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Wollen wir\nuns beklagen darüber, daß so manche Kraft ungenutzt hingeht\nund sich vergibt, so mancher Wille stärker ist als das Werk,\ndas seine Hände hervorbrachten, und das Werk hinsinkt und\nunnütz wurde? Suchen wir Würde, Stattlichkeit, Feier und\nTempel für unseres Geistes Werk? Wollen wir hoch über der\nMenge die Formen erheben, die unsere Hände bildeten? Und\nunsere Rede aussenden, damit die Herzen aus ihrem Zauber-\nschlaf erwachen? Geschlecht auf Geschlecht steigt empor.\nJugend folgt auf Jugend, und noch immer ist keiner unserer\nHerzenswünsche erfüllt, noch immer ist Einsamkeit unsere\nWürde, Verzicht unsere Stattlichkeit, die von Niemandem ge-\nsehene, unbekannte, bildende Arbeit unserer Hände unsere\nFeier. Wir ließen die Jahre hinter uns, in denen wir Kraft und\nEnergie als einzige Lebensbeweger kannten. Wir gingen den\nsteinigen beschwerlichen Weg zur Vollendung unserer Kunst,\nund täuschten uns nicht mehr auf dem jugendlichen Miß-\nverständnis des Absoluten. Wir glauben an Gott und das\nschöpferische Prinzip, das unendlich hoch über der bloßen Tat\n(auch in der Kunst) steht. Der Schöpfer umfaßt den ganzen\nHimmel.\nEs gibt niemanden, der wie Sie wohltätige Aufmerksam-\nkeit und Zartheit eines weitherzigen ermunternden Verstehens\nempfindet. Aber Sie wurden enttäuscht (wie häufig wurden\nwir alle doch getäuscht), und Sie zogen sich zurück, verwundet\ndurch einen von unbekannter Kraft auf Ihre Brust geschleuder-\nten Zweifel, der mehr als eine Krankheit, Sie der Verdammnis\nanheimgab. Sie traten zurück von Ihren Plänen, von der Ar-\nbeitsgemeinschaft der Sicheren und Tüchtigen, vom Leben in\nGüte und belohnter Kraft. All das versank, währeryd Ihre\nNächsten über das Verhängnis grübelten, das über Sie gefallen\nwar und Sie ihren schmerzenden Blicken wie hinter einem\nVorhang verbarg.\nSie glaubten nicht mehr daran, Götter mit Ihren Händen\ndes zwanzigsten Jahrhunderts bilden zu können. Gott riß Sie\nvon Ihrem Ich fort (und Sie waren doch einstmals stark und\nglücklich dahingeschritten) und lehrte Sie Bilder zu machen,\nwährend die Aengste Ihr Dasein verschlingen wollten.\nGott sprach zu Ihnen in Ihrer Angst und unendlichen Not,\nund Sie erhoben sich zu ihm durch das Lob seiner geringsten\nund ärmsten Kirchen, und Sie zeigten ihm jene wundersamen\nWinkel unserer Städte, in denen unsere Gebrechlichkeit, unsere\nSelbstentäußerung und unsere Bedürftigkeit zum Opfer ver-\nborgen wohnt, wo das Licht verging und der Schrecken seinen\nStachel verlor.\nDann teilten zuweilen gewaltige Strahlen die Finsternis\nund fuhren aus Ihren Händen schöpfungsbegierig zu den end-\nlosen Weiten des Himmels auf, als sollte unser Dasein bersten\nvon der Kraft über allem Verstände.\nSie traten nicht zurück in die Geselligkeit des ehemaligen\nGlücks. Sie empfingen Schalen voll glühender Farben, und als\nSie mit denen zu Ihrer Freude und Erheiterung malten, wurden\nSie für hundert Jahre verzaubert: Larven — Narren —\nSchellenträger — Jesuiten — Zeitungsleser im berauschten\nTanze nach göttlicher zu binden.\nFeininger\nNicht umsonst bin ich, als letzte Möglichkeit, mich auszu-\ndrücken, Maler geworden; und dazu ein unsinnig sich plagender,\nhundert Mal versagender. In meiner stillen Kammer führe ich\nverzweifelte Kämpfe; täglich stehe ich auf zu neuem Kampfe,\nbeseelt von neuer Hoffnung; um dann abends vollkommen zu\nverzagen, vollkommen zu verzichten. Nur ist mir, je älter ich\nwerde — und darum preise ich das älter werden! — desto\nstärkerer Willen beschieden.\nHeute gibt es für mich wahrhaftig nur die Vertiefung,\nden Willensakt zum Ausdruck; mit vielleicht keiner einzigen\nGabe des zeitgenössischen rein „malerisch\", „amüsant\"\nschaffenden Künstlers.\nMenschen mit Sehnsucht verstehen mich. Sehnsucht will\nauch niemals amüsiert werden.\nDie Kirche, die Mühle, die Brücke, das Haus — und der\nFriedhof — haben mich, von Kindheit auf mit tiefen, andäch-\ntigen Gefühlen erfüllt. Sie sind sämtlich sinnbildlich; ich bin\nmir hierüber aber erst seit diesem Kriege klar geworden, warum\nich sie im Bilde immer von Neuem darstellen muß.\nIm Laufe der Zeit erreiche ich es wohl, mich immer mehr\nvom Verquälten und Zerstückelten zu entfernen. Letzte\nForm kann nur durch die vollkommene Ruhe im Bilde erreicht\nwerden.\nHeute lebt die Kunst des Ego, der Eitelkeit, und wird\nsteuerlos, wo sie wähnt, schöpferisch zu sein.\nViele halten mich für einen Umstürzler, während ich eine\nunbändige Reaktion nur in mir weiß gegen das ganze Heutige.\nSie haben recht: Erinnerung — wurzeln in den Kindheits-\njahren, durchs ganze Leben! — die Zukunft — Sehnen, Sehn-\nsucht! — und die Gegenwart — Arbeit! —\nWem von uns wird gegenwärtiges Genießen be-\nschieden!? Bewußtes Genießen? — Ja, Musik am Reinsten\nwohl. Aber sie ist auch „Vergessendes Heutigen.\nKnoblauch\nIch bin sehr überrascht, daß Sie mit Ihrer Kunst sich so\neinsam fühlen. Vielleicht sind es der Abstand, eine rassige\nVornehmheit und die tüchtige Künstlerschaft, die Ihre Stellung\nungewöhnlich abseitig machen. Franz Marc hoffte, daß aus\ndiesem Artilleriekriege eine erneuerte volksnahe Kunst hervor-\ngehen müßte, aber ich glaube nicht, daß das Reich der Kunst\ndurch einen Krieg errungen werden kann. Der Preis und Ruhm\nwird meiner Ueberzeugung nach denen zufallen, die dem\nschwersten Erleiden, der schwersten Prüfung nachfolgen und\nnicht in allgemeine Heils- oder andere Theoreme verfallen.\nKein Mensch weiß jetzt etwas von unserer Zukunft, und es\nist nur schön, sich zu erinnern! So erinnere ich mich an Ihre\nBilder, nicht als Kunstwerke, sondern als Gegenstände der Liebe\ntind Sammlung. Ein Mensch ist so organisch beschaffen, daß\ner, in welche Umgebung und Lage auch versetzt, sich einrichtet,\nausgleicht und erduldet. Aber ein wenig Wein, Erheiterung,\nErlösung durch Farben oder Töne und tiefe Liebe zum reinen\nLeben braucht er, um im Augenblick heil zu werden. Sie, lieber\nFeininger, reichen dem Bewunderer Ihrer Bilder einen tiefen\nZaubertrank, und ich möchte viel vergessen, wenn ich mich\nan einige Ihrer Werke erinnere, die von schweren Farben\nglühen.\nDann aber denke ich an die anderen, die düsteren, schwer-\ngefugten, architektonischen! Dann wache ich auf, ich besinne\nmich, und ich sehe die schwere Dämmerung des menschlichen\nLebens sich mit unerträglichem Druck ausbreiten. Da sind\nIhre kleinen gefugten, gedrückten Kirchen, die sich nicht mehr\naufrichten können, menschliche Wesen, die leiden und heroisch\ndulden. soll man ihnen befehlen, welchen Trost ihnen\nzusprechen, womit sie aufrichten und stützen. Das ist schon\nalles überflüssig und käme auch nicht mehr zurecht.\nFeininger\nGott rette uns vor den „gefühlvollen\" Künstlern. Ihnen\nmuß in meiner Arbeit die Bosheit aufgegangen sein — ich tobe\nmich immer nach einem andächtigen, tiefreligiös empfundenen\nWerke gründlich hinterher aus an skurillen Kompositionen.\nDie Menschen sind mir doch zu blöd, und ich mit! Doch\ngegen einen Einzelnen könnte ich meine Bosheit nicht richten\n— nur gegen michselbst! In den andern stecke ich nicht,\naber „mir Aas kenne ick!\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6899, "texte": "Was ist Kunst: Selbstoffenbarung»\n„Unfreiwillig\" will ich nicht sein. Außerdem ist für tief-\nempfindende Künstler der Sarkasmus die rettende Stachelhaut\nnach außen hin.\nUeberhaupt schätze ich nicht das Explosive, Abgerissene\nim Kunstwerk. Ist einmal die Feuer-Rakete losgelassen, was\nbleibt davon nachher übrig? Alles Kitzel, Unterhaltung, Ueber-\nspannung, Außenseite, Hysterie. Laßt uns wenigstens nicht in\nunserer Sache klein sein!\nSeit Neujahr bin ich sehr glücklich in meiner Arbeit ge-\nworden. Ich hab<? mich von einem großen Teil Ballast befreit,\nund bin imstande, gelassener an Dinge, die ich liebe, zu gehen,\nals vorher. Hauptsächlich verdanke ich dieses Glück dem Be-\nsuche, nach fast zwei Jahren, wieder bei den alten Kölner\nund schwäbischen Meistern und den herrlichen van Eyck,\nBreughel, Lukas Kranach dem Aelteren.\nWie unübertrefflich und für alle Zeiten steht diese Ma-\nlerei da! Wie gehen alle Maler dieser Kraft und Geradheit\ntuschelnd und künstelnd aus dem Wege, „Reize\" hinstreuend,\num den Geist vom direkten Ziel abzulenken.\nDieses Glück ist mir nicht über Nacht gekommen — es\nsteckt seit Urzeiten tief in mir verborgen, immer ersehnt und\nerstrebt und immer von neuem überwuchert durch unser neu-\nzeitliches „Milieu\" — aber letzten Endes doch faßbar, wenn\nich den ganzen, ganzen unseligen Sauerteig verdaut und aus-\ngeschieden habe. Ich glaube, dieses Mal hat es einen größeren\nSchub nach vorne gegeben, als bisher.\nKnoblauch\nMit geschärftem Blick, fern vom „Karneval der Gesell-\nschaft\" schaue ich auf die Dinge und werte. Wir erwarben\nuns eine dreiste gottesfürchtige Art und erzogen uns dazu, in\nDonner und Zorn von solchen Sachen zu sprechen, die kindisch\nherabgewürdigt wurden.\nIch verehre jene Zurückhaltung und Keuschheit, edle Un-\nzugänglichkeit echter Künstlerschaft. Lassen Sie mich nur\nruhig überschätzen, ich liebe selbst schon nicht Riesenmaße,\nbin sehr für das Einzelne, Feine, Gütige und Milde. Und wenn\nSie einige dieser Eigenschaften in sich gebildet haben, dürfen\nSie sich ruhig verehren lassen.\nDie Schwachen leiden, mitten in den Triumphen der\nMechanik und ungehemmten Zerstörungen schwinden ihre ohn-\nmächtigen Stimmen hin, blind vor jenem Worte, daß ~Gott in\ndem Schwachen groß ist.\"\nSie stehen abseits, die zur Geistigkeit berufen sind. Härte\nund Strenge des Lebens halten ihre reinen Stirnen darnieder.\nDa sie zu nichts tauglich sind, als ihrer täglichen Arbeit und\nden kleinen Freuden des engsten Kreises zu leben, da ihr Herz\nso groß ist, alle Widrigkeit und Erhabenheit in sich zu fassen,\nund sie jede Beschränkung verschmähen, da sie die sittlichen\nGrenzen aufrichten und heiligen: so ist ihr Platz nicht im\nkriegerischen Dasein der Völker.\nFeininger\nIch sprach von ~Menschen\" und bekenne freimütig, daß\nich zu sehr gewohnt bin, mich mit mir zu beschäftigen, um\ngegen andere loszuziehen, wenn es sich um menschliche Irr-\ntümer und Schwächen handelt.\nAufs Entschiedenste aber muß ich jede Ueberheblichkeit\nden zeitgenössischen Künstlern gegenüber von mir weisen, auch\ndie Vermutung, daß ich sie richtig einzuschätzen glaube —\ndenn sie passen mir zwar nicht, für meine persönliche An-\nschauung und übergroße Sehnsucht — aber ich erkenne durch-\naus ihre Eigenschaften an und in vielen Fällen ihre überaus\ngroßen Fähigkeiten — die ich leider mir selbst aberkennen\nmuß.\nUeberschätzen Sie mich nicht, halten Sie mich nicht für\netwas anderes, als einen Menschen, der am allermeisten gegen\nseine eigenen Mängel zu kämpfen hat. Ich würde jedoch mich\nweit ärmer bekennen als ich wahrhaftig bin, wenn ich leugnen\nwollte, daß ich häufige Zeiten des Gefühls der großen, mächti-\ngen Stärke habe. Ich fühle mich übervoll von einer W e 11*\ndie adäquat auszudrücken, mir meistens so unendlich wenig\ngelingt. Und wenn ich sage: ich weise den „Trost\" von mir —\nund die Versuchung — anstatt sie wirklich (diese innere\nWelt) zu geben, etwa nur technische oder flüchtige Schön-\nheiten zu geben, wie Viele es tun. Nur das gelungene Werk,\ndas auf das Direkteste ausgeht, kann mich erlösen und ist\nfähig zu leben, weil es „zeitlos\" geworden ist.\nEtwas Selbstgefühl kann nicht schaden!\nMan ist oft genug so voller Selbstvernichtung und Zweifel-\nsucht über seine weitere irdische Bestimmung.\nSchließlich ist diese Kunst nur meine Sache, mir selbst\ngegenüber, und ich schaffe einfach um das bischen Höchste,\nwas in einem kurzen Menschendasein unter stetem Ringen\nvielleicht erreicht werden kann, gleichviel in welcher Form\noder Kunst.\nMein Unglück (wenn Sie wollen) ist, daß ich vielleicht zu\nsehr noch mit meinem Werk zurückhalte! Aber ich bin voller\nZuversicht, daß ich meine Grenzen noch lange nicht erreicht\nhabe, und daß ich von Fall zu Fall immer weiter vorwärts-\nschreite, daß ich mich von dem Gedanken leiten lasse, noch\nBesseres zu geben als bisher!\nKnoblauch\nEs ist stets ein gut Teil Martyrium darin, wenn man fest\nseinen Weg innehält, und es ist eine Kühnheit darin, wenn ein\nerprobter Künstler sein Urteil über das Schaffen seiner Zeit\nfällt.\nSie sagen, daß Sie wohl sich selbst aber nicht die „Ande-\nren\" kennen. Ich kann mir nicht denken, daß Sie sagen wollen,\nIhre Kunst geht von Ihrem Ich aus. Ich glaube, daß Ihr „Sich\nselbst kennen\" Kierkegaard'sch zu verstehen ist.\nIch muß bis zur völligen Verzweiflung an mir selbst in den\nanderen Menschen gelebt haben und leben, um den Welt-\ni\nZusammenhang zu verstehen, soweit es Gott zuläßt. Dann erst\nkann ich auch mich verstehen als die schwerste aller meiner\nAufgaben. Ich kann mich aus dem Grunde nicht verachten,\nwas auch ein christliches Ressentiment wäre.\nIch behaupte nicht, daß die Kunst religiös sein soll, aber\nich habe zur obersten Pflicht, religiös und sittlich zu sein. Ich\nhabe ganz einfach dem inneren Gebot zu folgen und mit Hilfe\nmeiner Kunst die sittliche Aufgabe zu erfüllen. Es ist völlig\nverkehrt, etwa die Kunst selbst als religiösen Zweck zu be-\ntrachten. Ich muß diese Verderbnis des Geistes überwinden.\nEs wäre höchst nötig, lieber Feininger, daß Ihre Verzweif-\nlung an der Kunst gewissen Leuten, die allzu sorglos den be-\nkannten breiten Weg wandeln, als Mühlstein um den Hals ge-\nhängt würde.\nDie Kunst soll sich möglichst von Krieg und Frieden fern-\nhalten, denn beide sind Aufgabe der Sittenlehre. Kunst ist\naus sich und für sich selbst nichts und nie Selbstzweck. Sie ist\nursprünglich des Inhalts bar; aber sie soll treue Dienerin des\nWeltgesetzes werden, Zeugin unserer inneren Welt, die wir\nalle verehren.\nMeine Aufgabe ist ganz einfach und naheliegend die Hin-\ngabe meiner selbst in einem sittlichen Leben. Wenn mir einer\nanbietet, werde das und das, aber verzichte darauf, Du selbst\nzu sein, dich zu offenbaren, und lebe ganz deiner neuen Aufgabe;\nwenn mir einer die Macht in die Hände legen würde, der Welt\nden Frieden zu geben, sobald ich darauf verzichte, der persön-\nlichen Aufgabe zu leben und nur dem Friedensgedanken zu\ndienen; so würde ich auf beide Anerbieten „nein\" antworten,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6368, "texte": "denn sie würden nicht dem einfachen und naheliegenden Sinne\nmeines Lebens entsprechen.\nDer Friede der Welt ist nicht der Friede der Kunst und\nmeiner selbst. Ich würde unglücklich werden!\nFeininger\nIch gehe wie ein schlechter Schwimmer leicht im Strudel\nder Empfindungen unter. Mein Mitteilungsbedürfnis ist so groß,\ndaß ich es mit Worten nicht ausdrücken kann. Oft setze ich\nmich an die Orgel und suche Erlösung in Bachs gewaltigen\nTönen. Es steigt dann eine Fuge oder ein Choralspiel von welt-\nentrückender Verklärtheit. Ja, mit dem Schreiben! Geht es\neinem schlecht, dann kommt man vielleicht am ehesten dazu.\nGeht die Arbeit aber gut, (dieser Gradmesser für alles!), so\nhält man sich fest an das gute Gelingen, und will, vor\nUeberschwang, schreiben; jede Minute: und spart\nes noch auf, damit noch mehr mitzuteilen, sich ansam-\nmeln kann — und schreibt am Ende doch dann erst, wenn sich\nder Katzenjammer einstellt.\nAuf der Staffelei steht vor mir ein angefangenes Bild. Voller\nFrische, voll leuchtender Farbe: mit kühnem, breitem\nAuftrag. Seit drei Tagen berausche ich mich daran.\nUnd nun: ich habe zwei, drei Bilder aus diesen letzten,\nschrecklichen, verquälten Wintermonaten hervorgeholt und ver-\ngleiche sie mit dem neuen Glückskind! Ja, was meinen Sie?\nDas Glücksbild zerfällt in Bravour — und die\nSchmerzensbilder sind verklärte Werke — mit einem Zauber-\nschlag scheint es zu gestehen, daß aus diesen verquälten Kin-\ndern dunkler Zeiten diamantharte, unvergängliche Visionen ent-\nstehen, voller verborgener Schönheit. Sie sind nicht von der\nheutigen Zeit. Das Glücksbild ist es. —\nEs gibt nur eine Kunst — die zeitlose. Alles, was\nauf halbem Wjege zur letztgültigen Form und Vertiefung stehen\nbleibt, muß sich überleben. Denn die Seele, die die eigene\nunendliche Not erkannt hat, kann nicht mehr mit weniger\nals dem Letzten, Höchsten oder Tiefsten sich abspeisen lassen.\nDoch das Glücksbild soll weiter gemalt werden und ein\nGlücksbild bleiben. Denn ich bin doch noch zu „jung\" und stecke\nzu sehr in der Notdurft der Sinne, um sie ganz abzutöten. Ich\nwill von siebzig Jahren an mich ganz davon loslösen und\nbis hundert Jahre nur noch Geist sein.\nSoll ich noch von meinem Glücksbild berichten? Es ist im\nModder und Schlamm unreiner Farben untergegangen und be-\nsteht nicht mehr, sondern wird überspachtelt als Grundfläche\nfür ein künftiges „ernstes\" Bild. Dagegen habe ich mit Härte\nund Zorn mich gezwungen, dasselbe Bild noch einmal anzu-\nfangen und mir die größte Strenge zum Gesetz gestellt. Es wird\njetzt erst ein Bild, das diszipliniert und festgefügt vielleicht ein-\nmal ein „Glücksbild\" werden kann.\nEin tragisches Geschick hat Marcs Bild „Tierschicksale\",\ndurch Feuersbrunst vernichtet. Wenn ein Künstler unserer\nTage groß und edel schaffte und groß und edel war, war es\nMarc.\nKnoblauch\nDer Ruhm ist das Gut über allen Gütern, und ich soll ihn\nuntadelig lieben. Er ist klarer Honig, gesunde Milch, des\nWeines Würzkraft, begeisternd, unsterblich erhebend.\nEr ist der Weg, den der Schöpfer unabhängig, ganz einsam\nund fern gehen soll.\nDie Scheu vor großen Worten ist die schönste Tugend des\nreifen Mannes. Wenn wir tief lieben, baut einer immer mehr\nauf den anderen als auf sich, aber in Liebe, und da lernen\nwir am besten das Große kennen.\nEs gibt keinen seligeren Genuß, als die Ueberwindung der\nalltäglichen Physiognomie, des gemeinen Ausdrucks, der Merk-\nmale des Abfalls einer trüben Seele von der Sache des Guten\nund des Glaubens an die Menschen: durch das Gedicht oder\ndas Bild. Gewiß kenne ich mich selbst gut, aber ich muß mir\nfleißig die Fähigkeit erwerben, mich in meine Mitmenschen zu\nversetzen.\nIn der Tiefe der geistigen Selbstentäußerung beginnt die\nHelligkeit des künstlerischen Verstehens der feinen Zusammen-\nhänge. Gerade weil ich stets ungeheure Lust empfinde, über\ndie Klarheit und Begrenztheit des gegenwärtigen Geschehnisses\nin seine innerste Begründung vorzudringen, habe ich umso eher\ndie anderen Ichs nötig. Dann beginnt die Welt zu tönen, Zu-\nsammenhang entschleiert sich, und ich verstehe ein wenig mehr\nvon mir. Eine ruhige sichere Heiterkeit, eine würdige Freiheit\nerfreut mich. Ich schaue mich um und sage, wie schön ist es,\ndaß der Rasen gedeiht, der Nachmittag sonnig geworden ist\nund die Katzen am warmen Ofenrohr schnurren.\nFeininger\nMein Schreiben ist egoistisch, ich schreibe in der Not der\nStunde und nicht für die Dauer. Nichts ist so sehr Schwankun-\ngen unterworfen, als das Gemüt des schaffenden Malers und\ndie letzte Wahrheit einer Stunde kann in der nächsten schon\nglatt widerlegt werden.\nZu den in Wort und Schrift tätigen Malern wird man mich,\nsolange ich fähig bin zu bildnern, niemals zählen dürfen.\nEine wahrhaft eigene Anschauung kann, jedes Mal, nur der\nEinzelne im Laufe langjähriger künstlerischer und menschlicher\nEntwicklung, sich selbst erringen. Nur mit der meinen ver-\nwandte Naturen können an meinen Äußerungen und An-\nsichten irgendwie Nutzen finden, indem sie Bestätigung\nihrer bereits eigens gewonnenen Erfahrungen darin finden.\nEine fremde künstlerische Anschauung kann nicht ohne weite-\nres auf andere übertragen werden, die nur durch\nzu Künstlern im wahren Sinne werden können.\nIch muß weiter im Stillen und Verborgenen schaffen; nur\nmeine Werke können den Beweis dafür erbringen, daß ich dazu\nberechtigt war, s o und nicht anders zu schaffen. Nach meinem\nTode mag man sich zu meinem positiven Lebenswerk meine\nschriftlichen Aeußerungen zusammensuchen, um vielleicht über\ndasselbe klarer ins Reine zu kommen.\nAber auch, damit dies geschieht, bin ich der Welt wirklich\nGroßes schuldig.\nIch bin kein Allerneuester, sondern ein Mensch, der mit\nseiner Zeit brechen muß, um leben zu können. Mag ich dabei\nauch hinter der Zeit bleiben, was schert's mich! Die einzig\nbestehenden kulturellen und künstlerischen Reingedanken sind\naus Urzeiten her, und moderne Gehirne könnten sie niemals\nformuliert haben. Sehen Sie sich unsere geistige Welt nur an!\nWohin jede Kunst-Tendenz strebt: nach Differenzierung,\nund Augenblickswirkung, nach Optik und Mechanik, nach „Ge-\nfühl\" und starken „Reiz\", nach Symbolik (für was nur?) und\nAesthetik. Alles Dinge, die ich verabscheue! und in denen ich\nauch als Verdammter stecke, weil ich in dieser Zeit geboren bin.\nIch kenne manche, die Urgewalt besitzen. Es sind nicht\nheute die Gefeierten, aber sie werden bestehen, wenn man\nlängst ihre Namen vergessen haben wird."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6778, "texte": "Knoblauch\nIch habe damals die Wendung vom christlichen Selbst-Haß\nund -Verachtung *) fort vollzogen, bin also vom Christentum\nweg und bin ohne diese düsteren und verhängnisvollen Schmer-\nzen, denen berauschender Aufschwung folgt. Ich habe die\nArbeit in ihrer breiten Einfachheit gewählt, die positiven Freu-\nden, von denen ich offenherzig Vergnügen habe, die Lebens-\nbejahung nicht als Gnade, sondern als gesundes Mitessen am\nTisch der Welt, das Gechlechtliche, die Natur, die reichen und\nschönen Städte.\nIch empfinde das Unglück meiner Mitmenschen, ich bete\nmit manchem Ich, ich arbeite, um die Ichs so kennen zu lernen,\nwie Gott es den Künstlern befiehlt. Da ich soviele Schwächen\nkenne, unsägliche Kleinmütigkeit, Bitterkeit und Schwärze:\nliebe ich heiß das strahlende Leben im Blut und das Meer des\nLichtes, aus dem der Frieden kommt, der über allem Verstände\nist.\nSo bin ich unvermögend geworden, mich selbst zu verach-\nten, und ich glaube an den göttlichen Shakespeare, der mich\nauffordert, den Formeln zu entsagen und die Schmerzen der\nMenschen in der eigenen Brust zu sammeln. Das kann nur,\nder die Kunst einfach und natürlich auffaßt. Hohes Glück eines\nkleinen Liebesliedes von Shakespeare oder Goethe oder der\nfeierlichen Anrufungen der Heimatströme und Heimatebenen\nAmerikas von Whitmans ungeheurer Stimme.\nFeininger malt, dient, seufzt, quält sich, presst das All zu-\nsammen, geht in den dunkelsten Schlüften, Ich dichte, gehe\nHand in Hand mit den Liebsten, halte Kameradschaft, öffne\nBrust und Geschlecht, prüfe die Stimme und kläre sie von Trun-\nkenheit, Wollust, Sorge, Verdruß. Ich liebe das natürliche\nLicht und kann es nicht extensiv genug, auf Alles ausströmend\nhaben, Feininger kennt die Welt besser und malt also das\nLicht, welches er mitten im Dunkel findet. Ich kenne die Welt\nschlecht, liebe sie umsomehr und verherrliche ihre Beziehungen.\nSchaudernd blicke ich in ihre Abgründe.\nAber wir beide haben Eines gemeinsam: den Haß gegen\nMechanik, die Wut auf seelenlose Vernichtung, und wir machen\nKino, Grammophon, unsere ganze Automaten- und Fabriken-\nKultur lächerlich, indem wir den Glauben an die Ausschließ-\nlichkeit unserer Kunstaufgabe hüten und verteidigen.\nWas Sic malen ist — in den düstren Bildern — Härte,\nLeid,; Die zehnfachen Schichten übereinander in Ihren Arbeiten\nwollen nicht die billige Einfachheit der ,»GlätteI'. Sie hassen\ndas „Programm\" als billige Erleichterung der Gegenseite zur\nGlätte. Sie loben daher das Handwerk, das ja die reine Arbeit\nbedeutet. Und dann treten Sie vor Ihre Arbeit und sind nur\nim Stande, Ihre Arbeit zu machen, die Sie nicht ausdrücken\nkönnen, und die von den Beschauern Ihrer Bilder dann abge-\nlehnt wird.\nSie haben übrigens nicht ganz recht, daß jeder schaffende\nMann seinen eigenen Weg gehen müsse, man muß hinzufügen,\ndaß sein Weg untergehen muß, und er von Gott seine Macht\nzum Leben erhalten muß. Es ist ein furchtbares Brausen über\ndas armselige Geschöpft gekommen, das einmal Schöpfer wer-\nden kann.\nAber welch' seltner Fall ist das!\nFeininger\nEines fehlt ihnen: es ist das Zu-Ende-Schaffen eines Kunst-\nwerks!\nIst die „Note\" der allgemeine „Wurf\" eines Werkes erst\ngelungen, „sitzt\" eine Sache, dann brechen sie dort ab im\nKunstschaffen, wo eigentlich erst der Anfang gelungen ist.\nWer an seinem Werk aber feilt und glättet und die letzte Form\nI___\n*} Ich kann die Selbst-Bezweiflung nicht leiden. Sie gilt zwar\nals feine Kultur-Eigenschaft! Wenn ich meine Arbeit viele\nMale wieder von vorn anfange, so ist das in der Ordnung, aber\nwenn ich mit dem Zweifel gleich immer vorn anfange, so kann\nich nie im Großen wirken.\nvervollkommnen will, wird „kühl\" und ~temperamentlos\" ge-\nscholten.\nWie ich das Wort „Temperament\" im Kunstbegriff hasse!\nWer eben sich nicht hat bemeistern gelernt, seinem Ungestüm\noder seiner Hast nach Gelingen keine Zügel anlegen kann, wird\nals „temperamentvoll\" gepriesen. Das ist dann der — „warme\nmenschliche Hauch\" in seinem Werke.\nIch brauche nicht erst alte Bilder im Museum zu sehen.\nEine Sammlung mittelmäßiger Abbildungen nach Bildern\ndes 14. oder 15. Jahrhunderts, vornehmlich der italienischen\nPräraffaeliten, läßt mich erschüttert ob der Vollendung\nvon Absicht und Form in allen Werken. Viele „Neueste\"\nbringen das rein Handwerkliche wieder zu Ehren. Das\nist schon sehr viel gewonnen und vielleicht unsere\ngrößte Hoffnung auf eine neugeborene Malkunst (allzuviel ist\njedoch dabei artistisches Streben.) Wir kommen nur'\nschwer zur Verinnerlichung und zum vollkommenen, geraden\n\"V\nAu s d ruck geistiger Kunst.\nKnoblauch\nZu gewissen Zeiten entstehen große Werke, die voll Hoheit\nalles menschliche Treiben beschatten.\nWährend ihr lebendig Inneres ihren Urhebern im Tode\nnachfolgte, wurde ihr Gehäus unsterblich im Tode der Zeiten.\nIn ihrer Verlassenheit und Einsamkeit überdauern sie alle Ent-\nwicklung, selbst des Volkes, das sie hervorbrachte und dem\nsie geistiger Atem, Sonne und Ruhm waren.\nDie gotischen Kathedralen, einsame Wächter über ver-\nsunkenen Städten sind so unheimlich gespenstig wie wuchtig in\nder materiellen Macht und sichtbaren Verkörperung der Kräfte,\ndie Jesus unterworfen waren. Ihr tropisches Gegenstück sind\nIndiens Dome vor der Muselmanen und Akbars Zeit.\nDie großen, künstlerisch hochbegabten Völker in Aegypten,\nIndien, Persien, Griechenland, Etrurien gingen zugrunde oder\nwurden von Barbaren unterworfen. (Allein Barbaren und Juden\nüberlebten das Altertum.) Was ist von je den Barbaren so ver-\nhaßt gewesen, wie das gute Kunstwerk, das sie vorfanden,\nmochten es nun Mohammedaner oder Engländer sein, die ihre\nunfähigen Machwerke eilfertig an die Stelle der eingeborenen\nKünste setzten und die einheimischen Götterstätten entweder\ngänzlichem Verfall und Verfinsterung überantworteten oder sie\nmit dem Hammer demolierten, um „Andenken\" zu schinden\noder ins heimische Museum zu verschleppen, wo die ehrfurcht-\ngebietenden Bildwerke ein obskures, verdorbenes und tragisches\nLeben auf ihre alten Tage zu tragen verflucht sind.\nAber wenn die Kultur verfinstert ist, wenn der leichte\nGlaube an die vielen Allheilmittel zur Abstellung des Uebels\nund des Leidens wankend geworden ist, wenn es klar wird,\ndaß die Schöpfung ihre Kräfte ökonomisch unter den Völkern\nverteilte und diese einander beiordnete zur Hervorbringung der\nWerke, die die kurze Spanne des Lebens eines Volkes über-\ndauern, wenn es schließlich eine Kleinigkeit ist, das Genie so\ngut wie eine Kathedrale oder ein ganzes Volk zu Grunde zu\nrichten: dann wird es schwer, die unverwüstliche Wohlmeinung\nüber sich selbst beizubehalten.\nLaßt uns die ewig frische Epoche der Werke ankündigen,\ndie aus unbekannten Ueberwindungen, Not und Kraft und\nLeiden eines großen ringenden Herzens hervorströmen, wenn\nder Weg bereit ist und feierlicher Sonntag anhebt. Laßt uns\ndies Herz nicht verleugnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.3.1", "titre_corps": "Lyonel Feininger: Zeichnung", "titre_sommaire": "Lyonel Feininger: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "Lyonel Feininger: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.6", "titre_corps": "Kritiker : Tragikomödie in drei Personen", "titre_sommaire": "Kritiker : Tragikomödie in drei Personen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.8", "debut_caractere": 1041, "fin_caractere_exclue": 6575, "texte": "Kritiker\nTragikomödie in drei Personen\nHerwarth Walden\n\nDer Humorist\nHerr Karl Scheffler, der ernst wie das Leben ist, will jetzt\nauch heiter wie die Kunst sein. Zu diesem Zweck hat er seine\nredaktionelle Tätigkeit erweitert. Seine Zeitschrift Kunst und\nKünstler, worunter der Maler Max Liebermann zu verstehen\nist, veröffentlicht Künstleranekdoten, Künstler sind be-\nkanntlich ein heiteres Völkchen, und der genannte Herr Karl\nScheffler will sich auf diese Weise an die Kunst heranschäkern.\nDie erste Anekdote seiner Ausgabe vom 1. August NEUNZEHN-\nHUNDERTUNDSIEBENZEHN (so ernst ist Herrn Scheffler\ndieses Jahr) heißt: „Das Künstlerkleid, Eine fanatische An-\nhängerin der Reformtracht, die über ihren mageren Körper bei\nfestlichen Gelegenheiten ein modernes Künstlerkleid zu ziehen\npflegte, wurde von ihrem Mann mit diesen Worten einem Be-\nkannten vorgestellt: Und dieses ist meine Frau, Wo die Brosche\nsitzt, ist vorne,\" Die Veröffentlichung dieses ältesten Börsen-\nwitzes spricht Bände von Kunst und Künstler und verrät das\nVerhältnis des Herrn Scheffler zur Kunst. Auch sein Meister\nLiebermann hat es, Herr Scheffler veröffentlicht nämlich eine\nzweite Künstleranekdote: ~Liebermann zu einem Käufer, der\nihn zur Vielmalerei verführen wollte: Wissen Sie, Heber Herr,\nich bin nicht mit der Kunst verheiratet; ich habe ein Verhältnis\nmit ihr/' Dieses Bild müßte Herr Karl Scheffler malen. Rechts\nunten sitzt der Meister Liebermann, links unten der Verführer\nin der Idealgestalt des Besitzers der Broschenfrau, in der Mitte\ndie Kunst, idealisiert nach Schefflers Künstleranekdoten. Und\nwo die Brosche sitzt, hat sich die Kunst geflüchtet«\nDer Heldenvater\nHerr Franz Servaes, als sogenannter Dichter ein mäßiger\nScheerbart-Epigone, als sogenannter Redakteur ein Jahrzehnt\nmit technischen Hilfsarbeiten an der Neuen Freien Presse be-\nschäftigt gewesen, wagt es, seit zwei Jahren Kunstkritiken in\nder Vossischen Zeitung zu schreiben. Ich habe seine Unfähig-\nkeit, Bilder zu sehen und noch darüber zu schreiben, bisher\nbelächelt, Spaß muß sein, und ich bin für Spaß, Mir sind die\nHerren Kritiker nur Gleichnisse, Ich brauche meine Modelle\nnicht zu wechseln. Denn alles, was die Herren schreiben, haben\ndie Kollegen schon geschrieben. Dummheit ist nicht ursprüng-\nlich, sie ist nur sprunghaft. Und diese Leute haben kein Ge-\ndächtnis. Sie vergessen eine Dummheit über die andere. Sie\nwidersprechen sich, weil sie nicht sprechen können. Sie wider-\nschreiben sich, weil sie nicht schreiben können. Und sie wun-\ndern sich. Sie wundern sich, daß die Kunst ist, ohne daß sie\nsind. Sie sprechen zu den sehr geehrten Abonnenten ihrer\ngeschätzten Zeitungen, aber die Abonnenten hören sie nicht.\nDie Herren Kunstkritiker werden überrannt. Sie sind von der\nKunst erschlagen. Und ich bin glücklich, daß ich Hammer sein\ndurfte.\nNun röchelt Herr Servaes am Wege: „Herwarth Waiden,\nder Sturmbeschwörer hat die bisherigen sehr unzureichenden\nAusstellungsräume im Seitenflügel des Hauses Potsdamer Straße\n134 a verlassen und im ersten Stock des Vorderhauses neue\ngute und lichte Räume bezogen.\" Mür ist zwar nichts von\nmeinem Umzug bekannt, ich wohne noch immer, wo ich wohnte.\nAber Herr Servaes, der bei mir nicht verkehrt, muß es ja\nwissen. Weniger poetisch gesagt: Die Kunstausstellung Der\nSturm ist aus guten zureichenden Räumen in andere gute zu-\nreichende Räume desselben Hauses verlegt worden. Herr Franz\nServaes hat offenbar journalistische Beziehungen zu dem Be-\nsitzer dieses Hauses. Denn er schreibt: „Indem er hierdurch\nbekundet, daß sein Geschäft „blüht\", hat er zugleich die Ver-\npflichtung empfunden, eine neue Gesamtschau abzuhalten.\"\nHerr Franz Servaes hat also offenbar auch Beziehungen zu den\nBüros des Sturm, weil er doch so genau weiß, wozu ich Ver-\npflichtungen empfinde. Ich besitze leider nicht die blühende\nGeschäftsphantasie des Herrn Kunstkritiker Servaes, freue mich\naber, daß er sich so menschlich für mich interessiert. Ich will\nihn sogar gern zum Buchhalter der Kunstausstellung Der Sturm\nernennen. Vielleicht ist das ein Buch, das er verstehen kann.\nTrotzdem ich bezweifle, daß seine gärtnerischen Fähigkeiten\ndes Blühens sich erheblich dabei auswachsen werden. Aber\nder Umzug hat Herrn Franz Servaes noch weiter aus seinem\nHäuschen gebracht: „Er will hierdurch offenbar die errungene\nMachtstellung an den Tag legen, fordert aber desto entschiede-\nner zur Kritik heraus.\" Da liegt einer am Wege und glaubt\nsich herausgefordert. Nein, Herr Franz Servaes, Sie sind nicht\nherausgefordert. Ich kämpfe nur mit Gegnern, die ebenbürtig\nsind. Ich habe Ihnen noch kein Haar gekrümmt. Ich müßte\nmich dazu beugen. Denn Sie stolpern hin und her vor meinen\nFüßen. Aber ich lächle, Sie gestatten doch, daß ich lächle.\nVon den neuen guten und lichten Räumen hinab auf die Straße,\nwo Sie schimpfen, Sie schimpfen. Ich lächle. Sie schimpfen\nmit dem Pathos der Distanz. Von der Straße hinauf in die\nneuen guten und lichten Räume. Kaum ein Vorübergehender\nhört es. Denn jeder geht bei dem Schimpfenden vorüber, hin-\nein, hinauf in die neuen guten und lichten Räume. Nicht einmal\ndie Leser der Vossischen Zeitung kennen Sie. Sie lesen über\nSie hinweg, aber sie lesen Sie nicht auf. Denn Sie schimpfen,\naber ich lächle. Die Machtstellung der Kunst ist errungen.\nIch bin glücklich, daß ich Hammer sein durfte,\nVon der Straße höre ich es herauf schimpfen: „Klarer war\nes nie, daß, was diese Scharen einigt, nur das Dogma und nicht\ndas Talent ist. Mit anderen Worten: Neben einigen wenigen\noriginalen, wenn auch unausgegorenen Erscheinungen bewegt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8599, "texte": "sich ein bloß durch Kommando zusammengehaltener Haufen\nvöllig belangloser Mitläufer. Vor allem sieht man nicht, daß\nwirklich neues hinzuwächst/' Herr Franz Servaes ist nicht ein-\nmal zum Buchhater zu gebrauchen, was ich zahlenmäßig beweise.\nVon den fünfundfünfzig Sturmausstellungen hat Herr Franz\nServaes in zehn Ausstellungen sich je eine halbe Stunde vorbei-\ngesehen. Er hat sich also im ganzen fünf Stunden mit der\nKunst der Gegenwart beschäftigt. Die Scharen des Sturm be-\nstehen aus dreißig Künstlern. Sie sind durch das Kommando\nzur Kunst zusammengehalten. Der Haufen völlig belangloser\nMitläufer verteilt sich auf alle übrigen Kunstgenossenschaften.\nDie unausgegorenen Erscheinungen dort finden das Sauerbier\nder Anerkennung des Herrn Franz Servaes. Er hält sich für\neinen Maßstab, wo er doch mit einer Elle zu messen ist. Von\nden dreißig Künstlern des Sturms hat Herr Servaes in seinen\nfünf Stunden nun endlich sich acht Namen gemerkt. Er kann\nsie zwar noch immer nicht orthographisch schreiben,\naber das wird schon werden. Es ist das einzige, was noch\nwerden wird. Diese acht Künstler hält Herr Servaes für ori-\nginal. Er hat aber nichts zu halten, weil er selbst haltlos ist.\nWeil er sich an Begriffe klammert, die nie Kunst sind. Und\nweil er sich an Kunst klammert, die für ihn Begriff ist. Dieser\nMensch wagt über die anderen Künstler des Sturm wie Campen-\ndonk, Feininger, Paul Klee, Fernand Leger, Alexander Archi-\npenko, um nur einige Namen zu nennen, wie folgt zu schreiben:\n„Der sehr erhebliche Rest fällt lediglich unter die Kategorie\nvon Nachäfferei und Humbug und ist oft genug von kläglicher\nTalentlosigkeit und Gespreitztheit. Arbeiten, die zu schlecht\nsind, um selbst in der bescheidensten Kunsthandlung Aufnahme\nzu finden, werden durch einige kabbalistische Abzeichen stil-\ngerecht gemacht und dürfen sich futuristisch, das heißt in die\"\nZukunft weisend nennen.\" Herr Servaes weiß nicht einmal im\nKunstgeschichtlichen Bescheid. Auf dieser Ausstellung waren\nnur zwei Futuristen mit Gemälden vertreten, die Herr Servaes\nzu den Originalen rechnet, während alle übrigen Bilder expres-\nsionistisch sind. Es fällt lediglich unter die Kategorie von Hum-\nbug, wenn ein Mensch, wie Herr Servaes wagt, Kunstkritik zu\nschreiben. Es fällt aber unter die Kategorie von Unanständig-\nkeit, wenn dieser Herr Servaes zu schreiben wagt: ~Die Zu-\nkunft wird sich bedanken. Sie wird in ruhiger ernster Arbeit ihre\nZiele verfolgen und auf diesen orgienhaften Schwindel nicht hin-\neinfallen/' Ich will Herrn Servaes gern der Zukunft überlassen,\nmit der schon manches alte Weib sein Brot als Wahrsagerin ver-\ndient hat. Ich werde ihn aber zwingen, in der Gegenwart die\nWahrheit zu sagen, nämlich, daß er sie nicht kennt. Er soll\nmir nicht mit dem Gesicht der Ehrlichkeit schwindeln. Was\nweiß Herr Servaes von der 'ruhigen ernsten Arbeit dieser\nKünstler. Kennt er sie. Kennt er ihre Entwicklung, die solchen\nHerren ja so viel bedeutet. Hat er je die Bilder der V ergangen-\nheit dieser Künstler gesehen. Kennt er ihren Studiengang, ihr\nLeben, ihre Ethik. Zwar bedeutet das alles nichts für die\nKunst. Es bedeutet aber viel, wenn man sich ein Urteil über\ndie Ehrlichkeit der künstlerischen Gesinnung erlauben will.\nDas ist bürgerliches Gebiet, auf dem die bürgerlichen Gesetze\ngelten. Auch für Künstler, die über Ihren Horizont malen,\nHerr Servaes. Ich warne Sie. Noch immer gibt es ein Kammer-\ngericht in Berlin. Hüten Sie sich, die bürgerliche Ehre von\nKünstlern zu beleidigen. Der Künstler hat sie auch, und dar-\nüber hinaus das, was Sie nie begreifen v/erden, die Ehre zur\nKunst, die Ehrfurcht vor der Ewigkeit,\nSie schimpfen. Aber ich lächle. Von der Straße höre ich\nes noch heraufwimmern in die neuen guten und lichten Räume:\n~Vor diesem mit Posaunen und Geschmetter unternommenen\nSturmangriff in der Potsdamer Straße wird die deutsche Kunst-\nfront nicht erschüttert werden, sondern alle diese Exaltiert-\nheiten gelassen von sich abschütteln.\" Die Stellung ist genom-\nmen, Herr Servaes, Sie geben es selbst zu. Durch den Sturm\ngibt es die deutsche Kunstfront. Sie wird von Ihrem mit Klap-\npern und Geschnatter unternommenen Angriff nicht erschüttert.\nDie Kunst schüttelt Sie gelassen von sich ab. Aber die Kunst\nist Ihnen nicht böse, alter Herr. Sie lächelt über Sie. Mit ihrem\nschönsten Lächeln aus dem Glück heraus ihrer ewigen Jugend,\nDer Charakterspieler\nEin Herr Robert Breuer hat sich zum unabhängigen Kunst-\nkritiker und mich zum abhängigen Kunsthändler ernannt.\nDaß Herr Breuer kein Kunstkritiker ist, habe ich schon wieder-\nholt bewiesen und werde es wieder beweisen. Prüfen wir zu-\nvor aber einmal den Kunsthändler Herwarth Waiden, der auf\nden Kunstkritiker Robert Breuer so aufreizend wirkt. Herr\nBreuer hat sich über ihn auf drei Seiten in der Schaubühne des\nHerrn Siegfried Jacobsohn ausgelassen. Folgende Schauer-\ngeschichte hat sich nach Herrn Robert Breuer zugetragen:\n~Herr Herwarth Waiden, der geschäftliche Leiter des Sturm, hat\nzu einer Gesamt-Schau eingeladen. Im Katalog steht auch\nOiskar Kokoschka verzeichnet. In der Ausstellung aber ist das\ngenannte Bild dieses Malers nicht ohne Weiteres zu finden; nur\nmühsam entdeckt man es schießlich in einem völlig verlorenen\nWinkel an einem dem Licht abgekehrten Pfeiler. Solche Tat-\nsache wirkt außerordentlich aufreizend.\" Nun bin ich zwar der\ngeschäftliche Leiter des Sturms insofern, wie zum Beispiel\nHerr Max Reinhardt der geschäftliche Leiter des Deutschen\nTheaters ist. Herr Robert Breuer will also offenbar den Lesern\nder Schaubühne vormachen, daß es außer mir noch einen\nkünstlerischen Leiter gibt. Ich beehre mich daher, ein Kunst-\nhändler muß sich beehren, mich den Lesern der Schaubühne\nund Herrn Breuer auch als künstlerischen Leiter des Sturms\nvorzustellen. Mit vorzüglicher Hochachtung. Herr Robert\nBreuer konnte nun das Bild von Kokoschka nicht ohne wei-\nteres finden. Das will ich gern glauben. Ohne Katalog kann\nHerr Breuer überhaupt kein Bild finden. Er suchte und suchte\nnach dem Katalog und entdeckte die Nummer mühsam und\nschließlich an einem dem Lichte abgekehrten Pfeiler. Man\ndenke, an einem Pfeiler. Und dieser Pfeiler befindet sich in\neinem völlig verlorenen Winkel. Dieser böse Pfeiler, über den\nHerr Robert Breuer nicht gestolpert ist, aber gleich stolpern\nwird, befindet sich in der Mitte eines rechteckigen langen\nSaales. Die Herren Kunstkritiker haben die Gewohnheit, ein-\nmal durch die Mitte eines Saales hin- und zurückzugehen. Da-\nmit ist ihre vorbereitende Tätigkeit zur Kunstkritik erledigt.\nDa Herr Robert Breuer aber nun den Kokoschka suchte, oder\nvielmehr die Nummer dieses Bildes, mußte er sich in der Mitte\numwenden, was ihn aus der Richtung brachte, Herr Robert\nBrauer ist nicht Kunsthändler, er ist auch nicht Künstler, er ist\nschlicht Kunstkritiker. Vom Hängen der Bilder hat er also keine\nAhnung. Er ist nicht so gehängt, um zu wissen, daß manche\nBilder dem Lichte abgekehrt werden müssen. Er würde die\nBilder nach den Namen hängen, die ihn interessieren. Was zu\nbegreifen ist, da ihm für seine Interessen nur wenige Minuten\nZeit zur Verfügung stehen. Weil er diese einfachste Regel\nnicht einmal kennt, mußte er sich die folgende psychologische\nSchauermär kraft seiner kritikstrotzenden Phantasie erfinden,\ndie ihm für seinen Kram und meinen Kunsthandel sehr gelegen\nkam. Ich will Herrn Robert Breuer nicht nach einer Methode\nhängen, die er nicht kennt, ich will ihn so in die Sonne hängen,\ndaß er sich nach dem völlig verlorenen Winkel sehnt, den er\nnicht finden konnte, Herr Robert Breuer wird also reizend\naufgereizt: ~Man weiß, daß Kokoschka zu den stärksten Künst-\nlern gehört, die seit Bestehen des Walden'schen Unternehmens\nbisher hier gezeigt worden sind, Herr Waiden hat niemand,\nden er diesem psychologisierendem Dämon und erotischem\nMystiker der Farbe zur Seite stellen könnte,\" Zu deutsch: Der\nName Kokoschka ist Llerrn Breuer so eingebläut, daß er ihn\njetzt für den stärksten Künstler hält. Ich gestatte mir, ihm\nnoch Marc Chagall, Kandinsky, Franz Marc, Jacoba van Heems-\nkerck, Fernand Leger zur Seite zu stellen, ohne daß Kokoschka\netwas dagegen einwenden wird. Aber Herr Robert Breuer weiß\nes besser. Herr Robert Breuer weiß sogar mehr als Kokoschka\n*\nund ich: ~Man weiß aber auch, daß die Beziehungen Kokosch-\nkas zu Herrn Waiden getrübt sind. Kokoschka wird jetzt von\nPaul Cassirer auf den Markt gebracht.\" Die Kunstausstellung\nDer Sturm ist kein Markt, auch wenn Herr Robert Breuer ge-\nlegentlich hier herumlungert. Daß Herr Cassirer Kokoschka\nauf den Markt bringt, erfahre ich authentisch erst durch Herrn\nRobert Breuer. Die Beziehungen Kokoschkas zum Sturm sind"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8541, "texte": "menschlich unverändert. Darüber möge Herr Breuer sich bei\nHerrn Kokoschka erkundigen. Aber: ~Es ist ja nun verständ-\nlich, daß der Händler, wenn er kein Interesse mehr an einer\nWare haben kann, diese Ware vernachlässigt, und aus dem\nBereich seiner Kundschaft auszuschalten versucht.\" Die Vor-\nstellung des Herrn Breuer von einem Händler wäre für einen\nHändler recht kritisch. Kein Händler vernachlässigt eine Ware,\nKein Kunsthändler braucht es nur zu versuchen, seine Ware\nauszuschalten. Er kann es einfach tun. Denn wer könnte nach\nAnsicht des Herrn Robert Breuer den Kunsthändler Herwarth\nWaiden zwingen, auch nur ein Bild von Kokoschka auszu-\nstellen, der doch von Herrn Paul Cassirer angeblich auf den\nMarkt gebracht wird. Wer könnte den Kunsthändler Herwarth\nWaiden veranlassen, auf der August-Ausstellung sogar zwei\nBilder von Herrn Kokoschka auszustellen, der doch von Herrn\nPaul Cassirer auf den Markt gebracht wird. Ich will Herrn\nRobert Breuer zu seiner Beruhigung feierlich erklären, daß ich\nauch weiterhin mit oder ohne seine Zustimmung ausstellen oder\nnicht ausstellen werde, was und wo es mir paßt, auch wenn\nmeine Beziehungen zu Herrn Breuer recht getrübt sind. Hin-\ngegen will ich statt Kokoschka Herrn Robert Breuer weiter\nauf den Markt bringen: „Es ist aber nicht vorstellbar, daß ein\nProphet, der mit der Heftigkeit eines Derwischs für seinen\nGlauben zu kämpfen pflegt, plötzlich, nur weil gewisse wirt-\nschaftliche Verschiebungen vor sich gegangen sind, seine große\nLeidenschaften abstreift. W/enn das geschieht, dann gibt es\ndafür nur eine Erklärung, nämlich die: daß dieser Prophet nichts\nanderes ist, als ein mit den Farben des Medizinmannes an-\ngestrichener Händler, Nun könnte uns nicht auch solche Auf-\ndeckung sonderlich erschüttern. Der Fall Waiden liegt aber\ndoch so, daß man nicht ohne Weiteres daran vorübergehen\nkann.\" Nur eine Krämerseele kann solche Sätze niederschreiben.\nEs gibt höchstens einen Fall Kokoschka, aber keinen Fall Wai-\nden. Oder eigentlich gibt es nur einen Fall Breuer, Ich habe\nnicht die Absicht, Herrn Breuer von meinen Leidenschaften zu\nüberzeugen. Dazu ist mir Herr Breuer zu gering. Er ist ein\nMann, der seine kritischen Gesinnungen abstreift, plötzlich, nur\nweil gewisse wirtschaftliche Verschiebungen vor sich gegangen\nsind. Etwa, weil die Kunst der Gegenwart, die nur im Sturm\nvertreten ist, sich gegen Herrn Robert Breuer und gegen die\nBerliner Kunstkritik durchgesetzt hat. Nie hat sich die Ber-\nliner Kunstkritik so eifrig mit einem einzigen Bilde von Ko-\nkoschka beschäftigt, bevor ihn Herrn Paul Cassirer auf den\nMarkt gebracht hat. Trotzdem dieses einzige Bild in früheren\nAusstellungen bereits durch drei Monate gezeigt worden ist,\ntrotzdem zahllose Bilder von Kokoschka hunderte Male in der\nKunstausstellung Der Sturm gezeigt worden sind. Wenn Herrn\nBreuer die geschäftlichen Beziehungen zwischen Kokoschka\nund Herrn Cassirer so interessieren, könnte er bei mir die\nUnterlagen sehen. Sie sind zwar nicht dämonisch, auch nicht\nerotisch, aber psychologisch. Ich werde diese Unterlagen sogar\nveröffentlichen, wenn Kokoschka nicht dafür sorgt, daß die\nFreunde des Herrn Cassirer richtig unterrichtet werden. So\nleid es mir um den Künstler und meinen Freund Kokoschka tun\nwürde. Dann wird sich zeigen, wer Interesse und wer Inter-\nessen hat.\nIm weiteren Bellen des Herrn Robert Breuer, zeigt sich\ndes Pudels Kern: „Herr Waiden hat bisher nicht nur Bilder ver-\nkauft, er hat auch (in seiner Zeitschrift Der Sturm) mit einem\nungewöhnlichen Aufwand an hitzigem Temperament versucht,\nden Objekten seines Handels die Zustimmung zu erkämpfen.\nEr hat sich dabei nicht immer besonders zarter Mittel bedient; er\nhat sich nie gescheut, auch die, die nur leisen Widerspruch\nwagten, als eine unheilbare Gattung von Halbidioten zu brand-\nmarken. Ein Verfahren, das oft sehr peinlich empfunden wer-\nden mußte, das aber heute — nachdem das in die\nDunkelheit versteckte Bild von Kokoschka unwiderleg-\nbar gezeigt hat, wie schnell und gründlich die Leiden-\nschaft des Kunstfreundes abkühlt, wenn das Interesse\ndes Händlers erloschen — ohne Vorbehalt ein kleiner\nSkandal genannt werden muß.\" Ich halte es für einen großen\nSkandal, ohne Vorbehalt, daß eine Zeitschrift diese Wort für\nWort widerlegbaren Sätze abzudrucken wagt. Jeder Satz ist\neine Unwahrheit. Herr Robert Breuer muß als Journalist\nwissen, daß die Zeitschrift Der Sturm viel älter ist, als die\nKunstausstellung Der Sturm, Daß ich also dieselben Künstler\ngegen Herrn Breuer und Konsorten verteidigt habe, bevor ich»\n„Bilder verkaufte\". Herr Breuer muß als Journalist wissen,\ndaß die Kunstausstellung Der Sturm gegründet wurde, weil\nKünstlern wie Kokoschka, Marc, Kandinsky und den anderen\nkeine Ausstellungshandlung in Berlin zur Verfügung stand.\nHerr Robert Breuer muß als Journalist wissen, was er und seine\nKollegen für Dummheiten über diese Kunst geschrieben haben.\nHerr Robert Breuer muß als Journalist wissen, daß er und\nseine Kollegen alles getan haben, um die Tätigkeit des Sturms\ntotzuschweigen oder die Oeffentlichkeit irrezuführen. Herr\nRobert Breuer muß als Journalist wissen, daß ich den sogenann-\nten Objekten meines Handels nicht die Zustimmung erkämpft,\nsondern sie gegen platte und freche Angriffe der Berliner Kunst-\nkritik verteidigt habe. Meine Mittel der Verteidigung waren\nzarter. Die Methoden des Angriffs waren Beschimpfungen.\nDoch meine Verteidigung war und ist die Kunst des Schrift-\ntums. Daß sich dadurch eine unheilbare Gattung als Halb-\nidioten gebrandmarkt fühlte, liegt in der Wahl der Mittel, näm-\nlich in der Stärke meiner Kunst. Daß Herr Robert Breuer dieses\nVerfahren als sehr peinlich empfand, kann ich ihm nachfühlen.\nDenn ihm habe ich nie eine Zeile unbeanstandet durchgelassen.\nDas versteckte Bild von Kokoschka habe ich bereits in das rich-\ntige Licht gerückt, nämlich in das künstlerisch angemessene.\nHingegen müßte Herr Robert Breuer als bezahlter Kunstkritiker\nder Zeitung „Vorwärts\" wissen, daß seit Oktober 1916 bis auf\ndiese Stunde Bilder von Kokoschka ununterbrochen in jeder\nAusstellung des Sturms gehangen haben. Herr Robert Breuer hat\nes aber mit einer bezahlten Tätigkeit für vereinbar gehalten,\nin diesen neun Monaten einmal die Kunstausstellung Der Sturm\nzu besuchen. Das zweite Mal fand er den einen Kokoschka\nnicht, der mitten in der Ausstellung hing. Hingegen hat er die\nweiteren drei Kokoschkas im Eingangssaal überhaupt\nnicht gefunden. Sie waren nämlich nicht katalogisiert,\ndaher für Herrn Breuer als Kokoschkas nicht zu erkennen.\nDiese Unwiderlegbarkeit wäre also widerlegt. Aus seiner\nkunstkritischen Unfähigkeit und seinem mangelnden kritischen\nPflichtgefühl folgert Herr Robert Breuer munter weiter: „Die\nVermutung liegt nahe, daß Herr Waiden sich auch bisher in\naller seiner ekstatischen Propaganda weniger als Rasseltänzer\neiner neuen Magie, vielmehr und durchaus als Reklamechef\nbetätigt hat,\" Herr Breuer hätte wenigstens schreiben müssen,\nals unbezahlter, während meine Tätigkeit Herrn Breuer doch\nwenigstens Gelegenheit gab, Zeilenhonorar zu schinden, „Die\n(Möglichkeit dieses Verdachtes zwingt dazu, die Gelegenheit zu\nbenutzen, um die Methode, wie sie Herr Waiden bisher gepflegt\nhat, diese Verquickung von Merkantilismus und künstlerischer\nBegeisterung, von Handelsinteressen und rücksichtsloser Nieder-\nbrüllung jeder anderen Meinung, einmal schonungslos zu beleuch-\nten,\" Herr Robert Breuer hat sich bei dieser Methode in kein\ngutes Licht gesetzt. Er möchte sich jetzt wahrscheinlich lieber\nan dem lichtabgekehrten Pfeiler sehen. Er wird übrigens für\ndie rücksichtslose Niederbrüllung dieser Kunst von der Zei-\ntung Vorwärts bezahlt und auch von der Schaubühne, wie ich\nannehme. Ich hingegen bringe als gewiegter Händler Herrn\nRobert Breuer honoris causa auf den Markt, Er macht also\nimmer noch das bessere Geschäft, der unabhängige Kunst-\nkritiker. „Es kommt mir gar nicht so sehr darauf an, die Psyche\ndes Herrn Waiden zu entblößen: Es handelt sich für mich\ndarum, an diesem durch den Fall Kokoschka besonders klar\ngewordenem Beispiel aufzuzeigen, daß solch eine Durch-\nbrechung des in Deutschland gültigen Prinzips der wirtschaft-\nlichen Uninteressiertheit aller derer, die über Kunst und\nKünstler von der Oeffentlichkeit sprechen, nicht länger geduldet\nwerden kann. Herr Waiden muß sich entscheiden: Entweder\nwill er selbstlos eine Geistigkeit fördern, ohne deren Sein und\nSieg er nicht zu leben vermag, — oder er will seine Einnahmen\npflegen.\" Das könnte dem Herrn Robert Breuer passen, wenn\nich es aufgäbe, seine Unfähigkeit bloßzustellen. Aber ich habe"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8671, "texte": "mich feierlich entschieden: Ich werde Herrn Breuer und seinen\nKollegen weiter auf die Finger sehen, daß sie ihre Tinte etwas\nzusammenhalten und nicht die Kunst beschmieren. Sollte sich\nHerr Servaes den angebotenen Platz des Buchhalters der\nKunstausstellung Der Sturm versagen müssen, so bin ich gern\nbereit, Herrn Robert Breuer diesen Posten anzubieten, damit\ner meine Einnahmen pflegen kann, Sie bedürfen der Pflege.\nDenn auf sie habe ich bei aller Rücksichtslosigkeit noch nie\nRücksicht genommen. Vielleicht werden sie besser, wenn ich\nmir solch eine Kraft wie Herrn Robert Breuer sichre.\nUnd nun versteigt sich dieser Herr Robert Breuer zu einer\nfürchterlichen Drohung: „Wenn Herr Waiden seine Uebung\ndurch eine angebliche literarische Propaganda und durch eine\nfanatische Niederkämpfung jedes Widerspruchs, die Preise der\nvon ihm gehandelten Bilder zu steigern, nicht aufgibt, dann wird\nzu erwägen sein, ob es für die unabhängige und auf diese Un-\nabhängigkeit eifersüchtige Kritik nicht Pflicht sein muß, künftig\nüber die derart in eine peinliche Zwitterstellung hineingedräng-\nten Künstler zu schweigen/' Dieser Pflicht befleißigt sich die\nunabhängige Kritik schon recht lange. Herr Robert Breuer ins-\nbesonders hat von den fünfundfünfzig Ausstellungen des Sturms\nzehn Ausstellungen besprochen, trotzdem er bezahlter Kunst-\nkritiker ist, also die Pflicht hat, die Oeffentlichkeit über jede\nAusstellung zu unterrichten. Diese zehn Besprechungen haben\nihn in eine peinliche Zwitterstellung zu sich selbst, zu seinen\nLesern, zu mir und zu der Kunst gebracht. Die Künstler des\nSturms und ich legen nicht den geringsten Wert auf die „Be-\nsprechungen\" des Herrn Robert Breuer. Er soll es aufgeben,\nKunstkritiken zu schreiben. Dann brauche ich meine heilige\nPflicht nicht auszuüben, ihn und seine Kollegen niederzukämp-\nfen. Und er für seine Person hat keine moralische Schuld\nmehr, daß durch seinen Widerspruch die Preise der von mir\ngehandelten Bilder gesteigert werden. Er darf, davon ab-\ngesehen, Kokoschka ruhig loben, da er nach seiner An-\ngabe von Herrn Paul Cassirer jetzt auf den Markt gebracht\nwird. Trotzdem es sich eigentlich Herr Paul Cassirer verbitten\nmüßte. Denn nur durch die Niederkämpfung des Widerspruchs\nkönnten ja die von ihm gehandelten Bilder im Preise gesteigert\nwerden. Das Lob verdirbt das Geschäft. Das deutsche Volk\nist gar nicht zu halten, es kann sich gar nichts Schöneres vor-\nstellen, als Bilder hundertweise anzukaufen, die Herr Robert\nBreuer beschimpft. Namentlich ohne einen Kandinsky kann ein\nMann aus dem Volk nicht mehr leben. Und ohne einen Chagall\nist ihm das Leben geradezu widerlich. Was soll aus allen diesen\nKünstlern werden, wenn Herr Robert Breuer und Kollegen\nnichts mehr gegen diese Bilder schreiben. Und meine armen zu\npflegenden Einnahmen. Ich sehe mich schon als Bittsteller bei\nHerrn Robert Breuer, der mir monatlich die üblichen dreißig\nMark Unterstützung aus den Fonds der ihm unterstellten Kassen\ngütigst zuweist. Im übrigen habe ich im Fall Kokoschka gerade\nrecht uneigennützig „gehandelt\". Herr Robert Breuer übt näm-\nlich seine bezahlte Tätigkeit als Kunstkritiker ganz unzu-\nlänglich aus, sonst müßte er wissen, oder vielleicht hat er es\naus Angst von seiner Unabhängigkeit vergessen, daß Bilder\nvon Kokoschka während der ganzen Zeit des Bestehens der\nKunstausstellung Der Sturm auch an allen anderen Orten der\nErde, sogar in Berlin und sogar auch bei Herrn Paul Cassirer\nkäuflich zu erwerben waren. So daß ich also durch meine Nieder-\nkämpfung der Kollegen, die gegen Kokoschka waren und sind,\ndie Einnahmen der gesamten Kunsthändlerschaft gepflegt habe.\nUnd zwar ohne Provision. Aber Herr Robert Breuer ist un-\nerbittlich, ohne gebeten zu sein: „Es gibt hier keinen Kom-\npromiß. Wir haben bisher jeden Kritiker, der es gewagt hat\nnebenbei mit Bildern zu handeln, ausgestoßen; es ist nicht ein-\nzusehen, warum wir erlauben sollen, daß ein Kunsthändler im\nliterarischen Nebenberuf das Publikum beeinflussen darf/' IcK\nhingegen habe bisher jeden Wir-Kritiker ausgestoßen, der es\ngewagt hat, Kritiken zu schreiben, ohne etwas von Bildern zu\nverstehen und ohne genau über die Kunst und die Künstler\nunterrichtet zu sein. Herr Robert Breuer müßte als Journalist\neigentlich wissen und weiß es, und wenn er es nicht wissen\nwill, sage ich es ihm hiermit: Ich bin Künstler. Das beweisen\nmeine Schriften, meine Dichtungen, meine Musik. Wenn sie\nHerr Robert Breuer nicht kennt, um so schlimmer für seine\nöffentliche Tätigkeit. Wenn Herr Robert Breuer sie nicht ver-\nsteht, um so besser für die Kunst, und wenn er meine Bücher\ngar niederkämpfen will, dann werden sich die Preise steigern.\nEr soll mir meine Einnahmen pflegen! Ich handle ferner nicht\nim Nebenberuf mit Bildern. Ich leite die wichtigste Kimstaus-\nstellung dieser Zeit und gestatte, wie etwa die Königliche Aka-\ndemie der Künste, dem Publikum, Bilder zu kaufen. Dies ge-\nschieht völlig ohne meine persönliche Einwirkung. Das werden\ndie Käufer dieser Bilder bestätigen. Hingegen verhindere ich\ndas Publikum, die Bilder zu kaufen, die schlecht sind, weil ich\nsie nämlich nicht ausstelle und auch einen Kauf nicht ver-\nmitteln lasse. Herr Robert Breuer wird zum Beispiel in der\nKunstausstellung Der Sturm nie einen Liebermann kaufen kön-\nnen. Und überhaupt keine Bilder, die er nicht niederkämpft,\nweil sie dann nämlich schlecht sind. So denkt und handelt\nder Kunsthändler Herwarth Waiden. Ein Händler aber, Herr\nRobert Breuer, verkauft jede W'are, an der er verdient. Tun\nSie doch nicht so weltfremd, denn Sie sind es nicht.\n„Niemand kann leugnen, daß die Kritik preisbildend wirkt.\nDa ist es denn unerträglich, zu wissen, daß solche preisbildende\ngeistige Funktion von jemand geübt wird, der an der Höhe\ndieser Preise interessiert ist.\" Die geistige Funktion des Herrn\nRobert Breuer besteht also nach seinem eigenen Eingeständnis\ndarin, Preise zu bilden. Herr Robert Breuer braucht nur Bilder\nnicht zu preisen, so bilden sich die Preise in die Höhe, Ein\nVerriß von Herrn Robert Breuer ist Gold wert. So wie ein\nBild den Zettel „von Breuer beschimpt\" erhalten kann, legt\nder Käufer sofort einhundert Mark zu. „Selbst die beste Ab-\nsicht vorausgesetzt, bleibt zum mindesten der Verdacht be-\nstehen, daß das Urteil von Nebentendenzen beeinflußt wird und\ndaß der Ausleseprozeß, den die Kritik fördern will und auch\ntatsächlich fördert, durch Händlertriebe eine Mißfärbung be-\nkommt.\" Das Bild des mißgefärbten Ausleseprozesses ist auch\nohne Niederkämpfung preiswert. Es bleibt der Verdacht be-\nstehen, daß das Urteil des Herrn Robert Breuer von Neben-\ntendenzen beeinflußt wird. Denn seine geistige Funktion ist es,\nPreise zu bilden. Ich aber fördere durch meinen Prozeß der\nAuslese die Kritik gegen die Kunstkritiker vom Marktwert des\nHerrn Robert Breuer. „Aber auch die Künstler selbst, auch die,\ndenen die Methode Waiden zunächst Vorteile zu bringen\nscheint, sollten sich besinnen, Durch willkürliches und berech-\nnetes Heraufloben bekommen sie eine Stellung, die sie schließ-\nlich doch nicht einzuhalten vermögen.\" Das ist zwar eine Me-\nthode Breuer, denn sein willkürliches Heraufloben ist auf Preis-\nbildung berechnet. Ich habe die Methode nie angewandt. Das\nist eine Unwahrheit. Ich habe in meiner gesamten schrift-\nstellerischen und künstlerischen Tätigkeit nie einen Künstler\ndes Sturms gelobt, noch weniger also heraufgelobt. Ich habe\nnie eine Zeile über die Kunstausstellung Der Sturm geschrieben\noder schreiben lassen. Hingegen habe ich tausende Zeilen gegen\ndie Kritik geschrieben, die sich über die Kunst erhebt. Hin-\ngegen habe ich gegen die Kritik die Künstler sachlich ver-\nteidigt, deren Werke von Herrn Robert Breuer und Kollegen\nnicht etwa kritisch analysiert, sondern mit Schimpfwörtern\nbelegt wurden. Diese Künstler werden nun von Herrn Robert\nBreuer weiter vor ihrer Stellung gewarnt, die sie schließlich\ndoch nicht einzuhalten vermögen: „Wenn die Wahrheit sich\ndurchsetzt, muß ihr Absturz sehr empfindlich werden. Die von\nsolchem Schicksal Betroffenen haben vielleicht eine Zeitlang\nganz gut verkauft, haben Herrn Waiden während dieser Zeit\nnette Tantiemen verschafft, werden aber, wenn das Werturteil\nsich herausgebildet hat, verpönt und totgelegt sein.\" Ist es nicht\nwirklich rührend, wie die preisbildende Kritik sich für meine\nnetten Tantiemen interessiert. Ja, wenn die Wahrheit sich\ndurchsetzt. Herr Robert Breuer sagt zwar die Wahrheit, aber\ner kennet sie nicht. Immerhin, das Schicksal der Betroffenen\nist trostlos. Damit sie nicht ganz totgelegt werden, muß die\nWahrheit Herrn Robert Breuer trocken legen. Wenn das\nWerturteil sich schließlich herausgebildet hat, werde ich die\nnetten Tantiemen abbilden. Wenn. Wenn sich nämlich das"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3236, "texte": "Werturteil des Herrn Robert Breuer schließlich ausgebildet hat,\nfängt er die Künstler des Sturms zu loben an. Die Folge ist,\ndaß sich die Preise der Bilder nicht mehr steigern lassen, meine\nTantiemen daher ihre Nettigkeit verlieren und ich deshalb das\nLob des Herrn Robert Breuer niederkämpfen muß, nur damit\nich wieder seine preisbildende geistige Funktion ausnutzen\nkann. Gefährlich bleibt nur, daß das Werturteil des Herrn'\nBreuer sich von Monat zu Monat ändert, Einmal lobt er, einmal\ntadelt er, und zwar dieselben Künstler, so daß seine Preise wie\nGummibälle auf der Erde herumschnellen. Die Käufer werden\ndurch die Elastizität des Herrn Robert Breuer zur Spekulation\noder in ihr Unglück getrieben. Befriedigt liest der Herr Käufer\nbeim Frühstück das Lob eines Bildes durch Herrn Robert\nBreuer, er beschließt zu kaufen, da die Preise gefallen sein\nmüssen. An einem schönen Sommermorgen geht er in die\nKunstausstellung Der Sturm und erfährt dort zu seinem Ent-\nsetzen, daß der Preis des Bildes wieder gestiegen ist. Herr\nBreuer hat es nämlich unterdessen verrissen. Das ist die Spe-\nkulation auf die Baisse. Der andere Herr Käufer, der für die\nHausse ist, hat das verrissene Bild gekauft. Jetzt sinkt das Bild\nurplötzlich in seinem Preis und von seiner Wand, Herr Breuer\nhat das Bild nämlich nicht gesehen und es für gut befunden.\nHier müßte der Staat einschreiten, Diese ungesunde Preisbil-\ndung muß totgelegt werden. Kein Mensch weiß mehr Be-\nscheid, Es ist auch nicht zu verlangen, daß das deutsche Volk\ndie geistige Funktion des Herrn Robert Breuer begreifen kann.\nWie soll sich nun das deutsche Volk vor dem Kunsthändler\nHerwarth Waiden retten, der Herrn Robert Breuer die Preise\nverdirbt, Herr Robert Breuer gibt einen Hinweis, ohne ihn aus-\nzusprechen: das deutsche Volk kaufe die Bilder, die ich gegen\nHerrn Robert Breuer und gegen die Kunstkritik in ihrem künst-\nlerischem Wert verteidigt habe, nicht in der Kunstausstellung\nDer Sturm, sondern bei Herrn Paul Cassirer, So einfach ist\ndie Lösung. Sowie die Bilder dort verkauft werden, sind es\nkeine „aufgeschwätzten Kunstwerke\" und keine „unausgegore-\nnen Experimente\". Wenigstens fühlt sich der Herr Robert\nBreuer dann in Sicherheit. Er ist um die Sorge gekommen,\nmir durch Verriss Tantiemen zu verschaffen. Er darf seinem\nguten Herzen Luft machen und darf loben, loben, loben. Der\nMarkt des Herrn Paul Cassirer ist bekanntlich eine Wohl-\ntätigkeitseinrichtung für die minderbemittelten Schichten der\nBevölkerung. Herr Robert Breuer, der im Nebenberuf Sozialist\nist, darf sich sozial gebärden und darf loben, loben, loben.\nHandelt es sich doch nicht mehr um den Handel und um den\n„zinsgierigen Kapitalismus\" des Sturms,\nUnd wenn Herr Robert Breuer auch einen Verein der Ber-\nliner Kunstkritiker gründet und sich schützend vor die Kollegen\nstellt: Ich nehme es mit dem ganzen Verein auf. Ich trete sogar\naus, bevor er gegründet ist. Die Herren mögen sich unter-\neinander besprechen, aber die Kunst aus ihren Fingern lassen.\nIch schlage ihnen auf die Hand, in der sie nichts halten können.\nIch rolle meine Kunst auf sie hinab, daß sie zu Staub zergehen,\nder sie sind. Hier steht die Kunst. Ich umglühe sie mit meiner\nFlamme. Gott hilft ihr durch mich. 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Die geistige Wirklichkeit kündet sich in der\nKunst. Das Erlebnis der Kunst füllt unsere Sehnsucht.\nWir wissen, daß die Kunstmacht jeden sehnenden Men-\nschen greift ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Beruf,\nStand.\nJedem Menschen wollen wir dieses Wissen geben, jedem\nMenschen die Kunst und das Erlebnis der geistigen Wirklich-\nkeit.\nWir haben den Verein Sturmbühne gegründet, weil\ner nötig ist.\nWir nennen den Verein Sturmbühne, weil die Büh-\nnenkunst unsere stärkste Hilfe braucht.\nDie Kunstgestalt des Theaterwerkes ist noch eine Kunst-\ngestalt der Vergangenheit. Das Bühnenkunstwerk der Gegen-\nwart gilt es durchzusetzen.\nIm Sturm ist der Bühnenkunst der Weg bereitet durch\ndie Erkenntnis der Kunst der Gegenwart, durch Schaffen in der\nKunst, durch Sammlung und Gliederung der Kräfte, die einer\nBühnenkunst dienen. Die Kunstschule des Sturm erzieht\ndie ausführenden Künstler, vor allem die Schauspieler, und trifft\nalle sachlichen Vorbereitungen zum Spiel des Bühnenkunst-\nwerkes,\nWir wollen für die Bühnenkunst der Gegen-\nwartwirken.\nWir wollen unsere Mitglieder die ersten\nGestaltungen des Bühnenkunstwerkes erle-\nben lassen.\nWir nehmen einen gewählten Kreis von Mitgliedern jeden\nAlters und jeden Standes auf, doch nur Menschen, die Fühlung\nmit der Kunst der Gegenwart haben oder haben wollen. Wir\nerwarten von unsern Mitgliedern, daß sie nach Kräften für die\nErkenntnis der Kunst und für die Bühnenkunst wirken. Auf\nWunsch wird den Mitgliedern Gelegenheit zur praktischen Mit-\narbeit geboten,\nDer Ausschuß\nDr. John Schikowski / Vorsitzender\nRudolf Bauer\nRudolf Blümner\n%\nLothar Schreyer\nHerwarth Waiden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 164, "fin_caractere_exclue": 788, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMoaatsschriit Der Sturm\nErscheint am fimfzefanten jedes Monats\nDatierbezug\nGewohnliche A*sgabe: Fiir Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 80 Pfennig / Fiir das Aus-\nland bei direktcr Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fur\nDeutschland und O esterrei ch-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 790, "fin_caractere_exclue": 1196, "texte": "1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\nausgabc:\nPreise der frtiheren Jahrgange / Voll-\nstandige Ausgabe Gewohnlichc Sonder-\nAusgabe:\n1910/11\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, sowcit vorhanden, erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n20 Mark\n20 Mark\n10 Mark\nvergriffen\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 1198, "fin_caractere_exclue": 2080, "texte": "Bncher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nÜberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJecies Buch 2 Mark\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig / Gebunden 4 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nGeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nM order Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderansgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu ILiebesgedichte\nGebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenllebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGehe/ftet 2 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 2082, "fin_caractere_exclue": 2693, "texte": "Wcib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderatisgabe 50 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / Ills Mynona: Fur Hunde und\nanderc Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm;\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbach 60 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 2695, "fin_caractere_exclue": 3009, "texte": "Musik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFur Klavier\nEine Mark\nDie Judentochter\nFur Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von\nArno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzelausgabe / 50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Japan- und Buttenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nMarc Chagall: Zeichnung\nPaul Klee; Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkjopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1917-09-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1917-09-15_01#c025", "volume": "bmtnabg_1917-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "debut_caractere": 4974, "fin_caractere_exclue": 5230, "texte": "Sturm-Kiinstler / Lichtbildkartea\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\n11. Herwarth Walden\n111. Jacoba van Hecmskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. 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Oktober\n. 112 *\nSturm - Ausstellungen\nFrankfurt am Main\nSturm*Gesamtschau\nKaiserstraßc 11 i\nM. Goldschmidt & Co.\nKopenhagen: Graphik\nSturm-Gesamtschau\n1. bis 30. September\nDiisseldori: Graphik\n1, August bis 15. 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Wollen wir\nuns beklagen darüber, daß so manche Kraft ungenutzt hingeht\nund sich vergibt, so mancher Wille stärker ist als das Werk,\ndas seine Hände hervorbrachten, und das Werk hinsinkt und\nunnütz wurde? Suchen wir Würde, Stattlichkeit, Feier und\nTempel für unseres Geistes Werk? Wollen wir hoch über der\nMenge die Formen erheben, die unsere Hände bildeten? Und\nunsere Rede aussenden, damit die Herzen aus ihrem Zauber-\nschlaf erwachen? Geschlecht auf Geschlecht steigt empor.\nJugend folgt auf Jugend, und noch immer ist keiner unserer\nHerzenswünsche erfüllt, noch immer ist Einsamkeit unsere\nWürde, Verzicht unsere Stattlichkeit, die von Niemandem ge-\nsehene, unbekannte, bildende Arbeit unserer Hände unsere\nFeier. Wir ließen die Jahre hinter uns, in denen wir Kraft und\nEnergie als einzige Lebensbeweger kannten. Wir gingen den\nsteinigen beschwerlichen Weg zur Vollendung unserer Kunst,\nund täuschten uns nicht mehr auf dem jugendlichen Miß-\nverständnis des Absoluten. Wir glauben an Gott und das\nschöpferische Prinzip, das unendlich hoch über der bloßen Tat\n(auch in der Kunst) steht. Der Schöpfer umfaßt den ganzen\nHimmel.\nEs gibt niemanden, der wie Sie wohltätige Aufmerksam-\nkeit und Zartheit eines weitherzigen ermunternden Verstehens\nempfindet. Aber Sie wurden enttäuscht (wie häufig wurden\nwir alle doch getäuscht), und Sie zogen sich zurück, verwundet\ndurch einen von unbekannter Kraft auf Ihre Brust geschleuder-\nten Zweifel, der mehr als eine Krankheit, Sie der Verdammnis\nanheimgab. Sie traten zurück von Ihren Plänen, von der Ar-\nbeitsgemeinschaft der Sicheren und Tüchtigen, vom Leben in\nGüte und belohnter Kraft. All das versank, währeryd Ihre\nNächsten über das Verhängnis grübelten, das über Sie gefallen\nwar und Sie ihren schmerzenden Blicken wie hinter einem\nVorhang verbarg.\nSie glaubten nicht mehr daran, Götter mit Ihren Händen\ndes zwanzigsten Jahrhunderts bilden zu können. Gott riß Sie\nvon Ihrem Ich fort (und Sie waren doch einstmals stark und\nglücklich dahingeschritten) und lehrte Sie Bilder zu machen,\nwährend die Aengste Ihr Dasein verschlingen wollten.\nGott sprach zu Ihnen in Ihrer Angst und unendlichen Not,\nund Sie erhoben sich zu ihm durch das Lob seiner geringsten\nund ärmsten Kirchen, und Sie zeigten ihm jene wundersamen\nWinkel unserer Städte, in denen unsere Gebrechlichkeit, unsere\nSelbstentäußerung und unsere Bedürftigkeit zum Opfer ver-\nborgen wohnt, wo das Licht verging und der Schrecken seinen\nStachel verlor.\nDann teilten zuweilen gewaltige Strahlen die Finsternis\nund fuhren aus Ihren Händen schöpfungsbegierig zu den end-\nlosen Weiten des Himmels auf, als sollte unser Dasein bersten\nvon der Kraft über allem Verstände.\nSie traten nicht zurück in die Geselligkeit des ehemaligen\nGlücks. Sie empfingen Schalen voll glühender Farben, und als\nSie mit denen zu Ihrer Freude und Erheiterung malten, wurden\nSie für hundert Jahre verzaubert: Larven — Narren —\nSchellenträger — Jesuiten — Zeitungsleser im berauschten\nTanze nach göttlicher zu binden.\nFeininger\nNicht umsonst bin ich, als letzte Möglichkeit, mich auszu-\ndrücken, Maler geworden; und dazu ein unsinnig sich plagender,\nhundert Mal versagender. In meiner stillen Kammer führe ich\nverzweifelte Kämpfe; täglich stehe ich auf zu neuem Kampfe,\nbeseelt von neuer Hoffnung; um dann abends vollkommen zu\nverzagen, vollkommen zu verzichten. Nur ist mir, je älter ich\nwerde — und darum preise ich das älter werden! — desto\nstärkerer Willen beschieden.\nHeute gibt es für mich wahrhaftig nur die Vertiefung,\nden Willensakt zum Ausdruck; mit vielleicht keiner einzigen\nGabe des zeitgenössischen rein „malerisch\", „amüsant\"\nschaffenden Künstlers.\nMenschen mit Sehnsucht verstehen mich. Sehnsucht will\nauch niemals amüsiert werden.\nDie Kirche, die Mühle, die Brücke, das Haus — und der\nFriedhof — haben mich, von Kindheit auf mit tiefen, andäch-\ntigen Gefühlen erfüllt. Sie sind sämtlich sinnbildlich; ich bin\nmir hierüber aber erst seit diesem Kriege klar geworden, warum\nich sie im Bilde immer von Neuem darstellen muß.\nIm Laufe der Zeit erreiche ich es wohl, mich immer mehr\nvom Verquälten und Zerstückelten zu entfernen. Letzte\nForm kann nur durch die vollkommene Ruhe im Bilde erreicht\nwerden.\nHeute lebt die Kunst des Ego, der Eitelkeit, und wird\nsteuerlos, wo sie wähnt, schöpferisch zu sein.\nViele halten mich für einen Umstürzler, während ich eine\nunbändige Reaktion nur in mir weiß gegen das ganze Heutige.\nSie haben recht: Erinnerung — wurzeln in den Kindheits-\njahren, durchs ganze Leben! — die Zukunft — Sehnen, Sehn-\nsucht! — und die Gegenwart — Arbeit! —\nWem von uns wird gegenwärtiges Genießen be-\nschieden!? Bewußtes Genießen? — Ja, Musik am Reinsten\nwohl. Aber sie ist auch „Vergessendes Heutigen.\nKnoblauch\nIch bin sehr überrascht, daß Sie mit Ihrer Kunst sich so\neinsam fühlen. Vielleicht sind es der Abstand, eine rassige\nVornehmheit und die tüchtige Künstlerschaft, die Ihre Stellung\nungewöhnlich abseitig machen. Franz Marc hoffte, daß aus\ndiesem Artilleriekriege eine erneuerte volksnahe Kunst hervor-\ngehen müßte, aber ich glaube nicht, daß das Reich der Kunst\ndurch einen Krieg errungen werden kann. Der Preis und Ruhm\nwird meiner Ueberzeugung nach denen zufallen, die dem\nschwersten Erleiden, der schwersten Prüfung nachfolgen und\nnicht in allgemeine Heils- oder andere Theoreme verfallen.\nKein Mensch weiß jetzt etwas von unserer Zukunft, und es\nist nur schön, sich zu erinnern! So erinnere ich mich an Ihre\nBilder, nicht als Kunstwerke, sondern als Gegenstände der Liebe\ntind Sammlung. Ein Mensch ist so organisch beschaffen, daß\ner, in welche Umgebung und Lage auch versetzt, sich einrichtet,\nausgleicht und erduldet. Aber ein wenig Wein, Erheiterung,\nErlösung durch Farben oder Töne und tiefe Liebe zum reinen\nLeben braucht er, um im Augenblick heil zu werden. Sie, lieber\nFeininger, reichen dem Bewunderer Ihrer Bilder einen tiefen\nZaubertrank, und ich möchte viel vergessen, wenn ich mich\nan einige Ihrer Werke erinnere, die von schweren Farben\nglühen.\nDann aber denke ich an die anderen, die düsteren, schwer-\ngefugten, architektonischen! Dann wache ich auf, ich besinne\nmich, und ich sehe die schwere Dämmerung des menschlichen\nLebens sich mit unerträglichem Druck ausbreiten. Da sind\nIhre kleinen gefugten, gedrückten Kirchen, die sich nicht mehr\naufrichten können, menschliche Wesen, die leiden und heroisch\ndulden. soll man ihnen befehlen, welchen Trost ihnen\nzusprechen, womit sie aufrichten und stützen. Das ist schon\nalles überflüssig und käme auch nicht mehr zurecht.\nFeininger\nGott rette uns vor den „gefühlvollen\" Künstlern. Ihnen\nmuß in meiner Arbeit die Bosheit aufgegangen sein — ich tobe\nmich immer nach einem andächtigen, tiefreligiös empfundenen\nWerke gründlich hinterher aus an skurillen Kompositionen.\nDie Menschen sind mir doch zu blöd, und ich mit! Doch\ngegen einen Einzelnen könnte ich meine Bosheit nicht richten\n— nur gegen michselbst! In den andern stecke ich nicht,\naber „mir Aas kenne ick!\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.3", "texte": "Was ist Kunst: Selbstoffenbarung»\n„Unfreiwillig\" will ich nicht sein. Außerdem ist für tief-\nempfindende Künstler der Sarkasmus die rettende Stachelhaut\nnach außen hin.\nUeberhaupt schätze ich nicht das Explosive, Abgerissene\nim Kunstwerk. Ist einmal die Feuer-Rakete losgelassen, was\nbleibt davon nachher übrig? Alles Kitzel, Unterhaltung, Ueber-\nspannung, Außenseite, Hysterie. Laßt uns wenigstens nicht in\nunserer Sache klein sein!\nSeit Neujahr bin ich sehr glücklich in meiner Arbeit ge-\nworden. Ich hab<? mich von einem großen Teil Ballast befreit,\nund bin imstande, gelassener an Dinge, die ich liebe, zu gehen,\nals vorher. Hauptsächlich verdanke ich dieses Glück dem Be-\nsuche, nach fast zwei Jahren, wieder bei den alten Kölner\nund schwäbischen Meistern und den herrlichen van Eyck,\nBreughel, Lukas Kranach dem Aelteren.\nWie unübertrefflich und für alle Zeiten steht diese Ma-\nlerei da! Wie gehen alle Maler dieser Kraft und Geradheit\ntuschelnd und künstelnd aus dem Wege, „Reize\" hinstreuend,\num den Geist vom direkten Ziel abzulenken.\nDieses Glück ist mir nicht über Nacht gekommen — es\nsteckt seit Urzeiten tief in mir verborgen, immer ersehnt und\nerstrebt und immer von neuem überwuchert durch unser neu-\nzeitliches „Milieu\" — aber letzten Endes doch faßbar, wenn\nich den ganzen, ganzen unseligen Sauerteig verdaut und aus-\ngeschieden habe. Ich glaube, dieses Mal hat es einen größeren\nSchub nach vorne gegeben, als bisher.\nKnoblauch\nMit geschärftem Blick, fern vom „Karneval der Gesell-\nschaft\" schaue ich auf die Dinge und werte. Wir erwarben\nuns eine dreiste gottesfürchtige Art und erzogen uns dazu, in\nDonner und Zorn von solchen Sachen zu sprechen, die kindisch\nherabgewürdigt wurden.\nIch verehre jene Zurückhaltung und Keuschheit, edle Un-\nzugänglichkeit echter Künstlerschaft. Lassen Sie mich nur\nruhig überschätzen, ich liebe selbst schon nicht Riesenmaße,\nbin sehr für das Einzelne, Feine, Gütige und Milde. Und wenn\nSie einige dieser Eigenschaften in sich gebildet haben, dürfen\nSie sich ruhig verehren lassen.\nDie Schwachen leiden, mitten in den Triumphen der\nMechanik und ungehemmten Zerstörungen schwinden ihre ohn-\nmächtigen Stimmen hin, blind vor jenem Worte, daß ~Gott in\ndem Schwachen groß ist.\"\nSie stehen abseits, die zur Geistigkeit berufen sind. Härte\nund Strenge des Lebens halten ihre reinen Stirnen darnieder.\nDa sie zu nichts tauglich sind, als ihrer täglichen Arbeit und\nden kleinen Freuden des engsten Kreises zu leben, da ihr Herz\nso groß ist, alle Widrigkeit und Erhabenheit in sich zu fassen,\nund sie jede Beschränkung verschmähen, da sie die sittlichen\nGrenzen aufrichten und heiligen: so ist ihr Platz nicht im\nkriegerischen Dasein der Völker.\nFeininger\nIch sprach von ~Menschen\" und bekenne freimütig, daß\nich zu sehr gewohnt bin, mich mit mir zu beschäftigen, um\ngegen andere loszuziehen, wenn es sich um menschliche Irr-\ntümer und Schwächen handelt.\nAufs Entschiedenste aber muß ich jede Ueberheblichkeit\nden zeitgenössischen Künstlern gegenüber von mir weisen, auch\ndie Vermutung, daß ich sie richtig einzuschätzen glaube —\ndenn sie passen mir zwar nicht, für meine persönliche An-\nschauung und übergroße Sehnsucht — aber ich erkenne durch-\naus ihre Eigenschaften an und in vielen Fällen ihre überaus\ngroßen Fähigkeiten — die ich leider mir selbst aberkennen\nmuß.\nUeberschätzen Sie mich nicht, halten Sie mich nicht für\netwas anderes, als einen Menschen, der am allermeisten gegen\nseine eigenen Mängel zu kämpfen hat. Ich würde jedoch mich\nweit ärmer bekennen als ich wahrhaftig bin, wenn ich leugnen\nwollte, daß ich häufige Zeiten des Gefühls der großen, mächti-\ngen Stärke habe. Ich fühle mich übervoll von einer W e 11*\ndie adäquat auszudrücken, mir meistens so unendlich wenig\ngelingt. Und wenn ich sage: ich weise den „Trost\" von mir —\nund die Versuchung — anstatt sie wirklich (diese innere\nWelt) zu geben, etwa nur technische oder flüchtige Schön-\nheiten zu geben, wie Viele es tun. Nur das gelungene Werk,\ndas auf das Direkteste ausgeht, kann mich erlösen und ist\nfähig zu leben, weil es „zeitlos\" geworden ist.\nEtwas Selbstgefühl kann nicht schaden!\nMan ist oft genug so voller Selbstvernichtung und Zweifel-\nsucht über seine weitere irdische Bestimmung.\nSchließlich ist diese Kunst nur meine Sache, mir selbst\ngegenüber, und ich schaffe einfach um das bischen Höchste,\nwas in einem kurzen Menschendasein unter stetem Ringen\nvielleicht erreicht werden kann, gleichviel in welcher Form\noder Kunst.\nMein Unglück (wenn Sie wollen) ist, daß ich vielleicht zu\nsehr noch mit meinem Werk zurückhalte! Aber ich bin voller\nZuversicht, daß ich meine Grenzen noch lange nicht erreicht\nhabe, und daß ich von Fall zu Fall immer weiter vorwärts-\nschreite, daß ich mich von dem Gedanken leiten lasse, noch\nBesseres zu geben als bisher!\nKnoblauch\nEs ist stets ein gut Teil Martyrium darin, wenn man fest\nseinen Weg innehält, und es ist eine Kühnheit darin, wenn ein\nerprobter Künstler sein Urteil über das Schaffen seiner Zeit\nfällt.\nSie sagen, daß Sie wohl sich selbst aber nicht die „Ande-\nren\" kennen. Ich kann mir nicht denken, daß Sie sagen wollen,\nIhre Kunst geht von Ihrem Ich aus. Ich glaube, daß Ihr „Sich\nselbst kennen\" Kierkegaard'sch zu verstehen ist.\nIch muß bis zur völligen Verzweiflung an mir selbst in den\nanderen Menschen gelebt haben und leben, um den Welt-\ni\nZusammenhang zu verstehen, soweit es Gott zuläßt. Dann erst\nkann ich auch mich verstehen als die schwerste aller meiner\nAufgaben. Ich kann mich aus dem Grunde nicht verachten,\nwas auch ein christliches Ressentiment wäre.\nIch behaupte nicht, daß die Kunst religiös sein soll, aber\nich habe zur obersten Pflicht, religiös und sittlich zu sein. Ich\nhabe ganz einfach dem inneren Gebot zu folgen und mit Hilfe\nmeiner Kunst die sittliche Aufgabe zu erfüllen. Es ist völlig\nverkehrt, etwa die Kunst selbst als religiösen Zweck zu be-\ntrachten. Ich muß diese Verderbnis des Geistes überwinden.\nEs wäre höchst nötig, lieber Feininger, daß Ihre Verzweif-\nlung an der Kunst gewissen Leuten, die allzu sorglos den be-\nkannten breiten Weg wandeln, als Mühlstein um den Hals ge-\nhängt würde.\nDie Kunst soll sich möglichst von Krieg und Frieden fern-\nhalten, denn beide sind Aufgabe der Sittenlehre. Kunst ist\naus sich und für sich selbst nichts und nie Selbstzweck. Sie ist\nursprünglich des Inhalts bar; aber sie soll treue Dienerin des\nWeltgesetzes werden, Zeugin unserer inneren Welt, die wir\nalle verehren.\nMeine Aufgabe ist ganz einfach und naheliegend die Hin-\ngabe meiner selbst in einem sittlichen Leben. Wenn mir einer\nanbietet, werde das und das, aber verzichte darauf, Du selbst\nzu sein, dich zu offenbaren, und lebe ganz deiner neuen Aufgabe;\nwenn mir einer die Macht in die Hände legen würde, der Welt\nden Frieden zu geben, sobald ich darauf verzichte, der persön-\nlichen Aufgabe zu leben und nur dem Friedensgedanken zu\ndienen; so würde ich auf beide Anerbieten „nein\" antworten,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.4", "texte": "denn sie würden nicht dem einfachen und naheliegenden Sinne\nmeines Lebens entsprechen.\nDer Friede der Welt ist nicht der Friede der Kunst und\nmeiner selbst. Ich würde unglücklich werden!\nFeininger\nIch gehe wie ein schlechter Schwimmer leicht im Strudel\nder Empfindungen unter. Mein Mitteilungsbedürfnis ist so groß,\ndaß ich es mit Worten nicht ausdrücken kann. Oft setze ich\nmich an die Orgel und suche Erlösung in Bachs gewaltigen\nTönen. Es steigt dann eine Fuge oder ein Choralspiel von welt-\nentrückender Verklärtheit. Ja, mit dem Schreiben! Geht es\neinem schlecht, dann kommt man vielleicht am ehesten dazu.\nGeht die Arbeit aber gut, (dieser Gradmesser für alles!), so\nhält man sich fest an das gute Gelingen, und will, vor\nUeberschwang, schreiben; jede Minute: und spart\nes noch auf, damit noch mehr mitzuteilen, sich ansam-\nmeln kann — und schreibt am Ende doch dann erst, wenn sich\nder Katzenjammer einstellt.\nAuf der Staffelei steht vor mir ein angefangenes Bild. Voller\nFrische, voll leuchtender Farbe: mit kühnem, breitem\nAuftrag. Seit drei Tagen berausche ich mich daran.\nUnd nun: ich habe zwei, drei Bilder aus diesen letzten,\nschrecklichen, verquälten Wintermonaten hervorgeholt und ver-\ngleiche sie mit dem neuen Glückskind! Ja, was meinen Sie?\nDas Glücksbild zerfällt in Bravour — und die\nSchmerzensbilder sind verklärte Werke — mit einem Zauber-\nschlag scheint es zu gestehen, daß aus diesen verquälten Kin-\ndern dunkler Zeiten diamantharte, unvergängliche Visionen ent-\nstehen, voller verborgener Schönheit. Sie sind nicht von der\nheutigen Zeit. Das Glücksbild ist es. —\nEs gibt nur eine Kunst — die zeitlose. Alles, was\nauf halbem Wjege zur letztgültigen Form und Vertiefung stehen\nbleibt, muß sich überleben. Denn die Seele, die die eigene\nunendliche Not erkannt hat, kann nicht mehr mit weniger\nals dem Letzten, Höchsten oder Tiefsten sich abspeisen lassen.\nDoch das Glücksbild soll weiter gemalt werden und ein\nGlücksbild bleiben. Denn ich bin doch noch zu „jung\" und stecke\nzu sehr in der Notdurft der Sinne, um sie ganz abzutöten. Ich\nwill von siebzig Jahren an mich ganz davon loslösen und\nbis hundert Jahre nur noch Geist sein.\nSoll ich noch von meinem Glücksbild berichten? Es ist im\nModder und Schlamm unreiner Farben untergegangen und be-\nsteht nicht mehr, sondern wird überspachtelt als Grundfläche\nfür ein künftiges „ernstes\" Bild. Dagegen habe ich mit Härte\nund Zorn mich gezwungen, dasselbe Bild noch einmal anzu-\nfangen und mir die größte Strenge zum Gesetz gestellt. Es wird\njetzt erst ein Bild, das diszipliniert und festgefügt vielleicht ein-\nmal ein „Glücksbild\" werden kann.\nEin tragisches Geschick hat Marcs Bild „Tierschicksale\",\ndurch Feuersbrunst vernichtet. Wenn ein Künstler unserer\nTage groß und edel schaffte und groß und edel war, war es\nMarc.\nKnoblauch\nDer Ruhm ist das Gut über allen Gütern, und ich soll ihn\nuntadelig lieben. Er ist klarer Honig, gesunde Milch, des\nWeines Würzkraft, begeisternd, unsterblich erhebend.\nEr ist der Weg, den der Schöpfer unabhängig, ganz einsam\nund fern gehen soll.\nDie Scheu vor großen Worten ist die schönste Tugend des\nreifen Mannes. Wenn wir tief lieben, baut einer immer mehr\nauf den anderen als auf sich, aber in Liebe, und da lernen\nwir am besten das Große kennen.\nEs gibt keinen seligeren Genuß, als die Ueberwindung der\nalltäglichen Physiognomie, des gemeinen Ausdrucks, der Merk-\nmale des Abfalls einer trüben Seele von der Sache des Guten\nund des Glaubens an die Menschen: durch das Gedicht oder\ndas Bild. Gewiß kenne ich mich selbst gut, aber ich muß mir\nfleißig die Fähigkeit erwerben, mich in meine Mitmenschen zu\nversetzen.\nIn der Tiefe der geistigen Selbstentäußerung beginnt die\nHelligkeit des künstlerischen Verstehens der feinen Zusammen-\nhänge. Gerade weil ich stets ungeheure Lust empfinde, über\ndie Klarheit und Begrenztheit des gegenwärtigen Geschehnisses\nin seine innerste Begründung vorzudringen, habe ich umso eher\ndie anderen Ichs nötig. Dann beginnt die Welt zu tönen, Zu-\nsammenhang entschleiert sich, und ich verstehe ein wenig mehr\nvon mir. Eine ruhige sichere Heiterkeit, eine würdige Freiheit\nerfreut mich. Ich schaue mich um und sage, wie schön ist es,\ndaß der Rasen gedeiht, der Nachmittag sonnig geworden ist\nund die Katzen am warmen Ofenrohr schnurren.\nFeininger\nMein Schreiben ist egoistisch, ich schreibe in der Not der\nStunde und nicht für die Dauer. Nichts ist so sehr Schwankun-\ngen unterworfen, als das Gemüt des schaffenden Malers und\ndie letzte Wahrheit einer Stunde kann in der nächsten schon\nglatt widerlegt werden.\nZu den in Wort und Schrift tätigen Malern wird man mich,\nsolange ich fähig bin zu bildnern, niemals zählen dürfen.\nEine wahrhaft eigene Anschauung kann, jedes Mal, nur der\nEinzelne im Laufe langjähriger künstlerischer und menschlicher\nEntwicklung, sich selbst erringen. Nur mit der meinen ver-\nwandte Naturen können an meinen Äußerungen und An-\nsichten irgendwie Nutzen finden, indem sie Bestätigung\nihrer bereits eigens gewonnenen Erfahrungen darin finden.\nEine fremde künstlerische Anschauung kann nicht ohne weite-\nres auf andere übertragen werden, die nur durch\nzu Künstlern im wahren Sinne werden können.\nIch muß weiter im Stillen und Verborgenen schaffen; nur\nmeine Werke können den Beweis dafür erbringen, daß ich dazu\nberechtigt war, s o und nicht anders zu schaffen. Nach meinem\nTode mag man sich zu meinem positiven Lebenswerk meine\nschriftlichen Aeußerungen zusammensuchen, um vielleicht über\ndasselbe klarer ins Reine zu kommen.\nAber auch, damit dies geschieht, bin ich der Welt wirklich\nGroßes schuldig.\nIch bin kein Allerneuester, sondern ein Mensch, der mit\nseiner Zeit brechen muß, um leben zu können. Mag ich dabei\nauch hinter der Zeit bleiben, was schert's mich! Die einzig\nbestehenden kulturellen und künstlerischen Reingedanken sind\naus Urzeiten her, und moderne Gehirne könnten sie niemals\nformuliert haben. Sehen Sie sich unsere geistige Welt nur an!\nWohin jede Kunst-Tendenz strebt: nach Differenzierung,\nund Augenblickswirkung, nach Optik und Mechanik, nach „Ge-\nfühl\" und starken „Reiz\", nach Symbolik (für was nur?) und\nAesthetik. Alles Dinge, die ich verabscheue! und in denen ich\nauch als Verdammter stecke, weil ich in dieser Zeit geboren bin.\nIch kenne manche, die Urgewalt besitzen. Es sind nicht\nheute die Gefeierten, aber sie werden bestehen, wenn man\nlängst ihre Namen vergessen haben wird."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.5", "texte": "Lyonel Feininger: Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.6", "texte": "Knoblauch\nIch habe damals die Wendung vom christlichen Selbst-Haß\nund -Verachtung *) fort vollzogen, bin also vom Christentum\nweg und bin ohne diese düsteren und verhängnisvollen Schmer-\nzen, denen berauschender Aufschwung folgt. Ich habe die\nArbeit in ihrer breiten Einfachheit gewählt, die positiven Freu-\nden, von denen ich offenherzig Vergnügen habe, die Lebens-\nbejahung nicht als Gnade, sondern als gesundes Mitessen am\nTisch der Welt, das Gechlechtliche, die Natur, die reichen und\nschönen Städte.\nIch empfinde das Unglück meiner Mitmenschen, ich bete\nmit manchem Ich, ich arbeite, um die Ichs so kennen zu lernen,\nwie Gott es den Künstlern befiehlt. Da ich soviele Schwächen\nkenne, unsägliche Kleinmütigkeit, Bitterkeit und Schwärze:\nliebe ich heiß das strahlende Leben im Blut und das Meer des\nLichtes, aus dem der Frieden kommt, der über allem Verstände\nist.\nSo bin ich unvermögend geworden, mich selbst zu verach-\nten, und ich glaube an den göttlichen Shakespeare, der mich\nauffordert, den Formeln zu entsagen und die Schmerzen der\nMenschen in der eigenen Brust zu sammeln. Das kann nur,\nder die Kunst einfach und natürlich auffaßt. Hohes Glück eines\nkleinen Liebesliedes von Shakespeare oder Goethe oder der\nfeierlichen Anrufungen der Heimatströme und Heimatebenen\nAmerikas von Whitmans ungeheurer Stimme.\nFeininger malt, dient, seufzt, quält sich, presst das All zu-\nsammen, geht in den dunkelsten Schlüften, Ich dichte, gehe\nHand in Hand mit den Liebsten, halte Kameradschaft, öffne\nBrust und Geschlecht, prüfe die Stimme und kläre sie von Trun-\nkenheit, Wollust, Sorge, Verdruß. Ich liebe das natürliche\nLicht und kann es nicht extensiv genug, auf Alles ausströmend\nhaben, Feininger kennt die Welt besser und malt also das\nLicht, welches er mitten im Dunkel findet. Ich kenne die Welt\nschlecht, liebe sie umsomehr und verherrliche ihre Beziehungen.\nSchaudernd blicke ich in ihre Abgründe.\nAber wir beide haben Eines gemeinsam: den Haß gegen\nMechanik, die Wut auf seelenlose Vernichtung, und wir machen\nKino, Grammophon, unsere ganze Automaten- und Fabriken-\nKultur lächerlich, indem wir den Glauben an die Ausschließ-\nlichkeit unserer Kunstaufgabe hüten und verteidigen.\nWas Sic malen ist — in den düstren Bildern — Härte,\nLeid,; Die zehnfachen Schichten übereinander in Ihren Arbeiten\nwollen nicht die billige Einfachheit der ,»GlätteI'. Sie hassen\ndas „Programm\" als billige Erleichterung der Gegenseite zur\nGlätte. Sie loben daher das Handwerk, das ja die reine Arbeit\nbedeutet. Und dann treten Sie vor Ihre Arbeit und sind nur\nim Stande, Ihre Arbeit zu machen, die Sie nicht ausdrücken\nkönnen, und die von den Beschauern Ihrer Bilder dann abge-\nlehnt wird.\nSie haben übrigens nicht ganz recht, daß jeder schaffende\nMann seinen eigenen Weg gehen müsse, man muß hinzufügen,\ndaß sein Weg untergehen muß, und er von Gott seine Macht\nzum Leben erhalten muß. Es ist ein furchtbares Brausen über\ndas armselige Geschöpft gekommen, das einmal Schöpfer wer-\nden kann.\nAber welch' seltner Fall ist das!\nFeininger\nEines fehlt ihnen: es ist das Zu-Ende-Schaffen eines Kunst-\nwerks!\nIst die „Note\" der allgemeine „Wurf\" eines Werkes erst\ngelungen, „sitzt\" eine Sache, dann brechen sie dort ab im\nKunstschaffen, wo eigentlich erst der Anfang gelungen ist.\nWer an seinem Werk aber feilt und glättet und die letzte Form\nI___\n*} Ich kann die Selbst-Bezweiflung nicht leiden. Sie gilt zwar\nals feine Kultur-Eigenschaft! Wenn ich meine Arbeit viele\nMale wieder von vorn anfange, so ist das in der Ordnung, aber\nwenn ich mit dem Zweifel gleich immer vorn anfange, so kann\nich nie im Großen wirken.\nvervollkommnen will, wird „kühl\" und ~temperamentlos\" ge-\nscholten.\nWie ich das Wort „Temperament\" im Kunstbegriff hasse!\nWer eben sich nicht hat bemeistern gelernt, seinem Ungestüm\noder seiner Hast nach Gelingen keine Zügel anlegen kann, wird\nals „temperamentvoll\" gepriesen. Das ist dann der — „warme\nmenschliche Hauch\" in seinem Werke.\nIch brauche nicht erst alte Bilder im Museum zu sehen.\nEine Sammlung mittelmäßiger Abbildungen nach Bildern\ndes 14. oder 15. Jahrhunderts, vornehmlich der italienischen\nPräraffaeliten, läßt mich erschüttert ob der Vollendung\nvon Absicht und Form in allen Werken. Viele „Neueste\"\nbringen das rein Handwerkliche wieder zu Ehren. Das\nist schon sehr viel gewonnen und vielleicht unsere\ngrößte Hoffnung auf eine neugeborene Malkunst (allzuviel ist\njedoch dabei artistisches Streben.) Wir kommen nur'\nschwer zur Verinnerlichung und zum vollkommenen, geraden\n\"V\nAu s d ruck geistiger Kunst.\nKnoblauch\nZu gewissen Zeiten entstehen große Werke, die voll Hoheit\nalles menschliche Treiben beschatten.\nWährend ihr lebendig Inneres ihren Urhebern im Tode\nnachfolgte, wurde ihr Gehäus unsterblich im Tode der Zeiten.\nIn ihrer Verlassenheit und Einsamkeit überdauern sie alle Ent-\nwicklung, selbst des Volkes, das sie hervorbrachte und dem\nsie geistiger Atem, Sonne und Ruhm waren.\nDie gotischen Kathedralen, einsame Wächter über ver-\nsunkenen Städten sind so unheimlich gespenstig wie wuchtig in\nder materiellen Macht und sichtbaren Verkörperung der Kräfte,\ndie Jesus unterworfen waren. Ihr tropisches Gegenstück sind\nIndiens Dome vor der Muselmanen und Akbars Zeit.\nDie großen, künstlerisch hochbegabten Völker in Aegypten,\nIndien, Persien, Griechenland, Etrurien gingen zugrunde oder\nwurden von Barbaren unterworfen. (Allein Barbaren und Juden\nüberlebten das Altertum.) Was ist von je den Barbaren so ver-\nhaßt gewesen, wie das gute Kunstwerk, das sie vorfanden,\nmochten es nun Mohammedaner oder Engländer sein, die ihre\nunfähigen Machwerke eilfertig an die Stelle der eingeborenen\nKünste setzten und die einheimischen Götterstätten entweder\ngänzlichem Verfall und Verfinsterung überantworteten oder sie\nmit dem Hammer demolierten, um „Andenken\" zu schinden\noder ins heimische Museum zu verschleppen, wo die ehrfurcht-\ngebietenden Bildwerke ein obskures, verdorbenes und tragisches\nLeben auf ihre alten Tage zu tragen verflucht sind.\nAber wenn die Kultur verfinstert ist, wenn der leichte\nGlaube an die vielen Allheilmittel zur Abstellung des Uebels\nund des Leidens wankend geworden ist, wenn es klar wird,\ndaß die Schöpfung ihre Kräfte ökonomisch unter den Völkern\nverteilte und diese einander beiordnete zur Hervorbringung der\nWerke, die die kurze Spanne des Lebens eines Volkes über-\ndauern, wenn es schließlich eine Kleinigkeit ist, das Genie so\ngut wie eine Kathedrale oder ein ganzes Volk zu Grunde zu\nrichten: dann wird es schwer, die unverwüstliche Wohlmeinung\nüber sich selbst beizubehalten.\nLaßt uns die ewig frische Epoche der Werke ankündigen,\ndie aus unbekannten Ueberwindungen, Not und Kraft und\nLeiden eines großen ringenden Herzens hervorströmen, wenn\nder Weg bereit ist und feierlicher Sonntag anhebt. Laßt uns\ndies Herz nicht verleugnen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.7", "texte": "Lyonel Feininger: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.8", "texte": "Heimkehr\nGünther Mürr\nFall ich, von Heimwehsaft durchquellt,\nfall ich schmerzüberschwer\nDir, süß Marienkind,\nin spielenden Schoß.\nBreit über mich tontrunken, zärtliche Hände,\nIn trautem Grab mir selbst absterben.\nDie Welt geht auf.\n*\nHand — Hand, nur Eins,\nlachendes jungvertrautes Win\nDann dunkler Seidenvorhang:\nInnigkeit in langen Wellen,\nHand — Kopf, Hand — Knie,\nso tausendfach und eins.\nErnst spielt und Jubel schluchzt.\nFontäne\nfällt selig weinend, blinkend selbst sich in den Schoß,\nHerz weit, Herz nah\nTiefe unter über Tiefe\nEin Spalt ins Ewig\ngeht zögernd auf.\nFlammt nun wieder im Ich\nGlut aus tieferen Himmeln als sonnenorts?\nVereister Quell taut auf,\nwogend, gießt sich hin.\nAngst löst sich auf und Gier,\nSchweiß der Seele wird fortgespült.\nSchäumt es über die Ränder des Raums,\nspürt im Ewigen streichelnde Liebeshand,\nNun glätte Demut süß Dich hin,\nnun bette betend Stirn am Grund,\nnun hauch Dich fort aus eignem Mund,\nNeu erschlossener Himmel,\nZeit und Ort zappeln unten im Irgendwo,\nGnade, Liebe und Ewigkeit:\nUnser Vater.\n\nKritiker\nTragikomödie in drei Personen\nHerwarth Walden\n\nDer Humorist\nHerr Karl Scheffler, der ernst wie das Leben ist, will jetzt\nauch heiter wie die Kunst sein. Zu diesem Zweck hat er seine\nredaktionelle Tätigkeit erweitert. Seine Zeitschrift Kunst und\nKünstler, worunter der Maler Max Liebermann zu verstehen\nist, veröffentlicht Künstleranekdoten, Künstler sind be-\nkanntlich ein heiteres Völkchen, und der genannte Herr Karl\nScheffler will sich auf diese Weise an die Kunst heranschäkern.\nDie erste Anekdote seiner Ausgabe vom 1. August NEUNZEHN-\nHUNDERTUNDSIEBENZEHN (so ernst ist Herrn Scheffler\ndieses Jahr) heißt: „Das Künstlerkleid, Eine fanatische An-\nhängerin der Reformtracht, die über ihren mageren Körper bei\nfestlichen Gelegenheiten ein modernes Künstlerkleid zu ziehen\npflegte, wurde von ihrem Mann mit diesen Worten einem Be-\nkannten vorgestellt: Und dieses ist meine Frau, Wo die Brosche\nsitzt, ist vorne,\" Die Veröffentlichung dieses ältesten Börsen-\nwitzes spricht Bände von Kunst und Künstler und verrät das\nVerhältnis des Herrn Scheffler zur Kunst. Auch sein Meister\nLiebermann hat es, Herr Scheffler veröffentlicht nämlich eine\nzweite Künstleranekdote: ~Liebermann zu einem Käufer, der\nihn zur Vielmalerei verführen wollte: Wissen Sie, Heber Herr,\nich bin nicht mit der Kunst verheiratet; ich habe ein Verhältnis\nmit ihr/' Dieses Bild müßte Herr Karl Scheffler malen. Rechts\nunten sitzt der Meister Liebermann, links unten der Verführer\nin der Idealgestalt des Besitzers der Broschenfrau, in der Mitte\ndie Kunst, idealisiert nach Schefflers Künstleranekdoten. Und\nwo die Brosche sitzt, hat sich die Kunst geflüchtet«\nDer Heldenvater\nHerr Franz Servaes, als sogenannter Dichter ein mäßiger\nScheerbart-Epigone, als sogenannter Redakteur ein Jahrzehnt\nmit technischen Hilfsarbeiten an der Neuen Freien Presse be-\nschäftigt gewesen, wagt es, seit zwei Jahren Kunstkritiken in\nder Vossischen Zeitung zu schreiben. Ich habe seine Unfähig-\nkeit, Bilder zu sehen und noch darüber zu schreiben, bisher\nbelächelt, Spaß muß sein, und ich bin für Spaß, Mir sind die\nHerren Kritiker nur Gleichnisse, Ich brauche meine Modelle\nnicht zu wechseln. Denn alles, was die Herren schreiben, haben\ndie Kollegen schon geschrieben. Dummheit ist nicht ursprüng-\nlich, sie ist nur sprunghaft. Und diese Leute haben kein Ge-\ndächtnis. Sie vergessen eine Dummheit über die andere. Sie\nwidersprechen sich, weil sie nicht sprechen können. Sie wider-\nschreiben sich, weil sie nicht schreiben können. Und sie wun-\ndern sich. Sie wundern sich, daß die Kunst ist, ohne daß sie\nsind. Sie sprechen zu den sehr geehrten Abonnenten ihrer\ngeschätzten Zeitungen, aber die Abonnenten hören sie nicht.\nDie Herren Kunstkritiker werden überrannt. Sie sind von der\nKunst erschlagen. Und ich bin glücklich, daß ich Hammer sein\ndurfte.\nNun röchelt Herr Servaes am Wege: „Herwarth Waiden,\nder Sturmbeschwörer hat die bisherigen sehr unzureichenden\nAusstellungsräume im Seitenflügel des Hauses Potsdamer Straße\n134 a verlassen und im ersten Stock des Vorderhauses neue\ngute und lichte Räume bezogen.\" Mür ist zwar nichts von\nmeinem Umzug bekannt, ich wohne noch immer, wo ich wohnte.\nAber Herr Servaes, der bei mir nicht verkehrt, muß es ja\nwissen. Weniger poetisch gesagt: Die Kunstausstellung Der\nSturm ist aus guten zureichenden Räumen in andere gute zu-\nreichende Räume desselben Hauses verlegt worden. Herr Franz\nServaes hat offenbar journalistische Beziehungen zu dem Be-\nsitzer dieses Hauses. Denn er schreibt: „Indem er hierdurch\nbekundet, daß sein Geschäft „blüht\", hat er zugleich die Ver-\npflichtung empfunden, eine neue Gesamtschau abzuhalten.\"\nHerr Franz Servaes hat also offenbar auch Beziehungen zu den\nBüros des Sturm, weil er doch so genau weiß, wozu ich Ver-\npflichtungen empfinde. Ich besitze leider nicht die blühende\nGeschäftsphantasie des Herrn Kunstkritiker Servaes, freue mich\naber, daß er sich so menschlich für mich interessiert. Ich will\nihn sogar gern zum Buchhalter der Kunstausstellung Der Sturm\nernennen. Vielleicht ist das ein Buch, das er verstehen kann.\nTrotzdem ich bezweifle, daß seine gärtnerischen Fähigkeiten\ndes Blühens sich erheblich dabei auswachsen werden. Aber\nder Umzug hat Herrn Franz Servaes noch weiter aus seinem\nHäuschen gebracht: „Er will hierdurch offenbar die errungene\nMachtstellung an den Tag legen, fordert aber desto entschiede-\nner zur Kritik heraus.\" Da liegt einer am Wege und glaubt\nsich herausgefordert. Nein, Herr Franz Servaes, Sie sind nicht\nherausgefordert. Ich kämpfe nur mit Gegnern, die ebenbürtig\nsind. Ich habe Ihnen noch kein Haar gekrümmt. Ich müßte\nmich dazu beugen. Denn Sie stolpern hin und her vor meinen\nFüßen. Aber ich lächle, Sie gestatten doch, daß ich lächle.\nVon den neuen guten und lichten Räumen hinab auf die Straße,\nwo Sie schimpfen, Sie schimpfen. Ich lächle. Sie schimpfen\nmit dem Pathos der Distanz. Von der Straße hinauf in die\nneuen guten und lichten Räume. Kaum ein Vorübergehender\nhört es. Denn jeder geht bei dem Schimpfenden vorüber, hin-\nein, hinauf in die neuen guten und lichten Räume. Nicht einmal\ndie Leser der Vossischen Zeitung kennen Sie. Sie lesen über\nSie hinweg, aber sie lesen Sie nicht auf. Denn Sie schimpfen,\naber ich lächle. Die Machtstellung der Kunst ist errungen.\nIch bin glücklich, daß ich Hammer sein durfte,\nVon der Straße höre ich es herauf schimpfen: „Klarer war\nes nie, daß, was diese Scharen einigt, nur das Dogma und nicht\ndas Talent ist. Mit anderen Worten: Neben einigen wenigen\noriginalen, wenn auch unausgegorenen Erscheinungen bewegt"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.9", "texte": "Lyonel Feininger: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.10", "texte": "sich ein bloß durch Kommando zusammengehaltener Haufen\nvöllig belangloser Mitläufer. Vor allem sieht man nicht, daß\nwirklich neues hinzuwächst/' Herr Franz Servaes ist nicht ein-\nmal zum Buchhater zu gebrauchen, was ich zahlenmäßig beweise.\nVon den fünfundfünfzig Sturmausstellungen hat Herr Franz\nServaes in zehn Ausstellungen sich je eine halbe Stunde vorbei-\ngesehen. Er hat sich also im ganzen fünf Stunden mit der\nKunst der Gegenwart beschäftigt. Die Scharen des Sturm be-\nstehen aus dreißig Künstlern. Sie sind durch das Kommando\nzur Kunst zusammengehalten. Der Haufen völlig belangloser\nMitläufer verteilt sich auf alle übrigen Kunstgenossenschaften.\nDie unausgegorenen Erscheinungen dort finden das Sauerbier\nder Anerkennung des Herrn Franz Servaes. Er hält sich für\neinen Maßstab, wo er doch mit einer Elle zu messen ist. Von\nden dreißig Künstlern des Sturms hat Herr Servaes in seinen\nfünf Stunden nun endlich sich acht Namen gemerkt. Er kann\nsie zwar noch immer nicht orthographisch schreiben,\naber das wird schon werden. Es ist das einzige, was noch\nwerden wird. Diese acht Künstler hält Herr Servaes für ori-\nginal. Er hat aber nichts zu halten, weil er selbst haltlos ist.\nWeil er sich an Begriffe klammert, die nie Kunst sind. Und\nweil er sich an Kunst klammert, die für ihn Begriff ist. Dieser\nMensch wagt über die anderen Künstler des Sturm wie Campen-\ndonk, Feininger, Paul Klee, Fernand Leger, Alexander Archi-\npenko, um nur einige Namen zu nennen, wie folgt zu schreiben:\n„Der sehr erhebliche Rest fällt lediglich unter die Kategorie\nvon Nachäfferei und Humbug und ist oft genug von kläglicher\nTalentlosigkeit und Gespreitztheit. Arbeiten, die zu schlecht\nsind, um selbst in der bescheidensten Kunsthandlung Aufnahme\nzu finden, werden durch einige kabbalistische Abzeichen stil-\ngerecht gemacht und dürfen sich futuristisch, das heißt in die\"\nZukunft weisend nennen.\" Herr Servaes weiß nicht einmal im\nKunstgeschichtlichen Bescheid. Auf dieser Ausstellung waren\nnur zwei Futuristen mit Gemälden vertreten, die Herr Servaes\nzu den Originalen rechnet, während alle übrigen Bilder expres-\nsionistisch sind. Es fällt lediglich unter die Kategorie von Hum-\nbug, wenn ein Mensch, wie Herr Servaes wagt, Kunstkritik zu\nschreiben. Es fällt aber unter die Kategorie von Unanständig-\nkeit, wenn dieser Herr Servaes zu schreiben wagt: ~Die Zu-\nkunft wird sich bedanken. Sie wird in ruhiger ernster Arbeit ihre\nZiele verfolgen und auf diesen orgienhaften Schwindel nicht hin-\neinfallen/' Ich will Herrn Servaes gern der Zukunft überlassen,\nmit der schon manches alte Weib sein Brot als Wahrsagerin ver-\ndient hat. Ich werde ihn aber zwingen, in der Gegenwart die\nWahrheit zu sagen, nämlich, daß er sie nicht kennt. Er soll\nmir nicht mit dem Gesicht der Ehrlichkeit schwindeln. Was\nweiß Herr Servaes von der 'ruhigen ernsten Arbeit dieser\nKünstler. Kennt er sie. Kennt er ihre Entwicklung, die solchen\nHerren ja so viel bedeutet. Hat er je die Bilder der V ergangen-\nheit dieser Künstler gesehen. Kennt er ihren Studiengang, ihr\nLeben, ihre Ethik. Zwar bedeutet das alles nichts für die\nKunst. Es bedeutet aber viel, wenn man sich ein Urteil über\ndie Ehrlichkeit der künstlerischen Gesinnung erlauben will.\nDas ist bürgerliches Gebiet, auf dem die bürgerlichen Gesetze\ngelten. Auch für Künstler, die über Ihren Horizont malen,\nHerr Servaes. Ich warne Sie. Noch immer gibt es ein Kammer-\ngericht in Berlin. Hüten Sie sich, die bürgerliche Ehre von\nKünstlern zu beleidigen. Der Künstler hat sie auch, und dar-\nüber hinaus das, was Sie nie begreifen v/erden, die Ehre zur\nKunst, die Ehrfurcht vor der Ewigkeit,\nSie schimpfen. Aber ich lächle. Von der Straße höre ich\nes noch heraufwimmern in die neuen guten und lichten Räume:\n~Vor diesem mit Posaunen und Geschmetter unternommenen\nSturmangriff in der Potsdamer Straße wird die deutsche Kunst-\nfront nicht erschüttert werden, sondern alle diese Exaltiert-\nheiten gelassen von sich abschütteln.\" Die Stellung ist genom-\nmen, Herr Servaes, Sie geben es selbst zu. Durch den Sturm\ngibt es die deutsche Kunstfront. Sie wird von Ihrem mit Klap-\npern und Geschnatter unternommenen Angriff nicht erschüttert.\nDie Kunst schüttelt Sie gelassen von sich ab. Aber die Kunst\nist Ihnen nicht böse, alter Herr. Sie lächelt über Sie. Mit ihrem\nschönsten Lächeln aus dem Glück heraus ihrer ewigen Jugend,\nDer Charakterspieler\nEin Herr Robert Breuer hat sich zum unabhängigen Kunst-\nkritiker und mich zum abhängigen Kunsthändler ernannt.\nDaß Herr Breuer kein Kunstkritiker ist, habe ich schon wieder-\nholt bewiesen und werde es wieder beweisen. Prüfen wir zu-\nvor aber einmal den Kunsthändler Herwarth Waiden, der auf\nden Kunstkritiker Robert Breuer so aufreizend wirkt. Herr\nBreuer hat sich über ihn auf drei Seiten in der Schaubühne des\nHerrn Siegfried Jacobsohn ausgelassen. Folgende Schauer-\ngeschichte hat sich nach Herrn Robert Breuer zugetragen:\n~Herr Herwarth Waiden, der geschäftliche Leiter des Sturm, hat\nzu einer Gesamt-Schau eingeladen. Im Katalog steht auch\nOiskar Kokoschka verzeichnet. In der Ausstellung aber ist das\ngenannte Bild dieses Malers nicht ohne Weiteres zu finden; nur\nmühsam entdeckt man es schießlich in einem völlig verlorenen\nWinkel an einem dem Licht abgekehrten Pfeiler. Solche Tat-\nsache wirkt außerordentlich aufreizend.\" Nun bin ich zwar der\ngeschäftliche Leiter des Sturms insofern, wie zum Beispiel\nHerr Max Reinhardt der geschäftliche Leiter des Deutschen\nTheaters ist. Herr Robert Breuer will also offenbar den Lesern\nder Schaubühne vormachen, daß es außer mir noch einen\nkünstlerischen Leiter gibt. Ich beehre mich daher, ein Kunst-\nhändler muß sich beehren, mich den Lesern der Schaubühne\nund Herrn Breuer auch als künstlerischen Leiter des Sturms\nvorzustellen. Mit vorzüglicher Hochachtung. Herr Robert\nBreuer konnte nun das Bild von Kokoschka nicht ohne wei-\nteres finden. Das will ich gern glauben. Ohne Katalog kann\nHerr Breuer überhaupt kein Bild finden. Er suchte und suchte\nnach dem Katalog und entdeckte die Nummer mühsam und\nschließlich an einem dem Lichte abgekehrten Pfeiler. Man\ndenke, an einem Pfeiler. Und dieser Pfeiler befindet sich in\neinem völlig verlorenen Winkel. Dieser böse Pfeiler, über den\nHerr Robert Breuer nicht gestolpert ist, aber gleich stolpern\nwird, befindet sich in der Mitte eines rechteckigen langen\nSaales. Die Herren Kunstkritiker haben die Gewohnheit, ein-\nmal durch die Mitte eines Saales hin- und zurückzugehen. Da-\nmit ist ihre vorbereitende Tätigkeit zur Kunstkritik erledigt.\nDa Herr Robert Breuer aber nun den Kokoschka suchte, oder\nvielmehr die Nummer dieses Bildes, mußte er sich in der Mitte\numwenden, was ihn aus der Richtung brachte, Herr Robert\nBrauer ist nicht Kunsthändler, er ist auch nicht Künstler, er ist\nschlicht Kunstkritiker. Vom Hängen der Bilder hat er also keine\nAhnung. Er ist nicht so gehängt, um zu wissen, daß manche\nBilder dem Lichte abgekehrt werden müssen. Er würde die\nBilder nach den Namen hängen, die ihn interessieren. Was zu\nbegreifen ist, da ihm für seine Interessen nur wenige Minuten\nZeit zur Verfügung stehen. Weil er diese einfachste Regel\nnicht einmal kennt, mußte er sich die folgende psychologische\nSchauermär kraft seiner kritikstrotzenden Phantasie erfinden,\ndie ihm für seinen Kram und meinen Kunsthandel sehr gelegen\nkam. Ich will Herrn Robert Breuer nicht nach einer Methode\nhängen, die er nicht kennt, ich will ihn so in die Sonne hängen,\ndaß er sich nach dem völlig verlorenen Winkel sehnt, den er\nnicht finden konnte, Herr Robert Breuer wird also reizend\naufgereizt: ~Man weiß, daß Kokoschka zu den stärksten Künst-\nlern gehört, die seit Bestehen des Walden'schen Unternehmens\nbisher hier gezeigt worden sind, Herr Waiden hat niemand,\nden er diesem psychologisierendem Dämon und erotischem\nMystiker der Farbe zur Seite stellen könnte,\" Zu deutsch: Der\nName Kokoschka ist Llerrn Breuer so eingebläut, daß er ihn\njetzt für den stärksten Künstler hält. Ich gestatte mir, ihm\nnoch Marc Chagall, Kandinsky, Franz Marc, Jacoba van Heems-\nkerck, Fernand Leger zur Seite zu stellen, ohne daß Kokoschka\netwas dagegen einwenden wird. Aber Herr Robert Breuer weiß\nes besser. Herr Robert Breuer weiß sogar mehr als Kokoschka\n*\nund ich: ~Man weiß aber auch, daß die Beziehungen Kokosch-\nkas zu Herrn Waiden getrübt sind. Kokoschka wird jetzt von\nPaul Cassirer auf den Markt gebracht.\" Die Kunstausstellung\nDer Sturm ist kein Markt, auch wenn Herr Robert Breuer ge-\nlegentlich hier herumlungert. Daß Herr Cassirer Kokoschka\nauf den Markt bringt, erfahre ich authentisch erst durch Herrn\nRobert Breuer. Die Beziehungen Kokoschkas zum Sturm sind"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.11", "texte": "Lyonel Feininger: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.12", "texte": "menschlich unverändert. Darüber möge Herr Breuer sich bei\nHerrn Kokoschka erkundigen. Aber: ~Es ist ja nun verständ-\nlich, daß der Händler, wenn er kein Interesse mehr an einer\nWare haben kann, diese Ware vernachlässigt, und aus dem\nBereich seiner Kundschaft auszuschalten versucht.\" Die Vor-\nstellung des Herrn Breuer von einem Händler wäre für einen\nHändler recht kritisch. Kein Händler vernachlässigt eine Ware,\nKein Kunsthändler braucht es nur zu versuchen, seine Ware\nauszuschalten. Er kann es einfach tun. Denn wer könnte nach\nAnsicht des Herrn Robert Breuer den Kunsthändler Herwarth\nWaiden zwingen, auch nur ein Bild von Kokoschka auszu-\nstellen, der doch von Herrn Paul Cassirer angeblich auf den\nMarkt gebracht wird. Wer könnte den Kunsthändler Herwarth\nWaiden veranlassen, auf der August-Ausstellung sogar zwei\nBilder von Herrn Kokoschka auszustellen, der doch von Herrn\nPaul Cassirer auf den Markt gebracht wird. Ich will Herrn\nRobert Breuer zu seiner Beruhigung feierlich erklären, daß ich\nauch weiterhin mit oder ohne seine Zustimmung ausstellen oder\nnicht ausstellen werde, was und wo es mir paßt, auch wenn\nmeine Beziehungen zu Herrn Breuer recht getrübt sind. Hin-\ngegen will ich statt Kokoschka Herrn Robert Breuer weiter\nauf den Markt bringen: „Es ist aber nicht vorstellbar, daß ein\nProphet, der mit der Heftigkeit eines Derwischs für seinen\nGlauben zu kämpfen pflegt, plötzlich, nur weil gewisse wirt-\nschaftliche Verschiebungen vor sich gegangen sind, seine große\nLeidenschaften abstreift. W/enn das geschieht, dann gibt es\ndafür nur eine Erklärung, nämlich die: daß dieser Prophet nichts\nanderes ist, als ein mit den Farben des Medizinmannes an-\ngestrichener Händler, Nun könnte uns nicht auch solche Auf-\ndeckung sonderlich erschüttern. Der Fall Waiden liegt aber\ndoch so, daß man nicht ohne Weiteres daran vorübergehen\nkann.\" Nur eine Krämerseele kann solche Sätze niederschreiben.\nEs gibt höchstens einen Fall Kokoschka, aber keinen Fall Wai-\nden. Oder eigentlich gibt es nur einen Fall Breuer, Ich habe\nnicht die Absicht, Herrn Breuer von meinen Leidenschaften zu\nüberzeugen. Dazu ist mir Herr Breuer zu gering. Er ist ein\nMann, der seine kritischen Gesinnungen abstreift, plötzlich, nur\nweil gewisse wirtschaftliche Verschiebungen vor sich gegangen\nsind. Etwa, weil die Kunst der Gegenwart, die nur im Sturm\nvertreten ist, sich gegen Herrn Robert Breuer und gegen die\nBerliner Kunstkritik durchgesetzt hat. Nie hat sich die Ber-\nliner Kunstkritik so eifrig mit einem einzigen Bilde von Ko-\nkoschka beschäftigt, bevor ihn Herrn Paul Cassirer auf den\nMarkt gebracht hat. Trotzdem dieses einzige Bild in früheren\nAusstellungen bereits durch drei Monate gezeigt worden ist,\ntrotzdem zahllose Bilder von Kokoschka hunderte Male in der\nKunstausstellung Der Sturm gezeigt worden sind. Wenn Herrn\nBreuer die geschäftlichen Beziehungen zwischen Kokoschka\nund Herrn Cassirer so interessieren, könnte er bei mir die\nUnterlagen sehen. Sie sind zwar nicht dämonisch, auch nicht\nerotisch, aber psychologisch. Ich werde diese Unterlagen sogar\nveröffentlichen, wenn Kokoschka nicht dafür sorgt, daß die\nFreunde des Herrn Cassirer richtig unterrichtet werden. So\nleid es mir um den Künstler und meinen Freund Kokoschka tun\nwürde. Dann wird sich zeigen, wer Interesse und wer Inter-\nessen hat.\nIm weiteren Bellen des Herrn Robert Breuer, zeigt sich\ndes Pudels Kern: „Herr Waiden hat bisher nicht nur Bilder ver-\nkauft, er hat auch (in seiner Zeitschrift Der Sturm) mit einem\nungewöhnlichen Aufwand an hitzigem Temperament versucht,\nden Objekten seines Handels die Zustimmung zu erkämpfen.\nEr hat sich dabei nicht immer besonders zarter Mittel bedient; er\nhat sich nie gescheut, auch die, die nur leisen Widerspruch\nwagten, als eine unheilbare Gattung von Halbidioten zu brand-\nmarken. Ein Verfahren, das oft sehr peinlich empfunden wer-\nden mußte, das aber heute — nachdem das in die\nDunkelheit versteckte Bild von Kokoschka unwiderleg-\nbar gezeigt hat, wie schnell und gründlich die Leiden-\nschaft des Kunstfreundes abkühlt, wenn das Interesse\ndes Händlers erloschen — ohne Vorbehalt ein kleiner\nSkandal genannt werden muß.\" Ich halte es für einen großen\nSkandal, ohne Vorbehalt, daß eine Zeitschrift diese Wort für\nWort widerlegbaren Sätze abzudrucken wagt. Jeder Satz ist\neine Unwahrheit. Herr Robert Breuer muß als Journalist\nwissen, daß die Zeitschrift Der Sturm viel älter ist, als die\nKunstausstellung Der Sturm, Daß ich also dieselben Künstler\ngegen Herrn Breuer und Konsorten verteidigt habe, bevor ich»\n„Bilder verkaufte\". Herr Breuer muß als Journalist wissen,\ndaß die Kunstausstellung Der Sturm gegründet wurde, weil\nKünstlern wie Kokoschka, Marc, Kandinsky und den anderen\nkeine Ausstellungshandlung in Berlin zur Verfügung stand.\nHerr Robert Breuer muß als Journalist wissen, was er und seine\nKollegen für Dummheiten über diese Kunst geschrieben haben.\nHerr Robert Breuer muß als Journalist wissen, daß er und\nseine Kollegen alles getan haben, um die Tätigkeit des Sturms\ntotzuschweigen oder die Oeffentlichkeit irrezuführen. Herr\nRobert Breuer muß als Journalist wissen, daß ich den sogenann-\nten Objekten meines Handels nicht die Zustimmung erkämpft,\nsondern sie gegen platte und freche Angriffe der Berliner Kunst-\nkritik verteidigt habe. Meine Mittel der Verteidigung waren\nzarter. Die Methoden des Angriffs waren Beschimpfungen.\nDoch meine Verteidigung war und ist die Kunst des Schrift-\ntums. Daß sich dadurch eine unheilbare Gattung als Halb-\nidioten gebrandmarkt fühlte, liegt in der Wahl der Mittel, näm-\nlich in der Stärke meiner Kunst. Daß Herr Robert Breuer dieses\nVerfahren als sehr peinlich empfand, kann ich ihm nachfühlen.\nDenn ihm habe ich nie eine Zeile unbeanstandet durchgelassen.\nDas versteckte Bild von Kokoschka habe ich bereits in das rich-\ntige Licht gerückt, nämlich in das künstlerisch angemessene.\nHingegen müßte Herr Robert Breuer als bezahlter Kunstkritiker\nder Zeitung „Vorwärts\" wissen, daß seit Oktober 1916 bis auf\ndiese Stunde Bilder von Kokoschka ununterbrochen in jeder\nAusstellung des Sturms gehangen haben. Herr Robert Breuer hat\nes aber mit einer bezahlten Tätigkeit für vereinbar gehalten,\nin diesen neun Monaten einmal die Kunstausstellung Der Sturm\nzu besuchen. Das zweite Mal fand er den einen Kokoschka\nnicht, der mitten in der Ausstellung hing. Hingegen hat er die\nweiteren drei Kokoschkas im Eingangssaal überhaupt\nnicht gefunden. Sie waren nämlich nicht katalogisiert,\ndaher für Herrn Breuer als Kokoschkas nicht zu erkennen.\nDiese Unwiderlegbarkeit wäre also widerlegt. Aus seiner\nkunstkritischen Unfähigkeit und seinem mangelnden kritischen\nPflichtgefühl folgert Herr Robert Breuer munter weiter: „Die\nVermutung liegt nahe, daß Herr Waiden sich auch bisher in\naller seiner ekstatischen Propaganda weniger als Rasseltänzer\neiner neuen Magie, vielmehr und durchaus als Reklamechef\nbetätigt hat,\" Herr Breuer hätte wenigstens schreiben müssen,\nals unbezahlter, während meine Tätigkeit Herrn Breuer doch\nwenigstens Gelegenheit gab, Zeilenhonorar zu schinden, „Die\n(Möglichkeit dieses Verdachtes zwingt dazu, die Gelegenheit zu\nbenutzen, um die Methode, wie sie Herr Waiden bisher gepflegt\nhat, diese Verquickung von Merkantilismus und künstlerischer\nBegeisterung, von Handelsinteressen und rücksichtsloser Nieder-\nbrüllung jeder anderen Meinung, einmal schonungslos zu beleuch-\nten,\" Herr Robert Breuer hat sich bei dieser Methode in kein\ngutes Licht gesetzt. Er möchte sich jetzt wahrscheinlich lieber\nan dem lichtabgekehrten Pfeiler sehen. Er wird übrigens für\ndie rücksichtslose Niederbrüllung dieser Kunst von der Zei-\ntung Vorwärts bezahlt und auch von der Schaubühne, wie ich\nannehme. Ich hingegen bringe als gewiegter Händler Herrn\nRobert Breuer honoris causa auf den Markt, Er macht also\nimmer noch das bessere Geschäft, der unabhängige Kunst-\nkritiker. „Es kommt mir gar nicht so sehr darauf an, die Psyche\ndes Herrn Waiden zu entblößen: Es handelt sich für mich\ndarum, an diesem durch den Fall Kokoschka besonders klar\ngewordenem Beispiel aufzuzeigen, daß solch eine Durch-\nbrechung des in Deutschland gültigen Prinzips der wirtschaft-\nlichen Uninteressiertheit aller derer, die über Kunst und\nKünstler von der Oeffentlichkeit sprechen, nicht länger geduldet\nwerden kann. Herr Waiden muß sich entscheiden: Entweder\nwill er selbstlos eine Geistigkeit fördern, ohne deren Sein und\nSieg er nicht zu leben vermag, — oder er will seine Einnahmen\npflegen.\" Das könnte dem Herrn Robert Breuer passen, wenn\nich es aufgäbe, seine Unfähigkeit bloßzustellen. Aber ich habe"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.13", "texte": "mich feierlich entschieden: Ich werde Herrn Breuer und seinen\nKollegen weiter auf die Finger sehen, daß sie ihre Tinte etwas\nzusammenhalten und nicht die Kunst beschmieren. Sollte sich\nHerr Servaes den angebotenen Platz des Buchhalters der\nKunstausstellung Der Sturm versagen müssen, so bin ich gern\nbereit, Herrn Robert Breuer diesen Posten anzubieten, damit\ner meine Einnahmen pflegen kann, Sie bedürfen der Pflege.\nDenn auf sie habe ich bei aller Rücksichtslosigkeit noch nie\nRücksicht genommen. Vielleicht werden sie besser, wenn ich\nmir solch eine Kraft wie Herrn Robert Breuer sichre.\nUnd nun versteigt sich dieser Herr Robert Breuer zu einer\nfürchterlichen Drohung: „Wenn Herr Waiden seine Uebung\ndurch eine angebliche literarische Propaganda und durch eine\nfanatische Niederkämpfung jedes Widerspruchs, die Preise der\nvon ihm gehandelten Bilder zu steigern, nicht aufgibt, dann wird\nzu erwägen sein, ob es für die unabhängige und auf diese Un-\nabhängigkeit eifersüchtige Kritik nicht Pflicht sein muß, künftig\nüber die derart in eine peinliche Zwitterstellung hineingedräng-\nten Künstler zu schweigen/' Dieser Pflicht befleißigt sich die\nunabhängige Kritik schon recht lange. Herr Robert Breuer ins-\nbesonders hat von den fünfundfünfzig Ausstellungen des Sturms\nzehn Ausstellungen besprochen, trotzdem er bezahlter Kunst-\nkritiker ist, also die Pflicht hat, die Oeffentlichkeit über jede\nAusstellung zu unterrichten. Diese zehn Besprechungen haben\nihn in eine peinliche Zwitterstellung zu sich selbst, zu seinen\nLesern, zu mir und zu der Kunst gebracht. Die Künstler des\nSturms und ich legen nicht den geringsten Wert auf die „Be-\nsprechungen\" des Herrn Robert Breuer. Er soll es aufgeben,\nKunstkritiken zu schreiben. Dann brauche ich meine heilige\nPflicht nicht auszuüben, ihn und seine Kollegen niederzukämp-\nfen. Und er für seine Person hat keine moralische Schuld\nmehr, daß durch seinen Widerspruch die Preise der von mir\ngehandelten Bilder gesteigert werden. Er darf, davon ab-\ngesehen, Kokoschka ruhig loben, da er nach seiner An-\ngabe von Herrn Paul Cassirer jetzt auf den Markt gebracht\nwird. Trotzdem es sich eigentlich Herr Paul Cassirer verbitten\nmüßte. Denn nur durch die Niederkämpfung des Widerspruchs\nkönnten ja die von ihm gehandelten Bilder im Preise gesteigert\nwerden. Das Lob verdirbt das Geschäft. Das deutsche Volk\nist gar nicht zu halten, es kann sich gar nichts Schöneres vor-\nstellen, als Bilder hundertweise anzukaufen, die Herr Robert\nBreuer beschimpft. Namentlich ohne einen Kandinsky kann ein\nMann aus dem Volk nicht mehr leben. Und ohne einen Chagall\nist ihm das Leben geradezu widerlich. Was soll aus allen diesen\nKünstlern werden, wenn Herr Robert Breuer und Kollegen\nnichts mehr gegen diese Bilder schreiben. Und meine armen zu\npflegenden Einnahmen. Ich sehe mich schon als Bittsteller bei\nHerrn Robert Breuer, der mir monatlich die üblichen dreißig\nMark Unterstützung aus den Fonds der ihm unterstellten Kassen\ngütigst zuweist. Im übrigen habe ich im Fall Kokoschka gerade\nrecht uneigennützig „gehandelt\". Herr Robert Breuer übt näm-\nlich seine bezahlte Tätigkeit als Kunstkritiker ganz unzu-\nlänglich aus, sonst müßte er wissen, oder vielleicht hat er es\naus Angst von seiner Unabhängigkeit vergessen, daß Bilder\nvon Kokoschka während der ganzen Zeit des Bestehens der\nKunstausstellung Der Sturm auch an allen anderen Orten der\nErde, sogar in Berlin und sogar auch bei Herrn Paul Cassirer\nkäuflich zu erwerben waren. So daß ich also durch meine Nieder-\nkämpfung der Kollegen, die gegen Kokoschka waren und sind,\ndie Einnahmen der gesamten Kunsthändlerschaft gepflegt habe.\nUnd zwar ohne Provision. Aber Herr Robert Breuer ist un-\nerbittlich, ohne gebeten zu sein: „Es gibt hier keinen Kom-\npromiß. Wir haben bisher jeden Kritiker, der es gewagt hat\nnebenbei mit Bildern zu handeln, ausgestoßen; es ist nicht ein-\nzusehen, warum wir erlauben sollen, daß ein Kunsthändler im\nliterarischen Nebenberuf das Publikum beeinflussen darf/' IcK\nhingegen habe bisher jeden Wir-Kritiker ausgestoßen, der es\ngewagt hat, Kritiken zu schreiben, ohne etwas von Bildern zu\nverstehen und ohne genau über die Kunst und die Künstler\nunterrichtet zu sein. Herr Robert Breuer müßte als Journalist\neigentlich wissen und weiß es, und wenn er es nicht wissen\nwill, sage ich es ihm hiermit: Ich bin Künstler. Das beweisen\nmeine Schriften, meine Dichtungen, meine Musik. Wenn sie\nHerr Robert Breuer nicht kennt, um so schlimmer für seine\nöffentliche Tätigkeit. Wenn Herr Robert Breuer sie nicht ver-\nsteht, um so besser für die Kunst, und wenn er meine Bücher\ngar niederkämpfen will, dann werden sich die Preise steigern.\nEr soll mir meine Einnahmen pflegen! Ich handle ferner nicht\nim Nebenberuf mit Bildern. Ich leite die wichtigste Kimstaus-\nstellung dieser Zeit und gestatte, wie etwa die Königliche Aka-\ndemie der Künste, dem Publikum, Bilder zu kaufen. Dies ge-\nschieht völlig ohne meine persönliche Einwirkung. Das werden\ndie Käufer dieser Bilder bestätigen. Hingegen verhindere ich\ndas Publikum, die Bilder zu kaufen, die schlecht sind, weil ich\nsie nämlich nicht ausstelle und auch einen Kauf nicht ver-\nmitteln lasse. Herr Robert Breuer wird zum Beispiel in der\nKunstausstellung Der Sturm nie einen Liebermann kaufen kön-\nnen. Und überhaupt keine Bilder, die er nicht niederkämpft,\nweil sie dann nämlich schlecht sind. So denkt und handelt\nder Kunsthändler Herwarth Waiden. Ein Händler aber, Herr\nRobert Breuer, verkauft jede W'are, an der er verdient. Tun\nSie doch nicht so weltfremd, denn Sie sind es nicht.\n„Niemand kann leugnen, daß die Kritik preisbildend wirkt.\nDa ist es denn unerträglich, zu wissen, daß solche preisbildende\ngeistige Funktion von jemand geübt wird, der an der Höhe\ndieser Preise interessiert ist.\" Die geistige Funktion des Herrn\nRobert Breuer besteht also nach seinem eigenen Eingeständnis\ndarin, Preise zu bilden. Herr Robert Breuer braucht nur Bilder\nnicht zu preisen, so bilden sich die Preise in die Höhe, Ein\nVerriß von Herrn Robert Breuer ist Gold wert. So wie ein\nBild den Zettel „von Breuer beschimpt\" erhalten kann, legt\nder Käufer sofort einhundert Mark zu. „Selbst die beste Ab-\nsicht vorausgesetzt, bleibt zum mindesten der Verdacht be-\nstehen, daß das Urteil von Nebentendenzen beeinflußt wird und\ndaß der Ausleseprozeß, den die Kritik fördern will und auch\ntatsächlich fördert, durch Händlertriebe eine Mißfärbung be-\nkommt.\" Das Bild des mißgefärbten Ausleseprozesses ist auch\nohne Niederkämpfung preiswert. Es bleibt der Verdacht be-\nstehen, daß das Urteil des Herrn Robert Breuer von Neben-\ntendenzen beeinflußt wird. Denn seine geistige Funktion ist es,\nPreise zu bilden. Ich aber fördere durch meinen Prozeß der\nAuslese die Kritik gegen die Kunstkritiker vom Marktwert des\nHerrn Robert Breuer. „Aber auch die Künstler selbst, auch die,\ndenen die Methode Waiden zunächst Vorteile zu bringen\nscheint, sollten sich besinnen, Durch willkürliches und berech-\nnetes Heraufloben bekommen sie eine Stellung, die sie schließ-\nlich doch nicht einzuhalten vermögen.\" Das ist zwar eine Me-\nthode Breuer, denn sein willkürliches Heraufloben ist auf Preis-\nbildung berechnet. Ich habe die Methode nie angewandt. Das\nist eine Unwahrheit. Ich habe in meiner gesamten schrift-\nstellerischen und künstlerischen Tätigkeit nie einen Künstler\ndes Sturms gelobt, noch weniger also heraufgelobt. Ich habe\nnie eine Zeile über die Kunstausstellung Der Sturm geschrieben\noder schreiben lassen. Hingegen habe ich tausende Zeilen gegen\ndie Kritik geschrieben, die sich über die Kunst erhebt. Hin-\ngegen habe ich gegen die Kritik die Künstler sachlich ver-\nteidigt, deren Werke von Herrn Robert Breuer und Kollegen\nnicht etwa kritisch analysiert, sondern mit Schimpfwörtern\nbelegt wurden. Diese Künstler werden nun von Herrn Robert\nBreuer weiter vor ihrer Stellung gewarnt, die sie schließlich\ndoch nicht einzuhalten vermögen: „Wenn die Wahrheit sich\ndurchsetzt, muß ihr Absturz sehr empfindlich werden. Die von\nsolchem Schicksal Betroffenen haben vielleicht eine Zeitlang\nganz gut verkauft, haben Herrn Waiden während dieser Zeit\nnette Tantiemen verschafft, werden aber, wenn das Werturteil\nsich herausgebildet hat, verpönt und totgelegt sein.\" Ist es nicht\nwirklich rührend, wie die preisbildende Kritik sich für meine\nnetten Tantiemen interessiert. Ja, wenn die Wahrheit sich\ndurchsetzt. Herr Robert Breuer sagt zwar die Wahrheit, aber\ner kennet sie nicht. Immerhin, das Schicksal der Betroffenen\nist trostlos. Damit sie nicht ganz totgelegt werden, muß die\nWahrheit Herrn Robert Breuer trocken legen. Wenn das\nWerturteil sich schließlich herausgebildet hat, werde ich die\nnetten Tantiemen abbilden. Wenn. Wenn sich nämlich das"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.14", "texte": "Werturteil des Herrn Robert Breuer schließlich ausgebildet hat,\nfängt er die Künstler des Sturms zu loben an. Die Folge ist,\ndaß sich die Preise der Bilder nicht mehr steigern lassen, meine\nTantiemen daher ihre Nettigkeit verlieren und ich deshalb das\nLob des Herrn Robert Breuer niederkämpfen muß, nur damit\nich wieder seine preisbildende geistige Funktion ausnutzen\nkann. Gefährlich bleibt nur, daß das Werturteil des Herrn'\nBreuer sich von Monat zu Monat ändert, Einmal lobt er, einmal\ntadelt er, und zwar dieselben Künstler, so daß seine Preise wie\nGummibälle auf der Erde herumschnellen. Die Käufer werden\ndurch die Elastizität des Herrn Robert Breuer zur Spekulation\noder in ihr Unglück getrieben. Befriedigt liest der Herr Käufer\nbeim Frühstück das Lob eines Bildes durch Herrn Robert\nBreuer, er beschließt zu kaufen, da die Preise gefallen sein\nmüssen. An einem schönen Sommermorgen geht er in die\nKunstausstellung Der Sturm und erfährt dort zu seinem Ent-\nsetzen, daß der Preis des Bildes wieder gestiegen ist. Herr\nBreuer hat es nämlich unterdessen verrissen. Das ist die Spe-\nkulation auf die Baisse. Der andere Herr Käufer, der für die\nHausse ist, hat das verrissene Bild gekauft. Jetzt sinkt das Bild\nurplötzlich in seinem Preis und von seiner Wand, Herr Breuer\nhat das Bild nämlich nicht gesehen und es für gut befunden.\nHier müßte der Staat einschreiten, Diese ungesunde Preisbil-\ndung muß totgelegt werden. Kein Mensch weiß mehr Be-\nscheid, Es ist auch nicht zu verlangen, daß das deutsche Volk\ndie geistige Funktion des Herrn Robert Breuer begreifen kann.\nWie soll sich nun das deutsche Volk vor dem Kunsthändler\nHerwarth Waiden retten, der Herrn Robert Breuer die Preise\nverdirbt, Herr Robert Breuer gibt einen Hinweis, ohne ihn aus-\nzusprechen: das deutsche Volk kaufe die Bilder, die ich gegen\nHerrn Robert Breuer und gegen die Kunstkritik in ihrem künst-\nlerischem Wert verteidigt habe, nicht in der Kunstausstellung\nDer Sturm, sondern bei Herrn Paul Cassirer, So einfach ist\ndie Lösung. Sowie die Bilder dort verkauft werden, sind es\nkeine „aufgeschwätzten Kunstwerke\" und keine „unausgegore-\nnen Experimente\". Wenigstens fühlt sich der Herr Robert\nBreuer dann in Sicherheit. Er ist um die Sorge gekommen,\nmir durch Verriss Tantiemen zu verschaffen. Er darf seinem\nguten Herzen Luft machen und darf loben, loben, loben. Der\nMarkt des Herrn Paul Cassirer ist bekanntlich eine Wohl-\ntätigkeitseinrichtung für die minderbemittelten Schichten der\nBevölkerung. Herr Robert Breuer, der im Nebenberuf Sozialist\nist, darf sich sozial gebärden und darf loben, loben, loben.\nHandelt es sich doch nicht mehr um den Handel und um den\n„zinsgierigen Kapitalismus\" des Sturms,\nUnd wenn Herr Robert Breuer auch einen Verein der Ber-\nliner Kunstkritiker gründet und sich schützend vor die Kollegen\nstellt: Ich nehme es mit dem ganzen Verein auf. Ich trete sogar\naus, bevor er gegründet ist. Die Herren mögen sich unter-\neinander besprechen, aber die Kunst aus ihren Fingern lassen.\nIch schlage ihnen auf die Hand, in der sie nichts halten können.\nIch rolle meine Kunst auf sie hinab, daß sie zu Staub zergehen,\nder sie sind. Hier steht die Kunst. Ich umglühe sie mit meiner\nFlamme. Gott hilft ihr durch mich. Ich kann nicht anders.\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nNacht\nIn mir ist Nacht\nviel Sterne, Glanz im Tal und Händefalten.\nHellhoch am Bogen Gottes hängt der Mond\nder Menschheit Urlied fließt aus seiner Schale\nhin über Menschen, Städte, weiche Feste,\nhin über Herzen, Träume, Angesichte\ndas weiße Lied im blauen Licht.\nHoch über allem ferner Glanz,\nGeheimnis,\nUrlicht,\nGott, sein Vater,\n\nFremdes Gesicht\nDie Fräcke biegen laut vor deinem Angesicht\nich höre meinen Herzschlag sterben. -\nIch reiße Nacht ins Flattern greller Stimmen\nich biege alle Stunden in den Staub.\nAuf deinen Nacken flirren gelbe Augen,\nIm Saal steht ein Gesicht aus hundert Männern,\nEin Peitschenschlag, der alles Blut zerbricht!\nEin Gassenwort in die Gebärden hohler Stunden!\nIch fessle mich.\nIch beuge mich vor dir mit allen Angesichtern,\n\nAufruf\nWir wollen einen gewählten Kreis voa\nMenschen vereinen, die für das Wi s seil um\ndie Kunst wirken, die für die Kunst als gei-\nstiges Erlebnis wirken.\nWir wissen, daß der Mensch der Gegenwart sich sehnt\nnach einer geistigen Wirklichkeit, in der er die Einheit des\nSeins erlebt. Die geistige Wirklichkeit kündet sich in der\nKunst. Das Erlebnis der Kunst füllt unsere Sehnsucht.\nWir wissen, daß die Kunstmacht jeden sehnenden Men-\nschen greift ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Beruf,\nStand.\nJedem Menschen wollen wir dieses Wissen geben, jedem\nMenschen die Kunst und das Erlebnis der geistigen Wirklich-\nkeit.\nWir haben den Verein Sturmbühne gegründet, weil\ner nötig ist.\nWir nennen den Verein Sturmbühne, weil die Büh-\nnenkunst unsere stärkste Hilfe braucht.\nDie Kunstgestalt des Theaterwerkes ist noch eine Kunst-\ngestalt der Vergangenheit. Das Bühnenkunstwerk der Gegen-\nwart gilt es durchzusetzen.\nIm Sturm ist der Bühnenkunst der Weg bereitet durch\ndie Erkenntnis der Kunst der Gegenwart, durch Schaffen in der\nKunst, durch Sammlung und Gliederung der Kräfte, die einer\nBühnenkunst dienen. Die Kunstschule des Sturm erzieht\ndie ausführenden Künstler, vor allem die Schauspieler, und trifft\nalle sachlichen Vorbereitungen zum Spiel des Bühnenkunst-\nwerkes,\nWir wollen für die Bühnenkunst der Gegen-\nwartwirken.\nWir wollen unsere Mitglieder die ersten\nGestaltungen des Bühnenkunstwerkes erle-\nben lassen.\nWir nehmen einen gewählten Kreis von Mitgliedern jeden\nAlters und jeden Standes auf, doch nur Menschen, die Fühlung\nmit der Kunst der Gegenwart haben oder haben wollen. Wir\nerwarten von unsern Mitgliedern, daß sie nach Kräften für die\nErkenntnis der Kunst und für die Bühnenkunst wirken. Auf\nWunsch wird den Mitgliedern Gelegenheit zur praktischen Mit-\narbeit geboten,\nDer Ausschuß\nDr. John Schikowski / Vorsitzender\nRudolf Bauer\nRudolf Blümner\n%\nLothar Schreyer\nHerwarth Waiden"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 2$\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMoaatsschriit Der Sturm\nErscheint am fimfzefanten jedes Monats\nDatierbezug\nGewohnliche A*sgabe: Fiir Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 80 Pfennig / Fiir das Aus-\nland bei direktcr Zustellung\ndurch die Post: Ein Jahr 8 Mark /\nEin Halbjahr 4 Mark / Einzelheft 1 Mark\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fur\nDeutschland und O esterrei ch-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\nausgabc:\nPreise der frtiheren Jahrgange / Voll-\nstandige Ausgabe Gewohnlichc Sonder-\nAusgabe:\n1910/11\n1911/12\n1912/13\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nEinzelhefte, sowcit vorhanden, erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\nvergriffen\n20 Mark\n20 Mark\n10 Mark\nvergriffen\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n\nBncher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 3 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nÜberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nJecies Buch 2 Mark\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig / Gebunden 4 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nGeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nM order Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderansgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu ILiebesgedichte\nGebunden 3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenllebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGehe/ftet 2 Mark\n\nWcib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderatisgabe 50 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / Ills Mynona: Fur Hunde und\nanderc Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm;\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbach 60 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nDer Sturm / Heeresmarsch\nFur Klavier\nEine Mark\nDie Judentochter\nFur Gesang und Klavier\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar\nKokoschka\nEine Mark\nZehn Dafnislieder / Zu Gedichten von\nArno Holz\nFiir Gesang und Klavier\n3 Mark\nNummer 1: Er hort mit ihr den Gukguk\nschreyn\nEinzelausgabe / 50 Pfennig\n\nMappen und Alben / Verlag Dcr Storm\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe ]e einhundert Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kunstlers\niiber sich selbst rait sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 36 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\nMappe mit 15 Zeichnungen auf Japan-\npapier in Strichatzung / Adolf Loos / Her-\nwarth Walden / Richard Dehmel / Paul\nScheerbart / Alfred Kerr / Yvette Guil-\nbert I Karl Kraus / Hermann Essig / Rudolf\nBliimner / Adolf Xnoblauch / Mechthild\nLichnowsky / Nell Walden / Max Berg /\nGertrud Eysoldt / Claire Waldoff\nMappe 40 Mark\n\nKiinstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNachi Gemalden, Zeichnungen und\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4 Fernand L6ger 2\nRudolf Bauer 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni i\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nAugust Macke 1\nFranz Marc 3\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nQeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\n\nAlbert Qleizes 2\nJaeobavan Heernskerck 3\nS. Hjert6n-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\n\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden I\nNell Walden 1\nMarianne von Werefkin 2\n\nSturm- Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nMarc Chagall\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nJe 50 Pfennig:\nDie Futuristen\n60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kuplertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAn! Japan- und Buttenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nMarc Chagall: Zeichnung\nPaul Klee; Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkjopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkartea\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\n11. Herwarth Walden\n111. Jacoba van Hecmskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 10 Mark\n\nSturm-Einbande\nAuf Japanpapier handgemalt von\nGeorg Schrimpf fur alle Ausgaben\ndes Verlags Der Sturm\nEinband fur Biicher: 20 Mark\nEinband Stir Noten und fur den Jahrgang der Mo-\nnatsschrift Der Sturm: 30 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19170915-01.1.16", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nAusführliche Verzeichnisse\ndes Verlags Der Sturm kosten-\n-1 o s Verlag Der Sturm\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strafje 134 a\nGeofinet taglicli yon 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nFiinfundfiinfzigste Ausstellung\nLyonel Feininger\nSechsundfiinfzigste Ausstellung\nMarc Chagall\nEroffnung: 1. Oktober\n. 112 *\nSturm - Ausstellungen\nFrankfurt am Main\nSturm*Gesamtschau\nKaiserstraßc 11 i\nM. Goldschmidt & Co.\nKopenhagen: Graphik\nSturm-Gesamtschau\n1. bis 30. September\nDiisseldori: Graphik\n1, August bis 15. September\n\nDER STURM\nvertritt iolgende Kiinstler ausschliefilich\nund verfiigt fiber ihre Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdruckc) zum\nVerkauf und zu Ausstellungen in der gan-\nzen Welt:\nCampendonk / Marc Chagall / Jacob a van\nHeemskerck / Kandinsky / Franz Marc /\nGeorg Muche / Gabriele Miintcr / Nell\nWalden\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland folgende Kunstler\nund yerfiigt über ihre Werke zum Verkaul\nund fiir Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Albert - Bloch\nAlexander Archipenko / Rudolf Bauer /\nFritz Baumann / Vincenc Benes / Umberto\nBoccioni / Carlo D, Carra / Max Ernst /\nLyonel Feininger / Emil Filla / Albert\nGleizes / Otto Gutfreund / Oswald\nHerzog / Sigrid H}erten - Griinewald /\nIsaac Griinewald / Johannes Itten /\nAlexei von Jawlenski / Paul Klee / Os-\nkar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Carl Mense / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Fritz Stuckenberg / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne von We-\nrefkin\n\nKunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Waldcn\nZweites Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBuhne\nSchauspielerei\nVortragskunst\nMalcrei\nDichtung\nMusik\nLehrcr der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Munter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich yon 10—6 ge-\noffnet\n\nOffenfliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nDie neuen Vortragsreihen beginncn am\n7. Oktober 1917\nVortragende\nLothar Schreyer\nHcrwarth Waldcn\n\nSturm - Kunstabende\nVercin fur Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch / Beginn aller Abcnde:\n%8 Uhr\nErster Abend / Mittwoch den 19 September\nAugust Stramm / Kurt Heynicke / Aage\nvon Kohl\nVortragender: Rudolf Bliimner\nZweiter Abend\nMittwoch den 26, September\nAugust Stramm / Kurt Heynicke / Aage\nvon Kohl\nVortragender: Rudolf Bliimner\nDritter Abend / Mittwoch den 3. Oktober\nLothar Schreyer: Nacht\nHerwarth Walden: Tonwerke\nMitwirkende: Rudolf Bliimner / Herwarth\nWalden\n\nVierter Abend / Mittwoch den 10. Oktober\nNeue Dichtungen\nVortragender: Rudolf Blumner\nFiinfter Abend / Mittwoch den 12. Oktober\nHerwarth Walden: Weib / Komitragodie\nVortragender: Herwarth Walden\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Straße 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seltene Biicher und Noten\nvorratig und nimmt Bestellungen entgegea\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nKunstdrucke\nAuf Japanpapier / Blatt 5 Mark\nMarc Chagall\nDer Jude\nDer Geigenspieler\nDie Heilige\nDer essende Bauer\nLyoncl Feininger\nKlein Schmidhausen\nMark Wippach II\nHerwarth Walden:\nGesammelte Tonwerke: Schweiftcrtanz 112\nWerk 18 / Mark 4,50 / Tanz der Tone /\niWerk 23 / Mark 3— / Umschlagzeichnung\nvon Rudolf Bauer / Die ersten zehn Exem-\nplare jedes Werkes sind von Rudolf Bauer\nhandaquarelliert und von ihm und vom\nVerfasser signiert / Je 50 Mark\nHerwarth Walden; Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmalden der Sturm-Kiinstler\n4 Mark 50 Pfennig\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nXII: Gabriele Munter\nEnde September erscheinen:\nSturm-Bilderbiicher\nI; Marc Chagall\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\n3 Mark 50 Pfennig\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\n3 Mark I Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nKurt Heynicke\nGedichte\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden\nEntbietung\nFur Gesang und Klavier\nDichtung von Richard Dehmel\n2 Mark"}]}