{"numero_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_sha256": "031c3f3d910ce99c5c2b580377acc12917324686f4abd09c5e9dafe77ba6e811", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1917/08/15_01/bmtnabg_1917-08-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1917/08/15_01/bmtnabg_1917-08-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.1", "debut_caractere": 415, "fin_caractere_exclue": 690, "texte": "Inhalt:\nWilhelm Runge: Gedichte / Max Ernst: Vom Werden der Farbe / Paul Citroen: Marc Chagall / Kurt Striepe: Maya / Adolf\nKnoblauch: Ramas Klagen / Fritz Stuckenberg: Zeichnung / Gösta Adrian-Nilsson: Zeichnung / Gabriele Mfinter: Zwei Zeichnungen /\nRudolf Bauer: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.2.4", "titre_corps": "Vom Werden der Farbe", "titre_sommaire": "Vom Werden der Farbe", "signature_source": "Max Ernst", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.2", "debut_caractere": 2761, "fin_caractere_exclue": 3747, "texte": "Vom Werden der Farbe\nMax Ernst\nAls der gütig wollende Geist, der heute Chagall will, be-\nstimmte: werde Grün und Fruchtbarkeit, wachsend gehorchten\ndie frommen Pflanzen. Nahrung und Gift waren da, Unbewußt\nschuldloses Wunschleben und Abwehr, Farbe der Zellen-\nzuwachswunder.\nDie Haßfarbe von Pflanzengrün mußte gleichzeitig da sein.\nNicht Zeugung: Spiegelung des Polaren, Rot. Bewußtwerdung\ndes Pflanzenplaners, Geist. Der Geist, wo er sich selber fassen\nwollte, erkannte: seine vielen Leben sind wie Rot und Seele\nin der Pflanze Leib, in der sie schaffen oder sündigten können.\nSchöpfung ist: Eigenformwerdung, Sünde: Zurückbleiben hinter\nder gesollten Form.\nDas Mittelalter bestimmte: töte das Leben, damit der Geist\nfrei werde. Viele töteten sich ab wegen einer himmlischen\nFrau. Die Form sollte ~jenseits\" sein.\nGeistwerdungist Ueberwindung der Pflanze, Entschleuder-\nung der Eigenformen. Der Leib unseres Lebens kostet grünes\nfrommes Pflanzenblut, entzeugt rotem zeugendem Leibsaft"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7458, "texte": "Tätigkeit, Geistigkeit, Schöpfung. Rot ist Entfärbung, Ent-\nschleuderung aller Farbentätigkeit, Zeugen Bewegen.\nFarben der Bewegung: Gelb und das Zelt Blau waren, als\nder mechanisch-wollende Geist, der heute Delaunay will, die\ndoppelte Bewegung bestimmte. Weißes Licht strahlt Gelb,\nKosegüte und Gleißen, Wärme und Pfeil. Blau flieht zur to-\ntalen Raumtotheit, Schwarz oder Kaltmond, Totmond. Auf\nder Kugel schied das fluchtblaue Meer von der arbeitgelben\nWüste, Blau und Gelb sind erste Farbwerdung der polaren\nFarbtotalitäten Finsternis und Licht, die maßlose Kugel Firma-\nment und die endliche Kugel Erde erste Formwerdung der\npolaren Farben Blau und Gelb. Dann konnte die blaugelbe Ehe\ngeschehen: Grün, Pflanze, Vermehrung. Meer und Firmament\nblieben das Symbol zum Geist, Erde das Symbol zum Menschen,\nPflanzen erstes Gebet, Vermählung.\nGelbe Strahlengüte .glüht den Pflanzen ein Bluten zu\nBlühen, zur Farbe Quellsprung Entfesselung Tanz, Insekten und\nBuntvögeln in den Sinn. Die Farbe Bunt war toller als die\nengen Fesseln und der eingeteilte Blatt-Takt, überbot das\nBlühen zu Unbekümmertheiten um den Wechsel der Betonung\nund die Verordnungen der Zeichnungsstrenge, ganz frei sich-\nwollender Ueberhüpfung der Taktheiten: damit das Konzert\nder Ungebundenheit tanze.\nDen Geist band Gebundenheit an Pflanze, Leib, Eintags-\nfliege. Tötung des Lebens aber ist nicht Befreiung. Form-»\nwerdung, Ich-Behauptung des Willens ist Werden der Freiheit\nund Aufgabe: Es ist leichter, sich als Fichte zu behaupten, denn\nals Tiger oder Mensch.\nQuallenbrüste überstülpen sich aus Moskau. Zwiebeln\nbunten über weißer Stunde, östlichem Leben der russischer}\nStadt, Kling klirren Gläser, Schellen, Scherben: Kandinskys\nFarbentroika. Stränge streifen Striemen quer Peitschenrot.\nLyrisches greift aus, flügelt Fleckenflügel knall-husch, schwindet\nPrestorot, Blaßblau und Rosa stimmen zarter mit. Gelb gellx\ngrellen Klang. Alle Farben garben los, hassen sich, vermählen.\nSchwarzer Todfleck: Starren. Weißer Märchenrand: Baden.\nIn München sah er jährlich einen Wintermärchenschimmel, der\njetzt zweifellos tot ist. Denn auch seine andern deutschen\nFreunde sind gefallen: der freundlich-farbige Macke und der\nbengalische Marc,\nDies ist die Freiheit, die das Gesetzte uns ließ; schafft\nFarben nach eurem Willen und Gleichnis. Habt Farben wie\nFarbwollen und Farbwünsche,\nDes Weibes Wünsche waren bald erledigt. Des Weibes\nWünsche waren immer nackt-rosa aus weißen Wellen- und\nSpitzenschäumen. Mechanisch-lebendigste Kräuselspitzen ge-\nbaren schön-schäumend die frivol-Schaumgeborene der Grie-\nchen. Geöffneter Tanz, Cancan Tanguy Pan-Pan Tanguinette,\nschmeißt Fleischwünsche aus weißem Quirlen und tollem Gischt\nin Gieraugen. Manchmal blitzt flitz-schnell gemein-Rosa.\nAederchen zweigen kaum-bläuliches Gezweige, fingern flattere\nF euchtberührungswünsche.\nRosa: gepuderte Blutwünsche, Das Weib bekennt Farb-\nseele in Verbindung mit der Leibmaterie und dem Geschlecht:\ndas Weibchen liebt das Buntere, weil das Männchen bunter\nist. Das Weib erkannte seine Wunschgrenzen im Rokoko. Seine\nErfindung ist Puder, Schönheitspflästerchen und Duft. Rosa\nZärtlichkeiten läßt sichs gern gefallen. Denn von Natur sind\nFrauen blond.\nRosa pudert schamhaft gegen Rot. Brutal roter Pfahl zer-\nstößt einmal zum erstenmal das zarte Geweide zu verkrampf-\ntem Süßweinen. Dann wenn die Frauen Mutter sind, färbt\ndas Rosa sanftere Milch, schönere Scham, liebere Liebe, milche\nGabe, Die himmlische Mutter im -Mittelalter spritzte dem heili-\ngen Mönch ihr Milchgeschenk.\n/\nReinstes Gestaltungswerk wirkt der wirkliche Geist.\nEntfaltung, grande rosasse, Kathedralen entprachten die\ngroße Rose, entsprühen alle Stärkegluten, frohfarbgewiß\nwissend, daß sie innen behutsamen den fruchtbar-süßen Leib-\nkern. Jungfrau Marie durchsplittert die splitterbunte Liebe,\nhimmlisches Licht. Anbeteten in allen Liebfarben brave irische\nMönche, frechliebe Jungen, frommbunte westfälische Maler.\nNachmittaghafte Liebe sanft lilat Erbsenblüte in braunen Spitz-\nmündchentönen vor goldenem Leuchten. Mutter Marie läßt\nsich vom lammfrommen König Severin stillfarbe altgoldbestickte\nGeschenke gefallen. Oft muß sie auf Bildern sterben. Den ver-\nliebtesten vlämischen Maler wirrt das zum erstenmal ins Irren-\nhaus der Farben. Oft stirbt der Sohn bei Abendfarben, steht\nam Sonntag in Trompetenfarben wieder auf.\nMittelalterbrauner Mönche Braun, sticke Bußascheglut,\nzuchtgepeitschte Weltliebe, niedergegeißelter Lebenswille ent-\nlud gewitternd in des elektrischen Griechen heiligen Ekstasen.\nFeuer-Werk fährt Schlangenstraßen über Schlangen, Glieder\nund Orangesprachen, Kaltblau glimmen elektrische Flämmchen\nToledo.\nBraun ist, wo heißer Wille verbrannte: fruchtlosen Krieg\nhaßte die stiernackte Seele Goyas. Rote Fahne hitzte die Stiere\nGoyas. Krieg ödet grünes Land grau.\nGrau graut in alternden Straßen greiser. Boulevardlinden\nsuchen Grün und Pflanzlichkeit gegen Mauerkuben zu behaup-\nten. Grün wird violet und braun, bevor es ;Moder wird. Grau\nverstaubt Cafes. Schlecht gelüftet morgengrauen Herzkammern.\nUeber Zigarrenkisten lagert Kopfschmerz Nikotinluft. Maser-\nungen brauner Möbel krachen, Mandel. Hungerformen kargen.\nHarlekins erkälten sich an Blau und suchen sich an ihrer eigenen\nMagerkeit zu wärmen. Sanfte Dirnenaugen frieren, graue\nEselinnen. Finger gehren Beerenbrüste. Entladungen ermüden\nvorher.\nEin furchtbarer Farbblitz entfuhr dem Grabe Jesu Christi.\nGeist Grünewalds war auferstanden, wetterleuchtet Mittel-\nalter letzten großen Tod.\nReinem Farbgrundakkord fand aegyptische Furcht. Aegypter\ngellten Gelb aus schreiender Wüste, brannten Ziegelrot aus\nGlutdemut, holten Blaues vom Himmel. Erdgefärbter Grund-\nzusammenklang, erdverführte Harmoniematerie, Als Terz er-\nwachte Grün und wurde Lotos: der Akkord blieb klassisch.\nChagalls Akkordreihen wurden kosmisch, leben Geburt aus\nHoffnung und Weiß, Leben in Städten, Tier und Prisma, Tod in\nSterben, Mond und Schwarz. Prismatische Farben keimen über\nWeiß verborgenen Lebenswillen anderer, kommendes Fohlen\nim runden Bauch, werdenden Stern im Mutterleib, in Mann und\nWeib verschlossenen Trabant, Symposion. Aus Zitzen weißer\nGüte quillt geborene Hoffnung Rot organischer Kräfte {und\nPrisma technischer Siege. Elektrische Mondprismen türmen\nden gereckten Stahl an der Seine. Mann und Weib, Schwarz\nund Licht entspiegeln. Lebensprismen. Lebendigstes grellt auf:\nRot; blökt, frißt, säuft.\nRot trompetet die Mitte zwischen den Polen: ist, selbst-\nleuchtend, nicht vom Schwarz, nicht zum Weiß, ist glühe Ampel\nauf dem Berg. Grün ist blühe Fruchtbarkeit im Tal, altes Dorf\nund Haustier. Violet: bei Nachtschwarz die kalte Birne, die\nGlutmittag in gelbe Gewitterangst überschlägt. Orange glühen,\nKobalt schmelzen: Morgen und Abend Ein Tag, Chagall schuf\nden Farbenglutkreis, der die Schöpfungsgüte der Welt will.\nDie couleurs simultanees erfand der Gott des alten Bundes\nals Schutzmarke seines ewigen Bundes. Die Menschen konnten\nden Bogen nur sehen. Delaunay gebot seinen Farben: eritis\nsicut sol. Da wurden alle Kontraste gehorsam im Violet. Bogen-\nlampenklarheit zeugt: Farbe ist unterwürfiger Blitz: Wunder\nihrer Haßfarben. Licht schließt. Dunkelblutender Schoß ohne\nScham. Dunkel prahlt Sterne, Abstoßung ist plötzlich Liebe\nund Gegenzeugimg in Gleichzeitigkeit der Kontraste. Polares\ngrüßt mit rundem Hut: Seid banale Sonne, Tag und Tag,\nEiffelturm und Schienenstrang. Pole aus außerzeitigen Gründen.\nFarbe und Gegenfarben sind gegenseitig Gründe ihres Seins."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 393, "texte": "Das Sein der Farben ist einander, gleichzeitig, gegenzeitig. Zeit\nüberwindet sich durch Sein Einer Farbe als Grund aller Farben.\nRaum schrumpft. Sonne, Bogenmond und Sterne sind beteiligt.\nDie gelbe Kugel nicht ferner als Stern und Delaunay. Deshalb\nbaute der Ingenieur einen Turm zu Babel, Der funkt von Paris\nbis nach New-York, Ad Astra, Durch die astrale Landschaft\nfährt der stolze Biplan."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.2.5", "titre_corps": "Marc Chagall", "titre_sommaire": "Marc Chagall", "signature_source": "Paul Citroen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.4", "debut_caractere": 395, "fin_caractere_exclue": 5070, "texte": "Marc Chagall\nPaul Citroen\nI\nBei aufgezogenem Vorhang sieht man links oben einen\nGroßstadtprospekt. Daneben nach rechts Bäume, ein gewun-\ndener Waldweg, ein Wasser, Ausblick in einen Park. Rechts\nein Schulzimmer im Querschnitt. Am Fenster nach außen (also\nins Bild hinein) schwebt an einem Balken ein Erhängter. Auf\ndem Katheder in die Klasse blickend der Lehrer, vor sich ein\nMaschinengewehr, das er mit den Händen bedient. Die Bänke\nsind von Knaben und Mädchen gefüllt, einige liegen tot vorn-\nüber auf ihrer Bank, einige hintenüber. Die andern sitzen im\nStarrkrampf, alles ist bewegungslos. Vorn links bemühen sich\nzwei Jungen eine gelbe Scheibe, den Mond, auf einen Berg zu\nrollen. Hinter dem Gipfel steht die Sonne. In der Mitte des\nBildes geht ein Mädchen auf und ab. Ihr Leib ist aus Glas und\nan der Stelle des Herzens sitzt ein Papagei. Die linke Seite\nfüllt ein riesenhafter Kinematograph, der gekurbelt wird und\nalles aufnimmt. Zwischen dem Stadtprospekt und der Sonne\nsteht eine 14 in arabischen Ziffern und darunter einen Halbkreis\nbeschreibend in lateinischen Lettern: Jahre.\nWenn die Spannung nachläßt, tritt der Direktor an die\nRampe und gibt an das Publikum eine Erklärung ab.\nII\nDie Jugend. Chagall geht durch die Straße und die Straße\ndreht sich. Die Fenster kommen von oben herunter, die Häuser\nverkehren sich, die Bäume fliegen in die Luft, die Steine tan-\nzen und sinken dann in den Boden. Ein Hund, Balkongitter,\nCafes stehen an ihrem Fleck, als der Hund anfängt zu laufen.\nAn der Häuserfront empor bis in die erste Etage. Dort ver-\nschwindet er, ein Fenster steht offen. Kleine Vögel fliegen\ndurch die Wohnungen und die Menschen liegen meist wie tot\nauf der Erde, oder sie laufen, kommen aber nicht von der Stelle.\nDarüber wundert sich niemand, sagt Chagall. Zwei Mädchen-\nzöpfe gehen im Zickzack, zwei Beine trippeln, Chagall verliebt\nsich im Augenblick; ein Donnerschlag fällt hinein. Es wird\nganz schwarz. Noch schwärzer, daß man garnichts mehr sagen,\ndenken oder glauben kann. Da steckt Chagall ein Rot an, das\nsich röter ausbreitet. Wird immer größer, frißt das Schwarz.\nBis nur ein Fleck rechts oben bleibt. Chagall lacht herzlich\nüber den kleinen schwarzen Fleck. Ein Baum wächst auf und\nblüht, so daß er in einer Nacht ganz grün hängt. Wiesen wer-\nden herangerollt und so ist es ein freier Platz. Der Lehrer,\nlacht das Mädchen. Das läutet eine Glocke oder es sind Kühe,\ndie weiden. Chagall sieht alles und malt es. Alles sind Heiligen-\nbilder, obgleich ganz profane Sachen vor sich gehen.\nIII\nKunst. Wie lächerlich. Das ist ein Gegenstand. Ein\nganz festes Ding, das ich in die Hand nehme. Ich halte es fest,\nWas Streiten. Was Menschen, Wissen, Streiten, Kunst. Da.\nHier. Ich schmeiße sie zwischen sie, daß es kracht. Ueber die\nKunst. Bier, ich gebe sie Dir, da hast Du sie, schreibe darüber,\nwenn Du willst. (Aber mich laß.) Dummköpfe, Dummköpfe.\nMalen, malen, malen. Da, da, da. Rot, rot und blauer Kopf,\ngrüne Mütze, schief, Kopf fliegt ab — da Rumpf biegt, beugt,\nblau natürlich, blau natürlich, Hand in Bogen, rosa Tisch, ab.\nBein, Huhn, Hühnchen, Samowar, Samowar, kocht, rot, leckt,\ndampft, verhüllt, in Rauch, rosa, rot in blau, violett, grün. Sieh,\nsieh, sieh, da. — Aber Kunst. Habe ich sie nicht, halte ich sie\nnicht. Ist sie kein Gegenstand. Ja, ja ein Gegenstand. Ich\nkoche, ich halte Kunst. Wie der Soldat. Wie den Soldaten\nam Samowar.\nIV\nKönig Chagall will die Stadt bauen. Ich baue die Stadt —-\nStill! Kein Laut! Ich baue die Stadt. — Stille! Knecht: Drei-\ntausend Mann sollen unter Gewehr treten. Wer noch ein Wort\nspricht, wird erschossen. Wer den Mund auftut, kommt in die\nGefängnisse. — So muß man ihnen kommen, mit Maschinen.\nNur so.\nIch baue die Stadt. Die Baumeister vor. Die Pläne her. —\nKnecht: Alle Baumeister sind abgesetzt. Sie werden von heute\nzur Straßenreinigung herangezogen. Zwanzig Mann tragen die\nPläne in meinen Ofen. Ich baue die Stadt. Die Künstler vor.\nEure Gedanken! — Knecht: Diese verlassen sofort das Land.\nIch baue die Stadt. Wer spricht? Ich spreche. Gut so.\nEin Haus. Nein, zu wenig. Eine ganze Straße. Nein, zu wenig.\nEine Stadt aus Straßen von Häusern. Knecht: Dreitausend\nPflanzer sollen alle Bäume in den Straßen und Anlagen aushe-\nben. Dreitausend Eisenbahnwagen sollen die Bäume weit vor\ndie Stadt bringen. Man soll sie ringsherum eingraben. Keine\nPflanzen in der Stadt. Steine. Es soll ihnen vergehen, in der\nStadt zu wohnen.\nSteine und Räume. Räume aus Stein. Nur Stein. Nur\nRaum. Nur Stein. So jetzt wissen sie. Nur Raum.\nKnecht: Die dreitausend Mann sollen wieder abtreten.\nSage ihnen, ich bin vom Thron gestiegen. Ich gehe und kaufe-\nein Stück Land weit vor der Stadt, um es zu bearbeiten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "72", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.2.6", "titre_corps": "Maya", "titre_sommaire": "Maya", "signature_source": "Kurt Striepe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.4", "debut_caractere": 5072, "fin_caractere_exclue": 6640, "texte": "Maya\nKurt Striepe\n\nMaya —ja Ihr Herz will ich sehen! O — Ihr Herz muß\nwundersam sein. Eine große Blüte. Blaß, grün. Ihr Herz ist\neine keusche Tulpe. Auf Mauern erblüht. Kein Mensch darf\nsie berühren. Sonne spielt lockende Spiele mit Ihrer Pracht,\nIch will meine Hände abschlagen lassen und die Füße —\ndaß ich nicht weiterkann zu den Wundern Ihres Herzens. Und\nes tasten. Nur schauen. Andächtig schweigsam. Trinken.\nSchlürfen. Rausch schlürfen mit vollen Zügen und dann ver-\nbleichen. Daß noch etwas Blühen über meinen Tod kommt.\nO Maya — Ihr Herz! Ob ich es noch einmal sehe? Ob\nich Sie noch einmal sehe?\nMein Herz sprang aus mir. Polterte Straßen entlang.\nSchreien der Menschen. Fluchen. Stoßen. Haschen. Sprin-\ngen über Gitter. Durch Häuser. Wälder. Vögel. Singen. —\nDann kam es ans Meer. Bohrte sich tief in das grüne Meer.\nFlutete tiefer. Immer tiefer. Weiter. Tiefer. Liegt an der\ntiefsten Stelle des Meeres. Pochen — Wogen — Wallen. Seit-\ndem rauscht das Meer. Ich gehe ohne Herz durch die Welt.\nIch bin ohne Herz. Ich lebe nicht mehr. Ich will das von mir\nabstreifen. — Dies Leben und Menschsein.\nIch will O, ich will kein Knecht sein! Ich will nicht\nmehr leben. Ich will das mit starkem, trotzigem Lachen ver-\nachten lernen.\nIch habe keine Angst vorm Tod! Aber Ihr — Ihr Men-\nschen. Und darum lebt Ihr!\nDer Tod ist ein Knecht. Ein ganz gewöhnlicher Knecht.\nIch bin sein Herr. Er steht bei mir in ärgerer Frohn — als Ihr\nuntereinander. Ich bin Herrscher —!\nMaya — meine Hände sind so matt geworden. Und meine\nAugen so müde. Mein Gesicht hat keinen Spiegel mehr."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5437, "texte": "Meine Sehnsucht ist ein sehr keuscher Traum. Meine\nSeele ist blühende — — Oh wenn Sie den Haß wüßten und\nmeine Bitten! Meine Bitten quälen mich. Oh, daß mir ein\nHaß würde! Ein unheilbarer vernichtender Haß!\nIhrer rechten Hand schenke ich träumend einen großen\nTürkis. An dem Tage, da auch meine Seele von mir geht, wird\nsein Leuchten verblassen.\nHeute liebe ich meine Hände sehr. Meine Hände sind\ntotkrank.\nMeine sechs japanischen Helden beugen ihren Nacken tief\nvor Ihrer Güte, Heiße Lieder spielen ihre Flöten und der\nSpeere Klirren ist ihr Liebesschrei.\nBald Ihr blühendes Herz meinen Tod beschattet, bohren\nsie mir sechs blinkende Schwerter in den Leib.\nIm Gurgeln meines Blutes will ich Feste feiern.\nMaya !\n* *\n*\nMaya!\nIch liege schwer. Alle Hände erstickt der Nebel. Weißer\nHände weißer Nebel. Die Müdigkeit lauscht. Ich lausche.\nDas Glück?\nMüdigkeit lauert —\nZweifel drückt meine matten Schläfen. Hoffen erstickt\nQual. Ihr Brief —oh die Sehnsucht Ihrer Hände! Stolz stirbt.\n„Ich war krank\" — schreiben Sie Ihrer Mutter. Mir schreiben\nimmer kranke Frauen. Sie schreiben aus der Müdigkeit Ihrer\nLiebe. Das ist köstlich. Meine Sinne können das Spiel Ihrer\nWorte nicht fassen.\nDas ist Grauen.\nIch liege schwer. Alle Sehnsucht erstickt der Nebel, Süße\nSehnsucht! süßer Nebel!\nDas Lauschen habe ich verlernt.\nDer Tod lauscht.\nDu — köstlicher Tod!\nSie seltener Traum!\nTraum träumen.\nSehnsucht sehnen. Sei Sehnsucht — ist mein Glück. Eines\nist größer.\nDer Tod.\nDu — großer Tod!\nFlieger will ich werden! Auf den weißen weiten Falten\nseines Gewandes mich in Lust gaukeln. Jubeln — Singen —\nMorden.\nOh — Du singender jubelnder Tod!\nDu mordendes Glück\nMaya!\nIch habe Angst. Jemand hockt mir im Genick. Läßt nicht\nlos krallt sich fest. Ich die Lächerlichkeit. Eben wars\nwas anderes, das ich fürchtete. Aber nun — nun ists bestimmt\ndie Lächerlichkeit,\nNicht der Tod.\nNicht die Liebe.\nNicht das Leben.\nMeine Liebe ist stark. Ich liebe zu viel. Die Wrelt ist zu\nklein für mich. Das Leben zu kalt.\nDen Tod liebe ich.\nIhre Hände.\nUnd eine süße schwarze Frau.\nDie Nacht küßt Sterne in mich.\nBrauthände weinen über meinen Augen. Mir gaukeln\nWimpel fremder Schiffe in ihrem Haar. Sonne lispelt Liebe\nüber meine müden Hände, Blut zieht schwer. In meinem\nSchädel tobt die wilde Schlacht. — Ich friere. — Mein Mund\nist weiß geworden.\nMatte Augen spielen zwei Tränen in die Welt.\nWeiß und Schwarz.\nDie Lust und das Vergessen.\nFranzösische Stimmen singen über meinem Tod.\nLippen zagen\nLiebe Maya! Nicht grübeln. Die Hände still halten. Augen\ntanzen. Tanzen sanft um meine Seele. Seele welkt.\nNun das Größte geschah — bin ich wieder Kind geworden.\nIch sah Sie!\nIch kam. Der Bahnhof weht mich. Plötzlich stehen Sie\nda. Füße verlieren ihr Bewußtsein. Augen ertrinken wilde\nMeere. Hände zerstäuben müde Schiffe.\nSie stehen so da. So. Als ob nichts sei. Garnichts.\nAls ob jemand käme. Irgend jemand.\n0 Maya — wenn Sie wüßten, wie das war. Ich bin ver-\nschwiegenen Sinnes.\nMünde saugen ihre Hand. 0, daß ich tausend Münde hätte!\nUnd dürfte jeden sattdürsten! Mein Gesicht fremdet. Aus\ndem Glanz Ihrer Hände atme ich süßen Duft. Rauschen kommt\naus Ihren Nerven. Meine Betäubung — o Maya sehen Sie das\nBlut, das meinen Weg nachgeht. Sehen Sie,\nIch sehe eine goldene Halle. Grelles Licht leuchtet laut.\nIn einer Nische auf prunkendgold Sessel Muttergottes. Hell-\nseidenblau Kleid. Krone drückt nicht. Krone kost. Treppen\nsind Lapislazuli zu ihrem Thron.\nMenschen kommen.\nMenschen schauen.\nMenschen beten.\nBeten leise süße Lieder.\nSagen keine Worte.\nMenschen gehen. Gehen viel Menschen. Staunen viel\nAugen. Schlürfen viel Munde.\nSieht kein Auge Ich bin.\nBin starres Weib. Sehr purpurn ist mein Gewand. Pur-\npurn von Kathedralen in spätem Abend. Ganz dunkelblau\nströmt mein Haar.\nBin Schrei. Hinzittern an Wänden. Kommt zu Gottmut-\nter. Beten.\n* Bin Gebärde wilder Arme. In Räume gehetzt.\nKniee schleifen Boden vor Ihren Thron.\nTränen tränken Stufen vor Ihren Thron.\nAtem weht Bitten um Lustweiß Ihrer Füße.\nHände schimmern Gold aus Wänden. Flechten Kron-\nkränze. Kränzen Lichtkronen. Krone drückt nicht. Kost Liebe\num Kleingottes Stirn.\nGesicht schmiegt unter Ihre Füße. Arme schlaffen. Lider\nlanzen Nacht. Traumschlaf wacht Wehen.\nGehen.\nFüße schmeicheln zart Gesicht. Muttern meine Augen.\nHände beben seltsam Leben. Nerven zagen Strahlen. Schmei-\ncheln sanft die Fährte Ihrer Füße. Tasten täubenden Gang.\nSie gehen neben mir. Maya — ich lüge. Ich darf neben\nIhnen gehen. Wage nicht aufzublicken, Augen schlummern\ntiefen Schrein.\nIch darf neben Ihnen sitzen.\nMund ist stumm geworden. Menschen liegen vor Ihnen,\nMenschen möchten Ihr Seidenkleid knistern glühen,\nSchweigen säugt mich.\nIch bin ganz kleines Kind.\nStimme tönt.\nIhre Stimme.\nIch erblasse. Ich tue ganz leise. Es wohnt ein blasser\nKummer in meinem Kinderherzen.\nIhre Stimme tönt. Ihre Stimme ist Abendwehen über dem\nMeere. Schläft Tags. Liebt sehr leise Nachts. Will nicht\nAntwort haben. Kennt meine Stimme nicht. Ihre Stimme\nspielt mit den Dingen, die geschehen sind, den Tieren und mit\nIhrer Einsamkeit.\nMaya wir sind sonderbare Menschen. Wir gehen unserem\nLeben zur Seite Schritt für Schritt. Lullen uns ein in seine\nhallenden Klagen. Unter scharfen Messern zerfallen unsere\nHerzen. Unsere Geburt wissen wir, nur sehr unbewußt unseren\nTod. Aber es gibt mehr zwischen Sein und Nichtsein: Lieben.\nMeine Worte fallen an Ihren vorbei. Irrer Traum\ntölpelt durch Straßen. Ich bin sehr dumm geworden. Ich bin"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2023, "texte": "sehr müde geworden. Und doch bin ich noch nicht müde genug.\nUm meine Stirneist manchmal noch ein Glühen. Glühen von\neinem leichten Schein. Um meinen Mund ist manchmal noch ein\nsehr bewußtes Zucken.\n/\nEin sehr bewußtes Zucken nach Ihrem Namen — Maya.\nDies aber war:\nIch lag eine Nacht vor Ihrer Tür.\nIch küßte den Teppich, den Ihre Füße liebten.\nIn dem Leinen, daß Sie segneten, erstickte ich einen wirren\nRausch.\nAls am Morgen Ihre Hände kamen — starb I c h in mir.\nFiebernde Lippen beben: Verzeihung.\nMaya!\n* *\n*\nMaya!\nDie Erkenntnis ist über mich gekommen. Ich stehe so da.\nNehme mich bei der Hand und gehe mit mir — weit — weit —\nLäuten Glocken. Glocken von Kirchen. Mein Blut rauscht\nund sickert leise durch,\nIch habe mich wiedergefunden* wie ich vor Jahren war.\nDie Luft nur ist mir so unklar geworden. Die Lust ist kalt.\nSicher sehr tot.\nAlles drängt zur Erkenntnis der Erkenntnis.\nDas ist so, daß keiner das Sterben weiß.\nAlle aber kennen das Leben.\nWenn wir das Sterben wüßten, — wir hätten wieder Lust,\nLust dazu —\nUnd ich habe die Erkenntnis.\n0 — Maya, ich lüge. Ich ertappe mich jetzt oft beim Lügen.\nIch will mich täuschen. Ich will mich hinwegtäuschen. Die\nWirklichkeit ist eine Rohheit — und doch.\nIch liebe. Jemanden. Ich liebe ihn rasend. Den Namen\ndarf ich nicht sagen, Vielleicht kenne ich ihn garnicht. Ich er-\nstaune und schreibe diese Verse.\nVon Deinem Munde küsse ich rote Rosen.\nIm Beben Deiner Lippen zittert meine Hand.\nIch bin Hinwelken zwischen den Geschehen,\ndie Abend sind, der Tod und Deine Liebe.\nUnd bin ganz tiefe Nacht.\nDeine Sonne strahlt meine wehen Augen.\nO Du!\nMeine Wunder sind müde —\nGanz weiß kniest Du in mich.\nMeine Verzückung lebt weiter. Ob ich mich würge? Ob\nich sterbe über diese Liebe? Die Sehnsucht ist ein sehr großer\nEngel, der schwarze Flügel über mich schattet.\nWenn ich nur die Gewißheit hätte — dann könnte ich ent-\nsagen. Ich bin noch nicht reif zu meiner Qual. Qual bringt\nRuhe. 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Bäume\nstehen auf ihren schimmernden Teppichen.\nAllseits biegen sich Wipfel unter der Blütenlast\nund sind gänzlich versteckt durch Lianen, die an den Spitzen\nblühen.\nEs ist der duftende Frühlingsmond, wo auf Bäumen Blumen und\nFrüchte entstehen.\nSchau, sie sind schön: erblühte Haine, welche vor Blumen\nregnen, wie Wolken ihre Güsse.,\nIn zauberischen Tälern bestreuen die unzählbaren Bäume des\nGehölzes\nerschüttert vom ungestümen Wind, den Boden mit Blumen.\nMit herabgefallenen Blumen, solchen die fallen oder an den\nZweigen bleiben, spielt der linde Wind allseits.\nDer Windgott erregt die vielfältig blumenbedeckten Zweige\nund treibt es an den Orten lustig, begleitet von Bienengesumme.\nAls wolle er beim Lied der verliebten Kuckucke die Bäume\nzum Tanze treten lassen,\ngeht der Gott aus des Berges Höhlen hervor, voll Wohllaut\njeder Art.\nIn seinem Wehen, das die Bäume allseits heftig bewegt\nVereinigen sich die Bäume auf den äußersten Astspitzen, als\nseien sie aneinander gebunden.\nDer linde Wind im milden und streichelnden Wehen\nverbreitet den süßen frischen Sandelduft, der alle Ermüdung\nscheucht.\nVom Windgott bewegt, vermählen die Bäume ihre Stimmen\nmit dem Bienengesumme im Hain voll süßer Gerüche.\nInmitten entzückender Berghochebenen funkeln die Felsen,\nderen Gipfel sich nähern.\nSchön von den Zauberblumen ihrer Hochwälder.\nMft blumenbedeckten Wipfeln im Wehen des linden Windes,\nder sie bewegt\nmit Kronen von Bienen nach Honig, wollen die Bäume sich zu\nLiedern bereiten.\nSich allseits der goldenen Kornikoras Blütepracht, dieser in\nSeide gekleideten Männer.\nDer Frühling, Saumitri, entfacht mit Vögelliedern jeder Art\nvon frischem das Leid, das mir Sitas Entfernung verursacht.\nIm Schmerz, der mich bewältigt, martert auch Liebe.\nDas heitere Stammeln des Kuckucks reizt, der fröhliche\nDatyuhaka,\nder mitten im Wasserfall des Forstes singt, mehrt meinen\nLiebesschmerz.\nEinst, als sie ihre Stimmen im Busen der Einsiedelei vernahm,\nnannte mir die Vielgeliebte, von Glück und Zärtlichkeit be-\nrauscht,\ndie vielfach Gefiederten, die allermannigfaltigste Schreie aus-\nstoßen. •\nSiehe sie von allen Richtungen sich flüchten in Bäume, Büsche,\nLianen!\nDie Vögelweibchen mit den Männchen gepaart, versammeln sich\nalle zufolge ihrer Art und freuen sich.\nErregt zur Lust vom Bhringaraja, zwitschern alle tönend.\nIn den Bäumen des Hains sind die Geflügelten versammelt,\nfreude-erregt von des Datyuhaka Jubelrufen, der den Anrufen\ndes Kuckuck-Männchens antwortet.\nDas Brausen der Bäume zündet Liebe in mir:\nDes Blumenbüschel sind seine Kohlen, das Bienen-\nsummen ist sein Prasseln,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6199, "texte": "die Knospen sind seine goldenen Flammen, so verzehrt mich\ndas Feuer des Frühlings.\nVon der Frau mit feinen Augwimpern, schönem Haupthaar,\nsüßer Sprache,\nvon ihrem Anblick fern mag ich nicht leben. Die Zeit, welche\ndie Haine erfreut,\nist für sie die Zeit zur Liebe. Die Kuckucke schüren sie allseits,\nmeine lebendige Zärtlichkeit für die Süße, die sie zündet,\ndas Entzücken des Frühlings, das sie entfacht.\nDas Schmerzensfeuer verzehrt mich rasch und währet nicht lang.\nDas Fernsein meiner Gemahlin, Anblick der schönen Bäume,\nmehren meine Liebe. Daß ich Vaidehi nicht schaue, macht meine\nQualen wachsen,\nda des Frühlings Anblick mich mit Liebes-Schweiß befleckt.\nDie Gazellenäugige, der Gedanke an sie, der Kummer beherr-\nschen mich.\nEs martert mich der grausam gelinde Wind des Haines in\nseinem Frühlingsmond.\nHie und da tanzen Pfaue, entfalten im Wehen des Gelinden\ndie schimmernden Flügel, bedeckt mit Augen gleich Kristallen.\nIhre Weibchen umringen sie und berauschen sie vor Wollust.\nSie mehren auch die Liebe, von der ich erfüllt bin.\nSchau Lakshmana den Pfauen tanzen! Bei ihm tanzt das Weib-\nchen auf der Berghochebene,\nDer Gatte verfolgt sie, das Herz außer sich vor Freude.\nEr breitet die strahlenden Flügel aus. Seine Schreie beleidigen\nmich.\nNie ist dem Pfauen im Wald die Geliebte von einem Rakshasa\ngeraubt.\nSo tanzet er zwischen den köstlichen Büschen mit der Süßen.\nUnerträglich ist das Weilen im Blütemond fern von Sita.\nLiebe erscheint selbst in denen, die aus der Gebärmutter von\nTieren hervorgingen.\nNun heftet sich das Pfauenweibchen leidenschaftlich an die\nSchritte des Gatten.\nSo wird Janakas Tochter, die Großäugige, an meine Schritte\nsich heften\nin neu erstehender Verwirrung der Liebe. Aber sie wurde\nweggenommen.\nDie Blumen sind ohne Früchte für mich, obgleich sie mit ihrem\nGewicht\ndie Bäume der Wälder beugen am Ende der kalten Jahreszeit,\nDie Blumen, die doch entzückend im Uebermaß sind,\nfallen unfruchtbar mit ihren Bienenschwärmen zur Erde,\nZu dieser Zeit werfen die Vögel in fröhlichen Geschwadern\nSchreie der Liebe hin.\nSie rufen einander und reizen in mir wollüstige Glut,\nWenn der Frühling die Geliebte, die in die Macht eines Andren\nkam,\nerregt, da wo sie jetzt weilt, so muß sie meine Flamme teilen.\nDoch wenn auch gar nicht der Frühling das Land, wo sie weilt,\nerreicht,\nwie wird die Frau mit Augen vom schwarzen Lotos ohne mich\nleben.\nAber weit eher findet sich Frühling auch da, wo meine Süße\nweilt,\nWas wird die Frau von Leibesschöne tun beim Schimpf der\nFremden.\nMeine junge vielgeliebte Gemahlin mit Augen von Lotosblättern\nund süßer Sprache\nwird bei Ankunft des Frühlings ihr Leben lassen.\nIch habe im Herzen die feste Ueberzeugung: die zarte Sita\nwird nach der Trennung von mir nicht zu überleben wissen.\nVaidehis Liebe hat mein Sein an sich gerissen und meine Liebe\nvöllig in Besitz genommen.\nDer Wind mit süßen Liebkosungen trägt Blütengeruch herbei\nund ist voll Frische,\naber er ist Feuer für mich, der an die Süße denkt.\nDer Windgott, den ich stets als den Willkommnen litt einst als\nich bei Sita war,\nist fern von ihr Ursache meiner Trostlosigkeit.\nGedenkend der Fernen höre ich den Raben, der die Lüfte durch-\neilt und Schreie aussendet,\nvon seinem Baumsitz fröhliches Liebeswerben stammeln.\nDieser Gefiederte soll mein Führer sein und mich in Vaidehis\nGedanken, der Großäugigen, führen.\nLausche im Wald dem Liebberauschenden Allied der Zweimal-\ngeborenen,\ndie auf Bäumen mit erblühten Wipfeln zwitschern.\nDie Biene fliegt plötzlich zum jungen Schößling des Tilaka-\nbaums, den der Wind bewegt,\nals eile er zur Liebenden in den wollüstigen Schauern.\nDer der die Marter der Liebenden im Uebermaß mehrt,,\nrichtet sich hoch mit den Blütenschirmen, die der Wind bewegt,\nals wolle er mich reizen.\nSchau die aufgeblühten Miangobäume, als wären es Leute, von\nLiebe irregeleitet und geschminkt.\nSaumitri, Manntiger, schau dich um in den herrlichen Baum-\nreihen, welche die Ufer der Pampa säumen.\nBeachte die Malinas mit süßem Geruch, die auf dem Wasser\nallseits schimmern, wie die Sonne beim Aufgang.\nDie Pampa mit besänftigten Wogen, bedeckt mit Lotos und\nblauen Rosen,\nvoll von Schwänen, Karandavas, ganz duftend, mit dem Stick-\nwerk von Lotos,\nhell wie die Morgenröte, von den Bienen auf ihre Wässer\ngestreut, die glänzende Pampa.\nWunderbare Lichtungen im Hain, entzückende, voll Elefanten-\nund Antilopenherden, die sich gern in ihr baden.\nSeerosen schwanken am Busen der reinen Wogen. Die vom\nungestümen Wind erregten Wellen funkeln schön.\nFern von Vaidehi mit Augen von großen Lotosblättern, hat\ndas Leben für mich keine Anziehung.\nSieh zur Rechten der Pampa auf dem Bergrücken\nden blühenden Stamm des Karinkarabaumes: Sein Strahlen ist\nwunderbar!\nDer König der Berge, außerordentlich reich an Metallen,\nläßt einen glänzenden Staub ausströmen, den ein heftiger\nWind erhebt.\nAber die Berghochebenen wollen die bezaubernden\nganz Blüten und der Blätter beraubt, überall umarmen.\nDie Bäume am Ufer der Pampa gepflanzt, die sie bewässert,\nduften lieblichen Geruch, in einander geschlungen von Lianen\nmit aufgeblühten Samenkronen,\nSieh die schönen Bäume am Pampa-Ufer zahlreich sich drängen\nmit windbewegtem Astwerk.\nDie Lianen verfolgen einander, sind schöne trunkene Frauen,\nDer gelinde Wind geht von Baum zu Baum, von Fels zu Fels,\nvon Hain zu Hain,\nals wehe er im Gebot zahlreicher Trankopfer.\nZwischen den Bäumen sind die Einen vollkommen erblüht und\nentbinden süße Gerüche.\nAndere von Knospen bedeckt haben ein düstres Ansehen.\nWelche Süßigkeit, wie lieblich, welch Blühen!\nDie liebespurpurne Biene ruht in der Mitte der Blumen.\nNachdem sie einen Augenblick anhielt, nimmt sie von neuem\nden Flug\nund setzt sich schnell an eine andere Stelle, gierig nach Honig\nunter den Bäumen der Pampaufer.\nDer glückliche Erdboden ist mit Haufen von herabgefallenen\nBlüten als mit Bettendecken bestreut.\nAuf des Berges Weichen entrollen Teppiche aus Blumen von\nstrahlendem Gelb und Rot.\nSieh Saumitri bei Wintersende die Bäume im Blumenmond um\ndie Wette blühen.\nSie reizen einander, wo das Insekt mit sechs Füßen summt.\nDie blumengekrönten Zweige werfen lebendige Strahlen hervor.\nDer Karandava, der in die reine Woge taucht und seine Lust\nmit der Geliebten treibt,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6011, "texte": "zündet die Liebe. Wenn ich meine Süße wiederfinde, mögen\nwir hier unser Bleiben einrichten\nund ich werde nicht beneiden weder Indras Wohnung noch die\nKönigstadt Ayodhya.\nAuf dem reizenden Rasen nähme ich meine Lust mit ihr,\nGedanken und Wünsche würden mir nirgends anders hingehen.\nBetrachte die frischen Wellen, die Lotos, mit denen sie erfüllt\nsind,\ndie Cakravakas, die sie besuchen, die Karandavas, die sie be-\nwohnen.\nMit Plavas, Meervögeln, die in ihr sich mehren,\nden großen Wildtieren, die an ihr leben, und dem Vogel-\ngezwitscherist die Pampa wundersam schön!\nZahlreiche Vögel mit ihrer frohen Lust entflammen meine Liebe\num Gedanken der jungen Frau von mondglänzendem Angesicht,\nmeiner lotosäugigen Geliebten. Sieh die Gazellen auf den ent-\nzückenden Hügeln zu Paaren vereint!\nIch bin getrennt von Vaidehi mit den Augen des Gazellen-\nkälbchens.\nSie verwirren meine Gedanken, wie sie hierher, dahin tänzeln.\nSähe ich auf dem reizenden Hügel, erfüllt von Flügen liebes-\ntrunkener Vögelgeschwader,\nmeine Süße, würde ich glücklich sein. Ich würde gewißlich\nwieder aufleben,\nwenn Vaidehi zierlichen Wuchses den glückseligen linden\nWind der Pampa mit mir atmete,\nden glücklichen Wind der Pampahaine, der den Lotosduft\nherzuträgt\nund den Kummer zerstreut, glücklich die, welche ihn atmen.\nDie junge Frau mit Augen von Lotosblättern, Janakas liebe\nTochter,\nwie mag sie fern von mir das Dasein der Sklavin ertragen?\nWas werde ich dem tugendhaften König, dem gerechten\nJanaka sagen,\nwenn er in Gegenwart seiner Leute mich fragen wird, ob für\nSita Alles gut gehe?\nDie in den traurigen Wald mir folgte, wohin mich der Vater\nbannte,\nwo ist die Sita, die ihren Pflichten treu blieb, meine Wohl-\ngeliebte?\nGetrennt von ihr zu meinem Unglück, wie soll ich das ertragen.\nDie an meine Schritte sich heftete, als ich vom Reich verbannt,\naußer mir selbst war?\nDas anmutige Gesicht mit schönen Lotosaugen, duftend, schim-\nmernd, unveränderlich,\nseit ich es nicht mehr schaue, verliert sich mein Verstand.\nVaidehis unvergleichliche Stimme, die liebliches Lächeln ge-\nleitete,\nvoll Reiz, Süße, Empfindung: wann darf ich sie von neuem\nhören?\nObwohl sie nur Unglück im Walde fand, ergötzte mich die junge\nFrau liebend, zärtlich,\nmich den Liebe verzehrte, als hätte sie aufgehört unglücklich\nzu sein und wäre von Freude erfüllt.\nWas soll ich in Ayodhya antworten, der Königin Mutter\nKausalya,\nwenn die Verehrungswürdige mich fragen wird:\n„Wo ist meine Schwiegertochter, was geschah ihr?\"\nGeh Lakshmana und suche Bharata den zärtlichen Bruder auf.\nUm meinetwegen, der nicht leben mag ohne Janakas Tochter.\nSo klagte der großherzige Rama, als sei er jeder Stütze beraubt.\nSein Bruder Lakshmana antwortete ihm einsichtig, denkwürdig:\n„Ermanne dich Rama, Sei glücklich, sei nicht trostlos, Bester\nder Männer.\nDie in deiner Lage nichts sich vorzuwerfen haben, dürfen nicht\nschwach sein.\nIn Erinnerung an den durch ihre Entfernung verursachten\nSchmerz\nbanne die übermäßige Neigung zu dem Wesen, das dir teuer ist.\nIn Berührung mit dichter Glut fängt selbst der feuchte Docht\nFeuer.\nOb Ravana in der Hölle oder noch tiefer Zuflucht nimmt,\nKeinesfalls soll er sein Verbrechen überleben, lieber\nZuerst laß uns den bösen Rakshas finden; er gebe Sita frei\noder er soll verderben.\nWenn Ravana in Ditis Busen mit Sita hinabstiege\nwürde ich ihn dort töten, gibt er Maithili nicht frei.\nKehr zum gewohnten Stand zurück, edler Gefährte. Verzichte\nauf klägliche Gedanken.\nEs wird gewiß denen nichts gelingen, die ihr Unternehmen im\nStich lassen, eh sie eine Anstrengung wagen.\nDie Kraft ist mächtig, Großherr! Es gibt keine Gewalt, die\nihr überlegen ist.\nMit der Kraft ist in den Welten nichts unmöglich.\nDie kraftvollen Menschen erliegen nicht der Aufgabe.\nMit Hilfe unserer einzigen Kraft werden wir Janaki wieder\nerlangen.\nLaß dich von Liebe nicht beherrschen und wirf den Kummer\nhinter dich.\nWirst du deine Seelengröße und Charakterfestigkeit vergessen\nkönnen?\nAlso von Lakshmana gespornt, bannte Rama, der vom Schmerz\nsich hatte beugen lassen,\nGram und Verwirrung, um Tapferkeit wiederzufassen.\nRuhig, tapfer, überlegen dem, was eingebildet war,\nüberschritt Rama die Pampa voll Zauber und Entzücken mit\nihren Bäumen und wogenden Zweigen.\nAls er den ganzen Wald, Wasserfälle und Schluchten durch-\nforschte,\nhielt plötzlich der großherzige Rama inne auf dem Streifzug\nmit Lakshmana\nvon Bestürzung getroffen, überwältigt von Kummer.\nMit dem fröhlichen Gang des vom Liebessaft trunkenen\nElefanten,\nstärkte der unerschrockene großherzige Lakshmana in seiner\nlebendigen Art\nwegbereitend Raghava mit seiner Treue und Tapferkeit.\nDas ist im verehrungswürdigen Ramayana dem Ersten der\nGedichte, dem Werke Valmikis des Sehers der erste Abschnitt\ndes Buches von Kishkinda.\nRama zieht sich mit seinem Bruder auf den Prasravana zurück\nDer Berg hallte vom Schrei der Tiger und Gazellen, bevölkert\nvon Löwen mit furchtbarem Brüllen.\nSträucher und Lianen versperrten ihn. Er war mit zahlreichen\nBäumen bepflanzt.\nBären, Affen, Luchse wohnten auf ihm. Er glich einem Wolken-\nballen, derI\"immer in Licht und Schönheit strahlte.\nAuf dem Gipfel war eine große geräumige Höhle, die Rama,\nvon Saumitri begleitet, zum Bleiben wählte.\nDiese Felshöhle ist angenehm, sehr weit und hoch luftig.\nWir müssen in ihr unterkommen während der Regenzeit,\ndieser Gipfel, der höchste des Berges, ist entzückend.\nWeiße, schwarze, rote Felsen zieren ihn, er ist reich an allen\nMetallen.\nViele Baumgruppen mit reizenden Lianen erfüllen ihn,\nbunte Vögelscharen zwitschern droben, wir hören stolze\nPfauen.\nDort ist ein wunderbarer Teich, in Bögen geschnitten von Lotos\nund der Höhle benachbart.\nDer gehöhlte Fels senkt sich nach Nordost, das macht den\nAufenthalt angenehm,\nda er sich im Westen erhebt, werden wir vor Winden sicher\nsein.\nDer Bergkamm im Norden ist prächtig, eine unbewegliche\nWolke.\nIm Süden dehnt er sich mit weißem Gewirk gleich dem Gipfel\ndes heiligen Berges, blendend von Metallen.\nSieh im Osten den Strom vor der Grotte mit reichlichen, klaren\nWassern fließen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5893, "texte": "Bäume wachsen an seinen Ufern und schmücken ihn mit vieler-\nlei Schmuck,\neine Frau ist er, schön angekleidet, mit kostbaren Juwelen.\nVon Hunderten Vögelschwärmen, ihrem viel Gezwitscher hallt\ner wieder.\nPaare von Cakravakas machen ihn heiter mit ihren Liebes-\nspielen,\nEr bildet entzückende Inseln, Reiher, Sumpfvögel besuchen ihn.\nVon lachendem Anblick, glänzen seine Wasser von unzähligen\nPerlen.\nTeppiche von blauen Lotos sind auf ihm. Er funkelt von roten\nLotos.\nIn der Ferne glänzt er von weißen, von göttlichen Kumuda-\nbüscheln.\nPariplavas ergötzen sich zu Hunderten, von den Schreien der\nPfaue und Krauncas hallt der Strom,\nder voll Zauber und Anmut ist, an den Scharen von Munis\nweilen.\nSchau Sandelbäume und Kakubhas zu Fünfen geordnet. Ihr\nGleichmaß ist die Wirkung eines vernünftigen Willens,\nErfreuen wir uns an der entzückenden Landschaft, bereiten\nwir uns eine glückliche Stätte.\nUnd Kishkinda ist nicht fern, die Wunderhöhle, Sugrivas herr-\nliche Stadt.\nGesänge und Klänge hören wir, das sind die Affen, die an den\nTönen der Mridangas und Adambaras sich ergötzen.\nMit diesen Worten richteten sich Ragh ava und Lakshmana auf\ndem grottenreichen Prasravana ein.\nEr gedachte der Frau, die ihm geraubt war, teurer als des\nLebens Atemhauche,\nsonderlich beim Anblick des Mondes, der den Gipfel schlichtete.\nSchlaf kam nicht zu ihm, er verbrachte die Nächte, um zu\nseufzen,\nden Geist verwirrt vom stets gegenwärtigen Kummer,\nDem untröstlichen Bruder sagte Lakshmana, dessen Betrübnis\ndie gleiche war, zärtliche Worte:\n„Genug der Klagen, Held. Man darf sich nicht also grämen.\nDem Untröstlichen gelingt nichts, du weißt es wohl.\nEntfalte große Tätigkeit, habe Vertrauen in Gott, sei voll\nGlauben, Tugend und Kraft.\nWenn du entkräftet bist, wirst du den Rakshasa und seinen\nAnhang\ngewiß nicht im Kampf besiegen können.\nDie Erde selbst mit Ozeanen, Wäldern, Bergen könntest du\numstürzen,\ndoch mit weit stärkrem Grund den Ravana.\nErwarte den Herbst, denn die Regenzeit ist gekommen,\ndann wirst du Ravana, sein Königreich, seinen Stamm zer-\nstören.\nDeine eingeschlafene Tapferkeit werde ich gewiß wecken,\nwie zur Stunde des Opfers das unter Asche verborgene Feuer\nmit den Trankspenden erweckt wird.\nBeschreibung der Regenzeit\nRama ließ sich nieder auf der Hochebene des Malyavat und\nsprach zu Lakshmana:\nSiehe, die Zeit ist gekommen, die Regenzeit ist da. Sieh den\nHimmel mit Wolken gleich Bergen beladen.\nDer Himmel trug die Leibesfrucht, während neun Monden\ngebildet,\nin Einwirkung der Sonnenstrahlen; mit ihrer Hilfe trank der\nHimmel das Wasser der Ozeane und gebar den Lebenstrank,\nWenn wir zum Himmel stiegen auf der Treppe, deren Stufen\ndie Wolken sind,\nwürden wir die Sonne mit Blumen-Gewinden von Katajas und\nArjanas schmücken können.\nDer verwundete Himmel will seine Risse mit Stofflappen aus\nfeuchten Wolken verbinden,\ndie von glühenden Farbhauchen der Dämmerung scheinen*\nkupfrig, an den Rändern weiß.\nMit seinem süßen Atemlüftchen, das er dem linden Winde\nleiht,\nmit seiner Safranfarbe von Dämmerung und weißen Wolken,\nist der Himmel krank vor Liebe.\nVon Sommergluten gequält, vom frischen Regen benetzt,\nläßt die Erde gleich Sita von Traurigkeit überwältigt, ihre\nTränen herabrinnen.\nDie Atemhauche, vom Busen der Wolken entsprungen,\nfrisch wie Blätter des Kampferbaums, duftend wie Ketaka,.\nkönnen wir aus der Höhlung beider Hände trinken.\nDer Berg mit aufgeblühten Arjunas, bepflanzt mit Ketaka\ngleicht Sugriva, nachdem er die Feinde besänftigte,\ner empfängt die Salbung in Gestalt von Platzregen.\nDie Berge, mit Antilopenfellen in Gestalt schwarzer Wolken\nbekleidet,\ntragen die Opferschnur in Gestalt von Regentropfen,\nmit den winderfüllten, stimmbegabten Höhlen gleichen sie\nGelehrten.\nVon Blitzen zerrissen wie mit Goldriemen, stößt der Himmel\nlaute Schmerzschreie hervor.\nDer Blitz, zuckend im Busen der düstren Wolke erregt, ist\nmeinen Augen\ndas Bild der verehrungswürdigen Vaidehi, die sich zwischen\nRavanos Armen sträubt.\nDie glückseligen Orte der Liebenden sind unzugänglich ge-\nworden\nund gleichen nebeligen und sternlosen Nächten.\nDie, welche seufzten nach dem Regen, sind vor Tränen ertränkt*\nSchau die Kutajas in voller Blüte auf den Bergkanten, Saumitri,\nsie entfachten wieder die Liebe inmitten der Pein, die mich\nüberwältigt.\nDer Staub ist niedergesunken, es weht kalter Wind, die sommer-\nlichen Gluten sind erloschen,\neingestellt sind die Kriegszüge der Herrscher, die Reisenden\nkehren in ihre Länder heim.\nCakrovakas, die sich beeilen, den Manasa-See wieder zu er-\nreichen, sind mit den zärtlichen Gefährten fortgezogen.\nDie WJagen begeben sich nicht mehr in Gefahr inmitten der\ndurch übermäßige Regenfälle bodenlosen Straßen.\nDer Himmel bald hell, bald dunkel ist mit Wolken besät, die\noft von Bergen gehemmt werden,\ner gewinnt dann das Aussehen eines ruhigen Meeres.\nDas frisch gefallene Wasser, in dem Blumen der Sarjas und\nKadambas schwimmen,\ngelb gefärbt von metallhaltigen Felsen,\nreißen die wilden Bergbäche rasend mit sich fort, während:\ndie Pfauen schreien.\nSchmackhaft, golden wie die Biene essen wir die Tambenfrucht\nmit Lust.\nVielfarbig überhaucht, vom Wind geschüttelt, fällt die Amra-\nfrucht reif zur Erde.\nMit Blitzen als Fahnen und Zügen von Balakavögeln als Blumen-\ngehängen\nsenden die Wolken, getürmt zu hohen Bergen, schallendes\nGetöse aus,\ngleich Indras von Elefanten, vom Liebessaft trunken und\ngerüstet zu kämpfen.\nSieh die Haine, deren Rasenplätze Ueberschwemmung bedeckt,\nmit den heiteren Tänzen der Pfaue, wenn der Regen nicht mehr\nfällt,\nwenn Mitternacht kommt, glänzen sie von lebendiger Helligkeit.\nMit ihrem Gewicht von ungeheurem Wasser stoßen die von\nReihern besuchten Wolken Schreie hervor\nund fahren dahin, indem sie häufig auf hohen Bergspitzen aus-\nruhen.\nDie Scharen von Reihern sind Liebende der Wolken, in ihren\nkreisenden, munteren Flügen\ngleichen sie einem wunderbaren, schimmernden Blumengehänge\nvon Himmels-Bayaderen,"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6217, "texte": "die im Spiel der Winde, im Räume hängend schweben.\nDie Erde mit frischem Rasen, besät inmitten von jungen Sonnen-\nkäfern,\nist eine Frau, deren Glieder Tuch von schönem Papageiengrün\nhüllt, mit rotem Lack getüpfelt.\nDie Göttin des Schlafes vereint sich mählich mit dem Lebens-\nerhalter.\nDer Strom vereint sich ohne Fehl mit dem Ozean,\nfreudig vereint sich die Krähe mit ihrer Wolke,\ndie leidenschaftlich Liebende vereint sich mit dem Geliebten.\n\\\nSieh die Büsche vom Tanz der Pfaue erheitert,\nsieh die Kadambas mit dicht belaubten Zweigen,\nsieh inmitten der Rinder die Stiere, die ihre Liebe verteilen,\nsieh die Erde, deren Ernten und Wälder Freude machen.\nSie führen sie mit sich herauf, sie schütten die Regengüsse\nhinab,\nsie ergötzen sich, sie funkeln, sie verzehren sich in ihren\nGedanken,\nsie tanzen, atmen im Frieden: Flüsse, Wolken, vom Liebessaft\ntrunkne Elefanten,\nHaine, die von ihrem Geliebten fernen Liebenden, Pfaue, Affen.\nFreudig vom Wohlgeruch blühender Ketakis berauscht,\nin den Wasserstürzen, deren Getöse sie närrisch macht,\nmischen Judras der Elefanten ihr verliebtes Brüllen in den\nSchrei der Pfaue.\nZerquetscht von den Wolkenbrüchen lassen die Honigbienen\nden reichen Zuckersaft der Blüten, den sie auf den Kadamba-\nzweigen erbeutet haben, Tropfen für Tropfen fallen.\nDie Jambus mit Früchten, die verbrannten Kohlen gleichen, die\nschmackhaft und zahlreich sind,\nbiegen die Aeste, als seien sie mit Bienenschwärmen beladen.\nDie Wolken, geziert mit Blitzen in der Art feuerroter Fahnen,\ngleichen mit ihrem furchtbaren, dumpfen Grollen den schlacht-\nbegierigen Vanaras.\nWenn der Indra der Elefanten seinen Pfad mitten zwischen\nFels und Hain verfolgt,\nhört er das Schmettern der Wolken hinter sich. Er hält an.\nDann, ungeduldig den Kampf zu beginnen, fürchtet er, daß es\nkein Schrei der Herausforderung war,\nund wütend kehrt er wieder um.\nBald sind die Haine von summenden Schwärmen erfüllt,\nbald von blauhalsigen tanzenden Pfauen oder großen Elefanten\nin Brunst.\nDen Hain, reich an Kadambas, Sorjas, Arjunas, Erdlotos,\nüberschwemmt am Boden das Wasser in der Art von Wein,\nund berauschte Pfauen schreien und tanzen, als feierten sie\nein Festmahl.\nDie Wassertropfen fallen wie Perlen feucht in die Rillen der\nBlätter, an denen sie hängen,\ndie Vögel trinken sie, fröhlich, buntgefiedert, bezaubert von\nIndras Geschenken.\nDas süße Summen der Bienenschwärme, das muntre Quaken\nder Frösche,\nmischen sich ins Wrolkengrollen, das dem Rollen der Trommler\ngleicht,\nund in den Hainen ist alles im tönenden Einklang.\nHier treten die Pfaue zum Tanz, dort schleudern sie Schreie,\nsie hocken mit hängendem Schwanz auf den Baumkronen,\nin den Wäldern ordnen sie sich zusammen zu Chören.\nDie Frösche erwachen vom Schmettern der aus ihrem\nlangen trägen Schlaf,\nmannigfach an Gestalt, Wuchs, Farbe, Stimme, schreien vom\nRegen gepeitscht.\nDie Ströme mit den Cakravakas, die zum Raum aufschweben,\nreißen ihre eingestürzten Ufer fort, stolz und glücklich über\nden neuen Mantel,\neilen sie auf gradem Wege, um ihren Gatten, den Ozean, zu\nfinden.\nDie düstren Wölken, beladen mit neuen Regengüssen, sind mit\ndüstren Wölken geschweißt,\nFelsen vom Waldbrand verkalkt, die am Grunde mit andren\nvom Brande benagten Felsen verbunden sind.\nElefanten irren in reizenden Gebüschen, welche Pfaue mit den\nSchreien der Trunkenheit füllen,\nwo Rasenplätze mit Sonnenkäfern besät und mit Nipas und\nArjunas bepflanzt.\nKraftvoll küssen die Bienen die Lotos in ihren Staubfäden vom\nfrischen Platzregen geschlagen,\nin den neuen Kadambablüten trinken die Bienen von den\nebenso feuchten Staubfäden voll Entzücken.\nIndras der Elefanten sind trunken, Indras der Rinder ergötzen\nsich in den Wäldern,\nIndras der Wildtiere vervielfachen ihre Sprünge, die Indras der\nMänner sind in ihrer Wonne.\nSie empfinden ihre Ermüdung nicht mehr, der Indra der Götter\nschäkert unter den Wolken.\nDie Wolken ließen Ozeane und Ströme über die Ufer treten,\nsie schütteten vom Himmel ungeheure Wassermassen,\nrissen Flüsse und ihre Ufer mit sich, Teiche, Seen, die ganze\nErde.\nDer Regen fällt in ungestümen Strömen, Winde wehen mit\näußerster Gewalt,\nFlüsse in den verwüsteten Ufern rollen ihre reißenden Wasser,\ndie Straßen sind unbrauchbar.\nGleich Königen, von ihren Dienern gebadet, werden die Indras\nder Berge von den Wolken besprengt,\ndie über sie der Götter-Indra aus Krügen ausgießt, mit Hilfe\ndes Windes,\nDer Himmel ist von Wolken bedeckt, wir sehen nicht mehr\nweder Stern noch Sonne.\nDie Erde ist von Wasser der frischen Wolkenbrüche gesättigt,\nwir können die hervorragenden Punkte von der Dunkelheit ein-\ngenommen nicht mehr erkennen.\nDie hohen regengewaschenen Bergspitzen erheben sich im\nlebendigen Glanz\nvon ihren breiten Wasserfällen, die mit langen Kreisläufen\nim Fallen sich entrollen geich Perlengehängen.\nGehemmt von den Krümmungen des Fesens in ihren Sprüngen,\nstürzen die großen Wasserfälle von den höchsten Bergen nieder\nin die von Pfauen-Schreien erfüllten Grotten; sie glänzen wie\nHalsketten, deren Perlen sich lösen.\nNachdem die reißenden, breiten Ströme die niedrigeren Wände\nder Felsgipfel gebadet haben,\nstürzen ihre Perlengehänge in die Abgrundstiefen\nunermeßlicher Höhlen, in denen sie sich gefangen finden.\nAls hätten Frauen, die den Himmel bewohnen in der Gewalt\nder Liebe\nihre Perlenhalsketten zerbrochen und hätten sie von jeder Seite\nauf die Länder in Regengüssen ohne Gleichen herabfallen lassen.\nWenn die Vögel sich verbergen, Lotos sich schließen, aber der\nJasmin aufblüht,\nan diesem Zeichen erkennen wir, daß die Sonne hinter dem\nWestberg zurückgetreten ist, um schlafen zu gehen,\nKönige unterbrechen ihre kriegerischen Unternehmungen,\nselbst das Heer auf dem Marsch hält an, die Feindseligkeiten\nhören auf,\ndenn die Straßen verschwinden unterm Wasser.\nDas ist Praushthapada-Mond, den die Brahmanen, Sänger der\nVedischen Lieder,\ndie sich den Veda zu rezitieren vorsetzen, zum Studium wählen.\nWo sie in gefüllten Ufern strömt ist der Lauf der Saraya ge-\nwaltig vermehrt\nals bräche aus ihrem Getöse das Beifallsgeschrei hervor,\nmit dem Ayodhya meine Heimkehr begrüßen würde.\nVon meiner Frau getrennt, aus meinem unermeßlichen Reich\nverjagt,\naber bin ich das von der Strömimg fortgerissene\nUfer des Flusses, das in den Abgrund stürzte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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September\nSturm - Ausstellungen\nHamburg; Gesamtschau\nKunsthandlung Louis Bock und Sohn\n1, Juli bis 31. August\nKopenhagens Graphik j\nSturm-Gesamtschau\n\"■'t\n1. bis 30. September\nDiisseHori: Graphik\n1. August bis 15. 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Carra / Max Ernst /\nLyonel Feininger / Emil Filla / Albert\nGleizes / Otto Gutfreund / Oswald\nHerzog / Sigrid Hjerten - Griinewald /\nIsaac Griinewald ' / Johannes Itten /\nAlexei von Jawlenski / Paul Klee / Os-\nkar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Carl Mense / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Fritz Stuckenberg / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne yon We-\nrefkin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-08-15-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-08-15_01#c027", "volume": "bmtnabg_1917-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.16", "debut_caractere": 1490, "fin_caractere_exclue": 2016, "texte": "Kunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionisiischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerei\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich van 10—6 ge-\noffnet\nDas erste Schuljahr beginnt am 2. 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Nahrung und Gift waren da, Unbewußt\nschuldloses Wunschleben und Abwehr, Farbe der Zellen-\nzuwachswunder.\nDie Haßfarbe von Pflanzengrün mußte gleichzeitig da sein.\nNicht Zeugung: Spiegelung des Polaren, Rot. Bewußtwerdung\ndes Pflanzenplaners, Geist. Der Geist, wo er sich selber fassen\nwollte, erkannte: seine vielen Leben sind wie Rot und Seele\nin der Pflanze Leib, in der sie schaffen oder sündigten können.\nSchöpfung ist: Eigenformwerdung, Sünde: Zurückbleiben hinter\nder gesollten Form.\nDas Mittelalter bestimmte: töte das Leben, damit der Geist\nfrei werde. Viele töteten sich ab wegen einer himmlischen\nFrau. Die Form sollte ~jenseits\" sein.\nGeistwerdungist Ueberwindung der Pflanze, Entschleuder-\nung der Eigenformen. Der Leib unseres Lebens kostet grünes\nfrommes Pflanzenblut, entzeugt rotem zeugendem Leibsaft"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.3", "texte": "Tätigkeit, Geistigkeit, Schöpfung. Rot ist Entfärbung, Ent-\nschleuderung aller Farbentätigkeit, Zeugen Bewegen.\nFarben der Bewegung: Gelb und das Zelt Blau waren, als\nder mechanisch-wollende Geist, der heute Delaunay will, die\ndoppelte Bewegung bestimmte. Weißes Licht strahlt Gelb,\nKosegüte und Gleißen, Wärme und Pfeil. Blau flieht zur to-\ntalen Raumtotheit, Schwarz oder Kaltmond, Totmond. Auf\nder Kugel schied das fluchtblaue Meer von der arbeitgelben\nWüste, Blau und Gelb sind erste Farbwerdung der polaren\nFarbtotalitäten Finsternis und Licht, die maßlose Kugel Firma-\nment und die endliche Kugel Erde erste Formwerdung der\npolaren Farben Blau und Gelb. Dann konnte die blaugelbe Ehe\ngeschehen: Grün, Pflanze, Vermehrung. Meer und Firmament\nblieben das Symbol zum Geist, Erde das Symbol zum Menschen,\nPflanzen erstes Gebet, Vermählung.\nGelbe Strahlengüte .glüht den Pflanzen ein Bluten zu\nBlühen, zur Farbe Quellsprung Entfesselung Tanz, Insekten und\nBuntvögeln in den Sinn. Die Farbe Bunt war toller als die\nengen Fesseln und der eingeteilte Blatt-Takt, überbot das\nBlühen zu Unbekümmertheiten um den Wechsel der Betonung\nund die Verordnungen der Zeichnungsstrenge, ganz frei sich-\nwollender Ueberhüpfung der Taktheiten: damit das Konzert\nder Ungebundenheit tanze.\nDen Geist band Gebundenheit an Pflanze, Leib, Eintags-\nfliege. Tötung des Lebens aber ist nicht Befreiung. Form-»\nwerdung, Ich-Behauptung des Willens ist Werden der Freiheit\nund Aufgabe: Es ist leichter, sich als Fichte zu behaupten, denn\nals Tiger oder Mensch.\nQuallenbrüste überstülpen sich aus Moskau. Zwiebeln\nbunten über weißer Stunde, östlichem Leben der russischer}\nStadt, Kling klirren Gläser, Schellen, Scherben: Kandinskys\nFarbentroika. Stränge streifen Striemen quer Peitschenrot.\nLyrisches greift aus, flügelt Fleckenflügel knall-husch, schwindet\nPrestorot, Blaßblau und Rosa stimmen zarter mit. Gelb gellx\ngrellen Klang. Alle Farben garben los, hassen sich, vermählen.\nSchwarzer Todfleck: Starren. Weißer Märchenrand: Baden.\nIn München sah er jährlich einen Wintermärchenschimmel, der\njetzt zweifellos tot ist. Denn auch seine andern deutschen\nFreunde sind gefallen: der freundlich-farbige Macke und der\nbengalische Marc,\nDies ist die Freiheit, die das Gesetzte uns ließ; schafft\nFarben nach eurem Willen und Gleichnis. Habt Farben wie\nFarbwollen und Farbwünsche,\nDes Weibes Wünsche waren bald erledigt. Des Weibes\nWünsche waren immer nackt-rosa aus weißen Wellen- und\nSpitzenschäumen. Mechanisch-lebendigste Kräuselspitzen ge-\nbaren schön-schäumend die frivol-Schaumgeborene der Grie-\nchen. Geöffneter Tanz, Cancan Tanguy Pan-Pan Tanguinette,\nschmeißt Fleischwünsche aus weißem Quirlen und tollem Gischt\nin Gieraugen. Manchmal blitzt flitz-schnell gemein-Rosa.\nAederchen zweigen kaum-bläuliches Gezweige, fingern flattere\nF euchtberührungswünsche.\nRosa: gepuderte Blutwünsche, Das Weib bekennt Farb-\nseele in Verbindung mit der Leibmaterie und dem Geschlecht:\ndas Weibchen liebt das Buntere, weil das Männchen bunter\nist. Das Weib erkannte seine Wunschgrenzen im Rokoko. Seine\nErfindung ist Puder, Schönheitspflästerchen und Duft. Rosa\nZärtlichkeiten läßt sichs gern gefallen. Denn von Natur sind\nFrauen blond.\nRosa pudert schamhaft gegen Rot. Brutal roter Pfahl zer-\nstößt einmal zum erstenmal das zarte Geweide zu verkrampf-\ntem Süßweinen. Dann wenn die Frauen Mutter sind, färbt\ndas Rosa sanftere Milch, schönere Scham, liebere Liebe, milche\nGabe, Die himmlische Mutter im -Mittelalter spritzte dem heili-\ngen Mönch ihr Milchgeschenk.\n/\nReinstes Gestaltungswerk wirkt der wirkliche Geist.\nEntfaltung, grande rosasse, Kathedralen entprachten die\ngroße Rose, entsprühen alle Stärkegluten, frohfarbgewiß\nwissend, daß sie innen behutsamen den fruchtbar-süßen Leib-\nkern. Jungfrau Marie durchsplittert die splitterbunte Liebe,\nhimmlisches Licht. Anbeteten in allen Liebfarben brave irische\nMönche, frechliebe Jungen, frommbunte westfälische Maler.\nNachmittaghafte Liebe sanft lilat Erbsenblüte in braunen Spitz-\nmündchentönen vor goldenem Leuchten. Mutter Marie läßt\nsich vom lammfrommen König Severin stillfarbe altgoldbestickte\nGeschenke gefallen. Oft muß sie auf Bildern sterben. Den ver-\nliebtesten vlämischen Maler wirrt das zum erstenmal ins Irren-\nhaus der Farben. Oft stirbt der Sohn bei Abendfarben, steht\nam Sonntag in Trompetenfarben wieder auf.\nMittelalterbrauner Mönche Braun, sticke Bußascheglut,\nzuchtgepeitschte Weltliebe, niedergegeißelter Lebenswille ent-\nlud gewitternd in des elektrischen Griechen heiligen Ekstasen.\nFeuer-Werk fährt Schlangenstraßen über Schlangen, Glieder\nund Orangesprachen, Kaltblau glimmen elektrische Flämmchen\nToledo.\nBraun ist, wo heißer Wille verbrannte: fruchtlosen Krieg\nhaßte die stiernackte Seele Goyas. Rote Fahne hitzte die Stiere\nGoyas. Krieg ödet grünes Land grau.\nGrau graut in alternden Straßen greiser. Boulevardlinden\nsuchen Grün und Pflanzlichkeit gegen Mauerkuben zu behaup-\nten. Grün wird violet und braun, bevor es ;Moder wird. Grau\nverstaubt Cafes. Schlecht gelüftet morgengrauen Herzkammern.\nUeber Zigarrenkisten lagert Kopfschmerz Nikotinluft. Maser-\nungen brauner Möbel krachen, Mandel. Hungerformen kargen.\nHarlekins erkälten sich an Blau und suchen sich an ihrer eigenen\nMagerkeit zu wärmen. Sanfte Dirnenaugen frieren, graue\nEselinnen. Finger gehren Beerenbrüste. Entladungen ermüden\nvorher.\nEin furchtbarer Farbblitz entfuhr dem Grabe Jesu Christi.\nGeist Grünewalds war auferstanden, wetterleuchtet Mittel-\nalter letzten großen Tod.\nReinem Farbgrundakkord fand aegyptische Furcht. Aegypter\ngellten Gelb aus schreiender Wüste, brannten Ziegelrot aus\nGlutdemut, holten Blaues vom Himmel. Erdgefärbter Grund-\nzusammenklang, erdverführte Harmoniematerie, Als Terz er-\nwachte Grün und wurde Lotos: der Akkord blieb klassisch.\nChagalls Akkordreihen wurden kosmisch, leben Geburt aus\nHoffnung und Weiß, Leben in Städten, Tier und Prisma, Tod in\nSterben, Mond und Schwarz. Prismatische Farben keimen über\nWeiß verborgenen Lebenswillen anderer, kommendes Fohlen\nim runden Bauch, werdenden Stern im Mutterleib, in Mann und\nWeib verschlossenen Trabant, Symposion. Aus Zitzen weißer\nGüte quillt geborene Hoffnung Rot organischer Kräfte {und\nPrisma technischer Siege. Elektrische Mondprismen türmen\nden gereckten Stahl an der Seine. Mann und Weib, Schwarz\nund Licht entspiegeln. Lebensprismen. Lebendigstes grellt auf:\nRot; blökt, frißt, säuft.\nRot trompetet die Mitte zwischen den Polen: ist, selbst-\nleuchtend, nicht vom Schwarz, nicht zum Weiß, ist glühe Ampel\nauf dem Berg. Grün ist blühe Fruchtbarkeit im Tal, altes Dorf\nund Haustier. Violet: bei Nachtschwarz die kalte Birne, die\nGlutmittag in gelbe Gewitterangst überschlägt. Orange glühen,\nKobalt schmelzen: Morgen und Abend Ein Tag, Chagall schuf\nden Farbenglutkreis, der die Schöpfungsgüte der Welt will.\nDie couleurs simultanees erfand der Gott des alten Bundes\nals Schutzmarke seines ewigen Bundes. Die Menschen konnten\nden Bogen nur sehen. Delaunay gebot seinen Farben: eritis\nsicut sol. Da wurden alle Kontraste gehorsam im Violet. Bogen-\nlampenklarheit zeugt: Farbe ist unterwürfiger Blitz: Wunder\nihrer Haßfarben. Licht schließt. Dunkelblutender Schoß ohne\nScham. Dunkel prahlt Sterne, Abstoßung ist plötzlich Liebe\nund Gegenzeugimg in Gleichzeitigkeit der Kontraste. Polares\ngrüßt mit rundem Hut: Seid banale Sonne, Tag und Tag,\nEiffelturm und Schienenstrang. Pole aus außerzeitigen Gründen.\nFarbe und Gegenfarben sind gegenseitig Gründe ihres Seins."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.4", "texte": "Das Sein der Farben ist einander, gleichzeitig, gegenzeitig. Zeit\nüberwindet sich durch Sein Einer Farbe als Grund aller Farben.\nRaum schrumpft. Sonne, Bogenmond und Sterne sind beteiligt.\nDie gelbe Kugel nicht ferner als Stern und Delaunay. Deshalb\nbaute der Ingenieur einen Turm zu Babel, Der funkt von Paris\nbis nach New-York, Ad Astra, Durch die astrale Landschaft\nfährt der stolze Biplan.\n\nMarc Chagall\nPaul Citroen\nI\nBei aufgezogenem Vorhang sieht man links oben einen\nGroßstadtprospekt. Daneben nach rechts Bäume, ein gewun-\ndener Waldweg, ein Wasser, Ausblick in einen Park. Rechts\nein Schulzimmer im Querschnitt. Am Fenster nach außen (also\nins Bild hinein) schwebt an einem Balken ein Erhängter. Auf\ndem Katheder in die Klasse blickend der Lehrer, vor sich ein\nMaschinengewehr, das er mit den Händen bedient. Die Bänke\nsind von Knaben und Mädchen gefüllt, einige liegen tot vorn-\nüber auf ihrer Bank, einige hintenüber. Die andern sitzen im\nStarrkrampf, alles ist bewegungslos. Vorn links bemühen sich\nzwei Jungen eine gelbe Scheibe, den Mond, auf einen Berg zu\nrollen. Hinter dem Gipfel steht die Sonne. In der Mitte des\nBildes geht ein Mädchen auf und ab. Ihr Leib ist aus Glas und\nan der Stelle des Herzens sitzt ein Papagei. Die linke Seite\nfüllt ein riesenhafter Kinematograph, der gekurbelt wird und\nalles aufnimmt. Zwischen dem Stadtprospekt und der Sonne\nsteht eine 14 in arabischen Ziffern und darunter einen Halbkreis\nbeschreibend in lateinischen Lettern: Jahre.\nWenn die Spannung nachläßt, tritt der Direktor an die\nRampe und gibt an das Publikum eine Erklärung ab.\nII\nDie Jugend. Chagall geht durch die Straße und die Straße\ndreht sich. Die Fenster kommen von oben herunter, die Häuser\nverkehren sich, die Bäume fliegen in die Luft, die Steine tan-\nzen und sinken dann in den Boden. Ein Hund, Balkongitter,\nCafes stehen an ihrem Fleck, als der Hund anfängt zu laufen.\nAn der Häuserfront empor bis in die erste Etage. Dort ver-\nschwindet er, ein Fenster steht offen. Kleine Vögel fliegen\ndurch die Wohnungen und die Menschen liegen meist wie tot\nauf der Erde, oder sie laufen, kommen aber nicht von der Stelle.\nDarüber wundert sich niemand, sagt Chagall. Zwei Mädchen-\nzöpfe gehen im Zickzack, zwei Beine trippeln, Chagall verliebt\nsich im Augenblick; ein Donnerschlag fällt hinein. Es wird\nganz schwarz. Noch schwärzer, daß man garnichts mehr sagen,\ndenken oder glauben kann. Da steckt Chagall ein Rot an, das\nsich röter ausbreitet. Wird immer größer, frißt das Schwarz.\nBis nur ein Fleck rechts oben bleibt. Chagall lacht herzlich\nüber den kleinen schwarzen Fleck. Ein Baum wächst auf und\nblüht, so daß er in einer Nacht ganz grün hängt. Wiesen wer-\nden herangerollt und so ist es ein freier Platz. Der Lehrer,\nlacht das Mädchen. Das läutet eine Glocke oder es sind Kühe,\ndie weiden. Chagall sieht alles und malt es. Alles sind Heiligen-\nbilder, obgleich ganz profane Sachen vor sich gehen.\nIII\nKunst. Wie lächerlich. Das ist ein Gegenstand. Ein\nganz festes Ding, das ich in die Hand nehme. Ich halte es fest,\nWas Streiten. Was Menschen, Wissen, Streiten, Kunst. Da.\nHier. Ich schmeiße sie zwischen sie, daß es kracht. Ueber die\nKunst. Bier, ich gebe sie Dir, da hast Du sie, schreibe darüber,\nwenn Du willst. (Aber mich laß.) Dummköpfe, Dummköpfe.\nMalen, malen, malen. Da, da, da. Rot, rot und blauer Kopf,\ngrüne Mütze, schief, Kopf fliegt ab — da Rumpf biegt, beugt,\nblau natürlich, blau natürlich, Hand in Bogen, rosa Tisch, ab.\nBein, Huhn, Hühnchen, Samowar, Samowar, kocht, rot, leckt,\ndampft, verhüllt, in Rauch, rosa, rot in blau, violett, grün. Sieh,\nsieh, sieh, da. — Aber Kunst. Habe ich sie nicht, halte ich sie\nnicht. Ist sie kein Gegenstand. Ja, ja ein Gegenstand. Ich\nkoche, ich halte Kunst. Wie der Soldat. Wie den Soldaten\nam Samowar.\nIV\nKönig Chagall will die Stadt bauen. Ich baue die Stadt —-\nStill! Kein Laut! Ich baue die Stadt. — Stille! Knecht: Drei-\ntausend Mann sollen unter Gewehr treten. Wer noch ein Wort\nspricht, wird erschossen. Wer den Mund auftut, kommt in die\nGefängnisse. — So muß man ihnen kommen, mit Maschinen.\nNur so.\nIch baue die Stadt. Die Baumeister vor. Die Pläne her. —\nKnecht: Alle Baumeister sind abgesetzt. Sie werden von heute\nzur Straßenreinigung herangezogen. Zwanzig Mann tragen die\nPläne in meinen Ofen. Ich baue die Stadt. Die Künstler vor.\nEure Gedanken! — Knecht: Diese verlassen sofort das Land.\nIch baue die Stadt. Wer spricht? Ich spreche. Gut so.\nEin Haus. Nein, zu wenig. Eine ganze Straße. Nein, zu wenig.\nEine Stadt aus Straßen von Häusern. Knecht: Dreitausend\nPflanzer sollen alle Bäume in den Straßen und Anlagen aushe-\nben. Dreitausend Eisenbahnwagen sollen die Bäume weit vor\ndie Stadt bringen. Man soll sie ringsherum eingraben. Keine\nPflanzen in der Stadt. Steine. Es soll ihnen vergehen, in der\nStadt zu wohnen.\nSteine und Räume. Räume aus Stein. Nur Stein. Nur\nRaum. Nur Stein. So jetzt wissen sie. Nur Raum.\nKnecht: Die dreitausend Mann sollen wieder abtreten.\nSage ihnen, ich bin vom Thron gestiegen. Ich gehe und kaufe-\nein Stück Land weit vor der Stadt, um es zu bearbeiten.\n\nMaya\nKurt Striepe\n\nMaya —ja Ihr Herz will ich sehen! O — Ihr Herz muß\nwundersam sein. Eine große Blüte. Blaß, grün. Ihr Herz ist\neine keusche Tulpe. Auf Mauern erblüht. Kein Mensch darf\nsie berühren. Sonne spielt lockende Spiele mit Ihrer Pracht,\nIch will meine Hände abschlagen lassen und die Füße —\ndaß ich nicht weiterkann zu den Wundern Ihres Herzens. Und\nes tasten. Nur schauen. Andächtig schweigsam. Trinken.\nSchlürfen. Rausch schlürfen mit vollen Zügen und dann ver-\nbleichen. Daß noch etwas Blühen über meinen Tod kommt.\nO Maya — Ihr Herz! Ob ich es noch einmal sehe? Ob\nich Sie noch einmal sehe?\nMein Herz sprang aus mir. Polterte Straßen entlang.\nSchreien der Menschen. Fluchen. Stoßen. Haschen. Sprin-\ngen über Gitter. Durch Häuser. Wälder. Vögel. Singen. —\nDann kam es ans Meer. Bohrte sich tief in das grüne Meer.\nFlutete tiefer. Immer tiefer. Weiter. Tiefer. Liegt an der\ntiefsten Stelle des Meeres. Pochen — Wogen — Wallen. Seit-\ndem rauscht das Meer. Ich gehe ohne Herz durch die Welt.\nIch bin ohne Herz. Ich lebe nicht mehr. Ich will das von mir\nabstreifen. — Dies Leben und Menschsein.\nIch will O, ich will kein Knecht sein! Ich will nicht\nmehr leben. Ich will das mit starkem, trotzigem Lachen ver-\nachten lernen.\nIch habe keine Angst vorm Tod! Aber Ihr — Ihr Men-\nschen. Und darum lebt Ihr!\nDer Tod ist ein Knecht. Ein ganz gewöhnlicher Knecht.\nIch bin sein Herr. Er steht bei mir in ärgerer Frohn — als Ihr\nuntereinander. Ich bin Herrscher —!\nMaya — meine Hände sind so matt geworden. Und meine\nAugen so müde. Mein Gesicht hat keinen Spiegel mehr."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.5", "texte": "Gösta Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.6", "texte": "Meine Sehnsucht ist ein sehr keuscher Traum. Meine\nSeele ist blühende — — Oh wenn Sie den Haß wüßten und\nmeine Bitten! Meine Bitten quälen mich. Oh, daß mir ein\nHaß würde! Ein unheilbarer vernichtender Haß!\nIhrer rechten Hand schenke ich träumend einen großen\nTürkis. An dem Tage, da auch meine Seele von mir geht, wird\nsein Leuchten verblassen.\nHeute liebe ich meine Hände sehr. Meine Hände sind\ntotkrank.\nMeine sechs japanischen Helden beugen ihren Nacken tief\nvor Ihrer Güte, Heiße Lieder spielen ihre Flöten und der\nSpeere Klirren ist ihr Liebesschrei.\nBald Ihr blühendes Herz meinen Tod beschattet, bohren\nsie mir sechs blinkende Schwerter in den Leib.\nIm Gurgeln meines Blutes will ich Feste feiern.\nMaya !\n* *\n*\nMaya!\nIch liege schwer. Alle Hände erstickt der Nebel. Weißer\nHände weißer Nebel. Die Müdigkeit lauscht. Ich lausche.\nDas Glück?\nMüdigkeit lauert —\nZweifel drückt meine matten Schläfen. Hoffen erstickt\nQual. Ihr Brief —oh die Sehnsucht Ihrer Hände! Stolz stirbt.\n„Ich war krank\" — schreiben Sie Ihrer Mutter. Mir schreiben\nimmer kranke Frauen. Sie schreiben aus der Müdigkeit Ihrer\nLiebe. Das ist köstlich. Meine Sinne können das Spiel Ihrer\nWorte nicht fassen.\nDas ist Grauen.\nIch liege schwer. Alle Sehnsucht erstickt der Nebel, Süße\nSehnsucht! süßer Nebel!\nDas Lauschen habe ich verlernt.\nDer Tod lauscht.\nDu — köstlicher Tod!\nSie seltener Traum!\nTraum träumen.\nSehnsucht sehnen. Sei Sehnsucht — ist mein Glück. Eines\nist größer.\nDer Tod.\nDu — großer Tod!\nFlieger will ich werden! Auf den weißen weiten Falten\nseines Gewandes mich in Lust gaukeln. Jubeln — Singen —\nMorden.\nOh — Du singender jubelnder Tod!\nDu mordendes Glück\nMaya!\nIch habe Angst. Jemand hockt mir im Genick. Läßt nicht\nlos krallt sich fest. Ich die Lächerlichkeit. Eben wars\nwas anderes, das ich fürchtete. Aber nun — nun ists bestimmt\ndie Lächerlichkeit,\nNicht der Tod.\nNicht die Liebe.\nNicht das Leben.\nMeine Liebe ist stark. Ich liebe zu viel. Die Wrelt ist zu\nklein für mich. Das Leben zu kalt.\nDen Tod liebe ich.\nIhre Hände.\nUnd eine süße schwarze Frau.\nDie Nacht küßt Sterne in mich.\nBrauthände weinen über meinen Augen. Mir gaukeln\nWimpel fremder Schiffe in ihrem Haar. Sonne lispelt Liebe\nüber meine müden Hände, Blut zieht schwer. In meinem\nSchädel tobt die wilde Schlacht. — Ich friere. — Mein Mund\nist weiß geworden.\nMatte Augen spielen zwei Tränen in die Welt.\nWeiß und Schwarz.\nDie Lust und das Vergessen.\nFranzösische Stimmen singen über meinem Tod.\nLippen zagen\nLiebe Maya! Nicht grübeln. Die Hände still halten. Augen\ntanzen. Tanzen sanft um meine Seele. Seele welkt.\nNun das Größte geschah — bin ich wieder Kind geworden.\nIch sah Sie!\nIch kam. Der Bahnhof weht mich. Plötzlich stehen Sie\nda. Füße verlieren ihr Bewußtsein. Augen ertrinken wilde\nMeere. Hände zerstäuben müde Schiffe.\nSie stehen so da. So. Als ob nichts sei. Garnichts.\nAls ob jemand käme. Irgend jemand.\n0 Maya — wenn Sie wüßten, wie das war. Ich bin ver-\nschwiegenen Sinnes.\nMünde saugen ihre Hand. 0, daß ich tausend Münde hätte!\nUnd dürfte jeden sattdürsten! Mein Gesicht fremdet. Aus\ndem Glanz Ihrer Hände atme ich süßen Duft. Rauschen kommt\naus Ihren Nerven. Meine Betäubung — o Maya sehen Sie das\nBlut, das meinen Weg nachgeht. Sehen Sie,\nIch sehe eine goldene Halle. Grelles Licht leuchtet laut.\nIn einer Nische auf prunkendgold Sessel Muttergottes. Hell-\nseidenblau Kleid. Krone drückt nicht. Krone kost. Treppen\nsind Lapislazuli zu ihrem Thron.\nMenschen kommen.\nMenschen schauen.\nMenschen beten.\nBeten leise süße Lieder.\nSagen keine Worte.\nMenschen gehen. Gehen viel Menschen. Staunen viel\nAugen. Schlürfen viel Munde.\nSieht kein Auge Ich bin.\nBin starres Weib. Sehr purpurn ist mein Gewand. Pur-\npurn von Kathedralen in spätem Abend. Ganz dunkelblau\nströmt mein Haar.\nBin Schrei. Hinzittern an Wänden. Kommt zu Gottmut-\nter. Beten.\n* Bin Gebärde wilder Arme. In Räume gehetzt.\nKniee schleifen Boden vor Ihren Thron.\nTränen tränken Stufen vor Ihren Thron.\nAtem weht Bitten um Lustweiß Ihrer Füße.\nHände schimmern Gold aus Wänden. Flechten Kron-\nkränze. Kränzen Lichtkronen. Krone drückt nicht. Kost Liebe\num Kleingottes Stirn.\nGesicht schmiegt unter Ihre Füße. Arme schlaffen. Lider\nlanzen Nacht. Traumschlaf wacht Wehen.\nGehen.\nFüße schmeicheln zart Gesicht. Muttern meine Augen.\nHände beben seltsam Leben. Nerven zagen Strahlen. Schmei-\ncheln sanft die Fährte Ihrer Füße. Tasten täubenden Gang.\nSie gehen neben mir. Maya — ich lüge. Ich darf neben\nIhnen gehen. Wage nicht aufzublicken, Augen schlummern\ntiefen Schrein.\nIch darf neben Ihnen sitzen.\nMund ist stumm geworden. Menschen liegen vor Ihnen,\nMenschen möchten Ihr Seidenkleid knistern glühen,\nSchweigen säugt mich.\nIch bin ganz kleines Kind.\nStimme tönt.\nIhre Stimme.\nIch erblasse. Ich tue ganz leise. Es wohnt ein blasser\nKummer in meinem Kinderherzen.\nIhre Stimme tönt. Ihre Stimme ist Abendwehen über dem\nMeere. Schläft Tags. Liebt sehr leise Nachts. Will nicht\nAntwort haben. Kennt meine Stimme nicht. Ihre Stimme\nspielt mit den Dingen, die geschehen sind, den Tieren und mit\nIhrer Einsamkeit.\nMaya wir sind sonderbare Menschen. Wir gehen unserem\nLeben zur Seite Schritt für Schritt. Lullen uns ein in seine\nhallenden Klagen. Unter scharfen Messern zerfallen unsere\nHerzen. Unsere Geburt wissen wir, nur sehr unbewußt unseren\nTod. Aber es gibt mehr zwischen Sein und Nichtsein: Lieben.\nMeine Worte fallen an Ihren vorbei. Irrer Traum\ntölpelt durch Straßen. Ich bin sehr dumm geworden. Ich bin"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.7", "texte": "Gabriele Münter: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.8", "texte": "sehr müde geworden. Und doch bin ich noch nicht müde genug.\nUm meine Stirneist manchmal noch ein Glühen. Glühen von\neinem leichten Schein. Um meinen Mund ist manchmal noch ein\nsehr bewußtes Zucken.\n/\nEin sehr bewußtes Zucken nach Ihrem Namen — Maya.\nDies aber war:\nIch lag eine Nacht vor Ihrer Tür.\nIch küßte den Teppich, den Ihre Füße liebten.\nIn dem Leinen, daß Sie segneten, erstickte ich einen wirren\nRausch.\nAls am Morgen Ihre Hände kamen — starb I c h in mir.\nFiebernde Lippen beben: Verzeihung.\nMaya!\n* *\n*\nMaya!\nDie Erkenntnis ist über mich gekommen. Ich stehe so da.\nNehme mich bei der Hand und gehe mit mir — weit — weit —\nLäuten Glocken. Glocken von Kirchen. Mein Blut rauscht\nund sickert leise durch,\nIch habe mich wiedergefunden* wie ich vor Jahren war.\nDie Luft nur ist mir so unklar geworden. Die Lust ist kalt.\nSicher sehr tot.\nAlles drängt zur Erkenntnis der Erkenntnis.\nDas ist so, daß keiner das Sterben weiß.\nAlle aber kennen das Leben.\nWenn wir das Sterben wüßten, — wir hätten wieder Lust,\nLust dazu —\nUnd ich habe die Erkenntnis.\n0 — Maya, ich lüge. Ich ertappe mich jetzt oft beim Lügen.\nIch will mich täuschen. Ich will mich hinwegtäuschen. Die\nWirklichkeit ist eine Rohheit — und doch.\nIch liebe. Jemanden. Ich liebe ihn rasend. Den Namen\ndarf ich nicht sagen, Vielleicht kenne ich ihn garnicht. Ich er-\nstaune und schreibe diese Verse.\nVon Deinem Munde küsse ich rote Rosen.\nIm Beben Deiner Lippen zittert meine Hand.\nIch bin Hinwelken zwischen den Geschehen,\ndie Abend sind, der Tod und Deine Liebe.\nUnd bin ganz tiefe Nacht.\nDeine Sonne strahlt meine wehen Augen.\nO Du!\nMeine Wunder sind müde —\nGanz weiß kniest Du in mich.\nMeine Verzückung lebt weiter. Ob ich mich würge? Ob\nich sterbe über diese Liebe? Die Sehnsucht ist ein sehr großer\nEngel, der schwarze Flügel über mich schattet.\nWenn ich nur die Gewißheit hätte — dann könnte ich ent-\nsagen. Ich bin noch nicht reif zu meiner Qual. Qual bringt\nRuhe. Ich sehne mich nach meiner Endesruhe.\nO Maya — fühlen Sie das Schluchzen meiner Hand —?\n\nRamas Klagen\nAdolf Knoblauch\n\nNachgedichtet aus dem Ramayana\nRama beschreibt den Frühling und die Liebe\nSic wandten sich zur lotosbedcckten Pampa, überreich 'an\nPadmas, Utpalas und Ihashas.\nRama, den Sakshmana geleitete, wehklagte, verdunkelter Sinne.\nAls er den Strom erblickte, schlug sein Herz vor Freude.\nGefangen von Liebe sprach er zu Sumitrens Sohn:\nSchön ist die Pampa mit ihren kristallenen reinen Wellen,\nschön erblühten Padmas ,Utpalas, den mannigfaltigen Bäumen.\nBetrachte das Gehölz der Pampa, das schön ist anzusehen.\nSeine herrlichen Bäume sind Berge mit ihren Gipfeln.\nIch bin von Gram bewältigt, Pein zernagt mich\nim Gedenken des Schmerzes von Bharata und Vaidehis Ent-\nführung.\nNiedergebeugt von Trauer entzückt mich die Pampa, ihr be-\nzaubernder Hain\nihre Blumen jeder Art, mit denen ihre frischen köstlichen\nWasser bedeckt sind.\nIhr Mantel von Lotos macht sie außerordentlich schön.\nSchlangen und wilde Tiere besuchen sie, sie ist überreich an\nGazellen und Vögeln.\nDen dichten gelbdunklen Rasen decken viele Blumen. Bäume\nstehen auf ihren schimmernden Teppichen.\nAllseits biegen sich Wipfel unter der Blütenlast\nund sind gänzlich versteckt durch Lianen, die an den Spitzen\nblühen.\nEs ist der duftende Frühlingsmond, wo auf Bäumen Blumen und\nFrüchte entstehen.\nSchau, sie sind schön: erblühte Haine, welche vor Blumen\nregnen, wie Wolken ihre Güsse.,\nIn zauberischen Tälern bestreuen die unzählbaren Bäume des\nGehölzes\nerschüttert vom ungestümen Wind, den Boden mit Blumen.\nMit herabgefallenen Blumen, solchen die fallen oder an den\nZweigen bleiben, spielt der linde Wind allseits.\nDer Windgott erregt die vielfältig blumenbedeckten Zweige\nund treibt es an den Orten lustig, begleitet von Bienengesumme.\nAls wolle er beim Lied der verliebten Kuckucke die Bäume\nzum Tanze treten lassen,\ngeht der Gott aus des Berges Höhlen hervor, voll Wohllaut\njeder Art.\nIn seinem Wehen, das die Bäume allseits heftig bewegt\nVereinigen sich die Bäume auf den äußersten Astspitzen, als\nseien sie aneinander gebunden.\nDer linde Wind im milden und streichelnden Wehen\nverbreitet den süßen frischen Sandelduft, der alle Ermüdung\nscheucht.\nVom Windgott bewegt, vermählen die Bäume ihre Stimmen\nmit dem Bienengesumme im Hain voll süßer Gerüche.\nInmitten entzückender Berghochebenen funkeln die Felsen,\nderen Gipfel sich nähern.\nSchön von den Zauberblumen ihrer Hochwälder.\nMft blumenbedeckten Wipfeln im Wehen des linden Windes,\nder sie bewegt\nmit Kronen von Bienen nach Honig, wollen die Bäume sich zu\nLiedern bereiten.\nSich allseits der goldenen Kornikoras Blütepracht, dieser in\nSeide gekleideten Männer.\nDer Frühling, Saumitri, entfacht mit Vögelliedern jeder Art\nvon frischem das Leid, das mir Sitas Entfernung verursacht.\nIm Schmerz, der mich bewältigt, martert auch Liebe.\nDas heitere Stammeln des Kuckucks reizt, der fröhliche\nDatyuhaka,\nder mitten im Wasserfall des Forstes singt, mehrt meinen\nLiebesschmerz.\nEinst, als sie ihre Stimmen im Busen der Einsiedelei vernahm,\nnannte mir die Vielgeliebte, von Glück und Zärtlichkeit be-\nrauscht,\ndie vielfach Gefiederten, die allermannigfaltigste Schreie aus-\nstoßen. •\nSiehe sie von allen Richtungen sich flüchten in Bäume, Büsche,\nLianen!\nDie Vögelweibchen mit den Männchen gepaart, versammeln sich\nalle zufolge ihrer Art und freuen sich.\nErregt zur Lust vom Bhringaraja, zwitschern alle tönend.\nIn den Bäumen des Hains sind die Geflügelten versammelt,\nfreude-erregt von des Datyuhaka Jubelrufen, der den Anrufen\ndes Kuckuck-Männchens antwortet.\nDas Brausen der Bäume zündet Liebe in mir:\nDes Blumenbüschel sind seine Kohlen, das Bienen-\nsummen ist sein Prasseln,"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.9", "texte": "Gabriele Münter: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.10", "texte": "die Knospen sind seine goldenen Flammen, so verzehrt mich\ndas Feuer des Frühlings.\nVon der Frau mit feinen Augwimpern, schönem Haupthaar,\nsüßer Sprache,\nvon ihrem Anblick fern mag ich nicht leben. Die Zeit, welche\ndie Haine erfreut,\nist für sie die Zeit zur Liebe. Die Kuckucke schüren sie allseits,\nmeine lebendige Zärtlichkeit für die Süße, die sie zündet,\ndas Entzücken des Frühlings, das sie entfacht.\nDas Schmerzensfeuer verzehrt mich rasch und währet nicht lang.\nDas Fernsein meiner Gemahlin, Anblick der schönen Bäume,\nmehren meine Liebe. Daß ich Vaidehi nicht schaue, macht meine\nQualen wachsen,\nda des Frühlings Anblick mich mit Liebes-Schweiß befleckt.\nDie Gazellenäugige, der Gedanke an sie, der Kummer beherr-\nschen mich.\nEs martert mich der grausam gelinde Wind des Haines in\nseinem Frühlingsmond.\nHie und da tanzen Pfaue, entfalten im Wehen des Gelinden\ndie schimmernden Flügel, bedeckt mit Augen gleich Kristallen.\nIhre Weibchen umringen sie und berauschen sie vor Wollust.\nSie mehren auch die Liebe, von der ich erfüllt bin.\nSchau Lakshmana den Pfauen tanzen! Bei ihm tanzt das Weib-\nchen auf der Berghochebene,\nDer Gatte verfolgt sie, das Herz außer sich vor Freude.\nEr breitet die strahlenden Flügel aus. Seine Schreie beleidigen\nmich.\nNie ist dem Pfauen im Wald die Geliebte von einem Rakshasa\ngeraubt.\nSo tanzet er zwischen den köstlichen Büschen mit der Süßen.\nUnerträglich ist das Weilen im Blütemond fern von Sita.\nLiebe erscheint selbst in denen, die aus der Gebärmutter von\nTieren hervorgingen.\nNun heftet sich das Pfauenweibchen leidenschaftlich an die\nSchritte des Gatten.\nSo wird Janakas Tochter, die Großäugige, an meine Schritte\nsich heften\nin neu erstehender Verwirrung der Liebe. Aber sie wurde\nweggenommen.\nDie Blumen sind ohne Früchte für mich, obgleich sie mit ihrem\nGewicht\ndie Bäume der Wälder beugen am Ende der kalten Jahreszeit,\nDie Blumen, die doch entzückend im Uebermaß sind,\nfallen unfruchtbar mit ihren Bienenschwärmen zur Erde,\nZu dieser Zeit werfen die Vögel in fröhlichen Geschwadern\nSchreie der Liebe hin.\nSie rufen einander und reizen in mir wollüstige Glut,\nWenn der Frühling die Geliebte, die in die Macht eines Andren\nkam,\nerregt, da wo sie jetzt weilt, so muß sie meine Flamme teilen.\nDoch wenn auch gar nicht der Frühling das Land, wo sie weilt,\nerreicht,\nwie wird die Frau mit Augen vom schwarzen Lotos ohne mich\nleben.\nAber weit eher findet sich Frühling auch da, wo meine Süße\nweilt,\nWas wird die Frau von Leibesschöne tun beim Schimpf der\nFremden.\nMeine junge vielgeliebte Gemahlin mit Augen von Lotosblättern\nund süßer Sprache\nwird bei Ankunft des Frühlings ihr Leben lassen.\nIch habe im Herzen die feste Ueberzeugung: die zarte Sita\nwird nach der Trennung von mir nicht zu überleben wissen.\nVaidehis Liebe hat mein Sein an sich gerissen und meine Liebe\nvöllig in Besitz genommen.\nDer Wind mit süßen Liebkosungen trägt Blütengeruch herbei\nund ist voll Frische,\naber er ist Feuer für mich, der an die Süße denkt.\nDer Windgott, den ich stets als den Willkommnen litt einst als\nich bei Sita war,\nist fern von ihr Ursache meiner Trostlosigkeit.\nGedenkend der Fernen höre ich den Raben, der die Lüfte durch-\neilt und Schreie aussendet,\nvon seinem Baumsitz fröhliches Liebeswerben stammeln.\nDieser Gefiederte soll mein Führer sein und mich in Vaidehis\nGedanken, der Großäugigen, führen.\nLausche im Wald dem Liebberauschenden Allied der Zweimal-\ngeborenen,\ndie auf Bäumen mit erblühten Wipfeln zwitschern.\nDie Biene fliegt plötzlich zum jungen Schößling des Tilaka-\nbaums, den der Wind bewegt,\nals eile er zur Liebenden in den wollüstigen Schauern.\nDer der die Marter der Liebenden im Uebermaß mehrt,,\nrichtet sich hoch mit den Blütenschirmen, die der Wind bewegt,\nals wolle er mich reizen.\nSchau die aufgeblühten Miangobäume, als wären es Leute, von\nLiebe irregeleitet und geschminkt.\nSaumitri, Manntiger, schau dich um in den herrlichen Baum-\nreihen, welche die Ufer der Pampa säumen.\nBeachte die Malinas mit süßem Geruch, die auf dem Wasser\nallseits schimmern, wie die Sonne beim Aufgang.\nDie Pampa mit besänftigten Wogen, bedeckt mit Lotos und\nblauen Rosen,\nvoll von Schwänen, Karandavas, ganz duftend, mit dem Stick-\nwerk von Lotos,\nhell wie die Morgenröte, von den Bienen auf ihre Wässer\ngestreut, die glänzende Pampa.\nWunderbare Lichtungen im Hain, entzückende, voll Elefanten-\nund Antilopenherden, die sich gern in ihr baden.\nSeerosen schwanken am Busen der reinen Wogen. Die vom\nungestümen Wind erregten Wellen funkeln schön.\nFern von Vaidehi mit Augen von großen Lotosblättern, hat\ndas Leben für mich keine Anziehung.\nSieh zur Rechten der Pampa auf dem Bergrücken\nden blühenden Stamm des Karinkarabaumes: Sein Strahlen ist\nwunderbar!\nDer König der Berge, außerordentlich reich an Metallen,\nläßt einen glänzenden Staub ausströmen, den ein heftiger\nWind erhebt.\nAber die Berghochebenen wollen die bezaubernden\nganz Blüten und der Blätter beraubt, überall umarmen.\nDie Bäume am Ufer der Pampa gepflanzt, die sie bewässert,\nduften lieblichen Geruch, in einander geschlungen von Lianen\nmit aufgeblühten Samenkronen,\nSieh die schönen Bäume am Pampa-Ufer zahlreich sich drängen\nmit windbewegtem Astwerk.\nDie Lianen verfolgen einander, sind schöne trunkene Frauen,\nDer gelinde Wind geht von Baum zu Baum, von Fels zu Fels,\nvon Hain zu Hain,\nals wehe er im Gebot zahlreicher Trankopfer.\nZwischen den Bäumen sind die Einen vollkommen erblüht und\nentbinden süße Gerüche.\nAndere von Knospen bedeckt haben ein düstres Ansehen.\nWelche Süßigkeit, wie lieblich, welch Blühen!\nDie liebespurpurne Biene ruht in der Mitte der Blumen.\nNachdem sie einen Augenblick anhielt, nimmt sie von neuem\nden Flug\nund setzt sich schnell an eine andere Stelle, gierig nach Honig\nunter den Bäumen der Pampaufer.\nDer glückliche Erdboden ist mit Haufen von herabgefallenen\nBlüten als mit Bettendecken bestreut.\nAuf des Berges Weichen entrollen Teppiche aus Blumen von\nstrahlendem Gelb und Rot.\nSieh Saumitri bei Wintersende die Bäume im Blumenmond um\ndie Wette blühen.\nSie reizen einander, wo das Insekt mit sechs Füßen summt.\nDie blumengekrönten Zweige werfen lebendige Strahlen hervor.\nDer Karandava, der in die reine Woge taucht und seine Lust\nmit der Geliebten treibt,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.11", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.12", "texte": "zündet die Liebe. Wenn ich meine Süße wiederfinde, mögen\nwir hier unser Bleiben einrichten\nund ich werde nicht beneiden weder Indras Wohnung noch die\nKönigstadt Ayodhya.\nAuf dem reizenden Rasen nähme ich meine Lust mit ihr,\nGedanken und Wünsche würden mir nirgends anders hingehen.\nBetrachte die frischen Wellen, die Lotos, mit denen sie erfüllt\nsind,\ndie Cakravakas, die sie besuchen, die Karandavas, die sie be-\nwohnen.\nMit Plavas, Meervögeln, die in ihr sich mehren,\nden großen Wildtieren, die an ihr leben, und dem Vogel-\ngezwitscherist die Pampa wundersam schön!\nZahlreiche Vögel mit ihrer frohen Lust entflammen meine Liebe\num Gedanken der jungen Frau von mondglänzendem Angesicht,\nmeiner lotosäugigen Geliebten. Sieh die Gazellen auf den ent-\nzückenden Hügeln zu Paaren vereint!\nIch bin getrennt von Vaidehi mit den Augen des Gazellen-\nkälbchens.\nSie verwirren meine Gedanken, wie sie hierher, dahin tänzeln.\nSähe ich auf dem reizenden Hügel, erfüllt von Flügen liebes-\ntrunkener Vögelgeschwader,\nmeine Süße, würde ich glücklich sein. Ich würde gewißlich\nwieder aufleben,\nwenn Vaidehi zierlichen Wuchses den glückseligen linden\nWind der Pampa mit mir atmete,\nden glücklichen Wind der Pampahaine, der den Lotosduft\nherzuträgt\nund den Kummer zerstreut, glücklich die, welche ihn atmen.\nDie junge Frau mit Augen von Lotosblättern, Janakas liebe\nTochter,\nwie mag sie fern von mir das Dasein der Sklavin ertragen?\nWas werde ich dem tugendhaften König, dem gerechten\nJanaka sagen,\nwenn er in Gegenwart seiner Leute mich fragen wird, ob für\nSita Alles gut gehe?\nDie in den traurigen Wald mir folgte, wohin mich der Vater\nbannte,\nwo ist die Sita, die ihren Pflichten treu blieb, meine Wohl-\ngeliebte?\nGetrennt von ihr zu meinem Unglück, wie soll ich das ertragen.\nDie an meine Schritte sich heftete, als ich vom Reich verbannt,\naußer mir selbst war?\nDas anmutige Gesicht mit schönen Lotosaugen, duftend, schim-\nmernd, unveränderlich,\nseit ich es nicht mehr schaue, verliert sich mein Verstand.\nVaidehis unvergleichliche Stimme, die liebliches Lächeln ge-\nleitete,\nvoll Reiz, Süße, Empfindung: wann darf ich sie von neuem\nhören?\nObwohl sie nur Unglück im Walde fand, ergötzte mich die junge\nFrau liebend, zärtlich,\nmich den Liebe verzehrte, als hätte sie aufgehört unglücklich\nzu sein und wäre von Freude erfüllt.\nWas soll ich in Ayodhya antworten, der Königin Mutter\nKausalya,\nwenn die Verehrungswürdige mich fragen wird:\n„Wo ist meine Schwiegertochter, was geschah ihr?\"\nGeh Lakshmana und suche Bharata den zärtlichen Bruder auf.\nUm meinetwegen, der nicht leben mag ohne Janakas Tochter.\nSo klagte der großherzige Rama, als sei er jeder Stütze beraubt.\nSein Bruder Lakshmana antwortete ihm einsichtig, denkwürdig:\n„Ermanne dich Rama, Sei glücklich, sei nicht trostlos, Bester\nder Männer.\nDie in deiner Lage nichts sich vorzuwerfen haben, dürfen nicht\nschwach sein.\nIn Erinnerung an den durch ihre Entfernung verursachten\nSchmerz\nbanne die übermäßige Neigung zu dem Wesen, das dir teuer ist.\nIn Berührung mit dichter Glut fängt selbst der feuchte Docht\nFeuer.\nOb Ravana in der Hölle oder noch tiefer Zuflucht nimmt,\nKeinesfalls soll er sein Verbrechen überleben, lieber\nZuerst laß uns den bösen Rakshas finden; er gebe Sita frei\noder er soll verderben.\nWenn Ravana in Ditis Busen mit Sita hinabstiege\nwürde ich ihn dort töten, gibt er Maithili nicht frei.\nKehr zum gewohnten Stand zurück, edler Gefährte. Verzichte\nauf klägliche Gedanken.\nEs wird gewiß denen nichts gelingen, die ihr Unternehmen im\nStich lassen, eh sie eine Anstrengung wagen.\nDie Kraft ist mächtig, Großherr! Es gibt keine Gewalt, die\nihr überlegen ist.\nMit der Kraft ist in den Welten nichts unmöglich.\nDie kraftvollen Menschen erliegen nicht der Aufgabe.\nMit Hilfe unserer einzigen Kraft werden wir Janaki wieder\nerlangen.\nLaß dich von Liebe nicht beherrschen und wirf den Kummer\nhinter dich.\nWirst du deine Seelengröße und Charakterfestigkeit vergessen\nkönnen?\nAlso von Lakshmana gespornt, bannte Rama, der vom Schmerz\nsich hatte beugen lassen,\nGram und Verwirrung, um Tapferkeit wiederzufassen.\nRuhig, tapfer, überlegen dem, was eingebildet war,\nüberschritt Rama die Pampa voll Zauber und Entzücken mit\nihren Bäumen und wogenden Zweigen.\nAls er den ganzen Wald, Wasserfälle und Schluchten durch-\nforschte,\nhielt plötzlich der großherzige Rama inne auf dem Streifzug\nmit Lakshmana\nvon Bestürzung getroffen, überwältigt von Kummer.\nMit dem fröhlichen Gang des vom Liebessaft trunkenen\nElefanten,\nstärkte der unerschrockene großherzige Lakshmana in seiner\nlebendigen Art\nwegbereitend Raghava mit seiner Treue und Tapferkeit.\nDas ist im verehrungswürdigen Ramayana dem Ersten der\nGedichte, dem Werke Valmikis des Sehers der erste Abschnitt\ndes Buches von Kishkinda.\nRama zieht sich mit seinem Bruder auf den Prasravana zurück\nDer Berg hallte vom Schrei der Tiger und Gazellen, bevölkert\nvon Löwen mit furchtbarem Brüllen.\nSträucher und Lianen versperrten ihn. Er war mit zahlreichen\nBäumen bepflanzt.\nBären, Affen, Luchse wohnten auf ihm. Er glich einem Wolken-\nballen, derI\"immer in Licht und Schönheit strahlte.\nAuf dem Gipfel war eine große geräumige Höhle, die Rama,\nvon Saumitri begleitet, zum Bleiben wählte.\nDiese Felshöhle ist angenehm, sehr weit und hoch luftig.\nWir müssen in ihr unterkommen während der Regenzeit,\ndieser Gipfel, der höchste des Berges, ist entzückend.\nWeiße, schwarze, rote Felsen zieren ihn, er ist reich an allen\nMetallen.\nViele Baumgruppen mit reizenden Lianen erfüllen ihn,\nbunte Vögelscharen zwitschern droben, wir hören stolze\nPfauen.\nDort ist ein wunderbarer Teich, in Bögen geschnitten von Lotos\nund der Höhle benachbart.\nDer gehöhlte Fels senkt sich nach Nordost, das macht den\nAufenthalt angenehm,\nda er sich im Westen erhebt, werden wir vor Winden sicher\nsein.\nDer Bergkamm im Norden ist prächtig, eine unbewegliche\nWolke.\nIm Süden dehnt er sich mit weißem Gewirk gleich dem Gipfel\ndes heiligen Berges, blendend von Metallen.\nSieh im Osten den Strom vor der Grotte mit reichlichen, klaren\nWassern fließen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.13", "texte": "Bäume wachsen an seinen Ufern und schmücken ihn mit vieler-\nlei Schmuck,\neine Frau ist er, schön angekleidet, mit kostbaren Juwelen.\nVon Hunderten Vögelschwärmen, ihrem viel Gezwitscher hallt\ner wieder.\nPaare von Cakravakas machen ihn heiter mit ihren Liebes-\nspielen,\nEr bildet entzückende Inseln, Reiher, Sumpfvögel besuchen ihn.\nVon lachendem Anblick, glänzen seine Wasser von unzähligen\nPerlen.\nTeppiche von blauen Lotos sind auf ihm. Er funkelt von roten\nLotos.\nIn der Ferne glänzt er von weißen, von göttlichen Kumuda-\nbüscheln.\nPariplavas ergötzen sich zu Hunderten, von den Schreien der\nPfaue und Krauncas hallt der Strom,\nder voll Zauber und Anmut ist, an den Scharen von Munis\nweilen.\nSchau Sandelbäume und Kakubhas zu Fünfen geordnet. Ihr\nGleichmaß ist die Wirkung eines vernünftigen Willens,\nErfreuen wir uns an der entzückenden Landschaft, bereiten\nwir uns eine glückliche Stätte.\nUnd Kishkinda ist nicht fern, die Wunderhöhle, Sugrivas herr-\nliche Stadt.\nGesänge und Klänge hören wir, das sind die Affen, die an den\nTönen der Mridangas und Adambaras sich ergötzen.\nMit diesen Worten richteten sich Ragh ava und Lakshmana auf\ndem grottenreichen Prasravana ein.\nEr gedachte der Frau, die ihm geraubt war, teurer als des\nLebens Atemhauche,\nsonderlich beim Anblick des Mondes, der den Gipfel schlichtete.\nSchlaf kam nicht zu ihm, er verbrachte die Nächte, um zu\nseufzen,\nden Geist verwirrt vom stets gegenwärtigen Kummer,\nDem untröstlichen Bruder sagte Lakshmana, dessen Betrübnis\ndie gleiche war, zärtliche Worte:\n„Genug der Klagen, Held. Man darf sich nicht also grämen.\nDem Untröstlichen gelingt nichts, du weißt es wohl.\nEntfalte große Tätigkeit, habe Vertrauen in Gott, sei voll\nGlauben, Tugend und Kraft.\nWenn du entkräftet bist, wirst du den Rakshasa und seinen\nAnhang\ngewiß nicht im Kampf besiegen können.\nDie Erde selbst mit Ozeanen, Wäldern, Bergen könntest du\numstürzen,\ndoch mit weit stärkrem Grund den Ravana.\nErwarte den Herbst, denn die Regenzeit ist gekommen,\ndann wirst du Ravana, sein Königreich, seinen Stamm zer-\nstören.\nDeine eingeschlafene Tapferkeit werde ich gewiß wecken,\nwie zur Stunde des Opfers das unter Asche verborgene Feuer\nmit den Trankspenden erweckt wird.\nBeschreibung der Regenzeit\nRama ließ sich nieder auf der Hochebene des Malyavat und\nsprach zu Lakshmana:\nSiehe, die Zeit ist gekommen, die Regenzeit ist da. Sieh den\nHimmel mit Wolken gleich Bergen beladen.\nDer Himmel trug die Leibesfrucht, während neun Monden\ngebildet,\nin Einwirkung der Sonnenstrahlen; mit ihrer Hilfe trank der\nHimmel das Wasser der Ozeane und gebar den Lebenstrank,\nWenn wir zum Himmel stiegen auf der Treppe, deren Stufen\ndie Wolken sind,\nwürden wir die Sonne mit Blumen-Gewinden von Katajas und\nArjanas schmücken können.\nDer verwundete Himmel will seine Risse mit Stofflappen aus\nfeuchten Wolken verbinden,\ndie von glühenden Farbhauchen der Dämmerung scheinen*\nkupfrig, an den Rändern weiß.\nMit seinem süßen Atemlüftchen, das er dem linden Winde\nleiht,\nmit seiner Safranfarbe von Dämmerung und weißen Wolken,\nist der Himmel krank vor Liebe.\nVon Sommergluten gequält, vom frischen Regen benetzt,\nläßt die Erde gleich Sita von Traurigkeit überwältigt, ihre\nTränen herabrinnen.\nDie Atemhauche, vom Busen der Wolken entsprungen,\nfrisch wie Blätter des Kampferbaums, duftend wie Ketaka,.\nkönnen wir aus der Höhlung beider Hände trinken.\nDer Berg mit aufgeblühten Arjunas, bepflanzt mit Ketaka\ngleicht Sugriva, nachdem er die Feinde besänftigte,\ner empfängt die Salbung in Gestalt von Platzregen.\nDie Berge, mit Antilopenfellen in Gestalt schwarzer Wolken\nbekleidet,\ntragen die Opferschnur in Gestalt von Regentropfen,\nmit den winderfüllten, stimmbegabten Höhlen gleichen sie\nGelehrten.\nVon Blitzen zerrissen wie mit Goldriemen, stößt der Himmel\nlaute Schmerzschreie hervor.\nDer Blitz, zuckend im Busen der düstren Wolke erregt, ist\nmeinen Augen\ndas Bild der verehrungswürdigen Vaidehi, die sich zwischen\nRavanos Armen sträubt.\nDie glückseligen Orte der Liebenden sind unzugänglich ge-\nworden\nund gleichen nebeligen und sternlosen Nächten.\nDie, welche seufzten nach dem Regen, sind vor Tränen ertränkt*\nSchau die Kutajas in voller Blüte auf den Bergkanten, Saumitri,\nsie entfachten wieder die Liebe inmitten der Pein, die mich\nüberwältigt.\nDer Staub ist niedergesunken, es weht kalter Wind, die sommer-\nlichen Gluten sind erloschen,\neingestellt sind die Kriegszüge der Herrscher, die Reisenden\nkehren in ihre Länder heim.\nCakrovakas, die sich beeilen, den Manasa-See wieder zu er-\nreichen, sind mit den zärtlichen Gefährten fortgezogen.\nDie WJagen begeben sich nicht mehr in Gefahr inmitten der\ndurch übermäßige Regenfälle bodenlosen Straßen.\nDer Himmel bald hell, bald dunkel ist mit Wolken besät, die\noft von Bergen gehemmt werden,\ner gewinnt dann das Aussehen eines ruhigen Meeres.\nDas frisch gefallene Wasser, in dem Blumen der Sarjas und\nKadambas schwimmen,\ngelb gefärbt von metallhaltigen Felsen,\nreißen die wilden Bergbäche rasend mit sich fort, während:\ndie Pfauen schreien.\nSchmackhaft, golden wie die Biene essen wir die Tambenfrucht\nmit Lust.\nVielfarbig überhaucht, vom Wind geschüttelt, fällt die Amra-\nfrucht reif zur Erde.\nMit Blitzen als Fahnen und Zügen von Balakavögeln als Blumen-\ngehängen\nsenden die Wolken, getürmt zu hohen Bergen, schallendes\nGetöse aus,\ngleich Indras von Elefanten, vom Liebessaft trunken und\ngerüstet zu kämpfen.\nSieh die Haine, deren Rasenplätze Ueberschwemmung bedeckt,\nmit den heiteren Tänzen der Pfaue, wenn der Regen nicht mehr\nfällt,\nwenn Mitternacht kommt, glänzen sie von lebendiger Helligkeit.\nMit ihrem Gewicht von ungeheurem Wasser stoßen die von\nReihern besuchten Wolken Schreie hervor\nund fahren dahin, indem sie häufig auf hohen Bergspitzen aus-\nruhen.\nDie Scharen von Reihern sind Liebende der Wolken, in ihren\nkreisenden, munteren Flügen\ngleichen sie einem wunderbaren, schimmernden Blumengehänge\nvon Himmels-Bayaderen,"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.14", "texte": "die im Spiel der Winde, im Räume hängend schweben.\nDie Erde mit frischem Rasen, besät inmitten von jungen Sonnen-\nkäfern,\nist eine Frau, deren Glieder Tuch von schönem Papageiengrün\nhüllt, mit rotem Lack getüpfelt.\nDie Göttin des Schlafes vereint sich mählich mit dem Lebens-\nerhalter.\nDer Strom vereint sich ohne Fehl mit dem Ozean,\nfreudig vereint sich die Krähe mit ihrer Wolke,\ndie leidenschaftlich Liebende vereint sich mit dem Geliebten.\n\\\nSieh die Büsche vom Tanz der Pfaue erheitert,\nsieh die Kadambas mit dicht belaubten Zweigen,\nsieh inmitten der Rinder die Stiere, die ihre Liebe verteilen,\nsieh die Erde, deren Ernten und Wälder Freude machen.\nSie führen sie mit sich herauf, sie schütten die Regengüsse\nhinab,\nsie ergötzen sich, sie funkeln, sie verzehren sich in ihren\nGedanken,\nsie tanzen, atmen im Frieden: Flüsse, Wolken, vom Liebessaft\ntrunkne Elefanten,\nHaine, die von ihrem Geliebten fernen Liebenden, Pfaue, Affen.\nFreudig vom Wohlgeruch blühender Ketakis berauscht,\nin den Wasserstürzen, deren Getöse sie närrisch macht,\nmischen Judras der Elefanten ihr verliebtes Brüllen in den\nSchrei der Pfaue.\nZerquetscht von den Wolkenbrüchen lassen die Honigbienen\nden reichen Zuckersaft der Blüten, den sie auf den Kadamba-\nzweigen erbeutet haben, Tropfen für Tropfen fallen.\nDie Jambus mit Früchten, die verbrannten Kohlen gleichen, die\nschmackhaft und zahlreich sind,\nbiegen die Aeste, als seien sie mit Bienenschwärmen beladen.\nDie Wolken, geziert mit Blitzen in der Art feuerroter Fahnen,\ngleichen mit ihrem furchtbaren, dumpfen Grollen den schlacht-\nbegierigen Vanaras.\nWenn der Indra der Elefanten seinen Pfad mitten zwischen\nFels und Hain verfolgt,\nhört er das Schmettern der Wolken hinter sich. Er hält an.\nDann, ungeduldig den Kampf zu beginnen, fürchtet er, daß es\nkein Schrei der Herausforderung war,\nund wütend kehrt er wieder um.\nBald sind die Haine von summenden Schwärmen erfüllt,\nbald von blauhalsigen tanzenden Pfauen oder großen Elefanten\nin Brunst.\nDen Hain, reich an Kadambas, Sorjas, Arjunas, Erdlotos,\nüberschwemmt am Boden das Wasser in der Art von Wein,\nund berauschte Pfauen schreien und tanzen, als feierten sie\nein Festmahl.\nDie Wassertropfen fallen wie Perlen feucht in die Rillen der\nBlätter, an denen sie hängen,\ndie Vögel trinken sie, fröhlich, buntgefiedert, bezaubert von\nIndras Geschenken.\nDas süße Summen der Bienenschwärme, das muntre Quaken\nder Frösche,\nmischen sich ins Wrolkengrollen, das dem Rollen der Trommler\ngleicht,\nund in den Hainen ist alles im tönenden Einklang.\nHier treten die Pfaue zum Tanz, dort schleudern sie Schreie,\nsie hocken mit hängendem Schwanz auf den Baumkronen,\nin den Wäldern ordnen sie sich zusammen zu Chören.\nDie Frösche erwachen vom Schmettern der aus ihrem\nlangen trägen Schlaf,\nmannigfach an Gestalt, Wuchs, Farbe, Stimme, schreien vom\nRegen gepeitscht.\nDie Ströme mit den Cakravakas, die zum Raum aufschweben,\nreißen ihre eingestürzten Ufer fort, stolz und glücklich über\nden neuen Mantel,\neilen sie auf gradem Wege, um ihren Gatten, den Ozean, zu\nfinden.\nDie düstren Wölken, beladen mit neuen Regengüssen, sind mit\ndüstren Wölken geschweißt,\nFelsen vom Waldbrand verkalkt, die am Grunde mit andren\nvom Brande benagten Felsen verbunden sind.\nElefanten irren in reizenden Gebüschen, welche Pfaue mit den\nSchreien der Trunkenheit füllen,\nwo Rasenplätze mit Sonnenkäfern besät und mit Nipas und\nArjunas bepflanzt.\nKraftvoll küssen die Bienen die Lotos in ihren Staubfäden vom\nfrischen Platzregen geschlagen,\nin den neuen Kadambablüten trinken die Bienen von den\nebenso feuchten Staubfäden voll Entzücken.\nIndras der Elefanten sind trunken, Indras der Rinder ergötzen\nsich in den Wäldern,\nIndras der Wildtiere vervielfachen ihre Sprünge, die Indras der\nMänner sind in ihrer Wonne.\nSie empfinden ihre Ermüdung nicht mehr, der Indra der Götter\nschäkert unter den Wolken.\nDie Wolken ließen Ozeane und Ströme über die Ufer treten,\nsie schütteten vom Himmel ungeheure Wassermassen,\nrissen Flüsse und ihre Ufer mit sich, Teiche, Seen, die ganze\nErde.\nDer Regen fällt in ungestümen Strömen, Winde wehen mit\näußerster Gewalt,\nFlüsse in den verwüsteten Ufern rollen ihre reißenden Wasser,\ndie Straßen sind unbrauchbar.\nGleich Königen, von ihren Dienern gebadet, werden die Indras\nder Berge von den Wolken besprengt,\ndie über sie der Götter-Indra aus Krügen ausgießt, mit Hilfe\ndes Windes,\nDer Himmel ist von Wolken bedeckt, wir sehen nicht mehr\nweder Stern noch Sonne.\nDie Erde ist von Wasser der frischen Wolkenbrüche gesättigt,\nwir können die hervorragenden Punkte von der Dunkelheit ein-\ngenommen nicht mehr erkennen.\nDie hohen regengewaschenen Bergspitzen erheben sich im\nlebendigen Glanz\nvon ihren breiten Wasserfällen, die mit langen Kreisläufen\nim Fallen sich entrollen geich Perlengehängen.\nGehemmt von den Krümmungen des Fesens in ihren Sprüngen,\nstürzen die großen Wasserfälle von den höchsten Bergen nieder\nin die von Pfauen-Schreien erfüllten Grotten; sie glänzen wie\nHalsketten, deren Perlen sich lösen.\nNachdem die reißenden, breiten Ströme die niedrigeren Wände\nder Felsgipfel gebadet haben,\nstürzen ihre Perlengehänge in die Abgrundstiefen\nunermeßlicher Höhlen, in denen sie sich gefangen finden.\nAls hätten Frauen, die den Himmel bewohnen in der Gewalt\nder Liebe\nihre Perlenhalsketten zerbrochen und hätten sie von jeder Seite\nauf die Länder in Regengüssen ohne Gleichen herabfallen lassen.\nWenn die Vögel sich verbergen, Lotos sich schließen, aber der\nJasmin aufblüht,\nan diesem Zeichen erkennen wir, daß die Sonne hinter dem\nWestberg zurückgetreten ist, um schlafen zu gehen,\nKönige unterbrechen ihre kriegerischen Unternehmungen,\nselbst das Heer auf dem Marsch hält an, die Feindseligkeiten\nhören auf,\ndenn die Straßen verschwinden unterm Wasser.\nDas ist Praushthapada-Mond, den die Brahmanen, Sänger der\nVedischen Lieder,\ndie sich den Veda zu rezitieren vorsetzen, zum Studium wählen.\nWo sie in gefüllten Ufern strömt ist der Lauf der Saraya ge-\nwaltig vermehrt\nals bräche aus ihrem Getöse das Beifallsgeschrei hervor,\nmit dem Ayodhya meine Heimkehr begrüßen würde.\nVon meiner Frau getrennt, aus meinem unermeßlichen Reich\nverjagt,\naber bin ich das von der Strömimg fortgerissene\nUfer des Flusses, das in den Abgrund stürzte."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nP. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamcr StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriii Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nBauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fiir Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 80 Pfennig / Fur das A u s -\nland bci direkter Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fur\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\nL Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n20 Mark\n20 Mark\n10 Mark\nI Voll-\nSonder-\nausgabe:\nP r e i s c der friiheren Jahrgange\nstandige Ausgabe Gewohniiche\nAusgabe:\n1910/11\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, soweit vorhanden, erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\nvergriffen\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nS c h ii t z e n g r a b e n v e r s e\nG e d i c h t e\nGebunden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nQeheftet 2 Mark\nKreis desAnfangs / Friihe Gedichte\nQeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nGebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nRoman\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheiftet 2 Mark\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\n\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschcn / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V- August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 50 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFur Klavier\nEine'Mark\nDie Judentochter\nFur Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dalnislieder / Zu Gedichten von\nArno Holz\nFur Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzelausgabe / 50 Pfennig\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundert Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstiers\nliber sich selbst mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\nMappe mit 15 Zeichnungen auf Japan-\npapier in Strichatzung / Adolf Loos / Her-\nwarth Walden / Richard Dehmel / Paul\nScheerbart / Alfred Kerr / Yvette Guil-\nbert I Karl Kraus / Hermann Essig / Rudolf\nBliimner / Adolf Knoblauch / Mechthild\nLichnowsky / Nell Walden / Max Berg /\nGertrud Eysoldt / Claire Waldoff\nMappe 40 Mark\n\nKiinstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNacH Gemalden, Zeichnungen und Bild-\nwerken folgender Ktinstler:\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 3\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nQeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\n\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nS. Hjertdn-Grunewald I\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden I\nNell Walden 1\nMarianne von Werefkin 2\n\nSturm- Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nMarc Chagall\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nJe 50 Pfennig\nDie Futuristen\n60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Dcr Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nMarc Chagall: Zeichnung\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Mensch enkjopfc:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\nIL Herwarth Walden\nIIL Jacoba van Heemskcrck\nIV. Kandinsky\nV, Rudolf Blumner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P1 a k a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 10 Mark\n\nSturm-Embande\nAuf Japanpapier handgemalt von\nGeorg Schrimpf fur alle Ausgaben\ndes Verlags Der Sturm\nEinband fur Biicher: 20 Mark\nEinband fur Noten und fiir den Jahrgang der Mo-\nnatsschrift Der Sturm: 30 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170815-01.1.16", "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strafje 134a\nGeoffiiet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nVierundfiinfzigsie Ausstellung\nSammlung Kluxen\nFiinfundfiinfzigste Ausstellung\nLyonel Feininger\nEroffnung: 2. September\nSturm - Ausstellungen\nHamburg; Gesamtschau\nKunsthandlung Louis Bock und Sohn\n1, Juli bis 31. August\nKopenhagens Graphik j\nSturm-Gesamtschau\n\"■'t\n1. bis 30. September\nDiisseHori: Graphik\n1. August bis 15. September\n\nDER STURM\nTcrtritt folgende Kiinstler ausschliefilich\nund verfiigt iiber ihre Wcrkc (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkauf und zu Ausstellungen in der gan-\nzen Welt:\nCampendonk / Marc Chagall / Jacoba van\nHeemskerck / Kandinsky / Franz Marc /\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Nell\nWalden\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland lolgende Kiinstler\nund yerlugt iiber ihre Werke zum Verkaui\nund fur Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Albert - Bloch\nAlexander Archipenko / Rudolf Bauer /\nFritz Baumann / Vincenc Benes / Umberto\nBoccioni / Carlo D. Carra / Max Ernst /\nLyonel Feininger / Emil Filla / Albert\nGleizes / Otto Gutfreund / Oswald\nHerzog / Sigrid Hjerten - Griinewald /\nIsaac Griinewald ' / Johannes Itten /\nAlexei von Jawlenski / Paul Klee / Os-\nkar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Carl Mense / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Fritz Stuckenberg / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne yon We-\nrefkin\n\nKunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionisiischen Kunst\nBiihne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalerei\nDichtung\nMusik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich van 10—6 ge-\noffnet\nDas erste Schuljahr beginnt am 2. September 1917\n\nOffentliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nDie neuen Vortragsreihen beginnen am\n7. Oktober 1917\nVortragende\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\n\nSturm - Kunstabende\nVerein iiir Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellimg Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch / Beginn aller Abende:\n%8 Uhr\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den 19, September 1917\n\nVerein fiir Kunst\nLeitung Herwarth Walden\nVierzehntcs Jahr 1, April 1917 bis 31.\nMarz 1918\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte der Mitglieder: Freier Bezug der\nZeitschrift Der Sturm / Freier Besuch aller\nSturmausstellungen / Besuch der Sturm-\nKunstabende zu halben Preisen / Jedes\nJahr frei eine Sturmgabe / 1917/18 nach\nWahl:\nHeemskerck: handgedruckter und untcr-\nschriebener Holzschnitt aul Kaiserlich\nJapan-Papier odcr zwei Kunstdruckc nach\nWahl oder das Sturmplakat von Kokoschka\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Strafie 138 a\nFernruf Liitzow 4443\n«\nhat gute und seltene Biicher und Noten\nvorratig und nimmt Bestellungen cntgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nNeu erschienen: Herwarth Walden:\nGesammelte Tonwerke: Schwerftertanz /\nWerk 18 / Mark 4,50 / Tanz der T5ne /\nWerk 23 / Mark 3,— / Umschlagzeichnung\nvon Rudolf Bauer / Die ersten zehn Exem-\npiare jedes Werkes sind von Rudolf Bauer\nhandaquarelliert und von ihm und vom\nVerfasser signiert / Je 50 Mark\nHerwarth Walden; Emblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmalden der Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nKiinstlerpostkarten der Sammlung Wal-\nden I Erste Folge: 24 Karten\nJede Karte 20 Pfennig\nHermann Essig: Der Wetterirosch / Er-\nzahlung\n2 Mark 50 Pfennig\nQebunden 4 Mark\n\nDie Zeichnungen, die in der Zeitschrift\nDer Sturm wiedergegeben werden, sind\ndurch den Verlag Der Sturm verkauflich\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfiihrliche Verzei chnisse\ndes Verlags Der Sturm kosten-\n1 o s Verlag Der Sturm"}]}