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Hier liest man: „An Hamburgs verbreitetstem\nBlatt beschrieb ein Kritiker einst seine Reise nach Halle: — im\nTon eines dichtenden Bürgers. Am Ende wagte er gegen Dok-\ntor Sauerlandt und sein Museum moderner Kunst einen Ausfall\nder unverantwortlich, weil einsichtslos und offenbar aus unkri-\ntischen Motiven gelenkt war. Neben diesem Burgeois schreibt\nseit einiger Zeit auf Wunsch des einsichtigen Chefredakteur»\nein Mann, der Kunst und Kunstwissenschaft studierte. Ihm\nwerden, so scheint es, die Zeilen vorgezählt, ihm wird jeglicher\nAusspruch, der Neues und eine Erweiterung des Horizontes\nbringt erschwert. Der Grund? Der Besitzer der Zeitung\nist gesonnen, mit allen Mitteln gegen jüngste Kunst zu propa-\ngieren. Er vermag seine Absicht auszuführen!\"\nHierzu bemerkt das verbreitetste Blatt, das Hamburger\nFremdenblatt: „Jedenfalls sehen wir uns nicht veranlaßt, ihm\nRede zu stehen. Nur sei gegenüber seinen verzerrenden An-\ndeutungen über Personalien und innere Angelegenheiten un-\nseres Blattes folgendes gesagt: Am Hamburger Fremdenblatt\nsind seit langen Jahren zwei Kunstberichterstatter tätig ge-\nwesen, neben Herrn Ph. Berges nach einander die Herren Denis\nHoffmann, Hakon und Dr. Dammann, Alle diese Berichterstat-\nter, wie auch die Theaterkritiker, die stets mit ihrem Namen\ngezeichnet haben, sind in ihrer Kritik niemals vom Ver-\nlag oder dem Chefredakteur eingeengt wor-\nden, bis auf die einzige folgende Ausnahme,\ndie seit jeher zum Programm des Blattes, eine gesunde Kunst\nzu pflegen, gehört. Diese Richtschnur geht dahin, daß Bestre-\nbungen des „Sturm\" und verwandte Erscheinungen, wie die fu-\nturistische Malerei, im Fremdenblatt keine Pflegstätte finden.\"\nZwar finden die Bestrebungen des Sturms im Hamburger\nFremdenblatt auf einstimmigen Beschluß des Besitzers der Zei-\ntung keine Pflegstätte, wohl aber eine Druckstätte. Es wird\ndie Leser des Hamburger Fremdenblatts interessieren, daß ver-\nderbliche Schriften des Sturm und sogar die Verlagsverzeich-\nnisse mit „futuristischen Gemälden\" in der Druckerei des Ham-\nburger Fremdenblatts hergestellt werden. Sie hat den selben\nBesitzer wie die Zeitung. Warum soll ein Besitzer seinen Be-\nsitzstand nicht mehren. Schließlich geht ihn moralisch nur die\nGesundheit der Leser seiner Zeitung an. Seine Maschinen ha-\nben einen starken Magen, Und Geld ist Geld, Nicht etwa, als\nob die Druckwerke des Sturm wegen der Seuchengefahr für\ndas Hamburger Fremdenblatt mit Apothekerrechnungen be-\nzahlt werden. Es geht alles durchaus gesund und ehrlich zu.\nHingegen möchte ich dem Besitzer des Hamburger Fremden-\nblatts meine schweren Bedenken nicht verhehlen, daß er dem\nSturm den Anzeigenteil seines gesunden Blattes gegen Bezah-\nlung zur Verfügung stellt, Zwar halte ich von Anzeigen nichts.\nEs soll aber doch vorkommen, daß Leser diese Anzeigen lesen.\nWo bleibt die Richtschnur? Vorn wird der Leser in Spalten\neingeengt, auf daß er niemals nichts vom Sturm erfahre. Und\nmitten in der Zeitung wird ihm mitgeteilt, daß Der Sturm sogar\nin Hamburg tobt. Geld macht eben immun. Auch das ist ein\nProgramm des Blatts. Freilich, seine Kunstkritik läßt sich da-\ndurch nicht einengen, Sie folgt den höheren Anordnungen des\nArbeitgebers. Der Herr heißt Broschek und seine Druckerei\nwird vom Verlag Der Sturm bestens empfohlen. Damit aber\nden Lesern der übrigen Hamburger Zeitungen die kritische\nTätigkeit des Herrn Broschek zur Förderung der Volksgesund-\nheit Hamburgs nicht entgeht, hat Der Sturm am Ende seines\nAbends in Hamburg den sechshundert Besuchern ein Blatt für\nBroschekfremde überreicht. Es enthält die Sätze, in denen\nder Besitzer des Hamburger Fremdenblatts seine kritische\nAusnahmestellung dem Sturm nicht vorenthält, dieselben Sätze,\ndie ich oben angeführt habe. Um Irrtümern vorzubeugen sei\nmitgeteilt, daß Der Sturm diese Blätter ausnahmsweise nicht\nin der Druckerei des Hamburger Fremdenblattes hat herstel-\nlen lassen. Wenn der Herr Broschek zu viel verdient, wird er\nvielleicht noch übermütig und ergibt sich einem ungesunden\nKunstwandel. Solche Wandlung kann ich nicht auf mein einge-\nengtes Gewissen nehmen. Ja, so ein Druckeberger.\nIch weiß Bescheid\nDas Hamburger Fremdenblatt über eine Hamburger „Aus-\nstellung von Werken neuerer Kunst\", unterzeichnet Dr. Walter\nH, Dammann: „Die drei farbigen Pferde von Franz Marc wür-\nden Anlaß geben, zu untersuchen, wie von diesem schönen kla-\nren Bilde die Entwicklung zur überhitzten und überspannten\nSturmkunst führen konnte.\"\nZum Glück für den Herrn Doktor ist die Untersuchung\ndurch Herr Broschek verboten. Er wüßte auch sonst nicht\nBescheid.\nDer schlafende Zensor\nIm Hamburger Fremdenblatt des Herrn Broschek schreibt\nein Herr F. R. über dieselbe Ausstellung: „. . . . und zu Franz\nMarc nicht das richtige Verhältnis gewinnt, doch empfinden,\nwie reich und vielgestaltig diese Kunst ist und wie viel ur-\nsprüngliche Kraft sich in ihr offenbart.\"\nOder weiß Herr Broschek nicht genug Bescheid, daß Franz\nMarc zum Sturm gehört.\nDer Gesundanbeter\nDie neue Hamburger Zeitung veröffentlicht am 5. Novem-\nber 1917 einen Bericht eines Journalisten Karl Eugen Schmidt\nüber französische Kunst in der Schweiz. Hierin steht zu lesen:\n„Van Gogh war vollständig irrsinnig und ist im Irrenhause ge-\nstorben, Cezanne war menschenscheu und litt an Verfolgungs-\nwahnsinn; wenn ein Besucher sich seinem Atelier näherte, ver-\nrammelte er sich oder nahm Reißaus, auf der Straße wich er\njedem Begegnenden ängstlich aus; die Kinder in Aix, wo er\nwohnte, liefen ihm nach und lachten ihn aus; als eines Tages\nein Besucher mit zwei Damen an die Ateliertür pochte und er\nkeinen andern Ausweg mehr sah, schlug er mit der Axt ein\nLoch in die gegenüberliegende Wand und entfloh in den\nGarten.\" Es scheint mir nicht gerade normal zu sein, wenn ein\nBesucher mit zwei Damen an die Ateliertür pocht. Und wenn\nder Besucher gar noch der Herr Karl Eugen Schmidt gewesen\nsein sollte, so würde ich gern auch einen Ausweg gesucht ha-\nben, wo der Zimmermann kein Loch gelassen hat. Schließlich\nkann doch kein Mensch beim Häuserbau mit solchen Ausnah-\nmen rechnen. Auf ähnliche Weise äußert sich dieser Herr\nSchmidt über Gauguin, Toulouse-Lautrec und Renoir, Mit allen,\ndiesen Künstlern ist der Herr Schmidt persönlich bekannt\ngewesen. Ihnen allen fühlt er sich kraft seiner Gesundheit\nüberlegen. Wenn dieser Herr Schmidt gar noch Bilder gemalt\nhätte, — dann hätte er sich nicht bei der neuen Hamburger\nZeitung zu bescheiden brauchen, ihm wäre ein Pflegstättchen\nim Hamburger Fremdenblatt sicher gewesen.\nBemerkungen zu Worringer\nHerr Wilhelm Worringer wird von seinen Freunden maß-\nlos überschätzt. Ueber seinen Vortrag „Bemerkungen zur neuen\nKunst\" bemerkt die Frankfurter Zeitung: „Dürfte man doch\ndarauf gespannt sein, wie Worringer, dessen Schrift Abstrak-\ntion und Einfühlung gewissermaßen die theoretische Einleitung\nder neusten Kunstbestrebungen ja mehr als das: der frucht-\nbare Ansporn für das Schaffen zahlreicher junger Künstler ge-\nworden war, heute nach zehn Jahren zu den praktischen Resul-\ntaten steht.\" Es ist der Größenwahn der Kunstwissenschaft zu\nglauben, daß sie Kunst einleitet, fördert oder gar schafft. Jede\nTheorie steht hinter der Kunst. Sie1 ist stets nur ein Vergleichen\naus den Erfahrungen, die Kunst aber ein Gleichnis aus dem Nicht-\nzuerfahrenden. Die sogenannte Individualität sammelt eben\nErfahrungen, und deshalb ist Herr Worringer zum Schluß in\nSorgen um seine Individualität: „Zum Schluß verhehlte Wor-\nringer nicht seine Bedenken gegen die Entwicklung, die die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3176, "texte": "neuste Kunst genommen hat. Er sieht die Gefahren in der\nMonotonie, in der Lehre der großen Geste, die durch die Ein-\nseitigkeit des ganz auf ein Ziel gerichteten Wollens heraufbe-\nschworen wird. Das Ich will sich über sich selbst hinausheben\n— darin liegt das tragische Schicksal des Expressionismus.\"\nHerr Worringer hat also noch nicht einmal die geistige An-\nschauung des Expressionismus erkannt, was für ihn als Theore-\ntiker immerhin wichtig wäre. Man darf also behaupten, daß\ner um so weniger sich in die bildliche Anschauung eingefühlt\nhat. Denn seine Abstraktion ist falsch, Das Ich ist etwas Hin-\nausgehobenes. Individualitätstheorie ist Impressionismus. Der\nExpressionismus sucht das Typische, das Gemeinsame, das Ge-\nfühlte, das Ursprüngliche, also das Ewige. Die Herren Ich\nsuchen sich und finden sich interessant. Sie finden sich sogar\nbedeutend. Der Expressionist sieht nicht mit seinen eigenen\nindividuellen Augen, der Expressionist sieht. Der Expressio-\nnist fühlt nicht die unorganische Häufung von Empfindungen,\ndie ihm ein äußerer Eindruck zufällig übermittelt. Der Expres-\nsionist fühlt. Das wäre die geistige Anschauung, Ueber die\nbildliche Anschauung, das heißt über die Gestaltung des Aus-\ndrucks, kann ich noch weniger mit Herrn Worringer verhan-\ndeln, Dazu fehlen ihm die künstlerischen Voraussetzungen. Es\nist für einen Theoretiker geradezu naiv, um nicht zu\nkindisch, wenn er sich über die Künstler beschwert, daß sie\nnicht allgemeinverständlich sind: ~Als Beispiel dafür, wie heute\nimmer noch in Geheimsprache geredet wird, verwies Worrin-\nger auf das Problem des Kubismus. Niemals ist bisher deutlich\ngesagt, was er eigentlich ist und will.\" Da hat eben Herr Wor-\nringer nicht deutlich genug aufgepaßt. Da er aber die ganze\nneue Kunst angeregt haben soll, müßte er es eigentlich allein\nwissen. Er scheint mir aber nur ein Zauberlehrling gewesen zu\nsein. Darum beklagt er sich bitter: ~Aber was vor dem Kriege\nnur esoterische Kaffeehausdiskussion war, ist jetzt Angelegen-\nheit aller. Darum muß auch an die neuen Künstler und der\nPropheten die neue Forderung gestellt werden, alles Esoteri-\nsche abzutun, und allgemeinverständlich zu werden.\" Wenn\ndiese neue Kunst jetzt Angelegenheit aller ist, und sie ist es,\nso müßten vor allem die Herren Kunstwissenschaftler sich/\nnicht abstrakt einfühlen, sie müßten sich vor allem einmal Bil-\nder ansehen, was den meisten Herren Kunstwissenschaftlern\nerläßlich erscheint. Herr Worringer hat zum Beispiel in sei-\nnem Leben noch nie ein Bild von Marc Chagall gesehen. Herr\nWorringer ist zum Beispiel noch niemals in der Sammlung Wai-\nden gewesen. Seine tatsächlichen Kenntnisse, und Theorie ist\nKenntnis der Tatsachen, sind so gering, daß er nicht einmal\nfür seine Individualität feststellen kann, ob nicht vielleicht die\nneuste Kunst viel allgemeinverständlicher ist,\" als er es bisher\nselber glaubt. Oder Herr Worringer wendet sich an falsche\nPropheten. Aber ich opfere auch alle wahren Propheten und\nselbstverständlich ebenso mich selbst der Kunst, zu der man\nnicht überreden kann und soll, am wenigsten dann, wenn man\nnicht vor der Ueberzeugung Zeuge dieser Kunst, der Kunst ge-\nwesen ist.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "180", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque 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Stillestehns,\nWir knien vor dem, der da war, der ist, der kommt:\nICH BIN.\n\nFeier\nBlaudurchhimmelte Tiefe.\nLuft blinkt,\nschäumt aus breiten, gleitenden Wogen,\nspiegelglitzernd im Sonnenwind.\nEilig laufen die Wolkenschatten,\nDu tust dich auf.\nNun fließt mein Blut in deinen Gliedern\nküssend und küssend.\nWir treiben\nlosgelöst umschlungen\nüber die Berge im Gnadenwind,\nIn Dir ertrinkend\ntrink ich Dich auf.\n\nMariensee\nToll drückt Trieb Fontäne hoch,\nsäulend Liebe und Verlangen.\nGute, böse Kraft versprüht.\nt\nSchillernde Tropfen.\nDu sammelst mich im Niederfallen,\ndaß wir vermischten Stroms zur Mitte wallen.\n\nWandrung\no\nWind wächst.\nBreiter Strom.\nZeit und Sünde\ndichtes Hemmnis erbarmungslos.\nWegmüder Wandrer stemmt dagegen.\nSchulter keuchend sinkt ab.\nKniee krampfen, schlaffen.\nVor wirft ankernd Verlangen.\nNach zerrt saugend Heimweh,\nSturm wächst mauernd entgegen.\nLetzer Ansprung verkohlter Kraft.\nPrall ab.\nWirbelt knackend köpflings zu Boden.\nStößt der Atem kleines Aechzen.\nSturm schwillt ab.\nWind flaut ab. •\nBiegen, ächzend durchs Still.\nSünde hackt höhnisch verreckende Brunst.\nWimmern sickert belebend aus fetziger Wunde.\nDurch W,olken blitzt Sternblick.\nFlehen rieselt nach Gnade hin.\nAus Abend balsamt zärtliches Herz.\nVerzeihen weht lächelnd die Ferne vor.\nBebend gehn wir\nleuchteklar vereint."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1461, "texte": "Meine bittere Reue weint.\nDein Herzschlag trägt,\nzittert meiner letzten Angst.\nDu tröstliche Verheißung liebenden Erbarmens.\n\nAbendlied\nDein Abglanz noch hüllt mich in Schimmer,\nHoffnungssaft steigt in meine sündendorre Blume.\nErbarmen wölbt die Schale noch über mir.\nDu bleibst mir, Lichtkelch.\nFurchtsam trink ich den milden Marienschein.\n\nVersenkung\nNebelstille hüllt den Leib,\nSchlafatmen.\nIch schlägt große Augen auf,\nlautlos,\nsteigt in tiefen Schacht zu sich.\nFlimmert Funke,\nIch steigt.\nFunkelt Leuchten,\nIch steigt.\nLeuchtet letzten Lichtes Abglanz,\nAm Grund.\nDa schwingt Kreis ab,\nkreisend Kreis um Kreis,\nDa quillt Quell aus,\nmündend in eignen Schoß.\nDa schmilzt Strahl in Lichtewig.\nUnendlich klingt da hinter engem Ja und Nein.\nDas Kreuz.\ni\n\nDuwärts\nSüße Ruhe du meiner Stirn.\nAll meine harten Dämme lösen sich im Duft,\nDu Ich.\nNeue Fülle quillt auf, quillt durch,\nDuwärts ergieß ich mich\nfrühlingaufgetaut\nmünd ich in deinen warmen Mund.\n*\nDein Anhauch, süße Weihrauchkerze,\nVerlangen krampft mich.\nDu löst die Starre.\nBefreites Dehnen.\nDie Augen gehn zu.\nTief atme ich dich.\n*\nFern dir,\nTag dumpft Ich in Dunst.\nFern dir.\nSchlaf räuchert Gift in den Atem.\nMüde Seele, falte, falte die Hände,\nausgereckt nach der Verheißung.\nRaff aus dem sandigen Grund dich.\nLiebedurchtränkten Glauben vom Tröster erfleh.\n\nGesicht\nDu rührst mich an,\nsüße Himmelshand,\nZittern 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la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.3", "debut_caractere": 4526, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "Wandrung\no\nWind wächst.\nBreiter Strom.\nZeit und Sünde\ndichtes Hemmnis erbarmungslos.\nWegmüder Wandrer stemmt dagegen.\nSchulter keuchend sinkt ab.\nKniee krampfen, schlaffen.\nVor wirft ankernd Verlangen.\nNach zerrt saugend Heimweh,\nSturm wächst mauernd entgegen.\nLetzer Ansprung verkohlter Kraft.\nPrall ab.\nWirbelt knackend köpflings zu Boden.\nStößt der Atem kleines Aechzen.\nSturm schwillt ab.\nWind flaut ab. •\nBiegen, ächzend durchs Still.\nSünde hackt höhnisch verreckende Brunst.\nWimmern sickert belebend aus fetziger Wunde.\nDurch W,olken blitzt Sternblick.\nFlehen rieselt nach Gnade hin.\nAus Abend balsamt zärtliches Herz.\nVerzeihen weht lächelnd die Ferne vor.\nBebend gehn wir\nleuchteklar vereint."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 124, "texte": "Meine bittere Reue weint.\nDein Herzschlag trägt,\nzittert meiner letzten Angst.\nDu tröstliche Verheißung liebenden Erbarmens."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.4.5", "titre_corps": "Abendlied", "titre_sommaire": "Abendlied", "signature_source": "", "controle": "bornes données par 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.4.6", "titre_corps": "Versenkung", "titre_sommaire": "Versenkung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 342, "fin_caractere_exclue": 752, "texte": "Versenkung\nNebelstille hüllt den Leib,\nSchlafatmen.\nIch schlägt große Augen auf,\nlautlos,\nsteigt in tiefen Schacht zu sich.\nFlimmert Funke,\nIch steigt.\nFunkelt Leuchten,\nIch steigt.\nLeuchtet letzten Lichtes Abglanz,\nAm Grund.\nDa schwingt Kreis ab,\nkreisend Kreis um Kreis,\nDa quillt Quell aus,\nmündend in eignen Schoß.\nDa schmilzt Strahl in Lichtewig.\nUnendlich klingt da hinter engem Ja und Nein.\nDas Kreuz.\ni"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.4.7", "titre_corps": "Duwärts", "titre_sommaire": "Duwärts", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 754, "fin_caractere_exclue": 1318, "texte": "Duwärts\nSüße Ruhe du meiner Stirn.\nAll meine harten Dämme lösen sich im Duft,\nDu Ich.\nNeue Fülle quillt auf, quillt durch,\nDuwärts ergieß ich mich\nfrühlingaufgetaut\nmünd ich in deinen warmen Mund.\n*\nDein Anhauch, süße Weihrauchkerze,\nVerlangen krampft mich.\nDu löst die Starre.\nBefreites Dehnen.\nDie Augen gehn zu.\nTief atme ich dich.\n*\nFern dir,\nTag dumpft Ich in Dunst.\nFern dir.\nSchlaf räuchert Gift in den Atem.\nMüde Seele, falte, falte die Hände,\nausgereckt nach der Verheißung.\nRaff aus dem sandigen Grund dich.\nLiebedurchtränkten Glauben vom Tröster erfleh."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.4.8", "titre_corps": "Gesicht", "titre_sommaire": "Gesicht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 1320, "fin_caractere_exclue": 1461, "texte": "Gesicht\nDu rührst mich an,\nsüße Himmelshand,\nZittern zittert mich,\nAuge geht auf dir,\nmein blindgebornes,\naufgeschlossen sich — Dich zu sehn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "182", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.5", "titre_corps": "Maya", "titre_sommaire": "Maya", "signature_source": "Kurt Striepe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "debut_caractere": 1463, "fin_caractere_exclue": 4480, "texte": "Maya\n\nEs gibt doch etwas über den Tod. Die Sehnsucht danach.\nDer Tod ist Erfüllung, Jede Erfüllung — Wunsche sterben.\nIch bin verwundert, dies nun erst zu begreifen. Ich komme\nnach Hause, Auf dem Tisch lauert ein Brief. Bestimmt — er\nlauert! Dies Lauern ist etwas grauenhaftes. Es steckt nachts\nin dickem rotem Teppich, hinter dem Ofen, grient aus Glas-\nschränken. Plötzlich springt es uns an, daß wir erwachen, Ich\nfürchte mich und — reiße den Umschlag auf.\nMit all unserem Tun verneinen wir. Ich will nichts mehr\ntun. Vielleicht hört der Hunger am Leben dann auch auf. Oh\n— nicht mehr lebensdürstig sein — das wäre Höchstes, Maya!\nDas glauben Sie mir nicht, Maya, Jemand /schreit mir ins\nOhr — „sie lacht\". Lachen nicht, aber lächeln. Maya — oh,\nIhr Lächeln!\n— Daß ich irrsinnig werde, daran glaube ich. Ich bin sehr\nzufrieden. Niemand ahnt, wie glücklich ich werde. Ich bin\nnicht eitel mit mir, sicher nicht! Aber bestimmt ist das Richtige\nnie das Rechte für mich. Der Irren Welt ist größer und bunter.\nIch kann König werden und Tänzer, Heiliger und Narr, So —\noh so wird mein Leben ereignisarm hinwelken. Bis ich mich\neines Tages selbst zerschlage. Ich will die Möglichkeit haben,\netwas aus mir zu machen,\nNun, lachen Sie — Maya?\nIch fühle das. Und kann mir nicht helfen.\nManchmal bin ich sehr zerfallen. Gehe in mein Zimmer,\nPacke einen Vers. Mund kost ihn. Und plötzlich sind Sie in\nmeinem Zimmer und Ihr Lachen.\nDann wird die Nacht sehr bunt,\nIch könnte dann — nein ich darf nicht sagen, was ich will.\nSie müßten mir fluchen. Der Fluch würde Sie häßlich machen.\nDarum schweige ich.\nIhre Mutter — Maya — sagte, ich solle diese Briefe nicht\nschreiben. Glauben Sie, daß man die erste Nacht bei einem\nWeibe liegen kann, das man allein liebt, ohne es zu berühren?\nWenn das möglich ist, will ich nicht mehr schreiben, Aber,\nwie die Liebe zu jener Nacht gehört, jso gehören diese Briefe\nzur Qual meines Herzens, Ich werde krank. Ich werde sehr\nkrank. Aber ich muß das. Meine Qualen darf mir niemand\nnehmen.\nAuch Sie nicht — Maya!\nMüdigkeit übertönt mich. Das könnte noch einmal anders\nwerden — wenn Jemand Ihnen etwas Häßliches täte. Nun\ndies unmöglich ist, so werde ich sterben.\nStunden haben Angst vorm Tod,\nStunden haben sehr bewußtes Leben,\nlächeln trunken, trüben Traum,\nIch habe mich meinen Stunden ergeben.\nStunden sind nicht einmal Raum.\nSind ein buntgestickter Teppich.\nPrunkes Gold und sattes Purpur lockt.\nGold aus Tempeln,\nPurpur, der auf Kuppeln hockt,\nheiliger Stätten,\ndie im Wehen\nkosender Winde stehen.\nLichten Teppich liebten Ihre süßen Füße.\nIhre Füße waren meiner Seele Spielgefährten.\n— Manchmal knirscht ein Schrilles Messer über meine\nSeele.\nLichte Stunden ringen meinen Tod.\n— ~Die Frau steigt zum Manne herab in die Ehe/'? — So\nwäre ich wieder am Anfang meines Werdens und dachte, beim\nAusgang zu sein!? Erinnern Sie die Nächte, Maya, daß ich von\ngeistiger Ehe sprach?\nMaya — meine Träume sollten wahr — mich ängstet! Oh,\nich darf daran nie glauben. Ich möchte den Glauben an miefe\nverlieren."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3884, "texte": "Ich bin nie genug lieb gewesen, um das zu begreifen. —\n— Von ganz etwas anderem will ich erzählen. Ich habe ein\nKinostück für Sie entworfen.\nMerken Sie nun, daß .. * oh, wenn die Müdigkeit\nso ganz langsam uns überfällt, langer Kuß aus tiefem Schlaf,\ndas ist sehr köstlich.\nOh, ich möchte einmal sehr krank sein — ich würde nie-\nmanden um mich haben wollen.\nNachts ist-immer Ihre Hand bei mir, Ihre Hand plaudert\nsanfte Märchen. Küßt Schlaf über meine Augen.\nIch darf nicht weiter schreiben — „La doglia mia, cresce\ncoli' ämbra.\" Maya! ,\nIch küsse Ihr Fernesein sehr.\nMaya\nGestern habe ich Ihre sehr geliebt. Sie sagte\nviel. Aber es war nicht sie, die sprach. Sie standen hinter\nihr. Ich kam mir sehr fremd vor. Wir sprachen — nein sie\nsagte mir — von Ihnen, Nichts über sie.\nIhre Mutter meinte, ich glaubte Sie zu kennen« Wie darf\nich das wagen. Ich kann die Stunden zählen, die wir zusammen\nerlebten, Ihre Mutter sagte, es sei nicht ihre Maya, die aus\nmeinen Briefen lebte, Warum sollte ich Sie Ihrer Mutter\nnehmen.\nAber ich kenne Sie doch sehr. Viele mögen mehr über\nSie wissen, als ich. Merken Sie, daß die Resignation schon\nkommt. Eigentlich bin ich wohl zu jung dazu. Aber sie ist da.\nHeißt das einen Menschen nicht kennen: ~Kinder haben\"\n— „Meiner Mutter weh tun müssen\" — „Freude am Quälen\nhaben\" — „sich selbst leben\" — alles was Sie mir sagten,\nwaren Sie, Oja — ich weiß Liebes, Und ich weiß auch vieles,\nwas noch kommen wird.\nMerken Sie dies, Maya: Wenn ich meine Braut erhöre,\nhassen Sie mich. Wenn ich Ihnen meine Liebe sage, fluchen Sie\nmir, Das soll keine Vorsichtsmaßregel sein. Ich weiß, daß es\neinmal dazu kommen muß.\nIch liebe Sie nicht — sicher nicht. Ich bin mir sehr klar\ndarüber, Aber, wir lieben ja uns, weil wir zum Hassen zu\nschwach sind. Vielleicht auch zu feig. Liebe is t ein Raffine-\nment des Hasses, Bin ich nun Epigone?\nNichts will ich von dem sagen, was Ihre Mutter mir sprach.\nDas soll mir heilig sein.\nIn Einem weiß ich mich gleich mit Ihnen: ich suche eine\nFrau, die wie meine Mutter wäre, Sie suchen einen Mann, wie\nIhren Vater. Nicht weil es Mutter und Vater, sondern, weil\nsie reinen Herzens sind. Aber wir suchen vergebens, Maya.\nUnd ich habe es aufgegeben. Und Sie werden es aufgeben. —\nSehen Sie — Ich gebe mich Ihnen nun in die Hand und\nsage: „ich bin glücklich.\"\nWas ich will?\nDaß Sie mich quälen sollen, Maya!\nNehmen Sie mein Glück und zertrümmern es. Lassen sie\nmich Ball sein zwischen den Spielen Ihrer Freude« Und wenn\nSie genug haben, dann werfen Sie mich weg.\nNur eines ersparen Sie mir: geben Sie mir nie die Erfüllung.\nLassen Sie mich hoffen und sehnen. Lassen Sie mir einen Halm\nSehnsucht, mich daran zu klammern — aber schenken Sie mir\nein Meer von Qualen.\nVielleicht ist dies der letzte Brief, den ich schreibe. Ich\nmuß täglich damit rechnen. Und es ist auch viel ruhiger. Die\ngroßen Gesten haben doch keinen Zweck — Maya.\nIch will Ihnen etwas sehr Glückliches sagen: Einen großen\nPalast will ich bauen. Darein viele Säle mit tausenden Spie-\ngeln, In den größten Saal baue ich eine Orgel höher denn alle\nKirchen, Alle berühmten Musiker bestelle ich. Und baue ein\ngroßes Orchester. Ich selbst bin der letzte Geiger. Ich bin der\nblonde Geiger.\nWenn alles aufs Prächtigste zugerichtet ist, lasse ich weite\nTüren öffnen und lade alle Kranken, alle Krüppel und die ganz\nHäßlichen zu mir. Die Blinden lasse ich zuvörderst sitzen. Die\nBlinden sind die ärmsten Menschen.\nUnd wenn alle da sind und alle Türen stehen voll, kommt\ndas große Schweigen, dann das Ergriffensein und dann — Bach.\nIch lasse seine G-Dur-Sonate spielen.\nIch trinke mich toll an dem Glück des Menschen.\nDann spielen wir die Passacaglia mit der Doppelfugs\nC-Moll.\nWenn alles schreit „Vater vergib uns\" — nehme ich eine\nlange Nadel und stoße sie in mein Herz.\nIch will der Lust sterben — Maya!\nDenken Sie an meine Bitte!\nQuälen Sie mich\nIch will jauchzen.\n\nKurt Striepe"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "181", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.5.1", "titre_corps": "Oskar Fischer: Am Tage zuvor / Zeichnung", "titre_sommaire": "Oskar Fischer: Am Tage zuvor / Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 40, "texte": "Oskar Fischer: Am Tage zuvor / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "186", "image_debut": 6, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Adolf Allwohn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.6", "debut_caractere": 3886, "fin_caractere_exclue": 4878, "texte": "Gedichte\nAdolf Allwohn\n\nWeib\nMann Weib.\nArme ringen um dunkel Auge.\nGrau Gram,\nSterne starren um ewige Hände,\n• ■»\nMann Weib.\nLeiber gerten aus Sprenger Laune.\nLust Leid.\nBlüten verlieren aus wachen Monden.\nMann Weib.\nFäuste klirren in zerrem Kampf,\nTurm Trieb.\nLippen biegen in stürmem Sinken,\nMann Weib.\nHaare spielen auf wolkem Kahn.\nLiebe Licht.\nSonnen bäumen auf träumen Seen,\nMann Weib.\nSäulen nächten über heime Tore.\nHeilig Halle.\nGebete leisen über berge Himmel,\n\nHart\nAufwirft schaumgaukelnde Zeit.\nSchlingkecke Kreise umschoßen.\nGlutlocke Lippen umkräuseln.\nSchatten verästen einen mondklirren Weg.\nTief senkt aug würgendes Weh.\nTierrecke Nüstern zerbluten.\nTangschwere Tannen zerbirken,\nSterne vernebeln einen ebenen Turm,\nFestraumt lichtkeimendes Hart,\nSchuldtiefe Blicke umblinden.\nBanghohe Fäuste umhoffen,\nHimmel verglauben einen starkglocken Fels.\n\nGott\nGott\nFaust — Berg\nSt?j-r Turm\nNacht klar\nNacht tief\nSchluchten schwarz\nDunkel verloren\nTief — Seligkeiten\nFeier der Welt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2201, "texte": "Gott\nSchein — Höh\nMild Wand\nGold blüh\nGold fern\nGründe rot\nRänder verhofft\nFrüh — Windessehnen\nFeier der Welt,\nGott\nLicht — Baum\nGleiß Mond\nStern glitz\nStern hoch\nHimmel blau\nHände verstirnt\nGlanz — Trunkenheiten\nFeier der Welt,\nGott\nHerz — Traum\nRund Klang\nWelt letzt\nWelt weit\nMärchen glüh\nLiebe versungen\nLeucht — Ueberläuten\nFeier der Welt.\n\nJüngster Tag\nLüfte kreißen irre Tote.\nMordvererdet bersten Beine\nGrauszerbrochene klirren auf\nKnattern Essen\nWiehern Türme\nBluten Winde\nRußzerknirscht,\nLüfte kreißen irre Tote.\nSchwarze Frauen kreischen Gräber.\nBergverfinstert heulen Höllen\nWahngefetzte Rachen türmen\nTotverhetzte ächzen auf\nDonnern Himmel\nBrüllen Monde\nBellen Stürme\nAxtzerklirrt,\nSchwarze Frauen kreischen Gräber.\nZiegel heulen Klapperbeten.\nSternverfiebert quirlen Qualen\nSonnzerkrallte Aengste grausen\nWeltertrunkene keuchen auf\nRauschen Schluchzen\nTanzen Krämpfe\nJüngsten Tage\nBlitzgericht.\nZiegel heulen Klapperbeten.\n*\nHinterm Berge schaurig purpurt Gott.\nDämmert Rollen.\nViolett und grün brechen Wolken.\nRot und schwarz sterben Toten.\nHart überfällt dröhnende Nacht.\n\nMessias\nNacken gefurchtet\nDer Eine\nPeitschwärts.\nRücken gefäustet\nDer Eine\nGeißelhoch,\nHirne verschlappert\nZähne vergiert\nSchwarzschoß rundmauert\nLetzt\nTod\nAngst.\nKritscht\nZerfällt schaumquer\nZerlattert klumpenüber\nZerstolpert furchendünn\nKirrt\nSpitzt\nSchneet\nGeistert\nHalt.\nBläst\nHeult\nPosaunenhohl\nBlast!\nBlast!\nSchweiß stirnt verstruppt.\nBlut schluckt verbangt.\nVerhustet\nVerkeucht.\nWeiß wer?\nKommt wer?\nDröhnen verkratert rauschtief die Erde.\nGott!\nHochgott\nTiefgott\nWelt.\n•\nKommensgroße Feuer schwingen\nLäuten hinter Nächten\nDer Eine verstirnt\nGeschick schwarzhimmelt\nInnen schwer\nInnen hoch\nInnen stark\nLetztirdisch über Wolken verballt\nHimmel hoch\nHände hoch\nErden hoch\nHebt!\nHebt!\nWelten hebt!\nEs glocken die Tiefen.\n\nJenseits\nEs letzten Tage\nDunkelt Verwölbung\nDumpft Verschauung\nEin Ungesehenes\nEin tiefes Geschick\nEin blinder Gott\nEin Auge blauinnen\nEin Anbruchsende\nJenseitsunter.\nWeltendämerungen versonnen flockende Schneeschatten.\nSchwirren Kreise hastender Hände.\nEs fallen 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68\nTheodor Däubler\nAlbatros 4 54\nMax Ernst\nVom Werden der Farbe 5 66\nKinner von Dresler\nDas Meer 9 134\nGedichte 7 106\nDr. S. Friedlaender\nDas Prisma und Goethes Farbenlehre 9 141\nOskar Graf-Berg\nDie visionären Ekstasen des Dichters J. M. Tullian 1 10\nKurt Heynicke\nAngriff 8 122\nGedichte 2 22\nGedichte 3 34\nGedichte 6 94\nGedichte 7 108\nGedichte 10 154\nKurzes Spiel vom Weib 1 14\nWeib 12 186\nAdolf Knoblauch\nGereut / Erzählung 2 24\nGereut 3 40\nGereut 4 56\nGereut 5 72\nAdolf Knoblauch und Lyonel Feininger\nZwiesprache - 6 82\nKurt Liebmann\nIch werde aufgepeitscht 11 168\nTierspiel 7 102\nGünther Mürr\nGedichte 7 109\nGedichte 10 137\nGedichte 12 179\nHeimkehr 6 88\nMarienlieder 8 124\nMynona\nDas weise Raubgetier 11 172\nDer sichtbare Mensch . 7 109\nDer verliebte Leichnam 11 174\nDie Jungfrau als Zahnpulver 11 170\nThomas Ring\nGedichte 1 6\nGedichte 11 174\nGedicht 12 190\nWilhelm Runge\nGedichte 5 66\nGedichte 8 120\nLieder 1 15\nLieder 2 29\nAnton Schnack\nIm Gebirge 10 158\nLothar Schreyer\nDas Bühnenkunstwerk 2 18\nDas Bühnenkunstwerk 3 36\nMann 10 146\nSehnte 7 98\nKurt Striepe\nMaya 1 4\nMaya 5 68\nMaya 7 109\nMaya 12 180\nVerein Sturmbühne\n6 94\nHerwarth Waiden\nDie Beiden ' 12\nErste Liebe 10 150\nGlaube 11 162\nSünde 9 130\nAusweisungen : Kein Blick in Kunst / Kopf-\nunter / Denker und Dichter / Abgestäubt /\nEchteste und innigste Lyrik 3 50\nDie Aengstlichen: Und will sein Opfer\nhaben / Ich weiß Bescheid / Der schlafende\nZensor / Der Gesundanbeter / Bemerkungen zu\nWorringer 12 - 178\nFach manne he n : Sankt Pauli zu Hamburg /\nDer Aesthet / Ein neues Kunstwerk / Zwei Künstler\ngegen einen Kritiker / Auch ein Expressionist 12 186\nKenner : Er ist so frei / Er wundert sich / Durch\nLicht zur Nacht / Die schönere Kunst / Das kommt\nvom Uebermalen / Der Ueberzeitgenosse 8 114\nKritiker: Tragikomödie in drei Personen: Der\nHumorist / Der Heldenvater / Der Charakterspieler 6 88\nPressfühler: Der Kenner / Der Denkende 112\nAuch ein Expressionist / Prämium 1 1\nZeichnungen\nGösta Adrian-Nilsson\nZeichnung 5 69\nRudolf Bauer\nZeichnung 2 17\nZeichnung 3 43\nZeichnung 5 75\nFünf Zeichnungen 7 97\n101\n103\n105\n107\nHans Brass\nZeichnung 12 183\nCampendonk\nDrei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt 1 5\n7\nMarc Chagall\nVier Zeichnungen 2 21\n23\n25\n27\nZeichnung 11 I^l\nw Hevel\n* Holzschnitt 12 187\nOscar Fischer\nAuchentsag / Zeichnung 12 177\nAm Tage zuvor / Zeichnung 12 181\nLyonel Feininger\nFünf Zeichnungen 6 81\n85\n87\n89\n99\nOswald Herzog\nLiebe / Holzschnitt vom Stock gedruckt 1 11\nJakoba van Heemskerck\nHolzschnitt vom Stock gedruckt 1 9\nZwei Holzschnitte vom Stock gedruckt 3 37\n39\nZwei Zeichnungen 10 149\n151\nPaul Klee\nSieben Zeichnungen 4 49\n53\n55\n57\nZeichnungen 8 121\n123\nZeichnungen * 133\n135\n137\nBohusiav Kokoschka\nStiegenhaus 1 1\nFernand Leger\nZeichnung 11 171\nGeorg Muche\nMarc Chagall gewidmet I Zeichnung\nGabriele Munter\nZwei Zeichnungen 5 71\n73\nFritz Stuckenberg\nZeichnung 5 06\nGeorg Schrimpf\nHolzschnitt vom Stock gedruckt 3 65\nHolzschnitt 8 113\nHolzschnitt 12 185\nDrei Holzschnitte 10 145\n155\nMaria Uhden\nDer Schweinehirt 10 153\nHolzschnitt vom Stock gedruck 9 139\n119\nTanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt 3 41\nZwei Holzschnitte vom Stock gedruckt 8 117"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c027", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "186", "page_fin": "186", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Sogar Herr Pro-\nfessor Doktor Pauli, der Direktor der dortigen Kunsthalle, gibt\nder Zeitschrift Die literarische Gesellschaft eine Zuschrift zur\nVeröffentlichung. Museumsdirektoren kümmern sich um die\nKunst der Gegenwart, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden\nläßt. Und wenn sie es dann tun, kommen sie in den Ruf der\nTapferkeit. Dieser Herr Pauli wendet sich nachträglich mutig\ngegen das Hamburger Fremdenblatt wegen des nunmehr klas-\nsischen Satzes, daß „Bestrebungen des Sturm und verwandter\nErscheinungen wie die futuristische Malerei in der Zeitung keine\nPflegstätte finden dürfen.\" Hierauf wird er noch mutiger und\nfragt den Herausgeber der Literarischen Gesellschaft, den\nLandgerichtsdirektor außer Diensten Schiefler: „Und wer ist\nder Sachverständige, der über die Gesundheit oder die Giftig-\nkeit der Kunst zu entscheiden hat, wenn nicht der Kritiker?\nVermutlich werden Sie den Futurismus oder den Stuun ebenso\nwenig Heben und verehren wie ich, und selbstverständlich ist es\nvon keiner Zeitung zu verlangen, daß sie sich die UebErzeu-\ngungen des Sturm aneignet oder den Futurismus rühme. Allein\nwarum soll sie ihren Lesern dann nicht wenigstens die Gründe\nihrer Ablehnung auseinandersetzen? Was sind ferner außer\ndem Futurismus die dem Sturm verwandten Er scheinungen ?\"\nHerr Landgerichtsdirektor außer Diensten Schiefler kann Herrn\nProfessor Doktor Pauli die Frage nicht beantworten, wenig-\nstens tut er es nicht. Weil er nämlich ebensowenig vom Sturra\nweiß oder wissen will wie dieser Direktor Professor Doktor.\nZur Liebe und zur Verehrung gehört einmal Bekanntschaft"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8161, "texte": "Aber auch dann wäre dem Sturm an der Liebe und Verehrung\ndieses Professors nichts gelegen. Dieser Direktor Professor\nDoktor hielt vor einigen Monaten in einer Ausstellung\nmoderner Kunst aus Hamburgischem Privatbesitz eine Rede, iö\nder er feststellt, „daß die expressionistische Kunster unserer\nZeit eine beträchtliche Gemeinde unter den kultiviertesten\nKreisen unserer Bevölkerung erworben hat. Wodurch ist\nnun diese beträchtliche Gemeinde in Hamburg für den Expres-\nsionismus geworben. Durch die Ausstellungen und die Abende\ndes Sturm, der nämlich die Vereinigung der bedeutenden Ex-\npressionisten aller Länder ist. Der nämlich und ausschließlich\ndie Werke von Franz Marc, Kandinsky, Jacoba van Heemskerck\nund anderer Künstler seines Kreises zum ersten Mal in Ham-\nburg gezeigt hat. Das alles weiß dieser Herr Professor Doktor\nnicht, oder er will es nicht wissen. Trotzdem ist er für den Ex-\npressionismus. Will dieser Mann durch die Ablehnung des\nSturm etwa im Ernst behaupten, daß es den Expressionismus\nohne Franz Marc, Kandinsky und Marc Chagall gäbe. Um nur\ndrei Namen zu nennen, die im engsten Sinn zum Sturm gehören.\nEr kann es nicht behaupten. Hat er doch sogar ein Blatt aus\nder frühsten Zeit von Franz Marc für die Hamburger Kunsthalle\nerworben. Für den eigentlichen Marc ist er noch nicht tapfer\ngenug. Haben doch in der Ausstellung aus Hamburgischem Pri-\nvatbesitz, in der dieser Direktor Professor Doktor die Rede für\nden Expressionismus gehalten hat, Werke von Kandinsky und\nanderen Künstlern des Sturm gehangen. Haben sich doch die\nVeranstalter dieser sehr bemüht, noch weitere\nWerke aus den Kreisen des Sturm zu erhalten, Sie haben sie\nnicht bekommen, weil Besitzer dieser Bilder es im allgemeinen\nvorziehen, sie nicht auszustellen, wenn zugleich Bilder sekun-\ndärer Erscheinungen des Expressionismus gezeigt werden. Hat\ndoch dieser Direktor Professor Doktor niemals eine Ausstel-\nlung des Sturm, niemals die Sammlung Waiden und nicht ein-\nmal die einzig wichtige expressionistische Sammlung in Ham-\nburg gesehen. So hätte ich diesem Herrn Direktor Professor\nDoktor die Frage beantwortet, die ihm der Herr Landgerichts-\ndirektor außer Diensten ohne besseres Wissen verschweigt. Die\nKritik dieses Herrn Direktor Professor Doktor über den Sturm\nist also ebenso belanglos wie die Kritik des Hamburger Frem-\ndenblatts. Er kann seinen Lesern nicht die Gründe seiner Ab-\nlehnung auseinandersetzen. Er hat also kein Recht, sich als\nFührer der Kunst in Hamburg nachträglich aufzuspielen. „Was\naber keiner Frage unterliegt, das ist die offen bekundete Ten-\ndenz eines Blattes, den Geschmack seines Leserkreises durch\neine Präventivzensur zu bevormunden. Einer solchen Bevor-\nmundung bedarf indessen das Hamburger Publikum durchaus\nnicht.\" Das Hamburger Publikum braucht nicht einmal den\nDirektor seiner Kunsthalle. Ich stimme ihm zu, wenn er den\nverehrten Landgerichtsdirektor fragt: „Haben Sie nicht viel-\nmehr den Eindruck gewonnen, daß hier einmal die Rollen ver-\ntauscht waren, daß das Publikum als' Führer voranging, während\ndie Kritik Mühe hatte ihm zu folgen?\" Der Herr Direktor Pro-\nfessor Doktor kommt noch heute nicht nach. Das sogenannte\nPublikum ist stets besser, als die sogenannte Kunstkritik der\nZeitungen und als Museumsdirektoren.\nNun noch einige Worte für den Herr Landgerichtsdirektor\naußer Diensten. Er hat sich zweifellos um die Katalogisierung\nder graphischen Arbeiten von Münch einige Verdienste erwor-\nben, Er besitzt damit aber noch lange nicht die Fähigkeit, sich\nüber Kunst zu äußern. Das beweist die Zeitschrift, die er her-\nausgibt, ein harmloses Literaturblättchen eines literaturbeflis-\nsenenj Dilettanten. Auch dieser Landgerichtsdirektor außer\nDiensten weiß nichts vom Sturm: „Der Sturmabend vom fünf-\nzehnten Februar in der Musikhalle bewies von neuem, daß Der\nSturm nicht das ist, als was er gemeiniglich angesehen wird: Die\nZusammenfassung von schaffenden Kräften, welche durch einen\nbestimmten Stilwillen verbunden sind. Er verkörpert eine\nmehr zufällige Gemeinschaft von Persönlichkeiten, die um An-\nerkennung ringen, und es ist zweifellos ein Verdienst, daß er\ndiesen die Möglichkeit gibt, sich dem Publikum zu Gehör oder\n— auf dem Gebiet der bildenden Kunst — zu Gesicht zu brin-\ngen.\" Ich betone mit aller Entschiedenheit, daß der Herr\nLandgerichtsdirektor außer Diensten keine Ahnung von der\nOrganisation des Sturm hat. Das wenigstens werde ich doch\nbeurteilen können. Abgesehen davon erkläre ich ihm, daß im\nSturm nicht um Anerkennung gerungen wird. Es hat sich schon\nlängst ausgerungen und Anerkennung noch dazu von Dilettan-\nten ist niemals Ziel oder Sinn von Künstlern gewesen. Wir\nbringen weder etwas zu Gesicht noch zu Gehör. Ohne Rück-\nsicht auf Verdienste und Verdienst: Wir offenbaren. Nicht wir\nKünstler, das Ewige offenbart sich durch uns, dem wir Wirk-\nzeug sind. Der bestimmte Stilwille des Sturm ist Kunst. Frei-\nlich muß man wissen, was Kunst ist. Der Herr Landgerichts-\ndirektor außer Diensten hat dieses Wissen um die Kunst durch\nseine bisherige Tätigkeit nicht bewiesen. Ich gestatte ihm da-\nher gern, meine Musik für schwach, aber nicht, die Dichtungen?\nvon August Stramm für stark zu halten. Das alles liegt außer-\nhalb seiner Aufnahmemöglichkeit, Hätte er eine Ahnung von\nDichtung, die Kunst ist, würde er nicht in seiner Zeitschrift fol-\ngende Zeilen als Dichtung veröffentlichen lassen.\n„Meine Heimat ist das Licht,\nHeller Himmel meine Freude!\nTod und Leben wechseln beide,\nAber meine Seele nicht.\"\nWomit ich den Herrn Landgerichtsdirektor zu den Aktem\nlege.\nDer Aesthet\nEin Dr. phil. Namens Alfred Werner, Dozent an der soge-\nnannten Lessing-Hochschule zu Berlin hat sich über die Grund-\nbegriffe der allgemeinen Kunstwissenschaft in einem Buch ge-\näußert, das er stolz „Impressionismus und Expressionismus\nnennt. Die Herren Kunstwissenschaftler machen sich die\nKunst recht leicht. Sie schreiben einfach. Dieser Herr Wer-\nner hat ganz neu entdeckt, daß ein Kunstwerk aus Form und\nInhalt besteht. Da es ihm aber doch wieder nicht neu genug\nschien, die Lessing-Hochschule verpflichtet, nennt er die Form\nKunstleib, den Inhalt Kunstseele. Hierauf rückt er dem Expres-\nsionismus zu Leibe und zu Seele. Der moderne Kunsthistoriker\nmuß sich über diesen gemeingefährlichen Expressionismus-\näußern. Er weiß nur nicht, was er sagen soll. Immerhin genügt\ndas für einen einleitenden Satz: ~Es ist keine leichte Aufgabe,\nüber die schwerverständlichen Formen extrem expressioni-\nstischer Kunst etwas Systematisches zu sagen/4 Was\nmacht man da. Man hält zunächst Kandinsky für einen\nFuturisten: ~Es sei vor allem auf das merkwürdige Buch des\nFuturisten Kandinsky hingewiesen, das sich das „Geistige in\nder Kunst\" nennt und über die Gesetze in der Malerei Aufklä-\nrung geben will, das heißt über das „Prinzip der Inneren Not-\nwendigkeit\" nach futuristischem Rezept.\" Kunstwissenschaftler\nsehen sich bekanntlich keine Bilder an und lesen von den\nBüchern nur die Titel. Sonst ist nicht zu erklären, wie dieser ge-\nnannte Herr Werner aus dem Inhalt des Buches folgert: „We-\nsentlich ist zunächst das vollkommene Absehen von der Wirk-\nlichkeit, die als unästhetisch angesehen wird.\" Das Absehen\nvon der Wirklichkeit halten die Aestheten allerdings für Kunst.\nImmerhin, den Kandinsky als Kunstleib läßt sich Herr Werner\nnoch gefallen: „Kandinsky gehört noch zu den gemäßigten Ex-\npressionisten. Es gibt andere Elemente, die zum Beispiel das\n„innere Erlebnis\" der Bewegung am besten wiederzugeben mei-\nnen, wenn sie einen fahrenden Wagen in Stücke schneiden und\nhier und dort in mehrfacher Wiederholung Weichen, Räder, In-\nsassen auf der Leinwand zeigen. Das Prinzip der „inneren Not-\nwendigkeit\", das innere Gesicht hat hier gesprochen und leider\nnicht die Schule und die Erfahrung.\" Leider hat hier nur die\nLessing-Hochschule und die Erfahrung eines Kunstleibes ge-\nsprochen, der Kandinsky innerhalb von zehn Zeilen als Futuri-\nsten und gemäßigten Expressionisten bezeichnet. Man\nmüßte zum Beispiel die Auflage des ganzen Buches in\nStücke schneiden, um das innere Erlebnis des Herrn Werner\nwiederzugeben. Das würde dieser Herr Werner wieder gleich-\nzeitig Kubismus nennen: „Dabei kommt es vor, daß nach dem"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8166, "texte": "Prinzip der „inneren Notwendigkeit\" das Enface-Bildnis eines\nKopfes neben die Profilansicht desselben Menschen gerückt\nwird, der wiederum nach dem Prinzip der inneren Notwendig-\nkeit mit blauen Lippen, gelben Backen und grünen Haaren be-\ngabt ist. Diese Beispiele dürften genügen, um die subjektive\nWallkür extrem expressionistischer Künstler, die mit Kunst\nnichts mehr gemein hat, an den Pranger zu stellen.\" Dieser\nHerr Werner ist jedenfalls mit Mut begabt. Seine Erläuterung\ndes Kubismus, die nicht einmal mit der sogenannten Kunstwis-\nsenschaft etwas gemein hat, genügt um ihn an den Pranger zu\nstellen. Und zwar mit Kunstleib und Kunstseele: ~So unver-\nständlich wie der expressionistische Kunstleib ist auch die ex-\npressionistische Kunstseele, sofern sie eben mit völlig wirklich-\nkeitsfeindlichen Formen arbeitet.\" Der Herr Werner hat also\nsein Buch eigens geschrieben, um zu sagen, daß er nichts zu sa-\ngen hat. Aber der Herr Werner ist auch gegen den extremen\nImpressionismus. Und so kommt er zur Paarung: „Wo dieser\nvon den Expressionisten erstrebte Zug des Menschlich-Bedeu-\ntungsvollen sich mit impressionistischen Wesen paart, da ent-\nsteht die große Kunst.\" Das Kind von Zug und Wesen ist sofort\nausgewachsen zur Stelle und heißt Max Klinger. Der Kunst-\nleib des Herrn Werner schlägt die Augen auf und er äußerst mit\nKunstseele: ,»Blicken wir uns in der Gegenwart um, so fallen\nuns die gewaltigen Werke eines Künstlers auf, die praktisch am\nbesten für die Wichtigkeit unserer Theorie sprechen. Ich denke\nan Max Klinger, Bei meisterhafter Beherrschung der Tech-\nnik bringt der Künstler menschlich bedeutungsvollen seelischen\nGehalt von starker gedanklicher und gefühlsmäßiger Wirkung.\"\nEin tiefer Zug von hohem Wesen.\nEinen Grundbegriff dieser allgemeinverständlichen Kunst-\nwissenschaft will ich nicht verschweigen. Ein Kunstwerk ist\nnämlich erst dann ein Kunstwerk, wenn der Herr Werner mit\nseiner gemäßigten Kunstseele davor steht: ,»Kunstwerke ohne\nBetrachter sind seelenlose Leiber, leere Formen ohne In-\nhalt.\" Die Lessing-Hochschule sollte für diesen Herrn Werner\neinen goldenen Rahmen stiften und ihn ausstellen. Dann hätte\ndie leere Bildform einen Inhalt und die ganze Kunststreiterei\nwäre erledigt.\nSchließlich zieht sich der Herr Werner verängstigt auf die\nKlassiker zurück. Die haben Impressionismus und Expressionis-\nmus vereinigt. Mit Kunstleib und Kunstseele. Und er kündet\nfeierlich: ~Die äs-theiische Statik, das formwohlgefällige Gleich-\ngewicht der Massen läßt sich, um nur ein Beispiel zu nennen,\nbei der Sixtinischen Madonna Rafaels feststellen,\" Und wenn\nman es diesem Herrn Werner nicht glaubt, er hat zwei Zeugen:\n„Daß wir es aber nicht allein mit körperlicher Formwohlgefäl-\nligkeit zu tun haben, dafür sprechen die schönen Gedichte von\nSchopenhauer und Hebbel.\"- Da kann man halt nichts gegen\nsagen. Und damit man halt nichts sagt, schreibt Herr Werner\ndiese Anmerkung: ~Die folgende philosophische Abhandlung\nüber den Wert ist weniger allgemeinverständlich sondern mehr\nfür Fachkreise geschrieben.\" Da muß man halt die Fachkreise\netwas stören. Nur Mut: ~Wert ist nun einmal so viel, wie Mit-\ntel zum Zweck. Will ich schreiben, so sind für mich Tinte und\nFeder wertvoll. Will ich möglichst schnell einen entlegenen\nOrt erreichen, so ist das schnellste Gefährt, etwa ein Automobil\nvon größerem Wert als die Straßenbahn. Hiermit ist sogleich\nein Maßstab für die Bewertung mitgegeben.\" Ein Maßstab für\nFachkreise, zu denen man am besten mit der Straßenbahn1 fährt.\nJedenfalls ist der Wert des Herrn Werner als Mittel zum\nZweck zu gering, um einen entlegenen Ort noch schneller zu\nerreichen. Oder in seinem Sinne philosophisch gesprochen:\nSein Buch hat keinen Zweck, ist aber als Mittel wertvoll. Näm-\nlich als Zweck zum Mittel. Wodurch sich die Kunst von der\nKunstwissenschaft ergebenst in das Allgemeinverständliche zu-\nrückzieht.\nEin neues Kunstwerk\nDie deutsche Presse meldet in der Abteilung Kunst:\n„Abendunterhaltung bei Hindenburg. Das neuste Hindenburg-\nbild von Professor Hugo Vogel, dem Berliner Maler, ist bei\neiner Abendgesellschaft entstanden. Es zeigt den Feldmar-\nmarschall unter der Lampe behaglich im Lehnstuhl zurückge-\nlehnt, während ihm gegenüber Fürst Dohna-Schlobitten seinen\ndrastischen ostpreußischen Humor spielen läßt. Dann zur Lin-\nken hat der Künstler sein Selbstbildnis angebracht, wie er mit\ndem Zeichenstift die Szene festhält.\" Hindenburg in Ruhe,\nProfessor Vogel an der Arbeit. Und wie einfach. Er hält ganz\nDeutschland mit seinem Zeichenstifte fest.\nZwei Künstler gegen einen Kritiker\nAdolf Behne hat sich in seiner ruhigen, sachlichen und\ndurchaus nicht aufdringlichen Art über Kubismus in der Zeit-\nschrift „Die Tat\" geäußert. Diese Tat ist Bildung, aber die\nBildung ist keine Tat. Jedenfalls hat der Beitrag über Kubis-\nmus den Leser der „Tat\" Namens C. E. Uphoff zur schriftstel-\nlerischen Betätigung ermuntert. Ich habe den Herrn Uphoff im\nVerdacht, daß er sich außerdem der schönen Künste in Oel be-\nfleißigt. Ich habe ihn sogar im Verdacht, daß er in Expressio-\nnismus malt. Ihm fehlt offenbar die Anerkennung des ,dilet-\ntantischen Spezialisten\": ~Die Geschäftstätigkeit dilettanti-\nscher Spezialisten erweist sich für ihre Schrittmacherei dank-\nbar und füllt die Bilderausstellungen, bald auch den Bücher-\nmarkt mit equilibristischen Kunststücken, während die weni-\ngen, die wirklich zur Kunst berufen sind, erschreckt, bedrückt\nund beiseite gedrängt von dem Uebermaß des spezialistischen\nKitsches ein einsames Dasein fristen müssen.\" Zwar\nverschweigt dieser Herr Uphoff, wer ihn zur Kunst\nberufen hat, immerhin bleibt es zu bedauern, daß er ein ein-\nsames Dasein fristen muß. Das wäre eine Tat für die Tat, für\ndiesen Herrn einzutreten. Denn er weiß, daß es nicht nur Ex-\npressionisten und Impressionisten stets gegeben hat, er weiß\nsogar ~daß da noch andere Künstlerpersönlichkeiten waren\nund ewig sein werden, die zur Vereinigung von Eindruck und\nAusdruck innerhalb ihrer Werke hinstreben und daß die Nicht-\nbeachtung dieser Tatsachen Ihre tendenziöse Absicht, das heißt\nIhren Willen bewjeist, die spezielle Richtung des Kubismus\nkrampfhaft zu züchten.\" Das alles erreicht Adolf\nBehne durch eine Erläuterung des Begriffs Kubismus.\nUnd zwar insbesondere durch den Satz ~Der Idealismus\nin der modernen Kunst ist der Kubismus.\" Der Idea-\nlismus ist nämlich von den Herren gepachtet, die sich an-\ndauernd bedrückt fühlen. Jeder Kitscher fühlt sich als Idealist\nund als ein Mann, der zur Vereinigung von Eindruck und Aus-\ndruck hinstrebt. Alle diese Leute sind aber einsichtig genug,\nzu wissen, daß der spezialistische Kitsch und der Dilettantis-\nmus durch das Erkennen des Bildes als Bild erledigt ist. Das\nist der eigentliche Grund ihrer Bedrückung. Diese Leute ver-\nsuchen in ihrer zahlmäßigen Uebermacht die wenigen, die wirk-\nlich zur Kunst berufen sind, völlig bei Seite zu drängen. Und\nihre Angst und Wut ist so groß, daß sie selbst ein einziger sach-\nlicher Beitrag in ihrer Tat erschüttert. Adolf Behne hat Hal-\ntung genug, sich zu fassen, wenn auch ein Paar tausend Oel-\ngemälde aus dem Rahmen fallen. Dieses Bild möge Herr Up-\nhoff mit Eindruck und Ausdruck malen.\nAber Adolf Behne lhat auch die Wut eines andern Schrift-\nstellers erregt der seine Arbeiten von andern Herren bemalen\nläßt. Dieser Schriftsteller heißt Ludwig Thoma und ist dem\nreisenden Publikum als Eisenbahnlektüre bestens bekannt.\nHerr Thoma ist sehr gegen die Kritik eingenommen aus densel-\nben Gründen, wie der Kollege Hermann Sudermann. Beide hal-\nten für Kunst, was gedruckt und gekauft wird. Adolf Behne\nversuchte die Leser einer Zeitschrift ~März\" über Kunst zu un-\nterrichten. Herr Thoma fühlte sich daraufhin in den April ge-\nschickt. Da er nichts von Kunst versteht, versteht er natürlich\nauch nichts über Kunst. Für ihn ist jeder, der schreibt ode\nmalt, ein Könner, also jeder Fabrikant ein Künstler. Die Kunst-\nmacher vergessen immer, daß sie nur in Massen und in Masse\nausführen, was einige geschaffen haben. Massenartikel haben\neben bessern Umsatz und Absatz. Kein Künstler wird etwas\ndagegen einzuwenden Jhaben. Die Kunstmacher aber sind\nstets aufgebracht, daß Künstler diesen Absatz ihrer Arbeit"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3614, "texte": "nicht wünschen. Herr Thoma ist besonders über folgenden Satz\nBehnes empört: „Nicht-können ist unter Umständen weit wert-\nvoller als ein Können — dann nämlich wenn hinter dem Nicht-\nkönnen ein höherer reiner Wille steht, der sich das zu tun ver-\nsagt, was hinter jedem Können als Wille wirkt. Ein Nicht-Wol-\nlen ist unter Umständen wertvoller als ein Können. Wer höhe-\nres will, kann das Uebliche nicht, weil er es nicht verantworten\nkann.\" Herr Thoma antwortet, nicht ohne Goethe erwähnt zu\nhaben, der von jedem Fabrikanten ausgebeutet wird: „Können\nist etwas so unangnehm Positives, daß, wer darüber auch nur\nschreibt, sogleich auf sein eigenes Maß von Können und Wissen\ngeprüft werden kann, während jeder, der sich über das Wollen\nverbreitet, in das Paradies der Kritiker, in die Welt des Unkon-\ntrollierbaren gerät.\" Bilcken wir in die Hölle der Könner, die\netwas so unangenehm Positives sind. Herr Ludwig Thoma\ndichtet positiv:\nEs mag net finsta wer'n,\nEs bleibt so hell,\nEs rucken Mond und Stern\nNet von da Stell.\nSie hamm wia Liachta brennt,\nSo still und klar,\nAls waar dös Firmament\nA Hochaltar\nEs wird niemand bestreiten, daß das Nicht-Dichten-Wollen\ndieses unangenehmen positiven Herren wertvoller wäre, als\ndas Nicht-Dichten-Können. Herr Thoma selbst bestreitet nicht,\ndaß das Können geprüft werden kann. Aber er will auch et-\nwas, nämlich Dichten. Als Dichter ärgert ihn, daß auch nur ein\nKritiker ihn von da Stell rucken will: „Der Kritiker leitet durch\ndie Zeitungskanäle seine Meinung auf die Gefilde der Kunst;\nals breiige schleimige Masse wälzen sie sich durch und was\ndann wächst — das wissen wir/' Die landwirtschaftlichen\nVorstellungen des Herr Thoma scheinen mir unangenehm nega-\ntiv zu sein. Dung hat noch keinem Wachstum geschadet. Aber\nwenn er auf die Gefilde der Kunst geworfen wird, muß sich die\nKunst lieber in den Erdboden verkriechen. Im März sind eben\nNatur und Kunst etwas zurückhaltend. Nur der Herr Ludwig\nThoma kann sich nicht lassen. Er muß dichten, er kann nicht\nAnders.\nAuch ein Expressionist\nDas Neue Deutschland, eine konservative Zeitschrift, feiert\nMax Liebermann, ein Mitglied der Königlichen Akademie der\nKünste, weil er siebzig Jahre alt geworden ist. Danach soll die-\nser Professor Liebermann einen völlig neuen Stil immer deut-\nlicher ausgebildet haben, mit geradezu plastischer Wirkung:\n„Es ist nicht zu bezweifeln, daß Liebermann zu diesem Stil un-\nter van Goghs Einfluß gelangt ist.\" Seine Landschaften „er-\ninnern an van Gogh/' Das war seine mittlere Periode. Aber\ndiesem konservative Neue Deutschland ist liberal: „Freilich sind\nsie dennoch reinster Impressionismus und leiten deshalb nur\nbedingt zu den — sagen wir zunächst — expressionistischen\nBildern der Spätzeit über/' Der Expressionismus wird dadurch\ngeradezu klassisch. Warum haben die Impressionisten sich so\nsehr gewehrt, wenn sie in der Spätzeit doch zu dem verrück-\nten Expressionismus übergehen. Für das Neue Deutschland\nhat Liebermann sogar Farbe: „Betont wird wieder die Farbe;\ngewiß wird sie durchweht von Luft und Licht, aber das sprengt\nsie nicht, sondern erhöht sie nur.\" Das stimmt nicht ganz. Die\nErhöhung erreicht Herr Liebermann nicht durch Luft und Licht,\ndie übrigens als Malmittel ihre Schattenseiten haben, die Er-\nhöhung wird ganz einfach durch reichliches Ausdrücken von\nFarbentuben erreicht, wodurch eine geradezu plastische Wir-\nkung entsteht. Sollte aber jemand auf die Idee kommen, die\nKruste fortzunehmen, so wird er nicht einmal ein impressioni-\nstisches Bild darunter finden. Lieber Mann des Neuen Deutsch-\nlands: Ausdrücken ist nicht Ausdruck. 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August Stramms Er-\nwachen / Vis Aage von Kohls Die Hange-\nmatte des Riuge / VIIs Adol! Behnes Zur\nneuen Kunst / VIIIs August Stramm:\nKrafte / IXs Aage von Kohls Die rote\nSonne / Xs Aage *on Kohls Der tierische\nAugenblick / Xls August Stramms Ge-\nschehen: / XIIs August Stramms Die Un-\nfruchtbaren / XIIIs Peter Baums Kyland /\nXIVs Lothar Schreyers Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c039", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.17", "debut_caractere": 2877, "fin_caractere_exclue": 3353, "texte": "Musik\nHerwarth Waldcn\nGesammelte Tonwerke\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang unci Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter I Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz I Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c040", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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I Jacoba ran Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Fritz\nStuckenberg j Nell Walden\nDER STURM\nvertritt fur Deutsohiand folgende Kunstler\nund yerlugt über ihre Werke zum Verkaui\nund fur Ausstellungen:\nGft&ta Adrian - Nilsson / Albert - Block /\nAlexander Archipenko / Fritz Baumann /\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Carlo\nD. 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Marz\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 27. Marz\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 3. April\nDichtungen der Sturm-Kniistler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 10. April\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nKarten zu 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an der\nAbendkasse"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c052", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.18", "debut_caractere": 2635, "fin_caractere_exclue": 2770, "texte": "Verein Sturmbiihne\nVorsitzcnder: Dr. John Schikowski\nGeschaitsstelle: Charlottenburg / ScharrensfraSe Mt\nAufruf und Satzungcn kostenlos"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-03-15-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-03-15_01#c053", "volume": "bmtnabg_1918-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Holzschnitt / Vom Stock gedruckt / W. Dexel: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nOskar Fischer: Auchentsag / Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.2", "texte": "Die Angstlichen\n\nUnd will sein Opfer haben\nDie Literarische Gesellschaft, eine Zeitschrift von der Li-\nterarischen Gesellschaft zu Hamburg herausgegeben, veröffent-\nlicht im Februarheft ihres vierten Jahrgangs einen Beitrag ~Krit-\nik der Kritik\". Hier liest man: „An Hamburgs verbreitetstem\nBlatt beschrieb ein Kritiker einst seine Reise nach Halle: — im\nTon eines dichtenden Bürgers. Am Ende wagte er gegen Dok-\ntor Sauerlandt und sein Museum moderner Kunst einen Ausfall\nder unverantwortlich, weil einsichtslos und offenbar aus unkri-\ntischen Motiven gelenkt war. Neben diesem Burgeois schreibt\nseit einiger Zeit auf Wunsch des einsichtigen Chefredakteur»\nein Mann, der Kunst und Kunstwissenschaft studierte. Ihm\nwerden, so scheint es, die Zeilen vorgezählt, ihm wird jeglicher\nAusspruch, der Neues und eine Erweiterung des Horizontes\nbringt erschwert. Der Grund? Der Besitzer der Zeitung\nist gesonnen, mit allen Mitteln gegen jüngste Kunst zu propa-\ngieren. Er vermag seine Absicht auszuführen!\"\nHierzu bemerkt das verbreitetste Blatt, das Hamburger\nFremdenblatt: „Jedenfalls sehen wir uns nicht veranlaßt, ihm\nRede zu stehen. Nur sei gegenüber seinen verzerrenden An-\ndeutungen über Personalien und innere Angelegenheiten un-\nseres Blattes folgendes gesagt: Am Hamburger Fremdenblatt\nsind seit langen Jahren zwei Kunstberichterstatter tätig ge-\nwesen, neben Herrn Ph. Berges nach einander die Herren Denis\nHoffmann, Hakon und Dr. Dammann, Alle diese Berichterstat-\nter, wie auch die Theaterkritiker, die stets mit ihrem Namen\ngezeichnet haben, sind in ihrer Kritik niemals vom Ver-\nlag oder dem Chefredakteur eingeengt wor-\nden, bis auf die einzige folgende Ausnahme,\ndie seit jeher zum Programm des Blattes, eine gesunde Kunst\nzu pflegen, gehört. Diese Richtschnur geht dahin, daß Bestre-\nbungen des „Sturm\" und verwandte Erscheinungen, wie die fu-\nturistische Malerei, im Fremdenblatt keine Pflegstätte finden.\"\nZwar finden die Bestrebungen des Sturms im Hamburger\nFremdenblatt auf einstimmigen Beschluß des Besitzers der Zei-\ntung keine Pflegstätte, wohl aber eine Druckstätte. Es wird\ndie Leser des Hamburger Fremdenblatts interessieren, daß ver-\nderbliche Schriften des Sturm und sogar die Verlagsverzeich-\nnisse mit „futuristischen Gemälden\" in der Druckerei des Ham-\nburger Fremdenblatts hergestellt werden. Sie hat den selben\nBesitzer wie die Zeitung. Warum soll ein Besitzer seinen Be-\nsitzstand nicht mehren. Schließlich geht ihn moralisch nur die\nGesundheit der Leser seiner Zeitung an. Seine Maschinen ha-\nben einen starken Magen, Und Geld ist Geld, Nicht etwa, als\nob die Druckwerke des Sturm wegen der Seuchengefahr für\ndas Hamburger Fremdenblatt mit Apothekerrechnungen be-\nzahlt werden. Es geht alles durchaus gesund und ehrlich zu.\nHingegen möchte ich dem Besitzer des Hamburger Fremden-\nblatts meine schweren Bedenken nicht verhehlen, daß er dem\nSturm den Anzeigenteil seines gesunden Blattes gegen Bezah-\nlung zur Verfügung stellt, Zwar halte ich von Anzeigen nichts.\nEs soll aber doch vorkommen, daß Leser diese Anzeigen lesen.\nWo bleibt die Richtschnur? Vorn wird der Leser in Spalten\neingeengt, auf daß er niemals nichts vom Sturm erfahre. Und\nmitten in der Zeitung wird ihm mitgeteilt, daß Der Sturm sogar\nin Hamburg tobt. Geld macht eben immun. Auch das ist ein\nProgramm des Blatts. Freilich, seine Kunstkritik läßt sich da-\ndurch nicht einengen, Sie folgt den höheren Anordnungen des\nArbeitgebers. Der Herr heißt Broschek und seine Druckerei\nwird vom Verlag Der Sturm bestens empfohlen. Damit aber\nden Lesern der übrigen Hamburger Zeitungen die kritische\nTätigkeit des Herrn Broschek zur Förderung der Volksgesund-\nheit Hamburgs nicht entgeht, hat Der Sturm am Ende seines\nAbends in Hamburg den sechshundert Besuchern ein Blatt für\nBroschekfremde überreicht. Es enthält die Sätze, in denen\nder Besitzer des Hamburger Fremdenblatts seine kritische\nAusnahmestellung dem Sturm nicht vorenthält, dieselben Sätze,\ndie ich oben angeführt habe. Um Irrtümern vorzubeugen sei\nmitgeteilt, daß Der Sturm diese Blätter ausnahmsweise nicht\nin der Druckerei des Hamburger Fremdenblattes hat herstel-\nlen lassen. Wenn der Herr Broschek zu viel verdient, wird er\nvielleicht noch übermütig und ergibt sich einem ungesunden\nKunstwandel. Solche Wandlung kann ich nicht auf mein einge-\nengtes Gewissen nehmen. Ja, so ein Druckeberger.\nIch weiß Bescheid\nDas Hamburger Fremdenblatt über eine Hamburger „Aus-\nstellung von Werken neuerer Kunst\", unterzeichnet Dr. Walter\nH, Dammann: „Die drei farbigen Pferde von Franz Marc wür-\nden Anlaß geben, zu untersuchen, wie von diesem schönen kla-\nren Bilde die Entwicklung zur überhitzten und überspannten\nSturmkunst führen konnte.\"\nZum Glück für den Herrn Doktor ist die Untersuchung\ndurch Herr Broschek verboten. Er wüßte auch sonst nicht\nBescheid.\nDer schlafende Zensor\nIm Hamburger Fremdenblatt des Herrn Broschek schreibt\nein Herr F. R. über dieselbe Ausstellung: „. . . . und zu Franz\nMarc nicht das richtige Verhältnis gewinnt, doch empfinden,\nwie reich und vielgestaltig diese Kunst ist und wie viel ur-\nsprüngliche Kraft sich in ihr offenbart.\"\nOder weiß Herr Broschek nicht genug Bescheid, daß Franz\nMarc zum Sturm gehört.\nDer Gesundanbeter\nDie neue Hamburger Zeitung veröffentlicht am 5. Novem-\nber 1917 einen Bericht eines Journalisten Karl Eugen Schmidt\nüber französische Kunst in der Schweiz. Hierin steht zu lesen:\n„Van Gogh war vollständig irrsinnig und ist im Irrenhause ge-\nstorben, Cezanne war menschenscheu und litt an Verfolgungs-\nwahnsinn; wenn ein Besucher sich seinem Atelier näherte, ver-\nrammelte er sich oder nahm Reißaus, auf der Straße wich er\njedem Begegnenden ängstlich aus; die Kinder in Aix, wo er\nwohnte, liefen ihm nach und lachten ihn aus; als eines Tages\nein Besucher mit zwei Damen an die Ateliertür pochte und er\nkeinen andern Ausweg mehr sah, schlug er mit der Axt ein\nLoch in die gegenüberliegende Wand und entfloh in den\nGarten.\" Es scheint mir nicht gerade normal zu sein, wenn ein\nBesucher mit zwei Damen an die Ateliertür pocht. Und wenn\nder Besucher gar noch der Herr Karl Eugen Schmidt gewesen\nsein sollte, so würde ich gern auch einen Ausweg gesucht ha-\nben, wo der Zimmermann kein Loch gelassen hat. Schließlich\nkann doch kein Mensch beim Häuserbau mit solchen Ausnah-\nmen rechnen. Auf ähnliche Weise äußert sich dieser Herr\nSchmidt über Gauguin, Toulouse-Lautrec und Renoir, Mit allen,\ndiesen Künstlern ist der Herr Schmidt persönlich bekannt\ngewesen. Ihnen allen fühlt er sich kraft seiner Gesundheit\nüberlegen. Wenn dieser Herr Schmidt gar noch Bilder gemalt\nhätte, — dann hätte er sich nicht bei der neuen Hamburger\nZeitung zu bescheiden brauchen, ihm wäre ein Pflegstättchen\nim Hamburger Fremdenblatt sicher gewesen.\nBemerkungen zu Worringer\nHerr Wilhelm Worringer wird von seinen Freunden maß-\nlos überschätzt. Ueber seinen Vortrag „Bemerkungen zur neuen\nKunst\" bemerkt die Frankfurter Zeitung: „Dürfte man doch\ndarauf gespannt sein, wie Worringer, dessen Schrift Abstrak-\ntion und Einfühlung gewissermaßen die theoretische Einleitung\nder neusten Kunstbestrebungen ja mehr als das: der frucht-\nbare Ansporn für das Schaffen zahlreicher junger Künstler ge-\nworden war, heute nach zehn Jahren zu den praktischen Resul-\ntaten steht.\" Es ist der Größenwahn der Kunstwissenschaft zu\nglauben, daß sie Kunst einleitet, fördert oder gar schafft. Jede\nTheorie steht hinter der Kunst. Sie1 ist stets nur ein Vergleichen\naus den Erfahrungen, die Kunst aber ein Gleichnis aus dem Nicht-\nzuerfahrenden. Die sogenannte Individualität sammelt eben\nErfahrungen, und deshalb ist Herr Worringer zum Schluß in\nSorgen um seine Individualität: „Zum Schluß verhehlte Wor-\nringer nicht seine Bedenken gegen die Entwicklung, die die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.3", "texte": "neuste Kunst genommen hat. Er sieht die Gefahren in der\nMonotonie, in der Lehre der großen Geste, die durch die Ein-\nseitigkeit des ganz auf ein Ziel gerichteten Wollens heraufbe-\nschworen wird. Das Ich will sich über sich selbst hinausheben\n— darin liegt das tragische Schicksal des Expressionismus.\"\nHerr Worringer hat also noch nicht einmal die geistige An-\nschauung des Expressionismus erkannt, was für ihn als Theore-\ntiker immerhin wichtig wäre. Man darf also behaupten, daß\ner um so weniger sich in die bildliche Anschauung eingefühlt\nhat. Denn seine Abstraktion ist falsch, Das Ich ist etwas Hin-\nausgehobenes. Individualitätstheorie ist Impressionismus. Der\nExpressionismus sucht das Typische, das Gemeinsame, das Ge-\nfühlte, das Ursprüngliche, also das Ewige. Die Herren Ich\nsuchen sich und finden sich interessant. Sie finden sich sogar\nbedeutend. Der Expressionist sieht nicht mit seinen eigenen\nindividuellen Augen, der Expressionist sieht. Der Expressio-\nnist fühlt nicht die unorganische Häufung von Empfindungen,\ndie ihm ein äußerer Eindruck zufällig übermittelt. Der Expres-\nsionist fühlt. Das wäre die geistige Anschauung, Ueber die\nbildliche Anschauung, das heißt über die Gestaltung des Aus-\ndrucks, kann ich noch weniger mit Herrn Worringer verhan-\ndeln, Dazu fehlen ihm die künstlerischen Voraussetzungen. Es\nist für einen Theoretiker geradezu naiv, um nicht zu\nkindisch, wenn er sich über die Künstler beschwert, daß sie\nnicht allgemeinverständlich sind: ~Als Beispiel dafür, wie heute\nimmer noch in Geheimsprache geredet wird, verwies Worrin-\nger auf das Problem des Kubismus. Niemals ist bisher deutlich\ngesagt, was er eigentlich ist und will.\" Da hat eben Herr Wor-\nringer nicht deutlich genug aufgepaßt. Da er aber die ganze\nneue Kunst angeregt haben soll, müßte er es eigentlich allein\nwissen. Er scheint mir aber nur ein Zauberlehrling gewesen zu\nsein. Darum beklagt er sich bitter: ~Aber was vor dem Kriege\nnur esoterische Kaffeehausdiskussion war, ist jetzt Angelegen-\nheit aller. Darum muß auch an die neuen Künstler und der\nPropheten die neue Forderung gestellt werden, alles Esoteri-\nsche abzutun, und allgemeinverständlich zu werden.\" Wenn\ndiese neue Kunst jetzt Angelegenheit aller ist, und sie ist es,\nso müßten vor allem die Herren Kunstwissenschaftler sich/\nnicht abstrakt einfühlen, sie müßten sich vor allem einmal Bil-\nder ansehen, was den meisten Herren Kunstwissenschaftlern\nerläßlich erscheint. Herr Worringer hat zum Beispiel in sei-\nnem Leben noch nie ein Bild von Marc Chagall gesehen. Herr\nWorringer ist zum Beispiel noch niemals in der Sammlung Wai-\nden gewesen. Seine tatsächlichen Kenntnisse, und Theorie ist\nKenntnis der Tatsachen, sind so gering, daß er nicht einmal\nfür seine Individualität feststellen kann, ob nicht vielleicht die\nneuste Kunst viel allgemeinverständlicher ist,\" als er es bisher\nselber glaubt. Oder Herr Worringer wendet sich an falsche\nPropheten. Aber ich opfere auch alle wahren Propheten und\nselbstverständlich ebenso mich selbst der Kunst, zu der man\nnicht überreden kann und soll, am wenigsten dann, wenn man\nnicht vor der Ueberzeugung Zeuge dieser Kunst, der Kunst ge-\nwesen ist.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nGünther Mürr\n\nMarienlied\nDu bist nicht fern.\nKomm, schlinge mich ein\nmit deinem innigreichen Umarmen,\nmit den zärtlichen Tausendfäden deiner Haare\nin die blausüße Flut deiner Augenseele.\nZieht mich zu dir,\nzieht mich in dir, aus dir\nHeimweh, wurzeltief himmelhin.\nVerlangen drängt,\nTränen fließen,\nHoffen schwingt, \\\nMüdesein dämmert,\nDenken klettert,\nSchauen blickt,\nSorge zittert,\nAtem haucht,\nSchlaf selbst weht nur zu dir,\nalles wogend, zugvogelsicher dahin,\nNahe,\nNächste,\nalles marieneins ichfern weitnah zu dir.\nUns eint nicht der vogelrufende Lärm der Abendwelt.\nWir wachsen aus dem Grund, der alles hält.\nUns liebeverschmolzen schmilzt Liebe, zieht Liebe in Liebe hin.\nGnade schenkt Weg, Kraft, Ziel,\nwir wandern demütigen Stillestehns,\nWir knien vor dem, der da war, der ist, der kommt:\nICH BIN.\n\nFeier\nBlaudurchhimmelte Tiefe.\nLuft blinkt,\nschäumt aus breiten, gleitenden Wogen,\nspiegelglitzernd im Sonnenwind.\nEilig laufen die Wolkenschatten,\nDu tust dich auf.\nNun fließt mein Blut in deinen Gliedern\nküssend und küssend.\nWir treiben\nlosgelöst umschlungen\nüber die Berge im Gnadenwind,\nIn Dir ertrinkend\ntrink ich Dich auf.\n\nMariensee\nToll drückt Trieb Fontäne hoch,\nsäulend Liebe und Verlangen.\nGute, böse Kraft versprüht.\nt\nSchillernde Tropfen.\nDu sammelst mich im Niederfallen,\ndaß wir vermischten Stroms zur Mitte wallen.\n\nWandrung\no\nWind wächst.\nBreiter Strom.\nZeit und Sünde\ndichtes Hemmnis erbarmungslos.\nWegmüder Wandrer stemmt dagegen.\nSchulter keuchend sinkt ab.\nKniee krampfen, schlaffen.\nVor wirft ankernd Verlangen.\nNach zerrt saugend Heimweh,\nSturm wächst mauernd entgegen.\nLetzer Ansprung verkohlter Kraft.\nPrall ab.\nWirbelt knackend köpflings zu Boden.\nStößt der Atem kleines Aechzen.\nSturm schwillt ab.\nWind flaut ab. •\nBiegen, ächzend durchs Still.\nSünde hackt höhnisch verreckende Brunst.\nWimmern sickert belebend aus fetziger Wunde.\nDurch W,olken blitzt Sternblick.\nFlehen rieselt nach Gnade hin.\nAus Abend balsamt zärtliches Herz.\nVerzeihen weht lächelnd die Ferne vor.\nBebend gehn wir\nleuchteklar vereint."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.4", "texte": "Meine bittere Reue weint.\nDein Herzschlag trägt,\nzittert meiner letzten Angst.\nDu tröstliche Verheißung liebenden Erbarmens.\n\nAbendlied\nDein Abglanz noch hüllt mich in Schimmer,\nHoffnungssaft steigt in meine sündendorre Blume.\nErbarmen wölbt die Schale noch über mir.\nDu bleibst mir, Lichtkelch.\nFurchtsam trink ich den milden Marienschein.\n\nVersenkung\nNebelstille hüllt den Leib,\nSchlafatmen.\nIch schlägt große Augen auf,\nlautlos,\nsteigt in tiefen Schacht zu sich.\nFlimmert Funke,\nIch steigt.\nFunkelt Leuchten,\nIch steigt.\nLeuchtet letzten Lichtes Abglanz,\nAm Grund.\nDa schwingt Kreis ab,\nkreisend Kreis um Kreis,\nDa quillt Quell aus,\nmündend in eignen Schoß.\nDa schmilzt Strahl in Lichtewig.\nUnendlich klingt da hinter engem Ja und Nein.\nDas Kreuz.\ni\n\nDuwärts\nSüße Ruhe du meiner Stirn.\nAll meine harten Dämme lösen sich im Duft,\nDu Ich.\nNeue Fülle quillt auf, quillt durch,\nDuwärts ergieß ich mich\nfrühlingaufgetaut\nmünd ich in deinen warmen Mund.\n*\nDein Anhauch, süße Weihrauchkerze,\nVerlangen krampft mich.\nDu löst die Starre.\nBefreites Dehnen.\nDie Augen gehn zu.\nTief atme ich dich.\n*\nFern dir,\nTag dumpft Ich in Dunst.\nFern dir.\nSchlaf räuchert Gift in den Atem.\nMüde Seele, falte, falte die Hände,\nausgereckt nach der Verheißung.\nRaff aus dem sandigen Grund dich.\nLiebedurchtränkten Glauben vom Tröster erfleh.\n\nGesicht\nDu rührst mich an,\nsüße Himmelshand,\nZittern zittert mich,\nAuge geht auf dir,\nmein blindgebornes,\naufgeschlossen sich — Dich zu sehn.\n\nMaya\n\nEs gibt doch etwas über den Tod. Die Sehnsucht danach.\nDer Tod ist Erfüllung, Jede Erfüllung — Wunsche sterben.\nIch bin verwundert, dies nun erst zu begreifen. Ich komme\nnach Hause, Auf dem Tisch lauert ein Brief. Bestimmt — er\nlauert! Dies Lauern ist etwas grauenhaftes. Es steckt nachts\nin dickem rotem Teppich, hinter dem Ofen, grient aus Glas-\nschränken. Plötzlich springt es uns an, daß wir erwachen, Ich\nfürchte mich und — reiße den Umschlag auf.\nMit all unserem Tun verneinen wir. Ich will nichts mehr\ntun. Vielleicht hört der Hunger am Leben dann auch auf. Oh\n— nicht mehr lebensdürstig sein — das wäre Höchstes, Maya!\nDas glauben Sie mir nicht, Maya, Jemand /schreit mir ins\nOhr — „sie lacht\". Lachen nicht, aber lächeln. Maya — oh,\nIhr Lächeln!\n— Daß ich irrsinnig werde, daran glaube ich. Ich bin sehr\nzufrieden. Niemand ahnt, wie glücklich ich werde. Ich bin\nnicht eitel mit mir, sicher nicht! Aber bestimmt ist das Richtige\nnie das Rechte für mich. Der Irren Welt ist größer und bunter.\nIch kann König werden und Tänzer, Heiliger und Narr, So —\noh so wird mein Leben ereignisarm hinwelken. Bis ich mich\neines Tages selbst zerschlage. Ich will die Möglichkeit haben,\netwas aus mir zu machen,\nNun, lachen Sie — Maya?\nIch fühle das. Und kann mir nicht helfen.\nManchmal bin ich sehr zerfallen. Gehe in mein Zimmer,\nPacke einen Vers. Mund kost ihn. Und plötzlich sind Sie in\nmeinem Zimmer und Ihr Lachen.\nDann wird die Nacht sehr bunt,\nIch könnte dann — nein ich darf nicht sagen, was ich will.\nSie müßten mir fluchen. Der Fluch würde Sie häßlich machen.\nDarum schweige ich.\nIhre Mutter — Maya — sagte, ich solle diese Briefe nicht\nschreiben. Glauben Sie, daß man die erste Nacht bei einem\nWeibe liegen kann, das man allein liebt, ohne es zu berühren?\nWenn das möglich ist, will ich nicht mehr schreiben, Aber,\nwie die Liebe zu jener Nacht gehört, jso gehören diese Briefe\nzur Qual meines Herzens, Ich werde krank. Ich werde sehr\nkrank. Aber ich muß das. Meine Qualen darf mir niemand\nnehmen.\nAuch Sie nicht — Maya!\nMüdigkeit übertönt mich. Das könnte noch einmal anders\nwerden — wenn Jemand Ihnen etwas Häßliches täte. Nun\ndies unmöglich ist, so werde ich sterben.\nStunden haben Angst vorm Tod,\nStunden haben sehr bewußtes Leben,\nlächeln trunken, trüben Traum,\nIch habe mich meinen Stunden ergeben.\nStunden sind nicht einmal Raum.\nSind ein buntgestickter Teppich.\nPrunkes Gold und sattes Purpur lockt.\nGold aus Tempeln,\nPurpur, der auf Kuppeln hockt,\nheiliger Stätten,\ndie im Wehen\nkosender Winde stehen.\nLichten Teppich liebten Ihre süßen Füße.\nIhre Füße waren meiner Seele Spielgefährten.\n— Manchmal knirscht ein Schrilles Messer über meine\nSeele.\nLichte Stunden ringen meinen Tod.\n— ~Die Frau steigt zum Manne herab in die Ehe/'? — So\nwäre ich wieder am Anfang meines Werdens und dachte, beim\nAusgang zu sein!? Erinnern Sie die Nächte, Maya, daß ich von\ngeistiger Ehe sprach?\nMaya — meine Träume sollten wahr — mich ängstet! Oh,\nich darf daran nie glauben. Ich möchte den Glauben an miefe\nverlieren."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.5", "texte": "Oskar Fischer: Am Tage zuvor / Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.6", "texte": "Ich bin nie genug lieb gewesen, um das zu begreifen. —\n— Von ganz etwas anderem will ich erzählen. Ich habe ein\nKinostück für Sie entworfen.\nMerken Sie nun, daß .. * oh, wenn die Müdigkeit\nso ganz langsam uns überfällt, langer Kuß aus tiefem Schlaf,\ndas ist sehr köstlich.\nOh, ich möchte einmal sehr krank sein — ich würde nie-\nmanden um mich haben wollen.\nNachts ist-immer Ihre Hand bei mir, Ihre Hand plaudert\nsanfte Märchen. Küßt Schlaf über meine Augen.\nIch darf nicht weiter schreiben — „La doglia mia, cresce\ncoli' ämbra.\" Maya! ,\nIch küsse Ihr Fernesein sehr.\nMaya\nGestern habe ich Ihre sehr geliebt. Sie sagte\nviel. Aber es war nicht sie, die sprach. Sie standen hinter\nihr. Ich kam mir sehr fremd vor. Wir sprachen — nein sie\nsagte mir — von Ihnen, Nichts über sie.\nIhre Mutter meinte, ich glaubte Sie zu kennen« Wie darf\nich das wagen. Ich kann die Stunden zählen, die wir zusammen\nerlebten, Ihre Mutter sagte, es sei nicht ihre Maya, die aus\nmeinen Briefen lebte, Warum sollte ich Sie Ihrer Mutter\nnehmen.\nAber ich kenne Sie doch sehr. Viele mögen mehr über\nSie wissen, als ich. Merken Sie, daß die Resignation schon\nkommt. Eigentlich bin ich wohl zu jung dazu. Aber sie ist da.\nHeißt das einen Menschen nicht kennen: ~Kinder haben\"\n— „Meiner Mutter weh tun müssen\" — „Freude am Quälen\nhaben\" — „sich selbst leben\" — alles was Sie mir sagten,\nwaren Sie, Oja — ich weiß Liebes, Und ich weiß auch vieles,\nwas noch kommen wird.\nMerken Sie dies, Maya: Wenn ich meine Braut erhöre,\nhassen Sie mich. Wenn ich Ihnen meine Liebe sage, fluchen Sie\nmir, Das soll keine Vorsichtsmaßregel sein. Ich weiß, daß es\neinmal dazu kommen muß.\nIch liebe Sie nicht — sicher nicht. Ich bin mir sehr klar\ndarüber, Aber, wir lieben ja uns, weil wir zum Hassen zu\nschwach sind. Vielleicht auch zu feig. Liebe is t ein Raffine-\nment des Hasses, Bin ich nun Epigone?\nNichts will ich von dem sagen, was Ihre Mutter mir sprach.\nDas soll mir heilig sein.\nIn Einem weiß ich mich gleich mit Ihnen: ich suche eine\nFrau, die wie meine Mutter wäre, Sie suchen einen Mann, wie\nIhren Vater. Nicht weil es Mutter und Vater, sondern, weil\nsie reinen Herzens sind. Aber wir suchen vergebens, Maya.\nUnd ich habe es aufgegeben. Und Sie werden es aufgeben. —\nSehen Sie — Ich gebe mich Ihnen nun in die Hand und\nsage: „ich bin glücklich.\"\nWas ich will?\nDaß Sie mich quälen sollen, Maya!\nNehmen Sie mein Glück und zertrümmern es. Lassen sie\nmich Ball sein zwischen den Spielen Ihrer Freude« Und wenn\nSie genug haben, dann werfen Sie mich weg.\nNur eines ersparen Sie mir: geben Sie mir nie die Erfüllung.\nLassen Sie mich hoffen und sehnen. Lassen Sie mir einen Halm\nSehnsucht, mich daran zu klammern — aber schenken Sie mir\nein Meer von Qualen.\nVielleicht ist dies der letzte Brief, den ich schreibe. Ich\nmuß täglich damit rechnen. Und es ist auch viel ruhiger. Die\ngroßen Gesten haben doch keinen Zweck — Maya.\nIch will Ihnen etwas sehr Glückliches sagen: Einen großen\nPalast will ich bauen. Darein viele Säle mit tausenden Spie-\ngeln, In den größten Saal baue ich eine Orgel höher denn alle\nKirchen, Alle berühmten Musiker bestelle ich. Und baue ein\ngroßes Orchester. Ich selbst bin der letzte Geiger. Ich bin der\nblonde Geiger.\nWenn alles aufs Prächtigste zugerichtet ist, lasse ich weite\nTüren öffnen und lade alle Kranken, alle Krüppel und die ganz\nHäßlichen zu mir. Die Blinden lasse ich zuvörderst sitzen. Die\nBlinden sind die ärmsten Menschen.\nUnd wenn alle da sind und alle Türen stehen voll, kommt\ndas große Schweigen, dann das Ergriffensein und dann — Bach.\nIch lasse seine G-Dur-Sonate spielen.\nIch trinke mich toll an dem Glück des Menschen.\nDann spielen wir die Passacaglia mit der Doppelfugs\nC-Moll.\nWenn alles schreit „Vater vergib uns\" — nehme ich eine\nlange Nadel und stoße sie in mein Herz.\nIch will der Lust sterben — Maya!\nDenken Sie an meine Bitte!\nQuälen Sie mich\nIch will jauchzen.\n\nKurt Striepe\n\nGedichte\nAdolf Allwohn\n\nWeib\nMann Weib.\nArme ringen um dunkel Auge.\nGrau Gram,\nSterne starren um ewige Hände,\n• ■»\nMann Weib.\nLeiber gerten aus Sprenger Laune.\nLust Leid.\nBlüten verlieren aus wachen Monden.\nMann Weib.\nFäuste klirren in zerrem Kampf,\nTurm Trieb.\nLippen biegen in stürmem Sinken,\nMann Weib.\nHaare spielen auf wolkem Kahn.\nLiebe Licht.\nSonnen bäumen auf träumen Seen,\nMann Weib.\nSäulen nächten über heime Tore.\nHeilig Halle.\nGebete leisen über berge Himmel,\n\nHart\nAufwirft schaumgaukelnde Zeit.\nSchlingkecke Kreise umschoßen.\nGlutlocke Lippen umkräuseln.\nSchatten verästen einen mondklirren Weg.\nTief senkt aug würgendes Weh.\nTierrecke Nüstern zerbluten.\nTangschwere Tannen zerbirken,\nSterne vernebeln einen ebenen Turm,\nFestraumt lichtkeimendes Hart,\nSchuldtiefe Blicke umblinden.\nBanghohe Fäuste umhoffen,\nHimmel verglauben einen starkglocken Fels.\n\nGott\nGott\nFaust — Berg\nSt?j-r Turm\nNacht klar\nNacht tief\nSchluchten schwarz\nDunkel verloren\nTief — Seligkeiten\nFeier der Welt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.7", "texte": "Hans Brass: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.8", "texte": "Gott\nSchein — Höh\nMild Wand\nGold blüh\nGold fern\nGründe rot\nRänder verhofft\nFrüh — Windessehnen\nFeier der Welt,\nGott\nLicht — Baum\nGleiß Mond\nStern glitz\nStern hoch\nHimmel blau\nHände verstirnt\nGlanz — Trunkenheiten\nFeier der Welt,\nGott\nHerz — Traum\nRund Klang\nWelt letzt\nWelt weit\nMärchen glüh\nLiebe versungen\nLeucht — Ueberläuten\nFeier der Welt.\n\nJüngster Tag\nLüfte kreißen irre Tote.\nMordvererdet bersten Beine\nGrauszerbrochene klirren auf\nKnattern Essen\nWiehern Türme\nBluten Winde\nRußzerknirscht,\nLüfte kreißen irre Tote.\nSchwarze Frauen kreischen Gräber.\nBergverfinstert heulen Höllen\nWahngefetzte Rachen türmen\nTotverhetzte ächzen auf\nDonnern Himmel\nBrüllen Monde\nBellen Stürme\nAxtzerklirrt,\nSchwarze Frauen kreischen Gräber.\nZiegel heulen Klapperbeten.\nSternverfiebert quirlen Qualen\nSonnzerkrallte Aengste grausen\nWeltertrunkene keuchen auf\nRauschen Schluchzen\nTanzen Krämpfe\nJüngsten Tage\nBlitzgericht.\nZiegel heulen Klapperbeten.\n*\nHinterm Berge schaurig purpurt Gott.\nDämmert Rollen.\nViolett und grün brechen Wolken.\nRot und schwarz sterben Toten.\nHart überfällt dröhnende Nacht.\n\nMessias\nNacken gefurchtet\nDer Eine\nPeitschwärts.\nRücken gefäustet\nDer Eine\nGeißelhoch,\nHirne verschlappert\nZähne vergiert\nSchwarzschoß rundmauert\nLetzt\nTod\nAngst.\nKritscht\nZerfällt schaumquer\nZerlattert klumpenüber\nZerstolpert furchendünn\nKirrt\nSpitzt\nSchneet\nGeistert\nHalt.\nBläst\nHeult\nPosaunenhohl\nBlast!\nBlast!\nSchweiß stirnt verstruppt.\nBlut schluckt verbangt.\nVerhustet\nVerkeucht.\nWeiß wer?\nKommt wer?\nDröhnen verkratert rauschtief die Erde.\nGott!\nHochgott\nTiefgott\nWelt.\n•\nKommensgroße Feuer schwingen\nLäuten hinter Nächten\nDer Eine verstirnt\nGeschick schwarzhimmelt\nInnen schwer\nInnen hoch\nInnen stark\nLetztirdisch über Wolken verballt\nHimmel hoch\nHände hoch\nErden hoch\nHebt!\nHebt!\nWelten hebt!\nEs glocken die Tiefen.\n\nJenseits\nEs letzten Tage\nDunkelt Verwölbung\nDumpft Verschauung\nEin Ungesehenes\nEin tiefes Geschick\nEin blinder Gott\nEin Auge blauinnen\nEin Anbruchsende\nJenseitsunter.\nWeltendämerungen versonnen flockende Schneeschatten.\nSchwirren Kreise hastender Hände.\nEs fallen Reifen über Ränder hinab.\nEs wuchten Haare eines dunklen Meeres.\nNächte Überzeiten einsame Ruhe.\nMond überbogt alle Enden."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.9", "texte": "LCR STURM\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\n\nHerausgeber: Herwarth Walden\nAchter Jahrgang\n1917/18"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.10", "texte": "Inhalt / Achter Jahrgang / 1917/18\nBeiträge Heft Seite\nAdolf Allwohn\nGedichte 10 22\nGedichte 12 182\nGerhard Ausleger\nGedichte 1 3\nTod des blauen Reiters Franz Marc 2 22\nFranz Richard Behrens\nGedichte 2 30\nGedichte 3 40\nGedichte 4 52\nGedichte 12 190\nPaul Bommersheim\nDie Hoho-Katze 4 56\nGedrängte Weltgeschichte 11 170\nPaul Citroen\nMarc Chagall 5 68\nTheodor Däubler\nAlbatros 4 54\nMax Ernst\nVom Werden der Farbe 5 66\nKinner von Dresler\nDas Meer 9 134\nGedichte 7 106\nDr. S. Friedlaender\nDas Prisma und Goethes Farbenlehre 9 141\nOskar Graf-Berg\nDie visionären Ekstasen des Dichters J. M. Tullian 1 10\nKurt Heynicke\nAngriff 8 122\nGedichte 2 22\nGedichte 3 34\nGedichte 6 94\nGedichte 7 108\nGedichte 10 154\nKurzes Spiel vom Weib 1 14\nWeib 12 186\nAdolf Knoblauch\nGereut / Erzählung 2 24\nGereut 3 40\nGereut 4 56\nGereut 5 72\nAdolf Knoblauch und Lyonel Feininger\nZwiesprache - 6 82\nKurt Liebmann\nIch werde aufgepeitscht 11 168\nTierspiel 7 102\nGünther Mürr\nGedichte 7 109\nGedichte 10 137\nGedichte 12 179\nHeimkehr 6 88\nMarienlieder 8 124\nMynona\nDas weise Raubgetier 11 172\nDer sichtbare Mensch . 7 109\nDer verliebte Leichnam 11 174\nDie Jungfrau als Zahnpulver 11 170\nThomas Ring\nGedichte 1 6\nGedichte 11 174\nGedicht 12 190\nWilhelm Runge\nGedichte 5 66\nGedichte 8 120\nLieder 1 15\nLieder 2 29\nAnton Schnack\nIm Gebirge 10 158\nLothar Schreyer\nDas Bühnenkunstwerk 2 18\nDas Bühnenkunstwerk 3 36\nMann 10 146\nSehnte 7 98\nKurt Striepe\nMaya 1 4\nMaya 5 68\nMaya 7 109\nMaya 12 180\nVerein Sturmbühne\n6 94\nHerwarth Waiden\nDie Beiden ' 12\nErste Liebe 10 150\nGlaube 11 162\nSünde 9 130\nAusweisungen : Kein Blick in Kunst / Kopf-\nunter / Denker und Dichter / Abgestäubt /\nEchteste und innigste Lyrik 3 50\nDie Aengstlichen: Und will sein Opfer\nhaben / Ich weiß Bescheid / Der schlafende\nZensor / Der Gesundanbeter / Bemerkungen zu\nWorringer 12 - 178\nFach manne he n : Sankt Pauli zu Hamburg /\nDer Aesthet / Ein neues Kunstwerk / Zwei Künstler\ngegen einen Kritiker / Auch ein Expressionist 12 186\nKenner : Er ist so frei / Er wundert sich / Durch\nLicht zur Nacht / Die schönere Kunst / Das kommt\nvom Uebermalen / Der Ueberzeitgenosse 8 114\nKritiker: Tragikomödie in drei Personen: Der\nHumorist / Der Heldenvater / Der Charakterspieler 6 88\nPressfühler: Der Kenner / Der Denkende 112\nAuch ein Expressionist / Prämium 1 1\nZeichnungen\nGösta Adrian-Nilsson\nZeichnung 5 69\nRudolf Bauer\nZeichnung 2 17\nZeichnung 3 43\nZeichnung 5 75\nFünf Zeichnungen 7 97\n101\n103\n105\n107\nHans Brass\nZeichnung 12 183\nCampendonk\nDrei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt 1 5\n7\nMarc Chagall\nVier Zeichnungen 2 21\n23\n25\n27\nZeichnung 11 I^l\nw Hevel\n* Holzschnitt 12 187\nOscar Fischer\nAuchentsag / Zeichnung 12 177\nAm Tage zuvor / Zeichnung 12 181\nLyonel Feininger\nFünf Zeichnungen 6 81\n85\n87\n89\n99\nOswald Herzog\nLiebe / Holzschnitt vom Stock gedruckt 1 11\nJakoba van Heemskerck\nHolzschnitt vom Stock gedruckt 1 9\nZwei Holzschnitte vom Stock gedruckt 3 37\n39\nZwei Zeichnungen 10 149\n151\nPaul Klee\nSieben Zeichnungen 4 49\n53\n55\n57\nZeichnungen 8 121\n123\nZeichnungen * 133\n135\n137\nBohusiav Kokoschka\nStiegenhaus 1 1\nFernand Leger\nZeichnung 11 171\nGeorg Muche\nMarc Chagall gewidmet I Zeichnung\nGabriele Munter\nZwei Zeichnungen 5 71\n73\nFritz Stuckenberg\nZeichnung 5 06\nGeorg Schrimpf\nHolzschnitt vom Stock gedruckt 3 65\nHolzschnitt 8 113\nHolzschnitt 12 185\nDrei Holzschnitte 10 145\n155\nMaria Uhden\nDer Schweinehirt 10 153\nHolzschnitt vom Stock gedruck 9 139\n119\nTanz / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt 3 41\nZwei Holzschnitte vom Stock gedruckt 8 117"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.11", "texte": "Georg Schrimpf: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.12", "texte": "Mond\nNacht\nMeer\nUeberäußerste Welt,\nWelt\nUeber\nDom\nUeberhöht\nUntertieft\nJenseits.\nUeberblau singt letztweit in den Welten:\nUntergegangen\nPurpur geleuchtet\nRauch vernichtet.\nUebergegangen\nBlau geleuchtet\nGott indichtet.\nHineingetragen\nIn Perlen geschienen\nInnen verlichtet.\nHochüber geragen\nIn Sternen geschienen\nEwigkeit letztlichtet\nGott\nMensch\nWelt.\n\nWeib\nKurt Heynicke\nDich singt meine Seele:\nWeib.\nFalke im Blauen\nblühend in Sonne\nSonne im Graue«\nDich singe ich\nWeib.\nMeine Jugend war Sehnsucht\nSehnsucht nach Sonnen,\nSonnen träumte dich meine Sehnsucht.\nMeine Jugend lief.\nMeine Sehnsucht rief\nDich\nAllein.\nIch glühte\nund versank in Deinem Meere\nWeib.\n* *\n*\nIch fühle Dich.\nIn jedem Atem meiner Seele\nDich. 112\nWeit ist das Tor\nweit offen meines Herzens Dom\nvor Dir.\nUnd singt um Dich\nund glüht in Dich\nhimmelan\nerhoben\nKönigini\nDie Seele steigt.\nDie Gassen fallen\nDie Berge sind mein Hang zu Dir.\nDie Sehnsucht steigt.\nAus weißen Gletschern bricht der Gipfel,\nder Sehnsucht Glauben:\nDu!\nMeiner Jugend Traum:\nWeib.\nMeiner Sehnsucht Erfüllung;\nNichts!\nDer Glauben fällt.\nUnd meine Jugend weint sich tot\nErkenntnis blüht aus meines Blutes Not\n*\nDu bist ein Mondstrahl\nder nachts in dunklen Gängen flüstert\nund eines Sternes kaltes Licht auf Marmorsäulen.\nIm Schweigen tiefer Wälder spinnst Du Deine Seele.\nSie schweigt vor meinem Herzen wie die Wälder.\nsj< it\n*\nZu Gott trage ich meine Seele\nmeine Irrsal um Dich:\nLiebe!\nIch höre die Stimme der Welt:\nSei gesegnet\nWeib.\nMutter der Welt.\nEs blüht dein Schoß\nVoll Gnade blüht dein Schoß\nempfangen von dem tiefsten Meer der Liebe.\nSo singt die Stimme Gnade aus den Sternen.\nAus deinem Leibe steigt die Liebe,\nMutter\nWeib. i\n\nFachmännchen\n\nSankt Pauli zu Hamburg\nDie Kunstkritik des Hamburger Fremdenblattes interes-\nsiert Hamburg zur Zeit mehr als die Kunst. Sogar Herr Pro-\nfessor Doktor Pauli, der Direktor der dortigen Kunsthalle, gibt\nder Zeitschrift Die literarische Gesellschaft eine Zuschrift zur\nVeröffentlichung. Museumsdirektoren kümmern sich um die\nKunst der Gegenwart, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden\nläßt. Und wenn sie es dann tun, kommen sie in den Ruf der\nTapferkeit. Dieser Herr Pauli wendet sich nachträglich mutig\ngegen das Hamburger Fremdenblatt wegen des nunmehr klas-\nsischen Satzes, daß „Bestrebungen des Sturm und verwandter\nErscheinungen wie die futuristische Malerei in der Zeitung keine\nPflegstätte finden dürfen.\" Hierauf wird er noch mutiger und\nfragt den Herausgeber der Literarischen Gesellschaft, den\nLandgerichtsdirektor außer Diensten Schiefler: „Und wer ist\nder Sachverständige, der über die Gesundheit oder die Giftig-\nkeit der Kunst zu entscheiden hat, wenn nicht der Kritiker?\nVermutlich werden Sie den Futurismus oder den Stuun ebenso\nwenig Heben und verehren wie ich, und selbstverständlich ist es\nvon keiner Zeitung zu verlangen, daß sie sich die UebErzeu-\ngungen des Sturm aneignet oder den Futurismus rühme. Allein\nwarum soll sie ihren Lesern dann nicht wenigstens die Gründe\nihrer Ablehnung auseinandersetzen? Was sind ferner außer\ndem Futurismus die dem Sturm verwandten Er scheinungen ?\"\nHerr Landgerichtsdirektor außer Diensten Schiefler kann Herrn\nProfessor Doktor Pauli die Frage nicht beantworten, wenig-\nstens tut er es nicht. Weil er nämlich ebensowenig vom Sturra\nweiß oder wissen will wie dieser Direktor Professor Doktor.\nZur Liebe und zur Verehrung gehört einmal Bekanntschaft"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.13", "texte": "W. Dexel: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.14", "texte": "Aber auch dann wäre dem Sturm an der Liebe und Verehrung\ndieses Professors nichts gelegen. Dieser Direktor Professor\nDoktor hielt vor einigen Monaten in einer Ausstellung\nmoderner Kunst aus Hamburgischem Privatbesitz eine Rede, iö\nder er feststellt, „daß die expressionistische Kunster unserer\nZeit eine beträchtliche Gemeinde unter den kultiviertesten\nKreisen unserer Bevölkerung erworben hat. Wodurch ist\nnun diese beträchtliche Gemeinde in Hamburg für den Expres-\nsionismus geworben. Durch die Ausstellungen und die Abende\ndes Sturm, der nämlich die Vereinigung der bedeutenden Ex-\npressionisten aller Länder ist. Der nämlich und ausschließlich\ndie Werke von Franz Marc, Kandinsky, Jacoba van Heemskerck\nund anderer Künstler seines Kreises zum ersten Mal in Ham-\nburg gezeigt hat. Das alles weiß dieser Herr Professor Doktor\nnicht, oder er will es nicht wissen. Trotzdem ist er für den Ex-\npressionismus. Will dieser Mann durch die Ablehnung des\nSturm etwa im Ernst behaupten, daß es den Expressionismus\nohne Franz Marc, Kandinsky und Marc Chagall gäbe. Um nur\ndrei Namen zu nennen, die im engsten Sinn zum Sturm gehören.\nEr kann es nicht behaupten. Hat er doch sogar ein Blatt aus\nder frühsten Zeit von Franz Marc für die Hamburger Kunsthalle\nerworben. Für den eigentlichen Marc ist er noch nicht tapfer\ngenug. Haben doch in der Ausstellung aus Hamburgischem Pri-\nvatbesitz, in der dieser Direktor Professor Doktor die Rede für\nden Expressionismus gehalten hat, Werke von Kandinsky und\nanderen Künstlern des Sturm gehangen. Haben sich doch die\nVeranstalter dieser sehr bemüht, noch weitere\nWerke aus den Kreisen des Sturm zu erhalten, Sie haben sie\nnicht bekommen, weil Besitzer dieser Bilder es im allgemeinen\nvorziehen, sie nicht auszustellen, wenn zugleich Bilder sekun-\ndärer Erscheinungen des Expressionismus gezeigt werden. Hat\ndoch dieser Direktor Professor Doktor niemals eine Ausstel-\nlung des Sturm, niemals die Sammlung Waiden und nicht ein-\nmal die einzig wichtige expressionistische Sammlung in Ham-\nburg gesehen. So hätte ich diesem Herrn Direktor Professor\nDoktor die Frage beantwortet, die ihm der Herr Landgerichts-\ndirektor außer Diensten ohne besseres Wissen verschweigt. Die\nKritik dieses Herrn Direktor Professor Doktor über den Sturm\nist also ebenso belanglos wie die Kritik des Hamburger Frem-\ndenblatts. Er kann seinen Lesern nicht die Gründe seiner Ab-\nlehnung auseinandersetzen. Er hat also kein Recht, sich als\nFührer der Kunst in Hamburg nachträglich aufzuspielen. „Was\naber keiner Frage unterliegt, das ist die offen bekundete Ten-\ndenz eines Blattes, den Geschmack seines Leserkreises durch\neine Präventivzensur zu bevormunden. Einer solchen Bevor-\nmundung bedarf indessen das Hamburger Publikum durchaus\nnicht.\" Das Hamburger Publikum braucht nicht einmal den\nDirektor seiner Kunsthalle. Ich stimme ihm zu, wenn er den\nverehrten Landgerichtsdirektor fragt: „Haben Sie nicht viel-\nmehr den Eindruck gewonnen, daß hier einmal die Rollen ver-\ntauscht waren, daß das Publikum als' Führer voranging, während\ndie Kritik Mühe hatte ihm zu folgen?\" Der Herr Direktor Pro-\nfessor Doktor kommt noch heute nicht nach. Das sogenannte\nPublikum ist stets besser, als die sogenannte Kunstkritik der\nZeitungen und als Museumsdirektoren.\nNun noch einige Worte für den Herr Landgerichtsdirektor\naußer Diensten. Er hat sich zweifellos um die Katalogisierung\nder graphischen Arbeiten von Münch einige Verdienste erwor-\nben, Er besitzt damit aber noch lange nicht die Fähigkeit, sich\nüber Kunst zu äußern. Das beweist die Zeitschrift, die er her-\nausgibt, ein harmloses Literaturblättchen eines literaturbeflis-\nsenenj Dilettanten. Auch dieser Landgerichtsdirektor außer\nDiensten weiß nichts vom Sturm: „Der Sturmabend vom fünf-\nzehnten Februar in der Musikhalle bewies von neuem, daß Der\nSturm nicht das ist, als was er gemeiniglich angesehen wird: Die\nZusammenfassung von schaffenden Kräften, welche durch einen\nbestimmten Stilwillen verbunden sind. Er verkörpert eine\nmehr zufällige Gemeinschaft von Persönlichkeiten, die um An-\nerkennung ringen, und es ist zweifellos ein Verdienst, daß er\ndiesen die Möglichkeit gibt, sich dem Publikum zu Gehör oder\n— auf dem Gebiet der bildenden Kunst — zu Gesicht zu brin-\ngen.\" Ich betone mit aller Entschiedenheit, daß der Herr\nLandgerichtsdirektor außer Diensten keine Ahnung von der\nOrganisation des Sturm hat. Das wenigstens werde ich doch\nbeurteilen können. Abgesehen davon erkläre ich ihm, daß im\nSturm nicht um Anerkennung gerungen wird. Es hat sich schon\nlängst ausgerungen und Anerkennung noch dazu von Dilettan-\nten ist niemals Ziel oder Sinn von Künstlern gewesen. Wir\nbringen weder etwas zu Gesicht noch zu Gehör. Ohne Rück-\nsicht auf Verdienste und Verdienst: Wir offenbaren. Nicht wir\nKünstler, das Ewige offenbart sich durch uns, dem wir Wirk-\nzeug sind. Der bestimmte Stilwille des Sturm ist Kunst. Frei-\nlich muß man wissen, was Kunst ist. Der Herr Landgerichts-\ndirektor außer Diensten hat dieses Wissen um die Kunst durch\nseine bisherige Tätigkeit nicht bewiesen. Ich gestatte ihm da-\nher gern, meine Musik für schwach, aber nicht, die Dichtungen?\nvon August Stramm für stark zu halten. Das alles liegt außer-\nhalb seiner Aufnahmemöglichkeit, Hätte er eine Ahnung von\nDichtung, die Kunst ist, würde er nicht in seiner Zeitschrift fol-\ngende Zeilen als Dichtung veröffentlichen lassen.\n„Meine Heimat ist das Licht,\nHeller Himmel meine Freude!\nTod und Leben wechseln beide,\nAber meine Seele nicht.\"\nWomit ich den Herrn Landgerichtsdirektor zu den Aktem\nlege.\nDer Aesthet\nEin Dr. phil. Namens Alfred Werner, Dozent an der soge-\nnannten Lessing-Hochschule zu Berlin hat sich über die Grund-\nbegriffe der allgemeinen Kunstwissenschaft in einem Buch ge-\näußert, das er stolz „Impressionismus und Expressionismus\nnennt. Die Herren Kunstwissenschaftler machen sich die\nKunst recht leicht. Sie schreiben einfach. Dieser Herr Wer-\nner hat ganz neu entdeckt, daß ein Kunstwerk aus Form und\nInhalt besteht. Da es ihm aber doch wieder nicht neu genug\nschien, die Lessing-Hochschule verpflichtet, nennt er die Form\nKunstleib, den Inhalt Kunstseele. Hierauf rückt er dem Expres-\nsionismus zu Leibe und zu Seele. Der moderne Kunsthistoriker\nmuß sich über diesen gemeingefährlichen Expressionismus-\näußern. Er weiß nur nicht, was er sagen soll. Immerhin genügt\ndas für einen einleitenden Satz: ~Es ist keine leichte Aufgabe,\nüber die schwerverständlichen Formen extrem expressioni-\nstischer Kunst etwas Systematisches zu sagen/4 Was\nmacht man da. Man hält zunächst Kandinsky für einen\nFuturisten: ~Es sei vor allem auf das merkwürdige Buch des\nFuturisten Kandinsky hingewiesen, das sich das „Geistige in\nder Kunst\" nennt und über die Gesetze in der Malerei Aufklä-\nrung geben will, das heißt über das „Prinzip der Inneren Not-\nwendigkeit\" nach futuristischem Rezept.\" Kunstwissenschaftler\nsehen sich bekanntlich keine Bilder an und lesen von den\nBüchern nur die Titel. Sonst ist nicht zu erklären, wie dieser ge-\nnannte Herr Werner aus dem Inhalt des Buches folgert: „We-\nsentlich ist zunächst das vollkommene Absehen von der Wirk-\nlichkeit, die als unästhetisch angesehen wird.\" Das Absehen\nvon der Wirklichkeit halten die Aestheten allerdings für Kunst.\nImmerhin, den Kandinsky als Kunstleib läßt sich Herr Werner\nnoch gefallen: „Kandinsky gehört noch zu den gemäßigten Ex-\npressionisten. Es gibt andere Elemente, die zum Beispiel das\n„innere Erlebnis\" der Bewegung am besten wiederzugeben mei-\nnen, wenn sie einen fahrenden Wagen in Stücke schneiden und\nhier und dort in mehrfacher Wiederholung Weichen, Räder, In-\nsassen auf der Leinwand zeigen. Das Prinzip der „inneren Not-\nwendigkeit\", das innere Gesicht hat hier gesprochen und leider\nnicht die Schule und die Erfahrung.\" Leider hat hier nur die\nLessing-Hochschule und die Erfahrung eines Kunstleibes ge-\nsprochen, der Kandinsky innerhalb von zehn Zeilen als Futuri-\nsten und gemäßigten Expressionisten bezeichnet. Man\nmüßte zum Beispiel die Auflage des ganzen Buches in\nStücke schneiden, um das innere Erlebnis des Herrn Werner\nwiederzugeben. Das würde dieser Herr Werner wieder gleich-\nzeitig Kubismus nennen: „Dabei kommt es vor, daß nach dem"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.15", "texte": "Prinzip der „inneren Notwendigkeit\" das Enface-Bildnis eines\nKopfes neben die Profilansicht desselben Menschen gerückt\nwird, der wiederum nach dem Prinzip der inneren Notwendig-\nkeit mit blauen Lippen, gelben Backen und grünen Haaren be-\ngabt ist. Diese Beispiele dürften genügen, um die subjektive\nWallkür extrem expressionistischer Künstler, die mit Kunst\nnichts mehr gemein hat, an den Pranger zu stellen.\" Dieser\nHerr Werner ist jedenfalls mit Mut begabt. Seine Erläuterung\ndes Kubismus, die nicht einmal mit der sogenannten Kunstwis-\nsenschaft etwas gemein hat, genügt um ihn an den Pranger zu\nstellen. Und zwar mit Kunstleib und Kunstseele: ~So unver-\nständlich wie der expressionistische Kunstleib ist auch die ex-\npressionistische Kunstseele, sofern sie eben mit völlig wirklich-\nkeitsfeindlichen Formen arbeitet.\" Der Herr Werner hat also\nsein Buch eigens geschrieben, um zu sagen, daß er nichts zu sa-\ngen hat. Aber der Herr Werner ist auch gegen den extremen\nImpressionismus. Und so kommt er zur Paarung: „Wo dieser\nvon den Expressionisten erstrebte Zug des Menschlich-Bedeu-\ntungsvollen sich mit impressionistischen Wesen paart, da ent-\nsteht die große Kunst.\" Das Kind von Zug und Wesen ist sofort\nausgewachsen zur Stelle und heißt Max Klinger. Der Kunst-\nleib des Herrn Werner schlägt die Augen auf und er äußerst mit\nKunstseele: ,»Blicken wir uns in der Gegenwart um, so fallen\nuns die gewaltigen Werke eines Künstlers auf, die praktisch am\nbesten für die Wichtigkeit unserer Theorie sprechen. Ich denke\nan Max Klinger, Bei meisterhafter Beherrschung der Tech-\nnik bringt der Künstler menschlich bedeutungsvollen seelischen\nGehalt von starker gedanklicher und gefühlsmäßiger Wirkung.\"\nEin tiefer Zug von hohem Wesen.\nEinen Grundbegriff dieser allgemeinverständlichen Kunst-\nwissenschaft will ich nicht verschweigen. Ein Kunstwerk ist\nnämlich erst dann ein Kunstwerk, wenn der Herr Werner mit\nseiner gemäßigten Kunstseele davor steht: ,»Kunstwerke ohne\nBetrachter sind seelenlose Leiber, leere Formen ohne In-\nhalt.\" Die Lessing-Hochschule sollte für diesen Herrn Werner\neinen goldenen Rahmen stiften und ihn ausstellen. Dann hätte\ndie leere Bildform einen Inhalt und die ganze Kunststreiterei\nwäre erledigt.\nSchließlich zieht sich der Herr Werner verängstigt auf die\nKlassiker zurück. Die haben Impressionismus und Expressionis-\nmus vereinigt. Mit Kunstleib und Kunstseele. Und er kündet\nfeierlich: ~Die äs-theiische Statik, das formwohlgefällige Gleich-\ngewicht der Massen läßt sich, um nur ein Beispiel zu nennen,\nbei der Sixtinischen Madonna Rafaels feststellen,\" Und wenn\nman es diesem Herrn Werner nicht glaubt, er hat zwei Zeugen:\n„Daß wir es aber nicht allein mit körperlicher Formwohlgefäl-\nligkeit zu tun haben, dafür sprechen die schönen Gedichte von\nSchopenhauer und Hebbel.\"- Da kann man halt nichts gegen\nsagen. Und damit man halt nichts sagt, schreibt Herr Werner\ndiese Anmerkung: ~Die folgende philosophische Abhandlung\nüber den Wert ist weniger allgemeinverständlich sondern mehr\nfür Fachkreise geschrieben.\" Da muß man halt die Fachkreise\netwas stören. Nur Mut: ~Wert ist nun einmal so viel, wie Mit-\ntel zum Zweck. Will ich schreiben, so sind für mich Tinte und\nFeder wertvoll. Will ich möglichst schnell einen entlegenen\nOrt erreichen, so ist das schnellste Gefährt, etwa ein Automobil\nvon größerem Wert als die Straßenbahn. Hiermit ist sogleich\nein Maßstab für die Bewertung mitgegeben.\" Ein Maßstab für\nFachkreise, zu denen man am besten mit der Straßenbahn1 fährt.\nJedenfalls ist der Wert des Herrn Werner als Mittel zum\nZweck zu gering, um einen entlegenen Ort noch schneller zu\nerreichen. Oder in seinem Sinne philosophisch gesprochen:\nSein Buch hat keinen Zweck, ist aber als Mittel wertvoll. Näm-\nlich als Zweck zum Mittel. Wodurch sich die Kunst von der\nKunstwissenschaft ergebenst in das Allgemeinverständliche zu-\nrückzieht.\nEin neues Kunstwerk\nDie deutsche Presse meldet in der Abteilung Kunst:\n„Abendunterhaltung bei Hindenburg. Das neuste Hindenburg-\nbild von Professor Hugo Vogel, dem Berliner Maler, ist bei\neiner Abendgesellschaft entstanden. Es zeigt den Feldmar-\nmarschall unter der Lampe behaglich im Lehnstuhl zurückge-\nlehnt, während ihm gegenüber Fürst Dohna-Schlobitten seinen\ndrastischen ostpreußischen Humor spielen läßt. Dann zur Lin-\nken hat der Künstler sein Selbstbildnis angebracht, wie er mit\ndem Zeichenstift die Szene festhält.\" Hindenburg in Ruhe,\nProfessor Vogel an der Arbeit. Und wie einfach. Er hält ganz\nDeutschland mit seinem Zeichenstifte fest.\nZwei Künstler gegen einen Kritiker\nAdolf Behne hat sich in seiner ruhigen, sachlichen und\ndurchaus nicht aufdringlichen Art über Kubismus in der Zeit-\nschrift „Die Tat\" geäußert. Diese Tat ist Bildung, aber die\nBildung ist keine Tat. Jedenfalls hat der Beitrag über Kubis-\nmus den Leser der „Tat\" Namens C. E. Uphoff zur schriftstel-\nlerischen Betätigung ermuntert. Ich habe den Herrn Uphoff im\nVerdacht, daß er sich außerdem der schönen Künste in Oel be-\nfleißigt. Ich habe ihn sogar im Verdacht, daß er in Expressio-\nnismus malt. Ihm fehlt offenbar die Anerkennung des ,dilet-\ntantischen Spezialisten\": ~Die Geschäftstätigkeit dilettanti-\nscher Spezialisten erweist sich für ihre Schrittmacherei dank-\nbar und füllt die Bilderausstellungen, bald auch den Bücher-\nmarkt mit equilibristischen Kunststücken, während die weni-\ngen, die wirklich zur Kunst berufen sind, erschreckt, bedrückt\nund beiseite gedrängt von dem Uebermaß des spezialistischen\nKitsches ein einsames Dasein fristen müssen.\" Zwar\nverschweigt dieser Herr Uphoff, wer ihn zur Kunst\nberufen hat, immerhin bleibt es zu bedauern, daß er ein ein-\nsames Dasein fristen muß. Das wäre eine Tat für die Tat, für\ndiesen Herrn einzutreten. Denn er weiß, daß es nicht nur Ex-\npressionisten und Impressionisten stets gegeben hat, er weiß\nsogar ~daß da noch andere Künstlerpersönlichkeiten waren\nund ewig sein werden, die zur Vereinigung von Eindruck und\nAusdruck innerhalb ihrer Werke hinstreben und daß die Nicht-\nbeachtung dieser Tatsachen Ihre tendenziöse Absicht, das heißt\nIhren Willen bewjeist, die spezielle Richtung des Kubismus\nkrampfhaft zu züchten.\" Das alles erreicht Adolf\nBehne durch eine Erläuterung des Begriffs Kubismus.\nUnd zwar insbesondere durch den Satz ~Der Idealismus\nin der modernen Kunst ist der Kubismus.\" Der Idea-\nlismus ist nämlich von den Herren gepachtet, die sich an-\ndauernd bedrückt fühlen. Jeder Kitscher fühlt sich als Idealist\nund als ein Mann, der zur Vereinigung von Eindruck und Aus-\ndruck hinstrebt. Alle diese Leute sind aber einsichtig genug,\nzu wissen, daß der spezialistische Kitsch und der Dilettantis-\nmus durch das Erkennen des Bildes als Bild erledigt ist. Das\nist der eigentliche Grund ihrer Bedrückung. Diese Leute ver-\nsuchen in ihrer zahlmäßigen Uebermacht die wenigen, die wirk-\nlich zur Kunst berufen sind, völlig bei Seite zu drängen. Und\nihre Angst und Wut ist so groß, daß sie selbst ein einziger sach-\nlicher Beitrag in ihrer Tat erschüttert. Adolf Behne hat Hal-\ntung genug, sich zu fassen, wenn auch ein Paar tausend Oel-\ngemälde aus dem Rahmen fallen. Dieses Bild möge Herr Up-\nhoff mit Eindruck und Ausdruck malen.\nAber Adolf Behne lhat auch die Wut eines andern Schrift-\nstellers erregt der seine Arbeiten von andern Herren bemalen\nläßt. Dieser Schriftsteller heißt Ludwig Thoma und ist dem\nreisenden Publikum als Eisenbahnlektüre bestens bekannt.\nHerr Thoma ist sehr gegen die Kritik eingenommen aus densel-\nben Gründen, wie der Kollege Hermann Sudermann. Beide hal-\nten für Kunst, was gedruckt und gekauft wird. Adolf Behne\nversuchte die Leser einer Zeitschrift ~März\" über Kunst zu un-\nterrichten. Herr Thoma fühlte sich daraufhin in den April ge-\nschickt. Da er nichts von Kunst versteht, versteht er natürlich\nauch nichts über Kunst. Für ihn ist jeder, der schreibt ode\nmalt, ein Könner, also jeder Fabrikant ein Künstler. Die Kunst-\nmacher vergessen immer, daß sie nur in Massen und in Masse\nausführen, was einige geschaffen haben. Massenartikel haben\neben bessern Umsatz und Absatz. Kein Künstler wird etwas\ndagegen einzuwenden Jhaben. Die Kunstmacher aber sind\nstets aufgebracht, daß Künstler diesen Absatz ihrer Arbeit"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.16", "texte": "nicht wünschen. Herr Thoma ist besonders über folgenden Satz\nBehnes empört: „Nicht-können ist unter Umständen weit wert-\nvoller als ein Können — dann nämlich wenn hinter dem Nicht-\nkönnen ein höherer reiner Wille steht, der sich das zu tun ver-\nsagt, was hinter jedem Können als Wille wirkt. Ein Nicht-Wol-\nlen ist unter Umständen wertvoller als ein Können. Wer höhe-\nres will, kann das Uebliche nicht, weil er es nicht verantworten\nkann.\" Herr Thoma antwortet, nicht ohne Goethe erwähnt zu\nhaben, der von jedem Fabrikanten ausgebeutet wird: „Können\nist etwas so unangnehm Positives, daß, wer darüber auch nur\nschreibt, sogleich auf sein eigenes Maß von Können und Wissen\ngeprüft werden kann, während jeder, der sich über das Wollen\nverbreitet, in das Paradies der Kritiker, in die Welt des Unkon-\ntrollierbaren gerät.\" Bilcken wir in die Hölle der Könner, die\netwas so unangenehm Positives sind. Herr Ludwig Thoma\ndichtet positiv:\nEs mag net finsta wer'n,\nEs bleibt so hell,\nEs rucken Mond und Stern\nNet von da Stell.\nSie hamm wia Liachta brennt,\nSo still und klar,\nAls waar dös Firmament\nA Hochaltar\nEs wird niemand bestreiten, daß das Nicht-Dichten-Wollen\ndieses unangenehmen positiven Herren wertvoller wäre, als\ndas Nicht-Dichten-Können. Herr Thoma selbst bestreitet nicht,\ndaß das Können geprüft werden kann. Aber er will auch et-\nwas, nämlich Dichten. Als Dichter ärgert ihn, daß auch nur ein\nKritiker ihn von da Stell rucken will: „Der Kritiker leitet durch\ndie Zeitungskanäle seine Meinung auf die Gefilde der Kunst;\nals breiige schleimige Masse wälzen sie sich durch und was\ndann wächst — das wissen wir/' Die landwirtschaftlichen\nVorstellungen des Herr Thoma scheinen mir unangenehm nega-\ntiv zu sein. Dung hat noch keinem Wachstum geschadet. Aber\nwenn er auf die Gefilde der Kunst geworfen wird, muß sich die\nKunst lieber in den Erdboden verkriechen. Im März sind eben\nNatur und Kunst etwas zurückhaltend. Nur der Herr Ludwig\nThoma kann sich nicht lassen. Er muß dichten, er kann nicht\nAnders.\nAuch ein Expressionist\nDas Neue Deutschland, eine konservative Zeitschrift, feiert\nMax Liebermann, ein Mitglied der Königlichen Akademie der\nKünste, weil er siebzig Jahre alt geworden ist. Danach soll die-\nser Professor Liebermann einen völlig neuen Stil immer deut-\nlicher ausgebildet haben, mit geradezu plastischer Wirkung:\n„Es ist nicht zu bezweifeln, daß Liebermann zu diesem Stil un-\nter van Goghs Einfluß gelangt ist.\" Seine Landschaften „er-\ninnern an van Gogh/' Das war seine mittlere Periode. Aber\ndiesem konservative Neue Deutschland ist liberal: „Freilich sind\nsie dennoch reinster Impressionismus und leiten deshalb nur\nbedingt zu den — sagen wir zunächst — expressionistischen\nBildern der Spätzeit über/' Der Expressionismus wird dadurch\ngeradezu klassisch. Warum haben die Impressionisten sich so\nsehr gewehrt, wenn sie in der Spätzeit doch zu dem verrück-\nten Expressionismus übergehen. Für das Neue Deutschland\nhat Liebermann sogar Farbe: „Betont wird wieder die Farbe;\ngewiß wird sie durchweht von Luft und Licht, aber das sprengt\nsie nicht, sondern erhöht sie nur.\" Das stimmt nicht ganz. Die\nErhöhung erreicht Herr Liebermann nicht durch Luft und Licht,\ndie übrigens als Malmittel ihre Schattenseiten haben, die Er-\nhöhung wird ganz einfach durch reichliches Ausdrücken von\nFarbentuben erreicht, wodurch eine geradezu plastische Wir-\nkung entsteht. Sollte aber jemand auf die Idee kommen, die\nKruste fortzunehmen, so wird er nicht einmal ein impressioni-\nstisches Bild darunter finden. Lieber Mann des Neuen Deutsch-\nlands: Ausdrücken ist nicht Ausdruck. In diesem Sinne: Durch\nIm zum Ex.\n\nGedichte\nFranz Richard Behrens\n\nMecklenburg\nMeinem Vater\nErde Braun\nBraune Erde\nErde Gelb\nGelbe Erde\nErde Sonne\nErde Satt\nErde Saft\nErde Blut\nErde Brand\nErde Brut\nErde Triller\nGrün Bleichen Schleier Strahlengefangen\nBachblaue Flachsweiber Kornschachumlacht\nWälder Gotthell\nKnorren\nHerren\nBlumen Wiegen Eichenwurzeln\nLerchen Adlerblut\nSteine Brechen Nordwärts Aus\nMenschen Schwere Schwimmer\nGolden Feuer Abend Sanfter\nBlonde Mädchen Singen Silbern Stolz\nGott Küsse Tiefe Erde\n\nUnd Ich\nDie schnellste Kugel\nFahne weht\nNacht fällt blind\nBlut kelcht Kirsche Mund goldheller Abendinsel\nKugel lacht Glutlachen heil.\n\nZähe Feste\nElefanten Treten Glas Grau\nRasen Rosen Roten Ringrand\nSeelen Stehlen Blei Sud Brennen\nIm Tief Sterben Sternblau Sucherherz\nAus Neuneckigen Flüssen Wachsen Wälder\nNächte Tauchen Starren Zucker Krampf\nKatzen Springen Funkentrunken\nHammer Herren Schwielen Leichen Lachen\n\nHerwarth Walden\n\nGedicht\nThomas Ring\nSiedglühe Schlünde knattern Mord\nStahl surrt zerpeitschend Mauern\nzerdonnernd Helme\naufschleudernd Grund\nAus welken Stirnen blutet Qual\nstürzt Augen gier in Feuerdämme\nkrallt Faust das Bajonett\nZerfetzen würgt\nund Aengste tasten brause Leere\nund Liebe müdet weich Ersterben\nund Starren krampft\nverzuckt zu wirrem Knäuel getreten\n* *\n*\nSehnen sprengt Nacht\ndie Augen klammern dich\nTräume zerstürzen\nLeid tönt Liebe\ndurchflutet Welt\nsonnübertaumler Garten"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.17", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt and Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin 90 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrilt Der Sturm\nErscheint am iiinizehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Amsgabe: Fur Deutsch-\nland und Oesterr eich-Ungarn;\nEin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 1 Mark / Fur das Ausland\nbei direkter Zustellung durch\ndie Post: Ein Jahr 8 Mark / Ein Halbjahr\n4 Mark / Einzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fur\nDeutschland und 0 esterreich-\nUngarn: Ein Jahr 12 Mark / Ein Halb-\njahr 6 Mark / Fur das Ausland: Ein\nJahr 14 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark\n\nPre is e der friiheren Jahrgange\nVolistandige Ausgabe\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n1910/11\n1911/12\n1913/14\n1914/15\n1915/16\nGewohnliche\nAusgabe:\n30 Mark\n30 Mark\nSonder-\nausgabe:\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n1916/17\n3. Jahrgang vergriffen\nEinzelhefte, sowcit vorhanden, erster bis\nsiebcnter Jahrgang je 1 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Dcr Sturm\nPeter Baum\nSchutzengrabenverse\nGebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite I Gedichtc\nfkheftet 3 Mark I Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\n*\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\n0 be r t e uf e 1 / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedcs Buch 2 Mark 50 Pfennig / Gebunden 4 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n#eheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdoll Knoblauch\nDie schwarze Fakne / Eine Dichtung\nOeheftet 2 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark (Auflage 100)\nBonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart .\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nOeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\n©eheftet 3 Mark\nDie Mens ch h e i t\n\\ Murk 50 Pfennig\n\nHerwarth Walden\nDas Buch der Mcnschenliebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderaustabt 30 Mark\nGesamnielte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nSturm-Bucher Is August Stramm: Sancta\nSusanna / lis August Stramms Rudi-\nmentar / Ills Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IVs August Stramms\nDie Haidebraut / V. August Stramms Er-\nwachen / Vis Aage von Kohls Die Hange-\nmatte des Riuge / VIIs Adol! Behnes Zur\nneuen Kunst / VIIIs August Stramm:\nKrafte / IXs Aage von Kohls Die rote\nSonne / Xs Aage *on Kohls Der tierische\nAugenblick / Xls August Stramms Ge-\nschehen: / XIIs August Stramms Die Un-\nfruchtbaren / XIIIs Peter Baums Kyland /\nXIVs Lothar Schreyers Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Waldcn\nGesammelte Tonwerke\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang unci Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter I Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz I Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark\n\nMappen und Alben / Verlag Der Sturm\nRudolf Bauer-Mappe\nLithographien\n100 Mark / Auilage 10 Mappen\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundertundfiinfzig Mark\nKandinsky-Album / Schrift des Kiinstlcrs\niiber sich selbst mit sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopie\nMappe mit 15 Bildnissen auf Japanpapier\nin Strichatzung\nMappe 40 Mark\n\nKiinstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bild\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4 Fernand L6ger 2\nRudolf Bauer 4 August Macke I\nVincenc Benes 1 Fran* Marc 2\n\nLJmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Qleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nS. Hjertdn-Qrunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\n#ari Mens# 1\nJean Metzinger I\nQeorg Much® 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nQeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nMariannt von Werefkin\n\nSturm- Ausstellungskataioge\nMit Abbildungen\nRudolf Bauer\nMarc Chagall\nAlexander Archipenko\nDer Blaue Reiter\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nDie Futuristen\nJe 60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdru«k\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dcm Verlag Dcr Sturm\nAu! Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiß-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfak-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Essender\nBauer I Madchen\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen /\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Zeichnung\nPaul Klee; Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenklopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Kari\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Schees-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka; Tierbilder\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm\n11. Herwarth Walden\n111. Jacoba van\nHeemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Blumncr\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschfea\nX. Adolf KnoblaucM\nXL Paul Kleo\nXII. Gabriele Miinter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Waldea\nXV- Mynona\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: PI ak a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithograp&a\nAbzug 30 Mark"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180315-01.1.18", "texte": "Der Sturm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Stra&e 134 a\nGeoffnet taglicli von 10—6 Uhr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark j Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEinundsedizigsle Ausstellung\nWilliam Wauer\nJohannes Molzahn\nOskar Fischer\nKunstschule Der Sturm\nErste Ausstelhmg\nKailen / Wechselmann\nZweiundsechzigste Ausstellung\nJacoba van Heemskerck\nErftlfnong; Sottntag den 31. Marz\n\nDER STURM\nTertritt folgende Kiinstler ausschliefilich\nund yeriiigt iibcr ihre Wcrkc (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkauf und zu Ausstellungen in der gan-\nzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngal! I Jacoba ran Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Fritz\nStuckenberg j Nell Walden\nDER STURM\nvertritt fur Deutsohiand folgende Kunstler\nund yerlugt über ihre Werke zum Verkaui\nund fur Ausstellungen:\nGft&ta Adrian - Nilsson / Albert - Block /\nAlexander Archipenko / Fritz Baumann /\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Carlo\nD. Carra / Max Ernst / Lyonel Feininger /\nEmil Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Sigrid Hjerten\nGriinewald / Isaac Griinewald / Johannes\nItten I Alexei yon Jawlenski / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nj Franz Marc / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimp! / Gino\nSeverini / Arnold Topp / Maria Uhden /\nMarianne yon Werefkm\n\nKunstschule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Walden\nZweites Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudolf Bauer\nRudoli Bliimner\nCampendonk\nJacoba yan Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 J Das Sekretariat ist tSglich von 10—6 ge-\noffnet\n\n©ffentliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nV dr tragsreihe 7\nLothar Schreyer: Der Expresslonlsmus\nSonntags 11—12: 21. April / 15. und 19. Mai /\n2. Juni\nDie Vortrage finden in der Kunstschule Der Sturm\nstatt\nHorerkarte fur den einzelnen Vortrag: Mark 1,50\n\nSturm\nVerein iiir Kunst / Vierzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch / Beginn aller Abendc:\n%8 Uhr\nMittwoch den 20. Marz\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 27. Marz\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 3. April\nDichtungen der Sturm-Kniistler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nMittwoch den 10. April\nDichtungen der Sturm-Kunstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nKarten zu 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an der\nAbendkasse\n\nVerein Sturmbiihne\nVorsitzcnder: Dr. John Schikowski\nGeschaitsstelle: Charlottenburg / ScharrensfraSe Mt\nAufruf und Satzungcn kostenlos\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Straße 138 a\nFcrnruf Liitzow 4443\n4\nhat gute und scltene Biicher und Note*\nvorratig und nimmt Bestellungen cntgegea\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nLothar Schreyer\nMeer I Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nSturm -Bilderbiicher\nIII: Paul Klee\n4 Mark 59 Pfennig\nKiinstlcrkartcn\nRudolf Bauer: Zeichnungen 28 / 29 / 30\nJede Karte 20 Pfennig\nErnst Marcus: Das Problem der excetitci-\nschen Empfindung und seine Losung\n4 Mark 50 Pfennig\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressioniste*\nIn monatlicher Folge\n60 Pfennig / Jahrbuch 6 Mark\nZweite Folge erschienen\nHerwarth Walden\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Lebea\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch l Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen naeh Ge-\nmaiden der Sturm-Kunstler\nZweite Auflage\n5 Mark\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Haupiwerke\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenko\n4 Mark\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nAusfiihrliche Verzeichnisse\ndcs Verlags Der Sturm kosten-\n-1 os Verlag Der Sturmt"}]}