{"numero_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_sha256": "98daceb442d63432df6f97cfac7ff160cd224e04c7c45cc90145d95f995e162b", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1918/04/15_01/bmtnabg_1918-04-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1918/04/15_01/bmtnabg_1918-04-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.1", "debut_caractere": 250, "fin_caractere_exclue": 764, "texte": "Inhalt:\nFranz Richard Behrens Totenwacht bei Wilhelm Rurige / Wilhelm Runge: Gedichte / Herwarth Waiden: Die Beiden / Lothar\nSchreyer: Gedichte / Günther Mürr Gedichte / Mynona: Der umgekehrte Narziss / Kurt Heynicke: Gedichte / Herwarth Waiden: Ver-\nmerke: Der Friede im Bilde festgehalten / Grossmannssucht / Noch ein Expressionist / Durch Auge zum Ohr / Watter Mehring: Deri /\nNeil Waiden: Zeichnung / Arnold Topp: Linoleumschnitt / William Wauer: Zeichnung / Fritz Banmann: Zeichnung / Maria Uhden: Bärenlührer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.2", "titre_corps": "Nell Walden: Zeichnung", "titre_sommaire": "Nell Walden: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.1", "debut_caractere": 766, "fin_caractere_exclue": 788, "texte": "Nell Walden: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.3", "titre_corps": "Totenwacht bei Wilhelm Runge", "titre_sommaire": "Totenwacht bei Wilhelm Runge", "signature_source": "Franz Richard Behrens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1503, "texte": "Totenwacht bei Wilhelm Runge\nFranz Richard Behrens\nDer Vorderste fiel.\nDie tierrote Märzschlacht traf Wilhelm Runge, Tötete den\nneuen Leutnant, den jungen Kriegsfreiwilligen, der die Sehn-\nsucht Leben brannte.\nWenn der Erdball nichts mehr von Somme und Oise weiß,\nwirst Du, heckenrosenweißer Freund der Geliebte aller Sterne\nsein.\nWeil der Mensch nicht stirbt, der Tiere zu Menschen\nmacht. Der Blumen zu Sonne macht. Der Menschen zu Gott,\nWir lieben Deine Lieder, Wilhelm Runge. Du warfst sie\nin den Sturm, der sie forttrug und gingst weiter; „Ein Wort ist\nnur eine Erinnerung an einen Schrei der Seele. Es ist aber die\ntiefste Sehnsucht der Seele, nicht nur Wort, sondern Fleisch\nund Blut in uns selbst zu werden, , , , Ein schöner Frühlings-\nmorgen, dessen Sonne ich streichelte — jetzt ist die Sonne auf-\ngegangen.\"\nWeil Du ein ehrlicher Mensch warst, sprangst Du uns an\ndie Kehle: Entweder — oder! Weil Du ein reiner Künstler bist,\nrufst Du in Sonnenstille: „Künstler sein heißt Ahner sein. Der\ngrößte Künstler ist der, der sein Ahnen in sein Leben umsetzt,\nweil er nicht anders kann.\"\nWenn wir heute weinen, willst Du es nicht. Wir weinen,\nweil wir nicht so rein sind. Du flatterst Sturmflagge:\n„Jetzt ist das Himimelreich, das Reich des Geistes in unsere\nHand gegeben und wir tragens weiter vor strahlend in die\nNacht, denn wir sind jung und stark wie am Anfang, Die Mor-\ngenröte steigt! Die Tage brennen!\"\nDeine Tage brennen. Du stößt die Ewigkeit auf. 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Da\nhattest Du Interessen,\nDie junge Frau\nDeine Stimme war Stahl, Ich fühlte mich geborgen.\nMann\nUnd nun machst Du mir Vorwürfe, daß Du geborgen bist\nDie junge Frau\nDu hast eine Geliebte\nMann\nEs lohnt mir nicht darauf zu antworten. Leg Dich\nschlafen. Du bist überreizt. Guten Abend.\nDie junge Frau\nSei nicht böse, bitte. Ich halte Dein Schweigen nicht mehr\naus. Immer höre ich es rauschen.\nMann\nLeg Dich schlafen. In vier Wochen wird man wieder\nmenschlich mit Dir reden können.\nDie junge Frau\nDu hast mich unmenschlich gemacht.\nMann >\nIch habe eine Geliebte. Guten Abend.\nDie junge Frau schreit auf.\nDer Mann hinter der Tür\nMathilde, gehen Sie zur gnädigen Frau\nDas Dienstmädchen\nNicht weinen gnädige Frau, Das schadet der gnädigen Frau»\nDie junge Frau\nBleib. Bleibe.\nDas Dienstmädchen\nDer Herr wird woLl wieder lange fortbleiben. Gehen Sie\nlieber schlafen, gnädige Frau.\nDie junge Frau\nHören Sie es rauschen, Mathilde.\nDas Dienstmädchen\nGewiß denkt jemand an die gnädige Frau. Dann habe ich\nauch immer Ohrensausen.\nDie junge Frau\nNiemand denkt an mich. Niemand liebt mich.\nDas Dienstmädchen\nEinmal kommt immer der Richtige.\nDie junge Frau\nWas sagen Sie\nDas Dienstmädchen\nDer Herr ist zu hart für die gnädige Frau.\nDie junge Frau\nEs ist doch sein Kind,\nDas Dienstmädchen\nKinder sind nur für Mütter. Meiner hat mich auch ver-\nlassen. Und nun gehen Sie schlafen, gnädige Frau.\nDie junge Frau\nIch warte. Machen Sie mir Licht.\nDas Dienstmädchen\nEs klingelt\nDie junge Frau\nMachen Sie nicht auf.\nDas Dienstmädchen\nSicher der Briefträger. Sonst kommt ja hier niemand.\nDie junge Frau\nNicht öffnen. Nicht öffnen.\nv -\nDas Licht erlischt.\nDie junge Frau\nDen Riegel vor. Schon steht das Rauschen im Gange\nDas Dienstmädchen\nSie machen einem Angst, gnädige Frau. Es klingelt schon\nwieder.\nDie junge Frau\nMathilde, wo sind Sie\nDas Dienstmädchen\nKurzschluß. Seien Sie doch vernünftig, gnädige Frau, Ich\nhole eine Kerze.\nDie junge.Frau\nNicht hinausgehen. Das Rauschen rauscht.\nDas Dienstmädchen /\nEs klingelt und klingelt. Ich sehe mal durch das Schlüssel-\nloch.\nDie junge Frau\nMachen Sie doch Licht, machen Sie doch Licht,\nDas Dienstmädchen\nVielleicht kommt der Richtige. Solange können sich gnä-\ndige Frau einriegeln.\nDie junge Frau\nVater unser, der Du bist im Himmel,\nSie legt beide Hände auf den Riegel und sinkt in die Knie.\nDas Dienstmädchen bald darauf hinter der Tür\nGnädige Frau, ein junger Herr will Sie sprechen. 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Ich bin allein.\nD'er Jüngling hinter der Tür\nNur einige Minuten.\nDie junge Frau öffnet den Riegel, er fällt klirrend auf den\nBoden.\nDer Jüngling öffnet die Tür\nUrsel!\nDie junge Frau\nDer Riegel ist gefallen.\nDer Jüngling\nWenn der dumme Junge kommt.\nDas Dienstmädchen\nDie Kerzen sind alle, Frau.\nDie junge Frau\nIch habe drei Schachteln Streichhölzer und Sie bleiben\nals Anstandsdame\nDas Dienstmädchen\nIch werde doch rasch ein paar Kerzen holen.\nDer Jüngling\nHier .haben Sie einen Taler. Ich habe höchstens\nKerze Zeit.\nDas Dienstmädchen\nDanke schön. Und der Herr kommt nicht vor zwölf.\nDer Jüngling\nDas macht nichts. Ich bin der Vetter.\nDas Dienstmädchen\nDer gnädigen Frau gönne ich einen Vetter.\nDer Jüngling\nWir wollen mal hier etwas Licht machen\nDas Dienstmädchen\nIch klingle dreimal,-junger Herr. Schließen Sie solange zu.\nDer Jüngling\nWenn hier alle Riegel fallen\nDie Haustür wird geschlossen.\nDer Jüngling\nBist Du mir böse, Ursel, Ich muß Deine Kinderaugen wie-\ndersehen.\nDie junge Frau\nWo kommst Du her.\nDer Jüngling\nVom Felde.\nDie junge Frau\nIch sehe Dich nicht.\nDer Tüngling\nWarum kniest Du\nDie junge Frau\nIm Himmel wie auf Erden\nDe r Jüng 1 i r g\nDu darfst nicht knien. Denn alles kniet vor Dir.\nDie junge Frau\nIch knie in meinen Schmerzen.\nDer Jüngling hebt sie mit Gewalt auf\nDu darfst nicht knien. Du darfst nicht unglücklich sein.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau. Ich liebe ihn.\ni\nDer Jüngling\nViele Männer habe ich erschossen, um ihn zu treffen. Er\nist mein Kamerad.\nDie junge Frau\nDummer Junge.\nDer Jüngling\nNun hat es Dich auf die Knie geworfen, daß Du mich ver-\ntrieben hast. Immer treibt es mich zu Dir. Immer höre;\nich das Rauschen Deines Blutes.\nDie junge Frau\nHörst Du das Rauschen\nDer Jüngling\nMein Blut hallt. Warum hast Du mich vertrieben.\nDie junge Frau\nDu Junge.\nDer Jüngling\nEin dummer Junge, der sich vertreiben läßt. Du hättest\nmich nehmen sollen.\nDiejungeFrau\nDu warst zu jung. t\nDer Jüngli:ig\nDu liebst mich.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau.\nDer Jüngling\nLiebst Du mich\nDie junge Frau\nNein\nDer Jüngling\nJetzt bin ich klug. Klüger als Du.\nEr küßt sie\nDie junge Frau\nLaß mich\nDer Jüngling\nNie. Ich lausche im Rauschen Deines Blutes. Du liebst\nmich.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau. Ich trage sein Kind.\nDer Jüngling\nMein. Ihr beiden Kinder.\nEr nimmt sie in die Arme und trägt sie quer durch das\nZimmer.\nDie junge Frau\nO Du. Zu spät i\nDer Jüngling\nDumm ist es klug zu sein. Ich nehme Dich mit. Sofort.\nEs klingelt\nDie junge Frau reißt sich los\nIch ,bin seine Frau. Geh.\nDer Jüngling\nMein bist Du.\nEs klingelt zweimal\nDer Jüngling\nUnd jetzt kommt Licht.\nDie Stimmedes Mannes\nSie sind hier\nDer Jüngling\nJa\n<\nDie Stimmedes Mannes\nWo ist meine Frau\nDer Jüngling\nBei mir.\nDie Stimmedes Mannes\nWo ist das Mädchen\nDer Jüngling\nAusgegangen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 651, "texte": "Die Stimmedes Mannes\nKein Licht\nDer Jüngling\nAusgegangen.\nDie St immedes Mannes\nWollen Sie mir eine Erklärung geben\nDei Jüngling\nSie sind doch ein kluger Mann '\nDie Stimmedes Mannes\nDummer Junge\nDer Schall eines Schlages\nDie Stimmedes Mannes\nHinaus, Sie werden von mir hören.\nDer M a n n tritt ins Zimmer\nDirne\nDie junge Frau\nEr ist unschuldig.\nDer Mann\nUnd ich habe eine Geliebte.\nDer Jüngling tritt ins Zimmer\nKomm Ursel\nDer Mann schleudert ihm die junge Frau zu\nPackt Euch. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.7", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.8", "debut_caractere": 1714, "fin_caractere_exclue": 2509, "texte": "Gedichte\nGünther Mürr\nNoch bliebst Du min\nO so Dich halten können,\nwie Du, wie Du zu mir gehörst.\nArme und Rücken, hilflose Steinträger.\nEuch ist, und Wollen, Wissen\nNähe wie Ferne viel zu schwer.\nBaum wächst, Wind atmet,\nWolke zieht hin zu regnen.\nLicht?\nW'olke und Regen, Sonne decken sie auf und zu.\nLicht\nstrahlt aus dem Schöpfer nur,\nhimmelt aus seinem Odem nur\ndurch Augen nur ins Sein.\nNahe Du, Augen Du\nlicht — liebe — schwimmend — blau\nStrahleninnig\nleuchtelicht verwoben\ngehoben aus der Finsternis.\nJubeln\nBeben\nZittern — Jubeln.\nDu Nahe.\nMüde dämmert lose ein,\nbettet zärtlich tiefes Erwachen,\nKleine Hand hebt wachsend vom Lager\ngreift durch stille Höhe\naufwärts\nfaßt die fernen flimmren Nachtvögel\nschlingt dran milden grauen Tag\nhängt Lächel-Leichte dran\nhebt wacht ins Zerlächeln."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Erinnern Sie sich jenes russischen Generals, dem\nder Anblick seines eigenen Spiegelbildes, wegen seiner ab-\nschreckenden Häßlichkeit, so unerträglich war, daß er den\nSpiegel zertrümmerte; schließlich mußte man alle Spiegel vor\nihm verhängen, Ueberhaupt, ehrlich, Hand aufs Herz: finden\nSie sich so schön, daß Sie diesen russischen General pharisäisch\nverlachen dürften? Wo wäre das Fleisch, in dem nicht der\nStachel der Schönheit bohrte! Der sogenannte Geschlechts-\ntrieb, unter uns gesagt, bedeutet eigentlich die Begierde, an-\nders zu werden — anders, d. h, immer echter der Selbe. „Ich\nbin noch lange nicht Ich\", schmerzt eine Liebe zu uns selbst in\nuns. Wir greifen nach dem Geliebten wie nach einem Spiegel,\nin dem wir uns verklären etc, etc.. Sie kennen diesen Gedan-\nkengang (Was kennen Sie nicht?). Machen Sie sich also klar,\ndaß Ihr eigener Anblick zum Motiv Ihres Aussehens wird. Ihr\nAnblick bewirkt immer eine, wenn auch noch so leichte Meta-\nmorphose, fährt Ihnen in die Glieder, formt sie, je nach dem, um.\nBedenken Sie aber nun so tief wie möglich, daß eo ipso no-\nlens volens, äußerst gütiger Weise, sich Jeder, der sich noch\nnicht genügend im Spiegel erblickt hat — und jeder andere\nMensch ist für den Menschen ein Spiegelbild, an dem er sich\nkontrolliert — sich selber riesig lieb hat, sich ideal findet,\nschwer begreift, wie man anders sein könne. Der Ringkampf\nmit dem eigenen Spiegelbilde, welches schließlich so unterliegt,\ndaß selbst Thersites sich im Spiegel Apollo dünkte, gehört zu\nden alltäglichsten Erfahrungen, Bedenken Sie bitte nur das\nAlles und noch mehr, was in der Verlängerung dieser Spur liegt,\nnebst banaler Splitter- und Balken-Weisheit, und staunen Sie\nnicht so dümmlich über die hier folgende Begebenheit, welche\nsich an einem sehr trüben Herbsttage des Jahres 1888 im Affen-\nhause eines der größten zoologischen Gärten zugetragen hat.\nMit Verdruß hatte längst der Wärter Bimpel, ein bejahrter\nMann mit dem Abglanz der Tier-Physiognomie auf seinen mil-\nden Zügen (während hingegen so mancher Affe — denn alles\nBenachbarte färbt auf einander ab — bimpelhaft überhaucht\nwar), wahrgenommen, daß der frappant menschenähnliche Affe\nMimo sich melancholisch von den Kollegen absonderte. Bimpel\nbeschloß, den Mimo auf alle nur mögliche Weise aufzuheitern;\ner befürchtete sonst dessen Eingehen. Bimpel aniemerte das\nPublikum, den Affen zu vergnügen. Viel zu naiv von Bimpel!\nDas Publikum liebt boshafte Neckereien, und Mimo kehrte ihm\nsehr bald verächtlich seine Rückseite zu. Bimpel versuchte es\nmit Konfekt, Schokoladenzigaretten, Bällen, bunten Steinchen,\nmit dem Perlmutterbilde des Kaiserpaares, einer alten Holz-\nbüste Gerhard Hauptmanns, mit Zahnbürsten, Perücken,\nOstereiern, Pfeifchen, Zinnsoldaten und Richard Strauß'scher\nMusik, sogar mit Strophen von Rudolf Borchardt — nein, es\nmißlang; Mimo machte, bes. bei Borchardt, unverkennbar\ngequälte Abwehrbewegungen und grunzte gottserbärmlich.\nSchon wollte Bimpel den Mimo aufgeben, als ein Zufall den ge-\nwünschten Effekt und weit mehr als diesen, nämlich ein wahres\nWunder herbeiführte. Der Wärter nahm Mimo sorglich auf den\nArm und trug ihn spazieren. Dabei begegnete ihm der Direktor\nProfessor Golemchen und bat ihn auf einen Moment in sein\nZimmer. Die eine Wand des Kabinettes nahm ein makellos\nklarer Spiegel ein, und kaum hatte der Affe sich in ihm erblickt\nund zu erkennen gegeben, daß er sich darin rekognoszierte, als\ner einen entsetzlichen, erschreckend menschlichen Schrei aus-\nstieß und Anstrengungen machte, vom Arme Bimpels in den\nSpiegel zu springen. Der Wärter hielt ihn fest und beruhigte\nihn. Professor Golemchen fragte: „hat er sich denn noch nie\nim Spiegel gesehen?\" „So noch nicht, nur in kleinen Scherben\nganz undeutlich/' „Na, dann lassen Sie ihn doch! Vielleicht\namüsiert es ihn. Wir wollen einmal sehen, wie er sich anstellt.\"\nMimo ging zitternd auf allen Vieren vor den Spiegel. Dort rich-\ntete er sich in die Höhe und sah sich in die Spiegelaugen mit\neinem so grauenvoll wissenden Blicke, einem so märtyrerhaften\nAusdruck in der Miene, solcher sprechend selbstquälerischen\nGebärde, daß Golemchen und Bimpel fasziniert wurden. Setze\nden Fall, Du sähest in den Spiegel, und der Spiegel zeigte Dich\nDir als Affen-Mensch, würde das nicht auf Dein Gemüt ein-\nwirken? Das Geheimnis nun der Melancholie Mimos bestand\ndarin, daß sein Innerstes gar kein Affe war. Solche Fälle sind\nin der höheren Tierwelt garnicht so selten. Da gibt es denn\nsolche Seelen von unvergleichlich feiner Beschaffenheit; aber,\nvon außen angesehen, sind es — und noch dazu degenerierte\n(denn der Leib entartet, wenn die Seele ihn nicht mitmacht) —\nTierleiber, Mimos Seele war unausdenkbar feinfühlig und in\nabsurdem Widerstreite mit ihrer tierischen Hülle, Gar dieser\nSpiegel bedeutete für seine Selbsterkenntnis eine einzige Peri-\npetie und Katastrophe, Nochmals stieß er jenen übertierischen,\nfast übermenschlichen Schrei aus — dann aber, in einem Augen-\nblick, verwandelte sich, gleichsam kinematoskopisch, vor den\nbis zum Blödsinn verdrehten Augen Golemchens und Bimpels,\nder Affe in den Adam. Als ob ein Riß, ein Blitz, eine Erschüt-\nterung durch sein Fleisch ginge, explodierte sein Leib in eine\nmenschlichere Form bis er adamitisch geworden war. Go-\nlemchen dagegen und Bimpel behielten zwar ihr menschliches\nAeußeres bei; aber ihre Seelen reduzierten sich, in Folge dieses\nWunders, ins Affenhafte. Man konnte kein Referat von ihnen\nverlangen, und Mimo wiederum sah nunmehr zwar wie ein\nMensch, ja sogar wie aus der Schöpferhand unentstellt ur-\nsprünglich hervorgegangen aus. Er war aber noch stumm.\nDie Journale berichteten lediglich Tatsachen, ohne sie erklären\nzu können: „Im Zimmer des Direktors Golemchen fand man\ndiesen sowie den Wärter Bimpel blödsinnig geworden vor. Vor\ndem Spiegel stand ein unbekannter nackter Jüngling, der stumm\nzu sein scheint. Kriminalinspektor Mauthner ist mit der Un-\ntersuchung des seltsamen Falles beauftragt. 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Unheilige Einfalt!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c023", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "12", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.10", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.10", "debut_caractere": 6387, "fin_caractere_exclue": 7231, "texte": "Gedichte\nKurt Heynicke\n\nWeib\nWiege die Hüften\nbiege die Lenden\nauf den Händen trägst du dich selber den Nächten zu.\nEwiger Reigen\ntanzendes Du\nwiegende Wogen im Strahl der Gedanken,\nAbend ist Morgen und Nein ist Ja\nFerne ist Nähe und Hier ist Da —\nSingend Madonna über den Sternen im Blau\nFrau\nruhend allein ist dein Mutterschoß ewigen Schenkens.\n\nZorniger Gott\nIch bin Gott, der Zorn\nich bin lechzender Blitz\nich töte den Tag mit schwarzblauem Sturm,\nich peitsche mit tausend Geißeln das Meer!\nMit Menschen spielt meine dunkele Faust,\nmein Mund jagt Städte vor sich her,\nich bin das Blut, die Macht, die Gewalt,\nich bin Gott im Zorn\nund der Krieg über der Welt,\nMeine Stimme sind Granatengesänge und Aerztegeflüster,\ndas Gurgeln versinkender Schiffe im Meer,\nIch bin Gott, die Leidenschaft,\nich bin Gott, die Kraft,\nmillionenfach bin ich:\nIhr!"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3238, "texte": "Nun\nDie eine Stunde senkt den Mantel um uns beide.\nDie Stunde ist der reinste aller Sterne\ndes einen Heimatsternes unsrer Seelen.\nWir fühlen fern das Blut vorüberfließen\nin unsrer Leiber helles Gottgefäß die Seele gießen\ndie eine Seele\nuns geschenkt von Gott dem Herrn.\nFühl uns!\nWir sind ein weißes Schiff\nMeerzu auf hellen Kinderchören!\n\nWeite Wege\nWeite Wege\nwirre Welten sterben hin auf mich.\nAuf dem aufgebäumten Willen hockt ein fremdes Leid\nstarr umeist von Winterwinden wandle ich in Einsamkeit.\nNacht und Schatten senkt die Stirne\ntote Taten fallen aus dem Weltenraum.\nSonnentraum entfliegt\nversiegt im Eis der Leiden ist der letzte Brunnen.\nIch fühle Licht im tiefsten Meer der Nachtgedanken blinken\nertrinken will mein Willen nicht\nich schwimme in den Odem Gottes ein\nund bin beladen imit der Dornenkrone ungemessner Welten.\n\nIch, der Mensch\nIch bin über den Wäldern\ngrün und leuchtend\nhoch über mir\nich, der Mensch.\nIch bin Kreis im All\nblühend Bewegung\ngetragenes Tragen in ewigen Tagen.\nIch bin Sonne unter den Kreisenden\nich, der Mensch.\nich fühle mich tief\nnahe dem hohen All-Kreisenden,\nich, sein Gedanke,\nMein Haupt ist sternbelaubt\nsilbern mein Antlitz\nich leuchte\nich\nwie Er, das All.\nDas All\nwie ich!\n\nSchrei\nHoch flattert meine Seele im Dunkel über den Dingen,\nüber die hölzerne Qual toter Nächte\nhin in die Säle geborstner Fabriken\nentlang die dunkeläugigen Kohlenkanäle\nhin in vergrabene donnernde Schächte\nüber die wiegenden Arme der Mütter\nüber die Kissen der liebenden Kammern\nüber die klagenauftürmenden Kreuze\nüber die Menschen\nüber das Dunkel\nerdeentstiegen\nnachtempor\naufwärts zu Ihm!\nIhm\nBruder der Menschen\nIhim schreit meine Seele die Welt ins Gesicht,\ntragen soll sein gewaltiger Atem sich selber\ndie Menschen\ndas Leid!\nIch schreie Ihm uns alle ins Gesicht\n\nAndacht\nMeine Augen sinken in mich.\nTief gehe ich in mir\nUnd tief in tmir bin ich das Hohe\nich bin das ferne Sternenlied.\nMir blühen die fremden Gärten,\nich bade in blauhellen Teichen,\nich trinke den Duft der letzten Erkenntnis.\nTief in mir wandelt der Weltenraum.\nIch bin nicht Traum.\nIch bin das Leben\ngeführt vom Geheimnis der Welt.\nIch schließe die Augen\nmir öffnet sich weit die unendliche Seele.\n\nSpielerei\nTanzspielabend in V. in Frankreich\nDer Tänzerin L. Q.\nHelle Blüte flattert auf,\nflattert über unsern grauen Panzer\nrosa Sonne\nblonde Sonne\njunger Tanz\nspielhin spielher\ngestern trug ich einen Stahlhelm\nheute flattert meine Seele\ntanzend\nlachend\nJugend\nJa!\n\nLeidlust\nLaß uns die Schmerzen entkleiden\nselig die ewigen Leiden genießen.\nHelles und Dunkles muß uns umfließen\nin ewigen Strömen ist Sonne und Nacht.\nHauptoben die schwimmenden Sterne,\nhinwandelnd wir Welle in blaudunklem Spiel\newig ist Ziel\newig die wechselnde Ferne.\nLaß uns die Leiden erkennend bekränzen\no laß uns glänzen\nwir\nkreisende Sterne! s\n\nWiege\nMüde ist mein junges Herz i\nStreichle seinen Atem, helle Frau. 1\nMüde ist mein Tag von allen Dingen,\nsingen sollst Du Deine Stimme über mich.\nDeine Sehnsucht ist im Abend helles Blau\neine Sonne scheint auf mich aus Deiner Brust.\nBlut und Sterne dir ins Haar\nWein hinein ins fremde Leuchten,\nhelle Nacht voll Angesichte,\nehe meine Mutter meine Erde mir gebar\nschwamm mein Seelenangesicht in Deinem ewig reinen Schöße."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c024", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "10", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.10.6", "titre_corps": "Ich, der Mensch", "titre_sommaire": "Ich, der Mensch", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 837, "fin_caractere_exclue": 1221, "texte": "Ich, der Mensch\nIch bin über den Wäldern\ngrün und leuchtend\nhoch über mir\nich, der Mensch.\nIch bin Kreis im All\nblühend Bewegung\ngetragenes Tragen in ewigen Tagen.\nIch bin Sonne unter den Kreisenden\nich, der Mensch.\nich fühle mich tief\nnahe dem hohen All-Kreisenden,\nich, sein Gedanke,\nMein Haupt ist sternbelaubt\nsilbern mein Antlitz\nich leuchte\nich\nwie Er, das All.\nDas All\nwie ich!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c030", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.10.7", "titre_corps": "Schrei", "titre_sommaire": "Schrei", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 1223, "fin_caractere_exclue": 1791, "texte": "Schrei\nHoch flattert meine Seele im Dunkel über den Dingen,\nüber die hölzerne Qual toter Nächte\nhin in die Säle geborstner Fabriken\nentlang die dunkeläugigen Kohlenkanäle\nhin in vergrabene donnernde Schächte\nüber die wiegenden Arme der Mütter\nüber die Kissen der liebenden Kammern\nüber die klagenauftürmenden Kreuze\nüber die Menschen\nüber das Dunkel\nerdeentstiegen\nnachtempor\naufwärts zu Ihm!\nIhm\nBruder der Menschen\nIhim schreit meine Seele die Welt ins Gesicht,\ntragen soll sein gewaltiger Atem sich selber\ndie Menschen\ndas Leid!\nIch schreie Ihm uns alle ins Gesicht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c031", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Q.\nHelle Blüte flattert auf,\nflattert über unsern grauen Panzer\nrosa Sonne\nblonde Sonne\njunger Tanz\nspielhin spielher\ngestern trug ich einen Stahlhelm\nheute flattert meine Seele\ntanzend\nlachend\nJugend\nJa!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c033", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.10.10", "titre_corps": "Leidlust", "titre_sommaire": "Leidlust", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 2463, "fin_caractere_exclue": 2814, "texte": "Leidlust\nLaß uns die Schmerzen entkleiden\nselig die ewigen Leiden genießen.\nHelles und Dunkles muß uns umfließen\nin ewigen Strömen ist Sonne und Nacht.\nHauptoben die schwimmenden Sterne,\nhinwandelnd wir Welle in blaudunklem Spiel\newig ist Ziel\newig die wechselnde Ferne.\nLaß uns die Leiden erkennend bekränzen\no laß uns glänzen\nwir\nkreisende Sterne! s"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c034", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.10.11", "titre_corps": "Wiege", "titre_sommaire": "Wiege", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 2816, "fin_caractere_exclue": 3238, "texte": "Wiege\nMüde ist mein junges Herz i\nStreichle seinen Atem, helle Frau. 1\nMüde ist mein Tag von allen Dingen,\nsingen sollst Du Deine Stimme über mich.\nDeine Sehnsucht ist im Abend helles Blau\neine Sonne scheint auf mich aus Deiner Brust.\nBlut und Sterne dir ins Haar\nWein hinein ins fremde Leuchten,\nhelle Nacht voll Angesichte,\nehe meine Mutter meine Erde mir gebar\nschwamm mein Seelenangesicht in Deinem ewig reinen Schöße."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c035", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "14", "image_debut": 12, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.11", "titre_corps": "Vermerke", "titre_sommaire": "Vermerke", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "debut_caractere": 3240, "fin_caractere_exclue": 3768, "texte": "Vermerke\n\nDer Friede im Bilde festgehalten\nDie Kunstmalerei befindet sich in der Uebergangswirt-\nwirtschaft. Die Vorarbeiten für die Friedensbilder sind im\nGange. Die Zeitungen veröffentlichen bereits bildhafte An-\nschauungen, die der kleine Mann als Bildersatz bestens verwen-\nden kann. Die Bildanleihe wird so gezeichnet: „Mit schlichten\nMitteln, Bleistift, Kohle, schwarzer Kreide entstanden Charak-\nterstudien, in denen das Wesentliche scharf umrissen ist. 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Denn „neben diesen ernsthaften Zeichnungen ent-\nstand ein Satyrspiel, das besonders Gefallen fand: Er karikierte\ndie Hauptfiguren des Dramas von Brest auf kleine lithographi-\nsche Steine und konnte ihnen am Ende diese kleine geistreiche\nLithographiemappe überreichen.\" Das Künstlervölkchen muß\neben sein Späßchen haben. Die kleinen Steine konnten am\nEnde nicht mehr anders verwandt werden.\nGroßmannssucht\n„Die angenehmsten Druckfehler sind natürlich die krassen.\nDa besteht immerhin der Schatten einer Möglichkeit, daß auch\nder Leser ihn nicht aufs Kerbholz des Autors setzt. Zum Ver-\nzweifeln sind die unauffälligeren. Die werden vom Publikum\nals stilistische oder gedankliche Freiheit angesehen.\" Auf diese\nWeise kommen Autoren zu Stil und Gedanke. Der Autor wird\nfür die Feinheit dankbar: „Unlängst ließ mich ein Setzer sagen,\nWedekind, der das Leben für eine Rutschbahn hielt, sei zum\nRhum (ältere Schreibweise) hinaufgerutscht. Für diesen Druck-\nfehler war ich dankbar. Nicht etwa als ob ich dem an genialen\nLastern reichen Wiedekind auf diese Art eine Neigung zu sehr\nalkoholischen Getränken nachsagen wollte.\" Diese gedankliche\nFeinheit läßt sich der Autor nicht nachsagen, der einem Toten\ngeniale Laster nachruft. Dieser angeblich lebende Autor ist\ndem Setzer aus einem ganz andern Grunde dankbar: „Aber\ndieser Druckfehler gehört als Musterbeispiel in die von einem\n• Freudschüler zu schreibende Psychologie des Druckfehlers,\nKapitel Fehlleistungen.\" Und zum Ruhm dieser Fehlleistung\nbemerkt der Autor: „Druckfehler sind durchaus persönliche\nWahrnehmungen der Herren Verfasser.\" Der Setzer denkt näm-\nlich für den Autor. Wenigstens der Maschinensetzer. Der\nHandsetzer denkt nur mit dem Autor: „Setzer und Schriftstel-\nler standen in geistiger Verbindung. Der Setzer las nicht nur\nmechanisch die Lettern aus dem Kasten auf, er dachte mit dem\nVerfasser, und diese Harmonie drückte sich in einem Minimum\nvon Druckfehlern aus.\" Man versteht nun, warum das Publi-\nkum die stilistische und gedankliche Feinheit dieses Autors\nfrüher nie gemerkt hat. Er schrieb eben Handsätze. Während\nmein Maschinensetzer für den Nachruf auf Wedekind dieses\npersönlich wahrnehmenden Autors mich Schandsätze sagen las-\nsen müßte. Musterbeispiel für Freudschüler, Psychologie des\nAutors, Kapitel Schmähleistungen. Die Vossische Zeitung hat\nihren Großmann gefunden. Ihren Großenmann, würde der mit-\ndenkende Setzer sagen.\nNoch ein Expressionist\nEin Herr Dr. Paul Landau hat ihn entdeckt. Der Name die-\nses Expressionisten ist Max Klinger: „So ist Klinger Expressio-\nnist im Sinne unsrer Jüngsten, ein Darsteller des Traumes und\ndes Märchens, des Grotesken und Gespenstischen, des Ueber-\nsinnlichen und Uebernatürlichen.\" Man wird sich also den Na-\nmen merken müssen. Hoffentlich schreibt Herr Paul Landau\nbald ein Buch über den Expressionismus.\nDurch Auge zum Ohr\nDer Musikkritiker der Vossischen Zeitung will nicht in die\nIrre geführt werden. Schließlich kann man von einem Kritiker\nauch nicht verlangen, daß er sich auf sein künsterliches Gefühl\nverläßt, um so weniger, wenn es durch das Ohr erreicht werden\nsoll. Beim Auge haben die Kritiker das künsterlische Gefühl\nund die Feder sofort in der Hand. Eine optische Täuschung ist\nbei ihnen ausgeschlossen. Sie sehen hin und wenn sie es schon\ngesehen haben, in Haus und Hof, bei Mann und Frau, in der\nnationalen oder internationalen Natur, optisch täuschend ähn-\nlich, so ist es eben Kunst. Mit dem Auge können sie verglei-\nchen, mit dem Ohr nicht. Es handelt sich also für die Musik-\nkritiker darum, sich für das Ohr einen Augenersatz zu beschaf-\nfen. Der vorsichtige Musikkritiker der Vossischen Zeitung\nläßt sich seine Methode, die musikkritische Methode, von den\nHerren Künstlern selbst bestätigen. Er richtet deshalb einen\nBrief an die deutschen Dirigenten: „Ein Fall, der jüngst einige\nKritiker in die Irre führte, gibt die Veranlassung, folgende Frage\naufzuwerfen: reicht zur vollkommenen kritischen Bewertung\neiner Dirigentenleistung das Ohr aus oder muß auch, wie wir\nes gewohnt sind, das Auge hinzugezogen werden?\" Auf\ndiese Frage haben tatsächlich deutsche Dirigenten eine Ant-\nwort gegeben. Keine Frage ist es nach dieser Frage, daß die\nMusikkritiker, wie wir es gewohnt sind, das Auge hinzuziehen.\nBekanntlich pflegen die Kunstkenner wenigstens ein Auge zu-\nzukneifen, was mit dem Ohr Schwierigkeiten machen soll, wie\nmir Musikkenner zuverlässig versichern. Das Zuknöpfen soll\nhingegen leichter sein. Die Musikkritiker reißen also beide\nAugen auf und knöpfen beide Ohren zu. Denn: „Es ist sicher-\nlich sehr wichtig, zu sehen, wie sich Musik, mit dem Gefühl\nund mit dem Verstand aufgefaßt, in die deutende Dirigenten-\ngeste umsetzt\". Der Musikkritiker der Vossischen Zeitung be-\nmerkt ausdrücklich, daß „der naive Hörer das nicht nötig hat.\nWohl aber der bewußte, der kultivierte Hörer\", also der Kri-\ntiker und der Kenner. Richard Strauß teilt mit ihnen die An-\nsicht der Augenmusik. Er bittet zwar „ihn von einer schrift-\nlichen Beantwortung der Frage zu dispensieren; er wolle lieber\neine halbe Sinfonie schreiben, als einen Zeitungsartikel,\" Im-\nmerhin schreibt er lieber doch den Zeitungsartikel, wenn auch\nin schlichter Briefform: „Die aufgeworfene Frage müsse er\ndurchaus bejahen. Ihm beeinträchtige es den Musikgenuß,\nwenn er die Ausführenden nicht sehe. Er wolle es im übrigen\nselbst nicht unternehmen, in jedem Falle lediglich mit dem Ohre\ndie Identität des „versenkten\" Dirigenten festzustellen.\" Hin-\ngegen vermag Herr Richard Strauß mit dem Auge ohne\nweiteres die Identität des Dirigenten festzustellen. Hin-\ngegen dürfte es ihm schwer fallen, sich selbst zu identifizieren,\nda er ja sich selbst nicht sehen kann. Er müßte denn das Spieg-\nlein an der Wand fragen, das in solchen Fällen aufgeworfen\nwerden muß. Was bedeutete also Richard Strauß, wenn er in\nder Versenkung geblieben wäre. Die Musik wäre zwar nicht\nmit plattestem Naturalismus versehen und verhört worden, das\nkultivierte und bewußte Publium hätte aber die deutenden\nGesten und das verständige Antlitz sich nicht zu Gesicht brin-\ngen können. Herr Richard Strauß meint, daß alle Dirigenten\nbis zu einem gewissen Grade Schaudirigenten seien. Aus dieser\nErkenntnis heraus haben auch die bewußten und kultivierten\nKaffeehausbesitzer als Schaustücke für Götterfreunde Dirigenten\nin ihre Betriebe gezogen, die mit optischer Deutlichkeit große\nKanonen genannt wurden. Daß Richard Strauß eine große Ka-\nnone ist, dürfte augenfällig sein. Womit der Beweis des Künst-\nlerischen für die Musikkritik sichtbar geführt ist. Auch Herr\nArthur Nikisch ist eine große Kanone, [er schießt sogar Zeitungs-\nartikel: „Ich für mein Teil lege Wert darauf, die ausführenden\nKünstler unter allen Umständen auch zu sehen; das erhöht\nbei mir Verständnis und Genuß, So will ich auch den Dirigen-\nten sehen, denn ich meine, seine Stabführung ist, sofern er\nnur nicht ein trockener Taktschläger ist, eine Seelensprache,\nderen Erkenntnis mir nicht nur das Eindringen in die Gefühls-\nwelt des Dirigenten ermöglicht, sondern zugleich das Verständ-\nnis der vorgeführten Komposition wesentlich erleichtert; zu-\nmal unter dem Gesichtspunkt, daß er nicht direkt, son-\ndern nur durch das Medium des Orchesters zu mir spricht!\"\nWas würde Herr Arthur Nikisch uns erst zu sagen haben, wenn\ner direkt und nicht erst durch das unsichtbare Medium des Or-\nchesters zu uns spräche. Und wie würden wir erst in seine Ge-\nfühlswelt eindringen, wenn er uns statt des Gesichtspunkts des\nRückens das Gesichtsausrufungszeichen seines seelenvollen\nAuges ermöglichte. Es würde uns das Herz im Leibe herum-\ndrehen, wenn er sich herumdrehen wollte. Auch die Dirigen-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1955, "texte": "tenlocke könnte dann weit besser zu unserm Auge sprechen,\nWie wollten wir dann im Takt mit seinem Stabe teils jubeln,\nteils leiden. Jeder Irrtum wäre ausgeschlossen. Seit ich ihn\ngesehen, glaub ich nicht mehr taub zu sein. Die Frage der\nDrehungen muß aufgeworfen werden. Damit die Musikkriti-\nker endlich sehen, was Musik ist. Jeder Irrtum ist ausge-\nschlossen. Wie sollte der Musikkritiker sonst wissen, ob der\nPianist die Pedale richtig tritt, wenn man ihm nicht auf die\nFüße sehen kann. Wie kann der Musikkritiker sonst wissen,\nob die Sängerin mit Seele singt, wenn er nicht die Erschütterung\ndes Busens sieht. Es gibt eben Merkmale, die so wenig zu ver-\nkennen sind, daß selbst ein Musikkritiker sich nicht irren kann.\nDas ist der bekannte Drang nach Sichtbarkeit. Weswegen den\nHerren Musikkritikern auch immer die ersten Reihen ftn den\nKonzertsälen vorbehalten sind. Weswegen die Herrn Musik-\nkritiker sich auch in den verdunkelten Konzertsälen fürchten.\nDenn im Dunkeln kann man munkeln, wie der Dichter sagt. Und\ndie Musikkritiker müssen sich eben am Stabe in die beliebte\nKunstwelt führen lassen. Sie wollen sich durchaus nicht den\nStab aus den Händen schlagen lassen. Sie fühlen sich sonst an\nder Nase geführt. Zwar ist die Nase auch ein Gesichtspunkt.\nSie trägt in den meisten Fällen die Brille, die das Auge führt.\nZwar sind Kritiker und Kenner empört, wenn etwa ein Dichter\nbehaupten würde, daß er mit den Augen hört. Die Herren be.-\nhaupten dann, das könne man nicht. Man begreift jetzt, wes-\nhalb sie es behaupten. Sie wollen zwar nicht diese Kunst, aber\ndiese Art Kritik für sich behalten. Jedenfalls müssen wir dem\nKritiker der Vossischen Zeitung dankbar sein, daß er uns einen\nGesichtspunkt in das Gefühlsfragezeichen der Berufskritik ge-\nsetzt hat. Man wird in Zukunft auf den Namen dieses Schau-\nkritikers Max Marschalk neben den Namen der bewährten\nSchaudirigenten offenen Auges und verstopften Ohres blik-\nken müssen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c036", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.12", "titre_corps": "Deri oder Kunstkabale und Liebermann", "titre_sommaire": "Deri oder Kunstkabale und Liebermann", "signature_source": "Walter Mehring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.14", "debut_caractere": 1957, "fin_caractere_exclue": 4799, "texte": "Deri oder Kunstkabale und Liebermann\nWalter Mehring\nBürgerliches Trauerspiel in vier Akten\nPersonen\nDie Derische Kunstpsychologie\nDie Kunstgeschichte, beider Stieftochter\nLiebermann, ein Maler\nDie Kunst, sein Verhältnis\nProf * der Kunstgeschichte, Backfische, Publikum\nZeit: Mittwoch, den 6. März\nOrt: Inneres des Cassirerschen Kunsttempels\nI\nDer i :\nDie moderne Kunst entwickelt sich aus dem Naturalismus\nDie K unstgeschichte (horcht auf)\nDie Derische Kunstpsychologie (schmiegt sich an\nihn): Der Künstler ist ein Mensch wie wir. Wir müssen\ndahinter kolmmen.\n.JTf\nDas Liebermannlichtbild (kommt gleich dahinter)\nDer i :\nMan muß es fühlen, auch wenn man es nicht wttßte, so und\nnicht anders werden Gänse gerupft\nDie Backfische (lächeln geschmeichelt)\nDeri:\nDiese Malerart verfeinert sich mehr und mehr. Und es\nentstehen die Manetschen Schöpfungen\nDie K unstgeschichte (rechts ab)\nDas L i cht b i 1 d (hat sich derart verfeinert, daß nichts mehr\nzu sehen ist)\nDie Derische Kunstpsychologie:\nDas sind die Grenzen der Malerei\nII\nDeri:\nJetzt kommt der Ruf nach Kraft\nDer Ruf (läßt sich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Kraft)\nDeri:\nMan will wieder etwas Handgreifliches und macht es wie\ndie kleinen Kinder: Dieser Seurat setzt seine Bilder aus\npoints zusammen. Pointiiiismus\nDie Kunstpsychologie (belächelt die Pointe)\nDie Kunstgeschichte (meldet): Die Kubisten\nDeri:\nMan sucht nach immer stärkeren Komplexen. Jetzt will\nich Ihnen zeigen, wie es die kleinen Geister machen\nDas Lichtbild (zeigt) Picasso\nDeri (spricht französisch, damit ihn die Kunst besser versteht):\nJe constate je ne juge pas. Cezanne und van Gogh gehen\nden direkten Weg, diese winzigen Pointillisten und Kubisten\nversuchen es auf Umwegen. Sie sehen hier die Augen, den\nMund, Reste einer Nase . . .\nDas Lichtbild (sperrt Augen, Nase und Mund auf und ver-\nschwindet direkt)\nDas nächste Lichtbild (zeigt) Delaunay le tour Eiffel\nDeri:\nDieser Maler wollte den Eiffelturm malen. Er stürzt ihm\nunter den Händen zusammen\nDer Eiffelturm (kracht)\nDie Derische Kunstpsychologie (stürzt weinend\nzusammen)\nBeifall (schlägt bombenmäßig ein)\nIII\nD er i (allein, beschwört) Cezanne\nDer Geist Cezannes (nach links ab)\nDas Lichtbild (springt ein)\nDer i :\nNun sehen, wie fest so eine Mauer bei Cezanne steht\nDas Lichtbild (wackelt)\nD e r i (beschwört) van Gogh\nDas Lichtbild (springt gleich ein)\nDeri (beleidigt):\nVan Gogh ist kein ganz Großer, der Inhalt entscheidet doch\nschließlich. Ein Baum füllt doch kein Bild aus.\nDer Saal (leert sich)\nDie Gelehrten (klatschen Beifall)\nIV\nD e r i (strahlt)\nDie Lichtbilder (erlöschen an seinem Kunsthorizont)\nDie Derische Kunstpsychologie (stirbt):\nDie Limonade ist matt wie Deine Seele\nDie Kunstgeschichte (stirbt an Kunstvergiftung)\nDie Kunst (das Verhältnis des Liebermann winkt ihm aus den\nKulissen rechts):\nKomm mit\nDer Vorhang fällt vielsagend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c037", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.15", "debut_caractere": 165, "fin_caractere_exclue": 711, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamcr Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrilt Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Aasgabe: Fur Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEm Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 1 Mark / FiirdasAusland;\nEin Jahr 8 Mark / Ein Halbjahr 4 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig / Sonderaus-\ngabe: Ungebrochene Exemplare,\nVersendung in Rollen direkt\ndurch die Post / Fur Deutsch-\nland und oesterreic h - Un g a r n:\nEin Jahr 12 Mark / Fur das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-04-15-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-04-15_01#c038", "volume": "bmtnabg_1918-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.15", "debut_caractere": 713, "fin_caractere_exclue": 1118, "texte": "Preise der friiheren Jahrgange\nVollstandige Awsgabe\n1. 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Die Originate sind ver-\nkauflich.\nAusllihrliche Verzeichnisse des Verlags\nDer Sturm kostenlos"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstaus stell ung\nBerlin ! Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN APRIL 1918\nERSTES HEFT\n\nInhalt:\nFranz Richard Behrens Totenwacht bei Wilhelm Rurige / Wilhelm Runge: Gedichte / Herwarth Waiden: Die Beiden / Lothar\nSchreyer: Gedichte / Günther Mürr Gedichte / Mynona: Der umgekehrte Narziss / Kurt Heynicke: Gedichte / Herwarth Waiden: Ver-\nmerke: Der Friede im Bilde festgehalten / Grossmannssucht / Noch ein Expressionist / Durch Auge zum Ohr / Watter Mehring: Deri /\nNeil Waiden: Zeichnung / Arnold Topp: Linoleumschnitt / William Wauer: Zeichnung / Fritz Banmann: Zeichnung / Maria Uhden: Bärenlührer\n\nNell Walden: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.2", "texte": "Totenwacht bei Wilhelm Runge\nFranz Richard Behrens\nDer Vorderste fiel.\nDie tierrote Märzschlacht traf Wilhelm Runge, Tötete den\nneuen Leutnant, den jungen Kriegsfreiwilligen, der die Sehn-\nsucht Leben brannte.\nWenn der Erdball nichts mehr von Somme und Oise weiß,\nwirst Du, heckenrosenweißer Freund der Geliebte aller Sterne\nsein.\nWeil der Mensch nicht stirbt, der Tiere zu Menschen\nmacht. Der Blumen zu Sonne macht. Der Menschen zu Gott,\nWir lieben Deine Lieder, Wilhelm Runge. Du warfst sie\nin den Sturm, der sie forttrug und gingst weiter; „Ein Wort ist\nnur eine Erinnerung an einen Schrei der Seele. Es ist aber die\ntiefste Sehnsucht der Seele, nicht nur Wort, sondern Fleisch\nund Blut in uns selbst zu werden, , , , Ein schöner Frühlings-\nmorgen, dessen Sonne ich streichelte — jetzt ist die Sonne auf-\ngegangen.\"\nWeil Du ein ehrlicher Mensch warst, sprangst Du uns an\ndie Kehle: Entweder — oder! Weil Du ein reiner Künstler bist,\nrufst Du in Sonnenstille: „Künstler sein heißt Ahner sein. Der\ngrößte Künstler ist der, der sein Ahnen in sein Leben umsetzt,\nweil er nicht anders kann.\"\nWenn wir heute weinen, willst Du es nicht. Wir weinen,\nweil wir nicht so rein sind. Du flatterst Sturmflagge:\n„Jetzt ist das Himimelreich, das Reich des Geistes in unsere\nHand gegeben und wir tragens weiter vor strahlend in die\nNacht, denn wir sind jung und stark wie am Anfang, Die Mor-\ngenröte steigt! Die Tage brennen!\"\nDeine Tage brennen. Du stößt die Ewigkeit auf. Wir sind\nfroh in Deinen Tod, Wilhelm Runge!\n\nGedichte\nWilhelm Runge\nAugen schlucken\nstrecken Staunen\nstehn\nSinn durchspringt des Blutes Rosengarten\nmfüde spülen Träume\nund verwelken\nStöhnen zwingt den Atem auf die Knie\nSchreien reißt die Schultern in den Sand\nGlauben bröckelt ein paar Silben Spiel\nLachen lehnt zurück\nDie Sehnsucht flattert\nFahnen schmettern Siegen\nTod ist Krieg\nFlinte gähnt\nund reibt die müden Augen\nHohn blickt das Schlachtfeld\nLächeln spöttelt Sterben\nsteckt beide Hände in die Hosentaschen\nund schlendert Glück\nSommer schmiegt Streicheln\nFlüstern wiegt die Heimat\naus schreitet Sehnen\nDringend blickt das Blut\nDie Adern schnaufen\nund die Granaten fressen Staub.\nSonne küßt des Dörfchens rote Wangen\nWald huscht wieder in den Wolkenarm\nBlumen blauen\nHerz wiegt Pfauenaugen\nlang zieht Glück des Lachens Schleppe nach\nErde wurzelt Blut\nDie Hand ballt Wissen\nHand ballt Können\nallerseelenfern\ntrillert Lächeln\nWeißt Du\nWissen\nwieviel Sternlein stehn\nStehen können\nstammeln\ngehn\nStaub wirft hoch das kurze Sommerkleidchen\nzuschlagen Augen\nSonne klinkt sie auf\nDie Türen springen\nJauchzen schlägt beide Arme in die Luft\nSchüttelt Sommer aus den wilden Locken\nStocken reckt\nDie Finger nicken fragen\nund die ganz kleinen Tränen trollen nach\nSchlank steht der Himmel\neine Weile\nabends\nnickt Träumen nieder\nwendet seinen Schritt\nDir zu den Seiten lächeln Sterne\nSehnsucht\nfassen Dich an der Hand\nund ziehn Dich mit\nBäume flüstern Abend durch die Stadt\nstill tut Haus die vielen Augen zu\nStraßen schließen ihren Lauten Mund\nhastig huscht Dukel\nscheu in die Ecken winkt sein leichter Schuh\nkeusch\nziehen Glocken\nfeierlich\ndicht vors Gesicht\nden Schleier\nKuckuck springt dem Walde auf die Schulter\nseinem Ruf greift Sonne in das Haar\nKiesel rieseln\nZittern wiegt das Gras\nBlumen plätschern Duft\nund winken Schweigen\nStille neigt\nihr Auge lächelt\nTraum\nAuto bricht Hohn\ndie Straßenecken ächzen\nkreisch\nwinden Kinderkleider Staub\nder Häuser Hände wehren ängstlich\nzurück stößt sie des Autos starker Schrei\nund Jagen hetzt die Städte von den Straßen\ndie Augen trommeln Sturm\nund flattern Glück\neng schmiegt der Himmel in den Arm der Schläfen\nund Sonne küßt die Stirn\nV ergißmeinnicht"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.3", "texte": "Die Beiden\nEin Spiel mit dem Tode\nHerwarth Walden\n\nDer Mann\nDie junge Frau\nDer Jüngling\nDas Dicnstmädchen\nWohnzimmer\nAbend\nDie junge Frau\nHörst Du das Rauschen\nMann\nEin Wagen fährt vorüber\nDie junge Frau\nWarum bist Du so roh zu mir\nMann\nNichts kann man mit Dir besprechen\nDie junge Frau\nJeden Tag wolltest Du mir etwas schenken\nMann\nIch komme heut nicht zu Tisch\nDie junge Frau\nImmer Besprechungen\nMann\nDavon leben wir\nDie junge Frau\nWir haben doch Geld genug\nMann\nDas gehört unseren Kindern\nDie junge Frau\nIch will kein Kind\nMann\nDer Doktor findet die ewige Fragerei schon lächerlich\nDie junge Frau\nIch will kein Kind\nMann\nUnd alles nur, weil ich heute nicht zu Tisch komme\nDie junge Frau\nDie halbe Nacht habe ich vorgestern auf Dich gewartet\nMann\nDas hast Du mir gestern bereits zehnmal vorgeworfen.\nWir müssen leben\nDie junge Frau\nIch kann nicht ohne Dich leben\nMann\nJedes Wort von Dir ist ein Vorwurf\nDie junge Frau\nDie Wohnung ist so groß\nMann\nAls junges Mädchen warst Du viel vernünftiger. Da\nhattest Du Interessen,\nDie junge Frau\nDeine Stimme war Stahl, Ich fühlte mich geborgen.\nMann\nUnd nun machst Du mir Vorwürfe, daß Du geborgen bist\nDie junge Frau\nDu hast eine Geliebte\nMann\nEs lohnt mir nicht darauf zu antworten. Leg Dich\nschlafen. Du bist überreizt. Guten Abend.\nDie junge Frau\nSei nicht böse, bitte. Ich halte Dein Schweigen nicht mehr\naus. Immer höre ich es rauschen.\nMann\nLeg Dich schlafen. In vier Wochen wird man wieder\nmenschlich mit Dir reden können.\nDie junge Frau\nDu hast mich unmenschlich gemacht.\nMann >\nIch habe eine Geliebte. Guten Abend.\nDie junge Frau schreit auf.\nDer Mann hinter der Tür\nMathilde, gehen Sie zur gnädigen Frau\nDas Dienstmädchen\nNicht weinen gnädige Frau, Das schadet der gnädigen Frau»\nDie junge Frau\nBleib. Bleibe.\nDas Dienstmädchen\nDer Herr wird woLl wieder lange fortbleiben. Gehen Sie\nlieber schlafen, gnädige Frau.\nDie junge Frau\nHören Sie es rauschen, Mathilde.\nDas Dienstmädchen\nGewiß denkt jemand an die gnädige Frau. Dann habe ich\nauch immer Ohrensausen.\nDie junge Frau\nNiemand denkt an mich. Niemand liebt mich.\nDas Dienstmädchen\nEinmal kommt immer der Richtige.\nDie junge Frau\nWas sagen Sie\nDas Dienstmädchen\nDer Herr ist zu hart für die gnädige Frau.\nDie junge Frau\nEs ist doch sein Kind,\nDas Dienstmädchen\nKinder sind nur für Mütter. Meiner hat mich auch ver-\nlassen. Und nun gehen Sie schlafen, gnädige Frau.\nDie junge Frau\nIch warte. Machen Sie mir Licht.\nDas Dienstmädchen\nEs klingelt\nDie junge Frau\nMachen Sie nicht auf.\nDas Dienstmädchen\nSicher der Briefträger. Sonst kommt ja hier niemand.\nDie junge Frau\nNicht öffnen. Nicht öffnen.\nv -\nDas Licht erlischt.\nDie junge Frau\nDen Riegel vor. Schon steht das Rauschen im Gange\nDas Dienstmädchen\nSie machen einem Angst, gnädige Frau. Es klingelt schon\nwieder.\nDie junge Frau\nMathilde, wo sind Sie\nDas Dienstmädchen\nKurzschluß. Seien Sie doch vernünftig, gnädige Frau, Ich\nhole eine Kerze.\nDie junge.Frau\nNicht hinausgehen. Das Rauschen rauscht.\nDas Dienstmädchen /\nEs klingelt und klingelt. Ich sehe mal durch das Schlüssel-\nloch.\nDie junge Frau\nMachen Sie doch Licht, machen Sie doch Licht,\nDas Dienstmädchen\nVielleicht kommt der Richtige. Solange können sich gnä-\ndige Frau einriegeln.\nDie junge Frau\nVater unser, der Du bist im Himmel,\nSie legt beide Hände auf den Riegel und sinkt in die Knie.\nDas Dienstmädchen bald darauf hinter der Tür\nGnädige Frau, ein junger Herr will Sie sprechen. Aber\nich kann keine Kerze finden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.4", "texte": "DiejungeFrau\nGeheiligt sei Dein Name\nDas Dienstmädchen hinter der Tür\nOeffnen Sie doch, gnädige Frau. Ist Ihnen etwai zuge-\nstoßen. Ich bin es, Mathilde.\nDer Jüngling hinter der Tür\nIch bin es, Ursel, der dumme Junge.\nDiejungeFrau\nDein Wille geschehe\nDer Jüngling hinter der Tür\nIch bin es, Ursel\nDie junge Frau\nDunkel ist es. Ich bin allein.\nD'er Jüngling hinter der Tür\nNur einige Minuten.\nDie junge Frau öffnet den Riegel, er fällt klirrend auf den\nBoden.\nDer Jüngling öffnet die Tür\nUrsel!\nDie junge Frau\nDer Riegel ist gefallen.\nDer Jüngling\nWenn der dumme Junge kommt.\nDas Dienstmädchen\nDie Kerzen sind alle, Frau.\nDie junge Frau\nIch habe drei Schachteln Streichhölzer und Sie bleiben\nals Anstandsdame\nDas Dienstmädchen\nIch werde doch rasch ein paar Kerzen holen.\nDer Jüngling\nHier .haben Sie einen Taler. Ich habe höchstens\nKerze Zeit.\nDas Dienstmädchen\nDanke schön. Und der Herr kommt nicht vor zwölf.\nDer Jüngling\nDas macht nichts. Ich bin der Vetter.\nDas Dienstmädchen\nDer gnädigen Frau gönne ich einen Vetter.\nDer Jüngling\nWir wollen mal hier etwas Licht machen\nDas Dienstmädchen\nIch klingle dreimal,-junger Herr. Schließen Sie solange zu.\nDer Jüngling\nWenn hier alle Riegel fallen\nDie Haustür wird geschlossen.\nDer Jüngling\nBist Du mir böse, Ursel, Ich muß Deine Kinderaugen wie-\ndersehen.\nDie junge Frau\nWo kommst Du her.\nDer Jüngling\nVom Felde.\nDie junge Frau\nIch sehe Dich nicht.\nDer Tüngling\nWarum kniest Du\nDie junge Frau\nIm Himmel wie auf Erden\nDe r Jüng 1 i r g\nDu darfst nicht knien. Denn alles kniet vor Dir.\nDie junge Frau\nIch knie in meinen Schmerzen.\nDer Jüngling hebt sie mit Gewalt auf\nDu darfst nicht knien. Du darfst nicht unglücklich sein.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau. Ich liebe ihn.\ni\nDer Jüngling\nViele Männer habe ich erschossen, um ihn zu treffen. Er\nist mein Kamerad.\nDie junge Frau\nDummer Junge.\nDer Jüngling\nNun hat es Dich auf die Knie geworfen, daß Du mich ver-\ntrieben hast. Immer treibt es mich zu Dir. Immer höre;\nich das Rauschen Deines Blutes.\nDie junge Frau\nHörst Du das Rauschen\nDer Jüngling\nMein Blut hallt. Warum hast Du mich vertrieben.\nDie junge Frau\nDu Junge.\nDer Jüngling\nEin dummer Junge, der sich vertreiben läßt. Du hättest\nmich nehmen sollen.\nDiejungeFrau\nDu warst zu jung. t\nDer Jüngli:ig\nDu liebst mich.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau.\nDer Jüngling\nLiebst Du mich\nDie junge Frau\nNein\nDer Jüngling\nJetzt bin ich klug. Klüger als Du.\nEr küßt sie\nDie junge Frau\nLaß mich\nDer Jüngling\nNie. Ich lausche im Rauschen Deines Blutes. Du liebst\nmich.\nDie junge Frau\nIch bin seine Frau. Ich trage sein Kind.\nDer Jüngling\nMein. Ihr beiden Kinder.\nEr nimmt sie in die Arme und trägt sie quer durch das\nZimmer.\nDie junge Frau\nO Du. Zu spät i\nDer Jüngling\nDumm ist es klug zu sein. Ich nehme Dich mit. Sofort.\nEs klingelt\nDie junge Frau reißt sich los\nIch ,bin seine Frau. Geh.\nDer Jüngling\nMein bist Du.\nEs klingelt zweimal\nDer Jüngling\nUnd jetzt kommt Licht.\nDie Stimmedes Mannes\nSie sind hier\nDer Jüngling\nJa\n<\nDie Stimmedes Mannes\nWo ist meine Frau\nDer Jüngling\nBei mir.\nDie Stimmedes Mannes\nWo ist das Mädchen\nDer Jüngling\nAusgegangen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.5", "texte": "Arnold Topp: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.6", "texte": "Die Stimmedes Mannes\nKein Licht\nDer Jüngling\nAusgegangen.\nDie St immedes Mannes\nWollen Sie mir eine Erklärung geben\nDei Jüngling\nSie sind doch ein kluger Mann '\nDie Stimmedes Mannes\nDummer Junge\nDer Schall eines Schlages\nDie Stimmedes Mannes\nHinaus, Sie werden von mir hören.\nDer M a n n tritt ins Zimmer\nDirne\nDie junge Frau\nEr ist unschuldig.\nDer Mann\nUnd ich habe eine Geliebte.\nDer Jüngling tritt ins Zimmer\nKomm Ursel\nDer Mann schleudert ihm die junge Frau zu\nPackt Euch. Gesindel\nDie junge Frau bricht zusammen\nIch liebte euch beide '\nEs klingelt dreimal\nDie Stimme des Dienstmädchens hinter der Tür\nOeffnen Sie112 ich bin es mit der Kerze.\nEnde\n\nSchlaf\nNächte bogen Tag in Betten\nRing zerscheint der Mond\nDeine Hände bleichen\nLeichen betten Kissen spitzen\nRieselt stumm Verloren\nSchrei\nKein Mund\nRuhen ringen helle Glas\nIst Vorbei\nNie Dir bei\nSein Nie\nSchlaf\n\nGang\nWasser nebeln zittern Lippen\nDein zittert mein Mund\nBlässe gleiten nässen Brücken\nDeine Augen sonnen Wanderleib\nSchreiten Schreiten\nWort i\nKahl tropfen die Bäume groß\nRund wallt Straße zurück\nKein Vogel\nUns tragen die Flügel naß\nNie bricht der Morgen das Ende\nWende zurück\nAnfang fängt Füße den Schatten\nZittern die Augen vor\nGleiten die Hände kein Greifen\nBrücken die Lippen niemals das Wort\nSchritte Schritte\nKörper nebeln\nFreien\nLösen\nLassen\nSenken\nSchweige\n\nGedichte\nLothar Schreyer\n\nTraum\nTraum mein Du\nWiegt mich dein Haar\nSchoß\nVergiß\nGlänze mich auf\nLösche mich Du\nVergessen\nRollen Wir Kreis\nBlüte sternt Brechen in Licht\nWürgt deine Hand\nBlick\nDir bin Ich\nNoch Ich\nDir nach\nWeiter\nWeit\n\nTräne\nBunt äugt das Meer\nBreiten stirnen müdes Herz\nWellen weiten Schlag\nWir Fleisch\nTasten wärmen reckt die Schenkel\nRagen Insel schwank Versinken\nAuge\nWoge wagen Schaum zersamen\nSanden Schlaf trinkt Rauschen\nWehen\nWachen\nWende\nTränt\n\nMann\nDir bin Ich\nDein Leib ist mein Bett\nDein Leib ist mein Grab\nTöte mich\nBäre mich\nFrau\nMir brennt dein Haar\nMir blutet dein FleiscH\nDu\nTage herzen deine Nächte\nAugen Hände schenk zerschämt\nDein Brust\nDir auf türmen Kraft auf\nNichten rund zernichten\nNimm\nDich nehme Ich\nMir bin Ich\nDu mein Glück\nDich stürze ich ein\nFallen Wir\nMann in Frau\nFliegen Wir\nMann über Frau\nWehen Wir\nMann um Frau\nLeben Wir\nWir\nDir\nMir\nIch bin"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.7", "texte": "William Wauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.8", "texte": "Begegnen\nMenschen keine Menschen\nKlirrt der Stoß den weiten Blick\nSteht\nFlirren die Gesichte Tiere\nStreicheln Kleider Beine\nGreise grinsen recken Mädchen\nTönt\nUnbekannte löst den Namen namenlos\nKann Du halten\nTrennt kein Mensch\nKomm\nEins im Brausen der Gebannten\nBraust Wir gelöst\nAllen gegen\nUeber alle\nFällt das All\nAlles Wir entstehen\nUns flammt\nLicht\nUns\nIn\n\nTrost\nZweige wölben Sterbesee\nWunschlos liegt dein Auge offen\nDu hältst mein Herz\nTropfen\nRuhen die Peitschen im Schlag\nTraurig lächelt der Mensch\nTief entschleiern die starren Bahren\nSchmutz und Feuchte Du Glanz\nTiefe Du Mond\nDu aus Tiefen mondet Finsternisse\nSteigt die Blüte Kuß auf Schleiern\nBlüht die Erde in den leeren Himmel\nStern Du Erde\nMensch Du Erde\nBlühe deinen Schmerz\nDu Stern\n\nErwartet\nJahre täuschen\nKeine Lüge verjährt\nHart meisseln die Worte das Leben\nNun bist Du\nMich geschändet Dir geschändet\nWir verraten die Geliebten\nArme\nEinen Wunsch zu spät\nSchlage deinen Leib um deine Seele\nBrand Ich\nLeibt Deine Seele Mich\nSünde\nWir sünden mit Willen das Glück\nWir müssen uns lieben\n\nSchiff\nGlut stürmt mein Schiff\nWir sind allein\nAll eint das Meer\nKalt schreien Möven Wellensturz;\nKein Land\nRund hetzt das Suchen\nSucht\nSehnen\nWir sind allein\nZwei samen in Nichts\nRoll Umklammern\nSingen Segel Blenden\nStürmen Gluten Sang der Flucht\nKeine Insel\nWir sind allein\nFlieh\n\nAuge\nBlick In\nOffen ist die Scham\nUnmenschlich Auf\nWelt\nNirgends blüht das Tier\nNie gesichtet Werden\nSein\nDu Tier bist auf\nDu blühst die Scham\nDu fällst die Welt\nDu Weib\nDich blicke Ich\nDich senke Ich\nOhne Mensch\nOhne Scham\nDu Auge\n\nTrauer\nGlanz fällt dein Haar\nLehnen Blassen stumm emoor\nNeigt dein Schoß Empfangen\nNur dein Auge dunkelt\nTiefer Tropfen\nTränenloses Weinen\n\nGedichte\nGünther Mürr\nNoch bliebst Du min\nO so Dich halten können,\nwie Du, wie Du zu mir gehörst.\nArme und Rücken, hilflose Steinträger.\nEuch ist, und Wollen, Wissen\nNähe wie Ferne viel zu schwer.\nBaum wächst, Wind atmet,\nWolke zieht hin zu regnen.\nLicht?\nW'olke und Regen, Sonne decken sie auf und zu.\nLicht\nstrahlt aus dem Schöpfer nur,\nhimmelt aus seinem Odem nur\ndurch Augen nur ins Sein.\nNahe Du, Augen Du\nlicht — liebe — schwimmend — blau\nStrahleninnig\nleuchtelicht verwoben\ngehoben aus der Finsternis.\nJubeln\nBeben\nZittern — Jubeln.\nDu Nahe.\nMüde dämmert lose ein,\nbettet zärtlich tiefes Erwachen,\nKleine Hand hebt wachsend vom Lager\ngreift durch stille Höhe\naufwärts\nfaßt die fernen flimmren Nachtvögel\nschlingt dran milden grauen Tag\nhängt Lächel-Leichte dran\nhebt wacht ins Zerlächeln."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.9", "texte": "Fritz Baumann: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.10", "texte": "Der umgekehrte Narziss\nMynona\nSie kennen ja, da Sie gebildet genug sind, um Mynona zu\nlesen, die Tragödie der Narzisse, Eigentlich ist es die Tragödie\nder Selbsterkennung, Aber nicht immer, wenn man in den\nSpiegel blickt, erfreut man sich sehnsüchtig gierig der eigenen\nSchönheit. Erinnern Sie sich jenes russischen Generals, dem\nder Anblick seines eigenen Spiegelbildes, wegen seiner ab-\nschreckenden Häßlichkeit, so unerträglich war, daß er den\nSpiegel zertrümmerte; schließlich mußte man alle Spiegel vor\nihm verhängen, Ueberhaupt, ehrlich, Hand aufs Herz: finden\nSie sich so schön, daß Sie diesen russischen General pharisäisch\nverlachen dürften? Wo wäre das Fleisch, in dem nicht der\nStachel der Schönheit bohrte! Der sogenannte Geschlechts-\ntrieb, unter uns gesagt, bedeutet eigentlich die Begierde, an-\nders zu werden — anders, d. h, immer echter der Selbe. „Ich\nbin noch lange nicht Ich\", schmerzt eine Liebe zu uns selbst in\nuns. Wir greifen nach dem Geliebten wie nach einem Spiegel,\nin dem wir uns verklären etc, etc.. Sie kennen diesen Gedan-\nkengang (Was kennen Sie nicht?). Machen Sie sich also klar,\ndaß Ihr eigener Anblick zum Motiv Ihres Aussehens wird. Ihr\nAnblick bewirkt immer eine, wenn auch noch so leichte Meta-\nmorphose, fährt Ihnen in die Glieder, formt sie, je nach dem, um.\nBedenken Sie aber nun so tief wie möglich, daß eo ipso no-\nlens volens, äußerst gütiger Weise, sich Jeder, der sich noch\nnicht genügend im Spiegel erblickt hat — und jeder andere\nMensch ist für den Menschen ein Spiegelbild, an dem er sich\nkontrolliert — sich selber riesig lieb hat, sich ideal findet,\nschwer begreift, wie man anders sein könne. Der Ringkampf\nmit dem eigenen Spiegelbilde, welches schließlich so unterliegt,\ndaß selbst Thersites sich im Spiegel Apollo dünkte, gehört zu\nden alltäglichsten Erfahrungen, Bedenken Sie bitte nur das\nAlles und noch mehr, was in der Verlängerung dieser Spur liegt,\nnebst banaler Splitter- und Balken-Weisheit, und staunen Sie\nnicht so dümmlich über die hier folgende Begebenheit, welche\nsich an einem sehr trüben Herbsttage des Jahres 1888 im Affen-\nhause eines der größten zoologischen Gärten zugetragen hat.\nMit Verdruß hatte längst der Wärter Bimpel, ein bejahrter\nMann mit dem Abglanz der Tier-Physiognomie auf seinen mil-\nden Zügen (während hingegen so mancher Affe — denn alles\nBenachbarte färbt auf einander ab — bimpelhaft überhaucht\nwar), wahrgenommen, daß der frappant menschenähnliche Affe\nMimo sich melancholisch von den Kollegen absonderte. Bimpel\nbeschloß, den Mimo auf alle nur mögliche Weise aufzuheitern;\ner befürchtete sonst dessen Eingehen. Bimpel aniemerte das\nPublikum, den Affen zu vergnügen. Viel zu naiv von Bimpel!\nDas Publikum liebt boshafte Neckereien, und Mimo kehrte ihm\nsehr bald verächtlich seine Rückseite zu. Bimpel versuchte es\nmit Konfekt, Schokoladenzigaretten, Bällen, bunten Steinchen,\nmit dem Perlmutterbilde des Kaiserpaares, einer alten Holz-\nbüste Gerhard Hauptmanns, mit Zahnbürsten, Perücken,\nOstereiern, Pfeifchen, Zinnsoldaten und Richard Strauß'scher\nMusik, sogar mit Strophen von Rudolf Borchardt — nein, es\nmißlang; Mimo machte, bes. bei Borchardt, unverkennbar\ngequälte Abwehrbewegungen und grunzte gottserbärmlich.\nSchon wollte Bimpel den Mimo aufgeben, als ein Zufall den ge-\nwünschten Effekt und weit mehr als diesen, nämlich ein wahres\nWunder herbeiführte. Der Wärter nahm Mimo sorglich auf den\nArm und trug ihn spazieren. Dabei begegnete ihm der Direktor\nProfessor Golemchen und bat ihn auf einen Moment in sein\nZimmer. Die eine Wand des Kabinettes nahm ein makellos\nklarer Spiegel ein, und kaum hatte der Affe sich in ihm erblickt\nund zu erkennen gegeben, daß er sich darin rekognoszierte, als\ner einen entsetzlichen, erschreckend menschlichen Schrei aus-\nstieß und Anstrengungen machte, vom Arme Bimpels in den\nSpiegel zu springen. Der Wärter hielt ihn fest und beruhigte\nihn. Professor Golemchen fragte: „hat er sich denn noch nie\nim Spiegel gesehen?\" „So noch nicht, nur in kleinen Scherben\nganz undeutlich/' „Na, dann lassen Sie ihn doch! Vielleicht\namüsiert es ihn. Wir wollen einmal sehen, wie er sich anstellt.\"\nMimo ging zitternd auf allen Vieren vor den Spiegel. Dort rich-\ntete er sich in die Höhe und sah sich in die Spiegelaugen mit\neinem so grauenvoll wissenden Blicke, einem so märtyrerhaften\nAusdruck in der Miene, solcher sprechend selbstquälerischen\nGebärde, daß Golemchen und Bimpel fasziniert wurden. Setze\nden Fall, Du sähest in den Spiegel, und der Spiegel zeigte Dich\nDir als Affen-Mensch, würde das nicht auf Dein Gemüt ein-\nwirken? Das Geheimnis nun der Melancholie Mimos bestand\ndarin, daß sein Innerstes gar kein Affe war. Solche Fälle sind\nin der höheren Tierwelt garnicht so selten. Da gibt es denn\nsolche Seelen von unvergleichlich feiner Beschaffenheit; aber,\nvon außen angesehen, sind es — und noch dazu degenerierte\n(denn der Leib entartet, wenn die Seele ihn nicht mitmacht) —\nTierleiber, Mimos Seele war unausdenkbar feinfühlig und in\nabsurdem Widerstreite mit ihrer tierischen Hülle, Gar dieser\nSpiegel bedeutete für seine Selbsterkenntnis eine einzige Peri-\npetie und Katastrophe, Nochmals stieß er jenen übertierischen,\nfast übermenschlichen Schrei aus — dann aber, in einem Augen-\nblick, verwandelte sich, gleichsam kinematoskopisch, vor den\nbis zum Blödsinn verdrehten Augen Golemchens und Bimpels,\nder Affe in den Adam. Als ob ein Riß, ein Blitz, eine Erschüt-\nterung durch sein Fleisch ginge, explodierte sein Leib in eine\nmenschlichere Form bis er adamitisch geworden war. Go-\nlemchen dagegen und Bimpel behielten zwar ihr menschliches\nAeußeres bei; aber ihre Seelen reduzierten sich, in Folge dieses\nWunders, ins Affenhafte. Man konnte kein Referat von ihnen\nverlangen, und Mimo wiederum sah nunmehr zwar wie ein\nMensch, ja sogar wie aus der Schöpferhand unentstellt ur-\nsprünglich hervorgegangen aus. Er war aber noch stumm.\nDie Journale berichteten lediglich Tatsachen, ohne sie erklären\nzu können: „Im Zimmer des Direktors Golemchen fand man\ndiesen sowie den Wärter Bimpel blödsinnig geworden vor. Vor\ndem Spiegel stand ein unbekannter nackter Jüngling, der stumm\nzu sein scheint. Kriminalinspektor Mauthner ist mit der Un-\ntersuchung des seltsamen Falles beauftragt. Zu gleicher Zeit\nvermißt man den alten Liebling des Publikums, den Affen\nMimo.\" — Ja, ja, ja, so gehen diese Leute an jedem wirklichen\nWunder vorüber! Unheilige Einfalt!\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nWeib\nWiege die Hüften\nbiege die Lenden\nauf den Händen trägst du dich selber den Nächten zu.\nEwiger Reigen\ntanzendes Du\nwiegende Wogen im Strahl der Gedanken,\nAbend ist Morgen und Nein ist Ja\nFerne ist Nähe und Hier ist Da —\nSingend Madonna über den Sternen im Blau\nFrau\nruhend allein ist dein Mutterschoß ewigen Schenkens.\n\nZorniger Gott\nIch bin Gott, der Zorn\nich bin lechzender Blitz\nich töte den Tag mit schwarzblauem Sturm,\nich peitsche mit tausend Geißeln das Meer!\nMit Menschen spielt meine dunkele Faust,\nmein Mund jagt Städte vor sich her,\nich bin das Blut, die Macht, die Gewalt,\nich bin Gott im Zorn\nund der Krieg über der Welt,\nMeine Stimme sind Granatengesänge und Aerztegeflüster,\ndas Gurgeln versinkender Schiffe im Meer,\nIch bin Gott, die Leidenschaft,\nich bin Gott, die Kraft,\nmillionenfach bin ich:\nIhr!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.11", "texte": "Maria Uhden: Bärenführer"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.12", "texte": "Nun\nDie eine Stunde senkt den Mantel um uns beide.\nDie Stunde ist der reinste aller Sterne\ndes einen Heimatsternes unsrer Seelen.\nWir fühlen fern das Blut vorüberfließen\nin unsrer Leiber helles Gottgefäß die Seele gießen\ndie eine Seele\nuns geschenkt von Gott dem Herrn.\nFühl uns!\nWir sind ein weißes Schiff\nMeerzu auf hellen Kinderchören!\n\nWeite Wege\nWeite Wege\nwirre Welten sterben hin auf mich.\nAuf dem aufgebäumten Willen hockt ein fremdes Leid\nstarr umeist von Winterwinden wandle ich in Einsamkeit.\nNacht und Schatten senkt die Stirne\ntote Taten fallen aus dem Weltenraum.\nSonnentraum entfliegt\nversiegt im Eis der Leiden ist der letzte Brunnen.\nIch fühle Licht im tiefsten Meer der Nachtgedanken blinken\nertrinken will mein Willen nicht\nich schwimme in den Odem Gottes ein\nund bin beladen imit der Dornenkrone ungemessner Welten.\n\nIch, der Mensch\nIch bin über den Wäldern\ngrün und leuchtend\nhoch über mir\nich, der Mensch.\nIch bin Kreis im All\nblühend Bewegung\ngetragenes Tragen in ewigen Tagen.\nIch bin Sonne unter den Kreisenden\nich, der Mensch.\nich fühle mich tief\nnahe dem hohen All-Kreisenden,\nich, sein Gedanke,\nMein Haupt ist sternbelaubt\nsilbern mein Antlitz\nich leuchte\nich\nwie Er, das All.\nDas All\nwie ich!\n\nSchrei\nHoch flattert meine Seele im Dunkel über den Dingen,\nüber die hölzerne Qual toter Nächte\nhin in die Säle geborstner Fabriken\nentlang die dunkeläugigen Kohlenkanäle\nhin in vergrabene donnernde Schächte\nüber die wiegenden Arme der Mütter\nüber die Kissen der liebenden Kammern\nüber die klagenauftürmenden Kreuze\nüber die Menschen\nüber das Dunkel\nerdeentstiegen\nnachtempor\naufwärts zu Ihm!\nIhm\nBruder der Menschen\nIhim schreit meine Seele die Welt ins Gesicht,\ntragen soll sein gewaltiger Atem sich selber\ndie Menschen\ndas Leid!\nIch schreie Ihm uns alle ins Gesicht\n\nAndacht\nMeine Augen sinken in mich.\nTief gehe ich in mir\nUnd tief in tmir bin ich das Hohe\nich bin das ferne Sternenlied.\nMir blühen die fremden Gärten,\nich bade in blauhellen Teichen,\nich trinke den Duft der letzten Erkenntnis.\nTief in mir wandelt der Weltenraum.\nIch bin nicht Traum.\nIch bin das Leben\ngeführt vom Geheimnis der Welt.\nIch schließe die Augen\nmir öffnet sich weit die unendliche Seele.\n\nSpielerei\nTanzspielabend in V. in Frankreich\nDer Tänzerin L. Q.\nHelle Blüte flattert auf,\nflattert über unsern grauen Panzer\nrosa Sonne\nblonde Sonne\njunger Tanz\nspielhin spielher\ngestern trug ich einen Stahlhelm\nheute flattert meine Seele\ntanzend\nlachend\nJugend\nJa!\n\nLeidlust\nLaß uns die Schmerzen entkleiden\nselig die ewigen Leiden genießen.\nHelles und Dunkles muß uns umfließen\nin ewigen Strömen ist Sonne und Nacht.\nHauptoben die schwimmenden Sterne,\nhinwandelnd wir Welle in blaudunklem Spiel\newig ist Ziel\newig die wechselnde Ferne.\nLaß uns die Leiden erkennend bekränzen\no laß uns glänzen\nwir\nkreisende Sterne! s\n\nWiege\nMüde ist mein junges Herz i\nStreichle seinen Atem, helle Frau. 1\nMüde ist mein Tag von allen Dingen,\nsingen sollst Du Deine Stimme über mich.\nDeine Sehnsucht ist im Abend helles Blau\neine Sonne scheint auf mich aus Deiner Brust.\nBlut und Sterne dir ins Haar\nWein hinein ins fremde Leuchten,\nhelle Nacht voll Angesichte,\nehe meine Mutter meine Erde mir gebar\nschwamm mein Seelenangesicht in Deinem ewig reinen Schöße.\n\nVermerke\n\nDer Friede im Bilde festgehalten\nDie Kunstmalerei befindet sich in der Uebergangswirt-\nwirtschaft. Die Vorarbeiten für die Friedensbilder sind im\nGange. Die Zeitungen veröffentlichen bereits bildhafte An-\nschauungen, die der kleine Mann als Bildersatz bestens verwen-\nden kann. Die Bildanleihe wird so gezeichnet: „Mit schlichten\nMitteln, Bleistift, Kohle, schwarzer Kreide entstanden Charak-\nterstudien, in denen das Wesentliche scharf umrissen ist. Der\nKünstler geht nun daran, diese Bildniszeichnungen zu veröffent-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.13", "texte": "liehen.\" U n gegenständlich sieht das schlichte, scharf umris-\nsene Bild so aus: , . sieht man zuerst die ehrwürdige Ge-\nstalt . . ~ den Aristokratenkopf , . ~ charaktervoller Kopf ist\nim Profil festgehalten, das alte Diplomatengesicht . . ~ der Kopf\nmit seinen dunklen Augen, . . . der zerwühlte Kopf, , , , bei\nLampenlicht gezeichnet, das kluge Auge . . . beherrscht den\nmassigen Schädel des Diplomaten.\" Dieser Bildfriede ist ganz\nernsthaft. Denn „neben diesen ernsthaften Zeichnungen ent-\nstand ein Satyrspiel, das besonders Gefallen fand: Er karikierte\ndie Hauptfiguren des Dramas von Brest auf kleine lithographi-\nsche Steine und konnte ihnen am Ende diese kleine geistreiche\nLithographiemappe überreichen.\" Das Künstlervölkchen muß\neben sein Späßchen haben. Die kleinen Steine konnten am\nEnde nicht mehr anders verwandt werden.\nGroßmannssucht\n„Die angenehmsten Druckfehler sind natürlich die krassen.\nDa besteht immerhin der Schatten einer Möglichkeit, daß auch\nder Leser ihn nicht aufs Kerbholz des Autors setzt. Zum Ver-\nzweifeln sind die unauffälligeren. Die werden vom Publikum\nals stilistische oder gedankliche Freiheit angesehen.\" Auf diese\nWeise kommen Autoren zu Stil und Gedanke. Der Autor wird\nfür die Feinheit dankbar: „Unlängst ließ mich ein Setzer sagen,\nWedekind, der das Leben für eine Rutschbahn hielt, sei zum\nRhum (ältere Schreibweise) hinaufgerutscht. Für diesen Druck-\nfehler war ich dankbar. Nicht etwa als ob ich dem an genialen\nLastern reichen Wiedekind auf diese Art eine Neigung zu sehr\nalkoholischen Getränken nachsagen wollte.\" Diese gedankliche\nFeinheit läßt sich der Autor nicht nachsagen, der einem Toten\ngeniale Laster nachruft. Dieser angeblich lebende Autor ist\ndem Setzer aus einem ganz andern Grunde dankbar: „Aber\ndieser Druckfehler gehört als Musterbeispiel in die von einem\n• Freudschüler zu schreibende Psychologie des Druckfehlers,\nKapitel Fehlleistungen.\" Und zum Ruhm dieser Fehlleistung\nbemerkt der Autor: „Druckfehler sind durchaus persönliche\nWahrnehmungen der Herren Verfasser.\" Der Setzer denkt näm-\nlich für den Autor. Wenigstens der Maschinensetzer. Der\nHandsetzer denkt nur mit dem Autor: „Setzer und Schriftstel-\nler standen in geistiger Verbindung. Der Setzer las nicht nur\nmechanisch die Lettern aus dem Kasten auf, er dachte mit dem\nVerfasser, und diese Harmonie drückte sich in einem Minimum\nvon Druckfehlern aus.\" Man versteht nun, warum das Publi-\nkum die stilistische und gedankliche Feinheit dieses Autors\nfrüher nie gemerkt hat. Er schrieb eben Handsätze. Während\nmein Maschinensetzer für den Nachruf auf Wedekind dieses\npersönlich wahrnehmenden Autors mich Schandsätze sagen las-\nsen müßte. Musterbeispiel für Freudschüler, Psychologie des\nAutors, Kapitel Schmähleistungen. Die Vossische Zeitung hat\nihren Großmann gefunden. Ihren Großenmann, würde der mit-\ndenkende Setzer sagen.\nNoch ein Expressionist\nEin Herr Dr. Paul Landau hat ihn entdeckt. Der Name die-\nses Expressionisten ist Max Klinger: „So ist Klinger Expressio-\nnist im Sinne unsrer Jüngsten, ein Darsteller des Traumes und\ndes Märchens, des Grotesken und Gespenstischen, des Ueber-\nsinnlichen und Uebernatürlichen.\" Man wird sich also den Na-\nmen merken müssen. Hoffentlich schreibt Herr Paul Landau\nbald ein Buch über den Expressionismus.\nDurch Auge zum Ohr\nDer Musikkritiker der Vossischen Zeitung will nicht in die\nIrre geführt werden. Schließlich kann man von einem Kritiker\nauch nicht verlangen, daß er sich auf sein künsterliches Gefühl\nverläßt, um so weniger, wenn es durch das Ohr erreicht werden\nsoll. Beim Auge haben die Kritiker das künsterlische Gefühl\nund die Feder sofort in der Hand. Eine optische Täuschung ist\nbei ihnen ausgeschlossen. Sie sehen hin und wenn sie es schon\ngesehen haben, in Haus und Hof, bei Mann und Frau, in der\nnationalen oder internationalen Natur, optisch täuschend ähn-\nlich, so ist es eben Kunst. Mit dem Auge können sie verglei-\nchen, mit dem Ohr nicht. Es handelt sich also für die Musik-\nkritiker darum, sich für das Ohr einen Augenersatz zu beschaf-\nfen. Der vorsichtige Musikkritiker der Vossischen Zeitung\nläßt sich seine Methode, die musikkritische Methode, von den\nHerren Künstlern selbst bestätigen. Er richtet deshalb einen\nBrief an die deutschen Dirigenten: „Ein Fall, der jüngst einige\nKritiker in die Irre führte, gibt die Veranlassung, folgende Frage\naufzuwerfen: reicht zur vollkommenen kritischen Bewertung\neiner Dirigentenleistung das Ohr aus oder muß auch, wie wir\nes gewohnt sind, das Auge hinzugezogen werden?\" Auf\ndiese Frage haben tatsächlich deutsche Dirigenten eine Ant-\nwort gegeben. Keine Frage ist es nach dieser Frage, daß die\nMusikkritiker, wie wir es gewohnt sind, das Auge hinzuziehen.\nBekanntlich pflegen die Kunstkenner wenigstens ein Auge zu-\nzukneifen, was mit dem Ohr Schwierigkeiten machen soll, wie\nmir Musikkenner zuverlässig versichern. Das Zuknöpfen soll\nhingegen leichter sein. Die Musikkritiker reißen also beide\nAugen auf und knöpfen beide Ohren zu. Denn: „Es ist sicher-\nlich sehr wichtig, zu sehen, wie sich Musik, mit dem Gefühl\nund mit dem Verstand aufgefaßt, in die deutende Dirigenten-\ngeste umsetzt\". Der Musikkritiker der Vossischen Zeitung be-\nmerkt ausdrücklich, daß „der naive Hörer das nicht nötig hat.\nWohl aber der bewußte, der kultivierte Hörer\", also der Kri-\ntiker und der Kenner. Richard Strauß teilt mit ihnen die An-\nsicht der Augenmusik. Er bittet zwar „ihn von einer schrift-\nlichen Beantwortung der Frage zu dispensieren; er wolle lieber\neine halbe Sinfonie schreiben, als einen Zeitungsartikel,\" Im-\nmerhin schreibt er lieber doch den Zeitungsartikel, wenn auch\nin schlichter Briefform: „Die aufgeworfene Frage müsse er\ndurchaus bejahen. Ihm beeinträchtige es den Musikgenuß,\nwenn er die Ausführenden nicht sehe. Er wolle es im übrigen\nselbst nicht unternehmen, in jedem Falle lediglich mit dem Ohre\ndie Identität des „versenkten\" Dirigenten festzustellen.\" Hin-\ngegen vermag Herr Richard Strauß mit dem Auge ohne\nweiteres die Identität des Dirigenten festzustellen. Hin-\ngegen dürfte es ihm schwer fallen, sich selbst zu identifizieren,\nda er ja sich selbst nicht sehen kann. Er müßte denn das Spieg-\nlein an der Wand fragen, das in solchen Fällen aufgeworfen\nwerden muß. Was bedeutete also Richard Strauß, wenn er in\nder Versenkung geblieben wäre. Die Musik wäre zwar nicht\nmit plattestem Naturalismus versehen und verhört worden, das\nkultivierte und bewußte Publium hätte aber die deutenden\nGesten und das verständige Antlitz sich nicht zu Gesicht brin-\ngen können. Herr Richard Strauß meint, daß alle Dirigenten\nbis zu einem gewissen Grade Schaudirigenten seien. Aus dieser\nErkenntnis heraus haben auch die bewußten und kultivierten\nKaffeehausbesitzer als Schaustücke für Götterfreunde Dirigenten\nin ihre Betriebe gezogen, die mit optischer Deutlichkeit große\nKanonen genannt wurden. Daß Richard Strauß eine große Ka-\nnone ist, dürfte augenfällig sein. Womit der Beweis des Künst-\nlerischen für die Musikkritik sichtbar geführt ist. Auch Herr\nArthur Nikisch ist eine große Kanone, [er schießt sogar Zeitungs-\nartikel: „Ich für mein Teil lege Wert darauf, die ausführenden\nKünstler unter allen Umständen auch zu sehen; das erhöht\nbei mir Verständnis und Genuß, So will ich auch den Dirigen-\nten sehen, denn ich meine, seine Stabführung ist, sofern er\nnur nicht ein trockener Taktschläger ist, eine Seelensprache,\nderen Erkenntnis mir nicht nur das Eindringen in die Gefühls-\nwelt des Dirigenten ermöglicht, sondern zugleich das Verständ-\nnis der vorgeführten Komposition wesentlich erleichtert; zu-\nmal unter dem Gesichtspunkt, daß er nicht direkt, son-\ndern nur durch das Medium des Orchesters zu mir spricht!\"\nWas würde Herr Arthur Nikisch uns erst zu sagen haben, wenn\ner direkt und nicht erst durch das unsichtbare Medium des Or-\nchesters zu uns spräche. Und wie würden wir erst in seine Ge-\nfühlswelt eindringen, wenn er uns statt des Gesichtspunkts des\nRückens das Gesichtsausrufungszeichen seines seelenvollen\nAuges ermöglichte. Es würde uns das Herz im Leibe herum-\ndrehen, wenn er sich herumdrehen wollte. Auch die Dirigen-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.14", "texte": "tenlocke könnte dann weit besser zu unserm Auge sprechen,\nWie wollten wir dann im Takt mit seinem Stabe teils jubeln,\nteils leiden. Jeder Irrtum wäre ausgeschlossen. Seit ich ihn\ngesehen, glaub ich nicht mehr taub zu sein. Die Frage der\nDrehungen muß aufgeworfen werden. Damit die Musikkriti-\nker endlich sehen, was Musik ist. Jeder Irrtum ist ausge-\nschlossen. Wie sollte der Musikkritiker sonst wissen, ob der\nPianist die Pedale richtig tritt, wenn man ihm nicht auf die\nFüße sehen kann. Wie kann der Musikkritiker sonst wissen,\nob die Sängerin mit Seele singt, wenn er nicht die Erschütterung\ndes Busens sieht. Es gibt eben Merkmale, die so wenig zu ver-\nkennen sind, daß selbst ein Musikkritiker sich nicht irren kann.\nDas ist der bekannte Drang nach Sichtbarkeit. Weswegen den\nHerren Musikkritikern auch immer die ersten Reihen ftn den\nKonzertsälen vorbehalten sind. Weswegen die Herrn Musik-\nkritiker sich auch in den verdunkelten Konzertsälen fürchten.\nDenn im Dunkeln kann man munkeln, wie der Dichter sagt. Und\ndie Musikkritiker müssen sich eben am Stabe in die beliebte\nKunstwelt führen lassen. Sie wollen sich durchaus nicht den\nStab aus den Händen schlagen lassen. Sie fühlen sich sonst an\nder Nase geführt. Zwar ist die Nase auch ein Gesichtspunkt.\nSie trägt in den meisten Fällen die Brille, die das Auge führt.\nZwar sind Kritiker und Kenner empört, wenn etwa ein Dichter\nbehaupten würde, daß er mit den Augen hört. Die Herren be.-\nhaupten dann, das könne man nicht. Man begreift jetzt, wes-\nhalb sie es behaupten. Sie wollen zwar nicht diese Kunst, aber\ndiese Art Kritik für sich behalten. Jedenfalls müssen wir dem\nKritiker der Vossischen Zeitung dankbar sein, daß er uns einen\nGesichtspunkt in das Gefühlsfragezeichen der Berufskritik ge-\nsetzt hat. Man wird in Zukunft auf den Namen dieses Schau-\nkritikers Max Marschalk neben den Namen der bewährten\nSchaudirigenten offenen Auges und verstopften Ohres blik-\nken müssen.\n\nHerwarth Walden\n\nDeri oder Kunstkabale und Liebermann\nWalter Mehring\nBürgerliches Trauerspiel in vier Akten\nPersonen\nDie Derische Kunstpsychologie\nDie Kunstgeschichte, beider Stieftochter\nLiebermann, ein Maler\nDie Kunst, sein Verhältnis\nProf * der Kunstgeschichte, Backfische, Publikum\nZeit: Mittwoch, den 6. März\nOrt: Inneres des Cassirerschen Kunsttempels\nI\nDer i :\nDie moderne Kunst entwickelt sich aus dem Naturalismus\nDie K unstgeschichte (horcht auf)\nDie Derische Kunstpsychologie (schmiegt sich an\nihn): Der Künstler ist ein Mensch wie wir. Wir müssen\ndahinter kolmmen.\n.JTf\nDas Liebermannlichtbild (kommt gleich dahinter)\nDer i :\nMan muß es fühlen, auch wenn man es nicht wttßte, so und\nnicht anders werden Gänse gerupft\nDie Backfische (lächeln geschmeichelt)\nDeri:\nDiese Malerart verfeinert sich mehr und mehr. Und es\nentstehen die Manetschen Schöpfungen\nDie K unstgeschichte (rechts ab)\nDas L i cht b i 1 d (hat sich derart verfeinert, daß nichts mehr\nzu sehen ist)\nDie Derische Kunstpsychologie:\nDas sind die Grenzen der Malerei\nII\nDeri:\nJetzt kommt der Ruf nach Kraft\nDer Ruf (läßt sich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Kraft)\nDeri:\nMan will wieder etwas Handgreifliches und macht es wie\ndie kleinen Kinder: Dieser Seurat setzt seine Bilder aus\npoints zusammen. Pointiiiismus\nDie Kunstpsychologie (belächelt die Pointe)\nDie Kunstgeschichte (meldet): Die Kubisten\nDeri:\nMan sucht nach immer stärkeren Komplexen. Jetzt will\nich Ihnen zeigen, wie es die kleinen Geister machen\nDas Lichtbild (zeigt) Picasso\nDeri (spricht französisch, damit ihn die Kunst besser versteht):\nJe constate je ne juge pas. Cezanne und van Gogh gehen\nden direkten Weg, diese winzigen Pointillisten und Kubisten\nversuchen es auf Umwegen. Sie sehen hier die Augen, den\nMund, Reste einer Nase . . .\nDas Lichtbild (sperrt Augen, Nase und Mund auf und ver-\nschwindet direkt)\nDas nächste Lichtbild (zeigt) Delaunay le tour Eiffel\nDeri:\nDieser Maler wollte den Eiffelturm malen. Er stürzt ihm\nunter den Händen zusammen\nDer Eiffelturm (kracht)\nDie Derische Kunstpsychologie (stürzt weinend\nzusammen)\nBeifall (schlägt bombenmäßig ein)\nIII\nD er i (allein, beschwört) Cezanne\nDer Geist Cezannes (nach links ab)\nDas Lichtbild (springt ein)\nDer i :\nNun sehen, wie fest so eine Mauer bei Cezanne steht\nDas Lichtbild (wackelt)\nD e r i (beschwört) van Gogh\nDas Lichtbild (springt gleich ein)\nDeri (beleidigt):\nVan Gogh ist kein ganz Großer, der Inhalt entscheidet doch\nschließlich. Ein Baum füllt doch kein Bild aus.\nDer Saal (leert sich)\nDie Gelehrten (klatschen Beifall)\nIV\nD e r i (strahlt)\nDie Lichtbilder (erlöschen an seinem Kunsthorizont)\nDie Derische Kunstpsychologie (stirbt):\nDie Limonade ist matt wie Deine Seele\nDie Kunstgeschichte (stirbt an Kunstvergiftung)\nDie Kunst (das Verhältnis des Liebermann winkt ihm aus den\nKulissen rechts):\nKomm mit\nDer Vorhang fällt vielsagend"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesaraten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamcr Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrilt Der Sturm\nErscheint am fiinfzehnten jedes Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Aasgabe: Fur Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nEm Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 1 Mark / FiirdasAusland;\nEin Jahr 8 Mark / Ein Halbjahr 4 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig / Sonderaus-\ngabe: Ungebrochene Exemplare,\nVersendung in Rollen direkt\ndurch die Post / Fur Deutsch-\nland und oesterreic h - Un g a r n:\nEin Jahr 12 Mark / Fur das Ausland:\nEin Jahr 14 Mark\n\nPreise der friiheren Jahrgange\nVollstandige Awsgabe\n1. Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n8. Jahrgang\n1910/11\n1911/12\nGewohnliche\nAusgabe:\n30 Mark\n30 Mark\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n30 Mark\nSonder-\nausgabe:\n40 Mark\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n40 Mark\n1917/18\nEinzelhefte, soweit vorhanden, erster bis\nachter Jahrgang je 1 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\n©ebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute I Gedichte\nOeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDerFrauenmut / Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gluck / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 2 Mark 50 Pfennig / Gebunden 4 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nOeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nOeheftet 2 Mark\nKreisdesAnfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nPaul Scheerbart\nGlasar chitektur / In 111 Kapiteln\nOeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nAugust Stramm\nDu/Liebesgedichte\nOeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig\n\nHerwarth Walden\nDas Buch der Mensche n 1 ie be\nOeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Harte der Weltenliebe/\nRoman\n4 Mark Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nGesamiiielte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V„ August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aagc von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage yon Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Qedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Kldvier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nMappcn und Alben / Verlag Der Sturm\nRudolf Bauer-Mappe\nLithographien\n100 Mark / Auflage 10 Mappen\nHeemskerck-Mappe: Sechs handgedruckte\nund einzeln unterschriebene Holzschnitte /\nAuflage 30 Mappen\nMappe je einhundertundfiinfzig Mark\nKandmsky-Album / Schrift des Kiinstlers\nliber sich selbst mil sechzig ganzseitigen\nAbbildungen seiner Werke von 1901 bis\n1913\nAlbum 10 Mark\nOskar Kokoschka: Mappe mit 20 Blatt\nZeichnungen in Strichatzung\nAuf Kaiserlich Japanpapier 30 Mark\nAuf Costakarton 20 Mark\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\nMappe mit 15 Bildnissen auf Japanpapier\nin Strichatzung\nMappe 40 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: PI ak at fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nKiinstlerkarten\nJede Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bild-\nwerken folgender Kiinstler:\n\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 4\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Ddaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nS. Hjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\n\nFernand Ldger 2\nAugust Macke 1\nFrani Marc 2\nCarl Mense I\nJean Metzinger 1\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nMarianne von Werefkin 2\n\nSturm- Aussteliimgskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Die Futuristen\nJe 6u Prennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\nRudolf Bauer\nDer Blaue Reiter\nMarc Chagall\nGino Severini\nKandinsky\nSkupina\n\nKunstdrucke aus dcm Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudoli Bauer\nSchwarz-Weiß-Komposition 14\nUmfoerto Boccioni: Abschicd / Die Abfah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall; Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Essender\nBauer / Madchen\nLyonel Feminger: Klein Schmidthausen /\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Zeichnung\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus I 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkartcn\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramm IX.\n11. HeAvarth Walden X.\n111. van Heemskerck XI.\nIV. Kandinsky XII.\nV. Rudolf Blfimner XIII.\nVI. Campendonk X V.\nVII. Peter Baum XV\nVIII. Hermann Essig XVI.\nOskar Kokoschka\nAdolf Knoblauch\nPaul Klee\nGabriele Munter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nKurt Heynicke"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180415-01.1.16", "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Sirajje 134 a\nGeoifnet tagtich too 10—6 Uhr / Sonntags\n▼on 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nZweiundsechzigste Ausstellimg\nJacoba van Heemskerck\n♦\nDreiundsechzigsle Ausstellung\nNell Walden\nArnold Topp\nHans Siifig\nErotffnung: Sonntag den 28. April\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausschliefilich\nund veriiigt iiber ihre Wcrke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkaui und zu Ausstellungen in der gan~\nzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Fritz\nStuckenberg / Nell Walden\nDER STURM\nvertritt ftir Deutschland folgende Kiinstler\nund veriiigt iiber ihre Wcrke zum Verkauf\nund fiir Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Albert - Bloch /\nAlexander Archipenko / Fritz Baumann /\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Carlo\nD, Carra / Max Ernst / Lyonel Feininger /\nEmiS Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nireund / Oswald Herzog / Sigrid Hjerten\nGriinewald / Isaac Griinewald / Johannes\nItten I Alexei von Jawlenski / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Franz Marc / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Arnold Topp / Maria Uhden /\nWilliam Wauer / Marianne von Werefkin\n\nKunsischule Der Sturm\nLeitung ; Herwarth Walden\nZweitcs Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihnc / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musik\nLehrer der Kunstschule Der Sturm\nRudoll Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstschule Der\nSturm: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend\n4—5 I Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffnet\n\nOffentliche Vortrage\nJede Vortragsreihe 5 Mark\nV o'r tragsreihe 7\nLothar Schreyer: Der Expressionismus\nSonntags 11—12: 21. April I 5. und 19. Mai /\n2. und 16. Juni\nDie Vortrage finden in der Kunstschule Der Sturm\nstatt\nHorerkarte fur den einzelnen Vortrag: Mark 1,50\n\nSturm-Abende\nVerein iiir Kirnst / Fimizehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJ e d en Mittwoch\nBeginn aller Abende: %S Uhr\nMittwoch den 17. April 1918\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nTonwerke: Herwarth Walden\nMittwoch den 24. April 1918\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nTonwerke: Kerwarth Walden\nMittwoch den 1. Mai 1918 I Letzter Abend\nDichtungen der Sturm-Kiinstler\nVortragender: Rudolf Bliimner\nTonwerke: Herwarth Walden\nWiederbegmn der Abende\nMittwoch den 4. September 1918\n68. Sturm-Abend\nKarten zu 5, 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\nDresden (2. Abend): 26. Marz\nLeipzig (Schauspielhaus): 14. April\nLeipzig (2. Abend): 21. April\n\nVerein Sturmbiihne\nVorsitzender: Dr. John Schikowski\nGeschaftsstelle: Charlottenburg / Scharrenstraße It\nAufrui und Satzungen kostenlos\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamcr Strafie 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seltene Biicher und Note»\nvorratig und nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nWilli elm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarte\nJede Karte 20 Pfeinig\nXVI: Kurt Heynicke\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / D r a me n\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nErnst Marcus: Das Problem der exzentri-\nschen Empfindung und seine Losung\n4 Mark 50 Pfennig\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nIn monatlicher Folge\n60 Pfennig / Jahrbuch 6 Mark\nDritte Folge erschienen\nHerwarth Walden\nErste Liebe / Em Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch l Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmaiden der Sturm-Kiinstler\nZweite Auflage\n5 Mark\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenko\n4 Mark\nIII: Paul Klee\n4 Mark 59 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke,\nvon den meisten Zeichnungen Kunstdrucke\nkaufiich zu erwerben. Die Originate sind ver-\nkauflich.\nAusllihrliche Verzeichnisse des Verlags\nDer Sturm kostenlos"}]}