{"numero_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_sha256": "6eedde0686bcf0e0b27ff10c6008f122280d92c173ff5f37155cd76409b2ef55", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1918/06/15_01/bmtnabg_1918-06-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1918/06/15_01/bmtnabg_1918-06-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.1", "debut_caractere": 247, "fin_caractere_exclue": 648, "texte": "Inhalt:\nWilhelm Range: Lieder / Adolf Allwohn: Um Gott / Kinner von Dresler: Gedichte / Walter Mehring: Die Frühe der Städte /\nKurt Heynicke: Lieder im Felde / Mynona: Die Kunst sich selber einzubalsamieren / Herwarth Waiden: Gute Kritik / Emil Filla: Zeichnung /\nMaria Uhden: Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Georg Schrimpf: Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Hans Maitis Teutsch: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Eine Stimme ver-\nsucht das hohe Gewölbe. Es spricht einer hinter blaudunklen\nKerzen. Der Mensch will sprechen. Worte haben sich selbst\nberufen. Die Wände ahnen ein Herz.\nDie Menschen verschlucken ein Herz, Die Menschen schrillen\ndie Stille, Fremde Klänge mengen ein Knarren, Der Mensch\ntreibt Triebe. Und Schluchzen. Weh!\nRauschen stürzt ein lautes Lampenlicht. Krasses Schellen-\ngeheul schlägt einen Rücken. Furchtbar ist die Nacht. Schein-\ntote liegen erschlagen auf allen Feldern. Der Mond irrt über\ngelbe Wolkenräder, Lasten fiebern, Lasten vergraben. La-\nsten lachen wild auf. Zack durch die Erde. Kraß über Stop-\npelfelsen und ermordete Berge, Luft gellt. Luft wiehert.\nBäume reißen Kleider in Fetzen. Die blöden Häuserlichter\nkrampfen Totenbeine über die Sterne.\nEs ist alles zerweht. Wege zerblättern krank. Es liegen Sen-\nsen überall vererdet. Es liegen Sgherben überall verkrümelt.\nDer Mensch ist verrestet.\n~Herr nimm! Herr gib!\"\nMenschen kommen. Menschen heben ein Mitleid auf. Men-\nschen sind lieb. Menschen beugen sich herunter. Der Mensch\nspuckt Asche, Der Mensch schlägt den Mond. Der Mensch\nsteilt Gott. Gott ist dunkel. Gott ist in den schwarzen Tal-\nnebeln. Gott ist müde im Schlaf. Gott ist nicht Gott.\nEine ungeheure Frage starrt den Himmel. Die Erde muldet\nsich. Mensch kniet aus demütigen Augen. Schalen zittern\nnach einem Idol. Alle Uhren stehen kurz vor Mitternacht.\nAlle Uhren stehen schnappend still. Welt hält den Atem an.\nIn der Ewigkeit kniet ein einsames Bang.\nFragen,\nLiebe\nDie Menschen zerlieben sich. In heißen Liebesarmen starrt\ndie Kälte. In kalten Küssen reißt eine tiefe Flamme einzig\nhoch. Im leeren See schwimmt ein vergrabener Stern.\nEs werden Steilhöhen geschaut. Füße wandern auf endloser\nFläche.\nEin Zug rollt mit toten Lichtern in die Nacht. Ein Mensch\nsinnt in die letzten lachenden Grüße. Lachende Tränenerschüt-\nterungen heuchelnder Wehmute. Lachendes Augenwinken ge-\nmeinsamer Nachtverwinkeltheiten. Ein irres Erbrechen keucht\num die Räder, Unruhe gespenstert in allen Lüften. Lüge\ngrinst auf allen Dächern. Zerrissen drecken Dünste im Sand.\nZerbissen stochern Steine im Blut, Lust lastet. Laster lustet.\nUnd die Augen sind verklatscht.\nDie Abendröte deiner Augen ist grau. In deinem Schoß tollt\nverruchtes Tagatmen. Die Augenlider sind dir nicht schluch-\nzend ins Herz gefallen. Die Welt deiner Wangen ist dir nicht\npurpursterbend in Umfassungen zersunken. Es ist alles so\ngrenzenlos verwußt.\nVerwollt!\nVermenscht!\nVertiert!\nNur hinter den letzten Zuckungen stolpert ein krampfhaftes\nNeu über die Schollen des dämmernden Morgens.\nDein Ja ist verzweifelt. In deinem Haar hängt eine zerzauste\nLampe. Du siehst sie nicht. Höllenfahrten reiten deinen Leib.\nZerworfen knirscht deine Scham. Deine Reue lechzt zerfetzt.\nVor dem Fenster deiner Seele flattert ein Vogel Angst. Alle\nSonnen frieren unterhöhlt. Alle Geschicke sind endlos zer-\nschmissen, In Nichts.\nMenschen halten einander. Menschen können einander nicht\nhalten. Menschen krallen einander. Reißen das Herz heraus.\nReißen. Und Krampf tanzt. Und Krampf zerstirbt sich. Tot.\nDann streicht ein Wind. Zagend klingelt die Nacht über die\nDächer zum See. Glockenschläge tasten weit hinaus. Der\nSchlaf fühlt an ein Herz. Menschen schmüegen ahnende Liebe.\nGott schmiegt sich. In den Fenstern des Abends stehen viel\nblinde Lichter. Kopf beugt die Demut,\nWarten.\n. •\nEr kommt\nEin Wagen kriecht über schwarze Seen, Langsam fährt die\nNacht, Vorfrühe Aeste horchen in die Dämmerung. Aus Dör-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2191, "texte": "fern läuten traute Suchhände. Dunkle Flächen bäumen sich\nleis. Es ist eine Sehne gespannt. Die Erde wagt in weiter\nFerne ein kleines Licht. Du gehst und wartest. Wartest und\ngehst.\nRausch hat niedergesunken. Schlaf hat den Weg erwürgt.\nErlen zacken das Haar. Die Stille klangt schwarz. Die Stille\nlechzt weh. Irgendwo.\nMond ist der Kopf. Leib schnurrt Nebelhaare. Leib\ndrückt Nebelhände blaßrot. Einer Greisin Runzeln zer-\nwittern lila Angst. Du siehst Wälder untergegangener Räuber-\nschreie. Groß ist der Leib. Groß ist der Kopf. Nebel zer-\nfangen. Nebel zerdrängen. Du lebst Augen zerheult, Ohren\nzerwinselt, Haare zergähnt. Nur eine lMühle stampft in dir.\nUnd Räder heulen. Ein Hund gelbt .Kalten. Ein Gott jacht\nJüchen. Erde kometet Schweiß. Himmel kreißt Bären. Und\nist bar. Und ist schwarzgrün vor der Tiefe. Und ist gelbtot\nam Ende.\nUnter Sandöden warten viel tote Tiere. Pferde steilen unter\nden Flüchen des Fuhrmanns. Pferde strecken Zungen aus\nSchaummäulern. Den Berg hinan! Den Berg hinan! Wagen\nrattern Angst unter den Granaten. Wagen schmeißen Kot\nüber die Löcher. Schreie strecken sich aus hohlen Blecheimern\nweit nach vorn.\nIn den Städten zerwarten sich viele Menschen. Frauen tragen\neinen Leib. Frauen zermartern ihre Hoffnung. Männer ste-\nchen harte Knochen in den Wangen. Kleine Mädchen bleichen\n#\neinen scheuen Hunger. In den Pfützen sind viel kranke Augen-\nränder. In Kellerhöhlen duckt ein Schuster. Sein Kopf ist vor-\ngequollen. Sein Auge trieft tiefes Glaslicht. Sein Mund kaut\nzahnloses Dunstschauen. Menschen warten draußen auf lan-\ngen Straßen. Warten in den Versammlungen. Warten auf\nallen Bahnhöfen. Viel Maschinen stehen und warten in die\nbiaßschimmernden Schienenstränge. Künde Schauung! Schau-\nung künde! Künde!\nJetzt sind leise Fahnen auf den Straßen, Ein blasser Himmel\nversucht, in die Sonne zu birken. Die Erde blinselt. Die Erde\nfragt. Die Erde bangt alle Fragen. Stößt bleiche Fragen tief.\nGlimmt toten Trost in Heiden. Ein einsamer Wegweiser starrt\nund stirbt.\nViel Menschen sterben. Die Menschen sterben.\nAlle Menschen sind gestorben.\nEin Wort. Ein Schrei!\nMensch du, Bruder du kniee in dich. Vertauche dich unter.\nVerwarte dich stille.\nEr kommt!\nGott!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "36", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kinner von Dresler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.3", "debut_caractere": 2193, "fin_caractere_exclue": 3910, "texte": "Gedichte\nKinner von Dresler\nStraßen Häuser schlagen Kanten\nBäume schließen Kerkertüren\nMusik rasselt Ketten\nLichter ritzen Dornenkronen\nMenschen fremden Verbannung\nAsphalt\nIch\nNicht ich\nVersinken Sterben loses Lassen\nErblassen\nZerrissen\nWeites Fließen\nBreites Gießen\nSchlaf\nErbarmen\nSteigen\nSchweben\nReigen neigen\nRegen\nStriche streicheln\nFasten lasten\nSanftes Schwellen\nRieseln Quellen\nDüfte flieg en\nErdenwiegen pochen Blut\nSeufzer zieht r\nSchreckt\nSchreit\nLicht\nAugen\nDeine Augen\nLispelnd springt ein heller Quell\nBlanke Blitze tiefen\nVergessen senkt den Schleier\nNacht\nDu\nSchlanke Arme webt ein Netz\nSchlingt\nIch will in weißen Maschen schmachten\nHimmel stürzen breiten bergen\nWandern wirkt goldene Fäden und spinnt die Spule\nAus Kirschblüten sauge ich den Hon ig in Dir\nFrühlingsblumen sind Deine Kinder\nKleine pochende Herzen Dein Herz\nSie leuchten Dich\nSie duften Dich\nSie blühen Dich\nSie welken nie\nWir sind in unserer Liebe\nBrummelkäfer brummt im Brombeerbusch\nSchmetterling malt Farben\nLibelle singt schwirrend\nAmeise kribbelt am Halm\nNäschen keck\nEin süßer Mund\nUnd atmen\n* *\n*\nDie Peitsche schreit\nGellend schlägt der Schmerz ein Tor\nDas Tor stimmt den Schmerz\nDer Schmerz zwingt\nWir rasen gegen\nWir müssen\nDie Stirnen dringen wund\nDie Kniee schürfen spitze Steine\nDas Tor springt auf\n* &\n*\nSperrangelweit die Nacht\nGesichter brennen Feuerlohe\nRasende Reifen sprühen Lichtfunken\nWirbelnde Sonnen schmelzen Meere\nGlühende Pfeile hetzen\nLeuchtende Wunden wellen\nLiebesscheiterhaufen flackert flirrend\nHelle Stürme wecken\n* *\n*\nRagende Türme streben einsame Himmel\nSchwebende Brücken greifen schwindelnde Ufer\nRings brodeln Massen fern\nWiir stehn auf tönenden Zinnen\nWir senken unsere Hände auf unsere Herzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 99, "texte": "Ich wuchte schwingende Form\nDu seufzt wehende Seele\nUnter uns Vergehen\nWir bleiben\nVater\nMutter\nWir"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "44", "image_debut": 4, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.6", "titre_corps": "Die Frühe der Städte I : Die brücke III", "titre_sommaire": "Die Frühe der Städte I : Die brücke III", "signature_source": "Walter Mehring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.4", "debut_caractere": 101, "fin_caractere_exclue": 4255, "texte": "Die Frühe der Städte I\nDie brücke\nIII\nWalter Mehring\n\nEine weiße Brücke ist empor gewachsen\nRingsum wölbt Blautiefe\nSchweigen staut sich Menschen ketten schräg zur Brücke\nBlonden (Edith)\nDer rote Militär (der Offizier)\nDer Herr in Trauer (der Vater)\nSchleichenden (die Mutter)\nSchreitenden (die Mädchen)\nKreisenden (der Freund die Freundin)\nTrauernden (die Passanten)\nGanz vorne unter den ersten Sas (das Wesen) einen Fuß auf\ndie Brücke gehoben und in sich ruhend.\nHämmern (die Tiefe)\nHartes Klopfen (die Höhe)\nSteine wandern unablässig hinunter hinauf\nStimmen hinauf:\nSteine runter\n'Stimmen hinunter:\nMensch wir steigen immer Alle Luft geht aus\nStimmen hinauf:\nReißt doch Stücken Himmel Det Ding steht auch so\nStimmen hinauf:\nWas Ihr Herren immer von oben runter Ausruhn Jeder\nAtem zentnert Uns zerkeucht das Herz\n\\\nStimmen hinauf (brüllen):\nAusruhn — Eisen schient die Brust Sterben muß ewig\ntragen eingemauert Augen brüllen Tod\nStimmen hinauf (stöhnen):\nMörtel frißt alten Bruder auf Ruht sterben aus den Kopf\nin den Schoß gelegt Grau frißt alles Sehen auf Kind wim-\nmert so'n bischen Licht Kopp is Stein Schläfern sickert\nrot aus'm Schädel — Kleine Wunde — patscht — heiße\nHände — an — die — Backe weich Wat hat n —\nSterne kleenet Wurm\nDie Ste ine hängen in der Luft\nStimmen oben (steigen):\nKerls spannt letzten Atem höher immer höher Wir stei-\ngen immer Schwindel schleppt Treppen mitten in die Luft\nWer trägt der Himmel lacht Schwindel! Brückenschwindel\nEin Stern tanzt seil in einem roten Rock Die Sonne äfft\nUnd tausend Tiefen klettern an meinen Adern in die\nBrunst der Sterne\nDie Stimmen (klettern Wahnsinn in die Angst)\nEin Sehnsuchtsschrei (hat sich verstiegen):\nBrückenlügen Bogen lachen Die letzte Sehnsucht spannt\nNur noch eine Spanne Himmel\nStimmen hinab :\nVaflucht Da stürzt Köppe die Köppe weg Ich springe die\nErde springt Der Mond kommt angeritten Die Himmel-\nängste reiten Alle Sterne wiehern Ich springe Der Ab-\ngrund lacht Trümmern\nDie Brücke (versinkt)\nWeiß hinauf hinab weit und nah\nWeiß: Die oberen Bögen der Brücke\nWeiß: Die rote Sonne und die Sterne\nDer junge Offizier (sucht Wege atemlos):\nDie Ferne waist vor mir die Wege fliehen nah Verirrt\nraucht der letzte Schlund einer Kanone Kreisrund um ki-\nchernde Schrappnells\nDer junge Offizier (sucht Wege herzenlos):\nSchrei ädert ein letzter Baum Mein Blut verästelt\nschwarz und schleppt die Einsamkeit Eine Träne küßt\nmeine Augen blind Eine blonde Schleppe löscht mein hei-\nßes Sehen\nDer junge Offizier (sucht Wege sonnenlos):\nGlühe Haare berieseln mich heiß Rosenrot küßt mich Eis-\nkälte Astern blüten ihr süßes Fleisch Ein blüher Blitz\ngrünt eingefangen mir im Blut Und meine Augen rauschen\nauf in Schauen\nEdith (in einem Silberpelz tritt nah hinter ihn):\nDu was blaßt Du mein kleiner rosenroter Offizier ich\nschäme mich Ich will mich tief in Dir verbergen\nDer Offizier (verschließt seine Blicke)\nEdith :\nWas schließt Du Deine Blicke über meinem Licht Ich\nfürchte mich Ich lasse ewig Deine Küsse in mir brennen\nUnser Geheimnis bewacht meinen Schlaf\nDer Offizier:\nEdith, mein Sehnen siegt um Deiner Sonnen Tod, aber\nmeine Träume erfroren in Deiner wachen Liebe\nEdith:\nWas fliehst Du mein Erinnern kleiner Offizier Ich fange\nDeine Träume in mir ein Ich greife Dich mit meiner blon-\nden Seele Mein Berühren lodert von Deinen Küssen\nDer Offizier (greift zurück ihre Hand)\nEdith (schreit auf):\n0 Du Dein Haß erwürgt alle Heimlichkeit Dein Haß reißt\nalle Nähe entzwei Und Einsam schließt die Ferne Dich\nund mich\nDas grüne Sofa hebt das Weiß empor, aber sie sehen es\nnicht\nEdith der Offizier (entschreiten sich)\nAuf der andern Seite\nFreund und Freundin (kommen herabgeschritten)\nDer Freund (den Rock hochgeschlagen, die Hände in die\nTaschen gestemmt)\nDie Freundin (trägt den Kopf in den Nacken gebürdet)\nDer Freund (steht und blickt)\nDie Freundin (schreitet, ihre Händen krümmen sich zur\nSchale)\nDer Freund:\nDu schreitest Wir steht ewig stille alle Wege kehren leer\nin mich zurück\nDie Freundin:\nIch kehre ewig unsern Weg zurück und suche, wo wir uns\ngefunden\nDer Freund:\nUnsere Wege entringen den Kreis Unsere Ringe zerspren-\ngen unsere Finger Und unsere Hände greifen hart sich\nselbst"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3635, "texte": "Die Fr e u n d i n :\nIch will Gebet um Deine Wege pflanzen Ich werde über-\nall hervorblühen\nDer Freund:\nJetzt schließt uns ewig aus dem Kreis Jetzt schließe ich\nDein poches Herz in einen fernsten Stern Jetzt reift mein\nHerz die Liebe der Planeten\nDie Freundin (wendet ab, beide schreiten)\nDer Fr e und die Freundin (begegnen am grünen Sofa)\nDer Freund (reißt an sich hingerissen):\nWir sind Wir ist Wir ist die Welt Unsere Sinne besonnen\nneue Glut\nDie Fr e um d i n :\nO Du Deine Sinne brausen über meine nackte Seele Mein\nAtem Du ertrinkt in Deinem Kuß\nDer Freund:\nPerl perlt Dein Duft in meinem Atem auf Ich schlürfe\nRosenrot von Deiner Haut Rausch brennt die Nacht in\nTausend einen Morgen\nDie Freundin:\nODu willst mich? Wir sind ja Freunde Wir\nDie Freundin:\nTräume Wir träumten Ich liebe den Tag (wirrt sich los\nund läuft fort)\nEine schwarze Tür (schließt schnell zu)\nDer Freund (will nach wurzelt fest die Arme starren Strek-\nken)\nKristalle (wachsen herab)\nDer Freund (verwächst kristallen)\nKristalle (saaten)\nKristalle (trauben)\nKristalle (gräsern halmen)\nKristalle (platzen raketen)\nPalmen (kristallen)\nAstern (kristallen)\nKristalle (wiesen)\nKristalle (wesen)\nZw ei Wesen (Kristalle)\nDie Mädchen (tappen durch die Waldesheile der Kristalle)\nMädchen: ,\nRankes Licht umspannt meine Knie Ich sinke in die Scham\nMädchen:\nHelle trinkt die Süße meiner Lippen In meinen Adern\nwiegt mein müdes Herz\nMädchen:\nIn meinen Lidern wiegt die Helle sich und saugt die Mü-\ndigkeit aus meinen Augen\nMädchen:\nIn meinem Schöße samt ein dunkler Stern und Dunkel\nfruchtet aus zwei kosen Händen\nMädchen:\nDie Helle zerpflückt mein Herz\nMädchen:\nDie Helle zerschimmert mein Blut\nMädchen:\nWeiß schluchzt Birken\nMädchen: : ;\nDunkel Schluchten Berge\nMädchen:\nIch berge mich im Weiß der Birke\nDie Mädchen (finden die schwarze Tür, läuten)\nDie Glocke (antwortet nicht)\nDie Mädchen (strähnen ihr dunkles Haar)\nEin Kristall (läutet)\nKristalle (läuten)\nAlle Kristalle (läuten)\nDie Fuge der Kristalle\nKristall:\nHaß und Haß\nKristall:\nHaß und Sehnen\nKristall:\nHaß ermordet alle Helle\nKristall:\nLiebe küßt das Dunkel hell\nKristall:\nHaß sehnt Liebe\nKristall:\nHaß küßt Sehnsucht\nKristall:\nLiebe liebt\nKristall:\nHaß die sternenlose Liebe\nKristall:\nHaß die traumverhöhnte Sehnsucht\nKristall:\nHaß vergilbt das Gold der Träwme\nKristall:\nScham und Mitleid\nKristall:\nHaß und Sehnen\nKristall:\nIch küsse die Träume blond brennt mein Beten\nKristall:\nIch lache die Sehnsucht Knabennacht samtet das Beet\nmeiner Scham\nKristall:\nIch trage den erloschenen Stern Ich lösche meine Träume\naus Meine Schmerzen lallen Kinderjauchzen\nKristall:\nDein Kindermund zerlächelt meine Träume\nKristall:\nMeine Liebe hat Dich zum Kind gestreichelt Du Erlöser\nWer meine Träume zwingt Mein Lächeln siegt die Selm-\nsucht aller Welt\nKristall:\nHaß Dein grenzenloses Mitleid\nKristall:\nHaß die uferlose Sehnsucht\nKristall:\nHaß die weltenlose Liebe\nKristall:\nSehnsucht betet die brünstige Scham\nDas Licht (verwächst kristallen)\nDas Wachsen (kristallt)\nDas Ruhen (kristallt)\nEin Kristall (Sas das Wesen):\nIch schreite hinüber Mein Bruder baut von Sternzustera\nSeine sehnenden Hände tragen\nIV\nDie drei Türen weit offen\nS a s (in grauem Kittel, die Haare gelöst, kockt auf der unter-\nsten Stufe)\nDer Herr in Trauer (tritt heraus)\nDer Herr in Trauer:\nDeine Augen wachen in meinen Blick Deine goldenen\nTänze sind erloschen Fremde spielen mit den Wunder»\nmeiner Einsamkeit\nSa s (spielt welke Blätter durch die Finger)\nDer Herr in Trauer:\nWarum beugst Du Deine Augen in meinen Weg Deine\nBlicke reichen nicht zu mir Mein Warten spannt die\nlange Zeit und geht Mich trägt die Zeit und meine Flü-\ngel reichen um die Erde"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3846, "texte": "Sas (steht auf und geht fort)\nEin Haus schmält weißhart auf\nBuschwerk bauscht sich zur Seite\nBlauglanz glast über Orange\nAuf Wipfeln flimmen Kehlklinger\nMädch e n schlendern dreieingefügt\nMädchen:\nDie Stunde wächst golden reif\nMädchen:\nPflücken Pflücken\nMädchen:\nMorgen ich und morgen reif Wir liebkosen Morgenfrühe\nSas (reiht sich los):\nWer wartet Ich bin reif Wer wacht Ich komme traumge-\nschritten Wer küßt Meine Tänze überschütten rosenrot\nIch streife den Morgen nackt von meinen Tänzen\nMädch e n (bewundern)\nGeheimnis gläsert Deinen Körper\nSas (hascht mit raffem Griff Geschmeide auf eine gläserne\nKugel daran zerspringt)\nSas (schrickt zusammen)\nDie Mädchen (bergen ihren Kopf in Händen)\nFreund (stürmt vor stürzt die Knie ihr zu Füßen)\nDer Freund:\nRette mich Meine Hände morden Du bist auch ein Kind\nund kannst einen ansehn Wer rettet mich vor meinem\nAngesicht\nDer Freund:\nIch kann nichts sehn Ich sehe alles Die Welt starrt aus\nzwei brechenden Augen Meine Augen sprangen in zwei\nHöhlen hinab Blumacht ist ewige Helle\nSas (weint auf die gekrampften Hände)\nDer Offiziet (springt Stufen zur mittleren Tür):\nAug um Auge Kein Beten birgt\nDer Freund (zertritt alle Wege):\nBeter lachen Mein Morden höhnt\nDer Offizier (schaudert zurück):\nWir beide waren Kinder\nDer Freund:\nWir spielten unsere Sünden\nDer Offizier:\nWir lachten wir aus Wunden\nDer Freund:\nSterne sangen ihr Morden Ein Kind hat geschrien ich\nspiele mit der Angst der Sterne\nDer Offizier zieht den Säbel)\nDer Säbel (erschlägt den Offizier)\nDie Mädchen (fl ehen zu den Büschen)\nDie Büsche scMrgen grün zusammen\nZwei Schreie (kämpfen in den Lüften): Sas\nDer Freund (blickt):\nSas\nSas (blickt):\nMeine goldenen Tänze sind erloschen\nDer Freund (trägt den toten Offizier die Stufen hinan ins\nHaus)\nErdreich ausgemuldet\nSas (löst sich von der Erde empor):\nDas Gestern träumt das Heut ist satt Tanze doch mein\nSchatten Er ist trüb Erloschen sind meine Tänze\nKlin gen schneidet weh die Lüfte\nS a s (legt nieder):\nGraben schollert Graben grabt Ich soll nicht mehr jung\nsein Sie zerren meine Jugend Grabt Sie begehren meine\nJugend Grabt ein\nScharren kratzt in Erde\nSas:\nMein Schauen trug mich Mein Fühlen hielt mich im\nSchöße Ich schreite fröstelnd Ich Ich trete wache Erde\nS a s (schließt die Hände aneinander)\nStimmlaute surren taumelnd nieder\nSas (schreit leise auf schiebt mit dem Fuße beiseite schüttet\nErde drüber)\nDer Herr in Trauer (verläßt das Haus durch die mittlere\nTür)\nSas :\nDu gehst zu den Sternen\nDer Herr in Trauer:\nIch gehe zu den Sternen ein Mein Sehnen strahlt aus mir\nhinüber\nSas :\nMein Herz erblaßt in Deinem Gluterschaun Alle Sterne\nverneigen sich vor Deinem Aufgang\nDer Herr in Trauer:\nAlle Sterne erfrieren in der Glut meiner Sinne Der Him-\nmel neigt Die Sterne küssen meinen Glanz\nSas (bringt dar):\nAuf Deinen Lippen sternt mein Leib zu Gott\nSas (bringt dar):\nAus meinen Tänzen springt mein Herz zu Dir\nSas (bringt ihr Verzücken dar):\nNimm mich zu Deinen Sternen Vater\nDer Herr in Trauer (weicht zurück):\nIch begehre Dich nicht\nSas (schmiegt den Kopf an seine Hände)\nDer Herr in Trauer (berührt Sas)\nIhre Schultern sinken herab\nDie Büsche brausen grün auseinander\nDas Haus lodert weiß in die Sterne\nGrün ist Nacht\nBlau funkelt Stern\nDer weiße Turm\nEine Eisentreppe dreht Spiralen zur Höhe\nEin Toter (liegt weit ausgestreckt)\nPassanten (knien zur Seite)\nMädchen (knien unbeweglich)\nSas (Schreiten ins Blau der Sterne)\nZwei Rufe (kreisen): Sas\nSas (kreuzt die Arme, preßt den- Kopf an die linke Schulter\nschreitet wühlen tiefen Sand)\nSas (blickt)\nDie Sterne (schneien blau in brache Augen)\nRufen (die Höhe): Sas\nSas (steigt die Eisentreppe in die Höhe)\nDie Mitte des 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Ein Toter liegt vor der Tür die ganze\nStadt\nSas:\nZu den Sternen dort finden wir uns\nDer Freund:\nIch habe gemordet Wir finden nie in aller Welt Man\nsucht mich\nSas:\nIch habe Dich gefunden\nDer Freund: *\nMan sucht uns\nSas:\nWir finden hinüber\nDer Freund:\nWir finden beide zu den Sternen beide beide uns hinüber\nSas und der Freund (strecken die Arme zueinander)\nKlagen weht die Türen auf\nSas und dem Freund (sinken die gestreckten Arme)\nWehklagen wellen wortlos grenzenlos\nDer Freund:\nWir fliehen nah uns näher hinüber zu den Sternen\nSas:\nDie Sterne fliehen Deine Seele weht mein Herz zu Eis\nAnklagen tausend Rufe: Mörder Mörder Uns hinüber Unsern\nFührer\nDer Freund:\nWir werden uns besitzen\nSas:\nDu hast gemordet\nDer Freund:\nIch habe um Dich gemordet\nEine Glocke (schlägt an)\nGlocken schlagen an die Sterne\nSternkugeln glocken erdröhnen den Himmelsdom\nDer Freund (trägt Sas auf seinen Armen in die Sterne)\nDie Höhe des Turmes\nDas zweite Turmzimmer\nDas grüne Sofa (blickt)\nEin einzelner Stern (kreist)\nGlücken läuten (die Tiefe)\nEdith\nDer Sohn•\nEdith (läuft zum grünen Sofa)\nDer Sohn (ruft an):\nEdith 112\nEdith:\nJa\nDerS o h n :\nNein Du darfst nicht\nEdith:\nHast Du Furcht\nDer Sohn:\nIch glaube nicht an Gespenster\nEdith: *\nMeine rosa Strümpfe von damals\nDerS o h n :\nMeine Träume sind Deine Brücke heute\nEdith:\nMein Herz das ist ein Bühnenhaus Ich spiele was die Her-\nzen träumen\nDer Sohn:\nDu spielst meine Träume\nEdith:\nIch spiele mit Deinen Träumen\nDerSo h n : •\nDu lächelst meine Träume\nEdith:\nIch will tanzen\nDer Sohn:\nDu träumst mein Schauen\nEdith:\nIch will tanzen\nDer Sohn:\nIch will Dich\nEdith:\nKleiner Heiliger\nDerS o h n :\nIch bete Dich\nEdith:\nRosa ist Heiligenschein um meine Knie\nDer Sohn:\nIch knie Rosenrot brennt mein Beten\nEdith (lächelt):\nKnien\nDerS o h n :\nSpielen\nEdith:\nTanzen\nDer Sohn:\nBeten\nEdith:\nNarren\nGelächter (tausend) Tanzen\nEdith (lacht)\nBeten (tausend) Führe uns hinüber\nDer Sohn (tritt vor Edith hin)\nEdith (lacht)\nDer Sohn:\nIch trage was ich litt Du spielst mein Leiden Mich trägt\nDein Spiel um meine tiefe Liebe\nEdith (verlacht)\nDas Lachen hallt die Glocken wieder\nDer einzelne Stern (hallt)\nDie Glocken lachen in der Tiefe\nDer Stern singt (die Höhe) Sa.«\nSa s (schreitet die Stufen herab zum grünen Sofa)\nEdith der Sokn (stehen nebeneinander)\nStimmen tausend (drohen Höhe Tiefe):\nMörder Mörder\nS a s (bricht vor Edith und dem Sohn zusammen)\nEdith (streichelt):\nKindchen\nS a s (krümmt in Schmerz zusammen)\nEdith (zerrt Sas hoch zu ihm):\nKüßt Euch\nEdith (springt Jauchzen zur Tür)\nZwei elektrische Glocken (schrillen)\nDer Sohn (hält Sas in seinen Armen)"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1798, "texte": "Die drei Türen brechen ein\nM enschen (tausend) brechen durch die Türen\nZwei weiße Türme 'rechts und 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strauchelt stürzt)\nDer Sohn (hebt Sas hoch und bettet sie aufs grüne Sofa)\nDie Massen (brüllen):\nWeiter Tanzen\nDie Menschen (durchbrechen die Massen wogen heran)\nDer Sohn (steht)\n% Die Menschen (bogen einen Halbkreis aus)\nDie Massen (branden Schweigen)\nDie Menschen (wogen Schweigen)\nDer Sohn (betet Schweigen)\nSas (öffnet die Hände)\nEin einzelner Stern (fällt herab in ihre Brust)\nEine Glocke (läutet)\nM enschen Mütter (wiegen tausend) Sas\nMenschen Väter (beten tausend) Sas\nDer Sohn:\nHeiliget\nDie Menschen (knien alle) Sas\nDer Sohn:\nEhrfurchtet\nDer Sohn:\nUns ward geboren\nDie Menschen (schauern): Sas\nDas Brausen der Städte: Sas\nDas Brausen der Glocken: Morgen\nDas Jauchzen der Menschen: Morgen\nDas weiße Frühlicht brandet den goldenen Tag\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", 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Auf der\nPost nahm ich drei Telegramme in Empfang. Im ersten stand\nder Tod meines besten Freundes, im zweiten enterbte mich\nmein Großonkel, weil er wieder heiratete, nebenbei gesagt;\nmeine letzte Möglichkeit, jemanden zu beerben, war damit\nhöchst wahrscheinlich verschwunden. Aus dem dritten Tele-\ngramm erfuhr ich den plötzlichen Tod meiner Braut. Ich stand\nnun, da Eltern und Geschwister mir längst gestorben waren,\nmein Freund soeben mich verlassen hatte, dgl. meine liebe\nBraut, und ich meinem Großonkel von Herzen fluchte, mutter-\nseelenallein auf der Welt. Das passiert ja so manchem. Aber\nmir war es doch allzu gut ergangen; ich hatte mich an das ge-\nmütlichste, behaglichste Leben gewöhnt. Und nun? Mein\nganzer Besitz bestand in dem, was ich auf dem Leibe trug; in\nmeinen Taschen steckten etwa fünf Mark und ein paar Pfen-\nnige. Schulden bedrohten mich überdies, und zum Kampfe\num-s Dasein fühlte ich mich nicht im mindesten fähig. Dabei\nwar ich ein dicker, schöner, blonder Mann mit Bonvivant-\nMiene, und mein angeborenes Stilgefühl verbot mir den mimi-\nschen Ausdruck der Verzweiflung, welche sich meiner bemäch-\ntigt. Trotzdem muß etwas davon sichtbar geworden sein, denn\nmir begegnete Folgendes: Ich beschloß, eine Art Henkersmahl-\nzeit einzunehmen und wählte, um mit meinem letzten Gelde\nauszulangen, ein mittleres Speisehaus. Ich hatte nicht sobald\nmeinen Teller Suppe vor mir, als ich mich mit einer sonder-\nbaren Teilnahme fixiert sah. Ich aß außergewöhnlich lang-\nsam; zwischen Löffel und Löffel machte ich lange Pausen vol-\nler Nachdenklichkeit. Vielleicht war das dem dürren langen\nHerrn mit Magistergesicht am Nebentische aufgefallen. Jeden-\nfalls begegnete ich seinen merkwürdigen, sich tief in meinen\nAugen einbohrenden und sie gleichsam zwangsweise festhal-\ntenden Blicke. Während der nächsten Gänge gerieten wir öf-\nter und öfter in dieses eigentümliche Duell. Bis ich — was\nhatte ich zu verlieren —: es müde wurde und einfach fragte:\n„Was wollen Sie?\" Er meckerte und hüstelte ein entschul-\ndigendes Lachen. ~Es ist nicht so ganz einfach, das zu erklä-\nren, Würden Sie mir gestatten, mich zu Ihnen zu setzen?\nOder darf ich Sie bitten, an meinem Tische Platz zu nehmen?\"\nMir war dieser Zwischenfall eigentlich willkommen; er lenkte\nmich wohltuend von meiner fruchtlosen Grübelei ab. Ich bat\nden Alten, da nicht ich von ihm, sondern er von mir etwas zu\nverlangen schien, an meinen Tisch. Er kam, in einer etwas\nzitterigen Hand sein Glas Wein haltend, auf mich zu, setzte\nsich mir gegenüber, nippte am Getränk, machte aber noch\nkeine Mienen, sich auszusprechen. Wir beschäftigten uns ein\npaar Minuten schweigend mit unserem Mundvorrat. Endlich\nfragte ich: „Fällt es Ihnen denn so schwer, mir anzuvertrauen,\nweswegen ich Sie interessiere? Lassen Sie doch hören!'\n„Nein,\" antwortete er, „aber mein Interesse hat einen verwun-\nderlichen, einen delikaten Grund. Es wird mir durchaus nicht\nleicht, meine natürliche Reserve aufzugeben. Ich komme mir\nbereits zudringlich, ja unverschämt vor, daß ich mich nicht nur\ntief in Sie hineinversetze, sondern sogar im Begriffe bin, Ihnen\nmeine intime Kenntnis Ihrer seelischen Verfassung zum Besten\nzu geben. Ich habe am Aussehen der Mitmenschen ein ganz\nspezielles, ich möchte wohl sagen, . . . materielles Interesse,\nwelches ich Ihnen sogleich spezifizieren werde. Aber zunächst\neinmal: Sie sind so gut wie verzweifelt — oh verzeihen Sie!\nAber ich sah es; ich sah es so klar, wie ich Ihr Antlitz sehe.\n„Das können Sie nur vermuten,\" sagte ich mißmutig und re-\nsigniert; es sei denn, Sie wüßten um gewisse Angelegenheiten\nund kennten mich, ohne daß ich Sie kenne. ~Auf Ehre, nichts\ndergleichen! Es ist eine physiognomische, näher pategnomi-\nsche Konstatierung, und diese fällt mir leicht, weil ich durch\nmein Interesse aufgefordert bin, mich hier nicht zu irren.\"\n„Na also — was ist denn das für ein Interesse? Befürchten Sie\nnicht, mich zu verletzen. Ich kann allerdings mit dem Dichter\nsagen: Was auch geschehe, das Schlimmste ist mir gesche-\nhen.\" „Stand für mich, beim ersten Blick in Ihr Gesicht, Ihre\nHaltung, außer Frage.\" „Wirklich! In der Tat glaube ich\ndoch nicht, meine Seele so zur Schau zu tragen; sogar wahre\nich mich absichtlich dagegen.\" „Und gerade diese Gezwun-\ngenheit ist verräterisch — wenigstens für mich.\" „Sie über-\nspannen meine Neugierde. Bitte, legen Sie los, oder ich zahle\nund gehe.\" Diese Drohung wirkte sofort. Er erklärte sich:\n„Mein Blick ist interessiert zugespitzt für Menschen, welche\nsich dem baldigen Tode unwillkürlich oder absichtlich nähern;\"\ner schraubte seine Augen in die meinigen; es überrann mich\nunheimlich. Es wurde mir im selben Augenblick bewußt, daß\nich meinen Selbstmord dunkel beschlossen hatte. Ich verlor\nalle Haltung und gab mich meinem schauderhaften Gegenüber\npreis. Ja, ich griff nach seiner Hand, drückte sie und fragte,\nzu meinem eigenen Widerwillen, hastig: „Wollen Sie mir hel-\nfen?\" „Gewissermaßen! Ah, hören Sie! Ich will Ihnen ein\nMittel geben, sich zu erhalten, zu konservieren. Ver-\nstehen Sie, Ihr Leib soll nicht zerstört werden, Sie werden\ndas Ehrenrecht der erlauchtesten Persönlichkeiten genießen.\nBedenken Sie! Blühend wie immer; wenn Sie geschickt sindv\nein Lächeln auf Ihren liebenswürdigen Zügen; biegsam, in wel-\ncher Pose immer; und, wie ich Sie versichern kann, wohl auf-\ngehoben in heizbaren Räumen, werden Sie, ohne alle Sorgen,\neinem antiken Gotte gleich, Ihr Dasein, wenigstens rein äußer-\nlich, unangetastet bis in alle Ewigkeit fortsetzen,\"\nMeine Resignation, als ich diesen irrsinnigen Ausbruch\nüber mich ergehen ließ, erreichte ihren Gipfel. Also der ver-\nmeintliche Lebensretter erwies sich als Narren, dessen Gefasel\nich garnicht verstand. Ich beschloß, nicht weiter auf ihn hin-\nzuhören und möglichst rasch zu verschwinden. Er aber ent-\nnahm seiner Brusttasche ein rotes Paket, welches er öffnete.\nWas war das? Es kam eine Metallbüchse von Urnenform zum\nVorschein. Er drehte den Deckel ab und ließ mich hinein-\nschauen, Ich sah ein Puder von violetter Farbe. „Was be-\ndeutet das?\" fragte ich. „Es ist ein blitzartig tötendes Gift,\nwelches aber die erstaunliche Eigenschaft hat, jedes Lebe-\nwesen, von dem es eingenommen wird, sofort zu mumifizieren,\neinzubalsamieren, in alle Ewigkeit unverweslich, ja, unver-\nbrennbar zu machen. Leider, da es eben absolutes Gift ist,\ndarf ich mein Patent nicht zur Anwendung auf Menschen brin-\ngen; es sei denn, daß ich präsumtive Selbstmörder diagnostisch\nausfindig mache, welche sich lieber einbalsamieren als ordinär\nums Leben bringen. LFebrigens hatte ich unter meinen Kun-\nden auch ein paar Monarchen (der heimliche Monarchen-Selbst-\nmord nimmt erschrecklich überhand!), deren diskrete Empfeh-\nlungsschreiben ich Ihnen vorweisen kann.\" — Diese Narretei\nmachte mich fast lächeln, Ich beschloß, ihm in die Enge zu\ntreiben: „Warum nannten Sie Ihr Interesse materiell? Glau-\nben Sie vielleicht, ich hätte Ihnen ein Vermögen zu bieten? Ich\nmuß Sie enttäuschen.\" „Bewahre!\" sagte er, „das ist keine\nEnttäuschung — im Gegenteil: Sie sind mir nur desto sicherer\nin Aussicht. Ich selber bin sehr reich. Mein Interesse ist des-\nwegen dennoch materiell, weil ich Liebhaber bin, Leichen-\nsammler, Inhaber eines wohlassortierten Museums von herrlich\nkonservierten Selbstmörderleichen. Wollen Sie mitkommen?\nJa? Wollen Sie selber sich Ihren Stand- oder Sitz- oder sogar\nSchwebeplatz bestimmen? Ferner Ihr Kostüm? Ihre Hal-\ntung? Ich veranstalte eine kleine Feier, und zur Krönung des\nFestes balsamieren Sie sich dadurch ein, daß Sie dieses Pulver\nhier, in Champagner aufgelöst, hinunterschlucken. -Bis dahin\nsind Sie mein Protege, ich sorge väterlich für Ihre Wohlfahrt,\nbis zur Feier, deren Termin ich bestimme.\" „Und Ihre Bedin-\ngung?\" fragte ich, bereits suggestiv umnebelt. „Wie gesagt,\nSie vermachen mir, zu Museumszwecken, Ihren Leichnam.\"\nEr breitete wirklich ein schon vorgedrucktes Formular vor\nmich hin. Was blieb mir übrig? Ich füllte es präzis aus und\nunterschrieb. Er steckte den Schein in seine Brieftasche."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1620, "texte": "„Nun gehören Sie mir,\" rief er frohlockend. „Gestatten Sie\nmir, daß ich meine Protektorrolle sofort übernehme.\" Damit\nzahlte er die Zeche für uns Beide, zog meinen Arm durch sei-\nnen und lustwandelte mit mir seinem Hause zu, in dem sich\nauch das Museum befand. Es waren etwa sechs Säle voll\ntotem Leben, mit unglaublichem Raffinement in Szene gesetzt.\n„Gute Regie — was?\" lobte der Alte sich selbst. Aber mit\nGrund. Im ersten Saal war eine elegante Ballgesellschaft aus\nlauter Toten, vom jüngsten Backfisch, Jüngling, bis zu den grei-\nsen Balleltern und Mauerblümchen; nebst bedienenden Kell-\nnern und Zofen. Der zweite Saal zeigte Variete mit entzüc-\nkenden Arrangements; eine kleine Nackttänzerin zum Ver-\nlieben lieblich. Der dritte Saal wies mittleres Bürgertum aller\nSchattierungen in jovialen Gruppen auf. Der vierte allerhand\nProletariertypen. Der fünfte bestand aus Kinaern vom achten\nJahre bis zum sechszehnten; sie schienen zu spielen; die einen\ngraziös und vornehm; die anderen gewöhnlich. Der sechste\nSaal endlich enthielt ein Bacchanale, eine Orgie mit Intimitäten\naus Brautgemächern und Schreckenskammern. Noch nie hatte\nich den Tod ein solches Leben atmen sehen. Es war völlig\nein negativer Friedhof. ~So, sagte der Alte und fa.ßte mich\num die Hüfte; „heut schreiben wir den 10. August 1917. Un-\nsere nächste Feier (wir sind eingetragener Verein) findet am\n16. September anni currentis statt. Bis dahin leben Sie be-\nquem bei mir und haben Zeit, sich Ihren Platz, Ihre Attitüde,\nIhr Kostüm auszuwählen. 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Er ward nicht mehr gesehen.\nNun wandert er ruhelos durch die Straßen Groß-Berlins, ver-\nmeidet sorgsam die Potsdamer Straße, wo es ihm nicht geheuer\nist, aber ungeheuer spukt der Sturm in seinem Denkerkopf:\n„Wir beschließen unsere Wanderung, indem wir dem Beginn\nder Kaiserallee zustreben, wo schräg gegenüber dem Joachims-\ntalschen Gymnasium die futuristische Zeit-\nschrift Die Aktion ihren ganz der Propaganda gewidmeten\nBuch- und Kunst-Laden besitzt. Spezialkenner behaupten, daß\nhiermit dem Sturm nicht etwa Konkurrenz, sondern Fehde ange-\nsagt sei, . . . immerhin scheint in der Aktion mit mehr Ernst und\nKritik gearbeitet zu werden.\" Der entlassene Kritikangestellte\nwendet sich mit Ernst der Konkurrenz zu, oder vielmehr der\nFehde. Aber selbst diese Wilmersdorfer Vorortzeitung, die\nmeistens mit abgelegten und abgelehnten Sachen des Stunn\nhandelt, geht dem Herrn Servaes noch über die Hutschnur, so\ndaß er sie ernst nimmt. Gewiß, die Aktion ist ernst, bittei ernst,\nsie ist auch äternistisch, was sie in Unkenntnis dieses Fremd-\nwortes so macht, daß sie ~die Zeit ausschneidet und sie in den\n„kleinen Briefkasten\" steckt. So ein kleiner Briefkasten hat\nüberall Platz. Die Gartenlaube besitzt ihn und der Berlinei\nLokalanzeiger und die Schaubühne. Nur daß der gute Brief-\nkastenonkel der Aktion ebenso böse auf die Zeit ist wie der\nHerr Servaes auf die Kunst. Ich kann Herrn Servaes nur raten,\nsich ganz dem der Propaganda gewidmeten Buch- und Kunst-\nLaden zu widmen. Seine Kritik wird dafür auch einmal aus-\ngeschnitten und in der Aktion als „Urteil\" veröffentlicht. Man\ndenke, die Vossische Zeitung spricht sich für die Aktion aus.\nDiese Propaganda. Der ganze Buch- und Kunst-Laden wird\nüberflüssig. Hat doch die Aktion bereits eine Anerkennung\nim Mannheimer Tageblatt gefunden. Im Mannheimer Tage-\nblatt. Dieses Blatt warf der gute Onkel nicht in seinen „klei-\nnen Briefkasten\", er schnitt es aber immerhin aus und ließ es\nauf seine eigenen Kosten als „Urteil\" nachdrucken: „Ein kriti-\nsches Organ von ausnahmsweiser Schärfe des Ausdrucks besit-\nzen wir in der Wochenschrift die Aktion. Pfemfert nimmt kein\nBlatt vor den Mund. Es fehlt vielleicht manch einer Monatsschrift\nan dem Geiste, der diese Blätter durchweht.\" Es ist ein Fehler,\ndaß Pfemfert kein Blatt vor den Mund nimmt. So wehen diese\nBlätter überall in dem Geiste herum, den Herr Franz Servaes\nbeinahe begreift. Um ihm aber eine Mühe zu ersparen,\nschneide ich die Aktion aus und gebe hiermit einen Original-\nholzschnitt des ganz der Propaganda gewidmeten Buch- und\nKunst-Ladens zum besten der Zeit, unausgeschnitten. Dieser\nHolzschnitt ist von der Künstlerin Auguste von Zitzewitz eigens\nfür die Zeitschrift und Kunstausstellung Die Aktion gezeichnet\nund geschnitten. Diese und ähnliche Werke ausgeschnittener\nKunst werden von dem genannten Herrn ohne Blatt vor dem\nMund mit Ernst und in Zukunft von dem genannten Herrn Ser-\nvaes mit Kritik der Internationale als Expressionismus dar-\ngebracht:\nVerschlafen\nDer brave Fritz Stahl vom Berliner Tageblatt sucht Anschluß,\nDas Berliner Tageblatt erscheint noch immer, trotzdem ich\nden Stahl beinahe vergessen habe. Flerr Stahl beginnt, Kodier,,\nMünch und van Gogh anzuerkennen. „Die neue Richtung, die\nsich in bewußtem Gegensatz zu dem abgeschlossenen Impres-\nsionismus stellt, beweist schon dadurch, daß sie vom Tage ist\nund mit dem Tag vergehen muß.' Herr Stahl hingegen\nvergeht erst mit dem Tageblatt und ist nicht vom\nTage, der bei der Konkurrenz erscheint. Nichtsdesto-\nweniger behauptet Herr Stahl nunmehr, daß es schon\nlange vor der neuen Richtung Künstler gegeben hat, die\nzu dieser neuen Kunst gehören, obwohl sie nach dem\nTageblatt vergehen muß. Er hat sich vergangen und\nmuß sich nun selber in den Weg treten. Er merkt ali-\nmählich, daß er betreten ist. Deshalb sucht er Anschluß bei\nden „Bahnbrechern\". Sie sind schon längst an ihrem Ziel- Und\nder brave Herr Stahl steht erstaunt am Anfang der Bahn, reiot\nsich die blinden Augen und rennt mit Hurra die bekannten\noffnen Türen ein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "46", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.9.1", "titre_corps": "Das ist bitterster Kunsternst.", "titre_sommaire": "Das ist bitterster Kunsternst.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.14", "debut_caractere": 6012, "fin_caractere_exclue": 6042, "texte": "Das ist bitterster Kunsternst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.15", "debut_caractere": 165, "fin_caractere_exclue": 722, "texte": "Veriag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriit Der Sturm\nErscheint am fiinizelraten jedcs Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Aiisgabe: Fur Deutsch-\n-1 an d und Oesterreich-Ungarn:\nHin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nfciszelheft 1 Mark / Fiir das Ausland;\nEin Jahr 8 Mark Ein Halbjahr 4 Mark /\nEinz.elheft 1 Mark 50 Pfennig\nScolder - Ausgabe; Ungebrochene\nExemplare, V er sendung in Rol-\nler direkt dure h die Post / Fiir\nDewtschland und Oesterr eich-\nUn g a rn: Ein Jahr 12 Mark / Fur das\nAusland : Ein Jahr 14 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.15", "debut_caractere": 724, "fin_caractere_exclue": 1132, "texte": "Pre is e der fniheren Jahrgange\nVolfisfandige Ausgabe\nL Jahrgang\n2. 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Aagc yon Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoll Behne: Zur\nneu.en Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aagc von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nscheben: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.15", "debut_caractere": 3371, "fin_caractere_exclue": 3850, "texte": "Mtisik\nHerwarth Walden\nGesamnielte Tonwerke\nFntfrietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang nnd Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier I J Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-06-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-06-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1918-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.16", "debut_caractere": 3945, "fin_caractere_exclue": 4225, "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVon alien Holzschnitten der Zeitschriit Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke\nvon den meisten Zeichnungen Kunstdrucke\nkauflich zu erwerben. Die Origiaale sind rer~\nkauflich.\nAusfuhrliche Yerzeichaisse lies Verlags\nDer Sturm kostealos"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstaus Stellung\nBerlin Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN JUNI 1918\nDRITTES HEFT\n\nInhalt:\nWilhelm Range: Lieder / Adolf Allwohn: Um Gott / Kinner von Dresler: Gedichte / Walter Mehring: Die Frühe der Städte /\nKurt Heynicke: Lieder im Felde / Mynona: Die Kunst sich selber einzubalsamieren / Herwarth Waiden: Gute Kritik / Emil Filla: Zeichnung /\nMaria Uhden: Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Georg Schrimpf: Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Hans Maitis Teutsch: Linoleumschnitt\n\nEmil Filla: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.2", "texte": "Lieder\nWilhelm Runge\nFlehen flüstert in das Ohr der Nacht\ntuschelt Himimel in die Tagestrümmer\nund des Auges später Abend friert\nleise gurren der Adern blaue Tauben\nwiegen Märchen aus dem Laub der Stirn\naus der Seele Wäldern schreckt die Stille\ndurch der Pulse Angstgebrüll \\\nHände knieen aus den Sternen\nund das blaue Meer des Tages tanzt\nsanft sprüht Tau der Stirne fernes Gleiten\naus den Nischen kriecht der Tod zum Spiel\n* *\nä\nSonne zaust die wirbelwilden Locken\nstrampelt in die Ecke alle Nacht\nbalgt den Schlummer schummrig aus den Augen\nblumenblinzelnd\ntorkelnd tanzt des Himmels blaue Wiege\nStunden drücken sich im kurzen Röckchen\nKichern überhellt des Tages Stube\nHastend geht mit kurzem Schritt deiner Worte weiten Weg\nmein Atem\nwirft die Hände plötzlich in die Luft\nstürzt\nHoch aufblitzend schlägt mein Blick\nfallend stehn der Worte Plapperpappeln\nund sie splittern schütternd in den Sand\nBlatt um Blatt\nzitternd stehn der Hände zarte Kelche\nund des Blutes Demut kniet umher\nwiesensanft.\nIm Garten\nBohnen überklettern kahle Stangen\nSchmetterlinge blühen bunt hinein\nAstern summen rosablaue Lieder\nGrillen grünen durch das zirpe Gras\nrote Lippen wölbt der wilde Mohn\nZwitschern neckt den flimmerspielgen Wind\nFriede kühlt des Krieges heiße Stirn\nund die Sonne drückt die goldnen Händchen\nauf der Erde leise zuckend Herz\nSterben lächelt sommerblaue Stunden\nund der Morgen beißt den jungen Sternen in den immerschim-\nmersüßen Arm\n* *\n*\nSinn zieht von der Welt begehre Hände\nSterben sonnt die nimmermüde Stirn\nLeben flattert durch des Blutes Blumen\nzart zieht Himmel seine blauen Schleier\nSonne netzt der Sehnsucht Lippen kühl\nTrauern trocknet stumm\ndie lahmen Willen sputen\nSinnlos bricht den blenden Bann\nversinnten Seins\n\nUm Gott\nAdolf Allwohn\nDer Mensch\nEine tragende Gebärde will hochsteigen. Eine Stimme ver-\nsucht das hohe Gewölbe. Es spricht einer hinter blaudunklen\nKerzen. Der Mensch will sprechen. Worte haben sich selbst\nberufen. Die Wände ahnen ein Herz.\nDie Menschen verschlucken ein Herz, Die Menschen schrillen\ndie Stille, Fremde Klänge mengen ein Knarren, Der Mensch\ntreibt Triebe. Und Schluchzen. Weh!\nRauschen stürzt ein lautes Lampenlicht. Krasses Schellen-\ngeheul schlägt einen Rücken. Furchtbar ist die Nacht. Schein-\ntote liegen erschlagen auf allen Feldern. Der Mond irrt über\ngelbe Wolkenräder, Lasten fiebern, Lasten vergraben. La-\nsten lachen wild auf. Zack durch die Erde. Kraß über Stop-\npelfelsen und ermordete Berge, Luft gellt. Luft wiehert.\nBäume reißen Kleider in Fetzen. Die blöden Häuserlichter\nkrampfen Totenbeine über die Sterne.\nEs ist alles zerweht. Wege zerblättern krank. Es liegen Sen-\nsen überall vererdet. Es liegen Sgherben überall verkrümelt.\nDer Mensch ist verrestet.\n~Herr nimm! Herr gib!\"\nMenschen kommen. Menschen heben ein Mitleid auf. Men-\nschen sind lieb. Menschen beugen sich herunter. Der Mensch\nspuckt Asche, Der Mensch schlägt den Mond. Der Mensch\nsteilt Gott. Gott ist dunkel. Gott ist in den schwarzen Tal-\nnebeln. Gott ist müde im Schlaf. Gott ist nicht Gott.\nEine ungeheure Frage starrt den Himmel. Die Erde muldet\nsich. Mensch kniet aus demütigen Augen. Schalen zittern\nnach einem Idol. Alle Uhren stehen kurz vor Mitternacht.\nAlle Uhren stehen schnappend still. Welt hält den Atem an.\nIn der Ewigkeit kniet ein einsames Bang.\nFragen,\nLiebe\nDie Menschen zerlieben sich. In heißen Liebesarmen starrt\ndie Kälte. In kalten Küssen reißt eine tiefe Flamme einzig\nhoch. Im leeren See schwimmt ein vergrabener Stern.\nEs werden Steilhöhen geschaut. Füße wandern auf endloser\nFläche.\nEin Zug rollt mit toten Lichtern in die Nacht. Ein Mensch\nsinnt in die letzten lachenden Grüße. Lachende Tränenerschüt-\nterungen heuchelnder Wehmute. Lachendes Augenwinken ge-\nmeinsamer Nachtverwinkeltheiten. Ein irres Erbrechen keucht\num die Räder, Unruhe gespenstert in allen Lüften. Lüge\ngrinst auf allen Dächern. Zerrissen drecken Dünste im Sand.\nZerbissen stochern Steine im Blut, Lust lastet. Laster lustet.\nUnd die Augen sind verklatscht.\nDie Abendröte deiner Augen ist grau. In deinem Schoß tollt\nverruchtes Tagatmen. Die Augenlider sind dir nicht schluch-\nzend ins Herz gefallen. Die Welt deiner Wangen ist dir nicht\npurpursterbend in Umfassungen zersunken. Es ist alles so\ngrenzenlos verwußt.\nVerwollt!\nVermenscht!\nVertiert!\nNur hinter den letzten Zuckungen stolpert ein krampfhaftes\nNeu über die Schollen des dämmernden Morgens.\nDein Ja ist verzweifelt. In deinem Haar hängt eine zerzauste\nLampe. Du siehst sie nicht. Höllenfahrten reiten deinen Leib.\nZerworfen knirscht deine Scham. Deine Reue lechzt zerfetzt.\nVor dem Fenster deiner Seele flattert ein Vogel Angst. Alle\nSonnen frieren unterhöhlt. Alle Geschicke sind endlos zer-\nschmissen, In Nichts.\nMenschen halten einander. Menschen können einander nicht\nhalten. Menschen krallen einander. Reißen das Herz heraus.\nReißen. Und Krampf tanzt. Und Krampf zerstirbt sich. Tot.\nDann streicht ein Wind. Zagend klingelt die Nacht über die\nDächer zum See. Glockenschläge tasten weit hinaus. Der\nSchlaf fühlt an ein Herz. Menschen schmüegen ahnende Liebe.\nGott schmiegt sich. In den Fenstern des Abends stehen viel\nblinde Lichter. Kopf beugt die Demut,\nWarten.\n. •\nEr kommt\nEin Wagen kriecht über schwarze Seen, Langsam fährt die\nNacht, Vorfrühe Aeste horchen in die Dämmerung. Aus Dör-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.3", "texte": "fern läuten traute Suchhände. Dunkle Flächen bäumen sich\nleis. Es ist eine Sehne gespannt. Die Erde wagt in weiter\nFerne ein kleines Licht. Du gehst und wartest. Wartest und\ngehst.\nRausch hat niedergesunken. Schlaf hat den Weg erwürgt.\nErlen zacken das Haar. Die Stille klangt schwarz. Die Stille\nlechzt weh. Irgendwo.\nMond ist der Kopf. Leib schnurrt Nebelhaare. Leib\ndrückt Nebelhände blaßrot. Einer Greisin Runzeln zer-\nwittern lila Angst. Du siehst Wälder untergegangener Räuber-\nschreie. Groß ist der Leib. Groß ist der Kopf. Nebel zer-\nfangen. Nebel zerdrängen. Du lebst Augen zerheult, Ohren\nzerwinselt, Haare zergähnt. Nur eine lMühle stampft in dir.\nUnd Räder heulen. Ein Hund gelbt .Kalten. Ein Gott jacht\nJüchen. Erde kometet Schweiß. Himmel kreißt Bären. Und\nist bar. Und ist schwarzgrün vor der Tiefe. Und ist gelbtot\nam Ende.\nUnter Sandöden warten viel tote Tiere. Pferde steilen unter\nden Flüchen des Fuhrmanns. Pferde strecken Zungen aus\nSchaummäulern. Den Berg hinan! Den Berg hinan! Wagen\nrattern Angst unter den Granaten. Wagen schmeißen Kot\nüber die Löcher. Schreie strecken sich aus hohlen Blecheimern\nweit nach vorn.\nIn den Städten zerwarten sich viele Menschen. Frauen tragen\neinen Leib. Frauen zermartern ihre Hoffnung. Männer ste-\nchen harte Knochen in den Wangen. Kleine Mädchen bleichen\n#\neinen scheuen Hunger. In den Pfützen sind viel kranke Augen-\nränder. In Kellerhöhlen duckt ein Schuster. Sein Kopf ist vor-\ngequollen. Sein Auge trieft tiefes Glaslicht. Sein Mund kaut\nzahnloses Dunstschauen. Menschen warten draußen auf lan-\ngen Straßen. Warten in den Versammlungen. Warten auf\nallen Bahnhöfen. Viel Maschinen stehen und warten in die\nbiaßschimmernden Schienenstränge. Künde Schauung! Schau-\nung künde! Künde!\nJetzt sind leise Fahnen auf den Straßen, Ein blasser Himmel\nversucht, in die Sonne zu birken. Die Erde blinselt. Die Erde\nfragt. Die Erde bangt alle Fragen. Stößt bleiche Fragen tief.\nGlimmt toten Trost in Heiden. Ein einsamer Wegweiser starrt\nund stirbt.\nViel Menschen sterben. Die Menschen sterben.\nAlle Menschen sind gestorben.\nEin Wort. Ein Schrei!\nMensch du, Bruder du kniee in dich. Vertauche dich unter.\nVerwarte dich stille.\nEr kommt!\nGott!\n\nGedichte\nKinner von Dresler\nStraßen Häuser schlagen Kanten\nBäume schließen Kerkertüren\nMusik rasselt Ketten\nLichter ritzen Dornenkronen\nMenschen fremden Verbannung\nAsphalt\nIch\nNicht ich\nVersinken Sterben loses Lassen\nErblassen\nZerrissen\nWeites Fließen\nBreites Gießen\nSchlaf\nErbarmen\nSteigen\nSchweben\nReigen neigen\nRegen\nStriche streicheln\nFasten lasten\nSanftes Schwellen\nRieseln Quellen\nDüfte flieg en\nErdenwiegen pochen Blut\nSeufzer zieht r\nSchreckt\nSchreit\nLicht\nAugen\nDeine Augen\nLispelnd springt ein heller Quell\nBlanke Blitze tiefen\nVergessen senkt den Schleier\nNacht\nDu\nSchlanke Arme webt ein Netz\nSchlingt\nIch will in weißen Maschen schmachten\nHimmel stürzen breiten bergen\nWandern wirkt goldene Fäden und spinnt die Spule\nAus Kirschblüten sauge ich den Hon ig in Dir\nFrühlingsblumen sind Deine Kinder\nKleine pochende Herzen Dein Herz\nSie leuchten Dich\nSie duften Dich\nSie blühen Dich\nSie welken nie\nWir sind in unserer Liebe\nBrummelkäfer brummt im Brombeerbusch\nSchmetterling malt Farben\nLibelle singt schwirrend\nAmeise kribbelt am Halm\nNäschen keck\nEin süßer Mund\nUnd atmen\n* *\n*\nDie Peitsche schreit\nGellend schlägt der Schmerz ein Tor\nDas Tor stimmt den Schmerz\nDer Schmerz zwingt\nWir rasen gegen\nWir müssen\nDie Stirnen dringen wund\nDie Kniee schürfen spitze Steine\nDas Tor springt auf\n* &\n*\nSperrangelweit die Nacht\nGesichter brennen Feuerlohe\nRasende Reifen sprühen Lichtfunken\nWirbelnde Sonnen schmelzen Meere\nGlühende Pfeile hetzen\nLeuchtende Wunden wellen\nLiebesscheiterhaufen flackert flirrend\nHelle Stürme wecken\n* *\n*\nRagende Türme streben einsame Himmel\nSchwebende Brücken greifen schwindelnde Ufer\nRings brodeln Massen fern\nWiir stehn auf tönenden Zinnen\nWir senken unsere Hände auf unsere Herzen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.4", "texte": "Ich wuchte schwingende Form\nDu seufzt wehende Seele\nUnter uns Vergehen\nWir bleiben\nVater\nMutter\nWir\n\nDie Frühe der Städte I\nDie brücke\nIII\nWalter Mehring\n\nEine weiße Brücke ist empor gewachsen\nRingsum wölbt Blautiefe\nSchweigen staut sich Menschen ketten schräg zur Brücke\nBlonden (Edith)\nDer rote Militär (der Offizier)\nDer Herr in Trauer (der Vater)\nSchleichenden (die Mutter)\nSchreitenden (die Mädchen)\nKreisenden (der Freund die Freundin)\nTrauernden (die Passanten)\nGanz vorne unter den ersten Sas (das Wesen) einen Fuß auf\ndie Brücke gehoben und in sich ruhend.\nHämmern (die Tiefe)\nHartes Klopfen (die Höhe)\nSteine wandern unablässig hinunter hinauf\nStimmen hinauf:\nSteine runter\n'Stimmen hinunter:\nMensch wir steigen immer Alle Luft geht aus\nStimmen hinauf:\nReißt doch Stücken Himmel Det Ding steht auch so\nStimmen hinauf:\nWas Ihr Herren immer von oben runter Ausruhn Jeder\nAtem zentnert Uns zerkeucht das Herz\n\\\nStimmen hinauf (brüllen):\nAusruhn — Eisen schient die Brust Sterben muß ewig\ntragen eingemauert Augen brüllen Tod\nStimmen hinauf (stöhnen):\nMörtel frißt alten Bruder auf Ruht sterben aus den Kopf\nin den Schoß gelegt Grau frißt alles Sehen auf Kind wim-\nmert so'n bischen Licht Kopp is Stein Schläfern sickert\nrot aus'm Schädel — Kleine Wunde — patscht — heiße\nHände — an — die — Backe weich Wat hat n —\nSterne kleenet Wurm\nDie Ste ine hängen in der Luft\nStimmen oben (steigen):\nKerls spannt letzten Atem höher immer höher Wir stei-\ngen immer Schwindel schleppt Treppen mitten in die Luft\nWer trägt der Himmel lacht Schwindel! Brückenschwindel\nEin Stern tanzt seil in einem roten Rock Die Sonne äfft\nUnd tausend Tiefen klettern an meinen Adern in die\nBrunst der Sterne\nDie Stimmen (klettern Wahnsinn in die Angst)\nEin Sehnsuchtsschrei (hat sich verstiegen):\nBrückenlügen Bogen lachen Die letzte Sehnsucht spannt\nNur noch eine Spanne Himmel\nStimmen hinab :\nVaflucht Da stürzt Köppe die Köppe weg Ich springe die\nErde springt Der Mond kommt angeritten Die Himmel-\nängste reiten Alle Sterne wiehern Ich springe Der Ab-\ngrund lacht Trümmern\nDie Brücke (versinkt)\nWeiß hinauf hinab weit und nah\nWeiß: Die oberen Bögen der Brücke\nWeiß: Die rote Sonne und die Sterne\nDer junge Offizier (sucht Wege atemlos):\nDie Ferne waist vor mir die Wege fliehen nah Verirrt\nraucht der letzte Schlund einer Kanone Kreisrund um ki-\nchernde Schrappnells\nDer junge Offizier (sucht Wege herzenlos):\nSchrei ädert ein letzter Baum Mein Blut verästelt\nschwarz und schleppt die Einsamkeit Eine Träne küßt\nmeine Augen blind Eine blonde Schleppe löscht mein hei-\nßes Sehen\nDer junge Offizier (sucht Wege sonnenlos):\nGlühe Haare berieseln mich heiß Rosenrot küßt mich Eis-\nkälte Astern blüten ihr süßes Fleisch Ein blüher Blitz\ngrünt eingefangen mir im Blut Und meine Augen rauschen\nauf in Schauen\nEdith (in einem Silberpelz tritt nah hinter ihn):\nDu was blaßt Du mein kleiner rosenroter Offizier ich\nschäme mich Ich will mich tief in Dir verbergen\nDer Offizier (verschließt seine Blicke)\nEdith :\nWas schließt Du Deine Blicke über meinem Licht Ich\nfürchte mich Ich lasse ewig Deine Küsse in mir brennen\nUnser Geheimnis bewacht meinen Schlaf\nDer Offizier:\nEdith, mein Sehnen siegt um Deiner Sonnen Tod, aber\nmeine Träume erfroren in Deiner wachen Liebe\nEdith:\nWas fliehst Du mein Erinnern kleiner Offizier Ich fange\nDeine Träume in mir ein Ich greife Dich mit meiner blon-\nden Seele Mein Berühren lodert von Deinen Küssen\nDer Offizier (greift zurück ihre Hand)\nEdith (schreit auf):\n0 Du Dein Haß erwürgt alle Heimlichkeit Dein Haß reißt\nalle Nähe entzwei Und Einsam schließt die Ferne Dich\nund mich\nDas grüne Sofa hebt das Weiß empor, aber sie sehen es\nnicht\nEdith der Offizier (entschreiten sich)\nAuf der andern Seite\nFreund und Freundin (kommen herabgeschritten)\nDer Freund (den Rock hochgeschlagen, die Hände in die\nTaschen gestemmt)\nDie Freundin (trägt den Kopf in den Nacken gebürdet)\nDer Freund (steht und blickt)\nDie Freundin (schreitet, ihre Händen krümmen sich zur\nSchale)\nDer Freund:\nDu schreitest Wir steht ewig stille alle Wege kehren leer\nin mich zurück\nDie Freundin:\nIch kehre ewig unsern Weg zurück und suche, wo wir uns\ngefunden\nDer Freund:\nUnsere Wege entringen den Kreis Unsere Ringe zerspren-\ngen unsere Finger Und unsere Hände greifen hart sich\nselbst"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.5", "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.6", "texte": "Die Fr e u n d i n :\nIch will Gebet um Deine Wege pflanzen Ich werde über-\nall hervorblühen\nDer Freund:\nJetzt schließt uns ewig aus dem Kreis Jetzt schließe ich\nDein poches Herz in einen fernsten Stern Jetzt reift mein\nHerz die Liebe der Planeten\nDie Freundin (wendet ab, beide schreiten)\nDer Fr e und die Freundin (begegnen am grünen Sofa)\nDer Freund (reißt an sich hingerissen):\nWir sind Wir ist Wir ist die Welt Unsere Sinne besonnen\nneue Glut\nDie Fr e um d i n :\nO Du Deine Sinne brausen über meine nackte Seele Mein\nAtem Du ertrinkt in Deinem Kuß\nDer Freund:\nPerl perlt Dein Duft in meinem Atem auf Ich schlürfe\nRosenrot von Deiner Haut Rausch brennt die Nacht in\nTausend einen Morgen\nDie Freundin:\nODu willst mich? Wir sind ja Freunde Wir\nDie Freundin:\nTräume Wir träumten Ich liebe den Tag (wirrt sich los\nund läuft fort)\nEine schwarze Tür (schließt schnell zu)\nDer Freund (will nach wurzelt fest die Arme starren Strek-\nken)\nKristalle (wachsen herab)\nDer Freund (verwächst kristallen)\nKristalle (saaten)\nKristalle (trauben)\nKristalle (gräsern halmen)\nKristalle (platzen raketen)\nPalmen (kristallen)\nAstern (kristallen)\nKristalle (wiesen)\nKristalle (wesen)\nZw ei Wesen (Kristalle)\nDie Mädchen (tappen durch die Waldesheile der Kristalle)\nMädchen: ,\nRankes Licht umspannt meine Knie Ich sinke in die Scham\nMädchen:\nHelle trinkt die Süße meiner Lippen In meinen Adern\nwiegt mein müdes Herz\nMädchen:\nIn meinen Lidern wiegt die Helle sich und saugt die Mü-\ndigkeit aus meinen Augen\nMädchen:\nIn meinem Schöße samt ein dunkler Stern und Dunkel\nfruchtet aus zwei kosen Händen\nMädchen:\nDie Helle zerpflückt mein Herz\nMädchen:\nDie Helle zerschimmert mein Blut\nMädchen:\nWeiß schluchzt Birken\nMädchen: : ;\nDunkel Schluchten Berge\nMädchen:\nIch berge mich im Weiß der Birke\nDie Mädchen (finden die schwarze Tür, läuten)\nDie Glocke (antwortet nicht)\nDie Mädchen (strähnen ihr dunkles Haar)\nEin Kristall (läutet)\nKristalle (läuten)\nAlle Kristalle (läuten)\nDie Fuge der Kristalle\nKristall:\nHaß und Haß\nKristall:\nHaß und Sehnen\nKristall:\nHaß ermordet alle Helle\nKristall:\nLiebe küßt das Dunkel hell\nKristall:\nHaß sehnt Liebe\nKristall:\nHaß küßt Sehnsucht\nKristall:\nLiebe liebt\nKristall:\nHaß die sternenlose Liebe\nKristall:\nHaß die traumverhöhnte Sehnsucht\nKristall:\nHaß vergilbt das Gold der Träwme\nKristall:\nScham und Mitleid\nKristall:\nHaß und Sehnen\nKristall:\nIch küsse die Träume blond brennt mein Beten\nKristall:\nIch lache die Sehnsucht Knabennacht samtet das Beet\nmeiner Scham\nKristall:\nIch trage den erloschenen Stern Ich lösche meine Träume\naus Meine Schmerzen lallen Kinderjauchzen\nKristall:\nDein Kindermund zerlächelt meine Träume\nKristall:\nMeine Liebe hat Dich zum Kind gestreichelt Du Erlöser\nWer meine Träume zwingt Mein Lächeln siegt die Selm-\nsucht aller Welt\nKristall:\nHaß Dein grenzenloses Mitleid\nKristall:\nHaß die uferlose Sehnsucht\nKristall:\nHaß die weltenlose Liebe\nKristall:\nSehnsucht betet die brünstige Scham\nDas Licht (verwächst kristallen)\nDas Wachsen (kristallt)\nDas Ruhen (kristallt)\nEin Kristall (Sas das Wesen):\nIch schreite hinüber Mein Bruder baut von Sternzustera\nSeine sehnenden Hände tragen\nIV\nDie drei Türen weit offen\nS a s (in grauem Kittel, die Haare gelöst, kockt auf der unter-\nsten Stufe)\nDer Herr in Trauer (tritt heraus)\nDer Herr in Trauer:\nDeine Augen wachen in meinen Blick Deine goldenen\nTänze sind erloschen Fremde spielen mit den Wunder»\nmeiner Einsamkeit\nSa s (spielt welke Blätter durch die Finger)\nDer Herr in Trauer:\nWarum beugst Du Deine Augen in meinen Weg Deine\nBlicke reichen nicht zu mir Mein Warten spannt die\nlange Zeit und geht Mich trägt die Zeit und meine Flü-\ngel reichen um die Erde"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.7", "texte": "Maria Uhden: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.8", "texte": "Sas (steht auf und geht fort)\nEin Haus schmält weißhart auf\nBuschwerk bauscht sich zur Seite\nBlauglanz glast über Orange\nAuf Wipfeln flimmen Kehlklinger\nMädch e n schlendern dreieingefügt\nMädchen:\nDie Stunde wächst golden reif\nMädchen:\nPflücken Pflücken\nMädchen:\nMorgen ich und morgen reif Wir liebkosen Morgenfrühe\nSas (reiht sich los):\nWer wartet Ich bin reif Wer wacht Ich komme traumge-\nschritten Wer küßt Meine Tänze überschütten rosenrot\nIch streife den Morgen nackt von meinen Tänzen\nMädch e n (bewundern)\nGeheimnis gläsert Deinen Körper\nSas (hascht mit raffem Griff Geschmeide auf eine gläserne\nKugel daran zerspringt)\nSas (schrickt zusammen)\nDie Mädchen (bergen ihren Kopf in Händen)\nFreund (stürmt vor stürzt die Knie ihr zu Füßen)\nDer Freund:\nRette mich Meine Hände morden Du bist auch ein Kind\nund kannst einen ansehn Wer rettet mich vor meinem\nAngesicht\nDer Freund:\nIch kann nichts sehn Ich sehe alles Die Welt starrt aus\nzwei brechenden Augen Meine Augen sprangen in zwei\nHöhlen hinab Blumacht ist ewige Helle\nSas (weint auf die gekrampften Hände)\nDer Offiziet (springt Stufen zur mittleren Tür):\nAug um Auge Kein Beten birgt\nDer Freund (zertritt alle Wege):\nBeter lachen Mein Morden höhnt\nDer Offizier (schaudert zurück):\nWir beide waren Kinder\nDer Freund:\nWir spielten unsere Sünden\nDer Offizier:\nWir lachten wir aus Wunden\nDer Freund:\nSterne sangen ihr Morden Ein Kind hat geschrien ich\nspiele mit der Angst der Sterne\nDer Offizier zieht den Säbel)\nDer Säbel (erschlägt den Offizier)\nDie Mädchen (fl ehen zu den Büschen)\nDie Büsche scMrgen grün zusammen\nZwei Schreie (kämpfen in den Lüften): Sas\nDer Freund (blickt):\nSas\nSas (blickt):\nMeine goldenen Tänze sind erloschen\nDer Freund (trägt den toten Offizier die Stufen hinan ins\nHaus)\nErdreich ausgemuldet\nSas (löst sich von der Erde empor):\nDas Gestern träumt das Heut ist satt Tanze doch mein\nSchatten Er ist trüb Erloschen sind meine Tänze\nKlin gen schneidet weh die Lüfte\nS a s (legt nieder):\nGraben schollert Graben grabt Ich soll nicht mehr jung\nsein Sie zerren meine Jugend Grabt Sie begehren meine\nJugend Grabt ein\nScharren kratzt in Erde\nSas:\nMein Schauen trug mich Mein Fühlen hielt mich im\nSchöße Ich schreite fröstelnd Ich Ich trete wache Erde\nS a s (schließt die Hände aneinander)\nStimmlaute surren taumelnd nieder\nSas (schreit leise auf schiebt mit dem Fuße beiseite schüttet\nErde drüber)\nDer Herr in Trauer (verläßt das Haus durch die mittlere\nTür)\nSas :\nDu gehst zu den Sternen\nDer Herr in Trauer:\nIch gehe zu den Sternen ein Mein Sehnen strahlt aus mir\nhinüber\nSas :\nMein Herz erblaßt in Deinem Gluterschaun Alle Sterne\nverneigen sich vor Deinem Aufgang\nDer Herr in Trauer:\nAlle Sterne erfrieren in der Glut meiner Sinne Der Him-\nmel neigt Die Sterne küssen meinen Glanz\nSas (bringt dar):\nAuf Deinen Lippen sternt mein Leib zu Gott\nSas (bringt dar):\nAus meinen Tänzen springt mein Herz zu Dir\nSas (bringt ihr Verzücken dar):\nNimm mich zu Deinen Sternen Vater\nDer Herr in Trauer (weicht zurück):\nIch begehre Dich nicht\nSas (schmiegt den Kopf an seine Hände)\nDer Herr in Trauer (berührt Sas)\nIhre Schultern sinken herab\nDie Büsche brausen grün auseinander\nDas Haus lodert weiß in die Sterne\nGrün ist Nacht\nBlau funkelt Stern\nDer weiße Turm\nEine Eisentreppe dreht Spiralen zur Höhe\nEin Toter (liegt weit ausgestreckt)\nPassanten (knien zur Seite)\nMädchen (knien unbeweglich)\nSas (Schreiten ins Blau der Sterne)\nZwei Rufe (kreisen): Sas\nSas (kreuzt die Arme, preßt den- Kopf an die linke Schulter\nschreitet wühlen tiefen Sand)\nSas (blickt)\nDie Sterne (schneien blau in brache Augen)\nRufen (die Höhe): Sas\nSas (steigt die Eisentreppe in die Höhe)\nDie Mitte des Turmes\nDas erste Turmzimmer\nDer Freund (will zur Tür raus)\nSas (erscheint in der Tür)\nDer Freund:\n0 Du hast Augen Die finden immer\nSas:\nIch suche hinüber Hier blickt kein Stern\nDer Freund:\nMich findet keiner"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.9", "texte": "Georg Schrimpf: Holzschnitte / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.10", "texte": "Sas: *•<•\"\nWir finden beide zu den Sternen\nDer Freund:\nKannst Du öffnen? Ein Toter liegt vor der Tür die ganze\nStadt\nSas:\nZu den Sternen dort finden wir uns\nDer Freund:\nIch habe gemordet Wir finden nie in aller Welt Man\nsucht mich\nSas:\nIch habe Dich gefunden\nDer Freund: *\nMan sucht uns\nSas:\nWir finden hinüber\nDer Freund:\nWir finden beide zu den Sternen beide beide uns hinüber\nSas und der Freund (strecken die Arme zueinander)\nKlagen weht die Türen auf\nSas und dem Freund (sinken die gestreckten Arme)\nWehklagen wellen wortlos grenzenlos\nDer Freund:\nWir fliehen nah uns näher hinüber zu den Sternen\nSas:\nDie Sterne fliehen Deine Seele weht mein Herz zu Eis\nAnklagen tausend Rufe: Mörder Mörder Uns hinüber Unsern\nFührer\nDer Freund:\nWir werden uns besitzen\nSas:\nDu hast gemordet\nDer Freund:\nIch habe um Dich gemordet\nEine Glocke (schlägt an)\nGlocken schlagen an die Sterne\nSternkugeln glocken erdröhnen den Himmelsdom\nDer Freund (trägt Sas auf seinen Armen in die Sterne)\nDie Höhe des Turmes\nDas zweite Turmzimmer\nDas grüne Sofa (blickt)\nEin einzelner Stern (kreist)\nGlücken läuten (die Tiefe)\nEdith\nDer Sohn•\nEdith (läuft zum grünen Sofa)\nDer Sohn (ruft an):\nEdith 112\nEdith:\nJa\nDerS o h n :\nNein Du darfst nicht\nEdith:\nHast Du Furcht\nDer Sohn:\nIch glaube nicht an Gespenster\nEdith: *\nMeine rosa Strümpfe von damals\nDerS o h n :\nMeine Träume sind Deine Brücke heute\nEdith:\nMein Herz das ist ein Bühnenhaus Ich spiele was die Her-\nzen träumen\nDer Sohn:\nDu spielst meine Träume\nEdith:\nIch spiele mit Deinen Träumen\nDerSo h n : •\nDu lächelst meine Träume\nEdith:\nIch will tanzen\nDer Sohn:\nDu träumst mein Schauen\nEdith:\nIch will tanzen\nDer Sohn:\nIch will Dich\nEdith:\nKleiner Heiliger\nDerS o h n :\nIch bete Dich\nEdith:\nRosa ist Heiligenschein um meine Knie\nDer Sohn:\nIch knie Rosenrot brennt mein Beten\nEdith (lächelt):\nKnien\nDerS o h n :\nSpielen\nEdith:\nTanzen\nDer Sohn:\nBeten\nEdith:\nNarren\nGelächter (tausend) Tanzen\nEdith (lacht)\nBeten (tausend) Führe uns hinüber\nDer Sohn (tritt vor Edith hin)\nEdith (lacht)\nDer Sohn:\nIch trage was ich litt Du spielst mein Leiden Mich trägt\nDein Spiel um meine tiefe Liebe\nEdith (verlacht)\nDas Lachen hallt die Glocken wieder\nDer einzelne Stern (hallt)\nDie Glocken lachen in der Tiefe\nDer Stern singt (die Höhe) Sa.«\nSa s (schreitet die Stufen herab zum grünen Sofa)\nEdith der Sokn (stehen nebeneinander)\nStimmen tausend (drohen Höhe Tiefe):\nMörder Mörder\nS a s (bricht vor Edith und dem Sohn zusammen)\nEdith (streichelt):\nKindchen\nS a s (krümmt in Schmerz zusammen)\nEdith (zerrt Sas hoch zu ihm):\nKüßt Euch\nEdith (springt Jauchzen zur Tür)\nZwei elektrische Glocken (schrillen)\nDer Sohn (hält Sas in seinen Armen)"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.11", "texte": "Hans Mattis Teutsch: Linoleumschnitt\n\nMaria Uhden: Frau am Wasser / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.12", "texte": "Die drei Türen brechen ein\nM enschen (tausend) brechen durch die Türen\nZwei weiße Türme 'rechts und links\nEine eiserne Brücke von Turm zu Turm\nEine Nische (hält das grüne Sofa)\nM enschen massen\nDer Sohn (steht, seine Arme halten Sas)\nMass e n (wogen ihr Begehren)\nMenschen:\nSteine ran die Brücke ran Wir wollen rüber\nMenschen:\nBrücken rüber Ueber Menschen rüber Unsre Brücken\nMenschen:\nTanzen rüber Drüben rüber Drüben tanzen\nMenschen:\nTanzen drüben\nMenschen:\nLachen drüben\nMenschen:\nSchöne Mädchen drüben\nMenschen;\nSo'n schönet Mädchen kann doch tanzen.\nMenschen;\nTanzen Tanzen\nMassen (lechzen)\nBrücken Brücken\nDerS o h n :\nIch weihe die Brücke\nMenschen;\nUns die Brücke Uns die Brücke\nMa s s e n:\nTanzen uns Schöne Mädchen uns die Brücke uns\nMenschen:\nDie Brücke jocht uns nieder Tanzen\nDer Sohn (entschleiert Sas)\nMenschen (wogen Jubel)\nSas (hebt sich in den Tanz)\nMassen (jubeln);\nschönet Mädchen\nMenschen (jubeln):\nUnser Mädchen\nSas (hebt sich in den Tanz\nMassen (jauchzen):\nKindchen\nMenschen (branden):\nUnser Kind\nSas (hebt sich in den Tanz tanzt strauchelt stürzt)\nDer Sohn (hebt Sas hoch und bettet sie aufs grüne Sofa)\nDie Massen (brüllen):\nWeiter Tanzen\nDie Menschen (durchbrechen die Massen wogen heran)\nDer Sohn (steht)\n% Die Menschen (bogen einen Halbkreis aus)\nDie Massen (branden Schweigen)\nDie Menschen (wogen Schweigen)\nDer Sohn (betet Schweigen)\nSas (öffnet die Hände)\nEin einzelner Stern (fällt herab in ihre Brust)\nEine Glocke (läutet)\nM enschen Mütter (wiegen tausend) Sas\nMenschen Väter (beten tausend) Sas\nDer Sohn:\nHeiliget\nDie Menschen (knien alle) Sas\nDer Sohn:\nEhrfurchtet\nDer Sohn:\nUns ward geboren\nDie Menschen (schauern): Sas\nDas Brausen der Städte: Sas\nDas Brausen der Glocken: Morgen\nDas Jauchzen der Menschen: Morgen\nDas weiße Frühlicht brandet den goldenen Tag\nEnde\n\nLieder im Felde\nKurt Heynicke\nSterne fallen über Nacht,\naus den Nebeln fliegen mir Gespenster an die Brust\nAll die schlanken Rohre meiner Batterie schrein in den Himmel,.\nschwer reißt ein Geschoß entzwei\nHimmel, Erde, Gott, Madonna, Heimat hilf der\ntraumberauschten Seele\naufwärts,\nfliegen,\nschmerzents tiefen\no\nheimatwäris.\n* .\nGeliebte, sanlt umträumtes Angesicht\nmein Antlitz ruht auf dem belehrten Mantel\nund meine T äume sind ein weites Meer\nund meine Seele helles Schiff\nhinsegelnd suchend eine grüne Insel:\nDich!\n0 Traum\ndu Gott imt ungleichen Händen zwischen den Tagen\ndu Stimme des pfe'fenden Schrecl ? geträumter Granaten\ndu Stimme der Geliebten an der Brust\nund du Haus in der Heide im Mond\no Traum\nSonne und Gewitter in deiner Schale\nherabgegossen über die Stunden des Wachens im Felde\ndes Todes!\nEin Kranz für Wilhelm Runge\nO, ewig, ewig ist der Mensch!\nAn deinen Wimpern hängt das Licht\nDu blühst!\nSturm blühst Du,\nweißen Sturm\nLilien auf flatternder Fahne!\nLächelnd fällt Deine sterbende Hand und zündet unsere Fak>\nkeln\ndie schluchzenden Mauern der Zeit fallen gen Nacht\naufblüht ein Feld\nwir heben unsre Sensen in das Licht\nund mähen Deine Saat,"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.13", "texte": "Die Kunst, sich selber einzu-\nbalsamieren\nMynona\nMein Hans war abgebrannt und nicht versichert gewesen.\nAls ich nach meiner Bank ging, hatte dort schon jemand statt\nmeiner mein ganzes Guthaben für mich abgehoben. Auf der\nPost nahm ich drei Telegramme in Empfang. Im ersten stand\nder Tod meines besten Freundes, im zweiten enterbte mich\nmein Großonkel, weil er wieder heiratete, nebenbei gesagt;\nmeine letzte Möglichkeit, jemanden zu beerben, war damit\nhöchst wahrscheinlich verschwunden. Aus dem dritten Tele-\ngramm erfuhr ich den plötzlichen Tod meiner Braut. Ich stand\nnun, da Eltern und Geschwister mir längst gestorben waren,\nmein Freund soeben mich verlassen hatte, dgl. meine liebe\nBraut, und ich meinem Großonkel von Herzen fluchte, mutter-\nseelenallein auf der Welt. Das passiert ja so manchem. Aber\nmir war es doch allzu gut ergangen; ich hatte mich an das ge-\nmütlichste, behaglichste Leben gewöhnt. Und nun? Mein\nganzer Besitz bestand in dem, was ich auf dem Leibe trug; in\nmeinen Taschen steckten etwa fünf Mark und ein paar Pfen-\nnige. Schulden bedrohten mich überdies, und zum Kampfe\num-s Dasein fühlte ich mich nicht im mindesten fähig. Dabei\nwar ich ein dicker, schöner, blonder Mann mit Bonvivant-\nMiene, und mein angeborenes Stilgefühl verbot mir den mimi-\nschen Ausdruck der Verzweiflung, welche sich meiner bemäch-\ntigt. Trotzdem muß etwas davon sichtbar geworden sein, denn\nmir begegnete Folgendes: Ich beschloß, eine Art Henkersmahl-\nzeit einzunehmen und wählte, um mit meinem letzten Gelde\nauszulangen, ein mittleres Speisehaus. Ich hatte nicht sobald\nmeinen Teller Suppe vor mir, als ich mich mit einer sonder-\nbaren Teilnahme fixiert sah. Ich aß außergewöhnlich lang-\nsam; zwischen Löffel und Löffel machte ich lange Pausen vol-\nler Nachdenklichkeit. Vielleicht war das dem dürren langen\nHerrn mit Magistergesicht am Nebentische aufgefallen. Jeden-\nfalls begegnete ich seinen merkwürdigen, sich tief in meinen\nAugen einbohrenden und sie gleichsam zwangsweise festhal-\ntenden Blicke. Während der nächsten Gänge gerieten wir öf-\nter und öfter in dieses eigentümliche Duell. Bis ich — was\nhatte ich zu verlieren —: es müde wurde und einfach fragte:\n„Was wollen Sie?\" Er meckerte und hüstelte ein entschul-\ndigendes Lachen. ~Es ist nicht so ganz einfach, das zu erklä-\nren, Würden Sie mir gestatten, mich zu Ihnen zu setzen?\nOder darf ich Sie bitten, an meinem Tische Platz zu nehmen?\"\nMir war dieser Zwischenfall eigentlich willkommen; er lenkte\nmich wohltuend von meiner fruchtlosen Grübelei ab. Ich bat\nden Alten, da nicht ich von ihm, sondern er von mir etwas zu\nverlangen schien, an meinen Tisch. Er kam, in einer etwas\nzitterigen Hand sein Glas Wein haltend, auf mich zu, setzte\nsich mir gegenüber, nippte am Getränk, machte aber noch\nkeine Mienen, sich auszusprechen. Wir beschäftigten uns ein\npaar Minuten schweigend mit unserem Mundvorrat. Endlich\nfragte ich: „Fällt es Ihnen denn so schwer, mir anzuvertrauen,\nweswegen ich Sie interessiere? Lassen Sie doch hören!'\n„Nein,\" antwortete er, „aber mein Interesse hat einen verwun-\nderlichen, einen delikaten Grund. Es wird mir durchaus nicht\nleicht, meine natürliche Reserve aufzugeben. Ich komme mir\nbereits zudringlich, ja unverschämt vor, daß ich mich nicht nur\ntief in Sie hineinversetze, sondern sogar im Begriffe bin, Ihnen\nmeine intime Kenntnis Ihrer seelischen Verfassung zum Besten\nzu geben. Ich habe am Aussehen der Mitmenschen ein ganz\nspezielles, ich möchte wohl sagen, . . . materielles Interesse,\nwelches ich Ihnen sogleich spezifizieren werde. Aber zunächst\neinmal: Sie sind so gut wie verzweifelt — oh verzeihen Sie!\nAber ich sah es; ich sah es so klar, wie ich Ihr Antlitz sehe.\n„Das können Sie nur vermuten,\" sagte ich mißmutig und re-\nsigniert; es sei denn, Sie wüßten um gewisse Angelegenheiten\nund kennten mich, ohne daß ich Sie kenne. ~Auf Ehre, nichts\ndergleichen! Es ist eine physiognomische, näher pategnomi-\nsche Konstatierung, und diese fällt mir leicht, weil ich durch\nmein Interesse aufgefordert bin, mich hier nicht zu irren.\"\n„Na also — was ist denn das für ein Interesse? Befürchten Sie\nnicht, mich zu verletzen. Ich kann allerdings mit dem Dichter\nsagen: Was auch geschehe, das Schlimmste ist mir gesche-\nhen.\" „Stand für mich, beim ersten Blick in Ihr Gesicht, Ihre\nHaltung, außer Frage.\" „Wirklich! In der Tat glaube ich\ndoch nicht, meine Seele so zur Schau zu tragen; sogar wahre\nich mich absichtlich dagegen.\" „Und gerade diese Gezwun-\ngenheit ist verräterisch — wenigstens für mich.\" „Sie über-\nspannen meine Neugierde. Bitte, legen Sie los, oder ich zahle\nund gehe.\" Diese Drohung wirkte sofort. Er erklärte sich:\n„Mein Blick ist interessiert zugespitzt für Menschen, welche\nsich dem baldigen Tode unwillkürlich oder absichtlich nähern;\"\ner schraubte seine Augen in die meinigen; es überrann mich\nunheimlich. Es wurde mir im selben Augenblick bewußt, daß\nich meinen Selbstmord dunkel beschlossen hatte. Ich verlor\nalle Haltung und gab mich meinem schauderhaften Gegenüber\npreis. Ja, ich griff nach seiner Hand, drückte sie und fragte,\nzu meinem eigenen Widerwillen, hastig: „Wollen Sie mir hel-\nfen?\" „Gewissermaßen! Ah, hören Sie! Ich will Ihnen ein\nMittel geben, sich zu erhalten, zu konservieren. Ver-\nstehen Sie, Ihr Leib soll nicht zerstört werden, Sie werden\ndas Ehrenrecht der erlauchtesten Persönlichkeiten genießen.\nBedenken Sie! Blühend wie immer; wenn Sie geschickt sindv\nein Lächeln auf Ihren liebenswürdigen Zügen; biegsam, in wel-\ncher Pose immer; und, wie ich Sie versichern kann, wohl auf-\ngehoben in heizbaren Räumen, werden Sie, ohne alle Sorgen,\neinem antiken Gotte gleich, Ihr Dasein, wenigstens rein äußer-\nlich, unangetastet bis in alle Ewigkeit fortsetzen,\"\nMeine Resignation, als ich diesen irrsinnigen Ausbruch\nüber mich ergehen ließ, erreichte ihren Gipfel. Also der ver-\nmeintliche Lebensretter erwies sich als Narren, dessen Gefasel\nich garnicht verstand. Ich beschloß, nicht weiter auf ihn hin-\nzuhören und möglichst rasch zu verschwinden. Er aber ent-\nnahm seiner Brusttasche ein rotes Paket, welches er öffnete.\nWas war das? Es kam eine Metallbüchse von Urnenform zum\nVorschein. Er drehte den Deckel ab und ließ mich hinein-\nschauen, Ich sah ein Puder von violetter Farbe. „Was be-\ndeutet das?\" fragte ich. „Es ist ein blitzartig tötendes Gift,\nwelches aber die erstaunliche Eigenschaft hat, jedes Lebe-\nwesen, von dem es eingenommen wird, sofort zu mumifizieren,\neinzubalsamieren, in alle Ewigkeit unverweslich, ja, unver-\nbrennbar zu machen. Leider, da es eben absolutes Gift ist,\ndarf ich mein Patent nicht zur Anwendung auf Menschen brin-\ngen; es sei denn, daß ich präsumtive Selbstmörder diagnostisch\nausfindig mache, welche sich lieber einbalsamieren als ordinär\nums Leben bringen. LFebrigens hatte ich unter meinen Kun-\nden auch ein paar Monarchen (der heimliche Monarchen-Selbst-\nmord nimmt erschrecklich überhand!), deren diskrete Empfeh-\nlungsschreiben ich Ihnen vorweisen kann.\" — Diese Narretei\nmachte mich fast lächeln, Ich beschloß, ihm in die Enge zu\ntreiben: „Warum nannten Sie Ihr Interesse materiell? Glau-\nben Sie vielleicht, ich hätte Ihnen ein Vermögen zu bieten? Ich\nmuß Sie enttäuschen.\" „Bewahre!\" sagte er, „das ist keine\nEnttäuschung — im Gegenteil: Sie sind mir nur desto sicherer\nin Aussicht. Ich selber bin sehr reich. Mein Interesse ist des-\nwegen dennoch materiell, weil ich Liebhaber bin, Leichen-\nsammler, Inhaber eines wohlassortierten Museums von herrlich\nkonservierten Selbstmörderleichen. Wollen Sie mitkommen?\nJa? Wollen Sie selber sich Ihren Stand- oder Sitz- oder sogar\nSchwebeplatz bestimmen? Ferner Ihr Kostüm? Ihre Hal-\ntung? Ich veranstalte eine kleine Feier, und zur Krönung des\nFestes balsamieren Sie sich dadurch ein, daß Sie dieses Pulver\nhier, in Champagner aufgelöst, hinunterschlucken. -Bis dahin\nsind Sie mein Protege, ich sorge väterlich für Ihre Wohlfahrt,\nbis zur Feier, deren Termin ich bestimme.\" „Und Ihre Bedin-\ngung?\" fragte ich, bereits suggestiv umnebelt. „Wie gesagt,\nSie vermachen mir, zu Museumszwecken, Ihren Leichnam.\"\nEr breitete wirklich ein schon vorgedrucktes Formular vor\nmich hin. Was blieb mir übrig? Ich füllte es präzis aus und\nunterschrieb. Er steckte den Schein in seine Brieftasche."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.14", "texte": "„Nun gehören Sie mir,\" rief er frohlockend. „Gestatten Sie\nmir, daß ich meine Protektorrolle sofort übernehme.\" Damit\nzahlte er die Zeche für uns Beide, zog meinen Arm durch sei-\nnen und lustwandelte mit mir seinem Hause zu, in dem sich\nauch das Museum befand. Es waren etwa sechs Säle voll\ntotem Leben, mit unglaublichem Raffinement in Szene gesetzt.\n„Gute Regie — was?\" lobte der Alte sich selbst. Aber mit\nGrund. Im ersten Saal war eine elegante Ballgesellschaft aus\nlauter Toten, vom jüngsten Backfisch, Jüngling, bis zu den grei-\nsen Balleltern und Mauerblümchen; nebst bedienenden Kell-\nnern und Zofen. Der zweite Saal zeigte Variete mit entzüc-\nkenden Arrangements; eine kleine Nackttänzerin zum Ver-\nlieben lieblich. Der dritte Saal wies mittleres Bürgertum aller\nSchattierungen in jovialen Gruppen auf. Der vierte allerhand\nProletariertypen. Der fünfte bestand aus Kinaern vom achten\nJahre bis zum sechszehnten; sie schienen zu spielen; die einen\ngraziös und vornehm; die anderen gewöhnlich. Der sechste\nSaal endlich enthielt ein Bacchanale, eine Orgie mit Intimitäten\naus Brautgemächern und Schreckenskammern. Noch nie hatte\nich den Tod ein solches Leben atmen sehen. Es war völlig\nein negativer Friedhof. ~So, sagte der Alte und fa.ßte mich\num die Hüfte; „heut schreiben wir den 10. August 1917. Un-\nsere nächste Feier (wir sind eingetragener Verein) findet am\n16. September anni currentis statt. Bis dahin leben Sie be-\nquem bei mir und haben Zeit, sich Ihren Platz, Ihre Attitüde,\nIhr Kostüm auszuwählen. Sie passen, denke ich ... er mu-\nsterte mich nachdenklich .... am besten in mein Variete,\nnicht wahr?\"\n\nGute Kritik\nHerwarth Walden\n\nDie Vossische Aktion\nAn komische Figuren denkt man gern zurück. wird nicht\nfroh gelaunt an Herrn Franz Servaes, Kunstdoktor der Vossischen\nZeitung zurückdenken, der sich so über die ~neuen guten und\nlichten Räume der Kunstausstellung Der Sturm\" ärgerte, daß\ner von der Straße heraufschimpfte und gar böse wurde, weil\nder Sturm ihn um die Ecke blies. Er ward nicht mehr gesehen.\nNun wandert er ruhelos durch die Straßen Groß-Berlins, ver-\nmeidet sorgsam die Potsdamer Straße, wo es ihm nicht geheuer\nist, aber ungeheuer spukt der Sturm in seinem Denkerkopf:\n„Wir beschließen unsere Wanderung, indem wir dem Beginn\nder Kaiserallee zustreben, wo schräg gegenüber dem Joachims-\ntalschen Gymnasium die futuristische Zeit-\nschrift Die Aktion ihren ganz der Propaganda gewidmeten\nBuch- und Kunst-Laden besitzt. Spezialkenner behaupten, daß\nhiermit dem Sturm nicht etwa Konkurrenz, sondern Fehde ange-\nsagt sei, . . . immerhin scheint in der Aktion mit mehr Ernst und\nKritik gearbeitet zu werden.\" Der entlassene Kritikangestellte\nwendet sich mit Ernst der Konkurrenz zu, oder vielmehr der\nFehde. Aber selbst diese Wilmersdorfer Vorortzeitung, die\nmeistens mit abgelegten und abgelehnten Sachen des Stunn\nhandelt, geht dem Herrn Servaes noch über die Hutschnur, so\ndaß er sie ernst nimmt. Gewiß, die Aktion ist ernst, bittei ernst,\nsie ist auch äternistisch, was sie in Unkenntnis dieses Fremd-\nwortes so macht, daß sie ~die Zeit ausschneidet und sie in den\n„kleinen Briefkasten\" steckt. So ein kleiner Briefkasten hat\nüberall Platz. Die Gartenlaube besitzt ihn und der Berlinei\nLokalanzeiger und die Schaubühne. Nur daß der gute Brief-\nkastenonkel der Aktion ebenso böse auf die Zeit ist wie der\nHerr Servaes auf die Kunst. Ich kann Herrn Servaes nur raten,\nsich ganz dem der Propaganda gewidmeten Buch- und Kunst-\nLaden zu widmen. Seine Kritik wird dafür auch einmal aus-\ngeschnitten und in der Aktion als „Urteil\" veröffentlicht. Man\ndenke, die Vossische Zeitung spricht sich für die Aktion aus.\nDiese Propaganda. Der ganze Buch- und Kunst-Laden wird\nüberflüssig. Hat doch die Aktion bereits eine Anerkennung\nim Mannheimer Tageblatt gefunden. Im Mannheimer Tage-\nblatt. Dieses Blatt warf der gute Onkel nicht in seinen „klei-\nnen Briefkasten\", er schnitt es aber immerhin aus und ließ es\nauf seine eigenen Kosten als „Urteil\" nachdrucken: „Ein kriti-\nsches Organ von ausnahmsweiser Schärfe des Ausdrucks besit-\nzen wir in der Wochenschrift die Aktion. Pfemfert nimmt kein\nBlatt vor den Mund. Es fehlt vielleicht manch einer Monatsschrift\nan dem Geiste, der diese Blätter durchweht.\" Es ist ein Fehler,\ndaß Pfemfert kein Blatt vor den Mund nimmt. So wehen diese\nBlätter überall in dem Geiste herum, den Herr Franz Servaes\nbeinahe begreift. Um ihm aber eine Mühe zu ersparen,\nschneide ich die Aktion aus und gebe hiermit einen Original-\nholzschnitt des ganz der Propaganda gewidmeten Buch- und\nKunst-Ladens zum besten der Zeit, unausgeschnitten. Dieser\nHolzschnitt ist von der Künstlerin Auguste von Zitzewitz eigens\nfür die Zeitschrift und Kunstausstellung Die Aktion gezeichnet\nund geschnitten. Diese und ähnliche Werke ausgeschnittener\nKunst werden von dem genannten Herrn ohne Blatt vor dem\nMund mit Ernst und in Zukunft von dem genannten Herrn Ser-\nvaes mit Kritik der Internationale als Expressionismus dar-\ngebracht:\nVerschlafen\nDer brave Fritz Stahl vom Berliner Tageblatt sucht Anschluß,\nDas Berliner Tageblatt erscheint noch immer, trotzdem ich\nden Stahl beinahe vergessen habe. Flerr Stahl beginnt, Kodier,,\nMünch und van Gogh anzuerkennen. „Die neue Richtung, die\nsich in bewußtem Gegensatz zu dem abgeschlossenen Impres-\nsionismus stellt, beweist schon dadurch, daß sie vom Tage ist\nund mit dem Tag vergehen muß.' Herr Stahl hingegen\nvergeht erst mit dem Tageblatt und ist nicht vom\nTage, der bei der Konkurrenz erscheint. Nichtsdesto-\nweniger behauptet Herr Stahl nunmehr, daß es schon\nlange vor der neuen Richtung Künstler gegeben hat, die\nzu dieser neuen Kunst gehören, obwohl sie nach dem\nTageblatt vergehen muß. Er hat sich vergangen und\nmuß sich nun selber in den Weg treten. Er merkt ali-\nmählich, daß er betreten ist. Deshalb sucht er Anschluß bei\nden „Bahnbrechern\". Sie sind schon längst an ihrem Ziel- Und\nder brave Herr Stahl steht erstaunt am Anfang der Bahn, reiot\nsich die blinden Augen und rennt mit Hurra die bekannten\noffnen Türen ein.\n\nDas ist bitterster Kunsternst."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.15", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt n»d Verhig\nF. H arnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVeriag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriit Der Sturm\nErscheint am fiinizelraten jedcs Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Aiisgabe: Fur Deutsch-\n-1 an d und Oesterreich-Ungarn:\nHin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nfciszelheft 1 Mark / Fiir das Ausland;\nEin Jahr 8 Mark Ein Halbjahr 4 Mark /\nEinz.elheft 1 Mark 50 Pfennig\nScolder - Ausgabe; Ungebrochene\nExemplare, V er sendung in Rol-\nler direkt dure h die Post / Fiir\nDewtschland und Oesterr eich-\nUn g a rn: Ein Jahr 12 Mark / Fur das\nAusland : Ein Jahr 14 Mark\n\nPre is e der fniheren Jahrgange\nVolfisfandige Ausgabe\nL Jahrgang\n2. Jah rgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n1. Jahrgang\n8. Jahrgang\n19x0/11\n1911/12\n1913/14\n1914/15\n1915/16\n1916/17\nGewohnliche\nAusgabe:\n30 Mark\n30 Mar1:\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n30 Mark\nSonder-\nausgabe:\n40 Mark\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n40 Mark\n1917/18\nEinzelhefte, soweii vorhanden, erster bis\nachter Jahrgang je 1 Mark\n\nBilcfeer aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baxim\nScliiitzengrabenverse\n€ebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite I Gedichte\n©efreftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDer F r a u en m u t / Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nI hr stilles Gliick / Drama\nE i n Tatibenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 2 Mark 50 Pfennig 112 Gebunden 4 Mark\nKort Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n©eheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nOebeftet 2 Mark\nKreis desAnfangs / Friihe Gedichte\nGciieftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark (Aufiage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen\nEmpfin-'dung und seine Losung\n4 Mark 50 Pfennig\nWilheim Runge\nDas Den ken traumt / Gedichte\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer/Seh nte / Mann / Dramen\n3 Mark-\nAugust Stramm\nDul Liebesgedichte\nGeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig:\nHerwarth Walden\nDas Buch der Mensche n 1 ie be\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Hart e der Weltenliebe /\nRoman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig;'\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe Em Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaub e J Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark 50 Pfennig\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fiir Hunde und\nandere Menschen ,/ IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V, August Stramm: Er-\nwachen / VI; Aagc yon Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adoll Behne: Zur\nneu.en Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aagc von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nscheben: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 90 Pfennig\n\nMtisik\nHerwarth Walden\nGesamnielte Tonwerke\nFntfrietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang nnd Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier I J Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Origmallithographte\nAbzug 30 Mark\n\nSturm-Karten\nJeric Karte 20 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Biid-\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 4\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMare Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nS. Hjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsk}- 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 2\nCarl Mense l\nJean Metzinger 1\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf 1\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg 1\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 2\nMarianne von Werefki* 2\n\nSturm-Aussteihingskataioge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Die Futuristen\nRudolf Bauer Gino Severini\nDer Blaue Reiter Kandinsky\nMarc Chagall Skupina\nJe 6u Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertietdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAui Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-WeiO-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Essender\nBauer / Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feinmger: Klein Schmidthauseii /\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Land-\nschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\n\n3turm-Kimst!er / Lichtbildkartcn\nJede Karte 20 Pfennig\nI. August Stramrn IX.\n11. Herwarth Walden X.\n111. van Heemskerck XI.\nIV. Kandinsky XII.\nV. Rudolf Bliimner XIII.\nVI. Campendonk XIV.\nVII. Peter Baum XV.\nVIII. Hermann Essig XVI.\nOskar Kokoschka\nAdolf Knoblauck\nPaul Klee\nQabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nKurt Heynicke"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19180615-01.1.16", "texte": "Der Siurm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Poisdamer Strafje 134 a\nGedtinet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags\nvoa 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechscl\nVierundsedizigste A usstellurig\nJuni 1918\nAlberMMoch\nEmmy Klinker\nElisabeth Niemann\nKurt Schwitters\nFiinfundsechzigsie Aussiellung\n' Juii / August 1918\nMarc Chagall\nKandinsky\nWilliam Wauer\nErotinuttg: Sonntag den SO. Juni\nMtinchen: 15. Juni bis 1. August\nSturm-Atissteihmg / Kunsthaus Das Reich\nJena: Juni\nSturm-Graphik / Kunstverein\n\nDER STURM\nvertritt folgcndc Kiinstler ausschließlich\nund ycriugt iiber ihrc Werke (Gemaldc /\nGraphik / Holzschnitte / Handdruckc) zum\nVcrkauf und zu Ausstellungen in dcr gan-\nzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Gabriele Miinter / Fritz\nStacke&berg / William Wauer / Nell Wal-\ndea\nDER STURM\nvertritt fur Deutsobland folgende Kiinstler\nund yerliigt iiber ihre Werke zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Albert - Bloch /\nAlexander Archipenko / Fritz Baumann /\nVmcenc Benes / Umberto Boccioni / Carlo\nD. Carra / Max Ernst / Lyonel Feininger /\nEmii Filla / Albert Gleizes / Otto Gut-\nfreund / Oswald Herzog / Sigrid Hjerten\nGriinewald / Isaac Griinewald / Johannes\nliten I Alexei von Jawlensky / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand\nLeger / Franz Marc / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Georg Schrimpf / Gino\nSeverini / Arnold Topp / Maria Ukden /\nMarianne Ton Werefkui\n\nKunsischule Der Sturm\nLeitung : Herwarth Waldcn\nZwcitcs Jahr\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalcrci / Dichtung / Musik\nLehrcr der Kunsischule Der Sturm\nRudolf Bauer >\nRudoll Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitung der Kunstscbuie Dot\nStnrm: Dienstag, Mittwooh, Freitag, Sonnabend\n4—5 / Das Sekretariat ist taglich von 10—6 ge-\noffaet\n\nSturm-Abende\nVerein iiir Kanst / Fiinfzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Dcr Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch\nBcginn aller Abende: %8 Uhr\nWiederbeginn der Abende\nMittwoch den 4. September 1918\n68. Sturm-Abend\nKarten zu 5, 3, 2, 1 Mark im Vorverkaaf und an\nder Abendkasse\n\nVerein fur Kunst\nFiinfzehntes Jahr\nJahresbeitrag 20 Mark\nRechte: Freier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch der Sturm-Ausstel-\nlungen / Jahrlich 2 Kunstdrucke\nAnmeldungen durch den Sturm\n\nKunstbuchhandlung\nDer Sturm\nPotsdamer Strafie 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seltcnc Biicher und Noteo\nvorratig und ninimt Bestellungen entgegee\n\nVerein Sturmbiihne\nVorsitzendcr: Dr. John Schikowski\nGeschaStsstelle: Charlottenburg I Scharrenstraße 14\nAufrui und Satzungen kostenlos\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gcdicktc\nDas Buch enthalt die Gedichte, die Ru -\ndolfßliimneran den S t u r m-A be n-\nd en vortragt\n4 Mark\nArnold Topp-Mappe\nSechs signierte Lithographien\n75 Mark\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwcrkc\nDann / Werk 1 I\nVergeltung / Werk 111\nVerdammnis / Werk 1 111\nFur Gesang und Klavier\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nUmschlagzeichnung von Marc Chagall\nZweite Auflage\nJeder Gesang 2 Mark\nBruder Liedcrlich / Werk 51\nFur Gesang und Klavier\nDichtung von Detlev von Liliencron\nUmschlagzeichnung von Em i 1 Fi 11 a\nZweite Auflage\n2 Mark\nHerwarth Walden\nKind/ Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Koinitragodie\nMcnschen / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Karten\nWilliam Wauer: Monumentalkomposition /\nDer Schlittschuhlaufer\nJede Karte 20 Pfennig\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionistem\nEinzelne Folge\n60 Pfennig / Jahrbuch 6 Mark\nDritte Folge erschienen\nHerwarth Walden: Einblick in Kuast\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmalden der Sturm-Kiinstler\nZweite Auflage\n5 Mark\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenko\n4 Mark\nIII: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVon alien Holzschnitten der Zeitschriit Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke\nvon den meisten Zeichnungen Kunstdrucke\nkauflich zu erwerben. Die Origiaale sind rer~\nkauflich.\nAusfuhrliche Yerzeichaisse lies Verlags\nDer Sturm kostealos"}]}