{"numero_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_sha256": "6210c23cceb6340068d5466f121d988647e2d75d5963e72781cbb840a9aff42d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1919/11/10_01/bmtnabg_1919-11-10_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1919/11/10_01/bmtnabg_1919-11-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-11-10_01#c001", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.2.1", "titre_corps": "Maria Uhden: Kuh uad Frau mit Kiad / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Maria Uhden: Kuh uad Frau mit Kiad / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.1", "debut_caractere": 87, "fin_caractere_exclue": 156, "texte": "Maria Uhden: Kuh uad Frau mit Kiad / Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-11-10_01#c002", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "116", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.2.2", "titre_corps": "Einsamkeit", "titre_sommaire": "Einsamkeit", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1600, "texte": "Einsamkeit\nTragödie\nHerwarth Waiden\nMann\nFrau\nDer Jüngling\nDie Jungfrau\nDie Zofe\nMa n n\nVerläßt Du mich\nFrau\nIch bleibe\n- * ,\nMann\nDer Riß an Deiner Handwurzel\nFrau\nDie Tür steht immer offen\nM ann\nDer Riß an der Erdwurzel\nFrau\nIch friere\nMann\nMeine Brust ist dürr\nFrau\nWie herb die Blumen duften\nMann\nWo soll ich meine Hände hintun\nFrau\nUnd wie ich sie in dem Garten pflücke\nMann\nGib mir Deine Hand\nFrau\nNie kannst Du allein sein\nMann\nWie herb Dein Haar duftet\nFra u •\nMorgen kommt Besuch\nMann\nHeute kommt Besuch\nFrau\nMorgen kommt Besuch\nMann\nGestern kommt Besuch\nFrau\nGestern sind wir allein gewesen\nMann\nGestern bin ich allein gewesen\nFrau\nMorgen bringe ich Dir frische Blumen\nMann\nEin Riß ist an der Erdwurzel\nFrau\nDer Mond scheint steil\nMann\nGib mir Deine Hand\nFrau\nEs zieht\nDer Jüngling\nImmer zu zwein\nFrau\nIhre Hand ist warm\nDer Jüngling\nIch komme vom Monde\nMann\nWie herb Ihr Haar duftet\nDer Jüngling\nAbendkühle\nFrau\nIhre Hand ist warm\nDer Jüngling\nGehen wir in die Mitternacht\nMa n n\nIch friere\nD er Jüngling\nDie Luft ist heiß wie am Mittertag\nMann\nGeht Ihr zu zwein\nFrau\nNiemals willst Du allein sein\nMann\nIch werde Euch nachblicken bis an die Erd-\nwurzel\nFrau\nSoll ich einen Mantel nehmen\nD er Jüngling\nWenn Sie sich ins Gras legen wollen\nM ann\nKommen Sie morgen Abend\nOer Jüngling\nBin ich zu oft hier\nM ann\nAuch kühle Tage sind schön\nDer Jüngling\nihre Frau ist ein Wunder\nM ann\nGlauben Sie das\nDer Jüngling\nUnd ein Wunder gehört der ganzen Erde\nMann\nDer ganzen Erde\nDer Jüngling\nOder haben Sie allein einen Anspruch auf\nMann [ein Wunder\nSie glauben an das Wunder\nDer Jüngling\nIch verehre es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1619, "texte": "Mann\nGeben Sie mir Ihre Hand\nDer Jüngling\nSie hassen mich\nMann\nWeil sie warm ist\nDer Jüngling\nWarum halten Sie meine Hand\nMann\nSie ist ohne Wunde\nDer Jüngling\nDas ist doch kein Wunder\nMann\nSie sind glücklich\nDer Jüngling\nSie müssen es sein\nMann\nVerlassen Sie mich nicht\nDer Jüngling\nHabe ich Sie verletzt\nMann\nGehen Sie\nFrau\nGehen wir\nDer Jüngling\nKommen Sie doch mit in die Mitternacht\nFrau\nDu frierst so leicht\nMann\nBei meinem Leben ist das kein Wunder\nDer Jüngling\nSie irren sich\nMann\nUnd morgen, morgen ist wieder ein Tag\nFrau\nUnd morgen sind wir allein zu zwein\nM ann\nlöscht das Licht aus\nRegen\nDieZ o 112 e\nDarf ich mir etwas besorgen\nMann\nWarum fragen Sie mich heute\nDie Zofe\nSie sind immer allein am Abend\nMann\nWas wollen Sie\nDie Zofe\nIch an Ihrer Stelle\nMann\nBitte\nDie Zofe\nIch habe etwas gefunden\nMann\nWarum sind Sie nicht treu\nDie Zofe\nIch bin nicht schlecht\nMann\nGeben Sie mir Ihre Hand\nDie Zofe\nGefällt sie Ihnen\nMann\nIch friere\nDie Zofe\nAlle Männer finden meine Hand schön\nMann\nIch habe sie noch nie gesehen\nDie Zofe\nIch zünde alles Licht an\nMann\nSo jung und nicht treu\nDie Zofe\nDas kommt auf den Mann an\nMann\nWas wollen Sie\nDie Zofe\nIch werfe die Blumen fort, sie riechen zu\nMann [herb\nLöschen Sie das Licht aus\nDie Zofe\nHeute kann ich nicht, aber morgen\nMann\nWarum setzen Sie sich\nDie Zofe\n■T .\nIch habe einen wundervollen Ring gesehen\nMann\nWer ist da\nDie Zofe\nHabe ich mich erschrocken\nMann\nWer ist da\nDie Zofe\nEs regnet\nMann\nEs klopt an das Fenster\nDie Zofe\nWer kann da schon wunder sein\nMann\nGehen Sie\nDieZ o 112 e\nAber morgen will ich Ihnen den Ring zeigen\nMann\nGehen Sie, gehen Sie.\nMann\nWer ist da"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2290, "texte": "Die Jungfrau im Fenster\nHelfen Sie mir\nMann\nWo kommen Sie her. Bist Du gekommen\nDie Jungfrau\nEr hat mich geschlagen, der Jüngling\nMann\nWo weilst Du\nDie Jungfrau\nHier ist es kalt. Die Wände tropfen\nMann\nWo bist Du\nDie Jungfrau\nEr hat mich geschlagen, der Jüngling\nMann\nRuhe Dein Herz aus\nDie Jungfrau\nIch habe keine Zeit. Er harrt meiner Liebe\nMann\nSo ruhe meinen Herzschlag aus\nDie Jungfrau\nSeine Tränen tropfen von allen Wänden\nMann\nvSo ruhe meinen Herzschlag aus\nDie Jungfrau\nDein Herz schlägt, daß die Herzen brechen\nMann\nSind sie klein Deine Hände\n*\nDie Jungfrau\nDie Wände schrägen sich über meinem\nKopfe, sie fallen und fallen, fallen. Laß\nmich zum Fenster\nMann\nAlles flieht in das Heim der Heimat\nDie Jungfrau\nIn meinem Auge glüht schimmernd Dein\nMann [Blutstropfen für ihn\nO Sehnen meiner großen Sucht. 0 Sucht\nmeines großen Sehnens. Und alles für ihn.\nFür Euch. Für alle.\nDie Jungfrau\nEinst aber wenn ich alt bin und klein, einst\nkomme ich zu Dir. Mit allen. Verkümmert\nvor Kummer. Verblüht vor Blühen. Dann\nwirst Du mich trösten\nMann\nWie soll ich Dir helfen\nDie Jungfrau\nIhn sollst Du trösten, weil er mich geschla-\nMann [gen hat\nIch bin allein in dem Zimmer mit tropfenden\nWänden. Mein Herz hallt wieder von* mir\nzu mir\nDie Jungfrau\nDu gibst, drum braucht Dir nichts gegeben\nwerden\nMann\nAuch Gott hat einen Sohn ersehnt\nDie Jungfrau\nEinen Sohn, Denn seine Liebe ist nicht für\nr rauen\nMann\nSo hole mir den Sohn, Jungfrau, daß ich ihn\ntröste\nDie Jungfrau\nIch habe es gefühlt, Du wirst mir helfen, Du\nwirst mich nicht verlassen\nMann\nUnd bring mir alle Söhne dieser Erde\nDie Zofe\nIst sie fort\nMann\nLassen Sie mich allein\nDie Zofe\nSie sind doch immer allein\nMann\nAlles lebt in mir aus mir\nDie Zofe\nAber einen Ring wollen Sie mir nicht schen-\nken. Das finde ich gemein\nMann\nWas geben Sie mir für diesen Ring\nDie Zofe\nAlles, was Sie heute Nacht wollen\nMann\nUnd morgen\nDi e Z of e •\nMorgen ist wieder ein Tag\nMann\nUnd wieder eine Nacht. Und wieder ein Tag\nund wieder eine Nacht\nDie Zofe\nEs ist nicht gut, über die Nacht zu denken.\nMorgen ist auch noch ein Tag\nMann\nDer Sohn und der heilige Geist\nDie Zofe\nSie haben eben kein Talent zu leben\nMann\nImmer bin ich vor dem Leben. Weil ich das\nLeben bin\nDie Zofe\nOder Sie wollen den Ring, sparen. Lassen\nSie sich begraben. Vergnügtes Alleinsein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-11-10_01#c003", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.2.3", "titre_corps": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-11-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "125", "image_debut": 6, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.2.4", "titre_corps": "Die neue Kunst", "titre_sommaire": "Die neue Kunst", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Die neue Kunst\nLothar Schreyer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.6", "debut_caractere": 45, "fin_caractere_exclue": 4163, "texte": "Der Rhythmus kann sich spiralförmig öffnen\nund schließen, kann aufsteigen und absteigen.\nEs kann alle Zwischenstufen des Grundrhyth-\nmus des Werkes und unzählige Verbindun-\ngen geben. Die Oeffnung der Fläche, Fen-\nster und Tür, kann als schwarze Farbe, als\nPause im Rhythmus oder als bunte Farbe der\nFläche eingefügt sein. Die Bauwerke haben\ndurchsichtige und undurchsichtige Wände,\nwo sie künstlerisch notwendig sind. Durch-\nsichtig kann jede Wand werden, auch eine\nAußenwand, die nicht Fenster oder Tür ist,\nauch eine Zimmerwand. Die durchsichtige\nWand kann Farbform sein. Die Farbe ist\nein Licht. Das Innere und Aeußere des Hau-\nses leuchtet, natürlich oder künstlich. Die\nBewegung des Lichtes ist rhythmisch geglie-\ndert. Das Tagbild des Bauwerkes ist ein\nanderes wie das Nachtbild des Bauwerkes,\nDie Bauwerke haben bewegte Flächen über-\nall dort, wo es die künstlerische Notwendig-\nkeit verlangt. Es ist möglxh, daß sich auch\nandere Flächen als Türen und Fenster im\nInneren und Aeußeren der Häuser bewegen.\nEs gibt wandelnde Zimmer. Es gibt schwe-\nbende Bauwerke. Das Gesicht des Bau-\nkünstlers ist nicht nur eine Sehvorstellung\nund Bewegungsvorstellung, sondern auch\neine Hörvorstellung. Es gbt tönende Bau-\nwerke. Schwebende Häuser klingen, wan-\ndelnde Zimmer tönen und die reglosen Zim-\nmer beginnen um uns zu rauschen, uns tief\nzu versenken. Das Bauwerk ist keine Raum-\ngestaltung, sondern eine Verneinung des\nRaumes, daß unser Selbst einzugehen ver-\nmag ins Raumlose.\nDen Musiker hat die nichtkünstlerische Zeit\nam wenigsten töten können. Auch die Mehr-\nzahl derer, die heute unsere Kunstwerke ab-\nlehnen, s;nd sich bewußt, daß das Schaffen\ndes Musikers und sein Werk von keinem\nVerstand und von keinem Gefühl ermessen\nwerden kann. Und es wird kaum einen Men-\nschen geben, der nicht einmal beim Klingen\nder Musik alles um sich vergaß, sich\nselbst und seine Leiden vergaß, einging in\nein Nichtwissen. Wer das erlebte, wird die\nAugenblicke des Versunkenseins immer zu-\nrücksehnen. Er mag ahnen, daß uns jedes\nkünstlerische Erlebnis dorthin führt. Er mag\nfühlen, daß aus solchem Erlebnis jede Kunst-\ngestalt, nicht nur das Tonwerk, quillt. Er\nsoll erkennen, daß solches Erleben im Leben\ndie Erlösung vom Leben bringt.\nDer Tonkünstler gestaltet sein Gesicht m't\nden reinen Tönen und deren Verbindungen.\nJedes Tonwerk hat sein eigenes rhythmi-\nsches Gesetz. Die Tonwerke stellen nichts\ndar. Die Programmusik ist eine Erfindung\nder Kunstverständigen. Die Kunstverstän-\ndigen haben sogar Beethoven zum Pro-\ngrammusiker gemacht. Auch die Harmonie\nist nicht der Zweck der Musik. Das Ton-\nwerk ist zwecklos wie jedes Kunstwerk.\nDie Tonverbindung um des Wohlgefallens\nwillen ist nicht Kunstwerk, sondern Orna-\nment, Dekoration,\nIch brauche von Tonwerken nichts zu sagen,\nda die Tonwerke Bachs und Beethovens\nallen Kunstverständigen, aller Kunstfremd-\nheit zum Trotz Eigentum unseres Volkes ge-\nworden sind, Das Volk, das nicht kunstver-\nständig ist, besitzt diese Kunstwerke unmit-\ntelbar kraft seiner intuitiven Erkenntnis,\nDurch Intuition erkennt es jetzt auch die\nKünstler Liszt, Bruckner, Mahler und gibt\nRichard Wagner und Richard Strauß die\nStellung von Unterhaltungsmusikern, wo sie\ndem Geschmack des „Publikums\" Genüge\ntun können. Die Sinfonien von Herwarth\nWaiden sind die letzten Tonwerke der Ge-\ngenwart.\nDie Dichter sind, die Wortkünstler. Sie kün-\nden ihr Gesicht mit Worttönen, Sie künden\nein Gesicht. Sie erzählen also nicht, sie be-\nschreiben nicht, sie unterhalten nicht. Sie\nsind keine Schriftsteller. Die Schriftsteller\nsind die Feinde der Dichter. Die Dichter\nlösen uns von der Zeit. Die Schriftsteller\nschreiben die Zeit ab. Der historische Ro-\nman, der soziale Roman, der Lebensroman,\nder psychologische Roman erfordern einen\ngroßen Aufwand von nichtkünstlerischen\nFähigkeiten. Aber keine noch so große An-\nstrengung, keine noch so ehrliche Naturbe-\nobachtung, keine Charakteristik der Per-\nsonen, keine noch so fleißige Beschäftigung\nmit dem Stoff machen ein Kunstwerk. Das\nKunstwerk wächst ohne Anstrengung des\nGeistes oder Körpers aus der Leidensfähig*\nkeit des Menschen. Der gebildete Schrift-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4164, "texte": "steller ist der Literat. Seine Bildung macht\nihn zum Blutfeind aller Künstler, Denn ihm\nist das Kunstwerk geistvolle Unterhaltung.\nEine Unterhaltung bleibt eine Unterhaltung,\nauch wenn sie noch so geistvoll ist. So-\nlange die Menschen sich unterhalten, haben\nsie keine Zeit, ein Kunstwerk zu empfangen.\nEs ist kein Kunstwerk, wenn jemand seine\neigenen oder eines anderen Gedanken und\nGefühle schildert, und wenn er sie in eine\nnoch so schöne Form bringt. „Schöne Ge-\ndanken in schöner Form\" ist die Notlüge\nder unkünstlerischen Zeit. Der Begriff\nschön, wenn man ihn überhaupt anerkennt,\nkann nicht auf Gedanken angewandt wer-\nden, Gedanken sollen klar ausgedrückt\nsein, Gedanken wollen verstanden sein.\nDas Künstlerische im Gedicht, also das\nganze Gedicht, will nicht verstanden sein,\nund es ist unwesentlich, ob es verstanden\nwird oder nicht. Das Gedicht ist weder eine\nAbhandlung noch ein Liebesbriefsteller,\nDie humanistische Bildung und ihre har-\nmonische Gestalt haben die deutsche Spra-\nche in Fesseln geschlagen. Diese Fessel ist\ndas Metrum, Mit dieser Fessel hat man den\nDämon der Kunst gebunden. Im klassischen\nGriechenland hat Apoll den Dionys gebun-\nden. Das Maß, das Metrum, besiegt den dä-\nmonischen Rausch, So findet der Grieche\nFrieden mit dem Dämon in seiner Brust, So\nwurde die ungebundene Sprache dei Deut-\nschen klassisch gebunden. Klassisch heißt\nmustergiltig. Uns ist die Klassik ein Muster\nohne Wert,\nDas Metrum, das Maß ist mäßig. Jede me-\ntrische Dichtung, die sich ein Maß setzt, der\ndurch das Metrum ein Maß gesetzt ist, ist\nmäßig. Nicht das Maßvolle ist das Künst-\nlerische, sondern das Maßlose, Ein Werk,\ndas mit einem Maß ausgemessen werden\nkann, ein Werk, das nach einem Maß gear-\nbeitet ist, ist ein Handwerk und kein Geist-\nwerk, kein Kunstwerk. Der Vergangenheit\nist Kunst ein Können, und das Können ist\nlernbar. Lernbar ist aber nur ein Fremdes#\nDas Eigene können wir nicht lernen. Es\nwächst in uns. Es wächst aus uns. So daß\nwir über unser Menschentum wachsen.\nDie Vergangenheit hat das Wortkunstwerk\nin eine feste bestimmte Form hineinge-\nzwängt. Die gegebene Form mit Inhalt zu\nfüllen, war das Werk des Dichters, Also:\ndie Form wurde nicht vom Inhalt geschaf-\nfen. Aus der großen Zahl der bestehenden\nFormen wurde eine gewählt, die für den In-\nhalt geeignet schien, und in dieses Maß\nsuchte man das Maßlose, das künstlerische\nErlebnis zu pressen. Das ist nicht möglich.\nSo macht die Gelegenheit Gelegenheitsdich-\nter. Diese Wortkunst vermittelt Gedanken,\nGefühle und Formen. Diese Wortkunst hat\ngebundene und ungebundene Rede. Wer,\nwas er sagen wollte, in gebundener Rede,\nalso metrisch sagen konnte, wurde Dichter\ngenannt. Die gebundene Rede hieß Poesie,\ndie ungebundene Rede Prosa. Aber es gibt\nkeine Poesie und kein Prosa. Es gibt Kunst-\nwerke und Nichtkunstwerke.\nDer Wortkünstler kündet sein Gesicht mit\nWorttönen. Jedes Wortwerk hat sein rhyth-\nmisches Gesetz. Der Rhythmus bewegt\nWorte, Das Wort ist das Mittel der Wort-\nkunst. Das Wort hat als Inhalt einen\nBegriff. Jeder Begriff ist ein komplexer\nWert. Das heißt: jedes Wort umfaßt in einer\nVorstellung eine Vielheit von Vorstellungen.\nJedes Wort ist ein Lautwert. Es ist aus\nKonsonanten und Vokalen zusammenge-\nsetzt. Das Wortwerk ist eine rhythmische\nWortreihe.\nDas Gesicht, die Vision des Dichters besteht\naus Vorstellungen, Diese Vorstellungen ge-\nstaltet er mit rhythmischen Wortreihen, Die\noptischen Vorstellungen werden im Inhalt\nder Worte gegeben, die akustischen Vor-\nstellungen im Laut der Worte, die Bewe-\ngungsvorstellungen im Rhythmus der Worte.\nJeder Laut hat einen besonderen Wert. Von\njedem Vokal geht eine andere Wirkung aus.\nVon jedem Konsonanten geht eine beson-\ndere Wirkung aus. Und die einzelnen Ver-\nbindungen von Konsonanten und Vokalen\nwirken wieder anders. Jedes Wort ist kom-\nponiert.\nDas Lautgebilde der Wortform steht in\neinem adäquaten Verhältnis zum Wortinhalt.\nWortinhalt und Wortform sind nicht vonein-\nander zu trennen.\nDer Inhalt gestaltet die optischen Vor-\nstellungen der Vision. Dieser Inhalt ist wie\ndas Gesicht zugleich eine Tatsache und ein\nBild, Die Vorstellung ist ein Bild. Sie ist\naus Farbformen gebildet. Sie ist eine Tat-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4382, "texte": "Sache; denn sie ist nicht eingebildet, Sie ist\neine Wirklichkeit, von unseren Sinnen wahr-\ngenommen. Wenn der Dichter das Gesicht\ngestaltet, so dichtet er es. Der Dichter\ndichtet. Er macht dicht. Dichten heißt: das\nErlebnis auf den innersten Kern bringen. Die\nDichtung ist sachlich. Im Sinne früherer\nZeiten sind unsere Werke „unpoetisch\". Wir\nschmücken nicht aus. Wenn jemand tiefen\nSchmerz oder tiefe Freude aus unseren\nDichtungen liest, so Besingen wir nicht die\nFreude oder den Schmerz, sondern wir ge-\nben die Tatsachen, die diese Freude, diesen\nSchmerz, auslösen. Der Dichter der nicht-\nkünstlerischen Zeit dichtet nicht. Er ver-\nbreitert das Bild und die Tatsache, indem er\ndie Tatsache mit Bildern schmückt. Er kann\nnicht dichten, Er muß füllen, nämlich das\nMetrum, dem er sich unterordnet. Die Bil-\nder sind ihjm keine Wirklichkeit, sondern\nein Kunstmittel. Er hat nicht das innere Ge-\nsicht, sondern das äußere Anschauen. Die\nBilder sind ihm daher Vergleiche, Er ~malt\nStimmungen\". Er gibt den Ersatz einer inne-\nren Wirklichkeit. Das ist kein Werk,\nDer Rhythmus gestaltet das Wort und die\nWortreihen. Die rhythmische Gestalt der\nVorstellung ist entweder konzentrisch oder\ndezentrisch, Durch einen konzentrischen\nRhythmus der Gestaltung wird die Laut-\nkomposition knapp, der Wortinhalt kurz ge-\nfaßt. Durch die Dezentration wird die Vor-\nstellung zersplittert, in ihre Teile aufgelöst\noder in besondere Wortfiguren gebracht.\nDezentrisch wirkt die Assoziation von Wort\nzu Wortform.\nDie Sprache als Kunstmittel ist eine andere\nals die Sprache des Verkehrs. Kunstspra-\nche und Umgangssprache sind grundsätzlich\nverschieden, Das sagt schon die einfache\nUeberlegung, Mit der Umgangssprache will\nich meine Gedanken und Gefühle anderen\nMenschen mitteilen. Ich spreche, um mich\nan andere Menschen zu wenden. Anders der\nDichter, Ihn zwingt eine innere Notwendig-\nkeit zu sprechen, und es ist ihm gleichgül-\ntig, ob er gehört wird. Jedenfalls schafft er\nnicht aus dem Willen, gehört zu werden.\nWir wollen keinen Verstandesschluß und\nkein Gefühl mitteilen, wenn wir dichten. Und\nwenn wir bei der Vorstellung, die wir haben,\netwas denken oder fühlen, so sind diese Ge-\ndanken oder Gefühle eben nur Ausflüsse der\nVorstellung, nicht die Vorstellung selbst,\nWir dichten unser Gesicht, aber wir bedich-\nten es nicht. Daher ist in einem großen Irr-\ntum, wer beim Lesen eines Gedichtes da-\nnach sucht, was der Dichter beim Dichten\ngedacht oder gefühlt hat. Das steht nicht\nim Gedicht. Viele aber sind so unsinnig, daß\nsie sogar an sich selbst erleben wollen, was\nder Dichter gedacht und gefühlt habe. Auf\ndieser falschen Voraussetzung ruht die alte\nKunstbetrachtung. Sie hält nicht einmal den\neinfachsten logischen Erwägungen stand.\nDa der Dichter nicht mit dem Verstand\ntet, keine logischen Schlüsse vermitteln will,\nsoll auch niemand grundsätzlich eine ver-\nstandesgemäße Logik von ihm verlangen,\nOhne logische Vermittlung ist eine Um-\ngangssprache nicht möglich. Aber das Wort-\nwerk ist sehr wohl ohne diese Logik mög-\nlich. Die Logik der Umgangssprache hat die\nGrammatik geschaffen. Die Grammatik\nsteht aus verabredeten Formen, die das lo-\ngische Verhältnis bezeichnen sollen. Die\nDichtung kann auf die Grammatik grund-\nsätzlich keine Rücksicht nehmen. Eine\ngrammatikalische Form wird nur dort not-\nwendig, wo die Vorstellung dazu zwingt,\nalso wo der Inhalt der Wortreihe nicht an-\nders als durch einen grammatikalischen Zu-\nsammenhang gestaltet werden kann. Die\nLogik der Dichtung ist die rhythmische Be-\nziehung der Worte in der Wortreihe.\nDas Wort kann gesprochen werden. Das\nWort tönt. Der Wortkünstler ist der Vor-\ntragskünstler. Er kündet sein Gesicht mit\nWorttönen. Mittel seiner Gestaltung sind\nder rhythmische Tonfall und die Worte.\nJedes Wort kann jeden Tonfall haben. Die\nWortfolge, die Wortreihe ist das Gedicht.\nDer Worttonkünstler kann Dichter sein. Ist\ner selbst kein Dichter, so nimmt er als Aus-\ndrucksmittel für sein Wortton werk die Wort-\nreihe eines Dichters. Man sagt fälschlich: er\nspricht ein Gedicht, Er spricht nicht das Ge-\ndicht, sondern sein Worttonwerk, Der Sinn\ndes Gedichtes ist unwesentlich, da schon\nder Sinn für das Wortwerk unwesentlich ist.\nWesentlich, doch auch nur wesentlich als\nAusdrucksmittel ist für das einzelne Wort-\ntonwerk das rhythmische Gesetz des ein-\nzelnen Gedichtes. Der Rhythmus der Wort-\nreihe als Ausdrucksmittel verbindet sich mit"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4169, "texte": "dem Rhythmus des Tonfalls zur rhythmi-\nschen Gestalt des Worttonwerkes, Es ist\nnur eine von vielen Möglichkeiten, wenn der\nRhythmus des Wortwerkes zugleich der\nRhythmus des Worttonwerkes ist. Das\nWorttonwerk hat den eigenen Rhythmus\nseines Gesichts, der meist ein anderer als\nder des Wortwerkes ist,\nDer Worttonkünstler der Gegenwart ist\nRudolf Blümner,\nDas Bühnenwerk ist die Gestalt, in der der\nBühnenkünstler sein Gesicht kündet,\nDas Bühnenwerk hat mit dem Theaterwerk\nnichts zu tun. Im Theater werden soge-\nnannte Dramen aufgeführt. Als Kunstwerke\ngibt es keine Dramen, sondern nur Gedichte\nEin Wort werk kann nur gesprochen werden,\nWorte können weder gespielt noch aufge-\nführt werden. Ein Wortwerk, das seinen\nZweck außer sich setzt, ist keine Einheit,\nNur das Werk, das seinen Zweck in sich\nselbst hat, das zwecklos ist, ist eine Einheit,\nein Kunstwerk, Eine Einheit, ein Kunst-\nwerk ist weder das sogenannte Drama, noch\ndie sogenannte Theateraufführung,\nDie Theateraufführung kündet kein Gesicht,\nsie will eine Dichtung darstellen, was un-\nmöglich ist, Sie schildert im besten Falle die\nGedanken und Gefühle, die der Auffüh-\nrungsleiter beim Lesen der Dichtung hatte,\nIn der Regel aber hat der Äufführungs-\nleiter nicht einmal Gedanken und Gefühle,\nEr überläßt das Denken und Fühlen dem\nSchauspieler, dem Dekorationsmaler, dem\nMaschinenmeister, dem Beleuchter, Der\nAufführungslefter sorgt in der Regel nur da-\nfür, daß ~die Sache klappt\", das heißt, daß\ndie Tätigkeit der Schauspieler, Dekorations-\nmaler und der anderen ohne merkliche Stö-\nrung für das Publikum vor sich geht, Weder\nder Aufführungsleiter noch das Publikum\nmerken, daß sich Schauspieler, Dekorations-\nmaler, Maschinenmeister, Beleuchter andau-\nernd stören. Aber diese Herrschaften mer-\nken es selbst und versuchen sich selbstän-\ndig zu machen, Das nennt man dann Bühnen-\nreform, Macht der Schauspieler sich selb-\nständig, so entsteht die sogenannte Regie, Es\ngibt auch Regisseure, die nicht Schauspieler\nsind. Die Regie ist dann im besten Falle eine\nsuggestive Begabung zur Organisation der\nArbeit der Schauspieler, Dekorationsmaler,\nMaschinenmeister, Beleuchter nach den Ge-\ndanken und Gefühlen des Regisseurs» Ein\nKunstwerk schafft der Regisseur nicht, da\nauch er ein Wortwerk aufzuführen versucht,\nMacht der Dekorationsmaler sich selbstän-\ndig, so sucht er die Dichtung mit einem De-\nkorationsbild zu illustrieren. So ist die Un-\nmöglichkeit der Reliefbühne entstanden,\nEinige bildende Künstler fühlen diese Un-\nmöglichkeit und suchen sie dadurch zu be-\nseitigen, daß sie die Dekoration verein-\nfachen, So entsteht die Stilbühne. Sie deutet\ndie Gedanken und, Gefühle nur an. Die\nSchöpfer der Stilbühne sind alle Lieber-\nmänner nach Liebermanns Grundsatz Kunst\nist Weglassen, Macht sich der Maschinen-\nmeister selbständig, so kompliziert er die\nTheateraufführung unter dem Vorgeben, sie\nzu erleichtern. So entstehen Drehbühnen,\nVersenkbühnen und all die andern paten-\ntierten Systeme, Das vermeintliche Kunst-\nwerk wird auf dem Speiseaufzug, auf dem\nPaternoster, dem selbständig bewegten Tel-\nler einem Publikum präsentiert, damit das\nPublikum möglichst rasch und viel genießen\nkann. Macht der Beleuchter sich selbstän-\ndig, so nennen die Intellektuellen und Geisti-\ngen es expressionistische Bühnenkunst, Was\ndas ist, kann heute jeder in jedem Theater\nsehen, das „literarischen Ehrgeiz\" hat.\nDas Bühnenwerk ist Kunstwerk, also eine\nkünstlerische Einheit, Es ist also weder ein\nMalwerk, noch ein Bildhauerwerk, noch ein\nTonwerk, noch ein Wortwerk, Es ist auch\nnicht eine Mischung verschiedener solcher\nWerke, Eine solche Mischung ist auch\ndann keine künstlerische Einheit, wenn ein\neinheitlicher Rhythmus verschiedene Werke\nzusammenhält. Einen solchen Weg hat\nRichard Wagner in seinem Gesamtkunst-\nwerk versucht. Er mußte scheitern, Seine\nGesamtkunstwerke sind weder Wortwerke\nnoch Tonwerke noch Bühnenwerke, Er\nillustriert Worte mit Musik und umgekehrt\nund illustriert beides mit Dekorationen,\nDas Bühnenwerk gestaltet das Gesicht mit\nden Mitteln Farbe, Form, Ton, Bewegung.\nDie Bewegung färbt die Form. Die Bewe-\ngung formt die Farbe. Der Ton bewegt die\nFarbform. Die bewegte Farbform tönt,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4213, "texte": "Jedes Bühnenwerk hat seinen Rhythmus,\nDer Rhythmus gestaltet das Gesicht mit den\nKunstmitteln. Die Farbform erscheint im\nRaum als rhythmische Linie und rhythmi-\nsche Fläche, Der Ton erscheint als Woit-\nton, Musikton, Geräuschton. Das Bühnen-\nwerk kann gegenständlich und ungegenständ-\nlich sein. Gegenständlich ist es, wenn der\nBühnenkünstler eine außerhalb seines Ge-\nsichts entstandene Farbformreihe, Wort-\nreihe, Worttonreihe, Musiktonreihe, Ge-\nräuschtonreihe, Bewegungsreihe als wesent-\nliches Ausdrucksmittel für die Gestalt sei-\nnes Gesichts benutzt. Ausdrucksmittel des\nBühnenwerkes kann also das Wortwerk\neines Dichters sein.\nDie Gestalt des Bühnenwerkes ist der Spiel-\ngang des Bühnenwerkes. Der Maler schafft\nein Bild, der Tonkünstler eine Partitur. Ich\nhabe das Bühnenwerk in dem Spielgang ge-\nstaltet. Im Spielgang ist die Gestalt des\nBühnenwerkes ebenso spielbar gekündet,\nwie in der Partitur das Tonwerk spielbar\ngekündet ist. Nach dem Spielgang wird das\nBühnenwerk gespielt. Das Spiel ist keine\nAufführung. Das Spiel ist die Ausführung\ndes Spielgangs. Ausgeführt wird es von\nMenschen. Die Farbform führt ein Mensch\naus, ebenso den Ton und die Bewegung. Die\nverschiedenen Spiele des gleichen Bühnen-\nwerkes unterscheiden sich durch die Inten-\nsität der Ausführung, die abhängig ist von\ndem Spieler, dem Menschen. Das Spiel wird\ngeleitet von einem Spielleiter, der der erste\nSpieler des Spiels ist, aber in der Ausfüh-\nrung selbst weder Farbformträger noch Ton-\nträger noch Bewegungsträger ist.\n* *\n•»\nM't der Schöpfung des Bühnenwerkes ist die\nvöllige Abkehr vom Theaterwerk und von\nder sogenannten dramatischen Dichtung voll-\nzogen. Das Bühnenwerk ist der erste Vor-\nstoß gegen den sogenannten Kulturfaktor\nTheater, der ein Denkmal der nichtkünst-\nlerischen Zeit, ein Genußmittel der verderb-\nten hohen und niederen Gesellschaft ist.\nMeine ersten Bühnenwerke heißen ~Nacht\",\n„Mann\", „Sehnte\". Mein erstes gegenständ-\nliches Bühnenwerk hat das Gedicht „Sancta\nSusanna\" von August Stramta als Kunst-\nmittel, Das Bühnenwerk „Sancta Susanna\"\nist zuerst von der Sturmbühne in Berlin ge-\nspielt.\nDer Künstler schafft seine Werke nicht, da-\nmit sie irgend jemand erlebt. Wie die Blu-\nme nicht wächst, damit sie irgend jemand\nsieht, riecht, pflückt. Die Blume kündet ein\nLebendiges. Das Kunstwerk kündet ein Le-\nbendiges, das Gesicht. Menschen sind als\nErscheinungen unter Erscheinungen. Leben\nist Leiden der Erscheinungen. Alle Men-\nschen finden Leiden, ohne sie zu suchen,\nMenschen finden sich, ohne sich zu suchen.\nDer Mensch sucht Nichtleiden. Der Mensch\nfindet Nichtleiden, wenn er sich nicht mehr\nfindet.\nDer Mensch findet Kunstwerke, ohne sie zu\nsuchen. Unmenschliches kündet das Kunst-\nwerk. Keinem kündet das Kunstwerk. Allen\nkündet das Kunstwerk.\nWir nehmen der Welt die Beschäftigung mit\nKunstwerken. Wir geben der Welt das\nSchaffen der Kunstwerke. Wir haben Ge-\nsichte. Alle Menschen werden Gesichte\nhaben. Wir gestalten Gesichte. Die Welt,\ndie keine Gesichte hat, macht uns verant-\nwortlich für ihren Zusammenbruch. Die\nMenschen der Gegenwart trennt das Ge-\nschick der Weltwende. Wir erleiden den\nAufbau. Die anderen erleiden den Zusam-\nmenbruch. Die anderen leben in der Oeffent-\nlichkeit. Wir leben in der Innerlichkeit.\nDarum reden wir aneinander vorbei, wenn\nwir von Gemeinschaftsgefühlen reden. Die\nanderen meinen eine äußere Gemeinschafts-\nordnung. Wir meinen eine innere Gemein-\nschaft, die uns alle zur Einheit macht. Dar-\num die fanatische Feindschaft Geg-\nner, die vor keinem Mittel zurückschrecken,\nuns unschädlich zu machen. Daher der\nekstatische Zusammenschluß der Unseren\num unsre Erkenntnis. Wir sind so welt-\nfremd. daß wir unser Reich ohne Publikum\nund Presse bauen. Das Publikum ist die\nOeffentlichkeit und die Presse ihre Stitame.\nDas Publikum wird versinken mit der alten\nWelt, Und die Presse d'eses Publikums\nauch. Das ist keine Prophezeiung. Das ist\nTatsache. So wahr Menschen sterben. So\nwahr jetzt eine Welt stirbt.\nDer Mensch muß auf alles verzichten, was er\nfür das Wahre, Gute und Schöne hält. Er\nmuß erkennen, daß es nicht gibt, was er\nglaubt. Er muß verlernen und vergessen. Er\nmuß sich vergessen. Das ist die Lehre. Wer\nihr folgt, der empfängt die Kunstwerke. In"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 638, "texte": "ÜSm. wirkt die Auflösung des Menschlichen,\nSein innerer Rhythmus hat die geistige Macht\nempfangen, die Sichversenken heißt, Und\ndieser Rhythmus trägt unsere Kunstwerke.\nDa gibt es keine leichtverständlichen und\nschwerverständlichen Werke, Da gibt es nur\nein inneres Einssein mit der Gestalt, Diese\nEinheit, das Erleben dieser Einheit gibt uns\nim Leben die Aufhebung dieses Lebens, das\nLeiden ist.\nKunstwerke, aus Not geboren, sind Notwen-\ndigkeiten der Menschheit.\nSo wahr wir alle geboren sind, sind wir in\nNot geboren.\nSo wahr wir alle die Not wenden wollen,\nmüssen wir uns wandeln.\nGesichte wandeln Menschen.\nKunstwerke wenden die Not,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1919-11-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1919-11-10_01#c005", "volume": "bmtnabg_1919-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baurn\nVIII. Albert G!eizes\nIX. Oskar Kokoscbka\nX. Alexander Archipenk<\nkarten\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Munter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Molzahn\nXVII. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. 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Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.2", "texte": "Einsamkeit\nTragödie\nHerwarth Waiden\nMann\nFrau\nDer Jüngling\nDie Jungfrau\nDie Zofe\nMa n n\nVerläßt Du mich\nFrau\nIch bleibe\n- * ,\nMann\nDer Riß an Deiner Handwurzel\nFrau\nDie Tür steht immer offen\nM ann\nDer Riß an der Erdwurzel\nFrau\nIch friere\nMann\nMeine Brust ist dürr\nFrau\nWie herb die Blumen duften\nMann\nWo soll ich meine Hände hintun\nFrau\nUnd wie ich sie in dem Garten pflücke\nMann\nGib mir Deine Hand\nFrau\nNie kannst Du allein sein\nMann\nWie herb Dein Haar duftet\nFra u •\nMorgen kommt Besuch\nMann\nHeute kommt Besuch\nFrau\nMorgen kommt Besuch\nMann\nGestern kommt Besuch\nFrau\nGestern sind wir allein gewesen\nMann\nGestern bin ich allein gewesen\nFrau\nMorgen bringe ich Dir frische Blumen\nMann\nEin Riß ist an der Erdwurzel\nFrau\nDer Mond scheint steil\nMann\nGib mir Deine Hand\nFrau\nEs zieht\nDer Jüngling\nImmer zu zwein\nFrau\nIhre Hand ist warm\nDer Jüngling\nIch komme vom Monde\nMann\nWie herb Ihr Haar duftet\nDer Jüngling\nAbendkühle\nFrau\nIhre Hand ist warm\nDer Jüngling\nGehen wir in die Mitternacht\nMa n n\nIch friere\nD er Jüngling\nDie Luft ist heiß wie am Mittertag\nMann\nGeht Ihr zu zwein\nFrau\nNiemals willst Du allein sein\nMann\nIch werde Euch nachblicken bis an die Erd-\nwurzel\nFrau\nSoll ich einen Mantel nehmen\nD er Jüngling\nWenn Sie sich ins Gras legen wollen\nM ann\nKommen Sie morgen Abend\nOer Jüngling\nBin ich zu oft hier\nM ann\nAuch kühle Tage sind schön\nDer Jüngling\nihre Frau ist ein Wunder\nM ann\nGlauben Sie das\nDer Jüngling\nUnd ein Wunder gehört der ganzen Erde\nMann\nDer ganzen Erde\nDer Jüngling\nOder haben Sie allein einen Anspruch auf\nMann [ein Wunder\nSie glauben an das Wunder\nDer Jüngling\nIch verehre es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.3", "texte": "Mann\nGeben Sie mir Ihre Hand\nDer Jüngling\nSie hassen mich\nMann\nWeil sie warm ist\nDer Jüngling\nWarum halten Sie meine Hand\nMann\nSie ist ohne Wunde\nDer Jüngling\nDas ist doch kein Wunder\nMann\nSie sind glücklich\nDer Jüngling\nSie müssen es sein\nMann\nVerlassen Sie mich nicht\nDer Jüngling\nHabe ich Sie verletzt\nMann\nGehen Sie\nFrau\nGehen wir\nDer Jüngling\nKommen Sie doch mit in die Mitternacht\nFrau\nDu frierst so leicht\nMann\nBei meinem Leben ist das kein Wunder\nDer Jüngling\nSie irren sich\nMann\nUnd morgen, morgen ist wieder ein Tag\nFrau\nUnd morgen sind wir allein zu zwein\nM ann\nlöscht das Licht aus\nRegen\nDieZ o 112 e\nDarf ich mir etwas besorgen\nMann\nWarum fragen Sie mich heute\nDie Zofe\nSie sind immer allein am Abend\nMann\nWas wollen Sie\nDie Zofe\nIch an Ihrer Stelle\nMann\nBitte\nDie Zofe\nIch habe etwas gefunden\nMann\nWarum sind Sie nicht treu\nDie Zofe\nIch bin nicht schlecht\nMann\nGeben Sie mir Ihre Hand\nDie Zofe\nGefällt sie Ihnen\nMann\nIch friere\nDie Zofe\nAlle Männer finden meine Hand schön\nMann\nIch habe sie noch nie gesehen\nDie Zofe\nIch zünde alles Licht an\nMann\nSo jung und nicht treu\nDie Zofe\nDas kommt auf den Mann an\nMann\nWas wollen Sie\nDie Zofe\nIch werfe die Blumen fort, sie riechen zu\nMann [herb\nLöschen Sie das Licht aus\nDie Zofe\nHeute kann ich nicht, aber morgen\nMann\nWarum setzen Sie sich\nDie Zofe\n■T .\nIch habe einen wundervollen Ring gesehen\nMann\nWer ist da\nDie Zofe\nHabe ich mich erschrocken\nMann\nWer ist da\nDie Zofe\nEs regnet\nMann\nEs klopt an das Fenster\nDie Zofe\nWer kann da schon wunder sein\nMann\nGehen Sie\nDieZ o 112 e\nAber morgen will ich Ihnen den Ring zeigen\nMann\nGehen Sie, gehen Sie.\nMann\nWer ist da"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.4", "texte": "Die Jungfrau im Fenster\nHelfen Sie mir\nMann\nWo kommen Sie her. Bist Du gekommen\nDie Jungfrau\nEr hat mich geschlagen, der Jüngling\nMann\nWo weilst Du\nDie Jungfrau\nHier ist es kalt. Die Wände tropfen\nMann\nWo bist Du\nDie Jungfrau\nEr hat mich geschlagen, der Jüngling\nMann\nRuhe Dein Herz aus\nDie Jungfrau\nIch habe keine Zeit. Er harrt meiner Liebe\nMann\nSo ruhe meinen Herzschlag aus\nDie Jungfrau\nSeine Tränen tropfen von allen Wänden\nMann\nvSo ruhe meinen Herzschlag aus\nDie Jungfrau\nDein Herz schlägt, daß die Herzen brechen\nMann\nSind sie klein Deine Hände\n*\nDie Jungfrau\nDie Wände schrägen sich über meinem\nKopfe, sie fallen und fallen, fallen. Laß\nmich zum Fenster\nMann\nAlles flieht in das Heim der Heimat\nDie Jungfrau\nIn meinem Auge glüht schimmernd Dein\nMann [Blutstropfen für ihn\nO Sehnen meiner großen Sucht. 0 Sucht\nmeines großen Sehnens. Und alles für ihn.\nFür Euch. Für alle.\nDie Jungfrau\nEinst aber wenn ich alt bin und klein, einst\nkomme ich zu Dir. Mit allen. Verkümmert\nvor Kummer. Verblüht vor Blühen. Dann\nwirst Du mich trösten\nMann\nWie soll ich Dir helfen\nDie Jungfrau\nIhn sollst Du trösten, weil er mich geschla-\nMann [gen hat\nIch bin allein in dem Zimmer mit tropfenden\nWänden. Mein Herz hallt wieder von* mir\nzu mir\nDie Jungfrau\nDu gibst, drum braucht Dir nichts gegeben\nwerden\nMann\nAuch Gott hat einen Sohn ersehnt\nDie Jungfrau\nEinen Sohn, Denn seine Liebe ist nicht für\nr rauen\nMann\nSo hole mir den Sohn, Jungfrau, daß ich ihn\ntröste\nDie Jungfrau\nIch habe es gefühlt, Du wirst mir helfen, Du\nwirst mich nicht verlassen\nMann\nUnd bring mir alle Söhne dieser Erde\nDie Zofe\nIst sie fort\nMann\nLassen Sie mich allein\nDie Zofe\nSie sind doch immer allein\nMann\nAlles lebt in mir aus mir\nDie Zofe\nAber einen Ring wollen Sie mir nicht schen-\nken. Das finde ich gemein\nMann\nWas geben Sie mir für diesen Ring\nDie Zofe\nAlles, was Sie heute Nacht wollen\nMann\nUnd morgen\nDi e Z of e •\nMorgen ist wieder ein Tag\nMann\nUnd wieder eine Nacht. Und wieder ein Tag\nund wieder eine Nacht\nDie Zofe\nEs ist nicht gut, über die Nacht zu denken.\nMorgen ist auch noch ein Tag\nMann\nDer Sohn und der heilige Geist\nDie Zofe\nSie haben eben kein Talent zu leben\nMann\nImmer bin ich vor dem Leben. Weil ich das\nLeben bin\nDie Zofe\nOder Sie wollen den Ring, sparen. Lassen\nSie sich begraben. Vergnügtes Alleinsein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.5", "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.6", "texte": "Die neue Kunst\nLothar Schreyer\n\nFortsetzung\n\nDer Rhythmus kann sich spiralförmig öffnen\nund schließen, kann aufsteigen und absteigen.\nEs kann alle Zwischenstufen des Grundrhyth-\nmus des Werkes und unzählige Verbindun-\ngen geben. Die Oeffnung der Fläche, Fen-\nster und Tür, kann als schwarze Farbe, als\nPause im Rhythmus oder als bunte Farbe der\nFläche eingefügt sein. Die Bauwerke haben\ndurchsichtige und undurchsichtige Wände,\nwo sie künstlerisch notwendig sind. Durch-\nsichtig kann jede Wand werden, auch eine\nAußenwand, die nicht Fenster oder Tür ist,\nauch eine Zimmerwand. Die durchsichtige\nWand kann Farbform sein. Die Farbe ist\nein Licht. Das Innere und Aeußere des Hau-\nses leuchtet, natürlich oder künstlich. Die\nBewegung des Lichtes ist rhythmisch geglie-\ndert. Das Tagbild des Bauwerkes ist ein\nanderes wie das Nachtbild des Bauwerkes,\nDie Bauwerke haben bewegte Flächen über-\nall dort, wo es die künstlerische Notwendig-\nkeit verlangt. Es ist möglxh, daß sich auch\nandere Flächen als Türen und Fenster im\nInneren und Aeußeren der Häuser bewegen.\nEs gibt wandelnde Zimmer. Es gibt schwe-\nbende Bauwerke. Das Gesicht des Bau-\nkünstlers ist nicht nur eine Sehvorstellung\nund Bewegungsvorstellung, sondern auch\neine Hörvorstellung. Es gbt tönende Bau-\nwerke. Schwebende Häuser klingen, wan-\ndelnde Zimmer tönen und die reglosen Zim-\nmer beginnen um uns zu rauschen, uns tief\nzu versenken. Das Bauwerk ist keine Raum-\ngestaltung, sondern eine Verneinung des\nRaumes, daß unser Selbst einzugehen ver-\nmag ins Raumlose.\nDen Musiker hat die nichtkünstlerische Zeit\nam wenigsten töten können. Auch die Mehr-\nzahl derer, die heute unsere Kunstwerke ab-\nlehnen, s;nd sich bewußt, daß das Schaffen\ndes Musikers und sein Werk von keinem\nVerstand und von keinem Gefühl ermessen\nwerden kann. Und es wird kaum einen Men-\nschen geben, der nicht einmal beim Klingen\nder Musik alles um sich vergaß, sich\nselbst und seine Leiden vergaß, einging in\nein Nichtwissen. Wer das erlebte, wird die\nAugenblicke des Versunkenseins immer zu-\nrücksehnen. Er mag ahnen, daß uns jedes\nkünstlerische Erlebnis dorthin führt. Er mag\nfühlen, daß aus solchem Erlebnis jede Kunst-\ngestalt, nicht nur das Tonwerk, quillt. Er\nsoll erkennen, daß solches Erleben im Leben\ndie Erlösung vom Leben bringt.\nDer Tonkünstler gestaltet sein Gesicht m't\nden reinen Tönen und deren Verbindungen.\nJedes Tonwerk hat sein eigenes rhythmi-\nsches Gesetz. Die Tonwerke stellen nichts\ndar. Die Programmusik ist eine Erfindung\nder Kunstverständigen. Die Kunstverstän-\ndigen haben sogar Beethoven zum Pro-\ngrammusiker gemacht. Auch die Harmonie\nist nicht der Zweck der Musik. Das Ton-\nwerk ist zwecklos wie jedes Kunstwerk.\nDie Tonverbindung um des Wohlgefallens\nwillen ist nicht Kunstwerk, sondern Orna-\nment, Dekoration,\nIch brauche von Tonwerken nichts zu sagen,\nda die Tonwerke Bachs und Beethovens\nallen Kunstverständigen, aller Kunstfremd-\nheit zum Trotz Eigentum unseres Volkes ge-\nworden sind, Das Volk, das nicht kunstver-\nständig ist, besitzt diese Kunstwerke unmit-\ntelbar kraft seiner intuitiven Erkenntnis,\nDurch Intuition erkennt es jetzt auch die\nKünstler Liszt, Bruckner, Mahler und gibt\nRichard Wagner und Richard Strauß die\nStellung von Unterhaltungsmusikern, wo sie\ndem Geschmack des „Publikums\" Genüge\ntun können. Die Sinfonien von Herwarth\nWaiden sind die letzten Tonwerke der Ge-\ngenwart.\nDie Dichter sind, die Wortkünstler. Sie kün-\nden ihr Gesicht mit Worttönen, Sie künden\nein Gesicht. Sie erzählen also nicht, sie be-\nschreiben nicht, sie unterhalten nicht. Sie\nsind keine Schriftsteller. Die Schriftsteller\nsind die Feinde der Dichter. Die Dichter\nlösen uns von der Zeit. Die Schriftsteller\nschreiben die Zeit ab. Der historische Ro-\nman, der soziale Roman, der Lebensroman,\nder psychologische Roman erfordern einen\ngroßen Aufwand von nichtkünstlerischen\nFähigkeiten. Aber keine noch so große An-\nstrengung, keine noch so ehrliche Naturbe-\nobachtung, keine Charakteristik der Per-\nsonen, keine noch so fleißige Beschäftigung\nmit dem Stoff machen ein Kunstwerk. Das\nKunstwerk wächst ohne Anstrengung des\nGeistes oder Körpers aus der Leidensfähig*\nkeit des Menschen. Der gebildete Schrift-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.7", "texte": "steller ist der Literat. Seine Bildung macht\nihn zum Blutfeind aller Künstler, Denn ihm\nist das Kunstwerk geistvolle Unterhaltung.\nEine Unterhaltung bleibt eine Unterhaltung,\nauch wenn sie noch so geistvoll ist. So-\nlange die Menschen sich unterhalten, haben\nsie keine Zeit, ein Kunstwerk zu empfangen.\nEs ist kein Kunstwerk, wenn jemand seine\neigenen oder eines anderen Gedanken und\nGefühle schildert, und wenn er sie in eine\nnoch so schöne Form bringt. „Schöne Ge-\ndanken in schöner Form\" ist die Notlüge\nder unkünstlerischen Zeit. Der Begriff\nschön, wenn man ihn überhaupt anerkennt,\nkann nicht auf Gedanken angewandt wer-\nden, Gedanken sollen klar ausgedrückt\nsein, Gedanken wollen verstanden sein.\nDas Künstlerische im Gedicht, also das\nganze Gedicht, will nicht verstanden sein,\nund es ist unwesentlich, ob es verstanden\nwird oder nicht. Das Gedicht ist weder eine\nAbhandlung noch ein Liebesbriefsteller,\nDie humanistische Bildung und ihre har-\nmonische Gestalt haben die deutsche Spra-\nche in Fesseln geschlagen. Diese Fessel ist\ndas Metrum, Mit dieser Fessel hat man den\nDämon der Kunst gebunden. Im klassischen\nGriechenland hat Apoll den Dionys gebun-\nden. Das Maß, das Metrum, besiegt den dä-\nmonischen Rausch, So findet der Grieche\nFrieden mit dem Dämon in seiner Brust, So\nwurde die ungebundene Sprache dei Deut-\nschen klassisch gebunden. Klassisch heißt\nmustergiltig. Uns ist die Klassik ein Muster\nohne Wert,\nDas Metrum, das Maß ist mäßig. Jede me-\ntrische Dichtung, die sich ein Maß setzt, der\ndurch das Metrum ein Maß gesetzt ist, ist\nmäßig. Nicht das Maßvolle ist das Künst-\nlerische, sondern das Maßlose, Ein Werk,\ndas mit einem Maß ausgemessen werden\nkann, ein Werk, das nach einem Maß gear-\nbeitet ist, ist ein Handwerk und kein Geist-\nwerk, kein Kunstwerk. Der Vergangenheit\nist Kunst ein Können, und das Können ist\nlernbar. Lernbar ist aber nur ein Fremdes#\nDas Eigene können wir nicht lernen. Es\nwächst in uns. Es wächst aus uns. So daß\nwir über unser Menschentum wachsen.\nDie Vergangenheit hat das Wortkunstwerk\nin eine feste bestimmte Form hineinge-\nzwängt. Die gegebene Form mit Inhalt zu\nfüllen, war das Werk des Dichters, Also:\ndie Form wurde nicht vom Inhalt geschaf-\nfen. Aus der großen Zahl der bestehenden\nFormen wurde eine gewählt, die für den In-\nhalt geeignet schien, und in dieses Maß\nsuchte man das Maßlose, das künstlerische\nErlebnis zu pressen. Das ist nicht möglich.\nSo macht die Gelegenheit Gelegenheitsdich-\nter. Diese Wortkunst vermittelt Gedanken,\nGefühle und Formen. Diese Wortkunst hat\ngebundene und ungebundene Rede. Wer,\nwas er sagen wollte, in gebundener Rede,\nalso metrisch sagen konnte, wurde Dichter\ngenannt. Die gebundene Rede hieß Poesie,\ndie ungebundene Rede Prosa. Aber es gibt\nkeine Poesie und kein Prosa. Es gibt Kunst-\nwerke und Nichtkunstwerke.\nDer Wortkünstler kündet sein Gesicht mit\nWorttönen. Jedes Wortwerk hat sein rhyth-\nmisches Gesetz. Der Rhythmus bewegt\nWorte, Das Wort ist das Mittel der Wort-\nkunst. Das Wort hat als Inhalt einen\nBegriff. Jeder Begriff ist ein komplexer\nWert. Das heißt: jedes Wort umfaßt in einer\nVorstellung eine Vielheit von Vorstellungen.\nJedes Wort ist ein Lautwert. Es ist aus\nKonsonanten und Vokalen zusammenge-\nsetzt. Das Wortwerk ist eine rhythmische\nWortreihe.\nDas Gesicht, die Vision des Dichters besteht\naus Vorstellungen, Diese Vorstellungen ge-\nstaltet er mit rhythmischen Wortreihen, Die\noptischen Vorstellungen werden im Inhalt\nder Worte gegeben, die akustischen Vor-\nstellungen im Laut der Worte, die Bewe-\ngungsvorstellungen im Rhythmus der Worte.\nJeder Laut hat einen besonderen Wert. Von\njedem Vokal geht eine andere Wirkung aus.\nVon jedem Konsonanten geht eine beson-\ndere Wirkung aus. Und die einzelnen Ver-\nbindungen von Konsonanten und Vokalen\nwirken wieder anders. Jedes Wort ist kom-\nponiert.\nDas Lautgebilde der Wortform steht in\neinem adäquaten Verhältnis zum Wortinhalt.\nWortinhalt und Wortform sind nicht vonein-\nander zu trennen.\nDer Inhalt gestaltet die optischen Vor-\nstellungen der Vision. Dieser Inhalt ist wie\ndas Gesicht zugleich eine Tatsache und ein\nBild, Die Vorstellung ist ein Bild. Sie ist\naus Farbformen gebildet. Sie ist eine Tat-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.8", "texte": "Sache; denn sie ist nicht eingebildet, Sie ist\neine Wirklichkeit, von unseren Sinnen wahr-\ngenommen. Wenn der Dichter das Gesicht\ngestaltet, so dichtet er es. Der Dichter\ndichtet. Er macht dicht. Dichten heißt: das\nErlebnis auf den innersten Kern bringen. Die\nDichtung ist sachlich. Im Sinne früherer\nZeiten sind unsere Werke „unpoetisch\". Wir\nschmücken nicht aus. Wenn jemand tiefen\nSchmerz oder tiefe Freude aus unseren\nDichtungen liest, so Besingen wir nicht die\nFreude oder den Schmerz, sondern wir ge-\nben die Tatsachen, die diese Freude, diesen\nSchmerz, auslösen. Der Dichter der nicht-\nkünstlerischen Zeit dichtet nicht. Er ver-\nbreitert das Bild und die Tatsache, indem er\ndie Tatsache mit Bildern schmückt. Er kann\nnicht dichten, Er muß füllen, nämlich das\nMetrum, dem er sich unterordnet. Die Bil-\nder sind ihjm keine Wirklichkeit, sondern\nein Kunstmittel. Er hat nicht das innere Ge-\nsicht, sondern das äußere Anschauen. Die\nBilder sind ihm daher Vergleiche, Er ~malt\nStimmungen\". Er gibt den Ersatz einer inne-\nren Wirklichkeit. Das ist kein Werk,\nDer Rhythmus gestaltet das Wort und die\nWortreihen. Die rhythmische Gestalt der\nVorstellung ist entweder konzentrisch oder\ndezentrisch, Durch einen konzentrischen\nRhythmus der Gestaltung wird die Laut-\nkomposition knapp, der Wortinhalt kurz ge-\nfaßt. Durch die Dezentration wird die Vor-\nstellung zersplittert, in ihre Teile aufgelöst\noder in besondere Wortfiguren gebracht.\nDezentrisch wirkt die Assoziation von Wort\nzu Wortform.\nDie Sprache als Kunstmittel ist eine andere\nals die Sprache des Verkehrs. Kunstspra-\nche und Umgangssprache sind grundsätzlich\nverschieden, Das sagt schon die einfache\nUeberlegung, Mit der Umgangssprache will\nich meine Gedanken und Gefühle anderen\nMenschen mitteilen. Ich spreche, um mich\nan andere Menschen zu wenden. Anders der\nDichter, Ihn zwingt eine innere Notwendig-\nkeit zu sprechen, und es ist ihm gleichgül-\ntig, ob er gehört wird. Jedenfalls schafft er\nnicht aus dem Willen, gehört zu werden.\nWir wollen keinen Verstandesschluß und\nkein Gefühl mitteilen, wenn wir dichten. Und\nwenn wir bei der Vorstellung, die wir haben,\netwas denken oder fühlen, so sind diese Ge-\ndanken oder Gefühle eben nur Ausflüsse der\nVorstellung, nicht die Vorstellung selbst,\nWir dichten unser Gesicht, aber wir bedich-\nten es nicht. Daher ist in einem großen Irr-\ntum, wer beim Lesen eines Gedichtes da-\nnach sucht, was der Dichter beim Dichten\ngedacht oder gefühlt hat. Das steht nicht\nim Gedicht. Viele aber sind so unsinnig, daß\nsie sogar an sich selbst erleben wollen, was\nder Dichter gedacht und gefühlt habe. Auf\ndieser falschen Voraussetzung ruht die alte\nKunstbetrachtung. Sie hält nicht einmal den\neinfachsten logischen Erwägungen stand.\nDa der Dichter nicht mit dem Verstand\ntet, keine logischen Schlüsse vermitteln will,\nsoll auch niemand grundsätzlich eine ver-\nstandesgemäße Logik von ihm verlangen,\nOhne logische Vermittlung ist eine Um-\ngangssprache nicht möglich. Aber das Wort-\nwerk ist sehr wohl ohne diese Logik mög-\nlich. Die Logik der Umgangssprache hat die\nGrammatik geschaffen. Die Grammatik\nsteht aus verabredeten Formen, die das lo-\ngische Verhältnis bezeichnen sollen. Die\nDichtung kann auf die Grammatik grund-\nsätzlich keine Rücksicht nehmen. Eine\ngrammatikalische Form wird nur dort not-\nwendig, wo die Vorstellung dazu zwingt,\nalso wo der Inhalt der Wortreihe nicht an-\nders als durch einen grammatikalischen Zu-\nsammenhang gestaltet werden kann. Die\nLogik der Dichtung ist die rhythmische Be-\nziehung der Worte in der Wortreihe.\nDas Wort kann gesprochen werden. Das\nWort tönt. Der Wortkünstler ist der Vor-\ntragskünstler. Er kündet sein Gesicht mit\nWorttönen. Mittel seiner Gestaltung sind\nder rhythmische Tonfall und die Worte.\nJedes Wort kann jeden Tonfall haben. Die\nWortfolge, die Wortreihe ist das Gedicht.\nDer Worttonkünstler kann Dichter sein. Ist\ner selbst kein Dichter, so nimmt er als Aus-\ndrucksmittel für sein Wortton werk die Wort-\nreihe eines Dichters. Man sagt fälschlich: er\nspricht ein Gedicht, Er spricht nicht das Ge-\ndicht, sondern sein Worttonwerk, Der Sinn\ndes Gedichtes ist unwesentlich, da schon\nder Sinn für das Wortwerk unwesentlich ist.\nWesentlich, doch auch nur wesentlich als\nAusdrucksmittel ist für das einzelne Wort-\ntonwerk das rhythmische Gesetz des ein-\nzelnen Gedichtes. Der Rhythmus der Wort-\nreihe als Ausdrucksmittel verbindet sich mit"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.9", "texte": "Rudolf Bauer: Vierfarbiger Steindruck"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.10", "texte": "dem Rhythmus des Tonfalls zur rhythmi-\nschen Gestalt des Worttonwerkes, Es ist\nnur eine von vielen Möglichkeiten, wenn der\nRhythmus des Wortwerkes zugleich der\nRhythmus des Worttonwerkes ist. Das\nWorttonwerk hat den eigenen Rhythmus\nseines Gesichts, der meist ein anderer als\nder des Wortwerkes ist,\nDer Worttonkünstler der Gegenwart ist\nRudolf Blümner,\nDas Bühnenwerk ist die Gestalt, in der der\nBühnenkünstler sein Gesicht kündet,\nDas Bühnenwerk hat mit dem Theaterwerk\nnichts zu tun. Im Theater werden soge-\nnannte Dramen aufgeführt. Als Kunstwerke\ngibt es keine Dramen, sondern nur Gedichte\nEin Wort werk kann nur gesprochen werden,\nWorte können weder gespielt noch aufge-\nführt werden. Ein Wortwerk, das seinen\nZweck außer sich setzt, ist keine Einheit,\nNur das Werk, das seinen Zweck in sich\nselbst hat, das zwecklos ist, ist eine Einheit,\nein Kunstwerk, Eine Einheit, ein Kunst-\nwerk ist weder das sogenannte Drama, noch\ndie sogenannte Theateraufführung,\nDie Theateraufführung kündet kein Gesicht,\nsie will eine Dichtung darstellen, was un-\nmöglich ist, Sie schildert im besten Falle die\nGedanken und Gefühle, die der Auffüh-\nrungsleiter beim Lesen der Dichtung hatte,\nIn der Regel aber hat der Äufführungs-\nleiter nicht einmal Gedanken und Gefühle,\nEr überläßt das Denken und Fühlen dem\nSchauspieler, dem Dekorationsmaler, dem\nMaschinenmeister, dem Beleuchter, Der\nAufführungslefter sorgt in der Regel nur da-\nfür, daß ~die Sache klappt\", das heißt, daß\ndie Tätigkeit der Schauspieler, Dekorations-\nmaler und der anderen ohne merkliche Stö-\nrung für das Publikum vor sich geht, Weder\nder Aufführungsleiter noch das Publikum\nmerken, daß sich Schauspieler, Dekorations-\nmaler, Maschinenmeister, Beleuchter andau-\nernd stören. Aber diese Herrschaften mer-\nken es selbst und versuchen sich selbstän-\ndig zu machen, Das nennt man dann Bühnen-\nreform, Macht der Schauspieler sich selb-\nständig, so entsteht die sogenannte Regie, Es\ngibt auch Regisseure, die nicht Schauspieler\nsind. Die Regie ist dann im besten Falle eine\nsuggestive Begabung zur Organisation der\nArbeit der Schauspieler, Dekorationsmaler,\nMaschinenmeister, Beleuchter nach den Ge-\ndanken und Gefühlen des Regisseurs» Ein\nKunstwerk schafft der Regisseur nicht, da\nauch er ein Wortwerk aufzuführen versucht,\nMacht der Dekorationsmaler sich selbstän-\ndig, so sucht er die Dichtung mit einem De-\nkorationsbild zu illustrieren. So ist die Un-\nmöglichkeit der Reliefbühne entstanden,\nEinige bildende Künstler fühlen diese Un-\nmöglichkeit und suchen sie dadurch zu be-\nseitigen, daß sie die Dekoration verein-\nfachen, So entsteht die Stilbühne. Sie deutet\ndie Gedanken und, Gefühle nur an. Die\nSchöpfer der Stilbühne sind alle Lieber-\nmänner nach Liebermanns Grundsatz Kunst\nist Weglassen, Macht sich der Maschinen-\nmeister selbständig, so kompliziert er die\nTheateraufführung unter dem Vorgeben, sie\nzu erleichtern. So entstehen Drehbühnen,\nVersenkbühnen und all die andern paten-\ntierten Systeme, Das vermeintliche Kunst-\nwerk wird auf dem Speiseaufzug, auf dem\nPaternoster, dem selbständig bewegten Tel-\nler einem Publikum präsentiert, damit das\nPublikum möglichst rasch und viel genießen\nkann. Macht der Beleuchter sich selbstän-\ndig, so nennen die Intellektuellen und Geisti-\ngen es expressionistische Bühnenkunst, Was\ndas ist, kann heute jeder in jedem Theater\nsehen, das „literarischen Ehrgeiz\" hat.\nDas Bühnenwerk ist Kunstwerk, also eine\nkünstlerische Einheit, Es ist also weder ein\nMalwerk, noch ein Bildhauerwerk, noch ein\nTonwerk, noch ein Wortwerk, Es ist auch\nnicht eine Mischung verschiedener solcher\nWerke, Eine solche Mischung ist auch\ndann keine künstlerische Einheit, wenn ein\neinheitlicher Rhythmus verschiedene Werke\nzusammenhält. Einen solchen Weg hat\nRichard Wagner in seinem Gesamtkunst-\nwerk versucht. Er mußte scheitern, Seine\nGesamtkunstwerke sind weder Wortwerke\nnoch Tonwerke noch Bühnenwerke, Er\nillustriert Worte mit Musik und umgekehrt\nund illustriert beides mit Dekorationen,\nDas Bühnenwerk gestaltet das Gesicht mit\nden Mitteln Farbe, Form, Ton, Bewegung.\nDie Bewegung färbt die Form. Die Bewe-\ngung formt die Farbe. Der Ton bewegt die\nFarbform. Die bewegte Farbform tönt,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.11", "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.12", "texte": "Jedes Bühnenwerk hat seinen Rhythmus,\nDer Rhythmus gestaltet das Gesicht mit den\nKunstmitteln. Die Farbform erscheint im\nRaum als rhythmische Linie und rhythmi-\nsche Fläche, Der Ton erscheint als Woit-\nton, Musikton, Geräuschton. Das Bühnen-\nwerk kann gegenständlich und ungegenständ-\nlich sein. Gegenständlich ist es, wenn der\nBühnenkünstler eine außerhalb seines Ge-\nsichts entstandene Farbformreihe, Wort-\nreihe, Worttonreihe, Musiktonreihe, Ge-\nräuschtonreihe, Bewegungsreihe als wesent-\nliches Ausdrucksmittel für die Gestalt sei-\nnes Gesichts benutzt. Ausdrucksmittel des\nBühnenwerkes kann also das Wortwerk\neines Dichters sein.\nDie Gestalt des Bühnenwerkes ist der Spiel-\ngang des Bühnenwerkes. Der Maler schafft\nein Bild, der Tonkünstler eine Partitur. Ich\nhabe das Bühnenwerk in dem Spielgang ge-\nstaltet. Im Spielgang ist die Gestalt des\nBühnenwerkes ebenso spielbar gekündet,\nwie in der Partitur das Tonwerk spielbar\ngekündet ist. Nach dem Spielgang wird das\nBühnenwerk gespielt. Das Spiel ist keine\nAufführung. Das Spiel ist die Ausführung\ndes Spielgangs. Ausgeführt wird es von\nMenschen. Die Farbform führt ein Mensch\naus, ebenso den Ton und die Bewegung. Die\nverschiedenen Spiele des gleichen Bühnen-\nwerkes unterscheiden sich durch die Inten-\nsität der Ausführung, die abhängig ist von\ndem Spieler, dem Menschen. Das Spiel wird\ngeleitet von einem Spielleiter, der der erste\nSpieler des Spiels ist, aber in der Ausfüh-\nrung selbst weder Farbformträger noch Ton-\nträger noch Bewegungsträger ist.\n* *\n•»\nM't der Schöpfung des Bühnenwerkes ist die\nvöllige Abkehr vom Theaterwerk und von\nder sogenannten dramatischen Dichtung voll-\nzogen. Das Bühnenwerk ist der erste Vor-\nstoß gegen den sogenannten Kulturfaktor\nTheater, der ein Denkmal der nichtkünst-\nlerischen Zeit, ein Genußmittel der verderb-\nten hohen und niederen Gesellschaft ist.\nMeine ersten Bühnenwerke heißen ~Nacht\",\n„Mann\", „Sehnte\". Mein erstes gegenständ-\nliches Bühnenwerk hat das Gedicht „Sancta\nSusanna\" von August Stramta als Kunst-\nmittel, Das Bühnenwerk „Sancta Susanna\"\nist zuerst von der Sturmbühne in Berlin ge-\nspielt.\nDer Künstler schafft seine Werke nicht, da-\nmit sie irgend jemand erlebt. Wie die Blu-\nme nicht wächst, damit sie irgend jemand\nsieht, riecht, pflückt. Die Blume kündet ein\nLebendiges. Das Kunstwerk kündet ein Le-\nbendiges, das Gesicht. Menschen sind als\nErscheinungen unter Erscheinungen. Leben\nist Leiden der Erscheinungen. Alle Men-\nschen finden Leiden, ohne sie zu suchen,\nMenschen finden sich, ohne sich zu suchen.\nDer Mensch sucht Nichtleiden. Der Mensch\nfindet Nichtleiden, wenn er sich nicht mehr\nfindet.\nDer Mensch findet Kunstwerke, ohne sie zu\nsuchen. Unmenschliches kündet das Kunst-\nwerk. Keinem kündet das Kunstwerk. Allen\nkündet das Kunstwerk.\nWir nehmen der Welt die Beschäftigung mit\nKunstwerken. Wir geben der Welt das\nSchaffen der Kunstwerke. Wir haben Ge-\nsichte. Alle Menschen werden Gesichte\nhaben. Wir gestalten Gesichte. Die Welt,\ndie keine Gesichte hat, macht uns verant-\nwortlich für ihren Zusammenbruch. Die\nMenschen der Gegenwart trennt das Ge-\nschick der Weltwende. Wir erleiden den\nAufbau. Die anderen erleiden den Zusam-\nmenbruch. Die anderen leben in der Oeffent-\nlichkeit. Wir leben in der Innerlichkeit.\nDarum reden wir aneinander vorbei, wenn\nwir von Gemeinschaftsgefühlen reden. Die\nanderen meinen eine äußere Gemeinschafts-\nordnung. Wir meinen eine innere Gemein-\nschaft, die uns alle zur Einheit macht. Dar-\num die fanatische Feindschaft Geg-\nner, die vor keinem Mittel zurückschrecken,\nuns unschädlich zu machen. Daher der\nekstatische Zusammenschluß der Unseren\num unsre Erkenntnis. Wir sind so welt-\nfremd. daß wir unser Reich ohne Publikum\nund Presse bauen. Das Publikum ist die\nOeffentlichkeit und die Presse ihre Stitame.\nDas Publikum wird versinken mit der alten\nWelt, Und die Presse d'eses Publikums\nauch. Das ist keine Prophezeiung. Das ist\nTatsache. So wahr Menschen sterben. So\nwahr jetzt eine Welt stirbt.\nDer Mensch muß auf alles verzichten, was er\nfür das Wahre, Gute und Schöne hält. Er\nmuß erkennen, daß es nicht gibt, was er\nglaubt. Er muß verlernen und vergessen. Er\nmuß sich vergessen. Das ist die Lehre. Wer\nihr folgt, der empfängt die Kunstwerke. In"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.13", "texte": "ÜSm. wirkt die Auflösung des Menschlichen,\nSein innerer Rhythmus hat die geistige Macht\nempfangen, die Sichversenken heißt, Und\ndieser Rhythmus trägt unsere Kunstwerke.\nDa gibt es keine leichtverständlichen und\nschwerverständlichen Werke, Da gibt es nur\nein inneres Einssein mit der Gestalt, Diese\nEinheit, das Erleben dieser Einheit gibt uns\nim Leben die Aufhebung dieses Lebens, das\nLeiden ist.\nKunstwerke, aus Not geboren, sind Notwen-\ndigkeiten der Menschheit.\nSo wahr wir alle geboren sind, sind wir in\nNot geboren.\nSo wahr wir alle die Not wenden wollen,\nmüssen wir uns wandeln.\nGesichte wandeln Menschen.\nKunstwerke wenden die Not,\n\nGedichte\nKurt Schwitters\n\nPorträt Rudolf Blümner\nDer Stimme schwendet Kopf verquer die\nBeine,\nGreizt Arme quälte schlingern Knall um\nKnalL\nUnsstrahlend ezen Kriesche quäke dreiz,\nUnd Knall um KnalL\nVerquer den Knall zerasen Fetzen Stramm-\nscher quill\nUnd Knall um KnalL\nUnd Knall um KnalL\nKreuzt Arme beinen quill den Stuhl.\nDer Stuhl ist eine Schraube, klammerwin\nden Stramm,\nUnd Knall um Knall der Stimme köpft.\nDie Beine schrauben Arme würgend liss.\n\nPorträt Herwarth Walden\nGleiten Stillschaft Bahnen bahnen.\nDie Zigarette Lippen Gold.\nDer Stiel der Zigarette drahtet Stiel.\nEin Thee die Hand, und Noten bären Bahnen,\nBahnen.\nUnd kreisen Bahnen, Hand die Hände weich\nden Rädern.\nKreis Stillschaft Bahnen kreisen Hand.\nSonore Bahnen bahnen.\nWeich Zigarette weichen Haare Ziel.\nDen Ziel, den ZieL\nUnd Bahnen, Bahnen, Bahnen.\nDie Seide seidet Watte Hand die Hand.\n\nPorträt Christof Spengemann\nBohnenzucker, Bohnenzucker,\nSchürfe Augen, deine Seele.\nWeiter vor!\nDer Urmagnet schürft Seele blau und grün.\nKämpft schürfe Seele Augen Strick.\nDer Weg fliegt weiter vor.\nDer Weg fliegt weiter vor die Zuckerbohne,\nUnd vor und vor unendlich knallen Augen.\nDie Seele?\nMädchen schlingen dicke Lippen Samt ent-\ngegen.\nDoch weiter, weiter, weiter vor und vor!\n\nPorträt Nell Walden\nWehfalter fliegen Silberketten,\nBlühmund blüht blonde Augen blau.\nLächeln Geschmeide Fingerspitzen.\nUnd Silberfäden spinnen Pfeile.\nDie Lippen senden Pfeile frage Augen.\nUnd Pfeile netzen weiche runde Kanten.\nSchwein rundet fallen Schleier, und das\nAuge fernt die wunde trage.\n\nAhnen\nWeihrauchklänge verklingen\nversinnen\nverzagen , . .\nFahl\nBleich\nVersinken Welten\nDumpfdröhnend wellen\ndrohende Klänge . , .\nHoch steilen streben\nMenschen\nBerge , , ,\nV erklungen\nVersunken\nbrütet das All . - ,\nWilly Knobloch\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Einsamkeit / Tragödie\nLothar Schreyer: Die neue Kunst\nKurt Schwitters: Gedichte\nWilly Knobloch: Ahnen\nMaria Uhden: Kuh und Frau {mit Kind /\nHolzschnitt / Vom Stock gedruckt\nHans Mattis Teutsch: Zwei Holzschnitte /\nVom Stock gedruckt\nRudolf Bauer: Vierfarbiger Steindruck\nNovember 1919"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.14", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am zehnten Monats\nJedes Heft enthalt mindestens eine mehrfarbige Kunst-\nbeilage / Holzschnitte (stets vorn Stock gedruckt) und\nZeichnungen\nDauerbezug I Ein Jahr 15 Mark / Ein Halbjahr\n8 Mark / Einzelheft 2 Mark\n\nMonatsschrift Der Sturm /\nL Jahrgang\n2. Jahrgang\n3. Jahrgang\n4. Jahrgang\n5. Jahrgang\n6. Jahrgang\n7. Jahrgang\n8. Jahrgang\n9. Jahrgang\nEinzelhefte,\n1910/11\n1911/12\n1912\n1913\n1914\n1915\n1916\n1917\n1918\n113\n114\n15\n16\n17\n/18\n119\nJahrgange 1\nGewohnliche\nAusgabe:\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n20 Mark\n30 Mark\n30 Mark\nsoweit vorhanden, erster\nSonder-\nausgabe:\nvergriffeu\n40 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n30 Mark\n40 Mark\n40 Mark\nbis neunter\nJahrgang je 1 Mark funfzig Pfennig\n\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 5 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Qedichte\nQeheftet 4 Mark / Gebunden 5 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nOberteufel / Tragodie\nI h r s t i 11 e s G 1 u c k / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes.Buch 3 Mark / Gebunden 5 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n4 Mark\n' »\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\n5 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen E m p -\nfindung und seine Losung\n5 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n5 Mark / Zweite Auflage\n\nWllhelm Rung©\nDas D e n k e n t r a u m t / Gedichte\n3 Mark / Gebunden 5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n2 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n3 Mark\nN a c h t\n2 Mark\nAugust Stramm\nD u I Liebesgedichte\n4 Mark / Dritte Auflage\nSturm-Abende /'Ausgewahlte Gedichte\n4 Mark / Gebunden 12 Mark\nMax Verworn\nKelfische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen nach Gemalden der Sturm-Kunstiei'\n5 Mark\nGesammelte Schriften: Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n3 Mark\nKerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\n4 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Ha Me der Weltenliebe / Roman\n4 Mark / Gebunden 6 Mark 50 Pfennig\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nWeib / Komitragodie\n4 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\n5 ii n d e / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nG 1 a u b e / Komitragodie\nJedes Buch 2 Mark\nKind I Tragodie\nT r i e b / Eine biirgerliche Komitragodie\nMen sell en / Tragodie\nJedes Buch 3 Mark\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSan eta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie Hangematte des RiugS\nPeter Baum\nK y 1 a n d\nLothar Schreyer\nJ u n g f r a u\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennig"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.15", "texte": "Leitung der Stureischu'e für Holland:\nJacoba van fleemskerek / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMusffe\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nDann J Vergeltung / Verdaramnis\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 2 Mark\nBnider Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nEiitbietiing / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 2 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nDie jiidentochter I Werk 171\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 1 Mark 50 Pfennig\nScfowertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 4 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 1 Mark\nTaiiz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\ntfianddrucke\nOskar Kokoschka: Flak at fur die Zeitschrift Der\nSturm I Originallithographie\nAbzug 30 Mark •\n\nSturm-Karten\nJede Karte 30 Pfennig\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken fol-\ngender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudo'.f Bauer 4\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwftters 1\nHjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nFernand Leger 2\nGino Severini 2\nArnold Topp J\nMaria Uhden 1\nNell Waldeti 1\nWilliam Wauer 5\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Aosstelluogskataloge\nM i t A b b i 1 d u n g e n\nAlexander Archipenko\nRudolf Bauer\nMarc Chagall\nJe 60 Pfennig\nPranz Marc\n1 Mark\nKrster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n2 Mark\nKandinsky\nGino Severini\nSkupina\nMolzahn\n\nKurcstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japan- und Biittenpapier\njeder Kunstdruck 5 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-WeiS-Komposition 14\nUaiberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden [ Die\nZuriickbleibenden\nMarc Chagaik Interieur / Der JuJe / Der Qeigeii-\nspieler / Die Schwangere / Essender Bauer / Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landsciiaft\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos I 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus / Richard\nDehmel / 5 Paul Scheerbart j 6 Yvette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand L£g©r: Akt\nFranz Marc: Katzen\n\nSiurm-Ktinstler / LIchtbiic\nJede Karte 30 Pfennig\nI. August Stramm\nII. Herwarth Walden\nIII. van Heemskerck\nIV. Kandinsky\nV. Rudolf Bliimner\nVI. Campendonk\nVII. Peter Baurn\nVIII. Albert G!eizes\nIX. Oskar Kokoscbka\nX. Alexander Archipenk<\nkarten\nXI. Paul Klee\nXII. Gabriele Munter\nXIII. Rudolf Bauer\nXIV. Nell Walden\nXV. Mynona\nXVI. Molzahn\nXVII. Kurt Heynicke\nXVIII. William Wauer\nXIX. Lothar Schreyer\nXX. Georg Muche\n\nSiurmschule\nLeitung: Her war th Wafden\nViertes Jahr\nBerlin / Potsdamer StraOe 134 a\nUnterricht und Ausbildung in der expressionistischen\nKunst\nBiihne / Schauspielerei / Vortragskunst / Malerei /\nBichtung I Muslk\nLehrer der Siurmschule\nRudolf Bauer\nRudolf Bliimner\nCampendonk\nJacoba van ffeeraskerck\nPaul Klee\nGeorg Muche\nLothar Schreyer\nfierwarth Walden\nWilliam Wauer\nSprechstunden der Leitung: Dienstag, Mittwoch, Frei-\ntag, Sonnabend 4—5 / Das Sekretariat ist taglich\nvon 10-—6 geoffnet"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19191110-01.1.16", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriitleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck Carl Hause / Berlin SO 24\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin /• Poisdamer Sirasse 134 a\n/\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonnfags 11—2 Uhr\nTageskarte 1 Mark 50 Pfennig\nMonatiicher Wechsel\nAchizigste J'Aussteliung\nNovember 1919\nSiurm-Gesamtschau\nHugo Handel\nEinundachtzigsie Aussieiiung\nDezember 1912\nArnold Topp\nEroffnung Montag den 30. November\nSturmgesamtschau Stuttgart\nNovember 1919 / Kunstgebaude\nSturmgesamtschau Heilbronn\nDezember 1919 / Kunstverein\n\nDER STURM\nverfiigt iiber die Werke folgender Kiinstler aus-\nschlieBlich (Gemalde / Graphik / Holzschnitte /\nHanddrucke) zum VerkauS and filr AussteSlungen in\nder ganzen Welt:\nRudolf Bauer / Campendonk / Marc Chagall / Jacoba\nvan Heemskerck / Kandinsky / Georg Muche I Maria\nUhden / Nell WaSden Willi am Wauer\nI i\nDER STURM\nverfiigt iiber Werke folgender Kiinstler zum Verkauf\nund fiir Ausstellungen:\nGosta Adrian-Nilsson / Alexander Archlpenko\nfritz Baumann / Vincenc Benes / Umberto Boccion! /\nCarlo D» Carra / Max Ernst j Fmll FIHa / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Otto Gutfreund / Hugo\nfiandel / Sigrid Hjerten-Griinewald / Isaac Griine-\nwald I Johannes Itten / Alexel von Jawlensky / Paul\nKlee I Oskar Kokosclika / Otakar Kub'n / Fernand\nL6ger / Franz Marc / Gabrlele Miinter I Jean Metzin-\nger j Johannes Alolzahn / Francis Pieabia / Kurt\nSchwitters / Gino Severini / Fritz Stuckenberg /\nArno!d Topp Maria Uhden Marianne von Werefkin\n\nSturm-Abende\nIn der Kiaistaussteliung Der Sturm / Berlin\njcden Mittwoch %& Uhr\nVortragender Rudolf B!iimner\nKarten zu 6, 5, 4, 3, 1,50 Mark im Vorverkauf und an\nder Abendkasse\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und numerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstd r ucke keluflich\nzu erwerben. Die Originate sind verk&uflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\ntostegtos\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamer StraBo 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nhat gute und seltenc Biicher und Noten vorratig una\nnimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen\nF a r b i g e Kunstdrucke\nPaul Klee\nSpiel der Krafte einer Landschaft\n7 Mark 50 Pfennige\nMarc Chagall\nKleinstadt\n50 Pfennig\nKandinsky: Aquarell 6\n7 Mark 50 Pfennige\nKunstdrucke auf Japanpapier\nJedes Blatt 5 Mark\nCanpendonk: Zeichnung\nKandinsky: Zwei Zeichnungert\nt\nMolzahn: Zeichnung\nSeverini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht I Tanz\nAugust Stramm: Tropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nAugust Stramm: Gesammelte Dichtungen I\nI. Band erschienen\n10 Mark\nHerwarth Walden: Die neue Malerei / Einfiihrung\nin den Expressionismus / Mit • 16 Abbildungen\n4 iVlark / Zweite Auflage\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n25 Mark I gebunden 35 Mark\nDie Stiirni-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 75 Pfennig\nJahrbuch 6 Mark\nA c h t e Folge erschienen\nSturm-Biiderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 5 Mark\n%\nI: Marc Chagall\nII: Alexander Archipenko\nIII: Paul Klee\n\nAuslieferung und Verkauf der Werke des Verlag Der\nSturm sm Aosland\nKopenhagen: Buchhandlung liassing / Polltikens Hus /\nRaadhuspladsen\nZiirich: Kunstsaion Rembrandt / Kirchgasse 4 /"}]}