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Jeder\nMensch kann zwar seine eigene Meinung\nveröffentlichen, wenn er die nötigen Mittel\nbesitzt. Er kann sie aber nicht verbreiten.\nDie Verbreitung der Meinung eines Einzel-\nnen hängt von dem Zufall ab. Nämlich von\ndem Zufall, daß die Verlagsangestellten sei-\nner Meinung sind und sie veröffentlichen.\nHingegen hält der Verlagsangestellte seine\nMeinung stets für die öffentliche, trotzdem\nihm seine Meinung von dem Unternehmer\ndiktiert ist. Nichts ändert sich bekanntlich\nleichter und häufiger als die öffentliche Mei-\nnung. Denn diese Art öffentliche Meinung\nist keine Anschauung, sie ist eine nicht nach-\ngeprüfte Uebernahme von Begriffen. Der\nEinzelne wird durch das Leben, durch seine\nErfahrungen und seine Empfindungen ge-\nzwungen, sich fortgesetzt einzustellen und\numzustellen. Er kann die Interessen seiner\nnäheren Umgebung mit seinen eigenen durch\nWort und Tat in Einklang bringen, aufgeben\nund aufnehmen, wie es die äußere oder in-\nnere Zweckmäßigkeit der Beteiligten for-\ndert. Dieser Ausgleich erstreckt sich aber\nimmer nur auf eine beschränkte Minderheit.\nDieser Ausgleich wird nie öffentliche Mei-\nnung, weil ihm die öffentliche Meinung ent-\ngegensteht. Denn diese Art öffentliche Mei-\nnung, insbesondere die gedruckte, ist nicht\nim Ausgleich der Einzelinteressen entstan-\nden, die öffentliche Meinung wird von me-\nchanischen Begriffen diktiert, und zwar dik-\ntiert von Angestellten, die leblose Begriffe\nnach den Interessen interessierter Auftrag-\ngeber verewigen und auslegen. Religion,\nStaat, Ehe und Kapital sind solche Begriffe,\nDie gemachte öffentliche Meinung hat keine\nlebendige Vorstellung von ihnen, die Besitzer\nder Macht und Geldmittel wenden sie so an,\nwie es ihnen nützlich erscheint, sich den Be-\nsitz dieser Mittel zu erhalten. Daher muß\nder Einzelne diese Begriffe als unerträglichen\nZwang empfinden, nicht weil er sein Einzel-\nleben in das der andern einordnen muß, son-\ndern weil eine Ueberordnung besteht, gegen\ndie der Einzelne fortgesetzt verstoßen muß,\num sein eigenes Leben in Ordnung zu brin-\ngen. Die Gesamtheit der Gemeinschafts-\nbegriffe nennt man Gesellschaftsordnung. Sie\nist eine Herrschaftsordnung und wie zum\nHohn nennen sich die Herrschenden die Stüt-\nzen der Gesellschaft. Jeder einzelne sucht\nsein Leben so zu gestalten, wie es ihm am\nlebenswertesten erscheint. Er tauscht zu\ndiesem Zweck an körperlichen und geistigen\nGütern ein, was ihm fehlt, gegen das, was er\nzu geben hat, Niemand ist so arm an Kör-\nper und Geist und Gut, daß er nicht etwas\ngeben kann. Niemand so reich, daß ihm\nnicht etwas fehlt, Dieser Ausgleich ist die\nOrdnung der Einzelinteressen und der Ge-\nmeinschaftsinteressen. Und wie sich die Vor-\naussetzungen und Bedingungen des Augleichs\nzwischen den einzelnen ändern, so ändern\nsie sich auch für die Gesamtheit. Man kann\ndaher nicht die Gesellschaft nach der Ord-\nnung, man muß die Ordnung nach der Ge-\nsellschaft einrichten. Niemand hat das Recht\nauf Leistung ohne Gegenleistung, Niemand\nhat das Recht auf Mehrleistung, Denn es\ngibt kein Recht auf Geschenke. Nun sind\nzweifellos die Leistungen verschieden, ver-\nschieden durch die Anlagen des Einzelnen.\nWer mehr leistet hat ein Recht auf ein Mehr,\nnicht aber ein Recht auf ein Weniger des\nandern. Nur die Gegenleistung gibt ein\nRecht auf Leistungen. Daher muß auch die\nGemeinschaft dem Einzelnen leisten, was der\nEinzelne der Gemeinschaft leistet. Da die\nGemeinschaft aber die Gesamtheit der Ein-\nzelnen ist, darf kein Einzelner schlechter als\ndie Gemeinschaft existieren. Denn nur durch\ndie Gemeinschaft wird die Existenz der Ein-\nzelnen geschaffen. Denn nur durch die Ge-\nmeinschaft erleichtern sich die Einzelnen das\näußere Leben, Ein Recht ist aus Stärke\nnicht herzuleiten. Zwar kann manchmal einer\ntragen, was zehn andere tragen. Die zehn\nandern haben also die Stärke des Einen, Die-\nser Eine hat aber nicht das Recht, zehn an-\ndere am Tragen zu verhindern, solange die\nzehn anderen es wollen. Er hat dazu kein\nRecht, denn er braucht jetzt nur ein Zehntel\nseiner Stärke zu geben. Wollen die andern\nzehn ihn aber allein tragen lassen, so trägt\ner ihr Vertrauen, was ihm Pflichten, aber\nnicht Rechte gibt. 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Die Gesellschaftsordnung\nist ihr eine Geschäfteordnung durch Ge-\nschäftsunordnung, Die menschlichen Einrich-\ntungen sind ihr Konjunktur, Die Wissenschaft\nist ihr Anwendung durch Geschäftemacher,\ndie Kunst Unterhaltung der Geschäftemacher,\nWas die Einzelnen oder die Vielheit der Ein-\nzelnen bewegt, rührt sie nicht. Sie lebt von\nAnzeigen für Begriffe, sie lebt von Begriffen\nfür Anzeigen. Das ist die Freiheit der Presse.\nEs ist die folgenschwere Verwechselung der\nFreiheit der Schrift und der Freiheit der\nPresse. Mit der Veröffentlichung von Nach-\nrichten und dem Suchen von Menschen und\nWaren dürfen nicht Meinungen verbreitet\nwerden. Mit diesen Bedürfnissen der Ge-\nsamtheit wird ein Mißbrauch der organisier-\nten Verbraucherschaft getrieben, die sich zu\neinem anderen Zweck organisiert hat. Die\nVerbraucherschaft, die Abonnenten, werden\nsystematisch ausgebeutet. Ausgebeutet, weil\nihnen geschäftliche Sonderinteressen als Ge-\nmeinschaftsinteressen vorgesetzt werden,\nDer Leser verläßt sich auf die Richtigkeit\nder Tatsachen und auch auf die Meinung\nseiner Zetung. Er nimmt die Meinung an,\nweil er annimmt, daß sie die Meinung seiner\nübrigen Mitleser sei. Er ist daher immer ge-\nneigt, seine eigene Meinung für falsch zu\nhalten, weil sie scheinbar der öffentlichen\nMeinung widerspricht, Durch die Art des\nheutigen Pressewesens wird also gerade die\nFreiheit der öffentlichen Meinungsäußerung\nverhindert. Nur wer Verlagsangestellter eines\nVeröffentlichungsunternehmens ist, kann eine\nMeinung verbreiten und vertreten. Die über-\ngroße Mehrheit der Volksgenossen, ja fast\ndie Gesamtheit, ist an der gedruckten freien\nMeinungsäußerung verhindert. Zum minde-\nsten aber an der Verbreitung.\n■ Es muß daher gefordert werden, daß die\nVeröffentlichung von Nachrichten und An-\nzeigen nicht mit der Veröffentlichung von\nMeinungen verbunden werden darf, Erst\ndann wird eine Freiheit der Presse entstehen,\nMan nehme den Zeitungsunternehmern zu-\nnächst einmal die Anzeigen, man sozialisiere\nalso das Anzeigenwesen, und die öffentliche\nMeinung wird erstaunt seinr wie sich die öf-\nfentliche Meinung ändert. Auch die Ver-\nöffentlichung von Nachrichten ist keine An-\ngelegenheit zur Bereicherung einzelner, Nach-\nrichtenblätter sind Angelegenheiten der Kom-\nmune, Freiheit der Presse ist ein sinnloser\nBegriff, Er bedeutet weiter nichts als das\nRecht auf geistige Vergewaltigung der Ge-\nsamtheit durch verdeckte Geschäftsunter-\nnehmungen, Auch für die Freiheit der öf-\nfentlichen Meinungsäußerung muß gleiches\nRecht für alle gefordert werden. Die Tages-\npresse in ihrer heutigen Form verhindert\nsystematisch die wirtschaftliche und geistige\nEntwicklung und Befreiung der einzelnen\nVolksgenossen,\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c003", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "36", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.2.3", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.3", "debut_caractere": 3315, "fin_caractere_exclue": 3780, "texte": "Gedichte\nKurt Schwitters\n\nNächte\nInnige Nächte\ngluten Qual\nzittert Glut Wonne\nschmerzhaft umeint\nsiedend nächtigt Brunst\npeitscht Feuer Blitz\nzuckend Schwüle\nO, wenn ich das Fischlein baden könnte!\nZagt ein Innen\nzittert enteint\ngiert schwül\nherb\nDu\nDuft der Braut\nRosen gleißen im Garten\nschlank stachelt Fisch in der Peitscheluft\nwunden Knie\nwogen Brandung Wonne\nWenn das Fischlein fliegen könnte\nich umwoge\ninnenjauchzt\npeitscht still Inbrunst\nüberquillt schrill"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 805, "texte": "kniet Tau auf dem Fischlein\nes schlüpft seine Beinchen\nweiße Beinchen hat das Fischlein\nweiße Augen hat der Tod\nfest peitscht innig Nacht\nIch\nzerwoge\nbleicht müde\nblaut Qual Sonne\n\nWir\nLeben wir\nstreben wir\nsterben wir\nFichtenüberwölbt Welt\nsterbestumm leben\nglockenumstrahlt streben\nsternüberhöht sterben\nGlut läutet Welt\n\nIch werde gegangen\nIch taumeltürme\nwelkes windes Blatt\nHäuser äugen Menschen Klippen\nschmiege Taumel Wind\nMenschen steinen Häuser Klippen\ntaumeltürme blutes Blatt\n\nAm Rande meines Welkens bin ich\nsanfte Nacht\nSägen knien Regen welken Tage\nSanften fromme Tiefe sanfte Hände\nTropfen wunde Nächte nächtelang\nWunden sanfte Riesen wölben Dom\n\nIch werde erbaut\nKurbel dämmert Kopf Gelächter\nTief zu Innen zages Land\nFerne Hütten welken Tau\nDu\nWiesen bluten Weideschnee\nWiesen bluten Blut"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "36", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Erweckung eines\nbeseeligenden Zustandes, Rausch. Nicht na-\nturalistische Bilderbögen, seelische und\ngeistige Analysen . . , Selig werden wir in\nder Kunst. Sie sei unsere Kirche, in die\nnicht Händler und Wechsler und Falsch-\nmünzer mit ihren fettigen Händen sollen,\nin die wir keine Stümper und goldig schim-\nmernde Talmileute hineinlassen wollen.\nDiese Kunstkirche wird in Ostpreußen ge-\nbaut, „In ganz Deutschland regen sich die\nGeister, Jetzt auch in der Stadt Kants, Kö-\nnigsberg, eine Hochstätts deutschen Kunst-\nund Geisteslebens, will sich einen neuen Ruf\nals Kunststadt schaffen,\" Zu diesem Zweck\nist dort eine neue Zeitschrift und eine litera-\nrische Gesellschaft gegründet worden. Beide\n„bezwecken die Förderung aufstrebenden\nDichtertums ' Die Zeitschrift heißt selbstver-\nständlich Kothurn, um auf ostpreußisch grie-\nchisch zu sein. Und da der Herausgeber in\nseine Kunstkirche keine Stümper und goldig\nschimmernde Talmileute hineinlassen will,\nhat er die Herren Max Dessoir, Alfred Biese,\nHugo Salus, Walter Harlan, Ludwig Fulda,\nMax Grube, Kurt Wolff-Verlag und andere\nj\nhervorragende Persönlichkeiten des deut-\nschen Geistes- und Kunstlebens von seinen\nkünstlerischen Bestrebungen in Kenntnis ge-\nsetzt, Herr Max Dessoir schreibt ihm:\n„Wenn es den beiden Unternehmungen ge-\nlingt, das geistige und künstlerische Leben\nim Nordosten Deutschlands zu steigern, dann\nkönnen sie eine Leistung von höchstem Wert\nvollbringen. Was mich betrifft, so will ich\ngern einen Beitrag schicken, um zu zeigen,\ndaß die Berliner den Kulturvoirgängen in Kö-\nnigsberg mit dem Gefühl gegenüber stehen:\nNostra res agitur,\" Herr Dessoir ist ein so\nwichtiger Kulturvorgang, daß die Berliner am\nbesten ihn selbst als Beitrag nach Königsberg\nschicken, damit er dort seine Sachen verhan-\ndeln kann, Der Dichter Walter Harlan steigt\nvor Freude vorn Kothurn herunter: „Gott-\nlob, das Leben der deutschen Dichtung, es\ngeht nicht nur bei Ihnen wieder los, sondern\nauch in Leipzig, in Dresden, in Berlin und\nallenthalben! Von Herzen! Unsere Mahlzeiten\nwerden ja in den letzten Zeiten etwas fett-\narm ausfallen, aber kein Engländer kann uns\nhindern, an den Tafeln unseres Geistes das\nallerweißeste edelste Brot zu speisen und\nauch gebratene Fasanen/' Nicht einmal der\nDeutsche kann es verhindern, daß der Dich-\nter gleich einen gebratenen Fasan seines\nallerweißesten Geistes vorlegte:\nSchweiften heut ins Waldrevier\nStanden auf der Fähre,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4184, "texte": "Mal nach drüben wollten wir,\nwo es stiller v/erde.\nv\nStrohdach und ein Pflug dabei\nragten aus dem Grase\nWeiße Kleider schritten zwei\nvor uns auf der Strase (Vorschlag statt\nStrasse),\nDieser Berliner Kulturvorgang ist eine Lei-\nstung von höchstem Wert in der Stadt Kants,\nHerr Dessoir hat den Braten gleich richtig\ngerochen, Herr iMax Grube dafür\ndie Haltung wieder auf den Kothurn: ~Ihre\nMitteilung hat mich zwiefach erfreut , ,\nMöge der neue Weg, den Sie der Kunst bah-\nnen wollen, Ihnen, Ihrer Stadt, dem ganzen\nschwergeprüften Osten, Trost, Heil und Se-\ngen bringen/' Doch der Segen kommt von\nWilhelm von Scholz:\n„Schlaf war wie Nebel herangeschlichen,\nTrank, mich umhüllend, Licht und Laut,\nSchlaf ist wie Nebel plötzlich entwichen\nVor diesem Rieseln auf meiner Haut/4\nDas ist das Rieseln der neuen Kunst, Wes-\nhalb auch der Dichter Kurt Wolff-Verlag so-\nfort erschauert: „Die Darlegungen Ihres\nBriefes haben uns sehr interessiert und wir\nfreuen uns zu gegebener Zeit mit Ihnen zu-\nsammen arbeiten zu können/' Worauf Herr\nSiegfried Jacobsohn nicht umhin kann, dem\nHerausgeber außer seinen Wünschen noch\nseinen abgelegten Spee/r zu schicken: „Sohn,\nhier hast Du meinen Speer! Bewähren Sie\nsich als einen, zu dem ein Graukopf wie ich\ndas sagen kann. Kitzeln Sie mit diesem Speer\ndie Bäuche der satten Krämer, stoßen Sie ihn\nins Herz der Barbairen, und lassen Sie nicht\nallzuviel Zeit vergehen, bis Sie das Recht er-\nworben haben, ihn im Triumph über Ihrem\nHaupt zu schwingen.\" Mit diesem Speer ge-\nstützt kann der Herausgeber auf deim Ko-\nthurn schreiten. Denn in ganz Deutschland\nregen sich für ihn die Geister.\nDer Händlergeist\nDer Kunsthändler J. B. Neumann ist durch\nden Expressionismus ganz außer Bildrand\nund Buchband gekommen, Er fängt an zu\ndichten, gibt eine Zeitschrift heraus, will\n„mehr als bisher Architektur, Literatur und\nMusik als wesensverwandte Formen der\nexpressionistischen bildenden Kunst för-\ndern,\" Er wird sogar prophetisch und ver-\nkündet am 6, März 1919: „Der Expressionis-\nmus, der kein Begriff mehr ist, sondern eine\nherrliche Wirklichkeit, findet in der begin-\nnenden Weltrevolution seine, Bestätigung/'\nNicht weniger als eine Weltrevolution ist\nnötig gewesen, um Herrn J, B, Neumann von\nder herrlichen Wirklichkeit des Expressio-\nnismus zu überzeugen. Die Weltrevolution\nhat sich also gelohnt. Auch sein Mitdichter,\nder bekannte Herr Schneider aus Wien, hat\neinen guten Magen: „Wir mäßigen unsern\nAppetit, in die Speichen des kommenden\nMenschenschicksals einzugreifen in einer\nArt, die man von uns weder verlangt, noch\nerwartet, weil man sich nichts davon ver-\nspricht,\" Wenn man mit dem Munde in die\nSpeichen fährt, wird das kommende Men-\nschenschicksal schlechter fahren. Trotz die-\nser Mäßigung verheißt Herr Schneider aus\nWien: „Führen aber darum nicht minder ge-\nharnischt den Schlag gegen denselben Staats-\nbürger mit Hühnerverstand, denselben denk-\nfaulen Zeitungsleser, ohne uns darob einer\nSünde wider den heiligen Geist zu zeihen,\"\nImmerhin ist eine Lippe riskiert, wenn auch\ngeharnischt, So gürtet sich Herr Schneider\nmit dem ganzen Selbstvertrauen Tolstois:\n„Aber unverbrüchlich mit dem Selbstver-\ntrauen Tolstois in die Wirkung seines Wer-\ntes wie der inneren Vision Beethovens von\nendlichem Menschenglück, der Klaviere zer-\ntrampelt, indessen die Felder zu Schlacht-\nfeldern Napoleon zerstampft, die entsetzlich-\nste Tatvision von Menschenglück seit Men-\nschengedenken.\" Das ist die entsetzliche Tat-\nvision vom Expressionismus, indessen Herr\nJ, B. Neumann einen individuellen Kommu-\nnismus fördert und sich als Vertreter der\nMenschheit Hochachtungsvoll vorstellt: „Ver-\nmittler von Werten ohne jede kleinliche Be-\nschränkung auf die Künstler, die mir als\nKunsthändler gehören.\" Was man vor der\nWeltrevolution Sortiment nannte. Nun aber\nist Herr J, B, Neumann aus eigener Kraft\nund eigener Macht zum Großsortiment in\nVermittlung von Werten, schlichter gesagt\nzum Vertreter der Menschheit ernannt, Und\nzwar für Produzenten und Konsumenten:\n„Die Künstler gehören weder mir noch an-\ndern Kunsthändlern, die Dichter nicht die-\nsem oder jenem Verleger, sondern der\nMenschheit Ausstellungen, Buchhandel,\nVortragsabende, Versammlungen, Konzerte,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1970, "texte": "Flugschriften sollen mitschaffen helfen, was\nuns allen den seelischen und leiblichen Op-\nfern während dieser Mordjahre Pflicht und\nSendung geworden ist.\" Nämlich: ~was sich\nseit Jahrzehnten angekündigt hat, wird of-\nfenbar in der modernen Kunst: die Einheit\ndes Denkens und Handelns.\" So ist das\nWarenhaus des Expressionismus herrliche\nWirklichkeit geworden. Einheitliches Den-\nken und Handeln in allen Preislagen. Denke\nbeim Handel und handle mit Denken. Wenn\ndas nicht Expressionismus ist, hat Beethoven\numsonst Klaviere zertrampelt.\nNochmals die Stadt Kants\nDie Anerkennung der Geister Deutsch-\ntands hat Herrn Lemke in Königsberg nicht\nruhen noch tasten lassen. Er bekam eine\nIdee und gründete noch eine Zeitschrift und\nnoch eine literarische Gesellschaft in Kö-\nnigsberg. Die Zeitschrift heißt Füllhorn und\nbringt Dichtungen der Herren Hanns Heinz\nEwers und Karl Sternheim. Herr Lemke\nselbst dichtet ebenso gut, nämlich so:\nVerbannt sind Tradition und Convention,\nEmpor blüht Pathos und Begeisterung,\nFunkelnder Abenteuer mächt'ger Schwung —\nUnd köstlich strahlend Freiheit wird uns lohn!\nDas Gedicht heißt Sturmdurchglüht\n«Ei -\ncv\nAußerdem spendet das Füllhorn noch fol-\ngende Anzeige: ~Buchbesprechungen werden\ngegen Einsendung eines Exemplares des t\\i\nbesprechenden Werkes von erfahrenem Fach-\nmann kostenlos ausgeführt oder auch nach\nWunsch abgedruck t.\"\nEs regt sich eben in Königsberg.\nDer Kampf gegen den Bolschewismus\nDer Kampf, Professor Arthur, leitet nach\nwie vor die Hochschule für die bildenden\nKünste, Zum Dank für die Anerkennung\ndurch die neue Zeit hat er ein revolutions-\nstaatserhaltendes Bild gezeichnet:\nDas Bild macht Laune, in die Bürgerwehr\neinzutreten. Um so mehr, als die neue Re-\ngierung angeordnet hat, daß in Zukunft jeder\nBolschewist von Professor Arthur Kampf\nhandgezeichnet werden soll, Herr Fritz Stahl\nvom Tageblatt hat seinen Abscheu gegen\nden Expressionismus überwunden, Dieses\nBild der Ausdruckskunst hat ihn endgültig\nüberzeugt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c010", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "37", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.2.4.1", "titre_corps": "Hugo Händel: Zeichnung", "titre_sommaire": "Hugo Händel: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 22, "texte": "Hugo Händel: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c012", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "45", "image_debut": 7, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.2.5", "titre_corps": "Die seidene Schnur", "titre_sommaire": "Die seidene Schnur", "signature_source": "Erster Hals ; Paul Fechter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.7", "debut_caractere": 1972, "fin_caractere_exclue": 2139, "texte": "Die seidene Schnur\nErster Hals\n\nDer Hexenmeister\nWie macht das bloß der J. B. Neumann?\nWas der Verstand der Verständigen im\nSturm nicht sieht, das sieht bei J. B, Neu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4201, "texte": "ftiann Curt Glaser, „Was seh ich denn da?\n— Ist das nicht — ? Nein wirklich, das ist\nkeine Täuschung — das ist wahrhaftig —\nsieh doch — sieh doch — da hängt ja ein\nFeininger — ein echter Feininger — und da\nnoch einer — da noch zwei — und dort —\nund dort! Nun seh' mir eins dies Wunder\nan! Lauter Feiningers! Nichts als Feinin-\ngers, so weit das Auge schweift. Hol's die-\nser und jener — ich bin ein Kunstkritiker so\ngut wie jeder andere — ich versäume seit\nJahren keine Ausstellung. Pfui Däubler, das\nwäre ja schlimm. Aber hab ich doch mein\nLebtag noch keinen Feininger gesehen! --\nAlso das ist Feininger! Wie habe ich mich\nseit Jahren nach einem Feininger gesehnt.\nHab ich gesagt seit Jahren? Ja, ganz recht!\nSeitdem damals im Herbstsalon der St... —\npfui, pfui — was schwatze ich da — die\nZunge soll mir verdorren, Wenn ich den Na-\nmen dieser ff 112 Ausstellung usw. — seit Jah-\nren — und nun ist es Erfüllung! — Her mit\ndem Katalog! 69 Nummern — alle Achtung!\nNicht zu wenig, aber auch nicht zu viel.\nNicht so viel, wie damals im September 1917,\nals die große Gesamtschau Feiningerscher\nWerke im St... — man muß auf seine Zunge\nachten — verdammte Geschwätzigkeit. Nicht\ngedacht soll er werden, der St... Was ich\nsagen wollte, wie komisch malt denn der\njunge Mann? Köstliche Karikaturen —\nwirklich köstlich! — Warten Sie mal, da\nhabe ich doch neulich in einem Waschzettel\ngelesen „Deutscher Kubist?\" Ach so —na\nja, natürlich, aber gewiß doch, nun seh ichs\nauch! Also das ist Kubismus — ich meine\ndeutscher Kubismus (er zieht sein Notizbuch\nhervor) — Sinn für ornamentale Formgebilde,\nabstrakter Farbengeschmack — ich weiß\nnicht, ob ich mich richtig ausdrücke — (er\ndenkt nach) Kubismus — Kubismus — Ku-\nbismus — o Gott, o Gott, ganz wird mirs\nnie klar werden — — Ach was, Quatsch!\nIch werde mich auf lange Auseinandersetzun-\ngen einlassen (er schreibt) kunstgewerbliche\nBegabung! Basta! Schluß! Rauf auf die\nTapete mit Feininger, rauf auf die — auf die\n— na was denn noch? — Lampenschirm,\nKaffeetasse, und jetzt sag ich noch Gobelin\nund Kirchenfenster. Aber nu ists genug. —\nNe, ne, ne, der Kubismus hat keine Zukunft.\nUnd dennoch, ich schnitt es gern in alle\nLüfte ein: „Ich habe einen Feininger ge-\nsehen, endlich habe ich einen Feininger ge-\nsehen!\"\nWie macht das 810 ß der J. B. Neumann?\nCurt Glaser hat bei ihm Feininger gesehen.\nTatbestand\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt 23. Mai 1919\nBerliner Ausstellungen.\nVon Curt Glaser:\nMit Interesse sah man\ninsbesondere der Eröff-\nnung der Feininger-Aus-\nstellung in Neumanns\nGraphischem Kabinett\nentgegen, da bisher\nnur gelegentlich\nein Werk des von\nFreunden und Verehrern\naufs höchste gepriese-\nnen „Deutschen Kubisten\"\nden Weg in die\nOeffentlichkeit ge-\nfunden hat.\n(Gesamtschau Feininger\n69 Werke)\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt vom 7. März\n1919 Curt Glaser:\nEbenso setzte Waiden\nseine monatlich wechseln-\nden Sturmausstellungen\nunentwegt fort. Aber es\nhaftet kaum ein Eindruck\nvon dem vielen das hier\ngeboten wurde, fester in\nder Erinnerung\nB. Z. am Mittag 19. Sep-\ntember 1917\nLyonel Feininger im\nSturm\nIn der mehr als hundert\nNummern umfassenden\nAusstellung von Gemälden\nund Zeichnungen, mit\ndenen uns jetzt der\nKubist Feininger sein\nWerk darbietet\nSo bringt die Ausstellung\nein lehrreiches Stück von\nder Lebensarbeit eines\nMannes. L. B.\n(Gesamtschau Feininger\nim Sturm 111 Werke)\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt 5. November 1915.\nCurt Glaser:\nAuch in weiteren Krei-\nsen bricht mehr und\nmehr die Erkenntnis sich\nBahn, daß die Kunst\nam besten fährt, wenn\nsie als friedliches Hand-\nwerk unbekümmert um\ndie Ereignisse einer an-\nderen Welt ihren ruhigen\n- Weg geht. Und wenn\nnicht für anderes, so mag\nHerwarth Wäldens Aus-\nstellungs-Unternehmen\nhierfür vorbildlich sein,\nda er als einziger\nin Berlin unbeirrt an\nseinem Programm festge-\nhalten hat\nZweiter Hals\nUbi Behne?\nEs war einmal ein junger Mann, der hörte\nzu, wenn über Kunst gesprochen wurde.\nSemper aliquid haeret. Dann machte er sein\nGesellenstück. Nil novi dazugelernt. „Still-\nstand ist RückschrittI', sagte mein Lateinleh-\nrer. „Sedulus ante diem librum (Expressionis-\nmus Die Kunstwende) cum lumine poscas '\n- ~Wir wollen ein strenges Gericht hal-\nten. Ists nicht bene geschrieben, dann wehe"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4453, "texte": "ftnenf — — (Er murmelt) Zuviel Bauer, zu-\nviel Bauer, zuviel Blümner * . , Gar nicht\nbene geschrieben, garnicht behne * » . Halt,\nmeine Herren, keiner verläßt das Lokal,\nZeigen Sie Ihre Taschen! Heraus mit dem\nKubismus! Der gehört mir. Ich hab ihn\nentdeckt, ich hab ihn gekauft, ich hab ihn\ngepachtet, geschaffen, seht mich an: so sieht\nder Erzvater des Kubismus aus. Kommt alle\nzu mir, die Ihr nicht wißt, was Kubismus ist,\nKubismus ist Bauen, Architektur, Glashaus,\nScheerbart. Der Kubist ist Bauer (nota\nbehne!) — Halt, da ist noch eine Tasche.\nGuckt da nicht ein L6ger hervor? Ihr Spitz-\nbuben! Na, meinetwegen, den will ich Euch\nlassen. Was ist denn das da? Hier, in der\ninneren Brusttasche — aha — Gleizes\ngeschenkt! Sieh doch, sieh doch — da kommt\nja Stuckenberg zum Vorschein. Stucken-\nberg ist meine Konferenz, her damit , , , so,\nden einen hätte ich , , , noch einen . . es\ngeht — es geht — wieder einer , . . Donner-\nwetter, das geht leichter, als ich gedacht\nhätte Sieg oder Viktoria . . . Stuckenberg\nhabe ich raus. Das nenne ich eine reinliche\nScheidung ... o Gott, mich ergreift ein\nSchwindel . . . Eben fällt mir Topp ein . . ,\n(Er ächzt) das wird noch ein Stück Arbeit\nwerden. Aber den lobe ich Euch glatt aus\nder Tasche raus. Ein Wort solls mich\nkosten, ein Wörtchen nur. Ich schätze ihn\nkritisch hoch ein! Nun paßt mal auf, jetzt\nkommts. Achtung! „Sehr schön Topps\nWeltenwanderer.\" So, nun wollen wir mal\nauf die Uhr sehen , , . eins —• zwei — drei\n— na, was hab ich gesagt? Das Bild ist\nverkauft! Und alle übrigen Topps schleppe\nich vor den Richter, vor den Emil Richter.\nOder man müßte sie zum J, B. Neumann\nbringen. Der hat Mut, noch mehr, Wagemut\nhat er ,wie der selige Julius Keller zu sagen\npflegte. Und hab ich sie erst mal dort . . .\no Gott, laß meine Feder nicht erlahmen, ehe\nich J. B. Neumann groß gemacht habe. Gro-\nßer J. B. habe Wagemut, stelle aus, was im\nSturm gelobt und getadelt wird und — hier\nstehe ich, Gott helfe mir, ich kann nicht wei-\nter — Du sollst gepriesen werden als der\nmodernste, der fortschrittlichste, der wage-\nmutigste, der kubistichichstigste . . . ich\nglaub, jetzt hab ich mich versprochen ... das\nschwöre ich Dir, selbst wenn Du Golyscheff\nausstellst.\nTatbestand\nDie Freiheit 5. Mai 1919\nAdolf Behne:\nIm Graphischen Kabi-\nnett von J. B. Neumann,\ndas jetzt fraglos\nBerlins wagemu-\ntigste Ausstellun-\ngen bringt, zeigten bei\nfreiem Eintritt für drei\nTage einige junge Künst-\nler ihre Arbeiten\nStuckenberg ahnt die\nWichtigkeit des Bauens.\nTopp in seinen Aquarel-\nlen reinigt die Farben,\nmacht sie .... .\nDie Freiheit 22. April 1919\nAdolf Behne:\nDer Sturm zeigt Arbei-\nten von Kandinsky, Marc,\nGleizes. . . . Sehr schön\nder „Weltenwanderer\"\nvon Arnold Topp.\nBerliner Börsen-Courier\nDezember-Ausstellungj im\nSturm 1916\nDiesmal vor Weihnach-\nten die Allerjüngsten.\nFritz Stuckenberg möchte\ndas Musikalische in der\nFarbsetzung dramatisch\nverwenden\nTheodor Däubler.\nBerliner Börsen-Courier\nvom 21. Dezember 1915\nArnold Topp ist . . .\nein Mann der gezüchteten\nPhantasie. Hier ist man\nZielen nah.\nOscar Bie.\nNorddeutsche Allgemeine\nZeitung vom 7. Mai 1918\nIn den Gemälden von\nArnold Topp « . . . .\nzuweilen glaubt man aber\ndoch, wie in dem „Wel-\ntenwanderer\", ein eige-\nnes Qeftihl zu spüren.\nDritter Hals\nDie Gehirnerschütterung\nAlso, Herr Kandidat Cohn-Wiener, Sie\nhaben sich speziell mit der neuen Malerei\nbeschäftigt? — „Jawohl, seit zwölf Jahren\nsetze ich mich . . .\" — Expressionismus, Fu-\nturismus und Kubismus sind Ihnen geläufig?\n— „Jawohl, seit zwölf Jahren trete ich , ,\n— Eine annehmbare Definition des Expres-\nsionismus wird Ihnen kaum schwer fallen? —\n„Jawohl, einen C6zanne-Epigonen erkenne\nich merkwürdigerweise daran, daß er aus\nHamburg stammt.\" — Nun, das trifft wohl\nnicht ganz den Kern, Herr Kandidat Cohn-\nWiener, Lassen Sie doch mal hören: wie\nstehen Sie denn zum Impressionismus? —-\n„Der hatte schon geschlossen, als ich vor\nzwölf Jahren geboren wurde/' — Na, schön.\nSie fangen an, mich zu interessieren. Wie\nlautete doch das Manifest der Futuristen?\nEntschuldigen Sie, damals war ich grade\nkrank,1' — Das läßt sich hören. Vielleicht\nwissen Sie die bedeutendsten Namen? —\n„Schmidt-Rottluff ist ein Erlebnis, wenn man\naufwacht,\" — Wie meinen Sie das? — „Weiß\nich, wo ers her hat? Kollektion bleibt Kol-\nlektion,\" — Ganz recht, Herr Kandidat Cohn-\nWiener, Zur Sache, Woher stammt die Be-\nzeichnung Kubismus? — „Der Vergleich mit\neiner Geige liegt nahe.\" — Sie haben wohl\n\nPaul Fechter"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4147, "texte": "die Güte, etwas schärfer zu formulieren. —\n„Offen gestanden, ich hätte anderen Dank\nerwartet/' — Exemplifizieren Sie mir das\netwas näher. —- „Sie hören offenbar schlecht,\nSeit zwölf Jahren spreche ich von der Freien\nSezession!\" — Ach so! Jawohl, Herr Kan-\ndidat, ich höre. Was haben Sie dort gesehen?\n— „Es ist eine Affenschande. Die plötzliche\nExpansion aller revolutionären Kräfte — ein\ntotaler Reinfall.\" — Haben Sie vielleicht zu-\nfällig mal etwas von Kandinsky gehört? —\n„Seit Jahrzehnten nicht/' — Chagall ist\nIhnen wohl vertrauter? — „Jawohl, kenn ich,\nübler Domscheitkopist. — „Kennen Sie\nCampendonk? — Persönlich nicht.\" — Ich\nmeine seine Gemälde. — „Ich kenne sehr\nwenige Sammler/' —* Wären Sie wohl im-\nstande, über Paul Klee's Einfluß auf die euro-\npäische Malerei einiges zu sagen? — „Ar-\ntikel von Kollegen lese ich nie.\" — Verzeihen\nSie, ich meine den Maler Paul Klee. — „Wie\nkomm ich dazu?\" — Ausgezeichnet. Wenn\nSie über die expressionistische Plastik eben-\nso gut Bescheid wissen ... — „Seit zwröH\nJahren kämpfe ich gegen die Siegesalle.\" ---\nWer war der erste expressionistische Pla-\nstiker? — ~Ich schließe mich der allgemeinen\nAnsicht an.\" — Nun interessiert mich noch\nIhr Urteil über die abstrakten Maler des\nSturm? — „Sprechen Sie lauter, ich bin\netwas schwerhörig.\" — Ueber die abstrakten\nMaler des Sturm! — „Nicht fortschrittlich\ngenug.\" ■=— Wie urteilen Sie über die Aus-\nstellungen des Sturm? — „Nicht revolutionär\ngenug.\" — Wann ist eine Ausstellung revo-\nlutionär, Herr Kandidat Cohn-Wiener? —\n„Wenn sie sich getraut, Bilder auszustellen,\ndie ich im Sturm verpaßt habe.\" — Ich be-\nwundere Ihren Scharfsinn. Was war Ihr\nletztes großes Erlebnis seit der Völkerwan-\nderung? — ~Meine Gehirnerschütterung/' —\nDurch? — „Durch Feininger.\" —• Wann war\ndie erste große Feininger-Ausstellung? —\n„Als ich erschüttert wurde.\" — Kennen Sie\nandere deutsche Kubisten? — „Feininger hat\nmich so erschüttert . . .\" — Haben Sie zum\nBeispiel . . . — „Seit zwölf Jahren hat mich\nFeininger erschüttert.\" — Was ist iür Sie\nkritisch maßgebend? — „Seit zwölf Jahren\nsetze ich mich . . . (Er wird sehr erregt) seit\nzwölf Jahren trete ich . . /' —- Herr Kandi-\ndat, was ist für Sie künstlerisch maßgebend?\n— „Zwölf Jahre . . . (er brüllt) Zwölf —\nJah - ref\"\nTatbestand\nNeue Berliner vom 22.\nMai 1919:\nDas Graphische Kabi-\nnet legitimiert sich immer\nentschiedener als der\nfortschrittlichste Kunst-\nsalon Berlins, vielseitiger\nals Der Sturm, mehr der\nrevolutionären Bewegung\nals einer bestimmten\nRichtung dienend. Jetzt\nstellt er mit Lyonel Fei-\nninger . . .\nErnst Cohn-Wiener\nBerliner Börsen-Courier\nvom 12. November 1918\nCurt Qlaser:\n. . . hat uns der rus-\nsische Bolschewismus\neine andere Vertretung\nnach Berlin entsandt und\nzeigt uns in der Sturm-\nAusstellung, wie man\nin der bildenden Kunst\nRevolution zu machen\nhat.\nVierter Hals\nJe m'accuse\nIch, Curt Bauer, durch Himmels Ungnade\nKimstberichterstatter der Berliner Börsen-\nzeitung, klage mich an. Jeder sein eigener\nStaatsanwalt, Aber gerecht will ich gerich-\ntet sein. Richte Dich selbst. Und wer steht\nmir bei? Sei Anwalt' Deiner Sache,\nRichter Curt Bauer:\nAngeklagter Curt Bauer, Sie sind von\nCurt Bauer beschuldigt, jahrelang gegen den\nExpressionismus mit einer Stahlfeder ge-\nkämpft zu haben.\nAngeklagterCurt Bauer:\nBisher gab es noch gar keinen Expressio-\nnismus, sondern nur seine Auswüchse.\nRichter Curt Bauer: **\nWas verstehen Sie unter Auswüchsen?\nAngeklagter Curt Bauer:\nAlles, was zuerst aus der Erde wächst,\nist Auswuchs. Kein Kritiker kann wissen,\nwas daraus werden wird.\nStaatsanwalt Curt Bauer:\nMit dieser Erklärung gebe ich mich nicht\nzufrieden. Sie sollen noch von Auswüchsen\ngesprochen haben, als schon Kunstkritiker\nKandinskyblüten, Chagallfrüchte, Franz Marc-\nblätter von einer flora Curti Baueri commu-\nnis recht gut unterscheiden konnten.\nAngeklagter Curt Bauer:\nEs gab aber sofort neue Auswüchse, die\nwieder kein Kritiker erkennen konnte.\nVerteidiger Curt Bauer:\nIch beantrage, Curt Glaser als Zeugen\ndarüber zu vernehmen, daß zum Beispiel Ly-\nonel Feiningers Bilder, solange sie im Sturm\ngezeigt wurden, Auswüchse waren. Ferner\nbeantrage ich die Vernehmung von Fritz"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3477, "texte": "Stahl darüber, daß er Kandinsky und Cha-\ngall noch heute für Auswüchse hält.\nDer Gerichtshof Curt Bauer zieht\nsich zur Beratung zurück.\nInzwischen wendet sich der Angeklagte\nCurt Bauer an den Verteidiger Curt Bauer:\nIch bitte Sie, dem Gerichtshof Curt Bauer\ndiese von mir verfaßte Besprechung vorzu-\nlegen, aus der zur Evidenz hervorgeht, daß\nich von der historischen Entwicklung des Ex-\npressionismus keine Ahnung habe, daß ich\nferner die Begriffe Futurismus, Kubismus\nund Expressionismus ziemlich häufig ver-\nwechsle, Hierin dürfte ein mildernder Um-\nstand zu erblicken sein.\nDer Gerichtshof Curt Bauer kehrt\nzurück und verkündet:\nDer Antrag auf Vernehmung des Zeugen\nFritz Stahl wird abgelehnt, da gerichtsnoto-\nrisch ist, daß er Gemälde von Kandinsky und\nChagall nie gesehen hat. Dagegen soll Curt\nGlaser darüber vernommen v/erden, wieviel\nLeute ein Bild loben müssen, bis es aufhört,\nAuswuchs zu sein. Angeklagter Curt Bauer,\nwTelche EUicier sind in Ihren Augen expressio-\nnistisch, ohne Auswuchs zu sein?\nAngeklagter Curt Bauer:\nBilder, auf denen auch ein Kunstkritiker\ndeutlich erkennen kann, was sie darstellen.\nRichter Curt Bauer:\nIst Ihnen bekannt, daß die expressioni-\nstische Malerei überhaupt nicht „darstellt*'?\nAngeklagter Curt Bauer:\nDarüber verweigere ich die Aussage, weil\nsie mir eine neue strafrechtliche Verfolgung\nzuziehen könnte.\nRichte r Curt Bauer:\nSind Sie überhaupt imstande, Kunst ab-\nstrakt zu empfinden?\nVerteidiger Curt Bauer:\nIch bitte, Herrn Geheimrat Silex als\nSachverständigen darüber zu vernehmen, daß\nder Angeklagte an sogenannten malerischen\nSehstörungen leidet. So hält er oft eine\nWolke für einen Mastdarm, oder eine Blut-\nwurst, oder Kalbsgekröse. Ich lege ferner\ndiese Besprechung des Angeklagten Curt\nBauer vor, aus der zur Evidenz hervorgeht,\ndaß er nicht imstande ist, die Begriffe Ex-\npressionismus, Futurismus und Kubismus\nauseinander zu halten.\nAngeklagter Cu rt Bauer:\nIch schließe mich dem Antrag meines\nVerteidigers an.\nDer Gerichtshof Curt Bauer zieht sich\nzur Beratung zurück. Er kommt nach zehn\nJahren wieder und verkündet folgendes Ur-\nteil:\nDer Angeklagte Curt Bauer wird freige-\nsprochen. Er hat zwar jahrelang die Aus-\nwüchse des Expressionismus, das heißt, ihre\nBegründer und Führer angegriffen. Indem\ner aber jetzt ihre Imitatoren, Epigonen, Ek-\nlektik er für die wahren Expressionisten hält,\nbüßt er seine Versündigung am Geist der\nKunst in einer Weise, die als genügende\nSühne zu erachten ist.\nTatbestand:\nBerliner Börsenzeitung\n29. Mai 1919 Curt Bauer:\nUnverkennbar hat der\nExpressionismus in Ber-\nlin das Feld erobert . . .\nsondern auch andererseits\ndie Auswüchse sei-\nnes eigenen Lagers\nimmer mehr in den H i n-\ntergrund treten. Die\nAusstellungen des Sturm,\nden von ieher die Extra-\nvaganz im Expressi-\nonismus lockte, sind\nheute bereits Kuriositä-\nten-Kästchen des Ku-\nbismus.\nDer Cicerone Heft 8 April\n1919\nProf. Qeorg Biermann:\nUnd nun gar 'der Sturm!\nDie Tat Herwarth Wal-\ndens, der mit Bekenner-\nmut der Zeit so oft um\nHaupteslänge voraus war\n. . . Und dessen histori-\nsches Verdienst immer\nbestehen würde, gelte es\nnur, den einen Namen\nFranz Marc dem Bewußt-\nsein der Zeit eingehäm-\nmert zu haben. Er gab\nmehr, weil er den Kampf\nim ganzen forderte und\ndurchgefochten hat. . . .\nWieviele der Jungen, die\nheute schon Namen haben,\ndanken den ersten Auf-\nstieg aus dem Tal der\nVergessenheit, des Nicht-\nbeachtetseins dem Sturm,\nwie mancher unter den\nWerdenden wird hier\nnoch seine erste Aufer-\nstehung erleben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c013", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.2.5.1", "titre_corps": "Rudolf Bauer: Original-Farben-Steindruck", "titre_sommaire": "Rudolf Bauer: Original-Farben-Steindruck", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 40, "texte": "Rudolf Bauer: Original-Farben-Steindruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c014", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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5 Paul Sclieerbart / 6 Yvette Guilbert\n/ t\nOskar Kokosciska: Tierbikler\nPernand Leger: Akt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-06-10-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-06-10_01#c025", "volume": "bmtnabg_1919-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.15", "debut_caractere": 2392, "fin_caractere_exclue": 2778, "texte": "Sturai-Kiinstier Lichtt\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Henvarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinskv\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig*\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Mlinter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Neil Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. 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Jeder\nMensch kann zwar seine eigene Meinung\nveröffentlichen, wenn er die nötigen Mittel\nbesitzt. Er kann sie aber nicht verbreiten.\nDie Verbreitung der Meinung eines Einzel-\nnen hängt von dem Zufall ab. Nämlich von\ndem Zufall, daß die Verlagsangestellten sei-\nner Meinung sind und sie veröffentlichen.\nHingegen hält der Verlagsangestellte seine\nMeinung stets für die öffentliche, trotzdem\nihm seine Meinung von dem Unternehmer\ndiktiert ist. Nichts ändert sich bekanntlich\nleichter und häufiger als die öffentliche Mei-\nnung. Denn diese Art öffentliche Meinung\nist keine Anschauung, sie ist eine nicht nach-\ngeprüfte Uebernahme von Begriffen. Der\nEinzelne wird durch das Leben, durch seine\nErfahrungen und seine Empfindungen ge-\nzwungen, sich fortgesetzt einzustellen und\numzustellen. Er kann die Interessen seiner\nnäheren Umgebung mit seinen eigenen durch\nWort und Tat in Einklang bringen, aufgeben\nund aufnehmen, wie es die äußere oder in-\nnere Zweckmäßigkeit der Beteiligten for-\ndert. Dieser Ausgleich erstreckt sich aber\nimmer nur auf eine beschränkte Minderheit.\nDieser Ausgleich wird nie öffentliche Mei-\nnung, weil ihm die öffentliche Meinung ent-\ngegensteht. Denn diese Art öffentliche Mei-\nnung, insbesondere die gedruckte, ist nicht\nim Ausgleich der Einzelinteressen entstan-\nden, die öffentliche Meinung wird von me-\nchanischen Begriffen diktiert, und zwar dik-\ntiert von Angestellten, die leblose Begriffe\nnach den Interessen interessierter Auftrag-\ngeber verewigen und auslegen. Religion,\nStaat, Ehe und Kapital sind solche Begriffe,\nDie gemachte öffentliche Meinung hat keine\nlebendige Vorstellung von ihnen, die Besitzer\nder Macht und Geldmittel wenden sie so an,\nwie es ihnen nützlich erscheint, sich den Be-\nsitz dieser Mittel zu erhalten. Daher muß\nder Einzelne diese Begriffe als unerträglichen\nZwang empfinden, nicht weil er sein Einzel-\nleben in das der andern einordnen muß, son-\ndern weil eine Ueberordnung besteht, gegen\ndie der Einzelne fortgesetzt verstoßen muß,\num sein eigenes Leben in Ordnung zu brin-\ngen. Die Gesamtheit der Gemeinschafts-\nbegriffe nennt man Gesellschaftsordnung. Sie\nist eine Herrschaftsordnung und wie zum\nHohn nennen sich die Herrschenden die Stüt-\nzen der Gesellschaft. Jeder einzelne sucht\nsein Leben so zu gestalten, wie es ihm am\nlebenswertesten erscheint. Er tauscht zu\ndiesem Zweck an körperlichen und geistigen\nGütern ein, was ihm fehlt, gegen das, was er\nzu geben hat, Niemand ist so arm an Kör-\nper und Geist und Gut, daß er nicht etwas\ngeben kann. Niemand so reich, daß ihm\nnicht etwas fehlt, Dieser Ausgleich ist die\nOrdnung der Einzelinteressen und der Ge-\nmeinschaftsinteressen. Und wie sich die Vor-\naussetzungen und Bedingungen des Augleichs\nzwischen den einzelnen ändern, so ändern\nsie sich auch für die Gesamtheit. Man kann\ndaher nicht die Gesellschaft nach der Ord-\nnung, man muß die Ordnung nach der Ge-\nsellschaft einrichten. Niemand hat das Recht\nauf Leistung ohne Gegenleistung, Niemand\nhat das Recht auf Mehrleistung, Denn es\ngibt kein Recht auf Geschenke. Nun sind\nzweifellos die Leistungen verschieden, ver-\nschieden durch die Anlagen des Einzelnen.\nWer mehr leistet hat ein Recht auf ein Mehr,\nnicht aber ein Recht auf ein Weniger des\nandern. Nur die Gegenleistung gibt ein\nRecht auf Leistungen. Daher muß auch die\nGemeinschaft dem Einzelnen leisten, was der\nEinzelne der Gemeinschaft leistet. Da die\nGemeinschaft aber die Gesamtheit der Ein-\nzelnen ist, darf kein Einzelner schlechter als\ndie Gemeinschaft existieren. Denn nur durch\ndie Gemeinschaft wird die Existenz der Ein-\nzelnen geschaffen. Denn nur durch die Ge-\nmeinschaft erleichtern sich die Einzelnen das\näußere Leben, Ein Recht ist aus Stärke\nnicht herzuleiten. Zwar kann manchmal einer\ntragen, was zehn andere tragen. Die zehn\nandern haben also die Stärke des Einen, Die-\nser Eine hat aber nicht das Recht, zehn an-\ndere am Tragen zu verhindern, solange die\nzehn anderen es wollen. Er hat dazu kein\nRecht, denn er braucht jetzt nur ein Zehntel\nseiner Stärke zu geben. Wollen die andern\nzehn ihn aber allein tragen lassen, so trägt\ner ihr Vertrauen, was ihm Pflichten, aber\nnicht Rechte gibt. In der Zeitung ergreift\nnun jemand das Wort, den nie das Wort er-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.3", "texte": "griffen hat, Er ergreift daher auch nicht\nWorte, er ergreift Begriffe, Diese Begriffe\nsind die öffentliche Meinung derer, die durch\ndiese Begriffe herrschen, Diese Zeitungs-\nschreiber behaupten aber nicht einmal ihre\neigene Meinung zu haben. Sie nennen sich\nstolz Sprachrohr, Sie sind aber nicht ein-\nmal das Sprachrohr stummer Leser* Sie\nsetzen es an ihren eigenen Mund und aus\ndem Munde dringt das Geräusch verhallter\nWortwellen- Die Presse ist nicht der Nie-\nderschlag der Meinung, sie ist der Nieder-\nschlag des Anzeigengeschäfts. Sie verbreitet\nungemeinschaftliche Interessen gemeinschaft-\nlich Interessierter. Die Gesellschaftsordnung\nist ihr eine Geschäfteordnung durch Ge-\nschäftsunordnung, Die menschlichen Einrich-\ntungen sind ihr Konjunktur, Die Wissenschaft\nist ihr Anwendung durch Geschäftemacher,\ndie Kunst Unterhaltung der Geschäftemacher,\nWas die Einzelnen oder die Vielheit der Ein-\nzelnen bewegt, rührt sie nicht. Sie lebt von\nAnzeigen für Begriffe, sie lebt von Begriffen\nfür Anzeigen. Das ist die Freiheit der Presse.\nEs ist die folgenschwere Verwechselung der\nFreiheit der Schrift und der Freiheit der\nPresse. Mit der Veröffentlichung von Nach-\nrichten und dem Suchen von Menschen und\nWaren dürfen nicht Meinungen verbreitet\nwerden. Mit diesen Bedürfnissen der Ge-\nsamtheit wird ein Mißbrauch der organisier-\nten Verbraucherschaft getrieben, die sich zu\neinem anderen Zweck organisiert hat. Die\nVerbraucherschaft, die Abonnenten, werden\nsystematisch ausgebeutet. Ausgebeutet, weil\nihnen geschäftliche Sonderinteressen als Ge-\nmeinschaftsinteressen vorgesetzt werden,\nDer Leser verläßt sich auf die Richtigkeit\nder Tatsachen und auch auf die Meinung\nseiner Zetung. Er nimmt die Meinung an,\nweil er annimmt, daß sie die Meinung seiner\nübrigen Mitleser sei. Er ist daher immer ge-\nneigt, seine eigene Meinung für falsch zu\nhalten, weil sie scheinbar der öffentlichen\nMeinung widerspricht, Durch die Art des\nheutigen Pressewesens wird also gerade die\nFreiheit der öffentlichen Meinungsäußerung\nverhindert. Nur wer Verlagsangestellter eines\nVeröffentlichungsunternehmens ist, kann eine\nMeinung verbreiten und vertreten. Die über-\ngroße Mehrheit der Volksgenossen, ja fast\ndie Gesamtheit, ist an der gedruckten freien\nMeinungsäußerung verhindert. Zum minde-\nsten aber an der Verbreitung.\n■ Es muß daher gefordert werden, daß die\nVeröffentlichung von Nachrichten und An-\nzeigen nicht mit der Veröffentlichung von\nMeinungen verbunden werden darf, Erst\ndann wird eine Freiheit der Presse entstehen,\nMan nehme den Zeitungsunternehmern zu-\nnächst einmal die Anzeigen, man sozialisiere\nalso das Anzeigenwesen, und die öffentliche\nMeinung wird erstaunt seinr wie sich die öf-\nfentliche Meinung ändert. Auch die Ver-\nöffentlichung von Nachrichten ist keine An-\ngelegenheit zur Bereicherung einzelner, Nach-\nrichtenblätter sind Angelegenheiten der Kom-\nmune, Freiheit der Presse ist ein sinnloser\nBegriff, Er bedeutet weiter nichts als das\nRecht auf geistige Vergewaltigung der Ge-\nsamtheit durch verdeckte Geschäftsunter-\nnehmungen, Auch für die Freiheit der öf-\nfentlichen Meinungsäußerung muß gleiches\nRecht für alle gefordert werden. Die Tages-\npresse in ihrer heutigen Form verhindert\nsystematisch die wirtschaftliche und geistige\nEntwicklung und Befreiung der einzelnen\nVolksgenossen,\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nKurt Schwitters\n\nNächte\nInnige Nächte\ngluten Qual\nzittert Glut Wonne\nschmerzhaft umeint\nsiedend nächtigt Brunst\npeitscht Feuer Blitz\nzuckend Schwüle\nO, wenn ich das Fischlein baden könnte!\nZagt ein Innen\nzittert enteint\ngiert schwül\nherb\nDu\nDuft der Braut\nRosen gleißen im Garten\nschlank stachelt Fisch in der Peitscheluft\nwunden Knie\nwogen Brandung Wonne\nWenn das Fischlein fliegen könnte\nich umwoge\ninnenjauchzt\npeitscht still Inbrunst\nüberquillt schrill"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.4", "texte": "kniet Tau auf dem Fischlein\nes schlüpft seine Beinchen\nweiße Beinchen hat das Fischlein\nweiße Augen hat der Tod\nfest peitscht innig Nacht\nIch\nzerwoge\nbleicht müde\nblaut Qual Sonne\n\nWir\nLeben wir\nstreben wir\nsterben wir\nFichtenüberwölbt Welt\nsterbestumm leben\nglockenumstrahlt streben\nsternüberhöht sterben\nGlut läutet Welt\n\nIch werde gegangen\nIch taumeltürme\nwelkes windes Blatt\nHäuser äugen Menschen Klippen\nschmiege Taumel Wind\nMenschen steinen Häuser Klippen\ntaumeltürme blutes Blatt\n\nAm Rande meines Welkens bin ich\nsanfte Nacht\nSägen knien Regen welken Tage\nSanften fromme Tiefe sanfte Hände\nTropfen wunde Nächte nächtelang\nWunden sanfte Riesen wölben Dom\n\nIch werde erbaut\nKurbel dämmert Kopf Gelächter\nTief zu Innen zages Land\nFerne Hütten welken Tau\nDu\nWiesen bluten Weideschnee\nWiesen bluten Blut\n\nNachrevolutionäre\nHerwarth Walden\n\nDie regen Geister\n„Die Kultur der Seele wollen wir pflegen.\nKommt! . , Was ist Kunst? Erweckung eines\nbeseeligenden Zustandes, Rausch. Nicht na-\nturalistische Bilderbögen, seelische und\ngeistige Analysen . . , Selig werden wir in\nder Kunst. Sie sei unsere Kirche, in die\nnicht Händler und Wechsler und Falsch-\nmünzer mit ihren fettigen Händen sollen,\nin die wir keine Stümper und goldig schim-\nmernde Talmileute hineinlassen wollen.\nDiese Kunstkirche wird in Ostpreußen ge-\nbaut, „In ganz Deutschland regen sich die\nGeister, Jetzt auch in der Stadt Kants, Kö-\nnigsberg, eine Hochstätts deutschen Kunst-\nund Geisteslebens, will sich einen neuen Ruf\nals Kunststadt schaffen,\" Zu diesem Zweck\nist dort eine neue Zeitschrift und eine litera-\nrische Gesellschaft gegründet worden. Beide\n„bezwecken die Förderung aufstrebenden\nDichtertums ' Die Zeitschrift heißt selbstver-\nständlich Kothurn, um auf ostpreußisch grie-\nchisch zu sein. Und da der Herausgeber in\nseine Kunstkirche keine Stümper und goldig\nschimmernde Talmileute hineinlassen will,\nhat er die Herren Max Dessoir, Alfred Biese,\nHugo Salus, Walter Harlan, Ludwig Fulda,\nMax Grube, Kurt Wolff-Verlag und andere\nj\nhervorragende Persönlichkeiten des deut-\nschen Geistes- und Kunstlebens von seinen\nkünstlerischen Bestrebungen in Kenntnis ge-\nsetzt, Herr Max Dessoir schreibt ihm:\n„Wenn es den beiden Unternehmungen ge-\nlingt, das geistige und künstlerische Leben\nim Nordosten Deutschlands zu steigern, dann\nkönnen sie eine Leistung von höchstem Wert\nvollbringen. Was mich betrifft, so will ich\ngern einen Beitrag schicken, um zu zeigen,\ndaß die Berliner den Kulturvoirgängen in Kö-\nnigsberg mit dem Gefühl gegenüber stehen:\nNostra res agitur,\" Herr Dessoir ist ein so\nwichtiger Kulturvorgang, daß die Berliner am\nbesten ihn selbst als Beitrag nach Königsberg\nschicken, damit er dort seine Sachen verhan-\ndeln kann, Der Dichter Walter Harlan steigt\nvor Freude vorn Kothurn herunter: „Gott-\nlob, das Leben der deutschen Dichtung, es\ngeht nicht nur bei Ihnen wieder los, sondern\nauch in Leipzig, in Dresden, in Berlin und\nallenthalben! Von Herzen! Unsere Mahlzeiten\nwerden ja in den letzten Zeiten etwas fett-\narm ausfallen, aber kein Engländer kann uns\nhindern, an den Tafeln unseres Geistes das\nallerweißeste edelste Brot zu speisen und\nauch gebratene Fasanen/' Nicht einmal der\nDeutsche kann es verhindern, daß der Dich-\nter gleich einen gebratenen Fasan seines\nallerweißesten Geistes vorlegte:\nSchweiften heut ins Waldrevier\nStanden auf der Fähre,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.5", "texte": "Hugo Händel: Zeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.6", "texte": "Mal nach drüben wollten wir,\nwo es stiller v/erde.\nv\nStrohdach und ein Pflug dabei\nragten aus dem Grase\nWeiße Kleider schritten zwei\nvor uns auf der Strase (Vorschlag statt\nStrasse),\nDieser Berliner Kulturvorgang ist eine Lei-\nstung von höchstem Wert in der Stadt Kants,\nHerr Dessoir hat den Braten gleich richtig\ngerochen, Herr iMax Grube dafür\ndie Haltung wieder auf den Kothurn: ~Ihre\nMitteilung hat mich zwiefach erfreut , ,\nMöge der neue Weg, den Sie der Kunst bah-\nnen wollen, Ihnen, Ihrer Stadt, dem ganzen\nschwergeprüften Osten, Trost, Heil und Se-\ngen bringen/' Doch der Segen kommt von\nWilhelm von Scholz:\n„Schlaf war wie Nebel herangeschlichen,\nTrank, mich umhüllend, Licht und Laut,\nSchlaf ist wie Nebel plötzlich entwichen\nVor diesem Rieseln auf meiner Haut/4\nDas ist das Rieseln der neuen Kunst, Wes-\nhalb auch der Dichter Kurt Wolff-Verlag so-\nfort erschauert: „Die Darlegungen Ihres\nBriefes haben uns sehr interessiert und wir\nfreuen uns zu gegebener Zeit mit Ihnen zu-\nsammen arbeiten zu können/' Worauf Herr\nSiegfried Jacobsohn nicht umhin kann, dem\nHerausgeber außer seinen Wünschen noch\nseinen abgelegten Spee/r zu schicken: „Sohn,\nhier hast Du meinen Speer! Bewähren Sie\nsich als einen, zu dem ein Graukopf wie ich\ndas sagen kann. Kitzeln Sie mit diesem Speer\ndie Bäuche der satten Krämer, stoßen Sie ihn\nins Herz der Barbairen, und lassen Sie nicht\nallzuviel Zeit vergehen, bis Sie das Recht er-\nworben haben, ihn im Triumph über Ihrem\nHaupt zu schwingen.\" Mit diesem Speer ge-\nstützt kann der Herausgeber auf deim Ko-\nthurn schreiten. Denn in ganz Deutschland\nregen sich für ihn die Geister.\nDer Händlergeist\nDer Kunsthändler J. B. Neumann ist durch\nden Expressionismus ganz außer Bildrand\nund Buchband gekommen, Er fängt an zu\ndichten, gibt eine Zeitschrift heraus, will\n„mehr als bisher Architektur, Literatur und\nMusik als wesensverwandte Formen der\nexpressionistischen bildenden Kunst för-\ndern,\" Er wird sogar prophetisch und ver-\nkündet am 6, März 1919: „Der Expressionis-\nmus, der kein Begriff mehr ist, sondern eine\nherrliche Wirklichkeit, findet in der begin-\nnenden Weltrevolution seine, Bestätigung/'\nNicht weniger als eine Weltrevolution ist\nnötig gewesen, um Herrn J, B, Neumann von\nder herrlichen Wirklichkeit des Expressio-\nnismus zu überzeugen. Die Weltrevolution\nhat sich also gelohnt. Auch sein Mitdichter,\nder bekannte Herr Schneider aus Wien, hat\neinen guten Magen: „Wir mäßigen unsern\nAppetit, in die Speichen des kommenden\nMenschenschicksals einzugreifen in einer\nArt, die man von uns weder verlangt, noch\nerwartet, weil man sich nichts davon ver-\nspricht,\" Wenn man mit dem Munde in die\nSpeichen fährt, wird das kommende Men-\nschenschicksal schlechter fahren. Trotz die-\nser Mäßigung verheißt Herr Schneider aus\nWien: „Führen aber darum nicht minder ge-\nharnischt den Schlag gegen denselben Staats-\nbürger mit Hühnerverstand, denselben denk-\nfaulen Zeitungsleser, ohne uns darob einer\nSünde wider den heiligen Geist zu zeihen,\"\nImmerhin ist eine Lippe riskiert, wenn auch\ngeharnischt, So gürtet sich Herr Schneider\nmit dem ganzen Selbstvertrauen Tolstois:\n„Aber unverbrüchlich mit dem Selbstver-\ntrauen Tolstois in die Wirkung seines Wer-\ntes wie der inneren Vision Beethovens von\nendlichem Menschenglück, der Klaviere zer-\ntrampelt, indessen die Felder zu Schlacht-\nfeldern Napoleon zerstampft, die entsetzlich-\nste Tatvision von Menschenglück seit Men-\nschengedenken.\" Das ist die entsetzliche Tat-\nvision vom Expressionismus, indessen Herr\nJ, B. Neumann einen individuellen Kommu-\nnismus fördert und sich als Vertreter der\nMenschheit Hochachtungsvoll vorstellt: „Ver-\nmittler von Werten ohne jede kleinliche Be-\nschränkung auf die Künstler, die mir als\nKunsthändler gehören.\" Was man vor der\nWeltrevolution Sortiment nannte. Nun aber\nist Herr J, B, Neumann aus eigener Kraft\nund eigener Macht zum Großsortiment in\nVermittlung von Werten, schlichter gesagt\nzum Vertreter der Menschheit ernannt, Und\nzwar für Produzenten und Konsumenten:\n„Die Künstler gehören weder mir noch an-\ndern Kunsthändlern, die Dichter nicht die-\nsem oder jenem Verleger, sondern der\nMenschheit Ausstellungen, Buchhandel,\nVortragsabende, Versammlungen, Konzerte,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.7", "texte": "Flugschriften sollen mitschaffen helfen, was\nuns allen den seelischen und leiblichen Op-\nfern während dieser Mordjahre Pflicht und\nSendung geworden ist.\" Nämlich: ~was sich\nseit Jahrzehnten angekündigt hat, wird of-\nfenbar in der modernen Kunst: die Einheit\ndes Denkens und Handelns.\" So ist das\nWarenhaus des Expressionismus herrliche\nWirklichkeit geworden. Einheitliches Den-\nken und Handeln in allen Preislagen. Denke\nbeim Handel und handle mit Denken. Wenn\ndas nicht Expressionismus ist, hat Beethoven\numsonst Klaviere zertrampelt.\nNochmals die Stadt Kants\nDie Anerkennung der Geister Deutsch-\ntands hat Herrn Lemke in Königsberg nicht\nruhen noch tasten lassen. Er bekam eine\nIdee und gründete noch eine Zeitschrift und\nnoch eine literarische Gesellschaft in Kö-\nnigsberg. Die Zeitschrift heißt Füllhorn und\nbringt Dichtungen der Herren Hanns Heinz\nEwers und Karl Sternheim. Herr Lemke\nselbst dichtet ebenso gut, nämlich so:\nVerbannt sind Tradition und Convention,\nEmpor blüht Pathos und Begeisterung,\nFunkelnder Abenteuer mächt'ger Schwung —\nUnd köstlich strahlend Freiheit wird uns lohn!\nDas Gedicht heißt Sturmdurchglüht\n«Ei -\ncv\nAußerdem spendet das Füllhorn noch fol-\ngende Anzeige: ~Buchbesprechungen werden\ngegen Einsendung eines Exemplares des t\\i\nbesprechenden Werkes von erfahrenem Fach-\nmann kostenlos ausgeführt oder auch nach\nWunsch abgedruck t.\"\nEs regt sich eben in Königsberg.\nDer Kampf gegen den Bolschewismus\nDer Kampf, Professor Arthur, leitet nach\nwie vor die Hochschule für die bildenden\nKünste, Zum Dank für die Anerkennung\ndurch die neue Zeit hat er ein revolutions-\nstaatserhaltendes Bild gezeichnet:\nDas Bild macht Laune, in die Bürgerwehr\neinzutreten. Um so mehr, als die neue Re-\ngierung angeordnet hat, daß in Zukunft jeder\nBolschewist von Professor Arthur Kampf\nhandgezeichnet werden soll, Herr Fritz Stahl\nvom Tageblatt hat seinen Abscheu gegen\nden Expressionismus überwunden, Dieses\nBild der Ausdruckskunst hat ihn endgültig\nüberzeugt.\n\nDie seidene Schnur\nErster Hals\n\nDer Hexenmeister\nWie macht das bloß der J. B. Neumann?\nWas der Verstand der Verständigen im\nSturm nicht sieht, das sieht bei J. B, Neu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.8", "texte": "ftiann Curt Glaser, „Was seh ich denn da?\n— Ist das nicht — ? Nein wirklich, das ist\nkeine Täuschung — das ist wahrhaftig —\nsieh doch — sieh doch — da hängt ja ein\nFeininger — ein echter Feininger — und da\nnoch einer — da noch zwei — und dort —\nund dort! Nun seh' mir eins dies Wunder\nan! Lauter Feiningers! Nichts als Feinin-\ngers, so weit das Auge schweift. Hol's die-\nser und jener — ich bin ein Kunstkritiker so\ngut wie jeder andere — ich versäume seit\nJahren keine Ausstellung. Pfui Däubler, das\nwäre ja schlimm. Aber hab ich doch mein\nLebtag noch keinen Feininger gesehen! --\nAlso das ist Feininger! Wie habe ich mich\nseit Jahren nach einem Feininger gesehnt.\nHab ich gesagt seit Jahren? Ja, ganz recht!\nSeitdem damals im Herbstsalon der St... —\npfui, pfui — was schwatze ich da — die\nZunge soll mir verdorren, Wenn ich den Na-\nmen dieser ff 112 Ausstellung usw. — seit Jah-\nren — und nun ist es Erfüllung! — Her mit\ndem Katalog! 69 Nummern — alle Achtung!\nNicht zu wenig, aber auch nicht zu viel.\nNicht so viel, wie damals im September 1917,\nals die große Gesamtschau Feiningerscher\nWerke im St... — man muß auf seine Zunge\nachten — verdammte Geschwätzigkeit. Nicht\ngedacht soll er werden, der St... Was ich\nsagen wollte, wie komisch malt denn der\njunge Mann? Köstliche Karikaturen —\nwirklich köstlich! — Warten Sie mal, da\nhabe ich doch neulich in einem Waschzettel\ngelesen „Deutscher Kubist?\" Ach so —na\nja, natürlich, aber gewiß doch, nun seh ichs\nauch! Also das ist Kubismus — ich meine\ndeutscher Kubismus (er zieht sein Notizbuch\nhervor) — Sinn für ornamentale Formgebilde,\nabstrakter Farbengeschmack — ich weiß\nnicht, ob ich mich richtig ausdrücke — (er\ndenkt nach) Kubismus — Kubismus — Ku-\nbismus — o Gott, o Gott, ganz wird mirs\nnie klar werden — — Ach was, Quatsch!\nIch werde mich auf lange Auseinandersetzun-\ngen einlassen (er schreibt) kunstgewerbliche\nBegabung! Basta! Schluß! Rauf auf die\nTapete mit Feininger, rauf auf die — auf die\n— na was denn noch? — Lampenschirm,\nKaffeetasse, und jetzt sag ich noch Gobelin\nund Kirchenfenster. Aber nu ists genug. —\nNe, ne, ne, der Kubismus hat keine Zukunft.\nUnd dennoch, ich schnitt es gern in alle\nLüfte ein: „Ich habe einen Feininger ge-\nsehen, endlich habe ich einen Feininger ge-\nsehen!\"\nWie macht das 810 ß der J. B. Neumann?\nCurt Glaser hat bei ihm Feininger gesehen.\nTatbestand\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt 23. Mai 1919\nBerliner Ausstellungen.\nVon Curt Glaser:\nMit Interesse sah man\ninsbesondere der Eröff-\nnung der Feininger-Aus-\nstellung in Neumanns\nGraphischem Kabinett\nentgegen, da bisher\nnur gelegentlich\nein Werk des von\nFreunden und Verehrern\naufs höchste gepriese-\nnen „Deutschen Kubisten\"\nden Weg in die\nOeffentlichkeit ge-\nfunden hat.\n(Gesamtschau Feininger\n69 Werke)\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt vom 7. März\n1919 Curt Glaser:\nEbenso setzte Waiden\nseine monatlich wechseln-\nden Sturmausstellungen\nunentwegt fort. Aber es\nhaftet kaum ein Eindruck\nvon dem vielen das hier\ngeboten wurde, fester in\nder Erinnerung\nB. Z. am Mittag 19. Sep-\ntember 1917\nLyonel Feininger im\nSturm\nIn der mehr als hundert\nNummern umfassenden\nAusstellung von Gemälden\nund Zeichnungen, mit\ndenen uns jetzt der\nKubist Feininger sein\nWerk darbietet\nSo bringt die Ausstellung\nein lehrreiches Stück von\nder Lebensarbeit eines\nMannes. L. B.\n(Gesamtschau Feininger\nim Sturm 111 Werke)\nKunstchronik und Kunst-\nmarkt 5. November 1915.\nCurt Glaser:\nAuch in weiteren Krei-\nsen bricht mehr und\nmehr die Erkenntnis sich\nBahn, daß die Kunst\nam besten fährt, wenn\nsie als friedliches Hand-\nwerk unbekümmert um\ndie Ereignisse einer an-\nderen Welt ihren ruhigen\n- Weg geht. Und wenn\nnicht für anderes, so mag\nHerwarth Wäldens Aus-\nstellungs-Unternehmen\nhierfür vorbildlich sein,\nda er als einziger\nin Berlin unbeirrt an\nseinem Programm festge-\nhalten hat\nZweiter Hals\nUbi Behne?\nEs war einmal ein junger Mann, der hörte\nzu, wenn über Kunst gesprochen wurde.\nSemper aliquid haeret. Dann machte er sein\nGesellenstück. Nil novi dazugelernt. „Still-\nstand ist RückschrittI', sagte mein Lateinleh-\nrer. „Sedulus ante diem librum (Expressionis-\nmus Die Kunstwende) cum lumine poscas '\n- ~Wir wollen ein strenges Gericht hal-\nten. Ists nicht bene geschrieben, dann wehe"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.9", "texte": "Rudolf Bauer: Original-Farben-Steindruck"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.10", "texte": "ftnenf — — (Er murmelt) Zuviel Bauer, zu-\nviel Bauer, zuviel Blümner * . , Gar nicht\nbene geschrieben, garnicht behne * » . Halt,\nmeine Herren, keiner verläßt das Lokal,\nZeigen Sie Ihre Taschen! Heraus mit dem\nKubismus! Der gehört mir. Ich hab ihn\nentdeckt, ich hab ihn gekauft, ich hab ihn\ngepachtet, geschaffen, seht mich an: so sieht\nder Erzvater des Kubismus aus. Kommt alle\nzu mir, die Ihr nicht wißt, was Kubismus ist,\nKubismus ist Bauen, Architektur, Glashaus,\nScheerbart. Der Kubist ist Bauer (nota\nbehne!) — Halt, da ist noch eine Tasche.\nGuckt da nicht ein L6ger hervor? Ihr Spitz-\nbuben! Na, meinetwegen, den will ich Euch\nlassen. Was ist denn das da? Hier, in der\ninneren Brusttasche — aha — Gleizes\ngeschenkt! Sieh doch, sieh doch — da kommt\nja Stuckenberg zum Vorschein. Stucken-\nberg ist meine Konferenz, her damit , , , so,\nden einen hätte ich , , , noch einen . . es\ngeht — es geht — wieder einer , . . Donner-\nwetter, das geht leichter, als ich gedacht\nhätte Sieg oder Viktoria . . . Stuckenberg\nhabe ich raus. Das nenne ich eine reinliche\nScheidung ... o Gott, mich ergreift ein\nSchwindel . . . Eben fällt mir Topp ein . . ,\n(Er ächzt) das wird noch ein Stück Arbeit\nwerden. Aber den lobe ich Euch glatt aus\nder Tasche raus. Ein Wort solls mich\nkosten, ein Wörtchen nur. Ich schätze ihn\nkritisch hoch ein! Nun paßt mal auf, jetzt\nkommts. Achtung! „Sehr schön Topps\nWeltenwanderer.\" So, nun wollen wir mal\nauf die Uhr sehen , , . eins —• zwei — drei\n— na, was hab ich gesagt? Das Bild ist\nverkauft! Und alle übrigen Topps schleppe\nich vor den Richter, vor den Emil Richter.\nOder man müßte sie zum J, B. Neumann\nbringen. Der hat Mut, noch mehr, Wagemut\nhat er ,wie der selige Julius Keller zu sagen\npflegte. Und hab ich sie erst mal dort . . .\no Gott, laß meine Feder nicht erlahmen, ehe\nich J. B. Neumann groß gemacht habe. Gro-\nßer J. B. habe Wagemut, stelle aus, was im\nSturm gelobt und getadelt wird und — hier\nstehe ich, Gott helfe mir, ich kann nicht wei-\nter — Du sollst gepriesen werden als der\nmodernste, der fortschrittlichste, der wage-\nmutigste, der kubistichichstigste . . . ich\nglaub, jetzt hab ich mich versprochen ... das\nschwöre ich Dir, selbst wenn Du Golyscheff\nausstellst.\nTatbestand\nDie Freiheit 5. Mai 1919\nAdolf Behne:\nIm Graphischen Kabi-\nnett von J. B. Neumann,\ndas jetzt fraglos\nBerlins wagemu-\ntigste Ausstellun-\ngen bringt, zeigten bei\nfreiem Eintritt für drei\nTage einige junge Künst-\nler ihre Arbeiten\nStuckenberg ahnt die\nWichtigkeit des Bauens.\nTopp in seinen Aquarel-\nlen reinigt die Farben,\nmacht sie .... .\nDie Freiheit 22. April 1919\nAdolf Behne:\nDer Sturm zeigt Arbei-\nten von Kandinsky, Marc,\nGleizes. . . . Sehr schön\nder „Weltenwanderer\"\nvon Arnold Topp.\nBerliner Börsen-Courier\nDezember-Ausstellungj im\nSturm 1916\nDiesmal vor Weihnach-\nten die Allerjüngsten.\nFritz Stuckenberg möchte\ndas Musikalische in der\nFarbsetzung dramatisch\nverwenden\nTheodor Däubler.\nBerliner Börsen-Courier\nvom 21. Dezember 1915\nArnold Topp ist . . .\nein Mann der gezüchteten\nPhantasie. Hier ist man\nZielen nah.\nOscar Bie.\nNorddeutsche Allgemeine\nZeitung vom 7. Mai 1918\nIn den Gemälden von\nArnold Topp « . . . .\nzuweilen glaubt man aber\ndoch, wie in dem „Wel-\ntenwanderer\", ein eige-\nnes Qeftihl zu spüren.\nDritter Hals\nDie Gehirnerschütterung\nAlso, Herr Kandidat Cohn-Wiener, Sie\nhaben sich speziell mit der neuen Malerei\nbeschäftigt? — „Jawohl, seit zwölf Jahren\nsetze ich mich . . .\" — Expressionismus, Fu-\nturismus und Kubismus sind Ihnen geläufig?\n— „Jawohl, seit zwölf Jahren trete ich , ,\n— Eine annehmbare Definition des Expres-\nsionismus wird Ihnen kaum schwer fallen? —\n„Jawohl, einen C6zanne-Epigonen erkenne\nich merkwürdigerweise daran, daß er aus\nHamburg stammt.\" — Nun, das trifft wohl\nnicht ganz den Kern, Herr Kandidat Cohn-\nWiener, Lassen Sie doch mal hören: wie\nstehen Sie denn zum Impressionismus? —-\n„Der hatte schon geschlossen, als ich vor\nzwölf Jahren geboren wurde/' — Na, schön.\nSie fangen an, mich zu interessieren. Wie\nlautete doch das Manifest der Futuristen?\nEntschuldigen Sie, damals war ich grade\nkrank,1' — Das läßt sich hören. Vielleicht\nwissen Sie die bedeutendsten Namen? —\n„Schmidt-Rottluff ist ein Erlebnis, wenn man\naufwacht,\" — Wie meinen Sie das? — „Weiß\nich, wo ers her hat? Kollektion bleibt Kol-\nlektion,\" — Ganz recht, Herr Kandidat Cohn-\nWiener, Zur Sache, Woher stammt die Be-\nzeichnung Kubismus? — „Der Vergleich mit\neiner Geige liegt nahe.\" — Sie haben wohl\n\nPaul Fechter"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.11", "texte": "Oswald Herzog: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.12", "texte": "die Güte, etwas schärfer zu formulieren. —\n„Offen gestanden, ich hätte anderen Dank\nerwartet/' — Exemplifizieren Sie mir das\netwas näher. —- „Sie hören offenbar schlecht,\nSeit zwölf Jahren spreche ich von der Freien\nSezession!\" — Ach so! Jawohl, Herr Kan-\ndidat, ich höre. Was haben Sie dort gesehen?\n— „Es ist eine Affenschande. Die plötzliche\nExpansion aller revolutionären Kräfte — ein\ntotaler Reinfall.\" — Haben Sie vielleicht zu-\nfällig mal etwas von Kandinsky gehört? —\n„Seit Jahrzehnten nicht/' — Chagall ist\nIhnen wohl vertrauter? — „Jawohl, kenn ich,\nübler Domscheitkopist. — „Kennen Sie\nCampendonk? — Persönlich nicht.\" — Ich\nmeine seine Gemälde. — „Ich kenne sehr\nwenige Sammler/' —* Wären Sie wohl im-\nstande, über Paul Klee's Einfluß auf die euro-\npäische Malerei einiges zu sagen? — „Ar-\ntikel von Kollegen lese ich nie.\" — Verzeihen\nSie, ich meine den Maler Paul Klee. — „Wie\nkomm ich dazu?\" — Ausgezeichnet. Wenn\nSie über die expressionistische Plastik eben-\nso gut Bescheid wissen ... — „Seit zwröH\nJahren kämpfe ich gegen die Siegesalle.\" ---\nWer war der erste expressionistische Pla-\nstiker? — ~Ich schließe mich der allgemeinen\nAnsicht an.\" — Nun interessiert mich noch\nIhr Urteil über die abstrakten Maler des\nSturm? — „Sprechen Sie lauter, ich bin\netwas schwerhörig.\" — Ueber die abstrakten\nMaler des Sturm! — „Nicht fortschrittlich\ngenug.\" ■=— Wie urteilen Sie über die Aus-\nstellungen des Sturm? — „Nicht revolutionär\ngenug.\" — Wann ist eine Ausstellung revo-\nlutionär, Herr Kandidat Cohn-Wiener? —\n„Wenn sie sich getraut, Bilder auszustellen,\ndie ich im Sturm verpaßt habe.\" — Ich be-\nwundere Ihren Scharfsinn. Was war Ihr\nletztes großes Erlebnis seit der Völkerwan-\nderung? — ~Meine Gehirnerschütterung/' —\nDurch? — „Durch Feininger.\" —• Wann war\ndie erste große Feininger-Ausstellung? —\n„Als ich erschüttert wurde.\" — Kennen Sie\nandere deutsche Kubisten? — „Feininger hat\nmich so erschüttert . . .\" — Haben Sie zum\nBeispiel . . . — „Seit zwölf Jahren hat mich\nFeininger erschüttert.\" — Was ist iür Sie\nkritisch maßgebend? — „Seit zwölf Jahren\nsetze ich mich . . . (Er wird sehr erregt) seit\nzwölf Jahren trete ich . . /' —- Herr Kandi-\ndat, was ist für Sie künstlerisch maßgebend?\n— „Zwölf Jahre . . . (er brüllt) Zwölf —\nJah - ref\"\nTatbestand\nNeue Berliner vom 22.\nMai 1919:\nDas Graphische Kabi-\nnet legitimiert sich immer\nentschiedener als der\nfortschrittlichste Kunst-\nsalon Berlins, vielseitiger\nals Der Sturm, mehr der\nrevolutionären Bewegung\nals einer bestimmten\nRichtung dienend. Jetzt\nstellt er mit Lyonel Fei-\nninger . . .\nErnst Cohn-Wiener\nBerliner Börsen-Courier\nvom 12. November 1918\nCurt Qlaser:\n. . . hat uns der rus-\nsische Bolschewismus\neine andere Vertretung\nnach Berlin entsandt und\nzeigt uns in der Sturm-\nAusstellung, wie man\nin der bildenden Kunst\nRevolution zu machen\nhat.\nVierter Hals\nJe m'accuse\nIch, Curt Bauer, durch Himmels Ungnade\nKimstberichterstatter der Berliner Börsen-\nzeitung, klage mich an. Jeder sein eigener\nStaatsanwalt, Aber gerecht will ich gerich-\ntet sein. Richte Dich selbst. Und wer steht\nmir bei? Sei Anwalt' Deiner Sache,\nRichter Curt Bauer:\nAngeklagter Curt Bauer, Sie sind von\nCurt Bauer beschuldigt, jahrelang gegen den\nExpressionismus mit einer Stahlfeder ge-\nkämpft zu haben.\nAngeklagterCurt Bauer:\nBisher gab es noch gar keinen Expressio-\nnismus, sondern nur seine Auswüchse.\nRichter Curt Bauer: **\nWas verstehen Sie unter Auswüchsen?\nAngeklagter Curt Bauer:\nAlles, was zuerst aus der Erde wächst,\nist Auswuchs. Kein Kritiker kann wissen,\nwas daraus werden wird.\nStaatsanwalt Curt Bauer:\nMit dieser Erklärung gebe ich mich nicht\nzufrieden. Sie sollen noch von Auswüchsen\ngesprochen haben, als schon Kunstkritiker\nKandinskyblüten, Chagallfrüchte, Franz Marc-\nblätter von einer flora Curti Baueri commu-\nnis recht gut unterscheiden konnten.\nAngeklagter Curt Bauer:\nEs gab aber sofort neue Auswüchse, die\nwieder kein Kritiker erkennen konnte.\nVerteidiger Curt Bauer:\nIch beantrage, Curt Glaser als Zeugen\ndarüber zu vernehmen, daß zum Beispiel Ly-\nonel Feiningers Bilder, solange sie im Sturm\ngezeigt wurden, Auswüchse waren. Ferner\nbeantrage ich die Vernehmung von Fritz"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.13", "texte": "Stahl darüber, daß er Kandinsky und Cha-\ngall noch heute für Auswüchse hält.\nDer Gerichtshof Curt Bauer zieht\nsich zur Beratung zurück.\nInzwischen wendet sich der Angeklagte\nCurt Bauer an den Verteidiger Curt Bauer:\nIch bitte Sie, dem Gerichtshof Curt Bauer\ndiese von mir verfaßte Besprechung vorzu-\nlegen, aus der zur Evidenz hervorgeht, daß\nich von der historischen Entwicklung des Ex-\npressionismus keine Ahnung habe, daß ich\nferner die Begriffe Futurismus, Kubismus\nund Expressionismus ziemlich häufig ver-\nwechsle, Hierin dürfte ein mildernder Um-\nstand zu erblicken sein.\nDer Gerichtshof Curt Bauer kehrt\nzurück und verkündet:\nDer Antrag auf Vernehmung des Zeugen\nFritz Stahl wird abgelehnt, da gerichtsnoto-\nrisch ist, daß er Gemälde von Kandinsky und\nChagall nie gesehen hat. Dagegen soll Curt\nGlaser darüber vernommen v/erden, wieviel\nLeute ein Bild loben müssen, bis es aufhört,\nAuswuchs zu sein. Angeklagter Curt Bauer,\nwTelche EUicier sind in Ihren Augen expressio-\nnistisch, ohne Auswuchs zu sein?\nAngeklagter Curt Bauer:\nBilder, auf denen auch ein Kunstkritiker\ndeutlich erkennen kann, was sie darstellen.\nRichter Curt Bauer:\nIst Ihnen bekannt, daß die expressioni-\nstische Malerei überhaupt nicht „darstellt*'?\nAngeklagter Curt Bauer:\nDarüber verweigere ich die Aussage, weil\nsie mir eine neue strafrechtliche Verfolgung\nzuziehen könnte.\nRichte r Curt Bauer:\nSind Sie überhaupt imstande, Kunst ab-\nstrakt zu empfinden?\nVerteidiger Curt Bauer:\nIch bitte, Herrn Geheimrat Silex als\nSachverständigen darüber zu vernehmen, daß\nder Angeklagte an sogenannten malerischen\nSehstörungen leidet. So hält er oft eine\nWolke für einen Mastdarm, oder eine Blut-\nwurst, oder Kalbsgekröse. Ich lege ferner\ndiese Besprechung des Angeklagten Curt\nBauer vor, aus der zur Evidenz hervorgeht,\ndaß er nicht imstande ist, die Begriffe Ex-\npressionismus, Futurismus und Kubismus\nauseinander zu halten.\nAngeklagter Cu rt Bauer:\nIch schließe mich dem Antrag meines\nVerteidigers an.\nDer Gerichtshof Curt Bauer zieht sich\nzur Beratung zurück. Er kommt nach zehn\nJahren wieder und verkündet folgendes Ur-\nteil:\nDer Angeklagte Curt Bauer wird freige-\nsprochen. Er hat zwar jahrelang die Aus-\nwüchse des Expressionismus, das heißt, ihre\nBegründer und Führer angegriffen. Indem\ner aber jetzt ihre Imitatoren, Epigonen, Ek-\nlektik er für die wahren Expressionisten hält,\nbüßt er seine Versündigung am Geist der\nKunst in einer Weise, die als genügende\nSühne zu erachten ist.\nTatbestand:\nBerliner Börsenzeitung\n29. Mai 1919 Curt Bauer:\nUnverkennbar hat der\nExpressionismus in Ber-\nlin das Feld erobert . . .\nsondern auch andererseits\ndie Auswüchse sei-\nnes eigenen Lagers\nimmer mehr in den H i n-\ntergrund treten. Die\nAusstellungen des Sturm,\nden von ieher die Extra-\nvaganz im Expressi-\nonismus lockte, sind\nheute bereits Kuriositä-\nten-Kästchen des Ku-\nbismus.\nDer Cicerone Heft 8 April\n1919\nProf. Qeorg Biermann:\nUnd nun gar 'der Sturm!\nDie Tat Herwarth Wal-\ndens, der mit Bekenner-\nmut der Zeit so oft um\nHaupteslänge voraus war\n. . . Und dessen histori-\nsches Verdienst immer\nbestehen würde, gelte es\nnur, den einen Namen\nFranz Marc dem Bewußt-\nsein der Zeit eingehäm-\nmert zu haben. Er gab\nmehr, weil er den Kampf\nim ganzen forderte und\ndurchgefochten hat. . . .\nWieviele der Jungen, die\nheute schon Namen haben,\ndanken den ersten Auf-\nstieg aus dem Tal der\nVergessenheit, des Nicht-\nbeachtetseins dem Sturm,\nwie mancher unter den\nWerdenden wird hier\nnoch seine erste Aufer-\nstehung erleben.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Die Freiheit der Presse\nKurt Schwitters: Gedichte\nHerwarth Waiden; Nachrevolutionäre: Die\nregen Geister / Der Händlergeist /\nNochmals die Stadt Kants / Der Kampf\ngegen den Bolschewismus\nDie seidene Schnur; Erster Hals: Der Hexen-\nmeister / Zweiter Hals: Übi Behne /\nDritter Hals: Die Gehirnerschütterung\nVierter Hals: Je m'accuse\nJohannes Molsahn: Kreisen 1 Zeichnung\nHugo Händel: Zeichnung\nRudolf Bauer: Original-Farben-Steindruck\nOswald Herzog: Zeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.14", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am zehnten Jedes Monats\nJedes Heft enthS.It mindestens eine mehrfarbige Kunst-\nbeilage / Holzschnitte (stets vom Stock gedruckt) und\nZeichnungen\nDauerbezug I Ein J.ahr 15 Mark / Ein Halbjahr\n8 Mark / Einzelheft 2 Mark\n\nMonatsschrift Der Sturm / Jahrgange 1—9\n\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengraben verse\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nQeheftet 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nt) b e r t e u f e 1 / Tragodie\nI h r stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Trag6die\nDer Wetterfrosch / Erzfthlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedlchte\n4 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des An fangs / Friihe Gedichte\n5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMor der Hoffnung der Fraueri\nDrama mit Zeiohnungen\nGebunden 25 Mark (Auflage 100)\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentr ischen Emp-\nfindung und seine L6sung\n5 Mark\n\nWilhelm Runge\nDas D e n k e 11 t r ft u m t / Gedichte\ni\n3 Mark / Qebunden 5 Mark\nPaul Scheerbart\nQ 1 a s a r c h i t e k t u r / In 111 KapitelH\n2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nM e e r / S e h n t e I Mann / Dramen\nI t t\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu I Li ebesgedichte\n4 Mark\nDieMenschheit\n1 Mark 50 Pfennig\nHerwarth Waldeii\nDas Buch der Menscheniiebe\n4 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\n> '\nDie der Weltenliebe / Romaji\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen nach Gemalden der Sturm-Kiinstler\n5 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n3 Mark\nWeib J Komitrago die\n4 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit deni Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dern Tode\n5 ii n d e j Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nG 1 a u b e / Komitrag6die\nJedes Buch 2 Mark\nK i n d j Tragodie\nT r i e b / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nRudiment&r\nDie Haidebraut\nErwachen •\nK r a f t e\nGeschehen\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie Hangematte d es R i u g 6\nDie rote Sonne\nDer tierische Augenblick\nPeter Baum\nK y 1 a n d\nLothar Schreyer\nJ u n g f r a u\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennig"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.15", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMuslk\nHerwarth Walden\nGesaramelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnls\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie Judentochter / Werk 17\nFarbige Umscblagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nttanddrucke\nOskar Kokosclika: P 1 a k a t fitr die Zeitschrlft Der\nSturm / Original!!tho&raphie\n/\nAbzug 30 Mark\n\nSturm-Karten\nJede Karte 30 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken tol-\ngender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3 Fernand Leger 2\nRudolf Bauer 4 August Macke 1\nVincenc Benes 1 Franz Marc 2\nUmberto Boccioni 2 Carl Mense 1\nCampendonk 2 Jean Metzinger 1\nMare Chagall 5 Georg Muche 1\nRobert Delaunay I Gabr'iele Milnter 1\nLyonel Feininger 1 Negerplastik 1\nAlbert Gleizes 2 Georg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Gino Severini 2\nHjerten-Griinewald 1 Arnold Topp 1\nAlexei von Jawlensky 2 Maria Uhden 1\nKandinsky 2 Nell Walden 1.\nPaul Klee 1 William Wauer 5\nOskar Kokoschka 2 Marianne von Werefkin ?\nOtakar Kubiti,!\n\nSturm-Aussteflungskatafoge\nM i t A b b i 1 d u n g e n\nAlexander Archipenko Kandinsky\nRudolf Bauer Qino Severini\nMarc Chagall Skupina\nJe 60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutsche!* Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\n\nKunstdrucke aus dein Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-WeiB-Komposition 14\nUaiberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden / Die\nZuriickbleibenden\nMarc Chagali: Interieur / Der Jude j Der Geigen-\nspieler / Die Schwangere / Essender Bauer / M^dchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schinidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerk: Baum / Landschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschtia Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus / Richard\nDehmel ; 5 Paul Sclieerbart / 6 Yvette Guilbert\n/ t\nOskar Kokosciska: Tierbikler\nPernand Leger: Akt\n\nSturai-Kiinstier Lichtt\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Henvarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinskv\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nVIII. Hermann Essig*\nIX. Oskar Kokoschka\nX. Adolf Knoblauch\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Mlinter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Neil Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Georg Muche\n\nSturmschule\nLeitung: Herwarth Waiden\nDrittes Jahr\nBerlin Potsdamer StraBe 134 a\nUnterricht mid Ausbildung in der expressionistischen\nKunst\nBiihne / Schauspielcrei I Vortragskunst / Malerei /\nDichtung / MusSk\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van Heemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Waiden\nWiSHam Wauer\nSprechstunden der Leitung: Dienstag, Mittwoch, Frei-\ntag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat 1st taglich\nvon 10—6 geoffnet"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190610-01.1.16", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nStandige Aussiellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonnfags 11—2\nTageskarte 1 Mark 50 Pfennig\nAlonatlicher Wechsel\nFiinfundsiebzigsle Ausstellung\nJuni 1919\nOswald Herzog\nOskar Fischer\nHeinrich von Boddien\nSechsundsiebzigste Ausstellung\nJull 1919\nKurt Schwriters\nMagda Langenstrajj-Uhlig\nPaul Buseh\nEroHnung: Sonntag den 29 Juni\nSturmgesamtschau Zurich\nJuni 1919 I Kunstsalon Rembrandt\n\nDER STURM\nvertritt folgende Kiinstler ausschfieBlich und verfiigt\niiber ihre Werke (Gemalde / Graphlk / Kolzschnitte /\nHanddrucke) zum Verkauf und zu Ausstellungen in\n•der ganzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Chagall / Jacoba\nvan Heemskerck j Kandinsky Georg Muche / Nell\nWalden / William Wauer\nDER STURM\nvertritt fiir Deutschland folgende Kiinstler und ver-\nfiigt iiber ihre Werke zum Verkauf und fiir Ausstel-\nlungen:\nGosta Adrian-Wi!sson / Alexander Archipenko / Fritz\nBaumann / Vincenc Benes Umberto Boccioni / Hans\nBrass / Carlo D. Carra / Max Ernst / Lyonel Fei-\nninger EmJl Filla J Oskar Fischer Albert Gleizes /\nOtto Gutfreund / Oswald Herzog / Hugo Handel /\nSigrid Hjerten-Griinewald / Isaac Griinewald Jo-\nhannes Itten j Alexei von Jawiensky / Paul Klee /\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand Leger /\nFranz Marc / Gabriele Miinter / Jean Metzinger\nJohannes Molzahn Francis PicaMa / Kurt Schwitters /\nGino Severinl / Arnold Topp / Maria Uhden /\nMarianne von Werefkin\n\nSturm-Abe ndc\nIn der Kunstausstellung Der Sturm /Berlin\nJeden Mittwoch K8 Uhr\nVortragender Rudolf Bliimner\nKarten zu 6, 5, 4, 3, 1, 50 Pfennig im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenlcs\n\nKunstbuchhandlung Der Siurm\nPoisdamer StraBe 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seltene Biicher unci Noten vorratis\nnirnnit Bestoliungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen\nHerwarth Walden: An Schwager Kronos\nFlir Gesang und Klavier / Dichtung von Qoethe /\nWerk 172\n3 Mark\nEnde Juni erscheinen\nAugust Stramm: Tropfblut / Gedichte\nHerwarth Walden: Die neue Malerei / Einfuhrung\nin den Expressionismus / Mit 16 Abbildungen\nMax Verworn: Keltische Kunst ,] Mit Abbildungen\n3 Mark\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Walden / Lothar\nSchreyer / Rudolf B'liininer / Rudolf Bauer / William\nWauer / Max Verworn / und anderen\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museumsausgabe mit\nOriginal en Hummer 1—10 M 200— Nummer 11—50\nM 100—\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedichte\n4 Mark\nSignierte Sonder-Ausgabe 12 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 75 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\n5 i e b e n t e Folge erschienen\nSturm-Bilderbiieher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI: Marc Chagall\n5 Mark\nII: Alexander Archipenko\n5 Mark\nIII: Paul Klee\n5 Mark\n\nAuslieferung und Verkauf der Werke des Verlag Der\nSturm ira Ausland\nKopenhagen: Buchhatidlung Massing / Politikens Hus f\nRaadhuspladsen\nZurich: Kunstsalon Rembrandt / BahnhoistraBe /\nAuslieferung auch fur Frankreich"}]}