{"numero_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_sha256": "e823c07f86e4266392193ea27869598d0c27de4b14af5d1774402f3caa14fe06", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1919/09/15_01/bmtnabg_1919-09-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1919/09/15_01/bmtnabg_1919-09-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.1", "titre_corps": "Johannes Molzahn: Ewigkeitsilattern / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Johannes Molzahn: Ewigkeitsilattern / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.1", "debut_caractere": 89, "fin_caractere_exclue": 159, "texte": "Johannes Molzahn: Ewigkeitsilattern / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "83", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.2", "titre_corps": "Bab hat sie", "titre_sommaire": "Bab hat sie", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4297, "texte": "Bab hat sie\n\nHerr Julius Bab hat sie gefunden, die\ngrößte deutsche Dichterin. Julius B»ab\nsucht schon lange nach ihr, er hat sogar\nschon verschiedene größte deutsche Dich-\nterinnen entdeckt. Aber jetzt hat er\ndie richtige: „Man kann behaupten, daß\nwir seit der einzigen großen Annette\nDroste-Hülshoff dergleichen in vollem Sinne\nüberhaupt nicht wieder gehabt haben! Das\nkann man behaupten. ~Das Zeichen der größ-\nten deutschen Dichterin ist, daß sie ganz\nschlicht die Welt umfaßt/4 Selbstverständlich\neinschließlich Julius Bab, der nun die Ent-\nwicklung schildert: ~Sie beginnt am Boden,\nmit dem innerlichsten Erleben der einfach-\nsten, fest umrissenen , Naturstücke/' Wo-\nrunter nicht etwa Herr Julius Bab zu ver-\nstehen ist, sondern der Tannenbaum. Dieses\nNaturstück nennt sie den .„Grünen Bruder\"!\nDas innerliche Erleben dieses umrissenen\nNaturstückes ist sogar schon kommunistisch,\ndie Welt biegt sich vor soviel kosmischem\nGefühl. Das zweite Naturstück ist der ~Kindh-\neitsgarten\". Es beginnt mit den erlebten\nZeilen: ~Als ich Dein war, weißt Du's noch?\"\nIch weiß es längst, ich sah dich ja im Traume.\nDas dritte Gedicht greift in seinem Erleben\nbereits nach jenem verdichteten Rom. Das\nGedicht heißt innerlich und schlicht ~Genius\nloci\". Und damit noch nicht genug: „Und\nsie ist nun aufgestiegen zu einem Gefühl, das\nden ganzen Ball umgreift, mit allen Leben-\ndigen und angeblich Toten in seinem feurigen\nKern . . .!\" Lieb Vaterland, magst ruhig sein,\njetzt vergreift sich die größte deutsche Dich-\nterin bereits an demßall. Ihr G efühl singt e;ne\n„Totenhymne\". Nach den philosophischen\nAuslegungen ihres Herrn Julius Bab hätte\nsie das Gedicht richtiger ~angebliche Toten-\nhymne\" nennen müssen. Es beginnt mit echt\nBabschem Germanistenschwung: ~0 großes\nHerz der Erde, sei gegrüßt!\" Und auch du,\nmein Berg mit dem rötlich strahlenden\nGipfel. Man fühlt, daß der Kollege Sch'ller\nmehr auf das Irdische gerichtet war, wäh-\nrend die größte deutsche Dichterin s'ch un-\nmittelbar an das große Herz der Erde wen-\ndet. Aber auch die Erde ist ihr zu klein,\n~ihre Seele hat sich vollgesogen mit allem\nsinnlichen Wachstum der Welt und schwillt\nnun auf, ganz ebenbürtig den Planeten\". Die\nPlaneten müssen sich ganz unebenbürtig vor-\nkommen, wenn diese vollgesogene, aufge-\nschwollene Seele kosmisch losprustet: „Erde,\ndu bist nicht älter als ich, wir sind in einer\nStunde geboren. Erde, als ich dich nun ent-\ndeckte, seelig waren wir alle zwei, als ich\nmeine Orpheusseele weckte und der Wildnis\nTiere zog herbei!\" Wenn das keine Entwick-\nlung vom Naturstück zur Ovrpheusseele ist,\nwill ich Julius Bab heißen. Der Tannenbaum\nals Bruder, die Erde als Schwester und Ju-\nlius Bab als Euridice, da kann sich Annette\nvon Droste-Hülshoff begraben lassen. Das\nist für Herrn Julius Bab wenigstens der\n„göttliche Weltrausch des Ich\". So denkt\ns'ch ein Oberlehrergemüt den Weltrausch\nund bricht hymnisch aus: ~ Hier ist der Welt-\nrausch von Grund auf erlebt, bietet sich dar\nin so reinen Bildern (Orpheusseele, vasteh-\nste), klingt so in seinem eigensten Gesang\n(entdeckte, zwei, weckte, herbei), ist so von\neinfachster Wirklichkeit (Genius loci), daß\ner sie schließlich sogar mit meinem Lächeln\nzurückbiegen kann (der Weltrausch nämlich,\nvastehste)\". Worauf dann die Perle des\nWeltrausches vorgesetzt wird? um mich der\nreinen Bildsprache Julius Babs zu bedienen:\n„Ewige Brahmanen ruf' ich\nUnd mit meinem Hauch\nAlle Deine Völker schuf ich . . .\nDie Chinesen auch.\"\nZu dieser Perle murmelt Herr Julius Bab\naus seiner Muschel: ~Es ist ganz reife und\nganz große lyrische Kunst. Deutschland be-\nsitzt wieder eine Dichterin in dem vollen\nschweren Sinne des Wortes. Wenn es heute\nnach Bestätigungen seiner sich immer neu\ngebärenden Schöpferkraft Umschau hält,\nkann es auch auf diese Dichterin einen dank-\nbaren stolzen und hoffnungsvollen Blick\nruhen lassen.\" Deutschland kann also wie-\nder getrost an die Arbeit gehen, in dem\nhoffnungsvollen Bewußtsein, daß der Selbst-\nbeauftragte Julius Bab Umschau nach der\nsich immer neu gebärenden Schöpferkraft\nhält. Da aber auch seinem stolzen Blick\nvielleicht etwas entgehen könnte, möchte ich\nihn auf die kosmischen Verse der größten\ndeutschen Dichterin aufmerksam machen,\nwofür mir Herr Julius Bab sicher dankbar\nsein wird:\nAlle deutschen Dichter rennen\nstets in gleichem Trab"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 221, "texte": "Alle B rüder Schwestern kennen\nkann nur Julius Bab\nHymnisch opfert Zeus er Scheite\nBirmas Seele weint\nJulius' Seel' klingt in die Weite~\nWenn mans kosmisch meint,\nO großer Bab, wie grün sind Deine Blätter\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "90", "image_debut": 3, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.3", "titre_corps": "Die neue Kunst", "titre_sommaire": "Die neue Kunst", "signature_source": "Lothar Schreyer ; Schlub folgt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.3", "debut_caractere": 223, "fin_caractere_exclue": 253, "texte": "Die neue Kunst\nLothar Schreyer"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.3", "debut_caractere": 268, "fin_caractere_exclue": 3969, "texte": "Die Künstler der Kunstwende der Gegenwart\nhaben zum ersten Male in der Gegenwart\nGesichte gestaltet. Diese Künstler sind einer\nfremden Welt als Fremde unter den Namen\nder Futuristen, Kubisten, Expressionisten er-\nschienen, Die fremde Welt tobte, weil sie\nnicht verstehen konnte und mißverstand,\nweil sie verstehen wollte. Die Künstler aber\nkünden notwendig und unbeirrt ihre Ge-\nsichte, Und nun sich im Jahre 1918 die\neuropäische Welt allen Menschen sichtbar\nzu wenden beginnt, fürchten die Tober und\nMißversteher den Anschluß zu verpassen,\nund rufen durch ihre Händler und die Tages-\npresse aus, daß sie auch Futuristen, Kubisten\nund Expressionisten sind, Sie sind keine\nKünstler, Sie sind keine Künder der Ge-\nsichte, Sie haben ein Schlagwort ergriffen,\ndas sie nun erschlägt trotz all ihrer Worte,\nDenn nur das Kunstwerk macht den Künst-\nler, Sie aber machen rasch Nachahmungen\nvon Kunstwerken, machen eine Kunstge-\nschichte, eine Kunstlehre, verkünden eine\nneue Kunst und ~vergeistigen\" mit ihr ihre\nPrivatinteressen. Das sind die Menschen,\ndie umgelernt haben, die sich nach dem Be-\nginn der Weltwende ~auf den Boden der\nTatsachen stellen\", Sie haben von den Tat-\nsachen gelernt. Aber sie haben nichts ver-\nlernt, Sie sind die unehrlichen Feinde der\nneuen Welt, Sie verhandeln die Kunstwerke\nder Künstler, Sie vermenschlichen die Kunst-\nwerke der Künstler, Sie sind unsere Wider-\nsacher,\nEhe nicht die Menschen verlernen, Men-\nschen zu sein, ist die Weltwende nicht voll-\nendet,\n* *\n*\nDie Künstler mühen sich, den Menschen zu\nverlernen. Sie gestalten das Gesicht,\nDie Maler gestalten das Gesicht mit Farben\nund Formen. Ihre Kunstwerke heißen Bil-\nder, Das Bild ist ein Gebilde aus Formen\nund Farben, Das Bild ist die rhythmische\nFarbformgestalt des Gesichts, Wir haben\nGesichte und können sie künden, wenn wir\ndas Sehen verlernen. Die Maler verlernen\nes, Abbilder der äußeren Erscheinung zu bil-\nden, Denn dieses Abbilden ist kein Bilden,\nEs ist das Nachahmen einer einzelnen Er-\nscheinung äußerer Wirklichkeit, losgelöst\naus der Gesamtheit der Erscheinungen, Die\nGesamtheit der Erscheinungen ist eine Ein-\nheit und das Gesicht ist eine Einheit, Wer\naus der Einheit der Erscheinungen eine Ein-\nzelheit loslöst, zerstört die Einheit der Er-\nscheinung und schafft keine Einheit. Dar-\nüber hilft auch keine Verwandlung der äuße-\nren Erscheinung hinweg, kein vermeintliches\nSchaffen eines Typs oder die sonstige Unter-\nordnung unter eine Idee. Stückwerk bleibt\nStückwerk und kann nie Ganzwerk, nie\nKunstwerk werden. Das Kunstwerk wird\nnicht. Das Kunstwerk ist, Es ist im Gesicht\ndes Schöpfers und der Schöpfer stellt es aus\nsich heraus. Die Gestalt wird nicht gemacht.\nSie ist offenbar. Das gekündete Gesicht,\ndas offenbarte Bild empfängt die Farbform\naus sich. Die Farbform ist nach dem Gesetz\nihrer Gestalt gebildet. Wir wissen das Ge-\nsetz nicht, ehe es das Bild gestaltet hat. Von\njedem Kunstwerk können wir das werk-\ngestaltende Gesetz der Farbform ablesen,\nJedes Bild hat ein anderes Gesetz, Die\nWahl des Gesetzes steht nicht im Willen des\nKünstlers. Das eine Gesetz kann das an-\ndere brechen. Die Notwendigkeit der Ge-\nstaltung des Gesichts ist das einzige Gesetz\ndes Künstlers. Doch das ist kein Gesetz der\nKunst. Die Farbform des geschaffenen Bil-\ndes ist eine äußere Erscheinung. Diese Farb-\nform kann Gegenständen der Außenwelt\nähneln. Es ist nicht notwendig, daß die\nFarbform einem Gegenstand der Außenwelt\nähnelt. Es sind nur Einzelfälle, wenn\ndie Farbformen einem Gegenstand der\nAußenwelt gleichen, und solche Ausnahme-\nfarbformen sind dann stets nur Teile der\nkompositionellen Einheit des Bildes, Das\nBild ist komponiert, das heißt: es ist nach\nseinem Gesetz gestaltet. Der Maler sieht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4326, "texte": "eine Einheit, das Gesicht. Er sieht nicht Ge-\ngenstände der Außenwelt. Er sieht nicht\ngegenständlich. Er verlernt die logischen\nZusammenhänge der Gegenständlichkeiten,\nwie sie dem Verstand erscheinen. Der schaf-\nfende Künstler kennt die verstandesgemäße\nLogik nicht. In ihm gestaltet die künstle-\nrische Logik. Die künstlerische Logik er-\nscheint als Rhythmus. Der Unterschied zwi-\nschen der Logik des Verstandes und der Lo-\ngik des Rhythmus wird klar, wenn wir uns\nversuchen vorzustellen, was ein rhythmi-\nsches Denken, also eine rhythmische Ver-\nstandestätigkeit ist. Um rhythmisch zu den-\nken, ist es belanglos, ob die Gedankenkette\nverschieden ist und voneinander abhängt.\nDieser logische Zusammenhang macht das\nDenken nicht rhythmisch, sondern rhyth-\nmisch wird es dadurch, daß die Glieder der\nGedankenkette in bestimmten Zwischenräu-\nmen und in bestimmter Schnelligkeit aufein-\nanderfolgen. Es ist möglich, daß die Glieder\nverstandesgemäß völlig gleich sind, also der\neine Gedanke in der Gedankenkette immer\nwiederholt wird. Es ist ebenso gut möglich,\ndaß zwischen den Gliedern der Gedanken-\nketto nicht einmal der Zusammenhang der\nGleichheit besteht. Weder die Unlogik des\nVerstandes noch die Logik des Verstandes\nist also für den Rhythmus wesentlich. Die\nLogik des Rhythmus ist das Verhältnis, in\ndem Zwischenräume und Schnelligkeiten in\nder Bewegung zueinander stehen. Die Lo-\ngik des Rhythmus ist in jedem Bild eine an-\ndere gemäß seinem Gesetz. Der Rhythmus\ndes Kunstwerks ist eine Bewegung, eine\nzwangvolle und notwendige Bewegung.\nZwangvoll ist sie dadurch, daß der Künstler\ndurch sein Gesicht gezwungen wird, die Be-\nwegung zu erleiden. Künstlerisch notwendig\nist sie, weil nur durch die bestimmte schöp-\nferisch erfaßte Bewegung dem Gesicht die\nGestalt gegeben werden kann.\n* * *\nDie Futuristen haben als erste Maler in der\nGegenwart die Bewegungsvorstellungen des\nGesichtes unmittelbar gestaltet. Die Welt,\nvon der wir uns abwenden, glaubte zu wis-\nsen, was Kunst ist, schuf ein System von\nKünsten und lehrte, daß der Maler keine Be-\nwegung darstellen könne. Mit den Voraus-\nsetzungen solcher Kunstanschauung sind\nauch die Lehren solcher Kunstanschauung\nabgetan. Der Künstler erkennt, daß jedes\nGesicht auch eine Bewegungsvorstellung ist\nund mit dem Zwang, die Vorstellungen de.\nGesichts zu gestalten, erleidet er auch den\nZwang, Bewegungsvorstellungen zu gestal-\nten. Die Bewegungsvorstellungen des Ge-\nsichts sind in den Bildern der Futuristen\nunmittelbar gekündet. Der Rhythmus ist\ndie Bewegung des Kunstwerks. Im Bild\n%\nerscheint derßhythmus als Linie und als Ver-\nhältnis der Farben. Die rhythmische Linie\nist das Kunstmittel, durch das sich die Bilder\nder Futuristen so tief von den Werken der\nletzten, fünf Jahrhunderte Europas unter-\nscheiden, daß in den Bildern der Futuristen\ndie neue Welt durch die Linie erschlossen\nist: die Welt der Gesichte.\nEbenso tief unterscheiden sich die Werke\nder Kubisten von den Werken der vergan-\ngenen fünf Jahrhunderte durch die rhyth-\nmische Farbe. Die Kubisten gestalten un-\nmittelbar die Farbformvorstellung des Ge-\nsichts. Die Maler der äußeren Gegenständ-\nlichkeiten malen diese Gegenständlichkeiten\nfarbig. Sie wußten nicht mehr, was Farbe\nist. Erst in den Gesichten wird die Farbe\nwieder vorgestellt. Da die Gesichte unab-\nhängig von der Gegenständlichkeit sind, er-\nscheinen die Farbformvorstellungen nicht\nals farbige oder gefärbte Formen, sondern\nals Farben. Die Farbe ist hier keine Eigen-\nschaft der Form, ebensowenig wie die Form\neine Eigenschaft der Farbe ist, sondern\nbeide durchdringen sich völlig gleichwertig\nzu einem einheitlichen Gebilde, dem Bild.\nDaher haben die Bilder der Kubisten reine\nFarben und reine Formen. Daher geben sie\ndie Farbformen nicht durcheinander, nicht\nvermischt, sondern nebeneinander, kompo-\nniert, in bestimmten Verhältnissen zuein-\nander gesetzt, bestimmt von dem Bildrhyth-\nmus. Der Farbrhythimus entsteht aus den\nLeuchtunterschieden der Farben und der\nFlächenausdehnung der einzelnen Farbe.\nHaben die Futuristen den werkgestaltenden\nGrundsatz der rhythmischen Linie aiswesent-\nlich für das Bild gefunden, so geben die Ku-\nbisten als wesentlichen Grundsatz für das\nBild die rhythmische Farbe.\nDie Expressionisten verneinen die werk ge-\nstaltendenGrundsätze der rhythmischen Linie\nund der rhythmischen Farbe. Die Grundsätze"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4275, "texte": "sind keine Gesetze der Kunst. Sie sind Ge-\nsetze, die wir an einzelnen Kunstwerken ab-\nlesen. Sie sind für diese Kunstwerke Gesetze\nder Gestaltung. Sie sind erste Grundsätze,\nnach denen die Gegenwart Gesichte gestaltet\nhat. Die Grundsätze selbst sind erste Ge-\nstalten, die sich im Gesicht künden. Es\nscheint, als ab die aufeinander folgenden\nGenerationen der Gegenwart immer tiefer in\ndie Welt der Gesichte hineingezogen wür-\nden. Wir verlernen immer mehr unser altes\nSehen, daß uns die Gesichte finden können.\nDa« Leben der Künstler ist das Erleben der\nneuen Wfelt,\n* *\n*\nAls die Künstler der neuen Welt im Jahre\n1913 der fremden Welt Berlins in der ersten\nHerbstausstellung des Sturm ihre Bilder\nzeigten, erhob sich im Publikum und der ge-\nsamten Presse ein Wutschrei. Das Publi-\nkum war aufs tiefste verletzt. Es fühlte sich\nin seinen ~heiligsten Gütern\" beleidigt. Man\nschimpfte oder versuchte krampfhaft zu\nlachen. Genau so die berühmte und unbe-\nrühmte Kritik. Viele Kritiker, die heute\nnicht laut genug ~für die Geistigkeit der\nKunst eintreten\", haben in wüsten Hetz-\nartikeln die Kunstwerke und die Künstler\nbeschimpft. Manche von diesen Kritikern\nnennen sich heute selbst Futuristen und Ex-\npressionisten. Und fast alle entdecken im-\nmer wieder neue Futuristen, Kubisten und\nExpressionisten. Daß es Künstler gibt, kön-\nsie nicht vertragen. Es muß Künstler von\nKritikers Gnaden geben.\nHeute sind die drei Worte Futuristen, Ku-\nbisten, Expressionisten Schlagworte. Die\nWorte haben ihren Sinn verloren. Künstler\nhaben sie einmal geprägt, um sich von den\nzahllosen Nichtkünstlern, die sich Künstler\nnennen, zu scheiden. Nachdem diese Schei-\ndung vollzogen ist, haben die Nichtkünstler\nbetriebsam die drei Schlagworte aufgegriffen.\nNun scheiden uns die Worte nicht mehr von\nihnen. Wir sind die Künstler. Nun scheidet\nuns nur unser Werk von ihnen. Nun scheidet\nuns die Weltwende von unseren ehrlichen\nund unehrlichen Widersachern.\nWir werden oft gebeten, die Bilder oder die\nGedichte zu erklären. Das Kunstwerk kann\nnicht erklärt werden. Erklär* werden kann\nnur das Handwerk. Erklärt werde« lü<mwti\nnur die Kunstmittei und Ihre Afcweä&tog.\nVom einzelne» Werk kenn clas Geeste ab-\ngelesen werdea, tkach dem c&e rhytfetnisefee\nLinie und die rhythmische Farbe des Bild ge-\nstaltet. Wir können sagen, was wir Wli»\nAnblick des einzelnen Bildes gedacht oder\ngefühlt haben. Wir können also den Rat-\nsuchenden erklären, was wir für die Kom-\nposition des Bildes halten, und können tlmen\nunsere Gedanken und Gefühle erkläre«.\nWir geben den Ratsuchenden etwa,« von «n«\nund nichts vom Bild. Wir müssen den Rat-\nsuchenden sagen, daß sie keinen Rat suche«\nsollen. Wir müssen ihnen sagen, daß sie\nnur das Bild anschauen dürfen und wartest\nmüssen, oB sie es schauen können. Wer da«\nKunstwerk empfangen will, muß willig sein.\nEr muß sich dem Kunstwerk hingeben, Er\nmuß willen« sein, auf seinen eigenen Willen\nzu verzichten. Er darf nichts fordern von\ndem Bild, nichts in ihm suchen, nichts von\nihm ablesen wollen. Es kann ihm nur da«\nsagen, was er sich selbst sagt. Nur in der\nVerneinung ihres Selbst können wir den Rat-\nsuchenden helfen. Wir können sie nicht\nwillig machen, ein Kunstwerk zu empfangen.\nAber wir können ihnen helfen, die Hemmun-\ngen zu beseitigen, die ihrem Willen, sich hin-\nzugeben, entgegenstehen. Wir können ihtoen\nhelfen, zu verlernen. Wer Kunstwerke emp-\nfangen will, muß auf seine Bildung verzich-\nten. Der Ballast des Wissens, den wir alle\nnoch mit uns herum schleppen, verhindert\nuns den Ausblick zu den Gesichten, die\nuns suchen. Die Intellektuellen müssen\nihren Intellekt preisgeben können, die Wis-\nsenschaftler ihre Wissenschaft, die Geistigem\nihren ~Geist\" und feder die Erinnerungen,\ndie sein Leben füllen. Denn nur, wer Sick\nbedingungslos preisgibt, wer sich unbedingt\ndem Kunstwerk hingibt, empfängt den Prei&,\ndas Kunstwerk zu erleben.\nDie Verstandesmenschen meinen, daß das\nKunstwerk eine Aufgabe löse, daß es die\nAntwort auf eine Frage gebe. Sie suchen\neinen Titel des Bildes und untersuchen dann,\nwie weit nach ihrer Ansicht das Bild dem\nTitel entspricht. Ehe sie selbst nach einem\nTitel suchen, sehen sie im Katalog nach, ob\nihnen der Künstler diese Mühe erspart hat.\nEs macht ihnen Kopfzerbrechen, wenn eie\ndort nur eine Nummer als Titel fade«, well"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4411, "texte": "»< ~\nm&netf* Künstler, wie Jaeoba van Meeras-\nkerck und Georg Muche, ihr 9 Bilder meist\nnur mit Nummern als Bild 1, Bild 2 bezeich-\nnen, Es macht ihnen noch mehr Kopfzer-\nbrechen, wenn etwa, was «ie Titel nennen, im\nKatalog steht. Ein Bild von Leiger heißt\n„Nacktes Modell im Atelier\". Da es der\nKatalog versichert, muß es wohl stimmen.\nNun suchen sie auf dem Bild eifrig nach dem\nModell und nach dem Atelier. Sie sind ent-\nrüstet, daß sie ein Atelier überhaupt nicht\nlinden und von einem sogenannten Modell\nnur mühsam „kubisch verzerrte Formen\" er-\nkennen. Leichter wird es ihnen bei einem\nBild von Chagall wie dem\nSie erkennen da Wagen, Mann und Pferd\nund auf dem Wagen ein Kälbchen, Aber\nverrückt und unmöglich kommt es ihnen vor,\ndaß sie im Leib des Pferdes ein Pferde-\nEmbryo sehen, das noch dazu nicht anato-\nmisch richtig gezeichnet ist. Die Tiere haben.\nMenschenaugen, und je aufmerksamer der\nVerstand das Bild betrachtet, desto mehr\nUnmöglichkeiten sieht er. All solche Be-\ndenken kann man dem Verstandesmenschen\nzerstreuen. Man kann ihm klar machen, daß\nder Titel mit dem Gesicht und seiner Ge-\nstaltung nichts zu tun hat, daß er ein Merk-\nmal für das Bild ist, wie der menschliche\nName ein Merkmal für den einzelnen Men-\nschen ist. Dieser Name braucht nicht einmal\nvom Künstler selbst zu stammen. Das Bild\nbleibt mit und ohne Namen dasselbe. Gibt\nder Künstler selbst dem Bild einen Namen,\nso wählt er meist entweder einen äußeren\nAnlaß, durch den er in den Zustand der Ek<-\nstase versetzt wurde, oder er nennt das Bild\nnach einem Gedanken oder Gefühl, wie das\nBild gedanklich oder gefühlsmäßig auf ihn\nwirkte. Daß wir durch eine Ueberlegung\nttber den Namen des Bildes und sein Ver-\nhältnis zum Bild dem Kunstwerk selbst nicht\nmähe* kommen, ist klar. Ein verstandes-\njgem&ßes Urteil über die Gegenständlich-\nkeiten des Bildes bringt uns ebensowenig dem\nBild nah. Wir Urteilen immer nur über die\nR*iaehungen, die wir zum Bild haben, und\nsieht «inanal über die, die das Bild zu uns\nhat. Wenn wir dem Verstandesmenschen\nden Schöplungsvor gang unserer Kunstwerke,\nsoweit er kontrollierbar ist, und das Ge-\nstaltungsgesetz eines bestimmten Kunstwer-\nke« maeh unserem besten Wissen mitteilen,\nso beginnt der Verstandesmensch unser\nKunstwerk als einen Gegenstand der Wis-\nsenschaft zu sehen, der wohl absonderlich\nist, aber in dessen Wahnsinn doch Methode\nist. Vielleicht vermag er dann auch ver-\nstandesgemäß einzusehen, daß dieser schein-\nbare Wahnsinn darin liegt, daß er das Kunst-\nwerk wie einen Gegenstand der Wisenschaft\nansieht, daß es Dinge gibt, die nicht durch\nUrteil, sondern nur durch Intuition erfaßt\nwerden können. Nach so ausführlicher Be-\nschäftigung mit den Aeußerlichkeiten des\nKunstwerkes ist der Verstand des Verstan-\ndesmenschen meist befriedigt und dadurch\ndie größte Hemmung beseitigt, die dem Wil-\nlen zu einer Hingabe an das Kunstwerk\nentgegensteht. Diesen Willen zur Hingabe\nmuß er dann allerdings selbst Raben,\nSchwerer sind die Hemmungen des Intellek-\ntuellen, einer besonderen Abart des Ver-\nstandesmenschen zu beheben, Denn der In-\ntellektuelle bildet sich ein, nicht nur zu\nwissen, sondern auch Kenner zu sein. Er\nhat einige Kunstwerke und eine sehr große\nAnzahl von Nichtkunstwerken gesehen und\nist vor dem Bild sogleich mit seinem Urteil\nfertig. Von ihm stammt das Wort der guten\nund schlechten Kunstwerke. Er beginnt vor\neinem Bild von Chagall sogleich von russi-\nscher Bauernkunst zu reden, von der er\nirgendwo einmal etwas gesehen hat. Es\nkommt ihm gar nicht darauf an, das Bild,\nvor dem er steht, zu betrachten, sondern es\nkommt ihm nur darauf an, eine Meinung\nüber das Bild zu' haben. Seine Kritik ist\nnicht einmal das verstandesgemäße Unter-\nsuchen des Bildes, sondern seine Kritik be-\nsteht in Vergleichen. Der Intellektuelle lebt\nstets von anderer Leute Urteilen, Wenn er\ndas Bild nicht in seinen Zettelkasten ein-\nordnen kann, und so ist es mit jedem Kunst-\nwerk, dann ordnet er es eben doch in seinen\nZettelkasten ein Er fälscht die Worte an-\nderer Menschen, Da er selbst Kenner ist,\nhört er den anderen Menschen nicht richtig\nzu. Nennt Kanjdinsiky seine Bilder Kom-\npositionen und Sinfonien, so hält der Intel-\nlektuelle diese Bilder sogleich für gemalte\nMusik und beruft sich dabei noch auf die\ntheoretischen Schriften Kandinskys, die er\ngelesen und mißverstanden hat. Da es nach\nKandinsky auch noch Künstler gibt, die fast\nnur ungegenständlich malen, wie Rudolf"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4424, "texte": "Bauer, und der Intellektuelle keine Zeit hat,\ndie Bilder der Künstler zu betrachten, da er\nZeit hat, Kritiken zu reden und zu schreiben,\nso sieht er nicht, daß beide Künstler in ganz\nverschiedenen visionären Welten leben, und\nhält Bauer für einen Nachahmer von Kan-\ndinsky, Es wundert uns nur, daß er nicht\nauch Michelangelo für einen Nachahmer von\nBotticelli hält, da doch beide Madonnen ge-\nmalt haben, Eis wundert uns nicht, daß er\nam liebsten kunstgeschichtliche Abhand-\nlungen über unsere Kunstwerke schreibt. Da\ne» uns Künstlern an Zeit fehlt, den Intellek-\ntuellen ihre Jahrhunderte Kunstgeschichte\nauszutreiben, können wir ihnen auch nicht\nzur Hingabe an unsere Bilder helfen, Sie\nwollen sich auch gar nicht hingeben. Sie\nwollen uns davon überzeugen, daß sie wis-\nsen, was Kunst ist, und daß wir nicht so\nschaffen dürfen, wie wir müssen. Denn sie\nhalten sich als Kenner für unsere Lehrer,\nSie wissen genau, was und wie man malen\nmuß, und was und wie man dichten muß.\nWir Künstler wissen leider gar nicht, was\nwir schaffen werden und wie wir es schaffen\nwerden. Den Intellektuellen können die\nHemmungen nicht weggeräumt werden, weil\nsie grundsätzlich nicht von ihrem Intellek-\ntualismus befreit sein wollen,\nDie leider wohl nicht letzte Abart der Intel-\nlektuellen sind die Geistigen, Sie glauben,\ndie Weltwende intellektuell erfaßt zu haben.\nDie Dilettanten aus allen Gebieten finden\nsich in ihrem Kreis zusammen. Da sie in der\nWelt, von der wir uns abwenden, Dilettanten\nwaren, bilden sie sich ein, Führer in unsrer\nWelt sein zu müssen. Sde haben aber unsre\nWelt ebenso wenig wie die frühere. Dafür\nhaben sie die Eitelkeit aller falschen Führer,\nWeil es auch heute mehr Menschendilettan-\nten als Menschen gibt, fühlen sie sich in\nihrer eingebildeten Führerrolle bestärkt.\nWir haben gegen die Betriebsamkeit ihrer\nGeistigkeit keine ebenbürtigen Waffen. Aber\nwir wisen, daß diese Gedstigen sich niemals\nden Kunstwerken hingeben werden, da sie\nnie von ihrer Eitelkeit lassen können und\nihre Persönlichkeit nie bewußt opfern\nwerden.\nDer übliche, gebildete Mensch ist zu seinem\nGlück nicht intellektuell oder gar geistig.\nEr versucht die Dmge zu sehen, so wie er\nsie eben sieht. Tritt er unbeeinflußt vor\nunsere Bilder, so sieht er nicht im Katalog\nnach, was das Bdd darstellen soll. Er weiß\nauch zu wenig von der Kunstgeschichte, um\nvergleichen zu können. Er weiß auch ,zu\nwenig von der Technik des Malens, um das\nMalen beurteilen zu können. Er sieht zuerst\ndie Farben und die gefallen ihm meist. Dann\nsucht er die Formen, und er wundert sich\nmeist, daß die Formen den Gegenständen der\nNatur so wenig ähneln. Aber er kommt nicht\nzu den Bildern, um sie zu kritisieren. Son-\ndern er will aufnehmen, was die Bilder ihm\ngeben können. Er sucht das, was ihm an\nden Bildern wunderlich ist, zu begreifen.\nEr sucht nach Beziehungen in seinem eignen\nErleben, die ihm das wunderlich Scheinende\ndeuten sollen. Er denkt bei den Bildern\nvon Chagall an die Märchen, und er wundert\nsich nicht mehr, daß er auf den Bildern\ndurch Körper hindurch sehen kann, daß\nKöpfe isich frei vom Körper bewegen, daß\neine Hand aus dem Tisch wächst, daß eine\nKatze grün aussieht. Durch die Wunder-\nwelt der Märchen kann er die äußere Form\ndes Bildes begretifen, Die ungegenständlichen\nBilder machen ihm mehr Schwierigkeiten,\nEs verwirrt ihn der Begriff Bild, Doch wir\nkönnen leicht verlernen lassen, daß das Bild\nnotwendig ein Abbild sein müsse. Noch\nscheinen dem üblichen gebildeten Menschen\ndie ungegenständlichen Bilder vielleicht als\nKunstgewerbe. Aber es gibt kein Kunst-\ngewerbe, Es gibt nur Kunstwerke und ge-\nwerbliche Erzeugnisse. Gewerbliche Er-\nzeugnisse, die mit einem Schmtick versehen\nsind, die ein Ornament haben, sind keine\nKunstwerke. Das Ornament dient einem\nWohlgefallen. Für das Kunstwerk ist es\ngleichgültig, ob seine Farbform gefällt oder\nmißfällt. Kunstwerke können auf gewerb-\nlichen Erzeugnissen angebracht sein. Es. ist\ngleichgültig, ob eine auf den Rahmen ge-\nspannte Leinwand, die auch ein gewerbliche»\n• -\nErzeugnis ist, das Bild trägt, oder ob das\nBild auf einer Decke, auf einer Wand, auf\neinem Glas, auf einer Schale oder sonstwo\nangebracht ist. Auch das Malmittel Farbe\nist nur ein gewerbliches Erzeugnis, Die\nBildung des üblichen gebildeten Menschen\nist zu seinem Glück meist mangelhaft. Er\nist stets sehr oder weniger unverbildet, Der\nunverbildete Mensch hat bei den einzelnen\nFarbformen Empfindungen, die sich in Ge-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2248, "texte": "Bühlen auslösen. Er sieht die Farbformen\nassoziativ. Bei einem roten Farbfleck kann\ner an einen Bluttropfen denken, bei einer\nblaßgelben Scheibe an den runden Mond.\nDie Schlangenlinie, die Wellenlinie, das\nStrahlenbündel s<ind solche Assoziationen,\ndie schon aus der Umgangssprache bekannt\nsind. Die Gefühlswerte der Farben spielen\neine Rolle in allen Farbtheorien. Wir kön-\nnn jeden unverbildeten Menschen durch die\nWunderwelt der Märchen und durch die\nWunderwelt der Farben führen, und er wird\nbegreifen, daß jedes Bild ein Wunder ist.\nAber auch dann hat er das Kunstwerk noch\nnicht empfangen. Er hat es nur gefühlt.\nDas letzte, bis zu dem wir den Menschen\nführen können, ist das Einfühlen in das\nKunstwerk. Wenn alle verstandlichen Hem-\nmungen beseitigt sind, wird er den Rhythmus\nder Farbform im einzelnen Bild erfassen.\nSo wird er vor Bild 2 von Jacoba van Heems-\nkerck das feierliche ernste Gleiten der For-\nmen fühlen. Er wird die tiefen Intervalle\nder Farben fühlen. Er wird nichts Gegen-\nständliches auf dem Bild mehr sehen. Sein\nmenschlicher Rhythmus wird den Rhythmus\ndes Bildes mitzuschwingen versuchen. Wei-\nter können wir niemandem helfen. Und auch\ndas Einfühlen ist noch keine Hingabe, ist\nnoch kein Sichaufgeben, ist immer noch ein\nVerhältnis zwischen Beschauer und Bild1.\nErst wenn aus der Beschau Schau geworden\nist, hat der Mensch sich aufgegeben. Dann\nhat derßhythmus des Kunstwerkes ihn erfaßt.\nDann ist der Mensch versunken. Sein Be-\nwußtsein ist erloschen. Das ist die leiderlö-\nsende Kraft des Kunstwerks.\nZur inneren Versenkung, zur Aufhebung des\nLeidens führt uns das Erleben des Kunst-\nwerkes, der Bilder, der Bildhauerwerke, der\nBauwerke, der Tonwerke, der Gedichte, der\nBühnenwerke,\nNicht das Kunstwerk allein hat diese leid-\nerlösende Kraft. Jede Erscheinung der\nWirklichkeit kann sie haben. Die Blume,\nder zinnerne Teller, die Glaskugel, der Him-\nmel, das Meer, der Mensch. Auch das Kunst-\nwerk ist nur eine Erscheinung der Wirklich-\nkeit. Das Wunder ist, daß der Mensch im\nKunstwerk Gesichte kündet. Wir ahnen,\nIUB alle Erscheinungen Gesichte künden.\nWir können nicht sagen, wessen Gesichte\nsie künden. Aber wir erfassen, daß die Welt\nWunder voll ist, und fühlen, daß uns die\nWunder immer tiefer fühlen\n\nSchlub folgt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.3.1", "titre_corps": "Johannes Molzahn: Sternbewegung / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Johannes Molzahn: Sternbewegung / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 66, "texte": "Johannes Molzahn: Sternbewegung / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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— man verhüllt die schände-\nten Male nur schlecht. — Ueberall grinst\ndie Not —\nAuf Trümmern und Scherben bereiten Wir\ndas Werk — kämpfend wollen Wir unseren\nWeg in die Sterne treiben. —\nEs gibt kein ICH — und kein DU mehr —\nAlles Zweck — Ziel — ist Hemmung der"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3290, "texte": "strömenden EWIGKEIT. — D*r gestrige\nTag — die vergangene Stunde — nichts\nhält Uns mehr dort. —\nJalhrhunderte — Jahrtausende — hämmern\n— glühen nach vorn — schrauben ihre Ener-\ngien in die EWIGKEIT!\nJedes Kunstwerk ein flammendes Mal des\nEWIGEN. — Kein Werk — das nicht durch\nden Kampf geglüht — geworfen wäre, —\nSo wollen Wir den Kampf preisen —- die\ntosend wilde Musiik des Kampfes, — Das\nbrüllende Blut. — Das Schwert — das\ndurch den Raum singt und jauchzt — span-\nnend Vernichtung,\nDie blutblühende Bahn des Geschehens —\nderen Achse — alle Tiefen aufwerfend. —\nPole — die in der Menschheit stehen. —\nDas .sollen unsere Bilder — Plastiken —\nDichtungen künden. —\nDer toten Formel ist unsere Verachtung —\nzu lebendigem W/achsen wollen Wir fuhren\nund so Sprungbrett dem EWIGEN spannen.\nWir jubeln die Elemente — mit denen wir\nringen — die uns schleudern und verzehren,\n— Die schlagende Energie der Pole — wie\nsie einander anziehen — und immer wieder\nabstoßen. —\nDie pulsenden Bahnen der Sterne — ihre\nflammenden Energien — die sich in fort-\nwährenden Katastrophen verzehren und\nwieder gebären, — Die bebend rotierende\nErde — ihre Geschöpfe. — Geschlechter —\ndie wie Elemente aufeinander schlagen —\nihre Dolche in das Blut singen — ireißen das\nGeheimnis — Knoten — knüpfen das Schick-\nsal — wie ein Schwert — drohend über sie\ngespannt. — Lebendig und verzehrender\nWeg.\nWir singen den prächtigen männlichen Rie-\nsen — der wie ein Pfeil den Raum schneidet.\n— Sprung und Pol. — Blutblühendes\nSchwert. — Dem alle Siegel verfallen; — der\nseinen Stachel in den Leib bohrt — alle\nTiefen wühlt und peitscht — pulsendes\nChaos — mächtig bebend — empfangender\nLeib. —\nWir pi eisen die Mutter — die unter der\nGröße des Geschehens — unter der Wucht\ndes Blutes zerbricht. — Gebärenden Schoß\ngeöffnet — vergeht — Frucht dem EWIGEN\nwirft; — ihr« Notwendigkeit stirbt.\nKein Kunstwerk — da« nicht »o tiefst ge-\nglüht gelebt ist — solcher Not geworfen. —\nNur auf dem Wege des Blutes kann das\nWerk in das Blut brennen — packen und\nwerfen — den EWIGEN reißen,\nWir grüßen und singen den Weltinstinkt —\ndas lebendige Ereignis im Menschjen, — Ist\nes nicht unser elementarster Bruder — der\nuns da entgegenstürmt? Die große kos-\nmische Welle — die ER — dem Raum\nschleuderte — die Erde — die Menschheit\nherumzuwerfen — entgegen?\nWir wollen Oel aufs Feuer gießen — das\nFünkchen zum Funken anblasen — und den\nFunken zur Flamme—die den Erdkreis über-\nzieht — mächtiger schlagen — und beben\nläßt — lebendigst pulsender — dampfender\nKosmos. — Wachsend wollen Wir den Keil\ntreiben — immer weiter treiben. — Immer\nmächtiger — immer gewaltiger wollen Wir\nden Energiebogen spannen — über die Erde\nreißen — das Blut schlagen, daß es brüllt.\nMit dem Mal des EWIGEN — soll der\nMensch gezeichnet werden — glühend ge-\nstirnt. — Sprung und Schlag in Jahrtausen-\nden, — Spirale der EWIGKEIT getrieben.\nDieses gewaltige Manifest — dieses flam-\nmende Banner — den Sternen gesteilt — ge-\ntürmt — wollen Wir entfalten und über die\npulsende Erde spannen — als das lebendige\nSymbol — kosmischen Willens — strahlen-\nder Energie rotierenden Geschehens,\nWir grüßen Euch — die Ihr uns entgegen-\nstürmt. — Grüßen die Sterne, — Das Ereig-\nnis im Menschen — deren Not Wir geballt.\nGeöffnet gehlen Wir Euch in Unserem Werk\nentgegen\n\nJohannes Molzahn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nIX. Oskar Kokoschka\nXI. Paul Klee\nXII. Qabriele Miinter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Georg Muche\nXXI. 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Carra Max Ernst Lyonel Fei-\nninger / Emil Fiila / Oskar Fischer / Albert Gleizes /\nOtto Gutfreund / Oswald Herzog / Hugo Handel /\nSigrid Hjert&ii-Griinewald Isaac Griinewald / Jo-\nhannes Itten I Alexei von Jawlensky Paul Klee\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand Leger /\nFranz Marc / Gabriele Miinter / Jean Metzinger /\nJohannes Molzahn / Francis Picabia / Hilla von Rebay\nI Kurt Schwitters J Gino Severini / Fritz Stuckenberg\nArnold lopp Maria Uhden I Marianne v. •' v"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c023", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.16", "debut_caractere": 1725, "fin_caractere_exclue": 1901, "texte": "Sturm-Abende\nIn der Kunstausstellung Der Sturm I Berlin\nJeden Mittwoch %8 Uhr\nVortragender Rudolf Bliimner\nKartell zu 6, 5, 4, 3, 1,50 Mark ini Vorverkauf und an\nder Abendkasse"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-09-15-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-09-15_01#c024", "volume": "bmtnabg_1919-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.16", "debut_caractere": 1903, "fin_caractere_exclue": 2148, "texte": "Von alien Holzschnitten der Zeitschritt Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. 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Julius B»ab\nsucht schon lange nach ihr, er hat sogar\nschon verschiedene größte deutsche Dich-\nterinnen entdeckt. Aber jetzt hat er\ndie richtige: „Man kann behaupten, daß\nwir seit der einzigen großen Annette\nDroste-Hülshoff dergleichen in vollem Sinne\nüberhaupt nicht wieder gehabt haben! Das\nkann man behaupten. ~Das Zeichen der größ-\nten deutschen Dichterin ist, daß sie ganz\nschlicht die Welt umfaßt/4 Selbstverständlich\neinschließlich Julius Bab, der nun die Ent-\nwicklung schildert: ~Sie beginnt am Boden,\nmit dem innerlichsten Erleben der einfach-\nsten, fest umrissenen , Naturstücke/' Wo-\nrunter nicht etwa Herr Julius Bab zu ver-\nstehen ist, sondern der Tannenbaum. Dieses\nNaturstück nennt sie den .„Grünen Bruder\"!\nDas innerliche Erleben dieses umrissenen\nNaturstückes ist sogar schon kommunistisch,\ndie Welt biegt sich vor soviel kosmischem\nGefühl. Das zweite Naturstück ist der ~Kindh-\neitsgarten\". Es beginnt mit den erlebten\nZeilen: ~Als ich Dein war, weißt Du's noch?\"\nIch weiß es längst, ich sah dich ja im Traume.\nDas dritte Gedicht greift in seinem Erleben\nbereits nach jenem verdichteten Rom. Das\nGedicht heißt innerlich und schlicht ~Genius\nloci\". Und damit noch nicht genug: „Und\nsie ist nun aufgestiegen zu einem Gefühl, das\nden ganzen Ball umgreift, mit allen Leben-\ndigen und angeblich Toten in seinem feurigen\nKern . . .!\" Lieb Vaterland, magst ruhig sein,\njetzt vergreift sich die größte deutsche Dich-\nterin bereits an demßall. Ihr G efühl singt e;ne\n„Totenhymne\". Nach den philosophischen\nAuslegungen ihres Herrn Julius Bab hätte\nsie das Gedicht richtiger ~angebliche Toten-\nhymne\" nennen müssen. Es beginnt mit echt\nBabschem Germanistenschwung: ~0 großes\nHerz der Erde, sei gegrüßt!\" Und auch du,\nmein Berg mit dem rötlich strahlenden\nGipfel. Man fühlt, daß der Kollege Sch'ller\nmehr auf das Irdische gerichtet war, wäh-\nrend die größte deutsche Dichterin s'ch un-\nmittelbar an das große Herz der Erde wen-\ndet. Aber auch die Erde ist ihr zu klein,\n~ihre Seele hat sich vollgesogen mit allem\nsinnlichen Wachstum der Welt und schwillt\nnun auf, ganz ebenbürtig den Planeten\". Die\nPlaneten müssen sich ganz unebenbürtig vor-\nkommen, wenn diese vollgesogene, aufge-\nschwollene Seele kosmisch losprustet: „Erde,\ndu bist nicht älter als ich, wir sind in einer\nStunde geboren. Erde, als ich dich nun ent-\ndeckte, seelig waren wir alle zwei, als ich\nmeine Orpheusseele weckte und der Wildnis\nTiere zog herbei!\" Wenn das keine Entwick-\nlung vom Naturstück zur Ovrpheusseele ist,\nwill ich Julius Bab heißen. Der Tannenbaum\nals Bruder, die Erde als Schwester und Ju-\nlius Bab als Euridice, da kann sich Annette\nvon Droste-Hülshoff begraben lassen. Das\nist für Herrn Julius Bab wenigstens der\n„göttliche Weltrausch des Ich\". So denkt\ns'ch ein Oberlehrergemüt den Weltrausch\nund bricht hymnisch aus: ~ Hier ist der Welt-\nrausch von Grund auf erlebt, bietet sich dar\nin so reinen Bildern (Orpheusseele, vasteh-\nste), klingt so in seinem eigensten Gesang\n(entdeckte, zwei, weckte, herbei), ist so von\neinfachster Wirklichkeit (Genius loci), daß\ner sie schließlich sogar mit meinem Lächeln\nzurückbiegen kann (der Weltrausch nämlich,\nvastehste)\". Worauf dann die Perle des\nWeltrausches vorgesetzt wird? um mich der\nreinen Bildsprache Julius Babs zu bedienen:\n„Ewige Brahmanen ruf' ich\nUnd mit meinem Hauch\nAlle Deine Völker schuf ich . . .\nDie Chinesen auch.\"\nZu dieser Perle murmelt Herr Julius Bab\naus seiner Muschel: ~Es ist ganz reife und\nganz große lyrische Kunst. Deutschland be-\nsitzt wieder eine Dichterin in dem vollen\nschweren Sinne des Wortes. Wenn es heute\nnach Bestätigungen seiner sich immer neu\ngebärenden Schöpferkraft Umschau hält,\nkann es auch auf diese Dichterin einen dank-\nbaren stolzen und hoffnungsvollen Blick\nruhen lassen.\" Deutschland kann also wie-\nder getrost an die Arbeit gehen, in dem\nhoffnungsvollen Bewußtsein, daß der Selbst-\nbeauftragte Julius Bab Umschau nach der\nsich immer neu gebärenden Schöpferkraft\nhält. Da aber auch seinem stolzen Blick\nvielleicht etwas entgehen könnte, möchte ich\nihn auf die kosmischen Verse der größten\ndeutschen Dichterin aufmerksam machen,\nwofür mir Herr Julius Bab sicher dankbar\nsein wird:\nAlle deutschen Dichter rennen\nstets in gleichem Trab"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.3", "texte": "Alle B rüder Schwestern kennen\nkann nur Julius Bab\nHymnisch opfert Zeus er Scheite\nBirmas Seele weint\nJulius' Seel' klingt in die Weite~\nWenn mans kosmisch meint,\nO großer Bab, wie grün sind Deine Blätter\n\nHerwarth Walden\n\nDie neue Kunst\nLothar Schreyer\n\nFortsetzung\n\nDie Künstler der Kunstwende der Gegenwart\nhaben zum ersten Male in der Gegenwart\nGesichte gestaltet. Diese Künstler sind einer\nfremden Welt als Fremde unter den Namen\nder Futuristen, Kubisten, Expressionisten er-\nschienen, Die fremde Welt tobte, weil sie\nnicht verstehen konnte und mißverstand,\nweil sie verstehen wollte. Die Künstler aber\nkünden notwendig und unbeirrt ihre Ge-\nsichte, Und nun sich im Jahre 1918 die\neuropäische Welt allen Menschen sichtbar\nzu wenden beginnt, fürchten die Tober und\nMißversteher den Anschluß zu verpassen,\nund rufen durch ihre Händler und die Tages-\npresse aus, daß sie auch Futuristen, Kubisten\nund Expressionisten sind, Sie sind keine\nKünstler, Sie sind keine Künder der Ge-\nsichte, Sie haben ein Schlagwort ergriffen,\ndas sie nun erschlägt trotz all ihrer Worte,\nDenn nur das Kunstwerk macht den Künst-\nler, Sie aber machen rasch Nachahmungen\nvon Kunstwerken, machen eine Kunstge-\nschichte, eine Kunstlehre, verkünden eine\nneue Kunst und ~vergeistigen\" mit ihr ihre\nPrivatinteressen. Das sind die Menschen,\ndie umgelernt haben, die sich nach dem Be-\nginn der Weltwende ~auf den Boden der\nTatsachen stellen\", Sie haben von den Tat-\nsachen gelernt. Aber sie haben nichts ver-\nlernt, Sie sind die unehrlichen Feinde der\nneuen Welt, Sie verhandeln die Kunstwerke\nder Künstler, Sie vermenschlichen die Kunst-\nwerke der Künstler, Sie sind unsere Wider-\nsacher,\nEhe nicht die Menschen verlernen, Men-\nschen zu sein, ist die Weltwende nicht voll-\nendet,\n* *\n*\nDie Künstler mühen sich, den Menschen zu\nverlernen. Sie gestalten das Gesicht,\nDie Maler gestalten das Gesicht mit Farben\nund Formen. Ihre Kunstwerke heißen Bil-\nder, Das Bild ist ein Gebilde aus Formen\nund Farben, Das Bild ist die rhythmische\nFarbformgestalt des Gesichts, Wir haben\nGesichte und können sie künden, wenn wir\ndas Sehen verlernen. Die Maler verlernen\nes, Abbilder der äußeren Erscheinung zu bil-\nden, Denn dieses Abbilden ist kein Bilden,\nEs ist das Nachahmen einer einzelnen Er-\nscheinung äußerer Wirklichkeit, losgelöst\naus der Gesamtheit der Erscheinungen, Die\nGesamtheit der Erscheinungen ist eine Ein-\nheit und das Gesicht ist eine Einheit, Wer\naus der Einheit der Erscheinungen eine Ein-\nzelheit loslöst, zerstört die Einheit der Er-\nscheinung und schafft keine Einheit. Dar-\nüber hilft auch keine Verwandlung der äuße-\nren Erscheinung hinweg, kein vermeintliches\nSchaffen eines Typs oder die sonstige Unter-\nordnung unter eine Idee. Stückwerk bleibt\nStückwerk und kann nie Ganzwerk, nie\nKunstwerk werden. Das Kunstwerk wird\nnicht. Das Kunstwerk ist, Es ist im Gesicht\ndes Schöpfers und der Schöpfer stellt es aus\nsich heraus. Die Gestalt wird nicht gemacht.\nSie ist offenbar. Das gekündete Gesicht,\ndas offenbarte Bild empfängt die Farbform\naus sich. Die Farbform ist nach dem Gesetz\nihrer Gestalt gebildet. Wir wissen das Ge-\nsetz nicht, ehe es das Bild gestaltet hat. Von\njedem Kunstwerk können wir das werk-\ngestaltende Gesetz der Farbform ablesen,\nJedes Bild hat ein anderes Gesetz, Die\nWahl des Gesetzes steht nicht im Willen des\nKünstlers. Das eine Gesetz kann das an-\ndere brechen. Die Notwendigkeit der Ge-\nstaltung des Gesichts ist das einzige Gesetz\ndes Künstlers. Doch das ist kein Gesetz der\nKunst. Die Farbform des geschaffenen Bil-\ndes ist eine äußere Erscheinung. Diese Farb-\nform kann Gegenständen der Außenwelt\nähneln. Es ist nicht notwendig, daß die\nFarbform einem Gegenstand der Außenwelt\nähnelt. Es sind nur Einzelfälle, wenn\ndie Farbformen einem Gegenstand der\nAußenwelt gleichen, und solche Ausnahme-\nfarbformen sind dann stets nur Teile der\nkompositionellen Einheit des Bildes, Das\nBild ist komponiert, das heißt: es ist nach\nseinem Gesetz gestaltet. Der Maler sieht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.4", "texte": "eine Einheit, das Gesicht. Er sieht nicht Ge-\ngenstände der Außenwelt. Er sieht nicht\ngegenständlich. Er verlernt die logischen\nZusammenhänge der Gegenständlichkeiten,\nwie sie dem Verstand erscheinen. Der schaf-\nfende Künstler kennt die verstandesgemäße\nLogik nicht. In ihm gestaltet die künstle-\nrische Logik. Die künstlerische Logik er-\nscheint als Rhythmus. Der Unterschied zwi-\nschen der Logik des Verstandes und der Lo-\ngik des Rhythmus wird klar, wenn wir uns\nversuchen vorzustellen, was ein rhythmi-\nsches Denken, also eine rhythmische Ver-\nstandestätigkeit ist. Um rhythmisch zu den-\nken, ist es belanglos, ob die Gedankenkette\nverschieden ist und voneinander abhängt.\nDieser logische Zusammenhang macht das\nDenken nicht rhythmisch, sondern rhyth-\nmisch wird es dadurch, daß die Glieder der\nGedankenkette in bestimmten Zwischenräu-\nmen und in bestimmter Schnelligkeit aufein-\nanderfolgen. Es ist möglich, daß die Glieder\nverstandesgemäß völlig gleich sind, also der\neine Gedanke in der Gedankenkette immer\nwiederholt wird. Es ist ebenso gut möglich,\ndaß zwischen den Gliedern der Gedanken-\nketto nicht einmal der Zusammenhang der\nGleichheit besteht. Weder die Unlogik des\nVerstandes noch die Logik des Verstandes\nist also für den Rhythmus wesentlich. Die\nLogik des Rhythmus ist das Verhältnis, in\ndem Zwischenräume und Schnelligkeiten in\nder Bewegung zueinander stehen. Die Lo-\ngik des Rhythmus ist in jedem Bild eine an-\ndere gemäß seinem Gesetz. Der Rhythmus\ndes Kunstwerks ist eine Bewegung, eine\nzwangvolle und notwendige Bewegung.\nZwangvoll ist sie dadurch, daß der Künstler\ndurch sein Gesicht gezwungen wird, die Be-\nwegung zu erleiden. Künstlerisch notwendig\nist sie, weil nur durch die bestimmte schöp-\nferisch erfaßte Bewegung dem Gesicht die\nGestalt gegeben werden kann.\n* * *\nDie Futuristen haben als erste Maler in der\nGegenwart die Bewegungsvorstellungen des\nGesichtes unmittelbar gestaltet. Die Welt,\nvon der wir uns abwenden, glaubte zu wis-\nsen, was Kunst ist, schuf ein System von\nKünsten und lehrte, daß der Maler keine Be-\nwegung darstellen könne. Mit den Voraus-\nsetzungen solcher Kunstanschauung sind\nauch die Lehren solcher Kunstanschauung\nabgetan. Der Künstler erkennt, daß jedes\nGesicht auch eine Bewegungsvorstellung ist\nund mit dem Zwang, die Vorstellungen de.\nGesichts zu gestalten, erleidet er auch den\nZwang, Bewegungsvorstellungen zu gestal-\nten. Die Bewegungsvorstellungen des Ge-\nsichts sind in den Bildern der Futuristen\nunmittelbar gekündet. Der Rhythmus ist\ndie Bewegung des Kunstwerks. Im Bild\n%\nerscheint derßhythmus als Linie und als Ver-\nhältnis der Farben. Die rhythmische Linie\nist das Kunstmittel, durch das sich die Bilder\nder Futuristen so tief von den Werken der\nletzten, fünf Jahrhunderte Europas unter-\nscheiden, daß in den Bildern der Futuristen\ndie neue Welt durch die Linie erschlossen\nist: die Welt der Gesichte.\nEbenso tief unterscheiden sich die Werke\nder Kubisten von den Werken der vergan-\ngenen fünf Jahrhunderte durch die rhyth-\nmische Farbe. Die Kubisten gestalten un-\nmittelbar die Farbformvorstellung des Ge-\nsichts. Die Maler der äußeren Gegenständ-\nlichkeiten malen diese Gegenständlichkeiten\nfarbig. Sie wußten nicht mehr, was Farbe\nist. Erst in den Gesichten wird die Farbe\nwieder vorgestellt. Da die Gesichte unab-\nhängig von der Gegenständlichkeit sind, er-\nscheinen die Farbformvorstellungen nicht\nals farbige oder gefärbte Formen, sondern\nals Farben. Die Farbe ist hier keine Eigen-\nschaft der Form, ebensowenig wie die Form\neine Eigenschaft der Farbe ist, sondern\nbeide durchdringen sich völlig gleichwertig\nzu einem einheitlichen Gebilde, dem Bild.\nDaher haben die Bilder der Kubisten reine\nFarben und reine Formen. Daher geben sie\ndie Farbformen nicht durcheinander, nicht\nvermischt, sondern nebeneinander, kompo-\nniert, in bestimmten Verhältnissen zuein-\nander gesetzt, bestimmt von dem Bildrhyth-\nmus. Der Farbrhythimus entsteht aus den\nLeuchtunterschieden der Farben und der\nFlächenausdehnung der einzelnen Farbe.\nHaben die Futuristen den werkgestaltenden\nGrundsatz der rhythmischen Linie aiswesent-\nlich für das Bild gefunden, so geben die Ku-\nbisten als wesentlichen Grundsatz für das\nBild die rhythmische Farbe.\nDie Expressionisten verneinen die werk ge-\nstaltendenGrundsätze der rhythmischen Linie\nund der rhythmischen Farbe. Die Grundsätze"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.5", "texte": "Johannes Molzahn: Sternbewegung / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.6", "texte": "sind keine Gesetze der Kunst. Sie sind Ge-\nsetze, die wir an einzelnen Kunstwerken ab-\nlesen. Sie sind für diese Kunstwerke Gesetze\nder Gestaltung. Sie sind erste Grundsätze,\nnach denen die Gegenwart Gesichte gestaltet\nhat. Die Grundsätze selbst sind erste Ge-\nstalten, die sich im Gesicht künden. Es\nscheint, als ab die aufeinander folgenden\nGenerationen der Gegenwart immer tiefer in\ndie Welt der Gesichte hineingezogen wür-\nden. Wir verlernen immer mehr unser altes\nSehen, daß uns die Gesichte finden können.\nDa« Leben der Künstler ist das Erleben der\nneuen Wfelt,\n* *\n*\nAls die Künstler der neuen Welt im Jahre\n1913 der fremden Welt Berlins in der ersten\nHerbstausstellung des Sturm ihre Bilder\nzeigten, erhob sich im Publikum und der ge-\nsamten Presse ein Wutschrei. Das Publi-\nkum war aufs tiefste verletzt. Es fühlte sich\nin seinen ~heiligsten Gütern\" beleidigt. Man\nschimpfte oder versuchte krampfhaft zu\nlachen. Genau so die berühmte und unbe-\nrühmte Kritik. Viele Kritiker, die heute\nnicht laut genug ~für die Geistigkeit der\nKunst eintreten\", haben in wüsten Hetz-\nartikeln die Kunstwerke und die Künstler\nbeschimpft. Manche von diesen Kritikern\nnennen sich heute selbst Futuristen und Ex-\npressionisten. Und fast alle entdecken im-\nmer wieder neue Futuristen, Kubisten und\nExpressionisten. Daß es Künstler gibt, kön-\nsie nicht vertragen. Es muß Künstler von\nKritikers Gnaden geben.\nHeute sind die drei Worte Futuristen, Ku-\nbisten, Expressionisten Schlagworte. Die\nWorte haben ihren Sinn verloren. Künstler\nhaben sie einmal geprägt, um sich von den\nzahllosen Nichtkünstlern, die sich Künstler\nnennen, zu scheiden. Nachdem diese Schei-\ndung vollzogen ist, haben die Nichtkünstler\nbetriebsam die drei Schlagworte aufgegriffen.\nNun scheiden uns die Worte nicht mehr von\nihnen. Wir sind die Künstler. Nun scheidet\nuns nur unser Werk von ihnen. Nun scheidet\nuns die Weltwende von unseren ehrlichen\nund unehrlichen Widersachern.\nWir werden oft gebeten, die Bilder oder die\nGedichte zu erklären. Das Kunstwerk kann\nnicht erklärt werden. Erklär* werden kann\nnur das Handwerk. Erklärt werde« lü<mwti\nnur die Kunstmittei und Ihre Afcweä&tog.\nVom einzelne» Werk kenn clas Geeste ab-\ngelesen werdea, tkach dem c&e rhytfetnisefee\nLinie und die rhythmische Farbe des Bild ge-\nstaltet. Wir können sagen, was wir Wli»\nAnblick des einzelnen Bildes gedacht oder\ngefühlt haben. Wir können also den Rat-\nsuchenden erklären, was wir für die Kom-\nposition des Bildes halten, und können tlmen\nunsere Gedanken und Gefühle erkläre«.\nWir geben den Ratsuchenden etwa,« von «n«\nund nichts vom Bild. Wir müssen den Rat-\nsuchenden sagen, daß sie keinen Rat suche«\nsollen. Wir müssen ihnen sagen, daß sie\nnur das Bild anschauen dürfen und wartest\nmüssen, oB sie es schauen können. Wer da«\nKunstwerk empfangen will, muß willig sein.\nEr muß sich dem Kunstwerk hingeben, Er\nmuß willen« sein, auf seinen eigenen Willen\nzu verzichten. Er darf nichts fordern von\ndem Bild, nichts in ihm suchen, nichts von\nihm ablesen wollen. Es kann ihm nur da«\nsagen, was er sich selbst sagt. Nur in der\nVerneinung ihres Selbst können wir den Rat-\nsuchenden helfen. Wir können sie nicht\nwillig machen, ein Kunstwerk zu empfangen.\nAber wir können ihnen helfen, die Hemmun-\ngen zu beseitigen, die ihrem Willen, sich hin-\nzugeben, entgegenstehen. Wir können ihtoen\nhelfen, zu verlernen. Wer Kunstwerke emp-\nfangen will, muß auf seine Bildung verzich-\nten. Der Ballast des Wissens, den wir alle\nnoch mit uns herum schleppen, verhindert\nuns den Ausblick zu den Gesichten, die\nuns suchen. Die Intellektuellen müssen\nihren Intellekt preisgeben können, die Wis-\nsenschaftler ihre Wissenschaft, die Geistigem\nihren ~Geist\" und feder die Erinnerungen,\ndie sein Leben füllen. Denn nur, wer Sick\nbedingungslos preisgibt, wer sich unbedingt\ndem Kunstwerk hingibt, empfängt den Prei&,\ndas Kunstwerk zu erleben.\nDie Verstandesmenschen meinen, daß das\nKunstwerk eine Aufgabe löse, daß es die\nAntwort auf eine Frage gebe. Sie suchen\neinen Titel des Bildes und untersuchen dann,\nwie weit nach ihrer Ansicht das Bild dem\nTitel entspricht. Ehe sie selbst nach einem\nTitel suchen, sehen sie im Katalog nach, ob\nihnen der Künstler diese Mühe erspart hat.\nEs macht ihnen Kopfzerbrechen, wenn eie\ndort nur eine Nummer als Titel fade«, well"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.7", "texte": "»< ~\nm&netf* Künstler, wie Jaeoba van Meeras-\nkerck und Georg Muche, ihr 9 Bilder meist\nnur mit Nummern als Bild 1, Bild 2 bezeich-\nnen, Es macht ihnen noch mehr Kopfzer-\nbrechen, wenn etwa, was «ie Titel nennen, im\nKatalog steht. Ein Bild von Leiger heißt\n„Nacktes Modell im Atelier\". Da es der\nKatalog versichert, muß es wohl stimmen.\nNun suchen sie auf dem Bild eifrig nach dem\nModell und nach dem Atelier. Sie sind ent-\nrüstet, daß sie ein Atelier überhaupt nicht\nlinden und von einem sogenannten Modell\nnur mühsam „kubisch verzerrte Formen\" er-\nkennen. Leichter wird es ihnen bei einem\nBild von Chagall wie dem\nSie erkennen da Wagen, Mann und Pferd\nund auf dem Wagen ein Kälbchen, Aber\nverrückt und unmöglich kommt es ihnen vor,\ndaß sie im Leib des Pferdes ein Pferde-\nEmbryo sehen, das noch dazu nicht anato-\nmisch richtig gezeichnet ist. Die Tiere haben.\nMenschenaugen, und je aufmerksamer der\nVerstand das Bild betrachtet, desto mehr\nUnmöglichkeiten sieht er. All solche Be-\ndenken kann man dem Verstandesmenschen\nzerstreuen. Man kann ihm klar machen, daß\nder Titel mit dem Gesicht und seiner Ge-\nstaltung nichts zu tun hat, daß er ein Merk-\nmal für das Bild ist, wie der menschliche\nName ein Merkmal für den einzelnen Men-\nschen ist. Dieser Name braucht nicht einmal\nvom Künstler selbst zu stammen. Das Bild\nbleibt mit und ohne Namen dasselbe. Gibt\nder Künstler selbst dem Bild einen Namen,\nso wählt er meist entweder einen äußeren\nAnlaß, durch den er in den Zustand der Ek<-\nstase versetzt wurde, oder er nennt das Bild\nnach einem Gedanken oder Gefühl, wie das\nBild gedanklich oder gefühlsmäßig auf ihn\nwirkte. Daß wir durch eine Ueberlegung\nttber den Namen des Bildes und sein Ver-\nhältnis zum Bild dem Kunstwerk selbst nicht\nmähe* kommen, ist klar. Ein verstandes-\njgem&ßes Urteil über die Gegenständlich-\nkeiten des Bildes bringt uns ebensowenig dem\nBild nah. Wir Urteilen immer nur über die\nR*iaehungen, die wir zum Bild haben, und\nsieht «inanal über die, die das Bild zu uns\nhat. Wenn wir dem Verstandesmenschen\nden Schöplungsvor gang unserer Kunstwerke,\nsoweit er kontrollierbar ist, und das Ge-\nstaltungsgesetz eines bestimmten Kunstwer-\nke« maeh unserem besten Wissen mitteilen,\nso beginnt der Verstandesmensch unser\nKunstwerk als einen Gegenstand der Wis-\nsenschaft zu sehen, der wohl absonderlich\nist, aber in dessen Wahnsinn doch Methode\nist. Vielleicht vermag er dann auch ver-\nstandesgemäß einzusehen, daß dieser schein-\nbare Wahnsinn darin liegt, daß er das Kunst-\nwerk wie einen Gegenstand der Wisenschaft\nansieht, daß es Dinge gibt, die nicht durch\nUrteil, sondern nur durch Intuition erfaßt\nwerden können. Nach so ausführlicher Be-\nschäftigung mit den Aeußerlichkeiten des\nKunstwerkes ist der Verstand des Verstan-\ndesmenschen meist befriedigt und dadurch\ndie größte Hemmung beseitigt, die dem Wil-\nlen zu einer Hingabe an das Kunstwerk\nentgegensteht. Diesen Willen zur Hingabe\nmuß er dann allerdings selbst Raben,\nSchwerer sind die Hemmungen des Intellek-\ntuellen, einer besonderen Abart des Ver-\nstandesmenschen zu beheben, Denn der In-\ntellektuelle bildet sich ein, nicht nur zu\nwissen, sondern auch Kenner zu sein. Er\nhat einige Kunstwerke und eine sehr große\nAnzahl von Nichtkunstwerken gesehen und\nist vor dem Bild sogleich mit seinem Urteil\nfertig. Von ihm stammt das Wort der guten\nund schlechten Kunstwerke. Er beginnt vor\neinem Bild von Chagall sogleich von russi-\nscher Bauernkunst zu reden, von der er\nirgendwo einmal etwas gesehen hat. Es\nkommt ihm gar nicht darauf an, das Bild,\nvor dem er steht, zu betrachten, sondern es\nkommt ihm nur darauf an, eine Meinung\nüber das Bild zu' haben. Seine Kritik ist\nnicht einmal das verstandesgemäße Unter-\nsuchen des Bildes, sondern seine Kritik be-\nsteht in Vergleichen. Der Intellektuelle lebt\nstets von anderer Leute Urteilen, Wenn er\ndas Bild nicht in seinen Zettelkasten ein-\nordnen kann, und so ist es mit jedem Kunst-\nwerk, dann ordnet er es eben doch in seinen\nZettelkasten ein Er fälscht die Worte an-\nderer Menschen, Da er selbst Kenner ist,\nhört er den anderen Menschen nicht richtig\nzu. Nennt Kanjdinsiky seine Bilder Kom-\npositionen und Sinfonien, so hält der Intel-\nlektuelle diese Bilder sogleich für gemalte\nMusik und beruft sich dabei noch auf die\ntheoretischen Schriften Kandinskys, die er\ngelesen und mißverstanden hat. Da es nach\nKandinsky auch noch Künstler gibt, die fast\nnur ungegenständlich malen, wie Rudolf"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.8", "texte": "Bauer, und der Intellektuelle keine Zeit hat,\ndie Bilder der Künstler zu betrachten, da er\nZeit hat, Kritiken zu reden und zu schreiben,\nso sieht er nicht, daß beide Künstler in ganz\nverschiedenen visionären Welten leben, und\nhält Bauer für einen Nachahmer von Kan-\ndinsky, Es wundert uns nur, daß er nicht\nauch Michelangelo für einen Nachahmer von\nBotticelli hält, da doch beide Madonnen ge-\nmalt haben, Eis wundert uns nicht, daß er\nam liebsten kunstgeschichtliche Abhand-\nlungen über unsere Kunstwerke schreibt. Da\ne» uns Künstlern an Zeit fehlt, den Intellek-\ntuellen ihre Jahrhunderte Kunstgeschichte\nauszutreiben, können wir ihnen auch nicht\nzur Hingabe an unsere Bilder helfen, Sie\nwollen sich auch gar nicht hingeben. Sie\nwollen uns davon überzeugen, daß sie wis-\nsen, was Kunst ist, und daß wir nicht so\nschaffen dürfen, wie wir müssen. Denn sie\nhalten sich als Kenner für unsere Lehrer,\nSie wissen genau, was und wie man malen\nmuß, und was und wie man dichten muß.\nWir Künstler wissen leider gar nicht, was\nwir schaffen werden und wie wir es schaffen\nwerden. Den Intellektuellen können die\nHemmungen nicht weggeräumt werden, weil\nsie grundsätzlich nicht von ihrem Intellek-\ntualismus befreit sein wollen,\nDie leider wohl nicht letzte Abart der Intel-\nlektuellen sind die Geistigen, Sie glauben,\ndie Weltwende intellektuell erfaßt zu haben.\nDie Dilettanten aus allen Gebieten finden\nsich in ihrem Kreis zusammen. Da sie in der\nWelt, von der wir uns abwenden, Dilettanten\nwaren, bilden sie sich ein, Führer in unsrer\nWelt sein zu müssen. Sde haben aber unsre\nWelt ebenso wenig wie die frühere. Dafür\nhaben sie die Eitelkeit aller falschen Führer,\nWeil es auch heute mehr Menschendilettan-\nten als Menschen gibt, fühlen sie sich in\nihrer eingebildeten Führerrolle bestärkt.\nWir haben gegen die Betriebsamkeit ihrer\nGeistigkeit keine ebenbürtigen Waffen. Aber\nwir wisen, daß diese Gedstigen sich niemals\nden Kunstwerken hingeben werden, da sie\nnie von ihrer Eitelkeit lassen können und\nihre Persönlichkeit nie bewußt opfern\nwerden.\nDer übliche, gebildete Mensch ist zu seinem\nGlück nicht intellektuell oder gar geistig.\nEr versucht die Dmge zu sehen, so wie er\nsie eben sieht. Tritt er unbeeinflußt vor\nunsere Bilder, so sieht er nicht im Katalog\nnach, was das Bdd darstellen soll. Er weiß\nauch zu wenig von der Kunstgeschichte, um\nvergleichen zu können. Er weiß auch ,zu\nwenig von der Technik des Malens, um das\nMalen beurteilen zu können. Er sieht zuerst\ndie Farben und die gefallen ihm meist. Dann\nsucht er die Formen, und er wundert sich\nmeist, daß die Formen den Gegenständen der\nNatur so wenig ähneln. Aber er kommt nicht\nzu den Bildern, um sie zu kritisieren. Son-\ndern er will aufnehmen, was die Bilder ihm\ngeben können. Er sucht das, was ihm an\nden Bildern wunderlich ist, zu begreifen.\nEr sucht nach Beziehungen in seinem eignen\nErleben, die ihm das wunderlich Scheinende\ndeuten sollen. Er denkt bei den Bildern\nvon Chagall an die Märchen, und er wundert\nsich nicht mehr, daß er auf den Bildern\ndurch Körper hindurch sehen kann, daß\nKöpfe isich frei vom Körper bewegen, daß\neine Hand aus dem Tisch wächst, daß eine\nKatze grün aussieht. Durch die Wunder-\nwelt der Märchen kann er die äußere Form\ndes Bildes begretifen, Die ungegenständlichen\nBilder machen ihm mehr Schwierigkeiten,\nEs verwirrt ihn der Begriff Bild, Doch wir\nkönnen leicht verlernen lassen, daß das Bild\nnotwendig ein Abbild sein müsse. Noch\nscheinen dem üblichen gebildeten Menschen\ndie ungegenständlichen Bilder vielleicht als\nKunstgewerbe. Aber es gibt kein Kunst-\ngewerbe, Es gibt nur Kunstwerke und ge-\nwerbliche Erzeugnisse. Gewerbliche Er-\nzeugnisse, die mit einem Schmtick versehen\nsind, die ein Ornament haben, sind keine\nKunstwerke. Das Ornament dient einem\nWohlgefallen. Für das Kunstwerk ist es\ngleichgültig, ob seine Farbform gefällt oder\nmißfällt. Kunstwerke können auf gewerb-\nlichen Erzeugnissen angebracht sein. Es. ist\ngleichgültig, ob eine auf den Rahmen ge-\nspannte Leinwand, die auch ein gewerbliche»\n• -\nErzeugnis ist, das Bild trägt, oder ob das\nBild auf einer Decke, auf einer Wand, auf\neinem Glas, auf einer Schale oder sonstwo\nangebracht ist. Auch das Malmittel Farbe\nist nur ein gewerbliches Erzeugnis, Die\nBildung des üblichen gebildeten Menschen\nist zu seinem Glück meist mangelhaft. Er\nist stets sehr oder weniger unverbildet, Der\nunverbildete Mensch hat bei den einzelnen\nFarbformen Empfindungen, die sich in Ge-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.9", "texte": "Johannes Molzahn: Rattmgebüren l Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.10", "texte": "Bühlen auslösen. Er sieht die Farbformen\nassoziativ. Bei einem roten Farbfleck kann\ner an einen Bluttropfen denken, bei einer\nblaßgelben Scheibe an den runden Mond.\nDie Schlangenlinie, die Wellenlinie, das\nStrahlenbündel s<ind solche Assoziationen,\ndie schon aus der Umgangssprache bekannt\nsind. Die Gefühlswerte der Farben spielen\neine Rolle in allen Farbtheorien. Wir kön-\nnn jeden unverbildeten Menschen durch die\nWunderwelt der Märchen und durch die\nWunderwelt der Farben führen, und er wird\nbegreifen, daß jedes Bild ein Wunder ist.\nAber auch dann hat er das Kunstwerk noch\nnicht empfangen. Er hat es nur gefühlt.\nDas letzte, bis zu dem wir den Menschen\nführen können, ist das Einfühlen in das\nKunstwerk. Wenn alle verstandlichen Hem-\nmungen beseitigt sind, wird er den Rhythmus\nder Farbform im einzelnen Bild erfassen.\nSo wird er vor Bild 2 von Jacoba van Heems-\nkerck das feierliche ernste Gleiten der For-\nmen fühlen. Er wird die tiefen Intervalle\nder Farben fühlen. Er wird nichts Gegen-\nständliches auf dem Bild mehr sehen. Sein\nmenschlicher Rhythmus wird den Rhythmus\ndes Bildes mitzuschwingen versuchen. Wei-\nter können wir niemandem helfen. Und auch\ndas Einfühlen ist noch keine Hingabe, ist\nnoch kein Sichaufgeben, ist immer noch ein\nVerhältnis zwischen Beschauer und Bild1.\nErst wenn aus der Beschau Schau geworden\nist, hat der Mensch sich aufgegeben. Dann\nhat derßhythmus des Kunstwerkes ihn erfaßt.\nDann ist der Mensch versunken. Sein Be-\nwußtsein ist erloschen. Das ist die leiderlö-\nsende Kraft des Kunstwerks.\nZur inneren Versenkung, zur Aufhebung des\nLeidens führt uns das Erleben des Kunst-\nwerkes, der Bilder, der Bildhauerwerke, der\nBauwerke, der Tonwerke, der Gedichte, der\nBühnenwerke,\nNicht das Kunstwerk allein hat diese leid-\nerlösende Kraft. Jede Erscheinung der\nWirklichkeit kann sie haben. Die Blume,\nder zinnerne Teller, die Glaskugel, der Him-\nmel, das Meer, der Mensch. Auch das Kunst-\nwerk ist nur eine Erscheinung der Wirklich-\nkeit. Das Wunder ist, daß der Mensch im\nKunstwerk Gesichte kündet. Wir ahnen,\nIUB alle Erscheinungen Gesichte künden.\nWir können nicht sagen, wessen Gesichte\nsie künden. Aber wir erfassen, daß die Welt\nWunder voll ist, und fühlen, daß uns die\nWunder immer tiefer fühlen\n\nSchlub folgt\n\nDas Manifest des abso-\nluten Expressionismus\nZur Ausstellung Oktober 1919\n\nDie Erde bebt — schlingert — pulst dröh-\nnend den Raum. — Mächtig wird ihre Achse\ngeworfen — da — ER — der EWIGb —*\nihren Leib berührte.\nJahrhunderte — Jahrtausende verdorren\nvor IHM. — Sein Blut hat Uns gezeichnet —\nnach vorn gerissen, — ER der große Expres-\nsionist. — Wir — von IHM — Geglühten —\njubeln SEINE Bahn —.\nWeg den ER worauf war. —\nWir jubeln Euch zu!\nDas Werk — dem Wir — als Maler — Bild-\nhauer und Dichter — verpflichtet — ist ge-\nwaltige Energie solchen Geschehens — ist\nkosmischer Wille — Glut der EWIGKEIT.\n—- Lebendiger Pfeil — <auf Euch gerichtet.\n— Euch soll er sich einbohren — in da 9 Blut\nglühen, — auf daß es schneller und leben-\ndiger fließe — besser in die EWIGKEIT\nglühe. 1\nSonnen und Monde sind Unsere Bilder —\ndie Wir Euch entgegenspannen. — Ge-\nstirnte Banner der Ewigkeit — Euch ent-\ngegen blühend. — Zwischen Aufgang und\nEnde — Abgrund und Gipfel geworfen. —\nist Uns kein Erbe — kein Besitz — den »an-\nzutreten lohnte. — Wir tragen die große\nVerheißung.\nMan wollte Uns gleich Euch mit der Träg-\nheit betrügen. — Wir aber sind über diese\nLüge — diesen Betrug — hinweggesprungen.\n— Den Spiegel — den man Uns entgegen\nhielt — Wir haben ihn zerschlagen. — Alle«\nfauler Zauber; — man verhüllt die schände-\nten Male nur schlecht. — Ueberall grinst\ndie Not —\nAuf Trümmern und Scherben bereiten Wir\ndas Werk — kämpfend wollen Wir unseren\nWeg in die Sterne treiben. —\nEs gibt kein ICH — und kein DU mehr —\nAlles Zweck — Ziel — ist Hemmung der"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.11", "texte": "Johannes Molzahn: Farbiger Steindruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.12", "texte": "strömenden EWIGKEIT. — D*r gestrige\nTag — die vergangene Stunde — nichts\nhält Uns mehr dort. —\nJalhrhunderte — Jahrtausende — hämmern\n— glühen nach vorn — schrauben ihre Ener-\ngien in die EWIGKEIT!\nJedes Kunstwerk ein flammendes Mal des\nEWIGEN. — Kein Werk — das nicht durch\nden Kampf geglüht — geworfen wäre, —\nSo wollen Wir den Kampf preisen —- die\ntosend wilde Musiik des Kampfes, — Das\nbrüllende Blut. — Das Schwert — das\ndurch den Raum singt und jauchzt — span-\nnend Vernichtung,\nDie blutblühende Bahn des Geschehens —\nderen Achse — alle Tiefen aufwerfend. —\nPole — die in der Menschheit stehen. —\nDas .sollen unsere Bilder — Plastiken —\nDichtungen künden. —\nDer toten Formel ist unsere Verachtung —\nzu lebendigem W/achsen wollen Wir fuhren\nund so Sprungbrett dem EWIGEN spannen.\nWir jubeln die Elemente — mit denen wir\nringen — die uns schleudern und verzehren,\n— Die schlagende Energie der Pole — wie\nsie einander anziehen — und immer wieder\nabstoßen. —\nDie pulsenden Bahnen der Sterne — ihre\nflammenden Energien — die sich in fort-\nwährenden Katastrophen verzehren und\nwieder gebären, — Die bebend rotierende\nErde — ihre Geschöpfe. — Geschlechter —\ndie wie Elemente aufeinander schlagen —\nihre Dolche in das Blut singen — ireißen das\nGeheimnis — Knoten — knüpfen das Schick-\nsal — wie ein Schwert — drohend über sie\ngespannt. — Lebendig und verzehrender\nWeg.\nWir singen den prächtigen männlichen Rie-\nsen — der wie ein Pfeil den Raum schneidet.\n— Sprung und Pol. — Blutblühendes\nSchwert. — Dem alle Siegel verfallen; — der\nseinen Stachel in den Leib bohrt — alle\nTiefen wühlt und peitscht — pulsendes\nChaos — mächtig bebend — empfangender\nLeib. —\nWir pi eisen die Mutter — die unter der\nGröße des Geschehens — unter der Wucht\ndes Blutes zerbricht. — Gebärenden Schoß\ngeöffnet — vergeht — Frucht dem EWIGEN\nwirft; — ihr« Notwendigkeit stirbt.\nKein Kunstwerk — da« nicht »o tiefst ge-\nglüht gelebt ist — solcher Not geworfen. —\nNur auf dem Wege des Blutes kann das\nWerk in das Blut brennen — packen und\nwerfen — den EWIGEN reißen,\nWir grüßen und singen den Weltinstinkt —\ndas lebendige Ereignis im Menschjen, — Ist\nes nicht unser elementarster Bruder — der\nuns da entgegenstürmt? Die große kos-\nmische Welle — die ER — dem Raum\nschleuderte — die Erde — die Menschheit\nherumzuwerfen — entgegen?\nWir wollen Oel aufs Feuer gießen — das\nFünkchen zum Funken anblasen — und den\nFunken zur Flamme—die den Erdkreis über-\nzieht — mächtiger schlagen — und beben\nläßt — lebendigst pulsender — dampfender\nKosmos. — Wachsend wollen Wir den Keil\ntreiben — immer weiter treiben. — Immer\nmächtiger — immer gewaltiger wollen Wir\nden Energiebogen spannen — über die Erde\nreißen — das Blut schlagen, daß es brüllt.\nMit dem Mal des EWIGEN — soll der\nMensch gezeichnet werden — glühend ge-\nstirnt. — Sprung und Schlag in Jahrtausen-\nden, — Spirale der EWIGKEIT getrieben.\nDieses gewaltige Manifest — dieses flam-\nmende Banner — den Sternen gesteilt — ge-\ntürmt — wollen Wir entfalten und über die\npulsende Erde spannen — als das lebendige\nSymbol — kosmischen Willens — strahlen-\nder Energie rotierenden Geschehens,\nWir grüßen Euch — die Ihr uns entgegen-\nstürmt. — Grüßen die Sterne, — Das Ereig-\nnis im Menschen — deren Not Wir geballt.\nGeöffnet gehlen Wir Euch in Unserem Werk\nentgegen\n\nJohannes Molzahn\n\nGedichte\nWilhelm Schlichtkrull\nKleine weiße Hände gleiten\nRaschen rasch\nFlinke Füße trippeln\nSpringen schnell\nFeine Fadenhaare wallen\nGolden schimmern\nRolle Augen blicken\nHeilen Uli"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.13", "texte": "Kleine Ohren hören\nLäuten laut\nStimmen singen\nGlocken hellen\nFlinke Hände spielen\nImmer glockenrein\nSonnen kreisen Welten\nWelten kreisen\nMenschen kreisen Leben\nMenschen kreisen\nKreisen strebt ringwärts\nSchweben ringt kreiswärts\nSchweben lebt\nWelt baut Mensch\nSich\nSich selbst\nAufwärts kreist*\nUnd schwebt\nStreben schweben\nAlle Menschen schweben\nLeben kreisen\nUnd kreisen\nDämmer\nTreibt ein dumpfer Schein\nHallt meine Seele ihren Weg\nEs schreitet\nZerren reißt das Dämmer\nDas Auge strahlt\nDie Menschen hallen Tritt bei Fuß\nUnd Schreiten ruft der jähe Laut\nMeine Augen trinken\nIm satten Grunde spielen Kinlder\nUn)d Frauen breiten Arme\nSchreit eine Seele\nFerne\nFern\nUnd rufen atmet eine Seele\nSchweigend ruft\nGetrunken bis zur Neige kühlt die Scham\nSo klingen die Häuser\nDie Welten\nUnd alle die andern\nSchweigen\nSchweigen\nZeigt Finger den Raum\nRufen die Welten\nZeigt der Raum Licht\nFallen die Wälder\nO Wälder\nO Licht\nDu strahlst\nDu küßt\nJubelst\nFrühling!\nSilberfaden ziehen sternenwärts\nHeben hebt\nSchiffe gleiten flügelnd hoch\nUnd der Himmel blaulacht\nUnd die Sonne goldet\nUnd mein Auge sieht\nUnd das Glück\nUnd die hellrote Wärme\nGrünend\nBlühend\nWeltend\nDie Erde raschelt zum Stern\nWelten zur Sonne\nDu Ruderboot Welt\nDu See Stern\nDu blauer Frühling Gott\nWann singst Du Stern\nDu kleiner Silbermond\nDu helles Prangegold\nDu Mensch\nRaschle haschend\nZische\nJuble '' s\nMonde\nWassern strudelt Tiefen\nGassen rast rast\nZertreiben\nBrüste glühen\nWehverzückt schreit Du\nHerzen schlagen Zungen\nTöten\nGeistern\nDeine roten Augen starren meine Ruhe\nBleibe Vogel\nGreife meine Krallen\nHerr der Welten\nDu darfst herrschen\n\nInhalf\nHerwarth Waiden: Bab hat sie\nLothar Schreyer: Die neue Kunst\nJohannes Moizahii: Manifest\nWilhelm Schlichtkrull: Gedichte\nJohannes Molzahn: Ewigkeitsflattern\nHolzschnitt / Vom Stock gedruckt\nJohannes Molzahn: Sternbewegung\nHolzschnitt / Vom Stock gedruckt\nJohannes Molzahn: Raumgebären\nHolzschnitt / Vom Stock gedruckt\nJohannes Molzahns Farbiger Steindruck\nSeptember 191?"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.14", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBa 1M a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrlft Der Sturm\nErscheint am zehnten jedes Monats\nJedes Heft enthalt mindestens eine mehrfarbige Kunst-\nbeilage / Htflzschnitte (stets vom Stock ffedruckt) und\nZeichnungen\nDauerbezug I Ein Jahr 15 Mark / E1n Halbjahr\n8 Mark / Einzelheft 2 Mark\n\nMonatsschrift Der Sturm / Jahrgange 1—9\n\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengraben verse\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nQeheftet 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nI h r s t i 1 1 e s G 1 u c k / Drama\nE i n Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erz&hlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nKurt lieynlcke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n4 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze, fahnc / Eine Dichtung:\n3 Mark\nKreis des Anfants / Triihe Gedichte\n5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nOskar Kokoschka\nMorder Hoffnung der Fraucn\nDrama mit Zeichnungen\nGebunden 25 Mark (Auflage 100)\nErnst Marcus\nDas Problem der exzeitrisehen S\nfin dung und seine Losung\n5 Mark / Zweit# Auflag«\n\nWllhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n3 Mark / Qebunden § Murk\nPaul Scheerbart\nQiasarchitektur / In 111 Kapiteln\n2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte\n4 Mark / Dritte Auflage\nDie Menschheit\n1 Mark 50 Pfennig\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildunffen\n3 Mark\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\n4 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie H a r t e der Weltenliebe / Roman\n4 Mark / Qebunden 6 Mark 50 Pfennig:\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungeri nach Gem&lden der 5turm-KHmtl«r\n5 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n3 Mark\nWeib I Komitr.agodie\n4 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie B e i d e n / Ein Spiel mit dem Tode\n5 ii n d e / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nG 1 a u b e / Komitragodie\nJedes Bucli 2 Mark\nKind I Tragodie\nT r i e b / Eine biirgerliche Komitragodie\nM e n s c h e n / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie H aidebraut\nK r a f t e\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl -\nDie Hangematte des Riii£6\nPeter Baum\nK y 1 a n d\nLothar Schreyer\nJ u n g f r a u\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennig"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.15", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMusik\nHerwarth Walden\nQesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51 ♦\nFiir Qesang und Klavier / 2 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZelm Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark-\nDie Judentochter / Werk 17\nF.arbige Umschlagzeichnung von Oskar Kokoschka\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTaiiz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nttanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift Der\nSturm J Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nSturra-Karten\nJede Karte 30 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichriungen und Bildwerken fol-\ngencjer Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3 Fernand L£ger 2\nRudolf Bauer 4* August Macke 1\nVincenc Benes 1 Franz Marc 1\nUmberto Boccioni 2 Carl Mense 1\nCampendonk 2 Jean Metzinger 1\nMarc Chagall 5 Qeorg Muche 1\nRobert Delaunay 1 Gabr'iele Munter 1\nLyonel Feininger 1 Negerplastik 1\nAlbert Gleizes 2 Georg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Griinewald 1 Gino Severini 2\nAlexei von Jawlensky 2 Arnold Topp 1\nKandinsky 2 Maria Uhden 1\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 5\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Kandinsky\nRudolf Bauer Qino Severini\nMarc Chagall Skupina\nJe 60 Pfennig\nFranz Marc\n1 Mark\nErster Deutscher Merbstsalon Der Sturm 1911\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mar k\n\nKunstdrucke a us dem Veriag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\nJeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-WeiO-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden / Die\nZuruckbleibenden\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler / Die Schwangere / Essender Bauer / M&dchen\nRobert Delaunay: Der Turin\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJaeoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nGskar Kokoschika Menschenkopf e : 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus J Richard\nDehmel / 5 Paul Scheerbart / 6 Yvette Quilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand L6ger: Akt\n\nSturm-Kiinstler / Lichtt\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baum\nIX. Oskar Kokoschka\nXI. Paul Klee\nXII. Qabriele Miinter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Georg Muche\nXXI. Fritz Stuckenberg:\n\nSturmsdhule\nLeitung: Herwarth Walden\nDrittes Jahr\nBerlin / Potsdamer StraBe 134 a\nUnterricht und Ausbildung in der expressionistischen\nKunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst / Malerei /\nDichtung / Musik\nLehrer der Slurmschule\nRudolf Bauer\nRudolf B Hi timer\nCampendonk\nJacoba van fieemskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nHerwarth Walden\nWilliam Wauer\nSprechstunden der Leitung: Dienstag, Mittwoch, Frei-\ntag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat ist taglich\nvon 10—6 geoffnet"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19190915-01.1.16", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 26\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark 50 Pfennig\nMonatlicher Wechsel\nAchiundsiebzigste Ausslellung\nSeptember 1919\nGeorg Muche\nNeunundsiebzigste Ausstellung\nOktober 1919\nJohannes Molzahn / Karl Herrmann\nJacoba van Heemskerck\nEntwiirfe fiir Glasfenster\nEroffnung Sonntag den 28. September\nSturmgesamtschau Zurich\nSeptember 1919 I Kunstsalon Rembrandt\nt\nSturmgesamtschau Karlsruhe\nSeptember 1919 / Qalerie Moos\nSturmgesamtschau Pforzheim\nOktober 1919 I Kunstgewerbeverein\n\nDER STURM\nverfiigt iiber die Werke folgender Kiinstler aus-\nschlieBlich (Gemalde / Graphik / Holzschnitte /\nHanddrucke) zum Verkauf und fur Ausstellungen in\nder ganzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Chagall / Jacoba\nvan Heemskerck / Kandinsky / Georg Muche / Nell\nV/alden / William Wauer\nDER STURM\nverfiigt iiber Werke folgender Kiinstler zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nGosta Adrian-Nilsson / Alexander Archipenko\"\nI ritz Baumann Vincenc Benes / Umberto Boecioni /\nCarlo D. Carra Max Ernst Lyonel Fei-\nninger / Emil Fiila / Oskar Fischer / Albert Gleizes /\nOtto Gutfreund / Oswald Herzog / Hugo Handel /\nSigrid Hjert&ii-Griinewald Isaac Griinewald / Jo-\nhannes Itten I Alexei von Jawlensky Paul Klee\nOskar Kokoschka / Otakar Kubin / Fernand Leger /\nFranz Marc / Gabriele Miinter / Jean Metzinger /\nJohannes Molzahn / Francis Picabia / Hilla von Rebay\nI Kurt Schwitters J Gino Severini / Fritz Stuckenberg\nArnold lopp Maria Uhden I Marianne v. •' v\n\nSturm-Abende\nIn der Kunstausstellung Der Sturm I Berlin\nJeden Mittwoch %8 Uhr\nVortragender Rudolf Bliimner\nKartell zu 6, 5, 4, 3, 1,50 Mark ini Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschritt Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenloi\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamer StraBe 138 a\nFernruf Llitzow 4443\nhat gute und seltene Biicher und Noten vorratig und\nnimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen !\n« i\nSturm-Kiinstler / Lichtblldkarten\nAlbert Gleizes\n30 Pfennig\nHerwarth Walden: An Schwager Kronos\nFur Gesang und Klavier / Dichtung von Goethe /\nWerk 172\n3 Mark\nAugust Stramm: Tropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nHerwarth Walden: Die neue Malerei / Einfiihrung\nin den Expressionismus / Mit 16 Abbildungen\n3 Mark\nLothar Schreyer: Nacht\n2 Mark\nMax Verworn: Keltische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nBeitrage von Kandinsky / Herwarth Walden / Lothar\nSchreyer / Rudolf Bliimner / Rudolf Bauer / William\nWauer / Max Verworn / und anderen\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n25 Mark / Gebunden 35 Mark / Museumsausgabe mit\nOriginalen Nummer 1—10 M 200— Nummer 11—50\nM 100—\nSturin-Abende / Ausgewiihite Gedichts\n4 Mark\nSignierte Sonder-Ausgabe 12 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisteu\nJede Folge 75 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\n5 i e b e n t e Folge erschienen\nSturm-Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 5 Mark\nI: Marc Chagall\nII: Alexander Archipenko\nIII: Paul Klee\n\nAuslieferung und Verkauf der Werke des Verlag Der\nSturm im Ausland\nKopenhagen: Bachhandlung Massing / Polltikens Hus /\nRaadhuspladsen\nZurich: Kunstsalon Rembrandt / Kirchgasse 4 /\nAuslieferung auch fur Frankreich"}]}