{"numero_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_sha256": "76444c2fc4cabef4393cb79cb69b755600ff5ccbc30371c9dd54c987dcd4645c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1920/09/05_01/bmtnabg_1920-09-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1920/09/05_01/bmtnabg_1920-09-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.1", "titre_corps": "Enrico Prampolini: Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Enrico Prampolini: Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.1", "debut_caractere": 88, "fin_caractere_exclue": 122, "texte": "Enrico Prampolini: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "85", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.2", "titre_corps": "Briefwechsel mit Signe dem Kind : Herwarth Walden", "titre_sommaire": "Briefwechsel mit Signe dem Kind : Herwarth Walden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4034, "texte": "Briefwechsel mit Signe dem\nKind\nHerwarth Walden\nIch habe ein Paar neue Schnallenschuhe\nbekommen, aus Lack. Ich muss Ihnen das\ngleich schreiben. Ich habe Ihnen ver-\nsprochen, alles mitzuteilen, was mich froh\nund traurig macht. Eigentlich schreibe ich\nhöchst ungern Briete. Meine Mutter sagt\nimmer, man muss sich gut ausdrücken,\nwenn man Briefe schreibt. Ich hatte schon\nso einen Brief angefangen. Aber ich fand\nkeine richtige Ueberschrift. Wie soll ich\nSie eigentlich nennen. Wenn wir wenigstens\nverwandt wären. Aber trotzdem könnte\nich Sie weder Vater noch Onkel nennen.\nFreund kann ich auch nicht schreiben.\nFreunde sind die Brüder meiner Freundinnen.\nDie sprechen nur von Liebe und solchem\ndummen Zeug. Sehr geehrter Herr kann\nich auch nicht schreiben, denn das würde\nich nie zu Ihnen sagen. Eigentlich hätte\nich Ihnen nichts versprechen sollen. Ich\nhöre gern, wenn Sie mit mir sprechen.\nDas macht mich froh und traurig. Sonst\ngeschieht selten etwas. Ich werde nicht\noft schreiben brauchen. Nur die neuen\nSchnallenschuhe, die haben mich wirklich\nfroh gemacht. Zerreissen Sie bitte den Briet.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nDu siehst, die Ueberschrift habe ich schnell\ngefunden, trotzdem ich nicht Dein Vater\nbin und es nicht einmal sein möchte. Vor\ndem Vater hat man Ehrfurcht und auch\nFurcht. Beides sollst Du nicht vor mir\nhaben. Ich werde mich über jeden Brief\nvon Dir stets herzlich freuen, auch wenn\nihm die Ueberschrift fehlt. Es ist nicht\nnötig, mein liebes Kind, dass man sich über\nalles klar wird, dann ist man nur selten\nnoch froh oder traurig. Ausserdem ist\nKlarheit höchst langweilig. Die Menschen\nsagen, sie sehen klar, wenn sie nichts mehr\nzu sehen haben. Ich habe mich sehr ge-\nfreut, zu lesen, dass Dein Wunsch erfüllt\nist. Mir wolltest Du nie einen Wunsch\nsagen. Und ich schenke sehr gern. Ich\nmöchte Dir gern etwas geben, was Dich\nfroh macht. Schreib mir einmal darüber.\nHerzlichen Gruss\nDer Mann ohne Ueberschrift\nIhr Brief hat mich traurig gemacht. Sie\nsind also doch beleidigt, dass ich Sie nicht\nanrede. Dabei finde ich es furchtbar lustig,\ndass Sie mich Kind nennen. Immer haben\nSie mit mir gesprochen, als ob ich ganz\nerwachsen bin. Ich habe auch alles ganz\ngenau verstanden. Aber Sie sind ganz\nanders als die andern Erwachsenen. Die\ninteressieren sich nur für ernste Dinge und\nkönnen sich garnicht freuen. Sie sind\nüberhaupt kein richtiger Erwachsener. Mit\nIhnen könnte ich bestimmt besser spielen\nals mit allen meinen Freundinnen. Die\nhalten Spielen nämlich für Unsinn. Mutter\nfindet auch, ich bin schon etwas zu alt\ndazu. Ich spiele zu gern. Mit den Schul-\narbeiten bin ich sehr schnell fertig. Am\nliebsten spiele ich mit dem Seil. Es ist so\nschön, immer über die Erde zu hüpfen.\nIch kann das viele Stunden tun. Und der\nBruder meiner besten Freundin wagt sich\nnie heran, weil er solche Angst vor dem\nSeil hat. Er will immer mit mir spazieren\ngehen. Dabei hat er schmutzige Finger-\nnägel und raucht heimlich Zigaretten. Das\nist sehr komisch. Jungen sind zu albern.\nNicht einmal spielen können sie. Kommen\nSie doch bald einmal wieder zu uns. Ich\nglaube, meine Eltern werden sich sehr\nfreuen. Aber Sie dürfen mir nie etwas\nschenken. Ich brauche auch wirklich nicths.\nJetzt habe ich ja die Schuhe. Zerreissen\nSie den Brief.\nGruss Signe\nWie kannst Du denken, dass ich beleidigt\nbin, mein liebes Kind. Beleidigen ist ein\ndummes Spiel mit Worten für Erwachsene,\ndenen Spielen zu dumm ist. Die Erwach-\nsenen sind so feige wie der Bruder Deiner\nbesten Freundin. Sie möchten gern spazieren\ngehen, fürchten sich aber vor dem Seil.\nSie stehen lieber auf dem Boden, weil sie\nnicht mehr hüpfen können. Ihr Ernst ist\neben, nicht zu hüpfen. Ich bedaure nur,\ndass ich nicht mehr mit Dir gespielt habe,\nmein liebes Kind. Leider bin ich doch\nerwachsener, als ich es sein möchte. Alle\nMenschen halten sich einander fest, ziehen\nsich an den Armen und vertreten sich den\nWeg, damit nur ja keiner voraus läuft. Sie\nmüssen dann alle rennen, stehen nicht\nmehr fest auf dem Boden und geben sich\nHaltung durch den Ernst des Lebens und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4117, "texte": "Zigaretten. Nur die Fingernägel werden\nmit den Jahren sauberer. Schmutz ist das\nSinnbild der Arbeit. Lackschuhe sind das\nSinnbild des Müssiggangs. Ist es müssig,\nzu springen, über die Erde zu hüpfen.\nMan muss dazu Zeit haben. Schularbeiten\nsind immer schnell fertig. Ich schicke Dir\nhier ein blaues Band für Dein blondes\nHaar. Vielleicht kannst Du es nicht ge-\nbrauchen. Nur was man nicht braucht, ist\nein Geschenk. Vorläufig werde ich nicht\nzu Euch kommen können. Ich muss mich\nsammeln. Trotzdem es mich freuen würde,\nDeine Eltern wieder zu sehen.\nIhnen und Dir die herzlichsten Grüsse\nDer alte Freund Eures Hauses\nIhr Brief hat mich froh und traurig gemacht.\nIch habe geglaubt, dass Sie mich mögen.\nNun wollen Sie gar nicht kommen und nur,\num meinen Eltern Freude zu machen. Ich\nmuss Ihnen etwas gestehen. Mit den Eltern,\ndas habe ich nur so hingeschrieben. Ich\ndachte, Sie würden es schon richtig ver-\nstehen. Die Eltern haben immerzu Besuch.\nUm mich kümmert sich niemand. Mutter\nwill mir keine langen Kleider machen\nlassen. Ich gehöre noch nicht in die Ge-\nsellschaft von Erwachsenen, sagt sie immer.\nAber spielen soll ich auch nicht, dazu bin\nich zu alt. Ist das nicht ungerecht. Lesen\nmacht mir keine Freude. Die Leute in den\nBüchern drücken sich so schrecklich dumm\naus. Alles ist unwahr. Das blaue Band\nhat mir grosse Freude gemacht. Zu Weih-\nnachten hat mir Mutter ein blaues Kleid\nversprochen. Eigentlich wusste ich nicht,\nwelche Farbe ich nehmen sollte. Da kam\ndas blaue Band. Und da wusste ich es.\nIch möchte Sie gern manches fragen. Aber\nFragen ist sehr schwer. Manchmal glaube\nich, Sie werden mir antworten, ohne dass\nich fragen brauche. Bald fahren wir in\ndie Stadt. Eine ganze Woche. Die Stadt\nist viel schöner. Es brennen sehr viele\nLichter. Alle Menschen eilen und die Damen\nund Mädchen sehen sehr vornehm aus.\nDiesmal darf ich auch ins Theater gehen.\nVielleicht sehe ich sogar den Faust. Ich habe\nButterblumen sehr gern. Warum man sie\nnur Unkraut nennt. Ich lege Ihnen eine\nbei.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nKraut kann man wenigstens essen. Dafür\nwächst das Unkraut desto besser. Desto\nschöner. Unkraut hat Lebenskraft. Es\nbraucht nicht gepflegt zu werden. Unkraut\nist stolz. Es wächst zu seinem eignen Ver-\ngnügen. Auch das Vergnügen muss wachsen.\nUnkraut ist billig, weil es zu seinem eigenen\nVergnügen wächst. Deshalb treten die\nMenschen auch darauf herum. Ich behan-\ndele Deine Butterblume als Orchidee. Ich\nhabe sie in eine kleine japanische Vase\ngestellt. In eine blaue Vase. Mein Besuch\nist von der Blume sehr entzückt. Einem\nist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Butter-\nblume aufgefallen, die allerdings nach seiner\nAnsicht nicht so farbenrein ist. Ich habe\ndie Vase auf meinen Schreibtisch gestellt,\nder ziemlich überfüllt ist und den ich bei\ndieser Gelegenheit aufräumte. Deiner Blume\nmusste das Bild Goethes weichen. Goethe\nnimmt überhaupt sehr viel Platz in Anspruch.\nWo den Menschen nichts einfällt, stellen\nsie Goethe hin. Du wirst jetzt den Faust\nin der Stadt sehen. Du ziehst gewiss das\nneue blaue Kleid an und das blaue Band\nbindet Dein Haar, das wild zu seinem\neigenen Vergnügen wächst. Du wirst auch\nGretchen kennen lernen. Und Du sollst\nmir schreiben, ob die Leute sich schreck-\nlich dumm ausdrücken. Und ob alles un-\nwahr ist. Warum schämst Du Dich zu\nschreiben, dass mein Besuch Dir Freude\nmachen würde. Das Kind darf ohne Scham\nsein, muss ohne Scham sein, weil es nichts\nzu verbergen hat. Alle Menschen freuen\nsich gern. Warum willst Du Dich nicht\nfreuen dürfen. Auch Kinder sind Menschen.\nAber ich kann nicht kommen. Ich muss\narbeiten. Auf meinem Tisch blüht Deine\nBlume. In Deinem Haar leuchtet mein\nBand. Mein blaues Band.\nGrüsse Deine Eltern Dein alter Freund\nIch konnte Ihnen so lange nicht schreiben,\nweil mich die Stadt ganz müde macht. Ich\nbin auch nie allein. Mutter will, dass wir\ndie Zeit ausnutzen. Jeden Vormittag sehen\nwir uns Bilder an, jeden Nachmittag die\nUmgegend und jeden Abend gehen wir ins\nTheater oder ins Konzert. Ich hasse die\nKunst. Sie ist nur dazu da, um die Zeit\nauszunutzen. Auf den Faust hatte ich mich\nsehr gefreut, aber er ist sehr sehr lang-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4242, "texte": "weilig. Alles wirkt so unnatürlich, beson-\nders die Hexe. Musik ist viel schöner. Da\nkann man sich wenigstens denken, was man\nwill. Wenn nur die Künstler nicht so dicke\nBäuche hätten. Ich habe mir Künstler\nganz anders vorgestellt. Sie sind sehr gleich-\ngültig. Einem war die Krawatte aufgegangen\nund er bastelte immerzu daran herum. Ich\nwürde es nicht gemerkt haben, wenn ich\nso schöne Musik spielen dürfte. Aber ich\nkann gar nichts spielen. Mir ist auch Musik\nviel zu heilig dazu. In unserm Hotel ist\nein grosser Saal mit herrlich glänzendem\nParkett. Auch ein schöner sehr langer\nFlügel steht darin. Wissen Sie, was meine\ngrösste Freude ist. Sie werden mich sicher\nauslachen, aber ich habe mir versprochen,\nIhnen alles zu schreiben. In dem grossen\nSaale ist nämlich nie ein Mensch. Da\nschleiche ich mich oft Nachmittags hinein\nund tanze ganz allein für mich. Keinen\nrichtigen Tanz, denn ich kann gar nicht\ntanzen. Die Musik dazu singe ich so für\nmich hin. In dem neuen langen blauen\nKleide sehe ich wie eine Erwachsene aus.\nIch würde aber niemals vor anderen\nMenschen tanzen. Sie werden mich in dem\nblauen Kleide gar nicht wiedererkennen.\nVielleicht an dem blauen Bande. Was steht\njetzt in Ihrer japanischen Vase. Kommen\nSie doch bald einmal zu uns, wir fahren\nmorgen zurück. Ich werde Ihnen auch\netwas schönes schenken.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nWillst Du mir nicht ein Bild schicken. Dein\nBild in dem neuen blauen Kleide, damit\nich Dich wiedererkennen kann. Denn ich\nkann vorläufig nicht zu Euch kommen.\nIch bin krank. Und Kranke müssen allein\nsein. Ich denke sehr oft an Dich. Wir\nhaben immer sehr schön gespielt und ich\nglaube, mit mir würdest Du auch tanzen\nwollen, wenn ich tanzen könnte. Aber ich\nkann nicht tanzen und in der Musik bin\nich ein Stümper. Und den Faust finde ich\nebenso langweilig wie Du. Meine japanische\nVase steht jetzt leer. Ich fülle sie aber\ntäglich mit frischem Wasser. In ihr blüht\nErinnerung.\nHerzlichste Grüsse Dein alter Freund\nIch kann mir gar nicht vorstellen, dass Sie\nkrank sind. Sie können nicht krank sein.\nSie können doch nicht den ganzen Tag im\nBett liegen. Sie sitzen kaum. Aber Sie\ndürfen doch lesen. Doch Sie kennen sicher\nalles, trotzdem ich Sie nie mit einem Buch\ngesehen habe. Seit Sie fort sind, lese ich\nnichts mehr. Wie ich mich langweile.\nNiemand kann mit mir sprechen. Vater\nhat keine Lust und Mutter keine Zeit. Wie\nich mich langweile. Auf den Feldern\nschmerzen mir die Augen, in der Sonne\nund im Begen verderbe ich mir die Schuhe.\nAuch mit den Leuten komme ich nicht\nmehr aus. Die Knechte grinsen so wider-\nlich, wenn sie mich jetzt sehen, und die\nMädchen sind gemein. Auch meine Stube\nist hässlich geworden. Es hat sich nichts\ngeändert, aber die Möbel sind jetzt ganz\nleblos. Ich stelle jeden Tag alles um, aber\nnichts passt. Mutter hat sich sehr geärgert,\ndass ich alle Bilder abgenommen habe.\nIch kann sie nicht mehr sehen. Warum\nsoll meine Grossmutter über meinem Bett\nhängen. Ich habe sie nicht gekannt und\nsie sieht mir so ähnlich. Nur ganz alt ist\nsie. Ich konnte seit mehreren Monaten\nnicht mehr einschlafen, weil mich das Bild\nimmer so gülig anblickt. Ich kann alte\nMenschen nicht leiden. Sie sehen immer\ngütig aus. Sie wollen immer schützen und\nkönnen es nicht. Ich kann jetzt oft die\nganze Nacht nicht schlafen. Ich zittre vor\nKälte, und wenn ich mich ganz dicht zu-\ndecke, halte ich es vor Hitze nicht aus.\nSie werden diesen Brief sicher sehr dumm\nfinden. Ich begreife auch nicht, warum ich\nIhnen dies alles schreibe. Schicken Sie mir\ndoch bitte Ihr Bild, aber ein ganz kleines,\ndamit ich es gut verstecken kann. Mutter\nkramt nämlich überall nach. Einmal hatte\nich Ihr Bild aus dem Salon auf meinen\nTisch gestellt. Mutter nahm es mir gleich\nwieder fort. Sie sagte, es sei höchst un-\npassend, Sie wären ja nicht einmal mit\nuns verwandt. Deshalb müssen Sie mir ein\nganz kleines Bild schicken. Meins lege ich\nbei, aber nur, weil Sie es haben wollen.\nIch sehe ganz anders aus. Nie im Leben\nhabe ich so gesessen. Mutter und der\nPhotograph fanden es aber schön. Finden\nSie, dass mir lange Kleider stehen. Ich bin\nnoch viel zu jung dazu. Wenn ich einmal\nganz frei bin, schaffe ich mir wieder kurze\nKleider an. Auch die Frisur ist albern.\nAber je älter man wird, desto weniger darf"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2851, "texte": "man tun, was man will. Ich schreibe Ihnen\nheute einen so langen Brief, damit Sie etwas\nAbwechselung haben, aber vielleicht lesen\nSie ihn nicht einmal zu Ende. Sie kennen\ndoch unsern Hausarzt, er ist sehr klug. Er\nwürde Ihnen sicher helfen. Werden Sie\nrecht schnell gesund, wenigstens so, dass\nSie zu uns reisen können. Und seien Sie\nmir nicht böse.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nDein Brief hat mich sehr traurig gemacht,\nweil ich Dir gar nicht helfen kann. Die\nGüte des Alters bedeutet nichts für die\nJugend. Deshalb möchte ich Dir auch\nnicht mein Bild schicken. Du wirst mich\nso in viel besserer Erinnerung behalten.\nÜber Dein Bild habe ich mich sehr gefreut.\nDu hast Dich gar nicht verändert, trotz\nFrisur und langem Kleide. Du wirst im\nnächsten Winter sehr gefeiert werden und,\nliebes Kind, ich möchte nicht gern, dass\nes mir wie der Grossmutter geht. Ich\nwerde jetzt bald auf mehrere Jahre nach\ndem Süden reisen müssen. Dein Bild nehme\nich mit. Und wenn Du dann mich später\nwiedersehen wirst, so sollst Du mich an\nDeinem Bild erkennen. Ich habe viel zu\nlange bei Euch gelebt.\nHerzlichste Grüsse Dein alter Freund\nSie sind nicht krank und nicht krank ge-\nwesen. Sie wollen mir nur noch schonend\nbeibringen, dass Sie mich nicht mehr mögen.\nDeshalb schicken Sie mir Ihr Bild nicht.\nIch bin Ihnen zu wenig. Sie halten mich\nfür ein Kind. Aber ich bin es nicht mehr\nseit Ihrem letzten Brief. Warum verraten\nSie mich. Weil Sie wissen, dass ich Sie\nliebe, während ich Sie liebte, ohne es zu\nwissen. Jetzt verstehe ich alles. Sie, die\nEltern, mich. Was habe ich Ihnen getan,\ndass Sie mich nicht lieben können. Warum\nstossen Sie mich fort. Wo Sie mich sich\nin Ihnen bergen liessen. Warum nahmen\nSie mich auf, so lange ich nicht wusste,\nwas mich zu Ihnen trieb. Warum täuschten\nSie mir eine Güte vor, die gegen mich ge-\nrichtet war. Warum spielten Sie ein falsches\nSpiel mit mir. Nun muss ich mich für\njedes Wort schämen, das ich Ihnen ge-\nschrieben habe. Schicken Sie mir alles\nzurück, das Bild und die Briefe, wenn Sie\nsie noch haben Signe\nMein liebes Kind\nIch habe mich in Deine Jugend verborgen.\nNun hörst Du auf zu spielen, siehst und\nfindest mich. Du solltest mich nicht finden.\nIch wollte Dein Herz aus meiner Schlinge\nziehen. Ich wollte Dich nicht umschlingen\nund ich zog fort. Meine Schlinge flicht\nsich aus Keimen der Herbstzeitlose. Spät\nbricht ein Keim zu früh auf im Vorfrühling\nDeines Herzpochens. Du hütest Dich selbst\nvor der Güte des Alters. Hier hast Du das\nBild. Hier hast Du die Briefe. Hüte das\nkeimende Leben. Nur Du kannst es schützen.\nEs zerweht unter fremden Händen. Alle\nHände sind fremd. Nie wird Dir jemand\nnahe sein, wenn nicht Du. Von Leben zu\nLeben wächst das Sterben. Von Leben zu\nLieben blättert das Welken. Der sanfteste\nWind birgt alle Tode. Spiele. Nur das\nKind, das spielende, lebt.\nMein Auge küsst Deine schlafenden Lider"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.3", "titre_corps": "Zeitungsmärchen : Sonnenfinsternis, Beulenpest, Zigeunei schlacht und Schulgefängnis", "titre_sommaire": "Zeitungsmärchen : Sonnenfinsternis, Beulenpest, Zigeunei schlacht und Schulgefängnis", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.5", "debut_caractere": 2853, "fin_caractere_exclue": 4001, "texte": "Zeitungsmärchen\nSonnenfinsternis, Beulenpest, Zigeunei\nschlacht und Schulgefängnis\n\nZu der nächsten Sonnenfinsternis werden\nschon jetzt Vorbereitungen getroffen. Man\nerwartet wichtige Belege für die Einstein-\nTheorie von dieser Naturerscheinung. Die\nInsassen der Gefängnisschulen erhalten\nausser wissenschaftlichem Pudding heisse\nPrivilegien. Das Pasteur-Institut erklärt, dass\nbei Wahrung der nötigen Vorsichtsmass-\nregeln die Seuche auf ihren Herd beschränkt\nbliebe. Wahrscheinlich wird vom Green-\nwich-Observatorium eine Expedition aus-\ngesandt werden. Doch die angewandte\nSerum-Spritzung vermindert die Gefahr\nerheblich. In dem Dorfe Sellnow hat man\ndie Schule zum Gefängnis umgewandelt,\ndas eine grosse Menge jugendlicher Natur-\nerscheinungen enthält. Ein Fall — ausser-\nhalb der Stadt Gedankenstrich verlief töd-\nlich. In dem Bestreben, den Verbrecher\ndurch Aufenthalt in der Sonnenfinsternis\nnicht in erster Linie zu strafen, selbst wenn\ndiese Jugendlichen zum Tode verurteilt\nwerden, erwartet man von dieser Natur-\nerscheinung wichtige Übeltäter. Der Zigeuner\nErich Asten wurde für gutes Betragen und\nFleiss erschossen. Der Mörder, Zigeuner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1236, "texte": "Adler, kann es dahin bringen, dass er sich\nam Reck und Barren erholen kann. Unter\nAufsicht eines Beamten sind schon vier\nFälle von Beulenpest vorgekommen. Wie\nuns von Beulenpest gedrahtet wird. Doch\nist die Beobachtungsstation noch nicht be-\nstimmt. Und die Zigeunerin Zina und der\nZigeuner Franz erhalten Unterricht in\nEinstein-Theorie. Statt der allgemein üb-\nlichen Hängematte. Zwischen richtigen\nBetten kam es zu einer Schlacht. Zigeunerin\nZina wurde schwer verletzt. Zucht und\nAufsicht sind natürlich sehr streng. Am\nAbend werden schwere Mörder Vorberei-\ntungen treffen. Zu der nächsten Sonnen-\nfinsternis liefern wichtige Belege schon\njetzt neue Formen dieser Natur-\nerscheinung. Turnlehrer Astronomen wur-\nden am 19. September 1922 in Einzelhaft\ngehalten. In Paris bei Kolberg hat die\nSonnenfinsternis ein umfangreiches System\nvon Belohnungen und Preisen angewendet.\nEigenen Ehrgeiz dadurch zu wecken. Eng-\nlische Insassen dürfen ihr tadelloses Ver-\nhalten auf Grund ihrer Photographien\nbessern. Die kunstgewerblichen Handels-\nzweige sind flüchtig und lernen Landwirt-\nschaft, der englische Strafanstalten ange-\ngliedert sind. Spiele haben - ihre eigenen\nArbeitsstätten. 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Der Sturm hatte\nden Preis Kurt Schwitters zuerkannt. Nun\nhaben Rudolf Bauer und William Wauer den\nSturm auf Auszahlung des Preises verklagt.\nMeine Traumphantasien beginnen mich zu\nängstigen. Ich träumte, der Reichskunstwart\nDr. Redslob sei mit Paul Westheim eine\nGewissensehe eingegangen. Ich erwachte\nund sprang entsetzt aus dem Bett. Vor mir\nstand mein Diener und überreichte mir die\nVossische Zeitung. In ihr fand ich meinen\nTraum dementiert: Redslob habe nicht\nWestheim, sondern Schmidt-Rottluff gehei-\nratet. Da merkte ich, dass es nun Tag\nwerde und wachte ganz auf. . . .\nGestern brachte mir Kurt Schwitters sein\nneuestes Merzbild. Der Eintretende bot dem\nBeschauer einen grausigen Anblick. Als\nFarbe hatte er nur wenige Blutspritzer an-\ngebracht. Die verwendeteten Materialien\nhatte er Paul Westheim, Franz Servaes und\nMax Osborn ausgerissen. Als ich erwachte,\nhatte mein treusorgender Diener bereits\nnach dem Arzt geschickt....\nUm mich zu kasteien und in der Selbst-\nbeherrschung zu üben, lese ich vor dem\nSchlafengehen stets eine Seite im Kunst blatt\nHeute Nacht träumte ich, Paul Westheim\nhabe mich wegen Körperverletzung verklagt.\nGestern hatte ich einen gar anmutigen\nTraum. Ich schaukelte in einem leichten\nKahn auf einem oberitalienischen See. Ein\ngleicher Kahn ruderte mir entgegen. Im\nKahn sass ein Mann und lass in einem\nBuche. Ich erkannte den Mann nach einer\nZeichnung von Kokoschka. Es war Alfred\nKerr. Und auf der Rückseite des Buches\nstand: „Dramen von Herwarth Waiden.\"\nAm nächsten Morgen las ich im Berliner\nTageblatt, das Buch sei Wedekinds Nachlass\ngewesen. Ein sonderbares qui pro quatsch!\nHeute habe ich einen berühmten Nerven-\narzt aufgesucht. Ich hatte in der Nacht\ngeträumt, Paul Westheim bereite für das\nJahr 1925 eine Rudolf Bauer-Nummer\nseines Kunstblattes vor. Der Arzt hat mich\naber beruhigt. So etwas sei keineswegs\ngänzlich ausgeschlossen.\nIch träumte, ich sei gestorben und Fritz\nEngel habe mir im Berliner Tageblatt einen\nwarmen Nachruf gewidmet. Beim Früh-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 899, "texte": "stück erzählten meine Kinder, ich hätte im\nSchlaf so grässlich gelacht, dass sie es noch\nim dritten Stockwerk der Villa hörten und\nsich vor Schauder tief unter die seidenen\nBettdecken verkrochen.\nIch träumte, ich wäre in den Klauen der\nspanischen Inquisition. Als ich am Morgen\nmein Bureau betrat, fand ich ein Schreiben\nder für Expressionismus massgebenden Bier-\nund Lustbarkeitssteuerstelle. Da sehnte ich\nmich nach den Wonnen des Traums zurück.\nDer liebliche Traumgott hatte mich zu einem\nberühmten Sammler echter Rembrandts ge-\nmacht. Über meinem Bett hing das Original\nder Anatomie. Ein Eingeborener der Süd-\nseeinseln betrat mein Schlafgemach und ich\nführte ihn vor das herrliche Gemälde. Der\nSüdsee-lnsulaner sah sich das Bild lange\nan. Dann brach er in ein gurgelndes Ge-\nlächter aus und richtete an mich die Frage?\n„Tiotu kbasu ai aitjujo?\" Auf deutsch: „Was\nstellt es vor?\"\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.4.1", "titre_corps": "Kurt Schwitters: Merzzeichnung", "titre_sommaire": "Kurt Schwitters: Merzzeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Kurt Schwitters: Merzzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "92", "image_debut": 8, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.5", "titre_corps": "Zuginsfeld : Otto Nebel", "titre_sommaire": "Zuginsfeld : Otto Nebel", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.8", "debut_caractere": 901, "fin_caractere_exclue": 2723, "texte": "Zuginsfeld\nOtto Nebel\n\nFortsetzung\nSchaf ist fünfrümpfig\n4 Fusskompagnierümpfe\nEine Gewehrmaschinerie\nM. G. K.\nKompagnion\nAlle Rümpfe sind geköpft\nKopflos\nDas Kopflos heisst Kompagnieführer\nSieh Lehrer\nGibt es Lehrer, die keine Kompagnie führt?\nSieh Zugführer\n(kommt noch)\nAuch alle Nichtlehrer lehren befehlsgemäss\nMässig\nSo möchten sie in einer harten Stunde noch\nnachzuholen haben\n(Infantrist von Schiller)\nVorgesetzte lernen nichts\nSie wissen alles besser\nDenn sie lehnen Verantwortung ab\nDenn sie lohnt sich nicht\n••\nArger ist sie\nList ist keine Lust\nFreudigkeit ist keine Freude\nVerantwortungsfreudigkeit ist List um\nVerantwortungslosigkeiten\nDer nächte Herr\nSieh Männer\nMan darf nur gefragt antworten\nIm fraglichen Unterricht erfragen Lehrer,\nwas sie nicht wissen\nDaher die Freude über gute Antworten\nFreude, schöner Halbgottfunken\nSieh Halbgott\nSieh Funker\n(kommen noch)\nKeine Verwechslung\nAktiva-Passiva\nIm Kriege verführen passive Leutnants\nKompagnieen\nObwohl Friedenszüge aktive Leutnants\nführen\nDenn schon im Frieden führen Unteroffiziere\nOffiziere schreien nur dazwischen\nIm Kriege führen aktive Leutnants grosse\nWorte\nMeistens hinten\nAlso erfolgreich\nWie im Frieden\nSieh Verführer\nObschon passive Leutnants\nMeistens erfolglos\nAlso an der Front\nAber aktive Hauptleute führen im Frieden\nKompagnien\nOft erfolglos\nSieh Majorsecken\nObwohl Unteroffiziere alles machen\nIm Frieden ist alles gefährlicher als im\nKriege\nObzwar im Kriege scharf in Köpfe\ngeschossen wird\nObschon Köpfe meistens schon tot sind\nLebende tragen Totenköpfe\nDarum sind Friedenskompagnieen schwerer\nzu führen als kriegsstarke Kriechkompanien\nObgleich auch friedlich gekrochen wird\n(Zielansprechen)\nAar\nSehl! Mund zu!\nMan fliegt sonst\nAasgeier\nHauptleute behaupten das\nObgleich Aktive selten Kriegskompagnien\nführen\nEs fällt sich ihnen zu leicht"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2885, "texte": "Schwerlich fallen sie gern\nSie führen sofort Bataillone\nAlso 5 Kompagnieen\nWeil sie eine nicht führen können\nWeil Kompagnieführer leicht fallen\nDas fällt sogar Bataillonsführern schwer\nFrüher fielen im Kriege aktive Hauptleute\nWie im Frieden\nSpäter fielen Stellvertreter\nAlso passive Hauptkerlchen\nAlso im Kriege\nSpäter fiel es keinem mehr ein\nSie tappten sich zurück\nSichtlich verfielen sie in Etappen\nFrüher fiel es ihnen nur nicht ein\nFriedenskompagnieen sind schwächer als\nkriegsstarke Kompagnieen\nWegen der Übersicht\nDenn Kriegshäuptlinge verlieren nie die\nÜbersicht\nWeil kriegsstarke Kompagnieen von\nKonserveoffizieren geschwächt werden\nDenn die verlieren die Übersicht\nSieh Kopf-Los\nDenn nur das Überhaupt strahlt Überlicht\nKonserveoffiziere führen friedliche Geschäfte\nKäsehandlungen und andere anrüchige\nHändel\nObwohl sie auch im Kriege Züge und\nGeschäfte zu raschen Enden führen\nKriegsstarke Züge sind stärker als Züge\nim Frieden\n(Gesichter können Feldzüge haben)\nSieh rollenden Materialismus\nAber Fleischzüge werden krieglich schnell\nklein gemacht\nDann sind kriegsstarke Züge schwächer\nals Friedenszüge?\nGeschwächter!\nWeil aktive Hauptleute Kriegsbataillone\nführen\nObzwar auch passive Häupter starke\nBegabungen verraten\nWenn sie schlechte Adjutanten haben\nUngeschickte Haupteute werden mit\nFeldkompagnieen bestraft\nDas ist eine Strafe für die betroffene\nKompagnie\nAber eine kurze\nFür den betreffenden Hauptmann\nDenn Hauptleute erfinden neue Krankheiten\n(Feldzüge können Gesichte sein)\nALP, mein Gesicht\nWahrtraum, mein Gedicht\nAlso ersuchen ungeschickte Hauptleute\ngeschickt um etwas\nAlso Bahnhofskommandantur\nLauter Bekannte\n(SIEH Schiebemajor)\nTrotzdem werden Züge von Lokomotiv-\nführern geführt\nHauptleute winken nur ab\nWenn Züge frontwärts fahren\nHauptleute, meidet Hauptbahnhöfe!\nSie warten\nIn Warthelagern\nIn Sonnelagern\nIn Ritzen\nIm Wünschdorf\nIn Gefangenenlagern\nIn geschützter Lage\nEs regnet zu stark\nEs siebt von OBEN\nSieben Ärzte?\nKommission Heldensieb\nLauter Bekannte\nDie bösen Sieben sieben Herren aus\ngeschützter Lage\nWenn sie dazu noch in der Lage sind\n(Lauter Bekannte)\nAber auch Geschützlagen sieben\nSiebe keinen Nächsten\nFolglich schützen sich gesiebte Herren\ngegen Front und Heimat\nZwischen Front und Heimat?\nSieh Rekrutendepots\nApropos\nPropositio major:\nDa sieben geschützte Majore schutzlose\nRekruten aus geschützten Depots vor\nGeschütze\nUm sich zu schützen\nGesetzlich geschützt!\nEntsetzlich aber unersetzlich\nRekrutendespoten werden durch Schütz-\nlinge unterstützt\nSchützlinge können passiv sein\nAber meistens sind sie nicht leidend\nGelitten müssen sie sein\nOder verwandt\nSie müssen leidlich spielen können\nHelden-, Klavier-, und Kartenspieler\nWer gewinnt, ist verloren\nMarsch an die Front!\nDann ist der aktive Kompagnieführer fertig\nDann bestraft er seine leidende Kompagnie\nDann hat er sich gut geführt\nDann hat ein Despot sein Depot wieder-\ngenommen"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2044, "texte": "(Scheinangriff)\nJa\nWer dem Tod in's Angesicht hauen kann\nDer kluge Mann baut ab\nAndere erbauen sich\nManchen reizt die Front\nOffiziere sind Kriegsgewinnler\nDabei geht jeder Krieg verloren\nOhne Sold keine Soldaten\nKompagnieführerzulage\nGeschickte Unternehmungen\nEinbrüche\nSilberne Löffel\nBeutegelder\nKennst du das Land?\nWo die Zitronen blühen?\nWo ihr Weizen blüht\nölige Gemälde\nKristall\nMöbel\nUhren\nSie sammeln emsig\nSie bleiben bei der Stange\nPä, lasset hoch das Banner wehn\nSie halten Kompagnieefzstäbchen\nEs geht chinesisch her\nIn Laus und Brausewein\nHaltet aus\nGute Sache\nKein Mangel wird gelitten\nBitte zuzugreifen\nAlles wie in der Heimat\nImmer Feste\nEs fehlt an nichts\nPlötzlich fehlt es\nWo ist die Milchkuh?\nWo ist das Mehl?\nWo ist der Ruhm?\nRum??\nKompagnieführerzulage\nPanierte Niere\nZulangen!\nLang, lang sie her\nFürsorge, vornehmste Pflicht\nNa also\nDer wahre Staat bin ICH\nWer führt, muss fürchterlich essen\nEs steht uns zu\nWir stehlen nicht\nZähes Leder\nLeder stehlen wir nicht\nNicht, Herr Oberleder?\nAber Fräulein Braut trägt immer neue\nSchuhe\nWas?\nWir ziehen vom Leder\nLediglich Abfälle\nNein Felle\nH an d werkerstube\nSandsäcke nehmen wir nicht\n(Scheuerlappen)\nFrau Mittelschullehrer, woher sind Ihre\nSchürzen ?\nSie wissen, mein seeliger Mann\nSeelig?\nDie Kanaille\nDenn\nHerr Leutnant, meine Schuhe sind\ndurchgebrannt\nDummer Hund, geh barfuss. Soll ich Dir\nTreibriemen klauen?\nHerr Leutnant, mein einziger Rock ist schlecht\nMistvieh, soll ich Dir meine geben?\n(Christlicher Volkserzieher)\nHerr Leutnant, ich habe keine Deckung\nWo sind Deine Sandsäcke?\nJäger Meyer fällt\nKopfschufz\nKeine Deckung\nMeyer, Meyer? Achso, der alte Schürzenjäger\nSie merken nichts\nDenn sie beschimpfen HOHE STÄBE\nWeil die in grösserem Umfange stehlen\nMit Lastkraftwagen\n(Deutsche Treue)\nSoldaten schimpfen immer\nRecht so. Das ist schimpflich\nKrieger sind keine Menschen\nSieh Kriegervereine\nIhr sollt genug kriegen\nSie fressen sich gegenseitig\nDarum sind sie keine Menschen\nBestien\nSie fressen Untergebene\nUntergebene haben sie gefressen\nWer hat die grösste Esse?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.5.1", "titre_corps": "Fernand Léger Kontrast der Formen / Gemälde / Vierfarbendruck", "titre_sommaire": "Fernand Léger Kontrast der Formen / Gemälde / Vierfarbendruck", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 61, "texte": "Fernand Léger Kontrast der Formen / Gemälde / Vierfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.5.2", "titre_corps": "Alexander Archipenko: Femme assise / Zeichnung", "titre_sommaire": "Alexander Archipenko: Femme assise / Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 46, "texte": "Alexander Archipenko: Femme assise / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "93", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.6", "titre_corps": "Mitteilung", "titre_sommaire": "Mitteilung", "signature_source": "Der Sturm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.12", "debut_caractere": 2065, "fin_caractere_exclue": 2408, "texte": "Mitteilung\n\nZeitungsschreiber und andere Fachlaien\nhaben planmässig den Aberglauben ver-\nbreitet, Expressionismus in der Malerei sei\neine Mode, und bestehe als Folge plötzlicher\nEntschlüsse und gewisser Anleitungen in\neiner leicht fasslichen und erlernbaren\n„interessanten Aufteilung\" der Fläche. Dieser\nUnsinn ist das oft ausgesprochene male-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2822, "texte": "rische Wissensbekenntnis der nichtmalen-\nden Öffentlichkeit, und das oft verschwiegene\nmalerische Glaubensbekenntnis der malen-\nden Äusserlichkeiten. Die fahrlässige Ver-\nwechslung von Handarbeiten mit Kunst-\nwerken hat ganz besonders unter dekorativ\nbegabten Handarbeitern eine schöpferische\nPlast entfesselt, deren Erzeugnisse in letzter\nZeit täglich der Ausstellungsleitung des\nSturm übersandt werden. Ausserordentlich\nselten deckte sich bisher die erforderliche\nSelbstbeurteilung der Einsender künst-\nlerischer Arbeiten mit den künstle-\nrischen Anforderungen der Ausstellungs-\nleitung Der Sturm. Sie betont erneut, dass\neine Herabsetzung ihrer notwendig geübten\nsachlichen Strenge nicht erfolgen wird. Die\nKunstausstellung Der Sturm stellt nur solche\nWerke aus und veröffentlicht nur solche\nArbeiten in der Zeitschrift Der Sturm, die\nihr als primäre Erscheinungen für die Ent-\nwicklung der expressionistischen Malerei\nbedeutsam erscheinen und eine ebenso be-\ndeutsame Entfaltung einer Begabung für die\nZukunft erkennen lassen. Diese Strenge des\nUrteils hat zur Folge gehabt, dass die Zahl\nder von uns Zurückgewiesenen in unauf-\nhörlichem Steigen begriffen ist. Aber die\nEntdecker von Talenten mögen darüber\nberuhigt sein, dass heute sich kaum Einer\nin Deutschland expressionistisch gebärdet,\nder nicht wenigstens einmal den Versuch\ngemacht hat, im Sturm auszustellen. Dass\nviele von denen, die Nicht-Massgebende\nheute für massgebende Expressionisten\nhalten, ihre früheren Arbeiten dem Sturm\nübergeben hatten, ist bekannt. Dass einige\ndarunter ihre Vergangenheit heute ver-\nleugnen, ist interessant. Dass einige Künstler\nes vorziehen, an anderen Orten auszustellen,\nist sogar uns begreiflich. Denn sie wollen\nlieber dort die Ersten als hier die Letzten\nsein. Und alle diejenigen, die gerade von\nkrumm nicht unterscheiden können, mögen\nsich gesagt sein lassen: Die Entscheidung,\nwas Qualität und Niveau ist, haben wir\nbereits getroffen, bevor wir ausstellen. Es\nist eine überflüssige Arbeit, wenn Andere\nsich darüber den Kopf zerbrechen, ob sich\nunter unseren Malern „Mitläufer\" belinden.\nWir sorgen dafür, dass kein Mitläufer aus-\nstellt. Diejenigen aber, die fürchten, Mit-\nläufer zu werden, sorgen selbst dafür, dass\nsie es wenigstens nicht beim Sturm sind.\nKünstlern mag es gegönnt sein, neben der\nStärke ihrer Leistungen auch ihre Schwäche\nzu zeigen, indem sie oft genug sich gegen-\nseitig nicht für ganz ebenbürtig halten.\nJenen Unkünstlerischen aber wird jedes Recht\nhierzu abgesprochen. Das Lob, das sie an\neine Grösse richten, um eine andere Grösse\nzu verkleinern, beweist nur, dass sie selbst\nnicht imstande sind, zwei Grössen in ihr\nHirn aufzunehmen. Und die fachmännischen\nUnsachverständigen loben am liebsten die\nMittelmässigkeit, weil sie sich ihr vielleicht\ngrade noch ebenbürtig dünken dürfen.\n\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.7", "titre_corps": "Mitteilung an die Abonnenten des Sturm", "titre_sommaire": "Mitteilung an die Abonnenten des Sturm", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.13", "debut_caractere": 2824, "fin_caractere_exclue": 3258, "texte": "Mitteilung an die Abonnenten\ndes Sturm\nVom 1. Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. Das erste\nHeft des zwölften Jahrganges wird also\nschon im Januar 1921 erscheinen. Damit\nden Abonnenten des elften Jahrgangs Der\nSturm unverkürzt zugeht, wird die Zeit-\nschrift in den Monaten Oktober, November\nundDezember 1920 als Doppelheft erscheinen\nVerlag und Schriftleitung Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.8", "titre_corps": "Aus dem Inhalt der nächsten Hefte", "titre_sommaire": "Aus dem Inhalt der nächsten Hefte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.13", "debut_caractere": 3260, "fin_caractere_exclue": 3583, "texte": "Aus dem Inhalt der nächsten Hefte\nHerwarth Walden: Kritik der vorexpressionistischen\nDichtung\nRudolf Blümners Briefe an Paul Westheim / Zur\nGeschichte des Sturm und zur Analyse des\nJournalismus\nWilliam Wauer: Kapital und Geldwirtschaft\nOtto Pertz: Deutschland und der Bolschewismus\nHerwarth Waiden: Sozialisierung der Kunst"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c012", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Paul Klee XXII.\nGabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Schreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c023", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.15", "debut_caractere": 3054, "fin_caractere_exclue": 3471, "texte": "Sturm'Hochschule\nVicrtes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Herwarth Walden\nUnterricht in dcr expressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspiel / Vortragskunst / Malerei\nDichtung / Musik\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer / Rudolf Bliimner / Jacoba van\nHeemskerck / Georg Muche / Lothar Schreyer\nArnold Topp / Herwarth Walden / William Wauer\nSprechstunden der Leitung: Montag, Mittwoch\nFreitag, Sonnabend 4—5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-09-05-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-09-05_01#c024", "volume": "bmtnabg_1920-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.16", "debut_caractere": 215, "fin_caractere_exclue": 586, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet tilglich von 10-6 Uhr / Sonntags 11-2 Uhr\nTageskarte 2 Mark\neinschliesslich „Bier- und Lustbarkeitssteuer\"\nMonatlicher Wechsel\nNeunundachtzigste Ausstellung\nSeptember 1920\nReinhard Goering\nPaul Klee\nNeunzigste Ausstellung\nOktober 1920\nGraphische Gesamtschau\nEroffnung Sonntag, den 3. 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Band erschienen\nJeder Band 12 Mark\nHcrwarth Walden: Die neue Malerei / Einfiihrung\nin den Expressionismus / Mit 16 Abbildungen\n6 Mark / Dritte Auflage\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 50 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchte Folge erschienen\ner\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennige\nI. Marc Chagall\nII. Alexander Archipenko\nIII. Paul Klee\nIV. 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Ich muss Ihnen das\ngleich schreiben. Ich habe Ihnen ver-\nsprochen, alles mitzuteilen, was mich froh\nund traurig macht. Eigentlich schreibe ich\nhöchst ungern Briete. Meine Mutter sagt\nimmer, man muss sich gut ausdrücken,\nwenn man Briefe schreibt. Ich hatte schon\nso einen Brief angefangen. Aber ich fand\nkeine richtige Ueberschrift. Wie soll ich\nSie eigentlich nennen. Wenn wir wenigstens\nverwandt wären. Aber trotzdem könnte\nich Sie weder Vater noch Onkel nennen.\nFreund kann ich auch nicht schreiben.\nFreunde sind die Brüder meiner Freundinnen.\nDie sprechen nur von Liebe und solchem\ndummen Zeug. Sehr geehrter Herr kann\nich auch nicht schreiben, denn das würde\nich nie zu Ihnen sagen. Eigentlich hätte\nich Ihnen nichts versprechen sollen. Ich\nhöre gern, wenn Sie mit mir sprechen.\nDas macht mich froh und traurig. Sonst\ngeschieht selten etwas. Ich werde nicht\noft schreiben brauchen. Nur die neuen\nSchnallenschuhe, die haben mich wirklich\nfroh gemacht. Zerreissen Sie bitte den Briet.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nDu siehst, die Ueberschrift habe ich schnell\ngefunden, trotzdem ich nicht Dein Vater\nbin und es nicht einmal sein möchte. Vor\ndem Vater hat man Ehrfurcht und auch\nFurcht. Beides sollst Du nicht vor mir\nhaben. Ich werde mich über jeden Brief\nvon Dir stets herzlich freuen, auch wenn\nihm die Ueberschrift fehlt. Es ist nicht\nnötig, mein liebes Kind, dass man sich über\nalles klar wird, dann ist man nur selten\nnoch froh oder traurig. Ausserdem ist\nKlarheit höchst langweilig. Die Menschen\nsagen, sie sehen klar, wenn sie nichts mehr\nzu sehen haben. Ich habe mich sehr ge-\nfreut, zu lesen, dass Dein Wunsch erfüllt\nist. Mir wolltest Du nie einen Wunsch\nsagen. Und ich schenke sehr gern. Ich\nmöchte Dir gern etwas geben, was Dich\nfroh macht. Schreib mir einmal darüber.\nHerzlichen Gruss\nDer Mann ohne Ueberschrift\nIhr Brief hat mich traurig gemacht. Sie\nsind also doch beleidigt, dass ich Sie nicht\nanrede. Dabei finde ich es furchtbar lustig,\ndass Sie mich Kind nennen. Immer haben\nSie mit mir gesprochen, als ob ich ganz\nerwachsen bin. Ich habe auch alles ganz\ngenau verstanden. Aber Sie sind ganz\nanders als die andern Erwachsenen. Die\ninteressieren sich nur für ernste Dinge und\nkönnen sich garnicht freuen. Sie sind\nüberhaupt kein richtiger Erwachsener. Mit\nIhnen könnte ich bestimmt besser spielen\nals mit allen meinen Freundinnen. Die\nhalten Spielen nämlich für Unsinn. Mutter\nfindet auch, ich bin schon etwas zu alt\ndazu. Ich spiele zu gern. Mit den Schul-\narbeiten bin ich sehr schnell fertig. Am\nliebsten spiele ich mit dem Seil. Es ist so\nschön, immer über die Erde zu hüpfen.\nIch kann das viele Stunden tun. Und der\nBruder meiner besten Freundin wagt sich\nnie heran, weil er solche Angst vor dem\nSeil hat. Er will immer mit mir spazieren\ngehen. Dabei hat er schmutzige Finger-\nnägel und raucht heimlich Zigaretten. Das\nist sehr komisch. Jungen sind zu albern.\nNicht einmal spielen können sie. Kommen\nSie doch bald einmal wieder zu uns. Ich\nglaube, meine Eltern werden sich sehr\nfreuen. Aber Sie dürfen mir nie etwas\nschenken. Ich brauche auch wirklich nicths.\nJetzt habe ich ja die Schuhe. Zerreissen\nSie den Brief.\nGruss Signe\nWie kannst Du denken, dass ich beleidigt\nbin, mein liebes Kind. Beleidigen ist ein\ndummes Spiel mit Worten für Erwachsene,\ndenen Spielen zu dumm ist. Die Erwach-\nsenen sind so feige wie der Bruder Deiner\nbesten Freundin. Sie möchten gern spazieren\ngehen, fürchten sich aber vor dem Seil.\nSie stehen lieber auf dem Boden, weil sie\nnicht mehr hüpfen können. Ihr Ernst ist\neben, nicht zu hüpfen. Ich bedaure nur,\ndass ich nicht mehr mit Dir gespielt habe,\nmein liebes Kind. Leider bin ich doch\nerwachsener, als ich es sein möchte. Alle\nMenschen halten sich einander fest, ziehen\nsich an den Armen und vertreten sich den\nWeg, damit nur ja keiner voraus läuft. Sie\nmüssen dann alle rennen, stehen nicht\nmehr fest auf dem Boden und geben sich\nHaltung durch den Ernst des Lebens und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.3", "texte": "Zigaretten. Nur die Fingernägel werden\nmit den Jahren sauberer. Schmutz ist das\nSinnbild der Arbeit. Lackschuhe sind das\nSinnbild des Müssiggangs. Ist es müssig,\nzu springen, über die Erde zu hüpfen.\nMan muss dazu Zeit haben. Schularbeiten\nsind immer schnell fertig. Ich schicke Dir\nhier ein blaues Band für Dein blondes\nHaar. Vielleicht kannst Du es nicht ge-\nbrauchen. Nur was man nicht braucht, ist\nein Geschenk. Vorläufig werde ich nicht\nzu Euch kommen können. Ich muss mich\nsammeln. Trotzdem es mich freuen würde,\nDeine Eltern wieder zu sehen.\nIhnen und Dir die herzlichsten Grüsse\nDer alte Freund Eures Hauses\nIhr Brief hat mich froh und traurig gemacht.\nIch habe geglaubt, dass Sie mich mögen.\nNun wollen Sie gar nicht kommen und nur,\num meinen Eltern Freude zu machen. Ich\nmuss Ihnen etwas gestehen. Mit den Eltern,\ndas habe ich nur so hingeschrieben. Ich\ndachte, Sie würden es schon richtig ver-\nstehen. Die Eltern haben immerzu Besuch.\nUm mich kümmert sich niemand. Mutter\nwill mir keine langen Kleider machen\nlassen. Ich gehöre noch nicht in die Ge-\nsellschaft von Erwachsenen, sagt sie immer.\nAber spielen soll ich auch nicht, dazu bin\nich zu alt. Ist das nicht ungerecht. Lesen\nmacht mir keine Freude. Die Leute in den\nBüchern drücken sich so schrecklich dumm\naus. Alles ist unwahr. Das blaue Band\nhat mir grosse Freude gemacht. Zu Weih-\nnachten hat mir Mutter ein blaues Kleid\nversprochen. Eigentlich wusste ich nicht,\nwelche Farbe ich nehmen sollte. Da kam\ndas blaue Band. Und da wusste ich es.\nIch möchte Sie gern manches fragen. Aber\nFragen ist sehr schwer. Manchmal glaube\nich, Sie werden mir antworten, ohne dass\nich fragen brauche. Bald fahren wir in\ndie Stadt. Eine ganze Woche. Die Stadt\nist viel schöner. Es brennen sehr viele\nLichter. Alle Menschen eilen und die Damen\nund Mädchen sehen sehr vornehm aus.\nDiesmal darf ich auch ins Theater gehen.\nVielleicht sehe ich sogar den Faust. Ich habe\nButterblumen sehr gern. Warum man sie\nnur Unkraut nennt. Ich lege Ihnen eine\nbei.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nKraut kann man wenigstens essen. Dafür\nwächst das Unkraut desto besser. Desto\nschöner. Unkraut hat Lebenskraft. Es\nbraucht nicht gepflegt zu werden. Unkraut\nist stolz. Es wächst zu seinem eignen Ver-\ngnügen. Auch das Vergnügen muss wachsen.\nUnkraut ist billig, weil es zu seinem eigenen\nVergnügen wächst. Deshalb treten die\nMenschen auch darauf herum. Ich behan-\ndele Deine Butterblume als Orchidee. Ich\nhabe sie in eine kleine japanische Vase\ngestellt. In eine blaue Vase. Mein Besuch\nist von der Blume sehr entzückt. Einem\nist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Butter-\nblume aufgefallen, die allerdings nach seiner\nAnsicht nicht so farbenrein ist. Ich habe\ndie Vase auf meinen Schreibtisch gestellt,\nder ziemlich überfüllt ist und den ich bei\ndieser Gelegenheit aufräumte. Deiner Blume\nmusste das Bild Goethes weichen. Goethe\nnimmt überhaupt sehr viel Platz in Anspruch.\nWo den Menschen nichts einfällt, stellen\nsie Goethe hin. Du wirst jetzt den Faust\nin der Stadt sehen. Du ziehst gewiss das\nneue blaue Kleid an und das blaue Band\nbindet Dein Haar, das wild zu seinem\neigenen Vergnügen wächst. Du wirst auch\nGretchen kennen lernen. Und Du sollst\nmir schreiben, ob die Leute sich schreck-\nlich dumm ausdrücken. Und ob alles un-\nwahr ist. Warum schämst Du Dich zu\nschreiben, dass mein Besuch Dir Freude\nmachen würde. Das Kind darf ohne Scham\nsein, muss ohne Scham sein, weil es nichts\nzu verbergen hat. Alle Menschen freuen\nsich gern. Warum willst Du Dich nicht\nfreuen dürfen. Auch Kinder sind Menschen.\nAber ich kann nicht kommen. Ich muss\narbeiten. Auf meinem Tisch blüht Deine\nBlume. In Deinem Haar leuchtet mein\nBand. Mein blaues Band.\nGrüsse Deine Eltern Dein alter Freund\nIch konnte Ihnen so lange nicht schreiben,\nweil mich die Stadt ganz müde macht. Ich\nbin auch nie allein. Mutter will, dass wir\ndie Zeit ausnutzen. Jeden Vormittag sehen\nwir uns Bilder an, jeden Nachmittag die\nUmgegend und jeden Abend gehen wir ins\nTheater oder ins Konzert. Ich hasse die\nKunst. Sie ist nur dazu da, um die Zeit\nauszunutzen. Auf den Faust hatte ich mich\nsehr gefreut, aber er ist sehr sehr lang-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.4", "texte": "weilig. Alles wirkt so unnatürlich, beson-\nders die Hexe. Musik ist viel schöner. Da\nkann man sich wenigstens denken, was man\nwill. Wenn nur die Künstler nicht so dicke\nBäuche hätten. Ich habe mir Künstler\nganz anders vorgestellt. Sie sind sehr gleich-\ngültig. Einem war die Krawatte aufgegangen\nund er bastelte immerzu daran herum. Ich\nwürde es nicht gemerkt haben, wenn ich\nso schöne Musik spielen dürfte. Aber ich\nkann gar nichts spielen. Mir ist auch Musik\nviel zu heilig dazu. In unserm Hotel ist\nein grosser Saal mit herrlich glänzendem\nParkett. Auch ein schöner sehr langer\nFlügel steht darin. Wissen Sie, was meine\ngrösste Freude ist. Sie werden mich sicher\nauslachen, aber ich habe mir versprochen,\nIhnen alles zu schreiben. In dem grossen\nSaale ist nämlich nie ein Mensch. Da\nschleiche ich mich oft Nachmittags hinein\nund tanze ganz allein für mich. Keinen\nrichtigen Tanz, denn ich kann gar nicht\ntanzen. Die Musik dazu singe ich so für\nmich hin. In dem neuen langen blauen\nKleide sehe ich wie eine Erwachsene aus.\nIch würde aber niemals vor anderen\nMenschen tanzen. Sie werden mich in dem\nblauen Kleide gar nicht wiedererkennen.\nVielleicht an dem blauen Bande. Was steht\njetzt in Ihrer japanischen Vase. Kommen\nSie doch bald einmal zu uns, wir fahren\nmorgen zurück. Ich werde Ihnen auch\netwas schönes schenken.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nWillst Du mir nicht ein Bild schicken. Dein\nBild in dem neuen blauen Kleide, damit\nich Dich wiedererkennen kann. Denn ich\nkann vorläufig nicht zu Euch kommen.\nIch bin krank. Und Kranke müssen allein\nsein. Ich denke sehr oft an Dich. Wir\nhaben immer sehr schön gespielt und ich\nglaube, mit mir würdest Du auch tanzen\nwollen, wenn ich tanzen könnte. Aber ich\nkann nicht tanzen und in der Musik bin\nich ein Stümper. Und den Faust finde ich\nebenso langweilig wie Du. Meine japanische\nVase steht jetzt leer. Ich fülle sie aber\ntäglich mit frischem Wasser. In ihr blüht\nErinnerung.\nHerzlichste Grüsse Dein alter Freund\nIch kann mir gar nicht vorstellen, dass Sie\nkrank sind. Sie können nicht krank sein.\nSie können doch nicht den ganzen Tag im\nBett liegen. Sie sitzen kaum. Aber Sie\ndürfen doch lesen. Doch Sie kennen sicher\nalles, trotzdem ich Sie nie mit einem Buch\ngesehen habe. Seit Sie fort sind, lese ich\nnichts mehr. Wie ich mich langweile.\nNiemand kann mit mir sprechen. Vater\nhat keine Lust und Mutter keine Zeit. Wie\nich mich langweile. Auf den Feldern\nschmerzen mir die Augen, in der Sonne\nund im Begen verderbe ich mir die Schuhe.\nAuch mit den Leuten komme ich nicht\nmehr aus. Die Knechte grinsen so wider-\nlich, wenn sie mich jetzt sehen, und die\nMädchen sind gemein. Auch meine Stube\nist hässlich geworden. Es hat sich nichts\ngeändert, aber die Möbel sind jetzt ganz\nleblos. Ich stelle jeden Tag alles um, aber\nnichts passt. Mutter hat sich sehr geärgert,\ndass ich alle Bilder abgenommen habe.\nIch kann sie nicht mehr sehen. Warum\nsoll meine Grossmutter über meinem Bett\nhängen. Ich habe sie nicht gekannt und\nsie sieht mir so ähnlich. Nur ganz alt ist\nsie. Ich konnte seit mehreren Monaten\nnicht mehr einschlafen, weil mich das Bild\nimmer so gülig anblickt. Ich kann alte\nMenschen nicht leiden. Sie sehen immer\ngütig aus. Sie wollen immer schützen und\nkönnen es nicht. Ich kann jetzt oft die\nganze Nacht nicht schlafen. Ich zittre vor\nKälte, und wenn ich mich ganz dicht zu-\ndecke, halte ich es vor Hitze nicht aus.\nSie werden diesen Brief sicher sehr dumm\nfinden. Ich begreife auch nicht, warum ich\nIhnen dies alles schreibe. Schicken Sie mir\ndoch bitte Ihr Bild, aber ein ganz kleines,\ndamit ich es gut verstecken kann. Mutter\nkramt nämlich überall nach. Einmal hatte\nich Ihr Bild aus dem Salon auf meinen\nTisch gestellt. Mutter nahm es mir gleich\nwieder fort. Sie sagte, es sei höchst un-\npassend, Sie wären ja nicht einmal mit\nuns verwandt. Deshalb müssen Sie mir ein\nganz kleines Bild schicken. Meins lege ich\nbei, aber nur, weil Sie es haben wollen.\nIch sehe ganz anders aus. Nie im Leben\nhabe ich so gesessen. Mutter und der\nPhotograph fanden es aber schön. Finden\nSie, dass mir lange Kleider stehen. Ich bin\nnoch viel zu jung dazu. Wenn ich einmal\nganz frei bin, schaffe ich mir wieder kurze\nKleider an. Auch die Frisur ist albern.\nAber je älter man wird, desto weniger darf"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.5", "texte": "man tun, was man will. Ich schreibe Ihnen\nheute einen so langen Brief, damit Sie etwas\nAbwechselung haben, aber vielleicht lesen\nSie ihn nicht einmal zu Ende. Sie kennen\ndoch unsern Hausarzt, er ist sehr klug. Er\nwürde Ihnen sicher helfen. Werden Sie\nrecht schnell gesund, wenigstens so, dass\nSie zu uns reisen können. Und seien Sie\nmir nicht böse.\nGruss Signe\nMein liebes Kind\nDein Brief hat mich sehr traurig gemacht,\nweil ich Dir gar nicht helfen kann. Die\nGüte des Alters bedeutet nichts für die\nJugend. Deshalb möchte ich Dir auch\nnicht mein Bild schicken. Du wirst mich\nso in viel besserer Erinnerung behalten.\nÜber Dein Bild habe ich mich sehr gefreut.\nDu hast Dich gar nicht verändert, trotz\nFrisur und langem Kleide. Du wirst im\nnächsten Winter sehr gefeiert werden und,\nliebes Kind, ich möchte nicht gern, dass\nes mir wie der Grossmutter geht. Ich\nwerde jetzt bald auf mehrere Jahre nach\ndem Süden reisen müssen. Dein Bild nehme\nich mit. Und wenn Du dann mich später\nwiedersehen wirst, so sollst Du mich an\nDeinem Bild erkennen. Ich habe viel zu\nlange bei Euch gelebt.\nHerzlichste Grüsse Dein alter Freund\nSie sind nicht krank und nicht krank ge-\nwesen. Sie wollen mir nur noch schonend\nbeibringen, dass Sie mich nicht mehr mögen.\nDeshalb schicken Sie mir Ihr Bild nicht.\nIch bin Ihnen zu wenig. Sie halten mich\nfür ein Kind. Aber ich bin es nicht mehr\nseit Ihrem letzten Brief. Warum verraten\nSie mich. Weil Sie wissen, dass ich Sie\nliebe, während ich Sie liebte, ohne es zu\nwissen. Jetzt verstehe ich alles. Sie, die\nEltern, mich. Was habe ich Ihnen getan,\ndass Sie mich nicht lieben können. Warum\nstossen Sie mich fort. Wo Sie mich sich\nin Ihnen bergen liessen. Warum nahmen\nSie mich auf, so lange ich nicht wusste,\nwas mich zu Ihnen trieb. Warum täuschten\nSie mir eine Güte vor, die gegen mich ge-\nrichtet war. Warum spielten Sie ein falsches\nSpiel mit mir. Nun muss ich mich für\njedes Wort schämen, das ich Ihnen ge-\nschrieben habe. Schicken Sie mir alles\nzurück, das Bild und die Briefe, wenn Sie\nsie noch haben Signe\nMein liebes Kind\nIch habe mich in Deine Jugend verborgen.\nNun hörst Du auf zu spielen, siehst und\nfindest mich. Du solltest mich nicht finden.\nIch wollte Dein Herz aus meiner Schlinge\nziehen. Ich wollte Dich nicht umschlingen\nund ich zog fort. Meine Schlinge flicht\nsich aus Keimen der Herbstzeitlose. Spät\nbricht ein Keim zu früh auf im Vorfrühling\nDeines Herzpochens. Du hütest Dich selbst\nvor der Güte des Alters. Hier hast Du das\nBild. Hier hast Du die Briefe. Hüte das\nkeimende Leben. Nur Du kannst es schützen.\nEs zerweht unter fremden Händen. Alle\nHände sind fremd. Nie wird Dir jemand\nnahe sein, wenn nicht Du. Von Leben zu\nLeben wächst das Sterben. Von Leben zu\nLieben blättert das Welken. Der sanfteste\nWind birgt alle Tode. Spiele. Nur das\nKind, das spielende, lebt.\nMein Auge küsst Deine schlafenden Lider\n\nZeitungsmärchen\nSonnenfinsternis, Beulenpest, Zigeunei\nschlacht und Schulgefängnis\n\nZu der nächsten Sonnenfinsternis werden\nschon jetzt Vorbereitungen getroffen. Man\nerwartet wichtige Belege für die Einstein-\nTheorie von dieser Naturerscheinung. Die\nInsassen der Gefängnisschulen erhalten\nausser wissenschaftlichem Pudding heisse\nPrivilegien. Das Pasteur-Institut erklärt, dass\nbei Wahrung der nötigen Vorsichtsmass-\nregeln die Seuche auf ihren Herd beschränkt\nbliebe. Wahrscheinlich wird vom Green-\nwich-Observatorium eine Expedition aus-\ngesandt werden. Doch die angewandte\nSerum-Spritzung vermindert die Gefahr\nerheblich. In dem Dorfe Sellnow hat man\ndie Schule zum Gefängnis umgewandelt,\ndas eine grosse Menge jugendlicher Natur-\nerscheinungen enthält. Ein Fall — ausser-\nhalb der Stadt Gedankenstrich verlief töd-\nlich. In dem Bestreben, den Verbrecher\ndurch Aufenthalt in der Sonnenfinsternis\nnicht in erster Linie zu strafen, selbst wenn\ndiese Jugendlichen zum Tode verurteilt\nwerden, erwartet man von dieser Natur-\nerscheinung wichtige Übeltäter. Der Zigeuner\nErich Asten wurde für gutes Betragen und\nFleiss erschossen. Der Mörder, Zigeuner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.6", "texte": "Adler, kann es dahin bringen, dass er sich\nam Reck und Barren erholen kann. Unter\nAufsicht eines Beamten sind schon vier\nFälle von Beulenpest vorgekommen. Wie\nuns von Beulenpest gedrahtet wird. Doch\nist die Beobachtungsstation noch nicht be-\nstimmt. Und die Zigeunerin Zina und der\nZigeuner Franz erhalten Unterricht in\nEinstein-Theorie. Statt der allgemein üb-\nlichen Hängematte. Zwischen richtigen\nBetten kam es zu einer Schlacht. Zigeunerin\nZina wurde schwer verletzt. Zucht und\nAufsicht sind natürlich sehr streng. Am\nAbend werden schwere Mörder Vorberei-\ntungen treffen. Zu der nächsten Sonnen-\nfinsternis liefern wichtige Belege schon\njetzt neue Formen dieser Natur-\nerscheinung. Turnlehrer Astronomen wur-\nden am 19. September 1922 in Einzelhaft\ngehalten. In Paris bei Kolberg hat die\nSonnenfinsternis ein umfangreiches System\nvon Belohnungen und Preisen angewendet.\nEigenen Ehrgeiz dadurch zu wecken. Eng-\nlische Insassen dürfen ihr tadelloses Ver-\nhalten auf Grund ihrer Photographien\nbessern. Die kunstgewerblichen Handels-\nzweige sind flüchtig und lernen Landwirt-\nschaft, der englische Strafanstalten ange-\ngliedert sind. Spiele haben - ihre eigenen\nArbeitsstätten. Zucht und Aufsicht sind\nnatürlich Privilegien.\n\nOtto Nebel\n\nWas ich so träume\n\nIn Spaa sagte Millerand zu Lloyd George:\n„Und vor allem darf der Sturm nicht\nweiterbestehen.\" „Sie sind ein schlechter\nPolitiker\", entgegnete ihm Loyd George.\n„Solange Deutschland den Sturm zu be-\nkämpfen hat, wird es sich niemals gegen\ndie Entente wenden.\"\nDer Sturm hatte einen Preis für denjenigen\nseiner Maler ausgesetzt, der im Laufe eines\nJahres von der deutschen Presse am meisten\nbeschimpft worden war. Der Sturm hatte\nden Preis Kurt Schwitters zuerkannt. Nun\nhaben Rudolf Bauer und William Wauer den\nSturm auf Auszahlung des Preises verklagt.\nMeine Traumphantasien beginnen mich zu\nängstigen. Ich träumte, der Reichskunstwart\nDr. Redslob sei mit Paul Westheim eine\nGewissensehe eingegangen. Ich erwachte\nund sprang entsetzt aus dem Bett. Vor mir\nstand mein Diener und überreichte mir die\nVossische Zeitung. In ihr fand ich meinen\nTraum dementiert: Redslob habe nicht\nWestheim, sondern Schmidt-Rottluff gehei-\nratet. Da merkte ich, dass es nun Tag\nwerde und wachte ganz auf. . . .\nGestern brachte mir Kurt Schwitters sein\nneuestes Merzbild. Der Eintretende bot dem\nBeschauer einen grausigen Anblick. Als\nFarbe hatte er nur wenige Blutspritzer an-\ngebracht. Die verwendeteten Materialien\nhatte er Paul Westheim, Franz Servaes und\nMax Osborn ausgerissen. Als ich erwachte,\nhatte mein treusorgender Diener bereits\nnach dem Arzt geschickt....\nUm mich zu kasteien und in der Selbst-\nbeherrschung zu üben, lese ich vor dem\nSchlafengehen stets eine Seite im Kunst blatt\nHeute Nacht träumte ich, Paul Westheim\nhabe mich wegen Körperverletzung verklagt.\nGestern hatte ich einen gar anmutigen\nTraum. Ich schaukelte in einem leichten\nKahn auf einem oberitalienischen See. Ein\ngleicher Kahn ruderte mir entgegen. Im\nKahn sass ein Mann und lass in einem\nBuche. Ich erkannte den Mann nach einer\nZeichnung von Kokoschka. Es war Alfred\nKerr. Und auf der Rückseite des Buches\nstand: „Dramen von Herwarth Waiden.\"\nAm nächsten Morgen las ich im Berliner\nTageblatt, das Buch sei Wedekinds Nachlass\ngewesen. Ein sonderbares qui pro quatsch!\nHeute habe ich einen berühmten Nerven-\narzt aufgesucht. Ich hatte in der Nacht\ngeträumt, Paul Westheim bereite für das\nJahr 1925 eine Rudolf Bauer-Nummer\nseines Kunstblattes vor. Der Arzt hat mich\naber beruhigt. So etwas sei keineswegs\ngänzlich ausgeschlossen.\nIch träumte, ich sei gestorben und Fritz\nEngel habe mir im Berliner Tageblatt einen\nwarmen Nachruf gewidmet. Beim Früh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.7", "texte": "Kurt Schwitters: Merzzeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.8", "texte": "stück erzählten meine Kinder, ich hätte im\nSchlaf so grässlich gelacht, dass sie es noch\nim dritten Stockwerk der Villa hörten und\nsich vor Schauder tief unter die seidenen\nBettdecken verkrochen.\nIch träumte, ich wäre in den Klauen der\nspanischen Inquisition. Als ich am Morgen\nmein Bureau betrat, fand ich ein Schreiben\nder für Expressionismus massgebenden Bier-\nund Lustbarkeitssteuerstelle. Da sehnte ich\nmich nach den Wonnen des Traums zurück.\nDer liebliche Traumgott hatte mich zu einem\nberühmten Sammler echter Rembrandts ge-\nmacht. Über meinem Bett hing das Original\nder Anatomie. Ein Eingeborener der Süd-\nseeinseln betrat mein Schlafgemach und ich\nführte ihn vor das herrliche Gemälde. Der\nSüdsee-lnsulaner sah sich das Bild lange\nan. Dann brach er in ein gurgelndes Ge-\nlächter aus und richtete an mich die Frage?\n„Tiotu kbasu ai aitjujo?\" Auf deutsch: „Was\nstellt es vor?\"\n\nRudolf Blümner\n\nZuginsfeld\nOtto Nebel\n\nFortsetzung\nSchaf ist fünfrümpfig\n4 Fusskompagnierümpfe\nEine Gewehrmaschinerie\nM. G. K.\nKompagnion\nAlle Rümpfe sind geköpft\nKopflos\nDas Kopflos heisst Kompagnieführer\nSieh Lehrer\nGibt es Lehrer, die keine Kompagnie führt?\nSieh Zugführer\n(kommt noch)\nAuch alle Nichtlehrer lehren befehlsgemäss\nMässig\nSo möchten sie in einer harten Stunde noch\nnachzuholen haben\n(Infantrist von Schiller)\nVorgesetzte lernen nichts\nSie wissen alles besser\nDenn sie lehnen Verantwortung ab\nDenn sie lohnt sich nicht\n••\nArger ist sie\nList ist keine Lust\nFreudigkeit ist keine Freude\nVerantwortungsfreudigkeit ist List um\nVerantwortungslosigkeiten\nDer nächte Herr\nSieh Männer\nMan darf nur gefragt antworten\nIm fraglichen Unterricht erfragen Lehrer,\nwas sie nicht wissen\nDaher die Freude über gute Antworten\nFreude, schöner Halbgottfunken\nSieh Halbgott\nSieh Funker\n(kommen noch)\nKeine Verwechslung\nAktiva-Passiva\nIm Kriege verführen passive Leutnants\nKompagnieen\nObwohl Friedenszüge aktive Leutnants\nführen\nDenn schon im Frieden führen Unteroffiziere\nOffiziere schreien nur dazwischen\nIm Kriege führen aktive Leutnants grosse\nWorte\nMeistens hinten\nAlso erfolgreich\nWie im Frieden\nSieh Verführer\nObschon passive Leutnants\nMeistens erfolglos\nAlso an der Front\nAber aktive Hauptleute führen im Frieden\nKompagnien\nOft erfolglos\nSieh Majorsecken\nObwohl Unteroffiziere alles machen\nIm Frieden ist alles gefährlicher als im\nKriege\nObzwar im Kriege scharf in Köpfe\ngeschossen wird\nObschon Köpfe meistens schon tot sind\nLebende tragen Totenköpfe\nDarum sind Friedenskompagnieen schwerer\nzu führen als kriegsstarke Kriechkompanien\nObgleich auch friedlich gekrochen wird\n(Zielansprechen)\nAar\nSehl! Mund zu!\nMan fliegt sonst\nAasgeier\nHauptleute behaupten das\nObgleich Aktive selten Kriegskompagnien\nführen\nEs fällt sich ihnen zu leicht"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.9", "texte": "Fernand Léger Kontrast der Formen / Gemälde / Vierfarbendruck"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.10", "texte": "Schwerlich fallen sie gern\nSie führen sofort Bataillone\nAlso 5 Kompagnieen\nWeil sie eine nicht führen können\nWeil Kompagnieführer leicht fallen\nDas fällt sogar Bataillonsführern schwer\nFrüher fielen im Kriege aktive Hauptleute\nWie im Frieden\nSpäter fielen Stellvertreter\nAlso passive Hauptkerlchen\nAlso im Kriege\nSpäter fiel es keinem mehr ein\nSie tappten sich zurück\nSichtlich verfielen sie in Etappen\nFrüher fiel es ihnen nur nicht ein\nFriedenskompagnieen sind schwächer als\nkriegsstarke Kompagnieen\nWegen der Übersicht\nDenn Kriegshäuptlinge verlieren nie die\nÜbersicht\nWeil kriegsstarke Kompagnieen von\nKonserveoffizieren geschwächt werden\nDenn die verlieren die Übersicht\nSieh Kopf-Los\nDenn nur das Überhaupt strahlt Überlicht\nKonserveoffiziere führen friedliche Geschäfte\nKäsehandlungen und andere anrüchige\nHändel\nObwohl sie auch im Kriege Züge und\nGeschäfte zu raschen Enden führen\nKriegsstarke Züge sind stärker als Züge\nim Frieden\n(Gesichter können Feldzüge haben)\nSieh rollenden Materialismus\nAber Fleischzüge werden krieglich schnell\nklein gemacht\nDann sind kriegsstarke Züge schwächer\nals Friedenszüge?\nGeschwächter!\nWeil aktive Hauptleute Kriegsbataillone\nführen\nObzwar auch passive Häupter starke\nBegabungen verraten\nWenn sie schlechte Adjutanten haben\nUngeschickte Haupteute werden mit\nFeldkompagnieen bestraft\nDas ist eine Strafe für die betroffene\nKompagnie\nAber eine kurze\nFür den betreffenden Hauptmann\nDenn Hauptleute erfinden neue Krankheiten\n(Feldzüge können Gesichte sein)\nALP, mein Gesicht\nWahrtraum, mein Gedicht\nAlso ersuchen ungeschickte Hauptleute\ngeschickt um etwas\nAlso Bahnhofskommandantur\nLauter Bekannte\n(SIEH Schiebemajor)\nTrotzdem werden Züge von Lokomotiv-\nführern geführt\nHauptleute winken nur ab\nWenn Züge frontwärts fahren\nHauptleute, meidet Hauptbahnhöfe!\nSie warten\nIn Warthelagern\nIn Sonnelagern\nIn Ritzen\nIm Wünschdorf\nIn Gefangenenlagern\nIn geschützter Lage\nEs regnet zu stark\nEs siebt von OBEN\nSieben Ärzte?\nKommission Heldensieb\nLauter Bekannte\nDie bösen Sieben sieben Herren aus\ngeschützter Lage\nWenn sie dazu noch in der Lage sind\n(Lauter Bekannte)\nAber auch Geschützlagen sieben\nSiebe keinen Nächsten\nFolglich schützen sich gesiebte Herren\ngegen Front und Heimat\nZwischen Front und Heimat?\nSieh Rekrutendepots\nApropos\nPropositio major:\nDa sieben geschützte Majore schutzlose\nRekruten aus geschützten Depots vor\nGeschütze\nUm sich zu schützen\nGesetzlich geschützt!\nEntsetzlich aber unersetzlich\nRekrutendespoten werden durch Schütz-\nlinge unterstützt\nSchützlinge können passiv sein\nAber meistens sind sie nicht leidend\nGelitten müssen sie sein\nOder verwandt\nSie müssen leidlich spielen können\nHelden-, Klavier-, und Kartenspieler\nWer gewinnt, ist verloren\nMarsch an die Front!\nDann ist der aktive Kompagnieführer fertig\nDann bestraft er seine leidende Kompagnie\nDann hat er sich gut geführt\nDann hat ein Despot sein Depot wieder-\ngenommen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.11", "texte": "Alexander Archipenko: Femme assise / Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.12", "texte": "(Scheinangriff)\nJa\nWer dem Tod in's Angesicht hauen kann\nDer kluge Mann baut ab\nAndere erbauen sich\nManchen reizt die Front\nOffiziere sind Kriegsgewinnler\nDabei geht jeder Krieg verloren\nOhne Sold keine Soldaten\nKompagnieführerzulage\nGeschickte Unternehmungen\nEinbrüche\nSilberne Löffel\nBeutegelder\nKennst du das Land?\nWo die Zitronen blühen?\nWo ihr Weizen blüht\nölige Gemälde\nKristall\nMöbel\nUhren\nSie sammeln emsig\nSie bleiben bei der Stange\nPä, lasset hoch das Banner wehn\nSie halten Kompagnieefzstäbchen\nEs geht chinesisch her\nIn Laus und Brausewein\nHaltet aus\nGute Sache\nKein Mangel wird gelitten\nBitte zuzugreifen\nAlles wie in der Heimat\nImmer Feste\nEs fehlt an nichts\nPlötzlich fehlt es\nWo ist die Milchkuh?\nWo ist das Mehl?\nWo ist der Ruhm?\nRum??\nKompagnieführerzulage\nPanierte Niere\nZulangen!\nLang, lang sie her\nFürsorge, vornehmste Pflicht\nNa also\nDer wahre Staat bin ICH\nWer führt, muss fürchterlich essen\nEs steht uns zu\nWir stehlen nicht\nZähes Leder\nLeder stehlen wir nicht\nNicht, Herr Oberleder?\nAber Fräulein Braut trägt immer neue\nSchuhe\nWas?\nWir ziehen vom Leder\nLediglich Abfälle\nNein Felle\nH an d werkerstube\nSandsäcke nehmen wir nicht\n(Scheuerlappen)\nFrau Mittelschullehrer, woher sind Ihre\nSchürzen ?\nSie wissen, mein seeliger Mann\nSeelig?\nDie Kanaille\nDenn\nHerr Leutnant, meine Schuhe sind\ndurchgebrannt\nDummer Hund, geh barfuss. Soll ich Dir\nTreibriemen klauen?\nHerr Leutnant, mein einziger Rock ist schlecht\nMistvieh, soll ich Dir meine geben?\n(Christlicher Volkserzieher)\nHerr Leutnant, ich habe keine Deckung\nWo sind Deine Sandsäcke?\nJäger Meyer fällt\nKopfschufz\nKeine Deckung\nMeyer, Meyer? Achso, der alte Schürzenjäger\nSie merken nichts\nDenn sie beschimpfen HOHE STÄBE\nWeil die in grösserem Umfange stehlen\nMit Lastkraftwagen\n(Deutsche Treue)\nSoldaten schimpfen immer\nRecht so. Das ist schimpflich\nKrieger sind keine Menschen\nSieh Kriegervereine\nIhr sollt genug kriegen\nSie fressen sich gegenseitig\nDarum sind sie keine Menschen\nBestien\nSie fressen Untergebene\nUntergebene haben sie gefressen\nWer hat die grösste Esse?\n\nFortsetzung folgt\n\nMitteilung\n\nZeitungsschreiber und andere Fachlaien\nhaben planmässig den Aberglauben ver-\nbreitet, Expressionismus in der Malerei sei\neine Mode, und bestehe als Folge plötzlicher\nEntschlüsse und gewisser Anleitungen in\neiner leicht fasslichen und erlernbaren\n„interessanten Aufteilung\" der Fläche. Dieser\nUnsinn ist das oft ausgesprochene male-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.13", "texte": "rische Wissensbekenntnis der nichtmalen-\nden Öffentlichkeit, und das oft verschwiegene\nmalerische Glaubensbekenntnis der malen-\nden Äusserlichkeiten. Die fahrlässige Ver-\nwechslung von Handarbeiten mit Kunst-\nwerken hat ganz besonders unter dekorativ\nbegabten Handarbeitern eine schöpferische\nPlast entfesselt, deren Erzeugnisse in letzter\nZeit täglich der Ausstellungsleitung des\nSturm übersandt werden. Ausserordentlich\nselten deckte sich bisher die erforderliche\nSelbstbeurteilung der Einsender künst-\nlerischer Arbeiten mit den künstle-\nrischen Anforderungen der Ausstellungs-\nleitung Der Sturm. Sie betont erneut, dass\neine Herabsetzung ihrer notwendig geübten\nsachlichen Strenge nicht erfolgen wird. Die\nKunstausstellung Der Sturm stellt nur solche\nWerke aus und veröffentlicht nur solche\nArbeiten in der Zeitschrift Der Sturm, die\nihr als primäre Erscheinungen für die Ent-\nwicklung der expressionistischen Malerei\nbedeutsam erscheinen und eine ebenso be-\ndeutsame Entfaltung einer Begabung für die\nZukunft erkennen lassen. Diese Strenge des\nUrteils hat zur Folge gehabt, dass die Zahl\nder von uns Zurückgewiesenen in unauf-\nhörlichem Steigen begriffen ist. Aber die\nEntdecker von Talenten mögen darüber\nberuhigt sein, dass heute sich kaum Einer\nin Deutschland expressionistisch gebärdet,\nder nicht wenigstens einmal den Versuch\ngemacht hat, im Sturm auszustellen. Dass\nviele von denen, die Nicht-Massgebende\nheute für massgebende Expressionisten\nhalten, ihre früheren Arbeiten dem Sturm\nübergeben hatten, ist bekannt. Dass einige\ndarunter ihre Vergangenheit heute ver-\nleugnen, ist interessant. Dass einige Künstler\nes vorziehen, an anderen Orten auszustellen,\nist sogar uns begreiflich. Denn sie wollen\nlieber dort die Ersten als hier die Letzten\nsein. Und alle diejenigen, die gerade von\nkrumm nicht unterscheiden können, mögen\nsich gesagt sein lassen: Die Entscheidung,\nwas Qualität und Niveau ist, haben wir\nbereits getroffen, bevor wir ausstellen. Es\nist eine überflüssige Arbeit, wenn Andere\nsich darüber den Kopf zerbrechen, ob sich\nunter unseren Malern „Mitläufer\" belinden.\nWir sorgen dafür, dass kein Mitläufer aus-\nstellt. Diejenigen aber, die fürchten, Mit-\nläufer zu werden, sorgen selbst dafür, dass\nsie es wenigstens nicht beim Sturm sind.\nKünstlern mag es gegönnt sein, neben der\nStärke ihrer Leistungen auch ihre Schwäche\nzu zeigen, indem sie oft genug sich gegen-\nseitig nicht für ganz ebenbürtig halten.\nJenen Unkünstlerischen aber wird jedes Recht\nhierzu abgesprochen. Das Lob, das sie an\neine Grösse richten, um eine andere Grösse\nzu verkleinern, beweist nur, dass sie selbst\nnicht imstande sind, zwei Grössen in ihr\nHirn aufzunehmen. Und die fachmännischen\nUnsachverständigen loben am liebsten die\nMittelmässigkeit, weil sie sich ihr vielleicht\ngrade noch ebenbürtig dünken dürfen.\n\nDer Sturm\n\nMitteilung an die Abonnenten\ndes Sturm\nVom 1. Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. Das erste\nHeft des zwölften Jahrganges wird also\nschon im Januar 1921 erscheinen. Damit\nden Abonnenten des elften Jahrgangs Der\nSturm unverkürzt zugeht, wird die Zeit-\nschrift in den Monaten Oktober, November\nundDezember 1920 als Doppelheft erscheinen\nVerlag und Schriftleitung Der Sturm\n\nAus dem Inhalt der nächsten Hefte\nHerwarth Walden: Kritik der vorexpressionistischen\nDichtung\nRudolf Blümners Briefe an Paul Westheim / Zur\nGeschichte des Sturm und zur Analyse des\nJournalismus\nWilliam Wauer: Kapital und Geldwirtschaft\nOtto Pertz: Deutschland und der Bolschewismus\nHerwarth Waiden: Sozialisierung der Kunst\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Briefwechsel mit Signe\ndem Kind\nOtto Nebel: Zeitungsmärchen\nRudolf Blümner: Was ich so träume\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nMitteilungen\nEnrico Prampolini: Linoleumschnitt\nKurt Schwitters; Merzzeichnung\nAlexander Archipenko: Femmi assise /\nZeichnung\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Ge-\nmälde / Vierfarbendruck"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.14", "texte": "Vcrlag Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinften jcdes Monats\nJedes Heft enthalt eine mehrfarbige Kunstbeilage\nHolzschnilte (stets vom Stock gedruckt) und\nZeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 24 Mark / Ein Halbjahr\n15 Mark / Einzelheft 4 Mark 50 Pfennige\nMonatsschrift Der Sturm / Jahrgange 1—10\nGewohnliche Sonder-\nEinzelhefte, soweit vorhanden, je 4 Mark 50 Pfennige\n\nBucher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 12 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gltick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 6 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n6 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n6 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n6 Mark / Zweite Auflage\n\nWilhelm Runge\nDas Dcnkcn traumt / Gedichte\n4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMccr / Schnte / Mann / Dramen\n4 Mark 50 Pfennige\nNacht\n3 Mark\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n6 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nSturm-Abende / AusgewMhlte Gcdichte\n7 Mark 50 Pfennige\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nHcrwarth Walden\nEinblick in Kunst\nZur Zeit vergriffen\nGesammelte Schriftcn / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n4 Mark 50 Pfennige\nDas Buch dcr Menschenlicbe\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nWeib I Komitragodie\n6 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 3 Mark\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm^Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie Hangematte des Riugi\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennige"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.15", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGcsammelte Tonwerke\nDann / Vergcltung / Vcrdammnis / Werk 11-3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 3 Mark\nBruder Licdcrlich / Werk 5l\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nZchn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 12 Mark\nDie Judcntochtcr / Werk 171 / 4 Mark 50 Pfennige\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFur Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 3 Mark\nTanz dcr Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nSturm-Kaften\nJcdc Karte 60 Pfcnnigc\nNach Gernalden, Zeichnungen\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeisler 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nund Bildwerken\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heeinskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerl£n-Griinewald 1 Gino Severini 3\nAlexei von Jawlensky 2 Arnold Topp 1\nKandinsky 2 Maria Uhden 1\nPaul Klee 1 Nell Walden 1\nOskar Kokoschka 2 William Wauer 6\nOtakar Kubin 1 Marianne von Werefkin 1\n\nSturm^Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 60 Pfennige\nTour Donas / Nell Walden\nFranz Marc\nJe 1 Mark 50 Pfennige\nErster Deutscher Herbsfsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n3 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapicr\nJcder Kunstdruck 6 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Koinposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere/ Essender Bauer/ Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidtkausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Bauni / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopf e: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand L£ger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\n\nSturm-Kunstler / Lichtbildkarten\nJede Karte 60 Pfennige\nI. August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV.\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Campendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII.\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXL\nXI. Paul Klee XXII.\nGabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Schreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters\n\nSturm'Hochschule\nVicrtes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Herwarth Walden\nUnterricht in dcr expressionistischen Kunst\nBiihne / Schauspiel / Vortragskunst / Malerei\nDichtung / Musik\nLehrer der Sturmschule\nRudolf Bauer / Rudolf Bliimner / Jacoba van\nHeemskerck / Georg Muche / Lothar Schreyer\nArnold Topp / Herwarth Walden / William Wauer\nSprechstunden der Leitung: Montag, Mittwoch\nFreitag, Sonnabend 4—5"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19200905-01.1.16", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet tilglich von 10-6 Uhr / Sonntags 11-2 Uhr\nTageskarte 2 Mark\neinschliesslich „Bier- und Lustbarkeitssteuer\"\nMonatlicher Wechsel\nNeunundachtzigste Ausstellung\nSeptember 1920\nReinhard Goering\nPaul Klee\nNeunzigste Ausstellung\nOktober 1920\nGraphische Gesamtschau\nEroffnung Sonntag, den 3. Oktober 1920\n\nDer Sturm\nverfiigt tiber Werke folgender Kiinstler\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nGdsta Adrian * Nilsson / Alexander Archipenko\nRudolf Bauer / Willi Baumeister / Fritz Baumann\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Campendonk\nCarlo D. Carra / Marc Chagall / Delaunay / Sonja\nDelaunay-Terk / Tour Donas / Emil Filla / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Reinhard Goering / Otto\nGutfreund / Hugo Handel / Jacoba van Heemskerck\nSigrid Hjert£n*-Grunewald / IsaacGriinewald / Johan-\nnes Itten / Kandinsky / Paul Klee / Oskar\nKokoschka / Otakar Kubin / Fernand / Franz\nMarc ] Jean Metzinger / Johannes Molzahn / Otto\nNebel / Francis Picabia / Kurt Schwitters / Oskar\nSchlemmer / Gino Severini / Fritz Stuckenberg\nArnold Topp / Maria Uhden / Nell Walden\nWilliam Wauer\n\nSturrrvAbende\nIn der Kunstausstellung Der Sturm\nJcden Mittwoch 2U8 Uhr\nRezitation Rudolf Blumner\nWiedcrbeginn am 15* September\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdruckc kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nAusfuhrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenlos.\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamcr Strasse 138 a\nFernruf Lutzow 4443\nhat gute und seltene Biicher und Noten vorratig\nund nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoebcn crschicncn\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst\n3 Mark\nF a r b i g c Kunstdrucke\nMarc Chagall\nKutscher / Aquarell\nFrau / Aquarell\nJe 7 Mark 50 Pfennige\nPaul Klce\nSpiel der Krafte einer Landschaft\n7 Mark 50 Pfennige\nKandinsky: Aquarell 6\n7 Mark 50 Pfennige\nAugust Stramm : Gcsammelte Dichtungen\nI. und II. Band erschienen\nJeder Band 12 Mark\nHcrwarth Walden: Die neue Malerei / Einfiihrung\nin den Expressionismus / Mit 16 Abbildungen\n6 Mark / Dritte Auflage\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 50 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchte Folge erschienen\ner\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennige\nI. Marc Chagall\nII. Alexander Archipenko\nIII. Paul Klee\nIV. Kurt Schwitters\nErscheint im August\n\nSturmbuhne / Theater der Expressionisten\nIn Vorbereitung\nDie Haidebraut / Dichtung von August Stramm\nUrauffuhrung\nFur die Mitglieder der Gesellschaft der Sturmfreunde\nzu halben Preisen"}]}