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"bmtnabg_1917-06-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "36", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.3", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4029, "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nSchlaf\nIch bin ein Atemzug der tiefsten Nacht\ndie dunklen Stunden tragen meine Seele\nund Mond und 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Glühwurmpaar ist aufgeweckt\no weiße Nacht\naus Mondeshaar gefallen!\nUmglänzt\numblüht\nin deine Brust versunken\nhinströmend bin ich Schöpfer, Liebe, Gott\nberauscht von Sternen, Mai und Liebe.\n\nJung\nEin blauer Himmel ist meine Jugend\nmein Auge ist jung\njung ist das Lachen\njung ist die Stimme der Liebsten im Mai.\nReich mir die Hände über den Wolken\nhoch in der Freude über den Sternen!\nTrage die Sonne hell in die Stunde,\nhoch in die blühenden Wipfel der Träume,\nhoch in die wandernden Morgengedanken\nweit in das leuchtende Meer der Verheißung!\n\nErkenntnis\nGeh nicht die Straßen, wo die Hunde sind!\nErhebe dich!\nErhebe dich in Dir zu Dir!\nGeh einsam mit den großen Traumentstiegenen,\nentreiße dich der Zeit!\nUmdunkelt weinst du in die lauen Gassen\ndie trüben Gaslaternen wandern durch dein Aug\nträgist dein Haupt\nlängst hat die Sehnsucht dich und Gott verlassen!\n\nAhnung\n0, meines Lebens Sommerwelt,\nich bin in deinem Tal ein fruchtgebeugter Halm,\nmein Augist wach aus 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Lebenskreise.\nStumm sind die Geigen meiner Erdenstunden\ndie wilden Wipfelstürme schlafen unter meinem Fuß,\nHoch glänzt mein Angesicht\nhoch über Stürmen, Gipfeln, bunten Städten.\nNur manchmal wartet ein Gedanke\nStill wie verhaltnes Weinen auf das Lächeln meiner Lippen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1819, "texte": "Mädchenstunde\nDie Stunden streichen weinend über dunkles Haar,\ndie Winde wirbeln Nacht und Frühling durch die Wälder.\nDie Augen träumen zage durch die Scheiben\nerbrausend kniet der Sturm die Wipfel in den Sand.\nSturm\nringe tief dich in mein Blut!\nSturm, wilde Welt aufküsse meinen jungen Tag!\nAufblühen will mein Blut\naufschreiend in den Lenzeswehen gib dich mir,\nSturm in der Nacht!\n\nLied\nLicht,\nLeben meiner Liebe helles Leben!\nUmschließe mich\nergieße dich\nStrom überhand auf meine Seele!\nWtelthimmelüber tanzen 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nicht die Straßen, wo die Hunde sind!\nErhebe dich!\nErhebe dich in Dir zu Dir!\nGeh einsam mit den großen Traumentstiegenen,\nentreiße dich der Zeit!\nUmdunkelt weinst du in die lauen Gassen\ndie trüben Gaslaternen wandern durch dein Aug\nträgist dein Haupt\nlängst hat die Sehnsucht dich und Gott verlassen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "35", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.3.16", "titre_corps": "Ahnung", "titre_sommaire": "Ahnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue 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"url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.3.17", "titre_corps": "Bitte", "titre_sommaire": "Bitte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.3", "debut_caractere": 2844, "fin_caractere_exclue": 3083, "texte": "Bitte\nAll meine Stunden brausen aufwärts in die Zeit,\nAll meine Herzen schlagen;\nEwigkeit.\nDu liebst die Straßen in der Liebe,\nZu Gottes Gipfeln schlinge dich hinauf.\nO schließe deine Seele auf\neröffne Sternen deine Tür\nempöre dich zu mir!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, 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sang,\ntot ist der Tod,\nich lebe, weil ich einsam bin.\nAllmächtig breitet Willen sein Gefieder\nfliegt über Menschen, Zeiten, Erden, Nacht hinaus\nstill lächelnd trinkt mein Aug die hohen Sterne\ndie Mütter meiner vielen Lebenskreise.\nStumm sind die Geigen meiner Erdenstunden\ndie wilden Wipfelstürme schlafen unter meinem Fuß,\nHoch glänzt mein Angesicht\nhoch über Stürmen, Gipfeln, bunten Städten.\nNur manchmal wartet ein Gedanke\nStill wie verhaltnes Weinen auf das Lächeln meiner Lippen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.4", "debut_caractere": 759, "fin_caractere_exclue": 1066, "texte": "Gedicht\nO nachts\ndas dumpfe Lied aus meiner Seele fremden Gärten!\nIn schwarzen Stunden dunkler Sang der tiefen Brunnen\nAuf hellen Kissen horchen die Gedanken.\nSchwer liegt das Blut im Dämmern eingeschlossen,\nAus unbekannten Meeren rauscht der Klang\nim Grunde meiner Seele singend\nfremd\nunfaßbar\ndunkel\nGott!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c025", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.3.22", 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die Stunden\ndie sich einsam heben,\nhoch ihre Augen in den Ursprung Gottes,\ndas ist das Leben, wenn die Sinne fallen,\nund Licht entsteigt den fernsten Nachtgestirnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c026", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "40", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.4", "titre_corps": "Das Bühnenkunstwerk : Die Bühnenkunst im Menschenhaus", "titre_sommaire": "Das Bühnenkunstwerk : Die Bühnenkunst im Menschenhaus", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque 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Das Publikum ist gefallen.\nDas Publikum hat keine Auferstehung. Der Geist steht auf.\nDas Publikum hat keinen Geist. Der Geist ist keine Oef-\nfentlichkeit. Der Geist ist eine Innerlichkeit, die das All ergreift.\nDie Zeit des Publikums ist vergangen. Das Publikum ist eine\nHäufung von' Persönlichkeiten. Jede Persönlichkeit will das\nGlück. Die Häufung der Persönlichkeiten engt das persönliche\nGlück. Die sinnliche Macht aller will ein Machtglück der Natur.\nDas Publikum hat keine Kunst. Das Publikum will sich un-\nterhalten. Das Publikum will angenehm verdauen. Es will Brot\nund Spiele. Der Beifall ist seine schmerzlose Verdauungsgym-\nnastik. Bald hat der Spieler sein Brot verspielt.\nDie Gegenwart hat keine Persönlichkeit. Die Gegenwart\nhat kein Publikum. Die Persönlichkeit hat keinen Wert. Das\nPublikum ist wertlos. Es gibt kein Recht auf Glück. Wir leben\nnicht für unsere Persönlichkeit. Wir sterben für unser Werk..\nDas Werk sind nicht wir.\nDie Persönlichkeit ist gefallen. Der Mensch steht auf.\nMensch und Volk sehnen ihre Einheit.\nWir sind die Menschheit .\n*, * *\nie\nEins sind wir in der Schau der Ekstase.\nAll sind wir in der Schau der Ekstase.\nDie Schauenden sind die Erkennenden.\nErkenntnis ist unbegreifbar. Erkenntnis ist Offenbarung\nund Wunder.\nDer Erkennende schaut das Womder in der Gestalt. Kunde\nder Erkenntnis ist die Kunst. Künder der Offenbarung ist der\nKünstler. Kunststätte ist Stätte des Erlebnisses der offenbar-\nten Erkenntnis.\nWir lebendigen Geister sehnen das Wunder. Wir, geistiges\nLeben, sehen das Wunder.\nDer Schauende ist Mensch.\n* . *\nDer Mensch hat kein Haus.\nDas Menschenhaus laßt uns errichten.\nDas Menschenhaus ist die Stätte, die dem Erlebnis geweiht\nist. In ihm wird das Erlebnis gekündet und erlebt. Die Erleben-\nden und die Kunde des Erlebnisses, das Kunstwerk, sind in ihm.\nEs ist die Stätte des Sehers und der Schauenden.\nDas Menschenhaus ist Kunstwerk. Das Haus ist Bauwerk.\nDas Bauwerk ist Formkunstwerk und Farbkunstwerk und Be-\nwegungskunstwerk. Das rhythmische Bauwerk ist farbig und\nbewegt.\nDer Geist der Gegenwart wirkt das Bauwerk. Die erfüllte\nSehnsucht wird uns im rhythmischen Kunstwerk. Das rhyth-\nmische Kunstwerk gibt uns die Baukunst.\nDie Häuser der Menschen dienen der natürlichen Wirklich-\nkeit der Menschen. Sie können nicht sterben, wie die Natur,\nweil sie tot sind. Sie sind keine Machtgestalt des Natürlichen*\nSie sind tote Machtmittel eines Lebens, das sich der Natur be-\nmächtigt.\nDas Menschenhaus dient dem geistigen Leben, das eine\nWirklichkeit ist. Es ist lebendiger Diener des Geistes, wie wir\nlebendige Diener des Geistes sind. Es spricht zu uns, wenn wir"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6987, "texte": "nicht stumm sind. Geist spricht zu Geist. Das Menschenhaus ist\nMachtgestalt des lebendigen Geistes.\nDas Menschenhaus ist aus den Grundgestalten der Farb-\nform geschaffen. Die Kunstgestalt wird nach der Notwendigkeit\ndes Schöpfers geschaffen.\nDas Menschenhaus ist das Haus der Ekstase. Tiefste Ver-\nsenkung im Menschen ist letzte Entäußerung des Menschlichen.\nDer Entmenschte schaut. Die Gemeinschaft der Sehnenden\nvereint sich zur Schau. Die Schauenden erkennen. Die Sehn-\nsucht ist allgemein. Die Sehnsucht ist nicht im einzelnen be-\ngrenzt. Sie kennt keine Persönlichkeit. Sie ist allen gemein.\nDie Allgemeinschaft versenkt sich in ihre Sehnsucht. Keiner ist\nallein. Alle und einer sind die Alleinheit. Der Eine versenkt\nsich im All. Alle bilden sich ein in das All. Der Eine bildet das\nBild des All. Alle schauen das Bild. Alle sind Bild. Die Schau\nbildet den Geist.\nDer Schau des Geistes dient das Menschenhaus. Das Men-\nschenhaus ist der Versammlungsraum derer, die zu schauen\nsehnen und schauen. Die äußere Versammlung ist innere Samm-\nlung. Die Menschen sind keine Zuschauer. Der Zuschauer er-\nlebt nicht. Er schaut zu, wie andere erleben. Der Schauende\nerlebt.\nDie Menschen sind im Kreis versammelt. Umkreist von der\nWirklichkeit der Natur schließen sie den Kreis um die Wirklich-\nkeit des Geistes. Die kreisende Menschheit gebiert das Werk\ndes Geistes. Inmitten der Versammlung wirkt der Geist.\nDer Raum der Schauenden ist ein Rundbau. Um den Kreis\nordnen sich die Räume, die den Zutritt zur Schau regeln. In-\nmitten des Menschenhauses, inmitten der Schauenden ist der\nRaum, in dem das Gebilde des Geistes gebildet ist. Die Schau-\nenden sehen das Werk des Geistes und erleben die Wirklich-\nkeit des Geistes.\nAuf der Bühne inmitten des Menschenhauses ist das Büh-\nnenkunstwerk gestaltet.\nDas Bühnenkunstwerk ist Kunstwerk.\nEs ist von einem Seher des Geistes geschaut. Es ist ein\nWerk geistiger Wirklichkeit. Es ist gewirkt mit Mitteln der\nNatur. Es ist keine Natur und keine Naturgestalt. Es ist ge-\nkündete Schau der Erkenntnis. Der Künstler kündet das Ge-\nsicht. Der Schöpfer schafft die Gestalt.\nDas Bühnenkunstwerk ist selbständiges Kunstwerk.\nEs ist kein Bauwerk, kein Malerwerk, kein Bildhauerwerk,\nkein Musikwerk, kein Wortkunstwerk. Es ist kein Gemisch,\nkeine Häufung verschiedener Kunstwerke. Es ist ein Kunst-\nwerk, mit den Kunstmitteln Form und Farbe und Bewegung und\nTon gestaltet.\nDer Machtwille der Gegenwart bemächtigt sich aller Kunst-\nmittel für das Kunstwerk. Die Kunstmittel sind dem Künstler\nwieder gegenwärtig geworden. Sie haben sich gegen die Kunst\nder Vergangenheit gekehrt und die erwartete Kunst gebracht.\nWir haben die Kunstmittel wieder in unserem Werk ent-\ndeckt. Wär wissen, daß es Grundgestalten der Form, der Farbe,\nder Bewegung, des Tones gibt, aus denen die Kunstgestalten ge-\nschaffen sind. Wir wissen, daß der Künstler ein Handwerk hat.\nDas Handwerk lehrt den Künstler die Kunstmittel. Aber es\ngibt keine Lehre der Kunst.\nDie Lehre der Kunstmittel lehrt die Grundformen, Grund-\nfarben, Grundbewegungen und Grundtöne. Die Kenntnis der\nKunstmittel lehrt die Wirkung der Kunstmittel.\nDie Grundgestalten stehen in innigem Zusammenhang. Es\ngibt keine Form ohne Farbe. Es gibt keine Farbe ohne Form.\nDie Farbe bewegt die Form. Die Form bewegt die Farbe. Die\nBewegung färbt die Form, Die Bewegung formt die Farbe. Der\nTon bewegt die Farbform. Die bewegte Farbform tönt.\nEs gibt nicht nur musikalische Tonleitern. Es gibt Farb-\nformleitern, Bewegungsleitern und Grundtonleitern. Die Hand-\nwerksmittel der Kunst kennen wir wieder. Sie müssen gelehrt\nwerden und gelernt werden. %\nAus den Farbformen ist die Körpergestalt des Buhnenkunst--\nwerkes gebildet. Die Körper schaffen den Raum und seine\nGliederung.\nMit den Bewegungen ist das Farbformspiel gebildet,.\nMit dem Ton ist das Farbformtonspiel gebildet.\nFarbformverbindungen wirken Gefühlsentwicklungen.\nBewegungen wirken Gefühlsentwicklungen,\nDer Einzelton wirkt einen Gefühlszustand.\nTonverbindungen wirken Gefühlsentwicklungen,\nDie Grundfarbformen, die Grundbewegungen, die Grund-\ntöne lösen Gefühlskomplexe aus. Die gleichen Stufen der Grund-\nleitern lösen die gleichen Gefühlskomplexe aus. Die\nFarbformgestalten, Bewegungsgestalten und Tongestalten lösen\ndie einzelnen Gefühle aus. Das einzelne Gefühl kann nur durch\neine Kunstgestalt und nicht durch einen Begriff bezeichnet\nwerden.\nDie Wirkung der Kunstmittel ist sinnlich. Die Kunstmittel\nund ihre Gestalt werden wahrgenommen, Sie sind Gegenstände\nder Wahrnehmung.\nDie Kunstmittel wirken assoziativ. Die Assoziationen wir-\nken die endlose innere Bewegtheit des Kunstwerkes.\nDas Kunstwerk hat keine Teile. Es ist eine unteilbare Ein-\nheit. Es ist Organismus.\nDie Organe des Kunstwerkes sind harmonisch. Der Orga-\nnismus des Kunstwerkes ist rhythmisch.\nDie Lehre der Kunstmittel gibt Erfahrungssätze. Erfah-\nrungssätze sind keine Gesetze. Die Kunst hat kein Gesetz. Das\nist ihr einziges Gesetz, Das Gesetz des Kunstwerkes ist seine\nNotwendigkeit. Kein Handwerk schafft Kunstwerk, Handwerk\nist nicht Geistwerk.\nDer Künstler weiß, um nicht zu wissen,\nDas Unbewußte ist dem Künstler bewußt.\nDer Künstler kündet nicht sich.\nDer Künstler ist Organ des All. Das All kündet aus ihm*\ndurch ihn, aber nicht von ihm, sondern von sich.\nDie Gestalt ist Schöpfung. Die Schöpfung schöpft aus dem\nUnbewußten. Sie schafft das Unbewußte. Die Schöpfung des\nUnbewußten schafft die bewußte Gestalt. Die bewußte Gestalt\nist das gestaltete Unbewußte.\nDie bewußte Gestalt ist die äußere Gestalt des Kunstwer-\nkes. Das gestaltete Unbewußte ist die innere Gestalt des\nKunstwerkes, Das Bewußtsein wirkt das Unbewußtsein.\nDie Notwendigkeit der Schöpfung ist das unfassbare Ge-\nheimnis des Seins. Das Geheimnis des Seins bleibt dem Be-\nwußtsein verschlossen. Bewußt werden nur die Formen des\nWerdens. Im Leben werden wir. Im Schöpfen sind wir. Wir\nsind nicht mehr Schein, nicht mehr Erscheinung des Seins. Wir\nsind selbst der Grund des Werdens. Wir sind Sein.\nDer Künstler ist im Werk. Wir sind in seinem Werk.\nVoraussetzung der Werkwirkung ist, daß es andere als\nder Werkschöpfer genießen und erleben. Die Werkgestalt\nhat außerhalb des Künstlers eine feste Gestalt. Das Farbform-\ntonspiel kann gespielt werden.\nDas Bühnenkunstwerk ist in Raum und Zeit fest bestimmt\nDas Bühnenkunstwerk ist ebenso fest bestimmt wie ein Werk\nder Musik in der Partitur und ein Bauwerk im Bauplan.\nDer Bühnenkünstler bewahrt seine Schöpfung im Buch.\nSeine Schöpfung ist nicht zeitlich abhängig von einem Spiel.\nAber jedes Spiel ist abhängig und bestimmt durch das Buch.\nDas Spiel wird geleitet von einem Spielführer. Das Spiel\nist Ausführung der gegebenen Schöpfung. Die Art der Aus-\nführung ist abhängig von der Auffassung des Spielführers. Bei\nder Ausführung unterstützen ihn seine Organe: Techniker,\nSchauspieler und Musiker.\nDer Schauspieler des Bühnenkunstwerkes ist ein anderer\nals der des Theaters. Er gestaltet keine Menschen. Er spielt die\nSchau. Er ist bewegte und tönende Farbform."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1887, "texte": "Das Bühnenkunstwerk wird gespielt.\nDie Bühnenkunst schafft den Techniker des Spiels.\nDie Bühnenkunst schafft den Schauspieler des Spiels.\nDie Bühnenkunst schafft den Musiker des Spiels.\nDas Bühnenkunstwerk wird im Menschenhaus gespielt.\nDie innere Gestalt des Kunstwerkes ist das weltmächtige\nErlebnis, Das Erlebnis ist nur faßbar in der Vorstellung einer\nGestalt, Wir fassen das Erlebnis nicht, das Erlebnis faßt uns.\nDie Gestalt des Erlebnisses stellt nichts vor. Das Erlebnis ist\nnichts der natürlichen Wirklichkeit. Nichts wird vor das Er-\nlebnis gestellt. Das Nichts kann gestaltet werden. Das gestal-\ntete Erlebnis steht vor uns. Wir sind vor die Gestalt gestellt,\nDie innere Gestalt wird von der äußeren Gestalt ausge-\nlöst, Die innere Gestalt ist im Kunstwerk und in uns.\nDie Kunstmittel wirken die Kunstmacht, Die Kunstmacht\nwirkt die Weltmacht. Die Weltmacht ist der Zustand, der den\nMenschen zur Welt macht. Der wollende, tätige Mensch ist\nnaturmächtig, der sehnende, erlebende Mensch ist weltmächtig.\nDer Erlebende kann nicht handeln und nicht wollen. Der\nMensch ist nicht Mensch. Er fühlt nicht und denkt nicht. Er\nist verständnislos und unverständig. Er ist auch unverständlich.\nEr hat nicht das Wollen, verstanden zu werden. Aber er hat die\nSehnsucht, zu verstehen, was nicht verstanden werden kann. Er\nist gefühllos. Das weltmächtige Erlebnis ist kein Gefühl, Das\nErlebnis ist Erkenntnis durch Offenbarung, Dem Entmenschten\nwird offenbar, was der Mensch mit Gefühl und Verstand nicht\nfassen kann. Da er nur im Erlebnis erkennt, erkennt er das Er-\nkannte im Leben nicht mehr.\nDas Menschenhaus ist unser Haus des Erlebens,\nIm Menschenhaus wird uns die Kunde der Erkenntnis,\nIn der Offenbarung des Kunstwerkes sind wir offenbar\nDie Offenbarung ist unser Reich,\nDer Mensch steht auf zur Menschheit,\nDer Sturm der Auferstehung ist unsere Tat,\nNur der Stürmende steht im Sturm,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c027", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "37", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.4.1", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 55, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c028", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.4.2", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 55, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c029", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.5", "titre_corps": "Sechstaktmotor : Für Rudolf Blümner", "titre_sommaire": "Sechstaktmotor : Für Rudolf Blümner", "signature_source": "Franz Richard Behrens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.8", "debut_caractere": 1889, "fin_caractere_exclue": 3719, "texte": "Gedichte\nSechstaktmotor\nFür Rudolf Blümner\nFranz Richard Behrens\nBlühen muß meine Maschine\nGrüne Frösche\nV erspannungsbef estigungslasche\nHellgrünheben\nNeunzehnhunder tneunundsiebenzig\nWenn ich meine Bomben werfe\nGrüne Hunde\nAntrieb vom Geschwindigkeitsmesser\nRote Dächer\nFünfundzwanzig und dreißig Kilogrammquadratmeter\nBin ich schneller als er\nDer stille Herr\nZelluloid\nDunkle Bäume\nElftausend Kilogramm\nAber wohin werfen\nMondsüchtige\nCellon\nWeiße Wölkchen\nDreimal Hundertzwanzig Quadratmeter\nJetzt gilts Freund\nDer Nachtwandler\nPropeller mit geschweifter Eintrittskante\nPlatzende Schrappnells\nKa x Ka ypsilon und A durch W\nEr ist stark\nDer Drehwurm fährt Karusell\nAus einem Stück gebogenes Scharnier\nDaunen steigen\nEins Komma eins von Hundert\nFünfzig Meter steht er über mir\nGanz große Kanone\nVorrichtung zur Verankerung der Verwindungsklappen bei Windt\nHalten sich zu meiner Rechten\nNull Komma dreizehn Millimeter\nFünfzig Meter liegt er auf mich\nKüken Rollengehäuse für Seilzug\nSie mehren sich\nDreizehn Komma vier Metersekunden\nWas sind fünfzig Meter\nOberfranz franzt Strich\nHaftenteil für Gürtelschnalle zum Festschnallen\nSchon sind sie auf beiden Seiten\nEins Komma zwei zwei drei Kilogrammkubikmeter\nDauerfranz verfranzt\nBajonettförmige Befestigung von Tragdeckenholmen\nDie mit Laub bedeckten Erdhütten\nFünfzehn Grad Celsius\nIch sehe sein Grinsen\nAffenfahrt\nAutokanister\nProtzen Munitionswagen Gespanne\nKa ypsilon mal S mal Vquadrat\nEr beugt über Bord\nIch will noch heute zum Südpol\nSchwarzblechklempner\nIhr habt recht euch zu retten\nNullkommanullfünf neun-sechsdrei\nIch höre nichts mehr\nHa und Be\nTropfende Rostschutzlack\nFünf Atemzüge sitze ich ihm im Rücken\nKaltes Messer am Halse\nMäuschen und Nägel\nKugellager\nHerz über Herz\nKreuztraversen\nSplitter spritzen fünfundzwanzig Meter gurgelnd\nMeine Maschine küßt mir die Hand"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c030", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "46", "image_debut": 8, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.6", "titre_corps": "Gereut : Adolf Knoblauch", "titre_sommaire": "Gereut : Adolf Knoblauch", "signature_source": "Erzählung", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.8", "debut_caractere": 3721, "fin_caractere_exclue": 3753, "texte": "Gereut\nAdolf Knoblauch\nErzählung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.8", "debut_caractere": 3768, "fin_caractere_exclue": 4583, "texte": "Myrddhins Tod\nEin Zufluchtheischender kam aus den Schenken der großen\nStadt zu den Mündigen. Ein herrlicher Dichter! Das gewaltige\nHaupt, Stirne, Augen, Stimme, gesiegelt vom Genie, der schmale\nkleine Leib verzehrt in schmerzenreicher Kraft, Gebresthaft*.\ntodumwittert verbrachte Myrddhin die letzten Lebenstage in\nder Umarmung von Erde und Wald,\nIm Walde saß der Ehrwürdige barhäuptig, sonnflimmern-\nden Wirrhaars, großäugig! Auf Moos zu Füßen starker Kiefern\nwartete er scheu und rückte andächtig dem Sonnenstrahl nach;\nder die Erde glühte und unsichtbar vorging wie ein schneller\nUhrzeiger, Jeden Mündigen, jeder Frau, jedes Kind, jedes\nMädchen, jeden Jüngling grüßte er traulich bei Namen und\nliebte ihr munteres Wort, Das war kaum die Zärtlichkeit des\nGroßvaters, es war die Liebkosung Gottes, der seine schöne"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7664, "texte": "Erde vor dem Abschied grüßte. Myrddhins mächtiges breites\nHaupt war soimengolden, verwitterte Runzeln furchten das\nhochstirnige Angesicht von einem Leben der wundersamsten\nIrrseligkeit in unserem neuen Jahrhundert.\nOer Tag des Todes war gekommen. Man hatte ihn tot-\nkrank auf seine Kammer im Stallgebäude gebracht. Sein ver-\nAntlitz war von der Rose geöffnet und blutig.\nDolling hatte verboten, daß er jemandem zu Gesichte käme,\ndenn es war ein Sonntag. In der Morgenstunde rang der Ge-\nzeichnete mit dem inneren Befehl, zu sterben. Er stand, allein\ngelassen, vom Bett auf, und stieg in den Hof hinab. Man sah\nihn im Heim und hinderte ihn daran, das Haus zu betreten, da-\nmit die Gäste nicht erschraken.\nMyrddhin durfte in den Garten hinausgehen. Myrddhin\nwandelte einsam im Seinigen und schaute noch einmal, was er\nvollkommen verstanden und tief angebetet hatte. Nichts war\nauf Erden als Myrddhin! Nichts in der Erde, nichts droben im\nHimmel als der ewige Myrddhin! Blumen, Bienen, des Gemüses\nPracht, lustige Vögel, liebe Freunde im Hause — sie waren\nnichts als das unsterbliche Lied MYRDDHIN, über das Leben\nhinaus gesungen in des Alls unendlicher Erwärmung! Nieman-\ndem mehr war Myrddhin eine Schranke! Niemand. Nichts\ngab es, das nicht Seines war vollkommen, endgültig, kostbar wie\nTropfen Oel im Gefäße, aus dem die Flamme sich nährt! Gott,\nangebetet, glücklich, vollendet, in Deiner Liebe glänzte Myrdd-\nhin! Tropfen im Licht Myrddhin, der für niemanden eishauchen-\nder Tod ist! Herbselige Erde, die Myrddhin umfängt, über\nMyrddhin gebeugt, über Gottes sterbendes Lied die hoffnungs-\nstarke Mutter!\nAm Montag brachten die Dollinge den Bewußtlosen ins\nKrankenhaus, heimlich im verhüllten Wagen. Ohne Abschied\nkam er fort, abseits, vernachlässigt, kein Fünklein Liebe brannte\nbei seinem Sterben: Gottes nacktes Lied!\nv? . *\n•k\nDie Zirkumzellionen, afrikanische Sektierer, gaben sich\nselbst den Tod, der als Sühnopfer galt.\nDer Lord hatte nichts mit Reformern und Mönchen gemein.\nEr kam aus Wien und begeisterte sich für die Damen der Mün-\ndigen. Er schenkte ihnen täglich Blumen mit großer Zurück-\nhaltung, die auf seiner Jugend beruhte. Der Dekadente führte\ndie europäische Kultur, der seltsame Verneiner und Todessüch-\ntige, der wie jede Jugend erneuernde Sühnkraft strahlte.\nDie Mädchen konnten ihn nicht leiden, die Frauen nannten\nihn Lord, denn er hatte eine edle Statuenhaftigkeit in seiner\nHaltung. Zuweilen zerbrach die Statue in viele jähe Geberden,\nund nervös heftige Stimme, scharfe Rede machten ihn unbe-\nliebt. Die Frauen waren hochmütig zu ihm und verspotteten,\nwas sie nicht verstanden.\nEines Abends wartete der Lord lange hinter Büschen am\nSee auf eine junge Dame, die mit dem Liebsten lustwandelte.\nAls das Paar erschien, trat er vor, überreichte dem Mädchen\nBlumen und sprach: ~Wenn sie leben, wenn sie sterben, ohn\nAufhören gibt er die Hand ihrem Sein!\" Das Paar ging ver-\nlegen weiter, der Lord weinte verhalten. Dann sah er das\nstolze Fräulein seine Blumen an der Wegkrümmung ins Was-\nser werfen. Die Blumen waren lästig, der Lord war langweilig!\nDen Lord kränkte die schnelle Albernheit, seine Tränen\nversiegten. Ihn brannten eisig die Lieder der Glücklichen im\nWalde. Ueber heimliche Tränen krümmte furchtbar krampfi-\nges Lächeln. Die Stätte, wo er müde und traurig ist, wo er\nharrt, bangt, sucht und rastet, stand in Flammen, Brot, das\nnährt, war befleckt von Züchten und Schuld Fremder.\nAuf der Wolken Stufen schritt der Engel des Gerichts von\nHimmel zu Himmel. Er stampfte zermalmenden Flug auf der\nFlut gequälter und gebresthafter Menschen, deren Kniee im\nJammer unter seiner finsteren Härte sich krümmten. Vom er-\nbarmungslosen Zorn brannte sein Kleid. Seine Rechte streckte\ndas Vergeltungsschwert in der Schärfe, die Linke hielt die Wage\nmit den Losen des Rechtes. Im Grimm des Schnitters kam er\nzur Ernte. Ueber dem kalten Geisterauge standen Zacken, ums\nHaupt flogen Schlangen im Sturm, der Mund spannte Pfeile.\nGequälte, Verstümmelte schlugen Krallen in einander,\nstürzten sich mit dengelnden Armen, lagen auf Knieen unter\ndem satanischen Rächer und küßten den feurigen Henkersman-\ntel. Der Engel «fclies den Eiter seiner Worte in die Ohren der\nKöpfe, ehe er sie in den Staub mähte.\nZwitschern, Zirpen der Vögel auf dem blauen Hügel am\nSee war gestorben. Der Lord machte sich auf und zog in die\nStadt. Eine Zeitung brachte danach die Kunde, daß der Lord\naus einem vierten Stockwerk auf die Straße hinabgestürzt sei.\nGlücklosester Tod!\nEinsame Uhr, die vor Ablauf zerbrach! «\nSchreckliche Finsternis!\nMechanik des Revolvers. Würgendes Nichts im Gift.\nGierig fressende Leere. Kreisende Abscheulichkeit.\nAussätziger Abgrund, in dem das Hirn wirbelnd zer-\nschmettert.\nMord aus Unfruchtbarkeit!\nDie Zirkumzellionen, afrikanische Sektierer, gaben sich\nselbst den Tod, der als Sühnopfer galt!\nVI\nIm Ordenssaal versammelte sich der Rat der Mündigen,\nAuf dem schwarzgrünen Sitzungstisch lagen an jedem Platz No-\ntizblocks mit Bleistiften neben Aschbechern, wie bei den Kom-\nmissionsberatungen im Reichstag. Wenn Dolling nach der\nSitzung die Blocks einsammelte, so waren sie nicht mit hinge-\nhauchten Schriftzügen ernsten Sinnens oder ökonomischer Be-\nrechnungen bedeckt, sondern mit Weiberfratzen beschmiert, die\nWarzen am Kinn, dürre, spitze Nasen, geschwollene Backen,\nTriefaugen, gesträubte oder filzige Haare hatten, Zungen aus-\nsteckten!\nMiesmuschel läutete die neunickelne Sitzungsbimmel. Die\nHerren des Rates betraten den Saal, bockten, pufften, rissen\nsaftige Zoten. Nichts Gemütlicheres als eine Vereins-Sitzung!\nHinter der sicheren Vereinshecke hechelten die Mündigen ihre\nMitmenschen durch, stellten moralische Zweifel in die Aufrich-\ntigkeit der Gedanken und Handlungen der Anderen. Der Ver-\neins-Einzelne drehte die krumme Unanständigkeit anständig\ngerade und befleckte den Untadeligen. Die Unpersönlichkeit\nverhüllte Nichtswürdigkeit, Schamlosigkeit des Vereins-Einzel-\nnen, beseitigte sittliche Hemmungen, verlieh über moralische\nBerechtigung. Er wurde ausführendes Glied der Versammlung,\nMassen-Ich!\nIm Verein der Mündigen brach böses Regiment herein!\nKlatsch, giftige Nachrede, Hetzen, Verhöhnung, Zwietracht ka-\nmen über Hirn und Herz. Kein Mündiger vermochte die bösen\nGeister und ihren Fürsten zu bannen, denn es fehlte kindliche\nUnschuld, Tapferkeit, Fruchtbarkeit des Ideals!\nZur Instandhaltung der Gemeinwirtschaft beschäftigte der\nRat etliche Mägde, die unreine, widrige, aber unumgänglich\nnötige Arbeiten im Hause besorgten, Stuben, Treppen, Säle\nscheuerten, heizten und am Küchenherd schafften. Sie wohnten\nzu dritt in der Kellerstube neben Gereut. Miesmuschel hatte\nHühnerfedern für die Gesindebetten preiswert eingekauft. Mit\nden preiswerten Hühnerfedern wurden Läusenester einge-\nschleppt.\nDie Mädchen klagten den Dollingen ihr Leid. Diese such-\nten zu trösten, versprachen Abhilfe. Bei der Sitzung des Rates\nstand ihre Klage auf der Tagesordnung. Aber Miesmuschel\nschlug an seine Brust, beteuerte, nur ins&tenfreie Ware ge-\nkauft zu haben. ~Solche Mädchen bringen aber selbst Ungezie-\nfer mit, das sich rasch vermehrt, wenn das Gesinde nicht von\nHaus aus an Sauberkeit gewöhnt würde/' Ueber solche Gleich-\ngültigkeit und Tugend griffen die Dollinge an ihre Köpfe, aber\nsie waren weit enfernt, mit ihren Köpfen Wände einzurennen.\nHochmögende denken immer und überall zuerst an Sicherheit\nder eigenen Stellung im unbarmherzigen Wettstreit ehrsüch-\ntiger Ichs. Wehe der Harmlosigkeit, die unter ihre schreck-\nlichen Räder gerät! ~Denn zu allem, was große Herren an-\nfallen und sündigen, muß der arme Mensch büßen und sein Hab\ndarbringen!\" Die Mündigen entschieden, daß das Gesinde des-\ninfiziert werden solle!"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7275, "texte": "Die Mündigen erledigten das Defizit der Ordensfeste. Dann\nstellte Miesmuschel die Klage gegen den Schädling des inneren\nKreises, den Knaben Gereut, zur Beratung, denn Gereut hatte\ndas Unglück, der Gemeinde zu mißfallen. Miesmuschel erhob\nsich im Rate mit eigenen Anträgen, wenn es galt, Sittlichkeit\nund Schicklichkeit zu predigen. Er war die Säule des Rates,\ntrat aufrecht, ehrbar unter die Gemeinde: ~Seht meine Muster-\nEhe! Mag jeder ein Beispiel daran nehmen!\" Sein frommer\nAugenaufschlag, die runden hochroten Backen, das Oel seiner\nBeredsamkeit, sein sittliches Auftreten machten Eindruck.\nMiesmuschel schilderte den Knaben, den die Gemeinde aus\nMitleid mit seiner imbehilflichen Art in inneren Kreisen gedul-\ndet habe, dem sie Obdach und Essen gebe. Aber die Gemeinde\nbedauere ihre Hilfe, denn Gereut verlottere, er treibe sich im\nzerrissenen Anzug herum, er stehe nur vom Bett auf, um zu\nessen, er habe Schulden, bezahle nicht und arbeite nicht für die\nGemeinde. Jetzt sei das Maß voll, denn Gereut sei auf Spazier-\ngängen mit einer verheirateten Dame beobachtet worden.\nEr schäme sich, den Namen der Dame anzugeben und bitte sie,\nsich künftig vorzusehen. Zum Besten des frühreifen Schädlings\nselbst diene es, wenn der Rat ihn vom inneren Kreise ausschlie-\nßen werde. Der Orden sei keine Fürsorgeanstalt.\nGereut wurde geholt, es wurde ihm die Anklage vorgehal-\nten und Obdach mit Essen gekündigt. Gereut verließ ohnje\nWiderrede den SaaL Als es zu spät war, begann der eine Dol-\nling erregt auf und ab zu laufen und zu protestieren. Aber er\nwar willensschwach, litt an Herzerweiterung und war so gut-\nmütig veranlagt, daß er unfähig war, eine Ungerechtigkeit offen\nzu bekämpfen.\nGereut packte seine Habe, mietete in der Stadt ein Maler-\nAtelier und siedelte in die Stadt. In der Stadt litt er zehn Jahre\nElend, und nach zehn Jahren war er den schrecklichen Rädern\nehrsüchtiger Ichs ebenso preisgegeben wie unter den Mündigen.\nNietzscheaner Miesmuschel war in Uebereinstimmung mit\nden Zeitgenossen: Was faul ist, solle man noch stoßen, daß es\nfalle! Denn Schwäche hieße Fäulnis!\nGereut siedelte in die Stadt und trat hinaus auf die Straße\nder Stadt!\nVII\nDie Stadt\nGereut war in der Stadt.\nUnd die Stadt war in ihm, über ihm, nach ihm; das grenzen-\nlos entfaltete Gemeinwesen, in dem er einsam war. Gereut war\nhervorgegangen aus Wald, Fluß, wipfelwogendem Himmel,\nSturm. Im Anstieg und Absinken der Jahreszeiten war seine\nweise Knaben-Unschuld gewandelt, der freie Hirte, der nackte\nKönig, dem das bloße All gehörte, in dem er unversehrt blieb.\nDie Stadt Versehrte ihn, gab ihm das Wissen, und er fand\nsich einsam, gebrechlich. Er trat in die stählern kantige Halle\nder Stadt. Damit die eherne Stadt leben könne, brauche sie das\nInnigste, Weichste, und machte sein liebend blutreiches Herz\nzu ihrem Schemel,\nDie Stadt war Gereuts Schicksal Ihre schauerliche Größe,\ninnere Verknüpf theit, verwirrende Macht, unermeßliche Ordnung\nzerbrachen seinen Verstand. Gereuts Angesicht war schmal,\nvertieft. Die weiße, starke, kantenlose Stirne kränzte dicht\nbraunes Haar. Er hatte große, leuchtende Augen von guten\nTieren. Seine schmalen, weißen Hände hatten Schweigen ge-\nlernt. Gereut zog in die Stadt mit strengen Gelübden, er hatte\ndie Hüften gegürtet.\nDer unermüdliche Werktag der Stadt schleuderte gleich-\ngültig das unzählige Gewimmel seiner gehorsamen Kinder hin-\nein in die Siebe, glühte es in Schmelztigeln. Gehetzte Pein,\nMürbheit der harten Arbeit, prahlende Ueberlegenheit, nervöses\nUngenüge, rücksichtslose Machtgier, Empörung der Furchtsa-\nmen, Aufgequälten! Undurchsichtiges, leidenschaftliches Spiel\nder Geschehnisse eines ungeheuren Gemeinwesens Versehrte\nGereuts Gelübde, zerbrach den wissenlosen Frohsinn, lähmte\nhilflos.\nIn ferner, unbekannter Tiefe der Stadt zündeten Blick, Wort,\nGeberde den stummen Gedanken. Ein Herz, das Gereut nie\nkennen noch begreifen würde, war geheimnisvoll in der Wucher- *\nung der menschlichen Millionen berufen, Tugenden des Her-\nzens und Geistes fortzupflanzen, mit Stolz und Leid die Pflicht\nim ehernen Ringe zu erfüllen.\nAnbetungswürdiges Geheimnis in ewiger Unrast! Schöpf-\nung, Vereinigung, die alle erregenden Gifte tilgte! Eherne Kan-\ntigkeit der bedeutenden Ordnung, in der alle gehorchten, er-\nrichtet über leidvoller Friedlosigkeit aller! Hinab zum ent-\nlegenen Gemach des Müden brannten explodierende bunte Son-\nnen, silberne Sternregen. Angstgejagte Wirbel fiebriger Ge-\nspenster fügten sich zum göttlichen Tanz, aus dem heldische\nPaare in die Zukunft aufschritten und sich ernst auf sanfter\nHöhe grüßten.\nDie Stadt verwandelte den Gehorsamen; dem Beraubten\ngab sie alles verwandelt wieder. Die Stadt hatte alles genom-\nmen: die mütterliche Erde, das Licht reiner Gestirne, die\nWindsbraut, das Raunen, Donnern der Eichen, die vielfältigen\nVögel. Aber die Stadt hatte alles gegeben, was zur dauernden\nVereinigung taugte, und alle versammelt unter unendlichen Fit-\ntichen schützender Gemeinbürgerschaft. Unaufhörlich meißelten\nUntergänge in der erregten Tiefe den Willen des Gehorsamen\nund trieben ihn an. Brach aus gemeinsamen Schoß der flie-\nhende Wirbel erregter Begierden vor, stand unerschütterlich die\nStadt im Gleichgewicht der Macht und Klarheit.\nIn wundersamer Tiefe schuf die Stadt am einsamsten,\nmenschlichsten Werk, dem Denkmal aller Denkmale, dem\nSelbst! Sie schuf das Sein im Selbst zum Ringe und bildete aus\nherzlicher Erde die kristallene Kugel, das Auge Gottes in ewiger\nGegenwart.\nGereuts Selbst wurde geboren, als er zu sehr ermattet war,\nals Straßen unbarmherzige Wut donnerten, als Häuser ihre ge-\nfesselte Trauer weinten, ihr Siechtum krümmten, Verfolgte in\nletzter Pein, als sein Selbst aus dem aussätzigen Staub sich auf-\nwärts schämte und sich zum ersten Mal abwandte vor Gottes\nHerrlichkeit: Wohin geh ich vor deinem Geist, wohin flieh ich\nvor deinem Angesicht?\n* *\n*\nGereut ging in der Frühe zur Arbeit, zur gleichen Stunde,\nzur gleichen Arbeit mit Tausenden! Langsam, müde unter den\nEiligen, abgesondert vom kameradschaftlichen Gespräch, arm\nneben ihrem Ausleben. Die Zentrifuge der Stadt kreiste und\nbutterte die Hirne in den äußersten Anstrengungen, trieb Hände\nund Herzen zur äußersten Erschöpfung.\nMänner und Frauen kamen in die Straße, überholten ihn,\nvon der Arbeit erwählt, um mit freien Kräften zu kämpfen und\nzu lieben! Sie kämpften, um zu lieben! Haß, Widerstreben stei-\ngerten sie aufwärts, aus Haß war das große Gemeinwesen er-\nbaut, aus Haß butterte die Zentrifuge winzige Tropfen Liebe,\nauf daß alle zum Sterben hätten.\nGereut war müde vor den Wällen der Häuser, vor den stau-\nbigen Scnwellen der unzähligen Pforten. Er war eines Morgens\nverträumt aus dem Omnibus gesprungen und lächerlich hinge-\nfallen. Er blieb lang hingestreckt mit dem Gesicht auf dem ver-\nletzenden Pflaster, mit dem Kuß der Liebe ausgehaucht auf dem\nAltare der Stadt. Als Vorübergehende ihm helfen wollten,\nstand er endlich auf mit besudelten Kleidern, blutender Hand,\nzerschundenem Gesicht.\nIn jedes Angesicht schaute Gereut mit dem einzigen Herz-\nschlag des Vorübereilens: Ruf, Donner, Gestöhn, Gebrüll, Ge-\nläut, Harfe, Peitschenhieb, Lachen, Wimmern — Innehalten, Ge-\nbücktheit, Stumpfheit, Trotten, Hast — die Mühseligen zogen\nan Gereut vorbei, und im Blitze schied das Hochgeartete sich\nvom Niederen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7342, "texte": "Droben stand der Donner der Straße, das Mahlen der\nStadt im unaufhörlichen Gewitter am Horizont, in dem Tag\nund Nacht eines waren.\nGereut fürchtete den Schlaf und mied ihn als schwache Lok-\nkung, er fürchtete das Erwachen und die Träume, die ihn der\nStadt entrissen. Er war in allen Ichs mit ihren Wohnungen und\nSendestationen als unendliches Kabel gespannt, Funkenzeichen\nvon Sorge und Ekstase blitzten durch seine Drähte. Es gab keine\nAusnahme, nichts war vergeblich! Er kannte das Wort, das aus\nunbekannter Tiefe langsam hervordrang und den schimmernden\nKelch zum Lichte breitete.\nGereut errichtete zuweilen ein ernstes, hohes Antlitz über\nsich und beugte das Haupt. Zuweilen rief er einen törichten\nTraum auf offener Straße, um ihm scheu zu entfliehen. Zuweilen\nbog er den Arm, einen holden Nacken an sich zu schmiegen,\neinen Augenblick des Vorüberverweilens zu herzen. Die Grenze\ndes Sichtbaren: Miene, Kleid, Geberde, Blick und Wort erlosch!\nDas Meer nahm ihn hinweg, als er in seinem Glänze träumte,\nder Sturm kam und riß ihn in die Tiefe!\ni|s\n*\nGereut verrichtete stumm seine Arbeit. Hohe Stöße eines\nillustrierten Zehnpfennigblattes waren noch schmierig von der\nPresse heraufgebracht. Gereut hatte sie zu falzen, zusammenzu-\nlegen und in Umschläge zu tun. Er konnte vor Müdigkeit nicht\naufrecht bleiben, die einförmige Arbeit von früh auf machte ihn\nschläfern. Es war hart, Falzstriche zu ziehen, Zehnpfennighefte\nrichtig anzufassen, wenn die Lider vor der Hitze wie Fenster-\nläden niedersanken.\nEs war ein Julitag, Fenster und Vorhänge waren dicht ge-\nschlossen, in den Arbeitsräumen wurde Wasser gesprengt. Aus\nAngst vorm Einschlafen war Gereut aufgestanden und arbeitete\nstehend. Man hatte dem Jüngling eingeprägt, daß er die Ar-\nbeit, die man ihm auf dieser Stelle mühsam besorgt hatte, unter\nkeinen Umständen aufgeben oder vernachlässigen dürfe. Um\nGereut ging der Betrieb im Auf und Ab, Klingeln, Telefonieren,\nGerenne, Diktieren, Gespräch, Witzen der Kollegen: Arbeit!\nArbeit! Arbeit!\nWieder begann der hartdröhnende Donner der Rotations-\nmaschinen, der Arbeitshof, die Zimmer aller Stockwerke vom\nKeller zum Dach bebten von den Herzschlägen der Druckerei.\nBeim Schreiben der Adressen war Gereut eingeschlafen und\nhing vorübergeneigt auf seinem Stuhl: die arme Larve, das\nKlümpchen Kot im Winkel, das in der künftigen Sonne mit glän-\nzenden Schwingen auferstehen wird!\nGereuts Einschlafen war in der Schreibstube bemerkt wor-\nden. Er galt für hochmütig wegen seiner ängstlichen Zurück-\nhaltung, seines schweigenden, verlegenen Lächelns, seiner Scheu\nvor Blicken. Man spielte ihm einen beschämenden Streich: Einer\nnahm den vollen Papierkorb, um ihn über den Schlafenden zu\nstülpen. In diesem Augenblick fuhr Gereut aus dem Schlafe und\nblickte dem Mann mit dem Papierkorb in die Augen. Alles\nlachte und begab sich erquickt an die Arbeit.\nGereut schrieb Adressen, er wachte mit Flüstern: „Die\nStädte hast Du umgekehret, ihr Gedächtnis ist umkommen samt\nihnen!\"\nVIII\nGereut ging heim zu seiner Geliebten.\nSie waren unverheiratet und wohnten in der schrägdachi-*\ngen Mansarde eines häßlichen Hauses am Gleiskörper der nord-\nwestlichen Bahnen. Als Möbel hatte Gereut eine Reihe leerer\nEierkisten erworben und sie auf einen Handkarren getürmt über\nPlatz der Siegessäule von 1870 herangefahren. Auf vier\nKisten legte er die riesige runde Holzplatte, die den Mittelpunkt*\nseines Heims bildete, die übrigen Kisten wurden Bänke und\nSitzböcke.\nFräulein Laura war manchen Mannes Geliebte gewesen und\ngeradeswegs aus dem Spital gekommen, als sie Gereut zum\nManne nahm. Laura wußte sich freilich nicht im Paradiese,\nals sie den armen Dichter erfreute und der Griff der Straße\nfaßte noch zu dicht. Aber sie war vergnügt mit ihrem Männ-\nchen, dessen Zartheit und Knabenscheu ihr wunderlich schienen.\nEr ging brav zur Arbeit und verdiente für ihren Haushalt. Gereut\nfreute sich, zum ersten Mal eine Frau zu haben, sich in der Frau\nzu baden, eines mit ihr zu sein, Tier und Erde! Er war elek-\ntrisch geladen, Gewitter sprengten Funken aus Blut und Geist,\nwenn er die nackte Frau berührte. Er sah zu, wenn sie sich\nAbends den Leib wusch, ehe sie zu Bett ging, achtete auf jede Be-\nwegung ihres Leibes und liebte jedes der weiblichen Gefäße\nmit natürlicher Freude. Sie war seine kleine Frau, die ihm mit\nden reifen Gefäßen der Liebe Freude machte. Er raffte die\nHaarwickel, Bänder, Papierröllchen, falschen Zöpfchen, die sie\nnach Gebrauch am Tage ablegte, zum Knäuel zusammen und\nschleuderte ihn der Nackten unter Indianersprüngen an, den\nKopf, daß der Knäuel sich löste und ins Wasser fiel. Sie begoß\nihn wütend. Sie war von massiven Knochen, festen Muskeln»\nSie war es, die der scheuen Zurückhaltung und Unentschlossen-\nheit Gereuts vor der Frau ein Ende gemacht hatte. Er hatte ihr\nnur eine Wohnung mieten wollen, aber sie hatte ihn gezwungen,\ngleich die erste Nacht bei ihr im Bett zu bleiben. Dann hatte er\nsie zu seiner Frau gemacht. Sie hielt ihn für einen Schwäch-\nling, aber sie war stolz, einen ~klugen Mann\" zum Geliebten zu\nhaben.\nGereut besaß eine Geliebte; er wurde täglich mit Küssen\nempfangen, zu Küssen gezwungen; er durfte täglich ein Weib\nnackt mit Mund, Händen, Gliedern berühren, seine Mannheit\nim glücklichsten Gefäße des Weibes baden,\nFräulein Laura lachte über seine Jungenstollheit und die\nVergleiche mit der farnesischen Venus Raffaels oder Lauren von\nVaucluse. Er schleuderte Bücher und Kisten vor Freude durch\ndie beiden Stuben und stürzte Laura nackt purzelnd aus ihrem\nDrahtbett.\nWar seine Geliebte von Liebesspielen müde und eingeschla-\nfen, streckte sich Gereut in der Sommernacht völlig gerade neben\ndem nackten Weibe hin, sorgsam darauf achtend, nirgends\nihren Leib zu berühren. Des einsamen Gereut allhelles Denken\nentbrannte, sein Ich spannte diamantene Fittiche, reglos inneren\nSinnens schaute er auf das Fensterrechteck, in dem grell eine\nBogenlampe hoch über den Gleisen schien. Nacht um Nacht\nlag der müde, bitter stumme Gereut schlaflos neben dem schla-\nfenden Weibe. Er dachte das Denken des Tages in der Stadt\nauf all ihren Straßen, das Fieber der Stadt sog sein Blut, daß das\nHerz angstvoll schlug, ätzte brennend sein Hirn.\nWenn das Abenddämmer kam, erlaubte Fräulein Laura\nnicht, die Lampe anzuzünden, denn sie verabscheute das Lesen\nund war auf Bücher eifersüchtig. Die Bogenlampe leuchtete\ngrell, man sah genug in der Stube.\nEines Abends fragte sie nach der platonischen Liebe, miß-\ntrauisch, als sei sie eine verhängnisvolle Drogue. Sie rief ärger-\nlich: ~Die Liebe muß einen Zweck haben, davon kriegt man Kin-\nder! Gereut funkelte vor Vergnügen: „Ans Kind denken die\nLeute erst, wenn alles vorbei ist, und sie sich garnicht mehrl\nlieben.\"\nDas unglücklich in die Bildung verliebte Fräulein nahm ein\nReklambüchelchen in die Hand, das Piaton über die Lehre eines\ngewissen Sokrates von der Liebe verfaßt hatte. Sie entzündete\nbildungsbastelnd mehrere Abende selbst die Lampe.\nIm Herbst werden die Käfer müde und kriechen matt, in-\ndem sie den in der Schwere des Seins der Verwandlung entge-\ngenreifenden Leib mühevoll heben. Gereut war träge geworden,\nseine Bekannten behaupteten, er sei dekadent und verfiele, die\nKollegen in der Schreibstube sprachen ihm eine Daseinsberech-\ntigung völlig ab. Sein schneller Schritt, das Jähe der Hände,\ndas heftige Aufspringen, die Erregungen des Geistes erloschen,"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7372, "texte": "übrig blieb ein müder, grauer Schreiber, dessen Haupt gebeugt,\ndessen Lichtchen nicht wert war, am Lebensaltare zu brennen.\nEines Nachmittags ging er am Arm von Fräulein Laura\nin der Sonne. Sie drückte ihn, stolz um sich blickend, an ihre\nSchulter und ermunterte ihn mit Ellbogenstößen,nicht im Gehen\nallmählich einzunicken, denn Gereut litt unaufhörlich an Schlaf-\nsucht. Er hatte immer das Bedürfnis, tief und fest einzuschlafen.\nDas Leben war gut zu ihm. Die Stadt blinzelte ihn in der\nHitze an und sah dann auf die andere Seite hinüber. Er war in\nder Julisonne ein wenig trunken; er taumelte über den Straßen-\nbord, als er einmal das Auge nicht rechtzeitig aufgetan hatte.\nFräulein Laura führte ihn in den Park, damit er auf einer Bank\nausruhen sollte. Die Bank stand unter einer Gruppe alter hoher\nLinden, die von einer Raupenplage heimgesucht wurde. Die\nTiere fielen zu Hunderten sattgefressen von den grünen Blättern\nherab und bedeckten den Erdboden mit grünem Schorf, Grüne,\nlange, fette Tiere waren Fräulein Laura in Haar und Nacken ge-\nkrochen. Geekelt wollte sie mit Gereut weitergehen. Aber\nGereut betrachtete aufmerksam die Raupen auf seinen Aermeln,\nseiner Hose, und seine Trägheit schien nicht geringeren Grades\nals die der Raupen zu sein. „Die Raupen stören mich nicht.\nLaß mich nur einen Augenblick sitzen,\" erklärte er. Sie lachte\nund wartete auf einer entfernten Bank,\nDie Raupen rochen aus Gereuts Odem seine gastfreundliche\nDuldung, sie wanderten bedächtig im Genuß von Gereuts tieri-\nscher Wjärme auf seinem Rücken, seiner Hose, seinem Hut und\nseinen Händen, verschnauften mit sachtem Heben des röhrigen\nBauches, sahen sich viele Male um, beschauten Gereut bis in\njede seiner Falten, krochen wie Biografen ihrem großen Ver-\nfasser in die Leibwäsche. Die Sonne brannte heiß auf Gereuts\nBuckel, den kiesbestreuten Parkweg und den grünen Raupen-\nschorf, Gereut stand auf, klopfte alle traulichen Freunde emsig\nab und legte den Arm in Laurens ihren.\nGereut war einsam in Augustheide, Bienensang, Blütenduft\nund Wunderwärme, Seine Geliebte schwatzte: ~Mein arg star-\nkes Männchen, wenn mir mal Wer was antut, dann sag ich: mein\nKarle von der Fabrik ist stark, schlägt alle Knochen im Leibe\nentzwei!\" Sie zogen durch die Stadt und hielten auf einem don-\nnernden Platze des Verkehrs, Im Lärm vernahm er ungenau ihre\nWorte, sie lachte und war sicher: „Du! wenn Eine nachgibt\nund läßt sich verführen, so liegt es an ihr. Die Mädels möchten\ngern verführt sein, das wissen die Männer, Darum gibts so\nwenig Mädels, die wirklich anständig sind!'1\nIn der donnernden Straße, zwischen krachenden Fuhrwer-\nken, unter Geläut der Glocken, allen gehißten Fahnen der Stadt\ntobten die wilden Dienerinnen des Lustgottes und stürzten mit\neisenscharfen Stäben auf Gereut, Unter ihren Stößen, dem un-\nauslöschlichen Gelächter, den Beschimpfungen brach er zusam-\nmen, die Straße wieherte über den Kot, der sich zu ihren Füßen\nwälzte.\nGereut hob das erhitzt irre Jungensgesicht zu seiner Dame,\nsie drückte ihn schützend an sich mit heimlicher Scheu, „Behalt\nmich lieb, wenn du alles von mir weißt! Ich war ein schlechtes\nMädel, aber durch dich werde ich gut!\" Den Blick gesenkt,\nkalt, heimlich bebend hörte Gereut gut zu: „Ich hatte Verhält-\nnisse in Wien und Berlin, in der Friedrichstraße ging ich auf den\nStrich, das sollst du wissen. Ich hatte immer Heißhunger nach\nMännern und brauchte sie. Wenn ich keinen Mann da hatte,\nwar ich so hitzig, daß ich nackt des Nachts herumlief und mir\nEinen, suchte. Und wenn ich einen nicht mehr wollte nahm ich\ngleich einen andern und führte dem seinen Haushalt, Dadurch\nlernte ich alle Männer kennen und bekam die Krankheit X YZ!\nArmes Männchen, du weißt gewiß nicht, was X YZ ist, aber frag\nmich nicht! Ich kam nämlich ins Spital, und das war mein\nGlück, denn sie wollten mich gerade „unter Sitte\" kriegen. Das\nsind schon zwei Jahre wieder her, jetzt bin ich ausgeheilt und\ntadellos anständig. Laura freute sich und Gereut erblickte zum\nersten Mal ihre häßliche Kopfbildung, Sie trug als Mädchen aus\ndem Volk keinen Hut, ihre Stirn war niedrig, hart, winzig, und\nihre Augen der prager Jüdin waren groß und schön wie die der\nfarnesischen Venus,\nAls sie in ihr Heim kamen, schmiegte sich Laura an den\nGeliebten mit den Armen um seinen Nacken. Gereut nahm die\nArme fort und senkte sie höflich zu ihrer Schürze hinab. Ihren\nKopf, der sich an seine Brust legen wollte, richtete er am Kinn\nauf. Dann trat er einen Schritt zurück und schaute sie unver-\nwandt an. Sie setzte sich auf eine Kiste nieder und begann fas-\nsungslos zu weinen. „Ich wußte es ja. Du liebst mich nicht,\nweil ich alles gesagt habe. Die Männer sind alle gleich, sie wol-\nlen uns nur benutzen, keiner gönnt uns dem Andren. Wie war\nich dumm!\"\nSie wollte sich mit fassungslosen Küssen auf ihn stürzen,\naber Gereut wehrte ab und schwieg starr. Er machte Licht,\nsetzte sich an ein Buch, sie nähte, ging aber bald zu Bett, Gereut\nfolgte ihr sehr spät und legte sich auf die Matratze am Boden\nneben ihrem Bett. Sie berührten sich nicht in dieser Nacht, Das\nSchwert lag zwischen ihnen, das Goldgeschmückte, mit Feuer\naußen die Ecken belegt, mit Eitertropfen innen bestrichen!\n* *\n*\nGereut stand in der ersten Frühe nackten Leibes am Fens-\nter und schaute herab auf das ausgespannte Gleisnetz der Nord-\nwestbahnen. Er sonnte sich in der wolkenlosen Sommerglut,\ndie kein Lufthauch kühlte. Die blauen Stahlschienen gleißten.\nDie Stadt stand fern in düsterer Kargheit gesammelt und\nschwitzte des Arbeitsanfangs Trübdunst. Lokomotiven drehten\nweiß blitzende Gestänge, ein Zug donnerte, das Schienenfeld\nfurchend, herein,\nFräulein Laura erwachte und rief Gereut, Dann erhob sie\nsich ängstlich und schmiegte ihre Nacktheit an seine. Aber er\nschob sie höflich fort, zog sich an und verließ das Heim, Er ging\nnicht auf die Schreibstube, sondern wanderte in feiertäglicher\nSammlung durch die Stadt. Er zählte die überm Fluß gespann-\nten Brücken und schaute den langsamen großen Kähnen zu, die\nvon Dampfern gezogen wurden, roch den dicken Kohlenrauch\naus den kleinen Schornsteinen und horchte auf die kleinen\nscharf bellenden Hunde an Bord der Lastkähne, Er war müde,\nund als er sich auf einer Bank am Hafen niederließ, schwand\nseinen Augen die Kraft ihm schwindelte, und sein Kopf hing\nvornüber. Aber nach einer Weile überschritt er ohne Zögern\ndie Brücke und begab sich in die Klinik, Aoteilung für Männer,\nDer amtierende Arzt untersuchte sein Geschlecht und befand es\nfür tadellos, | • , ;\n»\nEs war die tiefe Kränkung seines jungen Stolzes, einem un-\nreinen Weibe anzugehören. Er hatte sich für schuldig gesprochen\nund verdammt. Er war im Larvenzustande, Aus geschlecht-\nlicher Erschöpfung, Verfall, Zermürbung, Langeweile und Ueber.\ndruß durch die große Stadt mochte Vielen ein barmherziger\nund mitleidiger Tod erscheinen. Gereut war der Entwürdigte,\ngänzlich Befleckte, Verunreinigte, dessen grindiger Makel in\nGluten der Größe, Strenge, Einzigkeit verbrannt werden sollten.\nEr fuhr in den Wald, stieg auf die einsamen Hügel hoch am\nStrom, entkleidete sich und schlief nackt in der verborgenen\nTiefe des Gesträuchs auf Nadelstreu im Raunen des sommer-\nlichen Flußwindes. Erwachend vom Schlaf betrachtete er die\nAmeisen und Käfer im Waldgras und atmetete die Luft des\nwachsenden Holzes und der webenden Blätter, Die qualvolle\nMüdigkeit seines Wachens erlosch in der Ewigkeit des Traumes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c031", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.6.1", "titre_corps": "Maria Uhden: Tanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Maria Uhden: Tanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 52, "texte": "Maria Uhden: Tanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c032", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.6.2", "titre_corps": "Rudolf Bauer: Zeichnung", "titre_sommaire": "Rudolf Bauer: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 23, "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c033", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.15", "debut_caractere": 109, "fin_caractere_exclue": 730, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMoiiatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe F u r Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 80 Pfennig / Fiir das Aus-\nland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post fiir\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-06-15-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-06-15_01#c034", "volume": "bmtnabg_1917-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.15", "debut_caractere": 732, "fin_caractere_exclue": 1141, "texte": "r e i s e\nder frtiheren Jahrgange / Voll-\nstandige Ausgabe\n1. 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Vom Stock gedruckt / Jacoba van Heemskerck: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Maria Uhden:\nTanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt / Rudolf Bauer: Zeichnung\n\nGeorg Schrimpf: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.2", "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nSchlaf\nIch bin ein Atemzug der tiefsten Nacht\ndie dunklen Stunden tragen meine Seele\nund Mond und Sterne sterben hin vor meinem Angesicht»\nAus meiner Stirne steigt die Seele\nauf imbekannten Pfaden leuchtend wandelnd\nhinschreitend in den Tag der Welt.\nAn blauen Wegen schläft die Nacht\nan meinen Füßen millionen Sterne\nmein Kleid ist Silber\nund mein Herz mein Dom\nviel Glocken singen meinem Wege.\nIch bin ein fremdes Angesicht\numträumte Gärten fallen aus der Ferne\nund Chöre singen meinem Eingang.\nIch fließe in dem dunklen Strome.\nIch bin des Stromes Welle in der Abendglut\nich bin ein Tropfen Blut im Kelche Gottes.\nHinüber braust der Atem aller Wesen\nvergessend sink ich in das Meer der Welt.\nAus allen Sternen glänzt ein Strahl auf mich\nich leuchte im Gesänge aller Sonnen\nan Gottes Händen blühe ich herauf\nich bin ein Glanz in einem fremden Garten.\nVon allen Bäumen fallen Blüten mich zu grüßen\nauf dunkelgrünem Grunde flattern Rosen auf\nvon blauen Himmeln auf den Weg getragen.\nVon allen Rosen übersprüht beginnt der Weg zu singen\nauf dem Gesänge fließe ich\nhinauf.\nIch bin ein Stern im Kreise aller Welten\ngottnahe singe ich den Lobgesang\nurewig alt bin ich\nich leuchte andern Wandelnden mit meinem Sonne-Herzen,\nEin Silbernebel schreitet aus den abertausend Jahren\naus seinem Herzen fällt der Schlaf auf unsern Gang\nim Licht versinken wir\nein dunkles Lied klingt hoch vor Gott:\nWir sind ein Hauch in deinem Munde\nhinausgesandt ins Unermeßlich-Tiefe.\nWir sind des Welten-Daseins tiefe Stunde\nwir blühen\nund vergehn im Licht.\nNichts ist, was ist im Uferlosen.\nUnd Morgen Mittag Abend sind nur eine Stunde.\nUnd tausend Jahre sind ein Augenblick im Kreis der Welt,\n\nTräume\nDie stille Insel fällt ins Meer der Welt,\nIch bin die Einsamkeit der dunklen Insel\nan meinem Haupte tausend Sterne,\nich bin allein\nich bin der Weg ins Allverlorene,\nDem Abend singen Dome viele Glocken,\nich bin der Abend\nstill sinken meine Augen in die Nacht der Welt.\nAus millionen Schmerzen ist die Welt gebaut\nich bin das Ende aller Klagen\nich bin der Tod\nbin aller Seelen Abend-Ende.\nZwei Sterne schlingen sich um meine Hände\nein dunkler Baum voll Blüten rauscht im Meer,\nDie Blüten sind Gedanken meiner Tage,\nmein Auge leuchtet in der Nacht,\nDes Baumes Blüten fallen in das Meer,\nIch fühle:\nTraum war ich\naus ewgen Träumen baut das Leben seinen Gang\nGott ist der Vater aller Träume,\nNun bin ich Gott,\nRings ewig Brüder meines Daseins\nich bin ein im Herzen des All-Vaters,\nIch trage mich und alle Seelen\nund glühe Strahlen in die Welt\nbeglückt zu leuchten:\newig\nGott!\n\nVortragsabend\nFür Rudolf Blümner\nIch höre meine Seele singen,\ndie Flammen junger Stunden steigen auf\nim Dunkel leuchtet eine Stimme\nfremd\nund ich.\nIch blühe\nströme\nüberströmt\nempor in meiner Seele Heimat,\nmeine Sterne!\n\nStrindbergs Traumspiel\nDie langen Straßen dämmern in die Zeit\nzeitlos enteil ich meinen Schritten.\nMir ist ein Tropfen Ewigkeit ins Herz gefallen\nich bin ein Mensch\nund bin das tiefste Leid von allen.\nSo dornen meine Schmerzen in den Tag\nurgotteslicht umglänzt\nmich zu erlösen in die Hände Gottes.\n\nTrunknes Lied\nMich schlug der Wein\nich singe Lieder, dich zu küssen\nmit tausend Sonnen spielen meine Hände,\nerglühend krön ich alle deinem Haar!\nDein Blondhaar überleuchtet alle Sonnen\nin deiner Brust versinkt mein Angesicht\nO Licht\naus Liebesglut gefallen!\n\nBitte\nStill\nlaß die Tage in den Abend sinken\nLaß uns die dunklen Schatten trinken\ndie aus der blauen Nacht gefallen sind.\nLaß uns die kühlen Sterne auf die Stirnen legen\nund auf die leisen Brunnen hören\ndie unter kaltem Laub verschüttet singen,\nGeigen\ndie einander lieben.\n\nFrauen\nIm Grunde meiner Seele sind die Frauen groß geworden\ndie rauschend Frühlings durch die Sinne wandeln,\nIm Garten meiner Seele quillt ein Strom aus Licht\nund meiner Liebe Strom tränkt alle Blumen meines Gartens*.\nDie fremden Blicke finden meine Beete nicht\ndrin Marmorbilder in die Sterne träumen.\nUnd aus den Sternen fällt die Blust auf meine Bäume.\nIn einem Garten wandeln alle Frauen meiner Seele."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.3", "texte": "Kampf\nDer Wind wirft dunkle Nebel an das Haus\nzerrißne Wolken reiten meine Stimme durch die Nacht\ntief in der Nacht ertrinkt die Seele.\nEin Segel braust im schwarzen Meere.\nDas ferne Segel ist mein Ich\nim offnen Rachen dunkler Wellen schluchzt die Seele.\nHoch flattern Sterne auf.\nDie Arme beten\naufhinauf\nstumm aus der Tiefe meiner Nachtgedanken.\n\nSchrei\nDie Gassen haben alle Augen zu\nblaß faltet Nacht die weißen Hände,\nVor meinen Träumen sinken alle Wände\nauf fremden Wegen leuchte ich dahin.\nIn Gottes Höhen sind die Nächte hingebaut,\nt) meine Seele in der Tiefe!\n\nGedicht\nIch bin der Wille meiner Seele\nich bin der Schrei nach Gott!\nWeit hinter meinen Stunden singt ein Dom\ndie Glocken singen ewig den Gedanken:\nFern bist du dir\nFern ist dein junger Tag voll Sonne!\nAuf meinen Träumen reite ich hinauf\nerwachend blute ich\nhinab,\nGott ist die Peitsche meiner Seele\naus Sternen flicht sich ewig gleiche Geißel.\n\nNacht\nBlaudunkelnachtgeflügelt steigt ein Traum\nreißt hoch das Herz\nund funkelt Sterne\nSterne!\nIhr Sterne einer Mitternacht!\nIm Schoß der Welt im Zeitenmaß verschlungen,\nDie Sonne steigt\ndie Erde neigt ihr Herz in Staub\no Leben meiner Seele in der Nacht,\n\nWiegenlied der Erde\nIch sehe deine Seele fliegen\nhochgipfelüber schwingt dein Traum.\nIch bin der Tage tiefster Schmerz\nund aller Stunden Freude fließt in meine Brust.\nIch bin ein Menschenherz\ntmd trage abertausend Menschenherzen.\nich bin die höchste Blüte hoch am Lebens-Baum,\nIch fühle deine Seele sinken\nim atemlosen Nichts ertrinken deinen Traum.\nIch bin der Vater aller Welt,\nich fühle dich\nin deinen Träumen schluchzt das Leid der Erde.\n\nLied\nViel glühe Rosen flattern auf\nMaisterne\nLiebe\nNachtigallen!\nEin Glühwurmpaar ist aufgeweckt\no weiße Nacht\naus Mondeshaar gefallen!\nUmglänzt\numblüht\nin deine Brust versunken\nhinströmend bin ich Schöpfer, Liebe, Gott\nberauscht von Sternen, Mai und Liebe.\n\nJung\nEin blauer Himmel ist meine Jugend\nmein Auge ist jung\njung ist das Lachen\njung ist die Stimme der Liebsten im Mai.\nReich mir die Hände über den Wolken\nhoch in der Freude über den Sternen!\nTrage die Sonne hell in die Stunde,\nhoch in die blühenden Wipfel der Träume,\nhoch in die wandernden Morgengedanken\nweit in das leuchtende Meer der Verheißung!\n\nErkenntnis\nGeh nicht die Straßen, wo die Hunde sind!\nErhebe dich!\nErhebe dich in Dir zu Dir!\nGeh einsam mit den großen Traumentstiegenen,\nentreiße dich der Zeit!\nUmdunkelt weinst du in die lauen Gassen\ndie trüben Gaslaternen wandern durch dein Aug\nträgist dein Haupt\nlängst hat die Sehnsucht dich und Gott verlassen!\n\nAhnung\n0, meines Lebens Sommerwelt,\nich bin in deinem Tal ein fruchtgebeugter Halm,\nmein Augist wach aus vielen Nächten\nwo Einsamkeit die Stunden überspannt,\ntief neigt mein Haupt\nweh ahnend Wurzeltiefe ewig fassend.\nSing' Sense bald den letzten Tag\nin fremder Scheuer mich in Segen zu verwandeln.\n\nBitte\nAll meine Stunden brausen aufwärts in die Zeit,\nAll meine Herzen schlagen;\nEwigkeit.\nDu liebst die Straßen in der Liebe,\nZu Gottes Gipfeln schlinge dich hinauf.\nO schließe deine Seele auf\neröffne Sternen deine Tür\nempöre dich zu mir!\n\nGipfel\nWelt fließt an meinem Fuß vorbei\numwirbelt stürzen Erden trunken dunkel in die Kreise\nhochoben steh ich fernsten Blickes\nvereist mein Angesicht\nauf nachterstarrtem Gipfel ruht mein Haupt in fremder Hand.\nTot sind die Menschen, die an meiner Seele hingen,\ntot ist die Liebe, die in hellen Kammern sang,\ntot ist der Tod,\nich lebe, weil ich einsam bin.\nAllmächtig breitet Willen sein Gefieder\nfliegt über Menschen, Zeiten, Erden, Nacht hinaus\nstill lächelnd trinkt mein Aug die hohen Sterne\ndie Mütter meiner vielen Lebenskreise.\nStumm sind die Geigen meiner Erdenstunden\ndie wilden Wipfelstürme schlafen unter meinem Fuß,\nHoch glänzt mein Angesicht\nhoch über Stürmen, Gipfeln, bunten Städten.\nNur manchmal wartet ein Gedanke\nStill wie verhaltnes Weinen auf das Lächeln meiner Lippen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.4", "texte": "Mädchenstunde\nDie Stunden streichen weinend über dunkles Haar,\ndie Winde wirbeln Nacht und Frühling durch die Wälder.\nDie Augen träumen zage durch die Scheiben\nerbrausend kniet der Sturm die Wipfel in den Sand.\nSturm\nringe tief dich in mein Blut!\nSturm, wilde Welt aufküsse meinen jungen Tag!\nAufblühen will mein Blut\naufschreiend in den Lenzeswehen gib dich mir,\nSturm in der Nacht!\n\nLied\nLicht,\nLeben meiner Liebe helles Leben!\nUmschließe mich\nergieße dich\nStrom überhand auf meine Seele!\nWtelthimmelüber tanzen meine Lieder\nSternher aufjauchzen meine wilden Klänge!\nGesänge suchen dich und mich!\nDich\nBruder Gottes\nmeines Lebens Bruder!\nDich\nFreund der Welt\ndich Wanderstecken meines Weges!\nIch bin des Lebens Held\nlichtfrühlingt neues Land dem König zu!\n\nGedicht\nO nachts\ndas dumpfe Lied aus meiner Seele fremden Gärten!\nIn schwarzen Stunden dunkler Sang der tiefen Brunnen\nAuf hellen Kissen horchen die Gedanken.\nSchwer liegt das Blut im Dämmern eingeschlossen,\nAus unbekannten Meeren rauscht der Klang\nim Grunde meiner Seele singend\nfremd\nunfaßbar\ndunkel\nGott!\n\nGedicht\nAufreißen will ich meinen Gang im Kreise\nein klarer Stein, der goldne Kette bricht\nich lebe nicht,\nich bin schon lange tot im Rausch der Tage.\nHoch heben meine Nächte ihre Stunden in die Ferne\naus blauen Schleiern glühen weiße Sterne\nund diamantne Schlangen schwimmen in umsonnten Höhen.\nIn mondbeglänzten Gärten tanzen goldne Farben\nihr Reigen wird zu süßen Abendmelodien.\nDas sind die Nächte,\nwo mich Liebe überströmt,\nLicht - Liebe, Menschenliebe, Einsamkeit.\nDas sind die Nächte\nwo mich Gott zu Gaste hält.\nDas ist die Welt\ndie hinter fernen Toren ihre Heimat hat.\nDas sind die Stunden\ndie sich einsam heben,\nhoch ihre Augen in den Ursprung Gottes,\ndas ist das Leben, wenn die Sinne fallen,\nund Licht entsteigt den fernsten Nachtgestirnen.\n\nDas Bühnenkunstwerk\nDie Bühnenkunst im Menschenhaus\nLothar Schreyer\n\nDas Menschenhaus hat kein Publikum.\nDer Fall der Vergangenheit, die Armut im Geiste, ist das\nPublikum.\nDie Vergangenheit ist gefallen vor dem Geist der Gegen-\nwart. Das Publikum ist gefallen.\nDas Publikum hat keine Auferstehung. Der Geist steht auf.\nDas Publikum hat keinen Geist. Der Geist ist keine Oef-\nfentlichkeit. Der Geist ist eine Innerlichkeit, die das All ergreift.\nDie Zeit des Publikums ist vergangen. Das Publikum ist eine\nHäufung von' Persönlichkeiten. Jede Persönlichkeit will das\nGlück. Die Häufung der Persönlichkeiten engt das persönliche\nGlück. Die sinnliche Macht aller will ein Machtglück der Natur.\nDas Publikum hat keine Kunst. Das Publikum will sich un-\nterhalten. Das Publikum will angenehm verdauen. Es will Brot\nund Spiele. Der Beifall ist seine schmerzlose Verdauungsgym-\nnastik. Bald hat der Spieler sein Brot verspielt.\nDie Gegenwart hat keine Persönlichkeit. Die Gegenwart\nhat kein Publikum. Die Persönlichkeit hat keinen Wert. Das\nPublikum ist wertlos. Es gibt kein Recht auf Glück. Wir leben\nnicht für unsere Persönlichkeit. Wir sterben für unser Werk..\nDas Werk sind nicht wir.\nDie Persönlichkeit ist gefallen. Der Mensch steht auf.\nMensch und Volk sehnen ihre Einheit.\nWir sind die Menschheit .\n*, * *\nie\nEins sind wir in der Schau der Ekstase.\nAll sind wir in der Schau der Ekstase.\nDie Schauenden sind die Erkennenden.\nErkenntnis ist unbegreifbar. Erkenntnis ist Offenbarung\nund Wunder.\nDer Erkennende schaut das Womder in der Gestalt. Kunde\nder Erkenntnis ist die Kunst. Künder der Offenbarung ist der\nKünstler. Kunststätte ist Stätte des Erlebnisses der offenbar-\nten Erkenntnis.\nWir lebendigen Geister sehnen das Wunder. Wir, geistiges\nLeben, sehen das Wunder.\nDer Schauende ist Mensch.\n* . *\nDer Mensch hat kein Haus.\nDas Menschenhaus laßt uns errichten.\nDas Menschenhaus ist die Stätte, die dem Erlebnis geweiht\nist. In ihm wird das Erlebnis gekündet und erlebt. Die Erleben-\nden und die Kunde des Erlebnisses, das Kunstwerk, sind in ihm.\nEs ist die Stätte des Sehers und der Schauenden.\nDas Menschenhaus ist Kunstwerk. Das Haus ist Bauwerk.\nDas Bauwerk ist Formkunstwerk und Farbkunstwerk und Be-\nwegungskunstwerk. Das rhythmische Bauwerk ist farbig und\nbewegt.\nDer Geist der Gegenwart wirkt das Bauwerk. Die erfüllte\nSehnsucht wird uns im rhythmischen Kunstwerk. Das rhyth-\nmische Kunstwerk gibt uns die Baukunst.\nDie Häuser der Menschen dienen der natürlichen Wirklich-\nkeit der Menschen. Sie können nicht sterben, wie die Natur,\nweil sie tot sind. Sie sind keine Machtgestalt des Natürlichen*\nSie sind tote Machtmittel eines Lebens, das sich der Natur be-\nmächtigt.\nDas Menschenhaus dient dem geistigen Leben, das eine\nWirklichkeit ist. Es ist lebendiger Diener des Geistes, wie wir\nlebendige Diener des Geistes sind. Es spricht zu uns, wenn wir"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.5", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.6", "texte": "nicht stumm sind. Geist spricht zu Geist. Das Menschenhaus ist\nMachtgestalt des lebendigen Geistes.\nDas Menschenhaus ist aus den Grundgestalten der Farb-\nform geschaffen. Die Kunstgestalt wird nach der Notwendigkeit\ndes Schöpfers geschaffen.\nDas Menschenhaus ist das Haus der Ekstase. Tiefste Ver-\nsenkung im Menschen ist letzte Entäußerung des Menschlichen.\nDer Entmenschte schaut. Die Gemeinschaft der Sehnenden\nvereint sich zur Schau. Die Schauenden erkennen. Die Sehn-\nsucht ist allgemein. Die Sehnsucht ist nicht im einzelnen be-\ngrenzt. Sie kennt keine Persönlichkeit. Sie ist allen gemein.\nDie Allgemeinschaft versenkt sich in ihre Sehnsucht. Keiner ist\nallein. Alle und einer sind die Alleinheit. Der Eine versenkt\nsich im All. Alle bilden sich ein in das All. Der Eine bildet das\nBild des All. Alle schauen das Bild. Alle sind Bild. Die Schau\nbildet den Geist.\nDer Schau des Geistes dient das Menschenhaus. Das Men-\nschenhaus ist der Versammlungsraum derer, die zu schauen\nsehnen und schauen. Die äußere Versammlung ist innere Samm-\nlung. Die Menschen sind keine Zuschauer. Der Zuschauer er-\nlebt nicht. Er schaut zu, wie andere erleben. Der Schauende\nerlebt.\nDie Menschen sind im Kreis versammelt. Umkreist von der\nWirklichkeit der Natur schließen sie den Kreis um die Wirklich-\nkeit des Geistes. Die kreisende Menschheit gebiert das Werk\ndes Geistes. Inmitten der Versammlung wirkt der Geist.\nDer Raum der Schauenden ist ein Rundbau. Um den Kreis\nordnen sich die Räume, die den Zutritt zur Schau regeln. In-\nmitten des Menschenhauses, inmitten der Schauenden ist der\nRaum, in dem das Gebilde des Geistes gebildet ist. Die Schau-\nenden sehen das Werk des Geistes und erleben die Wirklich-\nkeit des Geistes.\nAuf der Bühne inmitten des Menschenhauses ist das Büh-\nnenkunstwerk gestaltet.\nDas Bühnenkunstwerk ist Kunstwerk.\nEs ist von einem Seher des Geistes geschaut. Es ist ein\nWerk geistiger Wirklichkeit. Es ist gewirkt mit Mitteln der\nNatur. Es ist keine Natur und keine Naturgestalt. Es ist ge-\nkündete Schau der Erkenntnis. Der Künstler kündet das Ge-\nsicht. Der Schöpfer schafft die Gestalt.\nDas Bühnenkunstwerk ist selbständiges Kunstwerk.\nEs ist kein Bauwerk, kein Malerwerk, kein Bildhauerwerk,\nkein Musikwerk, kein Wortkunstwerk. Es ist kein Gemisch,\nkeine Häufung verschiedener Kunstwerke. Es ist ein Kunst-\nwerk, mit den Kunstmitteln Form und Farbe und Bewegung und\nTon gestaltet.\nDer Machtwille der Gegenwart bemächtigt sich aller Kunst-\nmittel für das Kunstwerk. Die Kunstmittel sind dem Künstler\nwieder gegenwärtig geworden. Sie haben sich gegen die Kunst\nder Vergangenheit gekehrt und die erwartete Kunst gebracht.\nWir haben die Kunstmittel wieder in unserem Werk ent-\ndeckt. Wär wissen, daß es Grundgestalten der Form, der Farbe,\nder Bewegung, des Tones gibt, aus denen die Kunstgestalten ge-\nschaffen sind. Wir wissen, daß der Künstler ein Handwerk hat.\nDas Handwerk lehrt den Künstler die Kunstmittel. Aber es\ngibt keine Lehre der Kunst.\nDie Lehre der Kunstmittel lehrt die Grundformen, Grund-\nfarben, Grundbewegungen und Grundtöne. Die Kenntnis der\nKunstmittel lehrt die Wirkung der Kunstmittel.\nDie Grundgestalten stehen in innigem Zusammenhang. Es\ngibt keine Form ohne Farbe. Es gibt keine Farbe ohne Form.\nDie Farbe bewegt die Form. Die Form bewegt die Farbe. Die\nBewegung färbt die Form, Die Bewegung formt die Farbe. Der\nTon bewegt die Farbform. Die bewegte Farbform tönt.\nEs gibt nicht nur musikalische Tonleitern. Es gibt Farb-\nformleitern, Bewegungsleitern und Grundtonleitern. Die Hand-\nwerksmittel der Kunst kennen wir wieder. Sie müssen gelehrt\nwerden und gelernt werden. %\nAus den Farbformen ist die Körpergestalt des Buhnenkunst--\nwerkes gebildet. Die Körper schaffen den Raum und seine\nGliederung.\nMit den Bewegungen ist das Farbformspiel gebildet,.\nMit dem Ton ist das Farbformtonspiel gebildet.\nFarbformverbindungen wirken Gefühlsentwicklungen.\nBewegungen wirken Gefühlsentwicklungen,\nDer Einzelton wirkt einen Gefühlszustand.\nTonverbindungen wirken Gefühlsentwicklungen,\nDie Grundfarbformen, die Grundbewegungen, die Grund-\ntöne lösen Gefühlskomplexe aus. Die gleichen Stufen der Grund-\nleitern lösen die gleichen Gefühlskomplexe aus. Die\nFarbformgestalten, Bewegungsgestalten und Tongestalten lösen\ndie einzelnen Gefühle aus. Das einzelne Gefühl kann nur durch\neine Kunstgestalt und nicht durch einen Begriff bezeichnet\nwerden.\nDie Wirkung der Kunstmittel ist sinnlich. Die Kunstmittel\nund ihre Gestalt werden wahrgenommen, Sie sind Gegenstände\nder Wahrnehmung.\nDie Kunstmittel wirken assoziativ. Die Assoziationen wir-\nken die endlose innere Bewegtheit des Kunstwerkes.\nDas Kunstwerk hat keine Teile. Es ist eine unteilbare Ein-\nheit. Es ist Organismus.\nDie Organe des Kunstwerkes sind harmonisch. Der Orga-\nnismus des Kunstwerkes ist rhythmisch.\nDie Lehre der Kunstmittel gibt Erfahrungssätze. Erfah-\nrungssätze sind keine Gesetze. Die Kunst hat kein Gesetz. Das\nist ihr einziges Gesetz, Das Gesetz des Kunstwerkes ist seine\nNotwendigkeit. Kein Handwerk schafft Kunstwerk, Handwerk\nist nicht Geistwerk.\nDer Künstler weiß, um nicht zu wissen,\nDas Unbewußte ist dem Künstler bewußt.\nDer Künstler kündet nicht sich.\nDer Künstler ist Organ des All. Das All kündet aus ihm*\ndurch ihn, aber nicht von ihm, sondern von sich.\nDie Gestalt ist Schöpfung. Die Schöpfung schöpft aus dem\nUnbewußten. Sie schafft das Unbewußte. Die Schöpfung des\nUnbewußten schafft die bewußte Gestalt. Die bewußte Gestalt\nist das gestaltete Unbewußte.\nDie bewußte Gestalt ist die äußere Gestalt des Kunstwer-\nkes. Das gestaltete Unbewußte ist die innere Gestalt des\nKunstwerkes, Das Bewußtsein wirkt das Unbewußtsein.\nDie Notwendigkeit der Schöpfung ist das unfassbare Ge-\nheimnis des Seins. Das Geheimnis des Seins bleibt dem Be-\nwußtsein verschlossen. Bewußt werden nur die Formen des\nWerdens. Im Leben werden wir. Im Schöpfen sind wir. Wir\nsind nicht mehr Schein, nicht mehr Erscheinung des Seins. Wir\nsind selbst der Grund des Werdens. Wir sind Sein.\nDer Künstler ist im Werk. Wir sind in seinem Werk.\nVoraussetzung der Werkwirkung ist, daß es andere als\nder Werkschöpfer genießen und erleben. Die Werkgestalt\nhat außerhalb des Künstlers eine feste Gestalt. Das Farbform-\ntonspiel kann gespielt werden.\nDas Bühnenkunstwerk ist in Raum und Zeit fest bestimmt\nDas Bühnenkunstwerk ist ebenso fest bestimmt wie ein Werk\nder Musik in der Partitur und ein Bauwerk im Bauplan.\nDer Bühnenkünstler bewahrt seine Schöpfung im Buch.\nSeine Schöpfung ist nicht zeitlich abhängig von einem Spiel.\nAber jedes Spiel ist abhängig und bestimmt durch das Buch.\nDas Spiel wird geleitet von einem Spielführer. Das Spiel\nist Ausführung der gegebenen Schöpfung. Die Art der Aus-\nführung ist abhängig von der Auffassung des Spielführers. Bei\nder Ausführung unterstützen ihn seine Organe: Techniker,\nSchauspieler und Musiker.\nDer Schauspieler des Bühnenkunstwerkes ist ein anderer\nals der des Theaters. Er gestaltet keine Menschen. Er spielt die\nSchau. Er ist bewegte und tönende Farbform."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.7", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.8", "texte": "Das Bühnenkunstwerk wird gespielt.\nDie Bühnenkunst schafft den Techniker des Spiels.\nDie Bühnenkunst schafft den Schauspieler des Spiels.\nDie Bühnenkunst schafft den Musiker des Spiels.\nDas Bühnenkunstwerk wird im Menschenhaus gespielt.\nDie innere Gestalt des Kunstwerkes ist das weltmächtige\nErlebnis, Das Erlebnis ist nur faßbar in der Vorstellung einer\nGestalt, Wir fassen das Erlebnis nicht, das Erlebnis faßt uns.\nDie Gestalt des Erlebnisses stellt nichts vor. Das Erlebnis ist\nnichts der natürlichen Wirklichkeit. Nichts wird vor das Er-\nlebnis gestellt. Das Nichts kann gestaltet werden. Das gestal-\ntete Erlebnis steht vor uns. Wir sind vor die Gestalt gestellt,\nDie innere Gestalt wird von der äußeren Gestalt ausge-\nlöst, Die innere Gestalt ist im Kunstwerk und in uns.\nDie Kunstmittel wirken die Kunstmacht, Die Kunstmacht\nwirkt die Weltmacht. Die Weltmacht ist der Zustand, der den\nMenschen zur Welt macht. Der wollende, tätige Mensch ist\nnaturmächtig, der sehnende, erlebende Mensch ist weltmächtig.\nDer Erlebende kann nicht handeln und nicht wollen. Der\nMensch ist nicht Mensch. Er fühlt nicht und denkt nicht. Er\nist verständnislos und unverständig. Er ist auch unverständlich.\nEr hat nicht das Wollen, verstanden zu werden. Aber er hat die\nSehnsucht, zu verstehen, was nicht verstanden werden kann. Er\nist gefühllos. Das weltmächtige Erlebnis ist kein Gefühl, Das\nErlebnis ist Erkenntnis durch Offenbarung, Dem Entmenschten\nwird offenbar, was der Mensch mit Gefühl und Verstand nicht\nfassen kann. Da er nur im Erlebnis erkennt, erkennt er das Er-\nkannte im Leben nicht mehr.\nDas Menschenhaus ist unser Haus des Erlebens,\nIm Menschenhaus wird uns die Kunde der Erkenntnis,\nIn der Offenbarung des Kunstwerkes sind wir offenbar\nDie Offenbarung ist unser Reich,\nDer Mensch steht auf zur Menschheit,\nDer Sturm der Auferstehung ist unsere Tat,\nNur der Stürmende steht im Sturm,\n\nGedichte\nSechstaktmotor\nFür Rudolf Blümner\nFranz Richard Behrens\nBlühen muß meine Maschine\nGrüne Frösche\nV erspannungsbef estigungslasche\nHellgrünheben\nNeunzehnhunder tneunundsiebenzig\nWenn ich meine Bomben werfe\nGrüne Hunde\nAntrieb vom Geschwindigkeitsmesser\nRote Dächer\nFünfundzwanzig und dreißig Kilogrammquadratmeter\nBin ich schneller als er\nDer stille Herr\nZelluloid\nDunkle Bäume\nElftausend Kilogramm\nAber wohin werfen\nMondsüchtige\nCellon\nWeiße Wölkchen\nDreimal Hundertzwanzig Quadratmeter\nJetzt gilts Freund\nDer Nachtwandler\nPropeller mit geschweifter Eintrittskante\nPlatzende Schrappnells\nKa x Ka ypsilon und A durch W\nEr ist stark\nDer Drehwurm fährt Karusell\nAus einem Stück gebogenes Scharnier\nDaunen steigen\nEins Komma eins von Hundert\nFünfzig Meter steht er über mir\nGanz große Kanone\nVorrichtung zur Verankerung der Verwindungsklappen bei Windt\nHalten sich zu meiner Rechten\nNull Komma dreizehn Millimeter\nFünfzig Meter liegt er auf mich\nKüken Rollengehäuse für Seilzug\nSie mehren sich\nDreizehn Komma vier Metersekunden\nWas sind fünfzig Meter\nOberfranz franzt Strich\nHaftenteil für Gürtelschnalle zum Festschnallen\nSchon sind sie auf beiden Seiten\nEins Komma zwei zwei drei Kilogrammkubikmeter\nDauerfranz verfranzt\nBajonettförmige Befestigung von Tragdeckenholmen\nDie mit Laub bedeckten Erdhütten\nFünfzehn Grad Celsius\nIch sehe sein Grinsen\nAffenfahrt\nAutokanister\nProtzen Munitionswagen Gespanne\nKa ypsilon mal S mal Vquadrat\nEr beugt über Bord\nIch will noch heute zum Südpol\nSchwarzblechklempner\nIhr habt recht euch zu retten\nNullkommanullfünf neun-sechsdrei\nIch höre nichts mehr\nHa und Be\nTropfende Rostschutzlack\nFünf Atemzüge sitze ich ihm im Rücken\nKaltes Messer am Halse\nMäuschen und Nägel\nKugellager\nHerz über Herz\nKreuztraversen\nSplitter spritzen fünfundzwanzig Meter gurgelnd\nMeine Maschine küßt mir die Hand\n\nGereut\nAdolf Knoblauch\nErzählung\n\nFortsetzung\n\nMyrddhins Tod\nEin Zufluchtheischender kam aus den Schenken der großen\nStadt zu den Mündigen. Ein herrlicher Dichter! Das gewaltige\nHaupt, Stirne, Augen, Stimme, gesiegelt vom Genie, der schmale\nkleine Leib verzehrt in schmerzenreicher Kraft, Gebresthaft*.\ntodumwittert verbrachte Myrddhin die letzten Lebenstage in\nder Umarmung von Erde und Wald,\nIm Walde saß der Ehrwürdige barhäuptig, sonnflimmern-\nden Wirrhaars, großäugig! Auf Moos zu Füßen starker Kiefern\nwartete er scheu und rückte andächtig dem Sonnenstrahl nach;\nder die Erde glühte und unsichtbar vorging wie ein schneller\nUhrzeiger, Jeden Mündigen, jeder Frau, jedes Kind, jedes\nMädchen, jeden Jüngling grüßte er traulich bei Namen und\nliebte ihr munteres Wort, Das war kaum die Zärtlichkeit des\nGroßvaters, es war die Liebkosung Gottes, der seine schöne"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.9", "texte": "Maria Uhden: Tanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.10", "texte": "Erde vor dem Abschied grüßte. Myrddhins mächtiges breites\nHaupt war soimengolden, verwitterte Runzeln furchten das\nhochstirnige Angesicht von einem Leben der wundersamsten\nIrrseligkeit in unserem neuen Jahrhundert.\nOer Tag des Todes war gekommen. Man hatte ihn tot-\nkrank auf seine Kammer im Stallgebäude gebracht. Sein ver-\nAntlitz war von der Rose geöffnet und blutig.\nDolling hatte verboten, daß er jemandem zu Gesichte käme,\ndenn es war ein Sonntag. In der Morgenstunde rang der Ge-\nzeichnete mit dem inneren Befehl, zu sterben. Er stand, allein\ngelassen, vom Bett auf, und stieg in den Hof hinab. Man sah\nihn im Heim und hinderte ihn daran, das Haus zu betreten, da-\nmit die Gäste nicht erschraken.\nMyrddhin durfte in den Garten hinausgehen. Myrddhin\nwandelte einsam im Seinigen und schaute noch einmal, was er\nvollkommen verstanden und tief angebetet hatte. Nichts war\nauf Erden als Myrddhin! Nichts in der Erde, nichts droben im\nHimmel als der ewige Myrddhin! Blumen, Bienen, des Gemüses\nPracht, lustige Vögel, liebe Freunde im Hause — sie waren\nnichts als das unsterbliche Lied MYRDDHIN, über das Leben\nhinaus gesungen in des Alls unendlicher Erwärmung! Nieman-\ndem mehr war Myrddhin eine Schranke! Niemand. Nichts\ngab es, das nicht Seines war vollkommen, endgültig, kostbar wie\nTropfen Oel im Gefäße, aus dem die Flamme sich nährt! Gott,\nangebetet, glücklich, vollendet, in Deiner Liebe glänzte Myrdd-\nhin! Tropfen im Licht Myrddhin, der für niemanden eishauchen-\nder Tod ist! Herbselige Erde, die Myrddhin umfängt, über\nMyrddhin gebeugt, über Gottes sterbendes Lied die hoffnungs-\nstarke Mutter!\nAm Montag brachten die Dollinge den Bewußtlosen ins\nKrankenhaus, heimlich im verhüllten Wagen. Ohne Abschied\nkam er fort, abseits, vernachlässigt, kein Fünklein Liebe brannte\nbei seinem Sterben: Gottes nacktes Lied!\nv? . *\n•k\nDie Zirkumzellionen, afrikanische Sektierer, gaben sich\nselbst den Tod, der als Sühnopfer galt.\nDer Lord hatte nichts mit Reformern und Mönchen gemein.\nEr kam aus Wien und begeisterte sich für die Damen der Mün-\ndigen. Er schenkte ihnen täglich Blumen mit großer Zurück-\nhaltung, die auf seiner Jugend beruhte. Der Dekadente führte\ndie europäische Kultur, der seltsame Verneiner und Todessüch-\ntige, der wie jede Jugend erneuernde Sühnkraft strahlte.\nDie Mädchen konnten ihn nicht leiden, die Frauen nannten\nihn Lord, denn er hatte eine edle Statuenhaftigkeit in seiner\nHaltung. Zuweilen zerbrach die Statue in viele jähe Geberden,\nund nervös heftige Stimme, scharfe Rede machten ihn unbe-\nliebt. Die Frauen waren hochmütig zu ihm und verspotteten,\nwas sie nicht verstanden.\nEines Abends wartete der Lord lange hinter Büschen am\nSee auf eine junge Dame, die mit dem Liebsten lustwandelte.\nAls das Paar erschien, trat er vor, überreichte dem Mädchen\nBlumen und sprach: ~Wenn sie leben, wenn sie sterben, ohn\nAufhören gibt er die Hand ihrem Sein!\" Das Paar ging ver-\nlegen weiter, der Lord weinte verhalten. Dann sah er das\nstolze Fräulein seine Blumen an der Wegkrümmung ins Was-\nser werfen. Die Blumen waren lästig, der Lord war langweilig!\nDen Lord kränkte die schnelle Albernheit, seine Tränen\nversiegten. Ihn brannten eisig die Lieder der Glücklichen im\nWalde. Ueber heimliche Tränen krümmte furchtbar krampfi-\nges Lächeln. Die Stätte, wo er müde und traurig ist, wo er\nharrt, bangt, sucht und rastet, stand in Flammen, Brot, das\nnährt, war befleckt von Züchten und Schuld Fremder.\nAuf der Wolken Stufen schritt der Engel des Gerichts von\nHimmel zu Himmel. Er stampfte zermalmenden Flug auf der\nFlut gequälter und gebresthafter Menschen, deren Kniee im\nJammer unter seiner finsteren Härte sich krümmten. Vom er-\nbarmungslosen Zorn brannte sein Kleid. Seine Rechte streckte\ndas Vergeltungsschwert in der Schärfe, die Linke hielt die Wage\nmit den Losen des Rechtes. Im Grimm des Schnitters kam er\nzur Ernte. Ueber dem kalten Geisterauge standen Zacken, ums\nHaupt flogen Schlangen im Sturm, der Mund spannte Pfeile.\nGequälte, Verstümmelte schlugen Krallen in einander,\nstürzten sich mit dengelnden Armen, lagen auf Knieen unter\ndem satanischen Rächer und küßten den feurigen Henkersman-\ntel. Der Engel «fclies den Eiter seiner Worte in die Ohren der\nKöpfe, ehe er sie in den Staub mähte.\nZwitschern, Zirpen der Vögel auf dem blauen Hügel am\nSee war gestorben. Der Lord machte sich auf und zog in die\nStadt. Eine Zeitung brachte danach die Kunde, daß der Lord\naus einem vierten Stockwerk auf die Straße hinabgestürzt sei.\nGlücklosester Tod!\nEinsame Uhr, die vor Ablauf zerbrach! «\nSchreckliche Finsternis!\nMechanik des Revolvers. Würgendes Nichts im Gift.\nGierig fressende Leere. Kreisende Abscheulichkeit.\nAussätziger Abgrund, in dem das Hirn wirbelnd zer-\nschmettert.\nMord aus Unfruchtbarkeit!\nDie Zirkumzellionen, afrikanische Sektierer, gaben sich\nselbst den Tod, der als Sühnopfer galt!\nVI\nIm Ordenssaal versammelte sich der Rat der Mündigen,\nAuf dem schwarzgrünen Sitzungstisch lagen an jedem Platz No-\ntizblocks mit Bleistiften neben Aschbechern, wie bei den Kom-\nmissionsberatungen im Reichstag. Wenn Dolling nach der\nSitzung die Blocks einsammelte, so waren sie nicht mit hinge-\nhauchten Schriftzügen ernsten Sinnens oder ökonomischer Be-\nrechnungen bedeckt, sondern mit Weiberfratzen beschmiert, die\nWarzen am Kinn, dürre, spitze Nasen, geschwollene Backen,\nTriefaugen, gesträubte oder filzige Haare hatten, Zungen aus-\nsteckten!\nMiesmuschel läutete die neunickelne Sitzungsbimmel. Die\nHerren des Rates betraten den Saal, bockten, pufften, rissen\nsaftige Zoten. Nichts Gemütlicheres als eine Vereins-Sitzung!\nHinter der sicheren Vereinshecke hechelten die Mündigen ihre\nMitmenschen durch, stellten moralische Zweifel in die Aufrich-\ntigkeit der Gedanken und Handlungen der Anderen. Der Ver-\neins-Einzelne drehte die krumme Unanständigkeit anständig\ngerade und befleckte den Untadeligen. Die Unpersönlichkeit\nverhüllte Nichtswürdigkeit, Schamlosigkeit des Vereins-Einzel-\nnen, beseitigte sittliche Hemmungen, verlieh über moralische\nBerechtigung. Er wurde ausführendes Glied der Versammlung,\nMassen-Ich!\nIm Verein der Mündigen brach böses Regiment herein!\nKlatsch, giftige Nachrede, Hetzen, Verhöhnung, Zwietracht ka-\nmen über Hirn und Herz. Kein Mündiger vermochte die bösen\nGeister und ihren Fürsten zu bannen, denn es fehlte kindliche\nUnschuld, Tapferkeit, Fruchtbarkeit des Ideals!\nZur Instandhaltung der Gemeinwirtschaft beschäftigte der\nRat etliche Mägde, die unreine, widrige, aber unumgänglich\nnötige Arbeiten im Hause besorgten, Stuben, Treppen, Säle\nscheuerten, heizten und am Küchenherd schafften. Sie wohnten\nzu dritt in der Kellerstube neben Gereut. Miesmuschel hatte\nHühnerfedern für die Gesindebetten preiswert eingekauft. Mit\nden preiswerten Hühnerfedern wurden Läusenester einge-\nschleppt.\nDie Mädchen klagten den Dollingen ihr Leid. Diese such-\nten zu trösten, versprachen Abhilfe. Bei der Sitzung des Rates\nstand ihre Klage auf der Tagesordnung. Aber Miesmuschel\nschlug an seine Brust, beteuerte, nur ins&tenfreie Ware ge-\nkauft zu haben. ~Solche Mädchen bringen aber selbst Ungezie-\nfer mit, das sich rasch vermehrt, wenn das Gesinde nicht von\nHaus aus an Sauberkeit gewöhnt würde/' Ueber solche Gleich-\ngültigkeit und Tugend griffen die Dollinge an ihre Köpfe, aber\nsie waren weit enfernt, mit ihren Köpfen Wände einzurennen.\nHochmögende denken immer und überall zuerst an Sicherheit\nder eigenen Stellung im unbarmherzigen Wettstreit ehrsüch-\ntiger Ichs. Wehe der Harmlosigkeit, die unter ihre schreck-\nlichen Räder gerät! ~Denn zu allem, was große Herren an-\nfallen und sündigen, muß der arme Mensch büßen und sein Hab\ndarbringen!\" Die Mündigen entschieden, daß das Gesinde des-\ninfiziert werden solle!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.11", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.12", "texte": "Die Mündigen erledigten das Defizit der Ordensfeste. Dann\nstellte Miesmuschel die Klage gegen den Schädling des inneren\nKreises, den Knaben Gereut, zur Beratung, denn Gereut hatte\ndas Unglück, der Gemeinde zu mißfallen. Miesmuschel erhob\nsich im Rate mit eigenen Anträgen, wenn es galt, Sittlichkeit\nund Schicklichkeit zu predigen. Er war die Säule des Rates,\ntrat aufrecht, ehrbar unter die Gemeinde: ~Seht meine Muster-\nEhe! Mag jeder ein Beispiel daran nehmen!\" Sein frommer\nAugenaufschlag, die runden hochroten Backen, das Oel seiner\nBeredsamkeit, sein sittliches Auftreten machten Eindruck.\nMiesmuschel schilderte den Knaben, den die Gemeinde aus\nMitleid mit seiner imbehilflichen Art in inneren Kreisen gedul-\ndet habe, dem sie Obdach und Essen gebe. Aber die Gemeinde\nbedauere ihre Hilfe, denn Gereut verlottere, er treibe sich im\nzerrissenen Anzug herum, er stehe nur vom Bett auf, um zu\nessen, er habe Schulden, bezahle nicht und arbeite nicht für die\nGemeinde. Jetzt sei das Maß voll, denn Gereut sei auf Spazier-\ngängen mit einer verheirateten Dame beobachtet worden.\nEr schäme sich, den Namen der Dame anzugeben und bitte sie,\nsich künftig vorzusehen. Zum Besten des frühreifen Schädlings\nselbst diene es, wenn der Rat ihn vom inneren Kreise ausschlie-\nßen werde. Der Orden sei keine Fürsorgeanstalt.\nGereut wurde geholt, es wurde ihm die Anklage vorgehal-\nten und Obdach mit Essen gekündigt. Gereut verließ ohnje\nWiderrede den SaaL Als es zu spät war, begann der eine Dol-\nling erregt auf und ab zu laufen und zu protestieren. Aber er\nwar willensschwach, litt an Herzerweiterung und war so gut-\nmütig veranlagt, daß er unfähig war, eine Ungerechtigkeit offen\nzu bekämpfen.\nGereut packte seine Habe, mietete in der Stadt ein Maler-\nAtelier und siedelte in die Stadt. In der Stadt litt er zehn Jahre\nElend, und nach zehn Jahren war er den schrecklichen Rädern\nehrsüchtiger Ichs ebenso preisgegeben wie unter den Mündigen.\nNietzscheaner Miesmuschel war in Uebereinstimmung mit\nden Zeitgenossen: Was faul ist, solle man noch stoßen, daß es\nfalle! Denn Schwäche hieße Fäulnis!\nGereut siedelte in die Stadt und trat hinaus auf die Straße\nder Stadt!\nVII\nDie Stadt\nGereut war in der Stadt.\nUnd die Stadt war in ihm, über ihm, nach ihm; das grenzen-\nlos entfaltete Gemeinwesen, in dem er einsam war. Gereut war\nhervorgegangen aus Wald, Fluß, wipfelwogendem Himmel,\nSturm. Im Anstieg und Absinken der Jahreszeiten war seine\nweise Knaben-Unschuld gewandelt, der freie Hirte, der nackte\nKönig, dem das bloße All gehörte, in dem er unversehrt blieb.\nDie Stadt Versehrte ihn, gab ihm das Wissen, und er fand\nsich einsam, gebrechlich. Er trat in die stählern kantige Halle\nder Stadt. Damit die eherne Stadt leben könne, brauche sie das\nInnigste, Weichste, und machte sein liebend blutreiches Herz\nzu ihrem Schemel,\nDie Stadt war Gereuts Schicksal Ihre schauerliche Größe,\ninnere Verknüpf theit, verwirrende Macht, unermeßliche Ordnung\nzerbrachen seinen Verstand. Gereuts Angesicht war schmal,\nvertieft. Die weiße, starke, kantenlose Stirne kränzte dicht\nbraunes Haar. Er hatte große, leuchtende Augen von guten\nTieren. Seine schmalen, weißen Hände hatten Schweigen ge-\nlernt. Gereut zog in die Stadt mit strengen Gelübden, er hatte\ndie Hüften gegürtet.\nDer unermüdliche Werktag der Stadt schleuderte gleich-\ngültig das unzählige Gewimmel seiner gehorsamen Kinder hin-\nein in die Siebe, glühte es in Schmelztigeln. Gehetzte Pein,\nMürbheit der harten Arbeit, prahlende Ueberlegenheit, nervöses\nUngenüge, rücksichtslose Machtgier, Empörung der Furchtsa-\nmen, Aufgequälten! Undurchsichtiges, leidenschaftliches Spiel\nder Geschehnisse eines ungeheuren Gemeinwesens Versehrte\nGereuts Gelübde, zerbrach den wissenlosen Frohsinn, lähmte\nhilflos.\nIn ferner, unbekannter Tiefe der Stadt zündeten Blick, Wort,\nGeberde den stummen Gedanken. Ein Herz, das Gereut nie\nkennen noch begreifen würde, war geheimnisvoll in der Wucher- *\nung der menschlichen Millionen berufen, Tugenden des Her-\nzens und Geistes fortzupflanzen, mit Stolz und Leid die Pflicht\nim ehernen Ringe zu erfüllen.\nAnbetungswürdiges Geheimnis in ewiger Unrast! Schöpf-\nung, Vereinigung, die alle erregenden Gifte tilgte! Eherne Kan-\ntigkeit der bedeutenden Ordnung, in der alle gehorchten, er-\nrichtet über leidvoller Friedlosigkeit aller! Hinab zum ent-\nlegenen Gemach des Müden brannten explodierende bunte Son-\nnen, silberne Sternregen. Angstgejagte Wirbel fiebriger Ge-\nspenster fügten sich zum göttlichen Tanz, aus dem heldische\nPaare in die Zukunft aufschritten und sich ernst auf sanfter\nHöhe grüßten.\nDie Stadt verwandelte den Gehorsamen; dem Beraubten\ngab sie alles verwandelt wieder. Die Stadt hatte alles genom-\nmen: die mütterliche Erde, das Licht reiner Gestirne, die\nWindsbraut, das Raunen, Donnern der Eichen, die vielfältigen\nVögel. Aber die Stadt hatte alles gegeben, was zur dauernden\nVereinigung taugte, und alle versammelt unter unendlichen Fit-\ntichen schützender Gemeinbürgerschaft. Unaufhörlich meißelten\nUntergänge in der erregten Tiefe den Willen des Gehorsamen\nund trieben ihn an. Brach aus gemeinsamen Schoß der flie-\nhende Wirbel erregter Begierden vor, stand unerschütterlich die\nStadt im Gleichgewicht der Macht und Klarheit.\nIn wundersamer Tiefe schuf die Stadt am einsamsten,\nmenschlichsten Werk, dem Denkmal aller Denkmale, dem\nSelbst! Sie schuf das Sein im Selbst zum Ringe und bildete aus\nherzlicher Erde die kristallene Kugel, das Auge Gottes in ewiger\nGegenwart.\nGereuts Selbst wurde geboren, als er zu sehr ermattet war,\nals Straßen unbarmherzige Wut donnerten, als Häuser ihre ge-\nfesselte Trauer weinten, ihr Siechtum krümmten, Verfolgte in\nletzter Pein, als sein Selbst aus dem aussätzigen Staub sich auf-\nwärts schämte und sich zum ersten Mal abwandte vor Gottes\nHerrlichkeit: Wohin geh ich vor deinem Geist, wohin flieh ich\nvor deinem Angesicht?\n* *\n*\nGereut ging in der Frühe zur Arbeit, zur gleichen Stunde,\nzur gleichen Arbeit mit Tausenden! Langsam, müde unter den\nEiligen, abgesondert vom kameradschaftlichen Gespräch, arm\nneben ihrem Ausleben. Die Zentrifuge der Stadt kreiste und\nbutterte die Hirne in den äußersten Anstrengungen, trieb Hände\nund Herzen zur äußersten Erschöpfung.\nMänner und Frauen kamen in die Straße, überholten ihn,\nvon der Arbeit erwählt, um mit freien Kräften zu kämpfen und\nzu lieben! Sie kämpften, um zu lieben! Haß, Widerstreben stei-\ngerten sie aufwärts, aus Haß war das große Gemeinwesen er-\nbaut, aus Haß butterte die Zentrifuge winzige Tropfen Liebe,\nauf daß alle zum Sterben hätten.\nGereut war müde vor den Wällen der Häuser, vor den stau-\nbigen Scnwellen der unzähligen Pforten. Er war eines Morgens\nverträumt aus dem Omnibus gesprungen und lächerlich hinge-\nfallen. Er blieb lang hingestreckt mit dem Gesicht auf dem ver-\nletzenden Pflaster, mit dem Kuß der Liebe ausgehaucht auf dem\nAltare der Stadt. Als Vorübergehende ihm helfen wollten,\nstand er endlich auf mit besudelten Kleidern, blutender Hand,\nzerschundenem Gesicht.\nIn jedes Angesicht schaute Gereut mit dem einzigen Herz-\nschlag des Vorübereilens: Ruf, Donner, Gestöhn, Gebrüll, Ge-\nläut, Harfe, Peitschenhieb, Lachen, Wimmern — Innehalten, Ge-\nbücktheit, Stumpfheit, Trotten, Hast — die Mühseligen zogen\nan Gereut vorbei, und im Blitze schied das Hochgeartete sich\nvom Niederen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.13", "texte": "Droben stand der Donner der Straße, das Mahlen der\nStadt im unaufhörlichen Gewitter am Horizont, in dem Tag\nund Nacht eines waren.\nGereut fürchtete den Schlaf und mied ihn als schwache Lok-\nkung, er fürchtete das Erwachen und die Träume, die ihn der\nStadt entrissen. Er war in allen Ichs mit ihren Wohnungen und\nSendestationen als unendliches Kabel gespannt, Funkenzeichen\nvon Sorge und Ekstase blitzten durch seine Drähte. Es gab keine\nAusnahme, nichts war vergeblich! Er kannte das Wort, das aus\nunbekannter Tiefe langsam hervordrang und den schimmernden\nKelch zum Lichte breitete.\nGereut errichtete zuweilen ein ernstes, hohes Antlitz über\nsich und beugte das Haupt. Zuweilen rief er einen törichten\nTraum auf offener Straße, um ihm scheu zu entfliehen. Zuweilen\nbog er den Arm, einen holden Nacken an sich zu schmiegen,\neinen Augenblick des Vorüberverweilens zu herzen. Die Grenze\ndes Sichtbaren: Miene, Kleid, Geberde, Blick und Wort erlosch!\nDas Meer nahm ihn hinweg, als er in seinem Glänze träumte,\nder Sturm kam und riß ihn in die Tiefe!\ni|s\n*\nGereut verrichtete stumm seine Arbeit. Hohe Stöße eines\nillustrierten Zehnpfennigblattes waren noch schmierig von der\nPresse heraufgebracht. Gereut hatte sie zu falzen, zusammenzu-\nlegen und in Umschläge zu tun. Er konnte vor Müdigkeit nicht\naufrecht bleiben, die einförmige Arbeit von früh auf machte ihn\nschläfern. Es war hart, Falzstriche zu ziehen, Zehnpfennighefte\nrichtig anzufassen, wenn die Lider vor der Hitze wie Fenster-\nläden niedersanken.\nEs war ein Julitag, Fenster und Vorhänge waren dicht ge-\nschlossen, in den Arbeitsräumen wurde Wasser gesprengt. Aus\nAngst vorm Einschlafen war Gereut aufgestanden und arbeitete\nstehend. Man hatte dem Jüngling eingeprägt, daß er die Ar-\nbeit, die man ihm auf dieser Stelle mühsam besorgt hatte, unter\nkeinen Umständen aufgeben oder vernachlässigen dürfe. Um\nGereut ging der Betrieb im Auf und Ab, Klingeln, Telefonieren,\nGerenne, Diktieren, Gespräch, Witzen der Kollegen: Arbeit!\nArbeit! Arbeit!\nWieder begann der hartdröhnende Donner der Rotations-\nmaschinen, der Arbeitshof, die Zimmer aller Stockwerke vom\nKeller zum Dach bebten von den Herzschlägen der Druckerei.\nBeim Schreiben der Adressen war Gereut eingeschlafen und\nhing vorübergeneigt auf seinem Stuhl: die arme Larve, das\nKlümpchen Kot im Winkel, das in der künftigen Sonne mit glän-\nzenden Schwingen auferstehen wird!\nGereuts Einschlafen war in der Schreibstube bemerkt wor-\nden. Er galt für hochmütig wegen seiner ängstlichen Zurück-\nhaltung, seines schweigenden, verlegenen Lächelns, seiner Scheu\nvor Blicken. Man spielte ihm einen beschämenden Streich: Einer\nnahm den vollen Papierkorb, um ihn über den Schlafenden zu\nstülpen. In diesem Augenblick fuhr Gereut aus dem Schlafe und\nblickte dem Mann mit dem Papierkorb in die Augen. Alles\nlachte und begab sich erquickt an die Arbeit.\nGereut schrieb Adressen, er wachte mit Flüstern: „Die\nStädte hast Du umgekehret, ihr Gedächtnis ist umkommen samt\nihnen!\"\nVIII\nGereut ging heim zu seiner Geliebten.\nSie waren unverheiratet und wohnten in der schrägdachi-*\ngen Mansarde eines häßlichen Hauses am Gleiskörper der nord-\nwestlichen Bahnen. Als Möbel hatte Gereut eine Reihe leerer\nEierkisten erworben und sie auf einen Handkarren getürmt über\nPlatz der Siegessäule von 1870 herangefahren. Auf vier\nKisten legte er die riesige runde Holzplatte, die den Mittelpunkt*\nseines Heims bildete, die übrigen Kisten wurden Bänke und\nSitzböcke.\nFräulein Laura war manchen Mannes Geliebte gewesen und\ngeradeswegs aus dem Spital gekommen, als sie Gereut zum\nManne nahm. Laura wußte sich freilich nicht im Paradiese,\nals sie den armen Dichter erfreute und der Griff der Straße\nfaßte noch zu dicht. Aber sie war vergnügt mit ihrem Männ-\nchen, dessen Zartheit und Knabenscheu ihr wunderlich schienen.\nEr ging brav zur Arbeit und verdiente für ihren Haushalt. Gereut\nfreute sich, zum ersten Mal eine Frau zu haben, sich in der Frau\nzu baden, eines mit ihr zu sein, Tier und Erde! Er war elek-\ntrisch geladen, Gewitter sprengten Funken aus Blut und Geist,\nwenn er die nackte Frau berührte. Er sah zu, wenn sie sich\nAbends den Leib wusch, ehe sie zu Bett ging, achtete auf jede Be-\nwegung ihres Leibes und liebte jedes der weiblichen Gefäße\nmit natürlicher Freude. Sie war seine kleine Frau, die ihm mit\nden reifen Gefäßen der Liebe Freude machte. Er raffte die\nHaarwickel, Bänder, Papierröllchen, falschen Zöpfchen, die sie\nnach Gebrauch am Tage ablegte, zum Knäuel zusammen und\nschleuderte ihn der Nackten unter Indianersprüngen an, den\nKopf, daß der Knäuel sich löste und ins Wasser fiel. Sie begoß\nihn wütend. Sie war von massiven Knochen, festen Muskeln»\nSie war es, die der scheuen Zurückhaltung und Unentschlossen-\nheit Gereuts vor der Frau ein Ende gemacht hatte. Er hatte ihr\nnur eine Wohnung mieten wollen, aber sie hatte ihn gezwungen,\ngleich die erste Nacht bei ihr im Bett zu bleiben. Dann hatte er\nsie zu seiner Frau gemacht. Sie hielt ihn für einen Schwäch-\nling, aber sie war stolz, einen ~klugen Mann\" zum Geliebten zu\nhaben.\nGereut besaß eine Geliebte; er wurde täglich mit Küssen\nempfangen, zu Küssen gezwungen; er durfte täglich ein Weib\nnackt mit Mund, Händen, Gliedern berühren, seine Mannheit\nim glücklichsten Gefäße des Weibes baden,\nFräulein Laura lachte über seine Jungenstollheit und die\nVergleiche mit der farnesischen Venus Raffaels oder Lauren von\nVaucluse. Er schleuderte Bücher und Kisten vor Freude durch\ndie beiden Stuben und stürzte Laura nackt purzelnd aus ihrem\nDrahtbett.\nWar seine Geliebte von Liebesspielen müde und eingeschla-\nfen, streckte sich Gereut in der Sommernacht völlig gerade neben\ndem nackten Weibe hin, sorgsam darauf achtend, nirgends\nihren Leib zu berühren. Des einsamen Gereut allhelles Denken\nentbrannte, sein Ich spannte diamantene Fittiche, reglos inneren\nSinnens schaute er auf das Fensterrechteck, in dem grell eine\nBogenlampe hoch über den Gleisen schien. Nacht um Nacht\nlag der müde, bitter stumme Gereut schlaflos neben dem schla-\nfenden Weibe. Er dachte das Denken des Tages in der Stadt\nauf all ihren Straßen, das Fieber der Stadt sog sein Blut, daß das\nHerz angstvoll schlug, ätzte brennend sein Hirn.\nWenn das Abenddämmer kam, erlaubte Fräulein Laura\nnicht, die Lampe anzuzünden, denn sie verabscheute das Lesen\nund war auf Bücher eifersüchtig. Die Bogenlampe leuchtete\ngrell, man sah genug in der Stube.\nEines Abends fragte sie nach der platonischen Liebe, miß-\ntrauisch, als sei sie eine verhängnisvolle Drogue. Sie rief ärger-\nlich: ~Die Liebe muß einen Zweck haben, davon kriegt man Kin-\nder! Gereut funkelte vor Vergnügen: „Ans Kind denken die\nLeute erst, wenn alles vorbei ist, und sie sich garnicht mehrl\nlieben.\"\nDas unglücklich in die Bildung verliebte Fräulein nahm ein\nReklambüchelchen in die Hand, das Piaton über die Lehre eines\ngewissen Sokrates von der Liebe verfaßt hatte. Sie entzündete\nbildungsbastelnd mehrere Abende selbst die Lampe.\nIm Herbst werden die Käfer müde und kriechen matt, in-\ndem sie den in der Schwere des Seins der Verwandlung entge-\ngenreifenden Leib mühevoll heben. Gereut war träge geworden,\nseine Bekannten behaupteten, er sei dekadent und verfiele, die\nKollegen in der Schreibstube sprachen ihm eine Daseinsberech-\ntigung völlig ab. Sein schneller Schritt, das Jähe der Hände,\ndas heftige Aufspringen, die Erregungen des Geistes erloschen,"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.14", "texte": "übrig blieb ein müder, grauer Schreiber, dessen Haupt gebeugt,\ndessen Lichtchen nicht wert war, am Lebensaltare zu brennen.\nEines Nachmittags ging er am Arm von Fräulein Laura\nin der Sonne. Sie drückte ihn, stolz um sich blickend, an ihre\nSchulter und ermunterte ihn mit Ellbogenstößen,nicht im Gehen\nallmählich einzunicken, denn Gereut litt unaufhörlich an Schlaf-\nsucht. Er hatte immer das Bedürfnis, tief und fest einzuschlafen.\nDas Leben war gut zu ihm. Die Stadt blinzelte ihn in der\nHitze an und sah dann auf die andere Seite hinüber. Er war in\nder Julisonne ein wenig trunken; er taumelte über den Straßen-\nbord, als er einmal das Auge nicht rechtzeitig aufgetan hatte.\nFräulein Laura führte ihn in den Park, damit er auf einer Bank\nausruhen sollte. Die Bank stand unter einer Gruppe alter hoher\nLinden, die von einer Raupenplage heimgesucht wurde. Die\nTiere fielen zu Hunderten sattgefressen von den grünen Blättern\nherab und bedeckten den Erdboden mit grünem Schorf, Grüne,\nlange, fette Tiere waren Fräulein Laura in Haar und Nacken ge-\nkrochen. Geekelt wollte sie mit Gereut weitergehen. Aber\nGereut betrachtete aufmerksam die Raupen auf seinen Aermeln,\nseiner Hose, und seine Trägheit schien nicht geringeren Grades\nals die der Raupen zu sein. „Die Raupen stören mich nicht.\nLaß mich nur einen Augenblick sitzen,\" erklärte er. Sie lachte\nund wartete auf einer entfernten Bank,\nDie Raupen rochen aus Gereuts Odem seine gastfreundliche\nDuldung, sie wanderten bedächtig im Genuß von Gereuts tieri-\nscher Wjärme auf seinem Rücken, seiner Hose, seinem Hut und\nseinen Händen, verschnauften mit sachtem Heben des röhrigen\nBauches, sahen sich viele Male um, beschauten Gereut bis in\njede seiner Falten, krochen wie Biografen ihrem großen Ver-\nfasser in die Leibwäsche. Die Sonne brannte heiß auf Gereuts\nBuckel, den kiesbestreuten Parkweg und den grünen Raupen-\nschorf, Gereut stand auf, klopfte alle traulichen Freunde emsig\nab und legte den Arm in Laurens ihren.\nGereut war einsam in Augustheide, Bienensang, Blütenduft\nund Wunderwärme, Seine Geliebte schwatzte: ~Mein arg star-\nkes Männchen, wenn mir mal Wer was antut, dann sag ich: mein\nKarle von der Fabrik ist stark, schlägt alle Knochen im Leibe\nentzwei!\" Sie zogen durch die Stadt und hielten auf einem don-\nnernden Platze des Verkehrs, Im Lärm vernahm er ungenau ihre\nWorte, sie lachte und war sicher: „Du! wenn Eine nachgibt\nund läßt sich verführen, so liegt es an ihr. Die Mädels möchten\ngern verführt sein, das wissen die Männer, Darum gibts so\nwenig Mädels, die wirklich anständig sind!'1\nIn der donnernden Straße, zwischen krachenden Fuhrwer-\nken, unter Geläut der Glocken, allen gehißten Fahnen der Stadt\ntobten die wilden Dienerinnen des Lustgottes und stürzten mit\neisenscharfen Stäben auf Gereut, Unter ihren Stößen, dem un-\nauslöschlichen Gelächter, den Beschimpfungen brach er zusam-\nmen, die Straße wieherte über den Kot, der sich zu ihren Füßen\nwälzte.\nGereut hob das erhitzt irre Jungensgesicht zu seiner Dame,\nsie drückte ihn schützend an sich mit heimlicher Scheu, „Behalt\nmich lieb, wenn du alles von mir weißt! Ich war ein schlechtes\nMädel, aber durch dich werde ich gut!\" Den Blick gesenkt,\nkalt, heimlich bebend hörte Gereut gut zu: „Ich hatte Verhält-\nnisse in Wien und Berlin, in der Friedrichstraße ging ich auf den\nStrich, das sollst du wissen. Ich hatte immer Heißhunger nach\nMännern und brauchte sie. Wenn ich keinen Mann da hatte,\nwar ich so hitzig, daß ich nackt des Nachts herumlief und mir\nEinen, suchte. Und wenn ich einen nicht mehr wollte nahm ich\ngleich einen andern und führte dem seinen Haushalt, Dadurch\nlernte ich alle Männer kennen und bekam die Krankheit X YZ!\nArmes Männchen, du weißt gewiß nicht, was X YZ ist, aber frag\nmich nicht! Ich kam nämlich ins Spital, und das war mein\nGlück, denn sie wollten mich gerade „unter Sitte\" kriegen. Das\nsind schon zwei Jahre wieder her, jetzt bin ich ausgeheilt und\ntadellos anständig. Laura freute sich und Gereut erblickte zum\nersten Mal ihre häßliche Kopfbildung, Sie trug als Mädchen aus\ndem Volk keinen Hut, ihre Stirn war niedrig, hart, winzig, und\nihre Augen der prager Jüdin waren groß und schön wie die der\nfarnesischen Venus,\nAls sie in ihr Heim kamen, schmiegte sich Laura an den\nGeliebten mit den Armen um seinen Nacken. Gereut nahm die\nArme fort und senkte sie höflich zu ihrer Schürze hinab. Ihren\nKopf, der sich an seine Brust legen wollte, richtete er am Kinn\nauf. Dann trat er einen Schritt zurück und schaute sie unver-\nwandt an. Sie setzte sich auf eine Kiste nieder und begann fas-\nsungslos zu weinen. „Ich wußte es ja. Du liebst mich nicht,\nweil ich alles gesagt habe. Die Männer sind alle gleich, sie wol-\nlen uns nur benutzen, keiner gönnt uns dem Andren. Wie war\nich dumm!\"\nSie wollte sich mit fassungslosen Küssen auf ihn stürzen,\naber Gereut wehrte ab und schwieg starr. Er machte Licht,\nsetzte sich an ein Buch, sie nähte, ging aber bald zu Bett, Gereut\nfolgte ihr sehr spät und legte sich auf die Matratze am Boden\nneben ihrem Bett. Sie berührten sich nicht in dieser Nacht, Das\nSchwert lag zwischen ihnen, das Goldgeschmückte, mit Feuer\naußen die Ecken belegt, mit Eitertropfen innen bestrichen!\n* *\n*\nGereut stand in der ersten Frühe nackten Leibes am Fens-\nter und schaute herab auf das ausgespannte Gleisnetz der Nord-\nwestbahnen. Er sonnte sich in der wolkenlosen Sommerglut,\ndie kein Lufthauch kühlte. Die blauen Stahlschienen gleißten.\nDie Stadt stand fern in düsterer Kargheit gesammelt und\nschwitzte des Arbeitsanfangs Trübdunst. Lokomotiven drehten\nweiß blitzende Gestänge, ein Zug donnerte, das Schienenfeld\nfurchend, herein,\nFräulein Laura erwachte und rief Gereut, Dann erhob sie\nsich ängstlich und schmiegte ihre Nacktheit an seine. Aber er\nschob sie höflich fort, zog sich an und verließ das Heim, Er ging\nnicht auf die Schreibstube, sondern wanderte in feiertäglicher\nSammlung durch die Stadt. Er zählte die überm Fluß gespann-\nten Brücken und schaute den langsamen großen Kähnen zu, die\nvon Dampfern gezogen wurden, roch den dicken Kohlenrauch\naus den kleinen Schornsteinen und horchte auf die kleinen\nscharf bellenden Hunde an Bord der Lastkähne, Er war müde,\nund als er sich auf einer Bank am Hafen niederließ, schwand\nseinen Augen die Kraft ihm schwindelte, und sein Kopf hing\nvornüber. Aber nach einer Weile überschritt er ohne Zögern\ndie Brücke und begab sich in die Klinik, Aoteilung für Männer,\nDer amtierende Arzt untersuchte sein Geschlecht und befand es\nfür tadellos, | • , ;\n»\nEs war die tiefe Kränkung seines jungen Stolzes, einem un-\nreinen Weibe anzugehören. Er hatte sich für schuldig gesprochen\nund verdammt. Er war im Larvenzustande, Aus geschlecht-\nlicher Erschöpfung, Verfall, Zermürbung, Langeweile und Ueber.\ndruß durch die große Stadt mochte Vielen ein barmherziger\nund mitleidiger Tod erscheinen. Gereut war der Entwürdigte,\ngänzlich Befleckte, Verunreinigte, dessen grindiger Makel in\nGluten der Größe, Strenge, Einzigkeit verbrannt werden sollten.\nEr fuhr in den Wald, stieg auf die einsamen Hügel hoch am\nStrom, entkleidete sich und schlief nackt in der verborgenen\nTiefe des Gesträuchs auf Nadelstreu im Raunen des sommer-\nlichen Flußwindes. Erwachend vom Schlaf betrachtete er die\nAmeisen und Käfer im Waldgras und atmetete die Luft des\nwachsenden Holzes und der webenden Blätter, Die qualvolle\nMüdigkeit seines Wachens erlosch in der Ewigkeit des Traumes.\n\n(Fortsetzung folgt)"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nP. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMoiiatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe F u r Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 80 Pfennig / Fiir das Aus-\nland bei direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post fiir\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\nr e i s e\nder frtiheren Jahrgange / Voll-\nstandige Ausgabe\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n1910/11\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\nGewohnliche\nAusgabe:\n25 Mark\n20 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n10 Mark\n10 Mark\n10 Mark\nSonder-\nausgabe:\nvergriffen\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n1916/17\nEinzelhefte, soweit vorhanden; erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nS c h u t z e n g r a b e n v e r s e / Ge-\nd i c h t e\nGebunden 3 Mark\nHermann Essig\nDerFraue n m u t I Lustspiel\ntJberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nQeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nQeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu/Liebesgedichte\nGebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der M e n s c h e n 1 i e b e\nRoman\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I:\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\n\nSturm-Biicher I: August Stramm: 5 a n c t a\nSusanna / II; August Stramm: R u d i -\nmentar / III: Mynona: Fur Hundc und\nanderc Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoli Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm; Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 50 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFur Klavier / Eine Mark\nDie Judentochter\nFur Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von\n»\nArno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzelausgabe / 50 Pfennig\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundert Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlers\niiber sich selbst mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\nMappe mit 15 Zeichnungen auf Japan-\npapier in Strichatzung / Adolf Loos / Her-\nwarth Walden / Richard Dehmel / Paul\nScheerbart / Alfred Kerr / Yvette Guil-\nbert I Karl Kraus / Hermann Essig / Rudolf\nBliimner / Adolf Knoblauch / Mechthild\nLichnowsky / Nell Walden / Max Berg /\nGertrud Eysoldt / Claire Waldoff\nMappe 40 Mark\n\nKunstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNachi Gemalden, Zeichnungen und\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 1\nUmberto Boccioni t / 1\nCampendonk / 1\nMarc Chagall / 5\nRobert Delaunay / 1\nAlbert Gleizes 1\nJacoba van Heemskerck / 2\n\nAlexei von Jawlensky / 2\nKandinsky / 2\nPaul Klee / 1\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger / 1\nAugust Macke t / 1\nFranz Marc t / 2\nGabriele Miintcr / 1\nGino Severini / 4\nMarianne von Werefkin / 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nMarc Chagall\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nJe 50 Pfennig\nDie Futuristen\n60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Dcr Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\n#\nMarc Chagall; Zeichnung\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkjopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Ticrbilder\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. Jacoba van Heemskercl\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Blumner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P1 a k a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie-\nAbztig 10 Mark\n\nSturm-Einbande\nAuf Japanpapier handgemalt von-\nG e o r g S c h r i m p f fur alle Ausgabem\ndes Verlags Der Sturm\nEinband iiir Biicher: 20 Mark\nEinband fur Noten und fiir den Jahrgang der Mo-\nnatsschrift Der Siurm: 30 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170615-01.1.16", "texte": "Der Siurm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Stralje 134a\nGeoifnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahrcskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nDreiundfiinfzigste Ausstellung\n3. Siurm-Gesamtschau\nJuni I Juli 1917\nSturm - Ausstellungen\nHamburg: Gesamtschau\nKunsthandlung Louis Bock und Sohn\nEroffnung: 1. Juli\nDiisscldorf: Graphik\nEroffnung: 1. August.\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausscbliefilich\nimd veriiigt iiber ihrc Wcrke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkauf und zu Ausstellungen in der gan-\nzcn Welt:\nCampendonk / Marc Chagall / Jacoba van\nHeemskerck / Kandinsky / Franz Marc /\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Nell\nWalden\nDER STURM\nvertritt fur Deutschland folgende Kiinstler\nund verfiigt fiber ihre Werke zum Verkaui\nund iiir Ausstellungen;\nAlbert-Bloch / Alexander Archipenko /\nRudolf Bauer / Fritz Baumann / Vincenc\nBenes / Umberto Boccioni / Carlo D. Carra\nMax Ernst / Lyonel Feininger / Emil\nFilla I Albert Gleizes / Otto Gutfreund /\nOswald Herzog / Sigrid Hjerten-Griine-\nwald I Isaac Griinewald / Johannes Itten /\nAlexei von Jawlenski / Paul Klee / Os-\nkar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Carl Mense / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimp! / Gino\nSeverini / Fritz Stuckenberg / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne von We-\nrefkin\n\nKunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerei\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffnet\n\n©ffeniliche Vorlrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nVortragsreihe I\nl«othar Schreyer: Der Expressionismus in\nder Dichtung\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April\nbis Juni x/o4—!%5 Bcginn 18. April\nSechs Vortrage\n6. Das Drama der dcutschcn Gcgenwart\nMittwoch 20. Juni\nVortragsreihe II\nLothar Schreyer: Das Buhnenkunstwerk\nJeden zweiten und vierten Mittwoch April\nbis Juni 5—6 / Beginn 18. April\n6. Das Spiel des Biihnenkunstwerkes\nMittwoch 20. Juni\n\nDie neuen Vortragsreihen beginnen\n1. September 1917\n\nSturm - Kunstab ende\nVerein Kir Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJ e d e n Mittwoch / Beginn aller Abendo*\n%8 Uhr\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den 5. September 1917\n\nVerein fur Kunsl\nLeitung Herwarth Walden\nVierzehntes Jahr 1, April 1917 bis 31.\nMarz 1918\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der\nZeitschrift Der Sturm / Freier Besuch aller\nSturmausstellungen / Besuch der Sturm-\nKunstabende zu halben Preisen / Jedes\nJahr frei eine Sturmgabe / 1917/18 nach\nWahl:\nHeemskerck: handgedruckter und unter-\nschriebener Holzschnitt auf Kaiserlich\nJapan-Papier oder zwei Kunstdrucke nach\nWahl ader das Sturmplakat von Kokoschka\n\nKunsibuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Strafie 138 a\nhat gute und seltene Biicher und Noten\nvorratig und nimmt Bestcllungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nHerwarth Walden: Einblick in Kunsi\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmalden der Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nNeu erschienen: Kiinstlerpostkarten der\nSammlung Walden / Erste Folge: 24\nKarten\nAlexander Archipenko (3) / Umberto Boccioni (1) /\nFranz Marc (1) / Chagall (2) / Kandinsky (l) /\nJacoba van Heemskerck (1) / Campendonk (1) /\nAlbert Gleizes (1) / Jean Metzinger (1) / Fernand\nLeger (1) / Vincenc Benes (1) / Otakar Kubin (1) /\nCarl Mense (1) / Georg Muche (1) Nell Walden\n(1) I Rudolf Bauer (l) / Fritz Stuckenberg (1) /\nGeorg Schrimpf (l) / Maria Uhden (1) / Araold\nTopp (1) I Negerplastik (1)\nJede Karte 20 Pfennig\nHermann Essig: Der Wetterfrosch / Er-\nzahlung\n2 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfiihrliche Verzeichnisse\ndes Verlags Der Sturm kosten-\n1 o s Verlag Der Sturm"}]}