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I\nBang bengt\nStößt Siegsturm in die Tiefenweiten\nUnd Jauchzen sinkt\nv r\nDie Frühe zagt in die Sonne Blühen\nWärme kreist einen einzigen Ball\nRingt Kugel umeinander\nSingt See in einer Seele\nGelben Falterhände in die Ewigkeit\nBlau\n\nTanz\nNacht um blauheimliche Seen zu tanzen\nRote Nelken rote\nDer spitze Wind knistert die Scheiben kraus streichelkraus\nDas Dunkel hat die Läden schwarz geladen\nNacht zu tanzen\nLicht zu tanzen rote Blüten trillerleise falleblaue tiefe Brüste\nweit\nKuß ich\nHandlos klettert die Bäume blind\nWeiß flittert den Himmel\nTraum spritzt die springen Wellen knister leer\nRaum rauschen knieen Kopf\nSchwer weiten Blut blau\nAllüber tanzen tiefen Gott"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "90", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.3.12", "titre_corps": "Nacht", "titre_sommaire": "Nacht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 493, "fin_caractere_exclue": 780, "texte": "Nacht\nRuhe fließt in das weiche Moos\nKüssen breitet die zerdrückten Hände\nSinken verjubelt den schütteren Tag\nArm verirrt sich die Größe der Nacht\nDämmert auf ein dunkler See und totes Haus\nSchwarzes Feuer starrgesteinert Uferriesen\nNur manchmal noch betet ein Mondblick durch das Blinde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.3.13", "titre_corps": "Abend", "titre_sommaire": "Abend", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 782, "fin_caractere_exclue": 1239, "texte": "Abend\nIn allen Augen dunkelt ein Gott\nEin Segel streicht über den Abendschoß\nSchlagen Wälder über die Augen zusammen\nGlanzauf Mensch Tag Gott\nDer Abend atmet das Mahl des Tags\nDer Wind welkt das wehende Weinen\nSeligkeit schluchzt über den zitternden See\nZagt ein Kuß zum Opfer des Lichts\nGott hat den Menschen in den Tag geleuchtet\nMensch hat den Himmel in den Gott gesegnet\nFeiern die Feuer ein Opfer-Erstehen\nWellt Welt über Abend den tagenden Mensch\nGott"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.3.14", "titre_corps": "Sommer", "titre_sommaire": "Sommer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 1241, "fin_caractere_exclue": 1513, "texte": "Sommer\nBeten Augen eine Sonnenkraft\nRüttelt reiche Last der Hände\nBallt Pracht die Zähne in den Nacken\nSehnen dich fern\nSehnen dich nah\nBlau du\nThron jdu\nStürzen du\nSiedet ein Gold\nWald wandelt im Himmel heiß\nWallen Wipfel der Sonne\nSonne\nWelt weint in einer reichen Brust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.3.15", "titre_corps": "Frühling", "titre_sommaire": "Frühling", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 1515, "fin_caractere_exclue": 1925, "texte": "Frühling\nSonne stickt eine Faust\nBeugt rieslings den Kopf und sperrt\nDrang trinkt\nZerfließen zäumt schurzauf\nUnd flackernde' Bäume\nDer Mund mordet die Sonne\n; » . t\nLeib lebt nicht . I\nBang bengt\nStößt Siegsturm in die Tiefenweiten\nUnd Jauchzen sinkt\nv r\nDie Frühe zagt in die Sonne Blühen\nWärme kreist einen einzigen Ball\nRingt Kugel umeinander\nSingt See in einer Seele\nGelben Falterhände in die Ewigkeit\nBlau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.3.16", "titre_corps": "Tanz", "titre_sommaire": "Tanz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 1927, "fin_caractere_exclue": 2362, "texte": "Tanz\nNacht um blauheimliche Seen zu tanzen\nRote Nelken rote\nDer spitze Wind knistert die Scheiben kraus streichelkraus\nDas Dunkel hat die Läden schwarz geladen\nNacht zu tanzen\nLicht zu tanzen rote Blüten trillerleise falleblaue tiefe Brüste\nweit\nKuß ich\nHandlos klettert die Bäume blind\nWeiß flittert den Himmel\nTraum spritzt die springen Wellen knister leer\nRaum rauschen knieen Kopf\nSchwer weiten Blut blau\nAllüber tanzen tiefen Gott"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "92", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.4", "titre_corps": "Traum am Abend", "titre_sommaire": "Traum am Abend", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "debut_caractere": 2364, "fin_caractere_exclue": 3927, "texte": "Traum am Abend\nKurt Heynicke\nDie kleine Stadt hängt an Waldbergen, kurzbeinige Obst-\nbäume steigen hügelhinab in die Gärten. Rote Dächer lächeln\nin das Grün, über blühende Rosen flattert Mädchenlachen, Der\nAbend tut seine Fülle auf,\nSie (im saftgrünen Grase, nackenverschränkt, lächelt hinauf):\nDu!\nEr (beugt hinab): Ja!\nSie (schließt die Augen):-Ich träume Dich!\nEr (fern): Ja! ; ;\nSie (heilig, springt auf): Komm!\nEr (müdlächelnd): Ja,\nSie (birgt hinter einem Rosenbusch, dringlich): Komm!\nEr (hebt schwerfällig): Ja doch. Ja,\nSie (springt hervor, hängt an ihn und tastet sein Gesicht):\nWoran denkst Du?\nEr: Nichts, o nichts!\nSie (schüttelt ihn): Liebster!\nE r (lächelt herb): Liebe!\nUhr schlägt spät, E&mmernis steigt, Sterne reigen.\nEr: Liebe, was bist du? (Schüttelt ihre Hüften,) Wo bist du?\nDu bist Liebe? Du? Du?\nSie (kniet und zieht ihn herab); Alles bin ich. Die Nacht will\nwerden,\nEr : Fern in Wäldern gleitet ein schwarzer Vogel. Der ist\nmeine Seele, Ich finde dich nicht,\nSie (weibsehnsuchtsverträumt): Ich singe dich schlafen an\nmeiner Brust. Jasmin überblüht uns. Ich will dir Blüte sein!\nEr: Traum in den Mainächten greift meine Hände. Fremde\nSeelen sind meine Geschwister, Ich wohne nicht hier. Geh!\nfStille schwingt. Glocken ringen häuserher.)\nDer Jasmin: Wir sind die Brücke aus Frühling und Sommer\nEin herbes Schwert ist unser Duft, Seele\nsind wir, Liebende zu umschlingen.\nEr 112\n0 . } {lauschen bange.)\nbi e J\nDer Jasmin: Wir betten die Sehnsucht in Träume.\nSterne umfluten die weltweiten Räume\nDein«* Seele ist Raum,\nblühe Sterne wie wir! ."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 517, "texte": "Sie': | (knien hauptgebeugt, lauschen):: Du?\nEr: j Wir träumen,\nDi e Rosen: Leiser Wind ist unser Bote gen Abend.\nDuftreich verweben wir Stunde und Zeit.\n(Eine Rose entblättert, rotblutend ins grüne Gras.)\nDie Blätter der Rose : Die Stunde verblüht\nAugenblick glüht\nJung ist der Tod.\nBlühet die Stunde!\n(Stille schwingt die Weit. Eine Geige- singt aus den Gärten.)\nSie (hebt ihr Gesicht in seine Augen. Tief.): Du!\nEr (glanzäugig): Ja!\n(Sie beugen sich zu, ihre Lippen pressen, ein Stern fällt in\nden Schoß der Erde.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.4", "debut_caractere": 519, "fin_caractere_exclue": 2074, "texte": "Gedichte\nLothar Schreyer\n\nFrei\nIch fliege\nDu stirbst mein Glück\nIch rausche\nSelig sinken die Tiere\nMein Mensch\nKreisen Weichten blitzt der Himmel\nSonnenunter\nSonnenunter\nJauchzend splittert Liebe Tode\nWehen\nStrahl Du Strahlen\nAuf\nAuf\nDu lebst mein Glück\nIch stürme Mich Mensch\nRasen Ringen Ragen\nBricht der Ring\nRausch\nFlug\nSteilen Stäuben\nWeglos\nZeitlos\nDuios\nIchlos\nLicht\n\nArme Menschen\nLiebe Wir\nHaß Wir\nBären Wir\nTöten Wir\nWirren Wir\nNehmen Wir\nGeben Wir\nRingen Wir\nNichten Wir\nRing Wir\nNichts Wir\nNacht Wir\nLicht Wir\nSehnen Wir\nKraft Wir\nWerden Wir\nWollen Wir\nWirren Wir\nLust Wir\nLaster Wir\nGott Wir\nErde Wir\nMüssen Wir\nMüssen Wir\nAlle Wir\nAll Wrir\nWir\nMuß\n\nGrab\nLeiche Du in Erde'\nRolle Du\nTräne über Dir\nErde über Dir\nBlume über Dir\nErde wiegt die Blume Du\nT ränenlicht\nSchweigen Leichen\nSchweigen Menschen\nErde rollt Du\nDonnert Wiege\nDurch die Himmel\nAuf\n\nStille Stunde\nWeiches Schweben streicht mein Herz\nDeine Augen schatten\nWellen fließt Dein Haar zum Licht\nWeiter Sang\nNimm mein Herz in Deinen Schoß\nNimm mein Auge in Dein Herz\nDunkle Lichter wellen\nHerzen fliegen\nWeit\nDu klingt\n\nTänzerin\nSchenkelnackt\nS c h wank e b ru s t\nRinge hell Haare hell Fuß\nKinderschoß\nHüftenhauch\nFangen die Spitzen der Zweige\nKnospen die silbernen Glocken\nLippen Du\nLocken Du\nMädchenhaut\nFängt Dich der Knabe\nNie\nHältst Du den Knaben\nNie\nWehen die Flügel «\nFort\nFliegen die Sterne\nFort\nHin\n\nSchmerz\nNirgend komme ich\nNirgend gehe ich\nNiemand bin ich\nAlle Menschen kommen\nAlle Menschen gehen\nNiemals bin ich\nImmer kommen Menschen\nImmer gehen Menschen\nMenschen sind"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ist Proteus\nnicht das beneidenswerteste aller Wesen? Oh, dieser eigne\nLeib, dieses Gefängnis, diese Isolierzelle! Diese stehenbleibende\nGrimasse und Fratze! Wenn Einem derselbe Tropfen immer\nwieder auf den Schädel fällt; man denselben Ton unaufhörlich\nhört; und sei es die schönste Melodie, man kriegt sie endlich\nsatt; wenn sie sich tagtäglich wiederholt. Wie hält man das aus!\nAh, man hält es eben nicht aus — man stirbt; dies ist gewiß der\neigentliche Grund des Todes. Man würde nie sterben, wenn\nman sich in immer neuen Gestalten tummeln dürfte; vielleicht\nist der sogenannte Tod nur Metamorphose, aber unkontrollier-\nbare, unwillkürliche, in finstres Geheimnis getauchte?\" —\nDer Herr, der so grübelte, saß in einem hellgelben Nanking-\nAnzug auf einem mausgrauen Biedermeiersofa, Die Wände des\nZimmers waren lila tapeziert. Auf einem runden Tischchen\nstand ein Rauchservice; aber Bolko rauchte nicht; er quälte sich\nmit derartigen Gedanken. Aus dem Glasscheibenschrank blitzte\ngolden seine Märchenbibliothek. Seine Phantasie hatte sich\ngegen drei Jahrzehnte mit Wundern überfüttert, und nun fand\ner sein Leben immer monotoner; er sehnte sich verzweifelt nach\nAbwechslung, Verwandlung, Ueberraschung. Er ging zu so-\ngenannten Zauberern, in deren Vorstellungen; in Läden, wo\nZauber-Apparate feilgeboten wurden; in Jahrmarktsbuden mit\nmagischen Theatern, Er besuchte Hypnotiseure, hysterische\nFrauen, Irrenhäuser und Kultusstätten, Er las die Mystiker und\nMythologen. Schließlich ging er auf Reisen, welche ihn bis\nIndien und Tibet führten; mit dem Resultate, daß er allen Zauber\nfaul, hokuspokerig, schwindelhaft fand. Ein alter Mann, der es\ngut mit ihm meinte, weil er die Not seines Herzens erkannt hatte,\nverwies ihn auf das Studium der Physik, Aber von dort aus\nverlor er sich leider in müßige Spielereien, zuletzt in alche-\nmistische Fiktionen, Schließlich wußte er sich keinen Rat mehr;\ner resignierte, stagnierte, wurde spleenig. Mitunter schlief er\neine Woche lang ein. Er zitierte oft Leopardis: „Nichts lebt, was\nwürdig wäre deiner Regungen!\" Und nur der Gewohnheit fol-\ngend, ging er noch mitunter in ein Variete oder eine ähnliche\nVeranstaltung.\nAuch heute, um die 9. Abendstunde, griff er nach Stock\nund Hut, um sich wenigstens eine imaginäre Abwechslung zu\ngönnen. Als er melancholisch durch die Straßen schlenderte, in\nder Hoffnung, etwa ein neues Kino, einen neuen Schwindel zu\nentdecken, fühlte er sich plötzlich an seinem Rockärmel ge-\nzupft. Ein blutjunges Mädchen von etwas verhungertem Aus-\nsehen blickte ihn flehentlich an, ohne etwas zu sagen. Bolko,\nerotisch längst blasiert, wollte seinem Geldbeutel eine Münze\nentnehmen — allein das Mädchen wehrte ab. Wie? fragte er,\nist es etwa zu wenig? — Oh nein, ich danke Ihnen sehr, mein\nHerr, versicherte das Mädchen. Aber mein Vater bemerkte Sie\nsoeben und schickte mich zu Ihnen, damit ich Sie zu ihm hole.\nEr ist gelähmt. Er hat viel von Ihnen gehört, und als er, am\nFenster sitzend, Sie unten vorbeigehen sah, bestand er so heftig\ndarauf, daß ich Sie zu uns hinaufbäte, daß ich mich dazu ent-\nschließen mußte. Bitte enttäuschen Sie den alten Mann nicht;\nkommen Sie mit mir. Es ist ungewöhnlich; aber mein Vater\nbehauptet, Sie lieben gerade das Ungewöhnliche, und Sie würden\nbei ihm noch viel Ungewöhnlicheres finden. Bolko war eigen-\ntümlich berührt, fast unangenehm. Was ihn aber bewog, die\nAufforderung nicht unwirsch abzulehnen, war die unter dem\nbetrachtenden Blicke sich immer überwältigender hervortuende\nSchönheit des Mädchens, schöner noch dadurch, daß sie durch\nElend verkümmert schien und die Phantasie zur idealisierenden\nVollendung zwang. Woher kennt mich denn Ihr Vater? fragte\ner, indem er sich schon zu folgen anschickte. Mein Vater ist\nOptiker gewesen; er kam früher oft mit einem älteren Herrn,\neinem Ihrer besten Freunde, dem Professor B, zusammen, dem\nbekannten Physiker, Ich erinnere mich, daß Ihr Name öfters\nerwähnt wurde. Der Professor fand Sie phantastisch, während\nmein Vater sich Ihrer annahm, Sie gegen ihn verteidigte, Um\nwas es sich handelte, habe ich nicht verstanden. Mein Vater\nbeschäftigte sich besonders mit der Fabrikation von Spiegeln,\nSie langten vor einem schmalen, niedrigen Häuschen an,\ndas zwischen riesigen Mietskasernen stand. Ueber einen Fenster-\nsims des ersten Stockwerks hatte sich ein alter Mann gebeugt.\nEr winkte hinunter. Mein Vater, sagte das Mädchen, und\nöffnete die mit Eisenstäben vergitterte Glastür, Sie schritt mit\nleichter Anmut voran. In einem geräumigen Wohnzimmer am\nFenster saß der Alte auf einem hohen Lehnstuhl. Er grüßte\nfreundlich: Meine Tochter wird mich entschuldigt haben, daß\nich Ihnen nicht entgegengehe. Bolko reichte dem Alten die\nHand und rückte sich einen Stuhl in seine Nähe. Welches\nmerkwürdige Greisenantlitz! Voller Geist, Gemüt und Energie,\nAus den hellen, klaren Augen sprach erfinderischer Verstand,\nKann ich Ihnen in irgend einer Weise dienen? fragte Bolko,\nDer Greis schickte seine Tochter hinaus: Bringe uns eine Auf-\nwartung, Melitta! Ich habe Ihren väterlichen Freund, den Pro-\nfessor B, gekannt, begann der Greis, Er erzählte mir manchmal\nvon Ihren Ideen, von Ihren Träumen und. Wünschen, Wir kamen\ndarauf, weil ich mich mit ähnlichen Ideen, aber mehr physika-\nlisch, trug und noch trage. Mir ist auch Einiges gelungen, was\nich Ihnen anvertrauen möchte. Ich sah Sie früher oft, ohne daß\nSie von mir wußten. Wäre nicht unser Unglück gekommen,\nmein Bankerott (ich lebe von dem, was unsere Gläubiger mir\nbewilligen, da sie auch jetzt noch auf eine Erfindung hoffen);\nder Tod meiner Frau, meine Lähmung, so wären wir längst mit\neinander bekannt, Sie haben wohl Ihre alten Hoffnungen auf\ndie Möglichkeit leiblicher Verwandlung längst ad acta gelegt?\nAch, sagte Bolko, es scheint so, als ob wir resignieren könnten,\nAber wie erwachen sofort wieder alle scheintoten Hoffnungen,\nwenn man uns, wie soeben Sie, mit dem Schatten einer Erfüllung\nwinkt, Haben Sie denn wirklich etwas gefunden? Die\nZimmertür öffnete sich. Melitta servierte lieblich, sie hatte eine\nzierliche weiße Schürze umgebunden, Tee und Kakes. Melitta,\nbat der Greis, ich möchte in die Werkstatt; aber jetzt wollen\nwir uns erst erfrischen, Bitte, mein Fräulein, Bolko erhob sich\nund bot Melitta einen Stuhl an, wollen Sie uns nicht Gesell-\nschaft leisten? Melitta setzte sich lächelnd. Der Alte blickte\nvon Bolko zu Melitta. Man genoß eine kleine Weile schweigsam\nden Tee. Ohne Melitta, rief dann der Alte, wäre ich verloren.\nGlauben Sie ja nicht, daß sie mir nur mechanisch zur Hand, geht,\nSie ist meine richtige Mitarbeiterin, hat tüchtige, wenn auch\nmehr praktische als theoretische Kenntnisse in der Physik,\nbesonders Katoptrik. Nun, meinte Bolko, eine junge Dame\nbeschäftigt sich gewiß gern mit Spiegeln, besonders wenn sie\nähnlich wie Narziß von ihrem Abbilde angezogen wird. Ach,\nsagte Melitta, was Vater aus Spiegeln hervorzuzaubern versteht,\nist so interessant, daß ich gar nicht auf die gewöhnlichen eitlen\nGedanken verfallen kann. Ich möchte offen gegen Sie sein*\nsagte der Alte bedächtig und stellte seine ausgeleerte Tasse hin,\nich begehe ein Unrecht, wenn ich Melittas sehr zarte Gesund-\nheit meinen Experimenten aufopfere; das ist mit ein Grund,\nweswegen ich Sie zu interessieren suchen mußte. Denn sehen\nSie, wie es zu gehen pflegt; unsere Unterstützung reicht nicht\nhin, um zugleich meine Sache und unser leibliches Wohl zu\nfördern. Meine Versuche kosten mehr Geld als ich verant-\nworten kann. Sehen Sie, daher hoffte ich, wenn Sie das bischen\nErreichte anerkannten, daß Sie vielleicht zu mäzenatischer\nBeihilfe geneigt sein möchten? Mein Herr Melitta kam\nBolkos Antwort rasch zuvor, — nehmen Sie Vaters Worte nicht\nso ernst! Es ist schon eine typische Wendung bei ihm geworden*\nEr möchte natürlich gern wie früher im größten Stil operieren\nund fahndet immer nach Möglichkeiten. Mit Recht, Fräulein\nMelitta! Ich finde es empörend, daß die Gläubiger, da sie doch\nHoffnungen auf Ihren Vater setzen, ihn unzulänglich finanziere»;\nmöglicher Weise sind sie mehr seine als er ihr Schuldner; ich\nwenigstens habe das günstige Vorurteil; daß es sich um eine\nunerhörte Erfindung handelt. Sie sollen aber nicht, sagte der\nAlte, Vorurteilen, sondern urteilen, Melitta, rolle mich ins"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8692, "texte": "Laboratorium! Gestatten Sie — Bolko sprang auf und ergriff\ndie Rückenlehne des Armsessels. Wohin ist der Stuhl zu trans-\nportieren? Melitta öffnete eine Tür, die auf einen kleinen\nKorridor führte. Hier gegenüber ist unser Arbeitsraum.\nBolko, der den Stuhl vor sich herrollte, empfing einen\neigentümlich trostlosen und zugleich feierlichen Eindruck. Der\nRaum, von der Größe eines kleinen Saales, war schwarz ge-\ntüncht; auch Decke und Fußboden. Eine einzige Scheibe aus\nKristallglas bildete, vorhanglos, das Fenster. Man unterschied\nim übrigen einen Tisch mit milchweißer Platte auf schwarzen\nBeinen, einige schwarze Schemel, ein schwarzes Regal und\neinige Apparate von der Form eines Szioptikons oder einer pho-\ntographischen Kamera. Aus der Mitte des Plafonds über der\nTischplatte ragte eine schwarze Röhre. Das ist nach meinen\nAngaben eingerichtet. Ich wollte, man könnte die Luft in\ndiesem Räume schwarz färben. Für optische, besonders katop-\ntrische Experimente ideal! Läßt sich rasch total verfinstern,\ntotal erhellen; nichts stört, nichts lenkt ab, Bitte setzen Sie\nsich an den Tisch. Und Melitta, Du bist so gut und rollst den\nSpiegel herauf. Melitta ergriff eine metallene Kurbel und drehte\nsie wiederholentlich um, man hörte ein surrendes Geräusch in\nder Tiefe. Aus dem Fußboden, parallel zum Fenster an der\nWand gegenüber, stieg langsam eine ungeheure Spiegeltafel bis\nzur Decke empor; auch an den Wänden schloß sie dicht an. Der\nRaum hatte sich verdoppelt, Bolko stieß einen Ruf des Ent-\nzückens aus. Er galt der makellosen Reinheit des Spiegels,\neiner so durchsichtigen Reinheit, daß sie substanzlos schien, ein\nspiegelblankes Nichts, eine ätherische Reflexion. Gib einen\nHammer, Melitta, forderte der Alte, gib ihn dem Herrn. Bolko\nwar erwartungsvoll; er empfing aus Melittas Händen einen\nschweren eisernen Hammer. Versuchen Sie nun, rief der Alte,\nden Spiegel zu zertrümmern! Was? zögerte Bolko, nie und\nnimmer! Das wäre ein Verbrechen! Es kann nicht Ihr Ernst\nsein? Mein vollster Ernst! Vertrauen Sie mir: Es ist unmöglich,\ndaß Sie den Spiegel zerbrechen. Versuchen Sies! Bolko tippte\nvorsichtig an den Spiegel; man hörte keinen Ton. Ach bitte,\nsagte Melitta, schlagen Sie getrost so kräftig wie möglich zu;\nes macht nichts. Bolko holte zum Schlage aus; der Hammer\nflog ihm mit voller Wucht aus der Hand, fuhr in den Spiegel\nhinein, man hörte ihn hinter der Spiegelfläche niederpoltern; er\nwar verschwunden; aber der Spiegel glänzte in unversehrter\nBlankheit, Unwillkürlich hatte sich Bolko vorgebeugt, um den\nentglittenen Hammer zu erhaschen, dabei verlor er sein Gleich-\ngewicht und stürzte vornüber mitten in den Spiegel hinein. Er\nhatte die Empfindung einer elastisch flüssigen Masse. Melitta\nzog ihn resolut zurück. Der Spiegel, in dem sich* ein tüchtiges\nLoch gebildet hatte, schloß seine zerrissene klare Haut Zusehens\nwieder zusammen, er gerann gleichsam wieder, seine Fläche\nzitterte ein paar Mal wellenartig hin und her, dann spannte sie\nsich in unberührter Reinheit wieder aus. Bolko war tief ent-\nzückt. Aus was ist der Spiegel, fragte er. Seien Sie von jetzt\nan gänzlich unbesorgt. Ich bin so durchdrungen von der Wich-\ntigkeit und Wirksamkeit Ihrer Experimente, daß ich Ihnen mein\nVermögen mit Freuden zur Verfügung stelle. Aber weihen Sie\nmich ein! Aus was ist dieser Spiegel? Ich danke Ihnen, sagte\nder Alte, ich fühlte, daß es Ihnen um die Sache geht, und gewiß\nsollen Sie eingeweiht werden. Aber Geduld! Es handelt sich\nhier um sehr schwierige chemische Analysen, um einen zäh-\nflüssigen, gummiartigen Stoff, mit welchem das Quecksilber\namalgamiert wird, ein Nonplusultra zugleich an Elastizität, wie\nSie sehen. Das ist aber noch lange nicht Alles. Unser Spiegel\nleistet mehr, viel mehr. Bevor ich Ihnen die Wunder erkläre,\nwill ich sie Ihnen erst zeigen. Diese seifenblasendünne elastische\nSpiegelhaut kann ebenfalls wie eine Seifenblase irisieren.\nMelitta, verfinstere das Zimmer,\nWährend unter Melittas Händen eine schwarze Wand sich\ndicht vor das Fenster schob, klagte der Alte beweglich, daß er\ngelähmt wäre. Ohne alle diese gräßlichen Hemmungen, bester\nHerr — wie hätte ich längst meine Erfindungen, welche auf\neiner bestimmten Linie, in einer gewissen Richtung, akkurat\nnämlich der leiblichen Selbstverwandlung auf künstlichem Wege,\nmittelst Spiegels, liegen, vervollkommnet! Das verfinsterte\nZimmer war jetzt künstich beleuchtet und zwar in farbloser\nHelle. Nunmehr, sagte der Alte, färben wir den Spiegel. Er\nhantierte an einigen am Tischrande befestigten Knöpfen. Der\nSpiegel glühte prächtig in bunter Schillerung auf. Sodann durch-\nlief er sämtliche Färbungen der Reihe nach vom dunkelsten\nIndigo über blau, grün, purpur, orange hinweg, bis zum blasse-\nsten Gelb. Sie sehen, der Spiegel nimmt sämtliche Farben mit\nLeichtigkeit an. Indessen kann auch ein und dieselbe Farbe\nverschieden sein, je nachdem sie an verschiedenen Stoffen er-\nscheint; und auch diese Verschiedenheit, diese Skala der Textur,\nist der Spiegel im Stande, nachzuahmen. Schauen Sie her!\nDie Spiegelfläche schien aus rotem Atlas, sie verwandelte sich\nin roten Samt, rotes Leder, rotes Leinen, roten Marmor, kon-\ntinuierlich in jede nur mögliche Nüance der Textur. Ganz herr-\nlich! Meisterhaft! bewunderte Bolko. Aber bitte, wehrte der\nAlte ab, das ist ja noch gar nicht erstaunlich! Farbige Beleuch-\ntung — es gab, es gibt ähnliches, wenn man auch die Technik\nder Textur-Imitation dabei vernachlässigte. Gesetzt, Sie hätten\ndie armseligste Zimmereinrichtung, das proletarischste Interieur,\nso kennte diese Beleuchtung seidene Tapeten, Sammetgardinen,\ngoldenes Tafelgeschirr auf Damastgedeck hervorzaubern, mar-\nmornen Fußboden, Ebenholzplafond. Es wäre etwas für die\nBühnen-Regisseure, nicht wahr? — Immerhin aber ist es nicht\ndas, was ich als Verdienst für mich in Anspruch nehme. Ich\nberücksichtige die Variationen der Färbung und Textur eigent-\nlich nur der Form zuliebe; ich variiere die Gestalt des Spiegels\nund dadurch diejenige der Spiegelbilder. Melitta, den Proteus!\nMelitta rückte den szioptikonähnlichen Apparat heran, der\neine Tastatur mit Zeigerwerk aufwies. Schalte den Spiegel an,\nkommandierte der Alte. Nun sehen Sie, hierdurch beherrsche\nich jeden nur möglichen Formen-Reichtum, sei es in kopieren-\nder, sei es in frei erfindender Manier. Ein schöpferischer\nKünstler, der sich, statt des Pinsels oder Meißels, dieses Appa-\nrates bediente, würde im ätherischen Material der Reflexion\nsein Werk hervorzaubern. Oh, da ist mir noch vieles dunkel,\nsagte Bolko. Das glaube ich gern, stimmte der Alte zu. Es soll\nIhnen aber bald klar werden. So zahlreich die möglichen For-\nmen sind, so gibt es doch nur wenige Elemente. Der Raum ist\nuns gegeben, und die Arten, ihn zu begrenzen, sind leicht über-\nsehbar. Ich wölbe den Spiegel oder platte ihn ab und kann\ndieses Beides auf zahllose Weise tun. So beherrsche ich Farbe,\nForm, Textur und damit das gesamte Reich des Gesichts. Dieser\nApparat nun hier, welchen ich Proteus nenne, ist empfänglich,\nsensibel, für alle, auch für die Gesichtsempfindungen. Studieren\nSie Kant! Ein bewunderungswürdiger Erkenntnistheoretiker\nseines Schlages, E. M. weist mit überzeugender Schärfe nachv\ndaß die Sinnesempfindung nicht etwa nur von den äußeren\nGegenständen aus in der Richtung auf unser Gehirn, sondern\nmit ebensolcher Energie vom Gehirne aus nach außen hin, in\nder Richtung auf die Gegenstände erfolge. Von unserem Leibe,\nunserem Gehirn, speziell also auch vom optischen Nerven-\nzentrum aus, flutet ein mächtiger Empfindungsstrom ins Weltall,\nz. B. bis zur Sonne, also auch bis zur Sonne im Spiegel. Dieser\nEmpfindungsstrom durchbricht die Schädelkapsel, ebenso leicht\nwie die Materie des Spiegels. Mein Proteus nun leitet diesen\nStrom zum Spiegel hin, und der Spiegel gehorcht minutiös genau\nder ihm dadurch erteilten Direktive. Tastatur und Zeigerwerk\ndienen der eventualen Fixation aller erscheinenden Gebilde. In-\nwiefern es aber möglich sein sollte, das Gebiet der Optik zu\nüberschreiten und sämtliche Sinne in den Wirkungsbereich\ndes Apparates einzubeziehen, werden wir später sehen. Was\nwünschen Sie erscheinen zu lassen? — Das ist ja toll! Ich kann\nes kaum für möglich halten. Wenn ich Sie recht verstanden\nhabe, kann ich meine eigenen Phantasievorstellungen, vermittels\ndes Apparates in den Spiegel projizieren? Gewiß! Der Spiegel\nreflektiert, was Sie wollen, wenn Sie es nur gehörig anschaulich\nwollen. Geben Sie Acht!\nDie weiße Tischplatte vor uns bedeckte sich plötzlich bunt\nmit dem beweglichen Miniaturbilde der Außenwelt. Der Alte\nhatte an einer Schnur gezogen; die Röhre am Plafond über dem\nTische erwies sich als ein Linsensystem enthaltend, wie man es\nvon der camera obscura her kennt. Er stellte nun den Empfän-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6618, "texte": "Ger seines „Proteus\" genau auf das Bild ein, und sofort erschien\ndieses . . . aber man konnte nicht mehr sagen: im Spiegel;\nsondern der Spiegel, der Reflex nahm körperlich die Form der\nabgebildeten Dinge an. Es was- zauberhaft. Eine frei im Raum\nschwebende kleine W?elt. Bolko war begeistert. Seine Augen\nsuchten die Melittas und beide fanden sich in einem Blicke der\nBewunderung, der unwillkürlich einen Hauch Erotik atmete.\nIch rate Ihnen, sagte der Alte, Ihr eigenes Spiegelbild zu vari-\nieren. Ich erinnere Sie, daß Sie die Selbstverwandlung beab-\nsichtigten. Bolkos Ebenbild erschien in lebendig wallenden\nKonturen. Wie wünschen Sie es alteriert? fragte der Alte, das\nganze Menschen-, Tier-, Pflanzen-, ja Mineralreich steht Ihrer\nAuswahl zur Verfügung. Ich wähle das Fräulein Melitta, sagte\nBolko und griff leidenschaftlich nach Melittas Hand. Melitta\nwich erschreckt zurück. Was soll das, stieß der Alte hervor.\nSuchte ich denn nicht mein anderes Ich, erregte sich Bolko.\nHier in Melitta habe ich es gefunden. Vergeben Sie mir Beide!\nIn diesem Rausch der Begeisterimg fühlt meine Sehnsucht sich\nendlich am Ziel. Ich fühle, daß ich Melitta will. Ich will sie,\nd. h. ich möchte sie selber sein! Ich möchte mich in nichts\nverwandeln als in Melitta. Wie könnten Sie mir das verargen?\nIst es so gemeint? rief der Alte. Ei, das ist ein sonderbares\nExperiment. Aber wie denkt meine Melitta darüber? — Oh\nFräulein Melitta, ich hätte nicht den Mut gefunden, mich zu\nwenn ich ihn nicht aus jenem Blicke des Einver-\nständnisses hätte schöpfen dürfen. Ich bitte Sie im Beisein Ihres\nVaters um Ihre Hand. Melitta, statt aller Antwort, umarmte\nihren Vater; dieser aber gab sie mit sanfter Gewalt in die sich\nöffnenden und um das Mädchen zusammenschließenden Arme\nBolkos. Die Lippen fanden sich im ersten Kuß, Dann! um-\narmten die Beiden den Vater. Und ich will Ihr gehorsamster\nLehrling sein, lieber Vater, gelobte Bolko. Gut denn! Aber\nKinder, experimentieren wir doch weiter. Sie wollen die Hand\nmeines Mädchens, lieber Bolko? Und doch hatten Sie etwas\nBesseres, etwas Vollendeteres im Sinn als dieses konventionelle\nSichkriegen in einer Ehe. Sagten Sie nicht, Sie wollten Melitta\nsein, und willigte Melitta nicht in diese Vereinigung — möchtest\nauch Du nicht lieber er sein als Du? Vater! Vater! Du hast\nimmer nur Experimente im Kopf, auch wenn es sich um mein\nGlück handelt. Ich darf es sagen, ich hätte Dich, Bolko, nicht\nso formlos von der Straße geholt, wenn es mir nicht längst um\nDich zu tun gewesen wäre; ich kenne Dich längst, Bolko\njauchzte. Aber trotzdem möchtest Du nicht lieber ich sein als\nDu; während ich so gern in Dir aufgehe und den Bolko in Dich\nverwandeln möchte. Ach, Bolko, doch! Solche Wünsche sind,\nwenn man liebt, immer gegenseitig. Und glücklicherweise, er-\nklärte der Alte geheimnisvoll, sind sie hier einmal vollends zu\nverwirklichen. Wie das, bester Vater? erkundigte sich Bolko,\nGenau so! gab der Alte zurück und machte sich am Apparate\nzu schaffen.\nBolkos Spiegelbild nahm immer deutlicher Melittas Gestalt\nund Züge an. Bolko lachte vor Freude. Nun umgekehrt, lächelte\nder Alte; und tr ans figurierte Melitta wieder in Bolko. Genug\njetzt, Vater, bat Melitta, wir feiern heut' unser Verlöbnis. Der\nAlte aber bestand mit eigensinniger Hartnäckigkeit auf Been-\ndigung des Experimentes, und Bolko sekundierte ihn gegen\nMelitta, so daß sie sich fügte. Denn es lief doch, eiferte der\nAlte, auf die wirkliche leibliche Selbstverwandlung hinaus. Zu\ndiesem Zwecke genügt das rein optische Darstellen nicht; wir\nmüssen alle anderen Empfindungen, besonders das Getast, hin-\nzuziehen. Und dieses Experiment verspricht um so eher zu\nglücken, als in unserem Falle ja die innerste Gemütempfindung\nsein Gelingen herbeisehnt. Haben Sie, lieber Bolko, jemals den\nEinfall gehabt, die Rückwirkung des Spiegelbildes auf das\nOriginal zu bedenken? Jawohl, das Aussehen des Menschen\nwäre ohne den Spiegel gewiß ein anderes. Der Spiegel übt eine\ndrastische, das Original verändernde Wirkung aus. Ich habe\ndiese Wirkung gründlich erforscht und bin dadurch in den Stand\ngesetzt worden, die Ursache in ihrer Energie vielfach zu inten-\nsivieren. Alle Empfindungen sind die spiegelhaften Reflexe\nunserer eigenen Projektionen. Und wer in das Geheimnis dieser\nReflexion nicht nur optisch, sondern auch akustisch, osphresio-\nlogisch, in jedem Sinne, bis in das Getast eingedrungen ist, der\nvermag durch die erhöhte Wirksamkeit des Reflexes das Ori-\nginal selber zu ändern. Das ist mir gelungen. Das erst ist meine\neigentliche Erfindung, mit der ich Euch vertraut machen möchte,\nMelitta, in einer bangen Ahnung, widerriet diesen versuche-\nrischen Versuch, Aber der Alte und Bolko ließen nicht locker*\nbis sie ihre Zustimmung gab.\nIm Spiegel verschmolzen jetzt Melitta und Bolko zu wunder-\nsamer Vereinigung in einem Geschöpf, das, in sich selber hin\nund her schwingend, bald mehr Bolko, bald mehr Melitta zu sein\nschien. Der Alte drehte ein paar Schrauben am Apparat, be-\nwegte ein paar Griffe, Melitta seufzte tief auf, sie näherte sich,\nwie magnetisch angezogen dem Bolko, Ein sonderbarer Angst-\nschrei aus zwei Kehlen dann in einem Wonnelaut zusammen, Die\nvöllige Vereinigung der Liebenden in einem einzigen Leibe er-\neignete sich vor den Augen des entzückten Alten, Die Klei-\ndungsstücke des vormaligen Paares bildeten eine grotesk ent-\nstellende Verwirrung, Meine Kinder, sagte der Alte, werdet\nIhr mir vergeben, wenn ich Euch eine (vielleicht aber für Euer\nHeil nicht nur nicht schlimme, sondern notwendige) Verlegen-\nheit eingestehe: ich kann Euch nicht mehr trennen. Himmlisch!\nrief die Gestalt, von der es unbestimmbar bleibt, ob sie Melitta\noder Bolko heißen darf. Die glücklichste Vermählung hatte\nstattgefunden, eine unter Menschen unerhörte Hochzeit,\nAber wie langweilig war die Brautnacht, welche darauf\nfolgte! Die gegenseitige Begierde ist nett neutralisiert, wenn\nman in der Tat eins geworden ist. Gibt es keine eigentliche\nWollust der Vereinigung; so gibt es aber dafür auch keinerlei\nSchrecknis der Entzweiung. — Der alte Vater erfreut sich des\ngehorsamsten Kindes, Großvaterfreuden sind ihm freilich ver-\nsagt. Sehr lachten die drei oder vielmehr zwei über die Forma-\nlitäten des Polizeiausweises und des Standesamtes. Der Fai\nwar einzig, er kam vor den Reichstag. Der ärztliche Sachver-\nständige, Herr Dr. Wilhelm Gließ, behauptete, das Geschlecht\ndieses neuen Hermaphroditen wechsle ähnlich ab wie die Phasen\ndes Mondes; er sei bald Bolko, bald Melitta. 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Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nGjeheftet 2 Mark\nKreisdes Anfangs / Frdhe Gedichte\nQelieftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nM o r d e r H o f f n u n g der F r a u e n\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe verffriffeu\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischeji\nEmpfindung u nd seine L o sung\n4. 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August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aagc yon Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge I VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aagc *on Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\njedes Stunnbuch 90 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c037", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.11", "debut_caractere": 3240, "fin_caractere_exclue": 3884, "texte": "Musik\nHerwarth Walden\nGesammeite Tonwerke\nDaun Vergeltung / Verdainmnis\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFiir Gesans und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbieturig / Werk 92\nDichturig von Richard Dehme!\nFiir Gesans: Und Klavier f 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbijce Urnschlagzeichnunjc von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier I 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c038", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.11", "debut_caractere": 3886, "fin_caractere_exclue": 3994, "texte": "Handdrucke\nOskar Kokoschka:\nschrift der Sturm\nAbzug 3fl Mark\nP1 a k a t fur die Zeit-\n/ Originallithographie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c039", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.11", "debut_caractere": 3996, "fin_caractere_exclue": 4631, "texte": "Sturm-Kartea\nJede Kart? 2© Pfennig.\nNach Gemalden. 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August Stramm\nII. Herwarth Waldea\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf BlUmner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblk*w%\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Miinf*r\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Netl Waldeti\nXV- Mynona\nXVI. Kurt Heynick*\nXVIII. William Wauer\nXX. 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Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kan din sky I\nGeorg Muqhe / Fritz Stuckenberg / William\nWauer / Nell Walden\nDER STURM\n▼ertritt fur Deutschland folgende Kiinstler\nand verlugt fiber ihre Werke zum Verkaui\nund fur Ausstellungen:\nGfrsta Adrian-Nilsson / Alexander Archi-\npenko I Fritz Baumann / Vincenc Benes /\nUmberto Boccioni / Carlo D. 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Oktober; Sancta Susanna\n3. Dezember: Sancta Susanna\nNur vor Mitgliedern des Vereins Sturm-\nbiihne\nAuimeldungen zur Mitgiiedschait werden auch hjkl\nStorm entgegengenommen\nNeuanzeigeri Der Sturm\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Wal-\nden / Lothar Schreyer / Rudolf Blumner /\nRudolf Bauer / William Wauer / M.ax Ver-\nworn I und anderen\nMit 140 Abbildungen / zum Tell ganzseHig\nnach Bildern und Bildwerken samtlicher\nKiinstler des Sturm / der Urvolker und der\nVolkskunst / Mit mehrfarbigen Beilagen\nFarbige Umschlagzeichnung von William Wager\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museums-\nausgabe mit Originalen Nummer 1—10\nM 200- Nummer 11—50 M 100—\n%\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedicfote\nDas Buch enthalt die Gedickte, die Ru~\nd o 1 f B 1 ii m n e r an den S t u r m-A b e\nden vortragt\n4 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 60 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nVierte und fiinfte Folge erschienea\nHerwarth Walden: EinMick in Kimst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Gc-\nmaiden der Sturm-Kunstler\n2wciic Auflage\n5 Mark\nStnrm-Bftlderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der\nh Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenko\n4 Mark *\nHI: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-10-15-01-c049", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-10-15_01#c049", "volume": "bmtnabg_1918-10-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.12", "debut_caractere": 4158, "fin_caractere_exclue": 4443, "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommec\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sterns\nftind signierte and numerterte Handdruclre\nyon den meisten Zeichnangen K unstdr ccke\nkauflicb zu erwerben. Die Originate sind ve*«\nkauftich.\nAusiuhrliche Verzeichnisse des Verlags;\nDer Starm kostenlos"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN OKTOBER 1918\nSIEBENTES HEFT\n\nInhalt:\nAdolf Allwohn: Gedichte / Kurt Heynicke: Traum am Abend/Lothar Schreyer: Gedichte / Mynona: Die langweilige Brautnacht /\nWalter Mehring: Brunst der Erde / Sehhelle / Wilhelm Runge: Gedichte / Rudolf Bauer: Drei Zeichnungen\n\nRudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.2", "texte": "Gedichte\nAdolf Allwohn\n\nBlind\nEs ist alles blau und rot\nEinverarmter Himmel verzückt\nfiefumliebtes Blau rotrauscht\nTraum faltet ein\nSternestreicheln flüstert durchs Haar einen Kranz\nLicht tönt blau\nLeid ist rot\nUnd das Sterben ist so tief und selig tot\nUnd das Randen ist hart\nUnd der Rauch rätselt das blinde Umfinden\nIngottet das Stirnen verwolket versturmt\nInewigt das Blinden\nEs ist alles blau und rot\n\nBlühtod\nSchwert ist erdrückt\nGrausam umklauben Wände Grauwelten\nSchwert flammt tiefum singauf\nKauert Kraft erschlagen blüht umwürgt\nTod leert Zeit lächelt leicht\nZorn knieen wunden\nRaffblick reißt Bäume Schwert\nKleinstes blüht die Oeden\nUnd Sterben scheint die Himmel hinter Halden Hände\nUeber\nBitter fällt das Gebet\n\nErde\nDie grüne Wand steht am Gegitter der Zähne\nDer Boden wimmert starr in den Steinen\nDer Dreck leiert die Füße in ewigen Tönen tot\n0 Menschen Menschen Welt\nDas Haus steht bis an die Hüften im Wasser\nDie Straßen gehen leer in den Lüften\nRundherum müden sich stumme Sterne zu\nAch und ein blondes Streicheln wälzt die Weile\nWille wellen wellen\nBrünste brennen preisen\nUnd der Himmel ist eine große Kuppel\nUnd die Erde\nJa die Erde\nI\n\nLeid\nStaub hat die Liebe in den Tag gestoßen\nKalt hat die Härte in ein Krank entflackert\nReuen die Augen eine blinde Scham\nWehen die Wände ein armes Umarmen\nEinsamt im Dämmern ein lechzes Licht\nLeben im Dämmern viel Liebeleiden\nStirbt in die Mitte der Welt eine Seele zusammen\n\nIrr\nSonne blutet hart\nKalt duckt der Abend\nStrengtes Keuchen verknurrt unter froster Erde\nWange rostet knarr\nStarr steint der Himmel\nFremdes Dumpfen versplirrt unter ringer Kette\nMund sträubt heiser\nKraß krallt der Tierkreis\nSchreies Stielen versurrt unter eisern Stern\nV t\nHaar schrillt reck\nIrr bellt der Mond\nReißes Armen veralit unter wutem Gott\n\nSünde\nFreche Türme narren Gott\nGoldene Sonnen äugen Demut\nAbendlwände bücken blasse Hände\nLacht frech ein Spott\nMensch\nSeichte Lippen haschen Lecken\nBlaue Winde festen Fäuste\nFrühe Bäume starken tiefe Träume\nStolzt grins ein Kecken\nTier\nSchmeiße Worte härten Wut\nGraue Wolken röten Ende\nSchiuchte Tränen bangen glaubes Wähnen\nTiert Mensch in Glut\nTot\n\nGnade\nBrust schluchzt Klammern\nAtem zerfließt\nSchlaff zackt das Haar sunken\nTrunken rauschen Kniee tief\nZerstürzt\nStein mattet Winseln\nZorn wundet\nSchwach schlägt die Wimper Drecken\nRecken kraschpen Füße auf\nZerspellt\nHand weint Liebe\nSchatten weht\nZart streichen Sterne Gnade\nPfade sanften Bäumen hoch\nZersonnt\n\nGestillt\nHarsch Gebärde versinkend groß\nKopf an Brust\nTon tönt ein Herz\nGlanz glänzt ein Bang\nGeschick würgt herauf aus Ewigschoß\nVerschlagen an Brust schwer\nGott verschüttert\nGott geschmiedet\nHände weinen still weit\nAufgeklimme aus Qual gekniet in Gottbänge\nGestillt in Stirngnade\nFäuste geflüstert groß\n\nLiebe\nVielviel zerquellte Tropfen rufen Bluts\nLampe Kranzbogen\nBiegen Umweinen\nWarten Umbäumen\nSchimmert Mond durch die Augen\nFließen Schultern drin ein\nLiebe\nVielviel zerschlagene Brüste füllen Bluts\nNachten Blautrunken\nMünden Um würgen\nLichten Umdunkeln\nWerfen Hände durch die Leuchten\nSinken Küsse drin auf\nLiebe\n\nDu\nAugen sind Sterne\nSterne sind Augen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.3", "texte": "Na chthimmelüber\nGlanzhoch umkoren\nStrahltief verloren\nUeber\nTannen tragen Sterne in den Händen\nTannen ragen Sterne\nKüsse die Sterne!\nSterne sind Augen\nAugen sind Sterne\nDu\n\nFrieden\nHeimkehr aus den Welten sinkt ins Herz\nRügelstolzen hat sich weh gewundet\nUnendliches Weinen stürzt sacht in singenden Segen\nSchluchzt eine knieende Hand\nSeeletief\nvSeele du\nSeele ich\nSo wund so weh\nSchlafe meine Schläfe du Liebehand\nWiege meine Wege du Schlummerschoß\nDecken deine Flügel meinen Frieden zu\nDu\n\nNacht\nRuhe fließt in das weiche Moos\nKüssen breitet die zerdrückten Hände\nSinken verjubelt den schütteren Tag\nArm verirrt sich die Größe der Nacht\nDämmert auf ein dunkler See und totes Haus\nSchwarzes Feuer starrgesteinert Uferriesen\nNur manchmal noch betet ein Mondblick durch das Blinde\n\nAbend\nIn allen Augen dunkelt ein Gott\nEin Segel streicht über den Abendschoß\nSchlagen Wälder über die Augen zusammen\nGlanzauf Mensch Tag Gott\nDer Abend atmet das Mahl des Tags\nDer Wind welkt das wehende Weinen\nSeligkeit schluchzt über den zitternden See\nZagt ein Kuß zum Opfer des Lichts\nGott hat den Menschen in den Tag geleuchtet\nMensch hat den Himmel in den Gott gesegnet\nFeiern die Feuer ein Opfer-Erstehen\nWellt Welt über Abend den tagenden Mensch\nGott\n\nSommer\nBeten Augen eine Sonnenkraft\nRüttelt reiche Last der Hände\nBallt Pracht die Zähne in den Nacken\nSehnen dich fern\nSehnen dich nah\nBlau du\nThron jdu\nStürzen du\nSiedet ein Gold\nWald wandelt im Himmel heiß\nWallen Wipfel der Sonne\nSonne\nWelt weint in einer reichen Brust\n\nFrühling\nSonne stickt eine Faust\nBeugt rieslings den Kopf und sperrt\nDrang trinkt\nZerfließen zäumt schurzauf\nUnd flackernde' Bäume\nDer Mund mordet die Sonne\n; » . t\nLeib lebt nicht . I\nBang bengt\nStößt Siegsturm in die Tiefenweiten\nUnd Jauchzen sinkt\nv r\nDie Frühe zagt in die Sonne Blühen\nWärme kreist einen einzigen Ball\nRingt Kugel umeinander\nSingt See in einer Seele\nGelben Falterhände in die Ewigkeit\nBlau\n\nTanz\nNacht um blauheimliche Seen zu tanzen\nRote Nelken rote\nDer spitze Wind knistert die Scheiben kraus streichelkraus\nDas Dunkel hat die Läden schwarz geladen\nNacht zu tanzen\nLicht zu tanzen rote Blüten trillerleise falleblaue tiefe Brüste\nweit\nKuß ich\nHandlos klettert die Bäume blind\nWeiß flittert den Himmel\nTraum spritzt die springen Wellen knister leer\nRaum rauschen knieen Kopf\nSchwer weiten Blut blau\nAllüber tanzen tiefen Gott\n\nTraum am Abend\nKurt Heynicke\nDie kleine Stadt hängt an Waldbergen, kurzbeinige Obst-\nbäume steigen hügelhinab in die Gärten. Rote Dächer lächeln\nin das Grün, über blühende Rosen flattert Mädchenlachen, Der\nAbend tut seine Fülle auf,\nSie (im saftgrünen Grase, nackenverschränkt, lächelt hinauf):\nDu!\nEr (beugt hinab): Ja!\nSie (schließt die Augen):-Ich träume Dich!\nEr (fern): Ja! ; ;\nSie (heilig, springt auf): Komm!\nEr (müdlächelnd): Ja,\nSie (birgt hinter einem Rosenbusch, dringlich): Komm!\nEr (hebt schwerfällig): Ja doch. Ja,\nSie (springt hervor, hängt an ihn und tastet sein Gesicht):\nWoran denkst Du?\nEr: Nichts, o nichts!\nSie (schüttelt ihn): Liebster!\nE r (lächelt herb): Liebe!\nUhr schlägt spät, E&mmernis steigt, Sterne reigen.\nEr: Liebe, was bist du? (Schüttelt ihre Hüften,) Wo bist du?\nDu bist Liebe? Du? Du?\nSie (kniet und zieht ihn herab); Alles bin ich. Die Nacht will\nwerden,\nEr : Fern in Wäldern gleitet ein schwarzer Vogel. Der ist\nmeine Seele, Ich finde dich nicht,\nSie (weibsehnsuchtsverträumt): Ich singe dich schlafen an\nmeiner Brust. Jasmin überblüht uns. Ich will dir Blüte sein!\nEr: Traum in den Mainächten greift meine Hände. Fremde\nSeelen sind meine Geschwister, Ich wohne nicht hier. Geh!\nfStille schwingt. Glocken ringen häuserher.)\nDer Jasmin: Wir sind die Brücke aus Frühling und Sommer\nEin herbes Schwert ist unser Duft, Seele\nsind wir, Liebende zu umschlingen.\nEr 112\n0 . } {lauschen bange.)\nbi e J\nDer Jasmin: Wir betten die Sehnsucht in Träume.\nSterne umfluten die weltweiten Räume\nDein«* Seele ist Raum,\nblühe Sterne wie wir! ."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.4", "texte": "Sie': | (knien hauptgebeugt, lauschen):: Du?\nEr: j Wir träumen,\nDi e Rosen: Leiser Wind ist unser Bote gen Abend.\nDuftreich verweben wir Stunde und Zeit.\n(Eine Rose entblättert, rotblutend ins grüne Gras.)\nDie Blätter der Rose : Die Stunde verblüht\nAugenblick glüht\nJung ist der Tod.\nBlühet die Stunde!\n(Stille schwingt die Weit. Eine Geige- singt aus den Gärten.)\nSie (hebt ihr Gesicht in seine Augen. Tief.): Du!\nEr (glanzäugig): Ja!\n(Sie beugen sich zu, ihre Lippen pressen, ein Stern fällt in\nden Schoß der Erde.)\n\nGedichte\nLothar Schreyer\n\nFrei\nIch fliege\nDu stirbst mein Glück\nIch rausche\nSelig sinken die Tiere\nMein Mensch\nKreisen Weichten blitzt der Himmel\nSonnenunter\nSonnenunter\nJauchzend splittert Liebe Tode\nWehen\nStrahl Du Strahlen\nAuf\nAuf\nDu lebst mein Glück\nIch stürme Mich Mensch\nRasen Ringen Ragen\nBricht der Ring\nRausch\nFlug\nSteilen Stäuben\nWeglos\nZeitlos\nDuios\nIchlos\nLicht\n\nArme Menschen\nLiebe Wir\nHaß Wir\nBären Wir\nTöten Wir\nWirren Wir\nNehmen Wir\nGeben Wir\nRingen Wir\nNichten Wir\nRing Wir\nNichts Wir\nNacht Wir\nLicht Wir\nSehnen Wir\nKraft Wir\nWerden Wir\nWollen Wir\nWirren Wir\nLust Wir\nLaster Wir\nGott Wir\nErde Wir\nMüssen Wir\nMüssen Wir\nAlle Wir\nAll Wrir\nWir\nMuß\n\nGrab\nLeiche Du in Erde'\nRolle Du\nTräne über Dir\nErde über Dir\nBlume über Dir\nErde wiegt die Blume Du\nT ränenlicht\nSchweigen Leichen\nSchweigen Menschen\nErde rollt Du\nDonnert Wiege\nDurch die Himmel\nAuf\n\nStille Stunde\nWeiches Schweben streicht mein Herz\nDeine Augen schatten\nWellen fließt Dein Haar zum Licht\nWeiter Sang\nNimm mein Herz in Deinen Schoß\nNimm mein Auge in Dein Herz\nDunkle Lichter wellen\nHerzen fliegen\nWeit\nDu klingt\n\nTänzerin\nSchenkelnackt\nS c h wank e b ru s t\nRinge hell Haare hell Fuß\nKinderschoß\nHüftenhauch\nFangen die Spitzen der Zweige\nKnospen die silbernen Glocken\nLippen Du\nLocken Du\nMädchenhaut\nFängt Dich der Knabe\nNie\nHältst Du den Knaben\nNie\nWehen die Flügel «\nFort\nFliegen die Sterne\nFort\nHin\n\nSchmerz\nNirgend komme ich\nNirgend gehe ich\nNiemand bin ich\nAlle Menschen kommen\nAlle Menschen gehen\nNiemals bin ich\nImmer kommen Menschen\nImmer gehen Menschen\nMenschen sind"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.5", "texte": "Die langweilige Brautnacht\nMynona\n\n„Wer möchte sich nicht gern verwandeln? — In ein edles\nKavalleriepferd, ein schönes Mädchen, einen Husarenoberst, in\nWalter von der Vogelweide, eine Ameise oder einen Berg-\nkristall? — Ist es nicht entsetzlich, immerfort die selbe Form\nmit geringen Variationen beibehalten zu sollen? Ist Proteus\nnicht das beneidenswerteste aller Wesen? Oh, dieser eigne\nLeib, dieses Gefängnis, diese Isolierzelle! Diese stehenbleibende\nGrimasse und Fratze! Wenn Einem derselbe Tropfen immer\nwieder auf den Schädel fällt; man denselben Ton unaufhörlich\nhört; und sei es die schönste Melodie, man kriegt sie endlich\nsatt; wenn sie sich tagtäglich wiederholt. Wie hält man das aus!\nAh, man hält es eben nicht aus — man stirbt; dies ist gewiß der\neigentliche Grund des Todes. Man würde nie sterben, wenn\nman sich in immer neuen Gestalten tummeln dürfte; vielleicht\nist der sogenannte Tod nur Metamorphose, aber unkontrollier-\nbare, unwillkürliche, in finstres Geheimnis getauchte?\" —\nDer Herr, der so grübelte, saß in einem hellgelben Nanking-\nAnzug auf einem mausgrauen Biedermeiersofa, Die Wände des\nZimmers waren lila tapeziert. Auf einem runden Tischchen\nstand ein Rauchservice; aber Bolko rauchte nicht; er quälte sich\nmit derartigen Gedanken. Aus dem Glasscheibenschrank blitzte\ngolden seine Märchenbibliothek. Seine Phantasie hatte sich\ngegen drei Jahrzehnte mit Wundern überfüttert, und nun fand\ner sein Leben immer monotoner; er sehnte sich verzweifelt nach\nAbwechslung, Verwandlung, Ueberraschung. Er ging zu so-\ngenannten Zauberern, in deren Vorstellungen; in Läden, wo\nZauber-Apparate feilgeboten wurden; in Jahrmarktsbuden mit\nmagischen Theatern, Er besuchte Hypnotiseure, hysterische\nFrauen, Irrenhäuser und Kultusstätten, Er las die Mystiker und\nMythologen. Schließlich ging er auf Reisen, welche ihn bis\nIndien und Tibet führten; mit dem Resultate, daß er allen Zauber\nfaul, hokuspokerig, schwindelhaft fand. Ein alter Mann, der es\ngut mit ihm meinte, weil er die Not seines Herzens erkannt hatte,\nverwies ihn auf das Studium der Physik, Aber von dort aus\nverlor er sich leider in müßige Spielereien, zuletzt in alche-\nmistische Fiktionen, Schließlich wußte er sich keinen Rat mehr;\ner resignierte, stagnierte, wurde spleenig. Mitunter schlief er\neine Woche lang ein. Er zitierte oft Leopardis: „Nichts lebt, was\nwürdig wäre deiner Regungen!\" Und nur der Gewohnheit fol-\ngend, ging er noch mitunter in ein Variete oder eine ähnliche\nVeranstaltung.\nAuch heute, um die 9. Abendstunde, griff er nach Stock\nund Hut, um sich wenigstens eine imaginäre Abwechslung zu\ngönnen. Als er melancholisch durch die Straßen schlenderte, in\nder Hoffnung, etwa ein neues Kino, einen neuen Schwindel zu\nentdecken, fühlte er sich plötzlich an seinem Rockärmel ge-\nzupft. Ein blutjunges Mädchen von etwas verhungertem Aus-\nsehen blickte ihn flehentlich an, ohne etwas zu sagen. Bolko,\nerotisch längst blasiert, wollte seinem Geldbeutel eine Münze\nentnehmen — allein das Mädchen wehrte ab. Wie? fragte er,\nist es etwa zu wenig? — Oh nein, ich danke Ihnen sehr, mein\nHerr, versicherte das Mädchen. Aber mein Vater bemerkte Sie\nsoeben und schickte mich zu Ihnen, damit ich Sie zu ihm hole.\nEr ist gelähmt. Er hat viel von Ihnen gehört, und als er, am\nFenster sitzend, Sie unten vorbeigehen sah, bestand er so heftig\ndarauf, daß ich Sie zu uns hinaufbäte, daß ich mich dazu ent-\nschließen mußte. Bitte enttäuschen Sie den alten Mann nicht;\nkommen Sie mit mir. Es ist ungewöhnlich; aber mein Vater\nbehauptet, Sie lieben gerade das Ungewöhnliche, und Sie würden\nbei ihm noch viel Ungewöhnlicheres finden. Bolko war eigen-\ntümlich berührt, fast unangenehm. Was ihn aber bewog, die\nAufforderung nicht unwirsch abzulehnen, war die unter dem\nbetrachtenden Blicke sich immer überwältigender hervortuende\nSchönheit des Mädchens, schöner noch dadurch, daß sie durch\nElend verkümmert schien und die Phantasie zur idealisierenden\nVollendung zwang. Woher kennt mich denn Ihr Vater? fragte\ner, indem er sich schon zu folgen anschickte. Mein Vater ist\nOptiker gewesen; er kam früher oft mit einem älteren Herrn,\neinem Ihrer besten Freunde, dem Professor B, zusammen, dem\nbekannten Physiker, Ich erinnere mich, daß Ihr Name öfters\nerwähnt wurde. Der Professor fand Sie phantastisch, während\nmein Vater sich Ihrer annahm, Sie gegen ihn verteidigte, Um\nwas es sich handelte, habe ich nicht verstanden. Mein Vater\nbeschäftigte sich besonders mit der Fabrikation von Spiegeln,\nSie langten vor einem schmalen, niedrigen Häuschen an,\ndas zwischen riesigen Mietskasernen stand. Ueber einen Fenster-\nsims des ersten Stockwerks hatte sich ein alter Mann gebeugt.\nEr winkte hinunter. Mein Vater, sagte das Mädchen, und\nöffnete die mit Eisenstäben vergitterte Glastür, Sie schritt mit\nleichter Anmut voran. In einem geräumigen Wohnzimmer am\nFenster saß der Alte auf einem hohen Lehnstuhl. Er grüßte\nfreundlich: Meine Tochter wird mich entschuldigt haben, daß\nich Ihnen nicht entgegengehe. Bolko reichte dem Alten die\nHand und rückte sich einen Stuhl in seine Nähe. Welches\nmerkwürdige Greisenantlitz! Voller Geist, Gemüt und Energie,\nAus den hellen, klaren Augen sprach erfinderischer Verstand,\nKann ich Ihnen in irgend einer Weise dienen? fragte Bolko,\nDer Greis schickte seine Tochter hinaus: Bringe uns eine Auf-\nwartung, Melitta! Ich habe Ihren väterlichen Freund, den Pro-\nfessor B, gekannt, begann der Greis, Er erzählte mir manchmal\nvon Ihren Ideen, von Ihren Träumen und. Wünschen, Wir kamen\ndarauf, weil ich mich mit ähnlichen Ideen, aber mehr physika-\nlisch, trug und noch trage. Mir ist auch Einiges gelungen, was\nich Ihnen anvertrauen möchte. Ich sah Sie früher oft, ohne daß\nSie von mir wußten. Wäre nicht unser Unglück gekommen,\nmein Bankerott (ich lebe von dem, was unsere Gläubiger mir\nbewilligen, da sie auch jetzt noch auf eine Erfindung hoffen);\nder Tod meiner Frau, meine Lähmung, so wären wir längst mit\neinander bekannt, Sie haben wohl Ihre alten Hoffnungen auf\ndie Möglichkeit leiblicher Verwandlung längst ad acta gelegt?\nAch, sagte Bolko, es scheint so, als ob wir resignieren könnten,\nAber wie erwachen sofort wieder alle scheintoten Hoffnungen,\nwenn man uns, wie soeben Sie, mit dem Schatten einer Erfüllung\nwinkt, Haben Sie denn wirklich etwas gefunden? Die\nZimmertür öffnete sich. Melitta servierte lieblich, sie hatte eine\nzierliche weiße Schürze umgebunden, Tee und Kakes. Melitta,\nbat der Greis, ich möchte in die Werkstatt; aber jetzt wollen\nwir uns erst erfrischen, Bitte, mein Fräulein, Bolko erhob sich\nund bot Melitta einen Stuhl an, wollen Sie uns nicht Gesell-\nschaft leisten? Melitta setzte sich lächelnd. Der Alte blickte\nvon Bolko zu Melitta. Man genoß eine kleine Weile schweigsam\nden Tee. Ohne Melitta, rief dann der Alte, wäre ich verloren.\nGlauben Sie ja nicht, daß sie mir nur mechanisch zur Hand, geht,\nSie ist meine richtige Mitarbeiterin, hat tüchtige, wenn auch\nmehr praktische als theoretische Kenntnisse in der Physik,\nbesonders Katoptrik. Nun, meinte Bolko, eine junge Dame\nbeschäftigt sich gewiß gern mit Spiegeln, besonders wenn sie\nähnlich wie Narziß von ihrem Abbilde angezogen wird. Ach,\nsagte Melitta, was Vater aus Spiegeln hervorzuzaubern versteht,\nist so interessant, daß ich gar nicht auf die gewöhnlichen eitlen\nGedanken verfallen kann. Ich möchte offen gegen Sie sein*\nsagte der Alte bedächtig und stellte seine ausgeleerte Tasse hin,\nich begehe ein Unrecht, wenn ich Melittas sehr zarte Gesund-\nheit meinen Experimenten aufopfere; das ist mit ein Grund,\nweswegen ich Sie zu interessieren suchen mußte. Denn sehen\nSie, wie es zu gehen pflegt; unsere Unterstützung reicht nicht\nhin, um zugleich meine Sache und unser leibliches Wohl zu\nfördern. Meine Versuche kosten mehr Geld als ich verant-\nworten kann. Sehen Sie, daher hoffte ich, wenn Sie das bischen\nErreichte anerkannten, daß Sie vielleicht zu mäzenatischer\nBeihilfe geneigt sein möchten? Mein Herr Melitta kam\nBolkos Antwort rasch zuvor, — nehmen Sie Vaters Worte nicht\nso ernst! Es ist schon eine typische Wendung bei ihm geworden*\nEr möchte natürlich gern wie früher im größten Stil operieren\nund fahndet immer nach Möglichkeiten. Mit Recht, Fräulein\nMelitta! Ich finde es empörend, daß die Gläubiger, da sie doch\nHoffnungen auf Ihren Vater setzen, ihn unzulänglich finanziere»;\nmöglicher Weise sind sie mehr seine als er ihr Schuldner; ich\nwenigstens habe das günstige Vorurteil; daß es sich um eine\nunerhörte Erfindung handelt. Sie sollen aber nicht, sagte der\nAlte, Vorurteilen, sondern urteilen, Melitta, rolle mich ins"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.6", "texte": "Laboratorium! Gestatten Sie — Bolko sprang auf und ergriff\ndie Rückenlehne des Armsessels. Wohin ist der Stuhl zu trans-\nportieren? Melitta öffnete eine Tür, die auf einen kleinen\nKorridor führte. Hier gegenüber ist unser Arbeitsraum.\nBolko, der den Stuhl vor sich herrollte, empfing einen\neigentümlich trostlosen und zugleich feierlichen Eindruck. Der\nRaum, von der Größe eines kleinen Saales, war schwarz ge-\ntüncht; auch Decke und Fußboden. Eine einzige Scheibe aus\nKristallglas bildete, vorhanglos, das Fenster. Man unterschied\nim übrigen einen Tisch mit milchweißer Platte auf schwarzen\nBeinen, einige schwarze Schemel, ein schwarzes Regal und\neinige Apparate von der Form eines Szioptikons oder einer pho-\ntographischen Kamera. Aus der Mitte des Plafonds über der\nTischplatte ragte eine schwarze Röhre. Das ist nach meinen\nAngaben eingerichtet. Ich wollte, man könnte die Luft in\ndiesem Räume schwarz färben. Für optische, besonders katop-\ntrische Experimente ideal! Läßt sich rasch total verfinstern,\ntotal erhellen; nichts stört, nichts lenkt ab, Bitte setzen Sie\nsich an den Tisch. Und Melitta, Du bist so gut und rollst den\nSpiegel herauf. Melitta ergriff eine metallene Kurbel und drehte\nsie wiederholentlich um, man hörte ein surrendes Geräusch in\nder Tiefe. Aus dem Fußboden, parallel zum Fenster an der\nWand gegenüber, stieg langsam eine ungeheure Spiegeltafel bis\nzur Decke empor; auch an den Wänden schloß sie dicht an. Der\nRaum hatte sich verdoppelt, Bolko stieß einen Ruf des Ent-\nzückens aus. Er galt der makellosen Reinheit des Spiegels,\neiner so durchsichtigen Reinheit, daß sie substanzlos schien, ein\nspiegelblankes Nichts, eine ätherische Reflexion. Gib einen\nHammer, Melitta, forderte der Alte, gib ihn dem Herrn. Bolko\nwar erwartungsvoll; er empfing aus Melittas Händen einen\nschweren eisernen Hammer. Versuchen Sie nun, rief der Alte,\nden Spiegel zu zertrümmern! Was? zögerte Bolko, nie und\nnimmer! Das wäre ein Verbrechen! Es kann nicht Ihr Ernst\nsein? Mein vollster Ernst! Vertrauen Sie mir: Es ist unmöglich,\ndaß Sie den Spiegel zerbrechen. Versuchen Sies! Bolko tippte\nvorsichtig an den Spiegel; man hörte keinen Ton. Ach bitte,\nsagte Melitta, schlagen Sie getrost so kräftig wie möglich zu;\nes macht nichts. Bolko holte zum Schlage aus; der Hammer\nflog ihm mit voller Wucht aus der Hand, fuhr in den Spiegel\nhinein, man hörte ihn hinter der Spiegelfläche niederpoltern; er\nwar verschwunden; aber der Spiegel glänzte in unversehrter\nBlankheit, Unwillkürlich hatte sich Bolko vorgebeugt, um den\nentglittenen Hammer zu erhaschen, dabei verlor er sein Gleich-\ngewicht und stürzte vornüber mitten in den Spiegel hinein. Er\nhatte die Empfindung einer elastisch flüssigen Masse. Melitta\nzog ihn resolut zurück. Der Spiegel, in dem sich* ein tüchtiges\nLoch gebildet hatte, schloß seine zerrissene klare Haut Zusehens\nwieder zusammen, er gerann gleichsam wieder, seine Fläche\nzitterte ein paar Mal wellenartig hin und her, dann spannte sie\nsich in unberührter Reinheit wieder aus. Bolko war tief ent-\nzückt. Aus was ist der Spiegel, fragte er. Seien Sie von jetzt\nan gänzlich unbesorgt. Ich bin so durchdrungen von der Wich-\ntigkeit und Wirksamkeit Ihrer Experimente, daß ich Ihnen mein\nVermögen mit Freuden zur Verfügung stelle. Aber weihen Sie\nmich ein! Aus was ist dieser Spiegel? Ich danke Ihnen, sagte\nder Alte, ich fühlte, daß es Ihnen um die Sache geht, und gewiß\nsollen Sie eingeweiht werden. Aber Geduld! Es handelt sich\nhier um sehr schwierige chemische Analysen, um einen zäh-\nflüssigen, gummiartigen Stoff, mit welchem das Quecksilber\namalgamiert wird, ein Nonplusultra zugleich an Elastizität, wie\nSie sehen. Das ist aber noch lange nicht Alles. Unser Spiegel\nleistet mehr, viel mehr. Bevor ich Ihnen die Wunder erkläre,\nwill ich sie Ihnen erst zeigen. Diese seifenblasendünne elastische\nSpiegelhaut kann ebenfalls wie eine Seifenblase irisieren.\nMelitta, verfinstere das Zimmer,\nWährend unter Melittas Händen eine schwarze Wand sich\ndicht vor das Fenster schob, klagte der Alte beweglich, daß er\ngelähmt wäre. Ohne alle diese gräßlichen Hemmungen, bester\nHerr — wie hätte ich längst meine Erfindungen, welche auf\neiner bestimmten Linie, in einer gewissen Richtung, akkurat\nnämlich der leiblichen Selbstverwandlung auf künstlichem Wege,\nmittelst Spiegels, liegen, vervollkommnet! Das verfinsterte\nZimmer war jetzt künstich beleuchtet und zwar in farbloser\nHelle. Nunmehr, sagte der Alte, färben wir den Spiegel. Er\nhantierte an einigen am Tischrande befestigten Knöpfen. Der\nSpiegel glühte prächtig in bunter Schillerung auf. Sodann durch-\nlief er sämtliche Färbungen der Reihe nach vom dunkelsten\nIndigo über blau, grün, purpur, orange hinweg, bis zum blasse-\nsten Gelb. Sie sehen, der Spiegel nimmt sämtliche Farben mit\nLeichtigkeit an. Indessen kann auch ein und dieselbe Farbe\nverschieden sein, je nachdem sie an verschiedenen Stoffen er-\nscheint; und auch diese Verschiedenheit, diese Skala der Textur,\nist der Spiegel im Stande, nachzuahmen. Schauen Sie her!\nDie Spiegelfläche schien aus rotem Atlas, sie verwandelte sich\nin roten Samt, rotes Leder, rotes Leinen, roten Marmor, kon-\ntinuierlich in jede nur mögliche Nüance der Textur. Ganz herr-\nlich! Meisterhaft! bewunderte Bolko. Aber bitte, wehrte der\nAlte ab, das ist ja noch gar nicht erstaunlich! Farbige Beleuch-\ntung — es gab, es gibt ähnliches, wenn man auch die Technik\nder Textur-Imitation dabei vernachlässigte. Gesetzt, Sie hätten\ndie armseligste Zimmereinrichtung, das proletarischste Interieur,\nso kennte diese Beleuchtung seidene Tapeten, Sammetgardinen,\ngoldenes Tafelgeschirr auf Damastgedeck hervorzaubern, mar-\nmornen Fußboden, Ebenholzplafond. Es wäre etwas für die\nBühnen-Regisseure, nicht wahr? — Immerhin aber ist es nicht\ndas, was ich als Verdienst für mich in Anspruch nehme. Ich\nberücksichtige die Variationen der Färbung und Textur eigent-\nlich nur der Form zuliebe; ich variiere die Gestalt des Spiegels\nund dadurch diejenige der Spiegelbilder. Melitta, den Proteus!\nMelitta rückte den szioptikonähnlichen Apparat heran, der\neine Tastatur mit Zeigerwerk aufwies. Schalte den Spiegel an,\nkommandierte der Alte. Nun sehen Sie, hierdurch beherrsche\nich jeden nur möglichen Formen-Reichtum, sei es in kopieren-\nder, sei es in frei erfindender Manier. Ein schöpferischer\nKünstler, der sich, statt des Pinsels oder Meißels, dieses Appa-\nrates bediente, würde im ätherischen Material der Reflexion\nsein Werk hervorzaubern. Oh, da ist mir noch vieles dunkel,\nsagte Bolko. Das glaube ich gern, stimmte der Alte zu. Es soll\nIhnen aber bald klar werden. So zahlreich die möglichen For-\nmen sind, so gibt es doch nur wenige Elemente. Der Raum ist\nuns gegeben, und die Arten, ihn zu begrenzen, sind leicht über-\nsehbar. Ich wölbe den Spiegel oder platte ihn ab und kann\ndieses Beides auf zahllose Weise tun. So beherrsche ich Farbe,\nForm, Textur und damit das gesamte Reich des Gesichts. Dieser\nApparat nun hier, welchen ich Proteus nenne, ist empfänglich,\nsensibel, für alle, auch für die Gesichtsempfindungen. Studieren\nSie Kant! Ein bewunderungswürdiger Erkenntnistheoretiker\nseines Schlages, E. M. weist mit überzeugender Schärfe nachv\ndaß die Sinnesempfindung nicht etwa nur von den äußeren\nGegenständen aus in der Richtung auf unser Gehirn, sondern\nmit ebensolcher Energie vom Gehirne aus nach außen hin, in\nder Richtung auf die Gegenstände erfolge. Von unserem Leibe,\nunserem Gehirn, speziell also auch vom optischen Nerven-\nzentrum aus, flutet ein mächtiger Empfindungsstrom ins Weltall,\nz. B. bis zur Sonne, also auch bis zur Sonne im Spiegel. Dieser\nEmpfindungsstrom durchbricht die Schädelkapsel, ebenso leicht\nwie die Materie des Spiegels. Mein Proteus nun leitet diesen\nStrom zum Spiegel hin, und der Spiegel gehorcht minutiös genau\nder ihm dadurch erteilten Direktive. Tastatur und Zeigerwerk\ndienen der eventualen Fixation aller erscheinenden Gebilde. In-\nwiefern es aber möglich sein sollte, das Gebiet der Optik zu\nüberschreiten und sämtliche Sinne in den Wirkungsbereich\ndes Apparates einzubeziehen, werden wir später sehen. Was\nwünschen Sie erscheinen zu lassen? — Das ist ja toll! Ich kann\nes kaum für möglich halten. Wenn ich Sie recht verstanden\nhabe, kann ich meine eigenen Phantasievorstellungen, vermittels\ndes Apparates in den Spiegel projizieren? Gewiß! Der Spiegel\nreflektiert, was Sie wollen, wenn Sie es nur gehörig anschaulich\nwollen. Geben Sie Acht!\nDie weiße Tischplatte vor uns bedeckte sich plötzlich bunt\nmit dem beweglichen Miniaturbilde der Außenwelt. Der Alte\nhatte an einer Schnur gezogen; die Röhre am Plafond über dem\nTische erwies sich als ein Linsensystem enthaltend, wie man es\nvon der camera obscura her kennt. Er stellte nun den Empfän-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.7", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.8", "texte": "Ger seines „Proteus\" genau auf das Bild ein, und sofort erschien\ndieses . . . aber man konnte nicht mehr sagen: im Spiegel;\nsondern der Spiegel, der Reflex nahm körperlich die Form der\nabgebildeten Dinge an. Es was- zauberhaft. Eine frei im Raum\nschwebende kleine W?elt. Bolko war begeistert. Seine Augen\nsuchten die Melittas und beide fanden sich in einem Blicke der\nBewunderung, der unwillkürlich einen Hauch Erotik atmete.\nIch rate Ihnen, sagte der Alte, Ihr eigenes Spiegelbild zu vari-\nieren. Ich erinnere Sie, daß Sie die Selbstverwandlung beab-\nsichtigten. Bolkos Ebenbild erschien in lebendig wallenden\nKonturen. Wie wünschen Sie es alteriert? fragte der Alte, das\nganze Menschen-, Tier-, Pflanzen-, ja Mineralreich steht Ihrer\nAuswahl zur Verfügung. Ich wähle das Fräulein Melitta, sagte\nBolko und griff leidenschaftlich nach Melittas Hand. Melitta\nwich erschreckt zurück. Was soll das, stieß der Alte hervor.\nSuchte ich denn nicht mein anderes Ich, erregte sich Bolko.\nHier in Melitta habe ich es gefunden. Vergeben Sie mir Beide!\nIn diesem Rausch der Begeisterimg fühlt meine Sehnsucht sich\nendlich am Ziel. Ich fühle, daß ich Melitta will. Ich will sie,\nd. h. ich möchte sie selber sein! Ich möchte mich in nichts\nverwandeln als in Melitta. Wie könnten Sie mir das verargen?\nIst es so gemeint? rief der Alte. Ei, das ist ein sonderbares\nExperiment. Aber wie denkt meine Melitta darüber? — Oh\nFräulein Melitta, ich hätte nicht den Mut gefunden, mich zu\nwenn ich ihn nicht aus jenem Blicke des Einver-\nständnisses hätte schöpfen dürfen. Ich bitte Sie im Beisein Ihres\nVaters um Ihre Hand. Melitta, statt aller Antwort, umarmte\nihren Vater; dieser aber gab sie mit sanfter Gewalt in die sich\nöffnenden und um das Mädchen zusammenschließenden Arme\nBolkos. Die Lippen fanden sich im ersten Kuß, Dann! um-\narmten die Beiden den Vater. Und ich will Ihr gehorsamster\nLehrling sein, lieber Vater, gelobte Bolko. Gut denn! Aber\nKinder, experimentieren wir doch weiter. Sie wollen die Hand\nmeines Mädchens, lieber Bolko? Und doch hatten Sie etwas\nBesseres, etwas Vollendeteres im Sinn als dieses konventionelle\nSichkriegen in einer Ehe. Sagten Sie nicht, Sie wollten Melitta\nsein, und willigte Melitta nicht in diese Vereinigung — möchtest\nauch Du nicht lieber er sein als Du? Vater! Vater! Du hast\nimmer nur Experimente im Kopf, auch wenn es sich um mein\nGlück handelt. Ich darf es sagen, ich hätte Dich, Bolko, nicht\nso formlos von der Straße geholt, wenn es mir nicht längst um\nDich zu tun gewesen wäre; ich kenne Dich längst, Bolko\njauchzte. Aber trotzdem möchtest Du nicht lieber ich sein als\nDu; während ich so gern in Dir aufgehe und den Bolko in Dich\nverwandeln möchte. Ach, Bolko, doch! Solche Wünsche sind,\nwenn man liebt, immer gegenseitig. Und glücklicherweise, er-\nklärte der Alte geheimnisvoll, sind sie hier einmal vollends zu\nverwirklichen. Wie das, bester Vater? erkundigte sich Bolko,\nGenau so! gab der Alte zurück und machte sich am Apparate\nzu schaffen.\nBolkos Spiegelbild nahm immer deutlicher Melittas Gestalt\nund Züge an. Bolko lachte vor Freude. Nun umgekehrt, lächelte\nder Alte; und tr ans figurierte Melitta wieder in Bolko. Genug\njetzt, Vater, bat Melitta, wir feiern heut' unser Verlöbnis. Der\nAlte aber bestand mit eigensinniger Hartnäckigkeit auf Been-\ndigung des Experimentes, und Bolko sekundierte ihn gegen\nMelitta, so daß sie sich fügte. Denn es lief doch, eiferte der\nAlte, auf die wirkliche leibliche Selbstverwandlung hinaus. Zu\ndiesem Zwecke genügt das rein optische Darstellen nicht; wir\nmüssen alle anderen Empfindungen, besonders das Getast, hin-\nzuziehen. Und dieses Experiment verspricht um so eher zu\nglücken, als in unserem Falle ja die innerste Gemütempfindung\nsein Gelingen herbeisehnt. Haben Sie, lieber Bolko, jemals den\nEinfall gehabt, die Rückwirkung des Spiegelbildes auf das\nOriginal zu bedenken? Jawohl, das Aussehen des Menschen\nwäre ohne den Spiegel gewiß ein anderes. Der Spiegel übt eine\ndrastische, das Original verändernde Wirkung aus. Ich habe\ndiese Wirkung gründlich erforscht und bin dadurch in den Stand\ngesetzt worden, die Ursache in ihrer Energie vielfach zu inten-\nsivieren. Alle Empfindungen sind die spiegelhaften Reflexe\nunserer eigenen Projektionen. Und wer in das Geheimnis dieser\nReflexion nicht nur optisch, sondern auch akustisch, osphresio-\nlogisch, in jedem Sinne, bis in das Getast eingedrungen ist, der\nvermag durch die erhöhte Wirksamkeit des Reflexes das Ori-\nginal selber zu ändern. Das ist mir gelungen. Das erst ist meine\neigentliche Erfindung, mit der ich Euch vertraut machen möchte,\nMelitta, in einer bangen Ahnung, widerriet diesen versuche-\nrischen Versuch, Aber der Alte und Bolko ließen nicht locker*\nbis sie ihre Zustimmung gab.\nIm Spiegel verschmolzen jetzt Melitta und Bolko zu wunder-\nsamer Vereinigung in einem Geschöpf, das, in sich selber hin\nund her schwingend, bald mehr Bolko, bald mehr Melitta zu sein\nschien. Der Alte drehte ein paar Schrauben am Apparat, be-\nwegte ein paar Griffe, Melitta seufzte tief auf, sie näherte sich,\nwie magnetisch angezogen dem Bolko, Ein sonderbarer Angst-\nschrei aus zwei Kehlen dann in einem Wonnelaut zusammen, Die\nvöllige Vereinigung der Liebenden in einem einzigen Leibe er-\neignete sich vor den Augen des entzückten Alten, Die Klei-\ndungsstücke des vormaligen Paares bildeten eine grotesk ent-\nstellende Verwirrung, Meine Kinder, sagte der Alte, werdet\nIhr mir vergeben, wenn ich Euch eine (vielleicht aber für Euer\nHeil nicht nur nicht schlimme, sondern notwendige) Verlegen-\nheit eingestehe: ich kann Euch nicht mehr trennen. Himmlisch!\nrief die Gestalt, von der es unbestimmbar bleibt, ob sie Melitta\noder Bolko heißen darf. Die glücklichste Vermählung hatte\nstattgefunden, eine unter Menschen unerhörte Hochzeit,\nAber wie langweilig war die Brautnacht, welche darauf\nfolgte! Die gegenseitige Begierde ist nett neutralisiert, wenn\nman in der Tat eins geworden ist. Gibt es keine eigentliche\nWollust der Vereinigung; so gibt es aber dafür auch keinerlei\nSchrecknis der Entzweiung. — Der alte Vater erfreut sich des\ngehorsamsten Kindes, Großvaterfreuden sind ihm freilich ver-\nsagt. Sehr lachten die drei oder vielmehr zwei über die Forma-\nlitäten des Polizeiausweises und des Standesamtes. Der Fai\nwar einzig, er kam vor den Reichstag. Der ärztliche Sachver-\nständige, Herr Dr. Wilhelm Gließ, behauptete, das Geschlecht\ndieses neuen Hermaphroditen wechsle ähnlich ab wie die Phasen\ndes Mondes; er sei bald Bolko, bald Melitta. Die Bürokratie\nverzichtet gern auf solche Nüancen; man fertigte für Bol&o den\nTotenschein aus, und der Alte freute sich wie ein Kind mit\nseinem Kinde.\n\nBrunst der Erde\nWalter Mehring\n\nSonnen entkreiseln\nkräuseln Geleise die heiße Spur\nrinnt Blutspur\ngerinnt\nRieseln\nseitab\nsandig satt stillen Rasen\nstillen Strom treibt Himmelsbreiten\nDrohnen brüten Gewürz\nschwelen den Horizont schwellende Kräuter\nWolken grollen\nAn vollen Eutern festgesogen brüllend\nkollern donnergescheckte Blitze\nschlecken Licht\nschleudern\nSchrei bescheint die Erde\nzur Sonne die Nacht\nzuschanden das Licht\nDas Lachen Leben Lust\nentlastet branden\nDas weite Land\nUmstrudeln sträubt die goldnen Stromesadern\nZur Sonne\nsielen siedehell die Wiesen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.9", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.10", "texte": "Die Wesen\nzerschellen das Land\nzerstranden\nZur Sonne sanden alle Meere\nZur Sonne beten brünster Gott\nInbrunst gebären\nDie Erde brüstet\nBirst Gimmelspracht\nUmpranken rankt sich stürz aus ihren Gliedern\nDie Rache reckt\nVersunken lacht das Leben\nerdenfern\nflucht Sternenflucht\nMaschinen flaggen Sieg\nDie Eisen singen\nEntrollt den Blütschein\nSterben kränzt den Tag\nGrinsen umgrasen grenzenlos\nentsternen gasig glasig\nStieren zur Sonne\nfrierende Augen schlottern\nlohen fahlen zu Eis\nsplittern\nBlitze schlohen zutal\nscharen\nTiere scharren zuhöll\npaaren sich\nzeugen die Qual\nQuälen\nBlutverquollen\nSeelen lerchen zugott\nstrahlen\nschxvindeln\nfallen fallen\nSchweigen\n\nSeehelle\nWalter Mehring\nSeelen zerfurchen\nHorchen\nHorch da weht\nDa weit entwehen\nWässern\n\\T)7 estwärts\nseewärts\nseelig\ntragen\nRagt ein Stern\nein Sterben\nwehweit\njenseits\nFirnschnee\nFernen glänzt\nW/ächst auf aus Farren\nfarblos\nstarren taglos\ntagt und nachtlos\nEndlos Finsternis\nLichtfinster ginstert\nPrasseln\nHaßhell enthasten\nHaß verästelt bunt\nHaßhell entbunden\nEntschlungen Träum en\nReichen Schlangen\nSchlingen\nGoldliaupt entkrauchen Goldbauch\nGoldne Raupen\nKüßt der Hauch\nDer hoch\nGehißt\nentgeistert\nGeister wissen\nHaßvipern wispern\nHaspeln die Träume\nTräume düstern\nDunststern distelt Brunst\n>\nSeelen um dustern\nDursthell sehen\nSelig die See\nSeehell die See\nSeehell die Sehnsucht\nSeetief\nFurchen die Träume\nEntkriechen Furcht entstürzen Haß\nEntwurzeln\nEntladen der Stern\nSterben die See\nSelig würzen Seelicht\nSehnsucht entbreiten\nSegel die Schwingen\nEntklingen\nKlanglos klaglos taglos nachtlos\nklagt der Stern\nein Sterben\nSternen\nSehnen sät\nSehen enthalden\nQualen entgeistert\nGeister tragen\nsterntief die Qual\nseetief der Stern\nDas Sterben\nSeen furchen selig\n\nGedichte\nWilhelm Runge\nStreicheln sinnt Mädchenhaar\nDie Stunden schlendern\nblaublühend Überkopf stürzt goldenrot\nund Lachen schwingt die übermütge Schaukel\nDie Lippen springen Necken\nrasch\nzur Seite\ndein Auge tanzt\nvorbei\nin blauem Kleid\ntief in die Brust stürzt deiner Stimme nach ein Lauschen\nbricht Weg\nund Trennen stöhnt um deinen Hals\nnun lassen\nwas wissen Sterne\nKuß um Kuß\n* *\n♦\nWollen siebt den sieden Sand der Stunden\nSummend surrt des Tages große Fliege\nAbend scheucht sie mit den linden Händen\nLächeln fächelt kühl\nder Augen Wälder wehen\nwiegend\nsäuselt Blut\nTräumen tappt aus allerseelen Gassen\nfaltet müder Mühen Händchen fein\nMärchenlockt die Welt aus Herzensfernen\nsternenbrennend lauscht des Himmels dunkler Bäum"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.11", "texte": "Verantwortlich für die Schrmieitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 2*\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\njf'ernruf Amt Littzow 4443\nMouatsscbriit Der Sturm\nErsehemt am fiinlzehnten jedes Mouats\nDauerbezug\nGewohniiche Ausgabe: Fur Deutsch-\nland und Oesterreich-Ungarn:\nKin Jahr 6 Mark / Ein Halbjahr 3 Mark /\nEinzelheft 1 iMark / Fur das Ausland;\nEin Jahr 8 Mark / Ein Halbjahr 4 Mark /\nEbizelheft 1 Mark 50 Pfennig\n5®*der - Ausgabe: Ungebrochene\nExemplare, Versendung in R o 1-\nlen direkt durch die Post / Fiir\nDeutschlandund Oesterreich-\nl n g a r n: Ein Jahr 12 Mark / F ti r d a s\nA m s 1 a n d : Ein Jahr 14 Mark\nP r e i s e der friiheren Jahrgange\nAusgabe Gewohnlicbe Sonder-\nAusgabe: ausgabe:\nachter Jahrgang je 1 Mark\n\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengraben verse\nHebunden 3 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblCite I Gedichte\nCeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 59 Pfennig\nHermann Essio\nDer Frauenmut / Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nI h r s t i 11 e s G 1 {i c k / Drama\nE i n Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons A u f s t i e g / Tragodie\nDer Wetterfrosc h / Erzahlung\nJedes Such 2 Mark 50 Pfennig / Gebunden 4 Mark\nKurt Hey nick e\nRings fallen Sterne / Gedichte\ntJJ$heftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdo!! 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Mark 50 Pfennig:\nWilhelm Runge\nDas Denken traumt j Gedichte\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchstcktur / In 111 Kapitelo\n(taheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nM eer / Sehnte / Mann / Draraeo\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu/Liebcsgedichtc i\nGekeftet 3 Mark\nDie M e n s c h h e i t\n1 Mark 50 Pfennig:\nHervvarlh Waiden\nDas B u c h d e r Menschenlicbc\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nD i e H arte der Weltenliebe /\nRoman\n4 Mark j Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nG e s a ra m e l t e Schriften: Band I\nKimstmaler nnd Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nW e i b K o m i t r a g o d ie\nGeheftet Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nE r s t e Liebe Ein Spiel mit dem Leben\nDie B e i d e n Ein Spiel mit dem Tode\n5 ii n d e Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nG1 a u b e Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark 50 Pfennig\nKind I Tragodie\n1 r i e b Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJede» Buch 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aagc yon Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge I VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aagc *on Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\njedes Stunnbuch 90 Pfennig\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGesammeite Tonwerke\nDaun Vergeltung / Verdainmnis\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFiir Gesans und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbieturig / Werk 92\nDichturig von Richard Dehme!\nFiir Gesans: Und Klavier f 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbijce Urnschlagzeichnunjc von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier I 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka:\nschrift der Sturm\nAbzug 3fl Mark\nP1 a k a t fur die Zeit-\n/ Originallithographie\n\nSturm-Kartea\nJede Kart? 2© Pfennig.\nNach Gemalden. Zeichnungea uad Bitd\nwerken tolgender Kunsller:\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 4\nVincenc Benes J\nUmberto Bocctoni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay J\nLyonel Feininser 1\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heernskerck 3\nHjertSn-Grunewald !\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin I\nFernand L6ger 2\nAugust Macke i\nFranz Mare 2\nCarl Mense i\nJean Metzinger 1\n<Georg Muche I\nGabriele Munfeer I\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nFritz Stuckenberg I\nArnold Topp I\nMaria Uhden I\nNell Walden !\nWilliam Wauer 5\nMarianne von Werefkin 2\n\nSiurm-Aussteilungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nRudolf Bauer Kandinsky\nMarc Chagall Qino Severini\nDie Futuristen\nJe 6u Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Stur^\nAui Japan- und Buitenpapier\nJeder Ktwstdruck 5 Mark\nRudoli Bauer\nSchwarz-WeiB-Komposition 14\nUmbcrto Boccioni: Abschied / Die AMah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Essen^er\nBauer / Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feminger: Klein Schmidthameu /\nMark Wippach 11\nJacoba van Heemskerck: Baum / J and-\nschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka M en sch enkopfe;\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Kail\nKraus 4 Richard Dehmel / 5 Paul S^h«er-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFern and Leger: Akt\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 28 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Herwarth Waldea\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf BlUmner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblk*w%\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Miinf*r\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Netl Waldeti\nXV- Mynona\nXVI. Kurt Heynick*\nXVIII. William Wauer\nXX. Geore Muche"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181015-01.1.12", "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\n1: Berlin / Polsdamer Strode 134a\nGeoHaei taglick von 10—6 Ubr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nMonatlicher Wechsel\nSiebenundsechzigste Ausstellung\nOktober 1918\nRudolf Bauer\nAchiundsechzigsie Aussieliung\nNovember 1918\nRussische\nExpressionislen\n2: Frankfurt am Main\nTiedemanns Buchhandlung / Reitz und\nKohler\nSchillerstraBe 15\nGeoffnet wochentags von 9—7 Uhr\nOktober 1918\nErste Ausstellung\n*\nMarc Chagall\nWilliam Wauer\nAusstellungen;\nBreslau / Galerie Arnold\nSturm - Gesamtschau\nHalle an der Saale\nSturm - Gesamtschau\n\nDER STURM\nyertritt folgende Kunstler ausschliefilich\nund verfugt fiber ihre Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkau! und zu Ausstellungec in der gan-\nzen Welt:\nRudoi! Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kan din sky I\nGeorg Muqhe / Fritz Stuckenberg / William\nWauer / Nell Walden\nDER STURM\n▼ertritt fur Deutschland folgende Kiinstler\nand verlugt fiber ihre Werke zum Verkaui\nund fur Ausstellungen:\nGfrsta Adrian-Nilsson / Alexander Archi-\npenko I Fritz Baumann / Vincenc Benes /\nUmberto Boccioni / Carlo D. Carra / Max\nErnst I Lyonel Feininger / Emil Filla /\n\nAlbert Gleizes / Otto Gutireund / Oswald\nHerzog / Sigrid Hjerten-Griinewald / Isaac\nGrinewald / Johannes Itten / Alexei yon\nJawlensky / Paul Klee / Oskar Kokoschka\nI Qtakar Kubin / Fernand Leger / Franz\nMarc I Gabriele Miinter / Jean Metzinger /\nFrancis Picabia / Gino Severini / Arnold\nTopp I Maria Uhden / Marianne yon\nWereikin\nSturmschule\nLeitung : Herwartfa Walden\nOrittes Jahr\nBerlin / Potsdamer StraBe 134a\nUnterricht und Ausbildung in der\nexpressionistischen Kunst\nBuhne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musik\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer\nRudoli Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee '\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstimden der Leituriig: Dienstag, Mjrttwoch,\nFreitag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat rst\ntaglicii von 10—6 geoffnet\nLeitung der Sturmschule fur Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nSturm-Abende\nVercin fur Kunst / Fiinfzehntes Jain*\nIn der Kunst ausstellung Der Sturm / Berlin\nJedea Mittwoch %8 Ubr\nVortragender: Rudolf Bliimner\nKarten zu 5, 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf unci an\nder Abendkasse\nBreslan: 22. Oktober\nHamburg: 4. November\nDresden: 9. November\n\nVerein fur Kunst\nFunfzehntes Jahr\nJahresbeitrag 20 Mark\nRcchtc: Freier Bezug der Zeitschrift Der \\\nSturm I Freier Besuch der Sturm-Ausstel-\nlungen / Jahrlich 2 Kunstdrucke\nAnmeldungen durch den Sturm\n\nKunsibuchhandhing\nDer Sturm\nPotsdamer StraSe 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seliene Biicher und Notec*\nvorratig und nimmt Bestellungen entgegen\nVerein Sturmbiihne\nVorsitzender: Dr. John Schikowski\nGeschaftssteiie: Cbarlottenburg / Scharrensfr&Be IS\nAufruf und Satzungen kostenles\nSturmbiihne\nTheater der Expressionistern:\n26. Oktober; Sancta Susanna\n3. Dezember: Sancta Susanna\nNur vor Mitgliedern des Vereins Sturm-\nbiihne\nAuimeldungen zur Mitgiiedschait werden auch hjkl\nStorm entgegengenommen\nNeuanzeigeri Der Sturm\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Wal-\nden / Lothar Schreyer / Rudolf Blumner /\nRudolf Bauer / William Wauer / M.ax Ver-\nworn I und anderen\nMit 140 Abbildungen / zum Tell ganzseHig\nnach Bildern und Bildwerken samtlicher\nKiinstler des Sturm / der Urvolker und der\nVolkskunst / Mit mehrfarbigen Beilagen\nFarbige Umschlagzeichnung von William Wager\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museums-\nausgabe mit Originalen Nummer 1—10\nM 200- Nummer 11—50 M 100—\n%\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedicfote\nDas Buch enthalt die Gedickte, die Ru~\nd o 1 f B 1 ii m n e r an den S t u r m-A b e\nden vortragt\n4 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 60 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nVierte und fiinfte Folge erschienea\nHerwarth Walden: EinMick in Kimst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Gc-\nmaiden der Sturm-Kunstler\n2wciic Auflage\n5 Mark\nStnrm-Bftlderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der\nh Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenko\n4 Mark *\nHI: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommec\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sterns\nftind signierte and numerterte Handdruclre\nyon den meisten Zeichnangen K unstdr ccke\nkauflicb zu erwerben. Die Originate sind ve*«\nkauftich.\nAusiuhrliche Verzeichnisse des Verlags;\nDer Starm kostenlos"}]}