{"numero_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_sha256": "0a42c32a2185af4ea56b81d84d6e45080bfc878a265f543de4fbc76e956a8f77", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1919/07/15_01/bmtnabg_1919-07-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1919/07/15_01/bmtnabg_1919-07-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.1", "debut_caractere": 607, "fin_caractere_exclue": 973, "texte": "Inhalt:\nCarl Dallago: Karl Kraus der Mensch / Hans Ehrenbaum Degele: Gedicht / Grete Tichauer: Mein grünes Kleid /\nAlfred Döblin: Der schwarze Vorhang / Roman / Paul Zech: Gedichte / Lothar von IKunowski. 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Was sagen Vorwürfe wie: Er\nsei ein Verleumder, als Mensch degeneriert und\nungesund, als Schriftsteller eine Null, wenn sie nicht\nim geringsten mit Belegen unterstützt werden kön=\nnen, ja wenn, was man vorbringt, nur für blinde\nErregung zeugt, die sich seibar irre führt. Stammt\nsolcher Tadel von einem Künstlerisch-Schaffenden,\nfrißt ein derartiges beharrliches Unrechttun vom\nSchaffensverinögen. War der Tadler Angreifer,\nmuß er sich auf Gegenwehr gefaßt machen. Und\nhat er Sache und Gegner unrichtig bewertet, muß\ner eben die Folgen tragen. Die Gegenwehr kann\ner dem Gegner nicht verübeln, und wenn er ihm\ndie Ueberlegenheit verübelt, macht er sich nur um-\nso unterlegener. Einen Gegner wie Kraus untere\nschätzen, heißt, ihn nicht hören, ihn nicht verste-\nhen. Da muß man ihn eben fühlen. Das mag wehe\ntun, weiß doch sein Wortwitz schon tief zu ver-\nwunden.\nMan hat Kraus sogar sein Aeußeres zum Vor*\nwurf gemacht. Der bessere Mann aber sollte\nwissen, daß Größe sich nicht ungern verbirgt. Ich\nwill hier nicht vergleichen. Sicher ist: es hat\nwohl jedes Volk schon bedeutendste Menschen von\nunscheinbarem Aeußeren gehabt. Man denke nur\nan Voltaire, an Leopardi, auch an Schopenhauer.\nEs gab sogar genialste Krieger von unansehnlicher\nGestalt. Auch Kraus ist schöpferischer Krieger.\nIch fühle mich durch ihn zuweilen an Napoleon er-\ninnert: so in der Auffassung des Weibes und in der\nglänzenden Art, wie er seine Polemik zum Siege\nführt.\nMan schätzt eben nicht mehr nach Leibesmus*\nkein den Wert derer, die ihr menschliches Vermox\ngen in geistiger Produktion kundtun. Nur in ihren\nGesichtszügen forscht man etwa noch nach dem\nGehalt ihrer Menschlichkeit. Ich sah Kraus bei einer\nVorlesung und ein wenig im Beisammensein. Ein\nSichauftun und wieder ein Sichverschließen ma*\nchen sich an ihm überraschend ersichtlicn. Letz*\nteres wohl mehr in Lärm und grellem Licht. Markt\nund Gassen machen ihn hängend, steif, gleichsam\nflügellahm. Im Vortrag macht sein Sichauftun die\nverschiedensten Grade druch. Man wähnt oft das\ninnere Flammen durch die Körperlichkeit schim*\nmern. Die Haut ist dann wie durchsichtig,, der\nsichtsausdruck wechselnd, man schaut viele Ge*\nsichter, die einander ablösen. Die Erregung geht\nin seine Haltung über, jede Geste verlautbart sie.\nAlle Fülle scheint da an Kraus wie aufgezehrt von\ninneren Bränden. Die Haltung ist hart, die Finger\nknöchern, verbebt und blutleer, weil alles Blut die\nFlajmme speist, die zuinnerst lodert. Es läßt den\nBetrachter fast ahnen: Auch der Geist kann einen\nLeib ausbrennen, wie die Glut einen Ofen. Bei\nKraus liegt vielleicht dieser Fall vor. Sein Flam*\nmen scheint seinen Leib zu verzehren.\n?*•\nWeil Kraus gegen Harden und Heine geschrie*\nben hat, vermeint man Belege zu haben für Kraus'\nAntisemitismus. Vorerst: Herr Harden läßt sich\nnicht neben Heine stellen. Auch Kraus tut es nicht\nund hält den Rangunterschied aufrecht. Aber die\nargen Folgen täglich um sich verspürend, die\nHeine's zeitweilige spielerische Ornamentik (der\ngewiß auch Veräußerlichung zugrunde lag) an*\ngerichtet hat, wurde er wohl innerlich genö*\ntigt, diese Seite Heine's darzutun. Warum nahm\nauch der Feuilletonismus so schrecklich überhand!\nWarum verlegen so häufig die Feuilletonisten, die\nuns mit ihrer Leere eine Fülle vortäuschen, den\nKünstlern die Wege zur Oeffentlichkeit! Kraus\nliebt die Kunst und erkennt vom Feuilletonisten:\n„Die Kunst weicht vor ihm zurück wie der Glet-\nscher vor dem Bewohner des Alpenhotels\". Ein\nderartiger Feuilletonist aber ist imstande und be-\nruft sich für das Künstlerische seiner Tätigkeit lei*\nder mit einigem Recht noch auf Heine. Es scheint\nmir die Stelle, wo fKraus Tadel gegen Heine ein*\nsetzt; er begrenzt in dem ausgezeichneten Vorwort\nzu seiner Heineschrift klar deren Vorwurf, wenn er\nsagt: „Diese Schrift indes, soweit entfert von dem\nVerdacht, gegen Heine ungerecht zu sein,, wie von\ndem Anspruch, ihm gerecht zu werden ...., er-\nschöpft das Problem Heine nicht Die ihn zu\nschützen vorgeben, schützen sich selbst und zeigen\ndie wahre Richtung des Angriffs\". Ein Funke guten\nWillens und sonst noch das Nötige in sich, und es\nmuß auch im Heineverehrer der Tadel gegen Kraus\nverstummen.\nAnders verhält es sich mit Maximilian Harden,\ndessen schwülstiger Stil -feineren Ohren die erste\nVerdächtigung gegen den Menschen im Stilisten\nzuraunt. Kraus mit seinem empfindlichen Gehör\nfür alles Unechte hat hier nur aufgedeckt,, was das\nAufgedonnerte jenes Stils bereits argwöhnen ließ:\ndaß sich da einer för mehr ausgibt, als er ist. Denn\ndem Menschen Kraus ist die Sprache Erlebnis; er\nfühlt sie als ein Körperliches, als ein Gebilde von\nFleisch und Blut. So wird ihm der Stil wohl wie\nHaltung und Gangart, auch wie Gewandung dieses\nKörperlichen, das sich im Stil verhüllt und doch\nzeigt wie ein Weib in der Kleidung. Und er, der\nvon Bismarck als einem „Sprachmeister\" spricht\nund bei Ludwig Speidel von einem „Zug der Spra-\nche\", mußte das'tTmzUigartige und Kostümierte im\nStil Harden's bald als Mangel an Echtheit empfin*\nden, mußte des Unechten immer mehr werden se-\nhen, wenn er durch die Kleidung nach dem Körper,\ndurch die Rüstung nach dem Träger forschte. Und\nals Harden sich nicht scheute, in der üblen Tracht\nkonventionellster Moral in ein heikelstes Gebiet\ndes Geschlechtslebens einzudringen, um sich poli*\ntisch wichtig zu machen, zerfetzte ihm Kraus die\nganze Vermummung. Wie Kraus dies tat, ist ein*\nzig. Ein glühendes Temperament ist hier im Wor-\nte völlig Gestalt geworden.\nRobert Scheu's Schrift über Karl Kraus enthält\nviel Ansprechendes. In zwei wichtigen Punkten\njedoch scheint sie mir Kraus nicht gerecht zu\nwerden, nämlich: puncto Weib und Politik. Scheu\nhätte sich hier an seine Erfahrung halten sollen,\ndie ihm sagte: daß Karl Kraus noch jedesmal um\neben die Strecke voraus war, um die ihn Scheu\nzurück wähnte. Dies außer acht lassend, meint\nScheu von Kraus: „Seine Abneigung gegen die\nPolitik kommuniziert mit seiner Gleichgültigkeit\ngegen die Mutter durch verborgene Kanäle der\nPersönlichkeit. .. . Die Politik als gleichberech*\ntigte Welt mit ihren wunderbaren zwingenden Ge*\nsetzen,,( dieses Fatum ist für ihn nichts als ein Mon=\nstrum. Dieser Welt nahe zu treten, scheint ihm\nversagt zu sein\". Hier verneine ich. Gerade daß\nes Kraus versagt ist,, die Politik als eine Welt mit\neigener Gesetzlichkeit anzusehen, spricht mir für\ndas Weitgekommene seines Menschentums, spricht\nmir für ein tiefes Vordringen zu sich: und den Din-\ngen, das sich vom Intellekt nie unterjochen ließ.\nScheu ist hier noch Politiker und hält die Politik\nals ein Ding für sich und traut ihr eigene zwingen*\nde Gesetze zu. Und fühlt nicht, daß ihn dabei eine\nAeußerlichkeit zudecken will. Wie anders Kraus,\nder in Binsmarck beispielsweise einen Kopf sieht,\n„dessen künstlerische Materie gleichsam nur zufäl*\nlig die Politik war\". Mein Empfinden brachte Ver*\nwandtes auf, nur in anderer Worttracht, wenn es\nin Bismarck einen Menschen sieht, der sein Men-\nschentum in die Politik hineintrug und so als Poli*\ntiker Künstler war. Denn nicht die Politik hat ihre\nzwingenden Gesetze, sondern das Menschentum,\ndas, wenn es groß und stark genug ist,, sich auch\nin der Politik als eine Gesetzlichkeit fühlbar macht.\nIst nun kein hinreichend Starker da, der seine Ge*\nsetzlicchkeit in die Politik hineinträgt, so täuscht\nman sich in dieser eine Gesetzlichkeit vor. Kraus\nläßt sich hier nichts vormachen; sein Schätzung\ndes 'Politikers entzückt mich: sie weist dem Poli*\n•t\ntiker den. Platz an zwischen Aestheten und Dumm*\nköpfen. Die Gegenwart muß ihm recht geben und\ndie Zukunft noch mehr. Der Politiker als Partei-\nmensch ist Handlanger einer Sache, wo er nicht\nnur Geschäftsmann ist. Er versperrt sich den Weg\nzu sich und dadurch auch zu einer Gesetzlichkeit,\nwo er nicht äußere Einrictung* dafür ansieht. Seine\nArbeit setzt dort ein,, wo die Sache für ihn am\nversprechendsten aussieht: es ist an der Oberfläche\nder Dinge, in die er nie eindringt, da er selber nur\nOberfläche ist, und Fläche in Fläche nicht eindrin-\ngen kann. So entsteht ein Sich*Aneinanderreiben\nund Sich* Verschieben von Aeußerlichkeiten, die\nsich wichtig genug ausnehmen mögen, solange nie=\nmand da ist, der den ganzen Trödel zur Seite\nschiebt oder zerbricht. Man sehe doch unsre\ntiker an. Aus meinem Leben kenne ich einen ein-\nzigen, den Durchschnitt weit überragenden Mann,\nder für den Reichsrat kandidierte und durchfiel. Die\nSchwätzer und Gewandten im Vortäuschen haben\nauch hier mehr Erfolg. Es stehen gewiß viele, die\ndas Volk heute in der Politik vertreten, unter dem\ngeistigen Mittelstand. Ich habe noch von Wien her\nParlamentssitzungen in Erinnerung, in denen sich\nmir ein Großteil der Abgeordneten -— nicht zumin-\ndest die Deutsch* Völkischen — unreif genug aus*\nzunehmen schien. Man saß reitlings auf Sesseln,\nwohl auch auf Pulten oder Tischen und schlenkerte\nmit den Beinen, spazierte und gestikulierte so los*\ngebunden, als nur möglich. Der Eindruck war so,\nals ob sich ein Nichthineingehöriges in ein vornehm\nmes Gelaß verirrt hätte und nun durch freches Be=\nnehmen sein Heimischsein bekunden wollte. Der\nGläubige benimmt sich anders. Und der geringste\ntaugliche Politiker müßte an den Staat glauben, wie\nein Gläubiger an seine 'Kirche, nicht wie ein Händ*\nler an sein Geschäft. Dann wäre vielleicht auch\nPolitik fruchtbar. So aber lernt der Mann, der\nMensch genug ist, sich abwenden von Politik und\nPolitikern. Und schaut zugleich nach Menschen*\ntum aus, das hier einmal wieder seine Gesetzlich*\nkeit -— sei es als Staatsmann oder als Kriegs-\nmann — zur Geltung brächte. Ein derartiger Mensch\ndoch müßte ein großer Tatmensch sein, und üer\nist selten.\n*\nKraus und das Weib: Hier finde ich Scheu in\nkonventionelles Gestrüpp verstrickt; es nindert\nvielleicht seine Auffassung zu Kraus' Wesen vorzu»\ndringen. So sagt er, hier versagend, aus: „Es er*\nregte Verblüffung, als Kraus mit souveräner Ver-\nachtung der öffentlichen Meinung ... die Prosta\ntution als natürlicne — nicht als soziale — Kate-\ngorie proklamierte. Er wurde dabei zum Roman-\ntiker und geriet in einen eigentümlichen Zwiespalt.\nWährend er über die Feministen die Lauge seines\nSpottes ausgoß, wurde er selbst zugunsten des\nweiblichen Geschlechtes ungerecht gegen den,\nMann. Das macht, er ist den Frauen gegenüber\nzu viel Liebhaber,. —Er ist immer Page. Aber die\nHalbwelt ist doch nur die halbe Welt\".\nHier hört man das Konventionelle in Scheu\ndeutlich heraus. Was dieses sich unter Welt denkt,\nist erst rect nicht die Welt — wenigstns für den\nKünstler und Menschen nicht; so auch für Kraus\nnicht. Der findet die Spur zu seiner Welt mit Recht\nheute wohl mehr in der „Halbwelt\". Sie mag oft\nverkommen genug aussehen, so abgegriffen und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10847, "texte": "beschmutzt scheint sie, aber das Natürliche am\nWeibe ist in ihr noch auffindbar, es ist nicht getilgt.\nDenn das Weib ist ursprünglich Geschlechtswasen,\nist Trägerin einer Geschlechtlichkeit. Gattin und\nMutter sind erst Folgeerscheinungen. Die Ge*\nschlechtslust an sich hat nichts zu tun mit dem\nGattenstand und mit der Zeugung. Wenn sich ein\nWeib nur des Kindes wegen hingibt, ist bereits ein\nVorzug im Weibe einem Mangel gewichen. Freilich\nIst das Kind die natürliche Folge vollkommener\nVereinigung von Mann und Weib — aber eben nur\nFolge, die vielleicht den Sinn hat, der Lust durch\nSchmerz Weihe zu geben und so das ganze Gebiet\nder Lüste zu regeln und zu vertiefen. Kraus aber\nhält sich nicht auf bei den Folgeerscheinungen —\nsie liegen seiner Natur nicht —, er dringt weiter\nvor und verweilt erst vor dem geschlechtlich Ur*\nsprünglichen, gleichsam vor der Ursächlichkeit der\nLust: vor dem Primärsten am Weib und an der\nLiebe.\nDer „Page\" wäre demnach höchstens eine Ge*\nste seines Verhaltens —* vielleicht die äußerlichste\n— kennzeichnet aber nicht Kraus' Wesen. Das hat\nsich hier durch Schutt und Ablagerungen von Jahr-\nhunderten durchgegraben bis zum Geschlecht, als\nUrsprung der Lust in, der Natur — nicht nur in\nder Menschennatur. Und von hier aus macht er\nFront gegen den heutigen Stand dieser Dinge und\nsieht alles aus seiner natürlichen Odnung gebracht.\nUnd sucht und entdeckt diese natürliche Ordnung\n— wenn auch vielfach entsetzlich zugerichtet —\nin der Prostitution. Kraus hat auf diesem Gebiet\nsein Persönlichtes und Stärkstes gegeben, er holt\nsich daraus sein Leitmotiv, es geht wie ein Grund*\nton durch sein Schaffen, es gebiert das Thema\n„Sittlichkeit und Kriminalität\", es liegt der „chine*\nsischen Mauer\" zugrunde, in der sein Hassen zum\nBrand ansteigt, der der weißen Rasse, die dem\nMenschlichsten abtrünnig wird, in eine Unterjo*\nchung schlimmster Art visionär hineinleuchtet. Es\nliegt ein Großes in solchem Hassen und mahnt an\nden Zug alttestamentarischer und altgermanischer\nVölkerschaften, die unberührt von der Herrschaft\ndes Intellekts nach einer Gottesschaft ausspähten,\ndie noch den dunkelsten Tiefen ihres Menschen*\ntums Führer war, an Völkerschaften, die auch be*\nreit waren Gott und Götter, wo sie solcher Führer*\nSchaft nicht mehr entsprachen, aufzuopfern.\nKraus' künstlerische\" Empfänglichkeit läßt et*\nWas unterjocht erscheinen, was den lebensarmen\nMächten des Intellekts und der Moral verfallen ist.\nWer, der Mensch genug ist, möchte ihm wider*\nsprechen! Wer möchte von einer Menge noch\netwas erhoffen, die die Schöpfung im Talglicht des\nIntellekts erschlossen wähnt, das dem Licht des\nLebens heimleuchtet, weil dieses aus ewigem Dun*\nkel gespeist wird? Wer möchte noch Freude ha*\nben an einer intellektischen Welt, wo sich die WeU\nber wie Hyänen gebärden, um sich Berufe anzu*\neignen, die den Mann ruiniert haben? Wo die\nWeiber für Rechte kämpfen, die ihnen Rechte weg«\nnehmen, nur weil eine Moral ihnen zu tun verbiet\ntet, wozu sie immer ein Recht haben. Wenn man\nsich eine solche Welt der Zukunft vorstellt: die\nWeiber an Berufe gekettet, öffentlich nach Amt,\nEhren und Würden trachtend, den Beischlaf, Gat~\ntin* und Mutterschaft zum Nebensächlichsten, wenn\nnicht zum Verachteten, herafogedrückt, —- und die\nUrursache der Ausübung solcher Berufe doch in\nungestillter Geschlechtslust in sich bergend, und\ndas Wesen solcher Ungestilltheit in die Berufsaus*\nÜbung unbewußt hineintragend: Wie da die Berufe\nund die Weiber aussehen mögen? Wie da die\nWelt aussehen mag, wo solches Regel ist? Gibt\nes da eine Ueberschätzung der Natur des Weibes\nSolchen Weibern gegenüber? Und Kraus ist der\nglühendste Beschützer dieser Weibs*Natur> Es\nmacht ihn nicht ungerecht gegen den Mann und\nnoch weniger ungerecht gegen die Weiber und\nnicht mehr als gerecht gegen die Dirne. Denn es\nversteht sich nun: daß eine Dirne mehr ist als eine\nFrauenrechtlehrerin, daß sie besseres Beispiel als\ndiese auch der edelsten Jungfrau geben kann, wenn\nsie lehrt: sich das Recht zu nehmen, dem Manne\nFreude und Lust zu sein.\nNach dem grandiosen „Pro domo et mundo\",\ndas sich wie ein Abschluß ausnimmt und das sich\neiner vergangenen Sprache bedient, eine ausge*\nwählte Sammlunig von Aphorismen über eine ver*\ngangene natürliche OFdnung der Dinge zu betiteln,\nist es gewiß leichter Kraus auch hinsichtlich seiner\nAuffassung von Weib und Liebe gerecht zu werden.\nIst doch in diesem Werke über eine urewige Häus=\nlichkeit und Weltlichkeit im Menschen ausgesagt,\ndie in „Haus un.d Welt\" von heute niemals hinein*\ngeht. (Daher auch vom Autor die mundgerechte\nins Deutsche als entsetzliche Ent*\nStellung empfunden wirdT) Ich setze hierher zwei\nAussprüche aus dem Kapitel „Vom Weibel von der\nMoral\", die Kraus' weites Vordringen auf diesem\nGebiete zeigen. So: „Klein ist der Mann., den ein\nWeib ausfüllt, doch er kann dadurch wachsen\".\nUnd: „Die Kinder würden es nicht verstehen, war«\num die Erwachsenen sich gegen die Lust wehren;\nund die Greise verstehen es wieder nicht\". So\nweit Vorgedrungenes ist so einfach nie gesagt wor*\nden. Nur der noch Eingegrabene könnte daran\nauszustellen finden!\nNoch manches wirft bei Kraus ein eigenes Licht\nauf dieses Gebiet. So der Satz: „Je näher man ein\nWort ansieht, desto ferner sieht es zurück''. Klingt\ndas nicht, als wäre ihm das Wort hier Weib ige*\nwrorden ?\nKraus' persönliches Verhalten in der Liebe ist\ndamit freilich noch nicht kundgetan, aber vielleicht\nder Boden, darauf es sich bewegt. Wie er Heil*\nsames von der Lust als Natur weiß, mag er sicher\nauch Heilsames von der Natur wissen, wo die\nLust nicht mehr Lust ist. So mag er, der 'Nicht*\nlandschafter, vielleicht zum Weibe als zu einer re*\ngenerierenden Kraft finden und sein Umgang mit\ndem Weibe seine Schöpferkraft stärken können,\ndie ja erstaunlich ist. In seiner Rasse führten ein*\nmal die Wege sehr in die Tiefe nach dieser Rieh*\ntung. Dem alten König David trugen sie noch le*\nbenspendende Kraft ein,, der Ueberlieferung nach.\nUns wurden diese Wege von der Moral verschut*\ntet. Erst der große Walt. Whitmann singt wieder\n„den Leib, den elektrischen\". Und wie unsre inteL\nlektische Zeit von aüem eine blasse Ahnung hat,\ndie sich oft kindisch betätigt, ahnt sie wohl auch\netwas von einer regenerierenden Kraft, wenn sie\nelektrische Gürtel um erlahmte Lenden legt.\n*\nIch habe nun über Kraus ausgesagt, wie ich\nihn, 'als Menschen, empfinde. Erschöpfendes zu\ngeben, maße ich mir nicht an. Dazu kenne ich\nauch sein Werk zu wenig. Ich halte mir sein, kör*\nperliches Aussehen nun nochmals vor Augen. Es\nist schmächtig, fast zerbrechlich. Aber wer so viel\nin sich hat, der formt sich daraus seinen Körper.\nDann wird der gigantisch. Und ich denke: ein sol*\neher Gehalt bekam nicht umsonst die unscheinbare\nHülle. Sie ward ihm Bestimmung zur Erfüllung\nseiner Bestimmung; sie' machte das Erlebnis in\nKraus erst völlig möglich. Er erlebte durch sie\nuanso mehr die Gemeinheit und Brutalität dieser\nWelt, die vor scheinbar Schwachem mehr sich ge*\nhen läßt und ihre rohe Gewalt rücksichtsloser aus*\nübt. Daß Kraus viel Verunglimpfung und Unge*\nrechtigkeit jeglicher Art erdulden mußte, um die\nFlamme seines Innern zu schüren, ist sicher. So\ngroß, so stark wäre diese sonst nicht angewachsen.\nDas wäre eines*\nDas andere ist: Daß in ihm ein Mißverhältnis\nda sein muß zwischen Gestalt und Gehalt, zwi*\nsehen Geist und seinem irdischen Behälter: daß da\netwas in eine Form gepreßt ist, das eine viel rgrö*\nBere Form nötig hätte. Dadurch entsteht\nsatn eine Stauung, ein ungeheurer Druck, der die\nKraft sturmwindartig ausströmen läßt. Samuel\nLublinski hat in einem schönen Brief Kraus auch\nals „Sturmwind4' empfunden.\nHier setza ich ein, bevor ich ihn lasse. Ich\nhöre sein streitbares Schaffen um Gebäude und\nHürden sausen,, die eine üble Enge am Menschen\nerrichtet hat. So erinnert er mich an Nietzsche und\nist doch völlig anders: 'angefüllter und bedrängter\nvon der Gegenwart und ohne Landschaft; dabei\ndoch ein Reinemacher, ein Säuberer großen Stils\n— auch stilistisch. So geschliffen und klar, so\nknapp und gedrängt zur Tiefe wurde das Deutsche\nnoch nie geschrieben — so sonder Prunk selbst\nim Pathos. Es mag ihn zujm Meister des Apho*\nrismus von Natur aus ungemein geeignet\nmachen, mehr als Nietzsche, der zu seinem\nSichdartun ersichtlich mehr Raum — zu seiner\nTiefe doch mehr Oberfläche benötigt,. Bei Kraus\nist hier etwas eminent Uebereinstimmendes zwi*\nsehen Schöpfung und Schöpfer: Man sieht es ihnen\nnicht an, was säe sind. Der Aphorismus ist am\nunansehnlichsten an der Oberfläche, er fließt glatt\nund in engem Bette. Der oberflächliche Beschau*\ner hält ihn für ein Wässerlein; er versteht ihn nicht,\ndas erstemal nicht, später nicht, niemals, bevor er\n7 7 7\nnicht selber in derartige Flut getaucht ist und ihre\nTiefe an sich erfahren hat. Kraus ist demnach im\nGanzen auch mehr sprachsäuberlich, als sprach*\nschöpferisch wirkend. Das Säubern geht ihm\nnach in alle Einzelheiten seines Schaffens. Er\nverjagt wirklich Nebel, Rauch und Qualm, die\neine Absicht der Vielen über die Dinge\nbreitet, um im Trüben zu fischen. (Jeder\nKünstler sollte ihm dafür Dank wissen.) So schafft\ner neue Werte, indem er Menschen und Dinge rei*\nnigt und so erst ihren wahren Wert ersichtlich\nmacht. Er zeigt auf, daß ein Gleißendes und Blin*\nkendes noch lange nicht Gold ist, und putzt vom\nGolde die Trübung der \"Verdächtigung. Wie er\nalles bestürmt mit dem glühenden Atem seines\nTemperaments, und was nicht 'echt ist, flüchtig\nmacht und sich verflüchtend! Wie er Klarheit zu\nbringen sucht in diese trübe\nWelt, die selbst um Kunst und Dichtung die Nebel\ndes Schachers gesponnen hat! Ein jeder sieht sich\nselber besser durch ihn. Und mancher erschrickt\nüber sein Aussehen — so klein und niedrig steht er\nda, dem Schutz der geflissentlichen Trübung der\nLage und der Dinge entrissen, die auch Großes\nklein aussehen ließ und sich so dem Großen ver*\nwandt machte. Aber jetzt ist das Kraut auch Kraut\nund das Kriechholz nur Kriechholz und ein Hügel\nnoch kein Berg und jeder Gipfel ist ersichtlich. So\nscharf hellte der Sturmwind die Landschaft.\nAuch ich sehe mich besser und meinen Stand.\nUnd finde mich noch mehr abseits und einsam ge-\nlassen. Das Gesellige hat sich mir noch mehr enfc\nfernt. Doch die Zeit steht da, verseucht von künst*\nlieh gefügter Geselligkeit,, an der kein Sproß mehr\nWachstum ist. Und sie hält sich, indem sie sich\nunterhält: so stützt eines das andere. Da braust\nder Sturmwind herein mit seinem mächtigen: „Weh\nder Zeit, in welcher Kunst die Erde nicht unsicher\nmacht und vor dem Abgrund, der den Künstler\nvom Menschen trennt,, dem Künstler schwindlig\nwird und nicht dem Menschen !\" Der Intellekt der\nZeit aber versteht es nicht und lächelt über ein\nSchwindligwerden am Menschen und verlangt nur\nUnterhaltung vom Künstler. Da wird diesem —\nder sonst aufsucht, wovor dem Menschen schwül*\ndelt — schwindlig vor der Zeit, die so zeigt, daß\nihr das „Wehe'!' gilt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 648, "texte": "Und der Künstler zieht sich noch mehr in sich\nzurück und treibt seine Wurzeln in die Tiefe einem\nBaume gleich, dessen Stand ausgesetzter wird.\nUnd verschwistert »ich dem Sturmwind und freut\nsich dessen klärender Kraft. Und mag es auch\nvorkommen, daß diese Kraft ihm da und dort sein\nZweigwerk knickt, was tut es? Er wird neu trei-\nben — stärker, vielleicht auch höher, mit den Wur=\nzeln noch tiefer. So lernt er immer mehr Stand\nfassen. Und die Aussicht bleibt ihm frei. Er sieht\nsich auf sich selber stehen — keinen Halt um sich.\nAber den Himmel über sich und eine\nkeit in sich. Es wird ihm noch bedeuten: Ein\nEwiges über sich — das Ewige in sich!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.4", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "Hans Ehrenbaum=Degele", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.4", "debut_caractere": 650, "fin_caractere_exclue": 1269, "texte": "Gedicht\nHans Ehrenbaum=Degele\nMeiner rauhen Gebärde trotzige Gegenwart\nWurde längs des Meeres ein versonnener Gang.\nWas mein Blut durchklirrte, kampfheiß und hart,\nIst nun zu seligen Inseln leiser Nachtgesang.\nMein verwildertes Haar lieben die Abendwinde.\nAlle Gärten atmen mein erblühtes Geschick.\nWenn ich Rosenfülle reich um die Schläfe winde,\nHab ich aller Sterne Glück und Geleucht im Blick.\nUnd die Wunder des Tags haben mich tief geweiht:\nMit verwunschenen Wolken in die Fernen getragen,\nSchweb ich ohne Ziele über verträumte Zeit,\nSchimmernd überschimmert von den goldenen\nTagen,\nOhne Ziele über verträumte Zeit"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.5", "titre_corps": "Mein grünes Kleid", "titre_sommaire": "Mein grünes Kleid", "signature_source": "Grete Tichauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.4", "debut_caractere": 1271, "fin_caractere_exclue": 4418, "texte": "Mein grünes Kleid\nvon Grete Tichauer\nIch dachte meine ganze Liebe in dies Kleid hinein.\nVormittagen im Fieber angesichts meiner hellgrün\nnen Steppdecke. Es sollte nur scharfgrün mit weiß\nsein,, und ich wollte es in Kristiania tragen, wenn\nich zu Jens fuhr und Christian Kr. und Sigrid U.\nbesuchte, ki Kristiania sollte platter Sonnenschein\nsein, und ich wollte mit Jens in einem lachenden\nAuto sitzen.\nIch dachte meine ganze Liebe in dies Kleid hinein.\nDann mußte ach zwar nach Görbersdorf in die\nLungenheilanstalt.\nDas Kleid kriegte ich aber doch. .\nGanz scharfgrün nur mit weiß. Oben runder Kra-\ngen, an den Aermeln ein wenig, und vorn auf der\nlinken Brust in der Tasche ein Tuchzipfel als wei-\nßer Fleck. Der Rock geschlitzt bis zur halben\nWade. Süßes Kleines=Mädel*Kleid,\nDas erste Mal steckte ich (statt des weißen\nFlecks) die Tasche mit einer herrlich roten Rose\nzu. Ich habe bis jetzt nur vier solche Rosen ge-\nsehen. Drei bekam ich von der Schauspielerin\nAagot D. (weil ich so jung war) und jene vierte\nlegte mir mein Kaukasier breithändig eines Mor-\ngens auf meinen weißen Bauch.\nIch hatte ganz dünne schwarze Seidenstrümpfe\nauf meinen Beinen, über die G. G. schreibt, daß\nsie ihn zu einer (Philosophie inspiriert haben.\nIch merkte gleich, wie ich das Kleid anzog, daß\nes mich königlich machte. Ich war vorher noch\nblaß, hatte eine große Nase und\nhende gleichgültige Augen.\nAber das Kleid war Erotik; durchtränkt!\nMein blondes Haar fing an rotgelb zu leuchten,\nund ich wurde im Augenblick wunderschön (Augen,\nkleine Nase, roter starker Mund). Da schmiegte\nich mich in das Kleid und küßte es.\nJedesmal wenn ich das Kleid anzog, wurde ich\nso schön und konnte tanzen, blamierte mich in kei=\nner kleinsten Bewegung und hatte Macht über\nalle. Briefe, dia ich in diesem Kleid schrieb,\nten augenblicklich und zuckend, und Blumen, die\nich in diesem Kleid gepflückt habe, sind nicht ver-\nwelkt.\nDas Kleid schenkte mir einmal den einzigen voll*\nkommenen Genuß. Ich ging zu K. ins Zimmer und\nhatte das Kleid an. Darunter trug ich einen dünnen\nUnterrock aus puren Yalencienne=\nspitzen, Hosen aus durchsichtigem Batist von sü-\nßem Schnitt oberhalb der Kniee und flatternder\nStickerei, das Hemd bis unterhalb der Brust durch-\nbrochen und lange schwärze Seidenstrümpfe mit\nhochhackigen Schuhen. Nur der Strumpfkalter\nwar nicht nett. Zwar aus weißer Seide und nichts\ndagegen einzuwenden, aber Strumpfhalter sind im?\nmer häßlich. Mein Haar war glänzend und sham=\npooniert. Das Kleid formte meine Brüste zu\ndem und meine Schenkel zu wütenden\nschreien. Ich habe nie das An= und Ausziehen so\ngenossen wie dies eine Mal.\nDie Sieghaftigkeit des Kleides ist heute nach vier\nMonaten noch ebenso stark wie damals, als ich es\nschuf, fieberkrank in Wollüsten nach Jens.\nAber jetzt geht es allmählich kaput, es ist so\ndünner Stoff. An den Armen ist es schon ganz\ndurchgeschubbert Aber ich habe es mit Seide\nsammengezogen, daß man nichts sieht.\nJetzt habe ich mir ein Samtkleid gestaltet,\nschwarz schleppend, mit hellem Tuchunterkleid und\ntiefem Spitzdekolletee, weil mein Hals und Rücken\nhier so schön geworden ist. Weihnachten soll.\nAlexo daraus Champagner trinken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "96", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.6", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alired Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.4", "debut_caractere": 4420, "fin_caractere_exclue": 8796, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nvon Alired Döblin\n\nSie lachte, sie lachte.\nDie Nacht war hereingebrochen, die Luft heim-\nlich geworden.\nDa sah Johannes ihre Fenster am Gartenhaus\nleuchten, Er lief durch die Gartenwege mit halb-\ngeschlossenen Augen, ohne gegen die Schwärze der\nBäume anzurennen, den Kopf zurückgeworfen, mit\nreifen Lippen. Er lief und zitterte, zitterte; — Ro-\nstige Tore muß ich auftun. — Er lief, wünschte\nhalb, daß ihn jemand festbände, oder von hinten\nüber den Haufen schösse.\nIhr Haus mit den glühenden Fenstern glich\neinem Ungeheuer, Charybdis, die ihn mit einem\nlangsamen machttollen Zuge einschlürfte.\nDurch die verschlungenen Gänge, Wege, über\nden Kies, knirschte und klirrte sein Schritt.\nIrene saß zusammengekauert auf einem Sessel,\nwich nicht zurück. Sie hatte nicht den Kopf gedreht\nund nicht die Augen vom Boden abgwandt, als die\nTür klang. Die Hände waren gehoben, die Hand-\nteller abwehrend nach, vorn gewandt. „Irene, geht\nalles verloren.\" ...\n„Noch schütz ich mich, Johannes\" — „Ich habe\ndich in Blut verlassen, deine Lippen blieben wund\".\nSeine Stimme keuchte über die fahlrote hinweg.\nIn Qual starrte er sie an, die den Kopf zu ihm hob.\nIn ihren Augen begann ein stilles Feuer zu glü*\nhen, ihre Brust wogte. „Irene, Wüste, Wüste ist\nalles in mir geworden\".\nEr riß sie an den Handknöcheln zu sich auf. „So\ndurfte ich nicht zu Dir kommen. Unsere bösen\nFeinde wollen es. Wenn ich meine Finger bewege,\ngeschieht nur ihr Wille, nur ihr Wille. Oh wie hätte\nich zu dir kommen sollen.\" Irenes Sehnen und\nMuskeln spannten sich drohsam, sie reckte sich\nzu ihm auf. Ihr Blick traf ihn; er leuchtete hassend;\naber Johannes schloß nicht geblendet die Augen.\nEn sprach nicht mehr; eine Verwandlung ging mit\nihm vor. Sein Gesicht schien zu erkalten; die\nMundwinkel blieben breitgezogen und die gespannt\nten Kaumuskeln traten unter der Wangenhaut her*\nvor. Irene erstarrte nicht. Sie flehte, während sie\nden Griff seiner Hände an ihren Arm fühlte „Oh\ndu mußt sterben, ich sehe es an deinen Augen. Du,\n—- aber töte mich.\"\nSie blühte in seinen Armen auf. Inbrünstig und\nhingerissen flüsterte sie: „Schlage mich, Johannes.\"\n„töte mich, ich fleh dich an. Du hast das Recht und\nsonst niemand.\" Sie sah immer auf das erstorbene\nGesicht, das sie noch nie gesehen hatte und\ndas sie so glücklich fand. Seine starken Hände\nten ihre runden Schultern, die jubilierend aufbeb-\nten.\nIrene, dein Hals ist so weiß, ist so weiß — du\nlößt mich, — wie heiß sind deine Lippen. Was tust\ndu mir? —- —\nEr ging taumelnd. Itfene folgte ihm mit dem\nBlick durch den frühlingsknospenden Garten.\nAls sie wieder im dunklen Zimmer lag, atmete\nihre Brust wild und tief, flog vom Dunkel gedeckt,\nüber ihr Gesicht ein höllisches Lächeln, Sie war\nihm gewachsen. — Johannes ging stumm durch\nden Garten und die Straßen, mit breiter Stirn und\nschluckte oft. In ihm gings nicht so seelisch vor, ihn\nerfüllte nur das Gefühl seines Körpers,, das Auf*\nstampfen der Füße, das Wiegen der Arme. Er hatte\ndie Empfindung, als müsse er einen Felsblock mit\nden Schultern heben, oder langsam vor sich hetf-\ndrängen. Dann achtete er auf sein schnaufendes\nAtmen nud war in seinem stillen, mondhellen Zim-\nmer.\nIhn gelüstete nach Schmerz; er sehnte sich un=\nklar nach Erwachen und Besinnung. Ihm war als\nmüsse er aus irgend einem Elend aufschreien.\nUngewiß, was er tun sollte, schaute eri auf die\nstummen, in sich zurückgezogenen Dinge an der,\nWand und im Zimmer mitten, schlug mit den Knö=\ncheln gegen die scharfe Tischkante und warf sich\nauf den harten Fußboden. Ein hoher Haufen von\nBlättern und losen Bognn fiel vom Tisch auf ihn\nherab und flatterte wie trockene, starre Frauen-\nhaare über sein Gesicht. Er schleuderte die Blätter\nauseinander, wühlte, begrub sich in ihnen, und sei-\nne Hände zerrissen und zerrieben sie, während das\ndüstere rettungslose Gesicht unbeweglich blieb\nund aus dem offenen Munde dröhnende Laute ka-\nmen.\nEr wälzte sich in den Papieren. Als seine Finger\neinen Glassplitter am Boden fasten, presste er ihn\ntief in seine Lippen, schluckte, indem er sich auf-\nrichtete und ganz erhob, mit trunkener Ruhe das\nheiße Blut, das tropfenweis auf seine Hand fiel und\ndessen Glut und feuchtes Purpurrot ihn erzittern\nließen. Er atmete rascher nd unruhiger, trocknete\nseine Hände ab und betrachtete sich im Spiegel,\naus dem ihn ein mondweißes, scharfschattiges frem*\n•» ' 7\ndes Gesicht anstarrte."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9664, "texte": "Zum Fenster schlug kühle Nachtluft herein. Er\nlehnte an der Wand, während sein Blick unacht-\nsam die Papierfetzen und die Blutlache streifte.\n* «\nEr warf den Kopf in den Nacken. Keine Ruhe\nwollte über ihn kommen, auch kein Ermatten durch\nlange Tage. „Liebe kann nicht sein unter Men-\nschen. Und wenn es unmöglich ist, so soll Irene\ndas Unmögliche geschehen machen. Sonst betrügt\nsie mich, Irene, und ich erschlage sie, reiße ihre\nBrust auf, zerdrück ihr Herz. Und sie entrinnt mir\nnicht wieder. Soll es büßen, büßen, daß mich keine\nLiebe lößt.44 Das Wort ging um ihn herum immer-\nfort. Tiefer versank er in sich, immer wortloser.\nEr legte den Kopf in den Nacken, suchte sich wien\nder in den gewaltsamen Willen der Schwere ein-\nzufühlen. Dann ging über die grauen Augen der\nVorhang wieder auf. Die Augen richteten sich ge~\nrade aus und dann langsam nach oben und zur\nSeite. Es ruhte sich wohlig in der erstarrten Welt.\nGing alles um ihn herum: vom Teppich zog es zur\nDecke, schweifte zur Rechten und Linken, schloß\nihn ein und stand ruhig da.\nSo heimlich wohnlich war diese Welt,, es ließe\nsich wohnen in dieser krampflosen Welt. Mit eins\nwar Alles so grenzenlos,, verschwommen, und\ndoch eng zusammengeschlossen und verbunden.\nJeder Ton im Liede klingt und lehnt an den\nandern, auch Farbe hebt sich gegen Farbe, nichts\nist ohne das andere. Nichts gelöst und einsam:\nVerflochtenheit. Kein Erstaunen bewegte Jo-\nhannes; in die dumpfe Selbstverständlichkeit war\ner hineingenomimen. Er lauschte starr hinein,\nwie als Kind, wo er fürchtete, die Dinge mit den\nrohen Händen der Worte zu zerbrechen.\nSo dicht trippelnd nah war er deti Dingen,\ndenen er auf die Schulter klopfte, sie streichelte\nihre seidigen (Pfötchen nahm. „Kätzchen, lieb, lieb\nKätzchen44. Zwischen den Dingen ruhte er Schul-\nter an Schulter.\n# *\n*\nEr riß sich grollend los. — Wär doch mein\nganzes Leben nicht gewesen. Wer hat mich aus\ndem Tode zu rTodessehnsucht gerufen? Oh wer\ndurfte das? Ein bitterer Abweg von Tod zu Tode\nist das Leben.\nEine grausame Unbegreiflichkeit ist es. Ich\nfaß es nicht, wozu sich das Leben über meine Wir*\nbei, Muskeln und Häute geworfen hat, —\n* *\n*\nDer Fingernagel des Gesunkenen \\ritzte das\nweiche Holz des Tisches; mit schweren, langsam\nmen Gedanken sah Johannes auf die Buchstaben,\nZahlen und Zeichen. — Und hier steht es, sinnlos\nvon einem Nagel hingerissen. Sinnlos ist, was der\nNagel schrieb, aber das Holz ist doch verwundet.\nDas Brett hier wird nicht mehr glatt werden, wie\nman es auch reibt und putzt. Mein Fingernagel\nhat, der Narr, Ewiges getan. Er hat es dürfen. Daß\nich nicht schauere, den Finger zu heben, den Kopf\nzu bewegen, den Mund zu öffnen.\nDie Vergangenheit ist kein Staub, den ich mir\nvon den Kleidern schütteln, damit er wieder in die\nLuft fliegt; Wohl ist sie abgetan, aber gierig am\nMaul der Ewigkeit geschnappt. Verrucht ist das\nGeborensein, verrucht das iWandeln unter dem\nLicht. Hier steht es„ von einem Nagel hingerizt;\ndas Holz mußte es dulden, und so hat man mit mir\ngetan. So hat mich das andere, das draußen, Zu*\nfall um Zufall zur Ewigkeit geschleppt, Stückchen\num Stückchen in das tote Sammelhaus geschleppt.\nErpreßt hat der Zufall mir mein Schicksal; einen\nPopanz hat man statt meiner gesehn.,\n* *\n❖\nHerabstürzen aus dem weißen Ungefähr, blöch\nsinniges hartnäckiges Klopfen gegen die Kerker*\nwände. Hoho, hoho. Müßten einmal alle zu kichern\nanfangen bei dem siebzigjährigen Brüten über den\neigenen Nebel. Als träte in einen Wagen ein Be*\namter und fragte: „Mein Herr, Ihre Karte bliteu\nWelches Recht haben sie zu leben? \"Die Bahn«\nhöfe leer, die Züge bleiben auf offener Strecke\nliegen, Laternen brennen noch von der letzten\nNacht.\nWas würden die Wächter sagen, wenn die\nStrolche in den Anlagen nicht mehr aufstehen\nwürden, keiner raufen wollte. — Wenn einmal, was\nder Menschengeist in heimlichster Tiefe gerührt\nhat, sichtbare Gewalt über Nacken und stolze lärm*\nfrohe Mächte gewännen und grausig drohend über\nihnen stände. Und so auch über mir. — Willst du?\n— Johannes, auch über dir?\n« *\nSo liegt alles still, seeüos, aber verflochten, eins\nins andere. —- Die hassenden Grenzen fielen. Ich\nwehre mich nicht gegen den Haß, der das Leben\nist; das muß ich gehen lassen. —\nWillenlos, wie ich hineingerissen bin, muß ich\nweiter treiben, bis es mich zum Tode schwemmt.\nBrünstig bin ich zu sterben. Nun faß ich aber den\nSinn des Lebens. Auf Vernichtung geht es aus,\nwillentlich in Grausamkeit und Zerstörung lacht es.\nZerfleischt eins das andere, doch sättigt, sättigts\nsich sterbend. Darum ist die Liebe, Krone des\nLebens. Wir haben nicht Arme, um uns entzückt\nzu umschlingen, nur uns zu wehren und zu kämpfen\ngegen das andere und zu töten, wir Grenzzerstörer.\nJeder Kuß verfehlt einen Biß. Ah, darum schnürt\nsich das Leben zur Zweiheit ein, zu Mann und\nWeib, daß es sich aufs wildeste packt und zerreißt\nWie blickten wir uns hassend an, wie wollten\nmeine liebenden Hände sie würgen. Es konnte nicht\ngeschehen, daß wir uns liebten. So war doch kein\nabgründiger Hohn um diese Liebe. So ist die Liebe\ndas süßeste von allem, weil sie das herzlichste in\nuns sättigte, an das Ton des Todes klopft, den\nschwarzen Vorhang willentlich hebt. Schwer hockt\ndas Leben an dem Toten; es ringt und! müdet sich\nmit Stein, Luft und Wasser ab, bis es wieder sie\nzerrieben hat und hinwirft und auf neue Beute\nspringt.\nIch beneide es um die Danaidenarbeit nicht.\nUeber meine Wirbel, Muskeln und Häute hat es\nsich geworfen, wacker hat es mich gejagt und auf\nBeute getrieben; in der Liebe segnet es doch sein©\nfiebernde Hoffnung. Durch alle Welt krampft die*\nse Sehnsucht hin und schluchzt: wie hab' ich sie\nschluchzen hören.\nSie peitschten mich durch alle Einsamkeiten\nbis hierher die armen Mächte die ich böse Feinde\nnannte, —- an den Pforten des Todes bitt ich ihnen\nab.\n$\n* *\n*\nDer schwere breitstirnige und die stolze mit\ndem starren rotem Haar schlichen bleich und an*\neinandergedrängt in der scharfen Frühlingsluft\nzwischen den schwarzen hohen Stämmen. Es war\nfrüher Morgen, nach einer Nacht, die beide nicht\nhatte schlafen lassen.\nHinter Gestrüpp ein ganx schmaler\nBach, an dem sie sich niedersetzten, auf einem lie*\ngenden Baume, sich die Hände hielten und von\neinander weg in die Kronen sahen.\n„Warum tanzen wir nicht um die Bäume wie\nfrüher, Irene?'4 —• „Komm44 antwortete sie zitternd.\nSo gingen sie langsam um einen Baum herum;\nplötzlich klammerte sie sieh an seiner Brust fest\nund schrie zu ihm, der mit gesenktem Kopfe stand-\n„Johannes44 indem sie in seinen Augen suchte. —\n-— „Ich sehnte mich oft deinen weißen Hals zu\nküssen, oh Irene\"\n„Ach, ich wußte es44. Da drehte sie sich um\nsich selbst, preßte ihren Rücken fest gegen einen\nBaum, den ihre blassen Hände hinten umschlangen*\nstarrte auf Johannes. Langsam und lautlos wie ein\nSchwan über einen blauen See streicht, erschiem\nein harter Zug auf ihrem schmalen Gesicht; etwas\ngewaltsames durchreckte sie.\nSie schrie nicht vor ihm, der näher schritt,\npreßte starr den Kopf zurück, als wäre sie an den\nBaum genagelt; aus ihren halbverhängten Augen\nfunkelte es gegen ihn. Seine Augen, der den Kopf\ngehoben hatte, hingen trunken und delirierend an\nihr; die finstere Verzweiflung wich daraus. Sie\nlachte in aufschäumender Anigst und sah hinter\nsich. Die Arme vorstreckend rief sie: „Hole mich4'.\nImmer wilder und tiefer lachte die erwartende.\nSchritt um Schritt näherte sich ihr der schwere,\nstarke, dessen Züge sich versteinerten. Er stöhn*\nte: „Lach doch, so lach doch Irene\" —.\nDann, ergriffen seine Hände ihre Arme, sse\nblühte ihm mit Gelächter und Leben entgegen.\nSchrie gell auf. Denn wie er sie umschlang, hatten\nseine Zähne tief in den weißen Hals und die Kehle\ngeschlagen, das Gesicht in den Blutstrom gedrückt\nschlürfte er an ihrem Halse, die mit leisem Keuchen\ngegen seine Umklammerung anrang. Er seufzte mit\ngepreßten» Kiefers und1 zitterte: wie warm, wie\nwarm. Es quoll wie ein Bad über sein Gesicht, lag\nwie eine rote Binde über seinen Augen. Den bittern\nBlutdunst atmeten sie: sie kannten sich beide nicht.\nDurch das Weib rauchte weiß und immer dichter\ndie tödliche Luft; rührte ihr Stirn, Auge, und Kniee*\nSie wuchs in die Umarmung hinein, in die Schwere\nseiner mörderischen Hände, den erstickenden\nDruck seines Leibes. Aus seinen Armen,, die sich\nlösten, glitt sie seufzend an ihm herunter, erstand\nüber ihr gebückt, deren Mund offen war, deren\nAdern an den Schläfen stärker blauten. „Oh,\nliebster, mein purpurn Hochzeitskleid. Maria fährt\nzur Hölle41. —\nSie spritzte ihr Blut nach ihm, mit tiefen\nSchauern, träumend. Ihr« Finger kratzten den\nWaldboden; sie zuckte,, als er sie aufhob. Noch\nals sie erkaltete, suchten ihre Lippen nach seinem\nMunde. Er ließ sie achtlos fallen. Seine Blicke\nsuchten an den Bäumen, den Aesten und den wei*\nBen Himmel\nEr erkannte halb, wo er war. Dürres Holz\nLaub und Moos streuten seine schweren Hände\nüber den stillen Körper. Gelbweiiß unnahbar war\nihr Gesicht. Er stand lange gebückt über der\nToten, mit verschränkten Armen und sann\nnach. Dann betrachtete er seine Hände, wusek\nsich am Bache. Murmelnd ging er weiter.\n• *\nAn den Menschenwohnungen schlich er ver=\nsunken, dämmernd, fröstelnd vorbei. Auf sein»\nLippen trat unwillkürlich: Wie sie so sanft ruhn,\nalle die Seeligen. Hoho, geht einer um trägt seine\nHände durch die Straßen! — Lilith, die große Ver*\ndunklerin, wie raschelt ihr Atem hier, wie betet\nman zu der Betrügerin. — Meine nassen, blau=\nschwarzen Hände. — Hoho, geht einer um, einer,\neiner!\nLilith singt hinter dem Fenster: „Itys, ach It~\nys\" hinter den Fenstern. Wenn ich mich in die Stille\nvergrabe und die rasche Luft zu meiner Gespielin\nerwähle und buhle mit der grünlichen Bläue des\nHimmels, — so hold weht kein Wind, so seltsam"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6337, "texte": "leuchtet kein Himmel, daß mich seine Bläue jetzt\nnicht ausgrinste, daß die Stille nicht blöde, blöde\nzu mir lärmte. „Itys, ach Itys\" hinter den Fen*\nstern.\nSie ziigelt die schwarzen heißen Pferde, daß\nsie sich bäumen und mit Schnauben hochstehen; riß\ndie Leine? —\nMeine nassen blutschwarzen Hände, — da\ngeht einer um. Sieh du scheue Trauer, sieh meine\nHände, sieh daß die dunklen Flammen nicht zusam*\nmenschießen und der Brand ausbricht. Am Feuer\ntrockne ich das Blut. —\n* *\n•\nEs war Spätnachmittag, als er langsam, die\nTür zu Irenes Garten öffnete. Durch die ver=\nschlungenen Gänge, Wege über den Kies, klirrte\nsein Schritt wie sonst. Lange saß er in dem abends\nliehen Garten Irenes auf der Bank, auf der zum\nersten Mal leidend ihre blassen stolzen Mädchen*\nhände an seine Stirn und Schläfen gedrückt hatte.\nMurmelte oft vor sich hin: „Irene hat einer ge*\nwürgt\". Die gelben Vorhänge ihres Zimmerchens\nwehten aus dem offenen Fenster heraus. —\nSchreckhaft und dunkel vergrämt stand er auf,\nhastete hin und her. Der Wind blies über ihn und\nkühlte seine Stirn. Der Klang seiner Schritte tat\nihm seltsam wohl. Wie fraglos gut alles geworden\nwar; hallend klar und kristallisch grün. Wie eine\nFliege im Bernstein sah er es vor sich. Dann rannte\ner schneller durch die Gänge, ließ sich den flak*\nkernden Wind in die Aermel blasen, als wollte er\nsich forttragen lassen. Ueber seinen ganzen Kör*\nper strich der Wind; er zog ihn mit offenen Munde\nein. Mit tausend flackernden Armen faßte der\nWind nach ihm. Da begann das Itysrufen hinter\nden Fenstern jach zu verstummen,. Während er.\ndurch die dunklen Straßen lief, schrie mit eins alles\nin ihm: Flamme, Flamme! Geht einer um, Hoho!\nEr mußte sein Opfer vollenden; ja das schmach*\ntende Züngeln empfand er, die bläulichen, weißen,\nblaßroten und blutigroten Feuersflammen. Seine\nBewegungen wurden immer freier, ganz leicht. Er\nlief mit berauschten Füßen, wie getragen wie ge*\nwellt. Durch den mondhellen Wald brach er, kniete\nhinter dem Gestrüpp an dem schmalen flackernden\nWässerlein. Da warf er das Moos und Strauch*\nwerk von der Erde auf, hob die stille, schwere\nmit beiden Armen und trug sie an den Bach.\nEr wusch den blutigen Hals der weißgesich*\ntigen, noch immer lächelnden. Aber ihre starren\nHaare Heß er nicht naß werden; flüsterte, flüsterte:\n„Ich war vor Deinem Haus, Reni; ich habe noch\neinmal alles gegrüßt,, auch unsere Bank, Es ist\nZeit, ist Zeit. Dich hat einer erwürgt. Wer liebte\ndich so? — Bist nicht aus meiner Wurzel gewach*\n•sen; ich darf nicht „wir\" von mir und dir sagen,\nOh das Wort „wir\", — so werfe ich unsern Haß\nin die Luft. Werden uns in der Feuerluft die Fin*\n&er streicheln und die Münder reichen. — Reni,\nsieh mich an, sieh mich doch an. Ich bin so reich,\nund doch so arm, daß du sterben mußtest. Die Welt\nist zerklüftet, es gibt nirgends Brücken. Ich halte\ndeinen Kopf; so fremd bist du mir, daß kein Ge*\ndanke von mir dich fassen kann. So fremd bist du\nmir, die ich liebe, daß meine Sehnsucht sich mor*\nden muß, um dies zu vergessen. So fremd bist\ndu mir und verschleiert von solchen Engen, daß\nalle Welt zerbrechen müßte und in Stücke fallen\nund den Geist aufgeben,, weil dies geschehen kann.\nKomm du Glückselige, meine Wonne taumelt\nizu dir, du, unsre Brautnacht flötet und schmettert.\n— Du haßt mich nicht mehr. Du kannst (mich\nnicht mehr fassen. Bist jetzt ein weicher Fleisch*\nklumpen, schwer, krampflos, bist jetzt nicht —\nmehr — Irene —, du rothaarige, lächelnde. Du\nbis jetzt nicht mehr Irene, wo dein Haß nicht\nwo dein Haß nicht mehr ist. — Komm es\nist Zeit\". — Er starrte verwirrt auf die Tote,\nstand langsam auf. — Wer ist das da? 1— Ich\nkenne den Klumpen nicht. Wo ist Irene? Den\nKlumpen kenne ich nicht. — Wer hat das\ngetan? Wo blieb es, das blutgierige, ge*\nballte dem ich nachstellte, hinter ihren Augen, ih*\nrer Stirn, ihrem Sprechen, ihrem Lachen; es ist\nschon verweht. Jetzt will mich Irene morden, so\nwill sie mich morden. Noch jetzt lächelt sie mir\nHöhn. Ich wollte eine Tür öffnen14. — Rings um\nden Baum ging er schichtete einen hohen Schei*\nterhaufen. Harten Gesichts hob er das tote Weib\nmit beiden Armen auf und lehnte es fest gegen\nden geborstenen Stamm. Dumpf schaute er auf die\nStumme hin. Schüttelte wild ihre Schultern, würg*\nte an. ihrem Hals. „Reni\"! Wo bist du? Was lä*\nchelst du, so sprich doch, was soll dein Lächeln\nbedeuten? — Oh du Verfluchte. Weit ins\nLeere habe ich sie abgestoßen, zu den Mächten.\nIch selbst bin mit ihr gestorben. Ich wollte eine\nTür, öffnen'4. — Dick qualmte es um seine Brust,\ndessen Hand in dem spröden Haar des Weibes\nwühlte und riß. Die Flämmchen spöttelten des\nweißen Mondlichts über dem schwarzen Geäst. —-\nVon ihr ist nicht die Rede, ich wollte Irene\nnicht. Ich wollte keine Liebe. Meine Einsamkeit\nwollte — ich -— verlassen. Oh ich versteh dein\nLächeln, wie ich es immer verstanden habe, nun\nhöhnst du meiner dort — im weißen Ungefähr und\nspringst, daß ich alle Fäden zu dir zerrissen habe,\ndich nie berührt habe, solange ich auch um dich\nrang; Bei den Mächten bist du, die Macht, und kein\nTod macht meine schreiende Einsamkeit Schwei*\ngen. Und -— kein Tod löst mich, in alle Ewigkeit\nschließt mir die Tore auf! Kein Fenster habe ich\nzum Schauen keine Hände die Riegel zu brechen,\nkeine Füße davon zu laufen. 'Tod ist das Leberf,\nleichenstarr das Leben; es gibt kein Leben, sonst\nmüßte es Liebe und Hände geben, Tod ist das Leben,\nwas auch die Bäume wehen und der Mond und\nalles, was hier schwirrt und diese Flammen hier,\ndiese heißen Flammen.\nSteifer Tod bin ich mit all meiner Angst, Johan*\n• * *\nnes, und gibt kein Erwachen zum Leben. Die\nMächte, ja sie, die imeiner spotten, die blöden, ha*\nben dies Verlangen und Irene selber ersonnen, ge*\ngen mich. Wie siie mich brannten, wie sie mich\nbrennen!\nIch höre ihr gelles altes Gelächter. Oh — ich\n— ich weiß, was ich tue, ich — lache — mit —.\"\n— Da schlug eine große Flamme, plötzlich aus\nden zuckenden zusammenschließend, mit weißen\nHänden über den keuchenden verzerrten Mund.\nSie umwallte löwengierig den Baum.\nMit Faustschlag und Fußtritt warf sie ihn um,\ngurrend und einschmelzend wälzte sie sich über\ndie Aeste und hockte mit grinsender Zärtlichkeit\nneben den Menschen nieder.\nSie wuchs aus der Erde auf, bog die zottigen\nFinger mit Krallennägeln nach den Brüsten und\nschrie mit Gelächter: ~Meine Kinder! Meine lie*\nben Kinder! —\"\n' Ende! < •"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.6.1", "titre_corps": "Moriz Melzer | Original-Holzschnitt", "titre_sommaire": "Moriz Melzer | Original-Holzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 35, "texte": "Moriz Melzer | Original-Holzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Je mehr aber der Künstler an Stelle©*"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10842, "texte": "gelangt, an denen aus verhüllendem Dunkel und\nBlenden des Lichts, die Gegenstände durch Eigen-\nheiten zur Sichtbarkeit streben, je mehr er das Cha-\nrakteristische der Objekte wiedergeben will, desto\nmehr wird sein Strich vom konstruktiv und mathe-\nmatisch Regelmäßigem abweichen und den Formen\nder Gegenstände nachgehen. Da aber die Formen\nselbst nicht nachgeahmt werden können, so liegt\nalle Individualisierung des Allgemeinen und Typi-\nschen lediglich im Verhältnis der charakteristischen\nLinien zur Geraden oder Kreisförmigen und irgend-\nwie mathematisch regelmäßigen Linien. Dieses\nVerhältnis macht den Stil aus. Man kann keinen\nStil ausklügeln, sondern das Verhältnis der cha-\nrakterisierenden zu den indifferenten Linien ist ein\nErgebnis der Phantasie, die sich in Bewegung setzt»\nnach Analyse der Erscheinung. Mit innerer Not-\nwendigkeit läßt sie aus den Massen der Geraden,\ndie allgemeine Form, Schatten und Färbung ange-\nben, die charakteristischen, geschlängelten, ge-\nkrümmten, geknickten Striche als Symbole der\nEinzelheiten und des Individuellen, herauswachsen.\nSie überträgt das Gesetz der Naturerscheinung in\ndie Sprache der Linie, an deren Wandlungen es\nneu als Gesetz der Linie, des Stils erscheint und\nnichts mehr mit seiner Herkunft aus der Natur zu\ntun hat. Das Gesetz der Natur fällt in die Wahr-\nnehmung, das der Linie ist ein geistiges Geselz\nder Phantasie. Der Stil ist Erzeugnis des produk-\ntiven Geistes, der mit der Natur seines Materials\nund dessen Entwicklüngsbestreben im Kunstwerk\nsich vertraut gemacht hat.\nWer in phantasieloser Naturabschrift stecken\nbleibt, dessen Linien werden ihre Formen allein von\nder Natur erhalten, zusammenhanglos, gesetzlos\nbleiben. Im stillosen Kunstwerk versteht man nicht\nden Zusammenhang der Einzelheiten mit dem Gan-\nzen, man begreift nicht, warum eine Einzelheit ge-\nrade da oder dort zur Sichtbarkeit gelangt, weil\"\nsie nicht herauszuwachsen scheint aus dem Ganzen.\nAlso fehlt mit Stil solchem Kunstwerk die ästheti-\nsche Notwendigkeit. Zweifellos wird1 die Natur*\nStudie niemals die stilistische Vollendung freier\nSchöpfungen besitzen, aber dennoch schon die\nPhantasie keimen lassen, weil ohne diesen\nder sich als Stil der Naturstudie zeigt,\nkeine Studie Verwendung in einer freien\nSchöpfung finden könnte. Sie stünde ganz außer-\nhalb des Bereiches der Phantasie, würde nie in sie\neingehen.\nDas harmonische Verhältnis der individualisie-\nrenden und der Linien gibt erst die\nKomposition. In ihr muß jeder Strich ähnlichen\nWert besitzen, wie ein Ton in einer Symphonie.\nMan wird in der Zeichnung, wie in der Musik.4\ngleichsam Solistimmen unterscheiden vom allge-\nmeinen Chor. Jene sind die individuellen, diese\n' die indifferenten Linien. Die individuelle Linie gibt\nden Ausdruck der Formen, die indifferente die Kon-\nstruktion, den mathematischen Aufbau der Körper.\nSo drückt in der Landschaftszeichnung eines alten\nNiederländers jeder individuelle Strich ein Blatt,\neinen Zweig, eine Wurzel, eine Blume, die Haare\neines Tieres, die Faserung eines Balkens, die Bie-\ngung eines Baumstammes, aus und erweckt den\nAnschein des Reichtums der Natur, die nirgendswo\nleer ist, in allem Wechsel von Licht und Schatten\ndoch Einzelheiten in ungezählter Fülle zeigt, zu-\ngleich aber finden wir zunehmend indifferente Lini-\nen den großen Typus der Bäume, Wiesen, Tiere,\nBrücken, Häuser, der Perspektive ausdrücken und\nganz gerade Linien durch Strichlagen die Abstu-\nfungen von Schatten und Licht geben den großen\nMittelschatten, die dunklen Figuren darin, die\nSchlagschatten. Eine innere Notwendigkeit verbüß\ndet alles Individuelle mit dem Typischen, so daff\nman nichts wegnehimen könnte, ohne die Harmonie\ndes Ganzen zu stören. Alle Linien zusammen er-\nzeugen eine gemeinsame, musikalische Stimmung\nvon bestimmtem Grade der Helligkeit oder des\nHalbdunkels.\nSolche Zeichnungen werden immer seltener, die\nEinseitigkeit nimmt überhand, man sieht kaum je-\nmanden Bäume zeichnen, die Blätter haben, andere\nsehen nur Aeste, aber keine Schatten, wieder ande-\nre nur Form, keine Farbe. Das Leben aber mit\nallen Aeußerungen vermögen verschwindend weni-\nge zu geben. Einige Ausbildung, die den Strich\nrespektiert und darauf abzielt, jedem einen sym=\nbolischen Wert zu verleihen,, ist besonders zu wün-\nschen für das Zeichnen auf Kupfer, Holz und Stein,\ndamit man das Material nicht vergewaltige, um\neine unsichere Zeichnung durch Schaben, Kratzen\nund andere Kunststücke interessant zu machen oder\nsich genötigt sehen, Zufälligkeiten der Drucker-\nschwärze als Geniestreich auszugeben.\nJeder Strich ist Symbol einer Stelle der Natur\nund nicht mit ihr identisch, denn nur durch Verhält-\nnis zum ganzen Organismus der Zeichnung erhebt\ner sich zu höherer Bedeutung, als er für sich allein\nbesitzt. Für sich allein hat kein Strich Bedeutung,\nsondern gewinnt sie erst als Mittel des Betrachters,\nVorstellungen zu erzeugen, die nicht identisch mit'\nder Zeichnung, deren Details nicht identisch mit den\neinzelnen Strichen sind\nEin Strich ist also Symbol, insofern er durch\ngesetzlichen Zusammenhang mit anderen Strichen\nErreger wird von Vorstellungen, die weit über die\nVorstellung des Striches hinausgehen, indem zwei\nStriche eine Meile Weges bedeuten können. Striche\nohne gesetzlichen Zusammenhang erzeugen keine\nVorstellung, die über den Strich selbst hinausgeht,\nerzeugen keine Schattentöne, kein Licht, Form,\nFarbe, Raum, Bewegung. Eine Zeichnung ohne Stil\nist tot, wie eine Linie ohne Beziehung zu einem\nLeben, dessen Erscheinung sie symbolisiert, bedeu-\ntungslos ist.\nEs haben neuerdings einige behauptet, die Linie\nan sich habe aesthetischen Wert. Allerdings gibt\nes einen Umstand, der diese Meinung begünstigt..\nIn allen Perioden großen Stils bemerken wir, wie\ndie charakteristischen Schwünge, die der Künstler\nals Variation der indifferenten geraden Linie im\nNaturstudium gefunden hatte, durch in\nalle Werke übernommen wurde. Wir sehen, daß\nman den Schwung der Linie,, durch den man ein\nBlatt ausdrückt, überträgt auf den Ausdruck der\nForm eines Tieres, und dessen Form klingt wieder\nin dem Schwünge, mit dem man eine menschliche\nGestalt individuell macht. Aehnlichkeit im Stilisie-\nren aller Gegenstände ist zurückzuführen auf die in\njeder Kunstperiode wachsende Einsicht in das Ge-\nmeinsame der Typen auf Grund der Erkenntnis von\nder Gemeinsamkeit des Lebens aller Wesen. Der\nSchwung der Linie, welcher in jeder Naturstudie\nmöglichst der Naturform gerecht zu werden sucht,\nindem man selbst kleine Einzelheiten wie Blätter,\nGräser, Blumen auf einen besonderen Typus bringt,\nwird mit der Erkenntnis der Verwandtschaft gewis-\nser Gruppen von Erscheinungen zu einem dieser\nGruppe gemeinsamen Schwünge. Schließlich scheint\njede Stilperiode im Gegensatz zu einer anderen,\neine sie kennzeichnende, typisch wiederkehrende\nLinienführung zu haben Das ist eine Wandlung der\nLinie, durch welche sie die Läuterung der der Natur\nentnommenen Urtypen begleitet.\nDie reine Phantasiekunst zum Schluß verbindet\nmit der Linie eine ungeheure Summe komplizierter\nVorstellungen. Wir finden den Rokokostil mit rei-\nnen Linien-Gebilden Ornamentik darstellen, welche\ndie Phantasie lebhaft beschäftigt. Solche Linien-\nGebilde der Gothik, des chinesischen und altgerma-\nirischen Stils sind die Verführer zu Linienorgien der\nNeuzeit. Aber der moderne Künstler bedenkt nicht,,\ndaß die Linie des Rokoko und des Chinesen eine\nnicht ausgeklügelte, sondern nach dem Gesetz der\nPhantasie gewachsene ist, die nur deshalb wirkt,\nweil dieselbe Linie in den früheren Stadien ihrer\nAnwendung das Symbol reicheren Lebens war, in\ndessen Darstellung sie ihr Gesetz, der Stil seine\nRegel erhielt Linien, die nicht zuvor der Darstel-\nlung des Lebens oder der Konstruktion wirklicher\nDinge gedient und ihr Verhältnis zueinander ge-\nwonnen haben, indem sie das Verhältnis des Typus\nund des Individuellen wirklicher Erscheinungen aus-\ndrückten oder das Spiel der Kräfte in Geräten unse-\nrer Erfindung, werden stets als sinnlose Schnörke-\nleien erscheinen. In derartigem Geschnörkel löste\ndas hektische Ornament der Azteken sich auf, zer-\nsetzte die geringe Kenntnis wirklicher Körperfor-\nmen, umkreiste Ohr, Mund, Nase, Augen und Stirn\nder Götzenbilder, machte sich Gedärmen gleich am\nLeibe zu schaffen, bog sich Bein, Arm und Finger\nnach Belieben zurecht und kletterte, nachdejm sie\nden Körper aufgesaugt, über Rahmen, Pfeiler,\nWände und Gesimse einer gierigen Schlingpflanze\nvergleichbar, die alles Organische erstickt, bis sie\nselbst als wildes Gekröse zusammenfällt, in unseren\nTagen wieder auflebend als Zersetzung verknö-\ncherter Stile, ebenso gierig im Ranken und Ueber-\nspinnen von Haus, Wand, Tisch und Teller, Urne\nund Teppich, ein Geschöpf ohne eigene Architektur\nund unfähig die Konstruktion dessen, was sie über-\nwuchert, sichtbar zu machen, eine große Lüge, die\nden Mangel an Erfindung neuer Konstruktionen in\nGerät und Bauwerk verkleiden und statt des auf-\ngefressenen alten einen jungen Stil erheucheln soll.\nNur wenige entrannen dem Verderben.\nKonstruktion und ihr organischer Ausdruck sind\nnicht minder ein bestimmendes Gesetz für den bild-\nlichen Zeichner. Auch er soll ein Gerüst der Er-\nscheinung finden oder erfinden, bauen und von sich\nnicht fnehr reden lassen durch Variationen der\nschlichten mathematisch-dynamischen Linie als in\nihm steckt an Finden und Erfinden. Die Natur ist\nvoll von Konstruktion und voll von Ausdruck.\nDurchschneide die schöne Gelenkkugel eines Bein-\nknochens und beachte, welche Künste des Stützens,\nTragens, Brückenbaus der Fasern das schlichte\nRund der Kugel' ausdrucksvoll umschreibt, nicht\nals leere Linienphrase, sondern als Deuterin ver-\nborgen bildender Kräfte. Schau das starke Netz-\nwerk spitzenartiger Gebilde, das Eirund der Melone\nund ihren Gehalt, Kerne und deren Nahrung um-\nklammern, zugleich die Form und den Wert des\nInhalts ausdrückend.\nt\nKeine Linie keiner 'Kunst war bescheidener, ein-\nfacher, vornehmer und zugleich so reich, so ganz\nLeben und Ausdruck als die Linie der Aegypten\nNiemand war sich dessen so bewußt, daß Grenzen\nim Kunstwerk und Grenzen wirklicher Naturkörper\nnie identisch sein können, sondern, daß jedes\nschöpferische Werk auf frei erfundener Konstruk*\ntion beruht, von deren Geraden die Linie nur so-\nweit abweicht, als es der Ausdruck der Erscheinung\nverlangt, daher der Aegypter mitten hinein in sein\nLand Obelisken und Pylonen stellte und\nvon, deren herben Liniengerüst den Umriß der\nKönigsstatuen, Sphinxe und Ornamente, Bilder und\nSchriften nicht einen Milimeter mehr abweichen ließ\nals der Ausdruck ihrer übereinfachen Erfindunngen\ngestattete, sodaß über Rücken, Brust, Tatze, Antlitz\neiner Spinx die Linie desselben Steins in Freiheit\nerzitterte, der in Pyramiden schmachtet unter dem\nGesetz des Dreiecks.\nUnsere Aufgabe ist es nicht, den oft langweilt\ngen Kontur der Kartonzeit heraufzubeschwören. Wir\nmachen einen Unterschied zwischen nachahmender"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6524, "texte": "Linie und schöpferischer. Langweilig wird jeder\nUmriß, der den Grenzen der Körper einfach nach-\nfährt, der also die Form sucht, ohne ihr Verhältnis\nzu Schatten, Farbe und Bewegung gleichzeitig zu\nerwägen, wiewohl jeder Anfänger stets von Nach-\nahmung ausgeht und erst allmählich sich von der\nNatur befreit, je mehr er sich seiner schöpferischen\nFähigkeiten bewußt wird. Unser Umriß ist ein\nverjüngter und stets zu verjüngender. Er wird\ngeboren aus den schwebenden Tonflächen, in denen\nwir Form, Schatten, Farbe und Bewegung alle an-\ndeutend zusammenrufen, in Brennpunkten oder\nEinpfindungspunkten als zusammenhängend erken-\nnen. Unser Umriß scheidet sich aus dem Wallen\naller Elemente der Erscheinung; was die Form\nnicht finden hilft, hilft der Schatten finden oder die\nFarbe oder Bewegung. Der Kontur der Japaner\nverlor seine Entwicklungskraft durch Unkenntnis\nder Schatten und Mangel starker Architektur. Unser\nUmriß ist anfänglich ideelle, weniger mathematisch\ngedachte als empfundene Verbindung von Brenn-\npunkten und wird durch gerade Visierlinien ausge-\ndrückt, die leicht Stellung nehmen zum Viereck der\nganzen Fläche. Danach aber ist er Abweichung\nvon den Visierlinien, also Abweichung vom Rahmen\nund von der Architektur, die den Rahmen unseres\nBildes umgibt. Er ist feinste Auswahl möglicher Ver-\nbindungen zwischen den Brennpunkten zum Zwecke\nnicht der Nachahmung von Naturförmen, sondern\nzum Zwecke des Aufrührens von. Vorstellungen, die\nin der Naturstudie der Naturerscheinung gleichen, in\nschöpferischer Arbeit eine ungeahnte Natur vorstel-\nlen lassen. Nie werden wir versuchen, eine Wan-\ngenlinie nachzuahmen, da wir wissen, daß eine ge-\nrade, also der Natur unähnliche Linie die Backen-\nkrümmung sehr wohl ausdrücken kann, indem an-\nstoßende Linien der Zeichnung sie zu krümmen\nscheinen nach dem Gesetz des Aufbaus, das in der\nZeichnung unabhängig von er Natur steckt.\nSo unrecht wie die haben, die in Nachahmung\nder Natur verweilen,, haben die, welche sagen, es\ngäbe keine Linien in der Natur. Ohne Zweifel ent-\nhalten die Körper Grenzen, die man berühren kann,\nund ihre Erscheinung Linien,, in denen sich die\nKörpergrenzen zu erkennen geben. Aber diese\nLinien stehen zu den Strichen des Griffels in ähnli-\nlichem Verhältnis wie die mathematischn Dreiecke\nzu gezeichneten. Kein Mathematiker ist darüber\nim Unklaren, daß die Kreise, (Punkte, Dreiecke sei-\nner Wissenschaft nicht identisch mit gezeichneten\nDreiecken sind und daß eine gedachte Linie mit Li-\nneal und Stift nicht nachgemacht werden kann, da\nsie als kürzeste bloß denkbare Verbindung zwischen\n«wei Punkten angenommen wird. Vielmehr sieht\ner in der Zeichnung nur ein Hilfsmittel für die\nPhantasie in ihrem Drange, Vorstellungen auszu*\ngestalten, womöglich hinaus über die Eindrücke\nwirklicher Naturgegenstände. In der Natur schei-\nnen die Linien gleichsam gemacht zu werden von\nKräften, die aus einem Brennpunkt organischer For-\nmen in den anderen streben, also von Knospe zu\nKnospe, itn Winkel von Stamm zu Ast und Zweig.\nIm Kunstwerk wird die Linie lebendig und Aus-\n/\ndruck von Kräften durch einen Ueberschuß unserer\nPhantasie. Ihn empfängt der Künstler aus dem er-\nkannten Spiel der Kräfte in Form seines Werkes,\ndas in uns wecken soll, was an Ueberschuß der\nJPhantasie unausgereift im Geiste schlummert, stets\nbereit eine Welt aufzubauen, die unseren Taten vor-\nschweben soll. Die Linie in der Natur wird nach-\nempfunden als Ausdruck der Konstruktion wirk-\nlicher Körper. In der Mathematik wird sie gedacht\nals kürzeste Verbindung von Punkten oder\nals Weg von Punkten auf konstruierbaren\nBahnen. Im Kunstwerk wird sie vorgestellt.\nStellt der Mathematiker Kreise, Dreiecke, Ke*\ngel dar, so reicht er schon hinein in das Gebiet\nder Kunst Und umgekehrt: konstruiert der Künst-\nler seine Verbindung zwischen Brennpunkten der\nErscheinungen nur denkend und nicht empfindend,\nnicht nach Ausdruck drängend, so reicht er hinein\nin das Gebiet der Wissenschaft. Diese Berührung\nvon Kunst und Wissenschaft kann nie ganz vermie-\nden werden und soll auch nicht vermieden werde«»\ndenn sie hat ihre Wurzel ini der Natur selbst, in der\nwirklichen wie in der des Geistes, da jeder Mensch\nmathematische und künstlerische Fähigkeiten zu=\ngleich in sich birgt und da die wirkliche Natur zu-\ngleich eine sich selbst wissenschaftlich konstruie-\nrende und künstlerisch ausdrückende ist. Die Natur\nbeschließt in sich Mathematik, (Physik und Kunst\nzugleich. Ohne ihre Wirkung auf den Geist ver-\nmag der weder Bilder hervorzubringen, noch geo-\nmetrische Figuren, noch physikalische Instrumente\noder Maschinen, noch Kunst noch Wissenschaft.\nBeide können der Natur nicht entraten und beide\nbedürfen einander als Zweige desselben Geistes,\nda der Mathematiker von Punkten, Kreisen, Vier-\necken,, Kegeln nichts wüßte, läge nicht in der gev-\nsamten Natur in Blumen, Gestirnen und Steinen\nein Anlauf zur Mathematik, zu denkbaren, konstru-\nierbaren Raumgebilden. Er würde anderseits nie\nunabhängig von der Natur die freien Gesetze der\nMathematik aufstellen können, wenn er nicht als\nDenker auch in gewissem Grade Künstler wäre,\nfähig in der Phantasie Raumgebilde zu modellieren\nnach seinem und nicht nach dem Gesetz der Natur.\nStellt die die Mathematik unabhängig von Er-\nfahrung, also a priori Gesetze auf, denen sich alles\nWirkliche beugen muß, so sind nicht minder die\nSchöpfungen des Künstlers Verkünder von Gesetzen\na priori, von Gesetzen des Raumes, der Proportion\nund Rhytmhik, in die die wirklichen Geschöpfe erst\nhineinwachsen sollen Die Kunst hat praktische\nBedeutung so gut wie die Mathematik. Sie schafft\nGefäße für den Aufbau von Vorstellungskomplexen\nund Vorbilder der Tat.\nDa ein Wissen unabhängig von der Natur doch\nohne die Natur unmöglich ist, so müssen wir ein\nWissen a priori'auffassen als Wunder, als Schöpfung\neines Geistes, der von der Natur sich befreit, um\nihr die Gesetze zu geben, die sie sich selbst ohne\nden Menschen nicht geben kÄw. Gesetze kann\nnur geben, wer das Bedürfnis dessen kennt, dem er\nGesetze gibt. Die raumumschließende, raumdeu-\ntende, raumfüllende, raumschaffende Kunst, Archi-\ntekt, gewerblicher Künstler, Maler, Zeichner,, Bild-\nhauer müssen ebenso wie die rechnende und kon-\nstruierefide Technik von der Natur unabhängige\nPrinzipien erzeugen und befolgen, soll Stadt, Park\nund Land mit Mensch und Tier sich ihren Anord-\nnungen fügen. Diese Prinzipien kann nur aufstel-\nlen, wer sie aus der Kenntnis des Bedürfnisses der\nNatur,, aus ihrem Drange nach Sichtbarkeit erzeugt\nin dutscher Sprache ist vielleicht durch diese Eigen-\nhat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.11", "titre_corps": "Durch die Nacht", "titre_sommaire": "Durch die Nacht", "signature_source": "Heinrich Nowak", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.10", "debut_caractere": 6526, "fin_caractere_exclue": 7068, "texte": "Durch die Nacht\nHeinrich Nowak.\nEin Auto jagt vorbei auf schiefen Räders,\nDie Steine schaukeln wie auf weichen Federn,\nUnd laufen hoppernd unter allen Füßen\nZwei Hände sich zu Hindernissen türmen.\nUeppige Weiberbrüste gehn spazieren\nEin Gasthausschild will sich noch strangulier eil\nDie weißen Bogenlampenlichter kreischen\nEin offnes Fenster will sich gar zerfleischen.\nDie Nacht krallt ihre Finger in die Gassen\nEin geiler Mensch will eine Dirne fassen,\nEin Winterrock wird sich durch Gehn ermüden,\nUnd spricht in großen Gesten Plattitiiden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.12", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.10", "debut_caractere": 7070, "fin_caractere_exclue": 8160, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der UnL\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederich's / Jena\nFRANCIS VIELe GRIFFIN\nLa Lumidre de Grece\nParis Editionsde la Nouvelte Reoue /\nMarcel Riviere et Cie\nTHADDÄUS RITTNER\nIch kenne Sie / Novellen\nWien und Leipzig / Deutsch-Oesterreichischer\nVerlag\nALDO PALAZZESCHI\nII Codice di Pereiä\nRomanzo Futurista\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nALBERT EHRENSTEIN\nDer Selbstmord eines Katers / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nF. T. MARINETTI\nDistruzione / Poema\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatique\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTraeedie satirique, 3e edition\nEdition du „Mercure de France\" / Paris\nLa Vilie Charnelle\n4e edition\nE. 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Antiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 127b\nAmt Liitzow 5850\nSoeben erschienen:\nAntiguarlats-Katalog\nXXX Kunstblatter aller\nArt; Illustrierte Bucher\nin deutscher, franzfi-\nsischer und englischer\nSprache\nBitte gratis zu verlangen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c035", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.12", "debut_caractere": 3207, "fin_caractere_exclue": 3364, "texte": "Reuss & Pollack\nBaahhandlung,Antiquariat\nPotsdamerstrasse 118 c\n:: BERLIN W. 35 ::\nFernsprecher: Amt Liitzow 2829\nGraphtsches Kabinet\n| Per Neaen Sezesslon\nJ"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c036", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.12", "debut_caractere": 3366, "fin_caractere_exclue": 3419, "texte": "PaulGraupe\nAntipariat\nBerlin W 35\nLiitzowstrasse 38\n■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-07-15-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-07-15_01#c037", "volume": "bmtnabg_1919-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.2.35", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.12", "debut_caractere": 3421, "fin_caractere_exclue": 3675, "texte": "Kleine\ngam\nTitan ia-Schreibmasch in e\nErste deutsche Schreibmaschine m. 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Sprachorgane\nmd.Meth.Prof.Ed.\nempfohlen von er-\nsten arztilchen u.\n: kuiiBtlerischen :\n: Kapazitaten :\nWissenschaftler, Schriftsteller,\n:: Recitatoren. ::\nErsiehmng zu hyg. u. phonet. rich-\ntigem Sprechen zweoks Veredlung,.\nKraftigang u. Erhaltung d. Stimme.\nHeilung v. Sprachstorungen u. v*\n:: Stimmleiden jeder Art. ::\nn. 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Der tltur\nHeinrich Nowak: Durch die Nacht / Artur Segal: Original-Holzschnitt / Monz Melzer. Original-Holzsclinitt / Artur\nSegal: Die Dame / Original-Holzschnitt\n\nArtur Segal: Original-Holzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.2", "texte": "Karl Kraus | Der Mensch\nvon Carl Dallago\nDen weiteren Tadel gegen Kraus nehme ich\nnicht mehr ernst. Was sagen Vorwürfe wie: Er\nsei ein Verleumder, als Mensch degeneriert und\nungesund, als Schriftsteller eine Null, wenn sie nicht\nim geringsten mit Belegen unterstützt werden kön=\nnen, ja wenn, was man vorbringt, nur für blinde\nErregung zeugt, die sich seibar irre führt. Stammt\nsolcher Tadel von einem Künstlerisch-Schaffenden,\nfrißt ein derartiges beharrliches Unrechttun vom\nSchaffensverinögen. War der Tadler Angreifer,\nmuß er sich auf Gegenwehr gefaßt machen. Und\nhat er Sache und Gegner unrichtig bewertet, muß\ner eben die Folgen tragen. Die Gegenwehr kann\ner dem Gegner nicht verübeln, und wenn er ihm\ndie Ueberlegenheit verübelt, macht er sich nur um-\nso unterlegener. Einen Gegner wie Kraus untere\nschätzen, heißt, ihn nicht hören, ihn nicht verste-\nhen. Da muß man ihn eben fühlen. Das mag wehe\ntun, weiß doch sein Wortwitz schon tief zu ver-\nwunden.\nMan hat Kraus sogar sein Aeußeres zum Vor*\nwurf gemacht. Der bessere Mann aber sollte\nwissen, daß Größe sich nicht ungern verbirgt. Ich\nwill hier nicht vergleichen. Sicher ist: es hat\nwohl jedes Volk schon bedeutendste Menschen von\nunscheinbarem Aeußeren gehabt. Man denke nur\nan Voltaire, an Leopardi, auch an Schopenhauer.\nEs gab sogar genialste Krieger von unansehnlicher\nGestalt. Auch Kraus ist schöpferischer Krieger.\nIch fühle mich durch ihn zuweilen an Napoleon er-\ninnert: so in der Auffassung des Weibes und in der\nglänzenden Art, wie er seine Polemik zum Siege\nführt.\nMan schätzt eben nicht mehr nach Leibesmus*\nkein den Wert derer, die ihr menschliches Vermox\ngen in geistiger Produktion kundtun. Nur in ihren\nGesichtszügen forscht man etwa noch nach dem\nGehalt ihrer Menschlichkeit. Ich sah Kraus bei einer\nVorlesung und ein wenig im Beisammensein. Ein\nSichauftun und wieder ein Sichverschließen ma*\nchen sich an ihm überraschend ersichtlicn. Letz*\nteres wohl mehr in Lärm und grellem Licht. Markt\nund Gassen machen ihn hängend, steif, gleichsam\nflügellahm. Im Vortrag macht sein Sichauftun die\nverschiedensten Grade druch. Man wähnt oft das\ninnere Flammen durch die Körperlichkeit schim*\nmern. Die Haut ist dann wie durchsichtig,, der\nsichtsausdruck wechselnd, man schaut viele Ge*\nsichter, die einander ablösen. Die Erregung geht\nin seine Haltung über, jede Geste verlautbart sie.\nAlle Fülle scheint da an Kraus wie aufgezehrt von\ninneren Bränden. Die Haltung ist hart, die Finger\nknöchern, verbebt und blutleer, weil alles Blut die\nFlajmme speist, die zuinnerst lodert. Es läßt den\nBetrachter fast ahnen: Auch der Geist kann einen\nLeib ausbrennen, wie die Glut einen Ofen. Bei\nKraus liegt vielleicht dieser Fall vor. Sein Flam*\nmen scheint seinen Leib zu verzehren.\n?*•\nWeil Kraus gegen Harden und Heine geschrie*\nben hat, vermeint man Belege zu haben für Kraus'\nAntisemitismus. Vorerst: Herr Harden läßt sich\nnicht neben Heine stellen. Auch Kraus tut es nicht\nund hält den Rangunterschied aufrecht. Aber die\nargen Folgen täglich um sich verspürend, die\nHeine's zeitweilige spielerische Ornamentik (der\ngewiß auch Veräußerlichung zugrunde lag) an*\ngerichtet hat, wurde er wohl innerlich genö*\ntigt, diese Seite Heine's darzutun. Warum nahm\nauch der Feuilletonismus so schrecklich überhand!\nWarum verlegen so häufig die Feuilletonisten, die\nuns mit ihrer Leere eine Fülle vortäuschen, den\nKünstlern die Wege zur Oeffentlichkeit! Kraus\nliebt die Kunst und erkennt vom Feuilletonisten:\n„Die Kunst weicht vor ihm zurück wie der Glet-\nscher vor dem Bewohner des Alpenhotels\". Ein\nderartiger Feuilletonist aber ist imstande und be-\nruft sich für das Künstlerische seiner Tätigkeit lei*\nder mit einigem Recht noch auf Heine. Es scheint\nmir die Stelle, wo fKraus Tadel gegen Heine ein*\nsetzt; er begrenzt in dem ausgezeichneten Vorwort\nzu seiner Heineschrift klar deren Vorwurf, wenn er\nsagt: „Diese Schrift indes, soweit entfert von dem\nVerdacht, gegen Heine ungerecht zu sein,, wie von\ndem Anspruch, ihm gerecht zu werden ...., er-\nschöpft das Problem Heine nicht Die ihn zu\nschützen vorgeben, schützen sich selbst und zeigen\ndie wahre Richtung des Angriffs\". Ein Funke guten\nWillens und sonst noch das Nötige in sich, und es\nmuß auch im Heineverehrer der Tadel gegen Kraus\nverstummen.\nAnders verhält es sich mit Maximilian Harden,\ndessen schwülstiger Stil -feineren Ohren die erste\nVerdächtigung gegen den Menschen im Stilisten\nzuraunt. Kraus mit seinem empfindlichen Gehör\nfür alles Unechte hat hier nur aufgedeckt,, was das\nAufgedonnerte jenes Stils bereits argwöhnen ließ:\ndaß sich da einer för mehr ausgibt, als er ist. Denn\ndem Menschen Kraus ist die Sprache Erlebnis; er\nfühlt sie als ein Körperliches, als ein Gebilde von\nFleisch und Blut. So wird ihm der Stil wohl wie\nHaltung und Gangart, auch wie Gewandung dieses\nKörperlichen, das sich im Stil verhüllt und doch\nzeigt wie ein Weib in der Kleidung. Und er, der\nvon Bismarck als einem „Sprachmeister\" spricht\nund bei Ludwig Speidel von einem „Zug der Spra-\nche\", mußte das'tTmzUigartige und Kostümierte im\nStil Harden's bald als Mangel an Echtheit empfin*\nden, mußte des Unechten immer mehr werden se-\nhen, wenn er durch die Kleidung nach dem Körper,\ndurch die Rüstung nach dem Träger forschte. Und\nals Harden sich nicht scheute, in der üblen Tracht\nkonventionellster Moral in ein heikelstes Gebiet\ndes Geschlechtslebens einzudringen, um sich poli*\ntisch wichtig zu machen, zerfetzte ihm Kraus die\nganze Vermummung. Wie Kraus dies tat, ist ein*\nzig. Ein glühendes Temperament ist hier im Wor-\nte völlig Gestalt geworden.\nRobert Scheu's Schrift über Karl Kraus enthält\nviel Ansprechendes. In zwei wichtigen Punkten\njedoch scheint sie mir Kraus nicht gerecht zu\nwerden, nämlich: puncto Weib und Politik. Scheu\nhätte sich hier an seine Erfahrung halten sollen,\ndie ihm sagte: daß Karl Kraus noch jedesmal um\neben die Strecke voraus war, um die ihn Scheu\nzurück wähnte. Dies außer acht lassend, meint\nScheu von Kraus: „Seine Abneigung gegen die\nPolitik kommuniziert mit seiner Gleichgültigkeit\ngegen die Mutter durch verborgene Kanäle der\nPersönlichkeit. .. . Die Politik als gleichberech*\ntigte Welt mit ihren wunderbaren zwingenden Ge*\nsetzen,,( dieses Fatum ist für ihn nichts als ein Mon=\nstrum. Dieser Welt nahe zu treten, scheint ihm\nversagt zu sein\". Hier verneine ich. Gerade daß\nes Kraus versagt ist,, die Politik als eine Welt mit\neigener Gesetzlichkeit anzusehen, spricht mir für\ndas Weitgekommene seines Menschentums, spricht\nmir für ein tiefes Vordringen zu sich: und den Din-\ngen, das sich vom Intellekt nie unterjochen ließ.\nScheu ist hier noch Politiker und hält die Politik\nals ein Ding für sich und traut ihr eigene zwingen*\nde Gesetze zu. Und fühlt nicht, daß ihn dabei eine\nAeußerlichkeit zudecken will. Wie anders Kraus,\nder in Binsmarck beispielsweise einen Kopf sieht,\n„dessen künstlerische Materie gleichsam nur zufäl*\nlig die Politik war\". Mein Empfinden brachte Ver*\nwandtes auf, nur in anderer Worttracht, wenn es\nin Bismarck einen Menschen sieht, der sein Men-\nschentum in die Politik hineintrug und so als Poli*\ntiker Künstler war. Denn nicht die Politik hat ihre\nzwingenden Gesetze, sondern das Menschentum,\ndas, wenn es groß und stark genug ist,, sich auch\nin der Politik als eine Gesetzlichkeit fühlbar macht.\nIst nun kein hinreichend Starker da, der seine Ge*\nsetzlicchkeit in die Politik hineinträgt, so täuscht\nman sich in dieser eine Gesetzlichkeit vor. Kraus\nläßt sich hier nichts vormachen; sein Schätzung\ndes 'Politikers entzückt mich: sie weist dem Poli*\n•t\ntiker den. Platz an zwischen Aestheten und Dumm*\nköpfen. Die Gegenwart muß ihm recht geben und\ndie Zukunft noch mehr. Der Politiker als Partei-\nmensch ist Handlanger einer Sache, wo er nicht\nnur Geschäftsmann ist. Er versperrt sich den Weg\nzu sich und dadurch auch zu einer Gesetzlichkeit,\nwo er nicht äußere Einrictung* dafür ansieht. Seine\nArbeit setzt dort ein,, wo die Sache für ihn am\nversprechendsten aussieht: es ist an der Oberfläche\nder Dinge, in die er nie eindringt, da er selber nur\nOberfläche ist, und Fläche in Fläche nicht eindrin-\ngen kann. So entsteht ein Sich*Aneinanderreiben\nund Sich* Verschieben von Aeußerlichkeiten, die\nsich wichtig genug ausnehmen mögen, solange nie=\nmand da ist, der den ganzen Trödel zur Seite\nschiebt oder zerbricht. Man sehe doch unsre\ntiker an. Aus meinem Leben kenne ich einen ein-\nzigen, den Durchschnitt weit überragenden Mann,\nder für den Reichsrat kandidierte und durchfiel. Die\nSchwätzer und Gewandten im Vortäuschen haben\nauch hier mehr Erfolg. Es stehen gewiß viele, die\ndas Volk heute in der Politik vertreten, unter dem\ngeistigen Mittelstand. Ich habe noch von Wien her\nParlamentssitzungen in Erinnerung, in denen sich\nmir ein Großteil der Abgeordneten -— nicht zumin-\ndest die Deutsch* Völkischen — unreif genug aus*\nzunehmen schien. Man saß reitlings auf Sesseln,\nwohl auch auf Pulten oder Tischen und schlenkerte\nmit den Beinen, spazierte und gestikulierte so los*\ngebunden, als nur möglich. Der Eindruck war so,\nals ob sich ein Nichthineingehöriges in ein vornehm\nmes Gelaß verirrt hätte und nun durch freches Be=\nnehmen sein Heimischsein bekunden wollte. Der\nGläubige benimmt sich anders. Und der geringste\ntaugliche Politiker müßte an den Staat glauben, wie\nein Gläubiger an seine 'Kirche, nicht wie ein Händ*\nler an sein Geschäft. Dann wäre vielleicht auch\nPolitik fruchtbar. So aber lernt der Mann, der\nMensch genug ist, sich abwenden von Politik und\nPolitikern. Und schaut zugleich nach Menschen*\ntum aus, das hier einmal wieder seine Gesetzlich*\nkeit -— sei es als Staatsmann oder als Kriegs-\nmann — zur Geltung brächte. Ein derartiger Mensch\ndoch müßte ein großer Tatmensch sein, und üer\nist selten.\n*\nKraus und das Weib: Hier finde ich Scheu in\nkonventionelles Gestrüpp verstrickt; es nindert\nvielleicht seine Auffassung zu Kraus' Wesen vorzu»\ndringen. So sagt er, hier versagend, aus: „Es er*\nregte Verblüffung, als Kraus mit souveräner Ver-\nachtung der öffentlichen Meinung ... die Prosta\ntution als natürlicne — nicht als soziale — Kate-\ngorie proklamierte. Er wurde dabei zum Roman-\ntiker und geriet in einen eigentümlichen Zwiespalt.\nWährend er über die Feministen die Lauge seines\nSpottes ausgoß, wurde er selbst zugunsten des\nweiblichen Geschlechtes ungerecht gegen den,\nMann. Das macht, er ist den Frauen gegenüber\nzu viel Liebhaber,. —Er ist immer Page. Aber die\nHalbwelt ist doch nur die halbe Welt\".\nHier hört man das Konventionelle in Scheu\ndeutlich heraus. Was dieses sich unter Welt denkt,\nist erst rect nicht die Welt — wenigstns für den\nKünstler und Menschen nicht; so auch für Kraus\nnicht. Der findet die Spur zu seiner Welt mit Recht\nheute wohl mehr in der „Halbwelt\". Sie mag oft\nverkommen genug aussehen, so abgegriffen und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.3", "texte": "beschmutzt scheint sie, aber das Natürliche am\nWeibe ist in ihr noch auffindbar, es ist nicht getilgt.\nDenn das Weib ist ursprünglich Geschlechtswasen,\nist Trägerin einer Geschlechtlichkeit. Gattin und\nMutter sind erst Folgeerscheinungen. Die Ge*\nschlechtslust an sich hat nichts zu tun mit dem\nGattenstand und mit der Zeugung. Wenn sich ein\nWeib nur des Kindes wegen hingibt, ist bereits ein\nVorzug im Weibe einem Mangel gewichen. Freilich\nIst das Kind die natürliche Folge vollkommener\nVereinigung von Mann und Weib — aber eben nur\nFolge, die vielleicht den Sinn hat, der Lust durch\nSchmerz Weihe zu geben und so das ganze Gebiet\nder Lüste zu regeln und zu vertiefen. Kraus aber\nhält sich nicht auf bei den Folgeerscheinungen —\nsie liegen seiner Natur nicht —, er dringt weiter\nvor und verweilt erst vor dem geschlechtlich Ur*\nsprünglichen, gleichsam vor der Ursächlichkeit der\nLust: vor dem Primärsten am Weib und an der\nLiebe.\nDer „Page\" wäre demnach höchstens eine Ge*\nste seines Verhaltens —* vielleicht die äußerlichste\n— kennzeichnet aber nicht Kraus' Wesen. Das hat\nsich hier durch Schutt und Ablagerungen von Jahr-\nhunderten durchgegraben bis zum Geschlecht, als\nUrsprung der Lust in, der Natur — nicht nur in\nder Menschennatur. Und von hier aus macht er\nFront gegen den heutigen Stand dieser Dinge und\nsieht alles aus seiner natürlichen Odnung gebracht.\nUnd sucht und entdeckt diese natürliche Ordnung\n— wenn auch vielfach entsetzlich zugerichtet —\nin der Prostitution. Kraus hat auf diesem Gebiet\nsein Persönlichtes und Stärkstes gegeben, er holt\nsich daraus sein Leitmotiv, es geht wie ein Grund*\nton durch sein Schaffen, es gebiert das Thema\n„Sittlichkeit und Kriminalität\", es liegt der „chine*\nsischen Mauer\" zugrunde, in der sein Hassen zum\nBrand ansteigt, der der weißen Rasse, die dem\nMenschlichsten abtrünnig wird, in eine Unterjo*\nchung schlimmster Art visionär hineinleuchtet. Es\nliegt ein Großes in solchem Hassen und mahnt an\nden Zug alttestamentarischer und altgermanischer\nVölkerschaften, die unberührt von der Herrschaft\ndes Intellekts nach einer Gottesschaft ausspähten,\ndie noch den dunkelsten Tiefen ihres Menschen*\ntums Führer war, an Völkerschaften, die auch be*\nreit waren Gott und Götter, wo sie solcher Führer*\nSchaft nicht mehr entsprachen, aufzuopfern.\nKraus' künstlerische\" Empfänglichkeit läßt et*\nWas unterjocht erscheinen, was den lebensarmen\nMächten des Intellekts und der Moral verfallen ist.\nWer, der Mensch genug ist, möchte ihm wider*\nsprechen! Wer möchte von einer Menge noch\netwas erhoffen, die die Schöpfung im Talglicht des\nIntellekts erschlossen wähnt, das dem Licht des\nLebens heimleuchtet, weil dieses aus ewigem Dun*\nkel gespeist wird? Wer möchte noch Freude ha*\nben an einer intellektischen Welt, wo sich die WeU\nber wie Hyänen gebärden, um sich Berufe anzu*\neignen, die den Mann ruiniert haben? Wo die\nWeiber für Rechte kämpfen, die ihnen Rechte weg«\nnehmen, nur weil eine Moral ihnen zu tun verbiet\ntet, wozu sie immer ein Recht haben. Wenn man\nsich eine solche Welt der Zukunft vorstellt: die\nWeiber an Berufe gekettet, öffentlich nach Amt,\nEhren und Würden trachtend, den Beischlaf, Gat~\ntin* und Mutterschaft zum Nebensächlichsten, wenn\nnicht zum Verachteten, herafogedrückt, —- und die\nUrursache der Ausübung solcher Berufe doch in\nungestillter Geschlechtslust in sich bergend, und\ndas Wesen solcher Ungestilltheit in die Berufsaus*\nÜbung unbewußt hineintragend: Wie da die Berufe\nund die Weiber aussehen mögen? Wie da die\nWelt aussehen mag, wo solches Regel ist? Gibt\nes da eine Ueberschätzung der Natur des Weibes\nSolchen Weibern gegenüber? Und Kraus ist der\nglühendste Beschützer dieser Weibs*Natur> Es\nmacht ihn nicht ungerecht gegen den Mann und\nnoch weniger ungerecht gegen die Weiber und\nnicht mehr als gerecht gegen die Dirne. Denn es\nversteht sich nun: daß eine Dirne mehr ist als eine\nFrauenrechtlehrerin, daß sie besseres Beispiel als\ndiese auch der edelsten Jungfrau geben kann, wenn\nsie lehrt: sich das Recht zu nehmen, dem Manne\nFreude und Lust zu sein.\nNach dem grandiosen „Pro domo et mundo\",\ndas sich wie ein Abschluß ausnimmt und das sich\neiner vergangenen Sprache bedient, eine ausge*\nwählte Sammlunig von Aphorismen über eine ver*\ngangene natürliche OFdnung der Dinge zu betiteln,\nist es gewiß leichter Kraus auch hinsichtlich seiner\nAuffassung von Weib und Liebe gerecht zu werden.\nIst doch in diesem Werke über eine urewige Häus=\nlichkeit und Weltlichkeit im Menschen ausgesagt,\ndie in „Haus un.d Welt\" von heute niemals hinein*\ngeht. (Daher auch vom Autor die mundgerechte\nins Deutsche als entsetzliche Ent*\nStellung empfunden wirdT) Ich setze hierher zwei\nAussprüche aus dem Kapitel „Vom Weibel von der\nMoral\", die Kraus' weites Vordringen auf diesem\nGebiete zeigen. So: „Klein ist der Mann., den ein\nWeib ausfüllt, doch er kann dadurch wachsen\".\nUnd: „Die Kinder würden es nicht verstehen, war«\num die Erwachsenen sich gegen die Lust wehren;\nund die Greise verstehen es wieder nicht\". So\nweit Vorgedrungenes ist so einfach nie gesagt wor*\nden. Nur der noch Eingegrabene könnte daran\nauszustellen finden!\nNoch manches wirft bei Kraus ein eigenes Licht\nauf dieses Gebiet. So der Satz: „Je näher man ein\nWort ansieht, desto ferner sieht es zurück''. Klingt\ndas nicht, als wäre ihm das Wort hier Weib ige*\nwrorden ?\nKraus' persönliches Verhalten in der Liebe ist\ndamit freilich noch nicht kundgetan, aber vielleicht\nder Boden, darauf es sich bewegt. Wie er Heil*\nsames von der Lust als Natur weiß, mag er sicher\nauch Heilsames von der Natur wissen, wo die\nLust nicht mehr Lust ist. So mag er, der 'Nicht*\nlandschafter, vielleicht zum Weibe als zu einer re*\ngenerierenden Kraft finden und sein Umgang mit\ndem Weibe seine Schöpferkraft stärken können,\ndie ja erstaunlich ist. In seiner Rasse führten ein*\nmal die Wege sehr in die Tiefe nach dieser Rieh*\ntung. Dem alten König David trugen sie noch le*\nbenspendende Kraft ein,, der Ueberlieferung nach.\nUns wurden diese Wege von der Moral verschut*\ntet. Erst der große Walt. Whitmann singt wieder\n„den Leib, den elektrischen\". Und wie unsre inteL\nlektische Zeit von aüem eine blasse Ahnung hat,\ndie sich oft kindisch betätigt, ahnt sie wohl auch\netwas von einer regenerierenden Kraft, wenn sie\nelektrische Gürtel um erlahmte Lenden legt.\n*\nIch habe nun über Kraus ausgesagt, wie ich\nihn, 'als Menschen, empfinde. Erschöpfendes zu\ngeben, maße ich mir nicht an. Dazu kenne ich\nauch sein Werk zu wenig. Ich halte mir sein, kör*\nperliches Aussehen nun nochmals vor Augen. Es\nist schmächtig, fast zerbrechlich. Aber wer so viel\nin sich hat, der formt sich daraus seinen Körper.\nDann wird der gigantisch. Und ich denke: ein sol*\neher Gehalt bekam nicht umsonst die unscheinbare\nHülle. Sie ward ihm Bestimmung zur Erfüllung\nseiner Bestimmung; sie' machte das Erlebnis in\nKraus erst völlig möglich. Er erlebte durch sie\nuanso mehr die Gemeinheit und Brutalität dieser\nWelt, die vor scheinbar Schwachem mehr sich ge*\nhen läßt und ihre rohe Gewalt rücksichtsloser aus*\nübt. Daß Kraus viel Verunglimpfung und Unge*\nrechtigkeit jeglicher Art erdulden mußte, um die\nFlamme seines Innern zu schüren, ist sicher. So\ngroß, so stark wäre diese sonst nicht angewachsen.\nDas wäre eines*\nDas andere ist: Daß in ihm ein Mißverhältnis\nda sein muß zwischen Gestalt und Gehalt, zwi*\nsehen Geist und seinem irdischen Behälter: daß da\netwas in eine Form gepreßt ist, das eine viel rgrö*\nBere Form nötig hätte. Dadurch entsteht\nsatn eine Stauung, ein ungeheurer Druck, der die\nKraft sturmwindartig ausströmen läßt. Samuel\nLublinski hat in einem schönen Brief Kraus auch\nals „Sturmwind4' empfunden.\nHier setza ich ein, bevor ich ihn lasse. Ich\nhöre sein streitbares Schaffen um Gebäude und\nHürden sausen,, die eine üble Enge am Menschen\nerrichtet hat. So erinnert er mich an Nietzsche und\nist doch völlig anders: 'angefüllter und bedrängter\nvon der Gegenwart und ohne Landschaft; dabei\ndoch ein Reinemacher, ein Säuberer großen Stils\n— auch stilistisch. So geschliffen und klar, so\nknapp und gedrängt zur Tiefe wurde das Deutsche\nnoch nie geschrieben — so sonder Prunk selbst\nim Pathos. Es mag ihn zujm Meister des Apho*\nrismus von Natur aus ungemein geeignet\nmachen, mehr als Nietzsche, der zu seinem\nSichdartun ersichtlich mehr Raum — zu seiner\nTiefe doch mehr Oberfläche benötigt,. Bei Kraus\nist hier etwas eminent Uebereinstimmendes zwi*\nsehen Schöpfung und Schöpfer: Man sieht es ihnen\nnicht an, was säe sind. Der Aphorismus ist am\nunansehnlichsten an der Oberfläche, er fließt glatt\nund in engem Bette. Der oberflächliche Beschau*\ner hält ihn für ein Wässerlein; er versteht ihn nicht,\ndas erstemal nicht, später nicht, niemals, bevor er\n7 7 7\nnicht selber in derartige Flut getaucht ist und ihre\nTiefe an sich erfahren hat. Kraus ist demnach im\nGanzen auch mehr sprachsäuberlich, als sprach*\nschöpferisch wirkend. Das Säubern geht ihm\nnach in alle Einzelheiten seines Schaffens. Er\nverjagt wirklich Nebel, Rauch und Qualm, die\neine Absicht der Vielen über die Dinge\nbreitet, um im Trüben zu fischen. (Jeder\nKünstler sollte ihm dafür Dank wissen.) So schafft\ner neue Werte, indem er Menschen und Dinge rei*\nnigt und so erst ihren wahren Wert ersichtlich\nmacht. Er zeigt auf, daß ein Gleißendes und Blin*\nkendes noch lange nicht Gold ist, und putzt vom\nGolde die Trübung der \"Verdächtigung. Wie er\nalles bestürmt mit dem glühenden Atem seines\nTemperaments, und was nicht 'echt ist, flüchtig\nmacht und sich verflüchtend! Wie er Klarheit zu\nbringen sucht in diese trübe\nWelt, die selbst um Kunst und Dichtung die Nebel\ndes Schachers gesponnen hat! Ein jeder sieht sich\nselber besser durch ihn. Und mancher erschrickt\nüber sein Aussehen — so klein und niedrig steht er\nda, dem Schutz der geflissentlichen Trübung der\nLage und der Dinge entrissen, die auch Großes\nklein aussehen ließ und sich so dem Großen ver*\nwandt machte. Aber jetzt ist das Kraut auch Kraut\nund das Kriechholz nur Kriechholz und ein Hügel\nnoch kein Berg und jeder Gipfel ist ersichtlich. So\nscharf hellte der Sturmwind die Landschaft.\nAuch ich sehe mich besser und meinen Stand.\nUnd finde mich noch mehr abseits und einsam ge-\nlassen. Das Gesellige hat sich mir noch mehr enfc\nfernt. Doch die Zeit steht da, verseucht von künst*\nlieh gefügter Geselligkeit,, an der kein Sproß mehr\nWachstum ist. Und sie hält sich, indem sie sich\nunterhält: so stützt eines das andere. Da braust\nder Sturmwind herein mit seinem mächtigen: „Weh\nder Zeit, in welcher Kunst die Erde nicht unsicher\nmacht und vor dem Abgrund, der den Künstler\nvom Menschen trennt,, dem Künstler schwindlig\nwird und nicht dem Menschen !\" Der Intellekt der\nZeit aber versteht es nicht und lächelt über ein\nSchwindligwerden am Menschen und verlangt nur\nUnterhaltung vom Künstler. Da wird diesem —\nder sonst aufsucht, wovor dem Menschen schwül*\ndelt — schwindlig vor der Zeit, die so zeigt, daß\nihr das „Wehe'!' gilt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.4", "texte": "Und der Künstler zieht sich noch mehr in sich\nzurück und treibt seine Wurzeln in die Tiefe einem\nBaume gleich, dessen Stand ausgesetzter wird.\nUnd verschwistert »ich dem Sturmwind und freut\nsich dessen klärender Kraft. Und mag es auch\nvorkommen, daß diese Kraft ihm da und dort sein\nZweigwerk knickt, was tut es? Er wird neu trei-\nben — stärker, vielleicht auch höher, mit den Wur=\nzeln noch tiefer. So lernt er immer mehr Stand\nfassen. Und die Aussicht bleibt ihm frei. Er sieht\nsich auf sich selber stehen — keinen Halt um sich.\nAber den Himmel über sich und eine\nkeit in sich. Es wird ihm noch bedeuten: Ein\nEwiges über sich — das Ewige in sich!\n\nGedicht\nHans Ehrenbaum=Degele\nMeiner rauhen Gebärde trotzige Gegenwart\nWurde längs des Meeres ein versonnener Gang.\nWas mein Blut durchklirrte, kampfheiß und hart,\nIst nun zu seligen Inseln leiser Nachtgesang.\nMein verwildertes Haar lieben die Abendwinde.\nAlle Gärten atmen mein erblühtes Geschick.\nWenn ich Rosenfülle reich um die Schläfe winde,\nHab ich aller Sterne Glück und Geleucht im Blick.\nUnd die Wunder des Tags haben mich tief geweiht:\nMit verwunschenen Wolken in die Fernen getragen,\nSchweb ich ohne Ziele über verträumte Zeit,\nSchimmernd überschimmert von den goldenen\nTagen,\nOhne Ziele über verträumte Zeit\n\nMein grünes Kleid\nvon Grete Tichauer\nIch dachte meine ganze Liebe in dies Kleid hinein.\nVormittagen im Fieber angesichts meiner hellgrün\nnen Steppdecke. Es sollte nur scharfgrün mit weiß\nsein,, und ich wollte es in Kristiania tragen, wenn\nich zu Jens fuhr und Christian Kr. und Sigrid U.\nbesuchte, ki Kristiania sollte platter Sonnenschein\nsein, und ich wollte mit Jens in einem lachenden\nAuto sitzen.\nIch dachte meine ganze Liebe in dies Kleid hinein.\nDann mußte ach zwar nach Görbersdorf in die\nLungenheilanstalt.\nDas Kleid kriegte ich aber doch. .\nGanz scharfgrün nur mit weiß. Oben runder Kra-\ngen, an den Aermeln ein wenig, und vorn auf der\nlinken Brust in der Tasche ein Tuchzipfel als wei-\nßer Fleck. Der Rock geschlitzt bis zur halben\nWade. Süßes Kleines=Mädel*Kleid,\nDas erste Mal steckte ich (statt des weißen\nFlecks) die Tasche mit einer herrlich roten Rose\nzu. Ich habe bis jetzt nur vier solche Rosen ge-\nsehen. Drei bekam ich von der Schauspielerin\nAagot D. (weil ich so jung war) und jene vierte\nlegte mir mein Kaukasier breithändig eines Mor-\ngens auf meinen weißen Bauch.\nIch hatte ganz dünne schwarze Seidenstrümpfe\nauf meinen Beinen, über die G. G. schreibt, daß\nsie ihn zu einer (Philosophie inspiriert haben.\nIch merkte gleich, wie ich das Kleid anzog, daß\nes mich königlich machte. Ich war vorher noch\nblaß, hatte eine große Nase und\nhende gleichgültige Augen.\nAber das Kleid war Erotik; durchtränkt!\nMein blondes Haar fing an rotgelb zu leuchten,\nund ich wurde im Augenblick wunderschön (Augen,\nkleine Nase, roter starker Mund). Da schmiegte\nich mich in das Kleid und küßte es.\nJedesmal wenn ich das Kleid anzog, wurde ich\nso schön und konnte tanzen, blamierte mich in kei=\nner kleinsten Bewegung und hatte Macht über\nalle. Briefe, dia ich in diesem Kleid schrieb,\nten augenblicklich und zuckend, und Blumen, die\nich in diesem Kleid gepflückt habe, sind nicht ver-\nwelkt.\nDas Kleid schenkte mir einmal den einzigen voll*\nkommenen Genuß. Ich ging zu K. ins Zimmer und\nhatte das Kleid an. Darunter trug ich einen dünnen\nUnterrock aus puren Yalencienne=\nspitzen, Hosen aus durchsichtigem Batist von sü-\nßem Schnitt oberhalb der Kniee und flatternder\nStickerei, das Hemd bis unterhalb der Brust durch-\nbrochen und lange schwärze Seidenstrümpfe mit\nhochhackigen Schuhen. Nur der Strumpfkalter\nwar nicht nett. Zwar aus weißer Seide und nichts\ndagegen einzuwenden, aber Strumpfhalter sind im?\nmer häßlich. Mein Haar war glänzend und sham=\npooniert. Das Kleid formte meine Brüste zu\ndem und meine Schenkel zu wütenden\nschreien. Ich habe nie das An= und Ausziehen so\ngenossen wie dies eine Mal.\nDie Sieghaftigkeit des Kleides ist heute nach vier\nMonaten noch ebenso stark wie damals, als ich es\nschuf, fieberkrank in Wollüsten nach Jens.\nAber jetzt geht es allmählich kaput, es ist so\ndünner Stoff. An den Armen ist es schon ganz\ndurchgeschubbert Aber ich habe es mit Seide\nsammengezogen, daß man nichts sieht.\nJetzt habe ich mir ein Samtkleid gestaltet,\nschwarz schleppend, mit hellem Tuchunterkleid und\ntiefem Spitzdekolletee, weil mein Hals und Rücken\nhier so schön geworden ist. Weihnachten soll.\nAlexo daraus Champagner trinken.\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nvon Alired Döblin\n\nSie lachte, sie lachte.\nDie Nacht war hereingebrochen, die Luft heim-\nlich geworden.\nDa sah Johannes ihre Fenster am Gartenhaus\nleuchten, Er lief durch die Gartenwege mit halb-\ngeschlossenen Augen, ohne gegen die Schwärze der\nBäume anzurennen, den Kopf zurückgeworfen, mit\nreifen Lippen. Er lief und zitterte, zitterte; — Ro-\nstige Tore muß ich auftun. — Er lief, wünschte\nhalb, daß ihn jemand festbände, oder von hinten\nüber den Haufen schösse.\nIhr Haus mit den glühenden Fenstern glich\neinem Ungeheuer, Charybdis, die ihn mit einem\nlangsamen machttollen Zuge einschlürfte.\nDurch die verschlungenen Gänge, Wege, über\nden Kies, knirschte und klirrte sein Schritt.\nIrene saß zusammengekauert auf einem Sessel,\nwich nicht zurück. Sie hatte nicht den Kopf gedreht\nund nicht die Augen vom Boden abgwandt, als die\nTür klang. Die Hände waren gehoben, die Hand-\nteller abwehrend nach, vorn gewandt. „Irene, geht\nalles verloren.\" ...\n„Noch schütz ich mich, Johannes\" — „Ich habe\ndich in Blut verlassen, deine Lippen blieben wund\".\nSeine Stimme keuchte über die fahlrote hinweg.\nIn Qual starrte er sie an, die den Kopf zu ihm hob.\nIn ihren Augen begann ein stilles Feuer zu glü*\nhen, ihre Brust wogte. „Irene, Wüste, Wüste ist\nalles in mir geworden\".\nEr riß sie an den Handknöcheln zu sich auf. „So\ndurfte ich nicht zu Dir kommen. Unsere bösen\nFeinde wollen es. Wenn ich meine Finger bewege,\ngeschieht nur ihr Wille, nur ihr Wille. Oh wie hätte\nich zu dir kommen sollen.\" Irenes Sehnen und\nMuskeln spannten sich drohsam, sie reckte sich\nzu ihm auf. Ihr Blick traf ihn; er leuchtete hassend;\naber Johannes schloß nicht geblendet die Augen.\nEn sprach nicht mehr; eine Verwandlung ging mit\nihm vor. Sein Gesicht schien zu erkalten; die\nMundwinkel blieben breitgezogen und die gespannt\nten Kaumuskeln traten unter der Wangenhaut her*\nvor. Irene erstarrte nicht. Sie flehte, während sie\nden Griff seiner Hände an ihren Arm fühlte „Oh\ndu mußt sterben, ich sehe es an deinen Augen. Du,\n—- aber töte mich.\"\nSie blühte in seinen Armen auf. Inbrünstig und\nhingerissen flüsterte sie: „Schlage mich, Johannes.\"\n„töte mich, ich fleh dich an. Du hast das Recht und\nsonst niemand.\" Sie sah immer auf das erstorbene\nGesicht, das sie noch nie gesehen hatte und\ndas sie so glücklich fand. Seine starken Hände\nten ihre runden Schultern, die jubilierend aufbeb-\nten.\nIrene, dein Hals ist so weiß, ist so weiß — du\nlößt mich, — wie heiß sind deine Lippen. Was tust\ndu mir? —- —\nEr ging taumelnd. Itfene folgte ihm mit dem\nBlick durch den frühlingsknospenden Garten.\nAls sie wieder im dunklen Zimmer lag, atmete\nihre Brust wild und tief, flog vom Dunkel gedeckt,\nüber ihr Gesicht ein höllisches Lächeln, Sie war\nihm gewachsen. — Johannes ging stumm durch\nden Garten und die Straßen, mit breiter Stirn und\nschluckte oft. In ihm gings nicht so seelisch vor, ihn\nerfüllte nur das Gefühl seines Körpers,, das Auf*\nstampfen der Füße, das Wiegen der Arme. Er hatte\ndie Empfindung, als müsse er einen Felsblock mit\nden Schultern heben, oder langsam vor sich hetf-\ndrängen. Dann achtete er auf sein schnaufendes\nAtmen nud war in seinem stillen, mondhellen Zim-\nmer.\nIhn gelüstete nach Schmerz; er sehnte sich un=\nklar nach Erwachen und Besinnung. Ihm war als\nmüsse er aus irgend einem Elend aufschreien.\nUngewiß, was er tun sollte, schaute eri auf die\nstummen, in sich zurückgezogenen Dinge an der,\nWand und im Zimmer mitten, schlug mit den Knö=\ncheln gegen die scharfe Tischkante und warf sich\nauf den harten Fußboden. Ein hoher Haufen von\nBlättern und losen Bognn fiel vom Tisch auf ihn\nherab und flatterte wie trockene, starre Frauen-\nhaare über sein Gesicht. Er schleuderte die Blätter\nauseinander, wühlte, begrub sich in ihnen, und sei-\nne Hände zerrissen und zerrieben sie, während das\ndüstere rettungslose Gesicht unbeweglich blieb\nund aus dem offenen Munde dröhnende Laute ka-\nmen.\nEr wälzte sich in den Papieren. Als seine Finger\neinen Glassplitter am Boden fasten, presste er ihn\ntief in seine Lippen, schluckte, indem er sich auf-\nrichtete und ganz erhob, mit trunkener Ruhe das\nheiße Blut, das tropfenweis auf seine Hand fiel und\ndessen Glut und feuchtes Purpurrot ihn erzittern\nließen. Er atmete rascher nd unruhiger, trocknete\nseine Hände ab und betrachtete sich im Spiegel,\naus dem ihn ein mondweißes, scharfschattiges frem*\n•» ' 7\ndes Gesicht anstarrte."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.5", "texte": "Moriz Melzer | Original-Holzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.6", "texte": "Zum Fenster schlug kühle Nachtluft herein. Er\nlehnte an der Wand, während sein Blick unacht-\nsam die Papierfetzen und die Blutlache streifte.\n* «\nEr warf den Kopf in den Nacken. Keine Ruhe\nwollte über ihn kommen, auch kein Ermatten durch\nlange Tage. „Liebe kann nicht sein unter Men-\nschen. Und wenn es unmöglich ist, so soll Irene\ndas Unmögliche geschehen machen. Sonst betrügt\nsie mich, Irene, und ich erschlage sie, reiße ihre\nBrust auf, zerdrück ihr Herz. Und sie entrinnt mir\nnicht wieder. Soll es büßen, büßen, daß mich keine\nLiebe lößt.44 Das Wort ging um ihn herum immer-\nfort. Tiefer versank er in sich, immer wortloser.\nEr legte den Kopf in den Nacken, suchte sich wien\nder in den gewaltsamen Willen der Schwere ein-\nzufühlen. Dann ging über die grauen Augen der\nVorhang wieder auf. Die Augen richteten sich ge~\nrade aus und dann langsam nach oben und zur\nSeite. Es ruhte sich wohlig in der erstarrten Welt.\nGing alles um ihn herum: vom Teppich zog es zur\nDecke, schweifte zur Rechten und Linken, schloß\nihn ein und stand ruhig da.\nSo heimlich wohnlich war diese Welt,, es ließe\nsich wohnen in dieser krampflosen Welt. Mit eins\nwar Alles so grenzenlos,, verschwommen, und\ndoch eng zusammengeschlossen und verbunden.\nJeder Ton im Liede klingt und lehnt an den\nandern, auch Farbe hebt sich gegen Farbe, nichts\nist ohne das andere. Nichts gelöst und einsam:\nVerflochtenheit. Kein Erstaunen bewegte Jo-\nhannes; in die dumpfe Selbstverständlichkeit war\ner hineingenomimen. Er lauschte starr hinein,\nwie als Kind, wo er fürchtete, die Dinge mit den\nrohen Händen der Worte zu zerbrechen.\nSo dicht trippelnd nah war er deti Dingen,\ndenen er auf die Schulter klopfte, sie streichelte\nihre seidigen (Pfötchen nahm. „Kätzchen, lieb, lieb\nKätzchen44. Zwischen den Dingen ruhte er Schul-\nter an Schulter.\n# *\n*\nEr riß sich grollend los. — Wär doch mein\nganzes Leben nicht gewesen. Wer hat mich aus\ndem Tode zu rTodessehnsucht gerufen? Oh wer\ndurfte das? Ein bitterer Abweg von Tod zu Tode\nist das Leben.\nEine grausame Unbegreiflichkeit ist es. Ich\nfaß es nicht, wozu sich das Leben über meine Wir*\nbei, Muskeln und Häute geworfen hat, —\n* *\n*\nDer Fingernagel des Gesunkenen \\ritzte das\nweiche Holz des Tisches; mit schweren, langsam\nmen Gedanken sah Johannes auf die Buchstaben,\nZahlen und Zeichen. — Und hier steht es, sinnlos\nvon einem Nagel hingerissen. Sinnlos ist, was der\nNagel schrieb, aber das Holz ist doch verwundet.\nDas Brett hier wird nicht mehr glatt werden, wie\nman es auch reibt und putzt. Mein Fingernagel\nhat, der Narr, Ewiges getan. Er hat es dürfen. Daß\nich nicht schauere, den Finger zu heben, den Kopf\nzu bewegen, den Mund zu öffnen.\nDie Vergangenheit ist kein Staub, den ich mir\nvon den Kleidern schütteln, damit er wieder in die\nLuft fliegt; Wohl ist sie abgetan, aber gierig am\nMaul der Ewigkeit geschnappt. Verrucht ist das\nGeborensein, verrucht das iWandeln unter dem\nLicht. Hier steht es„ von einem Nagel hingerizt;\ndas Holz mußte es dulden, und so hat man mit mir\ngetan. So hat mich das andere, das draußen, Zu*\nfall um Zufall zur Ewigkeit geschleppt, Stückchen\num Stückchen in das tote Sammelhaus geschleppt.\nErpreßt hat der Zufall mir mein Schicksal; einen\nPopanz hat man statt meiner gesehn.,\n* *\n❖\nHerabstürzen aus dem weißen Ungefähr, blöch\nsinniges hartnäckiges Klopfen gegen die Kerker*\nwände. Hoho, hoho. Müßten einmal alle zu kichern\nanfangen bei dem siebzigjährigen Brüten über den\neigenen Nebel. Als träte in einen Wagen ein Be*\namter und fragte: „Mein Herr, Ihre Karte bliteu\nWelches Recht haben sie zu leben? \"Die Bahn«\nhöfe leer, die Züge bleiben auf offener Strecke\nliegen, Laternen brennen noch von der letzten\nNacht.\nWas würden die Wächter sagen, wenn die\nStrolche in den Anlagen nicht mehr aufstehen\nwürden, keiner raufen wollte. — Wenn einmal, was\nder Menschengeist in heimlichster Tiefe gerührt\nhat, sichtbare Gewalt über Nacken und stolze lärm*\nfrohe Mächte gewännen und grausig drohend über\nihnen stände. Und so auch über mir. — Willst du?\n— Johannes, auch über dir?\n« *\nSo liegt alles still, seeüos, aber verflochten, eins\nins andere. —- Die hassenden Grenzen fielen. Ich\nwehre mich nicht gegen den Haß, der das Leben\nist; das muß ich gehen lassen. —\nWillenlos, wie ich hineingerissen bin, muß ich\nweiter treiben, bis es mich zum Tode schwemmt.\nBrünstig bin ich zu sterben. Nun faß ich aber den\nSinn des Lebens. Auf Vernichtung geht es aus,\nwillentlich in Grausamkeit und Zerstörung lacht es.\nZerfleischt eins das andere, doch sättigt, sättigts\nsich sterbend. Darum ist die Liebe, Krone des\nLebens. Wir haben nicht Arme, um uns entzückt\nzu umschlingen, nur uns zu wehren und zu kämpfen\ngegen das andere und zu töten, wir Grenzzerstörer.\nJeder Kuß verfehlt einen Biß. Ah, darum schnürt\nsich das Leben zur Zweiheit ein, zu Mann und\nWeib, daß es sich aufs wildeste packt und zerreißt\nWie blickten wir uns hassend an, wie wollten\nmeine liebenden Hände sie würgen. Es konnte nicht\ngeschehen, daß wir uns liebten. So war doch kein\nabgründiger Hohn um diese Liebe. So ist die Liebe\ndas süßeste von allem, weil sie das herzlichste in\nuns sättigte, an das Ton des Todes klopft, den\nschwarzen Vorhang willentlich hebt. Schwer hockt\ndas Leben an dem Toten; es ringt und! müdet sich\nmit Stein, Luft und Wasser ab, bis es wieder sie\nzerrieben hat und hinwirft und auf neue Beute\nspringt.\nIch beneide es um die Danaidenarbeit nicht.\nUeber meine Wirbel, Muskeln und Häute hat es\nsich geworfen, wacker hat es mich gejagt und auf\nBeute getrieben; in der Liebe segnet es doch sein©\nfiebernde Hoffnung. Durch alle Welt krampft die*\nse Sehnsucht hin und schluchzt: wie hab' ich sie\nschluchzen hören.\nSie peitschten mich durch alle Einsamkeiten\nbis hierher die armen Mächte die ich böse Feinde\nnannte, —- an den Pforten des Todes bitt ich ihnen\nab.\n$\n* *\n*\nDer schwere breitstirnige und die stolze mit\ndem starren rotem Haar schlichen bleich und an*\neinandergedrängt in der scharfen Frühlingsluft\nzwischen den schwarzen hohen Stämmen. Es war\nfrüher Morgen, nach einer Nacht, die beide nicht\nhatte schlafen lassen.\nHinter Gestrüpp ein ganx schmaler\nBach, an dem sie sich niedersetzten, auf einem lie*\ngenden Baume, sich die Hände hielten und von\neinander weg in die Kronen sahen.\n„Warum tanzen wir nicht um die Bäume wie\nfrüher, Irene?'4 —• „Komm44 antwortete sie zitternd.\nSo gingen sie langsam um einen Baum herum;\nplötzlich klammerte sie sieh an seiner Brust fest\nund schrie zu ihm, der mit gesenktem Kopfe stand-\n„Johannes44 indem sie in seinen Augen suchte. —\n-— „Ich sehnte mich oft deinen weißen Hals zu\nküssen, oh Irene\"\n„Ach, ich wußte es44. Da drehte sie sich um\nsich selbst, preßte ihren Rücken fest gegen einen\nBaum, den ihre blassen Hände hinten umschlangen*\nstarrte auf Johannes. Langsam und lautlos wie ein\nSchwan über einen blauen See streicht, erschiem\nein harter Zug auf ihrem schmalen Gesicht; etwas\ngewaltsames durchreckte sie.\nSie schrie nicht vor ihm, der näher schritt,\npreßte starr den Kopf zurück, als wäre sie an den\nBaum genagelt; aus ihren halbverhängten Augen\nfunkelte es gegen ihn. Seine Augen, der den Kopf\ngehoben hatte, hingen trunken und delirierend an\nihr; die finstere Verzweiflung wich daraus. Sie\nlachte in aufschäumender Anigst und sah hinter\nsich. Die Arme vorstreckend rief sie: „Hole mich4'.\nImmer wilder und tiefer lachte die erwartende.\nSchritt um Schritt näherte sich ihr der schwere,\nstarke, dessen Züge sich versteinerten. Er stöhn*\nte: „Lach doch, so lach doch Irene\" —.\nDann, ergriffen seine Hände ihre Arme, sse\nblühte ihm mit Gelächter und Leben entgegen.\nSchrie gell auf. Denn wie er sie umschlang, hatten\nseine Zähne tief in den weißen Hals und die Kehle\ngeschlagen, das Gesicht in den Blutstrom gedrückt\nschlürfte er an ihrem Halse, die mit leisem Keuchen\ngegen seine Umklammerung anrang. Er seufzte mit\ngepreßten» Kiefers und1 zitterte: wie warm, wie\nwarm. Es quoll wie ein Bad über sein Gesicht, lag\nwie eine rote Binde über seinen Augen. Den bittern\nBlutdunst atmeten sie: sie kannten sich beide nicht.\nDurch das Weib rauchte weiß und immer dichter\ndie tödliche Luft; rührte ihr Stirn, Auge, und Kniee*\nSie wuchs in die Umarmung hinein, in die Schwere\nseiner mörderischen Hände, den erstickenden\nDruck seines Leibes. Aus seinen Armen,, die sich\nlösten, glitt sie seufzend an ihm herunter, erstand\nüber ihr gebückt, deren Mund offen war, deren\nAdern an den Schläfen stärker blauten. „Oh,\nliebster, mein purpurn Hochzeitskleid. Maria fährt\nzur Hölle41. —\nSie spritzte ihr Blut nach ihm, mit tiefen\nSchauern, träumend. Ihr« Finger kratzten den\nWaldboden; sie zuckte,, als er sie aufhob. Noch\nals sie erkaltete, suchten ihre Lippen nach seinem\nMunde. Er ließ sie achtlos fallen. Seine Blicke\nsuchten an den Bäumen, den Aesten und den wei*\nBen Himmel\nEr erkannte halb, wo er war. Dürres Holz\nLaub und Moos streuten seine schweren Hände\nüber den stillen Körper. Gelbweiiß unnahbar war\nihr Gesicht. Er stand lange gebückt über der\nToten, mit verschränkten Armen und sann\nnach. Dann betrachtete er seine Hände, wusek\nsich am Bache. Murmelnd ging er weiter.\n• *\nAn den Menschenwohnungen schlich er ver=\nsunken, dämmernd, fröstelnd vorbei. Auf sein»\nLippen trat unwillkürlich: Wie sie so sanft ruhn,\nalle die Seeligen. Hoho, geht einer um trägt seine\nHände durch die Straßen! — Lilith, die große Ver*\ndunklerin, wie raschelt ihr Atem hier, wie betet\nman zu der Betrügerin. — Meine nassen, blau=\nschwarzen Hände. — Hoho, geht einer um, einer,\neiner!\nLilith singt hinter dem Fenster: „Itys, ach It~\nys\" hinter den Fenstern. Wenn ich mich in die Stille\nvergrabe und die rasche Luft zu meiner Gespielin\nerwähle und buhle mit der grünlichen Bläue des\nHimmels, — so hold weht kein Wind, so seltsam"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.7", "texte": "Artur Segal: Die Dame | Original-Holzschnitt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.8", "texte": "leuchtet kein Himmel, daß mich seine Bläue jetzt\nnicht ausgrinste, daß die Stille nicht blöde, blöde\nzu mir lärmte. „Itys, ach Itys\" hinter den Fen*\nstern.\nSie ziigelt die schwarzen heißen Pferde, daß\nsie sich bäumen und mit Schnauben hochstehen; riß\ndie Leine? —\nMeine nassen blutschwarzen Hände, — da\ngeht einer um. Sieh du scheue Trauer, sieh meine\nHände, sieh daß die dunklen Flammen nicht zusam*\nmenschießen und der Brand ausbricht. Am Feuer\ntrockne ich das Blut. —\n* *\n•\nEs war Spätnachmittag, als er langsam, die\nTür zu Irenes Garten öffnete. Durch die ver=\nschlungenen Gänge, Wege über den Kies, klirrte\nsein Schritt wie sonst. Lange saß er in dem abends\nliehen Garten Irenes auf der Bank, auf der zum\nersten Mal leidend ihre blassen stolzen Mädchen*\nhände an seine Stirn und Schläfen gedrückt hatte.\nMurmelte oft vor sich hin: „Irene hat einer ge*\nwürgt\". Die gelben Vorhänge ihres Zimmerchens\nwehten aus dem offenen Fenster heraus. —\nSchreckhaft und dunkel vergrämt stand er auf,\nhastete hin und her. Der Wind blies über ihn und\nkühlte seine Stirn. Der Klang seiner Schritte tat\nihm seltsam wohl. Wie fraglos gut alles geworden\nwar; hallend klar und kristallisch grün. Wie eine\nFliege im Bernstein sah er es vor sich. Dann rannte\ner schneller durch die Gänge, ließ sich den flak*\nkernden Wind in die Aermel blasen, als wollte er\nsich forttragen lassen. Ueber seinen ganzen Kör*\nper strich der Wind; er zog ihn mit offenen Munde\nein. Mit tausend flackernden Armen faßte der\nWind nach ihm. Da begann das Itysrufen hinter\nden Fenstern jach zu verstummen,. Während er.\ndurch die dunklen Straßen lief, schrie mit eins alles\nin ihm: Flamme, Flamme! Geht einer um, Hoho!\nEr mußte sein Opfer vollenden; ja das schmach*\ntende Züngeln empfand er, die bläulichen, weißen,\nblaßroten und blutigroten Feuersflammen. Seine\nBewegungen wurden immer freier, ganz leicht. Er\nlief mit berauschten Füßen, wie getragen wie ge*\nwellt. Durch den mondhellen Wald brach er, kniete\nhinter dem Gestrüpp an dem schmalen flackernden\nWässerlein. Da warf er das Moos und Strauch*\nwerk von der Erde auf, hob die stille, schwere\nmit beiden Armen und trug sie an den Bach.\nEr wusch den blutigen Hals der weißgesich*\ntigen, noch immer lächelnden. Aber ihre starren\nHaare Heß er nicht naß werden; flüsterte, flüsterte:\n„Ich war vor Deinem Haus, Reni; ich habe noch\neinmal alles gegrüßt,, auch unsere Bank, Es ist\nZeit, ist Zeit. Dich hat einer erwürgt. Wer liebte\ndich so? — Bist nicht aus meiner Wurzel gewach*\n•sen; ich darf nicht „wir\" von mir und dir sagen,\nOh das Wort „wir\", — so werfe ich unsern Haß\nin die Luft. Werden uns in der Feuerluft die Fin*\n&er streicheln und die Münder reichen. — Reni,\nsieh mich an, sieh mich doch an. Ich bin so reich,\nund doch so arm, daß du sterben mußtest. Die Welt\nist zerklüftet, es gibt nirgends Brücken. Ich halte\ndeinen Kopf; so fremd bist du mir, daß kein Ge*\ndanke von mir dich fassen kann. So fremd bist du\nmir, die ich liebe, daß meine Sehnsucht sich mor*\nden muß, um dies zu vergessen. So fremd bist\ndu mir und verschleiert von solchen Engen, daß\nalle Welt zerbrechen müßte und in Stücke fallen\nund den Geist aufgeben,, weil dies geschehen kann.\nKomm du Glückselige, meine Wonne taumelt\nizu dir, du, unsre Brautnacht flötet und schmettert.\n— Du haßt mich nicht mehr. Du kannst (mich\nnicht mehr fassen. Bist jetzt ein weicher Fleisch*\nklumpen, schwer, krampflos, bist jetzt nicht —\nmehr — Irene —, du rothaarige, lächelnde. Du\nbis jetzt nicht mehr Irene, wo dein Haß nicht\nwo dein Haß nicht mehr ist. — Komm es\nist Zeit\". — Er starrte verwirrt auf die Tote,\nstand langsam auf. — Wer ist das da? 1— Ich\nkenne den Klumpen nicht. Wo ist Irene? Den\nKlumpen kenne ich nicht. — Wer hat das\ngetan? Wo blieb es, das blutgierige, ge*\nballte dem ich nachstellte, hinter ihren Augen, ih*\nrer Stirn, ihrem Sprechen, ihrem Lachen; es ist\nschon verweht. Jetzt will mich Irene morden, so\nwill sie mich morden. Noch jetzt lächelt sie mir\nHöhn. Ich wollte eine Tür öffnen14. — Rings um\nden Baum ging er schichtete einen hohen Schei*\nterhaufen. Harten Gesichts hob er das tote Weib\nmit beiden Armen auf und lehnte es fest gegen\nden geborstenen Stamm. Dumpf schaute er auf die\nStumme hin. Schüttelte wild ihre Schultern, würg*\nte an. ihrem Hals. „Reni\"! Wo bist du? Was lä*\nchelst du, so sprich doch, was soll dein Lächeln\nbedeuten? — Oh du Verfluchte. Weit ins\nLeere habe ich sie abgestoßen, zu den Mächten.\nIch selbst bin mit ihr gestorben. Ich wollte eine\nTür, öffnen'4. — Dick qualmte es um seine Brust,\ndessen Hand in dem spröden Haar des Weibes\nwühlte und riß. Die Flämmchen spöttelten des\nweißen Mondlichts über dem schwarzen Geäst. —-\nVon ihr ist nicht die Rede, ich wollte Irene\nnicht. Ich wollte keine Liebe. Meine Einsamkeit\nwollte — ich -— verlassen. Oh ich versteh dein\nLächeln, wie ich es immer verstanden habe, nun\nhöhnst du meiner dort — im weißen Ungefähr und\nspringst, daß ich alle Fäden zu dir zerrissen habe,\ndich nie berührt habe, solange ich auch um dich\nrang; Bei den Mächten bist du, die Macht, und kein\nTod macht meine schreiende Einsamkeit Schwei*\ngen. Und -— kein Tod löst mich, in alle Ewigkeit\nschließt mir die Tore auf! Kein Fenster habe ich\nzum Schauen keine Hände die Riegel zu brechen,\nkeine Füße davon zu laufen. 'Tod ist das Leberf,\nleichenstarr das Leben; es gibt kein Leben, sonst\nmüßte es Liebe und Hände geben, Tod ist das Leben,\nwas auch die Bäume wehen und der Mond und\nalles, was hier schwirrt und diese Flammen hier,\ndiese heißen Flammen.\nSteifer Tod bin ich mit all meiner Angst, Johan*\n• * *\nnes, und gibt kein Erwachen zum Leben. Die\nMächte, ja sie, die imeiner spotten, die blöden, ha*\nben dies Verlangen und Irene selber ersonnen, ge*\ngen mich. Wie siie mich brannten, wie sie mich\nbrennen!\nIch höre ihr gelles altes Gelächter. Oh — ich\n— ich weiß, was ich tue, ich — lache — mit —.\"\n— Da schlug eine große Flamme, plötzlich aus\nden zuckenden zusammenschließend, mit weißen\nHänden über den keuchenden verzerrten Mund.\nSie umwallte löwengierig den Baum.\nMit Faustschlag und Fußtritt warf sie ihn um,\ngurrend und einschmelzend wälzte sie sich über\ndie Aeste und hockte mit grinsender Zärtlichkeit\nneben den Menschen nieder.\nSie wuchs aus der Erde auf, bog die zottigen\nFinger mit Krallennägeln nach den Brüsten und\nschrie mit Gelächter: ~Meine Kinder! Meine lie*\nben Kinder! —\"\n' Ende! < •\n\nGedichte\nSommerqual\nvon Paul Zech\nOh Sommerqualr wenn die metallnen Dächer fliim*\nmern\nund das verdünnte Bier im Trinkgefäß versiegt!\nOh Sommerglut, die unsre Nacken krümmer biegt\nund hundert Henker wirbt die Qualen zu ver-\nschlimmern!\nNur jetzt nicht wissen daß dies Gliihn die Felder\nsegnet\nund am Spalier die runden Früchte reifer kocht,\nlindes erhitztes Blut an unsre Schläfen pocht\nund Scnweiß von den geschwärzten Stirnen nieder^\nregnet.\nOh Sommer den wir so wie einen Fluch verspüren\nund der uns bis auf die erschlaffte Scham entblößt!\nOh Sommer der uns zwingt ein Leben ohne Sinn\nzu führen\nund unsre Frauen die verweinte Kinder tragen\ntags in die engen Höfe der Kasernen stößt,\nwie man die Rinder zwängt iin schmale Schlächter*\nwagen.\n\nWir\nWir sind die Ausgelöschten aus dem Buch.\nVerschwisterung von Mutterschmerz und Vater*\nfluch.\nDie Gottheit, der wiir untertänig sind,\nschlug uns mit Blitz und Wortschwulst blind.\nAll unsre Tage verblühin Im Drehgestell,\nDampf dreht das Karussel.\nSchwindsüchtig hat uns der Schweiß gemacht.\nKinder zeugten wir ohne Bedacht.\nDie aufwuchsen, sind ärmer wie wir,\nDie Schwachen zertrat wer wie ekles Getier.\nOh immer die Sorge ums liebe Brot;\nHungern heißt atmen, Sattsein ist Tod,\nLeblose Speichen sind wir am\nSandkörner die der Wind bald verweht hat.\n\nAnziehender Schlaf\nDer du am Fenster lungernd die Sterne zählst,\nduck tiefer den Nacken;\nein fremdes Geschwirr will dich packen,\nVerschiebung, der du dich nimmer entschälst.\nSchon wogt es im Fernen wie Sintflutsturz.\nBau, Archen du Noahssohn, Archen!\ndenn die Söldner der blinden Monarchen\nschlagen im Fliehen alle Brücken kurz.\nArme Lichter erloschen im Tal.\nUeber der Kuppeln halbmastne Fahnen\nthront schwarz der Baal.\nMühsäliges Steuerbordbahnen:\nWelt war einmal!\nWelt und die Stammbäum* Ahnen.\n\nDer Stil der Linie\nvon Lothar von Kunowski\nBeginnt der Künstler die poesievolle über-\nzeichnung, so wird alles, was allgemeiner Natur ist4\ndie große Form, die Hauptschattenmassen, die\nbreiten Dunkelheiten der Oberfläche aller Gegen-\nstände, sich durch ziemlich gleichförmige Strich-\nlagen, also durch gerade oder kreisförmige Linien\nvon indifferentem, mehr mathematischem Charakter\nan geeigneter Stelle wiedergeben lassen, deren Ver-\nhältnis und Kreuzung das Auge zwingen, die allge-\nmeine Form, Färbung, Schatten- und Lichtmasse\nzu sehen. Je mehr aber der Künstler an Stelle©*"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.9", "texte": "gelangt, an denen aus verhüllendem Dunkel und\nBlenden des Lichts, die Gegenstände durch Eigen-\nheiten zur Sichtbarkeit streben, je mehr er das Cha-\nrakteristische der Objekte wiedergeben will, desto\nmehr wird sein Strich vom konstruktiv und mathe-\nmatisch Regelmäßigem abweichen und den Formen\nder Gegenstände nachgehen. Da aber die Formen\nselbst nicht nachgeahmt werden können, so liegt\nalle Individualisierung des Allgemeinen und Typi-\nschen lediglich im Verhältnis der charakteristischen\nLinien zur Geraden oder Kreisförmigen und irgend-\nwie mathematisch regelmäßigen Linien. Dieses\nVerhältnis macht den Stil aus. Man kann keinen\nStil ausklügeln, sondern das Verhältnis der cha-\nrakterisierenden zu den indifferenten Linien ist ein\nErgebnis der Phantasie, die sich in Bewegung setzt»\nnach Analyse der Erscheinung. Mit innerer Not-\nwendigkeit läßt sie aus den Massen der Geraden,\ndie allgemeine Form, Schatten und Färbung ange-\nben, die charakteristischen, geschlängelten, ge-\nkrümmten, geknickten Striche als Symbole der\nEinzelheiten und des Individuellen, herauswachsen.\nSie überträgt das Gesetz der Naturerscheinung in\ndie Sprache der Linie, an deren Wandlungen es\nneu als Gesetz der Linie, des Stils erscheint und\nnichts mehr mit seiner Herkunft aus der Natur zu\ntun hat. Das Gesetz der Natur fällt in die Wahr-\nnehmung, das der Linie ist ein geistiges Geselz\nder Phantasie. Der Stil ist Erzeugnis des produk-\ntiven Geistes, der mit der Natur seines Materials\nund dessen Entwicklüngsbestreben im Kunstwerk\nsich vertraut gemacht hat.\nWer in phantasieloser Naturabschrift stecken\nbleibt, dessen Linien werden ihre Formen allein von\nder Natur erhalten, zusammenhanglos, gesetzlos\nbleiben. Im stillosen Kunstwerk versteht man nicht\nden Zusammenhang der Einzelheiten mit dem Gan-\nzen, man begreift nicht, warum eine Einzelheit ge-\nrade da oder dort zur Sichtbarkeit gelangt, weil\"\nsie nicht herauszuwachsen scheint aus dem Ganzen.\nAlso fehlt mit Stil solchem Kunstwerk die ästheti-\nsche Notwendigkeit. Zweifellos wird1 die Natur*\nStudie niemals die stilistische Vollendung freier\nSchöpfungen besitzen, aber dennoch schon die\nPhantasie keimen lassen, weil ohne diesen\nder sich als Stil der Naturstudie zeigt,\nkeine Studie Verwendung in einer freien\nSchöpfung finden könnte. Sie stünde ganz außer-\nhalb des Bereiches der Phantasie, würde nie in sie\neingehen.\nDas harmonische Verhältnis der individualisie-\nrenden und der Linien gibt erst die\nKomposition. In ihr muß jeder Strich ähnlichen\nWert besitzen, wie ein Ton in einer Symphonie.\nMan wird in der Zeichnung, wie in der Musik.4\ngleichsam Solistimmen unterscheiden vom allge-\nmeinen Chor. Jene sind die individuellen, diese\n' die indifferenten Linien. Die individuelle Linie gibt\nden Ausdruck der Formen, die indifferente die Kon-\nstruktion, den mathematischen Aufbau der Körper.\nSo drückt in der Landschaftszeichnung eines alten\nNiederländers jeder individuelle Strich ein Blatt,\neinen Zweig, eine Wurzel, eine Blume, die Haare\neines Tieres, die Faserung eines Balkens, die Bie-\ngung eines Baumstammes, aus und erweckt den\nAnschein des Reichtums der Natur, die nirgendswo\nleer ist, in allem Wechsel von Licht und Schatten\ndoch Einzelheiten in ungezählter Fülle zeigt, zu-\ngleich aber finden wir zunehmend indifferente Lini-\nen den großen Typus der Bäume, Wiesen, Tiere,\nBrücken, Häuser, der Perspektive ausdrücken und\nganz gerade Linien durch Strichlagen die Abstu-\nfungen von Schatten und Licht geben den großen\nMittelschatten, die dunklen Figuren darin, die\nSchlagschatten. Eine innere Notwendigkeit verbüß\ndet alles Individuelle mit dem Typischen, so daff\nman nichts wegnehimen könnte, ohne die Harmonie\ndes Ganzen zu stören. Alle Linien zusammen er-\nzeugen eine gemeinsame, musikalische Stimmung\nvon bestimmtem Grade der Helligkeit oder des\nHalbdunkels.\nSolche Zeichnungen werden immer seltener, die\nEinseitigkeit nimmt überhand, man sieht kaum je-\nmanden Bäume zeichnen, die Blätter haben, andere\nsehen nur Aeste, aber keine Schatten, wieder ande-\nre nur Form, keine Farbe. Das Leben aber mit\nallen Aeußerungen vermögen verschwindend weni-\nge zu geben. Einige Ausbildung, die den Strich\nrespektiert und darauf abzielt, jedem einen sym=\nbolischen Wert zu verleihen,, ist besonders zu wün-\nschen für das Zeichnen auf Kupfer, Holz und Stein,\ndamit man das Material nicht vergewaltige, um\neine unsichere Zeichnung durch Schaben, Kratzen\nund andere Kunststücke interessant zu machen oder\nsich genötigt sehen, Zufälligkeiten der Drucker-\nschwärze als Geniestreich auszugeben.\nJeder Strich ist Symbol einer Stelle der Natur\nund nicht mit ihr identisch, denn nur durch Verhält-\nnis zum ganzen Organismus der Zeichnung erhebt\ner sich zu höherer Bedeutung, als er für sich allein\nbesitzt. Für sich allein hat kein Strich Bedeutung,\nsondern gewinnt sie erst als Mittel des Betrachters,\nVorstellungen zu erzeugen, die nicht identisch mit'\nder Zeichnung, deren Details nicht identisch mit den\neinzelnen Strichen sind\nEin Strich ist also Symbol, insofern er durch\ngesetzlichen Zusammenhang mit anderen Strichen\nErreger wird von Vorstellungen, die weit über die\nVorstellung des Striches hinausgehen, indem zwei\nStriche eine Meile Weges bedeuten können. Striche\nohne gesetzlichen Zusammenhang erzeugen keine\nVorstellung, die über den Strich selbst hinausgeht,\nerzeugen keine Schattentöne, kein Licht, Form,\nFarbe, Raum, Bewegung. Eine Zeichnung ohne Stil\nist tot, wie eine Linie ohne Beziehung zu einem\nLeben, dessen Erscheinung sie symbolisiert, bedeu-\ntungslos ist.\nEs haben neuerdings einige behauptet, die Linie\nan sich habe aesthetischen Wert. Allerdings gibt\nes einen Umstand, der diese Meinung begünstigt..\nIn allen Perioden großen Stils bemerken wir, wie\ndie charakteristischen Schwünge, die der Künstler\nals Variation der indifferenten geraden Linie im\nNaturstudium gefunden hatte, durch in\nalle Werke übernommen wurde. Wir sehen, daß\nman den Schwung der Linie,, durch den man ein\nBlatt ausdrückt, überträgt auf den Ausdruck der\nForm eines Tieres, und dessen Form klingt wieder\nin dem Schwünge, mit dem man eine menschliche\nGestalt individuell macht. Aehnlichkeit im Stilisie-\nren aller Gegenstände ist zurückzuführen auf die in\njeder Kunstperiode wachsende Einsicht in das Ge-\nmeinsame der Typen auf Grund der Erkenntnis von\nder Gemeinsamkeit des Lebens aller Wesen. Der\nSchwung der Linie, welcher in jeder Naturstudie\nmöglichst der Naturform gerecht zu werden sucht,\nindem man selbst kleine Einzelheiten wie Blätter,\nGräser, Blumen auf einen besonderen Typus bringt,\nwird mit der Erkenntnis der Verwandtschaft gewis-\nser Gruppen von Erscheinungen zu einem dieser\nGruppe gemeinsamen Schwünge. Schließlich scheint\njede Stilperiode im Gegensatz zu einer anderen,\neine sie kennzeichnende, typisch wiederkehrende\nLinienführung zu haben Das ist eine Wandlung der\nLinie, durch welche sie die Läuterung der der Natur\nentnommenen Urtypen begleitet.\nDie reine Phantasiekunst zum Schluß verbindet\nmit der Linie eine ungeheure Summe komplizierter\nVorstellungen. Wir finden den Rokokostil mit rei-\nnen Linien-Gebilden Ornamentik darstellen, welche\ndie Phantasie lebhaft beschäftigt. Solche Linien-\nGebilde der Gothik, des chinesischen und altgerma-\nirischen Stils sind die Verführer zu Linienorgien der\nNeuzeit. Aber der moderne Künstler bedenkt nicht,,\ndaß die Linie des Rokoko und des Chinesen eine\nnicht ausgeklügelte, sondern nach dem Gesetz der\nPhantasie gewachsene ist, die nur deshalb wirkt,\nweil dieselbe Linie in den früheren Stadien ihrer\nAnwendung das Symbol reicheren Lebens war, in\ndessen Darstellung sie ihr Gesetz, der Stil seine\nRegel erhielt Linien, die nicht zuvor der Darstel-\nlung des Lebens oder der Konstruktion wirklicher\nDinge gedient und ihr Verhältnis zueinander ge-\nwonnen haben, indem sie das Verhältnis des Typus\nund des Individuellen wirklicher Erscheinungen aus-\ndrückten oder das Spiel der Kräfte in Geräten unse-\nrer Erfindung, werden stets als sinnlose Schnörke-\nleien erscheinen. In derartigem Geschnörkel löste\ndas hektische Ornament der Azteken sich auf, zer-\nsetzte die geringe Kenntnis wirklicher Körperfor-\nmen, umkreiste Ohr, Mund, Nase, Augen und Stirn\nder Götzenbilder, machte sich Gedärmen gleich am\nLeibe zu schaffen, bog sich Bein, Arm und Finger\nnach Belieben zurecht und kletterte, nachdejm sie\nden Körper aufgesaugt, über Rahmen, Pfeiler,\nWände und Gesimse einer gierigen Schlingpflanze\nvergleichbar, die alles Organische erstickt, bis sie\nselbst als wildes Gekröse zusammenfällt, in unseren\nTagen wieder auflebend als Zersetzung verknö-\ncherter Stile, ebenso gierig im Ranken und Ueber-\nspinnen von Haus, Wand, Tisch und Teller, Urne\nund Teppich, ein Geschöpf ohne eigene Architektur\nund unfähig die Konstruktion dessen, was sie über-\nwuchert, sichtbar zu machen, eine große Lüge, die\nden Mangel an Erfindung neuer Konstruktionen in\nGerät und Bauwerk verkleiden und statt des auf-\ngefressenen alten einen jungen Stil erheucheln soll.\nNur wenige entrannen dem Verderben.\nKonstruktion und ihr organischer Ausdruck sind\nnicht minder ein bestimmendes Gesetz für den bild-\nlichen Zeichner. Auch er soll ein Gerüst der Er-\nscheinung finden oder erfinden, bauen und von sich\nnicht fnehr reden lassen durch Variationen der\nschlichten mathematisch-dynamischen Linie als in\nihm steckt an Finden und Erfinden. Die Natur ist\nvoll von Konstruktion und voll von Ausdruck.\nDurchschneide die schöne Gelenkkugel eines Bein-\nknochens und beachte, welche Künste des Stützens,\nTragens, Brückenbaus der Fasern das schlichte\nRund der Kugel' ausdrucksvoll umschreibt, nicht\nals leere Linienphrase, sondern als Deuterin ver-\nborgen bildender Kräfte. Schau das starke Netz-\nwerk spitzenartiger Gebilde, das Eirund der Melone\nund ihren Gehalt, Kerne und deren Nahrung um-\nklammern, zugleich die Form und den Wert des\nInhalts ausdrückend.\nt\nKeine Linie keiner 'Kunst war bescheidener, ein-\nfacher, vornehmer und zugleich so reich, so ganz\nLeben und Ausdruck als die Linie der Aegypten\nNiemand war sich dessen so bewußt, daß Grenzen\nim Kunstwerk und Grenzen wirklicher Naturkörper\nnie identisch sein können, sondern, daß jedes\nschöpferische Werk auf frei erfundener Konstruk*\ntion beruht, von deren Geraden die Linie nur so-\nweit abweicht, als es der Ausdruck der Erscheinung\nverlangt, daher der Aegypter mitten hinein in sein\nLand Obelisken und Pylonen stellte und\nvon, deren herben Liniengerüst den Umriß der\nKönigsstatuen, Sphinxe und Ornamente, Bilder und\nSchriften nicht einen Milimeter mehr abweichen ließ\nals der Ausdruck ihrer übereinfachen Erfindunngen\ngestattete, sodaß über Rücken, Brust, Tatze, Antlitz\neiner Spinx die Linie desselben Steins in Freiheit\nerzitterte, der in Pyramiden schmachtet unter dem\nGesetz des Dreiecks.\nUnsere Aufgabe ist es nicht, den oft langweilt\ngen Kontur der Kartonzeit heraufzubeschwören. Wir\nmachen einen Unterschied zwischen nachahmender"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.10", "texte": "Linie und schöpferischer. Langweilig wird jeder\nUmriß, der den Grenzen der Körper einfach nach-\nfährt, der also die Form sucht, ohne ihr Verhältnis\nzu Schatten, Farbe und Bewegung gleichzeitig zu\nerwägen, wiewohl jeder Anfänger stets von Nach-\nahmung ausgeht und erst allmählich sich von der\nNatur befreit, je mehr er sich seiner schöpferischen\nFähigkeiten bewußt wird. Unser Umriß ist ein\nverjüngter und stets zu verjüngender. Er wird\ngeboren aus den schwebenden Tonflächen, in denen\nwir Form, Schatten, Farbe und Bewegung alle an-\ndeutend zusammenrufen, in Brennpunkten oder\nEinpfindungspunkten als zusammenhängend erken-\nnen. Unser Umriß scheidet sich aus dem Wallen\naller Elemente der Erscheinung; was die Form\nnicht finden hilft, hilft der Schatten finden oder die\nFarbe oder Bewegung. Der Kontur der Japaner\nverlor seine Entwicklungskraft durch Unkenntnis\nder Schatten und Mangel starker Architektur. Unser\nUmriß ist anfänglich ideelle, weniger mathematisch\ngedachte als empfundene Verbindung von Brenn-\npunkten und wird durch gerade Visierlinien ausge-\ndrückt, die leicht Stellung nehmen zum Viereck der\nganzen Fläche. Danach aber ist er Abweichung\nvon den Visierlinien, also Abweichung vom Rahmen\nund von der Architektur, die den Rahmen unseres\nBildes umgibt. Er ist feinste Auswahl möglicher Ver-\nbindungen zwischen den Brennpunkten zum Zwecke\nnicht der Nachahmung von Naturförmen, sondern\nzum Zwecke des Aufrührens von. Vorstellungen, die\nin der Naturstudie der Naturerscheinung gleichen, in\nschöpferischer Arbeit eine ungeahnte Natur vorstel-\nlen lassen. Nie werden wir versuchen, eine Wan-\ngenlinie nachzuahmen, da wir wissen, daß eine ge-\nrade, also der Natur unähnliche Linie die Backen-\nkrümmung sehr wohl ausdrücken kann, indem an-\nstoßende Linien der Zeichnung sie zu krümmen\nscheinen nach dem Gesetz des Aufbaus, das in der\nZeichnung unabhängig von er Natur steckt.\nSo unrecht wie die haben, die in Nachahmung\nder Natur verweilen,, haben die, welche sagen, es\ngäbe keine Linien in der Natur. Ohne Zweifel ent-\nhalten die Körper Grenzen, die man berühren kann,\nund ihre Erscheinung Linien,, in denen sich die\nKörpergrenzen zu erkennen geben. Aber diese\nLinien stehen zu den Strichen des Griffels in ähnli-\nlichem Verhältnis wie die mathematischn Dreiecke\nzu gezeichneten. Kein Mathematiker ist darüber\nim Unklaren, daß die Kreise, (Punkte, Dreiecke sei-\nner Wissenschaft nicht identisch mit gezeichneten\nDreiecken sind und daß eine gedachte Linie mit Li-\nneal und Stift nicht nachgemacht werden kann, da\nsie als kürzeste bloß denkbare Verbindung zwischen\n«wei Punkten angenommen wird. Vielmehr sieht\ner in der Zeichnung nur ein Hilfsmittel für die\nPhantasie in ihrem Drange, Vorstellungen auszu*\ngestalten, womöglich hinaus über die Eindrücke\nwirklicher Naturgegenstände. In der Natur schei-\nnen die Linien gleichsam gemacht zu werden von\nKräften, die aus einem Brennpunkt organischer For-\nmen in den anderen streben, also von Knospe zu\nKnospe, itn Winkel von Stamm zu Ast und Zweig.\nIm Kunstwerk wird die Linie lebendig und Aus-\n/\ndruck von Kräften durch einen Ueberschuß unserer\nPhantasie. Ihn empfängt der Künstler aus dem er-\nkannten Spiel der Kräfte in Form seines Werkes,\ndas in uns wecken soll, was an Ueberschuß der\nJPhantasie unausgereift im Geiste schlummert, stets\nbereit eine Welt aufzubauen, die unseren Taten vor-\nschweben soll. Die Linie in der Natur wird nach-\nempfunden als Ausdruck der Konstruktion wirk-\nlicher Körper. In der Mathematik wird sie gedacht\nals kürzeste Verbindung von Punkten oder\nals Weg von Punkten auf konstruierbaren\nBahnen. Im Kunstwerk wird sie vorgestellt.\nStellt der Mathematiker Kreise, Dreiecke, Ke*\ngel dar, so reicht er schon hinein in das Gebiet\nder Kunst Und umgekehrt: konstruiert der Künst-\nler seine Verbindung zwischen Brennpunkten der\nErscheinungen nur denkend und nicht empfindend,\nnicht nach Ausdruck drängend, so reicht er hinein\nin das Gebiet der Wissenschaft. Diese Berührung\nvon Kunst und Wissenschaft kann nie ganz vermie-\nden werden und soll auch nicht vermieden werde«»\ndenn sie hat ihre Wurzel ini der Natur selbst, in der\nwirklichen wie in der des Geistes, da jeder Mensch\nmathematische und künstlerische Fähigkeiten zu=\ngleich in sich birgt und da die wirkliche Natur zu-\ngleich eine sich selbst wissenschaftlich konstruie-\nrende und künstlerisch ausdrückende ist. Die Natur\nbeschließt in sich Mathematik, (Physik und Kunst\nzugleich. Ohne ihre Wirkung auf den Geist ver-\nmag der weder Bilder hervorzubringen, noch geo-\nmetrische Figuren, noch physikalische Instrumente\noder Maschinen, noch Kunst noch Wissenschaft.\nBeide können der Natur nicht entraten und beide\nbedürfen einander als Zweige desselben Geistes,\nda der Mathematiker von Punkten, Kreisen, Vier-\necken,, Kegeln nichts wüßte, läge nicht in der gev-\nsamten Natur in Blumen, Gestirnen und Steinen\nein Anlauf zur Mathematik, zu denkbaren, konstru-\nierbaren Raumgebilden. Er würde anderseits nie\nunabhängig von der Natur die freien Gesetze der\nMathematik aufstellen können, wenn er nicht als\nDenker auch in gewissem Grade Künstler wäre,\nfähig in der Phantasie Raumgebilde zu modellieren\nnach seinem und nicht nach dem Gesetz der Natur.\nStellt die die Mathematik unabhängig von Er-\nfahrung, also a priori Gesetze auf, denen sich alles\nWirkliche beugen muß, so sind nicht minder die\nSchöpfungen des Künstlers Verkünder von Gesetzen\na priori, von Gesetzen des Raumes, der Proportion\nund Rhytmhik, in die die wirklichen Geschöpfe erst\nhineinwachsen sollen Die Kunst hat praktische\nBedeutung so gut wie die Mathematik. Sie schafft\nGefäße für den Aufbau von Vorstellungskomplexen\nund Vorbilder der Tat.\nDa ein Wissen unabhängig von der Natur doch\nohne die Natur unmöglich ist, so müssen wir ein\nWissen a priori'auffassen als Wunder, als Schöpfung\neines Geistes, der von der Natur sich befreit, um\nihr die Gesetze zu geben, die sie sich selbst ohne\nden Menschen nicht geben kÄw. Gesetze kann\nnur geben, wer das Bedürfnis dessen kennt, dem er\nGesetze gibt. Die raumumschließende, raumdeu-\ntende, raumfüllende, raumschaffende Kunst, Archi-\ntekt, gewerblicher Künstler, Maler, Zeichner,, Bild-\nhauer müssen ebenso wie die rechnende und kon-\nstruierefide Technik von der Natur unabhängige\nPrinzipien erzeugen und befolgen, soll Stadt, Park\nund Land mit Mensch und Tier sich ihren Anord-\nnungen fügen. Diese Prinzipien kann nur aufstel-\nlen, wer sie aus der Kenntnis des Bedürfnisses der\nNatur,, aus ihrem Drange nach Sichtbarkeit erzeugt\nin dutscher Sprache ist vielleicht durch diese Eigen-\nhat.\n\nDurch die Nacht\nHeinrich Nowak.\nEin Auto jagt vorbei auf schiefen Räders,\nDie Steine schaukeln wie auf weichen Federn,\nUnd laufen hoppernd unter allen Füßen\nZwei Hände sich zu Hindernissen türmen.\nUeppige Weiberbrüste gehn spazieren\nEin Gasthausschild will sich noch strangulier eil\nDie weißen Bogenlampenlichter kreischen\nEin offnes Fenster will sich gar zerfleischen.\nDie Nacht krallt ihre Finger in die Gassen\nEin geiler Mensch will eine Dirne fassen,\nEin Winterrock wird sich durch Gehn ermüden,\nUnd spricht in großen Gesten Plattitiiden.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der UnL\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederich's / Jena\nFRANCIS VIELe GRIFFIN\nLa Lumidre de Grece\nParis Editionsde la Nouvelte Reoue /\nMarcel Riviere et Cie\nTHADDÄUS RITTNER\nIch kenne Sie / Novellen\nWien und Leipzig / Deutsch-Oesterreichischer\nVerlag\nALDO PALAZZESCHI\nII Codice di Pereiä\nRomanzo Futurista\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nALBERT EHRENSTEIN\nDer Selbstmord eines Katers / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nF. T. MARINETTI\nDistruzione / Poema\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatique\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTraeedie satirique, 3e edition\nEdition du „Mercure de France\" / Paris\nLa Vilie Charnelle\n4e edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nCARL DALLAGO\nPhilister\nBrenner-Verlag / Innsbruck.\nKARL KRAUS\nNestroy und die Nachwelt\nzum fünfzigsten Todestag\nVerlag; Jähoda und Siegel/Wien\n\nNotiz\nDie Holzschnitte auf der fünften Seite jeder\nNummer sind von Mitgliedern der Neuen Sezession*\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nRdnisfa-Aogusta-Strasse 51\nliregaaiibof 4w T^B-i^r-Bteydt-Strass®\nZuriickgestellte Bilder\ndes Sosderbandes/KSlii\nKandifisky / Marc / Jawleasky / We#©fkiti / Bloch /\nMiinter\nGedftnet t&gficli voa id bis 6 Uhr\nElse Mark"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.11", "texte": "liefert und verleiht\nH! i until m- fa-\nBerlin 26, - Mpl. 4612\nOranienstrasse 6\n\nfruber: L'Effort\nMonatsschrift\n:: Herausgeber: ::\nJean Richard Bloch\nPoitiers (Vienne)\n\n5 rue Ghaptal / Paris\nDiese iiterarische Zeifc-\nschrift veroffentlichteclas\nfranzosische Original der\nTagebiicher Flau -\nberts, deren Ueber-\ntragung in DeufcscMand\nverboten wurde.\n\nLes Editions de la NOUVeIIB R6VU6 franQaise ont publie\"\nEmile Verhaeren: Helene de Sparte j drame en 4 actes\nPaul Glaudel: L'otage / drame en 3 actes\nL'Annonce faite a Marie / mystere en 4 actes\nAndrti Gide; isabeiie / recit\nCh.'L. Philippe: La Mere et I'Enfant\nLettres de jeunesse\nChaque volume 3,50 francs\n31 / rue Jacob / Paris\n\nL'Mgpendance\nHaibmonatsschrift\nKiinste, Kultur, Philosophie,\nPolitik\n: Jahresbezug: 15 Francs :\nParis I 31 rue Jacob\n\nHerren Chefs!!\nStenotypistinnen, nach dem\n„Tast-Bystem\"\nausgebildet, leisten\n30-50 Prozeni mehr\nv als die nach der alten Methode\nausgebildeten Typistinnen :::\nInteressenten erhalten weitere Informationen von:\nSmith Premier Typewriter Co.\nBerlin W 8, Friedrichstrasse 62\nTel.: Zentrum 11734/11736\n\nCafe-Restauraiit\nOdeon\nBar\nCharlottenbur _\nBism ardc?tr.-£cKeKeue (j &\n\nKUNSTLERISCHE RAUME\ntr\n«\n0\nHU\nKJWN\n1912-\nALBERT KOBUNSKX\nBERUNBRUCKEN-ALLEE6\n\nCO FFEYN\nYA\nI\nm\n7\n/\nv\n'//\n'j/i\n''M\n>Z\n% /Si-V.^y"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190715-01.1.12", "texte": "Brano Sellin, Beclis 8. 14.\n\nCASPER Kunst-Salon\n©\nPotsdamer Strasse 19 Eintritt 50 Pf\nKollektion Gemalde von d'Espagnat\nund Schwarz-Weiss-Ausstellung von\nCorinth KHmt Raffaelli\nForain Leistikow Paetschke\nHance Liebermann Skarbina\nHelieu Menzei Slevogt\n\nGRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\nBERLIN W 15, Kurfiirstendamm 33 ::\nStandige Aasstellung\nmoderner Graphik\nniNTRIT'T\" FREI:\nIm Eckhause. gegeniib d. 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Mark Brandenburg\nLouis Stangen/Linkstrasse 12 Telefon: Kurfurst 2425\n\nSpedition\nGepackfahrt\nRollfuhrwerk\nMobeltransport\nVerpackung\nLagerung\nVerzollung\nYersicherung\nLombard\nMiajc Liax\nHalensee\nfWrWiajuwiiflKH\nmm\nRingbahnstp. 123 a 8 Fernspr.i Uhland 595\nSpediteur des Vereins itix Kunst zu Berlin\n\nZeitschrift Oer Sturm\nStandige Ausstellung\nKfinigin-Augusta-Str. 51\ngegeniib. der von-der-Heydt-\nStrasse zwisch. Hohenzollern-\nu. Friedrich-Wilhelm Strasse\nTaglich. auch Sonntags, ge-\n: : flffnet : :\nEintritt 1 M./Jahreskarte 6 M\nZurzeit:\nZuruckgestellte\ni: Bilder n\nties Sonderbundes / KQln\n\nBildung d. Sprachorgane\nmd.Meth.Prof.Ed.\nempfohlen von er-\nsten arztilchen u.\n: kuiiBtlerischen :\n: Kapazitaten :\nWissenschaftler, Schriftsteller,\n:: Recitatoren. ::\nErsiehmng zu hyg. u. phonet. rich-\ntigem Sprechen zweoks Veredlung,.\nKraftigang u. Erhaltung d. Stimme.\nHeilung v. Sprachstorungen u. v*\n:: Stimmleiden jeder Art. ::\nn. Engel diplonn\n6|| _ Stirambildner\nIIIUI.SS Berlin W5O\n• Ansbacherstr. 31\nhpt.\nUrteile, Prospekt kostenfrei.\n\nNeue Secession\n:: BERLIN ::\nEingetragener Verein\nPassive Mitglieder\nder\n: Neuen Secession:\nerhalten jahrlich\n1 mehrere grapliische\nArbeiten\n2 die Zeitsckrift Der\nSturm frei zugestellt\n3 freien Eintritt zu den\nVeranstaltungen der\nN. S.\nMitgliedsbeitrag halbjahrl. 15 M.\nGeschaftsstelle\nder Neuen Secession\nSteglitz\nMiquelstr. 7a Fernruf 5tg1.2699\n\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangl. Folge\nNummer 351/353\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nOBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\nVerlag 1 Die Fackel / Wien 1112"}]}