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Herausgegeben und geleitet wird das\nBlatt von Herrn Paul Westheim, der nebenbei noch die\n„Frankfurter Zeitung\" mit Kunsturteilen versorgt. Herr Paul\nWestheim ist reinster Expressionist. Er konnte einfach ohne\nExpressionismus nicht mehr leben. Niemand in Europa hat sich\nbekanntlich um den Expressionismus gekümmert. Herr West-\nheim folgte also dem Zuge seines Herzens und seines Geistes\nund es gelang ihm tatsächlich in Weimar einen Verleger zu\nfinden, den er im Jahr 1917 von der Notwendigkeit überzeugte,\ndaß endlich etwas für den Expressionismus geschehen müsse.\nDer freundliche Herr in Weimar fand die Sache ganz originell.\nDas Kunstblatt erschien und Herr Paul Westheim war endlich\nin die Lage versetzt, für den Expressionismus zu wirken. Er\nkonnte und durfte bekennen. Wie hat er darunter gelitten, für\ndie neue Kunst nicht eintreten zu können. Zwar war er seit\neinem Jahrzehnt bereits sogenannter Kunstkritiker der „Frank-\nfurter Zeitung\", aber Frankfurt und die „Frankfurter Zeitung\"\nwaren ihm für sein Seelenbedürfnis und seine Kunstkennerschaft\nnicht gut* genug. Er hielt sich zurück, sicher mit blutendem\nHerzen. Er wollte die Leser der „Frankfurter Zeitung\" und der\nanderen Blätter, die er mit Kunst bediente, nicht sein wahres\nAntlitz sehen lassen. Nur die Stadt Schillers und Goethes war\nihm rein genug. Zwar hatte er in der „Frankfurter Zeitung\" und\nin seinen andern Blättern gelegentlich etwas über den Ex-\npressionismus geäußert. Und infolgedessen auch über den\n„Sturm\", der allerdings nur in Berlin erscheint, der sich aber\nsieben Jahre ausschließlich und allein mit dem Expressionismus\nbeschäftigte. Doch es war nicht der wahre Expressionismus,\ndem Herr Paul Westheim sein Leben widmet. Und so äußert\nsich Herr Westheim im Dezemberheft 1918 der Potsdamer Zeit-\nschrift „Das Kunstblatt\" also: „ Das Erscheinen eines Buches:\nKunstwende (im Verlag des Sturm) gibt Adolf Behne Anlaß, sich\nin den Sozialistischen Mona'tsheften auseinanderzusetzen mit\nden kleinen Ablegern der Marc, Chagall, Archipenko, Kan-\ndinsky, Klee,'Feininger, dem, was man jetzt unter dem Schlag-\nwort Sturmkunst der Oeffentlichkeit auf zupropagieren ver-\nsucht.\" Die Marc, Chagall, Archipenko, Kandinsky, Klee,\nFeininger gehören nicht zum Sturm und sind der Oeffentlichkeit\ndurch das Kunstblatt des Herrn Westheim aufpropagiert wor-\nden. Das hat Herr Westheim geleistet. Herr Westheim mit\nseinem Kennerblick. Herr Westheim mit seinem Kunsturteil.\nHerr Westheim mit der feinen Nase, der weiß, was echt und\nunecht, ehrlich und unehrlich im Expressionismus ist. Nun weiß\naußer Herrn Westheim jeder, daß die genannten Künstler zum\nSturm gehören und nur durch den Sturm zur Kenntnis des Herrn\nWestheim gelangt sind. Nur weiß nicht jeder mehr, wie Herr\nWestheim über diese Künstler geurteilt hat, für die er jetzt mit\nseiner ganzen Manneskraft gegen den Sturm auftritt. Herr\nWestheim tritt sogar oder vielmehr logisch für die Künstler ein,\ndie der Sturm ausschied, weil ihr Schaffen die neuen künst-\nlerischen Ziele nicht erreichen konnte. Das alles macht nichts.\nIch verbürge mich dafür, daß Herr Paul Westheim nach abermals\niünf Jahren die sogenannten kleinen Ableger des Sturm ver-\nteidigen wird, gegen die neuen Künstler, die vielleicht in füni\nJahren von den Herren Westheim und Behne als kleine Ableger\nwerden bezeichnet werden. Ich habe mich in künstlerischen\nWertungen nie geirrt. Die Herren Kunstkenner und Kunst-\nkritiker haben noch immer bestätigen müssen, was ich als erster\nerkannte und anerkannte. In jeder Kunst. Aucii Herr Paul\nWestheim folgt meinen Spuren, wenn auch nicht gerade er-\nrötend. Ich möchte ihn aber etwas zur Vorsicht mahnen. Er\nmöge wenigstens immer fünf Jahre warten, bis er ein Urteil\nabgibt. Auch dann kann ich ihm nur raten, einfach meine Ur-\nteil nachzuschreiben. Ich will das Herrn Paul Westheim aus\nPaul Westheim selbst beweisen.\nReclams Universum Dezember\n1913:\nHerr Paul Westheim über Chagall\nim „Sturm\":\n„Da gebührt seinem Kumpan, dem\nMarc Chagall, doch der Vorrang.\nEr schickt drei Bilder nach Berlin,\ndie gewidmet sind: erstens:\nseiner Braut, zweitens Chri-\nstus, drittens: Rußland, den Eseln\nund den Andern. Im Interesse\ndes guten Geschmacks, der einer\nMalersbraut ja ohne weiteres zu\nkonzedieren ist, wollen wir nicht\nannehmen, daß die gehörnte\nBestie, die oben zwischen ein\nPaar Schenkeln emportaucht, ein\nStück Selbsterkenntnis des so frei-\ngiebig widmenden Autors ist.\nFrankfurter Zeitung November\n1912:\nHerr Paul Westheim über den-\nselben Ludwig Meidner, den\nFührer der Gruppe Die Patheti-\nker: „Im Sturm marschierte wie-\nder eine neue Gruppe: Die Pathe-\ntiker auf, bestehend aus drei\njugendlichen Männern, deren\nNamen man sich nicht zu\nnotieren braucht. Sie\nscheinen noch in der Geistesver-\nfassung, wo man als Dichter\nschmerzerfüllte Oden ausströmt\nu. s. w.\nFrankfurter Zeitung September\n1913:\nHerr Paul Westhelm über den\nHerbstsalon des Sturm in Berlin:\n„Die Balla„ Benes, Seewald,\nS t ü c k g o 1 d — das ist normale\nMünchener Atelierroutine mit einem\nAufguß theoretisch angenommener\nInteressantheit, die den Wert alles\nnachtrabenden Mitläufertums hat.\nDas Kunstblatt Dezember 1917:\nHerr Paul Westheim über Chagall:-\n„Der Sturm zeigte als eine der be-\ndeutsamsten Veranstaltungen dieses\nKunstwinters eine umfassende Chagall-\nAusstellung, die einen großen Begriff\ngab von dem Schaffen dieses öst-\nlichen\" Mystikers'. Gleichzeitig Ist\nals erste Veröffentlichung einer Serie\nSturmbilderbücher im Verlag des\nSturm ein Chagall-Heft erschienen,\ndas eine Auswahl der Werke in Re-\nproduktionen darbietet. Wenn auch\nleider der Reiz der Farbe fehlt, der\nbei Chagall besonders bedeutsam ist,\nso erhält man einigermaßen doch\neinen Begriff von dem, was Werke\nwie. „Rußland den Eseln und den An-\ndern\", „Paris durchs Fenster\", „Den\nViehhändler\", „Die Geburt\" oder „Den\ntrinkenden Soldaten\" so wesenhaft\nmacht.\nAbgebildet im Kunstblatt: Meiner\nBraut gewidmet.\nDas Kunstblatt April 1917:\nHerr Paul Westheim über Ludwig\nMeidner, der zuerst im Sturm ausge-\nstellt und später ausgeschieden wurde,\nund zwar aus obiger Begründung:\n„Meidner zeichnet Köpfe. Man spürt\ndas, dieses Kribbeln in den Fingern,\nwenn er an einen gerät, der nicht\neinen Schafskopf durch die Gassen\nträgt. M eidners Porträtzeichnen ist\nsolch Zähnefletschen, solch bestiali-\nsche Freude am Schnappen, am Er-\nfaßthaben. In seinem Umkreisen des\nOpfers, in dem Zuschlagen mit der\nkrallenden Tatze, ist die Lust des\nbeutehungrigen Raubtiers.\nZahlreiche Abbildungen im Kunst-\nblatt, ein Ludwig Meidner-Heft.\nKunstblatt Februar 1917:\nHerr Paul Westheim über den Maler\nStückgold\nDie erste Stückgold-Sonderausstellung\nin Deutschland veranstaltete der\nSalon Neue Kunst im M a i 1913. Seiner\nDevise getreu, hat Goltz damit auf\neinen Schaffenden hingewiesen, auf\nden man Erwartungen hätte setzen\nkönnen. Wie üblich, wie selbstver-\nständlich, ist man auch damals\nachtlos geblieben.\nSo kann ich beliebig Herrn Westheim mit /Herrn Westheim über\njeden Künstler widerlegen, den er heute ~anerkennt''. Er möge\nalso bescheiden sein und sich bescheiden. Er möge sich seinen\nSatz einprägen, den er am 31. Dezember 1912 in der Frank-\nfurter Zeitung über den Sturm schrieb: ~In Wahrheit, es ist\nnichts leichter, als ehrlich zu scheinen, wenn man es ist. Aber\nauch nichts schwerer, als eben das, wenn man es nicht ist.\"\nDann verrät man sich also allzu leicht. Herr Westheim der\nKämpfer für den Expressionismus schreibt noch im August\n1918 über einen Sammler, der Kandinsky besitzt: ~So unver-\nständlich mir diese Liebhaberei auch bleiben wird\". Im De-\nzember 1918 hat diese „unverständliche Liebhaberei\" des\nHerrn Westheim schon ~kleine Ableger\". Es ist nicht so ein-\nfach, „unglücklicher Liebhaber\" zu sein mit einem Gesicht, das\nleicht ehrlich scheinen will.\nNoch einige Worte über Herrn Adolf Behne. Herr Behne hat\nbekanntlich durch mich die neue Kunst sehen gelernt und pole-\nmisiert in der erwähnten Besprechung des Buches Die Kunst-\nwende nicht so sehr gegen das Buch als gegen den Sturmklub.\nEr erklärt feierlich, ich hätte durch die Gründung dieses Sturm-\nklubs die Führerschaft der neuen Kunst verwirkt. Im Sturm-\nklub soll sogar Wein getrunken werden! 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Hier sind uns Persönlichkeiten\nwie Franz Marc, Delaunay, Kandinsky, Kokoschka und Archi-\npenko zum ersten Mal in ihrem ganzen Reichtum gezeigt wor-\nden.\" Nun habe ich mir meine Zukunft durch ein Glas Wein\nverwirkt. Ich hätte meine Zukunft im liegen lassen\nsollen. Oder aber Herr Adolf Behne wird die ~kleinen Ab-\nleger 1 demnächst als große Künstler erkennen. 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schlafen.\nIch schlafe nie.\nIch bin Soldat in einem großen Heer,\nHeer-Krieger.\nIch sehe Menschen-Heere,\nMütter-Heere,\nKinder-Heere,\nMenschen,\nMenschen,\nHeere bei Nacht.\nIch atme schwer in mondnen Kissen.\nDie Menschen ziehen durch das Schicksal,\nAn weißer Wand die Menschenleere.\nRastlose Wandrer,\ntausend Angesichte!\nIch sehe wandern.\nWandern.\nIch kann nicht schlafen.\nIch bin ein Menschen-Wanderer,\nIch fliege.\nFliege einsam auf zu Gott.\nIn sein uraltes Antlitz stürzt mein Schrei.\nIch Ebenbild,\nZu Bild\ndie Millionen unten Eben-Bild?\nEs regnet Sterne.\nStarr stehe ich.\nEs regnet Sterne über mich.\nUnd mich bedecken alle Sterne.\nRings fällt das Leid.\nAufsteht ein Lächeln über Zeit und Raum,\no Traum, du Leben,\nund o ihr Wurzeln,\nhoch in Gott!\n►\nIch bin der Jüngling.\nUnd meine Seele will gen Mittag."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-12-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-12-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1918-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "120", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.2.5", "titre_corps": "Vorsprung der Sonnenuhr", "titre_sommaire": "Vorsprung der Sonnenuhr", "signature_source": "Franz Richard Behrens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.4", "debut_caractere": 1178, "fin_caractere_exclue": 2487, "texte": "Vorsprung der Sonnenuhr\nFranz Richard Behrens\n\nViel hunderttausendtiefe Wurzeln bohrt die blaue Blume\nDer Blütenschaum fegt seine Seidenfächer sternverankert\nRoggenfeld keucht heißen Schweiß\nIn Waldwipfeln strömt Magnet\nJede Kröte hat einen Motor im Bauch\nSpinnennetze drehen rasend Sonnenherz\nBlitzender Morgentautropfen treibt Schiffe im Meer\nSchwerter bersten • 7\n»\nHeckenrosen sagen Nachtigallen\nRotfinken stoßen Wiesen\nKirschbaumwälder\nSteine singen tausend Lieder\nGärten leuchten Tausendsang\nEngen locken\nPuppen Weiten\nBär lächelt Lämmern\nDie weißgefleckten Schafe haben einen braunen Bär\nBrennen quellen\nQuellen\nBluten\nzünden\nAdern\nMcrde brennen\nKlingen kalten\njßinnsel rennen seegesättigt\nPurpur Herzen betupfen Herz Erdball\nclu lache\ndu weine\nSchmerzen tränen du gefangen\nKiene knistern\nSonne lacht heimlich enges Liegen\nSpringt tosend felsenrunter\nMädelmutrg waldwärts westen\nSchweigen schwebt zwischen den Mündern\nSchweigen schwellt . Mündungen\nRosendolch schwingt luzinenlicht\nLieben strahlt Tod im Herzen\nLieben strahlt Leben von gestern von heute von morgen\nLieben strahlt Leiden\nKlingen geren\nRosen krusten\nEichen flattern\nWurzel fahnen ' !\nRost erhitzen\nBluten taugen Tümpel\nSternespießen\n•K\nSpiegel leben lustig losen\nAlleisenadern\nN\nSternstahladern ?\nVollsonnegesogen *\nWälder umarment • ?■\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2334, "texte": "Tore bloßen\nGold ist glänzendes Glücksgelächter\nWeinholz reißen\nVeilchenstämme\nEichbaum schälen\nRostrindenrach\nKlirren kreiden\nWeiß von weißer Seide\nWeiten wurzeln\nBlaugrat braunbrach\nKußkugeln körnern glühgildenkrönerisch\ni\n\\ '\nTosen talen\nPlankgranaten\nBuschen schwarze Schafe\nFatzen\nSonnenschnee\nErraten ist Singen aus sangferner Festung\nUrwald Kamine stechen Rauch\nSchutthalden glühen nachtrot Schornsteinv/älder\nFlüsse schleifen Stahl\nFeuer baucht die Erde\nGrau brennt alles grün\nFlacher flicht Pflugland ziegelviolett\nWolken wickeln das Land\nWir wagen\nWürgen Wogen\nWeigern Wolken\nTrümmern Tage\nNesseln Nächte\nJochen Jahre\nIch spieße den Mond auf eine Stecknadel\nDu träufelst das Meer in den Fingerhut\nWir schaukeln die Blitze\nDie Sterne staffeln unsere Steuerruder\nAare atzen\nTiefer summen Glocken Heide\nTiefer schneiden Wurzel Wasser\nSegel beugt im Wind\nLicht spritzen unsere Fingerspitzen\nLicht sichelt dein Mohnblumenmund i\nDie Aether der Welt\nFelsen schleudert die Stirn\nStirn bebt den jägenden Pfeil wo die Sterne aufhören\nAtmen Allachse\nHundert Jahre vor uns peitschen unsere Pioniere\nParadies und Orkan stolpern im Kerker\nVor uns lacht in uns\nErbreusen\nWegen entklettern\nSaalen lesen\nLunzelimde\nSee bald sehen\nWer ist David\nSträngestrollerubelstraße\nStützen tiefen Stand\nLispeln lasen\nTangbetonen\nDas ist Rese\nBeten basten\nBrennen brüstet\nLassen sie lachen\nDie blumen da\ndie blasen da\ndie blicken da\nBegegnen da\nDie Blume blüht nicht da\nPosaune bläst nicht da\nDas Auge blickt nicht da\nDa ist wohl da\nSeen sieden silberzittern\nHei mein Auge heult heifischblau\nKnaben jungen. Raub wild\nHabicht henkt Granit\nHirsch höhnt Patrone\nPanter prasselt Brand\nTiger trichtert Türkis\nOleander für Hyänen\nFeuer schmeckt süßer als Sehnen\nWir trinken Feur\nSchlürfen Feuer\nAtmen Feuer\nWirbeln\nLeben schlägt Leben\nLeben Lebensaft\nLeben wehren Leben wegen Leben\nWir werfen Leben weg\nWir werfen Plunder weg\nKämpfen starren feste Säulen\nStehen Sternsteintürme\nKämpfen dursten tief\nKämpfende löscht den Durst\nKämpfen lenzt letzten Tropfen Blut\nFichte federt\nFunkenfrühe\nFichte strahlt den Berg\nFichte küßt die Sonne\nFichte wegt Tal\nFichte flammt Flut\nBuchen klippen Opalglimmer\nLechzen quellen letzte Lanzen\nTanzen tanzen\nWas ist wessen\nSchlangenessen\nSchlingentrinken\nTrinken Tranken\nBlank faßt\nBlaßgeblutet\n>\nSchiffe empören die grade Gerade"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1832, "texte": "Lieben lippen nesterleise\nLieben nestern Nacht entzwei\nZwischen zwei Sternen tasten\nLasten langen\nFackeln farren\nr\nBirken latzen V\nFrühling bricht prallplatzend\nSommer klettert Stufen\nHerbst steigt treppenab\nDie Sonne ist jede Stunde anders hell\nWellen starren\nBleiblitz in Rose\nBlessenbesetzt\nGang geht Gargunde\nGesellen besagen\nGesinde greisgülden ;\nBlühflöten fangen forellenhangrpt\nOsten drängen Mitte\nSüden greifen Mitte\nWesten wollen Mitte\nMeere mögen Mitte\nMitte machen wochenwochen\nMitte schneidet Herz in hundert Scheide\nMitte mischt nicht\nMitte küßt Grenzen\nMJtte peitscht Grenzen\nMitte weitet\nMeer\nGebirge\nEbene\nRaschen rasen Ernterasseln\nNesseln nüstern\nLaufen lusten Schaufelschjnüdeln\nIn der Mistel Mühlen mahlen Meere\nMengen miedern müden Morgen\nMorgen sät der Mai\nBerge hallen\nBerge bleiben\nBerge verachten Tiefe\nBerge wilden\nBerge kämpfen\nBerge wünschen Frieden\nBerge freuen sich Festung\nBerge lieben Gott\nGott liebt die Berge\nBerge bleiben Berge\nBerge zerreißen mitunter\nBerge weiten Feuer\nBerge sehnen behende ' ,\nHundertfünf Granaten spielen Sterben\nSonne spielt mit Sandglas\nSterne spielen mit dem toten Mann\nKirchen spielen mit roten Kornblumen\nMarienkäfer spielen Libellenleuchter\nHimmel kringelt Kinderspielen\nMeere sehen ferne Fernen\nMeere binden Meere\nMeere haschen Sterne\nMeere herren ,\nMeere menschen\nMeere weiden\ni\nMeere packen\nMeere wagen Welten\nAchtkantenmaß\nSechseckeneck\nUm sieben acht die drei\nVier fünfen fallen vier\nNasse Kringel wachsen\nWachs schmilzt heliotrop\nVon Sternen stehen die befunden\nUngebunden\nUnentbunden\nBinden bergen Blüten\nEbenen Völkern\nEbenen wäldern\nEbenen straßen\nEbenen milliarden\n/\nEbenen menschen Schöpfer\nEbenen ebenen Menschenschöpfung\nEbenen kreisen Stämme\nEbenen despoten\n\\\ni\nEbenen Staaten\n, - 112 ~ »\ni\nEbenen wiegen Raum\nEbenen füllen die Zeiten\nStehen allein\nStehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-12-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-12-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1918-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.2.6", "titre_corps": "Das Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit", "titre_sommaire": "Das Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit", "signature_source": "Die intuitive Philosophie von Henri Bergson", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.8", "debut_caractere": 1834, "fin_caractere_exclue": 2243, "texte": "Das Erlebnis der Zeit und die\nWillensfreiheit\nDie intuitive Philosophie von Henri Bergson\nFritz Hoeber\nI\nDas verflossene Jahrhundert der Naturwissenschaft und der\nhistorischen Einzelerfahrung hat unsern Blick abgelenkt von\nden großen schöpferischen Lebensvorgängen in ihrer Ganzheit\nund prinzipiellen Unzerlegbarkeit: Die in differenziertester Ar-\nbeitssteilung forschende Wissenschaft häufte unendliches Tat-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8217, "texte": "\"Sachenmaterial, auf, das sie kaum noch einheitlich zu beherr-\nschen vermag, es sei denn durch eine quantitativ rücksichtslose\nSchematisierung, die sich nach den jeweiligen praktischen\nZwecke zu richten hat, Daß abei; solche Art der „Gesetz-\nbildung\" eine brutale Verflachung aller Erkenntnis des lebendig\nSeienden bedeutet, war nicht nur dem tief erdenkenden Geistes-\nhistoriker, dem Freund der Kulturwissenschaften, klar. Auch\nder zur philosophischen Kritik neigende Naturforscher mußte\nohne weiteres zugeben, jene hochgepriesenen ~Gesetze\" könn-\nten bestenfalls Verhaltungsmaßregeln darstellen, ab-\nstrahiert aus einem im Vergleich zu der Unermeßlichkeit der\nErscheinungen höchst kärglichen Tatsachenmaterial. Nur so-\nlange freilich durften sie ihre sehr bedingte Geltung bean-\nspruchen, als sie noch durch keine unvorhergesehene Ausnahme\nüberholt seien.\nWenn vielleicht den praktischen Naturwissen-\nschaften für ihre spezifischen Zwecke es trotzdem gestattet\nsein mag, aus dem konkreten Organismus der ineinander ver-\nwobenen Daseinsmomente bestimmte abstrakte Reihen heraus-\nzulösen und diese ihrer irrationalen Qualität zu entkleiden, um\nsie dann als konstante Posten in ein voraussehbares Rechnungs-\nsystem einzusetzen, so ist dies für die tiefe Erkenntnis unserer\neigenen Bewußtseinsvorgänge, der Tatsachen der\nlebendigen menschlichen Seele, vollkommen ausgeschlossen.\nDenn für diese gilt es, unter allen Umständen, ihre Wesenseigen-\nschaften: der unausgedehnten, räumlich nicht darstellbaren In-\ntensität/ der unendlichen, garnicht zu beschreibenden Mannig-\nfaltigkeit und. der innigsten Durchdringung ihrer sich niemals\nwiederholenden Momente untereinander, treu zu bewahren. —\nDennoch haben gewisse „Narren der Natur\", wie Shakespeare\neinmal vorahnend die materialistischen Rationalisten bezeich-\nnet, auch die geheimnisvollen Vorgänge unseres Seelenlebens\ndurch die Abstraktion quantifizierender Analyse zu begreifen\nund zu erklären gesucht: heute will die sogenannte experimen-\ntelle Psychologie die eigentliche Intensität unserer Gefühle\ndurch deren meßbare äußern Impulse zahlenmäßig feststellen,\nobwohl die Voraussetzung rationaler konstanter Beziehungen\nzwischen dem intensiven Bewußtseinsvorgang als solchem und\nseiner extensiven Anregung aus der Außenwelt an sich bereits\nfalsch ist.\nDie philosophierende Menschheit von dem bösen Bann der\npsycho-physischen Parallelität befreit zu haben, ist das groß-\nartige Verdienst des Philosophen Henri Bergson: Er steht\nin einem fundamentalen Gegensatz zu der praktisch orientierten\nNaturwissenschaft des Materialismus, der Annahme eines blos\nausgedehnten Seins, und des Positivismus, der zahlenmäßigen\nDarstellung aller Lebensvorgänge. Indem Bergson die Psycho-\nlogie tiefer erfaßt, als das ihre für die Naturwissenschaft schein-\nbar rationale Oberfläche ahnen läßt, dringt er zu einer i d e a 1 i -\nstischen Metaphysik vor. Als deren notwendige Folge\nerscheint die prinzipielle Freiheit des menschlichen\nWi 11 en s , ja des Willens der ganzen schöpferischen Entwick-\nlung überhaupt: „Wir sind frei\", so sagt Bergson einmal, „wenn\nunsere Handlungen aus unserer ganzen Persönlich-\nkeit hervorgehen, wenn sie sie ausdrücken, wenn sie jene\nundefinierbare Aehnlichkeit mit ihr haben, wie man sie zu-\nweilen zwischen dem Kunstwerk und seinem Schöpfer findet.\n— Damit aber hat Henri Bergson der durch die quantifizieren-\nden Naturwissenschaften entseelten Natur ihre Teleologie, in\nreligiösem Sinn ihren Gott, wiedergegeben.\nAußer der Lehre von den unzerlegbaren und darum auch\nnicht vorausbestimmbaren Tatsachen des Bewußtseins hat uns\nBergson noch eine andere grundlegende Erkenntnis geschenkt,\ndie neue Auffassung des Begriffes der Zeit: Kants Er-\nkenntnistheorie nämlich hat noch die Zeit Sem Raumbegriff ein-\nfach koordiniert. Nachdem seine Kritik die dreidimensionale\nErscheinungsform des Raumes als ein „homogenes Medium , als\nden in sich gleichförmigen und indifferenten Bereich unserer\nWahrnehmungen, gekennzeichnet hat, schließt sie schlechtweg\nauch auf einen analogen Charakter der Zeit, ohne sich weiter\n\"mit der doch ganz unvergleichlichen Individualität dieser Zeit,\ndie für Kant nur „die eindimensionale Anschauungsform\" dar-\nstellt, abzugeben.\nMit wunderbarer philosophischer Intuition hat Bergson\nhierin nun die Schwäche des Kantischen Systems erkannt, es\naber zugleich in schöpferischer Weise fortgebildet: Kants Auf-\nfassung der Zeit als ein homogenes Medium bedeutet die hete-\nronome Übertragung des ausgedehnten, qualitätslosen, gleichför-\nmigen Raumes auf die Zeit oder einer ganz indifferenten Außen-\nwelt auf die innersten Erlebnisse. Die Zeit als lebendige Ent-\nwicklung aber, durchflutet von den intensiven Bewußtseinsvor-\ngängen der menschlichen Seele, erscheint gerade unendlich qua-\nlitätsvoll, von absolutester Heterogeneität: nur intensiv und\ndynamisch ist sie zu erfassen, der quantifizierenden Analyse\nder „Wissenschaft\" weit unzugänglicher als der intuitiv nach-\nerlebenden Poesie! Somit steht die Zeit Bergsons als reine\nQualität in exkludierendem Gegensatz zum Raum dem Medium\nder reinen Quantität. Erst die mathematische Naturwissen-\nschaft, die sich hierin allerdings aufs Kants Vorgang berufen\nkann, hat aus der intensiven „duree concrete\", der erlebten\nDauer, eine quantitativ symbolisierte Zeit gemacht, ein verräum-\nlichtes Schema, das sich als solches natürlich beliebig messen\nund rationalisieren läßt. Dabei wurde freilich die Physik sich\nnicht bewußt, daß sie den tatsächlichen Vorgang der Zeit, das\nununterbrochen und unzerlegbare Continuum selbst, keineswegs\nzu messen vermag, sondern daß sie vielmehr nur willkürliche,\nnach räumlicher Analogie herausgegriffene Einzelpunkte in\nquantitative Beziehung zu einander setzt.\nII\nNachdem im Ueberblick die Bedeutung und die leitenden\nIdeen der Bergsonschen Philosophie hervorgehoben wurden,\nsei nun in eingehenderer Weise ihr Gedankenaufbau darge-\nstellt. — W'ie gesagt, bestimmt sich diese Erkenntnistheorie\ndurch zwei Punkte: Sie nimmt Stellung gegen die Ver-\nmengung von Extensivem und Intensivem durch die neuere\nempirische Psychologie und gegen die hergebrachte Kantische\nAuffassung der Zeit als ein homogenes Medium.\nIm Gegensatz zur modernen Psychologie will Bergson nicht\ndie ausgedehnten äußeren Wahrnehmungen mit den intensiven\nVorgängen des Bewußtseins aufbauen. Vielmehr ist er der An-\nsicht, daß unsere hauptsächlichsten Bewußtseinszustände zwar\ndurch jene extensiven Formen der Außenwelt ausgedrückt und\nwahrgenommen werden — wie es vor allem schon in der Sym-\nbolik der Sprache geschieht, — daß solche Wahrnehmun-\ngen uns aber für die wirkliche Erkenntnis des Ichs wenig\nhelfen können. Denn in ihnen stellt sich ein Kompromiß\nzwischen der Materie und dem Geist dar: Die ausgedehnte\nGegenständlichkeit wird in unser Inneres hineinprGjiziert.1)\nDerlei grobe Formen, die der Räumlichkeit der äußern Welt\nentlehnt sind, müssen aber bei einer Untersuchung der reinen\nBewußtseinstatsachen sorgfällig ausgeschieden wer-\nden. Die autonomen Kategorien der Bewußtseins Vorgänge, wie\ndie Intensität, die konkrete Dauer und die\nWillensfreiheit, sind in ihrer absolut unräumlichen\nEigenart zu erfassen, um das tiefe Wesen der Bewußtseinstat-\nsachen richtig zu verstehen.\n1. Die Intensität. Die psychischen Tatsachen zer-\nfallen in ein quantitatives Moment, in die im Raum gelegene\nUrsache, und in ein qualitatives, die innere Empfindungsinten-\nsität, Diese bildet somit das qualitative Zeichen für\nden quantitativ räumlichen Anstoß. Die wahrgenommene In-\ntensität eines einfachen Zustandes stellt sich also in ihrem Ur-\nsprung als ein quantitativ-qualitativer Kompromiß dar, Er-\n) Arthur Schopenhauer (Ueber Schriftstellerei und Stil 5)\näußert dieselbe Meinung, daß die Bewußtseinsvorgänge durch den Aus-\ndruck in den Allgemeinheiten der Sprache ihr Eigentümliches\nverlieren: „Das eigentliche Leben eines Gedankens dauert nur bti's er an\nden Grenzpunkt der Worte angelangt ist: da patrifiziert er, ist fortan\ntot, aber unverwüstlich, gleich den versteinerten Tiieren und Pflanzen\nder Vorwelt. Sobald nämlich unser Denken Worte gefunden hat, ist es\nschon nicht mehr innig, noch im tiefsten Grunde ernst. Wo es anfängt,\nfür andere da zu sein, hört es auf, in uns zu leben.\""}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7929, "texte": "forscht man nun aber die Dinge der räumlichen Außenwelt, so\nläßt man die qualitativen Wirkungen auf unser Bewußtsein\n„als qualite negligeable\" einfach beiseite, um sich nur auf die\nmeßbaren und die ausgedehnten Raumtatsachen zu beschrän-\nken. Logischerweise muß man deshalb auch bei den Bewußt-\nsemstatsachen die räumlich-unräumliche, extensiv-intensive\nVermengung der Anschauung aufgeben und sich völlig auf die\nden innern Vorgängen eigentümlichen Formen konzentrieren.\nJedoch auf dieser ungelösten erkenntnistheoretischen Be -\ngriffsvermengung beruhen nun gerade die Resultate der\nheutigen Psychophysik: diese nämlich läßt in einem andern als\nblos übertragenen Sinn Empfindungsintensitäten „wachsen\" und\nan — räumlicher — „Größe\" zunehmen, um also gleich diese\n„Zunahmen\", als die sie die doch tatsächlich ganz irrationale\nQualitätsveränderung betrachtet, zahlenmäßig zu\nmessen.\nWeiterhin unterscheiden sich die Bewußtseinstatsachen von\nden dinglichen Tatsachen auch noch durch die Art der beson-\ndern Mannigfaltigkeit: Bergson zeigt uns, daß die mathemati-\nsche Zahl, die rein quantitative Mannigfaltigkeit, nur gedacht\nwerden kann in einem qualitätslosen Medium, wie es allein\nder indifferente, homogene, reine Raum darstellt. Wollen wir\naber die im Raum aufgereihten, zahlenmäßig unterschiedenen\nEinheiten zu einer qualitativen Mannigfaltigkeit zusammenbe-\nziehen, als ein intuitives Ganzes begreifen, so wird ein Prozeß\nder innern Durchdringung und der Organisation\nnötig. Bei der praktischen Betrachtung der Mannigfaltigkeit\nder räumlichen Gegenstände abstrahieren wir jedoch regelmäßig\nvon dieser Qualität der Mannigfaltigkeit, sie einfach numerisch\naufreihend und räumlich unterscheidend. Also ist in der quali-\ntativ empfundenen, quantitativ aber ausgedrückten Mannig-\nfaltigkeit, genau ebenso wie in der psychischen Intensität, ein\nKompromiß enthalten, der, wenn er im räumlich Praktischen zu\ngunsten des Praktischen aufgegeben wird, doch erst recht bei\nder Erforschung der seelischen Zustände wegfallen muß, hier\naber zu Gunsten des Seelischen.\nDa die seelischen Zustände und ihre Elemente sich nicht\nräumlich aufreihen, sondern in völlig irrationaler Konfusion sich\ngegenseitig durchdringen, lassen sie sich weder zählen, noch\nin irgend ein anderes mathematisch, d. i. abstrakt räumlich prä-\nzisiertes Verhältnis bringen. Diese Wesenseigenschaften wider-\nsprechen allerdings in stärkstem Maß den Forderungen und den\nVersuchen der modernen Psychophysik.\n2, Die konkrete Dauer, Die in unserm Bewußtsein er-\nlebte Dauer erscheint als eine qualitative Mannigfaltigkeit, die\nsich in eminentem Gegensatz zu der quantitativen Mannigfaltig-\nkeit der räumlich unterschiedenen Zahl befindet: Daher vermag\nsie sich zwar organisch zu entwickeln, „wächst\" aber nicht, wird\nnicht „größer\" in ausgedehntem Sinn, Die Elemente der quali-\ntativen Mannigfaltigkeit dieser erlebten Dauer können nicht\näußerlich auseinandergelegt werden. Denn sie verflechten und\ndurchdringen sich gegenseitig in vollständiger Heterogeneität,\nund ebenso wenig lassen sich ihre Qualitäten klar voneinander\nunterscheiden.\nWas nun von dieser innern Dauer außerhalb unser selbst exi-\nstiert, ist nur der gegenwärtige Moment, die Simulta-\nnität gleichzeitig eintreffender Geschehnisse. Die Veränderun-\ngen in dieser Außenwelt können darum nur für das rücker-\ninnernde Bewußtsein lebendig sein: Unser Innenleben wird von\nder Sukzession, der Dauer beherrscht. Der äußere Raum kennt\nnur die Simultanität. Die äußern Dinge können somit nicht im\nSinn der Sukzession dauern. Die Bewußtseinszustände sukze-\ndieren einander, ohne sich unterscheiden zu lassen, während die\nräumlichen Simultanitäten sich zwar klar von einander unter-\nscheiden, ohne aber zu sukzedieren, d, h, ohne in einem sich\ninnerlich bewußten Zusammenhang zu stehen.\nIm praktischen Leben freilich projizieren wir, wiederum ver-\nmittels eines Kompromisses, die innerliche Sukzession auch in\ndie äußere Welt der Simultanitäten hinaus, die wir auf diese\nWeise ebenfalls „dauern\" lassen, und umgekehrt zerlegen wir,\nnach dem Vorbild der physischen Erscheinungen, die psychische\nSukzession in lauter unterschiedene Abschnitte, Auf diese\nWeise erhält die Zeit „Ausdehnung\", wird verräumlicht, und\ndie stets und mit Vorliebe quantifizierende Wissenschaft macht\nsich das zu Nutzen: sie nimmt von der Dauer nur die ihr ur-\nsprünglich fremde, in sie erst vom Raum aus hineingetragene\nSimultanität und von der Bewegung nur das einzelne, also nicht-\nbewegte Bewegungs moment: die simultane Lage des\nBewegten im Raum.\nLäßt man hingegen die innere Dauer, die Sukzession der psychi-\nschen Vorgänge, in ihrer ursprünglichen Reinheit bestehen,\nohne sie ins Räumliche zu transponieren, so werden ihre Ele-\nmente als eine völlig qualitative Mannigfaltigkeit und als eine\nabsolute Heterogeneität untereinander erscheinen. Zugleich\nwerden sie eine stets unentwirrbare Verschmelzung miteinander\neingehen, die jede logische Determination ausschließt. Damit\naber postulieren für ihr Gebiet die Bewußtseinsvorgänge der\ninnern Dauer die willen sfreie Persönlichkeit.\n3. Die Will ensfreiheit. Die begriffliche Verwirrung von\n„Dauer\" und „Ausdehnung\" hat die bisherige wissenschaftliche\nUnsicherheit dem Freiheitsproblem gegenüber verschuldet. In-\ndem man nämlich die Willensfreiheit leugnet, hat man die phy-\nsikalische Anschauung räumlich sich definierender Quantitäten\nund der mechanischen, meßbaren Folgerungen ganz inäquat auf\nunser Seelenleben angewandt.\nVersucht man aber andererseits die Willensfreiheit logisch\nzu bestimmen, so nimmt man damit an, der Bedingungskomplex,\naus dem sich die freie Handlung entwickeln soll, könnte vorher-\ngesehen und in seinen Momenten wirklich definiert werden.\nDadurch würde aber die Dauer, die psychische Sukzession, wie\neine homogene Sache und die intensiven Seelenerlebnisse\nals räumlich ausgedehnte Größen behandelt werden.\n— Nur durch eine Vermengung der sukzessiven Dauer mit dem\neinzig in der Simultanität zu erkennenden Raum läßt sich die\nFreiheit leugnen; sei es, daß man unter Verwendung des doppel-\nten Sinns des Kausalitätsbegriffs behauptet, die Handlung sei be-\nreits „in ihren Bedingungen\" gegeben, oder aber, daß man sich\nauf das physikalische Gesetz von der Erhaltung der Kraft be-\nruft, dessen Geltung freilich noch keineswegs für die Welt der\ninneren, intuitiven Vorgänge bewiesen ist.oder auch nur be-\nwiesen werden kann.\nDer Grund, den die Wissenschaft besitzt, um die Schei-\ndung von Ausdehnung und Dauer nicht in gleicher Weise zu\nGunsten der Dauer für die psychischen Vorgänge zu\nvollziehen wie sie regelmäßig sie zugunsten des Raumes für\ndie p h y s i s c h e n vollzieht, liegt in ihrer praktischen Aufgabe\nenthalten, in der üblichen wissenschaftlichen Methode des Vor-\nhersehens und des Messens: Physische Erscheinungen lassen\nsich aber nur voraussehen unter Elimination der heterogenen\nDauer und messen unter der Annahme der räumlichen Ausdeh-\nnung, Deshalb werden die Tatsachen unsers intensiven Innen-\nlebens von der Psychophysik verräumlicht und homogen ver-\nfestigt, um sie objektiv voraussehen und quantitativ messen zu\nkönnen, — Damit werden die innern Vorgänge aber aus dem\nindividuellen und persönlichen Leben in eine soziale, allgemein\nverständliche Farblosigkeit überführt.\nAuf diese Weise ist Bergson zu einer zweifachen Auf-\nfassung des Ichs gelangt, eines innern, das uns nur in den\nseltenen Momenten der sich vertiefenden Besinnung auf uns\nselbst zum Bewußtsein gelangt, und eines äußern, das sich\ngleichsäm als die Projektion des innern Ichs in dem Raum dar-\nstellt und sein sozialer Repräsentant ist.\nDie Freiheit ist natürlich nur dem innern Ich zu eigen,\ndessen Bewußtseinsvorgänge sich in der heterogenen Dauer\nsukzedieren und damit in einem Wesensgegensatz stehen zu\njenen meßbaren Dingen, die sich im homogenen Raum nebenein-\nander aufreihen: „Agir librement, c'est reprendre possession de\nsoi, c'est se replacer dans la pure duree. —\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-12-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-12-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1918-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramms Er-\nwachen / VI: Aagc von Kohls Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baums Kyland /\nXIVs Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 1 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-12-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-12-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1918-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.11", "debut_caractere": 3400, "fin_caractere_exclue": 4045, "texte": "Musik\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke . 1\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter I Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier I 1 Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1918-12-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1918-12-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1918-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblatffch\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Munfar\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Qeorg Muche\nXXI. 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B Jlgp IBBS «fflWp gESB > vHk &I w\nAB Jm 4%Ws\\'a Bäfo, t JB\nJ^Bb^bL|-p- 1 e k\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN DEZEMBER 1918\nNEUNTES HEFT\n\nInhalt:\nHerwarth Walde»: Ableger / Kurt Heynicke: Gedichte / Franz Richard Behrens: Vorsprung der Sonnenuhr / Fritz Hoeber: Das\nErlebnis der Zeit und die Willensfreiheit / Arnold Topp: Drei Holzschnitte / Walter Dexel: Holzschnitt / Sämtliche Schnitte vom Stock gedruckt\n\nArnold Topp: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.2", "texte": "Ableger\n\nSeit längerer Zeit erscheint in Weimar eine expressionistische\nGartenlaube unter dem Namen „Das Kunstblatt\", die neuerdings\nnach Potsdam verlegt ist. Herausgegeben und geleitet wird das\nBlatt von Herrn Paul Westheim, der nebenbei noch die\n„Frankfurter Zeitung\" mit Kunsturteilen versorgt. Herr Paul\nWestheim ist reinster Expressionist. Er konnte einfach ohne\nExpressionismus nicht mehr leben. Niemand in Europa hat sich\nbekanntlich um den Expressionismus gekümmert. Herr West-\nheim folgte also dem Zuge seines Herzens und seines Geistes\nund es gelang ihm tatsächlich in Weimar einen Verleger zu\nfinden, den er im Jahr 1917 von der Notwendigkeit überzeugte,\ndaß endlich etwas für den Expressionismus geschehen müsse.\nDer freundliche Herr in Weimar fand die Sache ganz originell.\nDas Kunstblatt erschien und Herr Paul Westheim war endlich\nin die Lage versetzt, für den Expressionismus zu wirken. Er\nkonnte und durfte bekennen. Wie hat er darunter gelitten, für\ndie neue Kunst nicht eintreten zu können. Zwar war er seit\neinem Jahrzehnt bereits sogenannter Kunstkritiker der „Frank-\nfurter Zeitung\", aber Frankfurt und die „Frankfurter Zeitung\"\nwaren ihm für sein Seelenbedürfnis und seine Kunstkennerschaft\nnicht gut* genug. Er hielt sich zurück, sicher mit blutendem\nHerzen. Er wollte die Leser der „Frankfurter Zeitung\" und der\nanderen Blätter, die er mit Kunst bediente, nicht sein wahres\nAntlitz sehen lassen. Nur die Stadt Schillers und Goethes war\nihm rein genug. Zwar hatte er in der „Frankfurter Zeitung\" und\nin seinen andern Blättern gelegentlich etwas über den Ex-\npressionismus geäußert. Und infolgedessen auch über den\n„Sturm\", der allerdings nur in Berlin erscheint, der sich aber\nsieben Jahre ausschließlich und allein mit dem Expressionismus\nbeschäftigte. Doch es war nicht der wahre Expressionismus,\ndem Herr Paul Westheim sein Leben widmet. Und so äußert\nsich Herr Westheim im Dezemberheft 1918 der Potsdamer Zeit-\nschrift „Das Kunstblatt\" also: „ Das Erscheinen eines Buches:\nKunstwende (im Verlag des Sturm) gibt Adolf Behne Anlaß, sich\nin den Sozialistischen Mona'tsheften auseinanderzusetzen mit\nden kleinen Ablegern der Marc, Chagall, Archipenko, Kan-\ndinsky, Klee,'Feininger, dem, was man jetzt unter dem Schlag-\nwort Sturmkunst der Oeffentlichkeit auf zupropagieren ver-\nsucht.\" Die Marc, Chagall, Archipenko, Kandinsky, Klee,\nFeininger gehören nicht zum Sturm und sind der Oeffentlichkeit\ndurch das Kunstblatt des Herrn Westheim aufpropagiert wor-\nden. Das hat Herr Westheim geleistet. Herr Westheim mit\nseinem Kennerblick. Herr Westheim mit seinem Kunsturteil.\nHerr Westheim mit der feinen Nase, der weiß, was echt und\nunecht, ehrlich und unehrlich im Expressionismus ist. Nun weiß\naußer Herrn Westheim jeder, daß die genannten Künstler zum\nSturm gehören und nur durch den Sturm zur Kenntnis des Herrn\nWestheim gelangt sind. Nur weiß nicht jeder mehr, wie Herr\nWestheim über diese Künstler geurteilt hat, für die er jetzt mit\nseiner ganzen Manneskraft gegen den Sturm auftritt. Herr\nWestheim tritt sogar oder vielmehr logisch für die Künstler ein,\ndie der Sturm ausschied, weil ihr Schaffen die neuen künst-\nlerischen Ziele nicht erreichen konnte. Das alles macht nichts.\nIch verbürge mich dafür, daß Herr Paul Westheim nach abermals\niünf Jahren die sogenannten kleinen Ableger des Sturm ver-\nteidigen wird, gegen die neuen Künstler, die vielleicht in füni\nJahren von den Herren Westheim und Behne als kleine Ableger\nwerden bezeichnet werden. Ich habe mich in künstlerischen\nWertungen nie geirrt. Die Herren Kunstkenner und Kunst-\nkritiker haben noch immer bestätigen müssen, was ich als erster\nerkannte und anerkannte. In jeder Kunst. Aucii Herr Paul\nWestheim folgt meinen Spuren, wenn auch nicht gerade er-\nrötend. Ich möchte ihn aber etwas zur Vorsicht mahnen. Er\nmöge wenigstens immer fünf Jahre warten, bis er ein Urteil\nabgibt. Auch dann kann ich ihm nur raten, einfach meine Ur-\nteil nachzuschreiben. Ich will das Herrn Paul Westheim aus\nPaul Westheim selbst beweisen.\nReclams Universum Dezember\n1913:\nHerr Paul Westheim über Chagall\nim „Sturm\":\n„Da gebührt seinem Kumpan, dem\nMarc Chagall, doch der Vorrang.\nEr schickt drei Bilder nach Berlin,\ndie gewidmet sind: erstens:\nseiner Braut, zweitens Chri-\nstus, drittens: Rußland, den Eseln\nund den Andern. Im Interesse\ndes guten Geschmacks, der einer\nMalersbraut ja ohne weiteres zu\nkonzedieren ist, wollen wir nicht\nannehmen, daß die gehörnte\nBestie, die oben zwischen ein\nPaar Schenkeln emportaucht, ein\nStück Selbsterkenntnis des so frei-\ngiebig widmenden Autors ist.\nFrankfurter Zeitung November\n1912:\nHerr Paul Westheim über den-\nselben Ludwig Meidner, den\nFührer der Gruppe Die Patheti-\nker: „Im Sturm marschierte wie-\nder eine neue Gruppe: Die Pathe-\ntiker auf, bestehend aus drei\njugendlichen Männern, deren\nNamen man sich nicht zu\nnotieren braucht. Sie\nscheinen noch in der Geistesver-\nfassung, wo man als Dichter\nschmerzerfüllte Oden ausströmt\nu. s. w.\nFrankfurter Zeitung September\n1913:\nHerr Paul Westhelm über den\nHerbstsalon des Sturm in Berlin:\n„Die Balla„ Benes, Seewald,\nS t ü c k g o 1 d — das ist normale\nMünchener Atelierroutine mit einem\nAufguß theoretisch angenommener\nInteressantheit, die den Wert alles\nnachtrabenden Mitläufertums hat.\nDas Kunstblatt Dezember 1917:\nHerr Paul Westheim über Chagall:-\n„Der Sturm zeigte als eine der be-\ndeutsamsten Veranstaltungen dieses\nKunstwinters eine umfassende Chagall-\nAusstellung, die einen großen Begriff\ngab von dem Schaffen dieses öst-\nlichen\" Mystikers'. Gleichzeitig Ist\nals erste Veröffentlichung einer Serie\nSturmbilderbücher im Verlag des\nSturm ein Chagall-Heft erschienen,\ndas eine Auswahl der Werke in Re-\nproduktionen darbietet. Wenn auch\nleider der Reiz der Farbe fehlt, der\nbei Chagall besonders bedeutsam ist,\nso erhält man einigermaßen doch\neinen Begriff von dem, was Werke\nwie. „Rußland den Eseln und den An-\ndern\", „Paris durchs Fenster\", „Den\nViehhändler\", „Die Geburt\" oder „Den\ntrinkenden Soldaten\" so wesenhaft\nmacht.\nAbgebildet im Kunstblatt: Meiner\nBraut gewidmet.\nDas Kunstblatt April 1917:\nHerr Paul Westheim über Ludwig\nMeidner, der zuerst im Sturm ausge-\nstellt und später ausgeschieden wurde,\nund zwar aus obiger Begründung:\n„Meidner zeichnet Köpfe. Man spürt\ndas, dieses Kribbeln in den Fingern,\nwenn er an einen gerät, der nicht\neinen Schafskopf durch die Gassen\nträgt. M eidners Porträtzeichnen ist\nsolch Zähnefletschen, solch bestiali-\nsche Freude am Schnappen, am Er-\nfaßthaben. In seinem Umkreisen des\nOpfers, in dem Zuschlagen mit der\nkrallenden Tatze, ist die Lust des\nbeutehungrigen Raubtiers.\nZahlreiche Abbildungen im Kunst-\nblatt, ein Ludwig Meidner-Heft.\nKunstblatt Februar 1917:\nHerr Paul Westheim über den Maler\nStückgold\nDie erste Stückgold-Sonderausstellung\nin Deutschland veranstaltete der\nSalon Neue Kunst im M a i 1913. Seiner\nDevise getreu, hat Goltz damit auf\neinen Schaffenden hingewiesen, auf\nden man Erwartungen hätte setzen\nkönnen. Wie üblich, wie selbstver-\nständlich, ist man auch damals\nachtlos geblieben.\nSo kann ich beliebig Herrn Westheim mit /Herrn Westheim über\njeden Künstler widerlegen, den er heute ~anerkennt''. Er möge\nalso bescheiden sein und sich bescheiden. Er möge sich seinen\nSatz einprägen, den er am 31. Dezember 1912 in der Frank-\nfurter Zeitung über den Sturm schrieb: ~In Wahrheit, es ist\nnichts leichter, als ehrlich zu scheinen, wenn man es ist. Aber\nauch nichts schwerer, als eben das, wenn man es nicht ist.\"\nDann verrät man sich also allzu leicht. Herr Westheim der\nKämpfer für den Expressionismus schreibt noch im August\n1918 über einen Sammler, der Kandinsky besitzt: ~So unver-\nständlich mir diese Liebhaberei auch bleiben wird\". Im De-\nzember 1918 hat diese „unverständliche Liebhaberei\" des\nHerrn Westheim schon ~kleine Ableger\". Es ist nicht so ein-\nfach, „unglücklicher Liebhaber\" zu sein mit einem Gesicht, das\nleicht ehrlich scheinen will.\nNoch einige Worte über Herrn Adolf Behne. Herr Behne hat\nbekanntlich durch mich die neue Kunst sehen gelernt und pole-\nmisiert in der erwähnten Besprechung des Buches Die Kunst-\nwende nicht so sehr gegen das Buch als gegen den Sturmklub.\nEr erklärt feierlich, ich hätte durch die Gründung dieses Sturm-\nklubs die Führerschaft der neuen Kunst verwirkt. Im Sturm-\nklub soll sogar Wein getrunken werden! Vielleicht übernimmt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.3", "texte": "Herr Adolf Behne die Führerschaft. Ich bin gar nicht ehr-\ngeizig. Aber Herr Behne wird sich an die kleinen Ableger ge-\nwöhnen. Er ist ein schlichter ehrlicher Kleinbürger, der Kunst\nliebt. Nur den Sturmklub hätte ich nicht gründen sollen. So\nkomme ich um meine Unsterblichkeit, um die ich zittre. Herr\nAdolf Behne hat sie mir im Jahre 1914 selbst in Dresden be-\nwilligt: „Von wem diese Auffrischung ausgegangen ist, kann\nkeinen Augenblick zweifelhaft sein: Es waren die Ausstellun-\ngen des Sturm, welche die Rolle des Hechtes im Karpfenteich\ngespielt haben. Die Bedeutung, die in der Ausstellungsarbeit\ndes Sturm gesteckt, wird der künftige Historiker einmal im\nGanzen zu würdigen haben. Hier sind uns Persönlichkeiten\nwie Franz Marc, Delaunay, Kandinsky, Kokoschka und Archi-\npenko zum ersten Mal in ihrem ganzen Reichtum gezeigt wor-\nden.\" Nun habe ich mir meine Zukunft durch ein Glas Wein\nverwirkt. Ich hätte meine Zukunft im liegen lassen\nsollen. Oder aber Herr Adolf Behne wird die ~kleinen Ab-\nleger 1 demnächst als große Künstler erkennen. Dann will ich\ntfern mit ihm zusammen ein Glas Wasser auf das Wohl seiner\nö\nVergangenheit trinken.\nWomit diese beiden Herren vorläufig abgelegt seien.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nKurt Heynicke\n\nDer Soldat\nBlühend steigt der Tag,\nmeine Seele ist Sonne,\nLicht überfließt mein waches Gesicht,\nich wandre,\nbald wiegen die wehenden Wipfeln der Föhren,\nbald fließt mein Boot die Freude entlang\nin meiner Heide Einsamkeit\no Schlacht,\nfernab,\nich entfliege ins Licht!\n« *\n*\nDie Straßen trinken die Bogenlampen,\no Stadt und Säle, ihr Straßen-Terrassen an spätem Tag\nIhr Wanderer der lauten Plätze,\nleicht fliehen Euere Worte dahin —\nich bin fremd unter Euch, -\nmeine Seele ist ein gefalteter Vogel\nund friert.\n* *\n*\nIm Park fällt der Herbst festlich aus bunter Höhe,\ndie schlanken Wege schmücken sich müde zur Feier,\nMädchen zittern in halber Helle\nich lächle mich an ihrem Blick vorbei,\nbald\ny\nwürgt mich die Schlacht,\nBald\nliegt auf meiner Seele der Stahlhelm der Zeit,\nerschossen wird meine Liebe,\nund, die Sterne,\nGottes Gesicht,\nverbluten grausam am Morgen,\n* *\n*\nReiche Jugend aus Wein und Deinem Gesicht,\nTagesgeliebte,\nMädchen\nerhebe die purpurne Schale des jungen Blutes,\nErinnerung sind Deine Augen an meine gestorbenen Jahre,\noh,\nmorgen erstößt mich der Geier der Schlacht,\nheut bin ich Lachen\nreich mir die Nacht,\ntanzen will ich den Tanz dieser Zeit\nmit schwarzem Angesicht den Tanz mit Pferdefüßen,\nich bin das Lachen\nmorgen\nzerreißt mich die Schlacht,\nDu,\nmeiner Seele Schwester,\nstilles Licht,\nmilde scheinst Du am Bogen meiner Gedanken,\ngib Deine Hand,\nWeinen will mein zagendes Herz\nwehe leis Deine Hand still über mein Haar,\nträume Schlummer hin über mich,\nich will knieen meine Unrast vor Dir,\nich bin nicht geboren in dieser Welt,\nAlles ist Nacht.\nMeine Blicke sind glanzlos und Nebel mein Gesicht,\ntot ist meines Herzens barmherziger Quell\nkeine Träne entspringt mehr dem Felsen der Schmerzen.\njemanden sehe ich nah,\nfern bist Du jäh,\nDunkel umrauscht mich,\nSchlacht bricht an,\nich sinke\nertrinke,\nLicht\nich rufe Dich an!\nMorgen,\nDie Schlacht,\nMorgen,\nAm Himmel Gottes weint der Mond,\nIch wandre meinen Brüdern zu.\nMein lieber Bruder ist der Tod.\n\nGesang des Jünglings\nRings kreist die Welt,\nUnd Sterne um die Welt ,\nund Schicksal rundgehetzt um Welt und Sterne.\nIch bin die Mitte,\nich trage meine Seele auf den Schultern\nich bin der Welten übervoll.\nIch bin die Mitte,\nSchicksal kreist um mich.\nUnd brausend stürzt der Tag,\nIch bin der Jüngling,\nJung meine Füße auf beglänzter Straße\nzu hellen Mädchen in den Dörfern\nund grüne Gärten blühn am Bogen meines Blickes\nin alten Kammern bin ich nachts zu Gast.\nAm Abend singt die Laute mir im Schoß\nhintaumelnd über alte Lieder\nsternweit\nund Frauen fallen lächelnd aus den Melodien,\nIch bin der Jüngling\nmein Angesicht ist weicher als der Abend,\nder aus den Wäldern auf die Städte fällt,\nam Abend bin ich älter als die Erde,\nGott sinkt in mich,\nich bin Geheimnis\nalt wie er\nund dunkel.\nIch wache noch mit Kinderaugen in der Nacht,\nMond stürzt in meine Kammern,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.4", "texte": "ein Kind weint in der Nacht.\nMein Herz weint in der Nacht.\nEin Kind weint unterm Herzen einer Magd,\nDas Leben rauscht,\nBlau ist die Nacht,\nMusik in aufgeblühter Stille,\nDurch meine Seele schwimmt der Mondeskahn,\nO Welt, ich bin ein hingepeitschtes Leben!\nO Chor der Nacht, gieß Ruhe über mich!\nEs kreist die Welt.\nDie Sterne brausen.\nIch bin ein Teil der Welt.\nIch kann nicht schlafen.\nIch schlafe nie.\nIch bin Soldat in einem großen Heer,\nHeer-Krieger.\nIch sehe Menschen-Heere,\nMütter-Heere,\nKinder-Heere,\nMenschen,\nMenschen,\nHeere bei Nacht.\nIch atme schwer in mondnen Kissen.\nDie Menschen ziehen durch das Schicksal,\nAn weißer Wand die Menschenleere.\nRastlose Wandrer,\ntausend Angesichte!\nIch sehe wandern.\nWandern.\nIch kann nicht schlafen.\nIch bin ein Menschen-Wanderer,\nIch fliege.\nFliege einsam auf zu Gott.\nIn sein uraltes Antlitz stürzt mein Schrei.\nIch Ebenbild,\nZu Bild\ndie Millionen unten Eben-Bild?\nEs regnet Sterne.\nStarr stehe ich.\nEs regnet Sterne über mich.\nUnd mich bedecken alle Sterne.\nRings fällt das Leid.\nAufsteht ein Lächeln über Zeit und Raum,\no Traum, du Leben,\nund o ihr Wurzeln,\nhoch in Gott!\n►\nIch bin der Jüngling.\nUnd meine Seele will gen Mittag.\n\nVorsprung der Sonnenuhr\nFranz Richard Behrens\n\nViel hunderttausendtiefe Wurzeln bohrt die blaue Blume\nDer Blütenschaum fegt seine Seidenfächer sternverankert\nRoggenfeld keucht heißen Schweiß\nIn Waldwipfeln strömt Magnet\nJede Kröte hat einen Motor im Bauch\nSpinnennetze drehen rasend Sonnenherz\nBlitzender Morgentautropfen treibt Schiffe im Meer\nSchwerter bersten • 7\n»\nHeckenrosen sagen Nachtigallen\nRotfinken stoßen Wiesen\nKirschbaumwälder\nSteine singen tausend Lieder\nGärten leuchten Tausendsang\nEngen locken\nPuppen Weiten\nBär lächelt Lämmern\nDie weißgefleckten Schafe haben einen braunen Bär\nBrennen quellen\nQuellen\nBluten\nzünden\nAdern\nMcrde brennen\nKlingen kalten\njßinnsel rennen seegesättigt\nPurpur Herzen betupfen Herz Erdball\nclu lache\ndu weine\nSchmerzen tränen du gefangen\nKiene knistern\nSonne lacht heimlich enges Liegen\nSpringt tosend felsenrunter\nMädelmutrg waldwärts westen\nSchweigen schwebt zwischen den Mündern\nSchweigen schwellt . Mündungen\nRosendolch schwingt luzinenlicht\nLieben strahlt Tod im Herzen\nLieben strahlt Leben von gestern von heute von morgen\nLieben strahlt Leiden\nKlingen geren\nRosen krusten\nEichen flattern\nWurzel fahnen ' !\nRost erhitzen\nBluten taugen Tümpel\nSternespießen\n•K\nSpiegel leben lustig losen\nAlleisenadern\nN\nSternstahladern ?\nVollsonnegesogen *\nWälder umarment • ?■\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.5", "texte": "Arnold Topp Holzschnitte / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.6", "texte": "Tore bloßen\nGold ist glänzendes Glücksgelächter\nWeinholz reißen\nVeilchenstämme\nEichbaum schälen\nRostrindenrach\nKlirren kreiden\nWeiß von weißer Seide\nWeiten wurzeln\nBlaugrat braunbrach\nKußkugeln körnern glühgildenkrönerisch\ni\n\\ '\nTosen talen\nPlankgranaten\nBuschen schwarze Schafe\nFatzen\nSonnenschnee\nErraten ist Singen aus sangferner Festung\nUrwald Kamine stechen Rauch\nSchutthalden glühen nachtrot Schornsteinv/älder\nFlüsse schleifen Stahl\nFeuer baucht die Erde\nGrau brennt alles grün\nFlacher flicht Pflugland ziegelviolett\nWolken wickeln das Land\nWir wagen\nWürgen Wogen\nWeigern Wolken\nTrümmern Tage\nNesseln Nächte\nJochen Jahre\nIch spieße den Mond auf eine Stecknadel\nDu träufelst das Meer in den Fingerhut\nWir schaukeln die Blitze\nDie Sterne staffeln unsere Steuerruder\nAare atzen\nTiefer summen Glocken Heide\nTiefer schneiden Wurzel Wasser\nSegel beugt im Wind\nLicht spritzen unsere Fingerspitzen\nLicht sichelt dein Mohnblumenmund i\nDie Aether der Welt\nFelsen schleudert die Stirn\nStirn bebt den jägenden Pfeil wo die Sterne aufhören\nAtmen Allachse\nHundert Jahre vor uns peitschen unsere Pioniere\nParadies und Orkan stolpern im Kerker\nVor uns lacht in uns\nErbreusen\nWegen entklettern\nSaalen lesen\nLunzelimde\nSee bald sehen\nWer ist David\nSträngestrollerubelstraße\nStützen tiefen Stand\nLispeln lasen\nTangbetonen\nDas ist Rese\nBeten basten\nBrennen brüstet\nLassen sie lachen\nDie blumen da\ndie blasen da\ndie blicken da\nBegegnen da\nDie Blume blüht nicht da\nPosaune bläst nicht da\nDas Auge blickt nicht da\nDa ist wohl da\nSeen sieden silberzittern\nHei mein Auge heult heifischblau\nKnaben jungen. Raub wild\nHabicht henkt Granit\nHirsch höhnt Patrone\nPanter prasselt Brand\nTiger trichtert Türkis\nOleander für Hyänen\nFeuer schmeckt süßer als Sehnen\nWir trinken Feur\nSchlürfen Feuer\nAtmen Feuer\nWirbeln\nLeben schlägt Leben\nLeben Lebensaft\nLeben wehren Leben wegen Leben\nWir werfen Leben weg\nWir werfen Plunder weg\nKämpfen starren feste Säulen\nStehen Sternsteintürme\nKämpfen dursten tief\nKämpfende löscht den Durst\nKämpfen lenzt letzten Tropfen Blut\nFichte federt\nFunkenfrühe\nFichte strahlt den Berg\nFichte küßt die Sonne\nFichte wegt Tal\nFichte flammt Flut\nBuchen klippen Opalglimmer\nLechzen quellen letzte Lanzen\nTanzen tanzen\nWas ist wessen\nSchlangenessen\nSchlingentrinken\nTrinken Tranken\nBlank faßt\nBlaßgeblutet\n>\nSchiffe empören die grade Gerade"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.7", "texte": "Walter Dexel: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.8", "texte": "Lieben lippen nesterleise\nLieben nestern Nacht entzwei\nZwischen zwei Sternen tasten\nLasten langen\nFackeln farren\nr\nBirken latzen V\nFrühling bricht prallplatzend\nSommer klettert Stufen\nHerbst steigt treppenab\nDie Sonne ist jede Stunde anders hell\nWellen starren\nBleiblitz in Rose\nBlessenbesetzt\nGang geht Gargunde\nGesellen besagen\nGesinde greisgülden ;\nBlühflöten fangen forellenhangrpt\nOsten drängen Mitte\nSüden greifen Mitte\nWesten wollen Mitte\nMeere mögen Mitte\nMitte machen wochenwochen\nMitte schneidet Herz in hundert Scheide\nMitte mischt nicht\nMitte küßt Grenzen\nMJtte peitscht Grenzen\nMitte weitet\nMeer\nGebirge\nEbene\nRaschen rasen Ernterasseln\nNesseln nüstern\nLaufen lusten Schaufelschjnüdeln\nIn der Mistel Mühlen mahlen Meere\nMengen miedern müden Morgen\nMorgen sät der Mai\nBerge hallen\nBerge bleiben\nBerge verachten Tiefe\nBerge wilden\nBerge kämpfen\nBerge wünschen Frieden\nBerge freuen sich Festung\nBerge lieben Gott\nGott liebt die Berge\nBerge bleiben Berge\nBerge zerreißen mitunter\nBerge weiten Feuer\nBerge sehnen behende ' ,\nHundertfünf Granaten spielen Sterben\nSonne spielt mit Sandglas\nSterne spielen mit dem toten Mann\nKirchen spielen mit roten Kornblumen\nMarienkäfer spielen Libellenleuchter\nHimmel kringelt Kinderspielen\nMeere sehen ferne Fernen\nMeere binden Meere\nMeere haschen Sterne\nMeere herren ,\nMeere menschen\nMeere weiden\ni\nMeere packen\nMeere wagen Welten\nAchtkantenmaß\nSechseckeneck\nUm sieben acht die drei\nVier fünfen fallen vier\nNasse Kringel wachsen\nWachs schmilzt heliotrop\nVon Sternen stehen die befunden\nUngebunden\nUnentbunden\nBinden bergen Blüten\nEbenen Völkern\nEbenen wäldern\nEbenen straßen\nEbenen milliarden\n/\nEbenen menschen Schöpfer\nEbenen ebenen Menschenschöpfung\nEbenen kreisen Stämme\nEbenen despoten\n\\\ni\nEbenen Staaten\n, - 112 ~ »\ni\nEbenen wiegen Raum\nEbenen füllen die Zeiten\nStehen allein\nStehen\n\nDas Erlebnis der Zeit und die\nWillensfreiheit\nDie intuitive Philosophie von Henri Bergson\nFritz Hoeber\nI\nDas verflossene Jahrhundert der Naturwissenschaft und der\nhistorischen Einzelerfahrung hat unsern Blick abgelenkt von\nden großen schöpferischen Lebensvorgängen in ihrer Ganzheit\nund prinzipiellen Unzerlegbarkeit: Die in differenziertester Ar-\nbeitssteilung forschende Wissenschaft häufte unendliches Tat-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.9", "texte": "\"Sachenmaterial, auf, das sie kaum noch einheitlich zu beherr-\nschen vermag, es sei denn durch eine quantitativ rücksichtslose\nSchematisierung, die sich nach den jeweiligen praktischen\nZwecke zu richten hat, Daß abei; solche Art der „Gesetz-\nbildung\" eine brutale Verflachung aller Erkenntnis des lebendig\nSeienden bedeutet, war nicht nur dem tief erdenkenden Geistes-\nhistoriker, dem Freund der Kulturwissenschaften, klar. Auch\nder zur philosophischen Kritik neigende Naturforscher mußte\nohne weiteres zugeben, jene hochgepriesenen ~Gesetze\" könn-\nten bestenfalls Verhaltungsmaßregeln darstellen, ab-\nstrahiert aus einem im Vergleich zu der Unermeßlichkeit der\nErscheinungen höchst kärglichen Tatsachenmaterial. Nur so-\nlange freilich durften sie ihre sehr bedingte Geltung bean-\nspruchen, als sie noch durch keine unvorhergesehene Ausnahme\nüberholt seien.\nWenn vielleicht den praktischen Naturwissen-\nschaften für ihre spezifischen Zwecke es trotzdem gestattet\nsein mag, aus dem konkreten Organismus der ineinander ver-\nwobenen Daseinsmomente bestimmte abstrakte Reihen heraus-\nzulösen und diese ihrer irrationalen Qualität zu entkleiden, um\nsie dann als konstante Posten in ein voraussehbares Rechnungs-\nsystem einzusetzen, so ist dies für die tiefe Erkenntnis unserer\neigenen Bewußtseinsvorgänge, der Tatsachen der\nlebendigen menschlichen Seele, vollkommen ausgeschlossen.\nDenn für diese gilt es, unter allen Umständen, ihre Wesenseigen-\nschaften: der unausgedehnten, räumlich nicht darstellbaren In-\ntensität/ der unendlichen, garnicht zu beschreibenden Mannig-\nfaltigkeit und. der innigsten Durchdringung ihrer sich niemals\nwiederholenden Momente untereinander, treu zu bewahren. —\nDennoch haben gewisse „Narren der Natur\", wie Shakespeare\neinmal vorahnend die materialistischen Rationalisten bezeich-\nnet, auch die geheimnisvollen Vorgänge unseres Seelenlebens\ndurch die Abstraktion quantifizierender Analyse zu begreifen\nund zu erklären gesucht: heute will die sogenannte experimen-\ntelle Psychologie die eigentliche Intensität unserer Gefühle\ndurch deren meßbare äußern Impulse zahlenmäßig feststellen,\nobwohl die Voraussetzung rationaler konstanter Beziehungen\nzwischen dem intensiven Bewußtseinsvorgang als solchem und\nseiner extensiven Anregung aus der Außenwelt an sich bereits\nfalsch ist.\nDie philosophierende Menschheit von dem bösen Bann der\npsycho-physischen Parallelität befreit zu haben, ist das groß-\nartige Verdienst des Philosophen Henri Bergson: Er steht\nin einem fundamentalen Gegensatz zu der praktisch orientierten\nNaturwissenschaft des Materialismus, der Annahme eines blos\nausgedehnten Seins, und des Positivismus, der zahlenmäßigen\nDarstellung aller Lebensvorgänge. Indem Bergson die Psycho-\nlogie tiefer erfaßt, als das ihre für die Naturwissenschaft schein-\nbar rationale Oberfläche ahnen läßt, dringt er zu einer i d e a 1 i -\nstischen Metaphysik vor. Als deren notwendige Folge\nerscheint die prinzipielle Freiheit des menschlichen\nWi 11 en s , ja des Willens der ganzen schöpferischen Entwick-\nlung überhaupt: „Wir sind frei\", so sagt Bergson einmal, „wenn\nunsere Handlungen aus unserer ganzen Persönlich-\nkeit hervorgehen, wenn sie sie ausdrücken, wenn sie jene\nundefinierbare Aehnlichkeit mit ihr haben, wie man sie zu-\nweilen zwischen dem Kunstwerk und seinem Schöpfer findet.\n— Damit aber hat Henri Bergson der durch die quantifizieren-\nden Naturwissenschaften entseelten Natur ihre Teleologie, in\nreligiösem Sinn ihren Gott, wiedergegeben.\nAußer der Lehre von den unzerlegbaren und darum auch\nnicht vorausbestimmbaren Tatsachen des Bewußtseins hat uns\nBergson noch eine andere grundlegende Erkenntnis geschenkt,\ndie neue Auffassung des Begriffes der Zeit: Kants Er-\nkenntnistheorie nämlich hat noch die Zeit Sem Raumbegriff ein-\nfach koordiniert. Nachdem seine Kritik die dreidimensionale\nErscheinungsform des Raumes als ein „homogenes Medium , als\nden in sich gleichförmigen und indifferenten Bereich unserer\nWahrnehmungen, gekennzeichnet hat, schließt sie schlechtweg\nauch auf einen analogen Charakter der Zeit, ohne sich weiter\n\"mit der doch ganz unvergleichlichen Individualität dieser Zeit,\ndie für Kant nur „die eindimensionale Anschauungsform\" dar-\nstellt, abzugeben.\nMit wunderbarer philosophischer Intuition hat Bergson\nhierin nun die Schwäche des Kantischen Systems erkannt, es\naber zugleich in schöpferischer Weise fortgebildet: Kants Auf-\nfassung der Zeit als ein homogenes Medium bedeutet die hete-\nronome Übertragung des ausgedehnten, qualitätslosen, gleichför-\nmigen Raumes auf die Zeit oder einer ganz indifferenten Außen-\nwelt auf die innersten Erlebnisse. Die Zeit als lebendige Ent-\nwicklung aber, durchflutet von den intensiven Bewußtseinsvor-\ngängen der menschlichen Seele, erscheint gerade unendlich qua-\nlitätsvoll, von absolutester Heterogeneität: nur intensiv und\ndynamisch ist sie zu erfassen, der quantifizierenden Analyse\nder „Wissenschaft\" weit unzugänglicher als der intuitiv nach-\nerlebenden Poesie! Somit steht die Zeit Bergsons als reine\nQualität in exkludierendem Gegensatz zum Raum dem Medium\nder reinen Quantität. Erst die mathematische Naturwissen-\nschaft, die sich hierin allerdings aufs Kants Vorgang berufen\nkann, hat aus der intensiven „duree concrete\", der erlebten\nDauer, eine quantitativ symbolisierte Zeit gemacht, ein verräum-\nlichtes Schema, das sich als solches natürlich beliebig messen\nund rationalisieren läßt. Dabei wurde freilich die Physik sich\nnicht bewußt, daß sie den tatsächlichen Vorgang der Zeit, das\nununterbrochen und unzerlegbare Continuum selbst, keineswegs\nzu messen vermag, sondern daß sie vielmehr nur willkürliche,\nnach räumlicher Analogie herausgegriffene Einzelpunkte in\nquantitative Beziehung zu einander setzt.\nII\nNachdem im Ueberblick die Bedeutung und die leitenden\nIdeen der Bergsonschen Philosophie hervorgehoben wurden,\nsei nun in eingehenderer Weise ihr Gedankenaufbau darge-\nstellt. — W'ie gesagt, bestimmt sich diese Erkenntnistheorie\ndurch zwei Punkte: Sie nimmt Stellung gegen die Ver-\nmengung von Extensivem und Intensivem durch die neuere\nempirische Psychologie und gegen die hergebrachte Kantische\nAuffassung der Zeit als ein homogenes Medium.\nIm Gegensatz zur modernen Psychologie will Bergson nicht\ndie ausgedehnten äußeren Wahrnehmungen mit den intensiven\nVorgängen des Bewußtseins aufbauen. Vielmehr ist er der An-\nsicht, daß unsere hauptsächlichsten Bewußtseinszustände zwar\ndurch jene extensiven Formen der Außenwelt ausgedrückt und\nwahrgenommen werden — wie es vor allem schon in der Sym-\nbolik der Sprache geschieht, — daß solche Wahrnehmun-\ngen uns aber für die wirkliche Erkenntnis des Ichs wenig\nhelfen können. Denn in ihnen stellt sich ein Kompromiß\nzwischen der Materie und dem Geist dar: Die ausgedehnte\nGegenständlichkeit wird in unser Inneres hineinprGjiziert.1)\nDerlei grobe Formen, die der Räumlichkeit der äußern Welt\nentlehnt sind, müssen aber bei einer Untersuchung der reinen\nBewußtseinstatsachen sorgfällig ausgeschieden wer-\nden. Die autonomen Kategorien der Bewußtseins Vorgänge, wie\ndie Intensität, die konkrete Dauer und die\nWillensfreiheit, sind in ihrer absolut unräumlichen\nEigenart zu erfassen, um das tiefe Wesen der Bewußtseinstat-\nsachen richtig zu verstehen.\n1. Die Intensität. Die psychischen Tatsachen zer-\nfallen in ein quantitatives Moment, in die im Raum gelegene\nUrsache, und in ein qualitatives, die innere Empfindungsinten-\nsität, Diese bildet somit das qualitative Zeichen für\nden quantitativ räumlichen Anstoß. Die wahrgenommene In-\ntensität eines einfachen Zustandes stellt sich also in ihrem Ur-\nsprung als ein quantitativ-qualitativer Kompromiß dar, Er-\n) Arthur Schopenhauer (Ueber Schriftstellerei und Stil 5)\näußert dieselbe Meinung, daß die Bewußtseinsvorgänge durch den Aus-\ndruck in den Allgemeinheiten der Sprache ihr Eigentümliches\nverlieren: „Das eigentliche Leben eines Gedankens dauert nur bti's er an\nden Grenzpunkt der Worte angelangt ist: da patrifiziert er, ist fortan\ntot, aber unverwüstlich, gleich den versteinerten Tiieren und Pflanzen\nder Vorwelt. Sobald nämlich unser Denken Worte gefunden hat, ist es\nschon nicht mehr innig, noch im tiefsten Grunde ernst. Wo es anfängt,\nfür andere da zu sein, hört es auf, in uns zu leben.\""}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.10", "texte": "forscht man nun aber die Dinge der räumlichen Außenwelt, so\nläßt man die qualitativen Wirkungen auf unser Bewußtsein\n„als qualite negligeable\" einfach beiseite, um sich nur auf die\nmeßbaren und die ausgedehnten Raumtatsachen zu beschrän-\nken. Logischerweise muß man deshalb auch bei den Bewußt-\nsemstatsachen die räumlich-unräumliche, extensiv-intensive\nVermengung der Anschauung aufgeben und sich völlig auf die\nden innern Vorgängen eigentümlichen Formen konzentrieren.\nJedoch auf dieser ungelösten erkenntnistheoretischen Be -\ngriffsvermengung beruhen nun gerade die Resultate der\nheutigen Psychophysik: diese nämlich läßt in einem andern als\nblos übertragenen Sinn Empfindungsintensitäten „wachsen\" und\nan — räumlicher — „Größe\" zunehmen, um also gleich diese\n„Zunahmen\", als die sie die doch tatsächlich ganz irrationale\nQualitätsveränderung betrachtet, zahlenmäßig zu\nmessen.\nWeiterhin unterscheiden sich die Bewußtseinstatsachen von\nden dinglichen Tatsachen auch noch durch die Art der beson-\ndern Mannigfaltigkeit: Bergson zeigt uns, daß die mathemati-\nsche Zahl, die rein quantitative Mannigfaltigkeit, nur gedacht\nwerden kann in einem qualitätslosen Medium, wie es allein\nder indifferente, homogene, reine Raum darstellt. Wollen wir\naber die im Raum aufgereihten, zahlenmäßig unterschiedenen\nEinheiten zu einer qualitativen Mannigfaltigkeit zusammenbe-\nziehen, als ein intuitives Ganzes begreifen, so wird ein Prozeß\nder innern Durchdringung und der Organisation\nnötig. Bei der praktischen Betrachtung der Mannigfaltigkeit\nder räumlichen Gegenstände abstrahieren wir jedoch regelmäßig\nvon dieser Qualität der Mannigfaltigkeit, sie einfach numerisch\naufreihend und räumlich unterscheidend. Also ist in der quali-\ntativ empfundenen, quantitativ aber ausgedrückten Mannig-\nfaltigkeit, genau ebenso wie in der psychischen Intensität, ein\nKompromiß enthalten, der, wenn er im räumlich Praktischen zu\ngunsten des Praktischen aufgegeben wird, doch erst recht bei\nder Erforschung der seelischen Zustände wegfallen muß, hier\naber zu Gunsten des Seelischen.\nDa die seelischen Zustände und ihre Elemente sich nicht\nräumlich aufreihen, sondern in völlig irrationaler Konfusion sich\ngegenseitig durchdringen, lassen sie sich weder zählen, noch\nin irgend ein anderes mathematisch, d. i. abstrakt räumlich prä-\nzisiertes Verhältnis bringen. Diese Wesenseigenschaften wider-\nsprechen allerdings in stärkstem Maß den Forderungen und den\nVersuchen der modernen Psychophysik.\n2, Die konkrete Dauer, Die in unserm Bewußtsein er-\nlebte Dauer erscheint als eine qualitative Mannigfaltigkeit, die\nsich in eminentem Gegensatz zu der quantitativen Mannigfaltig-\nkeit der räumlich unterschiedenen Zahl befindet: Daher vermag\nsie sich zwar organisch zu entwickeln, „wächst\" aber nicht, wird\nnicht „größer\" in ausgedehntem Sinn, Die Elemente der quali-\ntativen Mannigfaltigkeit dieser erlebten Dauer können nicht\näußerlich auseinandergelegt werden. Denn sie verflechten und\ndurchdringen sich gegenseitig in vollständiger Heterogeneität,\nund ebenso wenig lassen sich ihre Qualitäten klar voneinander\nunterscheiden.\nWas nun von dieser innern Dauer außerhalb unser selbst exi-\nstiert, ist nur der gegenwärtige Moment, die Simulta-\nnität gleichzeitig eintreffender Geschehnisse. Die Veränderun-\ngen in dieser Außenwelt können darum nur für das rücker-\ninnernde Bewußtsein lebendig sein: Unser Innenleben wird von\nder Sukzession, der Dauer beherrscht. Der äußere Raum kennt\nnur die Simultanität. Die äußern Dinge können somit nicht im\nSinn der Sukzession dauern. Die Bewußtseinszustände sukze-\ndieren einander, ohne sich unterscheiden zu lassen, während die\nräumlichen Simultanitäten sich zwar klar von einander unter-\nscheiden, ohne aber zu sukzedieren, d, h, ohne in einem sich\ninnerlich bewußten Zusammenhang zu stehen.\nIm praktischen Leben freilich projizieren wir, wiederum ver-\nmittels eines Kompromisses, die innerliche Sukzession auch in\ndie äußere Welt der Simultanitäten hinaus, die wir auf diese\nWeise ebenfalls „dauern\" lassen, und umgekehrt zerlegen wir,\nnach dem Vorbild der physischen Erscheinungen, die psychische\nSukzession in lauter unterschiedene Abschnitte, Auf diese\nWeise erhält die Zeit „Ausdehnung\", wird verräumlicht, und\ndie stets und mit Vorliebe quantifizierende Wissenschaft macht\nsich das zu Nutzen: sie nimmt von der Dauer nur die ihr ur-\nsprünglich fremde, in sie erst vom Raum aus hineingetragene\nSimultanität und von der Bewegung nur das einzelne, also nicht-\nbewegte Bewegungs moment: die simultane Lage des\nBewegten im Raum.\nLäßt man hingegen die innere Dauer, die Sukzession der psychi-\nschen Vorgänge, in ihrer ursprünglichen Reinheit bestehen,\nohne sie ins Räumliche zu transponieren, so werden ihre Ele-\nmente als eine völlig qualitative Mannigfaltigkeit und als eine\nabsolute Heterogeneität untereinander erscheinen. Zugleich\nwerden sie eine stets unentwirrbare Verschmelzung miteinander\neingehen, die jede logische Determination ausschließt. Damit\naber postulieren für ihr Gebiet die Bewußtseinsvorgänge der\ninnern Dauer die willen sfreie Persönlichkeit.\n3. Die Will ensfreiheit. Die begriffliche Verwirrung von\n„Dauer\" und „Ausdehnung\" hat die bisherige wissenschaftliche\nUnsicherheit dem Freiheitsproblem gegenüber verschuldet. In-\ndem man nämlich die Willensfreiheit leugnet, hat man die phy-\nsikalische Anschauung räumlich sich definierender Quantitäten\nund der mechanischen, meßbaren Folgerungen ganz inäquat auf\nunser Seelenleben angewandt.\nVersucht man aber andererseits die Willensfreiheit logisch\nzu bestimmen, so nimmt man damit an, der Bedingungskomplex,\naus dem sich die freie Handlung entwickeln soll, könnte vorher-\ngesehen und in seinen Momenten wirklich definiert werden.\nDadurch würde aber die Dauer, die psychische Sukzession, wie\neine homogene Sache und die intensiven Seelenerlebnisse\nals räumlich ausgedehnte Größen behandelt werden.\n— Nur durch eine Vermengung der sukzessiven Dauer mit dem\neinzig in der Simultanität zu erkennenden Raum läßt sich die\nFreiheit leugnen; sei es, daß man unter Verwendung des doppel-\nten Sinns des Kausalitätsbegriffs behauptet, die Handlung sei be-\nreits „in ihren Bedingungen\" gegeben, oder aber, daß man sich\nauf das physikalische Gesetz von der Erhaltung der Kraft be-\nruft, dessen Geltung freilich noch keineswegs für die Welt der\ninneren, intuitiven Vorgänge bewiesen ist.oder auch nur be-\nwiesen werden kann.\nDer Grund, den die Wissenschaft besitzt, um die Schei-\ndung von Ausdehnung und Dauer nicht in gleicher Weise zu\nGunsten der Dauer für die psychischen Vorgänge zu\nvollziehen wie sie regelmäßig sie zugunsten des Raumes für\ndie p h y s i s c h e n vollzieht, liegt in ihrer praktischen Aufgabe\nenthalten, in der üblichen wissenschaftlichen Methode des Vor-\nhersehens und des Messens: Physische Erscheinungen lassen\nsich aber nur voraussehen unter Elimination der heterogenen\nDauer und messen unter der Annahme der räumlichen Ausdeh-\nnung, Deshalb werden die Tatsachen unsers intensiven Innen-\nlebens von der Psychophysik verräumlicht und homogen ver-\nfestigt, um sie objektiv voraussehen und quantitativ messen zu\nkönnen, — Damit werden die innern Vorgänge aber aus dem\nindividuellen und persönlichen Leben in eine soziale, allgemein\nverständliche Farblosigkeit überführt.\nAuf diese Weise ist Bergson zu einer zweifachen Auf-\nfassung des Ichs gelangt, eines innern, das uns nur in den\nseltenen Momenten der sich vertiefenden Besinnung auf uns\nselbst zum Bewußtsein gelangt, und eines äußern, das sich\ngleichsäm als die Projektion des innern Ichs in dem Raum dar-\nstellt und sein sozialer Repräsentant ist.\nDie Freiheit ist natürlich nur dem innern Ich zu eigen,\ndessen Bewußtseinsvorgänge sich in der heterogenen Dauer\nsukzedieren und damit in einem Wesensgegensatz stehen zu\njenen meßbaren Dingen, die sich im homogenen Raum nebenein-\nander aufreihen: „Agir librement, c'est reprendre possession de\nsoi, c'est se replacer dans la pure duree. —\"\n\nSchluß folgt"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19181215-01.1.11", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschriit Der Sturm\nErscheint am iiinizehnten jcdes Monats\nDauerbezug\nGcwohnliche Ausgabe: Fur Dcutsch-\nland: Ein Jahr 9 Mk / Ein Halbjahr 5 Mk /\nEinzelheft 1 Mark / F ii r das Ausland;\nEin Jahr 12 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSender - Ausgabe: Ungebr ochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt durch die Post / Fur\nDeutschland: Ein Jahr 15 Mark /\nFiirdas Ausland: Ein Jahr 20 Mark\n\nF r e i s e der friiheren Jahrgange\nVollstandige Ausgabe Qewohnliche Sender-\nAusgabe: ausgabe:\n1. Jahrgang 1910/11 30 Mark —\n2. Jahrgang 1911/12 30 Mark —\n3. Jahrgang — 40 Mark\n4. Jahrgang 11913/14 — 40 Mark\n5. Jahrgang 1914/15 20 Mark 30 Mark\n6. Jahrgang 1915/16 20 Mark 30 Mark\n7. Jahrgang 1916/17 20 Mark 30 Mark\n8. Jahrgang 1917/18 30 Mark 40 Mark\nEinzelheftc, soweit vorhanden, erster bis\nachter Jahrgang, je 1 Mark\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenver se\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite I Gedichte\nQeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nfjberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nQeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\nGeh eftet 3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\nGeheftet 5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen ,\nGebunden 15 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nErnst Marcus\nDas P r o b 1 em der exzentrischen\nEmpfindung und seine Losung\n5 Mark\nWilli elm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n-3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebcsgedichtc\nGeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden\nDas Buch der M en schenliebe\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Hart e der Weltenliebe /\nRoman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nG e s a m hi e 11 e Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nWeib I Komitragodie\nGeheftet 8 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\n5 ii n d e / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nG1 a u b e / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark 50 Pfennig\nKind I Tragodie\nT r i e b / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / Ills Mynonas Fur Hunde und\nandere Menschen / IVs August Stramms\nDie Haidebraut / V. 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August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblatffch\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Munfar\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Qeorg Muche\nXXI. 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Carra / Max\nErnst j Lyonel Feininger / Emil Filla /\n\nAlbert Glcizes / Otto Gutfreund / Oswald\nHerzog / Sigrid Hjerten-Griinewald / Isaac\nGriinewald / Johannes Itten / Alexei von\nJawlensky / Paul Klee / Oskar Kokoschka\nI Otakar Kubin / Fernand Leger / Franz\nMarc I Gabriele Miinter / Jean Metzinger /\nJohannes Molzahn / Francis Picabia /\nGino Severini / Arnold Topp / Maria\nUhden / Marianne von Wereikin\n\nSturmschule\nLeitung : Herwarth Walden\nDrittes Jahr\nBerlin / Potsdamcr Strafie 134a\nUnterricht und Ausbildung in der\n«•\nexpressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst /\nMaierei / Dichtung / Musik\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer (\nr. •, ' / • ♦\nRudolf Blumner\nCampendonk * '\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitumg: Dienstag, Mittwoch,\nFreitag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat ist\ntaglich von 10—6 geoffnet\n\nLeitung der Sturmschule fur Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen (lurch den Sturm / Berlin W 9\n\nSturm-Abende\nVerein fur Kunst / Ftinfzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Storm / Berlin\nJeden Mittwoch %8 Uhr\nVortragender: Rudolf Bliimner\nKarten zu 5, 4, 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nVerein fur Kunst\nFiinfzehntes Jahr\nJahresbeitrag 25 Mark\nRechte: Freier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch der Sturm-Ausstel-\nlungen / Jahrlich 2 Kunstdrucke\nAnmeldungen durch den Sturm\n\nKunsibuchhandiung\nDer Sturm\nPotsdamer StraBe 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nHat gute und seltene Biicher und Noten\nvorratig und nimmt Bestellungen entgegei*\n\nVerein Siurmbiihne\nVorsitzetider: Dr. John Schikowski\nGeschaftsstelle: Charlottenburg / ScharrenstraMe 1!\nAufruf und Satzungen kostenlos\nSiurmbiihne\nTheater der Expressionisien\nN u r vor Mitgliedern des Vereins Sturm-\nbiihne\nAnmeldungen zur Mitgliedschaft werden auch im,\nSturm entgegengenommen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Wal-\nden / Lothar Schreyer / Rudolf Bliimner /\nRudolf Bauer / William Wauer / Max Ver-\nworn I und anderen\nMit 140 Abbildungen / zum Teil\nnach Bildern und Bildwerken samtlicher\nKiinstler des Sturm / der Urvolker und der\nVolkskunst / Mit mehrfarbigen Beilagen\nFarbige Umschlagzeichnung von William Wauar\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museums-\nausgabe mit Originalen Nummer 1—10\nM 200— Nummer 11—50 M 100—\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedicht®\nDas Buch enthalt die Gedichte, die R u\ndolfBliimneran den S t u r m-A b t Jdr\nden vortragt\n4 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Express-ionisten*\nJede Folge 60 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nVierte und fiinfte Folge erschienen\nHerwarth Walden: Einblick is Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nmaiden der Sturm-Kiinstler\nZweitc Aufiage\n5 Mark\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipeako\n4 Mark\nIII: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen\nVon alien Holzschnitten der Zeltschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdracka\nvon den meisten Zeichnungen Kunstdrncke\nkauflich zu erwerben« Die Originate siud ver-\nkauflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlag&v\nDer Sturm kosteftlos"}]}