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Solche Darstellungen finden sich nicht\nso sehr in der großen monumentalen Kunst der Höhlenwände,\nals vielmehr in Gestalt von Gravierungen auf Gebrauchsgegen-\nständen aus Knochen oder Renntierhorn, Hier ist das urspüng-\nÜch rein figurale Motiv als Ornament verwendet und schema-\ntisch vereinfacht oder omamental stilisiert worden. Wir haben\nhier eine Mischform von ornamentaler und figuraler Kirnst vor\nuns und stehen vor den ersten Anfängen einer ganz neuen\nKunstrichtung, die bald die alte Kunst des Paläolithicums ganz\nverdrängt und bis weit in die geschichtlichen Zeiten hinein fast\ndie ausschließliche Alleinherrschaft übernimmt.\nWerden figurale Motive als Ornament verwendet, so vollzieht\nsich sehr schnell eine Umbildung des Gegenstandes in der Dar-\nstellung. Der erste Schritt dazu besteht in der Vereinfachimg\ndes Bildes durch Weglassen aller für den Ornamentzweck un-\nwesentlichen Einzelheiten, d, h. in einer Schematisierung. Die-\nser Prozeß schreitet weiter fort. Das Schema kann so einfach\nwerden, daß aus ihm das Original kaum noch zu erkennen ist.\nUmgekehrt aber kann in das Schema auch allerlei ornamentale\näutat eingefügt werden. So entfernt sich die Darstellung immer\nweiter von der Naturwahrheit. Es entsteht dabei eine Kunst-\nrichtung, die viel mehr ihre Wünsche und Ideale, ihr Phantasie-\nbild von dem ursprünglichen Gegenstand zum Ausdruck bringt,\nals das der Natur entsprechende unmittelbare Empfindungsbild\nIch habe deshalb diese Kunstrichtung als die ideoplasti-\nscheKunstder ältesten naturwähren Figuralkunst, die man\nals physioplastische Kunst bezeichnen kann, gegen-\nüber gestellt. Beide Kunstrichtungen sind so weit von einander\nverschieden wie Himmel und Erde, wenn sich auch im gegebenen\nEinzelfalle einmal Züge der einen mit Zügen der anderen Rieh-\ntung vermischen können.\nWie gesagt, zeigt sich die „ideoplastische Kunst\" in der paläoli-\nthischen Periode der diluvialen Renntierjäger nur in ihren ersten\nschüchternen und spärlichen Anfängen. Man ordnet Tierköpfe,\nindem man sie leicht vereinfacht in Reihen als Dekoration aul\nKnochengeräten an (Figur 2 links oben), man schematisiert ein-\nzelne Elemente der Tierzeichnung und verwendet sie als Orna-\nment (Figur 2 rechts unten), man bildet Pflanzenranken zu orna-\nmentalen Kreis- und Spiralmotiven um. Im ganzen beschränkt\nsich die Ideoplästik in dieser Zeit noch auf die einfachsten Sche-\nmatisierungen zu ornamentalen Zwecken. Mit dem Uebergang\nder paläolithischen Kulturperiode in die neolithische, mit dem\nUebergang der älteren Steinzeit in die jüngere ändert sich das\naber vollkommen (Figur 3). Am Ausgang des Paläolithicums\nfindet ein umfassender Szenenwechsel im Kulturbilde der\nMenschheit statt, so tiefgehend, daß man direkt von einem\n„Hiatus\" zischen paläolithischer und neolithischer Kultur ge-\nsprochen hat. In der Tat ist die tülle von neuen Erscheinungen\ngewaltig. Man glaubt in eine neue Welt einzutreten, wenn man\ndie voll entwickelte neolithische Kultur vergleicht mit den Kul-\nturen der älteren Steinzeit. Wir wissen heute zwar, daß sich\nauch hier eine ganze Reihe von Uebergangsstufen finciet, die\nuns die Kontinuität der Entwicklung verbürgen, aber es läßt\nsich nicht leugnen, daß sich in dieser Uebergangszeit eine tief-\ngreifende Umwälzung vollzogen hat, die auch die Kunst ent-\nscheidend beeinflußte.\nEine große Anzahl von Tatsachen hat uns gelehrt, daß nicht blos\neine Weiterentwicklung der äußeren Kultur in jener Ueber-\ngangszeit sich vollzog, die zum Beispiel in der Entstehung neuer\nWerkzeugtypen, in der Erfindung der Keramik, der Spinnerei\nund Weberei, der Viehzucht, des Ackerbaus, des Hausbaus\nihren Ausdruck fand, sondern daß vor allem die ganze Geistes-\nkultur einen mächtigen Impuls erhielt, der in dem üppigen\nEmporwuchern des Vorstellungslebens bemerkbar wurde.\nIch kann hier nicht auf die einzelnen und mannigfachen Symp-\ntome, die uns das anzeigen, näher eingehen. hs genügt zu\nwissen, daß sich um jene Zeit eine tiefgehende Aenderung im\nDenken des Menschen vollzog. Der Mensch tritt aus dem Zeit-\nalter des naiv praktischen Geistes in das Zeitalter des speku-\nlativ theoretisierenden Geistes ein. Die naive Harmlosigkeit\ndes alten diluvialen Jägers, der sich in erster Linie von den mo-\nmentanen Sinneseindrücken leiten ließ, ohne sich viel über ihre\nBedeutung den Kopf zu zerbrechen, geht verloren. Milt der seß-\nhaften Lebensweise, die der Ackerbau - im Gefolge hat, macht\nsich mehr die Neigung geltend, über die Dinge nachzusinnen\nunä zu grübeln. Man macht sich Gedanken über Leben und\nTod, über Krankheit und Heilung, über Schlaf und Traum, Man\ngelangt zu der dualistischen Spaltung des menschlichen Wesens\nin Leib und Seele und von dieser ungeheuer folgenschweren\nKonzeption aus ist es nur noch ein Schritt zu der Konstruktion\nder Ahnenseelen, der Geister, Dämonen und Götter, Die ganze\nWelt wird bevölkert teils mit unsichtbaren Geistern, teils mit\nSeelen, die sich in irgend einer schrecklichen Form wieder ver-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3919, "texte": "körpert haben. In jedem harmlosen Tier, hinter jedem unschein-\nbaren Vorgang wittert argwöhnische Furcht die Tücke eines\nbösen Geistes, Hinter den unschuldigsten Gegenständen und\nVorkommnissen des täglichen Lebens lauert irgend ein geheim-\nnisvoller Sinn und das spekulative Denken, dessen unzurei-\nchende Logik schon bei den kürzesten Gedankengängen gleich\nasthmatisch wird und versagt, mündet in schrankenlosem My-\nsticismus.\nDas etwa ist die Geistesverfassung, die den Menschen der neoli-\nthischen Periode und der darauf folgenden metallzeitlichen\nKulturstufen bis weit in die historischen Zeiten des alten Baby-\nloniens und Aegyptens hinein charakterisiert, und die wir bei\nden heute noch auf diesen Kulturstufen lebenden Naturvölkern,\nwie Indianern, Australiern, Südseeinsulanern und Negern so\ndeutlich zu studieren in der Lage sind. Dieser Zustand spiegelt\nsich auch auf das schärfste in der bildenden Kunst wieder.\nVor allem läßt die figurale Kunst den Geist der neuen Zeit deut-\nlich erkennen, insofern sie einen fast ausschließlich ideoplasti-\nschen Charakter gewinnt. Es ist nicht mehr das reale konkrete\nObjekt, das spezielle Individuum, das einzelne, beobachtete\nJagdtier, was den Gegenstand der figuralen Darstellung bildet,\nsondern vielmehr das, was man sich bei den Gegenständen\ndenkt, die abstrakte Vorstellung, die Idee, die man sich von den\nDingen gmacht hat. Je nach den Vorstellungen religiöser,\nästhetischer, praktischer Art, die der einzelne Künstler hat,\nwird das Bild dabei verschieden ausfallen. Immer aber ist es\nein theoretisches Phantasiebild, niemals die sinnlich wahrge-\nnommene Natur selbst.\nWill man zum Beispiel einen Gott darstellen, so bildet man eine\nsckematische Menschengestalt (Figuren 4 und 5), denn man\ndenkt sich den Gott in der Gestalt eines Menschen, will man\nihn näher charakterisieren, so gibt man ihm. ein spezifisches\nSymbol in die Hand, etwa eine Waffe oder ein Sonnensymbol,\ndas ihn von anderen Göttern unterscheidet. Diese alten primi-\ntiven Götterbilder lehren uns übrigens, daß nicht Gott den Men-\nschen nach seinem Ebenbilde, sondern das fumgekehrt der\nMensch die Götter nach seinem Bilde geschaffen hat. Diese\nalten Götterbilder beweisen uns aber besonders klar, daß die\nBildung abstrakter Begriffe in jener Zeit einen hohen Grad er-\nreicht haben muß, denn der Gott oder der Dämon konnte ja nie\nsinnlich beobachtet worden sein. Beobachtet werden konnte\nnur der einzelne Mensch als konkretes Individuum, Aber was\nman als Götteridol darstellt, ist nicht das konkrete Individuum,\nsondern der abstrakte Begriff Mensch oder Gott, aller speziellen\nEigenschaften, oft, wie bei den griechischen Inselsteinen (Fi-\ngur 5) so sehr entkleidet, daß die Figur kaum noch als Men-\nschenfigur erkennbar ist, kurz ein abstraktes Schema,\nDasselbe gilt von den Tierdarstellungen. Während der paläolf-\nthische Jäger das konkrete Individuum darstellt, das er be-\nobachtet, rerfolgt, erlegt hatte, gibt das Bild des ideoplastischen\nKünstlers der jüngeren Steinzeit oder der Metallkulturen den\nabstrahierten Begriff der betreffenden Tierart oder Gattung\nwieder, unter Weglässung aller speziellen Charaktere. Dabei\nbringen die Formen und etwaige künstlerische Zutaten wie Or-\nnamente gleichzeitig je nach dem speziellen Kultur- und Ideen-\nkreise, aus dem das Werk hervorgegangen ist, die Ideale und\nWünsche des Künstlers, seiner Zeit und seines Milieus mehr\noder weniger deutlich sichtbar zum Ausdruck (Figuren 6 und 7),\nDie gleichen Merkmale tragen die Darstellungen aller Gegen-\nstände der ideoplastischen Kunstrichtung. Wir finden sie daher\nauch in den Produkten der heutigen Kinderkunst, die infolge\nder modernen Erziehung einen fast rein ideoplastischen Cha-\nrakter hat. Ja, man kann sogar für viele ideoplastische Bilder\nder postpaläolithischen Kulturstufen direkte Parallelen aus der\nKinderkunst mit vollkommener Uebereinstimmung in den cha-\nrakteristischen Einzelheiten aufstellen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5531, "texte": "Aber nicht bloß in Abstraktionen betätigt sich der menschliche\nGeist in jener Zeit, wo das Geistesleben seinen mächtigsten Auf-\nschwung nimmt. Abstraktionen bestehen in der schematischen\nVereinfachung des Vorstellungsbildes einer Gruppe konkreter\nObjekte derselben Gattung. Der menschliche Geist dieser Ent-\nwicklungsstufe vollzieht auch Synthesen. Er kombiniert ver-\nschiedenartige Dinge, die in der Wirklichkeit nichts miteinander\nzu tun haben. So entstehen Phantasiegebilde der verschieden-\nsten Art: Mischformen von Menschen und Tiergestalten, wie\ndie geflügelten Menschen oder die Löwen mit Menschenköpfen,\ndie wir aus der babylonischen und assyrischen Kunst kennen,\nDoppeltiere wie die Doppelprotomen aus dem Picentischen\nKulturkreise der älteren Eisenzeit Italiens, oder auch Misch-\nformen von Menschengestalt und Ornament, wie sie im neoli-\nthischen Kulturkreis der Südseeinsulaner noch heute so häufig\nuns entgegentreten.\nDie ideoplastische Kunst beherrscht alle prähistorischen\nKunstschöpfungen seit dem Ausgang der Diluvialzeit. Erst\nmit der klassischen Periode der griechischen Kunst begegnen\nwir wieder von neuem einem physioplästischen Naturalismus.\nVon dort her ist das bewüßte Streben nach Naturwahrheit in\ndie römische Kunst und über diese auch am Ausgang des Mittel-\nalters mit der Renaissance in die abendländische Kunst einge-\ndrungen, während bis dahin unsere einheimische bodenstän-\ndige Kunst in Mitteleuropa noch rein ideoplastische Charaktere\ntrug, denn auch die schönsten und vollendetsten Kunstwerke\ndes Mittelalters, soweit sie nicht schon stark durch die Antike\nbeeinflußt erscheinen, sind noch durchaus ideoplastischer Art.\nDas klassische Ideal, das uns seit dem Beginn der Renaissance\ndurch eine über mehrere Jahrhunderte sich erstreckende Ge-\nwöhnung anerzogen ist, und das in der naturwahren Wiedergabe\ndes gesehenen Objektes einen Gipfel künstlerischer Vollendung\nerblickt, hat es mit sich gebracht, daß in unserer Zeit auch die\ngroße Masse geneigt ist, den Grad \"Her Naturwahrheit als einen\nMaßstab für die Höhe des künstlerischen Schaffens, sowohl in\nder gesamten Kunstgeschichte als in der Leistung des einzelnen\nKünstlers zu sehen. Und dieser falsche Gradmesser trägt die\nSchuld daran, daß man noch immer das Verhältnis der alten\ni\nphysioplästischen Kunst der paläolithischen Kultur zu der\nideoplastischen Kunst der späteren, Kulturstufen nach jeder\nRichtung hin schief beurteilt. Man pflegt gewöhnlich in der\nEntwicklung der ideoplastischen Kunst einen Rückschritt gegen-\nüber der physioplästischen Kunst der alten Mammuth- oder\nRenntierjäger zu sehen. Darin liegt einerseits eine ebenso große\nUeoerschätzung der alten naiven Physioplastik, wie Unter-\nschätzung der von der Naturwährheit abgekehrten Ideoplastik.\nBegeht man nicht von vornherein ohne irgendwelche Berech-\ntigung den Fehler, daß man die Naturwahrheit als Maßstab für\ndie Entwicklungshöhe der figuralen Kunst zugrunde legt, dann\nergibt sich ein ganz anderes Verhältnis. Alle Kunst ist ein Aus-\ndrucksmittel für Bewußtseinsinhalte. Es erfordert aber zwei-\nfellos ein viel höheres Können, abstrakte Bewußtseinsinhalte\nmit den sinnlich wahrnehmbaren, selbstgeschaffenen Mitteln\nder Kunst auszudrücken als einfache Erinnerungsbilder von\nkonkreten, sinnlich währgenommenen Objekten. In diesem\nFalle befand sich der paläolithisclie Physioplastiker, im\naer Ideoplastiker der späteren Zeit. Das ganze Interesse des\noiluvialen Jägers wurde beherrscht ausschließlich jdurch die\nsinnlichen Eindrücke der Jagdshäre. So war sein Bewußtseins-\nleben erfüllt von) den unmittelbaren Vorstellungsbildern der\ngesehenen Jagdtiere. Diese Vorstellungsbilder waren es, die er\nfrisch, wie sie in ihm lebten, durch seine Zeichnung an der\nHöiilenwand oder auf einem Knochenstück oder auch auf einem\nBachgeröll, das zufällig am Lagerplatz umherlag, durch seine\nZeichnung, spielend mit seiner eigenen Erinnerung, wiedergab.\nDurch theoretische Grübeleien über das Gesehene war sein\nGeist noch wenig beschwert. Für ihn existierte nur die Reali-\ntät, die ihn sein sinnlich impressionistischer Geist täglich un-\nmittelbar erleben ließ. Selbstverständlich also, daß sein Kunst-\nwerk näturwahr werden mußte, lis wäre wunderbar, wenn es\nandeis sein sollte. Ganz anders beim Ideoplastiker der späteren\nZeit mit seinem zu theoretischen Spekulationen geneigtem\nGeiste. Für ihn war die Natur gar nicht das, was sie schien,\nsondern hinter ihr steckten allerlei Geister und tinsichtbare\nMächte. Die Furcht vor diesen bösen Geistern und vor unheil-\nvoller Zauberei, vor Krankheit und Tod, vor Dürre und Miß-\nernte beunruhigte und beschäftigte andauernd seine Phantasie\nSo waren es auch nicht die unmittelbaren Vorstellungsbilder\nv der natürlichen Dinge, sondern seine eigenen Phäntasiebilder,\ndie er in seinen Kunstwerken wiedergab, denn die künstlerische\nSchöpfung ist, ob gewollt oder nicht, der treue Ausdruck der\neigenen Bewußtseinsinhalte des Künstlers. Das Nachdenken\nund Tneoretisieren kennzeichnet aber zweifellos, mag es auch\nauf den ersten Stufen noch so unvollkommen sein und zu noch\nso widerspruchsvollen Ergebnissen führen, doch' immer eine\nhöhere Stufe der menschlichen Geistestätigkeit, als das einfache\nnaive kritiklose Hinnehmen der Sinneseindrücke, und ganz in\nUebereinstimmung damit stellt daher auch die ideoplastische\nKunst eine höhere Entwicklungsstufe des künstlerischen\nSchaffens vor als dje naive Physioplastik der primitiven Jäger\nAus dem .Buch Expressionismus / Die Kunstwende / Herausgegeben von\nHerwarth Waiden / Verlag Der Sturm / Berlin W9"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.3.1", "titre_corps": "Figur 1 Weidendes Renntier, Knochengravierung des Paläolithicums", "titre_sommaire": "Figur 1 Weidendes Renntier, Knochengravierung des Paläolithicums", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.2", "debut_caractere": 5326, "fin_caractere_exclue": 5390, "texte": "Figur 1\nWeidendes Renntier, Knochengravierung des\nPaläolithicums"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.3.2", "titre_corps": "Figur 2 Ornamental verwendete Tierzeichnungen aus dem jüngeren Paläolithicum. 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Dann alle\nsangen —\nNacht im Gelände .., Finsternis ~. Vollmond ist rot vergangen ~\nUnd dreißig Pferdenasen traben einen Strich, verwehtes Wiehern\nflog von Roß zu Roß . . .\nDie Wälder westwärts. Güter, Gärten, Weiber, Fleisch, Wein,\nBrot,\nSie stoßen jubelnd Sporen, daß sie knochig knirschen\nUnd knallen in verscheuchte Rudel, in die Flucht von Hirschen.\nUnd hie und da wird Nacht voll Licht, wird Waldsaum rot . . .\n-breit in der Landschaft schlafen Güter; Gärten glänzen reich;\nVerhengte Reiter sprengen an die Tore, Axt klafft iin die Türen,\nUnd in die Hof fahrt stiebt der Ritt, löst sich der Schwärm . . .\nPeuer fliegt in den Abend; Wein macht sie heiß und weich,\nMit langen Lanzen stechen sie; plündern die Truhen, stürmen ...\nUnd zwingen Weiber, schreiend, nackt sich an Knie und Arm ~."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "130", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.5", "titre_corps": "Lieder", "titre_sommaire": "Lieder", "signature_source": "Wilhelm Runge", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.4", "debut_caractere": 6489, "fin_caractere_exclue": 6880, "texte": "Lieder\nWilhelm Runge\n\nAbendlied.\nDeiner Augen lose Mücken schwärmen\nAbendsonnenspiel\nstrahlher strahlhin\nund des Angesichtes\ndüstrer Wald\nlehnt am Hang des sonnenmüden Tags\nin dem Abendläuten Deines Blutes\ndurch der Hände weiß verträumtes Dorf\nund des Atems stilles Kind\ngeht in Rosengärten\nauf und ab\nund verhält den Schritt\ndaß es die Lippen\ndie die Andacht auf die Knie zog\nnicht verstöre"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1755, "texte": "Lied\nWenn Du kommst\nduftet Sommer\nDeiner Augen Schmetterlinge flattern\nstiller Mittag\nlieg ich lauschend jy\nan dem Plätschern Deines Lachens\nstrecke mich im Arm der Blumen\nin die Sonne Deines Glücks\nda stößt Sturm die seidgen Garben F\naus der Stirn\nrafft das große Segel\nDeines Blicks\nund mein Herz zuckt auf\nein Dolch\nin meinen Händen\n4-\nLied\nWilden Meerschaum schwazt Du in die Muschel\ndie ich bin\nam Strand\nEine Welle nickt der andern zu ®\nbis die Seele schwer wird\nin den Sand\nDeine Augen sind hellblauer Mai\ndoch schon zucken Bienen\nund bald schwärmt es\nwie in Fliederblüten\nDeine Lippen zwitschern auf die Höh\nwie die Sonne ihre goldnen Locken\nauf der Wälder Schulter wirft\ndann kommt Frieden\nDeinen Worten\nfällt das müde Auge zu\nnur die Hände schluchzen leis\nin den Sammt des Kleides\nnichts ist so verstiegen\nwie mein Wunsch\nnach Dir\nUnd der findet nun\nnie mehr zurück\nLied\nFinstre Efeuhecke hin zum Grab\nfällt Dein Haar\nTrauer schluchzt wild auf die stille Bank\nimmer — immergrünverrankt\nund des Auges blaues Veilchen\nblüht auf hartem Steine\nruhesanft.\nAn Dein Antlitz kann der Wind nicht rühren\nblätterstill ist aller Zweige Mund\nbis des Schmerzes schriller Vogel\naus dem Schlummer Deiner Lippe fährt\nund die Wipfel wildes Stürmen packt\ndas die Aeste\nbodenhin — hoch — himmelauf\nzerfetzt\nLied\nWenn Du Deine Augen schließt\nist alles dunkel\nmeine Hand, die zu Dir will\ngeht irre\ndunkel stehe ich ein Baum auf einem Kirchhof\nNur durch meine Zweige läutet Abend\nund die Wolken die vorüberziehn\nweinen\nweinen, bis Du aufschaust\nhochauf flattern Falter i\nFrühling sonnt im Strahl den Blumen hoch\nund mein Fuß der eben wie ein Bettler müd am Graben-\nrande liegt\nspringt auf\nNun die Welt den Schwärm hilfreicher Wege vor das Antlitz\nseiner Wünsche wirft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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'\nGoldkäferchen lacht Glanz von Deinen Brüsten\nHüften wiegen in mich Sonnenschein\nDeines Leibes süßes Heimlichsein —\nQnadet Gott."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.7", "titre_corps": "Atelier Marc Chagall", "titre_sommaire": "Atelier Marc Chagall", "signature_source": "Deutsch: Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.6", "debut_caractere": 2028, "fin_caractere_exclue": 3112, "texte": "Atelier Marc Chagall\nDeutsch: Rudolf Blümner\nLa Ruche\nNach Treppen Türen und nach Türen Treppen\nUnd seine für entblättert sich wie eine Zeitung\nVisitenkarten überdeckt\nDann schließt sie sich\nUnordnung nur Unordnung\nPhotographien von Leger Photographien von Thobeen die man\nkaum sieht\nUnd obendrauf\nobendrauf\nGebrüll von Werken\nZeichnungen, Skizzen und Gebrüll von Werken\nGemälde\n- Leere Haschen\n~Wir garantieren die völlige Reinheit unserer Tomatensauce\"\nsagt eine Etikette\nDas Fenster ist ein Kalender\nWenn die Riesenkraniche der Blitze mit gewaltigem Krachen\ndie himmlischen Pinassen\nsteilen und ausschöpfen\nstürzt er\nIm Wirrwarr\nVerweste Sonne Christus der Kosaken\nUnd Dächer\nSomnambulen Ziegen\nEin Bärenmensch\nPetrus Borel\nIrrsinn und Winter\nEin Genius gespalten wie ein Pfirsich\nLautreamont\nChagall\nDas arme Kind am Schöße meiner Frau *\nOh grämliches Entzücken\nDie Hacken schiefgetreten\nUralter Kochtopf voll von Chokolade\nDie Lampe spaltet sich\nUnd dieser Rausch\nSooft ich ihn besuche\nDie leeren Flaschen\nFlaschen\nZina\n(Wir sprachen viel von ihr)\nChagall\nChagall\nBlaise Cendrars"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.8", "titre_corps": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "titre_sommaire": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "133", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.9", "titre_corps": "Das Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit", "titre_sommaire": "Das Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit", "signature_source": "Die intuitive Philosophie von Henri Bergson Fritz Hoeber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7896, "texte": "Das Erlebnis der Zeit und die\nWillensfreiheit\nDie intuitive Philosophie von Henri Bergson\nFritz Hoeber\nIII\nKants Auffassung der Zeit und sein Irrtum\nDie Kantische Erkenntnislehre hat die Momente der Dauer, die\neinander unlösbar sind, im Raum ausgebreitet. Sie nahm das\nräumlich symbolisierte Abbild der duree für die duree concrete\nselbst, für die eigentliche Dauer, und verwechselte damit das\ninnere, persönliche Ich mit seinem in die Außenwelt projizier-\nten, roh verallgemeinerten Abbild. Dadurch erscheint Kant aber\nals Ursache jenes philosophischen Mißverständnisses, das ver-\nmeint, die Bewußtseinstatsachen nur in der Nebeneinander-\nreihung begreifen zu können, und das somit die intensive und\nheterogene Dauer genau so als homogenes Medium behandelt\nwie den extremen Räum: Die Einmaligkeit und Unwiederhol-\nbarkeit des geistigen Geschehens wird aufgegeben, indem die\npsychischen wie die physischen Ereignisse derselben quanti-\nfizierenden Kausalität unterworfen werden. —; Daß trotzdem,\ni\nKant an der Willensfreiheit festhält ist weniger logische Folge\nseines Systems als ein Glaubenssatz seines persönlichen\nIdealismus: Das Kantische Ich steht dem Raum und der ver-\nräumlichten Zeit gleich fremd gegenüber und erscheint deshalb\nüberhaupt unserm Erkenntnisvermögen unzugänglich.\nKants Erkenntnistheorie nimmt auf der einen Seite „Dinge an\nsich\" an, die durch die von ihr gleich behandelten Media des\nRaumes und der Zeit hindurch erscheinen. Auf der andern\nSeite stehen die äußeren Dinge, einen Gegensatz bildend zu\ndem phänomenalen Ich unserer Selbstbestimmung. Die Not-\nwendigkeit, außer den Dingen der Erscheinung auch „Dinge an\nsich\" noch anzunehmen, liegt bei Kant nicht in der logischen\nErkenntnisfolge der reinen Vernunft, sondern erst in der sitt-\nlichen Forderung der praktischen Vernunft. Darin besteht aber\nwie bereits betont, der metaphysische Gedankensprung des\nKantischen Systems,\nFür Kant und die Kantianer ist die Erscheinungswelt, einerlei\nob sie sich im Raum oder in der Zeit auswirkt, ein homogenes\nMedium: was sich in dessen räumliche Simultanität nicht über-\nsetzen läßt, ist für die Wissenschaft schlechthin unerkennbar.\nDabei wird freilich nicht berücksichtigt, daß eine solche Wirk-\nlichkeit mit praktischem Zweck gerade erst für die wissen-\nschaftliche, das heißt naturwissenschaftliche Erkenntnis herge-\nrichtet worden ist.\nDie homogen gedachte Dauer bei Kant involviert aber auch den\nBegriff der Determination, der Unfreiheit des Willens, da die-\nselbe Kausalität, die gleichmäßig für die extensiven wie die\nintensiven Geschehnisse gilt, Wiederholungen und damit die\nVoraussehbärkeit der Ereignisse ermöglicht. Die .Welt der\n„Dinge an sieh\" verlangt den metaphysischen Glau-\nben. — Läßt man dagegen die Momente der reinen Dauer ein-\nander innerlich sein, sich gegenseitig durchdringen, statt sie\nnebeneinander im Raum aufzureihen, und verleiht ihnen ihre\nautonome Heterogeneität, so verliert aller Determinismus seine\nlogische Möglichkeit \"und das in der Selbstbesinnung erfaßte\nIch gewinnt seine Freiheit zurück. Selbst die physischen Mo-\nmente werden durch diese absoluten geistigen beständig durch-\ndrungen und sind darum keineswegs in ihrer ganzen Fülle be-\ngrifflich in dem Maße zu erfassen, wie dies das rationalistische\nDenken der reinen Quantität, der verräumlichenden mathema-\ntischen Disziplinen, tun zu können vermeint!\nDie Auffassung der Wirklichkeit nach räumlichen Gesichts-\npunkten und die quantitativ homogene Anordnung der sie er-\nfüllenden Materie hat den praktischen Vorteil, die Dinge in fest\nzueinander abgegrenzten „Begriffen\" zu verstehen und verleiht\ndiesen dadurch eine über das Individuelle hinausgehende, so-\nziale Verständlichkeit, Die Verräumlichung wird so zur\ninterpersonell begreifbaren Schematisie-\nrung; ihr Hauptbeispiel ist die menschliche Sprache, ein räum-\nlich noch konkreteres die menschliche Schrift. — Dem ist nun\naufs Schärfste entgegengesetzt das in der inneren Dauer sich\norganisierende Ich. Dieses Ich aber veranlaßt auch die banal\nklare räumliche Einteilung unserer außenweltlichen Wahr-\nnehmungen: wie leicht gelangt es dann auch dazu, diese prakti-\nsche Einteilung in das Innere der tiefen, konfusen Bewußtseins-\nvorgänge zurückzuprojizieren. Damit werden jedoch, um ein\nBild Bergsons zu wiederholen, psychische Elementarzustände\nmechanisch zu physischen Erlebnissen zusammengesetzt „wie\ndie Buchstaben eines Alphabets bei der Bildung von Worten\"»\nDas Gefährliche hierbei ist, daß eine solche Vorstellung nicht\nnur abstrakte Vorstellung bleibt, sondern tatsächlich von un-\nserer ganzen Persönlichkeit Besitz ergreifen wird. Auf solche\nWeise verdeckt sie aber die Freiheit durch den Automatis-\nmus; Willenshandlungen werden durch die Verräumlichung der\nbewußten Vorstellung zu bloßen Reflexhandlungen.\nDie Psychophysiker wie die Kantianer benutzen nun diese räum-\nlich veräußerlichten, homogen schematisierten Handlungen, um\ndaraus eine kausale Determination, analog der der sogenannten\nNaturgesetze, abzuleiten. Ihre räumlich aufgefaßte Zeit kommt\nihnen dabei als homogenes Medium sehr zu statten. Die\nWillensfreiheit, wird, zum mindesten für die Erkenntnis, un-\nlogisch. Höchstens läßt man sie, mit der bekannten kategori-\nschen Forderung Kants, aus moralischen Gründen gelten, damit\nder Mensch wenigstens in etwas „Ebenbild Gottes\" bleibt und\nnicht zur bloßen Maschine herabsinkt.\nVersetzen wir uns jedoch in die Momente bedeutsamer\nEntscheidungen unsers Lebens zurück, so tritt uns das\nGefühl von deren Einzigartigkeit und Unwiederholbärkeit mit\nDeutlichkeit ins Bewußtsein: Wir können sie nicht in der Sym-\nbolik der Worte reproduzieren, noch können wir sie aus ein-\nfach nebeneinander gesetzten Ursachen wieder zusammensetzen.\nAllmählich wird uns die unauflösliche Innerlichkeit dieser\nrein dynamischen Einheiten klar die als Ganzes die\nheterogene Dauer unsers konkreten, unsers bewußten Lebens\ndarstellen.\nDie Freiheit der Handlung beruht grade in dieser fundamentalen\nInkommensurabilität von Ursache und Wirkung im Bewußt-\nseinsgeschehen. Eine Prävision wäre nur dann möglich, wenn\nman alle kausalen Komponenten überblicken und kombinieren\nkönnte. Das ließe sich freilich nur bewerkstelligen, indem man\nsich mit seinem ganzen Bewußtsein wieder in jenen\nvergangenen Moment der Entscheidung zurück-\nversetzte. Da aber, nach unserer Auffassung der Dauer, kein\nMoment als analoger wiederzukehren vermag, die Zurückver-\nsetzimg, schon rein zeitlich, deshalb unmöglich ist, ist auch die\nVoraussicht und damit die Determination einer innern bewußten\nHandlung schon in der Voraussetzung ausgeschlossen.\nDie Leugnung der Willensfreiheit kann darum nur auf einer\nReihe theoretischer und praktischer Vermengungen beruhen:\nzuerst wird anstatt der konkreten Dauer die räumlich symboli-\nsierte Dauer supponiert. Sodann geschieht die Versenkung in\nunser innerstes Bewußtsein, die Vorbedingung der Willensfrei-\nheit, nur recht selten. Schließlich wenn die freie Handlung ein-\nmal vollzogen ist und wir, nun über ihre Gründe reflektierend,\nuns Rechenschaft zu geben suchen, so reihen wir dennoch, im\nbequemen Schematismus des praktischen Alltags, ihre Ursachen\nund Bedingungen räumlich nebeneinander auf, ohne uns auf\ndas Eigentliche, den Kern des freien Willens Vorgangs, die irra-\ntionale Dauer und ausschließlich intensiven und qualitativen\nWesensmomente, zu besinnen.\nIV\nHenri Bergsons Philosophie räumt ziemlich unbarmherzig auf\nmit der aus der mathematisch-naturwissenschaftlichen Raum-\nabstraktion hergeleiteten Welt der Begriffe: Vielen — sicher\naber nicht den tiefsten — Forschern wird dies das Ende aller\nWissenschaft dünken. Denn mit der Bergsonschen Metaphysik\nist jede Möglichkeit genommen, weiter das Tatsachenmaterial\nin altgewohnter Weise zu quantifizieren, rubrizieren und zu ra-\ntionalisieren, — Allein Bersons Wissenschaft will sich nlicht mit\ndem Begreifen von Einzelkenntnissen oder Einzeltatsachen ab-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8595, "texte": "geben, ihr kommt es vielmehr darauf an, das wirkliche\nLeben in seiner wizertedlbaren schöpferischen Einheit, in\nseinem unendlichen Entwicklungsreichtum in vertiefter Intuition\nzu erfassen. Die Einzelwissenschaft erscheint der Bergsonschen\nPhilosophie gegenüber nur als subordinierte Technik,- die ihren\npraktichen einzelwissenschaftlichen, sicher ganz nützlichen\nZwecken und Resultaten meinetwegen auch auf ihre Weise\nnachgehen mag, selbst, falls sie dies etwa für nötig erachtet, mit\nden unlautern Mitteln der Qualifikation und der Verräum-\nlichung. Nur soll sich eine solche wissenschaftliche Tech n i k\ndann nicht einbilden, Wissenschaft im höhern Sinn,\nErkenntnis des wirklich Seienden, zu sein.\nTrotzdem gewährt Bergsons Philosophie auch einen spezial-\nwissenschaftlichen Gewinn: Die Gruppe der Kulturwissen-\nschaften, wie nach Heinrich Rickerts Vorgang die soge-\nnannten Geisteswissenschaften jetzt richtiger bezeichnet, die\nGeschichte vorallem, hatte unter dem wachsenden Einfluß der\nsich allein als wissenschaftlich betrachtenden Naturwissenschaft\nnachgerade angefangen, ebenfalls räumlich zu abstrahieren und\nquantitativ zu schematisieren. Wie eine Erlösung kam da für\nsie Bergsons Auffassung der Zeit, des inneren Erlebnisses der\nduree concrete: Die Geschichte, die Kulturwissenschaften, die\nGeisteswissenschaften, erschienen nun mit ihrem Bestreben,\ndie intensive Erinnerung, das Kontinuum des menschlichen Be-\nwußtseins, die lebendigen Vorgänge der Seele darzustellen, als\neine viel wirklichere und konkretere Wissenschaft als alle blos\nabstrahierende und äußerlich zählende Physik. — Damit er-\nöffnet sich aber ein neuer Weg für alle individualisierende For-\nschung, für alle Wissenschaft vom menschlich Seienden: Als\ndeutliche Parallele zu der Renaissance der historischen Diszi-\nplinen treten hier vor allem die neuen ~naturrechtlichen'4 Be-\nstrebungen in der Jurisprudenz auf, die sich an die Namen des\nFreiburger Professors Hermann Kantorowicz (Gnaeus Fla-\nvius: Der Kampf um die Rechtswissenschaft, Heidelberg 1906)\nund des Karlsruher Rechtsanwalts Ernst Fuchs anknüpfen:\nsie wollen den individuellen Rechtsfall nicht mehr nach dem\nVorgang des Reichsgerichts in gesetzlicher Abstraktion typisch\nkonstruieren, sondern ihn als ein lebendes Ganze aus der ge-\ngebenen Fülle seines menschlichen, sozialen, wirtschaftlichen\nBedingungskomplexes heraus verstehen. Aus solch konkreter\nAnschauung heraus wird auch das entscheidende Urteil intuitiv\ngeschöpft. In absoluter Fleterogeneität wird es als etwas ganz\nNeues, durch keine Paragraphenmathematik Bedingtes einzig\nnach den Umständen einer tiefen Lebenserfahrung indivi-\ndualisiert, produktiv gestaltet.\nDie Naturrechtslehre kann sich dabei direkt auf Bergson be-\nrufen, der sagt: „Das deduktive Urteilsvermögen ist viel zu\nschwerfällig, um sich der leichten Beweglichkeit des Lebens an-\nzupassen.\" — Welch ein Gegensatz wieder zu dem Genie des\nRationalismus, zu Kant, der zwar ebenfalls die Einzelgesetze,\ndie juristischen Individualschemata, abschaffen möchte, aber\nganz im Gegenteil alles in der Rechtsprechung von einer De-\nduktion aus Prinzipien erhofft: ~Es ist ein alter\nWunsch, der, wer weiß wie spät, vielleicht einmal in Erfüllung\ngehen wird, daß man doch einmal, statt der endlosen Mannig-\nfaltigkeit bürgerlicher Gesetze, ihre Prinzipien aufsuchen\nmöge; denn darin kann allein das Geheimnis bestehen, die Ge-\nsetzgebung, wie man sagt, zu komplifizieren.\" (Kritik der reinen\nVernunft. Iransscendentale Dialektik: 11. Von der reinen Ver-\nnunft als dem Sitze des transscendentalen Scheins.)\nWie in der Rechtswissenschaft, so sucht auch in der ihr ver-\nwandten Ethik, der Moralwissenschaft, die Bergsonsche Phi-\nlosophie die konstruktive Unlebendigkeit der Gesetze, sitt-\nlichen Prinzipien, fordernden und verbietenden Gebote oder\nkategorischen Imperative zu vermeiden und sich auf die dem\nLeben selbst inne wohnenden, schöpferischen ethischen Impulse\nzu konzentrieren, — Ernest Seiiii ere legt in der Inter-\nnationalen Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik''\n(8. Jahrgang, 2, November 1913) die Grundelemente dieser\nBergsonschen Moralphilosophie dar: Sie wird wesentlich auf\ndem menschlichen Dualismus der Sympathie, des Gerech-\ntigkeitsgefühls, und des Willens z ü r M a c h t als Wurzel des\ntätigen Lebens, als des Trägers des kulturellen Fortschritts auf-\ngebaut. Der Egoismus des Einzelnen wird durch die vitalisti-\nsche Ueberlegung gebändigt, daß das Leben nicht in ihm sein\nZiel findet, sondern vielmehr durch ihn hindurchgeht. Bergson\nstellt die Forderung einer größtmöglichen Soziabili-\ntät auf, einer Anpassung des Individualtriebs an die Gegeben-\nheiten der Gesellschaft, von der doch jedermann ein Glied dar-\nstellt, vermittels des „bon sens\". Dieser ~bon sens\" kann als\nRegulativ wirken gegenüber der Routine der gesellschaft-\nlichen Steifheit, die alle persönliche Willensregung unterdrückt,\nund gegenüber dem T rugbild eines isolierenden Solipsismus,\nder dm Ezcentrischen ausartet. Im Sinn der sozialen Konzen-\ntri'tät wirkt der bon sens als originales persönliches Element er-\ngänzend zu dem Geist des Fortschritts. Wie dieser bon sens\ndann auch noch in den Einzelheiten des gesellschaftlichen Le-\nbens tätig ist, das hat Bergson in seiner höchst anziehenden\nStudie über das Lachen (Essai sur la signification du comi-\nque) geschildert, wo als seine Funktion die größtmögliche so-\nziale Vereinbarkeit der Charaktere durch das harmlose gesell-\nschaftliche Straf mittel der Lächerlichkeit dargelegt wird. —\nNach allem diesen erscheint es selbstverständlich, daß auch die\nmoderne Aesthetik und Kunstwissenschaft bereits den Einfluß\nder Bergsonschen intuitiven Philosophie erfahren muß: Wenn\nirgendwo, so hat gerade hier die Intuition, die anschauliche\nErfahrung der lebendigen Bewußtsemsvorgänge selbst, Berech-\ntigung. Und so sieht man denn immer mehr, wie die normative\nAesthetik, mit ihren Forderungen a priori, ihrer psychologisti-\nschen Aufstellung absoluter Schönheitsnormen, ihren Gesetzen\nräumlichen Charakters, einer der Kunst mehr verwand-\nten Betrachtungsweise weichen muß, die die Kunstge-\nschichte, die Summation aller Erfahrungen des künstleri-\nschen Bewußtseins, als einzige und allein dem Wesen des Kunst-\nwertes entsprechende, qualitative Würdigung an Stelle\njener quantifizierenden Regelwissenschaft rückt. — Sogar auf\nTeilgebiete der Naturwissenschaft, auf Biologie und praktische\nMedizin, scheint dieser Geist einer durchgängigen Individuali-\nsierung überzugreifen. So sucht man etwa anstatt der durch\näußere Namenkategorien bestimmten Krankheitsbilder indi-\nviduellere Vorstellungen einzuführen, die den\nschöpferischen Naturvorgang in seiner einzigartigen kausalen\nund elementaren Verknüpfung, nur entfernt vergleich-\nbar mit andern Individualerschemungen derselben Gattung,\nbestimmen und danach die Behandlung der einen Krankheit\njedesmal verschiedenartig zu gestalten.\nDennoch liegt die Bedeutung und die Entwicklungsmöglichkeit\nder Bergsonschen Philosophie natürlich weit weniger auf dem\nGebiet der Naturwissenschaft, zu der sie sich ja, zum minde-\n« sten in ihrer heute geübten Methode, in einem selbstgewollten,\nfundamentalen Gegensatz gestellt hat, als auf dem Gebiete der\nKulturwissenschaft, der Geschichte im weitesten\nSinne: In der individualisierenden Einführung, dem gleich-\nsam künstlerischen, kongenialen Nacherleben der großartigen\nschöpferischen Entwicklung des realen Seins hat\ngerade diese Wissenschaft von den menschlichen Bewußtseins-\nvorgängen, die schildernde Kulturwissenschaft, ihre autonome\nAufgabe und zugleich deren autonome Lösung neu gefunden. —\nEs ist der zukunftsschaffende Impuls des Lebens, jener vor-\nwärtstreibende elan vital, den die in der duree concrete wur-\nzelnde Geschichte synthetisch mitzuerleben vermag, wo die\nAnalyse der mathematischen Naturwissenschaft nur eine räum-\nlich ausgedehnte Materie und das verdorrte Schema der Zahl\nerblickt: Einzig die schöpferische Intuition, durch keines Ge-\ndankens Blässe angekränkelt, ist im Stand, das wirkliche\nLeb e n in seinem unermeßlichen Reichtum kongenial zu er-\nfassen, will sagen, mitzuerleben.\nDie Werke Henri Bergsons sind: 1. Zeit und Freiheit / Eine Abhandlung\nüber die (unmittelbaren Bewußtseinstatsachen. 2. Schöpferische Entwick-\nlung. 3. Materie und Gedächtnis I Essays zur Beziehung\" zwischen Körper\nund Geist. 4. Einführung in dtie Metaphysik. 5. Das Lachen / Essay über\ndie Definition des Komischen. — Die französischen Originale sind bei Felix\nAlcan / Pariis 108, Boulevard Saint-Germain, erschienen, deutsche Ueber-\nsetzungen, mit Ausnahme von 5, bei Eugen Diederichs in Jena."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "134", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.10", "titre_corps": "Trommelfeuer", "titre_sommaire": "Trommelfeuer", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1557, "texte": "Trommelfeuer\nKurt Heynicke\nDer Sappenposten ballt sich zusammen. Ein Ereignis\nstiert ihm ins Gesicht.\nAufschreit Nacht — er fällt hinüber in den Tod.\nA y\nNacht tanzt. Kurz bellt Granate auf. Neue Fetzen\nreißen Erde blutend auf — Sprengstücke flattern, sirrende\nVögel des Todes.\nFeuer flutet. Die Blicke im Unterstand horchen.\nNacht hüpft höhnisch unter die steigenden Blutsaulen der Erde»\n*• ' *\nFeuer flutet zum strömenden Meere\nGewalt. Luft stöhnt sich pfeifend Geschossen\nentgegen. Nichts. Gewalt.\nDas Feuer rast. Licht löscht im Stollengang.\nDie Blicke werden fern. Eine Frage bäumt aui,\ntausend Ohren horchen:\nWarum?\nAntwort trommelt höhnisch dumpf meterhoch\nüber dem Schacht, 7 * * *\nEin Gebet schreit auf. %\nRuhe. >\nAus! : - •'v 'v- 1 ' >\nMacht. %1 , v* * ' 5 N\nNichts. > % \\\n/ 1 ' * '/>\nNichts? Das Warum hockt im Eingang.\nWjir sind alle Tiere. Wir werden geschlachtet. t\nHunde sind wir! , -\nFlüche ballen wirr und bangen ums Leben. , * 7\n> i\n;\nN '\nWarum?\nDie Frage hockt eigensinnig in aller Seelen. ,\nGott! t . I , *\nGelächter ertötet den Namen. \"\nGleichviel — gleich sterben ist GlücK. > ' '\nDenken erlischt. g - »\nEinige fallen dumpf in den Schlaf. ' '\nWarum hämmert auf zertrommelten Nerven. , 1\n• » V,\n■1 » v\nNacht. ' »\nGranaten. »\nGrauen. 1 • \"• ' - 1\nFlüche. ' ( . . , » ,\n>**' j » *\n« 1 i\n>\nWenn wir alle Brüder sind.\nBrüder\ntrommelt der Haß die Erde' entzwei.\n/\n»\nLeid herrscht das All. 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Der Herr Berichterstatter äußert\nsich nicht über die Musik, was in diesem Fall begreiflich ist,\nWiohl aber äußert er sich über die Dichtung: „Die Dichtung hat\neinen zeitgemäßen Konflikt zum Gegenstand, dessen Lust und\nSchmerz so mancher von unsern jetzt heimkehrenden Orient-\nkriegern am eignen Leib und eigner Seele erfuhr: Die\nUnterjochung des siegenden Ankömmlings durch östlich-weiche\nSinnlichkeit, das Aufgehen herben deutschen Mannestums in der\nschmeichelnden orientalischer Arme, das Versagen\nnordisch-deutschen Rassegeistes vor südlich-süßen Rasse-\nreizen.\" — Dieses Mannestum wird zwar bereits in der Orient-\nbar zu Berlin mit Erfolg unterjocht, immerhin, der Konflikt ist\nzeitgemäß. Er wird auch zeitgemäß gelöst. Der Orientkrieger\nbesinnt sich nach dem Treubruch auf die Heimat, „die ihm in\nGestalt seines Vaters Verzeihung und Kraft zum erlösenden\nreinigenden Opfer bringt.\" Der Vater Heimat packt ihn\nam eigener Seele „mitten im Rausch eines wilden Tanz-\ngelages stößt er sich den Dolch in die Brust\", und als guter Deut-\nscher stirbt er schillernd mit den Worten: „Seht hier, wie ein\nFranke die Ehre ehrt!\" — Die Vossische Zeitung findet, daß\ndiese Dichtung „an Ideale unserer ersten Jugendzeit, an Platen,\nLingg und Dahn gemahnt\". 0 Lust, o Schmerz, o Orientkrieger,\no Jugendzeit"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "135", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.11", "debut_caractere": 112, "fin_caractere_exclue": 519, "texte": "Der Sturm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strafee 134a\nGdHfxiet t&jjlich von 1@—$ Ukr / Sonntags\nreai 11—2 Ukr\nTageskarte 1 Mark 50 Pfennig\nJahreskarte 9 Mark »\nMonatlicher Wechscl\n\\\nSiebzigste Ausslellung\nJanuar 1918 5 I !\nPaul Klee\nfohannes Molzahn\nKurt Schwitters\nEinundsiebzigste Ausslellung\nFebruar 1918\nWilliam Wauer\nGemalde / Zeichnungen / Plastiken\nEroffnimg: Soitotag, den 2. 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August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 1 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c036", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.12", "debut_caractere": 3401, "fin_caractere_exclue": 4043, "texte": "Musik\nHerwartii Walden\nQesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-01-15-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-01-15_01#c037", "volume": "bmtnabg_1919-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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M| \\ ItlÄfS! |||ftf$S «§ IHmS' /S?$lS\nIi tfnr^n^l^\"\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN JANUAR 1918 '\nZEHNTES HEFT\n\nInhalt:\nMax Verworn: Die Entwicklung der ideoplastischen Kunst / Anten Schnack: Die Plünderung / Wilhelm Runge: Lieder / Kurt\nStriepe: Du /Blaise Cendrars: Atelier Marc Chagall/ Fritz Hoeber: Das Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit / Kurt Heynicke: Trommel-\nfeuer I Kurt Heynicke: Kirche / Franz Richard Behrens: Gedicht / Herwarth Waiden: Zeitgemäss / Maria Uhden; Holzschnitt / Vom Stock\ngedruckt / Johannes Molzahn: Zwei Zeichnungen\n\nMaria Uhdem Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.2", "texte": "Die Entwicklung der ideoplastischen\nKunst\nMax Verworn-Bonn\n\nIst das hervorstechende Merkmal der diluvialen Figuralkunat\ndie große Naturwahrheit in der Wiedergäbe des Gesehenen\n(siehe das Beispiel Figur 1), so darf doch eine kleine Gruppe von\nfiguralen Darstellungen nicht übersehen werden, bei denen\ndieses Moment im Interesse einer gewissen Schematisierung\nstark vernachlässigt ist. Solche Darstellungen finden sich nicht\nso sehr in der großen monumentalen Kunst der Höhlenwände,\nals vielmehr in Gestalt von Gravierungen auf Gebrauchsgegen-\nständen aus Knochen oder Renntierhorn, Hier ist das urspüng-\nÜch rein figurale Motiv als Ornament verwendet und schema-\ntisch vereinfacht oder omamental stilisiert worden. Wir haben\nhier eine Mischform von ornamentaler und figuraler Kirnst vor\nuns und stehen vor den ersten Anfängen einer ganz neuen\nKunstrichtung, die bald die alte Kunst des Paläolithicums ganz\nverdrängt und bis weit in die geschichtlichen Zeiten hinein fast\ndie ausschließliche Alleinherrschaft übernimmt.\nWerden figurale Motive als Ornament verwendet, so vollzieht\nsich sehr schnell eine Umbildung des Gegenstandes in der Dar-\nstellung. Der erste Schritt dazu besteht in der Vereinfachimg\ndes Bildes durch Weglassen aller für den Ornamentzweck un-\nwesentlichen Einzelheiten, d, h. in einer Schematisierung. Die-\nser Prozeß schreitet weiter fort. Das Schema kann so einfach\nwerden, daß aus ihm das Original kaum noch zu erkennen ist.\nUmgekehrt aber kann in das Schema auch allerlei ornamentale\näutat eingefügt werden. So entfernt sich die Darstellung immer\nweiter von der Naturwahrheit. Es entsteht dabei eine Kunst-\nrichtung, die viel mehr ihre Wünsche und Ideale, ihr Phantasie-\nbild von dem ursprünglichen Gegenstand zum Ausdruck bringt,\nals das der Natur entsprechende unmittelbare Empfindungsbild\nIch habe deshalb diese Kunstrichtung als die ideoplasti-\nscheKunstder ältesten naturwähren Figuralkunst, die man\nals physioplastische Kunst bezeichnen kann, gegen-\nüber gestellt. Beide Kunstrichtungen sind so weit von einander\nverschieden wie Himmel und Erde, wenn sich auch im gegebenen\nEinzelfalle einmal Züge der einen mit Zügen der anderen Rieh-\ntung vermischen können.\nWie gesagt, zeigt sich die „ideoplastische Kunst\" in der paläoli-\nthischen Periode der diluvialen Renntierjäger nur in ihren ersten\nschüchternen und spärlichen Anfängen. Man ordnet Tierköpfe,\nindem man sie leicht vereinfacht in Reihen als Dekoration aul\nKnochengeräten an (Figur 2 links oben), man schematisiert ein-\nzelne Elemente der Tierzeichnung und verwendet sie als Orna-\nment (Figur 2 rechts unten), man bildet Pflanzenranken zu orna-\nmentalen Kreis- und Spiralmotiven um. Im ganzen beschränkt\nsich die Ideoplästik in dieser Zeit noch auf die einfachsten Sche-\nmatisierungen zu ornamentalen Zwecken. Mit dem Uebergang\nder paläolithischen Kulturperiode in die neolithische, mit dem\nUebergang der älteren Steinzeit in die jüngere ändert sich das\naber vollkommen (Figur 3). Am Ausgang des Paläolithicums\nfindet ein umfassender Szenenwechsel im Kulturbilde der\nMenschheit statt, so tiefgehend, daß man direkt von einem\n„Hiatus\" zischen paläolithischer und neolithischer Kultur ge-\nsprochen hat. In der Tat ist die tülle von neuen Erscheinungen\ngewaltig. Man glaubt in eine neue Welt einzutreten, wenn man\ndie voll entwickelte neolithische Kultur vergleicht mit den Kul-\nturen der älteren Steinzeit. Wir wissen heute zwar, daß sich\nauch hier eine ganze Reihe von Uebergangsstufen finciet, die\nuns die Kontinuität der Entwicklung verbürgen, aber es läßt\nsich nicht leugnen, daß sich in dieser Uebergangszeit eine tief-\ngreifende Umwälzung vollzogen hat, die auch die Kunst ent-\nscheidend beeinflußte.\nEine große Anzahl von Tatsachen hat uns gelehrt, daß nicht blos\neine Weiterentwicklung der äußeren Kultur in jener Ueber-\ngangszeit sich vollzog, die zum Beispiel in der Entstehung neuer\nWerkzeugtypen, in der Erfindung der Keramik, der Spinnerei\nund Weberei, der Viehzucht, des Ackerbaus, des Hausbaus\nihren Ausdruck fand, sondern daß vor allem die ganze Geistes-\nkultur einen mächtigen Impuls erhielt, der in dem üppigen\nEmporwuchern des Vorstellungslebens bemerkbar wurde.\nIch kann hier nicht auf die einzelnen und mannigfachen Symp-\ntome, die uns das anzeigen, näher eingehen. hs genügt zu\nwissen, daß sich um jene Zeit eine tiefgehende Aenderung im\nDenken des Menschen vollzog. Der Mensch tritt aus dem Zeit-\nalter des naiv praktischen Geistes in das Zeitalter des speku-\nlativ theoretisierenden Geistes ein. Die naive Harmlosigkeit\ndes alten diluvialen Jägers, der sich in erster Linie von den mo-\nmentanen Sinneseindrücken leiten ließ, ohne sich viel über ihre\nBedeutung den Kopf zu zerbrechen, geht verloren. Milt der seß-\nhaften Lebensweise, die der Ackerbau - im Gefolge hat, macht\nsich mehr die Neigung geltend, über die Dinge nachzusinnen\nunä zu grübeln. Man macht sich Gedanken über Leben und\nTod, über Krankheit und Heilung, über Schlaf und Traum, Man\ngelangt zu der dualistischen Spaltung des menschlichen Wesens\nin Leib und Seele und von dieser ungeheuer folgenschweren\nKonzeption aus ist es nur noch ein Schritt zu der Konstruktion\nder Ahnenseelen, der Geister, Dämonen und Götter, Die ganze\nWelt wird bevölkert teils mit unsichtbaren Geistern, teils mit\nSeelen, die sich in irgend einer schrecklichen Form wieder ver-\n\nFigur 1\nWeidendes Renntier, Knochengravierung des\nPaläolithicums\n\nFigur 2\nOrnamental verwendete Tierzeichnungen\naus dem jüngeren Paläolithicum. Links\nKnochenwerkzeug mit drei übereinander\nangeordneten Remitier köpfen. Rechts oben\nRenntierzeichnung von vorn. Rechts unten\nRenntierzeichnungen schematisiert\n\nFigur 3\nHirschiagdscene. Felszeichnung aus der Ueber-\ngangsperiode vom Paläolithicum zum\nNeolithicum aus. Spanien"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.3", "texte": "körpert haben. In jedem harmlosen Tier, hinter jedem unschein-\nbaren Vorgang wittert argwöhnische Furcht die Tücke eines\nbösen Geistes, Hinter den unschuldigsten Gegenständen und\nVorkommnissen des täglichen Lebens lauert irgend ein geheim-\nnisvoller Sinn und das spekulative Denken, dessen unzurei-\nchende Logik schon bei den kürzesten Gedankengängen gleich\nasthmatisch wird und versagt, mündet in schrankenlosem My-\nsticismus.\nDas etwa ist die Geistesverfassung, die den Menschen der neoli-\nthischen Periode und der darauf folgenden metallzeitlichen\nKulturstufen bis weit in die historischen Zeiten des alten Baby-\nloniens und Aegyptens hinein charakterisiert, und die wir bei\nden heute noch auf diesen Kulturstufen lebenden Naturvölkern,\nwie Indianern, Australiern, Südseeinsulanern und Negern so\ndeutlich zu studieren in der Lage sind. Dieser Zustand spiegelt\nsich auch auf das schärfste in der bildenden Kunst wieder.\nVor allem läßt die figurale Kunst den Geist der neuen Zeit deut-\nlich erkennen, insofern sie einen fast ausschließlich ideoplasti-\nschen Charakter gewinnt. Es ist nicht mehr das reale konkrete\nObjekt, das spezielle Individuum, das einzelne, beobachtete\nJagdtier, was den Gegenstand der figuralen Darstellung bildet,\nsondern vielmehr das, was man sich bei den Gegenständen\ndenkt, die abstrakte Vorstellung, die Idee, die man sich von den\nDingen gmacht hat. Je nach den Vorstellungen religiöser,\nästhetischer, praktischer Art, die der einzelne Künstler hat,\nwird das Bild dabei verschieden ausfallen. Immer aber ist es\nein theoretisches Phantasiebild, niemals die sinnlich wahrge-\nnommene Natur selbst.\nWill man zum Beispiel einen Gott darstellen, so bildet man eine\nsckematische Menschengestalt (Figuren 4 und 5), denn man\ndenkt sich den Gott in der Gestalt eines Menschen, will man\nihn näher charakterisieren, so gibt man ihm. ein spezifisches\nSymbol in die Hand, etwa eine Waffe oder ein Sonnensymbol,\ndas ihn von anderen Göttern unterscheidet. Diese alten primi-\ntiven Götterbilder lehren uns übrigens, daß nicht Gott den Men-\nschen nach seinem Ebenbilde, sondern das fumgekehrt der\nMensch die Götter nach seinem Bilde geschaffen hat. Diese\nalten Götterbilder beweisen uns aber besonders klar, daß die\nBildung abstrakter Begriffe in jener Zeit einen hohen Grad er-\nreicht haben muß, denn der Gott oder der Dämon konnte ja nie\nsinnlich beobachtet worden sein. Beobachtet werden konnte\nnur der einzelne Mensch als konkretes Individuum, Aber was\nman als Götteridol darstellt, ist nicht das konkrete Individuum,\nsondern der abstrakte Begriff Mensch oder Gott, aller speziellen\nEigenschaften, oft, wie bei den griechischen Inselsteinen (Fi-\ngur 5) so sehr entkleidet, daß die Figur kaum noch als Men-\nschenfigur erkennbar ist, kurz ein abstraktes Schema,\nDasselbe gilt von den Tierdarstellungen. Während der paläolf-\nthische Jäger das konkrete Individuum darstellt, das er be-\nobachtet, rerfolgt, erlegt hatte, gibt das Bild des ideoplastischen\nKünstlers der jüngeren Steinzeit oder der Metallkulturen den\nabstrahierten Begriff der betreffenden Tierart oder Gattung\nwieder, unter Weglässung aller speziellen Charaktere. Dabei\nbringen die Formen und etwaige künstlerische Zutaten wie Or-\nnamente gleichzeitig je nach dem speziellen Kultur- und Ideen-\nkreise, aus dem das Werk hervorgegangen ist, die Ideale und\nWünsche des Künstlers, seiner Zeit und seines Milieus mehr\noder weniger deutlich sichtbar zum Ausdruck (Figuren 6 und 7),\nDie gleichen Merkmale tragen die Darstellungen aller Gegen-\nstände der ideoplastischen Kunstrichtung. Wir finden sie daher\nauch in den Produkten der heutigen Kinderkunst, die infolge\nder modernen Erziehung einen fast rein ideoplastischen Cha-\nrakter hat. Ja, man kann sogar für viele ideoplastische Bilder\nder postpaläolithischen Kulturstufen direkte Parallelen aus der\nKinderkunst mit vollkommener Uebereinstimmung in den cha-\nrakteristischen Einzelheiten aufstellen.\n\nFigur 4\nSteinidole aus der neolithischen Kultur\nvon Hissarlik - Troja\n\nFigur 5\nStark schematische Götterfiguren aus Stein. Neolithische\nKultur der griechischen Insel\n\nTriangulistische Menschen- und Pferde-\nfiguren von Urnen der älteren Eisenzeit\nUngarns. Oldenburg.' A Frau mit Spindel\nB Frau C Reiter D Pferd\n\nFigur 7\nStylisierte Menschengestalts - Gesichter\nder neolitischen Indianerkultur\nBrasiliens"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.4", "texte": "Aber nicht bloß in Abstraktionen betätigt sich der menschliche\nGeist in jener Zeit, wo das Geistesleben seinen mächtigsten Auf-\nschwung nimmt. Abstraktionen bestehen in der schematischen\nVereinfachung des Vorstellungsbildes einer Gruppe konkreter\nObjekte derselben Gattung. Der menschliche Geist dieser Ent-\nwicklungsstufe vollzieht auch Synthesen. Er kombiniert ver-\nschiedenartige Dinge, die in der Wirklichkeit nichts miteinander\nzu tun haben. So entstehen Phantasiegebilde der verschieden-\nsten Art: Mischformen von Menschen und Tiergestalten, wie\ndie geflügelten Menschen oder die Löwen mit Menschenköpfen,\ndie wir aus der babylonischen und assyrischen Kunst kennen,\nDoppeltiere wie die Doppelprotomen aus dem Picentischen\nKulturkreise der älteren Eisenzeit Italiens, oder auch Misch-\nformen von Menschengestalt und Ornament, wie sie im neoli-\nthischen Kulturkreis der Südseeinsulaner noch heute so häufig\nuns entgegentreten.\nDie ideoplastische Kunst beherrscht alle prähistorischen\nKunstschöpfungen seit dem Ausgang der Diluvialzeit. Erst\nmit der klassischen Periode der griechischen Kunst begegnen\nwir wieder von neuem einem physioplästischen Naturalismus.\nVon dort her ist das bewüßte Streben nach Naturwahrheit in\ndie römische Kunst und über diese auch am Ausgang des Mittel-\nalters mit der Renaissance in die abendländische Kunst einge-\ndrungen, während bis dahin unsere einheimische bodenstän-\ndige Kunst in Mitteleuropa noch rein ideoplastische Charaktere\ntrug, denn auch die schönsten und vollendetsten Kunstwerke\ndes Mittelalters, soweit sie nicht schon stark durch die Antike\nbeeinflußt erscheinen, sind noch durchaus ideoplastischer Art.\nDas klassische Ideal, das uns seit dem Beginn der Renaissance\ndurch eine über mehrere Jahrhunderte sich erstreckende Ge-\nwöhnung anerzogen ist, und das in der naturwahren Wiedergabe\ndes gesehenen Objektes einen Gipfel künstlerischer Vollendung\nerblickt, hat es mit sich gebracht, daß in unserer Zeit auch die\ngroße Masse geneigt ist, den Grad \"Her Naturwahrheit als einen\nMaßstab für die Höhe des künstlerischen Schaffens, sowohl in\nder gesamten Kunstgeschichte als in der Leistung des einzelnen\nKünstlers zu sehen. Und dieser falsche Gradmesser trägt die\nSchuld daran, daß man noch immer das Verhältnis der alten\ni\nphysioplästischen Kunst der paläolithischen Kultur zu der\nideoplastischen Kunst der späteren, Kulturstufen nach jeder\nRichtung hin schief beurteilt. Man pflegt gewöhnlich in der\nEntwicklung der ideoplastischen Kunst einen Rückschritt gegen-\nüber der physioplästischen Kunst der alten Mammuth- oder\nRenntierjäger zu sehen. Darin liegt einerseits eine ebenso große\nUeoerschätzung der alten naiven Physioplastik, wie Unter-\nschätzung der von der Naturwährheit abgekehrten Ideoplastik.\nBegeht man nicht von vornherein ohne irgendwelche Berech-\ntigung den Fehler, daß man die Naturwahrheit als Maßstab für\ndie Entwicklungshöhe der figuralen Kunst zugrunde legt, dann\nergibt sich ein ganz anderes Verhältnis. Alle Kunst ist ein Aus-\ndrucksmittel für Bewußtseinsinhalte. Es erfordert aber zwei-\nfellos ein viel höheres Können, abstrakte Bewußtseinsinhalte\nmit den sinnlich wahrnehmbaren, selbstgeschaffenen Mitteln\nder Kunst auszudrücken als einfache Erinnerungsbilder von\nkonkreten, sinnlich währgenommenen Objekten. In diesem\nFalle befand sich der paläolithisclie Physioplastiker, im\naer Ideoplastiker der späteren Zeit. Das ganze Interesse des\noiluvialen Jägers wurde beherrscht ausschließlich jdurch die\nsinnlichen Eindrücke der Jagdshäre. So war sein Bewußtseins-\nleben erfüllt von) den unmittelbaren Vorstellungsbildern der\ngesehenen Jagdtiere. Diese Vorstellungsbilder waren es, die er\nfrisch, wie sie in ihm lebten, durch seine Zeichnung an der\nHöiilenwand oder auf einem Knochenstück oder auch auf einem\nBachgeröll, das zufällig am Lagerplatz umherlag, durch seine\nZeichnung, spielend mit seiner eigenen Erinnerung, wiedergab.\nDurch theoretische Grübeleien über das Gesehene war sein\nGeist noch wenig beschwert. Für ihn existierte nur die Reali-\ntät, die ihn sein sinnlich impressionistischer Geist täglich un-\nmittelbar erleben ließ. Selbstverständlich also, daß sein Kunst-\nwerk näturwahr werden mußte, lis wäre wunderbar, wenn es\nandeis sein sollte. Ganz anders beim Ideoplastiker der späteren\nZeit mit seinem zu theoretischen Spekulationen geneigtem\nGeiste. Für ihn war die Natur gar nicht das, was sie schien,\nsondern hinter ihr steckten allerlei Geister und tinsichtbare\nMächte. Die Furcht vor diesen bösen Geistern und vor unheil-\nvoller Zauberei, vor Krankheit und Tod, vor Dürre und Miß-\nernte beunruhigte und beschäftigte andauernd seine Phantasie\nSo waren es auch nicht die unmittelbaren Vorstellungsbilder\nv der natürlichen Dinge, sondern seine eigenen Phäntasiebilder,\ndie er in seinen Kunstwerken wiedergab, denn die künstlerische\nSchöpfung ist, ob gewollt oder nicht, der treue Ausdruck der\neigenen Bewußtseinsinhalte des Künstlers. Das Nachdenken\nund Tneoretisieren kennzeichnet aber zweifellos, mag es auch\nauf den ersten Stufen noch so unvollkommen sein und zu noch\nso widerspruchsvollen Ergebnissen führen, doch' immer eine\nhöhere Stufe der menschlichen Geistestätigkeit, als das einfache\nnaive kritiklose Hinnehmen der Sinneseindrücke, und ganz in\nUebereinstimmung damit stellt daher auch die ideoplastische\nKunst eine höhere Entwicklungsstufe des künstlerischen\nSchaffens vor als dje naive Physioplastik der primitiven Jäger\nAus dem .Buch Expressionismus / Die Kunstwende / Herausgegeben von\nHerwarth Waiden / Verlag Der Sturm / Berlin W9\n\nDie Plünderung\nAnton Schnack\nGestreckt auf weißem Bauch; Samt auf der Satteldecke, elfernes\nGebein im Troß;\nSprung in die Nacht und Ritt und Jagd, vertollt . . . Dann alle\nsangen —\nNacht im Gelände .., Finsternis ~. Vollmond ist rot vergangen ~\nUnd dreißig Pferdenasen traben einen Strich, verwehtes Wiehern\nflog von Roß zu Roß . . .\nDie Wälder westwärts. Güter, Gärten, Weiber, Fleisch, Wein,\nBrot,\nSie stoßen jubelnd Sporen, daß sie knochig knirschen\nUnd knallen in verscheuchte Rudel, in die Flucht von Hirschen.\nUnd hie und da wird Nacht voll Licht, wird Waldsaum rot . . .\n-breit in der Landschaft schlafen Güter; Gärten glänzen reich;\nVerhengte Reiter sprengen an die Tore, Axt klafft iin die Türen,\nUnd in die Hof fahrt stiebt der Ritt, löst sich der Schwärm . . .\nPeuer fliegt in den Abend; Wein macht sie heiß und weich,\nMit langen Lanzen stechen sie; plündern die Truhen, stürmen ...\nUnd zwingen Weiber, schreiend, nackt sich an Knie und Arm ~.\n\nLieder\nWilhelm Runge\n\nAbendlied.\nDeiner Augen lose Mücken schwärmen\nAbendsonnenspiel\nstrahlher strahlhin\nund des Angesichtes\ndüstrer Wald\nlehnt am Hang des sonnenmüden Tags\nin dem Abendläuten Deines Blutes\ndurch der Hände weiß verträumtes Dorf\nund des Atems stilles Kind\ngeht in Rosengärten\nauf und ab\nund verhält den Schritt\ndaß es die Lippen\ndie die Andacht auf die Knie zog\nnicht verstöre"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.5", "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.6", "texte": "Lied\nWenn Du kommst\nduftet Sommer\nDeiner Augen Schmetterlinge flattern\nstiller Mittag\nlieg ich lauschend jy\nan dem Plätschern Deines Lachens\nstrecke mich im Arm der Blumen\nin die Sonne Deines Glücks\nda stößt Sturm die seidgen Garben F\naus der Stirn\nrafft das große Segel\nDeines Blicks\nund mein Herz zuckt auf\nein Dolch\nin meinen Händen\n4-\nLied\nWilden Meerschaum schwazt Du in die Muschel\ndie ich bin\nam Strand\nEine Welle nickt der andern zu ®\nbis die Seele schwer wird\nin den Sand\nDeine Augen sind hellblauer Mai\ndoch schon zucken Bienen\nund bald schwärmt es\nwie in Fliederblüten\nDeine Lippen zwitschern auf die Höh\nwie die Sonne ihre goldnen Locken\nauf der Wälder Schulter wirft\ndann kommt Frieden\nDeinen Worten\nfällt das müde Auge zu\nnur die Hände schluchzen leis\nin den Sammt des Kleides\nnichts ist so verstiegen\nwie mein Wunsch\nnach Dir\nUnd der findet nun\nnie mehr zurück\nLied\nFinstre Efeuhecke hin zum Grab\nfällt Dein Haar\nTrauer schluchzt wild auf die stille Bank\nimmer — immergrünverrankt\nund des Auges blaues Veilchen\nblüht auf hartem Steine\nruhesanft.\nAn Dein Antlitz kann der Wind nicht rühren\nblätterstill ist aller Zweige Mund\nbis des Schmerzes schriller Vogel\naus dem Schlummer Deiner Lippe fährt\nund die Wipfel wildes Stürmen packt\ndas die Aeste\nbodenhin — hoch — himmelauf\nzerfetzt\nLied\nWenn Du Deine Augen schließt\nist alles dunkel\nmeine Hand, die zu Dir will\ngeht irre\ndunkel stehe ich ein Baum auf einem Kirchhof\nNur durch meine Zweige läutet Abend\nund die Wolken die vorüberziehn\nweinen\nweinen, bis Du aufschaust\nhochauf flattern Falter i\nFrühling sonnt im Strahl den Blumen hoch\nund mein Fuß der eben wie ein Bettler müd am Graben-\nrande liegt\nspringt auf\nNun die Welt den Schwärm hilfreicher Wege vor das Antlitz\nseiner Wünsche wirft.\n\nDu\nKurt Striepe\nDas Wiegen Deines Atems kündet unsre Liebe.\nDeine Augen strahlen uns Glanz und Meer.\nIn Deinen Händen bin ich sanftes Land. '\nGoldkäferchen lacht Glanz von Deinen Brüsten\nHüften wiegen in mich Sonnenschein\nDeines Leibes süßes Heimlichsein —\nQnadet Gott.\n\nAtelier Marc Chagall\nDeutsch: Rudolf Blümner\nLa Ruche\nNach Treppen Türen und nach Türen Treppen\nUnd seine für entblättert sich wie eine Zeitung\nVisitenkarten überdeckt\nDann schließt sie sich\nUnordnung nur Unordnung\nPhotographien von Leger Photographien von Thobeen die man\nkaum sieht\nUnd obendrauf\nobendrauf\nGebrüll von Werken\nZeichnungen, Skizzen und Gebrüll von Werken\nGemälde\n- Leere Haschen\n~Wir garantieren die völlige Reinheit unserer Tomatensauce\"\nsagt eine Etikette\nDas Fenster ist ein Kalender\nWenn die Riesenkraniche der Blitze mit gewaltigem Krachen\ndie himmlischen Pinassen\nsteilen und ausschöpfen\nstürzt er\nIm Wirrwarr\nVerweste Sonne Christus der Kosaken\nUnd Dächer\nSomnambulen Ziegen\nEin Bärenmensch\nPetrus Borel\nIrrsinn und Winter\nEin Genius gespalten wie ein Pfirsich\nLautreamont\nChagall\nDas arme Kind am Schöße meiner Frau *\nOh grämliches Entzücken\nDie Hacken schiefgetreten\nUralter Kochtopf voll von Chokolade\nDie Lampe spaltet sich\nUnd dieser Rausch\nSooft ich ihn besuche\nDie leeren Flaschen\nFlaschen\nZina\n(Wir sprachen viel von ihr)\nChagall\nChagall\nBlaise Cendrars"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.7", "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.8", "texte": "Das Erlebnis der Zeit und die\nWillensfreiheit\nDie intuitive Philosophie von Henri Bergson\nFritz Hoeber\nIII\nKants Auffassung der Zeit und sein Irrtum\nDie Kantische Erkenntnislehre hat die Momente der Dauer, die\neinander unlösbar sind, im Raum ausgebreitet. Sie nahm das\nräumlich symbolisierte Abbild der duree für die duree concrete\nselbst, für die eigentliche Dauer, und verwechselte damit das\ninnere, persönliche Ich mit seinem in die Außenwelt projizier-\nten, roh verallgemeinerten Abbild. Dadurch erscheint Kant aber\nals Ursache jenes philosophischen Mißverständnisses, das ver-\nmeint, die Bewußtseinstatsachen nur in der Nebeneinander-\nreihung begreifen zu können, und das somit die intensive und\nheterogene Dauer genau so als homogenes Medium behandelt\nwie den extremen Räum: Die Einmaligkeit und Unwiederhol-\nbarkeit des geistigen Geschehens wird aufgegeben, indem die\npsychischen wie die physischen Ereignisse derselben quanti-\nfizierenden Kausalität unterworfen werden. —; Daß trotzdem,\ni\nKant an der Willensfreiheit festhält ist weniger logische Folge\nseines Systems als ein Glaubenssatz seines persönlichen\nIdealismus: Das Kantische Ich steht dem Raum und der ver-\nräumlichten Zeit gleich fremd gegenüber und erscheint deshalb\nüberhaupt unserm Erkenntnisvermögen unzugänglich.\nKants Erkenntnistheorie nimmt auf der einen Seite „Dinge an\nsich\" an, die durch die von ihr gleich behandelten Media des\nRaumes und der Zeit hindurch erscheinen. Auf der andern\nSeite stehen die äußeren Dinge, einen Gegensatz bildend zu\ndem phänomenalen Ich unserer Selbstbestimmung. Die Not-\nwendigkeit, außer den Dingen der Erscheinung auch „Dinge an\nsich\" noch anzunehmen, liegt bei Kant nicht in der logischen\nErkenntnisfolge der reinen Vernunft, sondern erst in der sitt-\nlichen Forderung der praktischen Vernunft. Darin besteht aber\nwie bereits betont, der metaphysische Gedankensprung des\nKantischen Systems,\nFür Kant und die Kantianer ist die Erscheinungswelt, einerlei\nob sie sich im Raum oder in der Zeit auswirkt, ein homogenes\nMedium: was sich in dessen räumliche Simultanität nicht über-\nsetzen läßt, ist für die Wissenschaft schlechthin unerkennbar.\nDabei wird freilich nicht berücksichtigt, daß eine solche Wirk-\nlichkeit mit praktischem Zweck gerade erst für die wissen-\nschaftliche, das heißt naturwissenschaftliche Erkenntnis herge-\nrichtet worden ist.\nDie homogen gedachte Dauer bei Kant involviert aber auch den\nBegriff der Determination, der Unfreiheit des Willens, da die-\nselbe Kausalität, die gleichmäßig für die extensiven wie die\nintensiven Geschehnisse gilt, Wiederholungen und damit die\nVoraussehbärkeit der Ereignisse ermöglicht. Die .Welt der\n„Dinge an sieh\" verlangt den metaphysischen Glau-\nben. — Läßt man dagegen die Momente der reinen Dauer ein-\nander innerlich sein, sich gegenseitig durchdringen, statt sie\nnebeneinander im Raum aufzureihen, und verleiht ihnen ihre\nautonome Heterogeneität, so verliert aller Determinismus seine\nlogische Möglichkeit \"und das in der Selbstbesinnung erfaßte\nIch gewinnt seine Freiheit zurück. Selbst die physischen Mo-\nmente werden durch diese absoluten geistigen beständig durch-\ndrungen und sind darum keineswegs in ihrer ganzen Fülle be-\ngrifflich in dem Maße zu erfassen, wie dies das rationalistische\nDenken der reinen Quantität, der verräumlichenden mathema-\ntischen Disziplinen, tun zu können vermeint!\nDie Auffassung der Wirklichkeit nach räumlichen Gesichts-\npunkten und die quantitativ homogene Anordnung der sie er-\nfüllenden Materie hat den praktischen Vorteil, die Dinge in fest\nzueinander abgegrenzten „Begriffen\" zu verstehen und verleiht\ndiesen dadurch eine über das Individuelle hinausgehende, so-\nziale Verständlichkeit, Die Verräumlichung wird so zur\ninterpersonell begreifbaren Schematisie-\nrung; ihr Hauptbeispiel ist die menschliche Sprache, ein räum-\nlich noch konkreteres die menschliche Schrift. — Dem ist nun\naufs Schärfste entgegengesetzt das in der inneren Dauer sich\norganisierende Ich. Dieses Ich aber veranlaßt auch die banal\nklare räumliche Einteilung unserer außenweltlichen Wahr-\nnehmungen: wie leicht gelangt es dann auch dazu, diese prakti-\nsche Einteilung in das Innere der tiefen, konfusen Bewußtseins-\nvorgänge zurückzuprojizieren. Damit werden jedoch, um ein\nBild Bergsons zu wiederholen, psychische Elementarzustände\nmechanisch zu physischen Erlebnissen zusammengesetzt „wie\ndie Buchstaben eines Alphabets bei der Bildung von Worten\"»\nDas Gefährliche hierbei ist, daß eine solche Vorstellung nicht\nnur abstrakte Vorstellung bleibt, sondern tatsächlich von un-\nserer ganzen Persönlichkeit Besitz ergreifen wird. Auf solche\nWeise verdeckt sie aber die Freiheit durch den Automatis-\nmus; Willenshandlungen werden durch die Verräumlichung der\nbewußten Vorstellung zu bloßen Reflexhandlungen.\nDie Psychophysiker wie die Kantianer benutzen nun diese räum-\nlich veräußerlichten, homogen schematisierten Handlungen, um\ndaraus eine kausale Determination, analog der der sogenannten\nNaturgesetze, abzuleiten. Ihre räumlich aufgefaßte Zeit kommt\nihnen dabei als homogenes Medium sehr zu statten. Die\nWillensfreiheit, wird, zum mindesten für die Erkenntnis, un-\nlogisch. Höchstens läßt man sie, mit der bekannten kategori-\nschen Forderung Kants, aus moralischen Gründen gelten, damit\nder Mensch wenigstens in etwas „Ebenbild Gottes\" bleibt und\nnicht zur bloßen Maschine herabsinkt.\nVersetzen wir uns jedoch in die Momente bedeutsamer\nEntscheidungen unsers Lebens zurück, so tritt uns das\nGefühl von deren Einzigartigkeit und Unwiederholbärkeit mit\nDeutlichkeit ins Bewußtsein: Wir können sie nicht in der Sym-\nbolik der Worte reproduzieren, noch können wir sie aus ein-\nfach nebeneinander gesetzten Ursachen wieder zusammensetzen.\nAllmählich wird uns die unauflösliche Innerlichkeit dieser\nrein dynamischen Einheiten klar die als Ganzes die\nheterogene Dauer unsers konkreten, unsers bewußten Lebens\ndarstellen.\nDie Freiheit der Handlung beruht grade in dieser fundamentalen\nInkommensurabilität von Ursache und Wirkung im Bewußt-\nseinsgeschehen. Eine Prävision wäre nur dann möglich, wenn\nman alle kausalen Komponenten überblicken und kombinieren\nkönnte. Das ließe sich freilich nur bewerkstelligen, indem man\nsich mit seinem ganzen Bewußtsein wieder in jenen\nvergangenen Moment der Entscheidung zurück-\nversetzte. Da aber, nach unserer Auffassung der Dauer, kein\nMoment als analoger wiederzukehren vermag, die Zurückver-\nsetzimg, schon rein zeitlich, deshalb unmöglich ist, ist auch die\nVoraussicht und damit die Determination einer innern bewußten\nHandlung schon in der Voraussetzung ausgeschlossen.\nDie Leugnung der Willensfreiheit kann darum nur auf einer\nReihe theoretischer und praktischer Vermengungen beruhen:\nzuerst wird anstatt der konkreten Dauer die räumlich symboli-\nsierte Dauer supponiert. Sodann geschieht die Versenkung in\nunser innerstes Bewußtsein, die Vorbedingung der Willensfrei-\nheit, nur recht selten. Schließlich wenn die freie Handlung ein-\nmal vollzogen ist und wir, nun über ihre Gründe reflektierend,\nuns Rechenschaft zu geben suchen, so reihen wir dennoch, im\nbequemen Schematismus des praktischen Alltags, ihre Ursachen\nund Bedingungen räumlich nebeneinander auf, ohne uns auf\ndas Eigentliche, den Kern des freien Willens Vorgangs, die irra-\ntionale Dauer und ausschließlich intensiven und qualitativen\nWesensmomente, zu besinnen.\nIV\nHenri Bergsons Philosophie räumt ziemlich unbarmherzig auf\nmit der aus der mathematisch-naturwissenschaftlichen Raum-\nabstraktion hergeleiteten Welt der Begriffe: Vielen — sicher\naber nicht den tiefsten — Forschern wird dies das Ende aller\nWissenschaft dünken. Denn mit der Bergsonschen Metaphysik\nist jede Möglichkeit genommen, weiter das Tatsachenmaterial\nin altgewohnter Weise zu quantifizieren, rubrizieren und zu ra-\ntionalisieren, — Allein Bersons Wissenschaft will sich nlicht mit\ndem Begreifen von Einzelkenntnissen oder Einzeltatsachen ab-\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.9", "texte": "geben, ihr kommt es vielmehr darauf an, das wirkliche\nLeben in seiner wizertedlbaren schöpferischen Einheit, in\nseinem unendlichen Entwicklungsreichtum in vertiefter Intuition\nzu erfassen. Die Einzelwissenschaft erscheint der Bergsonschen\nPhilosophie gegenüber nur als subordinierte Technik,- die ihren\npraktichen einzelwissenschaftlichen, sicher ganz nützlichen\nZwecken und Resultaten meinetwegen auch auf ihre Weise\nnachgehen mag, selbst, falls sie dies etwa für nötig erachtet, mit\nden unlautern Mitteln der Qualifikation und der Verräum-\nlichung. Nur soll sich eine solche wissenschaftliche Tech n i k\ndann nicht einbilden, Wissenschaft im höhern Sinn,\nErkenntnis des wirklich Seienden, zu sein.\nTrotzdem gewährt Bergsons Philosophie auch einen spezial-\nwissenschaftlichen Gewinn: Die Gruppe der Kulturwissen-\nschaften, wie nach Heinrich Rickerts Vorgang die soge-\nnannten Geisteswissenschaften jetzt richtiger bezeichnet, die\nGeschichte vorallem, hatte unter dem wachsenden Einfluß der\nsich allein als wissenschaftlich betrachtenden Naturwissenschaft\nnachgerade angefangen, ebenfalls räumlich zu abstrahieren und\nquantitativ zu schematisieren. Wie eine Erlösung kam da für\nsie Bergsons Auffassung der Zeit, des inneren Erlebnisses der\nduree concrete: Die Geschichte, die Kulturwissenschaften, die\nGeisteswissenschaften, erschienen nun mit ihrem Bestreben,\ndie intensive Erinnerung, das Kontinuum des menschlichen Be-\nwußtseins, die lebendigen Vorgänge der Seele darzustellen, als\neine viel wirklichere und konkretere Wissenschaft als alle blos\nabstrahierende und äußerlich zählende Physik. — Damit er-\nöffnet sich aber ein neuer Weg für alle individualisierende For-\nschung, für alle Wissenschaft vom menschlich Seienden: Als\ndeutliche Parallele zu der Renaissance der historischen Diszi-\nplinen treten hier vor allem die neuen ~naturrechtlichen'4 Be-\nstrebungen in der Jurisprudenz auf, die sich an die Namen des\nFreiburger Professors Hermann Kantorowicz (Gnaeus Fla-\nvius: Der Kampf um die Rechtswissenschaft, Heidelberg 1906)\nund des Karlsruher Rechtsanwalts Ernst Fuchs anknüpfen:\nsie wollen den individuellen Rechtsfall nicht mehr nach dem\nVorgang des Reichsgerichts in gesetzlicher Abstraktion typisch\nkonstruieren, sondern ihn als ein lebendes Ganze aus der ge-\ngebenen Fülle seines menschlichen, sozialen, wirtschaftlichen\nBedingungskomplexes heraus verstehen. Aus solch konkreter\nAnschauung heraus wird auch das entscheidende Urteil intuitiv\ngeschöpft. In absoluter Fleterogeneität wird es als etwas ganz\nNeues, durch keine Paragraphenmathematik Bedingtes einzig\nnach den Umständen einer tiefen Lebenserfahrung indivi-\ndualisiert, produktiv gestaltet.\nDie Naturrechtslehre kann sich dabei direkt auf Bergson be-\nrufen, der sagt: „Das deduktive Urteilsvermögen ist viel zu\nschwerfällig, um sich der leichten Beweglichkeit des Lebens an-\nzupassen.\" — Welch ein Gegensatz wieder zu dem Genie des\nRationalismus, zu Kant, der zwar ebenfalls die Einzelgesetze,\ndie juristischen Individualschemata, abschaffen möchte, aber\nganz im Gegenteil alles in der Rechtsprechung von einer De-\nduktion aus Prinzipien erhofft: ~Es ist ein alter\nWunsch, der, wer weiß wie spät, vielleicht einmal in Erfüllung\ngehen wird, daß man doch einmal, statt der endlosen Mannig-\nfaltigkeit bürgerlicher Gesetze, ihre Prinzipien aufsuchen\nmöge; denn darin kann allein das Geheimnis bestehen, die Ge-\nsetzgebung, wie man sagt, zu komplifizieren.\" (Kritik der reinen\nVernunft. Iransscendentale Dialektik: 11. Von der reinen Ver-\nnunft als dem Sitze des transscendentalen Scheins.)\nWie in der Rechtswissenschaft, so sucht auch in der ihr ver-\nwandten Ethik, der Moralwissenschaft, die Bergsonsche Phi-\nlosophie die konstruktive Unlebendigkeit der Gesetze, sitt-\nlichen Prinzipien, fordernden und verbietenden Gebote oder\nkategorischen Imperative zu vermeiden und sich auf die dem\nLeben selbst inne wohnenden, schöpferischen ethischen Impulse\nzu konzentrieren, — Ernest Seiiii ere legt in der Inter-\nnationalen Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik''\n(8. Jahrgang, 2, November 1913) die Grundelemente dieser\nBergsonschen Moralphilosophie dar: Sie wird wesentlich auf\ndem menschlichen Dualismus der Sympathie, des Gerech-\ntigkeitsgefühls, und des Willens z ü r M a c h t als Wurzel des\ntätigen Lebens, als des Trägers des kulturellen Fortschritts auf-\ngebaut. Der Egoismus des Einzelnen wird durch die vitalisti-\nsche Ueberlegung gebändigt, daß das Leben nicht in ihm sein\nZiel findet, sondern vielmehr durch ihn hindurchgeht. Bergson\nstellt die Forderung einer größtmöglichen Soziabili-\ntät auf, einer Anpassung des Individualtriebs an die Gegeben-\nheiten der Gesellschaft, von der doch jedermann ein Glied dar-\nstellt, vermittels des „bon sens\". Dieser ~bon sens\" kann als\nRegulativ wirken gegenüber der Routine der gesellschaft-\nlichen Steifheit, die alle persönliche Willensregung unterdrückt,\nund gegenüber dem T rugbild eines isolierenden Solipsismus,\nder dm Ezcentrischen ausartet. Im Sinn der sozialen Konzen-\ntri'tät wirkt der bon sens als originales persönliches Element er-\ngänzend zu dem Geist des Fortschritts. Wie dieser bon sens\ndann auch noch in den Einzelheiten des gesellschaftlichen Le-\nbens tätig ist, das hat Bergson in seiner höchst anziehenden\nStudie über das Lachen (Essai sur la signification du comi-\nque) geschildert, wo als seine Funktion die größtmögliche so-\nziale Vereinbarkeit der Charaktere durch das harmlose gesell-\nschaftliche Straf mittel der Lächerlichkeit dargelegt wird. —\nNach allem diesen erscheint es selbstverständlich, daß auch die\nmoderne Aesthetik und Kunstwissenschaft bereits den Einfluß\nder Bergsonschen intuitiven Philosophie erfahren muß: Wenn\nirgendwo, so hat gerade hier die Intuition, die anschauliche\nErfahrung der lebendigen Bewußtsemsvorgänge selbst, Berech-\ntigung. Und so sieht man denn immer mehr, wie die normative\nAesthetik, mit ihren Forderungen a priori, ihrer psychologisti-\nschen Aufstellung absoluter Schönheitsnormen, ihren Gesetzen\nräumlichen Charakters, einer der Kunst mehr verwand-\nten Betrachtungsweise weichen muß, die die Kunstge-\nschichte, die Summation aller Erfahrungen des künstleri-\nschen Bewußtseins, als einzige und allein dem Wesen des Kunst-\nwertes entsprechende, qualitative Würdigung an Stelle\njener quantifizierenden Regelwissenschaft rückt. — Sogar auf\nTeilgebiete der Naturwissenschaft, auf Biologie und praktische\nMedizin, scheint dieser Geist einer durchgängigen Individuali-\nsierung überzugreifen. So sucht man etwa anstatt der durch\näußere Namenkategorien bestimmten Krankheitsbilder indi-\nviduellere Vorstellungen einzuführen, die den\nschöpferischen Naturvorgang in seiner einzigartigen kausalen\nund elementaren Verknüpfung, nur entfernt vergleich-\nbar mit andern Individualerschemungen derselben Gattung,\nbestimmen und danach die Behandlung der einen Krankheit\njedesmal verschiedenartig zu gestalten.\nDennoch liegt die Bedeutung und die Entwicklungsmöglichkeit\nder Bergsonschen Philosophie natürlich weit weniger auf dem\nGebiet der Naturwissenschaft, zu der sie sich ja, zum minde-\n« sten in ihrer heute geübten Methode, in einem selbstgewollten,\nfundamentalen Gegensatz gestellt hat, als auf dem Gebiete der\nKulturwissenschaft, der Geschichte im weitesten\nSinne: In der individualisierenden Einführung, dem gleich-\nsam künstlerischen, kongenialen Nacherleben der großartigen\nschöpferischen Entwicklung des realen Seins hat\ngerade diese Wissenschaft von den menschlichen Bewußtseins-\nvorgängen, die schildernde Kulturwissenschaft, ihre autonome\nAufgabe und zugleich deren autonome Lösung neu gefunden. —\nEs ist der zukunftsschaffende Impuls des Lebens, jener vor-\nwärtstreibende elan vital, den die in der duree concrete wur-\nzelnde Geschichte synthetisch mitzuerleben vermag, wo die\nAnalyse der mathematischen Naturwissenschaft nur eine räum-\nlich ausgedehnte Materie und das verdorrte Schema der Zahl\nerblickt: Einzig die schöpferische Intuition, durch keines Ge-\ndankens Blässe angekränkelt, ist im Stand, das wirkliche\nLeb e n in seinem unermeßlichen Reichtum kongenial zu er-\nfassen, will sagen, mitzuerleben.\nDie Werke Henri Bergsons sind: 1. Zeit und Freiheit / Eine Abhandlung\nüber die (unmittelbaren Bewußtseinstatsachen. 2. Schöpferische Entwick-\nlung. 3. Materie und Gedächtnis I Essays zur Beziehung\" zwischen Körper\nund Geist. 4. Einführung in dtie Metaphysik. 5. Das Lachen / Essay über\ndie Definition des Komischen. — Die französischen Originale sind bei Felix\nAlcan / Pariis 108, Boulevard Saint-Germain, erschienen, deutsche Ueber-\nsetzungen, mit Ausnahme von 5, bei Eugen Diederichs in Jena."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.10", "texte": "Trommelfeuer\nKurt Heynicke\nDer Sappenposten ballt sich zusammen. Ein Ereignis\nstiert ihm ins Gesicht.\nAufschreit Nacht — er fällt hinüber in den Tod.\nA y\nNacht tanzt. Kurz bellt Granate auf. Neue Fetzen\nreißen Erde blutend auf — Sprengstücke flattern, sirrende\nVögel des Todes.\nFeuer flutet. Die Blicke im Unterstand horchen.\nNacht hüpft höhnisch unter die steigenden Blutsaulen der Erde»\n*• ' *\nFeuer flutet zum strömenden Meere\nGewalt. Luft stöhnt sich pfeifend Geschossen\nentgegen. Nichts. Gewalt.\nDas Feuer rast. Licht löscht im Stollengang.\nDie Blicke werden fern. Eine Frage bäumt aui,\ntausend Ohren horchen:\nWarum?\nAntwort trommelt höhnisch dumpf meterhoch\nüber dem Schacht, 7 * * *\nEin Gebet schreit auf. %\nRuhe. >\nAus! : - •'v 'v- 1 ' >\nMacht. %1 , v* * ' 5 N\nNichts. > % \\\n/ 1 ' * '/>\nNichts? Das Warum hockt im Eingang.\nWjir sind alle Tiere. Wir werden geschlachtet. t\nHunde sind wir! , -\nFlüche ballen wirr und bangen ums Leben. , * 7\n> i\n;\nN '\nWarum?\nDie Frage hockt eigensinnig in aller Seelen. ,\nGott! t . I , *\nGelächter ertötet den Namen. \"\nGleichviel — gleich sterben ist GlücK. > ' '\nDenken erlischt. g - »\nEinige fallen dumpf in den Schlaf. ' '\nWarum hämmert auf zertrommelten Nerven. , 1\n• » V,\n■1 » v\nNacht. ' »\nGranaten. »\nGrauen. 1 • \"• ' - 1\nFlüche. ' ( . . , » ,\n>**' j » *\n« 1 i\n>\nWenn wir alle Brüder sind.\nBrüder\ntrommelt der Haß die Erde' entzwei.\n/\n»\nLeid herrscht das All. Leidenschaft der Leiber\nHerrscht Tag und Zeit.\nWir sind nachts.\nEin Gedanke.\n* >\nNichts. 1\n- \\ r\nNacht tanzt rasend über tote Sterne.\nFluch.\nFeuer rast.\n\nKirche\nKurt Heynicke\n0, tiefes Blau in Hohen Kirchen\nan Kreuzen sanft vorübergleitend\nund aus der Heiligen Munde hauchend\nMadonna Opfer knieend schwer und reich.\nO Tanz der Sonne durch bemalte Fensterscheiben,\nö blondes Kind vor Andacht bebend vor Maria, deiner\nSchwester!\nDie steilen Priesterstimmen schneiden durch die Dämmernis\nzerbrochen liegt die' Stunde\nund der Heiland weint\n\nGedicht\nFranz Richard Behrens\nFür Lia Ley\nBlütenjagd beginnt\nKußweißer Sonne\nHände straucheln *\nBlust\nGirren wangt\nGischt\nSeidestreicheln\nLehnen knistert\n\\\nAuge kniet\nErgeben j\n/\n\nZeitgemäß\nHerwarth Walden\nDie Vossische Zeitung von Staats- und Gelehrten Sachen Kann\nDicht umhin, ihre Leser von einer neuen Oper des Herrn Sieg-\nfried Wagner zu unterrichten, die auf den nicht unpoetischen\nNamen „Sonnenflammen\" hört. Der Herr Berichterstatter äußert\nsich nicht über die Musik, was in diesem Fall begreiflich ist,\nWiohl aber äußert er sich über die Dichtung: „Die Dichtung hat\neinen zeitgemäßen Konflikt zum Gegenstand, dessen Lust und\nSchmerz so mancher von unsern jetzt heimkehrenden Orient-\nkriegern am eignen Leib und eigner Seele erfuhr: Die\nUnterjochung des siegenden Ankömmlings durch östlich-weiche\nSinnlichkeit, das Aufgehen herben deutschen Mannestums in der\nschmeichelnden orientalischer Arme, das Versagen\nnordisch-deutschen Rassegeistes vor südlich-süßen Rasse-\nreizen.\" — Dieses Mannestum wird zwar bereits in der Orient-\nbar zu Berlin mit Erfolg unterjocht, immerhin, der Konflikt ist\nzeitgemäß. Er wird auch zeitgemäß gelöst. Der Orientkrieger\nbesinnt sich nach dem Treubruch auf die Heimat, „die ihm in\nGestalt seines Vaters Verzeihung und Kraft zum erlösenden\nreinigenden Opfer bringt.\" Der Vater Heimat packt ihn\nam eigener Seele „mitten im Rausch eines wilden Tanz-\ngelages stößt er sich den Dolch in die Brust\", und als guter Deut-\nscher stirbt er schillernd mit den Worten: „Seht hier, wie ein\nFranke die Ehre ehrt!\" — Die Vossische Zeitung findet, daß\ndiese Dichtung „an Ideale unserer ersten Jugendzeit, an Platen,\nLingg und Dahn gemahnt\". 0 Lust, o Schmerz, o Orientkrieger,\no Jugendzeit"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.11", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nDer Sturm\nSiandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strafee 134a\nGdHfxiet t&jjlich von 1@—$ Ukr / Sonntags\nreai 11—2 Ukr\nTageskarte 1 Mark 50 Pfennig\nJahreskarte 9 Mark »\nMonatlicher Wechscl\n\\\nSiebzigste Ausslellung\nJanuar 1918 5 I !\nPaul Klee\nfohannes Molzahn\nKurt Schwitters\nEinundsiebzigste Ausslellung\nFebruar 1918\nWilliam Wauer\nGemalde / Zeichnungen / Plastiken\nEroffnimg: Soitotag, den 2. Februar 1918\n\nDER STURM\nvcrtritt folgende Kunstler ausschlieBlich\nand verfiigt iiber ihre Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum\nVerkauf und zu Ausstelhmgen in der gan-\nzcn Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Cha-\ngall I Jacoba van Heemskerck / Kandinsky /\nGeorg Muche / Nell Walden / William\nWaiter\nDER STURM\nvertritt Siir Deutschland folgende Kiinstler\nund verftigi fiber ihre Werke zum Verkauf\nand fur Ausstellungen:\nGosta Adrian-Nilsson / Alexander Archi-\npenko I Fritz Baumann / Vincenc Benes /\nUmber to Boccioni / Carlo D* Carra / Max\nErnst I Lyonel Feininger / Emil Filla /\nAlbert Gleizes / Otto Gutfreund / Oswald\nHerzog / Sigrid Hjerten-Griinewald / Isaac\nGrunewald / Johannes Itten / Alexei von\nJawlensky / Paul Klee / Oskar Kokoschka\nI Otakar Kubin / Fernand Leger / Franz\nMarc I Gabriele Miinter / Jean Metzinger /\nJohannes Molzahn / Francis Picabia /\nGino Severini / Arnold Topp' / Maria\nUhden / Marianne von Werefkin\n\nSiormschule\nLeitung : Hcrwartk Walden\nDrittes Jahr\nBerlin / Potsdamer StraBe 134a ?\nUnterricht und Ausbildung in d*i\nexpressiomsiischen Kunst\nBiihne I Schauspielerei / Vortragskunst /\nMalerei / Dichtung / Musili\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer\nRudolf Blumner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nJ - ;\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nSprechstunden der Leitunig: Dienstag, Mittwoch,\nFreitag, Sonnabend 4—5 J Das Sekretariat ist\ntaglich von 10—6 geoffnet\n\nSiurm-Abende\nVersin iiir Kiinst / Fiinfzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch %8 Uhr\nVoriragender: Rudoli Blumner\nKarten zu 5, 4, 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nNacMrag\nHalle an der Saale / 7. November 1918\nVortrag: Herwartli Walden\nHamburg f 11. Januar 1919\nVortrag: Lothar Scbreyer\n\nVerein fur Kunst\nFunfzehntes Jahr\nJahresbeitrag 25 Mark\nRechte: Frcier Bezug der Zeitschrift Der\nSturm I Freier Besuch der Sturm-Ausstel-\nlungen / Jahrlich 2 Kunstdrucke\nAnmeldungen durch den Sturm\n\nKunsibuchhandlung\nDer Sturm\nPoisdamer Str&fie 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und scltcne Biicher und Noten\nvorratig und nimrnt Besteliungen cntgegea\n\nVerein Sturmbiihne\nVorsifcxetider: Dr. John Schikowski\nGeschaitsstelle: Charlottenburg / Scharrcistral# 11\nAufruf und Satzungen kostenlos\nSturmbiihne\nTheater der Expressionisten\nNur vor Mitgliedern des Vereins Sturm-\nbiihne\nAnmeldungen zur Mitgliedschaft werdea aucli ha\nSturm entgegengenommen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Wal-\nden / Lothar Schreyer / Rudolf Bliimner /\nRudolf Bauer / William Wauer / Max Ver-\nworn I und anderen\nMit 140 Abbildungen / zum Teil ganzseitfg\nnach Bildern und Bildwerken samtlicher\nKiinstler des Sturm / der Urvolker und der\nVolkskunst / Mit mehrfarbigen Beilagen\nFarbige Umschlagzeichnung von William Wauer\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museums-\nausgabe mit Originalen Nummer 1—10\nM 200— Nummer 11—50 M 100—\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedicht®\nDas Buch enthalt die Gedichte, die Ru-\ndolfBliimneran den S t u r m-A bea»\nden vortragt\n4 Mark ,\nSignderte Sonderausgabe 12 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 60 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nVierte und fiinfte Folge erschienen\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nMit vierundsechzig Abbildungen nach Ge-\nnial den der Sturm-Kiinstler\nZweite Auflage\n5 Mark\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Arclnpenko\n4 Mark\nIII: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig\n\nAnzeigeri werden nicht aufgenommen\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke\nvon den meisten Zeichnungen Kunstdrucke\nkauflich zu erwerben. Die Originate sind ver-\nkauilich.\nAusiiihrliche Verzeichnisse dies Verlags\nDer Sturm kostenlos"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190115-01.1.12", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am iiinizehnten jcdcs Monats\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fur Deutsch-\n1 a n d : Ein Jahr 9 Mk / Em Halbjahr 5 Mk /\nEinzclheft 1 Mark / FurdasAusland;\nEin Jahr 12 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSonder - Ausgabe: Ungcbrochene\nExemplare, Versendung in Rol-\nlen direkt dure h die Post / Fur\nDeutschland: Ein Jahr 15 Mark /\nFurdasAusland: Ein Jahr 20 Mark\n\nP r c i s e der friiheren Jahrgange\nir 11 Gewohnliche Sonder-\nVolistandige Ansgabc Anwabe; ausgabe;\n1. Jahrgang 1910/11 30 Mark —\n2. Jahrgang 1911/12 30 Mark —\n3. Jahrgang 30 Mark vergriffen\n4. Jahrgang 1913/14 — 40 Mark\n5. Jahrgang 1914/15 20 Mark 30 Mark\n6. Jahrgang 1915/16 20 Mark 30 Mark\n7. Jahrgang 1916/17 20 Mark 30 Mark\n8. Jahrgang 1917/18 30 Mark 40 Mark\nEinzelhefte, soweit vorhanden, erster bis\nachter Jahrgang je 1 Mark fiinizig Pfennig\n\nBiicher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute I Gedichte\nGeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\ntiberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nGeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze F ahne / Eine Dichtung\nGeheftet 3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\n5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark (Auflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen\nEmpfindung und seine Losung\n5 Mark\nWilhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nGeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\nGeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Walden\nDas Buch der M e n s c h e n 1 i e b c\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Harte der Weltenliebe/\nRoman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nGesamnielte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nGeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nW e i b I Komitragodie\nGeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe/ Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\n5 u n d e / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube I Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark 50 Pfennig\nKind I Tragodie\nT r i e b / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSiurm-Riicher Is August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneuen Kunst / VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 1 Mark\n\nMusik\nHerwartii Walden\nQesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P1 a k a t fiir die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 38 Mark\n\nSturm-Karten\nJede Karte*30 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen unci Bild~\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 4\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacobavan Heemskerck 3\nHjertSn-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nFernand L6ger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 2\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf I\nGino Severini 4\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 5\nMarianne von Werefkin 2\n\nSturm- Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Kandinsky\nRudolf Bauer Gino Severini\nMarc Chagall Skupina\nJe 6U Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturwi\nAu! Japan- und Buttenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-WeiB-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der\nGeigenspieler / Die Schwangere / Esseuder\nBauer / Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein /\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / l.and-\nschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul S^hfier-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Herwarth Waldei\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\nXII. Qabriele Muntur\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Qeorg Muche"}]}