{"numero_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_sha256": "ecc858396126997c7c7c2d4d577a64b33d111cf763e1c5577414789eee28e225", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1920/11/05_01/bmtnabg_1920-11-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1920/11/05_01/bmtnabg_1920-11-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.1", "titre_corps": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "titre_sommaire": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.1", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 127, "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "125", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.2", "titre_corps": "Kritik der vorexpressionistischen Dichtung : IV", "titre_sommaire": "Kritik der vorexpressionistischen Dichtung : IV", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3961, "texte": "Kritik der vorexpressionis-\ntischen Dichtung\nIV\nHier ist das Gedicht, das die Kenner und\ndie Laien für das beste Gedicht Goethes\nund sogar für das vollendete deutsche Ge-\ndicht halten.\n„Über allen Gipfeln ist Ruh\nIn allen Wipfeln spürest Du\nkaum einen Hauch\nDie Vöglein schweigen im Walde\nWarte nur balde\nruhest Du auch.\"\nEs sei einmal zugegeben, dass ein Kunst-\nwerk aus Form und Inhalt besteht. Die\nForm wäre darnach ein selbstständiger Orga-\nnismus, der dank seiner Eigenschaft jeden\nInhalt aufnimmt. Es gäbe also in der\nKunst eine kleinere und grössere An-\nzahl Normalformen, in die der Dichter nur\nseine persönliche Seele oder seinen persön-\nlichen Geist hineinzugiessen braucht und\ndas Kunstwerk ist fertig. Nun wird es\nkeinen Menschen geben, der nicht mit\nRecht behauptet, eine persönliche Seele\noder einen persönlichen Geist zu haben.\nEs könnte also jeder Mensch dichterische\nKunstwerke schaffen, wenn er sich nur\ndieser Normalformen bedient. Dennoch\nredet die Menschheit insbesondere die\nKunstkritik von Dilettanten und Künstlern.\nHeide Arten der Schaffenden bedienen sich\naber der Normalformen. Hierin kann also\nder Unterschied nicht liegen. Es bleibt\nder Inhalt. Da nun zweifellos jeder Mensch\nSeele und Geist besitzt, also persönliche\nSeele und persönlichen Geist, ist eine Wer-\ntung des Kunstwerkes nach dem Inhalt aus-\ngeschlossen. Nun wird eingewandt, dass\ndas persönliche Erlebnis die Kunst aus-\nmache. Es gibt zwar Erlebnisse der Person\naber keine persönlichen Erlebnisse. Denn\ndie Erlebnisse aller Menschen entstehen\naus den gemeinsamen Trieben der Mensch-\nheit. Es ist nicht meine Schuld, dass das\nProblem so einfach ist. So einfach, dass\nerleuchtete Geisler es banal nennen. Jeder\nTrieb, auch die Liebe, ist Hunger. Das\nheisst die Refriedigung eines Redürfnisses.\nDen Willen zur Refriedigung der Redürfnisse\nnennt man Sehnsucht. Die Refriedigung\nerfolgt bei allen menschlichen Trieben stets\ndurch Aufnahme. Sie fordert also das Vor-\nhandensein einer anderen Wesenheit. Es\nergibt sich daher aus der menschlichen\nNatur, dass die Menschheit als solche auf\nGemeinschaft angewiesen ist. Daher ist\njede Regelung menschlicher Reziehungen\nunzulänglich, die nicht von der Gemein-\nschaft ausgeht. Sie möge sich auf körper-\nliche, seelische oder wirtschaftliche Dinge\nbeziehen. Nur über eins kommt kein Mensch\ndauernd hinweg: über die Einsamkeit. Was\nbedeutet das anders als Unfähigkeit oder\nUnmöglichkeit zur Refriedigung irgend\nwelcher Redürfnisse. Es wird nicht be-\nstritten werden, dass Selbstbefriedigung\nnur eine Not ist. Sogar eine Notzucht,\ndenn der Mensch der Selbsbefriedigung\nzwingt seine Triebe zu einer Zucht, die\nsich gegen die Triebe richtet. Aus dem\nZwang der Gemeinschaft heraus ergibt sich\nder Zwang der Einordnung. Jedes Geben\nfordert ein Nehmen und jedes Nehmen ein\nGeben. Die Ordnung dieser Reziehungen\nnennt man Ethik. Diese ethischen For-\nderungen, oder nennen wir es einfacher\ndieser Ausgleich muss erfolgen, auch wenn\nnur zwei Menschen in irgend welche Re-\nziehungen zu einander treten. Da nun alle\nMenschen gleich sind, haben sich auch\ngleiche Reziehungen ergeben. Die Ord-\nnung dieser Reziehungen in Normalformen\nnennt man Moral. Nun hat es bekanntlich\nin den verschiedenen Zeiten und unter den\nverschiedenen Völkern stets verschiedene\nmoralische Anschauungen gegeben, während\ndie ethischen Forderungen stets unverändert\ngeblieben sind und unverändert bleiben.\nAuch hierfür ist die Erklärung höchst einfach.\nMoral ist nämlich Formulierung der Sitten,\ndas heisst der Gebräuche. Ethik ist For-\nmung der Sittlichkeit. Die Sitte ergibt\nsich aus den Zufällen menschlicher\nReziehungen. Die Sittlichkeit aus der\nWesenheit der menschlichen Triebe. Die\nSitte fordert eine Unterordnung, die Sitt-\nlichkeit eine Ordnung. Die Sitte wird von\nden zufälligen Machthabern diktiert und\nändert sich nach dem Zufall der Macht-\nhaber. Die Sittlichkeit ist ein Überein-\nkommen ein Ausgleich, ein Aufgeben,\num zu nehmen, ein Aufnehmen um zu\ngeben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4395, "texte": "Es gibt also keine persönlichen Erlebnisse.\nErlebnisse von Personen können aber nicht\nInhalt von Kunstwerken sein, weil Kunst\nnicht aussagt, sondern gestaltet. Darüber\nist man sich einig, wird eingewandt werden.\nKunst ist Gestaltung des Erlebnisses.\nWorin besteht nun diese Gestaltung. Man\nnimmt ein Erlebnis und giesst es in eine\nder Kunstformen. Ist das Giessen Gestal-\ntung. Oder ist es vielleicht doch die For-\nmung. Oder kann man etwa durch Giessen\naus einer männlichen Plastik eine weib-\nliche machen. In der Dichtung kann man\nes. Die Form des Sonetts etwa wird durch\ndas Erlebnis des Dichters verändert. Wer\nschon nicht sehen kann, der möge wenig-\nstens hören. Sonett ist Sonett. Das so-\ngenannte Erlebnis hat so wenig Einfluss\nauf die Form des Sonetts, wie sich zwei\nverschiedene Lokomotiven mit der gleichen\nFahrgeschwindigkeit auf den gleichen Schie-\nnen in der Fahrgeschwindigkeit unter-\nscheiden. Die Möglichkeit zur Unterschei-\ndung gibt erst die Bewegung. Diese Be-\nwegung nennt man in der Kunst Bhyth-\nmus. Der Bhythmus der Dichtung ist die\nBewegung der Wörter auf einander und zu\neinander. Die Triebe sind selbstverständ-\nlich, die Beziehungen sind zu ordnen. Die\nEmpfindungen sind selbstverständlich, ihre\nGestaltung ist die Kunst.\nNun sollen gerade die Klassiker Meister der\nGestaltung gewesen sein. Es wäre also zu\nuntersuchen, ob eine Gestaltung vorliegt\nund nach welchen künstlerischen Grund-\nsätzen nicht etwa nur' die Sätze sondern\nauch die Wörter geordnet sind. Ich wähle\ndieses Gedicht Goethes, das wenigstens\näusserlich scheinbar nicht in eine klassische\nNormalform gegossen ist. Es ist zweifellos,\ndass mit dem Setzen und Absetzen der Vers-\nzeilen eine Absicht des Künstlers sichtbar\nwird. Da es sich um Kunstwerke handelt,\nkann es nur eine künstlerische Absicht sein.\nEs ist ebenso zweifellos, dass die einzelnen\nWörter innerhalb einer Verszeile nach\nkünstlerischen Absichten gesetzt werden.\nDie Absicht insbesondere der Klassiker\nwird auch dadurch anerkannt, dass man\nihnen eine sogenannte licentia poetica, eine\ndichterische Freiheit, einräumt. Diese dich-\nterische Freiheit soll als Entschuldigung\ndafür dienen, dass Begeln der Grammatik\nzu Gunsten der Gesetze der Kunst absieht-\nlich nicht beachtet werden. Insbesondere\ngilt diese dichterische Freiheit für die Stel-\nlung der Wörter gegen die Regeln des\ngrammatischen Satzes. Jede Verszeile ist\ndie metrische Begrenzung oder die metrische\nGliederung des Rhythmus. Hieraus ergibt\nsich, dass die Bewegung, der Rhythmus,\ninnerhalb jeder Verszeile gemessen wird\nund zu messen ist. Sonst hätte die metrische\nEinteilung nach Verszeilen keinen Sinn und\nkeine Bedeutung. Aus dem Gedicht Goethes\nergibt sich schon graphisch die Absicht\neiner bestimmten Metrik. Jede Verszeile\nwird zunächst phonetisch aufgenommen.\nWährend man in der Musik die einzelnen\nTöne noch ihrem Zeitwert empfindet,\nempfindet man in der Dichtung die ein-\nzelnen Silben nach ihrem Klangwert. Wäh-\nrend die Musik das Verhältnis der einzelnen\nTöne zu einander mathematisch genau fest-\nstellt, wertet die Dichtung das Verhältnis\nder einzelnen Wörter zu einander nur nach\ndem Klanggefühl. Oder einfacher gesagt:\nman unterscheidet betonte und unbetonte\nSilben. Nun hat jedes Wort neben seinem\nursprünglich phonetischen Wert einen Asso-\nziationswert. Dieser Assoziationswert ist\nmittelbar. Durch die hörbare Benen-\nnung der Dinge werden diese Dinge in der\nVorstellung sichtbar. Und zwar sichtbar\nnur in dem Grade, wie der Aufnehmende\nKenntnis von diesen Dingen hat. Wer einen\nGipfel nicht kennt, wird zwar das Wort\nhören aber nicht den Gipfel in der Vor-\nstellung sehen. Es wird also von vorn-\nherein in dieser Art Dichtung mit einem\nunkünstlerischen Mittel gearbeitet, nämlich\nmit einer Voraussetzung von Kenntnissen.\nUnd diese Kenntnisse sind sogar rein ge-\ndächtnismässig. Sie beziehen sich nur auf\nBenennungen. Nun soll zugegeben werden:\ndie Kenntnis dieser Benennungen also der\nAssoziationswert der Wörter ist so ver-\nbreitet, dass durch die Benennung immer-\nhin eine Vorstellung, eine sichtbare wenn\nauch eine unbestimmte erzielt wird. Man\nverbindet aber mit der Benennung\neines Dinges durch ein Wort nicht nur\neine sichtbare, sondern auch eine gefühls-\nmässige Vorstellung. Es tritt also eine\nweitere Assoziation hinzu. Diese gefühls-\nmässige Assoziation hängt gleichfalls von\nden Kenntnissen des Aufnehmenden ab.\nNämlich von dem Erlebnis der Person"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4236, "texte": "Das Wort Gipfel wird von dem Einzelnen\ngefühlsmässig so empfunden, wie er und\nnur er und unter welchen Umständen er\neinen Gipfel einmal gesehen hat. Um diese\nVieldeutigkeit des Geftihlsmässigen verhält-\nnismässig zu Gunsten einer bestimmten\nEmpfindung einzuschränken, wendet der\nDichter das „Bild\" an. Das heisst: er ver-\nsucht durch Wortverbindungen eine be-\nstimmtere Assoziation zu geben. Um diese\nAssoziation in der Vorstellung des Auf-\nnehmenden nicht nur sichtbar, auch hör-\nbar werden zu lassen braucht der Dichter\nden Rhythmus, der das eigentliche und un-\nmittelbar künstlerische Mittel der Dichtung\nist. Eine Dichtung ohne rhythmische Ge-\nstaltung ist nie Kunst, sie ist Aussage. Man\nprüfe das Gedicht Goethes auf seinen Rhyth-\nmus. Und man höre wie weit die Absicht\nder gefühlsmässigen Assozialion rhythmisch\nzur Gestaltung gekommen ist.\nÜber allen Gipfeln ist Ruh\nAbsicht der gefühlsmässigen Assoziation :\nRuhe. Der Klangwert der Silben gibt\nrhythmisch die sichtbare Vorstellung Ruhe.\nNur ist der Satz im gewollten Sinn der ge-\nfühlsmässigen Werte der Wörter keine Dich-\ntung, er ist eine Aussage. Es wird aus-\ngesagt, dass über allen Gipfeln Ruhe ist.\nDadurch wird die Vorstellung Ruhe nicht\nsichtbar, sie wird nur verstandesmässig zur\nKenntnis gegeben. Es scheint auch nicht\nsehr ruhig zu sein, denn in der zweiten\nrz «\ni * L.. Jt oi - 4. O 4\nin allen Wipfeln spürest Du\nIn dieser zweiten Zeile liegt eine andere\nhörbare Wirkung vor. Der Klangwert der\nSilbe spü gibt der Zeile eine stärkere Be-\nwegung schon ohne den Assoziationswert\ndes Wortes spüren. Auch diese Zeile ist\neine Aussage. Der Dichter behauptet, dass\nüber allen Gipfeln Ruhe sei und dass ich\nin allen Wipfeln spüre, was er weder fühlen\nnoch wissen, sondern höchstens behaupten\nkann. Daher dritte Zeile\nKaum einen H au c h\nWer jetzt nicht schon das Wesen und das\nWesentliche des Rhythmus in der Dichtung\nempfindet, ist so verbildet, dass er kaum\nnoch die Fähigkeit zur Anschauung eines\nKunstwerkes erlangen wird. Der intelli-\ngente Leser wird einwenden, dass man\neben die zweite und dritte Zeile zusammen\nlesen muss. Muss? Darf man es auch nur\ntun, wenn Goethe diese zweite und dritte\nZeile sichtbar trennt, metrisch trennt Das\nmuss doch wohl eine künstlerische Absicht\nsein. Oder will man Goethe damit ver-\nteidigen, dass eben hier keine künstlerische\nAbsicht vorliegt. Dass er zum Spass die\ndritte Zeile hinter die zweite gestellt hat.\nOder will man Goethe damit verteidigen,\ndass er sich um den Rhythmus einer Dich-\ntung nicht kümmert. Oder will man etwa\nbehaupten, dass es kleinlich sei, weil ich\nGoethe so lese, wie er es gewollt hat. Aber\nman ändere das graphische Bild:\nIn allen Wipfeln spürest Du kaum\neinen Hauch.\nWer will behaupten, der hören kann, dass\nin diesem Rhythmus kaum ein Hauch zu\nspüren ist. Der Rhythmus gibt genau das\nGegenteil des Gefühlswerts dieser Zeile, die\naber gar keinen Gefühlswert hat, sondern\nwieder eine Aussage ist. Und zwar eine\nAussage nicht einmal des Dichters sondern\neine Behauptung über die Aufnahme eines\nandern durch seine Aussage.\nDie Vöglein schweigen im Walde\nAbsicht der gefühlsmässigen Assoziation:\nRuhe. Der Klangwert der Silben gibt rhyth-\nmisch die hörbare Vorstellung: Klingen.\nAlso das Gegenteil der gefühlsmässigen Ab-\nsicht. Auf die betonte Silbe Schwei folgen\nzwei unbetonte Silben „gen\" „im\", die durch\nPihythmus zusammen phonetisch eine leichte\nBewegung ergeben. Die Verszeile selbst ist\nwieder A .issa£:>, und als solche nicht sinn-\ncj 7\nfällig, sie wird rein verstandesgemäss auf-\ngenommen.\nWarte nur balde\nin dieser Zeile liegt überhaupt keine ge-\nfiihlsmässige Assoziation. Sie ist eine An-\nsprache an den Leser. In der rhythmischen\nWirkung von neckischem Tonfall. Daher:\nRuhest Du auch\nAuch diese Zeile ist ohne gefühlsmässigen\nWert. Sie ist eine Aussage über eine Tätig-\nkeit des Aufnehmenden. Der intelligente\nLeser kann sich bei dieser Zeile viel denken.\nNämlich die gefühlsmässigen Assoziationen\ndes Begriffs Ruhe. Und zwar je nach Tem-\nperament, Schlaf oder Tod. Die künst-\nlerisch scheinbar gewollte Assoziation er-\ngibt sich zwar nicht aus dieser einen Zeile,\nwas künstlerisch gefordert werden miisste.\nSie ergibt sich höchstens durch Rezieliung\nauf die anderen Verszeilen und ergibt ein-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1716, "texte": "deutig Schlaf. Diese Assoziation wird durch\ndie Zeile „Die Vöglein schweigen im Walde\"\nerzwungen. Ob Goethe nicht etwa den\ntiefen Gedanken des Todes — der Mensch\nmuss sterben — beabsichtigt hat, bleibt\neiner ebenso tiefen Denkkraft des Lesers\nüberlassen. Rhythmisch hörbar gibt diese\nZeile zweifellos nur die Vorstellung des\nEinschläferns.\nErgebnis der Untersuchung: Eine künst-\nlerische Gestaltung der Wortverbindungen\nliegt nicht vor. Metrik und Rhythmik des\nGedichtes sind willkürlich. Nicht einmal\ndie Absicht der künstlerischen Logik ist\nerkennbar. Die Klangwerte der Silben sind\nnicht beachtet. Ein Gefühlswerl: der Wort-\nverbindungen entsteht nur durch Nach-\ndenkvorstellungen. Das künstlerische Mittel\nder assoziativen Dichtung, das Bild, ist\nweder im logischen noch im alogischen\nSinne angewandt. Die einzelnen Verszeilen\nenthalten ausschliesslich Aussagen, Behaup-\ntungen und Ansprachen. Und sogar die\nDenkvorstellung ist nur durch Vernichtung\nder willkürlichen Metrik und Rhythmik\ndieses Gedichtes möglich.\nWorin besteht nun die Wirkung dieses Ge-\ndichtes auf den Leser. Eine künstlerische\nWirkung kann es nicht sein, wie nach-\ngewiesen wurde. Die Wirkung beruht in\nder Assoziationsfähigkeit des Lesers, der\nsich gewöhnt hat, bei der Nennung von\nBegriffen Erinnerungsmomente in sich aus-\nzulösen. Die künstlerische Arbeit, nämlich\ndie Erregung der Vorstellungskraft, leistet\nalso nicht der Dichter. Sie wird vom Auf-\nnehmenden durch unküostlerliCi e \"V i ei\ngeleistet. Kunst wird zweifellos durch die\nSinne aufgenommen, sie muss also sichtbar\noder hörbar sein., Das ist eine Erinnerung\nniemals. Ein Begriff ist stets die Moral\nvon der Geschichte. Das heisst der mecha-\nnisierte Gebrauch von Erfahrungen. '"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "132", "image_debut": 5, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.3", "titre_corps": "Briefe an Paul Westheim : Zweiter Brief", "titre_sommaire": "Briefe an Paul Westheim : Zweiter Brief", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.5", "debut_caractere": 1737, "fin_caractere_exclue": 4209, "texte": "Briefe an Paul Westheim\nZweiter Brief\n\nVielleicht, Herr Westheim, erinnern Sie sich\nnoch an Einiges, das mein erster Brief ent-\nhielt. Ich hatte damit begonnen, Ihre\nVersuche, sich im Kunstblatt gegenüber\nWaldens Angriffen zu rechtfertigen, einer\nsehr genauen Prüfung zu unterziehen. Sie\nwaren so unvorsichtig gewesen, die Ände-\nrung Ihrer „Stellungnahme zu einzelnen\nKünstlern\" damit zu erklären, dass Sie uns\neine sonderbare Belehrung zukommen\nliessen: Künstler seien keine Maschinen, die\nsich in ihren Produktionen ein für alle Mal\ngleich bleiben. Ich hatte Ihnen versprochen,\nnachzuweisen, dass Sie nicht einzelnen,\n's '\nsondern • hundert Künstlern gegenüber Ihre\nStellung geändert haben, und das erfordert,\ndass ich mich nun tiefer in das Gestrüpp\nIhrer Sätze hineinbegebe.\n„So hat z. B. Kandinsky, ehe er zu seiner\nsogenannten absoluten Malerei kam, sich\nerst aus der Banalität seiner Landschafts- und\nGenrebildchen herausenlwickeln müssen.\"\nWas ist denn geschehen, Herr Westheim?\nWo hatten Sie denn Ihre vier Sinne, als\nSie diesen Satz schrieben? Herr Westheim,\nHerr Westheim, dieser Satz bricht Ihnen —\nnein, Sie gehören zu denen, die immer\nwieder auf die Füsse fallen. Aber dieser\nSatz bringt Sie um den letzten Rest Ihres\n— wie nenn ich das — die Sprache hat\nkein Wort. Und ich fürchte, das Jahr 1920\nwird zu Ende gehen, ehe ich zeige, wie Sie\naus diesem Satz in den nächsten hinein-\nstolpern. Seien Sie geduldig. Ich werde\nSie schon im Netz Ihres Satzes fangen. Die\n„sogenannte absolute Malerei\" könnte ich\nIhnen freilich bis auf Weiteres hingehen\nlassen. Ich müsste Ihnen auch wohl erst\nerklären, was die absolute Malerei ist, der\nSie mit Ihrem überlegen tuenden „soge-\nnannten\" so nebenbei und hinterrücks einen\n'S lieh versetzen. .Denn-dass Si -■ n '.i vrisse;i..\n✓\nwas absolute Malerei ist, dafür gibt es genug\nBeweise, mit denen ich noch aufwarten\nwerde. Aber gerade dieses „sogenannte\"macht\ndas Scheusal Ihres Satzes noch ungeheuer-\nlicher. Was wollten Sie denn mit diesem\nSatz? Denken Sie nach, Herr West heim,\nwenn das nicht schon zu viel von Ihnen\nverlangt ist. Sie wollten beweisen, dass\nKünstler keine Maschinen sind, die sich in\nihren Produktionen gleich bleiben, und Sie\nberiefen sich auf nichts Kleineres als das\nLebenswerk Kandinskys. Oder vielmehr,\nSie wollen es nicht beweisen. Denn Sie\nglauben gar nicht, dem Sturm so etwas\nklar machen zu können. Aber Sie wTollen\nIhren Lesern erzählen, dass wir im Sturm\ndie Entwicklung der Kandinskyschen Ma-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4389, "texte": "lerei nicht kennen. Sie, Herr West-\nheim, wollen uns einen Vortrag über\nKandinskys Entwicklung halten? Aber,\nHerr Westheim, das ist ja — was ist es\ndenn nun wieder? Ist das Ihre Unwissen-\nheit oder sind Ihre Witze so dürftig?\nHerr Westheim, ich habe Sie schon lang\nim Verdacht, dass Sie gar nicht wissen,\nwas Sie schreiben. Es kann nicht anders\nsein. Bei gänzlich klarem Bewusstsein können\nSie diesen Satz nicht geschrieben haben,\nin dem Sie uns darüber aufklären wollen,\ndass Kandinsky früher einmal Gegenständ-\nliches gemalt hat. Wo haben Sie denn\ndiese gegenständlichen Bilder gesehen?\nDenken Sie nach, Herr Westheim. Sie\nwissen es nicht mehr? Ich will Ihrem Ge-\ndächtnis zu Hilfe kommen. Im Sturm\nhaben Sie diese Bilder gesehen. Und —\ndas hätten Sie nicht gedacht! — da haben\nwir sie auch gesehen. Glauben Sie nun,\nHerr Westheim, dass ich mein Wort halte?\nDass ich Sie allen denen, die sich noch\neinen Rest von Achtung vor der Makel-\nlosigkeit des Urteils bewahrt haben, so\nzeigen will, wie Sie sind? — Und wie sind\nSie denn? Sie sind — einer, der uns über\nKandinskys Entwicklung aufklärende Mit-\nteilungen macht. Ah, Herr Westheim, nun\natmen Sie auf und denken: Wenns weiter\nnichts ist! Sie haben Recht, machen Sie\nsich nichts daraus. Es kommen schlimmere\nTage für Sie. Denn was ist es, Herr West-\nheim, das diese anmassende Belehrung\neines Unwissenden so ganz besonders an-\nmassend macht? Dass der Name Kandinsky\nIhnen überhaupt nicht hätte einfallen dürfen.\nGrade Kandinsky nicht und grade Ihnen\nnicht, weil Jeder weiss, was Sie über diesen\ngrossen Maler geschrieben haben. Ich\nwürde freilich Ihnen selbst zutrauen, dass\nSie es nicht mehr wissen. Denn wie wäre es\nsonst möglich, dass Sie Kandinsky wählen,\num zu zeigen, dass Künstler sich erst ent-\nwickeln müssen, bis Ihresgleichen sie an-\nerkennt. Noch einmal, Herr Westheim: Ich\nglaube ganz ernsthaft, Sie wissen nicht,\nwas Sie schreiben. Wie kann sich nur ein\nBeschimpfer Kandinskys so verheddern!\nUnd wissen Sie, was ich noch glaube?\nDass Sie das Wort „sogenannte\" hinterher\nin den Satz gebracht haben. Oder dass Sie\nwenigstens glaubten, mit diesem Wort „so-\ngenannt\" noch im letzten Moment Ihren\nKopf aus der Schlinge zu ziehen. Aber es\nist Ihnen dabei ergangen wie allen, die\nnicht wissen, ob es im Moment praktisch\nist, zu loben oder zu tadeln. Sie haben\ndie Schlinge selbst zugezogen. Und nun\nsteht dieses Monstrum von Satz da und Sie\nbrechen sich — nein, sie fallen auf die\nFüsse. Herr Westheim, es gibt nur zwei\nMöglichkeiten: Entweder erkennen Sie die\nabsolute Malerei von Kandinsky an oder\nnicht. Im ersten Fall ist Ihr „sogenannte\"\nsinnlos und Sie stehen plötzlich im Wider-\nspruch mit allem, was Sie bisher über\nKandinsky geschrieben haben. Im zweiten\nFall, wenn Sie nämlich die absolute Malerei\nvon Kandinsky noch immer für das Ge-\nschmier halten, für das Sie sie seit acht Jahren\nerklären, in diesem zweiten Fall ist Kan-\ndinsky ein untaugliches Beispiel für das,\nwas Sie zeigen wollen. Nun sitzen Sie in\nder Klemme, Herr Westheim. Aber ver-\nsuchen Sie ja nicht, sich damit heraus-\nzureden, dass Sie Kandinsky „immerhin\"\noder so ähnlich achten. Jeder Mensch weiss,\ndass Sie von seiner Malerei gar nichts halten.\nOder ist vielleicht der ganze Satz nur Vor-\nbereitung für den Tag, da Sie Kandinsky\nentdecken wollen? Die Dummköpfe, für\ndie Sie zu schreiben scheinen, sollen Ihnen\nwohl in naher Zukunft Gratulationsbriefe\nzur Entdeckung Kandinskys schreiben? Herr\nWestheim, es liegt nicht an mir, wenn ich\nSie so lang in dem verteufelten Satz fest-\nhalten muss. Selbst bei milderer Betrach-\ntung Ihres Satzes kann ich Sie noch nicht\nloslassen. Die mildere Betrachtung ist die,\ndass Sie „immerhin\" oder so ähnlich eine\nEntwicklung anerkennen. Das ist nett von\nIhnen. Gut also. Sie erkennen eine Ent-\nwicklung an. Und zu welchem Zweck\nschreiben Sie das? Hier gibt es keine Aus-\nrede. Entweder geben Sie jetzt endlich zu,\ndasä Sie wirklich nicht wissen, was Sie\nschreiben oder Sie wollen mit der „Ent-\nwicklung\" erklären, warum ein Kunst-\nkritiker nicht verpflichtet ist, einen Maler zu\nloben, der banale Landschaften und Genre-\nbildchen malt. Und nun, Herr Westheim,\nwill ich den Grossmütigen machen. Suchen\nSie sich ganz nach Belieben den Zeitpunkt aus,\nin dem die Entwicklung Kandinskys be-\nginnt oder vollendet ist, ganz wie Sie wollen.\nAber später als auf das Jahr 1912 dürfen\nSie den Zeitpunkt nicht ansetzen. Wenig-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4392, "texte": "stens mir gegenüber nicht. Den Lesern des\nKunstblattes freilich können Sie diesen Zeit-\npunkt ganz nach Gutdünken vorschreiben.\nDenn diese Leser haben schon sinnloseres\nZeug geglaubt und haben gewiss ein so\nschlechtes Gedächtnis wie Sie selbst. Diese\nLeser haben ganz gewiss vergessen, dass\ndie „sogenannte\" absolute Malerei Kadinskys\nschon im Jahr 1912 in Berlin gezeigt wurde,\ndass also Herr Westheim früh genug Ge-\nlegenheit hatte, von Kandinskys absoluter\nMalerei etwas oder nichts zu halten.\n„Und Kandinsky? Das Lebenswerk, das er\njetzt in einer Sonderausstellung des Sturm\nvorzuführen wagt, wird endlich doch zu\nder Überzeugung verhelfen, dass um ihn\nherum schon zuviel der Worte gemacht sind.\nDas Rätsel dieser Tableaus . . . scheint mir\nvon der Art der Schaumblasen, die zer-\ngehen, sobald man nach ihnen greift. Bunt-\npapiere hat man sie genannt und hätte hin-\nzufügen dürfen, dass sie in Kolorit und\nKomposition durchaus nicht bestehen können\nneben den hübschen Tunkpapieren, an denen\nKolo Moser und Josef Hoffmann eine Weile\ntändelten. Man hat zur Erklärung dieser\nabsoluten Malerei ...\"\nDiese paar Sätze, die Sie, Herr Westheim,\nam 23. Oktober 1912 in der Frankfurter\nZeitung schrieben, und die genügen, Sie für\nimmer in der Meinung aller geistig Selb-\nständigen zu diskreditieren, diese paar Sätze\nzitiere ich hier nicht, um Sie lächerlich\nzu machen. Es kommt mir nur auf Ihr\nGeständnis an, dass Sie in der ersten Kan-\ndinsky - Ausstellung absolute Bilder von\nKandinsky gesehen haben. Der Katalog\ndieser Ausstellung nannte nämlich diese\nBilder nicht. Und so muss ich bei Zeiten\nverhindern, dass Sie es in Abrede stellen.\nSie bezeugen selbst, dass zwischen dem\nAugenblick, in dem Sie die „Banalitäten der\nKandinskyschen Landschafts- und Genre-\nbildchen\" sahen und jenem anderen Augen-\nblick, in dem Sie seine absolute Malerei\nerblickten, höchstens fünf Minuten ver-\nstrichen sind. Und das ist viel gerechnet.\nSo lange Zeit pflegen Kunstkritiker Bilder\nsonst nicht zu betrachten. Aber in diesen fünf\nMinuten haben Sie kein Damaskus erlebt,\nsondern Sie haben über die absolute Malerei\nKandinskys geurteilt wie— ich würde sagen:\nwie Müller und Schulze, wenn nicht Müller\nund Schulze längst gelernt hätten, ein ab-\nsolutes Gemälde Kandinskys von einem\nTunkpapier des Kolo Moser und Josef Hoff-\nmann zu unterscheiden. Sie haben also,\nnachdem Sie in fünf Minuten einen Überblick\nüber die gesamte künstlerische Entwicklung\ngewinnen konnten, die absolute Malerei\nKandinskys für schlechtes Buntpapier und\nkünstlerische Ohnmacht erklärt. Und nun,\nHerr Westheim, fordere ich Sie auf, sich\nendlich zu entscheiden. Erkennen Sie eine\nEntwicklung bei Kandinsky an oder nicht?\nWarum zögern Sie mit der Antwort? Ich\nwill Sie Ihnen erleichtern. Ich will die\nfrühesten Bilder von Kandinsky Ihrer\nSchimpferei überlassen. Diese früheren\nBilder fielen zwar schon durch ihre höhere\nBedeutung auf, als sie vor dem Jahre 1912\nin einer Ausstellung der Sezession zu sehen\nwaren. Und diese früheren Bilder Kan-\ndinskys stehen auf einem höheren künst-\nlerischen Niveau als hunderte von so-\ngenannten oder nicht so genannten ex-\npressionistischen Malereien, für die Sie in\nIhrem Blatt eintreten. Aber ich will nicht\nknausrig sein. Nehmen Sie diese Bilder\nund machen Sie damit, was Sie wollen.\nAber um eines ersuche ich Sie dringend:\ndiese Bilder nicht zu Ihren unsinnigen Vor-\nwänden und Ausreden zu missbrauchen.\nDenn so viel traue ich sogar Ihnen zu,\ndass Sie jetzt anfangen, die Unsinnigkeit\neines Satzes zu begreifen, in dem ich Sie\nleider immer noch festhalten muss: „So\nhat z. B. Kandinsky, ehe er zu seiner soge-\nnannten absoluten Malerei kam, sich erst aus\nder Banalität seiner Landschafts- und Genre-\nbildchen herausentwickeln müssen.\" Nicht\nwahr, Herr Westheim, jetzt müssen Sie\nselbst über Ihren Satz lachen? Wie sich\nnur ein Beschimpfer Kandinskys so ver-\nheddern kann! Wie ist das? Kandinsky hat\nsich aus der Banalität heraus entwickelt?\nAber, Herr Westheim, Sie haben doch schon\n1912 festgestellt, dass Kandinsky sich aus\nder Banalität nicht herausentwickelt hat!\nWie stehts, Herr Westheim? Entscheiden\nSie sich! Hat sich Kandinskys Malerei ent-\nwickelt oder nicht? Gewiss, es mag ver-\nteufelt schwer für Sie sein, eine vernünftige\nAntwort zu geben. Denn wenn Kandinsky\nsich aus der Banalität heraus entwickelt\nhat, dann waren offenbar seine absoluten\nBilder nicht mehr banal. Aber am 23. Oktober"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4346, "texte": "1912 fanden Sie diese* absoluten Bilder\nüberaus banal, schlechter als mittelmässiges\nTunkpapier. Und endlich, Herr Westheim,\ndürfen Sie die Hauptsache nicht vergessen.\nSie wollen doch erklären, warum Kritiker\nihre Stellung zu „einzelnen Künstlern\" ändern\ndürfen: weil nämlich Künstler, wie Sie uns\nbelehren wollen, keine Maschinen sind, die\nsich in in ihren Produktionen gleich bleiben,\ndass sie also einst getadelte Künstler loben\ndürfen, wenn diese Künstler sich zum Bei-\nspiel aus ihrer Banalität heraus entwickelt\nhaben. Soll Ihr verteufelter Satz in seinem\nZusammenhang überhaupt irgend einen Sinn\nhaben, so ist es der: Ich, Paul Westheim,\nbrauche mich nicht zu schämen, dass ich\nneuerdings oder erst seit einigen Jahren Kan-\ndinsky anerkenne; denn erst neuerdings\noder erst seit einigen Jahren hat sich Kan-\ndinsky aus der Banalität heraus entwickelt.\nAber zum Teufel, er hatte sich ja schon\n1912 zur absoluten Malerei entwickelt. Und\nSie haben diese entwickelten Bilder doch\nfür schlechtes Tunkpapier gehalten. Herr\nWestheim, was fang ich mit Ihnen an, wie\nhelf ich Ihnen? Soll ich mal so tun, als\nob Sie die absolute Malerei Kandinskys im\nJahr 1912 weder gesehen noch für Tunk-\npapier gehalten haben ? Soll ich? Ich bin's\nim Stande. Ich getraue mich, einige Dutzend\nBeweise für Ihre künstlerische und schrift-\nstellerische Unfähigkeit aus der Hand zu\ngeben und noch soviele zu behalten, dass\nich einige Bibliotheken damit füllen könnte.\nFälschen wir also die Kunstgeschichte.\nÜber die Kunstgeschichte, die Herwarth\nWaiden und Der Sturm in zehn Jahren ge-\nmacht haben, ist in Zeitungen und Zeit-\nschriften so viel gelogen worden, dass meine\nkleine Fälschung den paar anständigen\nMenschen vielleicht entgehen wird. Fäb\nsehen wir die Kunstgeschichte und schreiben\nwir: die ersten absoluten Malereien Kan-\ndinskys waren auf dem Ersten Deutschen\nHerbstsalon im Jahr 1913 zu sehen — —\nAch, Herr Westheim, Sie machen es mir\nsehr schwer! Nun sind Sie wieder nicht zu-\nfrieden, nun fangen Sie an, am ganzen Leib\nzu zittern. Warum denn? Weil ich die\nWorte Erster Deutscher Herbstsalon nieder-\nschreibe? Ist es meine Schuld? Tu ich es\nnicht Ihretwegen? Will ich Ihnen denn\nnicht helfen, Zeit und Ort zu finden, wo\nSie eine Entwicklung Kandinskys aus der\nBanalität anerkannt haben. Es muss doch\n1913 gewesen sein\n* *\n*\nDer Erste Deutsche Herbstsalon, den Her-\nwarth Waiden 1913 geschaffen hatte, war\ndas grösste künstlerische Ereignis des Jahr-\nhunderts. Das wollen wir als ein Axiom\ngelten lassen, bis Sie, Herr Westheim, den\nVersuch machen sollten, es auch heute\nnoch, nach sieben Jahren, zu bestreiten.\nDamals freilich, zu Ende des für Sie so\nunglückseligen Jahres 13 wussten Sie noch\nnicht, dass Sie später einmal Ihre ganze\nschriftstellerische und wirtschaftliche Exis-\ntenz auf die künstlerischen Wirkungen und\nden Einfluss dieses Ersten Deutschen Herbst-\nsalon aufbauen werden. Ich bin fest über-\nzeugt, dass Sie es nicht wussten. Ich hoffe,\nSie werden es mir nie vergessen, dass ich\nso grundehrlich von Ihnen denke. Sie\nkonnten es nicht wissen. Was Sie damals\nin Zeitungen und Zeitschriften über den\nDeutschen Herbstsalon geschrieben haben,\nwar Ihre ehrliche Überzeugung. Und das\nheisst etwas, Herr Westheim, unter-\nschätzen Sie es nicht. Denn es gibt Kritiker,\nund es sind ihrer nicht wenige und sie\nleben noch, die Kunstwerke deswegen\ntadeln, weil Der Sturm sie ausstellt,\ndiese Kunstwerke aber anerkennen, sowie\nsie, was ja bekanntlich vorkommt, in anderen\nAusstellungen erscheinen. Es gibt solche\nKritiker. Und ich werde noch einige un-\nliebsame Gelegenheiten finden, mich mit\nihnen und den psychologischen Gründen\nihres Benehmens zu beschäftigen und die\nallzu leichten, aber nötigen Beweise zu\nbringen. Sie liegen geordnet in meiner\nSchublade. Also, Herr Westheim, zu diesen\nKritikern gehören Sie nicht. Man musste\nIhnen glauben. Es war wirklich Ihre an-\ngeborene Unfähigkeit, malerisch Bedeuten-\ndes zu erkennen und vom Wertlosen zu\nunterscheiden. Es war ehrliche Entrüstung,\nwas Sie im Jahre 1913 in der Zeitschrift\nMärz über Chagall, Kandinsky, Archi-\npenko, Campendonk, Feininger, Klee\nund die grossen französischen Kubisten\nschrieben: „Diese auf Ulk dressierte\nGruppe .... Es sind harmlose Narren,\nAttraktionen dritten Grades, die sich ihre\nClownerien wahrlich sauer genug werden\nlassen . . . .\"\nHier schöpft der Weltgeist Atem. Und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4387, "texte": "auch ich will mich mässigen. Denn ich\nsehe, wie Sie erbleichen, Herr Westheim.\nWarum denn? Ist es so schlimm, wenn die\nWelt wieder einmal erfährt, wie Sie vor\nsieben Jahren über die Kunst gedacht haben\nfür die Sie jetzt — hm hm — wie nenn\nich es? — kämpfen? eintreten? — ich will\nsagen: für die Sie jetzt ein Blatt heraus-\ngeben. Ist es so schlimm? Ich will Ihnen\nwohl glauben, dass Ihnen schwindlig wird.\nOder wie meinen Sie? Es sei ganz unmög-\nlich, dass Sie über Chagall, Kandinsky (ja\noder nein?), Klee und die grossen Kubisten\nso etwas Grässliches geschrieben haben ?\nDass Chagall ein harmloser Narr sei. Dass\ndie Werke von Gleizes, Metzinger und\nLeger Clownerien seien. Man sollte wohl\nmeinen, es sei unmöglich, dass ein Mensch\nje so etwas geschrieben habe. Aber Sie,\nHerr Westheim, Sie haben es geschrieben.\nWidersprechen Sie nicht. Sie haben es\ngeschrieben. Gut, wenn Sie es bewiesen\nhaben wollen, hören Sie mich weiter an.\nWir wollen sehr genau sein. Sie schreiben\nin der zitierten Beschimpfung des Deutschen\nHerbstsalons, dass diese Beschimpfung für\n355 von 366 Bildern gelte. Elf Bilder\nnehmen Sie also aus. Und welche Bilder\nwaren das? Wir wollen sehr genau sein,\nHerr Westheim. Wir wollen unter die\nSynoptikergehen. Wir wollen vergleichende\nkritische Forschungen treiben, wir wollen\nauthentische Interpretation üben. Wir wollen\nPaul Westheim zu Rate ziehen. Sie kennen\nihn doch? Paul Westheim also schrieb am\n25. September 1913 in der Frankfurter Zei-\ntung — Zittern Sie nicht, Herr Westheim,\nich drucke nicht alles ab. Jetzt noch nicht.\nSie sollen sich erst daran gewöhnen, diesen\ngrauenvollen Zeugen zu hören. Später,\nHerr Westheim, später soll der Zeuge alles\nsagen. Jetzt wollen wir die elf von Ihnen\nanerkannten Bilder kennen lernen.\n„Wenn man sich aber daran macht, die\npaar Hoffnungen zu suchen, die es unter\nden 366 Nummern gibt, um die es schade\nwäre, wenn sie in solcher Sphäre ver-\nsumpfen würden, so notiert man Franz\nMarc, der mit dem „Turm der blauen Reiter\"\nein gehaltvolles Werk zu bieten hat.\" Ich\nwill nicht kleinlich sein und Ihnen die\n„Beiter\" nicht besonders dick ankreiden.\nDie Vermutung, dass Sie nicht einmal einen\nKatalog lesen können, liegt ja nahe genug,\nund dass Sie auf dem Bilde „Turm der blauen\nPferde\" blaue Reiter gesehen haben, — mir\nsoll es recht sein. Es erleichtert mir den\nBeweis, dass Sie auch nicht sehen können.\nDas „gehaltvolle\" Bild hängt nun mit Gottes\nHilfe in der National-Gallerie des Kron-\nprinzen-Palais und somit ist es quasi pu-\nblik geworden, dass Reiter auf dem Bild\nnicht zu sehen sind. So mögen auch Sie\nKenntnis davon erhalten haben und darum\nkein Wort mehr davon. Auch will ich\nIhnen nicht die Freude verderben, dass Sie\ndieses Bild im Jahre 1913 nicht für den\nUlk eines harmlosen Narren gehalten haben.\nGott im Himmel allein mag wissen, wie\ndas zugegangen ist. Ich weiss es nicht.\nAber das weiss ich, dass die sechs anderen\nBilder von Franz Marc Ihnen weniger ge-\nhaltvoll vorkamen. Mich wunderts nicht.\nDenn die „Tierschicksale\", in denen Franz\nMarc zu einer gesteigerten Geistigkeit drang,\nverlangen auch beim Beschauer eine ge-\nsteigerte Geistigkeit. Diese Tierschicksale,\nHerr Westheim, diese Tierschicksale! —\nGeduld, nur Geduld, diese Tierschicksale\nsind auch ein Teil Ihres Schicksals ge-\nworden. Wir haben noch viel Zeit, wir\nwollen es uns aufsparen. Damals also, in\nIhrem Unglücksjahr 13, waren die Tier-\nschicksale für Sie noch kein „gehaltvolles\"\nBild. Was damals Ihr Auge noch fesseln\nkonnte, waren die Bilder von Walter Heibig,\nAugust Macke und Kokoschka: wohlge-\nzählte vierzehn Bilder, fünfzehn mit den\nblauen Pferden. Und elf, nur elf waren doch\ndamals keine Clownerien. Nur elf! Das\nwollen wir recht fest halten. Denn so werden\nSie sich hoffentlich nie herauszureden\nsuchen. So ist es bewiesen, dass Sie die\nWerke von Chagall und Kandinsky, von\nCampendonk und Klee, von Leger und\nMetzinger, von Gleizes und Picabia für\nAttraktionen dritten Grades hielten. — Wie\nist Ihnen, Herr Westheim? Sehr schlecht?\nHaben Sie keine Angst! Herr Kiepenheuer\nist mild und Ihnen wohlgesinnt. „Was\nhalten Sie von Herrn Westheim?\" fragte\nHerr Kiepenheuer im August 1919 Herrn\nWaiden. Und raten Sie mal, was Herr\nWaiden zur Antwort gab? Hat Sie aber\nHerr Kiepen heuer zum Teufel gejagt? Nein.\nUnd wen sollte er wohl an Ihre Stelle setzen?\nWeiss er nicht genau, dass die anderen\nnicht besser waren als Sie? Worin besteht"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4211, "texte": "der Unterschied zwischen Ihnen und den\nübrigen 999 deutschen Kritikern: darin, dass\ndie meisten noch heute genau so gottes-\nlästerlich schimpfen wie damals. Sie haben\nfür Herrn Kiepenheuer immerhin den Vor-\nzug, dass Sie heute „mitmachen\". Einige\nfreilich tun sich viel darauf zu gute, dass\nSie damals schon mitgegangen sind. Aber\nGottes ausgleichende Gerechtigkeit sorgte\ndafür, dass diese Einigen frühzeitig alterten.\nSie gehen heute nicht mehr mit. Wo soll\nalso Herr Kiepenheuer einen Ersatz für\nSie hernehmen? Kennen Sie einen, der\nSteine auf Sie werfen darf? Wenn ich durch-\nlese, was diese 999 damals über den Ersten\nDeutschen Herbstsalon geschrieben haben,\ndann kommt es mir vor, als hätten Sie es\nin der Beschimpfung des Grossen und Ge-\nwaltigen nicht am tollsten getrieben. Und\nvielleicht ist es für Sie eine Art von Trost,\nnochmals zu lesen, was diese 999 Kritiker\nsich damals selbst zugemutet haben. Nur\neine Art von Trost. Denn vielleicht glauben\nSie mir gar nicht. Vielleicht halten Sie diese\nKritiken für die Erzeugnisse eines einzigen,\nganz sonderbar konstruierten Gehirns. Sie\nhaben beinahe recht.\nAch, Herr Westheim, was für ein schlechter\nund ungeschickter Gegner sind Sie doch!\nIch hatte Sie aufgefordert, in meiner Ver-\ngangenheit herumzuwühlen, bis Sie ein Er-\neignis entdecken, das Sie einen „Fall\" nennen\nkönnten. Statt dessen tratschen Sie im Ok-\ntoberheft des Kunstblatts das Geschwätz\neiniger gewohnheitsmässiger Verleumder\nnach, das diesen wiederum von einigen\nanderen Verleumdern nicht hinterbracht\nworden ist, sondern hinterbracht sein soll.\nSie sind \"ein zu spassiger Herr. Ich werfe\nIhnen Unfähigkeit und Unwürdigkeit vor,\nund Sie schreiben, Herr Waiden habe sil-\nberne Löffel gestohlen. Auf solche falsche\nWege der Verteidigung führt Sie nur Ihre\nUngeduld. Ich beschwöre Sie noch einmal,\nseien Sie geduldig. Sie werden auf alles\ndie gewünschte Antwort erhalten, auf Ihre\nTorheiten und auf Ihre Unwahrheiten. Es gibt\nnichts in Ihrem Artikel, das ich nicht mit\nDokumenten'widerlegen werde. Aber Ge-\nduld müssen Sie haben. Ich kann nicht\nalles auf einmal veröffentlichen. Nur über\ndas Gröbste will ich Sie eiligst belehren. Alle\nVerdächtigungen über Nicht-Auszahlungen\nan In- und Ausländer bitte ich Sie, an mich\npersönlich zu richten. Nur ich, ich allein\nbin für die von Ihnen so sehnlichst ge-\nwünschten Delikte verantwortlich, mora-\nlisch, ethisch und vor allem rechtlich. Nur\nich weiss, was ich zu tun verpflichtet bin,\nnicht Sie. Denn Sie wissen nicht, was\nPflicht ist. Und bedenken Sie, dass Sie\nschon einmal eine ähnliche Unwahrheit\nwie jetzt die gegenüber Chagall behaupteten,\nhaben zurücknehmen müssen, nachdem Sie\nsich überzeugt hatten, dass Sie von ihren\ngeschwätzigen Gewährsmännern belogen\nwaren. Es wird Ihnen mit Ihren neuen\nfrivolen Verdächtigungen nicht anders gehen.\nDenn, wenn auch Ludwig Rubiner nicht\nmehr lebt, so lebt doch seine Frau noch.\nUnd Sie wird Ihnen gern bestätigen, dass\nSie Worte und Sätze genau so falsch hören,\nwie Sie Bilder sehen. Leider fürchte ich,\nwenn ich einmal zu Ihrem „Fall Chagall\"\nvorgedrungen bin, wird Ihnen Hören und\nSehen längst vollkommen vergangen sein.\nDarum will ich mich doch beeilen, Ihnen\neine Ahnung davon zu verschaffen, wie\nLudwig Rubiner über Herwarth Waiden\ndachte. Er hat während des Krieges einen\neinzigen Brief aus der Schweiz an Herwarth\nWaiden gerichtet. Dieser Brief aber geht\nin einer ganz anderen Melodie und lautet so:\n25- Februar 1917 Zürich, Hadlaub 11\n„Herwarth Waldens „Buch der Menschen-\nliebe\" leitet eine neue Epoche der Litera-\ntur ein.\nIch kenne in keiner Sprache einen lebenden\noder toten Zeitgenossen, der etwas (auch nur\nannähernd!) so Bedeutendes veröffentlicht\nhätte.\nDieser Roman hat mir die tiefsten brüder-\nlichen Glücksmomente gebracht — und\nwird sie noch vielen Menschen bringen —\ndie Gedrucktes überhaupt erwecken kann.\nNach hundert Jahren wird von allen\nBüchern zwischen 1880 und 1916 nur das\n„Buch der Menschenliebe\" geblieben sein.\nUnd es wird ungealtert mit herrlichster Auf-\nwühlung gelesen werden.\nEs ist ein wirkliches Buch der Menschen-\nliebe.\"\nLudwig Rubiner\nDas klingt fatal! Nicht wahr, Herr West-\nheim? Das wird einigen Teufeln gar nicht\nin das Konzept passen. Die Toten reden."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1107, "texte": "Sehen Sie sich vor, Herr Westheim, mit\nIhren Verdächtigungen. Denn ich wieder-\nhole Ihnen, es gibt keine grosse oder\nkleine gegen Waiden und den Sturm in\nKurs gebrachte Verleumdung, die ich nicht\nmit Dokumenten widerlegen werde. Jahre-\nlang hat sich Waiden von der Geschäfts-\ntüchtigkeit einiger Künstler gebrauchen\nlassen. Den Nutzniessern, die sich bedrückt\nfühlen, dass sie ihr ganzes Ansehen dem\nSturm verdanken, bleibt nichts übrig, als\nGründe zu erfinden, die unser Guthaben\nzu dem ihrigen machen sollen. Fällt ihnen\nkein Pfennig ein, der ihnen dazu verhelfen\nkönnte, dann legen sie sich eine Über-\nzeugung zurecht und lehnen die Gemein-\nschaft mit William Wauer, Neil Waiden\noder Budolf Bauer ab. Neben einem „Bild\nder Tiefe\" wollen sie nicht hängen, aber\nsie sind glücklich, in irgendeiner anderen\nAusstellung oder Kunsthandlung über die\nBilder des Tiefstands zu ragen. Und weder\ndiese Künstler noch Sie, Herr Westheim,\nahnen, wie gross die heimliche Ehrfurcht\nvor dem Sturm ist, wenn sie solchen alber-\nnen und verlogenen Ausreden das Ansehen\nwahrer und triftiger Gründe geben soll.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.3.1", "titre_corps": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "titre_sommaire": "Johannes Molzahn: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "135", "image_debut": 12, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.4", "titre_corps": "Die vier Toten der Fiametta", "titre_sommaire": "Die vier Toten der Fiametta", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.12", "debut_caractere": 1109, "fin_caractere_exclue": 4176, "texte": "Die vier Toten der Fiametta\n\nLieber Herwarth Waiden\nDie Dresdner Musikkritiker haben über\nDeine Musik „Die vier Toten der Fiametta\"\ngeschrieben, wie ich es nicht erwartet habe.\nDu weisst, dass ich oft genug Gelegenheit\nhatte, bei den Dresdner Kritikern nicht nur\nweniger Bosheit und Verstocktheit als bei\nden Berliner Kritikern, sondern auch guten\nWillen und sogar beachtenswerte Fähig-\nkeiten zur Erkenntnis von Kunst festzu-\nstellen. Und Du weisst, dass ich diese An-\nerkennung nicht nur auf das hohe Lob\ngründete, das die Dresdner Kritik meinen\nVorträgen stets zukommen liess, sondern\ndarauf, dass dieses Lob oft mit künst-\nlerischer Einsicht erteilt wurde. Darum\nist es für mich eine vollkommene Über-\nraschung, dass einer dieser Kritiker in\nseiner Besprechung im Berliner Tageblatt\nschreibt:\n„Die Pantomime ist keine Pantomime,\nsondern nur banales Balett von ehemals.\"\nHier handelt es sich um einen überaus\nseltenen Fall. Denn hier kann nicht mehr\ndavon die Bede sein, dass zwischen der\nAuffassung des Künstlers und des Kritikers\neine Verschiedenheit der Meinungen be-\nsteht. Die Ansichten, was eine Pantomime\nund was ein Balett sei, stehen nirgends auf\nder Welt miteinander in Widerspruch. Es\nist keine Ansichtssache, ob man eine Pan-\ntomime, in deren Verlauf eine der agieren-\nden Personen einen kurzen Tanz vorführt,\nim übrigen aber nicht getanzt wird, ein\nBalett nennt. Wenn also dieser Kritiker\nDeine Pantomime für ein Balett gehalten\nhat oder als Balett bezeichnet, so gibt es\nnur die folgenden Möglichkeiten für die Er-\nklärung eines solchen Irrtums: Entweder\nhat dieser Kritiker die Aufführung gar nicht\ngesehen, oder er hat während der Auf-\nführung geschlafen, oder er hat die Augen\nwährend der Aufführung geschlossen, oder\ner hat nie ein Balett gesehen, oder er hat\nsich einer schriftstellerischen Darstellungs-\nform bedient, die sonst sogar bei Kritikern\nnicht üblich ist. Und wenn dieser Kritiker\nvon Deiner Pantomime sagt, man spiele\n„mit einer lächerlichen Para-\nlellität der Musik und noten-\ntreuen Gestik\", dann, lieber Herwarth\nWaiden, dann wollen wir uns freuen, dass\nin dieser Kritik der dolus malus so ein-\nwandfrei bewiesen ist, wie vielleicht\nnoch niemals, seit Kritiker gegen Kunst\nschreiben. Es ist nicht denkbar, dass ein\nMensch so vollkommen vom Geist der\nKunst verlassen sei, dass ihm Gott kein\nGefühl für die Einheit der Kunst, genau\nso gut wie für die Einheit des Weltalls\nverliehen haben soll. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass dieser Kritiker die\nNotwendigkeit nicht empfunden habe, mit\nder in der musikalischen Pantomime zwei\nKünste zu einer untrennbaren Einheit ver-\nschmelzen müssen. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass dieser Kritiker nicht\nempfunden hat: hier ist zum ersten Mal in\nEuropa das Problem der Pantomime er-\nkannt, gelöst und in dieser Lösung völlig ge-\nzeigt worden. In allen Pantomimen, die mau\nbisher in sämtlichen Ländern Europas, selbst\nbei den Russen, sehen konnte, bestand eine\ntrennende Kluft zwischen der Bewegungs-\nkunst der Pantomime und ihrer Musik. Zwei\nKünste, deren Rhythmen von verschiedenen"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4417, "texte": "Erscheinungsformen herkommen, müssen,\nwenn ei n Kunstwerk entstehen soll, zu\neiner künstlerischen Einheit gebracht\nwerden. Die Verfasser und Darsteller aller\nbisher gespielten Pantomimen haben nicht\neinmal das Problem geahnt. Du, Herwarth\nWaiden, und William Wauer, Ihr habt das\nProblem als die Ersten in Europa erkannt\nund gelöst. Es ist völlig ausgeschlossen,\ndass dies dem Kritiker des Berliner Tage-\nblatts entgangen ist. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass der Kritiker des Ber-\nliner Tageblatts die „Paralellität der\nMusik und notentreuen Gestik\"\nnicht als urnotwendige künstlerische Gesetz-\nmässigkeit erkannt hat. Und damit ist der\ndolus malus, mit dem diese Kritik ge-\nschrieben wurde, bewiesen wie noch nie-\nmals.\nNicht zu beweisen ist freilich, ob dieser\nund die anderen Dresdner Kritiker wirk-\nlich unmusikalisch sind oder sich nur un-\nmusikalisch gestellt haben. Möglich ist\nbeides. Du erinnerst Dich vielleicht, wie oft\nich bekannte, sogar berühmte Sänger, aus-\nübende Musiker, Tonsetzer und Dirigenten\nals unmusikalisch bezeichnen musste.\nDass die ganze Dresdner Kritik Deine Musik\nabgelehnt hat, ist also vielleicht doch irgend-\nwie zu begreifen. Ich begreife sogar, dass sie\nes in der Form getan hat, dass sie Deine\nMusik für banal, unmodern und unexpressio-\nnistisch erklärt hat. Diese Kritiker glauben\nnoch immer, Expressionismus sei etwas\nbesonders Bizarres oder Lautes oder Auf-\ngeregtes oder Phantastisches oder Wildes.\nWas ist natürlicher, als dass sie eine Musik\nfür nicht — expressionistisch erklären, die\nnichts ist als Musik. Wenn man heute den\nLeuten begreiflich machen will, dass Beet-\nhoven wie jeder grosse Komponist Ex-\npressionist war, weil er reine Musik machte,\ndann sperren sie zwar immer noch nicht die\nOhren, aber Mund und Nase auf. Sagt man\nihnen aber, dass gleichzeitig mit dem Auf-\nstieg der Malerei zum Expressionismus der\nNiedergang der Musik zum Impressionismus\nerfolgt sei, dass dieser Niedergang mit\nWagner begonnen, mit Debussy und Schön-\nberg fortgesetzt und mit Bichard Strauss\nvollendet wurde, dann spitzen sie noch\nnicht einmal die Ohren. Denn sie ver-\nstehen gar nichts mehr. Und darum ist es\nauch kein WTunder, dass die Dresdner Kri-\ntiker Deine Musik für unmodern erklären.\nDas einzig Wunderbare ist, dass sie damit\nRecht haben. Nur wissen sie es nicht,\ndenn Sie glauben nur, geschimpft zu haben.\nEs ist aber bezeichnend für alle diese\nMenschen, dass sie überhaupt von einer\nKunst verlangen, sie solle modern sein.\nDenn sie wissen nicht, dass Kunst weder\nmodern noch unmodern, sondern zeitlos\nist. Nie werde ich Unmusikalischen be-\nweisen können, warum Deine Musik der\nFiametta zeitlos ist, wie keine bisher war.\nDen wenigen musikalischen Menschen, die\nes gibt, brauche ich es nicht zu sagen. Und\ndiese wissen auch, dass Deine Musik raum-\nlos ist, dass 'Du der erste Komponist bist,\nder über die Enge aller Länder und Völker\nhinaus Musik geschrieben hat. Vielleicht\nist es diese Zeit- und Volklosigkeit, die\njenen höchstens traditionell oder empirisch\nMusikalischen banal erscheint. Es ist immer-\nhin sehr merkwürdig, dass nicht nur ein\nKritiker, sondern, wenn ich nicht irre, alle\ndiese Banalität festgestellt haben. Diese\nFeststellung wird diejenigen wahrhaftMusika\nlischen interessieren, die Dein ganzes grosses\nmusikalisches Lebenswerk kennen und\nnicht nur uns gegenüber oft genug ein-\ngestanden haben, dass das Anhören Deiner\nMusik sie zu ihrem gewaltigsten Erlebnis\ngeführt hat, die mit aller Ehrlichkeit ge-\nsagt haben, dass keine Musik der Welt sie\nso im Tiefsten aufgewühlt und ergriffen\nhat wie die Deine. Und mit besonders\ngrossem Erstaunen werden diejenigen von\nBanalität lesen, die so stark musikalisch\ngeschult sind, dass sie über dem Gesamt-\nempfinden und dem grossen musikalischen\nErlebnis auch die Struktur des Harmo-\nnischen erfassen können. Du wirst Dich\nnoch einer Äusserung von Julius Lieban\nerinnern, die er kürzlich getan hat: „Dieser\nHerwarthWalden ist der einzige Komponist,\nder nie eine Harmonie geschrieben hat, die\nein anderer schon vor ihm setzte.\" Und\ndarum ist der Eindruck der Banalität auf\ndie Dresdner Kritiker umso verwunderlicher,\nweil nachzuweisen ist, dass die ganze Par-\ntitur Deiner Fiametta wirklich nicht eine\neinzige Tonverbindung enthält, die jemals\nein Komponist vor Dir geschrieben hat. Und\ndoch banal! Die Musikkritiker Dresdens\nhaben also diese tausend noch nicht dagewe-\nsenen Tonverbindungen nicht als unharmo-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1733, "texte": "öisch empfunden: So müssen diese mit der\nGewalt der Natur, mit der Selbstverständ-\nlichkeit des Grössten auf sie gewirkt haben.\nDiese Menschen müssen, da sich in Deiner\nMusik nicht eine einzige anlehnende Melodie\nbefindet, Deine Musik als die letzte Selbst-\nverständlichkeit empfunden haben, die in\njedem Menschen ist. Ernst Rodewald, der\nseit langem in Breslau mit Fanatismus für\nDeine Musik kämpft, hat mir vor zwei Jahren\neinmal eine ausgezeichnete Analyse Deiner\nMusik vorgetragen und dabei von ihrer\ngenialen Banalität gesprochen. Und das ist\nrichtig. Deine Melodien und Harmonien\nsind nicht von Dir, sondern von aller\nMenschen Seelen Tiefen. Sie sind von\njener Banalität, die Beethoven nur in den\ngrössten Augenblicken seiner musikalischen\nEmpfängnisse bekommen hatte, in der\nMusik des Chors aus der Neunten Sym-\nphonie, in der grossen Melodie des ersten\nSatzes aus dem Violinkonzert und in vielen\nStellen seiner grossen Klavier- Sonaten.\nDiese menschliche, diese göttliche, diese\nkosmische Banalität ist Dir gegeben, Dir\nals dem Einzigen und Dir als dem Ersten\nKomponisten dieser Welt. Du weisst, dass\ndies nicht mein Glaube ist, sondern mein\nunantastbares Wissen seit jenem Tage,\nals Du mir zum ersten Mal im Jahre 1905\ndas grösste Wunder meines Lebens, Deine\nMusik, offenbartest. Es ist von keiner Be-\ndeutung, ob mir heute oder in naher Zeit\nirgend ein Mensch glaubt. Aber es ist von\nBedeutung, dass ich dieses Wissen von\nDeiner menschlichen und göttlichen Bana-\nlität hier nicht bekenne, sondern dokumen-\ntiere. Denn dieses Dokument wird auch\nsein aere perennius, wie die tiefste und ge-\nwaltigste Musik aller Zeiten, Deine Musik,\nHerwarth Waiden.\nAufführung im Alberttheater zu Dresden am\n12. Oktober 1920\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "133", "page_fin": "133", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.4.1", "titre_corps": "Alexander Archipenko: Femme assise / Aquarell Vierfarbendruck", "titre_sommaire": "Alexander Archipenko: Femme assise / Aquarell Vierfarbendruck", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 61, "texte": "Alexander Archipenko: Femme assise / Aquarell\nVierfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "135", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.5", "titre_corps": "Parallelität und Lächerlichkeit", "titre_sommaire": "Parallelität und Lächerlichkeit", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.15", "debut_caractere": 1735, "fin_caractere_exclue": 2762, "texte": "Parallelität und Lächerlichkeit\nRudolf Blümner\nDer Dresdner Kritiker A. G. schrieb über\ndie Pantomime „Die vier Toten derFiametta\"\nvon Herwarth Waiden und William Wauer\nim Berliner Tageblatt vom 20. Oktober 1920\nvon „einer lächerlichen Parallelität\nder Musik und notentreuen Gestik\".\nDieser Kritiker hat auch die folgenden\nUrteile gefällt:\nStudiert man die Partitur der Matthäus-\nPassion oder der Neunten Symphonie, so\nstellt man eine lächerliche Parallelität\naller Instrumente und Stimmen fest.\nDie Tatsache, dass im rechtwinkligen Drei-\neck die Summe der Quadrate über den\nKatheten gleich dem Quadrat über der\nHypotenuse ist, wirkt gradezu lächerlich.\nEs gibt nichts Lächerlicheres als die\nParallelität von Herz- und Pulsschlag.\nDie Parallelität von Licht und Schatten ist\neinfach zum Lachen.\nDividiert man die Zahl Hundert durch Vier,\nso ergeben sich vier Zahlen von lächer-\nlicher Gleichheit.\nWenn zwei Kritiker über die Musik von\nHerwarth Waiden schreiben, so ergeben\nsich zwei Banalitäten von lächerlicher Pa-\nrallelität."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "137", "image_debut": 15, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.6", "titre_corps": "Totentanz", "titre_sommaire": "Totentanz", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.15", "debut_caractere": 2764, "fin_caractere_exclue": 3565, "texte": "Totentanz\n\n(Wie man mit dem Rasiermesser philoso-\nphiert)\nÜber unter den Linden reitet der grosse\nFritz Stahl, um auf die Bäume zu klettern,\ngehen wir heute unter die Linden, um auf\ndie Universität zurückzublicken von unten\nherauf, von oben hinab und von vorn-\nherein, herein Gesellen alle lassen wir\nuns gesagt sein, Stahlfritz ist der grösste\nteutsche Satiriker wider seinen Wider-\nwillen, wenn auch die Figur in einer\nHecke einen leidlichen Hintergrund er-\nhielte. Jener Schreibfritz, dieser junge\nHeld, der hier zusammengebrochen wird,\nein Bein steht kaum noch, kann keinem\nmehr ein Mitleid zufügen, hat es beschaut.\nHast Du nicht gesehen, hat er es auch\nschon beschrieben. Wen oder was und\nwo und warum nicht. Und um die Säulen\nwindet sich der Kranzkuchen.\n„Die Berliner Universität will ihren im"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4074, "texte": "Kriege gefallenen Angehörigen ein Erinne-\nrungsmal weihen. In dem engen Wett-\nbewerb, der dafür ausgeschrieben worden\nwar, hat sich die Jury für einen Entwurf\nentschieden, den Hugo Lederer als Bild-\nhauer und German Bestelmeyer als Archi-\ntekt gemeinsam geschaffen haben.\"\nHugo Hauklotz und Meyer Bauklotz, zwo\nledere Germanen, wettbeworben von Ger-\nmanisten, Saxo-Burgunden, politischen Rad-\nfahrern mit Rücktrittbremse, einzeln und\ngemeinsam schaffen sie das Nichts und\nruhet nimmer und um die Säulen windet\nsich Fritz Stahl..\n„Er ist jetzt in der alten Aula ausgestellt.\"\nGeben sich diese drei sogenannten Einheiten\nein Stelldichaus.\n„Lederers Figur drückt einen schönen Ge-\ndanken aus.\"\nHerzliche Grüsse von Haus zu Hans, dein\nLudendorff. Nachdruck geboten.\n„Dieser junge Held, der da zusammen-\ngebrochen ist, ist noch nicht ohne Hoffnung\nund Kraft.\"\nDenn\n„Nur das linke Knie berührt den Boden.\"\nDas rechte hofft aus feister Kehle.\n„Der rechte Fuss steht noch, und in ihm\nkündigt sich eine Bewegung an, die ein\nSich wiedererheben fühlen lässt. \"j\nWird der rechte Fuss, Spott hab' ihn seelig,\ndem linken Knie hilfreiche grosse Zehe\nreichen? Wird brechen das Herz in der\nHose dem linken Knie zu Füssen der rechten\nZehe? Einst aber wird sich übergeben eine\nKniekehle und wird der rechte Fuss, er\nsteht noch immer, wird er dafür einstehen,\ndass, gestehen wir es, der Reichskunst-\nwächter zur Nacht diese eingeschlafenen\nFüsse im Schweisse seines Angesichts wecke\nzu neuem Leben blüht aus den Rubinen?\nAngesichts dessen kündigt sich im Tag-\nwächter keine Bewegung an. Wird er bald\nkündigen? Fulgura frango. So geschehen\nim Jahre des Unheils Eintausendneunzehn-\nhundertundzwanzigzwo.\n„So ist Darf man das sagen oder\nmuss man sich mit der bescheideneren\nFormel begnügen: „So sollte Deutschland\nsein\"?\"\nSo ist es. Fein hast Du es gesagt, getan,\nteu teu Gedankenstrich, Gedankenstreichung,\nso lasst noch einen aus, so kitschig ist\nDeutschland, Deutschland über alles her-\ngefallen. Heer gefallen. So sollte es von\nGer-Mannen ausgehauen werden. Das neue\nProblem.\n„Das neue und schwere Problem, Nieder-\nfallen und Willen zum Wideraufsteben in\nderselben Gestalt darzustellen, einer Gestalt,\ndie aus einem harten Steinblock heraus-\ngeschlagen ist, ist noch nicht vollkommen\ngelöst, kann in der Skizze nicht vollkommen\ngelöst sein. Aber da schon die Skizze den\nWillen deutlich erkennen lässt, und man\nLederer kennt, so ist nicht daran zu zwei-\nfeln, dass der Gedanke in dem fertigen\nWerk sich ganz klar darstellen wird.\"\nIst es nicht, als ob wie wenn aus froster\nGrauzeit germanische Jammergestalten nie-\nderwallen, niederfallen, Niederwald, Hoch-\nwald, und denk' mal den eisernen Kanzler,\nund so sind wir eins, zwei, drei im Willen\nzumWiderdraufhau, aber Du darfst nicht aus\nder Klipp - Hipp - Hurra - Schule plaudern,\nFritz Stahl, denn sie wollen nur etwas\nherausschlagen, so lang ein Tropfen Mut\ndie Faust, den Faust am Degen zieht und\nnoch das Herz in der Buxe spinnt, wird\nsich der Gedankensplitter blosstellen.\n„Die Figur ist auf niedrigem Sockel in die\nBreite entwickelt.\"\nIn Wickel entbreitet. Beim Nickel gewonnen.\nIn Brei gesockelt. Nicht lange gefackelt.\nWenn det nur jut abloofen dhut.\n„Ihr sehr bewegter Umriss wird im Aus-\ndruck durch die sehr hohen, ganz geraden\nPfeiler verstärkt, zwischen denen sie steht.\"\nUmgerissen steht das Bein, und sie bewegt\nsich doch nicht.\n„Es sind vier, die unverbunden aufragen.\"\nUnverbindlich, Schreifritz, unverbindlich!\nDa hätten wir, Stahlen zunächst, zunächst\nihn selbst, einen Stahlpfeiler vis-ä-vis du\nrire, den Hervorragendsten. Ihm zunahe-\ngetreten demnächst Teutobald Ger-Mann\nBastelmeyer ohne I, ferner, doch immerhin,\nimmerherdamit, nächstens und drittens\nLederer-Hugo, den Haubildner, und viertens,\nhoffentlich bald im Fernamt, den grossen\nKunstwächter mit Eigenlob und Schwertern.\nHat nichts dagegen im Amt, einem Palais\nam Pariser-Platz, dass ihm durch Beihilfe\nder Reichsstellen für seine künstlerischen\nZwicke zur Verfügung entstellt wurde.\nLasst uns getrost hinter des Hinterhauses\nweitschauendem Giebel eiskalte Zwiebeln"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2594, "texte": "beweinen tausend und eine Nacht, wir\nhaben dazu Ewigkeit.\n„Sie sind bestimmt, die Namen der über\ntausend Gefallenen aufzunehmen.\"\nDieser Stahlsatz hat es in ihm. Sie sind be-\nstimmt nicht mit „Sie\" gemeint, Herr Schutz-\nmann am Pariser-Platz. Platzpatron aller\nKünstler. Demarmenßeich gegen über Kunst-\nmann. Künstlern gegenüber arm. Reichtum\nschändet nicht. Hat jener Satz noch andere\nLichtseiten. Sindsienichtlängstzerfallen, jene\nüber das Jahr Tausend Gefallenen, Herr\nStahl? Aus denen lässt sich nichts mehr\nVölkerschlachten. Sind vier Mammonsäulen\nverstimmt?\n„Es handelt sich hier um eine Sache, bei\nder man wohl auch etwas nicht Übliches\ntun darf.\"\nDort handelt es sich um eine Mache, in der\nman wohl auch etwas Übliches tun darf.\n„Und so sei auch an dieser Stelle gesagt,\ndass das Zustandekommen dieses schönen\nWerkes noch nicht gesichert ist, und ge-\nmahnt dazu zu helfen.\"\nHoff, o Du arme Kniekehle. Lasciate ogni\nsperanza. Sie zwiebeln uns. Sie machen\nschon Sparenzchen.\n„Die Lehrerschaft der Universität hat für\ndieses Jahr einen Teil ihrer Einkünfte zur\nVerfügung gestellt — ein schweres Opfer\nin solcher Zeit! —, die Studentenschaft wird\nsammeln, aber das alles genügt nicht.\"\nDas genügt. Da bleibt dem Spott die Tinte\nweg. Stahl ist der blanke Hohn. Gedanken-\nstrich, Ausruf, Gedankenstrich, Komma,\nwird die arme Studentenschaft stammeln.\nAber das alles genügt dem Schweigen nicht.\n„Ist das Denkmal selbst würdig, so erscheint\ndie Platzfrage noch nicht gelöst.\"\nWieso, wieso, ihr Brandenburger Toren,\nfest sitzt und witzt die Wacht am Pariser-\nPlatz.\n„Der rückwärtige Hof der Universität, wie\nihn Ludwig Hofmann gestaltet hat, ist schon\nein schöner grosser Rahmen.\"\nWoso, woso? Hofrahmen? Achso, der Platz\nwie wo. Vivos voco.\n„Aber er wird als Spazier- und Frühstücks-\nGarten von den Studenten benutzt,\"\nFulgura voco, ein sogenannter Hofrahmen-\nspaziergarten.\n„und ein solches Treiben, sehr hübsch an\nsich, steht mit dem feierlichen Ernst dieses\nDenkmals in allzu starkem Widerstreit.\"\nWieso, wieso? Achso. Geplanter Ernst.\nMortuos voco! Leichentango zückt Hau-\nbitzen, wetzt am Witz den Stahl. Er aber\nwill das letzte Wort haben. Mag er den\nmagern Rest bekommen. Gebt ihm den\nRest. Und Totenstille ist.\n„Die geplante Aufstellung an der Dorotheen-\nstrasse ist vollends unmöglich, wenn auch\ndie Figur in einer Hecke einen leidlichen\nHintergrund erhielte. Die Baumkronen\nüber ihr, die trivialen Häuser am Hegel-\nplatz, die vorbeirollenden Strassenbahnziige,\nzwischen den Säulen sichtbar, würden jede\nStimmung zerreissen.\"\nZur Kritik von Fritz Stahl im Berliner Tageblatt\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "141", "image_debut": 17, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.7", "titre_corps": "Zuginsfeld", "titre_sommaire": "Zuginsfeld", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.17", "debut_caractere": 2596, "fin_caractere_exclue": 3216, "texte": "Zuginsfeld\nOtto Nebel\nSektkübel\nKübeln und Qualm\nWeibstück und Sang\nStückfässer\nSe rollt schon wieder\nSchlank wie keine Tonne\nWat? Kanondonna?\nTolle Donna\nToni\nTonnen rollen\nWir rollen nich aus die Falle\nHeldenväter mit geteilten Tollen\nOrganisatoren\nToren\nHört laute Organe\nTalentierte Leute gesucht\nSchreiber\nStrömt herbei\nSchreiber machen alles\nKollege Armpauker\nFeldweibel können nicht schreiben\nSteife Handschrift haben sie\nSchrägschnörkel\nIn Reihe und Glied\nNach dem Lineal richtet euch\nBuchstaben machen Ehrenbezeugungen\nZeugenbeehrung\nÜberzeugende Worte\nDummes Zeug\nAlles Schwindel\nSchöntuerei\nGute Leute schonen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2022, "texte": "Wir schonen nichts ausser uns\nSoldat ist Soldat\nWas ist das aber?\nSoldat im Quartier\nIm Belt\nIm Urlaub\nSoldat unter Helden\nHeld mit Helden\nSchwein mit Schweinen\nFest steht die Wacht am Schwein\n(Kompagnieführerzulage)\nWachtmeister\nMeisterschwein\nSchwein muss der Mensch haben\nHat er es, isst er es\nFrisst er es, wird er es\nMenschenskind!\nKeine Beleidigung\nKinder sind noch Menschen\nErwachsene? Das war eine Kinderei\nAktiv oder Liebkind\nDagegen Stiefkinder\nVizekinder\nVize der Konserve\nSieh Zugführer\nBiech Konservenfabrik\nOffizieraspiranten\nTranspirieren\nSagt doch Schweissfüsse\nWas ist Aspirant?\nAspiranten sind bessere Leute\nSie ehren den Schwitz\n(Transpirin)\nSie haben die EHBE\nSIEH diese\nEhret die STBEBEB\nAuf deutsch Aspiranten\nSie können warten\nOffizieraspirantenanwärter\nAbwarten bis Vorgänger fallen\nVorgänger fallen\nAufrücken\nIn den Bücken fallen\nVorrücken\nBesichtigung\nSie werden berücksichtigt\nEine Exzellenz riecht an ihnen\nGut, der Bücken!\nWeich ist er\nTauglich zum 0 ff fz i e h r\nZum Tode befördert\nBeförderlich und dienstlich sein\nJung muss man sein\nMuss man dumm sein? Junker?\nFahnenjunker\nDegenfähnrich\nFahnenstangennachwuchs\nStangenspargel\nJunker isst im Stabe\nSchonen, aktiv\nNettes Kerlchen\nGut erzogen\nSieht alles von den Augen ab\nFeuer, Herr Major?\nDanke, Junker\nZigarre, Herr Oberlehrer?\nLehrer? Na, nichts für ungut. Prost, der\nJunker\nAuf\nSetzen\nWas? Junker trinkt nicht?\nAuf\nSetzen\nKein Soldat, der Junker\nAuf\nSetzen\nNa also\nAustrinken, der Junker\nAuf. Setzen. Auf! Setzen!\nAb\nJunker Bleichenwang\nErtrunkene Jugend\nErsoffenes Alter\nJung muss man sein\nMuss man dumm sein, Aller?\nAuf, Alter!\nSetzen, Alter!\nIhr Alten seid dumm genug\nEuch ist nicht zu helfen\nJunkern kann geholfen werden\nHat Ehrgeiz, der Junker?\nDann ist ihm nicht zu helfen\nSchnapsjunker\nDahingerafft\nBaffiniert\nAus Guten werden Bestien.\nBraut ist Gewähr\nBart macht den Mann\nSchnurrbart streichen\nStreichen lassen\nKerl von echtem Schrot und Korn\nAuf die Seite schleichen\nAuf's Korn nehmen\nEinen Korn kippen\nZielwasser\nEs steht uns zu"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2282, "texte": "Uns Unteroffizieren\nAnstände machen\nAnstand unbekannt\nTue nichts, doch tue so\nGruppenführer\nGerippe des ganzen Kadavers\nSchlotterer\nTüchtiger Unteroffizier gesucht\nZur besonderen Tat\nOrden gewährleistet\nSie sondern sich\nSie drücken sich\nIn der Tat\nSie nehmen sich ein Beispiel\nUnd gehen mit gutem Beispiel zurück\nSieh altes Leiden\nScham unbekannt\nIn der Tat überflüssig\nÜberzählige Grippenführer\nÜberzählige Gefreite\nÜberzählige Gruppenführer-\nstellvertreter\nAlle nehmen Stellen ein\nAlle nehmen Platz\nDie besten Plätze sind hinten\nOder unter der Erde\nFalls Stollen nicht ersaufen\nAlle Stollen ersaufen\n(F achausdruck)\nUnteroffiziere lieben kein Wasser\nTrocken sind sie\nTrocken wohnen sie\nSie bauen nicht\nSie sind gemütlich\nSie bauen ab\nNur wenn es ungewöhnlich ungemütlich wird\nIm sogenannten Freien\nDann lassen sie sich einbauen\nDer Mann baut\nDe Jruppe baut\nBauernlümmel\nHerr Gruppenführer steckt abwechselnd im\nfremden Loch\nHerr Unteroffizier steckt abwechselnd die\nandere Hand in die Maultasche\nMaul vollnehmen\nVolle Verantwortung?\nJa voll, Herr Leutnant\nHerr Leutnant nimmt ihn nicht ernst\nHerrn Leutnant nimmt er nicht ernst\nDas wird heiter\nErnst! Der Alte kommt\n(Junger Leutnant)\nErnst! Volle Deckung\nErnst? Is deine Deckung fertig?\nZum Schuss fertig\nUnd die Leute?\nAuch fertig\nVollständig fertig\n(SCHIPPER)\nErnst wohnt\nSchipper wohnen frei bei\nSchüsse befreien\nSchüsse decken ein\nRuht aus\nErnst staunt\nErnst denkt nanu\nNu is de Jruppe dot\nErnst ist überzählig\nÜberzählige werden abgegeben\nUnteroffizierkursus\nZur Belehrung\nZur Schreibstube\nZur Kantine\nZur Braut\nLebewohl, mein flandrisch' Mädchen\nZum Unterricht\nUnteroffiziere sind gut unterrichtet\nDarum unterrichten sie gut\nSie lernen nichts\nSie wissen alles besser\nDenn sie sind Vorgesetzte\nAlles Neue ahnen sie\nNeue Gerüchte\nNeue Orden\nNeue Verordnungen\nNeue Latrinen\nKurz, nichts Ordentliches\nIm Kopf zukurzgekommen\nStahlhelm drückt\nStiefel drücken\nAber unser Alter hat leichte Stiefel\nOb er fällt?\nStiefel a n w ä r t e r\n«• V\nSoldaten können warten\nSonst können sie nichts\nEr wartet schon noch\nWie bald kann ein Lehrer fallen\nDie Brieder\nFällt er, muss einer einspringeu\nSpringt kein Feldweibel ein, muss ich\nDie Brieder\nSchnell zuspringen\nLeutnant springt\nFällt\nEr\n(Herr Unteroffizier)\nFällt über Offizier-Stiefel her"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2346, "texte": "Und die Uhr?\nGeht noch\nUhren gehen länger als Tote\nUhrmacher sind Zeitmacher\nEwig ist Seine Macht\nZeit ist ein Uhrwerk\nTote bleiben bei Zeiten liegen\nManchmal bleiben Uhren bei Toten stehn\nLiegen bleibt keine\nDas liegt in unserer Zeit\nTote brauchen keine Uhren\nTotenuhren? Wozu?\nMensch, du Uhrwerk\nEr zieht sie auf\nEr ist in die Uhr vertieft\nSchöne flache Uhr\nWie flach muss er sein\nFlachbahnschuss\nSchlägt die Uhr tot\nSchlagt die Zeit tot!\nEr braucht keine Uhr\nTotenuhren? Wozu?\nTote brauchen nichts\nHöchstens Chlorkalk\nLebende brauchen Essen\nKüchenunteroffizier\nEin treuer Hund\nTreu wie Papiergeld\nEs kocht\nEr kommt mit der Feldküche vor\nAll-so stimmt etwas nicht\nDas All stimmt\nStimmt\nEr wollte nicht\nAll-so musste er\nStimmt\nEr hat zuviel gekocht\nDenn neben der Feldküche isst Herr Feld-\nwebel\nFeldwebel essen wie Offiziere\nDas ist zuviel\nMeinen die Herren Offiziere\nDoch nur inbezug auf Feldwebel\nDas ist zu wenig\nMeint Herr Kompagnieführer\nDoch nur für sich\nDer verfluchte Küchenbulle\nMeinen alle\nSie meinen den Küchensergeanten\nBullen kochen Bullen\nDenn Tiere merken nichts\nTodeskrampf ist nur Beflex\nDem Braten riecht man das nicht an\n(SIEH BEIZENDE AUFNAHME)\nDie Sache riecht\nDarum muss der Küchensergeant vor\nEr kommt aber nicht\nWarum kommt der Kerl nicht?\nFliegerbombe\nQuirlt Essen um\nFetzenpferde flattern\nAuf die Bäume\nSind unter die Flieger gegangen\nMein armer Pegasus\nArme Tiere lernen alles\nAber Tiere schweigen\nDenn Essenholer reden\nEs gibt heute nichts?\nVielleicht morgen\nKehrt\" marsch!\nJtL.\nIn der Nacht\nErwacht Knattern\nMuss man überlebt haben\nMan braucht Patronen\nTrägertrupp\nTräger Truppführer Herr Unteroffizier\nFolglich kommen keine Patronen\nDer Unteroffizier, der Patron\nDraht wird gebraucht\nDraht geht aus\nEinbringt keinen Draht\nMuss doch einer dran gedreht haben\nStacheldraht macht die Sache\nStacheldrahtkrankheit?\nDas Stacheldraht-Drehen ist krankhaft\nHört, Dreher!\nDraht zerreisst\nIhr seid gerissen\nDraht zerreisst Sachen\nDraht zerreisst Leiber\nLeibregiment oder Leiber\nDraht rostet\nLeiber faulen im Draht\nFaule Leiber schaukeln im Wind im Draht\nWunde winden sich im Draht\nMacht nichts\nWir werden es schon schaukeln\nMachen sie sich lustig?\nWieso lästig? Frischer, fröhlicher Krieg\nFeuertäglich\nLeuchtkugeln\nDaraus erhellt Feldgrauen\nLeuchtbomben\nBojen\nSchweifsterne\nGrüner Doppelstern\n(V ernichtun gsfeuer)\nSternketten"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1155, "texte": "Tretleuchtzeichen\nDass der Mann im Hellen stand\nKettenperlen\nBaketen\nMit nachziehenden Perlen\nAlles am Lager\nManches am Fallschirm\nNatur ist Popanz dagegen\nSterne ziehen sich zurück\nSie kennen den Schwindel\nFinster, finster\nEr bringt keine Leuchtpistole\nUnd eigene Artillerie kennt keine Parteien\nmehr\nVerrecken wir getrost\nIn dieser Finsternis\nGauner sind wir alle\nNachher findet man alles\nAlles ist unterwegs\nLiegen geblieben\nSchlammverquirlt\nDenn Zwischengelände liegt unter Feuer\nund Wasser\nTrichterfeld der EHBE\nAnmarsch unter Feuer halten\nWege unter Wasser halten\nAnmarschwege stören\nFrische Leiber im Anmarsch\nKommt keine Ablösung?\nSieh Erlösung\nEndlich\nHerr Kamerad, ich soll Ihre Stellung über-\nnehmen\nStellung?\nSieh einige Blutpfützen\nBockfetzen\nEinige Wasserpfützen\nZerfetzte Stollenhölzer\nEinige grosse Trichter\nMehrere mittlere\nTausend kleine Trichterchen\nIch sehe keine Stellung\nDas ist die Stellung\nHerr Unteroffizier übergibt sie\nStellungslose gehen\nAbgelöst\nFeuer geht an\nFeuer trichtert immer etwas ein\nTrichterstellung\nMuss gehalten werden\nEigentlich soll sie geräumt werden\nSie hält sich schlecht\nEs regnet nicht schlecht\nSchluss folgt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "141", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.8", "titre_corps": "Mitteilung an die Leser des Sturm", "titre_sommaire": "Mitteilung an die Leser des Sturm", "signature_source": "Verlag Der Sturm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.21", "debut_caractere": 1157, "fin_caractere_exclue": 2476, "texte": "Mitteilung an die Leser des\nSturm\nVerlag Der Sturm\nVom 1. Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. Damit den\nAbonnenten des 11. Jahrgangs Der Sturm\nunverkürzt zugeht, erscheint die Zeitschrift\nin den Monaten Oktober, November und\nDezember 1920 als Doppelheft.\nDas erste Heft des 12. Jahrgangs wird also\nim Januar 1921 erscheinen.\nMit dem neuen Jahrgang wird die Zeit-\nschrift regelmässig im Umfang dieses Hefts\nerscheinen. Sie wird, wie bisher, künst-\nlerische Beiträge enthalten: Dichtungen,\nZeichnungen, Original - Holzschnitte (stets\nvom Stock gedruckt), ein- und mehrfarbige\nKunstbeilagen. Ausserdem wird die Zeil-\nschrift ihren schriftstellerischen Teil er-\nweitern und neben Beiträgen polemischer,\nkritischer und satirischer Art wissenschaft-\nliche und untersuchende Aufsätze enthalten.\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde seit ihrer\nBegründung im Jahr 1910 zu einem Preis\nverkauft, der bis heute unter den Her-\nstellungskosten zurückgeblieben ist. Die\nallgemein bekannte Verteuerung der Her-\nstellungskosten, der grössere Umfang und\nder grundsätzliche Verzicht auf\nfremde und bezahlte Inserate\nzwingen uns, mit dem neuen Jahrgang den\nBezugspreis für die Zeitschrift zu erhöhen.\nDauerbezug: Ein Jahr 60 Mark / ein halbes\nJahr 36 Mark / Einzelheft 7,50 Mark."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "141", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.2.9", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.21", "debut_caractere": 2478, "fin_caractere_exclue": 2859, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Kritik der vorexpressio-\nnistischen Dichtung\nRudolf Blümner.* Briefe an Paul Westheim\nRudolf Blümner: Die vier Toten der Fiametta\nRudolf Blümner: Parallelität und Lächer-\nlichkeit\nOtto Nebel: Totentanz\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nMitteilung an die Leser des Sturm\nJohannes Molzahn: Zwei Zeichnungen\nAlexander Archipenko: Femme assise /\nAquarell / Vierfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-11-05-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-11-05_01#c012", "volume": "bmtnabg_1920-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Die\nForm wäre darnach ein selbstständiger Orga-\nnismus, der dank seiner Eigenschaft jeden\nInhalt aufnimmt. Es gäbe also in der\nKunst eine kleinere und grössere An-\nzahl Normalformen, in die der Dichter nur\nseine persönliche Seele oder seinen persön-\nlichen Geist hineinzugiessen braucht und\ndas Kunstwerk ist fertig. Nun wird es\nkeinen Menschen geben, der nicht mit\nRecht behauptet, eine persönliche Seele\noder einen persönlichen Geist zu haben.\nEs könnte also jeder Mensch dichterische\nKunstwerke schaffen, wenn er sich nur\ndieser Normalformen bedient. Dennoch\nredet die Menschheit insbesondere die\nKunstkritik von Dilettanten und Künstlern.\nHeide Arten der Schaffenden bedienen sich\naber der Normalformen. Hierin kann also\nder Unterschied nicht liegen. Es bleibt\nder Inhalt. Da nun zweifellos jeder Mensch\nSeele und Geist besitzt, also persönliche\nSeele und persönlichen Geist, ist eine Wer-\ntung des Kunstwerkes nach dem Inhalt aus-\ngeschlossen. Nun wird eingewandt, dass\ndas persönliche Erlebnis die Kunst aus-\nmache. Es gibt zwar Erlebnisse der Person\naber keine persönlichen Erlebnisse. Denn\ndie Erlebnisse aller Menschen entstehen\naus den gemeinsamen Trieben der Mensch-\nheit. Es ist nicht meine Schuld, dass das\nProblem so einfach ist. So einfach, dass\nerleuchtete Geisler es banal nennen. Jeder\nTrieb, auch die Liebe, ist Hunger. Das\nheisst die Refriedigung eines Redürfnisses.\nDen Willen zur Refriedigung der Redürfnisse\nnennt man Sehnsucht. Die Refriedigung\nerfolgt bei allen menschlichen Trieben stets\ndurch Aufnahme. Sie fordert also das Vor-\nhandensein einer anderen Wesenheit. Es\nergibt sich daher aus der menschlichen\nNatur, dass die Menschheit als solche auf\nGemeinschaft angewiesen ist. Daher ist\njede Regelung menschlicher Reziehungen\nunzulänglich, die nicht von der Gemein-\nschaft ausgeht. Sie möge sich auf körper-\nliche, seelische oder wirtschaftliche Dinge\nbeziehen. Nur über eins kommt kein Mensch\ndauernd hinweg: über die Einsamkeit. Was\nbedeutet das anders als Unfähigkeit oder\nUnmöglichkeit zur Refriedigung irgend\nwelcher Redürfnisse. Es wird nicht be-\nstritten werden, dass Selbstbefriedigung\nnur eine Not ist. Sogar eine Notzucht,\ndenn der Mensch der Selbsbefriedigung\nzwingt seine Triebe zu einer Zucht, die\nsich gegen die Triebe richtet. Aus dem\nZwang der Gemeinschaft heraus ergibt sich\nder Zwang der Einordnung. Jedes Geben\nfordert ein Nehmen und jedes Nehmen ein\nGeben. Die Ordnung dieser Reziehungen\nnennt man Ethik. Diese ethischen For-\nderungen, oder nennen wir es einfacher\ndieser Ausgleich muss erfolgen, auch wenn\nnur zwei Menschen in irgend welche Re-\nziehungen zu einander treten. Da nun alle\nMenschen gleich sind, haben sich auch\ngleiche Reziehungen ergeben. Die Ord-\nnung dieser Reziehungen in Normalformen\nnennt man Moral. Nun hat es bekanntlich\nin den verschiedenen Zeiten und unter den\nverschiedenen Völkern stets verschiedene\nmoralische Anschauungen gegeben, während\ndie ethischen Forderungen stets unverändert\ngeblieben sind und unverändert bleiben.\nAuch hierfür ist die Erklärung höchst einfach.\nMoral ist nämlich Formulierung der Sitten,\ndas heisst der Gebräuche. Ethik ist For-\nmung der Sittlichkeit. Die Sitte ergibt\nsich aus den Zufällen menschlicher\nReziehungen. Die Sittlichkeit aus der\nWesenheit der menschlichen Triebe. Die\nSitte fordert eine Unterordnung, die Sitt-\nlichkeit eine Ordnung. Die Sitte wird von\nden zufälligen Machthabern diktiert und\nändert sich nach dem Zufall der Macht-\nhaber. Die Sittlichkeit ist ein Überein-\nkommen ein Ausgleich, ein Aufgeben,\num zu nehmen, ein Aufnehmen um zu\ngeben.\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.3", "texte": "Es gibt also keine persönlichen Erlebnisse.\nErlebnisse von Personen können aber nicht\nInhalt von Kunstwerken sein, weil Kunst\nnicht aussagt, sondern gestaltet. Darüber\nist man sich einig, wird eingewandt werden.\nKunst ist Gestaltung des Erlebnisses.\nWorin besteht nun diese Gestaltung. Man\nnimmt ein Erlebnis und giesst es in eine\nder Kunstformen. Ist das Giessen Gestal-\ntung. Oder ist es vielleicht doch die For-\nmung. Oder kann man etwa durch Giessen\naus einer männlichen Plastik eine weib-\nliche machen. In der Dichtung kann man\nes. Die Form des Sonetts etwa wird durch\ndas Erlebnis des Dichters verändert. Wer\nschon nicht sehen kann, der möge wenig-\nstens hören. Sonett ist Sonett. Das so-\ngenannte Erlebnis hat so wenig Einfluss\nauf die Form des Sonetts, wie sich zwei\nverschiedene Lokomotiven mit der gleichen\nFahrgeschwindigkeit auf den gleichen Schie-\nnen in der Fahrgeschwindigkeit unter-\nscheiden. Die Möglichkeit zur Unterschei-\ndung gibt erst die Bewegung. Diese Be-\nwegung nennt man in der Kunst Bhyth-\nmus. Der Bhythmus der Dichtung ist die\nBewegung der Wörter auf einander und zu\neinander. Die Triebe sind selbstverständ-\nlich, die Beziehungen sind zu ordnen. Die\nEmpfindungen sind selbstverständlich, ihre\nGestaltung ist die Kunst.\nNun sollen gerade die Klassiker Meister der\nGestaltung gewesen sein. Es wäre also zu\nuntersuchen, ob eine Gestaltung vorliegt\nund nach welchen künstlerischen Grund-\nsätzen nicht etwa nur' die Sätze sondern\nauch die Wörter geordnet sind. Ich wähle\ndieses Gedicht Goethes, das wenigstens\näusserlich scheinbar nicht in eine klassische\nNormalform gegossen ist. Es ist zweifellos,\ndass mit dem Setzen und Absetzen der Vers-\nzeilen eine Absicht des Künstlers sichtbar\nwird. Da es sich um Kunstwerke handelt,\nkann es nur eine künstlerische Absicht sein.\nEs ist ebenso zweifellos, dass die einzelnen\nWörter innerhalb einer Verszeile nach\nkünstlerischen Absichten gesetzt werden.\nDie Absicht insbesondere der Klassiker\nwird auch dadurch anerkannt, dass man\nihnen eine sogenannte licentia poetica, eine\ndichterische Freiheit, einräumt. Diese dich-\nterische Freiheit soll als Entschuldigung\ndafür dienen, dass Begeln der Grammatik\nzu Gunsten der Gesetze der Kunst absieht-\nlich nicht beachtet werden. Insbesondere\ngilt diese dichterische Freiheit für die Stel-\nlung der Wörter gegen die Regeln des\ngrammatischen Satzes. Jede Verszeile ist\ndie metrische Begrenzung oder die metrische\nGliederung des Rhythmus. Hieraus ergibt\nsich, dass die Bewegung, der Rhythmus,\ninnerhalb jeder Verszeile gemessen wird\nund zu messen ist. Sonst hätte die metrische\nEinteilung nach Verszeilen keinen Sinn und\nkeine Bedeutung. Aus dem Gedicht Goethes\nergibt sich schon graphisch die Absicht\neiner bestimmten Metrik. Jede Verszeile\nwird zunächst phonetisch aufgenommen.\nWährend man in der Musik die einzelnen\nTöne noch ihrem Zeitwert empfindet,\nempfindet man in der Dichtung die ein-\nzelnen Silben nach ihrem Klangwert. Wäh-\nrend die Musik das Verhältnis der einzelnen\nTöne zu einander mathematisch genau fest-\nstellt, wertet die Dichtung das Verhältnis\nder einzelnen Wörter zu einander nur nach\ndem Klanggefühl. Oder einfacher gesagt:\nman unterscheidet betonte und unbetonte\nSilben. Nun hat jedes Wort neben seinem\nursprünglich phonetischen Wert einen Asso-\nziationswert. Dieser Assoziationswert ist\nmittelbar. Durch die hörbare Benen-\nnung der Dinge werden diese Dinge in der\nVorstellung sichtbar. Und zwar sichtbar\nnur in dem Grade, wie der Aufnehmende\nKenntnis von diesen Dingen hat. Wer einen\nGipfel nicht kennt, wird zwar das Wort\nhören aber nicht den Gipfel in der Vor-\nstellung sehen. Es wird also von vorn-\nherein in dieser Art Dichtung mit einem\nunkünstlerischen Mittel gearbeitet, nämlich\nmit einer Voraussetzung von Kenntnissen.\nUnd diese Kenntnisse sind sogar rein ge-\ndächtnismässig. Sie beziehen sich nur auf\nBenennungen. Nun soll zugegeben werden:\ndie Kenntnis dieser Benennungen also der\nAssoziationswert der Wörter ist so ver-\nbreitet, dass durch die Benennung immer-\nhin eine Vorstellung, eine sichtbare wenn\nauch eine unbestimmte erzielt wird. Man\nverbindet aber mit der Benennung\neines Dinges durch ein Wort nicht nur\neine sichtbare, sondern auch eine gefühls-\nmässige Vorstellung. Es tritt also eine\nweitere Assoziation hinzu. Diese gefühls-\nmässige Assoziation hängt gleichfalls von\nden Kenntnissen des Aufnehmenden ab.\nNämlich von dem Erlebnis der Person"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.4", "texte": "Das Wort Gipfel wird von dem Einzelnen\ngefühlsmässig so empfunden, wie er und\nnur er und unter welchen Umständen er\neinen Gipfel einmal gesehen hat. Um diese\nVieldeutigkeit des Geftihlsmässigen verhält-\nnismässig zu Gunsten einer bestimmten\nEmpfindung einzuschränken, wendet der\nDichter das „Bild\" an. Das heisst: er ver-\nsucht durch Wortverbindungen eine be-\nstimmtere Assoziation zu geben. Um diese\nAssoziation in der Vorstellung des Auf-\nnehmenden nicht nur sichtbar, auch hör-\nbar werden zu lassen braucht der Dichter\nden Rhythmus, der das eigentliche und un-\nmittelbar künstlerische Mittel der Dichtung\nist. Eine Dichtung ohne rhythmische Ge-\nstaltung ist nie Kunst, sie ist Aussage. Man\nprüfe das Gedicht Goethes auf seinen Rhyth-\nmus. Und man höre wie weit die Absicht\nder gefühlsmässigen Assozialion rhythmisch\nzur Gestaltung gekommen ist.\nÜber allen Gipfeln ist Ruh\nAbsicht der gefühlsmässigen Assoziation :\nRuhe. Der Klangwert der Silben gibt\nrhythmisch die sichtbare Vorstellung Ruhe.\nNur ist der Satz im gewollten Sinn der ge-\nfühlsmässigen Werte der Wörter keine Dich-\ntung, er ist eine Aussage. Es wird aus-\ngesagt, dass über allen Gipfeln Ruhe ist.\nDadurch wird die Vorstellung Ruhe nicht\nsichtbar, sie wird nur verstandesmässig zur\nKenntnis gegeben. Es scheint auch nicht\nsehr ruhig zu sein, denn in der zweiten\nrz «\ni * L.. Jt oi - 4. O 4\nin allen Wipfeln spürest Du\nIn dieser zweiten Zeile liegt eine andere\nhörbare Wirkung vor. Der Klangwert der\nSilbe spü gibt der Zeile eine stärkere Be-\nwegung schon ohne den Assoziationswert\ndes Wortes spüren. Auch diese Zeile ist\neine Aussage. Der Dichter behauptet, dass\nüber allen Gipfeln Ruhe sei und dass ich\nin allen Wipfeln spüre, was er weder fühlen\nnoch wissen, sondern höchstens behaupten\nkann. Daher dritte Zeile\nKaum einen H au c h\nWer jetzt nicht schon das Wesen und das\nWesentliche des Rhythmus in der Dichtung\nempfindet, ist so verbildet, dass er kaum\nnoch die Fähigkeit zur Anschauung eines\nKunstwerkes erlangen wird. Der intelli-\ngente Leser wird einwenden, dass man\neben die zweite und dritte Zeile zusammen\nlesen muss. Muss? Darf man es auch nur\ntun, wenn Goethe diese zweite und dritte\nZeile sichtbar trennt, metrisch trennt Das\nmuss doch wohl eine künstlerische Absicht\nsein. Oder will man Goethe damit ver-\nteidigen, dass eben hier keine künstlerische\nAbsicht vorliegt. Dass er zum Spass die\ndritte Zeile hinter die zweite gestellt hat.\nOder will man Goethe damit verteidigen,\ndass er sich um den Rhythmus einer Dich-\ntung nicht kümmert. Oder will man etwa\nbehaupten, dass es kleinlich sei, weil ich\nGoethe so lese, wie er es gewollt hat. Aber\nman ändere das graphische Bild:\nIn allen Wipfeln spürest Du kaum\neinen Hauch.\nWer will behaupten, der hören kann, dass\nin diesem Rhythmus kaum ein Hauch zu\nspüren ist. Der Rhythmus gibt genau das\nGegenteil des Gefühlswerts dieser Zeile, die\naber gar keinen Gefühlswert hat, sondern\nwieder eine Aussage ist. Und zwar eine\nAussage nicht einmal des Dichters sondern\neine Behauptung über die Aufnahme eines\nandern durch seine Aussage.\nDie Vöglein schweigen im Walde\nAbsicht der gefühlsmässigen Assoziation:\nRuhe. Der Klangwert der Silben gibt rhyth-\nmisch die hörbare Vorstellung: Klingen.\nAlso das Gegenteil der gefühlsmässigen Ab-\nsicht. Auf die betonte Silbe Schwei folgen\nzwei unbetonte Silben „gen\" „im\", die durch\nPihythmus zusammen phonetisch eine leichte\nBewegung ergeben. Die Verszeile selbst ist\nwieder A .issa£:>, und als solche nicht sinn-\ncj 7\nfällig, sie wird rein verstandesgemäss auf-\ngenommen.\nWarte nur balde\nin dieser Zeile liegt überhaupt keine ge-\nfiihlsmässige Assoziation. Sie ist eine An-\nsprache an den Leser. In der rhythmischen\nWirkung von neckischem Tonfall. Daher:\nRuhest Du auch\nAuch diese Zeile ist ohne gefühlsmässigen\nWert. Sie ist eine Aussage über eine Tätig-\nkeit des Aufnehmenden. Der intelligente\nLeser kann sich bei dieser Zeile viel denken.\nNämlich die gefühlsmässigen Assoziationen\ndes Begriffs Ruhe. Und zwar je nach Tem-\nperament, Schlaf oder Tod. Die künst-\nlerisch scheinbar gewollte Assoziation er-\ngibt sich zwar nicht aus dieser einen Zeile,\nwas künstlerisch gefordert werden miisste.\nSie ergibt sich höchstens durch Rezieliung\nauf die anderen Verszeilen und ergibt ein-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.5", "texte": "deutig Schlaf. Diese Assoziation wird durch\ndie Zeile „Die Vöglein schweigen im Walde\"\nerzwungen. Ob Goethe nicht etwa den\ntiefen Gedanken des Todes — der Mensch\nmuss sterben — beabsichtigt hat, bleibt\neiner ebenso tiefen Denkkraft des Lesers\nüberlassen. Rhythmisch hörbar gibt diese\nZeile zweifellos nur die Vorstellung des\nEinschläferns.\nErgebnis der Untersuchung: Eine künst-\nlerische Gestaltung der Wortverbindungen\nliegt nicht vor. Metrik und Rhythmik des\nGedichtes sind willkürlich. Nicht einmal\ndie Absicht der künstlerischen Logik ist\nerkennbar. Die Klangwerte der Silben sind\nnicht beachtet. Ein Gefühlswerl: der Wort-\nverbindungen entsteht nur durch Nach-\ndenkvorstellungen. Das künstlerische Mittel\nder assoziativen Dichtung, das Bild, ist\nweder im logischen noch im alogischen\nSinne angewandt. Die einzelnen Verszeilen\nenthalten ausschliesslich Aussagen, Behaup-\ntungen und Ansprachen. Und sogar die\nDenkvorstellung ist nur durch Vernichtung\nder willkürlichen Metrik und Rhythmik\ndieses Gedichtes möglich.\nWorin besteht nun die Wirkung dieses Ge-\ndichtes auf den Leser. Eine künstlerische\nWirkung kann es nicht sein, wie nach-\ngewiesen wurde. Die Wirkung beruht in\nder Assoziationsfähigkeit des Lesers, der\nsich gewöhnt hat, bei der Nennung von\nBegriffen Erinnerungsmomente in sich aus-\nzulösen. Die künstlerische Arbeit, nämlich\ndie Erregung der Vorstellungskraft, leistet\nalso nicht der Dichter. Sie wird vom Auf-\nnehmenden durch unküostlerliCi e \"V i ei\ngeleistet. Kunst wird zweifellos durch die\nSinne aufgenommen, sie muss also sichtbar\noder hörbar sein., Das ist eine Erinnerung\nniemals. Ein Begriff ist stets die Moral\nvon der Geschichte. Das heisst der mecha-\nnisierte Gebrauch von Erfahrungen. '\n\nFortsetzung folgt\n\nBriefe an Paul Westheim\nZweiter Brief\n\nVielleicht, Herr Westheim, erinnern Sie sich\nnoch an Einiges, das mein erster Brief ent-\nhielt. Ich hatte damit begonnen, Ihre\nVersuche, sich im Kunstblatt gegenüber\nWaldens Angriffen zu rechtfertigen, einer\nsehr genauen Prüfung zu unterziehen. Sie\nwaren so unvorsichtig gewesen, die Ände-\nrung Ihrer „Stellungnahme zu einzelnen\nKünstlern\" damit zu erklären, dass Sie uns\neine sonderbare Belehrung zukommen\nliessen: Künstler seien keine Maschinen, die\nsich in ihren Produktionen ein für alle Mal\ngleich bleiben. Ich hatte Ihnen versprochen,\nnachzuweisen, dass Sie nicht einzelnen,\n's '\nsondern • hundert Künstlern gegenüber Ihre\nStellung geändert haben, und das erfordert,\ndass ich mich nun tiefer in das Gestrüpp\nIhrer Sätze hineinbegebe.\n„So hat z. B. Kandinsky, ehe er zu seiner\nsogenannten absoluten Malerei kam, sich\nerst aus der Banalität seiner Landschafts- und\nGenrebildchen herausenlwickeln müssen.\"\nWas ist denn geschehen, Herr Westheim?\nWo hatten Sie denn Ihre vier Sinne, als\nSie diesen Satz schrieben? Herr Westheim,\nHerr Westheim, dieser Satz bricht Ihnen —\nnein, Sie gehören zu denen, die immer\nwieder auf die Füsse fallen. Aber dieser\nSatz bringt Sie um den letzten Rest Ihres\n— wie nenn ich das — die Sprache hat\nkein Wort. Und ich fürchte, das Jahr 1920\nwird zu Ende gehen, ehe ich zeige, wie Sie\naus diesem Satz in den nächsten hinein-\nstolpern. Seien Sie geduldig. Ich werde\nSie schon im Netz Ihres Satzes fangen. Die\n„sogenannte absolute Malerei\" könnte ich\nIhnen freilich bis auf Weiteres hingehen\nlassen. Ich müsste Ihnen auch wohl erst\nerklären, was die absolute Malerei ist, der\nSie mit Ihrem überlegen tuenden „soge-\nnannten\" so nebenbei und hinterrücks einen\n'S lieh versetzen. .Denn-dass Si -■ n '.i vrisse;i..\n✓\nwas absolute Malerei ist, dafür gibt es genug\nBeweise, mit denen ich noch aufwarten\nwerde. Aber gerade dieses „sogenannte\"macht\ndas Scheusal Ihres Satzes noch ungeheuer-\nlicher. Was wollten Sie denn mit diesem\nSatz? Denken Sie nach, Herr West heim,\nwenn das nicht schon zu viel von Ihnen\nverlangt ist. Sie wollten beweisen, dass\nKünstler keine Maschinen sind, die sich in\nihren Produktionen gleich bleiben, und Sie\nberiefen sich auf nichts Kleineres als das\nLebenswerk Kandinskys. Oder vielmehr,\nSie wollen es nicht beweisen. Denn Sie\nglauben gar nicht, dem Sturm so etwas\nklar machen zu können. Aber Sie wTollen\nIhren Lesern erzählen, dass wir im Sturm\ndie Entwicklung der Kandinskyschen Ma-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.6", "texte": "lerei nicht kennen. Sie, Herr West-\nheim, wollen uns einen Vortrag über\nKandinskys Entwicklung halten? Aber,\nHerr Westheim, das ist ja — was ist es\ndenn nun wieder? Ist das Ihre Unwissen-\nheit oder sind Ihre Witze so dürftig?\nHerr Westheim, ich habe Sie schon lang\nim Verdacht, dass Sie gar nicht wissen,\nwas Sie schreiben. Es kann nicht anders\nsein. Bei gänzlich klarem Bewusstsein können\nSie diesen Satz nicht geschrieben haben,\nin dem Sie uns darüber aufklären wollen,\ndass Kandinsky früher einmal Gegenständ-\nliches gemalt hat. Wo haben Sie denn\ndiese gegenständlichen Bilder gesehen?\nDenken Sie nach, Herr Westheim. Sie\nwissen es nicht mehr? Ich will Ihrem Ge-\ndächtnis zu Hilfe kommen. Im Sturm\nhaben Sie diese Bilder gesehen. Und —\ndas hätten Sie nicht gedacht! — da haben\nwir sie auch gesehen. Glauben Sie nun,\nHerr Westheim, dass ich mein Wort halte?\nDass ich Sie allen denen, die sich noch\neinen Rest von Achtung vor der Makel-\nlosigkeit des Urteils bewahrt haben, so\nzeigen will, wie Sie sind? — Und wie sind\nSie denn? Sie sind — einer, der uns über\nKandinskys Entwicklung aufklärende Mit-\nteilungen macht. Ah, Herr Westheim, nun\natmen Sie auf und denken: Wenns weiter\nnichts ist! Sie haben Recht, machen Sie\nsich nichts daraus. Es kommen schlimmere\nTage für Sie. Denn was ist es, Herr West-\nheim, das diese anmassende Belehrung\neines Unwissenden so ganz besonders an-\nmassend macht? Dass der Name Kandinsky\nIhnen überhaupt nicht hätte einfallen dürfen.\nGrade Kandinsky nicht und grade Ihnen\nnicht, weil Jeder weiss, was Sie über diesen\ngrossen Maler geschrieben haben. Ich\nwürde freilich Ihnen selbst zutrauen, dass\nSie es nicht mehr wissen. Denn wie wäre es\nsonst möglich, dass Sie Kandinsky wählen,\num zu zeigen, dass Künstler sich erst ent-\nwickeln müssen, bis Ihresgleichen sie an-\nerkennt. Noch einmal, Herr Westheim: Ich\nglaube ganz ernsthaft, Sie wissen nicht,\nwas Sie schreiben. Wie kann sich nur ein\nBeschimpfer Kandinskys so verheddern!\nUnd wissen Sie, was ich noch glaube?\nDass Sie das Wort „sogenannte\" hinterher\nin den Satz gebracht haben. Oder dass Sie\nwenigstens glaubten, mit diesem Wort „so-\ngenannt\" noch im letzten Moment Ihren\nKopf aus der Schlinge zu ziehen. Aber es\nist Ihnen dabei ergangen wie allen, die\nnicht wissen, ob es im Moment praktisch\nist, zu loben oder zu tadeln. Sie haben\ndie Schlinge selbst zugezogen. Und nun\nsteht dieses Monstrum von Satz da und Sie\nbrechen sich — nein, sie fallen auf die\nFüsse. Herr Westheim, es gibt nur zwei\nMöglichkeiten: Entweder erkennen Sie die\nabsolute Malerei von Kandinsky an oder\nnicht. Im ersten Fall ist Ihr „sogenannte\"\nsinnlos und Sie stehen plötzlich im Wider-\nspruch mit allem, was Sie bisher über\nKandinsky geschrieben haben. Im zweiten\nFall, wenn Sie nämlich die absolute Malerei\nvon Kandinsky noch immer für das Ge-\nschmier halten, für das Sie sie seit acht Jahren\nerklären, in diesem zweiten Fall ist Kan-\ndinsky ein untaugliches Beispiel für das,\nwas Sie zeigen wollen. Nun sitzen Sie in\nder Klemme, Herr Westheim. Aber ver-\nsuchen Sie ja nicht, sich damit heraus-\nzureden, dass Sie Kandinsky „immerhin\"\noder so ähnlich achten. Jeder Mensch weiss,\ndass Sie von seiner Malerei gar nichts halten.\nOder ist vielleicht der ganze Satz nur Vor-\nbereitung für den Tag, da Sie Kandinsky\nentdecken wollen? Die Dummköpfe, für\ndie Sie zu schreiben scheinen, sollen Ihnen\nwohl in naher Zukunft Gratulationsbriefe\nzur Entdeckung Kandinskys schreiben? Herr\nWestheim, es liegt nicht an mir, wenn ich\nSie so lang in dem verteufelten Satz fest-\nhalten muss. Selbst bei milderer Betrach-\ntung Ihres Satzes kann ich Sie noch nicht\nloslassen. Die mildere Betrachtung ist die,\ndass Sie „immerhin\" oder so ähnlich eine\nEntwicklung anerkennen. Das ist nett von\nIhnen. Gut also. Sie erkennen eine Ent-\nwicklung an. Und zu welchem Zweck\nschreiben Sie das? Hier gibt es keine Aus-\nrede. Entweder geben Sie jetzt endlich zu,\ndasä Sie wirklich nicht wissen, was Sie\nschreiben oder Sie wollen mit der „Ent-\nwicklung\" erklären, warum ein Kunst-\nkritiker nicht verpflichtet ist, einen Maler zu\nloben, der banale Landschaften und Genre-\nbildchen malt. Und nun, Herr Westheim,\nwill ich den Grossmütigen machen. Suchen\nSie sich ganz nach Belieben den Zeitpunkt aus,\nin dem die Entwicklung Kandinskys be-\nginnt oder vollendet ist, ganz wie Sie wollen.\nAber später als auf das Jahr 1912 dürfen\nSie den Zeitpunkt nicht ansetzen. Wenig-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.7", "texte": "Johannes Molzahn: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.8", "texte": "stens mir gegenüber nicht. Den Lesern des\nKunstblattes freilich können Sie diesen Zeit-\npunkt ganz nach Gutdünken vorschreiben.\nDenn diese Leser haben schon sinnloseres\nZeug geglaubt und haben gewiss ein so\nschlechtes Gedächtnis wie Sie selbst. Diese\nLeser haben ganz gewiss vergessen, dass\ndie „sogenannte\" absolute Malerei Kadinskys\nschon im Jahr 1912 in Berlin gezeigt wurde,\ndass also Herr Westheim früh genug Ge-\nlegenheit hatte, von Kandinskys absoluter\nMalerei etwas oder nichts zu halten.\n„Und Kandinsky? Das Lebenswerk, das er\njetzt in einer Sonderausstellung des Sturm\nvorzuführen wagt, wird endlich doch zu\nder Überzeugung verhelfen, dass um ihn\nherum schon zuviel der Worte gemacht sind.\nDas Rätsel dieser Tableaus . . . scheint mir\nvon der Art der Schaumblasen, die zer-\ngehen, sobald man nach ihnen greift. Bunt-\npapiere hat man sie genannt und hätte hin-\nzufügen dürfen, dass sie in Kolorit und\nKomposition durchaus nicht bestehen können\nneben den hübschen Tunkpapieren, an denen\nKolo Moser und Josef Hoffmann eine Weile\ntändelten. Man hat zur Erklärung dieser\nabsoluten Malerei ...\"\nDiese paar Sätze, die Sie, Herr Westheim,\nam 23. Oktober 1912 in der Frankfurter\nZeitung schrieben, und die genügen, Sie für\nimmer in der Meinung aller geistig Selb-\nständigen zu diskreditieren, diese paar Sätze\nzitiere ich hier nicht, um Sie lächerlich\nzu machen. Es kommt mir nur auf Ihr\nGeständnis an, dass Sie in der ersten Kan-\ndinsky - Ausstellung absolute Bilder von\nKandinsky gesehen haben. Der Katalog\ndieser Ausstellung nannte nämlich diese\nBilder nicht. Und so muss ich bei Zeiten\nverhindern, dass Sie es in Abrede stellen.\nSie bezeugen selbst, dass zwischen dem\nAugenblick, in dem Sie die „Banalitäten der\nKandinskyschen Landschafts- und Genre-\nbildchen\" sahen und jenem anderen Augen-\nblick, in dem Sie seine absolute Malerei\nerblickten, höchstens fünf Minuten ver-\nstrichen sind. Und das ist viel gerechnet.\nSo lange Zeit pflegen Kunstkritiker Bilder\nsonst nicht zu betrachten. Aber in diesen fünf\nMinuten haben Sie kein Damaskus erlebt,\nsondern Sie haben über die absolute Malerei\nKandinskys geurteilt wie— ich würde sagen:\nwie Müller und Schulze, wenn nicht Müller\nund Schulze längst gelernt hätten, ein ab-\nsolutes Gemälde Kandinskys von einem\nTunkpapier des Kolo Moser und Josef Hoff-\nmann zu unterscheiden. Sie haben also,\nnachdem Sie in fünf Minuten einen Überblick\nüber die gesamte künstlerische Entwicklung\ngewinnen konnten, die absolute Malerei\nKandinskys für schlechtes Buntpapier und\nkünstlerische Ohnmacht erklärt. Und nun,\nHerr Westheim, fordere ich Sie auf, sich\nendlich zu entscheiden. Erkennen Sie eine\nEntwicklung bei Kandinsky an oder nicht?\nWarum zögern Sie mit der Antwort? Ich\nwill Sie Ihnen erleichtern. Ich will die\nfrühesten Bilder von Kandinsky Ihrer\nSchimpferei überlassen. Diese früheren\nBilder fielen zwar schon durch ihre höhere\nBedeutung auf, als sie vor dem Jahre 1912\nin einer Ausstellung der Sezession zu sehen\nwaren. Und diese früheren Bilder Kan-\ndinskys stehen auf einem höheren künst-\nlerischen Niveau als hunderte von so-\ngenannten oder nicht so genannten ex-\npressionistischen Malereien, für die Sie in\nIhrem Blatt eintreten. Aber ich will nicht\nknausrig sein. Nehmen Sie diese Bilder\nund machen Sie damit, was Sie wollen.\nAber um eines ersuche ich Sie dringend:\ndiese Bilder nicht zu Ihren unsinnigen Vor-\nwänden und Ausreden zu missbrauchen.\nDenn so viel traue ich sogar Ihnen zu,\ndass Sie jetzt anfangen, die Unsinnigkeit\neines Satzes zu begreifen, in dem ich Sie\nleider immer noch festhalten muss: „So\nhat z. B. Kandinsky, ehe er zu seiner soge-\nnannten absoluten Malerei kam, sich erst aus\nder Banalität seiner Landschafts- und Genre-\nbildchen herausentwickeln müssen.\" Nicht\nwahr, Herr Westheim, jetzt müssen Sie\nselbst über Ihren Satz lachen? Wie sich\nnur ein Beschimpfer Kandinskys so ver-\nheddern kann! Wie ist das? Kandinsky hat\nsich aus der Banalität heraus entwickelt?\nAber, Herr Westheim, Sie haben doch schon\n1912 festgestellt, dass Kandinsky sich aus\nder Banalität nicht herausentwickelt hat!\nWie stehts, Herr Westheim? Entscheiden\nSie sich! Hat sich Kandinskys Malerei ent-\nwickelt oder nicht? Gewiss, es mag ver-\nteufelt schwer für Sie sein, eine vernünftige\nAntwort zu geben. Denn wenn Kandinsky\nsich aus der Banalität heraus entwickelt\nhat, dann waren offenbar seine absoluten\nBilder nicht mehr banal. Aber am 23. Oktober"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.9", "texte": "1912 fanden Sie diese* absoluten Bilder\nüberaus banal, schlechter als mittelmässiges\nTunkpapier. Und endlich, Herr Westheim,\ndürfen Sie die Hauptsache nicht vergessen.\nSie wollen doch erklären, warum Kritiker\nihre Stellung zu „einzelnen Künstlern\" ändern\ndürfen: weil nämlich Künstler, wie Sie uns\nbelehren wollen, keine Maschinen sind, die\nsich in in ihren Produktionen gleich bleiben,\ndass sie also einst getadelte Künstler loben\ndürfen, wenn diese Künstler sich zum Bei-\nspiel aus ihrer Banalität heraus entwickelt\nhaben. Soll Ihr verteufelter Satz in seinem\nZusammenhang überhaupt irgend einen Sinn\nhaben, so ist es der: Ich, Paul Westheim,\nbrauche mich nicht zu schämen, dass ich\nneuerdings oder erst seit einigen Jahren Kan-\ndinsky anerkenne; denn erst neuerdings\noder erst seit einigen Jahren hat sich Kan-\ndinsky aus der Banalität heraus entwickelt.\nAber zum Teufel, er hatte sich ja schon\n1912 zur absoluten Malerei entwickelt. Und\nSie haben diese entwickelten Bilder doch\nfür schlechtes Tunkpapier gehalten. Herr\nWestheim, was fang ich mit Ihnen an, wie\nhelf ich Ihnen? Soll ich mal so tun, als\nob Sie die absolute Malerei Kandinskys im\nJahr 1912 weder gesehen noch für Tunk-\npapier gehalten haben ? Soll ich? Ich bin's\nim Stande. Ich getraue mich, einige Dutzend\nBeweise für Ihre künstlerische und schrift-\nstellerische Unfähigkeit aus der Hand zu\ngeben und noch soviele zu behalten, dass\nich einige Bibliotheken damit füllen könnte.\nFälschen wir also die Kunstgeschichte.\nÜber die Kunstgeschichte, die Herwarth\nWaiden und Der Sturm in zehn Jahren ge-\nmacht haben, ist in Zeitungen und Zeit-\nschriften so viel gelogen worden, dass meine\nkleine Fälschung den paar anständigen\nMenschen vielleicht entgehen wird. Fäb\nsehen wir die Kunstgeschichte und schreiben\nwir: die ersten absoluten Malereien Kan-\ndinskys waren auf dem Ersten Deutschen\nHerbstsalon im Jahr 1913 zu sehen — —\nAch, Herr Westheim, Sie machen es mir\nsehr schwer! Nun sind Sie wieder nicht zu-\nfrieden, nun fangen Sie an, am ganzen Leib\nzu zittern. Warum denn? Weil ich die\nWorte Erster Deutscher Herbstsalon nieder-\nschreibe? Ist es meine Schuld? Tu ich es\nnicht Ihretwegen? Will ich Ihnen denn\nnicht helfen, Zeit und Ort zu finden, wo\nSie eine Entwicklung Kandinskys aus der\nBanalität anerkannt haben. Es muss doch\n1913 gewesen sein\n* *\n*\nDer Erste Deutsche Herbstsalon, den Her-\nwarth Waiden 1913 geschaffen hatte, war\ndas grösste künstlerische Ereignis des Jahr-\nhunderts. Das wollen wir als ein Axiom\ngelten lassen, bis Sie, Herr Westheim, den\nVersuch machen sollten, es auch heute\nnoch, nach sieben Jahren, zu bestreiten.\nDamals freilich, zu Ende des für Sie so\nunglückseligen Jahres 13 wussten Sie noch\nnicht, dass Sie später einmal Ihre ganze\nschriftstellerische und wirtschaftliche Exis-\ntenz auf die künstlerischen Wirkungen und\nden Einfluss dieses Ersten Deutschen Herbst-\nsalon aufbauen werden. Ich bin fest über-\nzeugt, dass Sie es nicht wussten. Ich hoffe,\nSie werden es mir nie vergessen, dass ich\nso grundehrlich von Ihnen denke. Sie\nkonnten es nicht wissen. Was Sie damals\nin Zeitungen und Zeitschriften über den\nDeutschen Herbstsalon geschrieben haben,\nwar Ihre ehrliche Überzeugung. Und das\nheisst etwas, Herr Westheim, unter-\nschätzen Sie es nicht. Denn es gibt Kritiker,\nund es sind ihrer nicht wenige und sie\nleben noch, die Kunstwerke deswegen\ntadeln, weil Der Sturm sie ausstellt,\ndiese Kunstwerke aber anerkennen, sowie\nsie, was ja bekanntlich vorkommt, in anderen\nAusstellungen erscheinen. Es gibt solche\nKritiker. Und ich werde noch einige un-\nliebsame Gelegenheiten finden, mich mit\nihnen und den psychologischen Gründen\nihres Benehmens zu beschäftigen und die\nallzu leichten, aber nötigen Beweise zu\nbringen. Sie liegen geordnet in meiner\nSchublade. Also, Herr Westheim, zu diesen\nKritikern gehören Sie nicht. Man musste\nIhnen glauben. Es war wirklich Ihre an-\ngeborene Unfähigkeit, malerisch Bedeuten-\ndes zu erkennen und vom Wertlosen zu\nunterscheiden. Es war ehrliche Entrüstung,\nwas Sie im Jahre 1913 in der Zeitschrift\nMärz über Chagall, Kandinsky, Archi-\npenko, Campendonk, Feininger, Klee\nund die grossen französischen Kubisten\nschrieben: „Diese auf Ulk dressierte\nGruppe .... Es sind harmlose Narren,\nAttraktionen dritten Grades, die sich ihre\nClownerien wahrlich sauer genug werden\nlassen . . . .\"\nHier schöpft der Weltgeist Atem. Und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.10", "texte": "auch ich will mich mässigen. Denn ich\nsehe, wie Sie erbleichen, Herr Westheim.\nWarum denn? Ist es so schlimm, wenn die\nWelt wieder einmal erfährt, wie Sie vor\nsieben Jahren über die Kunst gedacht haben\nfür die Sie jetzt — hm hm — wie nenn\nich es? — kämpfen? eintreten? — ich will\nsagen: für die Sie jetzt ein Blatt heraus-\ngeben. Ist es so schlimm? Ich will Ihnen\nwohl glauben, dass Ihnen schwindlig wird.\nOder wie meinen Sie? Es sei ganz unmög-\nlich, dass Sie über Chagall, Kandinsky (ja\noder nein?), Klee und die grossen Kubisten\nso etwas Grässliches geschrieben haben ?\nDass Chagall ein harmloser Narr sei. Dass\ndie Werke von Gleizes, Metzinger und\nLeger Clownerien seien. Man sollte wohl\nmeinen, es sei unmöglich, dass ein Mensch\nje so etwas geschrieben habe. Aber Sie,\nHerr Westheim, Sie haben es geschrieben.\nWidersprechen Sie nicht. Sie haben es\ngeschrieben. Gut, wenn Sie es bewiesen\nhaben wollen, hören Sie mich weiter an.\nWir wollen sehr genau sein. Sie schreiben\nin der zitierten Beschimpfung des Deutschen\nHerbstsalons, dass diese Beschimpfung für\n355 von 366 Bildern gelte. Elf Bilder\nnehmen Sie also aus. Und welche Bilder\nwaren das? Wir wollen sehr genau sein,\nHerr Westheim. Wir wollen unter die\nSynoptikergehen. Wir wollen vergleichende\nkritische Forschungen treiben, wir wollen\nauthentische Interpretation üben. Wir wollen\nPaul Westheim zu Rate ziehen. Sie kennen\nihn doch? Paul Westheim also schrieb am\n25. September 1913 in der Frankfurter Zei-\ntung — Zittern Sie nicht, Herr Westheim,\nich drucke nicht alles ab. Jetzt noch nicht.\nSie sollen sich erst daran gewöhnen, diesen\ngrauenvollen Zeugen zu hören. Später,\nHerr Westheim, später soll der Zeuge alles\nsagen. Jetzt wollen wir die elf von Ihnen\nanerkannten Bilder kennen lernen.\n„Wenn man sich aber daran macht, die\npaar Hoffnungen zu suchen, die es unter\nden 366 Nummern gibt, um die es schade\nwäre, wenn sie in solcher Sphäre ver-\nsumpfen würden, so notiert man Franz\nMarc, der mit dem „Turm der blauen Reiter\"\nein gehaltvolles Werk zu bieten hat.\" Ich\nwill nicht kleinlich sein und Ihnen die\n„Beiter\" nicht besonders dick ankreiden.\nDie Vermutung, dass Sie nicht einmal einen\nKatalog lesen können, liegt ja nahe genug,\nund dass Sie auf dem Bilde „Turm der blauen\nPferde\" blaue Reiter gesehen haben, — mir\nsoll es recht sein. Es erleichtert mir den\nBeweis, dass Sie auch nicht sehen können.\nDas „gehaltvolle\" Bild hängt nun mit Gottes\nHilfe in der National-Gallerie des Kron-\nprinzen-Palais und somit ist es quasi pu-\nblik geworden, dass Reiter auf dem Bild\nnicht zu sehen sind. So mögen auch Sie\nKenntnis davon erhalten haben und darum\nkein Wort mehr davon. Auch will ich\nIhnen nicht die Freude verderben, dass Sie\ndieses Bild im Jahre 1913 nicht für den\nUlk eines harmlosen Narren gehalten haben.\nGott im Himmel allein mag wissen, wie\ndas zugegangen ist. Ich weiss es nicht.\nAber das weiss ich, dass die sechs anderen\nBilder von Franz Marc Ihnen weniger ge-\nhaltvoll vorkamen. Mich wunderts nicht.\nDenn die „Tierschicksale\", in denen Franz\nMarc zu einer gesteigerten Geistigkeit drang,\nverlangen auch beim Beschauer eine ge-\nsteigerte Geistigkeit. Diese Tierschicksale,\nHerr Westheim, diese Tierschicksale! —\nGeduld, nur Geduld, diese Tierschicksale\nsind auch ein Teil Ihres Schicksals ge-\nworden. Wir haben noch viel Zeit, wir\nwollen es uns aufsparen. Damals also, in\nIhrem Unglücksjahr 13, waren die Tier-\nschicksale für Sie noch kein „gehaltvolles\"\nBild. Was damals Ihr Auge noch fesseln\nkonnte, waren die Bilder von Walter Heibig,\nAugust Macke und Kokoschka: wohlge-\nzählte vierzehn Bilder, fünfzehn mit den\nblauen Pferden. Und elf, nur elf waren doch\ndamals keine Clownerien. Nur elf! Das\nwollen wir recht fest halten. Denn so werden\nSie sich hoffentlich nie herauszureden\nsuchen. So ist es bewiesen, dass Sie die\nWerke von Chagall und Kandinsky, von\nCampendonk und Klee, von Leger und\nMetzinger, von Gleizes und Picabia für\nAttraktionen dritten Grades hielten. — Wie\nist Ihnen, Herr Westheim? Sehr schlecht?\nHaben Sie keine Angst! Herr Kiepenheuer\nist mild und Ihnen wohlgesinnt. „Was\nhalten Sie von Herrn Westheim?\" fragte\nHerr Kiepenheuer im August 1919 Herrn\nWaiden. Und raten Sie mal, was Herr\nWaiden zur Antwort gab? Hat Sie aber\nHerr Kiepen heuer zum Teufel gejagt? Nein.\nUnd wen sollte er wohl an Ihre Stelle setzen?\nWeiss er nicht genau, dass die anderen\nnicht besser waren als Sie? Worin besteht"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.11", "texte": "der Unterschied zwischen Ihnen und den\nübrigen 999 deutschen Kritikern: darin, dass\ndie meisten noch heute genau so gottes-\nlästerlich schimpfen wie damals. Sie haben\nfür Herrn Kiepenheuer immerhin den Vor-\nzug, dass Sie heute „mitmachen\". Einige\nfreilich tun sich viel darauf zu gute, dass\nSie damals schon mitgegangen sind. Aber\nGottes ausgleichende Gerechtigkeit sorgte\ndafür, dass diese Einigen frühzeitig alterten.\nSie gehen heute nicht mehr mit. Wo soll\nalso Herr Kiepenheuer einen Ersatz für\nSie hernehmen? Kennen Sie einen, der\nSteine auf Sie werfen darf? Wenn ich durch-\nlese, was diese 999 damals über den Ersten\nDeutschen Herbstsalon geschrieben haben,\ndann kommt es mir vor, als hätten Sie es\nin der Beschimpfung des Grossen und Ge-\nwaltigen nicht am tollsten getrieben. Und\nvielleicht ist es für Sie eine Art von Trost,\nnochmals zu lesen, was diese 999 Kritiker\nsich damals selbst zugemutet haben. Nur\neine Art von Trost. Denn vielleicht glauben\nSie mir gar nicht. Vielleicht halten Sie diese\nKritiken für die Erzeugnisse eines einzigen,\nganz sonderbar konstruierten Gehirns. Sie\nhaben beinahe recht.\nAch, Herr Westheim, was für ein schlechter\nund ungeschickter Gegner sind Sie doch!\nIch hatte Sie aufgefordert, in meiner Ver-\ngangenheit herumzuwühlen, bis Sie ein Er-\neignis entdecken, das Sie einen „Fall\" nennen\nkönnten. Statt dessen tratschen Sie im Ok-\ntoberheft des Kunstblatts das Geschwätz\neiniger gewohnheitsmässiger Verleumder\nnach, das diesen wiederum von einigen\nanderen Verleumdern nicht hinterbracht\nworden ist, sondern hinterbracht sein soll.\nSie sind \"ein zu spassiger Herr. Ich werfe\nIhnen Unfähigkeit und Unwürdigkeit vor,\nund Sie schreiben, Herr Waiden habe sil-\nberne Löffel gestohlen. Auf solche falsche\nWege der Verteidigung führt Sie nur Ihre\nUngeduld. Ich beschwöre Sie noch einmal,\nseien Sie geduldig. Sie werden auf alles\ndie gewünschte Antwort erhalten, auf Ihre\nTorheiten und auf Ihre Unwahrheiten. Es gibt\nnichts in Ihrem Artikel, das ich nicht mit\nDokumenten'widerlegen werde. Aber Ge-\nduld müssen Sie haben. Ich kann nicht\nalles auf einmal veröffentlichen. Nur über\ndas Gröbste will ich Sie eiligst belehren. Alle\nVerdächtigungen über Nicht-Auszahlungen\nan In- und Ausländer bitte ich Sie, an mich\npersönlich zu richten. Nur ich, ich allein\nbin für die von Ihnen so sehnlichst ge-\nwünschten Delikte verantwortlich, mora-\nlisch, ethisch und vor allem rechtlich. Nur\nich weiss, was ich zu tun verpflichtet bin,\nnicht Sie. Denn Sie wissen nicht, was\nPflicht ist. Und bedenken Sie, dass Sie\nschon einmal eine ähnliche Unwahrheit\nwie jetzt die gegenüber Chagall behaupteten,\nhaben zurücknehmen müssen, nachdem Sie\nsich überzeugt hatten, dass Sie von ihren\ngeschwätzigen Gewährsmännern belogen\nwaren. Es wird Ihnen mit Ihren neuen\nfrivolen Verdächtigungen nicht anders gehen.\nDenn, wenn auch Ludwig Rubiner nicht\nmehr lebt, so lebt doch seine Frau noch.\nUnd Sie wird Ihnen gern bestätigen, dass\nSie Worte und Sätze genau so falsch hören,\nwie Sie Bilder sehen. Leider fürchte ich,\nwenn ich einmal zu Ihrem „Fall Chagall\"\nvorgedrungen bin, wird Ihnen Hören und\nSehen längst vollkommen vergangen sein.\nDarum will ich mich doch beeilen, Ihnen\neine Ahnung davon zu verschaffen, wie\nLudwig Rubiner über Herwarth Waiden\ndachte. Er hat während des Krieges einen\neinzigen Brief aus der Schweiz an Herwarth\nWaiden gerichtet. Dieser Brief aber geht\nin einer ganz anderen Melodie und lautet so:\n25- Februar 1917 Zürich, Hadlaub 11\n„Herwarth Waldens „Buch der Menschen-\nliebe\" leitet eine neue Epoche der Litera-\ntur ein.\nIch kenne in keiner Sprache einen lebenden\noder toten Zeitgenossen, der etwas (auch nur\nannähernd!) so Bedeutendes veröffentlicht\nhätte.\nDieser Roman hat mir die tiefsten brüder-\nlichen Glücksmomente gebracht — und\nwird sie noch vielen Menschen bringen —\ndie Gedrucktes überhaupt erwecken kann.\nNach hundert Jahren wird von allen\nBüchern zwischen 1880 und 1916 nur das\n„Buch der Menschenliebe\" geblieben sein.\nUnd es wird ungealtert mit herrlichster Auf-\nwühlung gelesen werden.\nEs ist ein wirkliches Buch der Menschen-\nliebe.\"\nLudwig Rubiner\nDas klingt fatal! Nicht wahr, Herr West-\nheim? Das wird einigen Teufeln gar nicht\nin das Konzept passen. Die Toten reden."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.12", "texte": "Sehen Sie sich vor, Herr Westheim, mit\nIhren Verdächtigungen. Denn ich wieder-\nhole Ihnen, es gibt keine grosse oder\nkleine gegen Waiden und den Sturm in\nKurs gebrachte Verleumdung, die ich nicht\nmit Dokumenten widerlegen werde. Jahre-\nlang hat sich Waiden von der Geschäfts-\ntüchtigkeit einiger Künstler gebrauchen\nlassen. Den Nutzniessern, die sich bedrückt\nfühlen, dass sie ihr ganzes Ansehen dem\nSturm verdanken, bleibt nichts übrig, als\nGründe zu erfinden, die unser Guthaben\nzu dem ihrigen machen sollen. Fällt ihnen\nkein Pfennig ein, der ihnen dazu verhelfen\nkönnte, dann legen sie sich eine Über-\nzeugung zurecht und lehnen die Gemein-\nschaft mit William Wauer, Neil Waiden\noder Budolf Bauer ab. Neben einem „Bild\nder Tiefe\" wollen sie nicht hängen, aber\nsie sind glücklich, in irgendeiner anderen\nAusstellung oder Kunsthandlung über die\nBilder des Tiefstands zu ragen. Und weder\ndiese Künstler noch Sie, Herr Westheim,\nahnen, wie gross die heimliche Ehrfurcht\nvor dem Sturm ist, wenn sie solchen alber-\nnen und verlogenen Ausreden das Ansehen\nwahrer und triftiger Gründe geben soll.\n\nRudolf Blümner\n\nDie vier Toten der Fiametta\n\nLieber Herwarth Waiden\nDie Dresdner Musikkritiker haben über\nDeine Musik „Die vier Toten der Fiametta\"\ngeschrieben, wie ich es nicht erwartet habe.\nDu weisst, dass ich oft genug Gelegenheit\nhatte, bei den Dresdner Kritikern nicht nur\nweniger Bosheit und Verstocktheit als bei\nden Berliner Kritikern, sondern auch guten\nWillen und sogar beachtenswerte Fähig-\nkeiten zur Erkenntnis von Kunst festzu-\nstellen. Und Du weisst, dass ich diese An-\nerkennung nicht nur auf das hohe Lob\ngründete, das die Dresdner Kritik meinen\nVorträgen stets zukommen liess, sondern\ndarauf, dass dieses Lob oft mit künst-\nlerischer Einsicht erteilt wurde. Darum\nist es für mich eine vollkommene Über-\nraschung, dass einer dieser Kritiker in\nseiner Besprechung im Berliner Tageblatt\nschreibt:\n„Die Pantomime ist keine Pantomime,\nsondern nur banales Balett von ehemals.\"\nHier handelt es sich um einen überaus\nseltenen Fall. Denn hier kann nicht mehr\ndavon die Bede sein, dass zwischen der\nAuffassung des Künstlers und des Kritikers\neine Verschiedenheit der Meinungen be-\nsteht. Die Ansichten, was eine Pantomime\nund was ein Balett sei, stehen nirgends auf\nder Welt miteinander in Widerspruch. Es\nist keine Ansichtssache, ob man eine Pan-\ntomime, in deren Verlauf eine der agieren-\nden Personen einen kurzen Tanz vorführt,\nim übrigen aber nicht getanzt wird, ein\nBalett nennt. Wenn also dieser Kritiker\nDeine Pantomime für ein Balett gehalten\nhat oder als Balett bezeichnet, so gibt es\nnur die folgenden Möglichkeiten für die Er-\nklärung eines solchen Irrtums: Entweder\nhat dieser Kritiker die Aufführung gar nicht\ngesehen, oder er hat während der Auf-\nführung geschlafen, oder er hat die Augen\nwährend der Aufführung geschlossen, oder\ner hat nie ein Balett gesehen, oder er hat\nsich einer schriftstellerischen Darstellungs-\nform bedient, die sonst sogar bei Kritikern\nnicht üblich ist. Und wenn dieser Kritiker\nvon Deiner Pantomime sagt, man spiele\n„mit einer lächerlichen Para-\nlellität der Musik und noten-\ntreuen Gestik\", dann, lieber Herwarth\nWaiden, dann wollen wir uns freuen, dass\nin dieser Kritik der dolus malus so ein-\nwandfrei bewiesen ist, wie vielleicht\nnoch niemals, seit Kritiker gegen Kunst\nschreiben. Es ist nicht denkbar, dass ein\nMensch so vollkommen vom Geist der\nKunst verlassen sei, dass ihm Gott kein\nGefühl für die Einheit der Kunst, genau\nso gut wie für die Einheit des Weltalls\nverliehen haben soll. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass dieser Kritiker die\nNotwendigkeit nicht empfunden habe, mit\nder in der musikalischen Pantomime zwei\nKünste zu einer untrennbaren Einheit ver-\nschmelzen müssen. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass dieser Kritiker nicht\nempfunden hat: hier ist zum ersten Mal in\nEuropa das Problem der Pantomime er-\nkannt, gelöst und in dieser Lösung völlig ge-\nzeigt worden. In allen Pantomimen, die mau\nbisher in sämtlichen Ländern Europas, selbst\nbei den Russen, sehen konnte, bestand eine\ntrennende Kluft zwischen der Bewegungs-\nkunst der Pantomime und ihrer Musik. Zwei\nKünste, deren Rhythmen von verschiedenen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.13", "texte": "Alexander Archipenko: Femme assise / Aquarell\nVierfarbendruck"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.14", "texte": "Erscheinungsformen herkommen, müssen,\nwenn ei n Kunstwerk entstehen soll, zu\neiner künstlerischen Einheit gebracht\nwerden. Die Verfasser und Darsteller aller\nbisher gespielten Pantomimen haben nicht\neinmal das Problem geahnt. Du, Herwarth\nWaiden, und William Wauer, Ihr habt das\nProblem als die Ersten in Europa erkannt\nund gelöst. Es ist völlig ausgeschlossen,\ndass dies dem Kritiker des Berliner Tage-\nblatts entgangen ist. Es ist vollkommen\nausgeschlossen, dass der Kritiker des Ber-\nliner Tageblatts die „Paralellität der\nMusik und notentreuen Gestik\"\nnicht als urnotwendige künstlerische Gesetz-\nmässigkeit erkannt hat. Und damit ist der\ndolus malus, mit dem diese Kritik ge-\nschrieben wurde, bewiesen wie noch nie-\nmals.\nNicht zu beweisen ist freilich, ob dieser\nund die anderen Dresdner Kritiker wirk-\nlich unmusikalisch sind oder sich nur un-\nmusikalisch gestellt haben. Möglich ist\nbeides. Du erinnerst Dich vielleicht, wie oft\nich bekannte, sogar berühmte Sänger, aus-\nübende Musiker, Tonsetzer und Dirigenten\nals unmusikalisch bezeichnen musste.\nDass die ganze Dresdner Kritik Deine Musik\nabgelehnt hat, ist also vielleicht doch irgend-\nwie zu begreifen. Ich begreife sogar, dass sie\nes in der Form getan hat, dass sie Deine\nMusik für banal, unmodern und unexpressio-\nnistisch erklärt hat. Diese Kritiker glauben\nnoch immer, Expressionismus sei etwas\nbesonders Bizarres oder Lautes oder Auf-\ngeregtes oder Phantastisches oder Wildes.\nWas ist natürlicher, als dass sie eine Musik\nfür nicht — expressionistisch erklären, die\nnichts ist als Musik. Wenn man heute den\nLeuten begreiflich machen will, dass Beet-\nhoven wie jeder grosse Komponist Ex-\npressionist war, weil er reine Musik machte,\ndann sperren sie zwar immer noch nicht die\nOhren, aber Mund und Nase auf. Sagt man\nihnen aber, dass gleichzeitig mit dem Auf-\nstieg der Malerei zum Expressionismus der\nNiedergang der Musik zum Impressionismus\nerfolgt sei, dass dieser Niedergang mit\nWagner begonnen, mit Debussy und Schön-\nberg fortgesetzt und mit Bichard Strauss\nvollendet wurde, dann spitzen sie noch\nnicht einmal die Ohren. Denn sie ver-\nstehen gar nichts mehr. Und darum ist es\nauch kein WTunder, dass die Dresdner Kri-\ntiker Deine Musik für unmodern erklären.\nDas einzig Wunderbare ist, dass sie damit\nRecht haben. Nur wissen sie es nicht,\ndenn Sie glauben nur, geschimpft zu haben.\nEs ist aber bezeichnend für alle diese\nMenschen, dass sie überhaupt von einer\nKunst verlangen, sie solle modern sein.\nDenn sie wissen nicht, dass Kunst weder\nmodern noch unmodern, sondern zeitlos\nist. Nie werde ich Unmusikalischen be-\nweisen können, warum Deine Musik der\nFiametta zeitlos ist, wie keine bisher war.\nDen wenigen musikalischen Menschen, die\nes gibt, brauche ich es nicht zu sagen. Und\ndiese wissen auch, dass Deine Musik raum-\nlos ist, dass 'Du der erste Komponist bist,\nder über die Enge aller Länder und Völker\nhinaus Musik geschrieben hat. Vielleicht\nist es diese Zeit- und Volklosigkeit, die\njenen höchstens traditionell oder empirisch\nMusikalischen banal erscheint. Es ist immer-\nhin sehr merkwürdig, dass nicht nur ein\nKritiker, sondern, wenn ich nicht irre, alle\ndiese Banalität festgestellt haben. Diese\nFeststellung wird diejenigen wahrhaftMusika\nlischen interessieren, die Dein ganzes grosses\nmusikalisches Lebenswerk kennen und\nnicht nur uns gegenüber oft genug ein-\ngestanden haben, dass das Anhören Deiner\nMusik sie zu ihrem gewaltigsten Erlebnis\ngeführt hat, die mit aller Ehrlichkeit ge-\nsagt haben, dass keine Musik der Welt sie\nso im Tiefsten aufgewühlt und ergriffen\nhat wie die Deine. Und mit besonders\ngrossem Erstaunen werden diejenigen von\nBanalität lesen, die so stark musikalisch\ngeschult sind, dass sie über dem Gesamt-\nempfinden und dem grossen musikalischen\nErlebnis auch die Struktur des Harmo-\nnischen erfassen können. Du wirst Dich\nnoch einer Äusserung von Julius Lieban\nerinnern, die er kürzlich getan hat: „Dieser\nHerwarthWalden ist der einzige Komponist,\nder nie eine Harmonie geschrieben hat, die\nein anderer schon vor ihm setzte.\" Und\ndarum ist der Eindruck der Banalität auf\ndie Dresdner Kritiker umso verwunderlicher,\nweil nachzuweisen ist, dass die ganze Par-\ntitur Deiner Fiametta wirklich nicht eine\neinzige Tonverbindung enthält, die jemals\nein Komponist vor Dir geschrieben hat. Und\ndoch banal! Die Musikkritiker Dresdens\nhaben also diese tausend noch nicht dagewe-\nsenen Tonverbindungen nicht als unharmo-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.15", "texte": "öisch empfunden: So müssen diese mit der\nGewalt der Natur, mit der Selbstverständ-\nlichkeit des Grössten auf sie gewirkt haben.\nDiese Menschen müssen, da sich in Deiner\nMusik nicht eine einzige anlehnende Melodie\nbefindet, Deine Musik als die letzte Selbst-\nverständlichkeit empfunden haben, die in\njedem Menschen ist. Ernst Rodewald, der\nseit langem in Breslau mit Fanatismus für\nDeine Musik kämpft, hat mir vor zwei Jahren\neinmal eine ausgezeichnete Analyse Deiner\nMusik vorgetragen und dabei von ihrer\ngenialen Banalität gesprochen. Und das ist\nrichtig. Deine Melodien und Harmonien\nsind nicht von Dir, sondern von aller\nMenschen Seelen Tiefen. Sie sind von\njener Banalität, die Beethoven nur in den\ngrössten Augenblicken seiner musikalischen\nEmpfängnisse bekommen hatte, in der\nMusik des Chors aus der Neunten Sym-\nphonie, in der grossen Melodie des ersten\nSatzes aus dem Violinkonzert und in vielen\nStellen seiner grossen Klavier- Sonaten.\nDiese menschliche, diese göttliche, diese\nkosmische Banalität ist Dir gegeben, Dir\nals dem Einzigen und Dir als dem Ersten\nKomponisten dieser Welt. Du weisst, dass\ndies nicht mein Glaube ist, sondern mein\nunantastbares Wissen seit jenem Tage,\nals Du mir zum ersten Mal im Jahre 1905\ndas grösste Wunder meines Lebens, Deine\nMusik, offenbartest. Es ist von keiner Be-\ndeutung, ob mir heute oder in naher Zeit\nirgend ein Mensch glaubt. Aber es ist von\nBedeutung, dass ich dieses Wissen von\nDeiner menschlichen und göttlichen Bana-\nlität hier nicht bekenne, sondern dokumen-\ntiere. Denn dieses Dokument wird auch\nsein aere perennius, wie die tiefste und ge-\nwaltigste Musik aller Zeiten, Deine Musik,\nHerwarth Waiden.\nAufführung im Alberttheater zu Dresden am\n12. Oktober 1920\n\nRudolf Blümner\n\nParallelität und Lächerlichkeit\nRudolf Blümner\nDer Dresdner Kritiker A. G. schrieb über\ndie Pantomime „Die vier Toten derFiametta\"\nvon Herwarth Waiden und William Wauer\nim Berliner Tageblatt vom 20. Oktober 1920\nvon „einer lächerlichen Parallelität\nder Musik und notentreuen Gestik\".\nDieser Kritiker hat auch die folgenden\nUrteile gefällt:\nStudiert man die Partitur der Matthäus-\nPassion oder der Neunten Symphonie, so\nstellt man eine lächerliche Parallelität\naller Instrumente und Stimmen fest.\nDie Tatsache, dass im rechtwinkligen Drei-\neck die Summe der Quadrate über den\nKatheten gleich dem Quadrat über der\nHypotenuse ist, wirkt gradezu lächerlich.\nEs gibt nichts Lächerlicheres als die\nParallelität von Herz- und Pulsschlag.\nDie Parallelität von Licht und Schatten ist\neinfach zum Lachen.\nDividiert man die Zahl Hundert durch Vier,\nso ergeben sich vier Zahlen von lächer-\nlicher Gleichheit.\nWenn zwei Kritiker über die Musik von\nHerwarth Waiden schreiben, so ergeben\nsich zwei Banalitäten von lächerlicher Pa-\nrallelität.\n\nTotentanz\n\n(Wie man mit dem Rasiermesser philoso-\nphiert)\nÜber unter den Linden reitet der grosse\nFritz Stahl, um auf die Bäume zu klettern,\ngehen wir heute unter die Linden, um auf\ndie Universität zurückzublicken von unten\nherauf, von oben hinab und von vorn-\nherein, herein Gesellen alle lassen wir\nuns gesagt sein, Stahlfritz ist der grösste\nteutsche Satiriker wider seinen Wider-\nwillen, wenn auch die Figur in einer\nHecke einen leidlichen Hintergrund er-\nhielte. Jener Schreibfritz, dieser junge\nHeld, der hier zusammengebrochen wird,\nein Bein steht kaum noch, kann keinem\nmehr ein Mitleid zufügen, hat es beschaut.\nHast Du nicht gesehen, hat er es auch\nschon beschrieben. Wen oder was und\nwo und warum nicht. Und um die Säulen\nwindet sich der Kranzkuchen.\n„Die Berliner Universität will ihren im"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.16", "texte": "Kriege gefallenen Angehörigen ein Erinne-\nrungsmal weihen. In dem engen Wett-\nbewerb, der dafür ausgeschrieben worden\nwar, hat sich die Jury für einen Entwurf\nentschieden, den Hugo Lederer als Bild-\nhauer und German Bestelmeyer als Archi-\ntekt gemeinsam geschaffen haben.\"\nHugo Hauklotz und Meyer Bauklotz, zwo\nledere Germanen, wettbeworben von Ger-\nmanisten, Saxo-Burgunden, politischen Rad-\nfahrern mit Rücktrittbremse, einzeln und\ngemeinsam schaffen sie das Nichts und\nruhet nimmer und um die Säulen windet\nsich Fritz Stahl..\n„Er ist jetzt in der alten Aula ausgestellt.\"\nGeben sich diese drei sogenannten Einheiten\nein Stelldichaus.\n„Lederers Figur drückt einen schönen Ge-\ndanken aus.\"\nHerzliche Grüsse von Haus zu Hans, dein\nLudendorff. Nachdruck geboten.\n„Dieser junge Held, der da zusammen-\ngebrochen ist, ist noch nicht ohne Hoffnung\nund Kraft.\"\nDenn\n„Nur das linke Knie berührt den Boden.\"\nDas rechte hofft aus feister Kehle.\n„Der rechte Fuss steht noch, und in ihm\nkündigt sich eine Bewegung an, die ein\nSich wiedererheben fühlen lässt. \"j\nWird der rechte Fuss, Spott hab' ihn seelig,\ndem linken Knie hilfreiche grosse Zehe\nreichen? Wird brechen das Herz in der\nHose dem linken Knie zu Füssen der rechten\nZehe? Einst aber wird sich übergeben eine\nKniekehle und wird der rechte Fuss, er\nsteht noch immer, wird er dafür einstehen,\ndass, gestehen wir es, der Reichskunst-\nwächter zur Nacht diese eingeschlafenen\nFüsse im Schweisse seines Angesichts wecke\nzu neuem Leben blüht aus den Rubinen?\nAngesichts dessen kündigt sich im Tag-\nwächter keine Bewegung an. Wird er bald\nkündigen? Fulgura frango. So geschehen\nim Jahre des Unheils Eintausendneunzehn-\nhundertundzwanzigzwo.\n„So ist Darf man das sagen oder\nmuss man sich mit der bescheideneren\nFormel begnügen: „So sollte Deutschland\nsein\"?\"\nSo ist es. Fein hast Du es gesagt, getan,\nteu teu Gedankenstrich, Gedankenstreichung,\nso lasst noch einen aus, so kitschig ist\nDeutschland, Deutschland über alles her-\ngefallen. Heer gefallen. So sollte es von\nGer-Mannen ausgehauen werden. Das neue\nProblem.\n„Das neue und schwere Problem, Nieder-\nfallen und Willen zum Wideraufsteben in\nderselben Gestalt darzustellen, einer Gestalt,\ndie aus einem harten Steinblock heraus-\ngeschlagen ist, ist noch nicht vollkommen\ngelöst, kann in der Skizze nicht vollkommen\ngelöst sein. Aber da schon die Skizze den\nWillen deutlich erkennen lässt, und man\nLederer kennt, so ist nicht daran zu zwei-\nfeln, dass der Gedanke in dem fertigen\nWerk sich ganz klar darstellen wird.\"\nIst es nicht, als ob wie wenn aus froster\nGrauzeit germanische Jammergestalten nie-\nderwallen, niederfallen, Niederwald, Hoch-\nwald, und denk' mal den eisernen Kanzler,\nund so sind wir eins, zwei, drei im Willen\nzumWiderdraufhau, aber Du darfst nicht aus\nder Klipp - Hipp - Hurra - Schule plaudern,\nFritz Stahl, denn sie wollen nur etwas\nherausschlagen, so lang ein Tropfen Mut\ndie Faust, den Faust am Degen zieht und\nnoch das Herz in der Buxe spinnt, wird\nsich der Gedankensplitter blosstellen.\n„Die Figur ist auf niedrigem Sockel in die\nBreite entwickelt.\"\nIn Wickel entbreitet. Beim Nickel gewonnen.\nIn Brei gesockelt. Nicht lange gefackelt.\nWenn det nur jut abloofen dhut.\n„Ihr sehr bewegter Umriss wird im Aus-\ndruck durch die sehr hohen, ganz geraden\nPfeiler verstärkt, zwischen denen sie steht.\"\nUmgerissen steht das Bein, und sie bewegt\nsich doch nicht.\n„Es sind vier, die unverbunden aufragen.\"\nUnverbindlich, Schreifritz, unverbindlich!\nDa hätten wir, Stahlen zunächst, zunächst\nihn selbst, einen Stahlpfeiler vis-ä-vis du\nrire, den Hervorragendsten. Ihm zunahe-\ngetreten demnächst Teutobald Ger-Mann\nBastelmeyer ohne I, ferner, doch immerhin,\nimmerherdamit, nächstens und drittens\nLederer-Hugo, den Haubildner, und viertens,\nhoffentlich bald im Fernamt, den grossen\nKunstwächter mit Eigenlob und Schwertern.\nHat nichts dagegen im Amt, einem Palais\nam Pariser-Platz, dass ihm durch Beihilfe\nder Reichsstellen für seine künstlerischen\nZwicke zur Verfügung entstellt wurde.\nLasst uns getrost hinter des Hinterhauses\nweitschauendem Giebel eiskalte Zwiebeln"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.17", "texte": "beweinen tausend und eine Nacht, wir\nhaben dazu Ewigkeit.\n„Sie sind bestimmt, die Namen der über\ntausend Gefallenen aufzunehmen.\"\nDieser Stahlsatz hat es in ihm. Sie sind be-\nstimmt nicht mit „Sie\" gemeint, Herr Schutz-\nmann am Pariser-Platz. Platzpatron aller\nKünstler. Demarmenßeich gegen über Kunst-\nmann. Künstlern gegenüber arm. Reichtum\nschändet nicht. Hat jener Satz noch andere\nLichtseiten. Sindsienichtlängstzerfallen, jene\nüber das Jahr Tausend Gefallenen, Herr\nStahl? Aus denen lässt sich nichts mehr\nVölkerschlachten. Sind vier Mammonsäulen\nverstimmt?\n„Es handelt sich hier um eine Sache, bei\nder man wohl auch etwas nicht Übliches\ntun darf.\"\nDort handelt es sich um eine Mache, in der\nman wohl auch etwas Übliches tun darf.\n„Und so sei auch an dieser Stelle gesagt,\ndass das Zustandekommen dieses schönen\nWerkes noch nicht gesichert ist, und ge-\nmahnt dazu zu helfen.\"\nHoff, o Du arme Kniekehle. Lasciate ogni\nsperanza. Sie zwiebeln uns. Sie machen\nschon Sparenzchen.\n„Die Lehrerschaft der Universität hat für\ndieses Jahr einen Teil ihrer Einkünfte zur\nVerfügung gestellt — ein schweres Opfer\nin solcher Zeit! —, die Studentenschaft wird\nsammeln, aber das alles genügt nicht.\"\nDas genügt. Da bleibt dem Spott die Tinte\nweg. Stahl ist der blanke Hohn. Gedanken-\nstrich, Ausruf, Gedankenstrich, Komma,\nwird die arme Studentenschaft stammeln.\nAber das alles genügt dem Schweigen nicht.\n„Ist das Denkmal selbst würdig, so erscheint\ndie Platzfrage noch nicht gelöst.\"\nWieso, wieso, ihr Brandenburger Toren,\nfest sitzt und witzt die Wacht am Pariser-\nPlatz.\n„Der rückwärtige Hof der Universität, wie\nihn Ludwig Hofmann gestaltet hat, ist schon\nein schöner grosser Rahmen.\"\nWoso, woso? Hofrahmen? Achso, der Platz\nwie wo. Vivos voco.\n„Aber er wird als Spazier- und Frühstücks-\nGarten von den Studenten benutzt,\"\nFulgura voco, ein sogenannter Hofrahmen-\nspaziergarten.\n„und ein solches Treiben, sehr hübsch an\nsich, steht mit dem feierlichen Ernst dieses\nDenkmals in allzu starkem Widerstreit.\"\nWieso, wieso? Achso. Geplanter Ernst.\nMortuos voco! Leichentango zückt Hau-\nbitzen, wetzt am Witz den Stahl. Er aber\nwill das letzte Wort haben. Mag er den\nmagern Rest bekommen. Gebt ihm den\nRest. Und Totenstille ist.\n„Die geplante Aufstellung an der Dorotheen-\nstrasse ist vollends unmöglich, wenn auch\ndie Figur in einer Hecke einen leidlichen\nHintergrund erhielte. Die Baumkronen\nüber ihr, die trivialen Häuser am Hegel-\nplatz, die vorbeirollenden Strassenbahnziige,\nzwischen den Säulen sichtbar, würden jede\nStimmung zerreissen.\"\nZur Kritik von Fritz Stahl im Berliner Tageblatt\n\nOtto Nebel\n\nZuginsfeld\nOtto Nebel\nSektkübel\nKübeln und Qualm\nWeibstück und Sang\nStückfässer\nSe rollt schon wieder\nSchlank wie keine Tonne\nWat? Kanondonna?\nTolle Donna\nToni\nTonnen rollen\nWir rollen nich aus die Falle\nHeldenväter mit geteilten Tollen\nOrganisatoren\nToren\nHört laute Organe\nTalentierte Leute gesucht\nSchreiber\nStrömt herbei\nSchreiber machen alles\nKollege Armpauker\nFeldweibel können nicht schreiben\nSteife Handschrift haben sie\nSchrägschnörkel\nIn Reihe und Glied\nNach dem Lineal richtet euch\nBuchstaben machen Ehrenbezeugungen\nZeugenbeehrung\nÜberzeugende Worte\nDummes Zeug\nAlles Schwindel\nSchöntuerei\nGute Leute schonen\n\nFoetsetzung"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.18", "texte": "Wir schonen nichts ausser uns\nSoldat ist Soldat\nWas ist das aber?\nSoldat im Quartier\nIm Belt\nIm Urlaub\nSoldat unter Helden\nHeld mit Helden\nSchwein mit Schweinen\nFest steht die Wacht am Schwein\n(Kompagnieführerzulage)\nWachtmeister\nMeisterschwein\nSchwein muss der Mensch haben\nHat er es, isst er es\nFrisst er es, wird er es\nMenschenskind!\nKeine Beleidigung\nKinder sind noch Menschen\nErwachsene? Das war eine Kinderei\nAktiv oder Liebkind\nDagegen Stiefkinder\nVizekinder\nVize der Konserve\nSieh Zugführer\nBiech Konservenfabrik\nOffizieraspiranten\nTranspirieren\nSagt doch Schweissfüsse\nWas ist Aspirant?\nAspiranten sind bessere Leute\nSie ehren den Schwitz\n(Transpirin)\nSie haben die EHBE\nSIEH diese\nEhret die STBEBEB\nAuf deutsch Aspiranten\nSie können warten\nOffizieraspirantenanwärter\nAbwarten bis Vorgänger fallen\nVorgänger fallen\nAufrücken\nIn den Bücken fallen\nVorrücken\nBesichtigung\nSie werden berücksichtigt\nEine Exzellenz riecht an ihnen\nGut, der Bücken!\nWeich ist er\nTauglich zum 0 ff fz i e h r\nZum Tode befördert\nBeförderlich und dienstlich sein\nJung muss man sein\nMuss man dumm sein? Junker?\nFahnenjunker\nDegenfähnrich\nFahnenstangennachwuchs\nStangenspargel\nJunker isst im Stabe\nSchonen, aktiv\nNettes Kerlchen\nGut erzogen\nSieht alles von den Augen ab\nFeuer, Herr Major?\nDanke, Junker\nZigarre, Herr Oberlehrer?\nLehrer? Na, nichts für ungut. Prost, der\nJunker\nAuf\nSetzen\nWas? Junker trinkt nicht?\nAuf\nSetzen\nKein Soldat, der Junker\nAuf\nSetzen\nNa also\nAustrinken, der Junker\nAuf. Setzen. Auf! Setzen!\nAb\nJunker Bleichenwang\nErtrunkene Jugend\nErsoffenes Alter\nJung muss man sein\nMuss man dumm sein, Aller?\nAuf, Alter!\nSetzen, Alter!\nIhr Alten seid dumm genug\nEuch ist nicht zu helfen\nJunkern kann geholfen werden\nHat Ehrgeiz, der Junker?\nDann ist ihm nicht zu helfen\nSchnapsjunker\nDahingerafft\nBaffiniert\nAus Guten werden Bestien.\nBraut ist Gewähr\nBart macht den Mann\nSchnurrbart streichen\nStreichen lassen\nKerl von echtem Schrot und Korn\nAuf die Seite schleichen\nAuf's Korn nehmen\nEinen Korn kippen\nZielwasser\nEs steht uns zu"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.19", "texte": "Uns Unteroffizieren\nAnstände machen\nAnstand unbekannt\nTue nichts, doch tue so\nGruppenführer\nGerippe des ganzen Kadavers\nSchlotterer\nTüchtiger Unteroffizier gesucht\nZur besonderen Tat\nOrden gewährleistet\nSie sondern sich\nSie drücken sich\nIn der Tat\nSie nehmen sich ein Beispiel\nUnd gehen mit gutem Beispiel zurück\nSieh altes Leiden\nScham unbekannt\nIn der Tat überflüssig\nÜberzählige Grippenführer\nÜberzählige Gefreite\nÜberzählige Gruppenführer-\nstellvertreter\nAlle nehmen Stellen ein\nAlle nehmen Platz\nDie besten Plätze sind hinten\nOder unter der Erde\nFalls Stollen nicht ersaufen\nAlle Stollen ersaufen\n(F achausdruck)\nUnteroffiziere lieben kein Wasser\nTrocken sind sie\nTrocken wohnen sie\nSie bauen nicht\nSie sind gemütlich\nSie bauen ab\nNur wenn es ungewöhnlich ungemütlich wird\nIm sogenannten Freien\nDann lassen sie sich einbauen\nDer Mann baut\nDe Jruppe baut\nBauernlümmel\nHerr Gruppenführer steckt abwechselnd im\nfremden Loch\nHerr Unteroffizier steckt abwechselnd die\nandere Hand in die Maultasche\nMaul vollnehmen\nVolle Verantwortung?\nJa voll, Herr Leutnant\nHerr Leutnant nimmt ihn nicht ernst\nHerrn Leutnant nimmt er nicht ernst\nDas wird heiter\nErnst! Der Alte kommt\n(Junger Leutnant)\nErnst! Volle Deckung\nErnst? Is deine Deckung fertig?\nZum Schuss fertig\nUnd die Leute?\nAuch fertig\nVollständig fertig\n(SCHIPPER)\nErnst wohnt\nSchipper wohnen frei bei\nSchüsse befreien\nSchüsse decken ein\nRuht aus\nErnst staunt\nErnst denkt nanu\nNu is de Jruppe dot\nErnst ist überzählig\nÜberzählige werden abgegeben\nUnteroffizierkursus\nZur Belehrung\nZur Schreibstube\nZur Kantine\nZur Braut\nLebewohl, mein flandrisch' Mädchen\nZum Unterricht\nUnteroffiziere sind gut unterrichtet\nDarum unterrichten sie gut\nSie lernen nichts\nSie wissen alles besser\nDenn sie sind Vorgesetzte\nAlles Neue ahnen sie\nNeue Gerüchte\nNeue Orden\nNeue Verordnungen\nNeue Latrinen\nKurz, nichts Ordentliches\nIm Kopf zukurzgekommen\nStahlhelm drückt\nStiefel drücken\nAber unser Alter hat leichte Stiefel\nOb er fällt?\nStiefel a n w ä r t e r\n«• V\nSoldaten können warten\nSonst können sie nichts\nEr wartet schon noch\nWie bald kann ein Lehrer fallen\nDie Brieder\nFällt er, muss einer einspringeu\nSpringt kein Feldweibel ein, muss ich\nDie Brieder\nSchnell zuspringen\nLeutnant springt\nFällt\nEr\n(Herr Unteroffizier)\nFällt über Offizier-Stiefel her"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.20", "texte": "Und die Uhr?\nGeht noch\nUhren gehen länger als Tote\nUhrmacher sind Zeitmacher\nEwig ist Seine Macht\nZeit ist ein Uhrwerk\nTote bleiben bei Zeiten liegen\nManchmal bleiben Uhren bei Toten stehn\nLiegen bleibt keine\nDas liegt in unserer Zeit\nTote brauchen keine Uhren\nTotenuhren? Wozu?\nMensch, du Uhrwerk\nEr zieht sie auf\nEr ist in die Uhr vertieft\nSchöne flache Uhr\nWie flach muss er sein\nFlachbahnschuss\nSchlägt die Uhr tot\nSchlagt die Zeit tot!\nEr braucht keine Uhr\nTotenuhren? Wozu?\nTote brauchen nichts\nHöchstens Chlorkalk\nLebende brauchen Essen\nKüchenunteroffizier\nEin treuer Hund\nTreu wie Papiergeld\nEs kocht\nEr kommt mit der Feldküche vor\nAll-so stimmt etwas nicht\nDas All stimmt\nStimmt\nEr wollte nicht\nAll-so musste er\nStimmt\nEr hat zuviel gekocht\nDenn neben der Feldküche isst Herr Feld-\nwebel\nFeldwebel essen wie Offiziere\nDas ist zuviel\nMeinen die Herren Offiziere\nDoch nur inbezug auf Feldwebel\nDas ist zu wenig\nMeint Herr Kompagnieführer\nDoch nur für sich\nDer verfluchte Küchenbulle\nMeinen alle\nSie meinen den Küchensergeanten\nBullen kochen Bullen\nDenn Tiere merken nichts\nTodeskrampf ist nur Beflex\nDem Braten riecht man das nicht an\n(SIEH BEIZENDE AUFNAHME)\nDie Sache riecht\nDarum muss der Küchensergeant vor\nEr kommt aber nicht\nWarum kommt der Kerl nicht?\nFliegerbombe\nQuirlt Essen um\nFetzenpferde flattern\nAuf die Bäume\nSind unter die Flieger gegangen\nMein armer Pegasus\nArme Tiere lernen alles\nAber Tiere schweigen\nDenn Essenholer reden\nEs gibt heute nichts?\nVielleicht morgen\nKehrt\" marsch!\nJtL.\nIn der Nacht\nErwacht Knattern\nMuss man überlebt haben\nMan braucht Patronen\nTrägertrupp\nTräger Truppführer Herr Unteroffizier\nFolglich kommen keine Patronen\nDer Unteroffizier, der Patron\nDraht wird gebraucht\nDraht geht aus\nEinbringt keinen Draht\nMuss doch einer dran gedreht haben\nStacheldraht macht die Sache\nStacheldrahtkrankheit?\nDas Stacheldraht-Drehen ist krankhaft\nHört, Dreher!\nDraht zerreisst\nIhr seid gerissen\nDraht zerreisst Sachen\nDraht zerreisst Leiber\nLeibregiment oder Leiber\nDraht rostet\nLeiber faulen im Draht\nFaule Leiber schaukeln im Wind im Draht\nWunde winden sich im Draht\nMacht nichts\nWir werden es schon schaukeln\nMachen sie sich lustig?\nWieso lästig? Frischer, fröhlicher Krieg\nFeuertäglich\nLeuchtkugeln\nDaraus erhellt Feldgrauen\nLeuchtbomben\nBojen\nSchweifsterne\nGrüner Doppelstern\n(V ernichtun gsfeuer)\nSternketten"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.21", "texte": "Tretleuchtzeichen\nDass der Mann im Hellen stand\nKettenperlen\nBaketen\nMit nachziehenden Perlen\nAlles am Lager\nManches am Fallschirm\nNatur ist Popanz dagegen\nSterne ziehen sich zurück\nSie kennen den Schwindel\nFinster, finster\nEr bringt keine Leuchtpistole\nUnd eigene Artillerie kennt keine Parteien\nmehr\nVerrecken wir getrost\nIn dieser Finsternis\nGauner sind wir alle\nNachher findet man alles\nAlles ist unterwegs\nLiegen geblieben\nSchlammverquirlt\nDenn Zwischengelände liegt unter Feuer\nund Wasser\nTrichterfeld der EHBE\nAnmarsch unter Feuer halten\nWege unter Wasser halten\nAnmarschwege stören\nFrische Leiber im Anmarsch\nKommt keine Ablösung?\nSieh Erlösung\nEndlich\nHerr Kamerad, ich soll Ihre Stellung über-\nnehmen\nStellung?\nSieh einige Blutpfützen\nBockfetzen\nEinige Wasserpfützen\nZerfetzte Stollenhölzer\nEinige grosse Trichter\nMehrere mittlere\nTausend kleine Trichterchen\nIch sehe keine Stellung\nDas ist die Stellung\nHerr Unteroffizier übergibt sie\nStellungslose gehen\nAbgelöst\nFeuer geht an\nFeuer trichtert immer etwas ein\nTrichterstellung\nMuss gehalten werden\nEigentlich soll sie geräumt werden\nSie hält sich schlecht\nEs regnet nicht schlecht\nSchluss folgt\n\nMitteilung an die Leser des\nSturm\nVerlag Der Sturm\nVom 1. Januar 1921 an wird das laufende\nJahr der Zeitschrift Der Sturm mit dem\nKalenderjahr zusammenfallen. Damit den\nAbonnenten des 11. Jahrgangs Der Sturm\nunverkürzt zugeht, erscheint die Zeitschrift\nin den Monaten Oktober, November und\nDezember 1920 als Doppelheft.\nDas erste Heft des 12. Jahrgangs wird also\nim Januar 1921 erscheinen.\nMit dem neuen Jahrgang wird die Zeit-\nschrift regelmässig im Umfang dieses Hefts\nerscheinen. Sie wird, wie bisher, künst-\nlerische Beiträge enthalten: Dichtungen,\nZeichnungen, Original - Holzschnitte (stets\nvom Stock gedruckt), ein- und mehrfarbige\nKunstbeilagen. Ausserdem wird die Zeil-\nschrift ihren schriftstellerischen Teil er-\nweitern und neben Beiträgen polemischer,\nkritischer und satirischer Art wissenschaft-\nliche und untersuchende Aufsätze enthalten.\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde seit ihrer\nBegründung im Jahr 1910 zu einem Preis\nverkauft, der bis heute unter den Her-\nstellungskosten zurückgeblieben ist. Die\nallgemein bekannte Verteuerung der Her-\nstellungskosten, der grössere Umfang und\nder grundsätzliche Verzicht auf\nfremde und bezahlte Inserate\nzwingen uns, mit dem neuen Jahrgang den\nBezugspreis für die Zeitschrift zu erhöhen.\nDauerbezug: Ein Jahr 60 Mark / ein halbes\nJahr 36 Mark / Einzelheft 7,50 Mark.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Kritik der vorexpressio-\nnistischen Dichtung\nRudolf Blümner.* Briefe an Paul Westheim\nRudolf Blümner: Die vier Toten der Fiametta\nRudolf Blümner: Parallelität und Lächer-\nlichkeit\nOtto Nebel: Totentanz\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nMitteilung an die Leser des Sturm\nJohannes Molzahn: Zwei Zeichnungen\nAlexander Archipenko: Femme assise /\nAquarell / Vierfarbendruck"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.22", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Amt Lützow 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm\nErschcint am funften jcdcs Monats\nMit mehrfarbigenKunstbeilagen Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 24 Mark / kin Ilalbjalir\n15 Mark / Einzelheft 4 Mark 50 Pfennige / Doppel-\nheft 7 Mark 50 Pfennige\n\nBiicher aus dem Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchiitzengrabenverse\nGebunden 12 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 6 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n6 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des Anfangs / Friihe Gedichte\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n6 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n6 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur j In 111 Kapiteln\n3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n4 Mark 50 Pfennige\nNacht\n3 Mark\nDie neue Kunst\n3 Mark\n\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n6 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nGesammclte Dramcn\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 12 Mark\nSturm-Abende / Ausgewahlte Gedichte\n7 Mark 50 Pfennige\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nZur Zeit vergriffen\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n6 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n4 Mark 50 Pfennige\nDas Buch der Menschenliebe\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 50 Mark\nWeib I Komitragodie\n6 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 3 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm^Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie des Riuge\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennige\nSturm\"Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennig\nI Marc Chagall\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.23", "texte": "Leitung der Sturmschule für Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmeldungen durch den Sturm / Berlin W 9\n\nMugJk\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwcrke\nDann / Vergeltung / Vetdammnis / Werk 1*—3\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFur Gesang und Klavier / Je 3 Mark\nBrudcr Liedcrlich / Werk 5l\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehrael\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 12 Mark\nDie Judcntochter / Werk 171 / 4 Mark 50 Pfennige\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nSchwcrtcrtanz / Werk 18\nFiir Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 3 Mark\nTan* dcr T6ne / Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark >\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: P 1 a k a t fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie\nAbzug 30 Mark\n\nSturm^Kai'ten\nJcde Karte 70 Pfennige\nNach Gem&lden, Zeichnungen\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nund Bildwerken\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjert£n-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas / Nell Walden\nFranz Marc\nJe 1 Mark 50 Pfennige\nErster Deutscker Herbstsalon Der Sturm\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n3 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Vcrlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJeder Kunstdruck 6 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere/ Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turin\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamin\nOskar Kokoschka Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarlh Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Akt\nFranz Marc: Kalzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 7 Mark 50 Pfennige\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 4 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nNell Walden: Aquarell\nReinhard Goering: Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJcde Karte 70 Pfennige\nI. August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV.\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Campendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII.\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXi.\nXI. Paul Klee XXII.\nGabriele Munter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Scbreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters\n\nSturm'Hochschule\nViertes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Herwarth Walden\nNahere Auskunft im Sturm"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201105-01.1.24", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerantwortlich für den gesamten Inhalt und Verlag\nVerlag Der Sturm G. m, b. H. / Berlin W 35\nDruck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeoffnet taglich von 10--6 Uhr / Sonntags 11\nTageskarte 2 Mark\nMonatlicher Wechsel\nEinundneunzigste Ausstellung\nNovember 1920\nAlbert Gleizes\nJohannes Molzahn\nAuswartige Sturmausstellungen: Stuttgart\nNew York\nZweiundneunzigste Ausstellung\nDezember 1920\nOtto Nebel\nPaul Busch\n\nDer Sturm\nverfiigt iiber Werke folgender Kiinstler (Gemalde\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nGosta Adrian - Nilsson / Alexander Archipenko\nRudolf Bauer / Willi Baumeister / Fritz Baumann\nVincenc Benes / Umberto Boccioni I Campendonk\nCarlo D. Carra / Marc Chagall / Delaunay / Sonja\nDelaunay>Terk / Tour Donas / Emil Filla / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Reinhard Goering / Otto\nGutfreund / Hugo Handel / Jacoba van Heemskerck\nSigrid Hjerten-Grunewald / Isaac Griinewald / Johan-\nnes Itten / Kandinsky / Paul Klee / Oskar\nKokoschka / Otakar Kubin / Fernand / Franz\nMarc / Jean Metzinger / Johannes Molzahn / Otto\nNebel / Francis Picabia / Kurt Schwitters / Oskar\nSchlemmer / Gino Severini / Fritz Stuckenberg\nArnold Topp / Maria Uhden / Nell Walden\nWilliam Wauer\n\nSturm/' Abende\nIn dcr Kunstausstellung Der Sturm\nJcden Mittwoch 3/48 Uhr\nRczitation Rudolf Blumner\n\nYon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdruckc kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nAusfuhrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenlos.\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamer Strassc 138 a\nFernruf Liitzow 4443\nliai gute uiid seltene Biicher und Noten vorratig\nund nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoeben erschienen\ncr\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nIV. Kurt Schwitters\nEinfuhrung von Otto Nebel\n15 Mark\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 50 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchtc Folge erschienen\nFarbigc Kunstdrucke\nAlbert Glcizes: Gemalde\nAlexander Archipenko: Aquarell\nJe 9 Mark\n*\n\nVoranzeigen\nEnde November erscheinen\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus und die Kiinste\nMit Abbildungen\nHerwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nZweite Auflage\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen\nDritte bis siebente Auflage\n\nSturmbiihne / Theater der Expressionisten\nIn Vorbereitung\nDie Haidcbraut / Dichtung von August Stramm\nUraufftihrung\nFur die Mitglieder der Gesellschaft det* Sturmfreunde\nzu talben Preisen"}]}