{"numero_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_sha256": "bd7aa35c648041864763f08bef0997e4da2c7d05984541bf9056e1293b367e3d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1920/10/05_01/bmtnabg_1920-10-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1920/10/05_01/bmtnabg_1920-10-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.1", "titre_corps": "Michael Larionow: Zeichnung", "titre_sommaire": "Michael Larionow: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.1", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 127, "texte": "Michael Larionow: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "100", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.2", "titre_corps": "Kritik der vorexpressionis tischen Dichtung", "titre_sommaire": "Kritik der vorexpressionis tischen Dichtung", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4169, "texte": "Kritik der vorexpressionis\ntischen Dichtung\nHerwarth Walden\nI\nKunst offenbart sich durch die Gestaltung\ndes Materials. Man muss also Material und\nGestaltung untersuchen, um festzustellen,\nob ein Werk Kunst ist oder nicht. Die\nKritiker gehen ausnahmslos von einer\nkünstlerischen Auffassung aus, nämlich von\nihrer eignen. Sie verwechseln also die\nWirkung einer abstrakten Erscheinung auf\nsie mit der Ursache der Kunst. Diese künst-\nlerischeAuffassung entspricht der allgemeinen\nmenschlichen Auffassung der letzvergangenen\nJahrhunderte von dem Wert der Persön-\nlichkeit. Die Persönlichkeit hat angeblich\nalles getan und soll angeblich alles tun.\nAbgesehen von den grossen Persönlichkeiten,\num die sich die Anhänger gruppieren, fühlt\nsich auch jeder Anhänger als Persönlich-\nkeit, was nach Goethe das höchste Glück\nauf Erden ist. Das Wort Persönlichkeit\nentschuldigt und erklärt alles. Der Kauf-\nmann, der mehr Geld verdient als andere,\nist eine Persönlichkeit. Die Frau, die mehr\nLiebhaber hat als andere, ist eine Persön-\nlichkeit. Jeder Mensch, der sich mit den\nschönen Künsten befasst, ist ein Künstler,\nalso eine Persönlichkeit. Es gibt keinen\neinzigen Menschen, der sich nicht irgendwo\nüberlegen fühlt. Und zwar vor allem in\ndem, wodurch er sich Vorteile schafft und\nEinzelne oder die Gesamtheit schädigt.\nPersönlichkeit ist weiter nichts als ein\nSelbstbetrug oder ein Selbstbetrogensein.\nJede Persönlichkeit strebt nach Freiheit.\nAus der Bichtung dieses Strebens ergibt\nsich das Wertlose dieser Persönlichkeit.\nDenn das Entscheidende für das Dasein\nder Menschen und der Menschheit ist die\nFähigkeit der Einschaltung der Hemmungen\nvon sich aus. Die einzige objektive Freiheit,\ndie es gibt, ist die Triebhemmung. Diese\nFähigkeit nennt man Ethik. Ohne diese\nFähigkeit kann kein Mensch und keine\nMenschheit existieren. Es ist unfrei, sich\ngehen zu lassen. Es ist unfrei, sich aus-\nzuleben. Es ist unfrei, seine Vorstellungen\nniederzuschreiben oder niederzumalen. Die\nFähigkeit der Einschaltung der Hemmungen\nin die Vorstellungswelt, die Phantasie,\nnennt man ihre Gestaltung. Und nur aus\nder Gestaltung der Vorstellungen entsteht\nein Kunstwerk. Der ethische Mensch\nbraucht nicht Künstler zu sein. Aber es\nhat nie einen wirklichen Künstler gegeben,\nder nicht ethisch empfindet. Der Begriff\nder Freiheit ist weiter nichts als ein Deck-\nwort zur Befriedigung selbstsüchtiger Ge-\nlüste. Den besten Beweis für das Ende\nder Begriffe Freiheit und Persönlichkeit\nund für das Entstehen einer ethischen\nLebensordnung bildet die immer grösser\nwerdende Erkenntnis der einzig möglichen\nmenschlichen Gesellschaftsformen des So-\nzialismus und des Kommunismus. Formen,\ndie bereits wirkliche Triebmenschen in den\nältesten Zeiten der Menschheitsgeschichte als\nlebensnotwendig erkannten und nach denen\nsie sich ordneten. Und so schwer es für die\nheutige verbürgerlichte Menschheit ist, den\nTraum von der Freiheit des Mannes in\ndem unbeschränkten Besitz von Geldmitteln\nund den Traum von der Freiheit der Frau\nin dem unbeschränkten Besitz von Lieb-\nhabern fallen zu lassen, so schwer ist es\nfür die verbürgerlichte Künstlerschaft, den\nGlauben an die Freiheit der Kunst und\nan die Ueberwindung ethischen Verhaltens\naufzugeben. Nur die sogenannte Masse hat\ntriebrichtig erkannt, dass es keine Vorrechte\nfür geistige Arbeiter gibt, wie sich Künstler\njetzt gern nennen. Vorrechte müssen vor\nallen Dingen abgeschafft werden. Es gibt\nnur ein Becht, nämlich das Becht auf Pflicht.\nUnd diese Pflicht, das heisst die selbst-\nständige und selbstwillige Einordnung, for-\ndert vor allem die Kunst.\nII\nDie Persönlichkeit fällt. Lebt der grosse\nName noch. Was ist ein grosser Name.\nErinnerung von Menschen an Erinnerungen.\nDie Gefahr dieser Erinnerungen ist die\nkritiklose Uebernahme fremder Erlebnisse.\nJedes Erlebnis ist eine Erinnerung. Aber\nkeine Erinnerung ist ein Erlebnis. Was\nist uns Hekuba. Aber was ist uns Goethe.\nEs ist bekannt, dass Goethe der berühmteste\nDichter des letzten Jahrhunderts gewesen\nist. Durch die ausgiebige Verbreitung\nsolcher Behauptungen ergibt sich der Buhm,\naus dem Buhm die Berühmtheit, aus der\nBerühmtheit die Ehrfurcht und aus der\nEhrfurcht die Erkenntnislosigkeit. Nun"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4320, "texte": "kommt es nicht darauf an, die Berühmtheit\neines Namens zu beseitigen, um einen\nandern Namen berühmt zu machen. Es\nkommt aber darauf an, die unmittelbare\nErkenntnis vom Wesen der Kunst zu fördern.\nWenn hier also ausschliesslich von Be-\nrühmtheiten gesprochen werden muss, so\nhandelt es sich nicht darum, Ruhm zu\nnehmen. Es werden diese Beispiele ge-\nnommen, weil die Werke dieser Grössen\njedem zugänglich sind und jeder nach-\nprüfen kann und mag, dass nicht nur\nmeine bösen Beispiele gute Spiele verderben.\nAufgabe dieser Kritik ist es, das Erkenntnis\nvom Wesen der Kunst so zu fördern, dass\nder Einzelne ein Kunstwerk erkennt, auch\nwenn ein Name oder kein Name einer be-\nrühmten Persönlichkeit darüber oder da-\nrunter steht. Es liegt nichts daran, dass\nnach der Erkenntnis meiner Arbeit man\nHeinrich'von Kleist, Henrik Ibsen und Lud-\nwig Anzengruber für berühmter hält als\nGoethe, Schiller und Heinrich Heine. Auch\nsie sollen nur Beispiele sein. Denn alle\nguten Spiele sind namenlos.\nIII\nGoethe gilt als der grosse deutsche Lyriker.\nDas liberale Bürgertum erkennt ausser ihm\nnoch Heinrich Heine an. Nun muss ge-\nsagt und es soll nachgewiesen werden,\ndass beide keine Lyriker sind. Goethe hat,\netwa wie in der Malerei Rembrandt, eine\nsolche Namensautorität, dass die Kenner\nGoethe nicht nach der Kunst, sondern die\nKunst nach Goethe werten. Der Beweis\nfür die Künstlerschaft Goethes wird da-\ndurch erbracht, dass man Goethe für den\ngrössten Denker und den grössten Menschen\nerklärt. Der Begriff des grossen Menschen\nist dem Begriff der Persönlichkeit gleich-\nzustellen. Was man bei Goethe etwa da-\nrunter versteht, das Freisein von nationaler\noder religiöser Beschränkung, ist eine so\nselbstverständliche Voraussetzung jeder\ngeistigen Tätigkeit, dass man dafür unmög-\nlich den Begriff der Grösse ansetzen kann.\nNun ist aber Goethe kein grosser Denker\ngewesen. Er war ein grosser Nachdenker,\nwenn man will. Ein Eklektiker. Goethe\nsagt von sich selbst, dass seine Methode\nstets eine zergliedernde untersuchende und\nnicht eine ordnende gestaltende gewesen ist.\nAus analytischer Erkenntnis heraus ist nie\nein Kunstwerk entstanden. Aus der Analyse\nkann man nur ein Kunstwerk erkennen.\nGoethe war zweifellos ein guter Analytiker.\nDeshalb decken sich seine Auffassungen über\nKunst, Dichtung und Theater noch heute\nmit unserer absoluten Auffassung der Kunst.\nKunst erkennen heisst aber nicht Kunst\nschaffen. Goethe selbst hat zur grössten\nVerwunderung seiner Verehrer seine eigne\nKünstlerschaft nicht anerkannt. Er war\nviel zu sehr nachdenklich, bedenklich, an-\nregend und angeregt, um Künstler sein zu\nkönnen. Er schrieb nicht, er beschrieb.\nEr stellte Eindrücke fest. Eindrücke von\nder Natur, von Reisen, von Menschen, von\ngriechischer und orientalischer Kunst. In\nseinen Dramen deutet er Sagen und Ge-\nschichte und Gedanken Kants menschlich\naus. Dramen sind für ihn erläuternde\nBeispiele seiner Weltanschauung eines ge-\nniesserischen freigeistigen Weltbürgertums.\nSeine Gedichte sind Beschreibungen per-\nsönlicher und erotischer Erlebnisse. Sie\nsind nie unmittelbar, haben also nur ein\nmittelbares unkünstlerisches Interesse für\ndie, die sich aus irgend einem Grunde für\nirgend einen Menschen interessieren. Seit\nJahrhunderten wird das Gehirn der Menschen\ndarauf geschult, nachzudenken statt zu\ndenken. Die Menschen werden geübt, Ge-\ndachtes aufzunehmen und zwar mit dem\nGedächtnis, statt sich Gedanken zu machen.\nDiese Gedanken gelten als absolute Wahr-\nheiten und deshalb tritt jeder für die ab-\nsolute Wahrheit ein, die er gerade gelernt\nhat. Wenn es überhaupt eine Relativität\ngibt, so ist es die Relativität der Gedanken.\nJedes Denken ist nun relativ. Denn das\nPositive eines Gedankens setzt sein Nega-\ntives voraus oder das Negative sein Posi-\ntives. Deshalb kann ein absolutes Denken\nnur dialektisch ausgedrückt werden. Die\nDialektik ist höchst unbequem für die, die\nsich auf absolute Wahrheiten beschränken\nwollen. Die absolute Wahrheit ist bequem,\naber stets unrichtig. Sie beschränkt sich\nauf einen willkürlich gewählten Teil eines\nGedankens und schliesst selbstherrlich\nseinen Gegenteil aus. Die begriffsmässige\nLogik scheidet also schon für das absolute\nDenken aus. Was kann die Kunst als Ge-\nstaltungunmittelbaren Fühlens mit Gedanken\noder gar mit verstandesmässiger Logik zu\ntun haben. Jede Beschreibung ist eine"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1931, "texte": "Feststellung. Jede Feststellung ist subjektiv,\ndenn sie hängt von dem Feststellenden ab,\nist also mittelbar. Daher haben Beschrei-\nbungen mit Kunst nichts zu tun, auch wenn\nes Beschreibungen der Seele sind, auch\nwenn die Sprache noch so schön und edel\nist, wie man es nennt. Der Künstler hat\nals Material nicht die Sprache, sondern das\nWort. Das Wort ist unmittelbar, denn es\nist die typische Gestaltung eines äussern\noder inneren Erlebnisses. Die Zusammen-\nstellung der Wörter, ihre Komposition, ist\ndas dichterische Kunstwerk. Wörter sind\nKlanggebärden. Die organische das heisst\noptisch gegliederte Gestaltung der Gebärden\nergibt das Kunstwerk Tanz. Die organische\ndas heisst phonetisch gegliederte Gestaltung\nder Klanggebärden ergibt das Kunstwerk\nDichtung. Die seelische Auslösung des\nKunstwerks hängt von dem Aufnehmenden\nab. Sie ist also nicht eindeutig und vor allem\nnicht zweideutig, sie ist vieldeutig. Es ist\nnicht die Aufgabe eines Kunstwerks, deut-\nbar zu sein oder bestimmte Gefühle aus-\nzulösen. Es ist die undeutbare Wirkung\neines Kunstwerks, körperlich und seelisch\nzu bewegen. Bewegung wird nur durch\nBewegung ausgelöst. Deshalb ist das Wesen\njedes Kunstwerks sein Bhythmus. Die Aus-\nlösung dieser Bewegung in der Musik ist\nso sinnfällig, dass sie niemand bezweifelt\nund ihr niemand widersteht. Die Aus-\nlösung dieser Bewegung in den andern\nKünsten ist ebenso sinnfällig. Sie wird\nweniger leicht aufgenommen, weil man\nsich gewöhnt hat, mit dem Verstand statt\nmit den Augen zu sehen, und weil man\ndie Dichtung durch den Verstand und nicht\ndurch das Ohr aufnimmt. Man sucht in\nder Dichtung etwas Kunstfremdes. Nämlich\nUebermiltlung von Gedanken. Aber selbst\ndie Uebermittlung bestimmter Empfindungen\nist kunstfremd, denn jede Empfindung wird\nvon jedem Empfindenden anders aufge-\nnommen. Und vor allem von dem Ge-\nbildeten, das heisst dem Menschen, der sich\nauf eine willkürliche Aufnahmefähigkeit\nbewusst einstellt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "108", "image_debut": 4, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.3", "titre_corps": "Briefe an Paul Westheim : Zur Geschichte des Sturm und des deut' sehen Journalismus", "titre_sommaire": "Briefe an Paul Westheim : Zur Geschichte des Sturm und des deut' sehen Journalismus", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.4", "debut_caractere": 1952, "fin_caractere_exclue": 4057, "texte": "Briefe an Paul Westheim\nZur Geschichte des Sturm und des deut'\nsehen Journalismus\n\nWer mit Schmutz kämpft, wird\nihn, Sieger oder B siegter, be-\nsudelt verlassen.\nUnbekannter Verfasser\nJetzt übergebe ich unter dem\nZwang systematischer Verleum-\ndungen das gesamte „Material\"\nfür alle vergangenen und kom-\nmenden Fälle meinem Freund\nRudolf Blümner, der es ver-\nwenden wird, wie es ihm not-\nwendig und recht erscheint.\nHerwarth Waiden, Fall Westheim\nDer Sturm / XI. Jahrgang / 4. Heft\nErster Brief\nMan weiss, dass ich schon einige Male ge-\nzwungen war, Ihnen auf die Finger zu\nklopfen, weil ich sie dort erblickte, wo ich\nsie ein für alle mal nicht sehen wollte.\nDie Menschheit, die gegen Herausgeber un-\nkritischer Zeitschriften zu allen Zeiten sehr\nnachsichtig war, weiss noch nicht, dass die\nkleinen Schläge, die ich Ihnen erteilt habe,\nmilde Züchtigung für das war, was Sie sich\nbisher haben zu schulden kommen lassen.\nZwar hat Sie Herr Kiepenheuer nach dem\nErscheinen Ihres Lehmbruck-Buches noch\nnicht zum Teufel gejagt. Und so mögen\nSie sich denn weiter an einigen künstle-\nrischen Problemen versuchen. Aber Sie\nsind vorsichtiger geworden und lassen Herrn\nvon Jawlensky lieber von einem anderen\nloben. Mit Becht. Denn es muss keine\nerfreuliche, ja sogar eine recht widerliche\nBeschäftigung für Sie sein, Ihre früheren\nBesprechungen durchzulesen. Und der\nKuckuck soll wissen, ob man vielleicht früher\neinmal Herrn von Jawlensky aufs Gerate-\nwohl einen Schmierfinken genannt oder\nnoch ein paar derbere Ausdrücke für ihn\nbereit gehabt hat. Möglich wäre es ja.\nDenn man erinnert sich dunkel, dass man\nvor Jahren die Arbeiten der ganzen Gruppe\num Herrn von Jawlensky letzten Münchener\nKitsch genannt hat. Ich lobe also Ihre Vor-\nsicht. Aber was nützt sie Ihnen, da Sie doch\nso unvorsichtig waren, in dem gleichen Heft\nIhres Kunstblatts sich einige Betrachtungen\nüber Expressionismus zu gestatten. Und\nallgemeine Betrachtungen über Expressio-\nnismus waren es, derenwegen ich Ihnen\nauf die Finger klopfen musste. Aber Sie\nhaben es sich wahrlich selbst zuzuschreiben,\nwenn ich dieses Mal zum Stock greifen muss,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4386, "texte": "so leid es mir tut, einen Mann, der durch-\naus ernst genommen werden will, vor aller\nWelt erbarmungslos zu züchtigen. Mein\nBedauern werden alle die für aufrichtig\nhalten, die wissen, dass ich zwar die Händel\nnicht suche, aber immerhin den Satz: „Wer\ndie Wahrheit kennet und saget sie nicht, der\nist fürwahr ein erbärmlicher Wicht\", nicht\nbloss bei Kommersen und in der Betrunken-\nheit gröhle. Auf denn, Herr Westheim!\nUnternehmen Sie, was Ihnen beliebt, um\nmich zu bekämpfen. Stochern Sie weiter\nin der deutschen Sprache herum. Viel-\nleicht gelingen Ihnen einige Sätze, die gut\ngenug sind, dass kein Oberlehrer sie dem\nletzten seiner Klasse um die Ohren schlägt.\nSpüren Sie meiner Vergangenheit nach.\nVielleicht entdecken Sie irgend ein Ereignis,\ndas Sie einen „Fall\" nennen könnten. Wie\nzum Beispiel, dass mir vor Jahren in einem\nKaffee mein Überzieher gestohlen wurde,\noder dass mich der Theaterkritiker Fritz\nEngel für den talentlosesten aller Schau-\nspieler erklärt hat. Auf, Herr Westheim!\nGreifen Sie zu Ihren Waffen. Ich brauche\nmich nicht zu übereilen. Ich habe Zeit.\nUnd hoffentlich Sie auch. Wir wollen sehen,\nwer von uns beiden mit Hilfe der deutschen\nSprache mehr ausrichten wird, Sie oder\nich. Sie haben für alle Zeiten das Becht\nverloren, eine Meinung zu äussern, denn Sie\nhaben für sich bereits das Becht in Anspruch\ngenommen, keine Meinung zu haben. Und\nwenn Sie Herr Kiepenheuer noch nicht zum\nTeufel gejagt hat: ich werde Sie in der\nMeinung derer, die sich die Achtung vor\nder heute so seltenen Makellosigkeit des\nUrteils bewahrt haben, so zeigen, wie Sie\nsind. Ich hoffe dabei, dass weder Sie noch\ndie Leser sich langweilen werden. Es wird\nkeine fade Chronologie sein. Ich will mir\ndie Freiheit nehmen, meine Sprünge so zu\nmachen, wie es mir gefällt. Sie dürfen also\nnicht die Geduld verlieren. Ich werde es\nIhnen schon sagen, wenn ich mit meinen\nAnklagen und Dokumenten am Ende bin.\nEinige Zeit freilich mag es dauern. Mein\nVerdienst ist es nicht, wenn es ein dickes\nBuch wird. Und es ist auch nicht meine\nSchuld, wenn ich ausser an Ihnen noch\nan anderen herumzupfe. Aber alles findet\nseine Zeit, auch meine Indiskretion, wenn\nsie mir erpresst wird. Vergnügen bereitet\nes mir nicht, in diesem Haufen von Schmutz\nherumzuwühlen, alles herauszusuchen und\nwieder so zusammenzulegen, wie die Zeit\nes auf diesen Schmutzhaufen geworfen hat.\nIch fürchte sogar, dass ich dabei meiner\nGeduld zuviel zumute. Es kann sein, dass\nich mit meinem Material und all dem\nSchmutz kurzen Prozess mache und heraus-\ngreife, was mir in die Finger kommt. Es\nmag dabei sogar einiges Durcheinander\ngeben. Und es ist möglich, dass mir da der\ntrockene Anfang und dort das überflüssige\nEnde fehlt. Aber alles wird sich zu einem\nBild zusammenfügen, und Sie, Herr West-\nheim, werden sogar erfahren, warum dieses\nBild Ihren Namen tragen soll. Denn, wer\nin Deutschland weiss es nicht, dass Sie, Herr\nWestheim\n„Er war ein Jüngling der Urleidenschaft;\ner war durchaus nicht interessiert an der\näusseren Verkörperung der Natur. Er war\ndie Urkraft und er sah die Entladung\nmenschlicher Leidenschaften im Wehen des\nWindes, im Licht und Wasser, in dem\nFlammen der Erde. Mehr als ihren Zauber\nfühlte er den Schrecken der Schönheit und\ndem übergab er sich. Sein eigenes Leben\nmuss eine Flucht vor sich selbst gewesen sein.\nEin Sonderling, der durch das Leben trieb,\nauf dieser Erde, aber nicht von dieser Erde.\nNiemals verwirrt, aber oft unglücklich, das\nFeuer seiner Begeisterung mit seiner\neignen Leidenschaft für Natur nährend.\nDas Heimweh befreite seinen Geist auf die\neinzig mögliche Weise: durch künstlerische\nExpression. Er war ein Mann über seiner\nZeit, der allein ging und dennoch Freunde\nhatte. Ein Mann, den Deutschland glaubte\nverschwenden zu können, vielleicht deshalb,\nweil er eine russische Seele hatte. Sein Tod\nbedeutet für Deutschland einen grösseren\nVerlust, als Charles Peguy für Frankreich.\"\nDieser Mann war keiner von denen, die das\nVolk der Dichter und Denker für Dichter\nund Denker hält. Dieser Mann war Au-\ngust Stramm, der bis zum Frühjahr 1914\nzwanzig Jahre lang seine Dichtungen an\ndie Zeitungen und Zeitschriften des Dichter-\nund Denkervolks gesandt hatte. Das Dichter-\nvolk sandte ihm die Dichtungen zurück.\nIch habe nie vernommen, dass einer der\nKulturverbrecher sich vor Gram und Schande\nfreiwillig aus der Welt entfernt hätte. Wohl\nist ihnen ja nicht bei ihrer täglichen Ver-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3699, "texte": "herrlichung alles Erbärmlichen. Hundert\nJahre lang brüsten sie sich schon mit der\nAnerkennung Heinrich von Kleists. Aber\nnach hundert Jahren haben sie das gleiche\nVerbrechen begangen. Und hundert Jahre\nlang werden sie wehe schreien, dass ein\nGenie verkannt wurde. Aber ich will da-\nfür sorgen, dass in Zukunft nicht zu-\nviel gelogen werde. Ich weiss, dass der\nTag kommen wird, da einer den Dichter\nAugust Stramm entdecken will. Ich fordere\ndiesen mir noch unbekannten Lumpen aber\nheute schon auf, sich das zu merken, was da\nvorhin über August Stramm zu lesen war.\nUnd ich fordere den Lumpen auf, nicht zu\nvergessen: So schrieb am 7. April 1916 ein\nAmerikaner in „Boston Weekly Transcript\"\nüber August Stramm, nachdem schon im\nJuli 1914 Henry Chassin in der Zeitschrift\n„Miscellanees\" das Wunder der Dichtung\nAugust Stramms verkündet hatte. Und der\nkommende Lump soll nicht vergessen, in\nseiner Literaturgeschichte dem deutschen\nVaterlande ein Schanddenkmal zu setzen\nund daran zu erinnern, dass der Hanno-\nversche Courier Ende August des Jahres\n1915 dieses Spottgedicht auf August Stramm\ngemacht hat:\n0\nAu\nGust! Du bist\ndas grösste\nSchaf-\nfende\ndichterisch-\ne\nGenie des\nJahr-\nhunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\nDieses hat der Hannoversche Courier ge-\nschrieben, wenige Tage bevor August Stramm\nnach siebzig Gefechten und Schlachten als\nHauptmann fiel. Ich weiss, dass es keinen\nRedakteur und Schriftsteller in Deutschland\ngibt, dem nicht vor Scham das Herz still-\nsteht, wenn er diese Schandzeilen des Hanno-;\nverschen Couriers liest. Aber was haben\nSie getan, alle meine Herren Redakteure,\nJournalisten und Schriftsteller des deutschen\nVolkes, um diese Schmach loszuwerden?\nUm zu zeigen, dass Sie nichts mit dem Ver-\nfasser dieses Spottgedichts zu tun haben\nwollen, der Ihren ganzen Stand besudelt\nhat? Nichts haben Sie getan, meine Herren\ndeutschen Redakteure, Journalisten und\nSchriftsteller. Oder glauben Sie etwa, der\nHan noversche Courier sei die einzige deutsche\nZeitung gewesen, die August Stramm in der\nniedrigsten Weise beschimpft hat? Bis Ende\nSeptember hat die deutsche Presse das Er-\nzeugnis der Roheit und der Dummheit aus\ndem Hannoverschen Courier mit Entzücken\nund Beifall nachgedruckt. Und wer nicht\nfür ihn war, war gegen ihn. Alle haben\nSie geduldet, dass das deutsche Volk gegen\nseinen grössten Dichter aufgehetzt wurde,\nbis dieses Volk anfing, sich selbst ein Urteil\nüber August Stramm zu bilden. Aber\nich sehe, Sie werden ungeduldig, Herr West-\nheim. Sie wollen wissen, was das alles\nSie angeht. Ich werde es Ihnen sagen:\nSie sollen den Namen Herwarth Waiden\nnicht missbrauchen. Sie sollen nicht mit\ndem Namen dieses Mannes ein leuchtendes\nWort in das Dunkel Ihres Gestrüpps bringen.\nHerwarth Waiden war der erste und ein-\nzige Deutsche, der Herz und Hirn für das\nGenie August Stramm hatte. Ihm hat nicht\nnur Deutschland, sondern die Welt die\nRettung der Dichtungen August Stramms zu\ndanken. Verhöhnt auch von denen, die ihm\nnahe standen,war er daran, seine Dichtungen\nin der Verzweiflung zu vernichten. Der\nSturm war sein letzter Glaube. Und Her-\nwarth Waiden war die Rettung seiner\ndichterischen Seele. Verstehen Sie das,\nHerr Paul Westheim? Ich glaube nicht.\nDenn Sie wissen nicht, was eine Künstler-\nseele ist, die von der Meute der deutschen,\nja der deutschen, der dreimal — deutschen\nPresse gehetzt wird. Furchtbar ist die\nNiedertracht der Kleinen. Ich will sie er-\nsticken.\nIch habe so oft verkündet, was AugustStramm\nfür den Sturm gewesen ist und bleibt, dass\nich das Recht habe, jetzt zu offenbaren, was\nHerwarth Waiden für August Stramm war.\nDieser grosse Tote wird nicht aus dem\nGrabe lügen wie jener Eine, an den ich\n* rühren werde. Aber ich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3919, "texte": "kenne die Lügenbrut, aus der Milliarden\nMaden auskriechen wollen. Ich werde sie\nersticken. Und man soll erkennen, wie\nDeutschlands grösster dichterischer Genius\nHerwarth Waiden mit seinem Herz und\nseinem Wort dankte, vom Tage seiner ersten\nBekanntschaft bis in den Tod.\nAus dem umfangreichen Briefwechsel\nzwischen August Stramm und Herwarth\nWaiden, der in seiner Gesamtheit später\nerscheinen wird, veröffentliche ich, was man\nhier vernehmen soll. Der Briefwechsel be-\nginnt mit dem Tag, an dem August Stramm\nHerwarth Waiden das Drama „Sancta\nSusanna\" eingereicht hatte. Er schliesst\nmit dem 25. August 1915. Am 1. Septem-\nber 1915 fiel August Stramm.\nAus den Briefen von August Stramm an\nHerwarth Waiden\n. . . Ihre Kunst hält mich in Bann! Noch\nimmer! Der Eindruck bei Ihnen, den ich\ngewann, lässt mich nicht los! In der Tat\nist das Ziel, welches die beiden mir gütigst\nüberlassenen Aufsätze aufrichten, auch das\nHöchste, das jeden Künstler erfüllen muss.\nDer Weg dahin??? . . .\n. . . Anbei schicke ich Ihnen das gewünschte\nGedicht*) und zwar in doppelter Ausführung.\nBeide unterscheiden sich nur durch ein\neinziges Wort. Mir scheint die angekreuzte\nFassung stärker und besser. „Welkes Laub\"\nklingt zwar weicher und melodischer, aber\nmeinem Empfinden nach auch unbestimmter,\nwährend „Laubwelk\" mehr den Begriff des\nDuftes enthält, auf den es mir ankommt.\nAuch fällt dadurch der doppelte aufeinander\nfolgende Wortanfang mit W fort, den ich\ngerade deshalb vermeiden möchte, weil ich\ndie Vorsilbe „ver\" als Gefühlswecker des\nVergehens, des Verlassens absichtlich ge-\nhäuft habe. Endlich erweckt in mir die\nHäufung des „T\" mit nachfolgendem „L\"\nauch eine Vorstellung des Gleitens, des Vor-\nbeiwehens des Atems! Also alles Gründe,\nweshalb ich die letzte Fassung bevorzuge;\ndoch will ich mich noch nicht endgültig\nfestlegen, da ich noch zu tief drin stecke\nund überlasse Ihrem Gefühl daher die Wahl!\nAnbei schicke ich Dir die Korrektur. Es\n*) Untreu aus „Du\" / Liebesgedichte\nsind einige Kleinigkeiten drin. Besonders\nerwähnenswert erscheint mir die vorletzte\nZeile,*) in der das Wort „schamzerpört\"\nzu „schamzerstört\" geworden ist. Ich weiss\nnicht, ob da nur ein Lesefehler oder eine\nBegung des Sprachgefühls des Druckers vor-\nliegt. Jedenfalls sagt mir schamzerpört\nmehr als das andere. Scham und Empörung\nringen miteinander und die Scham zerdrückt.\nAuch „schamempört\" sagt das lange nicht;\nausserdem liegt das Wesen des Wortes\n„empören\" meinem Gefühl nach nicht in\ndem „em\", das höchstens für die Wortlehre\nals Erklärung Bedeutung hat, für das Ge-\nfühl liegt der Begriff des empören aber\nlediglich in dem „pören\" oder vielmehr\neinfach vollständig in der einen Lautver-\nbindung „pö\". Lass übrigens die beiden\nStriche darüber fort und der ganze Begriff\nstürzt zusammen! Deshalb halte ich scham-\nzerpört hier für das einzige alles-sagende\nWort. Ich traue dem Drucker nicht, der\ndenkt! . . .\n. . . Die Gedichte schicke ich Dir schon\nheute. Vielleicht findest Du ein paar Augen-\nblicke, sie durchzusehen mit einem kritischen\nAuge. Es überhört sich ja doch leicht et-\nwas beim Vorlesen und der wirkliche Ein-\ndruck ist oft nachher ein ganz anderer. Nur\nkeine freundschaftliche Schonung\n4»\n. . . Und um mich rum schwitzen die Akten!\nIch tropfe ordentlich! Und das Manuskript\nvor mir brütet dumpf, dumm, immer dümmer!\nEin Entwurf zu einem neuen Postzeitungs-\ngesetz oder so was ähnliches. Und dazu ich,\ngerade ich. Als ob das alte Gesetz nicht\nschon schlecht genug wäre!\nIn der Stunde des Scheidens noch schnell\nmeine herzlichsten Grüsse. Gehen wir\nhinein mit Zutrauen und Schicksalsmut.\nWas kommt, ist unabwendbar und damit\nbasta. Ich wünsche Euch das beste und\nschönste, Gesundheit und Festigkeit . . .\n. . . Ihr Lieben! Vor dem endgültigen Aus-\nmarsch drängt es mich, Euch noch schnell\nzu grüssen. Ich führe die 3. Kompagnie\nErsatz Bataillon Landwehr Infanterie Begi-\nment Nr. 110. . . .\n*) In dem Gedicht Freudenhaus aus „Du\"."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4068, "texte": ". . . Vielleicht kann ich Euch nicht mehr\nschreiben, nicht noch mal. Der Morgen\ngraut. Seid tapfer. Was ich kann, wird\nsicher ein anderer besser können. Denkt\nan mich, an einen, dem das Selbstgetreu\nim letzten Grunde trotz allem immer mehr\nals ein Wort gewesen ist. Nein! Denkt an\nEuch nur an Euch. Euer Bruder\n... Ich schicke Dir nächstens wieder einiges\nunsortierte zur Bearbeitung. Ich bewundere\nDich. Wie Du in diesen schweren Zeiten\ndas alles durchhältst ist ein Meisterwerk.\nIch bin stolz auf solchen Freund\n... Ihr Lieben, Lieben! Dank, Dank, Dank\nfür Bücher und Briefe. Das erfrischt. Du\nStarker. Du bist wirklich ausserordentlich\nstark. Du kannst wirklich alles\n. . . Wenn ich heimkomme, lass ich mich\npensionieren und werke. Ich platze von\nWerken. Reifen. Reifen. Was ist Zukunft?\nNur die Gegenwart lebt. Ihr lebt. Ihr Lieben.\nUnd ein Stück von meinem Leben seid\nIhr\n. . . Deine Enthüllungen sind famos, ich\nhabe mich köstlich amüsiert. Man muss\nsich nur wundern, dass so etwas, woraus\nDu Proben gibst, unter dem Namen Dich-\ntungen zu figurieren wagt. Ein bischen\nSchamgefühl hat doch jeder. . . . Aber eins\nist sicher kein Wahnsinn: so geht es nicht\nweiter mit dem deutschen Geistesleben.\nIch habe mir jetzt ab und zu Zeitschriften\ngesucht und durchgeblättert. . . . Wo ist all\ndas Wissen und Wollen geblieben, auf das\nman doch früher immer noch hier und da\nstiess und das immer noch den Flaum über\nalles schlechte Können legte. . . . Ich habe\ngesonnen, womit ich Euch erfreue. Ratlos.\nDa überfiel mich das Gedicht. Legs irgend-\nwo in die Mappe zu Deinen Erinnerungen.\nWenn Du es für Wert hältst, mach damit,\nwas Du willst. Veröffentliche es auch oder\nnicht. Es soll Euch beiden nur eine Freude\nsein. Ein Zeichen meines Gedenkens, Dankens,\nmeiner Freundschaft! Zugehörigkeit! Ver-\nwachsens. . . .\n. . . Es sind 31 Stück. Vielleicht kann das\n„Freudenhaus\" wegbleiben, wenn es zuviel\nsind. Es passt aber ganz gut und gibt zu\nvielen erst die Schlüssel. Du wirst es schon\nmachen. Ich lege alles vertrauensvoll in\nDeine Hände\n. . . Wenn Du ihm aber den Brief vorlasest,\nso wirst Du schon wissen warum, denn Du\nweisst, was Du tust. Du bist ein Starker.\nEin Riesenstarker. Dir kann ich mich geben,\nwie ich bin. In meinen stärksten Nerven-\nerschütterungen. Du verstehst mich. Das\nzeigt mir die wunderbare Anordnung des\n„Du\", das wurde mir auch jetzt wieder\nklar in der neusten Sturmnummer. Das\nerste und das letzte Gedicht. Entsinnst Du\nDich'? Du hattest an beiden was auszusetzen.\nDu hast Recht. . . . Du hast Recht, beide\nGedichte sind unvollkommen. Im ersten\ndie letzte Zeile ist schwach, das letzte ist\nunabgetönt. Du hast Recht. Ich bewundere\nDein Kunstgefühl. Deine unbedingte Unfehl-\nbarkeit darin. Die beiden mittleren Ge-\ndichte aber sind Perlen, die mich mit mir\nselbst wieder versöhnt haben über die Fehler\nder beiden anderen. Ach Ihr Lieben ! dass\nunsere Wege uns zusammen führten, darf\nich da über mein Schicksal klagen? Nie\nund nimmer. Die Kurven laufen ineinander.\nIch fühle mich eins mit Dir, Herwarth, mit\nEuch beiden. Mir ist manchmal, wir wären\nein Ungeteiltes. . . . Dir schicke ich mal\ndas „Bluten\". Aber nur Dir! Euch! zeige\nes also keinem anderen, keinem. Es gehört\nnur uns. Mir, Dir, DU, uns. . . .\n. . . Ach Neil! Ach Herwarth! Ihr seid zwei\ntapfere Kämpfer. Ich habe Euch ja wohl\nmal letzthin einen betrunkenen Brief ge-\n« o\nschrieben. Ich weiss nicht mehr recht, was\ndrin stand. Aber das eine ist sicher, dass\nes nur liebes für Euch sein konnte. Ihr\nseid tapfer. Ihr seid zwei Kämpfer Deutsch-\nlands. Ihr seid doppelt hoch, weil in Euch\nauch nicht das geringste Musskämpfertum\nliegt, wie in uns allen hier mehr oder\nweniger, die sich ihrer Haut wehren. Ihr\nkämpft freiwillig für freierkanntes, freige-\nfühltes. Ihr kämpft nicht, weil die äusseren\nFeinde Euch zwangen, Ihr kämpft von innen\nheraus, Ihr zwingt Euch den Kampf auf um\nhöchste, hohe Güter, Ihr seid der Kampf\nselber, Der Sturm. Der Sieg aber ist immer\nein unzuverlässiger Geselle. Der fragt nicht\nnach Wert oder Nichtwert. Der fragt nach\nden Kräften! Und die sind Eure! Das Un-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4084, "texte": "erschiitterliche! Das Festhalten in allem\nBrechenden! Das Stehen in allem Wankenden,\nUnsicheren, das bürgt den Sieg. Ach Kinder!\nEs ist wohl schwer! Sehr schwer! Das\nLetzte aber siegt immer! Künste taumeln\ndahin! Kunst bleibt! Sie ist nicht Schöpfung,\nsie ist Urquell! Und dafür steht Ihr. Muss\nalso Eure Sache siegen? Unsere Sache? Das\n„Unsre\" aber nur mit meinem Kunstemp-\nfinden, nicht mit meinen Kunstäusserungen\ngemeint. Ach! Ich bin oft sehr, sehr un-\nzufrieden mit mir. Ich bin unglücklich,\nweil ich nichts kann! Unfähig bin zu irgend\neiner Gestaltung! Aber die Wut packt mich,\nwenn ich eine Zeitung sehe. Dieses Lügen-\ngeschmiere! Diese Entweihung alles Ge-\nwaltigen und Grossen, das man hier durch-\nlebt. Meine Lehmhöhle ist ein Weltall gegen\ndas schreibsudelnde Berlin. Ich habe noch\nnie einen solchen Ekel gefühlt gegen den\nsozusagen Journalismus. Wenn ich hier\neinen Kriegsberichterstatter in die Finger\nkäm, ich hing ihn an den Beinen auf, da-\nmit er die Welt auch einmal anders säh.\nVielleicht würde er sich dann genieren,\nworan ich bei dem lugdurchseuchten Ge-\nsindel allerdings nicht mal glaube . . . Ich\nküss Dir Deine feine tapfere Hand, Neil, die\nmir so liebe Zeilen, Worte schrieb und gib\ndem Herwarth, diesem Heerführer aller\nKunst, einen Teil davon ab! ... .\n. . . In dem Biesenkampf um Brest Litowsk.\nIhr Lieben Lieben so bin ich hier wieder\nmitten drin. . . . Und wie bin ich emp-\nfangen worden. Überall Liebe und Freude.\nIch kam mir ganz undankbar und un-\nwürdig vor, dass ich so geklagt und\nso klein gewesen und hinausgegangen\nwar aus dem Schrecken, während die\nandern hierblieben. Und was haben sie\ndurchgemacht. Als ich zur Kompagnie\nkam, habe ich geweint und als ich meine\nJangens sah oder nicht mehr sah. Die\nganze Kompagnie bestand noch aus 25 Mann\nund sie standen um mich rum wie Häufchen\nZuflucht. Als das Gerücht mir vorausgelaufen\nwar, dass ich auf dem Wege sei, hat mein\nBursche gleich eine Kuh geschlachtet und\nes wurde geschmort und jeder dachte sein\nBestes zu bringen. 25 Mann, alle andern\ntot und gefallen und verwundet. Das tut\nweh. Die Jungens haben sich so brav ge-\nhalten. Am 31. Juli, 9., 13. 15. August haben\nsie geblutet. Und ich habe gefeiert. Ich\nbin mir vorgekommen wie ein Verräter.\nMein Bursche erzählt mir, im Gefecht haben\ndie Jungen nach ihrem Hauptmann gerufen\nund die Verwundeten haben ihre Grüsse\nhinterlassen. Ich war tief, tief erschüttert.\nIch habe nicht gewusst, dass ich soviel Zu-\nneigung besass. Und ich bin doch oft son\ngrober Hund gewesen. Ich musste auch\nwieder hier Abschied nehmen, denn ich\nbin zum Bataillonsführer beim Begiment 271\nbestimmt. Werde aber nicht lange hier\nbleiben, da heut oder morgen schon der\neigentliche Bataillonskommandeur zurück-\nkommt. Vielleicht bekomme ich ein anderes\nBataillon, vielleicht führe ich auch wieder\nmeine Kompagnie. Es ist gleich, ich habe\nden festen Willen zum Leben, und bin auch\nwieder stark und sitze jetzt mitten zwischen\nCholera, Sumpf und Feuer. Und dass ich\nso stark bin, danke ich auch Euch, den\nschönen frischen, übermütigen Stunden, die\nso wenig aber auch so unvergesslich sind.\nDas hat doch alles wieder in mir wieder-\ngewälzt und mir neue Kraft für Tat und\nDenken und Wollen gegeben. Habt Dank\nIhr beiden Lieben, tiefen lieben Dank. Ja! Ihr!\nEinige Tage nach diesem Brief fiel August\nStramm. Ich habe ein Becht, zu zeigen,\nwas Herwarth Waiden für August Stramm\ngewesen ist. Und ich hatte eine Pflicht,\ndiesen letzen Brief den übrigen anzufügen.\nDieser Brief macht das Spottgedicht des\nHannoverschen Kuriers zu dem Teufels werk,\nmit dem sich die ganze deutsche Presse\nergötzt und ihrem Volk auf ewig das Becht\ngenommen hat, sich ein Volk der Dichter\nzu dünken.\n. . . . im Aprilheft Ihres Kunstblattes\ngegen Herwarth Waiden verfasst haben,\ndas Ungeschickteste. Erst, Herr Westheim,\nwollen wir Ihren sprachlichen Ausdruck\nprüfen. Das lässt sich nicht vermeiden,\nwenn man es mit Artikeln deutscher Jour-\nnalisten zu tun hat. „Herr Waiden macht\nsich das Vergnügen, mich alle paar Monate\neinmal im Sturm anzurempeln.\" „Er macht\nsich das Vergnügen\" ist eine verbrauchte"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3251, "texte": "Redensart. Herr Waiden macht Vergnügen,\naber nicht sich, sondern den Lesern des\nSturm. Für Herrn Waiden selbst ist es eine un-\npersönliche Sache, Sie zur Rede zu stellen.\nNicht um Sie handelt es sich, sondern um\nIhre jahrelange kunstgefährdende Tätigkeit.\nUnd „anrempeln\"? Was soll der studen-\ntische Ausdruck? Wollen Sie mit „an-\nrempeln\" sagen, dass Sie ein Ivomilitone des\nHerrn Waiden sind, ein Mitkämpfer, einer,\nder mit Waiden für die gleiche gute und\ngrosse Sache der Kunst voll Glauben und\nÜberzeugung kämpft? Sehen Sie nun ein,\nHerr Westheim, dass man Sie nicht „an-\nrempeln\" kann? Weil Sie kein Ivomilitone\nsind, kein Mitstreiter! (Was ich Ihnen noch\nso genau beweisen werde, dass es sogar Herr\nLeopold Survage in Paris glauben wird!)\nWas wollen Sie also mit „anrempe'n\" sagen?\nEs bleibt nur eine Möglichkeit: dass Wai-\nden Sie ohne Grund und Veranlassung be-\nlästigt, zum Spass oder aus Händelsucht,\nnicht wahr? Aber Sie schreiben selbst,\ndass Ihnen der Grund der Belästigung nicht un-\nbekannt ist: „Zweck der Bemühung ist, nach-\nzuweisen, dass ich früher einmal eine andere\nStellungzu einzelnen Künstlern eingenommen\nhätte als heute.\" Dass ich zehn Hände und\nzehn Schreibfedern hätte, mit Eins all das\nverworrene Zeug abzutun, das Sie auf dieses\nUngeheuer von Satz folgen lassen. Zunächst\nmuss ich mich mit diesem Ungeheuer selbst\nabgeben. „Eingenommen hätte?\" Hätte?\nWas heisst „hätte\", Herr Westheim? Hoffen\nSie, mit diesem „hätte\" die Tatsache aus der\nWelt zu schaffen, dass Sie früher eine an-\ndere Stellung eingenommen haben? Wie\nkönnen Sie das hoffen? Das weiss jeder\nMaler und jeder Kritiker sogar in Deutsch-\nland. Und „einmal\", nur einmal sollen\nSie eine andere Stellung eingenommen\nhaben? Hundertmal haben Sie es getan,\nHerr Westheim, hundertmal! Und gegen-\nüber „einzelnen\" Künstlern? Herr West-\nheim, wo bleibt Ihr Gedächtnis? Gegen-\nüber hundert Künstlern -haben Sie früher\neine andere Stellung eingenommen, das\nweiss jeder Maler und jeder Kritiker in\nDeutschland. Aber vielleicht, Herr West-\nheim, können Sie hier mit mir nicht mehr\nSchritt halten. Und wirklich, ich habe\neinige Sprünge gemacht. Ich soll Ihnen\nerst beweisen, dass Sie Ihre Ansicht ge-\nändert haben. Oder geben Sie es vielleicht\nselbst zu? Doch wohl: „Es hätte wohl\nauch keinen Sinn, der betreffenden Stelle\n(dem Sturm und Herwarth Waiden) klar-\nzumachen, dass Künstler ja keine Maschi-\nnen sind, die sich in ihren Produktionen\nein für alle Mal gleichbleiben.\" Alle Ach-\ntung, Herr Westheim, vor dieser geistreichen\nBemerkung! Sie steht wahrlich auf der\nHöhe Ihres gesamten Kunstverstandes. Nein,\nes hätte keinen Sinn, uns klarzumachen,\ndass Künstler keine Maschinen sind. Wir\nhaben wahrhaftig geglaubt, Künstler seien\nMaschinen, nichts als Maschinen. Aber im\nErnst gesprochen, Herr Westheim, was be-\nzwecken Sie mit solchen harmlosen Witzen?\nWen wollen Sie denn mit solchen Ab-\nlenkungen von der Sache dumm machen?\nDie Leser des Kunstblattes? Ja, um Gottes-\nwillen, lesen denn das Kunstblatt nur Blöd-\nsinnige? Lesen denn das Kunstblatt nicht\nsogar ganz aufgeklärte Schwachköpfe, denen\nweiter nichts vorzuwerfen ist, als dass sie\nalle die Sinnlosigkeiten glauben, die sie im\nKunstblatt finden. 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"page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2432, "texte": "Sieh Bein I\nDarum hassen Kompagnieführer Adjutanten\nDarum hassen diese jene\nHalz ist Zusamenarbeit\nTäglich arbeiten sie mit roten Köpfen\nzusammen\nTagesbefehle, Draht, Schriftverkehr,\nMeldungen\nTintenkrieg\nEinigkeit und Recht und Frechheit\nAuf Vorteile bedacht\nWann haben alle Nachteile?\nAn Feuertagen\nKommen Fälle vor?\nSie bitte nach ihnen\nGranaten entlarven\nSchicksalsschläge oder Volltreffer\nWer nie im Trommelfeuer lag, weife nicht\nwas Nächstenliebe tut\nWer log im Trommelfeuer nie?\n* *\n*\nTrommelfeuerwehrleute\nArtillerie\nÜberall die gleiche Milzwirtschaft\nLauter Kanonen\nChristliche Langrohre\nProtzen\nProtzige Stäbe\nTierquälereien\nViehisch\nScherze nie ein Tier zur Qual, Rofzarzt\nHerr Oberveterinär\nIlzt mit Stäben\nFeldbesteck\nFeldapotheke\nHerr Schmierfink\nMit Gläsern, Büchsen rings umstellt\nVollgestopft\nDas heifzt eine Welt\nVornehme Leute\nHalbwelt in Waffen\nNehmen Sie jetzt Artillerie vor?\nNehmt mir das Gelichter ab\nNächstenliebe mit Brennzünder\nWas ist vornehmer?\nNächstenliebe mit Verzögerung\n(Pioniere)\nWas ist noch vornehmer?\nSetzen Sie sich nicht auf's hohe Pferd\n(Jarde-Kanaillerie)\nVöllig ungefährlich\nSieh Kino\nOder Platzkommandantur\nSchlachtpolizei\n(Reitendes Heldensieb) •\nWas ist noch vornehmer?\nTrain\n(Auserwähltes Volk)\nWas ist noch vornehmer?\nTun Sie nicht so von oben herab\n(FLIEGER)\nFlucht aus den Gxäben\nUm nicht in die Luft zu gehen\nSo paradox sind Feiglinge\nWas ist noch vornehmer?\nSeewehr\nMarinierte Heeringsleitung\nFlotte Seekrankheit\nOder verschärfter U-Bootkrieg\nDas Vornehmste?\nMarineflieger\nSie halten sich nie lange über Wasser\nNoch vornehmer?\nTankkutscher\nDa steh ich nun, ich armer Tor\nDas war Aufschlag- und Brennzünder\nMit Verzögerung\nSpät kommt ihr\nHier wird sichllich scharf geschossen\nIhr habt alle blind geschossen\nScharfschützentrupp\nZielfernrohrbüchsen\nBefehl von OBEN: Abschiefzen von Gegnern\nist als Sport zu betreiben\n(Vorher gut frühstücken)\nWas ist noch vornehmer?\nMusketenbataillon\nAlte Spritzbüchsen\nWer ist noch vornehmer?\nWer wird noch weiter vorgenommen?\nAm weitesten wird Fufzvolk vorgenommen\nDer Musketier ist der Vornehmste\nDas Tier ?\nDer Feldmarschmiifzige\nMarschkolonne!\nAha, Herr Leutnant Zugführer\nHaupt am ersten Unterrumpf\nDer Zug rümpft die Nasen\nDas Haupt ist naseweis\nHaupt weist auf Tapferkeit hin\nEs zieht nicht mehr\nWas ist Tapferkeit?\nAlle fragen, keiner sagt die Wahrheit\nAlle verstellen sich\nTapferkeit ist Einbildung\nAch wo\nTapferkeit ist, wo geschossen wird"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2580, "texte": "Drücken Sie sich genauer aus\nTapferkeit ist, wenn sich alle drücken, wo\ngeschossen wird\nFalsch\nIst wenn ist falsch\nTapferkeit ist, weil Feigheit bestraft wird\nWenn sie bemerkt wird\nWer?\nFeigheit natürlich\nNatürliche Feigheit\nAlso Angst\nJawohl\nUnsinn\nTapfer ist, wer Orden hat\nNoch genauer\nTapfer ist, wer keine nimmt\nGanz eindeutig\nTAPFEBist, wem allein eigene Fulztapfen\nfolgen\nDer ist Tapfer\nEiner, der sich aufbäumt\nZum Baum Erkenntnis\nAlle Feigen schüttelt er\nFeiglinge fallen ihn an\nSie sind so feige, dalz sie angreifen\nMassenweise\nDas ist keine Art\nTapfer ist, wer fällt?\nTapfer ist, wer stehen bleibt\nTapfer ist, wer läuft\nAuch Feiglinge fallen\nAuch Feiglinge bleiben, stehen, laufen\nWas ist Tapferkeit?\nWas weilz ich?\nTapferkeit ist, wenn einer nicht weife was\nsie ist\nTapferkeit ist nicht so einfach\nSie mulz bemerkt werden\nMerken Sie sich das\nTapfer ist, wer vorangeht\nAber bitte nach Ihnen\nTapfer ist, wer folgt\nAber Vorgänger werden hintergangen\nKeiner folgt\nFolglich geht Herr Zugführer hinten\nFolglich geht niemand vor\nUnd das soll vorkommen?\nLeithämmel gehen voran\nSauhirten treiben vor sich her\nMan mulz nur Schwein haben\nEs kracht\nHerrn Zugführer trifft Pech\nAlso Brandgranate\nSchwefelbande!\nEr mulz das letzte Wort haben\nTote werden ersetzt\nGenug im Konferenzzimmer\nHier mulz mit eisernem Besen gekehrt werden\nBefehl, Herr Major\nNeue Besen bekehren nicht\nNiemand kehrt sich an sie\nNicht? Schweinebandel\nGreifen Sie durch, Herr Leutnant\nBefehl, Herr Major\nGreift nur hinein\nSchon reingetreten\nWenn ihr euch packt, dann wird es\nEs bilden sich Meinungen\nGruppen bilden sich Meinungen\nWas hat er gesagt? Schweinebande?\nSchweinehund!\nSieh dir vor, Jungekin!\nHerr Leutnant geht vor\nGruppen hat er im Bücken\nSchulz im Nacken\nHinterrücks\nSoldat oder Meuchelmörder\nDennauchSoldaten sindgefiihlvolleMenschen\nWas ist der Mensch?\nDer Mensch ist zu ersetzen\nSoso\nWieder Ersatz\nZufällig ist der nächste Herr Ersetzer Mensch\nAlso kein Ersatz\nAlso kein Soldat\nAlso schwärmt sein Zug für ihn\nAber zu langsam\nMeinen die Vorgesetzten\nHerr Zugführer, das Schwärmen muss\nschneller gehen. Schwarmlinien dürfen\nnicht gehen, müssen laufen, stürzen, hoch-\nschnellen, laufen, knattern. Bringen sie\nZug in die Schwärme, lassen Sie den Zug\nnoch amal schwärmen\nZüge schwärmen nicht für Schwärmen\nBefehl, Herr Oberstleutnant\nOberster Satz: Quäle nie!\nHerr Zugführer quält VOBGEHETZTE nicht\nEr tut nur so\nWegen der Vorgesetzten\nTatsächlich tut er sachlich seine Pflicht\nNimmt die Stellung\nHält sie\nDrei Gegenangriffe abgewiesen\nSieh Heeresbericht\nUnermüdlich\nTut kein Auge zu\nEndlich gähnt er"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2558, "texte": "Und stellt seinen Stellvertreter\nVier Führeraugen fallen zu\nFeind fällt ein\nGegenangriff vier gelingt\nKriegsgericht\nSie haben geschlafen\nStrafversetzung\nGeheimbefehl: Unschädlich machen\nEs macht sich\nVersetzten geht Verruf voraus\nWarte Bürschchen!\nHalbzug Schläfer bildet die Spitze. Spitzen-\nführer Leutnant Schläfer. Sofort antreten!\nSpitzen fallen mit tödlicher Sicherheit\nEs trifft sich gut auf glatter Strasse\nVolltreffer\nTrefflich beseitigt\nVolltreffer\nZeugen beseitigt\nHalbzug Schläfer schläft noch heute\nMassengrab\nSpitzbübisch\nNa, wenigstens anständig wettgemacht\nJa, auch Verbrecher haben Standesehre\nNur kein Geschrei\nWer keinen Schaden nimmt, nimmt Ver-\ndienstkreuze\nNur Puppen\nDer nächste Zugführer\nEin Puppenheim\nEin heimlich Verlobter\nMeine Braut\nSehr nette Aufnahme\nEigentlich haben Sie doch ihr Bild im Kopfe?\nDieses Abbild trage ich im Brustbeutel\nSchuss im Abbilde\nBrustschuss\nKopfschuss im Abbilde\nSind Sie im Bilde?\nDu unheimlich Verlobte\nEr ging an deiner Seite\nFrisch und fröhlich\nFrischer, fröhlicher Krieg\nMeint Herr Feldwebelleutnant\n(Kopf am zweiten Unterrumpf)\nKnopf am Kragen\nZwitter\nHalb Leutnant, halb Bartbinde\nSieh Reissen und rechte Herzklammer\nGute Feldwebelleutnants schonen\nSchonungskrank\nEr niest auf den Tod\nBitte nach Ihnen\nGesundheit, die Herren!\nSind Sie krank, Herr Zwitter?\nKerl wie ich'? Kerngesund! Alter, aktiver\nSoldat. Junggeselle. Nanu!\nDer alte Esel ist jüngster Leutnant\nJeder Leutnant ist ein Esel\nWozu gibt es Offizierstellvertreter?\nSieh Kantinenschwengel\nDen haben sie geschwenkt\nSchatz mach Kasse\nKassen machen Schätze\nKennst du das Lied vom braven Mann?\nEr hat einen guten Griff\nGriffe im Zuge\nEr hat einen guten Zug\nSchnaps bleibt Schnaps\nEinen in Ehren\nMehrere in Reserve\nSchnaps der Leute? OfTensivgeist?\nMein ist der Schnaps. Und mir gehört er zu!\nZum Wohl, Kamerad\nZigarre, Herr Kamerad?\nZigarre hat keinen Zug?\nNein, der Zug hat keine Zigarren\nJetzt kann er sich auf ihn verlassen\nSie haben ihn auf dem Zuge\nVorbildlich erzogen\nEs raucht im Zuge\nEs kommt Zug in die Kolonne\nZugkolonne!\nEine Marschkolonne läuft hinter ihm\nEr läuft ä la carte\nKarte sieht doppelt\nEs läuft nicht gut ab\nReihenkolonne!\nAb und zu fällt einer\nAb und zu fehlt einer\nVom Austreten zurück\nAb und und zu reisst die Verbindung ab\nTapfer ist, wer vorangeht\nResoffen ist, wer vorangeht\nWas ist Tapferkeit?\nKolonne zu Einem!\nZug vereinsamt\nBröckelt ab\nSchwere Brocken\nKommt denn heute keine Ablösung?\nSie schläft\nZu Zweien\nEinzeln\nEiner schläft\nIm Schlaf wird sein Zug erschlagen\nWach auf, mein Scherz!\nMorgenrohot\nDämmert's"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2005, "texte": "Ist das die Möglichkeit?\nDas ist die Wirklichkeit!\nDas gibt es nicht\nDas gibt sich nicht\nSie übertreiben\nIhr hintertreibt die Wahrheit\nEs gibt alles, was es gibt\nEs gibt noch dritte Züge\nDritte-Zugführer\nZugführerstellvertreter\nAm Schluss ein schliessender Feldwebel\nZugführerreserve\nMenschenersatz\nSogenannte Leute\nMenschen sind unersetzlich\nLeutematerial ist ersetzbar\nUnd das Ideal?\nDie gute Sache?\nGute Nacht\nKeine Idee?\nNein. Nur I. D.\nI. D?\nJa. Nur Abkürzung\nInfanterie-Division\nSonst kein Gedanke?\nSonst keine Vision\nDanke sehr.\n* *\n*\nNur das Buch macht den Mann\nKompagniefeldweibel\nMit 100 Listen\nDer Listigste\nWat wollen Sie? Wollene Decke?\nJawoll!\nIs nich!\nEr aber ist gut eingewickelt\nEr wickelt alle ein\nGerollt und gewickelt\nKompagnions, Kompagnieführer, Majore\nZahlmeister, Zugführer, Adjutanten, Re-\nserveonkel, aktive Gauner\nAlso besonders die Herren von die Nachbar-\nkompagnien\nHerr Feldweibel in der Rolle als\nStammrolle ist Hauptrolle\nGeldrolle\nStamm ist im Rollen\nStamm-Mannschaft\nDonner rollt den Stamm\nGraben wird aufgerollt\nStamm zersplittert\nStammrollen werden splittersicher geführt\nFührende Rolle\nDoppelte Buchunterführung\nSplitter werden gebucht\nGedankensplitter\nSplitterwirkung\nWirkungsfeuer\nT rommelfeuer\nSie kennen das Feuerwerk\nSieh Kaffernschlacht\n(ALTE AFRIKANER)\nSelbst dort ist Michel beliebt\nVom Roller spielen\n(Räuberschiller)\nNot more\nAlter Wollkopf, Frieda sei mit dir\nSie kennen uns Feuerfresser\nAus ihren Verlustlisten\nDie Heroen\nMeinen Sie nicht Hereros!\nRoss!\nIch finde nicht mehr durch\nDurch Dick und Dünnpfiff\nHier ist Elefantenspur\nWaren Sie auch in Afrika'?\nNein nicht. Bedaure nicht\nDer reine Karl May\nVerdammte Schreiberei\nSie kennen das Feuerwerk, sage ich\nSieh Kriegsspiel oder Flurschaden\nVerfluchte Befehle\nVerdammter Fernebrecher\nVerfluchter Fernsprecher\nRuhe! Ruhe!\nAlles zweimal lesen\nBefehl ist Befehl\nWie befehlen Herr Leutnant?\nBierabend\nBefehl, Herr Leutnant\nTrinken ist Dienst\nWer nicht liebt Bier, Rauch, Gestank\nRotwein mit Sekt\nSchluss folgt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.4.1", "titre_corps": "Albert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde / Vierfarbendruck", "titre_sommaire": "Albert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde / Vierfarbendruck", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 58, "texte": "Albert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde / Vierfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.5", "titre_corps": "Rudolf Blümner: Volkshymne", "titre_sommaire": "Rudolf Blümner: Volkshymne", "signature_source": "H. 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Der Sturm sucht für diese\nMusik eine Dichtung, die diese Musik künstlerisch einwandfrei,\nsinnfällig, zeitlich und räumlich unbeschränkt, in Worten gestaltet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.5.1", "titre_corps": "Harmonisierung von Herwarth Waiden", "titre_sommaire": "Harmonisierung von Herwarth Waiden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.15", "debut_caractere": 34, "fin_caractere_exclue": 68, "texte": "Harmonisierung von Herwarth Waiden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "116", "image_debut": 18, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.6", "titre_corps": "TRAN Nummer 13", "titre_sommaire": "TRAN Nummer 13", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.18", "debut_caractere": 2007, "fin_caractere_exclue": 2371, "texte": "TRAN Nummer 13\n\nDas Privatscheuertuch\nBeiträge zur Phaenomenologie des kritischen\nGenusses *)\n„In einem solchen kritischen Augenblick,\nda alle kaum gewonnenen Masstäbe\" des\nKritikersG.F.Hartlaub „wieder problematisch\nzu werden drohen, betritt man (man - G. F.\n*) In Anlehnung an G. F. Hartlaubs Artikel: „Deutscher\nExpressionismus\", 15. 7. 20 / Frankfurter Zeitung"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4418, "texte": "Hartlaub) eine grosse Ausstellung in Darm-\nstadt.\" Die Allerhöchsten Herrschaften\ngingen zur Kirche und beteten zum Höchsten.\n(Würde mit Drahteinlage.)\nZunächst „schneidet\" man „leichtsinnig die\nFrage einer Umschau an\", scheibenweise,\nwie Beutelwurst etwa. Man (-G. F. Hartlaub)\nschaut hier um und da um, diesen um und\njenen um, bis er so ziemlich alles umge-\nschaut hat. (Die Herren Kritiker führen\nBuch, zum Abreissen.)\nDarauf bringt Herr G. F. Hartlaub auto-\nmatisch eine Art von Querschnitt zustande:\n„Eine Farbenromantik, wollüstige Farben-\ntraumkunst, die beständig hemmungslos in\nGeheimnissen schwelgt\", und „eine Art von\nHellsichtigkeit für Halbseelisch-Fluidales,\nAurisches, scheint Allgemeingut geworden\",\nso sehr Allgemeingut, dass Herr G. F. Hart-\nlaub diese Dinge auch schon erkennt. (Im\nnächsten Augenblick galoppiert ein Unter-\nlehrer.) „Man taucht in sinnlich-übersinn-\nliche Farbenstrudel, Gefühls- und Gedanke-\nnformen, Sehen und Hören vergeht Herrn\nG. F. Hartlaub, es wird ihm ganz wässerig\nvor den Ohren. „Aber es ist erschreckend,\nwie sich dies Verlieren, dies gestaltlose\nSchwärmen, dies Gemisch von Theoretik,\nmystischer Schwelgerei rächt.\" Na endlich!\nAber warum tun Sie denn das, Herr G. F. Hart-\nlaub? Ich bin auch ganz erschrocken über\nIhr sich Verlieren, Ihr gestaltliches Schwär-\nmen, dies Gemisch von Theoretik und\nSchwelgerei in Ihrer Kritik. Sie nennen\nso etwas ja einen „kosmischen Wirbel\",\nnicht wahr? (Wir müssen siegen!) Und Sie\nmeinen ja, dass sich dabei „die Einheit der\nschöpferischen Persönlichkeit in fast krank-\nhaftem Sinne aufzulösen droht\". (Hier fühle\nich, dass Ihr bitter werdet!) An dieser\nStelle scheint sich tatsächlich die Einheit\nder schöpferischen Persönlichkeit Herrn G.\nF. Hartlaubs in fast krankhaftem Sinne auf-\ngelöst zu haben. Schade, dass er gerade\nin diesem aufgelösten Zustande des kos-\nmischen Wirbels vor die „anspruchsvollen\nSinfonien und Kompositionen\" Muches,\nBauers und vieler anderer „in Fortsetzung\ndes hier ganz ungenügend veitretenen\nKandinsky\", sowie vor meine Bilder ge-\nwirbelt wird: (Menschen sind kosmische\nLächerlichkeiten, confer Nebel) „oder der\nganz über Verdienst bestaunte und bespottete\nSchwitters mit kunstgewerblichem Witz den\nKubismus Pikassos in alten Plunder um-\nsetzt.u Wir alle werden in einem Satze\numgeschaut.\nArmer Mann! (man) Wie kann man etwas\nfassen, wenn man keine Fassung hat?\nSchade, wenn wir doch wenigstens eine\nArbeit in kammermusikalischem Format\ndabei gehabt hätten, das scheint ja für Herrn\nG. F. Hartlaub ein Kriterium für musik-\nähnliche Kunst zu sein. (Ein Weiser baut\nEuch Künstler auf.) Ein Glück, dass Paul\nKlee dieses musikähnliche Format hat, sonst\nläge auch er schon längst unter den Um-\ngeschauten. (DasßossistvomTeufelgeritten.)\nDarauf geht Herr G. F. Hartlaub „zurück\nzum Gegenstande\"! (Ein lahmes Ross wird\nabgeführt.) Es ist schade, dass er sich an\ndieser Stelle ein wenig irrt, und zwar in\nder Reihenfolge der Entwicklung; aber das\nmacht ja bei einem grossen Kritiker nichts\naus. (Wenn der Vorrat geht zu Ende,\nschieb den Schieber vor behende.) Ich\ndarf Sie doch wohl so verstehen, Herr G.\nF. Hartlaub, dass Sie Nolde u. a. als einen\nRückschlag auf unsere neusten Bilder be-\nzeichnen. Herr G. F. Hartlaub, Sie sind,\nglaube ich, der Rückschlag auf den Herrn\nKritiker, welcher demnächst erst geboren\nwerden wird. (Ein Stück Butter gibt den\nPilzen erst die rechte Weihe.) „Bescheidener\nbleibt es auf alle Fälle, und es steht unserer\nsehnsüchtigen Zerfahrenheit besser an, statt\nin Legenden und Dogmen, Mythen und\nMysterien vorläufig noch in unverbindlichen\nMärchen und Träumen sich übersinnlich -\nauszuleben.\" Armer Mann, sone sehn-\nsüchtige Zerfahrenheit muss doch was\nSchreckliches sein! Leben Sie sich, Herr\nG. F. Hartlaub, nur in Ihren übersinnlichen\nTräumen unverbindlich aus, aber sehen Sie\nsich vor, dass solche unverbindliche Träume\nnicht „allmählich steril\" werden. Vielleicht\nfinden Sie doch noch einmal behende vol-\ngitierend oder auch voltigierend den Weg\naus der kosmischen Sackgasse der theoretisch\nmystischen Kritik, sagen wir mal aus dem\nsteril gewordenen, kosmischen, wollüstig\nfeudal, halbseelisch fluidalaurischen Strudel\nzur Wirklichkeit. Ueberlassen Sie es nur\nden Künstlern, selber zu beurteilen, ob reine\nMalerei eine Sackgasse ist. Ich behaupte:\n„Die reine Malerei ist keine Sackgasse, auch\nwenn alle Gassenjungen sie in den Sack\nstecken\". (LesenSie die Formulare des Jacques,"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 125, "texte": "des berühmten Toilettemannes, über Wissen-\nschaft und Haarwuchs.) Kritiker sind kos-\nmische Kleinlichkeiten.\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "117", "image_debut": 20, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.7", "titre_corps": "Die Aufgaben des kunstwarts", "titre_sommaire": "Die Aufgaben des kunstwarts", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.20", "debut_caractere": 127, "fin_caractere_exclue": 3162, "texte": "Die Aufgaben des\nkunstwarts\n\nEine Unterredung mit Dr. Redslob\nNachdruck aus dem Berliner Tageblatt vom 4. Sep-\ntember 1920\nDr. Redslob, der den neugeschaffenen Posten\neines Beichskunstwarts im Reichsmi-\nnisterium des Innern seit wenigen Minuten\nbekleidet, und von seinem Gut in Erfürt\n(? d. R.) nach Berlin übersiedelt ist, em-\npfing mich in seinem usw. usw.\nDie Frage, wie er sich seine Aufgaben für\ndie nächste Zeit vorstelle, beantwortete er\nfolgendermassen:\n„Ich bin mir bewusst, dass die nächsten\nDezennien greifbare Erfolge in meiner\nTätigkeit nicht bringen werden. Infolge\nder Materialnot werde ich mein Interesse\nzuerst dem\" Metallkunstgewerbe zuwenden.\nEbenso beabsichtige ich, die deutsche Spitzen-\nindustrie neu zu beleben. Ich hoffe da-\ndurch, einen eingeschlafenen Kunst-\nzweig neu aufzubauen.\" (Siehe Abbild.)\n„Werden die Künstler aber auch dem\nReichskunstwart immer mit dem erforder-\nlichen Zutrauen begegnen?\"\n„I wo! Die Kerls machen, was sie wollen.\nIch werde die Sache so deichseln, dass\nich gegenüber dem Reich alle Schuld auf\ndie verflixten Künstler schiebe und gegen-\nüber den Künstlern das Reich verant-\nwortlich mache, wenn beim Neckarkanal\nnichts herauskommt. Jedenfalls schaue\nich den Tiefbauingenieuren scharf auf die\nFinger.\"\n„Was nützt es Ihnen, wenn Sie z. B. die\nSchleusenhäuschen am Neckarkanal denk-\nbar künstlerisch ausgestalten, aber keinen\nEinfluss auf einen Fabrikbau nehmen\nkönnen, den irgend eine Privatfirma un-\nmittelbar neben dem Schleusenhäuschen in\neinem unmöglichen Stil errichtet.\"\n„Ich werde schon dafür sorgen, dass mir\ndie Fabrikanten nicht den ganzen Neckar-\nkanal verschandeln.\"\n„A propos Neckarkanal — würden Sie eine\npersönliche Spitze darin erblicken, wenn\nich mir die Frage gestatte, warum die neuen\nFünfpfennigbriefmarken jetzt braun statt\ngrün sind? Hängt das mit dem Expressio-\nnismus zusammen?\"\n„Berühren Sie nicht diesen kitzligen Punkt.\nIch weiss zwar sehr gut, däss das Ausland\ndie deutsche Kunst nach den deutschen\nBriefmarken beurteilt, aber trotzdem werde\nich dafür sorgen, dass auf den zukünftigen\nBriefmarken nur angesehene Künstler\nzu Worte kommen. Ich meine das natür-\nlich bildlich, hahaha! Unter angesehenen\nKünstlern verstehe ich solche, die von der\nbreiten Masse für Expressionisten ange-\nsehen werden. Es kommt nur darauf\nan, dass sie in Wahrheit keine Expressio-\nnisten sind.\"\n„Haben Sie schon einmal darüber nachge-\ndacht, ob es überhaupt notwendig ist, Brief-\nmarken mit Kunstwerken zu versehen, oder\nob es vielleicht richtiger wäre, die Marken\nnur durch Farbe und Zahlen zu unter-\nscheiden?\"\n„Ehrlich gestanden, habe ich darüber noch\nnicht nachgedacht. Ausserdem beabsichtige\nich ja doch, durch die Briefmarken die\ndeutsche Kunst im Auslande zu propagie-\nren.\"\n„Gleichzeitig damit würde es mich inter-\nessieren, zu erfahren, was Sie für die Ein-\nführung eines neuen Reichsadlers zu tun\ngedenken?\"\n„Der Reichsadler ist ein ekliges Biest und\nmacht mir viel Kopfschmerzen. Ich beneide\ndie Österreicher, weil ihr Adler zwei Köpfe\nhat. Aber wo nehme ich bei einem"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1243, "texte": "Kopf die Symmetrie her? Nächstens stelle\nich alle Entwürfe aus. Da werden Sie\nsich totlachen.\" (Siehe Abbildung.)\n„Glauben Sie auf die Gestaltung des Plakat-\nwesens Einfluss nehmen zu können?\"\n„Die Sache ist schon gefingert. So haben\nwir z. B. die Mauern der Gärten in der\nKöniggrätzer- und Budapester Strasse an\ndie Deutsche Fürsorge, Berlin, verliehen.\nDort werden zum ersten Male künstlerische\nPlakate ausgehängt werden, wobei wir\nKünstlern aller Bichtungen Gelegenheit zur\nMitarbeit geben. Selbstverständlich mit Aus-\nnahme der Expressionisten. In allererster\nLinie aber werde ich der deutschen Mode\nauf die Beine helfen. Selbstverständlich\nkann Schmidt-Bottluff nicht allein alle Hosen\nbauen. Dazu brauchen wir einen grossen\nMitarbeiterstab, den ich aus den Kreisen\nder Künstlerschaft nicht nur von heute,\nsondern auch der Künstlerschaft von vor-\ngestern zu nehmen gedenke.\"\n„Sie sprechen von vorgestern. Gedenken\nSie auch der Tatsache, dass die Künstler\nbald dahinterkommen, dass Sie selbst von\ngestern sind?\"\n„Das kommt mir auch bald so vor. Ist\nmir aber ganz egal. Ich habe fünfzehntägige\nKündigungsfrist ausgemacht. Dann kommt\nein neuer Kunstwart und lässt neue Hosen\ndrucken. Es lebe die Mode! 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Eines Abends,\nals er grade eine der schönsten Austern\nzum Munde führte, hörte er, wie ein Gross-\nkaufmann hinter ihm sagte: „Mensch, lass\nDir die Haare schneiden\".\n* *\n*\nMan weiss, dass Goethe auf die Berliner\nnicht gut zu sprechen war. Als er einst\nzum Besuch seines Freundes Nicolai in\nBerlin weilte, konnte er es nicht vermeiden,\nauf dem Rückweg in sein Hotel die elek-\ntrische Bahn zu benutzen. „Treten Sie in das\nInnere des Wagens\" schnauzte ihn der\nSchaffner an. Goethe erwiderte gelassen:\n„Ich weiss allein, wo ich hinzutreten habe.\"\n„So sehn Sie aus,\" sagte der Schaffner."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.9", "titre_corps": "Mitteilung an die Abonnenten des Sturm", "titre_sommaire": "Mitteilung an die Abonnenten des Sturm", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.21", "debut_caractere": 1956, "fin_caractere_exclue": 2341, "texte": "Mitteilung an die Abonnenten\ndes Sturm\nVom ersten Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. 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Damit den Abonnenten\ndes elften Jahrgangs Der Sturm unverkürzt\nzugeht, erscheint die Zeitschrift in den\nMonaten Oktober, November und Dezem-\nber 1920 als Doppelheft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c016", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.2.10", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.21", "debut_caractere": 2343, "fin_caractere_exclue": 2765, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Kritik der vorexpressio-\nnistischen Dichtung\nRudolf Blümner: Briefe an Paul Westheim\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nKurt Schwitters: Tran Nummer 13\nRudolf Blümner: Die Aufgaben des Reichs-\nkunstwarts\nRudolf Blümner: Legenden\nMichael Larionow: Zeichnung\nNatalie Gontscharowa: Zeichnung\nWilliam Wauer: Zeichnung\nAlbert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde\nVierfarbendruck\nRudolf Blümner: Yolkshymne\nOktober 1920"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-10-05-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-10-05_01#c017", "volume": "bmtnabg_1920-10-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV,\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Gampendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII,\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXL\nXI. 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Man muss also Material und\nGestaltung untersuchen, um festzustellen,\nob ein Werk Kunst ist oder nicht. Die\nKritiker gehen ausnahmslos von einer\nkünstlerischen Auffassung aus, nämlich von\nihrer eignen. Sie verwechseln also die\nWirkung einer abstrakten Erscheinung auf\nsie mit der Ursache der Kunst. Diese künst-\nlerischeAuffassung entspricht der allgemeinen\nmenschlichen Auffassung der letzvergangenen\nJahrhunderte von dem Wert der Persön-\nlichkeit. Die Persönlichkeit hat angeblich\nalles getan und soll angeblich alles tun.\nAbgesehen von den grossen Persönlichkeiten,\num die sich die Anhänger gruppieren, fühlt\nsich auch jeder Anhänger als Persönlich-\nkeit, was nach Goethe das höchste Glück\nauf Erden ist. Das Wort Persönlichkeit\nentschuldigt und erklärt alles. Der Kauf-\nmann, der mehr Geld verdient als andere,\nist eine Persönlichkeit. Die Frau, die mehr\nLiebhaber hat als andere, ist eine Persön-\nlichkeit. Jeder Mensch, der sich mit den\nschönen Künsten befasst, ist ein Künstler,\nalso eine Persönlichkeit. Es gibt keinen\neinzigen Menschen, der sich nicht irgendwo\nüberlegen fühlt. Und zwar vor allem in\ndem, wodurch er sich Vorteile schafft und\nEinzelne oder die Gesamtheit schädigt.\nPersönlichkeit ist weiter nichts als ein\nSelbstbetrug oder ein Selbstbetrogensein.\nJede Persönlichkeit strebt nach Freiheit.\nAus der Bichtung dieses Strebens ergibt\nsich das Wertlose dieser Persönlichkeit.\nDenn das Entscheidende für das Dasein\nder Menschen und der Menschheit ist die\nFähigkeit der Einschaltung der Hemmungen\nvon sich aus. Die einzige objektive Freiheit,\ndie es gibt, ist die Triebhemmung. Diese\nFähigkeit nennt man Ethik. Ohne diese\nFähigkeit kann kein Mensch und keine\nMenschheit existieren. Es ist unfrei, sich\ngehen zu lassen. Es ist unfrei, sich aus-\nzuleben. Es ist unfrei, seine Vorstellungen\nniederzuschreiben oder niederzumalen. Die\nFähigkeit der Einschaltung der Hemmungen\nin die Vorstellungswelt, die Phantasie,\nnennt man ihre Gestaltung. Und nur aus\nder Gestaltung der Vorstellungen entsteht\nein Kunstwerk. Der ethische Mensch\nbraucht nicht Künstler zu sein. Aber es\nhat nie einen wirklichen Künstler gegeben,\nder nicht ethisch empfindet. Der Begriff\nder Freiheit ist weiter nichts als ein Deck-\nwort zur Befriedigung selbstsüchtiger Ge-\nlüste. Den besten Beweis für das Ende\nder Begriffe Freiheit und Persönlichkeit\nund für das Entstehen einer ethischen\nLebensordnung bildet die immer grösser\nwerdende Erkenntnis der einzig möglichen\nmenschlichen Gesellschaftsformen des So-\nzialismus und des Kommunismus. Formen,\ndie bereits wirkliche Triebmenschen in den\nältesten Zeiten der Menschheitsgeschichte als\nlebensnotwendig erkannten und nach denen\nsie sich ordneten. Und so schwer es für die\nheutige verbürgerlichte Menschheit ist, den\nTraum von der Freiheit des Mannes in\ndem unbeschränkten Besitz von Geldmitteln\nund den Traum von der Freiheit der Frau\nin dem unbeschränkten Besitz von Lieb-\nhabern fallen zu lassen, so schwer ist es\nfür die verbürgerlichte Künstlerschaft, den\nGlauben an die Freiheit der Kunst und\nan die Ueberwindung ethischen Verhaltens\naufzugeben. Nur die sogenannte Masse hat\ntriebrichtig erkannt, dass es keine Vorrechte\nfür geistige Arbeiter gibt, wie sich Künstler\njetzt gern nennen. Vorrechte müssen vor\nallen Dingen abgeschafft werden. Es gibt\nnur ein Becht, nämlich das Becht auf Pflicht.\nUnd diese Pflicht, das heisst die selbst-\nständige und selbstwillige Einordnung, for-\ndert vor allem die Kunst.\nII\nDie Persönlichkeit fällt. Lebt der grosse\nName noch. Was ist ein grosser Name.\nErinnerung von Menschen an Erinnerungen.\nDie Gefahr dieser Erinnerungen ist die\nkritiklose Uebernahme fremder Erlebnisse.\nJedes Erlebnis ist eine Erinnerung. Aber\nkeine Erinnerung ist ein Erlebnis. Was\nist uns Hekuba. Aber was ist uns Goethe.\nEs ist bekannt, dass Goethe der berühmteste\nDichter des letzten Jahrhunderts gewesen\nist. Durch die ausgiebige Verbreitung\nsolcher Behauptungen ergibt sich der Buhm,\naus dem Buhm die Berühmtheit, aus der\nBerühmtheit die Ehrfurcht und aus der\nEhrfurcht die Erkenntnislosigkeit. Nun"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.3", "texte": "kommt es nicht darauf an, die Berühmtheit\neines Namens zu beseitigen, um einen\nandern Namen berühmt zu machen. Es\nkommt aber darauf an, die unmittelbare\nErkenntnis vom Wesen der Kunst zu fördern.\nWenn hier also ausschliesslich von Be-\nrühmtheiten gesprochen werden muss, so\nhandelt es sich nicht darum, Ruhm zu\nnehmen. Es werden diese Beispiele ge-\nnommen, weil die Werke dieser Grössen\njedem zugänglich sind und jeder nach-\nprüfen kann und mag, dass nicht nur\nmeine bösen Beispiele gute Spiele verderben.\nAufgabe dieser Kritik ist es, das Erkenntnis\nvom Wesen der Kunst so zu fördern, dass\nder Einzelne ein Kunstwerk erkennt, auch\nwenn ein Name oder kein Name einer be-\nrühmten Persönlichkeit darüber oder da-\nrunter steht. Es liegt nichts daran, dass\nnach der Erkenntnis meiner Arbeit man\nHeinrich'von Kleist, Henrik Ibsen und Lud-\nwig Anzengruber für berühmter hält als\nGoethe, Schiller und Heinrich Heine. Auch\nsie sollen nur Beispiele sein. Denn alle\nguten Spiele sind namenlos.\nIII\nGoethe gilt als der grosse deutsche Lyriker.\nDas liberale Bürgertum erkennt ausser ihm\nnoch Heinrich Heine an. Nun muss ge-\nsagt und es soll nachgewiesen werden,\ndass beide keine Lyriker sind. Goethe hat,\netwa wie in der Malerei Rembrandt, eine\nsolche Namensautorität, dass die Kenner\nGoethe nicht nach der Kunst, sondern die\nKunst nach Goethe werten. Der Beweis\nfür die Künstlerschaft Goethes wird da-\ndurch erbracht, dass man Goethe für den\ngrössten Denker und den grössten Menschen\nerklärt. Der Begriff des grossen Menschen\nist dem Begriff der Persönlichkeit gleich-\nzustellen. Was man bei Goethe etwa da-\nrunter versteht, das Freisein von nationaler\noder religiöser Beschränkung, ist eine so\nselbstverständliche Voraussetzung jeder\ngeistigen Tätigkeit, dass man dafür unmög-\nlich den Begriff der Grösse ansetzen kann.\nNun ist aber Goethe kein grosser Denker\ngewesen. Er war ein grosser Nachdenker,\nwenn man will. Ein Eklektiker. Goethe\nsagt von sich selbst, dass seine Methode\nstets eine zergliedernde untersuchende und\nnicht eine ordnende gestaltende gewesen ist.\nAus analytischer Erkenntnis heraus ist nie\nein Kunstwerk entstanden. Aus der Analyse\nkann man nur ein Kunstwerk erkennen.\nGoethe war zweifellos ein guter Analytiker.\nDeshalb decken sich seine Auffassungen über\nKunst, Dichtung und Theater noch heute\nmit unserer absoluten Auffassung der Kunst.\nKunst erkennen heisst aber nicht Kunst\nschaffen. Goethe selbst hat zur grössten\nVerwunderung seiner Verehrer seine eigne\nKünstlerschaft nicht anerkannt. Er war\nviel zu sehr nachdenklich, bedenklich, an-\nregend und angeregt, um Künstler sein zu\nkönnen. Er schrieb nicht, er beschrieb.\nEr stellte Eindrücke fest. Eindrücke von\nder Natur, von Reisen, von Menschen, von\ngriechischer und orientalischer Kunst. In\nseinen Dramen deutet er Sagen und Ge-\nschichte und Gedanken Kants menschlich\naus. Dramen sind für ihn erläuternde\nBeispiele seiner Weltanschauung eines ge-\nniesserischen freigeistigen Weltbürgertums.\nSeine Gedichte sind Beschreibungen per-\nsönlicher und erotischer Erlebnisse. Sie\nsind nie unmittelbar, haben also nur ein\nmittelbares unkünstlerisches Interesse für\ndie, die sich aus irgend einem Grunde für\nirgend einen Menschen interessieren. Seit\nJahrhunderten wird das Gehirn der Menschen\ndarauf geschult, nachzudenken statt zu\ndenken. Die Menschen werden geübt, Ge-\ndachtes aufzunehmen und zwar mit dem\nGedächtnis, statt sich Gedanken zu machen.\nDiese Gedanken gelten als absolute Wahr-\nheiten und deshalb tritt jeder für die ab-\nsolute Wahrheit ein, die er gerade gelernt\nhat. Wenn es überhaupt eine Relativität\ngibt, so ist es die Relativität der Gedanken.\nJedes Denken ist nun relativ. Denn das\nPositive eines Gedankens setzt sein Nega-\ntives voraus oder das Negative sein Posi-\ntives. Deshalb kann ein absolutes Denken\nnur dialektisch ausgedrückt werden. Die\nDialektik ist höchst unbequem für die, die\nsich auf absolute Wahrheiten beschränken\nwollen. Die absolute Wahrheit ist bequem,\naber stets unrichtig. Sie beschränkt sich\nauf einen willkürlich gewählten Teil eines\nGedankens und schliesst selbstherrlich\nseinen Gegenteil aus. Die begriffsmässige\nLogik scheidet also schon für das absolute\nDenken aus. Was kann die Kunst als Ge-\nstaltungunmittelbaren Fühlens mit Gedanken\noder gar mit verstandesmässiger Logik zu\ntun haben. Jede Beschreibung ist eine"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.4", "texte": "Feststellung. Jede Feststellung ist subjektiv,\ndenn sie hängt von dem Feststellenden ab,\nist also mittelbar. Daher haben Beschrei-\nbungen mit Kunst nichts zu tun, auch wenn\nes Beschreibungen der Seele sind, auch\nwenn die Sprache noch so schön und edel\nist, wie man es nennt. Der Künstler hat\nals Material nicht die Sprache, sondern das\nWort. Das Wort ist unmittelbar, denn es\nist die typische Gestaltung eines äussern\noder inneren Erlebnisses. Die Zusammen-\nstellung der Wörter, ihre Komposition, ist\ndas dichterische Kunstwerk. Wörter sind\nKlanggebärden. Die organische das heisst\noptisch gegliederte Gestaltung der Gebärden\nergibt das Kunstwerk Tanz. Die organische\ndas heisst phonetisch gegliederte Gestaltung\nder Klanggebärden ergibt das Kunstwerk\nDichtung. Die seelische Auslösung des\nKunstwerks hängt von dem Aufnehmenden\nab. Sie ist also nicht eindeutig und vor allem\nnicht zweideutig, sie ist vieldeutig. Es ist\nnicht die Aufgabe eines Kunstwerks, deut-\nbar zu sein oder bestimmte Gefühle aus-\nzulösen. Es ist die undeutbare Wirkung\neines Kunstwerks, körperlich und seelisch\nzu bewegen. Bewegung wird nur durch\nBewegung ausgelöst. Deshalb ist das Wesen\njedes Kunstwerks sein Bhythmus. Die Aus-\nlösung dieser Bewegung in der Musik ist\nso sinnfällig, dass sie niemand bezweifelt\nund ihr niemand widersteht. Die Aus-\nlösung dieser Bewegung in den andern\nKünsten ist ebenso sinnfällig. Sie wird\nweniger leicht aufgenommen, weil man\nsich gewöhnt hat, mit dem Verstand statt\nmit den Augen zu sehen, und weil man\ndie Dichtung durch den Verstand und nicht\ndurch das Ohr aufnimmt. Man sucht in\nder Dichtung etwas Kunstfremdes. Nämlich\nUebermiltlung von Gedanken. Aber selbst\ndie Uebermittlung bestimmter Empfindungen\nist kunstfremd, denn jede Empfindung wird\nvon jedem Empfindenden anders aufge-\nnommen. Und vor allem von dem Ge-\nbildeten, das heisst dem Menschen, der sich\nauf eine willkürliche Aufnahmefähigkeit\nbewusst einstellt.\n\nFortsetzung folgt\n\nBriefe an Paul Westheim\nZur Geschichte des Sturm und des deut'\nsehen Journalismus\n\nWer mit Schmutz kämpft, wird\nihn, Sieger oder B siegter, be-\nsudelt verlassen.\nUnbekannter Verfasser\nJetzt übergebe ich unter dem\nZwang systematischer Verleum-\ndungen das gesamte „Material\"\nfür alle vergangenen und kom-\nmenden Fälle meinem Freund\nRudolf Blümner, der es ver-\nwenden wird, wie es ihm not-\nwendig und recht erscheint.\nHerwarth Waiden, Fall Westheim\nDer Sturm / XI. Jahrgang / 4. Heft\nErster Brief\nMan weiss, dass ich schon einige Male ge-\nzwungen war, Ihnen auf die Finger zu\nklopfen, weil ich sie dort erblickte, wo ich\nsie ein für alle mal nicht sehen wollte.\nDie Menschheit, die gegen Herausgeber un-\nkritischer Zeitschriften zu allen Zeiten sehr\nnachsichtig war, weiss noch nicht, dass die\nkleinen Schläge, die ich Ihnen erteilt habe,\nmilde Züchtigung für das war, was Sie sich\nbisher haben zu schulden kommen lassen.\nZwar hat Sie Herr Kiepenheuer nach dem\nErscheinen Ihres Lehmbruck-Buches noch\nnicht zum Teufel gejagt. Und so mögen\nSie sich denn weiter an einigen künstle-\nrischen Problemen versuchen. Aber Sie\nsind vorsichtiger geworden und lassen Herrn\nvon Jawlensky lieber von einem anderen\nloben. Mit Becht. Denn es muss keine\nerfreuliche, ja sogar eine recht widerliche\nBeschäftigung für Sie sein, Ihre früheren\nBesprechungen durchzulesen. Und der\nKuckuck soll wissen, ob man vielleicht früher\neinmal Herrn von Jawlensky aufs Gerate-\nwohl einen Schmierfinken genannt oder\nnoch ein paar derbere Ausdrücke für ihn\nbereit gehabt hat. Möglich wäre es ja.\nDenn man erinnert sich dunkel, dass man\nvor Jahren die Arbeiten der ganzen Gruppe\num Herrn von Jawlensky letzten Münchener\nKitsch genannt hat. Ich lobe also Ihre Vor-\nsicht. Aber was nützt sie Ihnen, da Sie doch\nso unvorsichtig waren, in dem gleichen Heft\nIhres Kunstblatts sich einige Betrachtungen\nüber Expressionismus zu gestatten. Und\nallgemeine Betrachtungen über Expressio-\nnismus waren es, derenwegen ich Ihnen\nauf die Finger klopfen musste. Aber Sie\nhaben es sich wahrlich selbst zuzuschreiben,\nwenn ich dieses Mal zum Stock greifen muss,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.5", "texte": "so leid es mir tut, einen Mann, der durch-\naus ernst genommen werden will, vor aller\nWelt erbarmungslos zu züchtigen. Mein\nBedauern werden alle die für aufrichtig\nhalten, die wissen, dass ich zwar die Händel\nnicht suche, aber immerhin den Satz: „Wer\ndie Wahrheit kennet und saget sie nicht, der\nist fürwahr ein erbärmlicher Wicht\", nicht\nbloss bei Kommersen und in der Betrunken-\nheit gröhle. Auf denn, Herr Westheim!\nUnternehmen Sie, was Ihnen beliebt, um\nmich zu bekämpfen. Stochern Sie weiter\nin der deutschen Sprache herum. Viel-\nleicht gelingen Ihnen einige Sätze, die gut\ngenug sind, dass kein Oberlehrer sie dem\nletzten seiner Klasse um die Ohren schlägt.\nSpüren Sie meiner Vergangenheit nach.\nVielleicht entdecken Sie irgend ein Ereignis,\ndas Sie einen „Fall\" nennen könnten. Wie\nzum Beispiel, dass mir vor Jahren in einem\nKaffee mein Überzieher gestohlen wurde,\noder dass mich der Theaterkritiker Fritz\nEngel für den talentlosesten aller Schau-\nspieler erklärt hat. Auf, Herr Westheim!\nGreifen Sie zu Ihren Waffen. Ich brauche\nmich nicht zu übereilen. Ich habe Zeit.\nUnd hoffentlich Sie auch. Wir wollen sehen,\nwer von uns beiden mit Hilfe der deutschen\nSprache mehr ausrichten wird, Sie oder\nich. Sie haben für alle Zeiten das Becht\nverloren, eine Meinung zu äussern, denn Sie\nhaben für sich bereits das Becht in Anspruch\ngenommen, keine Meinung zu haben. Und\nwenn Sie Herr Kiepenheuer noch nicht zum\nTeufel gejagt hat: ich werde Sie in der\nMeinung derer, die sich die Achtung vor\nder heute so seltenen Makellosigkeit des\nUrteils bewahrt haben, so zeigen, wie Sie\nsind. Ich hoffe dabei, dass weder Sie noch\ndie Leser sich langweilen werden. Es wird\nkeine fade Chronologie sein. Ich will mir\ndie Freiheit nehmen, meine Sprünge so zu\nmachen, wie es mir gefällt. Sie dürfen also\nnicht die Geduld verlieren. Ich werde es\nIhnen schon sagen, wenn ich mit meinen\nAnklagen und Dokumenten am Ende bin.\nEinige Zeit freilich mag es dauern. Mein\nVerdienst ist es nicht, wenn es ein dickes\nBuch wird. Und es ist auch nicht meine\nSchuld, wenn ich ausser an Ihnen noch\nan anderen herumzupfe. Aber alles findet\nseine Zeit, auch meine Indiskretion, wenn\nsie mir erpresst wird. Vergnügen bereitet\nes mir nicht, in diesem Haufen von Schmutz\nherumzuwühlen, alles herauszusuchen und\nwieder so zusammenzulegen, wie die Zeit\nes auf diesen Schmutzhaufen geworfen hat.\nIch fürchte sogar, dass ich dabei meiner\nGeduld zuviel zumute. Es kann sein, dass\nich mit meinem Material und all dem\nSchmutz kurzen Prozess mache und heraus-\ngreife, was mir in die Finger kommt. Es\nmag dabei sogar einiges Durcheinander\ngeben. Und es ist möglich, dass mir da der\ntrockene Anfang und dort das überflüssige\nEnde fehlt. Aber alles wird sich zu einem\nBild zusammenfügen, und Sie, Herr West-\nheim, werden sogar erfahren, warum dieses\nBild Ihren Namen tragen soll. Denn, wer\nin Deutschland weiss es nicht, dass Sie, Herr\nWestheim\n„Er war ein Jüngling der Urleidenschaft;\ner war durchaus nicht interessiert an der\näusseren Verkörperung der Natur. Er war\ndie Urkraft und er sah die Entladung\nmenschlicher Leidenschaften im Wehen des\nWindes, im Licht und Wasser, in dem\nFlammen der Erde. Mehr als ihren Zauber\nfühlte er den Schrecken der Schönheit und\ndem übergab er sich. Sein eigenes Leben\nmuss eine Flucht vor sich selbst gewesen sein.\nEin Sonderling, der durch das Leben trieb,\nauf dieser Erde, aber nicht von dieser Erde.\nNiemals verwirrt, aber oft unglücklich, das\nFeuer seiner Begeisterung mit seiner\neignen Leidenschaft für Natur nährend.\nDas Heimweh befreite seinen Geist auf die\neinzig mögliche Weise: durch künstlerische\nExpression. Er war ein Mann über seiner\nZeit, der allein ging und dennoch Freunde\nhatte. Ein Mann, den Deutschland glaubte\nverschwenden zu können, vielleicht deshalb,\nweil er eine russische Seele hatte. Sein Tod\nbedeutet für Deutschland einen grösseren\nVerlust, als Charles Peguy für Frankreich.\"\nDieser Mann war keiner von denen, die das\nVolk der Dichter und Denker für Dichter\nund Denker hält. Dieser Mann war Au-\ngust Stramm, der bis zum Frühjahr 1914\nzwanzig Jahre lang seine Dichtungen an\ndie Zeitungen und Zeitschriften des Dichter-\nund Denkervolks gesandt hatte. Das Dichter-\nvolk sandte ihm die Dichtungen zurück.\nIch habe nie vernommen, dass einer der\nKulturverbrecher sich vor Gram und Schande\nfreiwillig aus der Welt entfernt hätte. Wohl\nist ihnen ja nicht bei ihrer täglichen Ver-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.6", "texte": "herrlichung alles Erbärmlichen. Hundert\nJahre lang brüsten sie sich schon mit der\nAnerkennung Heinrich von Kleists. Aber\nnach hundert Jahren haben sie das gleiche\nVerbrechen begangen. Und hundert Jahre\nlang werden sie wehe schreien, dass ein\nGenie verkannt wurde. Aber ich will da-\nfür sorgen, dass in Zukunft nicht zu-\nviel gelogen werde. Ich weiss, dass der\nTag kommen wird, da einer den Dichter\nAugust Stramm entdecken will. Ich fordere\ndiesen mir noch unbekannten Lumpen aber\nheute schon auf, sich das zu merken, was da\nvorhin über August Stramm zu lesen war.\nUnd ich fordere den Lumpen auf, nicht zu\nvergessen: So schrieb am 7. April 1916 ein\nAmerikaner in „Boston Weekly Transcript\"\nüber August Stramm, nachdem schon im\nJuli 1914 Henry Chassin in der Zeitschrift\n„Miscellanees\" das Wunder der Dichtung\nAugust Stramms verkündet hatte. Und der\nkommende Lump soll nicht vergessen, in\nseiner Literaturgeschichte dem deutschen\nVaterlande ein Schanddenkmal zu setzen\nund daran zu erinnern, dass der Hanno-\nversche Courier Ende August des Jahres\n1915 dieses Spottgedicht auf August Stramm\ngemacht hat:\n0\nAu\nGust! Du bist\ndas grösste\nSchaf-\nfende\ndichterisch-\ne\nGenie des\nJahr-\nhunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\nDieses hat der Hannoversche Courier ge-\nschrieben, wenige Tage bevor August Stramm\nnach siebzig Gefechten und Schlachten als\nHauptmann fiel. Ich weiss, dass es keinen\nRedakteur und Schriftsteller in Deutschland\ngibt, dem nicht vor Scham das Herz still-\nsteht, wenn er diese Schandzeilen des Hanno-;\nverschen Couriers liest. Aber was haben\nSie getan, alle meine Herren Redakteure,\nJournalisten und Schriftsteller des deutschen\nVolkes, um diese Schmach loszuwerden?\nUm zu zeigen, dass Sie nichts mit dem Ver-\nfasser dieses Spottgedichts zu tun haben\nwollen, der Ihren ganzen Stand besudelt\nhat? Nichts haben Sie getan, meine Herren\ndeutschen Redakteure, Journalisten und\nSchriftsteller. Oder glauben Sie etwa, der\nHan noversche Courier sei die einzige deutsche\nZeitung gewesen, die August Stramm in der\nniedrigsten Weise beschimpft hat? Bis Ende\nSeptember hat die deutsche Presse das Er-\nzeugnis der Roheit und der Dummheit aus\ndem Hannoverschen Courier mit Entzücken\nund Beifall nachgedruckt. Und wer nicht\nfür ihn war, war gegen ihn. Alle haben\nSie geduldet, dass das deutsche Volk gegen\nseinen grössten Dichter aufgehetzt wurde,\nbis dieses Volk anfing, sich selbst ein Urteil\nüber August Stramm zu bilden. Aber\nich sehe, Sie werden ungeduldig, Herr West-\nheim. Sie wollen wissen, was das alles\nSie angeht. Ich werde es Ihnen sagen:\nSie sollen den Namen Herwarth Waiden\nnicht missbrauchen. Sie sollen nicht mit\ndem Namen dieses Mannes ein leuchtendes\nWort in das Dunkel Ihres Gestrüpps bringen.\nHerwarth Waiden war der erste und ein-\nzige Deutsche, der Herz und Hirn für das\nGenie August Stramm hatte. Ihm hat nicht\nnur Deutschland, sondern die Welt die\nRettung der Dichtungen August Stramms zu\ndanken. Verhöhnt auch von denen, die ihm\nnahe standen,war er daran, seine Dichtungen\nin der Verzweiflung zu vernichten. Der\nSturm war sein letzter Glaube. Und Her-\nwarth Waiden war die Rettung seiner\ndichterischen Seele. Verstehen Sie das,\nHerr Paul Westheim? Ich glaube nicht.\nDenn Sie wissen nicht, was eine Künstler-\nseele ist, die von der Meute der deutschen,\nja der deutschen, der dreimal — deutschen\nPresse gehetzt wird. Furchtbar ist die\nNiedertracht der Kleinen. Ich will sie er-\nsticken.\nIch habe so oft verkündet, was AugustStramm\nfür den Sturm gewesen ist und bleibt, dass\nich das Recht habe, jetzt zu offenbaren, was\nHerwarth Waiden für August Stramm war.\nDieser grosse Tote wird nicht aus dem\nGrabe lügen wie jener Eine, an den ich\n* rühren werde. Aber ich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.7", "texte": "Natalie Gontscharowa: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.8", "texte": "kenne die Lügenbrut, aus der Milliarden\nMaden auskriechen wollen. Ich werde sie\nersticken. Und man soll erkennen, wie\nDeutschlands grösster dichterischer Genius\nHerwarth Waiden mit seinem Herz und\nseinem Wort dankte, vom Tage seiner ersten\nBekanntschaft bis in den Tod.\nAus dem umfangreichen Briefwechsel\nzwischen August Stramm und Herwarth\nWaiden, der in seiner Gesamtheit später\nerscheinen wird, veröffentliche ich, was man\nhier vernehmen soll. Der Briefwechsel be-\nginnt mit dem Tag, an dem August Stramm\nHerwarth Waiden das Drama „Sancta\nSusanna\" eingereicht hatte. Er schliesst\nmit dem 25. August 1915. Am 1. Septem-\nber 1915 fiel August Stramm.\nAus den Briefen von August Stramm an\nHerwarth Waiden\n. . . Ihre Kunst hält mich in Bann! Noch\nimmer! Der Eindruck bei Ihnen, den ich\ngewann, lässt mich nicht los! In der Tat\nist das Ziel, welches die beiden mir gütigst\nüberlassenen Aufsätze aufrichten, auch das\nHöchste, das jeden Künstler erfüllen muss.\nDer Weg dahin??? . . .\n. . . Anbei schicke ich Ihnen das gewünschte\nGedicht*) und zwar in doppelter Ausführung.\nBeide unterscheiden sich nur durch ein\neinziges Wort. Mir scheint die angekreuzte\nFassung stärker und besser. „Welkes Laub\"\nklingt zwar weicher und melodischer, aber\nmeinem Empfinden nach auch unbestimmter,\nwährend „Laubwelk\" mehr den Begriff des\nDuftes enthält, auf den es mir ankommt.\nAuch fällt dadurch der doppelte aufeinander\nfolgende Wortanfang mit W fort, den ich\ngerade deshalb vermeiden möchte, weil ich\ndie Vorsilbe „ver\" als Gefühlswecker des\nVergehens, des Verlassens absichtlich ge-\nhäuft habe. Endlich erweckt in mir die\nHäufung des „T\" mit nachfolgendem „L\"\nauch eine Vorstellung des Gleitens, des Vor-\nbeiwehens des Atems! Also alles Gründe,\nweshalb ich die letzte Fassung bevorzuge;\ndoch will ich mich noch nicht endgültig\nfestlegen, da ich noch zu tief drin stecke\nund überlasse Ihrem Gefühl daher die Wahl!\nAnbei schicke ich Dir die Korrektur. Es\n*) Untreu aus „Du\" / Liebesgedichte\nsind einige Kleinigkeiten drin. Besonders\nerwähnenswert erscheint mir die vorletzte\nZeile,*) in der das Wort „schamzerpört\"\nzu „schamzerstört\" geworden ist. Ich weiss\nnicht, ob da nur ein Lesefehler oder eine\nBegung des Sprachgefühls des Druckers vor-\nliegt. Jedenfalls sagt mir schamzerpört\nmehr als das andere. Scham und Empörung\nringen miteinander und die Scham zerdrückt.\nAuch „schamempört\" sagt das lange nicht;\nausserdem liegt das Wesen des Wortes\n„empören\" meinem Gefühl nach nicht in\ndem „em\", das höchstens für die Wortlehre\nals Erklärung Bedeutung hat, für das Ge-\nfühl liegt der Begriff des empören aber\nlediglich in dem „pören\" oder vielmehr\neinfach vollständig in der einen Lautver-\nbindung „pö\". Lass übrigens die beiden\nStriche darüber fort und der ganze Begriff\nstürzt zusammen! Deshalb halte ich scham-\nzerpört hier für das einzige alles-sagende\nWort. Ich traue dem Drucker nicht, der\ndenkt! . . .\n. . . Die Gedichte schicke ich Dir schon\nheute. Vielleicht findest Du ein paar Augen-\nblicke, sie durchzusehen mit einem kritischen\nAuge. Es überhört sich ja doch leicht et-\nwas beim Vorlesen und der wirkliche Ein-\ndruck ist oft nachher ein ganz anderer. Nur\nkeine freundschaftliche Schonung\n4»\n. . . Und um mich rum schwitzen die Akten!\nIch tropfe ordentlich! Und das Manuskript\nvor mir brütet dumpf, dumm, immer dümmer!\nEin Entwurf zu einem neuen Postzeitungs-\ngesetz oder so was ähnliches. Und dazu ich,\ngerade ich. Als ob das alte Gesetz nicht\nschon schlecht genug wäre!\nIn der Stunde des Scheidens noch schnell\nmeine herzlichsten Grüsse. Gehen wir\nhinein mit Zutrauen und Schicksalsmut.\nWas kommt, ist unabwendbar und damit\nbasta. Ich wünsche Euch das beste und\nschönste, Gesundheit und Festigkeit . . .\n. . . Ihr Lieben! Vor dem endgültigen Aus-\nmarsch drängt es mich, Euch noch schnell\nzu grüssen. Ich führe die 3. Kompagnie\nErsatz Bataillon Landwehr Infanterie Begi-\nment Nr. 110. . . .\n*) In dem Gedicht Freudenhaus aus „Du\"."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.9", "texte": ". . . Vielleicht kann ich Euch nicht mehr\nschreiben, nicht noch mal. Der Morgen\ngraut. Seid tapfer. Was ich kann, wird\nsicher ein anderer besser können. Denkt\nan mich, an einen, dem das Selbstgetreu\nim letzten Grunde trotz allem immer mehr\nals ein Wort gewesen ist. Nein! Denkt an\nEuch nur an Euch. Euer Bruder\n... Ich schicke Dir nächstens wieder einiges\nunsortierte zur Bearbeitung. Ich bewundere\nDich. Wie Du in diesen schweren Zeiten\ndas alles durchhältst ist ein Meisterwerk.\nIch bin stolz auf solchen Freund\n... Ihr Lieben, Lieben! Dank, Dank, Dank\nfür Bücher und Briefe. Das erfrischt. Du\nStarker. Du bist wirklich ausserordentlich\nstark. Du kannst wirklich alles\n. . . Wenn ich heimkomme, lass ich mich\npensionieren und werke. Ich platze von\nWerken. Reifen. Reifen. Was ist Zukunft?\nNur die Gegenwart lebt. Ihr lebt. Ihr Lieben.\nUnd ein Stück von meinem Leben seid\nIhr\n. . . Deine Enthüllungen sind famos, ich\nhabe mich köstlich amüsiert. Man muss\nsich nur wundern, dass so etwas, woraus\nDu Proben gibst, unter dem Namen Dich-\ntungen zu figurieren wagt. Ein bischen\nSchamgefühl hat doch jeder. . . . Aber eins\nist sicher kein Wahnsinn: so geht es nicht\nweiter mit dem deutschen Geistesleben.\nIch habe mir jetzt ab und zu Zeitschriften\ngesucht und durchgeblättert. . . . Wo ist all\ndas Wissen und Wollen geblieben, auf das\nman doch früher immer noch hier und da\nstiess und das immer noch den Flaum über\nalles schlechte Können legte. . . . Ich habe\ngesonnen, womit ich Euch erfreue. Ratlos.\nDa überfiel mich das Gedicht. Legs irgend-\nwo in die Mappe zu Deinen Erinnerungen.\nWenn Du es für Wert hältst, mach damit,\nwas Du willst. Veröffentliche es auch oder\nnicht. Es soll Euch beiden nur eine Freude\nsein. Ein Zeichen meines Gedenkens, Dankens,\nmeiner Freundschaft! Zugehörigkeit! Ver-\nwachsens. . . .\n. . . Es sind 31 Stück. Vielleicht kann das\n„Freudenhaus\" wegbleiben, wenn es zuviel\nsind. Es passt aber ganz gut und gibt zu\nvielen erst die Schlüssel. Du wirst es schon\nmachen. Ich lege alles vertrauensvoll in\nDeine Hände\n. . . Wenn Du ihm aber den Brief vorlasest,\nso wirst Du schon wissen warum, denn Du\nweisst, was Du tust. Du bist ein Starker.\nEin Riesenstarker. Dir kann ich mich geben,\nwie ich bin. In meinen stärksten Nerven-\nerschütterungen. Du verstehst mich. Das\nzeigt mir die wunderbare Anordnung des\n„Du\", das wurde mir auch jetzt wieder\nklar in der neusten Sturmnummer. Das\nerste und das letzte Gedicht. Entsinnst Du\nDich'? Du hattest an beiden was auszusetzen.\nDu hast Recht. . . . Du hast Recht, beide\nGedichte sind unvollkommen. Im ersten\ndie letzte Zeile ist schwach, das letzte ist\nunabgetönt. Du hast Recht. Ich bewundere\nDein Kunstgefühl. Deine unbedingte Unfehl-\nbarkeit darin. Die beiden mittleren Ge-\ndichte aber sind Perlen, die mich mit mir\nselbst wieder versöhnt haben über die Fehler\nder beiden anderen. Ach Ihr Lieben ! dass\nunsere Wege uns zusammen führten, darf\nich da über mein Schicksal klagen? Nie\nund nimmer. Die Kurven laufen ineinander.\nIch fühle mich eins mit Dir, Herwarth, mit\nEuch beiden. Mir ist manchmal, wir wären\nein Ungeteiltes. . . . Dir schicke ich mal\ndas „Bluten\". Aber nur Dir! Euch! zeige\nes also keinem anderen, keinem. Es gehört\nnur uns. Mir, Dir, DU, uns. . . .\n. . . Ach Neil! Ach Herwarth! Ihr seid zwei\ntapfere Kämpfer. Ich habe Euch ja wohl\nmal letzthin einen betrunkenen Brief ge-\n« o\nschrieben. Ich weiss nicht mehr recht, was\ndrin stand. Aber das eine ist sicher, dass\nes nur liebes für Euch sein konnte. Ihr\nseid tapfer. Ihr seid zwei Kämpfer Deutsch-\nlands. Ihr seid doppelt hoch, weil in Euch\nauch nicht das geringste Musskämpfertum\nliegt, wie in uns allen hier mehr oder\nweniger, die sich ihrer Haut wehren. Ihr\nkämpft freiwillig für freierkanntes, freige-\nfühltes. Ihr kämpft nicht, weil die äusseren\nFeinde Euch zwangen, Ihr kämpft von innen\nheraus, Ihr zwingt Euch den Kampf auf um\nhöchste, hohe Güter, Ihr seid der Kampf\nselber, Der Sturm. Der Sieg aber ist immer\nein unzuverlässiger Geselle. Der fragt nicht\nnach Wert oder Nichtwert. Der fragt nach\nden Kräften! Und die sind Eure! Das Un-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.10", "texte": "erschiitterliche! Das Festhalten in allem\nBrechenden! Das Stehen in allem Wankenden,\nUnsicheren, das bürgt den Sieg. Ach Kinder!\nEs ist wohl schwer! Sehr schwer! Das\nLetzte aber siegt immer! Künste taumeln\ndahin! Kunst bleibt! Sie ist nicht Schöpfung,\nsie ist Urquell! Und dafür steht Ihr. Muss\nalso Eure Sache siegen? Unsere Sache? Das\n„Unsre\" aber nur mit meinem Kunstemp-\nfinden, nicht mit meinen Kunstäusserungen\ngemeint. Ach! Ich bin oft sehr, sehr un-\nzufrieden mit mir. Ich bin unglücklich,\nweil ich nichts kann! Unfähig bin zu irgend\neiner Gestaltung! Aber die Wut packt mich,\nwenn ich eine Zeitung sehe. Dieses Lügen-\ngeschmiere! Diese Entweihung alles Ge-\nwaltigen und Grossen, das man hier durch-\nlebt. Meine Lehmhöhle ist ein Weltall gegen\ndas schreibsudelnde Berlin. Ich habe noch\nnie einen solchen Ekel gefühlt gegen den\nsozusagen Journalismus. Wenn ich hier\neinen Kriegsberichterstatter in die Finger\nkäm, ich hing ihn an den Beinen auf, da-\nmit er die Welt auch einmal anders säh.\nVielleicht würde er sich dann genieren,\nworan ich bei dem lugdurchseuchten Ge-\nsindel allerdings nicht mal glaube . . . Ich\nküss Dir Deine feine tapfere Hand, Neil, die\nmir so liebe Zeilen, Worte schrieb und gib\ndem Herwarth, diesem Heerführer aller\nKunst, einen Teil davon ab! ... .\n. . . In dem Biesenkampf um Brest Litowsk.\nIhr Lieben Lieben so bin ich hier wieder\nmitten drin. . . . Und wie bin ich emp-\nfangen worden. Überall Liebe und Freude.\nIch kam mir ganz undankbar und un-\nwürdig vor, dass ich so geklagt und\nso klein gewesen und hinausgegangen\nwar aus dem Schrecken, während die\nandern hierblieben. Und was haben sie\ndurchgemacht. Als ich zur Kompagnie\nkam, habe ich geweint und als ich meine\nJangens sah oder nicht mehr sah. Die\nganze Kompagnie bestand noch aus 25 Mann\nund sie standen um mich rum wie Häufchen\nZuflucht. Als das Gerücht mir vorausgelaufen\nwar, dass ich auf dem Wege sei, hat mein\nBursche gleich eine Kuh geschlachtet und\nes wurde geschmort und jeder dachte sein\nBestes zu bringen. 25 Mann, alle andern\ntot und gefallen und verwundet. Das tut\nweh. Die Jungens haben sich so brav ge-\nhalten. Am 31. Juli, 9., 13. 15. August haben\nsie geblutet. Und ich habe gefeiert. Ich\nbin mir vorgekommen wie ein Verräter.\nMein Bursche erzählt mir, im Gefecht haben\ndie Jungen nach ihrem Hauptmann gerufen\nund die Verwundeten haben ihre Grüsse\nhinterlassen. Ich war tief, tief erschüttert.\nIch habe nicht gewusst, dass ich soviel Zu-\nneigung besass. Und ich bin doch oft son\ngrober Hund gewesen. Ich musste auch\nwieder hier Abschied nehmen, denn ich\nbin zum Bataillonsführer beim Begiment 271\nbestimmt. Werde aber nicht lange hier\nbleiben, da heut oder morgen schon der\neigentliche Bataillonskommandeur zurück-\nkommt. Vielleicht bekomme ich ein anderes\nBataillon, vielleicht führe ich auch wieder\nmeine Kompagnie. Es ist gleich, ich habe\nden festen Willen zum Leben, und bin auch\nwieder stark und sitze jetzt mitten zwischen\nCholera, Sumpf und Feuer. Und dass ich\nso stark bin, danke ich auch Euch, den\nschönen frischen, übermütigen Stunden, die\nso wenig aber auch so unvergesslich sind.\nDas hat doch alles wieder in mir wieder-\ngewälzt und mir neue Kraft für Tat und\nDenken und Wollen gegeben. Habt Dank\nIhr beiden Lieben, tiefen lieben Dank. Ja! Ihr!\nEinige Tage nach diesem Brief fiel August\nStramm. Ich habe ein Becht, zu zeigen,\nwas Herwarth Waiden für August Stramm\ngewesen ist. Und ich hatte eine Pflicht,\ndiesen letzen Brief den übrigen anzufügen.\nDieser Brief macht das Spottgedicht des\nHannoverschen Kuriers zu dem Teufels werk,\nmit dem sich die ganze deutsche Presse\nergötzt und ihrem Volk auf ewig das Becht\ngenommen hat, sich ein Volk der Dichter\nzu dünken.\n. . . . im Aprilheft Ihres Kunstblattes\ngegen Herwarth Waiden verfasst haben,\ndas Ungeschickteste. Erst, Herr Westheim,\nwollen wir Ihren sprachlichen Ausdruck\nprüfen. Das lässt sich nicht vermeiden,\nwenn man es mit Artikeln deutscher Jour-\nnalisten zu tun hat. „Herr Waiden macht\nsich das Vergnügen, mich alle paar Monate\neinmal im Sturm anzurempeln.\" „Er macht\nsich das Vergnügen\" ist eine verbrauchte"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.11", "texte": "William Wauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.12", "texte": "Redensart. Herr Waiden macht Vergnügen,\naber nicht sich, sondern den Lesern des\nSturm. Für Herrn Waiden selbst ist es eine un-\npersönliche Sache, Sie zur Rede zu stellen.\nNicht um Sie handelt es sich, sondern um\nIhre jahrelange kunstgefährdende Tätigkeit.\nUnd „anrempeln\"? Was soll der studen-\ntische Ausdruck? Wollen Sie mit „an-\nrempeln\" sagen, dass Sie ein Ivomilitone des\nHerrn Waiden sind, ein Mitkämpfer, einer,\nder mit Waiden für die gleiche gute und\ngrosse Sache der Kunst voll Glauben und\nÜberzeugung kämpft? Sehen Sie nun ein,\nHerr Westheim, dass man Sie nicht „an-\nrempeln\" kann? Weil Sie kein Ivomilitone\nsind, kein Mitstreiter! (Was ich Ihnen noch\nso genau beweisen werde, dass es sogar Herr\nLeopold Survage in Paris glauben wird!)\nWas wollen Sie also mit „anrempe'n\" sagen?\nEs bleibt nur eine Möglichkeit: dass Wai-\nden Sie ohne Grund und Veranlassung be-\nlästigt, zum Spass oder aus Händelsucht,\nnicht wahr? Aber Sie schreiben selbst,\ndass Ihnen der Grund der Belästigung nicht un-\nbekannt ist: „Zweck der Bemühung ist, nach-\nzuweisen, dass ich früher einmal eine andere\nStellungzu einzelnen Künstlern eingenommen\nhätte als heute.\" Dass ich zehn Hände und\nzehn Schreibfedern hätte, mit Eins all das\nverworrene Zeug abzutun, das Sie auf dieses\nUngeheuer von Satz folgen lassen. Zunächst\nmuss ich mich mit diesem Ungeheuer selbst\nabgeben. „Eingenommen hätte?\" Hätte?\nWas heisst „hätte\", Herr Westheim? Hoffen\nSie, mit diesem „hätte\" die Tatsache aus der\nWelt zu schaffen, dass Sie früher eine an-\ndere Stellung eingenommen haben? Wie\nkönnen Sie das hoffen? Das weiss jeder\nMaler und jeder Kritiker sogar in Deutsch-\nland. Und „einmal\", nur einmal sollen\nSie eine andere Stellung eingenommen\nhaben? Hundertmal haben Sie es getan,\nHerr Westheim, hundertmal! Und gegen-\nüber „einzelnen\" Künstlern? Herr West-\nheim, wo bleibt Ihr Gedächtnis? Gegen-\nüber hundert Künstlern -haben Sie früher\neine andere Stellung eingenommen, das\nweiss jeder Maler und jeder Kritiker in\nDeutschland. Aber vielleicht, Herr West-\nheim, können Sie hier mit mir nicht mehr\nSchritt halten. Und wirklich, ich habe\neinige Sprünge gemacht. Ich soll Ihnen\nerst beweisen, dass Sie Ihre Ansicht ge-\nändert haben. Oder geben Sie es vielleicht\nselbst zu? Doch wohl: „Es hätte wohl\nauch keinen Sinn, der betreffenden Stelle\n(dem Sturm und Herwarth Waiden) klar-\nzumachen, dass Künstler ja keine Maschi-\nnen sind, die sich in ihren Produktionen\nein für alle Mal gleichbleiben.\" Alle Ach-\ntung, Herr Westheim, vor dieser geistreichen\nBemerkung! Sie steht wahrlich auf der\nHöhe Ihres gesamten Kunstverstandes. Nein,\nes hätte keinen Sinn, uns klarzumachen,\ndass Künstler keine Maschinen sind. Wir\nhaben wahrhaftig geglaubt, Künstler seien\nMaschinen, nichts als Maschinen. Aber im\nErnst gesprochen, Herr Westheim, was be-\nzwecken Sie mit solchen harmlosen Witzen?\nWen wollen Sie denn mit solchen Ab-\nlenkungen von der Sache dumm machen?\nDie Leser des Kunstblattes? Ja, um Gottes-\nwillen, lesen denn das Kunstblatt nur Blöd-\nsinnige? Lesen denn das Kunstblatt nicht\nsogar ganz aufgeklärte Schwachköpfe, denen\nweiter nichts vorzuwerfen ist, als dass sie\nalle die Sinnlosigkeiten glauben, die sie im\nKunstblatt finden. Sie scheinen Ihren Lesern\netwas bieten zu können, Herr Westheim.\n\nZuginsfeld\nOtto Nebel\n\nFortsetzung\n\nHerr Kompagniefeldwebel\nFührt er die Kompagnie?\nHinten führt er sie immer an\nIst er immer hinten?\nAktiv ist er hinten\nEs kann vorkommen, dass er vorkommt\nKommt er vor, kann er umkommen\nEs ist schon vorgekommen\nSeitdem ist keiner mehr vorgekommen\nHelden können auch hinten umkommen\nHINTEN können eigene Bomben aus\nFlugzeugen kommen\nSieh dich vor, Bogohl\nSie hinter dich\nSieh Bombengeschwader\nFolglich sind alle Kompagniefeldwebel\nHelden\nAlso auch alle Batteriewachtmeister\nObwohl sie eiserne Kreuze tragen\nNiemand würde es sonst glauben\nAdjutanten führen diese Helden\nFühren Adjutanten Kompagnien?"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.13", "texte": "Albert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde / Vierfarbendruck"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.14", "texte": "Sieh Bein I\nDarum hassen Kompagnieführer Adjutanten\nDarum hassen diese jene\nHalz ist Zusamenarbeit\nTäglich arbeiten sie mit roten Köpfen\nzusammen\nTagesbefehle, Draht, Schriftverkehr,\nMeldungen\nTintenkrieg\nEinigkeit und Recht und Frechheit\nAuf Vorteile bedacht\nWann haben alle Nachteile?\nAn Feuertagen\nKommen Fälle vor?\nSie bitte nach ihnen\nGranaten entlarven\nSchicksalsschläge oder Volltreffer\nWer nie im Trommelfeuer lag, weife nicht\nwas Nächstenliebe tut\nWer log im Trommelfeuer nie?\n* *\n*\nTrommelfeuerwehrleute\nArtillerie\nÜberall die gleiche Milzwirtschaft\nLauter Kanonen\nChristliche Langrohre\nProtzen\nProtzige Stäbe\nTierquälereien\nViehisch\nScherze nie ein Tier zur Qual, Rofzarzt\nHerr Oberveterinär\nIlzt mit Stäben\nFeldbesteck\nFeldapotheke\nHerr Schmierfink\nMit Gläsern, Büchsen rings umstellt\nVollgestopft\nDas heifzt eine Welt\nVornehme Leute\nHalbwelt in Waffen\nNehmen Sie jetzt Artillerie vor?\nNehmt mir das Gelichter ab\nNächstenliebe mit Brennzünder\nWas ist vornehmer?\nNächstenliebe mit Verzögerung\n(Pioniere)\nWas ist noch vornehmer?\nSetzen Sie sich nicht auf's hohe Pferd\n(Jarde-Kanaillerie)\nVöllig ungefährlich\nSieh Kino\nOder Platzkommandantur\nSchlachtpolizei\n(Reitendes Heldensieb) •\nWas ist noch vornehmer?\nTrain\n(Auserwähltes Volk)\nWas ist noch vornehmer?\nTun Sie nicht so von oben herab\n(FLIEGER)\nFlucht aus den Gxäben\nUm nicht in die Luft zu gehen\nSo paradox sind Feiglinge\nWas ist noch vornehmer?\nSeewehr\nMarinierte Heeringsleitung\nFlotte Seekrankheit\nOder verschärfter U-Bootkrieg\nDas Vornehmste?\nMarineflieger\nSie halten sich nie lange über Wasser\nNoch vornehmer?\nTankkutscher\nDa steh ich nun, ich armer Tor\nDas war Aufschlag- und Brennzünder\nMit Verzögerung\nSpät kommt ihr\nHier wird sichllich scharf geschossen\nIhr habt alle blind geschossen\nScharfschützentrupp\nZielfernrohrbüchsen\nBefehl von OBEN: Abschiefzen von Gegnern\nist als Sport zu betreiben\n(Vorher gut frühstücken)\nWas ist noch vornehmer?\nMusketenbataillon\nAlte Spritzbüchsen\nWer ist noch vornehmer?\nWer wird noch weiter vorgenommen?\nAm weitesten wird Fufzvolk vorgenommen\nDer Musketier ist der Vornehmste\nDas Tier ?\nDer Feldmarschmiifzige\nMarschkolonne!\nAha, Herr Leutnant Zugführer\nHaupt am ersten Unterrumpf\nDer Zug rümpft die Nasen\nDas Haupt ist naseweis\nHaupt weist auf Tapferkeit hin\nEs zieht nicht mehr\nWas ist Tapferkeit?\nAlle fragen, keiner sagt die Wahrheit\nAlle verstellen sich\nTapferkeit ist Einbildung\nAch wo\nTapferkeit ist, wo geschossen wird"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.15", "texte": "Rudolf Blümner: Volkshymne\nH. W.\n\nHarmonisierung von Herwarth Waiden\n\nEs wird hiermit der Oeffentlichkeit eine Musik übergeben, die alle\nguten Eigenschaften einer Volkshymne in sich vereinigt. Sie ist\nkünstlerisch und sinnfällig. Sie offenbart das Sehnen unserer Zeit\nund über die Zeit hinaus das Sehnen. Der Sturm sucht für diese\nMusik eine Dichtung, die diese Musik künstlerisch einwandfrei,\nsinnfällig, zeitlich und räumlich unbeschränkt, in Worten gestaltet."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.16", "texte": "Drücken Sie sich genauer aus\nTapferkeit ist, wenn sich alle drücken, wo\ngeschossen wird\nFalsch\nIst wenn ist falsch\nTapferkeit ist, weil Feigheit bestraft wird\nWenn sie bemerkt wird\nWer?\nFeigheit natürlich\nNatürliche Feigheit\nAlso Angst\nJawohl\nUnsinn\nTapfer ist, wer Orden hat\nNoch genauer\nTapfer ist, wer keine nimmt\nGanz eindeutig\nTAPFEBist, wem allein eigene Fulztapfen\nfolgen\nDer ist Tapfer\nEiner, der sich aufbäumt\nZum Baum Erkenntnis\nAlle Feigen schüttelt er\nFeiglinge fallen ihn an\nSie sind so feige, dalz sie angreifen\nMassenweise\nDas ist keine Art\nTapfer ist, wer fällt?\nTapfer ist, wer stehen bleibt\nTapfer ist, wer läuft\nAuch Feiglinge fallen\nAuch Feiglinge bleiben, stehen, laufen\nWas ist Tapferkeit?\nWas weilz ich?\nTapferkeit ist, wenn einer nicht weife was\nsie ist\nTapferkeit ist nicht so einfach\nSie mulz bemerkt werden\nMerken Sie sich das\nTapfer ist, wer vorangeht\nAber bitte nach Ihnen\nTapfer ist, wer folgt\nAber Vorgänger werden hintergangen\nKeiner folgt\nFolglich geht Herr Zugführer hinten\nFolglich geht niemand vor\nUnd das soll vorkommen?\nLeithämmel gehen voran\nSauhirten treiben vor sich her\nMan mulz nur Schwein haben\nEs kracht\nHerrn Zugführer trifft Pech\nAlso Brandgranate\nSchwefelbande!\nEr mulz das letzte Wort haben\nTote werden ersetzt\nGenug im Konferenzzimmer\nHier mulz mit eisernem Besen gekehrt werden\nBefehl, Herr Major\nNeue Besen bekehren nicht\nNiemand kehrt sich an sie\nNicht? Schweinebandel\nGreifen Sie durch, Herr Leutnant\nBefehl, Herr Major\nGreift nur hinein\nSchon reingetreten\nWenn ihr euch packt, dann wird es\nEs bilden sich Meinungen\nGruppen bilden sich Meinungen\nWas hat er gesagt? Schweinebande?\nSchweinehund!\nSieh dir vor, Jungekin!\nHerr Leutnant geht vor\nGruppen hat er im Bücken\nSchulz im Nacken\nHinterrücks\nSoldat oder Meuchelmörder\nDennauchSoldaten sindgefiihlvolleMenschen\nWas ist der Mensch?\nDer Mensch ist zu ersetzen\nSoso\nWieder Ersatz\nZufällig ist der nächste Herr Ersetzer Mensch\nAlso kein Ersatz\nAlso kein Soldat\nAlso schwärmt sein Zug für ihn\nAber zu langsam\nMeinen die Vorgesetzten\nHerr Zugführer, das Schwärmen muss\nschneller gehen. Schwarmlinien dürfen\nnicht gehen, müssen laufen, stürzen, hoch-\nschnellen, laufen, knattern. Bringen sie\nZug in die Schwärme, lassen Sie den Zug\nnoch amal schwärmen\nZüge schwärmen nicht für Schwärmen\nBefehl, Herr Oberstleutnant\nOberster Satz: Quäle nie!\nHerr Zugführer quält VOBGEHETZTE nicht\nEr tut nur so\nWegen der Vorgesetzten\nTatsächlich tut er sachlich seine Pflicht\nNimmt die Stellung\nHält sie\nDrei Gegenangriffe abgewiesen\nSieh Heeresbericht\nUnermüdlich\nTut kein Auge zu\nEndlich gähnt er"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.17", "texte": "Und stellt seinen Stellvertreter\nVier Führeraugen fallen zu\nFeind fällt ein\nGegenangriff vier gelingt\nKriegsgericht\nSie haben geschlafen\nStrafversetzung\nGeheimbefehl: Unschädlich machen\nEs macht sich\nVersetzten geht Verruf voraus\nWarte Bürschchen!\nHalbzug Schläfer bildet die Spitze. Spitzen-\nführer Leutnant Schläfer. Sofort antreten!\nSpitzen fallen mit tödlicher Sicherheit\nEs trifft sich gut auf glatter Strasse\nVolltreffer\nTrefflich beseitigt\nVolltreffer\nZeugen beseitigt\nHalbzug Schläfer schläft noch heute\nMassengrab\nSpitzbübisch\nNa, wenigstens anständig wettgemacht\nJa, auch Verbrecher haben Standesehre\nNur kein Geschrei\nWer keinen Schaden nimmt, nimmt Ver-\ndienstkreuze\nNur Puppen\nDer nächste Zugführer\nEin Puppenheim\nEin heimlich Verlobter\nMeine Braut\nSehr nette Aufnahme\nEigentlich haben Sie doch ihr Bild im Kopfe?\nDieses Abbild trage ich im Brustbeutel\nSchuss im Abbilde\nBrustschuss\nKopfschuss im Abbilde\nSind Sie im Bilde?\nDu unheimlich Verlobte\nEr ging an deiner Seite\nFrisch und fröhlich\nFrischer, fröhlicher Krieg\nMeint Herr Feldwebelleutnant\n(Kopf am zweiten Unterrumpf)\nKnopf am Kragen\nZwitter\nHalb Leutnant, halb Bartbinde\nSieh Reissen und rechte Herzklammer\nGute Feldwebelleutnants schonen\nSchonungskrank\nEr niest auf den Tod\nBitte nach Ihnen\nGesundheit, die Herren!\nSind Sie krank, Herr Zwitter?\nKerl wie ich'? Kerngesund! Alter, aktiver\nSoldat. Junggeselle. Nanu!\nDer alte Esel ist jüngster Leutnant\nJeder Leutnant ist ein Esel\nWozu gibt es Offizierstellvertreter?\nSieh Kantinenschwengel\nDen haben sie geschwenkt\nSchatz mach Kasse\nKassen machen Schätze\nKennst du das Lied vom braven Mann?\nEr hat einen guten Griff\nGriffe im Zuge\nEr hat einen guten Zug\nSchnaps bleibt Schnaps\nEinen in Ehren\nMehrere in Reserve\nSchnaps der Leute? OfTensivgeist?\nMein ist der Schnaps. Und mir gehört er zu!\nZum Wohl, Kamerad\nZigarre, Herr Kamerad?\nZigarre hat keinen Zug?\nNein, der Zug hat keine Zigarren\nJetzt kann er sich auf ihn verlassen\nSie haben ihn auf dem Zuge\nVorbildlich erzogen\nEs raucht im Zuge\nEs kommt Zug in die Kolonne\nZugkolonne!\nEine Marschkolonne läuft hinter ihm\nEr läuft ä la carte\nKarte sieht doppelt\nEs läuft nicht gut ab\nReihenkolonne!\nAb und zu fällt einer\nAb und zu fehlt einer\nVom Austreten zurück\nAb und und zu reisst die Verbindung ab\nTapfer ist, wer vorangeht\nResoffen ist, wer vorangeht\nWas ist Tapferkeit?\nKolonne zu Einem!\nZug vereinsamt\nBröckelt ab\nSchwere Brocken\nKommt denn heute keine Ablösung?\nSie schläft\nZu Zweien\nEinzeln\nEiner schläft\nIm Schlaf wird sein Zug erschlagen\nWach auf, mein Scherz!\nMorgenrohot\nDämmert's"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.18", "texte": "Ist das die Möglichkeit?\nDas ist die Wirklichkeit!\nDas gibt es nicht\nDas gibt sich nicht\nSie übertreiben\nIhr hintertreibt die Wahrheit\nEs gibt alles, was es gibt\nEs gibt noch dritte Züge\nDritte-Zugführer\nZugführerstellvertreter\nAm Schluss ein schliessender Feldwebel\nZugführerreserve\nMenschenersatz\nSogenannte Leute\nMenschen sind unersetzlich\nLeutematerial ist ersetzbar\nUnd das Ideal?\nDie gute Sache?\nGute Nacht\nKeine Idee?\nNein. Nur I. D.\nI. D?\nJa. Nur Abkürzung\nInfanterie-Division\nSonst kein Gedanke?\nSonst keine Vision\nDanke sehr.\n* *\n*\nNur das Buch macht den Mann\nKompagniefeldweibel\nMit 100 Listen\nDer Listigste\nWat wollen Sie? Wollene Decke?\nJawoll!\nIs nich!\nEr aber ist gut eingewickelt\nEr wickelt alle ein\nGerollt und gewickelt\nKompagnions, Kompagnieführer, Majore\nZahlmeister, Zugführer, Adjutanten, Re-\nserveonkel, aktive Gauner\nAlso besonders die Herren von die Nachbar-\nkompagnien\nHerr Feldweibel in der Rolle als\nStammrolle ist Hauptrolle\nGeldrolle\nStamm ist im Rollen\nStamm-Mannschaft\nDonner rollt den Stamm\nGraben wird aufgerollt\nStamm zersplittert\nStammrollen werden splittersicher geführt\nFührende Rolle\nDoppelte Buchunterführung\nSplitter werden gebucht\nGedankensplitter\nSplitterwirkung\nWirkungsfeuer\nT rommelfeuer\nSie kennen das Feuerwerk\nSieh Kaffernschlacht\n(ALTE AFRIKANER)\nSelbst dort ist Michel beliebt\nVom Roller spielen\n(Räuberschiller)\nNot more\nAlter Wollkopf, Frieda sei mit dir\nSie kennen uns Feuerfresser\nAus ihren Verlustlisten\nDie Heroen\nMeinen Sie nicht Hereros!\nRoss!\nIch finde nicht mehr durch\nDurch Dick und Dünnpfiff\nHier ist Elefantenspur\nWaren Sie auch in Afrika'?\nNein nicht. Bedaure nicht\nDer reine Karl May\nVerdammte Schreiberei\nSie kennen das Feuerwerk, sage ich\nSieh Kriegsspiel oder Flurschaden\nVerfluchte Befehle\nVerdammter Fernebrecher\nVerfluchter Fernsprecher\nRuhe! Ruhe!\nAlles zweimal lesen\nBefehl ist Befehl\nWie befehlen Herr Leutnant?\nBierabend\nBefehl, Herr Leutnant\nTrinken ist Dienst\nWer nicht liebt Bier, Rauch, Gestank\nRotwein mit Sekt\nSchluss folgt\n\nTRAN Nummer 13\n\nDas Privatscheuertuch\nBeiträge zur Phaenomenologie des kritischen\nGenusses *)\n„In einem solchen kritischen Augenblick,\nda alle kaum gewonnenen Masstäbe\" des\nKritikersG.F.Hartlaub „wieder problematisch\nzu werden drohen, betritt man (man - G. F.\n*) In Anlehnung an G. F. Hartlaubs Artikel: „Deutscher\nExpressionismus\", 15. 7. 20 / Frankfurter Zeitung"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.19", "texte": "Hartlaub) eine grosse Ausstellung in Darm-\nstadt.\" Die Allerhöchsten Herrschaften\ngingen zur Kirche und beteten zum Höchsten.\n(Würde mit Drahteinlage.)\nZunächst „schneidet\" man „leichtsinnig die\nFrage einer Umschau an\", scheibenweise,\nwie Beutelwurst etwa. Man (-G. F. Hartlaub)\nschaut hier um und da um, diesen um und\njenen um, bis er so ziemlich alles umge-\nschaut hat. (Die Herren Kritiker führen\nBuch, zum Abreissen.)\nDarauf bringt Herr G. F. Hartlaub auto-\nmatisch eine Art von Querschnitt zustande:\n„Eine Farbenromantik, wollüstige Farben-\ntraumkunst, die beständig hemmungslos in\nGeheimnissen schwelgt\", und „eine Art von\nHellsichtigkeit für Halbseelisch-Fluidales,\nAurisches, scheint Allgemeingut geworden\",\nso sehr Allgemeingut, dass Herr G. F. Hart-\nlaub diese Dinge auch schon erkennt. (Im\nnächsten Augenblick galoppiert ein Unter-\nlehrer.) „Man taucht in sinnlich-übersinn-\nliche Farbenstrudel, Gefühls- und Gedanke-\nnformen, Sehen und Hören vergeht Herrn\nG. F. Hartlaub, es wird ihm ganz wässerig\nvor den Ohren. „Aber es ist erschreckend,\nwie sich dies Verlieren, dies gestaltlose\nSchwärmen, dies Gemisch von Theoretik,\nmystischer Schwelgerei rächt.\" Na endlich!\nAber warum tun Sie denn das, Herr G. F. Hart-\nlaub? Ich bin auch ganz erschrocken über\nIhr sich Verlieren, Ihr gestaltliches Schwär-\nmen, dies Gemisch von Theoretik und\nSchwelgerei in Ihrer Kritik. Sie nennen\nso etwas ja einen „kosmischen Wirbel\",\nnicht wahr? (Wir müssen siegen!) Und Sie\nmeinen ja, dass sich dabei „die Einheit der\nschöpferischen Persönlichkeit in fast krank-\nhaftem Sinne aufzulösen droht\". (Hier fühle\nich, dass Ihr bitter werdet!) An dieser\nStelle scheint sich tatsächlich die Einheit\nder schöpferischen Persönlichkeit Herrn G.\nF. Hartlaubs in fast krankhaftem Sinne auf-\ngelöst zu haben. Schade, dass er gerade\nin diesem aufgelösten Zustande des kos-\nmischen Wirbels vor die „anspruchsvollen\nSinfonien und Kompositionen\" Muches,\nBauers und vieler anderer „in Fortsetzung\ndes hier ganz ungenügend veitretenen\nKandinsky\", sowie vor meine Bilder ge-\nwirbelt wird: (Menschen sind kosmische\nLächerlichkeiten, confer Nebel) „oder der\nganz über Verdienst bestaunte und bespottete\nSchwitters mit kunstgewerblichem Witz den\nKubismus Pikassos in alten Plunder um-\nsetzt.u Wir alle werden in einem Satze\numgeschaut.\nArmer Mann! (man) Wie kann man etwas\nfassen, wenn man keine Fassung hat?\nSchade, wenn wir doch wenigstens eine\nArbeit in kammermusikalischem Format\ndabei gehabt hätten, das scheint ja für Herrn\nG. F. Hartlaub ein Kriterium für musik-\nähnliche Kunst zu sein. (Ein Weiser baut\nEuch Künstler auf.) Ein Glück, dass Paul\nKlee dieses musikähnliche Format hat, sonst\nläge auch er schon längst unter den Um-\ngeschauten. (DasßossistvomTeufelgeritten.)\nDarauf geht Herr G. F. Hartlaub „zurück\nzum Gegenstande\"! (Ein lahmes Ross wird\nabgeführt.) Es ist schade, dass er sich an\ndieser Stelle ein wenig irrt, und zwar in\nder Reihenfolge der Entwicklung; aber das\nmacht ja bei einem grossen Kritiker nichts\naus. (Wenn der Vorrat geht zu Ende,\nschieb den Schieber vor behende.) Ich\ndarf Sie doch wohl so verstehen, Herr G.\nF. Hartlaub, dass Sie Nolde u. a. als einen\nRückschlag auf unsere neusten Bilder be-\nzeichnen. Herr G. F. Hartlaub, Sie sind,\nglaube ich, der Rückschlag auf den Herrn\nKritiker, welcher demnächst erst geboren\nwerden wird. (Ein Stück Butter gibt den\nPilzen erst die rechte Weihe.) „Bescheidener\nbleibt es auf alle Fälle, und es steht unserer\nsehnsüchtigen Zerfahrenheit besser an, statt\nin Legenden und Dogmen, Mythen und\nMysterien vorläufig noch in unverbindlichen\nMärchen und Träumen sich übersinnlich -\nauszuleben.\" Armer Mann, sone sehn-\nsüchtige Zerfahrenheit muss doch was\nSchreckliches sein! Leben Sie sich, Herr\nG. F. Hartlaub, nur in Ihren übersinnlichen\nTräumen unverbindlich aus, aber sehen Sie\nsich vor, dass solche unverbindliche Träume\nnicht „allmählich steril\" werden. Vielleicht\nfinden Sie doch noch einmal behende vol-\ngitierend oder auch voltigierend den Weg\naus der kosmischen Sackgasse der theoretisch\nmystischen Kritik, sagen wir mal aus dem\nsteril gewordenen, kosmischen, wollüstig\nfeudal, halbseelisch fluidalaurischen Strudel\nzur Wirklichkeit. Ueberlassen Sie es nur\nden Künstlern, selber zu beurteilen, ob reine\nMalerei eine Sackgasse ist. Ich behaupte:\n„Die reine Malerei ist keine Sackgasse, auch\nwenn alle Gassenjungen sie in den Sack\nstecken\". (LesenSie die Formulare des Jacques,"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.20", "texte": "des berühmten Toilettemannes, über Wissen-\nschaft und Haarwuchs.) Kritiker sind kos-\nmische Kleinlichkeiten.\n\nKurt Schwitters\n\nDie Aufgaben des\nkunstwarts\n\nEine Unterredung mit Dr. Redslob\nNachdruck aus dem Berliner Tageblatt vom 4. Sep-\ntember 1920\nDr. Redslob, der den neugeschaffenen Posten\neines Beichskunstwarts im Reichsmi-\nnisterium des Innern seit wenigen Minuten\nbekleidet, und von seinem Gut in Erfürt\n(? d. R.) nach Berlin übersiedelt ist, em-\npfing mich in seinem usw. usw.\nDie Frage, wie er sich seine Aufgaben für\ndie nächste Zeit vorstelle, beantwortete er\nfolgendermassen:\n„Ich bin mir bewusst, dass die nächsten\nDezennien greifbare Erfolge in meiner\nTätigkeit nicht bringen werden. Infolge\nder Materialnot werde ich mein Interesse\nzuerst dem\" Metallkunstgewerbe zuwenden.\nEbenso beabsichtige ich, die deutsche Spitzen-\nindustrie neu zu beleben. Ich hoffe da-\ndurch, einen eingeschlafenen Kunst-\nzweig neu aufzubauen.\" (Siehe Abbild.)\n„Werden die Künstler aber auch dem\nReichskunstwart immer mit dem erforder-\nlichen Zutrauen begegnen?\"\n„I wo! Die Kerls machen, was sie wollen.\nIch werde die Sache so deichseln, dass\nich gegenüber dem Reich alle Schuld auf\ndie verflixten Künstler schiebe und gegen-\nüber den Künstlern das Reich verant-\nwortlich mache, wenn beim Neckarkanal\nnichts herauskommt. Jedenfalls schaue\nich den Tiefbauingenieuren scharf auf die\nFinger.\"\n„Was nützt es Ihnen, wenn Sie z. B. die\nSchleusenhäuschen am Neckarkanal denk-\nbar künstlerisch ausgestalten, aber keinen\nEinfluss auf einen Fabrikbau nehmen\nkönnen, den irgend eine Privatfirma un-\nmittelbar neben dem Schleusenhäuschen in\neinem unmöglichen Stil errichtet.\"\n„Ich werde schon dafür sorgen, dass mir\ndie Fabrikanten nicht den ganzen Neckar-\nkanal verschandeln.\"\n„A propos Neckarkanal — würden Sie eine\npersönliche Spitze darin erblicken, wenn\nich mir die Frage gestatte, warum die neuen\nFünfpfennigbriefmarken jetzt braun statt\ngrün sind? Hängt das mit dem Expressio-\nnismus zusammen?\"\n„Berühren Sie nicht diesen kitzligen Punkt.\nIch weiss zwar sehr gut, däss das Ausland\ndie deutsche Kunst nach den deutschen\nBriefmarken beurteilt, aber trotzdem werde\nich dafür sorgen, dass auf den zukünftigen\nBriefmarken nur angesehene Künstler\nzu Worte kommen. Ich meine das natür-\nlich bildlich, hahaha! Unter angesehenen\nKünstlern verstehe ich solche, die von der\nbreiten Masse für Expressionisten ange-\nsehen werden. Es kommt nur darauf\nan, dass sie in Wahrheit keine Expressio-\nnisten sind.\"\n„Haben Sie schon einmal darüber nachge-\ndacht, ob es überhaupt notwendig ist, Brief-\nmarken mit Kunstwerken zu versehen, oder\nob es vielleicht richtiger wäre, die Marken\nnur durch Farbe und Zahlen zu unter-\nscheiden?\"\n„Ehrlich gestanden, habe ich darüber noch\nnicht nachgedacht. Ausserdem beabsichtige\nich ja doch, durch die Briefmarken die\ndeutsche Kunst im Auslande zu propagie-\nren.\"\n„Gleichzeitig damit würde es mich inter-\nessieren, zu erfahren, was Sie für die Ein-\nführung eines neuen Reichsadlers zu tun\ngedenken?\"\n„Der Reichsadler ist ein ekliges Biest und\nmacht mir viel Kopfschmerzen. Ich beneide\ndie Österreicher, weil ihr Adler zwei Köpfe\nhat. Aber wo nehme ich bei einem"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.21", "texte": "Kopf die Symmetrie her? Nächstens stelle\nich alle Entwürfe aus. Da werden Sie\nsich totlachen.\" (Siehe Abbildung.)\n„Glauben Sie auf die Gestaltung des Plakat-\nwesens Einfluss nehmen zu können?\"\n„Die Sache ist schon gefingert. So haben\nwir z. B. die Mauern der Gärten in der\nKöniggrätzer- und Budapester Strasse an\ndie Deutsche Fürsorge, Berlin, verliehen.\nDort werden zum ersten Male künstlerische\nPlakate ausgehängt werden, wobei wir\nKünstlern aller Bichtungen Gelegenheit zur\nMitarbeit geben. Selbstverständlich mit Aus-\nnahme der Expressionisten. In allererster\nLinie aber werde ich der deutschen Mode\nauf die Beine helfen. Selbstverständlich\nkann Schmidt-Bottluff nicht allein alle Hosen\nbauen. Dazu brauchen wir einen grossen\nMitarbeiterstab, den ich aus den Kreisen\nder Künstlerschaft nicht nur von heute,\nsondern auch der Künstlerschaft von vor-\ngestern zu nehmen gedenke.\"\n„Sie sprechen von vorgestern. Gedenken\nSie auch der Tatsache, dass die Künstler\nbald dahinterkommen, dass Sie selbst von\ngestern sind?\"\n„Das kommt mir auch bald so vor. Ist\nmir aber ganz egal. Ich habe fünfzehntägige\nKündigungsfrist ausgemacht. Dann kommt\nein neuer Kunstwart und lässt neue Hosen\ndrucken. Es lebe die Mode! Die Kunst\nkann warten.\"\n\nRudolf Blümner\n\nLegenden\nRudolf Blümner\nBeethoven versäumte es nie, wenn er in\nBerlin weilte, den Austern-Meyer am Kur-\nfürstendamm aufzusuchen. Eines Abends,\nals er grade eine der schönsten Austern\nzum Munde führte, hörte er, wie ein Gross-\nkaufmann hinter ihm sagte: „Mensch, lass\nDir die Haare schneiden\".\n* *\n*\nMan weiss, dass Goethe auf die Berliner\nnicht gut zu sprechen war. Als er einst\nzum Besuch seines Freundes Nicolai in\nBerlin weilte, konnte er es nicht vermeiden,\nauf dem Rückweg in sein Hotel die elek-\ntrische Bahn zu benutzen. „Treten Sie in das\nInnere des Wagens\" schnauzte ihn der\nSchaffner an. Goethe erwiderte gelassen:\n„Ich weiss allein, wo ich hinzutreten habe.\"\n„So sehn Sie aus,\" sagte der Schaffner.\n\nMitteilung an die Abonnenten\ndes Sturm\nVom ersten Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. Das erste\nHeft des zwölften Jahrgangs erscheint also\nim Januar 1921. Damit den Abonnenten\ndes elften Jahrgangs Der Sturm unverkürzt\nzugeht, erscheint die Zeitschrift in den\nMonaten Oktober, November und Dezem-\nber 1920 als Doppelheft.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Kritik der vorexpressio-\nnistischen Dichtung\nRudolf Blümner: Briefe an Paul Westheim\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nKurt Schwitters: Tran Nummer 13\nRudolf Blümner: Die Aufgaben des Reichs-\nkunstwarts\nRudolf Blümner: Legenden\nMichael Larionow: Zeichnung\nNatalie Gontscharowa: Zeichnung\nWilliam Wauer: Zeichnung\nAlbert Gleizes: Baum und Fluss / Gemälde\nVierfarbendruck\nRudolf Blümner: Yolkshymne\nOktober 1920"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.22", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am funften jcdcs Monats\nMit mehrfarbigenKunstbeilagen Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDaucrbezug / Ein Jahr 24 Mark / Kin Halbjahr\n15 Mark / Einzelheft 4 Mark 50 Pfennige / Doppel-\nheft 7 Mark 50 Pfennige\n\nBucher aus dem Vcrlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchutzengrabenverse\nGebunden 12 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 6 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n6 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n6 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n6 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken tr&umt / Gedichte\n4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n4 Mark 50 Pfennige\nNacht\n3 Mark\nDie neue Kunst\n3 Mark\n\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n6 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nGcsammclte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 12 Mark\nSturm-Abende / Gcdichtc\n7 Mark 50 Pfennige\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nZur Zeit vergriffen\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n6 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n4 Mark 50 Pfennige\nDas Buch der Menschenliebe\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie H&rte der Weltenliebe / Roman\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nWeib / Komitragodie\n6 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSunde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 3 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie Hangcjnatte des Riug4\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennige\nSturm^Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennig\nI Marc Chagall\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.23", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGcsammcltc Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk 11—3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 3 Mark\nBruder Liedcrlich / Werk 5l\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nZehn Dafnislicder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 12 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 4 Mark 50 Pfennige\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nSturm^Kaften\nJcdc Kartc 70 Pfcnnige\nNach Gemalden, Zeichnungen\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nund Bildwerken\nFernand L6ger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjert6n-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas / Nell Walden\nFranz Marc\nJe 1 Mark 50 Pfennige\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n3 Mark\n\nKunstdrucke aus dcm Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJcdcr Kunstdruck 6 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuruckbleibenden\nCampcndonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere/ Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 Y vetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 7 Mark 50 Pfennige\nMarc Chagall: Interium / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 4 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand L£ger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nNell Walden: Aquarell\nReinhard Goering: Aquarell\n\n/ Lichtbildkarten\nJede Kartc 70 Pfennige\nI. August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV,\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Gampendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII,\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXL\nXI. Paul Klee XXII.\nGabriele Miinter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Schreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters\n\nSturm'Hochschule\nViertes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Herwarth Walden\nNahere Auskunft im Sturm"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201005-01.1.24", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nF. Harnisch / Berlin W 35\nDruck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet tSglich von 10-6 Uhr / Sonntags 11-2 Uhr\nTageskarte 2 Mark\nMonatlicher Wechsel\nNcunzigste Ausstellung\nOktobcr 1920\nGraphische Gesamtschau\nEinundneunzigste Ausstellung\nNovember 1920\nAlbert Gleizes\nEroffnung Sonntag, den 31. Oktober 1920\nSturmausstellungen: Stuttgart / Rom\nNew York\n\nDer Sturm\nverfugt {iber Werke folgcnder Kiinstler (Gem&lde\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum Verkauf\nund fur Ausstellungcn:\nGosta Adrian* Nilsson / Alexander Archipenko\nRudolf Bauer / Willi Baumeister / Fritz Baumann\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Campendonk\nCarlo D. Carra / Marc Chagall / Delaunay / Sonja\nDelaunay>Terk / Tour Donas / Emil Filla / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Reinhard Goering / Otto\nGutfreund / Hugo Handel / Jacoba van Heemskerck\nSigridHjert&i-Grunewald / IsaacGriinewald /Johan\"\nnes Itten / Kandinsky / Paul Klee / Oskar\nKokoschka / Otakar Kubin / Fernand Ldger / Franz\nMarc y Jean Metzinger / Johannes Molzahn / Otto\nNebel / Francis Picabia / Kurt Schwitters / Oskar\nSchlemmer / Gino Severini / Fritz Stuckenberg\nArnold Topp I Maria Uhden I Nell Walden\nWilliam Wauer\n\nSturm'Abende\nIn der Kunstausstellung Der Sturm\nJcdcn Mittwoch 3/48 Uhr\nRezitation Rudolf Blumner\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich,\nAusfuhrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenlos.\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamcr Strasse 138 a\nFernruf Lutzow 4443\nhat gute und seltene Bucher und Noten vorr&tig\nund nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSocben crschicncn\nSturm^Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennige\nIV. Kurt Schwitters\nEinfiihrung von Otto Ncbel\nExprcssionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 50 Mark\nDie Sturm-Biihne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchte Folge erschienen\n\nVoranzeigen\nEnde Oktober erscheinen\nRudolf Blumner\nDcr Gcist dcs Kubismua und die Ktinste\nMit Abbildungen\nHerwarth Waldcn\nDas Buch der Menschenliebe\nZweite Auflage\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen\nDrilte bis siebente Auflage\nFarbige Kunstdrucke\nAlbert Gleizes: Gemalde\nAlexander Archipenko: Aquarell\n\nSturmbtihne / Theater der Expressionisten\nIn Vorbereitung\nDie Haidcbraut / Dichtung von August Stramm\nUrauffuhrung\nFur die Mitglieder der Gesellschaft der Sturmfreunde\nzu halben Preisen"}]}