{"numero_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_sha256": "8178a75bb4902ad119fb7a6feda2b55047546e8da9beb5ff7ba20d543263b76a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1918/02/15_01/bmtnabg_1918-02-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1918/02/15_01/bmtnabg_1918-02-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.1", "debut_caractere": 245, "fin_caractere_exclue": 564, "texte": "Inhalt:\nHerwarth Waiden: Glaube / Kurt Liebmann: Ich werde aufgepeitscht / Paul Bommersheim: Gedrängte Weltgeschichte\nMynona: Die Jungtrau als Zahnpulver / Das weise Raubgetier / Der verliebte Leichnam / Thomas Ring: Gedichte / Marc Chagall\nZeichnung / William Wauer: Sehnsucht / Hilfe / Tanz / Fernand Leger: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.2", "titre_corps": "Marc Chagall: Zeichnung", "titre_sommaire": "Marc Chagall: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.1", "debut_caractere": 566, "fin_caractere_exclue": 589, "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "168", "image_debut": 2, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.3", "titre_corps": "Glaube : Komitragödie", "titre_sommaire": "Glaube : Komitragödie", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4450, "texte": "Der gute Mensch\nDer Freund\nDie Freundin\nDer Nachbar\nDie kleine Martha\nWohnzimmer / Abend\nDer Freund:\nHören Sie mal, lieber Freund, Sie sind so ein netter guter\nMensch. Den Gefallen könnten Sie mir eigentlich tun.\nDer gute Mensch:\nIch überlege hin; und[ her\nDer Freund:\nNur keine Opfer. Wenn Sie diese Kleinigkeit als Opfer\n'auffassen, will ich um nichts gebeten haben.\nDer gute Mensch:\nSie wollen es nicht glauben. Aber ich habe wirklich kein\nVermögen, Müssen es denn tausend Mark sein.\nDer Freund:\nIch würde tausend Mark dafür geben, wenn es mit weniger\nzu machen wäre. Nur die peinlichste Lage kann mich ver-\nanlassen, Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Gerade weil\nich weiß, daß Sie helfen, wo Sie können, würde ich Ihnen\ngegenüber eine solche Bitte nicht äußern. Um so weniger,\nda Sie niemals abschlagen.\nDer gute Mensch:\nSie überschätzen mich. Jeder Mensch tut, was er kann.\n' Ich will Ihnen die tausend Mark geben, trotzdem ich mir\nnoch gar nicht vorstellen kann, wie ich diesen Monat selbst\nauskomme.\nDer Freund:\nDann kann ich das Geld nicht annehmen. Es wäre mir\nein fürchterlicher Gedanke, Sie in Not zu wissen. Lieber\nbringe ich mich um die Ecke.\nDer gute Mensch:\nWie können Sie denken, daß ich dasj zulasse. Von Not ist\nbei mir natürlich nicht die Rede,\nDer Freund:\nKönnen Sie mir das wirklich versichern.\nDer gute Mensch:\nGewiß,\nDer Freund:\nSie kommen bestimmt nicht in Verlegenheit.\nDer gute Mensch:\nIch werde mir schon helfen.\nDer Freund:\nDann will ich die tausend Mark nehmen. Ich danke Ihnen.\nSie sind wirklich ein guter Mensch. In vier Wochen haben\nSie den Betrag mit Zinsen zurück.\nDer gute Mensch:\n'Ich nehme keine Zinsen von Freunden.\nDer Freund:\nSie werden mich doch nicht beleidigen wollen. Ich nehme\ngrundsätzlich keine Geschenke.\nDer gute Mensch:\nEs liegt mir fern, in Ihnen den Gedanken an Wohltätigkeit\naufkommen zu lassen.\nDer Freund:\nDas beruhigt mich. Ich habe also Ihr Wort, daß Sie die\nZinsen nehmen.\nDer gute' Mensch:\nSprechen w#r von etwas anderem.\nDer Freund:\nLeider muß ich Sie jetzt verlassen. Ich möchte die Ange-\nlegenheit regeln. Vielleicht können wir abends zusam-\nmen sein.\nDer gute Mensch:\nIch wollte eigentlich heute zu Hause bleiben.\nDer Freund:\nAlso dann morgen. Können Sie mir vielleicht einhundert\nMark wechseln.\nDer gute Mensch:\nLeider nicht. Ich habe nur fünfzig Mark Kleingeld bei mir.\nDer Freund:\nDann leihen Sie mir die paar Mark bis morgen. Man\nkommt so schlecht ohne Kleingeld durch.\nDer gute Mensch:\nEs ist allerdings mein letztes bares Geld.\nDer Freund:\nSie wollen doch abends zu Hause bleiben. Ich bringe es\nIhnen morgen früh bestimmt wieder.\nDer gute Mensch:\nEs ist ein etwas peinliches Gefühl, ganz ohne Geld zu sein.\nVielleicht genügen Ihnen zwanzig Mark.\nDer Freund:\nMein Wort scheint bei Ihnen nicht zu gelten. Wenn ich\nSie versichere, daß Sie morgen früh acht Uhr die fünfzig\nMark mit Zinsen\nDer gute Mensch:\nNun machen Sie aber keine schlechten Witze,\nDer Freund:\nAlso ohne Zinsen, Auf Wiedersehen, Morgen früh, Tau-\nsend Dank. Ober vielmehr tausendundfünfzig Dank,\nDer gute Mensch:\nWie schnell Sie wieder obenauf sind, es ist zum bewundern.\nDer Freund;\nSolange es noch gute Menschen auf der Welt gibt, muß\nman guter Laune sein. Auf Wiedersehen, Auf Wieder-\nsehen.\nDie Freundin kommt aus dem anderen Zimmer:\nIst er fort.\nDer gute Mensch:\nEin famoser Kerl. Eine Lebenskraft hat er.\nDie Freundin:\nWas wollte er denn so spät.\nDer gute Mensch:\nMit mir ausgehen. Es war mir peinlich, aber ich wollte\nihtm nicht den eigentlichen Grund sagen, daß Du bei mir\nbist. Ich wollte ihn auch nicht belügen.\nDie Freundin:\nMeinetwegen hättest Du ruhig ausgehen können. Ich\nwollte nicht lange bleiben.\nDer gute Mensch:\nIch hatte mich auf das Zusammensein gefreut.\nDie Freundin:\nEigentlich hatte ich eine große Bitte an Dich.\nDer gute Mensch:\nWenn es in meiner Macht steht.\nDie Freundin:\nWie kannst Du von mir denken, daß ich Dich um etwas\nbitten werde, was Dir auch nur die geringste Unannehm-\nlichkeit bereiten kann.\nDer gute Mensch:\nIch wollte Dich wirklich nicht beleidigen.\nDie Freundin:\nStell Dir vor. Man traut sich nicht aus seiner Wohnung\nheraus. Vorne steht ein Mensch und klingelt. Hinten\nsteht ein Mensch und klingelt. Man wagt nicht zu atmen.\nFürchtet sich, im eigenem Heim, auch nur einene Schritt\nzu gehen. Stell Dir das vor.\nDer gute Mensch:\nFürchterlich.\nDie Freundin:\nUnd alles wegen tausend Mark.\nDer gute Mensch:\nDu sollst doch keine Schulden machen.\n\nGlaube\nKomitragödie\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4611, "texte": "Die Fr eundin: - V\nWas sind das für Ausdrücke, Ich habe meine Schneiderin\nnoch nicht bezahlt. Das ist alles.\nDer gute Mensch:\nAber liebes Kind, ich habe Dir doch gestern tausend Mark\ngegeben.\nDie Freundin:\nDu liebst mich nicht, Jetzt wirfst Du mir die tausend Mark\nvor.\nDer gute Mensch:\nWie kannst Du mich so verkennen. Mir ist es nur pein-\nlich, daß das Geld für die Schneiderin nicht gereicht hat\nund Du diese fürchterlichen Unannehmlichkeiten hattest.\nDie Freundin:\nDu liebst mich nicht.\nDer gute Mensch:\nDas kannst Du nicht glauben.\nDie Freundin:\nDu glaubst mir nicht.\nDer gute Mensch:\nDu tust mir weh.\nDer gute Mensch:\nDie tausend Mark hast Du mir doch geliehen, damit icn\ndiese unangenehmen Schulden bezahlen kann.\nDer gute Mensch:\nDu sprachst doch von der Schneiderin.\nDie Freundin:\nNun wirst Du noch behaupten, daß ich Dich belüge. Na-\ntürlich habe ich von der Schneiderin gesprochen. Ich kann\ndoch nicht nackt gehen. Aber die tausend Mark hast Du\nmir für die Schulden geliehen.\nDer gute Mensch:\nVerzeihung, ich war vielleicht zerstreut\nDie Freundin:\nDu liebst mich eben nicht. Du bist in meiner Gesellschaft\nzerstreut\nDer gute Mensch:\nIch lebe auf, wenn Du bei mir bist. —\nDie Freundin:\nIch will die tausend Mark auch nur geliehen haben, Icft\nlasse mich grundsätzlich nicht bezahlen. Das zerstört die\nLiebe.\nDer gute Mensch:\nDer Betrag steht Dir morgen zur Verfügung.\nDie Freundin:\nMorgen habe ich das Geld selber. Ich brauche es eben\nheute. Stell Dir vor, wenn ich jetzt nachts allein nach\nHause komme. Vorne steht ein Mensch, hinten steht ein\nMensch\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, die Schneiderin wird doch nicht\nDie Freundin:\nWarum wird sie nicht. Du ahnst gar nicht, welche Aus-\ndauer Schneiderinnen haben, Nicht vom Fleck geht sie,\ndiese Person,\nDer gute Mensch:\nWie bist Du denn zu mir gekommen.\nDie Freundin:\nDu glaubst mir nicht. Ich schlich ganz leise zum Schlüs-\nselloch, Vielleicht ist der Person schlecht geworden.\nJedenfalls, sie war fort und ich stürzte hinaus, zu Dir, Ich\nweiß, daß Du mir helfen wirst. Du bist ein guter Mensch,\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, ich bin in der peinlichsten Verlegenheit, ich\nhabe mich heute ausgegeben\nDie Freundin:\nDu hast eine Geliebte,\nDer gute Mensch:\nDas darfst Du nicht denken. Ich bin Dir treu, als ob Du\nmeine Frau wärst.\nDie Freundin:\nDu hast eine Geliebte, Wofür gibt man sonst tausend\nMark aus.\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, es gibt doch Umstände\nDie Freundin:\nDie Umstände kenne ich. Das hätte ich nicht geglaubt. Du\nwarst mein erster Gedanke, Zu Dir bin ich gestürzt. Er\nhilft mir. So habe ich an Dich geglaubt.\nDer gute Mensch:\nAber mein Liebling, ich verschaffe Dir das Geld zu mor-\ngen. Willst Du denn nicht heute Nacht hierbleiben.\nDie eundin:\nDas ist Deine Liebe. Wegen tausend Mark willst Du mei-\nnen guten Ruf auf das Spiel setzen. Ich gehe grundsätz-\nlich nicht später als zwei Uhr nachts zu Hause. Mein gu-\nter Ruf ist mir mehr wert, als Deine lumpigen tausend\nMark.\nDer gute Mensch:\nHeute glüht ein Unstern über meinen Worten, Ich Dich\nbeleidigen\nDie Freundin:\nDu wirst noch herumerzählen, daß ich Deine Geliebte bin.\nDer gute Mensch:\nNiemand ahnt, daß Du mich besuchst. Sogar mein Mäd-\nchen habe ich entlassen, Dein Ruf ist mir teuer.\nDie Freundin:\nAber tausend Mark ist er Dir nicht wert. Nun, ich werde\nsie bekommen. Und wenn ich mich aus Verzweiflung dem\nersten Besten an den Hals werfe. Mein Blut komme über\nDich.\nDer gute Mensch:\nIch zermartere mir mein Gehirn.\nDie Freundin:\nIch habe eine Idee. Wir versetzen Deinen Ring.\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, die Juweliere haben schon geschlossen.\nDie Freundin:\nDu verstehst doch alles falsch. Ich gebe ihn dieser Person\nzum Pfände.\nDer gute Mensch:\nDer Ring ist' mir teuer. Meine Frau schenkte ihn mir.\nDie Freundin:\nEine Tote steht zwischen Dir und meiner Liebe, So wenig\nbin ich. Und ich habe so fest an Dich geglaubt.\nDer gute Mensch:\nHier ist der Ring\nDie Freundin:\nIch lasse mir von der Schneiderin natürlich das Ehrenwort\ngeben, daß Sie ihn mir morgen früh zurückbringt. Dann\nstürze ich sofort zu Dir.\nDer gute Mensch:\nDie Schneiderin ist sicher nicht mehr da.\nDie Freundin:\nVielleicht ist es kindisch. Wenn ich mich aber so ängstige\nDer gute Mensch:\nIch gebe Dir ja den Ring,\nDie Freundin:\nTausend Dank. Ich werde es Dir nie vergessen. Nun will\nich eilen, daß ich nach Hause komme.\nDer gute Mensch:\nBleib doch.\nDie Freundin:\nMeine Nerven sind hin. Ich würde Dich heute nur lan£~\nweilen. Und Langeweile trübt die Liebe. Hast Du ein\npaar Mark Kleingeld. Ich habe in der Aufregung alles\nvergessen.\nDei gute Mensch:\nEs ist mir sehr peinlich. 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Du bist ein\nguter Mensch.\nDer gute Mensch;\nDu kommst morgen bestimmt.\nDie Freundin:\nDu wirst doch nicht denken, daß ich wegen des Ringes\nfortbleibe.\nDer gute Mensch;\nLiebes Kind, nicht im entferntesten.\nDie Freundin;\nAlso auf morgen, mein Liebling, auf morgen. Da kommt je-\nmand die Treppe herauf. Die Schneiderin\nDer gute Mensch:\nNicht ängstigen mein Liebling. Niemand kann wissen, daß\nDu bei mir bist.\nEs klingelt.\nDer gute Mensch:\nGeh in das Schlafzimmer.\nDie Freundin:\nDu wirst mich schützen.\nDer gute Mensch:\nWie mich selbst.\nEr öffnet die Tür.\nDer Freund:\nEntschuldigen Sie lieber Freund, daß ich Sie nochmals\nstöre, Habe ich meinen Spazierstock bei Ihnen stehen\nlassen\nDer gute Mensch:\nIch glaube nicht. Wenigsten habe ich ihn nicht gesehen.\nVielleicht wollen Sie selbst suchen.\nDer Freund:\nNein, Ich seh ihn nicht. Höchst fatal. Mit einem Gold-\ngriff.\nDer gute Mensch:\nVielleicht haben Sie ihn zu Hause stehen lassen.\nDer Freund:\nIch hatte ihn bestimmt bei mir, als ich zu Ihnen ging. Un-\nbegreiflich.\nL* er gute Mensch:\nEs tut mir aufrichtig leid\nDer Freund:\nIch bin so an einen Stock gewöhnt\nDer gute Mensch:\nWenn ich Ihnen meinen leihen darf. Er hat zwar nur einen\nSilbergriff\nDer Freund:\nSehr liebenswürdig. Das macht nichts. Mir liegt nur grund-\nsätzlich an einem Stock, Also entschuldigen Sie bitte die\nStörung. Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen.\nDer gute Mensch:\nWo Jen Sie mir einen Gefallen tun.\nDer Freund: . ' •\nFür Sie gehe ich durchs Feuer«\nDe r gute Mensch:\nNur eine Kleinigkeit. Klopfen Sie bitte bei der Pförtnerin\nan, Sie möchte doch in einer halben Stunde einmal her-\naufkommen, Das Treppensteigen fällt mir ohne Stock\netwas schwer.\nDer Freund:\nts macht mich geradezu glücklich, Ihnen einen Gegen-\ndienst erweisen zu können.\nDer Freund:\nAlso auf Wiedersehen morgen früh.\nDer Nachba r an der Tür:\nStöre ich\nDer gute Mensch:\nBitte\nDer Nachbar:\nEntschuldigen Sie bitte, daß ich Sie so spät überfalle. Ich\nhatte zwar noch nicht das Vergnügen, aber ich als Nachbar\nDer gute Mensch:\nWomit kann ich dienen.\nDer Nachbar:\nIch will mich nicht an den Wirt wenden. Ich bin für Haus-\nfrieden,\nDer gute Mensch:\nWomit kann ich dienen.\nDer Nachbar:\nSie sind ein guter Mensch, sagt man im Hause. Aber das\ngeht zu weit.\nDer gute Mensch:\nIch verstehe nicht.\nDer Nachbar:\nDieser Lärm bei Ihnen\nDer gute Mensch:\nLärm bei mir. Ich bin von acht bis sieben auf meinem\nBüro\nDer Nachbar:\nDa müssen Sie eben nicht fremden Personen Ihren Schlüs-\nsel überlassen.\nDer gute Mensch:\nMeinen Schlüssel\nDer Nachbar:\nDer Lärm ist nicht auszuhalten. Gassenhauer werden ge-\nsungen. Immer dieselben. Dazu wird offenbar mit einem\nStuhl auf dem Tisch gehauen\nDer gute Mensch:\nIch verstehe wirklich kein Wort.\nDer Nachbar:\nLieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß ich Sie so\nanrede, ich will nichts gegen die Dame sagen.\nDer gute Mensch:\nWelche Dame.\nDer Nachbar:\nIch bin auch jung gewesen. Die Frauen sind alle gleich.\nDer gute Mensch:\nIch gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß sich keine Frau in\nmeinen Räumen befindet.\nDer Nachbar:\nSie haben einen guten Geschmack. Alle Achtung. Und\nVornehmheit ist eine schöne Sache. Aber dieser Herr, der\neben fortging, hat eine schreckliche Stimme\nDer gute Mensch:\nEr ist mein bester Freund: Ich verstehe wirklich nicht,\nDer Nachbar:\nGlauben Sie mir, er hat eine schreckliche Stimme. Ich bin\nganz musikalisch. Der Mann soll doch wenigstens richtig\nsingen.\nDer gute Mensch:\nSie müssen sich irren. Mein Freund singt überhaupt nicht.\nDer Nachbar:\nVielleicht singt er nur mit Damenbegleitung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4154, "texte": "Der gute Mensch:\nIch habe Ihnen doch erklärt, daß ich den ganzen Tag im\nBüro bin.\nDer Nachbar:\nDie Dame singt auch nicht gerade perfekt. Aber wozu muß\nIhr Freund noch außerdem mit Stühlen werfen.\nDer gute Mensch:\n■\nSie sprechen in Rätseln.\nDer Nachbar:\nSie wollen also behaupten, daß am Tage niemand in Ihrer\nWohnung ist\nDer gute Mensch:\nNur morgens die Pförtnerin, die hier etwas reinmacht.\nDer Nachbar:\n•\nAlso lieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß ich Sie\nso anrede, hören Sie mal zu. Dieses Zimmer dort gehört\ndoch noch zu Ihrer Wohnung.\nDer gute Mensch:\nMein Schlafzimmer.\nDer Nachbar:\nGut. Die Wand Ihres Schlafzimmers ist die Wand, meines\nEßzimmers. Das verstehen Sie doch.\nDer gute Mensch:\nSelbstverständlich.\nDer Nachbar:\nIch höre also jedes Geräusch. Besonders, wenn man mit\nStühlen wirft. Wollen Sie bitte in mein Wohnzimmer gehen,\nich werde in Ihrem Schlafzimmer laut sprechen und Sie\nwerden sich wundern.\nDer gute Mensch: m\nIch glaube Ihnen ohne Beweise.\nDer Nachbar:\nAber gestatten Sie.\nEr macht ganz plötzlich die Schlafzimmertür auf.\nDer Nachbar: I\nDa ist ja die dazu gehörige Dame.\nDie Freundin:\nGlaube ihm nicht. Er ist ein Verleumder.\nDer Nachbar:\nWie gut ich diese Stimme kenne. Können Sie nicht wenig-\nstens etwas leiser singen, wenn es schon durchaus sein\nmuß.\nDie Freundin:\nIch schwöre Dir. Ich war nur heut in Deiner Wohnung,\nweil ich mich so vor der Schneiderin fürchtete.\nDer gute Mensch:\nDu warst heute in meiner Wohnung.\nDer Nachbar: ,\nHeute ist gut. Und gestern. Es war zum Verrecken. Im-\nmerzu. Otto, nicht doch, Otto, nicht doch,\nDer gute Mensch:\nWas soll das alles heißen.\nDer Nachbar:\nSie kennen den Otto gar nicht\nDie Freundin:\nOtto wollte Dich gerade besuchen. Ich schwöre Dir,\nDer gute Mensch:\nOtto war auch hier.\nDer Nachbar:\nNichts für ungut. Aber der Mensch muß seine Ruhe haben.\nAuf Wiedersehn.\nDer gute Mensch:\nMein Herr\nDie Freundin:\nDas ist Deine Liebe. Einem wildfremden Menschen glaubst\nDu mehr als mir.\nDer gute Mensch:\nWillst Du mir nicht erklären.\nDie Freundin:\nDas könnte Dir so passen, Dich als Richter aufzuspielen.\nDu maßest Dir Rechte an, weil Du mir ein paar Briefmar-\nken geliehen hast.\nDer gute Mensch:\nIch bin ganzv fassungslos.\nDie Freundin:\nEchte Liebe ist blind. Bitte sieh in meine Augen,\nDer gute Mensch:\nSchön sind Deine Augen.\nDie Freundin:\nSieh mir ganz fest in die Augen. Können diese Augen lügen\nDer gute Mensch:\nDeine großen Kinderaugen.\nDie Freundin:\nDu hast Dich überzeugt. Diese Augen können nicht lü-\ngen, Den Mann werde ich übrigens verklagen\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir, Ich glaube Deinen Augen, Ich verstehe\nnur nicht, was dieser Mensch mit dem Lärm gemeint hat.\nDie Freundin:\nDu bist ein guter Mensch und läßt Dich immer herein-\nlegen. Ich werde Dir die Sache erklären. Die Sache ist\nganz einfach die. Dieser alte Lebegreis hat mich auf der\nStraße angesprochen. Ich habe ihn abgewiesen und aus\nRache hat er Dir dieses Märchen aufgebunden,\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir. Aber woher kennst Du meinen Freund,\ndem ich nie eine Silbe von Dir gesagt habe.\nDie Freundin:\nEin Freund von Dir wird doch die Höflichkeit haben, sich'\neiner Dame in Deinem Hause vorzustellen.\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir. Ich will Dir glauben. Die Frau ist mein\nGlaube\nDie Freundin:\nLiebst Du mich.\nDer gute Mensch:\nDu bist mein Glück,\nDie Freundin:\nHerr Gott, die Schneiderin, Auf Wiedersehn, Auf Wie-\ndersehn,\nDer gute Mensch öffnet ihr die Tür.\nDerNachba r an der Tür:\nNicht doch, Otto.\nDie Freundin:\nEhrabschneider.\nDer Nachbar tritt schnell ein:\nEine Sekunde lieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß\nich Sie so nenne, Otto wartet.\nDer gute Mensch:\nIch muß Sie bitten, Ihre Bemerkungen zu unterlassen.\nDer Nachbar:\n'Sehen Sie nur auf die Straße. Otto wartet.\nDer gute Mensch:\nSie sollten sich schämen, eine Frau zu beleidigen\nDer Nachbar:\nWenn Sie Ihren Augen nicht trauen wollen.\nDer gute Mensch:\nIch traue ihren Augen.\nDer Nachbar:\nWissen Sie, was Sie sind. Ein verliebter Esel sind Sie, Gu-\nten Abend,\nDer Nachbar wirft die Tür zu.\nDer gute Mensch:\nDiese Kinderaugen können nicht lügen.\nDie Tür wird aufgeschlossen.\nDer gute Mensch:\nWer ist da. \\\nDie kleine Martha:\nIch bins nur."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2996, "texte": "Der gute Mensch:\nWas willst Du mein Kind\nDie kleine Martha:\nDer Herr, der da unten wartet, hat gesagt, Mutter soll in\neiner halben Stunde mal raufkommen, Mutter hat große\nWäsche.\nDer gute Mensch:\nDu wirst mir nicht helfen können mein Kind.\nDie kleine Martha:\nIch kann alles.\nDer gute Mensch:\nIch wollte eine Depesche aufgeben.\nDie kleine Martha:\n* i •*. - - •\nWenn es weiter nischt is\nDer gute Mensch:\nIch habe aber kein Kleingeld. Vielleicht kann Mutter aus-\nlegen.\nDie kleine Martha:\nDie Mark habe ich auch.\nDer gute Mensch:\nSo ein kleines Mädchen hat schon so viel Geld.\nDie kleine Martha:\nIhre Frau schenkt mir jeden Tag eine Mark,\nDer gute Mensch:\nMeine Frau\nDie kleine Martha:\nImmer wenn Sie morgens kommt.\nDer gute Mensch:\nMeine Frau kommt immer morgens.\nDie kleine Martha:\nIhr Bruder ist zu spaßig.\nDer gute Mensch:\nMein Bruder.\nDie kleine Martha:\nEr sagt immer, die wird mal mein Verhältnis.\nDer gute Mensch:\nWer sagt das\nDie kleine Martha:\nNa Ihr Bruder, der unten geklopft hat. Und Ihre Frau wird\ndann mächtig wütend und sagt immer: Du bist ein Schwein.\nDer gute Mensch:\nIch habe doch keine Frau, Kind.\nDie kleine Martha:\nIch weiß Bescheid.\nDer gute Mensch;\nDu armes Kind.\nDie kleine Martha:\nSie sind ein guter Mensch. Sie müßten so machen wie Vater\nmacht.\nDer gute Mensch:\nWjas macht Dein Vater,\nDie kleine Martha:\nSie müssen Ihre Frau verwichsen, Wichse vertreibt die\nLiebe, sagt Vater,\nDer gute Mensch:\nDu armes Kind. Eine Frau ist heilig.\nDie kleine Martha:\nSie, das sind sone Biester\nDer gute Mensch:\nDu wirst doch selbst eine Frau\nDie kleine Martha:\nIch bin stark, Ich würde feste wiederhauen. Aber von Sie\nlaß ich mich küssen.\nDer gute Mensch:\nDu gutes Kind.\nDie kleine Martha:\nVon Ihrem Bruder nicht. Aber Sie haben so traurige Augen.\nDer gute Mensch:\nIch will Dich zu mir nehmen. Ich will Dich erziehen, Kind,\nKinderaugen können nicht lügen.\nDie kleine Martha:\nLügen macht Spaß, «\nDer gute Mensch:\nEs ist ein Unrecht zu lügen,\n*\\\nDie kleine Martha:\nVater ist immer am vergnügtesten, wenn Mutter ganz dicke?\nlügt.\nDer gute Mensch:\nLügen bringt Unglück, Kind,\nDie kleine Martha:\nAch was, es muß nur nicht rauskommen. Wissen Sie, wie:\nich das mach, ich seh einfach den Leuten ganz groß in die?\nAugen, dann glauben sie alles.\nDer gute Mensch:\nIch bin am Ende.\nDie kleine Martha:\nIch kann Ihnen gern die Mark pumpen.\nDer gute Mensch:\nIch bin ein guter Mensch. Alle lachen über mich.\nDie kleine Martha:\nBei Sie braucht man nicht zu lügen, weil Sie so traurige\nAugen haben.\nDer gute Mensch:\nMeine Augen sind verschleiert.\nDie kleine Martha:\nIch weiß Bescheid, Wenn die Frauen nicht lügen, werden,\nsie verwichst. Sie tun den Frauen nichts.\nDer gute Mensch:\nHeilig sind die Frauen. Heilig. Heilig.\nDie kleine Martha:\nSie, beten ist Blech. Ihre Frau paßt für die Männer.\nDer gute Mensch:\nFrauen sind Kinder,\nDie kleine Martha:\nIhr Bruder kriegt mich nicht. Auf Ihnen werde ich warten,«.\nDer gute Mensch:\nKinder sind die Frauen, Kinder.\nDie kleine Martha:\nHier haben Sie meine Mark.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.3.1", "titre_corps": "William Wauer: Hilte", "titre_sommaire": "William Wauer: Hilte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 20, "texte": "William Wauer: Hilte"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.3.2", "titre_corps": "William Wauer: Sehnsucht", "titre_sommaire": "William Wauer: Sehnsucht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 24, "texte": "William Wauer: Sehnsucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "170", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.4", "titre_corps": "Ich werde aufgepeitscht", "titre_sommaire": "Ich werde aufgepeitscht", "signature_source": "Kurt Liebmana", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.8", "debut_caractere": 2998, "fin_caractere_exclue": 3887, "texte": "Meine blühende Hirnwiese zertrampeln glühe johlende kugelnde\nTeufelchen.\nUm meinen Schädelberg kreisen krächzend blauschillernde\nGeheimnisvögel.\nKreisen. Kreisen.\nMein Bett heult, Zimmer schwankt, Spiegel bläkt. Stühle tasten..\nLampe tanzt.\nHände würgen, Kehlen lachen. Fetzen zerschlagen\nmich.\nIch steile zischend grünflimmernde Schlange aus rascheln-\ndem Bettlaub,\nGleite schlängle ringle an die Jalousie.\nSchwebe über dem Fenstersims.\nZüngle mit zuckenden Zungen in schnappende Schatten;\nSchnelle in Nacht. Regne Gift, Steche den Mond.\nDaß er o Kampf, o Kampf! Trillionen Glotzaugen funkelt\nAufrast. Aufpfeift. Aufzischt.\nAngstzerre Glutarme Dunkel erwürgend schlenkernd ent-\nblättert.\nMondstirn zerplatzt.\nMondhirn über Erde knistert spritzt funkt zerflammt.\nHo!\nHimmel feiert Maskenball.\nSchleudert buntzüngelnde Kometenschweife knisternde\nSternschnuppen, - -\n\nIch werde aufgepeitscht"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2059, "texte": "Sonnen Blaufunke, Grünfunke Goldfunke.\nFeiert Maskenball.\nScharen von Bürgern rollen unter mir entlang.\nWeiß in Nachthemden um die Knochen klatschenden fie-\nbernd.\nHinfallend Gebete heulend: Rette! Rette! Oh!\nIch gleite zurück in mein Zimmer.\nWühle mich in lachend bunteste Täler,\nSchaukle im Kelch duftender Dolden,\nRudre im Blaumeer wippender Blüten.\nKrieche schlängle,\nBade taumelnd im Licht tausend von schwindelndsten Felsen\nkreischend niederfallender Mädchenleiber\nKrieche unter die jungrunden Brüste der Schönsten,\nWir wiegen in Aesten dunklen Granatbaums,\nHüllen uns ein in glattglänzende Blitze gleitende Sterne Schreie\nfliehender Bürger,\nLauschen dem Poltern zusammenkrachender Mauern, Dem\nhellen Getrappel der Füße,\nKomm! Du!\nLaß deinen Frühlingsatem über mich wehen.\nNiederregnen auf mich das Weiß deiner Heischblüte.\nDaß ich zertaue. Daß mein vereistes Blut golden rinnt.\nKomm! Du,\nWir wollen uns nackt aneinanderlegen\nFrühlingsstürmen horchen in unseren Leibern\nLauschen der dumpfen Musik unseres Blutes\nZimmer bebt. Geschrei zerdrückt das Fensterglas.\nKomm Du, Du komm.\nDucke auf meine Schultern,\nLaß deine Pupillen entglänzen. Dein Haar sich ent-\nrauschen.\nSieh die weiße Brandung der Leiber an den Kirchen\nemporklatschend.\nDarüber das Wehen der Wolken, die dottergelb um die\nDächer schlagen.\nKriechenden schnappenden Krötenhimmel\nHorch die Gebete Gebete,\nWir springen auf den Marktplatz, Rathaus,\nErklimmen Stufen. Wachsen steil steil.\nHeranwälzen schlotternde Bürger,\nHer! Her!\nUnseren Altar umlichtet die Nacktheit schlangenhaft wiegen-\nder schmiegender Mädchen,\nGottfest!\nHer! Her!\nIch reiße meine Augen aus meinem Stirnhimmel licht-\nwild.\nDa!\nZwei kreisende Sonnen blühen auf eurer verwelkten\nSternwiese.\nHer! Her!\nWir haben euch fressende Angst in die Knochen ge-\ntrieben.\nWir haben eure Straßen und Häuser zerweht.\nWir haben eure Frauen und Kinder zerstampft.\nWir.\nWir wachsen wachsen,\nSchweben über wehenden Hemden Glatzen gesteilten\nHänden,\nLavaströmen von Wutschreien und Beschwörungen,\nWachsen wachsen\nSchweben\nZerstäuben in Nichts."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "debut_caractere": 2395, "fin_caractere_exclue": 2408, "texte": "Kurt Liebmana"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.4.1", "titre_corps": "William Wauer: Tanz", "titre_sommaire": "William Wauer: Tanz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 19, "texte": "William Wauer: Tanz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "170", "page_fin": "170", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.5", "titre_corps": "Gedrängte Weltgeschichte", "titre_sommaire": "Gedrängte Weltgeschichte", "signature_source": "Paul Bommersheim", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "debut_caractere": 2410, "fin_caractere_exclue": 5451, "texte": "Gedrängte Weltgeschichte\nPaul Bommersheim\n*\nAn Q, G.\nBlüten öffnen Stempel Blätter sammeln Regen. Sonne wirft\nGoldfäden. Schmeißfliegen glanzflattern nach Kot. Kot glänzt;\ngoldbraun. Früchte fallen. Früchte faulen. Wildkatze durch-\nbrichts Gebüsch. Kinder fangen Schmetterlinge. Freude in allen\nRichtungen.\nTische sind weiß gedeckt. Man hat Nelken gebrochen, Man\nhat Sternenlicht hereingetragen. Man verschließt die Kammern\nvor der Sonne. Aus Hausbalken rollt Blut hervor. Aus Zim-\nmern biegt ein Wind und wirft Blumen hinab. Viel Soldaten\nsind auf den Feldern. Und bei den Wolken führt ein Luftballon.\nIn Luftschiffen fliegen, in Wagen schweben, auf Schäumen\nsegeln, auf Träumen reiten, auf Weisheit wandeln: Menschen.\nRote, weiße, blaue gelbe, goldne Hüte und Kronen winken dem\nlieben Gott: Gruß, Gruß! Kronen rollen auf Pflaster, Hüte in\nPfützen. Liebespaare stehn bei einander: weißglänzende Ker-\nzen: lecken Salz von den Lippen. Kinder fliehn vor der Kinds-\nmörderin, die zu küssen brennt, und spielen schon wieder mit\nSchäfchen. Der letzte Schrei des sterbenden Schlachtviehs und\ndie Lustigkeit des Festmahls und auch die Kraft des Kämpfers.\nDie Wunden der toten Helden, die unerschöpflich wie Blumen\nsprießen. Herrlicher Angriff. Augen werden schwarz und\nfallen in sich. Weiber erwarten die Räuber. Besiegte sind in-\nwendig hell. Ueber Abgrundgreuel schwärmen die Tänzer.\nBüßer beben vor Freude. Hohn stolpert hilflos. Frauen jubeln\nin Märtyrerflammen. Aexte schlagen Schädel, Frauen jubeln\nin Märtyrerflammen.\nWo all das in dich stürzt, o Mensch, mußt du die Wimper schlie-\nßen. Du fühlst die Fledermäuse dich mit Flügeln streichen, fühlst\nblaue Strahlen durch dich zucken.\nNachtlokale lachen. Richter drohen Donner. Säufer kröhlen.\nO Jesulein! O Jesulein! Komm her, o Jesulein! 0 Jesulein, komm\nher! Gauner juchzen. Röcheln Mörder. Haß schmeißt Zacken..\nZähne jähen. Viel, viel Fallen, Fallen in lustig funkelnde Beile..\nFallen in spritzende Sümpfe, Heulen, Die lichten Augen der\nWeisen! Fallen in Schwanenteiche, in Bruderblut, in Bruder-\nfleischfetzen, in Sternenscherben. Fröhlich Fallen von Him-\nmelssuchern und Fallen von Strahlenkönigen, von Schoßwei-\nbern, von Schreibern, von Zerplatzenden, von — o Mensch, o\nMensch — von einem winzigen Wurm, vom Gottsohn. Schwei-\ngen aller Wesen ist die Angst, Fallen von Völkergewühl, von\nWölfen, Neidspitzen, Reinen, Satansgelächter, von Rehen, Wald-\nvögeln, Tiefseefischen, von allen Tierherden der Prärie, von\nPalmenwäldern, Edelweiß, von Gelassenen, Brüllenden , Erden,\nMondpalast, Weltall.\nAufschießen Farbenblüten. Frohe Bogen des Liebeslieds, Der\nTod des Käferchens, Der Tod des armen Käferchens,\nSonntag. Weiden schaukeln sorglos. Buben balgen. Geschrei\nder Kreißenden. Haßgift speien Eltern und Kinder.\nSelig wer heimtaucht in Ihn. Sich zufalten. Selig Säule durchs\nganze All, Alleinbruch. Blitze zerschleißen Gehirn, Einsturz\ndes Himmelsgewölbes. Fallen von\nsteigenden Sternen . . . endlos , . . endlos.\nAugen öffnen groß.\nIm Schoß\nDer Schöpfung wuchern weiß und lila Bittersüß."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "170", "page_fin": "172", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.6", "titre_corps": "Die Jungfrau als Zahnpulver.", "titre_sommaire": "Die Jungfrau als Zahnpulver.", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "debut_caractere": 2061, "fin_caractere_exclue": 2393, "texte": "Lisette Wischein war es an der Wiege gewiß nicht vorge-\nsungen worden, daß sie noch einmal als Zahnpulver verwendet\nwerden sollte. Arme Jungfrau!\nDas Auge, das auf sie geworfen wurde, gehörte einem jun-\ngen jManne an, dessen Gehirn nicht allzu richtig funktionierte.\nWissen Sie, er hatte beides: er war ziemlich gescheit, aber auch-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "debut_caractere": 5453, "fin_caractere_exclue": 5488, "texte": "Die Jungfrau als Zahnpulver.\nMynona"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5911, "texte": "areichlich blöde, Gescheit genug war er, um sich in Lisette zu\nverlieben. Ob er sonst noch Proben von Gescheitheit gab, weiß\nich nicht. Er trug fast stets ein sonderbares Lächeln zur Schau,\nwelches, da seine Oberlippe sehr kurz war, seine Zähne ent-\nblößte; unter uns gesagt, vielleicht schöne, jedenfalls fürchter-\nlich verwahrloste Beißerchen. Bitte, stellen Sie sich die Be-\nglücktheit Fräulein Wiischels vor, als aus dem Gehege solcher\nZähne ein unmißverständlicher Liebesantrag ertönte. „Nach-\nbarin, euer Fläschchen!\" war schon das Wenigste, was sie noch\näußern konnte, Dagegen sagte die Nachbarin, ihre Freundin\nFlora Buse: „Mensch, putzen Sie sich Ihre Zähne, bevor Sie um\nLiebe trillern. Sie haben wohl Grünspan gegessen?\"\nBeide Mädchen verschwanden, die Arme gegenseitig um\nihre anmutigen Hüften geschlungen. Grinsend starrte Max\nBommel ihnen nach, während er seinen rechten Zeigefinger wie\neine Zahnbürste zwischen seinen Lippen hin und her schob. Ein\ngemütlicher alter Bursche, der neben ihm gestanden und die\ngrausame Abfertigung mit angehört hatte, redete ihn an: „Ein\nWort im Vertrauen, junger Herr, das Mädel hat Ihnen eine gute\nLehre gegeben, Sic glauben gar nicht, von was für solchen an-\nscheinenden Kleinigkeiten der Erfolg im Leben meistens ab-\nhängt. Sie sind eigentlich ein ganz hübscher Kerl. Nu sehn Se\nmal an! Geben Sie dem Apoll eine Quatschnase, und Dinan\nkehrt ihm den marmornen Rücken zu. Den Zeus des Phidias mit\nabstehenden Ohren läßt man gerne links liegen. Die Wenig-!\nsten gleichen doch dem herrlichen Weisen, der noch am Aas des\nHundes die glänzenden weißen Zähne demütig bewunderte.\nWissen Sie, das Schönheitspflästerchen darf nur winzig sein,\nPassen Sie auf, wie dasselbe Mädel Ihnen nachrennt, wenn Sie\nsich Ihre Zähne gereinigt haben. Nichts für ungut — Adieu!\"\nDamit wollte der gemütliche Mann in eine Elektrische\nsteigen, hatte schon den einen Fuß auf dem Trittbrette, da riß\nihn Max am Rockzipfel so heftig zurück, daß Beide stolperten\nund in eine Menge Kehricht über einander fielen. Das Publi-\nkum lacht bei solchen Gelegenheiten, welche im Grunde gar\nnicht zum Lachen sind, immer wieder herzlich. Die Beiden\nklopften einander gegenseitig den Mist ab, worauf dann Max\ngrinsend fragte: „Sie sollten mir doch erst sagen, mit was ich\nmeine Zähne putzen könnte!\" ~Ach so!\" meinte der ärgerlich\nund heimtückisch werdende Greis, „ach so! Und darum Räu-\nber und Mörder! Ein bischen . . . hö, hö, hö . . . Kohlenasche.\nNehmen Sie Kohlenasche, junger Mann — ganz einzigartiger\nErfolg, auf Ehre! Adieu!\" Damit fuhr er ab.\nMax wanderte fürbaß. Er grinste zähnefletschend und wie-\nderholte murmelnd immerfort: „Kohlenasche, Kohlenasche.\" In\neiner Drogerie verlangte er eine Bürste, mit der man Kohlen-\nasche aufnehmen könne. Der Drogist sann eine Zeit lang nach.\nDann gab er ihm ein Mittelding zwischen Klosett- und Hand-\nseifenbürste, „Das ist eine schöne Bürste,\" sagte Max lallend\nund zahlte. Der Drogist gab ihm durchaus Recht, er nickte,\neifrig bestätigend. Max vergaß, sich die Bürste einwickeln zu\nlassen. Er trottete, sie bald im Bogen schwingend, bald wie zur\nProbe vors Gebiß haltend seines Wegs. Die Passanten sahen\ndas garnicht ungern, niemand war darüber betrübt. „Kohlen-\nasche, Kohlenasche\", murmelte Max,\nDa sah er Lisetten in ein Haus gehen. Die Bürste wie zum\nGruß an den Hut hebend, stand er still, Lisette, sich umblik-\nkend, bemerkte es und lachte hell auf. Wenige Minuten später\nerschien sie in einer oberen Fensteröffnung, Max machte ihr,\ndie Bürste in der Hand, anmutige Komplimente; sie schloß das\nFenster,\nPlötzlich aber hörte man gellende, furchtbare Schreie aus\ndem Flause dringen, Menschen, Männer, Weiber, Kinder, Hunde,\nKatzen, alles kam in Bewegung und stürzte ins Haus, dessen\nBewohner aufgeregt aus ihren Wohnungen eilten. Die entsetz-\nlichen Schreie, welche aber bald schwächer und schwächer\nwurden, drangen aus Lisettens Zimmer, Leider war es fest ver-\nschlossen; es dauerte eine geraume Weile, bis man die Tür auf-\ngebrochen hatte,\nDie Schreie waren längst verstummt. Das kleine Zimmer\nzeigte sich mit dichtesten Brandwolken erfüllt; aus einem im\nDunste kaum sichtbaren Häufchen auf dem Fußboden zuckten\nFlammen. Der Rauch war so erstickend, daß niemand sich ins\nZimmer wagte. Die alarmierte Feuerwehr erschien. Man\nlöschte, drang ins Zimmer, lüftete und entdeckte in dem Häuf-\nchen die tote, verbrannte Lisette. Natürlich war wieder einmal\ndas leichtsinnige Umgehen mit dem explosiven Kochapparat«\nschuld.\nIndem nun alles unter dem erschütternden Eindruck dieser\nKatastrophe stand und das unglückliche Mädchen beklagte,\nnahte sich dessen verkohlten Ueberresten grinsend der edl«\nMax. Zum Schaudern aller Umherstehenden, und ehe jemand es\nhindern konnte (denn sogar Polizisten und Feuerwehrleute stan-\nden starr, als sie es sahen; sie sahen es und wollten es nicht\nglauben) stippte Max mehrmals seine breite Bürste in die Asch«\nder Leiche. „Kohlenasche! Kohlenasche!\" jauchzte er und rieb\nund putzte sich sorgsam die Zähne. Auf einmal aber quollen\ndicke Tränen aus seinen Lidern. Er begriff das Geschehene,\nund weinend statt grinsend, fuhr er fort, sich das Gebiß mit\nLisettens Asche kräftig zu bearbeiten.\nAch! Ach! Im Irrenhaus ist es schön, Max geht mit der\nschwarzen Bürste im Garten spazieren. Er grinst. Seine Zähn«\nleuchten so blank in der Sonne.\nIhr aber, alte Burschen mit unverlangten Ratschlägen, be-\ndenkt es, wie leicht euer Wort suggestiv wirke! „Kohlenasche\"»\nim Scherze hingesprochen, beschwor ein Schicksal herauf. Ge-\nsprochene Asche kann reale machen. Ja, nehmt euch in Acht!\nSprecht vorsichtiger, denkt vorsichtiger! Kitzelt das Geschick,\ndiese Bestie in der Menagerie des Lebens, nicht einmal im\nScherze; das Necken der überall lauernden, auf dem Sprung«\nliegenden Tragödieist verboten.\nWelche Hoffnungen wurden hier buchstäblich zu Asche!\nAuch Maxens Leiche (er überlebte Lisetten nicht lange) wurd«\nzu Asche verbrannt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "171", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.6.1", "titre_corps": "Fernand Léger: Zeichnung", "titre_sommaire": "Fernand Léger: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 24, "texte": "Fernand Léger: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "173", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.7", "titre_corps": "Das weise Raubgetier", "titre_sommaire": "Das weise Raubgetier", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.12", "debut_caractere": 5913, "fin_caractere_exclue": 7874, "texte": "Das weise Raubgetier\nMynona\nAus der fernen Universitätsstadt war der Kultlirhistoriker\nLivius Ey zu seinem lieben Freunde, dem Philosophieprofessor\nSchwätzle gekommen. Beide Herren saßen vor schönen blon-\nden Teetäßchen und plauschten gemütlich zusammen, „Habt\nIhr hier einen zoologischen Garten?\" fragte Ey mit gespanntem\nBlick. „Ih Gott bewahre! Wieso? Aber halt mal — eine Me-\nnagerie ist zufällig hier ganz in der Nähe. Wieso?\" „Ach ja,\nSchwätzle, Psychologie der Raubtiere; mir steigen mitunter\nso eigne Gedanken darüber auf; insbesondere vorm Schlafen-\ngehen. Weißt Du, Schwätzle, ich bin doch 'ne Menge gereist.\nSeitdem ich bei den Antipoden war, verfolgt mich ein Gedanke,\nvielleicht, bestimmt sogar, eine Wahnidee: sind wir etwa\npsychische Sphinxe? läuft unser Menschengeist , . , unsichtbar\nin ein Raubtierwesen aus? Mir will der Mensch immer isolierter\nvorkommen; er trennt sich künstlich von der Natur ab. Es will\nmir aber scheinen, als ob die Natur sich ihn subterrarisch, sub-\nmarin zu sich zurückholte.\" Livius Ey weinte bitterlich und\nlehnte sein greises Gelehrtenhaupt an die weiche Schulter seines\nneben ihm sitzenden Schwätzle. „Du bist ja gemütskrank, lieber\nEy\" sagte dieser und klopfte ihm den Rücken, Wahrscheinlich\nlebst Du selber viel zu isoliert? Warte mal, die Chose läßt\nsich vielleicht psychoanalytisch erledigen. Wir müssen zurück-\nverfolgen, wie Du dazu gekommen bist.\" „Am besten wär's\nschon Schwätzle, wir gingen in jene Menagerie. Schau mal,\nwenn ich einschlafe, habe ich das Gefühl- es schlucke mich ein\nungeheurer Schlund zu den Antipoden hinab, und ich liefe als\nRaubtier, als Löwe, in der Wüste umher.\" Schwätzle sprang\nvom Diwan auf, hielt sich die Hände an die Schläfen und brach\nlos: „Aber Livius! Das ist ja entsetzlich! Das grenzt ja an\nHallunzination!\" „Tatsächlich habe ich auch sinnliche Impressi-\nonen dabei. Ich will mir mal Raubtiere wieder genauer an-\nsehen . . .\" ~Um immerhin, lieber Ey, einen gewissen Unter-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8260, "texte": "schied zu konstatieren, nicht wahr?\" unterbrach ihn Schwätzle\nlachend.\nBeide Herren gingen dann Arm in Arm in die Menagerie.\nDen Geruch kennt man ja. Das Prachtstück war ein ungeheurer\nalter Löwe; in den Nebenkäfigen gab es einen Panther, eine\nHyäne und einen Bären nebst Bärin. Es war die Abendstunde,\nkurz vor Schluß. Die Tiere waren eben gefüttert worden. Die\nBesucher verließen bereits den Raum. Den beiden Gelehrten\ngestattete aber der gefällige Besitzer noch zu verweilen; er ließ\ndie Herren allein, um seinen Kassenbestand aufzunehmen. —\nSchwätzle und Ey stellten sich dicht vor den Löwen hin, der\nsein überintelligentes Auge auf sie richtete. ~Eigentlich\", sagte\nSchwätzle, es ~ist wirklich kaum zu fassen, daß der ewige Geist\nsich so bestialisch verleiblicht!\" ~Eh, Schwätzle, wir, besonders\nwir Gelehrte, sind wohl doch beträchtlich anthropomorphisch,\"\nDer Löwe stieß ein furchtbares Gebrüll aus, schüttelte die Mähne\nund ging, das Auge nicht von den Herren abwendend, in seinem\nKäfig hin und her. „Es sieht, weiß Gott\", sagte Ey, ~aus, als\nob er verstanden hätte, was wir sprachen.\" „Aber Livius, Du\ngerätst wieder ins Phantasieren,\" Der Löwe staifd still, er\nsperrte gähnend seinen Rachen weit auf, erhob dabei die eine\nVorderpranke und setzte sich majestätisch auf sein Hinterteil,\nkein Auge von den Herren abwendend. „Anthropomorphistisch,\nEy,\" sage ehrlich, „was denn sonst können wir sein?\" — Da\nsagte der Löwe deutlich, mit sonorer Stimme, seinen Schweif\nzur Unterstreichung seiner Worte rhythmisch auf den Boden\nklopfend: „Es ist unerträglich. Mein Herz oder unser uralter\nVertrag muß brechen.\" Panther, Hyäne und Bären stießen ein\ngräßliches Gekreisch aus und warfen ihre Leiber wuchtig gegen\ndie dröhnenden Gitterstäbe.\nLivius und Schwätzle sahen schrecklich bleich geworden\neinander in die Augen. Der Löwe brüllte seine Kollegen an:\nTatsächlich gehorchten die Tiere. Dann kräuselte ein\nzugleich schmerzliches und verächtliches Lächeln die Lefzen\ndes Löwen: „Allzu lange habe ich das ertragen. Komme nun,\nwas wolle! Ich will euch einmal etwas verraten, ihr hoch-\nmütiger Natur-Mob. Es gab vor Äonen einmal eine Zeit, da\nwar alles Natur. Nicht, als ob es noch gar keine Kultur\ngeben hätte — aber sie war völlig in der Natur aufgelöst ent-\nhalten; desgleichen die Zivilisation mit ihrer Technik. Wir\nbrauchten eure Dampfmaschinen und Dynamos nicht, wir hatten\nsolche Kräfte von Natur aus. Ich bin froh, daß endlich ein paar\nVertreter der Wissenschaft sich mir stellen; ein Moment, auf den\nich längst gelauert habe.\" Die beiden Gelehrten erholten sich\nvon ihrer Bestürzung und gewannen lanjgsam ihre Fassung\nwieder. Schwätzle sagte: „Ey, so seltsam es scheint, ich glaube,\nwir träumen und wissen, daß wir träumen;\" damit wollte er\nLiviussen zum Fortgehen bewegen; er zog ihn am Rockärmel.\nLivius aber schüttelte ihn ab: „Wir bleiben, Schwätzle!\" rief\ner überlaut, „Wir träumen nicht im Gegenteilt! Jetzt erst er-\nwachen wir zu einer uralten Wahrheit. Die Natur selber be-\nginnt endlich zu reden. Weiter, Löwe! Weiter! „Es freut mich\",\ngrollte der Löwe, „der erste Greis, den ich vernünftig fand.\nJa, wie ich es sagte, wir sogenannten Tiere, Raubgetier aber\nzumal, beherrschten einstmals die Erde. Da geschah es eines\nTages, daß eine Äffin ein wahnsinniges Produkt aus ihrem Leibe\nabsonderte, ein Zwillingspaar, einen Knaben und ein Mädchen,\nbei dessen Anblick ein Ekelgefühl durch die ganze Tierwelt\nging, während wir doch sonst alles so entzückend fanden. Diese\nWiesen waren keine Tiere, überhaupt keine Natur mehr. Eine\nVerständigung mit ihnen erwies sich als unmöglich. Auf den\nGedanken, sie zu töten, kamen wir niemals. Der Tod ist erst\neine menschliche Erfindung; sowie es bis dahin überhaupt\nnoch keine Schwangerschaft und weder Vermehrung noch Ver-\nminderung unserer Anzahl gegeben hatte; nur reifendes Wachs-\ntum der Einzelnen. Jene indessen —es war grausig — taten\netwas, wodurch sie sich sehr bald ins Ungemessene vermehrten.\nSie steckten damit — es ist eine Schmach, es zu gestehen,\nuns alle an. Wir entarteten furchtbar. Sie aber stellten uns\nund da sie von der Natur viel zu sehr vernachlässigt\nwaren, warfen sie sich künstlich zu unseren Herren auf. Da\nendlich schlössen wir den geheimen Tier-Vertrag zu unserer\nlangsamen, stille schleichenden, unheimlichen Rache. Wir be-\nschlossen, dem Uebel, Mensch genannt, nur scheinbar noch zu\nwiderstehen. Eine Kluft, ein Abgrund tat sich zwischen jenen\nund uns auf,\" „Ich sehe darin keine Rache\", sagte Schwätzle.\n„Ich aber beginne zu verstehen\", sagte Ey. „Sie scheinen mir\nüberhaupt der Verständigere\", sagte der Löwe, „Sie kamen\nmir gleich so vertraut vor.\" Livius stieß seinen Ellbogen in\nSchwätzle's Seite: „Siehst Du!\" Der Löwe fuhr fort: „Dieser\nAbgrund ist unsere vorbereitete Rache; denn in ihn soll die\nganze Antinatur, Kultur genannt, unversehens über Nacht\nstürzen. Die Vertierung der Menschheit wird just auf dem\nGipfel Eurer Kultur mit unerhörtem Absturz einsetzen. Leugnet\nes nicht! Schon wird Euch schwindlig und vor Eurer Gott-\nähnlichkeit bange. Euer harrt eine grauenhafte Katastrophe,\ndie Vertierung. Aber nach dieser Krisis werdet Ihr Euch,\nzu mehr als nur zum Tröste gesagt, desto wohler fühlen! Wie\nangenehm ist es, nachdem man sich allzu hoch erhoben hatte,\nsich sinken und tiefer als jemals sinken zu lassen! So sind\nwir, so ist die ganze Natur damals gesunken, als der Mensch\nzur Welt kam, dieses Leib gewordene Ressentiment gegen alle\nechte Natur, dieser .... Jude der Natur. Ja, wie Ihr Anti-\nsemiten seid, so sind wir Antianthropen. Ja, aus Verachtung\ngegen Euch ließen wir Euch Eure verfaulte Kultur machen,\nwelche ja in Wahrheit auf money beruht. Wir sanken gern\nvon unserer stolzen Höhe, einer höheren Höhe, als Menschen\nsie ausdenken können, da wir wußten» daß wir Euch in unseren\nSturz mit nachziehen. Wir warten jetzt nur noch auf sogenannte\nWeltkriege. Ich lache schon.\" Er lachte wirklich. Ey murmelte\nverstört: „Lachender Löwe.\" Schwätzle rang die Hände, bis\nseine Manschetten total zerknittert waren. „Ich habe nur noch\nweniges zu sagen\", dämpfte der Löwe seine Stimme. „Kobelke,\nder Wärter, kommt gleich wieder; dieses ahnungslose Menschen-\nvieh soll ahnungslos bleiben.\" „Aber sagen Sie mir nur noch,\nbester Löwe, wie haltet Ihr das aus, wissend in dieser Lage zu\n- bleiben, aus der Ihr Euch doch, wenn Ihr nur sprechen wolltet,\nsofort befreien könntet? Denn sobald Ihre Eure Begabtheit\nmit Vernunft erkennen ließet, würden wir Menschen Euch\nkeinen Augenblick länger als Tiere behandeln.\" „Das Tier\",\nantwortete der Löwe gleichgültig, „ist eine Erfindung des\nMenschen, genau wie Pflanzen und Mineralien Anthropomor-\nphismen sind. Ich bitte Sie doch: Die biologische Perspektive,\ninfolge deren Distanzveränderungen Veränderungen der Form\nund des Wesens scheinen, ist analog der optischen, eben nur\nPerspektive, Die ganze Natur, nicht nur der eitle Affenmensch,\nist mit Vernunft durchtränkt. Aber, wie gesagt, es lohnt uns\nnicht, den menschlichen Irrtum aufzuklären. Wir harren mög-\nlichst schweigsam des Augenblicks, in dem er sich selbst ad\nabsurdum führt. Sie finden dies fabelhaft; das ist es auch\nbuchstäblich: Wir sprechen höchstens in Fabeln, Ich schweige;\nKobelke kommt.\"\n„Ich muß schließen, meine Herren\", sagte Kobelke, der,\nmit dem Geldbeutel in der Hand, wieder eintrat. Die Professoren\ngingen erschüttert aus der Menagerie. Ein ohrenzerreißendes\nGebrüll sämtlicher Bestien gellte ihnen nach. ~Sie verstellen\nsich\", sagte Livius. „Kein Zweifel, sie verstellen sich, aus\nMenschenverachtung.\" Schwätzle sagte: „Ich halte alles für\neine Suggestion, fühle mich neuropathisch von Dir angesteckt\".\nDa brüllte Livius Ey schmerzlich auf, lauter als der Löwe, und\nmit Löwengestikulation überfiel er den Schwätzle und biß sich\nkräftig an dessen Gurgel fest. Man eilte von allen Seiten herbei;\nSchutzleute befreiten den übel zugerichteten Schwätzle aus\nEy's Umklammerung, und sie transportierten den Ey in den\nKäfig einer Menagerie wahnsinnig gewordener Menschentiere.\nNun sitzt Schwätzle nachdenksam, trüb und allein vor\nseiner blonden Teetasse, in der Verfassung eines Menschen,\nder mit allen Sinnen etwa wahrgenommen hat, was seine Ver-\nnunft für unmöglich halten muß. 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Bitte lassen Sie mich meine\nKarten aufdecken: ich weiß, während ich, nur um mich zu\nkitzeln, zum Lachreiz anzuregen, den obigen Titel nieder-\nschreibe, so wenig von irgend welchen Vorgängen, Gescheh-\nnissen, fabelhaften Begebenheiten wie Sie; vielleicht noch\nweniger; denn vielleicht spielt ihre Phantasie erfinderischer\nund rascher als die meinige. Ueberlegen wir lieber gemeinsam,\nwie wir den Titel realisieren!\nGeben Sie mir einen Knopf, sagte der künstlerisch ge-\nschmackvolle Schneider, und ich will Ihnen einen passenden\nAnzug darannähen. A la bonne heure — nennen wir den ver-\nliebten Leichnam sofort ~Knopf\". Der Vorname müßte aller-\ndings ein bischen unheimlicher gewählt werden, etwa Me-\ndardus, Barbarus, Rufus oder so. Durchaus braucht Rufus nicht\nvon vornherein ein Leichnam zu sein. Wir lassen ihn einst-\nweilen leben. Rufus muß in der Folge zweierlei leisten: er\nmuß sich zuerst verlieben und dann zur Leiche werden. Die\numgekehrte Wendung, daß er zuerst zur Leiche würde und\nsich dann verliebte, wäre nicht unmöglich, denn der Tod hat\nimmerhin auch eine problematische Seite; indessen ist uns\ndiese Wendung zu phantastisch; es gehörte, um sie einleuchtend\nzu machen, eine größere schriftstellerische Kraft dazu, als wir\nsie aufbieten wollen; es ist uns zu anstrengend. Wir möchten\nharmlos beisammensein und überlassen jene umgekehrte Wen-\ndung lieber Genies vom Range eines H. H. Ewers.\nEs ist klar, daß wir dem Rusus Knopf etwas Zeit geben\nmüssen, um sich zu verlieben; er darf nicht jählings sterben.\nFerner müßte seine Liebe auch erwidert werden, aber hier gibt\nes bereits ein höchst kompliziertes Aber: Wird die Liebe von\nSeiten der Geliebten direkt und ungezwungen leidenschaftlich\nerwidert, so ist es sonnenklar, daß sie über den Tod hinaus-\ndauern muß. Wir würden uns das Problem damit nicht etwa\nnur erleichtern, sondern vernichten. Unsre Aufgabe ist es\naber, dieses Problem eines verliebten Leichnams weder phan-\ntastisch zu komplizieren noch banal zu erledigen, sondern es\nin einer angenehmen Schwebe zwischen diesen üxtremen zu\nerhalten. Man verliebt sich sehr heftig in Vornamen. Die Dame\nimprägnieren wir demnach mit einem der lieblichsten und zwar\nam zweckentsprechendsten mit einem hyperäthisch transzen-\ndenten, der die Verliebtheit sogar eines Leichnams uns moti-\nvieren helfen kann; schlimmstenfalls müssen wir ihn erfinden,\nwenn wir ihn nicht entdecken. Es bieten sich uns wie von\nselber: Thea, Zölestine, Seraphita, Lucia, Stella u. a. Wir wäh-\nlen im Interesse des Amüsements „Zölestine\".\nUm die Beziehung zwischen Zölestine und Rufus zu be-\nwerkstelligen, lassen wir am einfachsten den Rufus auf den\nTod erkranken. Wäre Rufus jung, so könnte er durch eine\näußerliche Katastrophe zu Grunde gehen: Ueberfahrung, irgend\nein Unfall. Rufus muß aber weder uralt sein; sonst verliebt\nsich Zölestine zu schwer; noch urjung, da verliebt sie sich zu\nleicht. Er ist ein Mann in mittleren Jahren, dem Alter näher\nals der Jugend — in diesen Jahren entflammt die Leidenschaft\nlangsam, und um so heftiger. Abstoßend auf Zölestine wirken\ndas Alter des Patienten — halt! Diese Lösung ist gut: Rufus\nerkrankt von innen her, „innen\" im weitesten, psychophysischen\nSinne; die Leidenschaft unterhöhlt ihn desto tötlicher. Und\nZölestine pflegt ihn; und zwar nicht privatim, sondern als —\nha! — katholische Schwester — eine Art Nonne. Sie ist, bis\nzur Heiligkeit, jungfräulich; Rufus der erste reifere Junggesell,\nmit welchem sie in intime Berührung kommt. Vieles also wirkt\nabstoßend auf Zölestine; z. B. gleich der Name; das Alter; der\nsieche Leib. Ja, dieser Leib des Rufus spricht schweigsam von\nzynischen Memoiren; er irritiert Zölestinen anziehend und\nabstoßend zugleich. Aber alles Abstoßende selber übt, nach\nund nach, indem sie der leidenschaftlichen Liebe, von welcher\nRufus für sie entzündet ist, gewahr wird, eine unheimliche An-\nziehung, wider ihren sittenstrengen Willen, auf sie aus,\nJetzt ist Alles in der passenden Verfassung, und das bald\ngenug endende Spiel kann beginnen. Haben Sie das Bild? —\nRufus, von Zölestine keusch abgewartet, verpflegt. Es geht\nmit Rufus abwärts. Alle seine Sinne konzentrieren sich mehr\nund mehr auf die seelisch noch mehr als körperlich liebreizende\nblutjunge Zölestine. Rufus gebraucht seine hinsterbenden\nKräfte zu brünstigsten Liebeserklärungen. Zölestine, durch sein\nSterben sicherer gemacht, wagt sich am letzten Tage aus hart\nkasteiter Abstinenz zu sachtestem Entgegenkommen hervor; sie\nhaucht einen Kuß auf die verwelkende Stirn des Kopfes. Dieser\nKuß durchdringt den Sterbenden mit dem Leben seiner mög-\nlichen Zukunft in einem einzigen und natürlich tötlichen Augen-\nblicke — er flackert zu einem brutalen Attentate auf. Bevor\ndie ahnungslose Zölestine sich besinnen kann, ist sie in seiner\nGewalt. Rufus stirbt an dem, was bekanntlich mit dem Tode\nnicht zu teuer gebüßt wird. Zölestinen umfängt in seinen leichen-\nstarren Armen eine überaus wohltuende Ohnmacht.\nGeraume Zeit später stört der Arzt die denkbar zärtlichste\nSituation, welche hoffentlich für Zölestine keine interessanten\nFolgen haben soll.\nWie man sieht, gibt der Titel gleichsam ein mathematisches\nExempel auf. Die Leser- und Leserinnen sind ersucht, sich\nnun fleißig selber im Autorsein zu üben. Tummle dich, mein\nPublikum! Hier sind noch schöne Aufgaben zu lösen: z. B,\ndas drahtlose Medusenhaupt; der unbrauchbare Golem oder\ndas allzu grüne Gesicht; das halb erfrorene, halb aber aus-\ngekochte Herz; Prolete rechts, Prolete links, das Geldkind in\nder Mitte.\nÜbt euch! Übt euch! Das Rezept habet ihr. Oh schöne\nZeit, wo man die fremden Autoren abschaffen und nur noch\nselbstgebackenen Geist essen wird! Wo eigne Autorität an\nStelle der fremden tritt! Jedermann sein eigenes Publikum —\ndies ist das Ende nicht nur der Literatur, sondern vielleicht\naller Geschichte — jedenfalls dieser hier . , ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.9", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.14", "debut_caractere": 6109, "fin_caractere_exclue": 6575, "texte": "Gedichte\nThomas Ring\nBegehren schlürft den Odem deines Mundes\nlöst herben Zwang\nentgleitend meinen Adern\nBlut wogt\nzerstäubt\nund bebt um dich\nall meine Blüten duften dir\nanbetend Schauern\n*\nBlond umwiegt\ntränenzerhaucht\nflackert Glut durch wirr Gezweig\nMüde birgt den Nacken\nWeithinweit\nDüfte strömen\nFlattern Blüten mondgetragen\nBäche brausen nachtzerflossen\nsummen Berge Friede\nBlond umwirrt zerhaucht Geflatter\nLächeln schmiegt\nlichte Maid zertändelt kröne Kränze"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.10", "titre_corps": "Berichtigung'. 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Jahrgang\n2. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\nI Voll-\nSonder-\nausgabe:\nP r e i s e der friiheren Jahrgange\nstandige Ausgabe Qewohnliche\nAusgabe:\n1910/11\n1911/12\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\n3. Jahrgang vergriffen\nEinzelhefte, soweit vorhanden, erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n10 Mark\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.15", "debut_caractere": 1182, "fin_caractere_exclue": 2107, "texte": "Biichcr aus dcm Verlag Dcr Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengr abenver se\n€ebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\ntiberteufel / Tragodie\nI h r stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 2 Mark 50 Pfennig j Gebunden 4 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nCieheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig:\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fakne / Eine Dichtung\nGeheftet 2 Mark\nKreis desAnfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nGeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.15", "debut_caractere": 2109, "fin_caractere_exclue": 2876, "texte": "Herwarth Walden\nDas Buch der Mcnschenliebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderausjabt 30 Mark\nGesamnielte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta.\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoli Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl; Die rote\nSonne X: Aage ?oo Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.15", "debut_caractere": 2878, "fin_caractere_exclue": 3345, "texte": "Musik\nHerwarth Waldcn\nGesammelte Tonwerke\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnisiieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark-\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / ' Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm VIII.\nII. Herwarth Walden IX.\nIII. Jacoba van X.\nHeemskerck XI.\nIV. Kandinsky XII.\nV. Rudolf Bliimner XIII.\nVI. Campendonk XIV.\nVII. Peter Baum XV-\nHermann Essig\nOskar Kokoschka\nAdolf Knoblauch\nPaul Klee\nGabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c026", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.15", "debut_caractere": 5704, "fin_caractere_exclue": 5810, "texte": "Handdrucke\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographic\nAbzug 30 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c027", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 411, "texte": "Der Sturm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Poisdamer Sira&e 134a\nGeoiinet taglicli von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSechzigste Ausstellung\nGeorg Schrimpf\nMaria Uhden\nFrife Stuckenberg\nEinundsechzigste Ausstellung\nWilliam Wauer\nJohannes Molzahn\nOskar Fischer\nKunstschule Der Sturm\nErste Ausstellung\nKallen / Wechselmann\nEriHfnung: Sonntag den 3. 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Carra / Max Ernst / Lyonel Feininger /\nEmil Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Sigrid Kjerten\nGriinewald / Isaac Grimewald / Johannes\nItten I Alexei von Jawlenski / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Franz Marc / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Arnold Topp / Maria Uhden /\nMarianne von WereSkin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c029", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.16", "debut_caractere": 1373, "fin_caractere_exclue": 1874, "texte": "Kunstsdiule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nZweites Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudoli Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag:, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c030", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.16", "debut_caractere": 1876, "fin_caractere_exclue": 2232, "texte": "©ffentliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nLothar Schreyer: Der Expressionismus\nSonntags 11—12: 6. und 20. Januar / 3. und\n17. Februar I 3. Marz\nLothar Schreyer: Das Biihnenkunstwerk\nDienstag 6—7: 10. und 24. Januiar / 5. und 19. 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Februar\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nMittwoch den 27. Februar\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nMittwoch den 6. Marz\nMax Verworn-Bonn\nVorgeschichtliche Kunst\nVortrag mit Lichtbildern\nF r e i t a g den 8. Marz\nMax Verworn - Bonn\nKeltische Kunst\nVortrag mit Lichtbildern\nMittwocli den 13. Marz\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nKarten zu 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an der\nAbendkasse"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c032", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.16", "debut_caractere": 2860, "fin_caractere_exclue": 2995, "texte": "Verein Slurmbiihne\nVorsitzender: Dr* John Schikowski\nGeschaftsstelle: Charlottenburg / ScharrenstraBe It\nAufruf und Satzungen kostenlos"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-02-15-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-02-15_01#c033", "volume": "bmtnabg_1918-02-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Den Gefallen könnten Sie mir eigentlich tun.\nDer gute Mensch:\nIch überlege hin; und[ her\nDer Freund:\nNur keine Opfer. Wenn Sie diese Kleinigkeit als Opfer\n'auffassen, will ich um nichts gebeten haben.\nDer gute Mensch:\nSie wollen es nicht glauben. Aber ich habe wirklich kein\nVermögen, Müssen es denn tausend Mark sein.\nDer Freund:\nIch würde tausend Mark dafür geben, wenn es mit weniger\nzu machen wäre. Nur die peinlichste Lage kann mich ver-\nanlassen, Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Gerade weil\nich weiß, daß Sie helfen, wo Sie können, würde ich Ihnen\ngegenüber eine solche Bitte nicht äußern. Um so weniger,\nda Sie niemals abschlagen.\nDer gute Mensch:\nSie überschätzen mich. Jeder Mensch tut, was er kann.\n' Ich will Ihnen die tausend Mark geben, trotzdem ich mir\nnoch gar nicht vorstellen kann, wie ich diesen Monat selbst\nauskomme.\nDer Freund:\nDann kann ich das Geld nicht annehmen. Es wäre mir\nein fürchterlicher Gedanke, Sie in Not zu wissen. Lieber\nbringe ich mich um die Ecke.\nDer gute Mensch:\nWie können Sie denken, daß ich dasj zulasse. Von Not ist\nbei mir natürlich nicht die Rede,\nDer Freund:\nKönnen Sie mir das wirklich versichern.\nDer gute Mensch:\nGewiß,\nDer Freund:\nSie kommen bestimmt nicht in Verlegenheit.\nDer gute Mensch:\nIch werde mir schon helfen.\nDer Freund:\nDann will ich die tausend Mark nehmen. Ich danke Ihnen.\nSie sind wirklich ein guter Mensch. In vier Wochen haben\nSie den Betrag mit Zinsen zurück.\nDer gute Mensch:\n'Ich nehme keine Zinsen von Freunden.\nDer Freund:\nSie werden mich doch nicht beleidigen wollen. Ich nehme\ngrundsätzlich keine Geschenke.\nDer gute Mensch:\nEs liegt mir fern, in Ihnen den Gedanken an Wohltätigkeit\naufkommen zu lassen.\nDer Freund:\nDas beruhigt mich. Ich habe also Ihr Wort, daß Sie die\nZinsen nehmen.\nDer gute' Mensch:\nSprechen w#r von etwas anderem.\nDer Freund:\nLeider muß ich Sie jetzt verlassen. Ich möchte die Ange-\nlegenheit regeln. Vielleicht können wir abends zusam-\nmen sein.\nDer gute Mensch:\nIch wollte eigentlich heute zu Hause bleiben.\nDer Freund:\nAlso dann morgen. Können Sie mir vielleicht einhundert\nMark wechseln.\nDer gute Mensch:\nLeider nicht. Ich habe nur fünfzig Mark Kleingeld bei mir.\nDer Freund:\nDann leihen Sie mir die paar Mark bis morgen. Man\nkommt so schlecht ohne Kleingeld durch.\nDer gute Mensch:\nEs ist allerdings mein letztes bares Geld.\nDer Freund:\nSie wollen doch abends zu Hause bleiben. Ich bringe es\nIhnen morgen früh bestimmt wieder.\nDer gute Mensch:\nEs ist ein etwas peinliches Gefühl, ganz ohne Geld zu sein.\nVielleicht genügen Ihnen zwanzig Mark.\nDer Freund:\nMein Wort scheint bei Ihnen nicht zu gelten. Wenn ich\nSie versichere, daß Sie morgen früh acht Uhr die fünfzig\nMark mit Zinsen\nDer gute Mensch:\nNun machen Sie aber keine schlechten Witze,\nDer Freund:\nAlso ohne Zinsen, Auf Wiedersehen, Morgen früh, Tau-\nsend Dank. Ober vielmehr tausendundfünfzig Dank,\nDer gute Mensch:\nWie schnell Sie wieder obenauf sind, es ist zum bewundern.\nDer Freund;\nSolange es noch gute Menschen auf der Welt gibt, muß\nman guter Laune sein. Auf Wiedersehen, Auf Wieder-\nsehen.\nDie Freundin kommt aus dem anderen Zimmer:\nIst er fort.\nDer gute Mensch:\nEin famoser Kerl. Eine Lebenskraft hat er.\nDie Freundin:\nWas wollte er denn so spät.\nDer gute Mensch:\nMit mir ausgehen. Es war mir peinlich, aber ich wollte\nihtm nicht den eigentlichen Grund sagen, daß Du bei mir\nbist. Ich wollte ihn auch nicht belügen.\nDie Freundin:\nMeinetwegen hättest Du ruhig ausgehen können. Ich\nwollte nicht lange bleiben.\nDer gute Mensch:\nIch hatte mich auf das Zusammensein gefreut.\nDie Freundin:\nEigentlich hatte ich eine große Bitte an Dich.\nDer gute Mensch:\nWenn es in meiner Macht steht.\nDie Freundin:\nWie kannst Du von mir denken, daß ich Dich um etwas\nbitten werde, was Dir auch nur die geringste Unannehm-\nlichkeit bereiten kann.\nDer gute Mensch:\nIch wollte Dich wirklich nicht beleidigen.\nDie Freundin:\nStell Dir vor. Man traut sich nicht aus seiner Wohnung\nheraus. Vorne steht ein Mensch und klingelt. Hinten\nsteht ein Mensch und klingelt. Man wagt nicht zu atmen.\nFürchtet sich, im eigenem Heim, auch nur einene Schritt\nzu gehen. Stell Dir das vor.\nDer gute Mensch:\nFürchterlich.\nDie Freundin:\nUnd alles wegen tausend Mark.\nDer gute Mensch:\nDu sollst doch keine Schulden machen.\n\nGlaube\nKomitragödie\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.3", "texte": "Die Fr eundin: - V\nWas sind das für Ausdrücke, Ich habe meine Schneiderin\nnoch nicht bezahlt. Das ist alles.\nDer gute Mensch:\nAber liebes Kind, ich habe Dir doch gestern tausend Mark\ngegeben.\nDie Freundin:\nDu liebst mich nicht, Jetzt wirfst Du mir die tausend Mark\nvor.\nDer gute Mensch:\nWie kannst Du mich so verkennen. Mir ist es nur pein-\nlich, daß das Geld für die Schneiderin nicht gereicht hat\nund Du diese fürchterlichen Unannehmlichkeiten hattest.\nDie Freundin:\nDu liebst mich nicht.\nDer gute Mensch:\nDas kannst Du nicht glauben.\nDie Freundin:\nDu glaubst mir nicht.\nDer gute Mensch:\nDu tust mir weh.\nDer gute Mensch:\nDie tausend Mark hast Du mir doch geliehen, damit icn\ndiese unangenehmen Schulden bezahlen kann.\nDer gute Mensch:\nDu sprachst doch von der Schneiderin.\nDie Freundin:\nNun wirst Du noch behaupten, daß ich Dich belüge. Na-\ntürlich habe ich von der Schneiderin gesprochen. Ich kann\ndoch nicht nackt gehen. Aber die tausend Mark hast Du\nmir für die Schulden geliehen.\nDer gute Mensch:\nVerzeihung, ich war vielleicht zerstreut\nDie Freundin:\nDu liebst mich eben nicht. Du bist in meiner Gesellschaft\nzerstreut\nDer gute Mensch:\nIch lebe auf, wenn Du bei mir bist. —\nDie Freundin:\nIch will die tausend Mark auch nur geliehen haben, Icft\nlasse mich grundsätzlich nicht bezahlen. Das zerstört die\nLiebe.\nDer gute Mensch:\nDer Betrag steht Dir morgen zur Verfügung.\nDie Freundin:\nMorgen habe ich das Geld selber. Ich brauche es eben\nheute. Stell Dir vor, wenn ich jetzt nachts allein nach\nHause komme. Vorne steht ein Mensch, hinten steht ein\nMensch\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, die Schneiderin wird doch nicht\nDie Freundin:\nWarum wird sie nicht. Du ahnst gar nicht, welche Aus-\ndauer Schneiderinnen haben, Nicht vom Fleck geht sie,\ndiese Person,\nDer gute Mensch:\nWie bist Du denn zu mir gekommen.\nDie Freundin:\nDu glaubst mir nicht. Ich schlich ganz leise zum Schlüs-\nselloch, Vielleicht ist der Person schlecht geworden.\nJedenfalls, sie war fort und ich stürzte hinaus, zu Dir, Ich\nweiß, daß Du mir helfen wirst. Du bist ein guter Mensch,\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, ich bin in der peinlichsten Verlegenheit, ich\nhabe mich heute ausgegeben\nDie Freundin:\nDu hast eine Geliebte,\nDer gute Mensch:\nDas darfst Du nicht denken. Ich bin Dir treu, als ob Du\nmeine Frau wärst.\nDie Freundin:\nDu hast eine Geliebte, Wofür gibt man sonst tausend\nMark aus.\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, es gibt doch Umstände\nDie Freundin:\nDie Umstände kenne ich. Das hätte ich nicht geglaubt. Du\nwarst mein erster Gedanke, Zu Dir bin ich gestürzt. Er\nhilft mir. So habe ich an Dich geglaubt.\nDer gute Mensch:\nAber mein Liebling, ich verschaffe Dir das Geld zu mor-\ngen. Willst Du denn nicht heute Nacht hierbleiben.\nDie eundin:\nDas ist Deine Liebe. Wegen tausend Mark willst Du mei-\nnen guten Ruf auf das Spiel setzen. Ich gehe grundsätz-\nlich nicht später als zwei Uhr nachts zu Hause. Mein gu-\nter Ruf ist mir mehr wert, als Deine lumpigen tausend\nMark.\nDer gute Mensch:\nHeute glüht ein Unstern über meinen Worten, Ich Dich\nbeleidigen\nDie Freundin:\nDu wirst noch herumerzählen, daß ich Deine Geliebte bin.\nDer gute Mensch:\nNiemand ahnt, daß Du mich besuchst. Sogar mein Mäd-\nchen habe ich entlassen, Dein Ruf ist mir teuer.\nDie Freundin:\nAber tausend Mark ist er Dir nicht wert. Nun, ich werde\nsie bekommen. Und wenn ich mich aus Verzweiflung dem\nersten Besten an den Hals werfe. Mein Blut komme über\nDich.\nDer gute Mensch:\nIch zermartere mir mein Gehirn.\nDie Freundin:\nIch habe eine Idee. Wir versetzen Deinen Ring.\nDer gute Mensch:\nLiebes Kind, die Juweliere haben schon geschlossen.\nDie Freundin:\nDu verstehst doch alles falsch. Ich gebe ihn dieser Person\nzum Pfände.\nDer gute Mensch:\nDer Ring ist' mir teuer. Meine Frau schenkte ihn mir.\nDie Freundin:\nEine Tote steht zwischen Dir und meiner Liebe, So wenig\nbin ich. Und ich habe so fest an Dich geglaubt.\nDer gute Mensch:\nHier ist der Ring\nDie Freundin:\nIch lasse mir von der Schneiderin natürlich das Ehrenwort\ngeben, daß Sie ihn mir morgen früh zurückbringt. Dann\nstürze ich sofort zu Dir.\nDer gute Mensch:\nDie Schneiderin ist sicher nicht mehr da.\nDie Freundin:\nVielleicht ist es kindisch. Wenn ich mich aber so ängstige\nDer gute Mensch:\nIch gebe Dir ja den Ring,\nDie Freundin:\nTausend Dank. Ich werde es Dir nie vergessen. Nun will\nich eilen, daß ich nach Hause komme.\nDer gute Mensch:\nBleib doch.\nDie Freundin:\nMeine Nerven sind hin. Ich würde Dich heute nur lan£~\nweilen. Und Langeweile trübt die Liebe. Hast Du ein\npaar Mark Kleingeld. Ich habe in der Aufregung alles\nvergessen.\nDei gute Mensch:\nEs ist mir sehr peinlich. Ich habe wirklich nicht einen\nPfennig."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.4", "texte": "Die Freundin:\nDu traust mir nicht. Wo ich Dich doch noch nie um et-\nwas gebeten habe.\nI- e r gute Mensch:\nEs ist zu ärgerlich. Das reine Verhängnis,\nDie Fr eu n di n:\nVielleicht hast Du ein paar Briefmarken.\nDer gute Mensch:\nSehr gern, aber Du wirst nicht weit damit kommen.\nDie Freundin:\nFür die Bahn reicht es. Also tausend Dank. Du hast mich\naus einer fürchterlichen Not gerettet. Ich werde es I&r nie\nvergessen. Und morgen früh ist mein erster Weg zu Dir,\nmit dem Ring und mit den Briefmarken,\nDer gute Mensch:\nDu willst mich verletzen.\nDie Freundin:\nIch nehme grundsätzlich keine Geschenke von dem Mann,\nden ich liebe. Aber wenn es Dich verletzt. Du bist ein\nguter Mensch.\nDer gute Mensch;\nDu kommst morgen bestimmt.\nDie Freundin:\nDu wirst doch nicht denken, daß ich wegen des Ringes\nfortbleibe.\nDer gute Mensch;\nLiebes Kind, nicht im entferntesten.\nDie Freundin;\nAlso auf morgen, mein Liebling, auf morgen. Da kommt je-\nmand die Treppe herauf. Die Schneiderin\nDer gute Mensch:\nNicht ängstigen mein Liebling. Niemand kann wissen, daß\nDu bei mir bist.\nEs klingelt.\nDer gute Mensch:\nGeh in das Schlafzimmer.\nDie Freundin:\nDu wirst mich schützen.\nDer gute Mensch:\nWie mich selbst.\nEr öffnet die Tür.\nDer Freund:\nEntschuldigen Sie lieber Freund, daß ich Sie nochmals\nstöre, Habe ich meinen Spazierstock bei Ihnen stehen\nlassen\nDer gute Mensch:\nIch glaube nicht. Wenigsten habe ich ihn nicht gesehen.\nVielleicht wollen Sie selbst suchen.\nDer Freund:\nNein, Ich seh ihn nicht. Höchst fatal. Mit einem Gold-\ngriff.\nDer gute Mensch:\nVielleicht haben Sie ihn zu Hause stehen lassen.\nDer Freund:\nIch hatte ihn bestimmt bei mir, als ich zu Ihnen ging. Un-\nbegreiflich.\nL* er gute Mensch:\nEs tut mir aufrichtig leid\nDer Freund:\nIch bin so an einen Stock gewöhnt\nDer gute Mensch:\nWenn ich Ihnen meinen leihen darf. Er hat zwar nur einen\nSilbergriff\nDer Freund:\nSehr liebenswürdig. Das macht nichts. Mir liegt nur grund-\nsätzlich an einem Stock, Also entschuldigen Sie bitte die\nStörung. Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen.\nDer gute Mensch:\nWo Jen Sie mir einen Gefallen tun.\nDer Freund: . ' •\nFür Sie gehe ich durchs Feuer«\nDe r gute Mensch:\nNur eine Kleinigkeit. Klopfen Sie bitte bei der Pförtnerin\nan, Sie möchte doch in einer halben Stunde einmal her-\naufkommen, Das Treppensteigen fällt mir ohne Stock\netwas schwer.\nDer Freund:\nts macht mich geradezu glücklich, Ihnen einen Gegen-\ndienst erweisen zu können.\nDer Freund:\nAlso auf Wiedersehen morgen früh.\nDer Nachba r an der Tür:\nStöre ich\nDer gute Mensch:\nBitte\nDer Nachbar:\nEntschuldigen Sie bitte, daß ich Sie so spät überfalle. Ich\nhatte zwar noch nicht das Vergnügen, aber ich als Nachbar\nDer gute Mensch:\nWomit kann ich dienen.\nDer Nachbar:\nIch will mich nicht an den Wirt wenden. Ich bin für Haus-\nfrieden,\nDer gute Mensch:\nWomit kann ich dienen.\nDer Nachbar:\nSie sind ein guter Mensch, sagt man im Hause. Aber das\ngeht zu weit.\nDer gute Mensch:\nIch verstehe nicht.\nDer Nachbar:\nDieser Lärm bei Ihnen\nDer gute Mensch:\nLärm bei mir. Ich bin von acht bis sieben auf meinem\nBüro\nDer Nachbar:\nDa müssen Sie eben nicht fremden Personen Ihren Schlüs-\nsel überlassen.\nDer gute Mensch:\nMeinen Schlüssel\nDer Nachbar:\nDer Lärm ist nicht auszuhalten. Gassenhauer werden ge-\nsungen. Immer dieselben. Dazu wird offenbar mit einem\nStuhl auf dem Tisch gehauen\nDer gute Mensch:\nIch verstehe wirklich kein Wort.\nDer Nachbar:\nLieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß ich Sie so\nanrede, ich will nichts gegen die Dame sagen.\nDer gute Mensch:\nWelche Dame.\nDer Nachbar:\nIch bin auch jung gewesen. Die Frauen sind alle gleich.\nDer gute Mensch:\nIch gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß sich keine Frau in\nmeinen Räumen befindet.\nDer Nachbar:\nSie haben einen guten Geschmack. Alle Achtung. Und\nVornehmheit ist eine schöne Sache. Aber dieser Herr, der\neben fortging, hat eine schreckliche Stimme\nDer gute Mensch:\nEr ist mein bester Freund: Ich verstehe wirklich nicht,\nDer Nachbar:\nGlauben Sie mir, er hat eine schreckliche Stimme. Ich bin\nganz musikalisch. Der Mann soll doch wenigstens richtig\nsingen.\nDer gute Mensch:\nSie müssen sich irren. Mein Freund singt überhaupt nicht.\nDer Nachbar:\nVielleicht singt er nur mit Damenbegleitung."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.5", "texte": "William Wauer: Hilte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.6", "texte": "Der gute Mensch:\nIch habe Ihnen doch erklärt, daß ich den ganzen Tag im\nBüro bin.\nDer Nachbar:\nDie Dame singt auch nicht gerade perfekt. Aber wozu muß\nIhr Freund noch außerdem mit Stühlen werfen.\nDer gute Mensch:\n■\nSie sprechen in Rätseln.\nDer Nachbar:\nSie wollen also behaupten, daß am Tage niemand in Ihrer\nWohnung ist\nDer gute Mensch:\nNur morgens die Pförtnerin, die hier etwas reinmacht.\nDer Nachbar:\n•\nAlso lieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß ich Sie\nso anrede, hören Sie mal zu. Dieses Zimmer dort gehört\ndoch noch zu Ihrer Wohnung.\nDer gute Mensch:\nMein Schlafzimmer.\nDer Nachbar:\nGut. Die Wand Ihres Schlafzimmers ist die Wand, meines\nEßzimmers. Das verstehen Sie doch.\nDer gute Mensch:\nSelbstverständlich.\nDer Nachbar:\nIch höre also jedes Geräusch. Besonders, wenn man mit\nStühlen wirft. Wollen Sie bitte in mein Wohnzimmer gehen,\nich werde in Ihrem Schlafzimmer laut sprechen und Sie\nwerden sich wundern.\nDer gute Mensch: m\nIch glaube Ihnen ohne Beweise.\nDer Nachbar:\nAber gestatten Sie.\nEr macht ganz plötzlich die Schlafzimmertür auf.\nDer Nachbar: I\nDa ist ja die dazu gehörige Dame.\nDie Freundin:\nGlaube ihm nicht. Er ist ein Verleumder.\nDer Nachbar:\nWie gut ich diese Stimme kenne. Können Sie nicht wenig-\nstens etwas leiser singen, wenn es schon durchaus sein\nmuß.\nDie Freundin:\nIch schwöre Dir. Ich war nur heut in Deiner Wohnung,\nweil ich mich so vor der Schneiderin fürchtete.\nDer gute Mensch:\nDu warst heute in meiner Wohnung.\nDer Nachbar: ,\nHeute ist gut. Und gestern. Es war zum Verrecken. Im-\nmerzu. Otto, nicht doch, Otto, nicht doch,\nDer gute Mensch:\nWas soll das alles heißen.\nDer Nachbar:\nSie kennen den Otto gar nicht\nDie Freundin:\nOtto wollte Dich gerade besuchen. Ich schwöre Dir,\nDer gute Mensch:\nOtto war auch hier.\nDer Nachbar:\nNichts für ungut. Aber der Mensch muß seine Ruhe haben.\nAuf Wiedersehn.\nDer gute Mensch:\nMein Herr\nDie Freundin:\nDas ist Deine Liebe. Einem wildfremden Menschen glaubst\nDu mehr als mir.\nDer gute Mensch:\nWillst Du mir nicht erklären.\nDie Freundin:\nDas könnte Dir so passen, Dich als Richter aufzuspielen.\nDu maßest Dir Rechte an, weil Du mir ein paar Briefmar-\nken geliehen hast.\nDer gute Mensch:\nIch bin ganzv fassungslos.\nDie Freundin:\nEchte Liebe ist blind. Bitte sieh in meine Augen,\nDer gute Mensch:\nSchön sind Deine Augen.\nDie Freundin:\nSieh mir ganz fest in die Augen. Können diese Augen lügen\nDer gute Mensch:\nDeine großen Kinderaugen.\nDie Freundin:\nDu hast Dich überzeugt. Diese Augen können nicht lü-\ngen, Den Mann werde ich übrigens verklagen\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir, Ich glaube Deinen Augen, Ich verstehe\nnur nicht, was dieser Mensch mit dem Lärm gemeint hat.\nDie Freundin:\nDu bist ein guter Mensch und läßt Dich immer herein-\nlegen. Ich werde Dir die Sache erklären. Die Sache ist\nganz einfach die. Dieser alte Lebegreis hat mich auf der\nStraße angesprochen. Ich habe ihn abgewiesen und aus\nRache hat er Dir dieses Märchen aufgebunden,\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir. Aber woher kennst Du meinen Freund,\ndem ich nie eine Silbe von Dir gesagt habe.\nDie Freundin:\nEin Freund von Dir wird doch die Höflichkeit haben, sich'\neiner Dame in Deinem Hause vorzustellen.\nDer gute Mensch:\nIch glaube Dir. Ich will Dir glauben. Die Frau ist mein\nGlaube\nDie Freundin:\nLiebst Du mich.\nDer gute Mensch:\nDu bist mein Glück,\nDie Freundin:\nHerr Gott, die Schneiderin, Auf Wiedersehn, Auf Wie-\ndersehn,\nDer gute Mensch öffnet ihr die Tür.\nDerNachba r an der Tür:\nNicht doch, Otto.\nDie Freundin:\nEhrabschneider.\nDer Nachbar tritt schnell ein:\nEine Sekunde lieber junger Freund, Sie gestatten doch, daß\nich Sie so nenne, Otto wartet.\nDer gute Mensch:\nIch muß Sie bitten, Ihre Bemerkungen zu unterlassen.\nDer Nachbar:\n'Sehen Sie nur auf die Straße. Otto wartet.\nDer gute Mensch:\nSie sollten sich schämen, eine Frau zu beleidigen\nDer Nachbar:\nWenn Sie Ihren Augen nicht trauen wollen.\nDer gute Mensch:\nIch traue ihren Augen.\nDer Nachbar:\nWissen Sie, was Sie sind. Ein verliebter Esel sind Sie, Gu-\nten Abend,\nDer Nachbar wirft die Tür zu.\nDer gute Mensch:\nDiese Kinderaugen können nicht lügen.\nDie Tür wird aufgeschlossen.\nDer gute Mensch:\nWer ist da. \\\nDie kleine Martha:\nIch bins nur."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.7", "texte": "William Wauer: Sehnsucht"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.8", "texte": "Der gute Mensch:\nWas willst Du mein Kind\nDie kleine Martha:\nDer Herr, der da unten wartet, hat gesagt, Mutter soll in\neiner halben Stunde mal raufkommen, Mutter hat große\nWäsche.\nDer gute Mensch:\nDu wirst mir nicht helfen können mein Kind.\nDie kleine Martha:\nIch kann alles.\nDer gute Mensch:\nIch wollte eine Depesche aufgeben.\nDie kleine Martha:\n* i •*. - - •\nWenn es weiter nischt is\nDer gute Mensch:\nIch habe aber kein Kleingeld. Vielleicht kann Mutter aus-\nlegen.\nDie kleine Martha:\nDie Mark habe ich auch.\nDer gute Mensch:\nSo ein kleines Mädchen hat schon so viel Geld.\nDie kleine Martha:\nIhre Frau schenkt mir jeden Tag eine Mark,\nDer gute Mensch:\nMeine Frau\nDie kleine Martha:\nImmer wenn Sie morgens kommt.\nDer gute Mensch:\nMeine Frau kommt immer morgens.\nDie kleine Martha:\nIhr Bruder ist zu spaßig.\nDer gute Mensch:\nMein Bruder.\nDie kleine Martha:\nEr sagt immer, die wird mal mein Verhältnis.\nDer gute Mensch:\nWer sagt das\nDie kleine Martha:\nNa Ihr Bruder, der unten geklopft hat. Und Ihre Frau wird\ndann mächtig wütend und sagt immer: Du bist ein Schwein.\nDer gute Mensch:\nIch habe doch keine Frau, Kind.\nDie kleine Martha:\nIch weiß Bescheid.\nDer gute Mensch;\nDu armes Kind.\nDie kleine Martha:\nSie sind ein guter Mensch. Sie müßten so machen wie Vater\nmacht.\nDer gute Mensch:\nWjas macht Dein Vater,\nDie kleine Martha:\nSie müssen Ihre Frau verwichsen, Wichse vertreibt die\nLiebe, sagt Vater,\nDer gute Mensch:\nDu armes Kind. Eine Frau ist heilig.\nDie kleine Martha:\nSie, das sind sone Biester\nDer gute Mensch:\nDu wirst doch selbst eine Frau\nDie kleine Martha:\nIch bin stark, Ich würde feste wiederhauen. Aber von Sie\nlaß ich mich küssen.\nDer gute Mensch:\nDu gutes Kind.\nDie kleine Martha:\nVon Ihrem Bruder nicht. Aber Sie haben so traurige Augen.\nDer gute Mensch:\nIch will Dich zu mir nehmen. Ich will Dich erziehen, Kind,\nKinderaugen können nicht lügen.\nDie kleine Martha:\nLügen macht Spaß, «\nDer gute Mensch:\nEs ist ein Unrecht zu lügen,\n*\\\nDie kleine Martha:\nVater ist immer am vergnügtesten, wenn Mutter ganz dicke?\nlügt.\nDer gute Mensch:\nLügen bringt Unglück, Kind,\nDie kleine Martha:\nAch was, es muß nur nicht rauskommen. Wissen Sie, wie:\nich das mach, ich seh einfach den Leuten ganz groß in die?\nAugen, dann glauben sie alles.\nDer gute Mensch:\nIch bin am Ende.\nDie kleine Martha:\nIch kann Ihnen gern die Mark pumpen.\nDer gute Mensch:\nIch bin ein guter Mensch. Alle lachen über mich.\nDie kleine Martha:\nBei Sie braucht man nicht zu lügen, weil Sie so traurige\nAugen haben.\nDer gute Mensch:\nMeine Augen sind verschleiert.\nDie kleine Martha:\nIch weiß Bescheid, Wenn die Frauen nicht lügen, werden,\nsie verwichst. Sie tun den Frauen nichts.\nDer gute Mensch:\nHeilig sind die Frauen. Heilig. Heilig.\nDie kleine Martha:\nSie, beten ist Blech. Ihre Frau paßt für die Männer.\nDer gute Mensch:\nFrauen sind Kinder,\nDie kleine Martha:\nIhr Bruder kriegt mich nicht. Auf Ihnen werde ich warten,«.\nDer gute Mensch:\nKinder sind die Frauen, Kinder.\nDie kleine Martha:\nHier haben Sie meine Mark.\nEnde\n\nMeine blühende Hirnwiese zertrampeln glühe johlende kugelnde\nTeufelchen.\nUm meinen Schädelberg kreisen krächzend blauschillernde\nGeheimnisvögel.\nKreisen. Kreisen.\nMein Bett heult, Zimmer schwankt, Spiegel bläkt. Stühle tasten..\nLampe tanzt.\nHände würgen, Kehlen lachen. Fetzen zerschlagen\nmich.\nIch steile zischend grünflimmernde Schlange aus rascheln-\ndem Bettlaub,\nGleite schlängle ringle an die Jalousie.\nSchwebe über dem Fenstersims.\nZüngle mit zuckenden Zungen in schnappende Schatten;\nSchnelle in Nacht. Regne Gift, Steche den Mond.\nDaß er o Kampf, o Kampf! Trillionen Glotzaugen funkelt\nAufrast. Aufpfeift. Aufzischt.\nAngstzerre Glutarme Dunkel erwürgend schlenkernd ent-\nblättert.\nMondstirn zerplatzt.\nMondhirn über Erde knistert spritzt funkt zerflammt.\nHo!\nHimmel feiert Maskenball.\nSchleudert buntzüngelnde Kometenschweife knisternde\nSternschnuppen, - -\n\nIch werde aufgepeitscht"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.9", "texte": "William Wauer: Tanz"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.10", "texte": "Sonnen Blaufunke, Grünfunke Goldfunke.\nFeiert Maskenball.\nScharen von Bürgern rollen unter mir entlang.\nWeiß in Nachthemden um die Knochen klatschenden fie-\nbernd.\nHinfallend Gebete heulend: Rette! Rette! Oh!\nIch gleite zurück in mein Zimmer.\nWühle mich in lachend bunteste Täler,\nSchaukle im Kelch duftender Dolden,\nRudre im Blaumeer wippender Blüten.\nKrieche schlängle,\nBade taumelnd im Licht tausend von schwindelndsten Felsen\nkreischend niederfallender Mädchenleiber\nKrieche unter die jungrunden Brüste der Schönsten,\nWir wiegen in Aesten dunklen Granatbaums,\nHüllen uns ein in glattglänzende Blitze gleitende Sterne Schreie\nfliehender Bürger,\nLauschen dem Poltern zusammenkrachender Mauern, Dem\nhellen Getrappel der Füße,\nKomm! Du!\nLaß deinen Frühlingsatem über mich wehen.\nNiederregnen auf mich das Weiß deiner Heischblüte.\nDaß ich zertaue. Daß mein vereistes Blut golden rinnt.\nKomm! Du,\nWir wollen uns nackt aneinanderlegen\nFrühlingsstürmen horchen in unseren Leibern\nLauschen der dumpfen Musik unseres Blutes\nZimmer bebt. Geschrei zerdrückt das Fensterglas.\nKomm Du, Du komm.\nDucke auf meine Schultern,\nLaß deine Pupillen entglänzen. Dein Haar sich ent-\nrauschen.\nSieh die weiße Brandung der Leiber an den Kirchen\nemporklatschend.\nDarüber das Wehen der Wolken, die dottergelb um die\nDächer schlagen.\nKriechenden schnappenden Krötenhimmel\nHorch die Gebete Gebete,\nWir springen auf den Marktplatz, Rathaus,\nErklimmen Stufen. Wachsen steil steil.\nHeranwälzen schlotternde Bürger,\nHer! Her!\nUnseren Altar umlichtet die Nacktheit schlangenhaft wiegen-\nder schmiegender Mädchen,\nGottfest!\nHer! Her!\nIch reiße meine Augen aus meinem Stirnhimmel licht-\nwild.\nDa!\nZwei kreisende Sonnen blühen auf eurer verwelkten\nSternwiese.\nHer! Her!\nWir haben euch fressende Angst in die Knochen ge-\ntrieben.\nWir haben eure Straßen und Häuser zerweht.\nWir haben eure Frauen und Kinder zerstampft.\nWir.\nWir wachsen wachsen,\nSchweben über wehenden Hemden Glatzen gesteilten\nHänden,\nLavaströmen von Wutschreien und Beschwörungen,\nWachsen wachsen\nSchweben\nZerstäuben in Nichts.\n\nLisette Wischein war es an der Wiege gewiß nicht vorge-\nsungen worden, daß sie noch einmal als Zahnpulver verwendet\nwerden sollte. Arme Jungfrau!\nDas Auge, das auf sie geworfen wurde, gehörte einem jun-\ngen jManne an, dessen Gehirn nicht allzu richtig funktionierte.\nWissen Sie, er hatte beides: er war ziemlich gescheit, aber auch-\n\nKurt Liebmana\n\nGedrängte Weltgeschichte\nPaul Bommersheim\n*\nAn Q, G.\nBlüten öffnen Stempel Blätter sammeln Regen. Sonne wirft\nGoldfäden. Schmeißfliegen glanzflattern nach Kot. Kot glänzt;\ngoldbraun. Früchte fallen. Früchte faulen. Wildkatze durch-\nbrichts Gebüsch. Kinder fangen Schmetterlinge. Freude in allen\nRichtungen.\nTische sind weiß gedeckt. Man hat Nelken gebrochen, Man\nhat Sternenlicht hereingetragen. Man verschließt die Kammern\nvor der Sonne. Aus Hausbalken rollt Blut hervor. Aus Zim-\nmern biegt ein Wind und wirft Blumen hinab. Viel Soldaten\nsind auf den Feldern. Und bei den Wolken führt ein Luftballon.\nIn Luftschiffen fliegen, in Wagen schweben, auf Schäumen\nsegeln, auf Träumen reiten, auf Weisheit wandeln: Menschen.\nRote, weiße, blaue gelbe, goldne Hüte und Kronen winken dem\nlieben Gott: Gruß, Gruß! Kronen rollen auf Pflaster, Hüte in\nPfützen. Liebespaare stehn bei einander: weißglänzende Ker-\nzen: lecken Salz von den Lippen. Kinder fliehn vor der Kinds-\nmörderin, die zu küssen brennt, und spielen schon wieder mit\nSchäfchen. Der letzte Schrei des sterbenden Schlachtviehs und\ndie Lustigkeit des Festmahls und auch die Kraft des Kämpfers.\nDie Wunden der toten Helden, die unerschöpflich wie Blumen\nsprießen. Herrlicher Angriff. Augen werden schwarz und\nfallen in sich. Weiber erwarten die Räuber. Besiegte sind in-\nwendig hell. Ueber Abgrundgreuel schwärmen die Tänzer.\nBüßer beben vor Freude. Hohn stolpert hilflos. Frauen jubeln\nin Märtyrerflammen. Aexte schlagen Schädel, Frauen jubeln\nin Märtyrerflammen.\nWo all das in dich stürzt, o Mensch, mußt du die Wimper schlie-\nßen. Du fühlst die Fledermäuse dich mit Flügeln streichen, fühlst\nblaue Strahlen durch dich zucken.\nNachtlokale lachen. Richter drohen Donner. Säufer kröhlen.\nO Jesulein! O Jesulein! Komm her, o Jesulein! 0 Jesulein, komm\nher! Gauner juchzen. Röcheln Mörder. Haß schmeißt Zacken..\nZähne jähen. Viel, viel Fallen, Fallen in lustig funkelnde Beile..\nFallen in spritzende Sümpfe, Heulen, Die lichten Augen der\nWeisen! Fallen in Schwanenteiche, in Bruderblut, in Bruder-\nfleischfetzen, in Sternenscherben. Fröhlich Fallen von Him-\nmelssuchern und Fallen von Strahlenkönigen, von Schoßwei-\nbern, von Schreibern, von Zerplatzenden, von — o Mensch, o\nMensch — von einem winzigen Wurm, vom Gottsohn. Schwei-\ngen aller Wesen ist die Angst, Fallen von Völkergewühl, von\nWölfen, Neidspitzen, Reinen, Satansgelächter, von Rehen, Wald-\nvögeln, Tiefseefischen, von allen Tierherden der Prärie, von\nPalmenwäldern, Edelweiß, von Gelassenen, Brüllenden , Erden,\nMondpalast, Weltall.\nAufschießen Farbenblüten. Frohe Bogen des Liebeslieds, Der\nTod des Käferchens, Der Tod des armen Käferchens,\nSonntag. Weiden schaukeln sorglos. Buben balgen. Geschrei\nder Kreißenden. Haßgift speien Eltern und Kinder.\nSelig wer heimtaucht in Ihn. Sich zufalten. Selig Säule durchs\nganze All, Alleinbruch. Blitze zerschleißen Gehirn, Einsturz\ndes Himmelsgewölbes. Fallen von\nsteigenden Sternen . . . endlos , . . endlos.\nAugen öffnen groß.\nIm Schoß\nDer Schöpfung wuchern weiß und lila Bittersüß.\n\nDie Jungfrau als Zahnpulver.\nMynona"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.11", "texte": "Fernand Léger: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.12", "texte": "areichlich blöde, Gescheit genug war er, um sich in Lisette zu\nverlieben. Ob er sonst noch Proben von Gescheitheit gab, weiß\nich nicht. Er trug fast stets ein sonderbares Lächeln zur Schau,\nwelches, da seine Oberlippe sehr kurz war, seine Zähne ent-\nblößte; unter uns gesagt, vielleicht schöne, jedenfalls fürchter-\nlich verwahrloste Beißerchen. Bitte, stellen Sie sich die Be-\nglücktheit Fräulein Wiischels vor, als aus dem Gehege solcher\nZähne ein unmißverständlicher Liebesantrag ertönte. „Nach-\nbarin, euer Fläschchen!\" war schon das Wenigste, was sie noch\näußern konnte, Dagegen sagte die Nachbarin, ihre Freundin\nFlora Buse: „Mensch, putzen Sie sich Ihre Zähne, bevor Sie um\nLiebe trillern. Sie haben wohl Grünspan gegessen?\"\nBeide Mädchen verschwanden, die Arme gegenseitig um\nihre anmutigen Hüften geschlungen. Grinsend starrte Max\nBommel ihnen nach, während er seinen rechten Zeigefinger wie\neine Zahnbürste zwischen seinen Lippen hin und her schob. Ein\ngemütlicher alter Bursche, der neben ihm gestanden und die\ngrausame Abfertigung mit angehört hatte, redete ihn an: „Ein\nWort im Vertrauen, junger Herr, das Mädel hat Ihnen eine gute\nLehre gegeben, Sic glauben gar nicht, von was für solchen an-\nscheinenden Kleinigkeiten der Erfolg im Leben meistens ab-\nhängt. Sie sind eigentlich ein ganz hübscher Kerl. Nu sehn Se\nmal an! Geben Sie dem Apoll eine Quatschnase, und Dinan\nkehrt ihm den marmornen Rücken zu. Den Zeus des Phidias mit\nabstehenden Ohren läßt man gerne links liegen. Die Wenig-!\nsten gleichen doch dem herrlichen Weisen, der noch am Aas des\nHundes die glänzenden weißen Zähne demütig bewunderte.\nWissen Sie, das Schönheitspflästerchen darf nur winzig sein,\nPassen Sie auf, wie dasselbe Mädel Ihnen nachrennt, wenn Sie\nsich Ihre Zähne gereinigt haben. Nichts für ungut — Adieu!\"\nDamit wollte der gemütliche Mann in eine Elektrische\nsteigen, hatte schon den einen Fuß auf dem Trittbrette, da riß\nihn Max am Rockzipfel so heftig zurück, daß Beide stolperten\nund in eine Menge Kehricht über einander fielen. Das Publi-\nkum lacht bei solchen Gelegenheiten, welche im Grunde gar\nnicht zum Lachen sind, immer wieder herzlich. Die Beiden\nklopften einander gegenseitig den Mist ab, worauf dann Max\ngrinsend fragte: „Sie sollten mir doch erst sagen, mit was ich\nmeine Zähne putzen könnte!\" ~Ach so!\" meinte der ärgerlich\nund heimtückisch werdende Greis, „ach so! Und darum Räu-\nber und Mörder! Ein bischen . . . hö, hö, hö . . . Kohlenasche.\nNehmen Sie Kohlenasche, junger Mann — ganz einzigartiger\nErfolg, auf Ehre! Adieu!\" Damit fuhr er ab.\nMax wanderte fürbaß. Er grinste zähnefletschend und wie-\nderholte murmelnd immerfort: „Kohlenasche, Kohlenasche.\" In\neiner Drogerie verlangte er eine Bürste, mit der man Kohlen-\nasche aufnehmen könne. Der Drogist sann eine Zeit lang nach.\nDann gab er ihm ein Mittelding zwischen Klosett- und Hand-\nseifenbürste, „Das ist eine schöne Bürste,\" sagte Max lallend\nund zahlte. Der Drogist gab ihm durchaus Recht, er nickte,\neifrig bestätigend. Max vergaß, sich die Bürste einwickeln zu\nlassen. Er trottete, sie bald im Bogen schwingend, bald wie zur\nProbe vors Gebiß haltend seines Wegs. Die Passanten sahen\ndas garnicht ungern, niemand war darüber betrübt. „Kohlen-\nasche, Kohlenasche\", murmelte Max,\nDa sah er Lisetten in ein Haus gehen. Die Bürste wie zum\nGruß an den Hut hebend, stand er still, Lisette, sich umblik-\nkend, bemerkte es und lachte hell auf. Wenige Minuten später\nerschien sie in einer oberen Fensteröffnung, Max machte ihr,\ndie Bürste in der Hand, anmutige Komplimente; sie schloß das\nFenster,\nPlötzlich aber hörte man gellende, furchtbare Schreie aus\ndem Flause dringen, Menschen, Männer, Weiber, Kinder, Hunde,\nKatzen, alles kam in Bewegung und stürzte ins Haus, dessen\nBewohner aufgeregt aus ihren Wohnungen eilten. Die entsetz-\nlichen Schreie, welche aber bald schwächer und schwächer\nwurden, drangen aus Lisettens Zimmer, Leider war es fest ver-\nschlossen; es dauerte eine geraume Weile, bis man die Tür auf-\ngebrochen hatte,\nDie Schreie waren längst verstummt. Das kleine Zimmer\nzeigte sich mit dichtesten Brandwolken erfüllt; aus einem im\nDunste kaum sichtbaren Häufchen auf dem Fußboden zuckten\nFlammen. Der Rauch war so erstickend, daß niemand sich ins\nZimmer wagte. Die alarmierte Feuerwehr erschien. Man\nlöschte, drang ins Zimmer, lüftete und entdeckte in dem Häuf-\nchen die tote, verbrannte Lisette. Natürlich war wieder einmal\ndas leichtsinnige Umgehen mit dem explosiven Kochapparat«\nschuld.\nIndem nun alles unter dem erschütternden Eindruck dieser\nKatastrophe stand und das unglückliche Mädchen beklagte,\nnahte sich dessen verkohlten Ueberresten grinsend der edl«\nMax. Zum Schaudern aller Umherstehenden, und ehe jemand es\nhindern konnte (denn sogar Polizisten und Feuerwehrleute stan-\nden starr, als sie es sahen; sie sahen es und wollten es nicht\nglauben) stippte Max mehrmals seine breite Bürste in die Asch«\nder Leiche. „Kohlenasche! Kohlenasche!\" jauchzte er und rieb\nund putzte sich sorgsam die Zähne. Auf einmal aber quollen\ndicke Tränen aus seinen Lidern. Er begriff das Geschehene,\nund weinend statt grinsend, fuhr er fort, sich das Gebiß mit\nLisettens Asche kräftig zu bearbeiten.\nAch! Ach! Im Irrenhaus ist es schön, Max geht mit der\nschwarzen Bürste im Garten spazieren. Er grinst. Seine Zähn«\nleuchten so blank in der Sonne.\nIhr aber, alte Burschen mit unverlangten Ratschlägen, be-\ndenkt es, wie leicht euer Wort suggestiv wirke! „Kohlenasche\"»\nim Scherze hingesprochen, beschwor ein Schicksal herauf. Ge-\nsprochene Asche kann reale machen. Ja, nehmt euch in Acht!\nSprecht vorsichtiger, denkt vorsichtiger! Kitzelt das Geschick,\ndiese Bestie in der Menagerie des Lebens, nicht einmal im\nScherze; das Necken der überall lauernden, auf dem Sprung«\nliegenden Tragödieist verboten.\nWelche Hoffnungen wurden hier buchstäblich zu Asche!\nAuch Maxens Leiche (er überlebte Lisetten nicht lange) wurd«\nzu Asche verbrannt.\n\nDas weise Raubgetier\nMynona\nAus der fernen Universitätsstadt war der Kultlirhistoriker\nLivius Ey zu seinem lieben Freunde, dem Philosophieprofessor\nSchwätzle gekommen. Beide Herren saßen vor schönen blon-\nden Teetäßchen und plauschten gemütlich zusammen, „Habt\nIhr hier einen zoologischen Garten?\" fragte Ey mit gespanntem\nBlick. „Ih Gott bewahre! Wieso? Aber halt mal — eine Me-\nnagerie ist zufällig hier ganz in der Nähe. Wieso?\" „Ach ja,\nSchwätzle, Psychologie der Raubtiere; mir steigen mitunter\nso eigne Gedanken darüber auf; insbesondere vorm Schlafen-\ngehen. Weißt Du, Schwätzle, ich bin doch 'ne Menge gereist.\nSeitdem ich bei den Antipoden war, verfolgt mich ein Gedanke,\nvielleicht, bestimmt sogar, eine Wahnidee: sind wir etwa\npsychische Sphinxe? läuft unser Menschengeist , . , unsichtbar\nin ein Raubtierwesen aus? Mir will der Mensch immer isolierter\nvorkommen; er trennt sich künstlich von der Natur ab. Es will\nmir aber scheinen, als ob die Natur sich ihn subterrarisch, sub-\nmarin zu sich zurückholte.\" Livius Ey weinte bitterlich und\nlehnte sein greises Gelehrtenhaupt an die weiche Schulter seines\nneben ihm sitzenden Schwätzle. „Du bist ja gemütskrank, lieber\nEy\" sagte dieser und klopfte ihm den Rücken, Wahrscheinlich\nlebst Du selber viel zu isoliert? Warte mal, die Chose läßt\nsich vielleicht psychoanalytisch erledigen. Wir müssen zurück-\nverfolgen, wie Du dazu gekommen bist.\" „Am besten wär's\nschon Schwätzle, wir gingen in jene Menagerie. Schau mal,\nwenn ich einschlafe, habe ich das Gefühl- es schlucke mich ein\nungeheurer Schlund zu den Antipoden hinab, und ich liefe als\nRaubtier, als Löwe, in der Wüste umher.\" Schwätzle sprang\nvom Diwan auf, hielt sich die Hände an die Schläfen und brach\nlos: „Aber Livius! Das ist ja entsetzlich! Das grenzt ja an\nHallunzination!\" „Tatsächlich habe ich auch sinnliche Impressi-\nonen dabei. Ich will mir mal Raubtiere wieder genauer an-\nsehen . . .\" ~Um immerhin, lieber Ey, einen gewissen Unter-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.13", "texte": "schied zu konstatieren, nicht wahr?\" unterbrach ihn Schwätzle\nlachend.\nBeide Herren gingen dann Arm in Arm in die Menagerie.\nDen Geruch kennt man ja. Das Prachtstück war ein ungeheurer\nalter Löwe; in den Nebenkäfigen gab es einen Panther, eine\nHyäne und einen Bären nebst Bärin. Es war die Abendstunde,\nkurz vor Schluß. Die Tiere waren eben gefüttert worden. Die\nBesucher verließen bereits den Raum. Den beiden Gelehrten\ngestattete aber der gefällige Besitzer noch zu verweilen; er ließ\ndie Herren allein, um seinen Kassenbestand aufzunehmen. —\nSchwätzle und Ey stellten sich dicht vor den Löwen hin, der\nsein überintelligentes Auge auf sie richtete. ~Eigentlich\", sagte\nSchwätzle, es ~ist wirklich kaum zu fassen, daß der ewige Geist\nsich so bestialisch verleiblicht!\" ~Eh, Schwätzle, wir, besonders\nwir Gelehrte, sind wohl doch beträchtlich anthropomorphisch,\"\nDer Löwe stieß ein furchtbares Gebrüll aus, schüttelte die Mähne\nund ging, das Auge nicht von den Herren abwendend, in seinem\nKäfig hin und her. „Es sieht, weiß Gott\", sagte Ey, ~aus, als\nob er verstanden hätte, was wir sprachen.\" „Aber Livius, Du\ngerätst wieder ins Phantasieren,\" Der Löwe staifd still, er\nsperrte gähnend seinen Rachen weit auf, erhob dabei die eine\nVorderpranke und setzte sich majestätisch auf sein Hinterteil,\nkein Auge von den Herren abwendend. „Anthropomorphistisch,\nEy,\" sage ehrlich, „was denn sonst können wir sein?\" — Da\nsagte der Löwe deutlich, mit sonorer Stimme, seinen Schweif\nzur Unterstreichung seiner Worte rhythmisch auf den Boden\nklopfend: „Es ist unerträglich. Mein Herz oder unser uralter\nVertrag muß brechen.\" Panther, Hyäne und Bären stießen ein\ngräßliches Gekreisch aus und warfen ihre Leiber wuchtig gegen\ndie dröhnenden Gitterstäbe.\nLivius und Schwätzle sahen schrecklich bleich geworden\neinander in die Augen. Der Löwe brüllte seine Kollegen an:\nTatsächlich gehorchten die Tiere. Dann kräuselte ein\nzugleich schmerzliches und verächtliches Lächeln die Lefzen\ndes Löwen: „Allzu lange habe ich das ertragen. Komme nun,\nwas wolle! Ich will euch einmal etwas verraten, ihr hoch-\nmütiger Natur-Mob. Es gab vor Äonen einmal eine Zeit, da\nwar alles Natur. Nicht, als ob es noch gar keine Kultur\ngeben hätte — aber sie war völlig in der Natur aufgelöst ent-\nhalten; desgleichen die Zivilisation mit ihrer Technik. Wir\nbrauchten eure Dampfmaschinen und Dynamos nicht, wir hatten\nsolche Kräfte von Natur aus. Ich bin froh, daß endlich ein paar\nVertreter der Wissenschaft sich mir stellen; ein Moment, auf den\nich längst gelauert habe.\" Die beiden Gelehrten erholten sich\nvon ihrer Bestürzung und gewannen lanjgsam ihre Fassung\nwieder. Schwätzle sagte: „Ey, so seltsam es scheint, ich glaube,\nwir träumen und wissen, daß wir träumen;\" damit wollte er\nLiviussen zum Fortgehen bewegen; er zog ihn am Rockärmel.\nLivius aber schüttelte ihn ab: „Wir bleiben, Schwätzle!\" rief\ner überlaut, „Wir träumen nicht im Gegenteilt! Jetzt erst er-\nwachen wir zu einer uralten Wahrheit. Die Natur selber be-\nginnt endlich zu reden. Weiter, Löwe! Weiter! „Es freut mich\",\ngrollte der Löwe, „der erste Greis, den ich vernünftig fand.\nJa, wie ich es sagte, wir sogenannten Tiere, Raubgetier aber\nzumal, beherrschten einstmals die Erde. Da geschah es eines\nTages, daß eine Äffin ein wahnsinniges Produkt aus ihrem Leibe\nabsonderte, ein Zwillingspaar, einen Knaben und ein Mädchen,\nbei dessen Anblick ein Ekelgefühl durch die ganze Tierwelt\nging, während wir doch sonst alles so entzückend fanden. Diese\nWiesen waren keine Tiere, überhaupt keine Natur mehr. Eine\nVerständigung mit ihnen erwies sich als unmöglich. Auf den\nGedanken, sie zu töten, kamen wir niemals. Der Tod ist erst\neine menschliche Erfindung; sowie es bis dahin überhaupt\nnoch keine Schwangerschaft und weder Vermehrung noch Ver-\nminderung unserer Anzahl gegeben hatte; nur reifendes Wachs-\ntum der Einzelnen. Jene indessen —es war grausig — taten\netwas, wodurch sie sich sehr bald ins Ungemessene vermehrten.\nSie steckten damit — es ist eine Schmach, es zu gestehen,\nuns alle an. Wir entarteten furchtbar. Sie aber stellten uns\nund da sie von der Natur viel zu sehr vernachlässigt\nwaren, warfen sie sich künstlich zu unseren Herren auf. Da\nendlich schlössen wir den geheimen Tier-Vertrag zu unserer\nlangsamen, stille schleichenden, unheimlichen Rache. Wir be-\nschlossen, dem Uebel, Mensch genannt, nur scheinbar noch zu\nwiderstehen. Eine Kluft, ein Abgrund tat sich zwischen jenen\nund uns auf,\" „Ich sehe darin keine Rache\", sagte Schwätzle.\n„Ich aber beginne zu verstehen\", sagte Ey. „Sie scheinen mir\nüberhaupt der Verständigere\", sagte der Löwe, „Sie kamen\nmir gleich so vertraut vor.\" Livius stieß seinen Ellbogen in\nSchwätzle's Seite: „Siehst Du!\" Der Löwe fuhr fort: „Dieser\nAbgrund ist unsere vorbereitete Rache; denn in ihn soll die\nganze Antinatur, Kultur genannt, unversehens über Nacht\nstürzen. Die Vertierung der Menschheit wird just auf dem\nGipfel Eurer Kultur mit unerhörtem Absturz einsetzen. Leugnet\nes nicht! Schon wird Euch schwindlig und vor Eurer Gott-\nähnlichkeit bange. Euer harrt eine grauenhafte Katastrophe,\ndie Vertierung. Aber nach dieser Krisis werdet Ihr Euch,\nzu mehr als nur zum Tröste gesagt, desto wohler fühlen! Wie\nangenehm ist es, nachdem man sich allzu hoch erhoben hatte,\nsich sinken und tiefer als jemals sinken zu lassen! So sind\nwir, so ist die ganze Natur damals gesunken, als der Mensch\nzur Welt kam, dieses Leib gewordene Ressentiment gegen alle\nechte Natur, dieser .... Jude der Natur. Ja, wie Ihr Anti-\nsemiten seid, so sind wir Antianthropen. Ja, aus Verachtung\ngegen Euch ließen wir Euch Eure verfaulte Kultur machen,\nwelche ja in Wahrheit auf money beruht. Wir sanken gern\nvon unserer stolzen Höhe, einer höheren Höhe, als Menschen\nsie ausdenken können, da wir wußten» daß wir Euch in unseren\nSturz mit nachziehen. Wir warten jetzt nur noch auf sogenannte\nWeltkriege. Ich lache schon.\" Er lachte wirklich. Ey murmelte\nverstört: „Lachender Löwe.\" Schwätzle rang die Hände, bis\nseine Manschetten total zerknittert waren. „Ich habe nur noch\nweniges zu sagen\", dämpfte der Löwe seine Stimme. „Kobelke,\nder Wärter, kommt gleich wieder; dieses ahnungslose Menschen-\nvieh soll ahnungslos bleiben.\" „Aber sagen Sie mir nur noch,\nbester Löwe, wie haltet Ihr das aus, wissend in dieser Lage zu\n- bleiben, aus der Ihr Euch doch, wenn Ihr nur sprechen wolltet,\nsofort befreien könntet? Denn sobald Ihre Eure Begabtheit\nmit Vernunft erkennen ließet, würden wir Menschen Euch\nkeinen Augenblick länger als Tiere behandeln.\" „Das Tier\",\nantwortete der Löwe gleichgültig, „ist eine Erfindung des\nMenschen, genau wie Pflanzen und Mineralien Anthropomor-\nphismen sind. Ich bitte Sie doch: Die biologische Perspektive,\ninfolge deren Distanzveränderungen Veränderungen der Form\nund des Wesens scheinen, ist analog der optischen, eben nur\nPerspektive, Die ganze Natur, nicht nur der eitle Affenmensch,\nist mit Vernunft durchtränkt. Aber, wie gesagt, es lohnt uns\nnicht, den menschlichen Irrtum aufzuklären. Wir harren mög-\nlichst schweigsam des Augenblicks, in dem er sich selbst ad\nabsurdum führt. Sie finden dies fabelhaft; das ist es auch\nbuchstäblich: Wir sprechen höchstens in Fabeln, Ich schweige;\nKobelke kommt.\"\n„Ich muß schließen, meine Herren\", sagte Kobelke, der,\nmit dem Geldbeutel in der Hand, wieder eintrat. Die Professoren\ngingen erschüttert aus der Menagerie. Ein ohrenzerreißendes\nGebrüll sämtlicher Bestien gellte ihnen nach. ~Sie verstellen\nsich\", sagte Livius. „Kein Zweifel, sie verstellen sich, aus\nMenschenverachtung.\" Schwätzle sagte: „Ich halte alles für\neine Suggestion, fühle mich neuropathisch von Dir angesteckt\".\nDa brüllte Livius Ey schmerzlich auf, lauter als der Löwe, und\nmit Löwengestikulation überfiel er den Schwätzle und biß sich\nkräftig an dessen Gurgel fest. Man eilte von allen Seiten herbei;\nSchutzleute befreiten den übel zugerichteten Schwätzle aus\nEy's Umklammerung, und sie transportierten den Ey in den\nKäfig einer Menagerie wahnsinnig gewordener Menschentiere.\nNun sitzt Schwätzle nachdenksam, trüb und allein vor\nseiner blonden Teetasse, in der Verfassung eines Menschen,\nder mit allen Sinnen etwa wahrgenommen hat, was seine Ver-\nnunft für unmöglich halten muß. Es bleibt uns leider nichts\nübrig, als ihn in dieser Verfassung zu belassen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.14", "texte": "Berichtigung'. Das im Januarheft veröffentlichte Ge-\ndicht von Franz Richard Behrens führt die Ueberschrift ~Scheinw-\nerfer', die erste Zeile fällt fort.\n\nDer verliebte Leichnam.\nMynona\nLassen Sie mich Ihnen gegenüber, meine geliebten Leser\nund Leserinnen, ganz offen sein! Bitte lassen Sie mich meine\nKarten aufdecken: ich weiß, während ich, nur um mich zu\nkitzeln, zum Lachreiz anzuregen, den obigen Titel nieder-\nschreibe, so wenig von irgend welchen Vorgängen, Gescheh-\nnissen, fabelhaften Begebenheiten wie Sie; vielleicht noch\nweniger; denn vielleicht spielt ihre Phantasie erfinderischer\nund rascher als die meinige. Ueberlegen wir lieber gemeinsam,\nwie wir den Titel realisieren!\nGeben Sie mir einen Knopf, sagte der künstlerisch ge-\nschmackvolle Schneider, und ich will Ihnen einen passenden\nAnzug darannähen. A la bonne heure — nennen wir den ver-\nliebten Leichnam sofort ~Knopf\". Der Vorname müßte aller-\ndings ein bischen unheimlicher gewählt werden, etwa Me-\ndardus, Barbarus, Rufus oder so. Durchaus braucht Rufus nicht\nvon vornherein ein Leichnam zu sein. Wir lassen ihn einst-\nweilen leben. Rufus muß in der Folge zweierlei leisten: er\nmuß sich zuerst verlieben und dann zur Leiche werden. Die\numgekehrte Wendung, daß er zuerst zur Leiche würde und\nsich dann verliebte, wäre nicht unmöglich, denn der Tod hat\nimmerhin auch eine problematische Seite; indessen ist uns\ndiese Wendung zu phantastisch; es gehörte, um sie einleuchtend\nzu machen, eine größere schriftstellerische Kraft dazu, als wir\nsie aufbieten wollen; es ist uns zu anstrengend. Wir möchten\nharmlos beisammensein und überlassen jene umgekehrte Wen-\ndung lieber Genies vom Range eines H. H. Ewers.\nEs ist klar, daß wir dem Rusus Knopf etwas Zeit geben\nmüssen, um sich zu verlieben; er darf nicht jählings sterben.\nFerner müßte seine Liebe auch erwidert werden, aber hier gibt\nes bereits ein höchst kompliziertes Aber: Wird die Liebe von\nSeiten der Geliebten direkt und ungezwungen leidenschaftlich\nerwidert, so ist es sonnenklar, daß sie über den Tod hinaus-\ndauern muß. Wir würden uns das Problem damit nicht etwa\nnur erleichtern, sondern vernichten. Unsre Aufgabe ist es\naber, dieses Problem eines verliebten Leichnams weder phan-\ntastisch zu komplizieren noch banal zu erledigen, sondern es\nin einer angenehmen Schwebe zwischen diesen üxtremen zu\nerhalten. Man verliebt sich sehr heftig in Vornamen. Die Dame\nimprägnieren wir demnach mit einem der lieblichsten und zwar\nam zweckentsprechendsten mit einem hyperäthisch transzen-\ndenten, der die Verliebtheit sogar eines Leichnams uns moti-\nvieren helfen kann; schlimmstenfalls müssen wir ihn erfinden,\nwenn wir ihn nicht entdecken. Es bieten sich uns wie von\nselber: Thea, Zölestine, Seraphita, Lucia, Stella u. a. Wir wäh-\nlen im Interesse des Amüsements „Zölestine\".\nUm die Beziehung zwischen Zölestine und Rufus zu be-\nwerkstelligen, lassen wir am einfachsten den Rufus auf den\nTod erkranken. Wäre Rufus jung, so könnte er durch eine\näußerliche Katastrophe zu Grunde gehen: Ueberfahrung, irgend\nein Unfall. Rufus muß aber weder uralt sein; sonst verliebt\nsich Zölestine zu schwer; noch urjung, da verliebt sie sich zu\nleicht. Er ist ein Mann in mittleren Jahren, dem Alter näher\nals der Jugend — in diesen Jahren entflammt die Leidenschaft\nlangsam, und um so heftiger. Abstoßend auf Zölestine wirken\ndas Alter des Patienten — halt! Diese Lösung ist gut: Rufus\nerkrankt von innen her, „innen\" im weitesten, psychophysischen\nSinne; die Leidenschaft unterhöhlt ihn desto tötlicher. Und\nZölestine pflegt ihn; und zwar nicht privatim, sondern als —\nha! — katholische Schwester — eine Art Nonne. Sie ist, bis\nzur Heiligkeit, jungfräulich; Rufus der erste reifere Junggesell,\nmit welchem sie in intime Berührung kommt. Vieles also wirkt\nabstoßend auf Zölestine; z. B. gleich der Name; das Alter; der\nsieche Leib. Ja, dieser Leib des Rufus spricht schweigsam von\nzynischen Memoiren; er irritiert Zölestinen anziehend und\nabstoßend zugleich. Aber alles Abstoßende selber übt, nach\nund nach, indem sie der leidenschaftlichen Liebe, von welcher\nRufus für sie entzündet ist, gewahr wird, eine unheimliche An-\nziehung, wider ihren sittenstrengen Willen, auf sie aus,\nJetzt ist Alles in der passenden Verfassung, und das bald\ngenug endende Spiel kann beginnen. Haben Sie das Bild? —\nRufus, von Zölestine keusch abgewartet, verpflegt. Es geht\nmit Rufus abwärts. Alle seine Sinne konzentrieren sich mehr\nund mehr auf die seelisch noch mehr als körperlich liebreizende\nblutjunge Zölestine. Rufus gebraucht seine hinsterbenden\nKräfte zu brünstigsten Liebeserklärungen. Zölestine, durch sein\nSterben sicherer gemacht, wagt sich am letzten Tage aus hart\nkasteiter Abstinenz zu sachtestem Entgegenkommen hervor; sie\nhaucht einen Kuß auf die verwelkende Stirn des Kopfes. Dieser\nKuß durchdringt den Sterbenden mit dem Leben seiner mög-\nlichen Zukunft in einem einzigen und natürlich tötlichen Augen-\nblicke — er flackert zu einem brutalen Attentate auf. Bevor\ndie ahnungslose Zölestine sich besinnen kann, ist sie in seiner\nGewalt. Rufus stirbt an dem, was bekanntlich mit dem Tode\nnicht zu teuer gebüßt wird. Zölestinen umfängt in seinen leichen-\nstarren Armen eine überaus wohltuende Ohnmacht.\nGeraume Zeit später stört der Arzt die denkbar zärtlichste\nSituation, welche hoffentlich für Zölestine keine interessanten\nFolgen haben soll.\nWie man sieht, gibt der Titel gleichsam ein mathematisches\nExempel auf. Die Leser- und Leserinnen sind ersucht, sich\nnun fleißig selber im Autorsein zu üben. Tummle dich, mein\nPublikum! Hier sind noch schöne Aufgaben zu lösen: z. B,\ndas drahtlose Medusenhaupt; der unbrauchbare Golem oder\ndas allzu grüne Gesicht; das halb erfrorene, halb aber aus-\ngekochte Herz; Prolete rechts, Prolete links, das Geldkind in\nder Mitte.\nÜbt euch! Übt euch! Das Rezept habet ihr. Oh schöne\nZeit, wo man die fremden Autoren abschaffen und nur noch\nselbstgebackenen Geist essen wird! Wo eigne Autorität an\nStelle der fremden tritt! Jedermann sein eigenes Publikum —\ndies ist das Ende nicht nur der Literatur, sondern vielleicht\naller Geschichte — jedenfalls dieser hier . , .\n\nGedichte\nThomas Ring\nBegehren schlürft den Odem deines Mundes\nlöst herben Zwang\nentgleitend meinen Adern\nBlut wogt\nzerstäubt\nund bebt um dich\nall meine Blüten duften dir\nanbetend Schauern\n*\nBlond umwiegt\ntränenzerhaucht\nflackert Glut durch wirr Gezweig\nMüde birgt den Nacken\nWeithinweit\nDüfte strömen\nFlattern Blüten mondgetragen\nBäche brausen nachtzerflossen\nsummen Berge Friede\nBlond umwirrt zerhaucht Geflatter\nLächeln schmiegt\nlichte Maid zertändelt kröne Kränze"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für die SchrifÜeitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErschesnt am funizehntcn jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnlichc Amsgabe; Fur Deutsch-\nI a n d und Oesterreich-Ungarn:\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 1 Mark / Fiir das Ausland\nbei direkter Zustellung durch\ndie P o s t: Ein Jahr 8 Mark / Ein Halbjahr\n4 Mark / Einzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fiir\nDeutschland und Oesterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fiir das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\nI Voll-\nSonder-\nausgabe:\nP r e i s e der friiheren Jahrgange\nstandige Ausgabe Qewohnliche\nAusgabe:\n1910/11\n1911/12\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\n3. Jahrgang vergriffen\nEinzelhefte, soweit vorhanden, erster bis\nsiebenter Jahrgang je 1 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n10 Mark\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n\nBiichcr aus dcm Verlag Dcr Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengr abenver se\n€ebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\ntiberteufel / Tragodie\nI h r stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 2 Mark 50 Pfennig j Gebunden 4 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nCieheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig:\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fakne / Eine Dichtung\nGeheftet 2 Mark\nKreis desAnfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 10 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nGeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig\n\nHerwarth Walden\nDas Buch der Mcnschenliebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderausjabt 30 Mark\nGesamnielte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta.\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoli Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl; Die rote\nSonne X: Aage ?oo Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Waldcn\nGesammelte Tonwerke\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnisiieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark-\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / ' Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nRudolf Bauer-Mappe\nLithographien\n100 Mark / A ullage 10 Mappen\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundertuntifiinfzig Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlers\niiber sich selbst mil sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Cosfakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopie\nMappe mit 15 Bildnissen auf Japanpapier\nin Strichatzung\n\nKiinstlerkarten\nJede Karte 20 Pisnnig\nNach Gemalden, Zeichnungen und\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4 Fernand L6ger 2\nRudolf Bauer 1 August Macke 1\nVincenc Benes 1 Franz Marc 2\n\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nLyoncl Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nS. Hjertdn-Qrunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nMarianne von Werefkin\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMil Abbildungen\nRudolf Bauer\nMarc Chagall • ■ * :\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Serverini\nSkupina\nDie Futuristen\nJe 60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruek\n2 Mark\n\nKunsiclrueke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRiidoli Bauer\nSchwarz-WeiB-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall; Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Essender\nBauer\nLyooel Feminger: Klein Schmidthausen /\nMark Wippach II\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkiopfe;\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\n\nSturm-Kiinstlcr / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm VIII.\nII. Herwarth Walden IX.\nIII. Jacoba van X.\nHeemskerck XI.\nIV. Kandinsky XII.\nV. Rudolf Bliimner XIII.\nVI. Campendonk XIV.\nVII. Peter Baum XV-\nHermann Essig\nOskar Kokoschka\nAdolf Knoblauch\nPaul Klee\nGabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographic\nAbzug 30 Mark"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180215-01.1.16", "texte": "Der Sturm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Poisdamer Sira&e 134a\nGeoiinet taglicli von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSechzigste Ausstellung\nGeorg Schrimpf\nMaria Uhden\nFrife Stuckenberg\nEinundsechzigste Ausstellung\nWilliam Wauer\nJohannes Molzahn\nOskar Fischer\nKunstschule Der Sturm\nErste Ausstellung\nKallen / Wechselmann\nEriHfnung: Sonntag den 3. Marz\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausschliefilich\nund verfiigt iiber ihre Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdruckc) zum\nVerkauf und zu Ausstellungen in der gan-\nzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Fritz\nStuckenberg / Nell Walden\nDER STURM\nfertritt fur Deutschland folgende Kiinstler\nund verfiigt iiber ihre Werke zum Verkau!\nund fur Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Albert - Bloch /\nAlexander Archipenko / Fritz Baumann /\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Carlo\nD. Carra / Max Ernst / Lyonel Feininger /\nEmil Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Sigrid Kjerten\nGriinewald / Isaac Grimewald / Johannes\nItten I Alexei von Jawlenski / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Franz Marc / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Arnold Topp / Maria Uhden /\nMarianne von WereSkin\n\nKunstsdiule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nZweites Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudoli Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag:, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffnet\n\n©ffentliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nLothar Schreyer: Der Expressionismus\nSonntags 11—12: 6. und 20. Januar / 3. und\n17. Februar I 3. Marz\nLothar Schreyer: Das Biihnenkunstwerk\nDienstag 6—7: 10. und 24. Januiar / 5. und 19. Fe-\nbruar / 5, Marz\nDie Vortrage finden in der Kunstschule Der Sturm\nstatt\nHorerkarte fur den einzelnen Vortrag: Mark 1,50\n\nSturm-Abende\nVcrcin fiir Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn dcr Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJ e den Mittwoch / Beginn aller Abende:\n%S Uhr\nMittwoch den 20. Februar\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nMittwoch den 27. Februar\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nMittwoch den 6. Marz\nMax Verworn-Bonn\nVorgeschichtliche Kunst\nVortrag mit Lichtbildern\nF r e i t a g den 8. Marz\nMax Verworn - Bonn\nKeltische Kunst\nVortrag mit Lichtbildern\nMittwocli den 13. Marz\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Blumner\nKarten zu 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an der\nAbendkasse\n\nVerein Slurmbiihne\nVorsitzender: Dr* John Schikowski\nGeschaftsstelle: Charlottenburg / ScharrenstraBe It\nAufruf und Satzungen kostenlos\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Strafie 138 a\nFcrnruf Liitzow 4443\nhat gute und seltene Biicher und Notea\nvorratig und nimmt Bcstellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nLothar Schreyer\nMeer / Schntc / Mann / Dramcn\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nSturm Bilderbiicher\nIII: Paul Klee . , >\\\n4 Mark 50 Pfennig\nSturm-Kiinstler I Lichtbildkarten\nXV: Mynona\n20 Pfennig\nErnst Marcus: Das Problem der exzentri-.\nschen Empfindung und seine Losung\n4 Mark 50 Pfennig\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nIn monatlicher Folge\n60 Pfennig / Jahrbuch 6 Mark\nHerwarth Walden:\nDie Harie der Weltenliebe / Roman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nErste Liebe / Em Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\n*\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch l Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge~.\nmaiden der Sturm-Kiinstler\nZweite Auflage\n4 Mark 50 Pfennig\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI: Marc Chagall\n3 Mark 50 Pfennig\nII: Alexander Archipenko\n3 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfiihrliche Verzeichnisse\ndes Verlags Der Sturm kosten-\n1 o s Verlag Der Sturm,"}]}