{"numero_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_sha256": "a9994a5aeaae856b91a7dcddadd7cce30ac5bc3145223a27e1f18fdc08cedae4", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1920/12/05_01/bmtnabg_1920-12-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1920/12/05_01/bmtnabg_1920-12-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.1", "titre_corps": "Albert Gleizes: Zeichnung", "titre_sommaire": "Albert Gleizes: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.1", "debut_caractere": 99, "fin_caractere_exclue": 124, "texte": "Albert Gleizes: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "148", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.2", "titre_corps": "Gold Währung Geld Kapital", "titre_sommaire": "Gold Währung Geld Kapital", "signature_source": "Eine Studie v. William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3564, "texte": "Gold Währung Geld Kapital\nEine Studie v. William Wauer\n1. Geld ist das, was Geltung hat im Aus-\ntausch der Waren und Güter.\n2. Geld ist Austauschmittel.\n3. Der Wert des Geldes besteht in seiner\nGeeignetheit als unverderbliches und\nhandliches Austauschmittel und in sei-\nner Währung.\n4. Währung des Geldes bedeutet seinen\nZahlungswert, seine „Kaufkraft1.\n5. Der Zahlungswert der „Kaufkraft\" des\nGeldes muss „währen\", sonst verliert\nes an Wert. Seine Währung ist seine\neigentliche Kraft.\n6. Wenn ein Austauschmittel an Wert ver-\nliert, ändert sich seine „Währung\" in-\ndem sie minderwertig wird, d. h. die\nMünzen dieser Währung verlieren nicht\nihren Wert als Tauschmiltel an sich,\naber ihr Grad in der Wertscala — ihr\nÄquivalentwert nimmt ab, ihre Preis-\nbedeutung ändert sich, ihre Valuta —\n(ihre Geltung) sinkt.\n7. Der Äquivalentwert des Geldes ist seine\nNormierung auf eine Scala einer be-\nstimmten Währung. Eine Mark deutsche\nWährung ist gleich einer Mark Kauf-\nwert oder Austauschwert für Dinge, die\neine Mark Verkaufswert haben. Ver-\nkaufswert (Umtauschwert) nennt man\nPreis.\n8. Der Wert der einzelnen , Münzen wird\nheute bestimmt durch Vergleich ihres\nWertverhältnisses zur Werteinheit einer\nUnze Gold.\n9. Diese Festsetzung nennt man Gold-\nwährung. Solange die Münzen und\nGeldscheine eine Kaufkraft, einen Um-\ntauschwert in Höhe der entsprechenden\nGoldeinheit gegenüber den Waren und\nGütern haben, ist die Währung gut, sie\nwährt und bewährt sich.\n10. Währung ist also nur Währung, da-\ndurch dass sie währt. Sinkende Valuten\nsind das Gegenteil einer Währung.\nJedenfalls ihr Hinsiechen.\n11. Siechtum einer Währung ist nur durch\neine Kräfligungskur mittels des Stoffs\nzu heilen, aus dem sie besteht, auf dem\nsie basiert.\n12. Unsere sieche Währung, die eine Gold-\nwährung ist, muss mit Gold gefüttert\nwerden, sonst geht sie zu Grunde.\n13. Haben wir Gold ?\nNein.\n14. Können wir Gold beschaffen?\nNein.\n15. Weil alle Währungen der Länder, die\nGoldwährung haben, siechen, da nicht\ngenug Gold auf Erden vorhanden ist,\num den Goldhunger dieser sämtlichen\nWirtschaftskomplexe zu stillen.\n16. Der Goldhunger der Länder entspricht\ndem Bedarf an vollwertigen Umtausch-\nmitteln für ihre Bedürfnisse an Waren\nund Gütern.\n17. Es ist nur der zehnte Teil des Welt-\nbedarfs an Umtauschmitteln in Gold\nvorhanden, der gebraucht wird.\n18. Deshalb sind alle Goldwährungen siech.\nSie gehen zu Grunde an Goldarmut.\n19. Der Goldbedarf Aller führt natürlich zu\neinem Kampfe Aller gegen Alle um Gold.\n20. Wer das Gold besitzt, besitzt das, was\nallein währt, und deshalb jedes Währen\nund jede Währung bestimmt.\n21. Wer Gold besitzt, kann allen, die Gold\nbrauchen, seinen Willen diktieren.\n22. Die Goidsammler diktieren ihren Willen\nder ganzen Welt.\n23. Die Goldsammler nennt man Kapita-\nlisten. Kaput heisst der Kopf. Jeder\nKapitalist ist ein Kopf, die anderen sind\nDummköpfe. Was wahr ist.\n24. Die Kapitalisten haben nun ihren Gold-\nüberfluss und den Goldbedarf der Nicht-\nKapitalisten in ein Syslen gebracht.\n25. Dieses System ist der Kapitalismus,\nseine Organisation geschieht durch die\nBanken, die Goldbewahrer und Gold-\nvermittler und die Börsen, die Gold-\nhändler.\n26. Die Kapitalisten leihen ihr Gold aus\ngegen Zinsen und Vorteile, deren Grösse\nder Konkurrenzkampf der Kapitalisten\nuntereinander bestimmt.\n27. Der Kapitalist wuchert mit seinem Ka-\npital. Daran sollst du ihn erkennen.\n28. Der Kapitalist bietet Gold aus und macht\ndenen, die Gold brauchen, weiss, dass\nGold allein Geld sei.\n29. Nur Goldwährung sei wirkliche Geld-\nwährung, sei überhaupt die einzig mög-\nliche Währung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3740, "texte": "30. Nur Gold gebe dem Geld Geltung, das\nist ihre Lüge.\n31. Solange aber die Welt glaubt, der letzte\nWert alles Geldes wurzle im Golde, so\nlange macht sich alle Welt den wenigen\nGoldbesitzern tributpflichtig.\n32. Die Börse und die Banken leben von\ndieser Lüge und ihrer Ausmünzung in\neine Irrlehre: Geld sei Ware — be-\nhaupten sie, um Geldverkäufer und\nGeldhändler sein zu können.\n33. Geld als Umtauschmittel ist niemals\nWare, darf nie Ware sein.\n34. Aber die raffinierte Gleichstellung: Gold\nist Ware und da Geld Gold sein muss,\nmuss auch Geld Ware sein, ermöglicht\ndie spitzbübische Irrlehre, auf die selbst\nWissenschaftler wie Marx hineingefallen\nsind.\n35. Dieselrrlehre hat die arbeitendeMensch-\nheit ihren Ausbeutern unterworfen.\n36. Zweierlei merke Dir: Gold ist kein\nGeld — nur geprägtes Gold ist\nMünze. — Geld ist keine Ware — Münzen\nund Scheine sind nur Tauschmittel.\n37. Gold ist Ware als Rohstoff.\n38. Gold ist Geld, wenn es zur Münze ver-\narbeitet wurde und durch seine staat-\nliche Prägung Form und Bedeutung und\nVerwendungsmöglichkeit von Geld er-\nhält — also als Umtauschmittel von\nbestimmter Werthöhe zugelassen wurde\ndurch staatliche Anordnungen.\n39. Nur staatliche Anordnungen geben je-\ndem Stoffe, aus dem Umtauschmitlel\nhergestellt werden, (Kupfer, Nickel,\nPapier, Gold) ihre Währung, ihren\nGeltungsgrad — allerdings nur soweit,\nals die staatliche Macht reicht, ihre An-\nordnungen durchzusetzen.\n40. Jede Staatsmacht bestimmt den Wert\nihrer Münzen in ihrem Lande. In\nDeutschland bleibt immer eine Mark\neine Mark.\n41. Warum sinkt aber ihre Kaufkraft? Ihr\n• •\nAquivalentwert? Ihre Umtauschkraft?\n42. Weil die von Deutschland anerkannte\nund weltbeherrschende Goldwährung\nDeutschland zwingt, seinen Mangel an\nGold durch Goldanleihen, natürlich nur\ndurch Kredite auf Gold — in Anspruch\nzu nehmen, soweit es nämlich imstande\nist, die Wucherzinsen für das inter-\nnationale Kapital aufzubringen.\n43. Da Deutschland diese Wucherzinsen\nnicht aufbringen kann, setzt einfach der\nWelt-Kapitalismus durch die Gold-\nwährung die deutsche Mark aut den\nzehnten Teil ihres Wertes oder noch\nweniger fest und nimmt als Umrech-\nnungsäquivalent auf Gold 9/10 und\nmehr als Tribut für sich in Anspruch.\nAnders liefert er keine Ware. So nur\ntauscht er.\n44. Der internationale Kapitalismus wuchert\nDeutschland durch die Goldwährung\nschamlos und verbrecherisch aus.\n45. Die Goldwährung ist ein Dogma, das\ndie Kapitalisten, die Goldbesilzer der\nWelt aufzwingen durch eine Irrlehre.\n46. Wie lange will sich die goldarme Welt,\nwie lange wollen wir uns diesem\nWahne noch opfern?\n47. Wie lange wollen wir der unerreich-\nbaren Chimäre Gold noch nachjagen?\n48. Da entsteht die Frage: Kann man die\nGoldwährung ändern ? Kann man auf\nGoldwährung verzichten?\n49. Die Geschichte bejaht beide Möglich-\nkeiten — denn sie waren schon da.\n50. Goldwährung ist eine Entwicklungs-\nerscheinung in der kapitalistischen Pe-\nriode der Menschheitsgeschichte.\n51. Wir müssen die Goldwährung in eine\nneue, bessere, geeignetere weiter ent-\nwickeln und umbilden. Das ist nötig\nund möglich.\n52. Die neue Währung muss sich den Um-\nständen, den Tatsachen der Wirtschafts-\nzustände der heutigen Weltlage anpassen.\n53. Die Goldwährung passt nicht mehr.\n54. Die Goldwährung ist eine Luxus-\nwährung. Sie ist verankert im ent-\nbehrlichsten und kostbarsten Schmuck-\nmetall, dem Golde.\n55. Die Zeit des Luxus ist für die Welt und\ndie Weltwirtschaft vorüber. Der Welt-\nkrieg hat sie vernichtet.\n56. Wir stehen vor den Notwendigkeiten\neiner Wellbedarfsbefriedigung in dem\nverarmten Europa, vor einer Notdurfts-\nwirtschaft mit einfacher Bedarfsdeckung.\n57. Diesen Tatsachen muss die neue Wäh-\nrung entsprechen. Sie muss in der\nletzten Notdurft der Völker verankert\nwerden, — in der Nahrung."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3347, "texte": "58. Statt der Goldunze muss das Brotkorn\ndie letzte Einheit werden.\n59. Alle Waren und Güterumtauschmittel\nmüssen auf diese letzte Werteinheit\numgerechnet werden. — Dann wird\ndie Umrechnung wieder natürlich und\nnaturgemäss.\n60. Die Wertung aller Dinge muss heute\nvom Standpunkte der Notwendigkeit,\nnicht der Annehmlichkeit aus geschehen.\n61. Die Umwertung aller Dinge muss von\nder Ernährung und ihrer Möglichkeit\nausgehen.\n62. Die verarmten und armen Völker sind\ndie, die nicht genügend Brotkorn bauen.\nSie haben eine Unterbilanz an Lebens-\nfähigkeit.\n63. Die reichen Länder sind die, die Brot-\nkorn abgeben können. Sie werden\nleichter leben als die Bedürftigen.\n64. Wird das Brotkorn die letzte Werteinheit,\nkann es auch nicht mehr Ware sein.\n65. Sein Preis, sein Umtauschwert ist ein\nfür allemal festgelegt, es ist der Um-\ntauschwert — seine letzte Einheit.\n66. Diese Art Goldunzen — gibt es wert-\nvollere? — findet jedes Volk in seiner\nErde. Es braucht nur tüchtig zu graben,\num reich zu werden.\n67. Setzen wir ein Kilogramm Brotgetreide\nin Nährwert von 3500 Kalorien*) als\neinen „Einer\" der NotdurftsWährung, —\nso ist ein brauchbarer Verrechnungswert\ngeschaffen — dessen Scala sich dem\nheutigen Preisstande anschliesst, wenn\nwir den Einer gleich 10 Mark setzen.\n68. Die Gewähr für die neue Währung\nwürden Getreidespeicher — Brotkorn-\nkammern — nicht mehr Goldspeicher\n— Banken übernehmen.\n69. Auch das ist schon dagewesen. Josef\nin Ägypten, — Friedrich der Grosse\nunternahm Ähnliches. —\n70. Staaten müssen und können nur noch\nKorn speichern, nicht Gold. Es hat\nuns der Weltkrieg gelehrt, dass man von\nGold und von Geld nicht leben kann.\n71. Die Währung eines Landes hängt von\nseiner Unabhängigkeit ab in der Volks-\nernährung.\n72. Nur ein Volk, das sich selbst ernährt,\nist unabhängig.\n*) Nach dem Grissonschen Vorschlag.\n73. Ein Volk, das sich selbst ernährt, kann\nsich auch eine Papierwährung leisten.\n74. Alle private Kapitalansammlung hört\nauf mit der Notdurftswährung. Sie wird\nunsinnig, wenn Brotkorn Kapital ist,\ndas zu handeln zwecklos ist, weil man\nnichts dabei „verdienen\" darf.\n75. Die Ansammlung von Austauschmitteln\nverliert ihre schädliche Wirkung. Eben-\nso eine zu grosse Ausgabe von Um-\ntauschmitteln, da die Kaufkraft des\nGeldes ein- für allemal festgelegt ist,\nsolange\" man für einen Einer und seine\nÄquivalentwerte in Ware oder Gütern\nnicht mehr und nicht weniger, als ein\nKilogramm Brotkorn erhält.\n76. Die Folge wäre ganz erstaunlich, weil\nalle Notdurftsgüter und Leistungen da-\ndurch ebenfalls ein festes Verhältnis zu-\neinander einnehmen müssen. Preise\nwürden immer dem Nutzwerte ent-\nsprechen.\n77. Das Wohlergehen eines Landes wird so\nvon seinen Brotkornernten, dem Fleisse\nundderWirtschaftlichkeit seiner Landes-\nbevölkerung und der Gunst des Himmels\nabhängig. Das ist natürlich. Sie wird\nunabhängig von der Spekulation.\n78. Auch von der natürlichen Währung\naus betrachtet, ist Deutschlands Lage\nzurzeit trostlos. Sie ist aber nicht mehr\naussichtslos.\n79. Die natürliche Währung legt Deutsch-\nlands Schicksal wieder - in die Hände\nder Deutschen zurück — wir können\nuns unabhängig machen vom Ausland\nund Goldkapital.\n80. Die Aussichtslosigkeit unserer Zustände\nwird schwinden von Jahr zu Jahr.\nEin sicherer Aufstieg ist möglich.\n81. Deutschlands Zukunft liegt in seiner\nErde. Dort sind die einzigen Wurzeln\nseiner Kraft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "152", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.3", "titre_corps": "Kindsterben", "titre_sommaire": "Kindsterben", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.4", "debut_caractere": 3349, "fin_caractere_exclue": 3416, 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bohren Schwingen aus Mensch\nSande Samen sonnt versunken\nUferlose\nErdelose\nHellen Hellen\nSichelt Sand\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nDEB TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHNOT\nFrau am Grab\nStein am Grab\nKind am Kreuz\nSchlagen Laken\nThränen Laken\nMensch zerreisst\nGraut Kind stummt Kind\nHunger\nVater\nSchuld Schuld Schuld\nKind spielt Sonne\nKind spielt Mensch\nUnd schlachten\nUnd fressen\nGrab Du Frau\nGrabfrau\nMuttergrab\nVergehen Nie\nVergeben Nie\nGraben in Erde\n••\nÜber die Erde getragen\nHerz\nGeschlagen\nKlagen\nSteht auf Erde Fleisch Stein\nSteht auf Herz Fleisch Stein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1269, "texte": "Trauer\nMensch um Trauer\nSchlecht Du Mensch\nMensch um Trauer\nUnglück Sünder\nWachsen\nVergessen\nUnd lassen\nVerlieren\nVerzerren\nVererben\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nMutter an Mutier\nMutter an Weib\nMutter an Kind Kind\nMutter gegen Mutter\nMutter am Tod\nUnd Auferstehen\nAm Grabe Auf\nDas letzte Grab\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMUTTERWEHEN\nMein Kind\nBlut blumt mein Herz\nMein Kind\nKelch und vergossen\nLied und gelitten\nKind\nHerzen durchbohren\nThränen umkränzen\nDu Kind\nNun Wiedersehen\nNun Wiedergebären\nUmlächeln\nUmwehen\nKind Ein\nAtmen Gehen Spielen\nBlicken Schauen\nÖffnen\nAuf\nKindlein Kindlein Kindlein Kind\nIm Winde\nIn Sonne\nUnd tauchen tief\nUmarmen fest\nUnd halten ganz\nWelt\nKind Kind\nGib mir mein Kind\nDER TOD\nMutter\nSTERNDRÖHNEN\nMENSCHEN\nTod\nAlllod\nGotttod\nToter Gott\nUnerbarmer\nErdenlöser\nFleischgeborner\nRetter\nHeiland\nTeufel Taufe\nEmpfangener\nZeuger\nVater unser der Du bist\nDu bist\nUnd Ich\nAlle Menschen\nKeine Menschen\nDu bist kein Weg\nHier ist kein Weg\nEntmenscht\nEntfesselt\nEntbunden\nEntzwei\nZwei Menschen\nZu Gotte\nZu Tode\nMein Kind\nIch\nMÜTTERSCHREI\nSTERNDRÖHNEN\nTODGERÄREN\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHNOT\nDu\nDu\nDu\nMein Du\nZu Sterben wohl\nZu Leben wohl\nAbschiede fremd\nLiebende fremd\nZur Ruhe\nUnd Du\nEinsam\nSamen in Menschen\nSamen zu Mensch\nSaat um Sichel\nSaat um Ernte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1077, "texte": "Beifen welk\nBeifen Fall\nDu Welt\nDu Welt\nEinsame Welt\nMensch Welt\nDu\nDu\nMENSCHSINGEN\nNun geht die Mutter schwer\nBürde Bahre\nGrabüber\nErdüber\nÜber Dich\nÜber Dich Du\nUnd schütten\nVerschütten\nVerschatten\nDer Leib\nTief\nNabel der Himmel sternt\nWeht Kreisen hoch\nUmstummen\nZerhaucht der Schrei\nGraben\nGraben\nUm Du\nDer schwere Gang\nUnd Mutter lächelt lächelt Lächeln\nMENSCHSINGEN\nSlill See\nDie Sterne baden\nSeeblut blüht Licht\nStreicheln\nLocken\nMund\nVersunkenes Auge\nGut gehen Blinde Glück\nGlauben wohl\nGehorchen wohl\nGott Gott\nZerschweigen\nStrömen Ein\nStrömen 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folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.4", "titre_corps": "TRAN Nummer 16", "titre_sommaire": "TRAN Nummer 16", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.8", "debut_caractere": 1079, "fin_caractere_exclue": 1618, "texte": "TRAN Nummer 16\n\nDas Leben auf blindem Fusse\nHerr P. W., ich nehme an, er heisst Paul\nWestheim, schreibtin einem Artikel: .Kunst\nin Berlin\" in der Frankfurter Zeitung vom\n25. November 1920: „Ob es nach ebenso-\nviel Jahren nicht auch peinlich sein wird,\nan Bauer, Wauer, Neil Waiden, Schwitters,\nNebel erinnert zu werden?\"\nSehr geehrter und wenig geschätzter Herr\nWestheim! Sie sind ein typisches Beispiel\nfür den Kritiker. Der Kritiker hat keine\nUrteilsfähigkeit. Sie auch nicht. Der Kritiker\nurteilt infolgedessen stets verkehrt; Sie auch."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2748, "texte": "Der Kritiker weiss es, dass er verkehrt\nurteilt, und richtet sich deshalb, um sich\nnicht dauernd zu blamieren, nach dem Ur-\nteil Anderer; Sie auch. Es ist Ihnen nicht\nwesentlich, ob jemand Künstler ist, sondern\nob er nach Jahren sich gegen Euch Kritiker\ndurchsetzt, oder nicht.\nWir Künstler urteilen sicherer. Ich weiss\nes z. B. schon seit meiner ersten Begegnung\nmit Ihnen, dass es jetzt schon peinlich ist,\nan Ihre Unfähigkeit erinnert zu werden.\nIn einigen Jahren aber? Schreihen Sie oder\nschreiben Sie nicht, zetern Sie oder blamieren\nSie sich durch falsches Lob, Ihnen kann\nes nicht mehr helfen. Die Kunst, die Sie\nnicht kennen, die Kunst hat Sie gerichtet.\nDraussen auf der Strasse ruft jemand: „Torf,\nTorf!\" Auch dieser Mann kann die Ent-\nwicklung in der Kunst nicht mehr aufhalten;\nund wenn er noch so laut schreit. Auch\nsonst sind manche Aehnlichkeiten zwischen\nIhnen und dem Torfmann. Ich hoffe, es\nwird Ihnen nach ebensoviel Jahren nicht\npeinlich sein, an mich erinnert zu werden.\nDer Torfmann bleibt sich immer gleich mit\nseinem Geschrei, Sie auch, in Ihren Kritiken.\nDer Torfmann handelt mit einer Ware, die\nihn nicht wärmt, Sie schreiben über „mo-\nderne\" Kunst. (Mensch sein heisst leiden.)\nDamit Sie mich nun recht verstehen: Ihre\nKritiken bleiben sich wesentlich gleich, ob\nSie gegen oder für den Expressionismus\nschreiben, sie bekämpfen die Kunst. (Kann\nman mit einem Holzschwert kämpfen?) Aber\nbei aller Feindschaft, unser Holzschwert,\ngegen die Kunst, erkennen Sie an, was „zur\nZeit\" nicht mehr angefeindet werden „darf\",\nweil es die Menge von Kritikern, die eben-\nso wenig urteilsfähig ist wie Sie, durch\nirgend ein unverzeihliches Versehen aner-\nkannt hat. (Man will sich doch nicht bla-\nmieren.)\nSie schreiben gegen die Kunst, weil Sie, ich\nwill es Ihnen verraten, die Grösse der Kunst\nnicht ertragen können. Warum schreiben\nSie wohl gegen den Sturm? Der Sturm ist\nkonsequent. Herwarth Waiden verwirft\nnicht, was er erkannt hat und erkennt nicht\nan, was er verwerfen muss. Das ist Ihnen\npeinlich. Können Sie mir hier folgen?\nHerwarth Waiden erkennt, er erkennt nicht\nan. Das ist Ihnen sehr peinlich.\nHerwarth Waiden kämpft für die Kunst,\nSie kämpfen gegen die Kunst. Sie hoffen\nnun, wie Sie mit der Kunst fertig werden\nkönnen, d. h. fertig werden zu können ge-\nhofft haben, auch mit dem Sturm einmal\nfertig zu werden. Sie werden allerdings\nfertig, sind schon fertig, aber nicht mit,\nsondern durch den Sturm, eben fertig, ganz\nfertig. (Der Gerechte muss viel leiden.)\nDer Torfmann draussen ist längst vorbei.\nUnd draussen ruft ein Anderer. Der Andere\nruft: „Hasenfelle, Hasenfelle!\" Was kümmert\ndas die Kunst? Haben Sie keine Hasenfelle\nzu verkaufen, Herr Westheim?\nIch begrüsse Sie in Demut\nIhr sehr ergebener\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "160", "image_debut": 9, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.5", "titre_corps": "Briefe an Paul Westheim", "titre_sommaire": "Briefe an Paul Westheim", "signature_source": "Dritter Brief ; Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.9", "debut_caractere": 2750, "fin_caractere_exclue": 4171, "texte": "Briefe an Paul Westheim\nDritter Brief\n\nKurz vor der Beendigung meines zweiten\nBrifefes hatten Sie mir das Stichwort Ludwig\nRubiner gegeben. Er sollte gegen Waiden\nzeugen. Aber Ludwig Rubiner zeugte für\nihn. Rubiner wurde in den, Nachrufen\nVieler als ein Apostel und Fanatiker der\nWahrheit gepriesen. Ich warte ab, ob man\nseine Wahrheitsliebe nun in Zweifel ziehen\nwird, da sie wohl allen denen unbequem\nist, gegen die ich hier schreibe. Auch der\nMut und die Unerschrockenheit Rubiners\nwurden gepriesen. Den Mut, sein Urteil\nüber Herwarlh Waldens Roman „Das Buch\nder Menschenliebe\" öffentlich auszusprechen,\ndiesen Mut, diesen gewaltigen Mut hat auch\nRubiner nicht aufbringen können. Ultra\nposse nemo cogitur. Gegen das Ungeheuer\ndes deutschen Schrifttums, das vor dem\nerdrückenden Geiste Waldens mit allen\nMitteln der Gleichgültigkeit, der Unwissen-\nheit, des Unverstandes, der Bosheit, des\nNeides, des Hasses, der Lüge, der Rachsucht\nund der Verleumdung sein klägliches Da-\nsein zur Geltung zu bringen sucht, gegen\ndieses Ungeheuer konnte wohl auch Ludwig\nRubiner nichts verrichten. Dieser Riesen-\nmut war von ihm nicht zu verlangen.\nUnd nun, Herr Westheim, warte ich darauf,\ndass Sie einige neue „Fälle\" verzeichnen.\nBis dahin wollen wir unseren Geist recht\ndressieren. Wir wollen die Bussübungen\nabhalten, die ich Ihnen in meinem zweiten\nBrief versprochen habe. In alten Büchern\nund Chroniken, die sich vor mir häufen,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4249, "texte": "wollen wir fleissig lesen und uns gemein-\nsam erbauen. Ergreift Sie ein Schauder,\nHerr Westheim?\n„Herr Herbert Waiden will übrigens noch\neine ganze Kunstgruppe in Berlin bekannt-\nmachen. Diese nennt sich „Der blaue\nReiter\" zum Unterschied von der gelben\nNachtigall und dem grünen Wagen und\nbesteht aus den schlimmsten Sudlern des\n20. Jahrhunderts.\"\nNein, Herr Westheim, Sie irren sich, dieses\nhaben nicht Sie geschrieben. Es war am\n11. März 1912 im Kleinen Journal zu lesen.\nEs ist nur die Ähnlichkeit des Stils, die Sie\nirreführt. Und vergessen Sie auch nicht,\ndass Sie im Jahre 1912 in der neuen Kunst\nnoch nicht soweit vorgeschritten waren, um\nblaue Reiter von blauen Pferden unter-\nscheiden zu können. Lassen Sie sich also\ndas kleine Versehn nicht verdriessen. Jetzt\nheisst es, nicht locker lassen und dem Teufel\nins Gesicht schauen.\n„Da ist ein Bild, das sein Schöpfer, Franz\nMarc, „Die blauen Pferde\" genannt hat.\nNachdem das Okapi sich bis ins Zwanzigste\nJahrhundert hat den Augen der Europäer\nentziehen können, ist es nicht weiter ver-\nwunderlich, dass die Kreuzung von Spick-\naal und Seehund \"\nNein, nein, nein, Herr Westheim! Was\ntun Sie! Nur keine unüberlegte Handlung!\nWas soll die verzweifelte Gebärde? Auch\ndas haben ja gar nicht Sie geschrieben.\nTeufel auch, müssen Sie ein schlechtes Ge-\nwissen haben. Nein, nein, das stand am\n26. März 1920 im „Tag\". Sie dürfen nicht bei\njeder Beschimpfung eines grossen Malers\nso ängstlich zusammenfahren. Wir kommen\nja sonst nicht vom Fleck. Hurtig, Herr\nWestheim, lassen Sie uns eine neue Seite\naufschlagen.\n„. . . Die Frechheit, mit der etwa Herr\nOskar Kokoschka sein geistloses und form-\nloses Kleinkindergekritzel als weltenbewe-\ngende neue Kunst verkünden lässt . . . .\nDerartige Kunstmacher schreien ein wenig,\num sehr bald an ihrer eigenen Talentlosig-\nkeit zugrunde zu gehen .... Als ich vor\nden Zeichnungen des Herrn Pablo Picasso\nstand, machte ich die freudige Entdeckung,\ndass ich als Quintaner und Quartaner doch\nein mächtig grosser Künstler gewesen sein\nmuss .... Dieser Max Feldbauer . . . .\nschlägt die ganzen französischen und\nitalienischen Zeichenkerlchen mausetot. ..\"\nIch widerspreche Ihnen nicht, Herr West-\nheim. Natürlich könnten Sie das auch\ngeschrieben haben. Aber Sie irren sich\nschon wieder. Das hat am 27. Juli 1912\njener Kurt Küchler im Hamburger Fremden-\nblatt über eine Hamburger Sturm-Ausstellung\ngeschrieben, jener Kurt Küchler, mit dessen\nAnsichten über Kandinsky Sie damals —\nsagen wir konform gingen, jener Kurt\nKüchler, an den ich bald noch genauer und\nschrecklicher erinnern werde. Wenn Sie\naber vielleicht nur mit den Achseln zucken\nund denken: Was ist Kleines Journal? Wer\nbrauchte auf Kurt Küchlers Meinung zu\nhören? — wenn Sie so denken, Herr West-\nheim, dann haben Sie ausnahmsweise ein-\nmal Recht. Aber doch nicht so ganz Recht.\nSie wissen sicherlich, dass die Auflage des\nHamburger Fremdenblatts schon im Jahr\n1912 gross genug war, um einigen Hundert-\ntausenden die Verachtung der Kunst zu\npredigen. Und wenn ich Ihnen auch zugebe,\ndass unter hunderttausend Lesern sich\nimmer einige befinden, die von Kunst mehr\nverstehen, als zehn Westheims und hundert\nKüchlers zusammen, so bleibt doch noch\nein ganzes Volk übrig, das, weniger von\nIhnen und Herrn Küchler, als von den\nZeitungen seine Kunstanschauungen bezieht.\nDie Gewissenlosen sind die Verleger, die\nurteilslosen Menschen jahrelang Verdreht-\nheiten und Sinnlosigkeiten zu verbreiten\ngestatten. Aber Sie glauben vielleicht, dass\nich Sie ganz besonders schikaniere, indem\nich Ihnen Zeitungen und Kritiken vorsetze,\nauf die Sie mit Ihrem unbegründeten Hoch-\nmut herabsehen. Nun, Herr Westheim, Sie\nzweifeln wohl nicht, dass ich mit Zeitungen\nund mit Namen aufwarten kann, die in der\nÖffentlichkeit durchaus nicht unter die\nObskuritäten gerechnet werden. Wie denken\nSie zum Beispiel über den Kritiker Max\nOsborn? Da haben Sie mal einen Modernen.\nAls solcher gilt er Manchen nicht nur\nneuerdings oder seit wenigen Jahren, er\ngeniesst sogar das Ansehen, einer der\nWenigen gewesen zu sein, die der neuen\nKunst von Anfang an mit mehr Kunstver-\nstand begegnet sind, als andere. Wenn ich\naber nun nachwiese, dass dieser Max Osborn\n— wie soll ich sagen — dass er auch nur\nein Mensch war — würde Ihnen das wohl-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4320, "texte": "tun, Herr Westheim? Ich will die kunst-\ngeschichtlichen Kenntnisse des Herrn Max\nOsborn so wenig prüfen wie die Ihrigen.\nDenn es ist schon zu deutlich geworden,\ndass die gründlichsten Kenntnisse auf dem\nGebiet der Kunstgeschichte nicht vor Tor-\nheit bei Beurteilung neuer Kunst schützen.\nEs hat sogar den Anschein, als ob es grade\ndiese kunsthistorischen Kenntnisse seien,\ndie zur Aufnahme neuer Kunsterscheinungen\nso sehr unfähig machen. Aber bei dieser\nErwägung drängt sich mir ein ganz anderer\nVerdacht auf: Ob nicht Kunsthistoriker, die\nsich gegenüber der Gewalt der neuen Kunst\ngar so widerspenstig zeigen, auch in puncto\nKunstgeschichte schlechte Musikanten sind\n— wenn mir die in unpassenden Bildern\nso geübten Herren dieses unpassende Gleich-\nnis gestatten wollen. Die Oberflächlichkeit,\nmit der sie das Studium der neuen Kunst\nbetreiben, macht mir auch ihr Studium der\nKunstgeschichte verdächtig. Man ist nicht\nhier oberflächlich und dort gründlich. Man\nist das eine oder das andere in allem, was\nman treibt. Und wenn ein Kunstkritiker\nvon einer verbreiteten Zeitung verpflichtet\nworden ist, einem grossen Teil des Volkes\nüber neue Kunst wenigstens zu berichten,\nda er doch nicht darüber urteilen kann;\nwenn dieser Kunstkritiker seine Pflicht aber\nnicht erfüllt, dann gibt er mir Anlass, auch\nseine Gründlichkeit in Dingen der alten\nKunst zu bezweifeln. Dieses, Herr Westheim,\nwar einer der Exkurse, zu denen mich mein\nAusbreitungsdrang noch oft treiben wird.\nEs ist möglich, dass derartige Exkurse Sie\nwenig interessieren. Ich empfehle Ihnen\naber, von dieser Stelle an wieder aufmerk-\nsamer zu lesen. Denn ich versprach, Ihnen\nTrost zu spenden. Ich wollte Ihnen zeigen,\nwas ein „moderner\" Kritiker im Jahr 1912\nvon den französischen Kubisten gehalten\nhat. Aber leider bin ich ein sehr umständ-\nlicher und unbequemer Mensch, der nicht\nnur alles gründlich zu betreiben pflegt,\nsondern sich jetzt in den Kopf gesetzt hat,\nden Chronisten, Kunsthistorikern und Philo-\nlogen ihre Arbeit auf wenigstens hundert\nJahre zu erleichtern oder abzunehmen.\nEin solcher Mensch verzichtet nicht gern\nauf Züge jener Menschlichkeit, die ich\nIhnen bei einem ganz „modernen\" Kritiker\nzeigen will.\nAm 28. Oktober 1920 erteilte Herr Max\nOsborn in der Vossischen Zeitung dem\nSturm eine Lehre:\n„Der Sturm, der so viel Neues erkannt und\neingeprägt hat, will nicht aufhören, sich mit\ndem Ballast der Mitläufer zu behängen, die\nnur tänzeln und nichts von künstlerischer\nZucht wissen.\"\nWarum, Herr Westheim, darf ich hoffen,\ndass Sie in der Lehre des Herrn Osborn\nden versprochenen menschlichen Zug er-\nkennen? Weil Herr Osborn weiss, dass\nder Sturm so viel Neues erkannt und ein-\ngeprägt hat, und weil Herr Osborn ausser-\ndem weiss, es aber nicht sagt, dass e r\nselbst das Viele früher nicht\nerkannt hat. Als Herr Osborn am\n1. Oktober 1912 in der B. Z. am Mittag über\n»Stürmische Zeichenkunst\" schrieb, hatte\ner bereits den Augenblick verpasst, um mit\ndieser doppelsinnigen Ueberschrift sich als\nErster den Namen eines grossen Witzbolds\nzu machen. Einige Dutzend Gleichgesinnter\nhatten ihm diesen Witz schon vorweg-\ngenommen. Jeder von ihnen glaubte, der\neinzige Kopf in Deutschland zu sein, der\nScherze von so tiefer Symbolik produziere.\nUm die Kritik selbst stand es nicht anders:\n„Es steckt ja eine Menge Kritiklosigkeit\ndarin. Vor allem, und das ist nicht unge-\nfährlich, viel Literatentum. Auch viel\nDoktrinarismus.\"\nHerr Westheim, bedauern Sie mich! Denn\nwas ist nun meine nächste Aufgabe? Zu\nfragen, was sich alle die Herren wohl unter\ndem Literatentum und dem Doktrinarismus\nvorstellen, von dem sie seit zehn Jahren\nreden und schreiben, wenn ihnen etwas\nvor die Augen kommt, das in ihren Kopf\nnicht hineingeht. Die Herren selbst ver-\nmöchten wohl kaum, eine befriedigende\nAntwort zu geben, und so muss ich sie\nnoch obendrein über ihre eigenen Redens-\narten belehren.\nDas Wort vom Literatentum stammt aus\ndem Französischen. C'est de la literature,\nsagt der Franzose und meint, ein Wort, ein\nSatz, eine geäusserte Ansicht oder Meinung\nhabe wenig oder nichts mit dem Menschen\nzu tun, der sie von sich gibt. Es ist ange-\neignet, meist angelesen oder aus Äusserungen\nanderer aufgeschnappt. Und da die Redens-\nart auch auf Handlungen ausgedehnt wurde,\nso lässt sich etwa von einem Maler sagen,\nseine Bilder seien Literatur, wenn er ohne"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4404, "texte": "eigenes Erleben und ohne inneren Trieb\nsich einer besonderen Mal weise zuwendet.\nWollte Herr Osborn dieses sagen, als er im\nJahr 1912 vom Literatentum der Sturm-\nmaler schrieb? Ich glaube, dass ihm die\nUnterstellung eines solchen Irrtums heute\nnicht sympatisch wäre. Denn man brauchtsich\nnicht mehr mit Kritikern darüber zu streiten,\nob jene Maler Literatur gemalt haben oder\nob sie so sehr aus tiefstem, eigenem Er-\nlebnis geschaffen haben, dass sie eine neue\nWelt hervorbrachten. Was damals aus\nFrankreich zu uns kam und was sich in\nDeutschland der neuen Malerei zuwandte,\ndas waren nicht nur Überzeugte und Selb-\nständige, sondern die Schöpfer der\nneuen Bewegung. Das wird wohl auch\nHerr Osborn heute nicht bestreiten, und so\ni '\nkann er das Wort vom Literatentum nur\nin diesem Sinne verstanden haben: Jene\nMalerschufen nicht aus dem Geiste\nder Malerei, sondern nach ausgedachten\nBezepten und Theorien. Es ist eine Lieb-\nlingsvorstellung aller Dilettanten, dass der\nKünstler kein Theoretiker sein dürfe. Weil\nsie selbst zu träge oder zu unfähig sind,\nzur Klarheit über das Wesen der Kunst\nund des künstlerischen Schaffens zu ge-\nlangen, wollen sie es auch dem Künstler\nverbieten. Und die Kunsthistoriker scheinen\nso wenig wie Andere zu wissen, dass die\ngrössten Künstler immer die grössten\nTheoretiker waren. Ich will den Herren\nauch über die theoretisierenden Maler\nunserer Zeit einiges sagen, und Sie, Herr\nWestheim, haben Gelegenheit, etwas zu\nlernen. Die grosse künstlerische Umwälzung,\nder Bruch mit der gesamten früheren\nMalerei zwangen die neuen Künstler, die\nvon ihnen erkannten Gesetze der Malerei\nauch Andere so deutlich wie möglich er-\nkennen zu lassen. So entstanden malerische\nKunstwerke, in denen das Gesetz der künst-\nlerischen Komposition, wenn auch nicht\nsichtbar, so doch schärfer erkennbar war\nals bisher. Was die Tadler also mit Lite-\nratentum meinten, war nichts anderes als\nDoktrinarismus. Und damit ist auch\ndie zweite ihrer Ablehnungsphrasen von\nmir widerlegt. Denn wenn Doktrin die\nLehre oder der Lehrsatz ist, so kann Dok-\ntrinarismus nur eine ausbreitende Betätigung\ndieser Lehre ohne praktische und sogar ohne\nideelle Bedeutung sein. Ohne prak-\ntische und ohne ideelle Bedeu-\ntung. lesen Sie auch fleissig mit,\nHerr Westheim? Ich will doch hoffen, dass\nSie den grossen Augenblick jetzt nicht ver-\npasst haben, der Ihnen endlich den ver-\nsprochenen Trost bringt, dass Sie begriffen\nhaben, wie tröstlich es für Sie ist, die Vor-\nwürfe von Literatentum und Doktrinaris-\nmus so gründlich widerlegt zu sehen. So\ngründlich? Ich denke doch, dass ich Ihnen\nnichts weiter zu beweisen brauche. Denn\nSie, Herr Westheim, Sie wissen Bescheid.\nVor zehn Jahren freilich haben Sie sich\nnicht damit begnügt, den Kubisten Kleinig-\nkeiten wie Literatentum und Doktrinaris-\nmus vorzuwerfen. Heute lassen Sie sich\nfür den Kubismus in Stücke reissen. Was\nmir aber leid tut, ist, dass Sie auf solche\nWeise Herrn Osborn um eine Belehrung\ngebracht haben. Er freilich wiederum\nkönnte nun also zu sich sprechen: „Was\nist für die Kubisten bewiesen, wenn Herr\nWestheim ihre Bilder reproduziert? Gar-\nnichts!\" Dann wäre Herrn Osborn einmal\nrechtzugeben, und so sieht der gespendete\nTrost für Sie recht dürftig aus. Immerhin\nist es nicht zu verachten, dass Sie nun\nWissen, wie sehr sich Herr Osborn in seinem\nkritischen Urteil getäuscht hat. Bedenken\nSie wohl: Der Kritiker einer grossen deut-\nschen Tageszeitung ist nicht fähig, das\ngrösste Phänomen der Kunst zu erkennen.\nDa sind Sie doch ein ganz anderer Kerl!\nAber ich sehe, dass Ihnen das alles nicht\ngenügen kann. Darum will ich nicht un-\nerwähnt lassen, dass Herr Osborn im Jahr\n1912 einen zeichnerischen Kubismus, wenn\nsolcher Doktrinarismus durchaus getrieben\nwerden sollte, wohl gelten liess, den\nmalerischen Kubismus aber für indiskutabel\nhielt, obgleich er ihn vor Augen hatte. Im\nJahr 1913 ging es den Kubisten bei Herrn\nOsborn zwar nicht besser: „Die ganze Gilde\nbohrt sich ohne Erbarmen in nüchterne\nKalkulationen ein. ... Es ist kein Problem,\nsondern eine Sackgasse.\" Aber an einigen\nBildern stellte er doch schon „farbigeDetails\"\nfest, „die interessieren\". Nun, Herr West-\nheim, Züge solcher kleinen Menschlichkeiten\nwerden Ihnen weniger auffallen als mir, und\nzwar umso weniger, als Sie wissen oder viel-\nleicht auch nicht wissen, dass Herr Osborn in\nAnsehung kubistischer Bilder heute noch ge-\nnau so bockbeinig ist wie damals und noch"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4288, "texte": "immer nicht zu merken scheint, dass der\nKubismus nicht nur ein Problem, sondern\ndas Problem der gesamten Kunst ist. Und\neine Sackgasse war der Kubismus so recht\neigentlich nur für die Kritiker. Dass Sie,\nHerr Westheim, aus dieser Sackgasse sich\ndurch eine Art Zauberkunststück herausge-\nrettet haben, wem wäre das nicht bekannt?\nDa aber Herr Osborn noch drin steckt und\nich Sie heute durchaus nicht ungetröstet\nwill fahren lassen, so bleibt uns nur übrig,\nunsere Bussübungen fortzusetzen, bis wir\ngefunden haben, was Ihnen das Herz er-\nleichtern kann. Es wird Sie freuen, noch-\nmals zu hören, wie ganz und gar Herr Os-\nborn über Kandinsky genau so urteilte wie\nSie und Herr Küchler.\n„Ein Irrweg, der ins Bodenlose abstürzt. . .\nKandinsky, der so tief in seine wirren\nSpekulationen hineingerutscht ist, dass er\nanscheinend nicht mehr herausfindet. . . .\nKandinsky scheint mir immer rettungsloser\nim Spintisieren zu versinken.\"\nDiese Sätze bestehen zwar nur aus journa-\nlistischen Floskeln, aber, nicht wahr, Herr\nWestheim, über Ihren Sinn sind wir uns\neinig? Kandinskys Bilder sind keine Kunst-\nwerke, sondern Systeme, und zwar wertlose,\nuntaugliche Systeme. Es mag Ihnen ent-\ngangen sein, dass Herr Osborn sich in den\nletzten Jahren gelegentlich über Kandinsky\netwas weniger respektlos geäussert hat. Da\ndies aber nur dann geschah, wenn diese\nBilder nicht im Sturm zu sehen waren, so\ndürfen Sie es für voreilig halten, auf eine\nvollkommene Sinnesänderung bei Herrn Os-\nborn zu schliessen. Denn es lässt sich be-\ngreifen, mit welcher Gewalt Kandinskys\nBilder in der neuen Umgebung auf ihn ge-\nwirkt haben. Auch legt man ja, wie Sie\nganz besonders gut wissen, an andere Aus-\nstellungen keinen so strengen Masstab wie\nan die Ausstellungen des Sturm. Aber\nwelches auch die Gründe sein mögen, so-\nviel steht fest: Herr Osborn ist nie so un-\nvorsichtig gewesen wie Sie. Er vollzieht\ndie Uebergänge von seinem früheren Ab-\nlehnungs-Doktrinarismus zur Anerkennung\nallmählig, sozusagen unauffällig. Er ver-\nschnappt sich nur selten. Und darum lassen\nSie uns noch rasch nachsehen, wie er vor\nJahren über die italienischen Futuristen ge-\nurteilt hat.\n„Ganz schlimm sind die Italiener, die den\nFuturismus erfunden haben. Das ist auf-\ngeplusterte Geistigkeit bis zum Kitsch, vor\nder man ruhig lachen kann. Ich rede nicht\nvon den albernen Titeln, das könnte hin-\ngehen. Aber sie treiben Absichtlichkeiten,\ndie verstimmen. Auch Severini, der Talent-\nvollste des Kreises, ist diesmal unmöglich.\"\nNun, das war das Unglücksjahr 1913. Am\n4. August 1920 schrieb der Buchverlag Ull-\nstein & Co. an den Sturm:\n„In unserem Verlag ist eine Kunstgeschichte\nvon Dr. Max Osborn erschienen, von der wir\naugenblicklich eine neue Auflage vorbereiten.\nHerr Dr. Osborn hat für diese Neuausgabe\nein Kapitel über die Kunst der\nletzten beiden Jahrzehnte hinzu-\ngefügt . . . möchten uns daher die Anfrage\nerlauben, ob Sie bereit wären, uns Photo-\ngraphien von einigen Bildern . . . zur Ver-\nfügung zu stellen. Es handelt sich um die\nfolgenden Gemälde:\n»Severini, Modistin\nBoccioni, Macht der Strasse\nCarra, Die rüttelnde Droschke\nRussolo, Zug in voller Fahrt.\"\nAusserdem wurden verlangt Photographien\nzu Bildern von Werefkin, Chagall und\nHeemskerck.\nWie schmeckt Ihnen das, Herr Westheim?\nReproduziert man in Kunstgeschichten Bilder\nvon Werken, die nichts sind als aufgeplusterte\nGeistigkeit? Wollte Herr Osborn den Lesern\nBilder zeigen, über die man ruhig lachen\nkann? Oder sind etwa die früheren Urteile\nüber die Futuristen dem Gedächtnis des\nHerrn Osborn entschwunden? Ich möchte\ndie Entscheidung dieser Fragen Ihnen, Herr\nWestheim, überlassen. So sehr schwer wird\nsie Ihnen nicht fallen. Denn ich hoffe, Sie\nsind ein fleissiger Leser von Aufsätzen über\nExpressionismus. Gerade im richtigen\nAugenblick, am 8. November 1920 schrieb\nnämlich Herr Osborn in der Vossischen\nZeitung über „ Die Lage des Expressionismus.\"\nUnd Sie wissen doch auch, wie er dazu ge-\nkommen ist? Es ist sehr amüsant und im-\nstande, den Fluss meiner Ausführungen eine\nWeile aufzuhalten. Herr Kasimir Edschmid\ntobt gegen den Expressionismus. Oder soll\nes tun. Oder getan haben. Darüber\nherrscht Jubel im ganzen Verlag Mosse.\nDer verfluchte Expressionismus stirbt, ver-\nreckt, ist aus. Ist gänzlich aus. Kasimir\nEdschmid hat ihn abgeschworen. Nur sein"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4449, "texte": "Judentum will er, um im Bilde zu bleiben,\nums Verrecken nicht abschwören. „Etsch\",\ngrinst einer, der im Berliner Tageblatt\nEntrefilets anfertigt, „reingefallen, Edschmidt\nist gar kein Jude.\" Und ich sage: „Etsch,\nreingefallen, Edschmid ist gar kein Ex-\npressionist. Und was noch wichtiger ist,\ner ist nie einer gewesen.\" Herr Karl Strecker,\nder in der Täglichen Bundschau gegen Kunst\nschreibt, hat nie in seinem Leben ein ex-\npressionistisches Gedicht gelesen. Das kann\nich getrost auf meinen Eid nehmen. Vor\netwa zwei Jahren schrieb er in der Täg-\nlichen Bundschau einige Aufsätze über die\nneuere Dichtung. Sie wissen doch, Herr\nWestheim, was neuere Dichtung ist: Hasen-\nclever, Werfel, Georg Kaiser und Kasimir\nEdschmid. Herr Strecker, der nie in seinem\nLeben ein expressionistisches. Gedicht ge-\nlesen hatte und sich über diese höchst\nsonderbare Bichtung instruieren wollte, fand\ndie Dichtungen der Genannten so gut oder\nso schlecht wie die Dichtungen aus früheren\nZeiten. Und er fragte erstaunt, worin denn\neigentlich das expressionistische in allen\ndiesen Dichtungen bestehen solle. Er könne\nes nicht finden. Pardon, meine Herren,\nich habe es nicht behauptet, dass die Herren\nHasenclever, Werfel, Kaiser und Edschmid\nund die ganze Gesellschaft von Epigonen\nExpressionisten seien.' Aber wer hat es denn\nbehauptet? Wer hat dieses Märchen erfunden?\nDas weiss niemand. Und wie ist es zu er-\nklären, dass ein solches Märchen entstehen\nkonnte, Herr Edschmid sei ein Expressionist?\nMeine Herren, meine lieben guten ahnungs-\nlosen Herren, was haben Sie doch für\ndrollige Vorstellungen vom Expressionismus.\nEi, ei, ich habe Sie in einem sehr schlimmen\nVerdacht, dass Sie auch heute noch ganz\nund gar nicht wissen, was Expressionismus\nist. Denn wenn Herr Alfred Kerr glaubt,\nBichard 111. habe im Schauspielhaus gewirkt\nwie ein expressionistisches Märchen, dann\nist die allgemeine Ahnungslosigkeit ruchbar\ngeworden. Und ich werde noch viele Ge-\nlegenheiten haben, sie gründlich zu be-\nweisen. Lesen Sie nur fleissig mit, Herr\nWestheim, was ich hier schreibe, dann\nlernen sogar Sie das Schwerste spielend.\nLesen Sie nur fleissig mit, denn ich fürchte,\ndass Sie jetzt den Faden verloren haben.\nDa, fangen Sie ihn wieder auf: Kasimir Ed-\nschmid ist nie ein Expressionist gewesen.\nWas also schwört er ab? Was er nie war\nund was er selbst nie begriffen hat. Ein\nleichter Schwur. Und darum Jubel im\nganzen Verlag Mosse. Der Expressionismus\nist tot, ist elendiglich verreckt. Und Fritz\nStahl, der nach meiner Berechnung höchstens\nzweiundfünfzig Jahre alt ist, schreibt im\nBerliner Tageblatt vom 7. November 1920\neinen Artikel über „-pressionismen\", einen\nArtikel, einen Artikel, haben Sie ihn gelesen,\nHerr Westheim? Ja? Gut, dann brauche ich\nkein Wort darüber zu sagen. Und Herr\nMax Osborn hat ihn auch gelesen. Aber\ndas ging ihm denn doch sozusagen über\ndie Hutschnur. Da gab es für ihn kein\nHalten mehr. Der Expressionismus soll aus\nsein? „Gemach! soweit sind wir noch nicht\",\nschreibt Herr Osborn in der Vossischen\nZeitung und zerbricht ein paar handfeste\nLanzen für den Expressionismus. Haut und\nsticht so um sich, dass ihm etwas Mensch-\nliches passiert:\n.Picasso und Kandinsky, auch die ersten\nFuturisten, hatten sich aus innerer Not\nneue, unerhörte Systeme erdacht, ihre ma-\nlerischen Gesichte zu beschwören.\"\nNicht wahr, Herr Westheim, tout comme\nchez vous! Picasso, Kandinsky und die ersten\nFuturisten. Will man Kubisten sagen, ge-\nbraucht man den Sammelnamen Picasso.\nEr war zwar nie überzeugter Kubist. Das\nbeweist auch sein gegenwärtiger Schwäche-\nzustand. Aber ich verlange von Kunstkritikern\nnicht, dass sie die Kunstgeschichte der\nletztenbeidenJahrzehnte kennen.\nUnd Kandinsky, der rettungslos ins Spinti-\nsieren Versunkene? Er wird der grosse Zeuge\ndes echten Expressionismus. Er, ja er hatte\nnoch Visionen! Aber die Mitläufer tänzeln\nnur und wollen nichts von künstlerischer\nZucht wissen. Ganz meine Ansicht. Nur\ndass Herr Osborn stets die Originale für\ndie Mitläufer und die Mitläufer für die\nOriginale hält. Und wenn er in einem An-\nfall fürchterlicher Vergesslichkeit die ersten\nFuturisten preist, vor denen er einst so\nruhig gelacht hat, so muss ich ihn vor\nallem fragen: Wer sind wohl die zweiten\noder die späteren Futuristen gewesen? Im\nSturm kann er sie nicht gesehen haben.\nVielleicht denkt er dabei an die Bilder des\nHerrn George Grosz. Da kann er alles\nfinden, was sich in den letzten zehn Jahren\nin der Kunst der Malerei und Zeichnung"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3072, "texte": "Einigermassen bewährt hat. Und wenn er\nganz genau zusehen wollte, würde er bei\ndiesem Maler sogar seine verfluchten oder\ngepriesenen Futuristen wiederfinden. — So,\nHerr Westheim, nun lassen Sie mich, bitte,\nin Buh. Sie sehen ja: tout comme chez vous\nund damit können Sie sich trösten. — Nein,\nSie wollen nicht? Sie sind noch nicht ge-\ntröstet? Sie möchten noch mehr hören? Von\nwem? Von Osborn? Sieh doch, sieh doch,\nwas sind Sie für ein Feinschmecker. Und\n»ich hätte Ihnen so gern einiges von Bobert\nBreuer zu lesen gegeben, obgleich ich be-\nfürchten muss, dass Ihnen bei dieser Lektüre\nder Kamm gar gewaltig schwellen würde.\nWissen Sie was? Ich werde Ihnen eins zu\nraten aufgeben. Strengen Sie sich an. Wer\nmag wohl das geschrieben haben?\n„Ott kann man sich vor Kokoschkas Blättern\nschief lachen, wie etwa vor dem mit dem\nkomischen Titel: Die Erstebeste darf der\nsüssen Lilith das Haar kämmen, auf dem\nich kaum etwas zu erkennen vermag.\"\nHaben Sie's, Herr Westheim? Nur nicht\ngleich wieder ängstlich sein, dass Sie es ge-\nschrieben haben. Herr Osborn hat's ge-\nschrieben. Und wir wollen hoffen, dass er\nsich noch heute vor dem Bild schief lacht.\nLachen — sich totlachen oder schieflachen,\nviel mehr fällt den Herren meist nicht ein,\nwenn sie vor einem Kunstwerk stehen.\nAber je mehr sie lachen, um so ernsthafter\nwill ich werden. Sehen Sie sich das Blatt\nan, auf dem Herr Osborn das nicht erkennen\nkann, was jedes Kind sieht. Und fragen\nSie sich: welchen Wert mag wohl Herr Os-\nborn seinen eigenen heutigen Kritikern bei-\nlegen, wenn er quasi selbst zugibt, dass\nseine früheren nichts getaugt haben. Und\nwo nimmt er die Courage her, dem Sturm\nKritiklosigkeit vorzuwerfen? Er weiss doch,\ndass er derjenige war, der sich jahraus,\njahrein geirrt hat. Wie aber, um Gottes-\nwillen, geht so etwas zu? Fehlt es den\nHerren an jeder Einsicht? Haben sie wirk-\nlich ein so ganz unglaublich schlechtes Ge-\ndächtnis? Haben sie vergessen, dassHerwarth\nWaiden sich noch nie geirrt hat, sie aber\nimmer?\nJetzt also, Herr Westheim, wissen Sie, dass\nes keine besondere Schikane war, als ich\nIhnen zu Anfang dieses Schreibens einiges\naus alten Chroniken zu lesen gab. „Viel-\nleicht glauben Sie mir gar nicht\", schrieb\nich gegen Ende meines zweiten Rriefs, „viel-\nleicht halten Sie diese Kritiken für die Er-\nzeugnisse eines einzigen, ganz sonderbar\nkonstruierten Gehirns. Sie haben beinahe\nRecht.\" Oder ich hatte Recht. Es lohnt\nsich kaum, von Unterschieden zu sprechen,\ndie meist nur in der Auswahl der Schimpf-\nworte bestehen. Mag der gespendete Trost\nnoch so gering für Sie sein, es ist ein Trost,\nzu wissen, dass keiner, nicht einmal der\nmoderne Kritiker Herr Osborn, Steine auf\nSie werfen darf, und dass Herr Kiepenheuer\nnichts Vorteilhaftes gegen Sie einhandeln\nkönnte — damit Sie wissen, wie weit ich\ngekommen bin. Oder wie wenig weit.\nDenn ich sagte schon in meinem ersten\nRrief, das Jahr 1920 wird zu Ende gehen,\nehe ich zeige, wie Sie aus einem gewissen\nSatz in den nächsten hineinstolpern. Heute\nglaube ich fast, es wird Frühling werden.\nMeine Schuld ist es nicht.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "157", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.5.1", "titre_corps": "Reinhard Goering: Aquarell", "titre_sommaire": "Reinhard Goering: Aquarell", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Reinhard Goering: Aquarell"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "165", "image_debut": 16, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Bin sprachlos\nSprechen Sie noch?\nBin ich mittellos?\nAlle Mittel versprechen etwas\nEtwas Feuer"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2089, "texte": "Alle Mittel versprechen sich\nVersprechen halten nichts\nNur Feuer hält an\nAllso geht es weiter\nAllso Blinkmittel her\nKleines, mittleres, grosses Blinkgerät\nBlinker\nWer sprachlos ist, blinkt\nBlinken gerät nicht\nLiegt am Gerät\nGerät liegt zerschlagen\nSchmettern\nLerche schmettert\nAlle Blinker liegen erschlagen\nDiese Funkerei\nAuch Funken funktioniert nicht\nFunker flunkern\nHemmungen sind nicht zu hemmen\nHemmungslos funkt Feuer nur\nFunken stieben\nStiefel fliegen\nHoppla\nFliegende Schädel\nGott behüte\nHüte mich\nBleibe auf der Hut\nEisenhut\nEiserne Bahn\nSchlussbahn\nKopf, ihr Bahnhof\nEins an den Bahnhof bekommen\nStahlhelm\nWitze bekommen schlecht\nSchlächter\nMan hört nichts mehr\nAll-so Abhörapparat\nElektrisch\nErde leitet\nLeitet sie?\nIrrsinn verleitet sie\nIrrsinn verleidet sie\nErde horcht auf\nFriede?\nKrieg unter der Erde\nKleine Sprengung\nErde speit Erde\nSpeit Eisen\n•Sofort den Sprengtrichter besetzen!\nBerge splittern\nEis speit Splitter\nGebirge verbirgt nicht\nDrückeberger vereisen\nBergkrieg frisst kaltblütig\nSäuft heisses Blut\nBlutwarme fressen kalten Frass\nWenn er kommt\nKalt bekommt er nicht\nNicht wärmen?\nWer Feuer macht, wird kalt gemacht\nHaubitzen langen zu\nNicht so hitzig\nKopf erfroren\nFrost nimmt Beine ab\nBrand im Arm\nFrost macht heiss und kalt\nMacht nichts\nWeitermachen\nSpielerei, der Krieg\nOch, wir halten ihn noch jahrelang aus\nSpielmann?!\nSpielt er noch?\nBatten spielen auf ihm\nBatten fänger\nFlöten gegangen\nBatten fallen nicht\nTrommler fallen\nBotten fallen\nPlatzen Trommelfelle\nTrommelt Feuer\nAntrommeln gegen Trommelfeuer?\nMit Feuer spielen?\nMit Spiel anfeuern?\nTrommelnd anfeuern?\nHottentotten\nGehörnte\nGehirnerweich un g\nWeiche Hirne kleben überall\nAn spritzroten Wänden\nAn alten Händen\nVor jungen Stirnen\nEin sauberes Handwerk\nBlutwurst\nGeht Wurst aus, geht Krieg aus\nKrieg kommt aus Blutwürsten\nWarum schneiden Sie diese Frage an?\nUm euch Blutwurstigen auf die Pelle zu\nkommen\nMir is allens Wurscht\nFlammende Begeisterung\nFlammenwerfer\nNur gebraten!\nNur gespiesst!\nGerädert!\nFrisch und fröhlich\nBretter im Kopf\nBäder im Schlamm\nEis auf Schlamm\nEs muss doch Eiszeit werden"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2580, "texte": "Schlamm im Mund\nSchlemmer\nZu beiden Seiten des Rheins\nEIN FRÖHLICHES FEST\nNur fröhliches Volk\nUns kann?keiner\n.i, .• .»\nIch kann euch\nIhr könnt mich\nEs muss doch Völkerfrühling werden\nMit diesen Sklaven?\nTragtier hinter Tragtier\nEsel an Maultier\nMaulheld an Faultier\nSeht die armen Tiere\nOhne Orden sterben sie\nOhne Urlaub fallen sie\nTiere sterben Heldentode\nTieren glaube ich das Sterben\nUntier Henker frisst die Helden\nSeht, ich sehe noch keine Menschen\nHört, ich glaube keinem Untier\nHört, hört\nIch lache euch tot.\n+ *\n★\nSie haben nicht gewollt\nWir wollen keinen Krieg\nHör August 1914: Krieg? Endlich, Gott sei\nDank\nMein Spott sei Tank\nBürger danken Gott\nGott dankt für Bürger\nIHM sei Dank\nBürger glauben Zeitungen\nGutbürgerliche Zeitung\n(Sozialdemonstranten)\nKrieg steht in der Zeitung\nHa no\nSüddeutschland macht mit\nSchwabing\nDie Jugend\nSimpel\nAber Saupreissen\nSie begeistern sich\nBegeisterung ist Geistersatz\nGeist ist nicht zu ersetzen\nWas ist Kriegsbegeisterung?\nBlödsinn steht in der Zeitung?\nTäglich\nTäglich werden sie ärmer im Geiste\nBürger Spiess begeistert die Söhne\nBürger Spiess ist dreifach versöhnt\nKronprinz Emil\nKronprinz-Stellvertreter Wilhelm\nPrinz Ernst zur besonderen Verwendung\nQuartaner Ernst ist jüngster Spiess\nSpartaner Wilhelm Mittelspiess\nEmil Vizespiess\nEmil hat einjährig gedient\nUnd schon gut verdient\nEin dankbares Kind\nEmil steht im Trichterfeld der EHRE\nStolz der Filiale\nSonst war Emil der Ärger\nMan hat seinen Ärger mit dem Lümmel\nEin guter Junge\nNein, der Junge. Nu wird er noch Ex-\npressionist\nDer Junge fällt\nDer Alte merkt nichts vom Kriege\nDer gute Junge\nDas Kriegsgeschäft geht gut\n(T rinkbecher-F abrik. 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Nein. Mein Ernst\nhat die Tressen\nTressant. Nein, der Junge\nJung-Gustav bekommt das Eiserne Kreuz\nIn der Etappe\nFrau Spiess, mein Gustel hat das E. K.\nFrau Meier, mein Ernst ist Offlziehraspi-\nrantenanwärchter\nJung-Ernst kommt\nUrlaub\nErnst Spiess, Vizespiess dpr Konserve\nEr zeigt den Spiess\nUnd spiesst Frau Meier\nFrau Meier, werde Reserveoffüiehr\nWirst Du? Unser Gusto ist Reserveoffizier-\naspirantenanwärter\nIn der Etappe?\nGott, man hat Verbindungen\nErnst erhebt sich mannhaft\nEs wird ihm schwarz-weiss-rot vor Augen-\nentzündung\nHabe die EHRE, Frau Meier\nFrau Meier setzt sich wie kein Weib\nSteile Handschrift\n(Druckstellen an den Aufstrichen)\nSie dichtet\nMein Gustav! Jung-Siegfried! Mein Helden-\njunge! Jung-Ernst / Ernst Spiess / Spass\nbeiseite / Seit geistern Vizespiess /\nDeine Heldenmutter\n(Rutter folgt. Hintenrum\nMan hat Verbindungen)\nErnst Spiess, Leutnant der Reserve\nJung-Ernst fährt fort\nJung-Gustav kommt\nOffizieraspirantenkursus\nZeigt seinen Vizespiesspiess\nSpiesst Frau Spiess\nUnd Frau Spiess, ich werde Offizier werden\nMein Ernst ist Ritter\nErstklassig! Nein, der Ernst\nGustav Meier fährt Zweiter\nMeier Leutnant\nTruppenvieh!\nDenkt er\nSonst fuhr er Viehwagen\nDaran denkt er jetzt\nStosstruppfiihrer Meier fällt\n(Keine Fronterfahrung)\nZu lange in der Etappe\nFrau Meier tappt im Dunkel\nEs dämmert\nUnd sie besucht Frau Spiess\nWie ist das Befinden?\nFrau Spiess, Gustav ist tot\nErnst lebt noch\nLebt er noch?\nTot ist er\n(Rombe in der Etappe)\nEs ist erreicht\nBuhe ist wieder hergestellt\nVater Spiess drückt Vater Meier die Tatze\nHand in Hand mit dir\nWir taten allerhand\nFür's Vaterland\nTun wir die Geschäfte zusammen\nMilitärlieferungen (Trinkbecher-Zeltbahnen)\nFirma Vaterland\nFernsprecher: SPIESZMEIEB\nG. m. b. H.\nSie reiben sich die Pranken\nSie reiben einen Landesvater\nWir wollen keinen Krieg\nWas wollen sie?\nVerdienstkreuz für Kriegshilfe\nHilfe!!!\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.6.1", "titre_corps": "Oskar Kokoschka: Die Erstebeste darf der süssen Lilith das Haar kämmen", "titre_sommaire": "Oskar Kokoschka: Die Erstebeste darf der süssen Lilith das Haar kämmen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 70, "texte": "Oskar Kokoschka: Die Erstebeste darf der süssen Lilith das Haar kämmen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV.\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Campendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII.\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXI.\nXI. Paul Klee XXII.\nGabriele Munter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Schreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c021", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.23", "debut_caractere": 3367, "fin_caractere_exclue": 3479, "texte": "Sturm'Hochschule\nViertes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Hcrwarth Walden\nNahere Auskunft im Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.23", "debut_caractere": 3481, "fin_caractere_exclue": 3591, "texte": "Leitung der Sturmschule fur Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmcldungen durch den Sturm / Berlin W 9"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c023", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.24", "debut_caractere": 181, "fin_caractere_exclue": 541, "texte": "Der Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeSffnet tSglich von 10-6 Uhr / Sonntags 11-2 Uhr\nTageskarte 2 Mark\nMonatlicher Wechsel\nZweiundneunzigste Ausstellung\nDezember 1920\nPaul Busch\nJohannes Molzahn\nDreiundneunzigste Ausstellung\nJanuar 1921\nAlbert Gleizes\nJacques Villon\nLouis Marcoussis\nAuswSrtige Sturmausstelltmgen: Rom / New York"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c024", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.24", "debut_caractere": 543, "fin_caractere_exclue": 1315, "texte": "Der Sturm\nverfiigt fiber Werke folgender Kiinstler (Gem&lde\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nG6sta Adrian - Nilsson / Alexander Archipenko\nRudolf Bauer / Willi Baumeister / Fritz Baumann\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Campendonk\nCarlo D. 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Kurt Schwittcrs\nEinfuhrung von Otto Nebel\n15 Mark\nV. Maler dcs Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinskjr / Chagall usw.\n60 Mark\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 60 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchte Folge erschienen\nFarbige Kunstdrucke\nAlbert Gleizes: Gemalde\nAlexander Archipenko: Aquarell\nJe 9 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1920-12-05-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1920-12-05_01#c029", "volume": "bmtnabg_1920-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.24", "debut_caractere": 2377, "fin_caractere_exclue": 2622, "texte": "Voranzeigen\nEnde Dezember crscheincn\nRudolf Blumncr\nDer Gcist dcs Kubismus und die Kiinste\nMit Abbildungen\nHcrwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nZweite Auflage\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen\nDrilte bis siebente Auflage"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT\n/ HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nELFTER JAHRGANG / ELFTES UND ZWÖLFTES HEFT\n\nAlbert Gleizes: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.2", "texte": "Gold Währung Geld Kapital\nEine Studie v. William Wauer\n1. Geld ist das, was Geltung hat im Aus-\ntausch der Waren und Güter.\n2. Geld ist Austauschmittel.\n3. Der Wert des Geldes besteht in seiner\nGeeignetheit als unverderbliches und\nhandliches Austauschmittel und in sei-\nner Währung.\n4. Währung des Geldes bedeutet seinen\nZahlungswert, seine „Kaufkraft1.\n5. Der Zahlungswert der „Kaufkraft\" des\nGeldes muss „währen\", sonst verliert\nes an Wert. Seine Währung ist seine\neigentliche Kraft.\n6. Wenn ein Austauschmittel an Wert ver-\nliert, ändert sich seine „Währung\" in-\ndem sie minderwertig wird, d. h. die\nMünzen dieser Währung verlieren nicht\nihren Wert als Tauschmiltel an sich,\naber ihr Grad in der Wertscala — ihr\nÄquivalentwert nimmt ab, ihre Preis-\nbedeutung ändert sich, ihre Valuta —\n(ihre Geltung) sinkt.\n7. Der Äquivalentwert des Geldes ist seine\nNormierung auf eine Scala einer be-\nstimmten Währung. Eine Mark deutsche\nWährung ist gleich einer Mark Kauf-\nwert oder Austauschwert für Dinge, die\neine Mark Verkaufswert haben. Ver-\nkaufswert (Umtauschwert) nennt man\nPreis.\n8. Der Wert der einzelnen , Münzen wird\nheute bestimmt durch Vergleich ihres\nWertverhältnisses zur Werteinheit einer\nUnze Gold.\n9. Diese Festsetzung nennt man Gold-\nwährung. Solange die Münzen und\nGeldscheine eine Kaufkraft, einen Um-\ntauschwert in Höhe der entsprechenden\nGoldeinheit gegenüber den Waren und\nGütern haben, ist die Währung gut, sie\nwährt und bewährt sich.\n10. Währung ist also nur Währung, da-\ndurch dass sie währt. Sinkende Valuten\nsind das Gegenteil einer Währung.\nJedenfalls ihr Hinsiechen.\n11. Siechtum einer Währung ist nur durch\neine Kräfligungskur mittels des Stoffs\nzu heilen, aus dem sie besteht, auf dem\nsie basiert.\n12. Unsere sieche Währung, die eine Gold-\nwährung ist, muss mit Gold gefüttert\nwerden, sonst geht sie zu Grunde.\n13. Haben wir Gold ?\nNein.\n14. Können wir Gold beschaffen?\nNein.\n15. Weil alle Währungen der Länder, die\nGoldwährung haben, siechen, da nicht\ngenug Gold auf Erden vorhanden ist,\num den Goldhunger dieser sämtlichen\nWirtschaftskomplexe zu stillen.\n16. Der Goldhunger der Länder entspricht\ndem Bedarf an vollwertigen Umtausch-\nmitteln für ihre Bedürfnisse an Waren\nund Gütern.\n17. Es ist nur der zehnte Teil des Welt-\nbedarfs an Umtauschmitteln in Gold\nvorhanden, der gebraucht wird.\n18. Deshalb sind alle Goldwährungen siech.\nSie gehen zu Grunde an Goldarmut.\n19. Der Goldbedarf Aller führt natürlich zu\neinem Kampfe Aller gegen Alle um Gold.\n20. Wer das Gold besitzt, besitzt das, was\nallein währt, und deshalb jedes Währen\nund jede Währung bestimmt.\n21. Wer Gold besitzt, kann allen, die Gold\nbrauchen, seinen Willen diktieren.\n22. Die Goidsammler diktieren ihren Willen\nder ganzen Welt.\n23. Die Goldsammler nennt man Kapita-\nlisten. Kaput heisst der Kopf. Jeder\nKapitalist ist ein Kopf, die anderen sind\nDummköpfe. Was wahr ist.\n24. Die Kapitalisten haben nun ihren Gold-\nüberfluss und den Goldbedarf der Nicht-\nKapitalisten in ein Syslen gebracht.\n25. Dieses System ist der Kapitalismus,\nseine Organisation geschieht durch die\nBanken, die Goldbewahrer und Gold-\nvermittler und die Börsen, die Gold-\nhändler.\n26. Die Kapitalisten leihen ihr Gold aus\ngegen Zinsen und Vorteile, deren Grösse\nder Konkurrenzkampf der Kapitalisten\nuntereinander bestimmt.\n27. Der Kapitalist wuchert mit seinem Ka-\npital. Daran sollst du ihn erkennen.\n28. Der Kapitalist bietet Gold aus und macht\ndenen, die Gold brauchen, weiss, dass\nGold allein Geld sei.\n29. Nur Goldwährung sei wirkliche Geld-\nwährung, sei überhaupt die einzig mög-\nliche Währung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.3", "texte": "30. Nur Gold gebe dem Geld Geltung, das\nist ihre Lüge.\n31. Solange aber die Welt glaubt, der letzte\nWert alles Geldes wurzle im Golde, so\nlange macht sich alle Welt den wenigen\nGoldbesitzern tributpflichtig.\n32. Die Börse und die Banken leben von\ndieser Lüge und ihrer Ausmünzung in\neine Irrlehre: Geld sei Ware — be-\nhaupten sie, um Geldverkäufer und\nGeldhändler sein zu können.\n33. Geld als Umtauschmittel ist niemals\nWare, darf nie Ware sein.\n34. Aber die raffinierte Gleichstellung: Gold\nist Ware und da Geld Gold sein muss,\nmuss auch Geld Ware sein, ermöglicht\ndie spitzbübische Irrlehre, auf die selbst\nWissenschaftler wie Marx hineingefallen\nsind.\n35. Dieselrrlehre hat die arbeitendeMensch-\nheit ihren Ausbeutern unterworfen.\n36. Zweierlei merke Dir: Gold ist kein\nGeld — nur geprägtes Gold ist\nMünze. — Geld ist keine Ware — Münzen\nund Scheine sind nur Tauschmittel.\n37. Gold ist Ware als Rohstoff.\n38. Gold ist Geld, wenn es zur Münze ver-\narbeitet wurde und durch seine staat-\nliche Prägung Form und Bedeutung und\nVerwendungsmöglichkeit von Geld er-\nhält — also als Umtauschmittel von\nbestimmter Werthöhe zugelassen wurde\ndurch staatliche Anordnungen.\n39. Nur staatliche Anordnungen geben je-\ndem Stoffe, aus dem Umtauschmitlel\nhergestellt werden, (Kupfer, Nickel,\nPapier, Gold) ihre Währung, ihren\nGeltungsgrad — allerdings nur soweit,\nals die staatliche Macht reicht, ihre An-\nordnungen durchzusetzen.\n40. Jede Staatsmacht bestimmt den Wert\nihrer Münzen in ihrem Lande. In\nDeutschland bleibt immer eine Mark\neine Mark.\n41. Warum sinkt aber ihre Kaufkraft? Ihr\n• •\nAquivalentwert? Ihre Umtauschkraft?\n42. Weil die von Deutschland anerkannte\nund weltbeherrschende Goldwährung\nDeutschland zwingt, seinen Mangel an\nGold durch Goldanleihen, natürlich nur\ndurch Kredite auf Gold — in Anspruch\nzu nehmen, soweit es nämlich imstande\nist, die Wucherzinsen für das inter-\nnationale Kapital aufzubringen.\n43. Da Deutschland diese Wucherzinsen\nnicht aufbringen kann, setzt einfach der\nWelt-Kapitalismus durch die Gold-\nwährung die deutsche Mark aut den\nzehnten Teil ihres Wertes oder noch\nweniger fest und nimmt als Umrech-\nnungsäquivalent auf Gold 9/10 und\nmehr als Tribut für sich in Anspruch.\nAnders liefert er keine Ware. So nur\ntauscht er.\n44. Der internationale Kapitalismus wuchert\nDeutschland durch die Goldwährung\nschamlos und verbrecherisch aus.\n45. Die Goldwährung ist ein Dogma, das\ndie Kapitalisten, die Goldbesilzer der\nWelt aufzwingen durch eine Irrlehre.\n46. Wie lange will sich die goldarme Welt,\nwie lange wollen wir uns diesem\nWahne noch opfern?\n47. Wie lange wollen wir der unerreich-\nbaren Chimäre Gold noch nachjagen?\n48. Da entsteht die Frage: Kann man die\nGoldwährung ändern ? Kann man auf\nGoldwährung verzichten?\n49. Die Geschichte bejaht beide Möglich-\nkeiten — denn sie waren schon da.\n50. Goldwährung ist eine Entwicklungs-\nerscheinung in der kapitalistischen Pe-\nriode der Menschheitsgeschichte.\n51. Wir müssen die Goldwährung in eine\nneue, bessere, geeignetere weiter ent-\nwickeln und umbilden. Das ist nötig\nund möglich.\n52. Die neue Währung muss sich den Um-\nständen, den Tatsachen der Wirtschafts-\nzustände der heutigen Weltlage anpassen.\n53. Die Goldwährung passt nicht mehr.\n54. Die Goldwährung ist eine Luxus-\nwährung. Sie ist verankert im ent-\nbehrlichsten und kostbarsten Schmuck-\nmetall, dem Golde.\n55. Die Zeit des Luxus ist für die Welt und\ndie Weltwirtschaft vorüber. Der Welt-\nkrieg hat sie vernichtet.\n56. Wir stehen vor den Notwendigkeiten\neiner Wellbedarfsbefriedigung in dem\nverarmten Europa, vor einer Notdurfts-\nwirtschaft mit einfacher Bedarfsdeckung.\n57. Diesen Tatsachen muss die neue Wäh-\nrung entsprechen. Sie muss in der\nletzten Notdurft der Völker verankert\nwerden, — in der Nahrung."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.4", "texte": "58. Statt der Goldunze muss das Brotkorn\ndie letzte Einheit werden.\n59. Alle Waren und Güterumtauschmittel\nmüssen auf diese letzte Werteinheit\numgerechnet werden. — Dann wird\ndie Umrechnung wieder natürlich und\nnaturgemäss.\n60. Die Wertung aller Dinge muss heute\nvom Standpunkte der Notwendigkeit,\nnicht der Annehmlichkeit aus geschehen.\n61. Die Umwertung aller Dinge muss von\nder Ernährung und ihrer Möglichkeit\nausgehen.\n62. Die verarmten und armen Völker sind\ndie, die nicht genügend Brotkorn bauen.\nSie haben eine Unterbilanz an Lebens-\nfähigkeit.\n63. Die reichen Länder sind die, die Brot-\nkorn abgeben können. Sie werden\nleichter leben als die Bedürftigen.\n64. Wird das Brotkorn die letzte Werteinheit,\nkann es auch nicht mehr Ware sein.\n65. Sein Preis, sein Umtauschwert ist ein\nfür allemal festgelegt, es ist der Um-\ntauschwert — seine letzte Einheit.\n66. Diese Art Goldunzen — gibt es wert-\nvollere? — findet jedes Volk in seiner\nErde. Es braucht nur tüchtig zu graben,\num reich zu werden.\n67. Setzen wir ein Kilogramm Brotgetreide\nin Nährwert von 3500 Kalorien*) als\neinen „Einer\" der NotdurftsWährung, —\nso ist ein brauchbarer Verrechnungswert\ngeschaffen — dessen Scala sich dem\nheutigen Preisstande anschliesst, wenn\nwir den Einer gleich 10 Mark setzen.\n68. Die Gewähr für die neue Währung\nwürden Getreidespeicher — Brotkorn-\nkammern — nicht mehr Goldspeicher\n— Banken übernehmen.\n69. Auch das ist schon dagewesen. Josef\nin Ägypten, — Friedrich der Grosse\nunternahm Ähnliches. —\n70. Staaten müssen und können nur noch\nKorn speichern, nicht Gold. Es hat\nuns der Weltkrieg gelehrt, dass man von\nGold und von Geld nicht leben kann.\n71. Die Währung eines Landes hängt von\nseiner Unabhängigkeit ab in der Volks-\nernährung.\n72. Nur ein Volk, das sich selbst ernährt,\nist unabhängig.\n*) Nach dem Grissonschen Vorschlag.\n73. Ein Volk, das sich selbst ernährt, kann\nsich auch eine Papierwährung leisten.\n74. Alle private Kapitalansammlung hört\nauf mit der Notdurftswährung. Sie wird\nunsinnig, wenn Brotkorn Kapital ist,\ndas zu handeln zwecklos ist, weil man\nnichts dabei „verdienen\" darf.\n75. Die Ansammlung von Austauschmitteln\nverliert ihre schädliche Wirkung. Eben-\nso eine zu grosse Ausgabe von Um-\ntauschmitteln, da die Kaufkraft des\nGeldes ein- für allemal festgelegt ist,\nsolange\" man für einen Einer und seine\nÄquivalentwerte in Ware oder Gütern\nnicht mehr und nicht weniger, als ein\nKilogramm Brotkorn erhält.\n76. Die Folge wäre ganz erstaunlich, weil\nalle Notdurftsgüter und Leistungen da-\ndurch ebenfalls ein festes Verhältnis zu-\neinander einnehmen müssen. Preise\nwürden immer dem Nutzwerte ent-\nsprechen.\n77. Das Wohlergehen eines Landes wird so\nvon seinen Brotkornernten, dem Fleisse\nundderWirtschaftlichkeit seiner Landes-\nbevölkerung und der Gunst des Himmels\nabhängig. Das ist natürlich. Sie wird\nunabhängig von der Spekulation.\n78. Auch von der natürlichen Währung\naus betrachtet, ist Deutschlands Lage\nzurzeit trostlos. Sie ist aber nicht mehr\naussichtslos.\n79. Die natürliche Währung legt Deutsch-\nlands Schicksal wieder - in die Hände\nder Deutschen zurück — wir können\nuns unabhängig machen vom Ausland\nund Goldkapital.\n80. Die Aussichtslosigkeit unserer Zustände\nwird schwinden von Jahr zu Jahr.\nEin sicherer Aufstieg ist möglich.\n81. Deutschlands Zukunft liegt in seiner\nErde. Dort sind die einzigen Wurzeln\nseiner Kraft.\n\nKindsterben\nLothar Schreyer\nSTEBNWEHEN\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMutter"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.5", "texte": "MENSCHWEINEN\nTod\nAlltod\nKind\nKinder\nKind\nKindlein\nDu\nDu\nDu\nDu\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHWEINEN\nSpielen\nWeich\nWeit\nNun kommst Du\nFliehen Einst\nFassen Einst\nHalten Einst\nUm Du\nUnd wieder Dir\nKindlein in Wiegen\nKindlein in Erden\nSchläft die Erde\nSchläft der Traum\nWachen\nBett im Himmel\nSingen Strahlen\nWachen\nFalten Hände\nHüllen Arme\nTief im Schooss\nHoch im Himmel\nWachen über Dir\nErwachen\nDER TOD\nMutter\nMENSCHWEINEN\nSehen\nSinken\nKind entspieltes\nSpiel _entsterben\nKuss\nIrren nimmer Irren\nNehmen\nNimmt die Liebe\nNie gibt Liebe\nHerzein tauchen\nGrabein tauchen\nMenschverschwenden Dir\nHaucht das Sterben\nGreift das Sterben\nLeben Sterben\nSchwindet Körper brennen\nKindlein Kinde\nZitterflammen\nBlasse Flammen\nNimmer\nNie\nErlöschen Nicht\nErlösen Ein\nUnd Niemand Niemand Niemand Du\nDu nimmt\nMir nimmt\nNiemand nimmt\nMein Nie\nErgeben\nVergebens\nGib mir mein Kind\nDER TOD\nSTERNSINGEN\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMutter\nMENSCHWEHEN\nIn die Sichel\nTief in Auge\nKreisen streut\nStarr klirrt\nHerz wiegt\nLied braust Herz\nLied heult Herz\nDer kalte Stein fällt fällt fällt\nBreit schlürft das Netz\nFang Fass Fessel zwisch Angst\nUm wachen\nUmsinken\nReisst richtet Wurt\nUmfinstern\nRollen die dunklen Bälle\nBlitz der Trümmer\nTraum der Blitze\nTief weht Tiefe\nTief zerreissen\nStaube stäuben\nStehen\nKreisen\nHoch schlingt Nacht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.6", "texte": "Umfalten\nLeer\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nSTEBNSINGEN\nDEB TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHWEHEN\nDie wunde Erde blüht\nBlass schwankt der Kelch\nHeben Brüste senken\nFlatter Zerringen\nLeuchte\nZacken blende bleich Blut\nGekrönt\nGeweiht\nDurchbohrt\nFlügel Blut Fuss\nKreist das Blut die Erde\nWeiter weiter weiter\nBauschen Schlund\nBaunen Baum\nBaum im Baum\nDorren Drehen\nDorren Sperren\nSpreu spreit Spreu\nBlätter rieseln vom Weltstern\nDer Vogel schläft\nBegnen Schatten Haaren\nHämmer\nDorn\nDorn\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nDEB TOD\nMutter\nMutter\nMutter\nMENSCHWEHEN\nAufbricht Erde\nWunden walze Loh\nWüst bleicht Auge Lösch\nStreichen\nSchlürfen\nTrösten\nMesser in Fleisch\nThräne in Schooss\nBleich\nBund\nKräuselt kreist Grauen krumm\nHell\nHell\nStumpfe blinden\nSilber Singer rinnt rinnt rund\nMilde Schatten wimpern recken\nDu Umarmen\nDu Zerfliessen\nUnergründlich\nUnvergänglich\nTrostlos\nMachtlos\nWehen umströmtes Meer\nFetzen zerstürmtes Meer\nGreifen Ziehen Tropf\nBlut füllt den Nachen\nBlut schlägt aus Herz\nGlätten Gleissen Platt\nSteil stürzt der Vogel in Mensch\nSteil bohren Schwingen aus Mensch\nSande Samen sonnt versunken\nUferlose\nErdelose\nHellen Hellen\nSichelt Sand\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nDEB TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHNOT\nFrau am Grab\nStein am Grab\nKind am Kreuz\nSchlagen Laken\nThränen Laken\nMensch zerreisst\nGraut Kind stummt Kind\nHunger\nVater\nSchuld Schuld Schuld\nKind spielt Sonne\nKind spielt Mensch\nUnd schlachten\nUnd fressen\nGrab Du Frau\nGrabfrau\nMuttergrab\nVergehen Nie\nVergeben Nie\nGraben in Erde\n••\nÜber die Erde getragen\nHerz\nGeschlagen\nKlagen\nSteht auf Erde Fleisch Stein\nSteht auf Herz Fleisch Stein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.7", "texte": "Trauer\nMensch um Trauer\nSchlecht Du Mensch\nMensch um Trauer\nUnglück Sünder\nWachsen\nVergessen\nUnd lassen\nVerlieren\nVerzerren\nVererben\nUm Kind um Kind um Kind um Kind\nMutter an Mutier\nMutter an Weib\nMutter an Kind Kind\nMutter gegen Mutter\nMutter am Tod\nUnd Auferstehen\nAm Grabe Auf\nDas letzte Grab\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMUTTERWEHEN\nMein Kind\nBlut blumt mein Herz\nMein Kind\nKelch und vergossen\nLied und gelitten\nKind\nHerzen durchbohren\nThränen umkränzen\nDu Kind\nNun Wiedersehen\nNun Wiedergebären\nUmlächeln\nUmwehen\nKind Ein\nAtmen Gehen Spielen\nBlicken Schauen\nÖffnen\nAuf\nKindlein Kindlein Kindlein Kind\nIm Winde\nIn Sonne\nUnd tauchen tief\nUmarmen fest\nUnd halten ganz\nWelt\nKind Kind\nGib mir mein Kind\nDER TOD\nMutter\nSTERNDRÖHNEN\nMENSCHEN\nTod\nAlllod\nGotttod\nToter Gott\nUnerbarmer\nErdenlöser\nFleischgeborner\nRetter\nHeiland\nTeufel Taufe\nEmpfangener\nZeuger\nVater unser der Du bist\nDu bist\nUnd Ich\nAlle Menschen\nKeine Menschen\nDu bist kein Weg\nHier ist kein Weg\nEntmenscht\nEntfesselt\nEntbunden\nEntzwei\nZwei Menschen\nZu Gotte\nZu Tode\nMein Kind\nIch\nMÜTTERSCHREI\nSTERNDRÖHNEN\nTODGERÄREN\nDER TOD\nMutter\nMutter\nMENSCHNOT\nDu\nDu\nDu\nMein Du\nZu Sterben wohl\nZu Leben wohl\nAbschiede fremd\nLiebende fremd\nZur Ruhe\nUnd Du\nEinsam\nSamen in Menschen\nSamen zu Mensch\nSaat um Sichel\nSaat um Ernte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.8", "texte": "Beifen welk\nBeifen Fall\nDu Welt\nDu Welt\nEinsame Welt\nMensch Welt\nDu\nDu\nMENSCHSINGEN\nNun geht die Mutter schwer\nBürde Bahre\nGrabüber\nErdüber\nÜber Dich\nÜber Dich Du\nUnd schütten\nVerschütten\nVerschatten\nDer Leib\nTief\nNabel der Himmel sternt\nWeht Kreisen hoch\nUmstummen\nZerhaucht der Schrei\nGraben\nGraben\nUm Du\nDer schwere Gang\nUnd Mutter lächelt lächelt Lächeln\nMENSCHSINGEN\nSlill See\nDie Sterne baden\nSeeblut blüht Licht\nStreicheln\nLocken\nMund\nVersunkenes Auge\nGut gehen Blinde Glück\nGlauben wohl\nGehorchen wohl\nGott Gott\nZerschweigen\nStrömen Ein\nStrömen Ein\nAll Leben zu\nAllen zu\nLeben zu\nMenschen zu\nMENSCHSINGEN\nUm alle Kronen Krone\nDie Dornen strahlen\nMutterhaupt\nSchooss\nLicht\nBing um die Welt\nJungfrau gebärt\nZittert die Erde\nScham sternt die Mutter\nSonne um Erde All\nAuf\nAuf\nMutter Wachen\nWunder\nWohl\nMENSCHSINGEN\nÜber alle Nacht\nÜber alle Augen\nÜber all Herz\nVorbei\nSchauen\nLauschen\nGehen\nMenschen leben\nWunde weit\nKinder leben\nÜber alle Menschen\nSchauen über alle Augen\nTiefes Leben\nFernes Leben\nLeben\nLeben\nLeben\nLeben\nMUTTEBSCHWEIGEN\nDEB TOD\nMutter\nSTEBNSCHBEI\nDEB TOD\n\nTRAN Nummer 16\n\nDas Leben auf blindem Fusse\nHerr P. W., ich nehme an, er heisst Paul\nWestheim, schreibtin einem Artikel: .Kunst\nin Berlin\" in der Frankfurter Zeitung vom\n25. November 1920: „Ob es nach ebenso-\nviel Jahren nicht auch peinlich sein wird,\nan Bauer, Wauer, Neil Waiden, Schwitters,\nNebel erinnert zu werden?\"\nSehr geehrter und wenig geschätzter Herr\nWestheim! Sie sind ein typisches Beispiel\nfür den Kritiker. Der Kritiker hat keine\nUrteilsfähigkeit. Sie auch nicht. Der Kritiker\nurteilt infolgedessen stets verkehrt; Sie auch."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.9", "texte": "Der Kritiker weiss es, dass er verkehrt\nurteilt, und richtet sich deshalb, um sich\nnicht dauernd zu blamieren, nach dem Ur-\nteil Anderer; Sie auch. Es ist Ihnen nicht\nwesentlich, ob jemand Künstler ist, sondern\nob er nach Jahren sich gegen Euch Kritiker\ndurchsetzt, oder nicht.\nWir Künstler urteilen sicherer. Ich weiss\nes z. B. schon seit meiner ersten Begegnung\nmit Ihnen, dass es jetzt schon peinlich ist,\nan Ihre Unfähigkeit erinnert zu werden.\nIn einigen Jahren aber? Schreihen Sie oder\nschreiben Sie nicht, zetern Sie oder blamieren\nSie sich durch falsches Lob, Ihnen kann\nes nicht mehr helfen. Die Kunst, die Sie\nnicht kennen, die Kunst hat Sie gerichtet.\nDraussen auf der Strasse ruft jemand: „Torf,\nTorf!\" Auch dieser Mann kann die Ent-\nwicklung in der Kunst nicht mehr aufhalten;\nund wenn er noch so laut schreit. Auch\nsonst sind manche Aehnlichkeiten zwischen\nIhnen und dem Torfmann. Ich hoffe, es\nwird Ihnen nach ebensoviel Jahren nicht\npeinlich sein, an mich erinnert zu werden.\nDer Torfmann bleibt sich immer gleich mit\nseinem Geschrei, Sie auch, in Ihren Kritiken.\nDer Torfmann handelt mit einer Ware, die\nihn nicht wärmt, Sie schreiben über „mo-\nderne\" Kunst. (Mensch sein heisst leiden.)\nDamit Sie mich nun recht verstehen: Ihre\nKritiken bleiben sich wesentlich gleich, ob\nSie gegen oder für den Expressionismus\nschreiben, sie bekämpfen die Kunst. (Kann\nman mit einem Holzschwert kämpfen?) Aber\nbei aller Feindschaft, unser Holzschwert,\ngegen die Kunst, erkennen Sie an, was „zur\nZeit\" nicht mehr angefeindet werden „darf\",\nweil es die Menge von Kritikern, die eben-\nso wenig urteilsfähig ist wie Sie, durch\nirgend ein unverzeihliches Versehen aner-\nkannt hat. (Man will sich doch nicht bla-\nmieren.)\nSie schreiben gegen die Kunst, weil Sie, ich\nwill es Ihnen verraten, die Grösse der Kunst\nnicht ertragen können. Warum schreiben\nSie wohl gegen den Sturm? Der Sturm ist\nkonsequent. Herwarth Waiden verwirft\nnicht, was er erkannt hat und erkennt nicht\nan, was er verwerfen muss. Das ist Ihnen\npeinlich. Können Sie mir hier folgen?\nHerwarth Waiden erkennt, er erkennt nicht\nan. Das ist Ihnen sehr peinlich.\nHerwarth Waiden kämpft für die Kunst,\nSie kämpfen gegen die Kunst. Sie hoffen\nnun, wie Sie mit der Kunst fertig werden\nkönnen, d. h. fertig werden zu können ge-\nhofft haben, auch mit dem Sturm einmal\nfertig zu werden. Sie werden allerdings\nfertig, sind schon fertig, aber nicht mit,\nsondern durch den Sturm, eben fertig, ganz\nfertig. (Der Gerechte muss viel leiden.)\nDer Torfmann draussen ist längst vorbei.\nUnd draussen ruft ein Anderer. Der Andere\nruft: „Hasenfelle, Hasenfelle!\" Was kümmert\ndas die Kunst? Haben Sie keine Hasenfelle\nzu verkaufen, Herr Westheim?\nIch begrüsse Sie in Demut\nIhr sehr ergebener\n\nKurt Schwitters\n\nBriefe an Paul Westheim\nDritter Brief\n\nKurz vor der Beendigung meines zweiten\nBrifefes hatten Sie mir das Stichwort Ludwig\nRubiner gegeben. Er sollte gegen Waiden\nzeugen. Aber Ludwig Rubiner zeugte für\nihn. Rubiner wurde in den, Nachrufen\nVieler als ein Apostel und Fanatiker der\nWahrheit gepriesen. Ich warte ab, ob man\nseine Wahrheitsliebe nun in Zweifel ziehen\nwird, da sie wohl allen denen unbequem\nist, gegen die ich hier schreibe. Auch der\nMut und die Unerschrockenheit Rubiners\nwurden gepriesen. Den Mut, sein Urteil\nüber Herwarlh Waldens Roman „Das Buch\nder Menschenliebe\" öffentlich auszusprechen,\ndiesen Mut, diesen gewaltigen Mut hat auch\nRubiner nicht aufbringen können. Ultra\nposse nemo cogitur. Gegen das Ungeheuer\ndes deutschen Schrifttums, das vor dem\nerdrückenden Geiste Waldens mit allen\nMitteln der Gleichgültigkeit, der Unwissen-\nheit, des Unverstandes, der Bosheit, des\nNeides, des Hasses, der Lüge, der Rachsucht\nund der Verleumdung sein klägliches Da-\nsein zur Geltung zu bringen sucht, gegen\ndieses Ungeheuer konnte wohl auch Ludwig\nRubiner nichts verrichten. Dieser Riesen-\nmut war von ihm nicht zu verlangen.\nUnd nun, Herr Westheim, warte ich darauf,\ndass Sie einige neue „Fälle\" verzeichnen.\nBis dahin wollen wir unseren Geist recht\ndressieren. Wir wollen die Bussübungen\nabhalten, die ich Ihnen in meinem zweiten\nBrief versprochen habe. In alten Büchern\nund Chroniken, die sich vor mir häufen,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.10", "texte": "wollen wir fleissig lesen und uns gemein-\nsam erbauen. Ergreift Sie ein Schauder,\nHerr Westheim?\n„Herr Herbert Waiden will übrigens noch\neine ganze Kunstgruppe in Berlin bekannt-\nmachen. Diese nennt sich „Der blaue\nReiter\" zum Unterschied von der gelben\nNachtigall und dem grünen Wagen und\nbesteht aus den schlimmsten Sudlern des\n20. Jahrhunderts.\"\nNein, Herr Westheim, Sie irren sich, dieses\nhaben nicht Sie geschrieben. Es war am\n11. März 1912 im Kleinen Journal zu lesen.\nEs ist nur die Ähnlichkeit des Stils, die Sie\nirreführt. Und vergessen Sie auch nicht,\ndass Sie im Jahre 1912 in der neuen Kunst\nnoch nicht soweit vorgeschritten waren, um\nblaue Reiter von blauen Pferden unter-\nscheiden zu können. Lassen Sie sich also\ndas kleine Versehn nicht verdriessen. Jetzt\nheisst es, nicht locker lassen und dem Teufel\nins Gesicht schauen.\n„Da ist ein Bild, das sein Schöpfer, Franz\nMarc, „Die blauen Pferde\" genannt hat.\nNachdem das Okapi sich bis ins Zwanzigste\nJahrhundert hat den Augen der Europäer\nentziehen können, ist es nicht weiter ver-\nwunderlich, dass die Kreuzung von Spick-\naal und Seehund \"\nNein, nein, nein, Herr Westheim! Was\ntun Sie! Nur keine unüberlegte Handlung!\nWas soll die verzweifelte Gebärde? Auch\ndas haben ja gar nicht Sie geschrieben.\nTeufel auch, müssen Sie ein schlechtes Ge-\nwissen haben. Nein, nein, das stand am\n26. März 1920 im „Tag\". Sie dürfen nicht bei\njeder Beschimpfung eines grossen Malers\nso ängstlich zusammenfahren. Wir kommen\nja sonst nicht vom Fleck. Hurtig, Herr\nWestheim, lassen Sie uns eine neue Seite\naufschlagen.\n„. . . Die Frechheit, mit der etwa Herr\nOskar Kokoschka sein geistloses und form-\nloses Kleinkindergekritzel als weltenbewe-\ngende neue Kunst verkünden lässt . . . .\nDerartige Kunstmacher schreien ein wenig,\num sehr bald an ihrer eigenen Talentlosig-\nkeit zugrunde zu gehen .... Als ich vor\nden Zeichnungen des Herrn Pablo Picasso\nstand, machte ich die freudige Entdeckung,\ndass ich als Quintaner und Quartaner doch\nein mächtig grosser Künstler gewesen sein\nmuss .... Dieser Max Feldbauer . . . .\nschlägt die ganzen französischen und\nitalienischen Zeichenkerlchen mausetot. ..\"\nIch widerspreche Ihnen nicht, Herr West-\nheim. Natürlich könnten Sie das auch\ngeschrieben haben. Aber Sie irren sich\nschon wieder. Das hat am 27. Juli 1912\njener Kurt Küchler im Hamburger Fremden-\nblatt über eine Hamburger Sturm-Ausstellung\ngeschrieben, jener Kurt Küchler, mit dessen\nAnsichten über Kandinsky Sie damals —\nsagen wir konform gingen, jener Kurt\nKüchler, an den ich bald noch genauer und\nschrecklicher erinnern werde. Wenn Sie\naber vielleicht nur mit den Achseln zucken\nund denken: Was ist Kleines Journal? Wer\nbrauchte auf Kurt Küchlers Meinung zu\nhören? — wenn Sie so denken, Herr West-\nheim, dann haben Sie ausnahmsweise ein-\nmal Recht. Aber doch nicht so ganz Recht.\nSie wissen sicherlich, dass die Auflage des\nHamburger Fremdenblatts schon im Jahr\n1912 gross genug war, um einigen Hundert-\ntausenden die Verachtung der Kunst zu\npredigen. Und wenn ich Ihnen auch zugebe,\ndass unter hunderttausend Lesern sich\nimmer einige befinden, die von Kunst mehr\nverstehen, als zehn Westheims und hundert\nKüchlers zusammen, so bleibt doch noch\nein ganzes Volk übrig, das, weniger von\nIhnen und Herrn Küchler, als von den\nZeitungen seine Kunstanschauungen bezieht.\nDie Gewissenlosen sind die Verleger, die\nurteilslosen Menschen jahrelang Verdreht-\nheiten und Sinnlosigkeiten zu verbreiten\ngestatten. Aber Sie glauben vielleicht, dass\nich Sie ganz besonders schikaniere, indem\nich Ihnen Zeitungen und Kritiken vorsetze,\nauf die Sie mit Ihrem unbegründeten Hoch-\nmut herabsehen. Nun, Herr Westheim, Sie\nzweifeln wohl nicht, dass ich mit Zeitungen\nund mit Namen aufwarten kann, die in der\nÖffentlichkeit durchaus nicht unter die\nObskuritäten gerechnet werden. Wie denken\nSie zum Beispiel über den Kritiker Max\nOsborn? Da haben Sie mal einen Modernen.\nAls solcher gilt er Manchen nicht nur\nneuerdings oder seit wenigen Jahren, er\ngeniesst sogar das Ansehen, einer der\nWenigen gewesen zu sein, die der neuen\nKunst von Anfang an mit mehr Kunstver-\nstand begegnet sind, als andere. Wenn ich\naber nun nachwiese, dass dieser Max Osborn\n— wie soll ich sagen — dass er auch nur\nein Mensch war — würde Ihnen das wohl-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.11", "texte": "tun, Herr Westheim? Ich will die kunst-\ngeschichtlichen Kenntnisse des Herrn Max\nOsborn so wenig prüfen wie die Ihrigen.\nDenn es ist schon zu deutlich geworden,\ndass die gründlichsten Kenntnisse auf dem\nGebiet der Kunstgeschichte nicht vor Tor-\nheit bei Beurteilung neuer Kunst schützen.\nEs hat sogar den Anschein, als ob es grade\ndiese kunsthistorischen Kenntnisse seien,\ndie zur Aufnahme neuer Kunsterscheinungen\nso sehr unfähig machen. Aber bei dieser\nErwägung drängt sich mir ein ganz anderer\nVerdacht auf: Ob nicht Kunsthistoriker, die\nsich gegenüber der Gewalt der neuen Kunst\ngar so widerspenstig zeigen, auch in puncto\nKunstgeschichte schlechte Musikanten sind\n— wenn mir die in unpassenden Bildern\nso geübten Herren dieses unpassende Gleich-\nnis gestatten wollen. Die Oberflächlichkeit,\nmit der sie das Studium der neuen Kunst\nbetreiben, macht mir auch ihr Studium der\nKunstgeschichte verdächtig. Man ist nicht\nhier oberflächlich und dort gründlich. Man\nist das eine oder das andere in allem, was\nman treibt. Und wenn ein Kunstkritiker\nvon einer verbreiteten Zeitung verpflichtet\nworden ist, einem grossen Teil des Volkes\nüber neue Kunst wenigstens zu berichten,\nda er doch nicht darüber urteilen kann;\nwenn dieser Kunstkritiker seine Pflicht aber\nnicht erfüllt, dann gibt er mir Anlass, auch\nseine Gründlichkeit in Dingen der alten\nKunst zu bezweifeln. Dieses, Herr Westheim,\nwar einer der Exkurse, zu denen mich mein\nAusbreitungsdrang noch oft treiben wird.\nEs ist möglich, dass derartige Exkurse Sie\nwenig interessieren. Ich empfehle Ihnen\naber, von dieser Stelle an wieder aufmerk-\nsamer zu lesen. Denn ich versprach, Ihnen\nTrost zu spenden. Ich wollte Ihnen zeigen,\nwas ein „moderner\" Kritiker im Jahr 1912\nvon den französischen Kubisten gehalten\nhat. Aber leider bin ich ein sehr umständ-\nlicher und unbequemer Mensch, der nicht\nnur alles gründlich zu betreiben pflegt,\nsondern sich jetzt in den Kopf gesetzt hat,\nden Chronisten, Kunsthistorikern und Philo-\nlogen ihre Arbeit auf wenigstens hundert\nJahre zu erleichtern oder abzunehmen.\nEin solcher Mensch verzichtet nicht gern\nauf Züge jener Menschlichkeit, die ich\nIhnen bei einem ganz „modernen\" Kritiker\nzeigen will.\nAm 28. Oktober 1920 erteilte Herr Max\nOsborn in der Vossischen Zeitung dem\nSturm eine Lehre:\n„Der Sturm, der so viel Neues erkannt und\neingeprägt hat, will nicht aufhören, sich mit\ndem Ballast der Mitläufer zu behängen, die\nnur tänzeln und nichts von künstlerischer\nZucht wissen.\"\nWarum, Herr Westheim, darf ich hoffen,\ndass Sie in der Lehre des Herrn Osborn\nden versprochenen menschlichen Zug er-\nkennen? Weil Herr Osborn weiss, dass\nder Sturm so viel Neues erkannt und ein-\ngeprägt hat, und weil Herr Osborn ausser-\ndem weiss, es aber nicht sagt, dass e r\nselbst das Viele früher nicht\nerkannt hat. Als Herr Osborn am\n1. Oktober 1912 in der B. Z. am Mittag über\n»Stürmische Zeichenkunst\" schrieb, hatte\ner bereits den Augenblick verpasst, um mit\ndieser doppelsinnigen Ueberschrift sich als\nErster den Namen eines grossen Witzbolds\nzu machen. Einige Dutzend Gleichgesinnter\nhatten ihm diesen Witz schon vorweg-\ngenommen. Jeder von ihnen glaubte, der\neinzige Kopf in Deutschland zu sein, der\nScherze von so tiefer Symbolik produziere.\nUm die Kritik selbst stand es nicht anders:\n„Es steckt ja eine Menge Kritiklosigkeit\ndarin. Vor allem, und das ist nicht unge-\nfährlich, viel Literatentum. Auch viel\nDoktrinarismus.\"\nHerr Westheim, bedauern Sie mich! Denn\nwas ist nun meine nächste Aufgabe? Zu\nfragen, was sich alle die Herren wohl unter\ndem Literatentum und dem Doktrinarismus\nvorstellen, von dem sie seit zehn Jahren\nreden und schreiben, wenn ihnen etwas\nvor die Augen kommt, das in ihren Kopf\nnicht hineingeht. Die Herren selbst ver-\nmöchten wohl kaum, eine befriedigende\nAntwort zu geben, und so muss ich sie\nnoch obendrein über ihre eigenen Redens-\narten belehren.\nDas Wort vom Literatentum stammt aus\ndem Französischen. C'est de la literature,\nsagt der Franzose und meint, ein Wort, ein\nSatz, eine geäusserte Ansicht oder Meinung\nhabe wenig oder nichts mit dem Menschen\nzu tun, der sie von sich gibt. Es ist ange-\neignet, meist angelesen oder aus Äusserungen\nanderer aufgeschnappt. Und da die Redens-\nart auch auf Handlungen ausgedehnt wurde,\nso lässt sich etwa von einem Maler sagen,\nseine Bilder seien Literatur, wenn er ohne"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.12", "texte": "eigenes Erleben und ohne inneren Trieb\nsich einer besonderen Mal weise zuwendet.\nWollte Herr Osborn dieses sagen, als er im\nJahr 1912 vom Literatentum der Sturm-\nmaler schrieb? Ich glaube, dass ihm die\nUnterstellung eines solchen Irrtums heute\nnicht sympatisch wäre. Denn man brauchtsich\nnicht mehr mit Kritikern darüber zu streiten,\nob jene Maler Literatur gemalt haben oder\nob sie so sehr aus tiefstem, eigenem Er-\nlebnis geschaffen haben, dass sie eine neue\nWelt hervorbrachten. Was damals aus\nFrankreich zu uns kam und was sich in\nDeutschland der neuen Malerei zuwandte,\ndas waren nicht nur Überzeugte und Selb-\nständige, sondern die Schöpfer der\nneuen Bewegung. Das wird wohl auch\nHerr Osborn heute nicht bestreiten, und so\ni '\nkann er das Wort vom Literatentum nur\nin diesem Sinne verstanden haben: Jene\nMalerschufen nicht aus dem Geiste\nder Malerei, sondern nach ausgedachten\nBezepten und Theorien. Es ist eine Lieb-\nlingsvorstellung aller Dilettanten, dass der\nKünstler kein Theoretiker sein dürfe. Weil\nsie selbst zu träge oder zu unfähig sind,\nzur Klarheit über das Wesen der Kunst\nund des künstlerischen Schaffens zu ge-\nlangen, wollen sie es auch dem Künstler\nverbieten. Und die Kunsthistoriker scheinen\nso wenig wie Andere zu wissen, dass die\ngrössten Künstler immer die grössten\nTheoretiker waren. Ich will den Herren\nauch über die theoretisierenden Maler\nunserer Zeit einiges sagen, und Sie, Herr\nWestheim, haben Gelegenheit, etwas zu\nlernen. Die grosse künstlerische Umwälzung,\nder Bruch mit der gesamten früheren\nMalerei zwangen die neuen Künstler, die\nvon ihnen erkannten Gesetze der Malerei\nauch Andere so deutlich wie möglich er-\nkennen zu lassen. So entstanden malerische\nKunstwerke, in denen das Gesetz der künst-\nlerischen Komposition, wenn auch nicht\nsichtbar, so doch schärfer erkennbar war\nals bisher. Was die Tadler also mit Lite-\nratentum meinten, war nichts anderes als\nDoktrinarismus. Und damit ist auch\ndie zweite ihrer Ablehnungsphrasen von\nmir widerlegt. Denn wenn Doktrin die\nLehre oder der Lehrsatz ist, so kann Dok-\ntrinarismus nur eine ausbreitende Betätigung\ndieser Lehre ohne praktische und sogar ohne\nideelle Bedeutung sein. Ohne prak-\ntische und ohne ideelle Bedeu-\ntung. lesen Sie auch fleissig mit,\nHerr Westheim? Ich will doch hoffen, dass\nSie den grossen Augenblick jetzt nicht ver-\npasst haben, der Ihnen endlich den ver-\nsprochenen Trost bringt, dass Sie begriffen\nhaben, wie tröstlich es für Sie ist, die Vor-\nwürfe von Literatentum und Doktrinaris-\nmus so gründlich widerlegt zu sehen. So\ngründlich? Ich denke doch, dass ich Ihnen\nnichts weiter zu beweisen brauche. Denn\nSie, Herr Westheim, Sie wissen Bescheid.\nVor zehn Jahren freilich haben Sie sich\nnicht damit begnügt, den Kubisten Kleinig-\nkeiten wie Literatentum und Doktrinaris-\nmus vorzuwerfen. Heute lassen Sie sich\nfür den Kubismus in Stücke reissen. Was\nmir aber leid tut, ist, dass Sie auf solche\nWeise Herrn Osborn um eine Belehrung\ngebracht haben. Er freilich wiederum\nkönnte nun also zu sich sprechen: „Was\nist für die Kubisten bewiesen, wenn Herr\nWestheim ihre Bilder reproduziert? Gar-\nnichts!\" Dann wäre Herrn Osborn einmal\nrechtzugeben, und so sieht der gespendete\nTrost für Sie recht dürftig aus. Immerhin\nist es nicht zu verachten, dass Sie nun\nWissen, wie sehr sich Herr Osborn in seinem\nkritischen Urteil getäuscht hat. Bedenken\nSie wohl: Der Kritiker einer grossen deut-\nschen Tageszeitung ist nicht fähig, das\ngrösste Phänomen der Kunst zu erkennen.\nDa sind Sie doch ein ganz anderer Kerl!\nAber ich sehe, dass Ihnen das alles nicht\ngenügen kann. Darum will ich nicht un-\nerwähnt lassen, dass Herr Osborn im Jahr\n1912 einen zeichnerischen Kubismus, wenn\nsolcher Doktrinarismus durchaus getrieben\nwerden sollte, wohl gelten liess, den\nmalerischen Kubismus aber für indiskutabel\nhielt, obgleich er ihn vor Augen hatte. Im\nJahr 1913 ging es den Kubisten bei Herrn\nOsborn zwar nicht besser: „Die ganze Gilde\nbohrt sich ohne Erbarmen in nüchterne\nKalkulationen ein. ... Es ist kein Problem,\nsondern eine Sackgasse.\" Aber an einigen\nBildern stellte er doch schon „farbigeDetails\"\nfest, „die interessieren\". Nun, Herr West-\nheim, Züge solcher kleinen Menschlichkeiten\nwerden Ihnen weniger auffallen als mir, und\nzwar umso weniger, als Sie wissen oder viel-\nleicht auch nicht wissen, dass Herr Osborn in\nAnsehung kubistischer Bilder heute noch ge-\nnau so bockbeinig ist wie damals und noch"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.13", "texte": "Reinhard Goering: Aquarell"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.14", "texte": "immer nicht zu merken scheint, dass der\nKubismus nicht nur ein Problem, sondern\ndas Problem der gesamten Kunst ist. Und\neine Sackgasse war der Kubismus so recht\neigentlich nur für die Kritiker. Dass Sie,\nHerr Westheim, aus dieser Sackgasse sich\ndurch eine Art Zauberkunststück herausge-\nrettet haben, wem wäre das nicht bekannt?\nDa aber Herr Osborn noch drin steckt und\nich Sie heute durchaus nicht ungetröstet\nwill fahren lassen, so bleibt uns nur übrig,\nunsere Bussübungen fortzusetzen, bis wir\ngefunden haben, was Ihnen das Herz er-\nleichtern kann. Es wird Sie freuen, noch-\nmals zu hören, wie ganz und gar Herr Os-\nborn über Kandinsky genau so urteilte wie\nSie und Herr Küchler.\n„Ein Irrweg, der ins Bodenlose abstürzt. . .\nKandinsky, der so tief in seine wirren\nSpekulationen hineingerutscht ist, dass er\nanscheinend nicht mehr herausfindet. . . .\nKandinsky scheint mir immer rettungsloser\nim Spintisieren zu versinken.\"\nDiese Sätze bestehen zwar nur aus journa-\nlistischen Floskeln, aber, nicht wahr, Herr\nWestheim, über Ihren Sinn sind wir uns\neinig? Kandinskys Bilder sind keine Kunst-\nwerke, sondern Systeme, und zwar wertlose,\nuntaugliche Systeme. Es mag Ihnen ent-\ngangen sein, dass Herr Osborn sich in den\nletzten Jahren gelegentlich über Kandinsky\netwas weniger respektlos geäussert hat. Da\ndies aber nur dann geschah, wenn diese\nBilder nicht im Sturm zu sehen waren, so\ndürfen Sie es für voreilig halten, auf eine\nvollkommene Sinnesänderung bei Herrn Os-\nborn zu schliessen. Denn es lässt sich be-\ngreifen, mit welcher Gewalt Kandinskys\nBilder in der neuen Umgebung auf ihn ge-\nwirkt haben. Auch legt man ja, wie Sie\nganz besonders gut wissen, an andere Aus-\nstellungen keinen so strengen Masstab wie\nan die Ausstellungen des Sturm. Aber\nwelches auch die Gründe sein mögen, so-\nviel steht fest: Herr Osborn ist nie so un-\nvorsichtig gewesen wie Sie. Er vollzieht\ndie Uebergänge von seinem früheren Ab-\nlehnungs-Doktrinarismus zur Anerkennung\nallmählig, sozusagen unauffällig. Er ver-\nschnappt sich nur selten. Und darum lassen\nSie uns noch rasch nachsehen, wie er vor\nJahren über die italienischen Futuristen ge-\nurteilt hat.\n„Ganz schlimm sind die Italiener, die den\nFuturismus erfunden haben. Das ist auf-\ngeplusterte Geistigkeit bis zum Kitsch, vor\nder man ruhig lachen kann. Ich rede nicht\nvon den albernen Titeln, das könnte hin-\ngehen. Aber sie treiben Absichtlichkeiten,\ndie verstimmen. Auch Severini, der Talent-\nvollste des Kreises, ist diesmal unmöglich.\"\nNun, das war das Unglücksjahr 1913. Am\n4. August 1920 schrieb der Buchverlag Ull-\nstein & Co. an den Sturm:\n„In unserem Verlag ist eine Kunstgeschichte\nvon Dr. Max Osborn erschienen, von der wir\naugenblicklich eine neue Auflage vorbereiten.\nHerr Dr. Osborn hat für diese Neuausgabe\nein Kapitel über die Kunst der\nletzten beiden Jahrzehnte hinzu-\ngefügt . . . möchten uns daher die Anfrage\nerlauben, ob Sie bereit wären, uns Photo-\ngraphien von einigen Bildern . . . zur Ver-\nfügung zu stellen. Es handelt sich um die\nfolgenden Gemälde:\n»Severini, Modistin\nBoccioni, Macht der Strasse\nCarra, Die rüttelnde Droschke\nRussolo, Zug in voller Fahrt.\"\nAusserdem wurden verlangt Photographien\nzu Bildern von Werefkin, Chagall und\nHeemskerck.\nWie schmeckt Ihnen das, Herr Westheim?\nReproduziert man in Kunstgeschichten Bilder\nvon Werken, die nichts sind als aufgeplusterte\nGeistigkeit? Wollte Herr Osborn den Lesern\nBilder zeigen, über die man ruhig lachen\nkann? Oder sind etwa die früheren Urteile\nüber die Futuristen dem Gedächtnis des\nHerrn Osborn entschwunden? Ich möchte\ndie Entscheidung dieser Fragen Ihnen, Herr\nWestheim, überlassen. So sehr schwer wird\nsie Ihnen nicht fallen. Denn ich hoffe, Sie\nsind ein fleissiger Leser von Aufsätzen über\nExpressionismus. Gerade im richtigen\nAugenblick, am 8. November 1920 schrieb\nnämlich Herr Osborn in der Vossischen\nZeitung über „ Die Lage des Expressionismus.\"\nUnd Sie wissen doch auch, wie er dazu ge-\nkommen ist? Es ist sehr amüsant und im-\nstande, den Fluss meiner Ausführungen eine\nWeile aufzuhalten. Herr Kasimir Edschmid\ntobt gegen den Expressionismus. Oder soll\nes tun. Oder getan haben. Darüber\nherrscht Jubel im ganzen Verlag Mosse.\nDer verfluchte Expressionismus stirbt, ver-\nreckt, ist aus. Ist gänzlich aus. Kasimir\nEdschmid hat ihn abgeschworen. Nur sein"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.15", "texte": "Judentum will er, um im Bilde zu bleiben,\nums Verrecken nicht abschwören. „Etsch\",\ngrinst einer, der im Berliner Tageblatt\nEntrefilets anfertigt, „reingefallen, Edschmidt\nist gar kein Jude.\" Und ich sage: „Etsch,\nreingefallen, Edschmid ist gar kein Ex-\npressionist. Und was noch wichtiger ist,\ner ist nie einer gewesen.\" Herr Karl Strecker,\nder in der Täglichen Bundschau gegen Kunst\nschreibt, hat nie in seinem Leben ein ex-\npressionistisches Gedicht gelesen. Das kann\nich getrost auf meinen Eid nehmen. Vor\netwa zwei Jahren schrieb er in der Täg-\nlichen Bundschau einige Aufsätze über die\nneuere Dichtung. Sie wissen doch, Herr\nWestheim, was neuere Dichtung ist: Hasen-\nclever, Werfel, Georg Kaiser und Kasimir\nEdschmid. Herr Strecker, der nie in seinem\nLeben ein expressionistisches. Gedicht ge-\nlesen hatte und sich über diese höchst\nsonderbare Bichtung instruieren wollte, fand\ndie Dichtungen der Genannten so gut oder\nso schlecht wie die Dichtungen aus früheren\nZeiten. Und er fragte erstaunt, worin denn\neigentlich das expressionistische in allen\ndiesen Dichtungen bestehen solle. Er könne\nes nicht finden. Pardon, meine Herren,\nich habe es nicht behauptet, dass die Herren\nHasenclever, Werfel, Kaiser und Edschmid\nund die ganze Gesellschaft von Epigonen\nExpressionisten seien.' Aber wer hat es denn\nbehauptet? Wer hat dieses Märchen erfunden?\nDas weiss niemand. Und wie ist es zu er-\nklären, dass ein solches Märchen entstehen\nkonnte, Herr Edschmid sei ein Expressionist?\nMeine Herren, meine lieben guten ahnungs-\nlosen Herren, was haben Sie doch für\ndrollige Vorstellungen vom Expressionismus.\nEi, ei, ich habe Sie in einem sehr schlimmen\nVerdacht, dass Sie auch heute noch ganz\nund gar nicht wissen, was Expressionismus\nist. Denn wenn Herr Alfred Kerr glaubt,\nBichard 111. habe im Schauspielhaus gewirkt\nwie ein expressionistisches Märchen, dann\nist die allgemeine Ahnungslosigkeit ruchbar\ngeworden. Und ich werde noch viele Ge-\nlegenheiten haben, sie gründlich zu be-\nweisen. Lesen Sie nur fleissig mit, Herr\nWestheim, was ich hier schreibe, dann\nlernen sogar Sie das Schwerste spielend.\nLesen Sie nur fleissig mit, denn ich fürchte,\ndass Sie jetzt den Faden verloren haben.\nDa, fangen Sie ihn wieder auf: Kasimir Ed-\nschmid ist nie ein Expressionist gewesen.\nWas also schwört er ab? Was er nie war\nund was er selbst nie begriffen hat. Ein\nleichter Schwur. Und darum Jubel im\nganzen Verlag Mosse. Der Expressionismus\nist tot, ist elendiglich verreckt. Und Fritz\nStahl, der nach meiner Berechnung höchstens\nzweiundfünfzig Jahre alt ist, schreibt im\nBerliner Tageblatt vom 7. November 1920\neinen Artikel über „-pressionismen\", einen\nArtikel, einen Artikel, haben Sie ihn gelesen,\nHerr Westheim? Ja? Gut, dann brauche ich\nkein Wort darüber zu sagen. Und Herr\nMax Osborn hat ihn auch gelesen. Aber\ndas ging ihm denn doch sozusagen über\ndie Hutschnur. Da gab es für ihn kein\nHalten mehr. Der Expressionismus soll aus\nsein? „Gemach! soweit sind wir noch nicht\",\nschreibt Herr Osborn in der Vossischen\nZeitung und zerbricht ein paar handfeste\nLanzen für den Expressionismus. Haut und\nsticht so um sich, dass ihm etwas Mensch-\nliches passiert:\n.Picasso und Kandinsky, auch die ersten\nFuturisten, hatten sich aus innerer Not\nneue, unerhörte Systeme erdacht, ihre ma-\nlerischen Gesichte zu beschwören.\"\nNicht wahr, Herr Westheim, tout comme\nchez vous! Picasso, Kandinsky und die ersten\nFuturisten. Will man Kubisten sagen, ge-\nbraucht man den Sammelnamen Picasso.\nEr war zwar nie überzeugter Kubist. Das\nbeweist auch sein gegenwärtiger Schwäche-\nzustand. Aber ich verlange von Kunstkritikern\nnicht, dass sie die Kunstgeschichte der\nletztenbeidenJahrzehnte kennen.\nUnd Kandinsky, der rettungslos ins Spinti-\nsieren Versunkene? Er wird der grosse Zeuge\ndes echten Expressionismus. Er, ja er hatte\nnoch Visionen! Aber die Mitläufer tänzeln\nnur und wollen nichts von künstlerischer\nZucht wissen. Ganz meine Ansicht. Nur\ndass Herr Osborn stets die Originale für\ndie Mitläufer und die Mitläufer für die\nOriginale hält. Und wenn er in einem An-\nfall fürchterlicher Vergesslichkeit die ersten\nFuturisten preist, vor denen er einst so\nruhig gelacht hat, so muss ich ihn vor\nallem fragen: Wer sind wohl die zweiten\noder die späteren Futuristen gewesen? Im\nSturm kann er sie nicht gesehen haben.\nVielleicht denkt er dabei an die Bilder des\nHerrn George Grosz. Da kann er alles\nfinden, was sich in den letzten zehn Jahren\nin der Kunst der Malerei und Zeichnung"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.16", "texte": "Einigermassen bewährt hat. Und wenn er\nganz genau zusehen wollte, würde er bei\ndiesem Maler sogar seine verfluchten oder\ngepriesenen Futuristen wiederfinden. — So,\nHerr Westheim, nun lassen Sie mich, bitte,\nin Buh. Sie sehen ja: tout comme chez vous\nund damit können Sie sich trösten. — Nein,\nSie wollen nicht? Sie sind noch nicht ge-\ntröstet? Sie möchten noch mehr hören? Von\nwem? Von Osborn? Sieh doch, sieh doch,\nwas sind Sie für ein Feinschmecker. Und\n»ich hätte Ihnen so gern einiges von Bobert\nBreuer zu lesen gegeben, obgleich ich be-\nfürchten muss, dass Ihnen bei dieser Lektüre\nder Kamm gar gewaltig schwellen würde.\nWissen Sie was? Ich werde Ihnen eins zu\nraten aufgeben. Strengen Sie sich an. Wer\nmag wohl das geschrieben haben?\n„Ott kann man sich vor Kokoschkas Blättern\nschief lachen, wie etwa vor dem mit dem\nkomischen Titel: Die Erstebeste darf der\nsüssen Lilith das Haar kämmen, auf dem\nich kaum etwas zu erkennen vermag.\"\nHaben Sie's, Herr Westheim? Nur nicht\ngleich wieder ängstlich sein, dass Sie es ge-\nschrieben haben. Herr Osborn hat's ge-\nschrieben. Und wir wollen hoffen, dass er\nsich noch heute vor dem Bild schief lacht.\nLachen — sich totlachen oder schieflachen,\nviel mehr fällt den Herren meist nicht ein,\nwenn sie vor einem Kunstwerk stehen.\nAber je mehr sie lachen, um so ernsthafter\nwill ich werden. Sehen Sie sich das Blatt\nan, auf dem Herr Osborn das nicht erkennen\nkann, was jedes Kind sieht. Und fragen\nSie sich: welchen Wert mag wohl Herr Os-\nborn seinen eigenen heutigen Kritikern bei-\nlegen, wenn er quasi selbst zugibt, dass\nseine früheren nichts getaugt haben. Und\nwo nimmt er die Courage her, dem Sturm\nKritiklosigkeit vorzuwerfen? Er weiss doch,\ndass er derjenige war, der sich jahraus,\njahrein geirrt hat. Wie aber, um Gottes-\nwillen, geht so etwas zu? Fehlt es den\nHerren an jeder Einsicht? Haben sie wirk-\nlich ein so ganz unglaublich schlechtes Ge-\ndächtnis? Haben sie vergessen, dassHerwarth\nWaiden sich noch nie geirrt hat, sie aber\nimmer?\nJetzt also, Herr Westheim, wissen Sie, dass\nes keine besondere Schikane war, als ich\nIhnen zu Anfang dieses Schreibens einiges\naus alten Chroniken zu lesen gab. „Viel-\nleicht glauben Sie mir gar nicht\", schrieb\nich gegen Ende meines zweiten Rriefs, „viel-\nleicht halten Sie diese Kritiken für die Er-\nzeugnisse eines einzigen, ganz sonderbar\nkonstruierten Gehirns. Sie haben beinahe\nRecht.\" Oder ich hatte Recht. Es lohnt\nsich kaum, von Unterschieden zu sprechen,\ndie meist nur in der Auswahl der Schimpf-\nworte bestehen. Mag der gespendete Trost\nnoch so gering für Sie sein, es ist ein Trost,\nzu wissen, dass keiner, nicht einmal der\nmoderne Kritiker Herr Osborn, Steine auf\nSie werfen darf, und dass Herr Kiepenheuer\nnichts Vorteilhaftes gegen Sie einhandeln\nkönnte — damit Sie wissen, wie weit ich\ngekommen bin. Oder wie wenig weit.\nDenn ich sagte schon in meinem ersten\nRrief, das Jahr 1920 wird zu Ende gehen,\nehe ich zeige, wie Sie aus einem gewissen\nSatz in den nächsten hineinstolpern. Heute\nglaube ich fast, es wird Frühling werden.\nMeine Schuld ist es nicht.\n\nRudolf Blümner\n\nZuginsfeld\nOtto Nebel\n\nFortsetzung\n\nWenn Feuer trichtert\nMan soll Trichter verlassen\nMan kann sich auf Trichter nicht verlassen\nLasst uns Trichterlinge noch einen verlöten\nHinten sind Niederlassungen mit Stollen\nDie hat Herr Unteroffizier nicht übergeben\nEr musste eilen\n(Flandrisch' Mädchen)\nMittlerweile ist die Stellung verloren\nUnd so fort\nTeils so, teils anders\nZerteilte Schädel\nBrüllende Wunden\nLeibeigenschaften\nEigentlicher Schuft, der Unteroffizier\nWer kein Schuft ist, ist Schufter\nSchufter sind die Dummen\nDann werden sie schlau\nAll-so gemein\nGemeiniglich\nIm Allgemeinen wird nachts geschuftet\nStabsschreiber schuften tags und nachts\nBefehl oder nächtliche Buhestörung\nÜbereilte Schreibfehler unter: Eilt!\nImmer langsam\nSonst eilt nichts."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.17", "texte": "Oskar Kokoschka: Die Erstebeste darf der süssen Lilith das Haar kämmen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.18", "texte": "Alles vor-, Nichts nachtragen\nNach und nach trägt der Mann die Ver-\nantwortung\nAntworten Sie nicht!\nMann trägt den Tornister\nUnd Feldherrnstäbe darin\n(Zeltstöcke)\nWerden bald verbrannt\nMann trägt alles\nNachthin, nachther\nBergauf, bergab\nOffiziere haben ihre Leute\nAllemann sind Offizierstellvertreter\nUnteroffizierverstand genügt\nWälzt Verantwortung!\nMannwärts — abwärts\nGottwärts — aufwärts\nGott degradieren Sie zum Offizierstellver-\ntreter\nNach und nach wird es unerträglich\nTrägt ein Mann noch, trägt er nach\nBeschwerden trägt er vor\nErleichterungen werden befohlen\nOhne Befehl keine Erleichterung\nOhne Befehl keine Beschwerde\nBefehle belästigen\nEs ist nicht leicht\nBeschwert sich ein Mann, wird er bestraft\nErleichtert er sich, wird er bestraft\nVerträgt er nichts, wird er bestraft\nVersteckt er sich, wird er bestraft\nOffiziere dürfen\nDürftig sind sie\nImmer wird der Mann belastet\nBelastungszeuge\nDu sollst, Soldat!\nMusst, Musketier!\nDu sollst nie falsches Zeugnis reden\nDu sollst nicht brechen deines Nächsten\nHerz\nDas nächste Dorf\nDas nächste Haus\nLasst Kirchen nicht im Dorfe\nGräben im Kirchort\nSchützen im Kirchhof\nKirchhof im Graben\nSchützengräber an Schützengräben\nAbort im Graben?\nAbort im Friedhof\nSchützen im Abortgraben\nGrosse Umwälzung\nSchmeisst Tote über die Brustwehr!\nHelden sind Verkehrshindernisse\nKirchhöfe werden umgeackert\nGranaten pflügen\nMaschinen ackern Tote um\nTote stehen auf ,\nLebende fallen\nGräberfriede\nFriede auf Erden\nEs stampft schon\nBefehle stürzen über den Kriechhof\nBeine raus!\nBeine in die Hand nehmen\nNimmt schon\nKopf ab\nSchweinefutter\nDenn Schweine fressen Helden\nRatten fressen Schweine\nSchweine fressen Ratten\nRatten fressen Helden\nHelden fressen Schweine\nFressen Helden Helden?\nHalt' die Fresse\nLäuse fressen Helden\nRatten fressen keine Läuse\nWir halten fest und treu zusammen\nUebergeben Sie sich schon?\nGibt sidh\nMan gewöhnt sich\nAlles ist gewöhnlich\nGewohnheitstier\nGetier\nSäugetier\nMusketier\nSaugende Laus\nSäuglinge\nVerwachsene\nNehmt Tornister ab\nNehmt Sturmgepäck\nPack stürmt\nNicht so stürmisch\nRuhe vor dem Sturm !\nRuhe macht es\nSturm macht Ruhe\nSturmtruppen ruhen sanft\nSondertruppen sprechen noch\nFernsprecher\nNah und fern\nSprechen Sie noch?\nWird noch gesprochen?\nsprochen, sprochen, Schluss!\nFernmeldung vom Führer: Verführt. Ver-\nschüttet. Draht vernichtet. Bin sprachlos\nSprechen Sie noch?\nBin ich mittellos?\nAlle Mittel versprechen etwas\nEtwas Feuer"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.19", "texte": "Alle Mittel versprechen sich\nVersprechen halten nichts\nNur Feuer hält an\nAllso geht es weiter\nAllso Blinkmittel her\nKleines, mittleres, grosses Blinkgerät\nBlinker\nWer sprachlos ist, blinkt\nBlinken gerät nicht\nLiegt am Gerät\nGerät liegt zerschlagen\nSchmettern\nLerche schmettert\nAlle Blinker liegen erschlagen\nDiese Funkerei\nAuch Funken funktioniert nicht\nFunker flunkern\nHemmungen sind nicht zu hemmen\nHemmungslos funkt Feuer nur\nFunken stieben\nStiefel fliegen\nHoppla\nFliegende Schädel\nGott behüte\nHüte mich\nBleibe auf der Hut\nEisenhut\nEiserne Bahn\nSchlussbahn\nKopf, ihr Bahnhof\nEins an den Bahnhof bekommen\nStahlhelm\nWitze bekommen schlecht\nSchlächter\nMan hört nichts mehr\nAll-so Abhörapparat\nElektrisch\nErde leitet\nLeitet sie?\nIrrsinn verleitet sie\nIrrsinn verleidet sie\nErde horcht auf\nFriede?\nKrieg unter der Erde\nKleine Sprengung\nErde speit Erde\nSpeit Eisen\n•Sofort den Sprengtrichter besetzen!\nBerge splittern\nEis speit Splitter\nGebirge verbirgt nicht\nDrückeberger vereisen\nBergkrieg frisst kaltblütig\nSäuft heisses Blut\nBlutwarme fressen kalten Frass\nWenn er kommt\nKalt bekommt er nicht\nNicht wärmen?\nWer Feuer macht, wird kalt gemacht\nHaubitzen langen zu\nNicht so hitzig\nKopf erfroren\nFrost nimmt Beine ab\nBrand im Arm\nFrost macht heiss und kalt\nMacht nichts\nWeitermachen\nSpielerei, der Krieg\nOch, wir halten ihn noch jahrelang aus\nSpielmann?!\nSpielt er noch?\nBatten spielen auf ihm\nBatten fänger\nFlöten gegangen\nBatten fallen nicht\nTrommler fallen\nBotten fallen\nPlatzen Trommelfelle\nTrommelt Feuer\nAntrommeln gegen Trommelfeuer?\nMit Feuer spielen?\nMit Spiel anfeuern?\nTrommelnd anfeuern?\nHottentotten\nGehörnte\nGehirnerweich un g\nWeiche Hirne kleben überall\nAn spritzroten Wänden\nAn alten Händen\nVor jungen Stirnen\nEin sauberes Handwerk\nBlutwurst\nGeht Wurst aus, geht Krieg aus\nKrieg kommt aus Blutwürsten\nWarum schneiden Sie diese Frage an?\nUm euch Blutwurstigen auf die Pelle zu\nkommen\nMir is allens Wurscht\nFlammende Begeisterung\nFlammenwerfer\nNur gebraten!\nNur gespiesst!\nGerädert!\nFrisch und fröhlich\nBretter im Kopf\nBäder im Schlamm\nEis auf Schlamm\nEs muss doch Eiszeit werden"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.20", "texte": "Schlamm im Mund\nSchlemmer\nZu beiden Seiten des Rheins\nEIN FRÖHLICHES FEST\nNur fröhliches Volk\nUns kann?keiner\n.i, .• .»\nIch kann euch\nIhr könnt mich\nEs muss doch Völkerfrühling werden\nMit diesen Sklaven?\nTragtier hinter Tragtier\nEsel an Maultier\nMaulheld an Faultier\nSeht die armen Tiere\nOhne Orden sterben sie\nOhne Urlaub fallen sie\nTiere sterben Heldentode\nTieren glaube ich das Sterben\nUntier Henker frisst die Helden\nSeht, ich sehe noch keine Menschen\nHört, ich glaube keinem Untier\nHört, hört\nIch lache euch tot.\n+ *\n★\nSie haben nicht gewollt\nWir wollen keinen Krieg\nHör August 1914: Krieg? Endlich, Gott sei\nDank\nMein Spott sei Tank\nBürger danken Gott\nGott dankt für Bürger\nIHM sei Dank\nBürger glauben Zeitungen\nGutbürgerliche Zeitung\n(Sozialdemonstranten)\nKrieg steht in der Zeitung\nHa no\nSüddeutschland macht mit\nSchwabing\nDie Jugend\nSimpel\nAber Saupreissen\nSie begeistern sich\nBegeisterung ist Geistersatz\nGeist ist nicht zu ersetzen\nWas ist Kriegsbegeisterung?\nBlödsinn steht in der Zeitung?\nTäglich\nTäglich werden sie ärmer im Geiste\nBürger Spiess begeistert die Söhne\nBürger Spiess ist dreifach versöhnt\nKronprinz Emil\nKronprinz-Stellvertreter Wilhelm\nPrinz Ernst zur besonderen Verwendung\nQuartaner Ernst ist jüngster Spiess\nSpartaner Wilhelm Mittelspiess\nEmil Vizespiess\nEmil hat einjährig gedient\nUnd schon gut verdient\nEin dankbares Kind\nEmil steht im Trichterfeld der EHRE\nStolz der Filiale\nSonst war Emil der Ärger\nMan hat seinen Ärger mit dem Lümmel\nEin guter Junge\nNein, der Junge. Nu wird er noch Ex-\npressionist\nDer Junge fällt\nDer Alte merkt nichts vom Kriege\nDer gute Junge\nDas Kriegsgeschäft geht gut\n(T rinkbecher-F abrik. Aluminium)\nAn denen man sich die Schnauze verbrüht\nDer tote Junge ist der Stolz der Familie\nDie Filiale stellt einen Mann\nWir haben einen Kronprinzstellvertreter\nWilhelm, der Nächste\nMan denke\nDenken Sie, Wilhelm hat sich freiwillig\ngemeldet\nFreiwilli\nFreiwild\nEr will freiwillig sterben\nFür das erkannte Vaterland\nEr kann darin nicht leben\nFür die gute Sache\nWilhelm ist Selbstmörder\nEinen Selbstmord hat er überlebt\nDer nächste gelingt\nVaterland hilft dabei\nFreiwilligen ist der Tod eine EHRE\nObgleich DER TOD männlich ist\nSie sterben an EHRE\nEHRICH Wilhelm ist erschossen\nMitten durch die Verkennungsmarke\nErschossene sind Helden\nEHRENbürger sind Heldenväter\nSpiess 3 hat die EHRE\nEr geht nicht zum Arzt\nEr ist nicht mehr Quartaner\n(Noteinjährig)\nEr will spartanisch sterben\nEr wird ernannt\nEhe er zum Tode befördert wird\nObgleich dem Tod kein Rang abzulaufen ist\nDenn er ist Zivilist\nUnd kennt keine Parteien\nWeil er alle kennt"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.21", "texte": "Ernst hat die Knöpfe\nGefreiter Ernst hat die EHRE\nMeinErnst, FrauMeier, hatein eisernes Kreuz\nNein, der Junge\nDenn Frau Meier hat einen Gustav\nGustav ist Schreiber\nIsst in der Etappe\nDa bekommt er auch Knöpfe\nFrau Meier kommt\nDenken Sie, Frau Spiess, Gustav hat die\nKnöpfe\nHat Gustav die Knöpfe? Nein. Mein Ernst\nhat die Tressen\nTressant. Nein, der Junge\nJung-Gustav bekommt das Eiserne Kreuz\nIn der Etappe\nFrau Spiess, mein Gustel hat das E. K.\nFrau Meier, mein Ernst ist Offlziehraspi-\nrantenanwärchter\nJung-Ernst kommt\nUrlaub\nErnst Spiess, Vizespiess dpr Konserve\nEr zeigt den Spiess\nUnd spiesst Frau Meier\nFrau Meier, werde Reserveoffüiehr\nWirst Du? Unser Gusto ist Reserveoffizier-\naspirantenanwärter\nIn der Etappe?\nGott, man hat Verbindungen\nErnst erhebt sich mannhaft\nEs wird ihm schwarz-weiss-rot vor Augen-\nentzündung\nHabe die EHRE, Frau Meier\nFrau Meier setzt sich wie kein Weib\nSteile Handschrift\n(Druckstellen an den Aufstrichen)\nSie dichtet\nMein Gustav! Jung-Siegfried! Mein Helden-\njunge! Jung-Ernst / Ernst Spiess / Spass\nbeiseite / Seit geistern Vizespiess /\nDeine Heldenmutter\n(Rutter folgt. Hintenrum\nMan hat Verbindungen)\nErnst Spiess, Leutnant der Reserve\nJung-Ernst fährt fort\nJung-Gustav kommt\nOffizieraspirantenkursus\nZeigt seinen Vizespiesspiess\nSpiesst Frau Spiess\nUnd Frau Spiess, ich werde Offizier werden\nMein Ernst ist Ritter\nErstklassig! Nein, der Ernst\nGustav Meier fährt Zweiter\nMeier Leutnant\nTruppenvieh!\nDenkt er\nSonst fuhr er Viehwagen\nDaran denkt er jetzt\nStosstruppfiihrer Meier fällt\n(Keine Fronterfahrung)\nZu lange in der Etappe\nFrau Meier tappt im Dunkel\nEs dämmert\nUnd sie besucht Frau Spiess\nWie ist das Befinden?\nFrau Spiess, Gustav ist tot\nErnst lebt noch\nLebt er noch?\nTot ist er\n(Rombe in der Etappe)\nEs ist erreicht\nBuhe ist wieder hergestellt\nVater Spiess drückt Vater Meier die Tatze\nHand in Hand mit dir\nWir taten allerhand\nFür's Vaterland\nTun wir die Geschäfte zusammen\nMilitärlieferungen (Trinkbecher-Zeltbahnen)\nFirma Vaterland\nFernsprecher: SPIESZMEIEB\nG. m. b. H.\nSie reiben sich die Pranken\nSie reiben einen Landesvater\nWir wollen keinen Krieg\nWas wollen sie?\nVerdienstkreuz für Kriegshilfe\nHilfe!!!\nEnde\n\nInhalt\nWilliam Wauer: Gold Währung Geld\nKapital\nLothar Schreyer: Kindsterben\nKurt Schwitters: Tran Nummer 16\nRudolf Blümner: Briefe an Paul Westheim\nOtto Nebel: Zuginsfeld\nAlbert Gleizes: Zeichnung\nOskar Kokoschka: Die Erstebeste darf der\nsüssen Lilith das Haar kämmen\nReinhard Goering: Aquarell / Farbdruck\nDezember 1920\n\nDie Fortsetzung der „Kritik der vorexpressi-\nonistischen Dichtung\" von Herwarth Waiden\nerscheint im Januarheft."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.22", "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm\nErscheint am fiinften jedes Monats\nMit inehrfarbigenKunstbeilagen Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 60 Mark / Ein Halbjahr\n15 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige.\n\nBucher aus dcm Verlag Der Sturm\nPeter Baum\nSchutzengrabenverse\nGebunden 12 Mark\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 3 Mark / Gebunden 6 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n6 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n3 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n6 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n6 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken tr&umt / Gedichte\n4 Mark 50 Pfennige / Gebunden 6 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n3 Mark / Sonderausgabe 50 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n4 Mark 50 Pfennige\nNacht\n3 Mark\nDie neue Kunst\n3 Mark\n\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n6 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 15 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 12 Mark\nSturm<-Abende / Ausgew&hlte Gedichte\n7 Mark 50 Pfennige\nMax Vcrworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n3 Mark\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nZur Zeit vergriffen\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n6 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n4 Mark 50 Pfennige\nDas Buch der Menstlienliebe\n6 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nDie H3rte der Weltenliebe / Roman\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n6 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 3 Mark\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine burgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm'Bftcher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nAage von Kohl\nDie Hangcmatte des Riugd\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 1 Mark 50 Pfennige\nSturm^Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 7 Mark 50 Pfennig\nI Marc Chagall\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.23", "texte": "Musik\nHcrwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk l1--*\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 3 Mark\nBruder Licderlich / Werk 5l\nFur Gesang und Klavier / 3 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Iiolz\nFiir Gesang und Klavier / 12 Mark\nDie Judentochtcr / Werk 171 / 4 Mark 50 Pfennige\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 3 Mark\nSchwcrtcrtanz / Werk 18\nFiir Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 3 Mark\n\nHanddrucke\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie\nAbzug 40 Mark\n\nSturm-Ratten\nJede Karte 70 Pfennigc\nNach Gemalden, Zeichnungen\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nund Bildwerken\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn S\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas / Nell Walden\nFranz Marc\nie 1 Mark 50 Pfennige\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n3 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJcdcr Kunstdruck 6 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere/ Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Bauin / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 Y vetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 7 Mark 50 Pfennige\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nReinhard Goering: Aquarell\nAlbert Gleizes: GemaJde\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemaide\nKandinsky: Aquarell 4 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nNell Walden: Aquarell\n\nSturm-Kiinstler / Lichtbildkarten\nJcde Kartc 70 Pfcnnige\nI. August Stramm XII.\nII. Herwarth Walden XIII.\nIII. van Heemskerck XIV.\nIV. Kandinsky XV.\nV. Rudolf Blumner XVI.\nVI. Campendonk XVII.\nVII. Peter Baum XVIII.\nVIII. Albert Gleizes XIX.\nIX. Oskar Kokoschka XX.\nX. Alexander Archipenko XXI.\nXI. Paul Klee XXII.\nGabriele Munter\nRudolf Bauer\nNell Walden\nMynona\nMolzahn\nKurt Heynicke\nWilliam Wauer\nLothar Schreyer\nGeorg Muche\nArnold Topp\nKurt Schwitters\n\nSturm'Hochschule\nViertes Jahr\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nLeitung: Hcrwarth Walden\nNahere Auskunft im Sturm\n\nLeitung der Sturmschule fur Holland:\nJacoba van Heemskerck / Den Haag\nAnmcldungen durch den Sturm / Berlin W 9"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19201205-01.1.24", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nLothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9\nDruck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nDer Sturm\nStandige Ausstellungen\nBerlin / Potsdamer Strasse 134 a\nGeSffnet tSglich von 10-6 Uhr / Sonntags 11-2 Uhr\nTageskarte 2 Mark\nMonatlicher Wechsel\nZweiundneunzigste Ausstellung\nDezember 1920\nPaul Busch\nJohannes Molzahn\nDreiundneunzigste Ausstellung\nJanuar 1921\nAlbert Gleizes\nJacques Villon\nLouis Marcoussis\nAuswSrtige Sturmausstelltmgen: Rom / New York\n\nDer Sturm\nverfiigt fiber Werke folgender Kiinstler (Gem&lde\nGraphik / Holzschnitte / Handdrucke) zum Verkauf\nund fur Ausstellungen:\nG6sta Adrian - Nilsson / Alexander Archipenko\nRudolf Bauer / Willi Baumeister / Fritz Baumann\nVincenc Benes / Umberto Boccioni / Campendonk\nCarlo D. Carra / Marc Chagall / Delaunay / Sonja\nDelaunay>Terk / Tour Donas / Emil Filla / Oskar\nFischer / Albert Gleizes / Reinhard Goering / Otto\nGutfreund / Hugo HSndel / Jacoba van Heemskerck\n/ IsaacGriinewald / Johan-\nnes Itten / Kandinsky / Paul Klee / Oskar\nKokoschka / Otakar Kubin / Fernand L£ger / Franz\nMarc I Jean Metzinger / Johannes Molzahn / Fran-\ncis Picabia / Kurt Schwitters / Oskar Schlemmer\nGino Severini / Fritz Stuckenberg / Arnold Topp\nMaria Uhden / Nell Walden / William Wauer\n\nSturm/Abende\nIn der Kunstausstellung Der Sturm\nJeden Mittwoch 3/48 Uhr\nRezitation Rudolf Bliimner\n\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\nAusfiihrliche Verzeichnisse des Verlags Der Sturm\nkostenlos.\n\nKunstbuchhandlung Der Sturm\nPotsdamcr Strassc 138 a\nFernruf Lutzow 4443\nhat gute und seltene Bucher und Noten vorratig\nund nimmt Bestellungen entgegen\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSoebcn erschienen\nSturm^Bilderbttcfcer\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nIV. Kurt Schwittcrs\nEinfuhrung von Otto Nebel\n15 Mark\nV. Maler dcs Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinskjr / Chagall usw.\n60 Mark\nExpressionismus / Die Kunstwende\nHerausgegeben von Herwarth Walden\nMit 140 Abbildungen und 4 Originalgraphiken\n30 Mark / gebunden 60 Mark\nDie Sturm-Buhne\nJahrbuch des Theaters der Expressionisten\nJede Folge 90 Pfennige\nAchte Folge erschienen\nFarbige Kunstdrucke\nAlbert Gleizes: Gemalde\nAlexander Archipenko: Aquarell\nJe 9 Mark\n\nVoranzeigen\nEnde Dezember crscheincn\nRudolf Blumncr\nDer Gcist dcs Kubismus und die Kiinste\nMit Abbildungen\nHcrwarth Walden\nDas Buch der Menschenliebe\nZweite Auflage\nHerwarth Walden\nEinblick in Kunst\nMit 64 Abbildungen\nDrilte bis siebente Auflage"}]}