Der Mensch ist in der Kunst. Das Kunstwerk ist un-\nmenschlich.\nDer Mensch ist Geschöpf. Der Künstler ist schaffendes\nGeschöpf. Das Kunstwerk ist schaffendes Geschöpf.\nDie Mittel, das Sinnentbundene, Sinnenentbundene zu ge-\nstalten, sind die Reizmittel der Sinne. Die sinnlichen Mittel\nsind Form, Farbe, Bewegung und Ton. Die Mittel des Kunst-\nwerkes sind sinnlich und sinnvoll. Das Kunstwerk ist sinnlos\nund sinnenlos. Das Kunstwerk ist sinnenentbundene, sinnent-\nbundene Gestalt. Die Gestalt ist Einheit. Die 1 eile der Ein-\nheit sind endlich, die Einheit ist endlos. Die Einheit ist die\nOrganisation zahlloser Teile zum Organismus. Der Organismus\nist unteilbar. Die Organe sind harmonisch, der Organismus ist\nrhythmisch.\nDie Gestalt trägt die Mittel. Die Mittel trägt das Ma-\nterial. Das Material bindet die Mittel an Sinne und Sinn. Die\nGestalt ist materialentbunden. Die Gestalt ist unabhängig vom\nMaterial. Die Gestaltung der Mittel wandelt Material in Ma-\nterie. Die Gestalt der Materie ist Ausdruck des Geistes.\nDen Künstler bedingt die Offenbarung. Das Kunstwerk\nbedingt der Künstler. Die Mittel und das Material bedingt das"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7334, "texte": "Kunstwerk. Jedes Material kann von jedem Mittel gestaltet\nwerden.\nEs gibt keine Grenzen der Kunst.\nEs gibt keine Künste, sondern Kunstwerke.\nEs gibt keinen Materialstil.\nEs gibt keinen Kunststil, sondern Künstler.\nDer Machtwille zerreißt die Grenzen der Kunst, der Künste,\ndes Materials durch das Kunstwerk des Künstlers zur Kunst.\nDer Rhythmus wirkt von Raum in Zeit, von Zeit in Raum.\nSein Werk aus Raum und Zeit ist raumlos und zeitlos.\nDas Kunstwerk bricht die Dimensionen des Raumes und\nHer Zeit durch die Dimensionen des Raumes und der Zeit.\nDas Formkunstwerk ragt mit drei begreifbaren Dimensi-\nonen in die unbegreifbaren Dimensionen.\nDas Farbformkunstwerk ragt mit den Dimensionen des\nRaumes in die Dimensionen der Zeit,\nDas Bewegungskunstwerk und das Tonkunstwerk ragen\nmit den Dimensionen der Zeit in die Dimensionen des Raumes,\nDas Bewegungskunstwerk und das Tonkunstwerk ragen\nmit den Dimensionen der Zeit in die unbegreiflichen Dimensi-\nonen,\nEs gibt nicht nur eine vierte Dimension, sondern unzählbare.\nDas Kunstwerk kündet mit den Dimensionen des Raumes\nund der Zeit die dem natürlichen Begreifen verschlossenen.\nDie natürlichen Dimensionen künden die geistigen Dimensionen.\nDas Werk des Künstlers wirkt die Kunde der geistigen\nDimensionen in die natürlichen Dimensionen. Die natürlichen\nDimensionen der Werkgestalt sind die Reizmittel, deren Genuß\nden Nichtkünstler fähig macht, die Kunde zu erkennen.\nDie äußere Gestalt, die natürliche Dimension des Kunst-\nwerkes, wird genossen. Die innere Gestalt, die geistige Dimen-\nsion, wird erlebt. Die Voraussetzung des Erlebnisses ist der\nGenuß. Der genießende Mensch nimmt die Reizmittel in sich\nauf, Nur der Mensch, der die äußere Gestalt des Kunstwerkes\nso aufnimmt, daß sie von seinen Sinnen und von seinem Sinn\nnicht mehr wahrgenommen wird, erkennt die innere Gestalt,\nerlebt die Offenbarung des Kunstwerkes. Die äußere Gestalt\nist begreifbar nach der Wirkung der Mittel auf Sinne und Sinn.\nDie innere Gestalt ist den Sinnen und dem Sinn verschlossen.\nDie äußere Gestalt ist der notwendige Ausdruck der inneren\nGestalt.\nForm, Farbe, Bewegung, Ton wirken auf die Sinne und sind\nverbunden mit einem natürlichen Sinn. Die Gestalt des Kunst-\nwerkes gestaltet den natürlichen Sinn zu einem geistigen in\nder Gestalt.\nDie äußere Gestalt ist das Verhältnis der Kunstmittel zu-\neinander. Das Verhältnis der Mittel im Kunstwerk läßt sich\nbegreifen. Der Sinn der äußeren Gestalt ist nicht etwa ein ge-\nstalteter Sinn, sondern das System des künstlerischen Organis-\nmus. Jedes Kunstwerk hat seinen eigenen Organismus, sein\neigenes System. Jedes System, auch das unlogische, ist logisch\nauflösbar. Das Unbegreifliche des Kunstwerkes ist, daß sein\nSystem einen Organismus bildet, eine innere Gestalt wirkt. Hier\nist das Gemeinsame und ewig Trennende zwischen Kunst und\nMathematik.\nDas System im Kunstwerk wirkt auf den Verstand. Die\nGlieder des Systems sind die einzelnen Kunstmittel. Die ein-\nzelnen Mittel und ihre Verbindungen wirken auf das Gefühl\ndurch die Sinne und durch die Sinne auf den Verstand. Die\nunmittelbare Wirkung der Gestalt ist also sinnlich, Die Sinne\njedes Menschen sind empfänglich für Form, Farbe, Ton und\nBewegung. Mit seinen Sinnen nimmt der geistgebildete Mensch\ndas Kunstwerk auf. Das Kunstwerk spricht zu ihm. Aber der\nungebildete Mensch spricht zu dem Kunstwerk, Er stellt Fra-\ngen und verlangt eine Antwort. Er fragt das Kunstwerk, was\nes bedeutet. Da es keine natürliche Bedeutung hat, kann er\nes nicht ,»verstehen', Der naturgebildete Mensch will alles\nverstehen. Er will Ruhe haben. „Alles verstehen, heißt alles\nverzeihen.\" Er kann es dem Kunstwerk nicht verzeihen, daß\ner es nicht versteht. Der Verständnislose kann dem Kunstwerk\nnicht verzeihen, daß es besteht. Das Kunstwerk aber besteht\ndie Verständnislosigkeit. Die Natur vergeht, der Geist besteht.\nDas Kunstwerk steht in sich. Der weltmächtige Mensch\nsteht in sich. Das Kunstwerk steht in ihm. Er steht im Kunst-\nwerk. Das Kunstwerk stützt sich nur auf sich. Der Mensch,\nder das Kunstwerk empfängt, stützt sich nur auf das Kunstwerk,\ndas ihn empfängt. Die mystische Hochzeit verträgt kein Drit-\ntes. Kein „Erinnerungsbild\", kein „Verständnis\", kein „kluger\nGedanke\", kein „ethisches Bewußtsein\" oder andere Krücken\nder natürlichen Bildung nehmen das Kunstwerk auf. Nur die\nnatürlichen Sinne nehmen die Kunstmittel auf. Jeder gesunde\nMensch hat die natürlichen Sinne, Jedes Menschen Sinne sind\ngewohnt, Formen, Farben, Töne, Bewegungen zu ergreifen.\nNichts ist leichter, als die Kunstmittel zu ergreifen. Aber der\nMensch muß sie unmittelbar ergreifen, die Formen als Formen,\ndie Farben als Farben, die Bewegungen als Bewegungen, die Töne\nals Töne. Es gehört kein Verstand dazu, kein Wissen, keine\nSchulbildung, keine sog. Kunstbildung, sondern nur die Unbefan-\ngenheit der Sinne. Daher ist das Kunstwerk für jedermann greif-\nbar. Daher ist das Kunstwerk schwer greifbar für den Intellek-\ntuellen. Daher hat das Kunstwerk mit Aesthetentum überhaupt\nnichts zu schaffen. Das Kunstwerk ergreift das Volk, Das\nKunstwerk wird vom Volk ergriffen. Aber das Kunstwerk ist\nnicht völkisch. Es ist nicht national. Es ist nicht international.\nEs ist weltmächtig. Das Kunstwerk ist keine weltliche Macht,\nEs ist eine Weltmacht,\nDer Mensch, dessen Sinne das Kunstwerk aufgenommen\nhaben, hat die äußere Gestalt des Kunstwerkes empfangen. Die\nendliche äußere Gestalt umschließt die unendliche innere Ge-\nstalt. Der Mensch nimmt die äußere Gestalt in sich auf. Die\ninnere Gestalt nimmt den Menschen auf. Sie nimmt ihn so auf,\ndaß er eins ist mit ihr. Der Mensch ist weltmächtig. Die Macht\ndes Geistes hat ihn ergriffen. Der Rhythmus hat den Rhyth-\nmus des Menschen ergriffen, Wt> der Rhythmus des Kunstwer-\nkes auf den Menschen wirkt und nicht nur wahrgenommen\nwird, kündet das Kunstwerk sein Gesicht, Der Rhythmus des\nKunstwerkes wirkt auf den Menschen, der die Macht des Gei-\nstes ersehnt oder geistesmächtig ist.\nDer harmonische Mensch ist genügsam im Geist, Er sehnt\nnicht nach der Macht des naturfernen Geistes noch ist er geistes-\nmächtig. Der Mensch der Gegenwart ist nicht mehr harmonisch.\nDie Vollendung ist nicht seine Sehnsucht. Seine Sehnsucht ist\ndie Macht. Macht ist Nievollendung. Der rhythmische Mensch\nder Machtsehnende sprengt die Fesseln der Vergangenheit. Er\nzertrümmert das irdische Reich der Vergangenheit. Er baut ein\nneues Reich, das neue Grenzen hat. Die Kraft dieser Macht gibt\nihm die Kraft, die Grenzen, die eine Vergangenheit vor dem\nReich des Geistes errichtete, niederzureißen und den Weg in\ndas Grenzenlose, in das Reich des Geistes zu öffnen.\nDer harmonische Mensch ist der Mensch der Organisation.\nSein Ziel ist die Vollkommenheit der Persönlichkeit. Nun hat\nder Mensch eingesehen, daß die Vollkommenheit der Persönlich-\nkeit unerreichbar ist, daß die harmonische Gestalt unwesent-\nlich ist. Die Persönlichkeit ist nicht Zweck, sondern nur Mittel.\nDas Mittel ist begreifbar, aber der Zweck nicht.\nDie, Organisation bleibt das Mittel. Die Organisation ist\nMittel der Macht. Die Organisation greift mächtig die Natur.\nDie Macht über das Endliche schafft das Reich der Natur.\nDas Reich der Natur ist unvollkommen. Die Harmonie der\nNatur ist rhythmisch. Sie fließt. Es gibt keine Harmonie,\nsondern nur rhythmische Harmonie. Der harmonische Mensch\nist ein Irrtum, über sich, in sich."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3422, "texte": "Auch der harmonische Mensch will Macht. Jeder Mensch\nwill Macht, Die Grundgestalt der Macht ist der Rhythmus.\nRhythmus ist grenzenlos. Er fließt ins Unendliche oder in sich\nzurück. Seine Gestalt ist unvollkommen. Der machtvolle\nMensch, der Mensch der Gegenwart ist rhythmisch.\nDer aharmonische, der rhythmische Mensch ist unvollendet.\nEr strebt auch nicht nach Vollendung. Er ist sich bewußt, daß\ner Teil der* Menschheit und nicht Persönlichkeit ist, daß er Glied\neiner unendlichen Kette, des Rhythmus ist. Die unbegreifliche\nAbhängigkeit gestaltet ihn. Die Bedeutung des Einzelnen ist\nunwesentlich. An Stelle der Persönlichkeit tritt die Mensch-\nheit, Der Machtwille des Einzelnen gehört nicht ihm, gehört\nder Gemeinschaft. Ein gemeinsamer Rhythmus durchflutet alle:\nder Machtwille über die Erde. Mit Macht das natürliche Leben\nzu greifen, sich der Natur zu bemächtigen, ist Menschenwille.\nAber der Mensch ist lebendiger Geist. Ist Menschenwille\nMacht über die Natur, so ist Menschensehnsucht Macht , , .\nüber den Geist, Kein Tun, kein Begreifen, kein Glauben gibt\ndiese Macht; nur die Erkenntnis der Offenbarung. Das gei-\nstige Reich ist nur im Innern des Menschen aufzurichten. Die\ninnere Gestalt des Menschen ist unendlich. Eine innere Ge-\nstalt haben, bedeutet das weltmächtige Bewußtsein, Im welt-\nmächtigen Bewußtsein sind wir nicht Teil der Weltmacht, son-\ndern wir und die Weltmacht sind eins.\nDas geistige Reich ist die große Gemeinsamkeit, die Mensch\nund Mensch verbindet über Geburt, Erziehung, Beruf, Familie,\nWissen, Glauben, Staat, Tod,\nKünder des Reiches ist das rhythmische Kunstwerk.\nAn Stelle des erdmächtigen Kunstwerkes tritt das welt-\nmächtige Kunstwerk.\nDie Stellung der Kunst im Leben, zum Leben ist eine gänz-\nlich andere wie bisher. Was die Höhe der Religion ahnt, wenn\nsie sich die Kunst als Helfer ruft, ist Tatsache geworden. Was\nder Glaube nicht wirken kann, das kosmische Bewußtsein, die\nKunst vermag es. Die Kunst vermag es allein, und allein die\nKunst vermag es.\nDie Schöpfung des Kunstwerkes und das Erlebnis des\nKunstwerkes ist der Kult des neuen Reiches.\nKünder des geistigen Reiches ist der Künstler. Gestalt des\ngeistigen Reiches ist das Kunstwerk. Erlebender des geistigen\nReiches ist jeder Mensch,\nDas Kunstwerk ist das Heiligtum, Es ist kein Schmuck,\nkein Bildungsmittel, kein Unterhaltungsmittel. Es ist der heilige\nKelch, der sich jedem darbietet, und dessen Genuß zum Erlebnis\nweiht.\nWir fordern eine Stätte, wo jeder Mensch Genießender\nsein kann, damit er allüberall Erlebender sein kann. Die Stätte\ngibt es noch nicht. Der gothische Mensch hatte sie in der Kathe-\ndrale, Der rhythmische Mensch der Gegenwart muß sich die\nStätte schaffen. Er schafft sie sich frei von dem Willenszwang\nder Kirche. Es gibt kein Gotteshaus mehr. Aber es gibt ein\nMenschenhaus.\nIn unseren Häusern leben wir. Im Menschenhaus erleben\nwir. ; j *!\nLaßt uns das Menschenhaus errichten!\nWir wollen das Haus errichten, wo die mystische Hochzeit\nvon Natur und Geist Wirklichkeit ist, das Haus, wo wir nicht\nerdmächtig, sondern weltmächtig sind, wo wir nicht mehr na-\ntürliche Menschen, wo wir Geist sind, damit wieder Menschen\nwerden.\nDas Menschenhaus ist Gestalt der Offenbarung in Form\nund Farbe und Bewegung und Ton.\nDas Formkunstwerk, das Farbkunstwerk, das Bewegungs-\nkimstwerk, das Tonkunstwerk bilden das Menschenhaus,\nIm Menschenhaus ist das Kunstwerk der Gegenwart ge-\nboren: das Bühnenkunstwerk,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "21", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.3.1", "titre_corps": "Marc Chagall: Zeichnung", "titre_sommaire": "Marc Chagall: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 23, "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.4", "titre_corps": "Tod des blauen Reiters Franz Marc", "titre_sommaire": "Tod des blauen Reiters Franz Marc", "signature_source": "Gerhard Ausleger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.6", "debut_caractere": 3424, "fin_caractere_exclue": 4404, "texte": "Tod des blauen Reiters Franz Marc\nGerhard Ausleger\nSchwefel. Blitze, Blut und hart Gebrüll: Kanonen,\nLeiber rotgerissen. Und Granatengrüfte für den Tod: zu wohnen.\nFleisch und Fetzen vom Soldatenvolke —\nPlötzlich: ist der blaue Reiter breit von Licht geschlagen;\nist hineingetragen;\nist hinaufgetragen;\nbersten seine Hufe Splitter von beglänzter Wolke.\nErde rollt darunter. Rollt gewaltig in die Nacht.\nAufgebracht\nauf stracken Vorderbeinen\nrichtet groß das Roß sich am grünen Himmelsgarten.\nDrinnen: tausend treue Tiere ihren treuen Herrn erwarten\nsanft in Felsgestürzen und verblauten Forsten:\nBären (angetan mit goldnen Borsten)\nund verhaltne Lämmer bitter weinen;\nalle Tiere als aus dem Legendenbuche scheinen.\nLautlos, endlos: Feder, Vieh und hingestreckte Felle.\nGeht vonrosse nun der blaue Reiter\nund zu Ruhe über Himmelsgartenschwelle:\nalle Tiere heben die behaarten Brüste heiter,\nist: als ob sie läutend lachen,\ndaß sie treue nun dem Herrn seinen großen Schlaf bewachen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "24", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.6", "debut_caractere": 4406, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nLand\nDu bist mein blaues Land\nmeiner Seele Sehnsuchts Land '-.Wr\nDu bist meiner Jugend Ufer\numspült von meiner Träume Meer,\nMeiner Träume Meer rauscht\nMeine Seele lauscht über das Meer,\nDu bist meiner blauen Sehnsucht Land\nZypressen am Strand\ndunkel stehst du am Rand meiner Nächte,\nMond schläft auf den Bergen\nStumm hebt die Nacht die blauen Hände\nhin über dich.\nIn meinen Träumen fahre ich zu dir\nund golden rinnt die Nacht in meine offnen Hände,\nMorgen\nIhr Nächte mit verhülltem Angesicht\ntief sind im Sarge alle Stunden,\n0 hoch du Mond\no weißer Mond, den Tod in den gebognen Händen\ndu Fluß der Sterne blutgetaucht im Auf- und Niedergang,\nDer Nachtsturm keucht die Trümmer toter Dörfer auf.\nDie Stunde beugt die Sonne in den Staub!\nDer Nacken schimmert auf\ndie Sonne hebt den Morgen an.\nViel tausend Strahlen wehen Leben auf\nGedicht\naus jedem Halme blüht Geburt ans Licht,\nSinge, Herz, die Seele der Welt,\nSinge, Seele, die Gewitter des Zornes,\nSinge, Gewitter, den hohen Geist,\nMeine Hände falten Gebete um Sonne\nich wandere im Grunde des Lebens,\nalle Sterne sind stumm geworden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1337, "texte": "Ich höre die Mütter aus den Wäldern weinen,\nich sehe alle Bräute ihres Leibes Liebe suchen,\nGreise bringen ihr graues Haar in die Kirchen,\nalle Häuser stehen grau im Licht.\nWeine, Seele, den Schmerz der Welt,\nWeine, Welt, den Schmerz der Seelen,\nWeine, Kind in der Wiege, dem Vater der Schlacht,\nEifersucht\nDie Stunde hat ein fremdes Angesicht\nes fallen Totenschädel von den Blütenbäumen\ndrin Du,\nAn deinem Gange hängt mein Blick,\ndein Haar verweht in Meeren fremder Männer,\nAus einer Geige schwimmt ein Lied\ndas Lied bist Du\nund aus dem Abend meiner Liebe\ngehst du in die fremde Nacht,\nIn alle Sonnen bette ich dich,\nUeber alle Himmel trage ich dich,\ndeine Seele auf meinen Händen,\nUnsere Schritte blühen her und hin\nan unsern Fersen zucken Sterne hoch hinauf ,\nalle Stunden vergißt mein Mund\nan deinem Halse zucken Kerzen über Nacht,\nSterne stehen\nWolken wehen\no du überdämmerdunkles Leuchten!\nNun gehen wir zu glühn im Licht\no Seele weine nicht!\nWir sinken in das dunkle Tor\nund beben aus der wehen Nacht hervor,\n$ief beugend Sinn und Herz in Staub,\nVon buntem Laub umkränzt der letzte Schritt\ndie Welten rauschen nahe mit.\nBitte\n0 laß uns überfließen!\nDaß unsre Kelche ineinanderrauschen\nlaß uns den Nächten lauschen\ntief\nm uns.\nIn unsre Seelen ist ein Stern gefallen\n'von Gott ein Stern\nder glühendste von allen,\n0 laß uns lauschen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Vom frühzeitigen Schneefall, An-\nblick des offenen dunklen Sees am Grunde der verschneiten\nWälder, dem herrlichen Winter, waren die Großstädter trun-\nken. Die würdigen Familienhäupter kriegten mit den Damen,\nund Dolling, der Zappelige, faßte alle an die runden Arme, um-\narmte, küßte rote Backen und winterduftende Lippen.\nDollings romantischer Traum stand vor der Erfüllung! Nach\nder Revolution der achtziger Jahre hatte Dolling seine Romantik\nvon 1900. Auf den Vortragsabenden vom Mündigen Geiste\nhatte er riesigen Zulauf, Reformer aller Richtungen und Parteien\nsammelten sich unter seinen Fahnen, alle wurden in der Forde-\nrung weltbeglückender, bunter Mündigkeit geeint: Boden, Le-\nbens, Bekleidungs, Nacktheits, Kultur-Reformer! Gott, Kunst,\nSchönheits-Sucher! Gartenstadtgründer, Vegetarier, Natur-\nmönche, literarische Edel-Anarchisten und andere Lebenskünst-\nler! Enttäuschte Sozialdemokraten, Sozial-Aristokraten, Volks-\nerzieher, Monisten, Germanophoben, Arier und andere bunte\nIntellektuelle! / »\nDer wegbereitende Prophet verpflichtete eine Zahl erlese-'\nner Familien, die mit ihm in die großstadtferne freie Natur hin-\nausziehen, vereint unter einem Dach, im gemeinsamen Hause\nleben sollten: im Hause der Allheit, das Allen, doch Niemanden\neinzeln gehören sollte.\nDie das künftige Menilmontat suchende Schar gelangte\nschneeballend auf das kahle Gelände, auf dem das Reich der\nbunten Geistesfamilie begründet werden sollte. Hoch und\neinsam, im weit gebogenen Rund von schwarzem Forst ragte der\ntrostlos viereckige Ziegelbau von der nützlichen- Kahlheit eines\nGefängnisses. Das Haus diente vordem als Internat verwahr-\nloster Mädchen, dann als Vegetarierheim. Es sollte das Haus\nder Mündigkeit werden!\nDie Schar betrat die riesige, düstre Halle des Hauses und\ndrang in die Küchenstube der alten Pächtersleute ein, Sie alle\nbekamen eine Tasse heißen Kaffee, auch der von den Mündigen\nmitgeduldete Knabe Gereut. Denn Gereut war seinen Eltern\ndavongelaufen und den Dollingen eines Tages zugelaufen, um\nin der Mündigkeit sein eigen Fünklein heller zu brennen.\nGereut genoß gierig den Kaffee und trollte sich mit dem\nschwarzen, wolligen Spitz in den verschneiten Hof. Mit Wut-\ngebell hatte der Spitz die auf den Hof schwenkende Schar be-\nstürmt, aber als Gereut sich mit ihm einließ, drängte er sich\nfreundschaftlich an den Knaben. Beide sprangen um die Wette,\nfielen in den Schnee und wälzten sich in der tauigen Fülle, Ge-\nreut faßte mit brennenden, roten Händen die weißen Schnee-\nballen und griff den Spitz an, der freudeheulend den Knaben\numwarf und siegreich über ihn hinraste. Beide streckten wonnig\nalle Viere aus dem Schnee in die ahnungsvollen Lüfte.\nDie Dollinge waren mit Gefolge zur Besichtigung des Gar-\ntens aufgebrochen und standen lachend vor dem wütenden Knäu-\nel von Gereut und Spitz. Diese unbändige zwanzigjährige Le-\nbenskraft machte erschrecken. Die wilden Sprünge, jähen Ge-\nberden, maßloses Jauchzen stürmten urwüchsig über alle Sät-\ntigung der verbrauchten Dollinge. Der Junge bebte im Orkan\nvon Freude, Lachen, Schwungkraft... Ein zum geschichtlichen\nEreignis der Besichtigung mitgefahrener Dichter, ein älterer\nHerr, war auf das flache Dach gestiegen und wandelte, sinnend\ndie Hände auf dem Rücken verschlungen, droben auf und ab.\nEine hohe, schwarze Gestalt vornübergeneigten Hauptes. Die\nDollinge drunten hatten zum Aufbruch gemahnt, man wollte\nheim zum Mittagessen, aber Der droben ließ sich nicht stören\noder vernahm nicht die lustigen Anzapfungen von drunten, Als\neine Dame erwähnte, daß man ihn jetzt nur in seiner lyrischen\nEmpfindung über das erhabene Geschick des Heims der Mündi-\ngen stören würde, zog die Schar endlich ab mit Taschentuch-\nwinken, Hallorufen und Gassenhauern, Gereut abseits hinter-\ndrein, Als er sich einmal umwandte, sah er die schmale, schwarze\nGestalt des älteren Herrn sinnend am grauen Schneehimmel auf\nund abwandeln mit Papier und Stift in den behandschuhten\nFingern.\nII\nAls der Frühling nahebei war, zogen die Erwählten aus\nallen Richtungen, auf allen Straßen zum Heim. Die Möbel-\ntransporte hatten auf den Sandwegen zur Auffahrt vors Haus\nschwere Mühe und blieben stecken. Dann besetzte der\nSchwärm das Heim; geschäftige Frauen, streitende Männer\nneugierige Kinder, Handwerker, Ziehleute."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7705, "texte": "Gercut war im Januar als Erster eingezogen und verbrachte\nden strengen, schncereichen Winter in einer zementierten\nKellerstube. Er atmete die eisigen Hauche von Wald und See,\nwusch heimlich den Leib unter der Hofpumpe, lief nacktfüssig\ndurch den frischen Schnee und des Nachts nackten Leibes durch\nden Wald.\nFrost brannte herrlich, Härte des Nordwinds glühte sein\nBlut. Er stand stundenlang auf dem Dach, um den Winter-\nwolken zuzuschauen. Die dicken, majestätischen, in Woll-\nmäntel eingehüllten Könige schwebten droben, blickten gut-\nmütig hernieder und zogen weiter. Nachts stürzten Stürme\nans Kellerfenster, rüttelten am Gitter und warfen Sand an die\nklirrenden Scheiben. Dann freute sich der Knabe beim Lampen-\nlicht, sein großes wildes Herz nährte die Härte des Aeschylos,\nEr hatte Niemanden, brauchte Niemanden, Eltern waren fern,\nVerwandte, Freunde hatte er nicht. Die zu seiner schaffenden\nArbeit nötigen Studien zog er vor, in der den Lehrern uner-\nreichbaren Kellerstube zu vollbringen. Eine gütige Mutter hatte\ndem Sohn ein mächtiges Federbett und seine Bücher samt Re-\ngalen geschickt. Nun konnte der Junge von den väterlichen\nMonatsspenden ein liebe- und berufloses glückliches Leben\nleben, dem leider das Salz löblichen Strebens nach Amt und\nVerdienst völlig fehlte. Trotz den Warnungen von Hause hatte\ner sich in der großen Stadt gleich den Mündigen verschrieben,\ndas Schlimmste, was geschehen konnte, setzte der nackensteife\nJunge durch.\nGereut hatte sich in seiner Heimat gelobt, Dichter zu wer-\nden. Und er ging ans Werk!\nUrweltliche Schauer, dicht elektrische Fluten strömten\nüber seine Nerven, er bebte in Empfindungen, Spannungen des\nunmittelbaren, aber noch stummen Genies. Die Gefühle sah er\ndroben schreiten, den Zug der Götter in Asgards geheimnis-\nvollem Licht.\nGereut war keusch. Neugierig wie alle jungen Leute,\nkannte er die Liebe genügend, um sich nicht sonderlich für sie\nzu interessieren. Er wußte eigentlich nicht, warum er inbrün-\nstig vor dem Bild der weißen Afrodite über seinem Bette kniete.\nGereut war ungestalt im elementaren Branden, kosmischen Auf-\nund Abfluten, badend in ungeheuren Dünsten. Sein Ich war\nnoch nicht von der Finsternis geschieden! Gott der Herr hatte\ndas Wort noch nicht gesprochen! Der harte Eisenstab stand\nnoch nicht, an dem die Gewitter Funken niederschlugen. Kos-\nmische Mächte weideten seinen Schlaf, nährten den Leib, tränk-\nten seine blutreiche Seele. Rings um sie wandelte Hochwild,\ndas silbernes Mondlicht im See lockte. Der Riegel wurde noch\nnicht weggestossen! Der das Hochwild scheuchte, trat noch\nnicht hervor: das siedende Ich!\nGereut wanderte, verlor sich in Wäldern, sonnte sich nackt\nam Fluß, im entlegenen Waldwinkel, saß im sonnigen Moos, auf\ndas die grimmige Eiche ihren ehrwürdigen Fuß setzte, sang\nseine lieben alten Hymnen aus der Vorwelt. Der Wald war sein\nHeim, er ging barhäuptig zwischen seinen Säulen, in seinen un-\nzählbaren Kammern hin und her zwischen Morgen und Abend,\nnacktfüssig, barhäuptig geschmückt mit Waldblumen und Laub.\nOft begegnete er in seinem Walde einem großen Herrn, dem\nriesigen finsteren Sturm! Der nahm den liebsten Jungen um den\nsteifen Nacken und trieb sich mit ihm herum, stundenlang, welt-\nvergessen, triefend, jauchzend, im Donner, in angstgepeitschter\nFinsternis, unter Bögen der kreißenden Blitze. Gereut sah\nfurchtlos das Drama! Sein Gesetz lag sichtbar aufgeschlagen\nauf den Stufen der Wolken, über ihm stand ernst, gewiß, treu\nder siebenfache Bogen.\nDer Frühling kam sonnenweit, jugendzart, und Gereut ging\nin herber, zager Knabenfreundschaft mit ihm. Innig Saumselig-\nsein, überlichte Träume teilte traulich der Freund mit Gereut,\nDer Frühling liebte den geringen Knaben im armen Winkel\nund zeigte ihm sein niewelkes, wunderschaffendes Herz, und\nGereut hatte Zutrauen!\nDas Haus wimmelte, alle Stuben waren frisch hergerichtet,\nbunt gestrichen und sauber. Der Hausrat wurde aufgestellt,\nund die Männer hämmerten, werkelten, strichen an. Denn jeder\nGroßstädter ist vergnügt beim Bau seiner Eierkistenhütte im\nGrün der Laubenkolonie und dem Ausschmücken seines win-\nzigsten Eigens. Rastlos werkelten und bastelten die Mündigen\nin Keller, Küche, Stuben, Garten! Dieser Erdenfleck sollte\nvor Allen lachen!\nDie Mündigen rüsteten zum ersten Fest, zur Frühlingsfeier,\nAm ersten Maisonntag sollte das Heim geweiht werden, beide\nBanner sollten zur stolzen Höhe gehißt werden: das Banner\nvom aschfarbenen Lila, das Banner in Wiesengrün! In den\nbeiden wiedertäuferischen Farben vom alten und neuen Men-\nschen. In der Fahnen Mitte stickten die Frauen mit Goldfäden\ndas riesige Ei, das geheimnisvolle Schwarmzeichen. Sie färbten\ngrün Ballen von Sackleinen, mit dem sie die Hallenwände be-\nspannten, die Fenster bekamen Lila-Tüll. An der Westwand\nzogen die Mündigen auf Rollen eine ungeheure Kreiderepro-\nduktion von Böklins Heiliger Hain im grünen Kolossalrahmen\nhoch. Sie errichteten unter der schrägen Treppenbahn eine\nBühne mit grauen dorischen Säulen aus Sackleinen und gaben\nihr veilchenfarbenen Hintergrund. Die Nischen und Ecken unter\nder Hallentreppe verklebten sie mit Kiefern zu Liebesstübchen«\nSie hingen hölzerne Wandleuchter auf Kerzen an die Wände,\nzogen Girlanden mit unzähligen Lampions und warfen bunte\nPapierbanderolen in die Luft. Alles war bunt, grün und lila112\nglänzte und heimelte an, die Tannen dufteten und der Heilige\nHain rauschte.\nDer Ordenssaal, geistiger Hauptraum, war orange gestri-\nchen. Drin stand der feierliche Sitzungstisch mit breiten Bän-\nken für die massigen Körper des Rates. Ueber dem Tisch\nschwebte die spargelkrautbekränzte, ausrangierte Gaskrone,,\ndenn es gab nur Petroleumbeleuchtung.\nDie Gemeinde rüstete das Fest mit unzähmbarem Eifer,\nbedürfnisloser Energie, schlafloser Betriebsamkeit! Skepsis,\nZweifel erloschen. Nerven, Hirne badeten im religiösen Mor-\ngenrot, Begeisterung ist Erbeben an den menschlichen Grenzen!\nDie Mormonen gründeten am Salzsee ihre riesige Kirche, Zu-\nfluchtstätte aller Gebete künftiger Geschlechter. Feierlicher\nRuf erklang, heldische Sehnsucht, übermächtige Liebeskraft\nverjüngte die geschlechtlichen Paare. Gott hatte die geballte\nFaust geöffnet und ließ seine liebsten Kinder zu neuen Ge-\nlübden hervorgehen!\nIm Ordenssaal hingen in gotischer Schrift gezeichnet die\nLeitsätze der Mündigen:\nNeue Menschen, seht das liebende Paar,\nHeiliges Vorbild, die Zeuger der Vereinigung, euer Gesetz!\nIhr werdet die Oberen lieben, denn sie sind euere Väter!\nIhr werdet vie Unteigebeneti lieben, denn sie sind Eure\nSöhne!\nIhr werdet Euresgleichen lieben, denn Alle sind Brüder!\nIhr begründet die menschliche Familie,\ndie allgemeine, endliche Vereinigung Aller!\nDann sollt ihr in den verschiedenen Geschlechtern der\nzwiefachen Familie ewig wachsen in Liebe, Weisheit, Schön-\nheit,\nEuer Leben soll keine Grenzen haben.\nImmer neu in jeder Phase soll es eine Reise der Weihung\ndurch Jahrhunderte und in den Welten sein,\nindividuell doch zugleich gesammelt!\nZweihundert Jahre waren diese Leitsätze alt, von Enfantin\nebenso gemißbraucht wie von den Mündigen.\nSie ordneten in Satzungen nach dem Alphabet das äußere\nund innere Leben, Wirtschaften und Taten! Sie verordneten,\ndaß jedes mündige Mitglied im Betriebe ein Amt übernähme,\nsoweit es Kräfte und Zeit gestatteten.\nGereut war nie im Heim zu fassen und blieb tagsüber dem\nHause fern. Aber auch ihm wurde eines der hundert Aemtchen\nverordnet, eine nützliche, segenbringende Aufgabe. Eines\nAbends erhielt Gereut mit kühlem Bedeuten den Auftrag, sich\nbereit zu stellen, sofern er noch der Gemeinde angehören wolle.\nAm anderen Morgen mußte Gereut bei Tagesgrauen auf-\nstehen und hob gehorsam am Ring den eisernen Deckel von der\nSenkgrube, in der sämtliche Abtritte der Mündigen durch einen"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7638, "texte": "gemeinsamen Schacht endeten. Gereut lupfte mit zweiräderigem\nHebekarren den riesigen Kasten aus seinem Verließ und schob\nden schwer schaukelnden Abgang zur Dunggrube, Das Ge-\nschäft besorgte er einmal jede Woche in verborgener Frühe.\nDie Mündigen wußten nie genau, ob der faule Dichter seine\nPflicht-Abfuhr schob, denn sie gingen üblem Geruch gern aus\ndem Weg.\nIII\nDer erste Maisonntag war kalt, grau bewölkt, windig.\nZum Weihfest im Heim der Mündigen drängte eine dichte\nMenge und füllte murmelnd Halle, Treppen, Säle bis ans Dach,\nDie Geladenen wandelten in und um das Haus, begutachteten\ndie ländlichen Einzelheiten des verwahrlosten Gartens und\nvertieften sich in die Handhabung der Pumpe, die noch winter-\nverpackt war. Altane, Vorplatz, die verwilderte Auffahrt wa-\nren voll Neugieriger, die in Gruppen zusammenstanden und\nNeukömmlinge vorbeiziehen ließen. Es strömte wie zu einem\nSportfest.\nAus der kerzenstrahlenden Halle tönte Harmonium, die\nErstaufführung begann. Die Menge flutete aus Garten, Hof,\nVorplatz, Altane und Galerie, Sälen und Wohnungen in die\nHalle. Erhöht über der, Menge in der Halle leuchtete die Gips-\nbüste Nietzsches von Kruse, Feierliches Auf und Ab der mur-\nmelnden Menge, Neuzuströmen, die Treppen Auf- und Abstei-\ngen, Scharren auf dem Pflaster von Halle und Galerie, Andrang\nvor den Sälen, in denen mündige Frauen Erfrischungen ver-\nkauften, die neugierige Menge besetzte jeden Fleck des Hauses.\nDie Dollinge sonnten sich im Ruhm. Zu ihren Füssen bran-\ndete die glückliche Woge, die sie berauschte, sie kannten das\ngeheimnisvolle Bannwort, das Unruhe und Erregung unter-\nwerfen wird. Sie waren die Lenker im edlen, düster bestrahlten\n✓\nSchiff der mündigen Kathedrale, in der die Menge der magne-\ntischen Vereinigung bis auf das winzigste Teilchen harrte.\nsich ohnmächtig aufbäumte, den Kopf höher trug, als die\nUmgebung befahl, wer sich gar stolz und schweigsam gebartet\nDolling setzte das Zauberhorn an die Lippen und sandte den\ndräuenden Klang aus, auf den tausend Gewappnete, tausend\nErweckte harrten, der jedes mündige Ich zur grünen Fahne\nsammelte. Bei Aufgang der nackten Sonne sank der Nebel, so\nglitt der alte Mensch zu Boden und der Neue stieg selig grün\nempor!\nGereut schaute die Menge zum ersten Mal: das dynamische\nMassen-Ich, den Riesenheiland des Durchschnittsmenschen, das\ndemokratische Kollektiv, für das es die sittlichen Hemmungen\ndes Einzelnen nicht gab. Gereut schaute strahlenden Auges\ndas feurige Herz des Menschen in der Dämmerung der Menge,\naus der Abgeschiedenheit entflammte es in der tierischen\nWärme gemeinsamen Lebens zu urweltlichen Schauern, drang\nvor zu ursprünglichen Regungen: Wildheit, Rache, Fanatismus,\nZerstörung, Aufruhr, Mord kamen aus der gemeinsamen Wiur-\nzel, dem ewigen Trieb gottschaffenden Herzens, und wurden in\nder demantharten Kristallwölbung des Absoluten verklärt. Das\nHerz pochte, frohlockte, überwältigte in stürmender Leiden-\nschaft, Ehrfürchtig vor dem Herzen des Menschen in seiner\nLeidenschaft beugte sich Gereut. Er rief das mächtige Ich her-\nauf, das kommen soll, um die in Leidenschaft glühende Menge\nzu hämmern, das Stirnen sprengen soll, um Herzen zu höhen.\nGrimm das Herz, Trotz der Mund, Gereut war bereit, den\nfeurigen Adamsschrei in die wuchernden Hirne zu stoßen, zu\nbrennen.\nDer Gong wurde geschlagen. Gereut trieb im Gedränge,\nSeine rechteckige Stirn des geistig Werktätigen stand streng\nim unsichren, fratzenhaften Schwärm, Er hielt die Hand einer\nFrau mit kastanienbraunem Haar. Der scheue Knabe hielt die\nliebe Hand, unachtsam der schrägen Blicke ringsum. Er liebte\ndie Frau und die stolzen Brauen. Sie hatte Gereut ihre Hand\nals Gefährtin auf einsamen Morgenspaziergängen gegeben, und\nsie waren immer zwei schlanke, braune Jungens selbander.\nGereut schenkte ihr zum Fest eine gelbe Rose, sie tat sie\nachtlos in den Gürtel. Ihre verwegenen Blicke suchten ruhlos\nüber der Menge, sie war nervös, der Knabe war jetzt lästig, aber\nsie scheute sich, ihn fortzujagen, Ihre Hand lag feucht und heiß\nin Gereutens, und er war glücklich, er hielt die Hand des\ntreuen Gefährten, sein Herz flüsterte „treu!\" Mit der Gefähr-\ntin ruhte er in tönender Muschel und sang fern im blauem\nMeer, in blauer Luft „treu!\" Seine Augen schauten lächelnd\nden edlen, braunen Frauen-Nacken.\nMit einem Mal sang die Menge oder tönte fernes Waldhorn?\nHarmoniumspiel, dann Schweigen! Als alles still war, erhob sich\neine einzelne Stimme auf der Galerie. Tief verträumt lauschte\nGereut auf das Blut, das in seinem Leibe wundersam glühte\nund zur lieben Hand drängte. Er vernahm kein Wort von Del-\nlings hastiger Frühlings-Rede. Dann glitten blanke Stahlschie-\nnen in Gereuts Traum, der D-Zug sprang auf, „Einsteigenii*\\\nund Gereut erwachte plötzlich, als Dolling droben einen großem\nZinnhumpen an die Lippen setzte und trank unter allgemeinem,\nverlegenem Schweigen. Keine Hand rührte sich zum Beifall\nNeben sich hörte Gereut einen starken, bartbuschigen Herrn\nhingerissen murmeln: ~Er trinkt wahrhaftig, ist Der mutig!\" Dol-\nling leerte den Humpen auf Orden, Frühling, Liebe . . ,!\nDie Ueberraschung war gelungen, nervöser Beifall umtobte\nden Redner, die Mündigen des inneren Kreises drängten ihre\ngeröteten Gesichter an Dolling seines, umarmten ihn und küß-\nten seine Backen. Die Menge bewegte sich, im Gedränge\nschwand die Frauenhand aus Gereutens. Er stand allein und\nmißte niemanden. Achtlos schritt er durch die Menge, ohne\nanzustoßen, und stieg zum Dach auf.\nDroben wehten die Banner Lila und Grün im strammen\nMaiwind, graue Wolken wanderten nach der Stadt. Ein eisernes\nGitter umfriedete den Platz bei den Fahnen, daran lehnte die\nKastanienbraune, ließ das Haar vom Winde zausen und bog sich\nhingegeben im Gespräch mit zwei jungen feinen Herren. Ge-\nreut trat ungesehen auf die Bodentreppe zurück.\nIn Halle und Sälen wurde Kaffee gereicht. Die Menge\ngruppierte sich, ästhetisierte, kokettierte. Das Geschwätz klap-\nperte betäubend. Kruses einsamer Nietzsche maß mit Rätsei-\näugen das winzige Glück der Mündigen, die mit klingendes\nPunschgläsern anstießen auf Ordensgründung und schöne\nFrauen. Alles trank, lachte, küßte . . , Das Harmonium dröhnte\ndas Ordenslied: ~Wir sind mit Schwur und Küssen gesellt!\" Die\nVersammlung wurde erotisch trunken. In den Liebesstübchen\nder Halle, in halbdunklen Fluren, Winkeln und Zimmern nebe«;\nden Sälen tummelten sich Liebespaare und der zappelige Dol-\nling flatterte um die Damen, nippte, küßte, kniete neckend vor\nverliebten Paaren und feuerte die sanfte Musik der Küsse an\nDie Halle wurde zum Tanz geräumt und die Kastanien-\nbraune führte den Reigen mit klappernden Kastagnetten. Sie\nritt die lärmende Männerherde im Kreise mit harten, blanken\nAugen und blassen Wangen. Aus dem Tanze zerstreuten sich\ndie Paare in die finstere, kalte Mainacht, aufs Dach, in dem\nWald, in unverschlossene Wohnzimmer, Als ein Mündiger sein\nSchlafzimmer betrat, ruhte ein Paar auf dem Bett und blieb\nliegen. Mitternacht schieden die Gäste bis auf Liebespaare, die\ndurchschwärmten. Der zappelige Dolling und die Kastanien-\nbraune wurden von den beiderseitigen Ehehälften ins Bett\ngeholt.\nGereut stieg bei Beginn des Tanzes in den Keller hinab\nIn der quälenden Festnacht schlief er seinen gesunden Jungens-\nschlaf. Am frühen Morgen stand er mit dem ersten schönen\nMaientag auf, ging unter die Pumpe und wusch sich die Narrheit\nder Mündigen von Gesicht und Händen.\nIV\nDie Pforten des Heims schlössen sich nach der Frühlings-\nfeier vor dem Draußen. Die Männer fuhren zur werktägigen\nArbeit, die Frauen blieben in den einsamen Stuben,\nDa kam der duftende, warme Maimond durch die Wälder\ngezogen und spähte listig nach einer Gelegenheit für seinen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6210, "texte": "Zauber, Unfern des Heims der Mündigen, auf dem blauen\nHügel überm See mit seinen sprießenden Birken ruhte er und\nsann bei den Klängen der Äolsharfe dem Geschick der Mün-\ndigen nach. Alsbald spannte Maimond ein zartes Spinngewebe\nund knüpfte es unter den Mündigen, Er schlug den Brand in\nder würdigen Männerbrust, liebkoste geschlechtlich, machte\nHände fiebern und Augen blinken nach reizenden Gegensätzen,\ndie aus feuchten Knospen heimlich erblühten, Maimond lockte\nzur seltenen Zärtlichkeit und gab den Rausch aus gegorenem\nTrank.\nUnfruchtbar war der Sand, auf dem sich das Heim der\nMündigen erhob, Schoß allen Unkrautes und üppiger Wuche-\nrung von Disteln, Brennesseln, Quecken, gelben Königskerzen.\nVerleumdung, Neid und Eifersucht gediehen unter dem Alle\nschützenden gemeinsamen Dach und Maimond spannte das\nSpinngewebe aus Gelegenheit und Gunst der Stunde, Das stille,\nheimliche Dreieck entstand, Flirt machte graue Tage bunt, gol-\ndene Freiheit, nie gebotene der alten Ehe, wurde genossen.\nMancher Mündige sah den reizenden Bettschatz in Maimonds\nVerstrickung mit dem durchdringenden Bewußtsein eigener Un-\nfähigkeit und Ueberflüssigkeit.\nDie rauhen Tage waren bald vorüber, als Maimond reich\nund erfinderisch seine Wunder tat. Er hing die glänzende\nSommersonne in den düftewehenden Himmel. Die Frauen\nsonnten sich stundenlang, atmeten im Moos den starken Wjürz-\ngerttch des Waldes und öffneten die Blusen. Maimond gab\nihrem Blut den Rausch seines gegorenen Trankes aus Goldlicht,\nblauen Maiwolken, Würzwinden, Liederzwitschern, Zirpen und\nSummen auf dem blauen Hügel überm See,\nDer Rausch der Liebe und der Freiheit war gekommen,\ndie Mündigen lobten Maimonds süße Geschicke und folgten\nseinen grünen Bannern. Alles Männliche, alles Weibliche ver-\nliebte sich kreuzweis, der innere Kreis, die Reformer, das Ge-\nsinde, die Familienhäupter, Herr Miesmuschel selbst, Vorsitzen-\nder des Rates. Miesmuschel empfahl seiner Frau eine Er-\nholungsreise und sie reiste infolge seiner Autorität, In der\nStube, die das sittliche, aber unfruchtbare Glück seiner Muster-\nEhe geborgen hatte, koste er heimlich mit Maimonds wonnigem\nZauber und zeugte die zugleich sinnliche und übersinnliche\nFrucht.\nAuf die berühmten, glücklichen Dollinge stürzte sich! ein\nSchwärm liebeswütiger älterer Mädchen, Malerinnen und\nSchauspielerinnen gesellten sich ihnen mit Küssen, Die Dol-\nlinge küßten Nacken und Busen, öffneten Blusen, Haare, Röcke,\nund die Liebsten tanzten Salome und Nackttanz,\nLiebesgruppen bildeten sich, die werktägig und sonntägig\nin den Wirrungen starker und reizender Gegensätze duldeten\nund genossen und lächelnd kreuzweise Wege ebneten. Das\nLeben war kurz, die Ehe lang, wer wußte, wie schnell die Frist\nder Mündigkeit ablief! Alle liebten intensiv, am liebsten jeden\nTag, und jeden Liebsten einen Tag lang. Einer wußte vom An-\nderen alles, doch jeder von sich selbst am wenigsten. Die\nverliebten Frauen waren am gierigsten nach Geheimnissen. Nie-\nmand sah den jungen sauberen Naschkatzen von außen die\nSünden an, die sie aus Langeweile, Maimond und Sehnsucht\nbegingen.\nDie Mündigen hatten nach Professor Freud eine heimliche\nLehre vom Nichtverdrängen sinnlicher Erregungen, sie. schlössen\nVertrag mit der Liebe und waren freie Menschen. Der Mündige\nsündigte nicht; wer mit der Schwester Eines und Gleiches im Gei-\nste war mit ihr im Leibe Eines und Gleiches. Sie waren Bruder und\nSchwester in der künftigen Geistesfamilie. Der Mündige brach\nmit der alten, absoluten Ehe und band mit der Demokratie an.\nJeder und jede wählten, was das Liebste war. Die Männer\nkannten ihre böckische Gattung und stahlen sich aus der alten\nEhegewohnheit mit uraltem Grausen in Maimonds Freiheit,\nMaimond lachte, Maimond reifte zur üppigen Sommerfreude,\nräkelte sich im Sonnenbrand auf dem Mistbeet und verbreitete\ndie geile Wucherung seiner riesigen und hohlen Früchte.\nV\nDer Ruhm vom Paradies der Mündigen kam in aller Leute\nMund, Alle Ethiker, Soziologen und Snobs besuchten die junge\nGründung. Manch Armen im Geist trieb es, nach Avalun aus-\nzuwandern, denn das Millennium war da. Wunderliche Männer\nim blauen Hemd und gelben Mantel kamen mit Gemessenheit\nlastbarer Dromedare, schreitender Türme; das Haar war mitten\nüber der weiblich niedrigen Stirn gescheitelt und fiel stark auf\ndie Schultern, Naturmönche, Brüder von der Stadtflucht und\ndem Freilicht, Odins Söhne!\nEin junger Knecht wanderte aus seinem böhmischen Dorfe\nfort und war wochenlang auf den Landstraßen nach der Stadt\nim Norden unterwegs. Barhäuptig, barfüßig, dürr und stangen-\nlang, kupfern von der Hundstagssonne, im Jungenskittel, dem\ner ganz entwachsen war. Er wurde eingesperrt, kam ins Ar-\nbeitshaus, wanderte ein Stück voran. Die Kinder verspotteten\nihn! Er bettelte, fand Arbeit bei der Ernte, Ohne Paß, ohne\nGeld, ohne Schutz, ohne Mantel, Schuh und Hut: Er kam vor-\nwärts, nichts hielt ihn lange auf, denn er durfte nicht säumen.\nEr arbeitete sich ans Licht, breitete die Flügel aus und brauchte\nsie, weit weg zu fliegen. Allen, die nicht gerade seiner spotte-\nten, predigte der Junge: Kein Mensch soll im steinernen Hause\nwohnen und gekochte Speise essen. Denn er verwarf Kleidung,\nKüche und Kultur.\nAn einem Mittag kam der Böhme ins Heim der Mündigen,\nals die Frauen den Tisch im Speisesaal deckten. Das Essen\ndampfte und der Gast wurde einen Augenblick im Eßsaal allein\ngelassen, Niemand wachte über dem Mahl der Mündigen, Der\nbäuerische, ausgehungerte Landstreicher ergriff das nächste\nBratenstück und fraß es in den Händen, wahnsinnig vom lecke-\nren Geruch, Denn im Paradiese nahm jeder, was ihm am Lieb-\nsten war.\nDer Böhme bekam eine Kammer im Stall neben Myrddhin,\ndem Dichter, Das Heim, seine Türen, Schränke und Stuben\nwurden vor dem Kommunismus der Landstraße verschlossen.\nAuch die Frauen fürchteten für ihre nicht-kommunistische Tu-\ngend. Der Böhme bezog den Stall gar nicht, sondern wohnte\nim Walde. ! n\nEines morgens früh betrat eine mündige Dame den Wald\nund vernahm von droben schreckliches Geheul, wilden Gesang,\nGelächter! In den Kiefernwipfeln turnte der dürre, nackte,\nrothäutige Böhme, das Walduntier schlang sein Zottelhaar in\ndie Zweige, Die Dame flüchtete, denn sie entsetzte sich vor\ndem Gorilla, der auf sie stürzen würde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.7.1", "titre_corps": "Marc Chagall: / Zeichnung", "titre_sommaire": "Marc Chagall: / Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 25, "texte": "Marc Chagall: / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.9.3", "titre_corps": "Lied in Lazienki", "titre_sommaire": "Lied in Lazienki", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.14", "debut_caractere": 444, "fin_caractere_exclue": 2085, "texte": "Lied in Lazienki\nZeiten fliehen\nNußblütenkuß\nStunden rauschen\nLilien laben lieber loser\nPurpurprasseln\nLilien geigen\nLöwen\nGoldklimpern rot Trompeten\nLilienlusten\nLichterlinden\nStrotzen\nSchwanen Schnee schwistern\nSchwarzer Marmor\nRasen\nRoter Marmor\nRosen\nSchwarzer Marmor\nRasen\nWeißer Marmor\nRuten\nWeißer Marmor\nRuten\nRoter Marmor\nRosen\nGoldsamt Blauparkett\ni\nStein tränt siegeltief\nErderdauert\nRanken krönen Blutruck\nVolle Schalen füllen weiße Triller\nSüdsilbersüchtig sieden Säen\nLasten schwanken schwarze Rosen\nElritzenrieselroser\nStein schenkt Stechen\nStein greift Schwalbenflattern\nMohnweiße Wellen zwitschern\nHeimlich heimen W)eiten\nStrudel sind süße Betten\nDie Kerzen küssen blonde Köpfe\nKugeln klingen kurz\nTragen armt Lasten\nKnospenjach\nPfeiler nischen Blaudurchbrechen\nBlutertanzen sonnestürmen\nRaum rastet\nSplitter schmähen\nIch bin ein rotes Sommerei\nUnd blute rund\nSchritte stoßen Raum\nStehen sehen Sonnenblicke\nLustleuchten liegt in Feuerlicht\nSudsehnen unter Sud\nStahlsehnen Lastenstahl\nSchlanken\nUm zu brechen\nStein baut mich milchblaß\nGleiche Glocken klirren\nGluten schneiden dunkler\nHasten haften\nMänner schauen was sie schaffen\nLazienki läßt die Hütten liegen\nBogen beben\nVier Riesen geben Erde\nWundern wühlen\nWerden\nVäter kennen keine Kindertode\nWandeln\nTräumen die roteste Seide der Sonne\nFlache Schneiden flügeln\nFlammen flechten Burgen\nDer Tag flüstert\nDämmer hellen\nSteine dürfen scheinen\nWälder küssen\nSteine glauben nie an Steine\nJahre küssen\nSteine reiten Hirne\nLerchen küssen\nSteine hetzen rubin Herzen\nStein so satt\nWelt will weiter nichts\nPurpurprasseln\nIn Rotresedenreine blitzt Blütenlust mir meinen Morgenmai."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Das fünfte Gedicht beginnt mit der Zeile:\nSchwirrfaucher Donner schneidet Nebelschwaden,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "debut_caractere": 109, "fin_caractere_exclue": 725, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriit Der Sturm\nErscheint am funlzehntcn jedes Monats\nBauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEmzelheft 80 Pfennig / Fur das Aus-\n1a n d bei direkt.cr Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post fur\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fur das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "debut_caractere": 727, "fin_caractere_exclue": 1135, "texte": "1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n/ Voll-\nSonder-\nausgabe:\nPre is e der friiheren Jahrgange\nstandige Ausgabe Qewohnliche\nAusgabe:\n1910/11 25 Mark\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, soweit vorhanden; erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n20 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n10 Mark\n10 Mark\n10 Mark\nvergriffen\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "debut_caractere": 1137, "fin_caractere_exclue": 1973, "texte": "Biicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse / Ge -\ndic h t e\nQebuiiden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nÜberteufel./ Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJedes Buc-h 2 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie scliwarze F aline / Eine Dichtung\nQeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nOeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nQebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nOeheftet 2 Mark ' Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nOebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nRoman\nOeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I:\nKimstmaler und Kunstkritiker\nOeheftet 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "debut_caractere": 1975, "fin_caractere_exclue": 2530, "texte": "Sturm-Biicher I: August Stramm; Sa nc ta\nSusanna /' II: August Stramm: Rudi-\nment a r I III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoli Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aagc von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\njedes Sfurmbuch 50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "debut_caractere": 2532, "fin_caractere_exclue": 2849, "texte": "Musik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFiir Klavier / Eme Mark\nDie Judentochter\nFiir Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von\nArno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzeiausgabe / 50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-05-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-05-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1917-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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HH II ißf Äl! MSSt i\njM WSBSm «Hafi| JBagsjf SBBBi fwrlwl; lij ggHg jgglgr '<\nffipjißgPß BBBHHjffi W ™M| < gfißffiißsl ||| MB JBg\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nACHTER JAHRGANG\nBERLIN MAI 1917\nZWEITES HEFT\n\nInhalt:\nLothar Schreyer: Das Bühnenkunstwerk / Gerhard Ausleger: Tod des blauen Reiters Franz Marc / Kurt Heynicke: Gedichte /\nAdolf Knoblauch: Gereut / Erzählung / Wilhelm Runge: Lieder / Franz Richard Behrens: Gedichte / Rudolf Bauer: Zeichnung / Marc\nChagall: Vier Zeichnungen\n\nRudolf Bauer: / Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.2", "texte": "Das Bühnenkunstwerk\nDie Wirklichkeit des Geistes\nLothar Schreyer\n\nWir wollen das Reich des Geistes errichten.\nDas Reich des Geistes hat die Welt ergriffen.\nWir sind nicht wir.\nIn uns wächst der Stern, der über uns leuchtet. Es ist kein\nMärchen, den Mond vom Himmel zu holen. Was die Hände nie\ngreifen, was der Verstand nie faßt, wird offenbar.\nDie Stunde der Offenbarung ist angebrochen. Die Zungen\njder Verkündigung reden. Sie reden in uns.\nGlücklich, die wir reden dürfen!\nDie Sehnsucht nach Geistigkeit ist der Weg der Mensch-\nheit. Wir sind Werkzeug und Werk der Erfüllung. Die uner-\nfüllte Sehnsucht ist das Reich des Geistes, die Erfüllung das\nWerk des erfüllten Menschen. Der geisterfüllte Mensch ist das\nReich. Der endliche Mensch wird die Unendlichkeit.\nDas Werk ist. Das Werk wirkt die Wirklichkeit. Die\nWirklichkeit wirkt das Werk.\nDas geistige Reich ist eine Wirklichkeit wie das natürliche\nReich. Nicht nur die Natur ist wirklich. Die Natur allein\nist nicht die Wirklichkeit. Die Natur wirkt nicht ohne den\nGeist. Die Natur ist ein Werk des Geistes. Wir sind in das\nWerk gewirkt.\nNur der Geist vermag den Geist unmittelbar zu erkennen.\nDie unmittelbare Erkenntnis ist die Offenbarung.\nDie mittelbare erkennt nicht, Sie lernt das\nBekannte kennen und lehrt es kennen. Lehrer und Schüler\nerwarten, daß die Bekanntschaft erkenntlich ist und eine Er-\nkenntnis als Lohn der Mühe gibt. Den Wartenden flieht das Ziel.\nSeine ganze Mühe ist, Mittel um sich aufzubauen, bis er aller\nMittel bar ist, eine unmittelbare Erkenntnis zu haben. Sie wird\nnie als Lohn gegeben. Sie gibt sich als Gabe.\nKein Mittel führt zur Erkenntnis, aber die Erkenntnis führt\ndas Mittel zur Gestalt.\nDie Gestalt ist das Mittel des Geistes,\nDie Offenbarung ist Gestalt.\nDie Gestalt ist die Erkenntnis.\nNicht Erkennende sind die Wissenden und Glaubenden, Der\nWissende weiß nur von mittelbarer Geistigkeit, die er sieht,\nDer Glaubende glaubt an die unmittelbare Geistigkeit, die er\nnicht sieht. Die unmittelbare Geistigkeit sieht nur der Erken-\nnende. Er weiß kein Wissen. Er glaubt keinen Glauben. Er\nsieht das Gesicht,\nDas Gesicht ist die Offenbarung. Die Offenbarung ist\nWirklichkeit. Der Erkennende sieht das Wunder als Gestalt,\nDer Gläubige glaubt an das Wunder, ohne die Gestalt zu sehen.\nDer Wissende sieht die Gestalt, ohne das Wunder zu sehen.\nDas Wissen ist kein Erkennen. Aber die Gestalt des Was-\nsens erkennt. Die Wissenschaft selbst ist ein untaugliches Mittel\nzur Erkenntnis des Geistes, Das Reich des Geistes verkündet\nsich in der Gestalt der Wissenschaft.\nDer Glaube hat mit Erkennen nichts zu schaffen. Der Glaube\nist ethische Forderung der Religion. Der Glaube ist bewußte\n1 auschung über das mittelbare und unmittelbare Erkennen,\nDer Glaube gibt vor, in das Reich des Geistes zu führen. Ein\nWillensakt tritt an Stelle des Schauens, Der Gläubige will das\nReich des Geistes leben, der Erkennende erlebt es. Der Gläu-\nöige sucht das Reich des Geistes im Reich der Natur zu ver-\nwirklichen. Das Reich des Geistes ist aber schon eine Wirk-\nlichkeit. Sie braucht nicht erst verwirklicht zu werden. Das\nReich des Geistes ist der Wirklichkeit der Natur fremd. Der\nErkennende erkennt, daß keine natürliche Handlung eine geistige\n%\nHandlung sein kann. Keine geistige Handlung kann durch eine\nnatürliche nachgebildet werden. Aber die geistige Handlung\nbildet die natürliche. Die geistige Handlung überwindet die na-\ntürliche. Das geistige Reich, in das Reich der Natur gestellt, ver-\nnichtet die Natur. Der Glaube meint, die Natur in Geist zu ver-\nwandeln. Aber er zerstört den Menschen. Die auf den Glauben\ngegründete Religion zerstört das Leben. Die auf das Schauen\ngegründete Religion erhält das Leben. Denn sie dient Natur und\nGeist. Unser Leben ist ein Leben der Natur wie des Geistes.\nWir sind endlich und unendlich. Wir lieben die Natur. Wir\nlieben den Geist. Denn wir sind lebendige Geister.\nWir wollen nicht die Natur zertrümmern; denn wir sind\nihr hingegeben. Wir können sie nicht zertrümmern. Der Geist\nkann nicht zertrümmert werden; denn wir sind ihm hingegeben.\nWir wollen ihn bekennen.\nDas Bekenntnis des Erkennenden ist seine Erkenntnis.\nDie Erkenntnis erkennt: i\nWir sind endlich in der Natur. Wir sind unendlich im Geist.\nWir haben ein Maß in der Natur, Wir sind ohne Maß im\nGeist.\nWir haben in der Natur eine Gestalt, im Geist Gestalten\nohne Zahl.\nWir leben in der Natur. Wir erleben im Geist.\nWir lieben und leiden in der Natur. Wir schauen im Geist.\nWir handeln in der Natur. Wir erkennen im Geist.\nWir sehnen in der Natur. Wir sind erfüllt im Geist.\nWir sind sinnlich in der Natur. Wir sind sinnenlos im Geist.\nWir ringen nach Verständnis in der Natur. Wir sind dem\nVerständnis entrungen im Geist.\nWir schaffen in der Natur. Wir werden geschaffen im Geist.\nWir greifen die Natur. Wir sind ergriffen vom Geist.\nWir sind getrennt in der Natur, Wir sind eins im Geist.\nWir werden in der Natur. Wir sind im Geist.\nWir erkennen beschränkt in der Natur. Wir haben schran-\nkenlose Erkenntnis im Geist.\nWir sind sterblich in der Natur. Wir sind unsterblich im\nGeist,\nDer lebendige Geist führt ein geistiges Leben, Uns hat\nnicht nur das Leben ergriffen. Auch der Geist hat uns er-\ngriffen. Aber wir haben lang nur das Leben ergriffen. Nun\nwollen wir auch wieder das Geistige ergreifen. Wir wollen\nim Natürlichen Natur sein, im Geistigen Geist. Wir wollen das\nNatürliche leben, das Geistige erleben.\nDas Erlebnis der Erkenntnis ist Offenbarimg,\nDas Erlebnis ist Gefühlsreiz,\nErkenntnis ist Gefühlsreiz durch Begreifen der Begriffe,\nOffenbarung ist Gesicht. Gesicht ist nicht Anschauung.\nDer Begriff öffnet seine Gestalt. Er wird nicht nur begriffen.\nEr ergreift uns so, daß wir ihn ergreifen.\nEs ist unsere Sehnsucht, unendlich, maßlos, zahllos, eins zu\nsein, losgelöst von Sinnen und Verstand, schrankenlos in der\nErkenntnis zu sein, unsterblich zu sein.\nWir sind es.\nDiese Erkenntnis soll allen Menschen wieder werden. Da-\nrum wollen wir das Reich des Geistes errichten.\nDer Wille der Zeit fordert das neue und ewig alte Reich.\nEine Weltanschauung gibt uns keine Erkenntnis mehr. Wir\nwollen die Welt nicht mehr anschauen. Wir wollen die Welt\nsein. Denn wir sind die Welt, Wir sind nicht Schöpfer, Wir\nsind Geschöpf,\nDie Natur hat nichts mit der großen Sehnsucht zu tun,\nDie Sehnsucht tut das Natürliche ab. Die Natur schließt uns\nein. Wir aber sind mehr als das Natürliche und wollen das\nandere, das Reich des Geistes uns öffnen. Doch der Wille ist\nnicht der Schlüssel. Die Sehnsucht öffnet das Reich. Die Sehn-\nsucht ist willenlos. Der Wille ist sehnsuchtslos. Die Sehnsucht\nist in sich. Der Wille ist in der Tat. Durch die Tat das Reich\ndes Geistes errichten zu wollen, ist der große Irrtum der Welt-\nanschauung, Die Welt kann nicht angeschaut werden. Das\nGeistige kann nicht getan werden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.3", "texte": "Das Reich wird errichtet durch die Verkündigung der Er-\nkenntnis,\nDie christliche Kirche der Gegenwart kündet die Erkennt-\nnis nicht. Die Gegenwart sucht sich zu lösen von dieser Kirche,\nDenn wir wissen, daß ihr Glaube nicht selig macht. Er macht\nunselig zu Gunsten einer Verheißung. Wir aber begehren eine\nWirklichkeit im Erdenleben. Der Wechsel auf die Unsterb-\nlichkeit gilt uns nichts, wenn wir wissen, daß wir sterblich sind.\nEr gilt uns weniger als nichts, wenn wir ihn bedingt haben durch\nEntsagung im gewissen sterblichen Leben, Wir Sterbliche wol-\nlen die Unsterblichkeit erleben. Wir erleben sie durch keinen\nGlauben, durch keine Weltanschauung, Wir erleben sie allein\nim Gesicht der Offenbarung, Die Offenbarung wird durch keinen\nWechsel erkauft, durch kein Tun oder Leiden verdient, Sie\nkommt zu Gerechten und Ungerechten, Jeder ist der Rechte,\nDer Rechte ist der weltmächtige Mensch,\nDer weltmächtige Mensch ist der Erkennende. Nur der\nGeistbewußte ist weltmächtig. Jeder kann es sein. Jeder ist\nes, der das Rätsel der Welt nicht hinter der Welt sucht oder\nmit Wissen und Glauben zu lösen sucht. Denn hinter die Welt\nkann niemand kommen. Die Rätsel sind nicht lösbar; sonst\nwären es keine Rätsel, Aber wir sind die Welt. Das gilt es\nzu erkennen. Wir erkennen es, wenn wir uns einbilden in den\nKosmos. Diese Einbildung ist das Bewußtsein unserer Welt-\nmacht. Diese Erkenntnis offenbart sich als Gesicht. Das Ge-\nsicht ist Gestalt. In diese Gestalt sind wir eingebildet. Die\neingebildete Gestalt zu bilden, vermag der Künder der Erkennt-\nnis, Er kündet die Gestalt, indem er sie mit Mitteln des leben-\ndigen Geistes bildet. Der lebendige Geist ist der menschge-\nbundene Geist, Verstand und Gefühl. Der menschgebundene\nGeist ist zur Gestalt der Geistigkeit gebildet. Die Gestalt der\nGeistigkeit kündet das Reich des Geistes. Der Künder heißt\nKünstler,\nDer Künstler lehrt nicht. Der Künstler bekehrt nicht. Der\nKünstler erlebt und kündet sein Erleben. Der Eingebildete\nwird Bildner. Sein Gebilde bildet die Nichtkünstler ein in die\nEinbildung. Nur er ist Bildner, aber alle werden durch sein Ge-\nbilde eingebildet. Die Einbildung aller errichtet die neue Bil-\ndung, Die neue Bildung ist das Bewußtsein der Weltmacht,\nDie neuen Gebildeten sind die Erkennenden, gebildet gegen\nWissen und Glauben, trotz Wissen und Glauben, neben Wissen\nund Glauben.\nDie geistige Macht des Künstlers ist eine Wirklichkeit, Die\ngeistige Macht des Priesters ist eine Täuschung, Täuschende\nund Getäuschte fallen. Der Priester spricht vom Wunder, Der\nKünstler schafft das Wunder, Sein Wunder ist seine Wirklich-\nkeit, Seine Wirklichkeit ist die unsere. Es ist unsere Wirklich-\nkeit des Geistes,\nKunst ist Wirklichkeit des Geistes, nicht Wirklichkeit der\nNatur.\nDie Wirklichkeit des Geistes ist mächtiger als die Wirk-\nlichkeit der Natur. Der Geist ist unendlich, die Natur endlich.\nDer Zeitwille ist organisierte Macht. Die Macht drängt ins\nEndlose, die Organisation ins Endliche. Die Macht drängt ins\nEndlose, indem sie sich das Endliche Untertan macht.\nDie Organisation des Endlichen genügt dem Willen unserer\nZeit nicht. Die Macht über das Natürliche drängt zur größeren\nMacht über das Geistige, Das Vollendete füllt uns nicht mehr.\nWir dringen dem Nievollendeten, Nievollendbaren zu. Denn\nwir sind nie vollendet, nie vollendbar. Durch die Organisation\ndes Endlichen hindurch, über die Organisation hinaus greifen\nwir das Unendliche, Die Organisation wird das Organ der Un-\nendlichkeit, Die Gesamtgestalt des Kunstwerkes ist eine Un-\nendlichkeit, ein Machtwille. Die Einzelgestalt der künstlerischen\nElemente des Kunstwerkes ist eine Endlichkeit, ein Organisa-\ntionswille.\nOrganisierte Endlichkeit wirkt in der Kunst Harmonie.\nOrganisierter Machtwille wirkt in der Kunst Rhythmus.\nDas Kunstwerk ist in seiner Gesamtheit kein harmonisches\nmehr, es ist keine gefesselte Kraft mehr, es ist keine vollendete\nEndlichkeit.\nDas Kunstwerk ist ein rhythmisches, es ist eine ungehemmte\nKraft, es ist eine Unendlichkeit, eine Nievollendung.\nDas rhythmische Kunstwerk hat sich die Harmonie Untertan\ngemacht. Es sieht die Welt durch die Unendlichkeit,\nDas harmonische Kunstwerk hat sich den Rhythmus Untertan\ngemacht. Es sieht wohl auch die Unendlichkeit, aber es sieht\ndie Unendlichkeit durch die Natur.\nDas harmonische Kunstwerk ist ~schön\". Auch das rhyth-\nmische Kunstwerk ist schön. Aber seine Schönheit ist eine\naharmonische.\nFür die aharmonische Schönheit ist der Gegenstand des\nKunstwerkes belanglos. Das rhythmische Kunstwerk kann auf\nden Gegenstand verzichten. Das harmonische Kunstwerk\nbraucht einen Vorwand zur Gestaltung seiner Vision. Denn\nseine Vision wandelt eine Naturerscheinung oder Kulturerschei-\nnung zur Harmonie. Der Rhythmus müht sich nicht, eine Voll-\nkommenheit zu gestalten. Die Gestalt allein ist sein Sinn. Die\nGestalt allein ist die Macht, die ungehemmt die Vision ver-\nkündet.\nDas rhythmische Kunstwerk kündet das Reich des Geistes.\nSeine Gestalt bildet den Nichtkünstler ein in die Vision, Der\nEingebildete ist der Erkennende,\nDen Rhythmus zu erkennen, vermag jeder Mensch. Denn in\njedem Menschen ist der Rhythmus, Der Rhythmus trägt den\nKörper des Menschen. Nicht im Körper des Menschen, sondern\nin seinem Rhythmus zeigt sich sein Geist,\nDer Erkennende erkennt ohne Verstand und Wissen,\nKunst ist unmittelbare Kündung der Geistesgestalt. Die\nGeistesgestalt ist nicht die Naturgestalt. Das Kunstwerk ist\nnicht natürlich. Es ist keine Nachahmung der Natur, Es ist\nauch kein Mühen um die Vollendung der Natur, Die Kultur-\ngestalt ist nur eine Wandlung der Naturgestalt, Die irdische\nVollendung in der Harmonie erreichen zu wollen, ist der liebens-\nwürdige, bequeme Irrtum sozialer Enge,\nKunst ist unmittelbare Kündung der Geistesgestalt, Des\nEingebildete, der Künder, der Künstler bildet die Geistesge-\nstalt aus sinnengebundenen Mitteln. Andere Mittel haben wir\nnicht, über unsere Selbstheit hinauszuwirken. Die sinnenge-\nbundenen Mittel bilden den sinnenentbundenen Ausdruck,\nDas Sinnenentbundene ist auch das Sinnentbundene, Das\nKunstwerk ist sinnenlos und sinnlos. Es vermittelt keine Ver-\nstandesmitteilung oder Gefühlsmitteilung. Das Kunstwerk ist\nunbegreiflich und unbegreifbar. Es stellt nichts vor. Es ist.\nDie Kunst ist. Der Mensch ist. Die Kunst ist im Men-\nschen. Der Mensch ist in der Kunst. Das Kunstwerk ist un-\nmenschlich.\nDer Mensch ist Geschöpf. Der Künstler ist schaffendes\nGeschöpf. Das Kunstwerk ist schaffendes Geschöpf.\nDie Mittel, das Sinnentbundene, Sinnenentbundene zu ge-\nstalten, sind die Reizmittel der Sinne. Die sinnlichen Mittel\nsind Form, Farbe, Bewegung und Ton. Die Mittel des Kunst-\nwerkes sind sinnlich und sinnvoll. Das Kunstwerk ist sinnlos\nund sinnenlos. Das Kunstwerk ist sinnenentbundene, sinnent-\nbundene Gestalt. Die Gestalt ist Einheit. Die 1 eile der Ein-\nheit sind endlich, die Einheit ist endlos. Die Einheit ist die\nOrganisation zahlloser Teile zum Organismus. Der Organismus\nist unteilbar. Die Organe sind harmonisch, der Organismus ist\nrhythmisch.\nDie Gestalt trägt die Mittel. Die Mittel trägt das Ma-\nterial. Das Material bindet die Mittel an Sinne und Sinn. Die\nGestalt ist materialentbunden. Die Gestalt ist unabhängig vom\nMaterial. Die Gestaltung der Mittel wandelt Material in Ma-\nterie. Die Gestalt der Materie ist Ausdruck des Geistes.\nDen Künstler bedingt die Offenbarung. Das Kunstwerk\nbedingt der Künstler. Die Mittel und das Material bedingt das"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.4", "texte": "Kunstwerk. Jedes Material kann von jedem Mittel gestaltet\nwerden.\nEs gibt keine Grenzen der Kunst.\nEs gibt keine Künste, sondern Kunstwerke.\nEs gibt keinen Materialstil.\nEs gibt keinen Kunststil, sondern Künstler.\nDer Machtwille zerreißt die Grenzen der Kunst, der Künste,\ndes Materials durch das Kunstwerk des Künstlers zur Kunst.\nDer Rhythmus wirkt von Raum in Zeit, von Zeit in Raum.\nSein Werk aus Raum und Zeit ist raumlos und zeitlos.\nDas Kunstwerk bricht die Dimensionen des Raumes und\nHer Zeit durch die Dimensionen des Raumes und der Zeit.\nDas Formkunstwerk ragt mit drei begreifbaren Dimensi-\nonen in die unbegreifbaren Dimensionen.\nDas Farbformkunstwerk ragt mit den Dimensionen des\nRaumes in die Dimensionen der Zeit,\nDas Bewegungskunstwerk und das Tonkunstwerk ragen\nmit den Dimensionen der Zeit in die Dimensionen des Raumes,\nDas Bewegungskunstwerk und das Tonkunstwerk ragen\nmit den Dimensionen der Zeit in die unbegreiflichen Dimensi-\nonen,\nEs gibt nicht nur eine vierte Dimension, sondern unzählbare.\nDas Kunstwerk kündet mit den Dimensionen des Raumes\nund der Zeit die dem natürlichen Begreifen verschlossenen.\nDie natürlichen Dimensionen künden die geistigen Dimensionen.\nDas Werk des Künstlers wirkt die Kunde der geistigen\nDimensionen in die natürlichen Dimensionen. Die natürlichen\nDimensionen der Werkgestalt sind die Reizmittel, deren Genuß\nden Nichtkünstler fähig macht, die Kunde zu erkennen.\nDie äußere Gestalt, die natürliche Dimension des Kunst-\nwerkes, wird genossen. Die innere Gestalt, die geistige Dimen-\nsion, wird erlebt. Die Voraussetzung des Erlebnisses ist der\nGenuß. Der genießende Mensch nimmt die Reizmittel in sich\nauf, Nur der Mensch, der die äußere Gestalt des Kunstwerkes\nso aufnimmt, daß sie von seinen Sinnen und von seinem Sinn\nnicht mehr wahrgenommen wird, erkennt die innere Gestalt,\nerlebt die Offenbarung des Kunstwerkes. Die äußere Gestalt\nist begreifbar nach der Wirkung der Mittel auf Sinne und Sinn.\nDie innere Gestalt ist den Sinnen und dem Sinn verschlossen.\nDie äußere Gestalt ist der notwendige Ausdruck der inneren\nGestalt.\nForm, Farbe, Bewegung, Ton wirken auf die Sinne und sind\nverbunden mit einem natürlichen Sinn. Die Gestalt des Kunst-\nwerkes gestaltet den natürlichen Sinn zu einem geistigen in\nder Gestalt.\nDie äußere Gestalt ist das Verhältnis der Kunstmittel zu-\neinander. Das Verhältnis der Mittel im Kunstwerk läßt sich\nbegreifen. Der Sinn der äußeren Gestalt ist nicht etwa ein ge-\nstalteter Sinn, sondern das System des künstlerischen Organis-\nmus. Jedes Kunstwerk hat seinen eigenen Organismus, sein\neigenes System. Jedes System, auch das unlogische, ist logisch\nauflösbar. Das Unbegreifliche des Kunstwerkes ist, daß sein\nSystem einen Organismus bildet, eine innere Gestalt wirkt. Hier\nist das Gemeinsame und ewig Trennende zwischen Kunst und\nMathematik.\nDas System im Kunstwerk wirkt auf den Verstand. Die\nGlieder des Systems sind die einzelnen Kunstmittel. Die ein-\nzelnen Mittel und ihre Verbindungen wirken auf das Gefühl\ndurch die Sinne und durch die Sinne auf den Verstand. Die\nunmittelbare Wirkung der Gestalt ist also sinnlich, Die Sinne\njedes Menschen sind empfänglich für Form, Farbe, Ton und\nBewegung. Mit seinen Sinnen nimmt der geistgebildete Mensch\ndas Kunstwerk auf. Das Kunstwerk spricht zu ihm. Aber der\nungebildete Mensch spricht zu dem Kunstwerk, Er stellt Fra-\ngen und verlangt eine Antwort. Er fragt das Kunstwerk, was\nes bedeutet. Da es keine natürliche Bedeutung hat, kann er\nes nicht ,»verstehen', Der naturgebildete Mensch will alles\nverstehen. Er will Ruhe haben. „Alles verstehen, heißt alles\nverzeihen.\" Er kann es dem Kunstwerk nicht verzeihen, daß\ner es nicht versteht. Der Verständnislose kann dem Kunstwerk\nnicht verzeihen, daß es besteht. Das Kunstwerk aber besteht\ndie Verständnislosigkeit. Die Natur vergeht, der Geist besteht.\nDas Kunstwerk steht in sich. Der weltmächtige Mensch\nsteht in sich. Das Kunstwerk steht in ihm. Er steht im Kunst-\nwerk. Das Kunstwerk stützt sich nur auf sich. Der Mensch,\nder das Kunstwerk empfängt, stützt sich nur auf das Kunstwerk,\ndas ihn empfängt. Die mystische Hochzeit verträgt kein Drit-\ntes. Kein „Erinnerungsbild\", kein „Verständnis\", kein „kluger\nGedanke\", kein „ethisches Bewußtsein\" oder andere Krücken\nder natürlichen Bildung nehmen das Kunstwerk auf. Nur die\nnatürlichen Sinne nehmen die Kunstmittel auf. Jeder gesunde\nMensch hat die natürlichen Sinne, Jedes Menschen Sinne sind\ngewohnt, Formen, Farben, Töne, Bewegungen zu ergreifen.\nNichts ist leichter, als die Kunstmittel zu ergreifen. Aber der\nMensch muß sie unmittelbar ergreifen, die Formen als Formen,\ndie Farben als Farben, die Bewegungen als Bewegungen, die Töne\nals Töne. Es gehört kein Verstand dazu, kein Wissen, keine\nSchulbildung, keine sog. Kunstbildung, sondern nur die Unbefan-\ngenheit der Sinne. Daher ist das Kunstwerk für jedermann greif-\nbar. Daher ist das Kunstwerk schwer greifbar für den Intellek-\ntuellen. Daher hat das Kunstwerk mit Aesthetentum überhaupt\nnichts zu schaffen. Das Kunstwerk ergreift das Volk, Das\nKunstwerk wird vom Volk ergriffen. Aber das Kunstwerk ist\nnicht völkisch. Es ist nicht national. Es ist nicht international.\nEs ist weltmächtig. Das Kunstwerk ist keine weltliche Macht,\nEs ist eine Weltmacht,\nDer Mensch, dessen Sinne das Kunstwerk aufgenommen\nhaben, hat die äußere Gestalt des Kunstwerkes empfangen. Die\nendliche äußere Gestalt umschließt die unendliche innere Ge-\nstalt. Der Mensch nimmt die äußere Gestalt in sich auf. Die\ninnere Gestalt nimmt den Menschen auf. Sie nimmt ihn so auf,\ndaß er eins ist mit ihr. Der Mensch ist weltmächtig. Die Macht\ndes Geistes hat ihn ergriffen. Der Rhythmus hat den Rhyth-\nmus des Menschen ergriffen, Wt> der Rhythmus des Kunstwer-\nkes auf den Menschen wirkt und nicht nur wahrgenommen\nwird, kündet das Kunstwerk sein Gesicht, Der Rhythmus des\nKunstwerkes wirkt auf den Menschen, der die Macht des Gei-\nstes ersehnt oder geistesmächtig ist.\nDer harmonische Mensch ist genügsam im Geist, Er sehnt\nnicht nach der Macht des naturfernen Geistes noch ist er geistes-\nmächtig. Der Mensch der Gegenwart ist nicht mehr harmonisch.\nDie Vollendung ist nicht seine Sehnsucht. Seine Sehnsucht ist\ndie Macht. Macht ist Nievollendung. Der rhythmische Mensch\nder Machtsehnende sprengt die Fesseln der Vergangenheit. Er\nzertrümmert das irdische Reich der Vergangenheit. Er baut ein\nneues Reich, das neue Grenzen hat. Die Kraft dieser Macht gibt\nihm die Kraft, die Grenzen, die eine Vergangenheit vor dem\nReich des Geistes errichtete, niederzureißen und den Weg in\ndas Grenzenlose, in das Reich des Geistes zu öffnen.\nDer harmonische Mensch ist der Mensch der Organisation.\nSein Ziel ist die Vollkommenheit der Persönlichkeit. Nun hat\nder Mensch eingesehen, daß die Vollkommenheit der Persönlich-\nkeit unerreichbar ist, daß die harmonische Gestalt unwesent-\nlich ist. Die Persönlichkeit ist nicht Zweck, sondern nur Mittel.\nDas Mittel ist begreifbar, aber der Zweck nicht.\nDie, Organisation bleibt das Mittel. Die Organisation ist\nMittel der Macht. Die Organisation greift mächtig die Natur.\nDie Macht über das Endliche schafft das Reich der Natur.\nDas Reich der Natur ist unvollkommen. Die Harmonie der\nNatur ist rhythmisch. Sie fließt. Es gibt keine Harmonie,\nsondern nur rhythmische Harmonie. Der harmonische Mensch\nist ein Irrtum, über sich, in sich."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.5", "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.6", "texte": "Auch der harmonische Mensch will Macht. Jeder Mensch\nwill Macht, Die Grundgestalt der Macht ist der Rhythmus.\nRhythmus ist grenzenlos. Er fließt ins Unendliche oder in sich\nzurück. Seine Gestalt ist unvollkommen. Der machtvolle\nMensch, der Mensch der Gegenwart ist rhythmisch.\nDer aharmonische, der rhythmische Mensch ist unvollendet.\nEr strebt auch nicht nach Vollendung. Er ist sich bewußt, daß\ner Teil der* Menschheit und nicht Persönlichkeit ist, daß er Glied\neiner unendlichen Kette, des Rhythmus ist. Die unbegreifliche\nAbhängigkeit gestaltet ihn. Die Bedeutung des Einzelnen ist\nunwesentlich. An Stelle der Persönlichkeit tritt die Mensch-\nheit, Der Machtwille des Einzelnen gehört nicht ihm, gehört\nder Gemeinschaft. Ein gemeinsamer Rhythmus durchflutet alle:\nder Machtwille über die Erde. Mit Macht das natürliche Leben\nzu greifen, sich der Natur zu bemächtigen, ist Menschenwille.\nAber der Mensch ist lebendiger Geist. Ist Menschenwille\nMacht über die Natur, so ist Menschensehnsucht Macht , , .\nüber den Geist, Kein Tun, kein Begreifen, kein Glauben gibt\ndiese Macht; nur die Erkenntnis der Offenbarung. Das gei-\nstige Reich ist nur im Innern des Menschen aufzurichten. Die\ninnere Gestalt des Menschen ist unendlich. Eine innere Ge-\nstalt haben, bedeutet das weltmächtige Bewußtsein, Im welt-\nmächtigen Bewußtsein sind wir nicht Teil der Weltmacht, son-\ndern wir und die Weltmacht sind eins.\nDas geistige Reich ist die große Gemeinsamkeit, die Mensch\nund Mensch verbindet über Geburt, Erziehung, Beruf, Familie,\nWissen, Glauben, Staat, Tod,\nKünder des Reiches ist das rhythmische Kunstwerk.\nAn Stelle des erdmächtigen Kunstwerkes tritt das welt-\nmächtige Kunstwerk.\nDie Stellung der Kunst im Leben, zum Leben ist eine gänz-\nlich andere wie bisher. Was die Höhe der Religion ahnt, wenn\nsie sich die Kunst als Helfer ruft, ist Tatsache geworden. Was\nder Glaube nicht wirken kann, das kosmische Bewußtsein, die\nKunst vermag es. Die Kunst vermag es allein, und allein die\nKunst vermag es.\nDie Schöpfung des Kunstwerkes und das Erlebnis des\nKunstwerkes ist der Kult des neuen Reiches.\nKünder des geistigen Reiches ist der Künstler. Gestalt des\ngeistigen Reiches ist das Kunstwerk. Erlebender des geistigen\nReiches ist jeder Mensch,\nDas Kunstwerk ist das Heiligtum, Es ist kein Schmuck,\nkein Bildungsmittel, kein Unterhaltungsmittel. Es ist der heilige\nKelch, der sich jedem darbietet, und dessen Genuß zum Erlebnis\nweiht.\nWir fordern eine Stätte, wo jeder Mensch Genießender\nsein kann, damit er allüberall Erlebender sein kann. Die Stätte\ngibt es noch nicht. Der gothische Mensch hatte sie in der Kathe-\ndrale, Der rhythmische Mensch der Gegenwart muß sich die\nStätte schaffen. Er schafft sie sich frei von dem Willenszwang\nder Kirche. Es gibt kein Gotteshaus mehr. Aber es gibt ein\nMenschenhaus.\nIn unseren Häusern leben wir. Im Menschenhaus erleben\nwir. ; j *!\nLaßt uns das Menschenhaus errichten!\nWir wollen das Haus errichten, wo die mystische Hochzeit\nvon Natur und Geist Wirklichkeit ist, das Haus, wo wir nicht\nerdmächtig, sondern weltmächtig sind, wo wir nicht mehr na-\ntürliche Menschen, wo wir Geist sind, damit wieder Menschen\nwerden.\nDas Menschenhaus ist Gestalt der Offenbarung in Form\nund Farbe und Bewegung und Ton.\nDas Formkunstwerk, das Farbkunstwerk, das Bewegungs-\nkimstwerk, das Tonkunstwerk bilden das Menschenhaus,\nIm Menschenhaus ist das Kunstwerk der Gegenwart ge-\nboren: das Bühnenkunstwerk,\n\nTod des blauen Reiters Franz Marc\nGerhard Ausleger\nSchwefel. Blitze, Blut und hart Gebrüll: Kanonen,\nLeiber rotgerissen. Und Granatengrüfte für den Tod: zu wohnen.\nFleisch und Fetzen vom Soldatenvolke —\nPlötzlich: ist der blaue Reiter breit von Licht geschlagen;\nist hineingetragen;\nist hinaufgetragen;\nbersten seine Hufe Splitter von beglänzter Wolke.\nErde rollt darunter. Rollt gewaltig in die Nacht.\nAufgebracht\nauf stracken Vorderbeinen\nrichtet groß das Roß sich am grünen Himmelsgarten.\nDrinnen: tausend treue Tiere ihren treuen Herrn erwarten\nsanft in Felsgestürzen und verblauten Forsten:\nBären (angetan mit goldnen Borsten)\nund verhaltne Lämmer bitter weinen;\nalle Tiere als aus dem Legendenbuche scheinen.\nLautlos, endlos: Feder, Vieh und hingestreckte Felle.\nGeht vonrosse nun der blaue Reiter\nund zu Ruhe über Himmelsgartenschwelle:\nalle Tiere heben die behaarten Brüste heiter,\nist: als ob sie läutend lachen,\ndaß sie treue nun dem Herrn seinen großen Schlaf bewachen.\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nLand\nDu bist mein blaues Land\nmeiner Seele Sehnsuchts Land '-.Wr\nDu bist meiner Jugend Ufer\numspült von meiner Träume Meer,\nMeiner Träume Meer rauscht\nMeine Seele lauscht über das Meer,\nDu bist meiner blauen Sehnsucht Land\nZypressen am Strand\ndunkel stehst du am Rand meiner Nächte,\nMond schläft auf den Bergen\nStumm hebt die Nacht die blauen Hände\nhin über dich.\nIn meinen Träumen fahre ich zu dir\nund golden rinnt die Nacht in meine offnen Hände,\nMorgen\nIhr Nächte mit verhülltem Angesicht\ntief sind im Sarge alle Stunden,\n0 hoch du Mond\no weißer Mond, den Tod in den gebognen Händen\ndu Fluß der Sterne blutgetaucht im Auf- und Niedergang,\nDer Nachtsturm keucht die Trümmer toter Dörfer auf.\nDie Stunde beugt die Sonne in den Staub!\nDer Nacken schimmert auf\ndie Sonne hebt den Morgen an.\nViel tausend Strahlen wehen Leben auf\nGedicht\naus jedem Halme blüht Geburt ans Licht,\nSinge, Herz, die Seele der Welt,\nSinge, Seele, die Gewitter des Zornes,\nSinge, Gewitter, den hohen Geist,\nMeine Hände falten Gebete um Sonne\nich wandere im Grunde des Lebens,\nalle Sterne sind stumm geworden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.7", "texte": "Marc Chagall Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.8", "texte": "Ich höre die Mütter aus den Wäldern weinen,\nich sehe alle Bräute ihres Leibes Liebe suchen,\nGreise bringen ihr graues Haar in die Kirchen,\nalle Häuser stehen grau im Licht.\nWeine, Seele, den Schmerz der Welt,\nWeine, Welt, den Schmerz der Seelen,\nWeine, Kind in der Wiege, dem Vater der Schlacht,\nEifersucht\nDie Stunde hat ein fremdes Angesicht\nes fallen Totenschädel von den Blütenbäumen\ndrin Du,\nAn deinem Gange hängt mein Blick,\ndein Haar verweht in Meeren fremder Männer,\nAus einer Geige schwimmt ein Lied\ndas Lied bist Du\nund aus dem Abend meiner Liebe\ngehst du in die fremde Nacht,\nIn alle Sonnen bette ich dich,\nUeber alle Himmel trage ich dich,\ndeine Seele auf meinen Händen,\nUnsere Schritte blühen her und hin\nan unsern Fersen zucken Sterne hoch hinauf ,\nalle Stunden vergißt mein Mund\nan deinem Halse zucken Kerzen über Nacht,\nSterne stehen\nWolken wehen\no du überdämmerdunkles Leuchten!\nNun gehen wir zu glühn im Licht\no Seele weine nicht!\nWir sinken in das dunkle Tor\nund beben aus der wehen Nacht hervor,\n$ief beugend Sinn und Herz in Staub,\nVon buntem Laub umkränzt der letzte Schritt\ndie Welten rauschen nahe mit.\nBitte\n0 laß uns überfließen!\nDaß unsre Kelche ineinanderrauschen\nlaß uns den Nächten lauschen\ntief\nm uns.\nIn unsre Seelen ist ein Stern gefallen\n'von Gott ein Stern\nder glühendste von allen,\n0 laß uns lauschen!\n\nGereut\nErzählung\nAdolf Knoblauch\n\nI\nVor zehn Jahren begaben sich die Dollinge an einem tief-\nverschneiten Novembermorgen in den westlichen Waldvorort\nhinaus mit einer Schar von erlesenen Familienhäuptern, schrift-\nstellernden Damen, Dichtern, Kaufleuten, Journalisten, um das\nkünftige Heim der von den Dollingen begründeten Gemeinde\nder Mündigen zu besichtigen. Vom frühzeitigen Schneefall, An-\nblick des offenen dunklen Sees am Grunde der verschneiten\nWälder, dem herrlichen Winter, waren die Großstädter trun-\nken. Die würdigen Familienhäupter kriegten mit den Damen,\nund Dolling, der Zappelige, faßte alle an die runden Arme, um-\narmte, küßte rote Backen und winterduftende Lippen.\nDollings romantischer Traum stand vor der Erfüllung! Nach\nder Revolution der achtziger Jahre hatte Dolling seine Romantik\nvon 1900. Auf den Vortragsabenden vom Mündigen Geiste\nhatte er riesigen Zulauf, Reformer aller Richtungen und Parteien\nsammelten sich unter seinen Fahnen, alle wurden in der Forde-\nrung weltbeglückender, bunter Mündigkeit geeint: Boden, Le-\nbens, Bekleidungs, Nacktheits, Kultur-Reformer! Gott, Kunst,\nSchönheits-Sucher! Gartenstadtgründer, Vegetarier, Natur-\nmönche, literarische Edel-Anarchisten und andere Lebenskünst-\nler! Enttäuschte Sozialdemokraten, Sozial-Aristokraten, Volks-\nerzieher, Monisten, Germanophoben, Arier und andere bunte\nIntellektuelle! / »\nDer wegbereitende Prophet verpflichtete eine Zahl erlese-'\nner Familien, die mit ihm in die großstadtferne freie Natur hin-\nausziehen, vereint unter einem Dach, im gemeinsamen Hause\nleben sollten: im Hause der Allheit, das Allen, doch Niemanden\neinzeln gehören sollte.\nDie das künftige Menilmontat suchende Schar gelangte\nschneeballend auf das kahle Gelände, auf dem das Reich der\nbunten Geistesfamilie begründet werden sollte. Hoch und\neinsam, im weit gebogenen Rund von schwarzem Forst ragte der\ntrostlos viereckige Ziegelbau von der nützlichen- Kahlheit eines\nGefängnisses. Das Haus diente vordem als Internat verwahr-\nloster Mädchen, dann als Vegetarierheim. Es sollte das Haus\nder Mündigkeit werden!\nDie Schar betrat die riesige, düstre Halle des Hauses und\ndrang in die Küchenstube der alten Pächtersleute ein, Sie alle\nbekamen eine Tasse heißen Kaffee, auch der von den Mündigen\nmitgeduldete Knabe Gereut. Denn Gereut war seinen Eltern\ndavongelaufen und den Dollingen eines Tages zugelaufen, um\nin der Mündigkeit sein eigen Fünklein heller zu brennen.\nGereut genoß gierig den Kaffee und trollte sich mit dem\nschwarzen, wolligen Spitz in den verschneiten Hof. Mit Wut-\ngebell hatte der Spitz die auf den Hof schwenkende Schar be-\nstürmt, aber als Gereut sich mit ihm einließ, drängte er sich\nfreundschaftlich an den Knaben. Beide sprangen um die Wette,\nfielen in den Schnee und wälzten sich in der tauigen Fülle, Ge-\nreut faßte mit brennenden, roten Händen die weißen Schnee-\nballen und griff den Spitz an, der freudeheulend den Knaben\numwarf und siegreich über ihn hinraste. Beide streckten wonnig\nalle Viere aus dem Schnee in die ahnungsvollen Lüfte.\nDie Dollinge waren mit Gefolge zur Besichtigung des Gar-\ntens aufgebrochen und standen lachend vor dem wütenden Knäu-\nel von Gereut und Spitz. Diese unbändige zwanzigjährige Le-\nbenskraft machte erschrecken. Die wilden Sprünge, jähen Ge-\nberden, maßloses Jauchzen stürmten urwüchsig über alle Sät-\ntigung der verbrauchten Dollinge. Der Junge bebte im Orkan\nvon Freude, Lachen, Schwungkraft... Ein zum geschichtlichen\nEreignis der Besichtigung mitgefahrener Dichter, ein älterer\nHerr, war auf das flache Dach gestiegen und wandelte, sinnend\ndie Hände auf dem Rücken verschlungen, droben auf und ab.\nEine hohe, schwarze Gestalt vornübergeneigten Hauptes. Die\nDollinge drunten hatten zum Aufbruch gemahnt, man wollte\nheim zum Mittagessen, aber Der droben ließ sich nicht stören\noder vernahm nicht die lustigen Anzapfungen von drunten, Als\neine Dame erwähnte, daß man ihn jetzt nur in seiner lyrischen\nEmpfindung über das erhabene Geschick des Heims der Mündi-\ngen stören würde, zog die Schar endlich ab mit Taschentuch-\nwinken, Hallorufen und Gassenhauern, Gereut abseits hinter-\ndrein, Als er sich einmal umwandte, sah er die schmale, schwarze\nGestalt des älteren Herrn sinnend am grauen Schneehimmel auf\nund abwandeln mit Papier und Stift in den behandschuhten\nFingern.\nII\nAls der Frühling nahebei war, zogen die Erwählten aus\nallen Richtungen, auf allen Straßen zum Heim. Die Möbel-\ntransporte hatten auf den Sandwegen zur Auffahrt vors Haus\nschwere Mühe und blieben stecken. Dann besetzte der\nSchwärm das Heim; geschäftige Frauen, streitende Männer\nneugierige Kinder, Handwerker, Ziehleute."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.9", "texte": "Marc Chagall: / Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.10", "texte": "Gercut war im Januar als Erster eingezogen und verbrachte\nden strengen, schncereichen Winter in einer zementierten\nKellerstube. Er atmete die eisigen Hauche von Wald und See,\nwusch heimlich den Leib unter der Hofpumpe, lief nacktfüssig\ndurch den frischen Schnee und des Nachts nackten Leibes durch\nden Wald.\nFrost brannte herrlich, Härte des Nordwinds glühte sein\nBlut. Er stand stundenlang auf dem Dach, um den Winter-\nwolken zuzuschauen. Die dicken, majestätischen, in Woll-\nmäntel eingehüllten Könige schwebten droben, blickten gut-\nmütig hernieder und zogen weiter. Nachts stürzten Stürme\nans Kellerfenster, rüttelten am Gitter und warfen Sand an die\nklirrenden Scheiben. Dann freute sich der Knabe beim Lampen-\nlicht, sein großes wildes Herz nährte die Härte des Aeschylos,\nEr hatte Niemanden, brauchte Niemanden, Eltern waren fern,\nVerwandte, Freunde hatte er nicht. Die zu seiner schaffenden\nArbeit nötigen Studien zog er vor, in der den Lehrern uner-\nreichbaren Kellerstube zu vollbringen. Eine gütige Mutter hatte\ndem Sohn ein mächtiges Federbett und seine Bücher samt Re-\ngalen geschickt. Nun konnte der Junge von den väterlichen\nMonatsspenden ein liebe- und berufloses glückliches Leben\nleben, dem leider das Salz löblichen Strebens nach Amt und\nVerdienst völlig fehlte. Trotz den Warnungen von Hause hatte\ner sich in der großen Stadt gleich den Mündigen verschrieben,\ndas Schlimmste, was geschehen konnte, setzte der nackensteife\nJunge durch.\nGereut hatte sich in seiner Heimat gelobt, Dichter zu wer-\nden. Und er ging ans Werk!\nUrweltliche Schauer, dicht elektrische Fluten strömten\nüber seine Nerven, er bebte in Empfindungen, Spannungen des\nunmittelbaren, aber noch stummen Genies. Die Gefühle sah er\ndroben schreiten, den Zug der Götter in Asgards geheimnis-\nvollem Licht.\nGereut war keusch. Neugierig wie alle jungen Leute,\nkannte er die Liebe genügend, um sich nicht sonderlich für sie\nzu interessieren. Er wußte eigentlich nicht, warum er inbrün-\nstig vor dem Bild der weißen Afrodite über seinem Bette kniete.\nGereut war ungestalt im elementaren Branden, kosmischen Auf-\nund Abfluten, badend in ungeheuren Dünsten. Sein Ich war\nnoch nicht von der Finsternis geschieden! Gott der Herr hatte\ndas Wort noch nicht gesprochen! Der harte Eisenstab stand\nnoch nicht, an dem die Gewitter Funken niederschlugen. Kos-\nmische Mächte weideten seinen Schlaf, nährten den Leib, tränk-\nten seine blutreiche Seele. Rings um sie wandelte Hochwild,\ndas silbernes Mondlicht im See lockte. Der Riegel wurde noch\nnicht weggestossen! Der das Hochwild scheuchte, trat noch\nnicht hervor: das siedende Ich!\nGereut wanderte, verlor sich in Wäldern, sonnte sich nackt\nam Fluß, im entlegenen Waldwinkel, saß im sonnigen Moos, auf\ndas die grimmige Eiche ihren ehrwürdigen Fuß setzte, sang\nseine lieben alten Hymnen aus der Vorwelt. Der Wald war sein\nHeim, er ging barhäuptig zwischen seinen Säulen, in seinen un-\nzählbaren Kammern hin und her zwischen Morgen und Abend,\nnacktfüssig, barhäuptig geschmückt mit Waldblumen und Laub.\nOft begegnete er in seinem Walde einem großen Herrn, dem\nriesigen finsteren Sturm! Der nahm den liebsten Jungen um den\nsteifen Nacken und trieb sich mit ihm herum, stundenlang, welt-\nvergessen, triefend, jauchzend, im Donner, in angstgepeitschter\nFinsternis, unter Bögen der kreißenden Blitze. Gereut sah\nfurchtlos das Drama! Sein Gesetz lag sichtbar aufgeschlagen\nauf den Stufen der Wolken, über ihm stand ernst, gewiß, treu\nder siebenfache Bogen.\nDer Frühling kam sonnenweit, jugendzart, und Gereut ging\nin herber, zager Knabenfreundschaft mit ihm. Innig Saumselig-\nsein, überlichte Träume teilte traulich der Freund mit Gereut,\nDer Frühling liebte den geringen Knaben im armen Winkel\nund zeigte ihm sein niewelkes, wunderschaffendes Herz, und\nGereut hatte Zutrauen!\nDas Haus wimmelte, alle Stuben waren frisch hergerichtet,\nbunt gestrichen und sauber. Der Hausrat wurde aufgestellt,\nund die Männer hämmerten, werkelten, strichen an. Denn jeder\nGroßstädter ist vergnügt beim Bau seiner Eierkistenhütte im\nGrün der Laubenkolonie und dem Ausschmücken seines win-\nzigsten Eigens. Rastlos werkelten und bastelten die Mündigen\nin Keller, Küche, Stuben, Garten! Dieser Erdenfleck sollte\nvor Allen lachen!\nDie Mündigen rüsteten zum ersten Fest, zur Frühlingsfeier,\nAm ersten Maisonntag sollte das Heim geweiht werden, beide\nBanner sollten zur stolzen Höhe gehißt werden: das Banner\nvom aschfarbenen Lila, das Banner in Wiesengrün! In den\nbeiden wiedertäuferischen Farben vom alten und neuen Men-\nschen. In der Fahnen Mitte stickten die Frauen mit Goldfäden\ndas riesige Ei, das geheimnisvolle Schwarmzeichen. Sie färbten\ngrün Ballen von Sackleinen, mit dem sie die Hallenwände be-\nspannten, die Fenster bekamen Lila-Tüll. An der Westwand\nzogen die Mündigen auf Rollen eine ungeheure Kreiderepro-\nduktion von Böklins Heiliger Hain im grünen Kolossalrahmen\nhoch. Sie errichteten unter der schrägen Treppenbahn eine\nBühne mit grauen dorischen Säulen aus Sackleinen und gaben\nihr veilchenfarbenen Hintergrund. Die Nischen und Ecken unter\nder Hallentreppe verklebten sie mit Kiefern zu Liebesstübchen«\nSie hingen hölzerne Wandleuchter auf Kerzen an die Wände,\nzogen Girlanden mit unzähligen Lampions und warfen bunte\nPapierbanderolen in die Luft. Alles war bunt, grün und lila112\nglänzte und heimelte an, die Tannen dufteten und der Heilige\nHain rauschte.\nDer Ordenssaal, geistiger Hauptraum, war orange gestri-\nchen. Drin stand der feierliche Sitzungstisch mit breiten Bän-\nken für die massigen Körper des Rates. Ueber dem Tisch\nschwebte die spargelkrautbekränzte, ausrangierte Gaskrone,,\ndenn es gab nur Petroleumbeleuchtung.\nDie Gemeinde rüstete das Fest mit unzähmbarem Eifer,\nbedürfnisloser Energie, schlafloser Betriebsamkeit! Skepsis,\nZweifel erloschen. Nerven, Hirne badeten im religiösen Mor-\ngenrot, Begeisterung ist Erbeben an den menschlichen Grenzen!\nDie Mormonen gründeten am Salzsee ihre riesige Kirche, Zu-\nfluchtstätte aller Gebete künftiger Geschlechter. Feierlicher\nRuf erklang, heldische Sehnsucht, übermächtige Liebeskraft\nverjüngte die geschlechtlichen Paare. Gott hatte die geballte\nFaust geöffnet und ließ seine liebsten Kinder zu neuen Ge-\nlübden hervorgehen!\nIm Ordenssaal hingen in gotischer Schrift gezeichnet die\nLeitsätze der Mündigen:\nNeue Menschen, seht das liebende Paar,\nHeiliges Vorbild, die Zeuger der Vereinigung, euer Gesetz!\nIhr werdet die Oberen lieben, denn sie sind euere Väter!\nIhr werdet vie Unteigebeneti lieben, denn sie sind Eure\nSöhne!\nIhr werdet Euresgleichen lieben, denn Alle sind Brüder!\nIhr begründet die menschliche Familie,\ndie allgemeine, endliche Vereinigung Aller!\nDann sollt ihr in den verschiedenen Geschlechtern der\nzwiefachen Familie ewig wachsen in Liebe, Weisheit, Schön-\nheit,\nEuer Leben soll keine Grenzen haben.\nImmer neu in jeder Phase soll es eine Reise der Weihung\ndurch Jahrhunderte und in den Welten sein,\nindividuell doch zugleich gesammelt!\nZweihundert Jahre waren diese Leitsätze alt, von Enfantin\nebenso gemißbraucht wie von den Mündigen.\nSie ordneten in Satzungen nach dem Alphabet das äußere\nund innere Leben, Wirtschaften und Taten! Sie verordneten,\ndaß jedes mündige Mitglied im Betriebe ein Amt übernähme,\nsoweit es Kräfte und Zeit gestatteten.\nGereut war nie im Heim zu fassen und blieb tagsüber dem\nHause fern. Aber auch ihm wurde eines der hundert Aemtchen\nverordnet, eine nützliche, segenbringende Aufgabe. Eines\nAbends erhielt Gereut mit kühlem Bedeuten den Auftrag, sich\nbereit zu stellen, sofern er noch der Gemeinde angehören wolle.\nAm anderen Morgen mußte Gereut bei Tagesgrauen auf-\nstehen und hob gehorsam am Ring den eisernen Deckel von der\nSenkgrube, in der sämtliche Abtritte der Mündigen durch einen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.11", "texte": "Marc Chagall: / Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.12", "texte": "gemeinsamen Schacht endeten. Gereut lupfte mit zweiräderigem\nHebekarren den riesigen Kasten aus seinem Verließ und schob\nden schwer schaukelnden Abgang zur Dunggrube, Das Ge-\nschäft besorgte er einmal jede Woche in verborgener Frühe.\nDie Mündigen wußten nie genau, ob der faule Dichter seine\nPflicht-Abfuhr schob, denn sie gingen üblem Geruch gern aus\ndem Weg.\nIII\nDer erste Maisonntag war kalt, grau bewölkt, windig.\nZum Weihfest im Heim der Mündigen drängte eine dichte\nMenge und füllte murmelnd Halle, Treppen, Säle bis ans Dach,\nDie Geladenen wandelten in und um das Haus, begutachteten\ndie ländlichen Einzelheiten des verwahrlosten Gartens und\nvertieften sich in die Handhabung der Pumpe, die noch winter-\nverpackt war. Altane, Vorplatz, die verwilderte Auffahrt wa-\nren voll Neugieriger, die in Gruppen zusammenstanden und\nNeukömmlinge vorbeiziehen ließen. Es strömte wie zu einem\nSportfest.\nAus der kerzenstrahlenden Halle tönte Harmonium, die\nErstaufführung begann. Die Menge flutete aus Garten, Hof,\nVorplatz, Altane und Galerie, Sälen und Wohnungen in die\nHalle. Erhöht über der, Menge in der Halle leuchtete die Gips-\nbüste Nietzsches von Kruse, Feierliches Auf und Ab der mur-\nmelnden Menge, Neuzuströmen, die Treppen Auf- und Abstei-\ngen, Scharren auf dem Pflaster von Halle und Galerie, Andrang\nvor den Sälen, in denen mündige Frauen Erfrischungen ver-\nkauften, die neugierige Menge besetzte jeden Fleck des Hauses.\nDie Dollinge sonnten sich im Ruhm. Zu ihren Füssen bran-\ndete die glückliche Woge, die sie berauschte, sie kannten das\ngeheimnisvolle Bannwort, das Unruhe und Erregung unter-\nwerfen wird. Sie waren die Lenker im edlen, düster bestrahlten\n✓\nSchiff der mündigen Kathedrale, in der die Menge der magne-\ntischen Vereinigung bis auf das winzigste Teilchen harrte.\nsich ohnmächtig aufbäumte, den Kopf höher trug, als die\nUmgebung befahl, wer sich gar stolz und schweigsam gebartet\nDolling setzte das Zauberhorn an die Lippen und sandte den\ndräuenden Klang aus, auf den tausend Gewappnete, tausend\nErweckte harrten, der jedes mündige Ich zur grünen Fahne\nsammelte. Bei Aufgang der nackten Sonne sank der Nebel, so\nglitt der alte Mensch zu Boden und der Neue stieg selig grün\nempor!\nGereut schaute die Menge zum ersten Mal: das dynamische\nMassen-Ich, den Riesenheiland des Durchschnittsmenschen, das\ndemokratische Kollektiv, für das es die sittlichen Hemmungen\ndes Einzelnen nicht gab. Gereut schaute strahlenden Auges\ndas feurige Herz des Menschen in der Dämmerung der Menge,\naus der Abgeschiedenheit entflammte es in der tierischen\nWärme gemeinsamen Lebens zu urweltlichen Schauern, drang\nvor zu ursprünglichen Regungen: Wildheit, Rache, Fanatismus,\nZerstörung, Aufruhr, Mord kamen aus der gemeinsamen Wiur-\nzel, dem ewigen Trieb gottschaffenden Herzens, und wurden in\nder demantharten Kristallwölbung des Absoluten verklärt. Das\nHerz pochte, frohlockte, überwältigte in stürmender Leiden-\nschaft, Ehrfürchtig vor dem Herzen des Menschen in seiner\nLeidenschaft beugte sich Gereut. Er rief das mächtige Ich her-\nauf, das kommen soll, um die in Leidenschaft glühende Menge\nzu hämmern, das Stirnen sprengen soll, um Herzen zu höhen.\nGrimm das Herz, Trotz der Mund, Gereut war bereit, den\nfeurigen Adamsschrei in die wuchernden Hirne zu stoßen, zu\nbrennen.\nDer Gong wurde geschlagen. Gereut trieb im Gedränge,\nSeine rechteckige Stirn des geistig Werktätigen stand streng\nim unsichren, fratzenhaften Schwärm, Er hielt die Hand einer\nFrau mit kastanienbraunem Haar. Der scheue Knabe hielt die\nliebe Hand, unachtsam der schrägen Blicke ringsum. Er liebte\ndie Frau und die stolzen Brauen. Sie hatte Gereut ihre Hand\nals Gefährtin auf einsamen Morgenspaziergängen gegeben, und\nsie waren immer zwei schlanke, braune Jungens selbander.\nGereut schenkte ihr zum Fest eine gelbe Rose, sie tat sie\nachtlos in den Gürtel. Ihre verwegenen Blicke suchten ruhlos\nüber der Menge, sie war nervös, der Knabe war jetzt lästig, aber\nsie scheute sich, ihn fortzujagen, Ihre Hand lag feucht und heiß\nin Gereutens, und er war glücklich, er hielt die Hand des\ntreuen Gefährten, sein Herz flüsterte „treu!\" Mit der Gefähr-\ntin ruhte er in tönender Muschel und sang fern im blauem\nMeer, in blauer Luft „treu!\" Seine Augen schauten lächelnd\nden edlen, braunen Frauen-Nacken.\nMit einem Mal sang die Menge oder tönte fernes Waldhorn?\nHarmoniumspiel, dann Schweigen! Als alles still war, erhob sich\neine einzelne Stimme auf der Galerie. Tief verträumt lauschte\nGereut auf das Blut, das in seinem Leibe wundersam glühte\nund zur lieben Hand drängte. Er vernahm kein Wort von Del-\nlings hastiger Frühlings-Rede. Dann glitten blanke Stahlschie-\nnen in Gereuts Traum, der D-Zug sprang auf, „Einsteigenii*\\\nund Gereut erwachte plötzlich, als Dolling droben einen großem\nZinnhumpen an die Lippen setzte und trank unter allgemeinem,\nverlegenem Schweigen. Keine Hand rührte sich zum Beifall\nNeben sich hörte Gereut einen starken, bartbuschigen Herrn\nhingerissen murmeln: ~Er trinkt wahrhaftig, ist Der mutig!\" Dol-\nling leerte den Humpen auf Orden, Frühling, Liebe . . ,!\nDie Ueberraschung war gelungen, nervöser Beifall umtobte\nden Redner, die Mündigen des inneren Kreises drängten ihre\ngeröteten Gesichter an Dolling seines, umarmten ihn und küß-\nten seine Backen. Die Menge bewegte sich, im Gedränge\nschwand die Frauenhand aus Gereutens. Er stand allein und\nmißte niemanden. Achtlos schritt er durch die Menge, ohne\nanzustoßen, und stieg zum Dach auf.\nDroben wehten die Banner Lila und Grün im strammen\nMaiwind, graue Wolken wanderten nach der Stadt. Ein eisernes\nGitter umfriedete den Platz bei den Fahnen, daran lehnte die\nKastanienbraune, ließ das Haar vom Winde zausen und bog sich\nhingegeben im Gespräch mit zwei jungen feinen Herren. Ge-\nreut trat ungesehen auf die Bodentreppe zurück.\nIn Halle und Sälen wurde Kaffee gereicht. Die Menge\ngruppierte sich, ästhetisierte, kokettierte. Das Geschwätz klap-\nperte betäubend. Kruses einsamer Nietzsche maß mit Rätsei-\näugen das winzige Glück der Mündigen, die mit klingendes\nPunschgläsern anstießen auf Ordensgründung und schöne\nFrauen. Alles trank, lachte, küßte . . , Das Harmonium dröhnte\ndas Ordenslied: ~Wir sind mit Schwur und Küssen gesellt!\" Die\nVersammlung wurde erotisch trunken. In den Liebesstübchen\nder Halle, in halbdunklen Fluren, Winkeln und Zimmern nebe«;\nden Sälen tummelten sich Liebespaare und der zappelige Dol-\nling flatterte um die Damen, nippte, küßte, kniete neckend vor\nverliebten Paaren und feuerte die sanfte Musik der Küsse an\nDie Halle wurde zum Tanz geräumt und die Kastanien-\nbraune führte den Reigen mit klappernden Kastagnetten. Sie\nritt die lärmende Männerherde im Kreise mit harten, blanken\nAugen und blassen Wangen. Aus dem Tanze zerstreuten sich\ndie Paare in die finstere, kalte Mainacht, aufs Dach, in dem\nWald, in unverschlossene Wohnzimmer, Als ein Mündiger sein\nSchlafzimmer betrat, ruhte ein Paar auf dem Bett und blieb\nliegen. Mitternacht schieden die Gäste bis auf Liebespaare, die\ndurchschwärmten. Der zappelige Dolling und die Kastanien-\nbraune wurden von den beiderseitigen Ehehälften ins Bett\ngeholt.\nGereut stieg bei Beginn des Tanzes in den Keller hinab\nIn der quälenden Festnacht schlief er seinen gesunden Jungens-\nschlaf. Am frühen Morgen stand er mit dem ersten schönen\nMaientag auf, ging unter die Pumpe und wusch sich die Narrheit\nder Mündigen von Gesicht und Händen.\nIV\nDie Pforten des Heims schlössen sich nach der Frühlings-\nfeier vor dem Draußen. Die Männer fuhren zur werktägigen\nArbeit, die Frauen blieben in den einsamen Stuben,\nDa kam der duftende, warme Maimond durch die Wälder\ngezogen und spähte listig nach einer Gelegenheit für seinen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.13", "texte": "Zauber, Unfern des Heims der Mündigen, auf dem blauen\nHügel überm See mit seinen sprießenden Birken ruhte er und\nsann bei den Klängen der Äolsharfe dem Geschick der Mün-\ndigen nach. Alsbald spannte Maimond ein zartes Spinngewebe\nund knüpfte es unter den Mündigen, Er schlug den Brand in\nder würdigen Männerbrust, liebkoste geschlechtlich, machte\nHände fiebern und Augen blinken nach reizenden Gegensätzen,\ndie aus feuchten Knospen heimlich erblühten, Maimond lockte\nzur seltenen Zärtlichkeit und gab den Rausch aus gegorenem\nTrank.\nUnfruchtbar war der Sand, auf dem sich das Heim der\nMündigen erhob, Schoß allen Unkrautes und üppiger Wuche-\nrung von Disteln, Brennesseln, Quecken, gelben Königskerzen.\nVerleumdung, Neid und Eifersucht gediehen unter dem Alle\nschützenden gemeinsamen Dach und Maimond spannte das\nSpinngewebe aus Gelegenheit und Gunst der Stunde, Das stille,\nheimliche Dreieck entstand, Flirt machte graue Tage bunt, gol-\ndene Freiheit, nie gebotene der alten Ehe, wurde genossen.\nMancher Mündige sah den reizenden Bettschatz in Maimonds\nVerstrickung mit dem durchdringenden Bewußtsein eigener Un-\nfähigkeit und Ueberflüssigkeit.\nDie rauhen Tage waren bald vorüber, als Maimond reich\nund erfinderisch seine Wunder tat. Er hing die glänzende\nSommersonne in den düftewehenden Himmel. Die Frauen\nsonnten sich stundenlang, atmeten im Moos den starken Wjürz-\ngerttch des Waldes und öffneten die Blusen. Maimond gab\nihrem Blut den Rausch seines gegorenen Trankes aus Goldlicht,\nblauen Maiwolken, Würzwinden, Liederzwitschern, Zirpen und\nSummen auf dem blauen Hügel überm See,\nDer Rausch der Liebe und der Freiheit war gekommen,\ndie Mündigen lobten Maimonds süße Geschicke und folgten\nseinen grünen Bannern. Alles Männliche, alles Weibliche ver-\nliebte sich kreuzweis, der innere Kreis, die Reformer, das Ge-\nsinde, die Familienhäupter, Herr Miesmuschel selbst, Vorsitzen-\nder des Rates. Miesmuschel empfahl seiner Frau eine Er-\nholungsreise und sie reiste infolge seiner Autorität, In der\nStube, die das sittliche, aber unfruchtbare Glück seiner Muster-\nEhe geborgen hatte, koste er heimlich mit Maimonds wonnigem\nZauber und zeugte die zugleich sinnliche und übersinnliche\nFrucht.\nAuf die berühmten, glücklichen Dollinge stürzte sich! ein\nSchwärm liebeswütiger älterer Mädchen, Malerinnen und\nSchauspielerinnen gesellten sich ihnen mit Küssen, Die Dol-\nlinge küßten Nacken und Busen, öffneten Blusen, Haare, Röcke,\nund die Liebsten tanzten Salome und Nackttanz,\nLiebesgruppen bildeten sich, die werktägig und sonntägig\nin den Wirrungen starker und reizender Gegensätze duldeten\nund genossen und lächelnd kreuzweise Wege ebneten. Das\nLeben war kurz, die Ehe lang, wer wußte, wie schnell die Frist\nder Mündigkeit ablief! Alle liebten intensiv, am liebsten jeden\nTag, und jeden Liebsten einen Tag lang. Einer wußte vom An-\nderen alles, doch jeder von sich selbst am wenigsten. Die\nverliebten Frauen waren am gierigsten nach Geheimnissen. Nie-\nmand sah den jungen sauberen Naschkatzen von außen die\nSünden an, die sie aus Langeweile, Maimond und Sehnsucht\nbegingen.\nDie Mündigen hatten nach Professor Freud eine heimliche\nLehre vom Nichtverdrängen sinnlicher Erregungen, sie. schlössen\nVertrag mit der Liebe und waren freie Menschen. Der Mündige\nsündigte nicht; wer mit der Schwester Eines und Gleiches im Gei-\nste war mit ihr im Leibe Eines und Gleiches. Sie waren Bruder und\nSchwester in der künftigen Geistesfamilie. Der Mündige brach\nmit der alten, absoluten Ehe und band mit der Demokratie an.\nJeder und jede wählten, was das Liebste war. Die Männer\nkannten ihre böckische Gattung und stahlen sich aus der alten\nEhegewohnheit mit uraltem Grausen in Maimonds Freiheit,\nMaimond lachte, Maimond reifte zur üppigen Sommerfreude,\nräkelte sich im Sonnenbrand auf dem Mistbeet und verbreitete\ndie geile Wucherung seiner riesigen und hohlen Früchte.\nV\nDer Ruhm vom Paradies der Mündigen kam in aller Leute\nMund, Alle Ethiker, Soziologen und Snobs besuchten die junge\nGründung. Manch Armen im Geist trieb es, nach Avalun aus-\nzuwandern, denn das Millennium war da. Wunderliche Männer\nim blauen Hemd und gelben Mantel kamen mit Gemessenheit\nlastbarer Dromedare, schreitender Türme; das Haar war mitten\nüber der weiblich niedrigen Stirn gescheitelt und fiel stark auf\ndie Schultern, Naturmönche, Brüder von der Stadtflucht und\ndem Freilicht, Odins Söhne!\nEin junger Knecht wanderte aus seinem böhmischen Dorfe\nfort und war wochenlang auf den Landstraßen nach der Stadt\nim Norden unterwegs. Barhäuptig, barfüßig, dürr und stangen-\nlang, kupfern von der Hundstagssonne, im Jungenskittel, dem\ner ganz entwachsen war. Er wurde eingesperrt, kam ins Ar-\nbeitshaus, wanderte ein Stück voran. Die Kinder verspotteten\nihn! Er bettelte, fand Arbeit bei der Ernte, Ohne Paß, ohne\nGeld, ohne Schutz, ohne Mantel, Schuh und Hut: Er kam vor-\nwärts, nichts hielt ihn lange auf, denn er durfte nicht säumen.\nEr arbeitete sich ans Licht, breitete die Flügel aus und brauchte\nsie, weit weg zu fliegen. Allen, die nicht gerade seiner spotte-\nten, predigte der Junge: Kein Mensch soll im steinernen Hause\nwohnen und gekochte Speise essen. Denn er verwarf Kleidung,\nKüche und Kultur.\nAn einem Mittag kam der Böhme ins Heim der Mündigen,\nals die Frauen den Tisch im Speisesaal deckten. Das Essen\ndampfte und der Gast wurde einen Augenblick im Eßsaal allein\ngelassen, Niemand wachte über dem Mahl der Mündigen, Der\nbäuerische, ausgehungerte Landstreicher ergriff das nächste\nBratenstück und fraß es in den Händen, wahnsinnig vom lecke-\nren Geruch, Denn im Paradiese nahm jeder, was ihm am Lieb-\nsten war.\nDer Böhme bekam eine Kammer im Stall neben Myrddhin,\ndem Dichter, Das Heim, seine Türen, Schränke und Stuben\nwurden vor dem Kommunismus der Landstraße verschlossen.\nAuch die Frauen fürchteten für ihre nicht-kommunistische Tu-\ngend. Der Böhme bezog den Stall gar nicht, sondern wohnte\nim Walde. ! n\nEines morgens früh betrat eine mündige Dame den Wald\nund vernahm von droben schreckliches Geheul, wilden Gesang,\nGelächter! In den Kiefernwipfeln turnte der dürre, nackte,\nrothäutige Böhme, das Walduntier schlang sein Zottelhaar in\ndie Zweige, Die Dame flüchtete, denn sie entsetzte sich vor\ndem Gorilla, der auf sie stürzen würde.\n\n(Fortsetzung folgt)\n\nLieder\nWilhelm Runge\nSehnen streichelt triftetaues Gras\nLächeln lehnt umroste Distelköpfchen\nHäuser Schnecken trüb\nDie neblen Weiten klammen\nDüster dreht die Sinne stundenrund\nAußen kniet und gräbt und mündet Innen\nQuellen atmen hoch\nstill lindert leis\nFernen trillern\nSträucher betten Jauchzen\nBeeren drängen übersonnten Duft\nTief im Heu des Dörfchens bunter Käfer\nSummen klettert in das blaue Glück\nLieder leuchten straßenhinundwieder\nSonne lehnt gelassen an die Tür\nund der Himmel träumt mit allen Sternen friedlich um den hei-\nmatlichen Herd"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.14", "texte": "Gedichte\nFranz Richard Behrens\n\nApril an der Aisne\nSonne rutenrot\nGranatengischt\nZitronenfalterwimpeln\nZünder zimbeln Birkenrosen\nSande schwestern schonen\nHüpfen höhnen\nStahlstrahl\nFrißt\n\nChemin des Dames\nRote Kreise kreisen\nWeiße Kreise kreisen\nBlaue Kreise kreisen\nSchwarze Kreuze kreuzen\nMorgenrosenglühen\nEismilchsilbern\nBlaupunktbleiben\nKreuzekränzen adlern\nElstern Zündersehen\nGranatenkrater waten\nNachtigallen fliedern Frühlingskreuzen\n\nLied in Lazienki\nZeiten fliehen\nNußblütenkuß\nStunden rauschen\nLilien laben lieber loser\nPurpurprasseln\nLilien geigen\nLöwen\nGoldklimpern rot Trompeten\nLilienlusten\nLichterlinden\nStrotzen\nSchwanen Schnee schwistern\nSchwarzer Marmor\nRasen\nRoter Marmor\nRosen\nSchwarzer Marmor\nRasen\nWeißer Marmor\nRuten\nWeißer Marmor\nRuten\nRoter Marmor\nRosen\nGoldsamt Blauparkett\ni\nStein tränt siegeltief\nErderdauert\nRanken krönen Blutruck\nVolle Schalen füllen weiße Triller\nSüdsilbersüchtig sieden Säen\nLasten schwanken schwarze Rosen\nElritzenrieselroser\nStein schenkt Stechen\nStein greift Schwalbenflattern\nMohnweiße Wellen zwitschern\nHeimlich heimen W)eiten\nStrudel sind süße Betten\nDie Kerzen küssen blonde Köpfe\nKugeln klingen kurz\nTragen armt Lasten\nKnospenjach\nPfeiler nischen Blaudurchbrechen\nBlutertanzen sonnestürmen\nRaum rastet\nSplitter schmähen\nIch bin ein rotes Sommerei\nUnd blute rund\nSchritte stoßen Raum\nStehen sehen Sonnenblicke\nLustleuchten liegt in Feuerlicht\nSudsehnen unter Sud\nStahlsehnen Lastenstahl\nSchlanken\nUm zu brechen\nStein baut mich milchblaß\nGleiche Glocken klirren\nGluten schneiden dunkler\nHasten haften\nMänner schauen was sie schaffen\nLazienki läßt die Hütten liegen\nBogen beben\nVier Riesen geben Erde\nWundern wühlen\nWerden\nVäter kennen keine Kindertode\nWandeln\nTräumen die roteste Seide der Sonne\nFlache Schneiden flügeln\nFlammen flechten Burgen\nDer Tag flüstert\nDämmer hellen\nSteine dürfen scheinen\nWälder küssen\nSteine glauben nie an Steine\nJahre küssen\nSteine reiten Hirne\nLerchen küssen\nSteine hetzen rubin Herzen\nStein so satt\nWelt will weiter nichts\nPurpurprasseln\nIn Rotresedenreine blitzt Blütenlust mir meinen Morgenmai.\n\nBerichtigung\nDruckfehler in den Gedichten von Thomas Ring / Aprilheft\n1917\nTage dumpfen brüten Schmerz\nstatt: brüten.\nLetzte Zeile: Hände perlen tränen stern\nstatt: über Tränen,\nDas vierte und fünfte Gedicht sind nicht durch einen Absatz\ngetrennt. Das fünfte Gedicht beginnt mit der Zeile:\nSchwirrfaucher Donner schneidet Nebelschwaden,\n\nLassen-sollen greift mit allen Armen\nTrotzen drückt zur Seite enges Wider\nWürgen ringt und beißt das harte Sollen\nSträuben stampft der Stirne heiiges Land\nbindet fest der Stunden eilge Hände\nzerrt die früchten Bäume aus dem Wind\nKönnen bricht\nund Bäumen fällt zu Boden\nSchmerzen schreien eine weite Welt\nTraurig stehn des Blutes stille Sterne\nWollen beugt den graden Nacken herb\nSeele nickt und weist und wandert willig\nWelten schweigen\nwunder wunder fort"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nP. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriit Der Sturm\nErscheint am funlzehntcn jedes Monats\nBauerbezug\nGewohnliche Ausgabe Fur Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEmzelheft 80 Pfennig / Fur das Aus-\n1a n d bei direkt.cr Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post fur\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fur das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n/ Voll-\nSonder-\nausgabe:\nPre is e der friiheren Jahrgange\nstandige Ausgabe Qewohnliche\nAusgabe:\n1910/11 25 Mark\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, soweit vorhanden; erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n20 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n10 Mark\n10 Mark\n10 Mark\nvergriffen\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse / Ge -\ndic h t e\nQebuiiden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nÜberteufel./ Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJedes Buc-h 2 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie scliwarze F aline / Eine Dichtung\nQeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nOeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nQebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nOeheftet 2 Mark ' Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nOebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nRoman\nOeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I:\nKimstmaler und Kunstkritiker\nOeheftet 2 Mark\n\nSturm-Biicher I: August Stramm; Sa nc ta\nSusanna /' II: August Stramm: Rudi-\nment a r I III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoli Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aagc von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\njedes Sfurmbuch 50 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFiir Klavier / Eme Mark\nDie Judentochter\nFiir Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von\nArno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzeiausgabe / 50 Pfennig\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nHeemskerek-Mappe; Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundert Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlers\nliber sich selbst mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnimgen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\nMappe mit 15 Zeichnimgen auf Japan-\npapier in Strichatzung / Adolf Loos / Her-\nwarth Walden / Richard Dehmel / Paul\nScheerbart / Alfred Kerr / Yvette Guil-\nbert I Karl Kraus / Hermann Essig / Rudolf\nBlumner / Adolf Knoblauch / Mechthild\nLichnowsky / Nell Walden / Max Berg /\nGertrud Eysoldt / Claire Waldoff\nMappe 40 Mark\n\nKilnstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 1\nUmberto Boccioni t / 1\nCampendonk / 1\nMarc Chagall / 5\nRobert Delaunay / 1\nAlbert Gleizes 1\nJacoba van Heemskerck / 2\n\nAlexei von Jawlensky / 2\nKandinsky / 2\nPaul Klee / 1\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger / 1\nAugust Macke t / 1\nFranz Marc t / 2\nGabriele Miinter / 1\nGino Severini / 4\nMarianne von Werefkin / 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abb i 1 d un gen\nMarc Chagall\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nJe 50 Pfennig\nDie Futuristen\n60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke ans dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nMarc Chagall: Zeiehmmg\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkiopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Girilbert\nOskar Kokoschka: Tierbllder\n\nSturm-Kimstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nL August Stramm\n11. Herwarth Walden\n111- Jacoba van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Blumner\nVL Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII, Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\n\nHanddrucke\nOskar Kokoscfakaz P1 ak a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 10 Mark\n\nSturm-Einbande\nAuf Japanpapier h von\nGeorg Schrimpf fur alle Ausgaben\ndes Verlags Der Sturm\nEinband fur Biicher: 20 Mark\nEinband fur Noten und fiir den Jahrgang der Mo-\nnatsschrift Der Sturm: 30 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170515-01.1.16", "texte": "Der Sturm\nStandige Aussiellungen\nBerlin W 9, Potsdamer Str. 134 a\nGeoiinet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskartc 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nZweiundfiintzigste Ausstellung\nAlbert-Bloch\nHarald Kauffmann\nDreiundfunfzigste Ausstellung\n3. Sturm-Gesamtschau\nJuni I Juli 1917\nEroffnung dcr neuen bedeutlend vergro-\nBerten Raume im selben Haus vorn eine\nTreppe am Mittwoch den 6. Juni\n\nDER STURM\nvertriit folgende Kiinstler ausschliefilich\nund verfiigt iiber ihre Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkau! und zu Ausstellungen in der gan-\nzen Welt:\nCampendonk / Marc Chagall / Jacoba van\nHeemskerck / Kandinsky / Franz Marc /\nGcorg Muche / Gabriele Miinter / Nell\nWalden\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland folgende Kiinstler\nund veriiigt iiber ihre Werke zum Verkaui\nund fiir Ausstellungen:\nAlbert-Bloch / Alexander Archipenko /\nRudolf Bauer / Fritz Baumann / Vincenc\nBenes / Umberto Boccioni / Carlo D, Carra\nMax Ernst / Lyonel Feininger / Emil\nFilla I Albert Gleizes / Otto Gutfreund /\nOswald Herzog / Sigrid Hjerten-Griine-\nwald I Isaac Griinewald / Johannes Itten /\nAlexei von Jawlenski / Paul Klee / Os-\nkar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Carl Mense / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Fritz Stuckenberg / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne yon We-\nrefkin\n\nKunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Waldcn\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressiomstischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerci\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer / Rudolf Bliimner / Campen-\ndonk I Jacoba van Heemskerck / Paul\nKlee I Georg Muche / Gabriele Miinter /\nLothar Schreyer / Herwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffnet\n\n©ffeniliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nVortragsreihe I\nLothar Schreycr: Der Expressionismus in\nder Dichtung\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April\nbis Juni %4—%5 Beginn 18, April\nSechs Vortrage\n4, Das Gedicht der deutschen Gegenwart\nMittwoch, 23, Mai\n5, Dje Erzahlung deutschen Gegen-\nwart\nMittwoch 6. Juni\n6, Das Drama der deutschen Gegenwart\nMittwoch 20, Juni\nVortragsreihe II\nLothar Schreyer: Das Biihnenkunstwerk\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April\nbis Juni 5—6 / Beginn 18, April\nSechs Vortrage\n4, Die Bewegung des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 23, Mai\n5, Der Ton des Biihnenkunstwerkes\nMittv/och 6, Juni\n6, Das Spiel des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 20, Juni\n\nSturm - Kunstabende\nVcrein fur Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch / Beginn aller Abendei\n%8 Uhr\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den 5. September 1917\n\nVerein fur Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nN\nVierzehntes Jahr 1- April 1917 bis 31«\nMarz 1918\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der\nZeitschrift Der Sturm / Freier Besuch aller\nSturmausstellungen / Besuch der Sturm-\nKunstabende zu halben Preisen / Jedes\nJahr frei eine Sturmgabe / 1917/18 nacK\nWahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unter-\nschriebener Holzschnitt aui Kaiserlich\nJapan-Papier oder zwci Kunstdrucke nach\nWahl oder das Sturmplakat yon Kokoschka\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Strafie 138 a\nhat gute und seltene Bucher und Noten\nvorratig und nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-,\nmaiden der Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Weib / Komitragodie\n3 Mark\nSonderausgabe / handgemalter Einband von\nGeorg Schrimpf (Auflage 10) 50 Mark\nNeu erschienen: Kiinstlerpostkarten der\nSammlung Walden / Erste Folge: 24\nKarten\nAlexander Archipenko (3) / Umberto Boccioni (1) /\nFranz Marc (l) / Chagall (2) / Kandinsky (l) j\nJacoba van Heemskerck (1) / Campendonk (l) /\nAlbert Qleizes (l) / Jean Metzinger (1) / Fernand\nLeger (1) / Vincenc Benes (1) / Otakar Kubin (1) /\nCarl Mense (1) / Georg Muche (l) Nell Walden\n(1) I Rudolf Bauer (l) / Fritz Stuckenberg (1) /\nGeorg Schrimpf (l) / Maria Uhden (1) / Arnold\nTopp (l) I Negerplastik (1)\nJede Karte 20 Pfennig\nIn zweiter Auflage erschien: Sturmbuch\nVII: Adoli Behne: Zur neuen Kunst\nNeu erschienen:\nHermann Essig: Der Wetterfrosch / Er«\nzahlung\n2 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfuhrliche Verzei chnisse\ndes Verlags Der Sturm kosten-\nI os Verlag Der Sturm"}]}