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Für\nv\neine Mode, die sie wegen des Fortschritts immerhin mitmachen\nwollten. Der Berufprofessor Glaser kommt sich sehr wichtig\nvor. Er klärt die demokratischen Leser des Berliner Börsen-\nkouriers über die Mode der Moderne auf. Herr Glaser ver-\nfügt über den natürlichen Blick, mit dem er Kunstwerke mei-\nstert- Herr Glaser hat das sichere Urteil des Kunsthistorikers.\nEr hat vielleicht mit heißem Bemühen gelernt, was gewesen ist.\nEr betrachtet die gesammelten sogenannten Kunstschätze des\nKupferstichkabinetts, das er auch „leitet\", betrachtet sie mit\nseinem natürlichen Blick und vergleicht. Die Folge sind ge-\nschriebene Kabinettstücke überhebender Kunstfremdheit. Herr\nGlaser kann nicht umhin, das Gras wachsen zu hören. Er ver-\nkündet mit ahnungsloser Sicherheit: „Nicht ebenso einfach liegt\nder Fall des Kubismus, über den gewiß auch einmal Gras wach-\nsen wird, der aber das vor dem italienischen Futuristenrummel\nvoraus hat, daß ernst zu nehmende malerische Talente sich ihm\nverschrieben.\" Die malerischen Talente müssen es sich durchaus\nverbitten, von dem Berufsprofessor Glaser ernst genommen zu\nwerden. Sie vertragen solche schlechten Scherze nicht. Schon\ndeshalb nicht, weil dieser Herr Glaser mit seinem natürlichen\nBlick über einen Fall Gras wachsen läßt. Gras wachsen\nläßt über einen Fall, der etwas vor einem Rummel vor-\nau s hat. Dieser Literat, der solche Bilder sieht, wagt dann zu\nschreiben: „Man muß es Kandinsky lassen, daß er sein Hand-\nwerk noch immer besser versteht, als diese Nachahmer, wenn\nman auch nicht umhin kann, seine Zeichnung, wo sie überhaupt\nnoch Reste kenntlicher Form enthält, äußerst trivial zu finden\nund den Ausweg der abstrakten Farbe für eine literarisch ver-\nkleidete Flucht ins Ornamentale zu halten.'' Herr Glaser fühlt\nsich um die Stimmung der kenntlichen Form gebracht und hält\nes für eine Flucht, wo er keinen Ausweg findet. Er kann Kunst\nnur an kenntlicher Form erkennen. Er vergleicht sie mit seinem\nliterarischen Blick und fällt über das Gras, das ohne sein Zutun\nüber ihn wächst. Nachdem der Herr Berufsprofessor schnell\nnoch Chagall für ein kleines Talent erklärt, stößt er sich an\nder Plastik: „Es wäre gewiß sehr bequem, wenn man allein\ndurch Schematisierung der Flächen zur monumentalen Form\ngelangen könnte, wie William Wauer es zu glauben scheint.\nKunst ist nämlich unbequem, vor allem dem Herrn Glaser. Aber\nHerr Glaser wird sich bequemen müssen, das für Kunst zu hal-\nten, was ihm nicht als Kunst erscheint- Ihm ist nämlich Kunst\nSchematisierung der Flächen. Ihm wird die Form erst durch\nSchematisierung kenntlich. Man kann nicht umhin, das Schema\ndieses Schemens äußerst trivial zu finden. Der Glaser hat\nseinen Beruf verfehlt. Er sollte Scherbensammler werden.\nIn Schmelz empfangen\nDer Dramendichter Gerhart Hauptmann, der Schiller ju-\nnior ohne Temperament, hat eine Kundgebung an das Neue\nDeutschland erlassen, und zwar im Neuen Wiener Journal. £r\nverständigt sich mit den deutsch-österreichischen Brüdern sehr\nsinnreich auf italienisch, indem er ihnen zuruft: „Entweder\nReichseinheit oder — lasciate ogni speranza.\" Aber der Dich-\nter Hauptmann kann deutsch, wenn man auch alle Hoffnung\nfahren lassen muß, sowie dieser Dichter höchstselbst dichtet:\n„Diese Einheit muß entdeckt, gefühlt, ergründet, erkannt,\nerlebt, erfunden und in dem Schmelzprozeß der allge-\nmeinen Begeisterung geboren werden.' Worauf der Mut-\nter Schmelzprozeß nichts übrig bleibt* als dem Kinde Einheit in\nWehen zuzurufen; Lasciate ogni speranza.\nGekämpft wie geschmiert\nHerr Paul Westheim hat vor zwei Jahren begonnen, die\nunwesentlich Schaffenden dieser Zeit zu erkennen und anzu-\nerkennen, nicht ohne vorher durch viele Jahre die wesentlich\nSchaffenden und die unwesentlich Schaffenden zu beschimpfen\nund zu bespotten. Nun soll Direktor Justi von der National-\nGalerie die sogenannte jüngste Kunst für sein Museum berück-\nsichtigen wollen. Hierzu bemerkt der unverdächtige Herr West-\nheim in seiner expressionistischen Gartenlaube: ,fßei aller\nFreude darüber, daß man nunmehr auch an so offizieller Stelle\ndie wesentlich Schaffenden dieser Zeit zu erkennen und an-\nzuerkennen beginnt, ist doch zu sagen, daß uns die Eile, mit der\nJusti so plötzlich Rückendeckung sucht hinter dieser jungen\nKunst, einigermaßen verdächtig erscheinen muß.\" Herr West-\nheim hat es genau zwei Jahre eiliger, wenn auch sein Rücken\nimmer noch verwundbar ist. Wenn er auch heute noch nicht\ndie wesentlich Schaffenden von den unwesentlich Schaffenden\nunterscheiden kann. „Die Geste, die da beliebt wird, ist doch\netwas zu eindeutig. Man wird es uns nicht verdenken können,\nwenn wir In ihr weniger ein sachliches Sicheinsetzen für diese\nKunst als einen Akt kühl berechnender Kunstpolitik erblicken.\nMan wird es mir nicht verdenken können, wenn ich in der\nTätigkeit des Herrn Westheim Weniger ein unsachliches Sich-\neinsetzen für diese nicht verstandene Kunst als einen Akt kühl\nberechnender Konjunktur erblicke. Auch wenn dieser Akt des\nHerrn Westheim jetzt expressionistisch aufgemacht ist. „Diese\nArt Kunstpolitik, die aus außerkünstlerischen und gar aus per-\nsönlichen Rücksichten sich für oder gegen irgend welche Kunst\nentscheidet, ist altes Wilhelminisches System, gegen.das wir\nnicht umsonst jahrelang angekämpft haben.\" Herr West-\nheim hat ein zu schlechtes Gedächtnis, um Kunstpolitik zu trei-\nben. Seine zwei Jahre der Hochkonjunktur kommen ihm wie\neine Ewigkeit vor. Herr Westheim ist jahrelang bekämpft wor-\nden und fühlt sich als Sieger, trotzdem er nur Ueberläufer ist.\nUeberläufer vergessen immer schnell, woher sie gekommen\nsind. Justi hat wenigstens Wesentliches nicht bekämpft. Herr\nWestheim aber Unwesentliches verdächtig eilig gefördert. Die\nGeste, die da beliebt wird, ist doch etwas zu eindeutig.\nMaterialisierung der Dichtung\nDie Gebildeten unsrer Zeit sind nun einmal für Kunst. Seit\nJahrzehnten verschickt ein Herr Aug. Ludwig Ankündigungen\nseiner Wort- und Tonschöpfungen. In seiner neuesten Ankün-\ndigung heißt es: „Nachdem uns bisher die Versdichter mit Vor-\nliebe nur Erträumtes, Gefabeltes vorgedichtet haben, liegt für\nuns Neuzeitliche das Bedürfnis vor, uns nunmehr der vollen\nWirklichkeit und den Tatsachen zuzuwenden. Unsere Forscher,\nDenker und Erfinder haben uns mit reichlichstem Material dazu\nversehen, so daß bereits manch früherer Dichtertraum (z. B. der\nFliegertraum!) heute in greifbare Erfüllung gegangen und als\nsolcher erledigt wurde. Ach ja,\ndie vielen unzähligen Dichtenden:\nSie bieten uns als Dichtergaben ,\nWas sie erträumt erfabelt haben.\nFort mit der Nebelfantasie!\nWir wollen Wirklichkeitspoesie!\nNicht Gaukelrichtung,\nNein Tatsachendichtung!\nZeigt eine Welt,\ndie Wahres enthält!\"\nDie Gebildeten unserer Zeit sind nun einmal für die Kunst.\nUeber diesen Aug. Dichter und seine Kunst werden Aeußerun-\ngen veröffentlicht, die „Gelehrte\" getan haben. Herr Professor\nSilex schreibt: „Viele Kapitel der Schrift Neue Note sind sehr\ninteressant.\" Herr Professor Dr. Franke Berlin: „In einer ge-\nradezu hellseherischen Eingebung ist es dem scharfsinnigen wie\npoetischen Autor gelungen, das im Hohelied Salomes ver-\nworren schlummernde Geheimnis zu entwirren. Und das Ver-\nblüffendste daran ist, daß dies mit dem ureignen Text der Bibel,\nja mit den Worten Luthers geschehen konnte, die nur gehörig\numgestellt zu werden brauchten, um statt des bisherigen\nUnsinns nunmehr wieder ursprünglich und höchst sinnvoll\nvor dem erstaunten Leserauge zu liegen!\"\nUnd diese ganze „Entwicklungslehre in Versen mit Buch-\nschmuck und Schmuckdruck\" kostet nur zwei Mark. 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Peitschen, Die\nStraßen pfeifen die Sterne. Die Dächer schlagen auf die Monde,\nUnd er reitet die Sporen blutsteil, Bergüber, Hinauf klirren\ndie Flüsse. Trommeln, trommeln die Fenster. Die Essen- Die\nEssen, Klappern die Bäume. Holzschlag die Türme. Riesen\ndie Siege. Surren. Der Uhu. Das Ende. Das Ende,\nKommen kommt in der kommenden Zeit, Bindet die Bänder,\nSchnitter zerjauchze. Fange die Blüten, Fahr über. Die Seen\nsind blau.\nIn Nächtezeiten sank einmal das Feld in Schlaf. Rehe küssen\neinander, Die Blumen blühen den Nebel, Die Liebe ist innen\nso rot. Singen die Kinder fern. Wir sind. Das Kleine spielt.\nIn das tiefste Meer hat man einen Ring geworfen.\nDie Wälder weiten den Tag. Die Feuer singen die Sonne, Rings\nstemen die Bäume, Die Geigen tanzen. Viel Boote mit Win-\npeln. Die Berge spielen die Fahnen. Flüsse lächeln die Wiesen,\nGlocken streicheln die Tiere. Die Nächte läuten und die Kir-\nchen sind treu. Alles ist geschehen. Der Himmel schwebt die\nErde. Hoch und tief,\nRings um die Stadt fahren endlose Züge von Totenwagen. Der\nWind zerknittert die Schmutzfetzen an den grauen Häusern,\nEine grüne Katze zerdrückt das Dach, Am hellen Nachmittag\ngeht die rote Nacht durch die Türen. Die Auferstandenen sind\nschweißbedeckt. Das Schillern des Leides sticht die Augen aus.\nDie Decke der Frau ist krank und gefaltet. Die Steine staunen\nden bleichen Schritt. Und die Begeisterung wirft die Hände an\nden wilden Turm. Der irre Tisch wartet von einer Post zur\nanderen. Die Kraft des Knieens gelingt dir nicht. Niemand\nweiß etwas. Immer noch nicht der Brief mit den Buchstaben:\nDU BIST.\nQual faucht aus der Erde, Feuer, Die Häuser zertanzen die\nSchreie hoch. Die Schädeldecke zerkreischt Gift. Der Geifer\nblakt die Berge. Die Felsen sausen die Köpfe. Und die große\nSonne kratert schwarz aus der Erde.\nDer Dom trägt die weite Gestalt, Töne knieen den Kugel-\nkreis. Sehnen zerspannen licht das Gewölbe weit, Rund\nfließen die Hände fern. Die Lilie küßt den Schoß aller Himmel.\nDer Blinde sieht alle Lüfte singen. Niemand trägt den Mai in\nallen Toten, Die Kelche sind blaue Erfüllung der Kerzen. Und\ndas Schauen ist voller Wunder grün.\nDie Geburt ist die Nacht der Himmel. Die Geburt ist aller\nHimmel Tag.\nDer neue Mond wächst die Sichel der Sterne, Das frühe Rot\nstirbt die Blüten der Bläue. Der heiße Mund lächelt den Sieg,\nAus allen Toren weint die Dämmerung. Zum Licht.\nGroß ist das Schwert, Schöpfung schneidet die Fratzen mit\nFäusten. Der Arm kreißt die Hoheit in Waffen. Die Wehr\nsprüht auf dem Zischen der toten Häuser, An tiefweißen Fen-\nstern zerlklittern die Stiere hinab. Der Himmel wandert die\nAugen. Und die Sterne lächeln ihren Sohn in den Frühling der\nSchritte.\nDer Atem sucht. Das Brot zögert. Das Blut kocht. Das Fieber\nklammt. Unterm Schnee stampft der Wahn wider die Wände,\nRegellose Schläge ziehen das Herz, Das Hirn trommelt die\nHände, Zerren. Zerren, Der Mund schäumt. Die große Woge\nspritzt die Zunge durch die Zähne. Aber der Wald trinkt aus\nblauen Rändern das Leid. Hülfe kniet aus den Barken des\nMeeres.\nOh die Liebe trägt alle toten Tiere. Die süße Stadt steht auf\nden Trümmern der Türme, Das Silber feiert den Schnee aller\nschmiegenden Welten,\nDer Winter weiß das Ahnen in den blinden Bäumen und der\nJammer leuchtet die Lichter der Nächte. Du stehst die war-\ntende Seele an djCn bangen Toren der Augen,. Du grünst die\ngelbe Blüte deiner blauen Umarmung, Du versinkst das Reich\nim Herzen deiner Milde. Die Demut küßt die blonden Köpfe\nder Kinder. Der Bettler schenkt seine Hände den Tieren. Das\nKleid der Armen ist ein warmes Umkleiden. Die Liebe des\nwird von allen Blumen geliebt. Und die verschenkte\nBlüte ist der Reichtum aller Freuden,\nSanft singen die Sterne Träume, Spielen die Straßen Märchen,\nDer weiche Mund ruht die Erfüllung der Stunden. Die goldenen\nTore schlafen die wachen Qualen ein. Der gelbe Mond betet\nalle Menschen. Die Lasten sind ein leichter Segen. Oh selig\nduldet der Schoß die Arme der Werke.\nOb doch das Schauen die harten Steine zerstößt? Ob das\nSchwert die Schultern des Kampfes küßt? Strenge treibt den\nPflug durch die Felder. Aus den Armen gerissen ist die ein-\nsame Nacht. Aufgestiegen haßt heilig der Zorn, Das Feuer\nglüht die Lüfte. Der Ruf der Höhe schütter! die Tiefe, Die\nAbkehr dient der Hoffnung der Armen. Hoch der ferne Flimmel\nleuchtet die Sehnsucht der Gruben.\nDie nahe Erde streitet die Nebel, Die grauen Furchen starren\ndas Eis zum Bersten. Die Felder sind alt. Kälte kettet die Tiefe\nder Blüten. Hagel steinigt die Pfade. Blut verklammert ewig\nden Mund aller Hände. Der sonnenlose Baum fängt die Flügel\nder Vögel des Himmels. Alle Augen sind krank und verweht.\nDie gelbe Nacht. Bleich schreien die Messer auf. Der rote Stier\nZerschlagen blökt die Fenster, Ueberwälzt die Wut, Knistert\ndas Keuchen, Rasen die Haare zerstört durch di 6 Gassen der\nFlamme.\nDer Schweiß ist von Fesseln des Leibes gehalten. Der Schweiß\nreißt sich die Kleider zur Erde, Die Not tropft. Der schwarze\nRücken der Nacht. Berg taucht den Kopf in die dunklen Tiefen\nder Wälder, Der Nachtrücken des Berges biegt sich Du.\nGlimmt. Ja, Das Blut der Sonne haucht die Ruhe der Hände\nan. Die Monde feiern das Kreuz in die Gipfel des schneewar-\nmen Himmels.\nDas Opfer stampft kalt durch die Oeden, Die toten Tore\nschichten die Wände, Quadern des Grabes türmen die steile\nAngst. Stangen sperren die Klage. Der Weg ist weit. Der Leib\nist zerbrochen. Hängt zwischen Himmel und Erde. Das Wun-\nder der Sterne wandert das Leid in die Tiefe, Sterbende Wolke\nwindet das Weinen über Hügel- Die Blüte des Todes bricht das\nStaunen über die Kuppeln der Menschen empor. Zerreißen die\nGlocken die Schreie. Das Verzücken der Wunden lichtert die\nLüfte. Hoch spritzt des Meeres Furcht die Köpfe tief. Die\nSonne ist schwarz am Tage und das Geheimnis der Nacht zittert\ndie blinden Augen der Berge blau.\nDie Liebe ist ein kleines Licht und ein wehes Umarmen. Trägt\nder Schoß die Mainacht der Knospen. Schließen die kleinen\nHände die Lider. Blühen die süßen Tränen des Zagens, Brei-\nten die dunklen Wälder die Arme, Schlafen die wunden Rehe\ndie Klagen ein.\nDer Tod geht schwarz in die Berge,\nDie Felsen stürzen die Bäume. Klirren die Fäuste die Mauern.\nHämmern, hämmern die Wände. Die Wellen wirbeln die\nStürme. Fallen, Und die Blitze donnern die Tempel der Tiefe\ntot in die Erde, \\\nDer Sturz der Sterne lebt die Blüten in das Lauschen der Ge-\nsichte, Die blauen Zungen schauen die Bilder der Leuchten,\nDie Gründe des Meeres lichtem den Glanz alles Ahnens. Das\nKünden weht von den Türmen der Burgen. Und die müden\nFlüsse blinken des Abends Gold in die Kammer der Kranken.\nDie Zeiten wandern die Städte hart. 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Dunkel. Dunkel ist nicht grausam. Süß\nist das Dunkel.\nIch will sterben. Morgen entfliehe ich meinem Körper. Morgen\nbin ich befreit. Gott? Wo ist sein Name?\nGott ist farblos. Ist nicht größer als meine aufgereckte Hand.\nTritt zu mir, Gott-\nSprich: Ich leide wie du.\nDann sinke ich hin, toten Geistes, und meine Lippen flüstern;\nBruder.\nBist du das Leid?\nGrausam ist deine Tat, schwarzrot dein Antlitz, Hohn dein Auge,\nFluch deine Stimme.\nGott!\nIch kniee vor dir mit tausend zuckenden Gebeten.\nTöte das Helle nicht, das meiner Seele Liebstes ist,\nGott!\nPeitschest du mich, mich selber dem Licht entgegenzuschreien,\ndas erlischt.\nGott\nSieh mich winseln, ich bin nichts vor dir, ich beuge meine Kraft,\nich zerbreche meinen Willen,\nich bin\nnichts!\nNein!\nIch stehe aufrecht vor dir.\nMitten im Meere der Dunkelheit.\nIch bin du.\nich will tragen.\nGib mir Leid, mein Herz bereite aus tausend Schwertern,\nErkenne mich an!\nIch, der Mensch.\nEbenbild.\nDunkel mußt du selber sein.\nGrausam.\nLehre mich dich.\nHell\n* *\n*\nMein Blut tobt wider die Seele.\nMeine Seele ist heilig und liebt ein Weib.\nIhre Seele wehrt sich.\nIhr Leib ist anderswo.\nLächelnd beugt er unter der Gewalt stärkeren Leibes.\nGott, o du Verwirrer der Fäden des Schicksals!\nIch muß den fremden Leib toten.\nBin ich Gott?\nIch kann tothassen.\nO, es ist süß, den Purpursaum schwüler Nächte zu küssen.\nMeine Seele ist einsam und fürchtet sich.\nHerr, rette mich!\nMeine Seele ist allein\ndie Stunden werden dunkel.\nGott.\nDu lächelst.\nMeine Seele schreit nach der Seele.\nGott\nGuter Vater.\nDu gibst.\nMeine Seele steigt und singt.\nIch fühle Einheit.\nWeg ins All seit Urbeginn.\nMeine Seele schreit in Schmerzen.\nt . -c\nHängt ein Körper an der Seele!\nLachend!\nDort!\nHier!\nIch gehe sterben.\n* *\n*\nIch gehe lächelnd einen Berg voll Lichts. Ich bin überwunden\nvon der Welt, denn ich habe überwunden die Erde-\nAller Willen des Leibes fällt von mir. Meine Seele ist\nblauer Himmel. Ich bin allein.\nIch trage das Leid der nicht Ueberwundenen.\nIch trage das Leid der Seele, die ich liebe.\nIch weine. Sie ist tief im Dunkel der Blutnacht. Ihr Leib kniet\nvor der Stärke des Geschlechtes. Ich aber singe und\nwill erlösen.\nSinge dich heimwärts Seele.\nVor uns der heilige Berg.\nWir wandern.\nUnter uns weiß im Nebel die Menschen — Ebene.\nSonne flicht Faden hindurch.\nFeucht ist unser Haar von der Nacht, im Morgen glänzt unser\nAngesicht, unsere Arme breiten entgegen dem weißen\nBerge der Erfüllung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "154", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.4", "debut_caractere": 3141, "fin_caractere_exclue": 3866, "texte": "Gedichte\n\nKurt Heynicke\nBlauer Leib der hohen Nacht.\nTausend aufgeborne Sterne.\nFällt auf dich die helle Nacht.\nSacht erblühen deine Augen,\nmeine Hände sind erwacht,\ngottentgegen Sehnsucht neigend,\nstrahlst du auf,\nmir in meine Seele steigend,\n\nWanderlied\nMeine Heide in der Nacht.\nWind, der durch die Föhren taumelt\nmit der Sehnsucht meines Herzens\nO du blauer Leib der Heide in der Nacht.\nFremde Heide.\nFremder Himmel steigt dem Weg vorab.\nDu bist nicht mein Heimatheidenland\nTausend fremde Füße durch die fremde Heidestraße.\nIn der Nacht\nmeine Seele wandert sternenlängs\nin das deutsche Haus in meiner Heide.\nRot ist der Soldatentod in fremder Heide.\nRot ist Erika, das Heidekraut.\nRot ist Mohn im Garten vor dem Heidehaus"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 519, "texte": "Klang\nWAd\nerhoben ich Knabe Knie Andacht vor dir!\nErsing mir die dunkele Ruhe des Lebens\nseelen versunken\ntrunken\nfall ich vor deinen Säulen in Schlaf.\nSchweben über mir Winde\ngrüne deine Bogen falten mir Träume zur Nacht.\n\nEin Mensch\nÖ ich Kind,\nspielend auf bunter Wiese\no ich Mensch,\nträumend mein Leben ins Nichts,\nErde,\nmir in den Schoß gefallen\nmeine Augen gehen weit von dir,\nfröstelnd stehe ich inmitten der Tage.\nAlle Kinder sind einsam zutiefst\nund spielen mit der eigenen Stimme.\n0 Kind sein auf der W'iese •"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Moralen reifen — reiften langsam unter den Strahlen auf-\ngehenden Bewußtseins.\nMoralen sind Früchte\nGepflückt vom Baume der Erkenntnis.\nDer menschliche Kampf ums Dasein paßt sich in Form und\nFarbe seiner Umgebung an.\nBesonderer Zwang der Erhaltung schuf besondere Haltung.\nSo gebar der Urwald den Jäger — so erzog die Steppe den\nHirten, so lockte der Waldsaum, das Ufer, der Steppenrand\nzum Anbau.\nGeschieden in ihrem Können — verschieden in ihrem Wol-\nlen, erwuchsen so drei Artungen aus der Notdurft des Men-\nschen und der Gelegenheit des Orts:\nDer Jäger.\nDer Hirt,\nDer Bauer,\nZwang schuf Gegensätze — Entfremdung verwirrte Ver-\nstehen — Gewohnheit riß Abgründe auf.\nDa fändet Eifer und Uebereifer keine Brücke mehr\nUnd der verliert den Weg, der meint, daß das Moralische\nein im Jenseits verankertes, allein seligmachendes Schema\nwäre —\nJäger,\nHirt.\nBauer.\nJeder kennt ein anderes Wissen, jeder lehrt eine andere\nWeisheit, jeder huldigt einer anderen Moral, jeder betet zu an-\nderen Göttern,\nViele Götter verehrt der Bauer — sie wohnen um ihn, er\nhat Zeit zu Kulten und Zeremonien.\nDer Bauer pflegt seine Götter.\nEr hegt geweihte Orte. Er baut ihnen Tempel und Dome.\nWenig Götter führen den Hirten — denn er mußte sie mit\nsich führen.\nLeicht mitzuführen müssen Hirtengötter sein: wie die\nPlamme, oder allgegenwärtig: wie die Gestirne.\nAm besten aber ist ein Gott — ein Führer — ein Mit-\ngeführter,\nDer Hirt opfert seinem Gotte,\nEr liebt Prediger in der Wüste und heilige Stätten.\nDes Jägers Götter sind seine Begleiter. Sie müssen mit ihm\ngehen, n eben ihm gehen. Tragen kann er sie nur, wenn er sie\ni n sich trägt: so mußte er seinen Gott verinnerlichen.\nDer Jäger feiert Gott.\nDer Jäger findet Gott in der Natur.\nEin Einzelgänger ist der Jäger und wenig nur verträgt er\nGefährten.\nDer liirte aber wirkt in der Gemeinschaft, er ist fruchtbar\nund seine Sicherheit wächst mit der Men^e.\nDer Bauer duldet nur Nachbarn und sein Rückhalt ist die\nGemeinde. Sie ist auch seine Rücksicht, sein Urteil.\nDeshalb steht des Bauern Moral beim Nachbarn. Aeußerlich\nleicht verletzlich, fürchtet er Klatsch und Skandal. Durchs Fen-\nster läßt er sich nicht schauen, denn was in seinem Haus ge-\nschieht, ist s e i n e Sache.\nEr hält auf Ehre. letzte Rechtfertigung ist die vor\nseinem Nachbarn. *\nBauernmoral ruft nach Gottesurteil und Duell.\nSchlechtes Gewissen macht ihn zum Heuchler.\nHirtenmoral ist weniger streng. Hat der Hirt sich irgendwo\nunmöglich gemacht zieht er weiter. Ihn fesselt nichts, ihn\nschändet nichts. Er rechnet mit Vergessen und Vergeben. Er\nkennt die Menge. Seine Strenge lebt in der Familie. Sein\nZelt hält er rein.\nSchuld macht den Hirten unstet und flüchtig.\nDer Jäger ist der tiefste Moralist:1 ihn richtet kein Nach-\nbar, ihm nützt keine Flucht; er ist sich selbst Richter und Klä-\nger. Anderer Meinung kümmert ihn nicht. Und so ist er auch\nder I mmoralist im Sinne der Anderen.\nZerfällt der Jäger mit sich, wird er Verbrecher —\nDenn der Jäger kennt keine Gesetze —'er haßt Gesetze.\nEr ist Anarchist.\nDer Hirte umgeht die Gesetze, die er achtet. Er ist liberal.\nDer Bauer liebt Gesetze. Er ist konservativ.\nKonservativ ist der Bauer: Erhalter, denn er besitzt.\nUnd alles wird ihm Besitz.\nMacht ist sein Ehrgeiz, die sich im Besitz offenbart.\nDer Hirt verlangt Chancen, denn er will gewinnen und\nSchätze häufen.\nUnd alles wird ihm zum Schatz.\nReichtum ist seine Gier, den er verbirgt.\nDer Jäger sucht Beute.\nUnd alles wird ihm zur Beute. — Erlegte Beute verliert\nihm den Wert. 1\nDie Jagd ist seine Leidenschaft, das Abenteuer seine Lust.\nSo bleibt der Jäger besitzlos.\nEr ist der Idealist, der Träumer, der Künstler . . *\nDer Hirt ist Materialist — der Genießer — der Faulenzer,\nDer Bauer ist Realist — der Säer und Ernter — der Bauer\n\\\ntind Aufbau er.\nDes Jägers Rasten heißt Schweigen und Grübeln.\nDes Hirten Laune — Schwatzen und Kalkulieren.\nDes Bauern Zeitvertreib — Trinken und Räsonmeren."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2401, "texte": "Jäger morden —\nHirten betrügen —\nBauern sind lasterhaft.\nDes Jägers Tugenden: Mut, Kaltblütigkeit, Entschlossen-\nheit, Ausdauer, Bedürfnislosigkeit, Klugheit — Er stellt Fallen.\nDes Hirten Tugenden: Gewandtheit, Ueberblick, Eifer, Un-\nermüdlichkeit, Berechnung, Schlauheit —\nEr täuscht mit Listen.\nDes Bauern Tugenden: Charakter, Unerschrockenheit,\nFleiß, Zähigkeit, Vorsicht, Sparsamkeit —\nMit Mißtrauen überfordert er.\nDes Jägers Heim: Ein Zufall — ungepflegt, ungeliebt —\nleicht verlassen.\nDes Hirten Heim; Das Zelt weich und bequem — Schmuck\nund Zierat — heimliche Schätze — aber flüchtig gebaut —\nwahllos geschmückt und von keiner Dauer.\nDes Bauern Heim: sein Haus, seine Burg. Kleine Fenster.\nSaubere Wirtschaft. Plump. Solid. Schmucklos, aber echt.\nDes Bauern Weib: seiner Kinder Mutter — seines Hauses\nMagd — seines Besitzes Repräsentantin:\nGemahlin, die mit ihm das Mahl teilt (höchste Auszeich-\nnung bei schlechter Behandlung).\nDes Bauern Kind, gezüchtet und umsorgt.\nDes Hirten Weib: seine Geliebte — seines Zeltes größter\nSchatz — vor den Volksgenossen seine Gattin,\nDie nur er begatten darf (strengste Abschließimg, bei\nzärtlicher Verehrung),\nDes Hirten Kind; verwöhnt und mißhandelt.\nDes Jägers Weib: seine Gefährtin — seine Pflegerin\nseine Liebste,\nDie im Schutze seiner Neigung steht (große Sicherheit bei\nsorgloser Rücksichtslosigkeit).\nDes Jägers Kind: geliebt und vernachlässig^.\nDer Jäger schlingt und liebt das Gelage —\nDer Hirte schmaust und sucht Schlemmerei —\nDer Bauer ißt und ergibt sich der Völlerei —\nJäger lieben —\nHirten verführen —\nBauern heiraten —\nDer Jäger verkriecht sich, wenn er erkrankt ist —\nDer Hirte barmt und fürchtet den Tod —\nDer Bauer nimmt's übel und schimpft —\nDes Jägers Künste sind die gestaltenden, die Künste des\n4\nAuges und der Hand,\nEr bildet, forscht, philosophiert und erfindet.\nDes Hirten Künste sind die spielenden und redenden: die\nSchriftkunst. Der Hirte ersinnt Fälle und Systeme, tanzt,\nsingt, weissagt und phantasiert.\nDes Bauern Künste sind die dekorativen und die bauenden,\n— Anbauer ist er in der Wissenschaft und im Staat.\nDer Jäger im Kampf: er liebt den Angriff —\nDer Hirt im Kampf: er haßt den Streit —\nDer Bauer im Kampf: er bleibt Verteidiger —\nBauernrache: Sengen und Brennen —\nEr zerstört Besitz.\nHirtenrache: Brandschatzung und Ueberfall —\nEr raubt sich Bereicherung.\nJägerrache: Fehde und Plünderung —\nEr übt Gewalt und tötet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "155", "page_fin": "155", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.7.1", "titre_corps": "Arnold Topp: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Arnold Topp: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 51, "texte": "Arnold Topp: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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I 3\nEifersucht VIII 102\nHermann Essig IV 50\nG e s c häf t Ii c h e s : Htnm / Die Sonne bringt es\nan den Tag / Anmerkung 11 29\nGute Kritik: Die Vossische Aktion 111 46\nLetzte Liebe IV 51\nNachr evolut i o n ä r e : Der Kunstg lasier /\nIn Schmelz empfangen / Gekämpft wie geschmiert\nMaterialismus der Dichtung Xll 150\nScherz Beiseite : Dann eehen wir ins Maxim /\nVorbeigedichjete Erkenntnis / Stellenwechsel / IV 62\nKurt Striepe II 18\nMaria Uhden VI 78\nVermerke: Der Friede im Bilde festgehalten /\nGroßmannssucht / Noch ein Expressionist / Durch\nAuge zum Ohr I 12\nVon Sonne Gnaden VI 6\nZeitgemäß V 134\nWlHliam Wauer\nUeber Moralisches XII 154\nZeichnungen\nt\nRudolf Bauer\nZeichnung VI 78\nZeichnung VI 81\nZeichnung VI 3\nZeichnung VII 97\nZeichnung - VII 95\nZeichnung VII 89\nHermann Essig zum Gedächtnis IV 55\nHermann Essig I Zeichnung IV 53\nFritz Baumann\nZeichnung I 9\nMarc Chagall\nZeichnung IV 49\nZwei Zeichnungen ' IV 57\nWalter Dexel\nHolzschnitt IX 119\nEmil Filfa\nZeichnung HI 33\nJacoba van Heemskerck\nHolzschnitt H\nOswald Herzog\nHolzschnitt XII 149\nFernand Leger\nAkt H\nJohannes Molzahn\nZeichnung V 69\nZeichnung V 7t\nZeichnung X 129\nZeichnung X. 131\nHilla von Rebay\n, Zeichnung 137\nGeorg Schrimpf\nZwei Holzschnitte HI 41\nHans Mattis Teutsch\nLinoleumschnitt 43\nLirioleumschnitt V 65\nArnold Topp\nHolzschnitt Vlil 102\nHolzschnitt J*\nHolzschnitt \\ IX 117\nHolzschnitte XII 1537155\nLinoleumschnitt J 5\n' Linoleumschnitt j| 23\nLinoleumschnitt \" 28\nMaria Uhden\nBährenführer / Holzschnitt J 11\nFrau am Wasser / Holzschnitt 111 43\nHimmel / Holzschnitt X 125\nHolzschnitt \"I 37\nHolzschnitt 39\nHütte / Holzschnitt VIII 104\nInsel / Holzschnitt VIII 109\nNeil Waiden\nZeichmung * 1\nWilliam Wauer\nZeichnung 'V 59\nZeichnung I 7\nZeichnung XI 141"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.11", "titre_corps": "Die Irrtümer der Hildebrandschen Raumästhetik : Kritische Bemerkungen", "titre_sommaire": "Die Irrtümer der Hildebrandschen Raumästhetik : Kritische Bemerkungen", "signature_source": "Fritz Hoeber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.11", "debut_caractere": 755, "fin_caractere_exclue": 6359, "texte": "Die Irrtümer der Hildebrandschen\nRaumästhetik\nKritische Bemerkungen\nFritz Hoeber\nDie falsche ästhetische Stellungnahme\nDie Raumästhetik in Adolf Hildebrands „Problem der\nForm in der bildenden Kunst\" stellt eine Gegenwirkung dar zu\nder künstlerischen Unkultur des verwilderten Naturalismus des\nausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, Darauf beruht ihr\npraktischer Erfolg und ihre theoretische Bedeutung,\nWie jede erfolgreiche Theorie strebte sie aber weit über\nihren angemessenen Wirkungsbezirk hinaus, und es bedurfte\nnur der Darstellung ihrer extremen Konsequenzen und ihrer\nAnwendung auf die unermeßliche Vielfältigkeit der lebendigen\nKunst, wie sie Hans Cornelius in seinen „Elementarge-\nsetzen der bildenden Kunst\" zu geben versucht hat*), um ihre\nUnzulänglichkeit als nomative Aesthetik der bildenden Künste\noffensichtlich darzutun: Man bemerkte nun allgemein die prin-\nzipiellen Fehler ihrer zu eng und zu einseitig gefaßten Voraus-\nsetzungen, Man erkannte die beschränkte Geltung des raum-\nkünstlerischen Axioms im bildenden Kunstwerk, Man erfuhr,\ndaß die Zahl der Meisterwerke, die der Hildebrandschen Theo-\nrie nicht entsprechen, der ihr entsprechenden Kunstwerke\nweit überstieg.\n*) Elementar gesetze -der bildenden Kunst. Grund-\nlagen einer praktischen Aesthetik. Leipzig und Berlin. 1908. Auf S. VI\ndös Vorworts schreibt H. Cornelius: „Die Gedankengänge der wissen-\nschaftlich-ästhetisdien Untersuchung stehen in enger Verwandtschaft und\nzu einem großen Teil in unmittelbarem Abhängigkeitsverhältnis zu den\nAusführungen in Hildebrands „Problem der Form in der bildenden Kunst\".\nIn der Tat sind sie im Lauf der Jahre a,us einem Zyklus aikaidemischer\nVorlesungen erwachsen, den ich über Hildebrands Buch gehalten habe.\"\nZudem hatte sich im allgemeinen Empfinden die ästhetische\nDominente verschoben; an Stelle des rationalen Formalismus,\nder seinen theoretischen Ausdruck in dem 1893 erschienenen\nProblem der Form\" fand, ist heute wieder eine gefühlsmäßigere\nAuffassung des Kunstwerks getreten, die in einem bewußten\nGegensatz zu allem dinghaften Sensualismus und seiner Ver-\nräumlichung der inneren ästhetischen Vorgänge steht. Diese\nAuffassung unterscheidet streng zwischen dem Extensiven\ndes materiellen Kunstgegenstandes und den intensiven\nImpressionen des „ästhetischen Objekts\", des Produktes\nunseres inneren, anschaulichen Erlebens. Solche wesentliche\nUnterscheidung wird aber von der Hildebrandschen Raum-\nästhetik konsequent übersehen, und dadurch gelangt sie nicht\nnur zu ganz falschen Synthesen, sondern auch zu höchst ver-\nhängnisvollen Wertungen,\nDie Unzulänglichkeit einer ausschließlich räumlichen Aesthetik\nDie prinzipielle Behauptung, „bildende Kunst sei Gestal-\ntung für das Auge oder für die Bedürfnisse des Auges\", ist in\ndieser unterschiedslosen Allgemeinheit unrichtig. Denn nicht\njedes Sehen ist zugleich ein ästhetisches Sehen, Das\npraktische Lehen stellt sich wesentlich als ein Rekognos-\nzieren quantitativ bestimmter Merkmale dar,\nwährend die ästhetische Apperzeption ein weit intensive-\nres „Scheinfühlen\" in die Eigenart des betrachteten Gegen-\nstandes bedeutet, dessen ästhetische Eigenschaften aus dem\nQuantitativen eines bloß räumlichen Daseins in die qualitative\nSphäre unseres eigenen, intensiven Bewußtseinslebens über-\nführt werden.\nAls kunsttheoretisches Resultat dieser Vermengung er-\nscheint die Grundförderung der Hildebrandschen Raumästhetik:\n„Die räumliche Klarheit\", obwohl alle Raumkausalität ästhe-\ntisch vollkommen indifferent ist, da die int er objektiven Dela-\ntionen nur von empirisch praktischer Bedeutung sind, Hilde-\nbrands Axiom entspringt der erkenntnistheoretisch naiven Mei-\nnung, das räumliche Realobjekt gehe als solches in unsern Be-\nwußtseinsinhalt ein, während es tatsächlich nur die absolut un-\nräumliche Stimmungsimpression ist (um den von Br,oder\nChristiansen geprägten Terminus zu gebrauchen *), die\nunser Gefühl als ein ihm Verwandtes aufzunehmen vermag.\nDie „Raumklarheit\" soll, nach Hildebrand, Grundbedingung\nder „Anschaulichkeit\" sein, während in Wahrheit die Anschau-\nlichkeit im Kunstwerk nicht die Klarheit des absoluten Raums\nbedeutet, sondern die klare Hervorhebung der jeweiligen,\nals solche sehr veränderlichen Dominante.\nHieraus folgt der zweite Grundirrtum der Hildebrandschen\nRaumästhetik: Auf Grund der dauernden Vermengung einer\nfalschen Synthese des „ästhetischen Objekts und seiner vor-\neiligen Wertung werden nämlich alle die Kunstwerke, in denen\ndie „Raumklarheit\" dominiert, als „wertvolle bezeichnet, wie\nalle die übrigen als wertlos, in denen der Raum als solcher\nkeine Bedeutung hat. — Obwohl Wert oder Unwert des Kunst-\nwerks niemals von irgendeiner in der ästhetischen Synthese\nwirksamen Dominante abhängen, sondern allein \\on jener nie-\nmals allgemein vorauszusagenden Vertiefung, welche die ma-\ngische Brücke zwischen dem „ästhetischen Objekt und der\n„autonomen Persönlichkeit\", dem immanenten Kern der Sub-\njektivität und Ursitz aller Welturteile, schlägt.\nEine wertende Gegenüberstellung, in der die raumkla-\nre n Kunstwerke die Gegenbeispiele, die raumunklar en\n*— die Beispiele darstellen, wird sich darum mit Leichtigkeit\nebenfalls bewerkstelligen lassen.\nEin zweiter Grundfehler der Raumästhetik ist die ver-\nkehrte Synthese ihr nicht entsprechender Kunstwerke: still-\nschweigend setzt sie bei allen Werken der bildenden Künste\ndas „Raumklare\" als stilistische Dominante voraus, obwohl es\nin der bildenden Kunst, vor allem der Malerei und Zeichnung\ngewiß nicht an Beispielen fehlt, wo der Raum etwas vollkom-\n*) Broder Christiansen, PJiitosopfote der Kunst. Hanau 1909.\n11. Das ästhetische Objekt."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8093, "texte": "men Untergeordnetes darstellt, die also m i t Ab sieht „räum-\nlich unklar\" sein wollen.\nDoch nicht nur auf die geometrisch faßbare „Komposition*\ndes gesamten und partiellen Kunstwerk erhebt die Hiidebrand-\nsche Raumästhetik ihre kategorischen Ansprüche,, auch die Ge-\nstaltung des Einzelausdrucks, der „Funktion\", soll nach den\nGrundsätzen der „Raumklarheit\" erfolgen. Das hat zu jener\nfatalen Unterscheidung von „charakteristischer und nichts-\nsagender Ansicht\" geführt, wobei unter „charakteristisch\" die\ntypischen Profil- oder Faceformen verstanden werden. Be-\ngründet wird diese Forderung durch das Verlangen allge-\nmeinen Verständlichkeit für das Erkenntnisvermögen (!) jedes\nBeschauers\". Mit anderen Worten: das banale Gegen-\nstandsinteresse des Durchschnittspublikums wird über\ndie intuitiven Absichten des künstlerischen Schöpfers gestellt!\n— Außerdem steht diese Forderung in scharfem Gegensatz zu\njeder lebendigen Kunst selbst, von deren Aufgaben doch eine\nsehr wesentliche ist, neue, bisher ungewohnte Eindrücke\nder Dinge, kraft des künstlerischen Gestaltungsvermögens, dem\nBeschauer innerlich glaubhaft und ästhetisch überzeugend zu\nmachen.\nW'o aber darf nun die Raumästhetik Geltung bean-\nspruchen? Ueberall da, wo der Raum die Dominante des\nKunstwerks bildet. Der Raum als solcher aber ist Dominante\nin einer Architektur von stark plastischem und einer Pla,-\nstik von stark architektonischem Charakter. Daraus\nergeben sich mit ästhetischer Logik die Erfolge, die Hildebrands\nRaumforschung zur Gesundung unserer naturalistisch verwilder-\nten Monumentalplastik und unseres in unromantisches Fahr-\nwasser geratenen Städtebaus bewirkt hat. Freilich gibt es\nplastische Denkmäler wie Architekturen, die an Stelle der\nräumlichen Dominante die der Lichtführung oder der Linien-\nbewegung setzen, zum Beispiel die Spätgotik und im Rokoko,\nohne deshalb „weniger wertvoll\" zu sein. Denn auch der Raum\nwird in unser zeitlich erlebendes Bewußtsein nur als inten-\nsive Stimmungsimpress'ion aufgenommen. Damit\nkann aber auch das Raumerlebnis noch als Unanschauliches\nnachwirken — was ich im Gegensatz zu Cornelius' Sensualis-\nmus behaupten möchte —, und dies bedeutet den fundamenta-\nlen Einwand gegen die Lehre von den „Reliefansichten\" in der\nRundplastik: denn keine Ansicht bleibt in mathematischer Flä-\nchenisolierung für sich in einer ästhetischen Betrachtungsebene\nbestehen, sondern sie gehen vielmehr alle unter einander eine\nunlösbare Verflechtung als lebendiges Bewußtseins-\ngeschehen ein: Bildende Kunst ist nicht etwa nur „Gestal-\ntung für das Auge\", sondern Gestaltung für die ge-\nsamte mitempfindende Seele*).\nWidersprüche mit der lebendigen künstlerischen Erfahrung\nVor allem aber führt die Raumästhetik auch zu Unstimmig-\nkeiten mit der kunstgeschichtlichen Erfahrung.\nDie räumliche Dominante im Sinne Hildebrands findet sich\nzwar in allen „klassischen Perioden\" der abendländischen\nKunstgeschichte, also vorzugsweise dem griechischen fünften\nund vierten Jahrhundert, der italienischen Renaissance des\nsechzehnten und dem deutschen Klassizismus des neunzehnten\nund zwanzigsten Jahrhunderts. Geht man aber nur einen\nSchritt über diese eng gezogenen Grenzen hinaus, so stört die\nRaumästhetik auf die krassesten Widersprüche im lebendigen\nKunstwerk. Widersprüche, die das Ganze der Lehre,\ndie Forderung der Raumklarheit, wie ihre Teile, die Forderung\neiner „typischen\" Gestaltung, des räumlichen Ausdrucks der\nFunktionen und der Formklarheit, in Mitleidenschaft ziehen.\nWeder die Architektur der deutschen Spätgotik, noch die\ndes Rokoko wahrt die zusammenhängende Vorderfläche in\nräumlicher Einheit. Die Innenarchitekturen beider Stile ver-\n*) A u g uis t Schmairsow, Raumgestaltung: als Wesen der axcfri-\ntetktopischen Schöpfung: (Zeitschrift für Aesthetiik und 'Kunstwissenschaft\n1914. I. Seite 66—95): Wir halten ufts frei! von 'der Ausschießlichkeit, dte\nein Kunstwerk nur insoweit aLs> solches anerkennen will, wie es nach den\nForderungen des Auges .geordnet sei. Der ganze Organismus\nmuß als mitwirkend aberkannt werden.\nachten die klar erfaßbare Raum form und geben an deren\nStatt die kontinuierliche und zäsurlos fließende Raum Bewe-\ngung. Und mit der gleichen künstlerischen Absicht bilden\ndiese Stile ihre architektonischen Funktionsglieder und allen\nihren Zierrat nicht in typischer, räumlich zu umschreibender\nKlarheit aus, sondern in einer höchst irrationalen, ganz indivi-\ndualistischen Komplizierung.\nAuch in der Geschichte der Plastik scheiden für die Hilde-\nbrandsche Raumästhetik alle Perioden mit Ausnahme jener\nklassischen aus. Die barocke Antike, viele Werke von Ghiberti\nund Donatello, Reliefs von Benvenuto Cellini und natürlich\nwieder die gesamte Frei- und Reliefplastik der Spätgotik und\ndes Rokoko erfüllen nicht die Forderungen einheitlich klarer\nFlächen und Körpergestaltung. Geht man die gesamte kunst-\ngeschichtliche Erfahrung durch, so erscheinen vollends die\nWerke der Malerei und der graphischen Kunst, in denen die\nHildebrandschen Wünsche erfüllt sind, als absolute Aus-\nnahmen : der Richtung verleihenden Achsenkranz von Hori-\nzontale und Vertikale, die Markierung der Bodenebene und die\nReliefebene des Hintergrundes, die sichtbar bestimmte Linie des\nHorizonts, der Aufbau des Bildraums in Parallelflächen hinter-\neinander, die räumliche Perspektive durch aufgestellte Figuren\ngleichen Maßstabs in den verschiedenen Bildgründen usw. fin-\nden sich nur in einem sehr kleinen Kreis der Kunstgeschichte\nverwirklicht: in der italienischen Hochrenaissance des sech-\nzehnten Jahrhunderts und der von ihr abhängigen neurömischen\nMalerei der Feuerbach und Hans von Marees,\nImKunstgewerbe spielen natürlich die Raumimpressionen\neine viel größere Rolle als in den von ihnen weit weniger be-\nherrschten Bildkünsten. Dennoch gibt es auch ein qualitativ\nsehr hochstehendes Kunsthandwerk, außerhalb des europäisch-\nhumanistischen Kreises, das eine durchaus andere Dominante\nals die plastisch-architektonische, nämlich die malerisch-\nlebensvolle zu seinem Gestaltungsprinzip gemacht hat, das\nKunsthandwerk Chinas und Japans: diese Vasen bilden aus\nihrem Körper urplötzlich naturalistische Pflanzentriebe. Diese\nNetsukes legen uns den Reiz seltsamer Bastardbildungen von\nHoch- und Flachrelief, dar. Die japanischen Körperzeichnungen,\nwie sie etwa Hokusai in seiner „Mangwa\" gibt, suchen das\nAußergewöhnlichste von „Gliederverrenkungen\" und das Indi-\nvidualistische von Bewegungen festzuhalten. Die japanische\nLandschaftsdarstellung endlich beschränkt sich prinzipiell auf\ndas Nahb i 1 d , obwohl wie Hildebrand sehr richtig konsta-\ntiert, den deutlichen Raumeindruck und die naturwahren Ver-\nhältnisse des gegenständlichen Maßstabs allein das Fern b i! d\nin seiner objektiven Abgedrücktheit zu liefern imstande ist. —\nKünstlertheorie und wissenschaftliche Aesthetik\nWas besagen alle diese leicht zu vermehrenden Gegenbei-\nspiele zu Hildebrands Raumästhetik?\nSolch eine Künstlertheorie ist und war nichts Neues; man\nkann jede beliebige Dominante einsetzen und sie konse-\nquent, mit oder ohne Wirkung, durch viele Kunstwerke hin-\ndurch verfolgen. So würde eine impressionistische Theorie die\nVerwendung von Licht und Farbe zur ausschlaggebenden Do-\nminante erheben, eine zeichnerische die der ausdrucksvollen\nLinie usw.\nWeiterhin sieht der Künstler alles außer seiner Kunst als\n„Natur\" an, nach der Fichteschen Analogie von dem „Ich und\ndem Nichtich\". Bekanntlich ist aber die Natur ästhetisch indif-\nferent. Sie hat a priori keinerlei Dominante, erhält diese viel-\nmehr erst von der künstlerisch fühlenden Betrachtung. Daruiß\nvermag der Künstler das fremde Kunstwerk nur im Sinne\nseiner Dominante, seiner individuell geübten Synthese zu be-\ngreifen.\nDiese Entschuldigung kann der berufliche Betrachter, der\nKunstkritiker, nicht für sich beanspruchen: Zur sachgemäßen\nKunstbetrachtung gehört eine unendliche Anschmie-\ngt! ngsfä h i g k e'i t, das ausgesprochene Vermögen, sich va-\nriabel zu objektivieren. Deshalb müssen Kunsttheorien mit ein-\nseitig negativem Resultat sofort den Verdacht an ihrer „Objek-\ntivität\" bei allen ehrlichen Kunstwissenschaftlern erregen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c031", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.13", "debut_caractere": 161, "fin_caractere_exclue": 683, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straßc 134 a\nFernruf Amt L{itzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErsekeint am fiinfzehnten jedes Mosiats\nDanerbezug\nGewohaliche Ansgabe: Fur Deutsch-\nland: Ein Jahr 9 Mk / Ein Halbjahr 5 Mk /\nEinzelheft 1 Mark / Fur das Ausland;\nEm Jahr 12 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSoader - Ausgabe: Ungebrochene\nEx em p 1 a r e , V e r s en d un gin R o 1-\nlen di r e k t durch die Post / Fiir\nDetitsc h 1 a n d : Ein Jahr 15 Mark /\nFurdas Ausl a n d : Ein J ahr 20 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c032", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.13", "debut_caractere": 685, "fin_caractere_exclue": 1167, "texte": "Pr ei s c der friiheren Jahrgange\nV.llsiandige Ausgabe GewOhnliche Sonder-\nAusgabe: ausgabe:\n1. Jahrgang 1910/11 30 Mark —\n2. Jahrgang 1911/12 30 Mar1: —\n3. Jahrgang 30 Mark vergriffen\n4. Jahrgang 1913/14 — 40 Mark\n5. Jahrgang 1914/15 20 Mark 30 Mark\n6. Jahrgang 1915/16 20 Mark 30 Mark\n1. Jahrgang 1916/17 20 Mark 30 Mark\n8. Jahrgang 1917/18 30 Mark 40 Mark\n9. 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August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneu en Kunst I VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 1 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c035", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.13", "debut_caractere": 3492, "fin_caractere_exclue": 4135, "texte": "Musik\nHerwarfh Walden\nGesammelte Tonwerke\n\\\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Qesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnlslieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier I 3 Mark\nDie Judentochter I Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier I 1 Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-03-15-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-03-15_01#c036", "volume": "bmtnabg_1919-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm XI. Paul Klee\n11. Herwarth Waldeti XII. Qabriele Mimitar\n111. van Heemskerck XIII. Rudolf Bauer\nIV. Kandinsky XIV. Nell Walden\nV. Rudolf Blumner XV- Mynona\nVI. Campendonk XVT. Kurt Heynicks\nVII. Peter Baum XVIII. William Wauer\nVIII. Hermann Essig AiX. Lotiiar Schreyer\nIX. Oskar Kokoschka XX. Qeorg Muche\nX. 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J||ff|y JBr 9HBh| HHH Bf HHsfi VA <. mmH\nmmm äSMßagfl fIHRRK wttMsmk. JPgffflf vv* fflyremr «I KfiiTrri WwßPßift\nIlß2*iittS#ii. fgHH| flgßfllß|ara \" \"3 HBttjuahaE Eni UK9MUHH ■RMB\nmm HH - fl|H »H I Bhß IWB|i|ift\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nKunstausstellung\nBerlin / Potsdamer Straße 134 a\nNEUNTER JAHRGANG\nBERLIN MÄRZ 1919\nZWÖLFTES HEFT\n\nInhalt:\nHerwarth Waiden: Nachrerolutionäre / Der Kunstglaser / In Schmelz empfangen / Gekämpft wie geschmiert / Materialisierung\n4er Dichtung / Adolf Allwohn: Und er / Kurt Heynicke: Gespräche mit Gott / Gedichte / William Wauer: Ueber Moralisches / Frans\nRichard Behrens: Gedichte / Fritz Hoeber: Die Irrtümer der Hildebrandschen Raumästhetik / Oswald Herzog: Holzschnitt / Vom Stock\ngedruckt / Arnold Topp: Vier Holzschnitte / Vom Stock gedruckt / Inhaltsverzeichnis des neunten Jahrgangs\n\nOswald Herzog: Revolution Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.2", "texte": "Nachrevolutionäre\nHerwarth Walden\nDer Kunstglaser\nVerschiedene sogenannte moderne Kunstkritiker machen\njetzt in Ueberwindung, Sie halten die Zeit für gekommen,\nwieder ablehnen zu dürfen, was sie für Mode halten. Für\nv\neine Mode, die sie wegen des Fortschritts immerhin mitmachen\nwollten. Der Berufprofessor Glaser kommt sich sehr wichtig\nvor. Er klärt die demokratischen Leser des Berliner Börsen-\nkouriers über die Mode der Moderne auf. Herr Glaser ver-\nfügt über den natürlichen Blick, mit dem er Kunstwerke mei-\nstert- Herr Glaser hat das sichere Urteil des Kunsthistorikers.\nEr hat vielleicht mit heißem Bemühen gelernt, was gewesen ist.\nEr betrachtet die gesammelten sogenannten Kunstschätze des\nKupferstichkabinetts, das er auch „leitet\", betrachtet sie mit\nseinem natürlichen Blick und vergleicht. Die Folge sind ge-\nschriebene Kabinettstücke überhebender Kunstfremdheit. Herr\nGlaser kann nicht umhin, das Gras wachsen zu hören. Er ver-\nkündet mit ahnungsloser Sicherheit: „Nicht ebenso einfach liegt\nder Fall des Kubismus, über den gewiß auch einmal Gras wach-\nsen wird, der aber das vor dem italienischen Futuristenrummel\nvoraus hat, daß ernst zu nehmende malerische Talente sich ihm\nverschrieben.\" Die malerischen Talente müssen es sich durchaus\nverbitten, von dem Berufsprofessor Glaser ernst genommen zu\nwerden. Sie vertragen solche schlechten Scherze nicht. Schon\ndeshalb nicht, weil dieser Herr Glaser mit seinem natürlichen\nBlick über einen Fall Gras wachsen läßt. Gras wachsen\nläßt über einen Fall, der etwas vor einem Rummel vor-\nau s hat. Dieser Literat, der solche Bilder sieht, wagt dann zu\nschreiben: „Man muß es Kandinsky lassen, daß er sein Hand-\nwerk noch immer besser versteht, als diese Nachahmer, wenn\nman auch nicht umhin kann, seine Zeichnung, wo sie überhaupt\nnoch Reste kenntlicher Form enthält, äußerst trivial zu finden\nund den Ausweg der abstrakten Farbe für eine literarisch ver-\nkleidete Flucht ins Ornamentale zu halten.'' Herr Glaser fühlt\nsich um die Stimmung der kenntlichen Form gebracht und hält\nes für eine Flucht, wo er keinen Ausweg findet. Er kann Kunst\nnur an kenntlicher Form erkennen. Er vergleicht sie mit seinem\nliterarischen Blick und fällt über das Gras, das ohne sein Zutun\nüber ihn wächst. Nachdem der Herr Berufsprofessor schnell\nnoch Chagall für ein kleines Talent erklärt, stößt er sich an\nder Plastik: „Es wäre gewiß sehr bequem, wenn man allein\ndurch Schematisierung der Flächen zur monumentalen Form\ngelangen könnte, wie William Wauer es zu glauben scheint.\nKunst ist nämlich unbequem, vor allem dem Herrn Glaser. Aber\nHerr Glaser wird sich bequemen müssen, das für Kunst zu hal-\nten, was ihm nicht als Kunst erscheint- Ihm ist nämlich Kunst\nSchematisierung der Flächen. Ihm wird die Form erst durch\nSchematisierung kenntlich. Man kann nicht umhin, das Schema\ndieses Schemens äußerst trivial zu finden. Der Glaser hat\nseinen Beruf verfehlt. Er sollte Scherbensammler werden.\nIn Schmelz empfangen\nDer Dramendichter Gerhart Hauptmann, der Schiller ju-\nnior ohne Temperament, hat eine Kundgebung an das Neue\nDeutschland erlassen, und zwar im Neuen Wiener Journal. £r\nverständigt sich mit den deutsch-österreichischen Brüdern sehr\nsinnreich auf italienisch, indem er ihnen zuruft: „Entweder\nReichseinheit oder — lasciate ogni speranza.\" Aber der Dich-\nter Hauptmann kann deutsch, wenn man auch alle Hoffnung\nfahren lassen muß, sowie dieser Dichter höchstselbst dichtet:\n„Diese Einheit muß entdeckt, gefühlt, ergründet, erkannt,\nerlebt, erfunden und in dem Schmelzprozeß der allge-\nmeinen Begeisterung geboren werden.' Worauf der Mut-\nter Schmelzprozeß nichts übrig bleibt* als dem Kinde Einheit in\nWehen zuzurufen; Lasciate ogni speranza.\nGekämpft wie geschmiert\nHerr Paul Westheim hat vor zwei Jahren begonnen, die\nunwesentlich Schaffenden dieser Zeit zu erkennen und anzu-\nerkennen, nicht ohne vorher durch viele Jahre die wesentlich\nSchaffenden und die unwesentlich Schaffenden zu beschimpfen\nund zu bespotten. Nun soll Direktor Justi von der National-\nGalerie die sogenannte jüngste Kunst für sein Museum berück-\nsichtigen wollen. Hierzu bemerkt der unverdächtige Herr West-\nheim in seiner expressionistischen Gartenlaube: ,fßei aller\nFreude darüber, daß man nunmehr auch an so offizieller Stelle\ndie wesentlich Schaffenden dieser Zeit zu erkennen und an-\nzuerkennen beginnt, ist doch zu sagen, daß uns die Eile, mit der\nJusti so plötzlich Rückendeckung sucht hinter dieser jungen\nKunst, einigermaßen verdächtig erscheinen muß.\" Herr West-\nheim hat es genau zwei Jahre eiliger, wenn auch sein Rücken\nimmer noch verwundbar ist. Wenn er auch heute noch nicht\ndie wesentlich Schaffenden von den unwesentlich Schaffenden\nunterscheiden kann. „Die Geste, die da beliebt wird, ist doch\netwas zu eindeutig. Man wird es uns nicht verdenken können,\nwenn wir In ihr weniger ein sachliches Sicheinsetzen für diese\nKunst als einen Akt kühl berechnender Kunstpolitik erblicken.\nMan wird es mir nicht verdenken können, wenn ich in der\nTätigkeit des Herrn Westheim Weniger ein unsachliches Sich-\neinsetzen für diese nicht verstandene Kunst als einen Akt kühl\nberechnender Konjunktur erblicke. Auch wenn dieser Akt des\nHerrn Westheim jetzt expressionistisch aufgemacht ist. „Diese\nArt Kunstpolitik, die aus außerkünstlerischen und gar aus per-\nsönlichen Rücksichten sich für oder gegen irgend welche Kunst\nentscheidet, ist altes Wilhelminisches System, gegen.das wir\nnicht umsonst jahrelang angekämpft haben.\" Herr West-\nheim hat ein zu schlechtes Gedächtnis, um Kunstpolitik zu trei-\nben. Seine zwei Jahre der Hochkonjunktur kommen ihm wie\neine Ewigkeit vor. Herr Westheim ist jahrelang bekämpft wor-\nden und fühlt sich als Sieger, trotzdem er nur Ueberläufer ist.\nUeberläufer vergessen immer schnell, woher sie gekommen\nsind. Justi hat wenigstens Wesentliches nicht bekämpft. Herr\nWestheim aber Unwesentliches verdächtig eilig gefördert. Die\nGeste, die da beliebt wird, ist doch etwas zu eindeutig.\nMaterialisierung der Dichtung\nDie Gebildeten unsrer Zeit sind nun einmal für Kunst. Seit\nJahrzehnten verschickt ein Herr Aug. Ludwig Ankündigungen\nseiner Wort- und Tonschöpfungen. In seiner neuesten Ankün-\ndigung heißt es: „Nachdem uns bisher die Versdichter mit Vor-\nliebe nur Erträumtes, Gefabeltes vorgedichtet haben, liegt für\nuns Neuzeitliche das Bedürfnis vor, uns nunmehr der vollen\nWirklichkeit und den Tatsachen zuzuwenden. Unsere Forscher,\nDenker und Erfinder haben uns mit reichlichstem Material dazu\nversehen, so daß bereits manch früherer Dichtertraum (z. B. der\nFliegertraum!) heute in greifbare Erfüllung gegangen und als\nsolcher erledigt wurde. Ach ja,\ndie vielen unzähligen Dichtenden:\nSie bieten uns als Dichtergaben ,\nWas sie erträumt erfabelt haben.\nFort mit der Nebelfantasie!\nWir wollen Wirklichkeitspoesie!\nNicht Gaukelrichtung,\nNein Tatsachendichtung!\nZeigt eine Welt,\ndie Wahres enthält!\"\nDie Gebildeten unserer Zeit sind nun einmal für die Kunst.\nUeber diesen Aug. Dichter und seine Kunst werden Aeußerun-\ngen veröffentlicht, die „Gelehrte\" getan haben. Herr Professor\nSilex schreibt: „Viele Kapitel der Schrift Neue Note sind sehr\ninteressant.\" Herr Professor Dr. Franke Berlin: „In einer ge-\nradezu hellseherischen Eingebung ist es dem scharfsinnigen wie\npoetischen Autor gelungen, das im Hohelied Salomes ver-\nworren schlummernde Geheimnis zu entwirren. Und das Ver-\nblüffendste daran ist, daß dies mit dem ureignen Text der Bibel,\nja mit den Worten Luthers geschehen konnte, die nur gehörig\numgestellt zu werden brauchten, um statt des bisherigen\nUnsinns nunmehr wieder ursprünglich und höchst sinnvoll\nvor dem erstaunten Leserauge zu liegen!\"\nUnd diese ganze „Entwicklungslehre in Versen mit Buch-\nschmuck und Schmuckdruck\" kostet nur zwei Mark. Das ist\nWirklichkeitspoesie, vom Professor Silex untersucht."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.3", "texte": "Und Er\nAdolf Allwohn\nOb ein Schweigen die Nächte durchstöhnt?\nEs dämmert aus allen Poren.\nWir wühlen.\nLeib quillt aus den Ritzen der Häuser, Hand sperrt durch die\nDecke, Mund bläht den Sturm, Tränen schreien den Himmel.\nSchrill spucken die Lampen, Hoch, Peitschen. Peitschen, Die\nStraßen pfeifen die Sterne. Die Dächer schlagen auf die Monde,\nUnd er reitet die Sporen blutsteil, Bergüber, Hinauf klirren\ndie Flüsse. Trommeln, trommeln die Fenster. Die Essen- Die\nEssen, Klappern die Bäume. Holzschlag die Türme. Riesen\ndie Siege. Surren. Der Uhu. Das Ende. Das Ende,\nKommen kommt in der kommenden Zeit, Bindet die Bänder,\nSchnitter zerjauchze. Fange die Blüten, Fahr über. Die Seen\nsind blau.\nIn Nächtezeiten sank einmal das Feld in Schlaf. Rehe küssen\neinander, Die Blumen blühen den Nebel, Die Liebe ist innen\nso rot. Singen die Kinder fern. Wir sind. Das Kleine spielt.\nIn das tiefste Meer hat man einen Ring geworfen.\nDie Wälder weiten den Tag. Die Feuer singen die Sonne, Rings\nstemen die Bäume, Die Geigen tanzen. Viel Boote mit Win-\npeln. Die Berge spielen die Fahnen. Flüsse lächeln die Wiesen,\nGlocken streicheln die Tiere. Die Nächte läuten und die Kir-\nchen sind treu. Alles ist geschehen. Der Himmel schwebt die\nErde. Hoch und tief,\nRings um die Stadt fahren endlose Züge von Totenwagen. Der\nWind zerknittert die Schmutzfetzen an den grauen Häusern,\nEine grüne Katze zerdrückt das Dach, Am hellen Nachmittag\ngeht die rote Nacht durch die Türen. Die Auferstandenen sind\nschweißbedeckt. Das Schillern des Leides sticht die Augen aus.\nDie Decke der Frau ist krank und gefaltet. Die Steine staunen\nden bleichen Schritt. Und die Begeisterung wirft die Hände an\nden wilden Turm. Der irre Tisch wartet von einer Post zur\nanderen. Die Kraft des Knieens gelingt dir nicht. Niemand\nweiß etwas. Immer noch nicht der Brief mit den Buchstaben:\nDU BIST.\nQual faucht aus der Erde, Feuer, Die Häuser zertanzen die\nSchreie hoch. Die Schädeldecke zerkreischt Gift. Der Geifer\nblakt die Berge. Die Felsen sausen die Köpfe. Und die große\nSonne kratert schwarz aus der Erde.\nDer Dom trägt die weite Gestalt, Töne knieen den Kugel-\nkreis. Sehnen zerspannen licht das Gewölbe weit, Rund\nfließen die Hände fern. Die Lilie küßt den Schoß aller Himmel.\nDer Blinde sieht alle Lüfte singen. Niemand trägt den Mai in\nallen Toten, Die Kelche sind blaue Erfüllung der Kerzen. Und\ndas Schauen ist voller Wunder grün.\nDie Geburt ist die Nacht der Himmel. Die Geburt ist aller\nHimmel Tag.\nDer neue Mond wächst die Sichel der Sterne, Das frühe Rot\nstirbt die Blüten der Bläue. Der heiße Mund lächelt den Sieg,\nAus allen Toren weint die Dämmerung. Zum Licht.\nGroß ist das Schwert, Schöpfung schneidet die Fratzen mit\nFäusten. Der Arm kreißt die Hoheit in Waffen. Die Wehr\nsprüht auf dem Zischen der toten Häuser, An tiefweißen Fen-\nstern zerlklittern die Stiere hinab. Der Himmel wandert die\nAugen. Und die Sterne lächeln ihren Sohn in den Frühling der\nSchritte.\nDer Atem sucht. Das Brot zögert. Das Blut kocht. Das Fieber\nklammt. Unterm Schnee stampft der Wahn wider die Wände,\nRegellose Schläge ziehen das Herz, Das Hirn trommelt die\nHände, Zerren. Zerren, Der Mund schäumt. Die große Woge\nspritzt die Zunge durch die Zähne. Aber der Wald trinkt aus\nblauen Rändern das Leid. Hülfe kniet aus den Barken des\nMeeres.\nOh die Liebe trägt alle toten Tiere. Die süße Stadt steht auf\nden Trümmern der Türme, Das Silber feiert den Schnee aller\nschmiegenden Welten,\nDer Winter weiß das Ahnen in den blinden Bäumen und der\nJammer leuchtet die Lichter der Nächte. Du stehst die war-\ntende Seele an djCn bangen Toren der Augen,. Du grünst die\ngelbe Blüte deiner blauen Umarmung, Du versinkst das Reich\nim Herzen deiner Milde. Die Demut küßt die blonden Köpfe\nder Kinder. Der Bettler schenkt seine Hände den Tieren. Das\nKleid der Armen ist ein warmes Umkleiden. Die Liebe des\nwird von allen Blumen geliebt. Und die verschenkte\nBlüte ist der Reichtum aller Freuden,\nSanft singen die Sterne Träume, Spielen die Straßen Märchen,\nDer weiche Mund ruht die Erfüllung der Stunden. Die goldenen\nTore schlafen die wachen Qualen ein. Der gelbe Mond betet\nalle Menschen. Die Lasten sind ein leichter Segen. Oh selig\nduldet der Schoß die Arme der Werke.\nOb doch das Schauen die harten Steine zerstößt? Ob das\nSchwert die Schultern des Kampfes küßt? Strenge treibt den\nPflug durch die Felder. Aus den Armen gerissen ist die ein-\nsame Nacht. Aufgestiegen haßt heilig der Zorn, Das Feuer\nglüht die Lüfte. Der Ruf der Höhe schütter! die Tiefe, Die\nAbkehr dient der Hoffnung der Armen. Hoch der ferne Flimmel\nleuchtet die Sehnsucht der Gruben.\nDie nahe Erde streitet die Nebel, Die grauen Furchen starren\ndas Eis zum Bersten. Die Felder sind alt. Kälte kettet die Tiefe\nder Blüten. Hagel steinigt die Pfade. Blut verklammert ewig\nden Mund aller Hände. Der sonnenlose Baum fängt die Flügel\nder Vögel des Himmels. Alle Augen sind krank und verweht.\nDie gelbe Nacht. Bleich schreien die Messer auf. Der rote Stier\nZerschlagen blökt die Fenster, Ueberwälzt die Wut, Knistert\ndas Keuchen, Rasen die Haare zerstört durch di 6 Gassen der\nFlamme.\nDer Schweiß ist von Fesseln des Leibes gehalten. Der Schweiß\nreißt sich die Kleider zur Erde, Die Not tropft. Der schwarze\nRücken der Nacht. Berg taucht den Kopf in die dunklen Tiefen\nder Wälder, Der Nachtrücken des Berges biegt sich Du.\nGlimmt. Ja, Das Blut der Sonne haucht die Ruhe der Hände\nan. Die Monde feiern das Kreuz in die Gipfel des schneewar-\nmen Himmels.\nDas Opfer stampft kalt durch die Oeden, Die toten Tore\nschichten die Wände, Quadern des Grabes türmen die steile\nAngst. Stangen sperren die Klage. Der Weg ist weit. Der Leib\nist zerbrochen. Hängt zwischen Himmel und Erde. Das Wun-\nder der Sterne wandert das Leid in die Tiefe, Sterbende Wolke\nwindet das Weinen über Hügel- Die Blüte des Todes bricht das\nStaunen über die Kuppeln der Menschen empor. Zerreißen die\nGlocken die Schreie. Das Verzücken der Wunden lichtert die\nLüfte. Hoch spritzt des Meeres Furcht die Köpfe tief. Die\nSonne ist schwarz am Tage und das Geheimnis der Nacht zittert\ndie blinden Augen der Berge blau.\nDie Liebe ist ein kleines Licht und ein wehes Umarmen. Trägt\nder Schoß die Mainacht der Knospen. Schließen die kleinen\nHände die Lider. Blühen die süßen Tränen des Zagens, Brei-\nten die dunklen Wälder die Arme, Schlafen die wunden Rehe\ndie Klagen ein.\nDer Tod geht schwarz in die Berge,\nDie Felsen stürzen die Bäume. Klirren die Fäuste die Mauern.\nHämmern, hämmern die Wände. Die Wellen wirbeln die\nStürme. Fallen, Und die Blitze donnern die Tempel der Tiefe\ntot in die Erde, \\\nDer Sturz der Sterne lebt die Blüten in das Lauschen der Ge-\nsichte, Die blauen Zungen schauen die Bilder der Leuchten,\nDie Gründe des Meeres lichtem den Glanz alles Ahnens. Das\nKünden weht von den Türmen der Burgen. Und die müden\nFlüsse blinken des Abends Gold in die Kammer der Kranken.\nDie Zeiten wandern die Städte hart. Am Abend steht im mat-\nten Scheine des letzten Wagens: Er,\nEin Mönch kämpft zum Morgen die Ringe des Friedens:\nMensch zagt Sein Werden\nEr ist\nEine Klage will hasten\nDer Stein bleibt zurück"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.4", "texte": "Die Scheu steint den Stern zurück T<'\n.Raucht Frieden das Fenster verscheiert den Tag\nNur noch eins ist die Not\nEinbilden den Ring zu müssen das Silber der Schmiede\nRaum raunt sich das Künden erschreckt in den Schrei\nUnd das Feuer glüht den Schweiß über alle Gitter der Nachte,\n\nGespräche mit Gott\nKurt Heynicke\nIch bin nichts.\nFlatterndes Blatt im Wind, Märzkind, Mailachen, Sommerhell,\nHerbstmüde, Wintert od.\nIch, Blatt am Baum.\nEwig blühe der Baum,\nMein Körper ist das Blatt.\nIch bin der Baum.\nIch habe tausend Körper durch unendlicher Jahre Maß.\nlieber mein schwankes Dasein fließt Sonnenschein, brandet\nRegen.\nDer Baum trotzt in die Zeit.\nIch bin der Baum durch Millionen Blätterjahre.\n• *\n*\nSterben ist Lachen. Dunkel. Dunkel ist nicht grausam. Süß\nist das Dunkel.\nIch will sterben. Morgen entfliehe ich meinem Körper. Morgen\nbin ich befreit. Gott? Wo ist sein Name?\nGott ist farblos. Ist nicht größer als meine aufgereckte Hand.\nTritt zu mir, Gott-\nSprich: Ich leide wie du.\nDann sinke ich hin, toten Geistes, und meine Lippen flüstern;\nBruder.\nBist du das Leid?\nGrausam ist deine Tat, schwarzrot dein Antlitz, Hohn dein Auge,\nFluch deine Stimme.\nGott!\nIch kniee vor dir mit tausend zuckenden Gebeten.\nTöte das Helle nicht, das meiner Seele Liebstes ist,\nGott!\nPeitschest du mich, mich selber dem Licht entgegenzuschreien,\ndas erlischt.\nGott\nSieh mich winseln, ich bin nichts vor dir, ich beuge meine Kraft,\nich zerbreche meinen Willen,\nich bin\nnichts!\nNein!\nIch stehe aufrecht vor dir.\nMitten im Meere der Dunkelheit.\nIch bin du.\nich will tragen.\nGib mir Leid, mein Herz bereite aus tausend Schwertern,\nErkenne mich an!\nIch, der Mensch.\nEbenbild.\nDunkel mußt du selber sein.\nGrausam.\nLehre mich dich.\nHell\n* *\n*\nMein Blut tobt wider die Seele.\nMeine Seele ist heilig und liebt ein Weib.\nIhre Seele wehrt sich.\nIhr Leib ist anderswo.\nLächelnd beugt er unter der Gewalt stärkeren Leibes.\nGott, o du Verwirrer der Fäden des Schicksals!\nIch muß den fremden Leib toten.\nBin ich Gott?\nIch kann tothassen.\nO, es ist süß, den Purpursaum schwüler Nächte zu küssen.\nMeine Seele ist einsam und fürchtet sich.\nHerr, rette mich!\nMeine Seele ist allein\ndie Stunden werden dunkel.\nGott.\nDu lächelst.\nMeine Seele schreit nach der Seele.\nGott\nGuter Vater.\nDu gibst.\nMeine Seele steigt und singt.\nIch fühle Einheit.\nWeg ins All seit Urbeginn.\nMeine Seele schreit in Schmerzen.\nt . -c\nHängt ein Körper an der Seele!\nLachend!\nDort!\nHier!\nIch gehe sterben.\n* *\n*\nIch gehe lächelnd einen Berg voll Lichts. Ich bin überwunden\nvon der Welt, denn ich habe überwunden die Erde-\nAller Willen des Leibes fällt von mir. Meine Seele ist\nblauer Himmel. Ich bin allein.\nIch trage das Leid der nicht Ueberwundenen.\nIch trage das Leid der Seele, die ich liebe.\nIch weine. Sie ist tief im Dunkel der Blutnacht. Ihr Leib kniet\nvor der Stärke des Geschlechtes. Ich aber singe und\nwill erlösen.\nSinge dich heimwärts Seele.\nVor uns der heilige Berg.\nWir wandern.\nUnter uns weiß im Nebel die Menschen — Ebene.\nSonne flicht Faden hindurch.\nFeucht ist unser Haar von der Nacht, im Morgen glänzt unser\nAngesicht, unsere Arme breiten entgegen dem weißen\nBerge der Erfüllung.\n\nGedichte\n\nKurt Heynicke\nBlauer Leib der hohen Nacht.\nTausend aufgeborne Sterne.\nFällt auf dich die helle Nacht.\nSacht erblühen deine Augen,\nmeine Hände sind erwacht,\ngottentgegen Sehnsucht neigend,\nstrahlst du auf,\nmir in meine Seele steigend,\n\nWanderlied\nMeine Heide in der Nacht.\nWind, der durch die Föhren taumelt\nmit der Sehnsucht meines Herzens\nO du blauer Leib der Heide in der Nacht.\nFremde Heide.\nFremder Himmel steigt dem Weg vorab.\nDu bist nicht mein Heimatheidenland\nTausend fremde Füße durch die fremde Heidestraße.\nIn der Nacht\nmeine Seele wandert sternenlängs\nin das deutsche Haus in meiner Heide.\nRot ist der Soldatentod in fremder Heide.\nRot ist Erika, das Heidekraut.\nRot ist Mohn im Garten vor dem Heidehaus"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.5", "texte": "Arnold Topp: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.6", "texte": "Klang\nWAd\nerhoben ich Knabe Knie Andacht vor dir!\nErsing mir die dunkele Ruhe des Lebens\nseelen versunken\ntrunken\nfall ich vor deinen Säulen in Schlaf.\nSchweben über mir Winde\ngrüne deine Bogen falten mir Träume zur Nacht.\n\nEin Mensch\nÖ ich Kind,\nspielend auf bunter Wiese\no ich Mensch,\nträumend mein Leben ins Nichts,\nErde,\nmir in den Schoß gefallen\nmeine Augen gehen weit von dir,\nfröstelnd stehe ich inmitten der Tage.\nAlle Kinder sind einsam zutiefst\nund spielen mit der eigenen Stimme.\n0 Kind sein auf der W'iese •\n\nÜber Moralisches\nWilliam Wauer\n\nMoral, wie man sie versteht, ist immer die Verpflichtung\ndes Anderen.\nDer Andere muß moralisch sein -— das ist und bleibt die\nMoral von aller Moral,\nFeinere Egoisten haJben sich daran gewöhnt, moralische\nAnschauungen für minderwertig zu halten und sie ins Aesthe-\ntische umzuwerten.\nAber sie erheben dadurch nicht das Moralische ins Aesthe-\nfische, sie ziehen nur das Aesthetische ins Moralische hinein«\nWir können eben alle nicht aus dem Moralischen heraus.\nMoral ist eingeboren.\nSie wuchs in. den Menschen hinein, sie wächst durch ihn\nhindurch,\nSie wurzelt im Landstrich.\nMit dem Erdreich wechselt ihre Beschaffenheit-—ihr Wesen.\nEine andere Moral gebar der Urwald,- eine andere die\nSteppe, eine andere Rand, Ufer und Saum,\nEigenartiges Erleben schafft Erinnerungsgebilde, die sich\nals Erfahrungen in des Menschen Hirn hineiripflanzen und aus\nIhm herausblühen als Anschauungen,\nArtbildend wirkt gleiche Befruchtung bei dauerndem An-\nreiz. Moralen reifen — reiften langsam unter den Strahlen auf-\ngehenden Bewußtseins.\nMoralen sind Früchte\nGepflückt vom Baume der Erkenntnis.\nDer menschliche Kampf ums Dasein paßt sich in Form und\nFarbe seiner Umgebung an.\nBesonderer Zwang der Erhaltung schuf besondere Haltung.\nSo gebar der Urwald den Jäger — so erzog die Steppe den\nHirten, so lockte der Waldsaum, das Ufer, der Steppenrand\nzum Anbau.\nGeschieden in ihrem Können — verschieden in ihrem Wol-\nlen, erwuchsen so drei Artungen aus der Notdurft des Men-\nschen und der Gelegenheit des Orts:\nDer Jäger.\nDer Hirt,\nDer Bauer,\nZwang schuf Gegensätze — Entfremdung verwirrte Ver-\nstehen — Gewohnheit riß Abgründe auf.\nDa fändet Eifer und Uebereifer keine Brücke mehr\nUnd der verliert den Weg, der meint, daß das Moralische\nein im Jenseits verankertes, allein seligmachendes Schema\nwäre —\nJäger,\nHirt.\nBauer.\nJeder kennt ein anderes Wissen, jeder lehrt eine andere\nWeisheit, jeder huldigt einer anderen Moral, jeder betet zu an-\nderen Göttern,\nViele Götter verehrt der Bauer — sie wohnen um ihn, er\nhat Zeit zu Kulten und Zeremonien.\nDer Bauer pflegt seine Götter.\nEr hegt geweihte Orte. Er baut ihnen Tempel und Dome.\nWenig Götter führen den Hirten — denn er mußte sie mit\nsich führen.\nLeicht mitzuführen müssen Hirtengötter sein: wie die\nPlamme, oder allgegenwärtig: wie die Gestirne.\nAm besten aber ist ein Gott — ein Führer — ein Mit-\ngeführter,\nDer Hirt opfert seinem Gotte,\nEr liebt Prediger in der Wüste und heilige Stätten.\nDes Jägers Götter sind seine Begleiter. Sie müssen mit ihm\ngehen, n eben ihm gehen. Tragen kann er sie nur, wenn er sie\ni n sich trägt: so mußte er seinen Gott verinnerlichen.\nDer Jäger feiert Gott.\nDer Jäger findet Gott in der Natur.\nEin Einzelgänger ist der Jäger und wenig nur verträgt er\nGefährten.\nDer liirte aber wirkt in der Gemeinschaft, er ist fruchtbar\nund seine Sicherheit wächst mit der Men^e.\nDer Bauer duldet nur Nachbarn und sein Rückhalt ist die\nGemeinde. Sie ist auch seine Rücksicht, sein Urteil.\nDeshalb steht des Bauern Moral beim Nachbarn. Aeußerlich\nleicht verletzlich, fürchtet er Klatsch und Skandal. Durchs Fen-\nster läßt er sich nicht schauen, denn was in seinem Haus ge-\nschieht, ist s e i n e Sache.\nEr hält auf Ehre. letzte Rechtfertigung ist die vor\nseinem Nachbarn. *\nBauernmoral ruft nach Gottesurteil und Duell.\nSchlechtes Gewissen macht ihn zum Heuchler.\nHirtenmoral ist weniger streng. Hat der Hirt sich irgendwo\nunmöglich gemacht zieht er weiter. Ihn fesselt nichts, ihn\nschändet nichts. Er rechnet mit Vergessen und Vergeben. Er\nkennt die Menge. Seine Strenge lebt in der Familie. Sein\nZelt hält er rein.\nSchuld macht den Hirten unstet und flüchtig.\nDer Jäger ist der tiefste Moralist:1 ihn richtet kein Nach-\nbar, ihm nützt keine Flucht; er ist sich selbst Richter und Klä-\nger. Anderer Meinung kümmert ihn nicht. Und so ist er auch\nder I mmoralist im Sinne der Anderen.\nZerfällt der Jäger mit sich, wird er Verbrecher —\nDenn der Jäger kennt keine Gesetze —'er haßt Gesetze.\nEr ist Anarchist.\nDer Hirte umgeht die Gesetze, die er achtet. Er ist liberal.\nDer Bauer liebt Gesetze. Er ist konservativ.\nKonservativ ist der Bauer: Erhalter, denn er besitzt.\nUnd alles wird ihm Besitz.\nMacht ist sein Ehrgeiz, die sich im Besitz offenbart.\nDer Hirt verlangt Chancen, denn er will gewinnen und\nSchätze häufen.\nUnd alles wird ihm zum Schatz.\nReichtum ist seine Gier, den er verbirgt.\nDer Jäger sucht Beute.\nUnd alles wird ihm zur Beute. — Erlegte Beute verliert\nihm den Wert. 1\nDie Jagd ist seine Leidenschaft, das Abenteuer seine Lust.\nSo bleibt der Jäger besitzlos.\nEr ist der Idealist, der Träumer, der Künstler . . *\nDer Hirt ist Materialist — der Genießer — der Faulenzer,\nDer Bauer ist Realist — der Säer und Ernter — der Bauer\n\\\ntind Aufbau er.\nDes Jägers Rasten heißt Schweigen und Grübeln.\nDes Hirten Laune — Schwatzen und Kalkulieren.\nDes Bauern Zeitvertreib — Trinken und Räsonmeren."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.7", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\n\nHerausgeber: Herwarth Waiden\nNeunter Jahrgang\n1918/19"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.8", "texte": "Inhalt Neunter Jahrgang / 1918/19\nHeft Seite\nBeiträge\nAdolf Aüwohn\nGedichte VII 90\nLiebesgedichte V 70\nNachspiel XI 139\nUm Gott 111 34/35\nUnd Er XII 151\nFranz Richard Behrens\nGedicht X 134\nGedichte XI 142\nGedächte XII 156\nHurrah VI 84\nTotenswacht bei Wilhelm Runge I 2\nVorsprung der Sonnenuhr IX 116\nBtaise Cendirars\nAtelier Marc Chagall X 130\nMarc Chagall IV 62\nKinner von Dresler\nGedichte 111 35\nGedichte VI 2\nKurt Heynicke\nDie Sappe V 70\nGedichte XI 139\nGedichte Der Soldat IX 115\nGedichte , I 10\nGedichte VI 2\nGedichte XII 152\nGespräche ,m;it Gott XII 152\nKirche X 134\nLieder im Felde 111 44\nTraum am Abend VII 91\nTrommelfeuer X 134\nFritz Hoeber\nDas Erlebnis der Zeit und die Willensfreiheit IX 120\nDie Irrtümer deir Hildebrandtschen Raumästhetik XII 151\nKurt Liebmann\nDu Mich Ich Dich Wir Ali VIII 107\nRoter Taniz Kreuz Bären Ich V 72\nWalter Mehring\nBalladen IV 56\nBrunst der Erde VII 96\nDem Tod Wilhelm Runges XI 142\nDeri I 14\nDie Frühe der Städte II 25/36\nSeehelle VII 98\nGünther Mürr '\n/ Gedichte I 8\nGedichte IV 60\nWir VI 84\nMynona\nBeschreibung meiner Braut VIII 110\nChorus Mysticus V 74\nDer Greis in der Versammlung VI 85\nDer umgekehrte Narziß J 10\nDie Entführung IV 60\nDie Kunst sich selber einzubalsamieren 111 45\nDie langweüige Brautnacftt VII 93\nKant und die Freiheit XI 144\nWilhelm Runge\nGedichte I -\nGedichte XI 140\nGedichte IV 56\nGedichte VII 98\nLieder 111 , 34\nLieder X 128\ni\nAnton Schnack\nDie Plünderung X 128\nLothar Schreyer\nBruder V 68 *\nDer Sinn des Mitleids XI 138\nGedichte • I 6\nGedichte 0 18\nGedichte IV 50\nGedichte VII 92\nKlage • II 19\nAugust Stramm\nGedichte aus dem Nachlaß VI 82\nKurt Striepe\nDu X 130\nMax Verworn\nDie Entwicklung der ideoplastischen Kunst X 126\ntferwarth Waiden\nAbleger IX 114\nDas Begriffliche in der Dichtung V 66\nDas Wunder VI 78\nDer deformierte Professar XI 142\nDie Beiden. I 3\nEifersucht VIII 102\nHermann Essig IV 50\nG e s c häf t Ii c h e s : Htnm / Die Sonne bringt es\nan den Tag / Anmerkung 11 29\nGute Kritik: Die Vossische Aktion 111 46\nLetzte Liebe IV 51\nNachr evolut i o n ä r e : Der Kunstg lasier /\nIn Schmelz empfangen / Gekämpft wie geschmiert\nMaterialismus der Dichtung Xll 150\nScherz Beiseite : Dann eehen wir ins Maxim /\nVorbeigedichjete Erkenntnis / Stellenwechsel / IV 62\nKurt Striepe II 18\nMaria Uhden VI 78\nVermerke: Der Friede im Bilde festgehalten /\nGroßmannssucht / Noch ein Expressionist / Durch\nAuge zum Ohr I 12\nVon Sonne Gnaden VI 6\nZeitgemäß V 134\nWlHliam Wauer\nUeber Moralisches XII 154\nZeichnungen\nt\nRudolf Bauer\nZeichnung VI 78\nZeichnung VI 81\nZeichnung VI 3\nZeichnung VII 97\nZeichnung - VII 95\nZeichnung VII 89\nHermann Essig zum Gedächtnis IV 55\nHermann Essig I Zeichnung IV 53\nFritz Baumann\nZeichnung I 9\nMarc Chagall\nZeichnung IV 49\nZwei Zeichnungen ' IV 57\nWalter Dexel\nHolzschnitt IX 119\nEmil Filfa\nZeichnung HI 33\nJacoba van Heemskerck\nHolzschnitt H\nOswald Herzog\nHolzschnitt XII 149\nFernand Leger\nAkt H\nJohannes Molzahn\nZeichnung V 69\nZeichnung V 7t\nZeichnung X 129\nZeichnung X. 131\nHilla von Rebay\n, Zeichnung 137\nGeorg Schrimpf\nZwei Holzschnitte HI 41\nHans Mattis Teutsch\nLinoleumschnitt 43\nLirioleumschnitt V 65\nArnold Topp\nHolzschnitt Vlil 102\nHolzschnitt J*\nHolzschnitt \\ IX 117\nHolzschnitte XII 1537155\nLinoleumschnitt J 5\n' Linoleumschnitt j| 23\nLinoleumschnitt \" 28\nMaria Uhden\nBährenführer / Holzschnitt J 11\nFrau am Wasser / Holzschnitt 111 43\nHimmel / Holzschnitt X 125\nHolzschnitt \"I 37\nHolzschnitt 39\nHütte / Holzschnitt VIII 104\nInsel / Holzschnitt VIII 109\nNeil Waiden\nZeichmung * 1\nWilliam Wauer\nZeichnung 'V 59\nZeichnung I 7\nZeichnung XI 141"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.9", "texte": "Arnold Topp: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.10", "texte": "Jäger morden —\nHirten betrügen —\nBauern sind lasterhaft.\nDes Jägers Tugenden: Mut, Kaltblütigkeit, Entschlossen-\nheit, Ausdauer, Bedürfnislosigkeit, Klugheit — Er stellt Fallen.\nDes Hirten Tugenden: Gewandtheit, Ueberblick, Eifer, Un-\nermüdlichkeit, Berechnung, Schlauheit —\nEr täuscht mit Listen.\nDes Bauern Tugenden: Charakter, Unerschrockenheit,\nFleiß, Zähigkeit, Vorsicht, Sparsamkeit —\nMit Mißtrauen überfordert er.\nDes Jägers Heim: Ein Zufall — ungepflegt, ungeliebt —\nleicht verlassen.\nDes Hirten Heim; Das Zelt weich und bequem — Schmuck\nund Zierat — heimliche Schätze — aber flüchtig gebaut —\nwahllos geschmückt und von keiner Dauer.\nDes Bauern Heim: sein Haus, seine Burg. Kleine Fenster.\nSaubere Wirtschaft. Plump. Solid. Schmucklos, aber echt.\nDes Bauern Weib: seiner Kinder Mutter — seines Hauses\nMagd — seines Besitzes Repräsentantin:\nGemahlin, die mit ihm das Mahl teilt (höchste Auszeich-\nnung bei schlechter Behandlung).\nDes Bauern Kind, gezüchtet und umsorgt.\nDes Hirten Weib: seine Geliebte — seines Zeltes größter\nSchatz — vor den Volksgenossen seine Gattin,\nDie nur er begatten darf (strengste Abschließimg, bei\nzärtlicher Verehrung),\nDes Hirten Kind; verwöhnt und mißhandelt.\nDes Jägers Weib: seine Gefährtin — seine Pflegerin\nseine Liebste,\nDie im Schutze seiner Neigung steht (große Sicherheit bei\nsorgloser Rücksichtslosigkeit).\nDes Jägers Kind: geliebt und vernachlässig^.\nDer Jäger schlingt und liebt das Gelage —\nDer Hirte schmaust und sucht Schlemmerei —\nDer Bauer ißt und ergibt sich der Völlerei —\nJäger lieben —\nHirten verführen —\nBauern heiraten —\nDer Jäger verkriecht sich, wenn er erkrankt ist —\nDer Hirte barmt und fürchtet den Tod —\nDer Bauer nimmt's übel und schimpft —\nDes Jägers Künste sind die gestaltenden, die Künste des\n4\nAuges und der Hand,\nEr bildet, forscht, philosophiert und erfindet.\nDes Hirten Künste sind die spielenden und redenden: die\nSchriftkunst. Der Hirte ersinnt Fälle und Systeme, tanzt,\nsingt, weissagt und phantasiert.\nDes Bauern Künste sind die dekorativen und die bauenden,\n— Anbauer ist er in der Wissenschaft und im Staat.\nDer Jäger im Kampf: er liebt den Angriff —\nDer Hirt im Kampf: er haßt den Streit —\nDer Bauer im Kampf: er bleibt Verteidiger —\nBauernrache: Sengen und Brennen —\nEr zerstört Besitz.\nHirtenrache: Brandschatzung und Ueberfall —\nEr raubt sich Bereicherung.\nJägerrache: Fehde und Plünderung —\nEr übt Gewalt und tötet.\n\nGedichte\nFranz Richard Behrens\n\nAbschied\nBleiern uhren Regensägen\nEichen blättern früh *\nSoldaten winden Fichtenzweige\nIch trinke die schwarzen Demanten silberner Buchen\nKoste nur Wasser\nWasser schmeckt grau\n\nTangerhütte\nWeiter Streifen\nSchneidet Wald\nLang sehnt Sand\nEisen eß ich\nFeuer trink ich\nBrechbersten Gesang\nAlle Kiefern helden\nAlle Birken Engel\nAlle Zahlen Sterne\nStangen\nStände\nStänder\nLeiden Ton\nZittern Schwinge\nSchienen Tod\n\nFahrt zum Osten\nWarthe plättet kantend Band\nBleies Band\nBlaues Band\nLinien lilien Lieder\ni\nLose Stoppeln trösten braune Pappeln\nKnappe Weiden schlürfen eben Duft\nMein Sehnen fällt ins träge Schrägglas.\n\nVormarsch\nDämme steinen Kaiserinnen\nLeiser bauen Donner Dome\nTausend bauchen Weite\nMich wandet Wald\nWolken knien ineinander.\n\nMarynka Matecha\nTeerosen knospen glocken See\nHolunder errosten Demanten\nFersen rehen nackt Jasmin\nLibellen schüfen lachen Lenz\nGelber Mohn mait veilchen Pfirsich\n\nZwei\nEichen spalten Sperren\nSterne starren\nReigen\nBuchen springen Sprühen\nSüden Ringe\nSäuseln\nFeuer fernen\nFernen\nSieben\nLösen leisen flehe Flöten\n\nScheka\nGolden buchen blute Roste\nAbend haiden Sonnensträuße\nBraune küssen schneekasteien"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.11", "texte": "Herbert\nSchollen, furchen rosa Funken\nFelder schäumen silberwild\nÄcker wildern Weiden wind\nGarten glasen Regenglühen\nFalter kosen taufang Mädchenscheitel\nBrunnengrün brennt stillster Wein\n\nSchneeschnitt\nPulver pudern Feuer\nBlaue binden Mond\nSeiden singen Silber\nWeiherweiße Saiten\nMilche Weiden winken Tau\nMacht brennt wiesenweh\nRot bangen Weh\nMohn gelben Weh\nBlaß blitzen Weh\nSeerunde Glocken tropfen\nGoldkugelfluß voll Mond\nBrunnen bauen\nLüste spießen\nHohe küssen\nPerlen spielen\nKlingen nacken kranzersternt\n\nErmorgen\nRohrot taut blasse Schneide\nNasse Birken zirpen Last\nSamen salinen sengen Sand\nSamen fahnen nachte Tagen\nSamen zagen säe Samen\nSamen zähen Samensäen\nGarben wiegen Diestelblute\nGarben bluten dorne Wiegen\n•Stahle Nesseln sicheln Raaben\n\nDie Irrtümer der Hildebrandschen\nRaumästhetik\nKritische Bemerkungen\nFritz Hoeber\nDie falsche ästhetische Stellungnahme\nDie Raumästhetik in Adolf Hildebrands „Problem der\nForm in der bildenden Kunst\" stellt eine Gegenwirkung dar zu\nder künstlerischen Unkultur des verwilderten Naturalismus des\nausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, Darauf beruht ihr\npraktischer Erfolg und ihre theoretische Bedeutung,\nWie jede erfolgreiche Theorie strebte sie aber weit über\nihren angemessenen Wirkungsbezirk hinaus, und es bedurfte\nnur der Darstellung ihrer extremen Konsequenzen und ihrer\nAnwendung auf die unermeßliche Vielfältigkeit der lebendigen\nKunst, wie sie Hans Cornelius in seinen „Elementarge-\nsetzen der bildenden Kunst\" zu geben versucht hat*), um ihre\nUnzulänglichkeit als nomative Aesthetik der bildenden Künste\noffensichtlich darzutun: Man bemerkte nun allgemein die prin-\nzipiellen Fehler ihrer zu eng und zu einseitig gefaßten Voraus-\nsetzungen, Man erkannte die beschränkte Geltung des raum-\nkünstlerischen Axioms im bildenden Kunstwerk, Man erfuhr,\ndaß die Zahl der Meisterwerke, die der Hildebrandschen Theo-\nrie nicht entsprechen, der ihr entsprechenden Kunstwerke\nweit überstieg.\n*) Elementar gesetze -der bildenden Kunst. Grund-\nlagen einer praktischen Aesthetik. Leipzig und Berlin. 1908. Auf S. VI\ndös Vorworts schreibt H. Cornelius: „Die Gedankengänge der wissen-\nschaftlich-ästhetisdien Untersuchung stehen in enger Verwandtschaft und\nzu einem großen Teil in unmittelbarem Abhängigkeitsverhältnis zu den\nAusführungen in Hildebrands „Problem der Form in der bildenden Kunst\".\nIn der Tat sind sie im Lauf der Jahre a,us einem Zyklus aikaidemischer\nVorlesungen erwachsen, den ich über Hildebrands Buch gehalten habe.\"\nZudem hatte sich im allgemeinen Empfinden die ästhetische\nDominente verschoben; an Stelle des rationalen Formalismus,\nder seinen theoretischen Ausdruck in dem 1893 erschienenen\nProblem der Form\" fand, ist heute wieder eine gefühlsmäßigere\nAuffassung des Kunstwerks getreten, die in einem bewußten\nGegensatz zu allem dinghaften Sensualismus und seiner Ver-\nräumlichung der inneren ästhetischen Vorgänge steht. Diese\nAuffassung unterscheidet streng zwischen dem Extensiven\ndes materiellen Kunstgegenstandes und den intensiven\nImpressionen des „ästhetischen Objekts\", des Produktes\nunseres inneren, anschaulichen Erlebens. Solche wesentliche\nUnterscheidung wird aber von der Hildebrandschen Raum-\nästhetik konsequent übersehen, und dadurch gelangt sie nicht\nnur zu ganz falschen Synthesen, sondern auch zu höchst ver-\nhängnisvollen Wertungen,\nDie Unzulänglichkeit einer ausschließlich räumlichen Aesthetik\nDie prinzipielle Behauptung, „bildende Kunst sei Gestal-\ntung für das Auge oder für die Bedürfnisse des Auges\", ist in\ndieser unterschiedslosen Allgemeinheit unrichtig. Denn nicht\njedes Sehen ist zugleich ein ästhetisches Sehen, Das\npraktische Lehen stellt sich wesentlich als ein Rekognos-\nzieren quantitativ bestimmter Merkmale dar,\nwährend die ästhetische Apperzeption ein weit intensive-\nres „Scheinfühlen\" in die Eigenart des betrachteten Gegen-\nstandes bedeutet, dessen ästhetische Eigenschaften aus dem\nQuantitativen eines bloß räumlichen Daseins in die qualitative\nSphäre unseres eigenen, intensiven Bewußtseinslebens über-\nführt werden.\nAls kunsttheoretisches Resultat dieser Vermengung er-\nscheint die Grundförderung der Hildebrandschen Raumästhetik:\n„Die räumliche Klarheit\", obwohl alle Raumkausalität ästhe-\ntisch vollkommen indifferent ist, da die int er objektiven Dela-\ntionen nur von empirisch praktischer Bedeutung sind, Hilde-\nbrands Axiom entspringt der erkenntnistheoretisch naiven Mei-\nnung, das räumliche Realobjekt gehe als solches in unsern Be-\nwußtseinsinhalt ein, während es tatsächlich nur die absolut un-\nräumliche Stimmungsimpression ist (um den von Br,oder\nChristiansen geprägten Terminus zu gebrauchen *), die\nunser Gefühl als ein ihm Verwandtes aufzunehmen vermag.\nDie „Raumklarheit\" soll, nach Hildebrand, Grundbedingung\nder „Anschaulichkeit\" sein, während in Wahrheit die Anschau-\nlichkeit im Kunstwerk nicht die Klarheit des absoluten Raums\nbedeutet, sondern die klare Hervorhebung der jeweiligen,\nals solche sehr veränderlichen Dominante.\nHieraus folgt der zweite Grundirrtum der Hildebrandschen\nRaumästhetik: Auf Grund der dauernden Vermengung einer\nfalschen Synthese des „ästhetischen Objekts und seiner vor-\neiligen Wertung werden nämlich alle die Kunstwerke, in denen\ndie „Raumklarheit\" dominiert, als „wertvolle bezeichnet, wie\nalle die übrigen als wertlos, in denen der Raum als solcher\nkeine Bedeutung hat. — Obwohl Wert oder Unwert des Kunst-\nwerks niemals von irgendeiner in der ästhetischen Synthese\nwirksamen Dominante abhängen, sondern allein \\on jener nie-\nmals allgemein vorauszusagenden Vertiefung, welche die ma-\ngische Brücke zwischen dem „ästhetischen Objekt und der\n„autonomen Persönlichkeit\", dem immanenten Kern der Sub-\njektivität und Ursitz aller Welturteile, schlägt.\nEine wertende Gegenüberstellung, in der die raumkla-\nre n Kunstwerke die Gegenbeispiele, die raumunklar en\n*— die Beispiele darstellen, wird sich darum mit Leichtigkeit\nebenfalls bewerkstelligen lassen.\nEin zweiter Grundfehler der Raumästhetik ist die ver-\nkehrte Synthese ihr nicht entsprechender Kunstwerke: still-\nschweigend setzt sie bei allen Werken der bildenden Künste\ndas „Raumklare\" als stilistische Dominante voraus, obwohl es\nin der bildenden Kunst, vor allem der Malerei und Zeichnung\ngewiß nicht an Beispielen fehlt, wo der Raum etwas vollkom-\n*) Broder Christiansen, PJiitosopfote der Kunst. Hanau 1909.\n11. Das ästhetische Objekt."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.12", "texte": "men Untergeordnetes darstellt, die also m i t Ab sieht „räum-\nlich unklar\" sein wollen.\nDoch nicht nur auf die geometrisch faßbare „Komposition*\ndes gesamten und partiellen Kunstwerk erhebt die Hiidebrand-\nsche Raumästhetik ihre kategorischen Ansprüche,, auch die Ge-\nstaltung des Einzelausdrucks, der „Funktion\", soll nach den\nGrundsätzen der „Raumklarheit\" erfolgen. Das hat zu jener\nfatalen Unterscheidung von „charakteristischer und nichts-\nsagender Ansicht\" geführt, wobei unter „charakteristisch\" die\ntypischen Profil- oder Faceformen verstanden werden. Be-\ngründet wird diese Forderung durch das Verlangen allge-\nmeinen Verständlichkeit für das Erkenntnisvermögen (!) jedes\nBeschauers\". Mit anderen Worten: das banale Gegen-\nstandsinteresse des Durchschnittspublikums wird über\ndie intuitiven Absichten des künstlerischen Schöpfers gestellt!\n— Außerdem steht diese Forderung in scharfem Gegensatz zu\njeder lebendigen Kunst selbst, von deren Aufgaben doch eine\nsehr wesentliche ist, neue, bisher ungewohnte Eindrücke\nder Dinge, kraft des künstlerischen Gestaltungsvermögens, dem\nBeschauer innerlich glaubhaft und ästhetisch überzeugend zu\nmachen.\nW'o aber darf nun die Raumästhetik Geltung bean-\nspruchen? Ueberall da, wo der Raum die Dominante des\nKunstwerks bildet. Der Raum als solcher aber ist Dominante\nin einer Architektur von stark plastischem und einer Pla,-\nstik von stark architektonischem Charakter. Daraus\nergeben sich mit ästhetischer Logik die Erfolge, die Hildebrands\nRaumforschung zur Gesundung unserer naturalistisch verwilder-\nten Monumentalplastik und unseres in unromantisches Fahr-\nwasser geratenen Städtebaus bewirkt hat. Freilich gibt es\nplastische Denkmäler wie Architekturen, die an Stelle der\nräumlichen Dominante die der Lichtführung oder der Linien-\nbewegung setzen, zum Beispiel die Spätgotik und im Rokoko,\nohne deshalb „weniger wertvoll\" zu sein. Denn auch der Raum\nwird in unser zeitlich erlebendes Bewußtsein nur als inten-\nsive Stimmungsimpress'ion aufgenommen. Damit\nkann aber auch das Raumerlebnis noch als Unanschauliches\nnachwirken — was ich im Gegensatz zu Cornelius' Sensualis-\nmus behaupten möchte —, und dies bedeutet den fundamenta-\nlen Einwand gegen die Lehre von den „Reliefansichten\" in der\nRundplastik: denn keine Ansicht bleibt in mathematischer Flä-\nchenisolierung für sich in einer ästhetischen Betrachtungsebene\nbestehen, sondern sie gehen vielmehr alle unter einander eine\nunlösbare Verflechtung als lebendiges Bewußtseins-\ngeschehen ein: Bildende Kunst ist nicht etwa nur „Gestal-\ntung für das Auge\", sondern Gestaltung für die ge-\nsamte mitempfindende Seele*).\nWidersprüche mit der lebendigen künstlerischen Erfahrung\nVor allem aber führt die Raumästhetik auch zu Unstimmig-\nkeiten mit der kunstgeschichtlichen Erfahrung.\nDie räumliche Dominante im Sinne Hildebrands findet sich\nzwar in allen „klassischen Perioden\" der abendländischen\nKunstgeschichte, also vorzugsweise dem griechischen fünften\nund vierten Jahrhundert, der italienischen Renaissance des\nsechzehnten und dem deutschen Klassizismus des neunzehnten\nund zwanzigsten Jahrhunderts. Geht man aber nur einen\nSchritt über diese eng gezogenen Grenzen hinaus, so stört die\nRaumästhetik auf die krassesten Widersprüche im lebendigen\nKunstwerk. Widersprüche, die das Ganze der Lehre,\ndie Forderung der Raumklarheit, wie ihre Teile, die Forderung\neiner „typischen\" Gestaltung, des räumlichen Ausdrucks der\nFunktionen und der Formklarheit, in Mitleidenschaft ziehen.\nWeder die Architektur der deutschen Spätgotik, noch die\ndes Rokoko wahrt die zusammenhängende Vorderfläche in\nräumlicher Einheit. Die Innenarchitekturen beider Stile ver-\n*) A u g uis t Schmairsow, Raumgestaltung: als Wesen der axcfri-\ntetktopischen Schöpfung: (Zeitschrift für Aesthetiik und 'Kunstwissenschaft\n1914. I. Seite 66—95): Wir halten ufts frei! von 'der Ausschießlichkeit, dte\nein Kunstwerk nur insoweit aLs> solches anerkennen will, wie es nach den\nForderungen des Auges .geordnet sei. Der ganze Organismus\nmuß als mitwirkend aberkannt werden.\nachten die klar erfaßbare Raum form und geben an deren\nStatt die kontinuierliche und zäsurlos fließende Raum Bewe-\ngung. Und mit der gleichen künstlerischen Absicht bilden\ndiese Stile ihre architektonischen Funktionsglieder und allen\nihren Zierrat nicht in typischer, räumlich zu umschreibender\nKlarheit aus, sondern in einer höchst irrationalen, ganz indivi-\ndualistischen Komplizierung.\nAuch in der Geschichte der Plastik scheiden für die Hilde-\nbrandsche Raumästhetik alle Perioden mit Ausnahme jener\nklassischen aus. Die barocke Antike, viele Werke von Ghiberti\nund Donatello, Reliefs von Benvenuto Cellini und natürlich\nwieder die gesamte Frei- und Reliefplastik der Spätgotik und\ndes Rokoko erfüllen nicht die Forderungen einheitlich klarer\nFlächen und Körpergestaltung. Geht man die gesamte kunst-\ngeschichtliche Erfahrung durch, so erscheinen vollends die\nWerke der Malerei und der graphischen Kunst, in denen die\nHildebrandschen Wünsche erfüllt sind, als absolute Aus-\nnahmen : der Richtung verleihenden Achsenkranz von Hori-\nzontale und Vertikale, die Markierung der Bodenebene und die\nReliefebene des Hintergrundes, die sichtbar bestimmte Linie des\nHorizonts, der Aufbau des Bildraums in Parallelflächen hinter-\neinander, die räumliche Perspektive durch aufgestellte Figuren\ngleichen Maßstabs in den verschiedenen Bildgründen usw. fin-\nden sich nur in einem sehr kleinen Kreis der Kunstgeschichte\nverwirklicht: in der italienischen Hochrenaissance des sech-\nzehnten Jahrhunderts und der von ihr abhängigen neurömischen\nMalerei der Feuerbach und Hans von Marees,\nImKunstgewerbe spielen natürlich die Raumimpressionen\neine viel größere Rolle als in den von ihnen weit weniger be-\nherrschten Bildkünsten. Dennoch gibt es auch ein qualitativ\nsehr hochstehendes Kunsthandwerk, außerhalb des europäisch-\nhumanistischen Kreises, das eine durchaus andere Dominante\nals die plastisch-architektonische, nämlich die malerisch-\nlebensvolle zu seinem Gestaltungsprinzip gemacht hat, das\nKunsthandwerk Chinas und Japans: diese Vasen bilden aus\nihrem Körper urplötzlich naturalistische Pflanzentriebe. Diese\nNetsukes legen uns den Reiz seltsamer Bastardbildungen von\nHoch- und Flachrelief, dar. Die japanischen Körperzeichnungen,\nwie sie etwa Hokusai in seiner „Mangwa\" gibt, suchen das\nAußergewöhnlichste von „Gliederverrenkungen\" und das Indi-\nvidualistische von Bewegungen festzuhalten. Die japanische\nLandschaftsdarstellung endlich beschränkt sich prinzipiell auf\ndas Nahb i 1 d , obwohl wie Hildebrand sehr richtig konsta-\ntiert, den deutlichen Raumeindruck und die naturwahren Ver-\nhältnisse des gegenständlichen Maßstabs allein das Fern b i! d\nin seiner objektiven Abgedrücktheit zu liefern imstande ist. —\nKünstlertheorie und wissenschaftliche Aesthetik\nWas besagen alle diese leicht zu vermehrenden Gegenbei-\nspiele zu Hildebrands Raumästhetik?\nSolch eine Künstlertheorie ist und war nichts Neues; man\nkann jede beliebige Dominante einsetzen und sie konse-\nquent, mit oder ohne Wirkung, durch viele Kunstwerke hin-\ndurch verfolgen. So würde eine impressionistische Theorie die\nVerwendung von Licht und Farbe zur ausschlaggebenden Do-\nminante erheben, eine zeichnerische die der ausdrucksvollen\nLinie usw.\nWeiterhin sieht der Künstler alles außer seiner Kunst als\n„Natur\" an, nach der Fichteschen Analogie von dem „Ich und\ndem Nichtich\". Bekanntlich ist aber die Natur ästhetisch indif-\nferent. Sie hat a priori keinerlei Dominante, erhält diese viel-\nmehr erst von der künstlerisch fühlenden Betrachtung. Daruiß\nvermag der Künstler das fremde Kunstwerk nur im Sinne\nseiner Dominante, seiner individuell geübten Synthese zu be-\ngreifen.\nDiese Entschuldigung kann der berufliche Betrachter, der\nKunstkritiker, nicht für sich beanspruchen: Zur sachgemäßen\nKunstbetrachtung gehört eine unendliche Anschmie-\ngt! ngsfä h i g k e'i t, das ausgesprochene Vermögen, sich va-\nriabel zu objektivieren. Deshalb müssen Kunsttheorien mit ein-\nseitig negativem Resultat sofort den Verdacht an ihrer „Objek-\ntivität\" bei allen ehrlichen Kunstwissenschaftlern erregen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.13", "texte": "Verantwortlich für die SchrifÜeitag:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nS arnisch / Berlin V/ 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straßc 134 a\nFernruf Amt L{itzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErsekeint am fiinfzehnten jedes Mosiats\nDanerbezug\nGewohaliche Ansgabe: Fur Deutsch-\nland: Ein Jahr 9 Mk / Ein Halbjahr 5 Mk /\nEinzelheft 1 Mark / Fur das Ausland;\nEm Jahr 12 Mark / Ein Halbjahr 7 Mark /\nEinzelheft 1 Mark 50 Pfennig\nSoader - Ausgabe: Ungebrochene\nEx em p 1 a r e , V e r s en d un gin R o 1-\nlen di r e k t durch die Post / Fiir\nDetitsc h 1 a n d : Ein Jahr 15 Mark /\nFurdas Ausl a n d : Ein J ahr 20 Mark\n\nPr ei s c der friiheren Jahrgange\nV.llsiandige Ausgabe GewOhnliche Sonder-\nAusgabe: ausgabe:\n1. Jahrgang 1910/11 30 Mark —\n2. Jahrgang 1911/12 30 Mar1: —\n3. Jahrgang 30 Mark vergriffen\n4. Jahrgang 1913/14 — 40 Mark\n5. Jahrgang 1914/15 20 Mark 30 Mark\n6. Jahrgang 1915/16 20 Mark 30 Mark\n1. Jahrgang 1916/17 20 Mark 30 Mark\n8. Jahrgang 1917/18 30 Mark 40 Mark\n9. Jahrgang 1918/19 30 Mark 40 Mark\n£aiizelliefte, soweit vorhanden, erster bis\naefiter Jahrgang je 1 Mark fiinfzig Pfennig\n\nBiicher aus dem Verlag Dcr Sturm\nPeter Baum\nSchiitz engr abenverse\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nQetieftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nHermann Essig\nDei* Frauenmut / Lustspiel\n(jberteufel / Tragodie\nIk r sti 11 e s Glti c k / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark Gebunden 5 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\nGeheftet 3 Mark / Gebunden 4 Mark 50 Pfennig\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Fine Dichtung\nGeheftet 3 Mark\nKreis des An fangs / Fruhe Gedichte\nI Mark /' Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nM order Hoffnung der Frauen\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 15 Mark fAuflage 100)\nSonderausgabe vergriffen\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen\nEmpfindung und seine Losung\n5 Mark\nWilheim Runge\nD a s D en k en traumt / Gedichte\nS Mark I Gefaunden 4 Mark 50 Pfennig\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nQeheftet 2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLolliar Schreyer\nMe e r / Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark\nAugust Stramm\nDul Liebesgedichte\nQeheftet 3 Mark\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig:\nHerwarth Waldcn '\nDas Buch der Menschenliebe\nOeheftet 3 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Hart e der Welt en lie-be /\nRoman\n4 Mark Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nGesam ni e 11 e Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\nQeheftet 2 Mark 50 Pfennig\nWe ib I K o mi t rag o die\nQeheftet o Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\n5 ii n d e / Ein Spiel an der Liebe\nL e t zt e Liebe / Komitragodie\nG 1 a u be / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark 50 Pfennig\nKind I Tragodie\nT r ie b / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Biicher I: August Stramm: Sancta\nSusanna / II: August Stramm: Rudi-\nmentar / III: Mynona: Fur Hunde und\nandere Menschen / IV: August Stramm:\nDie Haidebraut / V. August Stramm: Er-\nwachen / VI: Aage von Kohl: Die Hange-\nmatte des Riuge / VII: Adolf Behne: Zur\nneu en Kunst I VIII: August Stramm:\nKrafte / IX: Aage von Kohl: Die rote\nSonne / X: Aage von Kohl: Der tierische\nAugenblick / XI: August Stramm: Ge-\nschehen: / XII: August Stramm: Die Un-\nfruchtbaren / XIII: Peter Baum: Kyland /\nXIV: Lothar Schreyer: Jungfrau\nJedes Sturmbuch 1 Mark\n\nMusik\nHerwarfh Walden\nGesammelte Tonwerke\n\\\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier I 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Qesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnlslieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier I 3 Mark\nDie Judentochter I Werk 17\nFarbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier I 1 Mark\nTanz der Tone I Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P1 ak a t fur die Zeit-\nschrift der Sturm / Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nSturm-*. a\nJede Karfe 30 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungcn und Bitd-\nwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 4\nRudolf Bauer 4\nVincenc Renes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 7\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1 :\nAlbert Gleizes 2\nJacoba van Heemskerck 3\nHjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 3\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 2\nCari Mense i\nJean Metzinger 1\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf \\\nGino Severini 4\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 5\nMarianne von Werefkin 2\n\nSturm- Aussteilungskataioge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Kandinsky\nRudolf Bauer Gino Severini\nMarc Chagall Skupina\nJe 6(j Pfennig\nFranz Marc *\n1 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAui Japan- and Buttenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiß-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfah-\nrenden / Die Zuriickbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der\nGelgenspieler / Die Schwangere / Essender\nBauer / Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen /\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Land-\nschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe:\n1 Adolf Loos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl\nKraus / 4 Richard Dehmel / 5 Paul Scheer-\nbart I 6 Yvette Guilbert\nOskar KokoscSika: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm XI. Paul Klee\n11. Herwarth Waldeti XII. Qabriele Mimitar\n111. van Heemskerck XIII. Rudolf Bauer\nIV. Kandinsky XIV. Nell Walden\nV. Rudolf Blumner XV- Mynona\nVI. Campendonk XVT. Kurt Heynicks\nVII. Peter Baum XVIII. William Wauer\nVIII. Hermann Essig AiX. Lotiiar Schreyer\nIX. Oskar Kokoschka XX. Qeorg Muche\nX. Adolf Knoblauch"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190315-01.1.14", "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\n*\nBerlin / Poisdamer Strode 134 a\nV\nGeoifnet taglich roa 10—6 Ukr / Sonntags\nvon 11—2 Uhr\nTageskarte i Mark 90\nJahreskarte 9 Mark\nMoaatlicher Wechscl\nZweiundsiebzigste AussAellung\nMarz 1919\nWilliam Wauer\nGemalde ( Zeichnungen / Plastik**\nDreiundsiebzigste Ausstellung\nApril 1919\nOskar Fischer\nHugo Handel\nHilla von Rebay\nErSfimmg: Sonntag den 6* April\nSturmgesamtschau Dresden\nApril 1919 I Galcrie Arnold\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausschliefilich\nund verfiigt Sbcr lb re Werke (Gemalde /\nGraphik / Holzschnitte j Handdrucke) zam\nVerkaui und zu Aussiellungen in der gan-\nzen Welt:\nRudolf Bauer j Campendonk / Marc Cha-\ngall j Jacoba van Heemskerck / Kandinsky I\nGeorg Muche / Nell Walden I William\nWauer\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland iolgende Kiinstler\ncind verfugt iiber ihre Werke zom Verkaui\nand fiir Aussiellungen:\nGosta Adrian-Nilsson / Alexander Archi-\npenko / Fntz Baumann / Vincenc Benes /\nUmberto Boccioni / Carlo D. Carra / Max\nErnst I Lyonel Feininger I Emil Filla / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Otto Gutireund I\nOswald Herzog / Sigrid Hjerten-Grime-\nwald I Isaac Griinewald / Johannes Itten /\nAlexei von Jawiensky / Paul Klee I Oskar\nKokoschka ] Otakar Kubin / Fernand\nL£ger I Franz Marc / Gabriele Miinter j\nJean Metzinger / Johannes Molzahn / Fran-\ncis Picabia I Gino Severini / Arnold Topp /\nMaria Uhden / Marianne von Werefkin\n\nSturmschule\nLeitimf : Herwarth Waides €\nDriites Jahr\nBerlin j Potsdamer Strafie 134 a\nUnterricht und AusbQdung in der\nexpressionistischen Ksost\nBiihne / Schauspieierei j Vortragskuast /\nMalerei / Dichtung / Mnsik\nLefcrer der Sturmsciiaie\nRudolf Batxer 112 ,\nRudolf Bltimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\n¥■.\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Waldea\nWilliam Wauer\nSprcchstunden der Leitimg: Dienstag, Mittwoch,\nFreitag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat ist\nvon 10—6 geoffnet\n\nLeitung dcr Sturmschulc flir Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nSturm-Abende\nVcrcin fur Kunst / Fiinfzehntes Jahr\nIn der Kunstausstellung Der Sturm / Berlin\nJeden Mittwoch K 8 Uhr\nVorlragender: Rudolf Bliimner\nKarten zu 5, 4, 3, 2, 1 Mark im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nVerein fur Kunst\nFiinfzehntes Jahr\nJahresbeitrag 25 Mark\nRechte: Freier Bezug der Zeitschrift Dcr\nSturm I Freier Besuch der Sturm-Ausstel-\nlungen / Jahrlich 2 Kunstdrucke\nAnineldimgen durch den Sturm\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke\nvon den melsten Zeichnungen Kunstdrucke\nkauflich zu erwerben. Die Originate shid rer-\nkauflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlags\nDer Sturm kostealos\n\nKunsibuchhandlimg\nDer Sturm\nPotsdam er Strafie 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und sekcne Biieher usd Jfotea\nvorratig und nimmt Bestellungen cntgege®\n\nVerein Sturmbiihne\nVorsitzender: Dr. John Schikowski\nGeschaftsetelle: Charlotteiburg / Scharresstrw&e H;\nAnfruf und Satzunsren kostentos\nSturmbiihne\nTheater der Expressioriisten\nNar vor Mitgliedern dm Vereins StkKnt-\nbiihne\nAnmektungen zur MftgHedscltaft wer«tew lan\nSturm entgegengeuommen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nDie Monatsschrilt Der Sturm begismt sm\nersten April den zehnten Jabrgang, Stfc\nerscheint in anderem Format und wM\nregelmafiig mehrfarbige Origin algrapMfc\nverofientlichen\nSoeben erschienen; Max Verworn:\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n2 Mark 50 Pfennig\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Wal-\nden I Lothar Schreyer / Rudolf Bliimner /\nRudolf Bauer / William Wauer / Max Ver-\nworn I und anderen\nMit 140 Abbildungen / zum Teil ganzseiHg\nnach Bildern und Bildwerken samtlicfe#r\nKunstler des Sturm / der Urvolker und der\nVolkskunst / Mit mehrfarbigen Beilagen\nFarbige Umschlagzeichnung von William Waver\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museums-\nausgabe mit Originalen Nummer 1—\nM 200— Nummer 11—50 M 100—\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedichta\nDas Buch enthalt die Gedichte, die Ru-\ndolf Bliimner an den S t u r m-A ber\nden vortragt\n4 Mark\nSignierte Sonderausiabe %2 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expreswonisten\nJede Folge 60 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nFtinfte Folge erschienen\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI: Marc Chagall\n4 Mark\nII: Alexander Archipenk©\n4 Mark\nIII: Paul Klee\n4 Mark 50 Pfennig\n\nAuslielerung irnd Verkaul der Werke des\nVerlag Der Sturm\nKopenhagen: Buehhandlung Hassing I Polt-\niikens Hus / Raadhuspladsen\nZurich: Kunstsalon Rembrandt / Bahn&of-\nstraße 65\n\nAnzeigen werden nicht aufgenommen"}]}